diff options
| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 09:17:19 -0800 |
|---|---|---|
| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 09:17:19 -0800 |
| commit | 2cab358582621f4b138fde572407e2be39f2c782 (patch) | |
| tree | dec2e350152f040bb1db9655c7710ebaf7d043cb | |
| parent | 998e927f1dcf7d9274dac4ab0fe83a19783dca3f (diff) | |
214 files changed, 17 insertions, 56749 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..e1789cb --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #54832 (https://www.gutenberg.org/ebooks/54832) diff --git a/old/54832-0.txt b/old/54832-0.txt deleted file mode 100644 index 8e49394..0000000 --- a/old/54832-0.txt +++ /dev/null @@ -1,26287 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen, by -Sophus Ruge - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen - -Author: Sophus Ruge - -Editor: Wilhelm Oncken - -Release Date: June 2, 2017 [EBook #54832] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES ZEITALTERS *** - - - - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1881 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung - und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend - korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden - beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich - waren oder im Text mehrfach auftreten. - - Namen werden im Originaltext meist gesperrt dargestellt, allerdings - nicht durchgehend; Adelstitel werden nur teilweise in die Sperrung - mit einbezogen. Es wurde diesbezüglich keinerlei Harmonisierung - vorgenommen. Die Fußnotenanker [166] sowie [178] fehlen im - Original; diese wurden vom Bearbeiter an der augenscheinlich am - besten geeigneten Stelle eingefügt. Das Inhaltsverzeichnis wurde - vom Bearbeiter an den Anfang des Buches verschoben. - - Abbildungen wurden zwischen die einzelnen Absätze verschoben. Die - Seitenzahlen im Abbildungsverzeichnis wurden gegebenenfalls - angepasst. - - Die Weltkarte (‚Mapamondi‘) zwischen den Seiten 78 und 79 besteht - in der Buchfassung aus einer großen Ausklapptafel, zusammen mit - einem ebenso großen ‚Schutzblatt‘, von denen die erstere die - katalanische Originalkarte, das letztere die deutsche Übersetzung - der Legenden darstellt. Die deutschen Texte konnten derart über - die Weltkarte gelegt werden, dass diese über den entsprechenden - katalanischen Passagen zu liegen kommen. In der vorliegenden - elektronischen Fassung wurden die entsprechenden deutschsprachigen - Legenden am Ende der Weltkarte angefügt. - - Caretsymbole (^) stehen normalerweise für nachfolgende - hochgestellte Zeichen; mehrere Zeichen werden dabei durch - geschweifte Klammern gruppiert. Es werden astrologische Symbole - verwendet; daher sollte zur Betrachtung des Textes ein Zeichensatz - installiert sein, der den Unicode-Block ‚Miscellaneous Symbols‘ - unterstützt. - - Die Buchversion wurde in Frakturschrift gedruckt. Die von - der Normalschrift abweichenden Schriftschnitte wurden in der - vorliegenden Fassung mit den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet: - - kursiv: _Unterstriche_ - fett: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - Kapitälchen werden in GROSSBUCHSTABEN wiedergegeben. - - #################################################################### - - - - - Allgemeine Geschichte - - in - - Einzeldarstellungen. - - Unter Mitwirkung von - - Felix Bamberg, Alex. Brückner, Felix Dahn, Joh. Dümichen, Bernh. - Erdmannsdörffer, Theod. Flathe, Ludw. Geiger, Richard Gosche, Gust. - Hertzberg, Ferd. Justi, Friedrich Kapp, B. Kugler, S. Lefmann, - Wilhelm Oncken, M. Philippson, S. Ruge, Eberh. Schrader, Bernh. - Stade, Alfr. Stern, Otto Waltz, Ed. Winkelmann, Adam Wolf - - herausgegeben - - von - - +Wilhelm Oncken+. - - Zweite Hauptabteilung. - - Neunter Theil. - - Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. - - Von +Sophus Ruge+. - - [Illustration] - - Berlin, - G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung. - 1881. - - - - - Geschichte - - des - - Zeitalters der Entdeckungen. - - Von - - ~Dr.~ Sophus Ruge, - - Professor am Königl. Polytechnicum zu Dresden. - - Mit Illustrationen und Karten. - - [Illustration] - - Berlin, G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung. 1881. - - - - - [Illustration] - - Uebersetzungsrecht vorbehalten. - - Druck von +B. G. Teubner+ in Leipzig. - - Beginn des Satzes am 10. Juni 1881. - - - - -Inhalts-Verzeichniß. - - - Erstes Buch. - - Die Anfänge der Forschung. - - Seite - - +Erstes Capitel.+ Die Morgenseite der alten Welt 3 - - +Zweites Capitel.+ Die Abendseite der alten Welt 12 - - - Zweites Buch. - - Die Vorhalle der großen Zeit. - - +Erstes Capitel.+ Die Morgenseite der alten Welt 35 - - 1. Der Orient seit Beginn der Mongolenherrschaft 35 - - 2. Der Presbyter Johannes 37 - - 3. Die ersten christlichen Glaubensboten im Orient 40 - - 4. Die Handelsreisen der Poli 51 - - 5. Die späteren Missionsreisen und Handelszüge 71 - - +Zweites Capitel.+ Die Abendseite der alten Welt 81 - - Prinz Heinrich der Seefahrer 81 - - - Drittes Buch. - - Die Seewege nach Indien. - - +Erstes Capitel.+ Die Bahn der Portugiesen nach Südosten 103 - - 1. Diogo Cão und seine Vorläufer 103 - - 2. Bartolomeu Dias 107 - - 3. Vasco da Gama’s erste Fahrt 109 - - 4. Cabral und João da Nova 128 - - 5. Vasco da Gama’s zweite Fahrt 135 - - 6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien 147 - - 7. Affonso d’Albuquerque, Generalcapitän und Governador von - Indien 160 - - 8. Die Nachfolger Albuquerque’s 185 - - 9. Die Portugiesen auf den Molukken 199 - - 10. Das Phantom der Gold- und Silberinseln 207 - - 11. Der erste Besuch der Portugiesen in China und Japan 213 - - +Zweites Capitel.+ Die Bahn der Spanier nach Westen und die - Entdeckung der neuen Welt 217 - - 1. Die Bedeutung der italienischen, namentlich genuesischen - Nautik, und das frühere Leben des Christoph Columbus 217 - - 2. Das allmähliche Reifen des Planes einer Westfahrt 221 - - 3. Das Project Toscanelli’s 225 - - 4. Columbus in Spanien 232 - - 5. Die erste Fahrt des Columbus über den Ocean 241 - - 6. Wo liegt Guanahani? 248 - - 7. Die Fahrt durch das westindische Meer 253 - - 8. Die Demarcationslinie 267 - - 9. Die zweite Reise des Columbus 271 - - 10. Die dritte Reise des Columbus und die Entdeckung - Südamerika’s 281 - - 11. Die Zustände auf Haiti und die Gefangennahme des Columbus 292 - - 12. Die letzte Reise des Columbus 297 - - 13. Die letzten Lebensjahre des Columbus 311 - - 14. Zur Charakteristik des Columbus 314 - - 15. Die kleinen Entdecker 322 - - 16. Die Portugiesen in Südamerika 330 - - 17. Die spanischen Niederlassungen auf dem Festlande von - Mittelamerika und die Entdeckung der Südsee 340 - - 18. Die Entdeckungen im Golf von Mexiko 355 - - 19. Ferdinand Cortes geht nach Mexiko 359 - - 20. Cortes in Mexiko 373 - - 21. Cortes siegt über Panfilo de Narvaez 377 - - 22. Der Kampf um Mexiko 379 - - 23. Cortes als Statthalter von Neuspanien 387 - - 24. Cortes’ Feldzug nach Honduras 394 - - 25. Cortes’ spätere Unternehmungen und sein Tod 402 - - 26. Die Unternehmungen gegen Florida und die Küste von - Nordamerika 407 - - 27. Coronado’s Feldzug nach Cibola und Quivira 415 - - 28. Das Goldland Peru und seine alte Kultur 424 - - 29. Pizarro versucht bis zum Lande der Inkas vorzudringen 434 - - 30. Die Eroberung Peru’s 439 - - 31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod 447 - - 32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende der peruanischen - Parteikämpfe 451 - - 33. Orellana entdeckt den Amazonenstrom 1541 455 - - +Drittes Capitel.+ Die südwestliche Bahn nach Indien. Magalhães - und die erste Erdumsegelung 458 - - 1. Die Vorläufer Magalhães’ 458 - - 2. Fernão Magalhães 462 - - 3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung 478 - - 4. Der Streit um die Molukken 483 - - 5. Die spanischen Entdeckungsfahrten im großen Ocean 489 - - +Viertes Capitel.+ Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach - Indien zu finden 499 - - 1. Giovanni und Sebastiano Cabotto 499 - - 2. Portugiesen, Italiener und Franzosen auf dem Nordwestwege 504 - - 3. Die Versuche der Engländer, eine Nordwestpassage zu finden 510 - - +Fünftes Capitel.+ Die Nordostpassage 520 - - 1. Die Engländer auf dem Nordostwege und die moskowitische - Compagnie 520 - - 2. Die Holländer auf dem Nordostwege und der Kampf um - Spitzbergen 525 - - - - -Verzeichniß der Illustrationen und Karten. - - -Abbildungen im Text. - - Seite 15: Facsimile von der angelsächsischen Handschrift König - Alfreds d. Gr. von Ohthere’s Reise; 9. Jahrh. In der - Cottonian Bibliothek des British Museum zu London. - (Bosworth, Joseph, ~A Description of Europe, and the - Voyages of Ohthere and Wulfstan, written in Anglo-Saxon - by King Alfred the Great~.) - - „ 49: Facsimile der drei ersten Zeilen des uigurisch - geschriebenen Briefes von Argunchan an Philipp d. - Schönen; 1289. Im Archive von Paris. (~The Book of Marco - Polo the Venetian, concerning the Kingdoms and Marvels - of the East. Newly translated and edited by Henry Yule.~) - - „ 53: Marco Polo. Nach einem Gemälde in der Gallerie Badia in - Rom. (Ebd.) - - „ 65: Goldenes Geleitstäfelchen mongolischer Fürsten. - - „ 74: Hand eines reichen Annamiten. (Photographische Aufnahme - nach der Natur.) - - „ 83: Prinz Heinrich der Seefahrer. Miniature in der 1448-1453 - entstandenen Handschrift „~Chronica do descobrimento - e conquista de Guiné etc.~“ In der Nationalbibliothek - zu Paris. (Major, H., ~The Life of Prince Henry of - Portugal~.) - - „ 97: Die Land- und Wasserkugel der Erde. - - „ 99: Facsimile einer alten Abbildung des Jakobstabes und - seiner Anwendung. (~Cosmographia, siue Descriptio - vniuersi Orbis, Petri Apiani et Gemmae Frisii, - Mathematicorum insignium, iam demùm integritati suae - restituta. Antuerpiae~, 1584.) - - „ 105: Martin Behaim. (Ghillany, Geschichte des Seefahrers - Ritter Martin Behaim.) - - „ 106: Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom Jahre 1468. (Ebd.) - - „ 111: Vasco da Gama. Nach einem Gemälde im Besitze des Grafen - von Lavradio. (Stanley, Henry, ~The three voyages of - Vasco da Gama and his Viceroyalty. From the Lendas da - India of Gaspar Correa.~ ~Hakluyt. Soc.~) - - „ 135: Vasco da Gama. Aus dem Manuscript von Pedro Baretto de - Resenda. In der Sloane Bibliothek des British Museum, - London. (~The Commentaries of the great Afonso - Dalboquerque, second Viceroy of India. Translated from - the Portuguese edition of 1774, with notes and an - introduction, by Walter de Gray Birch.~ ~Hakluyt. Soc.~) - - „ 142: Alfons von Albuquerque. Nach dem Manuscript des Pedro - Baretto de Resenda. In der Sloane Bibliothek des British - Museum, London. (Ebd.) - - „ 154: Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrhunderts mit Rohrsegeln - und am Stern aufgehängtem hölzernem Anker. (Linschoten, - ~Itinerarium ofte Schipvaert naer Oost ofte Portugaels - Indiën~. Amsterdam 1614.) - - „ 155: Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta. - (Ebd.) - - „ 188: Facsimile des Namenszuges von Vasco da Gama (und zwei - Zeugen) in dem Dokument, in welchem er König Johann III. - huldigte, als derselbe ihn zum Vicekönig von Indien - ernannt hatte. -- Im Archiv von Lissabon. (Stanley, - Henry, ~The three voyages of Vasco da Gama and his - Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar Correa.~) - - „ 189: Wappen von Vasco da Gama. (Ebd.) - - „ 191: Pero Mascarenhas in Ketten. (~Lendas da India por Gaspar - Correa publicadas de ordem da classe de sciencias - moraes, politicas e bellas lettras da academia real das - sciencias de Lisboa. Livro terceiro que conta dos feitos - de Pero Mascarenhas, e Lopo Vaz de Sampayo, e Nuna da - Cunha.~) - - „ 197: Portrait von Nuno da Cunha. (Ebd.) - - „ 234: Angebliches Portrait von Christoph Columbus; Madrid, - Marine-Ministerium. (Photographische Originalaufnahme.) - - „ 235: Angebliches Portrait von Christoph Columbus; Madrid, - National-Bibliothek. (~Boletín de la Sociedad geográfica - de Madrid. T. VI.~) - - „ 240: Der im Bau begriffene Rumpf eines großen Seeschiffes - vom Ende des 15. Jahrh. (~Bernhardus de Breydenbach~, - ~Peregrinationes in montem Syon ad venerandum Christi - sepulcrum in Jerusalem~. Mainz, 1486.) - - „ 241: Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., halb vor dem Winde - segelnd. (Ebd.) - - „ 245: Christoph Columbus’ Rüstung; Madrid, Waffen-Museum im - königl. Palais. (Photographische Originalaufnahme.) - - „ 247: Titelholzschnitt einer zu Florenz im Jahre 1493 - gedruckten italienischen Flugschrift, darstellend die - Landung des Columbus. (Getreue Nachbildung des Originals - im British Museum zu London.) - - „ 262: Facsimile der ersten Flugschrift, welche die Kunde von - der Entdeckung Amerika’s brachte. (Getreue Nachbildung - des Originals im British Museum zu London.) - - „ 263/4: Titel, Anfangsseite und Schluß des ersten +deutschen+ - Flugblattes, welches die Entdeckung Amerika’s - meldete. (Getreue Nachbildung des Originals in der - Staatsbibliothek zu München.) - - „ 312: Haus zu Valladolid, in dem Christoph Columbus gestorben. - (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - - „ 317: Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph - Columbus, datirt Granada, 6. Februar 1502. (~Tre Lettere - di Cristoforo Colombo ed Amerigo Vespucci, riprodotte in - Fotolitografia.~) - - „ 333: Titelblatt der deutschen Uebersetzung des Briefes, - welchen Amerigo Vespucci über seine dritte Reise an Pier - Francesco de Medici schrieb. (Getreue Nachbildung des - Originals in der königl. Bibliothek zu Dresden.) - - „ 334: Rückseite des Titelblattes und Anfang desselben Briefes. - (Ebd.) - - „ 337: Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Amerigo - Vespucci an den Cardinal Arzobispo de Toledo (Ximénez - de Cisneros); datirt Sevilla, 9. December 1508. (~Tre - Lettere di Cristoforo Colombo ed Amerigo Vespucci - riprodotte in Fotolitografia.~) - - „ 339: Facsimile der Stelle, in welcher zum erstenmale der Name - „Amerika“ vorgeschlagen wird. (~Cosmographiae - Introductio~ des ~Hylacomylus~ von 1507.) - - „ 357: Tempelruine zu Uxmal. (Gailhabaud, Jules, ~Monuments - anciens et modernes. IV.~) - - „ 360: Medaillenbildniß von Ferdinand Cortes; Originalgröße. - (Nach dem Original im königl. Münz-Cabinet zu Berlin.) - - „ 405: Rüstung von Ferdinand Cortes; im Waffenmuseum zu Madrid. - (Photographische Originalaufnahme.) - - „ 427: Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen - Thorbauten. (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - - „ 429: Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von - Ancon. (Stübel und Reis, das Todtenfeld von Ancon in - Peru.) - - „ 430: Sculptur am Inkathor bei Cuzco. (Photographische - Originalaufnahme.) - - „ 431: Sculptur am Inkathor bei Cuzco. (Photographische - Originalaufnahme.) - - „ 433: Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien. - (Stübel und Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - - „ 443: Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, in welchem der Inka - von Pizarro gefangen gehalten wurde. (Photographische - Aufnahme nach der Natur.) - - „ 462: Facsimile des Namenszuges von Magalhães. Von einem - Briefe, datirt 24. October 1518, im indischen Archiv zu - Sevilla. (~The first voyage round the world by Magellan. - Translated from the accounts of Pigafetta and other - contemporary writers by Lord Stanley of Alderley.~) - - „ 463: Fernão de Magalhães. Verkleinertes Facsimile des - Kupferstiches, 1788, von Ferd. Selma. (~Coleccion de - los viages y descubrimientos que hicieron por mar los - Españoles desde fines del Siglo XV., coordinada é - illustrada por Martin Fernandez de Navarrete. Tomo IV.~) - - „ 467: Rumpf eines großen Seeschiffes um 1500; im Wappen des - Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines - Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule. (Kunsthalle zu - Hamburg.) - - -Vollbilder. - - Seite 70: Chinesisches Papiergeld aus der Ming-Dynastie - (1368-1645). Original in Paris. Getreue Nachbildung in - ¼ der natürlichen Größe. (~The Book of Marco Polo the - Venetian, concerning the kingdoms and Marvels of the - East. Newly translated and edited by Henry Yule.~) - - „ 356: Eine Seite aus der Mayahandschrift der königl. Bibliothek - zu Dresden. Originalgröße. (Die Mayahandschrift der - kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden. 74 Tafeln in - Chromolichtdruck.) - - „ 420: Ansicht des großen Colorado-Cañons. (Powell, J. W., - ~Exploration of the Colorado River of the West - 1869-1872~.) - - „ 425: Das Inkathor bei Cuzco. (Photographische Aufnahme nach - der Natur.) - - „ 426: Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee. - (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - - „ 434: Altperuanische Mumien aus dem Todtenfelde von Ancon. - (Stübel und Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - - „ 440: Krieger aus der Inkazeit: altperuanische Malerei auf - dem unter Nr. 23 auf dem Doppelvollbilde „altperuanische - Geräthschaften“ abgebildeten Kruge. (Ebd.) - - „ 446: Sacsahuaman: ein Theil der Ruinen der alten Inkafestung - bei Cuzco. (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - - -Doppelvollbilder. - - Seite 359: Sculpturen von Copán, Trachten der alten - Mittel-Amerikaner darstellend. (Meye und Schmidt, die - Steinbildwerke von Copán und Quirigua.) - - „ 432: Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde von - Ancon. (Stübel und Reis, das Todtenfeld von Ancon in - Peru.) - - -Karten im Text. - - Seite 25: Karte von Afrika in einem Portulano von 1351. In der - Laurentinischen Bibliothek zu Florenz. (Major, H., ~The - Life of Prince Henry of Portugal~.) - - „ 27: Karte zu den Reisen von Nicolo und Antonio Zeno, 1558. - (Nach H. Kiepert.) - - „ 249: Die Entdeckungen des Columbus auf seiner ersten Reise. - Ein Theil von Westindien; nach der englischen - Admiralitätskarte Nr. 761 gezeichnet von C. Riemer. - - „ 318: Die Insel Guanahani nach der Karte Diego Ribero’s von - 1529. - - „ 347: Karte zu Balboa’s Entdeckung der Südsee. (Nach dem - Entwurfe von Professor ~Dr.~ Sophus Ruge.) - - „ 363: Karte zu Cortes’ Eroberung von Mexiko. (Ebs.) - - „ 390: Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des - Cortes nach Honduras. (Ebs.) - - „ 417: Karte zu Coronado’s Expedition nach Cibola und Quivira. - (Ebs.) - - „ 437: Karte zur Entdeckung von Peru durch Pizarro. (Ebs.) - - „ 461: Südamerika mit einer südlichen Meerenge auf dem von Joh. - Schöner 1515 entworfenen Globus. (Ebs.) - - -Karten-Beilagen. - - Seite 12: Weltkarte in der 1513 zu Straßburg gedruckten Ausgabe des - Ptolemäus. Verkleinertes Facsimile. - - „ 37: Kartenskizze der Mongolenstaaten im XIII. Jahrhundert. - Gezeichnet von ~Dr.~ Henry Lange. - - „ 78: Catalanische Erdkarte; für König Karl V. von Frankreich - 1375 in Mallorca gezeichnet. Paris, Nationalbibliothek. - Facsimile in ⅓ der Originalgröße. (Jomard, ~Monumens de - la Géographie~.) - - „ 80: Fra Mauro’s Weltkarte von 1459; Venedig. 1/10 der - Originalgröße. (Nach H. Kiepert.) - - „ 118: Die Westküste von Vorder-Indien und die von den - Portugiesen berührten Handelsstädte. (Nach dem Entwurfe - von Professor ~Dr.~ Sophus Ruge.) - - „ 230: Die Oceanische Seite des Behaim’schen Globus vom Jahre - 1492. (Ghillany, Geschichte des Seefahrers Ritter Martin - Behaim.) - - „ 324: Aelteste Karte von Amerika; westlichster Theil der im - Jahre 1500 von Juan de la Cosa gezeichneten Erdkarte. - Facsimile in ⅓ der Höhe des Originals im Marine-Museum - zu Madrid. (Jomard, ~Monumens de la Géographie~.) - - „ 438: Seekarte von Diego Ribero, 1529. (Nach dem Original in - der großherzoglichen Bibliothek zu Weimar.) - - „ 534: Facsimile der Molukken-Karte im Atlas des Diego Homen vom - Jahre 1568. Originalgröße. (Dresden, königliche - Bibliothek.) - - - - -Erstes Buch. - -Die Anfänge der Forschung. - - - - -Erstes Capitel. - -Die Morgenseite der alten Welt. - - -In der Geschichte der geographischen Entdeckungen zeichnen sich -gewisse Epochen ab, in denen die Betheiligung an den Arbeiten, die -Erdenräume dem Blicke der Forschung zu enthüllen oder wenigstens mit -fernen weniger bekannten Ländern in lebhafteren Verkehr zu treten, -eine außergewöhnlich starke ist, in denen, durch energischen Vorgang -einzelner ausgezeichneter Persönlichkeiten, nicht blos einzelne Stände -und Berufsklassen mit hineingezogen werden in das Interesse für Reisen -und Entdeckungsfahrten, sondern wo die Antheilnahme bis in die Masse -des Volkes hinabdringt und ein Volk das andere benachbarte allmählich -mit hineinzieht in eine allgemeine großartige Bewegung. Die Erweiterung -des räumlichen Horizonts zieht unabweisbar auch die Erweiterung des -geistigen Gesichtsfeldes nach sich und drückt dem Volk, welches ihn -errungen hat, den Stempel geistiger Reife auf. Die Machtsphäre gewinnt -ein größeres Gebiet und damit wächst auch die politische Bedeutung. -Kein Wunder, daß darum zu Zeiten mehrere Völker neben einander auf dem -Ringplatze erscheinen und in regem Wettbewerb nach gleichen Zielen -einander die Palme streitig machen. - -Aber auf die hochgehenden Fluten folgen Zeiten der Ebbe, der -Erschlaffung, Zeiten des Stillstandes, in denen, oft Jahrhunderte -andauernd, die Erregung der Gemüther nachläßt, das Feuer der -Begeisterung erlischt und die nach außen treibende Kraft sich von -den Grenzen zurückzieht. Der Horizont verdunkelt sich wieder, die -Schleier rücken eng und enger um die Mitte zusammen. Solche Zeiten der -Stagnationen machen sich auch in der allgemeinen Geschichte fühlbar. Es -sei dabei an die den Kreuzzügen vorangehenden Jahrhunderte erinnert. -Auf die sich über beinahe 1000 Jahre ausdehnende Erschlaffung und -Apathie folgt aber etwa vom 13. bis 17. Jahrhundert die Epoche der -höchsten Anstrengung auf diesem Felde, folgt eine durch alle Völker -Europas gehende tiefe Bewegung, welche nur der noch weiter, tiefer -gehenden religiösen Erregung und Erhebung allmählich wich. Diese Zeit -ist es aber, welche, als das +Zeitalter der großen Entdeckungen+ -bezeichnet, auch in der Darstellung allgemeiner Geschichte Beachtung -fordert. - -Um die Ziele der Unternehmungen jenes großen Zeitraums verstehen -zu lernen, müssen wir, zur Einleitung, weiter in die Vergangenheit -zurückgreifen. - -Man sollte meinen, daß, wenn es sich um die Erweiterung der Kenntnisse -von der Erdoberfläche handelt, man von dem Mittelpunkte, dem Schauplatz -der Kulturvölker Europas, nach allen Richtungen der Windrose radial -über die bisherige Grenze der bekannten Welt hinaus ins Unbekannte, -Unerforschte schreiten werde oder schreiten könne. Doch dem ist nicht -so. - -Die Gliederung und Gestaltung der wichtigsten Ländergebiete der alten -Welt haben dabei einen bestimmenden Einfluß geübt, namentlich die -Erstreckung des Mittelmeeres und des zusammenhängenden Hochlandes von -Asien, deren Längsaxen sich beide in ost-westlicher Richtung hinziehen. -An den Rändern und in den Ländern am Mittelmeer, wie auf dem westlichen -Hochlande und an den südlichen Abhängen des östlichen Hochlandes von -Asien in der weitgedehnten Zone von den Säulen des Herkules bis zu den -Gestaden Chinas hatten sich einzelne Völker zu frühzeitiger Kultur -erhoben. Die westliche Hälfte, nennen wir sie die europäische, hatte -auf dem geräumigen Marktplatze des Mittelmeeres einen gemeinsamen -Sammelpunkt gefunden, während die östliche, die asiatische Hälfte, -vorwiegend auf den offenen indischen Ocean hingewiesen, eines -solchen günstigen Vereinigungsplatzes entbehrte und im Streben nach -gegenseitigem Verkehr größere Schwierigkeiten zu überwinden hatte. -Eine Annäherung beider Gebiete boten der persische, und noch mehr der -arabische Golf oder das rothe Meer. Südlich des ganzen Gürtels lagen -im Westen die starken Schranken der großen afrikanischen Wüste, deren -menschenfeindliche Oede den Satz verkündigte, daß die heiße Zone -überhaupt unbewohnbar sei, während im Osten das unbezwungene indische -Weltmeer, dem das Gegengestade fehlte, von wagehalsigem Vordringen -abhielt. - -In gleicher Weise lagerte sich über dem Nordsaum des Gürtels ein -kalter, unwirthlich rauher Erdstrich, der sich gegen Norden in dem -geheimnißvollen „Lande der Dunkelheit“ verlor. - -Daher richteten sich von jeher die Blicke mehr nach Osten und -Westen, als nach Norden und Süden. Die Gegensätze zwischen Osten und -Westen sind zuerst am Mittelmeer schon in ältester Zeit schärfer ins -Auge gefaßt und lassen sich auf die Fahrten seetüchtiger Phönizier -zurückführen. Die Unterscheidung der Erdtheile Asien und Europa, wie -sie zuerst an den gegenüberliegenden Küsten des schön gegliederten -ägäischen Meeres haftete, besagt ursprünglich im Kern des Wortes ~açu~ -(Asien) ~ereb~ (Europa) wohl nichts anderes als Morgen und Abend, -das Land im Morgen und das Land im Abend. Und diese Bezeichnungen -wiederholen sich in verschiedenen Sprachen, so lautet bei den Griechen -der Gegensatz: Anatolien (noch jetzt ist Kleinasien als Anadoli -bekannt) und Hesperien, im Lateinischen mit erweitertem Begriff Orient -und Occident, im Italienischen Levante (worunter man vorzugsweise -die asiatischen Küsten des Mittelmeeres verstand und versteht) und -Ponente (eine Gegenüberstellung, wie sie in kleinem Maßstabe an -der Riviera von Genua noch gültig ist), und endlich im Deutschen: -Morgenland und Abendland, Bezeichnungen, welche die beiden fraglichen -Erdtheile so ziemlich decken. Ein solcher Reichthum der Benennungen -hat sich naturgemäß für Norden und Süden, für die mitternächtliche -und mittägige Seite nicht gebildet. Die Reisen und Entdeckungszüge -nehmen thatsächlich vorwiegend auch die Richtung gegen Morgen und gegen -Abend und wir sind daher wohlberechtigt, auch unsere Darstellung der -Geschichte der Entdeckung in diesem Sinne zu gruppiren. - -Wir stellen die +Morgenseite+ voran. Daß diese Seite gegen -Sonnenaufgang noch mehr Bedeutung hatte als die Abendseite, daß der -Blick voll Verlangen, hier den Schleier zu lüften, sich mehr der Sonne -zuwandte, lag in den natürlichen Verhältnissen, in der unermeßlichen -Ausdehnung der Länder und in dem Reichthum an kostbaren Produkten -begründet, die aus unbekannter Ferne selbst bis zu den Häfen des -Mittelmeeres gelangten. Die alten Staaten und Länder Vorderasiens -bis nach Persien hin, standen mit den classischen Völkern des -Alterthums in directer Verbindung; aber noch weiter hinaus lagen weite -herrliche Länder, die in den Schleier des Geheimnißvollen gehüllt, -von der erregten Phantasie zu wahren Wunderländern umgewandelt -wurden, und unter denen immer der Name +Indien+ vorklang. Wir dürfen -nicht vergessen, daß im Alterthum Indien eigentlich das einzige -bekannte Tropenland war, das unter dem Hauche des feuchten Monsun -von wunderbarem Segen triefte. Indien war von jeher ein sehr weiter -Begriff. Indien war das äußerste Land. So weit wir sichere Kunde haben, -sagt Herodot (III. 98), sind die Menschen, die zunächst gegen Morgen -und Sonnenaufgang in Asien wohnen, die Indier. - -Diesen äußersten Enden der Welt sind die kostbarsten Produkte eigen. -(III. 106). Dieselbe Ansicht wiederholt Strabo (~p.~ 685): Indien ist -das erste und größte Land im Osten. Ktesias hielt Indien für ebenso -groß als das ganze übrige Asien, Onesikritos für den dritten Theil der -bewohnten Erde. (Strabo, ~p.~ 689). - -Indien war und blieb ein sehr weiter Begriff, ohne bestimmte Grenzen, -so daß Strabo auch die langlebenden Serer mit einrechnen konnte. Zwar -scheidet Ptolemäus dieselben wieder aus und weist ihnen jenseit des -Himalaya einen nach Norden und Osten ins dunkle Land sich verlierenden -Wohnsitz an; doch beginnt bei diesem großen Geographen schon eine -Gliederung Indiens in die beiden Theile: Indien diesseit und Indien -jenseit des Ganges, welche etwa unserm Vorder- und Hinter-Indien -entsprechen mögen. Doch dabei blieb es nicht. Der Begriff Indien dehnte -sich im Mittelalter immer mehr und umfaßte schließlich fast alle -Gestade am südlichen Meere von Habesch bis nach China. Ja es wurde -sogar an die Stelle von Asien geschoben, wenn z. B. +Alcuin+ die ganze -Welt in Europa, Afrika und Indien theilt. Für die beiden asiatischen -Halbinseln wählte man die Bezeichnung: Groß- und Klein-Indien. Da man -sich aber schon frühzeitig der Ansicht zuneigte, Abessinien zu Indien -zu rechnen, wie auch bereits Procop von Cäsarea den Nil in Indien -entspringen läßt, so entstand denn für jenes afrikanische Alpenland die -verwirrende Benennung „das dritte Indien“ oder gar „Mittel-Indien“. - -Jordanus identificirte das dritte mit der Sansibar-Küste, Benjamin -von Tudela nennt Aden am Ausgange des rothen Meeres als eine Stadt -in Mittel-Indien und Marco Polo erklärt Habesch für das Hauptland -davon, so daß also dieses dritte Indien asiatische und afrikanische -Landschaften umfassen sollte, während endlich der 1562 in Venedig -gedruckte Ptolemäus die indische Inselwelt als ~India tercera~ -vorführt. Nach Odorich von Pordenone liegt die persische Küste bei -Ormuz in ~India, quae est infra terram~, und wird Südchina (Manzi) -Ober-Indien genannt. Auf der andern Seite bezeichnete Nicolo Conti die -Chinesen als „innere Indier“. - -Drei Indien erscheinen schon auf einer Karte vom Jahre 1118. Und so -ging es fort bis ins 16. Jahrhundert (vgl. das beigegebene Weltbild -aus dem Straßburger Ptolemäus, 1513). Kein Wunder, daß auch der beste -Kartograph in solcher Verwirrung noch strauchelte, daß Mercator auf -seinem ersten Globus von 1543 neben den beiden von Ptolemäus bereits -angedeuteten Halbinseln Indiens noch eine weitere Halbinsel nach den -Aufnahmen der portugiesischen Entdecker eintrug, so daß wir also -auch hier noch mit der Monströsität von +drei+ indischen Halbinseln -beschenkt werden. - -Aus diesem weiten Indien kamen seit den gemeinschaftlichen -Handelsfahrten Salomos und Hirams nach +Ophir+, welches wir jedenfalls -auf der Westküste Vorder-Indiens zu suchen haben, die kostbaren -Produkte über das rothe Meer zu den Ländern am mittelländischen Meere. -Griechen und Römer bezogen von dort Wohlgerüche und Gewürze, namentlich -Pfeffer; ferner Perlen und Edelsteine, Elfenbein und Ebenholz. Der -prächtige Pfau, den die Griechen zum Liebling der stolzen Hera erhoben, -den die Soldaten Alexanders wild antrafen in indischem Waldgebiete, -war nebst den buntfarbigen Papageien schon zu Salomos Zeit im Westen -bekannt geworden. Feine baumwollene Gewänder und Zucker kamen aus -demselben Gebiete. Den Umsatz in diesen Luxusartikeln gibt bereits -Plinius auf etwa 16 Millionen Mark jährlich an. - -Aber aus noch weiter entlegenen Ländern kamen kostbare Stoffe unter -dem Namen serischer Gewänder nach dem Westen, ohne daß man anfangs -das Heimatland gekannt hätte. Daß, wenn auch durch Zwischenhandel, -die Seidenstoffe (denn nur diese werden unter serischen Kleidern -verstanden) aus China kamen, beweist der Name. Das chinesische Wort für -Seide ist ~sz’~ oder ~sse~ mit dem in ~r~ verkürzten Suffix ~örr~, also -~sser~ der Seidenstoff.[1] Nun ist merkwürdig, daß wenn auch am Ende -des Alterthums die Kenntniß der griechisch-ägyptischen Kaufleute sich -bis zu den chinesischen Strömen erstreckte, und auf dem Wasserwege der -Name Thinai oder Sinai bekannt wurde, man dieses Land doch von dem der -+Serer+ unterschied; denn die Kunde von diesem letzteren Volke war +zu -Lande+ durch Mittelasien nach Westen gedrungen. Geographisch setzte man -die große Stadt Sera und das Land der Serer, Serica, stets nördlicher -an, als das Land Thinai oder Sinai. Diese Doppelgängernatur wiederholt -sich noch einmal im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen von ihren -Seefahrten den Namen Tschina (China) mit heimbrachten, während schon -durch venetianische Kaufleute im 13. Jahrhundert das Reich Kathay -(China) bekannt geworden war. Daß beide Benennungen auf das nämliche -Land wiesen, erkannten zwar schon im Beginn des 17. Jahrhunderts -katholische Glaubensboten, allein man nahm die Thatsache nur zögernd -an.[2] - -[Illustration: - - ~Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig.~ - - ~G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.~ - - ~Aus der Ausgabe des Ptolemaeus, Strassburg 1513.~ -] - -Doch wenden wir uns noch einmal zurück, um die allmähliche Erweiterung -der Kenntnisse von Süd- und Ostasien kurz zu skizziren. - -Vor Alexander dem Großen war kein Grieche nach Indien gelangt. Herodot, -welcher +zuerst+ die Baumwolle nennt, berichtete nur nach Hörensagen. -Erst die Zeitgenossen des makedonischen Königs schildern uns als -Augenzeugen das Land. Megasthenes gab die erste klare Vorstellung -von der Gestalt und Begrenzung Indiens. Die Halbinselform tritt klar -hervor. Onesikritos kennt schon die wichtige Insel Taprobane (Ceylon). -Beide berichten, daß im südlichen Indien das Gestirn des großen Bären -allmählich unter dem Horizonte verschwinde, und daß der Schatten -nach Süden falle. Verhängnißvoll war es für die kartographische -Darstellung, daß der berühmte Eratosthenes, durch falsche Anwendung -von Distanzentfernungen veranlaßt, die Gestalt Vorder-Indiens derart -verzerrte, daß die Halbinselfigur fast gänzlich verwischt wurde. Und -als seiner Autorität mehrere Jahrhunderte danach auch Ptolemäus folgte, -blieb diese irrige Auffassung maßgebend bis ins 16. Jahrhundert. -Außerdem verschuldete Eratosthenes auch, daß der Abstand von -Alexandrien bis zur Indus-Mündung um mehr als 200 deutsche Meilen zu -groß angenommen wurde und daß im weiteren Verlaufe später die äußersten -bekannten Küsten Asiens viel zu weit nach Osten verlegt wurden: eine -Verzerrung, die im späteren Mittelalter, als man die Reiserouten Marco -Polos bis nach China kartographisch niederzulegen suchte, sich dermaßen -ins Ungeheure steigerte, daß der Ostrand Asiens bis nahe vor die Küste -von Californien und Cipango (Japan) in Mexiko hineinreichte. So nach -der Darstellung auf dem Globus Martin Behaim’s 1492. - -Den Haupthandel nach dem Osten trieben die griechischen Kaufleute -Aegytens schon seit der Ptolomäerzeit. Ihnen verdanken wir im 1. und -2. Jahrhundert die Kenntniß der Insel Java und die erste directe -Berührung mit China. Der äußerste Punkt, den der griechische Kauffahrer -Alexandros im 1. Jahrhundert n. Chr. erreichte, war das vielbesprochene -Cattigara, ein Handelshafen, der wahrscheinlich nicht fern von der -Mündung des Jangtsekjang lag[3]. Das war die äußerste Grenze des -Wissens im Alterthum und blieb’s, wenigstens bei den Europäern, auch -bis zum Ende des Mittelalters, bis zum Ausgange des 13. Jahrhunderts. - -Der Name China oder Tschina, mit dem besonders der südliche Theil -des Landes belegt wurde, ist uralt und höchst wahrscheinlich durch -malaische Seefahrer den westlichen Schiffern mitgetheilt. Wir werden -in dieser Annahme noch bestärkt durch die Wahrnehmung, daß uns auch -jetzt noch die meisten Küstenlandschaften des südöstlichen Asien in -malaischer Form geläufig sind, wie Birma, Pegu, Siam, Cambodja, Kotschi -(Cochinchina), Maluka, Burnei (Borneo) u. a. - -+Ceylon+ bildete den Sammelplatz der Handelsschiffe, dort trafen -chinesische Händler mit Persern, Arabern und selbst Byzantinern -zusammen, welche letztere auf äthiopischen Schiffen Indien erreichten. -Zur Zeit der Herrschaft der Ptolomäer in Aegypten war der Canal -vollendet worden, welcher den Nil mit dem rothen Meere verband. -Auch der Kaiser Hadrian hat im 15. Jahre seiner Regierung für die -Wiederherstellung dieses wichtigen Wasserweges gesorgt, und der Hafen -Klysma am rothen Meere trat an die Stelle der alten Emporien von -Myos-Hormos und Berenike. Mindestens bis ins 6. Jahrhundert unserer -Zeitrechnung war der Canal in brauchbarem Zustande, denn noch um 590 -n. Chr. berichtet Gregor von Tours davon, und erst nach der Mitte des -8. Jahrhunderts wurde er, bereits versandet, zugeschüttet. Von Klysma -gingen griechische Schiffe direct nach Indien, und auf ihnen besuchte -der griechische Hafenbeamte jährlich das Heimatland der Gewürze. -Justinian versuchte sogar, wenn auch vergebens, den Seidenhandel statt -über Persien durchs rothe Meer nach Klysma zu ziehen. So erhielt sich -die Beziehung zum fernen Morgenland bis zum 7. Jahrhundert, wenn -auch die geographischen Kenntnisse keine Bereicherung erfuhren. Die -Gründung des Islam und die Herrschaft der Araber in Aegypten änderte -die Sachlage wesentlich, denn der unmittelbare Verkehr der Byzantiner -und damit des Abendlandes mit Indien mußte seit jener Zeit eingestellt -werden. - -Es blieb sonach nur der schwierige +Landweg+ übrig. Die Handelsrouten -vom Mittelmeer nach Indien und China haben naturgemäß mit viel -größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als der Seeverkehr. Nicht allein -die bedeutende räumliche Entfernung der Länder und die durch den -langwierigen Transport der Waaren gesteigerten Kosten schränkten -die Handelsbewegung ein. Es wurden zwar bei der Unwegsamkeit -der Hochgebirge, die zu übersteigen waren, bei der Wüstennatur -weitgedehnter Landstriche, die zu überwinden war, verschiedene Wege -eingeschlagen, bequemere Paßübergänge gesucht. Allein es spielten hier -auch die politischen Ereignisse in Innerasien eine hervorragende Rolle, -indem sie die Wegelinien entweder verschoben oder den Durchgang zu -Kriegszeiten gänzlich sperrten. Trotzdem hat das kostbarste Produkt -Chinas, die +Seide+, immer wieder ihren Weg nach dem Abendlande -gefunden, seitdem ihre Vorzüge dort erkannt und geschätzt worden waren. -Der Seide verdanken wir die frühesten Aufhellungen des asiatischen -Hochlandskernes. - -Nachdem schon mehrere Jahrhunderte vor Christo die Seide in Syrien -bekannt gewesen war, ohne daß wir den Weg nachzuweisen vermöchten, wie -sie dahin gelangte, drangen chinesische Heere siegreich ins Tarimbecken -ein. Ihnen folgte im Jahre 114 v. Chr. die erste chinesische -Handelskarawane, überstieg die Pässe des Pamirplateaus und gelangte -bis zu den turanischen Handelsstädten. Nachfolgende große Handelszüge -überschwemmten die Märkte am Amu und Syr Darja derart mit Seidenzeugen, -daß diese in ihrer Werthschätzung bedeutend sanken. Aber sie gelangten -in Folge dessen weiter und weiter nach Westen, wo die Nachfrage nach -den kostbaren Gewändern immer lebhafter wurde. Auf zwei Straßen zog man -durch die Steppen und Sandwüsten des Tarimbecken, entweder nördlich vom -Steppenflusse Tarim an dem Fuße des Himmelsgebirges, des Tienschan, -entlang, eine Straße, die in unseren Tagen die belebtere und fast -allein betretene ist, oder südlich vom Lopnor und dem Tarim hin, zur -linken die Gehänge des sagenreichen Kwenlun, auf einem Wege, den noch -Marco Polo im 13. Jahrhunderte verfolgte, und den der kühnste russische -Reisende Prschewalsky erst vor wenig Jahren wieder erreicht hat. Der -Terekdawanpaß, nordwestlich von Kaschgar, galt als der bequemste -Uebergang über die westliche Umwallung des Tarimbeckens. - -Zur selben Zeit, als am Ende des ersten Jahrhunderts unserer -Zeitrechnung das römische Reich seine weiteste Ausdehnung nach -Osten gewann, drang ein chinesischer Feldherr im Jahre 95 bis ans -kaspische Meer vor. Beide Staaten rückten fast bis zur Grenzberührung -gegen einander; aber zu weiterer politischer Beziehung gedieh diese -Annäherung nicht, weil kaum ein Menschenalter später die Chinesen aus -ganz Turan zurückweichen mußten.[4] Der Name der seideproducirenden -Serer wurde zwar bei Griechen und Römern immer geläufiger, aber die -Heimat des Volkes selbst lernte man nicht kennen, und dachte sie sich -anfänglich viel weiter im Westen, etwa in Turan oder im Tarimbecken. -Schon damals waren die persisch redenden Tädjik die Zwischenträger -des Seidenhandels bis ins römische Reich. Ueber den Verlauf der -Seidenstraße besitzen wir nur einen einzigen, aus einem ausführlichen -Bericht gemachten dürftigen Auszug, und wenn wir hinzufügen, daß jener -Bericht von den Handelsagenten eines makedonischen Großhändlers Maës -Titianus herrührt, und von dem berühmten Geographen Marinus von Tyros -aus zweiter Hand empfangen und aufgezeichnet ist und daß Ptolemäus in -seinen kurzen Excerpten wieder auf Marinus fußt, welcher ohnehin den -von jenem Agenten gemachten Angaben über ihre weiten Reisen keinen -rechten Glauben schenkte, weil er meinte, alle Kaufleute renommirten -mit der Größe ihre Expeditionen und setzten für die Entfernung der -einzelnen Stationen zu große Ziffern an -- so kann man aus alledem wohl -erkennen, wie schwierig es jetzt ist, den Reiseweg ins Land der Seide -zu fixiren. - -Glücklicherweise können wir Ausgang und Endziel dieses Itinerars mit -ziemlicher Sicherheit bestimmen. Die Agenten des Maës brachen von -Baktra auf und nennen als Endpunkt ~Sera metropolis~, die Hauptstadt -des Serervolkes, worunter höchst wahrscheinlich nur die damalige -Hauptstadt Chinas, Tschan-ngan-fu, jetzt Si-ngan-su, gemeint sein -kann. Unerwiesen bleibt indeß, ob sie diese Stadt wirklich erreichten. -Sie zogen durch das Reich der Issedonen, östlich vom Pamirplateau in -Ost-Turkestan gelegen, auf der Südseite des Tarim gegen Osten nach -der chinesischen Sandstadt Scha-tschou, wo die fremden Kaufleute -vermuthlich ihren Bedarf an Seidenwaaren einhandelten. - -In der Mitte des 2. Jahrhunderts verloren die Chinesen ihre -Machtstellung im Gebiet des Tarim und damit die Handelskarawanen ihren -Schutz; nur die persischen Kaufleute verstanden es, den Seidenhandel -in der Hand zu behalten. Die chinesischen Annalen haben uns zwar -die Nachricht erhalten, daß der römische Kaiser Markus Aurelius -Antoninus (~An-tun~ bei den Chinesen genannt) eine Gesandtschaft nach -China geschickt habe, aus deren Mittheilung wohl auch Pausanias die -bisherige irrige Vorstellung über die Gewinnung der Seide berichtigen -konnte; allein eine klarere Auffassung der ostasiatischen Länder -erfolgte dadurch nicht, denn Pausanias selbst nennt Seria eine Insel -im erythräischen Meere. In den Zeiten der Völkerwanderung galt dem -Historiker Ammianus Marcellinus Serica als eine persische Provinz, -denn die Seide kam ja durch Vermittlung der Perser. Und als unter -Justinian die Seidenzucht selbst in Europa eingebürgert wurde, verlor -die continentale Seidenstraße allmählich vollends ihre Bedeutung und -hüllten sich die centralen Landschaften Asiens mehr und mehr in Dunkel. -Auch die nur kurze Zeit dauernden freundschaftlichen Beziehungen -zwischen dem Türkenfürsten am Balchaschsee und dem Kaiser Justinian -waren in geographischer Hinsicht von geringem Belang, denn schon im 7. -Jahrhundert wurden die Türken von den wieder vordringenden Chinesen -unterworfen. China erscheint in dieser Zeit bei den Byzantinern unter -dem Namen Taugas. - -Eine völlige Umgestaltung der Verhältnisse führten nach der Gründung -des Islam die Araber herbei. Wie sie sich bisher an dem asiatischen -Landhandel nur im beschränkten Maße betheiligt hatten, so waren sie -im 7. Jahrhundert auch zur See über Indien noch nicht hinausgekommen -und lernten die Sundainseln mit ihren Produkten erst später kennen. -In raschem Siegeszuge fiel ihnen ganz Westasien zu, und so schob sich -ihr Weltreich seit dem Beginn des 8. Jahrhunderts zwischen China und -das Abendland ein. Seitdem der Herrschersitz der Chalifen an den -Tigris verlegt war, wurden die Pilgerkarawanen auch die Träger des -Landhandels. Basra erhob sich als neuer Stapelplatz, in den die Waaren -des Ostens einströmten. Mokadassi bezeichnet sehr charakteristisch den -persischen Meerbusen als das chinesische Meer. Ueber die Handelsplätze -auf der Halbinsel Malaka gelangten arabische Seefahrer schon im 8. -Jahrhundert nach China. Während sie sonst mit ihren aus Kokosplanken -ohne Eisennägel zusammengefügten Schiffen sich nicht von den Küsten -zu entfernen gewagt hatten, entlehnten sie von den Chinesen manche -nautische Verbesserung, bauten festere Schiffe und steuerten, auf den -Compaß vertrauend, über das hohe Meer in geradem Cours auf ihr Ziel -hin. Von den Vorhäfen Bagdads aus, zuerst von Siraf, sodann von der -Insel Kisch und in den letzten Jahrhunderten von Ormuz aus, machten -sie den Chinesen im Handel so bedeutende Concurrenz, daß diese immer -mehr zurückwichen. Aus dem Berichte des Kaufmanns Soleiman in der Mitte -des 9. Jahrhunderts lernen wir den Seeweg bis Chanfu (Hang-tschou-fu) -in China kennen. Die gewöhnliche Route nahm von dem Hafen Siraf in -Farsistan (etwa unter 70° ö. v. Ferro) ihren Anfang, berührte jenseits -der Ormuzstraße Maskat, erreichte in grader Fahrt nach der Malabarküste -den Hafenplatz Kollam (Quilon), etwa 9° N., und steuerte von hier um -Ceylon herum direct nach Malaka und weiter nach China. Wenig Jahre -später gab Abul Kasim Ibn Kordadbeh, der Postmeister des Chalifen -Motamid, dieselbe Handelslinie bereits nach Stationen und Entfernungen -an, ein Zeichen, daß dieser Weg stark frequentirt wurde. Jenseit Chinas -hört die Kenntniß auf, nur die Berge von Korea (Sila) steigen noch in -unsicheren Umrissen empor. - -Aber wie die Chinesen aus dem Westen, wurden die Araber noch im 9. -Jahrhundert aus dem Osten, aus China wieder verdrängt und zogen sich -nach der Halbinsel Malaka zurück, wo sich als Hauptstapelplatz für die -Gewürze, Kampfer, feine Hölzer und Zinn von den Sundainseln der Ort -Kalah erhob. Von hier aus drangen die arabischen Schiffe bis Java und -weiter sogar bis zur Heimat der Gewürze, bis zu den Molukken vor. Die -Beziehungen zu China blieben aber nicht für die Dauer unterbrochen; -im 10. Jahrhundert besuchte einer der bedeutendsten arabischen -Reisenden, Masudi von Ceylon aus wieder die chinesischen Häfen. China -schildert er als ein entzückendes Land mit üppiger Vegetation und -von unzähligen Canälen durchschnitten. Aber Palmen trifft man dort -nicht. Die Einwohner dieses Reiches übertreffen alle andern Geschöpfe -Gottes an Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit. -- Daß der Seeverkehr -fortdauerte, läßt sich auch daraus schließen, daß um 1137 ein reicher -Kaufmann aus dem persischen Hafen Siraf das Heiligthum in Mekka mit -prächtigen Seidenstoffen schmücken ließ,[5] und daß noch im 13. -Jahrhundert Ibn Batuta, der größte arabische Reisende, nach China -gelangte. - -Der innerasiatische Handel wurde nicht gestört, weil die Araber bei -ihren Siegeszügen mit den Chinesen nicht in Kriege verwickelt wurden. -Als etwa ums Jahr Tausend n. Chr. die ersten Türkenstämme sich zum -Islam bekehrten und selbständige Sultanate gründeten, welche erobernd -auch in Indien eindrangen, schoben sie sich zwischen die arabische und -chinesische Macht als Mittelglied ein. - -Alle diese Verhältnisse wickelten sich aber im Oriente ab, ohne -directen Einfluß fürs Abendland zu gewinnen, ohne dem Westen -unmittelbaren Vortheil zu gewähren. Die lange Zeit erlahmt gewesenen -Beziehungen nahmen aber durch die Kreuzzüge einen unerwarteten -Aufschwung. Indem die Christen die syrischen Küsten besetzten und die -italienischen Handelsstädte aus den Erfolgen der Kreuzheere möglichsten -Gewinn zogen, wurde der Waarenzug nach den Ostländern ungemein belebt, -wenn auch ein persönliches Eindringen der Kaufleute in das Innere -der islamitischen Länder nicht statt hatte. Um dies zu ermöglichen, -bedurfte es eines ganz neuen, nicht durch religiösen Fanatismus -aufgeregten Factors, der vom Hochlandskerne Asiens her dem Westen zu -friedlichem Verkehre willig die Hand reichte. Das waren die Mongolen, -deren Einfluß aber am Anfange einer neuen Epoche steht und zu eng mit -der folgenden Zeit verbunden ist, so daß wir sie erst im zweiten Buche -eingehender behandeln können. - -Von dem arabischen Wissen bezüglich der Erdkunde kam dem Abendlande -wenig oder gar nichts zu gute; die Kenntnisse von der östlichen Welt -blieben unsicher, bis neue christliche Berichterstatter als Augenzeugen -wieder von jenen Gebieten erzählen konnten. - -Ebenso wenig erfuhr man in Europa von den Fortschritten, welche die -Araber an der Ostküste Afrikas, südlich vom „dritten Indien“ machten. -Während Ptolemäus in alter Zeit, sicher durch arabische Vermittelung, -seine Kunde von den Nilseen und den sogenannten Mondbergen erhalten -hatte, verlor man, seit Alexandrien in die Hand des Islam gefallen -war, die Beziehungen zum Ostrande des Afrika-Continents, wo arabische -Händler bis zum Goldlande Sofala gelangten, aber die Südspitze Afrikas -nicht erreichten, weil das produktenarme Land die Gewinnlust nicht -reizen konnte. Kostbare Erzeugnisse lockten allein in so entlegene -Regionen und trugen allein zu ihrem Bekanntwerden bei. - - - - -Zweites Capitel. - -Die Abendseite der alten Welt. - - -Wir haben gesehen, wie weit hinaus die Morgenseite der Erde aufgesucht -wurde. Man gelangte zur See und zu Lande durch unermeßliche Räume -bis zum Ostrande der Landveste; aber in der weiten Entfernung vom -Kulturgestade des Mittelmeerbeckens verschwammen die scharfen Contouren -immer mehr. Seide und Gewürze waren die Lockmittel langwieriger, -beschwerlicher Reisen. - -Die Abendseite bot ein beschränkteres Feld, da vom Ausgange des -Mittelmeeres die Ufersäume sich bald sowohl rechts als links bei der -Ausfahrt in den Ocean in nördlicher und südlicher Richtung weiter -erstreckten. Die afrikanische Westseite bot mit ihrer zunehmenden Oede -nur sehr geringen Anlaß, an dem schmachtenden, menschenleeren Strande -weiter vorzudringen. Wichtiger wurde frühzeitig die oceanische Seite -Europas durch das geschätzte Zinn und den räthselhaften Bernstein. Die -Aufhellung der Küsten unseres Continents ist diesen Handelswaaren zu -danken. - -Die kühnen phönizischen Seefahrer monopolisirten anfänglich die -Weststraße. Von den spanischen Silbergruben drangen sie durch -die Säulen des Herkules ins Weltmeer. Nur beiläufig gedenken wir -der von Herodot, aber nicht ohne eignen Vorbehalt, mitgetheilten -Entdeckungsreise, welche im Auftrage Nechos um 600 vor Chr. von -phönizischen Schiffern rings um Afrika ausgeführt wurde. Wenn diese -große nautische That wirklich geschehen ist, hat sie doch keinerlei -nachhaltige Resultate erzielt oder in irgend einer Weise das -erdkundliche Wissen befördert; denn sie ist spurlos vorübergegangen. -Wichtiger jedoch war die Fahrt des Flottenführers Hanno, der von -Carthago, in einer nicht sicher zu bestimmenden Zeit, mit einem -Geschwader von 60 Schiffen und angeblich 30,000 Colonisten durch -die Meerenge segelte, um an der atlantischen Seite Afrikas Colonien -anzulegen und nach Vollendung dieser Aufgabe einen Entdeckungszug gegen -+Süden+ zu unternehmen. Unzweifelhaft gelangte Hanno an der Mündung -großer Ströme (Senegal und Gambia) vorüber bis dahin, wo sich über -dem tropischen, von echten Negern bewohnten Flachlande bedeutende -Berggipfel erhoben, deren einen er als den Götterwagen bezeichnete. -Der Bericht über diese sehr merkwürdige Reise hat sich in griechischer -Uebersetzung erhalten, leider die einzige größere nach Süden gerichtete -Unternehmung der Carthager, von welcher wir Kunde erhalten. Das -punische Monopol in diesen oceanischen Räumen wurde erst mit dem Fall -Carthagos gebrochen; zwar drang auch Euthymenes, ein Landsmann des -Pytheas, bis zum Senegal (Chremetes) vor, aber die Römer haben, wenn -auch Polybios in Begleitung Scipios die mauretanischen Küsten besuchte, -doch den Wüstensaum der Sahara nicht überschritten und blieben weit -hinter den Erfolgen Hannos zurück. Daß auch die Canarischen Inseln von -den Phöniziern aufgefunden sind, läßt sich aus ihrem ursprünglichen -Namen, die Inseln des Malkart oder Makar beweisen, ein Name, der -bei den Griechen ursprünglich in der Form Μακάρων νῆσοι auftritt, -woraus zunächst μακάριαι νῆσοι und lat. ~Insulae fortunatae~ wurde, -so daß dieselben dann als die glückseligen Inseln gepriesen wurden. -Die Gewinnung des Seepurpur (Purpurschnecke) machte diese Inseln den -tyrischen Färbern besonders werth.[6] - -Wichtiger und häufiger besucht wurde die +Nordseite+ des oceanischen -Weges jenseit der gaditanischen Meerenge. Auch nach dieser Richtung -waren die Phönizier zuerst vorgedrungen, auch hier ist uns die -Ueberlieferung einer großen Fahrt, vielleicht mit der von Plinius -erwähnten Expedition des +Himilco+ identisch, überliefert, die -in mehrfachen Ueberarbeitungen und Uebersetzungen uns in der -Küstenbeschreibung des spätlateinischen Avienus aus dem 4. Jahrh. n. -Chr. erhalten ist. Wir lernen daraus die iberischen und gallischen -Küsten bis zu den Zinninseln kennen.[7] Da bereits, und sicher nur -aus punischen Quellen, Herodot die Fundstätte des Zinn erwähnt, ohne -ihre Lage zu kennen, denn er zweifelt an der Existenz von Zinninseln -(III. 115), so muß jene Fahrt schon längere Zeit vor Herodot gemacht -sein. Der Vater der Geschichte nennt aber zu gleicher Zeit auch den -Bernstein, was uns als Beweis gelten kann, daß zu seiner Zeit die -Phönizier auch in die Nordsee eingedrungen waren. Britannien und -Germanien, die Heimatsstätten von Zinn und Bernstein, waren für ihn -die äußersten Länder. Darüber hinaus ist auch die Schifffahrt weder -der Phönizier noch der Griechen gedrungen, und wie das äußerste Land -im Osten nach seinem wichtigsten Erzeugniß das Seidenland hieß, so -gab’s im äußersten Nordwesten Zinninseln und Bernsteinküsten. Der -Zinnhandel scheint sich in älterer Zeit auf der Insel Wight concentrirt -zu haben. Die granitenen Scilly-Inseln sind nur aus Unkenntniß der -Berichterstatter zu der Ehre gekommen, als die Cassiteriden, d. h. -Zinninseln angesehen zu werden. Einen sehr bedeutenden Fortschritt in -der Erkenntniß führt die Reise des +Pytheas+[8] von Massilia herbei, -welche in das letzte Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu setzen ist. - -Pytheas reiste als Kaufmann und Gelehrter; es war eine Entdeckungsreise -von hervorragender Bedeutung, welche zu derselben Zeit, als Alexander -der Große bis Indien vordrang, den Griechen die ersten zuverlässigen -Nachrichten über den äußersten Nordwesten der Erde brachten. Pytheas -hat Großbritannien und Irland umsegelt und gelangte nordwärts -bis zu den Hebriden, der später so oft genannten und in der Sage -vielfach vorkommenden ~+ultima Thule+~. Die Ursachen der Ebbe und -Flut und den Zusammenhang der Gezeiten mit der Stellung des Mondes -hat er zuerst erkannt. Er allein hat im hohen Norden astronomische -Breitenbestimmungen ausgeführt. Das Ziel, das er sich im Norden setzte, -den Polarkreis, hat er zwar nicht erreicht; aber trotzdem hat er zu -der Lösung des Problems, die Größe der Erde zu bestimmen, beigetragen. -Seine astronomischen Leistungen wurden von den Fachgenossen -Eratosthenes und Hipparch in vollem Maße gewürdigt, aber von Strabo -und Plinius, welche die meisten, aber leider entstellte Nachrichten -von ihm übermittelt haben, nicht verstanden. Pytheas berührt auch die -Bernsteinküste an dem deutschen Nordseestrande, aber die Ostsee war zu -seiner Zeit noch völlig unbekannt. Kein Grieche hatte eine Ahnung von -der Existenz des baltischen Meeres. Erst mit dem Vordringen der Römer -nach Deutschland erhalten wir Kunde von jenem größeren Binnenmeere, -und durch Plinius, der zuerst die Fundstätte des samländischen -Bernsteins nennt, wird auch ein Theil des Gegengestades, der großen -scandinavischen Halbinsel, als Insel unter dem Namen Scandinavia (= -Insel ~Skåne~) bekannt. Ihren continentalen Zusammenhang im Norden -lernte das Alterthum nicht kennen; weder Ptolemäus, noch Procopius -von Cäsarea wissen es, selbst noch der im 6. Jahrh. n. Chr. lebende -gothische Historiker Jordanus spricht von der Insel Scandza. Und doch -hatte Procopius durch sorgfältige Erkundigungen bei den aus dem Norden -stammenden Herulern erfahren, daß in jener großen Insel Scandinavia, -die er für Thule hielt, im höchsten Norden 40 Tage lang die Sonne im -Sommer nicht untergehe und ebenso lange im Winter nicht zum Vorschein -komme; auch kannte er die auf Schneeschuhen fahrenden Schrittfinnen. -Seine Ermittlungen reichten also weit über das Nordende des bottnischen -Meeres und über den Polarkreis hinaus; aber der Landzusammenhang mit -dem nördlichen Europa blieb im Dunkeln und wurde erst durch die Fahrten -der Normannen aufgeklärt. - -[Illustration: Facsimile von der angelsächsischen Handschrift König -Alfred d. Gr. von Ohtheres Reise. 9. Jahrh. (Cottonian Bibliothek des -British Museum zu London)[9]] - -Das Nordende Europas umsegelte im 9. Jahrhundert zuerst ein -normannischer Edelmann +Ohthere+[10], der an der norwegischen -Küste, vielleicht noch jenseit des Polarkreises ansässig war. -Alfred der Große von England hat die Geschichte dieser merkwürdigen -Entdeckungsreise in seine angelsächsische Uebersetzung von Orosius -aufgenommen und überliefert. Ohthere erzählte danach seinem Herrn, -dem Könige Alfred, daß er in Halgoland nördlich von allen Normannen -an der Westsee ansässig sei. Dieser atlantischen Seite der Halbinsel -gegenüber war damals das baltische Meer auch schon unter dem Namen -Ostsee bekannt. Der Hauptreichthum der normannischen Edeln bestand -in Rennthierherden, woraus auf die hohe nördliche Lage des Besitzes -geschlossen werden kann. Das felsige Land erstreckte sich weit nach -Norden, war aber mit Ausnahme der wenigen Plätze, wo Finnen wohnten, -ganz öde. Diese Finnas (Lappen) beschäftigten sich im Winter mit Jagd, -im Sommer mit Fischfang. Ohthere wünschte nun, wie er dem König Alfred -berichtet, einstmals zu wissen, wie weit sich das Land noch gegen -Norden ausdehne, oder ob jemand noch nördlich von den Einöden wohne. Er -begab sich also zu Schiff und steuerte nach Norden, behielt das Meer -zur rechten und die See zur linken und segelte drei Tage lang, bis er -an die Nordgrenze der Fischereireviere kam. Nach anderen drei Tagen bog -das Land nach Osten um, mit günstigem Nordwestwinde schiffte er noch -vier Tage bis da, wo die Küste nach Süden vorlief. Südwärts steuerte -er fünf Tage, also um die Halbinsel Lappland herum in das weiße Meer -und kam zur Mündung eines Flusses, wo die Küsten wieder bewohnt waren, -während die nördlichsten Striche, an denen er vorüber gefahren, sich -menschenarm zeigten, außer wo ärmliche finnische Fischer, Vogelsteller -und Jäger ihr Leben fristeten. Hier an der Mündung eines Flusses, -vielleicht des Mesen oder gar der Dwina, wohnten zahlreiche Beorma -(Biarmier), dieselben schienen sprachlich mit den Finnen verwandt, -ließen aber die Normannen nicht weiter ins Land eindringen, erzählten -dagegen mancherlei über ihr eignes Gebiet und die Nachbarländer. Hier -erfahren wir auch, daß den kühnen Seefahrer nicht blos Wißbegierde -hinausgeführt, sondern daß er sein Absehen auf einen gesuchten Artikel, -auf Walroßzähne, gerichtet hatte, die er auch reichlich vorfand. Das -bewohnbare Land wird an der norwegischen Küste gegen Norden immer -schmäler, dahinter erheben sich die wüsten Gebirge, durch welche man -nach einer Wanderung von ein bis zwei Wochen bis nach Schweden gelangt, -das im Norden wieder vom Kwenaland (Finnland) begrenzt wird, ein Land, -das zwischen den Felswüsten von großen Süßwasserseen durchsetzt ist, -welche von Einwohnern mit kleinen leichten Kähnen befahren werden. - -Aus dieser allgemeinen Schilderung des Nordens scheint nicht -hervorzugehen, daß Ohthere den Land-Zusammenhang Scandinaviens mit dem -Continente von Europa erkannte. Die Ostsee war in ihrem nördlichen -Theile noch unerforscht. Der Normanne Wulfstan, dessen Erzählung sich -gleichfalls in dem genannten Werke des Königs Alfred findet, kam auf -seiner Reise nicht weiter als Elbing. Auch der deutsche Historiker -Einhard sagt noch, daß die Länge der Ostsee unbekannt sei. Erst durch -Adam von Bremen erfahren wir im 11. Jahrhundert, daß das baltische Meer -im Norden geschlossen sei, und daß man zu Fuß von Schweden nach Rußland -gelangen könnte, wenn der Verkehr nicht durch die Feindseligkeit der -Bewohner gehemmt würde. - -Aber noch zu dieser Zeit gelten Fahrten nach dem bottnischen und -finnischen Theil der Ostsee als gefährliche Wagnisse und wurden die -Namen kühner Seefahrer, wie jener des Normannen Ganund Wolf, für würdig -erachtet, der Nachwelt überliefert zu werden. - -Weitaus wichtiger indeß waren für die Erweiterung der Kenntnisse die -wiederholten Streifzüge der Wickinger durch den nördlichen Ocean, -über Schottland und Norwegen hinaus ins Dunkelmeer. Auf den Faröer -und auf Island trafen sie irische Mönche und Einsiedler an, so daß -es scheinen könnte, als ob britannische Anachoreten die Entdecker -gewesen. Und doch muß es als wahrscheinlicher bezeichnet werden, daß -die Geistlichen erst, nachdem die Kunde von der zufälligen Entdeckung -durch normannische Seefahrer zu ihnen gelangte, sich in die Einsamkeit -dahin begeben und später von den Seeräubern wieder verdrängt worden -seien. So berichtet Dicuil, der um 825 schrieb,[11] daß vor hundert -Jahren Eremiten von Irland aus die Felsklippen der Faröer aufgesucht, -aber sich vor den Seeräubern wieder zurückgezogen hätten, so daß diese -Inseln, die kein früherer Schriftsteller erwähne, nun menschenleer, -aber von unzähligen Schafen und von schwärmenden Seevögeln allein -belebt seien. Noch später, etwa in den letzten Jahren des 8. -Jahrhunderts hatten Geistliche auch einen Sommer auf Island, (dem Thule -Dicuils) zugebracht. Der erste skandinavische Pirat, der ihnen folgte, -war Nadodd, der auf der Fahrt von den Faröer nach Norwegen durch Sturm -nach Island verschlagen wurde. Da er in dem öden Lande keine Spur von -Menschen fand, kehrte er nach den Faröer zurück. Und doch waren einige -wenige Mönche dort ansässig gewesen. Nadodds Fahrt fällt wohl ins -Jahr 867. Island wurde aber in der nächsten Zeit mehrfach aufgesucht, -ja man darf wohl sagen, ein beliebtes Ziel für Auswanderer, so daß -bald alles urbare Land seinen Herrn gefunden hatte. Aber die unsteten -Gesellen fanden auch hier selten Ruhe. Wie sie vielfach nur aus Noth -oder Zwang die Heimat aufgegeben hatten, trieb die innere Unruhe oder -der Hang zu abenteuerlichen Fahrten weiter und machte sie zu Entdeckern -Grönlands und damit zu den ersten Europäern, die amerikanischen Boden -betraten. Der erste, welcher das Land sah und zwar wahrscheinlich im -ersten Drittel des 10. Jahrhunderts, war Gunnbjörn; derselbe wurde auf -der Fahrt nach Island zu weit westwärts getrieben und entdeckte die -nach ihm benannten Gunnbjörn-Scheeren, hinter deren Klippen sich ein -großes Land zeigte, Grönland. Etwa 50 Jahre später suchte Snaebjörn -die Inselgruppe von neuem auf, und um 985 oder 986 ließ sich Eirik -der Rothe zuerst dort nieder. Er hatte wegen Todtschlags aus Norwegen -weichen müssen, ging nach Island, wurde auch dort ausgewiesen, wandte -sich 982 nach Gunnbjörns Land und belegte es in den folgenden Jahren, -um Ansiedler herüberzulocken, mit dem Namen „Grünes Land“, Grönland. -Die Niederlassung erfolgte unter nicht unbedeutendem Zuzug von Island. -Die neue Küste war bereits von Eskimos bewohnt gewesen, wie man aus -den vorhandenen Erdwohnungen ersah. Infolge des lebhaften Verkehrs, -der sich von Grönland aus bis nach Norwegen entwickelte, drang die -Kunde der Entdeckungen auch bis zu den norddeutschen Seestädten. Adam -von Bremen berichtet,[12] daß von der Weser aus friesische Männer eine -Fahrt nach dem Norden, die erste deutsche Polarfahrt, unternahmen -und daß sie über Island hinaus durch ein von den dichtesten Nebeln -bedecktes Meer nach langer beängstigender Fahrt gegen eine Felsenküste -geführt wurden, deren im Kreise sich erhebenden Felszinnen den -Anblick einer wohlbefestigten Stadt zu bieten schienen. Dort trafen -sie Menschen an, welche in Erdhöhlen wohnten. Als aber einer von der -Mannschaft von einem riesigen Hunde vor den Augen der erschreckten -Genossen überfallen und zerrissen wurde, flohen sie auf die Schiffe und -wandten sich zur Heimkehr. Diese merkwürdige Expedition fällt in die -erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. - -Die Normannen hatten inzwischen noch weitere Entdeckungen gemacht. Ari -Marsson wurde von Island nach Hvitramannaland (Weißmännerland) oder, -wie man es später auch nannte, nach Groß-Irland verschlagen; ebendahin -geriethen in gleicher Weise bald darauf Björn Breidvikingakappi und -Guðleifr Guðlaugsson. Wir haben unter diesem Weißmännerlande irgend -einen nicht näher zu bestimmenden Theil der nördlichsten Küsten -Amerikas zu verstehen. Auch Bjarni entdeckte um 986 auf seiner Fahrt -von Island nach Grönland neue Länder, welche bald darauf von Leif, -dem Sohne Eiriks, weiter erforscht wurden. Zuerst gerieth er, etwa -um 1001 oder 1002, an ein klippenreiches Gestade, dem er den Namen -Helluland beilegte (von Häll, die Felsenplatte), dann fand er weiterhin -bewaldetes Gebiet, welches er daher Markland nannte, zuletzt traf ein -Deutscher, der die Fahrt mitmachte, Namens Tyrkir (Dietrich) sogar -wilden Wein. Diesen Landstrich taufte man Weinland (Vinland); demnach -muß Leif fast bis zu 41° n. Br., also bis an die vorspringende Küste -des heutigen Massachusetts vorgedrungen sein. Diese wichtige Entdeckung -rief sofort eine Reihe von Versuchen hervor, an jener günstigen Küste -Niederlassungen zu gründen. Aber die Angriffe der Eingebornen und die -Greuelthaten der wilden Normannen gegen einander vernichteten sehr -bald den Keim der Colonisation, doch verbreitete sich die Kunde von -jenem Lande bis nach Deutschland, wo auch Adam von Bremen die Insel -Winland nennt. Gänzlich hörte indeß der Verkehr dahin auch in der -Folgezeit nicht auf, wiewohl die Entdeckungen nun eine andere Richtung -einschlugen und im 13. Jahrhundert die Westküste Grönlands enthüllten. -Grönländische Geistliche segelten im Jahre 1266 die Baffinsbai -hinauf und gelangten, wie man aus den Angaben, welche über den -Sonnenstand am 25. Juli jenes Jahres gemacht wurden, schließen kann, -vielleicht bis über den 75° n. Br. hinaus. Bald nach der Entdeckung -der Polarländer gewann das Christenthum festen Boden. Seit dem Anfang -des 12. Jahrhunderts erhielt Grönland seinen eignen Bischof; der -letzte derselben, welcher sein Bisthum selbst verwaltete, war Alfr, -von 1368 bis 1378.[13] Seit der Zeit gab’s nur noch Titularbischöfe, -deren Reihe erst 1537 schließt, so daß also noch nach der Reformation -der Name Grönland fortlebt, wenn auch das Land thatsächlich wieder -verschollen war. Wie unklar und verschwommen die Vorstellung von -jenem Lande geworden war, lehrt ein Blick auf die Weltkarte, welche -in der berühmten Ausgabe des Ptolemäus, Straßburg 1513 erschien, und -in welcher Grönland als eine langgestreckte Halbinsel dargestellt -ist, die an Nordeuropa, etwa an die Halbinsel Lappland angesetzt ist -und gegen S.-W. sich erstreckend über Scandinavien und Großbritannien -hinaus in den Ocean hineinreicht.[14] Noch phantastischer ist im -venetianischen Ptolemäus von 1562 auf der ~Carta marina nuova tabula~ -das nordische Ländergemälde ausgefallen. Auch hier ist Grönland in -gleicher Weise mit Scandinavien verbunden, hängt aber auf der andern -Seite des westlichen Oceans mit Montagna verde (Vermont) in Nordamerika -zusammen, welches wiederum auf breitestem Raume in Ostasien übergeht, -so daß man trocknen Fußes von China über Nordamerika nach Scandinavien -wandern kann. Möglicherweise ist diese Verzerrung der Küstenumrisse -daraus entstanden, daß man im Mittelalter schon von einem Manne zu -erzählen wußte, der diesen Weg von Grönland nach Scandinavien wirklich -zurückgelegt habe, indem er sich unterwegs von der Milch einer -mitgenommenen Ziege nährte. - -Jedenfalls leuchtet aus diesen irrigen Auffassungen der Lage Grönlands -hervor, daß man die normannischen Colonisationsgebiete im hohen Norden -nicht als Theile eines transatlantischen Gegengestades ansah. Daher -knüpften auch in späterer Zeit die Entdeckungsfahrten hier nicht an, -um an den Küsten weiter tastend, etwa Länderstriche in heißer Zone zu -gewinnen. - -Indessen belebte sich der atlantische Ocean immer mehr mit allerlei -phantastischen Inselgebilden, die man zum Theil geneigt war als -Stationen, je mehr gegen Westen desto mehr, zunehmender Glückseligkeit -aufzufassen. Das Alterthum kannte nur die Canarischen Inseln als -~insulae fortunatae~. Im Mittelalter bildeten sich aber immer -lebhafter die Vorstellungen aus von friedlichen, paradiesischen -Eilanden im fernen Westmeere, welche weltflüchtigen Anachoreten -zum beneidenswerthen Asyle dienen sollten. Wir wissen bereits, daß -irische Christen von der Welt abgeschieden auf den Faröer und auf -Island lebten; und ist es kein zufälliges Zusammentreffen, daß die -Inselparadiese im Westmeere der Sage nach sollen von Irland aus -gefunden sein. Die geographischen Träumereien, welche sich an den erst -durch Mißverständniß gebildeten Namen der ~insulae fortunatae~ (s. S. -13) anlehnten, die man im Mittelalter als die Inseln der Seligen pries, -belebten sich namentlich auf den britischen Inseln, von wo ja manche -die Einsamkeit aufsuchende Geistliche sich nach entlegenen Inseln -flüchteten und wo, wie das Beispiel des irischen Mönches Dicuil im 9. -Jahrhundert zeigt, aus den Schriften eines Plinius und Solinus alle -Andeutungen zusammengelesen wurden, welche auf die Existenz ferner -atlantischer Inseln hinwiesen. Die thatsächlichen Irrfahrten jener -frommen Asketen, von denen manche, wie wir gesehen haben, sich über die -Faröer hinaus wagten, veranlaßten auch mancherlei mythische Berichte -von Wunderreisen. Den Mittelpunkt dieser Sage bildet die Legende von -den Schifffahrten des +heiligen Brandan+ oder Brandon, der gegen Ende -des 6. Jahrhunderts mit vielen Genossen von Irland aus nach einem -solchen wunderbaren Eilande ausfuhr. Der Glaube an seltsame Inseln -taucht schon in Plutarch (Ueber den Verfall der Orakel) auf, welcher -berichtet, daß um Britannien herum viel öde Inseln lägen, während -die wenigen Bewohner auf andern Eilanden für heilig und unverletzbar -gelten. An einer andern Stelle (Vom Gesicht im Monde) schildert er, daß -fünf Tagereisen westwärts von Britannien einige Inseln und dahinter -ein großes Festland liegen. Die Natur der Inseln und die Milde der sie -umgebenden Luft sei wunderbar. -- Der heilige Brandan kam nun, wie -die Sage berichtet, wirklich zu einer paradiesischen Insel und kehrte -erst nach jahrelangen Irrfahrten wieder heim. Die weite Verbreitung -dieser Geschichte läßt sich daraus erkennen, daß sie fast in allen -Sprachen des Abendlandes auftaucht und daß die Kartenzeichner des -Mittelalters sie mehrfach, man möchte sagen zur Ausschmückung des -nur spärlich von Inseln belebten westlichen Oceans verwendeten; aber -besonders beachtenswerth bleibt dabei, daß die heilige Brandans-Insel -im Lauf der Jahrhunderte immer weiter nach Süden rückt. Während wir -nach der Sage dieses Elysium der Westsee unter der Breite Irlands -suchen müssen, verlegt die Karte des Venezianers Pizigano, von 1367, -dieselbe nach Madeira, der Ritter Martin Behaim auf seinem Erdapfel -von 1492 südwestlich von den Capverden in die Nähe des Aequators. Die -Veranlassung dazu gab die seit dem Wiederauffinden der Canarien immer -wieder auftretende Behauptung, daß man am westlichen Horizont von -Zeit zu Zeit eine Gebirgsinsel stets in gleicher Gestalt und Lage in -weiter Ferne auftauchen sehe. Das Trugbild mag durch eine Nebelbank -entstanden sein, allein der Glaube an die Existenz der Insel war so -fest, daß sich ein portugiesischer Ritter sogar mit diesem noch erst zu -entdeckenden Besitze belehnen ließ und daß selbst bis 1750 immer noch -Versuche gemacht worden sind, um sie aufzufinden. - -Die Geschichte der Brandans-Insel steht übrigens keineswegs vereinzelt -da, wenn es sich um alte Sagen von einsamen, fruchtbaren atlantischen -Inseln handelt. Schon Aristoteles und nach ihm Diodor von Sicilien noch -ausführlicher wissen von Inseln jenseits der gaditanischen Meerenge, -welche von Phöniziern entdeckt und später von den Carthagern ausersehen -sein sollten, ihnen für Unglücksfälle, wenn etwa ein vernichtender -Schlag ihre Vaterstadt träfe, eine Zufluchtsstätte zu gewähren. -Diese Ueberlieferung aus dem Alterthum lebt in einer spanischen Sage -wieder auf, wonach zur Zeit, als die Mauren durch den entscheidenden -Sieg über die Gothen bei Jerez de la Frontera die Herrschaft über -Spanien gewannen, ein Erzbischof nebst 6 Bischöfen sollten, um ihren -Glauben zu retten, auf eine entlegene atlantische Insel geflohen -sein. Dort gründeten sie sieben Städte, wonach die Zufluchtsstätte -die Insel der sieben Städte (~sette cidades~) genannt wurde. Aber auf -den Karten erscheint dieses Phantasiebild nicht vor dem Anfang des -15. Jahrhunderts. Man warf es bald mit einem andern Eilande von noch -räthselhafterer Benennung, mit der Insel Antillia zusammen, welche erst -im Zeitalter des Columbus ihre Bedeutung gewann; daher hier vorläufig -nur ihre Erwähnung genügt. Auch die Insel Brasil (Brazie) westlich von -Irland kann unter diese wesenlosen Gebilde der Phantasie gerechnet -werden, von andern unwichtigeren zu schweigen. - -Mochten auch mancherlei Fahrten ins Blaue auf der Jagd nach solchen -oceanischen Paradiesen angestellt sein, greifbare Resultate mußten -noch ausbleiben, so lange man eines sichern Führers im freien Meere -entbehrte. Dieser bot sich aber erst im 13. Jahrhundert dar, seitdem -man die +polare Richtkraft des Magneten+ entdeckt hatte. Ohne alle -Frage haben die Chinesen diese Kraft viel früher erkannt als das -Abendland; aber wir haben keinen Anhalt dafür, es fehlt uns jeder -Nachweis, daß die Magnetnadel aus dem Osten Asiens zu uns gewandert -wäre. Zwar liegt es nahe, an die vermittelnde Hand arabischer Seeleute -zu denken, welche mit der chinesischen Handelsmarine auf dem indischen -Ocean in häufige Berührung traten, manche Verbesserungen im Seewesen -von jenen Ostasiaten entlehnten und selbst bis nach China ihren Verkehr -ausdehnten. Allein dann dürften wir auch erwarten, daß in jenen -europäischen Gewässern, wo die Araber wiederum mit den seetüchtigen -Völkern des Abendlandes zusammentrafen, auf dem Becken des Mittelmeeres -und in den an seinen Ufern gelegenen Seestädten ein für die Schifffahrt -so wichtiges Instrument wie der Compaß zuerst erwähnt und gewürdigt -worden wäre. Doch dem ist nicht so. Man dürfte auch wohl erwarten, -daß der berühmte Marco Polo, der für alles, was den Handel betrifft, -ein besonders scharfes Auge besaß, und der seine weiten Seereisen im -chinesischen Meere und durch den indischen Ocean auf chinesischen -Schiffen ausführte, die Magnetnadel erwähnt und beschrieben haben -würde, wenn in den östlichen Gebieten der alten Welt die praktische -Verwendung des Instruments bereits eine allgemeine gewesen wäre. Aber -Polo gedenkt desselben mit keiner Silbe. Und in Europa treffen wir -auf die früheste Erwähnung der magnetischen Kraft gerade in Gegenden, -welche von arabischem Einfluß nie berührt sind, nämlich in England und -Nordfrankreich. Sonach darf man die Vermuthung aussprechen, daß die -Nordweisung der magnetischen Nadel wie am Ostrande der alten Welt, -so auch am Westrande derselben selbständig entdeckt ist, gerade so -gut, wie das Abendland den Bücherdruck und das Porzellan, auch zwei -chinesische Erfindungen, für sich wieder erfunden hat. Die beiden -ältesten Gewährsmänner, welche den Magnet erwähnen, sind der Engländer -Alexander Neckam, welcher seit 1180 Professor in Paris war, und der -nordfranzösische Dichter Guiot aus Provins. Es darf dabei nicht -unerwähnt bleiben, daß gegen das Ende des 12. Jahrhunderts mit der -Wiederaufnahme des Studiums der physischen Schriften des Aristoteles an -der Universität zu Paris das Studium der Naturwissenschaften neu belebt -wurde. Wie nahe liegt da der Gedanke, jene neue, wichtige Erfindung, -welche wir gleichsam in der Nachbarschaft von Paris zuerst erwähnt -finden, sei auch dort wirklich gemacht. Alexander Neckam schrieb seine -Abhandlung: ~de Utensilibus~ und sein Werk: ~de Naturis rerum~ im -letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts, das satirische Gedicht Guiots, -~la Bible~, wurde im ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts verfaßt. -Die ursprünglichste, roheste Art der Anwendung des Magneten, denselben -in einem Strohhalm auf dem Wasser schwimmen zu lassen, wich allmählich -der verbesserten Methode, den Nordweiser auf eine Nadelspitze zu -legen. Dabei muß es befremden, diese ursprüngliche Form noch 1258 -erwähnt zu sehen. In diesem Jahre besuchte Brunetto Latini, aus Florenz -vertrieben, den berühmten Roger Bacon und schreibt, dieser habe ihm -unter andern einen Magneten gezeigt, der die überraschende Eigenschaft -besitze, das Eisen anzuziehen. Wenn man eine Nadel darauf reibt und -diese nachher an einem Strohhalm befestigt und auf dem Wasser schwimmen -läßt, dann dreht sich die Nadel mit der Spitze gegen den Polarstern. -Aber wiewohl diese Entdeckung für alle Seereisende von so hohem Werthe -zu sein scheint, so muß sie zur Zeit doch noch geheim gehalten werden, -weil es kein Schiffscapitän wagen darf, sie anzuwenden, da er sonst -sofort in den Verdacht der Zauberei verfiele; auch würde kein Matrose -mit ihm gehen, wenn er ein solches Instrument mitnähme, das offenbar -unter der Beihilfe höllischer Mächte entstanden.[15] Am Mittelmeere muß -also zur Zeit Latinis die Erfindung noch unbekannt gewesen sein, und -ans Mittelmeer müßte die Magnetnadel doch zuerst gekommen sein, falls -sie uns durch die Vermittelung der Araber sollte aus China überbracht -sein. - -Nach 1270 wird auch die Strich- oder Windrose mit der Nadel in -Verbindung gebracht, und so sehen wir die Bussole (ein Wort -holländischen Ursprungs) fertig vor uns. Was für Verbesserungen der -so oft als Erfinder des Compasses genannte Flavio Gioja aus dem -Herzogthum Amalfi, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts -gelebt haben soll, angebracht haben kann, ist nirgends ersichtlich. -Der Compaß war nachweisbar vor seiner Zeit auf den Schiffen allgemein -in Gebrauch, was sich vor allem aus dem glänzenden Aufschwung der -nautischen Kartographie ergibt, welche uns ganz bestimmt ins 13. -Jahrhundert zurückführt. Denn die erste nur mit Hilfe der Bussole -in solcher Treue mögliche Darstellung der Küstenumrisse des ganzen -Mittelmeeres, welche uns Marino Sanudo um 1320 überliefert hat, setzt -jahrzehntelange Specialaufnahmen voraus, aus denen Sanudos Bild -zusammengesetzt ist. Und hier ist nicht zu leugnen, daß die Seeleute -des Mittelmeeres sich die neue Erfindung am trefflichsten zu Nutze -machten und ihren Werth allseitig erkannten. Die Umgestaltung, welche -die Kartographie erfuhr, war eine fundamentale. Statt wie im früheren -Mittelalter nach dem Paradiese im äußersten Osten, orientirte man sich -nach dem Polarstern, auf den die Magnetnadel wies und entwarf danach -die Karten. Der Schiffer gewann mit Compaß und Seekarten auf freiem -Meere ein bisher nicht gekanntes Gefühl der Sicherheit und steuerte -verwegener in die dunkle Salzflut hinaus. Dauernde, auch der Nachwelt -in sicherer Begrenzung überlieferte Entdeckungen wurden erst seit dem -13. Jahrhundert möglich; und schon der Ausgang dieses Jahrhunderts -zeigt uns zwei Beispiele eines kühnen Seezuges. Denn im Jahre 1281 -machten die Gebrüder Vadino und Guido de Vivaldi von Genua aus den -Versuch, um Afrika herum nach Indien zu segeln, ein Unternehmen, das -1291 von Ugolini Vivaldi und Teodosio Doria wiederholt wurde. Allein -resultatlos, denn diese Expeditionen sind verschollen. - -Wichtiger und folgenreicher, weil „das nächste mit dem nächsten klug -verknüpfend“, waren die Fahrten der genuesischen und venetianischen -Kauffahrer nach der atlantischen Seite Europas, nach den Niederlanden -und Britannien. Erst unter der zuverlässigen Führung der Bussole -erwachte der Seeverkehr auf dem Ocean. Dem Alterthume war die Westküste -unseres Erdtheils im höchsten Grade unwirthlich erschienen. Zu Strabo’s -Zeiten war die Nordseite Spaniens besonders verrufen. „Dieser Strich,“ -sagt er, „hat als Oceansküste die Zugabe empfangen ohne Verbindung -und Verkehr mit andern zu sein, so daß er sich durch Mißlichkeit der -Bewohnung auszeichnet.“ Und auch im Mittelalter tasteten zwar einzelne -Pilgerschiffe, die das heilige Land aufsuchten, sich in langsamer Fahrt -an den Küsten hin, bis sie in die Säulen des Herkules einliefen; aber -von einem regen Verkehr war nicht die Rede. - -Da eröffneten, etwa gegen Ausgang des 13. Jahrhunderts, die Italiener -den directen Seeweg zu den niederländischen Städten. Sie liefen wohl -auf halbem Wege in den günstig gelegenen Hafen von Lissabon ein und -erregten dadurch den Eifer der Portugiesen, welche bald den Seeruhm -ihrer Lehrmeister überstrahlen sollten. Der König Diniz war der erste, -der sein Volk auf diesen neuen Pfad des Gewinnes und des Ruhmes mit -Erfolg hinwies. Wenn uns berichtet wird, daß noch im Laufe des 14. -Jahrhunderts im Hafen von Lissabon zu Zeiten 400 bis 500 Seeschiffe -lagen, so kann man aus dieser Zahl allein schon auf den wachsenden -Verkehr im Ocean schließen. - -Sicher wurden durch einzelne vom Wetter aus ihrem Cours gedrängte -Schiffe die Canarischen Inseln wieder aufgefunden. Wiederholt tauchen -in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Nachrichten von jenen -Eilanden auf, ohne daß man den oder die Entdecker mit Gewißheit nennen -könnte. Am wahrscheinlichsten waren es Genuesen, aber auch Portugiesen -und Franzosen drangen fast gleichzeitig zu den glückseligen Inseln -vor, deren Anblick ihren Erwartungen von paradiesischen Fluren nicht -entsprach. Im Jahre 1341 schickte Alfons IV. mehrere Schiffe dahin -ab unter dem Commando eines Genuesen und Florentiners. Nach einer -günstigen Fahrt von 5 Tagen kam das Geschwader im Anfang Juli zu den -Canarien, besuchte im Laufe des Sommers mehrere von den 14 größeren -und kleineren aufgeführten Inseln, darunter namentlich Canaria und -wahrscheinlich auch Ferro und Forteventura, beschrieben auch den Pik -von Teneriffa und kehrten im November zurück. In einer päbstlichen -Verleihungsurkunde von 1344 wurden Canaria, Vingaria, Pluviaria, -Capraria, Junonia, Embronea, Atlantica, Hesperidum, Cernent, Gorgones -und Galeta namhaft gemacht, doch gehören einige darunter nicht zu den -Canarien, Galeta liegt gar an der Küste von Tunis. Zuerst setzten sich -Genuesen auf den Canarien fest, der Ritter Lancelot aus dem adligen -Geschlechte der Malocelli in Genua legte auf der einen Insel eine -Burg an, dieselbe erscheint auf der catalanischen Karte von 1375 als -Lanzeroto Maloxelo. Und wenn bereits auf dem mediceischen Portulan -von 1351 neun Inseln mit neuen Namen uns begegnen, deren Form auf -genuesischen Dialect hindeutet, so erkennen wir daraus, daß der ersten -von Portugal ausgesandten Expedition bald genuesische Unternehmungen -gefolgt waren. - -Dahin gehören Parme (~J. de li Parme~), Palma, die Insel der Palmen, -Linferno, die Insel der Unterwelt, womit Teneriffa bezeichnet wird, -wegen seines hohen Vulkans. - -Um dieselbe Zeit, vielleicht um das Jahr 1346, fällt auch die Fahrt -des englischen Ritters Machim, der auf seiner Flucht von England nach -Madeira verschlagen wurde. - -Auch diese letztere Inselgruppe treffen wir bereits auf dem Portulan -von 1351.[16] Neben der kleinern Insel, die noch jetzt den Namen -Porto santo trägt, erscheint die größere I. de lo legname, d. h. -Holzinsel; offenbar ein italienischer Name, den die späteren Besitzer, -die Portugiesen, in den bekannten Madeira, übersetzt haben. Sogar die -ferner liegenden Açoren sind schon aufgefunden; die südöstliche Gruppe -derselben trägt die Bezeichnung ~insula de Cabrera~ (Ziegeninsel). - -[Illustration: Karte von Afrika in einem Portulano (Seekarte) von 1351. -(In der Laurentinischen Bibliothek zu Florenz.)] - -So hatte man also um die Mitte des 14. Jahrhunderts den Stand der -Kenntniß des Alterthums mindestens wieder erreicht. Den Portugiesen war -es im nächstfolgenden Zeitraume vorbehalten, die Grenzen der bekannten -Welt weiter hinauszurücken und, nachdem die westlichen Gestadelinien -der alten Welt vom südlichen Cap Afrikas bis zum Nordcap Europa im -allgemeinen ans Licht getreten war, den Anstoß zu geben für die erste -planmäßige Durchschiffung des westlichen Oceans. - -Am Schlusse dieses Abschnittes haben wir noch die Reisen der -venetianischen Gebrüder +Nicolo+ und +Antonio Zeno+ zu untersuchen, -welche in den Ausgang des 14. Jahrhunderts fallen, und sich auf dem -Gebiete der normannischen Seezüge im nördlichen atlantischen Ocean -zwischen Scandinavien und Grönland bewegten, aber der Deutung und -Erklärung im einzelnen große Schwierigkeiten entgegensetzten, so daß -die Untersuchungen zu ganz abweichenden Ergebnissen geführt haben. -Die Schwierigkeiten entstanden vor allem bei dem Versuch, die Namen -der Localitäten zu enträthseln, welche den Schauplatz der Erlebnisse -bilden, und die den alten Bericht begleitende Karte einerseits mit -dem Texte, andrerseits mit den gegenwärtig vollständig bekannten -thatsächlichen Verhältnissen jenes Theiles der Erdoberfläche in -Einklang zu bringen. Am meisten hat sich R. H. Major in London um das -Verständniß verdient gemacht.[17] Daß dabei nicht von einer fingirten -Reise und einer Fälschung die Rede sein kann -- denn auch diese Ansicht -ist laut geworden -- beweist die thatsächliche Kenntniß nordischer -Verhältnisse, welche nicht blos alles übertrifft, was das Mittelalter -in Europa über jene Gegenden wußte, sondern auch die Kenntniß in der -Mitte des 16. Jahrhunderts übertrifft, wo der merkwürdige Bericht -zuerst veröffentlicht wurde. - -Der Thatbestand ist nun folgender: Am Ende des 14. Jahrhunderts, -wahrscheinlich 1390, und nicht 1380, wie Text und Karte angibt, rüstete -Nicolo Zeno, einer alten venetianischen Adelsfamilie entstammend, -aus eigenen Mitteln ein Schiff aus, um, mehr aus Neugier als aus -Drang zu neuen Entdeckungen, den Norden Europas zu besuchen. Seit -einem Jahrhunderte bereits befuhren venetianische Handelsschiffe -den atlantischen Ocean von den Säulen des Herkules bis Flandern und -Süd-England. Zeno strebte noch weiter nach Norden. Ein Sturm trieb -sein Schiff über Britannien hinaus und warf es an den Strand der Insel -Friesland (Faröer). Aus den Händen der Strandräuber, welche sich des -Strandguts bemächtigten, befreite die Schiffbrüchigen der Beherrscher -eines Nachbargebietes, welchen Zeno Zichmni nannte. Aus Dankbarkeit -trat der Venetianer in die Dienste seines Befreiers und lud nun seinen -in Venedig weilenden Bruder Antonio brieflich ein, zu ihm zu kommen. -Antonio folgte dieser Einladung. Vier Jahre nach seiner Ankunft auf -den nordschottischen Inseln starb Nicolo in Friesland. Antonio blieb -aber noch 10 Jahre und schrieb während dieser Zeit mehrere Briefe -an seinen Bruder Carlo, der in Venedig eine hervorragende Rolle -spielte. Die Briefe der venetianischen Nordlandsfahrer blieben im -Familienarchive zu Venedig, bis ein späterer Nachkomme des Geschlechts, -Nicolo Zeno der Jüngere, geb. 1515, als unverständiger Knabe diese -Dokumente durch Zufall in die Hände bekam, und da er ihren Werth nicht -kannte, zum Theil zerriß. Erst später, in reiferen Jahren, suchte -er die Bruchstücke zusammen und entwarf danach die Geschichte jener -abenteuerlichen Fahrten seiner Vorfahren. Auch copirte er eine alte, -halb vermoderte Originalkarte und ergänzte sie nach seinem Verständniß -und seiner Auffassung. Das Ganze veröffentlichte er dann 1558 unter dem -Titel: ~Dello scoprimento dell’ Isole Frislanda, Eslanda, Engronelanda, -Estotilanda, Icaria, fatto per due fratelli Zeni, M. Nicolo il -Cavaliere et M. Antonio.~ - -[Illustration: _Gailland, Berlin, phototyp._ - -Karte zu den Reisen von Nicolo und Antonio Zeno. (Copie in ca. ¼ der -Größe des Originals von 1558.)] - -Joh. Reinhold Forster wies 1784 in seiner Geschichte der Entdeckungen -und Seefahrten im Norden (S. 217-250) zuerst auf die Glaubwürdigkeit -und den Werth des Berichtes hin. Auch Al. v. Humboldt sprach sich -in seinen kritischen Untersuchungen etc. (deutsch v. Ideler, Bd. I, -337) dahin aus, daß, wenn man den Bericht ohne vorgefaßte Meinung -untersuche, man in demselben Wahrheitsliebe und eine ins Einzelne -gehende Beschreibung von Gegenständen finde, zu welcher nichts in -Europa den ersten Gedanken an die Hand gegeben haben könnte. Dagegen -erklärte der dänische Admiral Zahrtmann (~Journal Royal geogr. Soc. -London. Vol. 5~) das Ganze für eine Erfindung des jüngeren Zeno. - -H. Major hat nun die Echtheit des Berichts zuerst an den Oertlichkeiten -der Faröer nachgewiesen. Es handelt sich um einen Wikingerzug des -Zichmni, des Herrn von Porlanda und Sorona. - -Die Namen sind sämmtlich nur nach dem Gehör, nach dem Klange der -Aussprache aufgefaßt und dann dem Italienischen angepaßt und umgeformt. -So hat bereits Forster gefunden, daß in dem räthselhaften Zichmni der -schottische Häuptling Henry +Sinclair+ of Roslyn steckt, welcher von -Hakon VI. von Norwegen die Herrschaft über die Orkneys und Caithneß -erhielt. Der Pentland-Firth scheidet die beiden Besitzungen. Aus -Pentland macht der Italiener Porlanda und die begleitende Karte -entstellt diesen Namen, durch falsche Lesung, in Podanda (für ~rl~ ist -~d~ gesetzt). - -Aus Caithneß wird Contanes und unter Sorona ist die kleine Insel -Swona in dem Pentland-Firth zu verstehen. Zichmnis Geschwader wollte -Friesland erobern. Im Altdänischen aber heißt die Faröergruppe -Faeröisland, und in der Biographie des Columbus erzählt sein Sohn -Ferdinand, daß sein Vater im Jahre 1477 von Bristol nach Frislanda -gesegelt sei. Daraus wird die Identität von Faröer und Friesland -ersichtlich. Daß aber der jüngere Zeno diesen Namen nicht aus der -Biographie des Columbus entlehnen konnte, erhellt daraus, daß diese -Lebensbeschreibung später, nämlich erst im Jahre 1571, also +nach+ -dem Reisebericht Zenos veröffentlicht wurde. Wenn die alte Karte -Friesland als eine compakte große Insel darstellt, so fällt dieser -Irrthum vorwiegend dem jungen Zeno zur Last. Zichmnis Flotte nahm ohne -große Schwierigkeit die Inseln Ledovo und Ilofe (verschrieben für -Slofe) und andere kleine Inseln im Golfe Sudero in Besitz. In diesem -Golf erkennen wir den Suderoefjörd zwischen den beiden Inseln Suderoe -und Sandoe. Dann ergibt sich für Ledovo die kleine fast unzugängliche -Felseninsel Little Dimon und für Slofe das Nachbareiland Skuoe. Weiter -ging das Geschwader nach dem Hafen Sanestol (d. h. Sandoe) und landete -bei dem Orte Bondendon (wahrscheinlich Norderdahl auf Stromoe). Von -hier zogen die Eroberer quer durch die Insel zur Hauptstadt Frislanda, -welche an einer sehr fischreichen Bai lag, von wo sich Schiffe von -Flandern, Britannien, Norwegen und Dänemark mit Fischen versorgten. - -Die Hauptstadt Thorshaven, welche hier gemeint ist, belegt der -Venetianer mit dem Namen der Inselgruppe. Der Reichthum an Fischen ist -hier seit alters berühmt. Später leitete Nicolo Zeno ein ähnliches -Unternehmen gegen Estland (d. h. Shetland-Inseln), wobei mehrere -Schiffe nach der Insel Grislanda südwärts verschlagen wurden. Das -Hauptland der Orkneys heißt Hroß-ey, oder Groß-ey oder ~gross-island~, -woraus sich die Form Grisland bildete. - -Der jüngere Zeno, welcher aus Unverstand Estland für Island nahm, -verlegte auch Grislanda an die Küsten jener großen Insel, obwohl der -Originaltext von „~le Islande~“, also von mehreren Inseln spricht; -in Folge dieses Grundirrthums werden aber auch alle nach Shetland -gehörigen Namen an das Gestade von Island verschoben, nämlich Talas (= -Yelli), Broas (= Barras), Iscant (= Unst), Trans (= St. Ronans Isle), -Mimant (= Mainland), Dambere (= Hamna) und Bras (= Bressay). - -Es lassen sich also alle Localitäten wieder erkennen und gehörigen -Orts befestigen. Die durch Zeno den jüngeren in die Karte gebrachten -groben Fehler sind von dem Originalberichte nicht verschuldet, -bestärken aber die Glaubwürdigkeit der Erzählung; denn wenn das Ganze -eine müßige Erfindung des 16. Jahrhunderts wäre, würde sie an solchen -geographischen Verstößen gar bald entlarvt werden können. Jener erste -Zug nach den Faröer geschah wahrscheinlich im Jahre 1390, der gegen -Shetland 1391.[18] - -Im Juli des folgenden Jahres ging Nicolo mit 3 kleinen Schiffen auf -Entdeckung aus nach Engroneland oder Grenland. Bei dieser Fahrt, -welche uns über die Grenzen der den Süd-Europäern bekannten Nordwelt -hinausführt, wurde Island und wohl auch Grönland berührt. Aber der -Bericht wirft offenbar isländische Verhältnisse nach Grönland. Ob diese -Versehen dem Originalberichte zur Last fallen, oder ob die Bruchstücke -desselben durch den jüngeren Zeno falsch zusammengefügt sind, läßt -sich nicht mehr erkennen; doch liegt die Verwechslung klar vor Augen, -wenn wir dem Berichte folgen. Danach fand nämlich der ältere Nicolo in -Grönland ein Kloster mit Predigermönchen und eine Kirche des heiligen -Thomas am Fuße eines thätigen Vulkans. Die in der Nähe befindliche -heiße Quelle hatten die Geistlichen zu ihrer Ansiedlung geleitet, um -Kirche und Kloster damit zu heizen und das kochende Wasser selbst zur -Bereitung der Speisen zu verwenden oder in erwärmten Beeten Früchte und -Blumen zu erzielen, die nur in gemäßigteren Himmelsstrichen gedeihen. -Neben dem Kloster leben Wilde (also Eskimos), welche Fischfang treiben -und Böte in Gestalt eines Weberschiffchens besitzen. Sie befestigen -über das Gerippe von Fischknochen Häute und nähen dieselben fest -zusammen, so daß diese leichten Fahrzeuge allen Stürmen trotzen. -Während die Art der Ansiedlung und die Benutzung der Thermen nur nach -Island paßt,[19] denn in Grönland gibt und gab es auch damals keine -thätigen Vulkane, ist das Seegewerbe der Eingeborenen charakteristisch -für die grönländischen Eskimos. Eine genaue Kenntniß des südlichen -Grönland verräth aber auch der Name der Südspitze Avorf, welche in der -dem 14. Jahrhundert angehörigen Beschreibung Grönlands von Ivar Bardsen -„Hvarf“ und in der Chorographie Björn Jansens Haf-hvarf heißt, wofür -die Karte Zenos ~Af promontorium~ setzt. - -Nicolo Zeno erlag den für einen Südländer unerträglichen Wirkungen -des polaren Klimas und starb bald nach seiner Rückkehr auf Frisland. -In seine Stellung und seine Würden rückte sein Bruder Antonio, den -Sinclair noch jahrelang bei sich festzuhalten wußte und sogar auf -einer großartig geplanten Entdeckungsfahrt nach westlichen Ländern -mitnahm. Sinclair hatte nämlich durch Fischer, die vor 25 Jahren über -den atlantischen Ocean nach Westen verschlagen waren, von großen -Inseln und weiten Festlandsstrichen Kunde erhalten und beschloß jene -Länder aufzusuchen. Der Bericht der Verschlagenen, den ein Brief des -Antonio an seinen Bruder Carlo in Venedig ausführlich wiedergibt, -klingt zwar in manchen Einzelheiten befremdend, verräth aber in großen -allgemeinen Zügen eine Kunde der nordamerikanischen Küsten bis nach -Mexiko. Da nun erwiesenermaßen die Normannen bereits im 11. Jahrhundert -Ansiedelungsversuche am Strande der Neuengland-Staaten gemacht hatten, -so bleibt die Möglichkeit weiterer abenteuerlicher, durch Zufall -veranlaßter Fahrten nach jenen Gegenden keineswegs ausgeschlossen. - -Jene Fischer nun hatten erzählt, daß sie 1000 Meilen westlich von -Friesland durch den Sturm an die Insel Estotiland getrieben seien, -welche kleiner als Island, aber viel fruchtbarer war und in der Mitte -einen hohen Berg hatte. Die Einwohner zeigten sich intelligent, -freundlich, besaßen eine eigne Sprache und Schrift, in des Königs -Bibliothek fanden sich sogar lateinische Bücher. Sie verkehrten auf -ihren Segelbooten sogar mit Grönland, kannten aber den Compaß nicht. -Nachdem sie fünf Jahre im Lande geblieben waren, machten unsere Fischer -eine Fahrt gegen Süden zum Lande Drogio. Dort wohnten rohe Canibalen, -welche einen Theil der Mannschaft erschlugen und verzehrten. Sie -besaßen kein Metall, ihre Lanzen bestanden nur aus Holz. Aber weiter -südwärts wurden sie civilisirter, wohnten in Städten und opferten in -ihren Götzentempeln Menschen, deren Fleisch dann verspeist wurde. Das -Land war reich an Gold und Silber. - -Während wir in Estotiland Spuren normannischer Ansiedlung erkennen, -wenn auch die Kulturverhältnisse in allzustarken Farben ausgemalt sind, -lassen sich die Angaben über die südlichen Kulturländer mit ihrem -Goldreichthum, ihren Götzentempeln und Menschenopfern ungezwungen auf -Mexiko deuten. Doch sind Estotiland und Drogio nicht zu identificiren. - -Nur ein Fischer kehrte nach Jahren zurück und sollte auf Sinclairs -Zuge als Führer dienen, aber leider starb derselbe kurz vor Aufbruch -der Flotte. So verfehlte Sinclair auch bald den Weg und wurde durch -Sturm gegen Südwesten nach der Insel Icaria verschlagen. Es ist wohl -nur italienische Phantasterei, wenn der jüngere Zeno dazu bemerkt: -Alle Könige hießen dort Icari, nach dem ersten Könige, der ein Sohn -des Königs Dedalus von Schottland gewesen sei. Schon Forster hat in -dem Icaria richtig die Landschaft Kerry in Irland erkannt, wozu alle -geschilderten Verhältnisse, das feindselig abwehrende Verhalten der -Bevölkerung u. a. paßt. Von hier gelangte die Flotte nach Grönland, -kehrte aber nach kurzem Besuch wieder nach den Orkneys zurück. - -Wenn auch in dem ganzen Bericht noch manche Dunkelheiten ungelöst -bleiben, so wird doch eine unbefangene Kritik den echten Kern -anerkennen müssen und darf das Ganze nicht als leere Erfindung -verwerfen. Von besonderem Interesse ist, daß Zeno uns als der letzte -von den normannischen Ansiedlungen in Amerika berichtet. Die vom -jüngeren Zeno entworfene Karte enthält trotz gewaltiger Irrthümer -und Ungeheuerlichkeiten, welche indeß von den Kartographen des 16. -Jahrhunderts vielfach getreu copirt wurden, manche zutreffende Züge und -geographische Wahrheiten. - - - - -Zweites Buch. - -Die Vorhalle der großen Zeit. - - - - -Erstes Capitel. - -Die Morgenseite der alten Welt. - -1. Der Orient seit Beginn der Mongolenherrschaft. - - -Beim Anbruch einer neuen Zeit richten wir unsern Blick wieder -nach Osten, um eine längst verschollene Kunde, wie sie von fernen -reichen Ländern in alter Zeit erklungen, aufs neue zu vernehmen. Die -Herrschaft der Araber hatte anfangs den Kenntnissen im Abendlande von -den Verhältnissen im Innern Asiens keine Förderung gewährt. Ums Jahr -1000 n. Chr. kannte man thatsächlich von ganz Asien kaum mehr als die -heiligen Walfahrtstätten in Palästina, und begnügte sich auch damit. -Die Araber ließen die frommen Pilger aus dem Westen gewähren, deren -Wißbegierde in dem Rahmen religiöser Traditionen beschränkt blieb. -Anders gestalteten sich die Verhältnisse, als Türken und Seldschucken -Herren jener heiligen Stätten wurden und in Folge der Bedrückung der -christlichen Waller eine gewaltige Bewegung durch Europa ging, welche -die Kreuzzüge veranlaßte. Zwar haben dieselben unsere Kenntniß von -Westasien nicht über Mesopotamien hinaus bereichert, aber die Berührung -mit der arabischen Bildung weckte den Geist der Forschung wieder im -Abendlande und trug so wenigstens mittelbar dazu bei, das entschwundene -geographische Interesse neu zu beleben. Durch die Araber lernte man -wieder die griechischen Schriftsteller, namentlich Aristoteles, kennen -und die größten Geister des Abendlandes, Albertus Magnus († 1280) und -Roger Bacon († 1292 oder 1294) wandten sich wieder dem Studium der -Naturwissenschaften zu. - -Den ersten directen Anstoß aber zu bedeutenden Reisen in bisher -unbekannten Regionen gab die Bildung des mongolischen Weltreichs. -Es war im Beginn des 13. Jahrhunderts, daß der kühne Häuptling -+Temudschin+ zahlreiche mongolische und tatarische Stämme der -asiatischen Steppe unter seinem Scepter vereinigte und den Namen -eines Großfürsten, „+Tschingischan+“, annahm. Der Name Khan bedeutet -einfach „der Herr“ und wird allen tatarischen Häuptlingen beigelegt, -mögen sie souverän sein oder nicht. In Indien bildet er noch jetzt den -gewöhnlichen Zusatz zu den Namen der Mohammedaner aller Klassen. ~Ḳaán~ -oder ~Châḳán~ (bei den byzantinischen Schriftstellern Χαγάνος) war -dagegen der specielle Titel des höchsten mongolischen Fürsten; danach -würde der Titel Temudschins richtiger als Tschingischagan bezeichnet -werden müssen. In einem verheerenden Völkersturm, wie jener Erdtheil -keinen zweiten gesehen und erlitten hat, lag binnen 20 Jahren fast -ganz Asien zu seinen Füßen. Die Völkerflut nach Osten überschwemmte -Tangut und Nordchina, die Kriegswoge nach Westen und Süden brach über -Turan und Iran herein. Throne stürzten zusammen unter seiner unerhörten -Wucht, volkreiche Städte verschwanden vom Erdboden, Millionen von -Menschen verloren ihr Leben. Auch mit dem Tode Temudschins († 1227) -kamen die aufgeregten Massen nicht zur Ruhe. Von den vier Söhnen des -Großfürsten gelangte +Okkodai+ zur obersten Nachfolge. Nach Westen -drangen seine Heere durch die Ebenen Rußlands bis nach Schlesien vor, -Moskau wurde erobert, Kiew ging in Flammen auf. Erst an den Sudeten -brach sich die Sturmflut; aber in Westasien wurden Armenien, Kleinasien -und Syrien überrannt, in Ostasien wurde Südchina unter der Regierung -des Chagan +Kublai+ eine Beute der Mongolen. - - +Genealogie des Hauses Temudschin.+ - - I. +Temudschin+, Tschingis Kaan. - | - +-------------+--------------+--------------------------------+ - | | | | - Tuli. II. +Okkodai Kaan.+ Tschagatai. Juji. - | | | | - | III. +Kuyuk+ | | - | +Kaan.+ | | - | +-------+--------+-------+------+ | - | | | | | | | - | Kadami. Sarban. 2. Yessu Muwa Juji. | - | Mangku. Tukan. | - | | - | Chane von Tschagatai. | - | | - +--+--------------+--------------+ +----------+---+ - | | | | | - 1. Hulaku. V. +Kublai+ IV. +Mangku+ 4. Barka. 1. Batu. - | +Kaan.+ +Kaan.+ | - | | +----------+ - | Tschingkim. | | - | | 3. Ulagji. 2. Sartak. - | | - | VI. +Timur Kaan.+ Chane von Kiptschak. - | - +----------------+--------------+ - | | | - 3. Tigubar-Ahmed. Tarakai 2. Abaka. - | | - | +------------+ - | | | - 6. Baidu. 5. Kaichatu. 4. Argun. - | - +-----------+ - | | - 8. Oljaitu. 7. Gasan. - - Chane von Persien. - -Die christlichen Kreuzfahrer, die mit immer weniger Aussicht auf -Erfolg gegen die mohammedanischen Staaten in Kleinasien, Syrien und -Aegypten um den Besitz des heiligen Landes gerungen hatten, sahen in -den Mongolen einen willkommenen Helfer gegen den zähen Erzfeind ihres -Glaubens. Sie nahmen aber auch mit besonderer Freude wahr, daß die -neuen Weltstürmer aus Innerasien keineswegs den religiösen Fanatismus -der Araber und Türken besaßen, sich vielmehr dem christlichen Glauben -ebenso geneigt zeigten als der Lehre Mohammeds. Es liegt das schon in -der wesentlich verschiedenen Rassenanlage der Mongolen und Semiten -begründet. - -Man kann sich in religiösen Dingen kein nüchterneres Volk denken als -die Chinesen, während dagegen der Semite Westasiens, der Begründer des -Monotheismus und leider auch des religiösen Fanatismus, auf religiösen -Fundamenten sein geistiges Leben aufbaut. Die Glaubensglut des -Islam übertrug sich auch auf türkische Stämme; aber nicht auf die -Mongolen. Diese sahen nicht jeden Christen als solchen für einen Feind -an. Sie ließen jeden in seinem Glauben gewähren. - -[Illustration: _artist. Inst._, _Leipzig-Reudnitz._ - -_G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin._] - -Es gab wirklich Christen unter ihnen in nicht geringer Anzahl. Nicht -blos, daß einzelne Gläubige mit den großen Völkerwellen vom heimischen -Boden weit hinweg gespült worden waren; -- trafen doch die Sendboten -des Pabstes am Hofe der Chagane in Karakorum, südlich vom Baikal, -Franzosen und Ungarn und begegnete dem Marco Polo sogar noch in -China ein Deutscher; -- nein, ganze Stämme des großen vielsprachigen -Reiches neigten zum Christenthum und es wird von manchen Städten im -fernen Osten berichtet, daß nestorianische Christen bis dahin ihren -Glauben verbreitet. Als Christen galten die Kerai in N.-W. von China; -als Nestorianer bezeichnet Rubruck den Stamm der Naiman am obern -Irtysch. Viele Christen hatten sich sogar in dem Dienst und Gefolge der -mongolischen Fürsten eine geachtete und einflußreiche Stellung errungen -und, was besonders betont werden muß, die Großfürsten des Weltreichs -selbst waren in die directe Berührung mit dem Christenthum durch -eingegangene Ehen gebracht. Die Mongolenkaiser +Kublai+ und sein Bruder -+Hulaku+ stammen von christlichen Müttern ab, deren Einfluß nicht zu -unterschätzen ist. Gesandtschaften und Briefe gingen hin und her, es -entspann sich ein freundschaftlicher Verkehr zwischen den Häuptern -der Christenheit und den Chaganen, und mehr als einmal wurde das -Interesse des Pabstes lebhaft durch die Aussicht auf ein segensreiches -Arbeitsfeld von unermeßlicher Weite im fernen Morgenlande angeregt. -Darf man unter solchen Umständen den Plan einer systematischen -Missionsarbeit unter den Mongolen absolut verwerfen oder auch nur als -gar zu sanguinisch bezeichnen? - - -2. Der Presbyter Johannes. - -Vor allem zog aber mächtig die geheimnißvolle, halb in sagenhafte Züge -gehüllte Gestalt eines großen Königs an, der im Abendlande allgemein -unter dem Namen des Priesterkönigs oder +Presbyter Johannes+ bekannt -war, und der über ein durchaus christliches Volk herrschen sollte. -Das eigenthümliche Dunkel, das über dieser Gestalt liegt, ist noch -nicht völlig gelichtet; es scheint aber, als ob nach einander mehrere -bedeutende historische Persönlichkeiten des Morgenlandes mit einander -verschmolzen wären und nach einander für den Priesterkönig gegolten -hätten. - -Die erste Nachricht über ihn bringt der deutsche Geschichtsschreiber -Otto von Freising, der Stiefbruder Kaiser Konrads III. Derselbe -erzählt, er habe im Jahre 1145 in Viterbo den Bischof von Gabula (Jibal -im nördlichen Syrien) getroffen, der unter Thränen von den Gefahren -erzählt, welche seit dem Falle von Edessa die christliche Kirche -bedrohe. Vor wenigen Jahren, erzählte der Bischof, sei im fernen Osten -jenseit Armenien und Persien ein gewisser Johannes, Priester und -König zugleich über ein nestorianisches Volk, aufgetreten, habe erst -die medische Hauptstadt Egbatana erobert und dann die Samiardischen -Bruderkönige, die in Persien und Medien herrschten, in dreitägiger -Schlacht besiegt und sei weiter nach Westen gerückt, um der bedrängten -Kirche in Jerusalem beizustehen. Aber der Tigris habe seinem Zuge Halt -geboten und ihn zur Umkehr genöthigt. - -Die hier erwähnten Ereignisse sind von Professor Bruun[20] auf Johann -Orbelian (Ivané Orpel), den Großwürdenträger und siegreichen Feldherrn -des georgischen Königs David gedeutet, der den Türken um 1123 oder 1124 -die Stadt Ani in Armenien abgewann. -- Das Geschlecht der Orbeliane -besaß zwar in seinen außerordentlichen Privilegien fast königliche -Macht und namentlich Johannes Orbelian war der Stolz der Georgier; -allein seine Thaten sind doch nicht gewaltig und seine Stellung nicht -unabhängig genug, um ihn kurzweg als Priesterkönig bezeichnen zu -können, und der große blutige Sieg über die Samiardischen Brüder bleibt -auch ohne entsprechenden Beleg. Die Identität des Priesters Johannes -mit Johann Orbelian bleibt daher unerwiesen, wenn auch, abgesehen von -dem zutreffenden Namen Johann und der Existenz eines christlichen -Volkes und Fürsten, für diese Hypothese noch die Thatsachen sprechen, -daß Groß-Armenien als der ferne Orient angesehen wurde und daß -georgische Könige den Christen in Palästina mehrfach Hilfe zu bringen -suchten. - -Auf der andern Seite muß aber darauf hingewiesen werden, daß die -christlichen Sendboten und Kaufleute, welche in Asien eindrangen, seit -dem 13. Jahrhundert den Priesterkönig viel weiter im Osten suchten und -an Armenien nicht dachten. Und in der That leiten auch die Nachrichten -Ottos von Freising über die Nachbarländer Syriens hinaus. Den Kern -der Untersuchung muß die verhängnißvolle Schlacht bilden, in welcher -der Beherrscher Persiens unterlag. Es wird sich dabei zwar ergeben, -daß in Ottos Berichte Irrthümer mit unterlaufen und andere dunkle -Punkte, namentlich die angebliche Eroberung von Ekbatana und der Zug -an den Tigris, unerledigt bleiben; allein das Endresultat fällt doch -befriedigender aus als bei der ersten Hypothese. - -Jene Niederlage nun der Perser, welche nach der Angabe des Bischofs -von Gabula nur wenige Jahre vor 1145 erfolgte, fällt ins Jahr 1141. -Etwa hundert Jahre früher hatten seldschuckische Sultane die Herrschaft -in Persien gewonnen und ihre Macht bis Kleinasien und Aegypten -ausgedehnt. Um 1105 theilte sich das große Reich in zwei Staaten unter -den Brüdern +Mohammed+ und +Sandschar+. Das sind die Samiardischen -(richtiger Saniardischen) Brüder, nach dem mächtigeren und weit länger -regierenden Sandschar (Saniard) benannt; denn Mohammed starb bereits -1118, Sandschar aber erst 1157. Sandschar behauptete als Sultan das -Uebergewicht im Osten, während seine Neffen, die Söhne Mohammeds, von -ihm abhängig wurden. Es ist demnach ungenau, wenn noch um 1145 Otto von -Freising von Saniardischen +Brüdern+ spricht. - -Zu den von Persien abhängigen Staaten gehörte damals auch Chowaresmien -am untern Amu-Darja; dieser Staat strebte nach Selbständigkeit. Der -Sohn des dortigen Schahs Atsis war von Sandschar getödtet worden; aus -Rache rief Atsis die sogenannten Karachitanen oder Khata zur Hilfe -herbei. - -Der älteste arabische Schriftsteller, welcher über diese Ereignisse -berichtet, ist Ibn-el-Athir (1160-1233). Derselbe erzählt, Atsis habe, -aufgebracht über die Ermordung seines Sohnes, zu den Khata gesandt, -welche in Ma-vera-el-nahr (Transoxanien) wohnten, und in ihnen die -Hoffnung auf Landgewinn erregt. Indem er ihnen die Sache sehr leicht -vorstellte, reizte er sie, in Sandschars Reich einzufallen. Demzufolge -brachen sie mit 300,000 Reitern auf, Sandschar ging ihnen mit seiner -Armee entgegen und erlitt in der Nähe von Samarkand eine blutige -Niederlage, in welcher 100,000 fielen, darunter 12,000 Vornehme und -4000 Weiber. Sandschar floh nach Balch.[21] - -Diese Khata werden auch als ungläubige Türken bezeichnet. Ihren -Anführer nennt der arabische Historiker einen Chinesen, dessen Titel -Ku-chan, richtiger Kur-chan, war. - -Mit zusammengerafften tatarischen und chinesischen Völkern war also -dieser Heeresfürst im Westen erschienen und in die islamitischen Länder -eingebrochen, wo er dem bisher stets siegreichen Sandschar den ersten -empfindlichen Schlag versetzte. - -Welche Bewandtniß es mit dieser Völkerbewegung hatte, erfahren wir aus -chinesischen Quellen. - -Ein wahrscheinlich zur Gruppe der Tungusen gehöriger Volksstamm -in der Mandschurei, den die Chinesen +Chitanen+ benannten, hatte -sich im Laufe der Jahrhunderte aus rohen Zuständen allmählich zu -einer gewissen Kultur emporgearbeitet und so gekräftigt einen Staat -gebildet, der, die Nachbargebiete beherrschend, im Jahre 907 bereits -über Nordchina hin bis zum Lop-nor reichte und bald darauf Nordchina -selbst unterwarf. Dieses Reich der Chitanen wurde weiter im Westen -unter dem Namen +Khitai, Khathay+ bekannt und bestand bis zum Jahre -1123. Dann wurde es aus dem chinesischen Besitze wieder verdrängt. -Der Vetter und Oberfeldherr des letzten Kaisers der Chitanen, -Yeliutasche, gründete im Westen vom Lop-nor ein neues Reich, das sich -durch glückliche Eroberungen über das Pamirhochland hinaus bis an den -Oxus in West-Turkistan erstreckte, wo der Sohn des ersten Fürsten, -+Yeliuyliui+ († 1153) bei Samarkand den Sultan Sandschar im September -1141 besiegte. So rückte dieses Reich fast bis ans kaspische Meer vor -und erscholl sein Name auch in Europa. Die Fürsten trugen den Titel -Korchan oder Gurchan (woraus allmählich durch Umgestaltung Johannes -wurde) und ihr neugegründetes Reich hieß das Reich der Karachitanen -oder schwarzen Chitanen. Dort im Osten des kaspischen Meeres suchten -die abendländischen Reisenden zuerst den Priesterkönig, und als man -ihn nicht mehr vorfand, denn das Reich war schon 1215 von Temudschin -zerstört, floh es vor dem suchenden Blick immer weiter nach Osten, +bis -man China selbst mit dem Namen Kithai oder Cathay, Cathaya belegte+, -und an dieser Benennung Jahrhunderte lang festhielt. - -Rubruck und Marco Polo hielten den Fürsten „Ungchan“ der Keraiten in -der östlichen Mongolei für den Johannes und verwechselten denselben mit -Yeliutasche. Die Verwechselungen und Verschiebungen dieser mythischen -Gestalt eines Priesterkönigs dauerten auch im 14. Jahrhundert weiter, -wo man ihn in dem christlichen König von Habesch glaubte richtig -entdeckt zu haben; im 15. Jahrhundert wurde er dort von Heinrich -dem Seefahrer gesucht. Es gingen noch am Ende dieses und selbst im -nächsten, im 16. Jahrhunderte, portugiesische Gesandte an den Priester -Johannes ab. Im Abendlande hat man sich lange an dieser Erscheinung -erbaut und fand etwas tröstliches darin, fern im Osten einen -unbekannten, aber mächtigen Bundesgenossen sich vorzustellen, der den -bedrängten Christen Hilfe bringen könne. - - -3. Die ersten christlichen Glaubensboten im Orient. - -Der Plan, mit der mongolischen Welt direct in Verkehr zu treten, wurde -zuerst vom Pabste Innocenz IV. auf dem Concil zu Lyon 1245 gefaßt. Er -entschloß sich, zwei verschiedene geistliche Gesandtschaften nach dem -Morgenlande abzuordnen. -- Werfen wir zur Orientirung zunächst einen -Blick auf die politische Gestaltung der mongolischen Staaten. - -Nach Tschingischagans Tode verblieb die oberste Gewalt seinen Söhnen, -einer unter ihnen empfing den Titel Kaan (Chagan), die andern hießen -Chan. Das Weltreich zerfiel in vier Staaten.[22] +Ostasien+ umfaßte das -Gebiet des Kaan. Dazu gehörte China, Tibet, die östliche Mongolei und -die Mandschurei. Die Residenz war Kaanbaligh, d. h. die Stadt des Kaan, -jetzt Peking. Der Name wurde im Abendlande bald in Cambalich, bald in -Kambalu verändert. - -Westlich von diesem Staate lag auf beiden Seiten der Hochebene -Pamir, also Theile von Ost- und West-Turkestan umfassend, das Reich -+Dschagataï+ oder das Reich der Mitte. Dasselbe erstreckte sich vom -Altai bis zum westlichen Himalaja und obern Indus, schloß Afghanistan -ein und reichte bis zum Amu-Darja im Südwesten. Die Hauptstadt Almalik -lag am obern Iliflusse, der sich in den Balchasch ergießt, in der -Nähe der heutigen Stadt Kuldscha. Noch weiter gegen Südwesten lag -das persisch-medische +Reich der Ilchane+. Dasselbe umfaßte Persien, -Armenien, Mesopotamien und Theile von Kleinasien; seine Hauptstadt war -Tebris. Dieser Staatencomplex zerfiel am schnellsten. Den äußersten -Westen nahm das +Reich der goldnen Horde+ (Kiptschak) ein, welches sich -über die Flachlandschaften Asiens und Europas ausbreitete und sich vom -Westfluß des Altai durch die Kirgisensteppe über Südrußland bis an den -Waldgürtel der Karpaten ausdehnte. Der Fürst residirte in Serai an der -untern Wolga. Durch dieses Reich zogen die meisten abendländischen -Gesandtschaften an den Hof der Mongolenkaane und gingen belebte -Handelswege durch das Herz Asiens bis zum Ostrande der alten Welt. -So bildete Kiptschak den willkommenen Vermittler zwischen Abend- und -Morgenland. - -Es war um die Mitte des 13. Jahrhunderts, als verschiedene Umstände den -wohl schon früher gehegten Gedanken verwirklichen halfen, von Seiten -des Abendlandes direct mit dem Weltreich der Mongolen in Verbindung zu -treten. Zunächst war die asiatische Steppenmacht 1241 am weitesten nach -Westen, bis nach Schlesien, also ins Herz Europas vorgedrungen. Dann -traten in den nächsten Jahren wiederum die schwersten Bedrängnisse für -den christlichen Besitz im heiligen Lande ein, indem von Osten her aus -Turan türkische Söldnerschaaren vor den Mongolen zurückweichen mußten, -über Syrien hereinbrachen und Jerusalem im Jahre 1244 eroberten. - -In Folge dieser Ereignisse beschloß Pabst Innocenz IV. auf dem -denkwürdigen Concil zu Lyon 1245 zwei Gesandtschaften auf verschiedenen -Wegen ins Morgenland zu entsenden. - -Man bezeichnete damals die Mongolen allgemein mit dem Namen Tartaren -(richtiger Tataren) nach einem ihrer tapfersten Stämme, den Tata; -ursprünglich verstand man darunter eine kleine Horde, welche zwischen -dem Kuku-nor und den Quellen des Hwangho ihren Sitz hatte, und in -Europa als die Avantgarde des Mongolenschwarms sich durch Verwüstung -und Brand einen gefürchteten Namen gemacht hatte. Sie galten als eine -Ausgeburt der Hölle, als dem Tartarus entlaufene Teufel und wurden -demnach in doppelter Beziehung Tartaren genannt. Aber indem man -dann alle ins christliche Abendland eingebrochenen turanischen und -mongolischen Stämme unter dem einen Namen zusammenfaßte, hat man auf -lange Zeit die ethnologischen Verhältnisse Asiens verwischt und durch -diese falsche Auffassung eine wahre Völkerverwirrung herbeigeführt. - -Zu diesen Tataren entsendete nun der Pabst zwei Botschaften, eine aus -Dominikanern, die andere aus Franziskanern bestehend. - -Beide brachen in demselben Jahre auf, die Dominikaner zogen der -Richtung entgegen, aus welcher die türkischen Söldner über Syrien -hergefallen und Jerusalem geplündert hatten; die andern durch die -Steppen Rußlands und durch jenes große Völkerthor, aus welchem seit -alter Zeit die beweglichen innerasiatischen Steppenhorden über die -Kulturlandschaften des Westens ausgebrochen waren. - -Beide Missionen zielten nach der Hauptstadt der Großchane, nach -Karakorum, in der Nähe des Baikal. Die Dominikaner-Gesandtschaft -bestand aus +Ascelin, Simon von St. Quentin+, +Alexander+ und +Albert+, -mit denen sich auf der Reise noch +Andreas von Lonjumel+ und +Guichard -von Cremona+ verbanden. Ascelin ging mit seinen Gefährten über See -nach Syrien und drang durch Mesopotamien und Persien bis an die Grenze -von Chowaresmien vor. Dort traf er mit dem Mongolengeneral +Batschu+ -zusammen und wandte sich dann zur Rückkehr, so daß die ganze Reise nur -59 Tage währte. Alles was wir über diesen Zug wissen, beschränkt sich -auf die Mittheilungen, welche der berühmte Vincentius von Beauvais, -nach den Aussagen des Simon von St. Quentin, in sein ~Speculum -historiale~ aufgenommen hat. Für die Erdkunde ist wenig Gewinn daraus -geflossen. - -Nur das Eine wissen wir, daß Andreas von Lonjumel seine Wanderung -weiter fortsetzte und um 1248 oder 1249 wirklich nach Karakorum gelangt -ist. - -Die Franziskaner-Gesandtschaft bestand aus +Laurentius von Portugal, -Benedict von Polen+ und +Giovanni Piano di Carpine+ (in französischer -Form: Plan Carpin). Von letzterem rührt der ausführliche Reisebericht. -Sie erhielten den Auftrag, durch Mitteleuropa zum +Batuchan+, dem -Fürsten von Kiptschak zu gehen und auf ihrem Weiterzuge möglichst viel -Erkundigung über die asiatischen Völker, namentlich über die Tataren -einzuziehen. Ihr Creditiv war am 5. März 1245 in Lyon ausgestellt. Am -Ostersonntage verließen sie diese Stadt und reisten in einem weiten -nördlichen Bogen über Troyes, Lüttich, Cöln, Dresden nach Prag, -besuchten den König Wenzel von Böhmen, der sich bei dem Herrannahen der -Mongolen 1241 so außerordentlich thätig und umsichtig bewiesen und alle -Nachbarfürsten rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht -hatte. Er konnte gewiß schon mancherlei Auskunft ertheilen. Von Prag -wandten sie sich nach Breslau, wo Benedict sich mit ihnen vereinigte -und gingen über Krakau nach Kijew. - -Von hier zogen sie sich den Dnjepr hinab nach Canove (Kaniew) und -erreichten daselbst die Grenze des Tatarenreiches, durch welches sie -zum Hauptquartier Batuchans nach der Wolga weiter zogen. Hierbei lernen -wir von ihnen die modernen Namen jener großen Ströme Nepere (Dnjepr), -Don, Wolga und Jaik (Ural) kennen. - -Batu versah sie mit sicherem Geleite nach der Hauptstadt Karakorum. -Diese Reise nahm 3½ Monate in Anspruch und dauerte bis zum 22. -Juli. Dabei machten sie die Bekanntschaft der Kangiten oder -Kanglen (Petschenegen) östlich vom Uralflusse, ritten durch die -Kirgisensteppen, berührten Omyl, eine von den Karachitanen gegründete -Stadt, welche östlich vom Balchaschsee am Steppenflusse Emyl oder -Jemil lag, der sich in den Alakul ergießt. Von hier wandten sie sich -zum Kysylbasch oder Ulungursee, an dem zu jener Zeit die Naimanhorde -ihre Weideplätze besaß, und erreichten Ende Juli die Residenz des -Chagan, welcher damals ½ Tagereise von Karakorum weilte. Sie trafen zu -einer sehr bewegten Zeit dort ein, +Kuyuk+, der Sohn Okkodais, war zum -Großfürsten ausgerufen und aus ganz Asien trafen die Abgeordneten der -dem Weltreich einverleibten Völker und Stämme, sowie der benachbarten -Fürsten ein. Es waren an 4000 Gesandte zugegen, welche dem neuen Herrn -ihre Huldigungen darbrachten und Tribut zahlten. Es war also für Piano -di Carpine und seine Gefährten eine sehr günstige Gelegenheit, von -allen Seiten Erkundigungen einzuziehen, aber Irrthum und Wahrheit -mischen sich in seiner Darstellung ineinander; verwechselte er doch -selbst das schwarze und kaspische Meer. Hier lernten die Missionare -auch zuerst Chinesen kennen, welche ihnen ein mongolenähnliches Gesicht -zeigten, wenn dasselbe auch nicht so breit war wie bei den Mongolen. -Piano gedenkt in rühmlicher Erwähnung der guten Sitten der Chinesen und -der Geschicklichkeit ihrer Handwerker. - -Im Frühling des nächsten Jahres kehrten sie ziemlich auf demselben Wege -zurück, trafen im Mai wieder bei Batuchan ein und vollendeten über -Kijew ihre Reise nach Lyon. Piano di Carpine erstattete ausführlichen -Bericht über die Sitten und Lebensweise der Tataren, über ihren -Cultus und Staatsorganismus. Seine Mittheilungen werden ergänzt und -vervollständigt durch die Angaben, welche nach den Erzählungen seines -Genossen Benedict von Polen niedergeschrieben wurden. Die ganze Reise -hatte etwa zwei Jahre gedauert. - -Um dieselbe Zeit machten auch mehrere Mitglieder des königlichen -Hauses von Armenien bedeutende Reisen nach dem innern Hochlande von -Asien. Das damals noch selbständige Königreich von Klein-Armenien -war, von den Seldschucken in Kleinasien und den ägyptischen Ehubiden -eingeengt, auf den östlichen Theil der Südküste Kleinasiens beschränkt. -Der König +Hayton+ oder +Hethum I.+ beschloß, um sich mit der immer -näher drohenden mongolischen Macht friedlich abzufinden, seinen Bruder -+Sempad+ oder Sinibald abzusenden, um den Großchan Kuyuk bei seiner -Thronbesteigung ebenfalls zu begrüßen. Prinz Sempad war vier Jahre -unterwegs. Ein Brief von ihm, wahrscheinlich von Samarkand aus an den -König von Cypern gerichtet, ist uns erhalten. Darin wird erzählt, daß -die mongolische Macht sich schon über fast ganz Asien ausgedehnt habe, -und daß verschiedene Chane in Indien und China (Chata), in Kaschgar -und Tauchat (Tangut) herrschen. Dieses letztere Land hielt Sempad für -dasjenige, aus dem die drei Könige des Morgenlandes nach Bethlehem -gekommen seien, um das Christkind anzubeten. - -Acht Jahre später, 1254, machte sich +König Hayton+ selbst auf den -Weg, und brachte dem Nachfolger Kuyuks, +Mangkukaan+ zu seiner -Thronbesteigung seine Glückwünsche dar, um sich auch ferner ein gutes -Einvernehmen mit den Mongolen zu sichern. Hayton schlug den Weg durch -Kleinasien und Armenien ein, besuchte erst den mongolischen Heerführer -Batschu (Batschu Noian) in +Kars+, wandte sich dann zum kaspischen -Meere, umging den Kaukasus durch den Paß von Derbend und traf mit -Batu und seinem Sohne +Sartasch+ an der Wolga zusammen. Von hier nahm -der König einen etwas nördlicheren Weg als Piano di Carpine und der -Sendling Ludwig des Heiligen, Rubruck, der mit ihm in demselben Jahre -die weite Steppenreise nach Karakorum vollendete. In der mongolischen -Residenz, wohin er am 13. September gelangte, ward ihm eine ehrenvolle -Aufnahme zu Theil; nach einem Aufenthalte von 6 Wochen nahm er am 1. -Nov. Abschied und kehrte auf dem südlichen Wege durch die Dsungarei, -über Otrar, Samarkand und Bochara und weiter durch Nordpersien und -Armenien in seine Heimat zurück. Hayton weiß manches Interessante -über die Völker Ostasiens zu berichten, natürlich stehen die Chinesen -(Chataier) in erster Reihe. Von ihrem Cultus weiß er, daß sie ein -Götzenbild, namens Schakemonia (Sakya-Muni), d. h. also Buddha anbeten. - -Endlich haben wir hier noch eines dritten Mitgliedes der königlichen -Familie zu gedenken, des Prinzen +Hayton von Gorigos+, der auch durch -politische und kriegerische Verhältnisse weit nach Osten geführt -wurde, später nach einem bewegten Leben sich in ein Kloster auf Cypern -zurückzog und von hier aus als Mönch dem Pabste Clemens V. in Avignon -einen Besuch abstattete. Der Pabst verlieh ihm die Prämonstratenser -Abtei in Poitiers. Dort dictirte er dem Nicolaus Salconi eine -Geographie von Asien und eine Geschichte der Mongolenfürsten in -französischer Sprache, worauf Salconi dieselbe 1307 ins Lateinische -übersetzte. Es ist die erste systematische Geographie von Asien, -die wir aus dem Mittelalter besitzen; und da dieselbe im Abendlande -niedergeschrieben war, fand sie bald weitere Verbreitung, namentlich -in den Klöstern, wo man sich für die Thaten der Ordensbrüder lebhaft -interessirte. Der prinzliche Mönch beginnt mit China. Dieses erste -Capitel darf als das wichtigste bezeichnet werden, wenn auch die Züge -der Darstellung allgemein gehalten sind. Cathai ist danach das größte -Reich der Welt, voll Volks und voll Reichthums und liegt am Gestade -des Oceans, welcher mit unzähligen Inseln besäet ist. Die Chinesen -sind überaus geschickt und verachten alle andern Nationen, welche an -Kunstfertigkeit ihnen nachstehen. Darum behaupten sie auch, sie allein -hätten zwei Augen, die Lateiner, das heißt die Völker des Abendlandes, -besäßen nur +ein+ Auge und alle andern Nationen seien blind. Ihre -Geschicklichkeit ist ganz erstaunlich und die Erzeugnisse ihres -Gewerbfleißes sind bewunderungswürdig. Die Cathaier haben kleine Augen -und von Natur keinen Bart. Ihre Schrift hat Hayton nicht verstanden, -denn er meint, die chinesischen Buchstaben kämen an Schönheit der -lateinischen Schrift gleich. Besser ist sein Urtheil über das religiöse -Leben; treffend bemerkt er, die Chinesen hätten kein Verständniß für -geistliche Dinge. Auch ihre Tapferkeit kann er nicht rühmen. Merkwürdig -ist das Papiergeld, das mit dem rothen kaiserlichen Stempel versehen, -überall im Lande cursirt und wenn es abgenutzt ist, in der Staatsbank -gegen neues Papier eingewechselt wird. - -Westlich von China liegt das Reich Tarse. Da dasselbe als von Uiguren -bewohnt bezeichnet wird, so läßt sich die Localität mit ziemlicher -Gewißheit angeben, wenn der Name auch noch nicht befriedigend erklärt -ist. Tarse liegt zwischen China und Turkestan, demnach im Gebiet des -Tarim. Hayton kennt die eigenthümliche uigurische Schrift, welche -bei den Chinesen bereits seit dem 6. Jahrhundert Erwähnung gefunden, -bewundert die großen Tempel im Lande und rühmt die Städte und die Fülle -des Getreides. Weiter westwärts folgt das Hirtenland Turkestan und die -von Wüsten umgebene Oase Chorasmien (Chiwa); sodann wird das kaspische -Meer für den größten Landsee der Welt erklärt und ausdrücklich -hervorgehoben, daß dasselbe keine Verbindung mit dem Ocean habe. Das -Hauptland im südlichen Asien ist Indien; die dazu gehörigen Inseln sind -reich an Edelgestein, Gold, Perlen und Specereien, besonders reich ist -die Insel Selan (Ceylon). - -Die Halbinselgestalt des Landes wird richtig angedeutet, auch ist dem -Armenier bekannt, daß im südlichen Indien schwarze Menschen (Dravida) -leben. Combaech (Cambaya) gilt als bedeutender Handelsplatz. - -Auf die westlichen Länder Asiens richten wir den Blick nicht weiter; -es genügt, zu zeigen, daß sich der Osten der alten Welt wenigstens in -allgemeinen Zügen wieder zu entschleiern begann. - -Bedeutender als alle bisher geschilderten Missionen war die Entsendung -des Franziskaners +Wilhelm Rubruck+ nach Karakorum. Zwar wurden die -bereits betretenen Gebiete wiederum durchstreift und somit räumlich -keine namhafte Erweiterung der Erdkunde erzielt; allein der Werth -liegt hier in dem vortrefflichen Reiseberichte, der an Schärfe der -Beobachtung, Sicherheit des Urtheils und Treue der Darstellung, -unbeirrt durch falsche Vorstellungen oder Vorurtheile, als die -vollendetste Leistung mittelalterlicher Reiseberichte zu bezeichnen ist. - -Die Veranlassung zu dieser erneuten Botschaft an den Hof der -Mongolenfürsten gab der Kreuzzug Ludwig des Heiligen 1248-1254. -Nach dem verhängnißvollen Feldzuge gegen Aegypten hatte sich der -französische König nach Palästina gewendet. Hier beschloß er zwei -Gesandtschaften zum Großchan abzuordnen, die auf verschiedenen Wegen -durch Armenien, Persien und Turan einerseits und durch Südrußland -und die Kirgisensteppe andererseits demselben Ziele zusteuerten. Die -erste Sendung führte der Ordensbruder Andreas, von dessen Reise sich -leider kein Bericht erhalten hat, die zweite ging unter Rubruck und -Bartholomäus von Cremona ab. - -Wilhelm von Rubruck (Ruysbruck, Rubruquis), gebürtig aus dem Dorfe -Rubruck im Departement du Nord in Nordfrankreich, erhielt die Leitung -und empfing die königlichen Briefe zu St. Jean d’Acre. Zunächst sollte -er den tatarischen Fürsten +Sartasch+, der mit seiner Horde diesseits -der Wolga lagerte, aufsuchen. In Palästina ging damals die Rede, -Sartasch sei Christ. Ludwig der Heilige sprach in seinem Briefe den -Wunsch aus, die Lehre Christi weiter in Asien verbreitet zu sehen. -Rubruck schiffte sich im Frühling 1253 in St. Jean d’Acre ein nach -Konstantinopel, segelte über das schwarze Meer und landete im Hafen -Soldaia (jetzt Sudak) an der Südküste der Krim, südwestlich von Kaffa. -Das war der gewöhnliche Ausgangspunkt abendländischer Kaufleute, -welche mit den unter mongolischer Herrschaft stehenden Ländern -verkehrten. Hier bot sich darum die beste Gelegenheit, die geeigneten -Vorbereitungen zu einer längeren Steppenreise zu treffen. Auf Anrathen -der Kaufleute kaufte sich Rubruck hier vier von Ochsen gezogene, -gedeckte Reisewagen für sein Gepäck, für Vorräthe und Geschenke. -Auf diese Weise, hieß es, sei er der Mühe überhoben, die Lastthiere -alle Morgen beladen und alle Abend entlasten zu müssen. Allerdings -erforderte auf diese Art die Reise die doppelte Zeit, um nach Sartasch -zu kommen, nämlich zwei Monate statt eines. - -Am 1. Juni brach die Karawane auf, die Reisenden selbst mit ihren -Dienern zu Pferde, unter den letzteren ein Turkomane als Dolmetscher. - -Eine Wahrnehmung, welche Rubruck noch an der Südküste der Krim machte, -hat ethnologisches Interesse. Damals lebten an jenem malerischen -Strande noch Gothen, welche auch ihre Sprache noch beibehalten hatten. -Rubruck selbst, von der Grenze germanischer Zunge stammend, hat sicher -ganz recht gehört, wenn er die Sprache jener Gothen teutonisch nennt. -Der germanische Laut scheint erst im 18. Jahrhundert dort gänzlich -verstummt zu sein. Ueber das wald- und wasserreiche Gebirge und eine -weite Steppe kamen die Sendboten des heiligen Ludwig in 5 Tagen zur -Landenge von Perekop. In der Steppe erschienen die ersten Tataren. -Ihre Lebensweise, die Einrichtung der Zelte, die Theilung der Arbeit -zwischen Männern und Frauen werden genau beschrieben. Wir lernen als -Lieblingsgetränk der Nomaden den Reisbranntwein und Cosmos (Kumis) -kennen. Trachten, Sitten und Gebräuche werden eingehend geschildert -und geben ein gelungenes ethnologisches Gemälde. Die Fahrt ging weiter -ums asowsche Meer herum über ein tafelgleiches Land, ohne Wald, ohne -Berg, aber dicht begrünt. Der Don gilt unserm Gewährsmann noch als die -Grenze zwischen Asien und Europa. Der Strom war an der Fähre etwa so -breit, wie die Seine bei Paris. Von hier bis zur Wolga rechnete man -10 starke Tagereisen. Am letzten Juli langten sie in der Residenz des -Sartasch an. Weiter nach Norden war das Land waldreich und von Flüssen -durchzogen. Dort wohnte in Holzhäusern das Volk der Moxel oder Maxel -und noch weiter nordwärts die Merdas (Mordwinen). - -Das Lager des Sartasch lag damals nach drei Tagereisen diesseit der -Wolga. Hier hörte Rubruck schon die Sage vom Priesterkönig Johannes, -den er in der Gestalt des Bruders des Unkchan der Naimanhorde zu -erkennen glaubt. Von Sartasch zogen sie weiter zur Wolga; dieselbe -erschien 4mal so breit als die Seine bei Paris. Rubruck erfuhr, daß -der Strom sich nicht in den Ocean, sondern in das Meer von Sirsan -(Dschorschan) d. i. das kaspische Meer ergieße. Unter letzterem Namen, -fügt Rubruck hinzu, kennt es Isidor von Sevilla. Isidor galt also im -13. Jahrhundert noch als geographische Autorität. - -Es ist für die Geschichte der Erdkunde von Bedeutung, daß Rubruck mit -großer Sicherheit einen Irrthum Isidors berichtet, wonach das kaspische -Meer ein Meerbusen des nördlichen Eismeers sein solle, ein Irrthum, -dem bekanntlich im Alterthum alle Geographen zwischen Aristoteles und -Ptolemäus, also auch Strabo, verfallen waren. „Bruder Andreas hat zwei -Seiten dieses Meeres umzogen, im Osten und Süden, und ich habe die -beiden andern Ufer umwandert,“ setzt Rubruck hinzu, um seine Ansicht zu -erhärten. Auch gibt er getreu die umwohnenden Völker an, erwähnt, daß -man im O., S. und W. Gebirge finde, nur im Norden nicht; und trotzdem -konnte der alte Wahn von der Meerbusengestalt dieses Sees sich noch bis -in den Anfang des 18. Jahrhunderts wieder beleben. - -Der Hof und das Lager Batuchans machte auf die Reisenden den Eindruck -einer großen Stadt, da sich die Zelte der Tataren einige Meilen weit -hinzogen. Bei der Audienz, die ihnen Batu gewährte, verlangten die -Hofleute, die Mönche sollten, wie es alle Gesandten zu thun pflegten, -die Knie beugen. Trotzdem traten sie aufrechten Ganges ein und -sangen das Miserere. Als man ihnen aber alles Ernstes bedeutete, sie -hätten niederzuknien, folgten sie zwar dem Gebote, um weiter keine -Schwierigkeiten zu bereiten, brauchten aber die List, statt mit einer -Anrede an Batu mit einem Gebete zu beginnen, so daß sie sich einreden -durften, sie hätten sich vor Gott, aber nicht vor Menschen gebeugt. -Danach hieß der Mongole sie aufstehen, fragte nach dem Zwecke ihrer -Reise und ließ ihnen zum Zeichen seiner besonderen Gunst Milch zu -trinken reichen. Dann erhielten sie die Erlaubniß mitzuziehen, denn -Batu brach sein Lager bald ab und zog nomadisirend 5 Wochen an der -Wolga hin. Erst am 16. September erfolgte ihr neuer Aufbruch nach -Osten. Ihre Priesterornate ließen sie zurück und kleideten sich für -die winterliche Reise in die landesübliche Pelztracht. Auch die Wagen -blieben zurück und die Weiterreise wurde zu Pferde gemacht. Nach zwölf -Tagen kamen sie von der Wolga an den Fluß Jagat (Jaik, i. e. Ural), -welcher im Norden, im Lande der Pascatir (Baschkiren) entspringt. -Dieses Volk redete die nämliche Sprache wie die Ungarn. Diese und -andere Mittheilungen erhielt Rubruck von Predigermönchen, die bis zu -diesem Hirtenvolke vorgedrungen waren. Täglich wurde nun eine Strecke -zurückgelegt, wie zwischen Paris und Orleans, zuweilen auch noch mehr; -denn sie erhielten gute Pferde und wechselten dieselben wohl auch, wenn -sie ein Lager trafen, zwei bis drei Mal. Dafür mußte der officielle -Begleiter sorgen, den ihnen Batu mitgegeben hatte; für Rubruck -suchte man stets das stärkste Reitthier aus, weil er sehr schwer und -wohlbeleibt war. „Was wir da an Hunger und Durst, Kälte und Erschöpfung -gelitten haben,“ ruft er aus, „läßt sich nicht beschreiben. Nur des -Abends gab es eine ordentliche Mahlzeit, am Morgen dagegen nur Hirse -und Milch.“ Und trotz alledem fasteten die beiden Geistlichen noch alle -Freitage bis zur Nacht. - -Die Natur des Landes blieb sich lange Zeit gleich, immer derselbe -Steppenboden, nur hie und da an den Flußrändern von kleinen Gehölzen -unterbrochen. - -Am Tage vor Allerheiligen schlug man eine südliche Richtung und ritt 8 -Tage durch hohe Gebirge. Der Winter hatte schon seit Michaelis seinen -Einzug gehalten, und sie reisten immer nur über Eis. - -Aus den allgemein gehaltenen Angaben der Reiseroute dürfen wir -schließen, daß der Weg durch die Kirghisensteppe nach Südosten führte -und daß man vom östlichen Ufer des Sir Darja, den man nicht zu Gesicht -bekam, den Karatau überstieg und in das Thal des Talas gelangte. Hier -lag in der gut bewässerten und gartenähnlich angebauten Ebene damals -der mohammedanische Ort Kenschak, wo sie nach Landessitte von dem -Haupte der Stadt als Abgesandte Batus empfangen wurden. Nach der Stadt -Talas selbst kamen sie nicht, dieselbe lag weiter südlich und sollte, -nach eingezogenen Erkundigungen, noch aus Deutschland fortgeschleppte -Gefangene bergen. - -Jenseits Talas begann das Reich Mangkukaans. Nachdem noch ein Gebirge -überstiegen war, kamen sie wieder in eine große Thalebene; über den -Tschu mußten sie in Böten übersetzen und betraten darauf die von -persisch redenden Mohammedanern (also von Tädschick) bewohnte Stadt -Equius, welche dem heutigen Tokmak gegenüber gelegen haben wird. Dann -wurden die Ausläufer der südlichen Hochgebirge, die Mainakkette, -traversirt und es folgte das dritte Thalbecken, das des Ili-Flusses. -Die von vielen Bächen durchzogene Ebene war im Norden von einem großen -See (dem Balchaschsee) begrenzt. Hier in dieser fruchtbaren Ebene -erhoben sich einst zahlreiche Ortschaften, aber sie waren durch die -Mongolen größtentheils zerstört, welche die Triften nur als Weidegrund -benutzten. In Cailac (Kayalik der mongolischen Schriftsteller, -wahrscheinlich nahe bei Kopal, am Fuße des Dsungarischen Alatau) -war den Reisenden endlich eine Rast von 12 Tagen gegönnt. Am St. -Andreastage, 30. Nov., brachen sie wieder auf, wurden am Alakul von -einem jener furchtbaren Winterstürme, welche über die Steppen fegen, -überfallen, zogen wahrscheinlich über das Tarbagataigebirge weiter -ins Thal des obern Irtysch und von da am Dsabgan aufwärts. Der Weg -wurde öder, mühsamer, die Gegend steril, das Futter für die Thiere -seltener. Die einzige Bevölkerung der mongolischen Hochebene bestand -hier aus den an der großen Weglinie stationirten Leuten, welche für -die Weiterbeförderung der Gesandten und fürstlichen Boten zu sorgen -hatten. Am 26. December trafen sie in einer meergleichen Ebene auf das -Lager Mangkukaans, am 4. Januar 1255 hatten sie die erste Audienz beim -Großfürsten. Auch hier wieder begegneten sie noch einzelnen Europäern, -die von der großen mongolischen Flut bis in diese entfernten Lande -verschlagen waren: so einer aus Metz gebürtigen Frau, die aus Ungarn -geraubt, sich hier mit einem russischen Handwerker verheiratet hatte, -und einen geschickten Goldschmied, Wilhelm Buchier aus Paris. - -Am Sonntag vor Himmelfahrt kamen sie mit der Wanderhorde zur Residenz -Karakorum. Dieselbe machte, mit Ausnahme des Palastes, nur einen -unbedeutenden Eindruck; Ort und Kloster St. Denis bei Paris erschien -im Vergleich mit Karakorum, weitaus bedeutender. Doch gab es 12 -Götzentempel, 2 Moscheen und eine Kirche, ein Zeichen der religiösen -Indifferenz der Mongolen. Tataren, Sarazenen und Chinesen waren in der -von einem Erdwall umgebenen Stadt ansässig. - -[Illustration: Facsimile der drei ersten Zeilen des uigurisch -geschriebenen Briefes von Argunchan an Philipp den Schönen; 1289. (Im -Archive von Paris.) - -(Die schraffirten Zeichen des chinesischen Siegels sind im Original von -rother Farbe.)] - -Mangku übergab den Priestern ein Antwortschreiben an den König von -Frankreich. Er bezeichnete sich darin als den Herrn der Erde an Gottes -Statt und forderte die Franzosen auf, ihm zu huldigen, wenn sie vor ihm -in Frieden leben wollten. - -Bartholomäus von Cremona mußte dort bleiben, es gab ja auch in -Karakorum eine kleine christliche Gemeinde und die Franziskaner hatten -Gelegenheit gehabt, sechs Seelen zu taufen, darunter befanden sich -drei Kinder eines armen Deutschen. - -Im Sommer 1255 kehrte Rubruck mit dem Dolmetscher allein zurück. -Sie schlugen diesmal einen etwas nördlicheren Weg ein, so daß der -Balchaschsee ihnen zur rechten Hand blieb, berührten nicht eine einzige -Stadt und vollendeten die Reise bis zu Batuchan in zwei Monaten und -sechs Tagen. Einen ganzen Monat zogen sie dann mit der Wanderhorde -Batus umher, ehe sie einen Führer erhielten, und konnten erst 14 Tage -vor Allerheiligen, also in der Mitte des October nach Sarai aufbrechen. -Zu Schiffe setzten sie dort über die Wolga und wandten sich dann -nach Süden um das westliche Ufer des kaspischen Sees herum nach dem -Gebirge der Alanen, d. h. nach dem Kaukasus. Durch das eiserne Thor -von Derbend, das Hochgebirge zur Rechten lassend, kam Rubruck über -Schemacha in die Mogansteppe, überschritt den Kur am Einflusse des Aras -und zog an diesem Strome aufwärts nach Naxua (Nachitschewan) und am -Ararat vorbei nach Etschmiadzin. Der durch die Sündflutsage ehrwürdige -Berg mit seinem Doppelgipfel hat von jeher auf die christlichen -Reisenden einen gewaltigen Eindruck gemacht. Auch Rubruck weiß den -Legendenkranz um ein Blatt zu vermehren. Viele Reisende haben den Berg -zu ersteigen gesucht, aber stets vergebens. Nun hatte auch ein Mönch -in dem nahen Kloster ein heftiges Verlangen, den Gipfel zu erreichen, -um womöglich die Arche Noah zu entdecken, welche nach dem allgemeinen -Glauben noch auf der Höhe des Gebirges liegen sollte. Da aber ein -menschlicher Fuß diese weihevolle Stätte nicht betreten durfte, so -habe ein Engel dem frommen Mönche ein Stück von dem Holze der Arche -herabgebracht. Dieses Holz sah Rubruck als besonders werthvolle -Reliquie im Kloster aufbewahrt. Bekanntlich wird dasselbe gegenwärtig -noch gezeigt. - -Von Etschmiadzin ging die Wanderung weiter über Ani, die alte, 1319 -durch ein Erdbeben zerstörte armenische Königsstadt am Arpatschai, -einem Nebenflusse des Aras, und über Ersirum am Euphratthale hinab nach -Ersingan und Kamach, einer von der Natur gebildeten Felsenburg, nach -Sebaste (Siwas), Cäsarea (Kaisarie) und Iconium. Hier traf Rubruck -einen genuesischen Kaufmann, in dessen Begleitung er nach Süden zur -Küste wanderte und im kleinen Hafenorte Kurch, dem westlichsten Orte -des Königreichs Armenien, das mittelländische Meer erreichte. Ueber -Cypern, Antiochia und Tripolis vollendete Rubruck seine mühevolle -mehrjährige Reise nach dem Kloster in Akkon, wo er um Pfingsten 1256 -anlangte. - -Vergleicht man die Reiselinie Rubrucks mit derjenigen Piano’s, so -scheint der Gewinn für die Erdkunde nicht sehr wesentlich; allein wir -müssen die Erkundigungen und Beobachtungen mit berücksichtigen, wenn -wir dem Verdienst Rubrucks vollständig gerecht werden wollen. Zunächst -die Erscheinungen der physischen Geographie. Von dem Augenblicke an, -wo er den Uralfluß überschritten hatte, traf er auf keinen Fluß mehr, -welcher, wie Don, Wolga, Ural die südliche Richtung einschlug. Seitdem -der Karatau überstiegen war, folgten die Flußläufe in ununterbrochener -Folge der Richtung nach Nordwest: Talas, Tschu, Ili, Irtysch u. s. w. -bis nach Karakorum. Der Weg führte über eine Reihe von Gebirgsketten -und dann wieder eine Zeitlang an den Flüssen aufwärts: aus alledem -schloß Rubruck mit Recht, daß Asien nach Osten, oder genauer nach -Südosten, sich zu einem mächtigen Hochlande erhebe. Es ist dies im -Mittelalter die erste Andeutung der Erkenntniß des innerasiatischen -Plateaus. Im Gegensatz zu den furchtbaren Schneestürmen in der -niedrigen turanischen Steppe, verlief auf dem Hochlande von Karakorum -der Winter ohne Stürme, aber der Frost, mit wenig Schnee, dauerte bis -in den Mai. - -Durch sorgfältige Erkundigungen war Rubruck ferner in den Stand -gesetzt, die Länder- und Völkergruppirungen in einem großen Theile -Asiens in allgemeinen Zügen anzugeben. Nordwärts drang sein forschender -Blick im europäischen Tieflande bis zu den Wohnsitzen der Russen, -Wolgabulgaren und Baschkiren und weiter östlich in Sibirien bis zu den -Kirghisen, die damals zwischen der oberen Tunguska und dem Jenisseï -saßen. Er weiß von den polaren Völkern, daß sie mit Hundeschlitten und -Schneeschuhen fahren, daß wegen der Kälte die mächtigen Schneemassen -nicht mehr schmelzen; aber das Ende des Polarlandes im Norden, die -Begrenzung Nordasiens durch ein Eismeer kennt er nicht. Dagegen gibt -er mit Bestimmtheit an, daß Cathai gegen Osten an das Weltmeer reicht. -Die Wohnsitze der Caule (Kaoli, Korea) und Manse (Mantschu) hält er -aber noch für Inseln. Er spricht die Vermuthung aus, daß die Serer -des Alterthums identisch seien mit den Cathaiern und charakterisirt -ihre mit einem Pinsel gemalte Schrift unter allen Reisenden jener -Zeit am treffendsten, wenn er sagt, ein einziges Schriftzeichen -begreife mehrere Buchstaben in sich und drücke ein ganzes Wort -aus, bei der Aussprache habe das Chinesische einen näselnden Ton. -Auch die Schreibweise der Tibetaner, Tanguten, Uiguren faßt er in -ihrem Unterschiede von der abendländischen Schrift richtig auf. -Ueber den Glauben, die Sitten und Gebräuche dieser Völker fließen -seine Beobachtungen mit ein, wie er auch der Zucht der Yakochsen -ausführlich gedenkt; unverkennbar tritt das Bestreben hervor, die Fülle -neuer Eindrücke ruhig zu prüfen und mit den Nachrichten der alten -Schriftsteller zu vergleichen, beziehentlich dieselben zu verbessern. - - -4. Die Handelsreisen der Poli. - -Einen noch größeren Erfolg als die Glaubensboten erzielten die -Kaufleute in der Aufschließung des fernsten Orients. Daß hierbei -vorherrschend Italiener thätig waren, erklärt sich aus der Entwickelung -des Handels am Mittelmeer. Als nach dem Falle des weströmischen Reiches -der Seeverkehr eine Zeit lang ganz darniedergelegen, traten die ersten -Regungen in Beziehungen mit Byzanz unter dem Gothen Theodorich wieder -hervor, der in der Hauptstadt des oströmischen Reiches erzogen war und -die byzantinische Pracht und Kunst liebte. So entstanden von seiner -Hauptstadt Ravenna aus die ersten Handelsverbindungen mit dem Osten, -die aber in den Gothenkriegen unter den Nachfolgern Theodorichs wieder -erstarben. Neue Keime bildeten sich bei dem völligen Zerfall einer -einheitlichen Macht in Italien erst seit dem neunten Jahrhundert in -einigen freien Städten und zwar zunächst in Amalfi am Golf von Salerno. -Die Amalfitaner verfügten über eine ziemlich beträchtliche Flotte, -besuchten Aegypten und Palästina, ja sie besaßen sogar ihre eignen -Quartiere in Konstantinopel. Ihre Seegesetze (~Tabula Amalphitana~) -erwarben sich allgemeine Geltung bei allen Schiffahrt treibenden -Städten am Mittelmeer. Aber die Blüte Amalfis währte nur kurze Zeit; -unfähig, auf den steilen Felsstufen sich auszudehnen und zu erstarken -in Volkszahl, erlag die Stadt der mächtigen Rivalin Pisa. Pisa, Genua, -Venedig rangen um die Wette, gewannen durch die Kreuzzüge einen -ungeahnten Aufschwung und konnten sich so zuerst in den Ländern der -Levante festsetzen. Im 12. Jahrhundert legten die Venetianer in den -Häfen Syriens Factoreien an. Aber die Verbindung mit Indien, die bisher -ihren natürlichen Weg übers rothe Meer und Aegypten gefunden hatte, -erlitt seit der Eroberung des Nillandes durch Saladin um 1171 einen -plötzlichen Abbruch. Die abendländischen Kaufleute suchten in Folge -dessen einen andern Weg ins Morgenland, sie steuerten über das schwarze -Meer zum Don, wo der Hafenplatz Tana aufblühte und reisten von hier zu -Land nach Astrachan und durch die Steppen nach Inner-Asien. Auch der -Hafenplatz +Sudak+ in der Krim (Soldaja, Saldachia, Sugdaia, Sodaja) -blühte auf mit seiner fast ausschließlich christlichen Bevölkerung. -Ibn Baluta bezeichnete diesen Hafen als einen der schönsten der Welt. -Griechische und italienische Handelsfamilien waren hier ansässig. - -Ein anderer Weg nach dem Orient nahm seinen Anfang an der nordsyrischen -Küste, in der Nachbarschaft des christlichen Königreiches von -Kleinarmenien, welches den Abendländern sich stets gastfreundlich -erwies. Vom Mittelmeer her landeten die Reisenden in Lajazzo (Layas), -einem vortrefflichen Hafen, der neben den Trümmern des alten Aegae sich -erhob und auf der Seeseite durch zwei Citadellen gedeckt war. - -Als durch den lateinischen Kreuzzug 1204 Byzanz in die Gewalt der -Venetianer fiel, wußten diese den Handelsweg über das schwarze Meer -zu monopolisiren und schlossen die Nebenbuhlerin Genua vom Markte -aus. Aber diese Handelspolitik rächte sich, als 1261 die Genuesen dem -Paläologen Michael III. wieder den Thron in Byzanz verschafften und -zum Dank dafür die Vorstädte Pera und Galata erhielten, welche sich zu -genuesischen Städten umgestalteten. Nun besaßen sie den Schlüssel zum -schwarzen Meere und verdrängten die Venetianer, welche wieder auf den -südlichen Weg über Lajazzo angewiesen waren. - -Dieser Herrschaftswechsel spricht sich auch in den verschiedenen -Handelswegen aus, welche die venetianischen Kaufleute, die Gebrüder -Poli einschlugen, um nach dem Innern Asiens zu gelangen. Die +Poli+ -gehörten zu den Patriziern, denn in Venedig nahm auch die Aristokratie -an den Handelsunternehmungen Theil. - - +Stammbaum der Familie+: - - Andrea Polo von San Felice - | - +--------------------------+-------------------+ - | | | - Marco der ältere Nicolo Maffeo (Matthäus) - | | - +---+---+ +-------+-------+ - | | | | - Nicolo, Maroca +Marco+, der Reisende, Maffeo. - -Marco der ältere scheint eine Zeit lang in Konstantinopel etablirt -gewesen zu sein und ein Haus in Soldaia besessen zu haben. Seine Brüder -Nicolo und Maffeo unternahmen ihre erste Reise nach Konstantinopel -im Jahre 1260, kauften hier byzantinisches Geschmeide ein, welches -unter den Mongolen sehr geschätzt war und tauschten außerdem ihre -venetianischen Waaren gegen Edelsteine um. Ihre Absicht war, zunächst -den Fürsten von Kiptschack zu besuchen. - -Damals regierte von 1257-1265 +Barka+ (Berke, Berekeh), ein Enkel des -Tschingiskaan, welcher theils in Sarai, theils in Bolgar residirte. -Die nördliche Residenz lag bei dem jetzigen Dorfe Bolgari, südlich -von Kasan an der Wolga; die südliche, Sarai, war von Batu, dem -Bruder Barkas, an einem Arme der unteren Wolga, östlich von Zaritzyn -gegründet, und wurde schon 1395 von Timur wieder zerstört. - -[Illustration: Marco Polo. - -Nach einem Gemälde in der Galerie Badia zu Rom mit der Unterschrift: -~MARCUS POLUS VENETUS TOTIUS ORBIS ET INDIE PEREGRATOR PRIMUS.~] - -Als sie Bolgar verlassen wollten, brach ein Krieg zwischen Barka und -seinem Vetter +Hulagu+ (+Hulaku, Alau+) von Persien aus. Dadurch -wurde ihnen der Rückweg abgeschnitten, sie kamen an der Wolga abwärts -nur bis Ucaca, südlich von Saratov, gingen hier über den Strom und -nach Südosten durch die Steppen, setzten über den Uralfluß (bei Polo -Tigris genannt) und gelangten wahrscheinlich über Urgendsch (Chiva) -nach Bochara. Hier hielten sie sich des Handels wegen drei Jahre auf, -machten sich mit den Sitten der Tataren bekannt, erlernten deren -Sprache und beschlossen dann, mit einer tatarischen Gesandtschaft, -welche von Persien nach China ging und sie zur Begleitung einlud, zum -Mongolen-Kaan Kublai zu reisen. Der Großfürst nahm sie freundlich auf -und gab ihnen dann bei der Heimkehr einen Gesandten an den Pabst mit, -um sich für den Orient wissenschaftliche Lehrer der sieben freien -Künste zu erbitten. Aber der kaiserliche Gesandte blieb auf der -Reise krank zurück und die Gebrüder Poli kehrten 1269 allein in die -Heimat und das Gestade des Mittelmeeres zurück, das sie bei Lajazzo -erreichten. In Ptolemais (Acre) erfuhren sie, daß der Pabst Clemens -IV. gestorben sei. Sie richteten ihren Auftrag daher zunächst an den -päbstlichen Legaten Theobald (Tebaldo) von Piacenza aus. - -Die Vacanz in Rom dauerte über zwei Jahre; inzwischen gingen die Poli -nach Venedig und rüsteten sich dann zur zweiten Reise nach Asien, -auf welcher sie der Sohn Nicolos, +Marco Polo+, welcher 1254 geboren -war, begleiten sollte. Da die Pabstwahl sich immer noch verzögerte, -so schien es, als sollten sie ohne päbstliches Antwortschreiben ihre -Wanderung antreten. Weil seit 1261 die Handelslinie über das schwarze -Meer, welche sie auf der ersten Reise eingeschlagen, gesperrt war, -kehrten sie zunächst nach Palästina zurück, und nahmen für den Kaan Oel -aus der heiligen Lampe am heiligen Grabe in Jerusalem mit und fuhren -von da nach Lajazzo. Hier erfuhren sie, daß der Legat Theobald am 1. -September 1271 als +Gregor+ X. zum Pabste erwählt worden sei. Derselbe -rief sie nach Acre zurück, übergab ihnen Briefe an den mongolischen -Großfürsten und entsendete zwei Dominikaner, Nicolaus von Vicenza und -Wilhelm von Tripolis (in Syrien) nach dem Wunsche Kublais. Da aber in -Folge eines Krieges, welcher zwischen dem Könige von Armenien und dem -Sultan von Babylon ausbrach, der Weg unsicher gemacht war, so blieben -die beiden Predigermönche bereits in Armenien zurück. So zogen die -Poli wiederum allein. Ihren Ausgang nahmen sie von Lajazzo, von wo sie -im November 1271 ins Innere aufbrachen. Den Bericht über diese zweite -große Reise, welche 24 Jahre währte, verdanken wir dem jüngeren, +Marco -Polo+, welcher sich dadurch um die Erweiterung der geographischen -Erkenntnisse des Orients unsterbliches Verdienst erworben und den Ruf -des berühmtesten abendländischen Landreisenden im Mittelalter gewann. - -Die Feststellung des Reiseweges, den er mit Vater und Oheim und in -China zu Zeiten allein eingeschlagen, wird in mancher Beziehung -erschwert, theils in Folge zu allgemein gehaltener Angaben, -theils weil sich die vielfach verstümmelten Ortsnamen nur schwer -identificiren lassen. Doch ist gegenwärtig durch die vorzüglichen -Arbeiten Pauthier’s[23] und Yule’s[24] über Marco Polo und die durch -von Richthofen in Bezug auf China gegebene Ergänzung die Möglichkeit -geboten, in den wesentlichen Momenten dem großen Reisenden folgen zu -können. - -Von Lajazzo am issischen Golf ging die Route zunächst durch -Klein-Armenien und Kleinasien wahrscheinlich über Kaisarie, Siwas, -Arzingan und Musch, also denselben Weg, den Rubruck auf seiner -Rückreise von Karakorum aus eingeschlagen hatte. Weiterhin erwähnt -Polo den hohen mit ewigem Schnee bedeckten Berg, auf dem die unnahbare -Arche Noahs ruhte; dann wandten sich die Reisenden südwärts nach Mardin -und durch das Gebirge der räuberischen Kurden nach Mossul und Baudas -(Bagdad). Den Fluß hinunter erreichte man in 18 Tagen Basra, von wo -die Seefahrt begann, welche sie an Kisch (Kisi) vorüber nach Ormuz -brachte. Die Insel und Hafenstadt Kisch (jetzt Ghes genannt) war lange -Zeit ein Haupthandelsemporium, sie war gut bewaldet und mit frischem -Wasser versehen. Polo scheint die Stadt nicht besucht zu haben, denn -seine Angaben darüber klingen sehr dunkel. Die Ruinen der längst -untergegangenen Stadt liegen an der Nordseite der Insel. - -Hier beginnen die Schwierigkeiten, den Weg Polos zu fixiren, sich zu -mehren. Marco Polo beschreibt uns nämlich den +Ab+stieg vom Hochlande -des inneren Iran zur Küste von Ormuz, während wir einen +Auf+stieg -erwarten. Wir können nur annehmen, daß Polo uns einen zweiten Besuch -des Hafens während der Heimkehr erzählt. Die Stadt lag damals noch -auf dem festen Lande, wurde aber um 1300 durch feindliche Ueberfälle -gezwungen, sich auf die Insel zurückzuziehen, wo dieses Emporium eine -zweite Blüte erlebte. Die Ruinen von Alt-Ormuz liegen im District -von Minao, wo auch Spuren eines langen Hafendammes gefunden sind. -Die Landschaft selbst hieß Hormuzdia, woraus unser Reisender Formosa -machte. Um eine Probe der Erzählungsweise Polos zu geben, schalte -ich hier seine Wanderung nach Ormuz ein, welche ich, um ihr die -alterthümliche Färbung zu bewahren, aus einer der ersten deutschen -Uebersetzungen entlehne.[25] - - -„+Von dem lustigen veld vnd von der statt Cormos.+“ - -„Die eben do von yetzt gesagt ist, herstreckt sich jnn die funff -tagreisen, vnd do sie ein end hat, do hebt der weg an vnder sich zu -gohn, vnnd mus man bis jnn die zwentzig meilen stetzs vndersich gohn. -Das ist ein vast böser weg, vnd vmb der rauber willen vnsicher. Zu -letst kompt man zu eim vberaus hupschen veldt, das ist zwo tagreisen -lang, vnd heisset das orth die schöne.“[26] „Jnn disem land seind vil -wasser bäch, vnd palmen beum. Es seind auch mangerley vögel mit hauffen -do, zuvor papageyen, die disseit des Meeres nicht funden werden. Von -dannen kompt man zu dem meer Crean (verdruckt statt Ocean), do ligt am -gestaden die statt Cormos, die hat ein guten port, do viel Kaufleut -zusammen kommen, die bringen aus India specerey, berlin, edelgestein, -gewant von seiden vnd gulden stucken, zeen von helffanten, sambt -andern köstlichem ding. Dis ist ein königliche stadt, vnd hatt viel -stett vnd schlösser vnder jr. Die landtschafft aber an jr selbs ist -heis vnnd schwach. So ein frembder kauffman do stirbt, so nimbt der -König als sein gut. Jnn disem landt macht man wein aus dateln vn̄ vō -andern köstlichen specereiē, die sein aber nit gwont sind vn̄ erst -anhebē zu trincken, den bewegt er dē bauchflus, aber die sein gewont -sind, die werden seer feyst douō. Die jnwoner dises lands essen kein -weitzen brot, auch kein fleisch, sunder datteln, ziblen vn̄ gesaltzen -fisch. Sie haben schiff die sind nit vast sicher, dan̄ sie hefftens -nit mit eisen neglen, sunder mit hültzen neglen vnd fedemen, die sind -aus rinden gemacht der yndischen nus, die rinde bereit man wie leder, -daraus schnidt man darnach fedem, vn̄ aus den fedemen macht man starke -seyl, die den gewalt des wassers dulden mögen. Jedes schiff hat nit -mehr dann einen mast, ein segel, ein leytruder, vnd ein Decke.“ - -„Man schmiert sie auch nit mit Bech, sunder mit vischschmalz. So sie -dan̄ jnn Jndiam farend vnnd pferd oder andere war mit jnen füren, so -verlieren sie vil schiff, dan̄ das selb meer ist vast vngestüm, vnd -sind die schiff nit mit eisen verwart. Die jnwoner dieses lands sind -schwartz, vn̄ Machumets gsatz vnderworffen. Jm sommer so es vast heis -wurt, so wonē sie nit in den stetten, sunder jn wol gewesserten gärten -auswendig der stett, do leyten sie das wasser mit düncheln hin und her, -doselbst wonen sie, vnd empfliehē der hitz ein wenig. Es geschieht -auch etwan, das ein heisser brenner windt von einer wüsteney kompt, do -nichts dann sandt ist, der wehet so stark, das so die leut nicht balde -flühen, so hersteckte er sie alle mit der hitz.“ - -„So bald sie prüfen, dz sich derselb wind erhebt so fliehen sie eilend -zum wasser, darin erhalten sie sich, bis der windt vberget, also -entwichen sie dem brunst den der sand bringt. Sie seehen jnn disem land -jm Wintermonat, vn̄ jm Mertzen ernden sie, dan̄ sind auch andere frücht -zeittig abzulesen, dan̄ nach dem Mertzen verdorren alle beum am laub -vnd gras, vnd findt man den gantzen summer kein grien blat, es sey dan̄ -an den wassern. Es ist ein gewonheit jnn disem land, wan̄ ein hausvater -stirbt, so beweint jn sein weib vier jar lang allen tag zu eyner -bestimbten zeit. Es samlen sich auch des abgestorbenen, gesipte frund -jnn sein haus, sambt allen seinen nachbauren, die heulen vnd weynen, -vnd machen bittere klagen do.“ - - * * * * * - -Das innere Persien war den Abendländern erst seit der Mongoleninvasion -geöffnet. Polo hat es auf dem Hin- und Herwege durchkreuzt. Von Ormuz -reitet man 17 Tage über das Gebirge nach Kerman. Der Weg, den die -Reisenden machten, entspricht so ziemlich der Route des englischen -Major Smith 1866. Von Kerman aus mußte man in nördlicher Richtung die -Wüste Lut durchschneiden, in welcher man nur bitteres und salziges -Wasser findet. Die von Polo weiterhin genannte Stadt Cobinan dürfte -wohl mit der Landschaft Kuh-banan identisch sein. An den nordpersischen -Gebirgen wandte er sich ostwärts nach Balch. Hier war damals die -Ostgrenze des persischen Reichs. - -Diese Stadt war von den Mongolen zerstört, welche auch noch andere -volkreiche Plätze im Gebiet des obern Oxus von der Erde vertilgt -hatten. In Kunduz, der weiter östlich gelegenen Landschaft, betreten -wir die Stufenländer des gewaltigsten aller Hochländer auf der Erde. -Es werden noch die Orte Taican (d. h. Talikhan) und Casem (d. i. -Kischm, jetzt südlich von der gewöhnlichen Karawanenroute) genannt, und -wir gelangen weiter in das Hochgebirgsgebiet von Badachschan. Diese -Landschaft lehnt sich im Süden an die Schneekette des Hindukusch, -im Osten an den Steilrand der Pamir, der grasigen Hochthäler an den -Quellenbächen des Oxus. Die Straße, welche Polo zog, um nach den -tiefgelegenen Städten Yarkend und Kaschgar zu gelangen, ist in neuerer -Zeit, was den westlichen Theil betrifft, zuerst von dem englischen -Reisenden Wood 1838 wieder betreten, während die östlichen Hochpässe -über die Pamirsteppen von einem Theil der von Indien nach Kaschgar -beorderten englischen Mission unter Douglas Forsyth 1873 zum ersten -Male in neuerer Zeit überschritten sind. Die Landschaft Badachschan -war ehedem berühmt durch ihren Reichthum an Edelsteinen, namentlich -Rubinen. Die Hauptfundgruben liegen am Panjah- oder Hamunflusse (d. -i. Amu) in dem früher blühenden und volkreichen Districte von Gharan. -Jetzt ist das Thal mit Dorfruinen besäet. Die 16 englische Meilen -nördlich von dem kleinen Dorfe Barschar gelegenen Rubingruben, welche -eine Quelle des Reichthums für die Herrscher von Badachschan abgaben, -sind nahezu erschöpft. Im Jahre 1873 waren nur noch 30 Arbeiter dort -beschäftigt. Im Süden Badachschans, am Fuß des Hindukusch, war die -Fundstätte eines andern hochgeschätzten Steines, des Lasursteines oder -Lapis Lazuli, welcher im Abendlande nach der Landschaft Badachschan -oder Balakschan benannt wurde; Marco Polo schreibt Balaciam. Albertus -Magnus kennt den Stein unter dem Namen Balagius, Dante als Balascio. -Wood hat diese Fundstätten besucht. Polo rühmt hier zu Lande auch -die berühmte Pferdezucht, welche noch gegenwärtig in Blüte steht. -In der reinen Luft der Hochgebirgsthäler genas unser Reisender auch -von dem Fieber, das er sich in Persien zugezogen und das ihn Jahre -lang gepeinigt hatte. Die Schönheit der landschaftlichen Scenerien -wird von ihm gepriesen. Von Faizabad zog Polo wahrscheinlich über den -Aghirdapaß und durch die Schlucht, welche sich bei Barschar in der -Nähe der Rubingruben öffnet, hinab ins Panjahthal und gelangte so -ins Gebiet von Wakhan (Vocan), von wo der mühsame Uebergang über die -Weidethäler der großen oder der kleinen Pamir erfolgte. Der District -von Wakhan erstreckt sich von Westen nach Osten und besteht aus -rauhen Hochthälern, welche beständig von heftigen und kalten Winden -heimgesucht sind. Capitän Trotter, ein Mitglied der Gesandtschaft des -erwähnten Sir Douglas Forsyth, hat denselben Weg, wie Polo, gemacht -und ausführlich geschildert (~Journal R. Ggr. Soc. Vol.~ XLVIII, -1878). Das am höchsten gelegene Dorf im Wakhan, Sarhadd, hat eine -Seehöhe von 3350 Meter. Weiter aufwärts macht man im Winter die -Reise auf dem gefrorenen Spiegel des Bergstroms und führt sie mit -geringeren Schwierigkeiten aus, als im Hochsommer, weil dann bei der -Schneeschmelze und der Hochfluth der Pfad im Thale vielfach versperrt -ist. Dann geht es in beständiger Folge von steilen Auf- und Abstiegen -am Gehänge hin; an einer Stelle muß man, wo der Weg abbricht, an -einer Steilwand in kürzester Frist 1000 Fuß hinanklimmen. Das von -den kirghisischen Hirten jetzt fast ganz verlassene Thal der kleinen -Pamir liegt 4000 Meter hoch. Ein kalter Wind bläst so heftig durch das -Thal, daß man kaum die Augen öffnen kann. Die verschneiten Paßhöhen, -welche die Grenze zwischen Ost- und West-Turkestan bilden und zugleich -die Wasserscheide zwischen den westlichen Abflüssen des Oxus und den -östlichen des Tarim bezeichnen, liegen über 4500 Meter hoch. Dann -beginnt die Wanderung über das eigentliche Plateau der Pamir, „des -Daches der Welt“. Die kühnen, schroffen, himmelanstrebenden Bergformen -verschwinden und flachwellige Thäler in einer Höhenlage von über 3000 -Meter treten an die Stelle, bewohnt von Kirghisen und belebt von ihren -Herden. Ueber dem breiten Thale ragt das altberühmte Taschkurghan -(„Steinschloß“) empor, der Sitz des Districtgouverneurs. Das Schloß -ist uralt, und soll von Afrasiab, einem Könige von Turan, gebaut sein. -Eine Zeit lang bestand hier eine blühende Tädschik-Colonie unter einem -erblichen Herrscher, der an China Tribut zahlte. Von hier geht der -Weg wieder zehn Tage lang durch wilde spärlich bevölkerte Gebirge -und gefährliche Pässe. „Die Berge,“ schreibt Trotter, welcher von -Kaschgar herüberkam, „sind kahl und unfruchtbar, der Weg ist schlecht -und nach Uebersteigung des Toratpasses („Pferdeschweif“), 3400 Meter -hoch, gradezu abscheulich. An einer Stelle führt er im Flußbette hin, -der, voll großer Blöcke und tiefer Wasserlöcher, zwischen senkrechten -Felswänden sich Bahn bricht. Ein paar entschlossene Leute können den -Weg gegen eine ganze Armee vertheidigen. Fast ebenso schwierig ist der -Abstieg ins Tiefland von Ost-Turkestan nach Yarkend.“ - -Die Schilderung dieses überaus mühsamen Uebergangs über die Pamir -bildet eins der interessantesten Capitel in dem Berichte unseres -Venetianers. Möge darum seine Darstellung hier in der alten deutschen -Uebertragung eingereiht werden. - -„So man von dannen (nämlich von Wakhan) gegen auffgang zeucht, so mus -man drey gantz tag vbersich ziehen, bis man auff ein hohen berg kumbt, -der kein höhern jn der welt hat. Daselbst findt man ein ebne zwischen -zweyen bergen, darin fleußt ein schön lustig wasser, das gibt gute -weyden darumb, also das ein mager pferdt oder rindt jn zehen tagen -feyßt dauon wirt.“ - -„Man findt auch vil wildbrets da, zuuor etlich wilde wider (~Ovis -Poli~) oder castrone, die haben lange hörner, daraus macht man -mangerley geschiir, dise ebne ist so lang, das man jr in zwelff tagen -kein end finden kan und heyßt Pamer (andere Lesart Pamier). So man aber -weyter zeucht, so wirt es wie eine wüsteney, vnd hat keins menschen -wonung mer, auch kein grün gras mehr. Darumb müssen die leut mit jnen -führen, was jnen von nötten ist zur erhaltung. Es ist auch kein vogel -da, vmb der kelten willen, vnd grosser Höhe des erdtrichs, das dem vich -kein futter tragen kan.“[27] - -„So man ein feur da anzündt, so ist es nicht so hell, vnnd so krefftig, -als an anderen orten von wegen der vberschwencklichen kelten des -lands.[28] Von dannen geth der weg durch die berg gen auffgang vnd -mitnacht, da findt man berg vnd thal, vnd vil wasser da zwischen, aber -keins menschen wonung, vnd kein kraut. Das landt heyßt Belor, das -zeigt ein ewigen winter an. Derselb anblick weret viertzig tagreysen -lang.[29] Fur so viel tag mus man auch prouiand bey sich haben, doch -sicht man auff den allerhöchstn bergen, hin vnd her etlicher leut -wonungen, die seind aber vberaus bös vnd grewlich, so seind sie auch -abgöttisch, die geleben des weidwercks vnd bekleyden sich mit den -heutten von den thieren.“ - -Außer Wood haben das Hochland auf zum Theil verschiedenen Wegen -durchkreuzt 1861 der britische Agent Abdul Medschid auf dem Wege -nach Kokan, und Mirza 1868/9 über den Tschitschiklikpaß nordöstlich -von Taschkurgan, welchen Trotter und wahrscheinlich auch schon Polo -überstiegen. Den gewaltigen Unterschied zwischen den unwirthlichen, -menschenleeren Höhen und den blühenden Oasen in Ost-Turkestan -empfanden die venetianischen Kaufleute sofort und Marco Polo verleiht -der Wahrnehmung Worte, wenn er mit Befriedigung von den herrlichen -Weinbergen, Fruchtgärten und „anderen Ackergütern“ erzählt. Während -auf der Pamir sich einzelne Gipfel bis zu 8000 Meter erheben, ist der -tiefste Thalboden im Tarimbecken kaum 700 Meter über See gelegen. Nur -an den von der Umwallung der alpinen Hochketten aus Norden, Westen -und Süden ablaufenden Gewässern ist durch künstliche Befeuchtung des -Bodens um feste Städte eine oasenartige Kultur entstanden, die sich -an die Gebirge anlehnt. Das Tarimsystem wird im Norden und Süden -von den Schneegebirgen des Tienschan und Kwenlun begleitet, welche, -fast parallel, weit gegen Osten streichen. Daher haben sich, weil -an der Rinne des Tarim selbst wenig anbaufähiges Land sich findet, -zwei Städtereihen im Norden und Süden entwickelt, durch welche -der Weg nach China führt. Während in unsern Tagen die belebteste -Karawanenstraße durch die nördliche Städtereihe Kaschgar, Aksu, Turfan -und Komul geht, lief zu Polo’s Zeit die Route durch die südlichen -Plätze Yarkend, Iltschi (Choten), Tschertschen und an den Lopnor, das -Sammelbecken aller Gewässer Ost-Turkestans. Den Weg der Venetianer -hat kein europäischer Reisender wieder verfolgt, nur durchkreuzt hat -ihn in jüngster Zeit der kühne russische Oberst Prschewalsky, welcher -nach Polo auch zuerst den Lopsee erreichte. Im Gebiet von Choten -oder Iltschi erwähnt unser Reisender den grünlichen Chalcedon, der -dort unter dem Namen Jade bekannt ist. Die Chinesen schätzen ihn -als Yu-stein, die Perser nennen ihn Yaschin, woraus unser „Jaspis“ -geworden ist. Ueber die Stadt Tschertschen (bei Polo Ciarcian, ein -lange vergeblich gesuchter Ort), welche nach den Erkundigungen von -Prschewalsky am Tschertschen-Darja liegt, wurde die Oase Lop erreicht, -wo man sich von der beschwerlichen Wüstenreise eine Zeit lang erholen -konnte und den Thieren Rast gönnte, ehe man die große Wüstenreise zu -der ersten chinesischen Stadt antrat. Der Wüstensand liegt hier in -beweglichen Massen, die vom Winde aufgewirbelt werden. Bei den Chinesen -war dieser Wüstenstrich in früherer Zeit unter dem bezeichnenden Namen -Lu-scha, d. h. fließender Sand, bekannt. Er bildet die westliche -Fortsetzung der bekannten Scha-mo, d. h. Sandmeer. - -Die Bevölkerung der Oase[30] Lop (Polo bezeichnet diese als eine große -Stadt) hat stets isolirt, wenn auch nicht völlig abgesondert von der -übrigen Welt gelebt. Prschewalsky hält den Grundstamm für arisch, -mit mongolischem und tatarischem Blute gemischt. Sie war schon zu -Polo’s Zeit mohammedanisch. Auffällig ist, daß jetzt Kamele nicht -mehr vorkommen, während unser Reisender ausdrücklich betont, daß man -sich hier zur Weiterreise mit starken Kamelen versorge, denn die -Wüstenwanderung währt einen ganzen Monat, und für diese Zeit muß man -sich mit Lebensmitteln und Futter versehen. Trinkwasser findet sich an -einigen Stellen, wenn auch nicht immer reichlich. Die größten Gefahren -der Reise liegen aber nach der Ansicht unseres Berichterstatters in -den Tücken böser Geister, die durch Namensruf und allerlei Geräusch -die Reisenden in die Irre führen und ins Verderben locken. Bei -Tage klingen diese Geisterstimmen wie „süß tönendes Saitenspiel, -Pauken und Trommeln“. Chinesische und arabische Schriftsteller -wissen gleicherweise von solchen geheimnißvollen Tönen in der Wüste -zu erzählen; auch Capitän Wood vergleicht den Ton der Schritte im -beweglichen Sande mit fernem Trommelwirbel und zarter Musik. Daß aber, -abgesehen von den ungleich erwärmten in Bewegung gerathenen sogenannten -klingenden Sandmassen andere eigenthümliche Sinnestäuschungen in den -asiatischen Wüsten zu solchem Gespensterglauben veranlassen können, -wie ihn der naive Bericht Polo’s kundgibt, dafür mögen hier die -Beobachtungen des Botanikers A. v. Bunge eingeschaltet werden, welcher -bei der Expedition Chanikoffs die auch von Polo durchschnittene Wüste -Lut in Iran durchzog. „Der Tag war glühend heiß gewesen,“ schreibt -Bunge, „die finstere Nacht -- die Gewitterwolken waren herangezogen, -aber sie schwanden über der dürren Wüste, fast ohne daß ein Tropfen -herabfiel -- war warm; beim gleichmäßigen Schaukeln auf dem Kamel -ängstigte -- nicht mich allein -- eine eigenthümliche Sinnestäuschung, -als ritte man in dichtem Walde zwischen hohen Bäumen und müsse sich -fortwährend beugen, um den Zweigen auszuweichen. Schon ehe die Sonne -aufging, traten die Erscheinungen der Luftspiegelung ein.“ (Petermann, -Mitthl. 1860. 223.) Auch ~Dr.~ O. Lenz hat bei seiner ruhmvollen -Wanderung durch die westliche Sahara von Marokko nach Timbuktu 1880, -die Erscheinungen des tönenden Sandes beobachtet als langgezogene -dumpfe Trompetentöne, welche, um das Unheimliche dieser Wüstenlaute -zu steigern, bald hier, bald dort, immer aus einer andern Gegend -herüberklingen. Lenz sucht die Ursache an der Friction der erhitzten -Quarzkörner. - -Erst nach 30 Tagen gelangten die venetianischen Kaufleute zur ersten -chinesischen Stadt Scha-tscheu (Saciu) d. h. Sand-ort, einem wichtigen -Platze, weil alle Wege, welche von China aus nach Westen gerichtet -sind, durch diese Stadt führen. Im Jahre 1292 ließ Kublaikaan, zur -Zeit, als Polo sich zur Heimkehr nach Europa anschickte, die Einwohner -ins Innere von China schaffen, und 1303 legte sein Nachfolger eine -Besatzung von 10000 Mann dahin, um den Platz zu sichern. In weitern -10 Tagen erreichte man Su-tscheu (Succiur, Sukchu), welches 1226 von -Tschingiskaan zerstört worden war, und weiterhin in südlicher Richtung -Kan-tscheu (Campichu), damals die Hauptstadt von Tangut, jetzt Provinz -Kan-su, nördlich vom Kuku-nor. Dann folgten die Städte Liang-tscheu-fu -(Eritschu), Sining-fu (Sinju), und Ninghia (Egrigaia)[31]. Nicht weit -davon lag die Sommerresidenz der ehemaligen Tangutkönige am Fuß des -Alaschan (Calaschan). Von Liang-tscheu folgte Polo einer Reiseroute, -die den modernen Postweg zur rechten ließ. Die Straße, welche er zog, -heißt seit der Zeit des Kaisers Kang-hi die Courierstraße. Nach Tenduc -(jetzt Kuku-choto) verlegte Polo den Sitz des Priesters Johann, den er -in dem Ung-chan zu erkennen glaubte. Ihm fielen dort die Mischlinge -auf, deren Nachkommen wahrscheinlich in den heutigen Dunganen zu suchen -sind. Auf diesem Theil der Reise mußte Polo die berühmte chinesische -Mauer berühren, aber er erwähnt sie nicht. Man mußte denn, wie H. Yule -(Marco Polo I, 283) meint, eine versteckte Anspielung darauf in den -folgenden Worten des Reisenden finden: „Hier ist auch der Ort, den -wir das Land Gog und Magog nennen, dort heißt es Unc und Mugul.“ Yule -deutet diese Stelle dahin: hier sind wir an der großen Mauer, die als -Wall von Gog und Magog bekannt sind. Dort zu Lande nennt man sie nach -zwei Volkstämmen Ung[32] und Mongolen, welche mit der Vertheidigung der -großen Mauer betraut waren. - -Sieben Tage weiter kommt man endlich in das große Land Cathay, welches -überall von volkreichen Städten und Dörfern dicht besät ist. Ueber die -kunstgewerbreiche Stadt Sindatschu[33], welche unter der Kin-Dynastie -als Siwant-tschu bekannt war, und jetzt Siwan-hwa-fu heißt, fünf -Meilen südlich von Kalgan, gelangten die Reisenden nach Tschagannor -(Ciagannor), einem ums Jahr 1280 erbauten Palaste des Großfürsten, -wo der Kaan sich gern aufhielt, um der Jagd auf Wasservögel am See -obzuliegen. Tschagannor bedeutet „weißer See“, die Ruinen liegen etwa -6 Meilen nördlich von Kalgan. Noch drei Tagereisen weiter gegen Norden -lag die Stadt Tschan-du (Ciandu) oder Schang-tu, d. h. oberer Hof, -obere Residenz, wo der Kaan gleichfalls einen prächtigen Marmorpalast -hatte errichten lassen, dessen vergoldete Zimmer mit kunstvollen -Gemälden geziert waren. ~Dr.~ S. W. Bushell hat den Platz 1872 besucht. -Die Ruinen liegen etwa unter 40° 22′ n. Br., westlich vom Meridian -von Peking. Der jetzt verödete, übergrünte Herrschersitz, den Polo -mit besonderer Ausführlichkeit beschreibt, erhob sich am sumpfigen -Ufer eines Flusses, der noch jetzt den Namen Schan-tu trägt. Bei den -Mongolen heißen die Ruinen Djao-Naiman Sume Khotan, d. h. Stadt mit -108 Tempeln. Marmorfragmente von Löwen, Drachen und anderen Bildwerken -zeigen die Stätten der ehemaligen Tempel und des Palastes. - -Die bisher genannten Fürstensitze lagen jenseit der großen Mauer auf -dem Gebiete der eigentlichen Mongolei. Seitdem China dem mongolischen -Weltreiche einverleibt worden, war die erste und größte Residenz, in -welcher der Kaiser die Wintermonate, December, Januar und Februar -verlebt, hierher verlegt worden. Dieser „große Hof“, als Stadt -Tatu oder Taidu genannt, bestand seit 1264. Sein Name Kaan-baligh, -„Stadt des Kaan“, war in der abendländischen Form Cambaluc, Canbalu -Jahrhunderte lang mit den Vorstellungen größter Fürstenpracht -und größten Glanzes verbunden, ehe er dem modernen „Pe-king“ -(Nord-Residenz) weichen mußte. - -Der großartigen Hofhaltung des mongolischen Kaisers widmete Polo die -eingehendste Beschreibung. Da die Venetianer von Kublai auch bei -diesem ihren zweiten Besuche auf das Huldreichste aufgenommen wurden -und sich seiner dauernden Gunst erfreuten, so war der jüngere Marco -auch mehr als andere in der Lage, bei der Beschreibung des Hofstaates -und tatarischen Regiments in China zahlreiche Einzelbeobachtungen -und Wahrnehmungen mitzutheilen. Marco Polo gewann in dem Grade das -Vertrauen des Großfürsten, daß dieser ihn in besonderer Sendung nach -den südlichen Provinzen Chinas und bis an die Grenzen seines Reiches -abordnete. Dadurch wurde dem Abendland zuerst der Blick in die -Großartigkeit der chinesischen Welt eröffnet. Die Reise ging von Peking -in südwestlicher Richtung durch die Provinzen Schansi, Schensi und -Szytschuán bis nach Yün-nan und bog dann nach Osten gegen das Meer ab. -Den ersten Theil des Weges hat v. Richthofen 1871 verfolgt und seinen -Untersuchungen verdanken wir besonders das neue Licht, das auf die -Weglinie des Venetianers gefallen ist. Wir begleiten den kaiserlichen -Agenten über Tschou-tschou (Juju) zunächst nach T’aiyüan-fu (Taianfu) -der Hauptstadt von Schansi, wo im 8. Jahrhundert die Tang- und später -die Ming-Dynastie residirte und wo, bei dem sehr bedeutenden Reichthum -an Kohlen und Eisen, seit alter Zeit die Eisenindustrie blühte, welche -im 13. Jahrhundert namentlich Waffen fertigte. Sieben Tagereisen weiter -folgte die in einem breiten Thal des nordchinesischen Lös gelegene -Stadt Pingyang-fu (Pian-fu). Nach Ueberschreitung des Hwang-ho, den -Polo unter dem mongolischen Namen Caramoran, d. h. schwarzer Fluß, -kennt, gelangt man in 10 Tagen zu einer der merkwürdigsten Städte des -Landes, nach Si-ngan-fu (Kenjanfu bei Polo, Kansan bei Odorich von -Pordenone). Als die Hauptstadt vieler mächtiger Herrschergeschlechter, -von deren Bedeutung auch unser Gewährsmann Kunde erhalten hat, -vielleicht schon das Θιναι des Ptolemäus, und im 7. Jahrhundert der -Sitz blühender Kirchen, kann man diese Stadt wohl als die berühmteste -in der chinesischen Geschichte bezeichnen. Dann führt der Weg durch -den von wilden Gebirgen erfüllten südlichen District der Provinz -Schensi und jenseits Han-tschung durch das Tsinglinggebirge, wo seit -alter Zeit die Straßen in Zickzack in den Felsen gehauen sind. Polo -brauchte 20 Tage, um über diese Gebirge nach Tsching-tu-fu (Sindafu), -der gegenwärtigen Hauptstadt von Szy-tschuan zu gelangen. Die herrliche -Ebene, in welcher die Stadt liegt, die, von 800,000 Menschen bewohnt, -jetzt zu den schönsten Städten Chinas zählt, breitet sich am Fuße des -plötzlich abfallenden tibetanischen Plateaus aus und hatte damals -„vil stett vnd schlösser vnd dörffer“. Die Ostgrenze Tibets war zu -jener Zeit viel weiter nach Osten vorgeschoben als jetzt; die Stadt -Ya-tschou-fu, welche man in weitern fünf Tagen erreicht, gehörte damals -bereits zu Tibet und auch heutzutage liegt sie an der Westgrenze des -nur von Chinesen bewohnten Gebietes. Sie bildet den Schlüssel zu dem -westlichen Hochlande. Ueber 3000 Meter hohe Pässe ging’s weiter nach -Süden, 20 Tage ritt Polo durch menschenleere Gebirge, so daß die -Reisegesellschaft genöthigt war, alle Lebensmittel mitzuführen. Jetzt -gibt es auch an dieser Straße einige Ansiedlungen und feste Plätze mit -chinesischen Garnisonen, welche dem Wanderer gegen die unabhängigen -Lolo Schutz gewähren. Kurz vor der Stadt Ning-juan-fu erreichte man -wieder eine schöne, von einem Zufluß des Yang-tse-kjang bewässerte -Thalebene, welche die Chinesen als eine Art irdisches Paradies preisen. -Polo nennt die Stadt und Landschaft Caindu, ein Name, welcher der noch -jetzt im Volke üblichen Bezeichnung Kian-tschang entspricht. Polo rühmt -hier ein gewürztes Getränk, das aus Weizen, Reis und andern Spezereien -bereitet werde. Dieser gewürzte Wein steht noch in gutem Ruf. Auch die -Cassiablütenknospen, ein noch jetzt geschätztes Produkt des Thales, -werden unter den Landesprodukten als „Gewürznelken“ aufgeführt. - -Nahe der südlichsten Biegung des Stromes wurde der obere Yang-tse-kjang -(bei Polo Brius) überschritten und dann die Landschaft Carajang (d. -h. schwarzes Jang, nach den schwarzen Bewohnern) erreicht. Es bildet -den nördlichen Theil von Yün-nan, dessen Hauptstadt damals Ya-schi, -jetzt Yün-nanfu heißt. Der weiter westlich gelegene Hauptort von -Carajang trägt auch bei Polo diesen Namen, jetzt Talifu.[34] Auf den -südwestlichen Gebirgen, welche die Grenze gegen den modernen Staat -Birma bilden, erkennen wir in den Bewohnern, welche ihre Zähne zu -vergolden pflegen, die Kakhyens oder Singpho, deren waldiges Bergland -Polo unter der persischen Bezeichnung Zardandan, d. h. „Goldzahn“ -beschreibt. Jenseit dieser Gebirge, über die man mehrere Tage beständig -abwärts reitet, öffnet sich das obere Thal des Irawadi. Polo nennt es -Amien, bei den Chinesen heißt Birma oder Ava noch jetzt Mien. Durch das -Thal des Schweli stieg der Reisende zum Iravadi hinab nach Alt-Pagan -oder Tagoung (Tagong), wo über den Königsgräbern zwei fingerdick mit -Gold und Silber belegte Thürme sich erhoben. Weiter scheint unser -Reisender nicht vorgedrungen zu sein als bis nach Ta-gang, welches -1283 auch der mongolischen Weltmacht unterthan gemacht war. Nur von -Hörensagen berichtet er weiter von den Landschaften Bangala (d. i. -Bengalen), Cangigu (d. i. Tung-king, chines. Kiaotschi-kwe), Anin im -südlichen Yün-nan,[35] Coloman, d. h. Kolo-barbaren, an der Grenze von -Kwei-tschou (Cuiju bei Polo). Von hier aus macht die Vortragsweise Polo -wieder den Eindruck, als ob er auf seiner Rückreise aus Südwesten die -Schilderung seiner eignen Route wieder aufnehme. Er zog wahrscheinlich -von Yünnan-fu auf einem mehr östlich gelegnen Wege gegen Norden, setzte -bei Siü-tschou über den blauen Strom und erreichte in Tsching-tu-fu -seine frühere Straße wieder, um nun nach Cambalu seine Rückkehr zu -vollenden. - -Drei Jahre stand Marco Polo dann als Gouverneur in der großen Stadt -Yang-tschou nordöstlich von Nan-king, machte darauf mit seinem -Onkel Maffeo längeren Aufenthalt in Kantschou in Tangut und hat -wahrscheinlich auch Karakorum besucht. In diese Zeit fällt auch des -Großfürsten vergeblicher Eroberungszug gegen das blühende Inselreich -Zipangu (Japan), dessen Name Dschi-pen-kwe „Land des Sonnenaufgangs“ -zur Zeit des Columbus neben Indien und Cathay einen besonderen Lockreiz -auf alle abenteuernden Entdecker ausübte. - -Die venetianischen Kaufleute weilten bereits über 20 Jahre in China, -ehe sie eine günstige Gelegenheit fanden, ihre Heimat wieder zu sehen; -denn der Kaan wollte sie ungern entlassen. Diesen günstigen Anlaß zur -Abreise bot nun die Entsendung der Prinzessin Kokatschin nach Persien, -wo sie mit Argunchan, dem Großneffen Kublais, vermählt werden sollte. -Der Kaan gab ihnen 2 goldene Täfelchen als Geleitsbriefe und Empfehlung -in allen seinen Landen und beauftragte sie auch noch mit einer -Botschaft an die Könige von Frankreich, England und Spanien, sowie an -andere Könige der Christenheit. Das Gefolge der Prinzessin bestand aus -600 Personen. Von Cambalu ging die Reise bis zum Seehafen von Zayton zu -Land und dann zur See. Auf dieser Landreise, welche Polo gleichfalls -beschreibt, sah er die der Ostküste näher gelegenen Provinzen mit ihrem -wimmelnden Völkerleben in den Riesenstädten, die alles übertrafen, was -das Abendland bieten konnte, die mit ihrem Reichthum, Gewerbfleiß und -überaus belebten Handel einen unverlöschlichen Eindruck zunächst auf -den Reisenden und nach dessen Erzählungen bei allen Völkern Europas, -namentlich den seefahrenden Nationen hervorbrachte, so daß an diesen -glühenden Schilderungen sich die Reise- und Entdeckungslust entzündete. - -[Illustration: Goldenes Geleitstäfelchen mongolischer Fürsten. - -(Das Original, in Ost-Sibirien gefunden, ist viermal so lang und -breit.)] - -Von Peking ging die Landreise zuerst gerade nach Süden über Hokian-fu -(Cacanfu), bei Tsinanfu (Chinangli) erreichte man damals, wie auch -heute wieder, den großen Strom, den Hwangho, welcher später und bis -vor 30 Jahren südlich um das Bergland von Schantung sich ins gelbe -Meer ergoß. Größtentheils auf dem Kaisercanal führt der Weg gegen -Südsüdosten durch Kiangsu bis zum Yang-tse-kjang und zur altberühmten -Stadt Jangtschen (Yanju, auf der catalanischen Karte von 1375 als -Jangio) wo M. Polo auf Befehl des Kaan drei volle Jahre, zwischen 1282 -und 1287 die Verwaltung geleitet hatte. In der Nähe dieser Stadt floß -bei Tschin-tschou oder I-tschin-tschou (Sinju) der blaue Strom vorüber, -auf dem Polo einmal 15,000 Schiffe vor der Stadt liegen sah. Nach den -Angaben der dortigen Kaufherren liefen jährlich gegen 200,000 Schiffe -den Fluß hinauf. Ueber die großen Plätze Tschang-tschen (Chinginju) und -Su-tschen (Suju) zogen sie dann in Hang-tschen ein. Polo nennt diese -größte aller Städte Kinsay oder Quinsai, nach dem chinesischen Namen -King-sze, d. h. Hauptstadt; denn sie war seit 1127 die Residenz der -Song-Dynastie gewesen. Keine Stadt der Welt hat unsern Reisenden mehr -in Erstaunen gesetzt als diese, keine hat er so eingehend beschrieben; -aber leider hat Polo, indem er das chinesische Wegmaß „Li“ einer Meile -gleichsetzt, die Verhältnisse gewaltig übertrieben. Diese schönste -Stadt der Welt mit ihren meilenlangen, gepflasterten Straßen sollte -100 Meilen[36] im Umfange haben. Die ganze Stadt lag, von Wasser -umgeben, von Canälen durchzogen, in der Niederung, nahe dem Meere; -12,000 Steinbrücken führten über die Canäle. Es gab 1,600,000 Häuser -und darunter viele stattliche Paläste. An jedem Hause war auf einer -Tafel die Anzahl der Bewohner zu lesen. Die zwölf gewerbtreibenden -Zünfte verfügten über 12,000 Häuser mit Arbeitern. In den Hauptstraßen -wogte ein unaufhörlicher Verkehr, Wagen folgten auf Wagen. Die -Einkünfte, welche der Kaan von hier bezog, sollten sich jährlich auf -fast 200 Mill. Mark (!) belaufen. Und um die Größe der Bevölkerung zu -veranschaulichen, hatte ein kaiserlicher Beamter erzählt, daß täglich -fast 10,000 Pfd. Pfeffer consumirt würden. Der neben der Stadt gelegene -Palast hatte 10 Meilen (Li) Umfang, umfaßte 20 in Gold gemalte, große -Hallen, gegen 1000 auf das herrlichste geschmückte Zimmer und war -von schönen Gärten mit Springbrunnen und Teichen umgeben. Die Stadt -lag unfern des Meeres, an welchem +Ganfu+[37] einen ausgezeichneten -Hafen der Stadt bildete. Das ganze Küstengebiet hat seit jener Zeit -wesentliche Veränderungen erlitten. Die See ist näher an die Stadt -gerückt, die Stätte des Hafens ist unter den Spiegel des Wassers -gesunken, und die Metropole selbst hat gegenwärtig nur 35 Li Umfang. -Auch nach Polo’s Zeit ist diese Weltstadt von abendländischen und -arabischen Reisenden beschrieben, so von Odorich, welcher 1324-27 in -China weilte, von Marignolli (1342-47), welcher sie Campsay nennt, von -Wassaf, Ibn Batuta u. a. - -Von King-sze ging dann die Reise weiter durch die jetzigen Provinzen -Tsche-kjang und Fu-kian nach dem Seehafen Fu-tschen (Fuju, aus der -catal. Karte Fugio). Die leicht erregbare Bevölkerung dieser Capitale -Südchinas mußte stets durch starke mongolische Besatzung niedergehalten -werden, da sie zu Revolten geneigt war. Der weiter südlich gelegene -berühmte Hafen Zayton (Caiton, Çaiton, auf der catalon. Karte Caxum) -war der Sammelplatz der Indienfahrer und einer der größten Handelshäfen -der Welt. Wir haben diesen später sprichwörtlich berühmten Hafen -südlich von Fu-tschen in der Stadt Tsiuan-tschen zu suchen, doch -mögen die Vorhäfen dieses Platzes sich noch bis an das wundervolle, -geräumige Hafenbecken von Amoy erstreckt haben. Das östlich gelegene -Meer ist das Meer von „Tschin“. Nur an dieser einzigen Stelle (~lib. -III, cap.~ 4) nennt Polo den jetzt üblichen Landesnamen China, aber -in persischer Form. Ein anderer Name dafür war das Meer von Manzi, -d. h. Südchina. Nach Angabe der Seeleute, welche in diesen Gewässern -verkehrten, gab es in jenem Meere 7459 Inseln.[38] Von dort kamen -weißer und schwarzer Pfeffer und alle anderen geschätzten Spezereien. -Jahreszeitliche, regelmäßig wechselnde Winde beförderten den Verkehr -mit den Gewürz-Inseln. - -Von Zayton aus verließ Polo das Reich der Mitte. Die Namen King-sze -und Zayton, Zipangu und Manzi behielten Jahrhunderte lang ihren -zauberisch lockenden Klang für die handeltreibenden Völker des -Abendlandes. Nachdem man für das Gefolge der Prinzessin, welche nach -Persien geleitet werden sollte, im Hafen von Zayton 13 Schiffe, jedes -mit vier Masten, ausgerüstet und auf zwei Jahre mit Lebensmitteln -versehen hatte, stach man im Anfang des Jahres 1292 in See. Nach einer -Fahrt von angeblich 1500 Meilen kam die Ostküste von Hinterindien -in Sicht, dort lag das seit 1278 dem Großkaan tributäre Königreich -Tschampa (Cyamba) zwischen Tongking und Cambodja. Bei den Arabern hieß -es Sanf, und durch das Meer von Sanf führt nordwärts der Seeweg nach -China. Um die altberühmte, den Seefahrern bekannte Landmarke der jetzt -französischen Inselgruppe Pulo Condor bog der Weg westwärts nach dem -an Elephanten, Gold und Farbholz reichen Locac (Siam) ab. Eigentlich -bestanden zwei Königreiche dort, von denen das nördliche eigentliche -Siam bei den Chinesen Sien-lo, das andere, näher der See gelegene -Lo-hoh hieß. Nach der bei Polo mehrfach vorkommenden Vertauschung von -h mit c oder k, wurde aus Lo-hoh Lokok und Lococ (d. h. das Königreich -Lo). Bei der weiteren Küstenfahrt gewann die Gesandtschaftsflotte bei -der Insel Pentam (Bintang, östl. v. Singapur) das Südende Asiens, -„wo alle Wälder aus wohlriechendem Holze“ bestehen, und steuerte nun -nach Sumatra. Polo nennt hier einen Staat Malaiur; nach der Deutung -H. Yules haben wir darin Palembang auf Sumatra zu erkennen, welches -auch im 16. Jahrhundert noch bei den Malaien unter dem Namen Malayo -bekannt war. Die ganze Insel nennt unser Gewährsmann Klein-Java. An den -gewürzreichen Gestaden dieser großen Insel wurde die Expedition längere -Zeit aufgehalten, so daß sich Gelegenheit bot, die sechs Königreiche in -dem nördlichen Theil der Insel zu besuchen. Eines darunter trägt den -Namen Samara, vermuthlich Samatra (Sumatra). Um zu zeigen, wie weit -die Gebiete nach Süden gelegen sind, fügt Polo hinzu, daß man hier den -Polarstern oder die Sterne des Maestro (großer Bär?) kaum noch zu sehen -vermöge. In einem andern Königreiche Fanfur, woher der beste Kampfer -stammte, lernte er auch das wohlschmeckende Mehl der Sagopalme kennen. -Durch die Malakastraße steuerte das Geschwader nordwestlich zu den von -wilden schwarzen Menschen bewohnten Inseln Necuveran (Nikobaren) und -Angamanain (Andamanen), deren Bewohner Hundsköpfe haben. Das stupide, -prognathe Gesicht jener Negrito ist schon frühzeitig den Abendländern -aufgefallen, bereits der Grieche Ktesias spricht davon. - -Von da segelte man mit südwestlichem Cours nach der durch ihre -Edelsteine und Perlen berühmten Insel Seilan (Ceylon), aus deren -Mitte sich über dem Waldlande die Felsenspitze des Adamspik als ein -vielbesuchter Walfahrtsort erhob. Von da setzte man nach der Ostküste -Vorderindiens über, wahrscheinlich nach Tandschur. Der ganze Landstrich -hieß damals bei den Arabern Maabar oder Mabar, d. h. Ueberfahrt, -(nämlich nach Ceylon); jetzt trägt die Küste den Namen Koromandel. -Hier begegnen wir in der Gegend von Madras auch der sehr alten -Ueberlieferung, daß der Apostel Thomas in Indien gepredigt habe und daß -durch ihn die Gemeinde der Thomaschristen begründet sei. Dann wurde die -zu jener Zeit blühende, jetzt verödete und zu einem Dorf herabgesunkene -Handelsstadt Kail (bei Nicolo Conti im 15. Jahrhundert Kahila) besucht. -Dieser Hafenplatz lag nahe der Mündung des Tamraparniflusses im -District Tinnevelly. Die Südspitze Indiens bildete das Land Comari.[39] -Im Reiche Melibar (Malabar) auf der Westküste, die besonders durch den -Reichthum von Pfeffer und Ingwer gesegnet ist, war man schon bedeutend -wieder nordwärts gerückt, „denn der Polarstern erhebt sich schon zwei -Ellen über dem Wasser“. In Gozurat (Guzerat) steht er bereits sechs -Ellen hoch. So wurde also eine Umfahrt fast um die ganze indische -Halbinsel ausgeführt, ehe man an der öden Küste von Mekran entlang nach -Ormuz steuerte. Bevor Polo das Schiff verläßt, wirft er noch einen -Blick über die westlichen Regionen und Gestade des indischen Oceans. -Hier beruhen seine Mittheilungen nur auf Erkundigungen und enthalten -daher manches Irrige oder Falschverstandene. Bemerkenswerth sind seine -Angaben über die Christen aus Socotra, welche bereits im 6. Jahrhundert -dem Indienfahrer Kosmos bekannt waren, und sogar nach den Angaben des -Carmelitermönches Vincenzo noch im 17. Jahrhundert existirt haben -sollen. Auch die Insel Sansibar (Zanzhibar) tritt in den Gesichtskreis. -Von allen Reisenden zuerst nannte Polo auch die große Insel Madagascar; -da er sie aber irrthümlich von Elephanten und Kamelen belebt sein läßt, -so liegt die Vermuthung nahe, daß er Nachrichten aus Magadascho auf der -Ostküste Afrikas mit Berichten aus Madagascar zusammengeworfen habe. - -Weiter südlich über jene Insel hinaus aber kann man nicht ohne Gefahr -in den Ocean vordringen, weil eine gewaltige Strömung die Fahrzeuge -unwiderbringlich nach Süden reißt. Und wenn uns von 12,700 Inseln -erzählt wird, welche im indischen Meere liegen sollen, so werden wohl -die Korallen-Ringe der Lakkediven, d. h. 100,000 Inseln und der Titel -des Sultans der Malediven, der sich Herr der 12,000 Inseln nannte, -dabei besondere Berücksichtigung gefunden haben. - -Erst im Jahre 1294 kam die bedeutend an Mitgliederzahl -zusammengeschmolzene Gesandschaft nach Persien, denn ein großer Theil -des ursprünglich aus 600 Personen bestehenden Gefolges war während -der Reise gestorben. Auch Argunchan, dem die Braut bestimmt war, war -inzwischen (am 10. März 1291) aus dem Leben geschieden. Ihm war sein -Bruder Kaichatu (Kiacatu) in der Herrschaft gefolgt; dessen Sohn, Gasan -(Casan), trat an die Stelle seines verstorbenen Ohms und heiratete die -Braut. Kaichatu selbst aber empfing die Poli in fürstlicher Weise und -gab ihnen auf ihrer Weiterreise die umfassendsten Geleitsbriefe mit, -so daß sie in unsicheren Gegenden zuweilen unter dem Schutze von 200 -bewaffneten Reitern dem Abendlande zueilten. Von Persien aus schlugen -sie über Bagdad den nördlichen Weg ein über das armenische Hochland -nach Trapezunt und gelangten von da zu Schiff über Konstantinopel und -Negroponte im Jahre 1295, nach 25jähriger Abwesenheit wieder in ihre -Vaterstadt Venedig. - -Fassen wir noch einmal die Resultate dieser epochemachenden Reise -zusammen,[40] so war Marco Polo der erste Reisende, welcher ganz Asien -der Länge nach durchzog und die einzelnen Länder beschrieb. Er sah -die Wüsten Persiens und die grünen Hochflächen und wilden Schluchten -Badachschans, die Jade-führenden Flüsse Ost-Turkistans und die Steppen -der Mongolei, die glänzende Hofhaltung in Cambalu und das Volksgewimmel -in China. Er erzählte von Japan mit seinen goldbedeckten Palästen, von -Birma mit seinen goldenen Pagoden, schildert zuerst die paradiesischen -Eilandfluren der Sundawelt mit ihren aromatischen Gewürzen, das ferne -Java und Sumatra mit seinen vielen Königreichen, mit seinen geschätzten -Erzeugnissen und seinen Menschenfressern; er sah Ceylon mit seinen -heiligen Bergen, besuchte viele Häfen Indiens und lernte dieses im -Abendlande noch immer von Sagen verhüllte Land in seiner Größe und -seinem Reichthum kennen. Er gab zuerst im Mittelalter einen klaren -Bericht von dem christlichen Reiche in Abessinien und drang mit seinem -Blick einerseits bis nach Madagascar vor, andererseits zog er im Innern -Asiens Erkundigungen über den höchsten Norden, über Sibirien ein, über -das Land der Finsterniß, wo weder Sonne noch Mond noch Sterne scheinen -und ein ewiges Zwielicht herrscht, wo man auf Hundeschlitten fährt oder -auf Renthieren reitet, ein Land, hinter welchem endlich ein eisiger -Ocean sich ausdehnt. - -Wissenschaftliche Bildung besaß Polo nicht. Er wundert sich darüber, -daß Sumatra so weit im Süden liegt, daß der Polarstern aus dem Gesicht -verschwindet und die Inseln im Eismeer auf der andern Seite so weit im -hohen Norden sich befinden, daß man den Polarstern hinter sich läßt. -Die Himmelsgegenden, nach denen der Weg führte, oder wohin Länder ihrer -Lage nach angegeben werden, sind oft falsch bestimmt, seine Wegelängen -erscheinen vielfach übertrieben. - -Vor allem aber ist zu beklagen, daß er nicht Chinesisch verstand, -obwohl er so lange im Lande weilte und sogar officiell mit dem Volke -verkehren mußte. Daher die falschen Uebersetzungen und Erklärungen -chinesischer Namen, wie wenn er King-sze als Stadt des Himmels deutet; -daher auch die Verstümmelung der Ortsnamen und seltsame Schreibweise -derselben. Zwar berichtet er über mancherlei interessante Einrichtungen -im Lande, von den wohlgepflegten, mit Bäumen bepflanzten Heerstraßen, -den Posten und Läufern, den zur Bequemlichkeit der Reisenden an der -Straße errichteten Gasthäusern und der polizeilichen Beaufsichtigung -des Fremdenverkehrs in den großen Städten. Er erwähnt zwar die -Einrichtung von Kornmagazinen, den Gebrauch der Steinkohlen, die -weitverbreitete Anwendung des Papiergeldes; aber andere wesentliche -Eigenthümlichkeiten und Erfindungen bleiben unbeachtet und nach dieser -Richtung erscheint das Werk lückenhaft. Wir vermissen Mittheilungen -über die Magnetnadel, über Pulver, über Bücherdruck, künstliches -Eierausbrüten und Fischerei mit Kormoranen; auch des Thees geschieht -keine Erwähnung. In der neuen Geschichte Asiens erscheint Polo ungenau. -Allein man muß auch erwägen, unter welchen Verhältnissen sein Buch -entstand. Kaum von seiner weiten Reise zurückgekehrt, nahm er an dem -Kriege theil, in welchen Venedig mit seiner Rivalin verwickelt war, -wurde noch im Jahre 1295 in der Seeschlacht bei Corzola, einer der -dalmatischen Inseln, gefangen genommen und nach Genua gebracht, wo -er in der Gefangenschaft einem Genossen, dem Pisaner Rusticiano oder -Rustichello seinen Bericht dictirte. -- Trotzdem gehört Marco Polo zu -den geographischen Classikern des Mittelalters. - -Ursprünglich war der Bericht, noch nicht in Bücher und Capitel -abgetheilt, in altfranzösischer Sprache niedergeschrieben, wie man -dies aus der grade hier am meisten bewahrten Naivität der Erzählung -mit ihrer stereotypen Redeweise und ihrer Unbehilflichkeit im -Ausdruck, aber auch aus der hier annähernd correctesten Schreibweise -der Eigennamen erkannt hat. Dann wurde das Werk ins Lateinische, -Italienische übersetzt und überarbeitet. - -Trotzdem hat sein Bericht nicht plötzlich gewirkt. Seine Zeitgenossen -Dante und Sanudo erwähnen ihn noch nicht; wohl aber citirt ihn sein -persönlicher Freund Pietro di Abano (geb. 1250 in Abano bei Padua, -gest. 1316). Den ersten Einfluß auf die Ländergemälde verspürt man in -der catalanischen Karte von 1375, wo Vorder-Indien als Halbinsel sich -aus den von Ptolemäus gezogenen engen Schranken loslöst und manche -Landschaften Indiens und Südchinas ganz richtig gezeichnet sind. - -[Illustration: ~Lith. Kunst-Anst. v. Aug. Kürth, Leipzig~ - -~G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin~ - -~CHINESISCHES PAPIERGELD AUS DER MING-DYNASTIE (1368-1645).~ - -~Facsimile Reproduction in ¼ der natürl. Größe (Original in Paris).~] - -Die erste deutsche Uebersetzung erschien 1477 unter dem Titel: „Das -ist der edel Ritter Marcho Polo von Venedig der große Landfahrer, der -uns beschreibt die großen Wunder der Welt, die er selbr gesehenn hat. -Von dem auffgang pis zu dem undergang der sunnen, dergleychen vor -nicht meer gehort seyn. Diß hat gedruckt Friczs Creüßner zu Nurmberg -nach cristi gepurdt 1477.“ Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Polo’s -Bericht von den Kartographen in ausgiebiger Weise gebraucht und auch -misbraucht, indem man oft in unkritischer Methode seine Länder und -Städte über die Erdräume vertheilte. Trotzdem bildete es das wichtigste -Fundament für die Kenntniß des östlichen und südlichen Asien, bis -seine unbestimmten Angaben durch bessere, auf mühsamen Landreisen -gewonnene Resultate ersetzt werden konnten. Das schönste von allen -Resultaten, meint Libri,[41] welches dem Einfluß Polo’s zu danken, -sei dieses, daß Columbus durch seine Schilderungen zur Entdeckung der -neuen Welt angeregt worden, und daß er, eifersüchtig auf Polo’s Ruhm, -es für seine Lebensaufgabe gehalten, Zipangu zu erreichen, von dem der -Italiener solche Wunderdinge berichtet habe. - -Allein H. Yule (a. a. O. I, 103) bemerkt mit Recht dagegen, daß -Columbus die Berichte Polo’s nur aus zweiter Hand kenne und zwar -aus einem Briefe Toscanelli’s. Polo’s Namen nennt der Entdecker der -neuen Welt nicht. Seine feste Ueberzeugung von der Schmalheit des -westlichen Oceans leitet sich nicht aus der Berechnung der Entfernungen -asiatischer Länderräume nach Polo’s Angaben her, wonach Ostasien -bis weit in den großen Ocean hinein sich erstrecken müßte, sondern -stammt von seinem beliebten Gewährsmann, dem Cardinal d’Ailly, welcher -seinerseits sich wieder auf Roger Bacon berief. - -Ob sich Karten, von Polo’s Hand entworfen, noch länger erhalten, bleibt -zweifelhaft. Doch wird erzählt, daß der Prinz Pedro von Portugal 1426 -von der venetianischen Signoria eine Karte erhielt, welche entweder ein -Original oder eine Copie von einer durch Polo selbst gefertigten Karte -gewesen sein soll. - - -5. Die späteren Missionsreisen und Handelszüge. - -Polo hatte in Asien eine Reihe von Nachfolgern, namentlich -glaubenseifrige Mönche, welche zwar nicht so umfassende Reisen wie der -venetianische Kaufmann machten, aber doch manche Ergänzungen seines -Berichtes brachten und namentlich dazu beitrugen, daß noch längere Zeit -das Interesse für die östliche Welt lebhaft erregt blieb. - -Der erste unter diesen Missionaren war der Franziskaner +Johann von -Montecorvino+ in Süditalien, geb. 1247, gest. um 1328. Derselbe befand -sich zu gleicher Zeit mit den Poli in Asien. Im Jahre 1289 vom Pabste -entsendet, ging er in Begleitung des Kaufmanns Petrus de Lucalongo nach -Persien und weiter nach Indien, hielt sich dort bei den Thomaschristen -längere Zeit auf und konnte über Land und Leute manches neue erzählen. -Seine Erlebnisse und Beobachtungen sind in einem Briefe niedergelegt, -welchen er von Maabar in Ober-Indien 1292 oder 1293 nach dem Abendlande -sendete. Indien heißt bei ihm Maebar. Die Bewohner der dekhanischen -Halbinsel sind eigentlich nicht schwarz, sondern olivenfarben und von -schöner Gestalt. Ihre tägliche Nahrung besteht in Reis und Milch; -Brot und Wein kennen sie nicht. Unter den Produkten werden Pfeffer, -Ingwer und Bersi (Brasilholz) besonders erwähnt. Montecorvino ist -der erste abendländische Reisende, welcher Zimmt als ein wichtiges -Erzeugniß Ceylons nennt. Auch kennt er die eigenthümliche Schrift -auf Palmblätter. Die jahreszeitlichen Winde (die Monsune) regeln die -Schifffahrt, auch die Regen sind an bestimmte Zeiten gebunden. Südlich -vom indischen Meere gibt es kein Festland mehr, sondern nur Inseln, und -zwar mehr als 12000,[42] von denen aber ein Theil unbewohnt ist. - -Von Indien wandte sich Montecorvino nach China an den Hof Kublais; -diesen Fürsten, den Gönner Polo’s, fand er aber nicht mehr unter den -Lebenden. Kublai starb 1294. - -Von Cambalu aus, wo 1305 eine Kirche gebaut und ein Kloster gegründet -wurde und wo der Franziskaner das Oberhaupt der christlichen Gemeinde, -im Range eines Erzbischofs[43] wurde, schrieb er noch zwei Briefe in -die Heimat, im Januar 1305 und im Februar 1306. Ein dritter Brief, oder -eigentlich der Schluß des zweiten Briefes, ist später von Menentillus -von Spoleto mitgetheilt, woraus man früher die irrthümliche Folgerung -zog, daß Menentillus selbst in China geweilt habe. Montecorvino scheint -der erste und auch der letzte Erzbischof von Cambalu gewesen zu -sein.[44] - -Zwischen 1316 und 1318 folgte seinen Spuren ein anderer Ordensbruder -+Odorich von Pordenone+ in Friaul. Er nahm seinen Weg über -Konstantinopel, Trapezunt und Armenien nach Tebris, wo zwischen 1284 -und 1291 bereits ein Pisaner Kaufmann, Jolus oder Ozolus ansässig -gewesen war. Ueber Sultanieh und Kaschan ging er nach Jesd. Auf Kreuz- -und Querzügen, abseits von dem gewöhnlichen Karawanenwege, scheint er -an den persischen Golf gekommen zu sein. Er schildert die beweglichen -Sandmassen der Wüsten im Innern Persiens, rühmt die ausgezeichneten -Feigen und grünen Trauben von Jesd, besuchte die öden Palasttrümmer -von Comerum (wahrscheinlich Persepolis) und ging über Schiras ins -Tigristhal hinab nach Bagdad. Am babylonischen Thurme vorbei gelangte -er ans persische Meer und nach Ormuz, stieg hier zu Schiff und fuhr auf -einem gebrechlichen Fahrzeuge, dessen Planken ohne Eisennägel nur durch -Kokosfäden zusammengenäht waren, ähnlich wie es Polo und Montecorvino -bereits beschrieben hatten, in 28 Tagen nach Tana auf Salsette nördlich -von Bombay und von da nach Malabar (Minibar), wo der beste Pfeffer -gedeiht. Dort blühten damals die Plätze Flandrina (Pandarani), eine -jetzt verschwundene Stadt, nördlich von Kalikut, und Cyngilin, d. i. -Kranganor, südlich von Kalikut, damals der Sitz einer der ältesten -Dynastien in Malabar.[45] Um die Südspitze Vorder-Indiens herum -ging die Fahrt weiter nach Mobar (Koromandel), wo nach der Ansicht -Odorichs der Leib des heiligen Thomas begraben liegt. Auch Ceylon wurde -besucht, wo es Vögel mit 2 Köpfen (Tukan) gibt, und von hier auch -Mailapur (Madras) erreicht. Eine Seereise von 50 Tagen brachte unsern -Glaubensboten an den Nicobaren (Nicoveran) vorbei nach Lamori, einem -Reiche von Sumatra.[46] Wegen der Hitze gehen die Einwohner nackt, es -herrscht bei ihnen Weibergemeinschaft, wie auch auf der Insel Pagi -oder Pagai westlich von Sumatra, und Landcommunismus, auch sind sie -dem Canibalismus ergeben. Das Gebiet bringt Gold, Kampfer, Aloeholz, -Reis und Weizen hervor. Weiter gegen Süden liegt das Reich Sumoltra. -Hier begegnen wir zum ersten Male unverkennbar dem heutigen Namen der -Insel, welcher von dem Königreiche auf das ganze Eiland übertragen ist. -Nachdem Odorich noch verschiedene Häfen besucht hatte, wandte er sich -nach der reichen Insel Java, welche nach seiner Vorstellung, eine arge -Uebertreibung -- gut 3000 Meilen Umfang hat. An Produkten lieferte -diese zweitschönste von allen Inseln Kampfer, Kubeben, Kardamom- und -sogar Muskatnüsse. Mit Gold und Silber geschmückte Tempel verkündeten -die Macht und den Reichthum der Fürsten. Von hier kehrte Odorich nach -dem Norden zurück, berührte die Südküste Borneos, wie sich aus den von -ihm erwähnten Produkten Sagomehl, Palmwein, Bambus u. s. w. ergibt, -besuchte das Königreich Zampa (Tschampa), wo der König viele gezähmte -Elephanten besitzt, und endete in Kanton, im Lande Manzi (Südchina), -welches auch Ober-Indien genannt wurde, seine Seereise. Er bezeichnet -diesen berühmten Seehafen mit dem Namen Censcalan.[47] Die Stadt liegt -eine Tagereise vom Meere entfernt an einem großen Flusse und treibt -den ausgedehntesten Seehandel. „Ganz Italien besitzt nicht so viele -Schiffe als diese eine Stadt.“ Die betriebsame, dichte Bevölkerung -Chinas und seine zahlreichen Städte machten einen gewaltigen Eindruck. -Odorich greift wohl etwas zu hoch, wenn er meint, es gäbe in Manzi -2000 Städte, welche größer als Vicenza oder Traviso seien. Allein eine -annähernde Zahl von Städten besteht nach der Zusammenstellung Yules -(Cathay I, 104) noch jetzt. Von Kanton wandte sich Odorich nach Zayton -und von da nach dem Hafen Fuzo (Futscheu). Die weitere Landreise führte -sodann durch manche Städte und über ein hohes Gebirge, in welchem -zwei verschiedene Menschenrassen hausen, nordwärts zu einem großen -Fluß, in welchem er zuerst die Kormoranfischerei kennen lernte, und -dann nach Cansay, dem Quinsay Polo’s. In Bezug auf die Größe dieser -Weltstadt übertreibt er noch mehr als sein Vorgänger. Die Stadt liegt -in den Lagunen wie Venedig, hat 100 Meilen im Umfange und von den 12 -Hauptthoren aus erstrecken sich die Vorstädte noch meilenweit ins Land -hinein. - -Von hier gelangte der Franziskaner nach Chilenfu (Nanking), wo zuerst -die Könige von Manzi residirten. Damals hatten die Umfassungsmauern -eine Länge von 40 Meilen,[48] jetzt nur die Hälfte. Auf dem großen -Strome Talay (Ta kjang oder Yang tse kjang) ging die Fahrt an manchen -Städten vorbei zum Schifffahrtscanal, und über den Hwangho endlich nach -Cambalech (Peking), wo Odorich 3 Jahre verweilte und einer der von -Montecorvino gegründeten Kirchen vorstand. - -Als neue Beobachtungen des chinesischen Lebens, welche Polo unerwähnt -gelassen, erzählt Odorich, es sei ein Zeichen der Vornehmen, sich -lange Nägel wachsen zu lassen, bei einigen werde der Daumennagel so -lang, daß er rund um die Hand gehe. Bei Frauen gelte es als Schönheit, -sehr kleine Füße zu haben. Daher pflegten die Mütter den neugeborenen -Mädchen die Füße fest zu umwickeln, daß dieselben nicht wachsen -könnten. Auch beschreibt er zuerst die weißen Hühner mit wollhaarigem -Gefieder, welche nur in China heimisch sind.[49] - -Ueber den Weg, welchen Odorich auf seiner Heimreise einschlug, wissen -wir nur soviel, daß er sich von Peking westwärts ins Binnenland, in -das Land Tenduc, welches er für das Reich des Priesters Johann hielt, -begab, vielleicht auch Singanfu besuchte und über die Hochgebirge nach -Tibet und seiner Hauptstadt Lhasa vordrang. Hier verlieren sich alle -Spuren; möglicherweise führte die Route durch Persien über Tebris -wieder zurück. Um 1330 gelangte er wieder nach Venedig und starb im -Januar 1331 in Udine. Auf einem Theile seiner Wanderung hatte er einen -irischen Mönch Jakob zum Begleiter. Er war der erste Europäer, welcher -Tibet sah. - -[Illustration: Hand eines reichen Annamiten.] - -Auch auf dem nördlichen Handelswege nach Centralasien fanden sich in -der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eifrige Glaubensprediger ein, -denn der Pabst hatte allen, welche im Dienste der Kirche sich den -Mühen und Gefahren unterzogen, unter den Tataren das Christenthum -zu verbreiten, denselben Ablaß „~a poena et a culpa~“ verheißen, -wie denen, welche nach Jerusalem pilgerten. So zog 1338 auch der -spanische Franziskaner +Pascal von Vittoria+ von Venedig aus, fuhr -übers schwarze Meer nach der Krim (Gazaria) und Asow (Tana) und begab -sich dann in Gesellschaft einiger griechischer Händler zu Wagen nach -Sarai (Sarray), wo er, wahrscheinlich im Ordenskloster der Stadt, -über ein Jahr lang verweilte, dann die Wolga (Tygris) hinab ins Meer -von Baku (Vatuk), d. i. das kaspische Meer gelangte und nach 12 Tagen -Saraitschik (d. h. kleiner Palast) am Uralflusse erreichte. Der Ort -liegt gegenwärtig in Ruinen. Pascal war im Stande, mit den Tataren -in ihrer Sprache zu verkehren, denn er hatte in Sarai die kumanische -(chamanische) Sprache und die uigurische Schrift, welche bis nach -China verstanden wurde, sich angeeignet. Vom Uralflusse verfolgte er, -nachdem sein bisheriger Begleiter Fra Gonsalvo Transtorna umgekehrt -war, seinen Weg allein, ritt zu Kamel durch die turanische Steppe nach -Chiwa (Urganth) und predigte dort in der Landessprache. Von da aus -drang er ins Reich Tschagatai (~Imperium Medium~ der Abendländer), -wurde durch Kriegsunruhen zwar mehrfach aufgehalten, kam aber doch -endlich nach Almalik (Armalec) der Hauptstadt von Tschagatai, in der -Nähe des heutigen Kuldscha, und verkündigte trotz aller Verfolgung -glaubensmuthig die christliche Lehre. Von hier aus sandte er einen -Brief, den einzigen, nach Europa, in welchem er über seine Reisen -berichtete. Leider ist er, wahrscheinlich schon im nächsten Jahre, -1339 als Märtyrer gefallen.[50] In demselben Jahre erreichte auch ein -Kaufmann, Wilhelm von Modena, die Stadt Almalik. - -Die letzte große Wanderung quer durch Asien führte der Franziskaner -+Johann von Marignolli+, ein geborener Florentiner (geb. 1290) aus. Auf -einen Brief des Großchans, vom Juli 1336, welcher 1338 nach Avignon -gelangte, schickte der Pabst Benedikt XIII. eine Gesandtschaft, aus 32 -Personen bestehend, im December desselben Jahres von Avignon ab. Unter -den Sendlingen befand sich auch Marignolli. Man kam auf dem bekannten -Wege über Konstantinopel und Kaffa im Herbst 1339 nach Sarai, wo man -überwinterte, und schlug dann die Handelsroute über Urgendsch nach -Almalik (Armalec) ein. Hier blieb Marignolli bis 1341 und zog dann -über Komul (Kamil) nach Peking, wo die Gesandtschaft bei dem Kaan -eine Audienz hatte unter Vortragen des Kreuzes und unter dem Gesange: -„~Credo in unum deum~.“ In Cambalu verweilten sie 3 bis 4 Jahre als -Gesandte des Pabstes am kaiserlichen Hofe, dann ging die Wanderung -weiter nach dem Hafen Zayton. Die Schilderung, welche Marignolli von -China entwirft, ist etwas verworren. So hält er den Hwang ho und den -Yang tse kjang für ein und denselben Strom. Von dem Lande Manzi, d. -i. Südchina, welches früher unter dem Namen ~India maxima~ bekannt -war, sagt er, es habe 30,000 große Städte, unter denen Campsay -(Quinsay) die schönste, größte, reichste und wunderbarste sei mit -zahlreichen Prachtgebäuden und Götzentempeln, in denen bisweilen 1000 -bis 2000 Mönche wohnten. Zu Ende des Jahres 1347 segelte Marignolli -nach Indien. Unterwegs stattete er auch der Königin von Saba[51] -einen Besuch ab und landete dann an der Küste Malabar in Indien in -der Stadt Columbum (Quilon oder Kollam). Denn hier verkehrten auch -chinesische Handelsschiffe. In Kollam existirte eine Gemeinde von -Thomaschristen. Die Vorsteher derselben bewahrten in Folge eines alten -Privilegiums das Normalgewicht (~statera~), mit welchem Pfeffer und -andere Spezereien gewogen wurden. Daher nennt Marignolli sie auch „die -Herren des Pfeffers“.[52] Bei dieser Stadt errichtete er auch eine -Marmorsäule mit Kreuz und salbte es mit Oel. An der Säule befanden sich -die Wappen des Pabstes und Marignolli’s mit indischer und lateinischer -Schrift. „Ich weihete es,“ erzählt der Bote des Pabstes, „und segnete -das Denkmal in Gegenwart einer unendlichen Menschenmenge und wurde -auf den Schultern von Häuptlingen in einem Palankin getragen.“ Von -da begab sich Marignolli nach Ceylon; aber das Paradies, welches -nach Mittheilungen der Eingebornen im Innern liegen sollte, hat er -selbst nicht gesehen. Nach der Ansicht des Johannes Scotus ist das -Paradies auf dem höchsten Punkte der Erde gelegen und reicht bis in -die Mondsphäre hinein. Daher muß das Wasser, welches aus dem Garten -Eden entspringt und die Bäume tränkt, mit starkem Falle herabstürzen. -Die Singhalesen fanden daher auch bei Marignolli Glauben, wenn sie ihm -erzählten, man könne das Rauschen der Paradiesquelle 40 Meilen weit -hören. Auf der höchsten Spitze des Berges ist noch der Fußstapfen Adams -und das Haus zu sehen, das er selbst gebaut hat. - -Auf der Rückkehr von Ceylon nach der Koromandelküste fiel -Marignolli mohammedanischen Seepiraten in die Hände und wurde aller -Werthgegenstände, die er aus dem Osten mitgebracht, beraubt; aber -man schonte seines Lebens und so konnte er über Ormuz, Bagdad, in -dessen Nähe er die Ruinen des Thurmes zu Babel (d. h. den Mudschelibe) -besuchte, über Mossul, wo er die Ruinen von Ninive gesehen, Haleb und -Damaskus nach dem Abendlande heimkehren und 1353 dem Pabste in Avignon -das Antwortschreiben des Großkaan überreichen.[53] - -Die oft wiederholten Handels- und Missionsreisen zu den Residenzen -der tatarischen Großfürsten machen es erklärlich, daß, lediglich um -den praktischen Bedürfnissen der Kaufleute zu genügen, Beschreibungen -des Weges mit Angabe der Entfernung und Kosten entworfen wurden. Ein -solcher +Reiseführer+ ist unter dem Titel „~Libro di divisamenti di -Paesi~“ von dem Italiener +Pegolotti+ zusammengestellt, welcher im -Dienste der Handelsgesellschaft Bardi in Florenz zwischen 1315 und 1317 -als Factor in Antwerpen und von 1324-27 in Cypern lebte. Daß Pegolotti -die Reise nach China selbst gemacht habe, ist nicht erwiesen und auch -nicht wahrscheinlich. Der damals übliche Weg ging über das schwarze -Meer und durch Südrußland. Unter den allgemeinen Verhaltungsregeln -ward als rathsam empfohlen, daß man sich zunächst einen langen Bart -stehen lasse. Dann nehme man sich in Tana einen Dragoman und ein paar -tüchtige Diener, welche kumanisch verstehen; auch empfiehlt es sich -eine Frau mitzunehmen, welche womöglich gleichfalls kumanisch spricht. -Dann versorge man sich mit Mehl und Salzfisch, denn Fleisch findet -man allenthalben genug. Bewaffneten Schutz braucht man nicht, da die -ganze Straße bis China, Dank der Fürsorge der tatarischen Herren, -sicher ist. Hat man etwa (nach unserem Geld berechnet) für 240,000 Mark -an Waaren, so wird die ganze Reise etwa 3000 bis 4000 Mark kosten. -Ein vierräderiger Ochsenkarren mit Filzdach trägt eine Last von 10 -Centnern, ein Kamelwagen, zu dem drei Zugthiere gehören, gegen 30 -Centner, ein Pferd zieht etwa 6½ Centner. - -Was nun die Entfernung und Stationen betrifft, so rechnet man auf den -Weg von Tana bis Astrachan (Gintarchan) mit Ochsenkarren 25 Tage, -von da bis Sarai 1 Tag, von da bis Saraitschik (Saracanco) am Ural -8 Tage. Von hier kann man zu Land oder zu Wasser weiter reisen. Auf -dem Landwege braucht man bis Organci (Chiva) mit Kamelkarren 20 Tage, -weiter bis Otrar (Oltrare) an einem Nebenflusse des Syr-Darja südlich -der Stadt Turkestan, unter 43° n. B., wieder 35-40 Tage. Von Saracanco -direct nach Otrar kürzt sich der Weg auf 50 Tage ab. In Otrar nimmt -man Packesel und reiset 45 Tage bis Armalec (bei Kuldscha) und 70 Tage -bis Kan-tschou (Camexu). Dann reitet man zu Pferde 45 Tage, bis man -an einen chinesischen Fluß[54] gelangt, auf welchem man nach Cassai -(Quinsay) kommt und von hier in 30 Tagen die ganze Reise bis Gamalec -(Cambalec, Peking) vollendet. - -Leider war dieser aufblühende Verkehr mit dem Oriente nicht mehr von -langer Dauer; denn als 1368 in China die mongolische Dynastie gestürzt -worden war und eine einheimische Fürstenfamilie an die Spitze trat, -wurde das Land gesperrt und der Handel völlig abgebrochen. Nur Indien -blieb offen. Und hierher kam im 15. Jahrhundert noch ein venetianischer -Kaufmann +Nicolo de’ Conti+, dessen Erzählung nur durch den seltenen -Zufall sich erhalten hat, daß Conti auf der Heimreise nach Europa auf -dem rothen Meere in die Hände von Piraten gefallen und aus Todesfurcht -den Islam annahm, dann freigelassen, sich in seiner Gewissensangst -um Ablaß an den Pabst Eugen IV. wandte, welcher von 1439-42 sich in -Florenz aufhielt, und dessen Secretär Poggio (Poggius) die Erlebnisse -des Reisenden niederschrieb.[55] Der ganze Bericht macht den Eindruck -der Treue und Zuverlässigkeit, doch mag wohl Poggio manches auf eigne -Hand hinzugefügt haben, so über die Insel Taprobane. Conti hatte sich -in seiner Jugend in Aegypten aufgehalten, um Handel zu treiben, war -dann flüchtig geworden, weil er das ihm von seinem Vater anvertraute -Capital vergeudet hatte, und war mit einer großen Karawane von 600 -Köpfen durch das steinige Arabien und über Chaldäa an den Euphrat -gereist. Während des Zuges durch die syrische Wüste hatten sie, ähnlich -wie Polo, seltsame Erscheinungen, welche nach Angabe von erfahrenen -Männern, die dergleichen schon früher erlebt hatten, für Dämonenspuk -ausgegeben wurden. Es war, als ob Reiterschwärme vorübersausten. Man -wird bei der Schilderung unwillkürlich an das bekannte Gedicht von -Freiligrath: Das Gesicht des Reisenden erinnert. Dann kam er nach der -Stadt Babilonia am Euphrat, „welche die heutigen Bewohner Baldachia -(Bagdad) nennen“.[56] Dann ging es den Fluß hinunter nach Basra -(Balsera) und übers Meer nach Ormuz (Ormesia), damals bereits auf der -Insel gelegen. Unterwegs berührte er den Hafen Colchum (bei Diego -Ribero 1529 Conga, jetzt Kongun, südlich von Schiras). - -In einem persischen Hafen, den er Calacatia[57] nennt, hielt er sich -längere Zeit auf, um persisch zu lernen. Seine weitere Reise unternahm -er dann in der Tracht eines Persers und fuhr in Gesellschaft seiner -adoptirten Landsleute zu Schiff nach Cambaya (Cambahita), welches -sie nach einer Fahrt von einem Monat erreichten. Cambaya war damals -einer der bedeutendsten Hafenplätze Indiens. „Wenn die abendländische -Welt zum Genuß hinterindischer und chinesischer Produkte gelangte, so -verdankte sie dies zumeist den unternehmenden Kaufleuten und tüchtigen -Seecapitänen von Cambaya und Kalikut.“[58] Eine Küstenfahrt führte -Conti nach Süden in die Region, welche ausgezeichneten Ingwer liefert. - -[Illustration: ~=Mapamondi=, das heisst das Bild der Welt und der -verschiedenen Staaten der Welt und der Gegenden, welche auf der Erde -sind, der verschiedenen Arten von Völkern, welche auf derselben -wohnen. (Und besagtes Bild oder Figur ist rund wie ein Spielball und -ähnlich einem Ei, getheilt in vier Elemente. Denn wie das ganze Ei von -aussen von seiner Schale umgeben ist, wie die Schale das Eiweiss, und -dieses den Dotter umgibt, und darauf der Tropfen des Embryo gebildet -ist: so ist diese Welt auf allen Seiten vom Himmel umgeben, wie von -der Eierschale, der Himmel umgibt die reine Luft, wie die Schale das -Eiweiss; die trübe Luft ist umgeben von der reinen Luft, wie der Dotter -vom Eiweiss u. s. w.)~ - -Die Bewohner von Norwegen leben mehr von Fischen und von der Jagd als -von Brot. Diese Gegend ist sehr rauh und kalt und gebirgig, wild und -voll von Gebüschen. Viel Wild gibt’s hier: als Hirsche, weisse Bären -und Gerfalken. Es gibt Hafer, aber nur sehr wenig, wegen der grossen -Kälte. - -In Irland gibt es viele merkwürdige Inseln, darunter ist eine kleine, -wo die Menschen nicht sterben; aber wenn sie sehr alt sind, um zu -sterben, trägt man sie von der Insel. Da gibt’s keine Schlange und -keine Kröte und keine giftige Spinne; denn das ganze Land duldet kein -giftiges Thier. (Da ist auch ein See und eine Insel. Noch mehr, es gibt -dort Bäume, die tragen Vögel, wie andere Bäume reife Feigen tragen.) -Desgleichen gibt es eine andere Insel in welcher die Frauen nicht -niederkommen; wenn aber die Zeit der Entbindung kommt, schafft man sie, -der Sitte gemäss, von der Insel fort. - -Die glückseligen Inseln liegen in dem grossen Meere linker Hand, an der -Grenze des Occidents, aber nicht fern im Meere. (Isidor spricht also in -seinem 15. Buche: Diese Inseln heissen Fortunatae.) Denn sie sind reich -an allen Gütern, Korn, Früchten, Kräutern, Bäumen und die Einwohner -glauben, es sei hier das Paradies, wegen der milden Sonnenwärme und -der Fruchtbarkeit des Bodens. (Isidor sagt auch) Die Bäume wachsen -hier wenigstens 140 Fuss hoch und tragen viele Früchte und Vögel. Man -findet hier Honig und Milch, vorzüglich in der Insel Capria, die nach -der Menge der Ziegen, die es hier gibt, benannt ist. Dann ist hier die -Insel Canaria, benannt nach den grossen und starken Hunden, welche -dort sind. (Plinius, dieser Meister der Geographie, sagt, dass es -unter den Fortunaten eine gibt, wo alle Güter der Welt wachsen, ebenso -alle Früchte, ohne dass man sie zu säen und zu pflanzen braucht. Auf -der Höhe der Gebirge sind sehr wohlriechende Bäume, zu jeder Zeit mit -Blättern und Früchten bedeckt. Die Einwohner essen davon einen Theil -des Jahres. Die Bewohner Indiens glauben, dass ihre Seelen nach dem -Tode diese Inseln bewohnen werden und dass sie dort ewig leben werden -von dem Wohlgeruch dieser Früchte. Sie glauben, dass dies ihr Paradies -sei, aber, offen gestanden, es ist dies eine Fabel.) - -Das Schiff des Jacob Ferrer ging in See nach dem Goldflusse am Tage des -heil. Laurentius, am 10. August 1346. - -Die Orkney-Inseln, in denselben ist 6 Monate Tag, während die Nacht -hell ist, und 6 Monate Nacht, während der Tag trübe ist. - -Cap Finisterre, das Westcap Afrikas, hier beginnt (Afrika) und endigt -in Alexandrien und Babilonia (Stadt in Aegypten) und umfasst die -ganze Küste der Berberei und reicht (bis Alexandrien) gegen Mittag u. -Aethiopien (und Aegypten. Man findet in diesem Lande viel Elfenbein -wegen der Menge von Elephanten, die hier geboren werden und welche hier -an den Strand kommen.) - -Thal von Darha (Wadi Draa). Durch diesen Ort ziehen die Kaufleute, -welche nach dem Lande der Neger von Guinea reisen. - -Dieses ganze Gebiet haben Leute inne, welche sich so einhüllen, -dass man nichts als die Augen sieht (Tuarez mit dem Lithmen oder -Gesichtsschleier), sie leben in Zelten und reiten auf Kamelen. (Es -gibt hier auch Thiere, welche Lemp(?) heissen, aus deren Haut man gute -Schilde macht.) - -Dieses ganze Gebirge wird in seiner Länge Carena von den Sarazenen -genannt und von den Christen die Hellen Berge (vom Schnee) genannt, -hat viele schöne Städte und Schlösser, die mit einander Krieg führen -und hat Ueberfluss an Brot und an Wein und an Oel und an allen guten -Früchten. - -Dieser Negerfürst heisst Mussemelly, Herr der Neger von Guinea. Dieser -König ist der reichste u. vornehmste Herr dieses ganzen Landes, wegen -der Menge Gold, die man in seinem Lande sammelt. - -Dieses Meer heisst das deutsche Meer und das Meer von Gotland und -Schweden. Wisst, dass dieses Meer 6 Monate im Jahre gefroren ist, -nämlich von Mitte October bis Mitte März, so dass man in dieser Zeit -mit Ochsenwagen darüber fahren kann, wegen der Kälte des Nordens. - -Hier ist der mittlere Theil des Gebirges, über welches sarazenische -Pilger ziehen, welche vom Abendlande aus nach Mekka walfahren. - -Hier herrscht der König Organa, ein Sarazene, welcher fortwährend mit -den Sarazenen an der Küste und mit den andern Arabern Krieg führt. - -In diesem Sumpf leben Orions und andere seltsame Fische. - -Stadt Lemberg (Löwenberg); in diese Stadt kommen Kaufleute, welche aus -dem Orient anlangen und sich durch das deutsche Meer nach Flandern -begeben. - -Dieser König führt beständig Krieg mit den Christen in Nubien, welche -dem Kaiser von Aethiopien im Lande des Priesters Johannes unterthänig -sind. - -Dieser Sultan von Babilonia ist gross und mächtig unter den andern -dieser Gegend. - -Durch diese Meerenge gingen die Kinder Israels, als sie aus Aegypten -auszogen. - -In diese Stadt Chos (Kosser) bringt man die Spezereien, die von Indien -kommen. (Man bringt sie dann nach Babylonia (Kairo) und Alexandrien.) - -Dieses Meer heisst das rothe Meer (hier zogen die zwölf Stämme Israels -hindurch) und wisst, dass das Wasser nicht roth ist, sondern der -Boden hat diese Farbe. Durch dieses Meer geht der grössere Theil der -Spezereien, die von Indien (nach Alexandrien) kommen. - -Hier ist der Leib d. Jungfrau Katharina (Katharinenkloster). Der Berg -Sinai, auf welchem Gott Moses das Gesetz gab. - -Hier regiert der Kaiser dieser nördlichen Gegend, dessen Bereich in -der Provinz Bolgar (an der Wolgar) beginnt u. in der Stadt Urgendsch -endigt. Dieser Fürst heisst Jambech (1342-1356) Herr von Sarai. - -Diese Stadt heisst das grosse Ninive, dieselbe wurde wegen ihrer Sünden -zerstört. - -Hier lag das grosse Babylon, wo Nebukadnezar war. - -In dieser Stadt ist das Grab Mohammeds, des Propheten der Sarazenen, -welche aus allen Ländern dahin pilgern u. sie sagen, dass nachdem sie -etwas so kostbares gesehen, es nichts mehr gebe, was des Ansehens werth -wäre. Dann lassen sie sich zur Ehre Mohammeds blenden. - -Es heisst jetzt Bagdad. Wisst, dass man in diese Stadt viele Spezereien -und schöne Sachen bringt, die von Indien kommen u. die man dann ins -Land Syrien und besonders nach Damaskus schafft. - -Vor der Mündung des Flusses von Bagdad das Meer von Indien und Persien. -Hier sind Fischereien von Perlen, welche man dann in die Stadt Bagdad -bringt. (Und die Fischer sprechen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihre -Zaubersprüche, um die Fische zu verjagen.) - -Wisst, dass diejenigen, welche die Wüste durchreisen wollen, hier -anhalten und eine ganze Woche ausruhen in einer Stadt Namens Lop (wo -sie und ihre Thiere sich erholen), und wo sie sich mit allem Nöthigen -für 7 Monate versehen; denn in der Wüste kann ein Mensch einen Tag und -eine Nacht wandern, ehe er gutes Trinkwasser findet; (aber nach dieser -Zeit von einem Tag und einer Nacht findet man) so viel, dass es für -50, für 100 Personen und noch mehr ausreicht. Und wenn es geschieht, -dass ein Reisender bei Nacht auf dem Pferde einschläft, (oder aus einem -andern Grunde seine Kameraden verlässt, so kommt es oft vor) dass er -in der Luft zahlreiche Stimmen von Teufeln hört (die der Stimme seiner -Gefährten gleichen); dann rufen sie ihn bei seinem Namen und endlich -führen die Teufel ihn kreuz und quer durch die Wüste, dass er seine -Gefährten nie wieder findet. -- Diese Karawane reist vom Kaiserthum -Sarai nach China. - -Die Stadt Schiras, sonst Gracia genannt; hier wurde die Astronomie -zuerst durch den sehr gelehrten Ptolemäus erfunden (?!) - -Arabia Saba ist die Provinz, welche die Königin von Saba besitzt. -Jetzt gehört sie arabischen Sarazenen. Es gibt dort viele Wohlgerüche -als Myrrhe und Weihrauch, sie hat Ueberfluss an Gold, an Silber und -kostbaren Steinen, auch findet man hier, wie man sagt, den Vogel -Phönix. - -(Diese Provinz heisst) Tarsia. Von hier zogen die drei weisen Könige -aus, welche mit ihren Geschenken nach Bethlehem in Judäa kamen und -Jesum Christum anbeteten; sie sind begraben in der Stadt Köln, zwei -Tagereisen von Brügge. - -Diese Stadt heisst Ormus. Hier beginnt Indien. Wisst, dass in diese -Stadt Fahrzeuge kommen, welche 8-10 Masten haben mit Segeln von Rohr. - -Diese Schiffe heissen Dschonken (und haben 60 Ellen Kiel und wenigstens -34 Ellen Oberwerk.) Sie haben 4-10 Masten und ihre Segel sind aus Rohr -und Palmblättern. - -In dem indischen Meere, wo die Fischereien sind, gibt es mehr reiche -Inseln, aber die Fischer machen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihren -Zauber, wodurch sie die Fische vertreiben; und wenn die Fischer -zufällig untertauchen, bevor sie ihren Zauber gemacht haben, werden sie -von den Fischen gefressen. Das ist eine ausgemachte Sache. - -Der König von Dehli. Hier ist ein grosser, mächtiger u. sehr reicher -Sultan; dieser Sultan hat 700 Elephanten und 100,000 Reiter unter -seinem Befehl. Er hat auch zahllose Truppen zu Fuss. In dieser Gegend -der Erde gibt es viel Gold u. kostbare Steine. - -Auf diesen Inseln gibt es viele gute Gerfalken und Falken, welche die -Einwohner nur für den Bedarf des Gross-Chans zu fangen wagen, des Herrn -und Kaisers von China. - -Wisst, die Männer und Weiber dieses Landes, wenn sie gestorben sind, -mit Musik und Freudenbezeugung zum Scheiterhaufen getragen werden. -(Während die Verwandten des Todten wehklagen) geschieht es bisweilen, -dass die Witwen sich ins Feuer stürzen zugleich mit ihren Männern; -dagegen die Männer nie mit ihren (gestorbenen) Frauen. - -Diese (Trompeten) sind von Metall. Alexander, der grosse mächtige -König, liess sie machen. Die Gebirge von Badachschan. Diese Menschen -sammeln Diamanten; aber da sie nicht in die Gebirge gelangen können, wo -sich die Diamanten finden, so werfen sie sehr geschickt Fleischstücke -dahin, wo die Edelsteine liegen und die Steine heften sich an das -Fleisch und Vögel nehmen sie da weg. Dann fallen die (am Fleisch -klebenden Steine) den Vögeln weg u. so werden sie gefunden, und so fand -es Alexander. - -Der See Issyk-Kul. In diesem See ist ein Kloster von armenischen -Mönchen, in welchen, wie man sagt, der Leib des Heil. Matthäus, des -Apostels und Evangelisten ist. - -Viele Städte, welche Alexander der Grosse, König v. Macedonien, baute. - -Hier herrscht der König von Kollam, ein Christ. Provinz Kollam. - -Hier herrscht der König Chabech (Gabak oder Kapak, zwischen 1310 u. -1320), welchen man den Herrn des medischen Reiches nennt. Er war in -Emaleck (?) - -Hier herrschte der König Stephan. Hier ist der Leib des Heil. Thomas, -des Apostels. (Blicke nach der Stadt Butifilis (Motupalla)). - -In der Insel Jana (?) findet man viele Bäume, Aloëholz, Kampfer, -Sandel, feine Spezereien, Galanga (eine Wurzel), Muskatnüsse, -Zimmtbäume, wovon das kostbarste Gewürz von ganz Indien kommt; auch -findet man dort Macis und Blätter. - -Das kaspische Gebirge, in welchem Alexander so hohe Bäume sah, dass -ihr Wipfel in die Wolken reichte. Und mit Hilfe seiner Kunst schloss -er dort die Tartaren Gog und Magog ein (und für sie liess Alexander -die eben beschriebenen Metallbilder machen.) Ebenso schloss er an -diesem Orte auch verschiedene Arten von Menschen ein, die nicht rohes -Fleisch essen sollten. Das ist das Menschengeschlecht, mit welchem der -Antichrist kommen wird. (Sie werden endlich durch Feuer vernichtet, -welches vom Himmel herabkommt, um sie zu vertilgen.) - -Hier werden kleine Menschen geboren, welche nur 5 Palmen hoch sind (und -obwohl sie klein und unfähig sind, schwere Arbeit zu thun, so sind sie -doch im Stande und fähig zu weben und Vieh zu hüten.) Und wisst, dass -diese Menschen, wenn sie das 12. Jahr erreicht haben, heirathen und -gewöhnlich bis zum 40. Jahr leben.... Und sie vertheidigen sich kräftig -gegen die Kraniche und nehmen sie und essen sie. (Hier endigt das Land -der Herren von China.) - -Die Insel der nackten Menschen, in welcher Männer u. Frauen vorn und -hinten ein Blatt tragen. - -Der grosse Fürst von Gog oder Magog. Dieser wird zur Zeit des -Antichrists mit grossem Volke kommen. - -Der grosse und mächtige König Alexander hätte hier sterben müssen, wenn -ihn Satanas nicht durch seine Kunst gerettet hätte. - -Der grösste Fürst aller Tartaren heisst Ulu-beg, das bedeutet -Gross-Chan. Dieser Kaiser ist viel reicher als alle anderen Kaiser -der ganzen Welt. (Diesen Kaiser bewachen 12,000 Reiter.) Er hat 4 -Hauptleute, welche jeder 12,000 Pferde unter ihrem Befehl haben. Jeder -Hauptmann begiebt sich an den Hof des Herrschers mit seiner Compagnie -auf 3 Monate im Jahr und dann die andern der Reihe nach. - -In dem Meere von Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle -wunderbaren Reichthümer, die darin enthalten sind, von Gold, Silber und -(kostbaren Steinen) aufzählen können. - -Meer der Inseln von Indien, wo die Spezereien sind. In diesem Meere -fahren zahlreiche Schiffe verschiedener Völker. - -Man findet dort 2 Arten von Fischen, welche man Syrenen nennt, die eine -ist halb Frau und halb Fisch, die andere halb Frau und halb Vogel. - -Wisst, dass neben der grossen Stadt Cambalech ehemals die grosse Stadt -Garibalu lag. Und der grosse Chan fand durch Astronomie, dass diese -Stadt sich gegen ihn empören würde. Er liess sie daher zerstören und -die Stadt Cambalech bauen. Diese Stadt hat 24 Meilen Umfang und ist -mit sehr starken Mauern umgeben. Sie bildet ein Viereck, jede Seite -hat 6 Meilen und die Mauern sind 20 Schritt hoch und 10 Schritt dick. -Es gibt 12 Thore und einen grossen Thurm, auf dem eine grosse Glocke -angebracht ist, welche nach und vor dem Schlaf ertönt. Wenn sie ertönt, -darf niemand mehr durch die Stadt gehen. An jedem Thor halten 1000 Mann -Wache; nicht aus Furcht, sondern zur Ehre des Herrschers. - -Der Antichrist. Dieser wird in Corozaim in Galliläa aufwachsen. Und -wenn er 30 Jahre alt ist, wird er in Jerusalem anfangen zu predigen, -und gegen alle Wahrheit wird er sagen, er sei Christus, der Sohn -Gottes, und man sagt, dass er den Tempel wieder aufbauen werde. - -Diese Menschen sind wild und leben von rohen Fischen und trinken -Seewasser und gehen nackt. - -Die Insel Taprobana, diese wird von den Tataren Magno-Caulij genannt; -es ist die letzte im Osten. (Auf dieser Insel gibts Menschen, welche -von den andern ganz verschieden sind.) In einigen Gebirgen dieser -Insel gibt es Menschen von grosser Gestalt, d. h. von 12 Ellen, wie -Riesen, sehr schwarz und ohne Vernunft, sie fressen die fremden weissen -Menschen, wenn sie dieselben fangen können. (Anklänge an Völker auf -Sumatra und Neuguinea.) - -_Schutzblatt zur catalanischen Erdkarte mit der Uebersetzung der -Legende des Originals. Die eingeklammerten Stellen des Textes sind -des beschränkten Raumes wegen aus den Legenden der Karte weggelassen, -werden aber hier der Vollständigkeit wegen in der Uebersetzung -mitgetheilt. Eingeklammerte einzelne Worte dienen zur Erläuterung._ - -(~Diese Reproduction ist mit Ausnahme der Schriftcharaktere dem -Originale, welches auf vier Pergamenttafeln gezeichnet ist, in ⅓ der -Länge demselben facsimile nachgebildet.)~ - -Auf dieser Insel gibt es jedes Jahr 2 Sommer und 2 Winter. Die Bäume -und Kräuter blühen hier jährlich zweimal (und es ist die letzte -indische Insel und hat eine Fülle von Gold, Silber und kostbaren -Steinen).] - -Von der Küste wandte sich der Venetianer ins Binnenland, er war der -erste Europäer, welcher quer durch die Halbinsel Vorder-Indien zog, und -der erste, der später den Ganges hinabfuhr,[59] und besuchte die Stadt -Bizenegalia (Bisnagar oder jetzt Widjajanagara, 15° 19′ n. B.) eine -damals berühmte, jetzt in Trümmern liegende Residenz, welche später, im -16. Jahrhundert auch von dem Venetianer Cesare Federici erreicht und -beschrieben ist. Nach dem Jahre 1567 verfiel die Stadt. Ueber Pelagonda -(jetzt Pinakonda) und Cenderghiria (Tschandragiri) drang Conti dann -quer durch das Plateau von Dekan vor und erreichte die Ostküste bei -Pudifatania (Madras) und Malipuria (Milapur, unmittelbar südlich von -Madras, auch St. Thoma genannt), wo der Leib des Apostels Thomas in -einer prächtigen Basilica begraben lag. Die ganze Landschaft nennt er -Malabar statt Maabar. Die letzte Stadt, welche er hier besuchte, war -Cahila. M. Polo nennt sie Cael. Es ist das altindische Kayal und lag -etwa zwei Kilometer oberhalb einer der Mündungen des Tamraparniflusses. -Kayal war eine Tochterstadt des ptolomäischen Kolchoi, jetzt Kolka, -ein Dorf, zwei bis drei engl. Meilen weiter landeinwärts auf der Höhe -gelegen.[60] Die Stadt war berühmt durch ihre Perlenfischereien. Von -da setzt der Reisende nach der Insel Seilana (Ceylon) über, welche -durch ihre Edelsteine: Rubinen, Saphiren und Katzenaugen und durch -den Zimmtbaum berühmt war. Mit günstigem Fahrwinde segelte er von da -in 20 Tagen, wobei man die Andamanen (Andamaria) zur rechten Hand -ließ, nach Sumatra (Sciamuthera bei Conti). Die wilden Bewohner -tragen in ihren großen Ohren mit Edelsteinen besetzte Goldringe und -kleiden sich in Seide und Leinen. Sie haben Pfeffer, Kampfer und -Gold in Fülle. Conti erwähnt hier zuerst die merkwürdige Frucht des -Durianbaumes (~fructum durianum~), welche grün von Farbe und so groß -wie eine Gurke von verschiedenem Geschmack gleich geronnener Butter -ist. Eine genaue Beschreibung dieser sehr geschätzten Frucht hat A. R. -Wallace[61] gegeben. Die Verschiedenartigkeit des Geschmacks, welche -Conti hervorhebt, definirt Wallace in folgender Weise: „Ein würziger, -butteriger, stark nach Mandeln schmeckender Eierrahm gibt die beste -allgemeine Idee davon, aber dazwischen kommen Duftwolken, die an -Rahmkäse, Zwiebelsauce, braunen Jerezwein und anderes Unvergleichbare -erinnern. Dann ist der Brei von einer würzigen, klebrigen Weichheit, -die sonst keinem Dinge zukommt, die ihn aber noch delicater macht. Die -Frucht ist weder sauer, noch süß, noch saftig und doch empfindet man -nicht den Mangel einer dieser Eigenschaften.“ Auf Sumatra leben in der -Landschaft Bathech Menschenfresser, welche die Köpfe der erschlagenen -Feinde als Geld gebrauchen. Das Volk der Batta, welches gemeint ist, -steht noch in dem übeln Rufe des Canibalismus. - -Auf der Rückkehr von dort wurde Conti durch Sturm an die Küste von -Tenasserim verschlagen, wo es viele Elephanten und Färbeholz gibt. Von -da gelangte er zum Ganges und fuhr den Strom 15 Tage weit hinauf. Der -Reisebericht wird von hier ab dunkeler, namentlich auch, weil sich -manche der angeführten Ortsnamen nicht deuten lassen. Wahrscheinlich -besuchte er noch Arracan (Rachani), stieg über das Gebirge gegen Osten -ins Thal des Irawadi hinab und fuhr stromauf nach der alten Hauptstadt -Ava des Königreichs Birma. Man scheint dieses Land damals zu Süd- oder -Großchina gerechnet zu haben, dessen Namen Conti in der Form Macinum -(Ma-tschin) kennt. Von Ava kehrte Conti nach Sittang zurück (Xeython), -wandte sich nach Bangkok (Pancovia), wo er vier Monate blieb und fuhr -von da nach den Sundainseln. Den ganzen Archipel bezeichnet er mit dem -Namen Inner-Indien. Längeren Aufenthalt nahm er in Borneo und Java -(Groß- und Klein-Java), deren Bewohner ihm die unmenschlichsten und -grausamsten von allen zu sein schienen. Als Beispiel dafür erwähnt -er das auf Java übliche Amoklaufen. Conti erzählt auch zuerst von -den wundervollen Paradiesvögeln, deren Bälge als Kopfschmuck dienen. -Das noch in späteren Jahrhunderten von den Portugiesen vorgetragene -Märchen, wonach dieser Schmuckvogel keine Füße haben sollte, hat -auch Conti bereits vernommen; doch irrt er darin, daß er den Vogel -auf Borneo leben läßt, während derselbe auf den Molukken die -Westgrenze seiner Verbreitung findet. Bis zum Jahre 1760 war noch kein -vollständiges Exemplar nach Europa gelangt.[62] - -Nach einer Fahrt von 14 Tagen erreichte unser Reisender mit seiner -Familie, die ihn begleitete, die Gewürzinseln, wo die Muskatnüsse und -Gewürznelken gedeihen. Conti nennt die beiden von ihm besuchten Inseln -Sandai und Banda. Welche Eilande darunter zu verstehen sind, läßt -sich nicht bestimmen; denn der Name Sandai ist jetzt völlig unbekannt -und auf der heute Banda genannten Insel wuchsen die Gewürznelken -damals nicht. Höchst wahrscheinlich verwechselte er den Gewürzmarkt -mit dem Produktionsgebiet. Von da ging Conti nach dem oftbesuchten -Tschampa (Ciampa), welches er als Seestadt bezeichnet, und kehrte -nun nach Vorder-Indien, nach Kollam, zurück. Ueber Kotschin, Kalikut -(Collicuthia) und Cambaya wandte er sich zur Heimkehr, landete -unterwegs an der aloëreichen Insel Sokotra (Sochutera), berührte Aden -und das an der afrikanischen Küste gegenüberliegende Berbera (Barbora), -verweilte längere Zeit in Abessinien, schiffte darauf durchs rothe -Meer nach Djidda und kam endlich nach Kairo (Carras), wo er außer -sämmtlichen Dienern seine Frau und zwei Söhne an der Pest verlor.[63] -Obwohl seiner Zeit die Erzählung Conti’s mehrfach auf Mißtrauen -gestoßen ist, so wird doch eine gründliche Prüfung bestätigen müssen, -daß ein großer Theil seiner Mittheilungen auf Autopsie beruht und -daß sich manche Dunkelheiten aus der mangelhaften Beschaffenheit der -erhaltenen Texte erklären lassen. - -Die Beziehungen der römischen Kirche zum Orient dauerten auch -noch unter Calixt III. (1447-1458) und Pius II. (1458-1464) fort, -äthiopische Gesandte kamen nach Rom, von denen schon Poggio -Erkundigungen über Aethiopien und die Region der Nilquellen einzog -und aufzeichnete, andere Boten gingen nach Persien und Indien, so daß -die Kenntniß von diesen Ländern sich immer klarer gestaltete. Auch -Kaufleute wagten sich immer häufiger in das Reich der Gewürze, und -so konnte Toscanelli in seinem Briefe an den Canonicus Martinez in -Lissabon 1474 genaue Schilderungen selbst Chinas nach dem Berichte von -Augenzeugen geben, mit denen er selbst verkehrt hatte. - -[Illustration: ~Fra Mauro’s Weltkarte von 1459.~ - -~(Original in Venedig).~ - -~Längenmaassstab 1/10 des Originals.~] - -Was die Mitte des 15. Jahrhunderts vom Osten Afrikas wußte, läßt sich, -wenn auch in unbeholfener Gruppirung dargestellt, auf der in Venedig -1459 entworfenen +Weltkarte Fra Mauro’s+ erkennen. In Abessinien sind -der Abai und Takazze als Tributäre des Nil verzeichnet, selbst der Djub -(Hebe) findet sich in annähernd richtiger Lage. Vor allem wichtig muß -es aber erscheinen, daß an der Ostküste, wo zwar die Insel Madagascar -noch fehlt, doch die Erkundigungen über Makdischu (Mogodisco) und -Sansibar (zweimal als Xengibar und Chancibar), vielleicht bis zu -der Comoren-Insel Mohilla (Mahal) und nach Sofala (Soffala) reichen. -Durch die sich weit nach Süden ziehenden afrikanischen Uferlinien -wurden später die Hoffnungen, eine Umfahrt um Afrika zu ermöglichen, -wesentlich bestärkt. - -[Illustration: _Die Orientirung des Originals ist umgekehrt, Norden -unten; daher in dieser nach H. Kiepert gemachten Copie die Contouren -genau reducirt, die Gebirge aber dem Charakter des Originals nur -ähnlich und die Städte an Stelle der perspectivischen Zeichnungen des -Originals durch Signaturen angegeben sind._] - - - - -Zweites Capitel. - -Die Abendseite der alten Welt. - - -Prinz Heinrich der Seefahrer. - -Wenden wir uns wieder der Westseite Afrikas zu, so ist unsere nächste -Aufgabe, nachzuweisen, wie die Kenntniß hier, nachdem um die Mitte des -14. Jahrhunderts die Grenze des Wissens alter Zeit wieder erreicht -worden war, unter besonders günstigen Umständen rasch und planmäßig -vorwärts rückte. - -Unter den damals bekannt gewordenen westafrikanischen Inselgruppen -waren nur die Canarien bewohnt gefunden. Hier saß das Volk der -Guanchen, wie die Spanier den Namen schreiben, ein starker kräftiger -Menschenschlag von blondem Haar und heller Gesichtsfarbe, deren -Nachkommen noch in jüngster Zeit einen deutschen Reisenden an den ächt -sächsischen, westfälischen Typus erinnern konnten.[64] Und in der That -hat Löher auch den Beweis angetreten, daß die Wandschen (Guanchen) -germanischer Abkunft seien, und sich höchst wahrscheinlich ans den -Trümmern der von Belisar niedergeworfenen Vandalen und durch Tarik bei -Jerex besiegten Westgothen gebildet hätten. Unter den beigebrachten -historischen Zeugnissen ist hier namentlich die Deutung hervorzuheben, -welche die Sage von der Flucht eines Erzbischofs und mehrerer -Bischöfe auf die Inseln des Westmeeres erhielt, von welcher oben (S. -21) berichtet ist. Danach ist dann der Name Wandschen identisch mit -Vandalen. Aber auch in Bezug auf den Nationalcharakter, die Sitten und -Anschauungen, die Art der Ansiedlungen und der staatlichen Verfassungen -bieten sich so manche Analogien mit altgermanischem Wesen, daß wir uns -der überraschenden Beweisführung Löhers nicht verschließen können. -Unverkennbar, aber auch ganz erklärlich, war die Sprache der Wandschen -mit berberischen Elementen durchsetzt. Im Jahre 1384 machten zuerst -spanische Mönche den Versuch, die Bewohner auf Groß-Canaria zum -Christenthum zu bekehren, fanden aber thätigen Widerstand und büßten -endlich 1391 alle ihren Glaubenseifer mit dem Tode. Planmäßiger begann -1402 +Jean de Bethencourt+ aus Rochelle das Werk; er segelte von La -Rochelle aus, landete auf Lanzarote mit einigen 50 Mann und baute eine -kleine Citadelle. Aber sie vermochten sich bei ihrer geringen Anzahl -doch nur mit Mühe zu halten. Daher suchte Bethencourt in Spanien Hilfe, -welche ihm auch um den Preis der Lehnsabhängigkeit von Castilien -gewährt ward. Nun begann ein mehrfach unterbrochener Kampf gegen -die Selbständigkeit der einheimischen Dynasten, in welchem zunächst -die Stämme auf Lanzarote, Fuertaventura und Ferro erlagen und das -Christenthum annahmen. Die andern Inseln wurden erst gegen Ausgang des -Jahrhunderts bezwungen. Gran-Canaria erlag nach 13jährigem Kampfe 1483, -Palma beugte sich 1491 und erst 1496 wurde auch Teneriffa erobert. So -kamen die Canarien unter spanische Botmäßigkeit und damit ging ein -nicht unwichtiger Stützpunkt für die maritimen Unternehmungen den -Portugiesen verloren, welche kurz nach dem Erscheinen Bethencourts ihre -glänzende Entdeckerlaufbahn eröffneten, und zwar unter der Führung des -+Prinzen Heinrich+, welcher am Cabo Vicente im südwestlichen Portugal -seinen Sitz aufschlug und von hier aus die Seefahrten leitete, die den -westlichen Saum Afrikas entschleiern sollten. - -Dort am Cabo de São Vicente, zugleich dem südwestlichsten Vorsprunge -Europas, ist ihm auch in unserem Jahrhundert zum Ehrengedächtnisse -ein Marmordenkmal über dem Hauptthore der kleinen Festung Sagres -errichtet, welches in der Mitte das portugiesische Wappen, links -ein Seeschiff mit vollen Segeln, rechts eine Armillarsphäre zeigt. -Darunter ist folgende Inschrift in lateinischer und portugiesischer -Sprache angebracht: „~Aeternum sacrum!~ An dieser Stelle hat der große -Prinz Heinrich, Sohn Johanns I., Königs von Portugal unternommen, -die vorher unbekannten Regionen von Westafrika zu erforschen und so -durch Umschiffung Afrikas einen Weg bis zu den entlegenen Theilen des -Ostens zu bahnen und hat auf eigne Kosten sein königliches Schloß, -die berühmte Schule der Kosmographie, das astronomische Observatorium -und das See-Arsenal errichtet und hat dasselbe bis an sein Lebensende -mit bewunderungswürdiger Thatkraft und Ausdauer erhalten, gefördert -und erweitert zum größten Segen für das Reich, für die Wissenschaft, -für die Religion und für das ganze Menschengeschlecht. Als seine -Expeditionen den 8. Grad nördlicher Breite erreicht hatten, als manche -Insel im Ocean entdeckt und mit portugiesischen Colonien besetzt war, -starb dieser große Prinz am 13. November 1460.“[65] - -Der Infant Dom Enrique, der später den Beinamen des Seefahrers erhielt, -war das fünfte Kind des Königs Johann und am Aschermittwoch, am 4. März -1394 in Oporto geboren. Im Kampfe gegen die Mauren vor Ceuta gewann er -1415 die Rittersporen. Er hatte sich dabei in persönlicher Tapferkeit -so hervorgethan, daß der Pabst, der deutsche Kaiser Sigismund, die -Könige von Castilien und von England ihn zu gewinnen suchten und seinem -Arm die Führung ihrer Truppen anvertrauen wollten. Der Pabst Martin -V. wünschte das Schwert des Infanten gegen die Türken zu richten, -der Kaiser ließ auf dem Concil zu Constanz durch den portugiesischen -Gesandten dem tapferen Prinzen ähnliche Anträge stellen. - -Aber Heinrich hatte nach der Eroberung Ceutas seine Aufmerksamkeit -auf das weiter südlich gelegene Afrika gerichtet, er wollte Guinea -zu erreichen suchen. Allein Guanaja oder Ganaja war ein nur durch -dunkle Gerüchte erkundetes Land; keines Europäers Auge hatte es bis -dahin gesehen. Aber von dem Reichthum dieses Gebietes berichtet schon -die catalanische Karte von 1375. Wir sehen hier im Lande ~GINVIA~ bei -Tenbuch (Timbuktu) einen Negerfürsten mit Scepter und Reichsapfel -thronen, neben welchem sich die Inschrift befindet: ~Aquest Senyor -Negre es appellat Mussemelly, senyor de les Negres de Gineua, aquest -rey es lo pus rich e pus noble senyor de tota esta partida per -l’abundancia de l’or qual se recull en sua terra.~ (Dieser Negerherr -ist Mussemelly [König von Melli] genannt, Herr der Neger von Guinea, -dieser König ist der reichste und vornehmste Herr dieser ganzen Gegend -durch die Fülle von Gold, welche man in seinem Lande sammelt.) Die -Landstriche jenseits Cap Bojador hatte noch niemand besucht.[66] Es -mußte für Portugal vortheilhaft erscheinen, +allein+ unter allen -Europäern Handelsbeziehungen mit den Völkern Guineas anzuknüpfen, bei -denen kein Mitbewerb drohte. - -[Illustration: Prinz Heinrich der Seefahrer. - -Nach dem Miniaturegemälde in der 1448-1453 entstandenen Handschrift -„~Chronica do descobrimento e conquista de Guiné etc.~“ - -(National-Bibliothek zu Paris.)] - -Prinz Heinrich hatte dabei noch einen andern Zweck im Auge. Er wollte -die Ausdehnung der Macht seiner Landesfeinde, der Mauren kennen -lernen. Man hatte nämlich in allen Berührungen und Conflicten mit -diesem Gegner nie gesehen, daß ihnen aus weiter südlich gelegenen -Gebieten ein Fürst zu Hilfe gekommen war. Er wollte darum erforschen, -ob in diesen Ländern nicht christliche Mächte, vielleicht Nachbarn -des bekannten Priesterkönigs Johann, säßen, welcher bereits nach der -Vorstellung der catalanischen Karte ~Emperador de Etiopia~ war. Er -wollte versuchen, ob man nicht von Süden her den Krieg gegen die Mauren -erregen könne, um sie von zwei Seiten zu fassen; denn es schien ihm -nicht unwahrscheinlich, den Beistand jener Fürsten um des Glaubens -willen und aus Liebe zu Christo gewinnen zu können. Auch stand das -Verlangen des Prinzen dahin, das Licht des Christenthums selbst in die -dunkeln Erdstriche zu tragen. Und endlich trat noch ein wichtiges, in -jenen Zeiten nicht angezweifeltes astrologisches Moment hinzu. Sein -Horoskop wies den Infanten bestimmt auf die Entdeckungen hin. Azurara -hat dasselbe mitgetheilt, es lautet danach: „Da sein Ascendent (d. -h. das bei seiner Geburt aufsteigende Haus) der Widder war, welcher -das Haus des Mars ist, wo die Sonne sich in Exaltation befindet (d. -h. den größten Einfluß übt), und da sein Herr (Mars) im eilften Hause -(d. h. nahe bei der Sonne) und im Wassermann steht, welcher das Haus -des Saturns ist, so bedeutet es, daß er zu großen Eroberungen berufen -war und ganz besonders zur Aufsuchung von Dingen, die andern Menschen -verborgen waren, denn Saturn ist der Hüter der Geheimnisse. Und da sein -Stern von der Sonne begleitet ist, die Sonne aber im Hause des Jupiter -steht, so wird damit angedeutet, daß alle seine Thaten und Eroberungen -durchaus loyal und zur Zufriedenheit seines königlichen Herrn geschehen -sollten.“[67] (~Azurara, Chron. cap. VIII p. 48. 49.~) - -Und so legte er mit Genehmigung des Königs am Vorgebirge von -Sagres in Algarve, dessen lebenslänglicher Gouverneur er war, das -erste astronomische Observatorium in Portugal, das See-Arsenal, -die Kosmographenschule und seine Residenz an, in welcher er alle -wissenschaftlichen Kräfte seines Landes zu vereinigen strebte, während -der nahgelegene Hafen von Lagos seine Flotten barg. Die Klippe von -Sagres bildet eine etwa 200 Fuß hohe, kolbig in den Ocean vorspringende -Felsenplatte, von der Länge einer Viertelmeile. Diese Felsenbank, -von dem Salzschaum des Oceans übersprüht, bietet nur die spärlichste -Vegetation, aber sie war wohl geeignet, den Blick von dem Festlande -ab ganz allein aufs Meer hinauszulenken und von hier die Befehle zu -ertheilen, wie der Schleier, der die Geheimnisse des Saturn bedeckte, -sollte gelüftet werden. Zwar hat das furchtbare Erdbeben, welches -im Jahre 1755 Lissabon zerstörte, auch die meisten damals noch -existirenden Gebäude aus alter Zeit über den Haufen geworfen; allein -es lassen sich doch die Umrisse und die wahrscheinliche Lage der -wichtigsten Baulichkeiten aus den Zeiten des Seefahrers angeben. An der -nördlichen schmalen Einschnürung der kleinen Halbinsel, gegenwärtig -durch Befestigungen gedeckt, lag die Kirche, weiter südwärts erhebt -sich über dem fundamentalen Rundbau des ehemaligen Observatoriums das -Pulvermagazin der Citadelle. Auf der Nordostseite lag der Hafen. - -So erscheint uns noch in allgemeinen Zügen der ehemalige Sitz des -Prinzen, die Villa do Iffante, wie sie genannt wurde. Hier herrschte -der Mann, der eine neue Zeit für die wissenschaftliche Beherrschung der -Erde heraufführen sollte, der ein Bahnbrecher wurde durch das pfadlose -Weltmeer. - -Zeitgenossen haben uns sein Bild getreulich bewahrt. Man beschreibt -ihn als einen Mann von hoher Gestalt, kräftigem und starkem Körperbau. -Seine Miene war ruhig, seine Rede fest. Sein erster Blick hatte etwas -Zurückschreckendes für diejenigen, welche ihn nicht kannten, und etwas -Wildes, wenn er in Zorn gerieth, was ihm aber höchst selten widerfuhr. -Ehrbarkeit herrschte in seinen Reden und Handlungen, Einfachheit in -seiner Kleidung und Hofhaltung. Der Grund davon lag in der Reinheit -seines Herzens und seiner Sitten. Asketisch streng enthielt er sich -des Weines und des Umgangs mit Frauen. Er besaß viel Beharrlichkeit -und Gewalt über seine Leidenschaften; im Glück wie im Unglück war er -bescheiden und so geneigt, Fehler zu verzeihen, daß man ihn darüber -nicht selten getadelt hat. Aber in wichtigen Unternehmungen zeigte er -die größte Entschlossenheit und ein zähes Ausharren. - -Er fand großes Vergnügen daran, junge Leute für seine Zwecke -heranzubilden und so wurde sein Hof eine Pflanzschule des jungen -Adels. Gastfrei gegen Einheimische und Fremde, zog er tüchtige Männer -aller Nationen heran und keiner nahm Abschied, ohne Beweise von dem -Edelsinn des Prinzen empfangen zu haben. In strengen Anforderungen an -sich selbst gab er allen ein leuchtendes Vorbild. Jeder Tag gehörte -angestrengter Arbeit, unzählige Male hat er sich sogar den Schlaf -geraubt. Die Mittel zu den jahrelang wiederholten Fahrten flossen ihm -aus den Einkünften des Christusordens, dessen Großmeister er war. Der -Zweck dieses reichen Ordens war die Bekehrung der Heiden, und so ließ -er zunächst die Länder der Ungläubigen aufsuchen und zog Erkundigungen -ein über das Sudan, erhielt Nachricht von den Karawanen, welche bis zum -Senegal oder nach Timbuktu zogen und sendete so seine Schiffe hin, den -großen Strom zu finden, den die Eingeborenen Owedesch, die Portugiesen -nach dem Volksstamm der Sanaga, oder Azanaghen Sanaga, d. i. Senegal -nannten. - -Aber die Schifffahrt lag damals bei den Portugiesen noch in der -Wiege. Es waren kaum hundert Jahre verflossen, seit durch die ersten -Fahrten der Venetianer nach England und Niederland Lissabon zu einer -Haltestation auf halbem Wege von Italien nach den Häfen der Nordsee -geworden und die Portugiesen durch den fremden Verkehr angeregt, die -ersten Versuche auf dem flüssigen Elemente wagten. Aber noch zu den -Tagen des Infanten, dem die Nachwelt den Namen des Seefahrers gegeben, -hielt man sich bei allen Fahrten ängstlich an der Küste und fürchtete -sich, das Land aus dem Gesichte zu verlieren. Zwar war bereits die -Kraft und Tugend der Magnetnadel bekannt, ja man besaß sogar Boussolen; -aber die Anwendung war noch gering, so lange das Instrument selbst noch -unvollkommen und schwankend dem ängstlichen Schiffer kein Zutrauen -erweckte. - -Der große Geschichtsschreiber der Portugiesen João de Barras schildert -uns die Fahrweise seiner Landsleute in folgenden Worten: „Der Infant -hatte schon mehremale Schiffe auf Entdeckungen ausgesendet, aber sie -kamen nicht weiter als bis an das Cap Bojador (das „vorspringende“), -welches ungefähr 60 Seemeilen jenseits des Cabo de Não liegt. Sie -getrauten sich nicht, dieses Vorgebirge zu umsegeln, theils weil es -sich gegen 40 Seemeilen westlicher hinaus erstreckte als die Küsten, -die sie bisher befahren hatten, theils weil von dem Vorgebirge über -6 Leguas in das Meer ein Riff hinauslaufen sollte, auf welchem die -Brandung so gewaltig schäumte, daß es ihnen Schrecken verursachte,[68] -denn da ihnen sonst auf ihren Reisen nach der Levante und zurück die -Küste immer statt des Compasses gedient hatte, so verstanden sie noch -nicht, so weit in die See hinauszustechen, daß sie das Riff vermieden -hätten. Die Capitäne begnügten sich also damit, auf ihren Rückreisen -hier und da an den Küsten zu landen, und mit den Mauren zu scharmützen, -um mit ihren Siegen dem Infanten Vergnügen zu machen. Allein damit war -sein Endzweck nicht erreicht.“ - -Die physischen Schwierigkeiten, oder richtiger gesagt die technischen -Schwierigkeiten waren es keineswegs allein, welche die Expeditionen -zur Umkehr trieben. Wir werden noch andere kennen lernen; zunächst -aber scheint es angemessen, die Westküste Afrikas, an der die -Schiffer ängstlich südwärts schlichen, in ihren allgemeinen Zügen zu -charakterisiren. - -Wie der ganze Gestadesaum des plumpen Erdtheils auffällig arm an -markirten Contouren vorspringender Glieder oder ins Land eindringender -Buchten ist, so vor allem und im höchsten Maße die Nordwestküste von -den Säulen des Herkules bis zum grünen Vorgebirge. Auf dieser ganzen -Strecke von 400 Meilen, mit geringer westlicher Ausweichung in der -Richtung von N.-O. nach S.-W. verlaufend, mündet kein Fluß, in welchem -ein Schiff ankern könnte, mit Ausnahme des Senegal, 20 Meilen nördlich -vom grünen Vorgebirge. Das Aussehen des Landes bleibt sich fast überall -gleich: ein flacher Küstensaum, meistens mit Dünen besetzt, zur Hälfte -der großen Wüste, der Sahara angehörig, wird gegen Süden immer öder -und grauenvoller. Vierzig bis fünfzig Seemeilen in das Meer hinaus -lagerte über den allenthalben seichten Fluten eine trübe Atmosphäre. -Die Ursache dieser Erscheinung, welche natürlich eine zaghafte Marine, -die das dunstverhüllte Land aus den Augen zu verlieren fürchtet, mit -steter Besorgniß erfüllte -- die Ursache hat man bisher nur den feinen -Staub- und Sandtheilchen zugeschrieben, welche aus den Wüsteneien des -Innern aufgewirbelt, und dann allmählich übers Wasser hinausgetrieben, -hier die schweren Theilchen sinken lassen und das Meer mit Untiefen -füllen, die leichteren in dem Luftraum schwebend erhalten, bis sie erst -nach Hunderten von Meilen draußen im freien Ocean langsam sich zum -Wasserspiegel senken. Indes darf eine zweite Ursache nicht unbeachtet -bleiben, daß nämlich durch das Zusammentreffen ungleich erwärmter -Luftschichten nebelartige Dunstbläschen sich bilden, die durch die -daran haftenden feinsten Staubtheilchen den Horizont noch mehr -umschleiern, trotz der Abwesenheit von schweren Wolkenschichten das -Himmelsgewölbe niederzudrücken scheinen und mit eigenthümlich mattem -Licht den Schiffer umgeben. - -Theobald Fischer[69] macht noch auf einen bisher übersehenen -Factor aufmerksam, daß nämlich höchst wahrscheinlich ein kalter, -unterseeischer Strom an der Westküste der hesperischen Halbinsel und -Afrikas emporsteige, dem die häufigen Nebel von Galicien bis Marokko zu -danken seien. Gerhardt Rohlfs fand in Agadir, daß die Sonne den Nebel -selten vor Mittag besiegte und erfuhr von den Leuten, daß diese starken -Nebel selbst im hohen Sommer bis zur Mittagszeit andauerten. - -Die Schrecken eines „Dunkelmeeres“, von dem die Geographie des -Mittelalters manches Unheimliche zu erzählen weiß, finden in diesen -Erscheinungen ihre Erklärung. Diese dichten Nebel treten namentlich im -Winter auf und sind von einem kalten und trocknen Nordost begleitet, -der wohl auch die Ursache ist, daß das Tageslicht einer Dämmerung -weicht, in welcher noch jetzt Schiffe in der Nähe der Küsten gezwungen -sind, vor Anker zu gehen, bis das Wetter sich wieder aufhellt. - -In der That, der Ocean schien der jugendlich aufstrebenden, -portugiesischen Flotte einen zäheren Widerstand entgegenzusetzen als -die Heere der Moriscos, und wohl gar vielen ein unüberwindlicher -Gegner zu sein, nur nicht dem Infanten, der ihm mit einer Zähigkeit -und Ausdauer entgegentrat, welche allen seinen Seeleuten bedenklich, -wenn nicht geradezu tollkühn und wahnwitzig vorkam. Zwanzig Jahre hatte -der Prinz, unbekümmert um das Murren seines Volkes, ohne Resultat des -Vorwärtsdringens gerungen. Er mag wohl oft unter seinen Leuten die -sprichwörtliche Warnung vernommen haben: Wer das Cabo de Nao umfährt, -weiß nicht, ob er je wiederkehrt. „Die Furcht,“ sagt de Barros, „vor -dieser Fahrt war so groß, daß es dem Infanten schwer ward, Leute in -seinen Dienst zu bekommen; zumal da das Volk laut murrte, daß er dem -vaterländischen Boden seine Bewohner entzöge, um sie auf den Meeren -oder in entfernten wüsten Ländern umkommen zu lassen.“ - -Unter diesen entfernten wüsten Ländern faßte man aber nichts geringeres -zusammen als die ganze heiße Zone. Man weiß, daß das gesammte -Mittelalter in seiner wissenschaftlichen Erkenntniß der Erdoberfläche -lediglich sich noch von den Brosamen nährte, die von dem Tische der -Reichen -- der Griechen und Römer des Alterthums -- gefallen waren. -Seit den Zeiten des letzten großen Geographen von Alexandria bis zum -Prinzen Heinrich waren mehr als tausend Jahre verflossen, ohne daß -die Entwicklung der physischen Geographie einen Schritt vorwärts -gethan hätte. Der Autoritätsglaube, so charakteristisch für das -gesammte Mittelalter, hielt auch noch die Zeitgenossen des Infanten in -beklemmende Schranken gebannt. - -Die Alten kannten die südlichen Grenzen der großen afrikanischen Wüste -nicht, ihre Kunde reichte kaum über die nördliche Oasenreihe hinaus. -Aber die zunehmende Verödung gegen Süden, das völlige Absterben aller -Vegetation konnte die theoretisch allzeit schlagfertigen griechischen -Philosophen leicht zu der Behauptung hinreißen, die ganze heiße Zone -sei unbewohnbar. Schon Aristoteles hatte diesen Satz aufgestellt und -wenn man weiß, daß Aristoteles sich im späten Mittelalter fast gleichen -Ansehens mit der Bibel erfreute, dann darf man nicht erstaunen, -daß auch das 14. Jahrhundert noch glaubte, was der große Weltweise -von Stagira gesagt, was der letzte Meister der Erdkunde, Ptolemäus -bestätigt, was die Wiedererwecker des Aristoteles, die arabischen -Gelehrten anerkannt und selbst ein so vielseitig gebildeter Mann wie -Albertus Magnus noch im 13. Jahrhundert nur dahin zu modificiren wagte, -daß möglicherweise an den Küsten und Inseln der heißen Zone organisches -Leben eine kümmerliche Existenz erzielen könne. - -Wenn nun der Infant seine Schiffe in diese unwirthlichen Regionen -hinausschickte, wo sie allein auf sich angewiesen im Kampfe gegen -die allmächtigen Naturgewalten, wo Land und Luft und Wasser in -der feindlichsten Gestalt erschien, als todtenstarre Wüste, als -trübverhüllter Luftraum, als zähe unter dem senkrechten Sonnenstande -fast zu Leim verdickte See -- war es unter der Herrschaft solcher -Vorstellungen nicht Menschenpflicht und Nächstenliebe, gegen die -nutzlosen Menschenopfer einer unbegreiflichen Fürstenlaune sich zu -erheben? - -Und doch blieb der Infant fest, doch blieb er seinem schönen -Wahlspruche: ~talent de bien faire~ getreu. Die wichtigsten -Expeditionen der ersten Decennien waren folgende: 1416 wurde +Gonzalo -Velho+ über die Canarien hinausgesandt, 1419 geriethen +João Gonçalves -Zarca+ und +Tristão Vaz Teyxeyra+ vom Sturm verschlagen nach Porto -Santo und kehrten im nächsten Jahre mit dem Piloten Juan de Morales -nach Madeira zurück, und 1431 wurden durch +Goncalo Velho Cabral+ die -ersten Inseln der Açorengruppe gefunden. - -Dabei stand der Infant mit seinen Plänen und Zielen weit über seinen -Gehilfen. Wir finden unter den Leitern der Expeditionen Leibpagen und -Mundschenken des Prinzen, welche also wohl die Intentionen des Prinzen -kennen mußten; aber sie kannten kein höheres Ziel als sich mit Mauren -und Negern herumzubalgen und Menschen zu stehlen. Man kann von jeder -Fahrt fast die Kopfzahl der Menschenbeute nachweisen, allein die -wissenschaftlichen Erfolge ihrer Sendung, die nautischen Resultate -bleiben vielfach unerwähnt. Die Portugiesen waren zu sehr ritterliche -Raufbolde, als daß sich im Fluge Seeleute, geschweige denn gleich -Seehelden aus ihnen gestaltet hätten. - -Als Beispiel ihres Verfahrens und Gebahrens sei hier die mit 14 -Schiffen ausgerüstete Expedition des Lanzarote erwähnt, der, als die -durch Sturm verstreuten Fahrzeuge bei einer Insel an der Küste sich -wieder zusammengefunden hatten, vor allem darauf bedacht war, die auf -der Insel lebenden Mauren zu fangen. Allein diese waren bei Nachtzeit -aufs Festland entwichen und höhnten von hier aus die hintergangenen -Portugiesen. Zwei junge Edelleute an Bord des einen Schiffes sprangen, -empört über das Hohngeschrei, mit ihren Waffen über Bord und schwammen -ans Land, um die Mauren zu züchtigen. Wie diese sie kommen sahen, -liefen sie ihnen mit Geschrei entgegen, wodurch auch das übrige -Schiffsvolk in Bewegung kam. Alles, was schwimmen konnte, sprang ins -Wasser, um die beiden Jünglinge zu unterstützen, und es kam am Ufer -zu einem Gefechte, in welchem viele Mauren getödtet und 57 gefangen -wurden. In der Nacht griffen die Portugiesen noch ein Dorf an, welches -7 Meilen davon am Ufer lag und wohin, nach der Aussage der Gefangenen, -die Mauren geflohen waren. Sie fanden aber ein leeres Nest, weil die -Bewohner, gewarnt durch die Flüchtlinge, sich mit ihren Herden vom Ufer -entfernt hatten. Wie sie des Morgens zurückkehrten, wurden jedoch noch -ihrer fünf aufgegriffen. - -Und bei solchem Raubsystem waren die Portugiesen noch naiv genug, zum -Zeichen ihrer Heldenthaten, den Wahlspruch ihres Herrn: ~talent de bien -faire~ in die Bäume einzuschneiden. - -Zwar kommen nicht alle diese Heldenthaten auf Rechnung jener -Geschwader, die der Prinz selbst aussendet, denn er gestattete -gegen eine Abgabe vom Gewinn auch anderen, auf Entdeckungen und -Abenteuer auszuziehen; ja er ermuthigte dazu. Allein er blieb doch -der Mittelpunkt und oberste Leiter. Daß er aber, wie wohl behauptet -ist, gleich anfangs einen Seeweg nach Indien habe suchen wollen, ist -nirgends gesagt; ein solcher Plan, gleichsam die schönste Frucht aller -Arbeiten Dom Enrique’s, entwickelte sich erst allmählich und reifte -erst nach des Seefahrers Tode. - -Den ersten namhaften Fortschritt in den afrikanischen Fahrten -verzeichnet das Jahr 1434. +Gil Eannes+, ein Page des Infanten, hatte -gegen den Befehl seines Herrn Menschen geraubt. Um die Gunst des -Fürsten wieder zu gewinnen, setzte er sein Leben daran, das berüchtigte -Cap Bojador, das selbst nach 12jähriger Anstrengung nicht zu überwinden -gewesen war, zu bezwingen. Das, wie man meinte, unmögliche Wagniß -gelang ohne Unfall, und kühner und sicherer gemacht, erreichte sein -Nachfolger +Affonso Gonçalez Baldaya+ den Goldfluß, Rio d’Ouro und -damit den nördlichen Wendekreis, also die Grenze der heißen Zone. Am -Strande gefundene Fischernetze wiesen darauf hin, daß auch hier das -Land noch Menschen beherberge. Die alte Theorie von der Unbewohnbarkeit -der heißen Zone begann zu wanken, ohne jedoch zusammenzubrechen, denn -man befand sich ja erst am Saume des gefürchteten Erdstriches. - -Aber am Cap Bojador war das Thor der heißen Zone geöffnet und Schiff -folgte nun auf Schiff; man erreichte unter +Nuño Tristão+ 1441 das -Cap Branco und zwei Jahre später unter Leitung desselben Capitäns die -Bucht von Arguim. Es ist zu beklagen, daß der Prinz anfänglich den -Befehl ertheilt hatte, die Bevölkerung an der Bucht und auf den kleinen -Inseln erst zu tödten oder gefangen zu nehmen, ehe man die Entdeckungen -fortsetze. Er sah auch bald den großen Fehler, den er damit begangen -ein, und verbesserte ihn, ehe es zu spät war. Die Bewohner des -Wüstenrandes konnten, wenn man sie in ihren gewohnten Verhältnissen -ungestört ließ, und sich mit ihnen in ein freundschaftliches -Einvernehmen setzte, den Portugiesen bei ihren Erkundigungen über das -Binnenland wesentliche Dienste leisten. Die Insel Arguim wurde für -den Mittelpunkt dieses neuen Verkehrs erklärt und erhielt die erste -bleibende Niederlassung der Portugiesen nebst einem Castell zum Schutze -der Handeltreibenden. Der Tauschverkehr entwickelte sich mit den -Azanaghen sehr bald, und wenig Jahre nach der Entdeckung schon sandte -eine Handelsgesellschaft in Lagos, dem Hafen östlich von des Prinzen -Villa, eine Flotte von sechs Schiffen aus. - -Später brachten die portugiesischen Schiffe nach Arguim farbige Tücher, -allerart Leinwand, wollene Mäntel, Sättel, Steigbügel, Schüsseln, -Honig, Silber, Gewürze, rothe Korallen und Getreide und tauschten -dafür Negersklaven aus Guinea, Gold von Timbuktu, Büffelfelle, Gummi, -Zibethkatzen, Straußeneier, Kameele, Kühe und Ziegen ein.[70] Die -ersten Erfolge waren so verlockend, daß der Prinz Heinrich den Handel -nach Arguim an eine Handelsgesellschaft verpachten konnte. - -Nun endlich schwiegen auch die Gegner der Seefahrten und das Interesse -für die Unternehmungen, welche von Sagres aus geplant wurden, wuchs -bald so mächtig, daß man die leicht erregten Portugiesen zügeln mußte. -Man schränkte, indem man die Entwicklung einer tüchtigen Handelsflotte -im Auge behielt, die Raub- und Abenteurerzüge durch Gesetze ein und -monopolisirte sogar den afrikanischen Handel. - -Der zweite große Fortschritt in der weiteren Entdeckung geschah im -Jahre 1445. Er knüpft sich an den Namen des kühnen +Diniz+ (Dionysius) -+Dias+, eines Vorfahren des bekannteren Bartolomeu Dias, welcher 26 -Jahre nach dem Tode des Prinzen Heinrich das Cap der guten Hoffnung -umsegelte. Diniz Dias hatte sich bereits im Dienste des Königs Johann -I. (bis 1433) ausgezeichnet. Der Prinz rüstete ihm eine kleine Caravele -aus und Diniz nahm sich vor, ganz den Plänen seines Herrn folgend, -ohne sich auf Handelsverkehr mit den Küstenbewohnern einzulassen, -weiter südwärts vorzudringen als alle seine Vorgänger und das Land -der +schwarzen+ Mohren, wie man die Neger im Gegensatz zu den weißen -Mohren, den Berbern und Mauren, zu nennen pflegte, zu erreichen. So -fuhr er kühn an der Mündung des Senegal, welcher beide Menschenrassen -trennt, vorüber bis zum grünen Vorgebirge. Seine Caravele erregte unter -den schwarzen Bewohnern des Landes gewaltiges Erstaunen. Vier von den -muthigsten, welche das große auf dem Wasser treibende Ding untersuchen -wollten -- denn sie waren unter sich nicht einig, ob es ein Fisch, -ein Vogel, oder ein Phantom sei -- näherten sich dem Schiffe in einem -Canoe; als sie aber Menschen auf dem Ungeheuer gewahr wurden, flohen -sie mit solcher Hast zurück, daß die Portugiesen sie nicht wieder -einholen konnten. - -So war also das Negerland endlich wirklich erreicht; aber nicht allein -darin liegt die Bedeutung dieser Fahrt, sondern vor allem in der am -grünen Vorgebirge unerwartet auftretenden Ueppigkeit der tropischen -Vegetation. Hier unter dem 15° N. befand man sich in der That in -der heißen Zone, wo unter dem Einfluß tropischer Regen, welche mit -gewaltigen Güssen das Land tränken, ein Reichthum der Flora sich -entfaltete, welche zahlreichen und großen Thieren, sowie kräftigen, -sogar schönen Menschenstämmen Nahrung in Fülle bot. - -Wie paßten zu solchen Beobachtungen und Thatsachen die Lehrsätze -des Aristoteles und Ptolemäus von der Unbewohnbarkeit des heißen -Erdgürtels? +Am grünen Vorgebirge ist diese alte mächtige Theorie -zerschellt.+ Und wiederum sehen wir die Bestrebungen des Prinzen und -seinen Wahlspruch auf das Herrlichste belohnt. Denn von hier aus, -vom Cabo verde, eröffnet sich uns eine ganz neue Perspektive für die -Entwicklung der Erdkunde. Man lernte seinen eignen Augen doch mehr -trauen, als den Schriften griechischer Autoritäten. - -Es gibt wenig geographische Namen, die so trefflich gewählt sind und -den Nagel so auf den Kopf treffen wie dieser des „grünen“ Vorgebirges, -und auch wohl keinen, der so einfach sich von selbst bot und so auf der -Hand lag wie dieser. Im Gegensatz zu den weißen Dünen des Cabo branco, -des weißen Vorgebirges, nördlich von Arguim, am Ufer der Sahara, -erhebt sich hier ein in den Ocean auffällig schlank hinausspringender -Höhenrücken, über dem sich die gefiederten Wipfel tropischer Palmen -wiegen. Unter ihrem Schatten liegt die Geographie des Mittelalters -begraben. - -Wenige Jahre nach der Entdeckung kam ein intelligenter venetianischer -Edelmann, +Ludwig da Mosto+, hieher. Auf ihrer Fahrt nach Flandern -war die venetianische Flotte, die er begleitete, durch widrige Winde -am Cap Vicente in Portugal aufgehalten. Als der Infant Heinrich -dies erfuhr, schickte er seinen Secretär Antonio Gonsalvez und den -venetianischen Consul Patricio de Conti mit Proben des neugepflanzten -Zuckerrohrs von Madeira, mit Drachenblut und andern neuen Produkten -Afrikas zu ihnen und ließ sie auffordern zu einem Zuge nach dem -Senegal. Da Mosto wurde lebhaft von den Berichten angezogen, und -erkundigte sich nach den üblichen Bedingungen. Da erfuhr er, daß jeder -Schiffsrheder, der selbst sein Schiff ausrüste, nach vollendeter -Fahrt dem Prinzen ¼ des Gewinnes zu geben habe, daß aber, wenn der -Prinz selbst die Ausrüstung auf seine Kosten mache, er die Hälfte -des Ertrags der Fahrt beanspruche. Da Mosto hatte darauf hin eine -Unterredung mit dem Infanten und wurde für den Plan gewonnen. Die -Venetianer fuhren nach Flandern weiter, für da Mosto aber stellte Prinz -Heinrich unter Leitung des bewährten +Vicente Dias+ eine Caravele -von 90 Tonnen zur Verfügung, welche die ganze Küste Afrikas entlang -bis zum Gambia segelte. Da Mosto selbst hat über diese Reise einen -ausführlichen Bericht gegeben, aus welchem hier die Schilderung des -grünen Vorgebirges hervorgehoben sein mag und zwar nach der deutschen -Uebersetzung von 1534. Da Mosto erzählt: „Das grien Haupt (d. i. -Vorgebirge) hatt den Namen von den grienen Bäumen, die da sind vnd -schier das gantz jar grünen. Das haben die Portugaleser am jar ehe ich -dahin kam, funden, vnd habens von den grienen Bäumen genannt, wie das -Weis Haupt (Cabo branco) von dem weißen sand. Aber das grien Haupt -ist hoch vnd lustig zu sehen, das steht zwischen zweyen Bergen in der -mitten vnd breitet sich in das Meer mit vil Hütten und wohnungen der -Schwarzen Mooren umbgeben, zu vor gegen dem Meer.... Es ist auch zu -wissen, das nach dem Grienen Haupt sammeln sich die gestaden und machen -einen Busen, der rast lustig ist, und ist ein eben erdtrich mit vil -hüpschen Bäumen;[71] denn die bletter bleiben bis andre wachsen; die -grünen allweg. Und wie wohl sie vom Meer mehr denn mein armbrustschuß -stehen, so scheinen sie von weitem an dem Meer zu stehen. Das ist -überaus schön anzusehen (~chè una bellissima costa de vedere~). Ich bin -weit gegen Aufgang und Niedergang der Sonnen gereiset zu manich land, -aber ich hab kein schöneres gesehen. Es hat viel wasser.“[72] - -Das Entzücken über die Schönheit der Tropenlandschaft kommt allerdings -in der Uebersetzung eines mäßigen, besonnenen Straßburger Bürgers aus -dem 16. Jahrhundert nicht zur Geltung, aber das Original läßt es warm -empfinden. - -Alexander von Humboldt hat in seinen kritischen Untersuchungen über -die historische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der -neuen Welt (deutsch von J. L. Ideler, II. S. 11) auf mehre Stellen -im Tagebuche der ersten Reise des Columbus hingewiesen, worin -der Entdecker Amerikas dem Zauber der Natur an den Gestaden von -Cuba beredte Worte leiht. Ludwig da Mosto hat die Schönheit einer -Tropenlandschaft ebenso empfunden und ein Menschenalter früher -geschildert. Daß seine Worte der Umgebung des grünen Vorgebirges -gelten, erhöht in unsern Augen wesentlich die Bedeutung der Entdeckung -des Cabo verde. - -Die Schilderungen dieser vollkommen anders gearteten Natur mußten -dem Infanten nach der Fahrt der Dias bereits eine hohe Genugthuung -gewähren. Die Nachrichten kamen ihm keineswegs unerwartet. Da in -Sagres alles gesammelt wurde, was an Erkundigungen über die südlichen -Länder sich gewinnen ließ -- hatte doch der Prinz inzwischen auch aus -Italien ein Manuscript Marco Polos und eine Karte von Afrika erhalten, -welche einen Abschluß der Landmassen, ähnlich wie wir ihn am südlichen -Cap der guten Hoffnung kennen, zeigte -- und war er auch durch seine -Agenten in Tunis schon davon unterrichtet, daß die großen Karawanen -in 5 bis 6 Wochen die Wüste Sahara durchmessen könnten[73] und Gold -und Negersklaven mitbrächten -- so lag auch der Schluß nahe, daß man -bei fortgesetzten Fahrten gegen Süden endlich zu diesen Ländern kommen -müsse. - -Umsichtig und thätig eingreifend nach allen Seiten, um seine Leute -nicht einem blinden Ungefähr zu opfern, hatte er von Arguim aus nicht -blos ein ordentliches System der Exploration während des Tauschhandels -mit den maurischen Wüstenstämmen eröffnet und sich von ihren -Karawanenstraßen und den auf der Straße nach Timbuktu zu berührenden -Oasen berichten lassen, sondern er gewann mit Unterstützung kühner -Männer ein immer klareres Bild vom Sudan. Bezeichnend für die Energie, -mit welcher die Pläne, Guinea zu erreichen verfolgt wurden, ist die -Sendung des +João Fernandez+, der sich am Strande der Sahara aussetzen -ließ, um unter den Mauren lebend und ihre Sprache lernend, zuverlässige -Nachrichten über die Negerstaaten, speziell über das Königreich Melli -sammeln zu können. Fernandez blieb sieben Monate allein unter den -wilden Stämmen im Innern und wurde dann von dem Schiffe des Antonio -Gonsalvez wieder aufgenommen und zum Prinzen geführt. Dieser freute -sich sehr, ihn wohlauf wieder zu sehen und ließ sich seine Schicksale -erzählen. Fernandez berichtete nun, daß ihm die Eingeborenen zunächst, -als er sich ohne Waffen und Hilfsmittel unter sie begeben, die Kleider -genommen und ihm dafür einen Mantel gegeben, wie sie selbst trugen. Die -Leute besaßen Schafe und lebten nomadisch. Aber die Weide war spärlich, -das Land öde und sandig. Dornige Mimosen und Palmen waren selten. Diese -berberischen Azanaghen waren Mohammedaner, die mit den Negern im Kampfe -lebten, dabei Gefangene machten und diese als Sklaven nach Tunis und -Marokko verkauften. Auch erhielten sie Gold vom Negerlande. - -Dann machte Fernandez mit den Beduinen einen mehrtägigen Kamelritt zu -ihrem Häuptlinge. Der Weg ging durch die Wüste, drei Tage fehlte ihnen -Wasser; in dem pfadlosen Sande richtete man sich nach den Sternen und -dem Fluge der Vögel. Endlich kamen sie zu dem Häuptling und seinem -Völkchen von 150 Köpfen. Fernandez wurde hier sehr gut aufgenommen -und mit Milch verpflegt, so daß er, obwohl er von der Hitze und dem -Wüstensande viel zu leiden hatte, doch ganz wohl aussah, als er nach -sieben Monaten von seinen Landsleuten wieder aufgefunden wurde. - -Auch durch diesen abenteuerlichen Sendling erhielt der Infant wiederum -Nachrichten von den reichen Negerländern. Die klareren Vorstellungen, -welche der Leiter der Entdeckungen von der Natur der Tropenländer -gewann, räumte auch bei seinen Seeleuten den Wust veralteter Theorien -auf. Höchst beachtenswerth ist in dieser Beziehung eine Bemerkung -des +Diogo Gomez+ über das Land der Dscholoffen am Cabo verde. Er -sagt: „Das alles schreibe ich nur mit Verlaub Seiner Gnaden des -Ptolemäus, welcher recht gute Sachen über die Eintheilung der Welt -hat verlauten lassen, aber in einem Stücke sehr fehlerhaft dachte. Er -zerlegt die ihm bekannte Welt in drei Theile, nämlich in den bewohnten -mittleren, in den arktischen, welcher wegen seiner Kälte und in den -tropischen, welcher wegen seiner Gluthhitze unbewohnbar ist. +Nun -hat sich aber das Gegentheil bestätigt.+ Zahllos wohnen am Aequator -schwarze Völkerschaften, und zu unglaublichem Wuchse erheben sich die -Bäume, denn gerade im Süden steigert sich die Kraft und Fülle des -Pflanzenwuchses, wenn auch die Formen fremdartig gestaltet sind.“[74] - -Die Entdeckungen wurden nach solchen glänzenden Resultaten nun eifrig -weiter gefördert. Schon im nächsten Jahre nach der Fahrt des Diniz Dias -erreichte +Nuño Tristão+ den Gambia und gelangte +Alvaro Fernandez+ -fast bis zur Sierra Leona. Aber der Verkehr mit den Völkern war -schwierig. Zahlreicher, kühner, tapferer als die armen Wüstenstämme -setzten sie, mit vergifteten Pfeilen bewaffnet, sich gegen die -Landungen der Portugiesen häufig zur Wehr und tödteten ihnen manchen -Mann. Wie schnell aber die Geschicklichkeit und das Vertrauen der -Seeleute gewachsen war, lernen wir vor allem bei der Fahrt des +Nuño -Tristão+ kennen. Dieser sah sich, als er in den kleinen Fluß Rio Nuñez, -südlich vom Rio grande mit einem Boote eingedrungen war, plötzlich -von bewaffneten Negerkähnen umringt. Fast die ganze Mannschaft erlag -sammt dem tapferen Anführer den vergifteten Pfeilen, so daß nur der -Notar und vier Schiffsjungen am Bord der Caravele übrig blieben. Aber -sie steuerten getrost nach Norden durchs freie Meer und erreichten -ihre Heimat glücklich nach zwei Monaten, ohne unterwegs Land gesehen -zu haben. So machte man sich also bereits los von dem ängstlichen -Anklammern an das Land und von den langsameren Küstenfahrten und -vertraute sich dem unbegrenzten Ocean an. Von großer Bedeutung war auch -die Wahrnehmung, daß die afrikanische Küste, die bis zum Cabo verde -gegen Südwesten verlaufen war, von diesem Vorgebirge ab nach Südosten -umlenkte. - -Daß der Prinz nun wirklich daran dachte, den Seeweg nach Indien zu -öffnen, wird von dem Geschichtsschreiber Azurara bezeugt. Aber Indien -umfaßte bekanntlich in jenen Tagen alle Länder am indischen Ocean, -also auch die Ostküste Afrikas und das äthiopische Hochland, wohin -man damals den Sitz des +Priesterkönigs Johann+ verlegte. Das war -bestimmt ein christliches Land, dessen Volk mit den Arabern in Aegypten -in beständiger Fehde lag, und dessen Bundesgenossenschaft gegen den -gemeinsamen Glaubensfeind gewonnen werden konnte. Vielleicht konnte -man sogar auf dem weitverzweigten Flußnetz, welches nach den damaligen -hydrographischen Hypothesen alle bekannten großen afrikanischen Ströme -verbinden sollte, dahin gelangen. Auch Fra Mauro huldigte in seinem -Erdgemälde diesen Vorstellungen und noch de Barros bezeichnet den Issa -(Niger) bei Timbuktu als den oberen Lauf des Senegal. Und doch hatte -Diogo Gomez im Jahre 1457 auch in Erfahrung gebracht, daß im Innern -Senegambiens große Ströme ihren Lauf nach Osten nähmen. Der Prinz -hatte nämlich drei Caravelen ausgesandt unter +Gomez, João Gonsalvez -Ribeiro+ und +Nuño Fernandez de Baya+ mit dem Auftrage, soweit als -möglich vorzudringen. Am Rio grande vorbei kamen sie in eine starke -Küstenströmung, in welcher kein Anker hielt, so daß die begleitenden -Capitäne umzukehren wünschten. Die Expedition lief in den Gambia ein -und fuhr den Strom bis zur großen Stadt Cantor hinauf. Hier erfuhr man, -daß Karawanen aus Tunis und Cairo aus diesen Gegenden Gold holten, -und daß jenseits der Gebirge der Sierra Leona große Ströme nach Osten -liefen. Es befand sich auf dem einen Schiffe sogar ein Indier, d. h. -ein Abessinier, welcher, wenn man nach Indien gelangte, als Dolmetscher -dienen sollte. - -Es war die letzte bedeutende Fahrt, welche auf Befehl des Infanten -unternommen war. Prinz Heinrich der Seefahrer starb am 13. November -1460 in Sagres in seinem 67. Lebensjahre. In der eifrigen Verfolgung -seines hohen Zieles hatte er seine Mittel vollständig erschöpft, ja er -schuldete bereits 1449 seinem Verwandten Don Fernando von Braganza die -enorme Summe von 19,394 Goldkronen. Aber diese Gelder waren nicht in -der Jagd nach einem Phantom vergeudet. Portugal war dadurch zu einer -Seemacht geworden, welche die Leitung der nautischen Entdeckungen in -die Hand genommen hatte und welche zu glänzenden Erfolgen berechtigen -mußte. - -Noch im Todesjahre Heinrichs entdeckte +Diogo Gomez+ die Capverden -in Gemeinschaft mit +Antonio de Noli+ oder Nolle, einem Genuesen. -Gomez landete zuerst und zwar auf Santiago, aber Noli kam ihm auf -der Rückfahrt zuvor und meldete zuerst die Entdeckung in Portugal. -Irrthümlich hat man das Verdienst der Auffindung der Inseln des grünen -Vorgebirges da Mosto zugeschrieben; allein sein Reisebericht, der -angeblich in das Jahr 1457 fällt, wird durch die innern Widersprüche -unglaubhaft, so daß man daraus schließen muß, da Mosto habe sich -fremden Ruhm angeeignet. Nach seiner Angabe will er vom Cap Branco -in westnordwestlicher Richtung auf die Capverden gerathen sein und -zwar schon am Sanct Jakobstage (1. Mai), während er erst im Anfang -Mai aussegelte. Dann will er auf der Insel Flüsse gefunden haben, -in welche er mit dem Schiffe einlaufen konnte, während ein solcher -Wasserreichthum dort nicht existirt.[75] - -Ehe wir dem weiteren Gange der Entdeckungsfahrten folgen, müssen wir -einen Blick auf die geographischen Auffassungen und die Karten aus -jener Zeit werfen. Nach den Schwankungen des früheren Mittelalters war -man seit dem 13. Jahrhundert allgemein zur Annahme der Kugelgestalt -der Erde zurückgekehrt. Wenn trotzdem die Erdgemälde sich noch in -Scheibenform präsentirten, als ob man noch an der Scheibengestalt der -Erde festhielte, so hatte das seinen Grund in einer eigenthümlichen -Theorie, welche von Dante’s Zeit bis in den Ausgang des 15. -Jahrhunderts hinüberspielt. Man nahm nämlich an, daß die Centren der -festen und flüssigen Erdsphäre verschieden seien und daß es außerdem -noch ein Gravitationscentrum gebe. - -Die ~Margarita philosophica~ des Karthäuserpriors Gregorius Reisch, -welche zuerst 1496 erschien und durch das 16. Jahrhundert hindurch in -vielen Auflagen verbreitet war, trägt diese Lehre etwa in folgender -Weise vor.[76] „Das Wasser umgab ursprünglich die ganze Erdoberfläche -wie ein sehr feiner Nebel bis zu den höheren Regionen. Aber auf Geheiß -des Schöpfers theilte das Firmament die oberen und unteren Wasser, -welche letztere nun in den Vertiefungen der Erde sich an +einem+ -Orte sammelten, wodurch Landraum geschaffen wurde für die lebenden -Wesen. Aus der ganzen Substanz der Erde und des Wassers wurde +ein+ -sphärischer Körper gebildet. Ihm schrieben die Gelehrten ein doppeltes -Centrum der Schwere und der Größe zu. Es theilt nämlich das Centrum der -Größe die Axe der ganzen Sphäre aus Erde und Wasser und das ist der -Mittelpunkt der Welt. Aber das Centrum der Schwere liegt außerhalb, -nämlich im Durchmesser der Erde, welcher nothwendigerweise größer ist -als der halbe Durchmesser der aus Erde und Wasser gebildeten Sphäre, -weil, wenn dies nicht der Fall wäre, der Mittelpunkt der Welt außerhalb -der Erde fiele. Etwas abgeschmackteres als dieses könnte aber in -Naturwissenschaft und Astronomie nicht behauptet werden. - -[Illustration] - -Zur Annahme verschiedener Centren wird man aber genöthigt, weil -die von Wasser entblößte Erdoberfläche leichter ist, als die mit -Wasser umhüllte. Die trockene Erde ist leichter als die mit Wasser -durchtränkte, darum kann das Centrum der Schwere nicht dasselbe sein -mit dem Centrum der Größe, sondern strebt im Durchmesser der Erde mehr -nach der Peripherie und dem mit Wasser bedeckten Theil. Hierher werden -sich die Wasser der Erde mehr sammeln, weil sie dem Centrum der Welt -näher rücken.“ - -Nach dieser Theorie sind also die Landmassen bei ~A~, die Wassermassen, -das Weltmeer bei ~B~ vereinigt. Der Kugelabschnitt, welcher die -Landmassen umfaßt, wird sich natürlich in Kreisform darstellen. Dieser -Theil der Erdoberfläche verdiente allein, als Wohnstätte der Menschen, -kartographisch gezeichnet zu werden. Daher bieten uns alle Weltkarten -von Marino Sanudo (1320) bis auf Fra Mauro (1459) im Grunde dasselbe -Weltbild: die von einem schmalen Ocean umfluteten Continente der alten -Welt. - -Eine Darstellung der Wasserseite der Erde, der Weltmeere hatte noch -niemand versucht und schien alles Reizes zu entbehren, bis etwa ums -Jahr 1474 Toscanelli von Florenz den ersten Versuch wagte. Das war aber -zu einer Zeit, als ein anderer wichtiger Factor die bisherigen Methoden -und Theorien zu reformiren begann: das Studium des Ptolemäus. Wir -finden den Geographen von Alexandrien zuerst um 1410 in dem Werk des -Cardinal Pierre d’Ailly (geb. 1350) Bischof von Cambray erwähnt. Es ist -in dem vielgenannten Werke ~de Imagine Mundi~, welches auch Columbus -mit besonderer Vorliebe als seine Rüstkammer benutzte, um seinen Plan -einer Westfahrt nach Indien mit Aussagen classischer Autoren belegen -zu können. Seit 1470 wurden die Werke des Ptolemäus durch +Nicolaus -Donis+ in lateinischer Uebersetzung und mit Karten veröffentlicht, -nachdem durch den Cardinal Bessarion das griechische Original in die -Hände unseres größten Astronomen jener Zeit, des berühmten Regiomontan -(1436-76), gelangt war. - -Durch die Anwendung der Astronomie auf die Bestimmung geographischer -Ortslagen, in den ersten Jahrhunderten allerdings nur der -geographischen Breitenbestimmung, wurden für ein correctes Kartenbild -die einzig sicheren Stützpunkte gewonnen. Regiomontan berechnete behufs -dieser Fixirungen im Jahre 1473 die Ephemeriden auf 32 Jahre, so daß -dieselben zunächst in der wichtigsten Zeit der Entdeckungen fast bis -zum Todesjahr des Columbus genügten. Er erfand aber noch ein, auch -auf Schiffen anwendbares, handliches Instrument, um die Polhöhe eines -Sternes zu messen, den s. g. +Jakobstab+, welcher aus einem Stabe mit -rechtwinklich daran befestigten, aber schiebbaren Querstabe bestand. -Dieses Instrument wurde in der Folge durch seinen Schüler Martin Behaim -in Portugal eingebürgert. Aber die Breitenmessungen der portugiesischen -Seeleute ließen, gegenüber den Resultaten der Astronomen in Europa, -noch viel zu wünschen, denn es steigerten sich die Beobachtungsfehler -auf drei Grad. So lange man den nördlichen gestirnten Himmel über sich -hatte, waren die Ephemeriden des Regiomontan stets anwendbar; aber -als die portugiesischen Entdecker die äquatoriale Linie überschritten -hatten und eine unerwartet andere Gruppirung der Sternbilder als -auf der nördlichen Hemisphäre erblickten, war es nothwendig, andere -astronomische Tafeln zu entwerfen. Zu dem Zwecke setzte König Johann -IX. von Portugal (1481-95) eine +astronomische Commission+ (Junta) -nieder, welche unter Leitung des Bischofs Diogo Ortiz und mit -Hinzuziehung Behaims diese Lücke ausfüllen sollte und die Sonnenhöhe -für südliche Breiten zu berechnen und in Tafeln zusammenzustellen hatte. - -[Illustration: Facsimile einer alten Abbildung des Jakobstabes und -seiner Anwendung.[77] - -Aus der 1584 zu Antwerpen gedruckten ~Cosmographia Petri Apiani et -Gemmae Frisii~.] - -Von solchen Hilfsmitteln unterstützt, konnte man die von den Schiffern -befahrenen Küstensäume immer bestimmter zeichnen, daß sie ein der -Wahrheit sich annäherndes Bild boten, während man für die noch -nicht wieder erreichten Küsten Asiens vorläufig das von Ptolemäus -überlieferte Gemälde Südasiens beibehielt und erst bei fortschreitender -Erforschung behutsam abänderte. Die Karten jener Epoche bieten darum -die interessante Verschmelzung neuer wissenschaftlicher Bestimmungen -mit der Erbschaft aus classischer Zeit. - -Indien trat immer entschiedener als Ziel aller nautischen -Unternehmungen hervor und was in den letzten Jahren des Prinzen noch -ziemlich unklar den Wünschen vorgeschwebt hatte, ward immer bestimmter -ins Auge gefaßt. - -Da die Erde als eine Kugel angesehen wurde, auf deren Oberfläche -allerdings das Verhältniß zwischen der Größe der Wasserbedeckung und -der der auftauchenden Landmassen noch verschieden beurtheilt wurde, und -da jedenfalls das Weltmeer sich nach verschiedenen Richtungen ausdehnte -und im Zusammenhange stand, so mußten auch allmählich Projecte -auftauchen, über diesen einen Ocean nach verschiedenen Richtungen den -Weg einzuschlagen, um Indien zu erreichen. - -Am einfachsten erschien das portugiesische Project, den -altherkömmlichen Randocean, der die Feste der alten Welt umflutete, -als Fahrbahn zu wählen und so gleichsam, wie es die Sicherheit -mittelalterlicher Schifffahrt vorschrieb, in einer großen Küstenfahrt -um Afrika herum zu dem gesegneten Osten zu gelangen. Eine Seefahrt -quer über ein weites unbegrenztes Weltmeer blieb hierbei außerhalb des -Planes. - - * * * * * - -Da der wichtigste Abschnitt der Geschichte der großen Entdeckungen -die Versuche umfaßt, welche die europäischen See-Nationen in directe -Verbindung mit den Gewürzländern und China setzen sollten, so werden -wir zur Erleichterung der Uebersicht die einzelnen Richtungen der -Fahrten im Zusammenhange darstellen und beginnen mit den Unternehmungen -der Portugiesen, welche zuerst auf dem Schauplatze erschienen waren, -und zuerst nach Indien gelangten. - - - - -Drittes Buch. - -Die Seewege nach Indien. - - - - -Erstes Capitel. - -Die Bahn der Portugiesen nach Südosten. - - -1. Diogo Cão und seine Vorläufer. - -Nach dem Hinscheiden des großen Prinzen, seines Oheims, nahm König -Affonso V. in den ersten Jahren noch ein lebhaftes Interesse an den -weitern Fahrten. Pedro de Cintra befuhr von Rio Grande aus die Küste im -Jahre 1461 oder 1462, erreichte zuerst das Cap Verga (10° 12′ n. Br.) -und benannte weiterhin ein kühn vorspringendes Vorgebirge, wie man es -von solcher Höhe an der Küste bisher noch nicht angetroffen hatte, zu -Ehren des Infanten und der Stätte seines Wirkens das Cap Sagres. Die -schwarzen Strandbewohner zeigten in ihrem Ohren- und Nasenschmuck einen -Reichthum an Goldringen, schienen aber kein Eisen zu besitzen. - -Die Küste wurde felsig, hoch, bot aber geeignete Ankerplätze. Hier -erhob sich ein Berg, in dessen Wolkengipfel beständige Gewitter zu -zürnen schienen. Nach dem grollenden Donner erhielt derselbe den Namen -Sierra Leona. Dahinter öffnete sich ein von Sandbänken erfüllter Golf, -in welchem das Meer gewaltig brandete. Den jenseitigen Abschluß der -Bucht bildete das Vorgebirge der heiligen Anna (Cabo de Sa. Anna), -(7° 34′ n. Br.), am 26. Juli, als am Tage der Heiligen benannt. Dann -folgte das Cap Mesurado[78] (6° 19′ n. Br.), wo die Bewohner das -Nahen des Schiffes durch eine große Anzahl Feuer signalisirten, in -ähnlicher Weise, wie es in dieser Gegend fast 2000 Jahre früher der -carthaginiensische Admiral Hanno mochte gesehen haben. - -Wenige Meilen jenseit dieses Küstenvorsprungs, in der Nähe des -heutigen Monrovia endigte die Fahrt. In der Folgezeit wurde der -König von den Seeunternehmungen abgezogen durch die politischen -Angelegenheiten des Heimatlandes und dadurch, daß er sich in den -castilischen Erbschaftsstreit mischte. Indessen wurde, um den immer -schwunghafter betriebenen Handel mit Sklaven und Gold zu decken, in -Arguim ein Castell gebaut und das Handelsmonopol einem Portugiesen für -den jährlichen Preis von 250 Ducaten (100,000 Realen) verliehen. Im -Jahre 1469 wurde auch das Monopol des Handels an der Guineaküste für -die doppelte Summe jährlich an +Fernão Gomez+ vergeben, und zwar auf -fünf Jahre; doch mußte derselbe sich auch noch verpflichten, auf seine -Kosten die Fahrten fortzusetzen zu weiteren Entdeckungen, und von der -Sierra Leona an gerechnet, jährlich 100 Leguas weiter vordringen, sowie -dem Könige alles Elfenbein für eine festgesetzte Summe, 1500 Realen für -den Centner, überlassen. - -So konnte das Jahr 1471 einen bedeutenden Fortschritt verzeichnen, -indem +João de Santarem+ und +Pedro de Escovar+ unter Beihilfe des -damals ausgezeichnetsten aller portugiesischen Piloten +Alvaro Esteves+ -nicht nur die Goldküste entdeckten, an welcher später zur Ausbeutung -des Edelmetalls König Johann im Jahre 1482 bei dem Dorfe Aldea das duas -Partes eine Festung unter dem Namen S. Jorge da Mina anlegen ließ, -sondern sie drangen über die Nigermündungen und den Aequator hinaus -nach Süden bis zum Cap Sa. Catarina (1° 51′ s. Br.) vor. - -In dem nämlichen oder dem folgenden Jahre entdeckt Fernão do Po die -Insel, welche jetzt seinen Namen trägt, von ihm aber Formosa getauft -war. Auch die südlichen Guinea-Inseln wurden bald darauf gefunden. -Martin Behaim verlegt dies Ereigniß ins Jahr 1484 und bemerkt auf -seinem Globus, daß „eitel wildnus und keine Menschen“ dort gefunden -seien und daß der König von Portugal jährlich Volk dahin sende, das -sonst den Tod verschuldet habe, Männer und Frauen, und daß er ihnen -gebe, damit sie das Feld bauen und sich nähren und damit dies Land von -den Portugalesern bewohnt werde. - -Auf Alfons V. folgte 1481 sein Sohn Johann II. Auf ihn schien der -Geist des Prinzen Heinrich übergegangen zu sein, er nahm regern -Antheil an der weiteren Ausdehnung der afrikanischen Fahrten; aber -er hatte auch ein unmittelbares Interesse daran. Denn seit 1473 war -ihm bereits als Einkommen ein Theil der Erträgnisse des Guineahandels -zugewiesen. Er wußte, welche Reichthümer Fernão Gomez sich durch das -fünfjährige Monopol erworben hatte. Dazu kam noch ein neuer Impuls, -als Pabst Sixtus IV. durch die Bulle vom 21. Juli 1481 Portugal den -Besitz aller afrikanischen Entdeckungen bestätigte. Nachdem er im -Mittelpunkte der Goldwäschereien von Mina seine Macht befestigt hatte, -nahm er den Titel +Herr von Guinea+ an und führte auch die Sitte ein, -statt der bis dahin üblichen vergänglichen Holzkreuze, welche die -Entdecker an den hervorragendsten Küstenpunkten errichteten, um ihr -Vorrecht zu dokumentiren, steinerne Wappenpfeiler, s. g. ~padrãos~, -mit lateinischer und portugiesischer Inschrift zu setzen. Der erste, -welcher solche Steinpfeiler mit an Bord nahm, war +Diogo Cão+ oder -Cam, welcher 1484 mit seinen zwei Schiffen auslief. An Bord befand -sich in der Function eines Kosmographen +Martin Behaim+, welcher um -1459 geboren war und sich rühmen durfte, in der Zeit zwischen 1471 und -1475, in welchen Jahren Regiomontan in Nürnberg weilte, dessen Schüler -gewesen zu sein. Bald darauf hatte er sich als Kaufmann zuerst nach den -Niederlanden und von da nach Portugal gewendet. Zwischen beiden Ländern -bestand ein lebhafter Verkehr. Flandrische Colonisten gingen nach den -Açoren. Unter ihnen hatte sich auch ein Edelmann aus Brügge, Jobst von -Hurter befunden, welcher durch seine Verbindung mit einer vornehmen -Portugiesin, einer Palastdame der Königin, als Statthalter in den -erblichen Besitz der Inseln Fayal und Pico gelangte, von denen die -erste vlaamische, die andere portugiesische Ansiedler erhalten hatte. -Mit der Tochter dieses Hurter verheiratete sich Behaim nach seiner -Heimkehr im Jahre 1486. - -[Illustration: Martin Behaim.] - -Die Expedition des Diogo Cão war für 3 Jahre verproviantirt, hatte -allerlei Handelswaaren mitgenommen und außerdem als Geschenke an die -Mohrenkönige 18 köstlich aufgezäumte Rosse an Bord. Südlich vom Cap -der heiligen Catharina begannen die neuen Entdeckungen. Zuerst wurde -der gewaltigste aller afrikanischen Ströme, der Congo, erreicht, an -dessen Mündung der erste Wappenpfeiler,[79] und zwar auf der Südküste -errichtet wurde. Danach hieß man anfänglich den Fluß Rio de padrão (bei -Behaim Rio de patron). Die Pfeilerspitze liegt unter 6° 8′ s. Br., -auf dem Globus Behaims ward aber die Mündung des Flusses bereits vom -südlichen Wendekreise durchschnitten. Später nannte man den Strom nach -dem gleichnamigen Königreiche Congo, obwohl man von den Eingebornen den -Namen Zaire gehört hatte. Den Entdeckern fiel bereits die Mächtigkeit -des Stromes auf, der vor seiner Mündung meilenweit das Meer mit süßem -Wasser bedeckte. Diogo Cão fuhr eine Strecke in den Unterlauf hinein -und fand allenthalben viel schwarzes Volk. Von der ganzen Küste wurde -im Namen des Königs von Portugal Besitz ergriffen. Hie und da wurden -auch Eingeborene mitgenommen, um, nachdem sie etwas Portugiesisch -gelernt hätten, als Dolmetscher zu dienen. Der König von Congo, mit -dem Cão Verkehr anknüpfte, bat sogar um christliche Lehren, und sein -Abgesandter, Kassuta, ließ sich in Portugal taufen. Man war erfreut -über die Menge neuer Gewürze. Behaim wähnte sogar die echte Zimmtrinde -gefunden zu haben. Vom Congo drang Cão noch über 200 Leguas nach -Süden, errichtete den zweiten Wappenstein am Cap Agostinho nördlich -von Cap Negro unter 13° 27′ s. Br. und den dritten am Cap Negro selbst -unter 15° 40′ s. Br.[80] Dieser Berg ist auf Behaims Globus besonders -ausgezeichnet als ein eigenthümlich schroffer Fels, der in seiner Form -von der conventionellen Bergzeichnung abweicht und in rother Schrift -den Namen Monte nigro trägt. Daneben lesen wir die Inschrift: „Hie -wurden gesetzt die säulen des konigs von portugal anno domini 1485 d. -18. jan.“ Irrthümlich hielt Behaim diese Spitze aber später für das Cap -der guten Hoffnung, welches Dias im nächstfolgenden Jahre entdeckte. -Das Datum des 18. Januar scheint zu gleicher Zeit den Zeitpunkt -anzugeben, wo man auf dieser Reise den südlichsten Punkt erreichte. Die -Dauer der ganzen Fahrt betrug 19 Monate. - -[Illustration: Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom Jahre 1468.[81]] - -Man muß die Verdienste Behaims bei dieser Entdeckungsfahrt sehr hoch -angerechnet haben, da er nach seiner Rückkehr vom Könige selbst -zum Ritter des Christusordens, welcher aus dem Tempelherrnorden -hervorgegangen war, geschlagen wurde, und zwar in Gegenwart des ganzen -Hofes. - -Schon im nächsten Jahre ging ein neues Geschwader aus, aber nach den -Maximen der Regierung unter einem andern Commando: man wollte nicht -+einem+ Manne zu sehr verpflichtet sein. Es war ein staatskluger -Grundsatz, dessen Vortheile erst recht ins Licht traten, als die -spanische Regierung in Folge zu weitgehender Zugeständnisse gegen -Columbus in mancherlei Verlegenheiten gerieth. - - -2. Bartolomeu Dias. - -Im August 1486 segelte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Fahrzeugen von -50 Tons Gehalt, von denen das eine unter dem Befehl des João Infante -stand, und einem Proviantschiff unter dem Befehl seines Bruders Pero -Dias aus, um die Küstenforschung Diogo +Cão’s+ fortzusetzen. Die -Familie der Dias hatte sich seit dem Anfange der Unternehmungen des -Infanten Don Enrique im Seedienst ausgezeichnet. João Dias, der Ahne -des Geschlechts, war zuerst mit ums gefürchtete Cap Bojador gesegelt; -Diniz Dias erreichte zuerst das grüne Vorgebirge. - -Bartolomeu sollte die rühmlichen Thaten der Vorfahren noch verdunkeln; -und seinen Namen volksthümlich machen. - -An der Congoküste und bis über das südliche Cap der guten Hoffnung -hinaus wurden während der Fahrt Negerinnen mit Geschenken ans Land -gesetzt, um dasselbe zu erkunden und den Eingeborenen von der Macht und -Pracht der Portugiesen zu erzählen, welche gekommen seien, das Land -des Priesters Johannes aufzusuchen. Durch das sich weiter verbreitende -Gerücht sollte der Priesterkönig veranlaßt werden, seinerseits Boten -auszusenden, welche mit den Portugiesen eine Annäherung suchten. -Den ersten Wappenstein setzte Dias bei der Serra parda nördlich von -der Walfischbucht. Dann wurde er durch widrige Winde mehrere Tage -aufgehalten und mußte mühsam laviren. Er nannte diese Bucht Angra das -voltas. Der Name eines Cap Voltas haftet noch an der Küste, nahe der -Mündung des Oranjestroms. Vom St. Helenagolf mußte er 13 Tage lang mit -eingerafften Segeln sich von dem Sturm nach Südost treiben lassen. -Dabei gerieth er in kältere Meeresströmungen und war von der schnellen -Abnahme der Temperatur überrascht. Als der Sturm nachließ, steuerte -er wieder gegen Osten, um die Küste zu gewinnen, welche nach seiner -Vorstellung von Norden nach Süden vorlaufen mußte wie bisher. Als er -aber nach mehreren Tagen noch kein Land in Sicht bekam, richtete er -den Lauf der Schiffe nach Norden und erreichte so das Südende des -Continents an einer Bucht, wo Hottentotten mit ihren Herden weideten -und über den Anblick den Schiffe erschreckt ins Binnenland flohen. Die -Bai erhielt den Namen der Kuhhirtenbai (~Angra dos Vaqueiros~); jetzt -heißt sie Flesh-Bai. - -Weiter gegen Osten in der San Bras-Bai (Mosselbai) nahm er Wasser ein, -wobei es zum Conflict mit den Eingeborenen kam; auf einer kleinen -Insel Santa Cruz in der Algoabucht wurde der äußerste Wappenpfeiler -gesetzt. Erschöpft durch die unerhörten Strapazen, welche sie erlitten, -forderten die Schiffsleute den Capitän auf, umzukehren. Man wies auch -darauf hin, daß der Proviant zu Ende gehe. Dias bedang sich noch eine -Fahrt von zwei bis drei Tagen aus; wenn sich dann nicht ein Erfolg -zeige (er erwartete wohl, daß die Küste wieder gegen Norden streiche) -wolle er umkehren. Daß das Südende Afrikas umsegelt sei, sah er gewiß; -daß das lang erstrebte Ziel sich nunmehr ohne große Schwierigkeiten -werde gewinnen lassen, war seine feste Ueberzeugung. Nach einer -Fahrt von zwei Tagen, in welchen die Schiffe noch 25 Meilen über den -Wappenpfeiler hinaus bis zum großen Fischfluß vordrangen, welcher -damals den Namen Rio do Infante erhielt, weil der zweite Capitän João -Infante das Land zuerst betrat, sah sich Dias genöthigt, schmerzerfüllt -den Heimweg anzutreten. Es wird uns erzählt, daß, als er zum zweiten -Male die Insel Sa Cruz betrat, er den Wappenstein umklammert und nur -mit schwerem Herzen Abschied von ihm genommen habe, wie wenn er einen -geliebten Sohn scheiden sehe. - -Beim weiteren Verfolg erkannte er auch das imposante Felsencap am -südwestlichen Ende des Festlandes, um welches ihn bei der Hinfahrt -der Sturm herumgeführt. Er gab ihm den Namen des Sturmcaps (~Cabo -tormentoso~). Aber der König änderte diesen ominösen Namen in den Glück -verheißenden „Cap der guten Hoffnung“ (~Cabo da boa esperanza~), weil -er der festen Zuversicht war, die Pforte zum indischen Ocean stehe -offen und der Wasserweg zu den Gewürzländern werde endlich gefunden. -Das Transportschiff, welches auf der Westküste Afrikas zurückgeblieben, -zeigte sich in bedauerlichem Zustande, als die beiden Schiffe des -Dias auf ihrer Heimkehr dasselbe trafen. Sechs Mann an Bord waren -von den Negern erschlagen, drei nur noch am Leben, dazu das Schiff -selbst, in Folge von Wurmfraß, nicht mehr seetüchtig. Es mußte daher -in Brand gesteckt werden, ehe man sich zum letzten Theil der Rückreise -anschickte. Im December 1487 langte Dias, nach einer Fahrt von 16 -Monaten und 17 Tagen, in Lissabon wieder an. Er hatte auf dieser Reise -weitere 350 Leguas Küstenlinie entdeckt. - -Inzwischen hatte aber der König auch Leute ausgesendet, welche -das Reich Habesch und die Verkehrsverhältnisse am indischen Meere -ermitteln sollten. Der erste Versuch einer Sendung schlug allerdings -fehl, denn der Pater Antonio de Lisboa und Pedro de Montorryo, -welche nach Jerusalem geschickt wurden, um dort abessinische Mönche -auszuforschen, die damals häufig zu der heiligen Stadt walfahrteten, -kehrten unverrichteter Sache wieder zurück, weil sie ohne Kenntniß der -arabischen Sprache sich nicht getrauten, mit den Abessiniern ins Land -des Priesters Johannes zu reisen. - -So wurden denn, noch ehe Dias heimgekehrt war, zwei andere, bewährte -Männer abgesandt. +Pero de Covilham+ und +Affonso de Paiva+[82] machten -sich am 7. Mai 1487 nach dem Orient auf, erreichten über Rhodos und -Alexandrien die Hauptstadt Aegyptens, Cairo, und fuhren auf dem rothen -Meere nach Aden. Hier trennten sie sich, nachdem als Ort späterer -Vereinigung Cairo bestimmt war. Covilham ging zu Schiff nach der -indischen Malabarküste, besuchte Kananor, Kalikut, Goa und kehrte von -da nach der Ostküste Afrikas zurück, besuchte die Häfen, erreichte als -südlichsten Punkt das durch seinen Goldreichthum berühmte Sofala und -zog über die Insel Madagascar Erkundigungen ein. - -Als er auf der Rückreise Cairo wieder erreicht, erfuhr er, daß sein -Gefährte Paiva inzwischen gestorben sei. Doch traf er dort zwei andere -Sendlinge des Königs Johann von Portugal, den Rabbi +Abraham+ aus -+Beja+ und den Juden +Joseph+, einen Schuster aus Lamego. Der letztere -ging mit den wichtigen Nachrichten, welche Covilham eingezogen, sofort -nach Portugal zurück. Covilham schrieb in seinem Briefe, daß die -portugiesischen Schiffe an der Küste Guineas nach Süden zu steuern -hätten, bis sie das Ende Afrikas erreicht, und daß sie im indischen -Meere ihren Cours nach Sofala und der Mondinsel oder Madagascar -richten müßten. Covilham besuchte mit Rabbi Abraham sodann noch Ormuz -und sandte seinen Gefährten mit einer Karawane auf dem üblichen -Wege über Bagdad und Haleb nach Syrien und in die Heimat zurück, -während er selbst Habesch aufzusuchen beschloß. Der König nahm ihn in -seiner Hauptstadt Schoa sehr freundlich auf, wußte aber den ersten -europäischen Besucher an sich zu fesseln, so daß Covilham im Lande -blieb, sich dort verheiratete und noch ein Menschenalter später, als -ein portugiesischer Gesandter 1525 unter Rodriguez de Lima in Habesch -eintraf, lebte. Er wurde über den Besuch seiner Landsleute zu Thränen -gerührt, blieb aber in Habesch und starb dort. - - -3. Vasco da Gama’s erste Fahrt. - -Das waren die letzten wichtigen Unternehmungen, welche der -Regierungszeit des Königs Johann noch angehören. Zwar noch bei -Lebzeiten dieses Fürsten sollte von unerwarteter Seite der Impuls -kommen, welcher die Portugiesen antreiben mußte, durch eine letzte -kühne Seefahrt ihre fast ein Jahrhundert bereits andauernden Arbeiten -zu krönen; aber Johann II. starb, ehe er an die Ausführung gehen -konnte. Den angedeuteten Impuls gab aber Columbus dadurch, daß er, -von seiner ersten Fahrt nach Westindien heimkehrend, durch Sturm -genöthigt worden war, in den Hafen von Lissabon einzulaufen und dem -portugiesischen Könige auf dessen Einladung von seinem vermeintlichen -Besuch in Zipangu (Japan) Bericht erstatten konnte. Die mitgebrachten -braunen Indianer ließen nun mit Recht vermuthen, daß der kühne Genuese, -dessen Pläne in Portugal keinen Beifall gefunden hatten, wenigstens bis -in die Nähe Asiens gelangt sei, da die vorgeführten fremden Menschen -den wirklichen Indern ähnlich zu sein schienen. Auch war zu befürchten, -daß Columbus auf einer zweiten Fahrt noch vor den Portugiesen die -Gewürzländer erreichen und damit den Preis und Lohn so vieler Mühen -vorweg nehmen könnte. Glücklicherweise konnten sich die Portugiesen -darauf berufen, daß Pabst Nicolaus V. schon im Jahre 1454 durch eine -Bulle ihnen das Privilegium über den Handel mit Indien verliehen hatte. -Trotzdem beeilten sich nun doch die spanischen Monarchen Ferdinand und -Isabella, sich die neuen Entdeckungen durch päbstliche Sanction zu -sichern. Die Bulle des Pabstes Alexanders VI. vom 3. Mai 1493 spricht -der spanischen Krone alle Inseln und Festländer, welche in der von -Columbus eingeschlagenen Richtung gefunden sind und noch gefunden -werden sollen, zu in Anerkennung der Verdienste um den christlichen -Glauben, um die Vertreibung der Mauren aus Spanien, und hofft, daß -auch in den neu entdeckten Gebieten die friedlichen nackten Bewohner, -welche keine Canibalen sind und sogar an einen Schöpfer im Himmel -glauben, durch spanische Missionäre bald bekehrt werden möchten. Auf -die weiteren Eigenthümlichkeiten und Schwächen der päbstlichen Erlasse -vom 3. und 4. Mai genauer einzugehen, ist hier nicht der Ort, wo wir -die portugiesischen Entdeckungen allein im Auge haben. Allein es mag -hier noch erwähnt werden, daß in Folge dieser päbstlichen Verleihungen -am 7. Juni 1494 zwischen Spanien und Portugal ein Vertrag abgeschlossen -wurde, welcher die Grenzlinie der maritimen Entdeckungen beider Mächte -in Gestalt einer von Pol zu Pol gezogenen Meridianlinie festsetzte. - -Spanien erhielt den Westen der Erde, Portugal den Osten. Aber Spanien -schien dem Ziel näher zu sein als sein älterer Nebenbuhler. Darum -rüstete bereits Johann zu neuen Seefahrten; aber der Tod hemmte -1495 den Fortgang. Ihm folgte der jugendlich kühne +Manuel+, dem -die Nachwelt den Namen des Großen zuerkannt hat, weil unter ihm die -portugiesische Macht zu größter Entfaltung gelangte. Manuel, Herzog von -Beja, war 26 Jahr alt, als er den Thron bestieg. Er wollte sofort die -Entdeckungsarbeiten wieder beginnen lassen, aber seine Räthe machten -anfangs Schwierigkeiten. So verzögerte sich die Fertigstellung des -Geschwaders bis zum Jahre 1497. Der erfahrene Bartolomeu Dias wurde -damit betraut, diese kleine aus 3 Schiffen bestehende, zur Fahrt nach -Indien bestimmte Flotte sorgfältig auszurüsten, aber selbst sollte -er sie nur bis zur Factorei La Mina an der Goldküste begleiten. Den -Oberbefehl erhielt +Vasca da Gama+[83], im zweiten Schiffe sein -Bruder +Paulo da Gama+, im dritten +Nicolao Coelho+. Der Raumgehalt -der Schiffe betrug 100 bis 120 Tons. Die Schiffe trugen die Namen S. -Rafael, S. Gabriel und S. Michael. - -Die portugiesischen Historiker weichen in ihren Berichten über Gama’s -Fahrt in vielen wesentlichen Punkten von einander ab. Gaspar Correa, -dessen ~Lendas da India~ erst 1858-1861 von der Academie in Lissabon -veröffentlicht worden sind, kam von allen Chronisten am frühesten, -vielleicht schon 1512, nach Indien und konnte als Secretär des -berühmten Affonso d’Albuquerque zum Theil das Tagebuch des Geistlichen -João Figueira, welcher die erste Fahrt Vasco da Gama’s mitmachte, -benutzen und zu Rathe ziehen. Castanheda (~Historia da India~) kam um -1528 nach Indien, Damian de Goes (~Rey Emanuel~) gelangte nicht nach -dem Orient, und Osorio (~de rebus Emanueli~) fußt vielfach auf Goes. -João de Barros, dessen Decaden lange Zeit fast allein die Grundlage -der Darstellung gebildet, schrieb viel später.[84] Correa’s Werk -sollte bei seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht werden, vielleicht um -manchen Lebenden nicht zu verletzen. So kam sein Manuscript erst nach -seinem Tode nach Europa, erlebte dort zwar, wenigstens in dem ersten -Theile, mehrere Abschriften, aber erst vor 20 Jahren eine sorgfältige -Drucklegung. In manchen Punkten, wo Correa von den übrigen Historikern -abweicht, spricht aber die innere Wahrheit und Wahrscheinlichkeit für -ihn. - -[Illustration: Vasco da Gama.] - -Wie weit die Differenzen unter den einzelnen Berichten über Gama’s -erste Fahrt gehen, erhellt schon daraus, daß sie nur in +einem+ -Tages-Datum, nämlich in der Ankunft am Flusse Dos Reis, am heiligen -Dreikönigstage 1498 zusammen stimmen. Correa setzt die Abfahrt der -Flotte von Lissabon auf den 25. März 1497, Barros auf den 8. Juli, -Osorio auf den 9. Juli. Correa nennt die Schiffe S. Rafael (Capitän -Vasco da Gama), S. Gabriel, (Paulo da Gama), S. Michael, (Nicol. -Coelho). Barros versetzt den ersten Capitän auf den Gabriel, seinen -Bruder Paulo auf den Rafael, und nennt das Schiff Coelho’s Berrio. - -Bei der Benennung neuentdeckter Küstenpunkte mußte dem Hauptschiffe, -auf welchem Vasco da Gama befehligte, naturgemäß der Vorrang eingeräumt -werden. Mustern wir nun einige der bedeutendsten Weltkarten des 16. -Jahrhunderts, die Karten Cabots und des Königs Heinrich II. von -Frankreich (+Jomard+, ~Monuments de la géographie~), so treffen wir -die Namen Gabriel und Berrio gar nicht; Rafael erscheint auf Heinrichs -II. Karte zweimal, ein Rio de S. Miguel bei Cabot. Ferner zeigt die -Baseler Ausgabe des Ptolemäus, 1513, einen padrão de S. Rafael, und -auch Ortelius (~Theatrum mundi~) bietet uns die Namen Rafaels und -Michaels. Dadurch wird die Existenz dieser Schiffsnamen bestätigt, und -wenn alle Autoren in der Angabe des Namens Gabriel übereinstimmen, muß -wohl der Name „Berrio“, den Barros angibt, falsch sein. Stanley (~l. c. -p. V.~) führt nach einem weiteren Beweis an, daß das Hauptschiff den -Namen Rafael führte. Nach dem glänzenden Verlauf der ersten Reise wurde -Vasco da Gama zum Grafen von Vidigueira in Alemtejo erhoben. Vor dieser -kleinen Stadt befindet sich eine Capelle des heil. Rafael mit dem Bilde -des Erzengels, dem das Schiff geweiht war. - -Der Oberbefehlshaber erhielt Empfehlungsschreiben an den Priester -Johannes, an den Beherrscher von Kalikut und an andere Fürsten Indiens. -Die ganze Bemannung zählte nach Barros 170 Köpfe, während Correa sagt, -in jedem Schiffe seien 80 Personen gewesen. Nach Osorio und Goes zogen -148 Mann aus und kehrten nur 55 wieder zurück. Ueber die Canarien -gelangte das kleine Geschwader, nachdem es schon am Rio d’Ouro durch -Sturm getrennt war, zu den Capverden und blieb einige Tage in St. Jago. -Hier trennte sich Bartolomeu Dias, welcher sie bis dahin begleitet -hatte, von ihnen und steuerte nach seinem Bestimmungsorte, nach La Mina -an der Guineaküste. Gama richtete, das afrikanische Gestade verlassend, -seinen Cours direct nach dem Caplande. - -Der Wind war sehr heftig, erzählt Correa, so daß die See einen -furchtbaren Anblick gewährte; unter den rastlosen Arbeiten während -dieser Stürme litt das Volk sehr. Nachdem sie so einen Monat gesegelt -waren, wandten sie sich wieder der Küste zu, in der Hoffnung, das Cap -zu erreichen. Aber viel zu zeitig. Es sollten noch Monate vergehen, -ehe sie das Südende des Continents umfahren konnten. Alle Historiker -stimmen darin überein, daß die Fahrt mindestens 4 Monate währte, Correa -setzt sogar volle 6 Monate an. So ging’s also wieder in die offene See -hinaus, obwohl schon damals die Mannschaft lieber wieder umgekehrt -wäre. Gama selbst theilte mit ihnen alle Arbeiten und Mühen und gönnte -sich keinen Schlaf. Die Tage wurden immer kürzer, denn man fuhr in den -südlichen Winter hinein. Es schien fast immer Nacht zu sein. Die Leute -wurden krank vor Furcht und Mühsal, sie konnten nicht einmal ihr Essen -bereiten. Sie begannen zu murren und wollten umkehren; aber Gama wies -sie, als ein leidenschaftlicher Mann, mit scharfen Worten zur Ruhe, -obwohl er sah, daß man in beständiger Lebensgefahr schwebte. Und wenn -auch die Mannschaft unter den kalten Regenschauern fast erstarrte, so -schwur doch der Capitän, es möge kommen, was Gott wolle, umkehren werde -er nicht. - -Erst in der Nähe des Landes wurde die See ruhiger. Um die Polhöhe am -festen Lande zu bestimmen, ging das Geschwader in der St. Helenabai -vor Anker. Da die Seeleute mit dem Gebrauche des Astrolabiums noch -nicht lange vertraut waren, vermochten sie an Bord der kleinen Schiffe -wegen der Schwankungen der Fahrzeuge noch keine sichern Bestimmungen zu -machen. Das Beobachtungsinstrument hatte 3 Palmen im Durchmesser und -ruhte auf einem dreifüßigen hölzernen Gestell. Wahrscheinlich war es -hier, wo das begleitende (vierte) Proviantschiff entleert und in Brand -gesteckt wurde, nachdem die Mannschaft auf die andern Schiffe vertheilt -war.[85] - -In einem mehrtägigen Sturme dublirten sie endlich das gefürchtete -Cap, Stürme verfolgten sie auch auf der weiteren Fahrt. Sturzseen -brachen von oben herein, das Wasser im Schiffsraume stieg immer höher. -Sie hatten keine Ruhe, weder bei Tage noch bei Nacht, weder für die -Seele noch für den Leib. Aber Gama schwur hoch und theuer, er werde -keinen Fuß breit zurückgehen, bis er Indien erreicht. Bei dieser -verzweifelten Lage wuchs die Mißstimmung unter der Bemannung immer -mehr und gestaltete sich zu einer Verschwörung: man wolle sich nicht -blindlings ins Verderben jagen lassen, Er sei nur Einer, sie aber seien -Viele. Durch einen Schiffsjungen verrathen, wurde der Plan, den Capitän -zu beseitigen, vereitelt. Gama brachte die Verschworenen mit List in -seine Gewalt und ließ sie in Ketten werfen. Vor Wuth soll er sogar alle -nautischen Bücher über Bord geworfen und erklärt haben: nun möchten sie -versuchen, ohne Steuermann und Pilot den Rückweg zu finden. Denn die -Capitäne und Steuerleute hielten alle treu zum Führer. - -Erst im Anfang Januar 1498 näherten sie sich wieder dem Lande. Die -Schiffe bedurften einer Reparatur, an Trinkwasser trat ein fühlbarer -Mangel ein, manche Fässer waren in den unaufhörlichen Stürmen -geborsten und ausgelaufen. Aber sie segelten noch mehrere Tage, ehe -sie einen günstigen Ankerplatz fanden. Am 6. Januar liefen sie in -die bequeme Mündung eines Flusses ein, der nach dem Tage Rio des -Reyes, Drei-Königsfluß, genannt wurde. Der Wasserplatz, an welchem -Gama fünf Tage verweilte, wurde wegen des friedlichen Benehmens der -Bewohner Agua da boa Paz genannt. Beim Weitersegeln hatten sie vom -Cap Corrientes (~Cabo das Corrientes~) tagelang mit der heftigen -Mosambikströmung zu kämpfen und mußten darum weiter von der Küste -abhalten, um nicht gegen gefährliche Klippen getrieben zu werden. -In Folge dessen segelten sie an dem in der innern Bucht des Landes -gelegenen Sofala vorüber und erreichten nur mühsam die Mündung des -Sambesi. Dieser mächtigste Strom erhielt den Namen ~Rio dos bons -Sinaes~ (Strom der guten Anzeichen), denn hier trafen sie zuerst mit -hellfarbigen Mischlingen zusammen, die des Arabischen mächtig waren, -und ihnen mittheilten, daß weiter nordwärts eine belebte Schifffahrt -getrieben werde. Man hatte hier also die Sphäre des arabischen -Handelsverkehrs erreicht und konnte hoffnungsvoll dem glücklichen -Erfolg des kühnen Seezuges entgegensehen. Theils um die Schiffe -auszubessern, theils um der erschöpften und am Scharbock leidenden -Mannschaft Erholung und Erfrischung zu bieten, blieb Gama einen vollen -Monat hier. Dort wurde ein Wappenstein errichtet mit der Inschrift: ~Do -Senhorio de Portugal Reino de Christaõs~. Dann stach Gama wieder in -See und erreichte bald die Insel und den Hafenplatz Mosambik. Mehrere -Sambuken, mit arabisch gekleideten Leuten bemannt, kamen heran und -erkundigten sich nach Herkunft und Ziel der fremdartigen Flotille. -Gama ließ ihnen antworten, sie seien Portugiesen, welche im Auftrage -ihres Königs nach Indien führen und, da sie den Weg noch nicht gemacht -hätten, um einige Lotsen bäten. - -Anfänglich schien es, als ob der Verkehr sich ganz friedlich -gestalten wolle. Der Scheich des Hafens stand unter der Botmäßigkeit -des arabischen Fürsten von Kiloa. Die Araber hatten den sicheren -Stapelplatz auf der Mosambik-Insel gewählt, um von hier aus lebhaften -Handel mit den Negern zu treiben und Gold, Elfenbein, Wachs u. a. -einzutauschen. Nachdem Gama dem Scheich mehre Geschenke gesendet, -kam dieser selbst an Bord, in faltenreicher, farbiger Tracht, das -dunkle Gesicht von einem mächtigen, buntseidenen Turban beschattet. -Unter seinem Gefolge befanden sich viele Mischlinge. Nach einem -ehrenvollen Empfange von Seiten der Capitäne nahm der Scheich alles -neue auf den Schiffen in Augenschein und ließ sich vermittelst eines -Dolmetschers von dem Flottenführer noch einmal erzählen, daß sie -von dem mächtigsten Könige der Christenheit abgesandt, bereits zwei -Jahre auf der stürmischen See umhergeworfen und von ihren Gefährten -getrennt nunmehr dem Lande der Gewürze zusteuerten und, des Weges -unkundig, um zuverlässige Piloten bäten. Bald nachdem der Scheich -zurückgekehrt war und frische Lebensmittel für die Portugiesen -gesandt hatte, erschienen auch drei Habessinier, mit denen aber die -Verständigung nur unvollkommen gelang. Werthvoller war der Verkehr -mit einem Mauren, Namens Davané, welcher sich bereit finden ließ, die -Schiffe nach Indien zu begleiten. Inzwischen änderte sich aber die -günstige Stimmung am Lande. Die Araber schöpften wegen der Herkunft -und Zwecke der Fremdlinge Verdacht oder wurden wegen ihres Handels -besorgt, für den ihnen so unerwartet eine Concurrenz zu drohen schien. -Zwar erhielt Gama die gewünschten Lotsen, aber sie waren nicht -zuverlässig; denn nachdem die Portugiesen als Christen erkannt und -somit als die natürlichen Feinde des Islam erklärt worden, wurde auch -der Scheich von den einheimischen Händlern gewonnen, die Hand zu einem -geplanten Verrath und Ueberfall zu bieten. Und hierzu sollten die -Lotsen behilflich sein. Eine Einladung des Scheich zu einem Besuche -in der Stadt hatte Gama, durch Davané gewarnt, vorsichtig abgelehnt. -Dagegen bat er, man möge ihm am festen Lande einen Platz anweisen, wo -seine Böte Wasser holen könnten. Diese Gelegenheit sollte von Seiten -der Moslemin zu einem Ueberfall benutzt werden; zu gleicher Zeit -sollten andere mit Bewaffneten besetzte Fahrzeuge, wenn ein Theil der -portugiesischen Matrosen beim Wassereinnehmen von den Schiffen fern -sei, diese überrumpeln und das Geschwader zu erobern suchen. Allein -dieser Plan wurde durch die Wachsamkeit und die Ueberlegenheit der -portugiesischen Waffen vereitelt. Gama ließ das Wasserboot mit zwei -Kanonen armiren und schickte zur Bedeckung der Matrosen bewaffnete -Mannschaft mit unter Führung des Capitäns Coelho. Zur Nachtzeit sollte -bei Hochflut Wasser eingenommen werden. Aber der begleitende Pilote -führte sie bis zum anbrechenden Morgen, wo Ebbe eintrat, in der Irre -herum und hoffte das Fahrzeug dann unversehens aufs Trockne zu setzen -und dem geplanten Ueberfall leichter preiszugeben. Indeß kam ihm Coelho -zuvor, indem er das Boot rechtzeitig wenden ließ und den Verräther, zum -abschreckenden Beispiel, an den Mast aufknüpfen wollte. Der Lotse aber -sprang über Bord, tauchte unter und kam erst in weiterer Entfernung -wieder zum Vorschein. Bei seiner Verfolgung wurde nun das Boot vom -Lande aus mit Pfeilen und Schleudersteinen angegriffen. Da man von den -Schiffen aus diesen feindlichen Zusammenstoß sehen konnte, so ertheilte -Gama dem Boote durch Flaggensignale den Befehl zur Umkehr. Auch ließ -er, wie Correa betont, nicht gleich mit Kanonen unter die Verräther -schießen, weil er sich in dem ersten arabischen Hafen nicht in -schlechten Ruf bringen wollte und vielleicht noch auf ein friedliches -Abkommen rechnete. Der Scheich, der wohl auch für seine wehrlose -Stadt fürchten mochte, ließ über den unangenehmen Zwischenfall sein -Bedauern ausdrücken und erbot sich andere Lotsen zu senden, die indeß -wieder den Auftrag zu haben schienen, die portugiesischen Schiffe auf -Korallenriffe zu führen. - -Vasco da Gama hatte mehrere Verbrecher an Bord, die ihm mitgegeben -waren, um an gefährlichen Stellen ans Land geschickt zu werden. -In der Ausführung eines lebensgefährlichen Auftrages bestand die -eigenthümliche Art der Begnadigung. João Machado, so hieß der zu -dieser Mission ausersehene Sträfling, wurde ans Land gesetzt, um -dem Scheich die Botschaft zu übermitteln, daß, da man an seiner -Ehrlichkeit zweifele, der weitere Verkehr mit ihm abgebrochen werde. -Machado richtete seinen Auftrag aus und gelangte später unter allerlei -Abenteuern über Kiloa und Mombas nach Indien. Gama aber hielt noch an -einer unbewohnten Insel vor Mosambik an und ließ zu Ehren des heil. -Georg den Wappenstein San Jorge setzen. Dann stach er wieder in See. -Davané war an Bord geblieben und begann bereits etwas Portugiesisch -zu lernen, so daß man sich mehr und mehr verständigen und manche -werthvolle Mittheilungen über den Seehandel durch ihn gewinnen konnte. - -Der streng bewachte, aber treulose Lotse brachte bald darauf die -Schiffe zwischen die Untiefen einer Inselgruppe und wurde, als man -seine Verrätherei erkannte, dafür durchgepeitscht. Die Inseln erhielten -aber zum Andenken daran den Namen ~Ilhas do Azoutado~, d. h. die -Inseln des Durchgepeitschten. An der Küste entlang ging die Fahrt nun -weiter auf Kiloa, welches als ein vielbesuchter Handelshafen galt, -wohin sogar christliche Armenier gelangen sollten. Aber widrige Winde -trieben die Schiffe ab. Das Schiff S. Rafael unter dem Commando des -Vasco da Gama gerieth sogar auf eine Sandbank, wurde aber glücklich -wieder losgebracht. So kamen sie in der letzten Woche des April[86] -nach Mombas. Wieder erschien ein Fahrzeug der Einwohner, um sich nach -den Zielen der Fremdlinge zu erkundigen. Gama erklärte, er komme, -auf dem Wege nach Indien, sich in dem Hafen mit einigen Bedürfnissen -zu versehen. Der Scheich, auch hier anfangs freundlich, mußte bald -den falschen Einflüsterungen nachgegeben und schon von Mosambik -Nachrichten erhalten haben, daß die Fremden Seeräuber seien und -den Handel nur zum Vorwand nähmen. Als Gama in den Hafen einlaufen -wollte, kamen viele kleine Schiffe heran, wie um die portugiesischen -Fahrzeuge mit festlicher Musik an die Stadt zu geleiten. Aber man ließ -höchstens 10 bis 12 Personen an Bord eines jeden Schiffes kommen. -Vielleicht war es dabei auf eine Ueberrumpelung oder eine Verrätherei -abgesehen, denn als das eine Schiff, rückwärts treibend, auf den Grund -gerieth, da es dem Steuer nicht folgte, so gab der Capitän rasch -Befehle, Anker auszuwerfen. Die dadurch hervorgerufene Unruhe machte -die Araber auf den andern beiden Schiffen besorgt; sie fürchteten -vielleicht, ihr Anschlag sei verrathen und sprangen eiligst wieder in -ihre Schiffe. In einer hellen Mondnacht wurde der Hafen von Mombas -verlassen und die Fahrt mit großer Vorsicht, weil man dem Lotsen -nicht traute, fortgesetzt. Bald stießen sie auf zwei Sambuken, welche -nach Mombas steuerten. Eine derselben wurde genöthigt, ihnen den Weg -nach Melinde zu zeigen, wobei man die arabische Mannschaft auf die -Schiffe vertheilte. Nach einer günstigen Fahrt von drei Nächten und -zwei Tagen langten sie in den letzten Tagen des Monats April dort -an und fanden hier endlich eine wohlgemeinte freundliche Aufnahme. -Aber der Einladung des Fürsten, in dem Hafen anzulegen, folgte Gama, -durch die Vorkommnisse in Mosambik und Mombas mißtrauisch gemacht, -nicht sogleich, sondern schickte zunächst den Capitän Coelho und in -seiner Begleitung den Davané ans Land. Am Ufer hatten sich so viele -Menschen versammelt, daß die Beamten nur vermittelst ihrer Stöcke für -die fremden Sendlinge Bahn schaffen konnten. Der Fürst ließ Coelho -neben sich auf einem Stuhle niedersitzen, erkundigte sich vor allem -nach europäischen Verhältnissen und ließ sich vom großen König Emanuel -erzählen. Gegen Sonnenuntergang nahm der portugiesische Capitän -Abschied und wurde, vom Herrscher von Melinde mit weißen und bunten -Seidenkleidern und einem kostbaren Ringe beschenkt, an den Strand -zurückgeleitet. Die von Gama auf einem Sambuk gewünschte Zusammenkunft -fand in den nächsten Tagen statt. Der ganze Strand, die weißen Häuser -und die Mauern der Stadt waren mit Schaulustigen dicht besetzt, als die -beiden Flottenführer, Vasco und sein Bruder Paulo da Gama, im vollsten -Schmucke, unter dem Donner der Salutschüsse in ihren beflaggten Böten -von den Schiffen abstießen und sich dem Audienzschiffe näherten. Bei -der herrschenden Rivalität zwischen Melinde und den anderen bereits -besuchten Häfen war die Aufnahme eine sehr günstige. Dem arabischen -Herrscher wurden ein kostbares Schwert, eine Lanze und ein Schild -verehrt und beide Theile schieden in Freundschaft. Gama bat, die -Piloten und übrigen Insassen des zur Mitfahrt gezwungenen Bootes sicher -wieder in ihre Heimat befördern zu wollen, was auch zugesagt wurde. Die -Portugiesen erhielten Lebensmittel und Wasser und konnten sich am Lande -erholen, denn sie hatten an der ungesunden Ostküste Afrikas viel durch -Krankheiten zu leiden gehabt und manchen Mann am Scharbock verloren. - -Später besuchte Gama den Scheich in seinem Schlosse und wurde von -diesem am Thor empfangen. Im Verlaufe des Gespräches erklärte der -Araber, daß der Gewürzhandel in Kalikut seinen Hauptstapel habe und daß -er dem Geschwader einen zuverlässigen Piloten dahin mitgeben werde. -Auch rieth er den Portugiesen, die gewünschten Waaren nicht zu hoch zu -bezahlen, um dadurch nicht den Markt zu verderben. - -Davané erbot sich bis Indien mitzugehen. Vor dem Abschiede stattete der -Fürst den Schiffen noch einen Besuch ab. Auf einer besonders angelegten -Treppe leitete man ihn an Bord, wo eine festliche Tafel hergerichtet -war. Dann ließ Gama mit Bewilligung des Herrschers einen marmornen -Wappenpfeiler in Melinde setzen, segelte, von tüchtigen Lotsen -geführt, am 24. April von der afrikanischen Küste ab und erreichte -unter günstigem SW. Monsun in 22 Tagen die Gestade Indiens. Die Berge -von Kananor traten hervor, die Häuser der Stadt zeigten sich bei dem -Vorübersegeln. Fischerböte nahten sich und waren über die seltsam -gebauten Schiffe und die weißen Menschen darin sehr verwundert. Am 20. -Mai langte das Geschwader endlich im Hafen von Kalikut an. - -Indien zerfiel damals in eine große Anzahl selbständiger Reiche, Barros -nennt darunter die Königreiche von Multan, Delhi, Cospetir, Bengalen, -Orissa, Mando, Tschitor, Guzarat oder Cambaya, Dekhan, Bisnaga und -viele andere kleinere. Am Westfuße der Ghats erstreckte sich vom -Flusse Karnat, nahe beim Vorgebirge Komorin bis zu der weit übers -Meer sichtbaren Landmarke des Berges d’Ely (~de Ly~) oder Delly unter -12° n. Br., das Reich und die Landschaft Malabar mit der Hauptstadt -Kalikut. Sechs bis zehn Leguas breit und 80 Leguas lang breitete sich -dieser Landstrich aus, über welchen ein Kaiser die Oberherrschaft -besaß. Der Titel dieses Oberherrn war eigentlich Samudrin, d. h. Herr -der See, die Portugiesen nannten ihn Samorin. Zahlreiche Lehnsfürsten -standen nominell unter ihm, wußten sich aber mehrfach seinem -maßgebenden Einflusse zu entziehen oder fügten sich, wie die Fürsten -von Kotschin und Kollam, nur widerstrebend. Das Uebergewicht Kalikuts -beruhte in seinem Welthandel, in seinem Gewürzmarkte, welcher seit -dem 14. Jahrhundert an Großartigkeit alle Hafenplätze der Westküste -übertraf. Seine Blüte verdankte der Ort namentlich der Thätigkeit der -mohammedanischen Kaufleute und Schiffer, welche bei den Portugiesen -mit dem allgemeinen Namen der Mauren belegt wurden. Die Stadt zerfiel -in zwei Abtheilungen; am Hafen gruppirten sich um die steinernen -Wohnhäuser und Waarenlager der Mauren die mit Palmblättern gedeckten -Holzhütten der eingeborenen Gewerbsleute, der Handwerker und des andern -gemeinen Volks niedriger Kasten. Etwas entfernt lag in einem Palmenhain -die Residenz des Samorin, umgeben von den Villen der vornehmsten -Stände, der Brahmanen und der Kriegerkaste, der sog. Nair, die ihrem -Oberherrn mit Leib und Seele ergeben, sich dem Handelsgewoge des -Hafens entzogen, um ihren Standesvorurtheilen nichts zu vergeben durch -zu enge Berührung mit den niederen Kasten. Diese hatten ihren Erwerb -hauptsächlich durch die Mauren und waren, an deren Interesse gebunden, -von denselben abhängig, oder wenigstens geneigt, auf ihre Seite zu -treten. Denn den Vertrieb der geschätzten Waaren nach dem Abendlande -hatten die mohammedanischen Kaufherren allein in der Hand; ihre Flotten -kamen aus dem arabischen und persischen Golfe über Aden und Ormuz nach -Indien und brachten namentlich über Aegypten die indischen Artikel ans -Mittelmeer zu den christlichen Völkern. Aber nicht Araber und Aegypter -im engern Sinne betheiligten sich allein an diesem indischen Handel. -Mauren aus Tunis und Algerien, selbst Juden unternahmen die weite -Reise ins Morgenland und wieder zurück in die Markthäfen Italiens und -Spaniens. Die christlichen und mohammedanischen Staaten am Mittelmeer -standen sich feindlich gegenüber; die Niederlagen des Islam und seine -Verdrängung aus Spanien wurden bis Indien vernommen. Die Portugiesen -waren politisch die Feinde der Araber und Mauren und sollten nun auch -im indischen Handel als ihre Rivalen auf einem Gebiete erscheinen, -wo die Moslemin Jahrhunderte lang allein sich des ungestörten -Genusses und Gewinnes zu erfreuen gehabt hatten. Kein Wunder, daß -das Erscheinen einer portugiesischen Flotte auf der Küste Malabar, -vor dem Centralpunkte des Verkehrs, alle mohammedanischen Kaufleute -in die größte Aufregung brachte. Daher der eigenthümliche Willkomm, -den Gama vor Kalikut empfing. Schiffer im Hafen brachten nämlich zwei -Mauren aus Tunis zu ihm, welche spanisch und italienisch sprachen und -die Portugiesen mit den Worten begrüßten. „Schert Euch wieder zum -Teufel, der Euch hergebracht hat.“ - -[Illustration: ~Die WESTKÜSTE von VORDER-INDIEN - -und die von den Portugiesen berührten Handelsstädte. ~ - - ~_Entworfen von S. Ruge._~ ~_G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung._~ -] - -Auch dem Samudrin war der Besuch sicher ungelegen. Der friedliche -Verkehr und die Sicherheit der Einkünfte, auf denen seine Macht -basirte, schienen in Frage gestellt durch das plötzliche Erscheinen -der abendländischen Fremdlinge. Ließ sich der Friede und die Ordnung, -welche eine ausgezeichnete Marktpolizei bisher aufrecht erhalten hatte, -bei der Erregtheit der Concurrenten aufrecht erhalten? - -Und konnte nicht durch einbrechende Unsicherheit gedrängt, der ganze -Waarenverkehr sich aus seinem Gebiet und aus seinem Hafen wegwenden? -Daß unter solchen Umständen die Bekenner des Islam leichtes Spiel -hatten, durch Einflüsterungen und Verläumdungen den Kaiser gegen die -neuen Ankömmlinge einzunehmen, liegt auf der Hand. Vasco da Gama hatte -von Anbeginn einen schweren Stand, und es ist ein nicht geringes -Verdienst, daß er vorsichtig und seine leidenschaftlichen Aufwallungen -beherrschend die Verhandlungen leitete, gewandt allen Gefahren auswich -und seinen Auftrag glänzend löste. - -Die Handelssaison war bereits vorüber, die fremdasiatischen -Handelsbarken hatten den Hafen schon seit Monatsfrist oder länger -verlassen. Man war also am Lande nicht wenig erstaunt, zu so -ungewohnter Zeit Schiffe ankommen zu sehen, die offenbar mit diesen -Gewässern nicht vertraut waren. Aus Furcht vor einer sichtbaren starken -Brandung war Gama in einiger Entfernung vom Hafen bei dem Ort Kapokate -vor Anker gegangen. Hier näherten sich ihm zunächst Fischerböte, von -denen man Fische gegen portugiesische kleine Silbermünzen einhandelte. -Die Bootführer prüften die ihnen unbekannten Werthzeichen mit ihren -Zähnen auf den muthmaßlichen Silbergehalt. Dann brachten sie Hühner, -Kokosnüsse u. a. zum Verkauf. Durch diesen Verkehr erfuhr der Samorin, -daß Gama von Melinde komme und nicht ohne Erlaubniß des Landesherrn -das Ufer betreten wolle. Darauf erschien nach einigen Tagen ein Nair, -nur mit weißem Lendentuch bekleidet, mit rundem Schild und nacktem, -kurzem Schwert. Mit ihm ging dann einer der von der afrikanischen -Küste mitgenommenen Lotsen ans Land, um ähnliches über die Herkunft -und Schicksale des Geschwaders zu berichten, wie Gama selbst in -Melinde erzählt hatte: nämlich, daß sie zu einer großen Flotte von 50 -Schiffen gehörten, die der mächtigste christliche König des Abendlandes -abgesendet, um Pfeffer und Droguen einzuhandeln, daß sie aber durch -Sturm zerstreut seien. Mit dem Lotsen ging auch wieder ein Sträfling -ans Land, Namens João Nuñez (oder Martins). Als diese ihre Botschaft -ausgerichtet hatten und wie es schien, nach günstiger Aufnahme wieder -zum Hafen zurückkehrten, wurden sie von einem Manne in morgenländischer -Tracht auf castilisch angeredet und eingeladen, bei ihm zu bleiben, da -sie sich bei ihrer Sendung verspätet hatten und kein Boot mehr fanden, -das sie zu den Schiffen zurückgebracht hätte. Dieser neue Gastfreund -stammte aus Sevilla, war als Gefangener und Sklave durch viele Hände -gekommen, hatte äußerlich den mohammedanischen Glauben angenommen und -ging am nächsten Morgen mit den beiden Sendlingen an Bord, um den -Flottencapitän über die Verhältnisse in der Stadt aufzuklären und -namentlich vor den Ränken der arabischen Kaufherrn zu warnen.[87] - -Gama ging darum nicht zuerst selbst ans Land, sondern schickte Coelho -mit mehreren Begleitern zum König, damit er ihm die Bitte um freien -Handel und friedlichen Verkehr vortrage. Wenn das zugesichert werde, -wolle der Admiral persönlich die Geschenke und Briefe des königlichen -Herrn überreichen. - -Bei der Landung der Portugiesen lief das Volk zusammen, verhielt sich -aber ruhig, als diese zum Palaste geleitet wurden. Da sich aber der -Samorin inzwischen durch seine Beamten über das Erscheinen und Benehmen -der Fremden genau berichten ließ, so verging darüber der Tag, ohne daß -eine Audienz anberaumt wurde. Coelho blieb daher über Nacht im Hause -eines Edelmanns. - -Am nächsten Morgen kam der Schatzmeister und erklärte, sein Herr sei -unwohl und könne die Gesandtschaft nicht empfangen, Coelho möge ihm -daher den Inhalt seiner Botschaft anvertrauen, er werde ihn dem Könige -übermitteln. Coelho aber erwiderte, er habe directen Auftrag, und -wenn der König krank sei, werde er bis zu günstiger Zeit wieder aufs -Schiff zurückkehren. So bequemte man sich denn zur Audienz. Coelho -begrüßte den Samorin ehrfurchtsvoll, blieb aber schweigend stehen, -bis ihn der König aufforderte, seinen Auftrag auszurichten. Als dies -geschehen, wollte der König die Audienz schließen mit dem Bemerken, die -Antwort werde ihm später durch den Schatzmeister zugehen. Allein auch -darauf ging Coelho nicht ein, sondern erbat sich directen Bescheid, -den ihm der Samorin dann in wohlwollender Weise gewährte. Zum Zeichen -des Friedens erhielt Coelho den königlichen Namenszug auf einem -Palmenblatte und begab sich damit wieder an Bord. Sobald dort der -Erfolg bekannt geworden war, wurden die Schiffe beflaggt, Trompeten -erklangen und die Kanonen donnerten Salutschüsse über den Hafen hin. - -So war durch das feste Auftreten Coelho’s die schwankende Politik der -königlichen Rathgeber bei Seite gedrängt. Das königliche Wort war eine -Bürgschaft des Friedens. - -Dann rüstete sich Gama selbst, zu einer Audienz ans Land zu gehen; -aber, gewarnt durch den indischen Castilier, that er es nicht eher, -als bis er durch eine Anzahl vornehmer Geißeln aus dem Stande der -Nair genügend gedeckt war. Dann erst betrat er in festlichem Aufzuge, -in Weiß und Roth gekleidete Trompeter voraus, die Stadt und wurde in -einem Palankin zum Palaste getragen. Hier wurde er vom Samorin in -feierlicher Audienz empfangen. Correa gibt uns von dieser Scene ein -genaues Bild. Der König saß auf einem Divan. Er war von sehr dunkler -Hautfarbe, der Oberkörper nackt, von der Mitte des Leibes an bis zu den -Knien in Weiß gekleidet. Eines seiner Kleidungsstücke endigte in einer -langen Spitze, an welcher mehrere goldene Ringe mit großen, glänzenden -Rubinen angereiht waren. Am linken Arme über dem Ellbogen trug er eine -Spange, die aus drei Ringen zusammengesetzt schien und von Juwelen -strotzte; namentlich trug der mittlere höchst werthvolle Steine, und -von ihm hing noch ein Diamant von der Dicke eines Fingers herab. Um -den dunkeln Hals trug er eine helle Perlenschnur, deren Glieder die -Größe einer Haselnuß hatten. Zweimal umgeschlungen reichte diese Schnur -vorn bis auf die Mitte der Brust herab, und darüber trug er eine feine -Goldkette mit einem Schmuck in Gestalt eines Herzens, welches aus einem -Geschmeide von Perlen und Rubinen bestand, dessen Mittelpunkt ein -großer Smaragd bildete. Das lange schwarze Haar trug der Samorin auf -dem Wirbel in einen Knoten geschürzt und mit Perlenschnüren umwunden; -an den Ohren prangten zahlreiche Goldringe. - -Rechts und links vom Throne standen Leibpagen mit reichverzierten -Waffen und mit einem goldenen Spucknapf. Der erste Brahmane reichte dem -Fürsten von Zeit zu Zeit ein Blatt Betel, welches derselbe kaute und -dann in den goldenen Napf ausspie. - -Nachdem sich Gama tief vor der indischen Majestät verbeugt hatte, -reichte ihm dieselbe die rechte Hand entgegen und berührte mit den -Fingerspitzen die rechte Hand des Admirals, und dieser entledigte sich -dann zuerst mündlich seines Auftrags in portugiesischer Sprache. Sein -Dolmetscher João Nuñez übertrug den Inhalt zunächst ins Arabische und -wendete sich an den Sensal, dieser gab in der Landessprache das Wort -weiter an den Brahmanen, durch welchen dann endlich die Botschaft -an den König selbst gelangte. Darauf überreichte Gama knieend den -Brief des Königs Manuel, nachdem er ihn geküßt, auf seine Augen und -aufs Haupt gelegt hatte. Der Samorin nahm den Brief in die Hand, -drückte ihn an die Brust mit beiden Händen, öffnete ihn und übergab -ihn seinem Schatzmeister, um ihn sich übersetzen zu lassen; denn -er war portugiesisch und arabisch abgefaßt. Es war darin, was Gama -bereits mündlich ausgesprochen, der Wunsch ausgedrückt nach einem -Freundschaftsbündnisse und friedlichen Handelsverkehr. Damit war die -Audienz beendet, der Admiral kehrte unter Trompetenschall zur Factorei -zurück, wo er zu Nacht blieb. Die bald darauf folgende briefliche -Antwort des indischen Fürsten enthielt die Stelle: Vasco da Gama, ein -Edelmann aus Eurem Hause, hat mein Reich besucht, worüber ich mich sehr -gefreut habe. In meinem Lande gibt es Zimmt, Gewürznelken, Ingwer und -Pfeffer in Fülle, ich habe Perlen und Edelgestein. Was ich von Euch -wünsche, ist Gold, Silber, Korallen und Scharlach. - -Damit war die Genehmigung zur Eröffnung des Handels ertheilt. - -Am Lande wurden den Portugiesen Lagerhäuser eingeräumt und Diogo Dias -zum Factor bestellt. Um nun den Handel einzuleiten, wurde zunächst das -Marktgewicht festgestellt, dann der Preis der Waaren bestimmt. Gold und -Silber galt nicht nach Gepräge, sondern nach Gewicht und Feingehalt; -es stellte sich dabei der Silberpreis höher als in Portugal. Außer -Edelmetallen gab der Factor auch Korallen, Quecksilber und Kupfer zum -Tausch. Die eingehandelten Droguen wurden dann durch indische Böte zu -den Schiffen gebracht. Die Portugiesen waren über den billigen Einkauf -erfreut und der Schatzmeister konnte hinwieder seinem Herrn melden, -die Christen zahlten doppelte Preise und nähmen auch die weniger guten -Produkte, deren Annahme die Araber verweigerten. Durch die blinde -Kauflust der Fremden verlockt, begannen die einheimischen Händler -die Gewürze zu fälschen, mit fremden Körpern zu vermischen oder gar -unbrauchbare Waaren, wie ungenießbaren Zimmt zu liefern. Der Factor -gewahrte wohl den Betrug, nahm aber auch die schlechte Waare an, um -vorläufig jeden Grund zu Mißhelligkeiten fernzuhalten. - -Inzwischen blieben die portugiesischen Boote stets in der Nähe auf der -Hut, mit versteckten Waffen, scheinbar müßig, aber stets schlagfertig. - -Da die Mauren sahen, daß sich der Handel mit den Portugiesen, zu ihrem -Nachtheile, so rasch entwickelte, verdächtigten sie die Fremdlinge -als Spione, welche nur gekommen seien, den Reichthum des Landes zu -erkunden, um demnächst mit bewaffneter Macht als Eroberer wieder zu -erscheinen. Als rechte Kaufleute würden sie doch die schlechte Waare -nicht um doppelten Preis kaufen. Der Handel diene nur als Folie, um -böse Absichten zu verdecken. - -Die reichen Handelsherren in der Stadt gewannen nun zunächst den -Katual, den mohammedanischen Gouverneur, oder, wie Correa ihn -bezeichnet, den ersten Officier der königlichen Leibwache, für sich, -daß er die Portugiesen am freien Verkehr hindern möge. Dies geschah -auch. Man gestattete ihnen nicht, die Stadt zu besuchen, unter dem -Vorgeben, als wolle man dadurch unliebsamen Begegnungen mit den Mauren -vorbeugen, auch hoffte man, sich gelegentlich der Person des Admirals -bemächtigen zu können. Vielleicht rechnete man auch bereits darauf, -den unbequemen Besuch so lange hinzuhalten, bis die mohammedanischen -Flotten mit dem neuen Monsun anlangten, um dann mit deren Hilfe die -Portugiesen vollständig zu vernichten. - -Als Gama die Handelsverschleppung bemerkte, ließ er die Absicht -durchblicken, lieber den Heimweg anzutreten, ohne seine Gewürzfracht -zu vervollständigen, um wenigstens seinem Könige die Kunde von dem -erfolgreichen Zuge nach Indien bringen zu können. Kam dieser Plan zur -Ausführung, dann hatten zwar die Mauren für den Augenblick das Feld -behauptet, mußten aber einer verstärkten Wiederkehr des Erbfeindes -gewärtig sein und waren keineswegs von einer drohend aufsteigenden -Gefahr für ihr Handelsmonopol befreit. Der Samorin ließ den Admiral -noch einmal zu sich rufen, der Katual erschien mit zwei Palankinen und -bat ihn, ihm zur Audienz zu folgen. Wie in Folge derselben der Conflict -endlich zum Ausbruch kam, wird verschieden berichtet, es scheint indeß -am wahrscheinlichsten, daß er durch Gama’s Erklärung vor dem Könige -beschleunigt wurde.[88] Denn als dieser ihn aufforderte, sich von -dem überall in der Stadt ausgesprochenen Verdachte zu reinigen, als -seien die Portugiesen gemeine Seeräuber, und ihm, dem Samorin offen -die Wahrheit zu sagen, entgegnete Gama: Es wundere ihn gar nicht, daß -die Vasallen des Samorin solche Verleumdungen ausstreuten, da er so -weiten, bisher noch nicht betretenen Weges daherkomme; aber sein Herr -und Gebieter sei durch den Ruf von der Größe und Macht des Samorin -bewogen, seine Schiffe so weithin zu senden, um freundschaftliche -Beziehungen und Handelsverkehr in Spezereien anzuknüpfen, daneben aber -auch sich die Verbreitung des Christenthums angelegen sein zu lassen. -Die Mauren seien in Europa die natürlichen Feinde der Portugiesen und -suchten ihnen auch hier zu schaden. Dann bat Gama den König, ihn gegen -dergleichen Ränke und Verdächtigungen zu schützen, damit nicht Krieg -dadurch angefacht würde. Zum Zeichen der Wahrheit wies er auf die -ihm zugestoßenen Verräthereien in Mosambik und Mombas hin. Und wenn -auch ihn und sein Geschwader das Verhängniß träfe, nicht wieder nach -Portugal heimzukehren, so werde König Manuel doch fortfahren, neue -Flotten auszusenden, bis er gewisse Nachricht aus Indien erhalten habe. -Der Samorin möge darum dafür Sorge tragen, daß nicht durch die Mauren -der Zwist eingeleitet würde, denn die Portugiesen seien nicht gewillt, -sich ungestraft beleidigen zu lassen, am wenigsten von den Mauren, -über welche sie schon manchen Sieg davon getragen. Der Samorin hatte -den Worten Gama’s mit Spannung gelauscht und erkannte aus dem Feuer -und der Festigkeit der Rede, daß der Admiral die Wahrheit gesagt. Dann -wünschte er, Gama möge aufs Schiff zurückkehren, wohin ihm die Antwort -nachgesendet werden sollte. Der Katual, welcher die Portugiesen zum -Landungsplatze zurückzuleiten hatte, bemächtigte sich aber unterwegs -ihrer Personen, trennte den Admiral von seinen Begleitern und hielt -sie unter verschiedenen Vorwänden tagelang wie in Gefangenschaft, -angeblich weil er für ihre Sicherheit verantwortlich sei. Er hoffte, -die Portugiesen würden, erbittert über diese Beleidigung, losschlagen -und so einen Streit beginnen, in welchem man die Fremden sämmtlich -beseitigen könne. Aber Gama behielt trotzdem seine Fassung und blieb -ruhig. Die Mauren forderten den Tod Gama’s, aber ohne Anlaß wagte der -Katual diese That nicht. Indeß mußte sich der Admiral dazu bequemen, -den Factor als Geißel zurückzulassen, wenn er selbst wieder an Bord -gehen wollte. Er ließ nun zwar die für ihn gestellten Geißeln frei, -weil er erwartete dadurch auch den Diogo Dias aus seiner Gefangenschaft -lösen zu können. Allein er sah sich darin getäuscht. Als er dann seinen -Handelsfactor nach Verabredung heimlich vom Strande durch seine Boote -wollte abholen lassen, kamen ihm seine wachsamen Gegner zuvor und -vereitelten die Flucht. Bei dem darüber entstandenen Tumult wurden -auch die portugiesischen Lagerhäuser geplündert. Ergrimmt ließ Gama -eine Anzahl Fischer auf der See aufgreifen und lichtete die Anker. -Das Jammern und Wehklagen der zurückgelassenen Weiber bewog nun den -Samorin, den Factor Dias zu entlassen und zugleich die Erklärung -mitzusenden, daß er aufrichtig den Frieden wünsche, aber auch den -Handel der Mohammedaner, die seit Alters in seinem Lande ansässig -seien, schützen müsse. Gama gab darauf hin die meisten Indier wieder -frei, drohte aber, er werde, wenn er in kurzer Zeit wiederkomme, die -ihm angethane Schmach rächen. Die von ihm mitgenommenen Fischer, -ließ er dem Könige melden, werde er zunächst nach Portugal führen, -damit sein Herr sich von ihnen über Kalikut könne berichten lassen; -dieselben würden aber auf der nächsten Flotte wieder zurückkehren, -damit sie auch dem Samorin über Portugal Kunde bringen könnten. Dann -brach er von Kalikut auf und segelte nach Norden. Als aber am nächsten -Tage das Geschwader durch Windstille auf dem Wasser, kaum zwei Meilen -von Kalikut gebannt war, machte sich eine bedeutende Anzahl kleiner -Fahrzeuge, nach Barros etwa 60 Schiffe, auf, um die Portugiesen zu -überfallen, aber sie wurden durch grobes Geschütz sehr rasch vertrieben. - -Daß Gama sodann noch den nördlich von Kalikut gelegenen Hafen von -Kananor besucht, wird unter allen Schriftstellern nur von Correa -erwähnt. Der Beherrscher von Kananor, welcher über die Vorgänge in -Kalikut wohl unterrichtet war, ließ Gama einladen, in seinem Hafen -anzulegen, dann erschienen mehrere Boote mit Wasser und Holz, Feigen, -Hühnern, Kokosnüssen, gedörrten Fischen und andern Lebensmitteln und -meldeten, wenn die Portugiesen nicht anlegen wollten, möchten sie diese -Artikel als Geschenke annehmen. Aber sie könnten im Hafen auch Gewürze -bekommen, um ihre Ladung zu vervollständigen, und zwar bessere Waare, -als man ihnen in Kalikut geboten. - -Die Portugiesen schickten nun eine Liste aller Artikel, welche sie noch -wünschten, ans Land und erhielten alles in Ueberfluß, was Gama ebenso -reichlich in Korallen, Zinnober, Quecksilber, Kupfer und Messingschalen -bezahlte. Es fand sodann auch eine Zusammenkunft mit dem Fürsten statt, -indem am Ende einer vom Strande aus geschlagenen Brücke eine Art -Pavillon über dem Wasser errichtet war, wo der Fürst die Befehlshaber -der drei Schiffe empfing, mit ihnen Geschenke wechselte und ihnen im -Auftrag des Samorin noch einmal dessen Bedauern über den feindlichen -Abschied von Kalikut ausdrücken ließ. - -Nachdem noch auf einer kleinen Gestade-Insel (13° 20′ n. Br.) ein -Wappenpfeiler Santa Maria errichtet worden, nach welchem dann später -die Insel ihren Namen erhielt, ging Gama an der Küste weiter nordwärts -bis zu der kleinen Gruppe der Andjediven (d. h. fünf Inseln), welche -etwa 12 Leguas südlich von Goa (14° 45′ n. Br.) liegen, um dort Wasser -einzunehmen und die Schiffe ausbessern zu lassen, ehe sie den Weg über -den Ocean bis zur afrikanischen Küste anträten. - -Die Nachricht von dem Aufenthalt der Portugiesen auf Andjediva -gelangte durch Fischerboote bis nach Goa. Diese Stadt gehörte zum -Reiche Bidjapur und war Jussuf Adil Chan untergeben, der, weil er -aus Sava im westlichen Persien, bei Hamadan, stammte, den Beinamen -Sabai führte, woraus die portugiesischen Historiker den Namen Sabayo -bildeten. Dessen Statthalter in Goa hoffte nun, da er gehört hatte, -daß zwei der portugiesischen Schiffe behufs der Reparatur an den -Strand gezogen seien, sich dieser Fahrzeuge bemächtigen zu können und -übertrug dies Unternehmen seinem Hafencapitän, d. i. dem Schah-bender, -einem spanischen Juden, der bei der Einnahme Granadas jung vertrieben, -durch die Türkei über Mekka nach Indien verschlagen war. Dieser -recognoscirte bei Nacht die portugiesischen Schiffe, um zu sehen, ob -er sie nehmen oder verbrennen könne. Indische Fischer, die mit den -Portugiesen verkehrten, hatten aber bemerkt, daß in der Nähe mehrere -bewaffnete Fahrzeuge, s. g. Fusten versteckt und zum Ueberfall bereit -lagen. Gama ließ, von ihnen unterrichtet, den Juden, der anderen Tages -wie von ungefähr vorübersegelnd die Schiffe auf spanisch begrüßte, -ungehindert herankommen und an Bord steigen, dann aber sofort binden -und mit der Tortur bedrohen, wenn er seine Absichten nicht bekenne. So -gezwungen, den Schlupfwinkel seiner Boote zu verrathen, mußte er die -Portugiesen selbst dahin begleiten und zusehen, wie diese über seine -Leute herfielen und sie tödteten oder gefangen nahmen, um sie an den -Schiffspumpen arbeiten zu lassen. Barros fügt hinzu, der Jude habe sich -dazu bequemt, Christ zu werden und habe den Namen Gaspar Gama erhalten. -Da der Mißerfolg seines Planes ihm die Rückkehr nach Goa abschnitt, -zog er es vor mit nach Europa zu gehen. Später zeigte er sich -außerordentlich geschickt und nützlich bei den weiteren Fahrten und -Unternehmungen in Indien. Er war es auch, der die Portugiesen auf die -günstige Lage des Hafens von Goa hinwies, welcher bald der Stützpunkt -der portugiesischen Macht werden sollte. - -Die endliche Abfahrt von den Gestaden des Gewürzlandes setzen Goes und -Castanheda auf den 5. October, Correa dagegen auf den 10. December. -Letzterer bemerkt ausdrücklich, die Piloten hätten dem Admiral -gerathen, das Eintreten des Nordost-Monsun abzuwarten. Daher ging die -Ueberfahrt dann bequem von statten und wurde der Hafen von Melinde -am 8. Januar 1499 erreicht,[89] nachdem man schon am 2. Januar die -afrikanische Küste bei Magadoschu gesehen hatte. Der Fürst von -Melinde nahm sie wieder sehr freundlich auf und versorgte sie mit -Lebensmitteln. Während des dortigen Aufenthalts, der von Einigen auf -fünf Tage, von Andern auf elf Tage angegeben wird, starben noch mehrere -Matrosen, so daß die Bemannung kaum noch zur Führung der Schiffe -ausreichte. Beim Abschied erhielt Gama noch einen Brief an den König -Manuel von dem Beherrscher Melindes, welcher dem Admiral zugleich -versicherte, die Portugiesen würden ihm jederzeit willkommen sein, wenn -sie auf der Fahrt nach Indien in seinen Hafen einliefen. - -Bald darauf ging eins der drei Schiffe verloren. Ueber die Veranlassung -gehen die Berichte wieder bedeutend auseinander. Barros sagt, der San -Rafael sei wieder auf dieselben Klippen aufgefahren, auf die er schon -bei der Hinfahrt gestoßen; Osorio berichtet, Gama habe das Schiff -seines Bruders vor Melinde verbrannt, weil es untauglich war; Goes -verlegt diese Thatsache vor eine Stadt Tagata; Correa kennt dieses -Ereigniß gar nicht, denn noch nach der Umsegelung des Caps der guten -Hoffnung auf der Rückreise spricht er von dem Schiffe Paulo da Gama’s -als noch unter dem Geschwader vorhanden.[90] - -Bei der weitern Fahrt wurden alle Details der Landmarken an der Küste -sorgfältig aufgenommen, um den späteren Flotten mehr Sicherheit in der -Fahrt zu geben. Am 2. Februar wurde auf einer Insel bei Mosambik noch -der letzte, S. Georg getaufte, Wappenstein gesetzt und dann später ohne -Schwierigkeit das gefürchtete Sturmcap dublirt. Hier in den kühleren -Meeresregionen genasen die meisten Kranken. Aber als man sich wieder -dem Aequator näherte und die fieberschwangeren Gewässer von Guinea -erreichte, brachen die Seuchen von neuem aus. Weniger widerstandsfähig -als früher, erlagen viele von der Mannschaft. Auch Paulo da Gama trug -seit dem Aufenthalte im Golf von Guinea den Todeskeim in sich. Die -Schiffe waren wieder sehr leck und hielten sich kaum noch über Wasser. -So sah sich Gama genöthigt, auf der Açoren-Insel Terceira anzulaufen. -Hier starb der edle Paulo da Gama in den Armen seines Bruders und -wurde im Kloster des heiligen Franciscus zu Angra bestattet. Dadurch -trat eine neue Verzögerung in dem Abschluß der Reise ein, so daß die -Nachricht von der Rückkehr der indischen Flotte eher nach Lissabon -gelangte, als Vasco da Gama selber dort einlaufen konnte.[91] Die erste -Kunde von der Ankunft der indischen Schiffe brachte Arthur Rodriguez -aus Terceira. Derselbe wollte grade mit seinem Schiffchen von den -Açoren nach Algarbe segeln, als Gama mit seinem Schiffe anlangte, -aber noch nicht bei Angra vor Anker gegangen war. Im Vorbeifahren -fragte Rodriguez, woher das Schiff komme und als er hörte, aus Indien, -steuerte er direct nach Lissabon und brachte schon nach vier Tagen dem -Könige, welcher sich grade in Cintra befand, die erste Meldung von -der Heimkehr Gama’s und wurde für diese erfreuliche Botschaft auf das -freigebigste beschenkt. - -Als nun Vasco da Gama endlich selbst den Hafen der portugiesischen -Hauptstadt erreichte -- Coelho soll durch Sturm von ihm getrennt, -eher angelangt sein -- sandte ihm der König mehrere Würdenträger zur -Begrüßung entgegen und verlieh dem glücklichen Seemanne den Adelsrang -und Titel eines Admirals der indischen Meere. Ferner erhielt er das -Recht, sich am indischen Gewürzhandel jährlich mit 200 Cruzados[92] -zu betheiligen, ohne Fracht und Zoll zu zahlen. Endlich wurde ihm ein -einmaliges Geschenk von 20,000 Cruzados und 10 Quintal Pfeffer zu theil. - -Nicolaus Coelho erhielt 3000 Cruzados monatlich für die Dauer der Reise -und ein Quintal von allen Droguen, sowie die Capitänschaft auf einem -Indienfahrer in allen Flotten, an denen er theil zu nehmen wünschte, -oder das Recht, dieselbe zu vergeben oder zu verkaufen. - -Den Erben Paulo da Gama’s gab man die Hälfte von allem, was Vasco -bekommen hatte. - -Jeder Steuermann und Bootsmann erhielt einen halben Quintal Gewürze, -ausgenommen Zimmt und Mazis, weil von diesem Artikel wenig mitgebracht -war[93]. - -Auch Klöster und Kirchen wurden reichlich beschenkt, und die -königlichen Majestäten wohnten allen feierlichen Processionen und -Messen bei, die bei diesen Gelegenheiten in Lissabon celebrirt wurden. - -Man sprach durch alle diese Schenkungen und Stiftungen deutlich aus, -welchen Werth man auf die glückliche Vollendung der indischen Seefahrt -legte, welche unter dem Prinzen Heinrich begonnen, unter mehreren -Königen fortgesetzt, doch noch am Ausgange desselben Jahrhunderts, -welches den Keim gepflanzt, gelungen war. Es war für die Entwickelung -der Seemacht Portugals und seines Handels ein großartiger Impuls -gegeben. Der glänzende Erfolg rechtfertigte die zähe Ausdauer. Aber in -der Kühnheit des Planes steht doch die Fahrt Gama’s hinter derjenigen -eines Columbus und Magalhaens zurück, denn sie bildete nur den Abschluß -einer ganzen Reihe von Unternehmungen, deren Leiter dem glücklichen -Vollender tüchtig vorgearbeitet hatten, so daß nur ein Theil der -Reise durch gänzlich unbekanntes Gebiet führte, während Columbus und -Magalhaens vollständig neue Bahnen einschlugen. Beide durchschnitten, -auf sich selbst angewiesen, breite, unbekannte Weltmeere, Gama’s Zug -erscheint mehr als eine Küstenfahrt im großen Stil, und wo es galt, den -indischen Ocean zu kreuzen, vertraute er die Führung seines Geschwaders -zuverlässigen Lotsen an, die mit jenen Gewässern vollkommen vertraut -waren. - -Dazu war Gama’s Stellung viel gesicherter, sowohl nach oben, gegen -die Behörden, die ihn aussendeten, als auch nach unten, gegen seine -Untergebenen. Gama erhielt den Auftrag von seinem Landesherrn, Columbus -und Magalhaens waren Fremdlinge, welche ihre Dienste einem auswärtigen -Fürsten anboten. Gama konnte sich seine Mannschaft aus den bewährten, -eigenen Landsleuten auslesen, Columbus und Magalhaens dagegen geboten -über Angehörige einer anderen Nation, die nur widerstrebend dem -vorgesetzten Ausländer gehorchten. - - -4. Cabral und João da Nova. - -Aus den Berichten Gama’s über seine Begegnisse in Indien war es -ersichtlich geworden, daß man, falls man den indischen Handelsbetrieb -fortsetzen wollte, sich auf ernste Kämpfe mit den Mauren gefaßt machen -müsse, welche das Gewürzmonopol seit langer Zeit in Händen gehabt -hatten, und daß die Glaubensfeindschaft den Streit um so erbitterter -machen werde. Eine friedliche Lösung schien ausgeschlossen; man mußte -einen bewaffneten und auch für Kriegsfälle gerüsteten Handel in -Aussicht nehmen. Dazu bedurfte es vor allem einer imponirenden Flotte. -Zum Befehlshaber wurde +Pedralvarez Cabral+, ein intimer Freund Gama’s, -ausersehen. Während man in Spanien das Monopol des westindischen -Verkehrs nebst einer lästigen Reihe der höchsten Auszeichnungen und -Privilegien einem Einzigen, dem Columbus, übertragen hatte, behielten -sich die portugiesischen Fürsten, da sie von Anfang an die Initiative -dazu ergriffen hatten, alle Rechte freier Wahl vor, belohnten die -Erfolge nach Gebühr, aber wechselten in der Wahl der Oberleitung der -Expeditionen nach reiflichem Ermessen. Gama wurde nicht ganz bei Seite -geschoben, aber er wurde nur als Rathgeber herangezogen. Er entwarf die -Verhaltungsmaßregeln für den zweiten Zug nach Indien. Er überwachte die -Ausrüstung und schrieb den einzuschlagenden Schiffscours vor. Er gab -an, wie man sich in Kalikut gegenüber dem Samudrin zu verhalten habe -und empfahl, um den von den Mauren ausgestreuten Verdacht, als ob die -Portugiesen lediglich Seeräuber wären, zu beseitigen, man solle die -Beamten des Samudrin einladen, an Bord zu kommen, um die mitgebrachten -Tauschwaaren zu besichtigen. Vor allem wurde aber Cabral eindringlich -gewarnt, nicht ohne Geißel sich an Land zu begeben. Als beste Zeit für -die Abfahrt wurde der März bestimmt, weil man dann zu günstiger Zeit -die Region der Monsune im indischen Meere erreiche. Die Flotte bestand -aus zehn großen und drei kleinen Schiffen und hatte 1200 Mann an -Bord. Unter den Schiffscapitänen befanden sich +Bartolomeu Dias+, der -Entdecker des Sturmcaps und Nicolao Coelho, der Begleiter Gama’s. Auch -Franziskanermönche und Weltpriester gingen mit, um den christlichen -Glauben zu verbreiten. An der Ausrüstung der Flotte betheiligten sich -auch reiche Florentiner Kaufleute. Es war die Absicht, in Malabar -festen Fuß zu fassen. - -Am 9. März 1500 ging das Geschwader von Lissabon aus unter Segel. In -der Nähe der Capverden wurde Luis Varez durch Sturm von den übrigen -getrennt und kehrte nach Portugal zurück. Von der Guineaküste ab wurde -gegen S.-W. gesteuert, um den Windstillen und widrigen Meeresströmungen -auszuweichen. Vasco da Gama’s Segelvorschrift lautete, man solle in -grade südlichem Cours bis zur Höhe des Caplandes segeln und dann mit -günstigen Westwinden das gefürchtete Südende Afrikas zu umschiffen -suchen. So kam es, daß die Schiffe durch den Aequatorialstrom weiter -als beabsichtigt war, gegen Südwesten geführt wurden, wo sie am -21. oder 24. April etwa unter dem 18° s. Br. unvermuthet auf eine -gebirgige Küste stießen, welche nach der Schätzung der Steuerleute -etwa 450 Leguas von der afrikanischen Küste entfernt lag. Es war das -Gestade Brasiliens, wohin eine günstige Meeresströmung sie durch -Zufall getragen hatte. Daß bereits drei Monate früher Vicente Yañez -Pinzon, einer der Begleiter des Columbus auf seiner ersten Fahrt, etwa -10 Grad weiter nördlich dieselbe Küste berührt hatte, war auf der -portugiesischen Flotte noch nicht bekannt. Es wird aber aus den durch -die Meeresverhältnisse geleiteten Fahrlinien der Portugiesen klar, -daß die neue Welt von ihrem südlichen Halbcontinente aus über kurz -oder lang von den Indienfahrern gefunden werden mußte, auch wenn der -kühne Plan eines Columbus keine Unterstützung gefunden hätte und nicht -zur Ausführung gelangt wäre. Der Gang der Ereignisse brachte diese -Entdeckung von selbst mit sich. - -Cabral segelte mehrere Tage an dem Ufer des waldigen Landes hin, -besuchte die Bucht des Porto-Seguro und verkehrte wiederholt mit den -braunen Eingebornen, die fast unbekleidet, ohne Metallwaffen, unter -leichten Strohdächern in Netzen aus Baumwollschnüren schliefen. Am 3. -Mai, dem Tage der Kreuzes-Erfindung nahm Cabral von dem Lande Abschied, -dem er den Namen Terra de Sa. Cruz beilegte, eine Benennung, die sich -aber bald änderte, nachdem man den Reichthum an Farbeholz (Rothholz) -entdeckt hatte. Dieses Holz nannten die Portugiesen Brazil (nach der -Farbe glühender Kohlen) und daher bekam jene Küste bald den Namen -Terra de Brazil, Brasilland, +Brasilien+.[94] Der Capitän Gaspar de -Lemos erhielt den Auftrag, mit der Meldung der neuen Entdeckung nach -Portugal zurückzukehren und unterwegs so viel als möglich von der -weiter nördlich verlaufenden Küste aufzunehmen.[95] Cabral segelte quer -über den südatlantischen Ocean nach dem Caplande zu. In einem schweren -Unwetter, welches zwanzig Tage dauerte, wurden am 23. Mai in der Nähe -des Cap der guten Hoffnung vier Schiffe gekentert und gingen zu Grunde, -darunter auch das Schiff des Bartolomeu Dias. Als ein eigenthümliches -Verhängniß, daß der Entdecker des Cap hier sein Grab in den stürmischen -Wogen finden sollte, sieht es auch Camoēns an, der den Genius des -Sturmcaps also reden läßt: - - Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser Reise - Dir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, -- - Die soll als Feinde hier in meinem Kreise - Bedrohen jeder Sturm, der sie befiel; - Die Flotte, welche unerlaubter Weise - Zuerst hieher zu lenken wagt den Kiel, - Die will ich gleich mit solcher Straf beladen, - Daß größer als die Fährniß sei der Schaden. - - Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen) - Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt. - - (Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.) - -Außerdem wurde auch das Schiff des Diogo Dias vollständig von den -übrigen verschlagen und gelangte auf die Ostseite von Madagascar. -Erst am Nordende bemerkte Dias, daß er eine Insel entdeckt habe. Von -der stattlichen Flotte Cabrals waren somit nur noch sechs Fahrzeuge -vorhanden, die sich auf der Rhede von Sofala am 16. Juli wieder -zusammenfanden. - -Die Schiffe hatten furchtbar gelitten, mußten aber doch noch den -Weg bis Mosambik zurücklegen, ehe man Gelegenheit fand, sie für -die Fortsetzung der Reise wieder seetüchtig zu machen. Der ganze -Küstenstrich von Sofala bis Sansibar stand unter der Botmäßigkeit -des Scheich von Kiloa. Nach diesem Mittelpunkte der arabischen -Niederlassungen gelangte Cabral von Mosambik mittelst einheimischer -Lotsen, hatte aber dort wenig Erfolg, als er Handelsbeziehungen -anknüpfen wollte; denn der Scheich erklärte ihm ziemlich unumwunden, -er könne die ihm vorgelegten portugiesischen Waaren nicht gebrauchen. -Auch die Bekehrungsversuche der Geistlichen an Bord trugen keine -Früchte. Am 2. August erschien die Flotte vor Melinde. Mit dem dortigen -Oberherrn wurden die Freundschaftsbezeugungen erneuert. Hier ließ man -auch zwei portugiesische Sträflinge zurück, João Machado und Luis -de Moira, mit dem Auftrage, bis ins Land des Priesterkönigs nach -Abessinien vorzudringen; ein Unternehmen, das damals ebenso fehl -schlug als im 17. Jahrhundert, wo mehremal portugiesische Missionare, -unter ihnen Lobo, um 1626, sich abmühten, das Gebiet der Galla zu -durchbrechen. Der Scheich von Melinde gab den Portugiesen wiederum zwei -Steuerleute mit, welche die Schiffe glücklich in sechzehn Tagen nach -Indien hinübergeleiteten. Schon am 23. August wurden die Andjediven -wieder erreicht. Dort gönnte man sich vierzehn Tage Rast, die Schiffe -wurden wieder kalfatert und mit Wasser versorgt, denn man mußte mit -einer wohl in Stand gesetzten Flotte vor Kalikut auftreten. Wenn auch -die Seemacht auf die Hälfte reducirt war, war sie immerhin doppelt so -stark an Zahl der Schiffe, als das kleine Geschwader Gama’s und mußte -wohl den Verdacht eines Korsarenwesens zurückdrängen. Der Samudrin -bekundete seine friedliche Gesinnung dadurch, daß er die Fremden sofort -nach ihrem Eintreffen durch zwei Nair und einen angesehenen Kaufmann -aus Gudjerat begrüßen ließ. Cabral schickte die vier Indier, welche -Gama mitgenommen, wieder ans Land und ließ den Fürsten ersuchen, ihm -Geißeln als Bürgen eines friedlichen Geschäftsverkehrs zu senden. Der -Brief des Königs Manuel enthielt denselben Wunsch, sprach aber daneben, -unüberlegter Weise, viel von Bekehrungsplänen, wodurch die religiösen -Gegensätze und Antipathien in Indien von neuem aufgeregt werden mußten. - -Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits -hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die -brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf -den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand -zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens -gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt -geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch -die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am -Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber -nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte -erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung -verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum -Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste -erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum -fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn. -So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in -welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze -festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser -am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig -Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von -ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die -Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint -auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit -geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch -der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik -der Mauren steckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten -hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer -eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors -ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler -gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen, -fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs -brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete -sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires -Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde -der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare -Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders -hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung: -er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und -beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr -abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem -Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin, -dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine -freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier -und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle -Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von -Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu -liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits -von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch -durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen -angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im -Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot -ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal -bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden. -Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging -die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz -vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die -Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe -noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am -Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag, -in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche -eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem -indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem -Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und -kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition -theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon -erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum -Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold -eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe. -Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso -treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen -Schifferlügen erzählte. - -Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von -statten. Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen -getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden -stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt -von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen -Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze -Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch -genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben. -Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand -nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen -waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An -diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher -seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat. - -Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von -Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero -de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare -Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig -auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile -bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter -Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu -vertreiben. - -Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 wieder -ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des Galiciers -+João da Nova+ ab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo Barbosa, hatten -portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes hatte der Florentiner -Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des Francesco Vinetti gestellt; -denn der portugiesische König gestattete den Kaufherren, welche auf -ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den Capitän zu ernennen. Das -vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes. - -Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova, -unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão -(Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen -Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später, -wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben -war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel), -wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den -Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der -guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf -seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie -die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen -war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein -von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio -Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai -gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde -gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der -Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die -Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigen -portugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das -freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits -Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen -Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf -die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner -Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt -seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen -Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner -Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein. -Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die -Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen -mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn -keiner Antwort. - -In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei -wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier -die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der -portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen -wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls -ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es -doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine -Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe -unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg -gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das -Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese -kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um -allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet -hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle. -Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich, -hier angelangt, für gerettet und geborgen. - -Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die -Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein -gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm -gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte. - -Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren, -welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen -Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne -sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der -afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen -weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen -Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken -laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne -das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen -Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen -Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine -Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten -drang aber doch die Ueberzeugung durch, daß man mit Hilfe der in -Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen -europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und -daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann -- was als eine -nicht geringe Pflicht angesehen wurde -- den Heiden das Christenthum zu -bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen -unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel. - - -5. Vasco da Gama’s zweite Fahrt. - -Ursprünglich war Cabral dazu ausersehen, diese große Expedition zu -leiten, doch trat er noch vor ihrem Beginn zurück; sei es nun, daß, wie -Correa erzählt, Gama beim König selbst Einwände dagegen erhoben und -sich auf sein verbrieftes Recht berufen hatte, wonach ihm der König -die Flottenführung zugesagt, um ihm Gelegenheit zu bieten, sich an dem -Samudrin wegen seiner Gefangennahme zu rächen; sei es, daß Cabral, nach -Barros’ Bericht, sich dadurch verletzt gefühlt, daß man dem Vicente -Sodre eine fast selbständige Leitung der kleinen Schiffe zugesagt, -welche zum Schutze der Factorei in Indien bleiben sollten, und daß er -in Folge dessen das Obercommando abgelehnt habe. - -[Illustration: Vasco da Gama. - -Aus dem Manuscript von Pedro Barretto de Resenda. (In der Sloane -Bibliothek des British Museum, London.)] - -Gama trat an die Spitze einer stattlichen Flotte von zwanzig Segeln, -und unter ihm behielt Sodre den Befehl über die Kriegsabtheilung mit -800 Soldaten. Doch lief das ganze Geschwader nicht auf einmal aus, -Gama brach mit fünfzehn Schiffen am 10. Februar 1502 auf, worauf sein -Neffe, Estevão da Gama mit fünf Schiffen erst am 1. April nachfolgte. -Beide Abtheilungen erreichten indeß ziemlich zu gleicher Zeit das Ziel. -Vasco da Gama landete zuerst in Porto Dale bei C. Verde und verweilte -dort sechs Tage, um Wasser einzunehmen. An der Guineaküste hatten sie -unter Windstillen zu leiden und verloren in der ungesunden Gegend -manchen Mann. - -Nur Correa erwähnt, daß diese Flottenabtheilung die Küste von Brasilien -berührt habe und bis zum C. Agostinho daran hingesegelt sei, ehe sie -nach der Südspitze Afrikas hinübersteuerten. In jener Meeresgegend, -wo Cabral durch Unwetter mehrere Schiffe verloren hatte, wurde auch -Gama von einem Sturm überfallen, welcher sechs Tage währte und das -Geschwader dermaßen zerstreute, daß nur zwei größere Schiffe und zwei -Caravelen bei dem Admiral blieben. Am Cap Corrientes brach ein neuer -Sturm los, welcher eins der Schiffe, die Sa. Elena auf die Sofalabank -trieb, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Die meisten Schiffe -fanden sich auf dem verabredeten Sammelplatz bei Mosambik wieder -zusammen, wo aus dem baufertig mitgenommenen Material in zwölf Tagen -eine Caravele zusammengesetzt wurde, welche den Namen Pomposa erhielt -und in Mosambik zur Deckung der dort errichteten Factorei und zur -Einleitung von Handelsverbindungen mit Sofala stationirt blieb. - -Gama blieb vier Tage dort und schloß mit dem Scheich von Mosambik einen -Freundschaftsvertrag. Auch erhielt er von demselben -- es war nicht -mehr der nämliche Herrscher, wie bei der ersten Reise -- Briefe von J. -da Nova, welche ihm über die Zustände in Indien Mittheilungen machten, -und ließ wiederum für seinen nachfolgenden Neffen und die beiden im -Sturm am Cap Corrientes abgetriebenen Schiffe Instructionen zurück. - -Ueber den von Mosambik aus unternommenen Zug des Pero Affonso d’Aguiar -nach Sofala unter Führung zweier einheimischer Lotsen gibt Correa -interessante Einzelheiten, welche wegen ihrer originellen Färbung hier -eingefügt werden mögen. Affonso hatte bei dem Scheich von Sofala, der -über Mosambik bereits von den Portugiesen gehört hatte, eine Audienz -und sagte ihm, er komme, um im Auftrage des portugiesischen Königs -auf ewige Zeiten Friede und Freundschaft mit ihm zu schließen. Der -schwarze Fürst erklärte darauf, er habe bereits früher den Portugiesen -versichert, alle in friedlicher Absicht kommenden Kaufleute seien ihm -willkommen. Als dann Pero Affonso noch einmal die Friedensliebe des -portugiesischen Königs betont hatte, war der Negerkönig sichtlich davon -befriedigt und schwur bei der Sonne und dem Himmel, bei seinem Haupte -und seinem Bauche, daß er ihnen ihre Waare abkaufen wolle. Als ein -Unterpfand seiner Treue zog er dann von seinem Daumen einen goldenen -Ring, reichte ihn dem portugiesischen Capitän und verehrte ihm zugleich -und dem Könige von Portugal mehre Schnüre von aufgereihten kleinen -Goldperlen als Zeichen immerwährender Brüderschaft. Und zum Beweise -seiner Aufrichtigkeit und Treue faßte er die Hände der Umstehenden, -denn sie pflegten nicht zu schreiben. Pero Affonso aber ließ alles -niederschreiben und unterzeichnete es mit sechs Leuten. Dann wurde -das Schriftstück verlesen und von dem Dolmetscher erklärt, worüber -der Scheich sammt seinem Volke höchlichst erstaunte, denn sie hatten -noch nie schreiben sehen (!) und meinten, das Papier spräche durch -Zauberkünste. Als dann der Portugiese zu seinem Schiffe zurückgekehrt -war, sandte ihm der Herr des Landes Hühner, Eier, Yams und was es sonst -an Nahrungsmitteln zu Lande gab. - -Pero Affonso wandte sich dann nach Mosambik zurück, traf aber den -Admiral nicht mehr an, da derselbe bereits nach Melinde weiter -gesteuert war. Gama wandte sich zunächst nach Kiloa. Diese Stadt -lag auf einer Insel an der Küste, doch war das Wasser auf der -Landseite nur knietief. Mit Mauern und Thürmen umgeben, zählte der -Ort 12,000 Einwohner und besaß gute Steinhäuser mit Terrassen und -aufgesetztem Holzbau. Sie lag in einem Hain von Citronen-, Limonen- -und Orangenbäumen. Zuckerrohr, Feigen und Granatäpfel gediehen in den -Gärten. Hier herrschte ein Araber, dem aber nur das Weichbild der Stadt -unterthänig war. - -Da der Scheich sich bei der ersten Ankunft der Portugiesen -verrätherisch benommen hatte, so rückte der Admiral mit seiner ganzen -Flotte vor die Stadt, setzte dieselbe durch blinde Kanonensalven -in Schrecken, umzingelte sie und erzwang so die Unterwerfung des -Scheichs, der nach vielem Sträuben sich endlich darein ergeben mußte, -einen jährlichen Tribut von 500 Mithikals in Gold (= 584 Cruzados) -zu zahlen, wofür er dann ein Patent als Schutzbefohlener des Königs -von Portugal zur Sicherheit für sich und die Kaufleute seiner Stadt -erhielt. Auch mußte er zulassen, daß auf dem Thurme seines Palastes die -portugiesische Flagge aufgehißt wurde. Später wurde zur Befestigung der -portugiesischen Macht sogar eine Citadelle gebaut. - -Dann brach das Geschwader nach Melinde auf. Es mußte dem Admiral daran -gelegen sein, dem Fürsten dieser Stadt, der sich ihm auf der ersten -Fahrt nach Kalikut allein freundlich und fördernd erwiesen hatte, seine -stattliche Flotte zu zeigen und durch die Entfaltung seiner Macht -in der Freundschaft zu befestigen. Es erscheint danach nicht recht -glaubhaft, daß Gama sich, wie Osorio und Barros erzählen, von dem -Besuch durch widrige Winde habe abhalten lassen und mehre Meilen von -der Stadt vor Anker gegangen sei, um Lebensmittel einzunehmen. Correa -dagegen schildert eingehend den Aufenthalt in Melinde und beschreibt -mit allen Einzelheiten das große Fest, welches die Portugiesen dem -Scheich auf ihren Schiffen gaben. Auch Castanheda bestätigt diesen -Besuch. - -Auf der Weiterfahrt trafen sie, im August, mit drei Schiffen Estevão da -Gama’s zusammen, während die beiden übrigen sich erst an der Westküste -Indiens bei den Andjediven wieder einfanden. - -Bei Dabul (17° 43′ n. Br.) erreichten sie das Gestade des Gewürzlandes -und gingen in eine Bai nahe bei Goa vor Anker. Die Küstenstädte sollten -dort bald erfahren, daß Gama nicht in friedlicher Absicht erschien, -daß ihm vielmehr daran lag, die auf der ersten Reise erlittenen -Demüthigungen zu rächen. Zur Gewaltthat geneigt, unverrückt sein -Ziel im Auge behaltend, den Gewürzhandel für die Portugiesen zu -monopolisiren, sah er alle Schiffe, auf die er stieß, als gute Beute an. - -Bei den Andjediven traf er dicht am Ufer drei Fusten. Diese flüchteten -in den Fluß Onor (14° 13′ n. Br.). Estevão da Gama verfolgte sie bis -ins Flußwasser hinein, stieß dort auf Verschanzungen, von denen aus er -mit Kanonenkugeln und Pfeilen empfangen wurde, und steckte nun alle -erreichbaren indischen Schiffe in Brand. - -Dann rückte die ganze Flotte weiter nach Baticala (13° 59′ n. -Br.), welches zum Königreiche von Bisnaga gehörte. Gama verlangte -Unterwerfung, begnügte sich dann aber auch mit einer Abgabe von Reis -für seine Mannschaften. - -Auf dem weitern Wege nach Kananor fiel ihm ein großes Schiff in die -Hände, das mit Waaren und Pilgern aus Mekka nach Indien zurückkehrte. -Das Schiff wurde ohne Gegenwehr genommen, geplündert und in Brand -gesteckt. Zu spät setzten sich die Asiaten zur Wehr, wurden dann aber -bis auf wenige gerettete Frauen und Kinder niedergemetzelt. Noch im -Wasser wurde an denen, die über Bord gesprungen waren, das Morden -fortgesetzt. Wahrscheinlich gehörte das Schiff dem Sultan von Aegypten -oder einem seiner Unterthanen, denn bald danach beschwerte sich jener -beim Papst darüber, daß die Portugiesen in den indischen Meeren Seeraub -trieben. - -Dann ging die Flotte im befreundeten Hafen Kananor vor Anker. Gama -hatte bei dem Fürsten mit großem Gefolge eine feierliche Audienz -und erklärte ihm, er werde in Zukunft keinen Handelsverkehr nach -dem rothen Meere dulden. Auch verlangte er, die Stadt solle ihre -Handelsbeziehungen mit Kalikut abbrechen. Nur die Schiffe von Kananor, -Kotschin und Kollam wollte er schonen und durchlassen. Auch der Preis -der Waaren wurde festgestellt, desgleichen, wie hoch die mitgebrachten -portugiesischen Artikel berechnet werden sollten. Auch dies setzte der -Admiral durch, obwohl man die fremden abendländischen Erzeugnisse in -Kananor eigentlich nicht verwerthen konnte. - -Als sich darauf Gama gegen Kalikut bewegte, schickte ihm der Samudrin -zu wiederholten Malen Botschafter entgegen, um ihm einen friedlichen -Ausgleich anzutragen. Aber der portugiesische Befehlshaber stellte -seine Forderungen derart, daß der indische Fürst nicht darauf eingehen -konnte. Gama forderte nämlich erstens das Eigenthum zurück, das vom -Stadtvolk bei dem Morde des portugiesischen Handelsfactoren geraubt -worden war, und zweitens, daß allen Mauren, die vom rothen Meere -kämen, der Hafen verboten würde. Gegen die erste Forderung bemerkt der -Samudrin, daß durch die Plünderung des Mekkaschiffes der Schaden in der -Factorei mehr als gedeckt sei. Zum andern aber könne er unmöglich mehr -als viertausend Familien von Arabern aus Kairo und Mekka (man ersieht -daraus, wie stark die arabische Colonie und wie groß ihr Einfluß in -Kalikut war), die in der Stadt ansässig seien, vertreiben, zumal da -Stadt und Land aus diesem Handel bedeutenden Vortheil zögen. - -Gama hielt diese Gründe keiner Widerlegung werth. Er wollte die -Antwort persönlich überbringen und rückte vor die Stadt. Den Versuch -des Samudrin, sich wegen der Plünderung der Factorei durch eine -bedeutende Geldsumme abzufinden, lehnte der Portugiese mit dem Bemerken -ab: angethane Schmach lasse sich nicht mit Gold decken. In seiner -Erbitterung scheute Gama keine Mittel, um seine Feinde einzuschüchtern. -Wenn auch die Berichte über die einzelnen Acte einer barbarischen -Kriegsführung von einander abweichen, so kehren doch die Angaben -über die raffinirtesten Schlächtereien aufgegriffener malabarischer -Schiffer, oder über scheußliche Verstümmlungen, die an den armen Opfern -verübt wurden, immer wieder und müssen historisch begründet sein. Einen -eigenthümlich sagenhaften Zug erwähnt Correa, und man erkennt daraus -mit Befriedigung, daß diese ausgesuchten Grausamkeiten selbst unter -den Portugiesen Bedenken erregten. Unter den unglücklichen Seeleuten, -welche der Rache des Admirals zum Opfer fielen, befand sich eine Anzahl -von der Coromandelküste, welche baten, man möge sie zu Thomaschristen -machen, wie es solche in ihrem Lande gäbe. Gama erwiderte hart, taufen -könnten sie sich lassen, aber gehängt würden sie doch. Sie fanden -nur in sofern Gnade, als sie -- es waren ihrer drei -- nicht an den -Beinen aufgehängt wurden, um dann den Bogenschützen zur Zielscheibe zu -dienen, sondern am Halse gehängt wurden, so daß sie also die auf sie -gerichteten Pfeilschüsse nicht mehr fühlten. Aber dabei geschah ein -Wunder. Kein Schuß verletzte auch nur die Haut dieser Martyrer, welche -durch die Taufe gefeiet waren. Gama ließ ihnen dann wenigstens noch ein -christliches Begräbniß zu Theil werden und die eingesargten Leichen -unter christlichen Gebeten ins Meer senken. - -Zweimal ließ der Admiral die Stadt Kalikut beschießen und einen Theil -der Häuser vernichten. Er wollte keinen Frieden, sondern verlangte -Unterwerfung. Nun aber rüstete man sich auch im ganzen Reiche Kalikut -zu einem allgemeinen Rachekriege; an allen Flüssen wurden große und -kleine Kriegsschiffe gebaut, um dem grausamen Feinde die Stirne zu -bieten. Während Vicente Sodre an der Küste kreuzte, um alle indischen -Fahrzeuge abzufangen, wandte sich Gama selbst mit einer Flotte von fünf -großen und sechs kleinen Schiffen nach Kotschin, um mit dem Fürsten -dieser wichtigen Handelsstadt einen Vertrag zu schließen. Man kam dahin -überein, daß die Portugiesen Pfeffer, Gewürznelken und Benzoin mit Geld -bezahlen sollten, während sie andere Artikel wie Zimmt, Weihrauch und -dergl. gegen ihre europäischen Waaren eintauschen konnten. - -Kaum war dieses friedliche Abkommen getroffen, so erschien eine -Gesandtschaft vor der Mutter des Radscha von Kollam, dessen Gebiet die -Südspitze der indischen Halbinsel umfaßte und zu dessen Einkünften der -reiche Pacht von den Perlenfischereien gehörte. Die Verhandlungen hier -boten um deswillen Schwierigkeiten, weil Gama nur im Einverständnisse -mit seinem ersten Bundesgenossen in Kotschin handeln wollte und -diesem natürlich wenig daran liegen konnte, in Kollam einen neuen -Concurrenten zu erhalten. Aber Gama löste diese Differenz mit großem -Geschick und gutem Erfolge. Zwei seiner Schiffe nahmen in Kollam eine -Fracht von Pfeffer ein und stellten dann den dortigen Handelsfahrzeugen -Geleitsbriefe aus, wie denen von Kotschin und Kananor. - -Unterdessen waren die Rüstungen des Samudrin soweit gediehen, daß -er unter Anwendung indischer List sich seines wüthenden Gegners -mit einem Schlage zu entledigen hoffte. Ein Brahmine erschien als -Abgesandter auf der Flotte und gab vor, er wolle nach Europa gehen, um -das Christenthum kennen zu lernen und mit dem portugiesischen Könige -selbst zu verhandeln, da man den jährlich wechselnden Schiffscapitänen -nicht traue. Als nun Gama erwiderte, er habe Vollmacht, erklärte ihm -der Brahmine, sein Fürst wünsche Frieden, und überredete nun den -Admiral, mit ihm nach Kalikut zu gehen. Er segelte mit seinem Schiffe -allein ab in der Erwartung, das Geschwader Sodre’s vor der Stadt zu -finden. Aber dieser war durch Ausstreuung von allerlei Gerüchten nach -Norden gelockt, sodaß Gama sich isolirt sah. In der Nacht wurde sein -Schiff umzingelt und von allen Seiten angegriffen; aber die überlegene -Seetüchtigkeit rettete ihn aus dieser drohenden Gefahr. Der Brahmine -wurde zur Strafe für seinen Verrath mit dem Tode bestraft und an -der Raae aufgeknüpft, oder es wurden ihm, wie Correa berichtet, die -Lügenlippen abgeschnitten und statt der abgehaunen Ohren Hundsohren -angenäht und er so verstümmelt ans Land geschickt. - -Nachdem dann ein großer Theil der Schiffe ihre Fracht in Kotschin -eingenommen, segelte die ganze Flotte im Anfang Februar 1503 nach -Kananor. Noch einmal wagten die Schiffe von Kalikut einen Angriff, -wurden aber durch Kanonen zurückgetrieben. Doch fiel der Capitän -Vasco Tinoco im Kampfe. In Kananor ließ Gama die Factorei mit Kanonen -besetzen. Sodre blieb mit fünf größeren Schiffen und zwei Caravelen in -den indischen Gewässern zurück, um den Samudrin in Schach zu halten und -die Bundesgenossen zu schützen. Dann wandte sich Gama zur Heimkehr und -ließ im September 1503 vor Lissabon den Anker fallen. - -Vicomte Sodre blieb als erster Capitão do mar in den indischen -Gewässern mit einer kleinen Flotte von sieben oder acht Schiffen -zurück. Der Samudrin beschloß diese Zeit, während die Hauptmacht der -Portugiesen abwesend war, zu einem Kriegszuge gegen den Fürsten von -Kotschin zu benutzen. Aber dieser glaubte nicht, daß die Rüstungen, die -gegen ihn im Werke waren, in der stillen Zeit des Verkehrs beendigt -werden könnten, und hatte dem portugiesischen Capitän, in zu großer -Sorglosigkeit, freigestellt, inzwischen noch einen Auftrag auszuführen, -welcher ihn an den Eingang des rothen Meeres führte, um den arabischen -Handel zu sperren. So sah sich denn der Radscha von Kotschin plötzlich -zu Lande von einem überlegenen Feinde angegriffen, dem er sogar seine -Hauptstadt überlassen mußte. Er flüchtete sich nach einer kleinen Insel -und brachte dort die Wintermonate in hartbedrängter Lage zu. - -Sodre war nordwärts nach Gudjerat gesegelt und von da nach der Küste -Südarabiens hinübergegangen. Hier wurde er von einem furchtbaren Sturme -überfallen und ging mit mehreren Schiffen bei den Kuria-Muria-Inseln -sammt der Mannschaft zu Grunde, wahrscheinlich im Juli oder August des -Jahres 1503. - -Der Rest des Geschwaders wandte sich nach Indien zurück und wartete -bei den Andjediven auf neuen Zuzug aus der Heimat, da sie ohne -denselben sich nicht stark genug fühlten, irgend etwas zum Schutz ihrer -Bundesgenossen zu unternehmen. Die erwartete Hilfe ließ auch nicht -lange auf sich warten, denn schon im April 1503 waren wieder sechs -Schiffe segelfertig, um von Tejo auszulaufen und im Mai sollten noch -andere folgen. Am 6. April brachen Alfons und sein Vetter Francisco -d’Albuquerque mit je drei Schiffen auf. +Affonso d’Albuquerque+, den -portugiesische Geschichtschreiber den „Großen“ nennen, unzweifelhaft -der bedeutendere der beiden Verwandten, betrat hier zuerst den -Schauplatz, auf dem er sich unsterblich machen sollte, denn in ihm -haben wir den eigentlichen Begründer der portugiesischen Macht in -Indien vor uns. Er war im Jahre 1453 in der kleinen Stadt Alhandra -am Tejo sechs Leguas oberhalb Lissabon, als zweiter Sohn des Gonçalo -d’Albuquerque, des Herrn von Villaverde und der Donna Leonor da Menezes -geboren. Im königlichen Palaste erzogen, hatte er sich zuerst 1480 bei -Otranto im Kampfe gegen die Türken ausgezeichnet. - -Affonso stand im fünfzigsten Lebensjahre, als er die erste kleine -Flotille von drei Segeln nach Indien führte. - -Einer seiner Landsleute hat ihn folgendermaßen geschildert: „Affonso -d’Albuquerque war von mittlerer Größe und von angenehmem Aeußern. Das -längliche Gesicht von frischer Farbe und mit einer Adlernase zierte -später ein mächtiger bis über den Gürtel reichender weißer Bart, -der ihm ein sehr würdiges Ansehn gab. Er war mit dem Lateinischen -vollkommen vertraut und ebenso vorsichtig in seinen Worten wie in -seinen Schriften. Er war geliebt und gefürchtet, ohne daß sein -Wohlwollen in Parteilichkeit, oder sein Tadel in Härte überging. Er -war ein Mann von Wort, ein Feind der Lüge, ein gewissenhafter Richter. -Zu Lande und zu Wasser hat er viele Wunden davon getragen und mit -seinem Blute bezeugt, daß er keiner Gefahr aus dem Wege gehe. Er war -verschwenderisch freigebig und überließ seinen Capitänen die ganze -Siegesbeute, da er stets mehr auf Ruhm als auf Reichthum bedacht war.“ - -[Illustration: Alfons von Albuquerque. - -Nach dem Manuscript des Pedro Barretto de Resenda. (In der Sloane -Bibliothek des British Museum, London.)] - -Diesen Helden begleitete ein anderer kühner Capitän, +Duarte Pacheco -Pereira+, dem später eine Aufgabe, ähnlich der des Spartanerköniges -Leonidas, zufallen sollte. In dem Gefolge des Francisco d’Albuquerque -befand sich Nicolao Coelho, welcher sich schon auf der ersten Fahrt -Gama’s hervorgethan hatte. Am 6. April 1503 waren beide Abtheilungen -von Lissabon abgesegelt. Im August erreichten sie die Küste von -Malabar. Francisco langte zuerst an, hatte aber unterwegs ein Schiff -eingebüßt. Dafür fand er die Schiffe von Sodre’s Geschwader vor und -segelte damit südwärts nach Kananor und Kotschin. Als auch Affonso -bald danach eintraf, hatten die Portugiesen wieder die Uebermacht, -verdrängten ihre Gegner aus dem befreundeten Hafen und führten -den Radscha von Kotschin in sein Gebiet zurück. Im Gefühl der -Nothwendigkeit und Erkenntlichkeit willigte dieser sodann in die Anlage -einer festen Citadelle. Die Capitäne stellten dem Fürsten vor, daß -alle Drangsale seines Reiches nur daher rührten, daß sie aus Mangel -an eigner Sicherheit ihren Bundesgenossen weniger helfen könnten. So -entstand also in Kotschin die erste portugiesische Festung, welche -bereits in Portugal geplant war und durch die Sendung der beiden -Albuquerque ins Werk gesetzt werden sollte. Um die Citadelle rasch zu -vollenden, theilten sich beide Capitäne in die Arbeit, und so entstand -ein Holzbau mit Pallisaden. Bei der Besetzung der Commandantenstelle -traten zwischen den portugiesischen Führern bereits Eifersüchteleien zu -Tage. Jeder gab dem Bollwerk einen besonderen Namen; aber da Affonso -nach dem Befehl seines Königs zuerst in Kollam Gewürzfracht einnehmen -sollte, mußte er vorläufig seinem Vetter das Feld überlassen. In -Kollam wurde Antonio de Sa als Factor eingesetzt. In den ersten Tagen -des Jahres 1504 hatte Affonso seine Aufgabe gelöst und wollte, wie -die Vorschrift lautete, gemeinschaftlich mit Francisco den Rückweg -antreten. Aber dieser zögerte mit dem Einkauf der Frachten, sodaß -Affonso Ende Januar sich veranlaßt sah, um die günstige Fahrzeit nicht -zu versäumen, allein aufzubrechen. Mit einem geschickten Piloten -steuerte er zum erstenmal, statt den Umweg über Melinde zu machen, -direct auf Mosambik, umschiffte am 1. Mai bei schönem Wetter das Cap -der guten Hoffnung, wurde zwar an der Guineaküste eine Zeitlang von -verderblichen Windstillen aufgehalten, erreichte aber glücklich die -Capverden, wo er in dem Hafen von Sa. Maria die Fahrzeuge ausbessern -ließ, und langte am 3. September wohlbehalten vor Lissabon an. In -seiner Begleitung befand sich ein Venetianer Bonavito d’Alban, der vor -zweiundzwanzig Jahren über Aegypten nach Indien gegangen und sich lange -Zeit in Malaka aufgehalten hatte. Von ihm erhielt Albuquerque manche -wichtige Nachrichten über die entfernten Gewürzländer und über Malaka -besonders, was für die späteren Unternehmungen von großem Einfluß war. - -Francisco d’Albuquerque war erst am 5. Februar von Indien aufgebrochen, -wurde aber an der Ostküste Afrikas von Stürmen überfallen und ging -sammt Nicolao Coelho unter. Von einem anderen Schiffe, welches früher -zum Geschwader Sodre’s gehört hatte, rettete sich nur die Mannschaft. -In Indien blieb vorläufig Duarte Pacheco mit einigen Schiffen zurück. - -Bald nach der Abfahrt der beiden Albuquerque von Lissabon war ihnen -im Mai 1503 der Castilier Antonio de Saldanha mit drei Schiffen -gefolgt, um an Stelle Sodre’s vor dem rothen Meere zu kreuzen. Schon -im Golfe von Guinea wurden die drei Fahrzeuge von einander getrennt, -das erste Schiff, welches sich verlor, segelte allein um Afrika und -hielt sich länger bei der Insel Sokotra auf, welche die Portugiesen -bei dieser Gelegenheit zuerst betraten. Ein zweites Schiff unter Ruy -Lourenço Ravasco kam vor dem Sturmcap abhanden, ging ebenfalls auf die -Ostküste Afrikas und trieb schamlose Piraterie; alle Kauffahrer, die -man antraf, wurden geplündert. Bei Sansibar, dessen Herrscher im Namen -des Königs Manuel auch besteuert wurde, ließ er in zwei Monaten mehr -als 20 Sambuken anhalten. Nur das einzige Verdienstliche that Ravasco, -daß er dem befreundeten Scheich von Melinde gegen seine eifersüchtigen -Nachbarn in Mombas erfolgreichen Beistand leistete. Darüber verging -der Sommer, ehe Saldanha sich einfand. Dieser war noch nördlich vom -Sturmcap ans Land gegangen, in dem Glauben das gefährliche Cap bereits -hinter sich zu haben und hatte dort eine Bucht und einen Wasserplatz, -Aguada da Saldanha, entdeckt. Dann hatte er, nach Besteigung des -Tafelberges (Meza da Cabo), sich wieder auf den Weg gemacht, hatte die -Südspitze Afrikas glücklich überwunden, an der Ostküste ebenfalls dem -Seeraub obgelegen und endlich vor Melinde seine Genossen gefunden. -In der Nähe des rothen Meeres hatten sich alle drei Schiffe wieder -vereinigt und waren nach der arabischen Küste herübergesteuert, um -dort zu überwintern, hatten aber, bei der Feindseligkeit der Bewohner, -Wassermangel gelitten und waren dann nach den Andjediven gesegelt, wo -sie von der großen Flotte des Lopo Soarez eingeholt wurden, welcher -fast ein Jahr später von Portugal aufgebrochen war, um mit dreizehn -Segeln direct nach Indien zu fahren, wo er Ende August 1504 anlangte. -Auf Vasco da Gama’s Rath hatte man die Kräfte nicht zersplittert, -sondern eine imposante Armada mit vielem Kriegsgeräth und 1200 Mann -Besatzung entsendet. Der Krieg mit den Moslemin sollte mit Nachdruck -geführt werden. In Kananor erfuhr Soarez, wie in der Zwischenzeit, seit -die Albuquerques zurückgekehrt, die Angelegenheiten verlaufen waren. - -Pacheco hatte alle Angriffe des Samudrin glänzend zurückgeschlagen. -Der ganze Kampf, bei welchem der Beherrscher von Kalikut 60,000 Mann -sollte aufgeboten haben, drehte sich hauptsächlich um die Vertheidigung -einer Furt, über welche der Weg von Norden her nach Kotschin -führte. Diese Furt hatte Pacheco mit Pallisaden verschanzen und mit -Kanonen besetzen lassen. Nichts zeigte deutlicher die unentwickelte -Kriegskunst der Eingebornen, als ihre vergeblichen Anstrengungen, diese -Verschanzungen zu nehmen. Duarte Pacheco hatte seine kleine Schaar von -hundertundsechzig Portugiesen auf seine Schiffe, auf die Citadelle in -Kotschin und an der Furt vertheilt; es standen ihm also an jedem Orte -nur etwa fünfzig Mann zur Verfügung, und doch schlug er, obwohl er sich -auf seine indischen Bundesgenossen wenig verlassen konnte, mit geringen -Verlusten alle Angriffe ab und machte selbst den abenteuerlichen Plan -der Inder, seine Schiffe mit großen hölzernen, auf je zwei Prauen -errichteten Holzthürmen zu erobern, gründlich zu schanden. Der Samudrin -sah sich endlich genöthigt, nachdem auch seine Vasallen fahnenflüchtig -geworden waren und da Krankheiten seine Mannschaft decimirten, seinen -Feldzug aufzugeben und nach Kalikut zurückzugehen; denn die stille -Jahreszeit ging vorüber und ein neues Geschwader feindlicher Schiffe -war mit dem Eintreten des günstigen Fahrwindes von der afrikanischen -Küste her zu erwarten. - -Soarez hatte den gewöhnlichen Weg an der Ostseite Afrikas -eingeschlagen, in Melinde die wenigen aus dem Schiffbruche des -Francisco d’Albuquerque geretteten Mannschaften an Bord genommen und -war dann von den Andjediven aus gegen Kalikut vorgerückt, wo er Anfang -September erschien. Hier forderte er die Auslieferung von zwei zu den -Feinden übergelaufenen Geschützgießern (aus Mailand oder Slavonien) und -beschoß, als dieselbe verweigert wurde, zwei Tage lang die Stadt, wobei -ein Theil des königlichen Palastes zerstört wurde. Zur Vergeltung dafür -wurden in der Stadt die portugiesischen Gefangenen getödtet. - -Soarez wandte sich dann nach Kotschin, wo er durch die Fürsorge -Duarte Pacheco’s eine bedeutende Pfefferfracht aufgespeichert fand -und einnehmen konnte. Nachdem er dann die wahrscheinlich unter dem -Schutze der Citadelle von Trampatão (Dharmapatam) im Gebiete von -Kananor versammelte mohammedanische Handelsflotte zum Theil erobert und -verbrannt hatte, trat er zu Anfang des Jahres 1505 mit reicher Ladung -den Rückweg an. Daß die Macht des Samudrin durch dieses rücksichtslose -und immer siegreiche Auftreten der Portugiesen mehr und mehr -erschüttert wurde, beweist auch der Abfall eines seiner Vasallen, des -Radscha von Tanor, welcher zu seinen abendländischen Feinden überging. -Im indischen Meere blieb der Capitän Manuel Tellez Barreto mit fünf -Schiffen und 300 Mann zurück, um an der Küste zu kreuzen, während -280 andere Soldaten als Besatzung in Kotschin, Kananor und Kollam -stationirt wurden. - -Im Juli 1505 erreichte Soarez den Hafen von Lissabon, wo man vor allem -die Verdienste Duarte Pacheco’s, welcher mit der Flotte zurückgekehrt -war, würdigte. Als Belohnung erhielt dieser ausgezeichnete Mann die -Verwaltung der Niederlassungen an der Guineaküste, er wurde aber bald -in Folge von Verleumdungen angeklagt und in Ketten nach Portugal -transportirt, wo er später, ohne wieder Anerkennung zu finden, in der -bittersten Armuth starb. Camoens geißelt in seinen Lusiaden (X, 22-25) -den Undank des Königs mit harten Worten. Indem er Duarte Pacheco mit -Belisar vergleicht, wirft er dem Könige Ungerechtigkeit und Geiz vor. - - * * * * * - -Werfen wir, ehe wir die weiteren Unternehmungen der Portugiesen -verfolgen, einen Blick auf die +Handelslinien+ und +großen Lagerplätze -des indischen Gewürzhandels+. Im fernen Osten lag Malaka inmitten der -reichsten Pfefferländer, zugleich ein Hauptstapel für die Gewürze der -Molukken und der Droguen der Sundawelt. Mit diesem Handelsplatze stand -Kalikut in unmittelbarer Verbindung. Von hier aus boten sich aber zwei -Straßen nach dem persischen und nach dem rothen Meere. Dort galt als -Mittelpunkt des Seeverkehrs die Inselstadt Ormuz, welche Albuquerque -bald bezwingen sollte, und hier vor der Enge des rothen Meeres Aden. -Von Ormuz führte der Weg über Basra durch Mesopotamien nordwärts. Die -Karawanen gingen entweder über Armenien nach dem nördlichen Asien und -Europa, oder wandten sich am Fuß des Hochlandes, auf welchem Euphrat -und Tigris entspringen, gegen Westen nach Syrien und erreichten in -Beirut das Gestade des mittelländischen Meeres. Die Schiffe, die nach -Aden gegangen, steuerten dann durch das rothe Meer weiter nach Tor an -der Südspitze der Halbinsel des Sinai und von da nach Sues. Von hier -wurden die Waaren zu Lande über Kairo nach Alexandrien befördert. - -Damals beherrschte der Sultan von Aegypten auch die syrischen Häfen; -es ging demnach fast der ganze indische Handel durch sein Gebiet und -sicherte ihm namhafte Einkünfte. Jede Veränderung oder Störung dieser -Handelslinien und Handelsbewegungen berührte die Macht des ägyptischen -Sultans auf das empfindlichste; aber auch das Interesse für den Glauben -spielte hinein. - -Mohammedanische Dynastien saßen auch auf der Westküste Vorder-Indiens. -Sie alle hatten gleiches Interesse an dem Fortbestehen des -Gewürzhandels auf den bisherigen Seewegen. Der Sultan von Aegypten -empfand gar bald die Verluste in seinen Einnahmen, nachdem die -portugiesischen Schiffe die Straße nach dem rothen Meere gesperrt -hatten. Als aber die Kaufleute von Kalikut als seine Glaubensgenossen -in ihrer Bedrängniß sich an ihn gleichsam als an ihren Schirmherrn -wendeten, beschloß er sich vorerst bei dem Papst zu beschweren und -von dem geistlichen Oberhaupte der Christenheit Abhilfe zu fordern, -inzwischen aber sich auf einen entscheidenden Kampf vorzubereiten -und eine Flotte auszurüsten, welche im Verein mit dem Geschwader der -indischen Bundesgenossen den Portugiesen die Spitze bieten könne. Mit -seiner Sendung an den Papst Julius II. betraute er den Pater Mauro, -Prior des Klosters am Sinai. In seinem Briefe beschwerte sich der -ägyptische Sultan über die Grausamkeiten, welche König Ferdinand von -Aragonien gegen die Mauren in Spanien verübt hatte, sowie über die -Schädigungen, welche König Manuel von Portugal seinen Glaubensgenossen -und Unterthanen in Indien zufüge. Der Islam war seit zwanzig Jahren -hart ins Gedränge gekommen und erlag im äußersten Westen und Osten -den Schlägen der christlichen Fürsten. In Spanien waren die Mauren -aus mehr als siebenhundertjährigem Besitze vollständig verdrängt; nun -erschienen die Glaubensfeinde sogar in den indischen Meeren. Wenn die -Fürsten der spanischen Halbinsel, erklärte der Sultan, von ihrem Wüthen -gegen den Islam nicht abließen, werde er selbst zu ähnlichen Maßregeln -gegen die Christen in seinen Landen sich genöthigt sehen. Er werde das -heilige Grab vernichten und den christlichen Namen im Orient austilgen. -Er werde aber auch mit seinen Flotten die Gestade des Mittelmeeres -heimsuchen und den Christen gleiches mit gleichem vergelten, wenn der -Papst nicht dem König Manuel verbiete, fernerhin seine Schiffe nach -Indien zu senden. - -Mit Abschriften dieses Drohbriefes entsandte der heilige Vater den -Prior Mauro an die Höfe nach Spanien und Portugal und erbat sich eine -Antwort darauf für den Beherrscher Aegyptens. König Manuel erwiderte: -Der Sultan drohe nur mit Worten, weil ihm die Mittel zu Thaten fehlten. -„Als wir beschlossen,“ schreibt er, „mit unseren Flotten einen Weg -nach Indien zu bahnen und die unseren Vorfahren unbekannten Länder zu -erforschen, war unser Vorsatz, der mohammedanischen Sekte, von welcher -mit Satans Hilfe so viele Leiden über den Erdkreis gebracht sind, das -Haupt zu zertreten, und wo möglich das Grab Mohammeds vom Erdboden zu -vertilgen. Wir bedauern, daß wir dies Ziel noch nicht erreicht haben. -Der Sultan wird sich wohl hüten, die Christen in seinem Lande zu -vertreiben, da er aus den Abgaben der Pilger, welche das heilige Grab -besuchen, so bedeutende Einnahmen erzielt. Und sollte er je wagen, -die Küsten des Mittelmeeres zu plündern, so würde die jetzt uneinige -Christenheit sich alsobald zur Abwehr und zu gemeinsamem Angriff -zusammenschaaren. Eine solche Gefahr für sich und sein Land wird aber -der Sultan schwerlich heraufbeschwören.“ Der König Manuel meinte -ferner, die beste Antwort auf die Drohungen des Aegypters bestehe -darin, daß der Papst die gesammte Christenheit zu einem neuen Kreuzzuge -aufrufe. Er wolle sich zwar nicht erkühnen, Sr. Heiligkeit und dem -ehrwürdigen Cardinalscollegium die Antwort vorzuschreiben, welche dem -Sultan zu ertheilen sei; aber seinen Willen und seine Meinung wolle -er doch dahin aussprechen, daß er sich durch keine Drohung, keine -Schwierigkeit von seinem Ziele abhalten lassen werde, den Uebermuth -des Glaubensfeindes zu demüthigen und zu brechen. - -Damit ging Mauro zunächst nach Rom und dann nach Aegypten zurück. Ein -friedlicher Ausgleich war unmöglich; die Waffen mußten entscheiden. In -den indischen Gewässern hatte der Sultan Bundesgenossen und nur +einen+ -Feind; am Mittelmeer stand er fast allein und hatte die gesammte -Christenheit gegen sich. Darum wählte er zum Kampfplatz den Orient und -beschloß eine bedeutende Flotte nach Indien zu senden. Aber auch dieser -Plan wurde schon im Entstehen theilweise vereitelt. Es war nämlich -eine Flotte von fünfundzwanzig Schiffen nach der kleinasiatischen -Küste geschickt, um von dort das Bauholz nach Aegypten und weiter ans -rothe Meer zu schaffen. Dieses Transportgeschwader wurde aber von den -Johannitern auf Rhodos angegriffen, welche elf Schiffe vernichteten, -so daß, als noch vier andere im Sturme untergegangen waren, nur zehn -Fahrzeuge mit Bauholz glücklich ihr Ziel erreichten. Somit konnten nur -sechs größere und vier kleinere Schiffe erbaut werden, über welche dann -der Kurde Hussein Almuschrif 1506 den Oberbefehl erhielt. - -Die Portugiesen hatten von diesen Vorfällen und Plänen aber bereits -1505 Kunde erhalten und konnten danach ihre Maßregeln treffen. Die -bisherige Kriegsführung, welcher eine einheitliche Leitung fehlte, -mußte abgeändert werden. Es war vor allem nöthig, dem Oberbefehl eine -größere Continuität zu geben und ihn auf mehrere Jahre auszudehnen. So -entstand das Institut des Vicekönigthums, dem Portugal thatsächlich den -indischen Besitz verdankt. Die Unternehmungen des Sultans von Aegypten -trugen also wesentlich dazu bei, die portugiesische Macht im Orient zu -befestigen. - - -6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien. - -Zum ersten Vicekönig wurde +Francisco d’Almeida+ bestellt, ein Mann von -ausgezeichneter Tapferkeit, welcher sich schon im Kampfe der Spanier -gegen Granada ausgezeichnet hatte. Es wurde die Bestimmung getroffen, -daß in Zukunft nur die Lastschiffe aus Indien zurückkehren sollten, -während die Kriegsschiffe daselbst stationirt blieben. Eine stattliche -Flotte sollte die neue Aera einleiten. Die Zahl der Schiffe steht -nicht ganz fest, nach der geringsten Angabe waren es zwanzig. Auf -den Kriegsschiffen wurden 1500 Mann Soldaten befördert, welche sich -verpflichtet hatten, wenigstens drei Jahre im Orient zu dienen. Unter -den Capitänen treffen wir João da Nova und João Serãro; auch Ferdinand -Magalhães nahm an dem Zuge theil. Ein besonderes Interesse gewinnt aber -gerade diese Expedition dadurch für uns, daß sich an dem indischen -Handel zum ersten Male auch deutsche Kaufleute von Augsburg, namentlich -die Welser, Vöhlin u. a. betheiligten; daneben aber auch Genuesen -und Florentiner. Nur die Venetianer hielten sich grollend fern; denn -es war ihnen, wie der Chronist E. Sender schreibt, „fast wider“, daß -die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzländern mit wachsendem Erfolg -betraten und ihnen so gefährliche Concurrenz machten. - -Die Welser hatten schon 1503 einen thätigen Agenten Namens Simon Seitz -nach Lissabon entsendet, welcher mit König Manuel über die Gründung -einer deutschen Handelsgesellschaft einen Vertrag abschloß, wonach die -Augsburger Kaufherren in Portugal gebaute und mit Portugiesen bemannte -Schiffe entsenden konnten, um Spezereien und Brasilholz einzuhandeln. -Zu gleicher Zeit diente der deutsche Buchdrucker Valentin Ferdinand, -welcher sich wahrscheinlich schon seit 1494 in Lissabon aufhielt, als -Mäkler (~corretor~) und war seinen neuangekommenen unternehmenden -Landsleuten durch seine Kenntniß der portugiesischen Sprache sehr -nützlich.[96] - -Auf Simon Seitz folgte alsbald ein zweiter Vertreter der Welser -+Lucas Rem+, welcher von 1503 bis 1508 in Portugal weilte.[97] Ihm -lag die schwere Arbeit ob, drei Schiffe auszurüsten und ihre Ladung -zu besorgen; denn die deutsche Handelscompagnie betheiligte sich mit -21,000 Cruzados (à 2,75 Mark). „Die on mas enxtig mie, überflisig -arbait, gros widerwertigkait mir damit gegnet, ist unerschreibenlich.“ -So lauten die Worte seines Tagebuches. - -Aber nicht blos deutsches Capital war bei dieser Fahrt eingesetzt; es -machten auch zwei Deutsche im Auftrage der Compagnie die Reise nach -Indien mit, und C. Peutinger schrieb voll Stolz und Freude darüber: „es -ist uns Augsburgern ein großes Lob als für die +ersten+ Deutschen, die -India suchen“. (B. Greif a. a. O. 85). Der eine von ihnen, +Balthasar -Sprenger+, hat seine Reise beschrieben unter dem Titel: „Die Merfart -von erfarung nüver Schiffung und Wege zu vile onerkanten Inseln vnd -Kunigreichen, von dem großmechtigen Portugalischen Kunig Emanuel -Erforscht, funden, bestritten vnnd Ingenomen, auch wunderbarliche -Streyt, ordnung, leben wesen handlung und wunderwerke des volcks und -Thyrer dar inne wonende, findestu in diessem buchlyn warhaftiglich -beschryben vnn abkunterfeyt, wie ich Balthasar Sprenger sollichs selbs: -in kurtz verschynn zeiten gesehen vnn erfaren habe etc. Gedruckt Anno -MDIX.“ Der Berichterstatter nennt sich darin einen „der Geschickten -des Großmechtigen Kunigs zu Portugal: Emanuel genannt: und der -Furtreffen kaufherren der Fucker, Welszer, Hochstetter, Hyrßfogel, -deren im Hofe (Imhof) und anderer yrer Gesellschaften.“[98] Der zweite, -+Hans Mayr+, welcher sich Factoreischreiber auf dem Schiffe Raphael -nennt, hat ebenfalls einen, noch handschriftlich erhaltenen Bericht -überliefert.[99] - -Die drei auf Kosten der Deutschen ausgerüsteten Schiffe hießen: San -Raffael, San Jeronimo und Lionarda. - -Das ganze Geschwader ging am 25. März 1505 von Lissabon ab. Eins der -Schiffe sank unterwegs in Folge eines Leckes; die übrigen steuerten -glücklich um das Cap der guten Hoffnung und langten größtentheils am -18. Juli vor Mosambik an. Von hier wandte sich die Armada zunächst -nach Kiloa und eroberte die Stadt. An Stelle des vertriebenen Scheich -wurde ein den Portugiesen willfähriges Oberhaupt eingesetzt und zum -Schutze der Handelsinteressen eine Citadelle St. Jago erbaut, in -welcher man eine stärkere Besatzung nebst „Artegleria“ zurückließ. -Vor Mombas wurde die Expedition am 13. August ebenfalls feindlich -empfangen und aus den Kanonen beschossen, welche der Fürst der Stadt -einem gescheiterten portugiesischen Schiffe entnommen hatte.[100] -Darum mußte auch diese Hafenstadt mit Verlust von vier Todten und -siebenzig Verwundeten am 15. August erstürmt werden. Dann wurde die -Stadt geplündert und niedergebrannt. Von dem befreundeten Melinde, in -dessen Hafen sich vierzehn der schnellsegelnden Fahrzeuge eingefunden -hatten, steuerte man dann in sechzehn Tagen, resp. neunzehn Tagen -nach den Andjediven hinüber. Diese Inseln, welche als günstiger -Sammelplatz der Indienfahrer erkannt worden waren und daher von den -Portugiesen besetzt wurden, erhielten, auf der größten der fünf -Eilande, nach dem Befehle des Königs gleichfalls eine Citadelle nebst -Besatzung. Panischer Schrecken ergriff das Handelsvolk von Kalikut, -als sie die Ankunft Almeida’s vernahmen; denn die Portugiesen machten -unverweilt auf alle Handelsschiffe Jagd. Im Hafen von Onor wurden alle -Fahrzeuge, die vor Anker lagen, verbrannt und dabei ging ein Theil der -leichtgebauten Stadt in Flammen auf. Bei seiner Ankunft in Kananor nahm -gegen Ende October Almeida den Titel Vicekönig an, den ihm der König -Manuel beigelegt hatte. In dieser Stadt wurde die dritte Citadelle, -S. Angelo, angelegt und mit hundertundfünfzig Mann besetzt. Der Hafen -hatte gleichfalls für die Portugiesen eine besondere Wichtigkeit, denn -„do pflegen,“ wie Sprenger berichtet, „die Schiff allweg vor irem -Abschied Speis und Wasser zu nehmen“. Inzwischen lief die traurige -Nachricht ein, in Kollam sei der Factor Antonio de Sa sammt seinen -Leuten ermordet und die Factorei geplündert. Es waren nämlich zwanzig -maurische Schiffe dort eingelaufen und hatten den Kampf begonnen. Der -Factor war mit sechzehn Portugiesen in eine Kirche geflüchtet; aber -der Fürst von Kollam ließ dieselbe anzünden und die Fremden darin -verbrennen. Der Sohn des Vicekönigs, Lourenço d’Almeida, erhielt den -Auftrag, diese Unthat zu rächen, er rückte mit acht Schiffen vor den -Hafen und zerstörte die ganze maurische Flotte. - -Francisco d’Almeida selbst begab sich nach Kotschin und krönte den -dortigen Fürsten und Bundesgenossen im Namen des Königs Manuel mit -einer goldenen Krone, welche als Geschenk mitgebracht war, und verehrte -dem Königsvasallen zugleich einen goldenen Becher mit sechshundert -Cruzados, eine gleiche Summe wurde für alle Jahre zugesagt. Dafür -erzielte Almeida die Erlaubniß zum Bau einer Steinburg. - -Dann erhielten sechs Frachtschiffe ihre Ladung in Gewürz und gingen -Ende December und Anfang Januar 1506 von Kananor zurück nach Portugal. -Zwei andere Handelsschiffe folgten im Frühjahr nach. Einige von -der ersten Abtheilung wurden auf der Rückfahrt über den indischen -Ocean durch Sturm aus der gewohnten Bahn getrieben und segelten an -der Ostseite Madagascars hin, darunter auch zwei von den deutschen -Schiffen, und fanden so einen kürzeren Seeweg. Sie waren die ersten, -welche den südlichen Theil jener größten afrikanischen Insel -entdeckten, die damals S. Lourenço genannt wurde. - -Vier Schiffe, darunter auch San Raffael und San Jeronimo, ließen -bereits am 22. Mai 1506 im Hafen von Lissabon die Anker fallen. -Sprenger langte mit seinem Fahrzeuge erst im November daselbst an. -Dies glückliche Ereigniß für die deutsche Unternehmung erwähnt auch -Lucas Rem:[101] „~Adj.~ 22. May^o 1506 (Rem schreibt irrthümlich 1505) -kamen Sct. Jeronimo, Sct. Raffael und ~adj.~ 24. Nof. die Lionarda. Da -meret sich erst mie, anxt undt arbait. Sonder erhuben sich on mas fil -große und schwere Recht, den Ich aus wartet ob 3 Jar“. Die berührten -Rechtshändel beziehen sich wahrscheinlich darauf, daß die Deutschen -einen Antheil an der bei der Erstürmung von Kiloa und Mombas gemachten -Beute forderten, deren Werth auf 22,000 Cruzados geschätzt wurde. Aber -auch ohne dies war der Reingewinn bedeutend. Zwar erhielt dem Vertrage -gemäß die portugiesische Krone 40% vom Gewinn und hatten die fremden -Kaufherren nicht direct, sondern durch Vermittelung der portugiesischen -Factoren die Gewürze in Indien einkaufen müssen, theils um nicht etwa -die Preise zu steigern, theils aber und vor allem, um das Monopol der -Entdecker des Seewegs nicht in Frage zu stellen; trotz alledem betrug -nach Rems Angabe die „nutzung dieser armazion bey 150 ~pro Cento~“. - -Darum betheiligten sich die Deutschen auch sofort bei der Ausrüstung -der nächsten Handelsflotte, die unter Tristão da Cunha 1506 nach Indien -segelte. Leider gingen zwei Schiffe dabei zu Grunde; da aber Geld und -Gut gerettet wurden, war der Verlust gering. Doch wurde das Interesse -geschwächt, weil man in Folge des Schiffbruches einen längeren -Rechtsstreit mit dem König führen mußte. Als aber die Pfefferpreise von -Jahr zu Jahr aufschlugen -- im Jahre 1505 kostete der Centner Pfeffer -in Lissabon 20 Cruzados, 1520 dagegen schon 34¼ C., -- da verloren die -Deutschen allmählich die Lust, sich an dem Handel direct zu betheiligen. - - * * * * * - -Nach der Abfahrt Almeida’s von Portugal waren wiederum acht Schiffe -entsendet worden, welche unter Leitung Pero’s d’Anhaya die Ostküste -Afrikas ansegeln und in Sofala eine Befestigung anlegen sollten. Aus -Mangel an Steinmaterial wurde dieselbe aus Holz aufgeführt. Aber das -höchst ungesunde Klima der Niederung raffte viel Mannschaft hin; auch -der Capitän Pero d’Anhaya erlag demselben. Zu seinem Nachfolger wurde -später Nuno Vaz Pereira bestimmt; bemerkenswerth ist, daß unter ihm -der berühmte Fernão de Magalhães diente. - -In Indien war inzwischen, nach Abfertigung der ersten Lastschiffe, -der Vicekönig seinem Auftrag gemäß zum Angriff auf die maurischen -Flotten übergegangen. Sein Sohn Lourenço d’Almeida erfocht am 17. -und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg vor dem Hafen von Kananor -über zweihundert Segel (Prauen), welche der Beherrscher von Kalikut -ausgerüstet hatte. In Kananor, wo der Sieger einlief, kam der -Venetianer Ludovico di Varthema zu ihm aufs Schiff. Derselbe war 1502 -von seiner Vaterstadt in den Orient gewandert, hatte Aegypten, Syrien, -Arabien und Persien besucht, dann in den wichtigsten Hafenplätzen der -westlichen Küste Vorder-Indiens geweilt, am bengalischen Meerbusen die -Landschaften Bengalen und Pegu gesehen und endlich sogar Malaka und die -Gewürzinseln erreicht. Von Java war er dann nach Kalikut und Kananor -zurückgekehrt und hatte so, unter der Maske eines Mohammedaners, -den ganzen Sunda-Archipel durchstreift.[102] Was er nun über die -indischen Zustände und über den fernen Osten berichten konnte, war -den Portugiesen von hohem Werthe und gab wahrscheinlich auch die -Veranlassung, daß die Regierung in Portugal ihrem indischen Vicekönig -den Auftrag ertheilte, einige Schiffe zur Erforschung des Gewürzmarktes -von Malaka auszusenden. Allein Almeida konnte und wollte, da er in -Vorder-Indien selbst vollauf beschäftigt war und seine Macht nicht -zersplittern mochte, vor der Hand noch nicht darauf eingehen. Es war -offenbar, daß die mohammedanischen Schiffe, um zu den Gewürzhäfen zu -gelangen, andere Wege als bisher einschlugen. Statt die durch die -Portugiesen unsicher gemachten malabarischen Plätze anzulaufen, gingen -die Kauffahrer über die Malediven nach Ceylon, um dort die aus den -östlichen Productionsländern herbeigeführten Waaren in Empfang zu -nehmen. - -Als der Vicekönig dies in Erfahrung gebracht, schickte er seinen -tapfern Sohn zum zweiten Male mit Schiffen aus, um bei den Malediven -den Feinden auch diese Straße zu verlegen. Aber Lourenço verfehlte -sein Ziel vollständig und gelangte schließlich, statt nach den -Malediven, nach Ceylon. Es scheint, daß er sich hier durch eine List -der Mauren täuschen ließ und unverrichteter Sache wieder zurückkehren -mußte. Dem Oberbefehlshaber war es jedenfalls lieb, daß sein Sohn -sich in Ceylon nicht auch in blutige Conflicte eingelassen hatte; -denn die mohammedanische Stellung auf der großen Insel galt als -bedeutend, und ein blutiger Zusammenstoß hätte die Schaar seiner Gegner -unnöthigerweise vermehrt. Darum waren ihm auch die Unternehmungen -Affonso’s d’Albuquerque in Arabien durchaus zuwider; selbst die -kriegerischen Streifzüge an der Ostküste Afrikas hielt er für nutzlos, -weil sie die für Indien nothwendigen Streitkräfte zersplitterten. Er -wollte alle Macht und alle kriegerische Tapferkeit nur daran gesetzt -sehen, den werthvollsten Theil der indischen Küste dem portugiesischen -Handel und Staate tributpflichtig zu machen. - -Aber in Portugal dachte man anders und meinte, alle Küsten des -indischen Oceans, soweit die Glaubensfeinde auftauchten, angreifen und -auch bezwingen zu können. - -So gingen also im Frühjahr 1506 wieder fünfzehn Schiffe von Lissabon -ab: die zehn Lastschiffe, von denen wieder einige durch Deutsche -und Italiener ausgerüstet waren, sollten unter +Tristão da Cunha+ -direct nach Indien segeln, während Alfons d’Albuquerque mit fünf -Kriegsschiffen und 1300 Mann Soldaten nach der arabischen Küste -beordert wurde, um die Eingänge in das rothe Meer und den persischen -Golf zu bewachen. In Sokotra sollte er überdies eine Festung anlegen, -weil hier an dieser Insel die mohammedanischen Schiffe Wasser -einzunehmen pflegten. - -Unterwegs entdeckte Tristão da Cunha, als er vom Cap Agostinho in -Brasilien nach dem Caplande hinübersteuerte und seine Flotte durch -Sturm zerstreut sah, die nach ihm genannte einsame Felseninsel im -südlichen atlantischen Ocean unter 39° s. Br.; indeß fanden sich die -meisten Fahrzeuge bei Mosambik wieder zusammen. Nur Ruy Pereira wurde -auch noch im indischen Meere verschlagen und gerieth in den Hafen -Matatane auf Madagascar. Dort, glaubte er aus den Mittheilungen der -Eingebornen schließen zu dürfen, sei ein Reichthum an Silber, Pfeffer, -Ingwer u. a. einzuernten, ohne auf solche Handelsschwierigkeiten zu -stoßen wie in Indien. - -Auf diese Kunde hin machte sich Tristão da Cunha selbst nach dem -vielversprechenden Lande auf und erreichte im December 1506 die Bai -Angra da Concepção am nördlichen Ende der Insel. Aber hier traf er -noch Mauren. Wenn auch nicht eben wohlwollend empfangen, hütete sich -Tristão doch, sich in blutige Händel zu verwickeln, sondern er zog -nur sorgfältige Erkundigungen ein, aus denen leider hervorging, daß -die verlockenden Angaben Pereira’s auf Mißverständniß beruhten. Den -Plan, die ganze Insel zu umschiffen, gab er auf, nachdem er bei diesem -Versuch ein Schiff eingebüßt hatte, und kehrte an die afrikanische -Küste zurück. Südlich von Magadoscho (Makdischu) lag die feindliche -Stadt Brava (Barawa); dieselbe wurde nach heftiger Gegenwehr erstürmt -und geplündert. Die Portugiesen sollen dabei in der Schatzkammer des -Fürsten die reiche Beute von 2000 Centner (!) Silber gemacht haben. - -Dann steuerte die vereinigte Flotte nach Sokotra, wo Christen -abessinischer Abkunft, von den Portugiesen Jakobiten genannt, ansäßig -waren, aber seit 1480 in die Abhängigkeit von dem südarabischen Fürsten -von Fartach gerathen waren, welcher bei dem Hafen Soko (Tamarida) eine -Citadelle erbaute und mit hundert Mann besetzte. Diese Festung wurde -natürlich alsbald mit Sturm genommen, wieder ausgebaut, St. Miguel -getauft und mit portugiesischer Mannschaft belegt. - -Durch solche Nebenoperationen wurde viel Zeit vergeudet, ohne dem -eigentlichen Zwecke wesentliche Förderung zu bieten; denn man -verfeindete sich dadurch nur noch mehr mit dem Beherrscher Aegyptens -und war gleichwohl nicht im Stande, von Sokotra aus den Handelsverkehr -nach dem rothen Meere überwachen oder abschneiden zu können. - -Da Tristão da Cunha so lange ausblieb, gerieth Almeida in große -Verlegenheit, weil er sich bei unzulänglichen Mitteln in seinen -Unternehmungen gehemmt sah. Sein Sohn Lourenço verfolgte indessen im -kleinen Kriege alle fremden Handelsschiffe, welche sich der indischen -Küste näherten. - -Inzwischen starb aber auch der den Portugiesen befreundete Fürst in -Kananor, und sein Nachfolger verbündete sich wieder mit dem Samudrin, -weil der portugiesische Capitän Gonçalo Vaz da Goar ein kananorisches -Schiff, trotz seines portugiesischen Geleitsbriefes, hatte versenken -und die Mannschaft hatte ertränken lassen, angeblich, weil man es für -ein kalikutisches Schiff gehalten habe. - -Die neuangelegte Festung in Kananor wurde vier Monate belagert und -mehrere Male bestürmt; aber der tapfere Commandant Lourenço de Brito -hielt sich, bis Tristão da Cunha endlich gegen Ende August erschien und -ihn befreite. Die Festung wurde nun dauernder aus Stein erbaut. Da der -Vicekönig bereits genug Waaren hatte aufspeichern lassen, so konnten -Tristão’s Handelsschiffe rasch beladen und schon im December nach -Europa zurückgeschickt werden. - -Dann begab sich Lourenço d’Almeida mit einer Anzahl von Schiffen -nordwärts, um im Hafen von +Tschaul+, südlich von Bombay, Gewürze -einzunehmen. Nisam Schah, der Fürst von Tschaul, hatte sein kleines -Gebiet, welches gegen Norden an Gudjerat grenzte, von Dekhan unabhängig -gemacht und sich den Portugiesen angeschlossen. Inzwischen rückte -die ägyptische Macht unter Hussein heran. Der Admiral des Schahs von -Gudjerat, Melek Aias oder Aß, (angeblich ein Russe von Geburt, dessen -ursprünglicher Name Jakob, in der russischen Koseform Jascha, von den -Orientalen in Eias oder Aß verwandelt wurde,) kam den Aegyptern mit -vierzig +Fusten+ (s. Abbildung auf Seite 155) zu Hilfe. Als Statthalter -von Diu hatte er diesen Hafen zu einer blühenden Handelsstadt erhoben -und trat zunächst scheinbar für die Sache des Islam ein, wußte sich -aber bald auf schlaue Weise seines Bundesgenossen wieder zu entledigen. -Lourenço lag noch mit seinen Schiffen im Flusse vor Tschaul, als die -vereinigte feindliche Flotte herannahte. Da er die ägyptischen Schiffe -aber für das Geschwader des von Ormuz her erwarteten Albuquerque hielt, -blieb er ruhig liegen. So sah er sich genöthigt, im Flusse den Kampf -aufzunehmen. - -Am ersten Kampfestage erfolgte noch keine Entscheidung. Trotz der -feindlichen Uebermacht wollte aber Lourenço nicht bei Nacht auf die See -zurückweichen, weil er den Vorwurf seines spartanisch gesinnten Vaters -fürchtete, der bei einer früheren Gelegenheit seine zu große Vorsicht -getadelt hatte. So entspann sich am folgenden Morgen das Seegefecht von -neuem. Das Schiff des portugiesischen Capitäns erhielt durch einen -Kugelschuß einen bedenklichen Leck und mußte versuchen, sich durch ein -anderes Schiff aus dem Flusse herausschleppen zu lassen. Dabei gerieth -es in das von den Fischern behufs des Fischfanges angebrachte Pfahlwerk -und blieb, indem ein Pfahl in den Leck eindrang, wie angespießt, darauf -hängen. Das Bugsirtau riß und Lourenço war den feindlichen Angriffen -wehrlos preisgegeben. Trotz der verzweifelten Lage blieb er standhaft. -Seine Tapferkeit war für alle ein leuchtendes Vorbild. Hatte er -doch noch bei dem Kampfe von Panane im Handgemenge einem maurischen -Hauptmanne mit seinem Schlachtschwerte den Kopf bis auf die Brust von -einander gespalten. Da verwundete ihn eine Stückkugel am Schenkel; er -ließ sich verbinden, auf einen Stuhl neben den großen Mast setzen und -commandirte weiter, bis ihn eine zweite Kugel tödtete. Erst nachdem -fast die ganze Mannschaft gefallen oder verwundet auf Deck lag, wurde -das Schiff genommen, sank aber auch alsbald unter und blieb nicht als -Trophäe in den Händen der Sieger. Die übrigen Fahrzeuge kamen glücklich -nach Kotschin zurück, wo damals der Vicekönig lag. Dieser empfing die -Todesnachricht seines tapferen Sohnes ernst und gefaßt, aber er schwur -an den Mohammedanern Rache zu nehmen, zumal da diese an den ersten Sieg -große Hoffnungen knüpften. - -[Illustration: Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrh. mit Rohrsegeln und -am Stern aufgehängtem hölzernen Anker.[103]] - -Alle Kriegsschiffe wurden zu diesem Rachezuge aufgeboten und in -Stand gesetzt, besonders das größte, Flor de la mar, ein Schiff -von vierhundert Tonnen; aber der Angriff verzögerte sich noch. Die -ägyptische Flotte überwinterte indessen in Diu. - -Mittlerweile wurden auch von Portugal wiederum zwei Geschwader -ausgerüstet. Das eine bestand aus dreizehn Schiffen und sollte unter -dem Befehle des Jorge d’Aguiar zuerst an den ostafrikanischen und -arabischen Küsten kreuzen und dann nach Indien gehen, um für acht bei -dieser Abtheilung befindliche Frachtschiffe Ladung einzunehmen. Auf -dem Hauptschiffe San João sollte der Vicekönig nach Ablauf seines -Amtes am Schluß des Jahres 1508 in die Heimat zurückkehren. Die andere -Abtheilung unter Lopez de Sequeira ging mit vier Schiffen im April 1508 -direct nach Indien. Aber die erste Flotte unter d’Aguiar wurde durch -Sturm gänzlich zerstreut, die Schiffe fanden sich einzeln bei Mosambik -wieder zusammen; nur das Hauptschiff blieb aus, es war mit Mann und -Maus untergegangen, so daß außer dem Befehlshaber auch Tristão da Cunha -sein Grab in den Wellen fand. Der Untergang dieses Schiffes sollte -später die Rückkehr Francisco’s d’Almeida verzögern und ihm selbst -verhängnißvoll werden. - -[Illustration: Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta -(s. Seite 153).] - -Ehe wir aber den Vicekönig auf seinem letzten siegreichen Kriegszuge -in Indien begleiten, müssen wir unsern Blick auf die kühnen -Unternehmungen +Albuquerque+’s richten. Am 20. August 1507 war derselbe -mit sieben Segeln und vierhundert Mann von Sokotra aufgebrochen, -um die Handelsplätze am Golf von Oman zu brandschatzen, und sich -wenn möglich des wichtigsten Marktplatzes in jenem Gebiet, der Stadt -Ormuz, zu bemächtigen. Auf der Ostküste Arabiens zwischen Ràs el Hadd -und dem Ràs Mesandum erstreckt sich am Fuß des grünen Gebirges die -Landschaft Oman. Gegen das Wüstengebiet des Binnenlandes durch das -Gebirge gedeckt, mit vielen trefflichen Häfen und Ankerplätzen an der -wichtigen Handelsstraße zwischen Indien und Mesopotamien gelegen, hatte -dieses Gebiet seit Jahrhunderten sich an dem indischen Handel lebhaft -betheiligt. Weniger eng an die Satzungen des Islam gebunden und im -Verkehr mit Indien freiern Lebensanschauungen huldigend, hatten manche -dieser Städte sich zu bedeutendem Handelsrufe und Wohlstand erhoben. -Von Südosten gegen Nordosten waren die bemerkenswerthesten Hafenplätze -Kuriat, Maskat, Burka, Sohar und Khorfakkan, an welche sich dann an -der Meerenge des persischen Golfes die damals auf der kleinen, öden -Felsinsel gelegene, aber durch den Reichthum der Bewohner in aller Welt -bekannte Handelsstadt Ormuz anschloß. - -Albuquerque hatte die Absicht, diese Städte der Reihe nach -rücksichtslos die Ueberlegenheit der europäischen Waffen fühlen -zu lassen. Kuriat wurde erstürmt und verbrannt, Maskat ebenfalls -erobert. Sohar unterwarf sich ohne Widerstand, wurde daher auch nicht -der Plünderung preisgegeben, sondern nur zur Zahlung eines Tributs -angehalten. Khorfakkan (Orfacao), ein Hauptplatz für die Ausfuhr -arabischer Pferde nach Indien, war von den Einwohnern aus Furcht vor -den schrecklichen Feinden verlassen und wurde daher ausgeplündert. So -rückte der Verwüstungszug näher an Ormuz heran. Die Zeitgenossen haben -über Albuquerque’s barbarische Kriegführung kein abfälliges Urtheil -ausgesprochen. Daß er hart und herzlos Gefangene verstümmeln ließ und -Städte vom Erdboden vertilgte, fand das Zeitalter ganz natürlich; es -galt ja dem Feinde der Christenheit. Man kämpfte für den heiligen -Glauben und hatte Gott auf seiner Seite. - -Ende September 1507 erschien die portugiesische Flotte vor Ormuz. Den -Thron hatte damals ein zwölfjähriger Knabe, Seif-eddin (Seifadin) inne, -der eigentliche Regent war Chodscheh Atar, von Geburt ein Bengale. Die -Stadt lag, im Süden durch Felsen gedeckt, auf der flacheren Nordseite -der Insel; zwischen ihr und der Felsenküste von Mogistan befand sich -der Hafen. Die Besatzung bestand aus 30,000 Mann, darunter 4000 -persische Bogenschützen als Bundesgenossen. Albuquerque begrüßte bei -seiner Ankunft die Stadt durch Kanonensalven und segelte dann kühn in -den Hafen hinein. Kurzer Hand forderte er Unterwerfung und Anerkennung -der portugiesischen Oberhoheit, andernfalls drohte er mit Vernichtung. -Aber der Regent war nicht gewillt, sich bei seiner bedeutenden Macht -ohne weiteres in fremde Botmäßigkeit zu begeben, er lehnte die -Forderung des Portugiesen ab. Als Antwort darauf ließ Albuquerque -die Handelsschiffe im Hafen in den Grund bohren. Dabei wurden seine -Schiffe von zweihundert mit Bogenschützen bemannten Böten angegriffen; -aber die höher gebauten europäischen Fahrzeuge und namentlich das -europäische Geschütz behielt den Sieg. Dann erst bequemte sich -Chodscheh Atar, die Oberhoheit des Königs Manuel anzuerkennen und einen -jährlichen Tribut von 15,000 Scherafinen (etwa ~à~ 6 Mark) zu zahlen. -Auch mußte er gestatten, daß die Portugiesen eine Festung anlegten. -Schon im October begann der Bau, aber die portugiesischen Capitäne, -welche unter Albuquerque dienten, halfen nur ungern; sie hätten lieber -gewinnreiche Jagd auf Handelsschiffe gemacht oder wären nach Indien -gesegelt, um Gewürze einzuhandeln. Sie vereinigten sich zu einem -schriftlichen Protest, aber der Oberbefehlshaber zerriß denselben, -ungelesen, unter dem Thor der neuen Citadelle. Dadurch gekränkt und -beleidigt suchten die Capitäne nach einer Gelegenheit, sich von ihrem -Führer zu trennen. Die Uneinigkeit unter seinen Feinden ermuthigte den -Regenten der Stadt zu erneutem Widerstande. Die Gelegenheit dazu bot -sich bald. Da fünf von der Flotte entlaufene und in die Stadt gelockte -Portugiesen nicht sofort, wie Albuquerque verlangte, ausgeliefert -wurden, so brach der Krieg von neuem aus. Derselbe mußte aber rasch -abgebrochen werden, weil drei Capitäne mit ihren Schiffen auf eigene -Verantwortung den Hafen verließen und nach Indien segelten, so daß -Albuquerque, dadurch in seiner Macht geschwächt, allein den Kampf nicht -fortführen konnte, sondern sich genöthigt sah, zur Ueberwinterung -nach Sokotra zurückzuweichen. Doch schickte er den João da Nova den -Flüchtigen nach, um sich beim Vicekönig über solche unerhörte Felonie -zu beschweren. - -In Sokotra fand er die Besatzung der kleinen Citadelle durch Krankheit -und Hunger erschöpft. Von Melinde mußten Lebensmittel herbeigeschafft -werden; statt Unterstützung zu finden, mußte Albuquerque Hilfe -schaffen. Sein Aufenthalt an der afrikanischen Insel verzögerte sich -bis in den Hochsommer, dann kam unter Vasco Gomez d’Abreu Verstärkung -von Lissabon. Mit dieser vereinigte er den Rest seiner Macht, sah sich -also wieder an der Spitze von 300 Mann und war kühn genug, mit dieser -kleinen Schaar zum zweiten Male vor Ormuz zu rücken. Chodscheh Atar -hatte nach dem Abzuge der Portugiesen, deren Mißerfolge er sich als -Sieg anrechnete, im Vertrauen auf seine neubefestigte Stellung und -die eigne Truppenmacht, (die persischen Bundesgenossen waren durch -seinen Uebermuth verscheucht,) klugerweise die von den Portugiesen -begonnene Festung ausgebaut[104] und mit Geschützen armirt, welche -er durch europäische Ueberläufer hatte gießen lassen. Er war, wenn -auch auf sich allein angewiesen, doch nicht so wehrlos dem Gegner -preisgegeben als das erste Mal. Daher mußte sich Albuquerque vorläufig, -als er im September 1508 wieder vor der Stadt erschien, auf die -Blokade beschränken. Inzwischen erhielt aber Atar eine wesentliche -Hilfe und Ermuthigung zum Widerstande von einer Seite, woher er sie -wohl am wenigsten erwartete, vom Vicekönig Almeida selbst. Dieser -hatte nämlich auf die Klage der drei Capitäne, welche sich vor Ormuz -von Albuquerque getrennt hatten, im Mai 1508 eine Untersuchung der -Angelegenheit befohlen und Gonçalo Fernandez damit beauftragt. Im -Verlauf derselben war Almeida immer mehr zur Ueberzeugung gekommen, daß -Albuquerque durch seine Gewaltthaten die Interessen der portugiesischen -Krone mehr schädige als fördere. Ein von den Portugiesen aufgebrachtes -Schiff von Ormuz hatte Almeida wieder freigegeben und mit Briefen -an den Regenten von Ormuz gesandt. Almeida’s Schreiben[105] athmete -Freundschaft für die reiche Handelsstadt, wenn er auch wünschte, der -Fürst möge seinem König jährlich ein Geschenk senden. Er sprach seinen -Unwillen über die verderbliche Kriegführung Albuquerque’s aus und -sicherte, indem er sieben Geleitsbriefe mitsandte, jedem Handelsschiffe -von Ormuz seinen Schutz zu. „Ich will,“ schrieb er, „an dem König von -Portugal zum Verräther werden, wenn ich dulde, daß ihnen auch nur ein -Haar gekrümmt werde.“ - -Eine Abschrift dieses Briefes ließ Chodscheh Atar an Albuquerque -übermitteln. Albuquerque bestand aber auf der Zahlung des Tributs -und erklärte die Briefe des Vicekönigs für untergeschoben, weil sie -dessen Unterschrift nicht trügen. Atar erklärte dagegen, die Stadt -werde bereit sein, in Friedenszeiten den auferlegten Tribut von -15,000 Scherafinen zu zahlen; wenn aber ihr Handel gelähmt werde, -könne sie die Summe unmöglich aufbringen. Die Briefe seien echt, des -Königs Siegel und des Vicekönigs Unterschrift bürgten dafür. -- Man -weiß, welche Achtung man im ganzen Orient dem Siegel und Namenszuge -eines Mannes zollt. Albuquerque setzte darauf die Blokade noch eine -zeitlang fort und beunruhigte die Stadt in kleinen Gefechten; da er -aber die Gewißheit hatte, daß ihm von Indien her keine Unterstützung -kommen werde, und da er sah, daß es seinen Schiffen immer schwieriger -wurde, sich zu halten, weil sie leck geworden waren, so entschloß er -sich endlich den Kampf abzubrechen und nach Indien zu gehen. Ohne -Zwischenfälle erreichte er die Andjediven, machte dort drei Tage halt -und segelte dann nach Kananor, wo er den Vicekönig fand (im Dec. -1508). Leider mußte er hier erfahren, daß Almeida zwei von seinen -rebellischen Capitänen in Freiheit gesetzt, und den dritten, um sich -zu rechtfertigen, nach Portugal entsendet hatte. Da er zum Nachfolger -im Commando ernannt worden war, so verlangte er die Uebergabe des -Oberbefehls; aber Almeida, augenblicklich in der Ausrüstung seines -Zuges gegen Goa begriffen und begierig, noch vor Ablauf seines -Regiments die vor Tschaul den portugiesischen Waffen zugefügte -Niederlage und den Tod seines Sohnes zu rächen, erklärte, er werde -sein Amt nicht vor dem Schluß des laufenden Jahres niederlegen, auch -sei das Schiff, auf dem er, der von Portugal ergangenen Weisung gemäß, -zurückkehren solle, noch nicht angelangt. Dieses Schiff aber war, wie -bereits berichtet ist, an der ostafrikanischen Küste gescheitert und -untergegangen. Mißmuthig wartend zog sich Albuquerque nach Kotschin -zurück. - -Kurz darauf, am 12. December 1508 brach Almeida mit neunzehn Segeln -gegen Norden auf; später stießen noch vier Schiffe zu ihm, so daß seine -Flotte nun dreiundzwanzig Schiffe mit 1600 Mann Truppen zählte. Noch -vor Ablauf des Jahres wurde die Stadt Dabul erstürmt und entsetzlich -verwüstet, so daß die Zerstörung dieser Stadt im Orient noch lange mit -Schaudern erzählt und sprichwörtlich wurde als ein Beispiel unerhörter -Vernichtung. - -Erst am 2. Februar 1509 kam das Geschwader vor Diu an. Im Hafen lagen -die Flotten der Aegypter und des Statthalters von Diu, Melek Eias, -vereinigt; auch der Samudrin hatte eine Anzahl bewaffneter Fusten -zu Hilfe gesendet. Aber die drei Parteien trauten einander nicht, -besonders Melek Eias spielte eine zweifelhafte Rolle. Am folgenden Tage -drang Almeida in den Hafen ein und richtete seinen Angriff lediglich -auf die ägyptischen Schiffe. Eins nach dem andern wurde geentert und -versenkt, so daß der Flottenführer Hussein nur mit Noth dem allgemeinen -Verderben entrinnen konnte. Er verließ heimlich sein Schiff, bestieg -am Lande ein Pferd und jagte flüchtig nordwärts nach Kambaya. Als die -Schiffe von Diu und Kalikut sahen, daß der Ausgang des Kampfes nicht -mehr zweifelhaft blieb, und daß man sie vorläufig schonen wollte, zogen -sie sich bei Zeiten zurück. Auch hatte sich Almeida dafür entschieden, -Melek Eias vor Diu nicht anzugreifen, obwohl derselbe die Hauptursache -gewesen, daß sein Sohn Lourenço gefallen war. Der Vicekönig mochte -auch befürchten, durch einen Angriff auf Diu den Oberherrn des Landes, -den König von Gudjerat, mit in den Krieg zu verwickeln. Ihm war vor -allem darum zu thun, die mohammedanischen Aegypter aus den indischen -Gewässern zu vertreiben; mit den einheimischen Fürsten hoffte er -dann schon wieder in ein freundlicheres Verhältniß treten zu können. -In diesem Bestreben kam ihm sogar das schlaue Verhalten Melek Eias -entgegen, welcher sich nicht entblödete, den portugiesischen Sieger -wegen seines Erfolges zu beglückwünschen und ihm seine Dienste -anzubieten. Almeida begnügte sich daher auch, nur die Auslieferung -der Portugiesen zu verlangen, die auf dem Schiffe seines Sohnes zu -Gefangenen gemacht waren. Dieselben wurden auch alsbald durch Melek -Eias zurückgesandt. Dann kehrte der Vicekönig nach Kotschin zurück. -Hier erneuerte Albuquerque wiederum seine gerechte Forderung, ihm den -Oberbefehl zu übergeben; aber Almeida zögerte immer wieder, weil das -erwartete Schiff noch nicht angelangt sei. Erst als Fernão Coutinho im -Oktober 1509 von Portugal mit vierzehn Schiffen in Kotschin einlief -und bestimmten Befehl für den Wechsel des Obercommandos mitbrachte, -trat Almeida von seinem Amte zurück und schiffte sich am 19. December -ein. Aber er sollte die Heimat nicht wieder sehen. Das Schiff ging an -der Westküste von Südafrika, in der Saldanhabai, vor Anker um Wasser -einzunehmen. Dabei verwickelte sich die Mannschaft in einen Kampf mit -den Hottentotten und 150 tapfere Streiter, darunter elf Hauptleute, -welche in Indien Wunder der Tapferkeit gethan, wurden sammt dem -Vicekönig von den nackten Wilden überwältigt und erschlagen. „Nie,“ -so klagt de Barros, „erlitten die portugiesischen Waffen ein größeres -Unglück!“[106] - -Almeida war ein tüchtiger Soldat, ein uneigennütziger, sittlich reiner -Charakter und daher auch bei jedermann beliebt und hochgeachtet. -Er sorgte väterlich für die Soldaten, aber er stellte auch an ihre -Leistungen hohe Ansprüche. Ihre materielle Lage suchte er zu heben, -denn ihr Sold war gering, und daher kamen häufig Desertionen vor. Der -König war nur darüber unzufrieden, daß Almeida mit seinen Belohnungen -nicht geizte. Dieser aber sah sich vielfach durch die von Portugal -ergangenen Befehle in seinen Unternehmungen gekreuzt. Namentlich -tadelte er das Verfahren der portugiesischen Verwaltung, ihm Höflinge -zu senden, die nichts leisteten, aber in Indien alsbald höhere Stellen -beanspruchten, ohne sie verdient zu haben. Dem König schrieb er: „Ich -rathe Euch, dem Vicekönig, den Ihr sendet, mehr Vertrauen zu schenken, -als mir zu Theil geworden ist, und keine Befehle zu erlassen, ehe Ihr -Eure Rathgeber in Indien gehört habt.“ - -Er wollte alle Macht auf die Beherrschung des Meeres an der Westküste -Indiens werfen und die Flotte nicht durch Operationen an der -afrikanischen oder arabischen Küste zersplittert sehen. Daher seine -Abneigung gegen Albuquerque, in welcher er durch die abtrünnigen -Capitäne desselben bestärkt wurde. Als ihm der König befahl, Schiffe -nach Malaka zu senden, erwiderte er, dazu habe er noch keine Zeit, in -Indien gebe es noch genug zu thun. - -So handelte er stets nach einem festen Plane und ließ sich selbst -durch directe Befehle, die von Portugal an ihn ergingen, nicht davon -abbringen. Daß sein System mit ihm fallen würde, sah er voraus; denn -sein Nachfolger schlug ganz andere Bahnen ein und erweiterte den -Kampfplatz über die ganze Breite des indischen Oceans. In trüber -Stimmung, erhöht durch die Erinnerung an den herben Verlust seines -tapferen Sohnes, verließ der erste Vicekönig Indien und fand auf -afrikanischem Boden ein tragisches Ende. - - -7. Affonso d’Albuquerque, Generalcapitän und Governador von Indien. - -Nachdem Almeida Indien verlassen hatte, traf Albuquerque in -Gemeinschaft mit dem Marschall Coutinho seine Vorbereitungen, Kalikut -anzugreifen und den Samudrin zu züchtigen; denn König Manuel hatte -diesen Angriff dringlich befohlen. Fernão Coutinho ergriff diese -Gelegenheit, sich in Indien mit Kriegslorbeeren zu schmücken, mit -unverhohlener Freude. So wurde er des lästigen Commandos über die -Handelsflotte ledig. „Seine Vorfahren hätten sich nicht mit Handel -abgegeben, und er selbst habe auch keine Neigung für solches Gewerbe.“ -Er war durch und durch Soldat und blickte mit Verachtung auf die -Kriegsleistungen der Indier. Am Abend des 2. Januar 1510 erschien die -vereinigte Flotte vor Kalikut, sie hatte, ungerechnet die indischen -Hilfstruppen, gegen 2000 portugiesische Soldaten am Bord. Der Samudrin -selbst war wahrscheinlich auf einem Feldzuge gegen einen benachbarten -Fürsten von seiner Hauptstadt fern, als die drohende Macht vor seiner -Residenz erschien. In der Nähe der Stadt, nicht fern vom Meere, lag auf -einer Anhöhe das Schloß des Fürsten, welches in der Zwischenzeit durch -Erdwälle verschanzt und in eine Festung umgewandelt war. Hieher mußte -sich der erste Angriff richten, wenn die unbefestigte Stadt selbst -dauernd gewonnen werden sollte. - -Coutinho forderte die Führung des ersten Treffens, er hoffte wohl -allein mit der feindlichen Streitmacht fertig werden zu können. -Albuquerque willigte nur ungern ein, weil er den Marschall als einen -Hitzkopf kannte, der mit den indischen Kriegslisten noch zu wenig -vertraut war und ohne viel Ueberlegung drauf los ging in der Erwartung, -schon beim ersten Waffengange seine Gegner in alle Winde zu verjagen. - -Als aber am Morgen des 3. Januar die Ausschiffung der Truppen begann, -zeigten sich die Nair doch so zäh im Widerstande und überschütteten -ihre Feinde mit einem solchen Hagel von Geschossen, daß die Portugiesen -bei ihrem Angriff sich zu theilen beschlossen. So kam es, daß indem -beide Feldherren verschiedene Landungsplätze wählten, Albuquerque seine -Leute eher ans Land geworfen hatte und zum Sturm überging als sein -Waffengefährte. Nach einem erbitterten Kampf um den Wall, bei welchem -schon viele Streiter fielen, drang der Generalcapitän zuerst in die -Schanzen ein, ließ Feuer in die königlichen Häuser werfen und vertrieb -die Indier aus der festen Stellung. Coutinho sah sich dadurch um den -ersehnten Ruhm betrogen und nannte, vor Zorn und Schmerz glühend, -jenen ein um das andere Mal einen wortbrüchigen Menschen, der anderen -keine Ehre und Auszeichnung gönne. Albuquerque blieb bei diesen -Schmähungen kaltblütig und wies darauf hin, daß man oft im Kriege gegen -den vorgefaßten Plan handeln müsse, wenn der günstige Augenblick es -fordere. Auch sei mit diesem ersten Erfolg der Sieg noch keineswegs -entschieden. Der Gegner sei zwar zurückgewiesen, aber seine Macht noch -nicht gebrochen. Allein Coutinho achtete nicht darauf, in blinder -Aufregung gebot er sofort den Angriff auf die Stadt. Hier wollte er -der erste sein und die Brandfackel in den großen königlichen Palast -schleudern. In einem entfernten Stadttheile lagen auf einem freien -Platze, von Mauern umgeben, die weitläufigen Gebäude des Fürstensitzes. -Trotz des Widerstandes drangen Coutinho und seine Schaar durch Thor und -Mauerlücken ein und legten Feuer an, worauf die Indier zurückwichen. -Albuquerque folgte, nachdem er vorsorglich einen Theil seiner -Mannschaft am Ufer zur Bewachung der Böte zurückgelassen hatte, durch -Kampf in den Straßen der Stadt aufgehalten, langsam nach. Coutinho -glaubte schon, im Besitze des Palastes, sich des vollständigen Sieges -erfreuen zu können, und gestattete sorglos seinen Soldaten sich zu -zerstreuen und die königlichen Schätze zu plündern. Darauf hatten aber -die Indier gewartet; sie sammelten sich von neuem und gingen wieder -zum Angriff über. Sie umzingelten in hellen Haufen den Palast und -drangen endlich trotz der hartnäckigen Gegenwehr des portugiesischen -Hauptmanns, dem die Bewachung des einen Thores übergeben war, wieder -in den Hof ein und fielen über die zerstreuten Portugiesen her. -Albuquerque konnte nur mit Mühe bis in die Nähe des Kampfplatzes -vordringen und sandte Boten über Boten an den Marschall, um ihn zu -eiligem Rückzuge aufzufordern. Dieser aber verachtete immer noch die -drohende Gefahr und erwiderte, der Generalcapitän möge nur ruhig den -Abmarsch antreten, er selbst werde folgen, wenn seine Mannschaft sich -wieder gesammelt hätte. - -Selbst von allen Seiten umdrängt, wich Albuquerque langsam zurück. -Der Rückzug ging durch einen Hohlweg, von dessen hohen Rändern aus -die Indier mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen die Portugiesen -überschütteten. Von Coutinho war er vollständig abgeschnitten und -konnte nur auf sich selbst Bedacht nehmen, da seine Truppen sich -weigerten, noch einmal den Versuch zu wagen, sich bis zu dem Marschall -durchzuschlagen. Albuquerque wurde im Gewühl zuerst schwer am linken -Arme verwundet, erhielt dann einen Pfeilschuß in den Nacken und mußte -endlich, als ihn ein mächtiger Stein vor die Brust traf, besinnungslos -fortgetragen werden. Der Marschall aber fiel mit 80 Kampfgefährten. So -endigte, durch die Tollkühnheit Coutinho’s herbeiführt, dieser Angriff -auf Kalikut als vollständige Niederlage; und hätte nicht Albuquerque -am Ufer die Schiffe mit starker Mannschaft bewachen lassen und wäre -die See nicht ruhig gewesen, so hätte der Ausgang des Tages für die -Portugiesen dermaßen verhängnißvoll werden können, daß ihre ganze -Machtstellung in Indien zweifelhaft geworden wäre. - -Nach dem Fall Coutinho’s erhielt Albuquerque auch das Commando über -dessen Schiffe und begab sich nach Kotschin. Kaum war er von seinen -Wunden genesen, so sann er auf neue Kriegspläne. Ende Januar 1510 waren -21 Schiffe ausgerüstet und bemannt. Es schien, als wollte er, dem -Befehl seines Königs gemäß, nach dem rothen Meere segeln, um dort einer -neuen ägyptischen Flotte entgegenzutreten. Aber der Generalcapitän -hatte seine wahren Absichten nur geheim gehalten, um desto -erfolgreicher einen unerwarteten Schlag zu thun. Er hatte sein Absehen -auf +Goa+ gerichtet, welches so ziemlich auf der Mitte der Westküste -Vorder-Indiens und dazu in der Nähe der Andjediven gelegen, wohin die -von Afrika herübersteuernden Schiffe meistens ihren Lauf richteten, -besonders günstig erschien, um von hier aus das westliche Meer und die -Straßen nach Ormuz und Aden zu beherrschen. Goa lag auf einer flachen, -aber nicht feuchten Insel, welche durch die gemeinsame Arbeit mehrerer -von den Westghats herabkommender Flüsse aus dem continentalen Ufersaume -gleichsam herausgeschnitten war. Die Insel ist von Osten nach Westen -ungefähr drei Meilen lang und von Norden nach Süden zwei Meilen breit. -Das höhere, hügelige Land läuft gegen die See in eine Spitze aus. Die -gegen das Meer bedeutend erweiterten Mündungen gestatteten den Zutritt -der Flut um die ganze Insel. Die alte Stadt lag auf der Südseite, die -neue Stadt war ungefähr vierzig Jahre vor der Ankunft der Portugiesen -in Indien von Mohammedanern gegründet, die von der etwa 18 Meilen -weiter südlich gelegenen Stadt Onor hieher geflüchtet und sich unter -der Führung Melek Husseins hier angesiedelt hatten. Die Canäle, welche -die Insel und Stadt umziehen, sind voll von Krokodilen und durften -daher, wenn sie zur Ebbezeit durchwatbar werden, nur mit Vorsicht -durchschritten werden. Alt-Goa ist jetzt fast ganz verlassen, nur -Geistliche und Mönche wohnen noch dort zwischen den großartigen Ruinen -zahlreicher Kirchen und Klöster. Der Hafen der neuen Stadt ist wegen -seiner wunderbaren landschaftlichen Schönheit hoch gepriesen. - -Die Zeit zum Angriffe war von Albuquerque insofern sehr günstig -gewählt, als der damalige Beherrscher Adil-Schah, der König von -Bidjapur, nur wenig Truppen in der Stadt unterhielt. Die Bevölkerung -des Hafenplatzes und die militärische Besatzung standen in ihren -Interessen einander gegenüber. Als Albuquerque mit seiner Flotte -vor der Einfahrt zum Hafen angelangt war, schickte er seinen Neffen -Antonio de Noronha mit bewaffneten Böten voraus, um das Fahrwasser in -den Canälen zu untersuchen. Bei einer Biegung des Flusses sahen sich -die Portugiesen plötzlich der Citadelle von Pandjin gegenüber, welche -nach der Seeseite die Stadt deckte. Unverweilt, ehe die Besatzung sich -sammelte und die Kanonen bedienen konnte, gingen die Portugiesen zum -Sturm über und drangen durch die Schießscharten und über den Wall in -die Citadelle, welche, nachdem ihr Befehlshaber verwundet worden, von -der Besatzung aufgegeben wurde. Der Generalcapitän hörte in der Ferne -das Kampfgetöse und gab sofort Befehl, mit allen Truppen vorzugehen, -fand aber bei seiner Ankunft den befestigten Platz bereits in den -Händen der Seinigen. Die Truppen des Adil-Schah zogen sich auch aus der -Stadt zurück, und ihr Anführer empfahl den Bürgern, sich ohne Gegenwehr -zu ergeben, denn die abendländischen Feinde seien unwiderstehlich. So -erschien schon am nächsten Tage eine Gesandtschaft von Bürgern vor -Albuquerque und bot gegen Sicherheit des Lebens und Eigenthums die -Unterwerfung an. Dieselbe wurde angenommen, doch wurde das vorhandene -Kriegsmaterial als Beute erklärt, Albuquerque zog mit seinen Truppen in -die Stadt und nahm den Palast des Statthalters in Besitz. Die eroberte -Citadelle wurde verstärkt, und die Flotte ging im Hafen vor Anker. Die -Schiffe wurden zum Theil sogar abgetakelt, damit während der Regenzeit -das Tauwerk nicht zu sehr litte; denn Albuquerque gedachte längere Zeit -in Goa zuzubringen. - -Inzwischen aber sammelte der Fürst des Landes ein größeres Heer und -rückte zum Entsatz heran. Die Portugiesen konnten die unbefestigte -Stadt nicht behaupten, und zogen sich auf die Schiffe zurück; aber -gedeckt durch die Kanonen der Citadelle blieb die Flotte noch im Hafen -liegen. - -Gegen Ende Mai trafen die Indier Vorkehrungen, dem Feinde den Rückzug -abzuschneiden, sie versenkten Schiffe in dem unteren Theile des Canals, -der zur See führte, und ließen brennende Flöße den Fluß hinabtreiben, -um die portugiesischen Fahrzeuge in Brand zu setzen. Bei dieser -drohender werdenden Gefahr mußte sich Albuquerque entschließen, -vorläufig das Errungene wieder aufzugeben. Aber auch der Rückzug war -mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft. Einzeln mußten seine Schiffe -zwischen den versenkten Fahrzeugen hindurch geführt werden und waren -dabei unausgesetzt dem Feuer der Feinde preisgegeben, welche an beiden -Seiten Schanzen aufgeworfen hatten. Diese mußten also erst erstürmt -werden, um das Feuer der Gegner zum Schweigen zu bringen. Und selbst -als dieses gelungen war, hemmte noch das seichte Wasser über der Barre -das Auslaufen der Flotte in die See eine längere Zeit. Von allen -Hilfsmitteln des Landes abgeschnitten, trat Mangel an Lebensmitteln -und Wasser ein, der Mann bekam täglich nur noch vier Unzen Zwieback, -und auf einigen Schiffen sah man sich sogar gezwungen, Jagd auf Ratten -zu machen. Jeder Tropfen Wasser mußte mit Blut erkauft werden. Antonio -de Noronha wurde durch einen Pfeilschuß verwundet und starb am dritten -Tage, ein herber Verlust für Albuquerque, welcher seinen heldenmüthigen -Verwandten sehr hoch schätzte. Zwar verrichteten noch manche Wunder -der Tapferkeit und gewannen dadurch die Bewunderung ihrer Feinde; aber -bei vielen griff Mißmuth und Verzagtheit dergestalt um sich, daß sie -in ihrer Verzweiflung und von Durst und Hunger gequält, desertirten. -Albuquerque bewies auch in dieser Noth seine Seelenstärke, feuerte -seine Schaar durch Trostesworte immer von neuem an und theilte mit -ihnen alle Entbehrungen und Gefahren. Erst im August gelang es ihm, -über die Barre hinwegzukommen und die See zu gewinnen. Es war die -zweite Niederlage, die er erlitten; aber sein Muth war nicht gebrochen -und seine Absichten auf Goa behielt er im Auge. Vorläufig allerdings -mußte er seinen Truppen Ruhe gönnen und wandte sich daher mit seiner -Flotte südwärts zu dem befreundeten Hafen nach Kananor. Auf dem Wege -dahin stießen vier Schiffe des Diogo Mendes de Vascogoncellos zu ihm, -die von Portugal aus den Auftrag erhalten hatten, einen Streifzug -nach dem berühmten Markte von Malaka zu unternehmen, weil man damals -im Mutterlande noch nicht erfahren hatte, daß, wie wir später sehen -werden, Lopez de Sequeira bereits jener Handelsstadt einen Besuch -abgestattet hatte. In Kananor stieß dann noch ein zweites Geschwader -zu ihm, welches unter der Führung des Capitän Gonçalo de Sequeira -mit sieben Handelsschiffen und frischen Truppen im März von Lissabon -ausgelaufen, aber ein Schiff an der afrikanischen Küste verloren hatte. - -Dieser Zuwachs an Macht bestärkte den Generalcapitän, einen neuen -Angriff auf Goa zu machen. Vascogoncellos erklärte sich bereit, an -diesem Zuge theilzunehmen, da der ihm gewordene Auftrag bereits -erledigt sei. Gonçalo de Sequeira dagegen glaubte die Theilnahme -ablehnen zu müssen, weil einerseits die meisten Schiffe Privatrhedern -gehörten, welche nur, um Handel zu treiben, gekommen wären, und -anderseits ihre nächste Hilfe dem Fürsten von Kotschin gehöre, welcher -von einem Nebenbuhler, den der Samudrin mit Truppen unterstützte, -hart bedrängt werde. Um diesen zweiten Grund sofort zu erledigen, ging -Albuquerque mit einigen Schiffen und Mannschaften nach Kotschin und -stellte die Ruhe und gesetzmäßige Regierung in kurzer Frist wieder -her. Dann berief er in dieselbe Stadt einen Kriegsrath sämmtlicher -Hauptleute, um sie für seinen Plan zu gewinnen. - -Dieser Rath trat am 12. October 1510 zusammen. Der Generalcapitän legte -der Versammlung die Frage vor, ob sie nicht seinem Plane zustimmen -wolle, während die Handelsschiffe in Kotschin ihre Gewürzfrucht -einnähmen, alle verfügbare Mannschaft mit seinen Truppen zu vereinigen, -um Goa von neuem zu erobern. - -Diese Berathung ist in der späteren Zeit von außerordentlichen Folgen -gewesen. Hier war es, wo +Fernão de Magalhães+ sich entschieden für -die Ansicht Sequeira’s aussprach und Albuquerque dadurch auf das -empfindlichste verletzte: +Vor+ dem 8. November werde man bei den -augenblicklich herrschenden Gegenwinden schwerlich mit der Flotte vor -Goa erscheinen können (-- Albuquerque kam in der That erst am 24. -November dahin --); dann werde aber die Rückfahrt der Handelsschiffe -dermaßen verzögert, daß man entweder der am Kriegszuge betheiligten -Mannschaft später keine Zeit lassen könne, ihre eigenen Angelegenheiten -zu betreiben, um sich zur beschleunigten Abreise einzurichten, oder es -werde der günstige Monsun verpaßt. - -Albuquerque erklärte dagegen aufs bestimmteste, er werde den nächsten -Tag aufbrechen, er werde auch niemanden gegen seinen Wunsch zwingen -mitzugehen, aber er wünsche deshalb diesen Zug so bald als möglich zu -unternehmen, um mit der demnächst abzufertigenden Handelsflotte seinem -Könige eine erfreuliche Botschaft aus Indien übersenden zu können. - -So blieben die +Ansichten+ getheilt und der Generalcapitän gewann nur -einen Theil der Stimmen für sich. Der Widerspruch Magalhães legte -den Grund zu dem ungünstigen Urtheile, welches Albuquerque in einem -Berichte an den König über jenen fällte, und welches wohl die Ursache -war -- denn wir kennen keine andere -- daß Manuel späterhin, als -Magalhães um eine bescheidene Erhöhung seiner wohlverdienten Pension -nachsuchte, die Gewährung dieser Bitte verweigerte, wodurch der -Bittsteller sich so sehr verletzt und zurückgesetzt fühlte, daß er -seinem Vaterlande den Rücken kehrte und auf spanischen Schiffen seine -berühmte, ja die berühmteste aller Weltreisen unternahm. Magalhães -scheint bald nach dem Conflicte mit Albuquerque Indien verlassen zu -haben, denn hier sah er von da an sich aller Gelegenheit beraubt, -Aufzeichnung und Ruhm zu gewinnen. - -Die portugiesische Flotte, 23 Segel stark, erschien mit 1600 Mann -Soldaten am 20. November vor Goa. Gaspar de Paiva hatte, mit drei -Schiffen vorausgesandt, schon einige Zeit vor dem Hafen gekreuzt und -kein Schiff weder hinein, noch heraus gelassen. In der Stadt war man -auf einen heißen Kampf gefaßt. Ohne Zeitverlust ging Albuquerque zum -Angriff über, schon am 25. November wurde die Citadelle erstürmt und -die Insel besetzt; aber gewarnt durch die schlimme Erfahrung von -Kalikut duldete er nicht, daß die Soldaten sich zerstreuten. Dann wurde -auch die Stadt selbst von zwei Seiten angegriffen und erobert. Viele -Einwohner verließen die Stadt, aber bei ihrer hastigen Flucht sollen in -den seichten Durchgängen der Canäle mehrere Tausende umgekommen sein. -Alles was mohammedanisch war, wurde in dem eroberten Platze ohne Gnade -niedergemacht: Männer, Weiber und Kinder. Eine Moschee, mit Gefangenen -angefüllt, wurde den Flammen übergeben, so daß alle in dem Gotteshause -Befindlichen ihren Tod fanden. - -Dann ließ Albuquerque ein starkes steinernes Kastell erbauen und -gab ihm, dem König zu Ehren, den Namen Manuel. Im Vertrauen auf die -dadurch gebotene Sicherheit ließen sich bald, neben den befreundeten -Indiern, welche nach dem Sturm zurückkehrten, auch Portugiesen dauernd -an diesem Platze nieder, welcher von den Siegern zum Mittelpunkte der -portugiesischen Macht in Indien erhoben wurde. - -Der Fall Goa’s machte auf die Fürsten der Nachbarschaft einen -bedeutenden Eindruck, weshalb sie sich beeilten, die Freundschaft der -neuen Herren zu gewinnen. Der König von Kambaya gab den Neffen des -Generalcapitäns Affonso de Noronha, der sich in seiner Gefangenschaft -befand, nicht nur ohne Bedingung los, sondern erklärte sich auch -bereit, den Bau einer Festung in Diu zu gestatten. Es erschienen -Gesandtschaften von Gudjerat, von Kalikut, selbst aus dem Binnenlande -von Bisnaga, alle bezeugten ihre Friedensliebe und wünschten bezüglich -eines friedlichen Handelsverkehrs in Unterhandlung zu treten. Da indeß -der Samudrin den geforderten Bau einer portugiesischen Citadelle nicht -zugeben wollte, so zerschlug sich mit diesem Fürsten die Verhandlung. -Emir Hussein, welcher damals in Kambaya sich befand, kehrte nach Kairo -zurück, da er alle Hoffnung aufgegeben hatte, in Indien noch wieder zum -Siege zu gelangen, und der Sultan von Aegypten ließ gleichfalls mit dem -weiteren Bau einer Flotte innehalten. - -So war die Wirkung der Eroberung Goa’s nach allen Seiten eine -tiefgehende. Goa hatte nicht blos eine dauernde Besatzung von 400 Mann -in der Burg, sondern wurde eine portugiesische Stadt, sie war Eigenthum -ihres Königs, und die Fürsten Indiens mußten diesen staatlichen Besitz -anerkennen. Und daß die Portugiesen die neuen Verhältnisse in Goa in -ähnlicher Weise auffaßten, beweist die Thatsache, daß bald darauf eine -Münzstätte in der Stadt errichtet wurde, wo nicht blos neues Geld -geprägt, sondern auch alles indische Geld, wenn es allgemein gültig -sein sollte im Verkehr, mit einem portugiesischen Stempel versehen -wurde. Aber der portugiesische Feldherr war nicht gewillt, von Goa -aus die friedliche Entwicklung seiner Macht zu leiten. Seine Blicke -schweiften bereits über Vorder-Indien hinaus nach Malaka, welches als -bedeutendster Gewürzmarkt Hinter-Indiens galt, und ohne dessen Besitz -die Portugiesen nie das Monopol erwarben; denn von Malaka aus gingen -die Handelsschiffe direct, mit Umgehung Vorder-Indiens, nach dem rothen -Meere. Sollte also Goa gehoben und zum Mittelpunkte des Verkehrs in -Vorder-Indien gemacht werden, dann konnte dies nur erreicht werden, -wenn Malaka gleichfalls in portugiesischen Besitz übergegangen war. - -Diogo Lopez de Sequeira war der erste gewesen, der jenen fernen -Handelsplatz erreicht hatte. Er war 1508 von Portugal mit vier Schiffen -abgegangen, hatte unterwegs Madagascar besucht und langte im Frühjahr -1509 in Kotschin an. Der Vicekönig Almeida gab ihm noch ein fünftes -Schiff, auf welchem Francisco Serrão, dessen abenteuerliche Reise nach -den Molukken uns später beschäftigen wird, und Fernão de Magelhães -dienten. Am 8. September desselben Jahres war Sequeira wieder von -Kotschin aufgebrochen, war an Ceylon und den Nikobaren vorüber nach -Nordsumatra gesteuert, wo er die Landschaft Pedir besuchte, denn -Sumatra lieferte schon damals am meisten Pfeffer, und war endlich -glücklich in Malaka angelaufen. Die Mauren gaben sich auch hier sofort -alle erdenkliche Mühe, die Ankömmlinge zu verdächtigen, trotzdem wurden -die Portugiesen wohlwollend aufgenommen, wenn auch der Sultan Mahmud -durch seine Grausamkeit berüchtigt war und nicht blos seinen Bruder, -sondern sogar seine Gemahlin hatte hinrichten lassen. - -Die Chinesen kamen den Portugiesen zuerst in freundlicher Weise -entgegen. Es war das erstemal, daß man mit den Söhnen aus dem Reiche -der Mitte zusammentraf. Die weiße Hautfarbe dieser Leute aus dem -Osten, ihre unbefangene Art, sorglos zu den fremden Schiffen wie zu -den asiatischen heranzurudern und den Kleinhandel zu eröffnen, selbst -manche ihrer Sitten und ihre Tracht wollte mehr ans Abendland, als -an den fernsten Osten gemahnen. Man darf nicht vergessen, daß die -Chinesen damals noch keinen Zopf trugen. Damian de Goes (a. a. O. -S. 300) fand eine Aehnlichkeit mit vlaamischen oder niederdeutschen -Gewohnheiten, und ähnlich äußert sich auch Barros.[107] Man fand bei -ihnen nicht den hemmenden Kastengeist, denn sie scheuten sich ja auch -nicht, mit den Portugiesen aus +einer+ Schüssel zu essen. So war es -natürlich, daß Europäer und Chinesen, beide in der Stadt Fremdlinge, -sich einander freundschaftlich näherten, und daß diese ihren neuen -Geschäftsfreunden die Warnung zukommen ließen, den Malayen nicht zu -sehr zu trauen. Darum ging auch der portugiesische Capitän nicht -selbst zur Audienz, sondern entsendete den Jeronimo Texeira, welcher -indeß eine gute Aufnahme fand und vom Sultan ein Lagerhaus angewiesen -erhielt, um von da aus den Handel mit den einheimischen Kaufleuten zu -eröffnen. Die Portugiesen gingen dann ungehindert in der Stadt umher, -waren aber leider unbedachtsam genug, sich auch nach der Kriegsflotte -des Sultans umzusehen, was die Mohammedaner, und unter ihnen namentlich -der abgefeimte Schatzmeister, sofort zu ihrem Vortheile ausbeuteten, -um die Fremden als Spione zu verdächtigen. Mit Einverständniß des -Sultans wurde ein Plan entworfen, die Portugiesen zu vernichten. -Zuerst hoffte man den Anführer und einige der vornehmeren Offiziere -bei einem Gastmahl überfallen und ermorden zu können, aber Sequeira -lehnte die Einladung ab und entschuldigte sich mit Krankheit. Dann -wollte man die portugiesische Mannschaft in der Stadt, an verschiedenen -Orten, wohin man sie gelockt, um ihnen Lebensmittel zu verkaufen, -einzeln überfallen, inzwischen aber auch eine Anzahl von kleineren -Schiffen bereithalten, um das Geschwader der Fremden anzugreifen, -wenn es von Mannschaft halb entblößt sei. Glücklicherweise gelang der -Verrath nur zum Theil. Die Wache auf den Schiffen machte, als sie die -Unruhe in der Stadt gewahrte, rechtzeitig Lärm, sodaß die Mannschaft -an Bord augenblicklich zur Vertheidigung bereit war. Aber etwa 30 -Portugiesen, die sich am Hafen und in der Stadt befanden, wurden theils -getödtet, theils gefangen. Francisco Serrão, welcher sich in der Nähe -des Landungsplatzes aufhielt, konnte sich nur mit einigen Matrosen -retten, die übrigen mußte man vorläufig ihrem Schicksale überlassen, -denn Sequeira fühlte sich keineswegs stark genug, die volkreiche -Stadt anzugreifen; er begnügte sich damit, einige feindliche Schiffe -in den Grund zu bohren und kehrte dann nach Vorder-Indien zurück. -Als das Gerücht von der zweiten Eroberung Goa’s auch bis nach Malaka -gedrungen war, ließ der Hafenmeister (Schahbender) den neunzehn noch -am Leben befindlichen gefangenen Portugiesen eine bessere Behandlung -zutheilwerden; ihre Freiheit erhielten sie aber erst wieder, nachdem -Albuquerque die Stadt erobert hatte. - -An seinen Plan, gegen Malaka zu ziehen, wurde der Generalcapitän bald -nach der Besitzergreifung von Goa in unangenehmer Weise erinnert, -als der Capitän Mendes de Vascogoncellos, dessen kleines Geschwader -ursprünglich nach Malaka bestimmt war, von dem Oberfeldherrn sich -Urlaub erbat, um seinen Auftrag auszurichten. Albuquerque zögerte -mit der Abfertigung, weil er entweder der Ueberzeugung war, daß ein -so kleines Geschwader nicht die genügende Sicherheit auf Erfolg -biete, oder weil er selbst erst noch mehr Mittel aufbieten wollte. -Vascogoncellos wollte daher heimlich entweichen, ging bei Nacht mit -seinen Schiffen über die Barre von Goa in See, wurde aber von einigen -nachgesandten Böten eingeholt und sah sich genöthigt, dem strengen -Befehl Albuquerque’s, zurückzukehren, Folge zu leisten. Er selbst blieb -längere Zeit in Goa in Gefangenschaft, ein Steuermann aber und der -Lotse wurden zur Strafe für diese Flucht an der Rae aufgeknüpft. - -Der Generalcapitän wäre am liebsten selbst nach Malaka sofort -aufgebrochen; allein dem stand ein Befehl Don Manuels entgegen, einen -Zug nach dem rothen Meere zu unternehmen, um diesen Handelsweg endlich -für die Mohammedaner zu schließen. Er lief auch wirklich mit 23 -Schiffen aus, sah sich aber durch widrigen Monsun zuerst aufgehalten -und dann ganz an die Küste zurückgetrieben, so daß er wieder in Goa -einlaufen mußte. Derselbe Monsun aber, welcher die Fahrt nach NW. nicht -gestattete, begünstigte eine Expedition nach SO. und so entschloß -sich Albuquerque kurzer Hand mit der schlagfertigen Flotte vor Malaka -zu ziehen und sie für ihren Verrath an Sequeira zu strafen. Es war -noch im Frühjahr 1511, als die Flotte von neunzehn Segeln, mit 800 -Portugiesen und 600 indischen Hilfstruppen von Kotschin nach Malaka -abging. Den Feldherrn begleiteten Antonio d’Abreu und Francisco Serrão, -die späteren Entdecker der Molukken und Fernão Peres d’Andrade, einer -der ersten Chinafahrer. - -Das Gebiet von Malaka war ursprünglich von Siam abhängig gewesen; die -in früherer Zeit berühmte Hafenstadt Singapur war aber hinter Malaka -zurückgetreten, seitdem sich im 15. Jahrhundert der Islam in diesem -Gebiete verbreitet hatte, denn in Malaka herrschte der Glaube Mohammeds -vor. Aber die ehemaligen Statthalter hatten sich seit fast 100 Jahren -zu selbstständigen Herren aufgeworfen. Durch geschickte Begünstigung -und Ausbeutung des Handels zu großem Reichthum gelangt, verwandte -Mahmud seine bedeutenden Mittel auf die Gründung einer Kriegsflotte, -welche ihm den Besitz des Hafens und die Herrschaft über die See -sichern mußte. Nun dehnten sich die Handelsbeziehungen noch weiter aus, -denn die Hauptnationen waren in freier Weise durch Berufsbeamte im -Handel gedeckt. Diese Schahbender (Hafenmeister) vertraten China, Java, -Kambaya und Bengalen. Die Handelsverbindungen reichten bis nach Japan, -und der Platz wurde von allen umwohnenden Völkern besucht, nur nicht -von den Siamesen, die sich immer noch mit dem Sultan auf Kriegsfuß -befanden und ihren frühern Verlust nicht verschmerzen konnten. Das -Königreich Malaka erstreckte sich etwa 100 Meilen an der Küste hin, -reichte aber nirgends über 10 Meilen weit ins Binnenland. - -Die Stadt liegt sehr günstig an der Grenze verschiedener Monsune, -denn in den chinesischen Gewässern herrschen andere Winde als im -bengalischen Meere, daher sich hier ein natürlicher Sammelplatz für -Araber, Inder und Chinesen bot. Die Häuser des Handelsplatzes dehnten -sich eine Meile am Wasser hin, -- es ist der Canal, welcher die -hinter-indische Halbinsel von Sumatra scheidet. Ein Fluß trennte die -Häusermenge in zwei Theile, aber eine Brücke verband wiederum beide -Hälften. Albuquerque, welcher denselben Weg eingeschlagen hatte wie -Sequeira, langte am 1. Juli vor Malaka an, bereits in Pedir auf Sumatra -waren acht Portugiesen, die noch in Malaka gefangen gewesen waren und -die Flucht ergriffen hatten, zu ihm aufs Schiff gekommen. Von ihnen -erfuhr er auch, daß der Hauptanstifter des Verrathes, der javanische -Hafenmeister, eine Intrigue gegen den Fürsten angesponnen und seine -Verschwörung mit dem Leben bezahlt hatte; er erfuhr ferner, daß Sultan -Mahmud 8000 Geschütze besitze, um die lange, dem Meere zugekehrte Seite -kräftig vertheidigen zu können, daß er 30,000 Mann Soldaten und selbst -Kriegselephanten zu seiner Verfügung habe. Albuquerque ließ sich durch -die großen Zahlen nicht schrecken, sondern forderte ohne Umschweife -die Auslieferung der noch zurückbehaltenen Gefangenen. Eine sofortige -Erledigung würde im Orient als Feigheit angesehen sein; der Sultan -weigerte sich also, ohne weiteres darauf einzugehen. Als Antwort darauf -ließ der portugiesische Admiral die Häuser am Strande und die Schiffe -im Hafen in Brand stecken. Dann gab man die Gefangenen frei und unter -ihnen auch den Handelsfactor Ruy d’Araujo, einen Freund Albuquerque’s. - -Man war in der Stadt zu einem friedlichen Abkommen geneigt, aber -die allzuhohen Forderungen der Portugiesen trieben zum Widerstande. -Albuquerque verlangte nicht blos Schadenersatz für Sequeira, sondern -auch noch 300,000 Cruzados Kriegskosten und überdies die Einwilligung -in den Bau eines Kastelles. - -Im Rathe des Fürsten von Malaka, des alten Mohammed, waren, als diese -Forderungen bekannt wurden, die Meinungen getheilt. Diejenigen, -welche besonders den Handel nicht geschädigt sehen wollten, empfahlen -Frieden und Geldzahlung, die andern, welche fürchteten, durch -Zugeständnisse das Ansehen des Fürsten zu erniedrigen, forderten -bewaffneten Widerstand. Mahmud überließ die Leitung seinem Sohne, -und dieser hoffte, gestützt auf eine Heeresmacht von 30,000 Mann, -auf das zahlreiche Geschütz und seine Kriegselephanten, den Angriff -abschlagen zu können. Aber auf die fremden Kaufleute in der Stadt war -kein Verlaß, selbst der javanischen Truppen war man nicht ganz sicher. -Es war vorauszusehen, daß der feindliche Admiral, sobald er die Lage -der Stadt und ihre Gruppirung richtig erkannt habe, seine Angriffe auf -den gefährlichsten Punkt, auf die Brücke richten werde, welche die -beiden Stadttheile mit einander verbindet. Denn wer sich der Brücke -bemeisterte, war leicht auch Herr in der Stadt. Diese Verbindungsbrücke -wurde darum verschanzt und stark mit Kanonen besetzt; aber trotzdem -richtete, nach dem Rathe des Ruy d’Araujo, welcher bei seinem -längeren unfreiwilligen Aufenthalt die Wichtigkeit dieses Punktes -erkannt hatte, Albuquerque grade hieher seine ersten Angriffe. In der -Morgendämmerung des St. Jacobstages, 25. Juli, gingen die Portugiesen -in zwei Abtheilungen gegen die Stadt vor. Albuquerque mit seiner Schaar -stieg in der Nähe der Brücke ans Land, João de Lima mit der zweiten -Truppe weiter östlich bei einer steinernen Moschee, welche nicht fern -vom fürstlichen Palaste lag. Wenn ihm der Angriff gelänge, sollte er -sich auch gegen die Brücke wenden. An beiden Orten ward mit großer -Hartnäckigkeit gekämpft. Die Malayen bewiesen sich tapfer, schossen -vergiftete Pfeile und brauchten im Nahkampf den Kries. Sie fochten in -einzelnen Haufen unter Anführung eines Hauptmannes. Albuquerque stürmte -die Brücke und trieb die Malayen mit gefällten Lanzen nach der Vorstadt -zu. João de Lima hatte einen schweren Stand und konnte nicht so rasch -vordringen, er sah sich sogar genöthigt, persönlich am Kampfe gegen die -Kriegselephanten theilzunehmen, welche dann auch, durch Lanzenstiche -verwundet, auf die eigenen Truppen zurückgetrieben wurden. Dann erst -erreichte er die Brücke und vereinigte sich mit dem Oberfeldherrn. Von -den Dächern der nächsten Häuser wurde aber der Kampf noch fortgesetzt, -bis man die umliegenden Gebäude in Brand gesteckt hatte und so die -Feinde vertrieb. Allein von der Waffenarbeit erschöpft und fortwährend, -bei dem Versuch, die Brücke durch Vertheidigungswerke zu sichern, -durch erneute Angriffe der Malayen beunruhigt, sah Albuquerque bald -die Unmöglichkeit, diesen wichtigen Platz auf die Dauer zu behaupten. -Er gab also den Befehl zum Rückzug und zog sich auf die Flotte zurück. -Einige seiner Hauptleute meinten nun zwar, nachdem der Sultan für -die erste Verrätherei genügend gestraft sei, solle man mit günstigen -Fahrwinden nach Vorder-Indien zurückkehren, denn an eine dauernde -Besetzung dieses entfernten Platzes sei doch wohl nicht zu denken; -allein sie wurden von der Mehrzahl überstimmt, welche sich für eine -Fortsetzung des Kampfes entschied. - -Während der Vorbereitungen zum zweiten Angriffe hatte Mahmud allerorten -neue Verschanzungen aufwerfen und mit Kanonen besetzen lassen, in den -Straßen waren Minen und Fußangeln gelegt, um die Feinde bei ihrem -Einbruche in die Stadt aufzuhalten oder zu vernichten. Am 10. August -griff Albuquerque die Brücke zum zweitenmale an und obwohl man dieselbe -hartnäckig vertheidigte, wurde sie doch endlich erobert und die -malayischen Truppen gegen die steinerne Moschee hin vertrieben, wo sich -in Gegenwart des Sultans das letzte verzweifelte Handgemenge entspann. -Das Quartier der Kaufleute, darunter zuerst die Peguaner, begab sich -alsbald unter den Schutz des Eroberers, aber die östliche, höher -gelegene Stadt wurde nur langsam von den Malayen geräumt. Neun Tage -dauerte der kleine Kampf in den Straßen noch fort, bis diese endlich -von den eingeborenen Truppen aufgegeben wurden. Den Mauren wurde kein -Pardon gegeben, denn die Mohammedaner waren auch hier die erbittertsten -Gegner gewesen. Als Lohn für ihre Arbeit gestattete Albuquerque seinen -Leuten, die Stadt drei Tage lang zu plündern. Dreitausend Kanonen -fielen dem Sieger in die Hände. Zum Bau einer steinernen Burg wurden -die Steine der im Kampf theilweise zerstörten Moschee verwendet, und -weiteres Baumaterial aus den in der Nähe gelegenen alten Fürstengräbern -genommen. In der Burg erhob sich ein fünf Stockwerke hoher, mit Blei -gedeckter Thurm. Albuquerque gab ihr den Namen Famosa. Auch eine -Kirche wurde errichtet und das Dach dazu von einem königlichen Grabmal -genommen. - -Um den Handel wieder zu beleben und das Vertrauen in die neuen -Verhältnisse zu wecken, wurden eingeborene Schahbender (Hafenmeister) -ernannt, welche die handeltreibenden Nationen zu vertreten hatten. -Um den Marktverkehr zu ordnen, ließ Albuquerque goldene und silberne -Münzen prägen, denn unter den früheren Herrschern hatte es nur -zinnerne Münzen gegeben. Die großen Silbermünzen hießen Malaquezes, -die Goldmünzen, zu 1000 Realen, Catholicos. Durch diese zweckmäßigen -Einrichtungen wurde der Handel bald wieder gehoben, und fremde -Handelsschiffe liefen wieder in den Hafen ein. - -Mit den großen Staaten Ostasiens suchte Albuquerque in friedliche, -freundschaftliche Beziehungen zu treten. Durch die Vertreibung des -mohammedanischen Herrschers war er nur an die Stelle eines fremden -Eindringlings getreten, welcher sich die Freundschaft der fürstlichen -Nachbaren nicht erworben hatte; er hoffte also mit Recht, nicht als -Feind der eingeborenen Dynastien betrachtet zu werden. Nach allen -Seiten wurden Botschafter abgeordnet. Auf einer chinesischen Dschunke, -welche nach Siam ging, segelte Duarte Fernandez, welcher mit Ruy -Araujo gefangen gewesen war und in Malaka malayisch gelernt hatte, -mit nach Siam. Er war der erste Portugiese, welcher diesen mächtigen -hinter-indischen Staat betrat. Er sollte dem Könige von Siam die -Eroberung von Malaka melden und zugleich die officielle Erklärung -abgeben, daß die Kaufleute des Landes sich des besonderen Schutzes der -Portugiesen erfreuen sollten und in Malaka’s Hafen willkommen sein -würden. Fernandez wurde am siamesischen Fürstenhofe zu Ajuthia[108] -wohlwollend aufgenommen, man zeigte ihm unter anderen Merkwürdigkeiten -auch einen weißen Elephanten. Dann wurde er mit einem siamesischen -Gesandten wieder zurückgeschickt, welcher außer Briefen an den König -Manuel als Geschenke eine Krone, ein Schwert von Gold und einen -kostbaren Rubinring überreichen sollte. - -Zur Erwiderung gingen mit demselben Gesandten reiche Geschenke wieder -an den König von Siam zurück. Die Ueberbringer derselben, Antonio de -Miranda d’Azevedo und Duarte Coelho, reisten zu Lande über Tenasserim -nach Siam. Eine andere Gesandtschaft ging unter Ruy da Cunha nach -Pegu, um auch mit diesem Reiche einen Vertrag zu schließen. Malayische -Fürsten von Sumatra und Java beeilten sich ihre freundschaftliche -Gesinnung für die Portugiesen ebenfalls durch Geschenke zu bethätigen. -Nur mit Arakan, dessen Hafenstadt von João da Silveira angegriffen -war, und mit dem Königreiche Atschin in Nord-Sumatra blieb man auf -feindlichem Fuße. Das letztere Reich, in nächster Nachbarschaft von -Malaka gelegen, unterstützte in der Folgezeit mehrfach die immer -wiederholten Angriffe der vertriebenen Mauren auf die Stadt und suchte -Jahrzehnte lang den Handel zu beeinträchtigen. - -Da die Chinesen schon bei dem ersten Besuche Sequeira’s in Malaka sich -durchaus freundlichgesinnt bewiesen, so suchte Albuquerque auch mit -China freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Doch unterblieb die -Absendung einer Gesandtschaft noch in den nächsten Jahren. Dagegen -ist gewiß, daß bereits 1515 das Reich der Mitte von portugiesischen -Handelsschiffen aufgesucht wurde, welche zwar ihre Waaren absetzen -durften, aber für ihre Mannschaft nicht die Erlaubniß erhielten, das -Land zu betreten. - -Der Eindruck, den die Kunde von der Eroberung Malaka’s in Europa -machte, war ein außerordentlicher. Derselbe wurde noch gesteigert -durch eine pomphafte Gesandtschaft, welche König Manuel 1513 unter -Tristão da Cunha mit großem Gefolge an den Papst Leo X. entsendete. -Außer reichen mit Gold und Edelsteinen geschmückten kirchlichen Ornaten -und schweren goldenen Gefäßen wurde bei dem prächtigen Einzuge der -Gesandtschaft in Rom, am 12. März 1514, dem erstaunten Volke auch die -gewaltige Thierwelt Indiens in Gestalt eines riesigen Elephanten, den -man seit dem Alterthum in Italien nicht mehr gesehen hatte, eines -Jagdleoparden, der auf einem reich aufgezäumten persischen Rosse saß --- es war ein Geschenk des Königs von Ormuz -- vorgeführt. Ein Herold -mit den portugiesischen Abzeichen schritt in dem festlichen Zuge, der -eine Huldigung des Orients vor dem Haupte der Christenheit vorstellen -sollte, dem Gesandten voraus. Die Menschenmenge, welche um dieses -Schauspiel zu sehen, herbeigeströmt war, hatte Kopf an Kopf alle -Straßen dermaßen besetzt, daß der Zug kaum hindurchdringen konnte. - -Als derselbe endlich die Engelsburg erreicht, wurde mit allen Kanonen -geschossen, daß der Donner der Geschütze und dichter Pulverdampf -weithin über die Stadt rollten. Dann erschien der Papst an einem -Fenster und nahm den Zug in Augenschein. Der riesige Elephant mußte -vor Seiner Heiligkeit dreimal die Knie beugen, zu nicht geringer -Verwunderung der Zuschauer.[109] Am folgenden Tage wurden die Geschenke -in feierlicher Audienz überreicht durch den portugiesischen Abgesandten -Diogo Pacheco, welcher bei dieser Gelegenheit eine glänzende Rede über -die Waffenthaten seiner Landsleute in Indien hielt und dabei einen -Brief seines Königs überreichte, in welchem gleichfalls die Siege -Albuquerque’s verherrlicht waren. Nach der deutschen Uebersetzung (Die -New Welt der Landschafften u. s. w. Straßburg 1534. Fol. 57) lautet der -Anfang dieses Briefes folgendermaßen: - -Ein sendbrieff des mechtigsten vnd vnuberwintlichsten Emanuels des -Königs jnn Portugal, vnd Algarbien von den sygen, die er gehabt hat jnn -India vnd Malacha, zu dem Heyligsten jnn Gott vatter, vnd vnserm Herrn, -Herrn Leoni dem zehenden des namens Babst zu Rom. - -„Wie vast wir vns mit Gott dem Herrn vnd dir frewen sollen, -Allerheyligster vatter das erscheynet aus der bottschaft, die -vnser Indische schiffrüstung bracht hat. Dweyl vnder dir Römischem -Bischoff, und presidenten der Römischen vnd Christlichen Kirchen so -wunderbarliche Ding, zu lob vnd eher dem Allmechtigen nach wunsch -ergangen seind, das man dir billich zum lob und eher rechnet. Darumb -hat vns fur billich angesehen, was in India sich verloffen hat, mit -der Hilff Gots, vnd vnsern waffen zu deiner Heyligkeyt als zu eym -Haupt der gmeynen Christenheyt vnd richtschyt aller Christlichen -Religion kurtz vnd summarien weys zubeschreyben, das alle Ding nach -jhrem werd geschetzt werden, vnd Gott dem Herren darumb gedanckt. Auch -dz wir hoffen mögen tägliche merung deines lobs sambt zunemung des -Christlichen glaubens vnd leren.“ - -Es wurden also auch die indischen Siege als Glaubenssiege aufgefaßt; -aber der Schauplatz dieser Kreuzzüge lag viel weiter im Osten, „am -güldenen Chersoneso, in den auswendigsten Morgenländern“, wo durch die -portugiesischen Waffen auch das Christenthum verbreitet werden sollte. -Albuquerque’s Verdienst wurde mit höchster Anerkennung gepriesen. -Der Generalcapitän Indiens stand damals auf der Höhe seines Ruhmes. -In Asien und Afrika erscholl sein Name mit Schrecken, in Europa mit -Bewunderung. - -Noch von Malaka aus wurden drei Schiffe am Schluß des Jahres 1511 -abgesendet, um das letzte Ziel der Portugiesen, die +Gewürzinseln -oder Molukken aufzusuchen+. Das kleine Geschwader stand unter der -Führung des +Antonio d’Abreu+. Derselbe hatte sich beim zweiten Sturm -auf Malaka ausgezeichnet, war dabei durch einen Schuß in die Backe, -welcher ihm mehrere Zähne und einen Theil der Zunge nahm, verwundet, -hatte aber trotzdem nach Anlegung eines Verbandes sich am Kampfe wieder -betheiligt. Wie diese erste Kundschaft nach den Molukken verlief, -werden wir später im Zusammenhange mit den folgenden Vorfällen auf den -Gewürzinseln zu schildern haben. - -Die Angelegenheiten zu Malaka ordnete Albuquerque der Art, daß er -Ruy d’Araujo zum Richter und Factor (~alcaide mór e feitor~), Ruy de -Brito Patalim zum Commandanten der Festung einsetzte. Die Besatzung -belief sich auf 300 Mann, ebenso stark war die Mannschaft auf der -dort stationirten Flotte von zehn Segeln, welche unter dem Befehle -des Fernão Peres d’Andrade zurückblieb. Diese beträchtliche Macht war -erforderlich, um Malaka gegen Angriffe von der Land- und Seeseite -vertheidigen zu können. Und solche Angriffe waren um so mehr zu -erwarten, als die Macht des früheren Herrschers keineswegs gebrochen -war; denn Mahmud hatte sich auf Bintang, südöstlich von der alten -Residenz Singapur, und sein Sohn Alaeddin in Dschohor festgesetzt, so -daß sie von da aus die Straße nach den Gewürzinseln und nach China -nicht nur beherrschten, sondern die Portugiesen in Malaka beständig -beunruhigen konnten. - -Im Januar 1512 ging Albuquerque mit drei Schiffen nach Indien zurück. -Auch nahm er eine Anzahl (gegen 60) javanischer Zimmerleute sammt -ihren Familien mit, welche ihm beim Schiffbau dienlich sein sollten. -An der gefährlichen Küste von Sumatra ging Albuquerque’s Schiff, Flor -de la mar, auf einer Sandbank zu Grunde. Er selbst verlor alle Beute -und Siegeszeichen in diesem Schiffbruche sammt den Manuscripten, in -denen er seine Thaten aufgezeichnet hatte. Die Mannschaft rettete sich -zwar auf das folgende portugiesische Schiff, aber die malayischen -Zimmerleute benutzten die Gelegenheit zu einer Meuterei, bemächtigten -sich des Fahrzeuges, auf dem sie segelten, mit Gewalt und gingen an der -Küste von Sumatra ans Land. Albuquerque selbst erreichte in den ersten -Tagen des Februar den Hafen von Kotschin. - -In Goa waren unterdessen, während der Abwesenheit des -Oberbefehlshabers, die Portugiesen belagert worden und arg bedrängt. -Die verhältnißmäßig kleine Besatzung von 450 Portugiesen und 1250 -indischen Hilfstruppen wurde fortwährend beunruhigt und durch kleine -Gefechte ermüdet. Sie verlor sogar zwei ihrer besten Hauptleute und -sah sich genöthigt, den noch gefangen gehaltenen Diogo Mendes de -Vascogoncellos seiner Bande zu entledigen und an die Spitze zu stellen. -Die Feinde hatten der Stadt gegenüber eine starke Burg in Benestarim -errichtet und drohten von da aus, die Fremdlinge zu vertreiben. Zum -Glück kamen im Sommer 1512 nacheinander mehrere Schiffe mit Mannschaft -und Lebensmitteln zu Hilfe, und als im August sogar eine größere Flotte -von dreizehn Schiffen mit 1800 Soldaten einlief, gewann man allen Muth -wieder und ging selbst zum Angriff über. Albuquerque durfte es daher -wagen, seine Ankunft zu verzögern, um vorher die Handelsflotte nach -Europa abzufertigen, und ging erst am 16. September mit sechzehn Segeln -nach Goa. - -Sein Erscheinen änderte die Lage vollständig. Aus den bisher -Bedrängten wurden wieder Bedränger und siegesgewisse Angreifer. -Benestarim wurde erobert. Den portugiesischen Ueberläufern in der -Festung hatte Albuquerque das Leben gesichert, aber er ließ ihnen zur -Strafe, anderen zur Warnung, Ohren und Nase abschneiden, die rechte -Hand, sowie den linken Daumen abhauen und schickte die Verstümmelten -nach Portugal zurück. Benestarim wurde noch stärker befestigt und -Goa bei dem folgenden Friedensschlusse an Portugal abgetreten. Der -verhältnißmäßig leichte Sieg ist zum Theil auch der steten Eifersucht -der dekhanischen Fürsten untereinander zuzuschreiben, die einerseits -nie gemeinschaftliche Sache gegen die Abendländer machten, andererseits -sich im Geheimen um die Freundschaft der Portugiesen bewarben. Dann -wurde durch eine an der Küste kreuzende Flotte der Hafen von Kalikut -gesperrt und dadurch der Fürst auch zur Nachgiebigkeit gezwungen. -Dagegen begann Goa als Handelsplatz aufzublühen. Albuquerque hatte -dafür gesorgt, daß nur nach Goa die Pferde aus Persien eingeführt -werden durften. Die einheimischen Kriege wurden damals in Indien aber -hauptsächlich durch Reiterei entschieden. Die indischen Fürsten waren -also dadurch, daß Goa allein der Einfuhrhafen für Pferde wurde, auf den -guten Willen und die Freundschaft der Portugiesen angewiesen, wenn sie -ihre Reiterei verstärken wollten. - -In Portugal selbst erkannte man die Bedeutung Goa’s noch nicht, oder -wurde durch falsche Berichte, die möglicherweise absichtlich von den -Gegnern Albuquerque’s verbreitet wurden, über die wahre Sachlage -getäuscht. Nur so erklärt es sich, daß Manuel in einem Schreiben an -den Oberbefehlshaber anordnen konnte, Albuquerque möge mit seinen -Hauptleuten wohl überlegen, ob Goa behauptet werden solle oder nicht. -Goa sei ein ungesunder Ort und seine Behauptung koste unnützes -Geld.[110] Man werde dadurch in immer erneute Kriege mit den nächsten -Landesherren verwickelt und es werde sehr fraglich sein, ob jemals -die Abgaben vom festen Lande eingezogen werden könnten, welche der -Generalcapitän als nicht unbeträchtlich bezeichnet hatte. Albuquerque -aber legte auf die Wiedereroberung Goa’s das größte Gewicht. Er -schrieb dem Könige, daß dieser Sieg in Indien mehr gewirkt habe für -die Macht des Königs, als alle Flotten, die seit fünfzehn Jahren dahin -abgeschickt worden seien. Der Bund der feindlichen Fürsten sei dadurch -gesprengt. Die Räthe des Königs wüßten die indischen Angelegenheiten -nicht richtig zu beurtheilen. Ohne feste Stütze auf dem Lande sei -in Indien die portugiesische Macht ohne Dauer. Alle Citadellen in -Kotschin, Kananor und anderen Orten hielten in Werth und Bedeutung -keinen Vergleich mit Goa aus. Er wisse wohl, daß er in Portugal Feinde -habe; aber der König möge nicht auf sie hören; denn wenn Goa wieder -aufgegeben würde, dürfte auch die portugiesische Herrschaft in Indien -ihrem Ende nahe sein. Er verdiene mehr Dank vom Könige dafür, daß er -Goa gegen Portugiesen vertheidige, als dafür, daß er es zweimal den -Feinden abgenommen.[111] - -Osorio stellt bei dieser Gelegenheit folgenden interessanten Vergleich -zwischen der Politik Almeida’s und Albuquerque’s an:[112] das Ziel -beider Feldherrn ging auf die Verherrlichung und den Ruhm ihres -Königs und der portugiesischen Waffen, sowie auf die Verbreitung des -Christenthums in Indien; aber sie schlugen verschiedene Wege ein. -Almeida wollte sich mit einem Stützpunkt am Lande begnügen und dagegen -mit stets vereinigten Flotten die See beherrschen. Seine Truppen wollte -er nicht in einzelnen Besatzungen zersplittern, welche von großen -feindlichen Mächten leicht überwältigt werden könnten. Albuquerque -aber strebte vor allem danach, Herr des Landes zu werden, in der -festen Ueberzeugung, daß er dann auch über die See gebiete. Sein -Blick ging dabei über das Nächstliegende hinaus. Er wollte nicht blos -dafür sorgen, für die Gegenwart alljährlich kostbare Gewürzfrachten -heimzusenden, er wollte diesen Handel auch für die Zukunft sichern. -Dazu brauchte er eine imponirende Stellung auf dem Lande und damit -verbunden eine vollkommene Beherrschung der wichtigsten Handelsplätze. -Eine große Flotte, meinte er, könne in einem Sturme untergehen, eine -feste Stellung auf indischem Boden sei sicherer. Ein solcher Platz -sei aber nicht sicher, wenn er blos an sich fest sei, sondern erst -dann, wenn man demselben auf verschiedenen Wegen Hilfe bringen könne. -Solche Stützpunkte aber verminderten nicht, sondern stärkten auch die -Machtstellung auf der See. - -Wie richtig Albuquerque’s Urtheil in Bezug auf Goa war, erwies sich -in der Folgezeit, als Soliman von Aegypten Diu angriff und durch eine -von Goa kommende Flotte zum Rückzug genöthigt wurde; ebenso als der -Beherrscher von Kambaya mit türkischer Hilfe noch einmal Diu bedrohte. -Der damalige Befehlshaber in Goa, João Castre, konnte seine Gegner -um so leichter bezwingen, als er in Goa sofort neue Truppen ausheben -und auf den Werften konnte Schiffe bauen lassen, und als er mit -allem Kriegsmaterial wohl versehen war. Der Ausgang des Kampfes wäre -zweifelhaft gewesen oder wenigstens verzögert worden, wenn man auf die -entfernte Hilfe vom Mutterlande her hätte warten müssen. Dazu hatte -Albuquerque aus Goa eine portugiesische Stadt zu machen verstanden, in -welcher die Soldaten Heiraten mit Hindumädchen eingingen. - -Die große Bedeutung der Besetzung Goa’s hebt auch Barros[113] -hervor. Dieses Jahr, sagt er, war eines der glücklichsten für die -portugiesischen Angelegenheiten. Es kamen nicht blos reiche Flotten -mit Spezereien nach Portugal, sondern auch die Nachrichten von der -Eroberung Malaka’s und Goa’s, es kamen Gesandte vom Priester Johannes -(dem Könige von Habesch), von Siam und Pegu, sogar der Samudrin -bequemte sich in der Folgezeit endlich dazu, den Bau einer Citadelle -in Kalikut zu gestatten. Viele andere malabarische Fürsten von -Kambaya, von Narsinga u. a. wünschten Frieden und Freundschaft mit den -Portugiesen zu schließen. - -In Indien war Portugals Macht thatsächlich befestigt, die einheimischen -Fürsten erkannten, wenn auch widerstrebend, die Herrschaft der neuen -Seemacht an; aber sie wurden von Aegypten aus immer wieder von -neuem aufgeregt und mit Schiffen und Mannschaft zu neuen Erhebungen -aufgemuntert. Aegypten verlor durch die völlige Verdrängung vom -indischen Markte zu viel an Einkünften, als daß es sich nicht immer -wieder veranlaßt fühlen sollte, mit Hilfe indischer Bundesgenossen die -verhaßten Christen zu befehden. König Manuel drängte darum mit Recht -wiederholt auf einen Zug nach dem rothen Meere, um womöglich diese -wichtigste Straße des mohammedanisch-indischen Handels zu schließen. -So rüstete sich Albuquerque denn im Beginn des Jahres 1513 zu einem -Feldzuge nach jenen arabischen Gewässern. Es klingt fast wie eine -Entschuldigung oder Ablehnung der Verantwortlichkeit für die Folgen -dieses Unternehmens, wenn Albuquerque seinen Capitänen erklärte, der -König habe schon zu wiederholten Malen ihm diesen Zug geboten und -habe nun in seinem letzten Briefe ausdrücklich befohlen, unverzüglich -aufzubrechen.[114] - -Am 18. Februar 1513 ging er mit 20 Schiffen, 1700 Portugiesen und -800 indischen Soldaten nach dem rothen Meere ab. Im Hafen von Soko -auf Sokotra wurde Wasser eingenommen; die Festung daselbst war im -vorhergehenden Jahre bereits aufgehoben. Von hier aus mußte die Fahrt -mit äußerster Vorsicht geschehen, da man das Fahrwasser nicht kannte. -Seit dem Alterthum war kein den Europäern gehöriges Schiff auf diesen -Gewässern erschienen. Albuquerque war wieder der erste, welcher in -dieses zwei Erdtheile scheidende Binnenmeer eindrang. Glücklicherweise -wurde ein Schiff, das von Tschaul kam, aufgebracht, der Lotse -desselben wurde gezwungen, den Führer zu machen. Die nächste Aufgabe -war, sich Adens zu bemächtigen. Es war schon damals wie noch heute der -Schlüssel des rothen Meeres. Die Stadt blühte rasch auf, weil es in -Folge der neuen Verhältnisse zum Stapel für die Gewürze geworden war; -denn die arabischen Händler wagten sich aus Furcht vor den Portugiesen -nicht mehr ins indische Meer, sondern nahmen in Aden die Waaren in -Empfang, welche auf malabarischen Schiffen ihnen zugeführt werden -durften. Aden liegt auf einer landfest gewordenen Insel, also auf einer -Halbinsel, auf durchaus vulkanischem Boden, eigentlich im Innern eines -erloschenen Kraters, dessen nackte Wände die Stadt in einem Halbkreise -umgeben. Wasser fehlte damals und mußte von weit hergeleitet werden. -Jetzt versorgen gewaltige Cisternen die Bewohner mit dem nöthigen -Wasser. Die an sich schon feste Lage war durch starke Mauern und Thürme -noch mehr gesichert. Albuquerque forderte die Uebergabe der Stadt, -welche im Besitz des Amir Ibn-abd-el-wahhab war; aber dieselbe wurde -abgelehnt. So entschloß sich der portugiesische Befehlshaber rasch -zum Sturm, setzte 1400 Portugiesen und 400 Indier ans Land, um auf -Sturmleitern die Mauern zu erklimmen. Voll Ehrgeiz und Kampfbegier -drängten sich die Angreifer auf die allzubreiten Leitern, so daß die -Stufen unter dem Gewicht von mehr als zwanzig Menschen, die zu gleicher -Zeit hinaufstrebten, zusammenbrachen. Vierzig Portugiesen befanden -sich schon auf der Mauer. Garcia de Sousa bemächtigte sich sogar eines -Thores. Da er aber von den Arabern gedrängt, sich nicht an einem -Stricke von der Mauer herablassen wollte, so stürzte er lieber mitten -unter die Feinde und opferte sich, tapfer kämpfend, auf, um seinen -Gefährten Zeit zu verschaffen, sich zu retten. - -Albuquerque mußte erkennen, daß seine Macht zu schwach sei und brach -daher nach vier Stunden den Kampf ab. Einen späteren Angriff behielt -er zwar im Auge, wollte aber vorher einige wichtige Inseln im rothen -Meere besetzen. Mit äußerster Vorsicht mußte vorgegangen werden, weil -überall Klippen und Korallenbänke ungeahnte Gefahr drohten. Dazu traute -Albuquerque dem gezwungenen Lotsen nicht, suchte mit dem Senkblei in -der Hand das Fahrwasser auf und ließ alle Abende beilegen. So gelangte -er bis zur flachen, felsigen Insel +Kamaran+ (15° 51′ n. Br. 42° 32′ -ö. L. v. Greenwich). Dieselbe liegt hart an der arabischen Küste, in -der Nähe der Stadt Lohaja. Obwohl sich die Höhen nur 16 Meter über den -Meeresspiegel erheben, ist die Insel doch reich an Brunnen und besitzt -einen sehr guten Hafen auf der Ostseite. Sie war den Küstenfahrern -längst als guter Ankerplatz bekannt, wo man sich auch mit Wasser und -Früchten, namentlich Datteln versorgen könnte. So erhielten denn auch -die Europäer frühzeitig davon Kunde und lernten den Platz schätzen. -Carsten Niebuhr hebt hervor: Fast alle Nachrichten der Europäer von dem -arabischen Meerbusen erwähnen dieser Insel.[115] Ihrer wichtigen Lage -wegen ist sie gegenwärtig im Besitze der britischen Macht, welche von -der Insel Perim aus auch den Ausgang des rothen Meeres beherrscht. Es -zeugt aber sicher von dem Scharfblicke Albuquerque’s, daß er sofort -beim ersten Betreten dieses Meeres die Bedeutung jener wasserreichen -Insel erkannte. Aber viel weiter sollte er nicht gelangen. Mehrere -Versuche nordwärts zu dringen, wurden durch Unwetter abgeschlagen. Er -sah sich längere Zeit an die Insel gefesselt, da die günstigen Monsune -zur Rückfahrt nach Indien noch nicht eingesetzt hatten, er verlor in -dem verrufenen heißen Klima viele Leute und konnte erst am 15. Juli -nach Aden zurückkehren. Ohne diese Stadt noch einmal zu bedrohen, -segelte er weiter und langte schon am 4. August wieder in Diu an. Hier -zeigte sich nun Melek Eias so weit nachgiebig, daß er die Errichtung -einer Factorei den Portugiesen gestattete, und als auch Kalikut sich -endlich zu einem ähnlichen Zugeständniß bereit erklärte, wurden den -mohammedanischen Schiffen Pässe ertheilt, und das Aufbringen der im -Gewürzhandel beschäftigten Kauffahrteischiffe hörte an den Küsten -Indiens auf. Der Handel begann sich wieder zu beleben und zu befestigen. - -Im nächsten Jahre wurde Pero d’Albuquerque, der Neffe des -Generalcapitäns, mit einem Geschwader nach Ormuz entsandt, um den -fälligen Tribut einzuziehen, während Jorge d’Albuquerque mit frischen -Truppen nach Malaka steuerte, um hier die Vertheidigung der viel -umstrittenen Stellung zu übernehmen. - -Die nächste Zeit war Albuquerque selbst mit den indischen -Angelegenheiten: mit der Befestigung der Citadellen in den -Handelsstädten und Abfertigung der Transportflotten beschäftigt, -außerdem plante er einen neuen Zug gegen Aden. Während der Vorbereitung -dazu erhielt er aber die königliche Weisung, zunächst womöglich nach -Ormuz zu gehen. Albuquerque konnte um so mehr diesem Befehle zustimmen, -als er inzwischen in Erfahrung gebracht, daß der Sultan von Aegypten -nicht weiter rüste, daß also von Seiten dieses Gegners keine Gefahr -drohe und das rothe Meer ruhig bleiben werde. Am 21. Februar 1515 ging -der Generalcapitän von Goa aus mit 27 Schiffen (14 großen Schiffen, 7 -Karavelen und 6 Ruderschiffen) in See. Es sollte sein letzter Zug sein. -Die Besatzung bestand aus 1500 Portugiesen und 700 Indiern (Kanaresen -und Malabaren). In Ormuz führte damals Rais Ahmed, ein ehrgeiziger -Perser, im Namen seines alten und schwachen Oheims das Regiment. Die -Portugiesen hatten über ihn gehört, daß er mit dem Plane umgehe, sich -unter die Oberhoheit des persischen Schah zu stellen, um sich der -Verpflichtungen des lästigen Tributs an Portugal zu entledigen. - -Diese Absichten wurden durch die Ankunft Albuquerque’s vor Ormuz, am -26. März, vereitelt. Der alte Fürst sah sich noch nicht in der Lage, -der Forderung des Generalcapitäns, ihm die Citadelle zu übergeben, -lange zu widerstehen. Das Wasserthor der Festung wurde schon am dritten -Tage den Portugiesen geöffnet, und ohne Blutvergießen zogen dieselben -ein. Das Thor gegen die Stadt wurde geschlossen und die Mauern mit -Kanonen bepflanzt, um die Burg vor einem Ueberfalle zu sichern. Dann -wurden die Festungswerke weiter ausgebaut und Pero d’Albuquerque -als Commandant eingesetzt. Nun galt es, um den Frieden vollständig -zu befestigen, den ehrgeizigen Rais Ahmed mit seinem Anhange zu -beseitigen. Bei einer Zusammenkunft Albuquerque’s mit dem bejahrten -Fürsten wagte Ahmed es, seinen Oheim von einer persönlichen Begrüßung -zurückzuhalten und sich sogar an der Person des portugiesischen -Befehlshabers zu vergreifen. Er rechnete nämlich auf fünfzig Leute -seines Gefolges, die mit verborgenen Waffen vor dem Hause standen. -Albuquerque war darauf vorbereitet und befahl seinen Hauptleuten, den -Anführer der Verrätherei niederzumachen. Den alten Fürsten führte man -aus dem Getümmel fort und das Gefolge des gefallenen Ahmed wurde von -portugiesischen Soldaten zurückgetrieben. Vom Dache des Hauses mußte -sich der alte Rais Nordin seinem Volke zeigen und dasselbe über seine -Person beruhigen. Dem aufgeregten Anhange und den Verwandten Ahmeds, -welche den Palast des Fürsten plündern wollten, ließ Albuquerque -erklären, wenn sie sich nicht sofort beeilten, bis Sonnenuntergang die -Stadt zu verlassen und auf persischen Boden zurückzukehren, so solle -keiner von ihnen mit dem Leben davon kommen; denn die Portugiesen -beherrschten mit der Flotte die See und von der Citadelle aus die Stadt -und die Insel. So wanderten denn die 25 Familien der persischen Partei -aus und Rais Nordin konnte unter dem Schutze und Geleite Albuquerque’s -wieder als Herrscher in seinen Palast zurückkehren. Die Stadt war über -den Zwischenfall bald beruhigt, und durch eine Gesandtschaft nach -Persien, unter der Führung Fernão’s Gomez de Lemos, wurde auch das -gute Einvernehmen mit Schah Ismail wieder hergestellt. Dieser leicht -gewonnene Friede erklärte sich besonders aus dem religiösen Zwiespalt -zwischen den schiitischen Persern und den sunnitischen Arabern. - -Albuquerque schickte einen Theil der Flotte unter seinem Neffen -Garcia de Noronha nach Kotschin und blieb selbst noch einige Monate -in Ormuz, um die Angelegenheiten vollständig zu ordnen, ehe er die -Weiterführung der Geschäfte dem Commandanten der Citadelle überlassen -konnte. Vielleicht wollte er auch noch Vorbereitungen zu einem -zweiten Angriff auf Aden treffen. Doch dieser Wunsch sollte unerfüllt -bleiben. Schon seit Anfang August litt er an der Ruhr, und da das -Uebel sich verschlimmerte, mußte er endlich dem Anrathen seiner Aerzte -nachgeben, vorläufig nach Indien zurückzukehren. Er begab sich an -Bord des Schiffes, welches Diogo Fernandez da Beja befehligte und -übergab sein eigenes Schiff seinem Neffen Vicente d’Albuquerque. Im -Anfang November segelte er von Ormuz ab; bei Kalhât an der Küste von -Oman traf man mit einem arabischen Schiffe zusammen, welches von Diu -kam und die Nachricht mitbrachte, Lopo Soarez sei zum Nachfolger im -Generalcapitanate ernannt worden. - -König Manuel hatte also endlich doch den feindlichen Einflüsterungen -nachgegeben. Nach diesen Verläumdungen sollte Albuquerque bald -wahnsinnig verwegen, bald von maßlosem Ehrgeize erfüllt sein. Man -ersann sogar das Märchen: er strebe danach, sich zum unabhängigen -Herrscher von ganz Indien zu machen. Dazu stütze er sich nur auf seine -Verwandten und begünstige sie bei allen wichtigen Stellungen. -- Wenn -dies als Vorwurf gelten kann (denn die Thatsache ist richtig, daß er -die Vertheidigung von Ormuz und Malaka, unzweifelhaft die wichtigsten -Positionen außerhalb Indiens, seinen Neffen übertrug), so darf doch -nicht unberücksichtigt bleiben, daß er dadurch diese beiden Plätze am -sichersten bewahrt glaubte, da er sich auf die Befehlshaber verlassen -konnte. -- Selbst daß er mit den Fürsten in Indien Frieden schloß, galt -als Zeichen des Verraths, denn diese neue Freundschaft, hieß es, sei -nur ein weiterer Schritt zur Unabhängigkeit, nach der er strebe.[116] - -Albuquerque war gewarnt, er kannte solche Verdächtigungen, aber er -hatte, gestützt auf seine Verdienste und die Makellosigkeit seines -politischen Charakters, es für unnöthig gehalten, ihnen entgegen zu -treten. Er antwortete nur durch seine Thaten. Aber er hatte in Portugal -wenig Fürsprecher mehr; alle Edelleute, welche er wegen Vergehen und -Ungehorsamkeit zurückschickte und dem König zur Bestrafung überwies, -vermehrten die Zahl seiner Widersacher, und so glaubte Manuel endlich, -indem er, statt eine Untersuchung über die wiederholt vorgebrachten -Beschwerden anzuordnen und nach deren Ausfall zu entscheiden, sich -mit einer halben Maßregel begnügte, den Generalcapitän wenigstens -zurückrufen zu müssen. Und das war es eben, was diesen so tief -kränkte. Als er vernahm, daß Lopo Soarez ihn ersetzen solle und daß -andere Befehlshaber für die wichtigsten Positionen ernannt seien, -rief er wehmüthig aus: „Lopo Soarez Generalcapitän?! Konnte es nicht -ein anderer sein! Und solche Männer, wie Diogo Mendez und Diogo -Pereira,[117] die ich wegen ihrer Vergehen als Gefangene nach Portugal -heimgesandt, schickt mir der König als Capitäne und Secretäre wieder -zu?! Um des Königs willen habe ich es mit diesen Leuten verdorben, und -falle um der Leute willen bei dem Könige in Ungnade.“[118] - -Sein Lebensmuth und seine Lebenskraft waren gebrochen. Er wünschte nur -noch Goa zu erreichen, denn hier hoffte er Briefe zu finden, welche ihm -den plötzlichen Umschlag erklärten und ihn wenigstens durch Anerkennung -seiner Verdienste trösten könnten. - -Auf Zureden seiner Freunde schrieb er mit zitternder Hand einen letzten -Brief an den König: „Sire, dies sind die letzten Worte, welche ich -an Ew. Majestät richte, schwergebeugt, nachdem ich so viele Berichte -mit heiterem Lebensmuthe geschrieben. Ich hinterlasse hier einen -Sohn,[119] Bras Albuquerque; ihm bitte meine Verdienste anrechnen zu -wollen. Die Angelegenheiten in Indien werden für sich selbst und für -mich sprechen.“ Im Angesicht des Hafens von Goa starb er am Bord des -Schiffes, am 16. December 1515, 63 Jahre alt. Angethan mit dem weißen -Gewande des St. Jago-Ordens, dessen Commandeur er war, und geschmückt -mit den Ordenszeichen, um die Schultern den Sammetmantel gelegt und -über dem Goldnetz, welches das Haar umschloß, mit einem Sammtbarett: -so wurde seine Leiche auf einem mit Goldbrokat bedeckten Sessel ans -Land getragen. Die Augen waren halb geöffnet, aber ohne die Häßlichkeit -des Todes. Der lange, weiße Bart wallte bis auf die Brust herab, so -daß er auch im Tode noch dieselbe Achtung und Ehrfurcht gebot, die man -ihm im Leben zollte. Am Ufer wurde er von dem Commandanten und allen -Edelleuten empfangen und in der Capelle beigesetzt, welche er selbst -vor den Thoren der Stadt hatte erbauen lassen. - -Er hatte die Tugenden und Fehler eines Imperators. Er übte strenges -Recht, aber den Treubruch bestrafte er hart. Er war zäh im Ausharren -und Ertragen von Mühen. Er ging bei allen Kämpfen nicht mit Worten, -sondern mit dem besten, eigenen Beispiel voran. Schmeichler und -Ohrenbläser ließ er hart an und hielt sie von sich fern. Den gefaßten -Plänen folgte schnellste Ausführung. Persönliche Beleidigungen -ertrug er großmüthig, aber er litt es nicht, daß man seine Befehle -überschritt oder seine Pläne durchkreuzte; dann schreckte er auch vor -Gewaltmaßregeln nicht zurück. In seinen Todesurtheilen ist er mehrmals -zu rasch gewesen, denn er war eine leicht erregbare Natur, die schwer -zu befriedigen war; aber eine übereilte Handlung hat er alsbald bereut. - -Er forderte volle Hingebung an den Beruf und das Amt und verlangte -die Anspannung aller Kräfte. Darin that er selbst es allen zuvor. -Im Frieden war er Tag und Nacht thätig. G. Correa erzählt,[120] -daß er gewöhnlich des Morgens in aller Frühe die Messe hörte und -dann zu Pferde stieg, um, von seiner Leibwache umgeben, die Bauten, -Werften, Magazine zu besichtigen. Im Staatsdienst duldete er keine -Verschwendung und konnte über unnütze Verschleuderung des königlichen -Gutes leidenschaftlich aufbrausen. Seine Entscheidungen traf er rasch; -man hat mehrfach gesehen, daß er unterwegs, auf der Straße, Befehle -und Dokumente auf den Knien unterzeichnete. Er war leutselig gegen -jedermann und verstand die Hindus und Mohammedaner nach ihrer Art -zu behandeln. Für alle war er bedacht, die friedliche Entwicklung -des Handels zur Verbesserung der Lage und Vermehrung des Wohlstandes -zu fördern. Jedermann hatte Zutritt zu ihm. Seine Thür war nie -verschlossen, nur nach dem Mittagsessen gönnte er sich eine kurze -Ruhe und diese wurde an den Wochentagen noch auf das geringste Maß -beschränkt. Am Tage fast immer draußen beschäftigt, verwendete er die -Stunden der Nacht dazu mit seinen Secretären zu arbeiten, um dem Könige -von allem Rechenschaft zu geben bis ins Kleinste. An den König, die -Königin, die königlichen Räthe entwarf er die Briefe selbst. - -Da er immer nur darauf bedacht war, die königliche Macht in Indien -zu stärken, so lag es ihm ganz fern, für sich selbst Reichthümer zu -erwerben. Alle Geschenke, welche ihm von den Fürsten und Herren in -Indien verehrt wurden, übergab er dem König oder der Königin, oder -vertheilte sie unter die Hauptleute und Ritter. Auch gegen die Armen -erwies er sich hilfreich. - -Im Kriege und in der Schlacht stellte er sich den Soldaten gleich und -achtete auf sein Leben ebensowenig als auf das Leben der andern, wenn -es ein großes Ziel galt. Bei dem ersten unglücklichen Kampfe um den -Palast in Kalikut gerieth er selbst mehrfach in Lebensgefahr. Sein -Fahnenträger und einer seiner Pagen fielen an seiner Seite und er hielt -aus, bis ihn ein Steinwurf besinnungslos niederwarf. Ebenso begab er -sich beim ersten Sturm auf Malaka in Lebensgefahr, wurde dabei von den -Feinden umstürmt und mußte von João Lemos herausgehauen werden. Dann -ging er aber sofort wieder zum Angriff über. Er war ein vorsichtiger -Feldherr und nie tollkühn; aber wenn er Großes erreichen wollte, -setzte er alles daran. Vor dem zweiten Sturm auf Malaka erklärte er -seinen schwankenden Capitänen, daß er seine Mannschaft nur darum aufs -Spiel setzte, weil er die Position von Malaka für außerordentlich -wichtig halte. So griff er auch zweimal Goa an und ließ sich durch -einen ersten Mißerfolg nicht abschrecken, die blutige Entscheidung -noch einmal zu wagen. Darum hielt er bei der ersten Belagerung in Goa -auch so zäh bis zum äußersten aus. Als hier dem feindlichen Feldherrn -durch portugiesische Ueberläufer mitgetheilt war, daß auf seiner im -Flusse abgesperrten Flotte Mangel und Hungersnoth herrsche, und jener -Heerführer des Adil Schah den Portugiesen großmüthig mehrere Böte mit -Erfrischungen anbot, ließ Albuquerque seine letzten Vorräthe, einige -Faß Wein und Schiffszwieback auf Deck bringen, zeigte dieselben den -Abgesandten und erklärte: andere Leckerbissen als diese Speisen kennten -die Portugiesen nicht und bedürften sie nicht. Sollten ihnen diese -ausgehen, dann würden seine Soldaten sich schon ungebeten an der Tafel -des Adil Schah melden. Jetzt leide er noch keine Noth. - -So bewahrte er auch in schwerer Bedrängniß seinen Gleichmuth. Trotz -seiner großen Erfolge sah man ihn nie übermüthig werden, auch warnte er -seine Capitäne vor jeder Ueberhebung. Als einige von seinen Hauptleuten -meinten, die Mauern der neuen Festung in Ormuz seien nicht stark genug, -erwiderte er: „Wenn diejenigen, denen die Burg anvertraut ist, sich -nicht als Tyrannen geberden, werden sie stark genug sein. Lassen sie -sich aber zum Uebermuth hinreißen, so ist auch die stärkste Mauer zu -schwach.“ - -Er suchte zwar die Rechte des Siegers voll und ganz zu vertreten, -wünschte aber doch, aus politischen Rücksichten, eine Annäherung -zwischen Portugiesen und Eingebornen. Darum begünstigte er die Heiraten -der Portugiesen mit Hindumädchen. In Goa waren diese letzteren weniger -schwierig als die Töchter der Brahminen und Nair weiter im Süden. -Jedem neuvermählten Paare verehrte er 18 Milreis aus der königlichen -Kasse und vertheilte unter die Ansiedler die Häuser und Aecker der -vertriebenen Mohammedaner. Dadurch wollte er Goa zum Mittelpunkt der -portugiesischen Herrschaft machen und seinen Besitz dauernd befestigen. - -Die indischen Gegner fürchtete er dabei weniger als den Sultan -Aegyptens. Von dort schien ihm auch in Zukunft allein ernste Gefahr -zu drohen. -- Das ganze Zeitalter war so reich an überkühnen, -himmelstürmenden Gedanken und Plänen, daß wir uns nicht wundern dürfen, -auch Albuquerque in eine solche Schwäche verfallen zu sehen. Wie man -von Michel Angelo erzählt, daß er den Marmorgipfel des Monte Altissimo -in den Bergen von Carrara zu einer einzigen Statue habe umgestalten -wollen, und damit ein ganzes Gebirgsprofil verändert hätte, so hatte -auch Albuquerque, indem er der Oberfläche der Erde durch Verlegung -eines Stroms ein anderes Ansehen geben wollte, nichts geringeres im -Sinne, als den Nil in seinem Oberlaufe nach Habesch abzuleiten, um den -alten Kulturboden von Aegypten des segenspendenden Wassers zu berauben; -denn nur so hoffte er die mohammedanischen Herren für immer aus dem -Lande der Pyramiden vertreiben zu können. - -Verständiger klingt schon sein Vorschlag, einen großen Feldzug ins -rothe Meer hinauf zu machen und nach Eroberung Medina’s die Gebeine -Mohammeds zu entführen, um dafür das heilige Grab in Jerusalem von den -Ungläubigen auszutauschen. - -So genial wie in seinen Plänen, so reich war er an treffenden -Aussprüchen. Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber haben uns manche -davon überliefert, die offenbar von Mund zu Mund gegangen waren. -Dadurch wußte er auch die Gemüther wieder zu besänftigen, die er durch -sein leidenschaftliches Temperament verletzt hatte. Ein witziger -Einfall machte eine scheinbare Ungerechtigkeit, die er begangen, bald -vergessen. Man sah, er wollte nur die Pflichtvergessenen treffen. - -Als nach der Eroberung Malaka’s Albuquerque beim Bau der Citadelle -auf einem Gedenkstein, der in der Mauer angebracht werden sollte, die -Namen der Tapfersten hatte einmeißeln lassen, beschwerten seine Leute -sich darüber, daß nur einige genannt seien, während sie doch alle ihre -Schuldigkeit gethan hatten. Da befahl der Generalcapitän den Stein -umzukehren, daß die +Schrift+ nach innen kam, und ließ ihn als -Schlußstein über das Thor der Festung setzen mit der neuen Inschrift: -Der Stein, den die Bauleute verworfen haben. (Psalm 118. 22).[121] - -Sicher war Albuquerque der bedeutendste unter den portugiesischen -Heerführern in Indien. Er verdunkelte auch die Thaten seiner -Nachfolger. Zu spät sah Manuel seinen Fehler ein, daß er durch seinen -Undank dem Begründer seiner indischen Macht das Herz gebrochen. Dann -wollte er ihn wieder an Stelle des Soarez einsetzen und ihm sogar den -Rang eines Vicekönigs verleihen. Aber dieser reuige Beschluß kam zu -spät, und der König selbst mußte es noch erleben, wie mühsam sich nach -Albuquerque’s Tode die indischen Angelegenheiten in befriedigender -Weise entwickelten. - - -8. Die Nachfolger Albuquerque’s. - -+Lopo Soarez d’Albergaria+, welcher als nächster Nachfolger -Albuquerque’s von 1515-1518 den Oberbefehl in Indien führte, war kein -Neuling mehr im Orient; er hatte schon 1504 ein Commando gehabt. -Nun war er am 7. April von Lissabon mit 13 Segeln abgegangen und -erreichte am 8. September 1515 Goa. Als Capitäne der einzelnen Schiffe -begleiteten ihn alle die Widersacher Albuquerque’s, wie Diogo Mendes de -Vascogoncellos, Jorge de Brito u. a. - -Bei seiner Ankunft in Goa fand er allgemeine Niedergeschlagenheit über -seine Ernennung und Betrübniß über die rücksichtslose Beseitigung -seines verdienstvollen Vorgängers, der sich in der von ihm geschaffenen -Stadt der ungetheiltesten Verehrung erfreute. Im October ging Soarez -nach Kotschin und fand dort, wie überall, nur kühlen Empfang; selbst -die indischen Fürsten außer dem von Kalikut theilten die allgemeine -Stimmung. Um diese Zeit kehrte Albuquerque von Ormuz zurück und in -Kotschin erfuhr Soarez durch Simão d’Andrade zuerst von dem Hinscheiden -des bisherigen Generalgouverneurs. Nun hatte Soarez freie Hand, aber -auch im folgenden Jahre geschah noch nichts Erhebliches, er rüstete zu -einem großen Zuge nach dem rothen Meere und brachte eine stattliche -Flotte von 37 Schiffen zusammen, mit welcher er im Februar aufbrach, -um einem ägyptischen Geschwader entgegenzutreten, welches angeblich -27 Segel stark, wiederum nach den indischen Gewässern bestimmt sein -sollte. Die feindliche Macht hatte in der That noch vor Aufbruch des -Soarez sich auf den Weg gemacht, die wichtige Insel Kamaran befestigt, -damit dieselbe nicht wieder, wie unter Albuquerque, zum Stützpunkt -der portugiesischen Unternehmungen dienen könnte, war dann vor Aden -erschienen und hatte diese Festung vergeblich berannt. Dann war sie -nach Dschidda, dem Hafen von Mekka zurückgekehrt, wo man in gesicherter -Lage die Schiffe an den Strand gezogen hatte. - -Soarez erlitt zwar durch einen Sturm in der Babelmandeb-Enge einige -Verluste, drang aber trotzdem bis nach Dschidda vor. Er kam also -weiter als Albuquerque, allein damit hatten seine Erfolge ein Ende. -Denn der Hafen von Dschidda ist, wie fast alle Häfen am rothen Meere, -durch Korallenbänke gebildet und geschützt. Zwischen den Riffen -wand sich das schmale Fahrwasser wohl eine Meile weit, ehe man den -Landungsplatz erreichte, und diese gefährliche Straße war durch -Batterien vertheidigt. Eine Ueberrumpelung des Platzes mit bewaffneten -Böten mißlang, es konnten nur einige Schiffe in Brand gesteckt -werden. Während Soarez den Hafen noch blokirte, erhielt er bestimmte -Nachrichten über den Einbruch der Türken in Aegypten und die Niederlage -des ägyptischen Sultans. Dadurch war vorläufig die Kriegslust desselben -vernichtet, und da man vor der Hand von den Türken nichts für Indien zu -befürchten hatte, so wollte auch Soarez seine Leute nicht unnützerweise -in den ungesunden Gewässern opfern, sondern zog sich zurück. Die Insel -Kamaran war bei ihrer Ankunft von der mohammedanischen Besatzung -zwar verlassen; aber außer Trinkwasser bot die Insel nichts. Für -Lebensmittel war auf der Flotte nicht hinreichend gesorgt; nur um -solche zu gewinnen, wurde die Stadt Zeila, auf der afrikanischen -Küste, erstürmt und geplündert. Viele Leute verschmachteten oder -verhungerten, andere kamen in Krankheiten um, andere bei Schiffbrüchen. -Barros schätzt die Zahl der also Hinweggerafften auf achthundert. -Osorio[122] äußert sich in heftigem Unwillen über diese Mißerfolge: -„Mit Verlust von Menschen und Schiffen, mit Schimpf und Schande ging -Soarez nach Ormuz zurück. Weder besetzte er Aden, noch zerstörte er -die Flotte des Sultans in Dschidda, ja er setzte nicht einmal den -Gesandten des Königs Matthäus von Habesch, der sich an Bord befand, -in seiner Heimat ans Land.“ Auf dem Rückwege wurde die Flotte durch -Unwetter dermaßen auseinander gejagt, daß einige Schiffe sich bis nach -Melinde und gar nach Mosambik verschlagen fanden. So kläglich endete -dieses Unternehmen. Mehr Erfolg hatte Soarez 1513 mit seinem Zuge gegen -+Ceylon+. Diese Insel war seit 1506 von Portugiesen besucht. Nach -der Eroberung von Ormuz, Goa und Malaka, und nach der Besetzung der -Haupthäfen auf der Westküste Vorder-Indiens durch Albuquerque, nahmen -die arabischen Kauffahrer einen anderen Weg, um von den Gewürzinseln -in ihre Heimat zurückzukehren. Sie vermieden das früher besuchte -malabarische Küstenland, legten dafür in Ceylon, namentlich in Kolombo, -an und steuerten dann über die Malediven nach Aden. Um ihnen nun -diesen Weg gleichfalls zu verlegen, hatte Manuel den Befehl gesandt, -in Kolombo sich festzusetzen. Der dortige Fürst bequemte sich erst -nach einer Niederlage dazu, den Bau einer portugiesischen Citadelle zu -gestatten, und mußte, indem er vollständig zinsbar wurde, jährlich 300 -Bahar Zimmt (~à~ 4 Centner), 12 Ringe mit Rubinen und Saphiren, und 6 -Elephanten als Tribut in die Factorei von Kotschin liefern. - -Nachdem dieser Zug geglückt war, übergab Soarez den Oberbefehl seinem -Nachfolger und ging am 20. Januar 1519 mit neun beladenen Schiffen -nach Portugal ab. „Sein ganzes Glück scheint darin bestanden zu haben, -daß er seine Flotten und seine Ladungen wohlbehalten nach Hause -brachte.“[123] - -Indem wir vorläufig die weiter östlich ausgeführten Entdeckungsfahrten -übergehen, um sie später im Zusammenhange übersichtlich darzustellen, -verweilen wir noch bei den Angelegenheiten, welche sich in -Vorder-Indien und im westlichen Theile des indischen Oceans abspielen. -Aber auch diese Ereignisse sollen nur summarisch geschildert werden, da -wenige bedeutende Erfolge im nächsten Jahrzehnt zu verzeichnen sind. -Auf Soarez folgte als Generalgouverneur +Diogo Lopez de Sequeira+ von -1519-1521. Derselbe ist uns bereits bekannt durch seinen ersten Besuch -in Malaka 1509. Er kam als oberster Befehlshaber wieder mit einer -ansehnlichen Flotte und 1500 Mann im September 1518 nach Indien, und -unternahm auch, auf königlichen Befehl, 1520 einen erfolglosen Zug -nach dem rothen Meere, weil man in Portugal in Erfahrung gebracht, daß -die Türken in Aegypten einen Zug nach Indien vorbereiteten. In der -Nähe der Meerenge von Babelmandeb litt Sequeira selbst Schiffbruch; -er rettete sich mit seinen Leuten auf ein anderes Fahrzeug, gelangte -aber nicht einmal bis Dschidda, suchte dann den Hafen Massaua an der -Küste von Habesch auf -- er war der erste Portugiese, der hier anlief --- und brachte endlich den habessinischen Gesandten, den schon Soarez -bei seinem Zuge an Bord gehabt, wieder in sein Vaterland. Dann begab -er sich von da nach Ormuz und wurde mit neuen Befehlen von Portugal -aus förmlich überschüttet, so daß er nicht wußte, was er zuerst -vornehmen sollte. Danach sollte er auf den Molukken, auf Sumatra, -auf den Malediven, in Tschaul (Vorder-Indien) Festungen anlegen, -dann wieder nach dem rothen Meere gehen, Diu erobern, Schiffe nach -China senden u. s. w. Aber von alledem hat er nur eins, die Anlegung -eines Forts in Tschaul, ausgeführt. Denn sein großer Zug gegen Diu -mit mehr als vierzig Schiffen mißlang und zu einem zweiten Zuge gegen -Aegypten fehlte ihm die Zeit. Seine Amtszeit war abgelaufen. Bis an das -nördliche Ende des rothen Meeres, bis nach Sues vorzudringen, war erst -1541 dem Sohne Vasco’s, Estevan da Gama vergönnt. - -Schon ehe Sequeira vom Oberbefehl zurücktrat, starb König Manuel am 13. -Januar 1521. Sein Sohn und Nachfolger Johann III. schickte 1522 den -+Duarte de Menezes+ als Obergeneral nach Indien. Derselbe hatte sich im -afrikanischen Kriege vor Tanger ausgezeichnet und galt als einer der -vorzüglichsten Männer Portugals; aber auf indischem Boden grünte ihm -kein Lorbeer, denn um diese Zeit wäre beinahe die wichtige Position -von Ormuz verloren gegangen. Dort war nämlich gegen Ende des Jahres -1521 ein Aufstand ausgebrochen, weil Portugiesen als Hafenmeister -angestellt waren, welche die Hafeneinkünfte controlliren sollten. -Darüber bildete sich eine Verschwörung, welche die Fremden vernichten -sollte. In einer Nacht wurden 125 Portugiesen, welche sorglos in der -Stadt wohnten, überfallen und niedergemacht. Glücklicherweise aber -hielt sich die Festung. Der König von Ormuz begab sich daher, da der -verrätherische Plan nicht vollständig geglückt war, mit allem Volk -nach der weiter nördlich gelegenen Insel Kishm, nachdem er die Stadt -den Flammen preisgegeben hatte. Der Bruder des Generalcapitäns, Luis -de Menezes, welcher auf die Kunde von diesem Vorfall sofort dorthin -gesendet wurde, stellte indeß den Frieden wieder her. Das Handelsvolk -kehrte in die Stadt zurück und der König mußte sich zu einem jährlichen -Tribut von 20,000 Scherafinen verpflichten. Dann erschien auch Duarte -de Menezes in Ormuz, ordnete die Verhältnisse wieder und befestigte die -portugiesische Stellung. - -Wenn als sein Nachfolger +Vasco da Gama+ noch einmal in Indien -erscheint, so durfte man wohl erwarten, daß er mit fester, -rücksichtsloser Hand die indischen Angelegenheiten leiten und das -eintretende Gefühl einer Ermattung durch glänzende Thaten bannen würde. -Leider sollte diese Erwartung nicht in Erfüllung gehen, da er nur ein -Vierteljahr die Oberleitung besaß. - -[Illustration: Facsimile des Namenszuges von Vasco da Gama (und zwei -Zeugen) in dem Dokument, in welchem er König Johann III. huldigte, als -derselbe ihn zum Vicekönig von Indien ernannt hatte. -- Das Dokument -befindet sich im Archiv von Lissabon. Die Unterschriften lauten: ~Ho -conde do vymyoso. +Ho comde almirante.+ Bertolomeu de paiva.~] - -Es ist mit Recht aufgefallen, daß der Entdecker des Seeweges seit -1502 keine Verwendung in indischen Diensten gefunden hatte. War Don -Manuel nicht einverstanden gewesen mit dem schroffen Auftreten Gama’s? -Erst unter König Johann III. begegnen wir ihm wieder und dann mit dem -Range eines Vicekönigs, den seit Almeida kein Heerführer in Indien -mehr erhalten hatte. Im Gefolge Gama’s befanden sich außer seinen -Söhnen Estevan und Paulo die Capitäne Henrique de Menezes und Lopo -Vaz de Sampayo, welche beide später als Generalcapitäne fungirten. Am -23. September langte der neue Vicekönig in Goa an, und wandte seine -Aufmerksamkeit und Thätigkeit zunächst einer sorgfältigen Prüfung -der Verwaltung zu. Hier waren allerlei Mißbräuche eingerissen und -Unterschleife vorgekommen, welche die Einkünfte des Königs schmälerten. -Dabei handelte Gama im Interesse des Staates, denn, sagte er, er wolle -lieber den König reich machen, da es das größte Glück für ein Volk sei, -einen reichen König zu haben, als die Leute sich bereichern lassen, -die arm von Portugal kämen, um, ohne für den Dienst besonders befähigt -zu sein, in Indien Schätze zu sammeln. Darum verfuhr er gegen die -reichen Beamten des Königs sehr streng und stellte niemanden an, ehe -er seine Fähigkeiten geprüft hatte. Ohne Erlaubnißschein sollte kein -portugiesischer Privatmann Handel treiben, bei Todesstrafe, und wenn -gar ein Beamter sich an den Geschäften betheiligte, sollten Schiff und -Ladung confiscirt werden. - -Da auch die portugiesischen Kauffahrteischiffe wegen der kriegerischen -Verhältnisse in den indischen Gewässern mit Geschützen versehen waren -und sich dieselben auf unerlaubte Weise vielfach aus den königlichen -Arsenalen zu verschaffen gewußt hatten, so forderte Gama diese Waffen -wieder zurück. Binnen einem Monate mußten sie an die Zeughäuser wieder -abgeliefert werden. Waren die Händler auf diese Weise wieder wehrlos -gemacht, dann war auch ihre Unternehmungslust dadurch gedämpft. Aber -nicht blos Waffen waren, mit Genehmigung der königlichen Verwalter, -aus den königlichen Magazinen abgegeben; manche höhere Beamte hatten -sogar königliche Gelder zurückbehalten. Diese trieb, so weit sie -ermittelt werden konnten, der Vicekönig ohne Ansehen der Person ein. -So forderte er selbst von seinem Vorgänger im Amte, Duarte de Menezes -Summen zurück, welche dieser sich aus den Einnahmen der Factoreien -angeeignet hatte. Eine längere Dauer seines Regiments würde für die -Verwaltung von heilsamer Wirkung gewesen sein. Aber diese letztere -wurde bald verwischt, da Vasco da Gama schon am 24. December 1524 -in Kotschin starb. Die Leiche wurde, in seidenen Kleidern mit dem -Mantel des Christusordens bedeckt, mit Schwert und goldenen Sporen, -zuerst in einer Halle ausgestellt und dann in der Kapelle des -Franziskanerklosters in Kotschin beigesetzt. Im Jahre 1538 wurden die -Gebeine nach Portugal gebracht und in Vidigueira bestattet, wo das -Grabmal 1840 vom Pöbel zerstört wurde. - -[Illustration: Wappen von Vasco da Gama.] - -Barros schildert ihn als einen Mann von mittler Größe, kühn und tapfer -in seinen kriegerischen Unternehmungen, strenge in seinen Befehlen, -furchtbar in seinem Zorn, unverdrossen in der Arbeit, beharrlich selbst -in Gefahren, unbestechlich in der Handhabung der Gerechtigkeit. Und -wenn Correa hinzufügt, daß er sich nur aus religiösem Eifer und zur -Ehre Portugals so oft in Lebensgefahr begeben habe, so liegen auch bei -Vasco da Gama als die treibenden Kräfte: ritterlicher Waffenruhm und -die Verbreitung des heiligen Glaubens offen vor Augen; denn vielen, -und darunter den Edleren, erschienen die indischen Kämpfe als heilige -Kriege, als Kreuzzüge gegen den Erbfeind des Christenthums. - -Nach dem Tode des Vaters kehrten die Söhne Gama’s zunächst nach -Portugal zurück. - -Gama’s Nachfolger wurde +Henrique de Menezes+, ein junger, tapferer -Mann, welcher sich zuvor im marokkanischen Kriege ausgezeichnet hatte -und zu jener Zeit Gouverneur von Goa war. Derselbe starb aber schon -am 23. Februar 1526 in Folge eines Beinschadens. Zu seinem Nachfolger -bestimmte eine königliche Verordnung den +Pero Mascarenhas+. Derselbe -war aber damals Statthalter in Malaka, und weil man voraussah, daß -eine geraume Zeit darüber vergehen werde, ehe er mit günstigem Monsun -nach Vorder-Indien kommen könne, und weil man augenblicklich bei den -fortwährenden Kämpfen an der Küste von Malabar schleunigst einer -Oberleitung bedurfte, so entschieden sich die Hauptleute dahin, -nach einer weitern königlichen Verfügung, welche bereits in Indien -schriftlich vorlag, den +Lopo Vaz de Sampayo+ provisorisch als -Generalgouverneur anzuerkennen, jedoch mit dem Vorbehalte, daß er -bei Ankunft des Mascarenhas zurückzutreten habe. Lopo Vaz war damals -Commandant in Kotschin und trat sofort sein Amt an. Noch in demselben -Jahre traf von Europa eine neue Verfügung des Königs ein, welcher von -den oben erwähnten Vorfällen und von dem Tode des Menezes noch keine -Kunde hatte und nun neuerdings bestimmte, daß, falls Menezes stürbe, -Lopo Vaz in seine Stelle treten solle. Daraus entstanden unliebsame -Verwicklungen. Als Mascarenhas am 26. Februar 1527 vor Kotschin -ankam, wurde ihm bedeutet, er dürfe sich nicht als Generalgouverneur -betrachten und mit seinen bewaffneten Leuten landen. Wolle er ohne -Waffen als Privatmann ans Land kommen, so solle das gestattet sein. -Pero Mascarenhas hoffte durch sein persönliches Erscheinen seinen -Anhang zu vermehren und dann doch anerkannt zu werden. Aber er fand -am Ufer bewaffneten Widerstand und mußte, nachdem er zweimal am Arme -verwundet war, sich auf sein Schiff zurückziehen. Er lieferte die von -Malaka mitgebrachten Frachtschiffe und die Beute aus einem glücklichen -Kriege mit dem Fürsten von Bintang ohne Weigerung ab und begab sich -ohne Gefolge nach Goa, wo er durch friedliche Entscheidung zu seinem -Rechte zu kommen gedachte. Vor der Barre von Goa wurde aber sein -Fahrzeug auf Befehl des Lopo Vaz angehalten und er selbst in Ketten -gelegt und nach Kananor gebracht. Die starke Partei des Mascarenhas -ruhte aber nicht eher, als bis Lopo Vaz zu einem Vergleich sich -herbeiließ und das Urtheil einem Schiedsgerichte anheimstellte. Als -dieses sich für ihn entschieden hatte, kehrte Pero Mascarenhas nach -Portugal zurück (December 1527). Vor seiner Ankunft hatte der König -schon beschlossen, um die in Indien ausgebrochenen Parteistreitigkeiten -zu beseitigen, einen neuen Generalgouverneur zu entsenden, dem beide -Parteien gehorchen könnten. Es wurde +Nuno da Cunha+ ernannt, der -schon mit seinem Vater Tristão in Indien gewesen war. Diese Wahl war -sehr glücklich, denn seit Albuquerque’s Tode war nichts Bedeutendes -mehr geleistet und die verfügbare Macht in fruchtlosen Unternehmungen -zersplittert. Im April 1528 verließ da Cunha Lissabon mit 11 Schiffen -und 2500 Mann. An der Küste von Madagascar verlor er sein Schiff, -wandte sich an den Komoren vorbei nach Sansibar, eroberte im November -Mombas fast ohne Blutvergießen und legte es in Asche, da der Scheich -nur in der Erwartung, daß das höchst ungesunde Klima die Portugiesen -bald vertreiben werde, den verlangten Tribut zu zahlen sich weigerte. -Dann ging da Cunha, obwohl er von dem Streite über den Oberbefehl in -Indien genauere briefliche Nachrichten erhalten hatte, zuerst nach -Ormuz, um dort zu überwintern und zugleich die Angelegenheiten in der -Stadt zu ordnen. Er traf zu Gunsten des Königs von Ormuz uneigennützige -Verfügungen und übte strenges Gericht über hochgestellte einheimische -Beamte, welche sich große Unterschlagungen königlichen Gutes hatten -zu Schulden kommen lassen. Dadurch gewann er das Vertrauen des Herren -der Stadt. Während seiner Anwesenheit daselbst kam Belchior de Sousa -Tavaros von einem Kriegs- und Entdeckungszuge nach Basra in den Hafen -zurück. Er war der erste Portugiese, welcher in den vereinigten -Mündungsstrom des Euphrat und Tigris eindrang. - -[Illustration: - - +Pero Mascarenhas in Ketten.+ - Aus den „~Lendas da India~“ -] - -Am 15. September 1529 begab sich da Cunha nach Indien und erreichte -Goa am 22. October. Sofort begann er seine Vorbereitungen zu einem -energischen Angriff auf Diu, dem wichtigen und sehr festen Hafenplatz -im Reiche Gudjerat. Schon Albuquerque hatte, in richtiger Würdigung der -Wichtigkeit dieses Platzes, den Hafen von Diu ins Auge gefaßt, war aber -durch andere Angelegenheiten zu sehr in Anspruch genommen gewesen, um -einen Anschlag darauf ausführen zu können. Unter seinen Nachfolgern war -die Stadt, welche lange unter der Verwaltung des Melek Aias gestanden, -mehrfach vergeblich bestürmt. Auch unter den Nachfolgern des genannten -Statthalters, seinen Söhnen Melek Saka und Melek Toghan war sie eine -gefährliche Nachbarin der Portugiesen geblieben, denn der Sultan -Bahadur (Badur) von Gudjerat, zu dessen Gebiet sie gehörte, war einer -der mächtigsten Fürsten Indiens. - -Inzwischen traf da Cunha mit seinem Vorgänger Lopo Vaz vor Kananor -zusammen und übernahm aus dessen Hand die Oberleitung der indischen -Angelegenheiten. Auf Befehl des Königs Johann III. mußte er sogar den -bisherigen Generalcapitän verhaften lassen, weil von Ormuz und Kotschin -aus Klagen gegen denselben eingelaufen waren. In Portugal aber wurde -Lopo Vaz bald wieder in Freiheit gesetzt. - -Dem wankelmüthigen Samudrin, welcher den Frieden immer wieder brach, -sowie sich die portugiesische Macht aus seiner Nähe entfernte, wurden -die Häfen gesperrt und der einträgliche Handel gelähmt. Er wurde -nämlich von den Mohammedanern, in deren Interesse er handelte, immer -wieder heimlich unterstützt und aufgestachelt. Auch jetzt erbot er sich -wieder zum Frieden, allein da er die ihm auferlegten Bedingungen nicht -erfüllen wollte, zerschlugen sich die Verhandlungen, und der friedelose -Zustand dauerte fort. Im Jahre 1531 gelang es aber doch durch -geschickte Unterhandlungen dem Samudrin das Zugeständniß abzugewinnen, -die Erlaubniß zu ertheilen für die Anlegung einer Festung in Chali, -drei Meilen südlich von Kalikut, im Gebiet des untergebenen Radscha von -Tanur. Da Cunha ließ den Bau sofort beginnen und belegte den festen -Platz bereits im Februar 1532 mit 250 Mann. Trotzdem blieb der Samudrin -offen oder versteckt ein Gegner der Portugiesen. - -Das Reich Gudjerat, gegen welches Nuno da Cunha seinen großen Zug -richten wollte, erstreckte sich auf beiden Seiten des Golfs von Kambaya -vom Golf von Katsch bis südlich von Bombay. Hier lagen an der Küste -die reichen Handels- und Gewerbstädte Pattana, Diu, Kambaya, Barotsch, -Sorâth, Damân und Bassein, alte, wohlhabende und berühmte Orte, theils -von indischen, theils von mohammedanischen Kaufleuten bewohnt. Schon -ehe der Generalcapitän mit seiner großen Flotte aufbrach, schickte er -im Anfange des Jahres 1530 den Antonio da Silveira mit einer Anzahl von -Schiffen ab und ließ mehrere dieser Städte angreifen und plündern. - -Dann folgte im nächsten Jahre da Cunha selbst von Bombay aus mit einem -so gewaltigen Geschwader, wie es vorher von den Portugiesen noch nicht -aufgebracht war. Es sollen gegen 400 große und kleine Schiffe gewesen -sein mit 3600 Portugiesen und dazu eine bedeutende Schaar indischer -Hilfstruppen. Statt aber geradenwegs auf Diu zu steuern, wandte sich -der portugiesische Befehlshaber weiter ostwärts, wo in einer Entfernung -von 8 Meilen nordöstlich von Diu eine kleine felsenumsäumte Insel, -jetzt Searbett, damals Bete genannt, liegt. Dieselbe war in letzter -Zeit mit Festungswerken versehen und hatte eine Besatzung von 800 -Mann. Nuno da Cunha glaubte diese feste Position, welche den genannten -großen Handelsemporien näher lag, nicht im Rücken lassen zu dürfen -und hoffte sie ohne großen Verlust wegnehmen zu können. Allein die -mohammedanische Besatzung wehrte sich mit dem Muthe der Verzweiflung, -bis sie vernichtet war. Dadurch büßte da Cunha nicht blos viele Leute -und darunter hervorragende Führer ein, sondern er verlor auch viel -Zeit, welche von seinen Gegnern in Diu trefflich benutzt wurde, um den -ohnehin festen Platz noch mehr mit Vertheidigungswerken zu versehen. -Diu liegt vor dem Südende der Halbinsel Gudjerat auf einer Insel hart -an der Küste. Dieses Eiland erstreckt sich 1½ Meilen von Osten -nach Westen und ist etwa ½ Meile breit. Am schmäleren Ostende liegt -die Stadt, zwischen der Insel und dem nördlichen Festlande der gegen -Osten geöffnete Hafen. Klippenreihen umsäumen die Insel gegen Süden -und decken die Stadt. Auf und zwischen den Felsen waren Batterien -errichtet, um einen Angriff von der Seeseite abzuwehren. Weiter -ostwärts erstrecken sich Sandbänke vor der Einfahrt in die Bucht, und -der Hafen selbst war mit eisernen Ketten versperrt. - -Hätten die Portugiesen es nur mit den einheimischen Truppen zu thun -gehabt, so wäre der Angriff auf diese starke Position vielleicht -von Erfolg gekrönt gewesen; allein der Sultan Bahadur hatte kurz -vorher einen unschätzbaren Bundesgenossen bekommen in der Person des -türkischen Generals Mustafa, der auf die Kunde von den drohenden -Ereignissen vom rothen Meere her mit zwei Schiffen und 800 tüchtigen -türkischen Soldaten der Stadt zu Hilfe geeilt war. Mustafa verstand -die europäische Kriegführung und war namentlich als Artillerieoffizier -berühmt. Er wurde der Leiter der ganzen Vertheidigung und die -gutgezielten Schüsse seiner Batterien richteten unter den Portugiesen -unerwartet großen Schaden an. Nuno da Cunha übersah bald die veränderte -Lage und das Bedenkliche eines Sturmes auf die Festung; da aber sein -König den Angriff befohlen, so wagte er ihn, um nicht als zaghaft -gescholten zu werden. Sein Hauptsturm, am 16. August, wurde indeß durch -die Vertheidiger der Stadt abgeschlagen, und die Portugiesen mußten -sich zurückziehen. Mustafa erhielt in Anerkennung seiner rühmlichen -Leistung den Titel eines Chan und wurde mit der Verwaltung des -Districts von Barotsch belohnt. Nuno beschränkte sich auf eine Blokade -und ging dann nach Tschaul, südlich von Bombay, zurück. Der kleine -Krieg zur See, die Wegnahme von Handelsschiffen, die Verwüstung von -Küstenhäfen wurde auch im folgenden Jahre noch fortgesetzt. - -Bahadur, welcher bald darauf mit dem Sultan Humajun von Dehli in einen -Krieg verwickelt wurde und daher in den Küstenstädten nur wenige -Truppen zurücklassen konnte, wünschte indeß mit den Portugiesen Frieden -zu schließen und bot ihnen statt Diu die Stadt Bassein sammt der Insel -Salsette und Bombay (Mombain) an; der portugiesische Gouverneur ging -darauf bereitwillig ein und ließ schon im Januar 1535 ein Fort in -Bassein anlegen. Im Verlauf desselben Jahres lief aber Bahadurs Feldzug -gegen Dehli unglücklich ab, er wurde geschlagen und flüchtete, verfolgt -von dem Sieger Humajun, welcher Kambaya besetzte, nach Diu. Dem -Sultan war darum zu thun, in seiner Noth die Portugiesen als Freunde -zu gewinnen. Er erbot sich daher noch im Herbst 1535, ihnen einen -Platz bei Diu einzuräumen, um eine Festung anzulegen, die den Hafen -beherrschen könne. Dagegen sicherte Nuno da Cunha freien Handel der -Städte in der Richtung nach dem rothen Meere zu; alle Schiffe konnten -frei passiren, nur die türkischen nicht. Auf diesen Grundlagen wurde -ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen. Der Bau einer starken Burg -wurde alsbald begonnen. - -Als aber Humajun nach anderen Theilen seines Reiches abgerufen wurde -und Bahadur sich von diesem gefährlichen Feinde erlöst sah, wurde -ihm die Burg der Portugiesen lästig. Er knüpfte daher mit anderen -Fürsten in Dekhan Verbindungen an, bewahrte aber äußerlich noch ein -gutes Einvernehmen. Nuno da Cunha erfuhr von dieser Sinnesänderung -und ging im Januar 1537 nach Diu. Als der Sultan den Gouverneur auf -seinem Schiffe besucht hatte und nach der Stadt zurückfuhr, kam es -in Folge eines unglücklichen Mißverständnisses zu einem feindseligen -Zusammenstoß mit einigen nachfolgenden portugiesischen Fahrzeugen. -Daraus entwickelte sich ein blutiges Gefecht, in welchem Bahadur -selbst getödtet wurde. Bei der allgemeinen Bestürzung, die darüber -entstand, ward es den Portugiesen leicht, die Stadt zu besetzen. Als -die Gudjeraten aber mit einem größeren Heere heranrückten, mußten -die Portugiesen sich wieder in die Festung zurückziehen. Hier hatten -sie bald eine sehr ernste Belagerung zu bestehen, denn im Jahre 1538 -rückte eine gewaltige türkische Flotte mit 7000 Soldaten vor Diu. -Fünfundzwanzig Tage lang wurde die Festung aus schwerem Geschütz -beschossen, aber der tapfere Commandant Antonio da Silveira hielt -Stand, und das Beispiel edler Frauen, welche nach dem Bericht Barros’ -mit Hand anlegten, um die durch die türkischen Geschosse zertrümmerten -Mauern wieder herzustellen, feuerte den Muth der kleinen Besatzung -an. Ein Hauptangriff gegen die geschossene Bresche wurde glücklich -abgeschlagen, die Türken mußten sich zurückziehen und die Belagerung -aufheben, weil Nuno da Cunha einige Schiffe zum Entsatz gesandt hatte, -welche von den Belagerern für einen Theil der großen erwarteten -Flotten gehalten wurden.[124] Es war für die hartbedrängte Schaar -auch die höchste Zeit für eine Erlösung, denn aller Kriegsvorrath war -verbraucht, und nur noch 40 Mann waren gefechtstüchtig geblieben. -Alle übrigen waren gefallen oder verwundet, oder lagen am Scorbut -krank, welcher in Folge des schlechten Trinkwassers in der Festung -ausgebrochen war. - -So war Diu gerettet, und die türkische Macht kehrte am 5. November nach -dem rothen Meere zurück. - -Es war dies das letzte bedeutende Ereigniß unter der Regierungszeit -Nunos. Sein Nachfolger war bereits angekommen. Garcia de Noronha, ein -Neffe Albuquerque’s, kam am 11. September 1538 mit einer Flotte nach -Goa und übernahm als Vicekönig die Leitung. Nuno da Cunha’s Stellung -war in Portugal erschüttert, das konnte er aus dieser Ernennung zu -deutlich erkennen. Statt einen kräftigen, energischen Mann, wie er -gewünscht hatte, und wie er es selbst gewesen war, ehe das indische -Klima seine Gesundheit untergraben hatte, schickte man einen Greis -von 70 Jahren, der auch dann als Diu in höchster Gefahr schwebte, mit -äußerster Bedächtigkeit seine Rüstungen vornahm. Statt geschulter -Soldaten brachte er entlassene Sträflinge mit, die erst eingeübt -werden mußten und so wenig Vertrauen erweckten, daß die portugiesischen -Hauptleute in Indien lieber eingeborene Truppen nahmen.[125] In -Portugal machte sich der Mangel an junger Mannschaft bereits so -fühlbar, daß man zu einem so bedenklichen Ersatz gegriffen hatte. Aus -Mißmuth darüber nahmen mehrere Hauptleute den Abschied und kehrten mit -da Cunha nach Portugal zurück. - -Die letzten Tage seines Aufenthalts in Indien wurden dem bisherigen -Gouverneur noch dadurch verbittert, daß der Vicekönig ihm ein Schiff -zur Heimreise verweigerte, unter dem Vorwande, er könne keins -entbehren. Dadurch wurde da Cunha noch bis zum Januar 1539 in Kananor -zurückgehalten und mußte sich, nachdem er zehn Jahre die portugiesische -Macht in rühmlicher Weise erweitert und seinem Könige die Festungen -in Diu, Bassein und Chali gegründet hatte, welche, wie Barros meint, -nicht weniger wichtig waren als Ormuz, Malaka und Goa, die Eroberungen -Albuquerque’s, auf eigene Kosten ein Schiff miethen, um in die Heimat -zurückkehren zu können. Den Keim einer tödtlichen Krankheit in sich -tragend und niedergebeugt durch den Undank des Herrschers, dem er -ebenso uneigennützig als erfolgreich sein Leben lang gedient, denn er -war schon sehr früh nach Indien gekommen, stieg da Cunha zu Schiff. -Als er den Tod nahen sah, erklärte er in seinem Testamente an Eides -statt, daß er niemals königliches Eigenthum sich angeeignet habe, außer -fünf goldenen Münzen aus dem Schatze des Sultans Bahadur, die er dem -König habe zeigen wollen. Als man ihn fragte, ob er wünsche, daß, falls -er sterbe, seine Leiche mit nach Portugal genommen würde, antwortete -er: „Soll ich nach Gottes Rathschluß auf der See sterben, so mag auch -die See mein Grab sein. Das Vaterland, das mich voll Undank von sich -gestoßen, soll auch mein Gebein nicht decken.“ - -Sieben Wochen nach der Abfahrt von Kananor starb er und wurde, nach -seinem Willen mit dem Gewande des Christusordens bekleidet und mit dem -Schwert umgürtet, ins Meer gesenkt. So ward er wenigstens vor noch -tieferer Kränkung bewahrt; denn allzu leicht geneigt, den geheimen -Anklagen und Verleumdungen ein williges Ohr zu leihen, hatte die -portugiesische Regierung ihm bereits ein Schiff entgegengesandt mit dem -ausdrücklichen Befehl, den heimkehrenden Generalgouverneur in Ketten zu -legen. - -Vielleicht war Johann III. dem Nuno deshalb nicht wohl gesinnt, weil -dieser sich zu wenig die Ausbreitung des Christenthums hatte angelegen -sein lassen und aus politischem Interesse dem Sultan Bahadur zu große -Zugeständnisse gemacht hatte. Denn gerade zu jener Zeit war die -Geistlichkeit von maßgebendem Einfluß im Rathe Johanns III., welcher -die Inquisition in Portugal eingeführt hatte. - -[Illustration: +Porträt von Nuno da Cunha.+ - -Aus den „~Lendas da India~“] - -Mit Nuno da Cunha ging die ruhmreiche Zeit in Indien zu Ende. Noch -lange nach seinem Tode, sagt Barros, erinnerte man sich der zehn Jahre -seiner Regierung, so daß selbst diejenigen, die ihn ehedem befeindet -hatten, seine Lobredner wurden. - -Man muß sich erstaunt fragen, wie es gekommen, daß gerade die -verdienstvollsten Männer für ihre Thaten in Indien mit Undank -belohnt wurden. Nicht sie selbst allein beklagen sich darüber, die -Geschichtsschreiber fällen dasselbe Urtheil und stimmen ihnen bei. Ohne -Zweifel lag der Grund zum Theil darin, daß man von Portugal aus, ohne -die Sachlage aus so weiter Ferne genau beurtheilen zu können, zu viele -Wünsche, Verhaltungsmaßregeln und Befehle sandte, welche unmöglich -sofort ausgeführt werden konnten; daß man ein selbständiges Handeln, -selbst gegen die ertheilten Vorschriften, als ein Auflehnen gegen die -königliche Macht, als ein bedenkliches Trachten nach Unabhängigkeit -ansah. Dazu kam noch, daß viele portugiesische Edelleute den Dienst in -Indien als ein willkommenes Mittel ansahen, sich möglichst rasch zu -bereichern, und sei es auch auf ungerechte Weise. Wie oft ist nicht -über Unterschleife geklagt und Untersuchung angestellt worden! Oder es -wollten sich die vornehmen Herren den Befehlen des Generalgouverneurs -nicht fügen und lehnten sich dagegen auf. Wurden sie dann ihrer Stellen -entsetzt und nach Portugal zurückgeschickt, dann traten sie natürlich -mit bitteren Klagen über die Oberleitung in Indien auf, und von ihren -Gönnern bei Hofe unterstützt, fanden sie auch den Weg bis zu dem Ohr -des Herrschers, der fast nur die entstellten Berichte zu hören bekam -und so gerade die energischesten Statthalter mit Mißtrauen beobachten -lernte oder sich gegen dieselben gewinnen ließ. - -Ueberblicken wir noch einmal die politische Machtstellung der -Portugiesen in Indien zur Zeit, als Nuno da Cunha starb, so lag -der Mittelpunkt ihres Besitzes auf der Westküste jener asiatischen -Halbinsel. Es wäre aber eine durchaus falsche Vorstellung, ihre -Herrschaft sich über weite Ländereien auf dem Boden Indiens ausgedehnt -zu denken. Der ursprüngliche Plan, den Weg zu den Gewürzländern -zu finden und den Gewürzhandel ganz und allein in die Hand zu -bekommen, blieb stets maßgebend und die einzige Richtschnur. Mit den -einheimischen Fürsten wünschte man stets in Frieden zu leben; aber -die Anhänger Mohammeds, diese Erzfeinde des christlichen Glaubens, -und in den indischen Gewässern fast die alleinigen Zwischenhändler -des Handels mit Europa, sei es über den persischen Golf oder durch -den arabischen Meerbusen, mußten mit Waffengewalt verdrängt werden; -ihre Kauffahrer sollten aus dem indischen Ocean verschwinden. Zu dem -Zwecke mußten wachehaltende Kriegsschiffe auf dem Meere kreuzen, um die -unter mohammedanischer Führung gehenden Gewürzfrachten abzufangen und -ihnen alle Wege zu sperren, dazu dienten aber auch in den wichtigsten -Handelsplätzen Indiens feste Citadellen zur Ueberwachung des Verkehrs. - -Verstanden sich die indischen Fürsten dazu, daß in ihrem Gebiet eine -von Portugiesen besetzte steinerne Festung errichtet wurde, dann traten -sie in das Verhältniß der Bundesgenossenschaft, andernfalls waren sie -beständigen Belästigungen und Angriffen von der Seeseite ausgesetzt. - -Sonach besaßen zwar die Portugiesen eine größere Anzahl von Steinburgen -in oder neben den Städten, aber die einheimischen Fürsten regierten im -Lande. Nur an drei Punkten wurden den Portugiesen durch Verträge oder -Eroberung Küstenstädte nebst dem umgebenden Lande abgetreten: Diu, -Bassein mit Salsette und Goa. Und diese lagen sämmtlich an der Küste -auf kleinen Inseln, welche von den Eroberern besser vertheidigt werden -konnten. Hier waren die Portugiesen die alleinigen Herren und wußten -im Laufe der Zeit sich, nach dem Vorgange Albuquerque’s in Goa, diese -Positionen um so mehr zu sichern, als Europäer sich dort niederließen -und die Städte ihren rein indischen Charakter verloren. Daher kommt es -auch, daß noch jetzt die allerdings längst bedeutungslos gewordenen -Städte Goa und Diu in portugiesischen Händen geblieben sind. - -Außerhalb Indiens gehörte ihnen noch das mit bewaffneter Hand genommene -Malaka, das aber nur mühsam bis ins nächste Jahrhundert behauptet -wurde. Auch in Ormuz waren sie, obwohl die einheimische Herrschaft -in der Stadt belassen wurde, doch die gebietende Macht, während -eine Reihe von arabischen Küstenplätzen und ost-afrikanischen Häfen -tributpflichtig gemacht wurde. - -Die Verhältnisse auf den Molukken sollen im Folgenden noch eingehend -betrachtet werden. - -Die historischen Ereignisse in Vorder-Indien werden wir nicht weiter -verfolgen, sondern richten unsere Blicke auf die östlichen Länder und -Inseln Asiens, um zu sehen, wie sie allmählich entschleiert wurden, bis -die neugewonnene Kenntniß einerseits bis nach Japan, andererseits bis -hart an den Continent Australien reichte. - - -9. Die Portugiesen auf den Molukken. - -Im Südosten von Hinter-Indien breitet sich die große malayische -Inselflur aus, welche aus der Sundawelt nebst Molukken und Philippinen -besteht. Der Flächenraum, welchen die an tropischen Erzeugnissen -überaus reich gesegneten und in malerischer Schönheit prangenden -Inseln bedecken, ist so groß wie ganz Europa. Die Summe der Landmassen -dieses Gebietes, welches in seiner ganzen Breite auf einer Strecke -von 35 Meridianen oder 525 Meilen vom Aequator durchschnitten wird, -beträgt etwa 36,000 Quadratmeilen; die Bevölkerung wird jetzt auf 35 -Millionen Menschen geschätzt, ist also größer als die Einwohnerschaft -von ganz Südamerika. Die Sundainseln gehören zu den größten Inseln -der Erde: Bórneo nimmt einen größern Flächenraum ein als das deutsche -Reich sammt den angrenzenden Staaten Schweiz, Belgien, Niederlande -und Dänemark; Sumátra ist so groß wie Preußen und Bayern zusammen, -Celebes läßt sich mit Großbritannien vergleichen, und Java steht dem -Staatencomplex von Süddeutschland nicht nach. Man macht sich von der -Größe des ganzen Gebiets und der Ausdehnung dieser Inseln gewöhnlich -eine zu geringe Vorstellung. „Der Reisende,“ sagt Wallace,[126] „segelt -Tage, selbst Wochen längs den Ufern +einer+ dieser Inseln, die oft so -groß sind, daß deren Bewohner sie für ein ausgedehntes Festland halten. -Er erfährt, daß man Touren zwischen diesen Inseln meist nur nach Wochen -und Monaten berechnet und daß ihre verschiedenen Einwohner oft so -wenig unter einander bekannt sind, wie die Eingebornen des nördlichen -Festlandes von Amerika denen des südlichen. Bald gelangt er dahin, -diese Region als eine von der ganzen übrigen Welt gesonderte anzusehen, -mit ihren eignen Menschenrassen und ihren eignen Ansichten der Natur, -mit ihren eignen Ideen, Empfindungen, Sitten und Sprachweisen, mit -einem Klima, einer Vegetation, einer Thierwelt, alles von durchaus ihr -eigenthümlichem Charakter.“ - -Nahe dem Ostrande dieses großen Gebietes, genau in einem Abstande -von 25 Meridianen, von der Stadt Malaka aus gerechnet, liegen -die eigentlichen Molukken oder Gewürzinseln an der Westküste der -vielgegliederten Insel Halmahera oder Dschilolo zwischen dem ersten -und zweiten Grade nördl. Br. Die wichtigsten darunter sind Ternate und -Tidor. Zwei andere Gruppen von Eilanden, welche ebenfalls an Gewürz -reich sind, liegen 60 bezüglich 80 Meilen südlich und südöstlich von -der zuerst genannten Gruppe. Beide liegen im Süden der langgestreckten -Insel Ceram, und zwar die Amboinen und Banda. - -Hier ist die Heimat der Gewürznelken und der Muskatnuß. Im Gegensatz -zu der namhaften Ausdehnung der Sundainseln gehören die Molukken zu -den kleinsten Eilanden, so daß die kostbarsten Güter der Pflanzenwelt -nur auf einem sehr beschränkten Raum gedeihen. Tidor umfaßt kaum 1½, -Ternate etwas mehr als 1 Quadratmeile, und die Bandagruppe ist auch -nicht größer. Dagegen nehmen die Amboinen einen Flächenraum von 17 -Quadratmeilen ein. Gegenwärtig beträgt die Bevölkerung nicht ganz -100,000 Seelen, sie entspricht also annähernd der mittleren Dichtigkeit -der Bevölkerung im deutschen Reiche. - -Diese Inseln sind Glieder des großen vulkanischen Ringes, welcher von -den Philippinen her gegen Süden über Banda hinaus und weiter gegen -Westen und Nordwesten über Sumatra hin die größte aller in diesem -Gebiete liegende Insel Borneo umfaßt. Sie sind sämmtlich vulkanisch -und bestehen eigentlich nur aus 4- bis 5000 Fuß hohen Bergkegeln, -in denen die eruptischen Gewalten des Erdinnern noch wach sind, -und die theils durch verheerende Ausbrüche, theils durch heftige -Erderschütterungen die Bewohner erschrecken. Aber die vulkanischen -Aschen und die verwitterten Laven haben, von tropischem Regen getränkt, -eine erstaunliche Fruchtbarkeit und eine üppige Baumvegetation -erzeugt, welche die Gehänge der Vulkane vollständig umhüllt. Auf -den eigentlichen Molukken hat Tidor den größten und vollkommen -konisch gestalteten Berg, der Berg auf Ternate ist fast ebenso hoch -aber mit einer gerundeten und unregelmäßigen Spitze. Hier erhebt -sich unmittelbar hinter der Stadt der riesige Berg, anfangs langsam -ansteigend und mit dichten Hainen von Fruchtbäumen bedeckt, bald -aber steiler werdend und von tiefen Furchen durchzogen. Fast bis zum -Gipfel, dessen Oeffnung stets schwache Rauchwolken entsteigen, ist er -mit Pflanzenwuchs bekleidet und sieht so ruhig und schön aus, obgleich -er ein Feuer birgt, das gelegentlich in Lavaströmen ausbricht, aber -sich häufiger durch Erdbeben bemerkbar macht, welche oftmals die Stadt -verwüstet haben.[127] - -Ueber den Fruchtbäumen erstreckt sich ein Gürtel von Lichtungen und -bebautem Boden, welcher sich den Berg hinauf bis zu einer Höhe von -zwei- bis dreitausend Fuß zieht, worauf Urwald folgt, der fast bis zum -Gipfel reicht. - -Die Küsten dieser kleinen Inseln haben steile, schwarze Gestade aus -vulkanischem Sande oder sind mit zerrissenen Massen von Lava und -Basalt belegt.[128] Nur hier auf den beiden genannten Inselbergen und -den südlich darauf folgenden Inseln, welche ähnlich gestaltet sind, -auf Motir und Makkian, sowie auf der südlichsten und größten, Batjan, -gedieh die geschätzte Gewürznelke. Der spanische Seefahrer Urdaneta, -welcher von 1526 bis 1535 dort weilte, schätzte zu seiner Zeit den -jährlichen Ertrag in guten Jahren auf 11,600 Centner (Quintal), in -schlechten Jahren auf 5- bis 6000 Centner. Als Urdaneta auf die Inseln -kam, kostete ein Bahar (d. h. mehr als 4 Centner) 2 Dukaten, und zur -Zeit, als er das Gebiet verließ, bezahlte man in Indien für dasselbe -Maß bereits 10 bis 14 Dukaten.[129] - -Die zweitwichtigste Gruppe bilden die drei kleinen Bandainseln. -Barros[130] nennt sie einen Garten von Muskatbäumen, welche mit -zahlreichen Pflanzen und Kräutern zu gleicher Zeit blühen und so die -Luft mit einem unvergleichlichen Gemisch von Wohlgerüchen erfüllen. -Wallace schildert sie mit gleichem Entzücken, als bedeckt mit einer -ungewöhnlich dichten und brillianten grünen Vegetation. Banda ist ein -lieblicher kleiner Fleck Erde; die drei Inseln schließen einen sichern -Hafen ein, von dem kein Ausgang sichtbar ist, und der so durchsichtiges -Wasser besitzt, daß lebende Korallen und selbst die kleinsten -Gegenstände deutlich auf dem vulkanischen Sand und in einer Tiefe -von 7 bis 8 Faden zu sehen sind. Der immer rauchende Vulkan thürmt -seine nackte Spitze an einer Seite auf, während die zwei größeren -Inseln mit Pflanzenwuchs bis an den Gipfel der Hügel bedeckt sind. -Ungeachtet der Verluste, welche durch Erderschütterungen entstehen, -und ungeachtet des geringen Umfanges und der isolirten Lage dieser -kleinen Inseln sind sie noch der Haupt-Muskatnußgarten der Erde. Fast -die ganze Oberfläche ist mit Muskatnüssen bepflanzt, welche unter dem -Schatten der hohen Kanarienbäume (~Kanarium commune~) wachsen. Der -vulkanische Boden, der Schatten und die außerordentliche Feuchtigkeit -dieser Inseln, wo es mehr oder weniger jeden Monat im Jahre regnet, -scheinen dem Muskatnußbaume gerade zuzusagen, welcher keinen Dünger -und kaum der Pflege bedarf. Das ganze Jahr hindurch findet man Blumen -und reife Früchte, und dazu sind wenige cultivirte Pflanzen schöner -als Muskatnußbäume. Sie sind hübsch geformt und glattblättrig, 20 bis -30 Fuß hoch und tragen kleine gelbliche Blumen. Die reife dunkelbraune -Nuß ist von der carmoisinrothen Muskatblüthe oder Macis als Samenhülle -umgeben und bietet so einen reizvollen Anblick dar.[131] - -Urdaneta schätzte zu seiner Zeit den Ertrag auf durchschnittlich 7000 -Centner Nüsse und 1000 Centner Macis (~macía~). Ein Bahar (hier gleich -5 Centner) Nüsse kostete 5 Dukaten, Macis immer siebenmal soviel. Von -beiden Gewürzen gelangten damals nur etwa 500 Centner Gewürznelken, 100 -Centner Macis und 200 Centner Muskatnüsse nach Portugal.[132] - -Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von -Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina -besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von -einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der -Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der -Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund, -welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von -bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von -zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche -näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist. -Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze -Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.[133] - -Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn -auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war -damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen, -welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich -ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in -zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne -einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete -vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten -Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen -Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge -zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten -Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone -durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren -Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über -die von Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die -Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber -auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde -hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel -führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die -Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr -einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte. - -Es ist bereits oben (S. 174) kurz angedeutet, daß der große -Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte, -drei Schiffe unter dem Oberbefehl +Antonio’s d’Abreu+ absandte, um -die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der -portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der -beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im -December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours -zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina. -Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte -sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich -Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene -Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen. -Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln -im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten -Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden, -und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres -d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise -von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte -zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen -von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der -portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den -Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen -Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer -gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen -Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des -fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die -Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben, -dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu -bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier, -wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von -Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen, -unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem -unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten -hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich -in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste -Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so -ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan -befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches -Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aber auf Java strandete, -gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s -nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen -Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem -Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem -benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um -die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten -in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und -erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung -anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den -Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem -Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während -dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden -Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter -einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der -Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer -Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit -verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung -geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen -Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den -Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus -den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln -aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen. - -Einen weiteren Besuch stattete 1518 +Dom Tristão de Menezes+ den -Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah -sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu -bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit -den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete, -in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle -Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters -von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt, -um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht -einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch -vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des -Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa -und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt -von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden, -nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete. -Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe -richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute -in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle -Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen -wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da -er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte -dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald -darauf. - -Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein -größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab -dem +Antonio de Brito+ die Leitung. Derselbe ging 1521 mit mehreren -Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht hatte, -nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle -weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten -zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch -Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der -weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches -Schiff, welches einen in +spanischer Sprache+ ihm ausgestellten Paß von -dort mitbrachte. - -Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste -gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem -westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl. -weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß -spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden -hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt, -fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß -er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe -nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein -errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort, -züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen -und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan -de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier, -arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei -Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha -auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den -Portugiesen hielt. - -Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen -hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor -zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der -ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben -gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe -hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés -(portugiesisch ~Cachil Daroës~), einen Verwandten, als Mitregenten -angenommen. - -Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der -Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage -S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen -über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar -Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren -zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch -und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch, -daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter -verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu -entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus -entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor. - -Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach -Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern -noch nicht betretenen Weg einschlagen und +nördlich+ um Borneo -herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel -hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet -erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer -langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka. - -In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom -Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero -de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch -zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab, -landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte -dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun -weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea -verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener -dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von -ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h. -Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea -als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort -kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung, -nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate -gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die -Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war. - -Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die -Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa -anlangten. - -Nicht weit westlich von den Molukken springt die schlanke Halbinsel von -Celebes vor. Diese eigenthümlich gegliederte Insel wurde damals, weil -man die seichten und tiefgehenden Buchten noch nicht untersucht hatte, -noch für eine Insel+gruppe+ gehalten und Ilhos des Celebes genannt. -Zu ihrer Erforschung, denn es wurde viel von ihrem Goldreichthume -berichtet, ging von Ternate eine Fuste ab; aber dieselbe wurde an -mehreren Stellen bei Versuchen zu landen von den Einwohnern feindlich -empfangen und wollte darum nach Ternate zurückkehren. Auf dem Heimwege -trieb der Monsun das Fahrzeug weit nach Nordosten ins offene Meer und -führte es nach einer Fahrt von 200 Meilen an das Gestade einer der -Marianen oder Ladronen, welche Magalhães schon entdeckt hatte. Vier -Monate wurde die Fuste hier durch widrigen Wind festgehalten und kam -erst im Januar 1526 nach den Molukken zurück. - -Um diese Zeit war Brito von seinem Posten abgerufen und wurde durch -einen neuen Commandanten in der Person des Dom Garcia Henriquez -ersetzt; dieser aber brachte durch seine falschen Maßnahmen die -Portugiesen in mancherlei Ungelegenheit, weshalb an seine Stelle -Menezes trat. - -Es wirft ein eigenthümliches Licht auf die Handlungsweise des -Henriquez, wenn wir lesen, daß derselbe zuerst seinen Nachfolger -Menezes dadurch zu beseitigen hoffte, daß er ihn auf falsche Aussagen -hin gefangen nehmen ließ und dann, als er genöthigt wurde, ihn wieder -frei zu geben und als Statthalter anzuerkennen, doch ehe er das Fort -verließ, die Kanonen desselben zu vernageln befahl, weil er fürchtete, -Menezes würde, wenn er in See gehe, die Kanonen auf ihn richten und -sein Schiff in den Grund schießen! - -Ueber die weiteren Ereignisse auf den Molukken werden wir später -zurückkommen, da sie ihr volles Verständniß erst im Zusammenhange mit -von den Spaniern unternommenen Fahrten nach den Gewürzinseln erhalten -(vgl. 3. Buch. 3. Capitel). - - -10. Das Phantom der Gold- und Silberinseln. - -Zu allen Zeiten, wo durch weit ausgedehnte Eroberungszüge oder durch -kühne Seefahrten große Strecken und Gebiete früher unbekannter Länder -entdeckt worden sind, und dadurch der Gesichtskreis in kurzer Zeit -bedeutend erweitert wurde, ist die Phantasie mächtig aufgeregt worden -und hat neben den wahrheitsgetreuen Berichten von den fernen Ländern -und Inseln auch den haltlosesten Gerüchten Glauben geschenkt, welche -von unglaublichen Wunderwesen und Wunderlanden zu erzählen wußten. So -ist es den Griechen nach dem Zuge Alexanders des Großen nach Indien -gegangen, so erging es nun auch den Portugiesen in Indien und sollte -es, wie wir später sehen werden, auch den Spaniern in Amerika ergehen. - -Ein besonders interessantes Beispiel dafür ist das lockende Gespenst -der Gold- und Silberinseln, um so mehr als darin ein Wahn aus dem -Alterthum neu belebt wurde, welcher das ganze Mittelalter hindurch ein -bescheidenes Dasein gefristet hatte. - -Als unter den Nachfolgern Alexanders des Großen das vorderindische Land -genauer bekannt wurde und einzelne Seefahrer auch den bengalischen Golf -durchkreuzten bis zu den Gestaden Hinter-Indiens, wurde im Abendlande -die Kunde von einer fern im Osten gelegenen Goldinsel (χρυσῆ νῆσος) -verbreitet. Weiterhin belegte man die östlichsten asiatischen Länder -nach ihren werthvollsten Erzeugnissen mit dem Namen des Goldlandes, -des Silberlandes, des Kupferlandes.[134] Man hat darunter wohl die -hinterindischen Staaten Birma und Siam zu verstehen. Ueber den -Reichthum an edlen Metallen, wie er noch zu M. Polo’s Zeit von den -Fürsten zur Schau getragen wurde, ist bereits (S. 64) berichtet. Auch -die Halbinsel Malaka kannte das griechische Alterthum unter dem Namen -des goldenen Chersoneses (χρυσῆ χερσόνησος); überdies nennt Ptolemäus -auch noch eine goldene Insel. An der Fülle von Edelmetallen war also -nicht zu zweifeln. - -Bei den römischen Schriftstellern ging die Vorstellung bereits ins -Phantastische und Unbestimmte über; man hielt sich namentlich an den -Begriff der Gold- und Silberinseln, wollte aber nicht entscheiden, -ob die Inseln nur Fundstätten des Metalles besäßen oder ganz und gar -daraus beständen. Auch begnügte man sich nur mit der ungefähren Angabe -der Lage. Aus den Lateinern schöpfte dann weiter das ganze Mittelalter. - -Maßgebend war Plinius, denn die Griechen verstand man im Mittelalter -bald nicht mehr. -- Die Angaben des römischen Compilatoren und seines -späteren Nachschreibers Solinus beherrschten die Ansichten über ein -Jahrtausend. Plinius schreibt: Jenseit der Mündung des Indus liegen, -glaube ich, die Inseln Chryse und Argyre (die Namen wurden also aus dem -Griechischen beibehalten), welche reich an Metallen sind. Denn wenn -einige berichtet haben, sie beständen ganz aus Gold und Silber, so -dürfte das schwerlich zu glauben sein. - -Solinus, welcher stets geneigt ist, das Wunderbare noch zu übertreiben, -änderte den Bericht dahin, daß er schrieb, die Inseln seien so reich, -daß wie die meisten (?) berichteten, der Boden ganz aus Gold und Silber -bestehe. Viel vorsichtiger hatte sich Pomponius Mela ausgedrückt. Aber -Plinius und Solinus blieben die maßgebenden Quellen für die Gelehrten -des Mittelalters. Im 6. Jahrhundert schrieb Isidor von Sevilla: Chryse -und Argyre sind reich an Gold und Silber. Dort (nämlich in Indien -überhaupt) gibt es goldene Berge, die aber von Drachen und Greifen -und menschlichen Ungeheuern bewacht werden, so daß man nicht zu ihnen -gelangen kann. - -Kurz erwähnt die Inseln weiterhin der Geograph von Ravenna im 7. -Jahrhundert, ebenso Hrabanus Maurus im 8., sodann Hugo von St. Victor -im 13. Jahrhundert und Petrus de Alliaco (Pierre d’Ailly), Cardinal von -Cambray im Anfang des 15. Jahrhunderts.[135] - -Der Glaube an diese Inseln war also allgemein verbreitet; sogar eine -gereimte Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert verherrlicht -dieselben.[136] Die Weltbilder jener Zeit durften diese allgemein -angenommenen Thatsachen nicht verschweigen. Bereits die Catalanische -Weltkarte zeigt östlich von Indien die Inschrift: „In dem Meere von -Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle wunderbaren -Reichthümer, die darin enthalten sind, von +Gold, Silber+ und kostbaren -Steinen aufzählen können.“ Der Globus von Laon, welcher im Jahre 1493 -entstanden ist, (vgl. ~Bulletin soc. geogr. Paris.~ 1860, 2) gibt -östlich vom Ganges wenigstens eine ~Argentea R(egio)~ und ~Aurea -R(egio)~ an. - -Es ist daher durchaus erklärlich, wenn auch die Portugiesen, sobald sie -in jene Regionen kamen, nach den kostbaren Inseln suchten. - -Der erste, welcher danach ausging, war Diogo Pacheco. Kaum war er -1519 mit seinem Bruder nach Malaka gekommen, als er, durch lockende -Erzählungen von der Goldinsel, welche südlich von Sumatra liegen -sollte, angespornt, sich erbot, eine Fahrt dahin zu wagen. Der -Gouverneur von Malaka, Diogo Lopez de Sequeira, gab ihm zwei Schiffe, -aber das eine ging schon an der Nordwestküste von Sumatra unter. -Mit dem andern gelangte Pacheco bis zum Hafen von Baros, welches -auf der Westseite jener Insel ungefähr unter gleicher Breite mit -Malaka liegt. Dort erfuhr er, die Goldinseln lägen wenigstens noch -hundert Meilen weiter[137] gegen Süden in der See; es seien niedrige -von Korallenriffen umsäumte Eilande mit Palmenhainen und schwarzer -Bevölkerung. - -Pacheco kehrte für diesmal wieder um, um noch Beistand zu holen, stach -aber im nächsten Jahre wieder in See in Begleitung einer Brigantine. -Das Einlaufen in Baros wurde ihm durch mehrere feindliche Schiffe -von Kambaja und von Sumatra verwehrt, und ein Sturm trennte seine -beiden Schiffe von einander. Pacheco selbst ging wahrscheinlich -unter. So kostete also der Versuch dem ersten Abenteurer, der das -Geheimniß lüften wollte, das Leben. Aber damit waren die Unternehmungen -keineswegs abgeschlossen. Als König Manuel davon hörte, gab er dem -Gouverneur von Indien, Diogo Lopez, welcher die königlichen Briefe in -Kalahat (Kalhat), an den Küsten Arabiens erhielt, den Auftrag, ein -Geschwader von drei Schiffen zur Aufsuchung auszuschicken. Zuerst -sollte Christovão de Menezes die Führung übernehmen, dann wurde Pedro -Eanes damit betraut. Die drei Schiffe bildeten aber einen Theil der -Flotte, welche unter Jorge Albuquerque nach Malaka bestimmt waren. Als -man jedoch zu diesem vielumstrittenen Hafen kam, konnte man dort die -Schiffe nicht entbehren, weil der kleine Seekrieg mit den Nachbaren -fast ununterbrochen fortging, und so unterblieb noch bei Lebzeiten -Manuels eine weitere Expedition. - -Dagegen gingen 1527 unter Leitung eines portugiesischen Piloten -drei Schiffe von Dieppe aus, um als Freibeuter das indische Meer zu -durchstreifen. Zwei Schiffe kamen nach Diu, ein drittes, welches schon -am Cap der guten Hoffnung von den anderen getrennt war, segelte aufs -Gerathewohl, ohne den Weg zu kennen, weiter und gerieth an die Küste -von Sumatra. Von hier aus forschte er nach der Goldinsel, wo der ganze -Strand, Kies und Sand, aus purem Golde bestehen sollte. Dieselbe -wurde als ein üppiges Land geschildert, mit schönen Bäumen und klaren -Wasserbächen und mit vielerlei wohlschmeckenden Früchten. Das nackte, -wilde Volk kleidete sich nur mit Baumblättern, zeigte sich aber den -Fremden gegenüber freundlich. Händler aus Sumatra erzählten später in -Malaka, das Schiff habe die Goldinsel wirklich gefunden, sich mit Gold -beladen und sei dann wieder abgesegelt, habe aber, der Meere unkundig, -vielfach umhergeworfen, an der Küste von Sumatra Schiffbruch gelitten -und alle Mannschaft verloren. Die dortigen Fischer hätten das Gold an -sich genommen.[138] Dadurch schien also die Existenz dieser Inseln -außer Frage gestellt. Und so schickte denn der Generalgouverneur Martim -Affonso de Sousa im Jahre 1543 wieder eine Galee mit zwei Fusten -aus, im Meere westlich von Sumatra nach der Goldinsel auszuspähen. -Jeronimo de Figueiredo wollte zu dem Zweck von Goa ausgehen, aber das -Unternehmen scheiterte bereits vor Beginn, infolge einer Intrigue.[139] -Die Lage der Insel glaubte man ziemlich sicher ansetzen zu können. Man -wird darum auch nicht vergebens suchen, wenn man auf den älteren Karten -nach der Lage der Goldinsel forscht. Ortelius führt in seinem Theatrum -Orbis[140] westlich von Sumatra sowohl ~Isole d’or~, als ~isolas -d’oure~ an. Im Atlas Mercators, 1613, lesen wir in derselben Gegend -~Andramania id est aurea insula~. Und Willem Blaeu führt in seinem -Kartenwerke 1634, ebenso wie Hend. Hondius die Insel „~de Ouro~“ an -drei verschiedenen Stellen westlich von Sumatra an. Wenn man nun später -auch etwas mehr Zweifel hegen mochte, so haben sich diese Fabelinseln -doch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Eine von Homanns -Erben 1748 veröffentlichte Karte unter dem Titel ~Cartes des Indes -orientales~ führt auf der Linie von den Malediven nach Nord-Sumatra -wiederum noch an drei Stellen die Inseln auf mit den Inschriften: 1) -~Ouro, juxta Anglos, positionis et existentiae incertae~ (südlich von -Ceylon); 2) ~I^{ae} ouro s. auri, juxta Batavos, pariter incertae~; 3) -~Ouro, juxta Batavos~. - -Man erkennt auch hier wieder, daß Fabelwesen ein außerordentlich zähes -Leben haben. - -Daß man sich aber nicht blos unter den seefahrenden Nationen lebhaft -mit diesen Inseln beschäftigte, beweist ein Brief, welcher (ohne Datum) -an den Kurfürsten August von Sachsen gerichtet ist und folgendermaßen -lautet: Es sind wahrhaftige (?) Zeitungen gekommen in kurzen Tagen aus -Spania, wie daß der König habe eine neue Insel gefunden, Serieff, darin -liegt nichts als lauter gediegen Gold, man hat zwei Gefangene aus den -Königen allenthalben umhergeschickt, wer mit ihnen reden könnte, aber -keinen gefunden, der sie hat verstehen können, vermeinend, man wolle -viel erfahren durch sie, wie es um ihre Insel stehe. Sie sind aber bald -gestorben. Der König hat wieder drei Schiffe verordnet, wie sie zu -der Insel hinzufahren und zu besichtigen, wie sie zu gewinnen und zu -erobern sei, nachfolgends will er erst ein Volk darauf verordnen. Er -ist entschlossen, sie alle todt schlagen zu lassen, denn er könnte die -Insel sonst vor ihnen nicht behalten, denn es ist ein rauhes, hartes -und fahriges Volk.[141] - -Wie alle solche Phantome, so wechselten auch diese Inseln ihre Stelle. -Sie flackerten wie Irrlichter durch den großen Inselarchipel, tauchten -einmal südlich von Timor auf und verloren sich schließlich in dem -weiten fast insellosen Raum des nördlichen großen Oceans. - -Es war am Ende des 16. Jahrhunderts, als Schiffer von der Insel Solor, -nordwestlich von der Insel Timor, ins südliche Meer verschlagen -wurden, und nun erzählten, sie hätten die Goldinsel gefunden. Als -man dann zum zweitenmale die Entdeckung ausbeuten wollte, war das -goldene Eiland nicht wieder zu finden. Aber die Kunde davon kam nach -Malaka, wo damals Manoel Godinho de Eredia weilte, ein portugiesischer -Mestize, welcher 1563 in Malaka geboren war und, nachdem er eine -kurze Zeit dem Jesuitenorden angehört hatte, sich mit Kosmographie -beschäftigte. Zuerst im Jahre 1594 schlug er vor, eine Expedition nach -den langgesuchten Inseln auszurüsten und schrieb zu dem Zweck auch -eine besondere Abhandlung.[142] Aber leider wurde der Plan zerstört, -da zwei Jahre später Cornelis Houtman mit einer holländischen Flotte -bei Sumatra erschien. Als dann nach Beseitigung dieser Gefahr für -Malaka Godinho wieder Zurüstungen machte, wurde seine Vaterstadt 1601 -zum zweitenmale von dem Holländer Jacob van Heemskerk angegriffen und -Godinho wieder abgehalten, die Schätze der Goldinsel zu heben. Somit -unterblieb der Zug überhaupt.[143] - -Als dann kurz darauf die Holländer sich auf den Molukken und auf -Java festsetzten, traten sie auch die Erbschaft bezüglich der -Goldinseln an. Es war im Jahre 1635, als ein Beamter der holländischen -Handelscompagnie, Willem Verstegen, dem holländischen Generalgouverneur -Henricq Brouwer, dem Vorgänger des berühmten Antonio van Diemen, eine -Schrift überreichte, worin er den Vorschlag machte, die Gold- und -Silberinsel, welche östlich von Japan im großen Ocean unter 37½° nördl. -Breite liegen sollte, für Holland in Besitz nehmen zu lassen. Brouwer -mußte, da er 1636 abberufen wurde, die Ausführung seinem Nachfolger -überlassen. Dieser war aber in den ersten Jahren durch wichtigere -Angelegenheiten gegen seinen Willen (~tegen ons gemoet~) abgehalten, -obwohl er die Wichtigkeit eines solchen Zuges nicht unterschätzte, -und konnte erst 1639 zwei Schiffe unter dem Commandeur Matthys Quast -aussenden mit dem Befehl, unter dem angegebenen Breitenparallel -vierhundert Meilen nach Osten zu steuern, um die reichen Inseln -aufzusuchen. Aber die ziemlich unglückliche Fahrt blieb resultatlos, -da die Schiffe nur bis zu den Bonininseln kamen, welche südöstlich -von Japan zwischen dem 20. und 30. Breitengrade liegen. Darum mußte -der Versuch 1643 wiederholt werden. Wiederum sandte van Diemen zwei -Fahrzeuge unter Martin de Vries aus, welcher zuversichtlich die so oft -vergeblich gesuchten Inseln zu finden hoffte, da man sichere Kunde -von ihrer Existenz in der bezeichneten Gegend zu haben meinte; denn -die spanischen Schiffe, welche seit Jahren zwischen Manila und Mexiko -verkehrten, hatten seit 1610 oder 1611 die Inseln schon gesehen. Es -sollten hohe Gebirgsinseln sein, welche über die Maßen gold- und -silberreich und von einem hellfarbigen, freundlichen, civilisirten -Volke bewohnt wären. Unzweifelhaft liegt diesen Mittheilungen eine -dunkle Nachricht von den hohen Sandwichinseln zu Grunde, deren Lage -aber erst durch J. Cook, auf seiner dritten Reise, 1778, bestimmt wurde. - -Die beiden Schiffe des Capitän Vries wurden an der Küste von Japan -von einander getrennt; beide unternahmen daher selbständig die -Forschungsreise. Vries wußte genau, wohin er zu steuern hatte, denn -er besaß sogar eine japanische Karte, auf welcher an der Ostseite der -Goldinsel ein Fluß verzeichnet war, in dem er ankern konnte. Vries -drang 460 Meilen weit von Japan gegen Osten vor, das andere Schiff kam -sogar 500 Meilen weit, aber das gesuchte Land blieb verborgen, denn -die Sandwichinseln liegen nicht in der Nähe des 37. Parallelkreises, -sondern nahe dem nördlichen Wendekreise.[144] - -So blieb also der gehoffte Erfolg aus und man gab weitere -Unternehmungen auf; aber zur Erweiterung der Kenntniß von den östlichen -Meeren hatten auch diese fruchtlosen Fahrten beigetragen. - - -11. Der erste Besuch der Portugiesen in China und Japan. - -Mit den Söhnen aus dem Reiche der Mitte waren die Portugiesen zuerst -in Malaka zusammengetroffen; es war eine durchaus friedliche Begegnung -gewesen. Die Chinesen waren ohne Scheu, lediglich im Handelsinteresse, -an die fremden Schiffe herangekommen, denn sie hatten sofort die -nautische Ueberlegenheit der Portugiesen erkannt, und ebenso war es für -diese wohlthuend gewesen, gegenüber dem schleichenden, unzuverlässigen -Wesen der Malayen, in den Chinesen eine Klasse von Händlern zu finden, -mit denen man auf gleichem Fuße verkehren konnte, und die auch -nicht durch irgendwelche religiöse Satzungen an einem ungezwungenen -Geschäftsleben gehindert wurden. - -Es stand sicher zu erwarten, daß, sowie die Verhältnisse in Malaka -etwas geregelter sich gestalteten, man zu weiterer Bekanntschaft gern -die Hand bieten würde, um dadurch den begonnenen Handelsverkehr noch -mehr zu beleben. Leider sollte man bald die Erfahrung machen, daß der -Chinese in der Fremde weit zugänglicher ist als in seinem Heimatlande. - -Im Juli 1514 war Jorge d’Albuquerque Befehlshaber in Malaka geworden, -im folgenden Jahre sandte er den Rafael Perestrello mit zehn Leuten in -einer chinesischen Dschunke nach China, um das Land zu erkunden, von -da kehrte er in einer Brigantine, die er auf seine Kosten ausgerüstet -hatte, mit reicher Ladung nach Kotschin zurück.[145] - -Kurz vorher langte der neue Generalstatthalter Lopo Soarez aus Portugal -an; in seiner Begleitung kam Fernão Perez d’Andrade, um auf Befehl der -portugiesischen Regierung eine Flotte nach China zu führen. - -Andrade begab sich zunächst nach Sumatra, um eine Ladung Pfeffer -einzunehmen, welche man in China gegen andere Waaren vertauschen -wollte. Leider wurde er durch den Verlust seines besten Schiffes, -welches durch Feuer zerstört wurde, genöthigt, sich nach Malaka zu -begeben, und brach von hier am 12. August 1516 von neuem auf, obwohl -die beste Jahreszeit ihrem Ende entgegen ging; denn es lag dem -neuen Statthalter von Malaka, de Brito, daran, zu erfahren, was aus -Perestrello geworden sei, von dem man damals noch nichts gehört hatte. -Andrade kam aber nur bis zur Küste von Kotschinschina, nahm auf der -wichtigen Insel (Pulo) Kondor, welche vor der Mündung des Mechong liegt -und gegenwärtig im Besitz der Franzosen ist, Wasser ein, und kehrte, -durch Stürme genöthigt, über den Hafen Patani, an der Ostküste der -Halbinsel Malaka, nach dem Hafen von Malaka zurück. Nur das Schiff des -Duarte Coelho blieb aus; dasselbe lief in die Mündung des Menam in Siam -ein, blieb dort während der schlechten Jahreszeit und ging dann von -hier aus allein nach China, wo Andrade wieder mit ihm zusammentraf. In -der Zwischenzeit war Perestrello hier eingelaufen und dann weiter nach -Kotschin gegangen. Der merkantile Erfolg seiner Reise spornte Andrade -an, im Juli 1517 zum zweiten Male seine Fahrt nach China anzutreten. -Ohne Zwischenfälle erreichte er am 15. August die Küste von Süd-China -und ließ an der Insel Tamão (Tamong) die Anker fallen.[146] - -Andrade’s Flotte bestand aus vier portugiesischen und vier malayischen -Schiffen. An der Küste fand er chinesische Schiffswachten gegen die -Piraten postirt. Auch bestand die Einrichtung, daß die Schiffe, -welche in den Fluß einlaufen wollten, von den chinesischen Behörden -mit Pässen versehen werden mußten. Nach mancherlei Verzögerungen und -Plackereien von Seiten der chinesischen Beamten erhielt Andrade Lotsen, -welche ihn nach Kanton brachten. Die Absendung einer Gesandtschaft, -welche im Namen des Königs von Portugal dem Kaiser von China Geschenke -überreichen sollte, zog sich aber in die Länge, weil der Statthalter -von Kanton erst am kaiserlichen Hofe um die Genehmigung zur Abfertigung -der Gesandtschaft nachsuchen mußte. In dem ungesunden Klima von Kanton -starben viele Portugiesen, so daß Andrade es gerathen fand, nach der -Insel Tamao zurückzugehen. Von hier sandte er den Duarte Coelho nach -Malaka zurück, um über den günstigen Verlauf seines Unternehmens -Bericht zu erstatten. Ein anderes Schiff unter Jorge Mascarenhas wurde -auf Kundschaft weiter nach Norden geschickt, um Nachrichten über das -Land der Lequios einzuziehen. Mascarenhas kam bis nach Tsiuan-tschau -an der Fukianstraße, der Insel Formosa gegenüber, und fand in diesem -weniger besuchten Hafen viel vortheilhaftere Handelsverhältnisse, -da man die chinesischen Artikel viel billiger eintauschen und die -mitgebrachten Waaren viel höher verwerthen konnte. Auch erfuhr -Mascarenhas dort, daß das Land Lequia, worunter in engerem Sinne die -zu Japan gehörigen Liukiu-Inseln und im weiteren Sinne das japanische -Reich selbst zu verstehen ist, noch über hundert Meilen weiter -nordwärts liege. - -Nach einem Aufenthalte von vierzehn Monaten entschloß sich Andrade, -China wieder zu verlassen. Dazu nöthigte ihn besonders die Nachricht, -daß Malaka wieder von den malayischen Fürsten der Nachbarschaft -ernstlich bedroht sei. Ehe er wieder in See ging, ließ er in Kanton -und im Hafen von Tamao ausrufen, daß, wenn irgend ein Chinese von -den Portugiesen geschädigt sei, derselbe sich melden und seine -Entschädigung erhalten solle. Dieses Verfahren wurde von den -Chinesen ihm hoch angerechnet und gab ihnen einen Begriff von der -Gerechtigkeitsliebe der Fremden.[147] Der portugiesische Gesandte -Thomas Perez blieb auf Tamao zurück, bis er endlich, nach dreimaliger -Anfrage, die Erlaubniß erhielt, an dem kaiserlichen Hofe zu erscheinen. -So konnte er erst im Januar 1520 seine Reise antreten. Inzwischen war -aber im August 1519 Simão d’Andrade, der Bruder des Fernão Perez, mit -einem zweiten Geschwader vor Tamao erschienen. Thomas Perez fuhr zuerst -zu Schiffe bis an die südliche Grenze der Provinz Fukian und begab -sich dann zu Lande nach Nanking und von da weiter nach Peking. Da der -Kaiser sich aber zu jener Zeit noch in den nördlichen Grenzländern -aufhielt, so erfolgte die Audienz erst im Jahre 1521. Während dieser -Zeit waren aber über das Benehmen der Portugiesen höchst ungünstige -Nachrichten eingelaufen, welche mit der von dem Fernão Perez d’Andrade -laut verkündigten Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in grellem Widerspruche -standen. Simão d’Andrade, unvorsichtig und rücksichtslos, hatte die -Zeit benutzt, um sich, ohne dazu von den chinesischen Behörden die -Erlaubniß zu haben, auf Tamao zu befestigen, angeblich, um sich dadurch -gegen die Angriffe von Seeräubern zu decken. Sodann wurde gemeldet, daß -Simão d’Andrade vor seiner Abreise einige Kinder angesehener Eltern, -allerdings ohne zu wissen, daß dieselben ihrer Familie gestohlen -waren, aufgekauft und mit nach Indien genommen hatte. Endlich waren -auch Abgesandte des Fürsten der Insel Bintang bei Malaka erschienen, -welche ihren Herren als einen Lehnsmann des Kaisers bezeichneten, -welcher ein Recht auf die Hilfe der Chinesen habe, da die Portugiesen -ihm einen Theil seines Reiches genommen hätten, und welche erklärten, -daß die letzteren nur zum Zweck der Eroberung ihre Fahrten bis China -ausdehnten. Die Folge dieser Nachrichten war, daß der Kaiser Befehl -gab, den portugiesischen Gesandten nach Kanton zurückzuschaffen und -dort als Gefangenen zurückzuhalten, bis die Portugiesen in allen -Stücken Ersatz geleistet hätten. Ihre Schiffe wurden gleichfalls mit -Beschlag belegt und kein Portugiese mehr in einen Hafen zugelassen, -denn der Kaiser wollte solche eigenmächtige, streitsüchtige und -habgierige Leute in seinen Landen nicht dulden.[148] - -Darum wurde Duarte Coelho, als er im Juni 1521 wieder mit zwei Schiffen -vor Tamao erschien, von den Chinesen angegriffen. Er wies zwar mit -seinen Kanonen den feindlichen Angriff zurück und befreite noch eins -der portugiesischen Schiffe, aber Perez und sein Gefolge blieben -als Gefangene zurück und wurden nicht freigegeben. Der abenteuernde -Reisende Mendez Pinto wollte sogar im Jahre 1550 noch einige davon -am Leben getroffen haben. Dagegen behauptet Barros, Thomas Perez -sei mit allen seinen Mitgefangenen etwa ums Jahr 1523 hingerichtet. -Ebenso schlug ein erneuter Versuch, welchen Martin Affonso de Mello -Coutinho 1522 wagte, vollständig fehl, die Beziehungen zu China wieder -anzuknüpfen. Die Chinesen griffen sein Geschwader von fünf Schiffen -an, eroberten eins derselben und sprengten ein zweites in die Luft, so -daß Coutinho die übrigen mit Mühe nach Malaka zurück rettete. So hatte -also das unüberlegte Verfahren Simãos d’Andrade auf längere Zeit die -nachtheiligsten Folgen. - -Einzelne Schiffe wagten sich später wieder in die chinesischen -Gewässer, wandten sich aber weiter nordwärts nach Ningpo, wo sie sich -anfänglich vorsichtiger benahmen, um an dem lebhaften Handel der -Stadt theilnehmen zu können. Aber mit den wachsenden Erfolgen stieg -auch wieder der Uebermuth der Portugiesen; in Folge dessen sie in den -vierziger Jahren wieder vertrieben wurden. Ningpo besaß aber eine -lebhafte Verbindung mit Japan, und so gelangten die Portugiesen von -hier nach jenem Inselreiche. In der Mitte des Jahrhunderts war China -ihnen wieder verschlossen, nur auf +Macao+ wußten sie sich zu behaupten -und haben den kleinen Besitz auf der Halbinsel bis heute zu erhalten -vermocht, von dem aus sie auch mit Kanton weiterhin in geschäftlicher -Verbindung blieben, nachdem sie sich zur Zahlung einer Geldsumme -bequemt hatten. - -Die erste Bekanntschaft mit +Japan+ machten die Portugiesen im Jahre -1542. Leider fließt hier die wichtigste historische Quelle so trübe, -daß Wahrheit und Dichtung schwer zu unterscheiden ist. Es ist der -Reisebericht des Fernão Mendez Pinto,[149] welcher 1539 nach Malaka -kam, und nachdem er mehrere abenteuerliche Streifzüge nach Sumatra -ausgeführt hatte, sich im folgenden Jahre mit Antonio de Faria nach -China begab. - -Der Piratenzug, an welchem sich Pinto betheiligte, scheint ihn mehrere -Jahre in der Nähe und an den Küsten Chinas beschäftigt zu haben. So -mochte er vielleicht vernommen haben, daß von der Mannschaft des Diogo -de Freitas, welcher sich im Jahre 1542 in der alten Residenz von Siam, -in Ayuthia befand, mehrere Leute desertirten und auf einer chinesischen -Dschunke versteckt, dem „himmlischen Reiche“ zusteuerten, aber von -einem Sturme nordwärts geführt unter dem 32° nördl. Br. bis an die -Inseln der Japaner geführt wurden, wo sie auf Nipongi freundliche -Aufnahme fanden. Sie waren die ersten Europäer, durch welche die -Japaner mit Feuerwaffen bekannt gemacht wurden. - -Pinto, dessen Erzählung von Richthofen als „ein Meer von Lügen“ -bezeichnet, „in welchem man einzelne Inseln der Wahrheit findet“,[150] -eignete sich selbst den Ruhm der Entdeckung zu und behauptete, einer -von jenen Matrosen gewesen zu sein, aber er verlegte das Ereigniß -um zwei Jahre zu spät. Da aber seine Darstellung und die Angabe von -Ortsnamen wirkliche Kenntniß von Japan verräth, so ist es nicht -unmöglich, daß er selbst, nachdem er vielleicht in Ningpo die Nachricht -von jener ersten Entdeckung erhalten hatte, den südlichen japanischen -Inseln, Tamga-sima und Kiusiu einen Besuch abgestattet hat. Eine -klarere Vorstellung von jenem Inselreiche gewann man bald, seit Franz -Xaver als erster Glaubensbote 1549 das Land betrat und bis 1551 mit -großem Erfolge wirkte. Aber über Nippon hinaus nordwärts blieb Meer und -Land in Dunkel gehüllt. - -Auch China wurde noch in demselben Jahrhundert durch Augustiner- und -Franziskanermönche genauer bekannt, welche von den Philippinen her -1577 zuerst in das große Reich eindrangen und ihr Bekehrungswerk -begannen. So verdanken wir den Portugiesen nur die Kenntniß der Küsten, -den spanischen Geistlichen die Kenntniß des Binnenlandes. - -Die Thätigkeit der Portugiesen, welche in den ersten Decennien sowohl -in Vorder-Indien als auch im Gebiet der Sunda-Inseln, einen so -glänzenden Aufschwung genommen hatte, erlahmte sehr bald. Das kleine -Reich hatte sich an Mitteln und Menschen erschöpft, es behauptete den -errungenen Besitz nur noch mühsam, bis nach der Vereinigung Portugals -mit Spanien im Jahre 1580 und nach der Vernichtung der spanischen -Suprematie zur See die Holländer und Engländer in den indischen -Gewässern erschienen und die ersten Entdecker der Gewürzländer aus -ihrer Domäne verdrängten. Die Holländer übernahmen dann im folgenden -Jahrhundert die Weiterführung der Entdeckungsfahrten, einerseits gegen -Südosten nach Australien, andererseits gegen Nordosten über Japan -hinaus bis an das ochotskische Meer und bis zu den Kurilen. - - - - -Zweites Capitel. - -Die Bahn der Spanier nach Westen und die Entdeckung der neuen Welt. - - -1. Die Bedeutung der italienischen, namentlich genuesischen Nautik und -das frühere Leben des Christoph Columbus. - -Noch ehe die Portugiesen das Ziel ihrer langjährigen Anstrengungen zur -See, Indien, zu erreichen vermochten, ja noch ehe sie das ihnen in den -Weg geworfene Hinderniß, die plumpe Masse des ungegliederten Erdtheils -Afrika, durch glückliche Umschiffung endlich überwunden hatten, tauchte -ein anderes Project auf, das durch seine Kühnheit alle Welt stutzig -machte und deshalb naturgemäß überall auf Widerspruch stieß, ein -Project, das in seinem Kern von ganz richtigen Grundsätzen ausging und -unter der damals nicht mehr bestrittenen Annahme von der Kugelgestalt -der Erde den geraden Weg nach Westen über das völlig unbekannte -Weltmeer als den nächsten und bequemsten Weg nach Indien oder überhaupt -nach dem Ostrande der alten Welt vorschlug, deren Gestade, wie man aus -den Erzählungen Marco Polos und seiner Nachfolger wußte, gleichfalls -von einem unendlich scheinenden Ocean bespült wurden. Der Träger -dieses Projects, wenn auch keinesweges der Schöpfer desselben, war ein -Italiener Christofero Colombo oder, wie er mit der latinisirten Form -seines Namens allgemein genannt wird, +Columbus+. - -Italienern verdanken wir im Mittelalter den ersten folgenreichen -Aufschwung der Nautik, Italiener waren die Lehrmeister der -Portugiesen gewesen, ein Italiener entwarf zuerst den kühnen Plan -einer Westfahrt nach Indien, ein Italiener führte den Gedanken aus, -nach einem Italiener erhielt die neue Welt ihren Namen; Italiener -waren zur selben Zeit auch die Leiter der Seeunternehmungen, welche -von Frankreich und von England aus im westlichen Meere Entdeckungen -machen sollten. Aber daß sie niemals in der Heimat eine hochherzige -Unterstützung für ihre Pläne fanden, und ihre Ideen nur im Auslande -verwerthen konnten, wo sie, nur von Fremden umgeben, und von nationaler -Eifersucht bewacht, vielfach auf Widerstand stießen, hat mannigfache -Verwicklungen und manche Wechselfälle in dem Leben der leitenden -Persönlichkeiten veranlaßt; vor allem in dem tragischen Ausgange des -berühmtesten von allen, des Columbus selbst. - -Werfen wir zunächst einen Blick auf das +frühere Leben+ dieses -merkwürdigen Mannes, auf die Zeit, in welcher er das Schicksal so -mancher seiner Zeitgenossen und Landsleute, die sich dem Seegewerbe -widmeten, theilte. - -Auf die Ehre, die Geburtsstätte des Columbus gewesen zu sein, haben -viele Orte Italiens Anspruch erhoben: Albisola, Bogliasco, Chiavara, -Cogoleto, Nervi, Oneglia, Pradello, Quinto, Savona, Genua; aber -Columbus selbst bezeugt in seinem Testamente zweimal, daß er in der -Stadt (~ciudad de Genova~) geboren sei, so daß damit die rechtmäßige -Entscheidung gegeben ist. - -Er stammte also aus derjenigen Seestadt, welche den weitgehendsten -Einfluß auf die Entwicklung des Seewesens in Westeuropa bereits seit -mehreren Jahrhunderten gehabt hatte. Denn schon in den Jahren 1116 und -1120 waren genuesische Schiffsbaumeister und Seeleute nach Spanien -gerufen, um die Küsten des Landes vor den maurischen Seeräubern zu -schützen, und im 13. und 14. Jahrhundert wurden Genuesen zum Range -castilischer Admirale erhoben. - -Genuesen hatten bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts (s. o. S. -23) den Versuch gewagt, einen Seeweg nach Indien, um Afrika herum, -aufzufinden, und hatten vielleicht um dieselbe Zeit schon die -canarischen Inseln wieder aufgefunden. Der König Diniz III. von -Portugal stellte 1307 einen Genuesen an die Spitze der Flotte und noch -unter Heinrich dem Seefahrer zeichneten sich die Söhne Genuas bei den -Entdeckungsfahrten aus: Perestrello, ein Vorfahr des Schwiegervaters -des Columbus, wird als der Wiederentdecker von Porto Santo genannt, -Antonio de Noli fand 1460 die capverdischen Inseln (s. o. S. 96). - -Auch in Frankreich und England nahmen seit dem 13. und 14. Jahrhundert -die Könige genuesische Seeleute in ihren Dienst und vertrauten ihnen -die Führung von Seegeschwadern an.[151] Diesem selben Zuge der -genuesischen Jugend, in den westlichen Ländern am Ocean und auf dem -Ocean selbst ihr Glück zu suchen, folgte auch Columbus. - -Ueber +sein Geburtsjahr+ ist viel gestritten worden. Man hat dafür die -Jahre 1436, 1446 und 1456 angenommen. Die Ursache dieser auffälligen -Schwankungen liegt in den einander widerstreitenden Angaben, wobei, -je nach der Berechnung der Zeiträume, auch noch die geringeren -Abweichungen bezüglich der Jahre 1435 bis 1437 oder 1445 bis 47 -vorkommen. Der Beweis für das Jahr 1436 stützt sich vornehmlich auf die -Aussage eines zeitgenössischen Geschichtschreibers, welcher persönlich -mit Columbus bekannt war, auf Andres Bernaldez (~Historia de los Reyes -catolicos D. Fernando y Da. Isabel, Sevilla 1870~), welcher von 1488 -bis 1513 Geistlicher im Städtchen Los Palacios bei Sevilla war, und den -Entdecker der neuen Welt bei seiner glücklichen Heimkehr von seiner -zweiten Reise als Gast bei sich sah. Bernaldez schreibt, daß Columbus -in gutem Greisenalter, im Alter von 70 Jahren etwa gestorben sei. -(~Murió in senectute bona de edad de setenta años poco mas o menos.~) -Nach dieser Angabe wäre Columbus also etwa 32 Jahre älter gewesen als -sein jüngster Bruder Diego, welcher bestimmt im Jahre 1468 geboren ist. -Aber Bernaldez hat sich durch das graue Haar des Entdeckers täuschen -lassen und wußte nicht, daß Columbus schon mit 30 Jahren ganz weiß -geworden war. - -Nach einer zweiten Ansicht, welche besonders von Peschel vertreten -wurde,[152] soll Columbus 1456 geboren sein. Columbus schreibt nämlich -am 7. Juli 1493, er sei in einem Alter von 28 Jahren in den Dienst -der spanischen Krone getreten,[153] und erwähnt am 14. Jan. 1493, -daß er den kommenden 20. Januar den katholischen Majestäten gerade 7 -Jahre gedient habe.[154] Sein Eintritt erfolgte demnach 1486 und sein -Geburtsjahr würde um 1458 zu setzen sein. Andererseits sagt aber der -Entdecker am 21. Dec. 1492, er sei fast ohne Unterbrechung 23 Jahre -auf See gewesen,[155] also seit 1470. Nimmt man dazu die Angabe der -„~vida del Almirante~“, welche selbst behauptet[156] von seinem Sohne -Ferdinand geschrieben zu sein, daß der Vater schon in seinem 14. Jahre -auf die See gegangen sei, so mußte Christoph Columbus 1456 geboren sein. - -Allein dagegen ist mit Recht eingewendet, daß Columbus von 1483 bis -1492 fast gar keine Seereisen mehr gemacht hat und seit 1486 sich -beständig in Spanien aufhielt, daß demnach der Ausgangspunkt, von dem -die 23 Jahre ununterbrochener Seefahrten an rückwärts zu zählen sei, -in das Jahr 1483 zu setzen sei, so daß also Columbus seit 1460 etwa -das Seegewerbe betrieben habe. Dazu stimmt ferner, daß Columbus 1501 -erklärt, er befahre nun bereits seit mehr als 40 Jahren das Meer. Kam -er nun sehr jung, im 14. Jahre, aufs Schiff, so müßte er 1446 geboren -sein. - -Diese Ansicht vertheidigt besonders d’Avezac.[157] Den Widerstreit -gegen die eigene Angabe des Columbus, er sei in seinem 28. Jahre in -spanische Dienste getreten, löst d’Avezac scheinbar gewaltsam, indem -er, wie vor ihm bereits Navarrete, die Zahl 28 für einen Schreibfehler -erklärt und behauptet, Columbus hätte schreiben müssen, im 38. -Jahre.[158] - -Aber d’Avezac verstärkt seine Hypothese durch den Hinweis auf eine -gerichtliche Urkunde vom Jahre 1472, in welcher Columbus zweimal -als Zeuge vor dem Gericht in Savona, wo sein Vater damals wohnte, -aufgeführt wird als: ~Christopherus Columbus, lanarius de Janua, -annos Laetoriae legis egressus~. Da nun das Lätorische Gesetz sich -auf das 25. Lebensjahr bezieht und Columbus 1472 dieses Jahr bereits -überschritten hatte, so kann er unmöglich 1456, wohl aber 1446 -geboren sein. Auch in den Jahren 1473 und 1476 wird Columbus zusammen -mit seinem Bruder noch in den Gerichtsacten Genuas genannt. Es ist -immerhin möglich, daß er, wenn er auch zeitweilig das Handwerk seines -Vaters, die Wollweberei betrieb, doch daneben auch kleinere Seereisen -unternahm, von denen er nach seiner Vaterstadt zurückkehrte. - -Ueber seine Jugendzeit wissen wir wenig, die Angabe der „~Vida~“, -welche sogar seinen Sohn Fernando als Verfasser nennt, aber -sicherlich nicht von ihm geschrieben ist, sind theils legendenhaft, -theils geradezu unglaublich, so daß sie vor der historischen Kritik -beanstandet worden sind.[159] Man hat ohne Bedenken danach angenommen, -daß Columbus die Universität Pavia besucht habe, aber seine Jugend und -die für diese Studien verfügbare Zeit sprechen dagegen, da er bereits -mit dem 14. Lebensjahre auf die See ging.[160] - -Den Ocean scheint er erst im 30. Jahre kennen gelernt zu haben. Es wird -nämlich erzählt, daß er im Jahre 1477 und zwar bereits im Februar, -wahrscheinlich von Bristol aus, hundert spanische Meilen über Tyle -(Thule) hinaus gesegelt sei (vgl. oben S. 28). Thule identificirte man -mit den Faröern, welche damals unter dem Namen Friesland bekannt waren. -Columbus suchte also, wie auch andere seiner Landsleute, sein Glück im -Auslande zu machen. Von England begab er sich später nach Portugal, -wahrscheinlich zu Ende der Regierung Alfons V., welcher 1481 starb, und -machte von hier aus eine Fahrt nach der Küste von Guinea. Da er bei -dieser Gelegenheit die portugiesische Niederlassung von St. Jorge de la -Mina besuchte, so kann diese Fahrt nicht vor 1482 fallen, in welchem -Jahre das genannte Fort an der Goldküste erst angelegt wurde. In -Lissabon verheirathete er sich mit der Donna Felipa Muñiz-Perestrello, -und zog mit ihr nach dem Besitzthum ihres Vaters auf der Insel Porto -Santo. Dort lernte er auch die auf das Seewesen bezüglichen Karten -und hinterlassenen Papiere seines bereits verstorbenen Schwiegervaters -Perestrello kennen. Aus ihnen schöpfte er wohl auch die ersten dunklen -Nachrichten von Inseln und Ländern, welche im westlichen Meere liegen -sollten, von denen er dann selbst mit Eifer neue Kunde sammelte. - - -2. Das allmähliche Reifen des Planes einer Westfahrt. - -Es lag im Glauben der Zeit, hinter jeder am Horizonte auftauchenden -Nebelbank im Ocean ein noch unbekanntes, reiches und gesegnetes -Land zu vermuthen. Die Canarien, Açoren und Capverden waren in den -letzten Jahrzehnten genauer bekannt geworden, die Fortschritte der -portugiesischen Entdeckungen wirkten auf die Seeleute geradezu -fieberhaft. Die Matrosen erzählten einander von den Geheimnissen -des westlichen Weltmeeres, und Columbus lauschte aufmerksam auf -solche Berichte. Die ~Vida del Almirante~ führt (Cap. 8) eine Reihe -solcher Schiffernachrichten auf, welche gerade durch das Nebelhafte -ihrer Umrisse die Phantasie aufzuregen vermochten. Danach hörte -Columbus über die Nähe der den westlichen Gestaden der bekannten Welt -gegenüberliegen sollenden Küsten mancherlei von solchen Seeleuten, -welche häufig die Meere jenseit Madeira und der Açoren befahren hatten. -Der portugiesische Pilot Martin Vicente erzählte ihm, er habe 450 -Leguas (spanische Meilen) westlich vom Cap S. Vicente ein geschnitztes -Holz aufgefischt, welches unter dem mehrere Tage anhaltenden Westwinde -herangetrieben sei. Es müsse also in nicht zu großer Entfernung im -Westen Inseln oder größeres Land geben. Sein Schwager Pedro Correo -theilte ihm mit, daß ein ähnlich bearbeitetes Holz auch in Porto Santo -angeschwommen sei. Auf den Açoren waren Stämme von Fichten, wie sie -dort nicht wachsen, angetrieben. Auch ein mächtiges Schilfrohr, wie -es nur in Indien wachsen konnte, und welches von Knoten zu Knoten 9 -Karaffen Wein fassen sollte, war aufgefunden. Auf der açorischen Insel -Flores hatten die Bewohner zwei Leichen einer unbekannten Menschenrasse -gefunden. Die Ansiedler in der Nähe des Cap de la Virga wollten sogar -gedeckte Barken, s. g. Almadias mit fremdartigen Menschen besetzt -gesehen haben. - -Antonio Leme von Madeira erzählte dem Columbus ferner, er habe 100 -Meilen weit gegen Abend drei Inseln gesehen. Dieselben Inseln wurden -1484 wiederum von einem Schiffscapitän aus Madeira gesehen, der sich -in Folge dessen nach Portugal begab, um sich von der Regierung eine -Caravele zu erbitten, mit welcher er jene Inseln entdecken wollte. - -Ein anderer Pilot erzählte ihm in Puerto de Sta. Maria, daß er auf -der Reise nach Irland Land gesehen, welches er für den Theil der -Tatarei gehalten; schlechtes Wetter habe ihn aber abgehalten daselbst -zu landen. Ebenso wollte auch ein Galicier, Pedro Velasques (oder -Velasco), westlich von Irland Anzeichen von Land bemerkt haben. Und -endlich kam auch der Portugiese Vicente Dias aus der Stadt Tavira in -Algarbien mit der Nachricht heim, er habe auf der Rückfahrt von Guinea -nach Madeira im Westen unbekanntes Land gesehen. Mit Unterstützung -eines reichen Genuesen, Lucas de Cazzana, wurden in Folge dessen -mehrere vergebliche Versuche gemacht, dieses Land aufzufinden. - -Ob Columbus von der Fahrt des +Johann von Kolno+[161] gehört hatte, -welcher 1476 von dem König Christian I. von Dänemark abgesandt worden, -um die Verbindung mit Grönland wieder herzustellen, und welcher -wahrscheinlich Labrador und den Eingang der später sogenannten -Hudsonstraße sah, ist sehr fraglich, wenn sich auch später die -Nachricht von dieser Entdeckung bis nach Spanien und Portugal -verbreitete, wie daraus zu ersehen ist, daß Gomara in seiner Geschichte -von Indien (Zaragoza 1553, S. 20) dieselbe erwähnt.[162] - -Alle diese und ähnliche Mittheilungen über Inseln, welche im fernen -westlichen Meere liegen sollten, gehörten aber nicht allein dem -Zeitalter des Columbus an, sondern lassen sich bis ins classische -Alterthum rückwärts verfolgen, wie bereits oben S. 22 angedeutet ist. - -Wichtiger noch war es, daß solche Angaben auch von den Verfertigern -der Seekarten im 14. und 15. Jahrhundert mit verwendet wurden. Vor -allem waren es die Italiener, welche, wie sie den Fortschritt der -portugiesischen Entdeckungen mit größter Aufmerksamkeit verfolgten, -auch die von ihren Landsleuten zuerst gesehenen Canarien und Açoren -in die Karten einzeichneten (oben S. 24). Gradezu überraschend wirkt -die Wahrnehmung, daß Andrea Bianco schon 1448 auf seiner Karte eine -Andeutung von den Capverden machte, noch ehe dieselben, nachweisbar, -von den Portugiesen betreten waren.[163] Aber daneben erscheinen -auch andere Gebilde von Inseln, welche nur einer Sinnestäuschung -der Seefahrer ihre Existenz verdankten. Zu diesen gehört namentlich -die Insel +Antilia+, welche seit dem Anfange des 15. Jahrhunderts -auftauchte und uns zuerst auf einer im Jahre 1424 gezeichneten und -in der großherzoglichen Bibliothek zu Weimar aufbewahrten Karte -entgegentritt.[164] Ebenso findet sich diese Insel auf den Karten -des Battista Beccario vom Jahre 1426 (in München) und vom Jahre 1435 -(in Parma). Westlich von den Açoren und etwa 15° vom Cap Finisterre -in Galicien erstreckt sich auf der letztern (vom Jahre 1435) eine -Inselkette von Norden nach Süden, vom Parallel der Gironde bis zu dem -von Gibraltar, und führt die Inschrift: ~Insule de novo reperte~. Von -den zwei größeren Inseln ist die südliche Antilia genannt.[165] Auch -Andrea Bianco wiederholt 1436 das Bild von Antilia (~ya de antillia~) -und fügt hinzu, daß nach der Inselgruppe spanische Schiffe gelangt -seien (~questoxe mar de spagna~). Ihm folgt 1476 Andrea Benincasa von -Ancona und zeichnet das Bild der Insel wie Bianco, während Martin -Behaim dieselbe auf seinem Globus (siehe Beilage) weiter südlich hart -an die Grenzlinie der heißen Zone versetzt. - -Diese Insel hat eine gewisse Bedeutung in dem Plane des Columbus gehabt -und hat, wenn auch nicht ihre damals bereits ziemlich unbestimmte -Existenz, so doch wenigstens ihren Namen gerettet und auf die -westindische Inselflur vererbt. - -Verfolgen wir nun weiter die verschiedenen Anregungen, welche Columbus -in sich aufnahm, so müssen wir neben den Schifferberichten und den -dieselben beglaubigenden Seekarten auch eines damals verbreiteten -geographischen Werkes gedenken, welches der Genuese schon während -seines Aufenthaltes in Portugal sehr fleißig las und auch später auf -seinen Reisen mit sich führte. Es ist die ~Imago mundi~ (Weltbild) -des Cardinal von Cambray, Pierre d’Ailly (Petrus de Alliaco), welche -um 1410 geschrieben ist. Dieses Werk stellt sich als eine ziemlich -mittelmäßige Compilation aus früheren scholastischen Arbeiten heraus, -~ex pluribus auctoribus recollecta~, wie der Titel der ältesten -Ausgabe besagt. d’Ailly bemühte sich, das Wissen der Vergangenheit -zusammenzufassen und citirte sowohl Lateiner und Griechen als auch -Araber, von jenen den Seneca, Plinius, Solinus, Osorius, Augustin, -Isidor und Beda, ferner den Aristoteles, Ptolemäus, Hegesippus, -Johannes Damascenus, von diesen den Alfragani und Albategna. Aber er -schreibt ziemlich ohne eignes Urtheil und stellt die Ansichten der -classischen Autoren höher, als die Resultate neuerer Forschung. Den -Namen Marco Polos erwähnt er nirgend. Aus ihm aber schöpfte Columbus -den ganzen Vorrath seiner kosmographischen Vorstellungen, namentlich -seine Auffassung von der Größe der Erde, von der Schmalheit des Oceans, -von der Lage und Natur des Paradieses und von dem bevorstehenden -Weltuntergange.[166] - -Vor allem auffällig ist die Abhängigkeit des Columbus zu erkennen, wenn -wir das 8. Capitel der Imago, über die Größe der bewohnbaren Erde, -prüfen. Aus diesem Abschnitte entlehnte der Genuese in seinem Briefe -aus Haiti, auf seiner dritten Reise (1498), einen längeren Abschnitt. -d’Aillys Darstellung ist etwa folgende.[167] Wenn man wissen will, -wie viel von der Oberfläche der Erde bewohnbar ist, so hat man theils -das Klima, theils das Wasser zu berücksichtigen. Ptolemäus meinte, -etwa ein Sechstel der Erde sei Land, das übrige mit Wasser bedeckt. -Im Almagest (~lib. II.~) modificirte er seine Ansicht, und hielt ¼ -der Erdoberfläche für bewohnbar. Aristoteles nahm einen noch größeren -Länderraum an und lehrte, daß zwischen der Westküste Spaniens und der -Ostküste Indiens das Meer (unser atlantischer Ocean) nur schmal sei. -Ueberdies sagt Seneca im 5. Buche der Naturgeschichte, daß man bei -günstigem Winde in wenig Tagen über dieses Meer segeln könne. Aehnlich -spricht sich auch Plinius aus, so daß man daraus folgern darf, daß das -Meer unmöglich ¾ der Erdoberfläche bedecken kann. - -Dazu kommt noch der gewichtige Ausspruch Esra’s (Esdra) im 4. Buche, -welcher behauptet, es sei nur 1/7 der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt. - -Im 49. Capitel, welches von der Verschiedenheit der Gewässer und -namentlich vom Ocean handelt, kommt d’Ailly noch einmal auf dieses -Thema zurück und betont, daß sowohl Aristoteles als auch sein -Commentator Averroes darauf aufmerksam gemacht, daß der Abstand -zwischen der Westküste Afrikas und der Ostküste Indiens (d. h. Asiens) -nicht sehr groß sein könne, weil man in beiden Ländern Elephanten -finde. Wie groß aber der Abstand ist, weiß man noch nicht, denn er ist -weder in unseren Zeiten gemessen, noch finden wir darüber bei den alten -Schriftstellern genauere Angaben. Aber, fügt er im 51. Capitel hinzu, -soviel ist gewiß, daß die Ausdehnung der bewohnten Erde von Spanien -ostwärts bis Indien viel größer ist als der halbe Umfang der Erde. - -Mit diesen und ähnlichen Gründen wollte Columbus später die leichte -Ausführbarkeit seines Planes einer Westfahrt erhärten. Mit Recht -bemerkt Humboldt (Kosmos II, 281) dazu: „Sonderbares Zeitalter, in -welchem ein Gemisch von Zeugnissen des Aristoteles und Averroes, des -Esra und Seneca über die geringe Ausdehnung der Meere im Vergleich mit -der der Continentalmasse den (spanischen) Monarchen die Ueberzeugung -von der Sicherheit eines kostspieligen Unternehmens geben konnte.“ - -Außer diesen Hauptstellen hatte Columbus auch noch andere Vorstellungen -aus den Lehren d’Ailly’s sich angeeignet. Dahin gehört die Behauptung -des Cardinals (Cap. 12), daß, wie schon Augustin gelehrt habe, die -heiße Zone von menschlichen Ungeheuern belebt sei. Es geht dies hervor -aus einer Aeußerung aus dem Tagebuch der ersten Reise des Entdeckers, -wo derselbe verwundert bemerkt, die erwarteten Ungeheuer habe er noch -nicht gefunden. Ferner die Auffassung von der Lage des irdischen -+Paradieses+. Dasselbe liegt, schreibt d’Ailly Cap. 55, nach der -Angabe des Isidor, Johannes Damascenus, Beda u. a. in der lieblichsten -Gegend des Ostens, weit von unserm bewohnten Gebiet entfernt auf einem -erhabenen Ort, so daß es fast bis in die Mondsphäre reicht und von den -Wassern der Sündflut nicht bedeckt werden konnte. Von diesem hohen -Berge stürzen nun die Gewässer mit gewaltigem Brausen herab und bilden -einen großen See. Eine ebenfalls von Columbus benutzte Ansicht und eine -Ergänzung des obigen über die Natur des Paradieses finden wir bereits -im 7. Capitel, wo gelehrt wird, daß das im Osten gelegene Paradies, -auch wenn es in der Nähe des Aequators liege, doch wegen seiner -bergehohen Lage ein sehr mildes Klima besitze. - -Endlich gehört hieher noch ein Ausspruch d’Ailly’s, in seinem -~Vigintiloquium de concordia astronomicae veritatis cum theologia, p. -181~, worin er die Dauer der Erde von der Schöpfung bis auf die Geburt -Christi, nach Ermittlung Bedas, auf 5199 Jahre berechnet, so daß also -bis 1501 nach Christi 6700 Jahre verflossen seien. Da aber das jüngste -Gericht 7000 Jahre nach Christi eintreten wird, ist der Weltuntergang -nahe bevorstehend. Obwohl Columbus in den Zahlen etwas abweicht, so hat -er den Grundgedanken doch in seinen Plan verwebt. - - -3. Das Project Toscanelli’s. - -Wenn nun auch alle diese Meinungen und Lehrsätze d’Ailly’s einen großen -Einfluß auf die Gestaltung des Planes gehabt haben, so waren sie, -weil im allgemeinen zu verschwommen, nicht kräftig genug, um einen -wirklichen Impuls auszuüben, die Fahrt zu unternehmen. Denn welcher -Seemann konnte nach solchen allgemeinen, vagen Vorstellungen seinen -Cours einschlagen, welcher Fürst und welcher Staat würde zu einem -solchen Zuge ins Blaue die Mittel verschwendet haben? Darum kann ich -Humboldt darin nicht beistimmen, daß die Imago Mundi mehr Einfluß auf -die Entdeckung von Amerika geübt, als der Briefwechsel Toscanelli’s -(Kosmos II, 286). Grade die ganz bestimmte Direction, welche dieser -ausgezeichnete Astronom und Physiker den Ideen seines Landsmannes gab, -man kann sagen, die von ihm ganz genau vorgeschriebene Segelroute war -es, welche einerseits den noch unklaren Vorstellungen des Columbus -den richtigen Stützpunkt gab und andererseits auch die Monarchen -ermuthigte, die Kosten zu wagen. - -In dieser Hinsicht muß man entschieden der Ansicht d’Avezacs -beipflichten: „Die Ideen des Columbus entstanden aus einer Summe von -Notizen, welche er allmählich aus verschiedenen Quellen geschöpft; aber -ein bestimmtes Project kam erst durch den Brief Toscanelli’s zur Reife. -Dieser +monumentale+ Brief sichert dem Toscanelli das unzweifelhafte -Verdienst, die transatlantischen Entdeckungen angeregt zu haben.“[168] - -Diesen Brief lernte Columbus wahrscheinlich erst im Anfange der -achtziger Jahre kennen. Bis dahin war er einfach ein Seefahrer -gewesen, von da an wurde er Entdecker. Danach ist auch die von Las -Casas gemachte Zeitangabe zu verbessern,[169] wonach sich Columbus 14 -Jahre bemüht haben soll, den König von Portugal für seine Pläne zu -gewinnen. Da wir wissen, daß Columbus noch um 1476 in Genua war, und -1484 nach Spanien ging, so ist die Angabe des Bischofs bestimmt falsch. -Avezac (~l. c. p. 43~) stellt die Vermuthung auf, es könne statt 14 -Jahre recht wohl 14 Monate heißen und Columbus habe seinen Vorschlag -zuerst im September oder October 1483 gethan, und sei dann gegen -Ende des nächsten Jahres nach Spanien übergesiedelt. -- Doch wenden -wir zunächst unsere Aufmerksamkeit dem Briefe Toscanelli’s zu. Paolo -Toscanelli, auch, weil er Arzt war, ~Paolo fisico~ genannt (geb. 1397 -in Florenz, gestorben 1482), gehörte zu den ausgezeichnetsten Gelehrten -seiner Vaterstadt und beschäftigte sich namentlich mit Kosmographie. -Durch lebhaften Verkehr stets in Verbindung mit berühmten Reisenden, -Seefahrern und Kartenzeichnern, hat er wohl zuerst bei dem Studium -des Marco Polo und angesichts der durch persönlichen Verkehr mit -Nicolo de Conti (s. oben S. 77) weiter bestätigten großen Entfernung -Ostasiens von Europa, sowie neuer Beglaubigungen der Berichte von den -kostbarsten Produkten, den menschenwimmelnden prachtvollen Städten -und großartigen Reichen den Gedanken gefaßt, daß von Portugal oder -Italien aus +ostwärts+ die Entfernung bis Quinsay und Zaiton weit -mehr als den halben Erdumfang betragen müsse, und weiterhin daraus -gefolgert, daß dann der Weg über das Westmeer der nähere sein müsse. -Zur Veranschaulichung dieser Idee bedurfte es einer Karte, welche -die, wie es scheint, vor ihm noch nie entworfene Wasserseite der Erde -darstellte. Denn die Seekarten dienten praktischen Zwecken und stellten -daher nur die in der Nähe der großen Handelslinien befindlichen Küsten -und Länder dar. Da nun Toscanelli sah, wie sich bereits seit einem -halben Jahrhundert die Portugiesen abmühten, die Umfahrt um Afrika zu -vollenden, so richtete er 1474 einen Brief an den Canonicus Fernam -Martinz in Lissabon, um den König unter Beigabe einer von ihm selbst -entworfenen Karte auf seine Idee, das Morgenland durch eine Westfahrt -zu erreichen, aufmerksam zu machen. Allein die Portugiesen hatten -1471 glücklich die Goldküste entdeckt (s. oben S. 104) und beuteten -dieses Gebiet aus, ohne Neigung, sich in unbestimmte kostspielige -Unternehmungen einzulassen. Toscanelli’s Aufforderung fand also -keinen Anklang; sein Brief galt wohl mehr als Curiosum, denn daß man -ein Staatsgeheimniß daraus machte, von dem nichts verlauten dürfe, -um nicht andere Unternehmer in dieselben Bahnen zu lenken. So konnte -auch Columbus nach Jahren davon Kunde erhalten und sich eine Abschrift -dieses Briefes verschaffen, indem er sich direct an Toscanelli -wandte. Wir kennen die Briefe des Columbus nicht, sondern nur die -Antworten des Florentiner Gelehrten und auch diese in einer sicher -nicht authentischen Fassung, da sie nur in der Vida del Almirante sich -finden, welche den Wortlaut nicht nur nicht getreu wiedergegeben hat, -sondern durch offenbare Einschiebsel den Zeitpunkt des Schreibens zu -verrücken sucht, um Columbus zu glorificiren, indem man die Bedeutung -des Briefes als maßgebend für den Impuls zu der Westfahrt verminderte -und die Initiative allein dem Entdecker beimaß. - -Nach der jetzt vorliegenden Fassung des Briefes schrieb nämlich -Toscanelli folgendermaßen: - -„Ich sehe Eurer edles und großes Verlangen, dahin zu reisen, wo die -Spezereien wachsen. Daher sende ich Euch zur Beantwortung Eures -Briefes die Abschrift eines andern, den ich +vor einigen Tagen+ an -einen meiner Freunde, im Dienste Sr. Maj. des Königs von Portugal, -+vor den castilischen Kriegen+, in Beantwortung eines andern schrieb, -welchen er im Auftrage des Königs über die betreffende Angelegenheit -an mich richtete, und ich schicke Euch eine andere Seekarte (~carta da -marear~), die mit derjenigen übereinstimmt, welche ich ihm sandte.“ - -Der castilische Erbfolgekrieg fällt in die Zeit von 1474-1479. Es liegt -auf der Hand, daß man den Ausdruck „+vor+ den castilischen Kriegen“ -nur gebrauchen kann, wenn der Krieg vollständig beendigt ist, aber -weder im Beginn noch im Verlauf desselben. Der Brief Toscanelli’s -muß also an Columbus +nach+ 1479 geschrieben sein, der Originalbrief -an Martinz +vor+ oder um 1474. Das Datum dieses Briefes lautet auch: -Florenz, 25. Juni 1474. Steht dieses fest, dann kann Toscanelli aber -nicht an Columbus schreiben, er habe erst „vor einigen Tagen“ den Brief -an Martinz verfaßt, denn es lag ein Zeitraum von mindestens 5 Jahren -dazwischen. Eine der beiden Zeitangaben ist falsch, die Entscheidung -fällt unbedingt +gegen+ den Ausdruck „vor einigen Tagen“. Es soll -einerseits durch diesen Zusatz der Plan als geistiges Eigenthum des -Columbus hingestellt und der Einfluß Toscanelli’s verdeckt werden; -denn wenn der florentinische Gelehrte erst „vor einigen Tagen“ den -ersten Brief nach Portugal geschickt hat, kann Columbus noch keine -Mittheilung von demselben haben, selbst wenn der Brief direct an -ihn selbst gerichtet wäre. Es soll dem Entdecker die Priorität des -Gedankens gerettet worden. Andererseits wird der Zeitpunkt, in welchem -dem Genuesen der Plan reifte, um wenigstens fünf Jahre zurückgerückt, -aber leider in eine Zeit verlegt, welche mit dem angeblich früheren, -ständigen Aufenthalte des Columbus in Portugal sich nur schwer -vereinigen läßt, da sein Name in den Acten Genuas 1472, 1473 und 1476 -erscheint. Wenn dadurch auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, -daß Columbus 1474 sich zu Lissabon aufgehalten, so doch sicher nur als -Seemann vorübergehend, und es bleibt die Frage unerledigt, warum er -sich nicht direct von Italien aus an den Physiker in Florenz gewandt. -Zudem ist auffällig, daß, nach dem zweiten Briefe Toscanelli’s zu -urtheilen, dieser Gelehrte nicht zu wissen scheint, daß Columbus ein -Italiener ist. Er hält ihn vielmehr für einen Portugiesen, wie aus der -Anspielung auf diese Nation hervorgeht. Wenn Columbus nun nach dieser -Seite sich nicht deutlich ausgesprochen hat, ist der Schluß nicht -unberechtigt, daß er bereits in Portugal seit mehreren Jahren ansässig -gewesen und sich also gleichsam als Portugiese gefühlt habe, wie er ja -auch in Spanien später seinen ganzen Namen umänderte. Dann aber fällt -die Correspondenz mit Toscanelli bereits in den Anfang der achtziger -Jahre,[170] was auch am besten zu dem ganzen Verlauf der Angelegenheit -in Portugal stimmt. - -Glücklicherweise ist von dem ausgezeichneten Forscher der ältesten -amerikanischen Literatur, von Harrisse, eine von Columbus selbst -geschriebene Copie des Toscanelli’schen Briefes an Martinz in der -Colombinischen Bibliothek zu Sevilla aufgefunden und veröffentlicht. -Ein Vergleich dieses lateinisch geschriebenen Briefes mit dem in der -~Vida del Almirante~ gegebenen Texte zeigt deutlich, daß auch dieses -wichtige Document durch die Hand des Biographen des Entdeckers nicht -unwesentliche Veränderungen erfahren hat. - -Wegen seiner großen Bedeutung theilen wir den Brief vollständig -mit.[171] - -„Dem Canonicus Ferdinand Martinz zu Lissabon sendet der Physiker Paul -(Toscanelli) seinen Gruß. Von deinem vertrauten Umgange mit Sr. Maj. -dem Könige ist es mir um so angenehmer gewesen Kenntniß zu erhalten, -als ich mit dir schon früher gesprochen habe über einen kürzeren Seeweg -zu den Gewürzländern, als derjenige ist, welcher über Guinea führt. -Der König wünscht nun von mir eine noch mehr durch den Augenschein -überzeugende Erläuterung, so daß auch der minder Bewanderte diesen -Weg begreifen und verstehen kann. Obgleich ich nun weiß, daß man dies -an einer Kugel, welche die Erde vorstellt, zeigen könnte, so habe -ich mich doch des leichteren Verständnisses und der geringen Mühe -wegen, entschlossen, diesen Weg auf einer Seekarte zu erläutern. -Ich sende also Sr. Majestät eine eigenhändig entworfene Karte, auf -welcher eure Küsten und Inseln eingezeichnet sind, von denen der Weg, -immer gegen Abend, beginnt, und die Orte, zu denen man gelangen muß, -und wie weit man vom Pol oder vom Aequator abweichen muß, und durch -einen wie großen Abstand, d. h. nach wie viel Meilen, man zu jenen -Orten kommen muß, welche die größte Fülle von allen Gewürzen und -Edelsteinen besitzen. Und wundert euch nicht darüber, daß ich +das+ -„+westliches+“ Gebiet nenne, wo die Gewürze sind, während es gewöhnlich -als östliches bezeichnet wird, weil durch Seefahrten immer nach Westen -jene Gegenden durch unterirdische (~subterraneas~) Fahrten gefunden -werden, während sie zu Lande und auf dem +oberen+ Wege immer nach -Osten aufgesucht werden. Demnach zeigen die geraden in der Länge der -Karte eingetragenen Linien den Abstand von Osten nach Westen, dagegen -die transversalen Linien die Abstände von Süden nach Norden. Ich habe -aber in der Karte verschiedene Orte eingetragen, zu denen ihr nach den -genauern Nachrichten der Schifffahrten kommen könntet; sei es nun, -daß man durch (widrige) Winde oder durch irgend einen andern Umstand -anderswohin gelangte, als man erwartete, theils aber auch, um den -Einwohnern zu zeigen, daß sie (die Seefahrer) bereits eine Kenntniß -jenes Landes haben, was um so angenehmer sein muß. Es wohnen aber auf -den Inseln nur Kaufleute. Es wird nämlich behauptet, daß dort eine so -große Menge von Kauffahrteischiffern, wie sie auf der ganzen übrigen -Welt nicht sind, sich in dem einen berühmtesten Hafen, Namens Zaiton -finden. Man behauptet nämlich, daß in jenem Hafen jährlich 100 große -Schiffe mit Pfeffer abgehen, ungerechnet die anderen Schiffe, welche -andere Gewürze laden. Jenes Land ist sehr volkreich und sehr reich -an Provinzen, Staaten und zahllosen Städten und steht unter +einem+ -Fürsten, welcher der +Groß-Kan+ genannt wird, was so viel als König -der Könige bedeutet. Sein Sitz und seine Residenz ist meistens in der -Provinz +Katay+. Seine Vorfahren wünschten mit den Christen in Verkehr -zu treten. Schon vor 200 Jahren schickten sie zum Papste und baten -um mehrere Gelehrte, damit sie im Glauben unterrichtet würden; aber -dieselben stießen unterwegs auf Hindernisse und kehrten wieder um. Auch -zur Zeit des Papstes Eugen kam einer zu Eugen[172] und bestätigte das -große Wohlwollen gegen die Christen; und ich habe selbst ein langes -Gespräch mit ihm gehabt über vielerlei, über die Größe der königlichen -Paläste und über die Größe der Flüsse in der Breite und wunderbaren -Länge und über die Menge der Städte an den Ufern der Flüsse, daß an -einem Flusse gegen 200 Städte erbaut sind und marmorne Brücken von -großer Breite und Länge, welche allenthalben mit Säulen geziert sind. -Dieses Land ist werth, von den Lateinern aufgesucht zu werden, nicht -allein weil ungeheure Schätze von Gold, Silber und Edelsteinen aller -Art von dort gewonnen werden können und von Gewürz, welches nie zu uns -gebracht wird, sondern auch wegen der gelehrten Männer, Philosophen und -erfahrenen Astrologen, und um zu erfahren, mit welchem Geschick und -Geist dieses so mächtige und große Land regiert wird und auch Kriege -geführt werden. Florenz, 25. Juni 1474.“ - -„Von Lissabon nach Westen in gerader Linie sind 26 Spatien in die -Karte eingetragen, von denen jedes 250 Milliarien umfaßt, bis zu der -sehr prächtigen und großen Stadt Quinsay. Dieselbe hat einen Umfang -von 100 Milliarien und hat 10 Brücken und der Name bedeutet Stadt des -Himmels,[173] und viel Wunderbares wird darüber berichtet von der Menge -der Künstler und der Einkünfte. Dieser Abstand beträgt fast den dritten -Theil der ganzen Erde. Jene Stadt liegt in der Provinz +Mangi+, in -der Nachbarschaft der Provinz +Katay+, in welcher die Hauptstadt des -Landesherrn liegt. Aber von der auch bekannten Insel +Antilia+ zu der -sehr berühmten Insel +Cippangu+ sind 10 Spatien. Jene Insel nämlich ist -sehr reich an Gold, Perlen und Edelsteinen, und mit purem Golde deckt -man Tempel und Paläste. Und so muß man auf unbekannten aber +nicht -weiten+ Wegen den Raum des Meeres durchschneiden.“ - -[Illustration: ~DIE OCEANISCHE SEITE DES BEHAIM’SCHEN GLOBUS VOM JAHRE -1492.~ - -~Das Original, im Durchmesser einen pariser Fuß und acht Zoll groß, -befindet sich im Familienarchive der Freiherrn von Behaim in Nürnberg. -Über die Geschichte der Entstehung des Globus siehe die Inschrift unter -dem Circulus antarcticus, über dem nürnberger Wappen.~] - -Leider ist die Karte Toscanelli’s, welche Columbus auf seiner Reise -bei sich hatte und welche später Las Casas in seinem Besitze hatte, -nicht bis auf unsere Zeit erhalten. Um ein Bild von derselben zu -gewinnen, muß man vor allem die von Toscanelli fixirten Abschnitte -oder Spatien prüfen. Es ist besonders wichtig zu betonen, daß der -florentinische Astronom nur +ein+ Längenmaß, Milliarien, gebraucht und -von diesen römischen Millien 250 auf ein Spatium rechnet. Humboldt[174] -und Peschel[175] sind deshalb zu irrigen Resultaten gelangt, weil -sie den lateinischen Originaltext des Toscanelli’schen Briefes noch -nicht kannten und durch die in den spanischen und italienischen -Uebersetzungen jenes Documents eingeschobenen und zum Theil wieder -verschriebenen und entstellten Uebertragungen von Millien in Leguas zu -falschen Schlüssen verleitet worden. - -Die Angaben und Vorschriften Toscanelli’s für eine westliche Fahrt zu -den Gewürzländern waren so bestimmt und zuversichtlich gegeben, daß -Columbus dieselben nur zu adoptiren brauchte. Und daß er sich in diesem -Sinne ausgesprochen hat, läßt sich aus der darauf folgenden Antwort -Toscanelli’s erkennen. Da sind keine Zweifel zu beseitigen, keine -dunklen Punkte mehr aufzuhellen, keine Fragen zu beantworten. Columbus -hat sich bereit erklärt, die Idee Toscanelli’s zu verwirklichen und -dieser versichert noch einmal, der Weg sei ganz sicher und führe zum -Ziel: „Ich lobe eure Absicht,“ schreibt der Physiker, „nach Westen zu -fahren und ich bin überzeugt, wie ihr auf meiner Karte bereits gesehen -habt, daß der Weg, den ihr nehmen wollt, nicht so schwierig ist, als -man denkt; im Gegentheil der Weg nach jenen Gegenden, welche ich -eingezeichnet habe, ist ganz sicher. Ihr würdet keine Bedenken haben, -wenn ihr, wie ich, mit vielen Personen verkehrt hättet, welche in jenen -Ländern gewesen sind, und seid gewiß, mächtige Könige anzutreffen, -viele volkreiche wohlhabende Städte und Provinzen zu finden, welche -an jeder Art Edelsteinen Ueberfluß haben; und es wird die Könige und -Fürsten, welche in jenen entfernten Ländern herrschen, hoch erfreuen, -wenn man ihnen einen Weg bahnt, um mit den Christen in Verbindung zu -treten und sich von denselben in der katholischen Religion und in allen -Wissenschaften, welche wir besitzen, unterrichten zu lassen. Deshalb -und wegen vieler anderen Ursachen wundere ich mich nicht, daß ihr so -viel Muth zeigt wie auch die ganze portugiesische Nation, in welcher es -immer Männer gegeben hat, die sich in allen Unternehmungen auszeichnen.“ - -Zwei Momente sind in diesem Schreiben noch beachtenswerth, einmal die -besondere Bedeutung der Fahrt für die Verbreitung des Glaubens, auf -welche Columbus selbst möglicherweise in seinem Brief angespielt hatte -und sodann die Anerkennung des portugiesischen Unternehmungsgeistes. -Toscanelli weiß offenbar nicht, daß Columbus Italiener ist, er hält ihn -vielmehr für einen Portugiesen, und dieser hat über seine Heimat und -sein Vaterland keine Mittheilung gemacht. - - * * * * * - -Wahrscheinlich im Jahre 1483 trat Columbus zuerst mit seinem Plane -hervor. Der König Johann II. forderte darüber das Gutachten einer -Commission ein, welche aus den bedeutendsten Gelehrten, Diego Ortiz, -Bischof von Ceuta und Beichtvater des Königs, so wie aus den beiden -königlichen Aerzten Rodrigo und Joseph bestand. Aber diese Räthe -nahmen, wie Barros erzählt[176] die Reden des Genuesen für eitle -Prahlerei und erklärten das ganze Project für Träumerei, welche nur -in den Berichten Marco Polo’s ihren Grund habe. Und da auch der König -sah, daß Columbus ein höchst fantastischer Schwätzer sei, so schenkte -er ihm keinen Glauben. Und als bald darauf seine Gemahlin starb, -verließ Columbus 1484 Portugal für immer, um in Spanien sein Glück zu -versuchen. Man hat das Urtheil der Commission scharf getadelt wegen der -rücksichtslosen Abweisung eines Unternehmens, welches noch im Laufe -des nächsten Decenniums mit Erfolg gekrönt zu sein schien. Allein man -darf nicht vergessen, daß die portugiesischen Ziele bestimmt nach einer -andern Richtung wiesen und daß, wenn auch das Südende Afrikas noch -nicht entdeckt war, doch die Erforschungen des Weges nach Indien nicht -wieder auf einem ganz andern Wege begonnen werden konnten, nachdem man -bereits so manchen Erfolg zu verzeichnen gehabt hatte. Es würde die -Mittel des Reiches zersplittert haben. Dazu hatten die portugiesischen -Räthe im Grunde Recht, den geringen Abstand der Westküste Europas von -der Ostküste Asiens zu leugnen; und es ist nicht abzusehen, was aus dem -Geschwader des Columbus geworden wäre, wenn er die wirkliche Breite des -Weltmeers bis zu den Gestaden Chinas hätte durchmessen müssen. - -Das später ausgesprengte Gerücht, der König Johann habe heimlich ein -Schiff zur Westfahrt abgesendet, um den Plan des Columbus auszuführen, -entbehrt jedes historischen Glaubens. - -Auch in Spanien fand Columbus anfangs keinen günstigen Boden, aber -er harrte, da sich allmählich die Aussichten günstiger zu gestalten -schienen, jahrelang aus, bis die Zeitverhältnisse die Erfüllung seiner -heißesten Wünsche, denen er von nun an sein ganzes Leben widmete, -gestatteten. - - -4. Columbus in Spanien. - -Es ist ein beachtenswerther Umstand, daß wir kein Porträt von Columbus -besitzen, welches erwiesenermaßen als getreu bezeichnet werden darf. -Daher weichen die Bildnisse, welche es von dem Entdecker der neuen -Welt gibt, so außerordentlich von einander ab. Vielleicht liegt die -Ursache darin, daß Columbus nur wenige Jahre sich der höchsten Gunst -erfreute und bei seinem Tode unter seinen Zeitgenossen fast vergessen -schien. Wenn man indeß die Schilderungen der Mitlebenden prüft, -werden die beigegebenen Porträts wohl als die annähernd getreuesten -zu erachten sein. Columbus war von hoher und kräftiger Gestalt, aber -nach der Eigenthümlichkeit seines Kopfes und seiner Farbe hätte man -ihn eher für einen Nordländer als für einen Italiener halten sollen. -In dem länglichen, gerötheten, mit Sommersprossen bedeckten Gesichte -leuchteten ein Paar hellblaue Augen; auch sein Kopfhaar war röthlich, -ergraute aber frühzeitig, weshalb man ihn in der Regel für älter -hielt, als er wirklich war. Die älteste Charakteristik verdanken wir -dem Italiener Angelo Trivigiano,[177] welcher 1507 die Reiseberichte -veröffentlichte. In der deutschen Uebersetzung des Jobst Ruchhamer -vom Jahre 1508 lautet diese Darstellung, welche uns zugleich in die -Unternehmung des Columbus einführen soll, folgendermaßen: - -Hie anhebet das vierde Buch, Vnd ist von der schieffarthe des -kuniges von Castilia, von Inseln vnd landen in kurtze erfunden. Das -lxxxiiij Capitel, wie der kunige von Hispania rüstet, oder beraythe -zway schieffe, dem Christoffel Dawber[178] von Jenua zu faren gegem -nidergang. - -DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein man̄e lang vnd gerade, was -grosser vernunfft, hette ein lang angesicht, nachuolgte vnd anhienge -lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von Hispania, an alle -orthe vnd ende so sie hin raysten, begerthe, das sie ime solten helffen -zurüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe, erbothe sich, er wölte -finden gegen dem nidergange Inseln, anstossende an India, daselbstdann̄ -die mennge der Edlen gestaynen, vnd Spezereyen, vnd auch des goldes, -welches man leychtlich möchte vberkummen, der Kunig vnd Kunigin, vnd -auch alle die vorgeensten in Hispania, hetten lange zeyte ein spyle, -oder kurtzweyl an diesem furnemen dises Christoffels, vnd zu letzste -nach siben jaren oder vber siben jare, vnd nach seynem manigualtigen -begeren, bitten, vnd anlangen, wurden sie zu gefallen seynem willen, -vnd rusten ime ein Naue, das ist, ein großses schieffe, vnd zway -Grauele, mit welcher er hinweg fure von Hispania, vnd also anfienge -sein rayse oder schieffarthe, vmb die ersten tage des Septeēber, das -ist, des Herbstmondes, im MCCCCxCij Jare. --[179] - -Am Schluß der originellen Uebersetzung steht: Also hat ein endte dieses -Büchlein, welches auß wellischer sprach in die dewtschen gebrachte -vnd gemachte ist worden, durch den wirdigē vnd hochgelarthen Herrn̄ -Jobsten Ruchamer der freyen Künste, vnd artzenneien Doctorn̄ etc. Vnd -durch mich Georgen Stüchßen zu Nüreinbergk, Gedrückte vnd volendte -nach Christi vnsers lieben Herren geburdte. M.ccccc.viij Jare, am -Mittwoch sancthi Mathei, des heiligen apostels abenthe, der do was der -zweyntzigiste Tage des Monadts Septembris. - -Columbus ging nach Südspanien. Hier gelang es ihm, einflußreiche -Gönner zu finden, unter denen namentlich der Herzog von Medinaceli -sich seiner annahm und ihn fast zwei Jahre lang als Gast in seinem -Hause beherbergte, damit derselbe nicht, wie er beabsichtigte, nach -Frankreich gehe, um dort dem Könige sein Project anzubieten.[180] - -[Illustration: Angebliches Porträt von Christoph Columbus. - -(Madrid, Marine Ministerium.)] - -Im Januar des Jahres 1486 erhielt er durch die Vermittlung des -Cardinalbischofs Mendoza von Toledo bei der Königin Isabella Audienz, -wurde, nachdem er seinen Plan vorgelegt, in das königliche Gefolge -aufgenommen und erhielt dessen Freiheiten und Auslösung. Er war damit -in den Dienst der spanischen Krone getreten. Aus den Jahren 1487 und -1488 haben sich mehrere Belege der kleinen Unterstützungen erhalten, -welche Columbus aus der königlichen Kasse erhielt, und welche in den -einzelnen Posten höchstens 10 Ducaten betrugen.[181] - -Man hatte zwar von dem Vorhaben des Columbus im allgemeinen eine -günstige Meinung, wollte aber zuvor das Urtheil der Gelehrten hören -und wies ihn daher an die Universität von Salamanca. Hier hatte -Columbus einen schlimmen Stand; denn er berief sich nicht blos auf -seine kosmographischen Autoritäten, sondern glaubte vor dem Rath der -gelehrten Geistlichen auch mit falschverstandenen Bibelsprüchen kämpfen -zu können und legte von sich und seinem Beruf eine so eigenthümliche -schwärmerische Meinung an den Tag, daß die Mehrzahl der Richter sich -nicht für ihn erklären konnte. - -[Illustration: Angebliches Porträt von Christoph Columbus. - -(Madrid, National-Bibliothek.)] - -Die Art seines Auftretens läßt sich am besten aus den brieflichen -Mittheilungen erkennen, welche Columbus später bei verschiedenen -Gelegenheiten selbst gegeben hat. - -„Ich habe mit wissenschaftlichen Männern, Geistlichen und Weltlichen, -Lateinern und Griechen, Juden und Mauren und vielen anderen -verkehrt. Dazu gab mir der Herr den Geist der Erkenntniß. In der -Schifffahrtskunde gab er reiche Fülle; von der Sternkunde gab er mir, -was ich brauchte und auch von der Geometrie und Arithmetik. In dieser -Zeit habe ich alle Arten von Schriften studirt: Geschichtswerke, -Chroniken, Philosophie und andere Wissenschaften.“[182] - -„Die heilige Trinität,“ schreibt Columbus bei einer andern -Gelegenheit,[183] „bewog Ew. Maj. zu dem Unternehmen nach Indien -und durch ihre unendliche Gnade wählte sie mich, um es Ihnen zu -verkündigen. Deshalb kam ich als ihr (der Trinität) Botschafter zu Ew. -Maj., wie zu den mächtigsten Fürsten der Christenheit, welche sich im -Glauben übten und so viel für seine Verbreitung thaten. Trotz alles -Ungemachs, welches mir widerfuhr, war ich gewiß, daß meine Unternehmung -gelingen werde, und beharrte bei dieser Ansicht, weil alles vergehen -wird, ausgenommen das Wort Gottes. Und in der That, Gott spricht so -klar von diesen Gegenden durch den Mund des Jesaias an mehreren Stellen -der heiligen Schrift, wenn er versichert, daß von Spanien aus sein -heiliger Name solle verbreitet werden.“[184] - -In der Colombinischen Bibliothek zu Sevilla wird noch die -handschriftliche Correspondenz des Columbus mit dem Pater Gorricio, -einem Karthäuser aus dem Kloster Sa. Maria de las Cuevas zu Sevilla -aufbewahrt, welche eine Menge Texte des alten und neuen Testamentes -enthält, die sich auf die Entdeckung der neuen Welt beziehen sollen, -sowie verschiedene Aussprüche der Kirchenväter und Classiker. Diese -letzteren sind aus Aristoteles, Plinius, Seneca u. a. von Gorricio -excerpirt in der besondern Absicht, von Columbus verwendet zu -werden.[185] Unter diesen ist besonders berühmt und viel genannt worden -die prophetische Stelle aus der Tragödie Medea von Seneca: - - ~Venient annis saecula seris, - Quibus Oceanus vincula rerum - Laxet et ingens pateat tellus, - Thetysque novos detegat orbes, - Nec sit terris ultima Thule.~[186] - -Mit diesen Prophezeiungen, welche Columbus auf sich bezog und durch -welche er um so fester von seiner göttlichen Sendung sich überzeugt -hielt, ging Hand in Hand die von ihm gefaßte Idee, durch die schon von -Toscanelli in Aussicht gestellten Schätze das heilige Grab zu erobern -und den Erzfeind aus dem Besitz der heiligen Stätten zu verdrängen. -Diesen Gedanken legt er in dem Tagebuch seiner ersten Reise (vom 26. -December 1492) nieder und wiederholt ihn in einem Briefe von 1503. - -Aber er fühlt auch den Beruf in sich, alle Heiden vor dem nahen -Weltuntergange zum Christenthume zu bekehren. „Der heilige Augustin -lehrt uns,“ schreibt er 1503, „daß das Ende der Welt 7000 Jahre nach -der Schöpfung stattfinden werde. Das ist auch die Meinung der heiligen -Theologen und des Cardinals Pedro de Aliaco. Da nun nach der Berechnung -des Königs Alfons von Portugal bereits 6845 Jahre verflossen sind, so -ist die Frist bis zum Untergange nur noch eine sehr kurze.“ - -Man darf sich nicht wundern, daß selbst die Theologen von Salamanca -sich mit diesen mystischen Combinationen, mit dieser wunderlichen -Mischung einerseits von astronomisch-kosmographischen Berechnungen und -Schlüssen, anderseits von classischen und biblischen Prophezeiungen und -falschen Deutungen nicht einverstanden erklären konnten. - -Man muß dazu auch die politische Lage der beiden verbundenen spanischen -Monarchien erwägen, und daß Ferdinand und Isabella nicht blos schwere -Kämpfe zur Befestigung der königlichen Autorität, sondern auch -langwierige Kriege mit den Mauren zu führen hatten und durch diese -Projecte leicht auch in neue Verwickelungen mit dem Nachbarstaate -Portugal gebracht werden konnten. - -„Glücklicherweise aber,“ sagt Humboldt,[187] „begünstigten die -vorhandenen Irrthümer die Ausführung des Planes und flößten einen Muth -ein, welchen genauere Kenntniß von den Dimensionen des Erdkörpers, der -geographischen Länge von Catigara, Cathai und Zipangu, der bedeutenden -Ausdehnung des zwischen liegenden Oceans und der geringen Masse des -Festlandes wahrscheinlich erschüttert haben würden.“ - -Man hat das Urtheil der wissenschaftlichen Prüfung in Salamanca ebenso -verdächtigt und verleumdet, als jenes abfällige Urtheil der Junta in -Portugal. Aber alle die Gegengründe, welche vorgebracht sein sollen, -klingen so lächerlich, daß sie als platte Erfindung erscheinen, welche -später, nachdem der Erfolg sich für Columbus ausgesprochen, zu seiner -Verherrlichung erdacht sind. - -Im Collegium zu Salamanca fand sich nur Einer, Diego de Deza, der -Lehrer des Prinzen Don Juan, später Erzbischof von Sevilla, welcher -sich des kühnen Planes annahm; aber da sich Talavera, damals Prior von -Prado und später Erzbischof von Granada entschieden dagegen erklärte, -so wurde vorläufig die Entscheidung ausgesetzt und Columbus auf eine -günstigere Zeit vertröstet. So lebte er, von Jahr zu Jahr auf Erfüllung -hoffend, bald in Sevilla, bald in Cordoba, gleichsam von königlichem -Gnadenbrote, wenig gekannt und wenig Freunde gewinnend. - -Die ganze Angelegenheit rückte nicht vorwärts. Und als selbst noch -im Jahre 1491 die entscheidende Commission erklärte, sie könne -erst nach Beendigung des Krieges gegen Granada die Sache in genaue -Erwägung ziehen und damit gleichsam in einer höflichen Form das -Project ablehnte, so entschloß sich Columbus endlich, doch das Land zu -verlassen, das ihn seit sieben Jahren in peinlicher Muße hingehalten -hatte. - -Auf seinem Wege nach Huelva, wo er sich einschiffen wollte, kam -er, mit seinem Sohne Diego an der Hand, von Palos, am breiten Rio -Tinto abwärts wandernd, zu Fuß nach dem alten Franziskanerkloster -+la Rabida+. Dasselbe liegt nahe dem Meere auf einem dürren Hügel, -dessen Anbau den Fleiß der Bearbeiter nur spärlich lohnt. Zwischen -verfallenen Mauern und Dornhecken von Nopal und Aloë steigt man jetzt -auf die beherrschende Höhe. Auf einer kleinen Plattform hinter den -Klostergebäuden bezeichnet ein steineres Kreuz die Stelle, wo Columbus -von Kummer gebeugt und von Hunger erschöpft niedersank[188] und für -seinen Knaben und sich die Mönche um Brot und Wasser bat. Aber hier, -wo er mit tiefem Seelenleiden seine Hoffnungen bereits zu Grabe -getragen hatte, sollten sie neu belebt werden. Der seltsame Anblick -der Bittenden, der fremde Dialect des Mannes erregten die Neugierde -der barmherzigen Brüder, besonders des Juan Perez de Marchena, der den -Titel eines Beichtvaters der Königin führte. Columbus wurde ins Kloster -eingelassen und in die Wohnung des Priors geleitet. In dem hohen Saal, -aus dessen Fenstern man einen prachtvollen Blick auf das Meer genießt -und wo Columbus neugestärkt und belebt, im Angesicht des Oceans von -seinen Plänen und Enttäuschungen erzählte, sind jetzt zur Erinnerung -an diese denkwürdigen Stunden mehrere Gemälde zu sehen, welche die -Geschichte dieser Ereignisse darstellen. Der Pater Juan Perez, welcher -sich bald von der schwärmerischen Glut des Erzählers angezogen fühlte, -ließ einen in der Astronomie und Kosmographie kundigen Physiker, Garcia -Hernandez, aus dem nahen Orte Palos zu sich bitten, um mit ihm den -Gehalt des vernommenen Berichts zu prüfen, denn er kannte den Genuesen -zweifelsohne nicht einmal dem Namen nach. Auch mochte er anfänglich -keine große Meinung von dem ärmlich und schlecht gekleideten Fremdlinge -haben. Columbus war eben noch eine Persönlichkeit, welche kein Mensch -kannte (~por que ninguna persona conoscia el dicho almirante~.[189]) -Aber auch der junge Physiker aus Palos, welcher damals kaum das 30. -Lebensjahr überschritten hatte,[190] horchte mit demselben Interesse -wie der Pater Marchena. Beide glaubten der Königin einen großen Dienst -zu leisten, wenn sie den merkwürdigen Mann zurückhielten. Juan Perez -schrieb an die Königin Isabella einen Brief und sandte ihn durch die -Hand des Piloten Sebastian Rodriguez an den spanischen Hof von Granada. -Einstweilen blieb Columbus als Gast bei den Klosterbrüdern. Nach 14 -Tagen kam ein Dankschreiben der Königin zurück, worin der Pater zur -Königin berufen wurde. Derselbe reiste noch in derselben Nacht ab und -erhielt von der Königin die Zusage, daß Columbus für seine Unternehmung -drei Schiffe erhalten solle. Dann gab die Fürstin ihm noch 53 Ducaten -mit für Columbus, damit derselbe sich besser kleiden und in anständiger -Form zu Hofe reiten könnte. - -So war also in Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes -eingetreten und wenn auch noch manche Schwierigkeiten zu überwinden -sein mochten, so war es doch nun entschieden, daß der kühne Gedanke, -den Orient im Westen auszusuchen, seiner Verwirklichung nahe war. - -Im Lager zu Santafé vor Granada erwartete man die baldige Uebergabe -dieser letzten maurischen Stadt. Als dieselbe im Januar 1492 erfolgte, -schien der Weg für Columbus geebnet, denn der maurische Krieg war -beendigt. Aber zum letztenmale schien das ganze Unternehmen doch -noch sich zerschlagen zu wollen, weil Columbus allzuhohe Forderungen -stellte, Forderungen, welche weder mit seiner hilfsbedürftigen Lage, -noch mit der Würde der Krone vereinbar schienen; denn er verlangte -die höchsten Würden in Spanien und fast königliche Gewalt in den zu -entdeckenden Ländern. Seine Bedingungen stellte er dahin, daß er Rang -und Würde eines Admirals oder eines spanischen Almiranten für sich und -seine Nachfolger erhalte, daß er und seine Familie in den Adelstand -erhoben würden, daß er in den neuentdeckten Ländern zum Vicekönig -ernannt werde mit dem Rechte, für alle hohen Verwaltungsstellen in -jeder Insel, in jeder Provinz drei Männer vorzuschlagen, daß ihm -ein Zehntel der königlichen Einkünfte aus dem Gewinn von Perlen, -Edelsteinen, Gold, Silber, Spezereien und anderen Handelswaaren -zufalle, daß er der einzige Richter sei in allen Processen, welche -aus dem Verkehr zwischen jenen Ländern und Spanien entstehen könnten -und daß er, wenn er den achten Theil der Ausrüstung von Schiffen -bestreite, auch den achten Theil aus dem Gewinn erhalte. Diese -Forderungen klangen geradezu unerhört. Eine Reihe von Conflicten war -vorauszusehen, wenn man einem Fremden zugestand, was man nie einem -Spanier von Geburt zugestanden haben würde. Die Königin, so willig -sie sich gezeigt hatte, das Unternehmen doch noch zu fördern trotz -aller Widerreden und Zweifel, schreckte vor solchen Forderungen -zurück. Und Columbus wich in keinem Punkte von seinen Ansprüchen; so -fest glaubte er selbst sowohl an seine Bestimmung, als auch an den -großen materiellen Erfolg für Spanien. So zerschlug sich auch noch -im Januar die Verhandlung, und Columbus wandte sich zum zweiten Male -vom Hofe ab, um über Cordoba nordwärts nach Frankreich zu gehen, wo, -wie er selbst behauptete, man ihm glänzende, sichere Versprechungen -gemacht. Da versuchten noch einmal seine Gönner bei Hofe, namentlich -der Cardinal Mendoza und der Schatzmeister Luis de Sant-Angel, -die Königin zu dem Vertrage zu überreden. Sie stellten ihr vor, -welche unermeßlichen Reichthümer nach erfolgreicher Fahrt durch die -Unternehmung des Genuesen nach Spanien fließen müßten, wie sie durch -Zuwachs an Colonialbesitz und durch Ausbreitung des christlichen -Glaubens an Ruhm gewinnen würde, und erreichten es, daß Isabella den -Befehl ertheilte, Columbus zurückzurufen. Ein Eilbote traf ihn bereits -unterwegs in Pinos Puente, eine Stunde von Santafé und rief ihn unter -der Versicherung, daß die Königin auf seine Forderungen eingehe, -zurück. Der Vertrag wurde am 17. April vollzogen; aber der Besitz der -unerhörten Gewalt, die dem Entdecker verliehen, die plötzliche Erhebung -in den höchsten Stand führten nur zu bald den Sturz des Mannes herbei, -weil er nicht im Stande war, allen Ansprüchen seiner neuen Stellung -zu entsprechen. Man kann Columbus nicht frei sprechen von der Schuld, -die vielfachen bitteren Kränkungen und schweren Demüthigungen seiner -letzten Lebensjahre sich durch das Uebermaß seiner Forderungen selbst -heraufbeschworen zu haben. - -[Illustration: Der im Bau begriffene Rumpf eines großen Seeschiffes vom -Ende des 15. Jahrh.] - -Augenblicklich dachte er nur an die Ausrüstung seiner Schiffe. Der -Staatsschatz war leer, Luis de Sant-Angel schoß der Königin 5300 -Ducaten zur Fertigstellung der kleinen Flotte vor und Columbus begab -sich sofort nach Palos, nahe bei dem ihm günstigen Kloster la Rabida, -um hier seine Abfahrt mit allen Mitteln zu betreiben. Es war ein sehr -günstiger Umstand, daß er in dem kleinen Hafenplatz am untern Lauf -des Rio Tinto lebhafte Unterstützung durch die einflußreiche und -wohlhabende Schifferfamilie der Pinzone fand, welche sich selbst in -ihren Hauptträgern erbot, die kühne Fahrt mitzumachen. Ganz besonders -machte sich Martin Alonso Pinzon um das Zustandekommen der Expedition -verdient und trug sogar zur Bestreitung der Kosten bei. Es wurden -drei kleine Schiffe ausgerüstet; nur das größere war vollständig -gedeckt, die beiden andern hatten nur am Vorder- und Hintertheil -erhöhte Verdecke, waren aber in der Mitte offen. Die Schiffsmannschaft -recrutirte sich meist aus den umliegenden Hafenplätzen, aus Moguer, -Huelva und aus Palos selbst. Das größte Schiff, die Santa Maria, stand -unter dem Befehl des Columbus, auf der Pinta commandirte Martin Alonso -Pinzon und außer ihm sein Bruder Francisco Martin als Steuermann, auf -der Niña führte Vicente Yañez Pinzon das Commando. Die Mannschaft -belief sich im Ganzen auf 120 Köpfe. - - -5. Die erste Fahrt des Columbus über den Ocean. - -Es war ein denkwürdiger Tag, als am 3. August 1492, nachdem die -Mannschaft vorher gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, die drei -Schiffe den Hafen von Palos verließen und dem unbekannten Weltmeere -zusteuerten. Columbus führte von Anfang an ein ausführliches Tagebuch, -von welchem uns Las Casas den größten Theil, vielfach in wörtlichen -Auszügen, erhalten hat. Die Einleitung erörtert die Beweggründe und -Ziele der Fahrt und läßt einerseits die Abhängigkeit des Führers von -den Angaben des Toscanelli, andererseits seine religiösen Empfindungen -deutlich erkennen. - -[Illustration: Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., halb vor dem Winde -segelnd.] - -„Nachdem Ew. Majestäten in dem gegenwärtigen Jahre 1492 den maurischen -Krieg beendigt haben in der sehr großen Stadt Granada, in welcher -ich, am 2. Januar dieses Jahres, durch die Gewalt der Waffen die -königlichen Banner auf den Thürmen der Alhambra aufpflanzen und den -maurischen König sich ans Thor begeben und Ew. Maj. die Hände küssen -sah, und nach den Erklärungen, welche ich Ew. Hoheiten von den Ländern -Indiens und von einem Fürsten, welcher der Großchan, d. h. König der -Könige genannt wird, gegeben habe, sowie darüber, daß derselbe wie -auch seine Vorgänger nach Rom gesendet hatten, um sich Lehrer unseres -heiligen Glaubens zu erbitten, und daß so viele Völker im Unglauben und -Götzendienst verloren gingen, beschlossen Ew. Hoheiten als christliche -Fürsten und Verbreiter des heiligen christlichen Glaubens und Feinde -der Sekte Mohammeds und aller Ketzerei mich, Cristóbal Colon[191] zu -den erwähnten Ländern Indiens auszusenden, um die erwähnten Fürsten -und Völker und Länder, ihre Lage und ihren Zustand und die Art und -Weise zu erforschen, wie man sie zu unserm heiligen Glauben bekehren -könne. Sie befahlen mir, nicht zu Lande nach dem Osten zu gehen, -wie man gewöhnlich gethan hat, sondern vielmehr den Weg nach Westen -einzuschlagen, von dem wir bis jetzt nicht bestimmt wissen, ob er schon -von jemand eingeschlagen ist.“ Weiter fügt Columbus hinzu, daß er -beschlossen, ein genaues Tagebuch zu führen, genaue Segelanweisungen -zu geben und dazu eine Reihe von gemalten Karten zu entwerfen in einem -Netz von Breiten- und Längenlinien. - -Dieses letztere Vorhaben hat aber der Admiral nicht ausgeführt, er -war dazu auch kaum im Stande. Der Admiral steuerte gradenwegs nach -den Canarischen Inseln, um unter dem Parallelkreis dieser spanischen -Eilande westwärts über Antilia und Cipangu nach Indien zu segeln. Da -aber bereits am vierten Tage das Steuer der Pinta beschädigt wurde, -mußte man den Hafen in Gomera aufsuchen und sah sich dadurch vier -Wochen auf den Canarischen Inseln festgehalten. Erst am 6. September -setzte Columbus die Fahrt wieder fort und steuerte mit Nordostpassat -nach Westen. Schon am dritten Tage, am 9. September entschloß er sich, -eine zwiefache Berechnung der täglich zurückgelegten Meilenzahl zu -führen, und in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal kleinere -Ziffern aufzuführen, als er selbst die Entfernungen schätzte, um, -wie er sagt, die Mannschaft nicht durch die Größe der zurückgelegten -Meilenzahl zu erschrecken. Es ist dies wohl der einzige Fall, daß -bei einer großen Entdeckungsfahrt ein solches Mittel der Täuschung -zur Anwendung gekommen ist: „Am 10. September segelte er 60 Leguas, -berechnete aber nur 48, um die Mannschaft nicht zu entmuthigen, wenn -die Reise lange dauern sollte.“[192] - -Am 13. September, bei Einbruch der Nacht, beobachtete Columbus zuerst -die +Declination der Magnetnadel+, „ein denkwürdiger Zeitpunkt in -den Jahrbüchern der nautischen Astronomie“.[193] Die Abweichung gegen -NW. nahm am folgenden Tage noch zu. Drei Tage später machte er die -Wahrnehmung, daß ein rascher Wechsel des Klimas eintrat. - -Schon vom 16. September an, wo die Schiffe zuerst in das Sargassomeer -eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe eines Landes oder von -Inseln zu bemerken. Das Schiffstagebuch enthält darüber eine Reihe von -Bemerkungen. Am 18. galt ein dunkler Horizont als Zeichen von großer -Nähe des Landes; am 19. bildete sich ein Nebel ohne Wind, eine sichere -Andeutung von Land. Auch die schwimmenden Tangmassen, welche häufig -angetroffen wurden, galten als Beweis dafür. Dieses Tangmeer liegt -zwischen 20° und 35° n. Br. und reicht gegen Westen bis an den Rand -des Golfstroms. Das Kraut bedeckt die Oberfläche nicht in gleichmäßig -dichten Massen, sondern treibt in langen Streifen in der Richtung -des herrschenden Windes. Diese Streifen bestehen aus mehreren Reihen -von Krautbüscheln, jedes einzelne höchstens einen Fuß lang; es sind -vom Strande losgerissene Fragmente, welche absterben und allmählich -untersinken, so daß von einer Behinderung der Fahrt eines Schiffes -nicht die Rede sein kann.[194] - -Der beständig günstige Fahrwind erregte in den Matrosen die -Befürchtung, es werde wegen des herrschenden Ostwindes die Rückfahrt -sehr erschwert, wo nicht unmöglich gemacht werden. Als am 23. September -die Krautmassen wieder dichter die Oberfläche des Wassers bedeckten -und das Meer so ruhig und glatt blieb, äußerte sich die Besorgniß des -Schiffsvolkes laut: man werde in dieser Gegend niemals einen günstigen -Wind zur Rückkehr nach Spanien treffen. Als dann aber das Meer sich -erhob, ohne daß ein Wind wehte, und eine rauhe See entstand, waren alle -höchlich erstaunt. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Columbus: „Diese -hoch gehende See war mir ebenso nothwendig als den Juden zur Zeit da -die Aegypter auszogen, um Moses zu verfolgen, welcher die Hebräer aus -der Knechtschaft befreite.“ Am 25. September besprach sich der Admiral -mit Martin Alonso Pinzon über eine Karte, welche er ihm vor 3 Tagen -geschickt, und auf welcher in dieser Gegend einige Inseln eingetragen -waren. Offenbar handelte es sich dabei um die Karte Toscanelli’s und -die etwas südlich vom Schiffscours vermuthete Insel Antilia (vgl. den -Globus Behaims). Martin Alonso glaubte diese Insel sogar zu sehen; auch -Columbus theilte diese Ansicht und schätzte die Entfernung auf etwa 25 -Meilen. In Folge dessen ließ der Admiral gegen West steuern, aber am -folgenden Tage klärte sich der Irrthum auf, man war durch das dunkle -Aussehen des Horizonts getäuscht worden. Daß aber die Insel Antilia -in der Nähe liegen müsse, bezweifelte Columbus nicht. Am 3. October -glaubte er diese Insel bereits hinter sich haben, denn Anzeichen von -Land hatte er genug gehabt; aber er wollte seine Zeit nicht mit dem -Aufsuchen verlieren, weil Indien sein Ziel war. - -Es unterliegt keinem Zweifel, daß, je länger die Fahrt dauerte, die -Mannschaft immer lauter ihre Besorgniß aussprach, vielleicht auch sogar -allerlei Drohungen gegen den fremden Führer, gegen den Liguren laut -werden ließ, wenn auch die dramatische Ausschmückung dieser Stimmung, -welche in der Erzählung von einem Vertrage gipfelt, den Columbus -sollte eingegangen sein, einer späteren Zeit angehört. Dennoch sollte -der Admiral sich dazu verstanden haben, nach drei Tagen umzukehren, -wenn bis dahin das gesuchte Land noch nicht aufgefunden sei. Die -Zeugnisse Peter Martyrs und des Columbus selbst sprechen zu deutlich -von der schwierigen Haltung der Matrosen. „Die spanischen Begleiter,“ -erzählt Martyr, „fingen erst heimlich an zu murren und traten dann -offen zusammen. Sie drohten ihren Führer ins Meer werfen zu wollen; -sie seien von dem ligurischen Menschen betrogen und ins Verderben -gebracht.“[195] Diese Angaben über die bedenkliche Stimmung unter dem -Schiffsvolke bestätigt Columbus in seinem Tagebuche, wenn er, am 14. -Februar 1493, also auf dem Heimwege, berichtet, daß er schon auf der -Hinfahrt viel von den Leuten zu leiden gehabt, weil alle einstimmig -erklärt hätten, umkehren zu wollen, und daß sie sich zu Drohungen gegen -ihn hätten hinreißen lassen.[196] Vom 7. October an beschloß Columbus, -einen südwestlichen Cours beizubehalten. Er wurde dazu durch den Flug -zahlreicher Vögel veranlaßt, welche nach dieser Richtung zogen; denn -er wußte, daß die Portugiesen der Beobachtung des Flugs der Vögel die -Entdeckung mancher Inseln verdankten. Auch am 10. October beklagten -sich seine Leute wieder über die lange Dauer der Reise, aber der -Admiral belebte ihre Hoffnung auf reichen Gewinn, der in sicherer -Aussicht stehe. Uebrigens fügte er hinzu, ihre Klagen nützten nichts, -da er unter allen Umständen mit Gottes Hilfe seinen Weg fortsetzen -werde, bis er Indien erreicht habe. - -So hätte er nicht sprechen können, wenn es wirklich zu einem Vertrage -gekommen wäre, der ihn verpflichtet hätte, nach drei Tagen umzukehren. - -Columbus war zu fest überzeugt, dem Ziel seiner Wünsche nahe zu sein -und fand in den Pinzonen eine kräftige Stütze. Ohne Schwankung war er -in den ersten Wochen westwärts gesteuert und wich nur in den letzten -Tagen mit bewußter Absicht von dieser Richtung ab. - -Sie waren bereits mehr als 750 Meilen von den Canarien entfernt.[197] -Das Schiffsvolk spähte immer eifriger nach Land aus, denn dem -Glücklichen, welcher zuerst dasselbe erblicken sollte, waren reiche -Geschenke und eine jährliche Pension von 10,000 Maravedis (etwa 25 -Ducaten) verheißen. Da in Folge dessen zu wiederholten Malen der Ruf: -Land! erscholl, ohne daß die daran geknüpfte Erwartung sich erfüllte, -so wurde bestimmt, daß derjenige, welcher die Gemüther auf solche Weise -vergeblich in Aufregung versetzte, in Zukunft keinen Anspruch auf die -ausgesetzte Belohnung haben solle. - -[Illustration: Christoph Columbus’ Rüstung. - -(Madrid, Waffen-Museum im kgl. Palais.)] - -Aber trotzdem blieben aller Augen mit gespannter Aufmerksamkeit auf den -fernen Horizont im Westen geheftet, zumal sich die echten Anzeichen von -Land zu mehren schienen. Am Morgen des 7. October gab die Niña, welche -vorausgesegelt war, durch einen Kanonenschuß das Signal, daß man Land -sehe, aber man mußte wiederum eingestehen, daß man sich getäuscht habe. -Die nun folgende Niedergeschlagenheit wurde aber bald wieder gehoben, -am 9. October spürte man einen frischen Hauch der Luft, wie wenn er -von fernen Blütenbäumen herüberwehe. Am 11. October fischte man bei -dem Admiralschiffe einen frischgrünen Zweig, bei der Pinta einen mit -Feuer bearbeiteten Stab und einen Zweig mit rothen Beeren aus dem -Wasser. Am späten Abend sah Columbus vom hohen Hintercastell seines -Schiffes aus einen Lichtschein, der sich vorwärts zu bewegen schien, -als ob jemand eine Fackel trage; auch andere, die er herbei rief, -glaubten dasselbe zu erkennen. Man befand sich in der That in der Nähe -des Landes. Wenige Stunden später, am 12. October, Morgens 2 Uhr, sah -der Matrose Rodrigo von Triana auf der Pinta einen flachen, sandigen -Strand im Mondschein leuchten; denn man hatte sich dem Lande von der -Seite bereits bis auf 2 Seemeilen genähert. - -Ein Kanonenschuß verkündete die glückliche Entdeckung den beiden -nachfolgenden Schiffen, und so wie es Tag wurde, sahen sie eine -anmuthig grüne Insel vor sich liegen. Die Ueberfahrt von den -Canarischen Inseln hatte 32 Tage gedauert. Entzückt und mit -Freudenthränen im Auge stimmte Columbus den Lobgesang ~Te deum -laudamus~ an, und alle seine Gefährten stimmten mit ein. Man umringte -den noch vor kurzem geschmähten Führer und brachte dem Helden seine -Huldigung dar. Leider gönnte der glückliche Entdecker dem Matrosen -Rodrigo den verheißenen königlichen Lohn nicht; er erhob selbst -Anspruch auf die ausgesetzte Jahresrente, weil er in der Nacht zuvor -das Licht in der Ferne gesehen hatte und erhielt wirklich später das -Geld ausgezahlt. War es Geiz oder Ehrgeiz? Fast muß man fürchten, daß -der schlechtere Beweggrund ihn verleitete. - -Die Befehlshaber der Schiffe landeten nun mit bewaffneten Böten. Unter -fliegenden Fahnen, welche außer dem grünen Kreuz die Anfangsbuchstaben -der katholischen Könige F. und I. zeigten, stiegen sie ans Land und -warfen sich nieder, um den Boden zu küssen. Dieses erste Eiland, -welches die Entdecker betraten, nannte Columbus San Salvador und -weihete es dadurch zu einem Erstlingsopfer dem Heiland der Welt. Bei -den Eingebornen hieß es Guanaham oder +Guanahani+.[198] - -Die braunen Insulaner schaarten sich harmlos um die fremden, dem -Meere entstiegenen Männer, und Columbus theilte, um sie zutraulich zu -machen, kleine Geschenke unter sie aus: Glasperlen, Nadeln und kleine -Schellen. Die Leute gingen vollständig nackt, nur einige Weiber trugen -eine Art Schürze von Blättern oder Gras oder zu dem Zweck bearbeiteter -Baumwolle. Metall war ihnen unbekannt, Waffen trugen sie nicht. Daß -sie in der Hautfarbe den Bewohnern der Canarischen Inseln glichen, -fand Columbus ganz natürlich, denn die entdeckte Insel lag unter -derselben Breite mit Ferro. Und unter denselben Breiteparallelen, so -lautete damals ein allgemein gültiger Lehrsatz, haben die Menschen -gleiche Farbe, und zwar um so dunkler, je näher dem Aequator. Einige -der Insulaner erschienen auch bemalt, schwarz, roth oder mit weißen -Streifen im Gesicht oder am ganzen Leibe. Ihr Haar war schwarz und -straff. - -[Illustration: Facsimile des Titelholzschnittes einer zu Florenz im -Jahre 1493 gedruckten italienischen Flugschrift, darstellend die -Landung des Columbus. (London, British Museum.)] - -Bald eröffnete sich ein gewinnbringender Tauschhandel, denn man sah -hie und da goldenen Nasenschmuck, den die Spanier für Kleinigkeiten -einzuhandeln verstanden. Auf die Frage, woher das Gold stamme, wiesen -die Indianer (Indios nannte Columbus sie bereits am vierten Tage) -nach Südosten, woraus man also auf das Vorhandensein anderer Länder -in der Nachbarschaft schließen konnte; denn wenn die Eingebornen -auch Ruderkähne, aus einem Stamme gearbeitet, besaßen, mit denen sie -erstaunlich schnell fuhren, so taugten diese Fahrzeuge doch nur zu -einem Verkehr zwischen nahegelegenen Inseln oder größeren Landmassen, -aber keineswegs zu weiteren Fahrten über den Ocean. - -Die Vermuthung, daß noch andere Inseln in der Nähe lägen, wurde durch -den weiteren Verkehr mit den Wilden bestätigt, woraus man mittelst -der Gebärdensprache soviel verstehen konnte, daß manche unter ihnen -im Kampfe mit den über See kommenden feindlichen Stämmen Wunden -davongetragen hatten, deren Narben die Spanier an den Insulanern -bemerkten. - - -6. Wo liegt Guanahani? - -Bevor wir den weiteren Verlauf der Entdeckungsfahrt schildern, -müssen wir die Insel nachzuweisen suchen, welche Columbus zuerst -betrat. Sicherlich umwebt ein historischer Glanz jene Stätte, wo die -Menschheit der alten und neuen Welt sich zuerst einander entgegen -trat, und doch muß man fast mit Beschämung gestehen, daß mit bindender -Beweiskraft jene Insel nicht nachzuweisen ist. Nur eine größere -oder geringere Wahrscheinlichkeit fällt ins Gewicht und läßt die -Schale der Entscheidung sinken. Daß das Geschwader auf eine der -flachen Koralleneilande gestoßen, welche als die dritte Gruppe der -westindischen Inseln unter dem Namen der Bahama-Inseln am meisten -bekannt ist, unterliegt keinem Zweifel; aber welche unter diesen den -Ehrennamen S. Salvador verdient, ist streitig. - -[Illustration: Die ENTDECKUNGEN des COLUMBUS - -auf seiner ersten Reise. - -_Karte eine Theiles von Westindien, nach der englischen -Admiralitätskarte N^o 761._ - -Gez. v. C. Riemer. - -G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.] - -Die Gruppe der Bahama besteht aus 12 größeren Inseln und über 600 -Inselchen, ungerechnet die nach Tausenden zu zählenden Seeklippen. -Dieselben sind auf einer Strecke von 150 deutschen Meilen in der -Richtung von Südost nach Nordwest den großen Antillen vorgelagert und -erstrecken sich von dem Norden Haitis bis gegen die Halbinsel Florida. -Obwohl über einen so weiten Raum ausgedehnt, umfassen die meist in -der Richtung des ganzen Zuges sich hinlagernden schmalen Inseln doch -nur einen Flächenraum, welcher nicht ganz die Größe des Königreichs -Sachsen erreicht. Sämmtliche Inseln bestehen aus Korallenbauten, -welche sich auf submarinen Plateaus von Sandbänken oder Korallenkalk -aufgesetzt haben. Ihre Höhe übersteigt nirgend 60 ~m~. Es sind also -flache Eilande, meistens auch noch von Korallenriffen umschlossen und -mit untiefen Korallenbänken untermischt, zwischen denen die Schifffahrt -mit größter Vorsicht betrieben werden muß. Hie und da erheben sich -am Strande niedere Kalkklippen. Viele der Inseln sind frisch grün, -sogar bewaldet, aber es fehlt an frischen Quellen; die Teiche und -Lagunen auf manchen dieser Eilande haben salziges oder brakisches -Wasser, weil sie unterirdisch mit der See in Verbindung stehen. Wenn -nun auch der Reichthum an Nutzhölzern immerhin erwähnenswerth ist, -so konnte doch das Verlangen der Spanier nach Gold und Gewürzen auf -den der See entstiegenen flachen Eilanden nicht befriedigt werden. -Columbus hielt sich darum auch nur einige Tage an jeder der größeren -Inseln auf und tastete an den Korallenbänken und Riffen hin, seinen -Weg nach Südwesten, wohin ihn alle Indianer auf seine Fragen nach -Gold wiesen. Denn alles Sinnen und Trachten des Entdeckers war auf -das edle Metall gerichtet, sein Schiffstagebuch schreibt davon am 15. -16. 19. 22. und 27. October, am 4. 5. 6. 12. u. s. w. November; und -grade diesem Verlangen konnten die Bahama-Inseln nicht entsprechen. -Darum sind auch die späteren Entdeckungsfahrten nie wieder auf diese -Korallengebilde gerichtet, dieselben wurden als gefährlich gemieden -und höchstens aufgesucht, um Menschen zu fangen. Hierin haben wir -auch einen Grund zu suchen, daß S. Salvador eigentlich verschollen -ist. Der Hauptgrund aber, warum man die Insel nicht wieder findet, -liegt in der mangelhaften astronomischen Bildung des Admirals. Er -hatte sich zwar beim Beginn der Fahrt vorgenommen, neben einer -genauen Segelanweisung auch eine Karte von den entdeckten Gebieten -zu entwerfen, aber von einer Ausführung dieses Vorhabens ist nirgend -mehr die Rede. „Im Tagebuche des Columbus findet sich während der -ganzen Fahrt über den Ocean auch nicht eine einzige Breitenbestimmung, -und die, welche er in Westindien angestellt haben will, sind so -ungeheuerlich, daß sie schon seinerzeit Verdacht erregten; er gibt zum -Beispiel an der Küste von Cuba eine Breite von 42° statt 21°. Es läßt -sich nun einmal nicht abstreiten, daß Columbus einen sehr geringen -Grad wissenschaftlich-nautischer Kenntnisse besaß.“[199] Und allein -von diesen Thatsachen ausgehend, darf man behaupten, daß die von der -~Vida del Almirante~ zuerst verbreitete Nachricht, Columbus habe in -Pavia studirt (s. oben S. 220) auf Unwahrheit beruht; denn auf einer -Universität wird man schwerlich gelehrt haben, was die roheste Empirie -verräth, daß man die geographische Breite eines Ortes aus der Dauer des -Tages abzuleiten habe. Und doch scheint aus dem Tagebuch hervorzugehen, -daß Columbus auf diese Weise am 13. December 1492 rechnete. Es fehlt -also in Beziehung auf die Lage von San Salvador jedweder Anhalt einer -astronomischen Bestimmung; daher konnten die späteren Historiker bei -ihren Vermuthungen drei volle Breitengrade von einander abweichen. - -Man muß also auf anderem Wege die Lage der zuerst entdeckten Insel -zu ermitteln suchen. Es liegt nahe, vor allem die ältesten Karten -jener Inselwelt zu Rathe zu ziehen. Allein wir vermissen auf allen -Darstellungen bis weit ins 17. Jahrhundert den Namen Salvador, sowie -die folgenden von Columbus weiterhin ertheilten neuen Inselbenennungen. -Schon die erste, von einem Begleiter des Entdeckers, um 1500 von dem -Basken Juan de la Cosa entworfene Karte Amerikas (siehe die Beilage) -führt nur die einheimischen Inselnamen und darunter auch Guanahani -auf. Aber diese Karte ist hier so ungenau, daß Capitän Becher sie -als ein altes Document bezeichnet, das den Namen einer „Karte“ nicht -verdiene.[200] In gleichem Sinne haben auch die späteren Kartographen -die Bahama-Inseln sehr ungenau dargestellt, weil man sie für ziemlich -werthlos hielt. War doch auch Peter Martyr der Ansicht, nachdem er die -Antillen genau beschrieben, es sei überflüssig, diese Koralleninseln -einer eingehenden Darstellung zu würdigen, weil die Spanier diese armen -Inseln, wo man höchstens Fischfang und etwas Landbau treiben könne, -aufgegeben hätten.[201] - -Es scheint zwar noch einen andern Ausweg zu geben, das fragliche -Guanahani zu ermitteln, indem man unter den Bewohnern des Archipels -selbst sich erkundigte; denn da der Name von den Eingebornen ertheilt -ist und die Sprache der Insulaner vermuthlich wenig Aenderung -erlitten haben könnte, so müßte, sollte man meinen, auch der Name -der Insel entweder sich noch erhalten haben oder doch noch in -Erinnerung geblieben sein. Allein auch dieser Ausweg ist seit mehr als -drittehalbhundert Jahren vollständig versperrt: die Urbevölkerung ist -ausgestorben oder deutlicher gesagt, durch die Spanier vernichtet, und -man darf nicht verhehlen, daß Columbus selbst den Anlaß dazu gegeben. -Schon am 13. October schreibt er: „Diese gutartigen Menschen müssen -ganz brauchbare Sklaven abgeben.“ Bei seiner Abfahrt entführt er von -Salvador mehrere Insulaner mit Gewalt, „damit sie unsere Sprache lernen -und uns Auskunft geben können über ihr Gebiet“. Als nun die Königin -Isabella durch ein Edikt vom 30. October 1503[202] gestattete, die dem -Christenthum und ihren neuen Unterthanen in Westindien feindlichen -Canibalen wegzufangen und zu verkaufen, war damit dem Sklavenfang der -Stempel der Berechtigung aufgedrückt; und fünf Jahre später erhielt -eine spanische Gesellschaft die Erlaubniß, auch die Bahama-Insulaner -einzufangen, angeblich um sie so leichter zum Christenthum bekehren zu -können. Die ohnehin spärlich bewohnten Inseln waren bereits um 1525 -dermaßen entvölkert, daß der fromme Pedro de Isla die letzten Bewohner, -nur noch 11 Personen, zusammensuchen und nach Haiti bringen ließ, um -sie vor seinen Landsleuten zu retten.[203] Damit war der Urstamm der -dortigen Insulaner erloschen, und folglich aus ihrem Munde auch die -Lage von Guanahani nicht mehr zu ermitteln. - -Die neuern Historiker haben darum den einzigen noch möglichen Weg -eingeschlagen, indem sie der von Columbus in seinem Tagebuche gegebenen -Beschreibung seiner Fahrt, der Coursrichtung, den abgeschätzten -Entfernungen von einer Insel zur andern, und der Schilderung einzelner -Oertlichkeiten nachgingen. Die mancherlei Lücken des Berichts, die -offenbaren Ungenauigkeiten, die aus falscher Schätzung der Verhältnisse -entstanden, die Unklarheiten im Ausdruck haben diese kritische -Spürarbeit erschwert und die abweichenden Ansichten verursacht. -Die hauptsächlichen Meinungsverschiedenheiten sind auf der, einer -englischen Admiralitätskarte entlehnten Darstellung jenes Inselgebiets, -welche unserem Werke beigegeben ist (S. 249), zu ersehen. - -Wenn wir diese Ansichten nicht historisch, sondern geographisch ordnen, -so sehen wir, daß muthmaßlich der Schiffscours auf vier verschiedene -Inseln gerichtet ist, welche von Nordwest nach Südost in folgender -Ordnung sich aneinanderreihen: Cat Island, Watling Island, Mariguana -(oder Mayaguana), Turk Islands. - -Nach Cat Island führen den Entdecker W. Irving[204] und Alex. -v. Humboldt,[205] nach Watling der treffliche spanische -Geschichtsschreiber Muñoz[206] und Capitän Becher,[207] nach Mariguana -läßt ihn Varnhagen[208] gelangen, nach den Turk-Inseln Navarrete.[209] -Von diesen Erklärungsversuchen ist derjenige Navarretes mit Recht von -den Neueren ganz aufgegeben, weil er dem Texte des Reiseberichtes -weder nach der Beschreibung der zuerst betretenen Insel, noch in -Bezug auf die später eingeschlagenen Course entspricht. Gegen Irving -und Humboldt ist in erster Linie beizuwenden, daß Columbus nach dem -Wortlaut seines Tagebuches die Insel Guanahani thatsächlich auf der -Nordseite umsegelt hat, während nach der Vorstellung der beiden -genannten Forscher San Salvador nur an seinem Südende berührt wurde. -Ferner aber hat auch die im weitern Verlauf der Fahrt bis zur Nordküste -Cubas gedachte Courslinie ihre großen Bedenken, weil dieselbe auf -der Westküste von Long Island durch die ganze Breite der Bahamabank -führen müßte, wo an manchen Stellen die Wassertiefe wenig über einen -Faden mißt. Da Muñoz weiterhin bei der Erzählung der Fahrt zu den -andern Inseln in der Bahamagruppe nur allgemein gehaltene Vermuthungen -ausspricht über die Identität der von Columbus berührten Inseln, ohne -sich eingehend mit der Prüfung der eingeschlagenen Richtungen und -der berührten Oertlichkeiten einzulassen, so bleiben nur noch die -Hypothesen Bechers und Varnhagens zu vergleichen. Beide haben auf das -sorgsamste das Tagebuch des Columbus zu Rathe gezogen und alle darin -enthaltenen Angaben für ihre Idee zu verwerthen gesucht. Es läßt sich -nicht leugnen, daß für Varnhagen manche wichtige Momente sprechen, daß -namentlich die fast rathlos erscheinenden Kreuzfahrten zwischen den -nächst San Salvador besuchten Koralleninseln nach den Aufzeichnungen -sehr geschickt erklärt sind und zu den angegebenen Courslinien der -Schiffe passen. Allein zwei Momente von Bedeutung gestatten nicht, -daß wir uns für Varnhagen erklären. Varnhagen hält nämlich Mariguana -oder Mayaguana für San Salvador, und grade Mayaguana ist auf allen -älteren Karten, von Juan de la Cosa an, +neben+, d. h. südöstlich von -Guanahani eingetragen. Mögen nun auch die früheren Kartographen die -Umrisse der einzelnen Inseln noch so ungenau und falsch gezeichnet -haben, so ist doch bei allen die klare Ueberzeugung zu erkennen, -daß sie Guanahani und Mayaguana als zwei verschiedene Inseln wollen -betrachtet wissen. Sodann paßt auch die von Columbus gegebene -Beschreibung der Insel nicht recht auf Mariguana. Und in dieser -Beziehung trägt Bechers Ansicht entschieden den Sieg davon. Man muß -dem englischen Capitän beipflichten, wenn er sagt: „Beides, Lage und -Beschreibung dieser Insel (Watling Island) entspricht in jeder Weise -dem Journal“ (des Columbus).[210] Man kann sogar behaupten, daß nur -Watling auf die Beschreibung paßt, welche der Entdecker gegeben hat. -„Diese Insel,“ sagt er, „ist ziemlich groß und ganz flach und hat sehr -viel Bäume und viel Wasser und in der Mitte eine sehr große Lagune, -aber keine Gebirge.“ Daß die Insel Süßwasserquellen besitzt, ist nicht -gesagt.[211] Wir werden uns im Folgenden an die Auffassung von Becher -halten, ohne indeß der Ansicht zu sein, daß die Untersuchung schon -vollständig abgeschlossen sei. - - -7. Die Fahrt durch das westindische Meer. - -Von S. Salvador steuerte Columbus nach Südwesten, berührte die -kleine Insel +Rum Cay+ und wandte sich von da nach dem Nordende von -+Long Island+, welche er S. Maria de la Concepcion nannte. Westlich -davon fand er die dritte Insel, +Groß Exuma+ und gab ihr den Namen -Fernandina, zu Ehren des Königs. Widrige Winde hinderten ihn, dieses -Eiland zu umsegeln, er kehrte nach Concepcion zurück und segelte, weil -die Indianer Samaot oder Saomet als eine Localität nannten, wo man Gold -finde, an der Ostseite von Long Island südwärts bis zum Cap Verde und -suchte von hier aus, wobei die Schiffe getrennt ihren eigenen Cours -gingen, ostwärts das Land Saomet auf. Nach drei Stunden Fahrt tauchte -eine neue Insel auf: es war das gesuchte Saomet, jetzt +Crooked Insel+, -an deren Nordwestende die Schiffe sich wieder vereinigten. Sie erhielt -den Namen Isabella, nach der Königin. Im Charakter glich dieselbe den -übrigen, war schön bewaldet und etwas hügelig. Während die Schiffe -an dieser Insel kreuzten, erhielt Columbus bestimmte Nachrichten von -einer großen Insel gegen Süden. Die Indianer nannten sie Colba (Cuba), -Columbus vermuthete, es sei Cipangu. So ging er am 24. October dahin -unter Segel und wollte von da direct nach Quinsay fahren, um dem -Großkaan die königlichen Briefe zu überreichen. Er war um so mehr -überzeugt, daß er die Wunderinsel Cipangu vor sich habe, weil dieselbe -auf den Globen, die er gesehen, und auf den Weltkarten in dieser Gegend -angegeben war.[212] - -Zuerst ging die Fahrt nach Südwesten und dann, nachdem man am Abend -des 26. October auf den Untiefen der Columbusbank vor Anker gegangen -war, am folgenden Morgen südwärts. Bei Einbruch der Nacht wurde Land -gesehen; da aber der Regen in Strömen fiel, konnte man sich demselben -nur mit Vorsicht nähern. Am 28. October liefen die Schiffe in einen -prachtvollen Fluß an der Nordküste +Cubas+ ein, wahrscheinlich in -Port Nipe. Columbus strebte unaufhaltsam vorwärts; und wenn er auch -in begeisterten Worten die Pracht der entdeckten Inseln schildert, er -will doch nicht eher anhalten, als bis er in genügender Menge Gold und -Gewürze findet, um seine Schiffe damit zu befrachten, denn das ist -der einzige Zweck seiner Unternehmung. Auf Cuba entzückten ihn die -majestätischen Palmen, welche er von den afrikanischen verschieden -fand. Von den Indianern wurde ihm gesagt, man brauche zwanzig Tage, -um Cuba zu umschiffen. Es mußte demnach eine Insel sein. Als aber -der Capitän der Pinta die abweichende Ansicht äußerte, unter Cuba -müsse man eine Stadt verstehen, das vor ihnen liegende Land gehöre -zu Asien und das weiter westlich gelegene Gebiet gehöre bereits zum -Reiche des Großkaan, da ließ sich auch Columbus willig zu dieser -Auffassung, welche seinen Wünschen und Zielen so sehr entgegen kam, -bekehren und erklärte im Tagebuch bereits am 1. November: Cuba ist -das feste Land von Asien, wir befinden uns vor Quinsay und Zaiton in -einem Abstande von etwa 100 spanischen Meilen.[213] Martin Alonso, der -Führer der Pinta, war aber zu seiner irrigen Annahme durch ein Wort -der mitgenommenen Indianer verleitet, welche, als sie wiederholt die -Fundstätten von Gold nachweisen sollten, den Ausdruck ~Cuba-nacān~ -gebrauchten, was in ihrer Sprache soviel als die Mitte von Cuba -bedeuten sollte, während die Spanier das Wort als „Kaan oder Can von -Cuba“ deuteten. Später brachte Columbus auch den Ausdruck Caniba, -mit dem die furchtsamen Stämme der kleinen Inseln ihre gefährlichen -Nachbarn, welche die erschlagenen Feinde verzehrten, mehrfach -bezeichneten, mit dem „Kaan“ in Zusammenhang und meinte, unter -Canibalen seien die Unterthanen des Großkaan zu verstehen. - -In welchem Theile des indischen Meeres er damals sich zu befinden -glaubte, wird auch noch durch die befremdende Bemerkung des Tagebuches -genauer bestimmt, daß er noch keine +Sirenen+ gefunden habe. Es findet -sich nämlich auf dem Behaim’schen Globus zwischen den Inseln, welche -westlich von Cipangu gezeichnet sind, die Inschrift: „Hie findt man vil -merwunder von +serenen+ und anderen Fischen.“ Man darf wohl annehmen, -daß Behaim manche seiner Inschriften von anderen Karten, die ihm in -Portugal bekannt geworden waren, entlehnt hat, und daß dergleichen -Bemerkungen auf den Weltkarten zu lesen waren, welche der Entdecker -eingesehen hatte oder bei sich führte. - -Nach allen diesen merkwürdigen Trugschlüssen scheint es nun ganz -natürlich, daß Columbus danach strebte, sich möglichst bald mit dem -Großkaan in Verbindung zu setzen. Daher schickte er bereits am 2. -November zwei Spanier ans Land: Rodrigo de Jerez und den gelehrten -Juden Louis de Torres, der Hebräisch, Chaldäisch und sogar etwas -Arabisch verstand. Zugleich sandte er mit ihnen zwei Indianer; -gemeinschaftlich sollten sie das Land ausforschen, dem König die Briefe -aus Spanien überreichen, und sich unterwegs nach Gewürzen erkundigen, -zu welchem Zwecke ihnen sogar Proben der verschiedensten Spezereien -mitgegeben wurden. An Stelle des Geldes erhielten sie Perlenschnüre, um -sich Lebensmittel dafür einzutauschen. - -Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten, -sie seien 12 Meilen zu einem Orte von 50 Häusern und etwa 1000 -Einwohnern gekommen. Man hatte sie nach Landessitte feierlich empfangen -und in den besten Häusern untergebracht. Die Indianer küßten ihnen -Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels -hielten. Die Vornehmsten des Dorfes trugen sie auf ihren Armen zu dem -größten Gebäude und ließen sie niedersitzen; auch die Frauen erschienen -sodann und erwiesen ihnen gleiche Verehrung wie die Männer. Auf die -Frage nach Gewürzen, von denen man den Eingebornen die Proben vorlegte, -zeigten diese nach Süden, wo dergleichen Produkte gedeihen sollten. Bei -ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst -die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die -daraus gefertigten Rollen, welche man anzündete und deren Rauch man -einsog, ~tabaco~. Der Admiral fügte diesem Berichte die Hoffnung hinzu, -daß die spanischen Majestäten bald Geistliche herübersenden würden, um -die zahlreichen Völker zum rechten Glauben zu bekehren. - -Am 12. November lichtete er die Anker, um seine Entdeckungsfahrt weiter -fortzusetzen. Mit günstigem Fahrwind steuerte er an der Nordküste Cubas -weiter gegen Nordwesten. Mit Entzücken spricht er von dem Reichthum an -Gold, Perlen und Spezereien und hofft bald die großen Städte des Kaans -zu erreichen. Da sich aber die Küste immer weiter gegen Nordwesten -zog, und Columbus fürchtete, in den Winter hineinzukommen (denn nach -einer ganz fehlerhaften Beobachtung glaubte er schon bis zur Breite -von Spanien, bis zum 42° n. Br. vorgedrungen zu sein), und da ferner -seine indianischen Begleiter wiederholt die Insel Babeque als besonders -goldreich nannten und behaupteten, dieselbe liege weiter nach Osten, so -ließ Columbus am 13. November die Schiffe wenden und wieder nach Osten -steuern. Er war etwa bis zum 77½° westlich von Greenwich gelangt.[214] - -Am folgenden Tage (am 14. Nov.) glaubte er in der Nähe der zahllosen -Inseln sich zu befinden, welche auf den Weltkarten im äußersten Osten, -Asien vorgelagert, gezeichnet sind. Diese phantastische Inselwelt fand -sich also wahrscheinlich bei Toscanelli in ähnlicher Weise dargestellt, -wie auf dem Globus Behaims. Von diesen Vorstellungen war Columbus ganz -erfüllt und wie in einem Banne gefangen. Nie hat er sich von diesen -Anschauungen losmachen können und schloß dann später daraus, daß, da er -nach seiner Schätzung nicht so weit von den Canarien entfernt war, als -man nach der Darstellung der ihm vorliegenden Karten erwarten konnte, -die Erde einen geringeren Umfang besitze, als die Kosmographen auf die -Autorität der Alten hin allgemein annahmen. - -Mit widrigen Winden kämpfend ging Columbus an der Nordseite Cubas -wieder zurück nach Osten. Als er am 21. November, nahe der östlichen -Spitze der Insel, sich genöthigt sah, die Küste zu verlassen und gegen -Nordosten weit ins Meer hinauszusteuern, so daß er bereits den halben -Weg nach der Bahama-Insel Isabella zurückgelegt hatte, entfernte sich -am Abend die Pinta heimlich von den andern Schiffen, um auf eigene Hand -das goldreiche Babeque aufzusuchen. Der Admiral selbst wandte sich -wieder nach Cuba zurück. Entzückt von der Schönheit dieses Theils der -Insel schrieb er am 27. November, tausend Zeugen genügten nicht, alle -die Herrlichkeiten zu preisen, und seine Hand sei nicht im Stand, die -Wunder, die ihn umgäben, zu beschreiben. In dem milden, lieblichen -Klima, welches von demjenigen an der Guineaküste durchaus verschieden -sei, befände sich die ganze Mannschaft wohl, nicht ein Einziger sei -krank. Aber, setzt er hinzu, die spanischen Majestäten dürften keinen -Menschen, der nicht gut katholisch sei, gestatten, dies Paradies zu -betreten. „Denn das ist das Ziel der Entdeckungen gewesen, die ich -auf Befehl Ew. Maj. gemacht habe, und die nur unternommen sind, den -christlichen Glauben zu verbreiten und zu verherrlichen.“ - -Am 5. December steuerte er von der Ostspitze Cubas, dem C. Maysi, -dem er den Namen Alpha und Omega gab, weil er dasselbe für den -äußersten Vorsprung Asiens hielt, nach Haiti hinüber und erreichte -die Nordwestspitze dieser Insel am folgenden Tage. Wegen der -Aehnlichkeit mit südspanischen Landschaften benannte der Entdecker -sie Espagnola.[215] Sie schien noch herrlicher als Cuba. „Ihre Berge -und Ebenen, ihre Auen und Fluren sind so schön und üppig. Hier könnte -man alle Feldfrüchte bauen, alle Arten Vieh züchten, Städte und -Dörfer gründen. Die Küste ist reich an Häfen; die Menge und Größe der -Flüsse, von denen die meisten Gold in ihrem Sande mit sich führen, -übertrifft alles.“ Acht Tage später glaubte er ganz nahe jener Gegend -zu sein, wo die Erde die größten Reichthümer birgt, und er hoffte, -daß Gott ihn bald in die ergiebigsten Goldfelder führen werde. Dieser -lebhafte Wunsch wird zum täglichen Gebet und Stoßseufzer. Möge der -Herr nach seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Die -letzten Tage der Fahrt waren sehr mühevoll gewesen, Columbus hatte -zwei Tage lang kein Auge zugethan. Da die See ruhig geworden, begab -er sich am Abend des 24. December, erschöpft von Anstrengungen, in -seine Cajüte, um auszuruhen. Er wußte das Steuer in sicherer Hand; -aber auch der Pilot hatte das Bedürfniß nach Ruhe empfunden und -unverantwortlicher Weise die Leitung des Fahrzeuges einem Schiffsjungen -überlassen. So kam es, daß kurz vor Mitternacht die Santa Maria auf -eine Untiefe gerieth und auf eine Sandbank stieß. Auf das Geschrei -des unerfahrenen Steuermanns eilte der Admiral sofort herbei, allein -das Schiff war nicht mehr zu retten. Die bestürzte Mannschaft wollte -sich zum Theil auf die nicht weit entfernte Niña retten, fand aber, -als sie mit dem Bote dort anlangte, mit Recht keine Aufnahme, denn -das Meer war vollkommen ruhig. Als nun aber bei zunehmender Ebbe das -Hauptschiff sich stark auf die Seite zu neigen begann, ließ Columbus -den Hauptmast kappen, um das Fahrzeug zu erleichtern; aber umsonst, -das Schiff neigte sich immer mehr und füllte sich mit Wasser. Da die -Windstille glücklicherweise anhielt, wurde mit Hilfe des Capitäns der -Niña, Vicente Yañez Pinzon, nicht nur die Mannschaft des gescheiterten -Schiffes gerettet, sondern am nächsten Tage ein großer Theil der Ladung -geborgen. Hierbei halfen auch zahlreiche Indianer, mit denen Columbus -bereits in freundschaftlichen Verkehr getreten war, und deren Häuptling -Guacanagari die geretteten Sachen bewachen ließ. - -Der Admiral hielt den Schiffbruch für eine unmittelbare Fügung Gottes, -der ihn dadurch gleichsam auf die in der Nähe befindlichen, sehr -goldreichen Gebiete hinführen wolle.[216] In diesem Glauben wurde er -noch besonders durch den Namen einer Landschaft in Haiti bestärkt, -welche die Indianer Cibao nannten und welche Columbus, durch die -Aehnlichkeit des Klanges getäuscht, für Cipangu hielt. Da nun das -Volk sehr gutmüthig schien und viel Gold in der Nähe zu finden sein -sollte -- hatte man doch den Spaniern schon mancherlei goldenen -Zierat und dünne Goldblättchen gegeben --, da ferner der Boden des -Küstenlandes eine üppige Fruchtbarkeit zeigte, so beschloß Columbus -hier eine Colonie anzulegen, um so mehr, als in dem einzigen kleinen -Fahrzeuge, welches ihm noch geblieben war, die ganze Mannschaft nicht -untergebracht und nach Spanien zurückgeführt werden konnte. In diesem -Plane wurde er noch dadurch unterstützt, daß sich viele Matrosen -freiwillig erboten, zurückzubleiben, die sich schmeichelten, durch -einträglichen Tauschhandel ihre Goldgier in kurzer Frist befriedigen -zu können. So wurde auch der Admiral über den Verlust seines Schiffes -bald beruhigt und schrieb am zweiten Weihnachtstage: „Ich hoffe zu -Gott, daß ich bei meiner Zurückkunft von Castilien hieher eine Tonne -Goldes finden werde, welche die Hierbleibenden eingetauscht haben, und -daß diese inzwischen die Goldminen selbst und die Spezereien in solcher -Fülle entdeckt haben, daß, ehe drei Jahre vergehen, der König und die -Königin die Eroberung Jerusalems in Angriff nehmen können. Denn das -war -- ich bezeugte es vor Ew. Maj. -- mein Verlangen, durch meine -Unternehmung die Mittel zur Eroberung Jerusalems zu schaffen. Ew. Maj. -lachten darüber und sagten, daß ihnen das gefalle, daß sie aber auch -ohne dies bereit seien, die Entdeckungsfahrt zu unterstützen.“ Dies -sind, fügt Las Casas hinzu, die eigenen Worte des Columbus.[217] - -In der neuen Colonie, welche den Namen Navidad (Weihnachten) erhielt, -blieben 39 Spanier zurück. Am 4. Januar 1493 nahm Columbus Abschied -und steuerte der Heimat zu. Zwei Tage darauf traf er zufällig wieder -mit der Pinta zusammen, welche seit jener Zeit, wo sie im November -sich getrennt, zuerst die Insel Groß-Inagua (nördl. von dem Canal, -welcher Cuba von Haiti trennt) und dann die östlichen Theile von Haiti -besucht hatte. Hier war sie dem Admiral zuvorgekommen und hatte viel -Gold eingetauscht, für ein Stück Schnur hatte Pinzon schöne, zwei -Finger lange, selbst handgroße Goldstufen erhalten.[218] Martin Alonso -kam zum Admiral an Bord der Niña und entschuldigte sich wegen seiner -Sonderfahrt, welche nur durch die ungünstigen Verhältnisse veranlaßt -und gegen seinen Willen geschehen sei. Columbus glaubte ihm zwar nicht, -aber er zeigte sich mit der Erklärung zufriedengestellt, „um den -Lockungen des Satans nicht nachzugeben, welcher diese Reise von Anfang -an zu hindern gesucht hatte“. - -Von nun blieben beide Schiffe zusammen. Am 13. Januar fand der erste -blutige Zusammenstoß mit Indianern statt, bei welchem zwei derselben -schwer verwundet wurden. Am 16 Januar verließen sie bei dem Cap Samana -(19° 18′ n. Br., 69° 8′ w. L. Gr.) die Insel Haiti und steuerten über -den Ocean zurück. Die Fahrt ging bis zum 12. Februar ohne Unfall von -statten, aber in den folgenden Tagen überfiel sie ein heftiger Sturm. -Auf der Niña gelobte Columbus eine Walfahrt nach Loreto und Guadelupe, -je nachdem das Los einen von der Mannschaft dazu bestimmte; auch -verpflichteten sich alle, am nächsten Lande, wohin sie sich retten -würden, im Bußgewande eine Procession zu machen und der heiligen Mutter -ihr Dankgebet darzubringen. Als in der Nacht vom 13. zum 14. Februar -die Gefahr aufs höchste stieg, und die kleinen Fahrzeuge sich unter -der Wuth der Elemente kaum noch über Wasser hielten, so daß Columbus -das schlimmste fürchtete, traf er Vorkehrung, um womöglich wenigstens -eine Kunde seiner Entdeckungen nach Europa gelangen zu lassen und -ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise sorgfältig -in Segeltuch einpacken und in einem wasserdichten Kistchen verwahrt -über Bord werfen, in der Hoffnung, daß die Wellen und die Strömung -die Botschaft irgendwohin ans Gestade tragen möchten. Am 15. Februar -kam die südöstlichste der Açoren, Sa. Maria, in Sicht, aber erst am -17. konnten sie landen. Die Hälfte der Mannschaft zog in Procession -zur Kapelle der Mutter Gottes, aber der portugiesische Gouverneur der -Insel Juan da Castañeda ließ sie während der Andacht überfallen und -gefangen nehmen. Erst nach Verlauf mehrerer Tage, während welcher das -Unwetter von neuem losbrach und auf der unsichern Rhede die Schiffe von -den Ankern riß, erhielt Columbus seine Leute zurück, nachdem er den -Abgesandten des Statthalters seine königlichen Vollmachten vorgezeigt -hatte, welche ihn zu seiner Reise autorisirten. Um sich weiteren -Unannehmlichkeiten zu entziehen, ging der Admiral am 24. wieder unter -Segel; aber am 3. März Abends brach ein so wüthender Orkan los, daß die -Schiffe von einander getrennt und der Segel beraubt ein willenloser -Spielball der aufgeregten Elemente wurden. Glücklicherweise beruhigte -sich die See am andern Morgen, je näher sie dem Lande kamen und zu -ihrem großen Entzücken erkannte die Mannschaft in der hochaufsteigenden -Küste das Cintragebirge an der Mündung des Tajo. Das Schiff des -Columbus gelangte glücklich in den Hafen von Lissabon, wo sich die -Kunde von der staunenswerthen Reise, welche durch das Erscheinen -der mitgenommenen Indianer beglaubigt wurde, rasch verbreitete und -gewaltiges Aufsehen machte. Das portugiesische Wachtschiff verlangte, -Columbus solle an Bord kommen und über sein Unternehmen Auskunft geben; -dieser aber, im Bewußtsein seines hohen Ranges als castilischer Admiral -lehnte die Forderung ab und sandte nur seine königlichen Vollmachten. -Sofort wurde dem Könige Johann II., welcher sich in Valdeparaiso bei -Santarem, oberhalb Lissabon am Tajo aufhielt, die Nachricht von dem -großen Ereigniß überbracht, und dieser lud den glücklichen Entdecker -ein, an den Hof zu kommen. In der am 9. März stattfindenden Audienz -wurde Columbus freundlich empfangen, wenn auch der König äußerte, daß -nach den wiederholten Schenkungen der Päpste und den Verträgen mit -Castilien die neuentdeckten Länder von Rechtswegen ihm gehören müßten. -Aus solchen Aeußerungen glaubten einige Hofleute entnehmen zu dürfen, -daß sie ihrem Könige einen großen Gefallen erwiesen, wenn sie den -Genuesen beseitigten. Sie erboten sich, mit demselben wie von ungefähr -Händel anzufangen und ihn zu tödten, um so die Entdeckung für immer zu -vernichten. Aber der König wies solches Ansinnen entschieden zurück -und entließ seinen Gast unter Gnadenbezeugungen. -- Columbus segelte -am 13. März von Lissabon ab und langte nach zwei Tagen glücklich an -der Barre von Saltes vor Palos an. An demselben Tage kam auch Alonso -Pinzon mit seinem Schiffe dahin zurück. Er war nach der Nordwestküste -Spaniens, nach Galicien verschlagen worden, hatte von dort aus die -erste Kunde der glücklichen Heimkehr an den König von Spanien gelangen -lassen und um Audienz gebeten, war aber dahin bedeutet worden, daß er -nur im Gefolge seines Admirals zu erscheinen habe. Diese Zurücksetzung -kränkte ihn so tief, daß er bald darauf starb. Unzweifelhaft war er -der bedeutendste unter den Begleitern des Columbus, was schon daraus -hervorgeht, daß er auf eigne Hand auf Entdeckungen ausging, indem er -sich von Columbus trennte, wenn auch nicht geleugnet werden darf, -daß er durch dieses eigenmächtige Verfahren den Erfolg der kühnen -Unternehmung im ganzen in Frage stellte. Erst später hat die spanische -Krone diese Verdienste anerkannt, indem sie die Nachkommen Alonso’s in -den Adelsstand erhob. - -Unter dem Jubel des Volkes zog Columbus in Palos ein und ging von da -nach Sevilla. Durch Eilboten wurden die kgl. Majestäten, welche zu -jener Zeit in Barcelona Hof hielten, von der glücklichen Heimkehr und -dem glänzenden Erfolg der Expedition in Kenntniß gesetzt. Durch ein -königliches Schreiben vom 30. März wurde der Entdecker eingeladen -nach Barcelona zu kommen; zugleich wurde die Ausrüstung einer großen -Flotte nach dem Wunsche des Admirals angeordnet und ihm selbst die -Ertheilung der verheißenen Titel und Würden zugesagt. Mit allen -Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten Indiens, welche er auf seiner -Fahrt gesammelt hatte, und mit einigen der entführten Indier brach -Columbus von Sevilla auf und zog wie im Triumphzuge durch ganz Spanien. -Die Kunde von den unerhörten Entdeckungen flog durchs Land, überall -strömte das Volk zusammen, um den Bezwinger des Oceans zu sehen und -seine Wunderdinge anzustaunen. So zog er in der Mitte des April in -Barcelona ein.[219] Bei Hofe wurden ihm die höchsten Ehren zu Theil, -in öffentlicher Audienz lud man ihn ein sich zu setzen, was als die -höchste königliche Gnadenbezeugung galt,[220] und von seiner Fahrt -zu erzählen. Da Columbus gegen Ausgang und zum Schluß seiner Reise -zwei ziemlich gleichlautende Berichte in Briefform über den Erfolg -seiner Entdeckungsfahrt abgefaßt und dieselben, den einen „auf der -Höhe der Canarischen Inseln,“ am 15. Februar 1493 unter der Adresse -des Geheimsecretärs Luis de Sant-Angel[221] an den König und die -Königin gerichtet und den andern von Lissabon aus am 14. März an den -königlichen Schatzmeister Rafael Sanchez[222] gesandt hatte, und da in -diesen Schreiben der Gesammtgewinn der Unternehmung zusammengestellt -ist, so darf man wohl annehmen, daß der mündliche Bericht an die -Majestäten in ähnlicher Weise, wenn vielleicht auch in glühenderen -Farben und in wärmeren Worten erfolgt ist. Jedenfalls lernen wir aus -jenen Schreiben die Anschauungen und Hoffnungen des Admirals deutlich -erkennen. Daß er wirklich im indischen Meere gewesen, bezweifelt er -keinen Augenblick. Wenn auch die volkreichen Städte und Seeplätze -mit ihren Gewürzfrachten, die im äußersten Asien liegen, noch nicht -gefunden sind, so haben doch die großen neuentdeckten Inseln so viele -werthvolle Produkte, und verheißen in ihren goldführenden Flüssen eine -so reiche Ernte des edelsten Metalles, daß das zweite Ziel und die -zweite Aufgabe, welche der Entdecker sich gestellt hat, das heilige -Land wieder zu gewinnen, bald wird in Angriff genommen werden können. -So viel steht fest, daß die Zweifler und Spötter verstummen werden -„denn Gott hat auf so wunderbare Weise alles bestätigt, was ich -behauptet habe gegenüber den Meinungen hochgestellter, einflußreicher -Persönlichkeiten, welche meinen Plan für Träumerei und mein Vorhaben -für ein Hirngespinnst hielten“. „Aber daß dieses große Unternehmen -so glänzend verlaufen, ist nicht mein Verdienst, sondern dasselbe -gebührt dem heiligen katholischen Glauben und der Frömmigkeit unserer -Monarchen, weil, was der menschliche Geist nicht zu fassen vermag, -doch der göttliche Geist den Menschen gibt. Denn es erhört Gott die -Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann, wenn -sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen. So habe -auch ich Erfolg gehabt in meinem Unternehmen, welches bis jetzt -menschliche Kraft überstieg; denn wenn bisher einige über diese Inseln -geschrieben oder gesprochen haben, so geschah es doch nur in der Form -von Muthmaßungen, da noch niemand dieselben gesehen hatte, so daß das -ganze fast für Fabel gehalten wurde. Deshalb mögen nun der König und -die Königin, die Fürsten und ihre glücklichen Staaten, so wie alle -anderen Länder der Christenheit, wir alle, dem Erlöser unserm Herrn -Jesu Christo danken, daß er uns einen solchen Sieg verliehen hat. Es -mögen Processionen begangen und heilige Feste gefeiert, die Tempel mit -grünen Zweigen geschmückt werden. Christus mögen auf Erden jubeln, -wie im Himmel, wenn er so vieler Völker bis hieher verlorene Seelen -gerettet sieht. Auch wir wollen uns freuen über die Erhöhung unseres -Glaubens, über den Zuwachs an weltlichen Gütern, an denen in Zukunft -nicht blos Spanien, sondern die ganze Christenheit theilhaben wird.“ - -[Illustration: +Die erste Flugschrift, welche die Kunde von der -Entdeckung Amerikas brachte.+ - -Original im brit. Museum. - -Ein Brief des Christoforus Colonus, dem unsere Zeit viel verdankt: -Von den neulich entdeckten Indischen Inseln jenseit des Ganges. -Um dieselben aufzusuchen war er acht Monate früher unter den -Auspicien und auf Kosten des unüberwindlichsten Königs Ferdinand von -Spanien ausgesendet. Der Brief ist an den Schatzmeister desselben -durchlauchtigsten Königs, an Raphael Sanxis gerichtet, und durch -den edlen und gelehrten Aliander de Cosco aus dem Spanischen ins -Lateinische übersetzt: am 29. April 1493 im ersten Jahre des Papstes -Alexander VI. (Gedruckt in Rom.)] - -[Illustration: Titel des ersten deutschen Flugblattes, welches die -Entdeckung Amerikas meldet.] - -[Illustration: Schluß des deutschen Flugblattes. - -Nach dem Original in der Staatsbibliothek in München.] - -[Illustration: Anfang des Berichts über die ersten Entdeckungen, nach -dem ersten deutschen Flugblatte. - -Nach dem Original in der Staatsbibliothek in München. - -Dieser Bericht enthält eine freie Uebersetzung des lateinischen -Briefes, dessen Anfang Seite 262 gegeben ist. Ein merkwürdiger -Uebersetzungsfehler ist bei der Wiedergabe des Namens der vierten Insel -begangen, indem man statt Hysabella oder Isabella Isla bella las und -durch „schöne Insel“ übersetzte.] - -Seine schwärmerische Begeisterung, welche der Admiral auch bei dieser -Gelegenheit zur Schau trug, mochte recht wohl zu dem eignen Entzücken -über die herrliche Natur der neuentdeckten Welt passen und dem beredten -Munde des heimgekehrten Helden Ohr und Herz aller Hörer zuwenden. Aber -wenn dann die praktischen, nüchternen Fragen herantraten: wo auf der -Erde liegt das neue Indien, wie groß sind die bedeutendsten Inseln, -dann mußte doch manchem kritischen Geiste hie und da ein Bedenken über -die Zuverlässigkeit der Angaben und die Sicherheit der Behauptungen -des Columbus auftauchen, zumal derselbe nicht im Stande gewesen war, -eine Karte der entdeckten Gebiete zu entwerfen. An der Küste von Cuba -war er nach seiner Meinung 107 Leguas in gerader Linie von Osten nach -Westen entlang gefahren, ohne das westliche Ende erreicht zu haben; -und doch liegt sein Cours nur zwischen 78 n. 74 w. v. Gr. Die Länge -der Nordküste Haitis schätzte er gar auf 138 Leguas, während die von -ihm besegelte Nordseite der Insel in der That in grader Richtung -nur 60 geogr. Meilen lang ist. Aus diesen Irrthümern erwuchsen die -Ueberschätzungen der Größe jener Inseln. Cuba war demnach größer als -England und Schottland zusammen, Haiti größer im Umfange als ganz -Spanien von Catalonien herum bis nach Fuentarabia in Biscaya. Cuba -galt ihm, trotz der bestimmten Erklärung der befragten Insulaner, -für das Festland von Catayo, Haiti für Cipangu, oder, wie P. Martyr -angibt, auch wohl für das Salomonische Ophir. Dazu kommen noch die ganz -unbegründeten Breitenangaben dieser Inseln, die Nordküste Cubas soll -unter 42° n. Br., der Westen Haitis unter 34°,[223] der Osten unter 26° -n. Br. liegen, wenn er die letzte Bestimmung auch nur als Vermuthung -gibt.[224] Vor allem aber konnte ihm mit Recht eingewendet werden, daß -er nicht gehalten, was er versprochen, daß er Katai nicht erreicht, -daß er die eigentlichen Gewürzländer nicht gefunden habe und daß die -geringen Goldproben und die zweifelhaften Gewürze die rege gemachten -Erwartungen nicht befriedigen könnten. - -Darum schreibt auch Peter Martyr kaum einen Monat nach jenem -großartigen Aufzuge und Empfang in Barcelona an den Grafen Boromeo -ziemlich nüchtern: „Bald darauf (nämlich nach dem Mordanfall gegen den -König Ferdinand im December 1492) kehrte von den westlichen Antipoden -ein gewisser Cristóbal Cólon zurück, ein Ligure, welcher von meinen -Monarchen nur mit Mühe zur Reise nach jener Gegend drei Fahrzeuge -erhalten hatte, weil, was er behauptete, als Fabel erschien. Er kam mit -vielen werthvollen Dingen heim und brachte namentlich Proben von Gold -mit, welches jene Länder von Natur liefern. Doch lassen wir so fern -liegende Dinge bei Seite.“[225] - -In einem späteren Briefe vom 1. October 1493 an den Erzbischof -von Braga bemerkt derselbe fleißige Schriftsteller, Colon habe -mehrere Inseln entdeckt an einem Gestade, das er für das indische -halte. Angeblich seien es dieselben, welche nach den Kosmographen -(Toscanelli?) in dem Ostmeere von Indien liegen sollten. „Ich will das -nicht ganz in Abrede stellen; allein die Größe des Umkreises der Erde -scheint zu einer andern Annahme führen zu müssen. Doch gibt es Leute, -welche meinen, daß die Entfernung zwischen der spanischen Seeküste und -dem Gestade Indiens nur gering sei.“[226] - -Manche Irrthümer des Columbus wurden auch bald von der Kritik -berichtigt oder zu berichtigen gesucht. So sagt Martyr, daß wenn man -die Karten genau prüfe, Haiti in der Gegend der Antillen, aber nicht -bei Asien liegen müsse,[227] und daß der Admiral die Größe dieser Insel -übertrieben habe.[228] - -Zunächst aber stand Columbus in der Gunst der Monarchen so fest und -wurde so mit Ehren überhäuft, daß auch die kühleren Herzen sich mit -ihm zu befreunden beflissen waren. So stand auch Peter Martyr bald mit -dem berühmten Entdecker, dem Granden Spaniens, in Briefwechsel und -bezeichnete ihn nicht ohne Eitelkeit als seinen intimen Freund. - -Am 28. Mai 1493 erhielt Columbus eine neue Bestätigung seiner -ausbedungenen Privilegien und Gerechtsame als Admiral und Vicekönig -und ein Wappen verliehen, in welchem außer seinem Familienwappen die -Wappen von Castilien und Leon und goldene Inseln in blauen Meereswogen -enthalten waren. Fünf Anker waren das Abzeichen seiner Admiralswürde -und die Umschrift lautete: ~A Castilla y a Leon Nuevo Mondo dió Colon~. -(Columbus gab Castilien und Leon eine neue Welt.) - - -8. Die Demarcationslinie. - -Dann beeilte man sich, den Papst Alexander VI. für die Pläne -weiterer Entdeckungen und der damit zu verbindenden Ausbreitung des -Christenthums zu gewinnen. Man mußte vor allem gesichert sein vor -den Ansprüchen der Portugiesen, denen bereits zu wiederholten Malen -durch päpstliche Erlasse alle neuen Erwerbungen in Afrika und Indien -sanctionirt und monopolisirt waren. So gelang es auch schon im Mai -1493, die gewünschte Concession von Seiten des Papstes zu erhalten. -Die darauf bezüglichen Decrete sind vom 3. und 4. Mai datirt, in denen -natürlich die Verkündigung der christlichen Lehre unter den Indianern -als ein Gott wohlgefälliges Werk vorangestellt wurde. „Da nun,“ heißt -es weiter, „Columbus gewisse weit entlegene Inseln und Festländer -(~terras firmas~ mit Anspielung auf Cuba), welche bisher noch nicht -gefunden waren, entdeckt hat, so geben wir aus freier Bewegung, ohne -Euren (d. h. der spanischen Monarchen) oder irgend jemandes Antrieb, -und aus apostolischer Machtvollkommenheit, Euch alle diese neu -entdeckten und neu zu entdeckenden Inseln und Länder, so weit sie noch -keinem christlichen König gehören, Euch und Euren Erben und verbieten -allen anderen, bei Strafe der Excommunication, dahin zu fahren und -ohne Eure Erlaubniß Handel zu treiben.“ Da aber bei der zu allgemein -gehaltenen Erklärung doch Verwicklungen und Streitigkeiten mit der -portugiesischen Krone entstehen konnten, wenn die Entdeckungsbereiche -beider Mächte nicht genauer abgegrenzt wurden, so wurde in einem -Decret vom folgenden Tage, vom 4. Mai, noch eine +Demarcationslinie+ -eingefügt und bestimmt, daß eine meridional gezogene Linie, welche -hundert Leguas westlich jenseits der Açoren und Caboverdischen Inseln -vom Nordpol zum Südpol laufe, beide Nationen in ihren Unternehmungen -von einander halten solle.[229] Die westliche Erdhälfte solle spanisch, -die östliche dagegen portugiesisch sein. Es sollte also der Erdball wie -ein Apfel halbirt, und jedem Staate eine Hemisphäre zugewiesen werden. -Warum man die Scheidelinie hundert Meilen westlich von den bisher -bekannten westlichen Inseln verlegte, darf wohl auf die Ansichten -und Beobachtungen des Columbus zurückgeführt werden, welcher an der -genannten Linie glaubte ein wesentlich anderes Klima, und den Anfang -eines neuen Himmels und einer neuen Erde gefunden zu haben. - -„Ich erinnere mich,“ schreibt der Entdecker 1498, „daß, so oft ich nach -Indien segelte, 100 Leguas westlich von den Açoren sich die Temperatur -änderte, und daß dies überall von Norden nach Süden stattfand.“ An -einer späteren Stelle desselben Berichtes kommt Columbus noch einmal -auf dasselbe Thema zurück. „Wenn ich von Spanien nach Indien segelte, -fand ich, sobald ich hundert Meilen (Leguas) westlich von den Açoren -zurückgelegt hatte, eine sehr große Veränderung am Himmel und den -Gestirnen, in der Temperatur der Luft, in dem Wasser des Meeres, und -ich habe diese Erscheinungen mit großer Sorgfalt beobachtet. Ich -bemerkte, daß wenn man die genannten 100 Leguas vor den genannten -Inseln passirt, von Norden nach Süden, die Compaßnadeln, welche bisher -nach Nordosten abwichen, sich nun einen vollen Viertelwind[230] nach -Nordwesten wandten, und daß dies stattfand von der Zeit an, wo ich jene -Linie erreichte. Und zur selben Zeit trat eine Erscheinung ein, als -wenn eine Erhöhung der Erde sich hier fände; denn ich fand die See ganz -mit einem Kraut überdeckt, welches Tannenzweigen glich und Früchte wie -vom Mastixbaum trug und zwar so dicht, daß ich auf meiner ersten Reise -meinte, es sei eine Untiefe, und die Schiffe müßten auflaufen. Sobald -wir jenen Strich erreicht hatten, fand sich nicht ein Zweig mehr. Auch -bemerkte ich, daß an diesem Punkte das Meer ruhig und glatt und fast -nie von einem Winde bewegt war. Desgleichen fand ich, daß von derselben -Linie an, gegen Westen, die Temperatur immer milde war, und daß Sommer -und Winter sich wenig unterschieden.“[231] - -„Diese Stelle,“ bemerkt A. v. Humboldt,[232] „enthält Ansichten der -physischen Erdkunde, Bemerkungen über den Einfluß der geographischen -Länge auf die Abweichung der Magnetnadel, über die Inflexion der -isothermen Linien zwischen den Westküsten des alten und den Ostküsten -des neuen Continents, über die Lage der großen Sargasso-Bank in dem -Becken des atlantischen Meeres, und die Beziehungen, in welchen dieser -Meeresstrich zu dem über ihm liegenden Theile der Atmosphäre steht. -Irrige Beobachtungen der Bewegung des Polarsternes in der Nähe der -açorischen Inseln hatten Columbus schon auf der ersten Reise, +bei -der Schwäche seiner mathematischen Kenntnisse+, zu dem Glauben an -eine Unregelmäßigkeit in der Kugelgestalt der Erde verführt. In der -westlichen Hemisphäre ist nach ihm die Erde „angeschwollener“, die -Schiffe gelangen allmählich in größere Nähe des Himmels, wenn sie an -den Meeresstrich kommen, wo die Magnetnadel nach dem wahren Norden -weist; eine solche Erhöhung ist die Ursache der kühleren Temperatur. -Wenn man dazu erwägt, daß Columbus gleich nach seiner Rückkehr von der -ersten Entdeckungsreise die Absicht hatte, selbst nach Rom zu gehen, -um, wie er sagt, dem Papste über alles, was er entdeckt, Bericht -abzustatten; wenn man der Wichtigkeit gedenkt, welche die Zeitgenossen -des Columbus auf die Auffindung der +magnetischen Curve ohne -Abweichung+ legten, so kann man wohl eine von mir zuerst aufgestellte -historische Behauptung gerechtfertigt finden, die Behauptung, daß -der Admiral in dem Augenblick der höchsten Hofgunst daran gearbeitet -hat, +die physische Abgrenzungslinie in eine politische verwandeln zu -lassen+.“ - -Es ist klar, daß die von Columbus auf einer Meridianlinie -zusammengelegten großen Unterscheidungsmerkmale der östlichen und -westlichen Welt einen ungeheuren Eindruck auf den Entdecker machen -mußten, und daß er die Hemisphäre jenseit der 100 Seemeilen, von -den Açoren ab, für die in den alten Weissagungen genannte und durch -ihn zuerst betretene „neue Erde“ ansah, von welcher er auch keinen -Fußbreit abtreten möchte. Die Merkmale schienen ja auch zahlreich -und sicher genug zu sein, um eine erkennbare Scheidelinie zu bilden. -Der entschiedene Ausspruch des Entdeckers, daß eine so auffällige -Veränderung am Himmel und auf der Erde hundert Leguas westlich von den -Açoren sich zeige, konnte dem Papste genügen. Wenn es in dem Erlasse -auffälligerweise heißt, die Linie soll 100 Meilen westlich von jeder -beliebigen (~qualibet~) Insel der Açoren +oder+ Capverden gelegt -werden, so wird auch dabei unentschieden gelassen, welche Gruppe und -welche Insel die westlichste ist. Gegenwärtig wissen wir, daß die -westliche der Capverden beinahe 6 Meridiangrade weiter östlich liegt -als die äußerste der Açoren; in jenen Tagen, wo bekanntlich noch alle -Mittel fehlten zu einer exacten Längenbestimmung, war diese Frage noch -nicht entschieden. Und eben bei der Unmöglichkeit, die nach den Angaben -des Columbus postulirte Demarcationslinie wirklich ermitteln zu können, -sahen sich die beiden Seemächte bald in die Lage versetzt, mit einander -in Unterhandlungen zu treten, um diesen Unklarheiten, als möglicher -Ursache unendlicher Streitigkeiten, baldigst eine Grenze zu setzen. -Denn wie sehr der portugiesische Monarch über seine vermeintlichen -Rechte in Bezug auf den Ocean wachte, sieht man daraus, daß er, kurz -nachdem er Columbus entlassen hatte, dem Hof in Spanien seine vom Papst -sanctionirten Entdeckungsräume nachweisen ließ und sogar mit dem Plane -umging, eine Flotte nach der neuen Welt zu entsenden. Seine Gesandten -Pedro Dias und Ruy de Pina verlangten in Spanien den Parallelkreis -der Canarischen Inseln als Grenze oder Demarcationslinie. Die Spanier -sollten nur nördlich von dieser Inselgruppe über den westlichen Ocean -segeln und also nur außerhalb der Tropen sich auch in den neuentdeckten -Gewässern bewegen dürfen. Man wünschte sie von allem Eindringen in -die heiße Zone fern zu halten. Lope de Herrera ging wiederum als -Gesandter Spaniens nach Lissabon. So schienen sich durch das Hin- und -Wiedersenden der Botschafter die Verhandlungen verschleppen zu wollen, -als durch ein anderweites Ereigniß der politische Einfluß Spaniens -bedeutend hervortrat und dadurch ein Druck auf Portugal ausgeübt -wurde, welcher es zu unerwartetem Nachgeben geneigt machte. Spanien -hatte nämlich von Frankreich die Rückgabe der Grafschaften Roussillon -und Cerdaigne erlangt. Damit war eine wichtige Streitfrage erledigt, -Spanien hatte keinen äußeren Feind mehr zu fürchten und konnte, falls -Portugal noch länger gerechten Anforderungen widerstreben sollte, wenn -es sein mußte, die Entscheidung der wichtigen maritimen Frage dem -Schwerte anvertrauen. - -So kam denn am 7. Juni 1494 der berühmte Vertrag von Tordesillas (in -Altcastilien am Duero, südwestlich von Valladolid, wo Columbus 12 Jahre -später starb) zustande, in welchem die Monarchen Spaniens zunächst die -Gerechtsame des Nachbarstaats auf Guinea u. s. w. in vollem Umfange -anerkannten und ferner zugaben, daß die Demarcationslinie 270 Leguas -über die anfänglich vom Papste genehmigte Grenze hinaus, nämlich auf -370 Leguas westlich von den Capverden verlegt wurde. Nach unserer -jetzigen Kenntniß von dem Unterschiede der Lage der westlichen Açoren -und westlichsten Capverden können wir hinzufügen, daß der von Spanien -noch eingeräumte Meridiangürtel von 270 Leguas sich noch weiter um -mindestens 90 Leguas verminderte, weil man nach dem neusten Vertrage -nur von den Capverden ausging und die Açoren nicht weiter in die -Streitfrage hineinzog. - -Da nun der von Columbus über den Ocean zurückgelegte Weg von den -Canarien aus mindestens 600 Leguas bis zu den neuen Inseln betrug, so -konnte man unbedenklich den mittleren Strich des atlantischen Ocean -preisgeben. Was man auf dieser Seite aufgab, erhielt man natürlich, -da die Theilungslinie auch über die andere noch unbekannte Erdhälfte -hinweglief, auf jener Seite, im Westen wieder. Und gerade hier sollte -sich später den Spaniern ein ganz unerwarteter Gewinn zeigen, als -es nach Entdeckung der eigentlichen Gewürzinseln fraglich wurde, ob -dieselben auf spanischer oder portugiesischer Hemisphäre lägen. Wir -werden darüber noch im Verfolg der Weltreise Magalhães’ zu berichten -haben. Vorläufig war in dem Vertrag auch noch die Frage offen -gelassen, auf welche Weise die Demarcationslinie festzulegen sei, ob -durch eine Gradbestimmung oder auf eine andere Weise, „wie es sich -am genauesten werde berechnen lassen“. Innerhalb der nächsten zehn -Monate nach Ratification des Vertrages sollten von beiden Parteien -eine oder zwei Caravelen oder auch noch mehr, je nach Uebereinkommen, -auf Gran Canaria zusammenkommen, um durch Piloten und Astronomen, -von beiden Seiten gleich viel Personen, die Grenzlinie zu fixiren. -Diese Commission sollte von Canaria sich nach den Capverden begeben -und von da 370 Leguas weit westwärts segeln, um dann die Entfernung -entweder durch Schiffstagereisen oder sonst wie zu bestimmen. Diese -von beiden Parteien gemeinschaftlich bestimmte Linie sollte dann -für alle Zeiten gültig bleiben.[233] Allein diese Expedition kam -nie zustande, vielleicht weil beiderseits keine Autoritäten sich -fanden, welche mit Sicherheit die gewünschte Demarcation anzugeben -wagten. Ueber diese Linie war man auch noch 20 Jahre später ebenso -im Unklaren. Peter Martyr erzählt,[234] wie er in Burgos die Karten -der neuen Entdeckungen, nach den Aufnahmen des Amerigo Vespucci, -Bartolomeo Colon, Juan de la Cosa, Morales und anderer Castilier, auch -auf einem Globus die Entfernungen geprüft und mittelst eines Zirkels -den Abstand von der Westspitze Portugals und von den Capverden bis -zur Theilungslinie und weiter bis zu den Küsten Brasiliens gemessen -habe; aber die Karten stimmten nicht genau überein und nahmen die -Küstenabstände der alten und neuen Welt verschieden an, so daß also ein -entscheidendes Urtheil nicht gefällt werden konnte. - -Wenn auch im atlantischen Ocean kein streitiges Object lag, so mußte -doch die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit der Demarcationslinie -nothwendigerweise in Südamerika noch wieder zu Differenzen führen. - - -9. Die zweite Reise des Columbus. - -Inzwischen war aber bereits der Admiral des indischen Meeres mit einer -stattlichen Flotte zum zweiten Male über den Ocean gesegelt, ohne -den Abschluß der Verhandlungen abwarten zu können. Juan Rodriguez -de Fonseca erhielt die Leitung der indischen Angelegenheiten und -mußte, wenn auch widerstrebend, allen Forderungen des Columbus -bezüglich der Ausrüstung einer großen und theuren Flotte nachgeben, -welche aus 14 Caravelen und drei großen Lastschiffen bestand und -1200 Bewaffnete und Reiter mit an Bord nahm. Es waren Vorkehrungen -getroffen, die europäischen Hausthiere in genügender Anzahl nach -Westindien zu verpflanzen, sowie Getreide, Gemüse und Weinreben -anbauen zu können. Es war nicht mehr ein bloßes Entdeckungsgeschwader, -sondern eine Flotte mit Auswanderern; denn es galt die thatsächliche -Besitzergreifung der neuen Welt. Columbus wollte nicht allein Admiral -des Meeres sein, sondern auch den andern Theil seines neuen Titels -„Vicekönig“ durch Gründung von Colonien verwirklichen. Ein großes -Gefolge von Beamten und Soldaten mußte diesen Plan unterstützen. Als -Geistlicher wurde Fray Bernardo Boïl, ein Benediktiner von Monserrat -in Catalonien, mitgegeben, welcher von Rom aus zum apostolischen Vicar -in den neuen Ländern ernannt worden war. Auch war der spanische Adel -in diesem Seezuge vertreten: Alonso de Hojeda, Juan Ponce de Leon, -der Entdecker Floridas, sowie die späteren Statthalter von Cuba und -Jamaica, Diego Velasquez und Juan de Esquivel nahmen an dem Zuge -theil, welcher ebensowohl glänzenden Gewinn als die mannigfachsten -Abenteuer in Aussicht stellte. War dann an geeignetem Platze die -erste Niederlassung, in größerem Maßstabe als bei der ersten Fahrt -in Navidad, begründet, dann wollte Columbus seine an der Küste Cubas -abgebrochenen Entdeckungen wieder aufnehmen und nicht blos bis nach -Cipangu und Katai zu den Weltmärkten Ostasiens vordringen, sondern wo -möglich von da aus, in derselben Richtung weiter steuernd, den Erdball -umkreisen. Es war also auch eine Erdumsegelung geplant, welche der -Admiral um so eher auszuführen hoffte, weil er nach den auf der ersten -Reise gemachten Beobachtungen überzeugt war, die Erde sei nicht so -groß, als die Astronomen und Kosmographen behaupteten. - -Am 25. September 1493 brach die Flotte von der Bucht von Cadix auf -und steuerte zunächst nach den Canarischen Inseln. Wir besitzen über -diese Expedition den Bericht eines Augenzeugen, des Doctor Chanca aus -Sevilla, welcher als Arzt die Fahrt mitmachte und in objectiver Weise -seine Beobachtungen aufgezeichnet hat.[235] - -Am 2. October erreichte die Flotte Gran Canaria und mußte hier und -später auch in Gomera einlaufen, weil eines der Schiffe leck geworden -war und ausgebessert werden mußte. Erst am 13. October stach man von -Ferro aus in See, durchschnitt in 20 Tagen den atlantischen Ocean, -wobei Columbus einen südlicheren Weg einschlug, als auf der ersten -Fahrt. - -Am 3. November, am ersten Sonntage nach Allerheiligen, entdeckte man, -unter dem allgemeinen Jubel des Schiffsvolks, das erste Land. Die -Piloten schätzten die Entfernung von Ferro auf 780 bis 800 Leguas. -Rechts neben der ersten Insel wurde noch eine andere sichtbar. Jene -war hoch und gebirgig, diese flach, aber dicht bewaldet. Als es -heller Tag wurde, erschienen auf beiden Seiten noch andere Inseln. -Die zuerst gesehene erhielt den Namen +Dominica+. Dieselbe liegt in -der Mitte der Reihe der kleinen Antillen, zwischen 15 und 16° n. Br. -Columbus erreichte also auf dieser Fahrt die westindischen Inseln an -einem Punkte, welcher 8 bis 9 Breitengrade südlicher lag, als bei -seiner ersten Unternehmung. Dominica bot aber keinen Hafen, und so -steuerte die Flotte nach der zweiten nördlicheren Insel, welche nach -dem Admiralschiffe den Namen +Maria galante+ erhielt. Hier stieg -der Flottenführer ans Land und nahm, mit dem spanischen Banner in -der Hand, von der Insel Besitz. Dieselbe schien aber unbewohnt. Der -nächste Tag führte die Entdecker nach der Doppelinsel +Guadalupe+. -Einem Versprechen zufolge, welches Columbus den Mönchen des Klosters -von Guadalupe in Estremadura gegeben, erhielt die Insel den neuen -Namen. Von der See aus bot sie einen großartigen Anblick dar: vom -hohen Gebirge stürzte sich ein prachtvoller Wasserfall ins Thal herab. -Die Landung erfolgte bei mehreren verlassenen Hütten, in denen man -Lebensmittel und viel, zum Theil verarbeitete Baumwolle fand, aber -auch Menschenknochen. Die Insel war also von Menschenfressern bewohnt. -„Menschenfleisch ist ihr bestes Essen, Knaben werden verschnitten und -zu Festmahlen aufgemästet.“ Von einzelnen gefangenen Insulanern erfuhr -man, daß die Bewohner Cariben hießen. Man deutete den Namen auf Canib -und dachte sich die Leute als Unterthanen des Großchanes, nach dessen -Lande man suchte. So entstand durch Misverständniß und falsche Deutung -bald die Bezeichnung der Canibalen für die wilden Stämme, welche ihre -Mitmenschen verzehrten. Bei dem Verkehr mit den Indianern leisteten -die auf der ersten Entdeckungsreise entführten Bahama-Insulaner -als Dolmetscher wesentliche Dienste. Leider waren von den sieben -Mitgenommenen nur noch zwei am Leben geblieben. Die Canibalen zeigten -offenbar eine höhere Entwicklung als die an Hilfsmitteln armen -Bahama-Indianer und verstanden auch bessere Häuser zu bauen. Die -einheimischen Freien und die von andern Inseln weggefangenen und zu -Sklavinnen gemachten Weiber unterschieden sich durch Bänder von -gewebter Baumwolle, welche am Knie und Fußgelenke getragen wurden. Die -Sklavinnen ließen sich von den Fremdlingen leicht gefangen nehmen, oder -kamen auch wohl aus freien Stücken zu den Schiffen. Von ihnen erfuhr -man auch, daß die weiterhin entdeckte Insel +Monserrat+ durch die -Cariben erst entvölkert worden sei. Sodann gelangte man zu den Inseln -+Sa. Maria la Redonda, Sa. Maria la Antigua, San Martin+. Sie erhielten -ihre Namen nach den spanischen Kirchen, in denen man besondere Gelübde -gethan hatte. Dann folgte am 15. November die Entdeckung von +Sa. Cruz, -Sa. Ursula+ und +der 11,000 Jungfrauen+, und endlich tauchte die schöne -und fruchtbare Insel +Puerto rico+, die östlichste der großen Antillen, -vor den Augen der Entdecker auf. Die Eingebornen nannten sie Burequen -oder Burenquen,[236] der von Columbus zuerst gegebene Name „San Juan -Bautista“ fand nicht lange Verbreitung. Hier lebten keine Cariben mehr. - -Von dieser Insel aus erreichte das Geschwader am 22. Nov. die Insel -Hispaniola; derjenige Theil der Küste, wo man zuerst landete, hieß -Haiti. Aber man verweilte nicht lange, sondern strebte der Ansiedlung -Navidad zu, welche man nach der Meinung des Admirals in blühendem -Zustande und vielleicht auch schon im Besitz reichlichen Goldes, -welches von den Indianern so leicht zu erlangen war, anzutreffen -wähnte. Aber es sollte bald eine furchtbare Enttäuschung eintreten. -Das Vorspiel dazu bot sich ihnen im Hafen von Monte Christi, 12 Meilen -von Navidad, dar. Zuerst fand man zwei Leichen nicht weit vom Strande -im hohen Grase, unbekleidet und bereits unkenntlich geworden; von -denen trug die eine noch einen Strick um den Hals, die andere um die -Füße. Am zweiten Tage wurden noch zwei Leichen entdeckt, von denen -eine durch ihren großen Bart auffiel; ein sehr verdächtiges Zeichen, -weil die Insulaner sämmtlich bartlos waren. Am Abend des 27. November, -kurz vor Mitternacht, kam die Flotte vor Navidad an, aber wegen den -Klippen blieb man die Nacht auf See und landete erst am folgenden -Morgen. Der Admiral ließ zwei Kanonen lösen, um seine Ankunft zu melden -und wartete in höchster Spannung auf Antwort. Aber alles blieb still. -Statt, wie man gehofft hatte, eine fröhliche, jubelnde Menge sich am -Strande versammeln zu sehen, ließ sich in der Nähe des Hafens nur -ein einsamer, indianischer Nachen sehen. Bange Ahnung erfüllte das -Schiffsvolk. Endlich kam das Boot näher und fragte nach dem Admiral. -Die Indianer brachten zwei goldene Masken als Geschenk ihres Königs -mit und erwiderten auf die Fragen nach den zurückgebliebenen Spaniern -in zurückhaltender, dunkler Weise: diejenigen, welche im Kastelle -geblieben seien, befänden sich wohl. Einige seien an Krankheiten -gestorben, andere in einem unter ihnen ausgebrochenen Streite -erschlagen worden. Ihr Land, berichteten die Indianer ferner, sei von -zwei Fürsten, Caonabo und Mayreni überfallen und verheert, die Hütten -niedergebrannt. Ihr König Guacamari[237] sei im Kampfe verwundet und -habe daher nicht kommen können. - -Das hölzerne Kastell in Navidad war bis auf den Grund niedergebrannt, -man sollte danach wohl annehmen, es sei von feindlicher Hand -vernichtet. Aber auffällig blieb, daß die Indianer in der Nähe sich -gegen früher sehr scheu zeigten. Nur mit Mühe wußte man einige zu -bewegen, an Bord zu kommen. Hier gestanden sie nun, daß die Spanier -sämmtlich todt seien. Aber man fand in der nächsten Umgebung von -Navidad keine Leiche. Man durchstreifte nun weiterhin das Land und -entdeckte zunächst in einem kleinen aus 7 oder 8 Hütten bestehenden -Dorfe, deren Insassen geflohen waren, mancherlei Gegenstände, -namentlich Kleidungsstücke, welche den Spaniern gehört hatten. Nach -der Stätte der Festung zurückgekehrt, zeigten die inzwischen bereits -dreister gewordenen Indianer die Stellen, wo man von hohem Grase -überwuchert, die Leichen von eilf Spaniern fand. Dann suchte der -Admiral in stärkerer Begleitung den anscheinend kranken Guacanagari -auf. Derselbe lag, mit verbundenem Bein, ausgestreckt auf einem Lager, -das nach Landesart aus einem von starken Baumwollfäden gefertigten -Netzwerk bestand, welches an beiden Enden an die Pfosten der Hütte -befestigt war. Es ist die erste Erwähnung der Hängematte. Der König -beklagte thränenden Auges den Tod der Spanier. Einige seien an -Krankheiten gestorben, andere auf einem beabsichtigten Beutezuge nach -den Goldminen im Gebiete Caonabos erschlagen, der Rest in der Citadelle -angegriffen und bei der Vertheidigung gefallen. Der begleitende Arzt, -Doktor Chanca, welcher über diese Vorfälle ausführlich berichtet -hat,[238] erbot sich, den Verwundeten zu heilen. Dieser schien gerne -dazu bereit; da es aber in der Hütte zu dunkel war, um die Wunde -untersuchen zu können, so mußte er seine Lagerstelle verlassen. Mehr -aus Furcht vor den Spaniern, als aus Neigung begab er sich, auf -den Admiral gestützt, ins Freie. Er wollte durch einen Steinwurf -empfindlich getroffen sein. Als der Verband entfernt war, war keine -Verletzung zu bemerken, trotzdem klagte der Indianer über heftigen -Schmerz. Unbekannt mit dem wahren Verlauf der betrübenden Katastrophe, -konnte Columbus nicht zu einem entscheidenden Schritte bewogen werden. -Mehrere seiner Begleiter glaubten entschieden an die Mitschuld -Guacanagari und riethen deshalb dem Admiral, den Fürsten gefangen zu -nehmen. Aber Columbus lehnte dieses trotz mancherlei Verdachtsgründe -ab. Er suchte so lange wie möglich mit den Eingebornen in Frieden -zu leben. Auf seinen Plan, die niedergebrannte Festung wieder zu -errichten, wollte Guacanagari keine zustimmende Meinung äußern, er -wies vielmehr, und wohl auch mit Recht, auf die ungesunde Lage des -Platzes hin. So entschloß sich denn Columbus, eine geeignetere Stelle -auszusuchen; aber man suchte lange vergeblich nach einer günstigen -Oertlichkeit. Man steuerte an der Küste zurück und kämpfte dabei -mühsam gegen Wind und Wetter. So vergingen drei Monate, ehe man 10 -Leguas östlich von Monte Christi den Fuß ans Land setzte und hier sich -zu befestigen beschloß. Die neue Burg erhielt den Namen Isabella. -Daneben wurde der Plan zu einer Stadt entworfen, in welcher die -Hauptgebäude aus Stein errichtet werden sollten. Jetzt finden sich nur -noch einige Trümmer dieser Anlagen, alles ist mit Wald bedeckt; denn -es zeigte sich bald, daß auch dieser Platz ein ungesundes Klima hatte, -welches den dritten Theil der neuen Ankömmlinge aufs Krankenlager warf. -Selbst der Admiral blieb nicht verschont und konnte in Folge dessen ein -Vierteljahr lang sein Tagebuch nicht fortführen. - -Von der Willfährigkeit der Indianer äußerte Chanca:[239] „Ich glaube, -wenn wir mit dem Volke sprechen könnten, würde man es leicht bekehren -können, denn sie machen alles nach, beugen die Knie vor den Altären -und machen bei dem Ave Maria sowie bei den anderen Ceremonien das -Zeichen des Kreuzes. Sie sind zwar Götzendiener, denn man findet in -allen Hütten Götzenbilder; aber sie wünschen Christen zu werden.“ Die -Gegend schien reich an werthvollen Produkten, man glaubte mancherlei -Gewürze, Zimmt und Muskatnüsse entdeckt zu haben und sammelte Wachs -und Baumwolle. Besonders aber lockte die Kunde von Goldfeldern, welche -im Innern der Insel, 25 bis 30 Leguas von der Küste entfernt, in einer -Landschaft, Namens Cibao, liegen sollten. Im Januar 1494 machte sich -der muthige Alonso Hojeda mit 15 Begleitern auf den Weg, kam nach 7 -Tagen ans Ziel und brachte als besten Beleg für den Erfolg seines -Streifzuges aus den Bächen gesammelten Goldsand mit. - -Nachdem Columbus am 2. Februar sodann 12 Schiffe unter Antonio de -Torres nach Spanien zurückgeschickt hatte, theils um die Kranken -heimzubringen, welche bei dem zunehmenden Mangel an guten Lebensmitteln -sich nicht erholen konnten und der Colonie zur Last fielen, theils um -den spanischen Majestäten einen Bericht über den Verlauf seiner Reise -zu überreichen, brach er selbst mit einer größeren Schar nach dem -Goldlande auf. Mit kriegerischer Musik und mit fliegenden Fahnen zog -er durch die Dörfer, erreichte am 16. März das Bergland von Cibao und -ließ dort zum Schutze für die Goldgräber aus Holz und Erde ein festes -Haus anlegen, in welchem eine Besatzung von 56 Mann unter dem Befehle -des Pedro Margarita zurückblieb. Columbus kehrte dann wieder nach -Isabella zurück. Er war der Ueberzeugung, das Ophir Salomos gefunden zu -haben.[240] Den unerwartet reichen Goldfund bestätigt auch Chanca am -Ende seines Berichtes. „Seit Anfang der Welt ist kein solches Wunder -gesehen oder davon gelesen. Man wird Gold in solcher Menge mitbringen, -daß man staunen soll. Man mag mich vielleicht für einen Schwärmer -halten; aber Gott ist mein Zeuge, daß ich auch nicht im mindesten -übertreibe.“ - -Dann schickte sich Columbus an, nachdem er von den wiederholten -Fieberanfällen genesen war, den Plan seiner ersten Reise wieder -aufzunehmen und den Weg nach Katai zu vollenden. In der Niederlassung -ließ er seinen Bruder Diego als Statthalter zurück und lichtete am 24. -April die Anker, um zunächst nach Cuba zu segeln. Am folgenden Tage -erreichte er mit seinen drei Schiffen Niña, S. Juan und Cardera die -Insel Tortuga und steuerte am 29. April von der Nordwestspitze Haitis, -von dem Cap S. Nicolas, nach der Südküste Cubas hinüber. - -Während Columbus an dieser Küste entlang fuhr, näherten sich ihm -die Indianer zutraulich in ihren Böten und brachten Früchte, -Fische, Wasser, oder luden ihn ein ans Gestade zu kommen und ihre -Gastfreundschaft anzunehmen. Wenn sie nach Gold befragt wurden, wiesen -sie in der Regel nach Süden. Ihrem Fingerzeige folgte der Admiral, -verließ am 3. Mai das Gestade von Cuba und steuerte nach Südwesten. -Am 2. Tage erreichte er die Mitte der Nordküste +Jamaicas+, deren -landschaftliche Schönheit ihn über alles entzückte, so daß er sie nur -mit den Wohnungen der Seligen vergleichen zu können meinte, und nannte -die Gegend daher Santa Gloria und den zuerst gefundenen Hafen Santa -Anna. Da er aber zur Ausbesserung seines leck gewordenen Hauptschiffes -einen günstigeren Ankerplatz wählen wollte, richtete er den Lauf -seiner Schiffe wieder nach Westen bis zum Hafen, der noch heute -Puerto bueno heißt. Die Insulaner zeigten sich weit kriegerischer als -auf Cuba, umschwärmten in ihren Kähnen unter wildem Geschrei seine -Schiffe, schossen ihre Pfeile ab und schienen eine beabsichtigte -Landung ernstlich hindern zu wollen. Aber man vertrieb die Indianer -leicht durch einige Schüsse, ganz besonders aber dadurch, daß man -große Bluthunde auf sie hetzte. Als die Einwohner, welche vor solchen -unbekannten Angriffswaffen zurückwichen, in den folgenden Tagen -sich wieder ermannten und allmählich näherten, zeigten sie sich in -ihrer Haltung wesentlich verändert, sie begannen sogar den üblichen -Tauschhandel mit den Spaniern. Man bemerkte mit Vergnügen, daß sie -in manchen Dingen sich weiter entwickelt zeigten als auf Cuba, ihre -großen, bis zu 96 Fuß langen und 8 Fuß breiten, aus einem Stamm -gefertigten Kriegsböte waren an beiden Enden mit Schnitzwerk hübsch -verziert; aber, was man vor allem bei ihnen suchte, Gold, war nirgends -zu finden. Darum verließ Columbus, nachdem sein Schiff wieder in Stand -gesetzt war, die Insel, der er den Namen Santiago gab, und kehrte, -nordwärts steuernd, wieder nach Cuba zurück. Vom Cap Santa Cruz, wo -das Gebirge an der Südostküste jener Insel endigt, drang er in das -Labyrinth von Klippen und kleinen zum Theil grünbewachsenen Inseln -ein, welche den größten Theil der Südküste Cubas umsäumen. In diesem -„+Garten der Königin+“, wie Columbus diesen Theil Westindiens nannte, -hatte er, unter täglich wiederkehrenden Gewittern mit tausend Gefahren -zu kämpfen und mußte die äußerste Wachsamkeit üben, um seine Fahrzeuge -sicher hindurchzuführen. Die unzähligen kahlen Korallenbänke und grünen -Eilande, die er um sich sah, hielt er für jenen Archipel, welcher nach -Marco Polos Erkundigungen östlich von Cim (China) liegen und über 7000 -Inseln umfassen sollte.[241] Von diesem wunderbaren Inselgarten erzählt -auch eine Inschrift auf dem Globus Behaims, westlich von Cipango, also -in jener Weltgegend, wo sich Columbus bereits zu befinden glaubte. Er -athmete ja auch die Wohlgerüche, die von den mancherlei Gewürzbäumen -und prächtigen Blumen übers Wasser zu ihm herüberwehten. - -In Kreuz- und Querfahrten, bald nach Norden, bald nach Westen steuernd, -tastete der Admiral in dem gefährlichen Wundergarten weiter, ohne die -Küste von Cuba aus dem Gesicht zu verlieren. Unzählige buntfarbige -Fische tummelten sich in den klaren Gewässern, die Muscheln umschlossen -kostbare Perlen, das Meer wimmelte von großen Schildkröten.[242] In -seiner Meinung, in Cuba bereits das Festland von Asien erreicht zu -haben, wurde er von neuem durch die falsche Deutung eines Namens -bestärkt, als er von den Eingeborenen erfuhr, daß weiter im Westen -ein großer Fürst namens Magon wohne. Magon und Mango waren identisch, -und Mango war der König von Mangî (China). Er gelangte endlich zu der -größern Insel de Pinos, nahe dem Westende Cubas. Auf Befragen hatten -die Cubaner erklärt, daß man die Grenzen ihres Landes nicht kenne, -er könne wohl noch 20 Tage weiter fahren, ehe er das Ende erreiche. -Nach seiner Berechnung war er bereits 335 Leguas an diesem großen -Lande entlang gesegelt,[243] welches er mit größter Bestimmtheit für -den Anfang Indiens erklärte. Er wähnte, nur noch 2 Sonnenstunden -(also 30 Meridiangrade) von dem goldenen Chersones -- mit diesem -Namen bezeichnete man seit dem Alterthum die Halbinsel Malaka in -Hinter-Indien -- entfernt zu sein.[244] So schmal dachte er sich -den noch völlig unbekannten, noch nie betretenen Abschnitt auf dem -Erdball. Als er dann der Insel de Pinos gegenüber die Küste Cubas -sich nach Süden wenden sah, war auch der letzte Zweifel gehoben: denn -die asiatische Küste lief nun, nach seiner Meinung, in südöstlicher -Richtung bis zum goldenen Chersones weiter. Bei der Insel Evangelista, -denn so nannte er die Isla de Pinos, nahm er neue Vorräthe an Wasser -und Lebensmitteln ein. Wäre er nur noch einen oder höchstens zwei Tage -weiter gesegelt, so hätte er das Ende des vermeintlichen Continentes -erreicht. Schon von der Höhe des Mastes aus hätte man das freie Meer -westlich vom Cap S. Antonio sehen können. Leider nöthigte ihn der -üble Zustand seiner Schiffe zur Umkehr, so daß er die eigentlich -beabsichtigte Fahrt um Indien, wodurch er eine erstmalige Erdumsegelung -zu beschließen hoffte, aufgeben mußte. Aber er nöthigte auch noch -die gesammte Mannschaft, ein von dem Schreiber Fernan Perez de Luna -aufgesetztes Protokoll zu unterzeichnen, in welchem sie sich alle bei -schwerer Ahndung zu der verkehrten Ansicht ihres Admirals bekennen -mußten, daß man die Provinz Mango vor sich habe.[245] Das geschah am -12. Juni 1494. - -Dann wandte sich Columbus wieder nach Osten. Bei ungünstigem Wetter -legten die Schiffe den gefährlichen Weg noch einmal unter steten -Sorgen zurück. Am 6. Juli gerieth die Niña auf den Strand, wurde -zwar mit großer Anstrengung wieder flott gemacht, war aber dabei -dermaßen beschädigt, daß man, behufs der Ausbesserung, in der Bucht -bei Cap S. Cruz landen mußte. Erst nach 10 Tagen konnte die Fahrt -weiter fortgesetzt werden. Am 8. Juli wurde das Cap S. Cruz dublirt -und am 20. Juli ging Columbus nach Jamaica hinüber, um diese Insel -auch auf der Südseite zu erforschen. Das Land entzückte durch seine -Schönheit und Fruchtbarkeit. Von der Menge seiner Bewohner zeugten -die zahlreichen Dörfer an der Küste. Auch hier mit widrigen Winden -kämpfend, gelangten die Schiffe erst am 19. August an die Ostspitze -Jamaicas (das heutige Cap Morante). Am folgenden Tage sah man eine neue -Küste vor sich aufsteigen. Das nächste Vorgebirge erhielt den Namen S. -Michael (jetzt Cap Tiburon); es war die Westspitze von Haiti erreicht. -Gewißheit darüber, daß man die Insel ihrer Niederlassung glücklich -wieder gefunden, gewann man erst am zweiten Tage, als einige Indianer -am Strande den Seefahrern außer einigen spanischen Ausdrücken auch das -Wort „Almirante“ zuriefen. - -Bald darauf jagte ein Sturm das kleine Geschwader auseinander, doch -fanden sich die Fahrzeuge nach sechs Tagen glücklich wieder zusammen, -segelten nach der kleinen Insel Beata weiter, welche mitten vor der -Südseite Haitis liegt, entdeckten die reizende Bucht an der Mündung des -Neivaflusses und empfingen hier von den Eingebornen die frohe Kunde, -daß neue Schiffe von Spanien bei der Colonie angelangt seien. Um seine -bevorstehende Ankunft zu melden, sandte Columbus neun Mann mitten durch -die Insel nach seinem Blockhause S. Thomas und setzte dann seine Fahrt -weiter fort. Die Schiffe wurden durch Sturm und Unwetter von einander -getrennt. Der Admiral selbst, der aus gewissen Anzeichen den Ausbruch -desselben vorhergesehen, brachte sein gebrechliches Fahrzeug noch bei -Zeiten in den geschützten Canal, welcher von der Insel Saona (nahe -der Südostecke Haitis) und der Hauptinsel gebildet wird. Aus einer -Mondfinsterniß, welche er hier beobachten konnte (14./15. September), -berechnete er den Abstand von Cadiz bis Saona auf fünf Stunden 23 -Minuten[246] (oder 80° 45′). Nach Ablauf einer bangen Woche konnten -sich die drei Schiffe wieder vereinigen. Zwar beabsichtigte der -Admiral noch weiter nach Osten zu gehen, Puertorico und die kleinen -Antillen vollständig zu entdecken und zugleich die unbändigen Cariben -zu züchtigen, allein als er die kleine zwischen Haiti und Puertorico -gelegene Insel Mona am 24. September erreicht hatte, brach seine Kraft -zusammen. Die übermenschlichen Anstrengungen, die steten Aufregungen -der gefahrvollen Reise, (er hatte 32 Nächte nicht geschlafen) hatten -seine Energie übermannt. Er brach zusammen und verfiel in eine -tiefe, einer Ohnmacht ähnliche Schlafsucht. Alle weiteren Pläne -wurden aufgegeben und noch zweifelnd, ob sie ihren Admiral am Leben -erhalten könnten, richteten die Piloten den Lauf der Schiffe gegen -Nordwesten und segelten nach Isabella, wo sie am 29. September -anlangten. Hier erholte sich Columbus bald wieder unter entsprechender -Pflege und konnte nun mit Befriedigung die Resultate seiner zweiten -Entdeckungsfahrt überblicken, auf welcher ein Gesammtbild von den vier -großen Antillen gewonnen war, von denen Haiti und Jamaica vollständig, -Cuba fast ganz umsegelt worden war. Wäre er hier nicht durch seine -kosmographischen Autoritäten irregeleitet und wie in einem Zauberbanne -gefangen, welcher ihn die Inselnatur Cubas nicht erkennen ließ; so -hätte er seine weiteren Entdeckungen an jenem Westende der Insel wieder -aufnehmen müssen, und wäre vielleicht schon nach dem Goldlande Mexiko -gelangt. So aber traute er den Angaben der Indianer zu sehr, welche ihn -bei allen Fragen nach Gold immer nach Süden wiesen, und suchte darum -auf seiner dritten Reise einen südlichern Weg schon über den Ocean -einzuschlagen. - -In seiner Colonie fand Columbus eine unerwartete, aber sehr willkommene -Stütze an seinem Bruder Bartholomäus. Derselbe war schon vor Beginn -der ersten Reise in seines Bruders Auftrage nach England gegangen, um -dem britischen Könige Vorschläge behufs einer Fahrt nach Indien zu -machen, und war 1493, ehe ihm selbst sichere Kunde von dem Erfolge -seines Bruders zugekommen war, von dem Könige Heinrich, welcher directe -Nachricht von der Entdeckung der neuen Welt erhalten hatte, mit dem -Versprechen entlassen, die Pläne des Christoph Columbus unterstützen -zu wollen. Bartholomäus eilte über Frankreich nach Spanien, wo er, für -den ihm in England gewordenen Auftrag allerdings zu spät, eintraf, aber -doch bei Hofe sehr wohlwollend aufgenommen wurde und durch sein festes -männliches Auftreten, durch seine gewandte Rede und seine nautischen -Fertigkeiten sich bald einen günstigen Boden bereitete. Man ertheilte -ihm den Titel eines „Don“ und übergab ihm die Führung dreier Schiffe, -welche, mit den von dem Admiral erbetenen Vorräthen und Hilfsmitteln -versehen, nach Haiti abgehen sollten. Columbus erhielt zugleich -Nachricht von dem mit Portugal abgeschlossenen Theilungsvertrage und -fand in dem Briefe der Monarchen vollständige Zustimmung zu den bisher -von ihm getroffenen Maßnahmen. Auch noch andere in demselben Jahre 1494 -einlaufende Briefe ließen in schmeichelhafter Weise die ungeminderte -Gunst des Hofes erkennen. Aber neben diesen erfreulichen Zeichen seiner -wachsenden Macht fand der Vicekönig von Indien unter den Spaniern -Mißstimmung, Unzufriedenheit, Aufruhr. Der Geistliche Boïl, dem man -das Seelenheil der Indianer anvertraut, war seines mühevollen Amtes -überdrüssig geworden, der Anführer der Truppen, Margarit, der sich den -Anordnungen des vom Admiral eingesetzten Statthalters nicht gefügt -hatte: beide verließen auf den Schiffen, mit denen Don Bartolome Colon -gekommen war, die Ansiedlung und kehrten nach Spanien zurück. Unter den -spanischen Truppen war die Manneszucht in bedenklicher Weise gelockert. -„Margarit,“ sagt Muñoz,[247] „brachte unter unsere Leute die Pest der -Zwietracht und veranlaßte bei den Indianern einen tödtlichen Abscheu -gegen den spanischen Namen. Er hielt das Kriegsvolk beständig in der -angebautesten und wohlversehensten Gegend der Vega-Real (Königsgau), wo -es schwelgen und sich alle Freiheit erlauben durfte.“ Dieser Uebermuth -der Soldateska trieb die Indianer aus ihrer Schlaffheit auf, die -bedeutendsten und mächtigsten Häuptlinge der Insel traten zu einem -Bunde zusammen, um die fremden Eindringlinge zu vernichten. An der -Spitze der Verschwörung stand Caonabo. Diesen gefährlichsten Gegner zu -beseitigen, übernahm der verwegene Alonso Hojeda, welcher mit einer -Handvoll unternehmender Gesellen den feindlichen Caziken aufsuchte -und unter der Vorspiegelung besonderer Auszeichnung zu bereden wußte, -sich mit glänzenden Handfesseln schmücken zu lassen, an denen kleine -Glöckchen, woran die Indianer ganz besonders Gefallen fanden, befestigt -waren. Der auf solche Weise bereits halbgefangene Häuptling mußte -sich dann zu Hojeda auf sein Roß setzen, um dergestalt, mit den neuen -Abzeichen eines hohen Ranges geschmückt, in der Mitte seines Volkes zu -erscheinen. Statt aber in das Dorf, wie versprochen war, einzureiten, -jagte Hojeda mit seinem Gefangenen der Küste zu; die Indianer aber -wurden durch das kühne Auftreten des spanischen Ritters und durch -das ihnen unbekannte Roß so in Schrecken gesetzt, daß sie zu spät an -die Befreiung ihres Herren dachten. Hojeda kam glücklich, wenn auch -erschöpft und halbverhungert, mit seinem Gefangenen in Isabella an, wo -er den Caziken in die Burg ablieferte. Caonabo blieb hier, sorgfältig -bewacht, bis er von Columbus selbst auf seiner Rückreise mit nach -Spanien genommen wurde; aber er starb auf der See. - -Der Admiral sah sich aus verschiedenen Ursachen bewogen, im Frühjahr -1496 nach Spanien zurückzukehren. Zwar war von Seiten der Regierung -ein strenges Verbot ergangen, welches allen privaten Handel mit der -neuen Colonie untersagte, daneben war es aber jedem Spanier gestattet, -dahin auszuwandern, und überdies durften Handelsschiffe zur Aufsuchung -neuer Länder über den Ocean und überall, ausgenommen in Haiti, Handel -treiben. Dadurch wurde offenbar das dem Entdecker der neuen Welt -gegebene Privilegium verletzt. Columbus wollte daher seine Gerechtsame -persönlich wieder in Erinnerung bringen, außerdem aber den Anfeindungen -und Verleumdungen, welche bereits gegen ihn und seine Verwaltung laut -wurden, entgegen treten. Bei dieser Gelegenheit sollten auch mehr als -200 Colonisten, welche dem Lande zur Last lagen und auf Staatskosten -erhalten werden mußten, zurück gebracht werden. So verließ denn der -Admiral, nachdem er die Verwaltung der Insel seinem Bruder Bartolome -als Adelantado übertragen hatte, am 10. März 1496 mit zwei Schiffen, -225 Spaniern und 30 Indianern Haiti, steuerte durch die Reihe der -kleinen Antillen, berührte Guadalupe und langte am 11. Juni in Cadiz an. - - -10. Die dritte Reise des Columbus und die Entdeckung Südamerikas. - -Wiederum zog der Entdecker, wie bei seiner Rückkehr von der ersten -Fahrt, mit prunkendem Gefolge durch Spanien an den Königshof. Die -vornehmsten Indianer wurden mit goldenem Schmuck behängt, den sie -recht augenfällig zur Schau tragen mußten. Andere zeigten Gewürze und -feine Hölzer. Dadurch sollte der Glaube an den Reichthum der neuen -Länder wieder aufgefrischt und beim Volke verbreitet werden. Durch -die Sicherheit seines Auftretens wußte er selbst seiner Behauptung, -in Haiti das Ophir Salomos gefunden zu haben, Eingang zu verschaffen. -Zwar waren die Zeitverhältnisse seinen weiteren Plänen wenig günstig, -denn einerseits war Aragonien mit Frankreich in Krieg verwickelt und -alle verfügbaren Mittel und Kräfte des Landes wurden gesammelt, um -das Königreich Neapel den Franzosen wieder zu entreißen, andererseits -war die große Gönnerin des Columbus, die Königin Isabella, durch -Familienangelegenheiten, durch die bevorstehende Vermählung ihrer -Kinder, des Infanten Don Juan und der Infantin Dona Juana mit den -Kindern des Kaisers Maximilian, dem Erzherzog Philipp und der -Prinzessin Margarethe von Oesterreich, vollständig in Anspruch -genommen. Trotzdem fanden die spanischen Monarchen noch Gelegenheit, -den Bericht des Admirals anzuhören und ihm die wiederholte Versicherung -ihrer Gunst auszusprechen. Wenn somit auch nicht sofort zur Ausrüstung -eines neuen Geschwaders verschritten werden konnte, so fand Columbus -doch Gelegenheit, sich seine Privilegien von neuem bestätigen und die -Rechte eines Admirals neu verbriefen zu lassen. Auch die eigenmächtig -vorgenommene Ernennung seines Bruders Bartolome zum Statthalter -(~adelantado~) wurde nachträglich bestätigt. Eine neue Verzögerung -erlitt die Vorbereitung zur dritten Reise durch den unerwarteten Tod -des spanischen Thronerben Don Juan, am 4. October 1497. Die bereits -für die indischen Unternehmungen bewilligten Gelder mußten für den -französischen Krieg verausgabt werden, so daß erst im Januar 1498 -zwei Schiffe mit Vorräthen nach Haiti, zur Versorgung der Colonie, -vorausgesendet werden konnten. Die fortdauernden Störungen seines -Planes, die in einflußreichen Kreisen offen zu Tage tretende Misgunst -gegen seine kostspieligen Unternehmungen lasteten schwer auf dem -ungeduldig harrenden Admiral und verstimmten ihn tief. Da für eine -neue, auf der Südseite der Insel anzulegende Colonie sich nur mit Mühe -eine hinlängliche Anzahl von Auswanderern freiwillig aufbringen ließ, -so verfiel Columbus auf den gefährlichen Gedanken, sein indisches -Reich mit Sträflingen zu bevölkern. Die spanischen Gerichte erhielten -die Anweisung, alle Verbrecher, welche mit Verbannung bestraft -werden mußten, nach Indien zu verweisen. Auch die portugiesische -Regierung hatte bei den Fahrten Gamas und seiner Nachfolger zu dem -Mittel gegriffen, einige Verbrecher zur Ausführung lebensgefährlicher -Unternehmungen, Kundschaften und dergleichen mit an Bord zu senden; -Columbus ging aber in seinem Plane weiter, und machte die Verbrecher zu -Colonisten, welche in der jungen, nur mühsam zu erhaltenden Ansiedlung -die Elemente der Unzufriedenheit und Gährung verstärkten. Dazu kam der -immer mehr zu Tage tretende Zwiespalt des Admirals mit dem Bischof -Fonseca als dem Leiter des indischen Amts, welcher sich den zu hohen -Anforderungen des Columbus überall widersetzte. In Folge dieser -Misstände und des Miskredits, dem die indischen Angelegenheiten bereits -unterlagen, konnte Columbus erst am 30. Mai 1498 die Rhede von San -Lucar de Barrameda an der Mündung des Guadalquivir mit sechs Schiffen -verlassen und in See gehen. - -Um französischen Kaperschiffen, welche ihm vom Cap S. Vicente aus -den Weg verlegen wollten, auszuweichen, steuerte der Admiral auf -einem Umwege nach Madeira, wo er sich sechs Tage aufhielt, und dann -weiter nach den Canarien. Auf der Höhe der Insel Ferro entsandte -er drei Schiffe direct nach Haiti und gebot ihnen denselben Cours -einzuschlagen, welchen er 1493 genommen hatte, und an der Küste -Hispaniolas entlang zu seiner Colonie zu segeln, um derselben neue -Hilfsmittel zuzuführen. Er selbst ging weiter gegen Südwesten nach den -Capverden, indem er ein größeres Schiff und zwei Caravelen bei sich -behielt. Seine Absicht war, die heiße Zone aufzusuchen und in der Nähe -des Aequator über das Weltmeer nach Westen zu steuern, denn hier hoffte -er die kostbarsten Produkte zu finden. In dem allgemeinen Glauben der -Zeit, daß nur die heiße Zone neben den schwarzhäutigen Bewohnern auch -die edelsten Erzeugnisse hervorbringe, wurde er durch die Mittheilungen -eines angesehenen Seemanns bestärkt, welcher auf Anregung der Monarchen -ihm seine Gedanken darüber in einem schmeichelhaften Briefe[248] -mittheilte. Moisen Jaime Ferrer aus Blanes, einem catalonischen -Hafenorte nordöstlich von Barcelona, huldigte in seinem Schreiben -den überschwenglichen Vorstellungen, welche der Admiral von seiner -Sendung selbst hatte. Er nannte die Entdeckungsfahrt mehr göttlich -als menschlich, bezeichnete den Führer als einen Abgesandten Gottes, -welcher ausersehen sei, in den unbekannten Westen das Christenthum -zu tragen, wie einst der heilige Apostel Thomas nach dem Osten, -nach Indien gezogen sei. Er sprach dabei die Hoffnung aus, daß sein -Unternehmen zur Ehre Gottes und zu Nutz und Frommen der ganzen -Christenheit, besonders Spaniens gedeihen werde und behauptete, daß -nach allen seinen Erkundigungen, welche er in Syrien und Aegypten bei -den Händlern über die Herkunft der werthvollsten Produkte eingezogen -habe, Edelsteine, Gold, Gewürze und Droguen größtentheils aus der -heißen Zone stammten, und daß Columbus diese Dinge nur dort erst in -Ueberfluß antreffen werde, wo die Menschen schwarz oder dunkelhäutig -wären. - -Diese Ideen waren für den Admiral maßgebend, und er machte sie sich -dergestalt zu eigen, daß er aus ihnen wiederum als aus unanfechtbaren -Lehrsätzen seine seltsamen kosmographischen Folgerungen zog. Wir -besitzen von Columbus selbst einen ausführlichen Bericht über den -Verlauf seiner dritten Reise,[249] in welchem diese merkwürdigen -Ansichten niedergelegt sind. Die eigenthümliche Gemüthsstimmung, welche -diese Erzählung durchweht, und welche die Behauptung Ferrers, daß -auch er den Columbus für das unmittelbare Werkzeug Gottes halte, noch -verstärkte, lernen wir am besten aus den eigenen Worten des Entdeckers -kennen, mit denen er den Verlauf seiner ersten Fahrten und die später -lautwerdende Misgunst berührt. „Ich zog aus,“ schreibt der Admiral, -„im Namen der heiligen Trinität und kehrte bald wieder heim, mit dem -Beweis in der Hand von alle dem, was ich gesagt hatte. Ew. Hoheiten -schickten mich zum zweitenmale und ich entdeckte in kurzer Zeit durch -Gottes Gnade das Festland im äußersten Osten auf einer Strecke von 330 -Leguas,[250] und dazu noch 700 Inseln. (!) Ich umsegelte die Insel -Hispaniola, welche größer als Spanien ist.“ Diese arge Uebertreibung -erklärt sich nur daraus, daß Columbus, ohne eigne Berechnung einfach -die auf den Karten (man vergleiche den Globus Behaims) niedergelegte -Größe Cipangus (denn dafür hielt er die Insel Haiti), mit jener von -Spanien verglich und beide Länder ziemlich gleichgroß gezeichnet -fand; denn in Wahrheit ist Spanien mindestens sechsmal und die ganze -pyreneische Halbinsel, welche Columbus wahrscheinlich im Auge hatte, -sogar mehr als siebenmal so groß wie Haiti. „Dann,“ fährt der Admiral -fort, „erhoben sich Klagen und Verdächtigungen, um meine Unternehmungen -zu verkleinern, weil ich nicht gleich mit goldbeladenen Schiffen -heimkehrte. Die Kürze der Zeit und andere Hemmnisse wurden dabei nicht -in Rechnung gebracht. Daher fiel ich, entweder wegen meiner Sünden -oder zu meinem Heile, wie ich glaube, in Misgunst und fand bei allem, -was ich sagte und wünschte, Widerstand.“ Weiter zeigt er dann mit -ausführlichen historischen Belegen, daß er für Spanien das Goldland -Ophir wiedergefunden und in Besitz genommen habe. „Von den Capverden -segelte ich 480 ~millas~ oder 120 Leguas gegen Südwesten (Anfang -Juli), wo ich fand, daß der Polarstern 5 Grad hoch stand. Da trat -Windstille ein,[251] die Hitze war so groß, daß ich fürchtete, Schiffe -und Mannschaften würden versengt. Kein Mann wagte sich unter Deck, -um auf Wasser- und Mundvorräthe zu achten.[252] Diese Hitze dauerte -acht Tage; am ersten Tage war der Himmel klar, am zweiten wurde es -nebelig und regnete es; aber wir fanden keine Erleichterung, so daß -ich glaube, wir wären alle umgekommen, wenn die Sonne wie am ersten -Tage geschienen hätte. Nach acht Tagen sandte mir Gott einen günstigen -Wind und ich steuerte nun nach Westen.“ Columbus gab also den weitern -Cours gegen Südwesten auf, weil er sich von seinen frühern Fahrten -erinnerte, daß er jenseits von 100 Leguas westlich von den Açoren stets -eine merkliche Abnahme der Hitze beobachtet hatte und daher auch jetzt -die Region der milderen Temperatur aufzusuchen beschloß. Unter der -Breite von Serra Leona, wie er meinte, steuerte der Admiral 17 Tage -mit günstigem Winde nach Westen und fand am Morgen des 31. Juli Land. -Es war eine in drei Bergen aufsteigende Inselküste. Unter dem Gesange -des ~Salve regina~ näherte man sich in freudiger Erregung dem Strande. -Die Insel erhielt den Namen +Trinidad+, das zuerst berührte Vorgebirge -wurde Cabo de la Galea (jetzt Cap Galeota) benannt. Man hatte also die -südlichste der kleinen Antillen erreicht, welche nahe an der Küste des -südamerikanischen Continentes liegt. Dieser zunächst gelegene flache -Streifen des Festlandes erhielt den Namen Gracia. Auf Trinidad bemerkte -man Häuser, von gutgepflegten Gärten umgeben und zahlreiche Menschen. -Auch Böte ließen sich blicken, aber scheu vermieden die Schiffer jede -Annäherung an die fremdartigen großen Fahrzeuge. Man suchte sie durch -Lockmittel, auch durch Musik, die vom Verdeck ertönte, zu bewegen, -näher zu kommen; aber vergebens. Man sah nur aus der Ferne, daß sie mit -Bogen und Pfeilen und hölzernen Schilden bewaffnet waren, und bemerkte -mit Staunen, daß diese Indianer eine viel hellere Hautfarbe hatten, -als die früher gesehenen. Ihre Haare waren nach spanischer Art vor -der Stirn abgeschnitten.[253] Als Bekleidung trugen sie nur einen aus -buntfarbigen Baumwollfäden gefertigten Schamgürtel. - -An der Südküste Trinidads segelte der Entdecker gegen Westen, erreichte -am 1. August die westliche „Sandspitze“ der Insel, welche sich auf -zwei Leguas dem gegenüberliegenden Orinocodelta nähert. Trichterartig -verengt sich gegen Westen der Ocean zwischen Insel und Festland und -drängt die gewaltigen Massen süßen Wassers, welche sich aus den -Deltaarmen des Orinoco ergießen, unter der Wucht des nordwestlich -flutenden Aequatorialstromes zu der immer enger werdenden Straße nach -dem Pariagolfe. Das Wasser strömte mit solcher Gewalt in den Golf -hinein, wie der Guadalquibir bei Hochwasser, also ungefähr 2½ Meilen -in einer Stunde. „Wenn man weiter nach Norden fahren will,“ schreibt -Columbus, „so trifft man auf eine Reihe von Stromschnellen, welche -den Canal durchsetzen und einen furchtbaren Lärm machen. Ich glaubte, -dies komme von Felsen und Riffen, welche den Eingang sperren. Dahinter -zeigten sich zahlreiche tosende Strudel, wie wenn die Wogen sich über -Felsen brechen.“ Außerhalb des Canals gingen die Schiffe vor Anker, -denn Columbus fürchtete wegen der Strömung nicht zurückkehren und wegen -der vor ihm liegenden Untiefen nicht vorwärts kommen zu können. „Tief -in der Nacht vernahm ich vom Decke des Schiffes aus ein furchtbares -Getöse, welches von Süden her gegen das Schiff kam.“ Die wirbelnden -schiffshohen Wasserberge, welche heranrollten, drohten die Schiffe zu -kentern. Columbus war von Jugend auf mit den mannigfachsten Gefahren -der See vertraut, aber niemals war er durch die übermächtigen Gewalten -des Ocean so in Angst und Schrecken versetzt, als hier.[254] - -„Am folgenden Tage,“ erzählt Columbus weiter, „sandte ich unsere Böte -aus, um die Straße zu sondiren. Man fand 6 bis 7 Faden Tiefe, aber in -heftigen Gegenströmungen flutete das Wasser hier in den Golf hinein und -dort wieder aus demselben heraus. Doch gefiel es Gott, uns günstigen -Fahrwind zu geben, und so passirte ich diese Straße glücklich und kam -bald in ruhiges Wasser. Zum Erstaunen der ganzen Mannschaft war das -Wasser im ganzen Golfe, wo man es auch schöpfte, süß und trinkbar. -Columbus steuerte nordwärts über das Becken des Golfs auf die gebirgige -Halbinsel +Paria+ zu, welche die Bucht im Norden abschließt. Hier -zeigte sich ein zweiter, noch engerer und gefährlicherer Schlund, -wo sich thurmartig einzelne dunkele Klippen aus der brandenden Flut -erhoben. Die Küste der Pariahalbinsel zog sich gegen Südwesten, und da -Columbus in dieser Richtung eine ruhige Fahrt hoffte, wendete er sich -nach Westen. Je weiter man kam, desto frischer und gesunder zeigte -sich das Wasser. Das Land schien angebaut, das Geschwader ging vor -Anker, Böte wurden zur Kundschaft ans Gestade geschickt, aber die -Hütten waren verlassen. Weiter im Westen, wo das Land flacher wurde, -hoffte man mehr Menschen zu finden und wünschte mit ihnen in Verkehr -zu treten. Wiederum wurden an der Mündung eines Flusses die Anker -ausgeworfen. Dort waren die Eingeborenen zutraulicher, näherten sich -den Fremden und gaben an, daß ihr Land Paria heiße, und daß dasselbe -weiter gegen Westen noch mehr bewohnt sei. Dies bestätigte sich auch -bald, als man noch weiter an dem Lande entlang segelte. Reizende, -dicht bewohnte Gegenden luden zum Verkehr ein. Die Eingeborenen kamen -an Bord und baten den Admiral, im Namen ihres Königs, ans Land zu -kommen. Sie trugen Goldschmuck auf der Brust und mit Perlen besetzte -Armbänder. Auf die Nachfrage, wo die Perlen gefunden würden, wiesen -sie nach Norden und bemerkten, die Fundstätten lägen nicht allzufern. -Am Lande zeigten sich die Indianer sehr höflich, die Häuptlinge an -ihrer Spitze empfingen sie, führten sie zu großen, geräumigen Häusern, -wo man die Gäste zum Niedersitzen nöthigte und mit Brod, Früchten und -verschiedenen Arten von rothem und weißem Wein bewirthete, welcher -nicht aus Trauben, sondern aus anderen Früchten bereitet war. Leider -konnte man sich nur wenig verständigen, weil man keine Dolmetscher -hatte. Von dem Mais, welchen sie anbauten, nahm Columbus später mit -nach Spanien, um dieses amerikanische Getreide auch nach der alten -Welt zu verpflanzen. Das Gold, womit sie sich schmückten, stammte -aus den Bergen an der Grenze des Landes, doch warnte man die Spanier -durch Zeichen, sich nicht dahin zu wagen, weil dort Menschenfresser -wohnten.[255] - -Aber Columbus hatte nicht die Absicht, sich dahin zu wenden, noch auch -die Perlenbänke zu besuchen, denn die Mundvorräthe drohten bei der -längeren Dauer der Reise zu verderben, auch waren die Schiffe für eine -schwierige Entdeckungsfahrt nicht mehr geeignet, und endlich litt er -selbst an den Augen und fürchtete, wie es auf einer der früheren Reisen -schon geschehen war, zeitweilig des freien Gebrauchs des Augenlichts -beraubt zu werden. Da er Paria noch für eine Insel hielt, so hoffte -er sie westlich umsegeln zu können, um sich dann nordwärts zu wenden. -Ein Caravele wurde zur Prüfung des Fahrwassers vorausgesendet, man -fand aber leider, daß sich der Golf westwärts immer mehr verengte, -daß unter dem Einströmen zahlreicher Flüsse das Wasser der Bucht -vollständig Süßwasser werde, daß demnach nach dieser Richtung kein -Ausgang zu finden sei. Man mußte also umkehren, konnte aber der -Strömung wegen nicht an dem bisher besuchten und bevölkerten Gestade -von Paria wieder entlang gehen, sondern mußte, der Wirbelbewegung des -Wassers im Golfe folgend, an den flachen Ufern der Orinocoinseln hin -fast bis zum südlichen Eingang zurücksegeln und dann nordwärts den -einzigen Ausweg durch den gefürchteten Drachenschlund zwischen Trinidad -und Paria wählen. Die Erscheinung der stürmischen Wirbel an den -beiden Ausgängen aus der Pariabucht erkannte der Admiral richtig als -die Folge des Zusammenstoßes der gewaltigen Wassermassen, welche der -Orinoco ergoß, mit der Strömung des Meeres und bezeichnete die Insel -Trinidad als ein durch die abspülende Kraft der Gewässer losgetrenntes -Stück des Continents. Am 13. August gelang es dem Geschwader glücklich -die gefürchtete Straße des Drachenschlundes zu passiren und in das -caribische Meer zu kommen. „Als ich den Drachenschlund verließ,“ -berichtet der Admiral weiter, „strömte das Meer so mächtig westwärts, -daß ich in einem Tage 65 Leguas zurücklegen konnte; und dabei blies -nicht etwa ein starker Wind, sondern es wehte ganz gelinde, was mich zu -dem Schlusse führte, daß das Meer gegen Süden beständig ansteigt und -dem entsprechend gegen Norden abfällt. Ich halte es für sicher, daß das -Meerwasser sich mit dem Himmel von Osten nach Westen bewegt und daß es, -weil es in diesem Striche reißender fließt, so viel Land abgespült hat, -woher die große Zahl von Inseln -- Columbus hat die Reihe der kleinen -Antillen im Auge -- entstanden ist. Und in der That bieten diese Inseln -einen weiteren Beweis dafür, da einerseits alle diejenigen Eilande, -welche sich von Osten nach Westen oder genauer von Nordwesten nach -Südosten erstrecken, breit sind, andererseits diejenigen, die sich von -Norden nach Süden oder von Nordosten nach Südwesten ausdehnen, schmal -und kleiner sind. Allerdings scheinen die Wasser in einigen Strichen -nicht dieselbe Strömungsrichtung zu haben; aber man trifft dies nur an -vereinzelten Stellen, wo sie, durch Land aufgehalten, in eine andere -Richtung gedrängt werden. - -Neben diesen großartigen Anschauungen über physische Erdkunde begegnen -wir auch den wunderlichsten Vorstellungen über die Gestaltung der Erde, -die jemals ein Seefahrer ausgesprochen. Aus falschen Voraussetzungen, -ungenauen astronomischen Beobachtungen und irrigen Verknüpfungen der -Naturerscheinungen mit ein für allemal bei dem Entdecker feststehenden -Lehrsätzen, die er aus seiner mittelalterlichen Kosmographie geschöpft -hatte, baute er sich ein System von Schlüssen auf, welches in der -ungeheuerlichen Behauptung gipfelte, +die Erde habe nicht Kugelgestalt, -sondern sei wie eine Birne+ geformt. - -„Irrige Beobachtungen der Bewegungen des Polarsternes in der Nähe -der açorischen Inseln hatten Columbus schon auf seiner ersten Reise -bei der Schwäche seiner mathematischen Kenntnisse zu dem Glauben an -eine Unregelmäßigkeit in der Kugelgestalt der Erde geführt.“ Dieser -Ausspruch Humboldts[256] findet seine Erklärung in den Bemerkungen des -Columbus über seine dritte Reise. „Ich bemerkte,“ sagt er, „daß ich den -Polarstern während der Nacht in einer Höhe von 5 Grad hatte und seine -Geleitsterne (die Sterne β und γ des kleinen Bären) grade über dem -Kopfe; dann um Mitternacht befand sich der Stern in 10 Grad Höhe und -bei Anbruch des Tages waren die Begleiter zu Füßen, in 5 Grad Höhe. Ich -sah das mit Staunen, beobachtete die Sterne mehrere Nächte hindurch auf -das sorgfältigste und mußte, da ich meine erste Wahrnehmung bestätigt -fand, es für etwas ganz +neues+ ansehen, daß auf einem so kleinen -Raume eine so große Differenz am Himmel vor sich gehen könne.“[257] -Zur Erklärung dieser „neuen“ Thatsache verfiel nun Columbus auf die -Birnengestalt der Erde. Man wird den Trugschlüssen, welche zu diesem -Resultate führten, um so leichter folgen können, wenn wir auch im -Folgenden die eigenen Worte des Admirals wiedergeben, und dadurch -zugleicherzeit die historische Localfarbe des Gemäldes bewahren. - -„Ich habe stets gelesen, daß die Welt, Land und Wasser zusammen, -sphärisch sei, und die von Ptolemäus gemachten Beobachtungen, so -wie diejenigen der anderen Gelehrten, welche über diesen Gegenstand -geschrieben, haben durch die Mondfinsternisse und andere Erscheinungen -oder Beweise, welche in der Richtung nach Osten und Westen beobachtet -sind, so wie durch die Erhebung des Poles über den Horizont von Süden -nach Norden, dasselbe dargethan.“ - -„Ich sah aber eine so große Unregelmäßigkeit (~disformidad~, -Unterschied in der Elevation des Polarsternes), daß ich mir eine -andere Vorstellung von der Welt machte, und daß ich daraus schloß, -sie sei nicht rund, wie man es bisher beschrieben hat, sondern wie -eine Birne gestaltet (~de la forma de una pera~), welche vollkommen -rund ist, mit Ausnahme der Stelle, wo der Stil ansetzt, oder auch wie -ein ganz runder Ball, an dem auf irgend einem Punkte eine Art Warze, -wie die Brustwarze einer Frau, aufgesetzt ist, und daß dieser Punkt -der Warze höher und dem Himmel näher liegt und im äußersten Osten im -Ocean sich unter dem Aequator befindet. Ich nenne den äußersten Osten -jene Gegend, in welcher alles Land und alle Inseln endigen.[258] Zur -Unterstützung dieser Ansicht verweise ich auf die Linie 100 Meilen -westlich von den Açoren,[259] von wo gegen Westen sich die Schiffe -sanft gegen den Himmel erheben und man sich einer milderen Temperatur -erfreut. Die Magnetnadel verändert in Folge dieser Milde ihre Richtung -um einen Viertelswind, und je mehr man westwärts kommt und sich (zu -der Anschwellung der Birnenform) erhebt, um so mehr weist die Nadel -nach Nordwesten. Und diese Erhebung bewirkt die Abweichung des Kreises, -welchen der Polarstern mit seinen Begleitern beschreibt. Je mehr man -sich dem Aequator nähert, desto höher erheben sich die Gestirne über -den Horizont und desto größer wird der Unterschied in den Kreisen sein, -welche die Begleitsterne beschreiben. Ptolemäus und andere Gelehrte, -welche von dieser Welt geschrieben haben, betrachten die Erde als -kugelförmig und meinen, daß sie es überall ebenso sein müsse wie an -jenen Orten, wo sie sich befanden; namentlich auf jener Hemisphäre, -deren Mittelpunkt mit der Insel Arin zusammenfällt,[260] welche unter -dem Aequator (!) zwischen dem arabischen und persischen Meerbusen -liegt. Die Grenzen dieser Hemisphäre laufen im Westen durch das Cap -S. Vincente in Portugal, im Osten durch Cangara (Cattigara) und das -Land der Serer (vgl. oben S. 6. und 7.); und so findet sich keine -Schwierigkeit anzunehmen, daß die Erde auf dieser Hälfte kugelförmig -sei. Aber die westliche Erdhälfte gleicht einer halben Birne mit der -Anschwellung am Stiel. Ptolemäus und die übrigen, welche über die Welt -geschrieben haben, kannten diesen Theil der Erde nicht, der damals -unbekannt war, und so urtheilten sie nur nach der sphärischen Gestalt -auf der ihnen bekannten Seite.“ - -„Allein auf der von mir entdeckten Erdseite,“ meint Columbus, „liegen -die Verhältnisse anders und nöthigen zu anderen Schlußfolgerungen. -Denn an der Küste Afrikas, unter dem Parallel von Arguin (vgl. oben S. -91) fand ich die Bewohner dunkel und die Erde wie ausgeglüht. Unter -der Breite der Capverden waren die Eingebornen noch schwärzer[261] -und je weiter nach Süden, desto schwärzer dergestalt, daß unter dem -Parallel von Serra Leona, wo der Polarstern sich 5 Grad erhebt, auch -die allerschwärzesten Menschen wohnen.“ - -„Bei meiner Fahrt von hier gegen Westen stieg anfangs die Hitze noch -aufs höchste; so bald ich aber die Grenzlinie (100 Meilen westlich -von den Açoren) überschritten hatte, fühlte ich, wie die Temperatur -milder wurde, so daß mir bei der Insel Trinidad und dem Lande Gracia, -welche gleichfalls unter dem 5. Grad n. Br. liegen,[262] das Klima so -milde erschien, und Felder und Bäume so schön grün waren, wie im Monat -April in den Gärten von Valencia. Dazu waren die Eingebornen nicht -so dunkel, als ich sie früher in Indien gesehen hatte. Die liebliche -Temperatur rührt nur von der Höhe dieses Theils der Erdoberfläche her. -Folglich kann die Erde hier nicht sphärisch gestaltet sein.“ - -Wenn schon zu diesen mit großer Zuversicht ausgesprochenen neuen -Lehrsätzen Alexander von Humboldt bemerkt,[263] daß die Hypothese -von der Unregelmäßigkeit der Figur der Erdkugel einen Mangel an -mathematischen Vorkenntnissen und eine Verirrung der Einbildungskraft -verrathe, die uns mit Recht überraschen müsse; so wächst unser -Erstaunen und unsere Verwunderung noch mehr, wenn wir aus dem Munde des -Columbus vernehmen, daß er sich in Bezug auf astronomische Vorgänge -auf den naivsten Standpunkt des Kinderglaubens der Naturvölker stellt. -Um nämlich zu beweisen, daß auf jener birnenförmigen Anschwellung das -irdische Paradies liege, und daß er selbst so glücklich gewesen sei, -in dessen Nähe zu kommen, fährt er in seiner Deduction also fort: „Was -aber noch besonders zur Unterstützung meiner Ansicht beiträgt, ist -dieses: Als der Herr die Sonne schuf, geschah es am +ersten Punkte des -Orients+, wo +das erste Licht erschien+ (!)[264] und wo die höchste -Erhebung der Erde ist. Obwohl nun Aristoteles der Ansicht gewesen, daß -der antarktische Pol oder das Land unter ihm der höchste Theil der -Erde und dem Himmel am nächsten sei,[265] haben doch andere Gelehrte -sich dagegen erklärt und sich für den arktischen Pol ausgesprochen. -Demnach scheint also die Annahme gerechtfertigt, daß +ein+ Theil der -Erde dem Himmel näher sei als der andere. An die äquatoriale Zone -dachten sie nicht, und das ist keineswegs zu verwundern, denn über -diese Region fehlte es an einer genauen Kenntniß, da vor mir noch -niemand zur Entdeckung ausgesendet worden.“ „Dort nun,“ führt Columbus -aus, „in der Nähe des Drachenschlundes rasen die Wasser des Oceans -und kämpfen mit den Ergüssen des Orinoco, welche mit ungeheurer Wucht -nach den Ausgängen des Golfes von Paria drängen.“ Diese gewaltigen -Strömungen lassen sich nach seiner Meinung nicht anders deuten, als daß -die Süßwasserströme aus einer bedeutenden Höhe (von der birnenförmigen -Anschwellung) herabrauschen, auf welcher das irdische Paradies gelegen -ist. - -„Die heilige Schrift bezeugt, daß unser Herr das irdische Paradies -schuf, und daß dort vier Flüsse aus einer Quelle entspringen. Ich finde -nicht und habe noch nie gefunden irgend eine Schrift der Griechen oder -Lateiner, welche genau die Lage des Paradieses angebe und habe es noch -auf keiner Karte gefunden, welche nach zuverlässigen Angaben gemacht -ist. Einige verlegen es nach Aethiopien an die Quellen des Nil; aber -andere, welche diese Länder durchzogen, fanden weder die Temperatur, -noch die Sonnenhöhe ihren Ideen entsprechend. Andere wieder haben das -Paradies auf den Canarischen Inseln gesucht.“ - -„St. Isidor, Beda, Strabon (Walafried Strabo, der Verfasser der -scholastischen Geschichte) und St. Ambrosius, Scotus und alle gelehrten -Theologen stimmen darin überein, daß das Paradies im Osten lag. Ich -nehme nicht an, daß das irdische Paradies auf einem steilen Berge -liege, wie man es uns gelehrt hat, sondern daß dasselbe auf der Höhe -der angedeuteten Anschwellung der Erde gelegen sei, welche sich aus -weiter Ferne in unmerklichem Ansteigen erhebt, und daß niemand auf -den Gipfel kommen kann; daß aber alle die Wasser, welche hier die See -bedecken (am Golfe von Paria), von dort herabkommen. Auch glaube ich -nicht, daß dieser erhabene Ort schiffbar ist oder daß dort Wasser sich -findet, vielmehr halte ich es für unmöglich, dahinanzusteigen, weil -ich überzeugt bin, daß ohne den Willen Gottes niemand zu dem Orte des -irdischen Paradieses gelangen kann.“ - -„Es sind hier also gewichtige Anzeichen für die Nähe des Paradieses, -und die Ansichten der heiligen und gelehrten Theologen stimmen mit -meinen Beobachtungen überein. Und wenn die Wasser (des Orinoco) nicht -aus dem irdischen Paradiese kommen, so scheint das ein noch größeres -Wunder zu sein, weil ich nicht glaube, daß man auf der ganzen Welt -einen so mächtigen und tiefen Fluß findet. Und ich glaube,“ fügt -Columbus an einer andern Stelle hinzu, „daß, wenn der erwähnte Fluß -nicht aus dem irdischen Paradiese käme, derselbe in einem ausgedehnten -Lande im Süden entspringen müßte, von welchem wir bisher noch keine -Kunde gehabt haben.“ - -Las Casas läßt den Entdecker sogar die Worte gebrauchen: „Sollte -es doch ein Festland sein, so wird die gelehrte Welt tief darüber -erstaunen.“[266] Der Verfasser der ~vida del Almirante~ berichtet dazu -noch bestimmter, daß Columbus, nachdem er mehrere Inseln entdeckt -hatte, überzeugt gewesen sei, in Paria das Festland erreicht zu haben, -weil er darin einen mächtigen Strom gefunden, und weil er die Angabe -der Bewohner auf den kleinen Antillen bestätigt gesehen, welche von -einem großen Lande im Süden gesprochen. Um so befremdender erscheint -das Benehmen des Admirals, der schon am zweiten Tage, nachdem er -den Drachenschlund glücklich durchsegelt hatte, mit der Strömung -gegen Nordwesten zwischen den Testigos und der Insel Margarita -hindurchsteuernd, die kaum als continental erkannten Küsten wieder -verließ und, indem er die begonnene Entdeckung kurz abbrach, nach Haiti -segelte. - -War der Eindruck seiner Paradies-Hypothese so mächtig, daß er sein -Auge gegen die ermittelte Existenz einer großen Landmasse verschloß, -oder beherrschten seine Autoritäten, welche in diesen Erdstrichen -von einem Festlande nichts wußten und nichts berichteten, auch jetzt -noch seine Ansichten so sehr, daß er ihnen gegenüber und ihnen -entgegengesetzt nicht auszusprechen wagte, was der Augenschein lehrte? -Das Räthsel wird nicht gelöst durch die vorgebrachte Entschuldigung, -es habe seinen Schiffen bereits an Lebensmitteln gefehlt und er selbst -sei von einem Augenleiden befallen gewesen, so daß er sich von den -Piloten habe berichten lassen müssen. Denn wenn er wirklich zu einer -längeren Erforschungsreise ausgerüstet war, konnten doch die Vorräthe -nach Verlauf von 14 Tagen (denn länger weilte er nicht an der Küste -Südamerikas) nicht schon erschöpft sein. Auch auf den früheren Reisen -war er wochenlang durch Krankheiten an der persönlichen Leitung -der Schiffe behindert, ohne seine Unternehmungen deshalb sofort -abzubrechen. Vielleicht war es, wie Peschel angibt,[267] innere Unruhe -über das Schicksal der Colonie, die er seit 29 Monaten verlassen; -weniger wohl Besorgniß, daß die Lebensmittel, welche er zuführte, -verderben möchten, denn der größere Theil seiner Flotte war bereits von -den Canarien aus direct nach Hispaniola gegangen. - -Daß er selbst den rein geographischen Werth seiner neuen Entdeckung -weniger würdigte, darf man wohl aus den wunderlichen Theorien -schließen, welche er darauf aufbaute, und daß er gegen die -Weiterführung der Küstenaufnahmen ziemlich gleichgültig geworden war, -spricht auch Humboldt aus:[268] „Columbus legte bei seiner dritten -Reise mehr Werth auf die Perlen der Insel Margarita und Cubagua als auf -die Entdeckung der Terra firma, da er bis zu seinem Tode fest überzeugt -war, schon im November 1492 auf seiner ersten Reise in Cuba einen Theil -des festen Landes von Asien berührt zu haben.“ - -Möglicherweise wollte er auch den immer lauter werdenden Widersachern -in Spanien nicht neue Veranlassung zu dem schon oft gehörten Vorwurf -geben, daß er in nutzlosen Fahrten viel Geld vergeude, sondern wollte -sich ganz der Pflege und Ausbeutung seiner Colonie widmen, um sie -so bald wie möglich von den Unterstützungen durch das Mutterland -unabhängig zu machen. - -In fünf Tagen segelte das Geschwader von der Küste des Continents -über das caribische Meer nach Haiti. Die westliche Abdrift führte -die Schiffe über ihr Ziel hinaus, so daß, als Columbus das Ufer -seines Coloniallandes erreicht hatte, der Cours, nach Osten zurück, -eingeschlagen werden mußte, um den Platz der neuen von Bartolomé Colon -gegründeten Stadt San Domingo zu erreichen, welche an der Mündung des -Ozamáflusses lag. - - -11. Die Zustände auf Haiti und die Gefangennahme des Columbus. - -Während der Abwesenheit des Vicekönigs hatte sein Bruder Bartolomé als -Adelantado oder Statthalter die Colonie verwaltet, die Zahl der festen -Häuser auf der Insel vermehrt und die Häuptlinge zur Anerkennung der -spanischen Oberhoheit gebracht. Der ihnen auferlegte Tribut bestand -entweder in Gold oder in anderen den Spaniern willkommenen Erzeugnissen -des Landes. Unter dem thätigen Hieronymiten Fray Ramon Pane, welcher -innerhalb eines Jahres die Sprache der Eingeborenen erlernte, und unter -dem Franziskaner Fray Juan Borgoñon hatte das Bekehrungswerk unter den -Indianern begonnen. Nach dieser Richtung war also die Befestigung der -Colonie in günstiger Entwicklung begriffen. Anders verhielt es sich -mit den eingewanderten Spaniern, den Soldaten und Colonisten. Hier -trat der tiefe Gegensatz der Nationalitäten immer greller zu Tage. Daß -sie genuesischen Fremdlingen gehorchen mußten, ertrug ihr Stolz mit -Widerwillen. Der Adelantado forderte strenge Manneszucht; statt des -erträumten glückseligen Lebens, dessen Vorspiegelungen sie über das -Meer gelockt hatten, warteten ihrer angestrengte Arbeiten, sollten sie -mit Entbehrungen aller Art, selbst mit Hungersnoth kämpfen und wurden -in unablässigen Märschen nach allen Theilen des Landes ermüdet. - -Während der Abwesenheit des Statthalters brach in der Stadt Isabella -der Aufstand aus. Der Commandant Diego Colon, dem es überhaupt an -Energie zu fehlen schien, gerieth in eine mißliche Lage, um so -mehr, als der Oberrichter +Francisco Roldan+ sich an die Spitze der -Unzufriedenen stellte. Bei der Rückkehr des Adelantado mußte Roldan -mit seinem Anhange aus der Stadt weichen, fuhr aber fort, die Familie -des Columbus zu verdächtigen und zu schmähen als Feinde des spanischen -Blutes. Auch das wurde besonders den Genuesen zum Vorwurf gemacht, daß -sie die Goldminen als Familienmonopol behandelten. Um die Indianer -für sich zu gewinnen, erklärte Roldan ihnen, er wolle sie gegen die -Bedrückungen des Statthalters schützen. In Folge dessen verweigerten -jene den Tribut und lieferten keine Nahrungsmittel mehr. Selbst -die treugebliebenen Spanier wurden durch die nun eintretende Noth -entmuthigt und begannen zu desertiren, und wenn nicht im Anfange des -Jahres 1498 zwei Schiffe von Spanien neue Lebensmittel und Mannschaften -gebracht, so hätte schon damals die Colonie sich vielleicht -aufgelöst. Durch diese Zufuhr gewann Bartolomé Colon neue Kräfte, -die aufrührerischen Caziken zu bändigen und Roldan in den entfernten -Gau von Jaragua zu verdrängen, wo derselbe sich einem üppigen Leben -hingab und seinem Gefolge Zügellosigkeiten und Bedrückungen aller Art -gestattete. Ende Juli kamen die drei von Columbus vorausgesendeten -Schiffe an die Südseite von Haiti, wo Roldan Gelegenheit fand, sofort -einen Theil der neuen Ankömmlinge auf seine Seite zu ziehen, und grade -einen Monat später traf auch der Admiral selbst bei der neugegründeten -Stadt San Domingo ein. Vor allem war ihm daran gelegen, den Unfrieden -unter den Spaniern, durch welchen die Entwicklung der Colonisation -vollständig gelähmt wurde, zu beseitigen. Da er sah und hörte, daß -viele des unerquicklichen Lebens und Treibens auf der Insel überdrüssig -geworden waren, denn man vernahm oft den auffälligen Schwur: „So -wahr mich Gott wieder nach Castilien bringe“, so erließ Columbus -eine Bekanntmachung, in welcher er jedem Spanier gestattete, auf -einem der fünf zur Abfahrt nach Spanien vorbereiteten Schiffe in die -Heimat zurückzukehren. Er hoffte dadurch besonders die Zahl seiner -Widersacher und der Misvergnügten zu lichten. Aber Roldan und seine -Partei gingen darauf nicht ein; sie hielten sich für mächtig genug, -dem Vicekönige zu trotzen. Dieser ließ sich dann sogar dazu herbei, -einen freundlichen Brief an den Oberrichter zu schreiben und eine -Versöhnung anzutragen, fand aber auch dafür kein Gehör; denn seine -Gegner erkannten seine hilflose Lage, daß er ohne Geld gekommen und -seinen Soldaten den rückständigen Sold nicht bezahlen, sich bei einem -ausbrechenden Kampfe also auch nicht auf sie verlassen konnte. - -Die Flotte, auf welcher Columbus gekommen war, mußte, nach dem Vertrage -mit den Rhedern, binnen Monatsfrist wieder abgefertigt werden, und -wenn er sie auch bis über sechs Wochen zurückbehielt, so mußte er -sie doch endlich am 18. October entlassen, ohne, wie er gewünscht -hatte, den spanischen Monarchen von dem wiedergewonnenen Frieden in -der Colonie berichten zu können. Er schilderte in seinem Briefe seine -Gegner als Diebe, Schurken, Räuber und Landstreicher und erklärte in -seiner Aufregung, er werde sich noch genöthigt sehen, die äußersten -Gewaltmaßregeln anzuwenden, um diese Friedensstörer zu vernichten. - -Natürlich hatte auch die Gegenpartei Gelegenheit gefunden, in einem -Schreiben an die Regierung ihr Verhalten zu begründen und über -den Admiral und seine Verwandten die ärgsten Beschuldigungen von -Willkürherrschaft und Grausamkeit vorzubringen, wodurch die Feindschaft -gegen die Genuesen am spanischen Hof neue Nahrung gewann. Das konnte -freilich nicht ohne bedenkliche Folgen auf die Anschauung der Monarchen -bleiben. - -Columbus sah sich wieder zu neuen Verhandlungen getrieben und mußte -schließlich, wenn auch widerstrebend, unter schimpflichen Bedingungen -mit den Meuterern Frieden machen. Dieselben erhielten demgemäß zwei -Schiffe mit Proviant, um nach Spanien zurückkehren zu können. Auch -mußte ihnen der Vicekönig einen Schein ausstellen, wonach ihnen der -rückständige Sold in Spanien bezahlt werden sollte und ertheilte ihnen -schließlich sogar noch das Zeugniß, daß sie sich in Indien um den König -wohl verdient gemacht hätten. Alle, welche in Indien bleiben wollten, -erhielten freie Geleitsbriefe. - -Weil aber Columbus die versprochenen Schiffe zur gesetzten Frist nicht -ausrüsten konnte, erklärten seine Gegner auch diesen Vertrag für -nichtig. So dauerte die Zwietracht bis zum September 1499. Endlich -bequemte sich Columbus sogar dazu, Roldan wieder als Oberrichter -einzusetzen, dessen Parteigenossen mit Ländereien zu beschenken und -zu gestatten, daß, wenn der rückständige Sold nicht voll ausgezahlt -werde, die Meuterer das Recht haben sollten, diese Zusagen mit Gewalt -zu erzwingen. - -Tiefer konnte sich ein Statthalter nicht erniedrigen, als in solcher -Weise den Aufruhr durch Belohnung auszuzeichnen. Zwar hatte Columbus -gar nicht die Absicht, diese Versprechungen zu halten, und darum den -Vertrag an Bord eines Schiffes unterzeichnet, wo er, wie er sich selbst -und auch seinem königlichen Herrn zu bereden suchte, nur in seiner -Stellung als +Admiral+ rechtskräftige Urkunden unterzeichnen konnte, -während der Ausgleich mit den Meuterern hätte von ihm auf dem Lande in -seiner Eigenschaft als +Vicekönig+ vollzogen werden müssen.[269] Aber -zeigte er durch solche Handlungs- und Denkweise nicht auf das klarste, -daß ihm zu einer höchsten Verwaltungsstelle alle Befähigung abging? - -In Spanien hörten die Klagen gegen ihn nicht auf. Daß er den Antheil -der Krone an der Ausbeute aus den Goldminen nicht rechtzeitig -einsandte, nannte man bereits Unterschlagung; und daß er den -Oberrichter Roldan, den er selbst gleichsam als seinen Liebling -großgezogen und zu der hohen Stellung vorgeschlagen hatte, jetzt als -seinen gefährlichsten Feind bezeichnete, mußte Bedenken erregen. Die -Königin war erzürnt, daß Columbus mit dem letzten Geschwader wiederum, -um dem Fiscus Geld zuzuführen, eine Fracht von Sklaven gesendet hatte, -statt der so oft in Aussicht gestellten Schätze von edlem Metall und -Gewürzen. - -Man sah wohl, daß die Colonie unter den beständigen Wirren ihrer -Auflösung entgegenging. Ein Mittel, die Ordnung wieder herzustellen, -bot sich in dem Wunsche des Vicekönigs, welcher um einen tüchtigen -Richter bat, um die Streitigkeiten auf der Insel zu untersuchen und -Recht zu sprechen. Aber die königliche Vollmacht, welche dem neuen -Richter auch die ganze Verwaltung der Insel übertrug und von Columbus -sogar die Uebergabe der höchsten militärischen Gewalt verlangte, ging -wiederum zu weit, weil sie die wiederholt bestätigten Rechte des -Genuesen als Vicekönig ohne weiteres bei Seite schob.[270] +Francisco -de Bobadilla+, dem so weitgehende Befugnisse durch Decret vom Mai 1499 -ertheilt wurden, erhielt sogar das Recht, jeden, der ihm für das Wohl -der Colonie gefährlich schien, mit Gewalt aus der Insel zu entfernen. -Seine Entsendung nach Haiti erfolgte aber erst im Sommer 1500, seine -Ankunft vor San Domingo am 23. August. In der Woche zuvor hatte -Columbus noch sieben Spanier mit dem Tode am Galgen bestraft, weil -sie Unruhen anstifteten; und doch schrieb er an die Amme des Prinzen -Juan: „als Bobadilla nach S. Domingo kam, war +die Insel ruhig+“. -Bobadilla sah die Leichen der Erhängten noch am Galgen beiderseits -der Einfahrt in den Hafen, und sah diese Art der Justiz als einen -Beleg für die Grausamkeit des Genuesen an, welcher er entgegentreten -müßte. Weder der Admiral noch sein Bruder Bartolomé waren um diese -Zeit in der Stadt anwesend. Bobadilla landete am nächsten Morgen mit -seiner Schar, und ließ, nachdem er in der Kirche der Messe beigewohnt, -seine Beglaubigungsschreiben der versammelten Menge vorlesen. Als er -dann noch zum Schluß das königliche Mandat verkündigte, daß allen in -königlichen Diensten Stehenden der rückständige Gehalt ausgezahlt -werden solle, hatte er bereits einen großen Theil der Spanier -gewonnen. Dann drang er mit Gewalt, aber ohne Blutvergießen in die -Festung ein und ließ sich die Gefangenen ausliefern, um seinem Amte -gemäß ihre Vergehen zu untersuchen. Seine Wohnung nahm er im Hause des -Columbus, dessen Eigenthum und Papiere er mit Beschlag belegte, als -sei er nur abgesendet, dem Vicekönig den Proceß zu machen, nicht aber, -die Rechtsansprüche +beider+ Parteien zu prüfen. Das ganze Volk zog -er aber dadurch auf seine Seite, daß er am nächsten Tage verkündigen -ließ, in den nächsten 20 Jahren könne jedermann ungehindert sich mit -Goldgewinnung befassen, falls nur der eilfte Theil des Ertrages an die -Krone abgeliefert würde. So entfremdete er mit Ausnahme der wenigen -Getreuen dem Vicekönig die Gemüther aller Spanier und konnte es auch -wagen, indem er den ihm gewordenen königlichen Auftrag verkannte -und überschritt, Hand an den Admiral und seine Verwandten zu legen. -Gebieterisch fordert er diesen auf, vor ihm zu erscheinen, und Columbus -leistete, als er die königlichen Befehle gesehen, Folge, indem er -ohne Begleitung nach San Domingo reiste. Mittlerweile hatte Bobadilla -den Bruder des Vicekönigs, Don Diego, in Ketten an Bord eines seiner -Schiffe bringen lassen. Gleiches Schicksal widerfuhr kurz darauf dem -Admiral selbst. Bobadilla erreichte von dem Gefangenen sogar, daß -dieser seinem energischen Bruder Bartolomé schrieb, er möge sich -gleichfalls der königlichen Entscheidung unterwerfen. So wurde auch -der dritte von den genuesischen Brüdern gefesselt. Bobadilla scheute -sich, persönlich mit den Gefangenen zu verkehren. „Ich habe nie mit -ihm gesprochen,“ klagte Columbus in seinem Briefe an die Amme des -Prinzen, „auch hat er keinem anderen erlaubt, mit mir zu sprechen. Ein -Gouverneur, der z. B. nach Sicilien geschickt wird und das Land nach -bestehenden Gesetzen friedlich regiert, hat eine ganz andere Stellung -als ich in einem ganz fremden, neu unterworfenen Lande mit fremden -Menschen und Sitten. Wenn ich geirrt habe, so geschah es ohne Schuld -oder unter dem Zwange der Verhältnisse. Was mich am meisten kränkt, ist -die Wegnahme meiner Papiere, die ich nie wieder sammeln kann, und die -meine Unschuld am besten beweisen würden.“[271] - -Columbus war durch die ihm widerfahrene Schmach so vollständig -gebrochen, daß er selbst für sein Leben fürchtete. Als der Hidalgo -Alonso de Villejo, ein Verwandter Fonsecas, mit der Wache bei ihm -erschien, um ihn aufs Schiff zu bringen, fragte Columbus, in dem -Glauben, man führe ihn zum Tode: „Villejo, wohin führt Ihr mich?“ „Aufs -Schiff um abzusegeln,“ lautete die Antwort. „Abzusegeln?“ wiederholte -der Admiral fast ungläubig. „Villejo, redet Ihr die Wahrheit?“ Erst bei -der wiederholten Versicherung, daß man ihn nicht täusche, fühlte sich -Columbus beruhigt. Auch fand er sowohl bei dem Schiffscapitän Andreas -Martin als bei Villejo Ehrerbietung und Theilnahme. Man wollte ihm -die Ketten abnehmen; aber er lehnte es ab: Spanien sollte die Schmach -sehen, die ihm, angeblich auf königliches Geheiß, als Lohn für seine -hohen Verdienste angethan war. Eine kurze und glückliche Ueberfahrt -ließ ihn schon in der letzten Woche des November 1500 in Cadiz landen. - -Der Hof befand sich in Granada. Der Capitän Andreas Martin hatte -gestattet, daß Columbus einen Brief an die Amme des Prinzen richten -dürfe, welche, wie er wußte, bei der Königin bedeutenden Einfluß besaß. -So gelangte die Darstellung der Verhältnisse nach seiner Auffassung -eher zu Ohren des Königpaars, als der bestimmt feindselige Bericht -Bobadilla’s. - -Wie es schon in Cadiz und Sevilla, soweit die Kunde gedrungen war, das -größte Aufsehen erregte, daß man den Entdecker der neuen Welt in Ketten -nach Spanien zurückbefördert hatte, so fühlten auch die Monarchen, daß -die gleichsam in ihren Namen dem Vicekönig angethane Schmach ihren -Schatten auf die eigne Majestät werfe, und gaben daher sofort ihr -höchstes Misfallen darüber zu erkennen. Columbus sollte sogleich seiner -Fesseln entledigt und mit aller ihm gebührenden Auszeichnung behandelt -werden. Zu gleicher Zeit ließen sie ihm eine bedeutende Summe (2000 -Ducaten) zustellen, damit er seinem Range gemäß reisen und bei Hofe -erscheinen könne. Daß er in seinen Ketten vor dem Thron erschienen, -darf wohl als romantische Ausschmückung bezeichnet werden; eher aber -dürfen wir dem Zeugniß Herreras[272] glauben, daß Columbus, als er vor -den Majestäten am 17. December erschien, und dem Königspaar knieend -seine Huldigung darbrachte, vor innerer Bewegung nicht sprechen konnte. - -Wenn ihm auch bei dieser Gelegenheit und in Zukunft stets mit -Auszeichnung begegnet wurde, und er darin eine Vergeltung für das ihm -zugefügte bittere Unrecht erblicken konnte, so sah er sich in dem -Einen, was er vor allem wünschte, getäuscht, daß er nicht wieder in -seine Hoheitsrechte über die neue Welt eingesetzt wurde. - - -12. Die letzte Reise des Columbus. - -Es scheint, als ob König Ferdinand vor der Hand nicht daran dachte, -den einmal vollendeten Eingriff in die Rechte des Columbus wieder -rückgängig zu machen. Die Verwaltung der indischen Colonien mußte -vor allem in einen geregelten Gang gebracht werden. Bobadilla hatte -sich durchaus untauglich gezeigt durch die übereilte Parteinahme -gegen den rechtmäßigen Statthalter, den er, ohne ihn nur zu sehen und -zu hören, von der Insel entfernte. Seine Anordnungen lockerten alle -Bande, Zügellosigkeit und Gesetzwidrigkeiten traten an die Stelle -der straffen Zucht Bartolomé’s, so daß die bessern Elemente sich von -dem neuen Regimente abwandten. Auch war man auf der Insel selbst dem -beseitigten Befehlshaber eine entschiedene Genugthuung schuldig. Daher -wurde im königlichen Rathe beschlossen, Bobadilla durch den gerechten -und unparteiischen Don Nicolas de +Ovando+ zu ersetzen; denn es galt -zu gleicher Zeit auch, den nutzlosen Bedrückungen und Grausamkeiten, -welche sich die spanischen Herren über ihre indischen Unterthanen -erlaubten, ein Ziel zu setzen. Ovando erhielt von der Königin Isabella -den ausdrücklichen Befehl, den Caziken und andern Indianern die -bestimmte Versicherung zu geben, daß sie selbst ihre neuen Unterthanen -in jeder Beziehung zu beschützen gesonnen sei. Nur für den königlichen -Dienst sollten die Indianer zu Arbeiten herangezogen werden dürfen. -Dieses letzte Recht bot aber in der Folgezeit wieder die Handhabe für -fortdauernde neue Quälereien. Auch sollte es gestattet sein, gewiß -in der guten Absicht, die Indianer zu entlasten, Negersklaven nach -Haiti einzuführen entweder von Spanien oder von der Westküste Afrikas, -wo der Menschenhandel schon seit langer Zeit bestand. Damit war der -erste Anlaß zu dem für Amerika so verhängnißvoll gewordenen schwarzen -Sklaventhum gegeben, welches in den folgenden Jahrhunderten so oft zu -blutigen Conflicten und staatserschütternden Kämpfen führen und -- ein -eignes Verhängniß -- nach 300 Jahren grade die erste spanische Colonie, -Haiti, ganz in die Hände der Schwarzen und Farbigen liefern sollte. - -Das von Bobadilla confiscirte Vermögen des Statthalters sollte -Ovando zurückfordern, die dem Vicekönig zustehenden Einkünfte ihm -ungeschmälert überweisen, die von Bobadilla erlassene Verfügung -bezüglich des freien Bergbaus auf Gold wieder aufheben. - -Das Vertrauen, welches man in Spanien auf die Tüchtigkeit Ovando’s -setzte und die Hoffnung, mit seinem Eintreffen in Haiti die Colonie -geordneten Verhältnissen wieder zugeführt zu sehen, ermuthigte eine -große Zahl von Auswanderungslustigen, ihr Heil in der neuen Welt zu -suchen. So segelte er mit 30 Schiffen und 2500 Personen am 13. Februar -1502 von San Lucar de Barrameda ab. Ein Schiff ging leider im Sturm -unter, die übrigen erreichten indeß am 15. April ihr Ziel. Ovando wurde -ohne Schwierigkeit, nachdem er die königlichen Befehle vorgelegt, als -Statthalter anerkannt. Gegen Bobadilla, dessen Ansehen mit einem Male -verschwand, wurde keine Untersuchung eingeleitet, doch mußte er nach -Spanien zurückkehren. Roldan dagegen und seine eifrigsten Parteigänger -wurden in Haft genommen und zur Verurtheilung auf die Flotte gebracht, -welche den neuen Befehlshaber herübergeführt hatte. Nachdem dieselbe -befrachtet war, sollte sie in die Heimat zurückkehren. - -Columbus hatte inzwischen, da er sah, daß er nicht sofort in seine -westindische Herrschaft wieder eingesetzt werde, sich zu einer neuen -großen Entdeckungsfahrt gegen Westen erboten. Man darf annehmen, daß -die Erfolge der Portugiesen einen wesentlichen Einfluß auf seine -neuen Pläne ausübten. Vasco da Gama war im September 1499 aus dem -indischen Gewürzlande zurückgekehrt, zu einer Zeit also, wo Columbus -noch in heftigem Kampfe gegen Roldan lag. In Spanien hatte er weitere -Nachrichten über Indien eingezogen, und da er sich überzeugt hielt, -das Ostgestade des asiatischen Continents bereits in Cuba und Paria -berührt zu haben, da ferner durch die Entdeckungsfahrten spanischer -Privatunternehmer, der Hojeda, Vespucci, Pinzon noch weitere -Küsten des Festlandes, zu welchem Paria gehörte, besucht waren, so -schloß er daraus, eine Fahrt zwischen Cuba und Paria gegen Westen -werde ihn nach dem portugiesischen Indien bringen. Die gewaltige -Meeresströmung, welche an der Küste Südamerikas ungestüm nach Westen -drängte, mußte nach seiner Vorstellung durch eine noch unerforschte -Meerenge führen, hinter welcher er das indische Meer „jenseits des -Ganges“, wie es seit dem Alterthum genannt wurde, zu finden meinte. -Durch diese Vorstellungen war die Richtung der neuen von ihm ins Auge -gefaßten Unternehmung bestimmt. Sein Plan wurde von den spanischen -Souveränen gern genehmigt, und so konnte er bereits im Herbste 1501 -an die Vorbereitungen zur Ausrüstung der bewilligten Schiffe gehen. -Er scheint selbst sein Leben daran setzen zu wollen, um einen großen -Erfolg zu erzielen; aber als ein vorsichtiger Mann wollte er dabei die -Zukunft seiner Familie möglichst sicher stellen. Darum ließ er von den -wichtigsten Dokumenten beglaubigte Abschriften nehmen und dieselben -in der Bank von Genua niederlegen. Darunter befand sich auch die am -14. März 1502 von der Krone gegebene erneuerte Versicherung, daß ihm -und seinen Kindern alle seine verbrieften Rechte unverkürzt erhalten -bleiben sollten. Er hatte vier kleine Caravelen, von 70 resp. 50 Tons -ausgerüstet und mit 150 Leuten bemannt. Sein Bruder Bartolomé, der ihm -überall die kräftigste Stütze gewesen war, sowie sein jüngerer, damals -erst 13jähriger Sohn Ferdinand begleiteten ihn. - -Am 9. Mai 1502 ging er von Cadiz aus in See. Beseelt von frommer -Hoffnung, daß seine Unternehmung gelingen werde, schrieb er von den -Canarien aus an seinen Freund und Rathgeber, der Karthäusermönch -Gaspar Gorricio in Sevilla. „Ich reise im Namen der heiligen Trinität -und hoffe auf Sieg“.[273] Eine rasche Fahrt von 19 Tagen brachte das -Geschwader von den Canarischen Inseln über den Ocean nach Martinique -(Matinino) und von hier an den kleinen Antillen und der Südküste -von Puertorico entlang nach San Domingo. So lange seine Schiffe im -Stande waren, wollte er seine Reise beeilen, aber da eins derselben -zur Forschungsreise untauglich war und schlecht segelte, so wollte er -dasselbe gegen ein besseres vertauschen und dieses auf seine Kosten -ausrüsten lassen. Im Haupthafen von San Domingo lag die große Flotte -noch vor Anker, als er am 29. Juni vor der Stadt erschien. Aber -Ovando gestattete dem Admiral nicht, ans Land zu kommen und Columbus -hinwieder hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, sein gesunkenes -Ansehen in seiner Colonie wieder zu heben, wenn er als Befehlshaber -eines Geschwaders einlaufe. Nur die von ihm aus Spanien mitgebrachten -Briefe konnten abgegeben werden, Ovando lehnte jede weitere Annäherung -ab. Auch darin fand Columbus kein Gehör, daß er aus astrologischen -Ursachen[274] den nahebevorstehenden Ausbruch eines furchtbaren Sturmes -verkündete und daher den Statthalter Ovando warnte, vor Ablauf einer -Woche die im Hafen segelbereite Flotte, auf welcher sich Bobadilla, -Roldan u. a. befanden, nicht abfertigen zu wollen. - -Wenn nun bald darauf, als die Flotte wirklich ausgelaufen war, der -Orkan losbrach, gegen 20 Schiffe mit Mann und Maus verschlang und -dabei auch Bobadilla und Roldan vernichtete; wenn von allen Fahrzeugen -nur ein einziges, und dazu ziemlich gebrechliches, welches aber das -wieder ausgelieferte Vermögen des Admirals an Bord hatte, endlich nach -Spanien die Reise fortsetzen konnte: mußte Columbus in allem nicht die -unmittelbare Hand Gottes und sein Strafgericht erkennen? Er selbst -hatte sich mit seinen vier Schiffen in die Nähe der Küste geflüchtet -und dort das verderbliche Unwetter glücklich überstanden, wenn auch -der schlechte Segler, den sein Bruder befehligte, aufs Meer getrieben -und seiner Böte beraubt wurde. „Der Sturm war furchtbar,“ schreibt -Columbus, „die Schiffe wurden getrennt und ich fürchtete, daß die -übrigen untergegangen. Wie schmerzlich ist es bei solcher Gefahr und in -Angst um den Sohn, den Bruder, die Freunde, nicht ans Land oder in den -Hafen flüchten zu dürfen, an einer Küste, welche ich unter so vielen -Mühseligkeiten für Spanien selbst gewonnen habe.“ - -Am 14. Juli segelte Columbus von Haiti ab und steuerte, indem er -die Inseln Jamaica und Cuba zur Rechten ließ, grade gegen Westen. -Jenseits Jamaica trieb ihn aber eine heftige Strömung gegen Nordwesten -bis zu der Region, wo die „Gärten der Königin“ lagen, doch sah er -das Land nicht. Von hier steuerte er nach der ~terra firma~ hinüber -und erreichte am 30. Juli die im äußeren Golf von Honduras gelegene -Insel Guanaja,[275] welche er nach dem prächtigen Fichtenwalde Isla -de Pinos nannte. Dort traf er mit yukatanischen Händlern zusammen, -welche in ihren großen, aus einem Stamm gefertigte Barken allerlei -Handelswaren hatten, als messingene Schellen, Messer und Beile von -hellem, durchscheinenden Stein, hölzerne Schwerter, deren Schneiden -aus scharfen Steinen bestanden, welche beiderseits in Rinnen eingefügt -waren, schön geschnitzte hölzerne und marmorne Gefäße, baumwollene, in -verschiedenen Farben gewebte Decken u. a. Columbus erkundigte sich bei -den Insassen der Böte nach dem Lande im Westen. Man nannte das Land der -Maya (Yukatan). Da die Handelswaren eine höhere Kultur verriethen, -als die Spanier bisher im westindischen Gebiete angetroffen, so wäre -Columbus, wenn er die Heimat der einheimischen Händler aufgesucht -hätte, zu den Städten in Yukatan, vielleicht gar an das Gestade von -Mexiko gelangt. Aber von der Vorstellung einer Meerenge beherrscht, -welche ihn weiter südlich um die vermeintliche hinterindische -Halbinsel, in deren Nähe er sich zu befinden glaubte, in den Golf -von Bengalen führen sollte, blieb der Admiral seinem Plane treu und -segelte statt nach Westen, nach Osten, und sah sich dadurch auch bei -der letzten Fahrt auf die Erforschung innerhalb des caribischen Meeres -beschränkt. Zunächst ging der Admiral nach dem im Süden gelegenen -festen Lande hinüber und landete in der Nähe des Cap Honduras, um -von dem neu entdeckten Gebiete für Spanien Besitz zu ergreifen. Es -scheint, daß er bei dem fortdauernd schlechten Wetter hier gegen 14 -Tage verweilte, dann steuerte er an der Küste gegen Osten. Aber die -heftigen Stürme und die furchtbare Gegenströmung ließen ihn kaum einen -Schritt vorwärts gewinnen. In einem Zeitraum von vier Wochen, vom 14. -August bis zum 12. September (Columbus gibt irrthümlich 60 Tage, Peter -Martyr richtiger 40 Tage, den Aufenthalt bei Guanaja eingerechnet), -legte er, unter stetem Laviren, nur einen Abstand von drei Meridianen -zurück. „Es regnete, donnerte und blitzte unaufhörlich, es sah aus, -als ob die Welt untergehen sollte. In der ganzen Zeit sah ich weder -Sonne noch Sterne. Meine Schiffe hatten furchtbar gelitten, die Segel -waren zerrissen. Wir hatten Anker, Takelwerk, Böte und eine große Menge -Vorräthe eingebüßt. Das Schiffsvolk war krank und niedergedrückt. -Manche gelobten ein religiöses Leben zu führen und alle verpflichteten -sich zu Walfahrt und Beichte. Wir haben manche Stürme erlebt, aber nie -einen von solcher Heftigkeit.“[276] Am meisten war Columbus um seinen -13jährigen Sohn besorgt; aber er fand einen Trost darin, daß dieser -sich auf der See bewährte. Dann machte er sich Vorwürfe darüber, daß er -seinen Bruder Bartolomé, den er gegen dessen Willen mitgenommen, stets -der äußersten Gefahr ausgesetzt sah, weil er sich auf dem schlechtesten -Fahrzeuge befand. Der Admiral selbst lag fieberkrank danieder, leitete -aber trotzdem von einer kleinen Cabine aus, die auf Deck errichtet -worden war, den Lauf des Schiffes. Krankheit und Sorgen preßten ihm die -Klage aus, daß er nun in 20 Dienstjahren voll Mühen und Gefahren noch -nichts gewonnen habe und bis jetzt in Castilien noch keinen Dachziegel -erworben habe, daß er in Spanien beständig auf das Wirthshausleben -angewiesen gewesen sei und meistens kaum die Mittel besessen habe, um -seine Rechnungen bezahlen zu können. - -So erreichte er endlich am 12. September das östlichste Vorgebirge von -Honduras, von wo die Küste nach Süden lief und ihm besseres Wetter und -günstiger Fahrwind in Aussicht stand. - -Zum Dank für die Errettung Aller nannte er jenes Vorgebirge ~Gracias -à Dios~ (Gott sei Dank), wie es noch heute heißt. Die Küste, welche -sich von da ab, zwischen dem 15° und 10° n. Br. nach Süden zog, -bewahrte zwar noch denselben Charakter, aber die Fahrt ging leichter -von statten. Hinter dem flachen, sandigen Strande breiten sich -zahlreiche Lagunen hin. Der Boden ist, bisweilen bis dicht ans Meer, -mit Pechtannen bewachsen oder mit üppigem Platanenwald bedeckt. Große -Savannenflächen breiten sich dazwischen aus. Die ganze Gegend gilt als -gesund. Erzgänge kennt man hier nicht; aber manche Flüsse, wie der Rio -Tinto gegen Norden, und der Rio Pataca scheinen reich an goldführendem -Sande zu sein. - -Am 25. September gelangte das Geschwader zu einer reizenden -Gestadeinsel, welche Columbus den Garten (la Huerta) benannte. -Am festen Lande lag, in der Nähe der Mündung eines Flusses, das -Indianerdorf Cariai.[277] Hier gönnte er (vielleicht in der Nähe der -heutigen Stadt Greytown) seiner Mannschaft eine längere Ruhe, ließ -die Schiffe ausbessern und Vorräthe einnehmen. Aus den Erkundigungen, -welche Bartolomé Colon am Lande einzog, ging hervor, daß weiter gegen -Südosten reiche Goldgestade ihrer warteten. So steuerten denn die -Schiffe am 5. October dieser verheißenden Küste zu und kamen nach zwei -Tagen in die heutige inselreiche Bai von Chiriqui. Die Indianer nannten -diese Gegend Cerabaró oder Carabaro. „Ich selbst,“ schreibt Columbus, -„erhielt Mittheilung über die gesuchten +Goldbergwerke in der Provinz -Ciamba+ und zwei Indianer führten mich nach Carambaru, wo das nackte -Volk Goldschmuck am Halse trug.“ - -Die Provinz Ciamba, welche Columbus nennt, ist das schon von Polo -erwähnte Königreich Tschampa in Hinter-Indien. Der Irrthum des Admirals -erklärt sich aber, sowie wir einen Blick auf den Globus Behaims werfen. -Westlich von Cipangu (Haiti, nach Ansicht des Columbus) erstreckt sich -die Ostküste Asiens zwischen dem 20° und 10° n. Br. von Norden nach -Süden. An dieser Küste glaubte der Admiral angelangt zu sein, und eben -hier sehen wir auf Behaims Globus das Königreich Ciamba eingezeichnet. -So fest war auch hier wieder Columbus von seinen Ideen eingenommen, -daß er ohne weitere Erklärung und mit der größten Sicherheit von der -„Provinz Ciamba“ spricht. - -Wo südlich von der Mündung des Rio San Juan die Küste des -mittelamerikanischen Isthmus in den Staaten Costarica und Panama -sich im allgemeinen mehr nach Osten zieht, ändert sich die Natur des -Gestades. Dicht bewaldete Berge treten bis an die See; größere und -kleinere, zum Theil mit Berginseln malerisch besetzte Buchten öffnen -sich und bieten guten Ankergrund. Gegenüber von Carabaró lag auf den -anderen Seiten der herrlichen, fischreichen Bucht von Chiriqui die -Landschaft +Aburéma+, beide reich an Gold in allen Flüssen. Hier -war es, wo Columbus die erste dunkle Kunde von dem großen Ocean -erhielt, diese Nachricht aber auf das indische Meer jenseits des -Ganges bezog. Neun Tagereisen quer durch das Land nach Westen lag -nach den Angaben der Indianer, denen man Glauben schenken durfte, -das goldreiche Land +Ciguara+, dessen Bewohner Korallenschmuck im -Haar und große Korallenarmbänder trugen. Auch sollte dort der Pfeffer -bekannt sein. Columbus erfuhr weiter, daß in jenem Lande Messen -und Märkte abgehalten würden, daß die Leute kunstreich gearbeitete -Kleidung trügen, mit Schwertern, Bogen und Pfeilen bewaffnet, sogar mit -Harnischen gerüstet seien. Auch glaubte der Admiral aus den weiteren -Mittheilungen zu verstehen, daß das Volk auf seinen Schiffen Kanonen -führe und Streitrosse besitze. Die goldreiche Küste jenseits der Bai -von Chiriqui wurde nach einem Indianerorte +Veragua+ genannt. Eine -höhere, der Küste parallel laufende Gebirgskette war fast immer in -Wolken gehüllt. Ihre Gipfel schätzte Columbus auf 50,000 Fuß Höhe. -Am Fuß der Gebirge, sagte er, öffne sich ein Pfad zu dem asiatischen -Ostmeere, so daß Veragua und Ciguara einander gegenüber liegen wie -Tortosa und Fuentarabia in Spanien, oder Venedig und Pisa in Italien. -Er hoffte also, da er sich die mittelamerikanischen Landschaften -auf den einander gegenüberliegenden Küsten einer Halbinsel, wie -Spanien und Italien vorstellte, bei einer Weiterfahrt das Ende des -Landes umsegeln zu können und eine Meerenge zu finden in ähnlicher -Lage, wie südlich von Italien oder Spanien. Darum fügt er hinzu: Die -See umgibt Ciguara und in 10 Tagen kommt man von da zum Ganges. Er -glaubte also nahe dem südlichen Ende der hinterindischen Halbinsel zu -sein, wo nach der Vorstellung des Ptolemäus der Hafen Catigara lag. -Bestärkt wurde Columbus noch durch die Angaben der Kosmographie des -Aeneas Sylvius[278] (Papst Pius II.), welche er auf seinem Schiffe -mit sich führte. Hier fand er bei der Beschreibung Ostasiens, Katais -und Matschins (Großchinas) Mittheilungen über das Tätowiren, über -den Sonnenkultus u. a., was er an der Küste von Mittelamerika auch -beobachtet hatte, so daß er daraus folgerte, er sei in die Nähe des -alten Handelshafens von Catigara angelangt, die Halbinsel sei nur noch -9 Tagereisen breit und jenseits derselben erreiche man bei günstiger -Fahrt in 10 Tagen den Ganges. - -War diese Berechnung richtig und hatte er damit, auf die Autorität -des Ptolemäus bauend, welcher Catigara 180 Meridiane östlich von den -Canarischen Inseln ansetzt, gegen Westen segelnd, die Hälfte des -Erdballs umfahren, dann konnte auch der Umfang der Erde nicht so groß -sein, wie seit der Berechnung des Alterthums allgemein angenommen -wurde; denn er war sich wohl bewußt, daß er in geradem Abstande von -Osten nach Westen noch nicht eine so große Strecke durchmessen hatte, -welche der Hälfte des Erdumfanges entspräche. Aber auch vor dieser -Consequenz schreckte er nicht zurück und erklärte darum in seinem -Briefe aus Jamaica: +Die Welt ist nicht so groß, als man gewöhnlich -annimmt+, denn ein Aequatorialgrad beträgt nicht 60 sondern nur 56⅔ -Meilen (~millas~).[279] - -Unter diesen Vorstellungen und in der sicheren Erwartung, die -Meerenge bald zu erreichen, segelte er weiter, ohne das Goldland -von Veragua genauer zu untersuchen. Am Abend vor Simon und Judä -wurde er widerstandslos vom Sturme fortgetrieben und fand erst nach -mehreren angstvollen Tagen Schutz vor der wilden See und dem rasenden -Sturme in einem prächtigen Hafen, dem er den Namen Puerto bello gab. -Hier blieb er vom 2. bis 9. November liegen, bis das Unwetter sich -ausgetobt zu haben schien. Nach den Goldminen von Veragua wollte er -nicht zurückkehren; er sah sie schon als spanisches Eigenthum an. -Unter heftigen Regengüssen segelte er weiter, wurde aber schon nach -kurzer Fahrt genöthigt, wider seinen Willen, an der schützenden Küste -eine Zuflucht gegen die von neuem losbrechenden Wetter zu suchen. Die -Umgebung des Hafenplatzes war wohl angebaut und bot eine willkommene -Fülle von Nahrungsmitteln, daher erhielt die Bucht den Namen ~Puerto -de los bastimentos~ (Hafen der Vorräthe). Sturm und Ungewitter hielten -ihn hier bis zum 23. November fest. Als er sich ohne günstiges Wetter -von neuem wieder hinauswagte, konnte er unter großer Anstrengung nur 15 -Meilen zurücklegen; denn Wind und Strömung waren ihm dermaßen entgegen, -daß er nach dem verlassenen Hafen zurückweichen mußte. Unterwegs fand -er einen andern Hafen, den er Retrete nannte. Es war ein ganz kleiner, -unbequemer Hafen, der von Sandbänken und Felsen umsäumt war. Hier ward -er von neuem auf die Dauer von 14 Tagen festgehalten. Am 5. December, -als er die Zufluchtsstätte verlassen und nur vier Meilen weit gekommen -war, brach der Sturm mit gesteigerter Wuth wieder los und machte ihn -völlig rathlos. Die schaumbedeckte See erhob sich zu furchtbarer Höhe, -wie er noch nie erlebt hatte. „Der Wind war uns grade entgegen,“ so -beschreibt Columbus diese Unwetter, „und machte es uns unmöglich, nach -einer vor uns liegenden Landspitze zu steuern. Die See kochte wie ein -Kessel über starkem Feuer. Tag und Nacht flammte der Himmel von den -zuckenden Blitzen, welche von so entsetzlichem Donner begleitet waren, -daß wir alle fürchteten, die Schiffe müßten untergehen.“ Neun Tage -schwebte er so in Lebensgefahr und während dieser ganzen Zeit strömte -das Wasser vom Himmel nicht wie Regen, sondern wie eine neue Sündflut. -Die Mannschaft wurde so muthlos, daß sie den Tod als eine Erlösung aus -diesem Jammer ansah. Zweimal hatten die Schiffe bereits Verluste an -Böten, Ankern und Tauwerk erlitten und lagen nun ohne Segel bei. - -In der Nähe der eigentlichen Landenge von Panama wurde Columbus zur -Umkehr genöthigt. Seine Schiffe waren in dem erbärmlichsten Zustande -und hielten sich, von Bohrwürmern angegriffen, kaum noch über Wasser. -Aber auch auf dem Rückwege nach Veragua tobte das Wetter und hielten -widrige Winde ihn beständig auf, so daß er wiederholt sich in den -Schutz der Küste flüchten mußte; so auch am Weihnachtsabend, wo er aus -der bevorstehenden Opposition des Saturns mit der Sonne auf ein neues -Ausbrechen der Wuth der feindlichen Elemente sich glaubte gefaßt machen -zu müssen. Erst mit dem Beginn des neuen Jahres 1503 trat günstigeres -Wetter ein und so erreichte er, im Zustande höchster Erschöpfung, denn -die Mannschaft lag größtentheils krank darnieder, die Küste von Veragua -am Epiphaniastage und lief in den Fluß Belen oder Yebra ein, über -dessen Barre er zwar mit großer Schwierigkeit, aber doch glücklich in -stilles Fahrwasser gelangte. Am folgenden Tage brach der Sturm wieder -los und hätte es ihm unmöglich gemacht über die Barre zu kommen, wenn -er von dem Unwetter noch auf der See überrascht worden wäre. Der Regen -hielt bis zum 14. Februar an, so daß man anfangs nicht im Stande war -die Schiffe zu verlassen. Am 24. Januar schwoll der Fluß plötzlich so -gewaltig an, daß er die Schiffe von ihren Kabeln losriß und beinahe -wieder auf das Meer hinausgetrieben hätte. - -Erst am 6. Februar konnte der Admiral es wagen, seinen Bruder Bartolomé -mit 68 Mann auf Kundschaft nach dem Veraguafluß zu senden. Der -Adelantado erreichte in seinen Böten bald das Dorf des Quibian oder -Caziken von Veragua. Der Häuptling, nach Landessitte bemalt, aber -nackt, kam den Fremden mit großem Gefolge, aber unbewaffnet entgegen. -Bei der Zusammenkunft holten seine Begleiter aus der Nähe einen großen -Stein herbei, wuschen denselben in dem Flusse sorgsam ab, rieben ihn -trocken und legten ihn vor ihrem Fürsten nieder, damit er, seiner -Würde gemäß, sitzend die Unterhaltung beginnen könne.[280] Auf den -Wunsch der Spanier, zu den Fundstätten des Goldes geführt zu werden, -zeigte sich der Quibian sofort bereit und bestellte drei Führer, um die -Fremden dahin zu geleiten. Bartolomé Colon sandte einen Theil seiner -Mannschaft zum Schutz der Böte zurück und brach mit den übrigen nach -den Minen auf. In allen Gewässern konnte man mit leichter Mühe zwischen -den Wurzeln der Bäume, unter dem Flußgeröll und im Sande Goldblättchen -auflesen. Weiter brachten die Indianer den Adelantado mit seinem -Gefolge auf einen hohen Berg, von wo aus man das Land weit und breit -übersehen konnte und erklärten, daß überall, namentlich gegen Westen -auf 20 Tagereisen weit sich Gold sammeln lasse und nannten Städte und -Dörfer, welche in jenem Goldgebiete lägen. Nachher erfuhr man, daß -der schlaue Quibian den Spaniern die ergiebigen Gebiete eines ihm -feindlichen Nachbarfürsten hatte zeigen lassen, um die Fremdlinge mit -seinem Feinde in Streit zu bringen, daß er aber die besten Goldfelder -im eignen Lande verheimlicht hatte. - -Am 16. Februar setzte Bartolomé die Erforschung des Landes weiter fort, -fand überall reichliche Spuren von Gold, besuchte mehrere Caziken, bei -denen er freundliche Aufnahme fand, erkannte aber, daß das Gebiet von -Veragua von allen am reichsten sei. Auch wiederholte sich hier wieder -die Kunde von einem mächtigen Kulturvolke, das an dem andern Meere -wohnen sollte. - -Es schien klar, daß man sich hier in der Nähe der reichsten Gebiete -Asiens befand, und daher beschloß Columbus hier eine Niederlassung zu -gründen. Veragua war der goldene Chersones. (Siehe oben S. 207.)[281] - -Am Flusse Belen wurden Häuser errichtet, der Adelantado entschloß -sich in der Colonie die Leitung zu übernehmen und mit einem Fahrzeuge -zurückzubleiben, indeß Columbus nach Spanien zurückkehren und von da -neue Verstärkungen herüberführen wollte. Der Quibian, den der Admiral -durch Geschenke für seinen Plan gewonnen glaubte, sah die Versuche -seiner Gäste, sich häuslich niederzulassen, mit schelem Blick und -wachsendem Unbehagen. Das gute Einvernehmen zwischen Spaniern und -Indianern wurde allmählich getrübt, denn die Eingeborenen hatten -von der Anmaßung der Fremden zu leiden. Der Quibian benutzte die -entstehende Zwietracht zu einer allgemeinen Verschwörung, man wollte -die neuen Häuser der Colonie in Brand stecken und die Insassen -tödten. Diego Mendez, ein dem Columbus treu ergebener Mann, erhielt -zuerst von diesem Plan Kenntniß; er bewachte die Bewegungen der -bewaffneten indianischen Scharen, so daß sie im geheimen ihre Absicht -nicht ausführen konnten, ja er drang sogar bis zu dem Mittelpunkte -der feindlichen Macht, bis zur Behausung der Caziken vor, indem er -sich für einen Wundarzt ausgab, welcher dem verwundeten Häuptling -Linderung bringen wolle. Nachdem er sich dabei noch einmal vergewissert -hatte, daß in der That ein Angriff auf die spanische Niederlassung -bevorstehe, kehrte er nach dem Belen zurück. Bartolomé Colon wählte -sofort gegen 50 tüchtige Leute aus, rückte vor das Haus des Quibian -und nahm denselben sammt seiner zahlreichen Familie gefangen. Leider -entkam der Häuptling in der darauf folgenden dunkeln Nacht wieder und -gab nun das Signal zum Angriff auf die Ansiedlung. Inzwischen hatte der -Admiral im Anfang April drei Schiffe aus dem Flusse wieder über die -Barre aufs Meer gebracht, um nach Spanien zurückzukehren, während sein -Bruder nebst einem Schiffe in Veragua zurückbleiben sollte. Als aber -durch den erbitterten Angriff der Indianer die am Lande befindlichen -Spanier aus ihren Hütten vertrieben wurden, und als vollends der -Capitän Diego Tristan mit seiner Bootsmannschaft, welche den Fluß Belen -hinaufgegangen war, um Wasser zu holen, von den Feinden erschlagen -worden, war das Schicksal der Colonie besiegelt. Es galt nur noch, den -Adelantado mit seinen Leuten, die sich am Strande verschanzt hatten, -zu retten. Der Admiral, selbst in heftigem Fieber liegend, und fast -aller seiner Böte beraubt, nicht fähig seinem Bruder Hilfe zu bringen, -gerieth in die höchste Aufregung. „Ich war allein draußen,“ erzählte -er später, „an der gefährlichen Küste, von schwerem Fieber befallen -und todesmatt. Alle Hoffnung, zu entkommen, war dahin. Ich arbeitete -mich mühsam auf den höchsten Theil des Schiffes und rief mit zitternder -Stimme unter heißen Thränen die Hauptleute mir zu Hilfe zu kommen, aber -es kam keine Antwort.“ In seinen Fieberphantasien glaubte Columbus nun, -als er völlig erschöpft eingeschlafen war, eine mitleidige, tröstende -Stimme zu vernehmen, welche zu ihm sprach: „Warum verzagst du in deinem -Glauben an Gott? Was that er mehr für Moses oder für seine Knechte, -als er für dich gethan? Seit deiner Geburt hat er die größte Sorge -um dich gehabt. Als er dich zu den von ihm bestimmten Jahren kommen -sah, hat er deinen Namen in der ganzen Welt ertönen lassen. +Er gab -dir Indien+, den reichsten Erdtheil, du vertheiltest es nach deinem -Belieben. Du empfingst von ihm die Schlüssel zum Ocean, der bisher -mit starken Ketten verschlossen war. Man gehorchte deinen Befehlen -in den unermeßlichen Ländern, und du hast unsterblichen Ruhm unter -den Christen erworben. Was that er mehr für das Volk Israel, als er -es aus +Aegypten+ führte, und für David, den er aus dem Hirtenstand -zum Throne Judas erhob? Kehre zurück zu deinem Gott, erkenne endlich -deinen Irrthum; sein Mitleid ist ohne Grenzen. Dein Alter (~ta vejez~) -wird dich nicht hindern, große Thaten zu thun. Er hält in seiner Hand -die glänzendste Erbschaft... Sprich, wer hat dich so tief und so oft -gebeugt, Gott oder die Welt? Gott hält stets, was er verspricht. -Fürchte nichts, fasse Muth!“ - -Die peinliche Ungewißheit über die am Lande Zurückgelassenen währte -tagelang, denn wegen der starken Brandung war aller Verkehr mit der -Küste abgeschnitten. Endlich erbot sich der Pilot Pedro Ledesma, durch -die Brandung zu schwimmen, wenn man ihn mit dem letzten verfügbaren -Bote bis an die Grenze derselben bringe. Diese kühne That gelang, und -so erhielt Columbus Nachricht, daß sein Bruder sich noch an der Küste -vertheidige. Trotz seiner gefahrvollen Lage -- denn die von Würmern -zerfressenen Schiffe hielten sich kaum noch über Wasser -- mußte er -noch längere Zeit ausharren, bis das Wetter sich günstiger gestaltete -und es ermöglichte, die am Lande befindliche Mannschaft, wenn auch mit -Zurücklassung ihrer Caravele, wieder einzuschiffen und die Gründung -einer Colonie einer späteren Zeit vorzubehalten. So gelang es denn -Ende April, die gefährliche Goldküste von Veragua mit drei Schiffen -zu verlassen. Das Geschwader ging nach Osten an der Küste entlang, -mußte bei Puerto bello noch ein Schiff zurücklassen, welches zu einer -Fahrt über das Meer völlig untauglich geworden war, und drang bis an -den Golf von Darien vor. Von hier steuerten die beiden letzten Schiffe -grade nach Norden, um womöglich Jamaica zu erreichen; aber Wind und -Strömung trieben sie von ihrem Cours ab und zu weit nach Westen, so daß -sie statt nach Jamaica an die kleine Cayman-Insel und von da nordwärts -zu der Inselwolke kamen, welche Columbus bei seiner Erforschung der -Südküste Cubas bereits besucht und mit dem Namen „Gärten der Königin“ -belegt hatte. „Die See war sehr stürmisch und ich wurde rückwärts -getrieben vor Top und Takel (~volver atras sin velas~). Das eine Schiff -verlor drei Anker. Um Mitternacht brach ein Wetter los, als sollte die -Welt untergehen, so daß auch die Kabel des andern Schiffes rissen und -dasselbe mit solcher Gewalt auf uns zutrieb, daß alles in Stücke zu -gehen drohte. Nur +ein+ Anker hielt noch, und war nächst Gott unsere -einzige Rettung.“[282] Erst nach sechs Tagen, als das Wetter ruhiger -geworden war, konnte man weiter segeln. Es war eine verzweifelte -Fahrt. Die Schiffe waren von den Würmern wie Honigwaben durchlöchert. -Die Mannschaft war völlig verzagt und muthlos. Als Columbus die -Südwestspitze Cubas, Cap de la Cruz erreicht hatte, hoffte er an der -Küste entlang ostwärts nach Haiti zu kommen; aber Wind und Strömung -waren ihm dermaßen entgegen, daß er mit seinen kaum noch haltbaren -Schiffen nicht dagegen ankämpfen konnte und sich genöthigt sah, sich -nach Jamaica zu wenden. Das Wasser drang unaufhaltsam in die Fahrzeuge -ein und konnte, trotzdem man mit drei Pumpen, mit Töpfen und Kesseln -am Ausschöpfen arbeitete, nicht bewältigt werden, sondern stieg im -Schiffsraum immer höher. Man war froh, mit den sinkenden Schiffen -bis nach Jamaica hinübergekommen und wenigstens das Leben gerettet -zu haben. So ließ denn der Admiral beide Schiffe an einer günstigen -Stelle an den Strand laufen. Es war am 25. Juni 1503, daß die Schiffe -sich im Hafen Santa Gloria, jetzt Christovals-Bucht genannt, nahe -am Lande auf seichtem Grunde mit Wasser füllten, so daß sie bis ans -Verdeck sanken. Das Verdeck selbst blieb über Wasser, und hier wurde -in gedeckten Cajüten die Mannschaft untergebracht. So konnten die -Wracks noch als Holzfestungen gegenüber unerwarteten Angriffen von -Seiten der Bewohner dienen, auch wurden die Mannschaften abgehalten, am -Lande herumzuschweifen und den Indianern Anlaß zu Conflicten zu geben, -welche bei der hilflosen Lage der Spanier allen den Untergang bereiten -konnten, wenn ihnen vom Lande her die erforderlichen Lebensmittel -versagt wurden, denn die Schiffsvorräthe waren natürlich sämmtlich -verloren gegangen. - -Glücklicherweise zeigten sich die Indianer, welche bald scharenweise -am Strande erscheinen, geneigt, zum Tausch gegen europäische Artikel -Lebensmittel herzuzuschaffen. Aber diese Art der Verproviantirung -konnte bei ihrer Unregelmäßigkeit auf die Dauer die Spanier nicht vor -Hungersnoth schützen. Es mußte das Gebiet der Bezugsquellen weiter -ausgedehnt, es mußten mit den entfernteren Dörfern gewissermaßen -Lieferungsverträge abgeschlossen werden. - -Zu dem Ende erbot sich Diego Mendez, mit drei Leuten auf Kundschaft -auszuziehen. Ueberall fand er freundliche Aufnahme; Cassavebrod und -Fische wurden ihm in Fülle gereicht. So zog er von einem Dorf zum -andern und gelangte endlich bis an den äußersten Osten der Insel, wo -er sogar mit dem Caziken Blutsfreundschaft schloß und seinen Namen -eintauschte. Hier kaufte Mendez ein Boot, belud es mit Nahrungsmitteln -und brachte es nach der Hafenbucht von Santa Gloria. - -War damit und mit dem in Folge des Uebereinkommens reichlich -zugeführten Lebensbedarf die Noth der Schiffbrüchigen gehoben, so blieb -doch ihre Lage eine absolut hoffnungslose, wenn es nicht gelang, nach -Haiti zum Statthalter Ovando eine Mittheilung von ihrem Aufenthalte -und ihrem Schicksal zu befördern. Auch zu diesem Wagniß erbot sich -Mendez. Zwar schlug der erste Versuch fehl, da er mit seinen Genossen -am östlichen Strande von Jamaica gefangen genommen wurde und nur mit -Noth den Eingeborenen entrinnen konnte. Aber er war auch zum zweiten -Male bereit, sein Leben für die Rettung des von ihm verehrten Admirals -und seiner Begleiter zu wagen. Diese zweite Unternehmung wurde besser -vorbereitet. Es gingen nämlich zwei Böte, indianische Canoes, welche -für die Seefahrt besonders hergerichtet waren, unter Mendez und -Bartolomeo Fiesco ab. In jedem Bote befanden sich sechs Spanier und -zehn indianische Ruderer; es fand nämlich ein Verkehr über See zwischen -den großen Inseln statt und die Indianer konnten dabei den Spaniern -die Segelrichtung angeben. Damit aber die beiden Böte, welche erst vom -Ostende Jamaicas sich nordwärts über das Meer wagen sollten, nicht -wieder von Indianern überfallen werden könnten -- denn es konnte der -Fall eintreten, daß wegen widriger oder hochgehender See die Böte nicht -sofort vom Strande ablaufen durften, sondern mehrere Tage auf günstiges -Wetter zu warten hatten; -- so begleitete sie der Adelantado mit 50 -Bewaffneten, die am Strande hinzogen und denselben so lange schützten, -bis ihre Genossen sich mit den Canoes aufs Meer hinaus wagen durften. -Diese kühne Bootfahrt fällt in den August 1503. Fünf Tage und vier -Nächte wurde unablässig gerudert, Mendez saß ohne Unterbrechung am -Steuer. So erreichten sie das Cap St. Miguel (jetzt Cap Tiburon), die -Westspitze Haitis, wo sie, erschöpft von der großen Anstrengung, zwei -Tage rasteten. Dann setzten sie ihre Fahrt längst der Südküste weiter -fort. In der Landschaft Jaragua traf Mendez den Statthalter Ovando, -welcher ihn zwar freundlich empfing, aber doch seinem Bericht über die -trostlose Lage der Schiffbrüchigen auf Jamaica nicht trauete, vielmehr -argwöhnte, Columbus wolle durch eine plumpe List ihn täuschen, um -wieder den Boden seiner Colonie betreten zu dürfen. - -Monate vergingen, ehe der Statthalter von Haiti dem Drängen des Mendez -nachgab und ein Schiff unter Diego de Escobar auf Kundschaft nach -Jamaica entsendete. Die Wahl dieses Sendboten war als eine für Columbus -nicht günstige aufzufassen, denn Escobar hatte zu den Parteigängern -Roldans gezählt, war aber später begnadigt worden. Er kürzte auch -seinen Besuch in Jamaica möglichst ab, nahm Briefe des Columbus mit und -ging bald wieder in See mit dem Versprechen, ein größeres Schiff zu -senden, um den Admiral aus seiner gefährlichen Lage zu befreien; das -Fahrzeug, auf welchem er gekommen, sei zu klein, um die Schiffbrüchigen -alle aufzunehmen. - -Mendez hatte sich indessen bemüht, mit dem Gelde des Columbus in Haiti -ein Schiff zu miethen, konnte aber seine Absicht erst im Frühling 1504 -erreichen, weil nicht eher Schiffe von Spanien angekommen waren. Er -belud dann ein Fahrzeug mit Vorräthen aller Art und sandte es nach -Jamaica, während er selbst nach Spanien ging, um dem Könige von dem -Schicksal des Columbus Mittheilung zu machen. So kam es, daß der -Admiral sich ein ganzes Jahr unter wachsender Gefahr und aufreibenden -Sorgen auf Jamaica festgehalten sah. - -Bald nach der Abfahrt des Mendez hatten die Indianer die weiteren -Lieferungen von Lebensmitteln verweigert und konnten nur durch eine -auf ihre Einfalt und ihren Aberglauben berechnete List bewogen werden, -die weitere Verpflegung der fremden Gäste zu übernehmen. Columbus -wußte, daß am 29. Februar 1504 eine Mondfinsterniß eintreten werde. -Er drohte daher den Indianern mit dem Zorn der himmlischen Gottheit, -welche ihr leuchtendes Angesicht von ihnen abwenden werde, wenn man den -Spaniern den nöthigen Nahrungsbedarf entzöge. Die kindlichen Gemüther -der Eingebornen wurden durch das rasche Eintreffen der drohenden -Prophezeihung so erschreckt, daß sie, um den Zorn des Lichtgottes zu -besänftigen, sich alsbald bereit erklärten, die Spanier mit Vorräthen -zu versehen. - -Weit gefährlicher und langwieriger gestaltete sich die Meuterei -der beiden Brüder Francisco und Diego Porras, welche mit 48 -Gesinnungsgenossen unter Drohungen, denen sich der muthige Adelantado -vergebens zu widersetzen suchte, die Schiffe verließen und auf -demselben Wege wie Mendez und Fiesco ihr Heil versuchen und nach Haiti -segeln wollten, weil sie meinten, Columbus habe gar nicht die Absicht, -Jamaica wieder zu verlassen, sondern wolle sie zwingen, mit ihm dort -eine dauernde Colonie zu gründen. Ihr Versuch, auf indianischen Böten -ihre Flucht auszuführen, scheiterte an der Ungunst des Wetters, sie -waren nach kurzem Kampf mit dem feindlichen Elemente genöthigt, nach -Jamaica zurückzukehren. Columbus suchte vergebens eine Verständigung -herbeizuführen, aber diese zerschlug sich an den unbilligen Forderungen -der Meuterer. Und als diese vollends sich anschickten, einen geeigneten -Hafenplatz, wo man die Landung der verheißenen rettenden Fahrzeuge -erwartete, zu besetzen, und sich dadurch zu Herren der Rettungsschiffe -zu machen, blieb der dem Columbus treu gebliebenen Mannschaft, an -deren Spitze der Adelantado trat, nichts übrig, als die Entscheidung -der Waffen anzurufen. So kam es am 19. Mai 1504 zu einem blutigen -Zusammenstoß, in welchem mehrere Meuterer erschossen und Francisco -Porras gefangen genommen wurde. Die Besiegten baten um Gnade und mußten -unter feierlichem Eidschwur von neuem Treue geloben. Nur unter dieser -Bedingung wurden sie in dem Schiffe mit aufgenommen, welches, von Diego -Mendez gesendet, am 28. Juni vor der Bucht von Santa Gloria eintraf und -alle Spanier nach Haiti hinüberbrachte, wo sie am 13. August den Hafen -von San Domingo erreichten. Ovando nahm den Admiral mit seinen Leuten -ehrerbietig auf, zeigte ihm aber auch seine höhere Amtsgewalt, indem -er dem gefangenen Francisco Porras seine Fesseln abnehmen ließ. Am 12. -September trat Columbus seine letzte Heimreise aus der neuen Welt an -und erreichte im Anfang November nach einer stürmischen Ueberfahrt den -spanischen Boden in Cadiz. - - -13. Die letzten Lebensjahre des Columbus. - -Gekränkt und in seiner Ehre verletzt, niedergedrückt durch den Verlust -aller Schiffe, mit denen er von Spanien ausgezogen, siech an Körper -und Geist kam er von dieser seiner letzten Fahrt zurück. Niemand -kümmerte sich um die Heimkehr des armen Schiffbrüchigen. Der Jubel, der -ihn sonst empfangen, war verstummt. Peter Martyr, welcher in seinen -Briefen ehedem sich der intimen Freundschaft des Admirals gerühmt -hatte, schweigt in seinen gleichzeitigen Briefen über die Resultate -dieser Reise. Columbus ist ihm ein gefallener Mann, den man nicht -mehr nennen darf, ohne sich zu compromittiren. Man darf wohl daran -erinnern, daß Martyr auch in seinen Decaden (~Dec.~ I. ~lib.~ 10) am -gehörigen Orte nur ganz kurz diese letzte Fahrt des Columbus erwähnt; -und erst viel später, in den 1515 geschriebenen Abschnitten seines -Werkes (~Dec.~ III. ~lib.~ 1-4) wo er die Ereignisse von 1513 auf -dem mittelamerikanischen Isthmus erzählt, erinnert er sich seines an -Columbus begangenen Unrechts und holt die Geschichte der letzten Fahrt -nach. - -Gewiß, Columbus hatte, als er wieder in Spanien eintraf, nur noch wenig -Freunde und sollte bald nach seiner Ankunft auch noch die treueste -Freundin, die Königin, verlieren. Isabella starb am 26. November 1504, -also nur wenige Wochen, seitdem Columbus in Cadiz angekommen war. Daher -fand dieser keine Gelegenheit, seine hohe Beschützerin noch einmal zu -sehen. - -Der Admiral brachte den folgenden Winter in Sevilla zu. Er erwartete, -den schriftlichen Zusagen der Krone gemäß, baldigst in seine Rechte -und Würden wieder eingesetzt zu werden, er rechnete darauf, daß ihm -die versprochenen Einkünfte und der Antheil an den Erträgnissen der -Colonie, welche er seit mehreren Jahren nicht erhalten, ausbezahlt -würden. Wiederholt richtete er Briefe an seinen Sohn Diego, um seine -Angelegenheiten bei Hofe nachdrücklicher zu betreiben. So schrieb er -am 1. December 1504: „Mein Leiden gestattet mir nur des Nachts zu -schreiben, denn bei Tage habe ich keine Kraft dazu in den Händen“. -Er brannte vor Verlangen, von seinem Sohne zu hören, wie es bei Hofe -zugehe und wie seine Sachen stünden. Er ermahnt ihn, so oft als irgend -möglich zu schreiben. - -Auch an den König Ferdinand richtete er einen langen Brief, in welchem -er die Misstände der Colonialverwaltung ausführlich darlegte, und -forderte, es solle ein Vertrauensmann zur Untersuchung hinübergesandt -werden. Aber er erhielt keine Antwort darauf. Er beklagte sich bitter, -daß ihm kein Mensch mehr schreibe. - -Man liest diese Briefe des Verlassenen nicht ohne Mitleid; die steten -Wiederholungen seiner Wünsche, die drängende Ungeduld, die wehmüthigen -Klagen -- alles zeigt uns den gebrochenen Mann. - -[Illustration: Haus zu Valladolid, in dem Christoph Columbus gestorben.] - -Der König Ferdinand behandelte die ganze Angelegenheit ohne Wärme -und persönliche Theilnahme und überließ die Ordnung derselben einem -Tribunal, welches die testamentarischen Verfügungen der Königin ordnen -sollte. Daher vermochte selbst Bartolomé Colon, der sich mit seinem -Neffen Ferdinand ebenfalls an den Hof begab, nichts ausrichten. Endlich -machte sich der Admiral im Mai 1505 selbst auf die beschwerliche Reise -nach Segovia, wo sich damals der König aufhielt. Zwar erwies man ihm -hier die seinem Range gebührende Achtung, aber eine von Herzen kommende -Werthschätzung seiner Verdienste mußte er schmerzlich vermissen. -Offenbar waren nach dem Tode der Königin die Stimmen der Gegner noch -lauter aufgetreten und hatten den König Ferdinand gewonnen, so daß auch -der edle Las Casas gestehen muß, er habe von manchen dem Monarchen nahe -stehenden Personen zu seinem Bedauern Aeußerungen vernehmen müssen, -welche diese Abneigung und den Mangel des königlichen Wohlwollens -bestätigten.[283] Das einberufene Tribunal, die Junta de Descargos, -hielt zwar mehrere Sitzungen, traf aber keine Entscheidung. Man -behandelte die ganze Frage als eine rein castilische Angelegenheit. Als -dann nach längerem Zögern dem Entdecker der neuen Welt der Vorschlag -gemacht wurde, seine Rechte auf das Vicekönigthum gegen Besitzungen und -Titel in Castilien zu vertauschen, wies Columbus diesen Antrag zurück, -weil er darin einen Bruch des gegebenen königlichen Wortes erblickte -und seine höchste Ehre darein setzte, den Ruhm seines mühevollen Lebens -seiner Familie in vollem Maße zu erhalten. Auch als er sich bereit -erklärte, zu Gunsten seines Sohnes Diego auf seine indischen Würden zu -verzichten, ging man nicht darauf ein und zog es vor, die Entscheidung -noch weiter hinauszuziehen. Man gewöhnte sich daran, die Verdienste -eines Mannes zu unterschätzen, „welcher lästig zu werden anfing, als -er zu nützen aufgehört hatte“.[284] Ein letzter Hoffnungsstrahl schien -dem Verlassenen noch zu winken, als die neuen Monarchen Castiliens, -Philipp und Johanna am 28. April 1506 von Flandern nach Spanien -kamen. Selbst krank und leidend, sandte er seinen Bruder Bartolomé -dem jungen Königspaar entgegen, um demselben in seinem Namen zu -huldigen. Er erhoffte von der Tochter der Isabella dieselbe Güte und -Gunst, welche ihm die Mutter stets bewiesen. Es war natürlich, daß -die neuangekommenen Regenten nicht sofort eine Entscheidung treffen, -sondern nur freundliche Zusagen machen konnten. Aber auch davon sollte -Columbus nichts mehr vernehmen, er starb am Himmelfahrtstage, den 21. -Mai 1506 zu Valladolid, nachdem er zwei Tage vorher, im Vorgefühl -des Todes sein bereits 1505 verfaßtes Testament gerichtlich hatte -bestätigen lassen. Er setzte seinen älteren Sohn Diego zum Haupterben -ein, da dieser allein aus einer rechtmäßigen Ehe entsprossen war. -Seine letzten Worte waren: ~In manus tuas, Domine, commendo spiritum -meum~. Er starb in den Armen der Franziskaner und wurde auch im -Franciskanerkloster beigesetzt. Die Welt hatte ihn bereits vergessen; -sein Tod machte keinen Eindruck mehr. Das ~Cronicon de Valladolid~, -welches sonst die kleinsten Vorfälle in der Stadt bespricht, erwähnt -des Todesfalls mit keiner Silbe. Selbst Peter Martyr, der sich 10 Jahre -früher gerühmt hatte, mit dem Genuesen im Briefwechsel zu stehen, -schweigt in seinen Briefen darüber, und erwähnt auch in den Decaden nur -einmal ganz nebenbei, daß Columbus gestorben; und doch befand er sich -vom 10. Februar bis zum 26. April 1506 zu Valladolid, also zu einer -Zeit, wo Columbus schon den Keim des Todes in sich fühlte. Ruchhamer -hatte bis zum 20. September 1508, wo er sein Werk (Unbekanthe landte) -vollendete, noch nichts vom Tode des Columbus gehört, sondern schreibt -vielmehr, daß er „noch auf den gegenwertigen Tage“ mit seinem Bruder -Bartolomé am spanischen Hofe lebe. - -Wahrscheinlich im Jahre 1513 wurde die Leiche nach Sevilla ins Kloster -~Santa Maria de las Cuevas~ übergeführt und vermuthlich erst hier -erhielt der Sarg die Inschrift: ~A Castilla y à Leon Nuevo Mondo dió -Colón~, welche sich auch in dem Wappen des Vicekönigs befand. Der -Admiral hatte den Wunsch ausgesprochen, in San Domingo auf Haiti -beigesetzt zu werden. Dorthin wurden die sterblichen Ueberreste in der -Zeit zwischen 1540 und 1559 gebracht und in dem Dome bestattet, in -welchem später auch sein Sohn Diego und wahrscheinlich auch sein Bruder -der Adelantado Bartolomé und seine Enkel Don Luis und Christoval ihre -Ruhestätte fanden. - -Als 1795 Domingo an Frankreich abgetreten wurde, ließ der Admiral -Don Gabriel d’Artizabel die Gewölbe der Kathedrale in der Hauptstadt -öffnen, die wenigen Reste des Entdeckers der neuen Welt auf dem Schiffe -San Lorenzo nach Habana hinüberführen und dort im Dome am 19. Januar -1796 feierlich wieder beisetzen; denn es vertrug sich nicht mit der -spanischen Ehre, die Asche des Mannes, welcher für Spanien so große -Verdienste hatte, den Fremden zu überlassen. Wie Columbus in seinem -Leben ruhelos umhergetrieben war, so sollten auch seine Gebeine erst -nach Jahrhunderten Ruhe finden.[285] - - -14. Zur Charakteristik des Columbus. - -Vor der welthistorischen Größe des Columbus stehen wir mit getheilten -Gefühlen. Wir bewundern die Kühnheit, die aus der felsenfesten -Ueberzeugung von der Richtigkeit seiner Theorien und Combinationen -entsprang, wir fühlen uns vielseitig angeregt durch seine treffenden -Naturbeobachtungen, in denen wir die ersten Keime einer physischen -Erdkunde erblicken dürfen;[286] aber auf der andern Seite fühlen wir -uns abgestoßen durch seinen blinden Autoritätsglauben, durch die -Zuversichtlichkeit, mit der er seine aus falsch oder ungenügend -angestellten Beobachtungen in seinem eignen Fache, der Nautik, -abgeleiteten abenteuerlichen Lehrsätze verkündet, durch die -schwärmerische Anmaßung, mit der er sich so oft als Abgesandten Gottes -einführt, durch die kleinliche Habsucht, mit welcher er die einem armen -Matrosen gebührende Belohnung sich selbst aneignet, durch die in der -Verschwörung Roldan zu Tage tretende Charakterschwäche. Wenn Humboldt -gemeint hat (a. a. O. II, 5), die großartige Gestalt des Columbus -beherrsche das Jahrhundert, so muß dagegen daran erinnert werden, -daß man den Entdecker der neuen Welt schon bei seinen Lebzeiten fast -vergessen hatte, und daß das Gesammtgebiet seiner Entdeckung kurz nach -seinem Tode nach einem seiner Nachfolger, nach Amerigo Vespucci benannt -wurde, und daß erst im 7. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts mit dem -Erscheinen der ~vida del Almirante~ die Aufmerksamkeit der Welt wieder -in erhöhtem Maße auf Columbus gelenkt wurde. Die weiteren Folgen seiner -Entdeckungszüge, die Eroberung der neuen Welt, die Erdumsegelungen, -die Enthüllung der allgemeinen Züge des ganzen Erdballs beherrschten -allerdings das Interesse aller seefahrenden Nationen des Abendlandes, -aber die Person des Entdeckers trat dabei ganz zurück. Seine Stärke -lag in dem scharfen Blick, mit dem er die Erscheinungen in der Natur -auffaßte, nicht blos in den Schilderungen, welche er mit poetischer -Begeisterung von den entdeckten Tropenländern gab, sondern in der -Aufstellung allgemeiner Gesetze, zu denen er, ohne wissenschaftliche -Bildung, in einzelnen Fällen das Richtige treffend, die wahrgenommenen -Erscheinungen combinirte. „Dieses Bestreben, die Resultate der -Beobachtung zu verallgemeinern, verdient um so größere Aufmerksamkeit, -als kein ähnlicher Versuch vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts, -fast hätte ich gesagt, vor den Tagen des Pater Acosta hervorgetreten -war. Bei den Urtheilen, welche Columbus über Gegenstände der -physischen Geographie fällte, ließ er sich ganz gegen seine sonstige -Gewohnheit +nicht+ von Erinnerungen aus der scholastischen Philosophie -leiten.[287] Dahin gehören seine Beobachtungen über die Vertheilung der -Wärme, die Variation des Erdmagnetismus, die äquatoriale Meeresströmung -und die durch diese Strömung bedingte Gestaltung +Trinidads+ und -der übrigen kleinen Antillen. „Columbus hat Fragen angeregt aus dem -Gebiete der physischen Geographie und Anthropologie, die damals die -aufgeklärten Geister Spaniens und Italiens beschäftigt: die Frage nach -der Vertheilung der Menschenrassen, die Configuration der Ländermassen. -Colon hat dem menschlichen Geschlechte wesentliche Dienste geleistet, -indem er so viel neue Gegenstände auf einmal dem Nachdenken darbot; -er hat die Masse der Ideen vergrößert; durch ihn hat ein wahrhafter -Fortschritt des menschlichen Denkens stattgefunden. Das Zeitalter -des Columbus war auch die Zeit des Copernicus, Ariosto, Dürer und -Rafael.“[288] - -Aber neben diesen persönlichen und sachlichen Verdiensten, neben -den richtigen Beobachtungen und daraus abgeleiteten Lehrsätzen -erscheint eine so breite Phalanx von veralteten Theorien und -unverzeihlichen Verirrungen, wie sie nur in einem aller objectiven -Beurtheilung unfähigen Kopfe entstehen und von einem dem blindesten -Autoritätsglauben unterworfenen Geiste verkündigt werden konnten. - -Wir brauchen hier nur auf die Abhängigkeit hinzuweisen, in welcher -Columbus bei den Fragen über die Größe oder Kleinheit der Erde, über -die Schmalheit des Oceans und den geringen Antheil, welcher der -Wasserdecke gegenüber der Landhülle des Erdballs zugewiesen wird, -ferner über die Theorien von der Lage des irdischen Paradieses und -den Weltuntergang sich von den Schriften des Cardinal d’Ailly befand, -auf seine Abhängigkeit von Toscanelli in Bezug auf Richtung und Ziel -seiner Fahrten, um dieses Verzichtleisten auf eigne Kritik zu erkennen. -Und wenn er in den erforschten Regionen Ophir und Cipangu, Katai und -den goldenen Chersones wiedergefunden zu haben glaubte, so liegt eine -Hauptursache in der Unfähigkeit des Admirals, annähernd richtige -astronomische Bestimmungen zu machen, in Folge dessen nicht einmal sein -Landungspunkt in der neuen Welt mit Sicherheit nachzuweisen ist. Weil -er den Karten Toscanelli’s u. a. bezüglich der Größe Cipangus mehr -traute, als seinen eignen Erfahrungen, hielt er die Insel Haiti für -eben so groß als ganz Spanien und verlegte die Nordküste der großen -Antillen bis unter den 40. Breitengrad. - -Aber nicht blos, daß ihm thatsächlich in dieser Beziehung die -wissenschaftliche Kenntniß in seinem eigentlichsten Fache abging,[289] -er verschmähte sogar die Wissenschaft selbst, wenn er in seinem -~Libro de la profecias~[290] behauptet: „Zur Ausführung einer -Fahrt nach Indien haben Vernunftschlüsse, Mathematik und Weltkarten -mir zu nichts geholfen. Es ist einfach in Erfüllung gegangen, was der -Prophet Jesaias vorhergesagt hat.“ - -Man erkennt darin den mächtigen Einfluß, den die Geistlichkeit auf -das gläubige Gemüth des Genuesen ausübte. Wie er das Zustandekommen -seiner Unternehmung nur der Unterstützung und Befürwortung durch -die Geistlichkeit verdankte, und diese ihm auch behilflich war bei -der Sammlung und Erklärung der Stellen der heiligen Schrift, welche -er in zuversichtlichem Glauben auf sich bezog, wie er sich für den -Abgesandten Gottes erklärte, um die heiligen Prophezeiungen zu -erfüllen, so trug er auch äußerlich diese schwärmerisch-religiöse -Richtung zur Schau. „Da der Admiral,“ erzählt Las Casas (~lib.~ I. -~Cap.~ 102), „den Lehren des heiligen Franziskus sehr ergeben war, so -liebte er vorzugsweise die braungraue Farbe; wir haben ihn zu Sevilla -in einer Kleidung gesehen, welche mit der der Franziskanermönche fast -vollkommen übereinstimmte.“ - -Dahin rechnen wir auch die pedantische Gruppirung, in welcher Columbus -bei dem mystischen Bau seiner Namensunterschrift die seinem Eigennamen -vorangestellten sieben Buchstaben, unter denen wieder das A größer -als die übrigen sein mußte, theilweise nur mit Punkten versah. Diese -Unterschrift (d. h. die einzelnen Buchstaben) - - S. - S. A. S. - Χ Μ Υ - ΧΡΟ FERENS. - -malte er mit peinlicher Genauigkeit unter alle seine Briefe, selbst -an seine Söhne, und verlangte die sorgfältige Nachahmung ausdrücklich -auch von den Erben seines Majorats. Diese Unterschrift ist verschieden -gedeutet. Margry[292] erklärt sie: ~Supplex Servus Altissimi -Servatoris. Christus Maria Joseph Christoferens~. Becher[293] liest: -~Servidor Sus Altezas Sacras Jesus Maria Ysabel Christoferens~. W. -Irving macht zwar dabei darauf aufmerksam, daß es früher in Spanien -Sitte gewesen, seinem Namen irgend eine abgekürzte Sentenz beizusetzen, -welche, gegenüber den Juden und Mauren, den Schreiber als +Christen+ -auswies;[294] aber Columbus hatte bei dieser langen Unterschrift, -welche auch Humboldts gerechten Widerwillen erregte,[295] die Absicht, -seinen Eigennamen Christoph, Christoferens in nicht mißzuverstehender -Weise mit der heiligen Familie in Verbindung zu bringen und sich als -den Christbringer zu erklären, welcher, dem ihm gewordenen göttlichen -Auftrage gemäß, das Christenthum über den Ocean tragen sollte. - -[Illustration: Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph -Columbus, datirt Granada, 6. Februar 1502 „~à los Reyes Católicos -exponiendo algunas observaciones sobre el arte de naveger~“.[291]] - -Diesem Gedanken, den Admiral als den Christusträger zu verherrlichen, -hat auch Juan de la Cosa auf seiner Karte von Amerika vom Jahre 1500 -bildlichen Ausdruck gegeben, indem er auf dem damals noch nicht -enthüllten mittelamerikanischen Isthmus, wo Columbus 1503 eine Meerenge -suchte, den heiligen Christopherus darstellt, welcher das Christkind -durch den Ocean trägt. Einen erhöhten Reiz gewönne dies Bild, wenn die -oben bereits (S. 233) mitgetheilte Vermuthung das Richtige träfe, daß -der Kopf des Christopherus das Porträt des Entdeckers sei. - -[Illustration: Die Insel Guanahani nach der Karte Diego Ribero’s von -1529.] - -Dieselbe Karte enthält noch ein zweites bedeutsames Bild in der -künstlerisch ausgeführten Strichrose, unter welcher der Wendekreis des -Krebses hinläuft. Inmitten der nautischen Rose thront Maria mit dem -Kinde, umgeben von anbetenden Engeln. Daß auch spätere Kartographen -noch dem Glauben an die göttliche Sendung des Columbus huldigten, -erkennt man aus der naiven Weise, in welcher Diego Ribero auf seiner -1529 entworfenen Weltkarte der zuerst von Columbus entdeckten Insel -+San Salvador+ eine geradezu symbolische Gestalt gab. Er zeichnet sie -nämlich in Gestalt eines Kreuzes und gruppirt die Korallenbänke ringsum -als eilf rundliche Inseln. Wir sehen also den Erlöser (San Salvador) -von seinen eilf Aposteln umgeben. - -Endlich ist hieher noch das merkwürdige Titelbild zu rechnen, mit -welchem die erste deutsche Ausgabe des Berichtes über die erste -Entdeckungsfahrt des Columbus geziert ist, von welchem Anfang und -Schluß bereits (S. 263) in Facsimiledruck mitgetheilt ist. Hier -erscheint Christus vor dem Könige von Spanien und weist bedeutsam auf -das Wundmal seiner Hand; ebendahin zeigte auch die rechte Hand des -Königs. Ist es nicht eine deutliche Anspielung auf den Unglauben des -Apostel Thomas, und ist der ungläubige spanische Monarch, welcher -jahrelang der Versicherung des Columbus mistraute, nicht durch den -Erfolg der ersten Reise bekehrt worden? - -Den Glauben, daß der Genuese profane und heilige Prophezeihungen -aus alter Zeit erfüllt habe, theilten die Zeitgenossen mehrfach. So -schrieb der gelehrte Sohn des Columbus, Ferdinand in die Tragödien des -Seneca zu der (S. 236) mitgetheilten Stelle aus der Medea: ~Venient -etc.~ „Diese Prophezeihung hat mein Vater erfüllt.“ So machte Agostino -Giustiniani (geb. 1470 in Genua, seit 1514 Bischof in Mebbio auf -Corsica) in seinem polyglotten Psalter[296] zu der bekannten Stelle -im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ die Bemerkung, -Columbus habe oft gesagt, daß er von Gott berufen sei, den Gedanken -des fünften Verses: „Durch alle Lande gehet ihr Klang, bis ans Ende -der Welt ihr Ruf“ zu verwirklichen. Und dabei benutzt der Verfasser -die Gelegenheit, an dieser Stelle seinem Commentare eine längere -Lebensbeschreibung des Columbus einzuverleiben.[297] - -Alle diese verschiedenen Aeußerungen des Glaubens und Vertrauens auf -die Berufung des Columbus hatten ihren Ursprung in der felsenfesten -Zuversicht des Genuesen zu seiner von Gott bestimmten Lebensaufgabe, -welche von ihm selbst auf seine Umgebung überging. Im allgemeinen -repräsentirt sich in ihm der unverwüstliche Drang der Zeit zu großen -Entdeckungen, aber seine unerschütterliche Ausdauer entsprang nur -seinem schwärmerischen Glauben. Dieser gab ihm den Muth, auf seinen -ungemessenen Forderungen zu verharren, ehe noch die Unternehmung -gesichert war, dieser verlieh ihm auch die unvergleichliche Energie, -welche er sowohl auf der ersten, als auch auf der letzten Reise -bewiesen. In dieser unerschütterlichen Ueberzeugung, in diesem Glauben -an sich selbst lag eine Größe, welche seine Genossen zuweilen mit -fortriß. - -Den Eindruck, welchen die Kunde von den ersten Entdeckungen machte, -fühlen wir am besten aus den Briefen Peter Martyrs. - -Auf die erste Mittheilung vom 15. Mai 1493, worin er schreibt: „Von -den westlichen Antipoden ist ein gewisser Christopherus Colon, ein -Ligure, zurückgekehrt mit Proben von kostbaren Produkten, namentlich -von Gold“[298] folgt im September desselben Jahres (13. Sept.) schon -der Ausdruck wärmerer Theilnahme. „Merket auf und vernehmet die neue -Entdeckung,“[299] worauf ein ausführlicher Bericht über die erste -Fahrt des Columbus folgt. Ein anderer Brief[300] von demselben Tage -bezeichnet die Entdeckung als ein wunderbares Ereigniß, als eine -gesegnete That. Kurz darauf (1. Oct. 1493) spricht er seine Freude -darüber aus, daß die bisher noch unbekannte Erdhälfte durch den -Wetteifer der Spanier und Portugiesen, welche immer weiter südwärts -vordringen, nun immer mehr enthüllt werde.[301] Er bezeichnet -Columbus als den Entdecker der „neuen Welt“ (~novi orbis repertor~) -und jubelt, daß Tag für Tag neue Wunder aus jenen Regionen gemeldet -werden, und daß der Admiral fast schon den goldenen Chersones erreicht -habe.[302] Er nimmt sich vor, diese ewig denkwürdigen Ereignisse mit -gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, zu sammeln und den Gelehrten -mitzutheilen. Sein Freund Pomponius Laetus, der ausgezeichnete -Förderer der classischen römischen Literatur, war bei der Kunde von -den wunderbaren Erfolgen der Westfahrten vor Entzücken aufgesprungen -und hatte sich kaum der Freudenthränen erwehren können. „Ich ersehe,“ -schreibt ihm Martyr, „aus deinem Briefe, was du empfunden hast und -wie du die Bedeutung dieser Entdeckungen zu würdigen weißt. Welche -Nahrung kann für erhabene Geister willkommener sein? Ich fühle es -an mir selbst. Ich bin freudig erregt, wenn ich verständige Männer -spreche, welche aus jenen Gegenden zurückkommen. Wer mag heute noch -staunen über die Entdeckungen, welche Saturn, Ceres und Triptolemos -gemacht haben sollen? Selbst die Phönizier müssen mit ihren Leistungen -zurücktreten.“[303] Ganz ähnlich spricht er sich in den Decaden (I. -~lib. X. p.~ 119) aus: „Weder dem Saturn, noch dem Herkules, noch -irgend einem der Alten, welche neue Küsten aufgesucht haben, stehen die -Spanier unserer Zeit nach. Wie weit wird die Nachwelt das Christenthum -ausgebreitet sehen, ein wie weiter Raum ist der Ausbreitung der -Menschen angewiesen? Was ich darüber empfinde, vermag ich weder mit -Worten noch mit der Feder wiederzugeben.“ - -Aber diese hohe Begeisterung schien nur kurze Zeit zu dauern. Als das -Ansehen des Columbus nach seiner dritten Reise sank, als er selbst -in Ketten nach Europa geschafft wurde, wurde die Aufmerksamkeit -der Handelsvölker vielmehr nach dem von den Portugiesen +wirklich -erreichten Indien+ gelenkt. Hier war das lang erstrebte Ziel -thatsächlich gefunden, hier waren die Gewürzländer selbst erreicht, -und gewinnbringende Frachten kehrten nach Lissabon zurück. An den -Fahrten nach der neuen Welt betheiligten sich nur spanische Fahrzeuge, -zum indischen Handel drängten sich deutsche und italienische -Handelshäuser und unterstützten den wachsenden Verkehr mit Schiffen -und Geld. Daher erklärt sich die merkwürdige Erscheinung, daß sich die -Geschichtsschreiber in England, Frankreich und Portugal gar nicht um -die Entdeckungen des Columbus bekümmerten, daß alle durch Flugblätter -verbreiteten Berichte nur in lateinischen, deutschen oder italienischen -Uebersetzungen vorhanden sind, und daß von den vier Reisen des Admirals -nur eine einzige, und zwar die erste, in spanischer Sprache vorliegt. -Daran ist aber der Entdecker selbst schuld, insofern er in ängstlicher -Sorge um sein Monopol die große Angelegenheit als sorgfältig zu -hütendes Geheimniß behandelte und von seinen Gefährten sogar die von -ihnen entworfenen Karten abforderte, damit niemand ohne seine Erlaubniß -sein privilegirtes Gebiete beträte. Selbst in seinen Mittheilungen an -die Monarchen Spaniens war er in dieser Beziehung zurückhaltend. - -Nur zwei Briefe des Columbus drangen in die Oeffentlichkeit -- und -zwar über die erste und vierte Reise. Der Inhalt des ersten an den -Schatzmeister Raphael Sanchez gerichteten Briefes wurde in der +ersten -Flugschrift über Amerika+ 1493 in Rom veröffentlicht. Wir haben -bereits oben (S. 262) das Facsimile des Anfangs dieses interessanten -Blattes mitgetheilt. Von dieser lateinischen Ausgabe erschienen gleich -im ersten Jahre sechs verschiedene Auflagen, dann folgten spanische -und italienische Texte und endlich 1497 eine deutsche Bearbeitung -unter dem Titel: Eyn schön hübsch lesen von etlichen inßlen u. s. w. -Endlich folgte 1505 die ~lettera rarissima~, ein Brief über die vierte -Reise, welcher gleichfalls in Italien bekannt gemacht wurde.[304] -Damit erlosch die speciell columbische Literatur; aber bereits seit -1503 beherrschten Amerigo Vespucci’s ausführliche Reiseberichte den -buchhändlerischen Markt, und so erntete dieser den Ruhm, welcher dem -Entdecker gebührte, so daß endlich sogar die ganze neue Welt seinen -Namen erhielt. Columbus selbst hatte leider bis an seinen Tod nicht die -Ueberzeugung gewinnen können, daß er einen neuen Erdtheil entdeckt habe. - -Wir fügen diesem Abschnitt eine kurze Uebersicht über die Familie des -Columbus an. - -+Bartolomeus Columbus+, spanisch Don Bartolomé Colon, war der -erste Vertraute und auf seinen späteren Reisen eine wesentliche Stütze -seines Bruders. In dessen Auftrage war er schon 1488, ehe der Vertrag -mit Spanien zum Abschluß gekommen, nach England gegangen, um dem -Könige Heinrich VII. den Plan seines Bruders vorzulegen. Möglicher -Weise entstanden aus den dabei gegebenen Anregungen die Pläne zu den -Fahrten der Cabots. Bartolomé machte dann die zweite Entdeckungsreise -mit, gründete als Adelantado die erste Stadt der neuen Welt, San -Domingo, 1496 und machte sich namentlich auf der letzten Reise 1502 -sehr verdient. Nach dem Tode des Admirals ging er mit seinem Neffen -Diego wieder nach Westindien und war 1511 in Besitz der kleinen Insel -Mona zwischen Haiti und Puertorico. Er starb am 12. August 1514 auf -Haiti. Las Casas rühmt seine Tüchtigkeit als Kosmograph und Kartograph. -Unzweifelhaft besaß er in der ganzen Familie am meisten Thatkraft und -Charakterstärke. - -Weniger bedeutend ist der zweite Bruder +Diego+, der als Befehlshaber -in Isabella und in der Stadt San Domingo auftritt, aber ohne diese -schwierige Stelle befriedigend behaupten zu können. Auch er starb auf -Haiti. - -Der einzige rechtmäßige Sohn des Admirals und Vicekönigs war -gleichfalls +Diego+ benannt. Er hatte von Kind auf den Vater während -der langen peinlichen Zeit des Hoffens und Harrens in Spanien auf -seinen Wanderungen begleitet, war ihm zur Seite, als in dem Kloster -la Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes eintrat, wurde -später, als der Vater seine Fahrten begann, unter die Pagen der -Königin aufgenommen und kam erst 1509 nach Haiti. Er hatte dann den -langwierigen fiscalischen Proceß wegen der Würden und Privilegien, die -dem Vater zugesichert waren, zu führen, und erbte endlich den Titel -eines Admirals von Indien. Er starb am 23. Februar 1526. - -+Ferdinand+ Columbus, der natürliche Sohn des Entdeckers, erhielt -eine wissenschaftliche Bildung und wurde später Geistlicher. Nachdem -er Amerika besucht hatte, ließ er sich in Sevilla nieder, wo er eine -für jene Zeit bedeutende Bibliothek von 20,000 Bänden sammelte, -welche noch unter dem Namen ~Biblioteca Colombina~ vorhanden ist. -Es zeugt von seiner wissenschaftlichen Bedeutung, daß Cabot ihn -einst als Schiedsrichter anrief. Er galt bisher als Verfasser der -Lebensgeschichte seines Vaters, der s. g. ~vida del almirante (Historie -et vera relatione della vita é de’ fatti dell Ammiraglio D. Christofero -Colombo)~, welche 1571 erschien; allein dieses Werk enthält so viel -gradezu legendenhaften Stoff und dazu anekdotenhafte Züge, welche nicht -blos thatsächlich Unmögliches berichten, sondern auch aus der Feder -des in der Nautik wohlerfahrenen Sohnes unmöglich stammen können,[305] -so daß die Authenticität der „~vida~“ mit vollem Rechte bestritten -ist.[306] - -+Don Luis+, der Sohn Diego’s, führte den fiscalischen Proceß zu Ende -und gab seine Ansprüche auf das Vicekönigthum auf gegen den Titel -Herzog von Veragua, Marquis von Jamaica, Admiral von Indien und für -eine Pension von 1000 Dublonen Gold. Er starb 1572 und es folgte ihm -der Sohn seines Bruders Christobal, +Don Diego+ II., als vierter -Admiral von Indien. Mit ihm erlosch 1576 die directe männliche Linie -des Columbus. - - -15. Die kleinen Entdecker. - -Es war eine natürliche Folge des Misgeschicks, welches den Entdecker -Amerikas auf seiner dritten Reise während seines Aufenthalts auf -Haiti traf, daß, da sein Ansehen in dem unerquicklichen Streite -mit der Partei Roldans im Sinken begriffen war, eine Anzahl von -kühnen Unternehmern von der bereits 1495 gegebenen Erlaubniß, auf -Entdeckungsfahrten ausziehen zu dürfen, Gebrauch machte und die -Untersuchung des Festlandes von Paria, welches Columbus auf seiner -dritten Reise aufgefunden hatte, weiter fortsetzte. „Do aber Admirans -(Admiral) jnn das vngluck kam, das man in acht als wer er jn vngnaden -der könig, do vndernamen sich vil der seinen, die vast wol kundten -auff dem Meer faren, und vnderstunden vestigklich sich jn das gluck zu -begeben, und vnerfaren ort der welt zu ersuchen“.[307] - -Der erste, welcher diese günstigen Zeitumstände benutzte, war -der jugendliche Ritter +Alonso de Hojeda+. Derselbe war ums Jahr -1470 in der Stadt Cuenca in Neu-Castilien aus einer angesehenen -Familie geboren[308] und trat als Page in den Dienst eines der -einflußreichsten, mächtigsten Granden Spaniens, des Don Luis de -Cerda, Herzog von Medina Celi. Dieser ist uns bereits als einer der -frühesten Gönner des Columbus bekannt, und in seinem Hause hatte Hojeda -jedenfalls schon den Genuesen kennen gelernt und sich für dessen -Pläne begeistert; denn wir haben schon oben (S. 280) mitgetheilt, -daß Hojeda die zweite Reise des Columbus mitmachte und sich durch -die Gefangennahme des Caziken Caonabo auszeichnete. Dann verweilte -er einige Jahre in Spanien und wurde durch die Vermittlung seines -Vetters, des Dominikanermönches Alonso de Hojeda, welcher als einer -der ersten Inquisitoren Spaniens bei den Monarchen in Gunst stand, -mit dem Bischof Fonseca, dem Leiter der indischen Angelegenheiten -bekannt und erhielt durch diesen Einsicht in die Briefe und die Karte, -welche Columbus über den Verlauf seiner dritten Reise und namentlich -über die Entdeckung der Küsten von Südamerika eingesandt hatte. Diese -Nachricht lief etwa um Weihnachten 1498 in Spanien ein. Wahrscheinlich -ward bald nach dieser Zeit schon der Beschluß gefaßt, den Admiral von -seiner Statthalterschaft in Haiti zu beseitigen; Fonseca förderte -deshalb bereitwillig den Plan Hojeda’s, die perlenreiche Küste von -Paria auszubeuten und stellte ihm einen Erlaubnißschein zur Ausrüstung -von Schiffen aus; doch durfte Hojeda weder portugiesisches Gebiet -berühren, noch jene Regionen besuchen, welche Columbus bis zum Jahre -1495 entdeckt hatte. Als Piloten für seine Expedition gewann der junge -Ritter den Basken +Juan de la Cosa+, welcher nach Abschluß dieser -Fahrt seine Karte, die erste von der neuen Welt, entwarf. Außerdem -nahm an dem abenteuerlichen Zuge der Florentiner +Amerigo Vespucci+ -theil, welcher es verstand, durch die lebendigen Schilderungen seiner -Erlebnisse und Beobachtungen sich bald einen weltbekannten Namen zu -machen. - -In welcher Stellung Vespucci mitging, läßt sich nicht mehr ermitteln. -Er war am 9. März 1451 in Florenz geboren, also nur wenige Jahre jünger -als sein Landsmann Columbus. Er war der Sohn eines öffentlichen Notars -und von seinem Oheim, einem gebildeten Geistlichen, unterrichtet worden -und zwar in Gemeinschaft mit Pietro Soderini, dem späteren Gonfaloniere -von Florenz. An diesen hat Vespucci im Jahre 1501 den Bericht seiner -zweiten Reise gesandt. Seit dem Jahre 1493 finden wir Vespucci in -Spanien, wohin sich damals viele unternehmende Italiener wandten. Dort -trat er in den Dienst des seit 1486 in Spanien ansäßigen italienischen -Handelshauses Berardi, welches für das indische Amt die Geschäfte -besorgte und die Ausrüstung der nach Westindien gehenden Schiffe -übernommen hatte. Hierbei war auch Vespucci thätig und wird 1495 und -1496 erwähnt.[309] - -In der Zeit vom April 1497 bis zum Mai 1498 finden wir ihn fast immer -unterwegs zwischen Sevilla, dem Sitze des indischen Amts, und dem Hafen -von San Lucar, von wo Columbus aussegeln wollte. - -[Illustration: _Alfr. Runge, Geogr. artist. Inst., Leipzig-Reudnitz_. - -_G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin._ - -] - -Das kleine Geschwader Hojeda’s ging am 18. Mai 1499 von Cadix ab, -steuerte zuerst nach den Canarischen Inseln hinüber und nahm von -Gomera ab dieselbe Richtung, welche Columbus auf seiner dritten Reise -eingeschlagen hatte. In 27 Tagen gelangten sie über den Ocean an die -Gestade von Surinam etwa unter 6° n. Br. Sie folgten der flachen Küste -nach Nordwesten, entdeckten die Mündung des Essequibo, den sie Rio -dulce nannten, und das Delta des Orinoco und verfolgten von hier aus, -nachdem sie 200 spanische Meilen Küstenlinien entdeckt hatten, den -Spuren des Columbus. Auf Trinidad fanden sie Zeichen von der früheren -Anwesenheit des Admirals und gingen durch den Golf von Paria und den -Drachenschlund auf die Nordseite des Continents. Sie folgten der Küste, -besuchten auch die Perleninsel (Margarita) und Curaçao, wo, wie aus -dem Berichte Vespucci’s hervorgeht, die Seefahrer überrascht waren -durch den großen indianischen Menschenschlag, den sie dort antrafen, -infolge dessen man sie die Insel der Giganten nannte. Am 9. August -erreichten sie das Cap S. Roman (nach dem Heiligen des Tages benannt) -und entdeckten weiterhin den Golf von Venezuela, welcher seinen Namen -daher erhält, weil man an der Ostküste des Golfes viel Volk antraf, -welches an der Küste in auf Pfahlrosten errichteten Hütten über -dem Wasser wohnte. Durch diese kunstreichen Pfahlbauten wurden die -Entdecker an die Anlage Venedigs erinnert und nannten daher zunächst -das Dorf, dessen einheimischer Name Coquibacoa war, Klein-Venedig, also -Venezuela und demnach weiterhin auch den ganzen Golf. Bekanntlich -hat späterhin die ganze Küste und neuerdings die spanisch-amerikanische -Republik den Namen Venezuela erhalten. - -[Illustration: ~Aelteste Karte von - -AMERIKA.~ - -_Westlichster Theil der im Jahre 1500 von Juan de la Cosa gezeichneten -Erdkarte. Original (auf Pergament) im Marine-Museum zu Madrid. -Facsimile-Reproduktion in ½ der Höhe des Originals._] - -[Illustration: _Die englischen Entdeckungen unter Cabot in Nordamerika -und die spanischen Entdeckungen in Mittel- und Südamerika sind durch -Wappenfähnlein kenntlich gemacht. -- Die über das ganze Kartenblatt -laufenden, von den Strichrosen ausgehenden Linien sind nur an ihren -Durchschnittspunkten markiert. Die weissen Stellen im Festland von -Amerika bezeichnen im Original befindliche Löcher._] - -Von dem Golf aus drangen die Schiffe am 24. August durch den engen Hals -in die innere Bucht, in den See von Maracaibo ein, an dessen Eingange -sie den Hafen San Bartolomé benannten. Langsam vorrückend, besuchten -sie darauf die westlich vom Golf gelegene Halbinsel Guajira. Bis hieher -ist auf der Karte Juans de la Cosa der Verlauf der Küste recht wohl zu -erkennen; an dieser Halbinsel endete die Entdeckung am 16. September -bei dem Cabo de la vela. In der Ferne sah man noch einen hohen Berg, -welcher bei Cosa Monte de Santa Eufemia heißt, wahrscheinlich die -Sierra nevada von Santa Marta. Dann brach man die Untersuchung des -Continentes ab und steuerte in sieben Tagen nach Haiti hinüber und -lief am 23. September in die Bucht von Yaquimo ein. Dem Vicekönig, -welcher damals mitten in dem unerquicklichen Streit mit Roldan lag, -war der Besuch Hojeda’s höchst unbequem, so daß er noch nach Jahren -in dem Briefe an die Amme des Prinzen Juan darauf zurückkommt mit den -Worten: „Dann kam Hojeda, in der Absicht, diese Unordnungen auf Haiti -zu besiegeln.“ - -Nach dem Bericht Vespucci’s nahm das Geschwader von Haiti aus den Weg -durch die Bahama-Inseln, wo man, um einen Theil der Ausrüstungskosten -decken zu können, 232 Menschen raubte, um sie in Spanien als Sklaven zu -verkaufen, und kehrte endlich, auf der Fahrt von den Açoren nach den -Canarien verschlagen, in Mitte Juni 1500 nach Cadix zurück. - -Wenn man auf Cosa’s Karte die Insel Cuba bereits als Insel dargestellt -sieht, obwohl dieser Kartograph wenige Jahre früher eidlich seine -Ueberzeugung hatte zu Protokoll geben müssen, daß er Cuba für das -Festland von Asien halte (s. S. 278), so sollte man vermuthen, daß -vielleicht auch auf dieser Expedition Hojeda’s schon das Westende Cubas -aufgefunden sei. Darauf weist auch eine etwas unbestimmt gehaltene -Bemerkung Peter Martyrs, daß von gewisser Seite behauptet sei, man habe -Cuba umfahren.[310] - -Der Gewinn der Unternehmung war gering. Nach Abzug der Kosten blieben -nur 500 Ducaten, welche unter 55 Personen zu vertheilen waren. - -Daher kam es auch, daß die geographischen Erfolge weniger Beachtung -fanden, als sie verdienten, und daß die zwei Monate früher vollendete -Expedition des +Per Alonso Niño+ mehr Eindruck machte, weil der -materielle Gewinn ein größerer war. - -Palos und das benachbarte Moguer[311] waren durch die Unternehmung -des Columbus mächtig angeregt. Wie die dortigen Seeleute sich der -ersten Fahrt angeschlossen, so versuchten sie späterhin mehrfach in -selbständigen Expeditionen nach der neuen Welt ihr Glück. - -Der erste war +Per+ (Pedro) +Alonso Niño+ aus Moguer, welcher -unter Columbus die erste und dritte Reise mitgemacht hatte[312] und von -dem Banquier Luis Guerra in Sevilla die Mittel zur Ausrüstung eines -Schiffes unter der Bedingung erhielt, daß dessen Bruder Cristobal -Guerra nominell die Leitung erhalte. Das kleine Fahrzeug von fünfzig -Tons segelte mit 33 Mann im Juni 1499, einige Tage nach der Abfahrt -Hojeda’s, von Palos ab. Fonseca hatte dazu die königliche Erlaubniß -erwirkt, aber unter der Bedingung, daß sie sich wenigstens 50 Leguas -von denjenigen Plätzen entfernt hielten, welche Columbus berührt -hatte.[313] - -Mit günstigem Fahrwinde erreichten Niño und Guerra die Küste von -Paria etwas südlicher als Columbus und gingen, nachdem sie am Golfe -Brasilholz geschlagen, durch den Drachenschlund nach der Perlenküste -(~Costa de perlas~ auf Cosa’s Karte) mit der Absicht, dort Perlen -einzutauschen. An der Küste von Cumana und la Guaira machten sie den -reichsten Eintausch, denn sie langten 14 Tage eher dahin als Hojeda. -Westwärts gingen sie nur bis zu der Landschaft Cauchieto, wo nach -Angabe der Indianer viel Gold zu finden war. Allein darin fanden sie -sich getäuscht. In Folge dessen gingen sie im Anfang November noch -einmal nach Cumana und der Insel Margarita zurück, welche Columbus -nicht betreten hatte, und traten dann die Heimreise an, nachdem sie -die feste Ueberzeugung gewonnen hatten, daß das entdeckte Land ein -Continent und keine Insel sei, da sie Hirsche, Eber und anderes Wild -angetroffen, wie man es auf Inseln nicht findet, und da sie eine -bedeutende Strecke an der Küste hingefahren waren.[314] Im Februar -(nach Andern im April) erreichten sie die Nordwestküste von Spanien -wieder und liefen in den galicischen Hafen von Bagona ein. Die gesammte -Ausbeute belief sich auf 96 Mark (~libras octunciales~) Perlen, von -denen ein Fünftel an den königlichen Fiscus abgegeben wurde. Der -glückliche Verlauf und der reiche Gewinn reizte zu neuen Fahrten. - -Am Schlusse desselben Jahres 1499 brach von Palos ein zweites -Geschwader auf. Die reiche Familie der Pinzone hatte es auf ihre -Kosten ausgerüstet. An der Spitze standen +Vicente Yañez Pinzon+ und -seine Neffen Diego Fernandez und Perez Arias. Am 18. November gingen -4 Caravelen unter Segel und steuerten von der capverdischen Insel St. -Jago am 13. Januar 1500 gegen Südwesten trotz Stürme und großer Gefahr -über den Aequator. Jenseit des fünften Grades südl. Br. stießen sie am -26. Januar südlich von dem Cap S. Roque auf die brasilianische Küste -und nannten den ersten Landvorsprung das schöne Vorgebirge, Rostro -Hermoso. Die Portugiesen nannten dasselbe später Cap Sa. Cruz oder S. -Agostinho. Juan de la Cosa bezeichnet diese Stelle mit der Inschrift: -„Dieses Cap wurde im Jahre 1499 (irrthümlich statt 1500) für Castilien -entdeckt, der Entdecker war Vicentians.“[315] Der Führer der Expedition -stieg mit mehreren königlichen Notaren ans Land und nahm für den König -von Spanien Besitz von demselben, indem er Zweige von den Bäumen -abhieb, von dem Wasser des Landes trank und Kreuze errichtete. Ein -Versuch, mit den Eingebornen in friedlichen Tauschverkehr zu treten, -wurde durch das feindselige Benehmen derselben vereitelt. Man steuerte -darauf an der Küste des Landes gegen WNW. So wurde also auch, wie -Peter Martyr triumphirend schreibt, hier, jenseit des Oceans die alte -Streitfrage, an welcher sich Philosophen, Dichter und Kosmographen -lebhaft betheiligt hatten, ob nämlich der heiße Aequatorialgürtel für -Menschen bewohnbar sei, endgiltig durch den Augenschein gelöst.[316] -Auf der Weiterfahrt geriethen sie mit den Indianern in blutigen -Streit, welcher mehreren Matrosen das Leben kostete. Sie hielten daher -etwas von der Küste ab und gelangten vor die Mündung des mächtigen -Amazonenstroms; sie waren nicht wenig erstaunt, als sie in einer -Entfernung von 40 spanischen Meilen vom Lande trinkbares Wasser von -der Meeresfläche schöpfen konnten. Daß solche gewaltige Massen von -süßem Wasser, welche den Ocean bedeckten, nur von einem Riesenstrome -herrühren konnten, wurde klar, jemehr sie sich nun dem Gestade -näherten, an welchem sie mehrere Inseln entdeckten. Auf einer derselben -nahmen sie 36 Eingeborene gefangen und führten sie als Sklaven mit sich -fort. An der Mündung des Marañon, wo sie zuerst den Polarstern wieder -zu Gesicht bekamen, beobachteten sie eine Springflut und glaubten aus -den Angaben der Indianer zu verstehen, daß weiter aufwärts am Fluß -viel Gold zu finden sei. Offenbar hatte man ein bedeutendes Festland -vor sich, dem man unmöglich die kleine Bezeichnung „Insel“ ertheilen -konnte, man müßte denn, wie Martyr bemerkt, die ganze bewohnte Erde -(~universum terrae orbem~) als Insel ansehen. Wegen der ungeheuren -Breite des Amazonenstroms, welche die Entdecker auf 30 spanische Meilen -schätzten, hielt Martyr die Erzählung anfangs für eine Fabel. Als er -sie dann aber weiter fragte, ob sie nicht etwa eine Meerenge für einen -Fluß angesehen hätten, bemerkten ihm jene, daß, je weiter man in den -Strom hinauf fahre, das Wasser um so süßer werde. Durch diese Erklärung -beruhigt, ruft der Verfasser der Decaden aus: „Wer will es der Natur -nehmen, daß sie nicht noch größeres selbst als diesen Fluß schaffen -könne!“ Die Entdeckung des gewaltigsten Stroms der Erde erregte mit -Recht die staunende Bewunderung der Zeitgenossen. So verschwommen aber -waren damals noch die Vorstellungen, welche man über diese Gebiete in -Spanien hatte, daß Peter Martyr glaubte, der Marañon sei derselbe Fluß, -den Columbus auf seiner dritten Reise gefunden; der Amazonenstrom und -Orinoco schienen ihm also identisch. Daß beide neben einander existiren -könnten, schien unglaublich. - -Aus den prachtvollen Urwäldern nördlich vom Strome, wo sie Riesenstämme -antrafen, welche 16 Männer kaum zu umspannen vermochten, nahmen sie -eine Ladung von Brasilholz[317] mit und gingen dann am Orinocodelta -vorüber durch den Drachenschlund, entdeckten jenseit Trinidad die -Insel Tabago, berührten mehrere der kleinen Antillen und trafen am -23. Juni 1500 in Haiti ein. Von hier aus wandte sich das Geschwader, -welches weder Gold noch Perlen gewonnen hatte, zur Menschenjagd -nach den Bahama-Inseln, verlor aber in einem furchtbaren Sturm zwei -Schiffe. Die beiden andern Fahrzeuge erreichten am 30. September 1500 -den heimatlichen Hafen. Der geographische Erfolg dieser Reise war ein -bedeutender, aber der materielle Gewinn fehlte vollständig. Die Droguen -und Hölzer, welche man für Ingwer und Zimmet gehalten, waren werthlos. -Es blieb nur die Sklavenfracht und das Brasilholz; dazu stürzte der -Verlust zweier Schiffe die Familie der Unternehmer in Schulden und ließ -den Gedanken an eine Fortführung der Pläne nicht aufkommen, obwohl -man dem Ziele weit näher gekommen zu sein meinte, als Columbus; denn -man war überzeugt, über Catai hinaus das indische Gestade jenseit des -Ganges erreicht zu haben.[318] - -Kaum einen Monat später, als die Pinzone, brach ebenfalls von Palos, -etwa in der Mitte des December 1499 +Diego de Lepe+ mit zwei Schiffen -auf und segelte von der capverdischen Insel Fuego 500 Leguas gegen -Südwesten, bis er in der Nähe von Cap Agostinho auf die Küste des -Festlandes stieß. Der Verlauf der Expedition am Marañon vorüber nach -dem Parialande ist ziemlich derselbe wie bei der Fahrt der Pinzone; -doch würde Lepe’s Reise noch ein besonderes Interesse gewinnen, wenn, -wie vermuthet ist, Amerigo Vespucci daran theilgenommen hätte und der -Bericht von der zweiten Schifffahrt des Florentiners sich auf Diego -de Lepe’s Unternehmung bezöge.[319] Vespucci, welcher zweimal am Cap -Agostinho war, bestimmte die südliche Breite desselben zu 8 Grad, nach -den Aussagen Sebastian Cabots, Juan Vespucio’s u. a. (Navarrete III, -319. 320). Andreas Morales entwarf nach den Angaben der Entdecker und -der nachfolgenden Expeditionen eine Karte für den Bischof Fonseca, -auf welcher auch die Lage des Cap Agostinho nach Rücksprache mit -Lepe angegeben war. Diego de Lepe’s Karte wurde später auch von Juan -Diaz de Solis geprüft. Das Cap Agostinho gewann aber deshalb eine so -große Wichtigkeit, weil man durch seine Fixirung den ersten festeren -Anhalt für die Bestimmung der Demarcationslinie zu finden glaubte. -Lepe’s Karte wurde dabei zu Rathe gezogen und Vespucci hat, nach der -Aussage namhafter Zeugen, seine Lage bestimmt (Navarrete III, 319). Die -Beziehungen zwischen Diego de Lepe und Amerigo Vespucci treten dadurch -so deutlich hervor, daß die Vermuthung, Vespucci habe mit Lepe seine -zweite Reise gemacht, dadurch an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Ueber -Haiti kehrten die Schiffe wieder heim und langten vor dem November 1500 -in Spanien an, denn schon am 9. November desselben Jahres ist ein Erlaß -der spanischen Majestäten, Diego Lepe betreffend, ergangen (Navarrete -III, 80). - -Um die Küsten des caribischen Meeres weiter zu erforschen, zog -+Rodrigo de Bastidas+ im October 1500 mit zwei Schiffen von Cadiz -aus, besuchte den Golf von Venezuela, sowie die Länder im Süden und -Westen der Landschaft Coquibacoa. Von Cabo de la vela begann er seine -Entdeckungen, berührte die Küste der Sierra nevada de Sa. Marta und -drang über die Mündung des Magdalenenstroms in das Innere des Golfes -von Darien (oder Urabá). Von hier wandte er sich nach Nordwesten und -verfolgte den Saum der darischen Landenge bis zur Punta San Blas oder -dem nahegelegenen Puerto de Escribanos.[320] Er erreichte also den -Isthmus von Panama vor Columbus, welcher erst am 26. November 1502 -hieher gelangte. Durch diese Reise des Bastidas wurde die Aufnahme der -Nordküste Südamerikas vollendet. - -Im Januar 1502 machte sich +Hojeda+ zum zweitenmale auf, nachdem er zur -Beschaffung der Mittel sich mit Juan de Vergara und Garcia de Ocampo -oder del Campo verbunden und mit der Krone durch Vermittlung Fonseca’s -einen Vertrag geschlossen hatte, wonach ihm die Umgebung des Golfes -von Maracaibo unter dem Namen einer Statthalterschaft von Coquibacoa -oder Cichibacoa überlassen wurde. Er ging mit vier Schiffen über die -Capverden nach der Küste von Venezuela, entdeckte den Golf von Coro, -den östlichen Theil des Golfs von Venezuela und beschloß dort eine -Niederlassung zu gründen; aber die Eingeborenen vertheidigten ihr Land -mit den Waffen und tödteten in einem Gefechte zwanzig Spanier. Mangel -an Lebensmitteln riefen unter der Mannschaft einen Aufruhr hervor, in -welchem Hojeda gefangen genommen und in Ketten geworfen wurde. Dann -gaben die Meuterer die Ansiedlung auf und gingen nach Haiti, wo Hojeda -dem Gericht überliefert und nach Spanien gebracht, im Jahre 1503 aber -völlig freigesprochen wurde. - -Noch unglücklicher verliefen die beiden Expeditionen, welche 1504 -nach jenen Gegenden auszogen. Das eine Geschwader unter +Cristobal -Guerra+ und +Luis Guerra+ bestand aus vier Schiffen, das andere -unter +Juan de la Cosa+ aus drei oder vier Schiffen. Nachdem sie -die Gestade Venezuelas gebrandschatzt und Menschenraub getrieben -hatten, scheiterten mehrere der Fahrzeuge am Golf von Darien. Man -sah sich gezwungen, dreiviertel Jahr unter Hunger und Mühsal an der -Küste auszuharren, wobei mehr als die Hälfte der Mannschaft dem -Fieber erlag. Von den 200 Abenteurern beider Geschwader retteten sich -schließlich nur etwa vierzig über Jamaica und Haiti nach Spanien. Trotz -aller Mißerfolge fand +Alonso de Hojeda+ im nächsten Jahre wieder -Gelegenheit, mit drei Schiffen den Versuch, seine Statthalterschaft in -Coquibacoa zu begründen, zu wiederholen. Nähere Umstände über diese -1505 ausgeführte Unternehmung sind aber nicht bekannt geworden. - - -16. Die Portugiesen in Südamerika. - -Es ist bereits oben (S. 129) berichtet, unter welchen Umständen bei -der zweiten portugiesischen Expedition nach Indien unter Pedralvarez -Cabral im April 1500 die Küste Brasiliens zufällig berührt wurde. Da -die Portugiesen von der fast gleichzeitig erfolgten Auffindung der -nördlicheren Gestade des südamerikanischen Continents durch die Spanier -noch keine Nachricht erhalten hatten, so hielt Cabral das entdeckte -Land für eine große Insel, welcher er den Namen Santa Cruz beilegte, -und schickte den Capitän Gaspar de Lemos mit der Kunde von dieser -Entdeckung nach Portugal zurück, während er selbst seinen Weg nach -Indien fortsetzte. - -In Lissabon erkannte man sofort den Vortheil, welchen die neue Insel -den Indienfahrern gewähren könne, da sie sehr günstig gelegen sei, -um Schiffe auszubessern und Wasser einzunehmen.[321] Es wurde daher -beschlossen, durch ein zu diesem Zweck entsendetes Geschwader den von -Cabral gemachten Fund weiter untersuchen zu lassen. Um diese Zeit war -Amerigo Vespucci von seiner zweiten Fahrt, auf welcher er bis zum -8. Grad s. Br. gekommen war, zurückgekehrt und weilte in Sevilla. -Da nun Amerigo auch eine von Fachleuten anerkannte Geschicklichkeit -besaß, mittelst Quadranten die geographische Breite zu bestimmen, so -suchte König Manuel ihn zu gewinnen, die beabsichtigte Fahrt nach -dem Sa. Cruzlande mitzumachen und sandte daher einen Florentiner, -Giuliano di Bartolomeo del Giocondo von Lissabon nach Sevilla. Erst -auf wiederholte Bitte erklärte Vespucci sich bereit und reiste nach -Portugal. Im Mai 1501 liefen drei Schiffe von Lissabon aus, an Bord des -einen befand sich Vespucci, wahrscheinlich als Astronom. Der Name des -Capitäns ist unbekannt, da Vespucci, dessen Briefe die einzige Quelle -über die Fahrt sind, uns denselben verschweigt. Das Geschwader ging -an der afrikanischen Küste bis über das grüne Vorgebirge hinaus, nahm -dort bei den Bissagos Lebensmittel, Holz und Wasser ein und steuerte -dann mehr westlich haltend über den Ocean. In der Region der Calmen, -in der Nähe des Aequators, brachen furchtbare Unwetter los, welche -sie lange dort festbannten.[322] Erst am 16. August kam die Küste -von Südamerika in Sicht in der Nähe von Cap S. Roque, unter 5° s. -Br. Man nahm für den König von Portugal in üblicher Weise Besitz vom -Lande und versuchte mit den Eingeborenen einen kleinen Tauschhandel -zu eröffnen. Es entstand aber auch hier bald Mißhelligkeit und Streit -und die Europäer mußten es erleben, daß einer ihrer jungen Matrosen am -Strande erschlagen und verzehrt wurde. Man folgte nun der Küste weiter -nach Südwesten und ertheilte, wie es scheint, einzelnen Punkten den -Namen der Kalenderheiligen des Tages. Der Atlas des Vaz Dourado[323] -läßt in solcher Weise den Fortschritt der Entdeckung klar erkennen. -Demgemäß war man am 16. August, am Tage des heil. Rochus zuerst auf -den Continent am Cap San Roque, gestoßen, hatte das Cap des heil. -Augustin (8° südl. Br.) am 28. August erreicht, den Rio de San Miquel -(10° südl. Br.) am Michaelistage berührt, den Rio de San Franciso am -4. October gefunden. Weiterhin streifte man die von Cabral entdeckte -Küste und erkannte daraus, daß die von demselben als Ilha de Sa. Cruz -bezeichneten Gestade einem gewaltigen Continente angehörten, und lief -nun weiter über den Rio de Sa. Luzia, wahrscheinlich den heutigen Rio -Doce, zu welchem man nach der Bestimmung des Tages am 13. December -gelangte, zum Cabo de San Thomé (21. December). Das Sternbild des -kleinen Bären war ihnen bereits entschwunden[324] und auch der große -Bär stand nur noch sehr niedrig.[325] Vermuthlich entdeckte man den -Eingang der prachtvollen Bucht am Rio de Janeiro am 1. Januar 1502 -und westlich davon die Angra dos Reis am heiligen Dreikönigstage, also -am 6. Januar, Porto de San Vicente am 22. Januar und gleich darauf -Cananea (25° s. Br.), fälschlich auf den damaligen Karten als Cananor -bezeichnet. Mit diesem Punkte hören auf den Karten, welche bis 1510 -erschienen, die Küstenbenennungen auf, obwohl Vespucci berichtet, das -Geschwader habe bis zum 32° südl. Br. das Land in Sicht behalten. - -Bis hieher läßt sich der Verlauf der Entdeckungen also bestimmt -verfolgen. Vespucci erzählt aber, man habe von da an ihm persönlich die -weitere Leitung übertragen und er sei nun vom Lande ab gegen Süden bis -zum 50° oder 52° s. Br. in das südliche Meer vorgedrungen, wo man am -2. April eine von Klippen umsäumte, unbewohnte, öde Küste entdeckt, an -der man 20 Seemeilen entlang gesegelt; und weil man in den südlichen -Winter hineingerieth, habe man nun die weitere Fahrt aufgegeben und -sei über den Ocean nach der Serra Leona zugesteuert. Welche Küste er -gesehen haben will, läßt sich nicht bestimmen.[326] Man hat an die -Falkland-Inseln und die patagonische Küste gedacht. - -An der Küste der Serra Leona wurde eins von den drei Schiffen, welches -untauglich geworden war, verbrannt, die beiden andern langten über die -Açoren am 7. September 1502 in Lissabon an, so daß also die ganze Reise -16 Monate gewährt hatte. - -Der Erfolg dieser auf Staatskosten unternommenen Erforschungsreise war -in geographischer Beziehung ein sehr bedeutender, und Vespucci verstand -es, durch seine Briefe und Berichte sich dabei als den Hauptträger -und wissenschaftlichen Leiter hinzustellen. Die ausführlichen -Schilderungen der entzückend schönen, tropischen Küstenlandschaften -des südamerikanischen Continents, dessen gewaltige Ausdehnung nach -Süden durch diese Fahrt zuerst erkannt wurde, die Schönheit des -südlichen Himmels, von dessen Sternbildern Vespucci einige unförmliche -Zeichnungen entwarf, und endlich die sichere Behauptung, daß er mit -seinen Schiffen wenigstens bis zum 50° s. Br. gekommen sei, alles -dies trug ohne Zweifel dazu bei, gerade diese dritte Reise Vespucci’s -berühmter als alle anderen zu machen; denn es war eine Seefahrt -gewesen, welche sich von Lissabon, also etwa von 40° n. Br. an, in -der Richtung der Meridiane über den vierten Theil des Erdumfanges -ausdehnte. In der deutschen Uebersetzung eines Briefes des Florentiner -Kosmographen an seinen Freund Lorenzo di Pierfrancesco de Medici wird -dieses Resultat mit den Worten zusammengefaßt. „So ist küntlich vnnd -offenbar das wir den vierdenteyl der welt durchschyffet haben.“ In -demselben Sinne gibt Ruchamer[327] diesem Abschnitt seines Werkes den -Titel: „Wie Alberich den vierten Theil der Welt entdeckt hat.“ Der -Brief Vespucci’s machte ungeheures Aufsehen, wurde 1503 zuerst durch -Jean Lambert zu Paris in lateinischer Uebersetzung und weiter in -Augsburg und Straßburg in deutscher Sprache gedruckt. - -[Illustration: Titelblatt der deutschen Uebersetzung des Briefes, -welchen Am. Vespucci über seine dritte Reise an Pierfrancesco de Medici -schrieb. - -(Königl. Bibliothek zu Dresden.)] - -[Illustration: Rückseite des Titelblattes und Anfang desselben Briefes. - -(Königliche Bibliothek zu Dresden.[328])] - -Und wenn schon auf dem Titel, auf dem der König von Portugal in -herausfordernder Weise sich spreizt und mit den Errungenschaften zu -brüsten scheint, die neu entdeckten Länder als eine +Welt+ bezeichnet -werden, so spricht Vespucci selbst es in der Einleitung seines Briefes -noch deutlicher aus, daß man die großen Länderräume, welche er im -Auftrage des Königs von Portugal aufgefunden, die +neue Welt+ nennen -könne, zumal da man früher gar keine Kunde davon gehabt, vielmehr der -Ansicht gewesen sei, daß südlich vom Aequator sich nur Wasser über die -ganze Hemisphäre erstrecke. Nun seien aber zahlreiche Völker und eine -eben so reiche Thierwelt aufgefunden, wie sie in der alten Welt bekannt -sei. - -Durch die Erzählungen von einer neuen Welt, welche Vespucci mit -bewußtem Stolze Asien, Afrika und Europa gegenüberstellte, verdunkelte -er das niedergehende Gestirn seines Landsmannes Columbus vollständig -und gab wenige Jahre später die Veranlassung, daß der neu entdeckte -Erdtheil seinen Namen erhielt. Der Florentiner war aber mit seinen -Erfolgen noch nicht zufrieden, er wollte, wie er an Lorenzo de -Pierfrancesco schreibt, noch einen ausführlicheren Bericht über -seine Beobachtungen und Entdeckungen liefern, „damit mein gedechtnuß -bei vnßern nachfaren, löblich beleib, Vnd des almechtigen gots so -groß köstlich, künstliche werk bekant werde.“ Zugleich kündigte er -auch seine Absicht an, noch eine vierte Reise zu unternehmen, zu -welcher bereits zwei Schiffe ausgerüstet seien. Er plante dabei nicht -geringeres, als durch den Süden nach dem Orient zu segeln,[329] oder -wie der Text der Dresdner Flugschrift noch bestimmter sagt „durch den -wyndt, genant Affricus“, also gegen Südwesten. - -Es ist also zuerst von Vespucci der Vorsatz klar ausgesprochen, -auf südwestlichem Wege Indien zu erreichen und dabei vor allem den -Gewürzmarkt von Malakka aufzusuchen -- ein Gedanke, welchen Magalhães -16 Jahre später verwirklichte. Die Expedition, an welcher Vespucci -Theil nahm, stand unter dem Befehle des Gonzalo Coelho; sie zählte -sechs Schiffe und ging am 10. Juni 1503 von Lissabon ab. Von der -Serra Leona steuerte sie nach Südwesten, nach der Küste Brasiliens -hinüber; unter 4° s. B. scheiterte das größte Schiff an einer Klippe -vor der öden Felseninsel Fernando Noronha. Getrennt von einander -gingen die Fahrzeuge weiter nach dem verabredeten Sammelplatze der -Allerheiligenbai (Bahia). Als Vespucci mit seinem Begleitschiff -hier über zwei Monate vergebens gewartet hatte, folgte er der schon -bekannten Küste weiter nach Süden und legte unter 18° s. B. die erste -Niederlassung in Brasilien an, in welcher 24 Mann von dem gestrandeten -Schiffe als Colonisten blieben, nahm darauf eine Ladung Rothholz mit -und kehrte am 2. April nach Europa zurück. Am 18. Juni 1504 erreichte -er den Hafen von Lissabon. Nach und nach kamen auch die übrigen Schiffe -zurück. Das Unternehmen war vollständig misglückt, die der Expedition -vom König von Portugal gestellte Aufgabe, auf jeden Fall nach Indien -zu segeln, blieb ungelöst. Vespucci gab der Unerfahrenheit und dem -Hochmuth Coelho’s alle Schuld und meinte, da derselbe noch nicht -zurückgekehrt war, als Vespucci seinen Bericht entwarf, Gott werde ihn -wegen seines Stolzes auf dem Meere vernichtet haben.[330] Er schwebte -in Ungewißheit, was der König weiter über ihn selbst beschließen -werde. Er sehnte sich nach so vielen Anstrengungen nach Ruhe; aber auf -Belohnung für seine Dienste konnte er nicht rechnen, da die letzte -Unternehmung fehlgeschlagen war. Er nahm daher gern die Gelegenheit -wahr, mit einem Schreiben des portugiesischen Königs sich nach Sevilla -zu begeben. Hier traf er im Februar 1505 mit Columbus zusammen, der -ihn wie einen Leidensgenossen behandelte, welcher gleichfalls von dem -Undanke der Könige betroffen sei. „Vespucci,“ so schrieb der Admiral an -seinen Sohn Diego, „hat sich mir gefälllg erwiesen. Dem ehrenwerthen -Manne ist das Glück abhold gewesen, wie so vielen andern. Auch er hat -den gebührenden Lohn für seine Leistungen nicht empfangen.“[331] Der -König Ferdinand benutzte die dargebotene Gelegenheit, den tüchtigen und -kenntnißreichen Florentiner wieder für sich zu gewinnen; am 11. April -ehrte er ihn durch ein königliches Geschenk, und vierzehn Tage später -verlieh ihm sein Schwiegersohn, König Philipp, das Bürgerrecht in -Spanien. - -Von da an blieb Vespucci in spanischen Diensten. - -Neuerdings sind noch einige venetiansche Gesandtschaftsberichte bekannt -geworden,[332] aus denen hervorgeht, daß Vespucci noch eine fünfte -Reise unternommen und wiederum die Terra Firma berührt hat, aber ohne -neue bedeutende Entdeckungen zu machen. - -Amerigo hatte von 1505 sich wieder in den Dienst Spaniens begeben und -blieb demselben bis zu seinem Tode treu. Im Jahre 1508 wurde er mit -200 Ducaten Gehalt als Reichspilot angestellt und hatte das Amt, die -Befähigung der Piloten zu prüfen und als Kartograph thätig zu sein. Daß -er Seekarten entworfen hat, finden wir mehrfach bestätigt; aber leider -hat sich kein Originalblatt erhalten. Dagegen darf mit Sicherheit -angenommen werden, daß die in der Straßburger Ausgabe des Ptolemäus von -1513 enthaltene Karte der neuen Welt (~tabula terre nove~) von Vespucci -stammt. Er starb am 22. Februar 1512 zu Sevilla und erhielt den Juan -Diaz de Solis zum Nachfolger. - -Während Columbus schon bei Lebzeiten seinen Ruhm vollständig erbleichen -sah, widerfuhr dem Vespucci die unverdiente Ehre, daß bereits im Jahre -1507 der Vorschlag gemacht wurde, die neuentdeckten großen Landmassen -Amerika zu nennen. - -Die +Entstehung des Namens Amerika+ ist beachtenswerth genug, um hier -ausführlicher dargelegt zu werden. Es ist bereits mehrfach darauf -hingewiesen, daß Amerigo ein fleißiger Briefsteller war, und indem er -mit einer frischen Beobachtung auch die Gabe verband, namentlich das -Völkerleben der neuen Welt in pikanter Weise zu schildern, so wurden -seine Berichte außerordentlich gern gelesen und waren in vielfachen -Ausgaben und Uebersetzungen verbreitet. Außer den einzelnen Briefen -erschien seit 1507 eine zusammenfassende Darstellung seiner vier ersten -Reisen nach der Fassung, welche der Reisende selbst in den Berichten an -seinen florentinischen Freund Soderini gegeben hatte. Diese „~Quatuor -navigationes~“ (Vier Schifffahrten) erlebten wiederum eine Reihe von -lateinischen Auflagen, während weder von Magalhães’ noch von Vespucci’s -Reisen gleichzeitige spanische oder portugiesische Ausgaben bekannt -sind. - -[Illustration: Lies: ~De vuestra reverendisima señoria hymylmente beso -las manos~. - - _Amerrigo Vespucci_, - ~piloto mayor~. - -Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Amerigo Vespucci an den -Cardinal Arzobispo de Toledo (Ximénez de Cisneros); datirt Sevilla, 9. -December 1508.] - -Unverkennbar macht sich in ihnen ein eitles Haschen nach Gelehrsamkeit -bemerklich, denn Amerigo citirt den Plinius, Virgil und Aristoteles, -auch ist der Verfasser, wie die meisten Reisenden seines Zeitalters -zu Uebertreibungen geneigt und weiß sich auch als praktischer -Astronom einen gewissen Nimbus zu verschaffen. Alexander von Humboldt -hat es ganz treffend als ein Uebermaß astronomischer Ruhmredigkeit -bezeichnet,[333] wenn Vespucci in Bezug auf die Längenbestimmungen -zur See sich folgendermaßen äußert: Längenbestimmungen zu machen ist -eine sehr schwierige Sache, und nur diejenigen Personen verstehen es, -welche sich den Schlaf versagen können. Ich habe die nächtliche Ruhe -so oft gemieden, daß ich mein Leben dadurch um zehn Jahre verkürzt -habe, ein Opfer, welches ich keineswegs bedaure, weil ich hoffe dadurch -in späteren Jahrhunderten mir noch Nachruhm zu erwerben. Und da er -selbst nun von seiner dritten Fahrt berichtete, er habe seine Reise -über den vierten Theil des Erdumfanges ausgedehnt und die von ihm -berührten Länder könne man wohl füglich eine Welt für sich nennen und -den Erdtheilen der alten Welt gegenüber stellen, so verbreitete sich -nun sehr rasch die Meinung, +Amerigo sei der Entdecker+, und -um so mehr wurde diese Ansicht widerspruchslos weitergetragen, weil -über die Reisen des Columbus nach dem Lande Paria und dem Goldlande -Veragua kaum ein Laut in die Oeffentlichkeit drang und weil man den -Genuesen nur für den Entdecker von „etlichen Inseln“ hielt. Man staunt -über die lange Reihe von Schriften und Verfassern, welche sämmtlich -dem Amerigo das Verdienst der Entdeckung des Festlands von Amerika -zuschreiben.[334] Daher erklärt sich auch, daß als einmal der Vorschlag -aufgetaucht war, das neue Land „Amerika“ zu nennen, man ohne Zögern den -Gedanken als einen glücklichen, treffenden bezeichnete und auch für die -weitere Verbreitung des Ausdrucks sorgte. - -Anfänglich waren die Bezeichnungen für die neuen Entdeckungen noch -ziemlich unsicher und schüchtern aufgetreten, so lange man noch -keine klare Vorstellung von der großen Ausdehnung zusammenhängender -Landmassen besaß. Columbus hatte von einem neuen Himmel und einer neuen -Erde gesprochen, in lateinischer Form lautete danach die Bezeichnung -~mundus novus~ oder ~novus orbis~, was dann wieder in „neue Welt“ -verdeutscht wurde. Während man in den wenigen von Columbus bekannten -Mittheilungen nur von Inseln erzählen hörte, erklärte Vespucci mit -großer Sicherheit, er habe einen neuen Erdtheil entdeckt. Kein Wunder, -daß dann die jungen Gelehrten, welche sich in der lothringischen Stadt -St. Dié mit Geographie befaßten und die vier Schifffahrten des Vespucci -in lateinischer Uebersetzung verbreiteten, auch die Ueberzeugung -gewannen, man müsse dann auch dem Florentiner zu Ehren jene Länder -nennen. Der Urheber des Namens Amerika ist +Martin Waltzemüller+.[335] -In seiner 1507 zuerst veröffentlichten Einleitung zur Kosmographie -(~Cosmographiae introductio~) gibt er im 9. Capitel eine ganz kurze -Charakteristik der Erdtheile Europa, Afrika und Asia und bemerkt dazu, -daß in der neusten Zeit diese Erdtheile nicht nur genauer bekannt -geworden, sondern daß durch Amerigo Vespucci auch noch ein vierter -Erdtheil entdeckt worden sei, welchem man mit gutem Fug und Recht den -Namen Amerige, gleichsam Amerigo’s Land oder +Amerika+ geben könne, da -sowohl Europa als auch Asia nach Frauen benannt worden seien. Ueber -Land und Leute dieses neuen Erdtheils sollen dann die der Kosmographie -angehängten vier Schifffahrten des Vespucci genaueres berichten. Da an -dieser Stelle der Name „Amerika“ zuerst in der Literatur erscheint, -so geben wir hier vorstehend eine getreue Copie dieser interessanten -Stelle. - -[Illustration: Facsimile der Stelle, in welcher zum erstenmale der -Name „Amerika“ vorgeschlagen wird. Aus ~Cosmographiae Introductio~ des -~Hylacomylus~ von 1507.] - -Der Vorschlag Waltzemüllers fand zunächst unter den deutschen Gelehrten -Anklang. So erschien denn der Name Amerika zuerst in dem kleinen anonym -veröffentlichten Werke ~Globus mundi~ (Straßburg 1509) und in demselben -Jahre auf einer in Wien befindlichen Karte. Zwei Jahre später lesen wir -die neue Benennung in einem englischen Schauspiel (~A new interlude~). -Weiterhin begegnen wir derselben in einem 1512 von Joachim Vadianus an -Rudolf Agricola gerichteten Briefe, welcher in der 1518 erschienenen -Ausgabe des Pomponius Mela abgedruckt wurde. Im Jahre 1515 schrieb -Johannes Schöner in Bamberg den Namen Amerika auf seinen Globus. -Dann folgte die wahrscheinlich 1516 entworfene merkwürdige Weltkarte -Leonardo da Vinci’s, 1520 Peter Apian, welcher für die von Camers -(Giov. Rienzi Vellini aus Camerino in Umbrien) besorgte Ausgabe des -Solinus eine Weltkarte zeichnete, und sodann das von dem französischen -Kosmographen Oronce Fine (Orontius Finaeus) 1531 gefertigte Weltbild. -Aber allgemein befestigt war die Benennung damit noch nicht, denn -durch das ganze 16. Jahrhundert begegnen wir für Südamerika auch den -Bezeichnungen Peruana (Peru) oder Brasilia. Erst im 17. Jahrhundert -erlangte der Name allgemeine Gültigkeit. - - -17. Die spanischen Niederlassungen auf dem Festlande von Mittelamerika -und die Entdeckung der Südsee. - -Alonso Hojeda hatte bereits drei Fahrten nach der Nordküste Südamerikas -gemacht (vgl. oben S. 325 und 329), aber seine Versuche, sich in der -ihm zuertheilten Statthalterschaft von Coquibacoa am Maracaibosee -mit Waffengewalt festzusetzen, waren an dem zähen Widerstande der -kriegerischen Cariben gescheitert. Trotzdem gab der unbeugsame -spanische Ritter seine Pläne nicht auf, er ließ sich 1508 mit der -ganzen Küste, welche nun den Namen Nueva Andalusia erhielt, von neuem -belehnen und verpflichtete sich, daselbst zwei feste Plätze anzulegen. -Zu gleicher Zeit wurde einem anderen Bewerber, +Diego de Nicuesa+, der -Küstenstrich des mittelamerikanischen Isthmus von Honduras bis Darien -überwiesen; die Grenze sollte der Atrato bilden, welcher sich in den -Golf von Darien ergießt. Gegen Osten, auf dem Gebiet Hojeda’s, trug -die Landschaft den indianischen Namen Uraba, gegen Westen erstreckte -sich weiterhin das goldreiche Veragua. Hojeda ging im Herbst 1509 -mit vier Schiffen und 300 Mann nach seinem Gebiete unter Segel. In -seiner Begleitung befanden sich der Pilot Juan de la Cosa, als sein -Stellvertreter, und Francisco Pizarro. Kurz darauf folgte Nicuesa, -welcher über bedeutendere Mittel verfügte, mit sieben Segeln und 700 -Mann und steuerte nach Veragua. - -Hojeda landete in der Gegend von Cartagena und beschloß die Dörfer der -Cariben zu überfallen, um die Einwohner zu Sklaven zu machen. Mit dem -Erlös der Beute hoffte er einen Theil der Ausrüstungskosten decken zu -können. Vergebens warnte Juan de la Cosa vor den vergifteten Geschossen -der kriegerischen Küstenstämme, deren Gefährlichkeit er auf früheren -Fahrten hatte kennen lernen, und empfahl weiter westlich zu landen; -allein Hojeda verschmähte den wohlgemeinten Rath. Mit einer Schar von -70 Mann rückte er in der Morgendämmerung aus, überwältigte das erste -Dorf, machte alles nieder, was Widerstand leistete, und brachte die -Ueberlebenden als Menschenbeute auf seine Schiffe. Nach diesem ersten -Erfolge aber überließen sich die Spanier in der heißen Mittagszeit -sorglos der Ruhe und wurden nun von den benachbarten Indianern, -deren Ortschaft gleichfalls bedroht war, vollständig überrumpelt. -Unter den Giftpfeilen der Cariben fielen alle Spanier, zuletzt auch -Juan de la Cosa; nur Hojeda, der sich hinter seinem großen Schilde -vollständig decken konnte, schlug sich durch und rannte der Küste zu, -aber ohne die Schiffe erreichen zu können. Zum Glück kam zur selben -Zeit Nicuesa mit seinem Geschwader in dieselbe Gegend, fand Hojeda’s -Schiffe und beschloß, mit dem Reste der Mannschaft desselben die -Gegend zu durchstreifen, um das Schicksal der Expedition gegen die -Indianer aufzuklären. Zuerst fand man Hojeda, tief im Mangrovegebüsch -versteckt, wohin er sich geflüchtet hatte, entkräftet durch Hunger, -sprachlos vor Erschöpfung, aber den Degen in der Faust und am Arme -den Schild, auf welchem gegen 300 Pfeilschüsse zu zählen waren. Dann -kam man zur Stätte des unheilvollen Ueberfalls und stieß auf die -Leiche Cosa’s; dieselbe war an einen Baum gebunden und von zahllosen -Geschossen durchbohrt, „ein Igel von Pfeilen“. Von dem todbringenden -Gift gräßlich aufgedunsen, bot die Leiche ein so grauenvolles Bild, -daß keiner der Spanier, aus Furcht, von einem ähnlichen Schicksal -betroffen zu werden, auch nur noch eine Nacht an dem Orte zu bleiben -wagte. Alle kehrten zu den Schiffen zurück: Nicuesa steuerte nach -Veragua, Hojeda lief an dem Gestade westwärts und gründete im Anfange -des folgenden Jahres 1510 am Golf von Uraba, hart an der Grenze seines -Gebiets eine Niederlassung, welche er San Sebastian nannte und durch -ein festes Blockhaus sicherte. Aber da die Indianer der Nachbarschaft -ebenso kriegerisch und feindselig waren als bei Cartagena, so sahen -sich die Ansiedler fast ganz auf ihr Blockhaus beschränkt und durften -es einzeln nicht verlassen, aus Furcht, von den lauernden Cariben -aus dem Hinterhalte erlegt zu werden. So stellte sich bald Mangel an -Lebensmitteln ein und in seinem Gefolge Unmuth und Mißstimmung, welche -zu Meutereien ausartete; und wenn auch Hojeda strenge Mannszucht zu -halten verstand, so war er doch nicht im Stande, der immer drohender -nahenden Hungersnoth vorzubeugen. Um Verstärkungen an Abenteurern -heran zu ziehen, sandte er ein Schiff mit Sklaven und Gold nach Haiti. -Durch die vielverheißenden Berichte ließ sich ein spanischer Colonist -von Haiti, namens Talavera, welcher, weil er in Schulden steckte, die -Insel zu verlassen wünschte, mit einer Anzahl verwegner Leute gleicher -Lage verleiten, ein mit Lebensmitteln beladenes Schiff, welches an der -äußersten Südwestspitze von Haiti vor Anker lag, zu überfallen und -in Besitz zu nehmen, um mit diesem Raube dem Goldlande zuzusteuern. -Die Ankunft der Räuberbande mußte der bedrängten Colonie Hojeda’s -willkommen sein; sie brachte eine namhafte Verstärkung an Mannschaft -und -- Brot. Nach dem rechtlichen Erwerb des Schiffes und der Fracht -durfte der Leiter der kleinen Ansiedlung nicht fragen. Mit neubelebtem -Muthe trat man den Indianern entgegen; aber schon bei einem der -nächsten Ausfälle aus dem Blockhause erhielt Hojeda einen vergifteten -Pfeilschuß in den Schenkel. Um den bekannten, unausbleiblichen -Wirkungen der gefährlichen Verletzung zuvorzukommen, ließ der kühne -Hidalgo sich die Wunde mit einem glühenden Eisen ausbrennen und einen -in Essig getauchten Verband darumlegen. Und nur durch solche unerhörte -Energie rettete er sein Leben. - -Kaum war er genesen, so ging er auf Talavera’s Schiffe selbst nach -Haiti, um neue Zufuhr herbeizuschaffen, da sich ohne dieselbe seine -Colonie nicht aufrecht erhalten ließ. Als seinen Stellvertreter ließ -er den Francisco Pizarro[336] zurück und setzte fest, daß, wenn er -binnen 50 Tagen nicht wieder erschienen sei, Pizarro die Niederlassung -ausheben und mit dem Reste der Leute Veragua aufsuchen könne. - -Hojeda landete mit dem Piratenschiff an der Südküste Cuba’s. Unter -unsäglichen Beschwerden wanderte er dreißig Meilen weit durch die -menschenleeren Strandsümpfe und Lagunen ostwärts. Tagtäglich betete -er zu seiner Patronin, der Jungfrau Maria, deren Bildniß, in Flandern -gemalt und ein Geschenk seines Gönners Fonseca, er am Halse trug. -In dem ersten Indianerdorfe, welches er antreffen würde, gelobte -er dem Madonnenbilde eine Capelle zu bauen. Und als er mit seinen -Leidensgefährten, halb verhungert und verschmachtet, dasselbe -erreichte, führte er sein Gelübde aus. Denn er fand freundliche -Aufnahme und die Indianer gaben ihm sogar Führer und ein Boot, um ihn -nach Haiti hinüberzubringen. Talavera mit seinen Raubgesellen fiel -hier in den Arm der Gerechtigkeit und erlitt für seine Verbrechen -den Tod am Galgen. Hojeda wurde freigesprochen; aber auch sein Muth -war gebrochen, er starb, von allen Freunden verlassen, in tiefster -Armuth, wahrscheinlich 1515. Ein tragisches Geschick hatte alle seine -hochfliegenden Pläne vereitelt. Die anmuthige Rittergestalt war ein -Schreckbild für alle Glücksjäger geworden. Er selbst fühlte dies in -tiefster Seele und verfügte in seinem letzten Willen, man solle ihn an -der Schwelle der Klosterkirche des heiligen Franciscus in San Domingo -begraben, damit jeder, welcher das Gotteshaus besuche, den Fuß auf -seinen Grabstein setzen müsse. So wollte er selbst noch im Grabe für -seinen Stolz büßen und sich demüthigen. - -Nachdem die verabredeten fünfzig Tage verflossen waren, ohne daß von -Hojeda irgend welche Kunde einlief, entschloß sich Pizarro im Sommer -1510 mit den letzten sechzig Mann, die ihm noch geblieben waren, die -unglückliche Niederlassung von San Sebastian in Uraba aufzulösen -und mit seinen zwei Schiffen den Weg nach San Domingo (Haiti) -einzuschlagen. Aber das Misgeschick verfolgte sie auch aufs Wasser. -Das eine Fahrzeug ging im Sturme unter, das andere stieß unerwartet -auf ein Schiff des Rechtsgelehrten (Baccalaureus) Martin Fernandez -de Enciso, welcher auch an der Küste der Tierra firme als Entdecker -und Colonisator sein Glück versuchen wollte. Aber auch Enciso verlor -an der Ostspitze des Golfs von Darien, an der Punta Caribana, sein -Schiff, und die Mannschaft sah sich genöthigt, am Strande hin nach der -nahe gelegenen Niederlassung von San Sebastian zu gehen. Da man aber -die kaum verlassenen Hütten bereits durch die Indianer zerstört und -verbrannt antraf, entschloß sich der ganze Haufe der unglücklichen -Abenteurer, auf die andere Seite des Golfs hinüber zu ziehen und sich -dort festzusetzen, ohne sich viel darum zu kümmern, daß dieser Theil -der Küste bereits zu Veragua, also unter die Botmäßigkeit Nicuesa’s -gehörte. Die Anregung zu diesem Schritte gab Vasco Nuñez +Balboa+, -ein armer Edelmann aus Jerez de los Caballeros in Estremadura, südlich -von Badajoz. Derselbe zählte damals etwa 38 Jahre, war aber schon vor -fast zehn Jahren mit Bastidas in dieser Gegend gewesen und hoffte dort -einen günstigern Boden für eine Ansiedlung zu finden, als in Uraba. -Jahre lang hatte er dann auf Domingo, wo er Ländereien erhalten, -Feldbau getrieben. Aber des einförmigen Landlebens überdrüssig und -von Schulden gedrückt, suchte er eine Gelegenheit, sich seinen -Verpflichtungen zu entziehen. Als Enciso im Hafen von Domingo seine -Ausrüstung betrieb, nahm Balboa diese Gelegenheit wahr, ließ sich, da -nach dem Gesetz kein Schuldner ohne Wissen seiner Gläubiger die Insel -verlassen durfte, von seinem Landgute aus in einer Proviantkiste an -Bord schaffen und kam erst auf offner See, als er sich sicher glaubte, -aus seinem Versteck hervor. Enciso hatte zwar anfangs die Absicht, um -nicht selbst durch Balboa’s Erscheinen in Ungelegenheit zu kommen, den -Eindringling an der ersten wüsten Insel auszusetzen, ließ sich dann -aber bewegen, den Flüchtling als guten Kriegsmann zu behalten. - -In der neuen Niederlassung am Flusse Darien, welche den Namen Santa -Maria del Antigua erhielt, wollte Enciso, der sich für den einzigen -rechtmäßigen Leiter ansah, alles nach seinen gelehrten Rechtsbegriffen -ordnen und leiten, fand aber dabei in der Schar der zügellosen -Abenteurer den heftigsten Widerstand. Militärischem Commando entzogen -sie sich nicht, aber die Fesseln einer papiernen Rechtspflege ertrugen -sie nicht. Balboa trat an die Spitze der Widersacher und erklärte den -Baccalaureus für abgesetzt und gefangen; doch ließ man ihn später -wieder los. Enciso durfte nach Spanien zurückkehren. Die Erbitterung -Balboa’s gegen diesen Rechtsgelehrten war so groß, daß er noch im -Anfange des Jahres 1513 an den König von Spanien schrieb und bat, -er möge allen Juristen und studirten Leuten, außer den Medicinern -verbieten, die Tierra firme zu betreten, denn sie hätten alle den -Teufel im Leibe und stifteten mit ihren tausenderlei Rechtshändeln und -Niederträchtigkeiten nur Unheil an.[337] - -Doch in Santa Maria del Antigua erschien bald wieder die Noth und -der Mangel an Lebensmitteln, welcher namentlich in den ersten -Stadien der Bildung einer neuen Colonie verhängnißvoll geworden ist. -Glücklicherweise brachten im November 1510 zwei Schiffe unter Rodrigo -Enriquez de Colmenares unerwartete Hilfe. Dieselben waren für Rechnung -Nicuesa’s mit Lebensmitteln befrachtet und liefen an der Küste hin, um -dessen Niederlassung aufzusuchen. Colmenares ließ sich bewegen, einen -Theil seiner Vorräthe an Balboa und seine Leute abzugeben und setzte -dann seine Reise fort, um +Nicuesa+ aufzufinden. - -Dieser war im November 1509, also ein Jahr vorher, von Cartagena -nach Darien gegangen und steuerte von da nach Veragua. Einer Karte -des Bartolomé Colon folgend, war er irrthümlich über das Ziel -hinausgerathen. Der Sturm trieb die Schiffe auseinander, einige -gingen unter, mit dem letzten lief er nothgedrungen in die Mündung -eines Flusses ein, wo dasselbe auf den Grund gerieth und durch den -heftigen Wogenschwall zerschlagen wurde. Die Mannschaft rettete sich -ans Land. In der Nähe des von Columbus entdeckten Vorrathshafens -(~puerto de bastimentos~) legte er nothgedrungen seine Niederlassung -an und gab ihr den Namen Nombre de Dios. Von Lebensmitteln entblößt, -an einer fieberschwangern Küste zwischen Sümpfen und dichten Wäldern -festgehalten erlag die Schar der Colonisten größtentheils den vereinten -Angriffen von Krankheit und Hunger. Colmenares fand nur noch die -bleichen Trümmer einer stattlichen Ausrüstung. Als Nicuesa durch -ihn von der Unternehmung Balboa’s hörte, der sich auf seinem Gebiet -an einem günstigen Platze festgesetzt hatte, beschloß er mit den -Ueberlebenden, -- er zählte nicht mehr als sechzig Mann -- sich dorthin -zu wenden und Nombre de Dios aufzugeben. Als einige Jahre später -(1515) Gonzalo de Badajoz mit achtzig Mann hier ans Land ging, um in -das Innere des Isthmus einzudringen, fand er in der Nähe von Nicuesa’s -Blockhaus nur noch zahlreiche Steinhaufen, mit rohen Holzkreuzen -versehen, unter denen die Leichen der Verhungerten bestattet waren. - -Balboa’s Colonie hatte sich indessen, dank der ihr durch Colmenares -gewordenen Unterstützung, fester organisirt und die erste schwerste -Prüfungszeit glücklich überwunden; aber sie war nicht gewillt, sich -unter die Botmäßigkeit Nicuesa’s zu begeben. Man war gefaßt darauf, daß -der nominelle Herr von Veragua seine Ansprüche werde geltend machen -und hatte darum auf den Höhen an der See Wachtposten ausgestellt, -um nicht durch einen unerwarteten Besuch Nicuesa’s überrascht zu -werden. Als dieser nun mit seiner sehr gelichteten Schar auf dem -Schiffe des Colmenares erschien, rotteten sich die Ansiedler von -Santa Maria zusammen und der „~procurador de la ciudad~“ rief -ihm vom Strande mit lauter Stimme entgegen, bei Todesstrafe keinen -Fuß ans Land zu setzen. Zurück in seine unheilvolle Colonie konnte -Nicuesa nicht; ließ man ihn nicht in Santa Maria ans Land, so war er -unabwendbar dem Verhängniß verfallen. Trotz aller Verhandlungen und -Vorstellungen beharrte das Volk auf seinem Willen, und drohte zu den -Waffen zu greifen. Erst am nächsten Morgen ließ man den unglücklichen -Mann ans Land kommen, aber nur, um ihm einen Theil seiner Gefährten -zu entfremden und ihm selbst dann hinterlistiger Weise einen Eid -abzunehmen, der ihn verpflichtete, unverzüglich wieder in See zu gehen -und an keinem Punkte in der neuen Welt anzulaufen, sondern direct nach -Spanien zu segeln. Vergebens wies Nicuesa auf die gefährlichen Folgen -eines solchen verrätherischen Verfahrens hin (auf Balboa’s Haupt sollte -das gleiche Geschick fallen), man ließ ihm nur die schlechteste und -am wenigsten seetüchtige Brigantine und stieß ihn im März 1511 mit 17 -Leidensgefährten aufs Meer hinaus. Es ist ungewiß, ob Balboa oder sein -Genosse Zamudio der Hauptanstifter dieses Verraths gewesen. Nicuesa ist -verschollen, nirgends ist eine Spur von ihm aufgefunden. Die Reste von -drei verunglückten Colonisationsversuchen waren von da ab, in einer -Stärke von 300 Mann, unter Balboa’s energischer Leitung in Santa Maria -del Antigua vereinigt. - -Aus der ganzen Reihe der Abenteurer traten nur zwei Männer von -bekanntem Namen hervor, Balboa und Pizarro. Pizarro, damals noch in -untergeordneter Stellung, wurde von Balboa herangezogen und erhielt zu -kleinen Unternehmungen das Commando. So kam er empor und sollte später -an Balboa die Hand legen, um dessen Laufbahn ein plötzliches Ende zu -bereiten. Aehnlich war dieser mit Enciso und Nicuesa verfahren. - -+Balboa+ drang auf glücklichen Streif- und Beutezügen ins freiere -Binnenland von Darien und bis ins Quellgebiet des Chucunaque vor, -der sich in den großen Ocean, in den Golf von San Miguel ergießt. -Als ein eingeborner Fürst, Panciaco, die Goldgier der Spanier sah, -wies er sie nach dem südlichen Meere, welches man in sechs Tagereisen -übers Waldgebirge erreichen, aber auf dem näheren Gebirgskamme -bereits sehen könne. Schon Columbus hatte dunkle Kunde von jenem -anderen Meere erhalten, jetzt trat die Nachricht bestimmter auf. Um -aber in jene völlig unbekannten Räume vordringen zu können und das -Gestade des gegenüberliegenden Meeres zu erreichen, bedurfte man -bedeutenderer Kräfte, als sie augenblicklich der in Noth befindlichen -Colonie zur Verfügung standen. Dem Admiral Don Diego Colon sollte -ein Schiff die wichtige Entdeckung nach Haiti melden und die Bitte um -Zusendung von Waffen und Lebensmitteln vortragen; aber das Fahrzeug, -welches zugleich den königlichen Fünften an Gold überbringen sollte, -scheiterte an der Küste von Yukatan. Die Mannschaft rettete sich zwar -anfänglich ans Land, fiel dort aber dem Stamm der Maya in die Hände, -welche die Gefangenen zum Theil in ihren Tempeln opferten, zum Theil -als Sklaven behielten. Einer dieser letzteren, der Pater Jeronimo -de Aguilar wurde 1519 durch Cortes befreit. Als der Erfolg dieser -Schiffssendung ausblieb, schickte Balboa das letzte verfügbare Schiff -1512 direct nach Spanien, zufällig kamen vom Admiral im folgenden -Jahre zwei Fahrzeuge mit Lebensmitteln nach Darien und befreiten die -hungerleidenden Ansiedler aus äußerster Noth. Noch günstiger war, daß -eine Schar von 150 Mann die bereits zusammengeschmolzene Zahl der -Colonisten verstärkte und daß der Statthalter von Haiti dem Balboa -die Oberleitung übertrug. Aber trotz dieser Anerkennung fürchtete -Balboa mit Recht, daß man ihn in Spanien als Empörer gegen Enciso und -Nicuesa nicht so glimpflich behandeln und ihm einen Nachfolger senden -werde, denn Enciso war nach Spanien gegangen und hatte beim indischen -Rathe Klage gegen ihn erhoben und seinen Verrath gegen Nicuesa -gebrandmarkt. Balboa war daher entschlossen, durch eine große That den -übeln Eindruck seines Verrathes abzuschwächen. Er faßte den Plan, das -südliche Meer auszusuchen und die daran grenzenden reichen Gebiete -der spanischen Krone zu unterwerfen. So brach er am 1. September 1513 -mit 190 Spaniern, 600 einheimischen Lastträgern und einer Meute von -Bluthunden von seiner Niederlassung auf und ging mit einer Brigantine -und neun großen Canoes an der Küste entlang nordwestlich nach Careta’s -Dorf. Der Häuptling gab ihm von hier Wegweiser mit ins Innere. Diese -Richtung des Marsches zeigt, daß Balboa über die Lage der Südsee wohl -unterrichtet war, denn von dem Punkte aus, wo er landete, beträgt die -Luftlinie zu dem gegenüberliegenden Gestade nur neun Meilen, und die -Waldgebirge auf dieser Landenge erheben sich nur 700 Meter hoch. Aber -dicht verschlungener Urwald umhüllt den mittelamerikanischen Isthmus -dergestalt, daß kaum ein Sonnenstrahl das Blätterdach durchdringt und -den Boden erreicht. Selbst noch in unserem Jahrhundert ist ein Marsch -über die Landenge mit den größten Schwierigkeiten verbunden. So hat -im Jahre 1853 der bekannte Reisende Carl v. Scherzer sich vergebens -bemüht, weiter im Westen, im Staate Costarica, unter dem 10° n. Br. von -Angostura aus, den Hafen von Limon zu erreichen. In Begleitung von 30 -Trägern, unterstützt von Ingenieuren mußte man nach vergeblicher Arbeit -von 16 Tagen davon abstehen, die Küste des nur 10 Meilen entfernten -caribischen Meeres zu erreichen. Der Wald war überall so dicht, daß -nur ein fahler Schein, der durch die Blätternacht brach, die Tageszeit -verkündete.[338] - -[Illustration: Karte zu Balboa’s Entdeckung der Südsee.] - -Auf versteckten Waldwegen, auf denen die Indianerstämme sich zu -nächtlichem Ueberfall und Raub beschleichen, drang Balboa’s Schar -ins Gebirge hinein, welches hier, der Ostküste näher, sich am Golfe -von Darien hinzieht. Dahinter erstreckt sich, von zahlreichen Bächen -durchschnitten, das Waldland bis ans südliche Meer. Der Uebergang über -die Cordillere, ohnehin durch die natürlichen Verhältnisse erschwert, -wurde überdies den Spaniern durch die Häuptlinge, in deren Gebiet -Balboa eindrang, streitig gemacht. Erst am 25. September konnten die -eingebornen Wegweiser dem spanischen Anführer die langersehnte Meldung -machen, daß er auf dem nächsten, vor ihnen liegenden Bergrücken das -neue Meer sehen werde. Balboa ließ den ganzen Zug halten, er wollte -+zuerst+ sich an dem Anblick der Südsee erfreuen. Allein schritt -er voran und erreichte den Gipfel. Er fällt auf die Kniee, hebt die -Hände zum Himmel empor, grüßt den Süden und dankt Gott und allen -Himmlischen auf das innigste, daß ihm als einem Manne von nicht -hervorragenden Gaben, nicht vornehmer Geburt ein solcher Ruhm zu -theil geworden. Dann winkt er den Gefährten mit der Hand und zeigt -ihnen das ersehnte Meer. Alle sinken auf die Kniee, und Balboa fleht -zum Himmel, namentlich zur Jungfrau Maria, daß das Unternehmen einen -glücklichen Ausgang finden möge. Jubelnd stimmen alle den Lobgesang -an und blicken auf das Land hinunter. Kühner als Hannibal, der seinen -Soldaten von den Alpenhöhen herab das italische Land zeigte, verheißt -er den Genossen unermeßliche Schätze. Zum Zeichen der Besitznahme wird -von rohen Steinen ein Altar aufgethürmt. Dann werden beim Hinabsteigen -rechts und links die Namen des Königs in die Bäume geschnitten, damit -die Nachwelt die kühnen Entdecker nicht der Lüge zeihen könne, daß die -große That nicht wirklich ausgeführt sei.[339] Der begleitende Notar -Andres de Valderrabano nahm über das wichtige Ereigniß der Entdeckung -und Besitzergreifung ein Protokoll auf, in welchem alle 67 anwesenden -Spanier aufgezählt wurden, an zweiter Stelle nennt er den Geistlichen -Andres de Vera, als dritten Francisco Pizarro. Noch ein siegreicher -Kampf mußte ausgefochten werden, um die Häuptlinge zum Frieden und -zum Bündniß zu bewegen, dann erreichte Balboa am 29. September mit 26 -Begleitern die Mündung des Sabanas, der sich in den innern Golf von -San Miguel ergießt, welcher nach dem Tage der wichtigen Entdeckung -seinen noch jetzt gültigen Namen erhielt. Bei eintretender Flut schritt -Balboa mit Schwert und Fahne bis an die Kniee ins Wasser der See und -nahm von allen Ländern, Gestaden und Inseln dieses Meeres „vom Nordpol -bis zum Südpol“ im Namen seines königlichen Herrn feierlich Besitz. -Wochenlang blieb er dann an der Küste des Golfes, befuhr auf den Böten -der Eingeborenen die Südsee und machte die anwohnenden Häuptlinge -tributpflichtig. Vor den Augen der Spanier wurden im Golf von S. Miguel -Perlen gefischt, doch wurde der weiter draußen gelegene Archipel der -Perleninseln, wegen der stürmischen Jahreszeit, noch nicht aufgesucht. -Der Anführer selbst zog auch hier wieder möglichst genaue Erkundigungen -über die näheren und ferneren Landschaften ein und ließ sich von dem -Caziken Tumaco über eine mächtige Nation im Süden berichten, welche -unermeßlich reich sein, Schiffe und Lastthiere besitzen sollte, wie sie -in der Nähe von Darien nicht bekannt waren. Eine Figur aus Thon, welche -Tumaco von diesem Hausthiere fertigte, sah fast wie ein Kamel aus. Die -Spanier erhielten so die erste Kunde von dem Goldlande Peru und von dem -dort in Herden gezüchteten Lama. Auf keinen der Zuhörer machten diese -Erzählungen einen tieferen Eindruck als auf Pizarro, der den lockenden -Berichten mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte. - -Am 3. November trat Balboa den Rückmarsch an, er schlug einen anderen -Weg ein und zog das Thal des Chucunaque, welches damals noch gut -bevölkert war, bis zu den Quellen des Flusses hinauf. Trotz der -mühevollen Märsche fanden die Spanier Gelegenheit den einheimischen -Fürsten ihre Schätze an Gold abzupressen und für jedes kleine -Vergehen die grausamste Justiz an denselben auszuüben. So wurde der -Cazike Poncoa, nachdem er sein Gold hingegeben, nebst drei anderen -Häuptlingen, schmachvoll den Bluthunden geopfert und von diesen -zerrissen. Unter der täglich schwerer werdenden Last von Gold sanken -die erschöpften Träger nieder; aber erst als auch den Spaniern die -Kräfte zum Weiterzuge versagten, machte Balboa eine längere Rast in dem -Dorfe Pocorosa’s und kehrte von da nach Careta zurück. Am 19. Januar -1514 erreichte er endlich seine Niederlassung in Sa. Maria del Antigua -wieder, ohne einen Spanier verloren zu haben. Im darauffolgenden -März sandte der glückliche Entdecker ein Schiff nach Spanien mit dem -Berichte über seinen kühnen Zug und wußte den Werth seiner Eroberung -durch Beifügung eines ansehnlichen Schatzes von 20,000 Castellanos an -Gold und 200 der besten Perlen als königlichen Antheil an der Beute in -das beste Licht zu setzen. Die Kunde von der Entdeckung eines neuen -Oceans machte natürlich das größte Aufsehen. Von nun an konnte erst -mit Recht die Frage aufgeworfen werden, ob die neue Welt wirklich, wie -man bisher angenommen, einen Theil von Ostasien bilde, oder ob, was -immer wahrscheinlicher wurde, das von Columbus erreichte Indien, einen -Welttheil für sich bilde. Die Folgen der Entdeckung waren unermeßlich, -sie gaben den ersten Anstoß zu der Weltumsegelung Magalhães’ und zu der -Eroberung Peru’s durch Pizarro. - -Aber Balboa sollte die Früchte seiner glänzenden That nicht ernten. -Sein Schicksal war bereits besiegelt, als seine Sendung in Spanien -eintraf. Bereits am 11. April 1514 war sein Nachfolger, der 60jährige -+Pedrarias de Avila+ mit einer ansehnlichen Flotte von ca. 20 Schiffen -und 1500 Mann nach Darien unter Segel gegangen. Hätte Balboa sich -mit der Absendung des Schiffes mehr beeilen können, und wäre seine -Botschaft um vier Wochen früher nach Spanien gelangt, so hätte sein -Geschick und das der ganzen Colonie von Darien gewiß eine andere -Wendung genommen. Allein der Leiter der indischen Angelegenheiten, der -Bischof Fonseca, war über den an seinem Günstlinge Nicuesa verübten -Verrath empört und daher entschlossen, gegen Balboa auf das strengste -zu verfahren. Die Nachricht von Balboa’s Entdeckung würde seine -Maßnahmen unfehlbar gemildert oder ganz verändert haben, aber bis zur -Absendung Pedrarias’ hatte Balboa keinen Fürsprecher in Spanien. - -Der neue Statthalter des Landes Castilla aurifia, denn so hatte der -König befohlen, solle das Gebiet der Eroberung Balboa’s in Zukunft -heißen,[340] landete am 30. Juni 1514 in Sa. Maria del Antigua. Er -brachte ein so glänzendes Gefolge von Rittern und gelehrten Männern -mit, wie es die neue Welt noch nicht beisammen gesehen. Viele von ihnen -haben sich in der Folgezeit hervorgethan und in der Geschichte der -Eroberung einen dauernden Namen erworben. Vier unter diesen Männern -haben uns werthvolle historische und geographische Arbeiten über die -neue Welt hinterlassen: +Bernal Diaz del Castillo+, der Waffengefährte -des Cortes, schrieb eine Geschichte der Eroberung Mexiko’s, Gonzalo -Fernandez de +Oviedo+, welcher als Inspector (~veedor~) eingesetzt -wurde, schrieb die ~historia general de las Indias~, der Baccalaureus -+Enciso+, welcher das Amt eines Alguacil mayor (Gerichtsbeamter) -bekleidete, verfaßte eine ~Summa de geografia~, und +Pascual de -Andagoya+ aus Cuartango in der Provinz Alava, der Mitentdecker von -Nicaragua, entwarf eine Schilderung der Thaten der Spanier unter der -Herrschaft des Pedrarias de Avila.[341] Außerdem betraten den Boden -Amerika’s Diego +Almagro+, der Eroberer von Chile, +Benalcazar+, der -Eroberer von Quito und Bogota, Fernando de +Soto+, der Waffengefährte -Pizarro’s und Entdecker des mittleren Mississippithals, und Francisco -Vasquez +Coronado+, der Eroberer von Cibola und Quivira. Als erster -Pilot der Flotte wird Juan +Serrano+ genannt, welcher mit Magalhães -die erste Reise um die Erde unternahm und zugleich mit diesem auf den -Philippinen getödtet wurde. - -Die große Schar der neuen Ankömmlinge sah sich bei der Landung sehr -enttäuscht, da für die Urbarmachung des Landes und für Gewinnung von -Feldfrüchten fast noch nichts geschehen war. Die Umgebung von Sa. Maria -war mit Wald und Sümpfen bedeckt, der Landbau war völlig vernachlässigt -und wurde erst nach Balboa’s Rückkehr von der Südsee in Angriff -genommen. Auch Pedrarias de Avila war nicht der Mann, um hier energisch -einzugreifen und Hilfe zu schaffen. In kurzer Zeit erlagen gegen 500 -der Neuangekommenen dem Fieber und Hungertode, andere wurden von -Indianern getödtet. Der neue Statthalter war zu alt für einen solchen -gefährlichen und verantwortlichen Posten; mißtrauisch und eifersüchtig -auf Balboa’s Ruhm, überwachte er seinen Nebenbuhler mit argwöhnischem -Auge. Hart gegen die Indianer und auf gewaltsame Eroberungen bedacht, -ward er mehr zum Verwüster als zum Begründer eines Colonialgebiets. Las -Casas verurtheilt ihn, ohne seinen Namen zu nennen, aufs schärfste, -wenn er schreibt: „Im Jahre 1514 kam ein unseliger Statthalter nach der -Terra firme, der grausamste Tyrann, ohne Erbarmen und ohne Klugheit, -ein Werkzeug des göttlichen Zorns.“[342] - -Zunächst wurde +Ayora+ mit 400 Mann ausgesandt, um eine Reihe -von Stationen von einem Meere zum andern anzulegen. Es war ein -Vernichtungszug gegen die eingeborenen Häuptlinge, die der grausame -Spanier verbrennen, hängen oder von Hunden zerreißen ließ. Aber seine -Gründungen wurden von den erbitterten Indianern wieder zerstört. Im -November 1515 sollte Antonio Tello de +Guzman+ die Pläne Ayora’s wieder -aufnehmen. Ebenso grausam wie dieser drang er gegen Westen über die -Landenge und erreichte zuerst +Panama+. Von hier aus plünderte er die -Landschaft Chagre, wurde auf dem Rückwege von Indianern angegriffen, -kam indeß glücklich nach Maria del Antigua zurück. - -Im Juni 1515 machten Balboa und der von Pedrarias ernannte Befehlshaber -Luis +Cavillo+ einen Zug nach +Dabaiba+ am Atrato gegen Süden, um die -dortigen, angeblich von Gold strotzenden Tempel aufzusuchen. Aber die -Indianer griffen die spanischen Böte auf dem Flusse an und stürzten -dieselben um, wobei Cavillo das Leben einbüßte. Der Rest kehrte -unverrichteter Sache nach der Colonie zurück. Als in der Folgezeit noch -drei andere Expeditionen nach dem goldenen Tempel fehl schlugen, gab -man die Eroberung nach dieser Richtung auf. - -Inzwischen kam im Juli 1515 aus Spanien eine Anerkennung für Balboa’s -Leistungen; er wurde, allerdings unter dem Oberbefehl des Pedrarias, -zum Adelantado der Südsee ernannt und bekam dadurch einen eignen -Verwaltungs- oder Vergewaltigungsbezirk. Aber diese Gestade an der -Südsee waren das einzige kostbare Land in der Terra firme, ohne -welches die Ostseite, wo Pedrarias hauste, völlig werthlos war. Dazu -war es gesünder und für Europäer zuträglicher. Sollte Pedrarias es -seinem Rivalen überlassen? Er schickte seinen Neffen Gaspar de Morales -und Pizarro mit 60 Mann an den Michaelsgolf, um die Perleninseln zu -erobern. Mit 30 Mann gingen sie auf Böten nach der Isla rica, wie -Balboa die größte Insel im Perlenarchipel genannt hatte, hinüber, vor -dessen Häuptling selbst die Fürsten des Festlandes zu zittern schienen. -Nach einem erbitterten Kampfe unterwarf sich der Inselfürst und bot -den Fremden einen Korb voll kostbarer Perlen an. Dann führte er seine -Gäste auf den Thurm seines Hauses, zeigte ihnen alle Inseln, die unter -seiner Botmäßigkeit standen und sämmtlich ergiebige Perlenfischerei -besaßen, und berichtete von der mächtigen Nation im fernen Süden, -deren Schiffe er oft gesehen habe. Während Pizarro’s Phantasie aufs -neue lebhaft dadurch angeregt wurde und mit kühnen Plänen ins Weite -schweifte, hielt sich Morales an das vor Augen Liegende und dachte nur -an die Ausbeutung der besetzten Inselgruppe. Zu dem Zweck legte er dem -unterworfenen Fürsten einen jährlichen Tribut von 100 Mark Perlen auf. -Dann kehrten die Spanier nach dem festen Lande und nach der Ostseite -des Continents zurück, wobei wiederum unerhörte Schandthaten gegen die -Eingebornen verübt wurden. Bei einer zu freundschaftlichem Gespräch -berufenen Versammlung hetzte man die Bluthunde unter die Häuptlinge -und ließ achtzehn Caziken zerreißen; zu Hunderten wurden die Indianer -hingemordet und als die gefühllosen Räuber dann von dem ergrimmten -Volke verfolgt wurden, schlugen sie hundert gefesselten Eingebornen, -Weibern und Kindern, welche sie als Sklaven vor sich her getrieben -hatten, die Köpfe ab oder skalpirten sie, nur um die Verfolger von -weiterem Nachdringen abzuschrecken. Selbst Balboa berichtete mit -höchstem Unwillen über solche Greuel; aber der Neffe des Gouverneurs -ging ohne Strafe aus. - -Um eine Versöhnung zwischen den beiden Rivalen Pedrarias und Balboa -herbeizuführen, regte Quevedo, Bischof von Darien, eine Heirath -zwischen der ältesten Tochter des Statthalters und dem Entdecker der -Südsee an; beide Parteien schienen dazu geneigt, aber Pedrarias lauerte -nur auf eine Gelegenheit, den ihm lästigen Eidam unschädlich zu machen. -Diese Gelegenheit bot sich, sobald Balboa seine Machtstellung am -großen Ocean erweitern wollte. Um den Befehl des Königs, eine sichere -Verbindungslinie zwischen beiden Meeren herzustellen, in Ausführung -zu bringen, wurde jenseit Careta der Hafenplatz Acla angelegt und -auf trocknem Grund ein festes Blockhaus errichtet. Von diesem Punkte -aus sollte dann Balboa das Material zum Bau mehrerer Schiffe über -den Isthmus schaffen und am Strande der Südsee zu seetüchtigen -Fahrzeugen zusammenzimmern lassen. Als Balboa aber nach Acla kam, -fand er den Platz bereits durch die Indianer wieder zerstört, die -spanische Besatzung todt. Es war also seine Aufgabe, zunächst das -Blockhaus wieder herzustellen und die Indianer zu unterwerfen. Geraume -Zeit verstrich, ehe das Baumaterial für die kleine Flotille mühsam -auf dem Rücken indianischer Lastträger über die Landenge geschafft -werden konnte, wo es am Rio Balsa, dem untern Laufe des Chucunaque, -zusammengesetzt werden sollte. Aber hier zeigte sich, daß es zu lange -am Strande von Acla der Witterung und zerstörendem Insektenfraß -ausgesetzt gewesen war, so daß man aus den durchbohrten und morschen -Planken kein seetüchtiges Fahrzeug bauen konnte. Und doch hatte der -nutzlose Transport von Holz und Eisen über den Isthmus an 500 Indianern -das Leben gekostet. Las Casas gibt den Verlust an Menschenleben sogar -auf 2000 an. Man mußte also von neuem an die Arbeit gehen, um das -Baumaterial herbeizuschaffen. - -Inzwischen war König Ferdinand, 1516, gestorben und es hieß, Pedrarias -werde in der Person des bisherigen Gouverneurs auf den Canarien, Lope -de Sosa, einen Nachfolger erhalten. Um durch diesen nicht in seinen -Unternehmungen an der Südsee gehemmt zu werden, beeilte sich Balboa, -seine Schiffsausrüstung zu vollenden. Aber dieser Eifer wurde ihm -falsch ausgelegt. Die Freunde des Pedrarias behaupteten, er wolle -sich vom Statthalter von Darien unabhängig machen und direct mit der -spanischen Krone in Verbindung treten. Das sah Pedrarias als Verrath -an, denn Balboa hatte seinen Auftrag binnen 18 Monaten ausführen sollen -und diese Zeit war unter den mühsamen Vorbereitungen verstrichen, -ehe er hatte in See gehen können. Als nun Balboa zum letztenmal auf -Einladung des Pedrarias nach Acla zurückkehrte, um durch persönliches -Eingreifen die Ausrüstung zu beschleunigen, und mit dem Statthalter die -Ziele seines Unternehmens zu besprechen, ließ dieser ihn durch Pizarro -gefangen nehmen und nach kurzem Proceß, den Espinosa als Alcalde mayor -zu führen hatte, nebst vier Anhängern enthaupten; wahrscheinlich im -Jahre 1517. Balboa war etwa 42 Jahre alt geworden. Sein Tod war ein -Unglück für die Entwicklung der spanischen Herrschaft. Rohe Abenteurer -zertraten in kurzer Zeit Land und Volk und machten das Gebiet fast -menschenleer. Sicher hatte Balboa sich gegen den unglücklichen Nicuesa -schwer vergangen, aber das Urtheil des Pedrarias war ein ungerechtes. -Nachdem die Krone seine Verdienste durch Ernennung zum Adelantado -anerkannt hatte, war damit zugleich Verzeihung für sein früheres -Benehmen ausgesprochen. Leider ist die ganze Geschichte der spanischen -Eroberungen in der neuen Welt eine unausgesetzte Reihe von Treubruch -und Verrath, und diesem Verhängniß erlag auch Balboa. Aber kühn in -seinen Unternehmungen, fest im Entschluß, als Staatsmann und Krieger -zum Befehlen geboren, gebildet und von reifem Urtheil, hätte unter -seiner Leitung die Colonie einen ungeahnten Aufschwung nehmen können. -Zwar hatte auch unter Balboa das Land gelitten, aber weit schlimmer -wurden die Verhältnisse unter Pedrarias und die Verödung der einst -volkreichen Landstriche nahm dermaßen zu, daß es im Anfange des 17. -Jahrhunderts in der Provinz Panama mehr Neger als Indianer gab. - -An der Südsee wurde Espinosa Balboa’s Nachfolger. Mit Hilfe der von -Balboa erbauten Flotte von vier Brigantinen und der verfügbaren -Mannschaft gründete er 1519 die Colonie von Panama, welcher Karl V. -im Jahre 1521 Stadtrecht verlieh. Aber in dem ungesunden Klima gingen -in den ersten 28 Jahren 40,000 Menschen dort zu Grunde. Daher befahl -Philipp II. später den Ort zwei Meilen weiter westwärts an einer -gesünderen Stelle anzulegen und bestimmte als Ausgangspunkt für die -Isthmusstraße +Puerto Bello+, nordöstlich von Aspinwall oder -Colon, von wo jetzt die Eisenbahn nach Panama hinüberführt. - -Espinosa unterwarf die Stämme und Landschaften auf dem Isthmus und -Bartolomé Hurtado befuhr die Küste der Südsee bis zum Golfe von -Nicoya (unter 10° n. Br.), und in den folgenden Jahren gingen alle -von Pedrarias angeordneten Entdeckungsfahrten nach Nordwesten, im -ausgesprochenen Gegensatz zu den Plänen Balboa’s, der sein Augenmerk -stets nach dem Süden gerichtet hatte. Möglicherweise ließ auch schon -Pedrarias nach einer mittelamerikanischen Meerenge forschen, wie sie -später so eifrig von Cortes gesucht wurde. - -Noch weiter als Espinosa gelangte +Gil Gonzalez de Avila+. Derselbe -hatte zwar im Jahre 1519 durch königlichen Befehl das Commando über -die Flotte Balboa’s erhalten, mußte aber, da Pedrarias über dieselbe -bereits verfügt hatte, auf den Perleninseln 4 andere kleine Fahrzeuge -bauen und segelte damit im Jahre 1521 zunächst nach dem Dorfe Nicoya’s, -wo der Häuptling sich willig mit sammt seinem Volke taufen ließ, -und entdeckte dann weiter das fruchtbare, offene, volkreiche Land, -das nach seinem damaligen Fürsten noch den Namen +Nicaragua+ trägt. -Die Kultur zeigte sich bei den Indianern, je weiter man nach Norden -kam, immer mehr entwickelt, denn die Landschaften von Nicaragua und -Honduras standen bereits unter dem Einfluß der von Mexiko und Yukatan -her verbreiteten höheren materiellen und geistigen Bildung. Gonzalez -verließ seine Schiffe und zog friedlich zu dem Fürsten Nicaragua, der -an dem See gleichen Namens hauste und von dessen Macht ihm bereits -Nicoya erzählt hatte. Auch Nicaragua ließ sich mit 9000 Mann auf einmal -taufen und ließ es ruhig geschehen, daß der Spanier mit seinem Pferde -in den See hineinritt, von dem Wasser trank und durch diese Ceremonie -von dem umgebenden Lande Besitz ergriff. Auch bei diesem Zuge sollen -100,000 Pesos in Gold erbeutet sein.[343] - -Auf dem Rückwege an die Küste wurde Gonzalez zwar von den Eingebornen -angegriffen, aber seine Schar behauptete den Sieg und erreichte -glücklich den Strand der Südsee. Inzwischen hatte der Steuermann Andres -+Niño+ die Entdeckungsfahrt weiter bis zur Fonsecabai und darüber -hinaus bis auf „die Rückseite von Yukatan“ fortgesetzt.[344] - -Am 25. Juni 1523 kam die ganze Expedition nach Panama zurück. Die alte -Niederlassung Santa Maria del Darien (Antigua) begann schon 1521 zu -veröden und wurde 1524 ganz aufgegeben. An ihre Stelle trat Panama. - -Zur weiteren Ausbeutung seiner Entdeckungen, die ihm Pedrarias nur -unter +seinem+ Namen gestatten wollte, begab sich Gil Gonzalez nach -S. Domingo, warb Schiffe und Mannschaften und segelte damit im -Frühling 1524 nach der Ostküste von Nicaragua und Honduras und wollte -an der Mündung des Rio Ulea landen. Er benannte den Hafen Puerto de -Caballos, weil er gezwungen wurde, im Sturme mehrere Pferde über Bord -zu werfen, um das Schiff zu retten. Dann ging er weiter nach Osten zum -Cap Honduras und drang von hier aus gegen Süden in der Richtung zum -Nicaraguasee vor. Dort stieß er auf eine Abtheilung der spanischen -Schar, welche um dieselbe Zeit von Süden her unter dem Commando des -Hernandez de Cordova dasselbe Gebiet zu erobern suchte. Gewissenlos -fiel er über seine Landsleute her und nahm ihnen ihre Beute an Gold -und ihre Waffen ab. Als er aber nach Puerto Caballos zurückkam, wurde -ihm wiederum von Cristoval d’Olid, welchen Cortes entsendet, das Land -streitig gemacht. Ueber den Ausgang dieser Unternehmungen werden wir im -Verlauf der Eroberung Mexiko’s (Cap. 2. 24) weiter zu berichten haben. - -Auch Francisco Hernandez de Cordova war von Pedrarias zur Eroberung -Nicaragua’s ausgesendet. Er legte den Grund zu den Städten Granada, -am nordwestlichen Ende des Sees und Leon, in der Nähe des Golfes von -Fonseca. Eine Brigantine, am Gestade der Südsee auseinander genommen -und im Nicaraguasee wieder zusammengesetzt, diente zur Befahrung -des Binnensees und entdeckte den Abfluß desselben, den Rio S. Juan, -den man aber wegen der Klippen und Stromschnellen nicht bis zum -caribischen Meere verfolgen konnte. Wie fast alle Conquistadoren, wenn -sie einigen Erfolg gehabt, strebte auch Cordova nach Unabhängigkeit -von dem Statthalter Pedrarias. Seine Hauptleute Hernando de Soto und -Compañon, welche den Verrath misbilligten, sagten sich von ihm los und -kehrten nach Panama zurück. Da raffte sich Pedrarias zum letztenmal -auf, erschien mit seinen Truppen unerwartet in Nicaragua, nahm den -rebellischen Hauptmann gefangen und ließ ihn in Leon 1526 enthaupten. -Als er im Februar 1527 nach Panama zurückkam, war sein Nachfolger -Pedro de los Rios bereits auf dem Isthmus gelandet. Pedrarias zog -sich nach Leon zurück und starb 1530. Dreizehn Jahre hatte das Land -unter seiner Verwaltung geseufzt, er war nicht mehr fähig gewesen, -seine Unterbefehlshaber zu zügeln, welche unter einander und gegen den -Statthalter selbst zu den Waffen griffen. Die dissoluten Verhältnisse, -welche seine schlechte Leitung über die herrlichen Landschaften von -Mittelamerika gebracht, machten sich auf immer fühlbar. Sein Name war -mit Recht verrufen. - - -18. Die Entdeckungen im Golf von Mexiko. - -Bisher hatten sich fast alle Unternehmungen im Umkreis des caribischen -Meeres bewegt. Columbus selbst hatte dazu die Richtung angegeben. Seit -dem ersten Zusammentreffen mit den Bewohnern der neuen Welt waren -die Spanier bei ihren unermüdlichen Fragen nach den Goldländern auf -den Südwesten gewiesen, und diese Richtung war selbst dann maßgebend -geblieben, als Columbus an der Küste von Yukatan zuerst mit der Kultur -der Mayastämme in Berührung kam. Daher blieb das Meer im Nordosten -von Cuba zwanzig Jahre unbesucht. Der erste kühne Versuch in diesen -unbekannten Norden einzudringen, ging merkwürdiger Weise von dem -Statthalter von Puertorico, +Juan Ponçe de Leon+ aus. Die Bewohner der -Bahamainseln hatten von einem Wunderlande im Nordwesten berichtet, in -dessen Heilquellen das Alter sich verjüngen könne.[345] Ponçe de Leon -betrat dieses Land am Ostertage, 27. März, 1513 und nannte es nach dem -Tage der Entdeckung Pascua +Florida+. Er fuhr dann an der Ostküste -von Florida bis zum 10° n. Br., ließ es aber noch unentschieden, ob -es eine Insel oder ein Theil des Festlandes sei.[346] Von hier kehrte -er zur Südspitze der Halbinsel zurück und ging eine Strecke weit an -der Westküste nach Norden, wo zwischen 25° und 26° n. Br. die Bahia -de Ponçe de Leon noch den Namen des Entdeckers trägt. Die erste -Karte von Florida lieferte sein Pilot Antonio de Alaminos.[347] Die -feindselige Haltung der kriegerischen Einwohner hatte jeden Versuch -einer Besiedelung vereitelt. Mehr als Puertorico schien Cuba schon -durch seine Lage berufen der Ausgangspunkt aller Unternehmungen zu -werden, welche gegen die Länder im Westen gerichtet wurden. Die „Perle -der Antillen“ war mit leichter Mühe von +Diego Velasquez+ unterjocht, -welcher seit dem Jahre 1511 daselbst als Statthalter eingesetzt -war. Die ganze Insel wurde sammt den Indianern unter die Eroberer -vertheilt, und bei der großen Ausdehnung des Landes strömten immer -mehr Abenteurer dahin. Aber zum friedlichen Landbau nicht geneigt, -unternehmungslustig, unstät, durch jede neue Kunde von goldreichen -Ländern aufgereizt, scharten sich die jüngeren Leute bald zusammen, -um auf eigene Entdeckung und Eroberung auszuziehen. Sie rüsteten zwei -Schiffe aus, wählten Hernandez de Cordova zu ihrem Hauptmann, gewannen -Antonio de Alaminos aus Palos als Piloten und erhielten zur Ausrüstung -eines dritten Schiffes von Velasquez das Geld vorgestreckt.[348] Am -8. Februar 1517 gingen die Schiffe unter Segel und steuerten von Cuba -nach Westen. Beim Cap Catoche erreichten sie die Küste von Yukatan. -Diese Entdeckung war von höchster Bedeutung, denn hier trafen die -Spanier zuerst auf ein Kulturvolk, das prächtige Steinhäuser besaß, -sich in baumwollene Gewänder kleidete und in Tempeln von behauenen -Steinen, welche auf abgestumpften Pyramiden errichtet waren, ihren -Götzen Menschenopfer darbrachten. Ueberrascht waren die Entdecker, hier -mehrfach das Zeichen des Kreuzes in Stein gehauen zu finden, welches, -wie sie später erfuhren, ein Symbol des regenbringenden Gottes war. -Das Volk der Maya, welches das Land bewohnte, bediente sich sogar -einer eigenartigen Bilderschrift, welche noch nicht entziffert ist. -Abgesehen von der Verwendung derselben auf den monumentalen Bauwerken, -welche sich, im Urwald begraben, zum Theil noch erhalten haben und -das lebhafteste Interesse der europäischen Forscher auf sich gezogen -haben,[349] sind nur drei oder vier Manuscripte der +Maya-Sprache+ -mit farbigen Bildern erhalten. Die werthvollste und umfangreichste -dieser Mayahandschriften bewahrt die königliche Bibliothek in Dresden. -Das Material dieser Handschriften besteht aus einzelnen Blättern, die -aus den Fasern der mexikanischen Agave gefertigt und mit einer feinen -Gypsschicht überzogen sind.[350] Neben den merkwürdigen Ruinen, deren -bedeutendste Ueberreste sich im Süden des Landes bei Uxmal und Palenque -finden, sind noch hohe Steinbilder, aus Monolithen geschaffen, vor der -Zerstörung durch die Spanier, welche bei der fanatischen Verbreitung -des Christenthums alle Erinnerungen an das Heidenthum der Eingeborenen -zu vernichten strebten, sowohl in Yukatan als in den Nachbargebieten -von Mexiko, Guatemala und Honduras erhalten. Diese Steinbilder stellen -vielfach vergötterte Könige und Fürsten dar, denen, nach Weise -des Heroencultus, Opfer gebracht wurden,[351] oder erschienen als -Frauengestalten in der eigenthümlichen Landestracht, erstere mit kurzem -Baumwollpanzer, letztere in gesticktem Rock mit Perlen und Fransen. - -[Illustration: Eine Seite aus der Mayahandschrift der kgl. Bibliothek -zu Dresden; (Originalgröße).] - -[Illustration: Tempelruine zu Uxmal.] - -Die Spanier unter Cordova versuchten an mehreren Punkten der Küste -zu landen, wurden aber von den kriegerischen Bewohnern blutig -zurückgewiesen. Alaminos segelte an der Nord- und Westseite der -Halbinsel bis Champoton, südlich von Campeche; aber als hier in einem -Gefechte der Anführer lebensgefährlich verwundet wurde, stand man von -der Fortführung des Kampfes ab, da man sich zu einer Eroberung zu -schwach fühlte, und ging wieder in See. In dem Irrthum befangen, daß -der nächste Weg nach Cuba über die Halbinsel Florida führe, steuerte -Alaminos zuerst nach diesem Lande, welches er von der ersten Fahrt Juan -Ponçe’s kannte, sah sich aber auch hier von den Indianern feindlich -empfangen und segelte nach Cuba, wo Cordova 10 Tage nach der Landung -seinen Wunden erlag. Der Statthalter Velasquez berichtete über den -Verlauf der Expedition nach Spanien und rühmte sich der Entdeckung, -sowie der darauf verwendeten Kosten.[352] „Von uns aber,“ fügt Bernal -Diaz bitter hinzu, „die wir das Land gefunden hatten, wurde keiner -genannt.“[353] Im nächsten Jahre rüstete Velasquez eine neue Flotte -aus und sandte im April oder Mai 1518 vier Schiffe unter seinem Neffen -Juan +de Grijalva+ nach Yukatan ab. Als Pilot fungirte wiederum Antonio -de Alaminos; außerdem begleitete ihn der tapfere Pedro de Alvarado, -welcher sich später unter Cortes bei der Eroberung Mexiko’s hervorthat. -Südlich vom Cap Catoche erreichten sie bei der Insel Cozumel, welche -damals ein berühmtes Heiligthum besaß, gegenwärtig aber dicht bewaldet -und unbewohnt ist, die Küste Yukatans und umfuhren die ganze Halbinsel -bis zur Laguna de Terminos und bis Tabasco. Die zahlreichen gut -gebauten Ortschaften, welche man mit ihren weißen Steinhäusern am -Strande schimmern sah, erinnerten die Seefahrer an ihre Heimat, weshalb -man das Land „Neuspanien“ zu nennen anfing. Auf der Halbinsel zeigten -sich die Bewohner ebenso feindlich als bei der ersten Expedition und -erst am Rio Tabasco, welchen man den Grijalvafluß nannte, gelang -es einen friedlichen Verkehr mit dem Volke und seinen Häuptlingen -zu eröffnen. Dann ging die Fahrt nach Westen an dem gefährlichen -Gestade[354] weiter bis in die Nähe der heutigen Hafenstadt von Vera -Cruz. Hier liegen mehrere kleine Inseln am Strande, wo man landete. -Die erste erhielt den Namen Opferinsel (~Isla de Sacrificios~), weil -im Tempel kurz zuvor fünf Indianer geopfert waren. Auch auf der näher -an Vera Cruz gelegenen Insel S. Juan de Ulua waren zwei Knaben unter -dem Opfermesser der schwarzgekleideten Priester verblutet. Mit den -wachsenden Anzeichen einer höheren Kultur mehrten sich, zum -Entsetzen der Spanier, auch die Spuren des gräßlichen Opfercultus -der Mexikaner. Nichts desto weniger landete Grijalva hier mit seiner -ganzen Macht und verstand es, mit den Caziken in freundlicher Weise -Geschenke zu wechseln und die Schätze des Landes, Gold, Edelsteine -und Gefäße von wunderbarer Form im Werthe von 15 bis 20,000 Goldpesos -gegen Glasperlen, Nadeln und Scheeren auszutauschen. Hier war also -ein wirkliches Goldland gefunden, welches eine unermeßliche Beute -verhieß. Alvarado wurde mit dem ersten Gewinn und mit der Botschaft der -wichtigen Entdeckung nach Cuba zurückgesandt, während Grijalva seine -Küstenfahrt noch bis zur Landschaft Panuco, bis nach Tampico, unter -22° n. Br., weiter ausdehnte und erst an einem stürmischen Vorgebirge -abbrach, um dann über Yukatan nach Cuba zurückzukehren, wo er am 15. -November 1518 in St. Jago landete. Die bedeutsamen Nachrichten, welche -Grijalva mitbrachte, regten die Unternehmungslust des Statthalters von -Cuba mächtig an und drängten ihn zu raschen Entschließungen, um sich -den Gewinn dieser Entdeckung zu sichern. Während er einerseits Boten -mit reichen Geschenken nach Spanien sendete, um die Krone zu bewegen, -die entdeckten Gebiete seiner Statthalterschaft unterzuordnen, rüstete -er andererseits eine größere Flotte, um jene Länder zu erobern, und -ernannte Ferdinand Cortes zum Befehlshaber der Expedition. - -[Illustration] - - -Sculpturen von Copán. - -Am Fuße einer Pyramide an einem Altar stehende männliche Figur. Ueber -derselben ein baldachinartiger Aufbau von Ornamenten mit mehreren -sitzenden menschlichen Figürchen. Die Figur trägt auf dem Haupte -einen Helm in der Form eines phantastischen Thierkopfes; von ihm -hängen Zierrathen aus Goldblechstreifen, mit Perlen besetzt, zu beiden -Seiten herab. Die übermäßig großen Ohren scheinen Symbole der Würde -des Dargestellten zu sein. Die Brust bedeckt ein Panzer, der oben aus -Kugeln, unten aus gewebten Stoffen in Form von Rollen zusammengesetzt -ist. Letztere umschließt ein breiter Gürtel mit Masken und verzierten -Goldblechtafeln zwischen ihnen. Vorn hängt der Gürtel bis auf den -Boden herab. Um den Hals trägt die Figur an einem Bande eine Zierrath. -Die Arme sind mit dreifachen Armbändern, die Beine mit Kniebändern, -aus Masken und Perlen gebildet, und über den Knöcheln mit Ringen -geschmückt. Die Sculptur ist in +einem+ Steine ausgehauen und mißt in -der Höhe 364, in der Breite 133, in der Dicke 91 Centimeter. - -Weibliche Figur, an einem Opfersteine stehend. Das kurze Gewand -ist mit netzartigen Ornamenten und am Saume mit Perlen und Fransen -geschmückt. Ein in derselben Weise verzierter Gürtel umschließt den -Leib; derselbe hat einen Thierkopf als Mittelpunkt und ist an den -Seiten, über den Hüften der Figur mit menschlichen Masken besetzt. Ein -breiter mit Goldblech und Perlen besetzter Streifen fällt vom Gürtel -auf den Boden herab. Die Figur trägt einen prächtigen Kopfschmuck, -dessen Kern ein phantastisches Thierhaupt ist, in welchem die Zähne -durch mit Perlen besetzte Fransen dargestellt werden. Von demselben -gehen nach beiden Seiten und oben viele Federn aus, deren größere -Ringe tragen und die auch sonst mit Rosetten, Perlen und Quasten reich -geschmückt sind. Eine kleine menschliche Figur krönt den Federschmuck; -unter ihm hängen vor den Ohren lange dünne Locken herab. Die nackten -Arme sind von Armbändern aus kleinen Platten, Perlen und Fransen -umschlossen. Die Brust wird von einem aus viereckigen, plattenartigen -Stücken zusammengesetzten Gewand bekleidet. Auf demselben liegt ein -Geschmeide, welches bis zu den Schultern reicht und daselbst in Masken -und Arabesken endigt. Die Füße sind von Halbschuhen, welche die vordere -Fußhälfte freilassen, bedeckt. Maaße: Höhe 345, Breite 98, Dicke 101 -Centimeter. - -[Illustration: Sculpturen von Copán: als Trachtenbilder.] - - -19. Ferdinand Cortes geht nach Mexiko. - -Für die erfolgreichste Ausdehnung der spanischen Macht in der neuen, -indischen Welt war die auf Cortes gefallene Wahl eine überaus -glückliche, wenn sie auch für Velasquez selbst eine Reihe bitterer -Enttäuschungen brachte und ihm den gehofften Lohn gänzlich aus den -Händen riß. Unter den wenigen wahren Heldengestalten der spanischen -Conquistadoren, welche jenes Zeitalter gebar, ragt Cortes vor allen -hervor. Sein edler, großer Charakter, seine kühnen Thaten erfüllen uns -mit Bewunderung. Cortes war 1485 in Medellin in Estremadura geboren, -hatte in Salamanca zwei Jahre studirt und sich dort, wenn er auch -keine ausgesprochene Neigung zu den Wissenschaften zeigte, doch einen -Grad allgemeiner Bildung erworben, wie er unter den Heerführern in den -Colonialländern selten war. Der Reiz des Wunderbaren, welches die neue -Welt belebte, die Lockung zu romantischen Abenteuern, welche jenseits -des Oceans goldene Berge verhieß, erfüllte, wie die ganze spanische -Jugend, so auch ihn. Und so ging er schon 1504 zum Statthalter Ovando -nach San Domingo. Sieben Jahre später nahm er an der Eroberung Cuba’s -theil und erwarb sich dadurch Landbesitz. Seine literarische Bildung -beförderte ihn zum Secretair des Velasquez und später zum Alcalden -von St. Jago, so daß er bereits eine der ersten Beamtenstellen -auf der Insel einnahm. Seine Zeitgenossen schildern ihn als einen -übermittelgroßen, schönen Mann mit breiter männlicher Brust und -großen, dunkeln Augen in dem blassen Gesichte. In allen ritterlichen -Uebungen gewandt, muthig und fest in seinen Entschlüssen, wie klar und -überlegend in seinen Plänen; durch rasche Auffassung und klaren Geist, -wie durch gewandte und feurige Rede seine Umgebung beherrschend, war -er zum Anführer wie selten ein Mann in der neuen Welt geschaffen. Als -Velasquez ihm das Commando übertrug, zählte er 33 Jahre. Es war dem -Statthalter willkommen, daß Cortes aus eignen Mitteln einen Theil der -Ausrüstung bestreiten konnte, welche mit 11 Schiffen den kühnen Angriff -auf einen mächtigen Staat ausführen sollte.[355] - -Aber noch ehe Cortes seine Vorbereitungen getroffen hatte, erwachte -bereits die Eifersucht des Statthalters, welcher, durch seine Getreuen -gewarnt, bereits fürchtete, dem gewählten Führer zu viele Machtmittel -anvertraut zu haben, mit denen er sich womöglich eine unabhängige -Stellung schaffen könnte. Er schien entschlossen zu sein, die Ernennung -des Cortes zum General wieder zurückzunehmen; aber dieser brach, noch -ehe der zögernde Velasquez sich entschied, mit seiner Flotte von -St. Jago auf, bevor die Ausrüstung und Verproviantirung vollendet -war, und ging zunächst nach der ebenfalls auf der Südseite von Cuba -gelegenen Stadt Trinidad und, nachdem er hier noch 100 Mann von der -zurückgekehrten Expedition Grijalva’s angeworben hatte, weiter nach -Habana. Hieher sandte Velasquez an die Behörden des Orts den Befehl, -Cortes zu verhaften, und gebot diesem in einem Briefe, er solle -nicht eher absegeln, als bis er selbst nach Habana gekommen sei. -Aber Cortes ließ sich an der Spitze seiner bedeutenden Macht weder -als ein einzelner Edelmann gefangen setzen, noch befolgte er das -unglaublich ungeschickt vorgebrachte Gebot des Velasquez, auf ihn zu -warten; vielmehr begab er sich am 10. Febr. 1519 nach dem Sammelpunkt -seiner Flotte am Cap S. Antonio, der Westspitze von Cuba, und ging -von hier aus acht Tage später mit seinen eilf Schiffen unter Segel. -Der erfahrene Steuermann Alaminos, der nun zum viertenmale nach -Yukatan steuerte, denn er hatte bereits die letzte Fahrt des Columbus -mitgemacht und dann die Expedition Cordova’s und Grijalva’s geleitet, -war sein Hauptpilot. Seine bewaffnete Macht bestand aus 400 spanischen -Soldaten, darunter 13 Büchsenschützen und 32 Armbrustschützen, und -200 Indianern, ferner aus 16 Reitern, 10 schweren Bronzegeschützen -und 4 leichten Feldschlangen. Auch begleiteten zwei Geistliche den -Zug, um den Götzendienst zu vernichten und die Indianer zu taufen. -Das Geschwader steuerte nach der Insel Cozumel. Die Einwohner flohen -bei der Landung zwar anfangs aus Furcht ins Innere, kamen dann, -durch Dolmetscher beschwichtigt, zurück, ließen es geschehen, daß -ihre blutigen Altäre gestürzt und daß in ihren Tempeln christlicher -Gottesdienst gefeiert wurde, ja sie bequemten sich sogar zur -äußerlichen Annahme des Christenthums. - -[Illustration: Medaillenbildniß von Ferdinand Cortes; Originalgröße. - -(Berlin, kgl. Münzcabinet.)] - -Schon auf der Expedition Cordova’s hatte Alaminos mehrfach das Wort -Castillan gehört, ohne sich dasselbe in dem Munde der Indianer erklären -zu können. Cortes vermuthete sofort richtig, es müßten Spanier bereits -früher hieher gelangt sein. Diese Vermuthung wurde durch die Angabe -eines Häuptlings bestätigt, daß noch zwei Spanier als Gefangene im -Lande lebten. Unter ihnen befand sich Fray Jeronimo de Aguilar (s. -o. S. 346), den Cortes befreite und der ihm als Dolmetscher wichtige -Dienste leistete. Dann ging die Fahrt in gewohnter Weise um Yukatan -herum nach dem Rio de Tabasco oder Grijalva. Die Einfahrt in den -Fluß war so seicht, daß keins der größeren Schiffe einlaufen konnte; -Cortes befuhr ihn daher in den kleinen Brigantinen und mit bewaffneten -Böten, um die Stadt Tabasco selbst zu besuchen. Seine Erklärung, er -komme in friedlicher Absicht, wurde mit Drohungen und Kriegsgeschrei -beantwortet. Aber die Spanier ließen sich dadurch nicht abschrecken. -Der Kampf begann schon in den Böten, dann im Wasser am Strande, das den -Angreifenden bis an den Gürtel ging, und setzte sich am Lande fort, wo -am 25. März mit Geschütz und Reiterei eine förmliche Schlacht geliefert -wurde, in welcher die tapferen Tabascaner, deren Heer nach der eigenen -Angabe des Cortes[356] aus 40,000 Mann bestand, durch die ungewohnte -Kriegsmacht einer Reiterei in die Flucht geschlagen wurden und 220 -Todte auf dem Schlachtfelde zurückließen. - -Am nächsten Tage unterwarfen sich die Caziken und brachten unter -anderen Geschenken 20 Sklavinnen, deren eine, eine geborene -Mexikanerin, von den Spaniern den Namen +Donna Marina+ erhielt und sich -den Eroberern anschloß, denen sie als Dolmetscherin die wesentlichsten -Dienste leistete. In Tabasco vernahm man auch die Worte Culhua, womit -die gewerbreiche Stadt Cholula[357] westlich von Mexiko bezeichnet -wurde, und den Namen Mexiko selbst. Nachdem am Palmsonntag noch in -feierlicher Messe die Häuptlinge die Taufe empfangen hatten, segelte -Cortes weiter und landete am Charfreitag, 21. April 1519, mit seiner -ganzen Macht an der Stelle der heutigen Stadt Vera Cruz; zwei Tage -später stattete ihm bereits der aztekische Statthalter einen Besuch ab -und erhielt die Mittheilung, daß Cortes von einem mächtigen Herrscher -jenseits des Meeres mit Geschenken und einer persönlichen Botschaft an -den Fürsten des Landes abgesendet sei und freien Durchmarsch begehre. -Die Mexikaner waren geschickte Maler; um seinen Bericht an den Kaiser -möglichst anschaulich zu machen über die seltsamen, weißen, dem -Meere entstiegenen Fremdlinge, ließ der Gouverneur des Küstenlandes -die Spanier abzeichnen. Cortes ließ dies gern geschehen und, um den -Eindruck, den sein Erscheinen offenbar hervorrief, noch zu verstärken, -mußte die Reiterei und die Artillerie kriegerische Uebungen ausführen, -damit auch diese mit abgebildet würden. Dann richtete er sich hinter -den Dünen ein festes Lager ein und erwartete die Antwort auf seine -Botschaft. - -Ehe wir den Verlauf der Verhandlungen weiter verfolgen, werfen wir -zunächst einen Blick auf die Natur des Landes und die Geschichte der -Bevölkerung. - -[Illustration: KARTE ZU CORTES’ EROBERUNG von MEXICO.] - -Hinter einem mehrere Meilen breiten, flachen Küstenstriche, der durch -seine Fieber verrufen ist, und an dem es keinen einzigen guten, -natürlichen Hafen gibt, erhebt sich das mittlere Land zu einem -mächtigen Plateau von durchschnittlich 2000 Meter Höhe. Der östliche -Steilrand des Hochlands wird von einzelnen Bergriesen, die über 5000 -Meter emporsteigen, überragt. Hier besitzt Mexiko keinen schiffbaren -Strom; von der Küste führen nur schwierige Landwege und Gebirgspässe -auf das innere Hochland von Anahuac, das Centrum des alten Reichs, -welches sich nordwärts etwa bis zum Wendekreise erstreckte. Das -Hochthal von Mexiko, der Hauptstadt, erhebt sich bis über 2200 Meter -und erscheint als ein Oval von 73 Kil. Länge und 35 Kil. Breite. Von -einem thurmartigen Walle von Porphyrfelsen umschlossen, war dieses Thal -früher grün und dicht mit Bäumen bewachsen, erscheint aber gegenwärtig -an manchen Stellen weißlich von den Salzefflorescenzen und macht von -den Höhen aus fast den Eindruck einer Steppe in folge der Abnahme des -Sees, welcher ehedem, die Stadt umgebend, eine weit größere Ausdehnung -hatte. Trotzdem ist die ganze Landschaft von großer, eigenartigen -Schönheit, erhöht durch den Kranz von Bergen, über welche die beiden -Schneegipfel, der Popocatepetl (5400 Meter) und der Ixtaccihuatl (5200 -Meter) mit breitem Rücken mächtig emporragen. - -Nördlich von dem Thale von Mexiko liegt +Tula+, die erste Ansiedlung -der Tolteken, jenes räthselhaften Kulturvolkes, welches aus dem -unbekannten Norden zu unbekannter Zeit (man nennt in der Regel das 7. -Jahrh. n. Chr.) hier einzog. Sie führten den Anbau von Mais, Baumwolle -und des sog. spanischen Pfeffers als unentbehrliches Gewürz ein. -Sie bearbeiteten die edlen Metalle und entfalteten eine originelle -Baukunst. Sie liebten es, ihre Steinhäuser und Tempel auf Anhöhen -anzulegen, die verschiedenen Wohnräume lagen in verschiedener Höhe -und waren durch kleine Treppen und enge Corridore verbunden.[358] -Eigenartig waren auch die Stufenthürme oder Tempelpyramiden. - -Nach einem Aufenthalte von mehreren Jahrhunderten verschwanden die -Tolteken wieder, wahrscheinlich zogen sie weiter nach Süden und -verbreiteten ihre Kultur über Yukatan und Honduras. - -Nach ihnen rückten von Nordwesten die +Chichimeken+ ein und wählten -die Ostseite des Sees von Mexiko zu ihrer Hauptansiedlung, wo sie -die Stadt Tezcuco gründeten. Dort verschmolzen sie mit den Acolhuern -oder Acolhuas. Ihre Herrschaft unterlag wieder unter den Angriffen -eines verwandten kriegerischen Stammes, der +Tepaneken+, bis sie sich -mit Hilfe der Azteken in Mexiko wieder befreiten und sich mit diesen -verbanden. Als letzter Zug der Einwanderer treten die +Azteken+ auf, -welche wahrscheinlich erst im Anfang des 14. Jahrhunderts die Stadt -Tenochtitlan (Mexiko) auf einer Insel im See gründeten. Allmählich -erst gelangten sie zu bedeutenderer Macht, hatten aber zur Zeit der -Ankunft der Spanier durch ihre Kriegstüchtigkeit ihre Herrschaft von -einem Meere zum andern ausgebreitet, und dabei zahlreiche fremde, nicht -verwandte Stämme unterworfen, ohne aber in der verhältnißmäßig kurzen -Zeit trotz ihres Gewaltregiments die verschiedenartigen Volkselemente -mit einander verschmelzen zu können. Eine blutige Schreckensherrschaft -lastete auf dem weiten Länderraume zwischen dem Golf von Mexiko und -der Südsee, denn die Azteken verlangten für ihre Götzenaltäre zahllose -Menschenleben von den unterworfenen Stämmen. Man gibt die Zahl der -Menschenopfer auf jährlich 20,000 an. Die Schädel der Geschlachteten -wurden zu Pyramiden aufgethürmt; Spanier aus dem Gefolge des Cortes -wollten an +einem+ Orte 136,000 Schädel gezählt haben. - -Nur Furcht und Schrecken hielt das große Reich zusammen; ein Angriff -von außen mußte viele nach Befreiung seufzende Völkerstämme in das -Lager der Feinde treiben. So fiel nach diesem Gesichtspunkte die -Ankunft des Cortes in eine ihm günstige Zeit, und es stand zu erwarten, -daß er nach den ersten bedeutenden Waffenerfolgen den aztekischen -Staatsverband lockern und manche der unterworfenen Völker auf seine -Seite ziehen werde. - -Aus einer ursprünglich aristokratischen Regierung hatte sich bei den -Azteken ein fast unumschränktes Königthum entwickelt. Wenn die Könige -auch nur durch Wahl, welche von den vier vornehmsten Adligen vollzogen -wurde, auf den Thron gelangten, so blieb doch die höchste Würde stets -in derselben Familie. Bei Hofe war ein ängstliches Ceremoniell und -morgenländisches Gepränge eingeführt, den unmittelbaren Dienst bei der -Person des Monarchen versah der zahlreiche Lehnsadel. - -Der Nationalgott der Azteken (man zählte an 2000 Localgötter), -Huitzilopochtli[359], war der zur Gottheit erhobene erste Anführer -gewesen, der das Volk nach Anahuac geführt. Er verlangte die meisten -Menschenopfer. Dagegen war Quetzalcoatl, ursprünglich ein Priester -und Reformator der Tolteken in Tula, aus dem Lande vertrieben, weil -er die Menschenopfer abschaffen wollte, und sollte der Sage nach an -der östlichen Meeresküste im niedrigen Waldlande am Goatzocoalco -verschwunden sein. Später verehrte man ihn als einen Gott der Luft, -als den Wohlthäter des Volkes, welches ihm die Kunst des Landbaues -und der Metallbearbeitung verdankte. Man dachte ihn sich von hoher -Gestalt, mit +weißer+ Hautfarbe und wallendem Barte. An das östliche -Meer vertrieben, schiffte er sich dort auf einem aus Schlangenhaut -gefertigten Zauberschiffe ein, nachdem er feierlich erklärt, er werde -dereinst zurückkehren und sein Reich wieder in Besitz nehmen. An seine -baldige Wiederkunft glaubte das ganze Volk. Die Unterdrückten und -selbst der König sahen in Cortes die Prophezeihung verwirklicht. - -Die von den Tolteken geschaffene materielle Kultur hatten die Azteken -weiter entwickelt. Der Landbau stand in hoher Blüte; außer Mais, -Baumwolle und Pfeffer baute man die Aloe (Magnay) an, deren Blattfasern -Papier, deren Saft den berauschenden Pulquewein lieferte, erntete -Cacao, deren Bohnen als kleinste Münze cursirten, oder zur Bereitung -des Chocolatl (Chokolade) verwendet wurden, und Vanille. Bananen boten -die beliebteste Frucht, den Tabak rauchte man aus Pfeifen oder in Form -von Cigarren. Der Bergbau wurde eifrig betrieben, doch verstand man die -Gewinnung des Eisens nicht und bediente sich zu Messern und Schwertern -der scharfen Splitter des glasartigen Obsidians. Die Töpferei war -allgemein verbreitet, Trinkschalen schnitzte man aus Holz, bemalte sie -und überzog sie mit Firniß. Sehr geschickt waren die Handwerker in der -Herstellung buntfarbig gestickter Baumwollgewänder, wie in den zum -Schmuck dienenden prächtigen Federarbeiten. Ein lebhafter Marktverkehr -fand zu bestimmten Zeiten in den Städten statt, und durch das ganze -Land zog sich ein Netz von mit Posthäusern besetzten Straßen. Eilboten -beförderten die Befehle der Regierung. Die militärische Einrichtung -war durch Bildung von Kriegerorden und Abzeichen am Kleide darauf -berechnet, den Ehrgeiz anzustacheln. Die Soldaten trugen ein dichtes -Baumwollkleid, welches die leichten Wurfgeschosse nicht durchdringen -ließ. Die Brust der Führer war außerdem durch goldene oder silberne -Platten gedeckt. Man trug hölzerne, zuweilen mit Silber belegte und mit -Federn geschmückte Helme, außerdem auch Arm- und Beinschienen. Das Heer -war in Armeecorps von 8000 Mann und diese wieder in Compagnien zu 3-400 -Mann abgetheilt. Die Waffen bestanden aus Schwertern, Lanzen, Keulen, -Bogen und Pfeilen und Schleudern. Wenn es zur Schlacht ging, trug der -Feldherr die Standarte. Im Kampfe war man vor allem darauf bedacht, -Gefangene zu machen, um sie den Götzen zu opfern. - -Unter den Wissenschaften, welche von den Priestern gepflegt wurden, -hatte die Eintheilung des Sonnenjahres in 18 Monate zu 20 Tagen, wozu -am Ende des Jahres noch fünf Ergänzungstage kamen, religiöse Bedeutung, -weil danach die Opfer- und Feiertage geregelt wurden. Eine farbige -Bilderschrift wurde auf die Faserstoffe der Agave, auf baumwollene -Tücher oder sorgfältig bereitete Häute aufgetragen. Auch verstand -man auf dem gleichen Material große Karten des Reichs, der Provinzen -und der Küsten zu zeichnen. Cortes zog eine solche Karte auf seinem -Feldzuge nach Honduras zu Rathe. - -Seit 1502 regierte der König Montezuma (Cortes schrieb Muteczuma). -Ehrgeizig, wie alle aztekischen Fürsten auf die Ausbreitung ihres -Reiches und ihres Cultus bedacht, denn er hatte die Stelle eines -Oberpriesters bekleidet, hatte er, allzueifrig und unbesonnen, den -Krieg in zu entfernte Landstriche getragen, bevor er alle seine -Feinde in der Nähe vollständig bezwungen hatte. So war er mit seinem -Heere bis Guatemala und Honduras (Vera-Paz), vielleicht sogar bis -Nicaragua vorgedrungen und hatte doch die Tlascalaner, in der -östlichen Nachbarschaft seiner Hauptstadt, nicht unterworfen. Ernst, -zurückhaltend, stolz, hatte er sich die Gemüther des Volkes entfremdet -und schlich mistrauisch, wie man es ähnlich von Harun al Raschid -erzählt, des Nachts vermummt durch die Gassen seiner Residenz, um -die Stimmung zu belauschen, angeblich um den ihm etwa verheimlichten -Misbräuchen in der Verwaltung auf die Spur zu kommen. Aus Mistrauen -hatte er seine Verwandten beseitigt, um des Thrones sicherer zu sein -und ließ sich den Spaniern gegenüber dann doch durch seinen Aberglauben -entwaffnen.[360] - -Dieser Aberglaube bezog sich auf die bereits berührte Sage von der -Wiederkunft des Quetzalcoatl. Allerlei Zeichen deutete das Volk auf die -baldige Erfüllung dieser Prophezeihung. Der Thurm des Haupttempels war -abgebrannt, im Osten war ein seltsames Licht aufgegangen, drei Kometen -waren am Himmel erschienen u. dgl. mehr. - -Im Jahre 1516 starb der Fürst von Tezcuco; in dem nun ausbrechenden -Thronstreite begünstigte Montezuma den +Cacama+ und wußte ihm das -Haupterbtheil nebst der Hauptstadt zuzuwenden, während die nördliche -Hälfte an den zweiten Sohn +Ixtlixochitl+ fiel, den sich der aztekische -König dadurch zum Feinde machte. - -Unter diesen Ereignissen kam die Kunde von der Landung der Spanier. -Das Volk sah in ihnen die Erben des vertriebenen Gottes. Montezuma -berief seine Räthe. Die muthigen verlangten energischen Kampf, die -bedächtigen riethen zum Frieden. Montezuma wollte selbständig scheinen -und schlug einen gefährlichen Mittelweg ein. Auf die Botschaft des -Cortes antwortete er mit reichen Geschenken und mit der Bitte, den -beabsichtigten Besuch in der Hauptstadt zu unterlassen. Aber diese -wunderbaren Geschenke reizten die Spanier nur noch mehr.[361] - -Den Wunsch Montezuma’s, die Spanier möchten mit diesen reichen -Geschenken heimkehren, befolgte Cortes nicht, er erwiderte vielmehr: er -habe den Auftrag erhalten, den König selbst zu sprechen. Eine zweite -mexikanische Gesandtschaft erschien mit neuen Gaben und wiederholte -das frühere Gesuch. Umsonst. Die Spanier blieben, aber sie mußten bald -empfinden, daß die Beziehungen zu dem aztekischen Fürstenhofe kühler -wurden. Die Indianer verließen die Nähe des spanischen Lagers, sie -lieferten keine Lebensmittel mehr und brachten dadurch die Fremden in -eine schwierige Lage. Da erschienen glücklicherweise mehrere Totomaken, -ein von den Azteken physisch und sprachlich verschiedener Volksstamm, -welcher nördlich von Vera Cruz an der Küste wohnte und erst kürzlich -von Montezuma unterworfen war, und luden Cortes zu einem Besuch in -ihrer Stadt Cempoalla ein. Der spanische Heerführer erkannte daraus, -daß das Reich Montezuma’s manche widerstrebende Elemente umfaßte, -welche er für sich gewinnen konnte. Ehe er aber diese Einladung annahm, -wurde in Vera Cruz eine förmliche Stadt mit spanischen Einrichtungen -gegründet. Dieselbe erhielt in glücklicher Verbindung der beiden -Hauptziele der Spanier: Gold und Christenthum, den Namen „Die reiche -Stadt des wahren Kreuzes“ (~Villa rica de la vera cruz~). Vor dem aus -seinen Getreuen zusammengesetzten Rathe der neuen Stadt legte Cortes -dann, indem er sich erlaubte, eine kleine Komödie aufzuführen, das -ihm von Velasquez anvertraute Amt feierlich nieder. Der Rath ernannte -ihn natürlich sofort „im Namen der spanischen Majestät“ zum obersten -Feldherrn und Richter und damit war das Abhängigkeitsverhältniß von -der Statthalterschaft Cuba als gelöst zu betrachten. Die neue Colonie -stellte sich unmittelbar unter die spanische Krone. Die Anhänger -des Velasquez, welche sich dadurch überrumpelt sahen, rotteten sich -zusammen; aber Cortes ließ die Rädelsführer in Ketten werfen und -beugte einem Aufstande vor. Dann marschirte er nach Cempoalla. Damals -zählte der Ort wenigstens 20-30,000 Einwohner, jetzt ist er verfallen. -Die Spanier wurden festlich empfangen und die Totomaken begaben sich -unter die spanische Botmäßigkeit. An Stelle der Götzentempel wurden -christliche Altäre errichtet und die Einwohner ließen sich taufen. Hier -erfuhr Cortes auch genauere Nachrichten von der feindlichen Stellung -des tlascalanischen Staats zu den Azteken. - -Das Zerwürfniß, welches zwischen beiden Stämmen herrschte, bestärkte -den kühnen Spanier in seinen Eroberungsplänen. Aber ehe er ins Innere -des Landes hineindrang, mußten an der Küste die Verhältnisse geordnet -und befestigt werden. Mit Zustimmung der Soldaten wurde der ganze -bisher erworbene Schatz an Gold und Schmuck an den König von Spanien -gesendet; auch mußte der Rath von Villa rica denselben ersuchen, -Cortes als Oberfeldherrn zu bestätigen. Am 26. Juli 1519 ging Alaminos -mit einem Schiffe nach Spanien; er hatte zwar die strengste Weisung -erhalten, direct nach der Heimat zu steuern, trotzdem lief er in Cuba -an, und so erhielt Velasquez die ersten zuverlässigen Nachrichten über -den Abfall der Truppen und beschloß die Empörer zu züchtigen. Seine -Partei im Heere des Cortes erhob sich von neuem, sie wollten sich von -Cortes trennen und heimlich nach Cuba zurückkehren. Dadurch wäre dessen -Macht zersplittert, sein großer Plan erschwert. Die Hauptanstifter -wurden mit dem Tode bestraft, und um ähnlichen Verschwörungen für alle -Zeiten ein Ende zu machen, griff der Feldherr zu dem verzweifelten -Mittel und ließ die Flotte, mit Ausnahme eines einzigen kleinen -Schiffes, auf den Strand laufen, nachdem ein ihm willkommenes Gutachten -dieselbe für nicht mehr seetüchtig erklärt hatte. Alles brauchbare -Geräth, alles Eisen wurde ans Land geschafft. Bernal Diaz (I, 52), -indem er die Erzählung des Historikers Gomara corrigirt, welcher -behauptete, Cortes habe die Fahrzeuge +heimlich+ versenken -lassen, schreibt dagegen: „Es ist weltkundig, daß Cortes die Schiffe -mit +Zustimmung der ganzen Mannschaft+ und vor aller Augen auf -den Strand laufen ließ, damit auch die Seeleute an unserem Feldzuge -theilnehmen könnten.“ So war also der Rückzug abgeschnitten; es gab -fortan nur noch ein Ziel: die feindliche Hauptstadt zu erobern, zu -siegen oder zu fallen. - -Nachdem in Villa rica 150 Mann und 2 Reiter als Besatzung -zurückgelassen waren, brach Cortes am 16. August mit 300 Spaniern, -1300 totomakischen Kriegern, 1000 Trägern, 15 Reitern und 7 Geschützen -auf und marschirte ins Bergland nach Westen. Durch das tropische -Küstenland kam der Zug in zwei Tagen nach Jalapa, wo in einer Höhe -von 1300 Metern die Palmen verschwinden. Je höher man stieg, desto -kühler wurde das Klima; die Pflanzenwelt änderte sich, und ehe man die -Gebirgspässe erreichte, hatte man auch die Region der Eichenwälder -bereits hinter sich gelassen. Drei Tage marschirten sie durch rauhes, -unbewohntes Land, wo mehrere von den cubanischen Indianern der Kälte -erlagen. Dann erreichten sie, an dem mehr als 4000 Meter hohen Cofre -de Perote vorbei, der südlich von ihnen lag, das Plateau von Anahuac. -Als Cortes hier einen Dorfhäuptling fragte, ob er auch ein Unterthan -Montezuma’s sei, antwortete dieser: „Wer wäre es denn nicht? Er ist -der Herr der Welt.“[362] Obwohl das Landvolk sich friedlich verhielt, -zog Cortes doch stets in fester Schlachtordnung weiter auf Tlascala. -Auf der Hochebene wurde bedeutender Maisbau getrieben, Tlascala -bedeutet „Brotland“. Das Volk der Tlascalaner war im 12. Jahrhundert -eingewandert und hatte sich nach mancherlei Kämpfen in dem Gebiete -niedergelassen. Sie standen nicht unter einem Könige, sondern sie -bildeten eine Art Bundesstaat, dessen vier Fürsten sämmtlich in -der Hauptstadt wohnten. In heftigen Kämpfen mit den Azteken hatten -sie sich auf ihrem Gebiet behauptet und ihre Freiheit bewahrt. -Den eindringenden Spaniern setzten sie den heftigsten Widerstand -entgegen. Die Anzahl ihrer Krieger schätzte Cortes auf 100,000. -Nach mehrtägigem, verzweifeltem Ringen, in welchem auch zwei Pferde -getödtet wurden, gewannen die Spanier, besonders durch ihre Kanonen, -am 5. September einen entscheidenden Sieg. Als dann auch noch der -Versuch eines nächtlichen Ueberfalls durch die Wachsamkeit des Cortes -vereitelt worden, welcher das Geständniß von der beabsichtigten -Ueberrumpelung von einem gefangenen Indianer herausgelockt hatte, -nahmen die Tlascalaner das Freundschaftsanerbieten des Siegers an und -schlossen Frieden. Der tapfere Fürst Xicotencatl erschien persönlich -im Lager der Spanier. Zum Abschluß eines Bündnisses trug besonders die -Erklärung der Leute von Cempoalla bei, daß die Fremden +Feinde+ des -Montezuma seien. Ohne den Bund mit Tlascala wäre das Unternehmen des -Cortes schwerlich gelungen. Sehr richtig befolgte dieser überall das -Princip sich Freunde zu erwerben und Frieden zu schließen. Der römische -Wahlspruch: ~Divide et impera~ verhalf auch ihm zum endlichen Siege. - -Als die Nachricht von den wiederholten Siegen über die Tlascalaner zu -Montezuma drang, welcher trotz seiner großen Machtmittel den kleinen -Freistaat nicht hatte bezwingen können, befestigte sich in ihm der -Glaube immer mehr, die Spanier seien jene längst erwarteten Erben -Quetzalcoatls. Seine Boten suchten unter Ueberreichung wiederholter -Geschenke dem Heerführer der Weißen den Marsch in die Hauptstadt -des mexikanischen Reiches als ein höchst gefährliches Unterfangen -hinzustellen. Montezuma erklärte sich sogar zu einem Tribut an den -König Karl von Spanien bereit und ließ Cortes ersuchen, die Höhe -und den Umfang an Gold, Silber, edlen Steinen, Sklaven und bunten -Baumwolltüchern nach seinem Gutdünken zu bestimmen;[363] allein dieser -beharrte um so mehr bei seiner einmal abgegebenen Erklärung: er habe -von seinem königlichen Herrn den ganz bestimmten Befehl erhalten, -Mexiko selbst zu besuchen. - -Am 23. September 1519 zog Cortes in Tlascala ein, die Stadt schien ihm -größer als Granada zu sein.[364] Vor einer großen Zahl von neugierigen -Zuschauern wurde täglich Messe gelesen. Mehrere vornehme Indianerinnen, -darunter die Tochter Xicotencatls ließen sich taufen und gingen mit -spanischen Officieren ein Ehebündniß ein. - -In Tlascala erfuhr Cortes Genaueres über die Streitkräfte des -Beherrschers von Mexiko. Montezuma, so erzählten die Tlascalaner, habe -eine so große Kriegsmacht, daß er, wenn er einen großen Ort erobern, -oder in eine Provinz einfallen wolle, jedesmal 100,000 Mann ins Feld -rücken lasse. Die Mexikaner seien aber in allen Provinzen und bei -allen Völkerschaften, welche Montezuma ausgeplündert und unterjocht -habe, äußerst verhaßt und die mit Gewalt ausgehobenen Truppen schlügen -sich nur mit Widerwillen und ohne Tapferkeit. Dann berichteten sie -weiter von der Bewaffnung und Kriegsführung der Mexikaner und brachten -zur Erklärung alles dessen große Stücke Nequen herbei, worauf ihre -Schlachten abgebildet waren.[365] Es war also eine Militärherrschaft, -welche nur aus Furcht vor einem noch schlimmeren Regiment ertragen -wurde. - -Nach einer Rast von drei Wochen rückte Cortes weiter nach Cholula, -einer der größten Städte, welche unter mexikanischer Botmäßigkeit -stand, denn sie zählte 20,000 Häuser, war ein Haupthandelsplatz und -besaß ein blühendes Gewerbe. Hier hatte Quetzalcoatl auf seinem -Marsch an die Küste 20 Jahre geweilt. Ihm war ein gewaltiger Tempelbau -geweiht, dessen Stufenabsätze im ganzen 177 Fuß hoch sich erhoben. -Oben in dem Tempel befand sich das riesige Bild des Gottes. Außerdem -gab es noch 400 andere Opferthürme in der Stadt. Die Scheußlichkeit -der Menschenopfer trat immer greller hervor, jemehr man sich der -Hauptstadt näherte. Aus mächtigen Balken waren große Käfige gezimmert, -in welchen Männer und Knaben zum Opfer gemästet wurden. Diese -Menschenställe wurden von den Spaniern zerstört und die Gefangenen -in ihre Heimat entlassen. Schon in Tlascala hatte man Cortes vor dem -hinterlistigen, heuchlerischen Charakter der Cholulaner gewarnt; aber -6000 tlascalanische Krieger, welche mit ihm zogen, um an dem Feldzuge -gegen Montezuma theilzunehmen, meldeten ihm alles, was auf eine gegen -ihn geplante Verrätherei hindeutete. So erfuhr er denn, daß ein Theil -der Stadt verbarrikadirt sei, und daß viele Einwohner den Ort bereits -verlassen hätten. Donna Marina erfuhr ferner, daß man die Spanier -bei ihrem Abzuge aus der Stadt überfallen wolle. Deshalb kam Cortes -ihnen zuvor und ließ einen Theil der versammelten Caziken und Soldaten -niederhauen. Dann drangen auch die tlascalanischen Hilfstruppen aus -ihrem Lager vor der Stadt ein und setzten, aus Haß gegen Cholula, das -Plündern und Morden fort, bis Cortes ihnen Einhalt gebot. In diesem -Straßenkampfe kamen gegen 3000 Menschen um. Der große Tempel wurde -erstürmt und verbrannt. Diese rasche Züchtigung eines Verrathes, -welcher, wie sich nachher herausstellte, auf Montezuma’s Befehl geplant -war, übte einen gewaltigen Eindruck, so daß die Nachbarstädte sich, um -einem ähnlichen Geschick zu entgehen, schleunig unterwarfen. - -Dann ging der Marsch weiter nach Mexiko, dessen Thalbecken von Cholula -durch eine kurze von Süden nach Norden streichende Gebirgskette, -über welche einige Vulkankegel emporsteigen, getrennt wird. Der -Gebirgspaß, welchen die Spanier überschritten, führt zwischen den -beiden Hochgipfeln des Popocatépetl („rauchender Berg“) und dem -nördlich davon gelegenen Iztaccihuatl („weiße Frau“) hindurch. Von -der Höhe des Passes aus ließ Cortes durch den spanischen Hauptmann -Diego Ordaz eine Besteigung des Popocatépetl versuchen; aber es war -wegen der Menge Schnee, der großen Kälte und der Wirbelstürme in der -Höhe nicht möglich, den höchsten Gipfel zu erreichen. Von der Höhe -des Gebirgskammes genoß man eine herrliche Ansicht des schönen Thals -von Mexiko mit der Hauptstadt, welche, gleich Venedig, in einem See -erbaut war. Der See war damals größer als jetzt und verlängerte sich -gegen Südosten in das schmale Wasserbecken von Xochimilco und weiter -gegen Osten in den rundlichen See von Chalco, welcher von den ersteren -durch einen künstlichen Damm getrennt war. Nach der Hauptstadt selbst -führten von verschiedenen Seiten drei Dammstraßen, jede mit mehreren -Durchschnitten, über welche Holzbrücken gelegt waren. Unter denselben -konnten die Kähne von einem See-Abschnitt in den andern gelangen. -Wurden aber die Brücken abgenommen, so bestand die Dammstraße aus -mehreren inselartig von Wasser umgebenen Stücken, und es war nicht -möglich in die Stadt einzudringen. Diese war auch im Innern von -zahlreichen Canälen durchschnitten, über welche Zugbrücken führten. Die -Häuser waren mit einer Art von Brustwehr versehen und dienten jedes als -eine kleine Festung für sich. - -Außer der Hauptstadt lagen noch zahlreiche Städte und Dörfer am See, -welcher zum Theil auch noch schwimmende Gärten trug, die den Reiz der -eigenthümlichen Scenerie erhöhten. Derartige Gärten haben sich noch -bis in die Gegenwart erhalten. Die Stadt Mexiko selbst zählte damals -wenigstens 60,000 Häuser, woraus man auf eine Bevölkerung von über -300,000 Einwohnern schließen kann, besaß aber auch große Marktplätze, -von denen einer so groß wie die Stadt Salamanca gewesen sein soll; der -große Opfertempel, von dessen hoher Plattform, zu welcher 114 Stufen -hinanführten, man die ganze Stadt überschauen konnte, ragte mächtig -über alle Gebäude empor. Der Haupttempel hatte 40 Thürme, alle sehr -stark von behauenen Steinen gebaut, das Gebälk wohl zusammengefügt und -bemalt. Die vornehmsten Herren in der Stadt hatten in diesen Thürmen -ihre Götzen und Familiengrüfte. Auf der Höhe der Plattform befanden -sich in einer Tempelhalle zwei Götzenbilder, welche von Gold und -Edelgestein strotzten. Hier war die Hauptopferstätte, wo die Gefangenen -auf einem Jaspisblocke geschlachtet wurden. Boden und Wände der Halle -waren schwarz von Menschenblut. Die Köpfe der Schlachtopfer wurden auf -Gerüsten aufbewahrt. An einem dieser Schädelberge wollte ein Spanier -136,000 Köpfe gezählt haben. - -Trotzdem Montezuma immer wieder durch Botschafter seinen schon mehrfach -ausgesprochenen Wunsch erneuern ließ, marschirte doch Cortes gerade -auf die Stadt zu. Den Eindruck, welchen die Capitale der Azteken auf -die Europäer machte, malt Bernal Diaz in einzelnen charakteristischen -Zügen aus. „Wir gelangten,“ erzählt er, „auf die breite Heerstraße -von Iztallapan, wo uns zu erstenmale die Menge von Städten und -Dörfern, welche mitten in den See gebaut waren, die noch größere -Zahl von bedeutenden Ortschaften am Ufer und die schöne schnurgrade -Straße, welche nach Mexiko führte, ins Auge fiel. Unsere Verwunderung -stieg in der That auf das höchste, und wir sprachen unter einander, -daß hier alles den Zauberpalästen in Amadis’ Ritterbuche gleiche: -so hoch und stolz stiegen Thürme, Tempel und Häuser mitten aus dem -Wasser hervor. Ja manche unserer Leute behaupteten gradezu, daß -alles, was sie sähen, nur ein Traumgesicht sei. In Iztallapan selbst -stiegen unsere Vorstellungen von der Macht und dem Reichthum dieses -Landes immer höher. Wir wurden in wahre Paläste einquartirt, die von -ansehnlichem Umfange, mit großen Höfen umgeben, aus schön behauenen -Quadersteinen, aus Cedern- und anderm wohlriechenden Holze aufgeführt -waren. Sämmtliche Gemächer waren mit Tapeten von baumwollenen Zeugen -behangen.“ - -„Am nächsten Morgen zogen wir nach Mexiko. Die Dammstraße war acht -Schritt breit, aber gegenwärtig für die Menge von Menschen, welche in -die Stadt hineinwollten und aus derselben herausströmten, um uns zu -sehen, viel zu enge, so daß wir uns kaum bewegen konnten. Alle Thürme -und Opfertempel waren mit Zuschauern bedeckt, der ganze See lag voll -von Fahrzeugen, die mit Neugierigen angefüllt waren. Wer wollte sich -auch darüber wundern, da man Leute unserer Art und Pferde noch nie hier -gesehen hatte. Von Strecke zu Strecke hatten wir eine neue Brücke zu -passiren und vor uns dehnte sich die große Stadt Mexiko in all ihrer -Herrlichkeit aus. Und wir, die wir durch die zahllosen Menschenmassen -hinzogen, waren ein Häufchen von 450 Mann und hatten den Kopf noch voll -von den Warnungen der Bewohner von Tlascala und anderer Städte, und von -den Vorsichtsmaßregeln, die sie uns empfohlen, um unser Leben gegen -die Mexikaner sicher zu stellen. Wenn man unsere Lage erwägt, darf man -wohl fragen, ob es je Männer gegeben, welche ein so kühnes Wagestück -unternommen haben.“[366] - - -20. Cortes in Mexiko. - -Dieser denkwürdige Einzug in Mexiko geschah am 8. Nov. 1519. In der -Hauptstraße der Stadt kam der König dem einrückenden spanischen -Feldherrn mit einem glänzenden Gefolge von 200 Personen entgegen, -sämmtlich barfuß, mit Ausnahme des Herrschers, welcher von Edelleuten -in einem goldverzierten Sessel getragen wurde, über dem sich eine -Art Thronhimmel, mit grünen Federn, Gold, Silber und edeln Steinen -geschmückt, erhob. Als die Spanier nahten, verließ Montezuma seinen -Sitz und schritt über ausgebreitete Decken den Fremden entgegen, -angethan mit einer reichen, malerischen Kleidung, auf dem Kopf den -Federbusch von grüner Farbe. Grün galt als die königliche Farbe. Seine -mit Juwelen besetzten Halbstiefel hatten goldene Sohlen. Wie er durch -die Menge daher schritt, durfte keiner zu ihm aufschauen; alle senkten -demüthig den Blick. Cortes stieg, als er des Königs ansichtig wurde, -vom Pferde, ging dem aztekischen Herrscher entgegen und hing ihm als -Geschenk eine Kette von funkelndem Kristallglas um den Hals, er wollte -ihn sogar umarmen, wurde daran aber durch die beiden begleitenden -Fürsten, welche dem Kaiser zunächst standen, verhindert, damit die -Person des Landesherrn nicht entweiht würde. Nachdem dieser dann für -Cortes noch ein reiches Geschenk zurückgelassen, zog er sich mit seinem -Gefolge zurück. - -Mit Musik und fliegenden Fahnen hielten die Spanier ihren Einzug. -Sechstausend Tlascalaner folgten ihnen. Inmitten der Stadt lagen an -einem geräumigen Marktplatze der hohe Tempel des Kriegsgottes, da wo -jetzt die Stiftskirche in Mexiko steht, und die weitläufigen Gebäude -des Palastes, welchen der Vater Montezuma’s gebaut. Diesen wies -Montezuma seinen Gästen als Wohnung an. Die besten Zimmer waren auch -hier mit bunten baumwollenen Vorhängen bedeckt und der Fußboden mit -Matten belegt. Cortes ließ den ganzen Gebäudecomplex, der durch die -umgebende dicke Mauer und die Mauerthürme an sich schon einer Festung -glich, mit Wachen besetzen und vor die Eingänge Kanonen aufpflanzen. Am -Abend erschien Montezuma zum Besuch, erzählte dem Cortes ausführlich -die Sage von Quetzalcoatl und erklärte schließlich: nach allem, was -er bisher von den Spaniern über ihr Land und über ihren König gehört, -glaube er ganz fest, dieser sei der rechtmäßige Herr von Mexiko.[367] -Cortes möge daher über ihn und über sein Land verfügen. - -Am nächsten Morgen erwiderte Cortes in Begleitung von vier Hauptleuten, -Pedro de Alvarado, Juan Velasquez de Leon, Diego de Ordaz und Gonzalo -de Sandoval, den Besuch. Der königliche Palast umschloß mehrere Höfe, -in einem derselben spielte ein Springbrunnen. Der ganze Bau war -aus behauenen Steinen ausgeführt. Die Wände der Gemächer waren mit -Marmor, Jaspis und Porphyr belegt, in dessen glattpolirten Flächen man -sich spiegeln konnte, oder sie waren mit kostbaren Webstoffen oder -Federteppichen behängt, auf denen Vögel und Blumen eingestickt waren. -Im Laufe des Gesprächs ließ Cortes durch den Dolmetscher erklären, er -habe von seinem Herrn den Auftrag erhalten, Montezuma zum Christenthum -zu bekehren und begann daher ihm die Grundlehren des Glaubens -auseinanderzusetzen. Allein der König, welcher früher selbst das Amt -eines Oberpriesters bekleidet hatte, wich einer weiteren Erörterung -über die Vorzüge der beiden Religionen aus; doch wiederholte er auch -hier seine Bereitwilligkeit, dem spanischen Könige als seinem Oberherrn -Tribut zu bezahlen. Bernal Diaz, welcher im Gefolge des Cortes dieser -Audienz beiwohnte, gibt bei dieser Gelegenheit folgende Beschreibung -von der Person Montezuma’s.[368] - -„Der große Montezuma mochte um diese Zeit in seinem vierzigsten Jahre -stehen. Er hatte eine ansehnliche Statur, war von schlankem Wuchs, -etwas mager von Gliedern, aber in den besten Verhältnissen gebaut. -Seine Farbe fiel nicht sehr ins Braune, sondern streifte blos an das -Colorit der Indianer. Die Haare trug er nur über den Ohren stark, -welche ganz von den Locken bedeckt wurden. Er hatte einen schwachen, -aber wohlaussehenden, schwarzen Bart. Sein Gesicht war länglich und -heiter, und seine wohlgeformten Augen drückten, je nachdem es paßte, -Liebe und Ernst aus.“ - -Die Spanier richteten sich dann, mit Genehmigung des Königs, in ihrem -Palaste eine christliche Kapelle ein, entdeckten dabei eine vermauerte -Thür und dahinter den verborgenen Privatschatz des Königs. Nachdem -eine Woche verstrichen war, entschloß sich Cortes, den aztekischen -Herrscher gefangen zu nehmen. Den Vorwand dazu boten die Ereignisse -in seiner Station an der Küste, wo Juan de Escalante mit 150 Mann -als Besatzung zurückgeblieben war. Ein benachbarter Cazike hatte -dieselbe verrätherisch überfallen, mehrere Spanier getödtet und den -Befehlshaber tödtlich verwundet. Mit mehreren zuverlässigen Leuten -ging Cortes zu Montezuma, sowie er von diesen Vorfällen benachrichtigt -war, und beschuldigte denselben als geheimen Urheber des Verraths, -auch verlangte er die Bestrafung des Caziken. Montezuma sagte dieses -bereitwillig zu und ließ den Frevler sofort nach der Hauptstadt zur -Verantwortung rufen. Damit noch nicht zufrieden, forderte Cortes, der -König solle solange, bis die Sache entschieden sei, in dem Palaste -der Spanier seine Wohnung nehmen. Montezuma bot seinen Sohn und seine -Töchter als Geißeln an; aber Cortes ging nicht darauf ein, sondern -bestand darauf, daß nur die eigne Person des Königs den Spaniern in -der Hauptstadt die nöthige Sicherheit gewähren könne. Als dieser -Wortwechsel schon eine gute halbe Stunde gedauert hatte, verloren die -Officiere des Cortes die Geduld und Velasquez de Leon rief erregt: -„Wozu noch viele Worte! Entweder geht er freiwillig mit uns, oder wir -stoßen ihn nieder. Denn hier kömmt es darauf an, unser eignes Leben zu -retten; und geschieht es nicht auf diese Weise, so sind wir unfehlbar -verloren.“[369] - -Durch diese Drohung erschreckt, gab Montezuma nach und ging mit. -Dem Volke, das sich zusammenrottete, gab er die Erklärung, er -gehe freiwillig. Man behandelte ihn ehrfurchtsvoll, wie den Herrn -eines großen Reichs und ließ ihm seinen ganzen Hofstaat sammt dem -ceremoniellen Gepränge. Er ertheilte in gewohnter Weise Audienzen und -stand mit seinem Volke ununterbrochen in Verkehr.[370] Es +schien+ fast -keine Veränderung eingetreten, aber Montezuma selbst empfand sie tief. - -Als der aztekische Statthalter Quauhpopoca (Cortes schreibt -Qualpopoca), welcher die Spanier an der Küste überfallen hatte, -auf Befehl Montezuma’s mit seinem Sohne und 15 Hauptleuten in der -Hauptstadt erschien, wurde er Cortes zur Verurtheilung übergeben. Sie -gestanden alle, daß Montezuma sie zu dem Ueberfall veranlaßt habe, und -wurden dann auf dem großen Platze vor dem Palaste verbrannt. Während -der Hinrichtung ließ Cortes den König als Urheber des Verraths in -Fesseln legen. Wenn es nun auch nach dieser Demüthigung Montezuma -freigestellt wurde, in seinen eignen Palast zurückzukehren, so wagte -er es doch nicht mehr aus Furcht, die Azteken möchten sich dann gegen -die Fremden erheben und er könne dem Ingrimm seines Volks keinen -Einhalt gebieten. Er zog es also vor, unter dem Schutze der Spanier zu -bleiben. Da beschloß der Neffe des Königs, Cacama, Fürst von Tezcuco, -einer großen Stadt am östlichen Seeufer, welche etwa 150,000 Einwohner -zählte, der unwürdigen Behandlung des Landesherrn mit Gewalt ein -Ende zu machen. Aber da der Adel ohne Zustimmung Montezuma’s nichts -unternehmen wollte, so erfuhr auch Cortes von dem Plan, ließ Cacama -mit Hilfe von tezcucanischen Edelleuten, die im Dienste Montezuma’s -standen, gefangen nehmen und durch seinen Oberherrn für abgesetzt -erklären. Auch die übrigen Verschworenen wurden auf Montezuma’s Befehl -verhaftet. Dann leistete dieser in öffentlicher Versammlung der Caziken -und Vornehmen den Huldigungseid dem Könige von Spanien, wobei er darauf -hinwies, daß die Prophezeihung Quetzalcoatl’s nun in Erfüllung gegangen -sei. Er schloß seine Ansprache an die Häuptlinge des Landes mit den -Worten: „Gehorchet also von nun an dem großen König Karl als eurem -natürlichen Oberherrn, und dem General, der ihn vertritt. Bezahlt ihm -die Abgaben, die ihr mir entrichtet habt und dienet ihm, wie ihr mir -gedient habt.“[371] Montezuma sprach unter Thränen und Seufzern, er -fügte sich fatalistisch ergeben in sein Geschick. Cortes ließ die Akte -der Unterwerfung von einem Notar aufsetzen und von beiden Parteien -unterzeichnen. - -Von eingebornen Beamten begleitet, zogen dann die Spanier weit und -breit durchs Land, um Steuern zu erheben und den Tribut für den König -von Spanien in Empfang zu nehmen. Sie drangen bis zu 100 Meilen -Entfernung von der Hauptstadt ohne Schwierigkeit vor und kehrten -mit Gold und Silber beladen zurück. Montezuma fügte dem aus seinem -Privatschatze noch andere Kostbarkeiten hinzu. „Die Kleinodien,“ -schrieb Cortes, „sind, abgesehen von ihrem Metallwerth, wegen ihrer -Neuheit und eigenartigen Form unschätzbar. Kein Fürst der Welt kann -dergleichen haben. Alles, was Montezuma auf der Erde gesehen, oder -aus der Tiefe des Meeres gezogen, wurde auf seinen Befehl in Gold, -Silber, Edelsteinen und bunten Federn aufs vollkommenste nachgebildet. -Er hat auch nach meinen Zeichnungen Crucifixe, Medaillen, Kleinodien -und Halsbänder nach europäischem Geschmack anfertigen lassen. -Außerdem hat mir Montezuma eine große Menge baumwollner Stoffe von -der größten Schönheit, sowohl wegen der Farbe als der Arbeit, ferner -Tapeten für Kirchen und Wohnhäuser, baumwollne und aus Kaninchenwolle -gefertigte Decken, sowie zwölf prächtig verzierte und gemalte Blasrohre -geschenkt.“[372] Ungerechnet die feinern Kunstarbeiten, die nicht -eingeschmolzen wurden, betrug von den übrigen Tributen und Geschenken -der königliche Quint 32,400 ~pesos d’oro~. - -Um eine genauere Vorstellung von der Größe des Landes und seiner Küsten -zu bekommen, namentlich, um die Ankerplätze ausfindig zu machen, ließ -sich Cortes vom Kaiser eine auf Nequenstoff gemalte Karte geben.[373] -Durch die dadurch gewonnene Kenntniß wuchs der Einfluß der Spanier -im Lande immer mehr, und es schien, als ob sich der Uebergang der -Herrschaft allmählich und auf friedlichem Wege vollziehen sollte. Da -trat aber ein Ereigniß ein, durch welches Cortes genöthigt wurde, die -Hauptstadt zu verlassen und die bereits gewonnene Machtstellung gegen -die eignen Landsleute zu vertheidigen. - - -21. Cortes siegt über Panfilo de Narvaez. - -Der Statthalter von Cuba, Velasquez, hatte, nachdem sich Cortes mit -seinem Heere von ihm losgesagt, die Hoffnung noch nicht aufgegeben, -den abtrünnigen Befehlshaber zu bezwingen und das Goldland Mexiko für -sich zu gewinnen. Seine in Spanien angebrachte Beschwerde hatte bei -Fonseca Gehör gefunden, welcher in folge dessen die Abgesandten des -Cortes nicht, wie sie erwartet hatten, empfing, sondern ihr Anliegen -verschob. Velasquez rüstete inzwischen ein neues Heer in der Stärke von -wenigstens 800 Mann, darunter 80 Musketiere und 120 Armbrustschützen, -ferner 80 Reiter und 17 bis 18 Kanonen und übergab das Commando dem -+Panfilo de Narvaez+, mit dem Befehl, Cortes abzusetzen und gefangen -nach Cuba abzuführen. Sobald der Vicekönig von Haiti, Diego Colon, von -diesen Rüstungen hörte, sandte er einen gewandten Mann, den Licentiaten -Lucas Vasquez de Ayllon nach Cuba, um dem dortigen Statthalter zu -bedeuten, daß er unter keinen Umständen gegen Cortes feindlich -auftreten dürfe, um den Erfolg des so glänzend begonnenen Unternehmens -nicht in Frage zu stellen. Als Velasquez auf diese Vorstellungen nicht -eingehen wollte, hielt sich Ayllon für verpflichtet, die bereits -segelfertige Flotte von 18 Schiffen nach Mexiko zu begleiten. Narvaez -kam am 23. April 1520 an dieselbe Stelle der mexikanischen Küste, bei -der heutigen Stadt Vera Cruz, wo auch Cortes gelandet war. Als auch -hier Ayllon seinen Protest gegen ein feindliches Vorgehen wiederholte, -ließ Narvaez ihn auf ein Schiff bringen und nach Haiti zurückschaffen, -wo er dem Vicekönige über die Verhältnisse Bericht erstattete. Da -dieser sich durch die seinem Gesandten angethane Beleidigung in seiner -Autorität verletzt sah, führte er beim königlichen Gerichtshof in -Spanien gegen Velasquez und Narvaez Beschwerde. Er nahm also für Cortes -Partei, was für diesen in der Folgezeit von Wichtigkeit wurde und eine -ihm selbst günstige Entscheidung herbeiführte. - -Nachdem Narvaez mit seinem Heere gelandet war, forderte er den -Befehlshaber von Villa Rica, Gonzalo de Sandoval, auf, sich ihm -zu ergeben und den Platz zu überliefern. Dieser aber schickte die -Gesandten, den Priester Guevara und fünf andere Spanier, gebunden -auf dem Rücken indianischer Lastträger direct nach Mexiko, welches -sie in vier Tagen erreichten, um ihren Auftrag persönlich an Cortes -auszurichten. Dieser ließ die unfreiwilligen Gesandten vor der Stadt -beritten machen, damit sie würdig einziehen könnten, und empfing sie -sehr höflich. Nachdem er ihnen die Verhältnisse in der Hauptstadt -auseinandergesetzt hatte, gewann er sie bald alle für sich und schöpfte -auch aus den Mittheilungen der Gesandten die Hoffnung, das gegen ihn -ausgeschickte Heer zu gewinnen. Man fürchte, sagte man ihm, nur den -Feldherrn Narvaez; allein sein Einfluß sei nicht groß, da er sich durch -seine Anmaßung und seinen Geiz viele entfremdet habe. - -Cortes entsandte darauf den klugen Pater Olmedo mit einem versöhnlichen -Briefe an Narvaez, in welchem er ihm Waffenbrüderschaft und Theilung -der Macht anbot. Außerdem waren für die Officiere des gelandeten Heeres -reichliche Goldgeschenke beigelegt. Die Erzählungen und Berichte -Guevara’s und Olmedo’s gewannen die Soldaten bald für Cortes, aber -Narvaez wollte von einem Vergleiche nichts wissen. Ohne die Antwort -abzuwarten, deren Inhalt ihm nicht zweifelhaft sein konnte, beschloß -Cortes, seinem Rivalen entgegenzurücken, ehe er Zeit gewinnen könne, -ins Innere vorzudringen. Nachdem er den König Montezuma unter der -Obhut des tapferen und zuverlässigen Pedro de Alvarado mit 140 Mann -und allem Geschütz zurückgelassen hatte, brach er selbst mit nur 70 -seiner tapfersten Leute und 2000 Indianern, welche gegen die Reiter -des Narvaez mit langen Lanzen bewaffnet waren, im Mai 1520 von der -Hauptstadt auf, traf in Cholula mit einer Abtheilung seines Heeres, -welche, 120 Mann stark, unter Velasquez de Leon südlich von Vera Cruz -einen Hafen hatte aufsuchen sollen, aber auf die Nachricht von der -Landung des Narvaez zurückgerufen war, zusammen, begegnete in der Nähe -von Tlascala seinem zurückkehrenden Gesandten Olmedo und verfügte -nun, nachdem in der Nähe des Pico de Perote noch Sandoval von Villa -rica mit 60 Mann zu ihm gestoßen war, über eine Streitmacht von etwa -260 Spaniern. Mit diesen rückte er dem Narvaez, welcher bei Cempoalla -lagerte, kühn entgegen. In einer regnerischen, dunkeln Nacht, am Abend -vor Pfingsten, überfiel er seinen Gegner, dessen Stellung er genau -ausgekundschaftet hatte. Er benutzte die Nacht, damit seine Gegner -nicht durch die geringe Zahl seiner Mannschaft zu stärkerem Widerstande -gereizt würden. „Als wir eindrangen,“ erzählt Bernal Diaz, „war es -stockfinster und es regnete stark, und erst später ging der Mond -auf; aber auch die Finsterniß war uns von großem Nutzen, denn in der -dunklen Nacht flogen eine Menge Leuchtkäfer umher, die von Narvaez’ -Leuten für Lunten zum Losbrennen der Musketen gehalten wurden und -ihnen daher einen ganz besonderen Begriff von der großen Zahl unserer -Feuergewehre beibrachten.“[374] Cortes wußte genau das Quartier des -feindlichen Heerführers und kam unbemerkt bis in den Hof des Hauses, -wo erst die Gegner allarmirt wurden. Sandoval drang in das Thurmzimmer -ein, wo Narvaez wohnte. Im nächtlichen Getümmel verlor dieser durch -einen Lanzenstich ein Auge und wurde gefangen genommen. Der Kampf -gegen seine Truppen dauerte nur kurze Zeit, ihr Widerstand hörte mit -der Gefangennahme des Feldherrn auf. Nur zwei Spanier waren gefallen. -Die Soldaten huldigten Cortes, welcher den verwundeten Gegner und -seine entschiedensten Anhänger nach Villa rica bringen ließ. Erst am -nächsten Morgen kamen die 2000 indianischen Hilfstruppen an, welche -Cortes am Kampfe gegen seine Landsleute nicht hatte theilnehmen lassen, -damit sie sich nicht eines Sieges über die Weißen rühmen könnten. Es -war ein leicht errungener Erfolg gewesen. „Ich kann Euch versichern,“ -hatte Cortes zu dem gefangenen Narvaez gesagt, „daß dieser Sieg eine -der geringsten Waffenthaten ist, die wir in Neu-Spanien verrichtet.“ -Aber der Sieg war trotzdem von höchster Bedeutung, weil ohne ihn die -begonnene Unterwerfung des aztekischen Reichs unmöglich gewesen wäre. - -Kurze Zeit darauf erhielt Cortes eine Nachricht, welche ihn veranlaßte, -so rasch als möglich nach Mexiko zu eilen. Alvarado hatte bei einem -großen Opferfeste in der Stadt, welches angeblich von den Mexikanern -hatte benutzt werden sollen, um ihren König wieder zu befreien, -allzurasch zu Gewaltmaßregeln sich hinreißen lassen, auf die -versammelte Menge einzuhauen befohlen und ein Blutbad angerichtet, -wobei viele vom aztekischen Adel niedergestoßen waren. In folge -dessen erhob sich die ganze Stadt und griff die spanische Besatzung -in ihrem Palaste so energisch an, daß Alvarado Boten entsenden und -den Oberfeldherrn um schleunige Hilfe bitten mußte. Die Kranken und -Verwundeten in Cempoalla zurücklassend, eilte Cortes mit seiner ganzen -Macht auf das Tafelland zurück. In Tlascala hielt er kurze Rast und -musterte sein Heer. Er verfügte wieder über eine Streitmacht von -1300 Mann, darunter 90 Reiter, 80 Armbrustschützen und ebensoviel -Musketiere. Je näher er der Hauptstadt kam, um so kühler wurde der -Empfang von seiten der Bewohner. Alvarado war seit vierzehn Tagen -in seiner Festung belagert. Als Cortes am Johannistage 1520 wieder -in die Hauptstadt einrückte, empfing ihn nicht mehr eine neugierige -Volksmenge, wie das erste Mal. Alle Bewohner hielten sich scheu zurück. -Die Stadt schien wie verödet. - - -22. Der Kampf um Mexiko. - -Bald nachdem Cortes sich mit Alvarado vereinigt hatte, erfolgte ein -wüthender Angriff auf die Festung, der bis zur Nacht andauerte, aber -durch die Kanonen abgeschlagen wurde. Die Brustwehren und Hauswände -waren mit Pfeilen dermaßen bedeckt, daß man kaum gehen konnte. -Die Menge der Schleudersteine verdeckte fast den ganzen Boden der -Palasthöfe. Am nächsten Morgen machten die Spanier einen Ausfall und -begannen einen erbitterten Kampf gegen die dichten Massen der Indianer. -Sie feuerten Schuß auf Schuß gegen sie, sie rückten dicht an sie heran -und stießen in jedem Anlauf 30 bis 40 Indianer nieder; umsonst, die -Feinde behaupteten ihre Stelle und ihre Kraft schien eher zu wachsen -als abzunehmen. Von den Dächern der Häuser warf man große Steine auf -die Weißen. Cortes ließ zwar, um seine Gegner zu vertreiben, die -nächsten Häuser anzünden; allein da dieselben durch Wassergräben von -einander getrennt waren, so verbreitete sich das Feuer nicht weiter. - -Da ein fortgesetzter Kampf aus dem Innern der Stadt für die Spanier -völlig nutzlos war, so forderte Cortes den König auf, sich seinem Volk -zu zeigen und demselben zu erklären, daß die Fremden bereit seien, die -Stadt zu verlassen, wenn man ihnen unbelästigten Abzug gestatte. Nach -einigem Zögern erschien Montezuma in vollem königlichen Schmucke auf -der Plattform des Thurmes. So wie das Volk seiner ansichtig wurde, -trat eine ehrfurchtsvolle Stille ein. Er erklärte laut: er sei kein -Gefangener und die Spanier wollten abziehen. Aber das erzürnte Volk -nahm die Worte des Herrschers für ein Zeichen von Feigheit und rief -ihm zu, sie hätten seinen Vetter, den Fürsten von Iztapalapan, auf den -Thron gehoben und geschworen, die Waffen nicht eher niederzulegen, als -bis alle Spanier getödtet seien. Ein Hagel von Steinen und Geschossen -begleitete diese Worte. Ehe die neben dem Könige stehenden Spanier ihn -mit ihren Schilden decken konnten, erhielt er mehrere Wunden und wurde -durch einen Steinwurf an den Kopf besinnungslos niedergeworfen.[375] -Diese Demüthigung durch sein eignes Volk empfand Montezuma so tief, -daß er, als er aus seiner Betäubung erwacht war, alle ärztliche -Hilfeleistung von sich wies, den Verband abriß und am dritten Tage -starb, am 30. Juni 1520. Mit seinem Tode hörte auch der letzte Rest -von Rücksicht auf, welche die Azteken um ihres Königs willen noch an -den Tag gelegt. Ihr Ziel war auf die vollständige Vernichtung ihrer -gefährlichen Feinde gerichtet, und zu dem Zwecke hatte man auch die -Dammbrücken beseitigt, um den Spaniern den Rückzug abzuschneiden. Dazu -gingen die Lebensmittel aus. Cortes mußte den Abmarsch vorbereiten -und ließ zu dem Vorhaben eine tragbare Brücke zimmern, um damit die -Dammbrücken, eine nach der andern, überschreiten zu können. Bei dunkler -Nacht, am 1. Juli 1520, brach Cortes mit seinem Heere auf und schlug -den Weg über den westlichen Damm ein. Die Töchter des Montezuma und -den Fürsten Cacama nahm er als Gefangene mit. Da die Goldschätze wegen -ihres bedeutenden Gewichtes nicht auf einmal zu transportiren waren, so -ließ er nur den königlichen Antheil aufpacken; von dem übrigen Vorrathe -konnte sich jeder Soldat nehmen. Doch warnte der Feldherr, sich nicht -zu sehr zu beladen. Mancher wurde durch seine Habgier ins Verderben -gezogen, wenn er in dem Gedränge des nächtlichen Kampfes durch seine -Goldlast in der Führung seiner Waffen gehemmt wurde. Ebenso kamen alle -Tlascalaner ums Leben, denen der Kronschatz anvertraut war. - -Die erste Dammlücke wurde mittelst der tragbaren Brücke glücklich -überschritten, obwohl die Azteken zu Lande lebhaft nachdrängten -und von zahlreichen Kähnen aus die Abziehenden mit Wurfgeschossen -überschütteten. Schon bei der zweiten Lücke wurde die Lage der Spanier -höchst bedenklich. Da es regnete, waren die Brückenbalken glatt -geworden; zwei Pferde glitten aus, wurden scheu, überschlugen sich in -den See und auch die Brücke schlug um. Nun entstand ein verzweifeltes -Gedränge, die vorderen Reihen wurden ins Wasser gestoßen, wo sich -Kampf und Gemetzel fortsetzte. Wer sich durch Schwimmen zu retten -suchte, wurde von den Kähnen eingeholt und gefangen fortgeschleppt. -Die Dammlücke füllte sich mit todten Rossen und Menschenleibern, mit -Kanonen und Karren und darüber ging der Strom der dichten, wogenden, -kämpfenden Menschenmenge. Jeder war nur noch auf die Rettung des eignen -Lebens bedacht, es galt kein Commando, es gab keinen Zusammenhalt mehr. -Alles drängte nach dem festen Lande hinüber. Von den 1300 Soldaten, -welche mit Cortes in die Stadt gezogen waren, kamen nicht mehr als -440 mit dem Leben davon, und auch sie waren alle verwundet. Ueber 860 -Mann wurden getödtet oder fielen den Azteken in die Hände, welche sie -ihren Göttern opferten.[376] Verloren gingen ferner alle Kanonen, -aller Schießbedarf, alle Büchsen und 46 Pferde, so daß die Reiterei -nur noch aus 23 Mann bestand. Dieser Rückzug ist unter dem Namen der -traurigen Nacht (~la noche triste~) bekannt. In Popotla zeigt man noch -den Cederbaum, um welchen Cortes mit dem Reste seiner Truppen in jener -Nacht lagerte.[377] Am nächsten Morgen zog der Feldherr der Spanier -nordwärts und um den See herum gegen Osten, unter steter Verfolgung -des Feindes die Schwerverwundeten in der Mitte führend und mit seiner -Reiterschar die Flanken deckend. Am 7. Juli gelangte er zu den noch -vorhandenen, vielleicht ältesten Baudenkmälern des Landes, den beiden -Pyramiden von Teotihuacan (d. h. „Wohnung der Götter“), von denen die -größere an der Basis 208 Meter lang ist und eine senkrechte Höhe von -55 Metern hat. Beide waren genau nach den Himmelsgegenden orientirt. -Oestlich davon in der Ebene von Otumba suchte ihnen ein mexikanisches -Heer den Rückzug zu verlegen. Die große Uebermacht -- ihre Zahl wird -auf 200,000 angegeben -- schloß die kleine spanische Schar völlig ein. -Sie stand da wie eine Insel in stürmisch brandender See[378], aber -Cortes wußte seine Leute durch ermunternden Zuspruch zu beleben: „Heute -ist noch nicht der Tag, an dem wir besiegt werden sollen.“ Trotzdem -erkannte er den ganzen Umfang der Gefahr. Er schrieb später an den -König: „Wir fochten, so zu sagen, unter einander gemischt, und wir -hielten dies für unser letztes Gefecht in unserem Leben: so schwach -waren wir, so mächtig und stark waren hingegen die Feinde.“[379] -Cortes wurde durch zwei Steinwürfe empfindlich am Kopfe verwundet und -mußte sich verbinden lassen. Da rettete der Ritter Juan Salamanca -seine Genossen durch eine kühne That. Er sah mitten im Getümmel den -feindlichen Anführer, der das Feldzeichen trug, drang mit wenig Reitern -auf ihn ein, indem er alles vor sich niederritt, tödtete den Gegner -und nahm die Standarte.[380] Der Fall des Führers gab das Signal -zur Flucht. Nachdem die erschöpften Truppen drei Tage in der Stadt -Huejotlipan gerastet, zogen sie nach Tlascala, wo sie freundlich -empfangen wurden und in Ruhe die Heilung ihrer Wunden abwarten konnten. -Cortes selbst bedurfte vor allem der Pflege. Seine Kopfwunden hatten -sich verschlimmert, er hatte außerdem zwei Finger der linken Hand -eingebüßt und war durch die gewaltige Aufregung und Ueberanstrengung -nicht unbedenklich erkrankt. Kein Wunder, daß unter solchen -Verhältnissen auch den Soldaten der Muth sank, und daß ein großer Theil -nach der Küste zurückzukehren wünschte. Dazu wurde ihre Lage höchst -unsicher, weil eine Gesandtschaft der Mexikaner die Tlascalaner zum -Bündniß gegen die Spanier aufforderte und der Häuptling Xicotencatl -nicht abgeneigt schien, sich auf die Seite der Azteken zu stellen. -Glücklicherweise hielt sein eigner Vater fest an dem Bunde mit Cortes. - -Nachdem sich das Heer genügend erholt hatte, und Cortes wieder genesen -war, kehrte auch der alte Unternehmungsgeist der Truppen wieder zurück. -In glücklichen Kämpfen unterwarfen sie mit Hilfe der Tlascalaner das -Land zwischen dem Popocatépetl und dem Citlaltépetl. Neue Scharen, -welche Velasquez gesendet, in dem Glauben, Narvaez sei Herr des Landes, -traten sofort zu Cortes über. Dann schrieb dieser von der Stadt Tepeaca -aus, welche er Segura de la frontera nannte, seinen berühmten Brief, -vom 30. October 1520 datirt, an den König von Spanien, in welchem er -über die bisherigen Vorgänge genau Bericht erstattete, und schloß mit -den Worten: „Wegen aller Aehnlichkeiten, welche ich zwischen diesen -Ländern (Mexiko und Spanien) gefunden, in Bezug auf Fruchtbarkeit, -Größe, Klima u. a. habe ich für passend gehalten, ihnen den Namen -„+Neuspanien des Oceans+“ (~la nueva España del Mar Oceano~) zu geben -und wage, Ew. Maj. zu ersuchen, diese Benennung zu bestätigen.[381] -Aus diesem Berichte ersah man zuerst in Spanien, daß Cortes im Begriff -stand, ein mächtiges Reich, das eine Fülle der geschätztesten Produkte -besaß, der spanischen Krone zu unterwerfen, und Peter Martyr beeilte -sich seinen Gönnern und Freunden die Pracht der Hauptstadt „Tenustitan -~alias~ Mexiko“ und die Reichthümer des Landes zu schildern.[382] - -Cortes hatte beschlossen, die feindliche Hauptstadt von neuem -anzugreifen. Aber um von dem See aus nicht wieder durch die Kriegsböte -der Azteken belästigt zu werden, wollte er sich vor allem zum Herrn -der die Stadt umgebenden Gewässer machen, um derselben die Verbindung -mit dem Lande abzuschneiden. Zu dem Zwecke ließ er eine Anzahl von -Brigantinen bauen, wozu er das Takelwerk und Eisen von Vera Cruz -heraufschaffen ließ. Die Schiffstheile wurden in Tlascala angefertigt -und von da an den See geschafft, wo sie zusammengesetzt wurden. Als -er in der Mitte des December von Tepeaca aufbrach, bestand sein Heer -aus 550 Mann zu Fuß, 40 Reitern und 8 oder 9 Kanonen. Das Heer der mit -ihm verbündeten Indianer, welche mit der Eroberung der aztekischen -Hauptstadt ihre Unabhängigkeit von dem drückenden Joche zu gewinnen -hofften, zählte über 100,000 Mann. - -Auf einem schwierigen Gebirgspasse nördlich vom Iztaccihuatl zog er -nach Tezcuco, dessen Bewohner sich theils zu Boot über den See, theils -zu Fuß über das Gebirge geflüchtet hatten. - -In Mexiko war der Bruder und Nachfolger Montezuma’s nach viermonatiger -Regierung gestorben und an seine Stelle der Neffe der beiden letzten -Regenten, der 25jährige Quauhtemotzin[383] oder Guatemotzin gewählt -worden. Dieser ließ die Stadt gegen den beabsichtigten Angriff -der Spanier von allen Seiten befestigen. Nachdem Cortes sich in -Tezcuco festgesetzt hatte, ließ er einen Graben, welcher zu dem eine -halbe Legua entfernten See führte, so weit vertiefen, daß seine 13 -neuerbauten Schiffe in den See einlaufen konnten. Dann unternahm -er einen Recognoscirungszug rings um den See, um die Zugänge zur -Hauptstadt kennen zu lernen, unterwarf die Städte, welche am Seeufer -lagen und griff, nachdem er von Haiti noch eine erbetene Verstärkung -an Truppen, 200 Mann zu Fuß und 70 bis 80 Pferde, erhalten hatte, die -Stadt Xochimilco (d. h. Blumenfeld, nach den schwimmenden Gärten so -genannt) an, welche theilweise im See lag. Bei der Erstürmung wäre -Cortes fast in Gefangenschaft gerathen. Im Getümmel des Kampfes that -sein Roß einen Fehltritt und stürzte nieder. Augenblicklich war er -von Feinden umringt, gegen die er sich mit seiner Lanze vertheidigte. -Er wäre fortgeschleppt worden, wenn nicht ein treuer Diener und ein -Tlascalaner ihn aus der drohenden Gefahr befreit hätten. Kurz darauf -hatte er einen Angriff Guatemotzins abzuschlagen, der mit 2000 Kähnen -und 12,000 Mann der Stadt zu Hilfe eilte. - -Die Anhänger des Velasquez, deren es noch manche in dem spanischen -Heere gab, und denen die gewaltigen Anstrengungen, welche Cortes ihnen -auferlegte, nur eine nutzlose Vergeudung von Menschenleben schienen, -ohne Aussicht, endlich in den Besitz der gehofften Schätze zu gelangen, -stifteten wieder eine Verschwörung an und beabsichtigten, den Feldherrn -sammt seinen treusten Officieren zu ermorden und dann nach der Heimat -zurückzukehren. Aber auch von diesem Verrath erhielt Cortes rechtzeitig -Kunde, ließ den Anstifter hinrichten und zerriß die Liste aller -Verschworenen, die er bereits in Händen hatte. Doch umgab er sich von -da an mit einer zuverlässigen Leibwache. - -Endlich war nach einer Arbeit von 50 Tagen der 12 Fuß tiefe Graben -durch 8000 Arbeiter am 28. April 1521 vollendet und die Schiffe liefen -vor den Augen des versammelten Heeres in den See. Nun erst konnte man -den unaufhörlichen Belästigungen durch die feindlichen Böte, welche -jeden Vormarsch auf die Seedämme erschwerten, ein Ende machen. Jedes -Schiff erhielt eine Kanone und 25 Mann Besatzung. Dann wurde das -Heer, welches wieder auf mehr als 800 Mann angewachsen war, in drei -Haufen getheilt und diese unter den Befehl von Alvarado, Olid und -Sandoval gestellt. Durch einen glänzenden Sieg über die feindliche -Flotille machte sich Cortes zum Meister des Sees. Anfänglich war es -seine Absicht gewesen, die aztekischen Böte, die in einer Anzahl -von 500 gegen ihn auf Kundschaft ausgeschickt waren, unbehelligt -herankommen zu lassen, um sie dann mit Kanonenschüssen zu empfangen -und so bei dem ersten Zusammentreffen eine für den ganzen Krieg -wichtige Entscheidung durch die Ueberlegenheit der europäischen -Schifffahrtskunst herbeizuführen. Da erhob sich aber plötzlich ein -günstiger Wind vom Lande her. Sofort ließ Cortes die Brigantinen mit -vollen Segeln gegen die Böte steuern und gab Befehl, die feindlichen -Fahrzeuge bis an die Stadt zu verfolgen. Zahllose Kähne wurden -übersegelt und die Mannschaft in den See gestürzt und getödtet. Drei -Meilen weit wurde die Verfolgung fortgesetzt und ein Sieg errungen, -herrlicher als man gehofft hatte.[384] Dann wurde den Mexikanern das -Trinkwasser der Röhrenleitung abgeschnitten und die südlichen Dämme -besetzt, welche von den Vertheidigern der Stadt verschanzt waren, -aber, sobald die Brigantinen vorgingen, verlassen worden waren. Die -drei Heerführer der Truppentheile erhielten zu ihrer Unterstützung -mehrere Brigantinen, Alvarado und Olid besetzten die südlichen -Dammstraßen, Sandoval die nördlichen. So war die ganze Stadt cernirt. -Die Dammlücken wurden unter heftigen Kämpfen zugeschüttet, aber näher -der Stadt warfen die Belagerten immer neue Gräben aus und erwiesen -sich trotz der Einschließung unerschüttert und todesmuthig. Ueberall -zu Lande und zu Wasser ertönte ihr wildes Kriegsgeschrei, als ob das -Weltall einstürzen sollte.[385] Endlich gelang es den Spaniern, bis -an die Stadt vorzudringen. Die in den Straßen aufgeworfenen Bollwerke -wurden von den Kanonen zusammengeschossen und über dieselben hinweg -gelangten die Sieger bis zu dem großen Tempel, dessen erneuertes -Götzenbild sie zertrümmerten. In einem wüthenden Angriff der Indianer -wurde das spanische Fußvolk zurückgetrieben, aber durch einen kühnen -Reiterangriff aus der Bedrängniß gerettet. Die Stadt schon jetzt -zu behaupten war unmöglich, weil man bei Tag und Nacht von allen -Seiten bedroht war. Aber unter dem Eindruck der spanischen Erfolge -lockerte sich der Lehnsverband im aztekischen Reiche immer mehr; der -Fürst von Tezcuco, der lange zweifelhaft gestanden, ging mit 50,000 -Mann zu den Eroberern über; andere Städte folgten seinem Beispiel -und begaben sich in die spanische Botmäßigkeit. Täglich wurden die -Angriffe auf die Stadt wiederholt und einzelne Gebäude niedergebrannt, -Hungersnoth stellte sich ein, aber die Mexikaner wiesen alle -Friedensbedingungen zurück. „Wir waren,“ berichtet Cortes, „mehrere -Tage nacheinander in der Stadt gewesen, viermal schon hatte sich das -Gemetzel wiederholt. Ein Theil der Stadt war abgebrannt, die meisten -Terrassen waren zerstört, die natürlichen und künstlichen Hindernisse -wurden überwunden; immer siegreich hatten wir den Feind mit Kanonen -und Musketen niedergeschmettert. Ich erwartete daher täglich, sie -würden um Frieden bitten und mein Herz wünschte sehnlich, daß sie den -nothwendigen Schritt thun würden. Erbittert über den zähen Widerstand -glaubte ich sie zum äußersten zwingen zu müssen.“[386] So wurde, -nachdem der Kampf bereits drei Wochen gedauert hatte, ein allgemeiner -Angriff befohlen und zwar von Süden und Westen her. Beim Vorrücken -war der Hauptmann Alderete zu eilig gewesen und drang, ohne eine -Dammlücke gehörig ausfüllen zu lassen, unvorsichtig bis auf den großen -Marktplatz vor. Von dort wurde er durch die Azteken zurückgetrieben -und mit seiner Schar ins Wasser gedrängt. Cortes wollte ihnen mit -einer Handvoll Soldaten zu Hilfe kommen, wurde im Gewühl am Bein -verwundet und niedergeworfen. Schon legten mehrere Mexikaner Hand an -ihn und hätten ihn unfehlbar gefangen genommen, wenn ihm Antonio de -Quiñones nicht beigesprungen und ein anderer junger Spanier sich für -ihn geopfert hätte. Trotzdem wollte Cortes noch nicht zurückweichen und -mußte von mehreren Officieren mit Gewalt aus dem Getümmel fortgetragen -werden. In diesem unglücklichen Gefechte kamen gegen 40 Spanier um und -62 wurden nebst vielen Verbündeten lebendig fortgeschleppt, um den -Göttern geopfert zu werden. Am Abend hörte man die große Trommel in -dem Tempel des Kriegsgottes, und ein langer Zug von Kriegern bewegte -sich die hohe Treppenflucht hinauf zum Tempel. Da die Entfernung nicht -sehr groß war und man die Plattform des Tempels ganz deutlich sehen -konnte, so mußten die Spanier mit Entsetzen gewahren, wie die Mexikaner -ihren unglücklichen Kameraden die Köpfe mit Federn schmückten und sie -zwangen, vor dem Götzenbilde zu tanzen, und wie sie dieselben dann -auf dem Opfersteine niederstreckten, ihnen mit Feuersteinmessern die -Brust aufschlitzten, die zuckenden Herzen herausrissen und sie ihren -Götzen darbrachten. Cortes spricht mit Entsetzen von dem Anblick dieser -Gräuel, der das Herz seiner Soldaten erstarren machte. - -Nach einer Ruhe von 8 Tagen wurde der Angriff erneuert und wurde -beschlossen, weil kein anderes Mittel von Erfolg war, die Stadt, -so weit man sie besetzt hatte, Haus für Haus niederzureißen; denn -jedes diente den Vertheidigern als Festung. So dauerte nun Kampf und -Zerstörung tagelang fort, auch Guatemotzins Palast ging in Flammen -auf, die Hungersnoth wuchs, die Einwohner verzehrten Wurzeln, Kraut -und selbst Holz; aber an Unterwerfung dachten die Azteken nicht. Sie -wollten unter den Trümmern ihrer Hauptstadt begraben sein und den Fall -des Reiches nicht überleben. - -Die Belagerung währte vom 30. Mai bis zum 13. August, 75 Tage lang, -und erreichte erst ihr Ende, als Guatemotzin bei seinem Versuch, in -einem Boote über den See zu flüchten, von den Brigantinen eingeholt und -gefangen genommen wurde. Die auswärtigen Krieger ließ Cortes auf Bitten -des gefangenen Königs aus der Stadt abziehen. Drei Tage und Nächte -waren die Dammstraßen mit großen Zügen von Männern, Weibern und Kindern -bedeckt, die sich vor Entkräftung nur noch mühsam fortschleppten. Der -Zustand der Stadt, welche nun allen Widerstand aufgab, war entsetzlich. -Alle Häuser in dem Stadttheile, den Guatemotzin bis zuletzt behauptet -hatte, waren mit Todten angefüllt, und was noch am Leben war, hatte -kaum noch Kraft sich zu erheben. Der Verlust an Menschenleben wird -auf 120,000 bis 240,000 angegeben. Dem Fall Mexiko’s folgte rasch die -Unterwerfung aller Nachbarstaaten. Die Menge des erbeuteten Goldes -belief sich auf 130,000 Goldcastellanos. Die goldenen Schilde und -die kostbaren Federschmuckarbeiten als einzig in ihrer Art wurden -mit allgemeiner Zustimmung an den König nach Spanien gesendet. Dann -schritt Cortes zum Wiederaufbau der Stadt und zeigte darin sein -organisatorisches Geschick. Viele Gräben wurden zugeschüttet, die -Straßen breiter angelegt, aber die Hauptstraße der alten Stadt in -ihrer Anlage erhalten. An Stelle des Tempels des Kriegsgottes erhob -sich eine Kirche des heiligen Franciscus, welche seit 1573 durch eine -prachtvolle Kirche, die Kathedrale der heiligen Maria de la Asuncion, -ersetzt wurde. Eine starke Festung auf dem heutigen Matadoroplatze -hatte auch den Zweck, die Brigantinen zu decken, welche im Falle eines -Aufstandes wichtig waren für die Beherrschung des Sees. In wenigen -Jahren waren bereits 2000 spanische Familien ansässig, denn der Zuzug -von den Antillen und vom Mutterlande her wurde nach der Eroberung von -Mexiko immer lebhafter. Im Jahre 1524 konnte Cortes die Größe der -Einwohnerschaft schon zu 30,000 Seelen angeben. Die Zerstörung der -alten Kultur, mit welcher zugleich das Gewerbe der Eingebornen zu -Grunde ging, ist zwar zu beklagen, da mit dem Fall des Adels und der -Priesterschaft alle höheren Bildungselemente verloren gingen; allein -die Beseitigung der gräßlichen Menschenopfer und des Canibalismus ist -höher anzuschlagen. Leider riß mit der Vernichtung der bisherigen -staatlichen und socialen Ordnung eine beklagenswerthe Demoralisation -des Volkes ein. Land und Leute wurden den Conquistadoren zugetheilt -und die Eingeborenen geriethen in drückende Knechtschaft.[387] Doch -nahm sich die spanische Geistlichkeit ihrer nach Kräften an und daher -schlossen sich die Indianer leicht an die Priester an und ließen sich -taufen. - - -23. Cortes als Statthalter von Neuspanien. - -Unter den einheimischen Fürsten, welche sich dem siegreichen Spanier -unterwarfen, befand sich auch der Beherrscher von Michoacan. Durch -seine Abgesandten erhielt man zuerst zuverlässige Nachrichten über die -Nähe der Südsee. Cortes sandte vier Spanier dahin, mit der bestimmten -Weisung, nicht eher zurückzukehren, als bis sie für den König von -Spanien von diesem Meere Besitz genommen. Zwei der Abgesandten -führten den Befehl vollständig aus. Sandoval und Alvarado drangen mit -Heeresabtheilungen in die südlichen Länder, namentlich nach dem reichen -Thal von Oaxaca, welches später zur Hälfte dem Eroberer Mexiko’s als -Privateigenthum zufiel und wovon er den Titel Marques de Valle erhielt. -Dann wurden die Landschaften Colima im Westen und Tabasco im Südosten -dem spanischen Gebiet einverleibt, selbst der Fürst von Guatemala -zeigte seine Unterwerfung an. Cortes bezwang nach hartnäckigem -Widerstand das Gebiet von Panuco und erweiterte damit den Küstenbesitz -am Golf von Mexiko. Das westliche Weltmeer aber hatte für ihn eine -besondere Anziehung, weil er hier, der Anschauung der Zeit huldigend, -mit Gold und Spezereien gesegnete Inseln zu finden hoffte. Sowie die -Landschaft Michoacan ihn als Oberherrn anerkannt hatte, befahl er -in dem Hafen von Zacatula vier Schiffe zu bauen, um die Südsee zu -erforschen. Leider brach noch während des Baues auf der Werfte Feuer -aus und zerstörte die Fahrzeuge, sodaß der Plan einer Entdeckungsreise -noch verschoben werden mußte. - -Noch hatte Cortes von der spanischen Regierung kein Schreiben, keine -Anerkennung seiner Verdienste erhalten. Fonseca war vielmehr immer -noch der Ansicht, man müsse den Usurpator und Empörer absetzen. Ja, -er unterzeichnete sogar am 11. April 1521 einen Verhaftsbefehl gegen -Cortes und übertrug die Ausführung desselben dem Cristoval de Tapia. -Als dieser in Vera Cruz ans Land stieg, ließ man nicht zu, daß er ins -Innere zur Hauptstadt reise; er verstand sich dann auch dazu, seine -Ausrüstung und Waffen gegen Bezahlung zurückzulassen und ging nach Cuba. - -Erst im Jahre 1522, als Karl V. nach Spanien kam, und die Abgesandten -des Cortes nebst den ausführlichen Berichten des glücklichen Eroberers -auch die Kostbarkeiten und kunstreichen mexikanischen Arbeiten ihrem -Könige vorlegen konnten, übertrug derselbe die Entscheidung der -wichtigen Streitfrage einem besonderem Rathe, und dieser erklärte sich -für Cortes. So wurde derselbe durch königliches Dekret vom 15. October -1522 als Statthalter und Oberbefehlshaber von Neuspanien bestätigt. - -Von dem Augenblicke an fühlte sich Cortes erst sicher in dem -errungenen Besitz und entwarf weitschauenden Blickes eine Reihe kühner -Pläne zur festen Begründung der spanischen Macht in Mexiko und den -Nachbargebieten und zur Erweiterung der Kenntniß von unbekannten -Regionen, mit denen und durch welche eine Verbindung und ein Verkehr -ihm für die Erweiterung seiner politischen Machtstellung in Neuspanien -von großer Bedeutung schien. Aus den kleineren Streifzügen wurden -unter diesen Gesichtspunkten bedeutende Entdeckungsfahrten und kühne -Eroberungszüge, theils um die Ausdehnung der Südsee kennen zu lernen, -theils um eine Verbindung des östlichen und westlichen Oceans, also -eine +mittelamerikanische Meerenge+ ausfindig zu machen, theils um die -Grenzen seiner Herrschaft nach Südosten bis zur Statthalterschaft des -Pedrarias auszudehnen. - -Die Idee einer Meerenge hat Cortes beschäftigt, seitdem ihm -Montezuma eine Küstenkarte seines Reiches übergab. Alle Land- und -Wasserexpeditionen, welche er in den ersten Jahren nach Bezwingung der -Hauptstadt aussandte, hatten den Auftrag danach zu forschen. Von beiden -Oceanen, von den gegenüberliegenden Küsten wurde zu gleicher Zeit nach -dieser Meerenge gesucht.[388] Anfänglich glaubte er, sie in der Nähe -des Goatzacoalcoflusses zu treffen, weil auf der mexikanischen Karte -in dieser Gegend eine große Hafenbucht zwischen Gebirgen angegeben -war. Der genannte Fluß ist an der Mündung ein Kilometer breit, weitet -sich oft seenartig aus und hat selbst noch oberhalb der neuen Stadt -Amatitlan einen Durchmesser, wie der Rhein bei Cöln.[389] - -Als sich hier am Isthmus von Tehuantepec die gewünschte Durchfahrt -nicht fand, richtete er seinen Blick auf die zweite Verengung des -centroamerikanischen Landes, auf den Golf von Honduras, und sandte -+Cristoval d’Olid+ (Dolid) dahin, um das Gebiet zu besetzen, weil, wie -er an den König von Spanien schrieb, nach der Ansicht vieler Piloten -dort eine Wasserstraße zum andern Meere führe, und es sein sehnlichster -Wunsch sei, dieselbe zu entdecken, da eine solche Wasserverbindung für -die Entwicklung der spanischen Macht von großer Bedeutung sei.[390] -Mit der Expedition d’Olid’s sandte er zugleich seinen Vetter Hurtado -de Mendoza mit drei kleinen Schiffen aus, welche, während Olid am Golf -von Honduras eine Colonie gründete, die Küsten des caribischen Meeres -bis nach Darien hin auf das Vorhandensein eines natürlichen Canals -untersuchen sollten. - -Später suchte Cortes die Straße weiter nordwärts. Nachdem Magalhães -durch das Südmeer den Weg bis zu den Molukken gebahnt hatte, wuchs -die Bedeutung einer solchen Straße in hohem Maße. Wie leicht konnte, -wenn eine solche Meerenge in Mittelamerika vorhanden war, der Weg von -Spanien nach den Gewürzinseln zurückgelegt werden. Es war nicht mehr -ein auf haltlose Hypothesen gebautes nautisches Problem, wie zur Zeit -des Columbus, welches den Eroberer Mexiko’s zu diesen Unternehmungen -trieb, sondern ein weiter, staatsmännischer Blick; denn wenn sein -neuspanisches Reich an die Hauptfahrbahn des Weltmeers gerückt wurde, -mußte seinem Pflanzlande an einer solchen Weltstraße zwischen Europa -und dem gewürzreichen Indien eine glänzende Entwicklung zu theil werden. - -All sein Sinnen und Trachten ging nur darauf aus, diese höchstwichtige -Straße zu finden.[391] Er suchte sie entweder zwischen Mexiko und -Florida, oder zwischen Florida und Neufundland. Die Fahrt durch diese -Straße würde den Weg zu den Gewürzländern bedeutend abkürzen und ganz -sicher sein, weil er stets durch spanisches Gebiet führe. - -An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten -Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524 -von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage -fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite -bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst -sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von -Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den -beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen -Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt, -und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen -Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die -Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre -später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite -Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung -der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen -geregelt sein. - -Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen, -engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte, -Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der -Landbau wurde durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven, -Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die -Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer -Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst -kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in -reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche -Pulver fabricirt. - -Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten -ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der -Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in -das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter +Olid+ nahm den -Weg zur See nach Honduras. - -+Alvarado+ brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem -Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen -sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn -von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen -auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von -Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet. -Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner -hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden -die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt -entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur -noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung -bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung -der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem -Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte -sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch -Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich -den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser -altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten, -Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene -Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst -wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.[392] Ihre Waffen -bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil -vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die -Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse -Cultus war ähnlich, wie in Mexiko. - -[Illustration: Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des -Cortes nach Honduras.] - -Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und -300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um -sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her, -von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg -er durch die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein -Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in -mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger -von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt -Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal -(Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein -schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde -der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an, -brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines -Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in -der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt -als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der -neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier -zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde -ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen -der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen -konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft. -Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere -Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den -Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken -abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des -Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die -Unterkunft der Pferde Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der -König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde -er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung -auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne -dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig -verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe -er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.[393] Die Burg der Quiché -wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado -weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der -alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und -ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs -und der Verwüstung. - -Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die -Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die -Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen. -Die Hauptburg des Landes lag im See von +Atitlan+, einem gegen 1000 -Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft von drei -Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken unterbrochener -Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen Kampfe am -Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den flüchtigen -Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit ihrem Fall -war der Widerstand des Volkes gebrochen. - -Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla -(Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei -Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten. -Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das -Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado -das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit -die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von -Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador. -Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung -ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe -aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten -die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren -Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado, -der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert -war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde -abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S. -Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala. -Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der -Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit -die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche -Besitzergreifung des Landes und Vertheilung der Bewohner an die -Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier -1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538 -die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem -Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und -decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus -welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft, -nicht hat erheben können. - -Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch -+Cristoval d’Olid+, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf Cortes’ -Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er sollte -jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine -Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen -Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und -einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba -anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam -(wie bereits oben S. 388 erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado -de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu -forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung, -welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich -seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher, -Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der -Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch -Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien -unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte, -schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach -Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien -dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage -kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten -haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man -damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.[394] Vierzehn -Meilen östlich vom Hafen Caballos[395] ging er am 3. Mai 1524 ans Land -und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die -Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen -Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer -widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne -Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.[396] - -Bald aber trat Olid mit seinen Plänen hervor und fand bei den meisten -seiner Leute Zustimmung. Als die erste Kunde davon nach Mexiko -gelangte, und zwar über Cuba, entsandte Cortes seinen Schwager -+Francisco de las Casas+ mit vier Schiffen und 150 Mann nach -Honduras,[397] wo Olid ihm die Landung verwehren wollte. Casas nahm -die beiden Schiffe Olid’s mit Gewalt, während die Mannschaft ans Ufer -entfloh. Unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur Uebergabe der -Colonie zu treffen, bat Olid um Waffenstillstand, benutzte aber die -Zeit, um seinen im Innern befindlichen Hauptmann Pedro de Briones mit -seiner Schar herbeizurufen. Dieser erhielt aber zu gleicher Zeit eine -Warnung durch Las Casas und zog es vor, dem Befehl seines Vorgesetzten -nicht zu folgen und ihn im Stich zu lassen. So zog sich eine Kette -des Verraths von S. Domingo, der Hauptstadt Indiens, über Mexiko -bis zu den Wildnissen Centroamerika’s: Velasquez empört sich gegen -Diego Colon, Cortes gegen Velasquez, Olid gegen Cortes, Briones gegen -Olid.[398] In der nächsten Nacht warf ein Sturm die ganze Flotille -des Las Casas an den Strand, 40 Mann ertranken dabei und der Capitän -selbst gerieth in Olid’s Gefangenschaft. Dann nahm dieser auch den von -Süden hergekommenen Gil Gonzalez, der mit seiner zusammengeschmolzenen -Mannschaft ziellos umherschweifte, gefangen, behandelte aber beide -Gegner mit äußerster Milde, zog sie ins Haus und an seinen Tisch, -als ob er sie dadurch gewinnen wollte, gab ihnen aber dadurch die -bequemste Gelegenheit, sich zu verständigen, wie man sich am sichersten -des Usurpators entledigen könne. Sie fielen eines Mittags über Olid -her, welcher, da er unbewaffnet war und sich nicht vertheidigen -konnte, flüchten mußte, um das Leben zu retten, und sich im nahen -Walde verbarg. Sein Versteck wurde durch einen Geistlichen verrathen. -Seine Leute hatten ebenso leicht seine Partei verlassen, wie früher -ergriffen; den Verschworenen der königlichen Partei wurde es dadurch -leicht gemacht, sich seiner Person zu bemächtigen und ihm den Proceß zu -machen. Er büßte seinen Verrath mit dem Leben. Dann gründete Las Casas -die Stadt Trujillo[399] und entließ sämmtliche Spanier, welche sich der -neuen Niederlassung nicht anschließen wollten, nach Mexiko oder Spanien. - - -24. Cortes’ Feldzug nach Honduras. - -Dem Statthalter von Neuspanien lag seine Colonie in Honduras sehr am -Herzen; mit großer Sorge hatte er die Nachricht von dem Verrathe seines -Waffengefährten Olid erhalten, mit Spannung erwartete er günstigere -Kunde über den Verlauf der Sendung seines Schwagers. Da aber jede -Botschaft ausblieb, weil derselbe seine Schiffe verloren und selbst -in Gefangenschaft gerathen war, so fürchtete er schon, sein Rivale -Velasquez möchte in Gemeinschaft mit Olid in Honduras festen Fuß -gefaßt haben und könnte ihn von dieser Seite her bedrohen oder seinem -Pflanzlande Schwierigkeiten bereiten. Ehe er also von dem für ihn -glücklichen Ausgang der Sendung des Las Casas vernommen, beschloß -er selbst zu Lande nach Honduras zu ziehen und seinen ungehorsamen -Vasallen zu bändigen. - -Nachdem er den Schatzmeister Alonso de Estrada zu seinem Stellvertreter -in der Statthalterei ernannt hatte, verließ er mit seinen Truppen im -October 1524 die Hauptstadt Mexiko. Um etwaigen Aufständen und Unruhen -während seiner Abwesenheit vorzubeugen, veranlaßte er den letzten -aztekischen Kaiser Guatemotzin und andere mexikanische Fürsten, ihn -zu begleiten. Als Dolmetscherin folgte ihm wieder die bewährte Donna -Marina. Wenn er den schwierigsten Weg zu Lande wählte, so wurde er -dazu zum Theil durch den Besitz einer aztekischen Karte veranlaßt, -welche ihm in der ersten Hälfte seines Marsches durch Angabe der -hauptsächlichsten Oertlichkeiten wesentliche Dienste leistete; dann -trieb ihn aber auch der Drang zu neuen Entdeckungen. Sollte zwischen -Mexiko und Honduras eine Meerenge existiren, so mußte sie auf diese -Weise sicher gefunden werden. Cortes sagt selbst, er sei mehrere Jahre -bereits unthätig gewesen; der Abfall Olid’s bot ihm also die beste -Gelegenheit, nicht nur diesen wieder zu unterwerfen, sondern auch sich -zu neuen Thaten auszumachen und neue Länder zu entdecken. Niemand -hat diesen Feuergeist treffender gezeichnet als sein Waffengefährte -Bernal Diaz, wenn er schreibt: „Wie denn Cortes’ Gedanken immer sehr -hoch gingen, so gedachte er in allen Dingen den König Alexander von -Macedonien nachzuahmen.“[400] - -Seine Schar bestand aus 140 Arkebusieren und Armbrustschützen und aus -93 Reitern, dazu kamen noch 3000 Mann indianischer Hilfstruppen. So -lang der Weg von dem Plateau von Anahuac nach der Landschaft Tabasco -führte, fand er gebahnte Straßen und konnte sich auf der mitgenommenen -Karte orientiren. Vom Isthmus von Tehuantepec bis an die Wurzel -der Halbinsel Yukatan ist aber das Küstenland von einem Gewirre -wasserreicher Flußadern durchzogen. Die Kulturen der Indianer bilden -nur Oasen in dem Waldlande und zwischen den ausgedehnten Sümpfen. Der -Verkehr der Eingeborenen ist fast ganz auf die zahlreichen Wasserwege -angewiesen, und ein Marsch mit Truppen und Heerestroß wird ebenso -häufig durch die von Wald umschlossenen Wasserläufe, welche meist -erst überbrückt werden mußten, aufgehalten, als die Verpflegung einer -größeren Menschenmenge in den Urwaldwildnissen immer mehr erschwert -wird. - -In Tabasco versanken die Pferde zwischen Chilapan und Tepetitan fast -im Sumpfe[401]. Die indianischen Ortschaften waren beinahe alle -niedergebrannt und verlassen, man fand nur noch wenig Getreide vor -und mußte sich mit unreifen, von den Feldern gepflückten Maiskolben -behelfen. Ehe man das ganze Heer der Gefahr aussetzte, in den -Wüsteneien zu verhungern, mußte man einige Abtheilungen auf Kundschaft -voraussenden. „In Tepetitan,“ berichtet Cortes, „fanden wir +einen+ -Indianer. Der Mann kannte den Weg nach Iztapan, dem nächsten Ort auf -meiner Karte, nicht. Es gäbe dahin keinen Landweg, doch unternahm er -uns zu führen. Mit diesem Indianer sandte ich 30 Reiter und 30 Mann -zu Fuß voraus mit dem Befehl Iztapan aufzusuchen und mir dann eine -genaue Beschreibung ihres Weges zu machen, der ich folgen könnte. Ich -beschloß so lange Rast zu machen, bis ich von ihnen eine Nachricht -bekäme. Nach zwei Tagen, als weder ein Brief noch eine Meldung eintraf, -beschloß ich, da die Truppen bereits Mangel litten, ihnen zu folgen, -ohne Führer, ohne andere Anzeichen als die Spuren der Vorausgesandten -in den Schlammsümpfen, welche das ganze Land bedeckten, und ich kann -Ew. Majestät versichern, daß selbst auf den höheren Stellen unsere -Pferde, die wir am Zügel führten, bis an den Gurt in den Morast -sanken. So marschirten wir zwei Tage ohne irgend eine Nachricht zu -erhalten, so daß ich fast rathlos wurde. Ich konnte nicht zurück, und -vorwärts zu gehen ohne Gewißheit von der Richtung des einzuschlagenden -Weges, war eben so gefährlich. In dieser Noth, als wir erschöpft -und niedergeschlagen schon fürchteten verhungern zu müssen, kamen -zwei Indianer mit Briefen von der vorausgeschickten Schar.“ Dieselbe -hatte Iztapan erreicht. Der Ort lag, von Sümpfen umgeben, an einem -großen Flusse und war voll Indianer, welche sich durch die Natur der -Oertlichkeit sicher glaubten. Als sie aber sahen, daß die spanischen -Reiter durch den Fluß schwammen, wollten sie das Dorf in Brand stecken. -Hieran wurden sie zwar durch die Spanier gehindert; doch begann eine -allgemeine Flucht auf Böten, oder schwimmend, wobei viele ertranken. -In Iztapan fand man ausreichende Lebensmittel, und die Truppen konnten -sich erholen, auch gelang es ihnen die Einwohner zu beruhigen und -zur Rückkehr ins Dorf zu bewegen. Der Beschreibung nach lag dasselbe -am Usumaçinta, dem größten Flusse Mittelamerika’s, dessen Gebiet den -ganzen Norden der gegenwärtigen Republik Guatemala umfaßt, und der sich -nach einem Lauf von über 100 Meilen in die Laguna de Terminos ergießt. - -Beim Weitermarsch gegen Südosten gerieth das Heer in den dichtesten -Urwald, wo die indianischen Führer den Weg verloren. Der Wald war -undurchdringlich und hemmte jeden weitern Blick, selbst von dem Gipfel -der mächtigen Bäume, zu welchen die Späher hinaufkletterten, konnte -man höchstens einen Steinwurf weit sehen. Man mußte umkehren, um -den Pferden, die seit 18 Stunden nichts zu fressen bekommen hatten, -Futter zu verschaffen. Die Menschen waren vor Erschöpfung und Hunger -halb todt. Da ließ sich Cortes seinen Schiffscompaß bringen, welcher -ihm schon oft große Dienste geleistet hatte, aber nie mehr als in -dieser gefährlichen Lage,[402] er erkundigte sich bei den begleitenden -Eingebornen nach der Lage des Dorfes, wohin sie sie hatten führen -wollen, und schloß daraus, daß ein Marsch in nordöstlicher Richtung sie -dahin bringen werde. Der Weg wurde nach der angegebenen Himmelsgegend -gebahnt und das Dorf glücklich gefunden. Die freudige Aufregung über -die Entdeckung des Ortes war so groß, daß die meisten Leute, ohne auf -die weiten Sümpfe vor ihnen zu achten, gerade auf die in der Ferne -sichtbare Ansiedlung zueilten, wobei manche Pferde so tief in den -Morast einsanken, daß man sie erst am nächsten Tage herausbringen -konnte, denn in ihrem Hunger hatten die Reiter sie im Stich gelassen. -Glücklicherweise ging kein Thier dabei verloren. Auch dieser, am -Usumaçinta gelegene Ort war niedergebrannt und verlassen, bot aber für -alle Mannschaften genug Vorräthe, so daß man sich eine Rast von acht -Tagen gönnte. Der directe Weg nach Honduras hatte sich als unmöglich -erwiesen, Cortes mußte in einem nördlichen Bogen ausweichend, durch -Yukatan sein Ziel zu erreichen suchen. Er setzte über den Fluß und zog -nach der Landschaft Acalan, welche an die Laguna de Terminos stößt. -Nach einem dreitägigen Marsch durch die Bergwälder wurde der Zug durch -einen weiten Sumpfsee aufgehalten. Die Führer meinten, man brauche 20 -Tage, um ihn zu umgehen. Mittelst eines kleinen Kahns, den man fand, -wurde das Wasser untersucht, es war vier Klafter tief und an den -zusammengebundenen Speeren, die man hinabsenkte, zeigte es sich, daß -eine zwei Klafter dicke Schlammschicht den Boden bedeckte. Der Sumpf -war nicht zu durchwaten und wegen der vielen Bäume und verschlungenen -Wurzeln in demselben konnten auch die Pferde nicht hindurchschwimmen. -Da die Lagune nur etwa 500 Schritt breit schien, entschloß sich Cortes, -eine Brücke zu bauen. Man fertigte mehrere Flöße an und trieb von -ihnen aus eine Reihe von 9 bis 10 Klafter langen Pfosten senkrecht -in den Boden. Die schwere Arbeit erschöpfte die Kräfte der Spanier, -die zu ihrer Nahrung nur wildwachsende Kräuter und Wurzeln hatten, -derart, daß sie sich weigerten, sie weiter zu führen. Da erklärte -Cortes, dann werde er mit seinen Indianern, denen er bei seiner -Rückkehr nach Mexiko reichliche Belohnung versprach, den Bau allein -vollenden. Jenseit des Sumpfes läge das fruchtbare Acalan; man müsse -über das Wasser, oder davor verhungern, denn hinter ihnen seien durch -die vom Regen angeschwellten Bäche alle ihre Brücken weggerissen. -Diese Erwägungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Spanier legten -mit Hand an und in vier Tagen wurde die Brücke fertig, zu der man -gegen 1000 Stämme gefällt und eingerammt hatte. Aber nachdem der -See glücklich überwunden war, gerieth man wieder in Sümpfe, wo die -Pferde tief einsanken; man mußte ihnen, da sie, unruhig geworden, -immer tiefer zu versinken drohten, Reißigbündel und Buschwerk unter -den Bauch schieben, um sie zu erhalten. Glücklicherweise kamen einige -vorausgesandte Spanier mit 80 Indianern zurück, welche von Acalan -Lebensmittel brachten. Die Hauptstadt Çancanar (Izancanas) lag am Ufer -einer Seebucht, die sich bis zur Laguna de Terminos erstreckte. Der -Fürst von Acalan unterstützte die Spanier nach Kräften und zeigte ihrem -Heerführer auf einer Karte, welchen Weg er einzuschlagen habe.[403] -Acalan ist fast ganz von Seen und Sümpfen umgeben, die mit der Bai -von Terminos in Verbindung stehen, und da das Land gut bevölkert und -reich an Produkten war, so trieben die Bewohner einen lebhaften Handel -nach Tabasco. Ob, wie man damals im Lande behauptete, das nordöstlich -gelegene Yukatan eine Insel sei, wollte Cortes auf seinem weiteren -Zuge zunächst ermitteln. Am ersten Sonntag in den Fasten des Jahres -1525 zog er mit indianischen Führern weiter. Während dieses Marsches -durch Acalan erfolgte die +Hinrichtung Guatemotzins+ und des Fürsten -von Tacuba, weil sie die Absicht gehabt haben sollten, alle Spanier -sammt Cortes niederzumachen, Mexiko zur Befreiung aufzurufen und das -Joch der Fremden abzuschütteln. Ob eine solche Verschwörung wirklich -stattgefunden, ist nicht erwiesen. Befremdlich bleibt die Eile, mit -welcher Cortes, sobald ihm von dem Plan der aztekischen Fürsten eine -Mittheilung geworden, Verhör, Verurtheilung und Vollstreckung des -Urtheils aufeinander folgen ließ. Aber die rasche Entscheidung war -wohl durch die schwierige Lage geboten, in welcher sich die ganze -Unternehmung befand. Da Cortes niemals leichtfertige und unnütze -Bluturtheile gefällt hat, so müssen auch bei dieser wichtigen -Entscheidung die Verdachtsgründe schwerwiegend gewesen sein. „Als -ich mich überzeugt hatte,“ schreibt er an Karl V., „daß diese beiden -(Guatemotzin und Tacuba) die Hauptschuldigen seien, gab ich Befehl, sie -zu hängen, und so wurden sie gehängt.“[404] Sich rasch zu entschließen -und ungesäumt zu handeln, lag in seiner Art; aber in diesem Falle kam -selbst den begleitenden Spaniern der Verlauf des Processes binnen 24 -Stunden so unerwartet und plötzlich, daß sie an der Rechtmäßigkeit -des Spruches zweifelten. Bernal Diaz erklärt unumwunden, daß der Tod -der aztekischen Fürsten ihn aufs tiefste geschmerzt und daß derselbe -in den Augen aller, die den Zug mitmachten, eine Ungerechtigkeit -gewesen sei.[405] Jedenfalls verfehlte das summarische Verfahren auf -die übrigen Mitwisser des Planes seine Wirkung nicht; sie schrieben -dem spanischen Heerführer Zauberkräfte zu und meinten, er bringe alle -Geheimnisse durch seine Seekarte und seinen Compaß (~carte de marear -y un ahuja~) heraus. Cortes ließ sie bei dem Wahn, welcher ihn seinen -Gegnern so furchtbar machte. - -Von Acalan zog er gegen Südosten zum Peténsee in der Landschaft Taiza, -welcher auf allen Seiten von 60 bis 150 Meter hohen, waldbedeckten -Kalksteinketten umgeben ist und keinen oberirdischen Abfluß hat. Die -Halbinsel, welche von Osten her in den See hineinragt und denselben in -ein nördliches und südliches Becken theilt, ist noch mit künstlichen -Hügeln bedeckt, auf denen die Spuren alter Gebäude zu sehen sind.[406] -Zu Cortes’ Zeit lag die Hauptstadt des Gebiets auf einer Insel am Ende -dieser Landzunge und umfaßte eine Menge Tempel und Steinbilder. Von -menschenleeren Wildnissen umgeben, behauptete sich hier ein kleiner -selbstständiger Staat, welcher erst 1697 von den Spaniern zertrümmert -wurde.[407] Denn wenn sich auch bei Cortes’ Ankunft der Fürst des -Landes der spanischen Oberhoheit unterwarf und Geschenke brachte, so -hatte doch diese Herrschaft nur bis zum Abzuge der Spanier Bestand. - -Weiter ging der Zug zuerst über ebenes, nur hier und da waldiges Land; -dann gelangte man aber an mehrere Reihen niedriger, sehr steiler -Bergzüge, welche dem Vorrücken die größten Schwierigkeiten bereiteten. -Ueber die erste Kette konnte man die Pferde am Zügel noch sicher -hinüberführen, auf der zweiten verloren die Reitthiere fast alle -die Hufeisen, so daß man einen Rasttag machen mußte, um dieselben -wieder zu beschlagen. Dann folgte aber der beschwerlichste von allen -Paßübergängen. Das Gebirge war von unbeschreiblicher Wildheit[408]. -Man brauchte 12 Tage zu einem Wege von 8 Meilen und verlor eine Anzahl -von Rossen durch Sturz von jähen Felsen, oder durch Erschöpfung. Alle -Thiere waren beschädigt und blieben drei Monate zum Reiten untauglich. -Dabei regnete es Tag und Nacht unaufhörlich und trotzdem litten Roß -und Mann Durst, weil zwischen den schneidigen Felskämmen sich nirgend -Wasser ansammelte und das, was man in Gefäßen zur Nachtzeit auffing, -für das Heer nur auf kurze Zeit ausreichte. Ein Neffe des Cortes erlitt -durch den Sturz seines Pferdes mehrfachen Beinbruch in schwerer Rüstung -und konnte nur mit Mühe fortgebracht werden. Am Fuß dieses Gebirges, -dem die Spanier den Namen Feuersteingebirge beilegten, mußten wieder -gegen 20 Bergschluchten, in denen das Regenwasser über Klippen brauste, -überbrückt werden. Erst am 15. April, am Tage vor Ostern, waren die -bedeutendsten Schwierigkeiten überwunden und erfuhr Cortes hoch -erfreut, daß er nur noch einige Tagereisen von der durch Gil Gonzalez -in Nito gegründeten Niederlassung entfernt sei. Man war also endlich -bis in die Nähe des Golfs von Honduras vorgedrungen und hatte den -Polochic erreicht, der sich in den Golfo dulce ergießt und aus diesem, -nach einer zweiten seenartigen Erweiterung als Rio dulce in die Bucht -von Amatique, den innern Theil des Golfes von Honduras, fällt. Die -spanische Colonie konnte allerdings den heranziehenden Truppen keine -Unterstützung gewähren, denn fast alle Ansiedler lagen fieberkrank -darnieder und litten Mangel, so daß ohne Cortes’ Dazwischenkunft ihr -Schicksal besiegelt schien. Statt also mit dem Reste seiner noch -kriegstüchtigen Mannschaft sofort weiter auf Olid’s Niederlassung -marschiren zu können, mußten zunächst für die Truppen und Colonisten -neue Vorräthe vom Golfo dulce herbeigeschafft werden. Uebrigens hoffte -Cortes bei dieser Gelegenheit mancherlei nützliche Entdeckungen im -Binnenlande machen zu können. Er unternahm diese Fahrt mit einer -Brigantine, zwei Böten und vier Canoes. In dem tiefen Fahrwasser des -Rio dulce, der zwischen 100 Meter hohen malerischen Felswänden in den -See mündet, gelangte die kleine Flotille, gegen den Strom rudernd, -in einer anstrengenden Fahrt von zwei Nächten und einem Tage zu der -ersten nur zwei Leguas vom Meere entfernten Flußerweiterung, einem -von sumpfigen Ufern umgebenen Flußsee, und von hier nach 24 stündiger -Arbeit durch die zweite Flußenge in den Golfo dulce oder den See von -Izabal, wie er nach einem neuerdings an der Südseite angelegten Orte -benannt wird. Dieser See, welcher etwa 30 engl. Meilen lang und 12 -Meilen breit ist, wird von hohen Bergketten umrahmt. Am südlichen Ufer -ging Cortes ans Land, fand aber das erste Dorf verlassen; denn offenbar -hatten die Indianer die Fahrzeuge ankommen sehen und sich geflüchtet. -Nur ein einziger rauher Bergpfad führte südlich vom See an den -Micobergen entlang nach Westen. Unter Führung von zwei eingefangenen -Indianern folgte man dem Pfade, mußte auf dem Steilgehänge theilweise -auf Händen und Füßen weiter klettern, mehrere Bergströme durchwaten -und endlich, von Moskitos gepeinigt, unter Sturm und Regen die Nacht -zubringen. In der Morgendämmerung wurde das nächste Dorf überfallen; -da es aber wenig Lebensmittel bot, erkundigte sich Cortes nach -größeren Ortschaften und gelangte endlich nach Chacujal.[409] Eine -Stadt von dieser Ausdehnung mit Tempeln, Steingebäuden und großem -Platze hatte man seit Acalan nicht mehr angetroffen. Es schien daher -zweifelhaft, ob man mit der geringen Mannschaft den volkreichen Ort -werde bezwingen können. Einige riethen zur Umkehr, aber Cortes hoffte -durch Verwegenheit die Einwohner zu entwaffnen. Er überfiel den Ort -bei Nacht, vertrieb die Bewohner und bemächtigte sich der reichen -Vorräthe an trocknem Mais, Cacao, Bohnen, Pfeffer, Salz, Hühnern und -einer Art Fasanen, die man in Käfigen hielt; außerdem fand man hübsche -Webstoffe und rohe Baumwolle. Hier blieb die kleine Schar 18 Tage, ging -dann nordwärts ins Thal des Polochic hinab und holte, da sich der Fluß -schiffbar erwies, ein Boot und ein Canoe vom Golfo dulce herauf, um bei -dem Transporte von Lebensmitteln Hilfe zu leisten. Cortes ließ dann -vier Flöße bauen, um die Lebensmittel, namentlich Mais, auf dem Fluß -herunter zu schaffen. Da man während der Fahrt auf dem Wasser erwartete -von den Indianern angegriffen zu werden, so wurde die Mannschaft -getheilt und begleitete entweder die Schiffsfracht oder ging zu Lande -an den See (Golfo dulce) hinunter, wo ein Sammelplatz bestimmt war. -Cortes selbst überwachte die Beförderung der Vorräthe auf den Flößen. -Das Canoe wurde vorausgesandt, um nach etwaigen Hinterhalten der -Indianer auszuspähen, dann folgten die Flöße und zuletzt das Boot, -in welchem Cortes mit zwei Armbrustschützen sich befand, um, wenn -nöthig, den Flößen beispringen zu können. Die Flußfahrt war gefährlich, -sowohl wegen der bedeutenden Strömung, als auch wegen der Angriffe der -Indianer. Gegen Abend stieß ein Floß so heftig gegen einen im Flußbett -festsitzenden Baumstamm, daß es ganz untertauchte und die Hälfte der -Ladung verlor. Bei einer Wendung des Stroms, wo die Fahrzeuge durch den -Strudel hart an den einen Uferrand getrieben wurden, erwarteten sie -die Indianer und überschütteten sie mit einem Hagel von Geschossen, so -daß fast alle Spanier verwundet wurden. Cortes selbst, der seinen Helm -abgenommen, erhielt einen Steinwurf an den Kopf. Glücklicherweise war -das Wasser an jener Stelle tief, die Ufer hoch, so daß die Fahrzeuge -in wenigen Minuten an dem Hinterhalte vorbeigetrieben wurden. Auch -war die Nacht zu dunkel, um den Angreifern deutliche Zielpunkte -für ihre Geschosse zu zeigen. Am nächsten Tage erreichte man den -Golfo dulce und fand die Brigantine zur Stelle. Die von den Flößen -hinübergeschafften Vorräthe wurden aus den Maisfeldern am See, wo -inzwischen das Getreide zur Reife gelangt war, noch vervollständigt, -und als die von Chacujal zu Lande kommende Schar ebenfalls eingetroffen -war, kehrte die Expedition, nach Verlauf von 25 Tagen, befriedigt zur -Niederlassung an der Bai St. Andres zurück. Der Platz der bisherigen -Ansiedlung wurde wegen seiner ungesunden Lage aufgegeben und weiter -ostwärts eine neue Stadt gegründet, welche den Namen Natividad de -nuestra señora erhielt. Dann erst brach Cortes nach dem letzten Ziel -seines mühevollen Zuges, nach Triumfo de la Cruz, der Niederlassung -Olid’s, auf. Hier erfuhr er den Tod seines ungetreuen Vasallen; das -ganze Unternehmen erwies sich somit eigentlich als unnöthig. Aber -unermüdlich, und trotz aller Strapazen immer noch mit weiter gehenden -Plänen beschäftigt, hoffte er die Küste von Honduras zum Ausgangspunkt -weiterer Eroberungen zu machen. Die Indianer der Umgebung von Trujillo, -dessen Hafen sich besonders günstig erwies, wußte er zu beruhigen, -so daß sie den Platz wieder mit Lebensmitteln versorgten, und befuhr -die weiter nach Osten streichenden Küsten, um auch Nicaragua seinem -Colonialreiche einzuverleiben. Allein diese Unternehmung fand einen -vorzeitigen Abschluß, weil in Mexiko Unruhen ausgebrochen waren, da -sich das Gerücht verbreitet hatte, Cortes sei in den Sümpfen von -Chiapas, südlich von Tabasco, mit seinem ganzen Heere umgekommen. Er -wollte rasch zu Schiffe die Rhede von Vera Cruz zu erreichen suchen, -aber zweimal trieb der Sturm das Fahrzeug mit gebrochenem Maste an die -Küste zurück. Cortes lag am Fieber schwer krank darnieder. Erst am 25. -April 1526 konnte er Honduras verlassen, erreichte Ende Mai Vera Cruz -und hielt im Juni seinen festlichen Einzug in Mexiko. - -Vier Wochen später langte Luis Ponçe de Leon als Bevollmächtigter der -spanischen Regierung dort an, um die von den Widersachern des Cortes -vorgebrachten Klagen über Verschwendung der Staatsgelder zu unnützen -Unternehmungen zu untersuchen und die Civilverwaltung von Neuspanien -zu übernehmen. Man hatte in Europa sogar das verleumderische Gerücht -verbreitet, Cortes wolle sich ganz unabhängig machen. Da aber Ponçe de -Leon, dessen trefflicher, unparteiischer Charakter gerühmt wird, leider -bald starb, so folgte ihm zuerst Marcos de Aguilar und nach dessen -Tode der Schatzmeister Estrada, welcher, voll feindlicher Gesinnung, -danach trachtete, den Eroberer von Mexiko zu demüthigen; er verbannte -ihn aus der Hauptstadt, und wenn er auch bald darauf diesen Befehl -zurücknahm und sich mit Cortes zu versöhnen suchte, so vermied dieser -doch absichtlich, die Stadt Mexiko zu betreten.[410] - - -25. Cortes’ spätere Unternehmungen und sein Tod. - -Um den unaufhörlichen Verleumdungen und Beschuldigungen, welche seine -Feinde in Spanien gegen ihn erhoben und welche darin gipfelten, daß er -den Tod der kaiserlichen Statthalter durch Gift veranlaßt habe, auf das -kräftigste entgegentreten zu können, beschloß Cortes, sich persönlich -nach Spanien zu begeben, um mündlich seine Sache zu führen und sich zu -rechtfertigen. In seinem Gefolge befanden sich mehrere treuergebene -Ritter, namentlich Sandoval, sodann die Söhne der Fürsten von Tlascala, -eine Anzahl Gaukler, indianische Tänzer und Zwerge, von denen einige -später dem Papste verehrt wurden, und endlich Proben von verschiedenen -merkwürdigen Landesprodukten, dazu kam noch eine reiche Sammlung von -Edelsteinen, 200,000 ~pesos d’oro~ und 1500 Mark Silber. Die Fahrt ging -rasch von statten und in 41 Tagen segelte er, ohne irgendwo anzuhalten, -über den Ocean und landete im December 1527 bei dem Kloster La Rabida -vor Palos. Dort traf er mit Franz Pizarro zusammen, welcher ebenfalls -in die Heimat geeilt war, um für seine kühnen Eroberungspläne sich die -Unterstützung der Regierung zu sichern und die Geldmittel aufzutreiben. -Cortes erlitt kurz nach seiner Landung einen schmerzlichen Verlust, -denn es starb sein treuer Waffenbruder Gonzalo de Sandoval, welcher -bereits krank ans Land gebracht war, kurze Zeit darauf in Palos, im -kräftigsten Mannesalter, erst 31 Jahre alt. Er war der ausgezeichnetste -unter den Gefährten des Cortes; in seinem 22. Jahre kam er nach Mexiko -und erwies sich überaus tapfer und entschlossen. Sein grades, offnes -Wesen, sein schlichtes Aeußere, seine ritterliche Freigebigkeit bei -der Austheilung der Beute, seine Besonnenheit und Ruhe in der Gefahr, -machten ihn zum Liebling aller Soldaten. Und wenn man auch hie und da -seine Art zu sprechen -- er stieß nämlich mit der Zunge an -- im Lager -nachahmte; seine Befehle wurden befolgt, sein Vorbild riß die Lässigen -mit fort. Cortes verlor in ihm seine zuverlässigste Stütze. - -In Toledo empfing ihn Karl V. in glänzender Audienz und ließ ihm auch -die Urkunde[411] über seine bereits 1522 erfolgte Ernennung zum Marques -de Valle (nämlich Oaxaca) aushändigen, wobei ihm in diesem schönsten -Theile Neuspaniens große Ländereien als Eigenthum überwiesen wurden. -Aber die Regierung von Mexiko erhielt er nicht zurück, sondern nur das -Commando über die Militärmacht. Im Frühjahr 1530 kehrte er, vor seinen -Feinden allerdings gerechtfertigt, aber doch unbefriedigt, weil ihm -die Civilverwaltung entzogen war, nach Mexiko zurück und beschäftigte -sich einige Jahre auf seinen Gütern, namentlich in Cuernavaca, südlich -von der Hauptstadt, mit dem Landbau, bis er im Jahre 1532 seine -Entdeckungen in dem westlichen Ocean wieder ausnahm. - -Die erste von ihm ausgerüstete Expedition ging unter seinem Vetter -+Diego Hurtado de Mendoza+ am 30. Juni 1532 mit zwei Schiffen von -Acapulco aus, ging an der Westküste nach Norden, entdeckte die kleine -Inselgruppe der „drei Marien“ (~las tres Marias~) zwischen 21 und 22° -n. Br., erreichte weiterhin Culiacan in Sonora, welches in späteren -Zeiten der Ausgangspunkt merkwürdiger Entdeckungszüge wurde und segelte -von da nach der Küste der Halbinsel Californien hinüber. Dort brach -unter dem Schiffsvolk eine Meuterei aus, der Capitän Mendoza wurde -erschlagen, die beiden Schiffe trennten sich, das Hauptschiff mit den -Meuterern blieb verschollen, das andere kehrte nach Jalisco zurück. - -Auch die zweite Expedition, welche bereits im October 1533 segelfertig -war, wurde von Misgeschick verfolgt. Die beiden Schiffe, welche am -30. October von St. Jago (19° n. Br.) ausgingen, wurden schon am -nächsten Tage durch Sturm getrennt und vereinigten sich nicht wieder. -Der Capitän des Hauptschiffes, +Diego Bezerra+, wurde von seinem -Lotsen Fortun Ximenes im Schlaf überfallen und getödtet. Dann steuerte -dieser nach Californien hinüber, wurde aber bei seiner Landung in -der Bai von Sa. Cruz (jetzt Bahia de la Paz) mit etwa zwanzig seiner -Leute von Indianern erschlagen. Die übrige Mannschaft kehrte darauf -nach dem Hafen von Chamatla, südlich von Mazatlan, zurück. Das andere -Schiff unter Hernando de Grijalva und dem Portugiesen Martin de Acosta -als Pilot suchte zuerst nach dem Sturm das Hauptschiff in südlicher -Richtung, angeblich bis 13½° n. Br.,[412] wandte sich am 9. November -wieder nordwärts, kam aber, von Windstillen aufgehalten, nur langsam -vorwärts, ging am 7. December über den Wendekreis und entdeckte, sich -wiederum nach S.-W. wendend, am 28. December die Revilla-Gigedo-Gruppe, -deren Hauptinsel San Tomas (jetzt Socorro) genannt wurde. Nachdem man -durch Errichtung eines Kreuzes von der Entdeckung Besitz genommen, ging -man an die Küste Neuspaniens zurück und lief im Januar 1534 in den -Hafen von Zacatula (18° n. Br.) ein. - -Da die bisherigen Resultate den Erwartungen, welche +Cortes+ von -diesen Fahrten gehegt hatte, zu wenig entsprachen, so machte er sich -im Jahre 1535 selbst auf mit drei Schiffen, welche er in Tehuantepec -hatte bauen lassen und nach Chamatla (Chiametlan, 23° n. Br.) schickte, -wo er sich an Bord begab und am 15. April 1535 unter Segel ging. Am -3. Mai erreichte er die Friedensbucht an der Halbinsel Californien -und fand dort den Tod des Lotsen Ximenes bestätigt. Seine Versuche, -sich dort festzusetzen, schlugen, bei der Unfruchtbarkeit des Landes, -fehl. Von hier ging er noch 50 Meilen in den Golf von Californien -nordwärts, lief auf der Rückkehr noch einmal in der Friedensbucht an, -verlor aber, da die Lebensmittel ausgingen, viel Mannschaft; denn die -wenigen Eingebornen, welche man antraf, nährten sich kärglich nur vom -Fischfange. Man hatte ihn in Mexiko bereits aufgegeben, als er im -Anfang des Jahres 1537 nach Acapulco zurückkam. Trotz aller Miserfolge -schickte Cortes im nächsten Jahre noch einmal den +Francisco Ulloa+ -von Acapulco ab. Eins von den drei Schiffen ging kurz nach der Abfahrt -(8. Juli 1538) unter, die beiden andern steuerten nach der Halbinsel -Californien und erreichten an der Westseite die Punta del Engaño[413] -(Cabo bajo), unter 21½° n. B. Da das eine der beiden Schiffe stark -beschädigt war, so ging es nach der Westküste von Mexiko zurück, wo -es glücklich anlangte. Ulloa setzte in der „Trinidad“ allein seine -Entdeckungsfahrt fort und kehrte nicht zurück. - -Cortes blieb trotz aller Unglücksfälle unerschütterlich. Das Glück -versagte ihm beharrlich auf dem Meere die Ruhmestitel, womit es seine -Unternehmungen zu Lande ausgezeichnet hatte. Wenn daher der Vicekönig -von Neuspanien, Mendoza, ihm nicht gestatten wollte, dem westlichen -Ocean weitere Opfer zu bringen, so fühlte sich Cortes dadurch in seinem -eigentlichen Amte als Oberfeldherr und Befehlshaber an der Küste der -Südsee beeinträchtigt. Sein Geist war viel zu lebhaft, um sich in -müßiger Ruhe dem Genusse des Errungenen hinzugeben. Um die Entscheidung -über seine Differenz mit dem Vicekönig dem König vorzulegen, ging er -1540 zum zweitenmale nach Spanien. Aber Karl V. empfing ihn ziemlich -kühl, und so blieb Cortes, nachdem er 1541 an Karls Feldzug gegen -Algier theilgenommen hatte, jahrelang auf günstigen Bescheid hoffend in -Spanien, bis er am 2. December 1547 in Castilleja de la Cuesta, einem -Dorfe bei Sevilla, starb. Er war 63 Jahre alt geworden. Sein Schicksal -erinnert an das des Columbus. In den späteren Jahren war sein Name -schon halb vergessen und durch den Glanz des peruanischen Goldes auch -sein Ruhm verdunkelt. Er starb wie Columbus, in beständiger Erwartung, -wieder in seine Rechte eingesetzt zu werden. Die Sonne, die im Zenith -gestrahlt und am Abend hinter Wolken untergeht, ist ein treffendes -Bild, welches auf beide Entdecker paßt. Aber Cortes war ein reicher -Mann geworden, Columbus starb in Dürftigkeit. Seine Gebeine wurden 1562 -nach Neuspanien und zwar nach Tezcuco gebracht, dann 1629 in der Kirche -des heiligen Francisco in Mexiko beigesetzt und 1794 in das von ihm -gegründete Hospital Jesus von Nazareth übergeführt. Von hier wurden -die irdischen Überreste 1823 während des Aufstandes entfernt, man weiß -nicht, wohin? Seine männlichen Nachkommen starben im vierten Gliede aus. - -[Illustration: Rüstung von Ferdinand Cortes (Madrid, Waffenmuseum).] - -Cortes war von hoher kräftiger Gestalt, der Ausdruck seines bleichen -Gesichtes war gewöhnlich ernst; er trug einen dünnen, schwarzen Bart, -den er in späteren Jahren, als er ergraute, zu färben liebte. Er -war ein vorzüglicher Reiter und in jeder Kampfesart, zu Fuß oder zu -Roß, sehr gewandt. Als junger Mann soll er auf Hispaniola manchen -Liebeshandel mit Frauen und manchen Degenkampf mit Männern bestanden -haben. Bei einer solchen Gelegenheit war er im Gesicht verwundet und -trug davon am Kinn eine Narbe, welche der Bart nicht ganz verdeckte. -Karten- und Würfelspiel liebte er auch noch im Lager, aber er -blieb dabei stets, auch wenn er verlor, guter Laune. Seine äußere -Erscheinung, seine Haltung, sein Gang, sein Benehmen verriethen den -Mann von hohem Stande. Er kleidete sich einfach und trug als einzigen -Schmuck immer dieselbe zierliche Goldkette mit dem Bilde der Mutter -Gottes. Auf der Universität hatte er sich den Grad eines Baccalaureus -der Rechte erworben, und durch diese seine wissenschaftliche Bildung -überragte er alle seine Kriegsgenossen und sämmtliche Conquistadoren, -welche sich in der neuen Welt als Heerführer einen Namen erwarben. Mit -gelehrten Leuten verstand er Lateinisch zu reden. Er schrieb fließend -und gewandt und pflegte seine Briefe mit lateinischen Citaten zu -schmücken. Seine ausführlichen Berichte an den König Karl, in denen -er eine klare Darstellung seiner Kriegsthaten gegeben, gehören zu den -werthvollsten Urkunden der Geschichte der spanischen Eroberungen, sie -fesseln durch die Schlichtheit und Natürlichkeit, welche den Stempel -der Wahrheit an sich trägt. Sie zeigen uns den ganzen Mann, klar und -entschieden in seinem Wollen, umsichtig in seinen Plänen, rastlos -thätig, immer bemüht zu schaffen, zu ordnen. Denn er war Feldherr und -Staatsmann zugleich und besaß einen weiten politischen Blick. - -Als Heerführer im Kampfe war er kühn, fast tollkühn. In der Schlacht -zeigte er sich stets allen voran und gerieth dabei mehrfach in -höchste Lebensgefahr. Bei seinen kriegerischen Unternehmungen war er -unbeugsam, es mochte kosten was es wollte, und er ließ trotz aller -gutgemeinten, aber ängstlichen Rathschläge nicht ab, bis er sein Ziel -erreicht. Manches Beispiel seiner treffenden Reden, mit denen er in -gefährlicher Lage sein Kriegsvolk zu ermuntern pflegte, hat uns Bernal -Diaz aufbewahrt. Wenn seine Soldaten unruhig und mismuthig wurden und -ihn durch ihre Reden in Zorn brachten, dann schwoll ihm eine Ader am -Hals und an der Stirn, er warf wohl auch in der Aufregung den Mantel -von sich, aber nie ließ er ein Schimpfwort hören. Redete ihn jemand -ungebührlich an, so rief er, ohne heftig zu werden. „Schweigt!“ oder -„Geht in Gottes Namen und besinnt Euch eines Besseren, daß Eure Rede -Euch nicht bösen Lohn bringt.“ Sein gewöhnlicher Schwur war: „Auf -mein Gewissen!“ Schlagfertig in seinen Antworten, setzte er unter -die Spottverse, welche man nach der Eroberung Mexiko’s, enttäuscht -über die geringe Beute an Gold, in der Nähe von Cortes’ Wohnung an die -Wand geschrieben hatte, sofort seine Erwiderung in Versen und brachte -dadurch die Murrenden zum Schweigen. Im Dienste war er sehr pünktlich -und inspicirte die Wachen selbst bei Nacht persönlich. Wo er Unordnung -fand, nannte er die Leute räudige Schafe, denen die eigne Wolle zur -Last sei. - -Im Beginn seines Feldzuges gegen Mexiko war es ein staatskluger -Schritt von der höchsten Wichtigkeit, daß er nach mehreren Siegen das -tapfere Volk der Tlascalaner für seine Partei zu gewinnen wußte. Aber -der romantische Zug, welcher der ganzen spanische Ritterschaft jener -Zeit im hohen Grade eigen war, ließ ihn auch nach der Eroberung des -aztekischen Reiches noch nicht zur Ruhe kommen. Der Gedanke einer -mittelamerikanischen Meerenge, welche sein Neuspanien unmittelbar an -die Hauptstraße des beginnenden Weltverkehrs verlegen sollte, trieb -ihn nach Honduras und Californien. Und erst als ihm die Weiterführung -dieser, wie wir jetzt erkennen, fruchtlosen Unternehmungen versagt -wurde, zog er sich von dem Schauplatze seiner Thätigkeit zurück. Die -Anerkennung aber seiner Verdienste um die spanische Krone findet ihren -charakteristischen Ausdruck in dem Wappen, welches ihm Kaiser Karl am -7. März 1525 verlieh. Das Wappenschild (~escudo de armas~) des Marques -de Valle umfaßt vier Mittelfelder, rechts oben den kaiserlichen, -doppelköpfigen schwarzen Adler, darunter rechts unten einen goldenen -Löwen in rothem Felde, um den Löwenmuth des Cortes anzudeuten. -Links oben zeigten sich drei goldene Kronen auf schwarzem Grunde, -sie stellten die drei mexikanischen Könige vor. Im letzten Felde, -links unten, erschien die Stadt Mexiko. Rings um den vierfeldigen -Mittelschild standen die Köpfe der sieben bezwungenen Fürsten im -goldenen Felde, durch eine goldene Fessel an einander gekettet. So -waren seine Thaten auf dem Wappenschild verherrlicht. Wenn ihm in -späteren Jahren die Verwaltung von Neuspanien entzogen wurde und nur -das Heer untergeben blieb, so liegt die Ursache dieser für Cortes -demüthigenden Maßregel der Regierung wohl weniger in dem Einfluß der -Verleumdungen und Intriguen seiner Feinde, als in der Erwägung, daß -Cortes sich durch einen ungesetzmäßigen Schritt von dem Statthalter -von Cuba losgerissen hatte, und daß man für die Folgezeit den Act der -Felonie nicht sanctioniren wollte. Dessen ungeachtet bleibt Cortes -eine der anziehendsten Gestalten in der Geschichte der spanischen -Eroberungen. - - -26. Die Unternehmungen gegen Florida und die Küsten von Nordamerika. - -Im weiten Umkreise des mexikanischen Golfes hatten die nördlichen -Gestade längere Zeit weniger Beachtung gefunden und die Eroberungslust -der Spanier nicht gereizt. Nach dem ersten Versuche Juan Ponçe’s -(s. S. 355) im Jahre 1513 war die Aufmerksamkeit der Eroberer mehr -nach den im Südwesten der Antillen gelegenen Regionen gerichtet, als -nach Nordosten und Norden, bis in den Jahren 1519 und 1520 kurz nach -einander mehrere Expeditionen ausliefen, um in jenen Gebieten festen -Fuß zu fassen oder Menschenjagden anzustellen. +Juan Ponçe+ versuchte -1520 noch einmal mit 200 Mann sich auf Florida festzusetzen, wurde aber -von den kriegerischen Einwohnern, welche ausgezeichnete Bogenschützen -waren, so energisch abgewiesen, daß er, selbst schwer verwundet, seinen -Plan aufgeben und nach Cuba zurückweichen mußte, wo er seinen Wunden -erlag. - -Fast um dieselbe Zeit schickte der Licentiat +Lucas Vasquez Ayllon+ -von Haiti aus zwei Schiffe an die Ostküste von Florida, um Indianer -einzufangen, welche auf den Antillen als Arbeiter verwendet werden -sollten. Der Küstenstrich am atlantischen Ocean etwa zwischen 32 -und 34° n. Br. hieß bei den Eingebornen Chicora und Gualdape. Man -benannte dort die S. Helenabai[414] und den Jordanfluß, welcher, -nach Vergleich der älteren Seekarten, mit dem Flusse von Charleston -identisch zu sein scheint. Das Land machte einen so günstigen Eindruck, -daß Ayllon, dem Bericht seines ausgesandten Piloten trauend, sich in -dem Land festzusetzen beschloß und sich mit dem indischen Amte in -Spanien in Verbindung setzte, worauf er von diesem unter dem Titel -eines Adelantado die Ermächtigung erhielt, jene Länder zu erobern. Er -verpflichtete sich zu gleicher Zeit, die Küsten weiterhin zu erforschen -und namentlich nach einer Meeresstraße auszuspähen, welche den -östlichen und westlichen Ocean verbinden sollte. - -Im Jahre 1526 segelte er mit sechs Schiffen und 500 Mann nach dem -Jordanflusse; bei der Einfahrt in denselben ging sein Hauptschiff sammt -allen Vorräthen unter. Die indianischen Dolmetscher, welche man zur -Verständigung mit den Eingeborenen mitgebracht hatte, entflohen und -ließen die Spanier rathlos am Strande, dessen niedriger, unfruchtbarer -Boden ihren Erwartungen keineswegs entsprach. Man versuchte etwa 40 -Meilen weiter nordwärts bessere, günstigere Verhältnisse zu finden, -ging dahin unter Segel und lief in einen seichten Fluß ein, dessen -Barre nur mittelst der Flut zu passiren war. Das Land war fruchtbarer, -aber auch ungesund. Viele der neuen Ankömmlinge starben noch in -demselben Sommer; im Herbst (18. October) 1526 erlag auch Ayllon, und -nun hielt sich die auf 150 Mann zusammengeschmolzene Schar nicht weiter -verpflichtet, sondern verließ den ungastlichen Strand und kehrte nach -Westindien zurück. Lange Zeit noch heißt diese Gegend auf den Karten -Ayllon’s Land, aber weitere Colonisationsversuche wurden nicht gemacht. - -Die Nordküste des mexikanischen Golfes enthüllt zu haben, ist das -Verdienst des Statthalters von Jamaica, +Francisco de Garay+, welcher -bereits die zweite Fahrt des Columbus mitgemacht hatte und nun -von dessen Sohne mit der Verwaltung von Jamaica betraut war. Garay -entsandte den tüchtigen Capitän +Alonso Alvarez de Pineda+ mit vier -Schiffen, um einen größeren Golf oder eine Meeresstraße in dem -Festlande zu entdecken.[415] Pineda begann seine Küstenaufnahme am -Nordende der Halbinsel Florida bei der Apallacheebucht und verwendete, -alle Krümmen der Küste genau vermessend, 8 bis 9 Monate darauf, ehe er -an die Grenzdistrikte von Mexiko gelangte. Das Land war anmuthig, die -Indianer, welche mit den Seefahrern friedlich verkehrten, nannten es -Amichel. Man berührte eine größere Anzahl indianischer Ortschaften, -glaubte auch in den Flüssen Spuren von Gold zu entdecken, war entzückt, -dieses Metall bei den Eingeborenen vielfach als Schmuck verwendet zu -finden und lief auch mehrere Meilen weit in einen mächtigen Strom -hinein, dem der Name Rio del Espiritu santo ertheilt wurde. Ohne -Zweifel haben wir in diesem „Heiligengeist-Flusse“ den Mississippi vor -uns. Dort blieb die Flotille 40 Tage. Daß die Entdecker in der Freude -über ihren Fund die Natur des Landes zu günstig beurtheilten, oder in -Bezug auf das Vorkommen von Gold sich angenehmen Selbsttäuschungen -hingaben, hat sich zu oft wiederholt, um besonders aufzufallen; allein -wenn sogar auch die einheimischen Menschenstämme in Giganten und Zwerge -zerfallen sollten, so wären solche Berichte wohl geeignet gewesen, -besonneneres Urtheil und ruhige Erwägung zu veranlassen, sofern es sich -um weitere Ausdehnung der Eroberungspläne handelte; allein grade das -Wunderbare in diesen Berichten lockte an und reizte die Habgier der -Spanier. - -Pineda fuhr vom Mississippi bis in die Gegend von Vera Cruz, wo bei -einer Landung ein Theil seiner Leute dem Cortes in die Hände fiel. -Hier mußte bald eine bestimmte Grenze zwischen dem Garay-Lande und -Cortes-Lande (Mexiko) gezogen werden. Die Krone Spaniens entschied, -daß der Rio Panuco (Tampico) die Gebiete der beiden Eroberer scheiden -solle. Im Jahre 1523 ging nun Garay selbst mit elf Schiffen und -bedeutender Mannschaft nach dem Palmenflusse, nördlich von Panuco, um -dort eine Niederlassung in der Nähe von Mexiko zu gründen. Aber kaum -waren die Truppen gelandet, so lief bereits ein Theil zu Cortes über, -unter dessen Fahnen mehr Beute in Aussicht stand. Garay selbst mußte -sich seinem glücklichen Rivalen ebenfalls ergeben, blieb im Lande und -starb in Mexiko. Nach seinem Tode verlieh der König von Spanien die -nördliche Golfküste an Narvaez. - -+Pamfilo de Narvaez+ faßte 1528 die Eroberung dieses Gebietes von neuem -ins Auge. Cortes gegenüber hatte er zwar eine empfindliche Schlappe -erlitten und in dem nächtlichen Kampf ein Auge verloren; allein sein -Unternehmungsgeist erwachte wieder. Sein Name hatte immer noch Klang -genug, um Mannschaften, welche das Abenteurerleben nach der neuen -Welt hinübergeführt hatte, unter seiner Fahne zu sammeln. Er ging mit -400 Mann und 80 Pferden in vier Schiffen nach dem Hafen Sa. Cruz in -Florida, wahrscheinlich an der Tampa-Bai, 28° n. Br., hinüber, landete -mit 300 Mann und zog, während die Schiffe an der Küste folgen sollten, -parallel dem Meeresstrande nordwärts und ins Innere. Am 26. Juni -erreichte er die Indianerstadt Apalachee (der Name haftet vielleicht -noch an der Apalacheebai im Norden von Florida), rastete dort fast vier -Wochen und zog von da weiter nach +Aute+. Nachdem sie von hier aus -mehrere Tagereisen weite Streifzüge nach Westen unternommen hatten, -ohne dabei Gold oder Anzeichen dieses begierig gesuchten Metalles -entdeckt zu haben, wandten sie sich der See zu, in der Hoffnung, -ihre Schiffe zu finden; aber diese hatten fast ein ganzes Jahr lang -an der Küste weiter westlich nach dem ins Binnenland eingedrungenen -Heere gesucht und waren dann unverrichteter Sache zum Theil nach Cuba -zurückgekehrt. Einige Schiffe gingen unter. Nach langem, vergeblichem -Harren, von Krankheiten und Noth bedrängt, mußte man sich entschließen, -fünf Böte zu bauen, auf denen man, gegen Westen am Land hinschiffend, -endlich zu spanischen Niederlassungen zu kommen hoffte. Die Schar war -bereits auf 250 Mann zusammengeschmolzen. Sieben Tage ging die Fahrt am -Gestade hin, man kam an der Mündung eines bedeutenden Flusses vorbei. -Dann wurden vier Böte bei heftig bewegter See ans Land geworfen, -während das fünfte, in dem sich der Capitän Narvaez befand, aufs Meer -hinausgetrieben wurde und dort für immer verschwand. Nur ein Theil der -Gestrandeten entrann dem Tode im Meer, rettete zwar augenblicklich -das Leben, gerieth aber, von einander getrennt und den feindlichen -Indianern gegenüber hilflos geworden, in Gefangenschaft, aus welcher -nach jahrelanger Drangsal nur vereinzelte befreit wurden. Das -merkwürdigste Schicksal hatte Alvar Nuñez Cabeça de Vaca, dessen Boot -zunächst an eine flache Küsteninsel trieb, welche den Namen Malhado -(Unglücksinsel) erhielt. Von hier rettete er sich aufs Festland, verlor -noch mehrere von seinen Begleitern, bis ihm nur noch drei Genossen: -Andres Dorantes, Alonso del Castillo Maldonado und ein Mohr, Namens -Estebanico erhalten blieben. Es gelang ihnen durch einige glückliche -Krankenheilungen das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, so daß sie -von der Küste sich ins Binnenland retten konnten, wahrscheinlich nach -dem Norden Alabama’s. Von da zogen sie gegen Westen, setzten über -einen großen Fluß,[416] den Mississippi, gingen über den Arkansas, -überschritten den Canadian oberhalb des großen Cañon (vielleicht in -derselben Gegend, wo später die Expedition Coronado’s auf dem Marsche -nach Quivira ihn berührte) und kam endlich nach langem Umherirren -durch das heutige Neumexiko und Arizona nach Culiacan, in der Nähe des -californischen Golfes, wo sie endlich im Jahre 1536 anlangten, von -Melchior Diaz, welcher in dem seit 1532 von den Spaniern besetzten -Gebiete als Befehlshaber stand, aufgenommen wurden und sich unter dem -Schutz und der Pflege ihrer Landsleute von ihrer mühseligen Wanderung -erholen konnten. - -So unglücklich auch der ganze Zug des Narvaez verlaufen war, so fand er -doch wenige Jahre, nachdem die geringen Trümmer seiner Schar den Boden -Neuspaniens erreicht hatten, einen Nachfolger, der seinen Plan wieder -aufnahm, und zwar in +Hernando de Soto+ aus Barcarroto in Estremadura, -südlich von Badajoz. Dieser ausgezeichnete Ritter hatte sich in -Goldcastilien und Nicaragua hervorgethan, war dann mit Pizarro (s. -unten, Cap. 29) nach Peru gezogen, war von diesem zum Generallieutenant -(~Teniente de Capitan general~) erhoben, hatte dann aber, in folge -des unerquicklichen Streits zwischen Pizarro und Almagro, das -südamerikanische Goldland verlassen und war nach Spanien zurückgekehrt. - -Sobald er dort mit dem Plane hervortrat, eine Expedition nach Florida -zu unternehmen, lockte der glänzende Ruf seines ritterlichen Charakters -so viele tüchtige Kräfte, selbst zahlreiche Hijosdalgo und Priester -herbei, daß er sich bald an der Spitze eines Heeres von tausend Mann -sah. Mit ihnen ging er am 6. April 1538 auf zehn Schiffen von San -Lucar nach Cuba ab, vervollständigte in Habana seine Ausrüstung und -landete am 31. Mai 1539 mit 900 Soldaten und 350 Pferden in der Bai -von Espiritu santo auf Florida. Zufällig trafen seine Begleiter einen -Landsmann, Juan Ortiz, welcher, durch die Frau des Caziken gerettet, -allein von dem Heere des Narvaez noch am Leben war. Aber über das Land -vermochte er nur wenig Auskunft zu geben, er hatte nur gehört, daß das -Binnenland wegen seiner Fruchtbarkeit sehr gerühmt werde. Indes konnte -Ortiz doch als Dolmetscher sehr nützlich werden. - -Nachdem Soto zur Bewachung der Schiffe 40 Mann zu Pferde und 80 -Mann zu Fuß zurückgelassen hatte, zog er mit seinen Truppen gegen -Nordnordwesten ins Innere des Landes. Man stieß auf Ortschaften mit -mehr als 600 Hütten, mußte auf rasch geschlagenen Brücken sich den -Weg über Flüsse und Sümpfe bahnen und hatte mehrfach feindselige -Begegnungen mit den Indianern, welche verpallisadirte Hügel besetzt -hielten. An die Flotte ging der Befehl zurück, zunächst nach Apalachee -zu segeln und von da aus 100 Meilen gegen Westen alle Buchten und -Häfen sorgfältig aufzunehmen. Soto bezog seine Winterquartiere in der -Landschaft Apalachee, wo man Lebensmittel genug fand. Im Frühjahr 1540 -rückte er gegen Norden; seinen Truppen schickte er stets gewandte -Botschafter voraus, welche von den Eingebornen nur friedlichen Durchzug -zu fordern hatten. Einer der Häuptlinge, durch dessen Gebiet man zog, -der Cazike von Cofachi (Cofaqui), führte als Waffe ein mächtiges, -zweihändiges Holzschwert. Wiederum ging es über große und kleine -Flüsse nordwärts und nordostwärts. Als man an den Xuala gelangte, -hielten die Seeleute, welche an dem Zuge theilnahmen, denselben für -den nämlichen, dessen Mündung an der Ostküste Ayllon mit dem Namen -Santa Elena belegt hatte,[417] weiter nordwärts kam man in die Nähe von -Kupferminen.[418] Dann scheint der Marsch mitten durch Alabama nach -Westen gegangen zu sein. In der dichtbewohnten, fruchtbaren Landschaft -Coça (Cossa) machten sie eine zwölftägige Rast und rückten weiter nach -dem befestigten Talisse im Gebiete des Tascaluço. Dieser Häuptling war -ein Riese von Gestalt. Er erbot sich, das spanische Heer eine Zeitlang -zu begleiten, und bat deshalb um ein Pferd. Soto gab ihm eines von -seinen Lastpferden. Als er darauf saß, reichten seine Füße fast bis -auf die Erde.[419] Tascaluço führte seine Gäste verrätherischer Weise -zu einer starken indianischen Festung, Mavila (Mobile), um sie dort zu -überfallen. In den 80 casernenartig großen Häusern der Festung sollen -sich je 1000 Krieger befunden haben. Die Spanier waren arglos in den -Ort eingerückt, zogen sich aber, als sie die drohende Gefahr bemerkten, -zurück und griffen von außen die Pallisadenverschanzung an, schlugen -die Holzpforten mit Beilen ein und legten Feuer an die Häuser. Soto -wurde im Kampfe verwundet, blieb aber im Gefecht, um seine Leute nicht -zu entmuthigen. Selbst die indianischen Weiber nahmen am Kampfe theil; -als aber das Feuer mehr um sich griff, sprangen die Vertheidiger von -den Wällen herab und suchten sich durch die Flucht zu retten. Der Kampf -dauerte neun Stunden. Die Spanier verloren 83 Mann, theils im Gefecht, -theils an den Wunden, da es an jeglicher Pflege fehlte. Dazu büßte -man 45 Pferde ein. Der Verlust, den die Indianer erlitten, wird auf -11,000 Mann angegeben. Mehr als 3000 Todte zählte man in den Straßen -der Festung, über 4000 sollen im Feuer umgekommen sein. Den Körper des -Verräthers Tascaluço fand man nicht, man nahm für gewiß an, daß er den -verdienten Tod in den Flammen gefunden habe und mit verbrannt sei. - -Der bedeutende Verlust, den die Spanier erlitten hatten, machte sie -muthlos. Da man kein Gold fand und überall von einer feindseligen -Bevölkerung bedroht war, wollte man lieber heimkehren. Soto aber wollte -seinen Feldzugsplan noch nicht aufgeben, er gönnte seinen Truppen -eine vierzehntägige Rast und zog dann weiter ins Land der Chikasa. Am -Grenzflusse wehrten ihm die Indianer den Uebergang, aber Soto ließ -zwei große Böte bauen, bemannte sie mit je 40 Schützen und 10 Reitern, -ging in der Morgendämmerung über das Wasser und vertrieb die Gegner, -so daß der Haupttheil seines Heeres unbelästigt folgen konnte. In dem -Hauptorte der Landschaft, welchen man in vier Tagen erreichte und -welcher in günstiger Lage, reichlich mit Vorräthen versehen, sich für -einen längern Aufenthalt eignete, schlugen die Spanier wieder ihre -Winterquartiere auf; aber allzu sorglos hatten sie versäumt, Wachen -auszustellen. So wurden sie im Spätherbste von den Indianern bei -Nacht überrumpelt, welche ihnen die Strohdächer der Hütten über dem -Kopfe anzündeten. Soto, welcher stets in Waffen schlief, war zuerst -auf dem Platze; aber er verlor in dem nächtlichen Kampfe wiederum -40 Soldaten und büßte 50 Pferde ein, von denen 20 verbrannten. Man -mußte die Quartiere eine Meile weiter nach dem auch für die Pferde -sichereren Orte Chicacolla verlegen. Wenn auch hier unablässig von -den Eingebornen beunruhigt, behauptete sich Soto doch bis Ende März. -Unter steten Kämpfen zog er weiter, bald nach Südwesten, bald nach -Westen. Sein Marsch ging, wie es scheint, über den oberen Alabama und -am mittleren Tennessee hinab, welcher an Größe dem Guadalquibir bei -Sevilla glich, und führte ihn endlich an den Mississippi. In Verbindung -mit einem Caziken machte das Heer, welches bereits auf die Hälfte -zusammengeschmolzen war, einen Kriegszug auf 80 Canoes den Strom -hinab gegen einen feindlichen Nachbarn, dessen Hauptstadt erobert und -vernichtet wurde. In diesen Kämpfen wird auch zuerst der blutigen Sitte -der Indianer, Skalpe zu erbeuten, Erwähnung gethan. Dann ging Soto über -den Strom, fand auch jenseits noch fruchtbares Land und zahlreiche -Ortschaften. Aber in der Landschaft Quigualtangui wurde der Feldherr, -welcher bisher unermüdlich ausgeharrt hatte, vom Fieber ergriffen und -starb am 21. Mai 1541 in seinem 42. Jahre. Auf seinem Sterbelager -hatte er in Gegenwart sämmtlicher Hauptleute den +Luis de Moscoso de -Alvarado+ zu seinem Nachfolger ernannt. - -Soto war sehr beliebt gewesen bei seinen Soldaten, mit denen er alle -Mühseligkeiten ertragen hatte. Er wurde bei Nacht bestattet, damit die -Kunde seines Todes sich unter den Indianern nicht verbreite. Der Sarg -wurde in einen 19 Ellen tiefen Seitencanal des Stromes versenkt. - -Am 5. Juli rückten die Truppen in großen Tagemärschen nach Westen, -100 Meilen weit durch unfruchtbares Steppenland, dann durch -Wüsteneien, in denen sich selbst die indianischen Führer verirrten. -Da die Lebensmittel ausgingen und der neue Heerführer die ermatteten -Soldaten nicht der äußersten Gefahr in den menschenleeren Wildnissen -aussetzen wollte, so ordnete er im Angesicht der hohen Gebirge (man -hatte also den östlichen Fuß der Felsengebirge erreicht) den Rückzug -an, um den großen Strom wieder zu erreichen. Viele Soldaten fielen -auf dem Marsche, der Winter kam heran, die Lebensmittel mußten mit -Blut erkämpft werden. In den Niederungen des Mississippi mußten sie -mehreremale, weil sie nachts keine geeigneten Lagerplätze fanden, die -Reiter zu Pferde bleibend, die übrigen Soldaten, bis an die Knie im -Wasser stehend, den Morgen erwarten. Barfuß und in Thierfelle gehüllt, --- denn die europäische Kleidung war zerfetzt und zerfallen, -- -erreichten die Trümmer des Heeres im Winter, Ende November, den großen -Strom wieder, etwa 16 Meilen oberhalb der Stelle, wo sie ihn im Sommer -überschritten hatten. Man setzte sich an einem von tiefen Wassergräben -umzogenen Orte mit Gewalt fest und behauptete sich dort für den Winter. -Eine Musterung ergab nur noch 320 Mann Infanterie und 70 Pferde; aber -in folge der entsetzlichen Strapazen starben während des Winters -noch manche, unter ihnen auch Juan Ortiz, dem es nicht vergönnt sein -sollte, nachdem er so vielen Gefahren und jahrelangen Mühen entronnen -war, die Heimat wieder zu sehen. Von einem benachbarten Häuptlinge -mit Lebensmitteln und Decken versorgt, brachte man so den letzten -traurigen Winter zu, nur noch belebt durch die Hoffnung, auf dem -Wasserwege ans Meer und wieder zu spanischen Colonien zurückgelangen -zu können. Im März und April bauten sie sieben feste Böte, welche -vorn und hinten gedeckt waren. Aber die gewaltigen Frühjahrsfluten -des Riesenstromes verzögerten noch wochenlang die Abfahrt. Das Wasser -begann am 10. März zu steigen und überschwemmte vom 20. April an das -ganze, weite Flußthal, so daß noch am 20. Mai die Straßen des Ortes -nicht gangbar waren. Erst am Johannistage waren die Böte mit Vorräthen -hinlänglich versorgt, und in den letzten Tagen des Juni konnte man -sich einschiffen. In jedem Boote befanden sich etwa fünfzig Spanier -und vier Indianer (Männer und Weiber), welche freiwillig die Fahrt -mitmachten. Die Vorbereitungen waren den südlichen Anwohnern des -Stromes nicht entgangen, sie beschlossen den Fremden den Durchzug zu -wehren. Mit 1000 Kriegscanoes, darunter manche mit 25 Rudern an jeder -Seite, versperrten sie den Spaniern die Wasserstraße. Die Krieger waren -meist schwarz und blau bemalt, und die Canoes trugen die entsprechende -Farbe. Die spanischen Böte mußten sich mitten durch die übermächtige -feindliche Flotte den Weg bahnen, Verfolgung und Kampf dauerte zehn -Tage lang, wobei mancher Spanier noch das Leben einbüßte. Dann erst -konnten sie ungehemmt weiter segeln. Der Strom wurde so breit, daß man -von der Mitte aus kaum die niedrigen Ufer sehen konnte. Am 19. Tage -der Fahrt erreichten sie das Meer und beschlossen nun, ohne Compaß -und ohne Karten, am Gestade nach Westen steuernd, zu versuchen, ob -sie Neuspanien fänden. Einen Tag lang war das Meer von den Fluten -des Mississippi noch mit süßem Wasser bedeckt. Dreiundfünfzig Tage -segelten sie am Lande hin, ergänzten ihre Vorräthe durch ergiebigen -Fischfang und nahmen von Zeit zu Zeit an der Küste frisches Wasser -ein. Gegen das Ende der im allgemeinen äußerst günstigen Fahrt wurde -die Flottille von Sturm und heftigen Regengüssen überfallen, welche -die Böte zu füllen und zu versenken drohten. Ohne Schlaf und Speise -mußten die Seefahrer 26 Stunden bei ununterbrochner Arbeit ausharren, -ehe es ihnen gelang, einen Landungsplatz zu finden. Da sie hofften, nun -endlich bald in das Gebiet von Neuspanien zu gelangen, so verließen -sie ihre Schiffe und marschirten am Strande gegen Süden. Nach einer -Wanderung von 13 oder 14 Meilen war die ganze Schar von Entbehrungen -und Hunger so erschöpft, daß man sich lagern mußte. Fast am Ziel und -doch, wie es schien, noch dem Untergange geweiht. Da erbot sich Gonzalo -Quadrado Xaramillo mit noch einem Genossen, nur mit Schwert und Schild -bewaffnet, barfuß, nachts die Gegend zu durchstreifen, während die -übrigen sich der Ruhe hingaben. Bald traf er Indianer an, von denen er -erfuhr, daß sie nicht fern von Panuco, also bereits auf neuspanischem -Boden sich befänden. Der Gouverneur nahm die halbnackten, in Thierfelle -gekleideten Landsleute, welche mit ihren verwilderten Bärten mehr den -Wilden als civilisirten Menschen glichen, freundlich auf und schickte -eine Botschaft an den Vicekönig Mendoza, welcher sie sofort mit allem -Bedarf an Kleidung, Lebensmitteln und Arznei versehen ließ. - -Manche von den Abenteurern kehrten nach Spanien zurück, für immer von -ihrem Entdeckungsfieber geheilt, andere blieben in Mexiko, wieder -andere ließen sich für Peru anwerben, einzelne traten in einen -geistlichen Orden ein. So lösten sich die Trümmer des stattlichen -Heeres, welches Soto einst hinausgeführt hatte, wieder auf und trugen -durch ihre abschreckenden Berichte dazu bei, daß das Mississippigebiet -nicht wieder zum Ziel spanischer Eroberungsgelüste ausersehen wurde. - - -27. Coronado’s Feldzug nach Cibola und Quivira. - -Nach der Eroberung Mexiko’s blieben die Blicke noch jahrzehntelang -auf das unbekannte Gebirgsland im Norden gerichtet. Die Fahrten, -welche im westlichen Meere schon von Cortes selbst angeregt waren, -hatten eine unendlich weite Erstreckung des Festlandes mit bedeutenden -Gebirgszügen im Norden nachgewiesen. Im Binnenlande rückte man in die -öderen Striche des neuspanischen Vicekönigreichs nur langsam nach -Norden vor. Es bedurfte besonderer, lockender Aussichten, um die dort -beginnenden Wüsteneien zu durchbrechen. Der Präsident des königlichen -Gerichtshofes in Mexiko, welcher von 1528-31 die Civilverwaltung des -reichen Pflanzlandes leitete, Nuño de Guzman, hatte schon im Jahre 1530 -von einem Indianer Mittheilungen erhalten über ein im Norden liegendes -Land Tejos (Texas?), wo er sieben Städte wollte besucht haben, jede -so groß wie Mexiko, in denen ganze Straßen mit Juwelierläden besetzt -seien. Der Weg dahin führe 40 Tage durch eine Wüste. Guzman beschloß -mit 400 Spaniern und 2000 Indianern sich dahin einen Weg zu bahnen; -aber er fand, indem er sich vornehmlich an den westlichen Terrassen -des Hochlandes nordwärts bewegte, schon in Culiacan, südlich von 25° -n. Br., so bedeutende Schwierigkeiten, daß er von seiner Unternehmung -abstand und sich dabei begnügte, +Culiacan+ zu colonisiren. Dieser Ort -bildete in der Folgezeit den Ausgangspunkt mehrerer Expeditionen in -die nördlichen Regionen. Die Fabel von den goldreichen Städten tauchte -1536 von neuem auf, als die letzten Ueberbleibsel der Expedition des -verunglückten Narvaez, Nuñez Cabeça, Dorantes, Maldonado und der Mohr -Estebanico sich nach Neuspanien zurückgefunden hatten. Sie behaupteten, -es gäbe im Norden Städte, deren Häuser sechs bis sieben Stockwerke -hätten, und die Thürgewände seien mit kostbaren Steinen geschmückt. - -Im Auftrage des Vicekönigs Antonio Mendoza (1535-57) schickte Coronado, -welcher damals Commandant in Culiacan war, den Priester +Marcos de -Niza+ nebst einem Franciskaner Fray Onorato und Estebanico im Frühling -1539 nach Norden.[420] Onorato blieb schon in Sonora wegen Krankheit -zurück. Die andern zogen mit einigen Indianern weiter. Der Mohr wurde -auf Kundschaft vorausgeschickt. Je weiter man nach Norden durch die -sporadischen Ansiedlungen der Indianer vorwärts drang, um so bestimmter -lauteten die Angaben über eine große Stadt Cibola. Bald aber erhielt -Marcos de Niza die Trauerbotschaft, Estebanico sei bei seinem Eintritt -in die Stadt getödtet worden; wie sich später herausstellte, war er als -ein Opfer seiner Lüsternheit und Habgier gefallen. Marcos konnte seine -indianische Begleitung nur durch Geschenke bewegen, ihm so weit zu -folgen, bis er die Wunderstadt mit eignen Augen, wenn auch nur aus der -Ferne, sähe. - -Es gelang ihm in der That, so weit vorzudringen. Er sah die Stadt in -einer Ebene, am Abhange eines runden Hügels. Ob er sich selbst täuschte -oder ob der Eindruck aus der Ferne ein größerer wurde: Marcos hielt -die Stadt für ansehnlicher und größer als Mexiko. Gern hätte er die -Stadt selbst besucht, allein bedenkend, daß, wenn er getödtet werde, -alle Kunde seiner Entdeckung verloren ginge, stand er davon ab. Auf der -Höhe, wo er stand, thürmte er einen Steinhaufen auf, errichtete darüber -ein kleines Kreuz und nahm im Namen des Vicekönigs von dem Lande -Besitz. Dann kehrte er zurück und stattete noch im September desselben -Jahres dem Vicekönig in Mexiko Bericht ab. Coronado, mit welchem Marcos -in Guadalajara zusammengetroffen war, schickte noch im Herbst den -Capitän Melchior Diaz ab, weil ihm die Erzählung des Priesters nicht -hinreichend beglaubigt schien. Aber Diaz konnte wegen der eintretenden -Winterkälte in den wenig bewohnten Regionen nicht ans Ziel gelangen, -sondern mußte sich in seinem Bericht, den er am 20. März 1540 an -Coronado abgehen ließ, auf die unterwegs gemachten Erkundigungen -stützen. Wenn nun auch dadurch die überschwenglichen Schilderungen des -Pater Marcos etwas gedämpft wurden, so mußte er doch die Existenz von -sieben merkwürdigen Städten, deren vornehmste Cibola war, bestätigen. - -[Illustration: ~KARTE zu CORONADOS EXPEDITION nach CIBOLA und QUIVIRA~] - -Diese Thatsachen bestimmten sodann den Vicekönig, ein ansehnliches -Heer unter +Coronado+[421] zur Erweiterung seiner Herrschaft nach -Norden zu entsenden. Dieser brach im Frühjahr 1540 mit einem Heere, -welches an Spaniern und Indianern über 1000 Mann zählte, von Mexiko -auf und ging über Compostella nach Culiacan. Da von hier aus der Weg -beschwerlicher wurde, so mußte eine kleine Schar immer vorausgesandt -werden, um die Gegend zu erforschen. Auch begleiteten zwei Schiffe -unter +Pedro de Alarcon+ die Expedition, indem sie möglichst nahe sich -an der Küste hielten. Der Marsch ging von Culiacan im allgemeinen -nach Nordwesten bis etwa zum 30° n. Br. und richtete sich dann nach -Norden und später nach Nordosten. Man durchschnitt das Thal von Sonora -und wandte sich vom Rio de S. Ignacio nordöstlich ins Gebirge, um den -oberen Lauf des Rio Sa. Cruz (Nexpa) zu erreichen, an dessen Ufer -man zwei Tage abwärts und später über die öden Flächen zum Rio Gila -gelangte, welcher, weil man auf Flößen übersetzte, den Namen Rio de -las balsas erhielt. Dem südwestlichen Steilabfall des Coloradoplateaus -ausweichend, führte der Weg in östlicher Richtung über einen mit -Fichten bestandenen Berg. Ueber grasige Ebenen, Schluchten und ödes -Bergland ging es weiter nach Nordosten, bis man Cibola erreichte. -Die Truppen hatten den Weg sämmtlich zu Fuß gemacht, jeder Mann trug -seinen Bedarf an Lebensmitteln selbst, auch die Pferde waren beladen. -Vierzehn Tage nach Ankunft der Vortruppen langte auch das Hauptcorps -an; aber das erreichte Ziel, Cibola, brachte große Enttäuschungen, -man verwünschte die übertriebenen, lockenden Schilderungen des Marcos -de Niza und erklärte spöttisch, manche Farm in Neuspanien mache einen -stattlicheren Eindruck als dieser Ort, der aus Stein und Lehm auf einen -Felsen gebaut, höchstens 200 Krieger bergen könne. Mit leichter Mühe -wurde der Ort gestürmt und die Indianer verjagt. Das Land war kalt -und hoch gelegen, der Boden sandig und nur spärlich mit Grün bedeckt. -Die Indianer waren in baumwollne Tücher oder in Thierfelle ärmlich -gekleidet. Schätze durfte man hier nicht erwarten und die herrlichen -sieben Städte, von denen gefabelt war, bestanden in kleinen Ortschaften -(~pueblozuelos~), die in einem Umkreise von etwa sechs Meilen den -Hauptplatz umgaben. - -Wo lag Cibola, dessen Namen wir auf modernen Karten vergeblich suchen? -Zahlreiche nordamerikanische Gelehrte und Reisende haben sich mit der -Frage beschäftigt.[422] Cibola ist das heutige Zuñi am Zuñiriver, -welcher sich durch den kleinen Colorado in den Colorado del Occidente -ergießt. Es liegt im Territorium von Neu-Mexiko nahe der Grenze von -Arizona unter 35° n. Br. Nach der Angabe von Simpson (~p.~ 324) -erscheint Zuñi aus einer Entfernung von drei Meilen als ein niedriger -brauner Felsrücken in baumloser Umgebung. Das Flußbette ist 150 Yards -breit, aber das Wasser nur sechs Fuß breit und einige Zoll tief. Die -Stadt ist terrassenartig gebaut, jedes Stockwerk der Häuser -- in -der Regel sind es drei -- tritt nach oben weiter zurück und läßt für -eine Plattform Raum. Die aufsteigenden Gassen sind sehr enge. In der -Umgebung von Zuñi finden sich noch, am Rio Vermejo, die Ruinen von -sechs Pueblos, alle dicht zusammen. Daß Zuñi und Cibola identisch sind, -geht auch aus dem Ausspruche Antonio’s de Espejo hervor, welcher 1583 -das Gebiet besuchte und erklärt, die Spanier unter Coronado hätten dem -von den Indianern Zuñi benannten Orte den Namen Cibola gegeben.[423] - -Während das Hauptheer nach Cibola marschirte, hatte Coronado schon -vom Sonoraflusse aus den Capitän +Melchior Diaz+ mit 25 Mann ans Meer -hinabgesandt, um die Schiffe Alarcon’s aufzusuchen und ihm, womöglich, -Verhaltungsmaßregeln für seine weitere Fahrt zu geben. Diaz zog an -dem östlichen Strande des californischen Meerbusens gegen Norden, bis -er an das Ende des Golfes kam. Da er aber von den Schiffen nirgends -eine Spur fand, ging er an dem dort mündenden Strom weiter, bis er -einen mächtigen Baum fand, in dessen Rinde die Nachricht eingegraben -war, daß Alarcon bis dahin mit seinen Schiffen gekommen sei und am Fuß -des Baumes einen Brief niedergelegt habe. Der Inhalt des Schreibens -ergab, daß Alarcon hier längere Zeit gewartet und dann, da er mit -seinen Schiffen nicht weiter vordringen, also nicht mehr in der Nähe -Coronado’s bleiben konnte, den Rückweg angetreten habe. +Alarcon+ war -am 9. Mai 1540 vom Hafen Natividad ausgesegelt, hatte von Jalisco aus -noch einen Transport mit Vorräthen für die Truppen mitgenommen und -war im August an das Nordende des Meerbusens gelangt. Mit Böten war -er noch 85 Meilen weit den Colorado, welchen er Rio de buena guia -nannte, hinaufgegangen und hatte alles versucht, um sich mit Coronado -in Verbindung zu setzen, aber vergeblich. Er sah sich zur Umkehr -genöthigt. Sein Pilot Domingo del Castillo entwarf eine Karte[424] -von den Küsten des Golfes und bewies damit, daß das westliche Land, -Niedercalifornien, eine Halbinsel sei. Später hat allerdings lange -und bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus die falsche -Vorstellung geherrscht, als sei Californien eine Insel. - -In der Nähe des Colorado kam Diaz durch einen unglücklichen Zufall ums -Leben und seine Mannschaft kehrte nach Mexiko zurück. - -Inzwischen hatte Coronado von Cibola aus, wo er vorläufig sein -Standquartier nahm, zunächst die umliegenden Ortschaften unterwerfen -lassen und dann nach verschiedenen Richtungen einzelne Truppentheile -in entfernte Regionen zur Erforschung der Länder entsendet. In der -Landschaft Tuzan oder Tuçaya hörten die Spanier von einem großen Flusse -im Norden. Diesen Strom aufzusuchen zog +Garcia Lopez de Cardenas+ -aus. Er ging mit seiner kleinen Schar über das Coloradoplateau und -trat dann, bestürzt über den wilden Abgrund, an den Rand des großen -Colorado-Cañons. Eine Welt in Trümmern, ein von klaffenden Spalten -zerrissener Felsboden, auf dessen Grunde allein das spülende und -grabende Wasser arbeitet, zeigte sich hier den erstaunten Blicken, wie -sie in solcher Großartigkeit in keinem Erdtheil wieder auftritt.[425] -Die Spanier unter Cardenas meinten, die Stromschluchten seien drei bis -vier Meilen tief, neuere Messungen haben die Tiefe des großen Cañons -auf etwa 100 Meter bestimmt. Drei Tage lang irrten sie am Plateaurande -umher, nach einem Passe ausspähend, der sie zum Wasser hinunterführe, -umsonst. Einige Wagehälse versuchten zwischen dem zerklüfteten Gestein -hinabzuklettern, mußten aber unverrichteter Sache zurücksteigen. Sie -versicherten, daß einige Felsen, die von oben gesehen etwa Mannesgröße -gezeigt hätten, in der That höher als die Cathedrale von Sevilla -gewesen seien. Cardenas trat vor dieser unbezwinglichen Naturschranke -den Rückweg an. Er hatte zuerst den großartigsten Theil des mittleren -Colorado gesehen. - -[Illustration: Ansicht des großen Colorado-Cañon.] - -Eine andere Schar ging unter +Hernando d’Alvarado+ von Cibola nach -Osten; jenseits der Zuñigebirge trafen sie wieder auf mehrere -indianische Ortschaften, welche in ähnlicher Weise, wie Cibola angelegt -waren. Unter diesen war namentlich Acuco (jetzt Acoma)[426] durch -seine Lage auf einem zerklüfteten Sandsteinfelsen merkwürdig. Auf -der Nordseite hat der Wind den Sand so hoch angehäuft, daß man auf -demselben fast bis zur Höhe hinaufsteigen kann. Dann bleibt aber noch -der nackte Fels zu erklimmen; in einer engen Spalte windet sich der -Pfad hinauf, den die Indianer durch eingezwängte Holzstufen bequemer -gemacht haben. Alvarado mußte mit seinen Leuten auf Händen und Füßen -den Felsen erklettern. Diese Felsendörfer lagen in der Nähe eines -Flusses, der gegen Südosten floß und sich bald mit einem größeren -nach Süden ziehenden Strome vereinigte. Bis nach Cibola hin hatten -alle Stromrinnen vorwiegend eine westliche Richtung gezeigt. Die -Bedeutung dieser hydrographischen Verhältnisse entging dem Scharfblick -des Capitän Jaramillo nicht. Treffend bemerkt er in seinem Bericht: -„Alle Gewässer, Flüsse und Bäche, welche wir bis Cibola oder noch -ein paar Tagereisen weiter antrafen, laufen zum Südmeere (d. h. zum -großen Ocean), von da ab aber zum Nordmeere (d. h. zum mexikanischen -Golfe).“[427] Mit der größten Sicherheit erkennen wir daraus, daß -die Expedition die Wasserscheide zwischen dem Colorado del Occidente -und dem Rio grande del Norte überschritten hatte und sich nun im -Gebiet des letzteren befand. Auch dieser Strom wurde überschritten -und in der Landschaft Tiguex vereinigte sich Coronado wieder mit dem -vorausgegangenen Alvarado. Weiterhin wurde der östliche Nebenfluß des -Rio grande, der Rio Pecos, erreicht; denn der Häuptling, welcher hier -in einer festen Stadt, Namens Cicuyé, hauste, sollte begehrenswerthe -Schätze besitzen. Auf diesen waren die Spanier durch einen Indianer -aufmerksam gemacht, welcher viel von gold- und silberreichen Städten zu -erzählen wußte. Dort, berichtete er, halte ein Fürst seine Siesta unter -einem mächtigen, großen Baume, dessen Zweige mit goldenen Glöckchen -behängt seien, damit sie, wenn er entschlummere, im Luftzuge leise -erklängen. Er selbst habe einige von diesen Schellen besessen, aber -der Fürst von Cicuyé[428] habe sie ihm abgenommen. Alvarado rückte -nach Cicuyé, um die Glocken zu holen, fand aber keine Spur von Gold, -und die Einwohner erklärten jenen Indianer für einen unverschämten -Lügner. Dann nahm er zwar den Häuptling gefangen und brachte ihn zu -Coronado, der ihn sechs Monate in Haft hielt, aber damit nur erzielte, -daß die Indianer allenthalben sich gegen die Spanier erhoben, welche -sich unter steter Unruhe den Winter über in Tiguex behaupteten. Im -Mai des Jahres 1541 sollte das vielversprechende Quivira aufgesucht -werden; über den Pecosfluß nach Nordosten, und am Gebirge hin über die -Steppen ziehend, traf man hier mit Jagdindianern zusammen, welche ohne -feste Wohnsitze (~sin casas~) in Lederzelten lebten und alle wichtigen -Lebensbedürfnisse von der Beute an erlegten Büffeln bestritten, -Nahrung, Kleidung und Schuhwerk.[429] Weiterhin begegnete man einem -Indianer, welcher durch Zeichen zu verstehen gab, daß er schon Spanier -gesehen habe. Offenbar bezog sich diese Andeutung auf Cabeça de Vaca -und seine Genossen. - -Nachdem man, wenn auch in kurzen Tagemärschen, einen Monat lang nach -Nordosten gezogen war, erreichte man einen großen Fluß, dem man -nach dem Tage der Entdeckung den Namen Rio de San Pedro y San Pablo -(Arkansas) beilegte. Jenseits desselben stieß man wieder auf jagende -Indianer, deren Wohnungen drei oder vier Tagereisen weiter hinab -ins Land gegen Osten lagen. Diese Ortschaften gehörten bereits zu -Quivira. Ziemlich einstimmig erklären die ältern Geschichtsschreiber, -Coronado sei etwa bis zum 40° n. Br. vorgedrungen. Wenn nun Theilnehmer -des Zuges, wie Jaramillo, erfreut über das frischgrüne Ansehen der -Landschaft, Quivira ein prachtvolles Land nennen, wie es nicht besser -in Spanien, Frankreich oder Italien zu finden, und meinen, es sei für -alle Arten von Kulturen geeignet, denn man finde an einigen Bächen -sogar Trauben von ziemlich gutem Geschmack, und wenn ferner dieses Land -nicht mehr als gebirgig, sondern nur als hügelig und eben, von Strömen -getränkt, geschildert wird, und wenn der Zug über den Peter-Paulsfluß -hinaus zu einem noch größeren Strome gelangte, an welchem die -Ortschaften sich mehrten und die einheimische, in Strohhütten lebende -Bevölkerung wuchs; so darf aus allen diesen Angaben mit ziemlicher -Sicherheit geschlossen werden, daß Coronado im nordöstlichen Kansas bis -an den Missouri gelangte. Den Marsch noch weiter auszudehnen, versprach -wenig Erfolg, denn von den edlen Metallen hatten die Indianer gar -keine Kenntniß; selbst die Häuptlinge trugen nur Kupfer als Schmuck. -Man nannte zwar den nachforschenden Fremdlingen noch eine fernere -Landschaft Harahey; aber auch diese bot nichts Verlockendes. Dazu war -bereits der Augustmonat herangekommen, man sah sich also, um nicht -etwa von dem einbrechenden Winter auf den öden Hochsteppen überrascht -zu werden, genöthigt, den Rückmarsch anzutreten.[430] Zum Zeichen, -wie weit man gekommen sei, errichteten die Soldaten ein Kreuz und -schnitten den Namen ihres Feldherrn Francisco Vasquez de Coronado in -das Holz des Stammes. Den Rückweg nahm man in mehr südlicher Richtung -und gerieth in noch sterilere Regionen, in denen auf den Salzsümpfen -4-5 Zoll starke Salzplatten schwammen. Nachdem man den nördlichen Theil -des Llano estacado passirt, erreichte man den Pecosfluß etwa 30 Meilen -südlich von der Stelle, wo man ihn auf dem Hinwege überschritten hatte. -Während Coronado in Quivira weilte, waren von der Landschaft Tiguex aus -Streifzüge nach Norden und Süden, flußauf und flußab gemacht. Immer -traf man wieder auf die nämliche Form der Oasendörfer. Am weitesten -drang man am Rio grande abwärts und fand, nachdem man vier größere -Ortschaften entdeckt, schließlich eine Stelle, wo der Strom im Boden -zu verschwinden schien. Vermuthlich ist damit die Gegend bezeichnet, -wo unter 31° 39′ n. Br. der „große Fluß“ in seinen tiefen und -unpassirbaren Cañon eintritt. Hier entzog sich derselbe ihren Blicken; -doch sollte er, nach Angabe der Indianer, weiter unten im Lande noch -wasserreicher wieder hervorbrechen. - -Coronado hatte die Absicht, nach der Ueberwinterung in Tiguex -im nächsten Frühling zeitiger einen zweiten Zug nach Quivira zu -unternehmen, um womöglich noch weiter in das fruchtbare Land -vorzudringen. Allein ein Unfall, welcher ihn im Turnier mit Pedro -Maldonado traf -- er wurde im Ringrennen aus dem Sattel geworfen und -schwer verletzt -- nöthigte ihn, von weiteren Plänen abzustehen. -So brach er im April 1542 auf und kehrte über Cibola nach Culiacan -zurück. Die theure Expedition war ohne Gewinn verlaufen, ohne Schuld -Coronado’s; aber der Vicekönig empfing den berichterstattenden -Heerführer in der Hauptstadt sehr ungnädig und nahm ihm die Oberleitung -in dem nördlichen Theil seines Vicekönigreichs, welches man mit dem -Namen Neu-Galicien bezeichnete. - -Die weite, scheinbar unbegrenzte Erstreckung der Landschaften, welche -man betreten hatte, gegen Norden, der Abschluß des californischen -Golfes, hinter welchem das Land ins Unendliche nach Nordwesten verlief, -gab zu eigenthümlichen Vorstellungen von der Vertheilung und Gruppirung -der Landmassen, sowie zu seltsamen Vermuthungen über die Bewohner -Anlaß. So vermuthete der Capitän Castañeda, die Indianer von Quivira -müßten aus Großindien stammen, weil ihre Sitten und Lebensformen so -gänzlich von den bisher beobachteten Erscheinungen indianischen Lebens -abwichen. Nach Uebersteigung der Gebirge, meinte er, seien sie dem -Laufe der Flüsse, wie z. B. des Rio grande, nach Süden gefolgt. Es -müsse in dem Lande, von wo die Indianer eingewandert seien, große -Reichthümer geben; dieses Land müsse theils im äußersten Gebiete von -Ostindien liegen, theils in jenem weiten Binnenlande zu suchen sein, -welches sich fast von China bis Norwegen erstrecke. - -Nach diesen Vorstellungen setzte sich also die Westküste Amerika’s -mit Asien in Verbindung, während der Ostrand der neuen Welt über -Florida und Grönland nach Norwegen liefe. Uebrigens waren derartige -Anschauungen nicht etwa dem müssigen Kopfe eines ungebildeten -Kriegsmannes entsprungen, sie wurden auch in Europa getheilt, und so -findet sich ein klares Bild dieser tellurischen Träume auch in der 1562 -zu Venedig erschienenen ~Geographia Claudii Ptolemaei~ auf der ~Carta -marina nuova tavola~. - -Wie lange solche trügerische Vorstellungen selbst unter den Gebildeten -sich noch erhalten konnten, dafür gibt den sichersten Beleg ein -Ausspruch Lorenzana’s, des Erzbischofs von Mexiko, welcher noch -1770 darüber im Dunkeln ist, ob nicht Mexiko einerseits mit China, -andererseits mit Grönland zusammenhänge.[431] - - * * * * * - -Ueber die Beziehungen zur asiatischen Küste brachte auch die Expedition -+Juan Rodriguez Cabrillo+’s keine weitere Aufklärung. Derselbe wurde -bald nach der Rückkehr Coronado’s mit mehreren Schiffen auf die -Westseite der Halbinsel Californien gesendet, und kam im Sommer 1542 -an der Cedros-Insel (28° n. Br.) vorbei, wahrscheinlich bis zu den -südlichen Ausläufern der Sierra nevada, denn er sah, angeblich unter -40° n. Br., hohe schneebedeckte Gebirge. Nachdem Cabrillo während -der Ueberwinterung im Hafen bei der Insel Posesion an den Folgen -eines unglücklichen Sturzes das Leben verloren hatte, versuchte sein -Nachfolger, der Pilot mayor Bartolomé Ferrel, noch einige Breitengrade -weiter vorzudringen und behauptete, bis zum 43° n. Br. gekommen zu -sein. Doch sind diese Angaben sehr zweifelhaft und die Configuration -der Festlandsküste blieb in jenen Breiten durchaus unklar. - -Man suchte hier im Norden nach einer Straße, welche zum atlantischen -Ocean hinüberführen und etwa bei Neufundland ausmünden sollte. -Denn es war eine weitverbreitete Ansicht, daß, der eingebildeten -Gleichförmigkeit wegen, im Norden eine ähnliche Wasserverbindung -bestehen müsse, wie sie im Süden durch Magalhães aufgefunden sei. -Dieser postulirten Straße, welche zwischen 1560 und 1570 den Namen -+Anianstraße+ erhielt, schrieb man militärische Wichtigkeit für -Spanien zu und noch im Jahre 1602 schickte Philipp III. von Spanien -Schiffe aus, um dieselbe zu besetzen, damit nicht ungebetene Gäste, -Engländer oder Franzosen, auf diesem Wege den Westküsten der neuen -Welt unliebsame Besuche abstatten könnten; aber die Straße wurde -nicht gefunden und der spanische Entdeckungseifer erlahmte an den -Küsten Californiens etwa unter dem 43° n. Br. Den weitern Verlauf der -Küsten aufzuhellen, blieb einer späteren Zeit und anderen Seemächten -überlassen, denn die allgemeine Aufmerksamkeit hatte sich schon nach -dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts fast ausschließlich den -Entdeckungen und Vorgängen in Südamerika zugewandt. - - -28. Das Goldland Peru und seine alte Kultur. - -Der Name Peru wurde zum erstenmale vernommen, als unter der -Verwaltung des Pedrarias de Avila der Generalaufseher der Indier -Andagoya im Jahre 1522 vom Michaelsgolfe aus an der Landenge von -Panama einen Entdeckungszug an den Küsten nach Süden unternahm und -dabei in eine kleine Landschaft Biru gelangte, von welcher das -weiter südlich gelegene mächtige Inkareich seinen Namen Peru bei den -Europäern erhielt.[432] Er traf in dem dicht bewohnten Lande eine -kriegerische Bevölkerung, drang aber doch in das Land ein und konnte -manche werthvolle Nachricht über den weitern Süden und den dortigen -mächtigen Staat sammeln. Ein Fall aus dem Boot ins Meer, wobei er fast -ertrunken wäre, machte ihn unfähig, seine Entdeckungen weiter südwärts -auszudehnen. Er legte daher die Fortführung der Unternehmung in die -Hände Pizarro’s; allein es verging noch ein Jahr, ehe dieser die Mittel -fand, seine Pläne ins Werk zu setzen. Aber seit dieser Zeit bezeichnete -man alle Fahrten nach Süden mit dem Ausdruck „Expeditionen nach Biru“, -und je weiter sich vor den unermüdlichen Entdeckern die Küste nach -Süden erstreckte, um so größere Ländermassen faßte man unter dem Namen -„Peru“ zusammen. - -[Illustration: Das Inkathor bei Cuzco.] - -Werfen wir zunächst einen Blick auf den mächtigen und ausgedehnten -Staat, welchen der spanische Abenteurer, nur von wenigen Genossen -unterstützt, zu zertrümmern und zu unterwerfen trachtete. - -Auf dem Rücken der Cordilleren, des längsten Kettengebirges der Erde, -im Westen von den Fluten der Südsee bespült und nach Osten sich in -den Schatten unermeßlicher Urwälder verlierend, dehnte sich der Staat -der Peruaner von Neu-Granada oder Columbia bis nach Chile aus. Die -herrschenden Stämme waren die Quechuá und Aymará. Die Küste der Südsee -zeigt wenig Gliederung, besonders in den südlicheren Theilen, aber -während sie im Norden, von Panama bis über den Aequator hinaus, unter -der Wirkung reichlicher Regengüsse mit feuchten Urwäldern bedeckt ist, -über welchen in weiterer Ferne die majestätischen Ketten der Anden -sichtbar werden, nimmt an der Nordgrenze des heutigen Staates Peru -das Gestade einen andern Charakter an und verläuft mit zunehmender -Dürre ungegliedert gegen Südosten. „Dürftig und düster ist die Natur, -die den Reisenden bei dem Anblick des Landes der Sonne und dem Reiche -der Inka’s empfängt, des Landes abschreckende Unfruchtbarkeit scheint -sich schon aus dem einförmigen zwischen Braun und Grau liegenden -Colorit zu ergeben. Ein flaches Land, das nur langsam nach dem Innern -zu sich erhebt, wird durch einen weißlichen Sandstreifen des Gestades -begrenzt. So weit das Auge trägt, ergrünt kein Baum auf den öden, -steinigen Flächen. In größerer Entfernung erheben sich in dem Gewande -einer Dürre, welche diejenige des Vordergrundes noch übertrifft, -die niedrigen Felsberge, welche die ehemalige Grenze des Oceans -bezeichnen.“[433] Eine trübe, schwere Wolkenbank hängt fast beständig -über dem Lande, so daß man selten den Anblick der Cordilleren genießt. -Zerreißt der Flor, dann haben diese Berge, in Stufen einer hinter dem -andern aufsteigend, durch die Oeffnungen der Wolken gesehen, ein sehr -großartiges Ansehen.[434] - -Im Küstenlande, zwischen den Cordilleren und dem Ocean, wo der Regen -fast völlig unbekannt ist, ziehen sich, durch sandige Einöden von -einander geschieden, fruchtbare Thäler an den kurzen Gebirgsbächen -von den Höhenkämmen bis an die See hernieder. Das Land zwischen den -parallelen Hochgebirgsketten bezeichnet der Spanier mit dem Namen -Sierra; dasselbe besteht aus weitgedehnten Hochebenen und Weideländern, -welche von reichen, warmen Thälern und Schluchten durchzogen sind, -deren wasserreiche Ströme sämmtlich zum Gebiet des Amazonas gehören. -Inmitten dieses großartigen Gebirgslandes lag die alte nationale -Hauptstadt Cuzco, für die Inkaperuaner der „Nabel“, d. h. der -Mittelpunkt der Welt. Noch weiter im Süden lagert sich in malerischer -Gliederung und im Osten von den Riesen des Hochgebirges überragt, -in einer Höhe von mehr als 3800 Meter der sagenreiche Titicacasee, -welcher an Ausdehnung fast die Größe des Königreichs Sachsen erreicht. -Uebersteigt man von diesen Hochebenen aus die östlichen Ketten der -Anden, dann gelangt man in die Region der tropischen Urwälder, die bis -auf unsere Tage noch wenig erforscht und fast unbekannt geblieben sind. - -Das peruanische Reich war durch stete Kriege vergrößert und umfaßte -zahlreiche und verschiedene einheimische Stämme. Die +Aymará+, deren -Sitze sich um den Titicacasee gruppirten, waren wohl das ältere -Kulturvolk, wie die Tolteken in Mexiko. Daher lag auch das alte -nationale Heiligthum auf einer Insel im See. Die merkwürdigsten -Bauwerke der älteren Kulturepoche erhoben sich in der Nähe des Sees. -Die Fürsten der Quechua führten den Titel Inka, als Begründer ihrer -Dynastie gilt Manco Capac, um 1000 n. Chr. Cuzco machte er zu seiner -Residenz, aber auch am heiligen Titicaca erhob sich ein fürstliches -Schloß, Tiahuanaco. - -Die frühere Geschichte des Inkareichs ist sagenhaft, ein helleres Licht -fällt erst auf das letzte Jahrhundert vor der Eroberung. Der große -Eroberer Huayna-Capac regirte von 1475 bis 1525, unter ihm erweiterte -sich das Reich besonders nach Norden. Aber gerade von hier, wo die neu -erworbenen Gebietstheile noch nicht fest mit dem Hauptlande verbunden -waren, erfolgte der Angriff der Spanier. Die Zustände waren ähnlich -wie in Mexiko bei dem Einmarsche des Cortes; aber Pizarro gewann um -so leichter das Feld, weil er zu einer Zeit erschien, in welcher die -Söhne Huayna-Capacs, von denen +Huascar+ in Cuzco und +Atahuallpa+ -in Quito residirte, mit einander in einen Bruderkrieg verwickelt -waren. Atahuallpa war der Sohn der früheren Fürstin von Quito, welches -von Huayna-Capac unterworfen worden, und mußte daher dem legitimen -Thronfolger Huascar nachstehen. Er hatte trotzdem eine Partei für sich -gewonnen, war gegen seinen Bruder im Felde siegreich gewesen und befand -sich auf der Heimkehr, als die Spanier ihn in Cajamarca erreichten. -Seinen Bruder hatte er gefangen genommen und behauptete augenblicklich -die unumschränkte Obergewalt. - -[Illustration: Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.] - -[Illustration: Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen -Thorbauten.] - -Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich -göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im -ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den -beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga; -ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt -war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich -geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem -prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle -gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am -buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers. -Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in -der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte -Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden. -Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen, selbst -Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung. -Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt. -Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein, -die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge -Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten -und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den -Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich -in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von -dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet -wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser -öffnete, um das Herz herauszureißen. - -Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem -einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und -Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden -Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf -die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und -Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu -dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate -einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken. - -Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung, -jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien -stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich -geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das -ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel, -mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien -wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu -ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren -Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in -Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus- -und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren -ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt -jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen. -In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und -fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und -Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen -zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder -Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige -Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen. - -Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger, -legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte -sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute -Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des -Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak -wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der -Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben. - -[Illustration: Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von -Ancon. - -Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete -Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise -einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des -Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von -vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer -grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben -stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von -einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der -schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten -Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder -getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet -sind. -- Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene -kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere -Ornamente. -- Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in -Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit -und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in -allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. -- Die Kette besteht aus -starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.] - -Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das -Eisen zu kennen -- denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder -Stein -- verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen, -lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall, -selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe -bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine -Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und -Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima, -bewiesen.[435] - -[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.] - -Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas. -Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzte -auf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus -Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern -Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere -Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore -nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche -älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von -drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die -Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck -der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in -strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck. - -[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.] - -Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen -Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen -und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen -von Cuzco nach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung -von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern -gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren -Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten -angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum -Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr -keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit -Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen -und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben -oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier -Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres -Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen -Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht -einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der -Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der -gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit -sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt -setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem -südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als -diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen -Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“[436] Auf diesen Straßen -besorgten Schnellläufer (~Chasquis~), ähnlich wie in Mexiko, den -Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten -Reiche auf das schleunigste in Kenntniß. - -Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte -man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich -verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle -von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge -gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese -Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten. -Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die -Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und -Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder -Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den -Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen -Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen. - - -Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon. - - 1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein - eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18 ~cm~ breit. - - 2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur - Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter - Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln, - darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel - mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur. - Das Körbchen ist ca. 38 ~cm~ lang. - - 3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen - Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu - regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33 ~cm~ lang. - - 4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn - gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein - geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu - einem knollenartigen Stile des Federbusches. - - 5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene - Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche - getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt; - oberer Durchmesser 15 ~cm~. - - 6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel - und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes - geschützt eingeschlagen war; 94 ~cm~ lang. - - 7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch - die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer - Durchmesser 9-10 ~cm~. - - 8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten - Ornamenten; 7 ~cm~ hoch. - - 9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des - unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende - Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½ ~cm~ - hoch. - - 10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte - Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der - Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten - mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich - die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer - menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der - Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen - diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer - Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die - Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer - Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig - angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck - der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck, - ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der - Verstorbenen? 32 ~cm~ hoch. - - 11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig - verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen; - 148 ~cm~ lang. - - 12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein - mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115 - ~cm~ lang. - - 13. Keulenartiger Stab; 105 ~cm~ lang. - - 14. Schleuder mit einem zur Unterlage des zu werfenden Steines - dienenden Geflecht; am linken Ende die Fingerschleife. Die - Schleudern wurden meist aus den Fasern der Agave, und aus Wolle und - Baumwolle gemacht, doch auch aus Menschenhaaren; 192 ~cm~ lang. - - 15. Schleuder, zum Theil aus Menschenhaaren gefertigt, mit steifem - Mittelstück, zur Aufnahme des Steines; 140 ~cm~ lang. (Die - Schleudern wurden häufig auch als Kopfbinden benutzt.) - - 16. Bruchstück eines Trinkkruges, aus feinem Thone gefertigt - (schwarz), eine wassertragende Indianerin darstellend. Dieselbe - trägt als Schutz gegen die Sonne ein Tuch über dem Kopf; größte - Höhe 21 ~cm~. - - 17. Krug aus Thon mit konischem Boden, tief angesetzten Henkeln und - oben zum Durchziehen von Schnuren eingebohrten Löchern; 21 ~cm~ - hoch. - - 18. Rothes kannenartiges Thongefäß mit weißer Bemalung; 145 ~mm~ - Durchmesser. - - 19. Flasche aus rothem Thon. Am Halse nach beiden Seiten hin ein - menschliches Gesicht; auf der Wandung ein katzenartiges Thier, über - ihm ein ausgezacktes Bogenornament; 165 ~mm~ hoch. - - 20. Hellfarbiges Thongefäß den Körper eines sitzenden Indianers - nachbildend; die Arme und die im Knie stark gebogenen Beine sind - roh angedeutet. Der Kopf bildet den Hals des Gefäßes. Der Indianer - trägt auf dem Rücken ein Lama, dessen Kopf in unserer Ansicht über - der Schulter sichtbar ist; 225 ~mm~ hoch. - - 21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen - Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in - violetter Farbe aufgetragen; 25½ ~cm~ hoch. - - 22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein - menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden - Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen - gestützt wird; 18 ~cm~ Durchmesser. - - 23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (+nicht+ aus - Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz des ~Dr.~ - Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen altperuanischer - Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der Deckelfigur 28 - ~cm~. - -[Illustration: Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu -Ancon. - - -Das Kriegswesen war ebenso fest und streng geregelt, wie das -bürgerliche Leben. Die Bewaffnung bestand aus Kupferkeulen und -bronzenen Streitäxten, Spieße und Pfeile waren mit Kupferspitzen -versehen. Auch Schleuder und Stein gehörten einer besondern -Waffengattung an. Als Schutzwaffen bediente man sich baumwollner Panzer -und mit Baumwolle gefütterter hölzerner Helme, welche mit Metall und -Edelsteinen bei den Vornehmen geziert waren, während die gemeinen -Soldaten eine Art Turban trugen. Trommeln und Hörner bildeten die -Kriegsmusik. Im Felde lagerten die Truppen unter baumwollenen -Zelten. Die Schleuderer bildeten das Vortreffen, die Keulenmänner und -Axtträger standen im Mitteltreffen. Die Heere waren nach der Kopfzahl -in bestimmte Abtheilungen gegliedert und zählten in großen Kriegen bis -zu 200,000 Mann. - -[Illustration: Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien; im -Todtenfelde von Ancon.] - -In keinem Lande der neuen Welt haben die spanischen Eroberer die alte -Kultur in so rücksichtsloser Weise von dem Erdboden vertilgt, wie in -Peru. Fast nur dasjenige, was die Altperuaner zu ihren Todten unter -die Erde gebettet haben, ist uns erhalten, um uns von den gewerblichen -Leistungen und dem Kulturgrade derselben Zeugniß zu geben. Aber das -Kostbarste ist auch hier schon längst durch die habgierigen Hände -der nach Schätzen suchenden und grabenden Conquistadoren vernichtet. -Die Mumien der Könige, welche im Sonnentempel zu Cuzco auf goldenen -Stühlen saßen, sind ihres Schmucks beraubt und zerstört, die steinernen -Erbbegräbnisse der Vornehmen, deren Leichen ebenfalls balsamirt -waren, sind erbrochen und ausgeplündert. Um so willkommner ist die in -vierteljähriger Arbeit durchgeführte Aufdeckung des Todtenfeldes von -Ancon durch Reiß und Stübel, welche uns am besten das bürgerliche Leben -in alter Zeit vergegenwärtigt. Wenn der spanische Historiker Gomara uns -berichtet, daß schon in dem ersten Decennium nach der Eroberung gegen -anderthalb Millionen Indianer ums Leben gekommen seien, dann darf man -wohl mit Recht auf eine früher viel dichtere Bevölkerung des Landes -schließen. Darauf weist auch die ausgedehnte Nekropole von Ancon hin, -welche ein Quadratkilometer Flächenraum an dem völlig öden Strande -besetzt und trotz dieser Ausdehnung -- sie war mit einer Steinmauer -abgeschlossen -- auch außerhalb dieser Umfriedigung stundenweit -noch von Grabreihen umgeben war. In den bis zu sechs Meter tiefen -Grabstätten waren bisweilen mehrere Todte in eine gemeinschaftliche -Gruft gebettet. Der Leichnam wurde in hockender oder kauernder Lage -eng zusammengeschnürt und in einen Sack von grobem Webstoff fest -eingenäht, die Vornehmen waren in farbenprächtige Gewandstücke oder -Tücher und Decken eingehüllt, welche von der Kunst und dem Geschmack -der Bewohner zeugen und ihre Leistungen weit über den Begriff einfacher -Naturvölker erheben. Allerlei Hausrath, wie er täglich in Gebrauch kam, -wurde den Todten mitgegeben, seien es Waffen, Hals- und Arm-Schmuck, -verzierte und bemalte Thongefäße, oder seien es die verschiedensten -zum Spinnen und Weben erforderlichen Geräthschaften und Stoffe, wie -buntfarbige Spindeln und gesponnene Wolle oder Baumwolle oder endlich -allerlei Kinderspielzeuge; alles dieses läßt uns die Anschauung und -Begabung des alten Inkavolkes erkennen; und um so tiefer ist es zu -beklagen, daß diese vielversprechenden Keime einer höheren Gesittung in -schonungsloser Weise zertreten wurden. - - -29. Pizarro versucht bis zum Lande der Inkas vorzudringen. - -+Francisco Pizarro+, welcher wie (S. 424) erwähnt ist, die Pläne -Andagoya’s aufnahm, suchte, da es ihm selbst an Mitteln fehlte, -Genossen, welche ihn einerseits durch Geldmittel, andererseits durch -ihren kräftigen Arm unterstützten. Erstere fand er durch Vermittlung -eines klugen und gewandten Geistlichen, +Fernando de Luque+ in Panama, -welcher ihm auch die Bewilligung des Statthalters für seine Pläne -erwirkte, letzteren bot ihm +Diego de Almagro+, ein Mann von dunkler -Herkunft, der als Kind an einer Kirchenthür ausgesetzt gefunden -worden sein soll.[437] In der Heimat hatte er nichts zu erwarten, in -der neuen Welt hoffte er sich eine Stellung zu erringen. Er war ein -vortrefflicher Soldat und ein so ausgezeichneter Fußgänger, daß er im -dichtesten Bergwalde die Spur eines Indianers verfolgen und denselben -einholen konnte, wenn derselbe auch eine Meile Vorsprung hatte.[438] -Tapfer und graden Herzens war er ein Feind aller Schleichwege und -Intriguen, doch wußte er seine Leidenschaftlichkeit nicht immer zu -beherrschen. Pizarro rüstete zwei Schiffe zu 40 und 70 Tonnen Gehalt -nebst einer kleinen Brigantine aus, und Almagro warb als Mannschaft -112 Spanier. Es war die Verabredung getroffen, daß Pizarro vorausgehen -und Almagro ihm folgen solle, während de Luque durch sein Amt an der -Kirche (~clerigo presbitero, vicario de la santa iglesia~) in Panama -zurückgehalten wurde und von hier aus die Unternehmung zu fördern hatte. - - -Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon. - - 1. =Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.= Allem - Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range - Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst, - wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der - letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen - Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten - Knochen desselben. Der Mumienballen, dessen +Vorder+ansicht unsere - Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt und - seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand - völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei - Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen - ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen - Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert. - Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen - Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s. - Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische - Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele - Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten - Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit - noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von - mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer - Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter; - ihre größte Höhe 76 Centimeter. - - 2. =Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.= Die - mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender - Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes - Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den - wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke - und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen - ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras - geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie - gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang - 280 Centimeter. - - 3. =Durchschnitt einer einfachen Mumie.= Diese Abbildung zeigt, - wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den - verschiedenen Hüllen umgeben worden ist. - - In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, - Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt - worden ist. - -[Illustration: Altperuanische Mumien aus dem Todtenfelde zu Ancon.] - - -Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete -an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und -Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eine -Fahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro -mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz -bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr -das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte -er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar -gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen -erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der -Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und -Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr -brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem -Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber -von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge -in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf -Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu -schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama -zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne -Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an -den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de -San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen -Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in -folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte, -ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer -deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates -vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das -Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war. - -In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern -Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung -Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme -(20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel -des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro, -welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei -spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag. - -So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des -Piloten +Bartolomeo Ruiz+ aus Moguer bei Palos und mit 160 Mann ein -zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der Mündung -des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr Leute zu -werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach Panama -zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb. - -Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus; -berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die -Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator. -Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen -Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.) -zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die -schön gewebten Stoffe, die farbigen Muster prüfen konnte und genauere -Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde -ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu -angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo -vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um -so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte, -sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den -Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte -sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama, -das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß -sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die -Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß -der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen -Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere -Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel -zurück. - -Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß -benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit -dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose -Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias -war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer -der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff -verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die -traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war. - -Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende -Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da -sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten -sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur -den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen -und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen: -„Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen, -dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit -überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm -noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen -Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte -das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren -und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser -Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort -sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig -neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit, -noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade -der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die -Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren -Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen. -Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, war der bedeutendste Ort -im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und -silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete -sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro -de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft, -und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer -Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer -Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap -Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem -äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen -Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber -sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den -Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug -von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung -sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß -die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben -autorisire und ihn unterstütze. - -[Illustration: ~Zur Entdeckung von PERU durch Pizarro~] - -Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den -Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm -die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten, -deren Inhalt sich auf der +Weltkarte Ribero’s+ vom Jahre 1529 zum -erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große -Ausdehnung Peru’s zeigen zu können. - -Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus -Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch -Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf -Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft -wußte, in Freiheit gesetzt. - -Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die -Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und -erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen. - -Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte -Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete -im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und -de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum -Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez -und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt -Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben. -Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus den -Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von der Insel -Gorgona wurden zu Edelleuten (~hijosdalgo~) erklärt. Die materielle -Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen angedeihen ließ, -bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, sowie in Pferden, -welche von Jamaica entnommen werden sollten. - -[Illustration: _G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin._ - -_Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig._] - -Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffen -und mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun -unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln -noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo -begleiteten ihn.[439] Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro -in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden, -zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt -hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung -zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich -zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden -Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide -Theile zu einem tragischen Ausgange führte. - - -30. Die Eroberung Peru’s. - -Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar 1531 -von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte Ziel, -Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai von -San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, ein -Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque eine -ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des Raubes -wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß des -Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine namhafte -Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.[440] Während sie -sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, stieß auch -bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten zu dem -Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. Jago), -wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen ließ und -weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner lebten in -Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter verdächtigten -ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten ihm mit, die -Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle Fremden zu -vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die Häuptlinge -der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches in folge -dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine Niederlage bei. -Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, welche ihm +Hernando -de Soto+, bestochen durch die Smaragden- und Goldsendungen, welche nach -Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen zuführte. Dann ging Pizarro -nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn sehr wichtige Nachricht, -daß zwischen den Söhnen des letzten Inka Huayna-Capac ein blutiger -Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und Huascar hatten von -1525-1530 friedlich neben einander regiert, jener in Quito, dieser in -Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte Atahuallpa, welcher -sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der Bai von Guayaquil -gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. Br.) Anspruch erhob -und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach Süden gedrungen, -hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe bei Chontacaxas, -nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen genommen, worauf -seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und Chalcuchima sich -der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling 1532, kurz vor -Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen Inka war auf -Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige waren dem -Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem Heere bei -Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt hatte in -dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner ängstlich -und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen ausgeschifft -hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft des spanischen -Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne Anstand geschehen -ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht verstanden. - -Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel -gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die -junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am -24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s. -Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen -wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch -einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf -Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich -anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168 -Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein. -Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren, -Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer -stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland -hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden -verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit -Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau -über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten. - -[Illustration: Krieger aus der Inca-Zeit: Malerei auf einem -altperuanischen Thongefäß. (½ der natürlichen Größe.) - -Die Bewaffnung aller fünf Figuren ist lediglich die Lanze, an -den Schäften mit großen kreuzförmigen Aufsätzen versehen, welche -vielleicht als streitkolbenartige schwere Keulen zu betrachten sind. -Als Schutzwaffen tragen die Krieger hohe, spitze, unter dem Kinn mit -Bändern befestigte Helme mit einem halbmondförmigen aufgesetzten -Zierrath und einem über den Nacken herabhängenden Tuche. Einen Schild -führt nur die äußerste Figur rechts. Mit Ausnahme des mittleren tragen -die Krieger alle große Taschen. Die Körperbekleidung besteht aus einem -bis fast auf die Knie herabfallenden Untergewand mit verziertem Rande -und darüber eine bis zur Hüfte reichende Jacke aus verschiedenartig -ornamentirtem Gewebe. Die Gewänder sind ganz in der Form des Ponchos -der heutigen Südamerikaner gearbeitet und lassen die Arme unbekleidet. -Auch die Beine sind nackt, auf unserem Vasenbilde aber, wie auch die -Gesichter und Hände, bemalt. Die mittlere Figur trägt einen Nasenring, -die beiden neben ihr ansehnliche Pflöcke in den Ohren. Vier von den -Kriegern haben auf der linken Schulter eine Schleife, der fünfte trägt -den Kopf eines phantastischen Thieres als Helmschmuck. Die Gesichter -sind von dem charakteristischen Indianer-Typus. -- Die Form des Gefäßes -ist durchaus ungewöhnlich und deshalb auf der Tafel „Altperuanische -Geräthschaften“ mit abgebildet (s. d.). Das Gefäß befindet sich in -Privatbesitz zu Lima und soll aus der Gegend von Trujillo stammen.] - -Nach einem Marsche von sieben Tagen langte Pizarro in dem -wohlangebauten Thale von Cajamarca an, welches sich bei einer Höhenlage -von 2860 Meter eines angenehmen, kühlen Klimas erfreut. Fruchtbare -Ackerfelder und blühende Gärten zogen sich das Thal entlang. In -der Ferne sah man die Dampfsäulen der warmen Bäder von Pultamarca, -Schwefelquellen von 55° R., aufsteigen, welche noch heute den Namen der -Inkabäder führen und wo Atahuallpa zu baden pflegte. Am Bergabhange -davor breitete sich die Zeltstadt des peruanischen Lagers, welches -40,000 Mann zählte, aus. Pizarro zog in die kleine, menschenleere -Stadt ein, welche mit einer festen und hohen Mauer umschlossen war, -und besetzte am 15. November den Marktplatz. Dann untersuchte er die -Verhältnisse der Stadt, um eine feste Stellung für sein Lager zu -ermitteln, damit er nicht unerwartet überfallen werden könnte. Soto, -welcher schon vorher einen kühnen Kundschafterritt ausgeführt hatte, -ritt darauf mit 20 andern Reitern als Gesandtschaft in das Lager des -Inka hinüber und jagte die letzte Strecke bis an den Bach, welcher sie -noch vom Lagerplatze trennte, im Galopp vor, um seine Reiterkünste zu -zeigen und die Indianer durch die Erscheinung der schnaubenden Rosse -zu erschrecken. Der Inka befand sich im Hofe des Palastes, von seinem -Gefolge umgeben. Von einem Thronsessel aus sah er hinter einem zarten -durchsichtigen Schleier, den zwei Frauen vor ihm hielten, damit er -nach Landessitte nicht von jedem unberufenen Auge beobachtet werde, -die Spanier sich nähern. Als Soto heransprengte, befahl Atahuallpa den -Schleier zu senken.[441] Dann trat Hernando Pizarro vor und hielt durch -den Mund des Dolmetschers eine Ansprache an den König, worin er sich -als Abgesandten eines mächtigen Monarchen bezeichnete und sich erbot, -die Peruaner im wahren Glauben zu unterrichten. - -Der Inka schwieg auf diese Worte, nur einer seiner ersten Beamten -erwiderte: „Es ist gut.“ Pizarro begann von neuem und bat den -Fürsten, die Spanier in ihrem Lager zu besuchen. Atahuallpa sagte -für den nächsten Tag, nach Beendigung der Fastenzeit, den Besuch zu. -Inzwischen möchten die Spanier sich in den Staatsgebäuden von Cajamarca -einrichten. Dann verabschiedete er die fremden Gäste. - -Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast -göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der -Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende -Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden -- -alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man -konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf -mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der -verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige -Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu -lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu -bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag -der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend -erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit -großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er -sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles -zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf seine Macht -vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu -sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der -kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf -den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in -den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet. -Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu -behalten und sich seiner Person zu bemächtigen. - -Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente -de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor -und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen -Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf -Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen -Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle -Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl -die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben -bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten -Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten -sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts, -die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen -Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er -gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm -der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das -Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung -des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe: -„Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar -Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die -Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf -des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall -geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch -die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am -einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und -die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk -und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her. -Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu -Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf -dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten. - -Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut, -da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen -gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten -nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben -wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine -Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von -den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa -zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen -gehalten wurde -- dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit -- mit -Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne. -Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß -hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung -seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten. - -[Illustration: Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, in welchem der Inka -von Pizarro gefangen gehalten wurde.] - -Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco -(östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu -dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht -gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit -dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls -an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben -beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den -Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder -zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt -oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn -nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete, -so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges -Motiv für seine spätere Hinrichtung. - -Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die -Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando -Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der -Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach -der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die -Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich. -Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem -später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar -1533 nach Pachacamac[442] kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel -drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte. -Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara -zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die -große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima), -wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel -seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn -inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden -Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging -freiwillig mit nach Cajamarca. - -Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und -Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der -Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf -das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im -Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten -belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je -350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und -Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort -und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für -den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200 -Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in -Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den -neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil -(ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert -und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der -königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber. -Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.[443] Etwa -fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San -Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit -Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro -und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30 -Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533, -rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter -der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem -das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro -gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen -und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde -auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem -sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten -Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur -der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen, -alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos. -Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde -Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber, -Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher -zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und -dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der -Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen -Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in -welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war -ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete -eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling -von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke -darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei -stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen -halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem -Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz -Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer -gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“[444] - -Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person -des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen -Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb -schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker -berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet. - -Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco -auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner -hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und -schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer -Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern -voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf -verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der -Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden -beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November -seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner -zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten -Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude -in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der -Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an -Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt, -selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt. - -Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und -erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte -damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s -ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien -beschenkt. - -Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale -eingefunden, +Pedro de Alvarado+, der Eroberer Guatemala’s, welcher, -nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich Quito zu -erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum peruanischen -Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen Bereiche. Eine -nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März 1534 mit 500 -Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. Von der Küste -marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor aber dabei viel -Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er leider aus -deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein anderer Spanier -in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war +Benalcazar+, -welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel eingesetzt hatte. Als -man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s erzählte, brach er -auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und erreichte, weil er -bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße über Riobamba eher das -Ziel. - -Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch -nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen -auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich -mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem -Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten -Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von -100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial -seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine -Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten. - -[Illustration: Sacsahuaman: Ruinen der alten Inkafestung bei Cuzco.] - -Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los -Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer -des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac) -genannt. - - -31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod. - -Nachdem das Hauptland von Peru bezwungen worden war, beschloß -Almagro auch die südlichen Länder zu unterwerfen. Es war der -schwerste und kühnste Heereszug, welcher je durch die Wüsteneien der -südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt wurde. Zwei indianische -Edelleute, der Bruder des Inka, Paulo Topa, und der Oberpriester -Vilehoma, wurden in Begleitung dreier Spanier vorausgesendet, um den -Weg zu zeigen, die Indianer über die Absichten des Zuges zu beruhigen -und Quartiere zu schaffen. Dann brach Almagro am 3. Juli 1535 von -Cuzco auf[445] und zog durch das Gebiet der Conchas, nordwestlich -vom Titicacasee, und am westlichen Ufer des Gebirgssees durch die -Landschaft Collao, ging dann auf der Ostseite des Aullagassees -südöstlich über das Hochland von Potosi nach Tupiza, an der Südgrenze -Boliviens, wo er, nachdem er bereits einen Marsch von wenigstens 200 -Meilen gemacht hatte, seinen Truppen zwei Monate Rast gönnte. Während -des Aufenthaltes entfloh der Oberpriester Vilehoma sammt seinem Gefolge -bei Nacht und kehrte nach dem Norden, nach der Landschaft Collao zurück. - -Almagro stand hier an der Grenze des Inkareiches, weiter hinaus -hatte er unabhängige Bergstämme vor sich, durch deren Gebiet er sich -mit Gewalt den Weg bahnen mußte. Es standen ihm, um nach Chile zu -gelangen, dessen Schätze ihn lockten, zwei in gleichem Maße schwierige -Wege offen. Entweder mußte er von Tupiza aus sich westwärts über die -unwirthlichen Einöden und den Hauptkamm der Anden übersteigend nach -der Küste wenden und die wasserlose Atacamawüste durchschneiden, oder -den mühsamen Gebirgsmarsch nach Süden fortsetzen und ausgedehnte -Schneeregionen durchziehen, wo für die Mannschaften weder Vieh noch -Getreide zu beschaffen war. Almagro wählte den letzteren Weg, weil er -kürzer schien. Da von den Eingeborenen in Jujuy drei Spanier, welche -vorausgeschickt waren, getödtet worden, so wurde der Capitän Salcedo -mit 50 Reitern und Fußgängern ausgesandt, die Indianer zu züchtigen. -Diese hatten sich in eine Festung zurückgezogen, welche Salcedo erst -anzugreifen wagte, als ihm Francisco de Chaves Unterstützung brachte. -Darauf flohen die Indianer ins Gebirge und ließen den Paß frei. Nun -rückte das Heer weiter durch Jujuy in die Landschaft Chicoana, südlich -von der modernen Stadt Salta. Das fruchtbare Thal war verödet, wilde -Bergstämme waren von Norden her eingebrochen, hatten die Kulturen -zerstört und die Ortschaften in Trümmerhaufen verwandelt. Doch gelang -es Almagro noch, seine Truppen mit einigen Vorräthen von Vieh und Mais -zu versorgen; allein beim Uebergang über einen reißenden Bergstrom -ging ein großer Theil der Thiere verloren, ein empfindlicher Verlust, -der nicht wieder ersetzt werden konnte, wenn auch hie und da in den -Hochthälern noch einige wenige kleine Ortschaften angetroffen wurden. -Von Chicoana (Salta) ging der Zug in südwestlicher Richtung über das -Campo del Arenal westlich von der Sierra Aconquija durch das Thal von -Arroyo nach dem Hauptrücken der nördlichen chilenischen Anden, um diese -zu übersteigen. Hier stand den Truppen noch die schwerste Arbeit bevor. -Als sie aus einer Gebirgsschlucht (Quebrada) heraustraten, sahen sie -hohe, schneebedeckte Gebirge in unabsehlicher Ausdehnung vor sich. -Nachdem sie eine Zeit lang daran hingezogen, sahen sie sich genöthigt, -dieselben zu übersteigen, ohne ihre Breite zu kennen. Aber muthig -wagten sie sich hinein, mit den Elementen und mit dem Hunger kämpfend, -mit wenig Lebensmitteln, mit Waffen und allerlei Geräth, um Brücken -oder Flöße zu bauen, beladen. - -Almagro zog mit 20 Reitern vorauf, um Wege und Pässe ausfindig zu -machen, und womöglich dem nachfolgenden Heere Lebensmittel zu schaffen. -Sieben Tage lang ging’s über Salzboden und wieder über beschneite -Pässe, wo die Augen von dem blendenden Schnee entzündet wurden. Sturm -und Kälte erschwerte jeden Tritt. Am dritten Tage der schwersten -Leiden öffnete sich gegen Osten das Thal von Copiapo, wo Almagro’s -kleine Schar sich erholen und den nachfolgenden Truppen Lebensmittel -entgegensenden konnte. Ohne diese Hilfe wäre das ganze Heer in den -schrecklichen Wüsteneien umgekommen. Die indianischen Lastträger, -welche den Zug mitmachen mußten, litten noch mehr als die Spanier.[446] -Manche sanken vor Erschöpfung nieder; die Luft war so kalt, daß man -kaum athmen konnte. Dazu nachts kein Feuer, um sich zu erwärmen, kein -Schutz vor den rasenden Winden, keine ausreichende Nahrung, um den -Körper widerstandsfähiger zu machen. Der Hunger war so arg, daß die -lebenden Indianer das Fleisch ihrer gefallenen Kameraden verzehrten -und die Spanier mit Begier das sonst verschmähte Fleisch gefallener -Pferde unter sich theilten. Das Heer verlor bei diesem Uebergange 150 -Mann und 30 Pferde. Erst im Thal von Copiapo konnten die Soldaten bei -längerer Rast sich erholen und stärken. Rodrigo Orgoñez, welcher dem -Almagro später von Cuzco her neue Truppen zuführte und denselben Weg -über die Anden einschlug, hatte noch mehr Verluste als der Adelantado. -Die Schneemassen begruben manchen Mann und manches Roß. Dann marschirte -Almagro im chilenischen Küstenlande weiter nach Süden, nach Coquimbo. -Hier traf er unerwartet einen Spanier, welcher, vor einer angedrohten -Strafe flüchtig, aus Peru 600 Meilen weit nach Chile gelaufen war, -ohne Schaden zu erleiden. (Oviedo, ~historia~ 47, 4). Von Coquimbo aus -ließ Almagro dann das Land im Süden bis zum Rio Maule (35° s. Br.) -erforschen und trat dann, da die erträumten Schätze sich nirgends -zeigen wollten, enttäuscht den Rückweg an. Um das Heer nicht noch -einmal den Gefahren des Hochgebirgs auszusetzen, wählte er diesmal den -Küstenweg, welchen ihm die Indianer in Jujuy bereits empfohlen hatten. -Zwar mußte er hier die Atacama passiren und verlor durch Mangel an -Wasser und Futter mehr als 30 Pferde, aber keinen Mann. Sein Heer war -in kleine Abtheilungen vertheilt, Almagro bildete mit seinem Gefolge -den Schluß. So überwand er glücklich diese Wüste und stieg dann von -Arequipa nach dem Hochland von Cuzco hinauf, wo er im Frühling 1537 -wieder anlangte. Es war ein überaus verwegener, aber erfolgloser -Entdeckungszug gewesen. - -Während Almagro auf dem Marsche nach Chile war, suchte die nationale -Partei unter ihrem Inka Manco die Gelegenheit, das spanische Joch -abzuschütteln, zu benutzen, so lange ein ansehnlicher Theil des -feindlichen Heeres aus dem Lande abwesend war. Manco entwich aus Cuzco -und rief das Volk zu den Waffen. Die Hauptstadt wurde belagert und -durch brennende Pfeile leicht in Brand geschossen, da die meisten -Häuser mit Stroh gedeckt waren. Die halbe Stadt wurde zerstört, die -Festung fiel in die Hände der Peruaner. Juan Pizarro eroberte zwar -einen Theil derselben wieder, wurde aber dabei durch einen Steinwurf -so gefährlich verletzt, daß er bald darauf starb. Erst nach seinem -Tode konnten die Spanier die Festung wieder gewinnen; dann wurden sie -aber Monate lang von einem großen indianischen Heere in Cuzco belagert -und ihre Verbindungen mit Lima abgeschnitten, so daß Francisco Pizarro -vergebens, da die Indianer die Bergpässe besetzt hielten, versuchte, -der bedrohten Hauptstadt Ersatz zu bringen. Erst als in der Zeit -der Feldbestellung das peruanische Belagerungsheer sich theilweise -auflöste, wich die äußerste Noth, in welcher sich die Besatzung -befunden hatte. Man machte in dieser Zeit sogar den, wenn auch -verfehlten Versuch, sich durch einen Handstreich der Person des Inka -zu bemächtigen. Francisco Pizarro fühlte, daß der ganze Besitz seiner -Eroberung durch den allgemeinen Aufstand auf dem Spiel stehe, wenn -nicht rasche Hilfe komme. Er entsandte Schiffe nach Mittelamerika und -forderte die dortigen Statthalter unter lockenden Verheißungen auf, ihn -mit Truppen zu unterstützen. - -Unter solchen Verhältnissen erschien Almagro wieder in Peru. Die schon -lange im Stillen glimmende Eifersucht zwischen ihm und Pizarro hatte -zwar schon vor seinem Abmarsch nach Chile eine scheinbare Versöhnung -gefunden, da sich beide Rivalen durch schriftlichen Vertrag und -Eidschwur auf die Hostie am 12. Juni 1535 zur Beilegung des Streites -bereit erklärt hatten; allein da nun nach seiner Rückkehr Almagro -erfuhr, daß eine königliche Vollmacht ihn zum selbständigen Statthalter -über alle Länder ernenne, welche 270 Leguas (17½ Leguas = 1 Breitengrad -von 15 Meilen) südlich vom Santiagoflusse[447] beginnend, sich gegen -Süden ausdehnten, so glaubte er Anspruch auf den Besitz von Cuzco zu -haben. Bei der Unsicherheit genauer astronomischer Bestimmungen konnte -zu jener Zeit allerdings die Entscheidung dieser Frage zweifelhaft -sein, wenn wir jetzt auch mit Bestimmtheit sagen können, daß die alte -Hauptstadt noch zum Gebiete Pizarro’s gehört. Ehe Almagro noch in -die Nähe von Cuzco gelangt war, suchte er mit dem Fürsten Manco, mit -welchem er früher befreundet gewesen, eine Zusammenkunft, wurde von -diesem aber überfallen. Nachdem er den Angriff siegreich abgewiesen -hatte, rückte er mit seinem Heere vor Cuzco und forderte von Gonzalo -und Hernando Pizarro, welche in derselben befehligten, die Uebergabe -der Stadt. Da dieselbe unter verschiedenen Vorwänden verzögert wurde, -so drang er in einer finstern Nacht am 8. April 1537 in Cuzco ein und -nahm beide Brüder nach kurzem Kampfe in ihrem Hause, welches dabei in -Flammen aufging, gefangen. - -Inzwischen war Alvarado, von Francisco Pizarro zu Hilfe gerufen, zum -zweitenmale in Peru erschienen und stand, im Begriff mit 500 Mann auf -Cuzco zu marschiren, 13 Meilen von der Hauptstadt entfernt in Jauja. -Almagro ließ ihm die erfolgte Besetzung seiner Hauptstadt melden, aber -Alvarado befahl, die Boten in Ketten zu werfen. Erbittert über solchen -Verrath fiel Almagro rasch über ihn her, besiegte ihn bei der Brücke -von Abancay, am 12. Juli 1537, und kehrte dann nach Cuzco zurück. Der -Inka wurde mit dem Rest seiner Scharen ins Gebirge getrieben und das -Land von den Aufständischen gesäubert. Es kam nun vor allem darauf -an, eine directe Verbindung mit dem Mutterlande zu schaffen und einen -Seehafen im südlichen Peru ausfindig zu machen. Deshalb zog Almagro -ins Küstenland hinunter, um dort einen befestigten Landungsplatz zu -gründen. Sein Augenmerk war auf das fruchtbare Chinchathal gerichtet; -Hernando Pizarro mußte als Gefangener folgen, während es dem andern -Bruder Gonzalo gelang, aus der Haft zu entfliehen und Lima zu erreichen. - -Francisco Pizarro, welchem vor allem daran gelegen war, seinen noch -gefangenen Bruder dem siegreichen Gegner zu entreißen, zeigte sich -sehr friedlich gesinnt und knüpfte Unterhandlungen an. Beide Parteien -kamen am 13. November in Mala, südlich von Lima, zusammen und Almagro -verstand sich dazu, gegen die vorläufige Anerkennung seiner Ansprüche -auf Cuzco, Hernando Pizarro freizugeben. Die endgiltige Entscheidung -des Streits wurde der spanischen Regierung überlassen. - -Kaum war Hernando frei, so erklärte bereits Francisco Pizarro den -Vertrag für ungiltig, und der Streit begann von neuem. Almagro ging -nach Cuzco zurück, wohin ihm sein erbitterter Gegner Hernando im -Frühling des nächsten Jahres folgte. Am 26. April 1538 kam es zum -Kampfe bei Las Salinas, eine kleine Meile von der Hauptstadt. Keine -der beiden Parteien verfügte über mehr als 700 oder 800 Mann, aber das -Gefecht war sehr heftig und dauerte den ganzen Tag. Almagro konnte, -weil er krank war, nicht unmittelbar in den Streit eingreifen, aber -er befand sich ganz in der Nähe. Während des Gefechtes fielen nur -15 bis 20 Mann, aber bei der Verfolgung der geschlagenen Truppen -Almagro’s, welcher selbst gefangen genommen wurde, sollen noch 150 Mann -niedergemacht worden sein. Hernando hatte für den überwundenen Gegner, -den frühern Waffengefährten, der ihm großmüthig die Freiheit geschenkt, -kein Mitgefühl, kein Erbarmen; er sann auf Rache für die angethane -Schmach. Almagro wurde nach Cuzco gebracht und ihm dort der Proceß -gemacht. Unter Aufbietung einer ansehnlichen Truppenmacht wurde ihm -öffentlich am 8. Juli der Urtheilsspruch verkündet. Dann ließ Hernando -ihn im Gefängniß erdrosseln. - -Almagro war eine offne, rohe Natur, welche sich nie mit heuchlerischen -Hintergedanken oder mit Racheplänen trug. Er besaß einen empfindlichen -Ehrgeiz und liebte es, durch verschwenderische Geschenke seine Truppen -zu belohnen. Tapfer und in allen Strapazen ausharrend, machte ihn seine -durch und durch soldatische Natur bei seinem Heere beliebt. Seine -Verbindung mit dem herz- und gewissenlosen Pizarro stürzte ihn ins -Verderben. - - -32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende der peruanischen Parteikämpfe. - -Der junge Diego Almagro befand sich inzwischen in Lima, aber die -Statthalterschaft seines Vaters erhielt er nicht; auch wurden seine -Anhänger, die „Chilenen“, durch Verachtung gekränkt. Man wandte sich -um Recht nach Spanien. Um diesen Bemühungen der Partei Almagro’s, -besonders des eifrigen Diego de Alvarado entgegenzuwirken, ging -Hernando Pizarro 1539 selbst nach dem Mutterlande. Kurz nach seiner -Ankunft in Valladolid am Hofe starb dort Alvarado ganz plötzlich, -man sagte: durch Gift, welches Pizarro ihm beigebracht. Der Henker -Almagro’s fand keinen freundlichen Empfang, man beschuldigte ihn mit -Recht, daß er einen von der Krone eingesetzten Statthalter -- ob -aus eignem Antriebe oder durch seinen Bruder bestimmt, blieb dabei -unerörtert -- habe hinrichten lassen. Er wurde daher gefangen genommen -und blieb auf der Festung Medina del Campo bis 1560 eingesperrt, so daß -er alle seine Verwandten und auch -- seinen Ruhm überlebte. - -Um die verwirrten und unerquicklichen Verhältnisse in Peru zu ordnen, -wurde der Rechtsgelehrte +Vaca de Castro+ entsendet als „königlicher -Richter“, oder, für den Fall, daß Francisco Pizarro bereits gestorben, -als königlicher Statthalter. Im Sommer 1541, während er noch auf der -Reise begriffen war und sich in Popoyan, nördlich von Quito (2½° n. -Br.), aufhielt, erreichte ihn schon die Nachricht, Francisco Pizarro -sei von seinen Gegnern ermordet. Die chilenische Partei hatte unter -Anführung des Juan de Herrada mit einer Anzahl von Verschworenen am -Sonntage den 26. Juni 1541, da Pizarro nicht zur Messe gegangen, den -Zugang zu seinem Palaste in Lima erzwungen und, wie der junge Almagro -behauptete, den Statthalter gefangen nehmen wollen, weil dieser in -gleicher Weise wie seinem Vater, auch ihm, nach dem Leben getrachtet -habe. Bei seiner Vertheidigung wurde Pizarro sammt seinem Bruder -Francisco Martin und seinem Pagen Tordoya getödtet, während das übrige -Gefolge floh. Er war 63 Jahre alt, als er zur Sühne für den an seinem -Genossen Almagro verübten Mord unter den Streichen der Verschworenen -fiel.[448] Wenn er auch Jahre lang sein Ziel, Peru zu erobern, kühn -und unbeugsam im Auge behielt und dabei eine erstaunliche Thatkraft -entfaltete, so läßt sich seinem Charakter doch keine sympathische -Seite abgewinnen. Ungebildet und gefühllos trat er Freund und Feind -nieder. Er hatte Cortes mehrfach als Vorbild genommen, so namentlich in -der Gefangennahme des Fürsten; auch war ihm die Eroberung des Landes -leichter geworden, als jenem, welcher zuerst mit einem amerikanischen -Kulturvolke rang, die Besiegung von Mexiko. Aber verglichen mit einem -Feldherrn und gebildeten Staatsmann wie Cortes erscheint Pizarro nur -als ein gemeiner Abenteurer, und zwar als der grausamste von allen, -welcher das eroberte Land ausplünderte und mit Blut überschwemmte und -den spanischen Namen für immer in Südamerika verhaßt machte. - -Als Cristoval Vaca de Castro in Popayan das Schicksal Pizarro’s erfuhr, -nahm er, seiner Instruction gemäß, den Titel eines Statthalters an. -Zwar suchte der junge Almagro einen Vergleich herbeizuführen, wonach -ihm die seinem Vater zugewiesene südliche Hälfte des eroberten Reiches -überlassen werde; allein Vaca de Castro konnte, nach den Vorfällen in -Lima, darauf nicht eingehen. Er verlangte vielmehr, daß Almagro sich -unterwerfe, das Heer, welches er um sich gesammelt hatte, entlasse und -ihm, dem rechtmäßigen Statthalter, alle am Morde Pizarro’s betheiligten -Personen zur Bestrafung ausliefere. Almagro weigerte sich, und so -kam es am 16. September 1542 auf der Ebene von Chupas bei Guamango -(jetzt Ayacucho) zwischen Lima und Cuzco zum Entscheidungskampfe. -Castro’s Heer zählte 328 Reiter und 420 Fußgänger, Almagro stellte -dagegen 220 Reiter und 280 Fußgänger ins Feld.[449] Die chilenische -Partei wurde aufs Haupt geschlagen, Almagro floh nach Cuzco, wurde -aber bald ausgeliefert und enthauptet. Damit war auch das Loos seiner -Anhänger entschieden. Der Widerstand hörte auf, und die Parteigänger -Almagro’s unterwarfen sich. Der königlichen Autorität stand, als -Castro im Jahre 1544 durch den Vicekönig +Blasco Nuñez Vela+ ersetzt -wurde, nur noch der +letzte Bruder Pizarro’s, Gonzalo+, gegenüber, -welcher sich im nördlichen Theil des Reichs festgesetzt hatte und -sich nicht beugen wollte. Er war schon im Jahre 1540 zum Statthalter -von Quito gemacht und hatte mit einem Heere von 350 Spaniern und -4000 Indianern das Land besetzt. Von hier war er dann, angelockt von -dem fabelhaften Goldreichthum, welcher sich nach den Erzählungen -der Indianer in den östlichen Waldgebieten finden sollte, in der -Nähe des Aequators über die östlichen Anden gestiegen und an dem -Rio Napo abwärts vielleicht bis zu dem Katarakt del Cando in die -Urwälder eingedrungen, wo ihn die unwegsame Wildniß und Mangel an -Lebensmitteln in die äußerste Noth brachten. Hier beschloß er ein -Fahrzeug zu bauen, um die Truppen, wenigstens zum Theil, namentlich -die Kranken, und außerdem das Geschütz, zu Wasser weiter stromabwärts -befördern zu können. Zum Schiffscapitän wurde +Francisco de Orellana+ -aus Trujillo gemacht. Landheer und Schiff rückten noch eine Zeitlang -neben einander den Strom hinunter, bis die zu Lande marschirenden -Soldaten durch den verschlungenen Urwald nicht mehr weiter konnten. -Dazu trat die Regenzeit ein, die Vorräthe waren erschöpft, alle -Pferde mußten geschlachtet werden. Das Heer machte Halt, Orellana -erhielt den Auftrag, mit dem Schiffe allein weiter zu gehen, um -Lebensmittel aufzutreiben; aber er kehrte nicht wieder zurück. Ueber -sein Schicksal wird das nächste Capitel berichten. Nachdem Pizarro -wochenlang vergebens gewartet hatte, mußte er endlich erfahren, daß -Orellana ihn im Stich gelassen und weiter gesegelt sei. Er mußte sich -daher entschließen, den Rückmarsch nach Quito anzutreten. Hunger und -Fieber hatten seine Mannschaft bereits decimirt. Unter den beständigen -Regengüssen war der Waldboden in Sümpfe verwandelt. Mit zerrissenen -Kleidern, abgezehrt, zum Tode erschöpft erreichten nur 80 Spanier das -Hochthal von Quito. Hier erfuhr Gonzalo, daß sein Bruder Francisco vor -Jahresfrist von Mörderhand gefallen und der junge Almagro die Gewalt an -sich gerissen hatte, daß aber Vaca de Castro bereits über Quito nach -dem Süden gezogen sei. Aus Haß gegen Almagro bot er dem königlichen -Statthalter seine Unterstützung gegen den Mörder seines Bruders an; -aber Castro lehnte dieselbe ab, um sich nicht, wenn die chilenische -Partei von der Anwesenheit eines Pizarro in seinem Lager erfahre, -jede Aussicht auf einen friedlichen Ausgleich mit den Almagristen zu -versperren. Aber diese Ablehnung seiner Hilfe verletzte Gonzalo aufs -tiefste, trotzdem begab er sich später, nach der Hinrichtung des jungen -Almagro mit einer Reiterschar zuerst nach Lima und dann auf den Befehl -Castro’s nach Cuzco, wo sich der königliche Statthalter befand. Er -hoffte noch, daß ihm, nach dem Tode seines Bruders und der Bewältigung -des Aufstandes der chilenischen Partei, die Statthalterwürde zufallen -werde. Das kluge Benehmen Castro’s bei dieser Zusammenkunft raubte ihm -aber jeden Grund zu einer Schilderhebung, und da dieser ihm empfahl, -seine Besitzungen im Charcasgebiete[450] in Frieden auszubeuten, so -begab er sich nach dem Süden, wo er die schon den Inkas bekannten -Silberminen mit großem Erfolg abbaute. Erst als Castro in der -Person des +Blasco Nuñez+ einen Nachfolger empfing, und dieser die -vermeintlichen Rechte der Spanier über die Indianer, welche sie als -ihre Hörigen behandelten, antastete, ging Gonzalo nach Cuzco, wo man -ihn an die Spitze der gegen den neuen Vicekönig gerichteten Bewegung -stellte und ihn ermächtigte, Truppen zusammenzuziehen. Dann rückte -er mit seiner Schar gegen Lima, wo Vasco Nuñez, der sich nirgend -Freunde zu gewinnen verstand, in einer Revolte der Stadtbevölkerung -mit seinen wenigen Getreuen ohne Blutvergießen gefangen genommen und -von den gegen ihn gesinnten königlichen Richtern bald darauf nach -Panama zurückgeschafft wurde. Am 28. October 1544 zog Gonzalo in Lima -ein und wurde zum Statthalter von Peru proclamirt. Der Vicekönig war -indes nicht nach Panama gelangt, sondern hatte Mittel gefunden, in -Tumbez wieder ans Land zu gehen, von wo er sich nach Quito begab, um -von hier aus sich mit Gewalt wieder in Besitz der ihm durch königliches -Mandat übertragenen Macht zu setzen. Gonzalo Pizarro verfolgte ihn bis -über Pastos hinaus, ohne ihn zu erreichen, wußte ihn dann aber durch -eine List bis in die Nähe von Quito zu locken, wo er ihn bei Añaquito -am 18. Januar 1546 besiegte. Vasco Nuñez fiel selbst im Kampfe. Dann -kehrte Pizarro nach Lima zurück und führte die unbestrittene Obergewalt -in Peru, bis König Karl den Geistlichen +Pedro de Gasca+ mit den -weitgehendsten Vollmachten nach Peru sandte. Ohne Heer und großes -Gefolge, in einfachem Priestergewande wußte sich der gewandte Mann -zunächst die Landung im Nombre de Dios und dann den Eintritt in Panama -zu ermöglichen, obwohl Pizarro beide Plätze durch seine Untergebenen -besetzt hielt und eine starke Flotte von mehr als 20 Schiffen im Hafen -von Panama lag. Er bezeichnete seine Sendung als eine friedliche und -richtete auch in diesem Sinne ein Schreiben an Pizarro, um ihn zu -bewegen, die Befehle seines Königs anzuerkennen. Dann gelang es ihm, -den Befehlshaber der Flotte, Hinojosa, einen eifrigen Parteigänger -Pizarro’s, zu gewinnen, die königliche Vollmacht anzuerkennen und -sich seinem Befehl zu unterwerfen. Im Besitz der Flotte begann de -Gasca nun Truppen auszuheben, um mit bewaffneter Macht in Peru zu -erscheinen. Vier Schiffe wurden voraufgeschickt, um allen Spaniern -in Peru, die zu ihrer Pflicht zurückkehrten, volle Verzeihung und -Sicherheit ihres Besitzes anzukündigen. Diese Proclamation lichtete die -Reihen der Anhänger Pizarro’s rasch, die Bewohner von Cuzco erklärten -sich für den König, und die wichtige Provinz Charcas ging gleichfalls -verloren. Gasca ging mit der Flotte nach Tumbez, während die vier -vorausgesendeten Schiffe in dem Hafen von Lima landeten und, da Pizarro -gegen Cuzco gezogen war, auch die neue Hauptstadt ohne Schwierigkeit -besetzten. - -Zwar leuchtete dem letzten Pizarro noch einmal das Glück, da er in dem -blutigen Gefecht bei Huarina am Titicacasee am 26. October 1547 über -seine Gegner den Sieg gewann und noch einmal in Cuzco einzog, wo er -sich zum Entscheidungskampf rüstete, denn das Hauptheer Gasca’s befand -sich zu jener Zeit in Jauja und rückte erst im Frühjahr 1548, 2000 Mann -stark, gegen die altnationale Hauptstadt vor. - -Vier Meilen von Cuzco in dem Thale von Xaquixaguana standen sich -beide Heere kampfbereit am 9. April 1548 gegenüber. Gasca hatte bis -zuletzt den Gegner aufgefordert, sich zu unterwerfen und die Gnade des -Königs anzunehmen; aber Pizarro hatte auf sein Glück bauend, das ihn -aus allen Kämpfen und Gefahren siegreich hatte hervorgehen lassen, den -Frieden abgewiesen, obwohl die Heeresmacht Gasca’s stärker war. Allein -in diesen Tagen verließ ihn das Glück, verließen ihn seine Freunde. -Vor Beginn der Schlacht gab der Anführer seines Fußvolks das Zeichen -zum Abfall, indem er zur königlichen Partei hinüberjagte. Ihm folgten -die Truppen zu Fuß und zu Roß, so daß Pizarro sich gefangen geben -mußte. Ihm und seinen entschiedensten Anhängern Francisco de Caravajal -und Juan de Costa wurde der Proceß gemacht, und sie büßten alle ihre -Rebellion mit dem Tode.[451] Gasca ordnete die Verhältnisse des Landes -einsichtsvoll und kehrte 1550 nach Spanien zurück. - - -33. Orellana entdeckt den Amazonenstrom 1541. - -Es ist bereits im vorigen Capitel erwähnt, daß Francisco Orellana von -Gonzalo Pizarro auf seinem abenteuerlichen Zuge in das Waldland des -Amazonengebiets am Rio Napo mit einem Schiffe entsendet worden war, um -für das bedürftige Heer nach Lebensmitteln zu suchen. Orellana hatte -50 Mann an Bord und 2 Geistliche.[452] In der Strömung des mächtig -flutenden Wassers legte Orellana täglich 20 bis 25 Meilen zurück, -ohne Ansiedlungen am Ufer anzutreffen. Statt für das zurückgelassene -Heer sorgen zu können, wurden sie selbst vom Gespenst des Hungers -verfolgt und verspeisten das Leder der Sättel. Erst in der Nähe des -Amazonenstroms, wohin man am 8. Januar 1541 gelangte, stieß man auf -ein Indianerdorf. Umzukehren war nicht möglich, denn zu Lande gab’s -keinen Weg und zu Wasser würde man bei aller Anstrengung, gegen den -im untern Laufe allerdings langsam dahinziehenden Strom zu rudern, -Monate gebraucht haben. Es blieb ihnen also keine andere Wahl, als der -Strömung des Wassers zu folgen und sich bis ans Meer tragen zu lassen, -ungewiß wo man es erreichen werde. Da man aber von den Indianern in -Erfahrung gebracht, daß man nicht fern von einem sehr großen Strome -sei, so beschloß Orellana, um den unbekannten Gefahren auf dem Wasser -besser begegnen zu können, noch eine feste Brigantine zu bauen. Am -Abend des 1. Februar schifften sie sich wieder ein, nachdem sie durch -die Indianer mit allerlei Vorräthen an Schildkröten, Hühnern und -Fischen versorgt waren. Die Brigantine besetzten 30 Mann, die Barke -20. Zehn Tage später erreichten sie eine Stelle, wo sich drei Flüsse -vereinigten; der von rechts kommende Strom schien sich von Ufer zu -Ufer wie ein weites Meer auszudehnen (~una amplissima mar.~ Oviedo -~l. c. p.~ 548). Man hatte damit den oberen Marañon selbst erreicht. -Am 26. Februar wurde wieder angelegt, um die Schiffe auszubessern. -Man blieb bei den freundlich gesinnten Einwohnern bis nach Ostern, -nur, wie der die Expedition begleitende Geistliche, Carvajal, -klagt, von der „ägyptischen Plage“ der Moskitos belästigt. Weiter -stromab stieß man auf kriegerische Stämme, welche die Spanier auch -auf dem Wasser mittelst ihrer Canoes angriffen. In der beständigen -Feuchtigkeit des Stromthals war aber das Pulver naß geworden, und die -Sehnen der Armbrüste hatten ihre Spannkraft verloren; ihre besten, -fernhintragenden Waffen waren also unbrauchbar geworden. Die beiden -Schiffe hielten sich womöglich in der Mitte des großen Stromes, wo sie -am wenigsten belästigt wurden, und erreichten am Abend vor Trinitatis -einen von links mündenden Zufluß, dessen Wasser schwarz wie Tinte -erschien. Man gab ihm den Namen Rio Negro; es ist der bedeutendste -aller linken Zuflüsse des Amazonas. Unterhalb desselben wuchs die -Bevölkerung am Ufer ganz bedeutend, man segelte an vielen großen -Ortschaften vorbei,[453] von denen die eine sich mit ihren Hütten eine -ganze Meile am Strande hinzog. Hier konnte man überall Mais und Hühner -erlangen. Am 24. Juni trafen sie ein Dorf, das nur von Frauen bewohnt -war, welche keinen Verkehr mit Männern pflegten (~sin conversaçion -de varones~). Diese Weiber erschienen, nach Carvajals Angabe groß -und von starken Gliedmaßen, waren von heller Hautfarbe und trugen -lange Haarflechten. Mit Bogen und Pfeil griffen sie die Spanier an, -verloren aber sieben bis acht Kämpfende. Von dieser Begegnung mit -bewaffneten Frauenvölkern, eine selbst in dem Wunderlande der neuen -Welt den Spaniern unerwartete Erscheinung, hat der Strom seinen Name -Rio das Amazonas (Strom der Amazonen) erhalten.[454] Weiter abwärts -zum Meere wohnten Cariben, verabscheuungswürdig, weil sie das Fleisch -der Erschlagenen verzehren, aber geschickt in allen Waffen und in -Verfertigung schöner Gefäße, die sie verzieren und bemalen. - -Trotz häufiger Kämpfe verloren die Spanier doch nur drei Genossen an -Wunden, dagegen acht an Krankheiten. - -Ehe man ins Meer hinaussteuerte, wurden beide Schiffe mit einem festen -Verdeck versehen, die Segel setzte man aus mitgenommenen peruanischen -Mänteln zusammen. Mit diesen Vorbereitungen beschäftigt, blieb Orellana -24 Tage in der Nähe der Mündung und steuerte dann am 26. August kühn -ins Meer hinaus; ohne Piloten, ohne Compaß wußte er kaum, wohin er -steuern sollte. Aber alle sahen es als eine besondere Gnade des Himmels -an, daß in der ganzen Zeit, seit sie den großen Strom verlassen und am -Lande hin nordwärts segelten, kein Regen fiel und das schönste Wetter -sie begleitete. Sonst hätten wohl kaum die gebrechlichen Fahrzeuge die -See behaupten können. Zwar wurden sie bei Nacht durch die Strömung -des Meeres getrennt, gingen einzeln durch den Pariagolf und durch den -stürmischen Drachenschlund, langten aber beide doch glücklich am 11. -September auf der Insel Cubagua neben der Perleninsel Margarita an und -wurden von ihren Landsleuten freundlich aufgenommen. - -Die größte, schiffbare Stromrinne des südamerikanischen Continentes -war so mit einem Schlage aufgefunden. Orellana’s romantische Fahrt -läßt sich nur mit Stanley’s staunenerregender Congofahrt in dem jüngst -verflossenen Jahrzehnt vergleichen. - -Von Cubagua sandte der glückliche Entdecker des Riesenstroms einen -Bericht an den König und begab sich dann mit seinen Gefährten nach dem -Mittelpunkte der westindischen Welt, nach Haiti, wo er am 20. December -1541 ans Land ging. - -Orellana’s Pläne waren aber auf eine Besiedlung des entdeckten -Gebietes gerichtet; darum kehrte er im nächsten Jahre nach Spanien -zurück und schloß mit der Regierung eine Capitulation, wonach er -zur Eroberung des Landes autorisirt wurde. Sehr treffend erhielt -es den Namen Neu-Andalusien. Denn wie das spanische Andalusien von -dem wasserreichsten „großen Strome“, d. i. dem Guadalquibir, dem -größten der ganzen Halbinsel, bespült wird, so Neu-Andalusien von dem -mächtigsten Wasser der neuen Welt. Es gelang Orellana für sein Project -Theilnahme und Unterstützung zu finden, und so segelte er am 11. Mai -1544 mit vier Schiffen und 400 Mann von San Lucar de Barrameda ab; -aber diese Expedition hatte beständig mit Misgeschick zu kämpfen. -Drei Monate wurde das kleine Geschwader bei Teneriffa, zwei Monate am -grünen Vorgebirge aufgehalten und verlor durch den Tod 98 Personen, -während 50 andere davonliefen. Bei der Ueberfahrt über den Ocean jagte -der Sturm die Schiffe auseinander, zwei derselben, auf deren einem -sich Orellana befand, wurden bis zur Ostspitze Brasiliens getrieben. -Von hier gingen sie dann an der Küste des Festlandes nach Nordwesten -bis zum ~mar dolce~ und fanden endlich die Mündung des großen Stromes -wieder, welchem Orellana seinen Namen beilegte. Aber dort wurde der -größte Theil der Mannschaft an der ungesunden Küste bald von Fiebern -hinweggerafft; und als auch Orellana ins Grab sank, löste sich die -Unternehmung auf, und die Ueberlebenden wandten sich nach San Domingo. - -Alle Eroberungszüge der Spanier in der neuen Welt, so weit sie durch -die Entdeckungsfahrten des Columbus angeregt waren, bewegten sich -fast ausschließlich in den Grenzen des heißen Erdgürtels und nahmen -von der Inselflur Westindiens als der natürlichen Eingangspforte zu -diesen Regionen ihren Ausgang. Der Reiz der Neuheit der sie umgebenden -Naturprodukte, die Romantik der wunderbarsten Abenteuer, welche das -Leben zu einem Roman gestalteten, die Befriedigung, welche die Einen -in der Aufspürung und Erbeutung edler Metalle und die Andern in der -Bekehrung unzähliger Menschenstämme zum Christenthum fanden, rief unter -den Spaniern ein wahres Auswanderungsfieber und einen unglaublichen -Entdeckungs-Schwindel hervor, welcher das Mutterland zu entvölkern -drohte. Fand doch der venetianische Gesandte Andrea Navagiero, welcher -1525 Spanien bereiste, in Sevilla, dem Sitze des indischen Amtes, so -wenig Männer vor, daß er meinte, die Stadt sei fast ganz den Weibern -überlassen. - -Die großartige Erweiterung des Horizontes und der Umschwung der ganzen -Weltanschauung, welche Europa’s Kultur dadurch gewann, wurde leider -durch den Untergang origineller Bildungselemente in der neuen Welt und -durch die Vernichtung unzähliger Menschenleben erkauft, welche unter -der harten Hand der Eroberer trotz aller Bemühungen der Geistlichkeit -und aller Gesetze der Regierung zu Grunde gingen. - - - - -Drittes Capitel. - -Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste Erdumsegelung -Magalhães’. - - -1. Die Vorläufer Magalhães’. - -Nachdem Amerigo +Vespucci+ im Jahre 1501 auf seiner Entdeckungsfahrt -an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. vorgedrungen war (s. oben -S. 332), faßte er 1503 bereits den Plan auf südwestlichem Wege bis -zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben S. 335), aber das Ungeschick -des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er kam nicht so weit -nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber Vespucci der erste, -welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im Jahre 1505 ganz nach -Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem Plane Geltung zu -verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der Absicht der -spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu schicken (~para -descobir la especeria~), wobei das Gutachten der beiden erfahrensten -Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, eingeholt werden -solle.[455] Doch scheint die Absendung sich verzögert zu haben, -wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung und in dem -genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni zwei -Schiffe unter +Pinzon+ und +Juan Dias de Solis+ von San Lucar aus, -gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber und kamen bis -etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit zwischen den -beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die Schiffe kamen -Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück. - -Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten -doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so -wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben -wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. -Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. -oben S. 347). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt -ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von -dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat -zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen -Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste -Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu -erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in -ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen -war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, -welche beide Oceane mit einander verbinde. - -Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter -Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den -Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht -hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, -welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der -erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben -Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die -Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.[456] Möglicherweise -datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird -nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner -berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) -gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf -welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt -(~multo occulto~) angegeben sei.[457] Da nun Behaim schon 1506 oder -1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden -sein. Daß seine Zeichnung, welche +vor+ der Entdeckung der Südsee -durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent -später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich -aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, -wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland -überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das -Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse -der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische -stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,[458] die deutsche -von Johannes Schöner.[459] Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie -bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden -Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten -Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise -auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt -und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s -Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam -um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu -fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht -der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner -seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher -er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm. - -Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; -wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite -Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken -suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben -Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der -ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem -zu lösen und praktisch zu verwerthen. +Juan Dias de Solis+ schloß -nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er -sich verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken -und auf die Rückseite des Landes (~á las espaldas de la tierra~) zu -gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in -Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische -Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach -den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe -verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.[460] - -[Illustration: ~SÜDAMERICA mit einer südlichen Meerenge, nach dem von -=Joh. Schöner= 1515 entworfenen Globus.~ - -~_Die punktirten Conturen zeigen die richtigen Umrisse des Landes._~] - -Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er -bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. -Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October -1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die -südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit -des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des -Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und -wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern -Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern -Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen -getödtet und verzehrt. - -Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de -Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück. - - -2. Fernão de Magalhães. - -Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf -südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, -sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht -ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht -direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in -dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die +Umschiffung des -Erdballs+, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann -seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit -und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu -verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des -Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. -Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den -Portugiesen +Ferdinand Magalhães+[461], unter die hervorragendsten -Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist. - -Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, -sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras -os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches -er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, -aufsetzte.[462] Um 1480 mag er geboren sein. - -[Illustration: Facsimile des Namenszuges von Magalhães.] - -[Illustration: +Fernão de Magalhães.+ - -Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches von Ferd. Selma.] - -Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, -focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, -betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten -Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den -Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in -demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen -Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu -gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan -des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß -er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien -ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco -Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte -Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen -Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher -an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere -Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn -vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt -zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa -Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. -Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere -nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der -nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit -und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm -dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder -nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient -hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen -Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães -glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um -eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses -Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range -zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich -auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert -vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, -wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt -nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm -der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen -Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer -angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem -Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika -herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte -der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte -über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die -Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war -nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich -abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das -bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu -die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen -zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem -Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität -zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter -Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem -Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464] -und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls -vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de -Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem -Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen -Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, -welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht -hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (~alcaide del alcaçar -de Sevilla~) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche -Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, -Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen -Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den -Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit -Begeisterung. - -Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda -an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken -tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die -berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und -Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser -nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man -doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung -aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine -weiteren Ansprüche haben müsse.[465] - -So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens -und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich -verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (~dentro -de nuestros limites é demarcacion~) zu bewegen, wogegen ihnen das -Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein -diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf -den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird -die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen -und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des -Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang -eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen -Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. -Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien -derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von -dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. -Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter -zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen -Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 -Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die -höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und -Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, -dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und -Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein -Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro. - -Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man -portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn -Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten -Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu -lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. -Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den -König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der -Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães -und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines -Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und -erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine -Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und -den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, -die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien -kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn -er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die -Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation -angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann -aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães -gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen -scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, -welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete -nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und -Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat -zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der -ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich -Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta -aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur -Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April -1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das -Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen: - - Trinidad, Commodor Magalhães - San Antonio, Capitän Juan de Cartagena - Concepcion, „ Gaspar de Quesada - Victoria, „ Luis de Mendoza - Santiago, „ Juan Serrano. - -Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die -Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich -nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte -er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, -ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem -sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den -Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit -zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen -über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein -Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen. - -[Illustration: +Rumpf eines großen Seeschiffes um+ 1500. - -Aus dem Wappen von Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines -Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.] - -Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus -nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in -der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen -mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter -Befehlshaber (~veedor general de la armada~) den Anspruch erhob, bei -der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. -Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß -nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und -alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der -Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel -„Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. -Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden -drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete -Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena -verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de -Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter -veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und -segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, -wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und -Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu -untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen -Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang -existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar -1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an -der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte -Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war -bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, -eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai -zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte -aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große -Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach -denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig -unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet -auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. -Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen -Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, -mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen -Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz -versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães -noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah -sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu -überwintern. - -Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, -dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter -das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag -lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land -umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, -weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, -von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (~bahia de -los trabalhos~) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den -Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in -trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand -und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber -sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu -kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen -und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn -auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach -einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter -vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete -es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das -Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch -vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die -Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher -List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo -Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. -Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und -Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer -festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man -rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit -seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich -auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes -geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die -Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der -guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft -nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht -vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze -der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit -diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem -Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master -und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber -für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada -den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den -Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen -abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen -zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem -Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die -Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde -Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt -der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten -des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, -was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu -ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und -nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten -ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. -Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um -auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich -an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar -zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er -in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu -machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der -Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in -den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch -mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde. - -Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, -um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der -Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das -Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz -und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän -bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, -Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am -nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, -auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das -Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal -überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit -seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und -brachte sie nach Spanien. - -Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 -Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden -der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen -Füße (spanisch ~patagon~ = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die -übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel -gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die -Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst -nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der -Körpergröße widerlegt wurde.[476] - -Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er -durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden -untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung -des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des -Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit -seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, -zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt -wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen -Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago -auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da -zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden -mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er -sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst -wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, -würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar -vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das -Cap Virgenes (~Cabo de las Virgenes~) und damit den Eingang der -berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen -Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. -Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen -vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen -abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen -Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche -Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in -der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der -Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei -Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche -Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen -denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der -tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger -gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen -Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine -gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein -vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen -erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. -Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen -an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden -und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der -sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen -und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den -Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, -wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald -umsäumt.[477] - -„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen -Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit -der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge -entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu -Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie -ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten -der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das -schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen -hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne -Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich -plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in -Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen -Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet -ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von -dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, -die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der -finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom -rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, -daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen -aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst -jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen -bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478] - -Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden -Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu -untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria -zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe -nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich -weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und -hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, -wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, -wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe -des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der -Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich -gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff -am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die -hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten -zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu -besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für -drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot -auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, -besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer -besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu -führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der -schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. -Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte -ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit -des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch -einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu -lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt -den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich -unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund -ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, -welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das -Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (~tierra del -fuego~). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene -Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von -zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch -Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man -befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San -Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, -und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, -nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in -demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, -aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit -den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, -während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu -untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, -es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. -Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das -Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, -da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den -Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. -Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, -in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender -Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht -niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das -vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen -den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er -hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie -Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen -angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen -Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. -Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im -Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum -in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter -des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät -belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen. - -So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch -der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er -nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. -Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre -er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne -und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu -lassen, in welchem er sie um +schriftliche+ Meinungsäußerung ersuchte, -ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte -vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die -Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war -„gegeben im Canal Allerheiligen“, ~canal de todos los Santos~ (denn so -hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader -befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes -der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und -das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten -Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten -Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den -Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf -den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum -60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften -entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, -die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern -Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl -zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft ~tierra -firme~, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich -zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung -eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte -also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den -offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen -Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei -Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die -Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ -der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte -am 28. November beim ~Cabo Deseado~[481] („ersehntes Vorgebirge“) -das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und -rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten -mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482] - -Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade -nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen -Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach -Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit -gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von -Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke -der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem -Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen ~Mar pacifico~ „stiller -Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel -und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, -unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San -Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes -Inselchen, welches Haifischinsel (~los tiburones~) genannt wurde und -unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um -die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die -Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie -Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, -als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer -drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, -ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, -voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser -war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter -der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht -durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, -dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser -eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu -machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit -½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem -19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der -langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in -dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals -eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf -den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie -Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den -Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang -ohne Nachfolger blieben. - -Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: -„Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert -wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das -Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt -sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach -Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des -16. Jahrhunderts als ~terra australis incognita~ gedacht und bis tief -ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die -Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat. - -Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. -v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er -zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen -diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er -den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß. -Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator -lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen -dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter -nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern -noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und -seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf -die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren, -bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher -Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über -das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen -Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln -~Islas de las velas~ (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen -diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als -sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt -hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die -Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem -Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen, -welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen -ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel -des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der -kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um -frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu -gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet. -Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit -einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den -Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen -Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (~Maçaguoa~), wo eine -Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen -Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen -zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern -sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert -Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten -der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation -gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães -erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und -werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ -gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über -die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien -huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten, -wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der -Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt -die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten -Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie -die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen -des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung -seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis -60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen -eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine -Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald -einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der -Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und -bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken -von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil -am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der -Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, -bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem -verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde -richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der -Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht -als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. -Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze -nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, -in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, -für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs -Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends -tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des -Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, -den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir -uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, -um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere -Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische -Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet -war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den -nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte -Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde -von den Siegern entschieden verweigert. - -Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod -fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht, -so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste -gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das -größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es -war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend -bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug -Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer -besser als andere. Er war nicht blos ein tapferer Soldat, sondern -bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute -anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten, -auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten. -Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber -darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten -Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch -die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal, -weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein -Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner kühnen -Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, was wir -darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein merkwürdiges -Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die Heldenthat -eines +Portugiesen+ in +spanischen+ Diensten von +Italienern+ -beschrieben ist. - -Die +wissenschaftliche+ Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt -Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und -Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer -Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst -die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen -auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten -Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale, -durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber -der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck, -die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere -Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine -Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum, -welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt -ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare Feld -für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende Fläche für -den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; er ist aber -nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein nothwendiges -Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung für alles, -was die Continente belebt.“ Der +materielle+ Vortheil, welchen die -spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, wird uns in -den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen. - - -3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung. - -Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung -der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden -war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst -von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem -Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen -bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes -Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter -die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano -sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem -der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine -ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta -litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de -Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden -sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt, -getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen -Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte, -verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn -loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht, -die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal -überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen -nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten -seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt. -Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und -Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der -kleinen, nordöstlich von +Borneo+ gelegenen Insel +Cagayan+, wo man -nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. Von -hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo -sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten. -Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch -verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie -nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel -zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den -Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue -an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte. -So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten -gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf -25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke -ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten -zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch -Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in -der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten -wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen -auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab -Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich -nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen -Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte, -fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten -mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser. -Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein -Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den -Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der -Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth -in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl -der Capitän eine Auswechselung der Gefangenen (denn es waren mehrere -vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken -angetroffen) vorschlug. - -Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste -Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich -am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt -von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie -den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht -ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von -trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur -mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von -den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch -man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher -geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser -überall wenigstens 100 Faden tief. - -Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen[486] und -schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag, -denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als -die Portugiesen[487]. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich -festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine -Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen. -Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote -der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von -Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de -Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien -hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise -erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren -diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl -am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den -Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in -Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach -den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in -folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem -Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord -des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln. - -Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht -eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz des -heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild -unseres Glückes“ (~questa e la figura della nostra buena ventura~) -aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das -Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom -Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten. -Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen -und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am -21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60 -Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete, -das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die -beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando -Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an -Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um -Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen -Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte -am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in -der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische -Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und -19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang -an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br. -hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte -nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli -die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel -St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte -unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika. -Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie -sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein -Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung -geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte -uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch -war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein -Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler -gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied -entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird -dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an -derselben Stelle geblieben sind.“ - -Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen -zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische -Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del -Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar. -Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein -von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.[488] Nachdem sie am 8. -September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage -sämmtlich eine feierliche Procession nach der Kirche der heiligen -Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach -Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig -empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt -außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches -Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: ~Primus -circumdedisti me~ (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta überreichte -bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig geführtes Tagebuch -der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die Bewunderung, welche allgemein -den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung gezollt wurde, drückt -Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere Seeleute sind des -ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit Jason nach Colchis -segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) verdient mehr unter die -Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“ - -Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn -die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern -Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders -vollauf.[489] - -Wie bereits oben (S. 481) erzählt ist, mußte die +Trinidad+ auf Tidor -zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. Erst -am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen -Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß -den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor -aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn -getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen, -litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß -viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen -Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man -sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß -die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort -eine Festung bauten (s. oben S. 205). Die Noth zwang die Spanier, -an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den -portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem -Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der -Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne -Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17 -Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523, -vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda -gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor -dort als Factor zurückgelassen (s. oben S. 205), versuchte von Banda -mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen, -ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier -Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein -Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem -Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden -Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen -höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu -befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute -Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch -sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen -die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich -mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die -letzten nach jahrelangen Leiden. - -Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort -Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung -ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger -ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten -Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge -alljährlich wiederholten. - - -4. Der Streit um die Molukken. - -Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die -für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als -äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen -als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein -augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde -erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen -Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und -gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen -Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des -Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und -geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen -Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die -länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter -geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den -Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die -Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend -wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; -so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker -einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. -Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten -Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über -die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf -der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun -nach entgegengesetzten Richtungen zwei Wege zu dem Lande der Gewürze -gefunden waren -- und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige -Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen ---, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich -nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die -Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber -diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, -sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen -Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man -richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung -der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr -Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines -Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine -mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, -weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden -könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen -in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um -den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege -zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus -Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der -schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits -aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt -war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten -Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April -1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den -beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht -einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die -westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 -spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte -und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden -mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die -Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand -nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen -aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine -davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. -Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen -ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem -Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer -Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der -einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung -des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von -Sevilla um 51½ Grad zu gering an. - -Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen -(Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die Ansichten -der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, die Portugiesen -17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten die Molukken den -Portugiesen zufallen. Die Spanier behaupteten, die Gewürzinseln seien -von den Capverden 183 Grade entfernt, die andern dagegen nahmen nur 137 -Grade an. Die unausgleichbare Differenz betrug demnach 46 Meridiane -(etwa die Entfernung von Berlin bis zum Uralgebirge). Dabei gaben die -Spanier den Abstand um 30½ Grade zu groß, die Portugiesen um 15½ Grad -zu klein an.[490] - -Der Pilotencongreß mußte ohne Resultat verlaufen, da keine der -streitenden Parteien die Mittel dazu besaß, der andern ihre Fehler -beweisen zu können, und löste sich am 31. Mai 1524 auf. - -Beide Nebenbuhler rüsteten sich, wetteifernd auf den Molukken Boden zu -gewinnen und waren entschlossen, sich auf den einmal besetzten Inseln -Tidor und Ternate mit Gewalt zu behaupten. - -Spanien entsandte ein Geschwader von sieben Schiffen mit 450 Mann unter -dem Befehl des +Garcia Jofre de Loaysa+, während del Cano als Oberpilot -mitging[491]. Am 24. Juli 1525 lief dasselbe von Coruña aus, denn nach -diesem tiefen und sicheren Hafen in Galicien hatte man das indische -Haus von Sevilla verlegt, einerseits um für die zu den Weltreisen -erforderlichen größeren Schiffe einen ihrem größern Tiefgange -entsprechenden Hafen zu besitzen, andererseits um für die Gewürze, -welche, wie man hoffte, nun bald in vollen Frachten auf dem Westwege -einlaufen würden, einen Stapelplatz zu schaffen, welcher den großen -Märkten von Nordwest-Europa, namentlich den flandrischen und englischen -Häfen näher liege als Lissabon. Coruña sollte zu einer Rivalin der -portugiesischen Hauptstadt gemacht werden. +Loaysa’s+ Flotte wurde -beständig von Misgeschick heimgesucht. In der Region der Calmen an der -Küste von Guinea monatelang aufgehalten, gelangten die Schiffe erst -am 22. November in die Nähe des Cap S. Augustin, am 5. December nach -Cap Frio und am 14. Januar 1526 zum Julianshafen. Am nächsten Tage -zerschellte das Schiff del Cano’s in einem Sturm, welcher auch die -anderen Schiffe arg mitnahm, an der Küste; die Mannschaft rettete sich. -Wieder verging ein Monat, ehe man den Eingang der berühmten Straße -wiederfand. Der Sommer ging zur Neige, die Stürme wurden immer heftiger -und jagten am 12. Februar die Flotte vollständig auseinander. - -Zwei Schiffe, die +Anunciada+ unter Pedro de Vera und der +Gabriel+ -unter Rodrigo de Acuña trafen weit nördlich von der Magalhãesenge -zusammen. Keiner der Capitäne zeigte eine Neigung, die gefährliche -Fahrt in der beabsichtigten Richtung fortzusetzen; aber über den Weg, -den sie selber einschlagen wollten, konnten sie sich nicht einigen. -Während die Anunciada ohne Steuermann (derselbe war bereits gestorben) -tollkühn ums Cap der guten Hoffnung nach den Molukken ging und auf -dem Ocean verschollen ist, steuerte der Gabriel nach Brasilien, nahm -in der Allerheiligen-Bai eine Ladung Brasilholz ein, bestand eine -feindliche Begegnung mit drei französischen Freibeutern, in folge deren -der Capitän und ein Theil der Mannschaft am Lande zurückbleiben mußte, -und erreichte am 28. Mai 1527 den Hafen Bayona in Galicien, südwestlich -von Vigo. Rodrigo de Acuña konnte erst im nächsten Jahre auf einem -portugiesischen Schiffe heimkehren. - -Derselbe Sturm vom 12. Februar trieb aber auch den Capitän +Francisco -de Hóces+ mit seinem Schiff +S. Lesmes+ bis zum 55° s. Br., sodaß -er das Ende des Landes sah, vermuthlich die südöstliche Spitze des -Feuerlandes an der Le Maire-Straße. Auf den Werth dieser Entdeckung, -durch welche das zeitraubende und gefährliche Einlaufen in den -Feuerlandssund hätte umgangen werden können, achtete man damals zu -wenig, und dem Entdecker Hóces war bald auch die Möglichkeit geraubt, -in späterer Zeit seinen Fund, welcher eine bequemere Einfahrt in den -großen Ocean in sichere Aussicht stellte, weiter auszubeuten, denn wenn -er sich auch zum Geschwader Loaysa’s zurückfand und mit diesem durch -die Magalhãesstraße zog, so wurde er doch wieder am 1. Juni 1526 durch -Sturm von den übriggebliebenen Schiffen getrennt, suchte allein seinen -Weg nach den Molukken und ist wahrscheinlich an der Paumotu-Insel -Anäa gescheitert und untergegangen.[492] Loaysa konnte mit den -vier Schiffen, welche ihm geblieben waren, erst am 6. April in die -Magalhãesstraße einsegeln und erreichte am 25. Mai den großen Ocean. -Am 1. Juni brach wieder ein wüthender Sturm los und riß das bereits -aus vier Schiffe zusammengeschmolzene Geschwader vollends auseinander, -sodaß von da an jedes Schiff sich seinen Weg allein suchen mußte. - -Das kleinste Fahrzeug, der +St. Jago+, ein Schiff von nur 50 Tonnen, -sah sich unter seinem Capitän +Guevara+ außer Stande, den andern -über den großen Ocean zu folgen, denn es fehlte ihm an Proviant, von -welchem sich der größte Theil an Bord des Flaggschiffes befand. Guevara -suchte die nächsten Ansiedelungen der Spanier zu erreichen und schlug -daher den Weg nach Norden ein, in der Hoffnung, das jüngst von Cortes -eroberte Mexiko zu finden. Die Westküsten Südamerika’s waren damals vom -Feuerlande bis zum Aequator noch völlig unbekannt. Doch da Magalhães -bereits nach seinem Eintritt in den stillen Ocean einen nördlichen -Cours eingeschlagen und dabei gefunden hatte, daß die Küsten der -neuen Welt sich nordwärts erstreckten, so beschloß Guevara in dieser -Richtung weiter zu segeln. So gelang es ihm ohne Unfall, vielmehr -durch die nordwärts ziehende antarktische, sog. Humboldtströmung -begünstigt, am 25. Juli 1526 den Hafen von Tehuantepec zu gewinnen und -dabei die höchst wichtige Entdeckung über die westliche Begrenzung des -südamerikanischen Continents zu machen, eine Entdeckung, welche auf die -bald darauf ausgeführten Expeditionen von Pizarro und Almagro nicht -ohne Einfluß blieb. - -Nur zwei Schiffe Loaysa’s scheinen den großen Ocean vollständig -durchsegelt zu haben, das Hauptschiff, die Sa. Maria de la Victoria -und die +Sa. Maria del Parral+ unter Jorge Manrique de Najera. Daß die -letztere bis zum Gestade von Sangir, südlich von Mindanao, gelangt sei, -erfuhr man erst, als das Hauptschiff die Molukken erreicht hatte, aus -dem Munde der wenigen Schiffbrüchigen, welche dem Untergange entronnen -waren.[493] - -Aber auch das Flaggschiff wurde von schweren Schlägen betroffen. Loaysa -starb in folge der Aufregungen über den Verlust seiner Flotte am 30. -Juli 1526 während der Fahrt über das stille Weltmeer. Sein Nachfolger -Sebastian del Cano erlag gleichfalls am 4. August; denn der Tod hielt -unter der durch Hunger und Arbeit erschöpften Mannschaft täglich seine -Ernte. Toribio Alonso +de Salazar+, den man nun zum Capitän wählte, -brachte das Schiff zwar bis zu den Ladronen, wo man sich 11 Tage -Ruhe und Erholung gönnte, aber auch er starb bald nach der Abfahrt -am 13. September. Ihm folgte im Commando der Baske Martin Irriguiez -de Carquisano und brachte das Schiff endlich auf dem Wege über die -Philippinen und die Talaut-Insel nach Halmahera (Djilolo) auf dessen -Ostseite man in den Hafen von Samafo vor Anker ging. Das Schiff hatte -fast die Hälfte seiner Mannschaft eingebüßt, von 105 Personen waren 40 -gestorben. - -Auf Tidor, wohin man erst am 1. Januar 1527 kam, wurden die Spanier -als Befreier von dem portugiesischen Uebermuth mit offnen Armen -empfangen und fingen sofort an, sich zu befestigen. Einen Versuch -der Portugiesen, sie zu überrumpeln, schlugen sie glücklich ab; aber -das Schiff war nicht mehr seetüchtig, und an eine Heimkehr war nicht -zu denken. Nachdem auch Irriguiez gestorben, wurde Fernando de la -Torre zum Capitän gewählt. Unter ihm behaupteten sich die Spanier, -bis Saavedra ihnen zu Hilfe kam. +Alvaro de Saavedra+[494] war gegen -Ende des Jahres 1527 von Cortes mit drei Schiffen und 110 Mann von -Mexiko über den großen Ocean entsendet, um eine Verbindung zwischen -Neuspanien und den Gewürzinseln herzustellen, aber er verlor auf der -Ueberfahrt (er kam in zwei Monaten bis zu den Ladronen) zwei Schiffe, -befreite auf den Philippinen noch mehrere von den ehemaligen Begleitern -Magalhães’ und Loaysa’s (von dem Schiffe Sa. Maria del Parral) aus der -Gefangenschaft und kam am 30. März 1528 nach Tidor. Leider war seine -Mannschaft schon auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen, sodaß er seinen -bedrängten Landsleuten keine wesentliche Verstärkung bringen konnte; -es schien daher gerathener, noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, -und in Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Behauptung von -Tidor für Spanien hatte, von Cortes Hilfe zu verlangen. Daher ging -Saavedra am 3. Juni 1528 wieder unter Segel, berührte mehrere von -Papuas bewohnte Inseln, vermuthlich auch die Nordküste von Neu-Guinea, -streifte in nordöstlichem Cours unter 7° n. Br. die Gruppe der -Carolinen,[495] konnte aber in folge der beständigen Gegenwinde nicht -über die Ladronen hinaus in den Ocean vordringen und kam im October -wieder nach Tidor zurück. Im Mai des folgenden Jahres wiederholte -Saavedra seinen Versuch, gelangte zwar bis zu den Marshalls-Inseln -und steuerte nordöstlich bis zum 27° n. Br.; aber hier starb er. -Sein Schiff versuchte noch eine Zeitlang die eingeschlagene Route zu -verfolgen, mußte aber unter 30° n. Br. ebenfalls vor den ungünstigen -Winden umdrehen, erreichte nur mühsam im December 1529 (oder Ende -October) die Nordküste von Halmahera und fiel hier den Portugiesen in -die Hände, welche die Mannschaft nach Malaka brachten. Aus Tidor wurden -die Spanier vertrieben und wichen nach Halmahera zurück. Aber ihre -glücklichen Nebenbuhler kamen damit nicht blos ~de facto~ in den Besitz -der Molukken, sondern sie erwarben dieselben auch durch Vertrag. Karl -V. trat nämlich am 22. April 1529 seine Ansprüche für 350,000 Ducaten -an die Krone von Portugal ab und war damit einverstanden, daß man die -Theilungslinie 17 Grade östlich von den Molukken verlegte. Auch diese -bedeutende Abfindungssumme, welche an Spanien bezahlt wurde, ist unter -die Erfolge der ersten Erdumsegelung zu rechnen. Und wenn dem Vertrage -auch die Clausel angehängt war, daß die ganze Summe zurückzuzahlen -sei, falls es sich herausstelle, daß Portugal schon durch die erste -Bestimmung der Demarcationslinie rechtmäßigen Anspruch auf die -Gewürzinseln besitze, so wurde doch dieser Zusatz nie zur Ausführung -gebracht. - -Endlich wurde noch zu Gunsten der Spanier festgesetzt, daß, wenn -ihre Schiffe bei Fahrten über den großen Ocean, welcher unbestritten -innerhalb der spanischen Erdhälfte lag, sich in die molukkischen -Gewässer aus Unkenntniß verlören, diese Schiffe von Seiten der -Portugiesen nicht feindlich behandelt werden sollten. Denn es ist -bemerkenswerth, daß die spanischen Fahrten von Mexiko nach den -Philippinen fortgesetzt wurden, obwohl diese Inselgruppe nordwestlich -von den Molukken liegt und nach dem Vertrag von 1529 in den -Machtbereich der Portugiesen gezogen war. - -Die letzten Spanier unter de la Torre, 16 Mann, welche sich in jenem -Gebiet behauptet hatten, konnten erst 1534 nach Europa den Rückweg -antreten, aber kaum die Hälfte erreichte 1536 den heimatlichen Boden. -Unter ihnen Torre und der berühmte Pilot Andres Urdaneta, welcher nach -seiner Rückkehr einen wichtigen Beitrag zur Kenntniß der Gewürzländer -gab und seinen Bericht im Februar 1537 dem Könige in Valladolid -überreichte.[496] - -Von nun an blieb Portugal im unbestrittenen Besitz des Gewürzhandels, -bis die Niederländer im Anfange des 17. Jahrhunderts sie -verdrängten.[497] - - -5. Die spanischen Entdeckungsfahrten im großen Ocean. - -Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken -für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die -weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige -wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn -der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die -Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen. - -Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen -Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem +Hernando Grijalva+ -zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der -Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten -die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus, -ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war, -nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen -Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von -Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel -die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige -Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der -portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später -ließ der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere -Flotte von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542 -von Neuspanien nach dem Westen. +Ruy Lopez de Villalobos+ berührte -zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln -vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die -Hallinseln und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem -Meere umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt. -Villalobos gab ihnen den Namen Coralleninseln und ~los Jardines~ (die -Gärten).[498] Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner -schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen -den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß: -~buenos dias matalotes!~ zu und machten das Zeichen des Kreuzes. -Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).[499] -Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von -Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden -Namen Riffinseln (~Islas de arrecifes~) gab; es war die Gruppe der -Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29. -Januar in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao; -hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der -Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers -nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund -erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu -liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber -auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um -Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und -jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen -waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen -zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte -zugleich den Capitän +Bernardo de la Torre+ mit seinem Schiff San Juan -am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den -Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte, -welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem -Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen) -aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao, -nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen -Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden, -drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen -Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr, -daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit -seinem Befehlshaber wieder zusammen. - -Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge -de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders -erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag -von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den -Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht -Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie -gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug -fordern. - -Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf -den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den -portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu -bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines -Königs Protest ein. - -Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele -Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken -aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen, -und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung zu -setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im Mai 1545 -der San Juan unter dem Capitän +Iñigo Ortiz de Retes+ ausgesandt; -dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein und traf so -auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon 1526 gefunden -hatte (s. oben S. 206). Zwei Monate lang kämpfte er gegen das Unwetter -an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den Gestaden der -Papuainsel und der vorliegenden Inseln[500] festhielt. Retes landete -an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An der Küste -breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im Innern -mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier von -den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne hatten -einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der spanischen -Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, unten -befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an einer -günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem Lande -Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen +Neu-Guinea+. Gegen Osten -drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ s. Br., 146° ö. -v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den Neubritannischen -Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der langen, -vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen nördlichen -Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden Verlangen der -Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, nachgeben und -den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er wieder in Tidor -ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den stillen Ocean -sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen Bemühungen eines -tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen Richtungen den -Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er mit seiner ganzen -Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände fallen müsse, denn den -Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika herum durfte er nach -den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht einschlagen. - -Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October -1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa, -kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und -forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen. -So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er -bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung -durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine -Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen -auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt -wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen -gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück. - -Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren -noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten -Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger -Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche -der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der -kleine Nachbarstaat bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte -nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter -auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den -Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen -doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe. -So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den -Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in -erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition -Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt -kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand. -Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und -lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur -Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser -Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland -zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des -Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens -gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November -1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus -über das stille Weltmeer. Zum Leiter war +Miguel Lopez de Legaspi+, -ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte -den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos -eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf -zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen, -vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen. -Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen -Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener -Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean, -berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach -Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach -Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre -und Retes vergebens gesucht hatten. - -Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an, -fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm -auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft -hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung -der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu -festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die -Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt -hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die -Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen -Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach. - -Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta -nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten. -Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in -höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten -Passatwinden werde auf westliche Winde rechnen können, welche eine -Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er -mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis -zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30. -October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl -unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende -Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf -welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen -habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an -nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte -und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung -Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach -Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst -am 3. Juni 1568. - -Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen -neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber -dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich -behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den -Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu -überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben -und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben -daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher -Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren -Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor -unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne. - -Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und -dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit -einer größeren Flotte an der Bai von Manila, -- denn er hatte wiederum -von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König -Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt --- und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche -mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der -spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem -jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt, -baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der -Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten -sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens -verblieb. -- - -Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die -ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die -Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der -vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres -führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und -Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von -Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an -ein großes unbekanntes Südland, dessen Vorstellung aus dem Alterthum -herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte -die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit -dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und -Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn. - -Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu, -während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der -Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren -Expedition kann die kühne Fahrt des +Juan Fernandez+ bezeichnet werden, -von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten besitzen. -Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite Südamerika’s -nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru nach Chile -zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, die westlich -von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen Namen tragen -und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und unfreiwillige -Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk wurden, aus -dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten „Robinson“ schuf. -Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer andern Fahrt, -weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, vermuthlich -Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu einem Theil -des gesuchten Südlandes gestempelt wurde. - -Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den -Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn -er auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern -dem General +Alvaro de Mendaña+ der Vicekönig von Peru das Commando -über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging -indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit[501] und unter ihm Hernan -Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu -finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums -vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20. -November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach -Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den -Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung -steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre -Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man -sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte -Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen. -Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den Philippinen -weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war, --- man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ -- gab der General in -sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu Süd -steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit -Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt. -Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile -in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff -besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche -man an den Strand gelangen konnte.[502] Von hier aus ging die Fahrt -etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar -die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis -1200 Meter erheben. Man taufte sie +Santa Isabel de la Estrella+, weil -man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und fügte -„estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen Stern -zu sehen meinte. In der Sternbai (~bahia de la estrella~) gingen die -Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner[503] sahen zu, wie -die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es wurde -sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von Spanien -gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es gab Schweine -und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und vermeinte auch -alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und Zimmt, Aloe -und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber entzückt, -sichere Anzeichen von Gold zu finden (~grande disposicion de oro~) -und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das langgesuchte, -goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, die ganze Gruppe -mit dem Namen +Salomonsinseln+. Anfänglich hielt man das entdeckte -Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro de Ortega die ganze -Insel umfahren hatte, mußte man sich von der Inselnatur überzeugen. -Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen und wandten sich -dann nach Südosten, um die von Ortega bereits gemachten Entdeckungen -weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die südlichern großen Inseln, -welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu San Cristoval entdeckt; -aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach Süden vorzudringen, -blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am 4. September über -den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort aber noch -mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch Hunger und -Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen von -Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das -Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt -nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche -Reise beendigt wurde.[504] - -Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter -dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden sie -wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung und -unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez +de Quiros+. -Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von Callao, und -nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von diesem Hafen -am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. Auf dem Wege -dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen Gebirgsinseln, -welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza erhielten. -Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. Cristina -und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben etwas -Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten hier den -geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in üblicher -Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin wurden -San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, zwei -flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- und -Vitiinseln wurden nicht gesehen. - -Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln -nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem steil -aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden Kegel -eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, trennte sich -das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für immer. Gleich -darauf kam gegen SO. die hohe Insel +Sa. Cruz+ in Sicht und belebte -den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte sich anfänglich für -friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen die Spanier sich bei der -Landung von mehreren hundert Insulanern angegriffen. An der schönen -Hafenbai im NW. der Insel, an der ~Bahia graciosa~, wollte Mendaña eine -Niederlassung gründen, er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord; -allein die Truppen revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade -sich nicht verbannen lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum -Unglück starb während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein -Nachfolger Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung -aufzugeben und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder -in See, um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht -genau bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher -die vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten -Zustande seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an -Bord (er hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht -in der Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete vielmehr -seinen Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen -Inseln bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch -noch ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines -Leckes schlecht segelte. - -Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach -Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598 -Paita in Peru. - -Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt -Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der -ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt -habe. - -Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur -nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der -Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand -von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas) -angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage -die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen, -welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s) -die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet -wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten -nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten -an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und -selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer -der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle -Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben -Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen -verwandten Formen der Sitte.[505] - -Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert -in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder. -Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da -der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die -Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich -persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an -Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige -Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte -wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete -nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu -kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall -die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk -war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln -bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die -Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die -Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker -wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der Glaubenseifer -nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III. -bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland -entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen. - -Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab, -welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner -und vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. +Luis Vaez -de Torres+ befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er -gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches -Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel -zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst -das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April -in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm -die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete. -Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am -1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger -Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland -ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im -Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil. -Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und -im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren -Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und -behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der -Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner -mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang -dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande -aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen -getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am -3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in -nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten -und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad. - -In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte -Land, die ~Australia del espiritu santo~, als reich gesegnet mit allen -tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als ganz -Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.[506] Unermüdlich suchte -er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König richtete, die -Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des schönen Landes -darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 bezeichnete Diego -de Prado in einem Briefe an den König die ganze Erzählung als Täuschung -und Lüge.[507] - -Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl. -Theil des großen Oceans. - -Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän -+Torres+ davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt sah, -mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den Philippinen -einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die Küste von -Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb zweier Monate -an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose Klippen, Riffe, -Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen und Nordwesten, -bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus er sich nach Manila -begab. So wurde er der Entdecker der später mit Recht nach ihm -benannten „Torresstraße“, welche den australischen Continent von dem -Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung blieb bis zur Mitte -des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen Archiven von Manila -begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 der erste Nachfolger -des Torres durch jene Straße. Torres berührte das Australland an der -Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten des Continents fiel im 17. -Jahrhundert den Holländern, im 18. den Engländern zu. - -Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem -südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden -holländischen Capitäne +Le Maire+ und +Schouten+ 1616 machten. -Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen mit -Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, welches -Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct aus -dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren -Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer. - - - - -Viertes Capitel. - -Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu finden. - - -1. Giovanni und Sebastiano Cabotto. - -Der Gedanke, von den Küsten Europa’s auf nordwestlicher Fahrt einen -Weg nach China und Indien aufzusuchen, fand zuerst in England, als -in dem für eine solche Unternehmung am günstigsten gelegenen Lande, -eine thatkräftige Förderung. Auch hier ging die Anregung von einem -Italiener, und zwar von einem Landsmanne des Columbus aus. Wenn er -auch seine ersten Versuche vielleicht noch vor der ersten Fahrt des -Entdeckers der neuen Welt gemacht hat, so darf doch bezweifelt werden, -ob ihm die Priorität des Planes gebührt, denn man weiß, wie lange sich -Columbus mit der Idee beschäftigt hatte, ehe es ihm vergönnt war, mit -seinem ersten kleinen Geschwader von Palos aus in See zu stechen. - -Der Träger des Gedankens einer nordwestlichen Bahn nach Asien -ist +Giovanni Cabotto+, oder wie ihn die Engländer nennen, John -Cabot.[508] Seine Zeitgenossen bezeichnen ihn allgemein als einen -Genuesen, dessen Wiege am ligurischen Strande in Castiglione oder -Savona stand.[509] Im Jahre 1461 wandte er sich nach Venedig, wo er am -28. März 1476 das Bürgerrecht erhielt, nachdem er, wie es das Gesetz -vorschrieb, 15 Jahre in der Stadt ansässig gewesen war. Er erhielt das -Privilegium civilitatis nach innen und außen, d. h. er konnte nun seine -bürgerlichen Rechte nicht blos in der Stadt ausüben, sondern er genoß -alle Handelsvorrechte auch in der Fremde und durfte unter der Flagge -des heiligen Markus segeln. - -Wahrscheinlich um 1490 begab sich Cabotto mit seinen drei Söhnen -Ludovico, Sebastiano und Sancto nach England, wo er sich in Bristol -niederließ, um von hier seine Entdeckungsfahrten zu betreiben, -denn Bristol stand als Handelsplatz damals London zunächst. Und es -scheint, daß auf seine Anregung die Kaufleute der Stadt alljährlich -seit 1491 bereits Schiffe aussandten, um die auf den alten Seekarten -verzeichneten Inseln im westlichen Meere aufzusuchen. So schrieb -der spanische Gesandte Pedro de Ayala am 25. Juli 1498 an den König -Ferdinand: „Die Leute von Bristol haben seit sieben Jahren alljährlich -zwei, drei und vier Caravelen ausgesendet, um die Insel Brasil und die -sieben Städte zu suchen, nach den Angaben dieses Genuesen.“[510] - -In wie weit diese Unternehmung von Erfolg gekrönt gewesen, ist nicht -gesagt. Doch mag hierbei erwähnt werden, daß schon ums Jahr 1480 Thomas -Llyde oder Lloyd ins westliche Meer hinaussteuerte, um die genannten -Inseln zu suchen, aber vergebens. - -Bis zum Jahre 1496 waren die Kosten zu den Westfahrten lediglich aus -Privatmitteln bestritten, dann aber stellte Heinrich VII. dem Giovanni -Cabotto am 5. März 1496 ein königliches Patent aus, das ihn und seine -drei Söhne zu den Entdeckungsfahrten autorisirte.[511] Auch rüstete der -König nebst den Bristoler Kaufleuten mehrere Schiffe für Cabotto aus. - -Es war im Anfang Mai 1497, daß Cabotto zu seiner ersten erfolgreichen -Expedition über den Ocean ging. Die Kunde von den Erfolgen des -Columbus war auch nach England gedrungen, unter ihrem Einfluß wagten -die englischen Kaufleute und selbst der König den nicht bedeutenden -Einsatz für das zeitgemäße Glücksspiel, und Giovanni Cabotto selbst -drang kühner in die Weite, seitdem man mit Sicherheit auf die nicht -allzugroße Entfernung der asiatischen Küste rechnen durfte. Es darf als -erwiesen gelten, daß die Entdeckung Cabotto’s ins Jahr 1497 und nicht -schon 1494 fällt.[512] - -Am Johannistage fand er Land, vermuthlich Labrador, und ging an der -Küste nach Nordosten, bis er durch das entgegenflutende Treibeis -zur Umkehr genöthigt wurde. Da er im Anfang August schon wieder -nach Bristol zurückgekehrt war, kann er unmöglich an der Küste des -amerikanischen Continents bis zur Breite von Florida gelangt sein, -wie von manchen Schriftstellern behauptet ist, auch bezeichnet -die Karte Ribeiro’s von 1529 ganz bestimmt Labrador als englische -Entdeckung,[513] während auf Neufundland (~tierra de los bacalhaos~) -der Name Cortereals eingetragen ist und an der Küste von Neu-Schottland -und der Insel Cap Breton „Land der Bretonen“ (~terra de los bretones~) -sich findet. Daß Cabotto den nordwestlichen Weg nach Asien einschlug -und nicht nach Südwesten segelte, wird von mehreren Zeitgenossen -bestätigt.[514] Erst 47 Jahre später hatte Cabotto auf seiner Weltkarte -den Namen „~prima tierra vista~“ hinter Neufundland am Lorenzgolf -eingetragen, zu einer Zeit, als jene Gegenden durch die Reisen -Cartier’s wichtig zu werden schienen, gleichsam als wollte er durch -diese Fälschung das frühere Anrecht der Engländer an jene Regionen -betonen. Wäre er bereits 1497 in den Lorenzgolf eingedrungen, so müßte -er auch die Inselnatur Neufundlands erkannt haben, während dieses -Land noch bis 1540 auf allen Karten als Continentalküste gezeichnet -ist. Auch verrathen die Namen, welche Cabotto 1544 am Lorenzstrom auf -seine Karte schrieb, daß er die Resultate der letzten französischen -Entdeckungen dabei zu Rathe zog. - -Vielleicht entdeckte er aber auf seinem Rückwege schon die reichen -Fischgründe auf der Neufundlandsbank, denn seit dem Anfange des 16. -Jahrhunderts fanden sich hier schon häufig normannische, baskische und -portugiesische Fischer ein, und erhielt von letzteren die dahinter -liegende Küste den Namen „Kabeljau-Land“ (~tierra de bacalhaos~). -Unzweifelhaft hat er den Continent der neuen Welt +zuerst+ erblickt. - -Cabotto wurde in England wegen seiner Entdeckung glänzend aufgenommen -und ging, durch königliches Patent ermächtigt, im nächsten Jahre mit -fünf oder sechs Schiffen wieder in See, doch gab der König selbst nur -die geringe Beisteuer von 110 £. - -Die Resultate sind nicht bekannt, doch läßt sich vielleicht aus der -Stellung der englischen Wimpel auf Cosa’s Karte von 1500 vermuthen, daß -die Fahrt gegen SW. bis etwa zum Cap Hatteras führte. - -Es war die letzte Reise des älteren Cabotto. Von da an trat sein Sohn -Sebastian in seine Fußtapfen; aber unruhigen Geistes und nicht so zäh -wie der Vater +ein+ Ziel im Auge behaltend, versuchte er sich nach -verschiedenen Richtungen und bot seine Dienste in allen Ländern und -Staaten an, von denen er eine Unterstützung seiner Pläne hoffte. - -Nach Nordwesten steuerte er nur noch einmal, wahrscheinlich 1503. Aber -über diese Fahrt hat sich nur eine einzige Bemerkung in Robert Fabians -Chronik erhalten, wonach Sebastian Cabotto von den neugefundenen Inseln -mehrere in Felle gekleidete Wilde mitbrachte, welche rohes Fleisch aßen -und deren Sprache niemand verstand.[515] - -Nach dem Tode Heinrichs VII. (1509) ging der Venetianer, vermuthlich -1512, nach Spanien, wo er mit einem Gehalt von 50,000 Maravedis -als Capitän angestellt wurde. Ob er im indischen Rathe Sitz und -Stimme erhalten, ist zweifelhaft; denn sein Name findet sich in den -betreffenden Listen nicht. Doch wurde er später unter den Kosmographen -mit zu Rathe gezogen, welche die Anrechte Spaniens an die Molukken -erweisen sollten. Für das Jahr 1516 war eine Nordwestfahrt unter seiner -Leitung geplant; da aber König Ferdinand schon im Anfange dieses Jahres -starb, so unterblieb diese Expedition. - -Sebastian Cabotto ging wieder nach England, suchte hier seine Idee -zu verwirklichen, doch scheiterte auch diese Expedition an der -Zaghaftigkeit des Viceadmirals Thomas Pert (1517). - -Sobald daher Cabotto vernahm, daß der junge König Karl nach Spanien -gekommen sei, beeilte er sich, diesem seine Dienste anzubieten, und -erhielt als Pilot mayor ein Gehalt von 125,000 Maravedis (= 300 -Ducaten). Trotzdem finden wir ihn 1519 auf kurze Zeit in England. - -Aus den Berichten des venetianischen Gesandten Contarini geht hervor, -daß Cabotto sich um 1522 sogar der Republik Venedig heimlich zur -Verfügung stellte, um seiner Vaterstadt den Nordwestweg nach China zu -zeigen. Denn nachdem die erste Erdumsegelung die große Ausdehnung der -Meere im Westen der neuen Welt nachgewiesen hatte, schien es nicht mehr -zweifelhaft, daß man auch im Nordwesten von Amerika einen Durchgang -zum großen Ocean finden müsse. Aber diese perfiden Anerbietungen des -in spanischen Diensten stehenden Piloten wurden vom Rathe in Venedig -vorsichtig verschoben und blieben unerledigt,[516] da Cabotto bald -darauf die Leitung einer größeren Expedition erhielt, welche dem -Pfade Magalhães’ folgend in den stillen Ocean eindringen und nach den -Molukken segeln sollte. Aber diese Unternehmung, welche von 1526-30 -dauerte, scheiterte vollständig, denn Cabotto kam nur bis zum Laplata. -Da man dem Leiter alle Schuld an dem Miserfolge beimaß, so wurde er -nach seiner Rückkehr zuerst gefangen gesetzt und dann (1532) auf zwei -Jahre an die afrikanische Küste nach Oran verbannt. Doch ließ König -Karl schon im nächsten Jahre Begnadigung eintreten. - -Gegen Ende 1547 verließ er Spanien, ohne seine Titel und seine Pension -aufzugeben, und ging wieder nach England, wo er ebenfalls als Pilot -mayor einen Gehalt von 166 £ bezog. Der König von Spanien rief ihn -mehrmals zurück, aber der englische Kronrath erklärte, Cabotto sei -Unterthan des Königs von England, und kein Recht, kein Grund könne ihn -zwingen, das Land zu verlassen. Und während er so Englands Schutz und -Gnadengeschenke annahm, hielt er es doch für erlaubt, noch im August -1551, zum letztenmale, seiner Vaterstadt das Anerbieten zu erneuern, -eine venetianische Flotte auf dem nur ihm bekannten geheimnißvollen -Wege nach China zu führen. Ob er damals noch den nordwestlichen Weg -im Auge hatte, muß bezweifelt werden, wenn man bedenkt, daß er gleich -darauf die Ausrüstung der Schiffe zu überwachen hatte, welche zum -erstenmal die nordöstliche Straße um Europa und Nordasien nach China -einschlagen sollten. Sebastian Cabotto starb wahrscheinlich bald nach -dem Jahre 1557, Ort und Zeit sind unbekannt. - -Wenn auch die letzte Hälfte seines sehr bewegten Lebens nur in -Projecten verlief, die der in drei Staaten eingebürgerte und doch -heimatlose Mann mit fieberhafter Unruhe, unbeirrt um Gewissensfragen, -allenthalben ins Werk zu setzen suchte, so hat er doch das eine -unleugbare, große Verdienst gehabt, daß er die englische Nation für -große Unternehmungen zur See begeisterte und so gleichsam der Begründer -der englischen Seeherrschaft wurde. Auf die Anregungen und Fahrten der -beiden Cabots sind alle späteren Versuche, in polaren Regionen einen -Weg nach China und Indien zu bahnen, zurückzuführen. Auf die unter den -Auspicien der Königin Elisabeth besonders regen Expeditionen nach dem -Westen und Nordwesten gründen sich die britischen Ansprüche auf den -ausgebreiteten Besitz in der neuen Welt. - - -2. Portugiesen, Italiener und Franzosen auf dem Nordwestwege. - -Fast zur selben Zeit mit Giovanni Cabotto wurden auch von Portugal aus -mehrere Versuche gemacht, nach Nordwesten vorzudringen. Die Träger -dieser Idee waren die beiden Brüder +Gaspar+ und +Miguel Cortereal+; -aber leider sind uns über ihre kühnen Fahrten nur verschwommene -Mittheilungen überliefert. Es scheint, als ob der erste Vorstoß gegen -Nordwesten über den atlantischen Ocean von Gaspar Cortereal schon vor -dem Jahre 1500 ausgeführt, aber ohne Erfolg verlaufen ist. Auf der -zweiten Expedition, 1500, welche mit mehreren Schiffen unternommen -wurde, gelangte er an die Küste von Labrador, welche man als einen -Theil des Continents (nach damaliger Auffassung natürlich Asiens) -erkannte und wich vor dem Eise bis an die Klippen von Neufundland -zurück. Alte Karten verlegen das Corterealland unter 50° bis 53° n. Br. - -Frühzeitig im nächsten Jahre brach Gaspar von neuem mit mehreren -Schiffen auf, um seine Entdeckungen weiter zu verfolgen. Vielleicht -war es an den bewaldeten Gebirgsküsten von Neu-Schottland oder an dem -Gestade Neu-Englands, wo Cortereal landete und eine Anzahl Indianer -raubte. Dann sandte er zwei Schiffe nach Europa vorauf, welche am 8. -und 11. October in Lissabon einliefen; aber er selbst kehrte nicht -zurück. Darum zog sein Bruder Miguel im nächsten Jahre (1502) ebenfalls -mit drei Schiffen aus, um seinen Bruder aufzusuchen, erreichte zwar die -Nordwestgestade, kehrte aber auch nicht wieder heim. Danach entsandte -Manuel von Portugal 1503 zwei Schiffe, um das Schicksal der Cortereals -aufzuhellen; aber umsonst. Man hat nie wieder von ihnen gehört, und mit -ihrem Tode ist die Reihe der von Portugal ausgehenden Unternehmungen, -im Nordwesten einen Durchgang zu finden, für immer abgeschlossen. - -Zwanzig Jahre vergingen, ehe wir von neuen Versuchen hören. Es -war die Zeit, wo nach Vollendung der ersten Fahrt um die Erde die -Selbständigkeit der amerikanischen Continentalmassen erkannt worden -war, und die spanische Regierung vor allem durch Cortes nach einer -die beiden Oceane im Osten und Westen der neuen Welt verbindenden -Meeresstraße suchen ließ; als der politische Nebenbuhler Kaiser -Karls, Franz I. von Frankreich, auch bei der Lösung dieser wichtigen -maritimen Frage sich zu betheiligen beschloß, sobald sich eine -günstige, Erfolg versprechende Gelegenheit bot. Fischer aus der -Bretagne hatten zwar schon seit 1504 sich nach den reichen Fangplätzen -auf der Neufundlandsbank begeben; aber zu einer, wissenschaftlichen -Zwecken, wie der Aufnahme neu entdeckter Küstenstriche, dienenden -Unternehmung waren sie nicht befähigt. Dazu bedurfte es auch in -Frankreich geschulter Kräfte. Wie in Spanien Columbus, in England -Giovanni Cabotto, so erbot sich in Frankreich ebenfalls ein Italiener, -+Giovanni di Verrazzano+ aus Florenz, die Leitung zu übernehmen. So -traten also in den westlichen Ländern Europa’s nach einander Angehörige -der bedeutendsten Plätze Italiens, Genuesen, Venetianer, Florentiner -als die Bahnbrecher über den Ocean auf. Verrazzano erbot sich, den -Franzosen den Weg nach China zu zeigen.[517] König Franz ließ vier -Schiffe zu dem Zwecke ausrüsten; mit ihnen brach Verrazzano gegen -Ende des Jahres 1523 von Dieppe auf. Aber zwei Fahrzeuge zerschellten -im Sturm an der Küste der Bretagne, ein drittes ging im Kampf mit -Spaniern bei Madeira verloren, so daß nur noch der „Delphin“ übrig -blieb, mit welchen der florentinische Capitän am 17. Januar 1524 von -einer einsamen Klippe bei Madeira über den Ocean steuerte und nach -einer im allgemeinen günstigen Fahrt unter dem 34° n. Br. auf die -Küste des nordamerikanischen Festlandes in der Gegend der heutigen -Stadt Wilmington stieß. Zuerst ging er an dem flachen, hafenlosen -Strande 50 Seemeilen (20 = 1°) nach Süden, kehrte dann nach Norden -zurück und segelte an der ganzen Küste entlang bis zum 50° n. Br. Aus -der Region der Palmen, welche er im Süden noch antraf, gelangte er, -vielfach mit den Eingeborenen friedlichen Verkehr pflegend, an den im -Wechsel der Laubfärbung reizend erscheinenden Wäldern des mittleren -Gestades vorüber, endlich zu den Nadelwäldern des Nordens. Um die -Küstengestaltung genau aufnehmen zu können, segelte er nur bei Tage und -ankerte bei Nacht. Er entdeckte die Mündung des Hudsonstromes, dessen -tiefes Fahrwasser schwer beladenen Schiffen das Einlaufen gestattete, -ging eine Strecke zu Boot den herrlichen Fluß hinauf, steuerte an dem -höher, gebirgiger und kälter werdenden Lande weiter gegen Nordosten, -entdeckte Rhode-Island, welche er mit Rhodus vergleicht, und traf -weiterhin mit Jagdindianern zusammen, welche größer als die Europäer -und von hellerer Hautfarbe als ihre südlichen Nachbarn waren, und -Kupfer, aber nicht Gold als Zierat und Schmuck verwendeten. In der -Narrangasetbai, welche er ganz deutlich beschreibt, ging er vor Anker -und verkehrte längere Zeit mit den Eingebornen. Ziemlich richtig -verlegte er diese ausgezeichnete Hafenbai unter dieselbe Breite wie -Rom, bemerkt aber treffend, das Klima sei dort viel kälter als in -Italien. Weiter nördlich, wo das Land rauher und bergiger wurde, und -die Bewohner sich wilder, unfreundlicher bewiesen, drang er mit einer -bewaffneten Schar einige Meilen ins Land, um dasselbe zu besichtigen. -Die mit klippigen Inseln besetzten und von fjordartigen Einschnitten -durchfurchten Küsten verglich er mit den dalmatischen Gestadeformen. -Erst über dem 50° n. Br., also an den Küsten Neufundlands brach er, -weil die Lebensmittel auszugehen drohten, seine Untersuchungen ab, -kehrte nach Frankreich zurück und berichtete in einem ausführlichen -Briefe, vom 8. Juli 1524 aus Dieppe datirt, über den Verlauf seiner -Expedition an den König. Dieser Bericht enthält die älteste zutreffende -Beschreibung der Küsten der Vereinigten Staaten. Verrazzano erweist -sich darin als ein vortrefflicher Beobachter und Darsteller und als ein -gebildeter Mann, der die Classiker kennt und den Aristoteles citirt. -In gewandter Darstellung waren die Italiener damals allen andern -Seefahrern überlegen.[518] - -Die politischen Verwicklungen in Europa, die Kriege zwischen Franz I. -und Karl V. zogen das Interesse Frankreichs für die nächste Zeit von -der weitern Verfolgung der gemachten Entdeckungen ab. Erst ums Jahr -1562 faßte Coligny den Plan, an der Südgrenze von Süd-Carolina eine -Hugenottencolonie anzulegen. Von dem zu Ehren Karls IX. benannten Fort -Carolina erhielt hundert Jahre später das Land den noch giltigen Namen. -Aber Coligny’s Ansiedler gaben schon im nächsten Jahre ihren Plan -wieder auf, und wenn auch bald darauf der Versuch einer Niederlassung -erneuert wurde, so wurde derselbe doch 1565 durch den Spanier Pedro -Melendez im Blute aller protestantischen Colonisten erstickt und damit -den französischen Plänen in jener Gegend für immer ein Ende gemacht. - -Etwa ein Jahr später als Verrazzano befuhr der Portugiese +Esteban -Gomez+ gleichfalls die Ostküste Nordamerika’s, und es würde seine -Leistung hier nicht erwähnt werden, wenn sie die Arbeiten Verrazzano’s -nicht in passendster Weise ergänzte. Wir verdanken ihm nämlich -eine Küstenkarte; und wenn auch das Original verloren gegangen, so -wissen wir doch, daß, von Diego Ribeiro an, spätere Kartographen -die Darstellung des Gomez für den Gestadestreifen von Maryland bis -Rhode-Island benutzt und copirt haben. Gomez stammte aus Porto und -kam wahrscheinlich mit Magalhães nach Spanien, wo er der Regierung -einen ähnlichen Plan vorlegte, wie sein Landsmann. Als aber dieser -vorgezogen wurde, entschloß sich jener zwar, an der Magalhães’schen -Expedition theil zu nehmen, spielte dann aber eine zweideutige Rolle -und kehrte von der Feuerlandsenge mit dem Schiffe Antonio nach Spanien -zurück.[519] Als ausgezeichneter Pilot und Kartograph wurde er zu der -Junta von Badajoz 1524 hinzugezogen und trat dann mit dem zeitgemäßen -Plane hervor, im Nordwesten, zwischen Florida und Bacalhaos, d. h. -zwischen dem Nordgestade des mexikanischen Golfes und Neufundland -eine Straße nach China (Katai) zu suchen. Es ist dieselbe Region, wo -auch Cortes eine Durchfahrt zu finden hoffte. (Siehe oben S. 389). -Wie im Süden, ehe Magalhães die nach ihm benannte Straße auffand, -eine Meerenge bereits auf einzelnen Karten gezeichnet worden ist, so -beeilten sich die Geographen, auch im Norden Amerika’s solche Sunde, -die von einem Ocean zum andern führten, nach dem allgemeinen Glauben -der Zeitgenossen auf ihren Weltbildern zur Anschauung zu bringen. So -findet sich in dem von unserm deutschen Kosmographen Sebastian Münster -1542 herausgegebenen lateinischen Ptolemäus vom Lorenzgolfe aus eine -Durchfahrt angedeutet mit der Inschrift: Durch diese Straße führt -der Weg zu den Molukken (~per hoc fretum iter patet ad Molucas~). -Gomez erhielt für sein Project nur eine Caravele von fünfzig Tons zur -Verfügung, wurde am 10. Febr. 1525 zum königlichen Piloten ernannt -und ging gleich darauf von Coruña ab unter Segel. Nachdem er den -Ostrand der neuen Welt im Gebiet der Neu-England-Staaten erreicht -hatte, lief er an der Küste nach Süden bis über die Chesapeakbai und -kehrte dann mit einer Fracht gefangener Indianer, durch deren Verkauf -die Kosten der Ausrüstung gedeckt werden sollten, nach Spanien, -wahrscheinlich Ende November 1525, zurück. Das Land, dessen Küsten er -sorgfältig aufnahm, so daß z. B. der Hudsonstrom deutlich erkennbar -ist, hieß längere Zeit das Gomezland (~tierra de Esteban Gomez~) und -Ribeiro fügt, jedenfalls nach den Mittheilungen des Piloten, einige -kurze Angaben über die Natur des entdeckten Landes hinzu, aus denen -hervorgeht, daß das wald- und fruchtreiche Land in seinen Flüssen -an Fischen gesegnet war und daß, wie es auch Verrazzano bereits -beobachtet hatte, die Indianer im Norden von höherer Statur seien als -auf den westindischen Inseln, und daß sie sich von Mais, Fischen und -ergiebiger Jagd nährten und in Wolfs- und Fuchsfelle kleideten.[520] - -Nach diesen nördlicheren Regionen richtete der kühne französische -Seefahrer +Jacques Cartier+[521] von St. Malo im nächsten Jahrzehnt -seine erfolgreichen Unternehmungen und wurde durch dieselben der -Urheber der spätern französischen Niederlassung in Canada. Er unternahm -drei Reisen. Das erstemal ging er am 20. April 1534 von seiner -Vaterstadt mit zwei Schiffen aus, erreichte am 10. Mai Neufundland und -drang durch die Enge der Belle-islestraße in den Lorenzgolf ein. Am -Westufer Neufundlands gegen Süden steuernd, gelangte er an den Inseln -Cap Breton und Prinz Eduard vorüber, welche er noch für Theile des -Festlandes ansah, nach der +Chaleurbai+, welche ihren Namen erhielt, -weil dem Entdecker die Temperatur dort viel wärmer als in Spanien -vorkam. Er hoffte hier einen Durchgang ins westliche Meer zu finden; -als sich aber bei weiterem Vordringen ergab, daß die Bucht ganz von -hohem Lande umschlossen sei, kehrte Cartier zurück und segelte an der -Südküste von Anticosti gegen Nordosten wieder zur Belle-islestraße. -Er hatte fast ganz Neufundland umkreist und den St. Lorenzgolf -aufgenommen. Am 5. September erreichte er glücklich den Hafen von St. -Malo. Im nächsten Jahre brach er am 19. Mai mit drei Schiffen auf, um -seine Entdeckungen in „Nova Francia“ weiter zu verfolgen. Wiederum -drang er durch die Belle-islestraße ein, ging diesmal aber an der -Labradorküste westwärts, wo er nördlich von Anticosti im Nicolaushafen -vor Anker ging und bis Anfang August verweilte. Eine größere, weiter -westlich gelegene Einbuchtung des Landes erhielt damals den Namen -+Sanct-Lorenzbucht+. Erst später wurde diese Bezeichnung auf die ganze -durch Neufundland vom Ocean abgeschlossene Meeresbucht ausgedehnt. -Die beiden auf der ersten Reise mitgenommenen Indianer, welche nun -als Dolmetscher dienten, erklärten, daß westlich von dem Lorenzhafen -der große Strom von Hochelaga beginne und ins Land Canada führe. -Cartier drang nun in den großen Lorenzstrom ein und ging zunächst -unterhalb Quebec an der Bacchusinsel (wegen des vielen wildrankenden -Weines benannt) vor Anker. Dort hatte er eine freundschaftliche -Zusammenkunft mit dem Häuptling von Canada, vom Stamme der Algonkins, -welcher ihn zu bereden suchte, nicht weiter flußaufwärts bis zu dem -Indianerorte Hochelaga zu fahren, vermuthlich um allein die aus dem -Verkehr mit den Fremdlingen erwachsenden Handelsvortheile zu genießen. -Aber die Vorstellungen des Häuptlings machten den Franzosen nur um so -neugieriger, jenen oft genannten Ort kennen zu lernen. Am 2. October -langte Cartier auf Böten vor Hochelaga an, wo gegen tausend Indianer -ihn am Gestade empfingen und in die von dreifachem Pallisadenringe -umschlossene Stadt führten. Von hier aus bestieg er einen niedrigen -Berg am Strom, von dessen Gipfel er den Anblick des schönen, von -mächtigen Wasseradern durchzogenen Waldlandes genoß. Der Berg erhielt -den Namen Montroyal; wir erkennen darin den Namen der größten Stadt -Canada’s, Montreal. Unterhalb der Stadt suchte Cartier sich einen -bequemen Hafen und überwinterte dort mit seinen Schiffen bis zum 6. Mai -1536. Von Mitte November bis Mitte März waren die Fahrzeuge von zwei -Faden dickem Eise gefesselt, und der im Winter ausbrechende Scorbut -forderte manches Opfer. Aus den Mittheilungen der Indianer entnahm man, -daß oberhalb der Stadt mehrere große Seen lägen. Es war die erste Kunde -von der canadischen Seenkette, deren Abfluß der Lorenzstrom bildet. - -Der Rückweg ging ohne Unfall und rasch von statten. Am 6. Juli lief -Cartier wieder in den Hafen von St. Malo ein;[522] aber die Leiden -während der Ueberwinterung in dem strengen Klima und der Mangel an -Edelmetallen, die man in der neuen Welt allerorten zu finden hoffte, -kühlten doch den Eifer für die Colonisation jener Gegenden auf einige -Jahre merklich ab, so daß Cartier erst 1541 wieder Mittel fand, eine -neue Fahrt zu unternehmen. - -Ein reicher französischer Edelmann, François de la Roque, Herr von -Roberval, hatte nämlich beschlossen, an dem von Cartier entdeckten -Strome auf seine Kosten eine Colonie anzulegen und ließ sich daher -mit jenem Gebiete von der Krone förmlich belehnen. Selbstverständlich -konnte er der Führung Cartier’s nicht entbehren; aber es herrschte -zwischen beiden kein rechtes Einvernehmen, kein fester Plan. Es -befremdet schon zu sehen, daß, als Cartier am 23. Mai 1541 in St. Malo -die Anker lichtete, Roberval mit seinen Vorbereitungen noch nicht -fertig geworden war, vielmehr noch bis in den Hochsommer 1542 sich -vor Honfleur aufhielt, um Kanonen und Munition an Bord zu nehmen, -so daß also die Geschwader für Colonisation und Entdeckung getrennt -über den Ocean gingen, ohne bestimmte Verabredungen über die Punkte -einer Wiedervereinigung getroffen zu haben. Cartier gründete in der -Gegend von Quebec eine Niederlassung und benutzte noch die günstige -Jahreszeit, um auf Böten die oberhalb Montreal gelegenen Stromschnellen -untersuchen zu lassen. Dann überwinterte er und wartete vielleicht -bis zum Juli 1542 auf die Ankunft Roberval’s. Als dieselbe sich aber -immer noch verzögerte und die Lebensmittel auf die Neige gingen, trat -er den Rückweg an, traf zwar seinen Genossen bei Neufundland, zeigte -aber keine Neigung, noch einmal nach der bereits verlassenen Colonie -zurückzukehren, sondern schlich sich aus Roberval’s Nähe fort und -wandte sich der Heimat zu. Offenbar versprach er sich wenig Erfolg von -den ungeschickten Maßnahmen de la Roque’s. Dieser wählte mit seinen -200 Colonisten dieselbe Stelle, welche Cartier verlassen, als ersten -Stützpunkt seiner Niederlassungen und errichtete daselbst das Fort -Franceroy. „Man hatte Vorrathskammern, aber keine Vorräthe, Mühlen, -aber kein Korn, einen großen Ofen, aber kein Brot.“[523] Ein Drittel -der Colonisten erlag im ersten Winter. Auch das nächste Jahr brachte -keine Erleichterung, so daß König Franz sich veranlaßt sah, den Leiter -des verfehlten Unternehmens zurückzurufen und den Rest der Ansiedler -durch Cartier 1544 wieder nach Frankreich zurückzuschaffen. Erst im -Anfange des 17. Jahrhunderts wurde der rastlos thätige und umsichtige -+Samuel de Champlain+ der Begründer dauernder französischer Colonien in -Canada, auch drang er zuerst bis zu den canadischen Seen vor. Champlain -starb 1635. Der weitere Verlauf seiner Arbeiten gehört der Geschichte -der nordamerikanischen Colonien an. - - -3. Die Versuche der Engländer, eine Nordwestpassage zu finden. - -In England hatten seit den Nordwestfahrten Sebastian Cabot’s die -Unternehmungen nach dieser Richtung geruht. Da trat 1527 +Robert -Thorne+, der Sohn eines der ältesten Begleiter Cabot’s mit dem Project -auf, direct über den Pol den Weg nach China zu suchen, und wies darauf -hin, daß England durch seine Lage vor allen anderen Mächten Europa’s -berufen sei, das Problem einer Nordwestpassage zu lösen. Heinrich VIII. -bewilligte einen Theil der Kosten, und so ging Thorne im Mai 1527 mit -zwei Schiffen von England ab, kehrte aber ohne irgend einen Erfolg -zurück. - -Wiederum trat eine Pause von 50 Jahren ein, bis unter der Königin -Elisabeth der Unternehmungsgeist mächtig erwachte und sich in einer -Reihe von Expeditionen bethätigte, welche über 50 Jahre lang, von -1576-1632 fortgesetzt wurden. Und wenn sie auch ihr Ziel nicht -erreichten, so haben sie doch einerseits zur Aufhellung der polaren -Küstensäume Nordamerika’s Erhebliches geleistet, andererseits die -englische Marine in den schwierigsten Fahrten geschult und den -Aufschwung des Seewesens bedeutend gefördert. So wurden diese -Nordwestfahrten durch die Gunst des Volkes getragen; wohlhabende, -patriotisch gesinnte Männer traten zusammen, um die Kosten zu -bestreiten. Der Schauplatz dieser Unternehmungen liegt im Westen -Grönlands, wo die Gewässer der Frobisherbai, Davisstraße und -Baffinsbai, der Hudsonsstraße und Hudsonsbai die Namen der Seehelden -jener Tage verewigen. Die Schifffahrt in jenen arktischen Regionen -wird durch die häufig auftretenden starken Nebel, welche das Erkennen -der Küstenlandschaften unmöglich machen, noch mehr aber durch das Eis -erschwert, welches einerseits die zahlreichen engen Sunde versperrt und -die Küsten bis zum Hochsommer besetzt hält, andererseits aber in der -warmen Jahreszeit theils in Form von dicken Schollen, theils in Gestalt -phantastisch aussehender Eisberge, an der See abgebrochener riesiger -Trümmer mächtiger Küstengletscher, durch die breiteren Meeresgassen -der Hudsonsstraße, des Lancaster- und Smithsundes dem Ocean zutreibt; -denn in allen diesen Canälen vertieft sich der Meeresgrund nach dem -atlantischen Meere zu immer mehr und befördert in natürlichster -Weise das Abtreiben der Eismassen, welche in der mittleren Bahn -der Baffinsbai und Davisstraße sich zu dichtgedrängten Massen als -Packeis zusammenschieben, und von den Schiffen nur selten mit Erfolg -durchbrochen werden können. Daraus erklären sich die eigenthümlichen -Course der Schiffe, welche oft in scheinbarer Rathlosigkeit hier vor -den andringenden Eismassen zurückweichen, dort in eine sich zufällig -öffnende Gasse freien Fahrwassers einlenken, bis das Eis ihnen wieder -Halt gebietet. - -Zuerst erschien in jenen Gewässern +Martin Frobisher+, welcher von -1576-78 drei Fahrten unternahm. Aber nur die erste verfolgte den -Zweck geographischer Entdeckungen, die beiden folgenden sollten die -bereits gewonnenen Erfolge ausbeuten. Als er im Anfang Juni 1576 mit -seinen beiden kleinen Barkschiffen von 35 und 30 Tons die Themse -hinuntersegelte, winkte ihm die Königin mit der Hand Abschiedsgrüße -zu und bezeugte dadurch die hohe Theilnahme an den patriotischen -Forschungen. Wenn man erwägt, daß Frobisher für den hohen Norden, nach -welchem er steuerte, keine andere Karte, als die Zeno’sche besaß,[524] -wo zwar Island und Grönland in schicklicher Lage sich finden, die -Faröer aber zu einer an Größe mit Island wetteifernden vielgliederigen -Insel aufgebauscht sind und weiter hinaus die Fabelgestalten von Icaria -und Estotiland sich zeigen: so darf man sich nicht wundern, wenn der -englische Seefahrer über die im Eismeere auftauchenden Küsten eine -irrige Meinung faßte. Als er am 11. Juli unter 61° n. Br. auf die -Ostseite von Grönland stieß, erklärte er dieses Land für Friesland, -verlegte das „grüne Land“ noch weiter hinaus und steuerte darum von -der Südspitze Grönlands westlich. So stieß er am 26. Juli auf die -Labradorküste am Eingange der Hudsonsstraße, fand alle Sunde noch -mit Eis besetzt und ging an der Resolutioninsel vorüber zum Eingange -der Bai, welche noch jetzt seinen Namen trägt. Hier glaubte er, am -8. August, die gesuchte Straße, welche den Weg nach den Molukken -gestatte, gefunden zu haben, nahm eine Ladung von Kupferkies, welchen -man für Golderz hielt, an Bord und segelte nach Europa zurück. - -Der vielversprechende Anfang der Nordwestfahrten heischte rasche -Förderung. Mit einem königlichen Schiffe und zwei Barken konnte -Frobisher am 26. Mai 1577 wieder in See gehen, um die Durchfahrt noch -weiter zu erforschen (~for the further discovering of the passage to -Cathay~. Hakluyt, ~Voyages~, III, 32). Am 16. Juli war er mit seinen -Schiffen an der vermeintlichen Straße, nannte die südliche Küste „~The -Queenesforeland~“ (Königin-Vorland), und die Insel auf der Nordseite -nach dem Steuermann des Hauptschiffes „Hall-Insel“. Diese liege, -so meinte er, neben Asien; denn er war in der irrigen Vorstellung -befangen, einen Paß an der Grenze der alten und neuen Welt gefunden zu -haben. Das Land an der Nordseite der Frobisherbai galt ihm bereits als -asiatische Küste. Am 19. Juli lief er in die „Straße“ ein und ließ an -der Nordseite, am Warwicksunde (nach der Gräfin Anna Warwick benannt) -wieder sog. „Nordwesterz“ laden, in welchem der italienische Alchymist -Agnello durch eine geschickte Täuschung Spuren von Gold nachzuweisen -verstanden hatte. Eine weiter nach Nordwesten gehende Untersuchung -der Bai unterblieb; trotzdem nannte Master George Best, welcher die -Reise mitmachte, den vermeintlichen Sund emphatisch „die nördliche -Magalhãesstraße“.[525] Am 24. August kehrte Frobisher zurück und -erreichte am 17. September Landsend, die Südwestspitze Englands. - -Da man in London die Ansicht des Entdeckers theilte, daß die Straße -zwischen Amerika und Asien gefunden sei, so galt es vor allem, die -Vortheile eines kürzeren Weges nach China für England allein zu -sichern. Der Eingang der Nordwestpassage mußte militärisch befestigt -werden, um fremden Schiffen das Einlaufen verwehren zu können. Das -Land auf der Südseite taufte die Königin ~Meta incognita~ („das -unbekannte Ziel“). Zur förmlichen Besitzergreifung des wichtigen -Passagelandes zog Frobisher 1578 zum drittenmale mit einer stattlichen -Flotte von 15 Segeln aus. Zwölf Schiffe sollten wieder Erz laden -und dann zurückgehen, die drei anderen dort stationirt bleiben und -Befestigungen anlegen. Da Frobisher diesmal einen zu südlichen -Cours eingehalten hatte, so gerieth er zuerst in den Eingang der -Hudsonsstraße, erkannte aber die Wichtigkeit derselben nicht, oder war -so sehr von der Ueberzeugung erfüllt, in der schon zweimal besuchten -Bucht die einzige Straße gefunden zu haben, daß man eine genauere -Untersuchung des südlichen Wassers für unnütze Zeitvergeudung hielt. -Als bei dieser Fahrt eins der größeren Schiffe sich einen Weg durchs -Eis bahnen wollte, wurde es zwischen den Schollen zerdrückt und -ging unter. Die Mannschaft wurde zwar gerettet, aber leider befand -sich in dem versunkenen Fahrzeuge das Bauholz für das Fort und das -Winterhaus. Der Plan einer Befestigung mußte also aufgegeben werden, -man nahm wieder Nordwesterz ein und kehrte Ende August nach Europa -zurück. Daß die mitgebrachten Erze werthlos waren, mußte eine genauere -Untersuchung bald ergeben; aber man verschwieg die Resultate, um sich -nicht öffentlichem Spotte auszusetzen. Doch sah man bei den späteren -Expeditionen davon ab, unnützen Ballast nach Europa zu verfrachten. - -Daß Frobisher keine Straße gefunden, sondern nur in eine Bucht gerathen -war, ist erst in unserem Jahrhundert, 1862, durch Francis Hall -nachgewiesen. Bis dahin, also bis vor 20 Jahren, figurirte auf allen -Karten noch eine „Frobisherstraße“. - -Trotz der nicht erheblichen Resultate dieser Fahrten trat wenige Jahre -später eine Gesellschaft Londoner Kaufleute unter der Leitung William -Sanderson’s zusammen, um die Entdeckungen weiter zu verfolgen. +John -Davis+,[526] ein wissenschaftlich gebildeter und praktisch tüchtiger -Seemann wurde mit der Führung der Expedition betraut und ging mit -seinen beiden kleinen Schiffen „Sonnenschein“ und „Mondschein“, von -50 und 30 Tonnen Gehalt, am 7. Juni 1585 von Dartmouth ab. Am 20. -Juli traf er, wahrscheinlich bei Cap Discord, auf die Südostküste von -Grönland. Weil er sich aber durch die noch immer maßgebende Karte -Zeno’s irreleiten ließ, erkannte er das Land nicht als Grönland, -sondern gab ihm den Namen ~Land of Desolation~, da es mit seinen -mächtigen, schneebedeckten Bergen und dem vegetationslosen Strande, -den ein zwei Meilen breiter Eissaum umschloß, in starrer Oede sich aus -den Fluten erhob. Dann drang er um die Südspitze des Landes herum nach -Norden, ging unter 64° 15′ n. Br. über die nach ihm benannte Straße an -das westliche Gegengestade und verfolgte die Fjordküste von Cumberland -bis 66° 40′ n. Br., verewigte die Namen seiner Freunde an den Sunden -und Vorgebirgen, wandte sich zur Umkehr, ging am 12. August über den -Ausgang der Cumberlandbai, deren kahle Felsenküste er nicht weit genug -verfolgte, um das Wasser als eine abgeschlossene Bucht zu erkennen, und -langte am 30. September wieder in England an. - -Nach mehreren Richtungen schien das arktische Meer noch weiteres -Vordringen zu gestatten. Darum stellten die Kaufleute dem kühnen -Polarfahrer, welcher schon bei dem ersten Versuche bedeutend weiter -nach Norden gekommen war als Frobisher, im nächsten Jahre vier Schiffe -von 120, 60, 35 und 10 Tonnen Gehalt zur Verfügung, um die entdeckte -Straße weiter zu verfolgen. Um die günstige Jahreszeit des Hochsommers -mehr ausbeuten zu können, stach er einen Monat eher in See, war schon -am 15. Juni an der Südspitze Grönlands, erreichte aber, weil er -durch dichte Nebel und Eisbarrieren aufgehalten wurde, die gleiche -Polhöhe wie im vorigen Jahre nicht (er kam am 1. August bis 66° 33′ -n. Br.) und hoffte auf dem Rückwege in die Cumberlandbai eindringen -zu können, weil er fest überzeugt war, hier eine Passage zu finden, -sah aber noch am 15. August den Eingang durch Eis versperrt. So lief -er bis zum 28. August an der Küste weiter gegen Süden und brach die -weiteren Nachforschungen erst ab, als er an der Labradorküste bis zum -57° n. Br. entlang gesegelt war. Dann wandte er sich der Heimat zu -und langte am 6. October in der Themse an. Außer der Entdeckung von -gewinnversprechenden Fischgründen bot diese zweite Forschungsreise -geringere Erfolge als die erste; doch sprach Davis in einem Briefe -an seinen Freund William Sanderson die Hoffnung aus, an vier Stellen -(Davisstraße, Cumberland, Frobisherbai und Hudsonsstraße) bei günstiger -Jahreszeit den Durchgang erzwingen zu können. Auch äußerte er später -die treffende Vermuthung, daß ganz Amerika sich im Norden in Inseln -auflöse.[527] - -Unter diesen Auspicien wurden zum drittenmale die Mittel beschafft, um -Davis nach dem Nordwesten zu senden. Am 19. Mai 1587 lief er mit zwei -größeren und einem kleineren Schiffe von Dartmouth aus und erreichte -am 16. Juni den Gilbertsund an der Westseite Grönlands (64° n. Br.), -in welchen er schon bei seinen früheren Fahrten eingelaufen war. -Am Eingange desselben liegt gegenwärtig die dänische Niederlassung -Godthaab. Von hier aus ging Davis am 21. Juni mit dem kleinen Schiffe, -einem „Clincher“ oder einer Pinasse, allein weiter auf Entdeckung -nach Norden, während die beiden größeren Fahrzeuge dem Fischfang -oblagen und sechszehn Tage auf seine Rückkehr warten sollten. Allein -dieselben hielten nicht Wort und ließen ihren Capitän im Stich. Dieser -segelte in offenem Fahrwasser an der grönländischen Küste nordwärts -über den Polarkreis, an der Disko-Insel vorüber, bis zur Polhöhe -von 72° 12′ n. Br.[528] Auch hier fand er im Norden und Westen noch -freies Wasser. Den nördlichsten Punkt, den er erreichte, nannte er -Hope Sanderson, südlich von Upernivik. Bei seinem Versuche, nun -westwärts quer über den Meerbusen zu segeln, stieß er am 2. Juli auf -das sogenannte Mittel-Packeis und war mehrere Tage im Eise besetzt; -doch gelangte er glücklich an die westlichen Küsten, passirte am 31. -Juli einen sehr großen Golf,[529] den Eingang der Hudsonsstraße und -ließ am 15. September im Hafen von Dartmouth die Anker fallen. Er war -der festen Ueberzeugung, daß die Nordwestpassage möglich sei. Schon -am nächsten Tage schrieb er an Sanderson: „Die Passage ist höchst -wahrscheinlich, deren Ausführung leicht.“ Dieselbe Ansicht verfocht -er auch später in einem besonderen Werke,[530] in welchem er auch -die Gründe angiebt, weshalb mit dieser dritten Fahrt die weiteren -Versuche abgebrochen wurden; denn einerseits wurde England von der -spanischen Armada bedroht, andrerseits fehlte, nachdem Walsingham, der -Secretär Elisabeths, gestorben war, ein mächtiger Fürsprecher bei der -Königin.[531] - -Erst unter ihrem Nachfolger Jacob I. belebte sich das Interesse für die -Polarfahrten aufs neue und konnten wichtige Erfolge verzeichnet werden. -Hier glänzen vor allen die Namen Hudson und Baffin. - -+Henry Hudson+[532] hat vier Reisen nach dem Norden gemacht, davon -gehören die beiden letzten in den Rahmen der Nordwestfahrten. Im Jahre -1609 sollte er im Auftrage der niederländisch-ostindischen Compagnie -(gegründet 1602) in der Yacht „Der Halbmond“ einen wiederholten Versuch -machen, die Eisschranken der Nordostpassage, welche um Nordasien herum -nach Indien führen sollte, zu brechen. Da er aber für dieses Vorhaben -viel zu zeitig, am 27. März alten Stils, von Texel in See gegangen -war, so stieß er im Anfang Mai jenseits des skandinavischen Nordcaps -bereits auf dichtes Eis, verlor dadurch die Aussicht, weiter als in den -früheren Jahren kommen zu können, und entschloß sich rasch, umzukehren -und an den Küsten Nordamerika’s nach einer Passage zu suchen. So -ging er Ende Mai von den Lofoten über die Faröer nach Neufundland -hinüber und begann, vom 35° 41′ n. Br. an, alle Buchten des Continents -in langsamer Fahrt gegen Nordosten zu mustern. Dabei verwendete er -die meiste Zeit, einen vollen Monat, auf die Erforschung des tiefen -Stromes, welcher nach ihm der Hudson benannt ist, und welchen er bis in -die Nähe von Albany aufnahm. Die große Wichtigkeit dieser Stromrinne -wurde durch ihn so entschieden betont, daß die Niederländer bald darauf -an der Mündung desselben eine Colonie, Neu-Amsterdam, anlegten, aus -welcher später, nachdem sie von Engländern besetzt und in Neu-York -umgetauft worden war, die größte und mächtigste Stadt der neuen Welt -erwuchs. - -Im folgenden Jahre 1610 wurde ihm die Gelegenheit gegeben, im Auftrage -der englischen moskowitischen Gesellschaft dasselbe Ziel weiter -nordwärts zu verfolgen. Er richtete dabei sein Augenmerk auf die von -seinen Vorgängern Frobisher und Davis bereits gesehene große Bucht, -südlich von der ~Meta incognita~, hinter welcher Davis eine Straße -zum großen Ocean vermuthete und in welche 1602 Georg Weymouth, dessen -Logbuch Hudson durch Vermittlung des holländischen Gelehrten Peter -Plancius hatte einsehen können, bereits eingesegelt war. Unter den -großen Patronen der englischen Seeunternehmungen jener Zeit, Männern -wie Sir Thomas Smith, Sir Francis Jones, Sir Dudley Digges, Sir John -Wolstenholm, Sir James Lancaster, hat sich besonders Smith durch seine -patriotische Opferwilligkeit, durch seinen selbstlosen Eifer und -durch die Kühnheit seiner Pläne nicht blos um die rasche Ausdehnung -des englischen Handels, sondern auch um die maritimen Entdeckungen -hohe Verdienste erworben. Er gehörte nicht nur zu den thätigsten -Mitgliedern der moskowitischen Handelsgesellschaft, deren Bestrebungen -wir im nächstfolgenden Capitel kennen lernen werden, sondern war -auch einer der Begründer der ostindischen Compagnie (1600) und rief -später (1615) die Gesellschaft Londoner Kaufleute zur Entdeckung der -Nordwestpassage (~the Company of merchants of London, discoverers of -the Northwestpassage~) ins Leben. - -Noch ehe diese letzte Gesellschaft bestand, trat er mit den genannten -Freunden zusammen, um Henry Hudson auf dem Schiffe „Discovery“ nach -dem Nordwesten zu senden. Man billigte dessen Plan, südlich von der -Meta incognita in die von Weymouth zuletzt besuchte Bucht weiter -vorzudringen. - -Am 24. Juni kam das Schiff vor die Einfahrt in die Hudsonsstraße, -mußte sich aber vor den herausflutenden Eisschollen in die Ungavabucht -flüchten und arbeitete sich mühsam im Eise weiter, so daß die -Mannschaft umzukehren wünschte, weil sie der harten Arbeit überdrüssig -geworden. Erst gegen Ende Juli hatte er bis zur Insel Salisbury am -westlichen Ausgange der Straße vorrücken können und wandte sich nun, -da die Labradorküste nach Süden verlief und ein weiteres Meer sich vor -ihnen ausbreitete, nach Südwesten. Im nördlichen Theile von Labrador -setzte Hudson in den Namen Cap Wolstenholm, Diggesinseln und Cap Smith -den Förderern der Expedition ein bleibendes Denkmal. Hier bricht leider -Hudsons Tagebuch ab und wir sind für den weitern Verlauf und das -tragische Ende des Entdeckers auf die Aufzeichnungen beschränkt, welche -Abacuk Prickett, ein Diener Sir Digges’, hinterlassen hat. Hudson ging -mit seinem Schiffe an der die Festlandsküste in ziemlicher Entfernung -begleitenden Inselreihe der Nord- und Süd-Schläfer entlang bis zur -südwestlichen Einbuchtung der Jamesbai, wo er am 1. November vor Anker -ging und in einer Breite von 52 Graden zu überwintern beschloß. Den -meuterischen Steuermann und Hochbootsmann hatte er absetzen müssen -und ihre Stellen an Robert Bylot und William Wilson übertragen. Schon -am 10. November fror das Schiff ein und wurde erst im Juni wieder -frei. Die strenge Winterkälte steigerte den Mismuth der Mannschaft -gegen den harten Capitän, der mit eiserner Hand seine Autorität wahren -wollte.[533] Als er im Juni 1611 auf dem Rückweg nach Cap Wolstenholm -sich befand, brach die Empörung aus, weil Hudson gedroht hatte, er -werde die Widerspenstigen an dem unwirthlichen Gestade aussetzen. Zu -den Haupträdelsführern gehörte auch Henry Green, den Hudson in seinem -Hause in London aufgenommen und erzogen hatte. Er gehörte nicht zu -der besoldeten Mannschaft, sondern war von Hudson auf seine Kosten -mitgenommen, „weil er gut schreiben konnte“. Das Schicksal, das den -Meuterern angedroht war, bereiteten sie dem Capitän. Hudson wurde -bei Nacht von ihnen überfallen, gebunden und sammt seinem jungen -Sohne und acht Leidensgefährten in einer Schaluppe ausgesetzt und -dem unvermeidlichen Untergang preisgegeben. Zwar ereilte auch den -undankbaren Green und einige seiner Genossen das Verhängniß; denn sie -wurden am 29. Juli bei den Diggesinseln von Eingeborenen erschlagen. -Das Schiff kehrte dann nach England zurück. - -Die Hudsonsbai wurde Hudsons Grab. Um den Verschollenen aufzusuchen, -wurden 1612 zwei Schiffe, auf welchen auch Robert Bylot und Abacuk -Prickett mitgingen, nach dem Schauplatz des Verraths ausgesendet unter -+Thomas Button+ und +Ingram+, aber sie fanden von den Verlorenen keine -Spur. Sie umkreisten den nördlichen und westlichen Rand der großen -Bai bis zum Nelsonflusse, wo sie überwinterten, und da der Winter -ausnahmsweise milde verlief, nur vom 16. Februar bis zum 5. April vom -Eise besetzt waren. Weil man in Port Nelson eine Fluthöhe von 15 bis 18 -Fuß beobachtet hatte, so folgerte man in England daraus, die Hudsonsbai -müsse im Südwesten mit dem großen Ocean in Verbindung stehen, denn -in einem geschlossenen Binnenmeere könnten die Gezeiten eine solche -Höhe nicht erreichen. Von Westen kommende Fluten galten mit Recht als -Anzeichen einer weitern Wasserverbindung nach jener Himmelsgegend. -Button war von der Existenz der Passage westlich von der Hudsonsbai aus -fest überzeugt. - -So lief denn dasselbe Schiff, die „Discovery“, welches Hudson und -Button befehligt hatten und welches auch noch im Jahre 1614 mit Capitän -Gibbons an der Labradorküste gewesen war, im folgenden Jahre zu neuen -Entdeckungen aus, diesmal unter Robert Bylot und +William Baffin+.[534] -Baffin war in den arktischen Gewässern kein Neuling mehr. Im Jahre -1612 war er als Steuermann mit James Hall nach der Westküste Grönlands -gegangen, um nach den Trümmern der alten normannischen Niederlassungen -zu forschen, hatte dann im Dienste der moskowitischen Compagnie in den -beiden nächsten Jahren größere Flotten nach Spitzbergen begleitet und -ließ sich nun für die Unternehmungen der Nordwestcompagnie gewinnen. -Der Uebergang aus dem Dienste der einen Gesellschaft in den der andern -vollzog sich um so leichter, weil beide von Thomas Smith geleitet -wurden. Baffin war einer der gebildetsten Seeleute seiner Zeit, der mit -der einem Polarfahrer nöthigen Kühnheit und Entschlossenheit das Talent -und die Liebe zu wissenschaftlichen Beobachtungen verband. Er war in -dieser Hinsicht dem Capitän Bylot bedeutend überlegen, ordnete sich -demselben aber im Interesse der Sache unter und ging als Pilot mit. - -Am 27. Mai drang die „Discovery“ in die Hudsonsstraße ein, wo Baffin -bald darauf den ersten Versuch auf der See machte, die Längen nach -Monddistanzen zu bestimmen, eine Methode, welche schon 1514 von dem -Nürnberger Astronomen Johann Werner gelehrt, aber bisher von den -Seefahrern noch nicht ausgeführt war. Am 3. Juli befand sich das Schiff -bei der Millsinsel, am nordwestlichen Ausgange der Straße und versuchte -nun, sich nordwärts durch den Foxcanal einen Weg zu bahnen. Man sah -auch hier noch mit Betrübniß, daß die Flutwelle von Osten, also aus -dem atlantischen Ocean kam. Zwar belebte sich die Hoffnung noch einmal -auf kurze Zeit, als man an der westlich vom Foxcanal gelegenen großen -Southamptoninsel eine von Norden kommende Flut beobachtete und gab den -freudigen Erwartungen dadurch Ausdruck, daß man daselbst ein Vorgebirge -Cap Comfort (Trost) benannte (75° n. Br.); allein schon am nächsten -Tage zerrann die Hoffnung wieder, denn man sah vom Westen bis herum -nach Nordosten ringsum mit Eis umschlossenes Land und beobachtete nur -eine schwache Flut. Hier konnte also die Passage nicht erwartet werden. - -Das Schiff kehrte dann nach der Südostspitze von Southampton zurück, -wo man in offner See ankerte, um die Richtung der Flutbewegung -besser beobachten zu können. Das Hochwasser kam ganz sichtlich aus -Südosten, die Ebbe von Nordwesten. Schärfer war die Strömung noch -nicht wahrgenommen; aber sie vernichtete jede Hoffnung, im Umkreise -der Hudsonsbai die Durchfahrt zu finden.[535] Also wandte man sich zur -Heimkehr und landete am 6. September in Plymouth, ohne während der -ganzen Fahrt einen Mann eingebüßt zu haben. - -Baffin sprach nunmehr seine Ansicht dahin aus, daß die Hauptpassage nur -in der Verlängerung der Davisstraße zu suchen sei. Um dieselbe weiter -aufzuhellen, wurden Bylot und Baffin in demselben Schiffe 1616 noch -einmal ausgeschickt. Diesmal steuerten sie direct nach der Davisstraße -und erreichten am 30. Mai Hope Sanderson (72° 42′ n. Br.). Von hier -aus also begannen die neuen Entdeckungen. Das Schiff ging bis zum 10. -Juni an der grönländischen Küste nordwärts und versuchte dann einen -Vorstoß in die westlichen, in der Mitte der Bai treibenden Eismassen, -um weiter von der Küste abkommen zu können. Aber dieser Versuch, das -sogenannte Mittelpackeis zu durchbrechen, schlug fehl[536], und man -war gezwungen, das Küstenfahrwasser wieder aufzusuchen. In diesem -fuhr man nordwärts bis zum Whalesunde (77° 30′ n. Br.), der nach -der großen Anzahl dort gesehener Walfische benannt wurde, und bis -zum Eingange des Smithsundes, wo das Schiff zwei Tage lang in Sturm -und Nebel umhergejagt wurde. Auf der andern Seite der großen Bai -gelangte das Schiff am 10. Juli zur Oeffnung des Jonessundes, am 12. -Juli zum Lancastersunde. Hier befand man sich thatsächlich an der -Pforte der nordwestlichen Durchfahrt, aber man erkannte sie nicht; -denn die Bezeichnung „Sund“ berechtigte noch nicht zur Annahme eines -Durchgangscanals. „Vom Lancastersunde an,“ schreibt Baffin, „begann -unsere Hoffnung auf eine Passage geringer zu werden. Denn von nun an -hatten wir eine geschlossene Eisbank zwischen uns und der Küste. Wir -hielten uns bis zum 14. Juli dicht an der Eisbarriere und sahen das -Land sich noch bis zum 70° 30′ n. Br. erstrecken. Bei dem Versuche, -durch das Eis nach Osten ins grönländische Küstenwasser zu kommen, -wurden wir in dem Schollenmeere festgehalten und trieben bis 65° 40′ n. -Br. südwärts.“ Nun erst gab man, da auch viele Leute an Bord erkrankt -waren, die Untersuchung der Westküste auf und kehrte nach England -zurück, wo man am 30. August in Dover landete. - -In einem Briefe an John Wolstenholm spricht sich Baffin ganz -entschieden dahin aus, daß das große Wasser nördlich von der -Davisstraße, die Baffinsbai, nur eine geschlossene Bai sei und daß -dort keine Passage existire. Ehe er sich mit eignen Augen davon -überzeugte, sei er noch anderer Ansicht gewesen. Er schließt seinen -Brief mit den Worten: „Ich darf kühn und ohne Prahlerei behaupten, daß -in kürzerer Zeit bessere Entdeckungen nicht gemacht sind, wenn man die -Eismassen und die Schwierigkeit einer Segelfahrt so nahe am Pol und -dazu die fabelhafte Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zieht, so -daß ohne die größte Sorgfalt gar keine richtige Karte entworfen werden -kann.“[537] - -Volle zweihundert Jahre, bis 1818, ruhten die Versuche, durch -den nördlichen Theil der Baffinsbai weiter vorzudringen. Doch -wurden jene Gewässer für den Walfischfang in ergiebigster Weise -ausgebeutet. Erst in unserm Jahrhundert nahm man die Frage der -Nordwestpassage in England wieder auf. Nach einer Reihe glänzender, -heldenmüthiger Forschungsreisen ist 1850 durch Mac Clure die Existenz -einer Wasserstraße von der Baffinsbai aus durch den Lancastersund -um Nordamerika sowie durch die Beringsstraße zum großen Ocean -nachgewiesen, aber eine Umsegelung der neuen Welt im Norden wegen -der höchst schwierigen Eisverhältnisse noch nicht ausgeführt. Der -materielle Gewinn, welchen der britische Handel aus den Nordwestfahrten -erzielte, ergab sich noch im Laufe des 17. Jahrhunderts, nachdem im -Jahre 1631 noch zwei verschiedene Expeditionen unter den Capitänen -+Fox+ den Norden und +James+ den Süden der Hudsonsbai erforscht hatten, -und sich dann 1670 auf Anregung des Prinzen Rupert eine Gesellschaft -bildete (~Company of adventurers of England trading into Hudsonsbai~), -um von den Küsten dieses nordamerikanischen Binnenmeeres aus besonders -Pelzhandel zu treiben. Die Hudsonsbai-Compagnie beherrschte sodann in -ihrer weiteren Entwicklung den ganzen Norden Amerika’s und legte so -den Grund zu der Ausdehnung der britischen Herrschaft über die ganze -nördliche Hälfte jenes Continents. - - - - -Fünftes Capitel. - -Die Nordostpassage. - - -1. Die Engländer auf dem Nordostwege und die moskowitische Compagnie. - -Sebastian Cabot, den wir zuerst, in Gemeinschaft mit seinem Vater, von -England aus die nordwestliche Bahn nach Indien betreten sehen, ist auch -der Urheber des Gedankens, den letzten noch möglichen Weg nach den -reichsten Ländern Asiens einzuschlagen: von England aus nach Nordosten -um Nordeuropa und Nordasien. Zwar hat Sebastian Cabot nicht selbst mehr -Schiffe nach dem Nordosten geführt, denn er war bereits hochbetagt, -wenigstens 80 Jahre alt, als er mit seinem Vorschlage hervortrat; aber -er lieh dem Unternehmen die Unterstützung seiner reichen Erfahrungen im -Seewesen und wirkte dadurch fördernd und anregend. - -Es könnte befremden, daß der Nordostweg so spät, erst 1553 versucht -wurde, wenn uns nicht ein Blick auf die Karten jener Zeit belehrte, -daß man die Küstenumrisse Afrika’s und Südamerika’s besser kannte -und richtiger darstellte als die Meeressäume in Nordeuropa; denn bis -nach Skandinavien erstreckte sich der Handel der Italiener, folglich -auch ihre Kunst der Seekarten nicht, und die Hanseaten, zu deren -Handelsgebiet der ganze Norden, wenigstens bis Bergen und Drontheim -gehörte, verwendeten statt der gemalten Compaßkarten geschriebene -Segelanweisungen, Seebücher. So blieb der Norden Europa’s in seiner -kartographischen Entwicklung lange hinter dem Süden, namentlich den -Gestaden des Mittelmeeres, zurück. Wie die Karten des Nicolaus Donis -von 1482,[538] die Weltkarte von 1513 (vorliegendem Werke beigegeben) -und Jacob Zieglers Karte[539] (Straßburg) von 1532 zeigen, hielt -man noch an der Vorstellung fest, daß vom Norden Europa’s eine -Landverbindung nach Grönland existire. Entsprach eine solche Auffassung -der Wirklichkeit, dann war selbstverständlich an eine nordöstliche -Durchfahrt nicht zu denken. Und doch bestand, wenigstens schon seit dem -15. Jahrhundert, ein Schifffahrtsverkehr zwischen dem weißen Meere und -den Westgestaden Skandinaviens, von dem man im Süden eigentlich nichts -wußte. Noch mehr: die leichtgebauten russischen Fahrzeuge wagten sich -schon bis nach Nowaja Semlja und bis an die Eingänge des karischen -Meeres; denn im Laufe des 16. Jahrhunderts fanden englische Schiffe -an der Westseite des „Neuen Landes“ die Einfahrt in einen sichern -Hafen bereits durch Kreuze markirt. Sigismund von Herberstein, welcher -zweimal, 1517 und 1526 als Gesandter des deutschen Kaisers nach Moskau -ging, berichtet uns[540] über die im Jahre 1496 von dem russischen -Botschafter David ausgeführte Seefahrt von der Dwina nach Drontheim. -Wir erfahren aus dem Munde eines Mitgliedes dieser Gesandtschaft, -Gregory Istoma, daß zu jener Zeit schon das norwegische Grenzfort -Vardöhuus am Varangerfjord jenseit des Nordcaps bestand, wodurch die -Grenzen der norwegischen Besitzungen bewacht wurden. Und wenn die -von da aus nach Südost verlaufende Küste der Halbinsel Kola noch -jetzt den Namen murmanische d. h. normannische Küste führt, so müssen -skandinavische Seefahrer sie besucht haben. Ihnen war also das äußerste -Nordgestade unseres Continents längst bekannt; aber in Südeuropa -vernehmen wir nur vereinzelte kundige Stimmen. So erzählt Gomara, in -Bologna habe ihm der landesflüchtige, schwedische Bischof Olaus Magnus -erzählt, daß man um Nordeuropa bis nach China segeln könne.[541] Aber -Olaus Magnus rückt irrthümlich auf seiner Karte[542] die Nordspitze -Skandinaviens bis zum 84° n. Br. hinauf, während doch der Florentiner -Verrazzano schon im Jahre 1525 richtig die geographische Breite des -Nordcaps auf 71° verlegte.[543] - -Genaueres über die Polarküsten Europa’s erfuhr man erst aus den -Darstellungen Herbersteins, und es ist sehr wahrscheinlich, daß erst -durch das Erscheinen seines Werkes, in welchem auch die sibirischen -Flüsse Ob und Irtysch erwähnt werden, ein möglicherweise schon älteres -Project Cabot’s neu belebt wurde und auf Grund der neu erworbenen -Anschauungen mehr Aussicht auf Verwirklichung gewann. Allerdings -lief auch ein folgenreicher Irrthum mit unter, wie so oft in diesem -Zeitalter durch falsche Combinationen die kühnsten Unternehmungen -getragen wurden. Nach Herbersteins Erkundigungen sollte nämlich der -Ob aus einem See Kitaisk abfließen. Dieser kitaische See mußte -- -so schloß man vorschnell -- in der Nähe von Kitai oder Cathay, also -China liegen. Konnte man zu Schiffe an den Ob gelangen, dann mußte -auch der Rest des Weges nach Ostasien sich ohne große Schwierigkeit -ausführen lassen. Zwar legten die Kartographen der Vollendung dieser -nordöstlichen Schifffahrt noch ein selbstgeschaffenes Hinderniß in den -Weg, indem sie nach einer misverstandenen Angabe des Plinius (~lib. -VI~, 20) ein Vorgebirge Tabin als äußerste Spitze des polaren Asien -ansetzten, welches wenigstens bis zum 75° n. Br. reichen sollte. Allein -Tabin galt doch nicht als unüberwindliche Schranke. - -Daß Asien sich so weit in die polare Zone hinein erstrecken solle, war -durch keine Wahrnehmung oder Kunde irgend welcher Art zu beweisen, -und doch hat sich, wie die Forschungen des 18. Jahrhunderts ermittelt -haben, die Lage des hypothetischen „~Promontorium Tabin~“ bestätigt, -wenn wir dafür das Cap Tscheljuskin, welches unter 77° 36′ n. Br. -liegt,[544] gelten lassen. - -Es ist merkwürdig, wie oft die kartographischen Phantasiegemälde, -welche die Kosmographen des 16. Jahrhunderts in ruhelosem -Schaffensdrange entwarfen, das richtige getroffen haben und gerade -bei den für die räumliche Vertheilung der Landmassen wichtigen -Momenten. Dahin gehören die bereits vier Jahre vor der Entdeckung -durch Magalhães von Schöner gezeichnete südamerikanische Meerenge, -ferner das Cap Tabin als äußerster nördlicher Punkt des Continents der -alten Welt und die schon im 16. Jahrhundert vermuthete und gezeichnete -+Anianstraße+, welche die alte und neue Welt von einander scheidet, -unsere Beringstraße. - -Als Cabot daran ging, den Plan einer Nordostfahrt ins Werk zu setzen, -bedurfte er zunächst bedeutender Mittel und diese zu schaffen, galt -es besonders den Patriotismus der englischen Kaufherren aufzurufen. -Es gelang ihm, im Jahre 1553 (vier Jahre nach dem Erscheinen des -Herberstein’schen Werkes) eine Handelsgesellschaft ins Leben zu rufen, -welche der auch in England mit wichtigen Privilegien ausgestatteten -und den Seehandel beherrschenden Hansa entgegen arbeiten sollte. Diese -Gesellschaft, zu deren lebenslänglichem Präsidenten Cabot ernannt -wurde, trat unter dem Namen: „~Mystery, Company and fellowship of -merchant adventurers for discovery of unknown lands~“ ins Leben. Es lag -in diesem Titel die Absicht ausgesprochen, dem englischen Seeverkehr -Länder zu erschließen, wohin der Einfluß der Hansa nicht reichte. - -Das erste Geschwader, welches die neugegründete Compagnie 1553 -aussendete, bestand aus drei Schiffen von 160, 120 und 90 Tonnen -Gehalt. An die Spitze wurde Sir +Hugh Willoughby+ gestellt, weil er „im -Kriegswesen wohl bewandert war“. Ihn begleiteten Richard Chancellor und -Stephen Burrough.[545] Am 10. Mai (alten Stils) liefen die Schiffe von -der Themse aus, unter dem Jubelzurufe des versammelten Volks, am 27. -Juli ankerten sie bei den Lofoten und gingen dann weiter nordwärts. -In der Mitte des August trieb ein Sturm die Schiffe auseinander. -Willoughby gerieth nebst dem kleinsten Fahrzeuge weit jenseit des -Nordcaps, welches für die westeuropäische Schifffahrt bei dieser -Gelegenheit gleichsam entdeckt wurde, an eine von Eis umstarrte flache -Küste, vielleicht die Insel Kolgujew,[546] wandte sich von da wieder -zurück und erreichte am 18. September die lappländische Küste, wo er -am Flüßchen Arzina (jetzt Varsina) unter 68° 20′ n. Br. zu überwintern -beschloß. Aber unbekannt mit den Gefahren eines arktischen Winters und -mit den Mitteln, demselben Widerstand zu leisten, erlag die gesammte -Mannschaft beider Schiffe, sammt ihrem Befehlshaber. Russische Fischer -fanden später das verhängnißvolle Winterlager und brachten beide -Schiffe mit Willoughby’s Leiche 1555 nach England. - -Das dritte Fahrzeug unter Richard Chancellor ging, als es sich nach dem -Auguststurme allein sah, nach Vardöhuus, wartete dort eine Woche lang -auf Willoughby und setzte dann auf eigene Hand seine Entdeckungsfahrt -weiter fort, bis es am weißen Meere nahe der Mündung der Dwina ein -kleines Kloster erreichte, da, wo jetzt die Stadt Archangelsk liegt. -Hier fand Chancellor gastliche Aufnahme, wurde, nachdem Eilboten -dem Zaren die Ankunft eines englischen Schiffes gemeldet hatten, -eingeladen, nach Moskau an den Hof zu kommen und verbrachte dort einen -Theil des Winters mit seinen Leuten. Dann kehrte er 1554 mit seinem -Schiff nach England zurück. So war ein Theil des Programms der von -Cabot gegründeten Handelsgesellschaft: unbekannte Länder aufzusuchen, -um mit ihnen in Verkehr zu treten, erfüllt. Rußland ergriff mit Freuden -die Gelegenheit, sich über das einzige Meer, dessen Küsten unter -seiner Botmäßigkeit standen, mit Westeuropa in Verbindung zu setzen. -Es entwickelte sich ein lebhafter Handel, die englische Gesellschaft -erhielt 1555 von der Königin Maria Corporationsrechte unter dem Namen -einer ~Company of merchant adventurers~. Man nannte sie aber gewöhnlich -die moskowitische Gesellschaft (~Muscovy Company~). - -Die Gesellschaft besteht noch als ~fellowship of English merchants -for discovery of new trades~. Ihr Archiv ist leider in dem großen -Brande 1666 untergegangen und damit manches werthvolle Blatt für -die Entwicklungsgeschichte des englischen Seehandels verloren. -Chancellor wurde 1556 wieder nach dem Kloster Cholmogory (Archangelsk) -abgeschickt, verlor aber auf dem Heimwege von der Dwina bei Aberdeen im -Schiffbruch am 10. November das Leben. - -In England ließ man, trotz des ersten Erfolges, das große Ziel, auf dem -eingeschlagenen Wege bis nach Indien vorzudringen, nicht aus den Augen. -Zu gleicher Zeit mit Chancellor wurde auch +Stephen Burrough+[547] -wieder entsendet, aber mit dem weitergehenden Auftrage, die Mündung des -Ob aufzusuchen, als nächsten Schritt zur Auffindung der Nordostpassage -(~intending the discovery of the north-east passage~). Cabot überwachte -persönlich die Ausrüstung und nahm auf dem Schiffe von Burrough -Abschied, welcher am 27. April von Gravesend in See ging. - -Am 11. Juni traf dieser jenseit des Nordcaps an der lappländischen -Küste mit russischen Lotjen (kleine Ruder- und Segelböte) zusammen -und ließ sich von ihnen den Weg zur Petschora zeigen. Da aber die -Lotjen schneller segelten als das englische Schiff, so mußten sie -oft die Segel einziehen, um Burrough nachkommen zu lassen. Diese -Fahrgeschwindigkeit der russischen Böte bestätigt die Annahme, daß jene -nordischen Seeleute weithin mit den Küsten des Eismeers bekannt sein -konnten. Am 15. Juli lief Burrough in die Mündung der Petschora ein -und ging von da fünf Tage später grade nordwärts nach dem südlichen -Rande von Nowaja Semlja. Unter diesem Namen kannten die Russen -bereits jene langgestreckte Doppelinsel, welche das karische Meer -gegen Westen abschließt. Statt nach Osten sich zu wenden, verfolgte -Burrough die Küste nach Westen, wo ihn eine russische Lotje belehrte, -daß er, um nach dem Ob zu gelangen, eine entgegengesetzte Richtung -einschlagen müsse. Auch gab der russische Schiffer den Engländern -weitere Andeutungen über die einzuhaltende Route. Burrough kam bis -zur Waigatschinsel, lag dort einige Zeit vor Anker, wurde, als er ins -karische Meer einzusegeln versuchte, am 23. August von einem schweren -Sturm betroffen, der ihn zur Umkehr zwang. Er hatte die Absicht, an der -Dwina zu überwintern und im nächsten Jahre die Fahrt nach dem Ob zu -vollenden, aber führte den Plan nicht aus, sondern ging nach England -zurück. - -Die moskowitische Handelsgesellschaft ließ vorläufig die Pläne, nach -dem Ob und weiter die Route zu entdecken, fallen und beutete die neu -eröffneten Handelsbeziehungen an der Dwina aus. An dem Stillstande der -Entdeckungen war wohl auch der 1557 erfolgte Tod Cabot’s schuld. Erst -als Frobisher (s. oben S. 511-514) sich in den Jahren 1575-77 vergebens -abgemüht hatte, eine Nordwestpassage zu finden, kehrte man zu Cabot’s -Idee zurück und schickte 1580 noch einmal zwei Schiffe nach dem Ob und -nach Cathai.[548] +Arthur Pet+, welcher schon die erste Fahrt unter -Chancellor als Matrose mitgemacht, und +Charles Jakman+ befehligten die -Schiffe, welche am 30. Mai von Harwich abgingen. Jenseit des Nordcaps -trennten sich die beiden Schiffe, um sich später bei der Waigatschinsel -wieder zu treffen. Pet ging allein nördlich um diese Insel herum durch -die karische Straße, und nach Südosten am Lande hin zwischen der -Küste und einem ausgedehnten Eisfelde, bis er nothgedrungen in einem -Hafen auf der Ostseite von Waigatsch Zuflucht suchen mußte. Dort traf -er wieder mit Jakman zusammen. Da beide Schiffe vom Eise beschädigt -waren, so beschlossen sie umzukehren und das karische Meer, welches sie -zuerst betreten, wieder zu verlassen. Pet kam am 26. October wieder -nach England, Jakman überwinterte an der Küste Norwegens und ging im -nächsten Jahre auf einem dänischen Schiffe nach Island. Dort ist er -verschollen. - -„Pet und Jakman waren die ersten Nordostfahrer, welche sich ernstlich -in das Treibeis wagten. Sie benahmen sich dort mit Entschlossenheit und -Umsicht, und in der Geschichte der Schifffahrt kommt ihnen die Ehre zu, -die ersten Fahrzeuge geführt zu haben, welche vom westlichen Europa in -das karische Meer eingedrungen sind.“[549] Mit Unrecht erklärt Barrow -sie für unbedeutende Seeleute;[550] denn ihre Leistung ist in diesem -Gebiete von keinem englischen Schiffer mehr übertroffen, und mit dieser -Expedition hörten die englischen Expeditionen zur Nordostpassage fast -ganz auf, nachdem die Holländer in ihre Fußtapfen getreten waren. - - -2. Die Holländer auf dem Nordostwege und der Kampf um Spitzbergen. - -Die Holländer folgten den Engländern auf dem nordöstlichen Wege sehr -bald nach. Als Stephen Burrough 1557 nach seiner Ueberwinterung in -Archangelsk zurückging, traf er jenseits Vardöhuus Holländer an, welche -nach Lappland Handel trieben und sich in Kola niederließen. Von hier -gingen 1566 zwei Antwerper Kaufleute Simon von Salingen und Cornelis -de Meijer an der Küste entlang zu Schiff nach dem Onegafluß, von wo -sie als Russen verkleidet zu Lande nach Moskau reisten. Noch wichtiger -und für die Entwicklung des holländischen Handels nach dem weißen -Meer von bestimmendem Einfluß war das Auftreten des niederländischen -Kaufmanns +Oliver Brunel+ aus Brüssel. Derselbe war 1565 mit einem -Enkhuizer Schiffe nach Kola gekommen und wagte sich dann auf einer -russischen Lotje nach Cholmogory. Auf Veranlassung der eifersüchtigen -Engländer als Spion erklärt, wurde Brunel in Jaroslawl an der obern -Wolga gefangen gesetzt, bis er durch Vermittlung der russischen -Kaufleute, der Gebrüder Anikiew, die Freiheit wieder erhielt, und in -den folgenden Jahren in dem Interesse seiner Befreier Handelsreisen -bis zur Petschora machte und so den ganzen Norden Rußlands kennen -lernte. Da er aber auch im Westen den russischen Waaren Absatz zu -verschaffen wünschte, so begab er sich mit Verwandten der Anikiews -zu der holländischen Niederlassung in Kola und miethete hier ein -niederländisches Schiff nach Dordrecht. Der Erfolg war günstig, und so -wurde über Kola eine regelmäßige Verbindung mit Holland angeknüpft. -Brunel diente zwischen den Handelsplätzen als Agent.[551] Im Jahre 1577 -ging er mit Jan van de Walle, dem Agenten des Handelshauses Gillis van -Eychelberg, genannt Hoofman, zu Lande nach Moskau und bewog dieses Haus -noch in demselben Jahre das erste holländische Schiff nach der Dwina -zu entsenden. Andere niederländische Schiffe folgten und ankerten -in der Pudoschemsko-Mündung der Dwina. Als dann auch Melchior de -Moucheron als Agent seines Bruders, des reichen Handelsherrn Balthasar -de Moucheron, sich an der Dwina niederließ und 1584 den Capitän -Adrian Krijt veranlaßte, einen bessern Ankerplatz bei dem Kloster des -Erzengel Michael zu suchen, so entstand dort rasch Neu-Cholmogory -oder Archangelsk und entwickelte sich so günstig, daß 1591 auch die -Engländer ihre Factorei hierher verlegen mußten. - -Inzwischen war 1581 Brunel zum zweitenmale in den Niederlanden gewesen, -um für die von schwedischen Schiffbauern auf Kosten der Anikiews -erbauten besseren Fahrzeuge holländische Matrosen anzuwerben, denn -die Schiffe sollten den Handelsweg nach dem Ob eröffnen. Seinen Weg -nach den Niederlanden hatte Brunel über die Ostsee genommen und bei -dieser Gelegenheit den Kosmographen Johann Balak in Arensberg auf der -Insel Oesel besucht, welcher ihm Empfehlungen an den berühmtesten -Kartographen seiner Zeit, Gerhard Mercator, mitgab und, nach den -Angaben Brunels in einem Brief an den großen Gelehrten, seine -Erkundigungen über die Polarregion der alten Welt mittheilte. Wir -finden darin die Petschora, Waigatsch, das karische Meer mit den -einmündenden Flüssen ganz richtig beschrieben. Jenseit des Ob werden -allerdings die Vorstellungen unklar. Der berüchtigte Kataisee, dessen -Abfluß der Ob sein sollte, wird nach dieser Auffassung von Karakalmaken -umwohnt, die ganz nahe an China grenzen oder bereits diesem Lande -angehören (~non alia certe quam Cathaya~).[552] Pet und Jakman waren -im Jahr vorher in das karische Meer eingedrungen, die Angaben Brunels -fanden dadurch eine weitere Bestätigung. Dieser scheint nun die Ehre -des großen Unternehmens, den Handelsweg nach dem Ob zu eröffnen, aus -Patriotismus seinem Vaterlande haben zuwenden zu wollen; denn er trat -nicht mehr als russischer Agent in den Niederlanden auf, sondern -brachte mit Hilfe seiner Landsleute eine Expedition zustande, an deren -Spitze er 1584 das karische Meer zu erreichen suchte. Die Geschichte -dieser Fahrt ist dunkel, wir erfahren nur, daß er sein Schiff auf dem -Rückwege an der Petschora einbüßte. Brunel kehrte nicht nach Holland -zurück; er begab sich vielmehr, da er durch seine Handlungsweise seine -Stellung auch in Rußland verloren hatte, in dänische Dienste und erbot -sich zu Fahrten nach Grönland. Dann verschwindet er aus der Geschichte, -jedenfalls erlebte er die ersten großen holländischen Entdeckungszüge -nach dem Nordosten nicht mehr. - -Den directen Anstoß dazu gab Balthasar de Moucheron. Ende 1593 legte -er dem Statthalter Moritz von Oranien und Oldenbarneveldt seinen Plan -vor, durch die karische See nach China zu segeln („~in wat manieren -en by wat middelen de noordsche zee omtrent Waygats tot China toe -bevaarbaar zijn zou~“).[553] Den vierten Theil der Kosten wollte er -selbst tragen. Aber nach längerer Berathung nahmen durch Beschluß -vom 16. Mai 1594 die Generalstaaten die Sache selbst in die Hand und -machten sie zu einer Staatsangelegenheit. Zwei Schiffe wurden von der -Admiralität in Seeland und Nordholland gestellt, das dritte Schiff -und eine Yacht fügte, auf Anregung des Kosmographen Peter Plancius, -die Regierung von Amsterdam hinzu. Beide Abtheilungen standen unter -dem Oberbefehl des Capitän Cornelis Cornelisz. Nay aus Enkhuizen, -so lange sie vereinigt bis zur Insel Kildin an der lappländischen -Küste gingen. Von hier aus mußten sich die Wege trennen, denn den -von den Generalstaaten gestellten Schiffen war der Weg durch die -Waigatschstraße ins karische Meer vorgeschrieben, von wo sie dann -weiter nach Cap Tabin und der Anianstraße steuern sollten, während die -andere Abtheilung des Geschwaders Nowaja Semlja umsegeln sollte, um -die karische See zu vermeiden, von der man noch nicht wußte, ob sie -mit dem nördlichen Weltmeer zusammenhänge oder nicht. Eine Fahrt um -Nowaja Semlja hielt man deshalb für keineswegs schwierig, weil nach -der Ansicht Mercators, welcher auch sein Schüler Plancius folgte, das -Eismeer wegen des raschen Flutwechsels nicht fest zugefroren sein -könne.[554] Cornelisz. Nay kannte jene nordischen Gewässer, da er -im Auftrage des Hauses Moucheron bereits mehreremale das weiße Meer -besucht hatte. Das zweite Schiff stand unter dem Commando des Capitäns -Brandt Ijsbrandtsz. Tetgales ebenfalls aus Enkhuizen. Die Amsterdamer -Schiffe befehligte Willem Barendsz. Alle Schiffe gingen am 5. Juni 1594 -von Texel ab und langten am 23. Juni zusammen vor Kildin an. Nay ging -mit Tetgales am 2. Juli nach der Waigatschstraße, kam am 5. des Monats -ins Eis, erreichte aber doch am 18. die Mündung der Petschora und -ankerte am 21. vor Waigatsch. Nach mancherlei Aufenthalte segelte er am -1. August durch die jugorische (ugrische) Straße, von den Holländern -die Nassaustraße genannt, und gelangte bis in die karische See, wo er -zwar anfangs auch noch mit dem Eise zu kämpfen hatte, dann aber unter -71° n. Br., am 11. August, in offenes Wasser kam. Da man die Durchfahrt -nach Indien in der „neuen Nordsee“, wie man das karische Meer nannte, -meinte gefunden zu haben, so beschloß man, sich mit diesem Erfolg zu -begnügen und den Heimweg anzutreten; denn man war überzeugt, an der -Mündung des Ob vorbei -- die Karabucht wurde dafür gehalten -- bis zur -Höhe des Vorgebirges Tabin vorgedrungen zu sein. - -Auf dem Rückwege traf Nay am 16. August mit den Amsterdamer Schiffen -zusammen, welche unter Capitän +Willem Barendsz.+ von Kildin nach -Nordosten gesegelt waren. Am 4. Juli sah dieser unter 73° 25′ n. Br. -die Westküste von Nowaja Semlja und ging an derselben bis zum 78° -n. Br., wo am Eiscap ein mächtiges Eisfeld ihn zur Umkehr nöthigte. -Daß +vor+ ihm Russen schon so weit die Küsten des „neuen Landes“ -kannten, bewiesen die unter 77° 55′ n. Br. auf einer Insel an der Küste -errichteten Kreuze. - -Die Schiffe traten gemeinschaftlich den Rückweg an und langten am 16. -September wieder in Holland an. - -Die Resultate dieses ersten Versuches erschienen den Unternehmern -keineswegs entmuthigend. Namentlich hielt man die Beobachtung Nay’s, -daß er ein offnes Meer bis Tabin entdeckt habe, für so günstig, daß -man sofort in dieser Richtung weiter zu gehen beschloß; aber man -wollte sich den Eingang sichern und faßte schon den Plan ins Auge, -die Nassaustraße durch Befestigungen zu sperren, damit man nicht mit -fremden Nationen den Gewinn theilen müßte. - -So wurde ein zweites, noch größeres Geschwader, auf Staatskosten -ausgerüstet „zur nördlichen Schifffahrt nach den Königreichen China -und Japan“ (~opte navigatie benoorden om, naeden Coninckrycken van -China ende Japan~).[555] Man war diesmal so fest überzeugt, das Ziel zu -erreichen, daß man nicht blos die ansehnliche Zahl von sieben Segeln -(je zwei von Amsterdam, Seeland und Enkhuizen und eins von Rotterdam) -entsendete und theilweise mit Kaufmannsgütern für den Handel mit China -befrachtete, sondern auch zwei kleineren Schiffen der Flotte den -Auftrag ertheilte, die Nachricht von der erfolgten Umschiffung Tabins -sofort nach den Niederlanden zurückzubringen. Cornelis Nay wurde wieder -zum Oberbefehlshaber, Tetgales als zweiter Capitän und Barendsz. zum -Obersteuermann ernannt. Linschoten, der bekannte Geschichtsschreiber -dieser Nordostfahrten,[556] sowie Hermskerck und Rijp nahmen als -Commissarien an dem Schiffszuge theil, dessen Ziel der von Polo’s -Zeiten her bekannte Seehafen Quinsay (~haeven ende stadt van Guinsay~) -war. Aber man hatte mit der Ausrüstung der großen Flotte so viel Zeit -verloren, daß man erst am 2. Juli von Texel in See gehen konnte. Am -10. August war man am Nordcap, am 17. stieß man schon auf Treibeis. -Zwar gelang es noch am 24., durch die Nassaustraße ins karische Meer zu -kommen; aber das dichte Eis trieb die Schiffe nach der Waigatschinsel -zurück. Vergebens machte Barendsz. noch mehrere Versuche, den Eisgürtel -zu durchbrechen, aber die Jahreszeit wurde immer ungünstiger und am 15. -September mußte man schweren Herzens die Hoffnung aufgeben, vorwärts zu -kommen. Man erfuhr zwar, daß die Russen noch über den Ob hinaus nach -einem Flusse namens Gillissy (Jenissei) Handel trieben, aber man konnte -ihnen wegen der vorgerückten Jahreszeit nicht mehr folgen.[557] - -Erst im November kamen die Schiffe nach Holland zurück. Aber die -Unternehmungslust der Kaufleute war durch diesen Miserfolg keineswegs -gedämpft. Namentlich Linschoten forderte zu neuen Anstrengungen auf -und wies darauf hin, wie lange sich die Portugiesen abgemüht hatten, -bis sie das Südende Afrika’s erreichten. Ihre Ausdauer sei glänzend -belohnt. Eine nordöstliche Durchfahrt nach China und Indien bestehe -ganz sicher, als Beweis führte er die Fahrten der Russen nach dem Ob -und Jenissei an. Aber man kenne die Temperatur- und vor allem die -Eisverhältnisse des Nordens noch nicht genügend, um die richtige -Jahreszeit zu treffen. Er rieth daher, zeitig im Frühjahr zwei kleine -Schiffe nach Waigatsch zu senden, welche dort das Aufbrechen des Eises -abwarten sollten und dann den Spuren der russischen Lotjen nach dem -Ob folgen könnten. Am Jenissei sollten dann die Schiffe überwintern, -von den Anwohnern Erkundigungen einziehen und im nächsten Jahre ihre -Reise fortsetzen. Die Generalstaaten freilich wollten neue Mittel für -Schiffe nicht bewilligen; um jedoch die Unternehmungen nicht ganz -fallen zu lassen, setzten sie eine Prämie von 25,000 Gulden auf die -erste glückliche Vollendung der Fahrt nach China.[558] Dagegen faßte -der Rath der Stadt Amsterdam den Beschluß, aus den Mitteln der Stadt -zwei Schiffe von 50 bis 60 und 30 Lasten auszurüsten und darauf bis -zu 12,000 Gulden zu verwenden.[559] Jan +Cornelis Rijp+ und Jacob -Hendrichsz. +Heemskerck+ führten die Schiffe, +Barendsz.+ ging wieder -als Steuermann mit. Am 18. Mai (neuen Stils) liefen sie von Vlieland -aus, Rijp steuerte von den Lofoten nach Nordnordost, da er den Nowaja -Semlja umlagernden Eismassen auszuweichen wünschte und fand so zunächst -am 9. Juni die +Bäreninsel+,[560] so genannt, weil dort ein großer Bär -erlegt wurde, und entdeckte am 17. Juni (nach Barendsz.’s Journal), -indem er einen dermaßen nördlichen Cours einhielt, als ob er über den -Pol segeln wollte, die Inselgruppe von Spitzbergen. Aber seine Versuche -von hier aus, um die Westküsten nach der Nordseite vorzudringen, -scheiterten an den unbezwinglichen Eismassen. Die Schiffe kehrten also -nach dem Süden zurück und trafen am 1. Juli wieder an der Bäreninsel -ein.[561] Hier trennten sich die beiden Schiffe: Barendsz. ging nach -Nowaja Semlja, Rijp nördlicher, in der Absicht, auf der Ostseite von -Spitzbergen von neuem den Weg über den Pol zu suchen. Aber er fand auch -hier eine feste Eismauer, ging an deren Rande nach Westen und kam so -zum zweitenmal nach Spitzbergen. Nun erst gab er seinen Plan auf und -wandte sich auch nach Nowaja Semlja. Aber da der Sommer zu Ende ging, -so gab er, ohne nach dieser Richtung noch etwas erreicht zu haben, den -Kampf gegen das Eis verloren und kehrte über Kola nach Hause zurück. - -Barendsz. hatte inzwischen am 17. Juli Nowaja Semlja erreicht und war -nach langer Arbeit im Eise endlich am 15. August so glücklich, über -das Eiscap hinaus zu kommen und am folgenden Tage die nördlichste -Spitze des Landes zu umsegeln. Aber im Nordosten wurde das Schiff vom -Eise besetzt und mußte im „Eishafen“ überwintern unter 76° 7′ n. Br. -Der Aufenthalt währte vom 26. August 1596 bis zum 14. Juni 1597. Man -fand am Strande viel Treibholz, baute ein geräumiges Wohnhaus und -verbrachte darin unter Leiden und Entbehrungen den Winter. Der Muth und -die Ausdauer, mit welcher die Leute eine bis dahin unerhört strenge -Ueberwinterung überstanden, erregte die allgemeinste Theilnahme. Die -Reiseberichte wurden in alle Sprachen übersetzt, und so wurde diese -letzte große holländische Polarfahrt zugleich die populärste. Als im -Sommer 1597 die Schiffe aus ihrem Eisgefängniß nicht frei wurden, -mußte man sie preisgeben und ging in offnen Böten um Nowaja Semlja -herum zur Petschora. Fünf von der aus 17 Köpfen bestehenden Mannschaft -starben; auch der edle Willem Barendsz. erlag während der Bootfahrt -und fand auf dem neuen Lande sein Grab. Barendsz. war nicht blos ein -liebenswürdiger, allgemein geachteter Charakter, er war auch ein -gebildeter, ja ein gelehrter, der lateinischen Sprache sogar kundiger -Seemann, der von Kindesbeinen an (~von sijne kintsche daghen aen~) -eifrigst bemüht gewesen war, von allen Ländern, die er durchwanderte -oder befuhr, Karten zu entwerfen.[562] Mit ihm sank gleichsam die -Seele der Polarfahrten ins Grab. Sein Wahlspruch war gewesen: ~Niet -zonder God~ (nichts ohne Gott). Mit dieser dritten Reise Barendsz.’s -und mit seinem Tode hörten die energischen Versuche der Holländer, -den Nordostweg nach China zu finden, auf.[563] Man mußte zugeben, daß -die Lehren der Kosmographen von einem stets befahrbaren Polarmeere -sich als irrig erwiesen hatten. Aber die Anstrengungen und Opfer waren -doch nicht vergeblich gewesen, denn einerseits stand in dem Eismeere -ein ergiebiger Walfang in Aussicht, andererseits -- und dies war weit -höher anzuschlagen --, war das Nationalbewußtsein mächtig gehoben. Man -verglich in Holland diese arktischen Reisen mit dem Argonautenzuge, -oder gar mit Hannibals Uebersteigung der Alpen und mit Alexander des -Großen Feldzügen.[564] - -Daß man die Nordfahrten vorläufig aufgab, hatte noch einen andern -Grund. In demselben Jahre, als Heemskerck mit dem Rest seiner -Mannschaft von Nowaja Semlja zurückkehrte, kam Cornelis Houtman mit -der ersten Flotte von Indien zurück. Der alte Weg ums Cap der guten -Hoffnung war sicher und brachte Gewinn, der Versuch, einen neuen Weg -zu finden, hatte nur Opfer gefordert. Nachdem Spanien seit 1580 auch -die Hand auf Portugal und seine Besitzungen gelegt, seitdem mit dem -Untergange der berühmten Armada die spanische Oberherrschaft zur See -erschüttert war, achteten weder England noch Holland mehr auf das alte, -vom Pabst verliehene Monopol des indischen Handels, und nach Houtmans -erfolgreichem Zuge blühte der Handel nach Indien dermaßen auf, daß -bereits 1602 die holländisch-ostindische Compagnie ins Leben gerufen -wurde. Man wandte also in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts -sein Interesse dieser neuen Richtung zu; aber gerade in der Gründung -dieser Handelsgesellschaft lag auch wieder der Keim und Anstoß, die -Nordostfahrten wieder aufzunehmen; denn die niederländische Regierung -hatte dieser ostindischen Gesellschaft ausschließlich das Recht -ertheilt, ums Cap oder durch die Magalhãesstraße mit Indien Handel -zu treiben. Alle nicht der Compagnie angehörenden Kaufherren waren -ausgeschlossen, und diese eben suchten nun wieder „um den Norden herum“ -nach Ostasien zu gelangen. - -Fünf Jahre später nahm aber auch die moskowitische Handelsgesellschaft -ihre seit 1580 abgebrochenen Entdeckungen wieder auf und entsandte -1607 +Henry Hudson+ mit einem kleinen Fahrzeuge, um über den Nordpol -den Weg nach Japan und China in nordöstlicher Richtung zu eröffnen. -Hudson steuerte am ersten Mai von der Themse aus nach Nordwesten -und stieß unter 67° n. Br. auf die Ostküste Grönlands. Von hier aus -wollte er sich mehr und mehr nach Nordosten hinüberwenden. Die Küste -des hohen Schneelandes lief anfänglich von Westen nach Osten, später -von Süden nach Norden. Dieser Theil der grönländischen Küste ist auch -gegenwärtig noch nur ungenügend bekannt. Er befuhr die Küste bis -zum 70° und wandte sich dann nordöstlich nach Spitzbergen hinüber. -Mit Sturm, Regen und mit dichten Nebeln kämpfend, welche in einem -Zeitraum von drei Wochen (vom 2. bis 21. Juni) nur einmal der Sonne -gestatteten, den Dunstschleier zu durchbrechen, kam er unerwartet -am 22. Juni noch einmal, unter 72° 38′ n. Br. in die Nähe der hier -nicht überall mit Schnee bedeckten, aber hochgebirgigen Küste von -Grönland, bis er auf die Eisbarriere stieß, welche in der Regel das -Meer zwischen Grönland und Spitzbergen überbrückt. Da er sah, daß -sich das amerikanische Land viel weiter nach Osten erstreckte, als -er nach seiner (auf Zeno basirenden) Karte annehmen durfte,[565] so -ging er nun am Rande der Eismauer nach Spitzbergen hinüber, dessen -Küste er am 27. Juni erreichte. Bis zum 13. Juli kreuzte er in dem -Eise hin und her, wobei er die Höhe von 80° 23′ n. Br. erreichte. -Dann drang er bis auf die Nordseite der Inselgruppe vor, vermuthlich -bis zu den „Siebeninseln“, wo das Eis seiner Weiterfahrt ein Ziel -setzte. Es gelang ihm also ebensowenig wie früher dem Holländer Rijp, -Spitzbergen im Norden zu umsegeln. Er versuchte es dann noch auf der -Südseite, mußte aber auch hier des Eises wegen am 27. Juli von seinem -Vorhaben abstehen und kehrte nach England zurück. Wichtig wurde für -die Folgezeit die Entdeckung zahlreicher Walfische, welche sich damals -noch in dem friedlichen Meere von Spitzbergen tummelten. Im folgenden -Jahre schickte die moskowitische Compagnie ihn zum zweitenmale aus, -den Weg zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja einzuschlagen. Auch -diese Reise blieb resultatlos, wahrscheinlich weil sie wieder zu früh -im Jahre begonnen war. Hudson ging nämlich schon am 22. April die -Themse hinunter zur See und erreichte Ende Mai die Höhe des Nordcaps. -Unter 75° 29′ n. Br. gerieth er am 9. Juni ins Eis und mußte sich -mühsam, nach Südosten zurückweichend, bis zur Küste von Nowaja Semlja -durcharbeiten, welche er unter 72½° zu Gesicht bekam. Da er die Insel -im Norden nicht umsegeln konnte, wandte er sich zur Waigatschstraße, -aber wegen der in heftiger Strömung bewegten Eismassen wagte er sich -nicht hinein und kehrte um. Am 26. August ließ er in Gravesend die -Anker fallen. Es galt als eine besonders wichtige Wahrnehmung, daß -das Klima von Spitzbergen unter 80° milder war, als bei Nowaja Semlja -unter 76°, denn dadurch wurde die Theorie von dem offnen Polarmeere neu -bekräftigt. - -Die niederländisch-ostindische Compagnie, welche, wie sie für den -Handel ums Cap und durch die Magalhãesstraße bereits privilegirt -war, auch noch die Nordoststraße für sich zu monopolisiren hoffte, -gewann darum für 1609 den kühnen englischen Polarfahrer, um in ihrem -Interesse den nordöstlichen Weg nach China zu finden. Daß diese dritte -Reise Hudsons aber eine ganz andere Richtung nahm, ist bereits (S. -515) berichtet. Trotzdem beschloß die ostindische Gesellschaft die -Versuche fortzusetzen. Abgesehen von der durch Plancius vertretenen -und verbreiteten Lehre, daß in der hohen Polarregion unter der -monatelang ununterbrochen andauernden Bestrahlung durch die Sonne -das Eis schmelzen und die Luft erwärmt werden, daher ein offenes -Polarmeer entstehen müsse, erhielt die niederländisch-ostindische -Handelsgesellschaft einen neuen Anstoß, den Weg über den Pol zu -versuchen, durch ein merkwürdiges Werkchen eines deutschen Gelehrten -Helisäus (Elisée) Röslin, Leibarzt des Grafen von Hanau, zu Buchsweiler -im Elsaß, welcher in seinem „künstlichen, philosophischen Tractat: -Mitternächtige Schiffarth“ nicht nur den Ansichten Plancius’ -beipflichtete, sondern sich auch bemühte, mit astrologischen Gründen -zu beweisen, daß Gott die Entdeckung des Nordpols wolle. Dieses -Werkchen sandte Röslin 1610 an die holländischen Generalstaaten. -Dadurch angeregt, beschloß die Admiralität von Amsterdam 1611 zwei -Schiffe auszusenden unter +Jan Cornelisz. May+ und Simon Willemsz. Cat, -um über den Nordpol durch die Anianstraße nach China zu segeln. Sie -versuchten zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja durchzubrechen, kamen -aber des Eises wegen nicht über den 76° hinaus, und wandten sich daher -nach der Ostseite von Amerika, dessen Küsten sie zwischen 47 und 42½° -n. Br. befuhren. Im Februar des folgenden Jahres kehrte ein Schiff nach -Amsterdam zurück. May machte in diesem Jahre noch einen Versuch, Nowaja -Semlja zu umsegeln, aber er traf unter 77° wieder den unbezwinglichen -Eiswall.[566] Es war also weder Engländern noch Holländern möglich, -„um den Norden herum“ nach China zu kommen. Erst in den letzten Jahren -1878 und 1879 ist diese ruhmreiche That auf dem schwedischen Schiffe -Vega unter der Führung des kühnen Polarforschers Nordenskiöld und -des tüchtigen Capitäns Palander gelungen, und Asien auch im Norden -umschifft worden. - -Engländer und Holländer hatten sich nun schon über ein Menschenalter -abgemüht, die starren Eismauern des Polarmeeres zu durchbrechen, -ohne daß mehr als ein scheinbarer Erfolg in Bezug auf das erstrebte -Endziel errungen wäre. Dagegen fanden sie theilweise Ersatz für -den nicht unbedeutenden Kostenaufwand in der Jagd auf die großen -Fischsäugethiere, Wale, Walrosse und Robben, welche namentlich bei -Spitzbergen in großer Anzahl angetroffen wurden. Beide Nationen -beanspruchten die alleinige Ausbeutung jener Jagdgründe und so -entwickelte sich in den ersten Decennien des 17. Jahrhunderts ein -lebhafter +Kampf um Spitzbergen+. - -Die Engländer erschienen zuerst auf dem Plan und schickten ihre Schiffe -seit 1597 bereits nach dem hohen Norden, aber sie verstanden noch -nicht, die Walthiere zu erlegen. Die Basken mußten ihre Lehrmeister -werden, baskische Harpuniere wurden in Dienst genommen und gingen auf -englischen Schiffen nach Spitzbergen. Der biskaische Wal (~Balaena -Biscayensis~) ist zwar ausgestorben; aber daß die Basken schon seit -langen Jahren den Walfang betrieben hatten, läßt sich wohl daraus -schließen, daß Städte wie Guipuzcoa, Fuentarrabia u. a. einen Walfisch -im Wappen führten. - -Häufiger wurden die Besuche der Engländer in der spitzbergischen See, -seitdem 1608 Hudson auf den Reichthum an Walen in jenen Gewässern -wieder aufmerksam gemacht. In den Jahren 1609 und 1610 erforschte -Jonas Pool die ganze Westküste Spitzbergens. Im folgenden Jahre -ertheilte König Jacob I. der moskowitischen Compagnie ein Privilegium, -welches alle übrigen Seefahrer, einheimische sowohl als fremde von der -Fischerei daselbst ausschloß. Trotzdem erschienen seit 1612 auch die -Holländer an jener arktischen Inselgruppe, welche von ihren Landsleuten -entdeckt war, um unter Anleitung baskischer Fangmänner (im Jahre 1613 -hatten sie zwölf derselben angeworben) an der Walfischerei sich zu -betheiligen. Neben ihnen fanden sich auch baskische und französische -Schiffe ein. Aber die Engländer waren entschlossen, die fremden -Eindringlinge nicht zu dulden. Die moskowitische Gesellschaft schickte -1613 sieben große Schiffe unter Capitän Benjamin Joseph und Baffin -als Oberpilot nach Spitzbergen, welche rücksichtslos die fremden -Fischer überfielen, ihnen den gemachten Fang wieder abnahmen oder sie -verjagten, so daß nur ein holländisches Schiff mit seiner Beute entkam. -Damit war der Krieg im Eismeere erklärt, welchen die Niederländer -indes muthig aufnahmen. Die betheiligten Unternehmer vereinigten -sich, um mit geschlossener Macht energischer auftreten zu können, -1614 zu einer Handelsgesellschaft unter dem Namen der „+nordischen -Compagnie+“ und erhielten von den Generalstaaten das Handelsprivilegium -für den ganzen Norden, von der Davisstraße bis nach Nowaja Semlja. -So standen die moskowitische und die nordische Compagnie kampfbereit -einander gegenüber. Die Holländer blieben zwar im ersten Jahre, 1614, -unbehelligt, denn ihre stattliche Flotte von 14 großen Schiffen war -durch drei von den Generalstaaten zum Schutz beigegebene Kriegsschiffe -gedeckt, so daß die Engländer, welche mit 13 Schiffen und zwei Pinassen -erschienen waren, nicht wieder zu Gewaltthätigkeiten zu schreiten -wagten. Aber die Briten hatten in den nächsten Jahren doch wieder die -Oberhand. Indes ließen sich die Mitglieder der nordischen Compagnie -nicht völlig verjagen. Um nun den unsicheren Zuständen, welche -den Handel beider Parteien schädigten, abzuhelfen, versuchten die -Holländer ein friedliches Abkommen zu treffen, welches nach jahrelangen -Verhandlungen erst unter Karl I. 1627 zustande kam, wonach man die -Fischereibezirke unter den Rivalen theilte: die Engländer fischten -seitdem im Südwesten, die Holländer im Nordwesten von Spitzbergen. - - * * * * * - -Ueberblicken wir das Gesammtresultat aller Unternehmungen, welche -von den europäischen Seemächten ins Werk gesetzt wurden, um das -gemeinsame Ziel, Indien und die Gewürzländer, auf verschiedenen -Wegen zur See zu erreichen; so sehen wir nur die beiden romanischen -Völker, die Portugiesen und Spanier, jene ums Cap der guten Hoffnung, -diese durch die Magalhãesstraße ans Ziel gelangen. Es waren also -nur der südöstliche und der südwestliche Weg nach Indien offen -gefunden. Die Spanier hatten außerdem auf dem Westwege in den reichen -Bergländern des tropischen Amerika ein neues Indien entdeckt. Als -die beiden Nebenbuhler, nach Umschiffung der halben Welt, an den -beiden Gewürzinseln auf einander stießen, geriethen sie um den Besitz -derselben in einen lebhaft geführten Streit, welcher 1529 durch einen -Vertrag geschlichtet wurde, nach welchem die Portugiesen einstweilen -die Molukken und den Gewürzhandel behaupteten. - -[Illustration: ~Facsimile der Molukken-Karte im Atlas des Diego Homen -vom Jahre 1568. (Dresden, Königl. Bibliothek.)] - -Einen ganz andern Verlauf nahmen die Versuche der germanischen -Seefahrer, der Engländer und Niederländer, im Nordwesten und Nordosten -eine fahrbare Straße nach den asiatischen Tropenländern zu finden. -Länger als ein halbes Jahrhundert setzten sie den Kampf mit dem Eise -der Polarmeere fort, um schließlich, auf der Grenze zwischen den beiden -hauptsächlich eingeschlagenen Bahnen, sich um den Besitz der -Fischereien an den unwirthlichen Klippen von Spitzbergen zu befehden, -bis auch hier, hundert Jahre nach dem Vertrage von Tordesillas, Friede -geschlossen wurde. Welch ein Gegensatz! Dort unter den Romanen der -Streit um die Gewürzinseln am Aequator, hier unter den Germanen der -Kampf um die Eisfelder von Spitzbergen nahe am Pol. Aber die Gefahren -im arktischen Meere, die stets erforderliche Wachsamkeit bei der -Führung der gebrechlichen Fahrzeuge durch die Eislabyrinthe des hohen -Nordens hatten die Kraft der germanischen Schiffer gestählt und ihr -Selbstbewußtsein mächtig gehoben. Sie fühlten sich stark genug, um -auch um den Besitz Indiens mit den Romanen zu ringen. Die Gründung der -englischen und der holländischen ostindischen Handelsgesellschaften -im Beginn des 17. Jahrhunderts eröffnete eine neue Aera des Kampfes -um das alte vielumworbene Ziel Indien. Die Germanen blieben Sieger -und theilten die Beute: England setzte sich in dem folgenden Zeitraum -auf der Halbinsel von Vorderindien fest, die Niederländer gewannen -die Sundawelt sammt den Molukken und haben bis heute diesen Besitz -behauptet. -- - -Um ein Bild von der Kenntniß jenes merkwürdigen und wichtigen -Inselgebietes zu geben, so weit es gegen das Ende der portugiesischen -Herrschaft in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits -erforscht war, geben wir zum Schluß eine getreue Copie der Karte eines -ausgezeichneten portugiesischen Kosmographen +Diego Homen+ vom Jahre -1568. Das Blatt ist einem auf Pergament gezeichneten Atlas entlehnt, -welcher sich im Besitz der königlichen Bibliothek zu Dresden befindet -und noch nicht veröffentlicht ist. Es zeigt uns die hohe Entwicklung -und die Eigenthümlichkeit der kartographischen Kunst in der letzten -Hälfte des Zeitalters der Entdeckungen. - - - - -FUSSNOTEN: - - -[1] Vgl. +v. Richthofen+, China. I, 443. - -[2] Eine Ahnung davon verräth schon der merkwürdige Brief des -Maximilian Transsilvanus über die Molukken und die Fahrt des Magalhaes, -Oktob. 1522. Vgl. +Fr. Wieser+, Magalhaesstraße und Austral-Continent. -Innsbruck 1881. S. 113. - -[3] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. Berlin 1878. S. 44. - -[4] +F. v. Richthofen+, China. I, 469 ff. - -[5] +W. Heyd+, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stuttgart -1879. I, 182. - -[6] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. S. 222. - -[7] +K. Müllenhoff+, Deutsche Alterthumskunde. Berlin 1870. I, 73 ff. - -[8] Ebd. I, 211 ff. - -[9] Transscription und Uebersetzung zu dem Facsimile: - -~3. „Ohthere sæde his hlaforde, Ælfrede [cyninge], þæt he ealra -Norðmanna norðmest bude. He cwæð þæt he bude on þæm lande norðeweardum -wið ða west sæ^. He sæde ðeah þæt þæt land sy swyðe lang norð þanon; -ac hit is eall weste, buton on feawum stowum, sticcemælum wiciað -Finnas,--on huntaðe on wintra, and on sumera on fiscoðe be ðære sæ^: He -sæde þæt he, æt sumum cyrre, wolde fandian hû lange þæt land norðrihte -læge; oððe hwæþer ænig man be norðan þæm westene bude.“~ - -Ohthere erzählte seinem Herrn, König Alfred, daß er nördlicher als -alle Normannen wohnte. Er sagte, daß er wohnte in dem Lande im Norden -an der Westsee. Er sagte ferner, daß das Land sich weit nach Norden -erstrecke, aber es ist alles wüste, außer an wenigen Stellen, hie und -da, wo Finnen sitzen, um im Winter zu jagen und im Sommer zu fischen -in der See. Er sagte, daß er zu einer gewissen Zeit wissen wollte, wie -weit das Land nordwärts läge, oder ob noch jemand nördlich von dem -Wüstengebiet wohne. - -[10] +Jos. Bosworth+, ~A description of Europe and the voyages of -Ohthere and Wulfstan, written in anglo-saxon by King Alfred the -great. London MDCCCLV.~ Vergl. auf Seite 15 die Probe des angelsächs. -Originals. - -[11] +A. Letronne+, ~Recherches geogr. et critiques sur le livre de -Mensura Orbis Terrae par Dicuil.~ Paris 1814. Zweite Abtheilung. S. 38. -39. - -[12] +Adam+, ~Hist. eccles. IV. cp.~ 39. Vgl. auch +J. G. Kohl+, die -erste deutsche Entdeckungsreise zum Nordpol, in Bremisches Jahrbuch V, -174-191. - -[13] +H. Major+, ~The voyages of Nic. & Antonio Zeno~ (~Hakluyt Soc.~ -1873) ~p. LXV.~ gibt 1406 als letztes Jahr an. - -[14] Vgl. die Kartenbeilage. Dieselben Länderumrisse erschienen schon -auf Weltgemälden aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und wurden von hier -getreu in die genannte Ausgabe des Ptolemäus hinübergenommen. - -[Footnote 15: +H. Major+, ~Henry the Navigator, pp.~ 58. 59. - -[16] Abweichend von allen andern Seekarten jener Zeit ist Südafrika -hier dargestellt, aber leider nur ein Phantasiegemälde, wie die -charakterlosen Contouren beweisen. - -[17] ~The voyages of the Venetian brothers Nicolo & Antonio Zeno.~ -Ausgabe der Hakluyt Soc. London 1873. Man vgl. auch den Aufsatz von -Prof. ~Dr.~ Hermann Vogelsang: Die Insel Friesland und die Reisen der -Gebrüder Zeno im Ausland. 1872. S. 1162 bis 1168. - -[18] +H. Major+, ~l. c. Introd. p. 1. IX~. - -[19] Admiral Irminger, welcher im ~Journ. R. Geogr. Soc. 1879 p. -398 sq.~ zu beweisen sucht, daß Zenos Frislanda Island sei, gibt -zur Bestätigung obiger Thatsachen die nachstehenden Beobachtungen -von seinem zweimaligen Besuche Islands in den Jahren 1826 und 1834. -Irminger schildert die ehemalige Wohnung des berühmten Historikers -Snorre Sturleson in Reikholt (1178-1241), welcher neben seinem Hause -sich ein großes Badebassin erbaut hatte, zu dem das heiße Wasser -einer nahen Quelle geleitet war. Die Anlage war so dauerhaft gemacht, -daß man noch nach 600 Jahren dieselben hätte benutzen können. Auch -erwähnt Irminger noch andere Vorkehrungen in Reikjadal, welche darauf -abzielten, heißes Quellwasser zum Kochen zu benutzen. Der alte Bericht -Zenos findet durch diese Wahrnehmung seine Bestätigung. - -[20] Ztschr. der Ges. f. Erdkunde. Berlin. Bd. IX, 279-314. - -[21] +Fr. Zarncke+, der Priester Johannes, in d. Abhdl. d. kgl. sächs. -Ges. d. Wiss. phil.-hist. Cl. VII, 852. - -[22] Vgl. die beifolgende Karte. - -[23] +Pauthier+, ~Le livre de Marco Polo. 2 vol. Paris 1865~. - -[24] +H. Yule+, ~The book of Ser Marco Polo. 2 vol. 2. edit. London -1875~. - -[25] Die New Welt der Landschaften vnnd Insvln etc. Straßburg 1534. -Fol. 107. - -[26] Der Uebersetzer hat also auch Formosa wieder verdeutscht, wie man -zur selben Zeit auch den Namen Christoph Columbus in Christoffel Dawber -übertrug und seinen Titel „~admirante del mar~“ mit „Wunderer des -Meeres“ übersetzte. - -[27] Die Abwesenheit der Vögel ist aber nur zeitweilig. Im Sommer sind -vielmehr die Gewässer sehr belebt, wie es bereits um 644 p. C. der -berühmte chinesische Reisende Hwen Thsang schildert. - -[28] „Auch kann es die Speisen nicht so weich kochen,“ fügen andere -Handschriften von Polo’s Reise hinzu. - -[29] d. h. der ganze Uebergang über das Plateau. - -[30] M. Polo erwähnt den See Lop (Lopnor) nicht. Auch heute noch heißt -der ganze +Landstrich+ Lopnor. Charakteristisch ist folgende Bemerkung -Prschewalskys (Russ. Revue, XV, 568) Als wir in das erste am Tarim -gelegene Dorf kamen, antwortete der Dorfälteste auf meine Frage: Ist -es noch weit bis zum Lopnor? indem er mit dem Finger auf sich zeigte. -„+Ich bin Lop-Nor+“. - -[31] Noch jetzt nennen die Eleuten des Alaschangebirges der Stadt -Ning-Nia Yargai, was an Polo’s Egrigaia erinnert. Damals war der -District wegen des Anbaus von Safflor (~carthamus tinctorius~) berühmt. - -[32] Ein türkischer Stamm. - -[33] Bei +Pauthier+, ~le livre de Marco Polo~. I, 220, +Sugdatu+, und -unter dieser entstellten Form nicht identificirt. - -[34] Folgende Sitte des dortigen Volks mongolischen Stammes, welche -Polo erwähnt, mag hier verzeichnet werden: „Dis Volck yßt roh fleisch, -das bereyten sie vor also. Sie zertreybens vor klein, darnach thund -sie öll vnd gute specerey dran, vnd essens dann also.“ Also ein echtes -Beefsteak ~à la tatare~! - -[35] +H. Yule+ (II, 104) sucht Anin in dem Stamm des Volkes und in -der Stadt Hon-hi oder Ngoming, jetzt Homi-tscheu. Andere Lesearten -für dieses, den Geographen früherer Jahrhunderte unfindbare Länder -sind Amu, Aniu, Ania, Anian. Aus Verlegenheit schoben die Kartographen -diesen Namen nebst andern immer weiter nordwärts, bis in der Mitte des -16. Jahrhunderts ein ~Fretum Anian~ die postulirte Meerenge zwischen -der alten und neuen Welt im Nordosten Asiens bildete. - -[36] 60 = 1 Aequatorialgrad, 3-4 Li = 1 solche Meile. - -[37] Von den Arabern des Mittelalters vielbesuchter Hafen, den sie -Kan-pu oder Khan-fu nennen. - -[38] Alle spätern Karten, welche auf Polo’s Angaben Bezug nehmen, haben -das südchinesische Meer nach Kräften mit zahlreichen Inseln besäet. - -[39] Das Cap Comorin hat seinen Namen von skr. ~kumari~, d. -h. Jungfrau, nämlich die Göttin Durga. Schon der Periplus des -erythräischen Meeres und nach ihm Ptolomäus nennt das Κομαρια ακρον. - -[40] Vgl. +H. Yule+, Marco Polo. I, 103. Introd. - -[41] ~Hist. des Sc. Math. II~, 150. - -[42] Siehe S. 68. - -[43] Auch in Zayton entstanden christliche Kirchen. Dort waren um -1326 als Bischöfe die Franziskaner Gerardus, Peregrinus und Andreas. -Zu derselben Zeit trieben dort Genuesen Handel. +W. Heyd+, Gesch. d. -Levantehandels. II, 221. - -[44] +H. Yule+, Cathay. I, 172. - -[45] +H. Yule+, Cathay. I, 75. - -[46] Lamori, bei Polo Lambri, ebenso bei malaiischen Schriftstellern, -bei den Arabern Al-Rami, Ramin, Ramni, lag wahrscheinlich im -nordwestlichen Theile der Insel Sumatra, zwischen Daya und Atschin. +H. -Yule+, Cathay. I, 84. - -[47] Auf der catalan. Karte Cincalan, bei Marignolli Cynkalan, d. h. -Großtschin oder Großchina. - -[48] 60 Meilen auf einen Aequatorialgrad gerechnet. - -[49] +v. Richthofen+, China. I, 617. - -[50] +H. Yule+, Cathay. I, 231-237. - -[51] Bei Ptolomäus Zaba und Zabae, möglicherweise Sanf oder Tschampa an -der Ostküste Hinterindiens. +H. Yule+, M. Polo. II, 250. - -[52] +W. Heyd+, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stuttgart -1879. II, 149. - -[53] +H. Yule+, Cathay. I, 311-394. - -[54] Nach +Richthofen+, China I, 614, ist der Tan-ho, ein Zufluß des -Han gemeint, aber nicht, wie Yule noch annahm, der große Canal. - -[55] +Frdr. Kunstmann+, die Kenntniß Indiens im 15. Jahrhundert. -München 1863. 13. 14. 39. - -[56] Nach dem Glauben jener Zeit war Babylon und Bagdad identisch; -auch auf der catalanischen Karte lesen wir: ~Ciudad de Baldach, aci fu -Babilonia la gran.~ - -[57] Vielleicht das in Aman liegende Calhat. - -[58] +W. Heyd+, Gesch. d. Levantehandels. II, 360. - -[59] +W. Heyd+, der Reisende Niccolo de’ Conti. Ausland 1881, Nr. 25. -+H. Yule+, M. Polo. II, 375. - -[60] +H. Yule+, M. Polo. II, 360. - -[61] Der malayische Archipel, deutsch von A. B. +Meyer+. Braunschweig -1869. I, 104-107. - -[62] A. R. +Wallace+, der malayische Archipel. II, 360. - -[63] Conti ist der erste und einzige mittelalterliche Reisende, der auf -der Rückkehr von Indien her seinen Weg durchs rothe Meer statt durch -den persischen Golf nahm. - -[64] +Fr. v. Löher+, Canarische Reisetage, in der Allg. Zeitung 1876. -Nr. 57 u. f. - -[65] R. H. +Major+, ~The life of Prince Henry of Portugal. London 1868. -p. 314.~ - -[66] Möglicherweise war der arabische Seefahrer Ibn Fatima einmal bis -zum Cap Branco verschlagen, welches er als „glänzendes Vorgebirge“ -bezeichnet. (O. +Peschel+, Gesch. d. Erdkunde. 2. Aufl. S. 130). Auch -hatte Bethencourt 1405 die Küste von Bojador (~port de Bugeder~), -südlich neben dem Vorgebirge gelegen, erreicht. R. H. +Major+, ~The -conquest and conversion of the Canarians by J. de Bethencourt (Hakluyt -Soc. 1872) p. 180~. - -[67] Zur Erklärung dieses Horoskops diene folgendes: Die Astrologen -bezeichneten mit dem Ausdruck „Haus“ ein sphärisches Zweieck (Winkel) -am Himmelsgewölbe, im Thierkreise. Die zwölf Zeichen des Thierkreises -waren aber als „Häuser“ derart an die sieben Planeten vertheilt, daß -jeder Wandelstern zwei Häuser hatte, außer Sonne und Mond, denen nur -eins zugewiesen war. - - - Fig. 1. - - +------------------------------+ ♒ Wassermann - | +--------------------------+ ♓ Fische - | | +----------------------+ ♈ Widder - | | | +------------------+ ♉ Stier - | | | | +--------------+ ♊ Zwillinge - ♄ ♃ ♂ ♀ ☿ - Saturn | | Merkur - | Jupiter Venus | - | | Mars | | - | | | | | ☽ Mond -------+ ♋ Krebs - | | | | | ☉ Sonne ------+ ♌ Löwe - | | | | +---------------+ ♍ Jungfrau - | | | +-------------------+ ♎ Wage - | | +-----------------------+ ♏ Scorpion - | +---------------------------+ ♐ Schütze - +-------------------------------+ ♑ Steinbock - -Danach herrschte also die Sonne im Hause des Löwen, der Mond im Krebs, -Merkur in den Zwillingen und in der Jungfrau, Venus im Stier und in der -Wage, Mars im Widder und im Scorpion, Jupiter in den Fischen und im -Schützen, und endlich Saturn im Wassermann und im Steinbock. - -Die Exaltation war anders vertheilt, und zwar: - -Fig. 2 - - Thierkreiszeichen Herr des Hauses Exaltation - bei Tage: bei Nacht: (größter Einfluß) - - ♈ ♂ -- ☉ - ♉ -- ♀ ☽ - ♊ ☿ -- ♌ - ♋ ☽ -- ♃ - ♌ ☉ -- -- - ♍ -- ☿ ☿ - ♎ ♀ -- ♄ - ♏ -- ♂ -- - ♐ ♃ -- ♌ - ♑ -- ♄ ♂ - ♒ ♄ -- -- - ♓ -- ♃ ♀ - -Das ~Speculum astrologicum~ oder die Stellung der Gestirne war demnach -bei der Geburt des Prinzen: - -Fig. 3. - - +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ - |Reihe der Häuser:| I | II| III| IV| V | VI| VII|VIII| IX| X| XI|XII| - +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ - |Thierkreis: | ♈| ♉ | ♊ | ♋| ♌| ♍ | ♎ | ♏ | ♐| ♑| ♒| ♓| - +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ - |Ascendente: | | | | | | | | | | | ♂ | | - +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ - |Exaltation: | | | | | | | | | | | | ☉| - +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ - -Der Mars stand im Wassermann, der Wassermann ist das Haus des Saturn -(siehe Figur 1) und ist das eilfte Haus, im zwölften steht die Sonne -in Exaltation (vgl. Figur 2 erste Zeile). Das sind die Elemente dieses -einfachen Horoskops, auf das man so großes Gewicht legte. - -[68] In der That ist es nur eine flache Sandzunge, welche ins -Meer vortritt und von einem Riffe umgürtet ist, welches kaum eine -deutsche Meile lang ist. Nur ungeschickte Küstenfahrer konnten davon -zurückgeschreckt werden. - -[69] Studien über das Klima der Mittelmeerländer. Gotha 1879. S. 25 im -Ergänzungsheft Nr. 58 der „Mittheilungen“. - -[70] +Fr. Kunstmann+, Die Handelsverbindungen der Portugiesen mit -Timbuktu im XV. Jahrh. d. Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. VI., I. -Abthl. 178. - -[71] ~e la costa è tutta terra bassa, copiosa di bellissimi e -grandissimi arbori verde.~ - -[72] ~tutta bagnata di molte riviere e fiumi piccoli.~ - -[73] Ein Italiener war sogar bis Timbuktu vorgedrungen (+Peschel+, -Geschichte der Erdkunde. 2. Auflage. 190). - -[74] +Peschel+, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Auflage. S. 55. - -[75] H. +Major+, ~Prince Henry. 277 et seq.~ - -[76] ~Margarita phil. Basil. 1508. Lib. VII. Cap. XLII.~ - -[77] Der von Regiomontan erfundene Jakobsstab oder Kreuzstab bestand -aus einem längeren graduirten Ellenstabe mit verschiebbarem kürzerem -Querholz. Das Ende des Ellenstabes brachte man beim Visiren möglichst -nahe vors Auge und schob dann das Querholz so weit, bis das eine, -untere Ende den Horizont, das obere den Stern, dessen Höhe man messen -wollte, berührte. In ähnlicher Weise konnte man auch den Abstand eines -Sternes vom Monde messen. Wollte man Sonnenhöhen messen, so brachte man -farbige Gläser an dem Querholze an, um das Auge zu schützen. Dieses -Instrument bürgerte sich bald bei allen seefahrenden Nationen ein -und hieß bei den Portugiesen ~balestilha~, bei den Spaniern ~baculo -de Santiago~ (Jakobsstab), bei den Engländern ~cross-staff~, bei den -Holländern ~graedboog~. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war er -noch allgemein in Gebrauch. - -[78] Auf unseren Karten gewöhnlich C. Montserrado. - -[79] In der neuesten Zeit hat die portugiesische Regierung die Pfeiler -wieder aufsuchen und ihre Stätte fixiren lassen. - -[80] Die Karten Juans de la Cosa (1500) und S. Cabots (ca. 1525) -verlegen die Manga das Areas, den äußersten Punkt der Fahrt, nördl. v. -C. Negro. - -[81] Die +Astrolabien+ dienten bereits bei den Griechen des Alterthums -und bei den Arabern des Mittelalters zur Messung der Sternhöhen, d. -h. des Winkels vom Horizont bis zur momentanen Stellung des Gestirnes -(der Sonne, des Mondes). Einer unter den arabischen Astronomen, Ali -ben Isa (um 833), erhielt sogar den Beinamen ~al astralabi~, der -Astrolabienmacher, weil seine Instrumente besonders geschätzt und -über das ganze mohammedan. Reich verbreitet waren. Die europäischen -Gelehrten entlehnten bereits seit dem 11. Jahrhundert das Instrument -von den Arabern. Dasselbe bestand in seiner einfachen Form aus einem -großen Kreisbogen von Holz, in dessen Mitte um einen Zapfen sich ein -Winkelzeiger (arab. Alidad) drehte, welcher an beiden Enden mit feinen -Visirlöchern versehen war. Wenn das Instrument aufgehängt war, zeigte -der eine Durchmesser des Kreises die horizontale Linie an, während der -andere Durchmesser die verticale Richtung erhielt. Da der Holzkreis in -Grade abgetheilt war, ließ sich durch die genaue Richtung des Alidad -auf den Stern der Höhenwinkel auf dem graduirten Kreise ablesen. -Regiomontan ließ in seiner Werkstatt in Nürnberg diese Instrumente -verbessern und aus Metall herstellen und wahrscheinlich machte Martin -Behaim die Portugiesen mit denselben bekannt. Gewiß ist, daß alle -großen Seefahrer: Columbus, Gama, Magalhães sich der von den Deutschen -verbesserten Instrumente bedienten. - -[82] Gaspar Correa, Lendas da India. I, 5 (Lisboa 1858) nennt ihn -Gonçalo de Pavia und bezeichnet ihn als eingeborenen Canarier. - -[83] geboren um 1469 in Sines. - -[84] +Henry E. J. Stanley+, ~The three voyages of Vasco da Gama and his -Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar Correa. London (Hakluyt -Soc. MDCCCLXIX. p. VI.)~ Bei der folgenden Darstellung ist dieses Werk -vielfach benutzt. - -[85] +Osorio+ gibt an, die Helenabai und der Jacobusfluß seien nach -dem Heiligentag benannt, St. Helena fällt auf den 18. August, Jacobus -noch früher. Wenn nach Barros die ganze Fahrt bis dahin etwa 5 Monate -gedauert, dann fällt die Ausfahrt auf die von Correa angegebene Zeit, -in den März. Die Landung im August stimmt auch mit den Angaben der -Winterzeit und den kurzen, dunklen Tagen. Die Dublirung des Caps müßte -danach vor dem 20. Nov. (Castanheda) oder 22. Nov. (Barros) fallen. - -[86] Barros gibt irrthümlich den 7. April an, vgl. +H. E. J. Stanley+, -~Vasco da Gama. p. 111. Note 1~. - -[87] Diese Darstellung nach Correa scheint der Wahrheit mehr zu -entsprechen als die Angabe Barros, der Mann sei ein Araber aus Tunis -gewesen, der in Oran mit den Portugiesen verkehrt habe. Denn es klingt -nicht wahrscheinlich, daß ein geborner Mohammedaner sollte seine -Glaubensgenossen verrathen und, wie von allen Seiten berichtet wird, -später den christlichen Glauben angenommen haben. - -[88] Namentlich stehen sich Barros und Correa gegenüber. Wenn man -jedoch die (von Correa +vor+ die Audienz verlegte) Gefangennahme Gama’s -als eine Folge der offenen Aussprache des Capitäns in Gegenwart des -Samorin auffaßt, und sie +nach+ der Audienz als eine eigenmächtige -Maßnahme der mohammedanischen Partei annimmt, lassen sich die Berichte -bis auf einen gewissen Punkt vereinigen. - -[89] Barros läßt die Fahrt vor Eintreten des Monsuns beginnen, in Folge -dessen die Schiffe, durch Windstille und Gegenwinde aufgehalten, viel -Mannschaft verloren, da bei der langen Dauer der Fahrt Mangel an Wasser -und frischen Lebensmitteln eintrat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß -Gama, da er einmal von Kalikut vor der Monsun-Zeit aufbrechen mußte, -nordwärts segelnd, den günstigen Fahrwind bei den Andjediven abwartete, -als daß er gegen den Rath der Piloten sich zu früh über den Ocean -gewagt. - -[90] Correa’s Bericht erscheint auch hier in sich correct. Wie er die -Flotte erst nach dem Auftreten des Monsun von der indischen Küste -Abschied nehmen und mit günstiger Fahrt rasch nach Afrika gelangen -läßt, ungehemmt durch Gegenwinde und Windstille, deren drückende -Schwüle nach den Angaben der anderen Historiker die Ursache der -zahlreichen Todesfälle unter dem Schiffsvolk gewesen sein soll, so -daß in Folge dessen die Mannschaft zur Bedienung dreier Schiffe nicht -mehr ausreichte, so weiß er auch nichts von dem nothwendig gewordenen -Aufgeben des dritten Schiffes. Und dabei beruft er sich grade hier, -wo er die Rückfahrt schildert, auf die authentischen Berichte des -Geistlichen João Figueira, welcher als Augenzeuge seine Erlebnisse -niederschrieb. - -[91] Als Tag der Ankunft nennen Barros und Goes den 29. September, -Correa den 18. September. Den Monat September gibt, ohne Tagesangabe, -auch Castanheda an. - -[92] Cruzado = 2,75 Mark. - -[93] Der Quintal Pfeffer galt damals in Lissabon 80 Cruzados, Zimmt -180, Näglein 200, Ingwer 120, Muskatnuß 100, Mazis 300 Cruzados. - -[94] +P. A. Thiele+, ~De vestiging der Portugeezen in Indië, (zie de -Gids 1873. no. 8)~ Bl. 15. Anm. 1. führt das Auftauchen des Namens -Brasilien bis ins Jahr 1504 zurück. - -[95] +G. Correa+, Lendas I, 152 nennt den Capitän +André Gonsalvez+, -der in der Liste des Barros unter den Führern der dreizehn Schiffe -nicht mit aufgeführt ist. Werthvoll ist aber die Angabe Correa’s, weil -er hinzufügt, derselbe Gonsalvez sei von König Manuel sofort mit einer -zweiten Fahrt nach Brasilien beauftragt. Dies würde die Expedition -sein, an welcher Vespucci theilnahm, und von der man bisher den Namen -des Capitäns nicht kannte. - -[96] +F. Kunstmann+, die Fahrt der ersten Deutschen nach dem -portugiesischen Indien. München 1861. S. 2. - -[97] +B. Greiff+, Tagebuch des Lucas Rem aus den Jahren 1494-1541. -Augsburg 1861, mitgetheilt im 26. Jahresberichte des Histor. -Kreisvereins im Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg. - -[98] +Kunstmann+, a. a. O. S. 6. - -[99] Ebenda. S. 8. - -[100] Es war das Schiff des Sancho de Toar, von der Flotte Cabrals, -welches 1501 hier gescheitert war. - -[101] Tagebuch S. 8. - -[102] ~The travels of Ludovico di Varthema, translated from the -original edition of 1510 and edited by G. P. Badger (London, Hakluyt -Soc. 1863).~ Eine deutsche Uebersetzung findet sich bereits in: „Die -New Welt der Landschaften vnnd Insvln, etc.“, Straßburg 1534, Fol. 58 u. -f. Eine lateinische Uebersetzung gab vorher Grynäus in seinem „~Novus -orbis regionum ac insularum~“, ~Basil. 1532, fol. 189~ u. f. - -[103] Diese und die Abbildung auf nächster Seite ist entnommen -(Facsimile in ⅓ der Breite des Originals) aus: +Linschoten, Itinerarium -ofte Schipvaert naer Oostofte Portugaels Indiën. Amsterdam 1614.+ - -[104] +N. de Gray Birch+, ~The Commentaries of the great Afonso -d’Alboquerque. London, (Hakluyt Soc.) 1875. Vol. I. 225.~ - -[105] Vollständig wiedergegeben in den ~Commentaries of the great A. -d’Alboquerque~. I, 227. 228. - -[106] ~Dec. II. liv. III. cap. 9.~ - -[107] ~Dec. II, 4. 3. que usam vestir panno et outras cousas a nosso -modo.~ - -[108] Ajuthia liegt nördlich von Bangkok am Menam. Sie war damals nicht -blos die prächtige Residenz der Könige, sondern auch eine belebte -Handelsstadt, in deren Hafen sich Schiffe aller ost-asiatischen -Nationen, selbst der Japaner einfanden. Sie wurde 1555 zuerst vom -Könige von Pegu zerstört und nach ihrem Wiederaufbau zum zweitenmale -vom Könige von Birma 1767 vernichtet, so daß nur jene Ruinen übrig -blieben, „die in einer Wildniß wuchernden Gestrüppes noch jetzt von der -einst berühmten und glänzenden Residenz zeugen und in ihren gebrochenen -Pagoden, von dichtem Epheu umflort, über die verwaiste Stadt zu klagen -scheinen, die später wieder neben ihnen aufgebaut wurde, aber ihren -Herrschersitz verlor“. +A. Bastian+, die Geschichte der Indochinesen. -Leipzig 1866. S. 369. 371. 382. - -[109] +Osorio+, ~de rebus Emmanuelis. Colon. 1586 p. 264^b. Elephantus -accessit et ter genibus flexis et demisso corporis habitu venerabundus -illum salutavit, quod non mediocrem admirationem spectantibus incussit.~ - -[110] Dagegen rühmt Osorio das milde Klima und die herrliche Gegend. -~Coeli temperies et regionis amoenitas.~ A. a. O. S. 191. - -[111] Die Commentarien Albuquerques. ~Hakluyt Soc. 1875. III. 259. 264.~ - -[112] +Osorio+, ~de rebus Emmanuelis. Colon.~ 1586. S. 205^b. - -[113] +de Barros+, ~Asia. Dec. II. 7. 6.~ - -[114] +de Barros+, ~Asia. Dec. II. 7. 7. Como El Rey D. Manuel per -+muitas vezes+ lhe tinha escrito que trabalhasse por entrar no mar -Roxo, e que pelas cartas da quelle anno lhe mandava +estreitamente+ que -o fizesse, se o já não tinha feito.~ - -[115] Beschreibung von Arabien. Kopenhagen 1772. S. 230. - -[116] +Osorio+ a. a. O. S. 285^b. - -[117] Der Geheimsecretär Pereira hatte vor allem verlangt, Goa wieder -aufzugeben und war deshalb mit Albuquerque zerfallen. Nach Portugal -zurückgeschickt, hatte er auch dort fortwährend die falsche Ansicht -verbreitet, Albuquerque gebe die Herrschaft auf der See auf, um die -Portugiesen hinter ungesunden Mauern sterben zu lassen. +Osorio+, S. -252. - -[118] ~Pois estou mal ante elle (El Rey) por amor dos homens, e mal com -os homens por amor d’elle.~ +G. Correa+, Lendas II, 458. - -[119] Es war ein natürlicher Sohn, Albuquerque war nie vermählt. Manuel -befahl später, daß er den Vornamen seines Vaters, Alfons, annehmen -solle. +G. Correa+, Lendas II, 461. - -[120] Lendas II, 460. - -[121] Commentarien III, 137. Aehnlich auch de Barros. - -[122] ~De rebus Emmanuelis p. 306^b.~ - -[123] +Barros+, ~Asia. Dec. III, lib. 3. cap. 1. Parece que toda a -fortuna delle Lopo Soares estava em ir, e vir com sua frota, e boa -carga de especiaria.~ - -[124] Der Grund, weshalb Nuno nicht mehr Hilfe gesendet, lag darin, -daß bereits im September Garcia de Noronha als sein Nachfolger im -Amte eingetroffen war. Dieser aber brauchte zu viel Zeit für seine -Vorbereitungen, so daß dieselben schließlich überflüssig wurden. - -[125] +P. A. Tiele+, ~Nuno da Cunha in het Oosten (overgedrukt uit „de -Gids“ 1879, No. 8)~ S. 48. - -[126] +A. R. Wallace+, der malayische Archipel, deutsch von +A. B. -Meyer+. I, 2. Braunschweig 1869. - -[127] A. R. +Wallace+, a. a. O. II, 1 u. 2. - -[128] +Wallace+, a. a. O. II, 4 u. 24. - -[129] +Navarrete+, ~Coleccion de los viajes y descubr. tom V. p.~ 435. -Madrid 1837. - -[130] +Barros+, ~Asia. Dec. III., lv. V. p.~ 6. - -[131] +A. R. Wallace+ a. a. O. I, 408 ff. - -[132] +Navarrete+, ~l. c. V~, 435. 437. 438. - -[133] +Wallace+ a. a. O. I, 417 ff. - -[134] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. S. 42. - -[135] +Plinius+, ~hist. nat. VI. Extra ostium Indi Chryse et Argyre -fertiles metallis, ut credo. Nam quod aliqui tradidere, aureum -argenteumque iis solum esse, haud facile crediderim.~ -- +Pomp. Mela+, -~de situ orbis VII, 7~. ~Ad Tamum~ (ein unbestimmbares Vorgebirge) -~insula est Chryse, ad Gangen Argyre, altera aurei soli (ita veteres -tradidere), altera argentei; atque ut maxime videtur aut ex re nomen, -aut ex vocabulo fabula est~. -- ~+Solinus+, ed. Mommsen, p. 266, 11.~ -~Extra Indi ostium sunt insulae duae Chryse et Argyre adeo fecundae -copia metallorum, ut plerique eas aurea sola habere prodiderint et -argentea.~ -- +Isidor+, ~Etymolog. XIV, cap. 3. Chryse et Argyre auro -et argento fecundae. Hi sunt et montes aurei, quas adire propter -dracones et gryphos et immensorum hominum monstra impossibile est.~ -- -~+Ravennatis+ Cosmogr. ed. Pinder et Parthey p. 419. 420. In Oceano -vero Indio sunt diversae insulae: Argire... Item est insula in eandem -partem in eodem Oceano, quae dicitur Chrisi, id est aurosa.~ -- -+Hrabanus Maurus+, ~De Universo XII, 5~. ~Crysae et Argyrae insulae in -Indico oceano dictae.~ -- +Hugo von St. Victor+, ~Excerpt. prior. III, -cap. 7. Argyria, Chrysa.~ -- +Petrus de Alliaco+, ~Imago mundi, cap. -XV~. ~Crisa et Argire auro et argento fecundae.~ - -[136] +J. V. Zingerle+, Eine Geographie aus dem 13. Jahrh. Wien 1865. - - S. 10. ~Agyrâ und Agyrê, - die zwô grôzen inseln rîch, - die ligent ouch dâ wunniklîch. - si sint nâch alles wunsches kraft - zu allen zîten berehaft, - dâ naht und tag und alle frist - daz lant ungebûwen grüen ist, - und der erden blüende fruht, - mit grôzer rîlîcher genuht - gebernt die insel alliu zil - goldes unde silbers vil, - des ist mit grôzer rîcheit dâ, - vil mêr, dann iender anderswâ.~ - - -[137] +Barros+, ~Dec. III. C. 3. 3. cento et tantas leguas.~ - -[138] +G. Correa+, ~Lendas III~, 240. - -[139] +G. Correa+, ~Lendas IV~, 306. - -[140] Dritte Auflage. 1571. - -[141] +K. v. Weber+, Anna Kurfürstin von Sachsen. Leipzig 1861. S. 332. - -[142] ~Informação da aurea Chersoneso ou Peninsula e las ilhas -Auriferas etc.~ - -[143] +P. A. Tiele+, ~de voorgewende ontdekking von Australie (Nieuw -Holland) door de Portugeezen in 1601, overgedruckt uit de Nederlandsche -Spectator 1875.~ -- +E. T. Hamy+, ~Le descobridor Godinho de Eredia, im -Bulletin soc. geogr. Paris. Juin 1878. p. 311-442.~ - -[144] +P. A. Leupe+, ~Reize von Maarten Gerritss. Vries in 1643.~ -Amsterdam 1858. Einleitung. S. 1-5. 24. 27. - -[145] +Barros+, ~Asia, Dec. III. liv. I, 8~. - -[146] Diese Insel, welche bei den Portugiesen Tamao oder Sancian -genannt wird, heißt chinesisch San-tschuën, auf den europäischen -Seekarten St. John und liegt südwestlich von der Mündung des Si-kiang, -in dessen Gebiet die bekannte Handelsstadt Kanton gelegen ist. - -[147] +Barros+, ~Asia, Dec. III, liv. 2. 8~. - -[148] +Barros+, ~Asia, Dec. III, liv. 6. 1~. - -[149] ~Peregrinaçam de Fernam Mendez Pinto. Lissabon 1614.~ - -[150] v. +Richthofen+, China. I, 647. - -[151] +Theobald Fischer+, Ueber italienische Seekarten und Kartographen -des Mittelalters, in Zeitschr. d. Gs. f. Erdk. zu Berlin. Bd. XVII. S. -5 u. folg. - -[152] Ueber das Geburtsjahr des Entdeckers von Amerika, im „Ausland“ -1866. S. 1177-81. - -[153] +M. F. de Navarrete+, ~Coleccion de los viajes y descubrimientos. -tom. I. p. 311~. - -[154] +Navarrete+ I, 285. - -[155] +Navarrete+ I, 101. - -[156] Daß hier eine litterarische Fälschung vorliegt, wird jetzt -allgemein angenommen. - -[157] ~Année veritable de la naissance de Christophe Columbe, im Bull. -de la Soc. d. Geogr. Paris 1872. Juillet.~ - -[158] +Navarrete+, welcher der Ansicht war, Columbus sei 1436 geboren, -substituirte die Zahl 48. ~Colleccion de los viajes y déscabr. I, LXXX.~ - -[159] +Harrisse+, ~D. Fernando Colon, historiador de sa padre.~ Sevilla -1871. +Schumacher+, Peter Martyr S. 94. - -[160] +d’Avezac+ ~l. c. p. 32~. Möglicher Weise beruht auch die -Angabe Pavia auf einem Druckfehler der „~Vida~“, wie solche mehrfach -vorkommen, und man müßte statt dessen lesen ~patria~, wonach Col. seine -Studien in seiner Vaterstadt gemacht. - -[161] Kolno, ein kleiner Marktflecken im nördl. Polen, in Masovien, -nahe der preußischen Grenze, südlich von Johannisburg. In latinisirter -Form wird der Entdecker Johannes Scolnus (~i. e. zKolna~, von Kolno) -genannt. - -[162] +J. Lelewel+, ~Géographie du moyen age. Tom. III. et IV. No. IV. -p. 106.~ - -[163] +Th. Fischer+, Ueber italienische Seekarten und Kartographen des -Mittelalters. S. 42. - -[164] +Humboldt+, Kritische Untersuchungen. I, 415. +Th. Fischer+ (a. -a. O. S. 34) vermuthet B. Beccario als Verfasser. - -[165] +Th. Fischer+ S. 34. - -[166] Doch irrt Humboldt (krit. Untersuchungen I, 82) wenn er meint, -d’Ailly kenne den Namen Catthay nicht. Derselbe findet sich neben -andern modernen Ländernamen Asiens in der Imago Mundi Cap. XXIIII. - -[167] d’Ailly nahm die folgende Zusammenstellung fast wörtlich aus -+Roger Bacon+, ~opus majus p. 183~. - -[168] +d’Avezac+, ~Année veritable de la naissance de Christophe -Colombe. p. 50~. - -[169] +Navarrete+ ~l. c. p. lxxix~. Hierbei mag erwähnt werden, daß -vielleicht auch Leonardo da Vinci schon vor Toscanelli mit Columbus -in Verbindung getreten und zu dem Plane, Indien im Westen zu suchen, -angeregt hat. Leonardo da Vinci, ebensowohl ausgezeichnet als Physiker, -Ingenieur, Architekt und Musiker, wie als Maler, soll 1473 einen Brief -an Columbus gerichtet haben, worin er sich über die Wahrscheinlichkeit -ausspricht, Orient-Indien auf dem intendirten Wege zu erreichen. (~Dr.~ -+H. Grothe+, Leonardo da Vinci. Berlin 1874. S. 20.) Daß wir von -Leonardo auch eine sehr interessante Erdkarte aus den Jahren 1514-16 -besitzen, wird später besprochen werden. - -[170] Toscanelli starb im Mai 1482. - -[171] ~Bibliotheca Americana vetustissima, Additions. Paris 1872. -Introduction p. XVI-XVIII.~ - -[172] Wahrscheinlich ist Nicolo de Conti gemeint (S. 77). - -[173] Nach der falschen Erklärung Marco Polos. Vgl. oben S. 65. - -[174] Kritische Untersuchungen I, 205 ff. - -[175] Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 101 ff. Peschel rechnete -folgendermaßen. Da 60 oder 62½ Milliarien 1 Aequatorialgrad betragen, -so nahm Toscanelli für die Breite von Lissabon rund 50 Millien an. -Folglich ist ein Spatium von 250 Millien = 5 Meridiangrade. Allein -diese Rechnung ist zu unsicher. Denn nehmen wir die Lage Lissabon, nach -den alfonsinischen Tafeln von 1483 zu 41° n. Br. an, so beträgt der -Abstand von einem Meridian zum andern 45⅓ resp. 48⅓ Millien, je nachdem -man 60 oder 62½ Millien einsetzt. Ein Spatium von 5 Graden würde -demnach entweder 226⅔ oder 241⅔ Millien ausmachen. Da aber Toscanelli -keinesweges behauptet, daß unter der Breite von Lissabon ein Spatium = -250 Mill. sei, sondern nur sagt, daß das Kartenblatt von Lissabon bis -Quinsey in 26 Spatien eingetheilt sei, davon jedes auf 250 Mill. zu -berechnen sei, so kann er ebensogut den Aequatorialwerth des Spatiums -eingesetzt haben, ohne sich auf eine genaue Berechnung der Werthe für -bestimmte geographische Breiten einzulassen. Nun begegnen wir um die -Wende des 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts noch mehrfachen -Schwankungen in den Angaben des Erdumfanges. Man hielt zwar an der -Autorität des Ptolemäus fest, welche 180,000 Stadien für die Länge -des Aequators angibt; allein die Bestimmung der Länge des Stadiums -wurde verschieden versucht, bald nahm man 8, bald 8⅓ Stadien für eine -römische oder italienische Millie. Neben der verbreiteten Angabe -von 21,600 ital. Milliarien für die Länge des Aequators finden wir -mehrfach auch die etwas größere Ziffer 22,500 röm. Mill. (G. +Reisch+, -~Margarita, lib. VII, tract. I. cp. 44~ und +P. de Mexia+, ~Silva -de varia leccion, pars III. cp. XVIII, p. 118. verso~). Nach dieser -Annahme ist ein Spatium von 250 Mill. genau 4 Grad. Nach der Ansicht -Toscanelli’s betrug also der Abstand von Europa nach Asien 26 Spatien -zu 4 Grad, d. h. 104 Grad. Es ist, fügt er in seinem Briefe hinzu, -ungefähr ein Drittel des Erdumfangs, und gleichsam um dieses Maß noch -etwas abzumindern, setzt er zum Schluß die Bemerkung, daß der Weg durch -das unbekannte Meer nicht gar zu groß sei, so daß man daraus abnehmen -darf, daß er den Weg eher geringer als ⅓ des Umfangs der Erde schätzt. -Wenn Toscanelli ferner angibt, daß der Abstand von Antilia nach Zipangu -10 Spatien betrage, also nach unserer Rechnung 40 Grade, so stimmt -das mit dem Globus Behaims sehr gut überein. Wie überhaupt die ganze -Darstellung Ostasiens und der davor gelagerten Inseln auf dem Globus -gewiß den Anschauungen Toscanelli’s entlehnt ist, denn Behaim konnte -bei seiner einflußreichen Stellung in Portugal sicher Gelegenheit -gefunden haben, die Karte Toscanelli’s und sein Project genau zu -prüfen, und adoptirte dessen Darstellung. Auch noch eine andere -Karte, welche sich in der römischen Ausgabe des Ptolemäus von 1508 -befindet und von Ruysch entworfen ist, zeigt die nämliche Configuration -Ostasiens und der Inseln, so daß beide Darstellungen unzweifelhaft auf -Toscanelli zurückzuführen sind. Daß man auf der Behaim’schen Karte die -Route des Columbus und dessen Ideen über die Localitäten, zu denen er -gekommen zu sein meinte, recht gut verfolgen kann, werden wir später -zeigen. - -[176] ~Dec. I. liv. III. cp. XI.~ Anders und weitaus günstiger stellt -+Muñoz+ (Geschichte der neuen Welt, II, 19) die Auffassung des Königs -dar. Er habe, gegenüber dem abfälligen Bescheid der Commission, die -Gründe des Columbus leidenschaftslos gewürdigt und würde einen Vertrag -mit demselben abgeschlossen haben, wenn dieser nicht so übermäßig hohe, -in Portugal ganz unerhörte Forderungen, ähnlich wie später in Spanien, -gestellt hätte. Und nur hieran sei die Ausführung gescheitert. Man -muß in der That die Kühnheit und Festigkeit des Genuesen bewundern, -der obwohl arm und mittellos, doch nur um den höchsten Preis sich zu -der Ausführung eines Unternehmens erbot, von dessen Gelingen er in -innerster Seele überzeugt war. Der König Johann von Portugal war nach -den bisher bei den Entdeckungsfahrten befolgten Grundsätzen nicht in -der Lage, vollends einem Fremdlinge gegenüber, solche Forderungen zu -befriedigen, und mußte die Verhandlung abbrechen, so daß dem Urheber -des Planes jede Aussicht auf Erfolg benommen wurde. Daß der König -Johann von Columbus eine günstige Meinung behielt, scheint daraus -hervorzugehen, daß er denselben in einem Briefe vom 20. März 1488 noch -mit der Bezeichnung: ~noso especial amigo~ beehrte. +Navarrete+ ~II, -No. III. Carta del Rey de Portugal à Cristóbal Colon~. - -[177] ~Paesi novamente ritrovate. Vicenza 1507.~ - -[178] +R. H. Major+, ~Select. Lettres of Columbus. Introd. p. lxxxix~, -vermuthet, daß der Kopf des Christopherus auf der Karte Juan de la -Cosas von 1500 ein Porträt des Columbus sei (siehe die Kartenbeilage). - -[179] Vnbekanthe landte vnd ein Newe weldt in kurtz verganger zeythe -erfunden. o. O. u. J. - -[180] +Navarrete+ ~II, No. XIV. Carta del Duque de Medinaceli al Gran -Cardenal de España.~ - -[181] +Navarrete+ ~II, No. II. Relacion de varias cantidades de -maravedis, dadas de orden de los Señores Reyes à Cristóbal Colon.~ - -[182] +Navarrete+ II, 289. 2. ~edit.~ - -[183] Ebenda I, 391. - -[184] Col. meint Jes. 24, 16. Von den Enden der Erde hören wir Gesänge. -(Col. deutet die Enden der Erde auf Spanien.) Ferner Jes. 60, 9 u. 65, -17. Ich schaffe einen neuen Himmel und eine +neue Erde+ (die +neue+ -Welt). Auf diese Stelle kommt Columbus in seinem Briefe an die Donna -Juana de la Torre (+Navarrete+ II, 413) mit den Worten zurück: Gott -machte mich zum Gesandten eines neuen Himmels und einer neuen Erde. -Und daß er es mit seiner Glaubenssendung ernst meint, spricht er in -einem Brief von seiner dritten Reise aus. „In allen Ländern, welche -ich besucht habe, ließ ich ein hohes Kreuz aufrichten. Ich erzähle -den Einwohnern, was ich kann, von unserm heiligen Glauben und von dem -Glauben an unsere heilige Mutter, die Kirche, welche ihre Glieder in -aller Welt hat.“ - -[185] +Harrisse+, ~Bibl. Americana vetust. Introduction p. xlvi.~ - -[186] Es wird dereinst die Zeit kommen, wo der Ocean seine Fesseln -sprengt, und der Erdkreis weit und breit sich aufthut, und das Meer -neue Länder entschleiert, und Thule nicht mehr das äußerste Land sein -wird. - -[187] Krit. Untersuchungen I, 91. - -[188] +G. de Lavigne+, ~Itineraire de l’Espagne.~ Paris 1866. S. 694. - -[189] +Navarrete+ III, 578. - -[190] Ebenda III, 540. - -[191] Diese spanische Form seines Namens hat Columbus von nun stets -beibehalten. - -[192] +Navarrete+ I, 160. 2. ~edit.~ - -[193] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 20. - -[194] +O. Kuntze+ in Engler, botan. Jahrbücher. 1880. S. 191-239. - -[195] +P. Martyr+, ~de rebus Oceanicis. Dec. I. lib. I. Colon. 1574. p. -3~. - -[196] +Navarrete+ I, 299. ~Los cuales todos á una voz estaban -determinados de se volver y alzarse contra el haciendo protestaciones.~ - -[197] Schon am 1. Oct. schätzte Columbus die Entfernung von Ferro auf -707 Meilen, während er in dem öffentlichen Schiffstagebuch nur 584 -Seemeilen angab. Uebrigens weichen die Berechnungen der Piloten auf -den drei Schiffen bedeutend von einander ab. Auf der Niña zählte man -650, auf der Pinta 634 Meilen, während der Pilot des Hauptschiffes 578 -Meilen angab. - -[198] ~Gua est apud eos articulus.~ +P. Martyr+, ~Dec. III. lib. 7. p. -285~. - -[199] +A. Breusing+, Zur Geschichte der Kartographie, in J. J. Kettlers -Zeitschr. f. wiss. Geogr. II, 193. - -[200] +A. B. Becher+, ~The Landfall of Columbus. Introduction p. XII.~ -London 1856. - -[201] ~De rebus oceanicis. Dec. III. lib. 9. p. 308. De insulis autem, -quae Hispaniolae latus septentrionale custodiunt, mentionem praetereo, -quia licet piscationibus et culturis aptae sint, relictae tamen sunt a -nostris tanquam pauperes.~ - -[202] +Navarrete+, ~vol. II. 2. ed. p. 460~. - -[203] +R. Pietschmann+, Beiträge zur Guanahani-Frage, in Zeitschr. für -wissenschaftliche Geographie. Band I. S. 7 u. 8. - -[204] +Wash. Irving+, ~History of the life and voyages of Christopher -Columbus. tom. 4. No. XVI~. - -[205] Kritische Untersuchungen II, 130. - -[206] +J. B. Muñoz+, Gesch. der neuen Welt. Weimar 1795. S. 139. - -[207] +A. B. Becher+, ~The Landfall of Columbus. p. 103~. - -[208] +F. A. v. Varnhagen+, ~La verdadera Guanahani~. St. Jago de -Chile. 1864. -- Ders. Das wahre Guanahani des Columbus. Wien. 1869. - -[209] +Navarrete+ ~I. Introd. p. 107. 2. ed.~ - -[210] +Becher+, ~The Landfall. p. 103.~ - -[211] +Becher.+ ~l. c. p. 103. As to the abundance of water: Columbus -has been supposed to have meant that it was fresh, for he does not say, -that it was so in his journal.~ - -[212] ~es la isla de Cipango de que se cuentan cosas maravillosas, y en -las esperas que yo vi y en las pinturas de mapamundos es ella en esta -comarca.~ Tagebuch vom 24. October. +Navarrete+ I, 190. 2. ~ed.~ - -[213] +Las Casas+ bemerkt dazu: „Ich verstehe dies Gerede nicht.“ Wenn -aber Columbus überzeugt war, daß er Cipangu bereits hinter sich habe, -so wird auch sein Ausspruch verständlich und durch einen Blick auf die -Zeichnung Martin Behaims erklärt; denn er schätzte die Entfernung von -100 Meilen nach der Karte Toscanelli’s. - -[214] Nach seiner Berechnung befand sich der Admiral am 2. November -1142 Leguas westlich von Ferro. 1 Legua = 4 ital. Seemeilen. (~Volunt -lequam Hispani millia passuum quattuor continere, mari praesertim; -terra vero tria.~ +P. Martyr+, ~Dec. II. lib. X. p. 200~). Rechnet man -auf dem Parallel der Canarien 50 ital. Meilen auf 1 Grad, so betrug -nach der Annahme des Columbus seine Entfernung von Ferro volle 91 Grad. -Auf der Behaim’schen Karte liegt dieser Punkt zwischen Cipangu und der -Küste Asiens in der Region der „zahllosen“ Inseln. In Wahrheit beträgt -aber die Entfernung von seinem Standpunkte bis Ferro nur 60 Grad. - -[215] ~Haiti dicitur asperitas, eorum vetere lingua.~ +P. Martyr+, Dec. -~III. lib. 7. p. 279~. - -[216] „So erkannte ich, daß unser Herr wunderbarerweise -(~milagrosamente~) unser Schiff gerade hier stranden ließ, weil -es der beste Platz auf der ganzen Insel ist, und damit wir unsere -Niederlassung möglichst nahe den Goldminen anlegen könnten.“ Tagebuch -vom 6. Jan. 1493. +Navarrete+ I, 275. 2. ~ed.~ - -[217] Daß die Ausbreitung des christlichen Glaubens die spanischen -Majestäten lebhaft beschäftigte, bezeugt auch +Peter Martyr+: ~Dec. -I. lib. 1. ep. 1. 10. 9. Rex et regina, quorum omnes cogitatus vel -dormientium, in religionis nostrae augmento sunt siti, sperantes ad -Christi legem tot nationes et simplices gentes facile trahi posse.~ - -[218] +P. Martyr+ erwähnt mehrfach den Goldreichthum von Haiti -und Cuba. ~Ex sola Hispaniola vehitur in Hispaniam quotannis -quadringentorum et quingentorum, interdum millium ducatorum auri summa. -Id ex quinta regia intelligitur, quae ad fiscum venit: octoginta, -nonaginta et centum millium castellanorum auri et aliquando maior. Dec. -III. lib. 8. p. 297. Hac hora, qua haec scribo, coacta esse in Cuba -referunt castellanorum auri centum octoginta milia conflanda, magnum -opulentiae argumentum. ibid. p. 306.~ - -[219] Es ist sehr auffällig, daß in einer im Archive der Stadt -befindlichen Chronik Barcelonas, welche vom Jahre 1411 bis auf die -Gegenwart geführt ist und alle kleinen Vorfälle innerhalb der Stadt -verzeichnet hat, der Anwesenheit des Columbus im April 1493 mit keiner -Silbe Erwähnung geschieht. +Harrisse+, ~Bibl. Amer. vet. Additions. p. -IX.~ - -[220] +Peter Martyr+ ~Dec. I. lib. 1. p. 10~. Jobst Ruchhamer in -seinem oben (S. 233) angeführten Werke gibt im Cap. 41 den Empfang des -Columbus bei Hofe mit folgenden Worten: „Der Kunige vnd die Kunigin -entpfingen disen Christoffel Dawber mit dem allerangenemsten angesicht, -vnd thaten jme die allergrösten Eere, vnd liessen jne öffentlich sitzen -vor Jnen, welches bey jnen ist von den ersten vnd grösten eeren. -Vnd wolten, das er genant wurde +Ein wunderer des Meres Occeani+.“ -Mit diesen letzten Worten überträgt Ruchhamer den Titel Almirante. -Aehnliche confuse Verdeutschungen finden sich noch mehr. Aus Alonso -Niño wird ihm ein Alonsus Schwartze, aus Lorenzo di Pier Francesco de -Medici Laurentius petri artzte zu Florentia. Uebrigens wurde auch in -der Sammlung von Reiseberichten, welche 1534 in Straßburg unter dem -Titel: „Die New Welt der Landschaften vnnd Jnsvln“ herauskam, Admirans -mit „verwunderer des Meers“ übersetzt. - -[221] +Navarrete+, I, 314-321. - -[222] ~Ibid. p. 327-343.~ - -[223] Tagebuch vom 13. Dec. 1492. - -[224] Brief an Luis de Sant-Angel. +Navarrete+, I, 338 ~ob -aequinoctiali linea distat (ut videtur) gradus sex et viginti~. - -[225] ~Opus epistul. Ep. CXXXI ed. Compluti (Alcala) 1530 (ed. -Amstelod. 1670: Ep. 130.)~ - -[226] ~Opus epistol. Ep. 136 (ed. Complu.) Ep. 135 (ed. Amstelod.).~ -Man vergleiche damit Martyrs Ansicht in der ~Dec. I. lib. I. p. 8. -Haec volui de psittacis recitasse: quamvis huius Christophori Coloni -opinio, magnitudini sphaerae et opinioni veterum de subnavigabili -orbe videatur adversari, psittaci tamen inde absportari atque alia -multa, vel propinquitate, vel natura solum Indicum has insulas sapere -indicant.~ „Mußte doch jeder Gebildete einsehen, daß die von dem -Genuesen hartnäckig wiederholte Behauptung, Asien reiche ziemlich nahe -an den Westen Europas hinan, aller geographischen Kenntniß entgegen -war.“ +Schumacher+, Peter Martyr. S. 24. - -[227] ~Dec. I. lib. I. p. 4.~ - -[228] ~Dec. III. lib. 7. p. 282.~ - -[229] ~quae linea distet a qualibet insularum, quae vulgariter -nuncupantur de los Azores et Cabo Verde, centum leucis versus -occidentem et meridiem.~ +Navarrete+ ~II.~ Nr. 18. ~p.~ 83. - -[230] So viel als 11¼ Grad. Der Compaß zerfiel in 8 Winde oder 32 -Viertelwinde (~quarte di vento~) oder 360 Grad, also ein Viertelwind -gleich 11¼°. Vgl. +Breusing+, Zur Gesch. der Kartographie, in Kettler, -Zeitschr. für wiss. Geogr. II, 132. 133. - -[231] +Navarrete+ I, 395 und 402. - -[232] Kosmos II, 317. - -[233] +Navarrete+ ~II. No.~ LXXIV u. LXXV. - -[234] ~Dec. II. X. p. 200.~ - -[235] +Navarrete+ I, 347-372. - -[236] Bei +P. Martyr+, ~Dec. I. p. 19. Burichena.~ - -[237] Richtiger Guacanagari. - -[238] +Navarrete+ I, 347-372. - -[239] Siehe seinen Bericht bei +Navarrete+ I, 369. - -[240] +P. Martyr+, ~Opus Epist. Alcala 1530. Ep. 165. Ex Hispaniola, -quam admirantus ipse Colonus... Offiram Salomonis aurifodinam putat.~ -Im weiteren Verlauf des Briefes bezieht sich Martyr darauf, daß -Columbus selbst ihm geschrieben (~ad me scripsit~). - -[241] +M. G. Pauthier+, ~Le livre de Marco Polo~. Paris 1865. II, 550. -~Et si vous di que en ceste mer de Cim qui est au levant, si comme -dient les pescheurs et les saiges mariniers de ceste contrée, il ya vii -mille quatre cens. lix (7459) isles, là où lesdis mariniers vont... Et -si vous di, qu’il n’y a nulle de ces isles où il n’ait arbres moult -bons et +de grant oudour+.~ Die Wunderberichte des Ritters Mandeville, -welcher die Reisebeobachtungen des Odorich von Pordenone (siehe oben S. -72) in frecher Weise ausbeutet, schienen diese Angaben zu bestätigen. -Wahrscheinlich fußte Columbus auf Mandeville, dessen Buch er mit sich -führte. - -[242] +P. Martyr+, ~Opus epist. 1530. No. 164: A laeva innumeras se -vidisse insulas narrabat. Huius magnae telluris litoribus in mare -advertit cadere flumina multiformia. In plerisque piscium ingentem -copiam, alibi multa conchylia, ex quibus uniones abraduntur, invenit. -Per maria se transisse inquit, testudinibus puta majoribus fere -condensata.~ - -[243] Von der Ostspitze Cubas bis zur Isla de Pinos beträgt die -Entfernung nur 8 Meridiane. - -[244] +P. Martyr.+ ~Opus Epist. Ep. 164. Decad. I. 3. p. 35.~ - -[245] +Navarrete+ II, 162. Nr. LXXVI. ~Informacion y testimonio de -cómo el Almirante fue á reconocer la isla de Cuba quedando persuadido -de que era tierra-firme.~ Danach gab der Pilot der Caravele Niña -Francisco Niño auf seinen Eid die Erklärung ab, daß es keine Insel -geben könne, welche in ostwestlicher Erstreckung 335 Leguas lang sei. -Seiner Erklärung schlossen sich auch die anderen kundigen Seeleute -an, unter ihnen auch +Johan de la Cosa+, „~vicino de Puerto de Santa -Maria, Maestro de hacer Cartas, Marinero de la carabela Niña~“. Es ist -derselbe Juan de la Cosa, dem wir die erste noch erhaltene Karte der -neuen Welt verdanken, auf welcher er, trotz seines Schwurs, sechs Jahre -später, Cuba als Insel darstellte. - -[246] - - Cadiz liegt 6° 17′ W. v. Greenwich, - Saona, Ostspitze 68° 35′ „ „ - ------------------------------------------- - Differenz 62° 18′, so daß Columbus sich also in seiner - Längenbestimmung um 18° 27′ verrechnete. - - -[247] +Muñoz+, Geschichte der neuen Welt. V, 25. S. 293. - -[248] +Navarrete+ II, 118-120. - -[249] +Navarrete+ I, 391-412. - -[250] Die Insel Cuba, welche Columbus für das Gestade Asiens hielt. - -[251] Columbus gerieth in die Region der Calmen. - -[252] ~Ibi malaciis et ardoribus adeo (ut ait) oppressus fuit, ut fere -navigia illa incenderentur.~ +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 70~. - -[253] +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 71 capillis quasi more Hispano scissis -in fronte~. - -[254] ~Ibi se, ex quo navigare a teneris coepit, nusquam tantum -formidasse fatetur.~ +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 73~. - -[255] +P. Martyr+ (~Dec. I. VI, 75~) berichtet fast wörtlich dasselbe. - -[256] Vgl. +Humboldt+, Kosmos II, 317. - -[257] ~que en poco espacio haga tanta diferencia en cielo.~ +Navarrete+ -I, 404. +P. Martyr+, ~I. VI. p. 76/7. De poli varietate quaedam refert, -quae quoniam +contra omnium astronomorum sententiam+ prolata mihi -videntur, sicco pertingam pede. Compertum est, polarem illam stellam, -quam nautae nostri Tramontanam vocant, non esse arctici poli punctum -etc.~ Aber wie der Stern Abends 5 Grad und Morgens 15 Grad hoch stehen -kann, fasse ich nicht, sagt P. Martyr, auch die Gründe billige ich -nicht, welche Columbus für seine Ansicht von der Birnengestalt der Erde -anführt. Er schließt dann mit den Worten: ~De his satis, cum +fabulosa -mihi videntur+.~ - -[258] Da man nur die Continentalmasse der alten Welt kannte, lag also -jene Gegend am östlichen Gestade Asiens, in dessen Nähe Columbus schon -auf der ersten Reise gekommen zu sein wähnte. Vgl. den Behaim’schen -Globus. - -[259] Dort fand Col. die Rechtweisung der Magnetnadel, von dort begann -sich die Temperatur gegen Westen zu auffällig zu mildern. - -[260] Udjen oder Udjein in der Landschaft Malwa in Vorder-Indien, -mitten zwischen Dehli und Bombay gelegen, in der Nähe des Wendekreises, -eine heilige Stadt der Inder, nicht eine Insel, wie spätere -Kosmographen annahmen. Von hier zählten die indischen Astronomen den -ersten Meridian. Wie der indische Laut ~dj~ arabisch ~z~, also aus -Udjein, Uzein, Ozein, Ozin wurde, und wie diese Form dann von den -Copisten noch in Arin verstümmelt wurde, darüber vgl. +Reinaud+, -~Memoire sur l’Inde. p. 373.~ - -[261] Hier erst beginnt das Gebiet der eigentlichen Neger. - -[262] Beide liegen nahe dem 10. Grad n. Br., so daß Columbus in seinen -Beobachtungen oder Schätzungen sich um 5 Breitengrade irrte. - -[263] Krit. Untersuchungen II, 76. - -[264] Col. denkt an den schon erwähnten äußersten Ostrand Asiens, -diesem Punkte gegenüber schuf Gott die Sonne. (!) - -[265] Daß Col. den Aristoteles nicht selbst gelesen, ist gewiß. Seine -Gewährsmänner, welche sich auf Aristoteles beziehen, haben aber -denselben offenbar misverstanden. (~Arist. Meteorol. II. 1, 15.~) - -[266] +Peschel+, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 228. - -[267] Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 230. - -[268] Kosmos II, 304. - -[269] +Las Casas+ I, ~cp.~ 160 ~ms.~ bei Peschel. ~l. c.~ S. 238. - -[270] In den königlichen Briefen vom 21. und 26. Mai 1499 (+Navarrete+ -II, No. 127 und 128. +Las Casas+ I, ~cp.~ 179. ~ms.~) wurde Columbus -nur als „Admiral des Weltmeers“, nicht mehr als Vicekönig bezeichnet. - -[271] +Peter Martyr+ urtheilt über das Verfahren gegen Columbus wie ein -vorsichtiger Diplomat, wenn er schreibt: ~Quid in praefectum et ejus -fratrem, quidve in illos qui eis adversati sunt, fuerit perquisitum, -non bene percipio. Hoc unum scio: capitur uterque frater in vincula, -omnibus bonis spoliatus, conjectus ducitur. (Dec. I. VII. p. 86.)~ - -[272] ~Dec. I. IV. c.~ 10. - -[273] ~Agora será mi viage en nombre de la Santa Trinidad, y espero -della la vitoria.~ +Navarrete+ I, 479. - -[274] Opposition des Jupiter und des Mondes, Conjunction des Merkur mit -der Sonne. Ausführliches bei +Peschel+, Zeitalter. S. 288. Anmerkung 3. - -[275] +P. Martyr+ schreibt Guanassa. - -[276] +Columbus+, Brief aus Jamaica. +Navarrete+ I, 446. - -[277] +P. Martyr+, ~Dec III. 4. p. 242. Regio Quicuri, in qua portus -est +Cariai+, ab ipso Almiranto Myrobalanus appellatus.~ Columbus -schreibt Cariay und nannte den Ort Myrobale, weil er eine Baumfrucht -für die indische Myrobalane hielt. Er zweifelte nicht mehr, an der -Küste Indiens zu sein, wie auch aus dem folgenden hervorgeht. - -[278] ~Asia, cp. XII. Opera geogr. Francof. et Lips. 1707. p. 22.~ - -[279] Diese Berechnung der Größe eines Aequatorialgrades zu 56⅔ -arabischen Meilen stammt von der Erdmessung arabischer Astronomen unter -dem Chalifen Almamun. Columbus entlehnte dieselbe aus seinem beliebten -Gewährsmanne Pierre d’Ailly (~Comp. Cosmogr.~ ~cap.~ 4). - -[280] +P. Martyr+, ~Dec.~ III. IV, 247. - -[281] Col. schreibt darüber in seinem Briefe aus Jamaica: „Man -versichert, daß beim Tode der Fürsten von Veragua mit ihren Leichen -all ihr Gold beerdigt werde. Man brachte zu Salomo von +einer+ Reise -660 Centner Gold, außer dem, was die Kaufleute und Seeleute besaßen -und außer dem, was man in Arabien kaufte. Er machte aus diesem Golde -200 Lanzen und 300 Schilde und andern Schmuck, sowie eine große Zahl -mit Edelsteinen besetzter großer Gefäße. Josephus erzählt davon in der -Chronik de Antiquitatibus und meint, daß dieses Gold von dem goldenen -Chersonese (~en la Aurea~) stamme. Wenn dem so ist, so behaupte ich, -daß diese Minen der Aurea absolut dieselben sind, wie in Veragua. -Salomo kaufte all dies: Gold, Silber und kostbare Steine, und hier hat -man es nur suchen zu lassen, wenn man will. David hinterließ in seinem -Testamente 3000 Ctnr. indisches Gold dem Salomo zum Tempelbau, und nach -Josephus kam es aus diesen Ländern.“ Columbus hatte zwar die Meerenge -nicht gefunden; daß seine Zeitgenossen aber an ihrer Existenz auch noch -Jahre lang nach dem Tode des Entdeckers nicht zweifelten, läßt sich aus -mehreren Karten jener Zeit erkennen. Die Meerenge ist gezeichnet auf -dem Globus der Lenoxbibliothek in New-York etwa vom Jahre 1507, ferner -auf zwei Globen in der Sammlung des Feldzeugmeisters Fr. R. v. Hauslab -in Wien, deren Entstehungszeit nach F. A. de Varnhagen in die Jahre -1509 u. 1513 fallen mag, sodann auf den beiden Globen von Johannes -Schöner von 1515 (in Frankfurt a. M. und in Weimar) und vom Jahre 1520 -(in Nürnberg), weiterhin auf der handschriftlichen Globuszeichnung von -Leonardo da Vinci (etwa 1515-1516) und endlich auf der Weltkarte des P. -Apianus (in Camers’ Ausgabe des Solinus, Wien 1520). Vgl. darüber Fr. -+Wieser+, Magalhâes-Straße, Innspruck 1881. S. 15, 27, 42. Anm. 3. - -[282] Brief aus Jamaica. 1503. - -[283] +Las Casas+, ~hist. Ind. II~, 37. - -[284] +W. Irving+, Christoph Columbus, Buch 18, Cap. 3. - -[285] Die Angaben, man habe 1877 in Domingo die wahren Ueberreste des -Columbus aufgefunden, sind falsch; man fand Gebeine von den Verwandten. - -[286] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen I, 91. - -[287] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 17. - -[288] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 107. 108. - -[289] Vergleiche Breusings Urtheil in der Zeitschrift für -wissenschaftl. Geographie II, 193. 194. - -[290] +Navarrete+ II, 289 u. folg. - -[291] ~La Sancta Trenydad guarde à Vuestras Alteças como deseo y -menester habemos, con todos sus grandes estades y senorios. De Granada -à seys de hebrero de mill y quinientos y dos años.~ (Die heilige -Trinität bewahre Eure Hoheiten, wie ich bitte und wie wir es bedürfen, -mit allen ihren Staaten und Herrschaften. In Granada am 6. Febr. -1502.) Man vergleiche mit diesem frommen Briefschlusse die nüchterne -geschäftsmäßige Form, mit welcher Vespucci unterzeichnet. Χρο Abkürzung -für Χριστος = der Haupttheil von Columbus’ Vornamen, ~ferens~ die -letzte Hälfte = Christus-Träger. - -[292] +V. Margry+, ~Les navigations françaises~. ~p.~ 362. Paris 1867. - -[293] ~The Landfall of Columbus p.~ 283. - -[294] Leben des Columbus, Anhang Nr. XXXV. - -[295] Krit. Untersuchungen II, 284. - -[296] ~Psalterium Hebreum, Grecum, Arabicum et Chaldeum cum tribus -interpretationibus et glossis~ 1511. - -[297] +Harrisse+, ~Bibl. Am. Vetust. p.~ 154. - -[298] ~Opus Epistol. Compluti (Alcalá)~ 1530. ~Ep.~ CXXXI. - -[299] ~ibid. Ep.~ CXXXIIII. - -[300] ~Ep.~ CXXXV. - -[301] ~Ep.~ CXXXVI. - -[302] ~Ep. CXXXXIII.~ - -[303] ~Epist. CLIII.~ - -[304] ~Copia de la lettera per Columbo mandata ali Sere^{me} Re et -Regina di Spagna: de le insule et luoghi per lui trouate. Stampata in -Venetia (a nome de Constantio Bayuera citadino di Bressa) per Simone -de Louere. a di~ 7 ~di Mazo~ 1505. Dieser Brief ist im höchsten Grade -selten geworden. Im Jahre 1810 wurde er in Venedig wieder abgedruckt -unter dem seit der Zeit allgemein üblichen Titel ~lettera rarissima~. - -[305] Vergleiche +Breusing+, Zur Geschichte der Kartographie in -Zeitschrift für wissenschaftl. Geogr. II, 185. Daß Columbus bei einem -Seezuge im Mittelmeer die grobe List gebraucht habe, der Rose über -der Magnetnadel Abends die entgegengesetzte Richtung zu geben, um die -Matrosen über die Richtung der Fahrt zu täuschen, wird als ungeschickte -Erfindung bezeichnet, weil auf nichts an Bord so genau acht gegeben -wird als auf die Richtung des Windes und schon aus der Vergleichung der -Windrichtung mit dem herrschenden Seegange sich die Täuschung ergeben -hätte. - -[306] +Harrisse+, ~D. Fernando Colon, Historiador de su padre~. Sevilla -1871. 4^o. Dagegen schrieb d’+Avezac+: ~Le livre de Fernan Colomb.~ -Paris 1873. - -[307] Die New Welt der Landtschaften und Inseln. Straßburg 1534. Fol. -37. - -[308] Von dieser anmuthigsten aller spanischen Rittergestalten entwirft -Las Casas ein mit Vorliebe gezeichnetes Bild (+Navarrete+ III, 163). -Hojeda war von kleiner Gestalt, aber von vollendetem Ebenmaß und von -angenehmer Erscheinung, in dem schönen Gesicht ein Paar große Augen. -Er war in allen Leibesübungen außerordentlich gewandt und sicher. Als -einst die Königin Isabella auf den Thurm der Kathedrale zu Sevilla -stieg, um von da aus die klein erscheinenden Menschen, welche unten -standen, zu betrachten, stieg er auf einen Balken, welcher zwanzig -Fuß aus dem Thurme herausragte und schritt auf demselben hin bis zum -Ende, drehte sich hier auf einem Fuße herum und schritt mit derselben -Schnelligkeit wieder zum Thurm zurück. Es war einer der verwegensten -Streiche, die man ausführen konnte; alle, die es mit ansahen, zitterten -vor Aufregung. Dann stellte er sich an den Fuß des Thurmes und warf -eine Pommeranze bis zur Thurmspitze hinauf, um die außergewöhnliche -Kraft seines Armes zu zeigen. Er war unserer lieben Frauen ergeben und -schwur stets bei der Jungfrau Maria. - -[309] +Navarrete+ III, 317. Juanoto Berardi starb 1495. - -[310] ~Neque enim desunt, qui se circuisse Cubam audeant dicere. Dec. -I. cp. VI, p.~ 78. - -[311] W. Irving besuchte 1828 diese Plätze und hat davon eine -eingehende Schilderung gegeben, welche als ~A visit to Palos~ seinem -Werke „~Voyages and Discoveries of the Companions of Columbus~“ -beigegeben ist. Palos ist ein armes Dorf, eine viertel englische Meile -vom Fluß entfernt, in einer Bodensenkung. Es hat nur einige hundert -Einwohner, welche sich lediglich von Feld- und Weinbau nähren. Die -besseren Familien, darunter die noch blühende, angesehene Familie der -Pinzone, sind alle in Moguer ansässig. In Palos gibt’s weder Schiffer -noch Kaufleute. Kein Schiff gehört dem Platze, am Ufer finden sich -keinerlei Hafenbauten. Das Volk ist ganz unwissend, und vermuthlich -kennen die wenigsten den Namen Amerika. - -[312] +Navarrete+ III, 542. - -[313] +P. Martyr+, ~Dec. I. lib. VIII, p.~ 87 ~et seq.~ - -[314] +P. Martyr+, ~Dec. I. lib. VIII, p.~ 90. 91. - -[315] ~este cabo se descubrio en ano de mil y CCCC CIX por Castilla, -syendo descobridor vincentians (Vicente Yañez).~ Trotz der beiden, auf -der beigegebenen Karte bezeichneten Defecte im Original können wir auf -Cosa’s Karte den Verlauf der Entdeckung recht wohl verfolgen. - -[316] Nach ihrer Heimkehr richtete P. Martyr an die Entdecker die -Frage, ob es auch einen antarktischen Polarstern gäbe, was verneint -wurde. ~Dec. I. lib. IX. p.~ 96. - -[317] ~Verzinum mercatores Itali, Hispani brasilum appellant.~ +P. -Martyr+, ~Dec. I. lib. IX. p. 99~. - -[318] ~ut ipsi putant, ultra urbem Cataii et littus Indicum, ultra -Gangem percurrerant.~ +P. Martyr+, ~l. c. p. 101~. - -[319] ~Quatuor Americi Vesputii navigationes. Urbs Deodate (St. Dié) -1507.~ Diese „Vier Schifffahrten“ des Vespucci wurden zusammen mit der -~Cosmographiae Introductio~ von Martin Waltzemüller veröffentlicht, -in welcher zuerst der Name „Amerika“ für die neue Welt vorgeschlagen -wurde. Amerigo nennt in seiner zweiten Schifffahrt den leitenden -Capitän nicht, nennt den Mai 1499 als Abfahrtszeit und den September -1499 als Zeit der Rückkunft, und doch sagt er, die Schiffe seien -ein ganzes Jahr unterwegs gewesen. Die Zeitbestimmungen sind -offenbar falsch. Die Gründe für die Annahme, daß Vespucci auf Lepe’s -Schiffen mitfuhr, liegen in dem Verlauf der Fahrt. +Humboldt+ (Krit. -Untersuchungen II, 428 u. f.) hat versucht, Vespucci’s zweite Fahrt mit -der ersten Reise des Vicente Yanez Pinzon zu identificiren, d’Avezac -weist, wohl richtiger, auf Lepe hin. (~Bull. Soc. géogr. Paris 1857. -Avril et Mai.~) - -[320] Bastidas war ~escribano~ (Notar) ~de Sevilla~. +Navarrete+ III, -25. - -[321] +Navarrete+ III, 95. - -[322] In der deutschen Uebersetzung des Briefes an Lorenzo -Pierfrancesco de Medici (auf der königl. öffentl. Bibl. zu Dresden) -lautet die Schilderung folgendermaßen: Vnd das ich mit einē wort alle -ding begriffe solt du wissen, das in Sechtzig tagen vn̄ siben tagen die -wir schiffeten vier vn̄ viertzig tag an vnderlaß an einander gehebt -habē mit kegen tonnern vn̄ plitzen so gar finster das wir weder Sonnen -im tag noch liechtē hymel in der nacht nie gesehen haben, Da von so -geschach das vns solicher grosser schrecke einfiel das wir gar nach -alle hoffnuug vnsers lebens hinwurffen, In solichen angsten dennoch -vn̄ so wütungen des mers vn̄ des himels gefiel dem hochstē gott vns ze -zeygen ingewont ertrich vn̄ new lantschafften vn̄ ein vnbekante welt. - -[323] Vgl. Kunstmann und Thomas, Atlas zur Entdeckung Amerikas, München -1859. - -[324] Nach +Humboldt+, Kritische Untersuchungen III, 10 sinkt dasselbe -in der südl. Breite von 16° 24′ unter den Horizont. - -[325] Der Stern η des großen Bären verschwindet unter 18° 10′ s. Br. -(+Humboldt+ a. a. O.) - -[326] „In der Geschichte der Geographie ist es, wie in allen übrigen -Fällen, oft der Klugheit angemessen, nicht alles erklären zu wollen.“ -+Humboldt+, Krit. Untersuchungen III, 14. Ob Vespucci so weit nach -Süden vorgedrungen, bleibt immerhin fraglich. Er würde dann sicher -darauf aufmerksam gemacht haben, daß ihm das Sternbild des großen -+Bären ganz+ aus dem Gesichtskreise entschwunden sei. - -[327] Vnbekanthe landte vnd eine Newe welt. Cap. CXXI. - -[328] Die Dresdener Ausgabe ist in +Harrisse+, ~Bibl. Am. Vet.~ nicht -beschrieben, das Exemplar zu Dresden weicht von der unter Nr. 38 (S. -81) beschriebenen Ausgabe im Druck etwas ab. Die letzten Zeilen der -letzten Seite lauten im Dresdner Exemplar: Auß lateyn ist dyß missiue -in Teusch ‖ gezogen auß dem Exemplar das von Paryß kam im meyen mo-|net -Nach Christi geburt. xv. hundert vnd funff jar. Das von +Harrisse+ -beschriebene Exemplar liest: „diß missiue in Teutsch“ und weiter „XV. -hundert vnd funff jar“. - -[329] ~Dum igitur proficiscar in orientem, iter agens per meridiem, -Noto vehar vento. Grynaeus, Novus Orbis. Basil. 1532. p. 130.~ - -[330] ~Quo superbiam modo iustus omnium censor Deus compensat.~ -(~Quarta Navigatio. Urbs Deodate. Anno supra sesquimilesimum. vij.~) - -[331] +Navarrete+ I, 351. - -[332] Zuerst veröffentlicht von +Harrisse+ in ~Bibl. Am. Vet. -Additions~. Paris 1872, S. XXVII. Man vergleiche +Humboldt+, Krit. -Untersuchgn. III, 111 u. ff. - -[333] Krit. Untersuchungen III, 24. - -[334] +Martin Waltzemüller+, ~Cosmographiae Introductio~. St. Dié -1507. ~Globus Mundi declaratio.~ Straßburg 1509. (auf d. Titel). -~Opusculum de mirabilibus.~ Rom 1510. ~fol. 101.~ -- +Joh. Schöner+, -~Luculentissima quaedam terrae totius descriptio. Noribergae 1515. -cp. XI. fol. 60~. -- +Montalboddo+, ~Paesi novamente retrouati & Nouo -Mondo da Alberico Vesputio florentino intitulato. Milano 1519. -- -+Stobnicza+, ~Introductio in Ptolemaei cosmographiam. 1519. fol. 5~. --- ~Albertus +Pighius+ Campensis de æquinoctiorum solstitiorumque -inventione. Parisiis 1520. p. 28~. -- +Vadianus+, ~Pomponii Melae de -orbis situ~. Basel 1522. Das Werk beginnt mit einem 1512 geschriebenen -Briefe Vadians an Rudolf Agricola, worin steht: ~America a Vespuccio -reperta~ u. s. w. - -[335] +Martin Waltzemüller+ aus Freiburg im Breisgau, ist etwa um -1480 oder 1481 geboren. Er war befreundet mit dem Elsasser Matthias -Ringmann, dem Schüler des berühmten Philologen Jakob Wimpfeling. Nach -der Sitte der Zeit nahmen beide in späterer Zeit latinisirte Namen an: -Waltzemüller nannte sich Hylacomylus oder Ilacomilus (eigentlich eine -Uebertragung aus Wald(see)müller), Ringmann dagegen Philesius mit dem -Zusatze ~vogesigena~, weil er aus den Vogesen stammte. Als nun ums -Jahr 1507 auf Anregung des reichen Canonicus Walther Lud und unter den -Ausspicien des Herzogs René von Lothringen in der Stadt St. Dié an der -Meurthe ein Gymnasium und eine Druckerei errichtet worden, berief man -Ringmann und Waltzemüller an die neue Schule. Ringmann hatte in Italien -den berühmten Mathematiker und Architekten Fra Giovanni del Giocondo, -einen Dominikaner, kennen gelernt, welcher, mit Vespucci befreundet, -den Brief dieses Reisenden über seine dritte Entdeckungsfahrt ins -Lateinische übertragen hatte. So wurde er mit den glänzenden Erfolgen -des Florentiner Reisenden bekannt und gehörte bald zu seinen Verehrern, -so daß er die lateinische Uebersetzung Giocondo’s noch einmal in -Straßburg 1505 durch den Druck veröffentlichte. In St. Dié gab dann -Waltzemüller mit seiner ~Cosmographiae introductio~ zugleich alle vier -Schifffahrten des Vespucci heraus. Daneben entwarf man den Plan, eine -neue Ausgabe des Ptolemäus zu veranstalten, für deren bedeutende Kosten -Walther Lud eintrat. Diese berühmte Ausgabe erschien aber erst zwei -Jahre nach Ringmanns Tode († 1511) in Straßburg und wurde hauptsächlich -durch Waltzemüller besorgt. Die berühmte Weltkarte dieser Ausgabe, -~Orbis typus universalis iuxta hydrographorum traditionem~ haben wir -bereits in verkleinerter Copie der 36. Abtheilung der „allgemeinen -Geschichte in Einzeldarstellungen“ beigegeben. Man vermuthet, daß -diese Karte die Copie einer Originalzeichnung des Vespucci sei. Wie -unklar die Vorstellungen des lotharingischen Gelehrten waren, erhellt -daraus, daß er in der Vorrede zu dem Supplement seines Ptolemäus von -einem gewissen Admiral des +portugiesischen+ (!) Königs Ferdinand -spricht (~Admiralem quendam serenissimi Portugaliae regis Ferdinandi~), -während die der Weltkarte folgende „~tabula terre nove~“, auf welcher -die Küsten der neuen Welt in größerem Maßstabe dargestellt sind, in -dem nördlichen Theile des südamerikanischen Continentes die Inschrift -trägt: „Dieses Land sammt den angrenzenden Inseln ist auf Befehl des -Königs von Castilien durch den Genuesen Columbus entdeckt worden.„(~Hec -terra cum adiacentibus insulis inuenta est per Columbum Januensem ex -mandato Regis Castelle~). Und trotzdem schlug Waltzemüller vor, dem -„Entdecker“ zu Ehren das neue Land Amerika zu nennen. - -[336] Pizarro ist der natürliche Sohn eines spanischen Hauptmanns und -in Trujillo geboren. In seiner Jugend soll er die Schweine gehütet -haben und ohne Unterricht aufgewachsen sein. Gewiß ist, daß der spätere -Eroberer Peru’s des Schreibens unkundig war. Sein Geburtsjahr ist -unbekannt. Das Jahr 1471, welches in der Regel angegeben wird, paßt -nicht zu der Mittheilung, daß Pizarro, um einer Züchtigung von seiten -seines Vaters zu entgehen, entlaufen sei und sich nach Westindien habe -anwerben lassen. Denn wenn wir auch annehmen, daß er schon ums Jahr -1500 den Boden der neuen Welt betreten habe, so mußte er doch in seinem -29. Jahre längst der väterlichen Ruthe entwachsen sein. Mehr Glauben -verdient die Angabe Herrera’s (~Hist. gen. dec. VI. lib. X. cap. 6~), -daß Pizarro 63 Jahre alt geworden sei. Da er 1541 ermordet wurde, fällt -demnach das Geburtsjahr auf 1478. - -[337] +Navarette+ III, 374. ~porque ningund bachiller acá pasa que so -sea diablo y tienen vida de diablos, é no solamente ellos son malos, -mas aun fasen y tienen forma por donde haya mil pleitos y maldades.~ - -[338] +M. Wagner+ und +C. v. Scherzer+, die Republik Costa Rica. -Leipzig 1857. S. 359-392. - -[339] +P. Martyr+, ~Dec. III. lib. I. Col.~ 1574 ~p.~ 210. - -[340] +Navarrete+ III, 343. - -[341] +Navarrete+ III, 393-456. +Cl. R. Markham+, ~The narrative of -Pascual de Andagoya. Hakluyt Soc. for 1865. vol. 34.~ - -[342] ~El anno de mil e quinientos e catorze: passo a la terra firme -un infelice gouernador; crudelissimo tirano: sin alguna piedad ni -aun prudencia: como un instrumento del furor divino.~ +Las Casas+, -~Brevissima relacion de la destruycion de las Indas~. Sevilla 1552. -~fol. b iiii.~ - -[343] +Andagoya+ in Navarrete, ~Col.~ III, 413. - -[344] +J. G. Kohl+, (die beiden ältesten Generalkarten von Amerika. -Weimar 1860, S. 169) vermuthet, daß die auf den Karten von 1527 und -1529 angegebenen Sierras de Gil Gonzalez de Avila mit den Bergen -südlich von Soconusco, in der mexikan. Landschaft Chiapas, zwischen 15 -und 16° n. Br. identisch seien. - -[345] Ueber den sog. Jungbrunnen vgl. +Martyr+. ~Dec. II. lib. X. p.~ -202. - -[346] Der Reisebericht desselben ist von +Herrera+ (~Dec. I. lib. X. -cp. 16~) benutzt. - -[347] Schon frühzeitig ist behauptet worden, Sebastian Cabot habe das -Land vor Ponçe gesehen. +De Thou+, ~historia sui temporis~. 1609. ~lib. -X. c. 4.~ - -[348] +Bernal Diaz del Castillo+, Entdeckung und Eroberung von -Neu-Spanien. Deutsch v. Rehfues. Bonn 1838. I. S. 4. Ferdinand Cortes -stellt die Sache so dar, als ob Cordova, Lope Ochoa und Cristoval -Morante sich zum Unternehmen vereinigt und die Mannschaft geworben -hätten. ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España. I, 422.~ - -[349] Viele von den alten kunstreichen Steinbauten waren schon zur -Zeit, als die Spanier eindrangen, verfallen und gehörten einer früheren -Kulturepoche an. Einer der spanischen Mönche, welche bald nach der 1540 -und 1547 vollendeten Eroberung Yukatan’s ins Land kamen, Fray Lorenzo -de Bienvenido, schreibt darüber am 10. Februar 1548 an König Philipp, -daß die Gebäude in Merida aus behauenen Steinen kunstvoll erbaut, aber -vielleicht schon vor Christi Geburt errichtet seien, weil auf ihnen -der Wald sich eben so mächtig erhöbe, als unten im Lande (~porque tan -grande estava el monte ençima dellos como en lo baxo de la tierra~.) -Auch fügt der Geistliche hinzu, daß die Eingeborenen damals nur in -Hütten von Holz und Stroh wohnten (~ni hazen casa sino de paja y -madera~.) ~Cartas de Indias. Madrid 1877. p. 71.~ - -[350] +Die Mayahandschrift d. kgl. öff. Bibliothek+ zu Dresden. 74 -Tafeln in Chromo-Lichtdruck. Leipzig 1880. 4^o. - -[351] +H. Meye+ u. +J. Schmidt+, Die Steinbildwerke von Copán und -Quirigua. Berlin 1883. Fol. - -[352] Cortes gibt die von Velasquez aufgewendeten auf ¼ der -Gesammtsumme an. ~Colecion d. doc. ined. para la historia d’España. I, -423.~ - -[353] +B. Diaz+, Entdeckung u. s. w. von Neuspanien I. S. 23. - -[354] Die Küste von der Mündung des Goatzacoalto (westlich vom Tabasco) -bis nach Vera Cruz ist voller Riffe, daher Schiffbruch und Strandung -häufig vorkommen. Eine kurze Strecke südlich von Vera Cruz sieht man -zahlreiche Trümmer untergegangener Schiffe aus den Wellen oder dem -Sande ragen. Fr. Ratzel, Aus Mexiko. S. 162. - -[355] Die Instruction des Velasquez für Cortes findet sich in ~Col. d. -doc. ined. p. l. hist. de España~ I, 385. - -[356] Wir besitzen von Cortes’ Hand fünf ausführliche Berichte über den -Verlauf seiner großen Unternehmungen, in welchen er in sehr eingehender -Weise dem Könige von Spanien über seine Feldzüge Bericht erstattet. -Man hat sie nicht unpassend mit den bekannten Commentarien Cäsars -verglichen. I. Der +erste Bericht+ aus Villa rica de la Vera Cruz vom -10. Juli 1519, von den Behörden der Stadt im Namen des Heerführers und -wohl auch von ihm selbst verfaßt, ging am 16. Juli mit einem Schiffe -nach Spanien ab. Er ist veröffentlicht in der ~Colecion de documentos -inedit. para la historia de España I, p.~ 421-461. II. Der +zweite -Brief+ ist aus Segura de la Frontera (Tepeaca, östl. v. La Puebla) vom -30. October 1520 datirt und wurde bereits 1522 in Sevilla gedruckt. -Später erschien er in +Barcia+, ~Historiadores primitivos de las -Indias orientales, 1743, vol. I, p.~ 1-62, u. in Don Francisco Antonio -+Lorenzana+, ~Historia de nueva España~, Mexiko 1770, ~p.~ 38-170. III. -Der +dritte Brief+, von Cuyocan (2½ span. Meilen südl. v. Mexiko) aus -am 15. Mai 1522 geschrieben, wurde zuerst 1523 in Sevilla gedruckt, -dann in Barcia I,~ p.~ 63-123, u. in Lorenzana, ~p.~ 178-320. IV. Der -+vierte Brief+, von Temixtitan (Mexiko), vom 15. October 1524, wurde -1525 in Spanien gedruckt und später in Lorenzana, ~p.~ 330-399. V. -Der +fünfte Brief+, welcher seinen Feldzug nach Honduras schildert, -erschien in ~Colecion de doc. ined. p. l. hist. de Esp.~, Madrid 1844, -~Tom. IV, p.~ 8-167, als ~Relacion hacha al emperador Carlos V por -Hernan Cortes sobre la expedicion de Honduras~, datirt von Temixtitan, -3. September 1526. - -[357] +B. Diaz+ erzählt, sie hätten schon vor der Fahrt des Cortes in -Tabasco den Namen +Culba+ gehört. Columbus vernahm bei Cuba das Wort -Colba und deutete es auf die Insel, aber es wäre nicht unmöglich, daß -der Name der alten berühmten Stadt bis zu den Antillen gedrungen wäre. -Daß Verbindungen zwischen den Inseln und dem Festlande stattfinden, -läßt sich daraus schließen, daß Columbus an der Küste von Yukatan -auf mexikanische Handelsbarken stieß und daß Cortes ebendaselbst von -Jamaica herüber verschlagene Indianer fand. - -[358] +D. Charnay+, Ansichten über d. Alter u. d. Ursprung der -Baudenkmäler u. s. w. in Mexiko und Central-Amerika, in Zeitschr. f. -Ethnologie. Berlin 1882. S. 10 ff. - -[359] D. h. Colibri links, weil der Gott am linken Fuß mit -Colibrifedern geschmückt war. - -[360] +Th. Weitz+, Anthropologie IV, 4 erklärt sein unsicheres Benehmen -aus seinem bösen Gewissen. - -[361] +Bernal Diaz+ I, 121 beschreibt diese Geschenke genau: „Das erste -war eine Scheibe von der Größe eines Wagenrades, welche die Sonne -vorstellte, ganz von feinem Golde und von der schönsten Arbeit, ein -überaus merkwürdiges Kunstwerk, das nach der Aussage derer, die es -gewogen, über 20,000 Gold-Piaster Werth gehabt haben soll. Das zweite, -eine Scheibe, größer noch als die erste, schwer von Silber, von großem -Werth, und den Mond vorstellend mit vielen Strahlen und andern Figuren -darauf. Das dritte war die Sturmhaube, ganz mit gediegenen Gold-Körnern -angefüllt, wie sie aus den Bergwerken kommen, an 3000 Piaster Werth, -für uns aber von weit höherem Werth, weil es uns die Gewißheit gab, daß -es reiche Goldgruben im Lande gab. Dazu kamen noch 20 goldene Enten, -vollkommen nach der Natur und sehr zierlich gearbeitet; ferner Figuren -von Hunden, Tigern, Löwen, Affen, 10 Halsketten von Gold, in Silber und -Gold gefaßte Fächer und Büsche von den schönsten grünen Federn, ferner -über 30 Pakete mit bunten Federn durchwirkter Baumwollstoffe u. a. m. -Aehnlich beschreibt auch +Torquemada+, ~Mon. Ind. lib. IV. c.~ 17 diese -Gaben. Einzeln sind die für den König von Spanien bestimmten Geschenke -aufgeführt in ~Colec. de doc. inedit. p. l. hist. de España. I~, -462-471. Darnach hatte die goldene Scheibe (~una rueda de oro grande -con una figura de monstruos en ella~) nur ein Gewicht von 3800 ~pesos -de oro~, aber nicht 20,000 P. wie Diaz angibt. Dem König Karl wurden -diese Geschenke im April 1520 zu Valladolid vorgelegt. - -[362] +Lorenzana+, S. 47. - -[363] +Lorenzana+, S. 66. - -[364] +Lorenzana+, S. 58, bemerkt dazu, aus den noch vorhandenen Ruinen -von Tlascala könne man erkennen, daß Cortes nicht übertrieben habe. - -[365] +B. Diaz+ Bd. I, 248 ff. - -[366] B. Diaz II, 51 ff. - -[367] ~Creemos y tenemos por cierto el ser nuestro Señor natural.~ -+Lorenzana+ S. 81. - -[368] +B. Diaz+ II, 65. - -[369] B. Diaz II, 101. - -[370] Die Lebensweise des Monarchen hat Cortes genau geschildert. -Lorenzana, S. 113. - -[371] +Lorenzana+, S. 97. - -[372] Ebd. S. 99. - -[373] Ebd. S. 91. ~Figurada en un paño toda la costa.~ - -[374] +Bernal Diaz+ II, 208. - -[375] ~Le dieron una pedrada los suyos en la cabeza tan grande que de -alli á tres días murió.~ +Lorenzana+, S. 136. - -[376] +B. Diaz+ I, 53. - -[377] Fr. +Ratzel+, Aus Mexiko. S. 134. - -[378] +Sahagun+, ~hist. d. nueva España~. XII, 27. - -[379] +Lorenzana+, S. 148. - -[380] Daß Cortes selbst den feindlichen General getödtet, ist höchst -unwahrscheinlich, weil er durch seine Wunden behindert wurde. Seine -eignen Worte schließen diese Annahme aus: ~E con este trabajo fuimos -mucha parte de el dia, hasta que quiso dios, que murio una persona de -ellas, que debía ser tan principal, que con su muerte cesó toda aquella -guerra.~ Lorenzana, S. 148. - -[381] +Lorenzana+, S. 169. - -[382] ~Opus epistolarum, Compluti~. 1530. ~Ep.~ 717. ~Sunt -incredibilia, quae de huius urbis et circumvicinarum aedificiis, -commerciis et hominum frequentia referuntur.... De templorum -magnitudine cultuque ac ornatu mira referuntur.~ In einem späteren -Briefe (~Compluti~ Nr. 774; ~Amstelodami~ Nr. 771) vom 20. November -1522 zählte er die Menge des nach Spanien gebrachten Goldes auf. Nach -dreißigjährigen Bemühungen seit der ersten Fahrt des Columbus schien -nun das goldreiche Indien wirklich gefunden zu sein. - -[383] Die Endung -tzin wird den Namen der Vornehmsten angehängt, so daß -der Name des neuen Königs eigentlich Quauhtemo war; in ähnlicher Weise -nennen mehrere Historiker den mehrfach erwähnten Cacama auch Cacamatzin. - -[384] +Lorenzana+, S. 242. - -[385] ~Por el agua y por la tierra daban tantas gritas y alaridos que -parecia que se hundia el mundo.~ +Lorenzana+, S. 245. - -[386] +Lorenzana+ S. 260. - -[387] Nur die Tlascalaner blieben von dieser Hörigkeit befreit. - -[388] In demselben Jahre, als Cortes den Boden von Mexiko betrat, -ließ auch der Statthalter von Jamaica, Francisco de Garay, nach einer -Meerenge suchen. Siehe unten Cap. 26. - -[389] +Ratzel+, aus Mexiko. S. 181. - -[390] +Lorenzana+, S. 351. Vgl. auch ~Colecc. d. doc. ined. relat. al. -descubr. XII, p. 62~. - -[391] +Lorenzana+, S. 382. ~Como tengo continuo cuydado, y siempre -me occupo en pensar todas las maneras, que se pudan tener para poner -en execucion, y efectuar el deseo que yo al real servicio de Vuestra -Magestad tengo, viendo que otra cosa no me quedaba para esto, sino -saber el secreto de la costa, que esta por descubrir entre el rio de -Panuco y la Florida;... y de allí por la parte de el norte hasta llegar -a los Bacallaos, porque se tiene cierto, que en aquella costa hay -estrecho, que pasa á la mar del Sur.~ Er beruft sich sogar auf eine -Karte, welche eine Meeresstraße in diesen Gegenden darstellt (~segun -cierta figura, que yo tengo del paraje~) und betont die Wichtigkeit -dieses Weges als des schnellsten und kürzesten zu den Molukken: ~seria -la navegacion desde la especeria para essos reynos de Vuestra Magestad -muy buena, y muy breve y tanto que seria las dos tercias partes menos, -que por donde ayora se navega, y sin ningun riesgo, ni peligro de los -navios, que fuesen y viniessen, porque irian siempre y vernian por -reynos y Señorios de V. M.~ - -[392] Ueber die neusten Forschungen in diesem Gebiet vergleiche Desiré -Charnay in ~Comptes rendus de soc. de géogr. Paris 1882. p. 546 et -suiv.~ und +A. P. Maudslay+, ~Exploration in Guatemala and Examination -of the newly-discovered Indian Ruins of Quirigua, Tikal and the -Usumacinta~, in ~Proceedings of the royal geogr. soc.~ London 1883. -April. - -[393] +Las Casas+, ~Brevissima relacion~. Sevilla 1552. ~De la -provincia e reyno de Guatimala: Mando los luego quemar bivos sin otra -culpa ni otro processo ni sentencia.~ - -[394] ~Relacion e informacion del viage, que hizo á las Higueras el -Bachillar Pedro Moreno~ (~in Colecc. d. doc. ined. rel. al descubr. -XIV, p. 236-264~) enthält die gerichtlichen Aussagen von Augenzeugen. - -[395] Vgl. oben S. 354. - -[396] ~Relacion p. 237.~ - -[397] +Cortes+, ~Relacion al Emperador Carlos de Temixtitan à~ 3 ~de -Septiembre de 1525~, in ~Colecc. d. doc. ined. para la historia de -España. IV, p. 113~. - -[398] +H. H. Bancroft+, ~History of the pacific. States. I, 530~. -London 1883. - -[399] Die Gründungsurkunde ist vom 18. Mai 1525 datirt. (~Colecc. d. -doc. ined. rel. al descubr. Vol. XIV, p. 44.~) - -[400] +B. Diaz+ III, 251. - -[401] ~Relacion, hecha al Emperador Carlos V por Hernan Cortes p. 23.~ - -[402] ~Relacion hecha al Emperador Carlos V. p.~ 35: ~hice sacar una -ahuja de marear, que traia conmigo, por donde muches veces me guiaba, -aunque nunca nos habiemos visto en tan extrema necessidad~. - -[403] ~Relacion. p.~ 50. ~hizome una figura pintada en un paño del -camino, que habia de llevar.~ - -[404] ~Relacion. p.~ 54. - -[405] +B. Diaz.+ Band 4. S. 77. - -[406] ~Dr.~ C. H. Berendt erforschte das wenig besuchte Gebiet 1865-67. -~cf. Smithsonian Instit. Report for~ 1867, ~p.~ 420. - -[407] In neuester Zeit hat Desiré Charnay ziemlich dieselbe Route -wie Cortes verfolgt. „~Il y avait autrefois des villes le long de ce -sentier; j’aperçois sur la droite des esplanades, dont les arêtes en -pierres taillées sont encore intactes et le guide m’annonce que sur -la gauche, du côte de la vallée du San Pedro se trouvent aussi des -monuments.~“ ~Comptes rendus des séances d. l. soc. d. géogr.~ Paris -1882. S. 546. - -[408] ~Relacion, p.~ 74. ~la cosa del mundo mas maravillosa de ver y -pasar.~ - -[409] +Maudslay+ (~Proceedings of the royal geogr. Soc.~ London 1883. -S. 189) glaubt diesen Ort am Rio pueblo viejo, einem Zufluß des -Polochic, wiedergefunden zu haben. - -[410] +B. Diaz.+ IV. 179. - -[411] ~Coleccion de doc. ined. p. l. hist. de España. I. p.~ 105. - -[412] Die gemachten Breitenbestimmungen sind ungenau; es ist -wahrscheinlich, daß das Schiff bis in den Golf von Tehuantepec gelangte -und dann umkehrte. - -[413] Der auf Pergament gemalte Atlas des Diego Homem von 1568 (königl. -öffentl. Bibl. in Dresden) verlegt das ~C. del engañho~ ganz bestimmt -nördlich von der gegenwärtig so benannten Punta S. Eugenia, und zwar -unter 31° n. Br., was mit der 1542 erfolgten Aufnahme der Küste durch -Cabrillo übereinstimmt. - -[414] Nach +J. G. Kohl+, die beiden ältesten Generalkarten, S. 70, -nicht der jetzt noch so genannten ~St. Helena sound~, sondern der -südlichere ~Port royal~. - -[415] ~algund golfo ó estrecho en la tierra firme.~ +Navarrete+, -~Colec. III~, 147. - -[416] +Herrera+, ~Dec. VI. lib. I. cp.~ 4. ~haviendo pasado un rio -+bien grande+.~ - -[417] Vielleicht der Altamaha in Georgia, oder der Savannah an der -Grenze von Süd-Carolina. - -[418] Kupferbergbau findet sich noch im Norden des Staates Georgia. - -[419] +Herrera+, ~Dec. VII. lib. I. c.~ 1. - -[420] Marcos Bericht in ~Colecc. d. doc. ined. relat. al descubr. III~, -329-50. Madrid 1865. - -[421] Coronado’s Bericht in ~Doc. ined. rel. al descubr. III~, 363. -Sein Brief an den Kaiser, ~ibid.~ XIII, ~p.~ 261. Außerdem die Berichte -seiner Capitäne Jaramillo, ~ibid.~ XIV, 304, und Castañeda in +Ternaux -Compans+, ~Voyages, relations et memoires etc.~ Paris 1838. - -[422] Vgl. General +J. H. Simpsons+ kritische Arbeit über Cibola in -~Smithsonian Rapport~, 1869 ~p.~ 309-40. Simpson kennt die Gegend aus -eigner Anschauung und stützt sich ferner auf die Ansicht des Ingenieur -N. H. Hutton, welcher mit Whipple und Parke 1853-56 Neu-Mexiko und -Arizona erforschte. - -[423] +R. Hakluyt+, ~Voyages. Vol. III.~ ~p.~ 394. London 1600. - -[424] Eine Copie dieser Karte findet sich in +Lorenzana+, ~Historia de -nueva España~. S. 328. Mexiko 1770. - -[425] „Leutnant Ives, welcher den unteren Colorado erforschte, machte -einen kleinen Abstecher zu Lande von einem Punkte unterhalb des großen -Cañon nach Südwesten herum und erklomm das Plateau von San Francisco. -Von einer Höhe konnte er weit nach Nordosten schauen und das Gebiet -übersehen. Die Ausdehnung und Großartigkeit der Cañons, sagt er, ist -in dieser Richtung staunenerregend. Das ganze Hochland ist durch -riesige Klüfte in Fetzen zerrissen und gleicht einer ungeheuren Ruine. -In meilenweiten Landstrichen sind die oberen Schichten hinweggefegt -und nur isolirte Berge stehen geblieben. Klüfte, so tief, daß das -Auge nicht bis auf den Grund hinunterzudringen vermag, werden durch -Wände getrennt, deren Dicke man beinahe umspannen kann, und schlanke -Spitzsäulen, welche auf ihrem Grunde zu schwanken scheinen, schießen -tausend Fuß hoch aus den unterirdischen Höhlen empor.“ (J. W. Powell), -~Exploration of the Colorado river of the west~. Washington. 1875. ~p.~ -195. - -[426] In der Zuñisprache noch jetzt Hak-ku-kiah genannt. -(+Schoolcroft+, ~History of the Indian Tribes~. IV, 220.) - -[427] +Jaramillo+, ~Relacion l. c. p.~ 308. ~Todas cuantas aguas -hallamos, y rios é arroyos, hasta este de Cibola, y aun, no sé si una -jornada, ú dos mas, corren á la mar del Sur, y los dende aqui adelanto, -a la mar del Norte.~ - -[428] Auf dem amerikan. Atlas von Thomas Jeffreys, 1775, findet sich -der Ort Sayaqué, welcher vielleicht dem Cicuyé entspricht. (Simpson, -~l. c. p.~ 336). - -[429] Jaramillo, ~l. c. p.~ 310. ~porque dellas comen y visten y -calzan.~ - -[430] Auf dem Rückmarsche wird auch das Vorkommen der Hundmurmelthiere -erwähnt, als kleiner Geschöpfe, die den Eichhörnchen gleichen und in -Erdlöchern leben. - -[431] ~Historia de nueva España: Mexico 1770, p. 38: y aun se ignora -si confina con la Tartaria, y Groelandia; por las Californias con la -Tartaria, y por el Nuevo Mexico con la Groelandia~. - -[432] Andagoya sagt in seiner ~Relacion~ (+Navarrete+ III, 420): ~una -provincia que se dice Biru, donde corrompido el nombre se llamó Pirú~. -Aehnlich auch +Augustin de Çarate+, ~Historia del descubrimiento y -conquista de las Provincias del Peru. Sevilla~ 1577, ~p.~ 1: ~una -pequeña y pobre provincia cincuenta leguas de Panama, que se llama -Peru, de donde despues +impropriamente+ toda la tierra... por espacio -demas de mil y dozientas leguas por luengo de costa se llamo Peru~. - -[433] +E. Pöppig+, Reise in Chili, Peru und auf dem Amazonenstrom. -Leipzig 1836. II, 10 und 7. - -[434] +Ch. Darwin+, Reise eines Naturforschers um die Welt. Stuttgart -1874. S. 419. - -[435] +W. Reiß+ und +A. Stübel+, das Todtenfeld von Ancon. Berlin -1881-83. Tafel 13-16, 45-48 u. a. - -[436] Ansichten der Natur II 326, 322 u. 324. Stuttgart u. Tübingen -1849. - -[437] +Aug. de Çarate+, ~Historia del descubrimiento~. Sevilla 1577, S. -1. ~Almagro, cuyo linaje nunca se pudo bien averiguar, por que algunos -dizen que fue achado a la puerta de la yglesia.~ - -[438] Pedro Pizarro, ~Relacion del descubrimiento y conquista etc.~ in -+Navarrete+, ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España~. -Madrid, 1844 ~Tom V, p. 203~. - -[439] Nicht zu der Verwandtschaft gehört Pedro Pizarro aus Toledo, -welcher mit 15 Jahren in den Dienst Francisco Pizarro’s trat und seit -dem 18. Jahre die Feldzüge mitmachte. Er schrieb eine ~Relacion del -descubrimiento y conquista de los reinos del Peru etc.~ Abgedruckt in -+Navarrete+, ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España~. -Madrid 1844. ~Tom. V, p.~ 201-388. - -[440] +P. Pizarro+, ~Relacion. p.~ 211. - -[441] +P. Pizarro+, S. 224. - -[442] Pachacamac ist jetzt meist unter Sand begraben und bei dem -Umblick von den auf den Hügel gebauten Terassen des Tempels sieht -man im weiten Umkreis die Reste der frühern Klöster, sowie der -Befestigungen hervorragen. A. Bastian. Die Kulturländer des alten -Amerika. I, 51. Berlin 1878. - -[443] +Cl. Markham+ hat (~Reports on the discovery of Peru. Hakluyt -Society.~ London 1872, ~p.~ 97) nach dem Verhältnisse von 100 Pesos -Gold = 144 Ducaten, 120 Pesos Silber = 144 Ducaten den Geldwerth -berechnet, der auf jeden Antheil entfiel. Doch weichen die Angaben von -einander ab. - - Pizarro erhielt 312,000 Ducaten, - 3 Capitäne der Cavallerie 165,000 „ - 4 „ „ Infanterie 165,000 „ - 60 Reiter 1,166,000 „ - 100 Mann zu Fuß 1,458,000 „ - Almagro 55,200 „ - Die Truppen Almagro’s 331,200 „ - Der königliche Quint 931,500 „ - Zuschlag von feinem Silber 38,170 „ - ----------------- - In Summa 4,605,670 Ducaten, - -d. h. nach dem Geldwerth unserer Tage etwa 70 Millionen Reichsmark. Die -ausführliche Liste über die Vertheilung der Beute gibt der spanische -Notar Pedro Sancho (cf. Markham, ~l. c. p.~ 133-142). In folge dieser -Reichthümer stiegen die Preise für europäische Waaren bedeutend: Ein -Pferd kostete 2500-3300 Pesos, ein Paar Schuh oder Stiefel 30-40 Pesos, -ein Mantel 100-120 Pesos, ein Buch Papier 10 Pesos u. s. w. -- De Luque -war inzwischen gestorben, also fiel sein Antheil hinweg. - -[444] +P. Pizarro+, ~Relacion. p.~ 247. - -[445] Nach +Aug. de Çarate+ ~lib. III, cp.~ 1, ~p.~ 23 zählte sein Heer -570 Mann. - -[446] Auf dem ganzen Zuge sollen 10,000 Indianer gefallen sein. - -[447] Der Santiagofluß entspringt am Catacachi, nördlich vom Aequator, -und fließt in die Bai von Panguapi (Bai von S. Mateo) nahe der -Nordgrenze des Staates Ecuador, 1° 20′ n. Br. - -[448] Vgl. den Brief des Bischofs von Cuzco in ~Colecion de doc. -inedit. relat. al descubrim. III~, 221 und den Brief Martins de Arauco, -ebd. III, 213. Madrid 1865. Ferner P. Pizarro S. 353 ff. - -[449] Castro’s Bericht in ~Cartas de India. p.~ 480. Madrid 1877. - -[450] Die Charcas-Indianer wurden 1539 durch Pedro de Anzures besiegt, -welcher in dem silberreichen Gebiete die Stadt la Plata anlegte -(Chuquisaca in Bolivia). Francisco Pizarro hieß nach diesem Gebiete -Marques de los Charcas. - -[451] Der officielle Bericht über den Ausgang Pizarro’s findet sich in -~Colecion de doc. ined. para la historia de España~. ~Vol. XXVI, p.~ -177. - -[452] Die Liste der Spanier, welche die Fahrt mitmachten, gibt Oviedo, -~historia general~. Madrid 1845. ~Tom. IV.~ ~lib.~ 49. ~cp.~ 2. - -[453] +Oviedo+, ~Tom IV. lib.~ 50. ~cp.~ 24. ~p.~ 557. - -[454] +Carvajal+ (Oviedo ~p.~ 562) spricht von den Amazonen als -einer ~gran novedad; que aquestas mugeres que alli peleaban +como -amaçonas+, son aquellas de quien en muchas é diversas relaçiones mucho -tiempo há que anda una fama extendida en estas Indias ó partes de -muchas formas discontada, del hecho destas belicosas mugeres~. Und -auch +Herrera+ (~Dec. VI. lib. IX. cp.~ 4) gibt die Erzählung nur -mit Vorbehalt, beruft sich aber auf die Wahrheitsliebe des muthigen -Carvajal. Die Thatsache ist lange bezweifelt, und der Bericht unter -die zahlreichen spanischen Erfindungen gerechnet, hat indes noch in -der neuesten Zeit ihre Bestätigung durch den französischen Reisenden -Crevaux gefunden, welcher am 31. October 1878 an dem Paru, einem aus -dem Hochlande der Guayana herabkommenden Zuflusse, ein Dorf antraf, -welches +ausschließlich+ von geschiedenen Frauen bewohnt war. (~Bull. -d. l. soc. géogr.~ Paris 1882, ~p.~ 672). Das Geschlecht der Amazonen -ist also noch nicht ausgestorben. Die Angabe Crevaux’ läßt uns auch -annähernd den Punkt bestimmen, wo Orellana diese kriegerischen Weiber -antraf, nämlich wahrscheinlich an der Mündung des Jamunda. - -[455] +Navarrete+ III, 294. Nr. V. - -[456] Ein solcher, allerdings noch nicht genügend enträthselter Bericht -hat sich in der „~Copia~ der Newen Zeytung aus Presillg Landt“, einem -Flugblatt, erhalten, welches um 1508 oder 1509 in Augsburg gedruckt und -offenbar aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen ist. Die Zeitung -erzählt von einer Fahrt zweier portugiesischer Schiffe nach Brasilien -(Presillg Landt) und von der Auffindung einer Straße etwa unter -dem 40. Grade s. Br. Wann die Fahrt gemacht und wer die Expedition -geleitet, ist nicht gesagt. Sie hat sich bisher auch mit keiner -bekannten Unternehmung identificiren lassen, so daß arge Entstellung -des Thatbestandes und selbst Fiction nicht ausgeschlossen ist. Aber -Thatsache ist, daß die Zeitung um 1509 in Deutschland und Italien -bekannt war und daß sie aus Portugal stammte. Daß sie zum Entwurf von -Weltbildern benutzt wurde, werden wir weiterhin zeigen. - -[457] +Pigafetta+ in ~Ramusio Navigationi et Viaggi I~, 354^b -und +Herrera+, ~Decad. II. lib. II. cp.~ 19. Vgl. auch +Wieser+, -Magalhãesstraße. Innsbruck 1881. S. 49. - -[458] Veröffentlicht von +R. H. Major+ in der ~Archaeologia, Vol. XL~. -London 1865. +Wieser+, Magalhãesstraße S. 19 ff. - -[459] Auf zwei Globen aus dem Jahre 1515, welche sich in Frankfurt und -Weimar befinden. +Wieser+, Magalhãesstraße S. 19 ff. - -[460] +Navarrete+ III, 134. - -[461] Die verstümmelte Namensform Magellan ist eine französische -Abkürzung der spanischen Umformung des portugiesischen Namens und daher -zu verwerfen. - -[462] ~Vida e viagens de Fernão de Magalhães por Diego de Barros Arana, -traducção de Hespanhol de Fernando de Magalhães-Villas-Boas. Lisboa~ -1881, ~p.~ 11, 145, 178. - -[463] +Martyr+, ~Epist.~ 630, ~duobus transfugis Portugalensibus a suo -rege discedentibus~. - -[464] +Faria e Sousa+, ~Comentarios a la Lusiada de Camoens II, coment. -á octava 140 do canto X~. -- Barbosa, ~Bibl. Lusitana II, p.~ 31 citirt -in ~Barros Arana, Vida e viagens de F. Magalh. p.~ 23. - -[465] +P. Martyr.+ ~Epist.~ 630. ~Si fauste res successerit, -Orientalibus et Portugallo regi commercia intercipiemus.~ - -[466] +Navarrete+ IV, 116-122. +Magalhães+ berechnete die Entfernungen -in folgender Weise: Die Insel S. Antonio unter den Capverden 22° östl. -von der Demarcationslinie, Cabo S. Augustin 20° östl., C. Sa. Maria am -Laplata 5° östl. Malaka 17½° westlich der andern Demarcationslinie, -welche durch den großen Ocean lief, und die Molukken theils 2½°, theils -4° östlich jener Grenzlinie. (Navarrete IV, 188.) - -[467] Nach der von +Navarrete+ IV, 12 ff. gegebenen Liste befanden sich -unter der Mannschaft 20 Portugiesen, 23 Italiener, meist Genuesen, 10 -Franzosen, 4 Flamländer, 1 Deutscher, 1 Engländer. - -[468] +Navarrete+ IV, 202. 203. An der Küste von Brasilien trat Alvaro -de la Mezquita an seine Stelle als Capitän. - -[469] ~Diario ó derrotero del viage de Magallanes, escrito por -Francisco Albo~ in +Navarrete+ IV, 209-247. ~Una montaña hecha un -sombrero p.~ 211. - -[470] Vielleicht der Puerto deseado nahe am 48° s. Br. - -[471] +Gomara+, ~la historia general de las Indias~. Anvers 1554. ~p.~ -127-128. - -[472] Brief des Secretärs Maximilian Transilvanus an den Cardinal von -Salzburg. In der spanischen Ueberarbeitung bei +Navarrete+ IV, 260. 261. - -[473] +G. Correa+, ~Lendas II ep XIV p.~ 625 behauptet, Magalhães habe -das Kabeltau des Antonio heimlich durchschneiden lassen, um das Schiff -zum Abtreiben zu bringen. - -[474] ~Carta del Contador Juan Lopez de Recalde al Obispo de Burgos~ in -+Navarrete+ IV, 201-208. - -[475] Eines Tages, erzählt Pigafetta, kam ein Riese zu uns an den -Strand, der so groß war, daß wir mit dem Kopf ihm nur bis an den Gürtel -reichten. (Anton Pigafetta’s Reise um die Welt. Gotha 1801. S. 30.) - -[476] Louis de Bougainville, welcher von 1766-1769 die erste -französische Erdumsegelung ausführte, gibt die Größe der Patagonen zu 5 -Fuß 5 Zoll bis 5 Fuß 10 Zoll an. ~Vogaye autour du monde.~ Paris 1771. -Cap. 4. - -[477] Nach P. P. King’s Schilderung in ~Journal of the royal geogr. -soc. vol. I p.~ 165. - -[478] Die Reisen der deutschen Kriegsflotte im Jahre 1878, in der -Allgemeinen Zeitung. 1879. S. 818. 819. - -[479] Dasselbe hat sich abschriftlich in dem Tagebuch des Astronomen -Andres de San Martin, welcher während der Fahrt starb, erhalten und -ist von João de Barros ~Dec. III. lib. V.~ ~cp.~ 9 mitgetheilt. Vgl. -+Navarrete+ IV, ~p.~ 45-49. - -[480] +Max. Transilvanus+ § 9. +Navarrete+ III, ~p.~ 266. - -[481] Jetzt Cap Pillar, Pfeilercap nach seiner Gestaltung genannt. - -[482] Loaysa brauchte 1526 zur Fahrt durch die Straße vier Monate, -Drake 1577 nur 17 Tage. Von den Holländern und Engländern, welche -am Schluß des 16. Jahrhunderts die Durchfahrt versuchten, kehrte -die Hälfte wieder um. Byron brauchte 1765 51 Tage, Wallis 1767 116 -Tage, Bougainville 1768 60 Tage. Alle diese Seefahrer besaßen Karten, -Magalhães nicht. - -[483] Nach den Untersuchungen von +C. Meinicke+ (Petermann’s -Mittheilungen 1868. S. 376) ist S. Pablo identisch mit Pukapuka (138° -48′ w. v. Gr.), und die Haifischinsel die Insel Flint (151° 48′ w. v. -Gr.). - -[484] +Francisco Albo+ in +Navarrete+ IV, 219. - -[485] Die Angaben schwanken zwischen 1800 und 4000 Kriegern. - -[486] Pigafetta schreibt diese rasche Freundschaft der Eingebung eines -Traumes, Transilvanus der Sternkunde des Fürsten zu. Im Grunde war es -nur die Handelseifersucht gegen Ternate. - -[487] Pigafetta gibt folgende Preisliste. Für ein Bahar (40 Pfund) -Nelken gab man, je nach Wahl, einen Posten der folgenden Waaren: 10 -Ellen feines, oder 15 Ellen mittelfeines rothes Tuch, 15 Beile, 35 -Glasschalen, 25 Ellen feine Leinwand, 150 Messer, 50 Scheeren, 40 -Mützen, 1 Ctr. Bronze. Der genuesische Pilot bemerkt, daß der Werth des -Tuches, welches man für 1 Bahar gab, in Spanien 14 Ducaten betragen -habe. - -[488] +Navarrete+ IV, 96 zählt sie sämmtlich mit Namen auf. - -[489] Die Berechnung, welche +Peschel+ (Zeitalter der Entdeckungen -S. 645, zweite Auflage S. 507) aufstellt, wonach man für 533 Centner -auf den Molukken etwa 213 Ducaten bezahlt und auf dem Markte von -London mehr als 100,000 Ducaten erhielt, ist nach +P. A. Tiele+ (~De -Europeërs in den maleischen Archipel~ Bl. 60) unrichtig, weil 1) der -Einkaufspreis höher war als 213 Ducaten, 2) der Preis in Spanien viel -niedriger stand als in England und 3) auch der für England angenommene -Marktwerth viel zu hoch gegriffen ist. - -[490] +San Antonio+, die westlichste der Capverden liegt etwa 25° w. v. -Gr. und Tidor 127½° ö. v. Gr. Der Abstand beträgt in Wirklichkeit 152½ -Grad. - -[491] +Navarrete+ V, 1-439, besonders wichtig ist die Relacion -Urdaneta’s, ~p.~ 401-439. - -[492] +Navarrete+ V, 103. - -[493] +Navarrete+ V, 183. - -[494] +Navarrete+ V, 95-114. 440-498, ~Colec. d. doc. inedit. rel. al -descubr. V~, 68-97. - -[495] Wahrscheinlich die in der westl. Gruppe gelegenen Inseln Fais und -Ulithi, vgl. +Meinicke+, Die Inseln des stillen Oceans II, 359. - -[496] +Navarrete+ V, 401-429. - -[497] Wie ängstlich die Portugiesen darauf bedacht waren, den Weg -zu den Gewürzländern geheim zu halten, geht auch daraus hervor, daß -noch 1531 der Italiener Leone Pancaldo, welcher auf dem Flaggschiffe -Magalhães’ als Matrose die Reise mitgemacht und glücklich zurückgekehrt -war, in seiner Vaterstadt Savona vor einem öffentlichen Notar und einem -Agenten des Königs von Portugal gegen eine Summe von 2000 Ducaten sich -verpflichtete, keinem Menschen den Weg nach den Molukken zu zeigen -und keine Karte davon zu zeichnen. +C. B. Belloro+, ~Elogio di Leone -Pancaldo~, citirt in +Harrisse+, ~Jean et Sebastian Cabot p. 73~. - -[498] ~Col. d. doc. ined. relat. al descubr. V~, 117-209. - -[499] Lamaliork in den westlichen Carolinen, zuerst 1526 von Diego de -Rocha gesehen und Sequeira genannt. - -[500] Vermuthlich ging in diesen Gegenden Grijalva mit seinem Schiff -zu Grunde. ~En estas islas se perdió un navio del Marquis de Valle -(Cortes), en que venia por Capitan Grijalva, el cual mataron los -marineros. Col. d. doc. inedit. rel. al descubr. V, p.~ 154. ~Herrera. -Dec. III. lib. IX. cp.~ 10. - -[501] Ueber diese wichtige Reise finden sich zwei Originalberichte -in der ~Colec. d. doc. ined. rel. al descubr. V~, ~p.~ 210-211 und -~p.~ 221-286. Der letztere, leider ohne Schluß, ist, wie auf ~p.~ 240 -ersichtlich ist, von Mendaña selbst verfaßt. Außerdem ein Bericht -des Piloten Gallego in Justo Zaragoza, ~historia del descubr. de -las regiones Austriales hecho por el general Fernandez de Quiros. -Tom. I. p.~ 1-22. Madrid 1876, besonders werthvoll, weil er genauere -Mittheilungen über den Abschluß der Expedition giebt. - -[502] +C. Meinicke+, Die Inseln des stillen Oceans, Leipzig 1876. Bd. -II. S. 425 u. 133 vermuthet, es sei die Insel Nui in der Ellicegruppe -(7° 15′ s. Br.) gemeint. - -[503] Mendaña nennt sie sogar heller als die Indianer Peru’s. ~Colec. -d. doc. l. c. p.~ 244. - -[504] +J. Zaragoza+, ~Historia del descubr. de las regiones Austriales -hecho por el general Pedro Fernandez de Quiros~. ~T. I. p.~ 19-22. -Madrid 1876. - -[505] +J. Zaragoza+ ~l. c. I~, 190 ff. - -[506] +J. Zaragoza+ ~l. c. II~, 218 und ~Colec. d. doc. ined. rel. al -descubr. V~, 497-506. - -[507] +J. Zaragoza+ II, 190 u. ~Colec. de doc. V, 517 todo le que dice -Pero Fernandez de Quiros, es mentiva y falsedad~. - -[508] +H. Harrisse+, ~Jean et Sebastien Cabot~. Paris 1882. Ein -grundlegendes Werk, welchem wir in diesem Abschnitte folgen. - -[509] +P. Amat di S. Filippo+, ~Studi biografici e bibliografici sulla -storia della geografia in Italia. Vol. I~, 200. ~Roma~ 1882. - -[510] ~Los de Bristol ha siete annos que cada anno un armado dos, -tres, cuatro caravelas para ir a buscar la isla del Brasil y las siete -ciudades con la fantasia deste Genoves.~ Der Brief ist vollständig -abgedruckt bei Harrisse ~l. c. p.~ 329. Ueber die Lage der Insel der -sieben Städte und über Brasil vgl. oben S. 21. - -[511] Da alle drei Söhne in dem Patent mit aufgeführt sind, müssen sie -1496 bereits volljährig, d. h. nach engl. Rechte wenigstens 21 Jahre -alt gewesen sein. Danach darf das Geburtsjahr des jüngsten, Sancto, -nicht nach 1474 gesetzt werden; Sebastian, der bedeutendste der drei -Söhne, welcher später die Pläne des Vaters weiter verfolgte, war älter, -vielleicht 1472 geboren. Zu dieser Zeit muß der Vater bereits in -Venedig ansässig gewesen sein. Sebastian Cabotto ist seiner Geburt nach -Venetianer. - -[512] Die letztere Annahme (1494) wird scheinbar durch eine Inschrift -Sebastian Cabotto’s auf seiner 1544 entworfenen Weltkarte zur allein -giltigen erhoben, wonach die Entdeckung 1494 stattgefunden haben -soll. Allein es wird gezeigt werden, daß in der Jahreszahl selbst ein -Fehler liegt. Die Inschrift, welche auf jener Weltkarte italienisch -und lateinisch eingetragen ist, lautet in deutscher Uebersetzung: -Dieses Land (nämlich Labrador) wurde von dem Venetianer Jean Caboto -und seinem Sohne Sebastian Caboto entdeckt im Jahr der Geburt unseres -Heilandes Jesu Christi ~M.CCCC XCIIII~ den 24. Juni morgens; sie gaben -ihm den Namen „~prima terra vista~“ und einer großen Insel in der -Nähe des erwähnten Landes den Namen St. Johannes, weil das Land am -St. Johannistage entdeckt wurde. Harrisse (S. 52-60) weist mit Recht -darauf hin, daß die Zahl 1494 auf einem Irrthum beruhe, daß die Ziffern -vielmehr ~M.CCCC XCVII~ lauten sollten. Zunächst enthält schon die -latein. Inschrift einen Druckfehler, insofern als Tag der Entdeckung -der 24. +Julii+, statt +Junii+ genannt ist. Es kann sich also auch -in der Angabe der Jahreszahl ein Fehler eingeschlichen haben. Von -der Weltkarte scheint es mehrere Ausgaben gegeben zu haben. Richard -Hakluyt citirt dieselbe im dritten Bande seiner Voyages (London 1600) -S. 6 und bemerkt, indem er die Inschrift mittheilt: ein Exemplar -finde sich in der Privatgallerie der Königin zu Westminster, andere -Exemplare seien noch in alten Handelshäusern zu sehen. Er sah also -mehrere Exemplare und liest auf denselben: „Ano Domini 1497.“ Innere -Gründe treten hinzu, um diese Zahl für die allein richtige zu halten. --- Zunächst meldete Ruy Gonzales de Puebla am 21. Januar 1496 nach -Spanien, daß jemand dem englischen Könige ein ähnliches Unternehmen -wie Columbus bezüglich einer Fahrt nach Indien vorgeschlagen habe. -Bereits neun Wochen darauf ließen Ferdinand und Isabella dem König -Heinrich von England mittheilen, daß die von England beabsichtigten -Fahrten gegen die Privilegien der spanischen und portugiesischen Krone -verstießen, wie sie durch den Theilungsvertrag von 1494 sanctionirt -waren. Aus der Sprache dieses Briefes geht hervor, daß das berührte -Project etwas Neues war, dessen Ausführung man hoffte, noch hindern -zu können, ähnlich wie später der König von Portugal bezüglich der -Expedition Magalhães’ in Spanien Vorstellungen machte. Wenn nun Cabotto -schon zwei Jahre vorher seine Entdeckung ausgeführt hätte, würde eine -nachfolgende Schiffsausrüstung kaum von solchem Belang erschienen -sein, um daran einen diplomatischen Schriftenwechsel zu knüpfen. Aber -schon ehe der Brief der spanischen Majestäten einlief, hatte Heinrich -VII. durch Erlaß vom 5. März 1496 den Plan Cabotto’s angenommen und -genehmigt, daß er nach Westen, Osten und Norden mit fünf Schiffen unter -englischer Flagge Inseln und Länder der Heiden aufsuchen könne. („~ad -inveniendum, discooperiendum et investigandum quascunque insulas, -patrias, regiones sive provincias gentilium et infidelium in quacunque -parte mundi positas, quae christianis omnibus ante haec tempora fuerunt -incognitae.~“) Die Fassung des Patents deutet sicher nur auf geplante, -aber nicht auf schon gemachte Entdeckungen hin. -- Ferner ist erst seit -der zweiten Hälfte des Jahres 1497 überhaupt von bereits erfolgten -Entdeckungen die Rede. Am 10. August 1497 erhielt Cabotto nach seiner -Rückkehr von der Küste Amerika’s eine königliche Belohnung von zehn -Pfund Sterling. Am 3. Febr. 1498 schreibt der Kanzler des Königs an -Cabotto, daß dieser ermächtigt werde, nach dem Lande und den Inseln, -die er kürzlich entdeckt, („~the Londe and Iles of late founde by -the seid John~“, Harrisse, ~p.~ 317) Schiffe zu führen. Und endlich -berichtet auch Pedro de Ayala am 25. Juli 1498, daß im vorhergehenden -Jahre, also 1497, die Leute von Bristol Land im Westen aufgefunden -hätten. So weist alles auf das Jahr 1497 hin. Nur von diesem Jahre -kennen wir auch die Resultate. - -[513] Die Inschrift lautet: ~Tierra del labrador. Esta tierra -descubrieron los Ingleses.~ - -[514] Vgl. Harrisse, S. 325. - -[515] +R. Hakluyt+, ~Voyages III, p.~ 9. - -[516] Die darüber geführte Correspondenz findet sich in Harrisse, S. -344-54. - -[517] ~Mia intenzione era di pervenire in questa navigazione al -Cathaj allo estremo oriente dell’ Asia.~ (+Asher+, ~Henry Hudson the -navigator, London~ 1860. ~p.~ 224). - -[518] Verrazzano’s Originalbericht, in italienischer Sprache, ist -zuerst vollständig veröffentlicht in +Asher+, ~Henry Hudson, the -navigator, London~ 1860. ~p.~ 199-288. (Hakluyt Soc.). - -[519] Vgl. S. 472. 473. - -[520] Die betreffenden Inschriften auf der Karte Diego Ribeiro’s -lauten: ~Tierra de Estebã Gomez: la qual descubrio por mandado de -su magt. el añ de 1525. ay en ella muchos arboles y fructos de los -de España y muchos rodovallos (?) y salmones y sollos~ (Hechte). -~no han alla lo oro. En toda esta costa del norte son los Indios de -mayor estatura que no los de sancto Domingo, ni de las otras islas, -mantienen se de mais y pescado, que ay en mucha abundancia y caça de -muchos venados y de otras animalias. vistense de pelijas de lobos y de -rapossos y zorras~ (Füchse). - -[521] ~Navigation par le Capitaine Jacques Cartier aux iles de Canada, -ed. par d’Avezac.~ Paris 1863. - -[522] Die Resultate der beiden ersten Entdeckungsfahrten sind -auf einer Karte niedergelegt, welche +Jomard+ in seiner Sammlung -mittelalterlicher Karten (~Monuments de la géogr.~) unter dem Titel: -Karte eines Piloten Heinrichs II. von Frankreich veröffentlicht hat. Es -kann aber gegenwärtig als erwiesen betrachtet werden (vgl. ~Bull. de -l’acad. d. inscript. et belles lettres. Août~ 1867), daß die Karte noch -unter Franz I. im Jahre 1542 entworfen ist. - -[523] +Francis Parkman+, Die Pionniere Frankreich’s in der neuen Welt. -Deutsch v. Fr. Kapp. S. 30. Stuttgart 1875. - -[524] Auf S. 27 befindet sich eine verkleinerte Copie derselben. - -[525] +Hakluyt+, ~Voyages III~, 58. - -[526] +A. H. Markham+, ~The Voyages and workes of John Davis the -navigator~. London, 1880. (Hakluyt ~Soc. Vol.~ 59.) - -[527] +A. H. Markham+, ~John Davis p.~ 208. - -[528] Nach Davis’ Bestimmung; Hope Sanderson liegt aber 72° 42′ n. Br. - -[529] ~L. c. p. 47 this day and night we passed by a very great gulfe.~ - -[530] ~The Worldes hydrographical discription.~ London 1595, wieder -abgedruckt in +A. H. Markham+, ~John Davis~ ~p.~ 192-238. - -[531] Davis machte 1591 bis 1593 unter Thomas Cavendish die Expedition -nach der Magalhãesstraße und in der Zeit von 1598 bis 1604 mehrere -Reisen nach Indien. Während der letzten Fahrt wurde er an der Ostküste -von Malaka von asiatischen Piraten meuchlings überfallen und am 29. -oder 30. December 1605 erschlagen. - -[532] +G. M. Asher+, ~Henry Hudson, the navigator~. London 1860 -(Hakluyt ~Soc. Vol.~ 27). - -[533] Prickett schreibt in seinem Tagebuche (+Asher+, ~Hudson. p.~ -111): ~About the middle of the moneth of November dyed John Williams, -our gunner: +God pardon the masters uncharitable dealing with this -man+~. - -[534] +Clements R. Markham+, ~The voyages of William Baffin~. London -1881 (Hakluyt ~Soc.~). - -[535] Im Jahre 1821 hat Edward Parry dieselben Gebiete erforscht; -seine Beobachtungen über die Flut stimmen mit Baffin überein, die -Breitenbestimmungen Baffins fand er nahezu richtig. (~Second voyage~, -London 1824, ~p.~ 33.) - -[536] Nur Parry, 1819, und Nares, 1875, haben es mit Erfolg ausgeführt. - -[537] Es scheint, als ob Baffin später an der Westseite, also von Asien -her durch den großen Ocean, den Ausgang der Nordwestpassage zu finden -hoffte. Um nach dieser Richtung seinem Lieblingsplan noch einmal näher -treten zu können, ging er in den Dienst der ostindischen Compagnie, -mit deren Unterstützung er sein Vorhaben ausführen zu können hoffte. -Nachdem er schon eine Fahrt nach Indien gemacht, wurde ihm der Auftrag -ertheilt, in Verbindung mit dem Schah Abbas von Persien die Portugiesen -aus Ormuz zu vertreiben. Hier wurde er während der Belagerung der -portugiesischen Citadelle am 23. Januar 1622 durch einen Kanonenschuß -getödtet. - -[538] Im Ptolemäus, Ulm 1482. Die Karte von Nordeuropa ist in getreuer -Copie veröffentlicht in Nordenskiöld, Die Umsegelung Asiens und -Europa’s auf der Vega. I, S. 48. - -[539] Ebenda. - -[540] ~Rerum Moscoviticarum commentarii.~ Abtheil. II. ~Fol. XXVIII.~ -Wien 1549. ~Navigatio per mare glaciale.~ - -[541] +Gomara+, ~Historia general. Anvers~ 1554. ~Fol.~ 16 ~verso. -Agora ay mucha noticia y esperiencia, como se nauega de Noruega hasta -passar por debaxo el mesmo Norte.~ -- ~Fol.~ 10. ~Y continuar la costa -hazia el Sur la buelta de la China. Olao Godo me contaua muchas cosas -de aquella tierra y navegacion.~ - -[542] In ~Historia de gentium septentrionalium variis conditionibus~. -Basel 1567. - -[543] +Verrazzano+ schreibt in seinem (oben S. 506) erwähnten Brief an -Franz I. von Frankreich: ~Lo estremo della Europa, che sono i limiti di -Norvegia, che stanno in gradi 71~. (+Asher+, ~Hudson the navigator. p.~ -226.) - -[544] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 317. - -[545] Der Reisebericht in +Hakluyt+, ~Principal Navigations.~ London -1598. ~p.~ 234 ff. - -[546] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 58. - -[547] +Hakluyt+, ~Principal Navigations~. London 1598. ~p.~ 274. - -[548] +Hakluyt+, ~Principal Navigations~. London 1598. ~p.~ 445. - -[549] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 203. - -[550] ~A chronological history of the voyages into the arctic regions.~ -London 1818. ~p.~ 99. - -[551] +J. K. J. de Jonge+, ~De opkomst van het Nederlandsch Gezag in -Oost-Indie~. s’Gravenhage 1862. ~p.~ 10. ~S. Müller, Geschiedenis der -noordsche compagnie~. Utrecht 1874. ~p.~ 27. - -[552] John Balaks Brief ist veröffentlicht in +Hakluyt+. I, 509. London -1598. - -[553] +De Jonge+, ~De opkomst. p.~ 167. - -[554] Mercator hatte auf seine Polarkarte die Inschrift gesetzt: -~Euripus ob celerem fluxum nunquam congelatur~. - -[555] +S. Müller+, ~Geschiedenis. p.~ 39. ~Resolutien der -Staten-Generaal. 9. mei 1595~. ebenda ~p.~ 358-60. - -[556] +Linschoten+, ~Voyasie ofte schip-vaert by Noorden om. Amsterdam -1598~. Derselbe, ~Navigatio in orientalem sive Lusitanorum Indiam. -Hagae Comitis~ 1599. Die Reisen Barendszons sind beschrieben in Gerrit -de Veer, ~Vraye description de trois Voyages des mers tres admirables -etc.~ Amsterdam 1598. Von diesem Werke existiren auch holländische und -latein. Ausgaben. - -[557] +Nordenskiöld+ I, 217, ist der Ansicht, daß den Holländern auf -ihrer ersten und zweiten Reise der Weg nach dem Ob und Jenissei offen -gestanden. Wenn sie die Fahrt fortgesetzt hätten, bis sie an einem der -beiden Flüsse zu bewohnten Gegenden gekommen wären, so wäre ganz sicher -schon im Anfang des 17. Jahrhunderts auf diesem Wege ein bedeutender -Handel zwischen Nordasien und Europa entstanden. - -[558] Die Resolution ist wieder veröffentlicht in +Nordenskiöld+ I, 218. - -[559] +Müller+, ~Geschiedenis. Bijlage V. p. 362 dat von stads wege -twee schepen... datelyk zullen werden toegemaect~. Die Expedition -wurde also nicht, wie Nordenskiöld I, 218 schreibt, von Kaufleuten in -Amsterdam, sondern von der Stadt ausgerüstet. - -[560] An dieser Insel, welche 1603 auch von den Engländern aufgefunden -wurde, trieben diese in den folgenden Jahren eine ergiebige Walroßjagd, -bis man, seit 1610, als bei der Bäreninsel der Fang geringer wurde, -sich nach Spitzbergen wandte. - -[561] Daß Rijp nicht um Spitzbergen herum gesegelt ist, beweist P. A. -Tiele in ~Aardrijksk. Genotsch. Deel. III, p.~ 136. Amsterdam, 1878. -Vgl. auch S. Müller, ~Geschiedenis, p.~ 43, Anmerkung 3. - -[562] +Barentzoen+, ~Nieuwe Beschr. ende Caertboeck van de -niedlandtsche Zee~, citirt in +Müller+, ~Geschiedenis~, ~p.~ 38. - -[563] Das Winterlager Barendsz.’s ist erst 1871 durch den norwegischen -Polarfahrer Carlsen wieder aufgefunden; bis dahin hatte kein Schiff den -Nordosten Nowaja Semlja’s wieder erreicht. - -[564] +Blavius+, ~Atlas major~, lat. Ausgabe. 1665. I. ~Fol.~ 24 und 31. - -[565] Die von Pontanus 1611 entworfene Karte (wiedergegeben im -Nordenskiöld I, 220) rückt Hudsons äußersten Punkt an der Küste -Grönlands, ~Hold with hope~, um 20 Meridiane zu weit nach Osten, bis -unter den Meridian von Edinburgh, aber vermuthlich nach den Angaben -Hudsons selbst, welcher keine Längenbestimmung in seinem Tagebuche -angesetzt hat. - -[566] +De Jonge+, ~Opkomst I. p.~ 28-30. +S. Müller+, ~Geschiedenis. -p.~ 60-66. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte des Zeitalters der -Entdeckungen, by Sophus Ruge - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES ZEITALTERS *** - -***** This file should be named 54832-0.txt or 54832-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/8/3/54832/ - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/old/54832-0.zip b/old/54832-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index ad7f9c0..0000000 --- a/old/54832-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h.zip b/old/54832-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 0e06944..0000000 --- a/old/54832-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/54832-h.htm b/old/54832-h/54832-h.htm deleted file mode 100644 index 082993a..0000000 --- a/old/54832-h/54832-h.htm +++ /dev/null @@ -1,30462 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - The Project Gutenberg eBook of Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen, by Sophus Ruge. - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -h1,h2,h3,h4 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; - font-weight: normal;} - -h1,.s1 {font-size: 225%;} -h2,.s2 {font-size: 175%;} -h3,.s3 {font-size: 145%;} -h4,.s4 {font-size: 125%;} -.s5 {font-size: 105%;} -.s6 {font-size: 90%;} -.s7 {font-size: 75%;} -.s8 {font-size: 50%;} - -h1 {page-break-before: always;} - -h2 { - padding-top: 3em;} -h2.toc {padding-bottom: 0;} - -h3 {padding-top: 2em;} - -h4 {padding-top: 1em;} - -div.chapter,div.section {page-break-before: always;} - -div.titelei { - page-break-before: always; - margin: 2em 15%;} - -.nobreak {page-break-before: avoid;} -.nobreak-after {page-break-after:avoid;} - -.break-before {page-break-before: always;} - -.nowrap {white-space: nowrap;} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 1.5em;} - -p.p0,p.center {text-indent: 0;} - -.mtop1 {margin-top: 1em;} -.mtop2 {margin-top: 2em;} -.mtop3 {margin-top: 3em;} -.mbot1 {margin-bottom: 1em;} -.mbot2 {margin-bottom: 2em;} -.mleft-1 {margin-left: -1em;} -.mleft1 {margin-left: 1em;} -.mleft6 {margin-left: 6em;} - -.padtop2 {padding-top: 2em;} -.padtop3 {padding-top: 3em;} -.padbot1 {padding-bottom: 1em;} -.padbot5 {padding-bottom: 5em;} -.padl1 {padding-left: 1em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: auto; - margin-right: auto; - clear: both;} - -hr.map { - width: 80%; - margin: 1.5em 10%; - color: #aaaaaa; - height: 0.2em;} - -hr.tb {width: 35%; margin: 1.5em 32.5%;} -hr.chap {width: 65%; margin: 2em 17.5%;} -hr.full {width: 95%; margin: 2.5em 2.5%;} -hr.r10 {width: 10%; margin: 1.5em 45%;} -hr.r25 {width: 25%; margin: 1.5em 37.5%;} - -.zaehler { - vertical-align: 40%; - font-size: 65%;} -.nenner { - vertical-align: -20%; - font-size: 65%;} - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto;} - -.tdl {text-align: left;} -.tdr {text-align: right;} -.tdc {text-align: center;} - -table.toc,table.loi { - width: 70%; - margin-left: 15%; - margin-right: 15%;} - -table.collapse {border-collapse: collapse;} - -table.toc td.buch { - padding-top: 0.5em; - text-align: center; - font-size: 1.2em; - font-weight: bold;} -table.toc td.untertitel { - text-align: center; - padding-bottom: 0.5em;} -table.toc td.kapitel { - text-align: left; - padding-left: 1.5em; - text-indent: -1.5em; - vertical-align: top;} -table.toc td.unterkap { - text-align: left; - padding-left: 3.5em; - text-indent: -1.5em; - vertical-align: top;} -table.toc td.pgnum { - text-align: right; - vertical-align: bottom;} - -table.loi td.buch { - padding-top: 0.5em; - text-align: center; - font-size: 1.2em; - font-weight: bold;} -table.loi td.seit { - text-align: center; - padding-right: 0.3em; - vertical-align: top;} -table.loi td.legende { - text-align: left; - vertical-align: bottom;} - -td.bbot {border-bottom: solid black 1px;} - -.vat {vertical-align: top;} -.vab {vertical-align: bottom;} - -.csstab {display: table;} -.cssrow {display: table-row;} -.csscell {display: table-cell;} - -.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ - /* visibility: hidden; */ - position: absolute; - left: 92%; - font-size: smaller; - text-align: right; - font-style: normal;} /* page numbers */ - -.blockquot { - margin: 1.5em 5%; - font-size: 90%;} - -.center {text-align: center;} - -.smaller {font-size: smaller;} - -.u {text-decoration: underline;} - -.antiqua {font-style: italic;} - -.gesperrt { - letter-spacing: 0.2em; - margin-right: -0.2em; } - -em.gesperrt { - font-style: normal; } - -.caption_top { - text-align: center; - font-size: 90%; - padding-top: 2em; - margin-bottom: -1em; - page-break-after: avoid;} - -/* Images */ -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center;} - -img {max-width: 100%; height: auto;} - -/* Footnotes */ -.footnotes { - border: thin black dotted; - background-color: #ffffcc; - color: black;} - -.footnote { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; - font-size: 0.9em;} - -.footnote .label { - position: absolute; - right: 84%; - text-align: right;} - -.fnanchor { - vertical-align: top; - font-size: 70%; - text-decoration: none;} - -/* Poetry */ -.poetry-container {text-align: center;} - -.poetry { - display: inline-block; - text-align: left;} - -.poetry .stanza {margin: 1em auto;} - -.poetry .verse { - text-indent: -3em; - padding-left: 3em;} - -/* Transcriber’s notes */ -.transnote { - background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em;} - -div.nohtml,p.nohtml {display: none;} - -@media handheld { - -.ebhide {display: none;} - -div.nohtml,p.nohtml {display: block;} - -em.gesperrt { - font-family: sans-serif, serif; - font-size: 90%; - margin-right: 0;} - -table.toc,table.loi { - width: 100%; - margin: auto;} - -.poetry { - display: block; - text-align: left; - margin-left: 2.5em;} - -.caption_top { - padding-bottom: 1em; - page-break-after: avoid;} - -table.schiffe {margin-left: 2.5em;} - -} - - </style> - </head> -<body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen, by -Sophus Ruge - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen - -Author: Sophus Ruge - -Editor: Wilhelm Oncken - -Release Date: June 2, 2017 [EBook #54832] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES ZEITALTERS *** - - - - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der 1881 erschienenen -Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. -Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden -stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente -Schreibweisen wurden beibehalten, insbesondere wenn diese in der -damaligen Zeit üblich waren oder im Text mehrfach auftreten.</p> - -<p class="p0">Namen werden im Originaltext meist gesperrt dargestellt, -allerdings nicht durchgehend; Adelstitel werden nur teilweise -in die Sperrung mit einbezogen. Es wurde diesbezüglich keinerlei -Harmonisierung vorgenommen. Die Fußnotenanker [166] sowie [178] fehlen -im Original; diese wurden vom Bearbeiter an der augenscheinlich am -besten geeigneten Stelle eingefügt. Das Inhaltsverzeichnis wurde vom -Bearbeiter an den Anfang des Buches verschoben.</p> - -<p class="p0">Die Buchversion wurde in Frakturtext gedruckt; -Passagen in Antiquaschrift werden in der vorliegenden Fassung kursiv -hervorgehoben. Ausnahmsweise werden auch die Legenden der großen -Karten in Normalschrift wiedergegeben, obwohl diese im Original in -Antiqua gesetzt sind. Kursive Stellen sind in diesem Fall auch in der -gedruckten Fassung so dargestellt.</p> - -<p class="p0">Einige Karten sind im Original als ausklappbare Tafeln -im Format mehrerer Buchseiten ausgeführt, welche in der elektronischen -Version der besseren Lesbarkeit halber teilweise in kleinere Abschnitte -aufgeteilt. Die Seitenzahlen im Abbildungsverzeichnis wurden -gegebenenfalls angepasst.</p> - -<p class="p0">Die ‚Karte von Afrika in eine Portulano (Seekarte) -von 1351‘ wurde in der gedruckten Fassung um 180° gedreht -wiedergegeben, wohl um, entsprechend der heutigen Gewohnheit, Norden -oben und Süden unten darzustellen. In der Zeit der Erstellung der -Seekarte war aber die umgekehrte Darstellung üblich, so dass die -eingetragenen Namen und Bezeichnungen in der Buchversion auf dem -Kopf stehen. In der vorliegenden Fassung wurde die ursprüngliche -Orientierung wiederhergestellt.</p> - -<p class="p0">Die Weltkarte (‚Mapamondi‘) zwischen den Seiten 78 und 79 besteht in -der Buchfassung aus einer großen Ausklapptafel, zusammen mit einem -ebenso großen ‚Schutzblatt‘, von denen die erstere die katalanische -Originalkarte, das letztere die deutsche Übersetzung der Legenden -darstellt. Die deutschen Texte konnten derart über die Weltkarte -gelegt werden, dass diese über den entsprechenden katalanischen -Passagen zu liegen kommen. In der vorliegenden elektronischen -Fassung wurden die entsprechenden deutschsprachigen Legenden mit den -zugehörigen Kartenausschnitten am Ende der Weltkarte angefügt.</p> - -<p class="p0 nohtml">Links zu größeren Bildansichten sind -möglicherweise nicht in allen Lesegeräten aktiv; einige Karten wurden -daher zusätzlich in Ausschnitten vergrößert wiedergegeben. Abhängig -von der im jeweiligen Lesegerät installierten Schriftart können die -im Original gesperrt gedruckten Passagen gesperrt, in serifenloser -Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt erscheinen.</p> - -</div> - -<div class="titelei"> - -<p class="s1 center"><b>Allgemeine Geschichte</b></p> - -<p class="s4 center">in</p> - -<p class="s2 center">Einzeldarstellungen.</p> - -<p class="s5 mtop2 center">Unter Mitwirkung von</p> - -<p class="mtop1 center">Felix Bamberg, Alex. Brückner, Felix Dahn, Joh. Dümichen, -Bernh. Erdmannsdörffer, Theod. Flathe, Ludw. Geiger, Richard Gosche, -Gust. Hertzberg, Ferd. Justi, Friedrich Kapp, B. Kugler, S. Lefmann, -Wilhelm Oncken, M. Philippson, S. Ruge, Eberh. Schrader, Bernh. Stade, -Alfr. Stern, Otto Waltz, Ed. Winkelmann, Adam Wolf</p> - -<p class="s5 center mtop1">herausgegeben</p> - -<p class="s6 center mtop1">von</p> - -<p class="s3 center"><b><em class="gesperrt">Wilhelm Oncken</em>.</b></p> - -<hr class="r10" /> - -<p class="s4 center"><b>Zweite Hauptabteilung.</b></p> - -<p class="s5 center">Neunter Theil.</p> - -<p class="s3 center"><b>Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen.</b></p> - -<p class="s5 center padbot1">Von <em class="gesperrt">Sophus Ruge</em>.</p> - -<hr class="r25" /> - -<p class="s4 center"><b>Berlin,</b></p> - -<p class="s6 center padbot5">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.<br /> -1881.</p> - -<h1><span class="s6">Geschichte</span><br /> - -<span class="s8">des</span><br /> - -<b>Zeitalters der Entdeckungen.</b></h1> - -<p class="s4 center padtop2">Von</p> - -<p class="s3 center padtop2"><span class="antiqua">Dr.</span> Sophus Ruge,<br /> - -<span class="s8 padbot5">Professor am Königl. Polytechnicum zu Dresden.</span></p> - -<hr class="r10" /> - -<p class="s4 center padtop3 padbot1">Mit Illustrationen und Karten.</p> - -<hr class="r25" /> - -<p class="s4 center"><b>Berlin,</b></p> - -<p class="s6 center padbot5">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.<br /> -1881.</p> - -<div class="figcenter break-before padtop3"> - <a id="verlagssignet" name="verlagssignet"> - <img class="mtop2 padbot1" src="images/verlagssignet.jpg" - alt="Verlagssignet" /></a> -</div> - -<p class="center mtop3 padbot5">Uebersetzungsrecht vorbehalten.</p> - -<p class="center">Druck von <em class="gesperrt">B. G. Teubner</em> in Leipzig.</p> - -<p class="s6 center">Beginn des Satzes am 10. Juni 1881.</p> - -</div> - -<hr class="full" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="s3 nobreak toc">Inhalts-Verzeichniß.</h2> - -</div> - -<table class="toc s6" summary="Inhaltsverzeichnis"> - <tr> - <td class="buch" colspan="2"> - Erstes Buch. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="untertitel" colspan="2"> - Die Anfänge der Forschung. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - - </td> - <td class="pgnum"> - <span class="s6">Seite</span> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Erstes Capitel</em>. Die Morgenseite der alten Welt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Erstes_Capitel_1">3</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Zweites Capitel</em>. Die Abendseite der alten Welt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Zweites_Capitel_1">12</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="2"> - Zweites Buch. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="untertitel" colspan="2"> - Die Vorhalle der großen Zeit. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Erstes Capitel</em>. Die Morgenseite der alten Welt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Erstes_Capitel_2">35</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Der Orient seit Beginn der Mongolenherrschaft - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Orient_Mongolen">35</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Der Presbyter Johannes - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Der_Presbyter_Johannes">37</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 3. Die ersten christlichen Glaubensboten im Orient - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_ersten_christlichen_Glaubensboten">40</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 4. Die Handelsreisen der Poli - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Handelsreisen_der_Poli">51</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 5. Die späteren Missionsreisen und Handelszüge - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_spaeteren_Missionsreisen">71</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Zweites Capitel</em>. Die Abendseite der alten Welt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Zweites_Capitel_2">81</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - Prinz Heinrich der Seefahrer - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Prinz_Heinrich_der_Seefahrer">81</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="2"> - Drittes Buch. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="untertitel" colspan="2"> - Die Seewege nach Indien. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Erstes Capitel</em>. Die Bahn der Portugiesen - nach Südosten - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Erstes_Capitel_3">103</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Diogo Cão und seine Vorläufer - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Diogo_Cao">103</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Bartolomeu Dias - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Bartolomeu_Dias">107</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 3. Vasco da Gama’s erste Fahrt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Vasco_da_Gamas_erste_Fahrt">109</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 4. Cabral und João da Nova - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cabral_und_da_Nova">128</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 5. Vasco da Gama’s zweite Fahrt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Vasco_da_Gamas_zweite_Fahrt">135</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Francisco_d_Almeida">147</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 7. Affonso d’Albuquerque, Generalcapitän und Governador von Indien - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Affonso_d_Albuquerque">160</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 8. Die Nachfolger Albuquerque’s - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Nachfolger_Albuquerques">185</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 9. Die Portugiesen auf den Molukken - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Portugiesen_auf_den_Molukken">199</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 10. Das Phantom der Gold- und Silberinseln - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Phantom_Gold_Silberinseln">207</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 11. Der erste Besuch der Portugiesen in China und Japan - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Portugiesen_in_China_und_Japan">213</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Zweites Capitel</em>. Die Bahn der Spanier nach - Westen und die Entdeckung der neuen Welt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Zweites_Capitel_3">217</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Die Bedeutung der italienischen, namentlich genuesischen Nautik, - und das frühere Leben des Christoph Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Italienische_Nautik">217</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Das allmähliche Reifen des Planes einer Westfahrt - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Plan_einer_Westfahrt">221</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 3. Das Project Toscanelli’s - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Das_Project_Toscanellis">225</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 4. Columbus in Spanien - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Columbus_in_Spanien">232</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 5. Die erste Fahrt des Columbus über den Ocean - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_erste_Fahrt_des_Columbus">241</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 6. Wo liegt Guanahani? - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Wo_liegt_Guanahani">248</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 7. Die Fahrt durch das westindische Meer - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Fahrt_durch_das_westindische_Meer">253</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 8. Die Demarcationslinie - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Demarcationslinie">267</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 9. Die zweite Reise des Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_zweite_Reise_des_Columbus">271</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 10. Die dritte Reise des Columbus und die Entdeckung Südamerika’s - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_dritte_Reise_des_Columbus">281</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 11. Die Zustände auf Haiti und die Gefangennahme des Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Zustaende_auf_Haiti">292</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 12. Die letzte Reise des Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_letzte_Reise_des_Columbus">297</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 13. Die letzten Lebensjahre des Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_letzten_Lebensjahre_des_Columbus">311</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 14. Zur Charakteristik des Columbus - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Characteristik_des_Columbus">314</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 15. Die kleinen Entdecker - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_kleinen_Entdecker">322</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 16. Die Portugiesen in Südamerika - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Portugiesen_in_Suedamerika">330</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 17. Die spanischen Niederlassungen auf dem Festlande von Mittelamerika - und die Entdeckung der Südsee - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_spanischen_Niederlassungen">340</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 18. Die Entdeckungen im Golf von Mexiko - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Entdeckungen_im_Golf_von_Mexiko">355</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 19. Ferdinand Cortes geht nach Mexiko - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_geht_nach_Mexiko">359</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 20. Cortes in Mexiko - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_in_Mexiko">373</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 21. Cortes siegt über Panfilo de Narvaez - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_siegt_ueber_Panfilo">377</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 22. Der Kampf um Mexiko - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Der_Kampf_um_Mexiko">379</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 23. Cortes als Statthalter von Neuspanien - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_als_Statthalter">387</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 24. Cortes’ Feldzug nach Honduras - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_Feldzug_nach_Honduras">394</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 25. Cortes’ spätere Unternehmungen und sein Tod - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Cortes_spaetere_Unternehmungen">402</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 26. Die Unternehmungen gegen Florida und die Küste von Nordamerika - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Unternehmungen_gegen_Florida">407</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 27. Coronado’s Feldzug nach Cibola und Quivira - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Coronados_Feldzug_nach_Cibola">415</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 28. Das Goldland Peru und seine alte Kultur - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Das_Goldland_Peru">424</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 29. Pizarro versucht bis zum Lande der Inkas vorzudringen - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Pizarro_versucht_bis_zum">434</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 30. Die Eroberung Peru’s - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Eroberung_Perus">439</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Almagros_Zug_nach_Chile">447</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende der peruanischen Parteikämpfe - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Ermordung_Pizarros">451</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 33. Orellana entdeckt den Amazonenstrom 1541 - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Orellana_entdeckt_den_Amazonenstrom">455</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Drittes Capitel</em>. Die südwestliche Bahn nach - Indien. Magalhães und die erste Erdumsegelung - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Drittes_Capitel_3">458</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Die Vorläufer Magalhães’ - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Vorlaeufer_Magalhaes">458</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Fernão Magalhães - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Fernao_de_Magalhaes">462</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Erste_Erdumsegelung">478</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 4. Der Streit um die Molukken - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Der_Streit_um_die_Molukken">483</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 5. Die spanischen Entdeckungsfahrten im großen Ocean - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Entdeckungsfahrten_im_grossen_Ocean">489</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Viertes Capitel</em>. Die Versuche, einen - nordwestlichen Weg nach Indien zu finden - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Viertes_Capitel">499</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Giovanni und Sebastiano Cabotto - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Giovanni_und_Sebastiano_Cabotto">499</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Portugiesen, Italiener und Franzosen auf dem Nordwestwege - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Portugiesen_Italiener_Franzosen">504</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 3. Die Versuche der Engländer, eine Nordwestpassage zu finden - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Versuche_der_Englaender">510</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="kapitel"> - <em class="gesperrt">Fünftes Capitel</em>. Die Nordostpassage - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Fuenftes_Capitel">520</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 1. Die Engländer auf dem Nordostwege und die moskowitische Compagnie - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Englaender_auf_dem_Nordostwege">520</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="unterkap"> - 2. Die Holländer auf dem Nordostwege und der Kampf um Spitzbergen - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Die_Hollaender_auf_dem_Nordostwege">525</a> - </td> - </tr> -</table> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="s3 nobreak toc">Verzeichniß der Illustrationen und Karten.</h2> - -</div> - -<table class="loi s6" summary="Illustrationen und Karten"> - <tr> - <td class="buch" colspan="3"> - Abbildungen im Text. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p15">Seite</a> - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p15">15:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile von der angelsächsischen Handschrift König Alfreds d. - Gr. von Ohthere’s Reise; 9. Jahrh. In der Cottonian Bibliothek des - British Museum zu London. (Bosworth, Joseph, <span class="antiqua">A - Description of Europe, and the Voyages of Ohthere and Wulfstan, - written in Anglo-Saxon by King Alfred the Great</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p49">49:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der drei ersten Zeilen des uigurisch geschriebenen - Briefes von Argunchan an Philipp d. Schönen; 1289. Im Archive - von Paris. (<span class="antiqua">The Book of Marco Polo the Venetian, - concerning the Kingdoms and Marvels of the East. Newly translated and - edited by Henry Yule</span>.) - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p53">53:</a> - </td> - <td class="legende"> - Marco Polo. Nach einem Gemälde in der Gallerie Badia in Rom. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p65">65:</a> - </td> - <td class="legende"> - Goldenes Geleitstäfelchen mongolischer Fürsten. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p74">74:</a> - </td> - <td class="legende"> - Hand eines reichen Annamiten. (Photographische Aufnahme nach der - Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p83">83:</a> - </td> - <td class="legende"> - Prinz Heinrich der Seefahrer. Miniature in der 1448–1453 - entstandenen Handschrift <span class="antiqua">„Chronica do - descobrimento e conquista de Guiné etc.“</span> In der - Nationalbibliothek zu Paris. (Major, H., <span class="antiqua">The - Life of Prince Henry of Portugal</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p97">97:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Land- und Wasserkugel der Erde. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p99">99:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile einer alten Abbildung des Jakobstabes und seiner - Anwendung. (<span class="antiqua">Cosmographia, siue Descriptio - vniuersi Orbis, Petri Apiani et Gemmae Frisii, Mathematicorum - insignium, iam demùm integritati suae restituta. Antuerpiae</span>, 1584.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p105">105:</a> - </td> - <td class="legende"> - Martin Behaim. (Ghillany, Geschichte des Seefahrers Ritter Martin - Behaim.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p106">106:</a> - </td> - <td class="legende"> - Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom Jahre 1468. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p111">111:</a> - </td> - <td class="legende"> - Vasco da Gama. Nach einem Gemälde im Besitze des Grafen von - Lavradio. (Stanley, Henry, <span class="antiqua">The three voyages of Vasco da Gama - and his Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar Correa.</span> - <span class="antiqua">Hakluyt. Soc.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p135">135:</a> - </td> - <td class="legende"> - Vasco da Gama. Aus dem Manuscript von Pedro Baretto de Resenda. - In der Sloane Bibliothek des British Museum, London. (<span class="antiqua">The - Commentaries of the great Afonso Dalboquerque, second Viceroy of - India. Translated from the Portuguese edition of 1774, with notes - and an introduction, by Walter de Gray Birch.</span> - <span class="antiqua">Hakluyt. Soc.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p142">142:</a> - </td> - <td class="legende"> - Alfons von Albuquerque. Nach dem Manuscript des Pedro Baretto de - Resenda. In der Sloane Bibliothek des British Museum, London. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p154">154:</a> - </td> - <td class="legende"> - Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrhunderts mit Rohrsegeln und am - Stern aufgehängtem hölzernem Anker. (Linschoten, <span class="antiqua">Itinerarium ofte - Schipvaert naer Oost ofte Portugaels Indiën</span>. Amsterdam 1614.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p155">155:</a> - </td> - <td class="legende"> - Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p188">188:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile des Namenszuges von Vasco da Gama (und zwei Zeugen) - in dem Dokument, in welchem er König Johann III. huldigte, als - derselbe ihn zum Vicekönig von Indien ernannt hatte. — Im Archiv - von Lissabon. (Stanley, Henry, <span class="antiqua">The three voyages of Vasco da Gama - and his Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar Correa.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p189">189:</a> - </td> - <td class="legende"> - Wappen von Vasco da Gama. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p191">191:</a> - </td> - <td class="legende"> - Pero Mascarenhas in Ketten. (<span class="antiqua">Lendas da India por Gaspar Correa - publicadas de ordem da classe de sciencias moraes, politicas e - bellas lettras da academia real das sciencias de Lisboa. Livro - terceiro que conta dos feitos de Pero Mascarenhas, e Lopo Vaz de - Sampayo, e Nuna da Cunha.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p197">197:</a> - </td> - <td class="legende"> - Portrait von Nuno da Cunha. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p234">234:</a> - </td> - <td class="legende"> - Angebliches Portrait von Christoph Columbus; Madrid, - Marine-Ministerium. (Photographische Originalaufnahme.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p235">235:</a> - </td> - <td class="legende"> - Angebliches Portrait von Christoph Columbus; Madrid, - National-Bibliothek. (<span class="antiqua">Boletín de la Sociedad geográfica - de Madrid. T. VI.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p240">240:</a> - </td> - <td class="legende"> - Der im Bau begriffene Rumpf eines großen Seeschiffes vom Ende des - 15. Jahrh. (<span class="antiqua">Bernhardus de Breydenbach</span>, - <span class="antiqua">Peregrinationes in montem Syon ad venerandum - Christi sepulcrum in Jerusalem</span>. Mainz, 1486.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p241">241:</a> - </td> - <td class="legende"> - Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., halb vor dem Winde segelnd. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p245">245:</a> - </td> - <td class="legende"> - Christoph Columbus’ Rüstung; Madrid, Waffen-Museum im königl. Palais. - (Photographische Originalaufnahme.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p247">247:</a> - </td> - <td class="legende"> - Titelholzschnitt einer zu Florenz im Jahre 1493 gedruckten - italienischen Flugschrift, darstellend die Landung des Columbus. - (Getreue Nachbildung des Originals im British Museum zu London.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p262">262:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der ersten Flugschrift, welche die Kunde von der - Entdeckung Amerika’s brachte. (Getreue Nachbildung des Originals im - British Museum zu London.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p263a">„</a> - </td> - <td class="seit mleft-1"> - <a href="#abb_p263a">263</a>/<a href="#abb_p264">4:</a> - </td> - <td class="legende"> - Titel, Anfangsseite und Schluß des ersten <em class="gesperrt">deutschen</em> Flugblattes, - welches die Entdeckung Amerika’s meldete. (Getreue Nachbildung des - Originals in der Staatsbibliothek zu München.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p313">312:</a> - </td> - <td class="legende"> - Haus zu Valladolid, in dem Christoph Columbus gestorben. - (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p317">317:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph Columbus, - datirt Granada, 6. Februar 1502. (<span class="antiqua">Tre Lettere di Cristoforo - Colombo ed Amerigo Vespucci, riprodotte in Fotolitografia.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p333">333:</a> - </td> - <td class="legende"> - Titelblatt der deutschen Uebersetzung des Briefes, welchen - Amerigo Vespucci über seine dritte Reise an Pier Francesco de - Medici schrieb. (Getreue Nachbildung des Originals in der königl. - Bibliothek zu Dresden.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p334">334:</a> - </td> - <td class="legende"> - Rückseite des Titelblattes und Anfang desselben Briefes. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p337">337:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Amerigo Vespucci an - den Cardinal Arzobispo de Toledo (Ximénez de Cisneros); datirt - Sevilla, 9. December 1508. (<span class="antiqua">Tre Lettere di Cristoforo Colombo ed - Amerigo Vespucci riprodotte in Fotolitografia.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p339">339:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der Stelle, in welcher zum erstenmale der Name „Amerika“ - vorgeschlagen wird. (<span class="antiqua">Cosmographiae Introductio</span> - des <span class="antiqua">Hylacomylus</span> von 1507.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p357">357:</a> - </td> - <td class="legende"> - Tempelruine zu Uxmal. (Gailhabaud, Jules, <span class="antiqua">Monuments anciens - et modernes. IV.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p361">360:</a> - </td> - <td class="legende"> - Medaillenbildniß von Ferdinand Cortes; Originalgröße. (Nach dem - Original im königl. Münz-Cabinet zu Berlin.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p405">405:</a> - </td> - <td class="legende"> - Rüstung von Ferdinand Cortes; im Waffenmuseum zu Madrid. - (Photographische Originalaufnahme.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p427">427:</a> - </td> - <td class="legende"> - Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen Thorbauten. - (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p429">429:</a> - </td> - <td class="legende"> - Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von Ancon. (Stübel - und Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p430">430:</a> - </td> - <td class="legende"> - Sculptur am Inkathor bei Cuzco. (Photographische Originalaufnahme.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p431">431:</a> - </td> - <td class="legende"> - Sculptur am Inkathor bei Cuzco. (Photographische Originalaufnahme.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p433">433:</a> - </td> - <td class="legende"> - Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien. (Stübel und - Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p443">443:</a> - </td> - <td class="legende"> - Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, in welchem der Inka von - Pizarro gefangen gehalten wurde. (Photographische Aufnahme nach der - Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p462">462:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile des Namenszuges von Magalhães. Von einem Briefe, datirt - 24. October 1518, im indischen Archiv zu Sevilla. (<span class="antiqua">The first - voyage round the world by Magellan. Translated from the accounts - of Pigafetta and other contemporary writers by Lord Stanley of - Alderley.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p463">463:</a> - </td> - <td class="legende"> - Fernão de Magalhães. Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches, - 1788, von Ferd. Selma. (<span class="antiqua">Coleccion de los - viages y descubrimientos que hicieron por mar los Españoles desde - fines del Siglo XV., coordinada é illustrada por Martin Fernandez - de Navarrete. Tomo IV.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#abb_p467">467:</a> - </td> - <td class="legende"> - Rumpf eines großen Seeschiffes um 1500; im Wappen des Johann - Segker. Verkleinertes Facsimile eines Holzschnittes aus Albrecht - Dürers Schule. (Kunsthalle zu Hamburg.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="3"> - Vollbilder. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p70">Seite</a> - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p70">70:</a> - </td> - <td class="legende"> - Chinesisches Papiergeld aus der Ming-Dynastie (1368–1645). Original - in Paris. Getreue Nachbildung in ¼ der natürlichen Größe. (<span class="antiqua">The - Book of Marco Polo the Venetian, concerning the kingdoms and - Marvels of the East. Newly translated and edited by Henry Yule.</span>) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p356">356:</a> - </td> - <td class="legende"> - Eine Seite aus der Mayahandschrift der königl. Bibliothek zu - Dresden. Originalgröße. (Die Mayahandschrift der kgl. öffentlichen - Bibliothek zu Dresden. 74 Tafeln in Chromolichtdruck.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p420">420:</a> - </td> - <td class="legende"> - Ansicht des großen Colorado-Cañons. (Powell, J. W., <span class="antiqua">Exploration of - the Colorado River of the West 1869–1872</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p425">425:</a> - </td> - <td class="legende"> - Das Inkathor bei Cuzco. (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p426">426:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee. (Photographische - Aufnahme nach der Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p434_1">434:</a> - </td> - <td class="legende"> - Altperuanische Mumien aus dem Todtenfelde von Ancon. (Stübel und - Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p441">440:</a> - </td> - <td class="legende"> - Krieger aus der Inkazeit: altperuanische Malerei auf dem unter - Nr. 23 auf dem Doppelvollbilde „altperuanische Geräthschaften“ - abgebildeten Kruge. (Ebd.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#vollbild_p446">446:</a> - </td> - <td class="legende"> - Sacsahuaman: ein Theil der Ruinen der alten Inkafestung bei Cuzco. - (Photographische Aufnahme nach der Natur.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="3"> - Doppelvollbilder. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#doppelbild_p358">Seite</a> - </td> - <td class="seit"> - <a href="#doppelbild_p358">359:</a> - </td> - <td class="legende"> - Sculpturen von Copán, Trachten der alten Mittel-Amerikaner - darstellend. (Meye und Schmidt, die Steinbildwerke von Copán und - Quirigua.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#doppelbild_p433">432:</a> - </td> - <td class="legende"> - Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde von Ancon. - (Stübel und Reis, das Todtenfeld von Ancon in Peru.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="3"> - Karten im Text. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p25">Seite</a> - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p25">25:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte von Afrika in einem Portulano von 1351. In der - Laurentinischen Bibliothek zu Florenz. (Major, H., <span class="antiqua">The Life of - Prince Henry of Portugal</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p27">27:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zu den Reisen von Nicolo und Antonio Zeno, 1558. (Nach H. - Kiepert.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p249">249:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Entdeckungen des Columbus auf seiner ersten Reise. Ein Theil - von Westindien; nach der englischen Admiralitätskarte Nr. 761 - gezeichnet von C. Riemer. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p318">318:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Insel Guanahani nach der Karte Diego Ribero’s von 1529. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p347">347:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zu Balboa’s Entdeckung der Südsee. (Nach dem Entwurfe von - Professor <span class="antiqua">Dr.</span> Sophus Ruge.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p363">363:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zu Cortes’ Eroberung von Mexiko. (Ebs.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p391">390:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des Cortes - nach Honduras. (Ebs.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p417">417:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zu Coronado’s Expedition nach Cibola und Quivira. (Ebs.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p437">437:</a> - </td> - <td class="legende"> - Karte zur Entdeckung von Peru durch Pizarro. (Ebs.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#textkarte_p461">461:</a> - </td> - <td class="legende"> - Südamerika mit einer südlichen Meerenge auf dem von Joh. Schöner - 1515 entworfenen Globus. (Ebs.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="buch" colspan="3"> - Karten-Beilagen. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - <a href="#beilage_p6">Seite</a> - </td> - <td class="seit"> - <a href="#beilage_p6">12:</a> - </td> - <td class="legende"> - Weltkarte in der 1513 zu Straßburg gedruckten Ausgabe des - Ptolemäus. Verkleinertes Facsimile. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#beilage_p36">37:</a> - </td> - <td class="legende"> - Kartenskizze der Mongolenstaaten im XIII. Jahrhundert. Gezeichnet - von <span class="antiqua">Dr.</span> Henry Lange. - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_p78a">78:</a> - </td> - <td class="legende"> - Catalanische Erdkarte; für König Karl V. von Frankreich 1375 in - Mallorca gezeichnet. Paris, Nationalbibliothek. Facsimile in ⅓ der - Originalgröße. (Jomard,<span class="antiqua"> Monumens de la Géographie</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_p80">80:</a> - </td> - <td class="legende"> - Fra Mauro’s Weltkarte von 1459; Venedig. <span class="nowrap"><span class="zaehler">1</span>⁄<span class="nenner">10</span></span> - der Originalgröße. (Nach H. Kiepert.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_p118">118:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Westküste von Vorder-Indien und die von den Portugiesen - berührten Handelsstädte. (Nach dem Entwurfe von Professor - <span class="antiqua">Dr.</span> Sophus Ruge.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_230">230:</a> - </td> - <td class="legende"> - Die Oceanische Seite des Behaim’schen Globus vom Jahre 1492. - (Ghillany, Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_324">324:</a> - </td> - <td class="legende"> - Aelteste Karte von Amerika; westlichster Theil der im Jahre 1500 - von Juan de la Cosa gezeichneten Erdkarte. Facsimile in ⅓ der Höhe - des Originals im Marine-Museum zu Madrid. (Jomard, <span class="antiqua">Monumens de la - Géographie</span>.) - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_p438">438:</a> - </td> - <td class="legende"> - Seekarte von Diego Ribero, 1529. (Nach dem Original in der - großherzoglichen Bibliothek zu Weimar.) - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="seit"> - „ - </td> - <td class="seit"> - <a href="#karte_p535">534:</a> - </td> - <td class="legende"> - Facsimile der Molukken-Karte im Atlas des Diego Homen vom Jahre - 1568. Originalgröße. (Dresden, königliche Bibliothek.) - </td> - </tr> -</table> - -<hr class="full" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Erstes_Buch">Erstes Buch.<br /> - -<span class="s7">Die Anfänge der Forschung.</span></h2> - -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span></p> - -<h3 id="Erstes_Capitel_1">Erstes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Morgenseite der alten Welt.</b></span></h3> - -</div> - -<p><span class="s3">I</span>n der Geschichte der geographischen Entdeckungen zeichnen sich -gewisse Epochen ab, in denen die Betheiligung an den Arbeiten, die -Erdenräume dem Blicke der Forschung zu enthüllen oder wenigstens mit -fernen weniger bekannten Ländern in lebhafteren Verkehr zu treten, -eine außergewöhnlich starke ist, in denen, durch energischen Vorgang -einzelner ausgezeichneter Persönlichkeiten, nicht blos einzelne Stände -und Berufsklassen mit hineingezogen werden in das Interesse für Reisen -und Entdeckungsfahrten, sondern wo die Antheilnahme bis in die Masse -des Volkes hinabdringt und ein Volk das andere benachbarte allmählich -mit hineinzieht in eine allgemeine großartige Bewegung. Die Erweiterung -des räumlichen Horizonts zieht unabweisbar auch die Erweiterung des -geistigen Gesichtsfeldes nach sich und drückt dem Volk, welches ihn -errungen hat, den Stempel geistiger Reife auf. Die Machtsphäre gewinnt -ein größeres Gebiet und damit wächst auch die politische Bedeutung. -Kein Wunder, daß darum zu Zeiten mehrere Völker neben einander auf dem -Ringplatze erscheinen und in regem Wettbewerb nach gleichen Zielen -einander die Palme streitig machen.</p> - -<p>Aber auf die hochgehenden Fluten folgen Zeiten der Ebbe, der -Erschlaffung, Zeiten des Stillstandes, in denen, oft Jahrhunderte -andauernd, die Erregung der Gemüther nachläßt, das Feuer der -Begeisterung erlischt und die nach außen treibende Kraft sich von -den Grenzen zurückzieht. Der Horizont verdunkelt sich wieder, die -Schleier rücken eng und enger um die Mitte zusammen. Solche Zeiten der -Stagnationen machen sich auch in der allgemeinen Geschichte fühlbar. Es -sei dabei an die den Kreuzzügen vorangehenden Jahrhunderte erinnert. -Auf die sich über beinahe 1000 Jahre ausdehnende Erschlaffung und -Apathie folgt aber etwa vom 13. bis 17. Jahrhundert die Epoche der -höchsten Anstrengung auf diesem Felde, folgt eine durch alle Völker -Europas gehende tiefe Bewegung, welche nur der noch weiter, tiefer -gehenden religiösen Erregung und Erhebung allmählich wich. Diese Zeit -ist es aber, welche, als das <em class="gesperrt">Zeitalter der großen Entdeckungen</em> -bezeichnet, auch in der Darstellung allgemeiner Geschichte Beachtung -fordert.</p> - -<p>Um die Ziele der Unternehmungen jenes großen Zeitraums verstehen -zu lernen, müssen wir, zur Einleitung, weiter in die Vergangenheit -zurückgreifen.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß, wenn es sich um die Erweiterung der Kenntnisse<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span> -von der Erdoberfläche handelt, man von dem Mittelpunkte, dem Schauplatz -der Kulturvölker Europas, nach allen Richtungen der Windrose radial -über die bisherige Grenze der bekannten Welt hinaus ins Unbekannte, -Unerforschte schreiten werde oder schreiten könne. Doch dem ist nicht -so.</p> - -<p>Die Gliederung und Gestaltung der wichtigsten Ländergebiete der alten -Welt haben dabei einen bestimmenden Einfluß geübt, namentlich die -Erstreckung des Mittelmeeres und des zusammenhängenden Hochlandes von -Asien, deren Längsaxen sich beide in ost-westlicher Richtung hinziehen. -An den Rändern und in den Ländern am Mittelmeer, wie auf dem westlichen -Hochlande und an den südlichen Abhängen des östlichen Hochlandes von -Asien in der weitgedehnten Zone von den Säulen des Herkules bis zu den -Gestaden Chinas hatten sich einzelne Völker zu frühzeitiger Kultur -erhoben. Die westliche Hälfte, nennen wir sie die europäische, hatte -auf dem geräumigen Marktplatze des Mittelmeeres einen gemeinsamen -Sammelpunkt gefunden, während die östliche, die asiatische Hälfte, -vorwiegend auf den offenen indischen Ocean hingewiesen, eines -solchen günstigen Vereinigungsplatzes entbehrte und im Streben nach -gegenseitigem Verkehr größere Schwierigkeiten zu überwinden hatte. -Eine Annäherung beider Gebiete boten der persische, und noch mehr der -arabische Golf oder das rothe Meer. Südlich des ganzen Gürtels lagen -im Westen die starken Schranken der großen afrikanischen Wüste, deren -menschenfeindliche Oede den Satz verkündigte, daß die heiße Zone -überhaupt unbewohnbar sei, während im Osten das unbezwungene indische -Weltmeer, dem das Gegengestade fehlte, von wagehalsigem Vordringen -abhielt.</p> - -<p>In gleicher Weise lagerte sich über dem Nordsaum des Gürtels ein -kalter, unwirthlich rauher Erdstrich, der sich gegen Norden in dem -geheimnißvollen „Lande der Dunkelheit“ verlor.</p> - -<p>Daher richteten sich von jeher die Blicke mehr nach Osten und -Westen, als nach Norden und Süden. Die Gegensätze zwischen Osten und -Westen sind zuerst am Mittelmeer schon in ältester Zeit schärfer ins -Auge gefaßt und lassen sich auf die Fahrten seetüchtiger Phönizier -zurückführen. Die Unterscheidung der Erdtheile Asien und Europa, wie -sie zuerst an den gegenüberliegenden Küsten des schön gegliederten -ägäischen Meeres haftete, besagt ursprünglich im Kern des Wortes -<span class="antiqua">açu</span> (Asien) <span class="antiqua">ereb</span> (Europa) wohl nichts anderes als -Morgen und Abend, das Land im Morgen und das Land im Abend. Und diese -Bezeichnungen wiederholen sich in verschiedenen Sprachen, so lautet -bei den Griechen der Gegensatz: Anatolien (noch jetzt ist Kleinasien -als Anadoli bekannt) und Hesperien, im Lateinischen mit erweitertem -Begriff Orient und Occident, im Italienischen Levante (worunter man -vorzugsweise die asiatischen Küsten des Mittelmeeres verstand und -versteht) und Ponente (eine Gegenüberstellung, wie sie in kleinem -Maßstabe an der Riviera von Genua noch gültig ist), und endlich -im Deutschen: Morgenland und Abendland, Bezeichnungen, welche die -beiden fraglichen Erdtheile so ziemlich decken. Ein solcher Reichthum -der Benennungen hat sich naturgemäß für Norden<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span> und Süden, für die -mitternächtliche und mittägige Seite nicht gebildet. Die Reisen und -Entdeckungszüge nehmen thatsächlich vorwiegend auch die Richtung gegen -Morgen und gegen Abend und wir sind daher wohlberechtigt, auch unsere -Darstellung der Geschichte der Entdeckung in diesem Sinne zu gruppiren.</p> - -<p>Wir stellen die <em class="gesperrt">Morgenseite</em> voran. Daß diese Seite gegen -Sonnenaufgang noch mehr Bedeutung hatte als die Abendseite, daß der -Blick voll Verlangen, hier den Schleier zu lüften, sich mehr der Sonne -zuwandte, lag in den natürlichen Verhältnissen, in der unermeßlichen -Ausdehnung der Länder und in dem Reichthum an kostbaren Produkten -begründet, die aus unbekannter Ferne selbst bis zu den Häfen des -Mittelmeeres gelangten. Die alten Staaten und Länder Vorderasiens bis -nach Persien hin, standen mit den classischen Völkern des Alterthums -in directer Verbindung; aber noch weiter hinaus lagen weite herrliche -Länder, die in den Schleier des Geheimnißvollen gehüllt, von der -erregten Phantasie zu wahren Wunderländern umgewandelt wurden, -und unter denen immer der Name <em class="gesperrt">Indien</em> vorklang. Wir dürfen -nicht vergessen, daß im Alterthum Indien eigentlich das einzige -bekannte Tropenland war, das unter dem Hauche des feuchten Monsun -von wunderbarem Segen triefte. Indien war von jeher ein sehr weiter -Begriff. Indien war das äußerste Land. So weit wir sichere Kunde haben, -sagt Herodot (III. 98), sind die Menschen, die zunächst gegen Morgen -und Sonnenaufgang in Asien wohnen, die Indier.</p> - -<p>Diesen äußersten Enden der Welt sind die kostbarsten Produkte eigen. -(III. 106). Dieselbe Ansicht wiederholt Strabo (<span class="antiqua">p.</span> 685): Indien -ist das erste und größte Land im Osten. Ktesias hielt Indien für ebenso -groß als das ganze übrige Asien, Onesikritos für den dritten Theil der -bewohnten Erde. (Strabo, <span class="antiqua">p.</span> 689).</p> - -<p>Indien war und blieb ein sehr weiter Begriff, ohne bestimmte -Grenzen, so daß Strabo auch die langlebenden Serer mit einrechnen -konnte. Zwar scheidet Ptolemäus dieselben wieder aus und weist -ihnen jenseit des Himalaya einen nach Norden und Osten ins dunkle -Land sich verlierenden Wohnsitz an; doch beginnt bei diesem großen -Geographen schon eine Gliederung Indiens in die beiden Theile: Indien -diesseit und Indien jenseit des Ganges, welche etwa unserm Vorder- -und Hinter-Indien entsprechen mögen. Doch dabei blieb es nicht. Der -Begriff Indien dehnte sich im Mittelalter immer mehr und umfaßte -schließlich fast alle Gestade am südlichen Meere von Habesch bis nach -China. Ja es wurde sogar an die Stelle von Asien geschoben, wenn z. -B. <em class="gesperrt">Alcuin</em> die ganze Welt in Europa, Afrika und Indien theilt. -Für die beiden asiatischen Halbinseln wählte man die Bezeichnung: -Groß- und Klein-Indien. Da man sich aber schon frühzeitig der Ansicht -zuneigte, Abessinien zu Indien zu rechnen, wie auch bereits Procop von -Cäsarea den Nil in Indien entspringen läßt, so entstand denn für jenes -afrikanische Alpenland die verwirrende Benennung „das dritte Indien“ -oder gar „Mittel-Indien“.</p> - -<p>Jordanus identificirte das dritte mit der Sansibar-Küste, Benjamin -von<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span> Tudela nennt Aden am Ausgange des rothen Meeres als eine Stadt -in Mittel-Indien und Marco Polo erklärt Habesch für das Hauptland -davon, so daß also dieses dritte Indien asiatische und afrikanische -Landschaften umfassen sollte, während endlich der 1562 in Venedig -gedruckte Ptolemäus die indische Inselwelt als <span class="antiqua">India tercera</span> -vorführt. Nach Odorich von Pordenone liegt die persische Küste bei -Ormuz in <span class="antiqua">India, quae est infra terram</span>, und wird Südchina (Manzi) -Ober-Indien genannt. Auf der andern Seite bezeichnete Nicolo Conti die -Chinesen als „innere Indier“.</p> - -<p>Drei Indien erscheinen schon auf einer Karte vom Jahre 1118. Und so -ging es fort bis ins 16. Jahrhundert (vgl. das beigegebene <a href="#beilage_p6">Weltbild -aus dem Straßburger Ptolemäus</a>, 1513). Kein Wunder, daß auch der beste -Kartograph in solcher Verwirrung noch strauchelte, daß Mercator auf -seinem ersten Globus von 1543 neben den beiden von Ptolemäus bereits -angedeuteten Halbinseln Indiens noch eine weitere Halbinsel nach den -Aufnahmen der portugiesischen Entdecker eintrug, so daß wir also auch -hier noch mit der Monströsität von <em class="gesperrt">drei</em> indischen Halbinseln -beschenkt werden.</p> - -<p>Aus diesem weiten Indien kamen seit den gemeinschaftlichen -Handelsfahrten Salomos und Hirams nach <em class="gesperrt">Ophir</em>, welches wir -jedenfalls auf der Westküste Vorder-Indiens zu suchen haben, -die kostbaren Produkte über das rothe Meer zu den Ländern am -mittelländischen Meere. Griechen und Römer bezogen von dort Wohlgerüche -und Gewürze, namentlich Pfeffer; ferner Perlen und Edelsteine, -Elfenbein und Ebenholz. Der prächtige Pfau, den die Griechen zum -Liebling der stolzen Hera erhoben, den die Soldaten Alexanders wild -antrafen in indischem Waldgebiete, war nebst den buntfarbigen Papageien -schon zu Salomos Zeit im Westen bekannt geworden. Feine baumwollene -Gewänder und Zucker kamen aus demselben Gebiete. Den Umsatz in diesen -Luxusartikeln gibt bereits Plinius auf etwa 16 Millionen Mark jährlich -an.</p> - -<p>Aber aus noch weiter entlegenen Ländern kamen kostbare Stoffe unter -dem Namen serischer Gewänder nach dem Westen, ohne daß man anfangs -das Heimatland gekannt hätte. Daß, wenn auch durch Zwischenhandel, -die Seidenstoffe (denn nur diese werden unter serischen Kleidern -verstanden) aus China kamen, beweist der Name. Das chinesische Wort für -Seide ist <span class="antiqua">sz’</span> oder <span class="antiqua">sse</span> mit dem in <span class="antiqua">r</span> verkürzten -Suffix <span class="antiqua">örr</span>, also <span class="antiqua">sser</span> der Seidenstoff.<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> Nun ist -merkwürdig, daß wenn auch am Ende des Alterthums die Kenntniß der -griechisch-ägyptischen Kaufleute sich bis zu den chinesischen Strömen -erstreckte, und auf dem Wasserwege der Name Thinai oder Sinai bekannt -wurde, man dieses Land doch von dem der <em class="gesperrt">Serer</em> unterschied; -denn die Kunde von diesem letzteren Volke war <em class="gesperrt">zu Lande</em> durch -Mittelasien nach Westen gedrungen. Geographisch setzte man die große -Stadt Sera und das Land der Serer, Serica, stets nördlicher an, als -das Land Thinai oder Sinai. Diese Doppelgängernatur wiederholt sich -noch einmal im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span> von ihren -Seefahrten den Namen Tschina (China) mit heimbrachten, während schon -durch venetianische Kaufleute im 13. Jahrhundert das Reich Kathay -(China) bekannt geworden war. Daß beide Benennungen auf das nämliche -Land wiesen, erkannten zwar schon im Beginn des 17. Jahrhunderts -katholische Glaubensboten, allein man nahm die Thatsache nur zögernd -an.<a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a></p> - -<p>Doch wenden wir uns noch einmal zurück, um die allmähliche Erweiterung -der Kenntnisse von Süd- und Ostasien kurz zu skizziren.</p> - -<p>Vor Alexander dem Großen war kein Grieche nach Indien gelangt. -Herodot, welcher <em class="gesperrt">zuerst</em> die Baumwolle nennt, berichtete nur -nach Hörensagen. Erst die Zeitgenossen des makedonischen Königs -schildern uns als Augenzeugen das Land. Megasthenes gab die erste -klare Vorstellung von der Gestalt und Begrenzung Indiens. Die -Halbinselform tritt klar hervor. Onesikritos kennt schon die wichtige -Insel Taprobane (Ceylon). Beide berichten, daß im südlichen Indien das -Gestirn des großen Bären allmählich unter dem Horizonte verschwinde, -und daß der Schatten nach Süden falle. Verhängnißvoll war es für die -kartographische Darstellung, daß der berühmte Eratosthenes, durch -falsche Anwendung von Distanzentfernungen veranlaßt, die Gestalt -Vorder-Indiens derart verzerrte, daß die Halbinselfigur fast gänzlich -verwischt wurde. Und als seiner Autorität mehrere Jahrhunderte danach -auch Ptolemäus folgte, blieb diese irrige Auffassung maßgebend bis -ins 16. Jahrhundert. Außerdem verschuldete Eratosthenes auch, daß der -Abstand von Alexandrien bis zur Indus-Mündung um mehr als 200 deutsche -Meilen zu groß angenommen wurde und daß im weiteren Verlaufe später -die äußersten bekannten Küsten Asiens viel zu weit nach Osten verlegt -wurden: eine Verzerrung, die im späteren Mittelalter, als man die -Reiserouten Marco Polos bis nach China kartographisch niederzulegen -suchte, sich dermaßen ins Ungeheure steigerte, daß der Ostrand Asiens -bis nahe vor die Küste von Californien und Cipango (Japan) in Mexiko -hineinreichte. So nach der Darstellung auf dem Globus Martin Behaim’s -1492.</p> - -<p>Den Haupthandel nach dem Osten trieben die griechischen Kaufleute -Aegytens schon seit der Ptolomäerzeit. Ihnen verdanken wir im 1. und -2. Jahrhundert die Kenntniß der Insel Java und die erste directe -Berührung mit China. Der äußerste Punkt, den der griechische Kauffahrer -Alexandros im 1. Jahrhundert n. Chr. erreichte, war das vielbesprochene -Cattigara, ein Handelshafen, der wahrscheinlich nicht fern von der -Mündung des Jangtsekjang lag<a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>. Das war die äußerste Grenze des -Wissens im Alterthum und blieb’s, wenigstens bei den Europäern, auch -bis zum Ende des Mittelalters, bis zum Ausgange des 13. Jahrhunderts.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span></p> - -<p>Der Name China oder Tschina, mit dem besonders der südliche Theil -des Landes belegt wurde, ist uralt und höchst wahrscheinlich durch -malaische Seefahrer den westlichen Schiffern mitgetheilt. Wir werden -in dieser Annahme noch bestärkt durch die Wahrnehmung, daß uns auch -jetzt noch die meisten Küstenlandschaften des südöstlichen Asien in -malaischer Form geläufig sind, wie Birma, Pegu, Siam, Cambodja, Kotschi -(Cochinchina), Maluka, Burnei (Borneo) u. a.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ceylon</em> bildete den Sammelplatz der Handelsschiffe, dort trafen -chinesische Händler mit Persern, Arabern und selbst Byzantinern -zusammen, welche letztere auf äthiopischen Schiffen Indien erreichten. -Zur Zeit der Herrschaft der Ptolomäer in Aegypten war der Canal -vollendet worden, welcher den Nil mit dem rothen Meere verband. -Auch der Kaiser Hadrian hat im 15. Jahre seiner Regierung für die -Wiederherstellung dieses wichtigen Wasserweges gesorgt, und der Hafen -Klysma am rothen Meere trat an die Stelle der alten Emporien von -Myos-Hormos und Berenike. Mindestens bis ins 6. Jahrhundert unserer -Zeitrechnung war der Canal in brauchbarem Zustande, denn noch um 590 -n. Chr. berichtet Gregor von Tours davon, und erst nach der Mitte des -8. Jahrhunderts wurde er, bereits versandet, zugeschüttet. Von Klysma -gingen griechische Schiffe direct nach Indien, und auf ihnen besuchte -der griechische Hafenbeamte jährlich das Heimatland der Gewürze. -Justinian versuchte sogar, wenn auch vergebens, den Seidenhandel statt -über Persien durchs rothe Meer nach Klysma zu ziehen. So erhielt sich -die Beziehung zum fernen Morgenland bis zum 7. Jahrhundert, wenn -auch die geographischen Kenntnisse keine Bereicherung erfuhren. Die -Gründung des Islam und die Herrschaft der Araber in Aegypten änderte -die Sachlage wesentlich, denn der unmittelbare Verkehr der Byzantiner -und damit des Abendlandes mit Indien mußte seit jener Zeit eingestellt -werden.</p> - -<p>Es blieb sonach nur der schwierige <em class="gesperrt">Landweg</em> übrig. Die -Handelsrouten vom Mittelmeer nach Indien und China haben naturgemäß -mit viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als der Seeverkehr. -Nicht allein die bedeutende räumliche Entfernung der Länder und die -durch den langwierigen Transport der Waaren gesteigerten Kosten -schränkten die Handelsbewegung ein. Es wurden zwar bei der Unwegsamkeit -der Hochgebirge, die zu übersteigen waren, bei der Wüstennatur -weitgedehnter Landstriche, die zu überwinden war, verschiedene Wege -eingeschlagen, bequemere Paßübergänge gesucht. Allein es spielten hier -auch die politischen Ereignisse in Innerasien eine hervorragende Rolle, -indem sie die Wegelinien entweder verschoben oder den Durchgang zu -Kriegszeiten gänzlich sperrten. Trotzdem hat das kostbarste Produkt -Chinas, die <em class="gesperrt">Seide</em>, immer wieder ihren Weg nach dem Abendlande -gefunden, seitdem ihre Vorzüge dort erkannt und geschätzt worden waren. -Der Seide verdanken wir die frühesten Aufhellungen des asiatischen -Hochlandskernes.</p> - -<p>Nachdem schon mehrere Jahrhunderte vor Christo die Seide in Syrien -bekannt gewesen war, ohne daß wir den Weg nachzuweisen vermöchten, wie<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> -sie dahin gelangte, drangen chinesische Heere siegreich ins Tarimbecken -ein. Ihnen folgte im Jahre 114 v. Chr. die erste chinesische -Handelskarawane, überstieg die Pässe des Pamirplateaus und gelangte -bis zu den turanischen Handelsstädten. Nachfolgende große Handelszüge -überschwemmten die Märkte am Amu und Syr Darja derart mit Seidenzeugen, -daß diese in ihrer Werthschätzung bedeutend sanken. Aber sie gelangten -in Folge dessen weiter und weiter nach Westen, wo die Nachfrage nach -den kostbaren Gewändern immer lebhafter wurde. Auf zwei Straßen zog man -durch die Steppen und Sandwüsten des Tarimbecken, entweder nördlich vom -Steppenflusse Tarim an dem Fuße des Himmelsgebirges, des Tienschan, -entlang, eine Straße, die in unseren Tagen die belebtere und fast -allein betretene ist, oder südlich vom Lopnor und dem Tarim hin, zur -linken die Gehänge des sagenreichen Kwenlun, auf einem Wege, den noch -Marco Polo im 13. Jahrhunderte verfolgte, und den der kühnste russische -Reisende Prschewalsky erst vor wenig Jahren wieder erreicht hat. Der -Terekdawanpaß, nordwestlich von Kaschgar, galt als der bequemste -Uebergang über die westliche Umwallung des Tarimbeckens.</p> - -<p>Zur selben Zeit, als am Ende des ersten Jahrhunderts unserer -Zeitrechnung das römische Reich seine weiteste Ausdehnung nach -Osten gewann, drang ein chinesischer Feldherr im Jahre 95 bis ans -kaspische Meer vor. Beide Staaten rückten fast bis zur Grenzberührung -gegen einander; aber zu weiterer politischer Beziehung gedieh diese -Annäherung nicht, weil kaum ein Menschenalter später die Chinesen aus -ganz Turan zurückweichen mußten.<a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> Der Name der seideproducirenden -Serer wurde zwar bei Griechen und Römern immer geläufiger, aber die -Heimat des Volkes selbst lernte man nicht kennen, und dachte sie sich -anfänglich viel weiter im Westen, etwa in Turan oder im Tarimbecken. -Schon damals waren die persisch redenden Tädjik die Zwischenträger -des Seidenhandels bis ins römische Reich. Ueber den Verlauf der -Seidenstraße besitzen wir nur einen einzigen, aus einem ausführlichen -Bericht gemachten dürftigen Auszug, und wenn wir hinzufügen, daß jener -Bericht von den Handelsagenten eines makedonischen Großhändlers Maës -Titianus herrührt, und von dem berühmten Geographen Marinus von Tyros -aus zweiter Hand empfangen und aufgezeichnet ist und daß Ptolemäus in -seinen kurzen Excerpten wieder auf Marinus fußt, welcher ohnehin den -von jenem Agenten gemachten Angaben über ihre weiten Reisen keinen -rechten Glauben schenkte, weil er meinte, alle Kaufleute renommirten -mit der Größe ihre Expeditionen und setzten für die Entfernung der -einzelnen Stationen zu große Ziffern an — so kann man aus alledem wohl -erkennen, wie schwierig es jetzt ist, den Reiseweg ins Land der Seide -zu fixiren.</p> - -<p>Glücklicherweise können wir Ausgang und Endziel dieses Itinerars -mit ziemlicher Sicherheit bestimmen. Die Agenten des Maës brachen -von Baktra auf und nennen als Endpunkt <span class="antiqua">Sera metropolis</span>, die -Hauptstadt des Serervolkes,<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span> worunter höchst wahrscheinlich nur die -damalige Hauptstadt Chinas, Tschan-ngan-fu, jetzt Si-ngan-su, gemeint -sein kann. Unerwiesen bleibt indeß, ob sie diese Stadt wirklich -erreichten. Sie zogen durch das Reich der Issedonen, östlich vom -Pamirplateau in Ost-Turkestan gelegen, auf der Südseite des Tarim gegen -Osten nach der chinesischen Sandstadt Scha-tschou, wo die fremden -Kaufleute vermuthlich ihren Bedarf an Seidenwaaren einhandelten.</p> - -<p>In der Mitte des 2. Jahrhunderts verloren die Chinesen ihre -Machtstellung im Gebiet des Tarim und damit die Handelskarawanen ihren -Schutz; nur die persischen Kaufleute verstanden es, den Seidenhandel -in der Hand zu behalten. Die chinesischen Annalen haben uns zwar die -Nachricht erhalten, daß der römische Kaiser Markus Aurelius Antoninus -(<span class="antiqua">An-tun</span> bei den Chinesen genannt) eine Gesandtschaft nach -China geschickt habe, aus deren Mittheilung wohl auch Pausanias die -bisherige irrige Vorstellung über die Gewinnung der Seide berichtigen -konnte; allein eine klarere Auffassung der ostasiatischen Länder -erfolgte dadurch nicht, denn Pausanias selbst nennt Seria eine Insel -im erythräischen Meere. In den Zeiten der Völkerwanderung galt dem -Historiker Ammianus Marcellinus Serica als eine persische Provinz, -denn die Seide kam ja durch Vermittlung der Perser. Und als unter -Justinian die Seidenzucht selbst in Europa eingebürgert wurde, verlor -die continentale Seidenstraße allmählich vollends ihre Bedeutung und -hüllten sich die centralen Landschaften Asiens mehr und mehr in Dunkel. -Auch die nur kurze Zeit dauernden freundschaftlichen Beziehungen -zwischen dem Türkenfürsten am Balchaschsee und dem Kaiser Justinian -waren in geographischer Hinsicht von geringem Belang, denn schon im 7. -Jahrhundert wurden die Türken von den wieder vordringenden Chinesen -unterworfen. China erscheint in dieser Zeit bei den Byzantinern unter -dem Namen Taugas.</p> - -<p>Eine völlige Umgestaltung der Verhältnisse führten nach der Gründung -des Islam die Araber herbei. Wie sie sich bisher an dem asiatischen -Landhandel nur im beschränkten Maße betheiligt hatten, so waren sie -im 7. Jahrhundert auch zur See über Indien noch nicht hinausgekommen -und lernten die Sundainseln mit ihren Produkten erst später kennen. -In raschem Siegeszuge fiel ihnen ganz Westasien zu, und so schob sich -ihr Weltreich seit dem Beginn des 8. Jahrhunderts zwischen China und -das Abendland ein. Seitdem der Herrschersitz der Chalifen an den -Tigris verlegt war, wurden die Pilgerkarawanen auch die Träger des -Landhandels. Basra erhob sich als neuer Stapelplatz, in den die Waaren -des Ostens einströmten. Mokadassi bezeichnet sehr charakteristisch den -persischen Meerbusen als das chinesische Meer. Ueber die Handelsplätze -auf der Halbinsel Malaka gelangten arabische Seefahrer schon im 8. -Jahrhundert nach China. Während sie sonst mit ihren aus Kokosplanken -ohne Eisennägel zusammengefügten Schiffen sich nicht von den Küsten -zu entfernen gewagt hatten, entlehnten sie von den Chinesen manche -nautische Verbesserung, bauten festere Schiffe und steuerten, auf den -Compaß vertrauend, über das hohe Meer in geradem Cours auf ihr Ziel<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> -hin. Von den Vorhäfen Bagdads aus, zuerst von Siraf, sodann von der -Insel Kisch und in den letzten Jahrhunderten von Ormuz aus, machten -sie den Chinesen im Handel so bedeutende Concurrenz, daß diese immer -mehr zurückwichen. Aus dem Berichte des Kaufmanns Soleiman in der Mitte -des 9. Jahrhunderts lernen wir den Seeweg bis Chanfu (Hang-tschou-fu) -in China kennen. Die gewöhnliche Route nahm von dem Hafen Siraf in -Farsistan (etwa unter 70° ö. v. Ferro) ihren Anfang, berührte jenseits -der Ormuzstraße Maskat, erreichte in grader Fahrt nach der Malabarküste -den Hafenplatz Kollam (Quilon), etwa 9° N., und steuerte von hier um -Ceylon herum direct nach Malaka und weiter nach China. Wenig Jahre -später gab Abul Kasim Ibn Kordadbeh, der Postmeister des Chalifen -Motamid, dieselbe Handelslinie bereits nach Stationen und Entfernungen -an, ein Zeichen, daß dieser Weg stark frequentirt wurde. Jenseit Chinas -hört die Kenntniß auf, nur die Berge von Korea (Sila) steigen noch in -unsicheren Umrissen empor.</p> - -<p>Aber wie die Chinesen aus dem Westen, wurden die Araber noch im 9. -Jahrhundert aus dem Osten, aus China wieder verdrängt und zogen sich -nach der Halbinsel Malaka zurück, wo sich als Hauptstapelplatz für die -Gewürze, Kampfer, feine Hölzer und Zinn von den Sundainseln der Ort -Kalah erhob. Von hier aus drangen die arabischen Schiffe bis Java und -weiter sogar bis zur Heimat der Gewürze, bis zu den Molukken vor. Die -Beziehungen zu China blieben aber nicht für die Dauer unterbrochen; -im 10. Jahrhundert besuchte einer der bedeutendsten arabischen -Reisenden, Masudi von Ceylon aus wieder die chinesischen Häfen. China -schildert er als ein entzückendes Land mit üppiger Vegetation und -von unzähligen Canälen durchschnitten. Aber Palmen trifft man dort -nicht. Die Einwohner dieses Reiches übertreffen alle andern Geschöpfe -Gottes an Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit. — Daß der Seeverkehr -fortdauerte, läßt sich auch daraus schließen, daß um 1137 ein reicher -Kaufmann aus dem persischen Hafen Siraf das Heiligthum in Mekka mit -prächtigen Seidenstoffen schmücken ließ,<a name="FNAnker_5_5" id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a> und daß noch im 13. -Jahrhundert Ibn Batuta, der größte arabische Reisende, nach China -gelangte.</p> - -<p>Der innerasiatische Handel wurde nicht gestört, weil die Araber bei -ihren Siegeszügen mit den Chinesen nicht in Kriege verwickelt wurden. -Als etwa ums Jahr Tausend n. Chr. die ersten Türkenstämme sich zum -Islam bekehrten und selbständige Sultanate gründeten, welche erobernd -auch in Indien eindrangen, schoben sie sich zwischen die arabische und -chinesische Macht als Mittelglied ein.</p> - -<p>Alle diese Verhältnisse wickelten sich aber im Oriente ab, ohne -directen Einfluß fürs Abendland zu gewinnen, ohne dem Westen -unmittelbaren Vortheil<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> zu gewähren. Die lange Zeit erlahmt gewesenen -Beziehungen nahmen aber durch die Kreuzzüge einen unerwarteten -Aufschwung. Indem die Christen die syrischen Küsten besetzten und die -italienischen Handelsstädte aus den Erfolgen der Kreuzheere möglichsten -Gewinn zogen, wurde der Waarenzug nach den Ostländern ungemein belebt, -wenn auch ein persönliches Eindringen der Kaufleute in das Innere -der islamitischen Länder nicht statt hatte. Um dies zu ermöglichen, -bedurfte es eines ganz neuen, nicht durch religiösen Fanatismus -aufgeregten Factors, der vom Hochlandskerne Asiens her dem Westen zu -friedlichem Verkehre willig die Hand reichte. Das waren die Mongolen, -deren Einfluß aber am Anfange einer neuen Epoche steht und zu eng mit -der folgenden Zeit verbunden ist, so daß wir sie erst im zweiten Buche -eingehender behandeln können.</p> - -<p>Von dem arabischen Wissen bezüglich der Erdkunde kam dem Abendlande -wenig oder gar nichts zu gute; die Kenntnisse von der östlichen Welt -blieben unsicher, bis neue christliche Berichterstatter als Augenzeugen -wieder von jenen Gebieten erzählen konnten.</p> - -<p>Ebenso wenig erfuhr man in Europa von den Fortschritten, welche die -Araber an der Ostküste Afrikas, südlich vom „dritten Indien“ machten. -Während Ptolemäus in alter Zeit, sicher durch arabische Vermittelung, -seine Kunde von den Nilseen und den sogenannten Mondbergen erhalten -hatte, verlor man, seit Alexandrien in die Hand des Islam gefallen -war, die Beziehungen zum Ostrande des Afrika-Continents, wo arabische -Händler bis zum Goldlande Sofala gelangten, aber die Südspitze Afrikas -nicht erreichten, weil das produktenarme Land die Gewinnlust nicht -reizen konnte. Kostbare Erzeugnisse lockten allein in so entlegene -Regionen und trugen allein zu ihrem Bekanntwerden bei.</p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="beilage_p6" name="beilage_p6"> - <img class="mtop2" src="images/beilage_p6.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s6 center antiqua">Aus der Ausgabe des Ptolemaeus, Strassburg 1513.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/beilage_p6_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="section"> - -<h3 id="Zweites_Capitel_1">Zweites Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Abendseite der alten Welt.</b></span></h3> - -</div> - -<p><span class="s3">W</span>ir haben gesehen, wie weit hinaus die Morgenseite der Erde aufgesucht -wurde. Man gelangte zur See und zu Lande durch unermeßliche Räume -bis zum Ostrande der Landveste; aber in der weiten Entfernung vom -Kulturgestade des Mittelmeerbeckens verschwammen die scharfen Contouren -immer mehr. Seide und Gewürze waren die Lockmittel langwieriger, -beschwerlicher Reisen.</p> - -<p>Die Abendseite bot ein beschränkteres Feld, da vom Ausgange des -Mittelmeeres die Ufersäume sich bald sowohl rechts als links bei der -Ausfahrt in den Ocean in nördlicher und südlicher Richtung weiter -erstreckten. Die afrikanische Westseite bot mit ihrer zunehmenden Oede -nur sehr geringen Anlaß, an dem schmachtenden, menschenleeren Strande -weiter vorzudringen.<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> Wichtiger wurde frühzeitig die oceanische Seite -Europas durch das geschätzte Zinn und den räthselhaften Bernstein. Die -Aufhellung der Küsten unseres Continents ist diesen Handelswaaren zu -danken.</p> - -<p>Die kühnen phönizischen Seefahrer monopolisirten anfänglich die -Weststraße. Von den spanischen Silbergruben drangen sie durch -die Säulen des Herkules ins Weltmeer. Nur beiläufig gedenken wir -der von Herodot, aber nicht ohne eignen Vorbehalt, mitgetheilten -Entdeckungsreise, welche im Auftrage Nechos um 600 vor Chr. von -phönizischen Schiffern rings um Afrika ausgeführt wurde. Wenn diese -große nautische That wirklich geschehen ist, hat sie doch keinerlei -nachhaltige Resultate erzielt oder in irgend einer Weise das -erdkundliche Wissen befördert; denn sie ist spurlos vorübergegangen. -Wichtiger jedoch war die Fahrt des Flottenführers Hanno, der von -Carthago, in einer nicht sicher zu bestimmenden Zeit, mit einem -Geschwader von 60 Schiffen und angeblich 30,000 Colonisten durch -die Meerenge segelte, um an der atlantischen Seite Afrikas Colonien -anzulegen und nach Vollendung dieser Aufgabe einen Entdeckungszug -gegen <em class="gesperrt">Süden</em> zu unternehmen. Unzweifelhaft gelangte Hanno an der -Mündung großer Ströme (Senegal und Gambia) vorüber bis dahin, wo sich -über dem tropischen, von echten Negern bewohnten Flachlande bedeutende -Berggipfel erhoben, deren einen er als den Götterwagen bezeichnete. -Der Bericht über diese sehr merkwürdige Reise hat sich in griechischer -Uebersetzung erhalten, leider die einzige größere nach Süden gerichtete -Unternehmung der Carthager, von welcher wir Kunde erhalten. Das -punische Monopol in diesen oceanischen Räumen wurde erst mit dem Fall -Carthagos gebrochen; zwar drang auch Euthymenes, ein Landsmann des -Pytheas, bis zum Senegal (Chremetes) vor, aber die Römer haben, wenn -auch Polybios in Begleitung Scipios die mauretanischen Küsten besuchte, -doch den Wüstensaum der Sahara nicht überschritten und blieben weit -hinter den Erfolgen Hannos zurück. Daß auch die Canarischen Inseln von -den Phöniziern aufgefunden sind, läßt sich aus ihrem ursprünglichen -Namen, die Inseln des Malkart oder Makar beweisen, ein Name, der -bei den Griechen ursprünglich in der Form Μακάρων νῆσοι -auftritt, woraus zunächst μακάριαι νῆσοι und lat. <span class="antiqua">Insulae -fortunatae</span> wurde, so daß dieselben dann als die glückseligen Inseln -gepriesen wurden. Die Gewinnung des Seepurpur (Purpurschnecke) machte -diese Inseln den tyrischen Färbern besonders werth.<a name="FNAnker_6_6" id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a></p> - -<p>Wichtiger und häufiger besucht wurde die <em class="gesperrt">Nordseite</em> des -oceanischen Weges jenseit der gaditanischen Meerenge. Auch nach dieser -Richtung waren die Phönizier zuerst vorgedrungen, auch hier ist uns -die Ueberlieferung einer großen Fahrt, vielleicht mit der von Plinius -erwähnten Expedition des <em class="gesperrt">Himilco</em> identisch, überliefert, -die in mehrfachen Ueberarbeitungen und Uebersetzungen uns in der -Küstenbeschreibung des spätlateinischen Avienus aus dem 4. Jahrh. n. -Chr. erhalten ist. Wir lernen daraus die iberischen<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> und gallischen -Küsten bis zu den Zinninseln kennen.<a name="FNAnker_7_7" id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> Da bereits, und sicher nur -aus punischen Quellen, Herodot die Fundstätte des Zinn erwähnt, ohne -ihre Lage zu kennen, denn er zweifelt an der Existenz von Zinninseln -(III. 115), so muß jene Fahrt schon längere Zeit vor Herodot gemacht -sein. Der Vater der Geschichte nennt aber zu gleicher Zeit auch den -Bernstein, was uns als Beweis gelten kann, daß zu seiner Zeit die -Phönizier auch in die Nordsee eingedrungen waren. Britannien und -Germanien, die Heimatsstätten von Zinn und Bernstein, waren für ihn -die äußersten Länder. Darüber hinaus ist auch die Schifffahrt weder -der Phönizier noch der Griechen gedrungen, und wie das äußerste Land -im Osten nach seinem wichtigsten Erzeugniß das Seidenland hieß, so -gab’s im äußersten Nordwesten Zinninseln und Bernsteinküsten. Der -Zinnhandel scheint sich in älterer Zeit auf der Insel Wight concentrirt -zu haben. Die granitenen Scilly-Inseln sind nur aus Unkenntniß der -Berichterstatter zu der Ehre gekommen, als die Cassiteriden, d. h. -Zinninseln angesehen zu werden. Einen sehr bedeutenden Fortschritt -in der Erkenntniß führt die Reise des <em class="gesperrt">Pytheas</em><a name="FNAnker_8_8" id="FNAnker_8_8"></a><a href="#Fussnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a> von Massilia -herbei, welche in das letzte Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu -setzen ist.</p> - -<p>Pytheas reiste als Kaufmann und Gelehrter; es war eine Entdeckungsreise -von hervorragender Bedeutung, welche zu derselben Zeit, als Alexander -der Große bis Indien vordrang, den Griechen die ersten zuverlässigen -Nachrichten über den äußersten Nordwesten der Erde brachten. Pytheas -hat Großbritannien und Irland umsegelt und gelangte nordwärts bis zu -den Hebriden, der später so oft genannten und in der Sage vielfach -vorkommenden <span class="antiqua"><em class="gesperrt">ultima Thule</em></span>. Die Ursachen der Ebbe und -Flut und den Zusammenhang der Gezeiten mit der Stellung des Mondes -hat er zuerst erkannt. Er allein hat im hohen Norden astronomische -Breitenbestimmungen ausgeführt. Das Ziel, das er sich im Norden setzte, -den Polarkreis, hat er zwar nicht erreicht; aber trotzdem hat er zu -der Lösung des Problems, die Größe der Erde zu bestimmen, beigetragen. -Seine astronomischen Leistungen wurden von den Fachgenossen -Eratosthenes und Hipparch in vollem Maße gewürdigt, aber von Strabo -und Plinius, welche die meisten, aber leider entstellte Nachrichten -von ihm übermittelt haben, nicht verstanden. Pytheas berührt auch die -Bernsteinküste an dem deutschen Nordseestrande, aber die Ostsee war zu -seiner Zeit noch völlig unbekannt. Kein Grieche hatte eine Ahnung von -der Existenz des baltischen Meeres. Erst mit dem Vordringen der Römer -nach Deutschland erhalten wir Kunde von jenem größeren Binnenmeere, -und durch Plinius, der zuerst die Fundstätte des samländischen -Bernsteins nennt, wird auch ein Theil des Gegengestades, der großen -scandinavischen Halbinsel, als Insel unter dem Namen Scandinavia (= -Insel <span class="antiqua">Skåne</span>) bekannt. Ihren continentalen Zusammenhang im Norden -lernte das Alterthum nicht kennen; weder<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span> Ptolemäus, noch Procopius -von Cäsarea wissen es, selbst noch der im 6. Jahrh. n. Chr. lebende -gothische Historiker Jordanus spricht von der Insel Scandza. Und doch -hatte Procopius durch sorgfältige Erkundigungen bei den aus dem Norden -stammenden Herulern erfahren, daß in jener großen Insel Scandinavia, -die er für Thule hielt, im höchsten Norden 40 Tage lang die Sonne im -Sommer nicht untergehe und ebenso lange im Winter nicht zum Vorschein -komme; auch kannte er die auf Schneeschuhen fahrenden Schrittfinnen. -Seine Ermittlungen reichten also weit über das Nordende des bottnischen -Meeres und über den Polarkreis hinaus; aber der Landzusammenhang mit -dem nördlichen Europa blieb im Dunkeln und wurde erst durch die Fahrten -der Normannen aufgeklärt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p15" name="abb_p15"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p15.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center mbot2">Facsimile von der angelsächsischen Handschrift König - Alfred d. Gr. von Ohtheres Reise. 9. Jahrh. (Cottonian Bibliothek des - British Museum zu London)<a name="FNAnker_9_9" id="FNAnker_9_9"></a><a href="#Fussnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a></p> -</div> - -<p>Das Nordende Europas umsegelte im 9. Jahrhundert zuerst ein -normannischer Edelmann <em class="gesperrt">Ohthere</em><a name="FNAnker_10_10" id="FNAnker_10_10"></a><a href="#Fussnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a>, der an der norwegischen -Küste, vielleicht<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span> noch jenseit des Polarkreises ansässig war. -Alfred der Große von England hat die Geschichte dieser merkwürdigen -Entdeckungsreise in seine angelsächsische Uebersetzung von Orosius -aufgenommen und überliefert. Ohthere erzählte danach seinem Herrn, -dem Könige Alfred, daß er in Halgoland nördlich von allen Normannen -an der Westsee ansässig sei. Dieser atlantischen Seite der Halbinsel -gegenüber war damals das baltische Meer auch schon unter dem Namen -Ostsee bekannt. Der Hauptreichthum der normannischen Edeln bestand -in Rennthierherden, woraus auf die hohe nördliche Lage des Besitzes -geschlossen werden kann. Das felsige Land erstreckte sich weit nach -Norden, war aber mit Ausnahme der wenigen Plätze, wo Finnen wohnten, -ganz öde. Diese Finnas (Lappen) beschäftigten sich im Winter mit Jagd, -im Sommer mit Fischfang. Ohthere wünschte nun, wie er dem König Alfred -berichtet, einstmals zu wissen, wie weit sich das Land noch gegen -Norden ausdehne, oder ob jemand noch nördlich von den Einöden wohne. Er -begab sich also zu Schiff und steuerte nach Norden, behielt das Meer -zur rechten und die See zur linken und segelte drei Tage lang, bis er -an die Nordgrenze der Fischereireviere kam. Nach anderen drei Tagen bog -das Land nach Osten um, mit günstigem Nordwestwinde schiffte er noch -vier Tage bis da, wo die Küste nach Süden vorlief. Südwärts steuerte -er fünf Tage, also um die Halbinsel Lappland herum in das weiße Meer -und kam zur Mündung eines Flusses, wo die Küsten wieder bewohnt waren, -während die nördlichsten Striche, an denen er vorüber gefahren, sich -menschenarm zeigten, außer wo ärmliche finnische Fischer, Vogelsteller -und Jäger ihr Leben fristeten. Hier an der Mündung eines Flusses, -vielleicht des Mesen oder gar der Dwina, wohnten zahlreiche Beorma -(Biarmier), dieselben schienen sprachlich mit den Finnen verwandt, -ließen aber die Normannen nicht weiter ins Land eindringen, erzählten -dagegen mancherlei über ihr eignes Gebiet und die Nachbarländer. Hier -erfahren wir auch, daß den kühnen Seefahrer nicht blos Wißbegierde -hinausgeführt, sondern daß er sein Absehen auf einen gesuchten Artikel, -auf Walroßzähne, gerichtet hatte, die er auch reichlich vorfand. Das -bewohnbare Land wird an der norwegischen Küste gegen Norden immer -schmäler, dahinter erheben sich die wüsten Gebirge, durch welche man -nach einer Wanderung von ein bis zwei Wochen bis nach Schweden gelangt, -das im Norden wieder vom Kwenaland (Finnland) begrenzt wird, ein Land, -das zwischen den Felswüsten von großen Süßwasserseen durchsetzt ist, -welche von Einwohnern mit kleinen leichten Kähnen befahren werden.</p> - -<p>Aus dieser allgemeinen Schilderung des Nordens scheint nicht -hervorzugehen, daß Ohthere den Land-Zusammenhang Scandinaviens mit dem -Continente von Europa erkannte. Die Ostsee war in ihrem nördlichen -Theile noch unerforscht. Der Normanne Wulfstan, dessen Erzählung sich -gleichfalls in dem<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span> genannten Werke des Königs Alfred findet, kam auf -seiner Reise nicht weiter als Elbing. Auch der deutsche Historiker -Einhard sagt noch, daß die Länge der Ostsee unbekannt sei. Erst durch -Adam von Bremen erfahren wir im 11. Jahrhundert, daß das baltische Meer -im Norden geschlossen sei, und daß man zu Fuß von Schweden nach Rußland -gelangen könnte, wenn der Verkehr nicht durch die Feindseligkeit der -Bewohner gehemmt würde.</p> - -<p>Aber noch zu dieser Zeit gelten Fahrten nach dem bottnischen und -finnischen Theil der Ostsee als gefährliche Wagnisse und wurden die -Namen kühner Seefahrer, wie jener des Normannen Ganund Wolf, für würdig -erachtet, der Nachwelt überliefert zu werden.</p> - -<p>Weitaus wichtiger indeß waren für die Erweiterung der Kenntnisse die -wiederholten Streifzüge der Wickinger durch den nördlichen Ocean, -über Schottland und Norwegen hinaus ins Dunkelmeer. Auf den Faröer -und auf Island trafen sie irische Mönche und Einsiedler an, so daß -es scheinen könnte, als ob britannische Anachoreten die Entdecker -gewesen. Und doch muß es als wahrscheinlicher bezeichnet werden, daß -die Geistlichen erst, nachdem die Kunde von der zufälligen Entdeckung -durch normannische Seefahrer zu ihnen gelangte, sich in die Einsamkeit -dahin begeben und später von den Seeräubern wieder verdrängt worden -seien. So berichtet Dicuil, der um 825 schrieb,<a name="FNAnker_11_11" id="FNAnker_11_11"></a><a href="#Fussnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a> daß vor hundert -Jahren Eremiten von Irland aus die Felsklippen der Faröer aufgesucht, -aber sich vor den Seeräubern wieder zurückgezogen hätten, so daß diese -Inseln, die kein früherer Schriftsteller erwähne, nun menschenleer, -aber von unzähligen Schafen und von schwärmenden Seevögeln allein -belebt seien. Noch später, etwa in den letzten Jahren des 8. -Jahrhunderts hatten Geistliche auch einen Sommer auf Island, (dem Thule -Dicuils) zugebracht. Der erste skandinavische Pirat, der ihnen folgte, -war Nadodd, der auf der Fahrt von den Faröer nach Norwegen durch Sturm -nach Island verschlagen wurde. Da er in dem öden Lande keine Spur von -Menschen fand, kehrte er nach den Faröer zurück. Und doch waren einige -wenige Mönche dort ansässig gewesen. Nadodds Fahrt fällt wohl ins -Jahr 867. Island wurde aber in der nächsten Zeit mehrfach aufgesucht, -ja man darf wohl sagen, ein beliebtes Ziel für Auswanderer, so daß -bald alles urbare Land seinen Herrn gefunden hatte. Aber die unsteten -Gesellen fanden auch hier selten Ruhe. Wie sie vielfach nur aus Noth -oder Zwang die Heimat aufgegeben hatten, trieb die innere Unruhe oder -der Hang zu abenteuerlichen Fahrten weiter und machte sie zu Entdeckern -Grönlands und damit zu den ersten Europäern, die amerikanischen Boden -betraten. Der erste, welcher das Land sah und zwar wahrscheinlich im -ersten Drittel des 10. Jahrhunderts, war Gunnbjörn; derselbe wurde auf -der Fahrt nach Island zu weit westwärts getrieben und entdeckte die -nach ihm benannten Gunnbjörn-<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span>Scheeren, hinter deren Klippen sich ein -großes Land zeigte, Grönland. Etwa 50 Jahre später suchte Snaebjörn -die Inselgruppe von neuem auf, und um 985 oder 986 ließ sich Eirik -der Rothe zuerst dort nieder. Er hatte wegen Todtschlags aus Norwegen -weichen müssen, ging nach Island, wurde auch dort ausgewiesen, wandte -sich 982 nach Gunnbjörns Land und belegte es in den folgenden Jahren, -um Ansiedler herüberzulocken, mit dem Namen „Grünes Land“, Grönland. -Die Niederlassung erfolgte unter nicht unbedeutendem Zuzug von Island. -Die neue Küste war bereits von Eskimos bewohnt gewesen, wie man aus -den vorhandenen Erdwohnungen ersah. Infolge des lebhaften Verkehrs, -der sich von Grönland aus bis nach Norwegen entwickelte, drang die -Kunde der Entdeckungen auch bis zu den norddeutschen Seestädten. Adam -von Bremen berichtet,<a name="FNAnker_12_12" id="FNAnker_12_12"></a><a href="#Fussnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> daß von der Weser aus friesische Männer eine -Fahrt nach dem Norden, die erste deutsche Polarfahrt, unternahmen -und daß sie über Island hinaus durch ein von den dichtesten Nebeln -bedecktes Meer nach langer beängstigender Fahrt gegen eine Felsenküste -geführt wurden, deren im Kreise sich erhebenden Felszinnen den -Anblick einer wohlbefestigten Stadt zu bieten schienen. Dort trafen -sie Menschen an, welche in Erdhöhlen wohnten. Als aber einer von der -Mannschaft von einem riesigen Hunde vor den Augen der erschreckten -Genossen überfallen und zerrissen wurde, flohen sie auf die Schiffe und -wandten sich zur Heimkehr. Diese merkwürdige Expedition fällt in die -erste Hälfte des 11. Jahrhunderts.</p> - -<p>Die Normannen hatten inzwischen noch weitere Entdeckungen gemacht. Ari -Marsson wurde von Island nach Hvitramannaland (Weißmännerland) oder, -wie man es später auch nannte, nach Groß-Irland verschlagen; ebendahin -geriethen in gleicher Weise bald darauf Björn Breidvikingakappi und -Guðleifr Guðlaugsson. Wir haben unter diesem Weißmännerlande irgend -einen nicht näher zu bestimmenden Theil der nördlichsten Küsten -Amerikas zu verstehen. Auch Bjarni entdeckte um 986 auf seiner Fahrt -von Island nach Grönland neue Länder, welche bald darauf von Leif, -dem Sohne Eiriks, weiter erforscht wurden. Zuerst gerieth er, etwa -um 1001 oder 1002, an ein klippenreiches Gestade, dem er den Namen -Helluland beilegte (von Häll, die Felsenplatte), dann fand er weiterhin -bewaldetes Gebiet, welches er daher Markland nannte, zuletzt traf ein -Deutscher, der die Fahrt mitmachte, Namens Tyrkir (Dietrich) sogar -wilden Wein. Diesen Landstrich taufte man Weinland (Vinland); demnach -muß Leif fast bis zu 41° n. Br., also bis an die vorspringende Küste -des heutigen Massachusetts vorgedrungen sein. Diese wichtige Entdeckung -rief sofort eine Reihe von Versuchen hervor, an jener günstigen Küste -Niederlassungen zu gründen. Aber die Angriffe der Eingebornen und die -Greuelthaten der wilden Normannen gegen einander vernichteten<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> sehr -bald den Keim der Colonisation, doch verbreitete sich die Kunde von -jenem Lande bis nach Deutschland, wo auch Adam von Bremen die Insel -Winland nennt. Gänzlich hörte indeß der Verkehr dahin auch in der -Folgezeit nicht auf, wiewohl die Entdeckungen nun eine andere Richtung -einschlugen und im 13. Jahrhundert die Westküste Grönlands enthüllten. -Grönländische Geistliche segelten im Jahre 1266 die Baffinsbai -hinauf und gelangten, wie man aus den Angaben, welche über den -Sonnenstand am 25. Juli jenes Jahres gemacht wurden, schließen kann, -vielleicht bis über den 75° n. Br. hinaus. Bald nach der Entdeckung -der Polarländer gewann das Christenthum festen Boden. Seit dem Anfang -des 12. Jahrhunderts erhielt Grönland seinen eignen Bischof; der -letzte derselben, welcher sein Bisthum selbst verwaltete, war Alfr, -von 1368 bis 1378.<a name="FNAnker_13_13" id="FNAnker_13_13"></a><a href="#Fussnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a> Seit der Zeit gab’s nur noch Titularbischöfe, -deren Reihe erst 1537 schließt, so daß also noch nach der Reformation -der Name Grönland fortlebt, wenn auch das Land thatsächlich wieder -verschollen war. Wie unklar und verschwommen die Vorstellung von -jenem Lande geworden war, lehrt ein Blick auf die Weltkarte, welche -in der berühmten Ausgabe des Ptolemäus, Straßburg 1513 erschien, und -in welcher Grönland als eine langgestreckte Halbinsel dargestellt -ist, die an Nordeuropa, etwa an die Halbinsel Lappland angesetzt ist -und gegen S.-W. sich erstreckend über Scandinavien und Großbritannien -hinaus in den Ocean hineinreicht.<a name="FNAnker_14_14" id="FNAnker_14_14"></a><a href="#Fussnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a> Noch phantastischer ist im -venetianischen Ptolemäus von 1562 auf der <span class="antiqua">Carta marina nuova -tabula</span> das nordische Ländergemälde ausgefallen. Auch hier ist -Grönland in gleicher Weise mit Scandinavien verbunden, hängt aber auf -der andern Seite des westlichen Oceans mit Montagna verde (Vermont) in -Nordamerika zusammen, welches wiederum auf breitestem Raume in Ostasien -übergeht, so daß man trocknen Fußes von China über Nordamerika nach -Scandinavien wandern kann. Möglicherweise ist diese Verzerrung der -Küstenumrisse daraus entstanden, daß man im Mittelalter schon von einem -Manne zu erzählen wußte, der diesen Weg von Grönland nach Scandinavien -wirklich zurückgelegt habe, indem er sich unterwegs von der Milch einer -mitgenommenen Ziege nährte.</p> - -<p>Jedenfalls leuchtet aus diesen irrigen Auffassungen der Lage Grönlands -hervor, daß man die normannischen Colonisationsgebiete im hohen Norden -nicht als Theile eines transatlantischen Gegengestades ansah. Daher -knüpften auch in späterer Zeit die Entdeckungsfahrten hier nicht an, -um an den Küsten weiter tastend, etwa Länderstriche in heißer Zone zu -gewinnen.</p> - -<p>Indessen belebte sich der atlantische Ocean immer mehr mit allerlei -phantastischen Inselgebilden, die man zum Theil geneigt war als -Stationen,<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span> je mehr gegen Westen desto mehr, zunehmender Glückseligkeit -aufzufassen. Das Alterthum kannte nur die Canarischen Inseln als -<span class="antiqua">insulae fortunatae</span>. Im Mittelalter bildeten sich aber immer -lebhafter die Vorstellungen aus von friedlichen, paradiesischen -Eilanden im fernen Westmeere, welche weltflüchtigen Anachoreten -zum beneidenswerthen Asyle dienen sollten. Wir wissen bereits, daß -irische Christen von der Welt abgeschieden auf den Faröer und auf -Island lebten; und ist es kein zufälliges Zusammentreffen, daß die -Inselparadiese im Westmeere der Sage nach sollen von Irland aus -gefunden sein. Die geographischen Träumereien, welche sich an den erst -durch Mißverständniß gebildeten Namen der <span class="antiqua">insulae fortunatae</span> (s. -<a href="#Seite_13">S. 13</a>) anlehnten, die man im Mittelalter als die Inseln der Seligen -pries, belebten sich namentlich auf den britischen Inseln, von wo ja -manche die Einsamkeit aufsuchende Geistliche sich nach entlegenen -Inseln flüchteten und wo, wie das Beispiel des irischen Mönches Dicuil -im 9. Jahrhundert zeigt, aus den Schriften eines Plinius und Solinus -alle Andeutungen zusammengelesen wurden, welche auf die Existenz ferner -atlantischer Inseln hinwiesen. Die thatsächlichen Irrfahrten jener -frommen Asketen, von denen manche, wie wir gesehen haben, sich über die -Faröer hinaus wagten, veranlaßten auch mancherlei mythische Berichte -von Wunderreisen. Den Mittelpunkt dieser Sage bildet die Legende von -den Schifffahrten des <em class="gesperrt">heiligen Brandan</em> oder Brandon, der gegen -Ende des 6. Jahrhunderts mit vielen Genossen von Irland aus nach einem -solchen wunderbaren Eilande ausfuhr. Der Glaube an seltsame Inseln -taucht schon in Plutarch (Ueber den Verfall der Orakel) auf, welcher -berichtet, daß um Britannien herum viel öde Inseln lägen, während -die wenigen Bewohner auf andern Eilanden für heilig und unverletzbar -gelten. An einer andern Stelle (Vom Gesicht im Monde) schildert er, daß -fünf Tagereisen westwärts von Britannien einige Inseln und dahinter -ein großes Festland liegen. Die Natur der Inseln und die Milde der sie -umgebenden Luft sei wunderbar. — Der heilige Brandan kam nun, wie -die Sage berichtet, wirklich zu einer paradiesischen Insel und kehrte -erst nach jahrelangen Irrfahrten wieder heim. Die weite Verbreitung -dieser Geschichte läßt sich daraus erkennen, daß sie fast in allen -Sprachen des Abendlandes auftaucht und daß die Kartenzeichner des -Mittelalters sie mehrfach, man möchte sagen zur Ausschmückung des -nur spärlich von Inseln belebten westlichen Oceans verwendeten; aber -besonders beachtenswerth bleibt dabei, daß die heilige Brandans-Insel -im Lauf der Jahrhunderte immer weiter nach Süden rückt. Während wir -nach der Sage dieses Elysium der Westsee unter der Breite Irlands -suchen müssen, verlegt die Karte des Venezianers Pizigano, von 1367, -dieselbe nach Madeira, der Ritter Martin Behaim auf seinem Erdapfel -von 1492 südwestlich von den Capverden in die Nähe des Aequators. Die -Veranlassung dazu gab die seit dem Wiederauffinden der Canarien immer -wieder auftretende Behauptung, daß man am westlichen Horizont von -Zeit zu Zeit eine Gebirgsinsel stets in gleicher Gestalt und Lage in -weiter Ferne auftauchen sehe. Das Trugbild mag durch eine Nebelbank -entstanden sein,<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span> allein der Glaube an die Existenz der Insel war so -fest, daß sich ein portugiesischer Ritter sogar mit diesem noch erst zu -entdeckenden Besitze belehnen ließ und daß selbst bis 1750 immer noch -Versuche gemacht worden sind, um sie aufzufinden.</p> - -<p>Die Geschichte der Brandans-Insel steht übrigens keineswegs vereinzelt -da, wenn es sich um alte Sagen von einsamen, fruchtbaren atlantischen -Inseln handelt. Schon Aristoteles und nach ihm Diodor von Sicilien noch -ausführlicher wissen von Inseln jenseits der gaditanischen Meerenge, -welche von Phöniziern entdeckt und später von den Carthagern ausersehen -sein sollten, ihnen für Unglücksfälle, wenn etwa ein vernichtender -Schlag ihre Vaterstadt träfe, eine Zufluchtsstätte zu gewähren. Diese -Ueberlieferung aus dem Alterthum lebt in einer spanischen Sage wieder -auf, wonach zur Zeit, als die Mauren durch den entscheidenden Sieg -über die Gothen bei Jerez de la Frontera die Herrschaft über Spanien -gewannen, ein Erzbischof nebst 6 Bischöfen sollten, um ihren Glauben -zu retten, auf eine entlegene atlantische Insel geflohen sein. Dort -gründeten sie sieben Städte, wonach die Zufluchtsstätte die Insel -der sieben Städte (<span class="antiqua">sette cidades</span>) genannt wurde. Aber auf den -Karten erscheint dieses Phantasiebild nicht vor dem Anfang des 15. -Jahrhunderts. Man warf es bald mit einem andern Eilande von noch -räthselhafterer Benennung, mit der Insel Antillia zusammen, welche erst -im Zeitalter des Columbus ihre Bedeutung gewann; daher hier vorläufig -nur ihre Erwähnung genügt. Auch die Insel Brasil (Brazie) westlich von -Irland kann unter diese wesenlosen Gebilde der Phantasie gerechnet -werden, von andern unwichtigeren zu schweigen.</p> - -<p>Mochten auch mancherlei Fahrten ins Blaue auf der Jagd nach solchen -oceanischen Paradiesen angestellt sein, greifbare Resultate mußten -noch ausbleiben, so lange man eines sichern Führers im freien Meere -entbehrte. Dieser bot sich aber erst im 13. Jahrhundert dar, seitdem -man die <em class="gesperrt">polare Richtkraft des Magneten</em> entdeckt hatte. Ohne -alle Frage haben die Chinesen diese Kraft viel früher erkannt als das -Abendland; aber wir haben keinen Anhalt dafür, es fehlt uns jeder -Nachweis, daß die Magnetnadel aus dem Osten Asiens zu uns gewandert -wäre. Zwar liegt es nahe, an die vermittelnde Hand arabischer Seeleute -zu denken, welche mit der chinesischen Handelsmarine auf dem indischen -Ocean in häufige Berührung traten, manche Verbesserungen im Seewesen -von jenen Ostasiaten entlehnten und selbst bis nach China ihren Verkehr -ausdehnten. Allein dann dürften wir auch erwarten, daß in jenen -europäischen Gewässern, wo die Araber wiederum mit den seetüchtigen -Völkern des Abendlandes zusammentrafen, auf dem Becken des Mittelmeeres -und in den an seinen Ufern gelegenen Seestädten ein für die Schifffahrt -so wichtiges Instrument wie der Compaß zuerst erwähnt und gewürdigt -worden wäre. Doch dem ist nicht so. Man dürfte auch wohl erwarten, -daß der berühmte Marco Polo, der für alles, was den Handel betrifft, -ein besonders scharfes Auge besaß, und der seine weiten Seereisen im -chinesischen<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span> Meere und durch den indischen Ocean auf chinesischen -Schiffen ausführte, die Magnetnadel erwähnt und beschrieben haben -würde, wenn in den östlichen Gebieten der alten Welt die praktische -Verwendung des Instruments bereits eine allgemeine gewesen wäre. Aber -Polo gedenkt desselben mit keiner Silbe. Und in Europa treffen wir -auf die früheste Erwähnung der magnetischen Kraft gerade in Gegenden, -welche von arabischem Einfluß nie berührt sind, nämlich in England und -Nordfrankreich. Sonach darf man die Vermuthung aussprechen, daß die -Nordweisung der magnetischen Nadel wie am Ostrande der alten Welt, -so auch am Westrande derselben selbständig entdeckt ist, gerade so -gut, wie das Abendland den Bücherdruck und das Porzellan, auch zwei -chinesische Erfindungen, für sich wieder erfunden hat. Die beiden -ältesten Gewährsmänner, welche den Magnet erwähnen, sind der Engländer -Alexander Neckam, welcher seit 1180 Professor in Paris war, und der -nordfranzösische Dichter Guiot aus Provins. Es darf dabei nicht -unerwähnt bleiben, daß gegen das Ende des 12. Jahrhunderts mit der -Wiederaufnahme des Studiums der physischen Schriften des Aristoteles -an der Universität zu Paris das Studium der Naturwissenschaften neu -belebt wurde. Wie nahe liegt da der Gedanke, jene neue, wichtige -Erfindung, welche wir gleichsam in der Nachbarschaft von Paris zuerst -erwähnt finden, sei auch dort wirklich gemacht. Alexander Neckam -schrieb seine Abhandlung: <span class="antiqua">de Utensilibus</span> und sein Werk: <span class="antiqua">de -Naturis rerum</span> im letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts, das -satirische Gedicht Guiots, <span class="antiqua">la Bible</span>, wurde im ersten Jahrzehnt -des 13. Jahrhunderts verfaßt. Die ursprünglichste, roheste Art der -Anwendung des Magneten, denselben in einem Strohhalm auf dem Wasser -schwimmen zu lassen, wich allmählich der verbesserten Methode, den -Nordweiser auf eine Nadelspitze zu legen. Dabei muß es befremden, diese -ursprüngliche Form noch 1258 erwähnt zu sehen. In diesem Jahre besuchte -Brunetto Latini, aus Florenz vertrieben, den berühmten Roger Bacon und -schreibt, dieser habe ihm unter andern einen Magneten gezeigt, der -die überraschende Eigenschaft besitze, das Eisen anzuziehen. Wenn man -eine Nadel darauf reibt und diese nachher an einem Strohhalm befestigt -und auf dem Wasser schwimmen läßt, dann dreht sich die Nadel mit der -Spitze gegen den Polarstern. Aber wiewohl diese Entdeckung für alle -Seereisende von so hohem Werthe zu sein scheint, so muß sie zur Zeit -doch noch geheim gehalten werden, weil es kein Schiffscapitän wagen -darf, sie anzuwenden, da er sonst sofort in den Verdacht der Zauberei -verfiele; auch würde kein Matrose mit ihm gehen, wenn er ein solches -Instrument mitnähme, das offenbar unter der Beihilfe höllischer Mächte -entstanden.<a name="FNAnker_15_15" id="FNAnker_15_15"></a><a href="#Fussnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a> Am Mittelmeere muß also zur Zeit Latinis die Erfindung -noch unbekannt gewesen sein, und ans Mittelmeer müßte die Magnetnadel -doch zuerst gekommen sein, falls sie uns durch die Vermittelung der -Araber sollte aus China überbracht sein.</p> - -<p>Nach 1270 wird auch die Strich- oder Windrose mit der Nadel in<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span> -Verbindung gebracht, und so sehen wir die Bussole (ein Wort -holländischen Ursprungs) fertig vor uns. Was für Verbesserungen der -so oft als Erfinder des Compasses genannte Flavio Gioja aus dem -Herzogthum Amalfi, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts -gelebt haben soll, angebracht haben kann, ist nirgends ersichtlich. -Der Compaß war nachweisbar vor seiner Zeit auf den Schiffen allgemein -in Gebrauch, was sich vor allem aus dem glänzenden Aufschwung der -nautischen Kartographie ergibt, welche uns ganz bestimmt ins 13. -Jahrhundert zurückführt. Denn die erste nur mit Hilfe der Bussole -in solcher Treue mögliche Darstellung der Küstenumrisse des ganzen -Mittelmeeres, welche uns Marino Sanudo um 1320 überliefert hat, setzt -jahrzehntelange Specialaufnahmen voraus, aus denen Sanudos Bild -zusammengesetzt ist. Und hier ist nicht zu leugnen, daß die Seeleute -des Mittelmeeres sich die neue Erfindung am trefflichsten zu Nutze -machten und ihren Werth allseitig erkannten. Die Umgestaltung, welche -die Kartographie erfuhr, war eine fundamentale. Statt wie im früheren -Mittelalter nach dem Paradiese im äußersten Osten, orientirte man sich -nach dem Polarstern, auf den die Magnetnadel wies und entwarf danach -die Karten. Der Schiffer gewann mit Compaß und Seekarten auf freiem -Meere ein bisher nicht gekanntes Gefühl der Sicherheit und steuerte -verwegener in die dunkle Salzflut hinaus. Dauernde, auch der Nachwelt -in sicherer Begrenzung überlieferte Entdeckungen wurden erst seit dem -13. Jahrhundert möglich; und schon der Ausgang dieses Jahrhunderts -zeigt uns zwei Beispiele eines kühnen Seezuges. Denn im Jahre 1281 -machten die Gebrüder Vadino und Guido de Vivaldi von Genua aus den -Versuch, um Afrika herum nach Indien zu segeln, ein Unternehmen, das -1291 von Ugolini Vivaldi und Teodosio Doria wiederholt wurde. Allein -resultatlos, denn diese Expeditionen sind verschollen.</p> - -<p>Wichtiger und folgenreicher, weil „das nächste mit dem nächsten klug -verknüpfend“, waren die Fahrten der genuesischen und venetianischen -Kauffahrer nach der atlantischen Seite Europas, nach den Niederlanden -und Britannien. Erst unter der zuverlässigen Führung der Bussole -erwachte der Seeverkehr auf dem Ocean. Dem Alterthume war die Westküste -unseres Erdtheils im höchsten Grade unwirthlich erschienen. Zu Strabo’s -Zeiten war die Nordseite Spaniens besonders verrufen. „Dieser Strich,“ -sagt er, „hat als Oceansküste die Zugabe empfangen ohne Verbindung -und Verkehr mit andern zu sein, so daß er sich durch Mißlichkeit der -Bewohnung auszeichnet.“ Und auch im Mittelalter tasteten zwar einzelne -Pilgerschiffe, die das heilige Land aufsuchten, sich in langsamer Fahrt -an den Küsten hin, bis sie in die Säulen des Herkules einliefen; aber -von einem regen Verkehr war nicht die Rede.</p> - -<p>Da eröffneten, etwa gegen Ausgang des 13. Jahrhunderts, die Italiener -den directen Seeweg zu den niederländischen Städten. Sie liefen wohl -auf halbem Wege in den günstig gelegenen Hafen von Lissabon ein und -erregten dadurch den Eifer der Portugiesen, welche bald den Seeruhm -ihrer Lehrmeister überstrahlen sollten. Der König Diniz war der erste, -der sein Volk<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span> auf diesen neuen Pfad des Gewinnes und des Ruhmes mit -Erfolg hinwies. Wenn uns berichtet wird, daß noch im Laufe des 14. -Jahrhunderts im Hafen von Lissabon zu Zeiten 400 bis 500 Seeschiffe -lagen, so kann man aus dieser Zahl allein schon auf den wachsenden -Verkehr im Ocean schließen.</p> - -<p>Sicher wurden durch einzelne vom Wetter aus ihrem Cours gedrängte -Schiffe die Canarischen Inseln wieder aufgefunden. Wiederholt tauchen -in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Nachrichten von jenen -Eilanden auf, ohne daß man den oder die Entdecker mit Gewißheit nennen -könnte. Am wahrscheinlichsten waren es Genuesen, aber auch Portugiesen -und Franzosen drangen fast gleichzeitig zu den glückseligen Inseln -vor, deren Anblick ihren Erwartungen von paradiesischen Fluren nicht -entsprach. Im Jahre 1341 schickte Alfons IV. mehrere Schiffe dahin -ab unter dem Commando eines Genuesen und Florentiners. Nach einer -günstigen Fahrt von 5 Tagen kam das Geschwader im Anfang Juli zu den -Canarien, besuchte im Laufe des Sommers mehrere von den 14 größeren -und kleineren aufgeführten Inseln, darunter namentlich Canaria und -wahrscheinlich auch Ferro und Forteventura, beschrieben auch den Pik -von Teneriffa und kehrten im November zurück. In einer päbstlichen -Verleihungsurkunde von 1344 wurden Canaria, Vingaria, Pluviaria, -Capraria, Junonia, Embronea, Atlantica, Hesperidum, Cernent, Gorgones -und Galeta namhaft gemacht, doch gehören einige darunter nicht zu den -Canarien, Galeta liegt gar an der Küste von Tunis. Zuerst setzten sich -Genuesen auf den Canarien fest, der Ritter Lancelot aus dem adligen -Geschlechte der Malocelli in Genua legte auf der einen Insel eine -Burg an, dieselbe erscheint auf der catalanischen Karte von 1375 als -Lanzeroto Maloxelo. Und wenn bereits auf dem mediceischen Portulan -von 1351 neun Inseln mit neuen Namen uns begegnen, deren Form auf -genuesischen Dialect hindeutet, so erkennen wir daraus, daß der ersten -von Portugal ausgesandten Expedition bald genuesische Unternehmungen -gefolgt waren.</p> - -<p>Dahin gehören Parme (<span class="antiqua">J. de li Parme</span>), Palma, die Insel der -Palmen, Linferno, die Insel der Unterwelt, womit Teneriffa bezeichnet -wird, wegen seines hohen Vulkans.</p> - -<p>Um dieselbe Zeit, vielleicht um das Jahr 1346, fällt auch die Fahrt -des englischen Ritters Machim, der auf seiner Flucht von England nach -Madeira verschlagen wurde.</p> - -<p>Auch diese letztere Inselgruppe treffen wir bereits auf dem Portulan -von 1351.<a name="FNAnker_16_16" id="FNAnker_16_16"></a><a href="#Fussnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> Neben der kleinern Insel, die noch jetzt den Namen -Porto santo trägt, erscheint die größere I. de lo legname, d. h. -Holzinsel; offenbar ein italienischer Name, den die späteren Besitzer, -die Portugiesen, in den bekannten Madeira, übersetzt haben. Sogar die -ferner liegenden Açoren sind schon aufgefunden; die südöstliche Gruppe -derselben trägt die Bezeichnung <span class="antiqua">insula de Cabrera</span> (Ziegeninsel).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span></p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="textkarte_p25" name="textkarte_p25"> - <img class="mtop2" src="images/textkarte_p25.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center ">Karte von Afrika in einem Portulano (Seekarte) von - 1351. (In der Laurentinischen Bibliothek zu Florenz.)</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p25_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span></p> - -<p>So hatte man also um die Mitte des 14. Jahrhunderts den Stand der -Kenntniß des Alterthums mindestens wieder erreicht. Den Portugiesen war -es im nächstfolgenden Zeitraume vorbehalten, die Grenzen der bekannten -Welt weiter hinauszurücken und, nachdem die westlichen Gestadelinien -der alten Welt vom südlichen Cap Afrikas bis zum Nordcap Europa im -allgemeinen ans Licht getreten war, den Anstoß zu geben für die erste -planmäßige Durchschiffung des westlichen Oceans.</p> - -<p>Am Schlusse dieses Abschnittes haben wir noch die Reisen der -venetianischen Gebrüder <em class="gesperrt">Nicolo</em> und <em class="gesperrt">Antonio Zeno</em> zu -untersuchen, welche in den Ausgang des 14. Jahrhunderts fallen, -und sich auf dem Gebiete der normannischen Seezüge im nördlichen -atlantischen Ocean zwischen Scandinavien und Grönland bewegten, -aber der Deutung und Erklärung im einzelnen große Schwierigkeiten -entgegensetzten, so daß die Untersuchungen zu ganz abweichenden -Ergebnissen geführt haben. Die Schwierigkeiten entstanden vor allem -bei dem Versuch, die Namen der Localitäten zu enträthseln, welche den -Schauplatz der Erlebnisse bilden, und die den alten Bericht begleitende -Karte einerseits mit dem Texte, andrerseits mit den gegenwärtig -vollständig bekannten thatsächlichen Verhältnissen jenes Theiles der -Erdoberfläche in Einklang zu bringen. Am meisten hat sich R. H. Major -in London um das Verständniß verdient gemacht.<a name="FNAnker_17_17" id="FNAnker_17_17"></a><a href="#Fussnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a> Daß dabei nicht -von einer fingirten Reise und einer Fälschung die Rede sein kann — -denn auch diese Ansicht ist laut geworden — beweist die thatsächliche -Kenntniß nordischer Verhältnisse, welche nicht blos alles übertrifft, -was das Mittelalter in Europa über jene Gegenden wußte, sondern auch -die Kenntniß in der Mitte des 16. Jahrhunderts übertrifft, wo der -merkwürdige Bericht zuerst veröffentlicht wurde.</p> - -<p>Der Thatbestand ist nun folgender: Am Ende des 14. Jahrhunderts, -wahrscheinlich 1390, und nicht 1380, wie Text und Karte angibt, rüstete -Nicolo Zeno, einer alten venetianischen Adelsfamilie entstammend, -aus eigenen Mitteln ein Schiff aus, um, mehr aus Neugier als aus -Drang zu neuen Entdeckungen, den Norden Europas zu besuchen. Seit -einem Jahrhunderte bereits befuhren venetianische Handelsschiffe -den atlantischen Ocean von den Säulen des Herkules bis Flandern und -Süd-England. Zeno strebte noch weiter nach Norden. Ein Sturm trieb -sein Schiff über Britannien hinaus und warf es an den Strand der Insel -Friesland (Faröer). Aus den Händen der Strandräuber, welche sich des -Strandguts bemächtigten, befreite die Schiffbrüchigen der Beherrscher -eines Nachbargebietes, welchen Zeno Zichmni nannte. Aus Dankbarkeit -trat der Venetianer in die Dienste seines Befreiers und lud nun seinen -in Venedig weilenden Bruder Antonio brieflich ein, zu ihm zu kommen. -Antonio folgte dieser Einladung. Vier Jahre nach seiner Ankunft auf -den nordschottischen Inseln starb Nicolo in Friesland. Antonio blieb -aber noch 10 Jahre und schrieb während dieser Zeit mehrere Briefe -an seinen Bruder Carlo, der in Venedig eine hervorragende Rolle -spielte. Die Briefe der venetianischen Nordlandsfahrer blieben im -Familienarchive zu Venedig, bis ein späterer Nachkomme des Geschlechts, -Nicolo Zeno der Jüngere, geb. 1515, als unverständiger Knabe diese -Dokumente durch Zufall in die Hände bekam, und da er ihren Werth nicht -kannte, zum Theil zerriß. Erst später, in reiferen Jahren, suchte -er die Bruchstücke zusammen und entwarf danach die Geschichte jener -abenteuerlichen Fahrten seiner Vorfahren. Auch copirte er eine alte, -halb vermoderte Originalkarte und ergänzte sie nach seinem Verständniß -und seiner Auffassung. Das Ganze veröffentlichte er dann 1558 unter -dem Titel: <span class="antiqua">Dello scoprimento dell’ Isole Frislanda, Eslanda, -Engronelanda, Estotilanda, Icaria, fatto per due fratelli Zeni, M. -Nicolo il Cavaliere et M. Antonio.</span></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span></p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="textkarte_p27" name="textkarte_p27"> - <img class="mtop2" src="images/textkarte_p27.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">Gailland, Berlin, phototyp.</p> - <p class="s6 center">Karte zu den Reisen von Nicolo und Antonio Zeno. (Copie in ca. ¼ der - Größe des Originals von 1558.)</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p27_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span></p> - -<p>Joh. Reinhold Forster wies 1784 in seiner Geschichte der Entdeckungen -und Seefahrten im Norden (S. 217–250) zuerst auf die Glaubwürdigkeit -und den Werth des Berichtes hin. Auch Al. v. Humboldt sprach sich -in seinen kritischen Untersuchungen etc. (deutsch v. Ideler, Bd. I, -337) dahin aus, daß, wenn man den Bericht ohne vorgefaßte Meinung -untersuche, man in demselben Wahrheitsliebe und eine ins Einzelne -gehende Beschreibung von Gegenständen finde, zu welcher nichts in -Europa den ersten Gedanken an die Hand gegeben haben könnte. Dagegen -erklärte der dänische Admiral Zahrtmann (<span class="antiqua">Journal Royal geogr. Soc. -London. Vol. 5</span>) das Ganze für eine Erfindung des jüngeren Zeno.</p> - -<p>H. Major hat nun die Echtheit des Berichts zuerst an den Oertlichkeiten -der Faröer nachgewiesen. Es handelt sich um einen Wikingerzug des -Zichmni, des Herrn von Porlanda und Sorona.</p> - -<p>Die Namen sind sämmtlich nur nach dem Gehör, nach dem Klange der -Aussprache aufgefaßt und dann dem Italienischen angepaßt und umgeformt. -So hat bereits Forster gefunden, daß in dem räthselhaften Zichmni -der schottische Häuptling Henry <em class="gesperrt">Sinclair</em> of Roslyn steckt, -welcher von Hakon VI. von Norwegen die Herrschaft über die Orkneys und -Caithneß erhielt. Der Pentland-Firth scheidet die beiden Besitzungen. -Aus Pentland macht der Italiener Porlanda und die begleitende Karte -entstellt diesen Namen, durch falsche Lesung, in Podanda (für <span class="antiqua">rl</span> -ist <span class="antiqua">d</span> gesetzt).</p> - -<p>Aus Caithneß wird Contanes und unter Sorona ist die kleine Insel -Swona in dem Pentland-Firth zu verstehen. Zichmnis Geschwader wollte -Friesland erobern. Im Altdänischen aber heißt die Faröergruppe -Faeröisland, und in der Biographie des Columbus erzählt sein Sohn -Ferdinand, daß sein Vater im Jahre 1477 von Bristol nach Frislanda -gesegelt sei. Daraus wird die Identität von Faröer und Friesland -ersichtlich. Daß aber der jüngere Zeno diesen Namen nicht aus der -Biographie des Columbus<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> entlehnen konnte, erhellt daraus, daß diese -Lebensbeschreibung später, nämlich erst im Jahre 1571, also <em class="gesperrt">nach</em> -dem Reisebericht Zenos veröffentlicht wurde. Wenn die alte Karte -Friesland als eine compakte große Insel darstellt, so fällt dieser -Irrthum vorwiegend dem jungen Zeno zur Last. Zichmnis Flotte nahm ohne -große Schwierigkeit die Inseln Ledovo und Ilofe (verschrieben für -Slofe) und andere kleine Inseln im Golfe Sudero in Besitz. In diesem -Golf erkennen wir den Suderoefjörd zwischen den beiden Inseln Suderoe -und Sandoe. Dann ergibt sich für Ledovo die kleine fast unzugängliche -Felseninsel Little Dimon und für Slofe das Nachbareiland Skuoe. Weiter -ging das Geschwader nach dem Hafen Sanestol (d. h. Sandoe) und landete -bei dem Orte Bondendon (wahrscheinlich Norderdahl auf Stromoe). Von -hier zogen die Eroberer quer durch die Insel zur Hauptstadt Frislanda, -welche an einer sehr fischreichen Bai lag, von wo sich Schiffe von -Flandern, Britannien, Norwegen und Dänemark mit Fischen versorgten.</p> - -<p>Die Hauptstadt Thorshaven, welche hier gemeint ist, belegt der -Venetianer mit dem Namen der Inselgruppe. Der Reichthum an Fischen -ist hier seit alters berühmt. Später leitete Nicolo Zeno ein -ähnliches Unternehmen gegen Estland (d. h. Shetland-Inseln), wobei -mehrere Schiffe nach der Insel Grislanda südwärts verschlagen -wurden. Das Hauptland der Orkneys heißt Hroß-ey, oder Groß-ey oder -<span class="antiqua">gross-island</span>, woraus sich die Form Grisland bildete.</p> - -<p>Der jüngere Zeno, welcher aus Unverstand Estland für Island nahm, -verlegte auch Grislanda an die Küsten jener großen Insel, obwohl der -Originaltext von <span class="antiqua">„le Islande“</span>, also von mehreren Inseln spricht; -in Folge dieses Grundirrthums werden aber auch alle nach Shetland -gehörigen Namen an das Gestade von Island verschoben, nämlich Talas (= -Yelli), Broas (= Barras), Iscant (= Unst), Trans (= St. Ronans Isle), -Mimant (= Mainland), Dambere (= Hamna) und Bras (= Bressay).</p> - -<p>Es lassen sich also alle Localitäten wieder erkennen und gehörigen -Orts befestigen. Die durch Zeno den jüngeren in die Karte gebrachten -groben Fehler sind von dem Originalberichte nicht verschuldet, -bestärken aber die Glaubwürdigkeit der Erzählung; denn wenn das Ganze -eine müßige Erfindung des 16. Jahrhunderts wäre, würde sie an solchen -geographischen Verstößen gar bald entlarvt werden können. Jener erste -Zug nach den Faröer geschah wahrscheinlich im Jahre 1390, der gegen -Shetland 1391.<a name="FNAnker_18_18" id="FNAnker_18_18"></a><a href="#Fussnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a></p> - -<p>Im Juli des folgenden Jahres ging Nicolo mit 3 kleinen Schiffen auf -Entdeckung aus nach Engroneland oder Grenland. Bei dieser Fahrt, -welche uns über die Grenzen der den Süd-Europäern bekannten Nordwelt -hinausführt, wurde Island und wohl auch Grönland berührt. Aber der -Bericht wirft offenbar isländische Verhältnisse nach Grönland. Ob diese -Versehen dem Originalberichte zur Last fallen, oder ob die Bruchstücke -desselben durch den<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span> jüngeren Zeno falsch zusammengefügt sind, läßt -sich nicht mehr erkennen; doch liegt die Verwechslung klar vor Augen, -wenn wir dem Berichte folgen. Danach fand nämlich der ältere Nicolo in -Grönland ein Kloster mit Predigermönchen und eine Kirche des heiligen -Thomas am Fuße eines thätigen Vulkans. Die in der Nähe befindliche -heiße Quelle hatten die Geistlichen zu ihrer Ansiedlung geleitet, um -Kirche und Kloster damit zu heizen und das kochende Wasser selbst zur -Bereitung der Speisen zu verwenden oder in erwärmten Beeten Früchte und -Blumen zu erzielen, die nur in gemäßigteren Himmelsstrichen gedeihen. -Neben dem Kloster leben Wilde (also Eskimos), welche Fischfang treiben -und Böte in Gestalt eines Weberschiffchens besitzen. Sie befestigen -über das Gerippe von Fischknochen Häute und nähen dieselben fest -zusammen, so daß diese leichten Fahrzeuge allen Stürmen trotzen. -Während die Art der Ansiedlung und die Benutzung der Thermen nur nach -Island paßt,<a name="FNAnker_19_19" id="FNAnker_19_19"></a><a href="#Fussnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a> denn in Grönland gibt und gab es auch damals keine -thätigen Vulkane, ist das Seegewerbe der Eingeborenen charakteristisch -für die grönländischen Eskimos. Eine genaue Kenntniß des südlichen -Grönland verräth aber auch der Name der Südspitze Avorf, welche in der -dem 14. Jahrhundert angehörigen Beschreibung Grönlands von Ivar Bardsen -„Hvarf“ und in der Chorographie Björn Jansens Haf-hvarf heißt, wofür -die Karte Zenos <span class="antiqua">Af promontorium</span> setzt.</p> - -<p>Nicolo Zeno erlag den für einen Südländer unerträglichen Wirkungen -des polaren Klimas und starb bald nach seiner Rückkehr auf Frisland. -In seine Stellung und seine Würden rückte sein Bruder Antonio, den -Sinclair noch jahrelang bei sich festzuhalten wußte und sogar auf -einer großartig geplanten Entdeckungsfahrt nach westlichen Ländern -mitnahm. Sinclair hatte nämlich durch Fischer, die vor 25 Jahren über -den atlantischen Ocean nach Westen verschlagen waren, von großen -Inseln und weiten Festlandsstrichen Kunde erhalten und beschloß jene -Länder aufzusuchen. Der Bericht der Verschlagenen, den ein Brief des -Antonio an seinen Bruder Carlo in Venedig ausführlich wiedergibt, -klingt zwar in manchen Einzelheiten befremdend, verräth aber in großen -allgemeinen Zügen eine Kunde der nordamerikanischen Küsten bis nach -Mexiko. Da nun erwiesenermaßen die Normannen bereits im 11. Jahrhundert -Ansiedelungsversuche am Strande der Neuengland-Staaten gemacht hatten, -so bleibt die Möglichkeit weiterer aben<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span>teuerlicher, durch Zufall -veranlaßter Fahrten nach jenen Gegenden keineswegs ausgeschlossen.</p> - -<p>Jene Fischer nun hatten erzählt, daß sie 1000 Meilen westlich von -Friesland durch den Sturm an die Insel Estotiland getrieben seien, -welche kleiner als Island, aber viel fruchtbarer war und in der Mitte -einen hohen Berg hatte. Die Einwohner zeigten sich intelligent, -freundlich, besaßen eine eigne Sprache und Schrift, in des Königs -Bibliothek fanden sich sogar lateinische Bücher. Sie verkehrten auf -ihren Segelbooten sogar mit Grönland, kannten aber den Compaß nicht. -Nachdem sie fünf Jahre im Lande geblieben waren, machten unsere Fischer -eine Fahrt gegen Süden zum Lande Drogio. Dort wohnten rohe Canibalen, -welche einen Theil der Mannschaft erschlugen und verzehrten. Sie -besaßen kein Metall, ihre Lanzen bestanden nur aus Holz. Aber weiter -südwärts wurden sie civilisirter, wohnten in Städten und opferten in -ihren Götzentempeln Menschen, deren Fleisch dann verspeist wurde. Das -Land war reich an Gold und Silber.</p> - -<p>Während wir in Estotiland Spuren normannischer Ansiedlung erkennen, -wenn auch die Kulturverhältnisse in allzustarken Farben ausgemalt sind, -lassen sich die Angaben über die südlichen Kulturländer mit ihrem -Goldreichthum, ihren Götzentempeln und Menschenopfern ungezwungen auf -Mexiko deuten. Doch sind Estotiland und Drogio nicht zu identificiren.</p> - -<p>Nur ein Fischer kehrte nach Jahren zurück und sollte auf Sinclairs -Zuge als Führer dienen, aber leider starb derselbe kurz vor Aufbruch -der Flotte. So verfehlte Sinclair auch bald den Weg und wurde durch -Sturm gegen Südwesten nach der Insel Icaria verschlagen. Es ist wohl -nur italienische Phantasterei, wenn der jüngere Zeno dazu bemerkt: -Alle Könige hießen dort Icari, nach dem ersten Könige, der ein Sohn -des Königs Dedalus von Schottland gewesen sei. Schon Forster hat in -dem Icaria richtig die Landschaft Kerry in Irland erkannt, wozu alle -geschilderten Verhältnisse, das feindselig abwehrende Verhalten der -Bevölkerung u. a. paßt. Von hier gelangte die Flotte nach Grönland, -kehrte aber nach kurzem Besuch wieder nach den Orkneys zurück.</p> - -<p>Wenn auch in dem ganzen Bericht noch manche Dunkelheiten ungelöst -bleiben, so wird doch eine unbefangene Kritik den echten Kern -anerkennen müssen und darf das Ganze nicht als leere Erfindung -verwerfen. Von besonderem Interesse ist, daß Zeno uns als der letzte -von den normannischen Ansiedlungen in Amerika berichtet. Die vom -jüngeren Zeno entworfene Karte enthält trotz gewaltiger Irrthümer -und Ungeheuerlichkeiten, welche indeß von den Kartographen des 16. -Jahrhunderts vielfach getreu copirt wurden, manche zutreffende Züge und -geographische Wahrheiten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32"></a></span><br /><span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Zweites_Buch">Zweites Buch.<br /> - -<span class="s7">Die Vorhalle der großen Zeit.</span></h2> - -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34"></a></span><br /><span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span></p> - -<h3 id="Erstes_Capitel_2">Erstes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Morgenseite der alten Welt.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Orient_Mongolen">1. Der Orient seit Beginn der Mongolenherrschaft.</h4> - -<p><span class="s3">B</span>eim Anbruch einer neuen Zeit richten wir unsern Blick wieder -nach Osten, um eine längst verschollene Kunde, wie sie von fernen -reichen Ländern in alter Zeit erklungen, aufs neue zu vernehmen. Die -Herrschaft der Araber hatte anfangs den Kenntnissen im Abendlande von -den Verhältnissen im Innern Asiens keine Förderung gewährt. Ums Jahr -1000 n. Chr. kannte man thatsächlich von ganz Asien kaum mehr als die -heiligen Walfahrtstätten in Palästina, und begnügte sich auch damit. -Die Araber ließen die frommen Pilger aus dem Westen gewähren, deren -Wißbegierde in dem Rahmen religiöser Traditionen beschränkt blieb. -Anders gestalteten sich die Verhältnisse, als Türken und Seldschucken -Herren jener heiligen Stätten wurden und in Folge der Bedrückung der -christlichen Waller eine gewaltige Bewegung durch Europa ging, welche -die Kreuzzüge veranlaßte. Zwar haben dieselben unsere Kenntniß von -Westasien nicht über Mesopotamien hinaus bereichert, aber die Berührung -mit der arabischen Bildung weckte den Geist der Forschung wieder im -Abendlande und trug so wenigstens mittelbar dazu bei, das entschwundene -geographische Interesse neu zu beleben. Durch die Araber lernte man -wieder die griechischen Schriftsteller, namentlich Aristoteles, kennen -und die größten Geister des Abendlandes, Albertus Magnus († 1280) und -Roger Bacon († 1292 oder 1294) wandten sich wieder dem Studium der -Naturwissenschaften zu.</p> - -<p>Den ersten directen Anstoß aber zu bedeutenden Reisen in bisher -unbekannten Regionen gab die Bildung des mongolischen Weltreichs. -Es war im Beginn des 13. Jahrhunderts, daß der kühne Häuptling -<em class="gesperrt">Temudschin</em> zahlreiche mongolische und tatarische Stämme der -asiatischen Steppe unter seinem Scepter vereinigte und den Namen eines -Großfürsten, „<em class="gesperrt">Tschingischan</em>“, annahm. Der Name Khan bedeutet -einfach „der Herr“ und wird allen tatarischen Häuptlingen beigelegt, -mögen sie souverän sein oder nicht. In Indien bildet er noch jetzt -den gewöhnlichen Zusatz zu den Namen der Mohammedaner aller Klassen. -<span class="antiqua">Ḳaán</span> oder <span class="antiqua">Châḳán</span> (bei den byzantinischen -Schriftstellern Χαγάνος) war dagegen der specielle Titel -des höchsten mongolischen Fürsten; danach würde der Titel Temudschins -richtiger als Tschingischagan<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span> bezeichnet werden müssen. In einem -verheerenden Völkersturm, wie jener Erdtheil keinen zweiten gesehen -und erlitten hat, lag binnen 20 Jahren fast ganz Asien zu seinen -Füßen. Die Völkerflut nach Osten überschwemmte Tangut und Nordchina, -die Kriegswoge nach Westen und Süden brach über Turan und Iran herein. -Throne stürzten zusammen unter seiner unerhörten Wucht, volkreiche -Städte verschwanden vom Erdboden, Millionen von Menschen verloren ihr -Leben. Auch mit dem Tode Temudschins († 1227) kamen die aufgeregten -Massen nicht zur Ruhe. Von den vier Söhnen des Großfürsten gelangte -<em class="gesperrt">Okkodai</em> zur obersten Nachfolge. Nach Westen drangen seine Heere -durch die Ebenen Rußlands bis nach Schlesien vor, Moskau wurde erobert, -Kiew ging in Flammen auf. Erst an den Sudeten brach sich die Sturmflut; -aber in Westasien wurden Armenien, Kleinasien und Syrien überrannt, in -Ostasien wurde Südchina unter der Regierung des Chagan <em class="gesperrt">Kublai</em> -eine Beute der Mongolen.</p> - -<div class="figcenter"> - <p class="caption_top"><em class="gesperrt">Genealogie des Hauses Temudschin.</em></p> - <a id="stammbaum_p36" name="stammbaum_p36"> - <img class="mtop1" src="images/stammbaum_p36.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/stammbaum_p36_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Die christlichen Kreuzfahrer, die mit immer weniger Aussicht auf -Erfolg gegen die mohammedanischen Staaten in Kleinasien, Syrien und -Aegypten um den Besitz des heiligen Landes gerungen hatten, sahen in -den Mongolen einen willkommenen Helfer gegen den zähen Erzfeind ihres -Glaubens. Sie nahmen aber auch mit besonderer Freude wahr, daß die -neuen Weltstürmer aus Innerasien keineswegs den religiösen Fanatismus -der Araber und Türken besaßen, sich vielmehr dem christlichen Glauben -ebenso geneigt zeigten als der Lehre Mohammeds. Es liegt das schon in -der wesentlich verschiedenen Rassenanlage der Mongolen und Semiten -begründet.</p> - -<p>Man kann sich in religiösen Dingen kein nüchterneres Volk denken als -die Chinesen, während dagegen der Semite Westasiens, der Begründer des -Monotheismus und leider auch des religiösen Fanatismus, auf religiösen -Fundamenten<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> sein geistiges Leben aufbaut. Die Glaubensglut des -Islam übertrug sich auch auf türkische Stämme; aber nicht auf die -Mongolen. Diese sahen nicht jeden Christen als solchen für einen Feind -an. Sie ließen jeden in seinem Glauben gewähren.</p> - -<p>Es gab wirklich Christen unter ihnen in nicht geringer Anzahl. Nicht -blos, daß einzelne Gläubige mit den großen Völkerwellen vom heimischen -Boden weit hinweg gespült worden waren; — trafen doch die Sendboten -des Pabstes am Hofe der Chagane in Karakorum, südlich vom Baikal, -Franzosen und Ungarn und begegnete dem Marco Polo sogar noch in -China ein Deutscher; — nein, ganze Stämme des großen vielsprachigen -Reiches neigten zum Christenthum und es wird von manchen Städten im -fernen Osten berichtet, daß nestorianische Christen bis dahin ihren -Glauben verbreitet. Als Christen galten die Kerai in N.-W. von China; -als Nestorianer bezeichnet Rubruck den Stamm der Naiman am obern -Irtysch. Viele Christen hatten sich sogar in dem Dienst und Gefolge -der mongolischen Fürsten eine geachtete und einflußreiche Stellung -errungen und, was besonders betont werden muß, die Großfürsten des -Weltreichs selbst waren in die directe Berührung mit dem Christenthum -durch eingegangene Ehen gebracht. Die Mongolenkaiser <em class="gesperrt">Kublai</em> -und sein Bruder <em class="gesperrt">Hulaku</em> stammen von christlichen Müttern ab, -deren Einfluß nicht zu unterschätzen ist. Gesandtschaften und Briefe -gingen hin und her, es entspann sich ein freundschaftlicher Verkehr -zwischen den Häuptern der Christenheit und den Chaganen, und mehr als -einmal wurde das Interesse des Pabstes lebhaft durch die Aussicht -auf ein segensreiches Arbeitsfeld von unermeßlicher Weite im fernen -Morgenlande angeregt. Darf man unter solchen Umständen den Plan einer -systematischen Missionsarbeit unter den Mongolen absolut verwerfen oder -auch nur als gar zu sanguinisch bezeichnen?</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="beilage_p36" name="beilage_p36"> - <img class="mtop2" src="images/beilage_p36.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">artist. Inst., Leipzig-Reudnitz.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s6 center">Kartenskizze der</p> - <p class="center"><b>Mongolenstaaten im XIII. Jahrhundert.</b></p> - <p class="s6 center">zu<br /> - Sophus Ruge’s Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen.</p> - <p class="s6 center">Von<br /> - Henry Lange.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/beilage_p36_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="beilage_p36_i" name="beilage_p36_i"> - <img class="mtop1" src="images/beilage_p36_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="beilage_p36_ii" name="beilage_p36_ii"> - <img class="mtop1" src="images/beilage_p36_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<h4 id="Der_Presbyter_Johannes">2. Der Presbyter Johannes.</h4> - -<p>Vor allem zog aber mächtig die geheimnißvolle, halb in sagenhafte Züge -gehüllte Gestalt eines großen Königs an, der im Abendlande allgemein -unter dem Namen des Priesterkönigs oder <em class="gesperrt">Presbyter Johannes</em> -bekannt war, und der über ein durchaus christliches Volk herrschen -sollte. Das eigenthümliche Dunkel, das über dieser Gestalt liegt, ist -noch nicht völlig gelichtet; es scheint aber, als ob nach einander -mehrere bedeutende historische Persönlichkeiten des Morgenlandes mit -einander verschmolzen wären und nach einander für den Priesterkönig -gegolten hätten.</p> - -<p>Die erste Nachricht über ihn bringt der deutsche Geschichtsschreiber -Otto von Freising, der Stiefbruder Kaiser Konrads III. Derselbe -erzählt, er habe im Jahre 1145 in Viterbo den Bischof von Gabula (Jibal -im nördlichen Syrien) getroffen, der unter Thränen von den Gefahren -erzählt, welche seit dem Falle von Edessa die christliche Kirche -bedrohe. Vor wenigen Jahren, erzählte der Bischof, sei im fernen Osten -jenseit Armenien und Persien ein<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> gewisser Johannes, Priester und -König zugleich über ein nestorianisches Volk, aufgetreten, habe erst -die medische Hauptstadt Egbatana erobert und dann die Samiardischen -Bruderkönige, die in Persien und Medien herrschten, in dreitägiger -Schlacht besiegt und sei weiter nach Westen gerückt, um der bedrängten -Kirche in Jerusalem beizustehen. Aber der Tigris habe seinem Zuge Halt -geboten und ihn zur Umkehr genöthigt.</p> - -<p>Die hier erwähnten Ereignisse sind von Professor Bruun<a name="FNAnker_20_20" id="FNAnker_20_20"></a><a href="#Fussnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> auf Johann -Orbelian (Ivané Orpel), den Großwürdenträger und siegreichen Feldherrn -des georgischen Königs David gedeutet, der den Türken um 1123 oder 1124 -die Stadt Ani in Armenien abgewann. — Das Geschlecht der Orbeliane -besaß zwar in seinen außerordentlichen Privilegien fast königliche -Macht und namentlich Johannes Orbelian war der Stolz der Georgier; -allein seine Thaten sind doch nicht gewaltig und seine Stellung nicht -unabhängig genug, um ihn kurzweg als Priesterkönig bezeichnen zu -können, und der große blutige Sieg über die Samiardischen Brüder bleibt -auch ohne entsprechenden Beleg. Die Identität des Priesters Johannes -mit Johann Orbelian bleibt daher unerwiesen, wenn auch, abgesehen von -dem zutreffenden Namen Johann und der Existenz eines christlichen -Volkes und Fürsten, für diese Hypothese noch die Thatsachen sprechen, -daß Groß-Armenien als der ferne Orient angesehen wurde und daß -georgische Könige den Christen in Palästina mehrfach Hilfe zu bringen -suchten.</p> - -<p>Auf der andern Seite muß aber darauf hingewiesen werden, daß die -christlichen Sendboten und Kaufleute, welche in Asien eindrangen, seit -dem 13. Jahrhundert den Priesterkönig viel weiter im Osten suchten und -an Armenien nicht dachten. Und in der That leiten auch die Nachrichten -Ottos von Freising über die Nachbarländer Syriens hinaus. Den Kern -der Untersuchung muß die verhängnißvolle Schlacht bilden, in welcher -der Beherrscher Persiens unterlag. Es wird sich dabei zwar ergeben, -daß in Ottos Berichte Irrthümer mit unterlaufen und andere dunkle -Punkte, namentlich die angebliche Eroberung von Ekbatana und der Zug -an den Tigris, unerledigt bleiben; allein das Endresultat fällt doch -befriedigender aus als bei der ersten Hypothese.</p> - -<p>Jene Niederlage nun der Perser, welche nach der Angabe des Bischofs von -Gabula nur wenige Jahre vor 1145 erfolgte, fällt ins Jahr 1141. Etwa -hundert Jahre früher hatten seldschuckische Sultane die Herrschaft in -Persien gewonnen und ihre Macht bis Kleinasien und Aegypten ausgedehnt. -Um 1105 theilte sich das große Reich in zwei Staaten unter den Brüdern -<em class="gesperrt">Mohammed</em> und <em class="gesperrt">Sandschar</em>. Das sind die Samiardischen -(richtiger Saniardischen) Brüder, nach dem mächtigeren und weit länger -regierenden Sandschar (Saniard) benannt; denn Mohammed starb bereits -1118, Sandschar aber erst 1157. Sandschar behauptete als Sultan das -Uebergewicht im Osten,<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span> während seine Neffen, die Söhne Mohammeds, von -ihm abhängig wurden. Es ist demnach ungenau, wenn noch um 1145 Otto von -Freising von Saniardischen <em class="gesperrt">Brüdern</em> spricht.</p> - -<p>Zu den von Persien abhängigen Staaten gehörte damals auch Chowaresmien -am untern Amu-Darja; dieser Staat strebte nach Selbständigkeit. Der -Sohn des dortigen Schahs Atsis war von Sandschar getödtet worden; aus -Rache rief Atsis die sogenannten Karachitanen oder Khata zur Hilfe -herbei.</p> - -<p>Der älteste arabische Schriftsteller, welcher über diese Ereignisse -berichtet, ist Ibn-el-Athir (1160–1233). Derselbe erzählt, Atsis habe, -aufgebracht über die Ermordung seines Sohnes, zu den Khata gesandt, -welche in Ma-vera-el-nahr (Transoxanien) wohnten, und in ihnen die -Hoffnung auf Landgewinn erregt. Indem er ihnen die Sache sehr leicht -vorstellte, reizte er sie, in Sandschars Reich einzufallen. Demzufolge -brachen sie mit 300,000 Reitern auf, Sandschar ging ihnen mit seiner -Armee entgegen und erlitt in der Nähe von Samarkand eine blutige -Niederlage, in welcher 100,000 fielen, darunter 12,000 Vornehme und -4000 Weiber. Sandschar floh nach Balch.<a name="FNAnker_21_21" id="FNAnker_21_21"></a><a href="#Fussnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a></p> - -<p>Diese Khata werden auch als ungläubige Türken bezeichnet. Ihren -Anführer nennt der arabische Historiker einen Chinesen, dessen Titel -Ku-chan, richtiger Kur-chan, war.</p> - -<p>Mit zusammengerafften tatarischen und chinesischen Völkern war also -dieser Heeresfürst im Westen erschienen und in die islamitischen Länder -eingebrochen, wo er dem bisher stets siegreichen Sandschar den ersten -empfindlichen Schlag versetzte.</p> - -<p>Welche Bewandtniß es mit dieser Völkerbewegung hatte, erfahren wir aus -chinesischen Quellen.</p> - -<p>Ein wahrscheinlich zur Gruppe der Tungusen gehöriger Volksstamm in -der Mandschurei, den die Chinesen <em class="gesperrt">Chitanen</em> benannten, hatte -sich im Laufe der Jahrhunderte aus rohen Zuständen allmählich zu -einer gewissen Kultur emporgearbeitet und so gekräftigt einen Staat -gebildet, der, die Nachbargebiete beherrschend, im Jahre 907 bereits -über Nordchina hin bis zum Lop-nor reichte und bald darauf Nordchina -selbst unterwarf. Dieses Reich der Chitanen wurde weiter im Westen -unter dem Namen <em class="gesperrt">Khitai, Khathay</em> bekannt und bestand -bis zum Jahre 1123. Dann wurde es aus dem chinesischen Besitze -wieder verdrängt. Der Vetter und Oberfeldherr des letzten Kaisers -der Chitanen, Yeliutasche, gründete im Westen vom Lop-nor ein neues -Reich, das sich durch glückliche Eroberungen über das Pamirhochland -hinaus bis an den Oxus in West-Turkistan erstreckte, wo der Sohn des -ersten Fürsten, <em class="gesperrt">Yeliuyliui</em> († 1153) bei Samarkand den Sultan -Sandschar im September 1141 besiegte. So rückte dieses Reich fast bis -ans kaspische Meer vor und erscholl sein Name auch in Europa. Die -Fürsten trugen den Titel Korchan oder Gurchan (woraus<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> allmählich -durch Umgestaltung Johannes wurde) und ihr neugegründetes Reich hieß -das Reich der Karachitanen oder schwarzen Chitanen. Dort im Osten des -kaspischen Meeres suchten die abendländischen Reisenden zuerst den -Priesterkönig, und als man ihn nicht mehr vorfand, denn das Reich war -schon 1215 von Temudschin zerstört, floh es vor dem suchenden Blick -immer weiter nach Osten, <em class="gesperrt">bis man China selbst mit dem Namen Kithai -oder Cathay, Cathaya belegte</em>, und an dieser Benennung Jahrhunderte -lang festhielt.</p> - -<p>Rubruck und Marco Polo hielten den Fürsten „Ungchan“ der Keraiten in -der östlichen Mongolei für den Johannes und verwechselten denselben mit -Yeliutasche. Die Verwechselungen und Verschiebungen dieser mythischen -Gestalt eines Priesterkönigs dauerten auch im 14. Jahrhundert weiter, -wo man ihn in dem christlichen König von Habesch glaubte richtig -entdeckt zu haben; im 15. Jahrhundert wurde er dort von Heinrich -dem Seefahrer gesucht. Es gingen noch am Ende dieses und selbst im -nächsten, im 16. Jahrhunderte, portugiesische Gesandte an den Priester -Johannes ab. Im Abendlande hat man sich lange an dieser Erscheinung -erbaut und fand etwas tröstliches darin, fern im Osten einen -unbekannten, aber mächtigen Bundesgenossen sich vorzustellen, der den -bedrängten Christen Hilfe bringen könne.</p> - -<h4 id="Die_ersten_christlichen_Glaubensboten">3. Die ersten christlichen -Glaubensboten im Orient.</h4> - -<p>Der Plan, mit der mongolischen Welt direct in Verkehr zu treten, wurde -zuerst vom Pabste Innocenz IV. auf dem Concil zu Lyon 1245 gefaßt. Er -entschloß sich, zwei verschiedene geistliche Gesandtschaften nach dem -Morgenlande abzuordnen. — Werfen wir zur Orientirung zunächst einen -Blick auf die politische Gestaltung der mongolischen Staaten.</p> - -<p>Nach Tschingischagans Tode verblieb die oberste Gewalt seinen Söhnen, -einer unter ihnen empfing den Titel Kaan (Chagan), die andern hießen -Chan. Das Weltreich zerfiel in vier Staaten.<a name="FNAnker_22_22" id="FNAnker_22_22"></a><a href="#Fussnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a> <em class="gesperrt">Ostasien</em> -umfaßte das Gebiet des Kaan. Dazu gehörte China, Tibet, die östliche -Mongolei und die Mandschurei. Die Residenz war Kaanbaligh, d. h. die -Stadt des Kaan, jetzt Peking. Der Name wurde im Abendlande bald in -Cambalich, bald in Kambalu verändert.</p> - -<p>Westlich von diesem Staate lag auf beiden Seiten der Hochebene -Pamir, also Theile von Ost- und West-Turkestan umfassend, das Reich -<em class="gesperrt">Dschagataï</em> oder das Reich der Mitte. Dasselbe erstreckte -sich vom Altai bis zum westlichen Himalaja und obern Indus, schloß -Afghanistan ein und reichte bis zum Amu-Darja im Südwesten. Die -Hauptstadt Almalik lag am obern Iliflusse, der sich in den Balchasch -ergießt, in der Nähe der heutigen Stadt Kuldscha. Noch weiter gegen -Südwesten lag das persisch-medische <em class="gesperrt">Reich der Ilchane</em>. Dasselbe -umfaßte Persien, Armenien, Mesopotamien und Theile von Kleinasien; -seine Hauptstadt war Tebris. Dieser Staatencomplex zerfiel am -schnellsten.<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span> Den äußersten Westen nahm das <em class="gesperrt">Reich der goldnen -Horde</em> (Kiptschak) ein, welches sich über die Flachlandschaften -Asiens und Europas ausbreitete und sich vom Westfluß des Altai durch -die Kirgisensteppe über Südrußland bis an den Waldgürtel der Karpaten -ausdehnte. Der Fürst residirte in Serai an der untern Wolga. Durch -dieses Reich zogen die meisten abendländischen Gesandtschaften an -den Hof der Mongolenkaane und gingen belebte Handelswege durch das -Herz Asiens bis zum Ostrande der alten Welt. So bildete Kiptschak den -willkommenen Vermittler zwischen Abend- und Morgenland.</p> - -<p>Es war um die Mitte des 13. Jahrhunderts, als verschiedene Umstände den -wohl schon früher gehegten Gedanken verwirklichen halfen, von Seiten -des Abendlandes direct mit dem Weltreich der Mongolen in Verbindung zu -treten. Zunächst war die asiatische Steppenmacht 1241 am weitesten nach -Westen, bis nach Schlesien, also ins Herz Europas vorgedrungen. Dann -traten in den nächsten Jahren wiederum die schwersten Bedrängnisse für -den christlichen Besitz im heiligen Lande ein, indem von Osten her aus -Turan türkische Söldnerschaaren vor den Mongolen zurückweichen mußten, -über Syrien hereinbrachen und Jerusalem im Jahre 1244 eroberten.</p> - -<p>In Folge dieser Ereignisse beschloß Pabst Innocenz IV. auf dem -denkwürdigen Concil zu Lyon 1245 zwei Gesandtschaften auf verschiedenen -Wegen ins Morgenland zu entsenden.</p> - -<p>Man bezeichnete damals die Mongolen allgemein mit dem Namen Tartaren -(richtiger Tataren) nach einem ihrer tapfersten Stämme, den Tata; -ursprünglich verstand man darunter eine kleine Horde, welche zwischen -dem Kuku-nor und den Quellen des Hwangho ihren Sitz hatte, und in -Europa als die Avantgarde des Mongolenschwarms sich durch Verwüstung -und Brand einen gefürchteten Namen gemacht hatte. Sie galten als eine -Ausgeburt der Hölle, als dem Tartarus entlaufene Teufel und wurden -demnach in doppelter Beziehung Tartaren genannt. Aber indem man -dann alle ins christliche Abendland eingebrochenen turanischen und -mongolischen Stämme unter dem einen Namen zusammenfaßte, hat man auf -lange Zeit die ethnologischen Verhältnisse Asiens verwischt und durch -diese falsche Auffassung eine wahre Völkerverwirrung herbeigeführt.</p> - -<p>Zu diesen Tataren entsendete nun der Pabst zwei Botschaften, eine aus -Dominikanern, die andere aus Franziskanern bestehend.</p> - -<p>Beide brachen in demselben Jahre auf, die Dominikaner zogen der -Richtung entgegen, aus welcher die türkischen Söldner über Syrien -hergefallen und Jerusalem geplündert hatten; die andern durch die -Steppen Rußlands und durch jenes große Völkerthor, aus welchem seit -alter Zeit die beweglichen innerasiatischen Steppenhorden über die -Kulturlandschaften des Westens ausgebrochen waren.</p> - -<p>Beide Missionen zielten nach der Hauptstadt der Großchane, nach -Karakorum, in der Nähe des Baikal. Die Dominikaner-Gesandtschaft -bestand aus <em class="gesperrt">Ascelin, Simon von St. Quentin</em>, -<em class="gesperrt">Alexander</em> und <em class="gesperrt">Albert</em>, mit<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span> denen sich auf der Reise noch -<em class="gesperrt">Andreas von Lonjumel</em> und <em class="gesperrt">Guichard von Cremona</em> verbanden. -Ascelin ging mit seinen Gefährten über See nach Syrien und drang durch -Mesopotamien und Persien bis an die Grenze von Chowaresmien vor. Dort -traf er mit dem Mongolengeneral <em class="gesperrt">Batschu</em> zusammen und wandte sich -dann zur Rückkehr, so daß die ganze Reise nur 59 Tage währte. Alles -was wir über diesen Zug wissen, beschränkt sich auf die Mittheilungen, -welche der berühmte Vincentius von Beauvais, nach den Aussagen des -Simon von St. Quentin, in sein <span class="antiqua">Speculum historiale</span> aufgenommen -hat. Für die Erdkunde ist wenig Gewinn daraus geflossen.</p> - -<p>Nur das Eine wissen wir, daß Andreas von Lonjumel seine Wanderung -weiter fortsetzte und um 1248 oder 1249 wirklich nach Karakorum gelangt -ist.</p> - -<p>Die Franziskaner-Gesandtschaft bestand aus <em class="gesperrt">Laurentius von -Portugal, Benedict von Polen</em> und <em class="gesperrt">Giovanni Piano di -Carpine</em> (in französischer Form: Plan Carpin). Von letzterem -rührt der ausführliche Reisebericht. Sie erhielten den Auftrag, -durch Mitteleuropa zum <em class="gesperrt">Batuchan</em>, dem Fürsten von Kiptschak -zu gehen und auf ihrem Weiterzuge möglichst viel Erkundigung über -die asiatischen Völker, namentlich über die Tataren einzuziehen. Ihr -Creditiv war am 5. März 1245 in Lyon ausgestellt. Am Ostersonntage -verließen sie diese Stadt und reisten in einem weiten nördlichen Bogen -über Troyes, Lüttich, Cöln, Dresden nach Prag, besuchten den König -Wenzel von Böhmen, der sich bei dem Herrannahen der Mongolen 1241 so -außerordentlich thätig und umsichtig bewiesen und alle Nachbarfürsten -rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht hatte. Er konnte -gewiß schon mancherlei Auskunft ertheilen. Von Prag wandten sie sich -nach Breslau, wo Benedict sich mit ihnen vereinigte und gingen über -Krakau nach Kijew.</p> - -<p>Von hier zogen sie sich den Dnjepr hinab nach Canove (Kaniew) und -erreichten daselbst die Grenze des Tatarenreiches, durch welches sie -zum Hauptquartier Batuchans nach der Wolga weiter zogen. Hierbei lernen -wir von ihnen die modernen Namen jener großen Ströme Nepere (Dnjepr), -Don, Wolga und Jaik (Ural) kennen.</p> - -<p>Batu versah sie mit sicherem Geleite nach der Hauptstadt Karakorum. -Diese Reise nahm 3½ Monate in Anspruch und dauerte bis zum -22. Juli. Dabei machten sie die Bekanntschaft der Kangiten oder -Kanglen (Petschenegen) östlich vom Uralflusse, ritten durch die -Kirgisensteppen, berührten Omyl, eine von den Karachitanen gegründete -Stadt, welche östlich vom Balchaschsee am Steppenflusse Emyl oder Jemil -lag, der sich in den Alakul ergießt. Von hier wandten sie sich zum -Kysylbasch oder Ulungursee, an dem zu jener Zeit die Naimanhorde ihre -Weideplätze besaß, und erreichten Ende Juli die Residenz des Chagan, -welcher damals ½ Tagereise von Karakorum weilte. Sie trafen zu einer -sehr bewegten Zeit dort ein, <em class="gesperrt">Kuyuk</em>, der Sohn Okkodais, war zum -Großfürsten ausgerufen und aus ganz Asien trafen die Abgeordneten<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span> der -dem Weltreich einverleibten Völker und Stämme, sowie der benachbarten -Fürsten ein. Es waren an 4000 Gesandte zugegen, welche dem neuen Herrn -ihre Huldigungen darbrachten und Tribut zahlten. Es war also für Piano -di Carpine und seine Gefährten eine sehr günstige Gelegenheit, von -allen Seiten Erkundigungen einzuziehen, aber Irrthum und Wahrheit -mischen sich in seiner Darstellung ineinander; verwechselte er doch -selbst das schwarze und kaspische Meer. Hier lernten die Missionare -auch zuerst Chinesen kennen, welche ihnen ein mongolenähnliches Gesicht -zeigten, wenn dasselbe auch nicht so breit war wie bei den Mongolen. -Piano gedenkt in rühmlicher Erwähnung der guten Sitten der Chinesen und -der Geschicklichkeit ihrer Handwerker.</p> - -<p>Im Frühling des nächsten Jahres kehrten sie ziemlich auf demselben Wege -zurück, trafen im Mai wieder bei Batuchan ein und vollendeten über -Kijew ihre Reise nach Lyon. Piano di Carpine erstattete ausführlichen -Bericht über die Sitten und Lebensweise der Tataren, über ihren -Cultus und Staatsorganismus. Seine Mittheilungen werden ergänzt und -vervollständigt durch die Angaben, welche nach den Erzählungen seines -Genossen Benedict von Polen niedergeschrieben wurden. Die ganze Reise -hatte etwa zwei Jahre gedauert.</p> - -<p>Um dieselbe Zeit machten auch mehrere Mitglieder des königlichen Hauses -von Armenien bedeutende Reisen nach dem innern Hochlande von Asien. -Das damals noch selbständige Königreich von Klein-Armenien war, von -den Seldschucken in Kleinasien und den ägyptischen Ehubiden eingeengt, -auf den östlichen Theil der Südküste Kleinasiens beschränkt. Der König -<em class="gesperrt">Hayton</em> oder <em class="gesperrt">Hethum I.</em> beschloß, um sich mit der immer -näher drohenden mongolischen Macht friedlich abzufinden, seinen Bruder -<em class="gesperrt">Sempad</em> oder Sinibald abzusenden, um den Großchan Kuyuk bei -seiner Thronbesteigung ebenfalls zu begrüßen. Prinz Sempad war vier -Jahre unterwegs. Ein Brief von ihm, wahrscheinlich von Samarkand aus an -den König von Cypern gerichtet, ist uns erhalten. Darin wird erzählt, -daß die mongolische Macht sich schon über fast ganz Asien ausgedehnt -habe, und daß verschiedene Chane in Indien und China (Chata), in -Kaschgar und Tauchat (Tangut) herrschen. Dieses letztere Land hielt -Sempad für dasjenige, aus dem die drei Könige des Morgenlandes nach -Bethlehem gekommen seien, um das Christkind anzubeten.</p> - -<p>Acht Jahre später, 1254, machte sich <em class="gesperrt">König Hayton</em> selbst auf den -Weg, und brachte dem Nachfolger Kuyuks, <em class="gesperrt">Mangkukaan</em> zu seiner -Thronbesteigung seine Glückwünsche dar, um sich auch ferner ein gutes -Einvernehmen mit den Mongolen zu sichern. Hayton schlug den Weg durch -Kleinasien und Armenien ein, besuchte erst den mongolischen Heerführer -Batschu (Batschu Noian) in <em class="gesperrt">Kars</em>, wandte sich dann zum kaspischen -Meere, umging den Kaukasus durch den Paß von Derbend und traf mit Batu -und seinem Sohne <em class="gesperrt">Sartasch</em> an der Wolga zusammen. Von hier nahm -der<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span> König einen etwas nördlicheren Weg als Piano di Carpine und der -Sendling Ludwig des Heiligen, Rubruck, der mit ihm in demselben Jahre -die weite Steppenreise nach Karakorum vollendete. In der mongolischen -Residenz, wohin er am 13. September gelangte, ward ihm eine ehrenvolle -Aufnahme zu Theil; nach einem Aufenthalte von 6 Wochen nahm er am 1. -Nov. Abschied und kehrte auf dem südlichen Wege durch die Dsungarei, -über Otrar, Samarkand und Bochara und weiter durch Nordpersien und -Armenien in seine Heimat zurück. Hayton weiß manches Interessante -über die Völker Ostasiens zu berichten, natürlich stehen die Chinesen -(Chataier) in erster Reihe. Von ihrem Cultus weiß er, daß sie ein -Götzenbild, namens Schakemonia (Sakya-Muni), d. h. also Buddha anbeten.</p> - -<p>Endlich haben wir hier noch eines dritten Mitgliedes der königlichen -Familie zu gedenken, des Prinzen <em class="gesperrt">Hayton von Gorigos</em>, der auch -durch politische und kriegerische Verhältnisse weit nach Osten geführt -wurde, später nach einem bewegten Leben sich in ein Kloster auf Cypern -zurückzog und von hier aus als Mönch dem Pabste Clemens V. in Avignon -einen Besuch abstattete. Der Pabst verlieh ihm die Prämonstratenser -Abtei in Poitiers. Dort dictirte er dem Nicolaus Salconi eine -Geographie von Asien und eine Geschichte der Mongolenfürsten in -französischer Sprache, worauf Salconi dieselbe 1307 ins Lateinische -übersetzte. Es ist die erste systematische Geographie von Asien, -die wir aus dem Mittelalter besitzen; und da dieselbe im Abendlande -niedergeschrieben war, fand sie bald weitere Verbreitung, namentlich -in den Klöstern, wo man sich für die Thaten der Ordensbrüder lebhaft -interessirte. Der prinzliche Mönch beginnt mit China. Dieses erste -Capitel darf als das wichtigste bezeichnet werden, wenn auch die Züge -der Darstellung allgemein gehalten sind. Cathai ist danach das größte -Reich der Welt, voll Volks und voll Reichthums und liegt am Gestade -des Oceans, welcher mit unzähligen Inseln besäet ist. Die Chinesen -sind überaus geschickt und verachten alle andern Nationen, welche an -Kunstfertigkeit ihnen nachstehen. Darum behaupten sie auch, sie allein -hätten zwei Augen, die Lateiner, das heißt die Völker des Abendlandes, -besäßen nur <em class="gesperrt">ein</em> Auge und alle andern Nationen seien blind. -Ihre Geschicklichkeit ist ganz erstaunlich und die Erzeugnisse ihres -Gewerbfleißes sind bewunderungswürdig. Die Cathaier haben kleine Augen -und von Natur keinen Bart. Ihre Schrift hat Hayton nicht verstanden, -denn er meint, die chinesischen Buchstaben kämen an Schönheit der -lateinischen Schrift gleich. Besser ist sein Urtheil über das religiöse -Leben; treffend bemerkt er, die Chinesen hätten kein Verständniß für -geistliche Dinge. Auch ihre Tapferkeit kann er nicht rühmen. Merkwürdig -ist das Papiergeld, das mit dem rothen kaiserlichen Stempel versehen, -überall im Lande cursirt und wenn es abgenutzt ist, in der Staatsbank -gegen neues Papier eingewechselt wird.</p> - -<p>Westlich von China liegt das Reich Tarse. Da dasselbe als von Uiguren -bewohnt bezeichnet wird, so läßt sich die Localität mit ziemlicher -Gewißheit<span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span> angeben, wenn der Name auch noch nicht befriedigend erklärt -ist. Tarse liegt zwischen China und Turkestan, demnach im Gebiet des -Tarim. Hayton kennt die eigenthümliche uigurische Schrift, welche -bei den Chinesen bereits seit dem 6. Jahrhundert Erwähnung gefunden, -bewundert die großen Tempel im Lande und rühmt die Städte und die Fülle -des Getreides. Weiter westwärts folgt das Hirtenland Turkestan und die -von Wüsten umgebene Oase Chorasmien (Chiwa); sodann wird das kaspische -Meer für den größten Landsee der Welt erklärt und ausdrücklich -hervorgehoben, daß dasselbe keine Verbindung mit dem Ocean habe. Das -Hauptland im südlichen Asien ist Indien; die dazu gehörigen Inseln sind -reich an Edelgestein, Gold, Perlen und Specereien, besonders reich ist -die Insel Selan (Ceylon).</p> - -<p>Die Halbinselgestalt des Landes wird richtig angedeutet, auch ist dem -Armenier bekannt, daß im südlichen Indien schwarze Menschen (Dravida) -leben. Combaech (Cambaya) gilt als bedeutender Handelsplatz.</p> - -<p>Auf die westlichen Länder Asiens richten wir den Blick nicht weiter; -es genügt, zu zeigen, daß sich der Osten der alten Welt wenigstens in -allgemeinen Zügen wieder zu entschleiern begann.</p> - -<p>Bedeutender als alle bisher geschilderten Missionen war die Entsendung -des Franziskaners <em class="gesperrt">Wilhelm Rubruck</em> nach Karakorum. Zwar wurden -die bereits betretenen Gebiete wiederum durchstreift und somit -räumlich keine namhafte Erweiterung der Erdkunde erzielt; allein der -Werth liegt hier in dem vortrefflichen Reiseberichte, der an Schärfe -der Beobachtung, Sicherheit des Urtheils und Treue der Darstellung, -unbeirrt durch falsche Vorstellungen oder Vorurtheile, als die -vollendetste Leistung mittelalterlicher Reiseberichte zu bezeichnen ist.</p> - -<p>Die Veranlassung zu dieser erneuten Botschaft an den Hof der -Mongolenfürsten gab der Kreuzzug Ludwig des Heiligen 1248–1254. -Nach dem verhängnißvollen Feldzuge gegen Aegypten hatte sich der -französische König nach Palästina gewendet. Hier beschloß er zwei -Gesandtschaften zum Großchan abzuordnen, die auf verschiedenen Wegen -durch Armenien, Persien und Turan einerseits und durch Südrußland -und die Kirgisensteppe andererseits demselben Ziele zusteuerten. Die -erste Sendung führte der Ordensbruder Andreas, von dessen Reise sich -leider kein Bericht erhalten hat, die zweite ging unter Rubruck und -Bartholomäus von Cremona ab.</p> - -<p>Wilhelm von Rubruck (Ruysbruck, Rubruquis), gebürtig aus dem Dorfe -Rubruck im Departement du Nord in Nordfrankreich, erhielt die Leitung -und empfing die königlichen Briefe zu St. Jean d’Acre. Zunächst sollte -er den tatarischen Fürsten <em class="gesperrt">Sartasch</em>, der mit seiner Horde -diesseits der Wolga lagerte, aufsuchen. In Palästina ging damals die -Rede, Sartasch sei Christ. Ludwig der Heilige sprach in seinem Briefe -den Wunsch aus, die Lehre Christi weiter in Asien verbreitet zu sehen. -Rubruck schiffte sich im Frühling 1253 in St. Jean d’Acre ein nach -Konstantinopel, segelte über das schwarze Meer und landete im Hafen -Soldaia (jetzt Sudak) an der Südküste der Krim, südwestlich<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span> von Kaffa. -Das war der gewöhnliche Ausgangspunkt abendländischer Kaufleute, -welche mit den unter mongolischer Herrschaft stehenden Ländern -verkehrten. Hier bot sich darum die beste Gelegenheit, die geeigneten -Vorbereitungen zu einer längeren Steppenreise zu treffen. Auf Anrathen -der Kaufleute kaufte sich Rubruck hier vier von Ochsen gezogene, -gedeckte Reisewagen für sein Gepäck, für Vorräthe und Geschenke. -Auf diese Weise, hieß es, sei er der Mühe überhoben, die Lastthiere -alle Morgen beladen und alle Abend entlasten zu müssen. Allerdings -erforderte auf diese Art die Reise die doppelte Zeit, um nach Sartasch -zu kommen, nämlich zwei Monate statt eines.</p> - -<p>Am 1. Juni brach die Karawane auf, die Reisenden selbst mit ihren -Dienern zu Pferde, unter den letzteren ein Turkomane als Dolmetscher.</p> - -<p>Eine Wahrnehmung, welche Rubruck noch an der Südküste der Krim machte, -hat ethnologisches Interesse. Damals lebten an jenem malerischen -Strande noch Gothen, welche auch ihre Sprache noch beibehalten hatten. -Rubruck selbst, von der Grenze germanischer Zunge stammend, hat sicher -ganz recht gehört, wenn er die Sprache jener Gothen teutonisch nennt. -Der germanische Laut scheint erst im 18. Jahrhundert dort gänzlich -verstummt zu sein. Ueber das wald- und wasserreiche Gebirge und eine -weite Steppe kamen die Sendboten des heiligen Ludwig in 5 Tagen zur -Landenge von Perekop. In der Steppe erschienen die ersten Tataren. -Ihre Lebensweise, die Einrichtung der Zelte, die Theilung der Arbeit -zwischen Männern und Frauen werden genau beschrieben. Wir lernen als -Lieblingsgetränk der Nomaden den Reisbranntwein und Cosmos (Kumis) -kennen. Trachten, Sitten und Gebräuche werden eingehend geschildert -und geben ein gelungenes ethnologisches Gemälde. Die Fahrt ging weiter -ums asowsche Meer herum über ein tafelgleiches Land, ohne Wald, ohne -Berg, aber dicht begrünt. Der Don gilt unserm Gewährsmann noch als die -Grenze zwischen Asien und Europa. Der Strom war an der Fähre etwa so -breit, wie die Seine bei Paris. Von hier bis zur Wolga rechnete man -10 starke Tagereisen. Am letzten Juli langten sie in der Residenz des -Sartasch an. Weiter nach Norden war das Land waldreich und von Flüssen -durchzogen. Dort wohnte in Holzhäusern das Volk der Moxel oder Maxel -und noch weiter nordwärts die Merdas (Mordwinen).</p> - -<p>Das Lager des Sartasch lag damals nach drei Tagereisen diesseit der -Wolga. Hier hörte Rubruck schon die Sage vom Priesterkönig Johannes, -den er in der Gestalt des Bruders des Unkchan der Naimanhorde zu -erkennen glaubt. Von Sartasch zogen sie weiter zur Wolga; dieselbe -erschien 4mal so breit als die Seine bei Paris. Rubruck erfuhr, daß -der Strom sich nicht in den Ocean, sondern in das Meer von Sirsan -(Dschorschan) d. i. das kaspische Meer ergieße. Unter letzterem Namen, -fügt Rubruck hinzu, kennt es Isidor von Sevilla. Isidor galt also im -13. Jahrhundert noch als geographische Autorität.</p> - -<p>Es ist für die Geschichte der Erdkunde von Bedeutung, daß Rubruck<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span> mit -großer Sicherheit einen Irrthum Isidors berichtet, wonach das kaspische -Meer ein Meerbusen des nördlichen Eismeers sein solle, ein Irrthum, -dem bekanntlich im Alterthum alle Geographen zwischen Aristoteles und -Ptolemäus, also auch Strabo, verfallen waren. „Bruder Andreas hat zwei -Seiten dieses Meeres umzogen, im Osten und Süden, und ich habe die -beiden andern Ufer umwandert,“ setzt Rubruck hinzu, um seine Ansicht zu -erhärten. Auch gibt er getreu die umwohnenden Völker an, erwähnt, daß -man im O., S. und W. Gebirge finde, nur im Norden nicht; und trotzdem -konnte der alte Wahn von der Meerbusengestalt dieses Sees sich noch bis -in den Anfang des 18. Jahrhunderts wieder beleben.</p> - -<p>Der Hof und das Lager Batuchans machte auf die Reisenden den Eindruck -einer großen Stadt, da sich die Zelte der Tataren einige Meilen weit -hinzogen. Bei der Audienz, die ihnen Batu gewährte, verlangten die -Hofleute, die Mönche sollten, wie es alle Gesandten zu thun pflegten, -die Knie beugen. Trotzdem traten sie aufrechten Ganges ein und -sangen das Miserere. Als man ihnen aber alles Ernstes bedeutete, sie -hätten niederzuknien, folgten sie zwar dem Gebote, um weiter keine -Schwierigkeiten zu bereiten, brauchten aber die List, statt mit einer -Anrede an Batu mit einem Gebete zu beginnen, so daß sie sich einreden -durften, sie hätten sich vor Gott, aber nicht vor Menschen gebeugt. -Danach hieß der Mongole sie aufstehen, fragte nach dem Zwecke ihrer -Reise und ließ ihnen zum Zeichen seiner besonderen Gunst Milch zu -trinken reichen. Dann erhielten sie die Erlaubniß mitzuziehen, denn -Batu brach sein Lager bald ab und zog nomadisirend 5 Wochen an der -Wolga hin. Erst am 16. September erfolgte ihr neuer Aufbruch nach -Osten. Ihre Priesterornate ließen sie zurück und kleideten sich für -die winterliche Reise in die landesübliche Pelztracht. Auch die Wagen -blieben zurück und die Weiterreise wurde zu Pferde gemacht. Nach zwölf -Tagen kamen sie von der Wolga an den Fluß Jagat (Jaik, i. e. Ural), -welcher im Norden, im Lande der Pascatir (Baschkiren) entspringt. -Dieses Volk redete die nämliche Sprache wie die Ungarn. Diese und -andere Mittheilungen erhielt Rubruck von Predigermönchen, die bis zu -diesem Hirtenvolke vorgedrungen waren. Täglich wurde nun eine Strecke -zurückgelegt, wie zwischen Paris und Orleans, zuweilen auch noch mehr; -denn sie erhielten gute Pferde und wechselten dieselben wohl auch, wenn -sie ein Lager trafen, zwei bis drei Mal. Dafür mußte der officielle -Begleiter sorgen, den ihnen Batu mitgegeben hatte; für Rubruck -suchte man stets das stärkste Reitthier aus, weil er sehr schwer und -wohlbeleibt war. „Was wir da an Hunger und Durst, Kälte und Erschöpfung -gelitten haben,“ ruft er aus, „läßt sich nicht beschreiben. Nur des -Abends gab es eine ordentliche Mahlzeit, am Morgen dagegen nur Hirse -und Milch.“ Und trotz alledem fasteten die beiden Geistlichen noch alle -Freitage bis zur Nacht.</p> - -<p>Die Natur des Landes blieb sich lange Zeit gleich, immer derselbe -Steppenboden, nur hie und da an den Flußrändern von kleinen Gehölzen -unterbrochen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span></p> - -<p>Am Tage vor Allerheiligen schlug man eine südliche Richtung und ritt 8 -Tage durch hohe Gebirge. Der Winter hatte schon seit Michaelis seinen -Einzug gehalten, und sie reisten immer nur über Eis.</p> - -<p>Aus den allgemein gehaltenen Angaben der Reiseroute dürfen wir -schließen, daß der Weg durch die Kirghisensteppe nach Südosten führte -und daß man vom östlichen Ufer des Sir Darja, den man nicht zu Gesicht -bekam, den Karatau überstieg und in das Thal des Talas gelangte. Hier -lag in der gut bewässerten und gartenähnlich angebauten Ebene damals -der mohammedanische Ort Kenschak, wo sie nach Landessitte von dem -Haupte der Stadt als Abgesandte Batus empfangen wurden. Nach der Stadt -Talas selbst kamen sie nicht, dieselbe lag weiter südlich und sollte, -nach eingezogenen Erkundigungen, noch aus Deutschland fortgeschleppte -Gefangene bergen.</p> - -<p>Jenseits Talas begann das Reich Mangkukaans. Nachdem noch ein Gebirge -überstiegen war, kamen sie wieder in eine große Thalebene; über den -Tschu mußten sie in Böten übersetzen und betraten darauf die von -persisch redenden Mohammedanern (also von Tädschick) bewohnte Stadt -Equius, welche dem heutigen Tokmak gegenüber gelegen haben wird. Dann -wurden die Ausläufer der südlichen Hochgebirge, die Mainakkette, -traversirt und es folgte das dritte Thalbecken, das des Ili-Flusses. -Die von vielen Bächen durchzogene Ebene war im Norden von einem großen -See (dem Balchaschsee) begrenzt. Hier in dieser fruchtbaren Ebene -erhoben sich einst zahlreiche Ortschaften, aber sie waren durch die -Mongolen größtentheils zerstört, welche die Triften nur als Weidegrund -benutzten. In Cailac (Kayalik der mongolischen Schriftsteller, -wahrscheinlich nahe bei Kopal, am Fuße des Dsungarischen Alatau) -war den Reisenden endlich eine Rast von 12 Tagen gegönnt. Am St. -Andreastage, 30. Nov., brachen sie wieder auf, wurden am Alakul von -einem jener furchtbaren Winterstürme, welche über die Steppen fegen, -überfallen, zogen wahrscheinlich über das Tarbagataigebirge weiter -ins Thal des obern Irtysch und von da am Dsabgan aufwärts. Der Weg -wurde öder, mühsamer, die Gegend steril, das Futter für die Thiere -seltener. Die einzige Bevölkerung der mongolischen Hochebene bestand -hier aus den an der großen Weglinie stationirten Leuten, welche für -die Weiterbeförderung der Gesandten und fürstlichen Boten zu sorgen -hatten. Am 26. December trafen sie in einer meergleichen Ebene auf das -Lager Mangkukaans, am 4. Januar 1255 hatten sie die erste Audienz beim -Großfürsten. Auch hier wieder begegneten sie noch einzelnen Europäern, -die von der großen mongolischen Flut bis in diese entfernten Lande -verschlagen waren: so einer aus Metz gebürtigen Frau, die aus Ungarn -geraubt, sich hier mit einem russischen Handwerker verheiratet hatte, -und einen geschickten Goldschmied, Wilhelm Buchier aus Paris.</p> - -<p>Am Sonntag vor Himmelfahrt kamen sie mit der Wanderhorde zur Residenz -Karakorum. Dieselbe machte, mit Ausnahme des Palastes, nur einen -unbedeutenden Eindruck; Ort und Kloster St. Denis bei Paris erschien<span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span> -im Vergleich mit Karakorum, weitaus bedeutender. Doch gab es 12 -Götzentempel, 2 Moscheen und eine Kirche, ein Zeichen der religiösen -Indifferenz der Mongolen. Tataren, Sarazenen und Chinesen waren in der -von einem Erdwall umgebenen Stadt ansässig.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p49" name="abb_p49"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p49.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Facsimile der drei ersten Zeilen des uigurisch - geschriebenen Briefes von Argunchan an Philipp den Schönen; 1289. (Im - Archive von Paris.)</p> - <p class="s6 center mbot2">(Die schraffirten Zeichen des chinesischen Siegels sind im Original von - rother Farbe.)</p> -</div> - -<p>Mangku übergab den Priestern ein Antwortschreiben an den König von -Frankreich. Er bezeichnete sich darin als den Herrn der Erde an Gottes -Statt und forderte die Franzosen auf, ihm zu huldigen, wenn sie vor ihm -in Frieden leben wollten.</p> - -<p>Bartholomäus von Cremona mußte dort bleiben, es gab ja auch in -Karakorum eine kleine christliche Gemeinde und die Franziskaner hatten -Gelegenheit<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span> gehabt, sechs Seelen zu taufen, darunter befanden sich -drei Kinder eines armen Deutschen.</p> - -<p>Im Sommer 1255 kehrte Rubruck mit dem Dolmetscher allein zurück. -Sie schlugen diesmal einen etwas nördlicheren Weg ein, so daß der -Balchaschsee ihnen zur rechten Hand blieb, berührten nicht eine einzige -Stadt und vollendeten die Reise bis zu Batuchan in zwei Monaten und -sechs Tagen. Einen ganzen Monat zogen sie dann mit der Wanderhorde -Batus umher, ehe sie einen Führer erhielten, und konnten erst 14 Tage -vor Allerheiligen, also in der Mitte des October nach Sarai aufbrechen. -Zu Schiffe setzten sie dort über die Wolga und wandten sich dann -nach Süden um das westliche Ufer des kaspischen Sees herum nach dem -Gebirge der Alanen, d. h. nach dem Kaukasus. Durch das eiserne Thor -von Derbend, das Hochgebirge zur Rechten lassend, kam Rubruck über -Schemacha in die Mogansteppe, überschritt den Kur am Einflusse des Aras -und zog an diesem Strome aufwärts nach Naxua (Nachitschewan) und am -Ararat vorbei nach Etschmiadzin. Der durch die Sündflutsage ehrwürdige -Berg mit seinem Doppelgipfel hat von jeher auf die christlichen -Reisenden einen gewaltigen Eindruck gemacht. Auch Rubruck weiß den -Legendenkranz um ein Blatt zu vermehren. Viele Reisende haben den Berg -zu ersteigen gesucht, aber stets vergebens. Nun hatte auch ein Mönch -in dem nahen Kloster ein heftiges Verlangen, den Gipfel zu erreichen, -um womöglich die Arche Noah zu entdecken, welche nach dem allgemeinen -Glauben noch auf der Höhe des Gebirges liegen sollte. Da aber ein -menschlicher Fuß diese weihevolle Stätte nicht betreten durfte, so -habe ein Engel dem frommen Mönche ein Stück von dem Holze der Arche -herabgebracht. Dieses Holz sah Rubruck als besonders werthvolle -Reliquie im Kloster aufbewahrt. Bekanntlich wird dasselbe gegenwärtig -noch gezeigt.</p> - -<p>Von Etschmiadzin ging die Wanderung weiter über Ani, die alte, 1319 -durch ein Erdbeben zerstörte armenische Königsstadt am Arpatschai, -einem Nebenflusse des Aras, und über Ersirum am Euphratthale hinab nach -Ersingan und Kamach, einer von der Natur gebildeten Felsenburg, nach -Sebaste (Siwas), Cäsarea (Kaisarie) und Iconium. Hier traf Rubruck -einen genuesischen Kaufmann, in dessen Begleitung er nach Süden zur -Küste wanderte und im kleinen Hafenorte Kurch, dem westlichsten Orte -des Königreichs Armenien, das mittelländische Meer erreichte. Ueber -Cypern, Antiochia und Tripolis vollendete Rubruck seine mühevolle -mehrjährige Reise nach dem Kloster in Akkon, wo er um Pfingsten 1256 -anlangte.</p> - -<p>Vergleicht man die Reiselinie Rubrucks mit derjenigen Piano’s, so -scheint der Gewinn für die Erdkunde nicht sehr wesentlich; allein wir -müssen die Erkundigungen und Beobachtungen mit berücksichtigen, wenn -wir dem Verdienst Rubrucks vollständig gerecht werden wollen. Zunächst -die Erscheinungen der physischen Geographie. Von dem Augenblicke an, -wo er den Uralfluß überschritten hatte, traf er auf keinen Fluß mehr, -welcher, wie<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span> Don, Wolga, Ural die südliche Richtung einschlug. Seitdem -der Karatau überstiegen war, folgten die Flußläufe in ununterbrochener -Folge der Richtung nach Nordwest: Talas, Tschu, Ili, Irtysch u. s. w. -bis nach Karakorum. Der Weg führte über eine Reihe von Gebirgsketten -und dann wieder eine Zeitlang an den Flüssen aufwärts: aus alledem -schloß Rubruck mit Recht, daß Asien nach Osten, oder genauer nach -Südosten, sich zu einem mächtigen Hochlande erhebe. Es ist dies im -Mittelalter die erste Andeutung der Erkenntniß des innerasiatischen -Plateaus. Im Gegensatz zu den furchtbaren Schneestürmen in der -niedrigen turanischen Steppe, verlief auf dem Hochlande von Karakorum -der Winter ohne Stürme, aber der Frost, mit wenig Schnee, dauerte bis -in den Mai.</p> - -<p>Durch sorgfältige Erkundigungen war Rubruck ferner in den Stand -gesetzt, die Länder- und Völkergruppirungen in einem großen Theile -Asiens in allgemeinen Zügen anzugeben. Nordwärts drang sein forschender -Blick im europäischen Tieflande bis zu den Wohnsitzen der Russen, -Wolgabulgaren und Baschkiren und weiter östlich in Sibirien bis zu den -Kirghisen, die damals zwischen der oberen Tunguska und dem Jenisseï -saßen. Er weiß von den polaren Völkern, daß sie mit Hundeschlitten und -Schneeschuhen fahren, daß wegen der Kälte die mächtigen Schneemassen -nicht mehr schmelzen; aber das Ende des Polarlandes im Norden, die -Begrenzung Nordasiens durch ein Eismeer kennt er nicht. Dagegen gibt -er mit Bestimmtheit an, daß Cathai gegen Osten an das Weltmeer reicht. -Die Wohnsitze der Caule (Kaoli, Korea) und Manse (Mantschu) hält er -aber noch für Inseln. Er spricht die Vermuthung aus, daß die Serer -des Alterthums identisch seien mit den Cathaiern und charakterisirt -ihre mit einem Pinsel gemalte Schrift unter allen Reisenden jener -Zeit am treffendsten, wenn er sagt, ein einziges Schriftzeichen -begreife mehrere Buchstaben in sich und drücke ein ganzes Wort -aus, bei der Aussprache habe das Chinesische einen näselnden Ton. -Auch die Schreibweise der Tibetaner, Tanguten, Uiguren faßt er in -ihrem Unterschiede von der abendländischen Schrift richtig auf. -Ueber den Glauben, die Sitten und Gebräuche dieser Völker fließen -seine Beobachtungen mit ein, wie er auch der Zucht der Yakochsen -ausführlich gedenkt; unverkennbar tritt das Bestreben hervor, die Fülle -neuer Eindrücke ruhig zu prüfen und mit den Nachrichten der alten -Schriftsteller zu vergleichen, beziehentlich dieselben zu verbessern.</p> - -<h4 id="Die_Handelsreisen_der_Poli">4. Die Handelsreisen der Poli.</h4> - -<p>Einen noch größeren Erfolg als die Glaubensboten erzielten die -Kaufleute in der Aufschließung des fernsten Orients. Daß hierbei -vorherrschend Italiener thätig waren, erklärt sich aus der Entwickelung -des Handels am Mittelmeer. Als nach dem Falle des weströmischen Reiches -der Seeverkehr eine Zeit lang ganz darniedergelegen, traten die ersten -Regungen in Beziehungen mit Byzanz unter dem Gothen Theodorich wieder -hervor, der in der Hauptstadt<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span> des oströmischen Reiches erzogen war -und die byzantinische Pracht und Kunst liebte. So entstanden von -seiner Hauptstadt Ravenna aus die ersten Handelsverbindungen mit dem -Osten, die aber in den Gothenkriegen unter den Nachfolgern Theodorichs -wieder erstarben. Neue Keime bildeten sich bei dem völligen Zerfall -einer einheitlichen Macht in Italien erst seit dem neunten Jahrhundert -in einigen freien Städten und zwar zunächst in Amalfi am Golf von -Salerno. Die Amalfitaner verfügten über eine ziemlich beträchtliche -Flotte, besuchten Aegypten und Palästina, ja sie besaßen sogar ihre -eignen Quartiere in Konstantinopel. Ihre Seegesetze (<span class="antiqua">Tabula -Amalphitana</span>) erwarben sich allgemeine Geltung bei allen Schiffahrt -treibenden Städten am Mittelmeer. Aber die Blüte Amalfis währte nur -kurze Zeit; unfähig, auf den steilen Felsstufen sich auszudehnen und -zu erstarken in Volkszahl, erlag die Stadt der mächtigen Rivalin Pisa. -Pisa, Genua, Venedig rangen um die Wette, gewannen durch die Kreuzzüge -einen ungeahnten Aufschwung und konnten sich so zuerst in den Ländern -der Levante festsetzen. Im 12. Jahrhundert legten die Venetianer in -den Häfen Syriens Factoreien an. Aber die Verbindung mit Indien, die -bisher ihren natürlichen Weg übers rothe Meer und Aegypten gefunden -hatte, erlitt seit der Eroberung des Nillandes durch Saladin um 1171 -einen plötzlichen Abbruch. Die abendländischen Kaufleute suchten in -Folge dessen einen andern Weg ins Morgenland, sie steuerten über das -schwarze Meer zum Don, wo der Hafenplatz Tana aufblühte und reisten von -hier zu Land nach Astrachan und durch die Steppen nach Inner-Asien. -Auch der Hafenplatz <em class="gesperrt">Sudak</em> in der Krim (Soldaja, Saldachia, -Sugdaia, Sodaja) blühte auf mit seiner fast ausschließlich christlichen -Bevölkerung. Ibn Baluta bezeichnete diesen Hafen als einen der -schönsten der Welt. Griechische und italienische Handelsfamilien waren -hier ansässig.</p> - -<p>Ein anderer Weg nach dem Orient nahm seinen Anfang an der nordsyrischen -Küste, in der Nachbarschaft des christlichen Königreiches von -Kleinarmenien, welches den Abendländern sich stets gastfreundlich -erwies. Vom Mittelmeer her landeten die Reisenden in Lajazzo (Layas), -einem vortrefflichen Hafen, der neben den Trümmern des alten Aegae sich -erhob und auf der Seeseite durch zwei Citadellen gedeckt war.</p> - -<p>Als durch den lateinischen Kreuzzug 1204 Byzanz in die Gewalt der -Venetianer fiel, wußten diese den Handelsweg über das schwarze Meer -zu monopolisiren und schlossen die Nebenbuhlerin Genua vom Markte -aus. Aber diese Handelspolitik rächte sich, als 1261 die Genuesen dem -Paläologen Michael III. wieder den Thron in Byzanz verschafften und -zum Dank dafür die Vorstädte Pera und Galata erhielten, welche sich zu -genuesischen Städten umgestalteten. Nun besaßen sie den Schlüssel zum -schwarzen Meere und verdrängten die Venetianer, welche wieder auf den -südlichen Weg über Lajazzo angewiesen waren.</p> - -<p>Dieser Herrschaftswechsel spricht sich auch in den verschiedenen -Handelswegen<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span> aus, welche die venetianischen Kaufleute, die Gebrüder -Poli einschlugen, um nach dem Innern Asiens zu gelangen. Die -<em class="gesperrt">Poli</em> gehörten zu den Patriziern, denn in Venedig nahm auch die -Aristokratie an den Handelsunternehmungen Theil.</p> - -<div class="figcenter"> - <p class="caption_top"><em class="gesperrt">Stammbaum der Familie</em>:</p> - <a id="stammbaum_p53" name="stammbaum_p53"> - <img class="mtop1" src="images/stammbaum_p53.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/stammbaum_p53_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Marco der ältere scheint eine Zeit lang in Konstantinopel etablirt -gewesen zu sein und ein Haus in Soldaia besessen zu haben. Seine Brüder -Nicolo und Maffeo unternahmen ihre erste Reise nach Konstantinopel -im Jahre 1260, kauften hier byzantinisches Geschmeide ein, welches -unter den Mongolen sehr geschätzt war und tauschten außerdem ihre -venetianischen Waaren gegen Edelsteine um. Ihre Absicht war, zunächst -den Fürsten von Kiptschack zu besuchen.</p> - -<p>Damals regierte von 1257–1265 <em class="gesperrt">Barka</em> (Berke, Berekeh), ein -Enkel des Tschingiskaan, welcher theils in Sarai, theils in Bolgar -residirte. Die nördliche Residenz lag bei dem jetzigen Dorfe Bolgari, -südlich von Kasan an der Wolga; die südliche, Sarai, war von Batu, dem -Bruder Barkas, an einem Arme der unteren Wolga, östlich von Zaritzyn -gegründet, und wurde schon 1395 von Timur wieder zerstört.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p53" name="abb_p53"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p53.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Marco Polo.</p> - <p class="s6 center mbot2">Nach einem Gemälde in der Galerie Badia zu Rom - mit der Unterschrift: <span class="antiqua">MARCUS POLUS VENETUS TOTIUS - ORBIS ET INDIE PEREGRATOR PRIMUS.</span></p> -</div> - -<p>Als sie Bolgar verlassen wollten, brach ein Krieg zwischen Barka und -seinem Vetter <em class="gesperrt">Hulagu</em> (<em class="gesperrt">Hulaku, Alau</em>) von Persien -aus. Dadurch wurde ihnen der Rückweg abgeschnitten, sie kamen an -der Wolga abwärts nur bis Ucaca, südlich von Saratov, gingen hier -über den Strom und nach Südosten durch die Steppen, setzten über den -Uralfluß (bei Polo Tigris genannt) und gelangten wahrscheinlich über -Urgendsch (Chiva) nach Bochara. Hier hielten sie sich des Handels wegen -drei Jahre auf, machten sich mit den Sitten der<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span> Tataren bekannt, -erlernten deren Sprache und beschlossen dann, mit einer tatarischen -Gesandtschaft, welche von Persien nach China ging und sie zur -Begleitung einlud, zum Mongolen-Kaan Kublai zu reisen. Der Großfürst -nahm sie freundlich auf und gab ihnen dann bei der Heimkehr einen -Gesandten an den Pabst mit, um sich für den Orient wissenschaftliche -Lehrer der sieben freien Künste zu erbitten. Aber der kaiserliche -Gesandte blieb auf der Reise krank zurück und die Gebrüder Poli kehrten -1269 allein in die Heimat und das Gestade des Mittelmeeres zurück, das -sie bei Lajazzo erreichten. In Ptolemais (Acre) erfuhren sie, daß der -Pabst Clemens IV. gestorben sei. Sie richteten ihren Auftrag daher -zunächst an den päbstlichen Legaten Theobald (Tebaldo) von Piacenza aus.</p> - -<p>Die Vacanz in Rom dauerte über zwei Jahre; inzwischen gingen die Poli -nach Venedig und rüsteten sich dann zur zweiten Reise nach Asien, auf -welcher sie der Sohn Nicolos, <em class="gesperrt">Marco Polo</em>, welcher 1254 geboren -war, begleiten sollte. Da die Pabstwahl sich immer noch verzögerte, -so schien es, als sollten sie ohne päbstliches Antwortschreiben ihre -Wanderung antreten. Weil seit 1261 die Handelslinie über das schwarze -Meer, welche sie auf der ersten Reise eingeschlagen, gesperrt war, -kehrten sie zunächst nach Palästina zurück, und nahmen für den Kaan -Oel aus der heiligen Lampe am heiligen Grabe in Jerusalem mit und -fuhren von da nach Lajazzo. Hier erfuhren sie, daß der Legat Theobald -am 1. September 1271 als <em class="gesperrt">Gregor</em> X. zum Pabste erwählt worden -sei. Derselbe rief sie nach Acre zurück, übergab ihnen Briefe an den -mongolischen Großfürsten und entsendete zwei Dominikaner, Nicolaus -von Vicenza und Wilhelm von Tripolis (in Syrien) nach dem Wunsche -Kublais. Da aber in Folge eines Krieges, welcher zwischen dem Könige -von Armenien und dem Sultan von Babylon ausbrach, der Weg unsicher -gemacht war, so blieben die beiden Predigermönche bereits in Armenien -zurück. So zogen die Poli wiederum allein. Ihren Ausgang nahmen sie von -Lajazzo, von wo sie im November 1271 ins Innere aufbrachen. Den Bericht -über diese zweite große Reise, welche 24 Jahre währte, verdanken -wir dem jüngeren, <em class="gesperrt">Marco Polo</em>, welcher sich dadurch um die -Erweiterung der geographischen Erkenntnisse des Orients unsterbliches -Verdienst erworben und den Ruf des berühmtesten abendländischen -Landreisenden im Mittelalter gewann.</p> - -<p>Die Feststellung des Reiseweges, den er mit Vater und Oheim und in -China zu Zeiten allein eingeschlagen, wird in mancher Beziehung -erschwert, theils in Folge zu allgemein gehaltener Angaben, -theils weil sich die vielfach verstümmelten Ortsnamen nur schwer -identificiren lassen. Doch ist gegenwärtig durch die vorzüglichen -Arbeiten Pauthier’s<a name="FNAnker_23_23" id="FNAnker_23_23"></a><a href="#Fussnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a> und Yule’s<a name="FNAnker_24_24" id="FNAnker_24_24"></a><a href="#Fussnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a> über Marco Polo und die durch -von Richthofen in Bezug auf China gegebene Ergänzung die Möglichkeit -geboten, in den wesentlichen Momenten dem großen Reisenden folgen zu -können.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span></p> - -<p>Von Lajazzo am issischen Golf ging die Route zunächst durch -Klein-Armenien und Kleinasien wahrscheinlich über Kaisarie, Siwas, -Arzingan und Musch, also denselben Weg, den Rubruck auf seiner -Rückreise von Karakorum aus eingeschlagen hatte. Weiterhin erwähnt -Polo den hohen mit ewigem Schnee bedeckten Berg, auf dem die unnahbare -Arche Noahs ruhte; dann wandten sich die Reisenden südwärts nach Mardin -und durch das Gebirge der räuberischen Kurden nach Mossul und Baudas -(Bagdad). Den Fluß hinunter erreichte man in 18 Tagen Basra, von wo -die Seefahrt begann, welche sie an Kisch (Kisi) vorüber nach Ormuz -brachte. Die Insel und Hafenstadt Kisch (jetzt Ghes genannt) war lange -Zeit ein Haupthandelsemporium, sie war gut bewaldet und mit frischem -Wasser versehen. Polo scheint die Stadt nicht besucht zu haben, denn -seine Angaben darüber klingen sehr dunkel. Die Ruinen der längst -untergegangenen Stadt liegen an der Nordseite der Insel.</p> - -<p>Hier beginnen die Schwierigkeiten, den Weg Polos zu fixiren, sich -zu mehren. Marco Polo beschreibt uns nämlich den <em class="gesperrt">Ab</em>stieg vom -Hochlande des inneren Iran zur Küste von Ormuz, während wir einen -<em class="gesperrt">Auf</em>stieg erwarten. Wir können nur annehmen, daß Polo uns einen -zweiten Besuch des Hafens während der Heimkehr erzählt. Die Stadt lag -damals noch auf dem festen Lande, wurde aber um 1300 durch feindliche -Ueberfälle gezwungen, sich auf die Insel zurückzuziehen, wo dieses -Emporium eine zweite Blüte erlebte. Die Ruinen von Alt-Ormuz liegen im -District von Minao, wo auch Spuren eines langen Hafendammes gefunden -sind. Die Landschaft selbst hieß Hormuzdia, woraus unser Reisender -Formosa machte. Um eine Probe der Erzählungsweise Polos zu geben, -schalte ich hier seine Wanderung nach Ormuz ein, welche ich, um ihr -die alterthümliche Färbung zu bewahren, aus einer der ersten deutschen -Uebersetzungen entlehne.<a name="FNAnker_25_25" id="FNAnker_25_25"></a><a href="#Fussnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a></p> - -<div class="blockquot"> - -<p>„<em class="gesperrt">Von dem lustigen veld vnd von der statt Cormos.</em>“</p> - -<p>„Die eben do von yetzt gesagt ist, herstreckt sich jnn die funff -tagreisen, vnd do sie ein end hat, do hebt der weg an vnder sich zu -gohn, vnnd mus man bis jnn die zwentzig meilen stetzs vndersich gohn. -Das ist ein vast böser weg, vnd vmb der rauber willen vnsicher. Zu -letst kompt man zu eim vberaus hupschen veldt, das ist zwo tagreisen -lang, vnd heisset das orth die schöne.“<a name="FNAnker_26_26" id="FNAnker_26_26"></a><a href="#Fussnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> „Jnn disem land seind vil -wasser bäch, vnd palmen beum. Es seind auch mangerley vögel mit hauffen -do, zuvor papageyen, die disseit des Meeres nicht funden werden. Von -dannen kompt man zu dem meer Crean (verdruckt statt Ocean), do ligt am -gestaden die statt Cormos, die hat ein guten port, do viel Kaufleut -zusammen kommen, die bringen aus India specerey, berlin, edelgestein, -gewant von seiden vnd gulden stucken, zeen von helffanten, sambt<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span> -andern köstlichem ding. Dis ist ein königliche stadt, vnd hatt viel -stett vnd schlösser vnder jr. Die landtschafft aber an jr selbs ist -heis vnnd schwach. So ein frembder kauffman do stirbt, so nimbt der -König als sein gut. Jnn disem landt macht man wein aus dateln vn̄ -vō andern köstlichen specereiē, die sein aber nit gwont sind -vn̄ erst anhebē zu trincken, den bewegt er dē bauchflus, aber -die sein gewont sind, die werden seer feyst douō. Die jnwoner dises -lands essen kein weitzen brot, auch kein fleisch, sunder datteln, -ziblen vn̄ gesaltzen fisch. Sie haben schiff die sind nit vast -sicher, dan̄ sie hefftens nit mit eisen neglen, sunder mit hültzen -neglen vnd fedemen, die sind aus rinden gemacht der yndischen nus, die -rinde bereit man wie leder, daraus schnidt man darnach fedem, vn̄ -aus den fedemen macht man starke seyl, die den gewalt des wassers -dulden mögen. Jedes schiff hat nit mehr dann einen mast, ein segel, ein -leytruder, vnd ein Decke.“</p> - -<p>„Man schmiert sie auch nit mit Bech, sunder mit vischschmalz. So sie -dan̄ jnn Jndiam farend vnnd pferd oder andere war mit jnen füren, so -verlieren sie vil schiff, dan̄ das selb meer ist vast vngestüm, vnd -sind die schiff nit mit eisen verwart. Die jnwoner dieses lands sind -schwartz, vn̄ Machumets gsatz vnderworffen. Jm sommer so es vast heis -wurt, so wonē sie nit in den stetten, sunder jn wol gewesserten -gärten auswendig der stett, do leyten sie das wasser mit düncheln hin -und her, doselbst wonen sie, vnd empfliehē der hitz ein wenig. Es -geschieht auch etwan, das ein heisser brenner windt von einer wüsteney -kompt, do nichts dann sandt ist, der wehet so stark, das so die leut -nicht balde flühen, so hersteckte er sie alle mit der hitz.“</p> - -<p>„So bald sie prüfen, dz sich derselb wind erhebt so fliehen sie eilend -zum wasser, darin erhalten sie sich, bis der windt vberget, also -entwichen sie dem brunst den der sand bringt. Sie seehen jnn disem land -jm Wintermonat, vn̄ jm Mertzen ernden sie, dan̄ sind auch andere -frücht zeittig abzulesen, dan̄ nach dem Mertzen verdorren alle beum -am laub vnd gras, vnd findt man den gantzen summer kein grien blat, es -sey dan̄ an den wassern. Es ist ein gewonheit jnn disem land, wan̄ -ein hausvater stirbt, so beweint jn sein weib vier jar lang allen -tag zu eyner bestimbten zeit. Es samlen sich auch des abgestorbenen, -gesipte frund jnn sein haus, sambt allen seinen nachbauren, die heulen -vnd weynen, vnd machen bittere klagen do.“</p> - -</div> - -<p>Das innere Persien war den Abendländern erst seit der Mongoleninvasion -geöffnet. Polo hat es auf dem Hin- und Herwege durchkreuzt. Von Ormuz -reitet man 17 Tage über das Gebirge nach Kerman. Der Weg, den die -Reisenden machten, entspricht so ziemlich der Route des englischen -Major Smith 1866. Von Kerman aus mußte man in nördlicher Richtung die -Wüste Lut durchschneiden, in welcher man nur bitteres und salziges -Wasser findet. Die von Polo weiterhin genannte Stadt Cobinan dürfte -wohl mit der Landschaft Kuh-banan identisch sein. An den nordpersischen -Gebirgen<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span> wandte er sich ostwärts nach Balch. Hier war damals die -Ostgrenze des persischen Reichs.</p> - -<p>Diese Stadt war von den Mongolen zerstört, welche auch noch andere -volkreiche Plätze im Gebiet des obern Oxus von der Erde vertilgt -hatten. In Kunduz, der weiter östlich gelegenen Landschaft, betreten -wir die Stufenländer des gewaltigsten aller Hochländer auf der Erde. -Es werden noch die Orte Taican (d. h. Talikhan) und Casem (d. i. -Kischm, jetzt südlich von der gewöhnlichen Karawanenroute) genannt, und -wir gelangen weiter in das Hochgebirgsgebiet von Badachschan. Diese -Landschaft lehnt sich im Süden an die Schneekette des Hindukusch, -im Osten an den Steilrand der Pamir, der grasigen Hochthäler an den -Quellenbächen des Oxus. Die Straße, welche Polo zog, um nach den -tiefgelegenen Städten Yarkend und Kaschgar zu gelangen, ist in neuerer -Zeit, was den westlichen Theil betrifft, zuerst von dem englischen -Reisenden Wood 1838 wieder betreten, während die östlichen Hochpässe -über die Pamirsteppen von einem Theil der von Indien nach Kaschgar -beorderten englischen Mission unter Douglas Forsyth 1873 zum ersten -Male in neuerer Zeit überschritten sind. Die Landschaft Badachschan -war ehedem berühmt durch ihren Reichthum an Edelsteinen, namentlich -Rubinen. Die Hauptfundgruben liegen am Panjah- oder Hamunflusse (d. -i. Amu) in dem früher blühenden und volkreichen Districte von Gharan. -Jetzt ist das Thal mit Dorfruinen besäet. Die 16 englische Meilen -nördlich von dem kleinen Dorfe Barschar gelegenen Rubingruben, welche -eine Quelle des Reichthums für die Herrscher von Badachschan abgaben, -sind nahezu erschöpft. Im Jahre 1873 waren nur noch 30 Arbeiter dort -beschäftigt. Im Süden Badachschans, am Fuß des Hindukusch, war die -Fundstätte eines andern hochgeschätzten Steines, des Lasursteines oder -Lapis Lazuli, welcher im Abendlande nach der Landschaft Badachschan -oder Balakschan benannt wurde; Marco Polo schreibt Balaciam. Albertus -Magnus kennt den Stein unter dem Namen Balagius, Dante als Balascio. -Wood hat diese Fundstätten besucht. Polo rühmt hier zu Lande auch -die berühmte Pferdezucht, welche noch gegenwärtig in Blüte steht. -In der reinen Luft der Hochgebirgsthäler genas unser Reisender auch -von dem Fieber, das er sich in Persien zugezogen und das ihn Jahre -lang gepeinigt hatte. Die Schönheit der landschaftlichen Scenerien -wird von ihm gepriesen. Von Faizabad zog Polo wahrscheinlich über den -Aghirdapaß und durch die Schlucht, welche sich bei Barschar in der -Nähe der Rubingruben öffnet, hinab ins Panjahthal und gelangte so -ins Gebiet von Wakhan (Vocan), von wo der mühsame Uebergang über die -Weidethäler der großen oder der kleinen Pamir erfolgte. Der District -von Wakhan erstreckt sich von Westen nach Osten und besteht aus -rauhen Hochthälern, welche beständig von heftigen und kalten Winden -heimgesucht sind. Capitän Trotter, ein Mitglied der Gesandtschaft des -erwähnten Sir Douglas Forsyth, hat denselben Weg, wie Polo, gemacht -und ausführlich geschildert (<span class="antiqua">Journal R. Ggr. Soc. Vol.</span> XLVIII, -1878). Das am höchsten gelegene Dorf im Wakhan, Sarhadd, hat eine -Seehöhe<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span> von 3350 Meter. Weiter aufwärts macht man im Winter die -Reise auf dem gefrorenen Spiegel des Bergstroms und führt sie mit -geringeren Schwierigkeiten aus, als im Hochsommer, weil dann bei der -Schneeschmelze und der Hochfluth der Pfad im Thale vielfach versperrt -ist. Dann geht es in beständiger Folge von steilen Auf- und Abstiegen -am Gehänge hin; an einer Stelle muß man, wo der Weg abbricht, an -einer Steilwand in kürzester Frist 1000 Fuß hinanklimmen. Das von -den kirghisischen Hirten jetzt fast ganz verlassene Thal der kleinen -Pamir liegt 4000 Meter hoch. Ein kalter Wind bläst so heftig durch das -Thal, daß man kaum die Augen öffnen kann. Die verschneiten Paßhöhen, -welche die Grenze zwischen Ost- und West-Turkestan bilden und zugleich -die Wasserscheide zwischen den westlichen Abflüssen des Oxus und den -östlichen des Tarim bezeichnen, liegen über 4500 Meter hoch. Dann -beginnt die Wanderung über das eigentliche Plateau der Pamir, „des -Daches der Welt“. Die kühnen, schroffen, himmelanstrebenden Bergformen -verschwinden und flachwellige Thäler in einer Höhenlage von über 3000 -Meter treten an die Stelle, bewohnt von Kirghisen und belebt von ihren -Herden. Ueber dem breiten Thale ragt das altberühmte Taschkurghan -(„Steinschloß“) empor, der Sitz des Districtgouverneurs. Das Schloß -ist uralt, und soll von Afrasiab, einem Könige von Turan, gebaut sein. -Eine Zeit lang bestand hier eine blühende Tädschik-Colonie unter einem -erblichen Herrscher, der an China Tribut zahlte. Von hier geht der -Weg wieder zehn Tage lang durch wilde spärlich bevölkerte Gebirge -und gefährliche Pässe. „Die Berge,“ schreibt Trotter, welcher von -Kaschgar herüberkam, „sind kahl und unfruchtbar, der Weg ist schlecht -und nach Uebersteigung des Toratpasses („Pferdeschweif“), 3400 Meter -hoch, gradezu abscheulich. An einer Stelle führt er im Flußbette hin, -der, voll großer Blöcke und tiefer Wasserlöcher, zwischen senkrechten -Felswänden sich Bahn bricht. Ein paar entschlossene Leute können den -Weg gegen eine ganze Armee vertheidigen. Fast ebenso schwierig ist der -Abstieg ins Tiefland von Ost-Turkestan nach Yarkend.“</p> - -<p>Die Schilderung dieses überaus mühsamen Uebergangs über die Pamir -bildet eins der interessantesten Capitel in dem Berichte unseres -Venetianers. Möge darum seine Darstellung hier in der alten deutschen -Uebertragung eingereiht werden.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>„So man von dannen (nämlich von Wakhan) gegen auffgang zeucht, so mus -man drey gantz tag vbersich ziehen, bis man auff ein hohen berg kumbt, -der kein höhern jn der welt hat. Daselbst findt man ein ebne zwischen -zweyen bergen, darin fleußt ein schön lustig wasser, das gibt gute -weyden darumb, also das ein mager pferdt oder rindt jn zehen tagen -feyßt dauon wirt.“</p> - -<p>„Man findt auch vil wildbrets da, zuuor etlich wilde wider (<span class="antiqua">Ovis -Poli</span>) oder castrone, die haben lange hörner, daraus macht man -mangerley geschiir, dise ebne ist so lang, das man jr in zwelff tagen -kein end finden kan und heyßt Pamer (andere Lesart Pamier). So man aber -weyter zeucht, so wirt es wie eine wüsteney, vnd hat keins menschen -wonung mer, auch kein grün<span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span> gras mehr. Darumb müssen die leut mit jnen -führen, was jnen von nötten ist zur erhaltung. Es ist auch kein vogel -da, vmb der kelten willen, vnd grosser Höhe des erdtrichs, das dem vich -kein futter tragen kan.“<a name="FNAnker_27_27" id="FNAnker_27_27"></a><a href="#Fussnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a></p> - -<p>„So man ein feur da anzündt, so ist es nicht so hell, vnnd so krefftig, -als an anderen orten von wegen der vberschwencklichen kelten des -lands.<a name="FNAnker_28_28" id="FNAnker_28_28"></a><a href="#Fussnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a> Von dannen geth der weg durch die berg gen auffgang vnd -mitnacht, da findt man berg vnd thal, vnd vil wasser da zwischen, aber -keins menschen wonung, vnd kein kraut. Das landt heyßt Belor, das -zeigt ein ewigen winter an. Derselb anblick weret viertzig tagreysen -lang.<a name="FNAnker_29_29" id="FNAnker_29_29"></a><a href="#Fussnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a> Fur so viel tag mus man auch prouiand bey sich haben, doch -sicht man auff den allerhöchstn bergen, hin vnd her etlicher leut -wonungen, die seind aber vberaus bös vnd grewlich, so seind sie auch -abgöttisch, die geleben des weidwercks vnd bekleyden sich mit den -heutten von den thieren.“</p> - -</div> - -<p>Außer Wood haben das Hochland auf zum Theil verschiedenen Wegen -durchkreuzt 1861 der britische Agent Abdul Medschid auf dem Wege -nach Kokan, und Mirza 1868/9 über den Tschitschiklikpaß nordöstlich -von Taschkurgan, welchen Trotter und wahrscheinlich auch schon Polo -überstiegen. Den gewaltigen Unterschied zwischen den unwirthlichen, -menschenleeren Höhen und den blühenden Oasen in Ost-Turkestan -empfanden die venetianischen Kaufleute sofort und Marco Polo verleiht -der Wahrnehmung Worte, wenn er mit Befriedigung von den herrlichen -Weinbergen, Fruchtgärten und „anderen Ackergütern“ erzählt. Während -auf der Pamir sich einzelne Gipfel bis zu 8000 Meter erheben, ist der -tiefste Thalboden im Tarimbecken kaum 700 Meter über See gelegen. Nur -an den von der Umwallung der alpinen Hochketten aus Norden, Westen -und Süden ablaufenden Gewässern ist durch künstliche Befeuchtung des -Bodens um feste Städte eine oasenartige Kultur entstanden, die sich -an die Gebirge anlehnt. Das Tarimsystem wird im Norden und Süden -von den Schneegebirgen des Tienschan und Kwenlun begleitet, welche, -fast parallel, weit gegen Osten streichen. Daher haben sich, weil -an der Rinne des Tarim selbst wenig anbaufähiges Land sich findet, -zwei Städtereihen im Norden und Süden entwickelt, durch welche -der Weg nach China führt. Während in unsern Tagen die belebteste -Karawanenstraße durch die nördliche Städtereihe Kaschgar, Aksu, Turfan -und Komul geht, lief zu Polo’s Zeit die Route durch die südlichen -Plätze Yarkend, Iltschi (Choten), Tschertschen und an den Lopnor, das -Sammelbecken aller Gewässer Ost-Turkestans. Den Weg der Venetianer -hat kein europäischer Reisender wieder verfolgt, nur durchkreuzt hat -ihn in jüngster Zeit der kühne russische Oberst Prschewalsky, welcher -nach Polo auch zuerst den Lopsee erreichte. Im Gebiet von Choten -oder<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span> Iltschi erwähnt unser Reisender den grünlichen Chalcedon, der -dort unter dem Namen Jade bekannt ist. Die Chinesen schätzen ihn -als Yu-stein, die Perser nennen ihn Yaschin, woraus unser „Jaspis“ -geworden ist. Ueber die Stadt Tschertschen (bei Polo Ciarcian, ein -lange vergeblich gesuchter Ort), welche nach den Erkundigungen von -Prschewalsky am Tschertschen-Darja liegt, wurde die Oase Lop erreicht, -wo man sich von der beschwerlichen Wüstenreise eine Zeit lang erholen -konnte und den Thieren Rast gönnte, ehe man die große Wüstenreise zu -der ersten chinesischen Stadt antrat. Der Wüstensand liegt hier in -beweglichen Massen, die vom Winde aufgewirbelt werden. Bei den Chinesen -war dieser Wüstenstrich in früherer Zeit unter dem bezeichnenden Namen -Lu-scha, d. h. fließender Sand, bekannt. Er bildet die westliche -Fortsetzung der bekannten Scha-mo, d. h. Sandmeer.</p> - -<p>Die Bevölkerung der Oase<a name="FNAnker_30_30" id="FNAnker_30_30"></a><a href="#Fussnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a> Lop (Polo bezeichnet diese als eine große -Stadt) hat stets isolirt, wenn auch nicht völlig abgesondert von der -übrigen Welt gelebt. Prschewalsky hält den Grundstamm für arisch, -mit mongolischem und tatarischem Blute gemischt. Sie war schon zu -Polo’s Zeit mohammedanisch. Auffällig ist, daß jetzt Kamele nicht -mehr vorkommen, während unser Reisender ausdrücklich betont, daß man -sich hier zur Weiterreise mit starken Kamelen versorge, denn die -Wüstenwanderung währt einen ganzen Monat, und für diese Zeit muß man -sich mit Lebensmitteln und Futter versehen. Trinkwasser findet sich an -einigen Stellen, wenn auch nicht immer reichlich. Die größten Gefahren -der Reise liegen aber nach der Ansicht unseres Berichterstatters in -den Tücken böser Geister, die durch Namensruf und allerlei Geräusch -die Reisenden in die Irre führen und ins Verderben locken. Bei -Tage klingen diese Geisterstimmen wie „süß tönendes Saitenspiel, -Pauken und Trommeln“. Chinesische und arabische Schriftsteller -wissen gleicherweise von solchen geheimnißvollen Tönen in der Wüste -zu erzählen; auch Capitän Wood vergleicht den Ton der Schritte im -beweglichen Sande mit fernem Trommelwirbel und zarter Musik. Daß aber, -abgesehen von den ungleich erwärmten in Bewegung gerathenen sogenannten -klingenden Sandmassen andere eigenthümliche Sinnestäuschungen in den -asiatischen Wüsten zu solchem Gespensterglauben veranlassen können, -wie ihn der naive Bericht Polo’s kundgibt, dafür mögen hier die -Beobachtungen des Botanikers A. v. Bunge eingeschaltet werden, welcher -bei der Expedition Chanikoffs die auch von Polo durchschnittene Wüste -Lut in Iran durchzog. „Der Tag war glühend heiß gewesen,“ schreibt -Bunge, „die finstere Nacht — die Gewitterwolken waren herangezogen, -aber sie schwanden über der dürren Wüste, fast ohne daß ein Tropfen -herabfiel — war warm; beim gleichmäßigen Schaukeln auf dem<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span> Kamel -ängstigte — nicht mich allein — eine eigenthümliche Sinnestäuschung, -als ritte man in dichtem Walde zwischen hohen Bäumen und müsse sich -fortwährend beugen, um den Zweigen auszuweichen. Schon ehe die Sonne -aufging, traten die Erscheinungen der Luftspiegelung ein.“ (Petermann, -Mitthl. 1860. 223.) Auch <span class="antiqua">Dr.</span> O. Lenz hat bei seiner ruhmvollen -Wanderung durch die westliche Sahara von Marokko nach Timbuktu 1880, -die Erscheinungen des tönenden Sandes beobachtet als langgezogene -dumpfe Trompetentöne, welche, um das Unheimliche dieser Wüstenlaute -zu steigern, bald hier, bald dort, immer aus einer andern Gegend -herüberklingen. Lenz sucht die Ursache an der Friction der erhitzten -Quarzkörner.</p> - -<p>Erst nach 30 Tagen gelangten die venetianischen Kaufleute zur ersten -chinesischen Stadt Scha-tscheu (Saciu) d. h. Sand-ort, einem wichtigen -Platze, weil alle Wege, welche von China aus nach Westen gerichtet -sind, durch diese Stadt führen. Im Jahre 1292 ließ Kublaikaan, zur -Zeit, als Polo sich zur Heimkehr nach Europa anschickte, die Einwohner -ins Innere von China schaffen, und 1303 legte sein Nachfolger eine -Besatzung von 10000 Mann dahin, um den Platz zu sichern. In weitern -10 Tagen erreichte man Su-tscheu (Succiur, Sukchu), welches 1226 von -Tschingiskaan zerstört worden war, und weiterhin in südlicher Richtung -Kan-tscheu (Campichu), damals die Hauptstadt von Tangut, jetzt Provinz -Kan-su, nördlich vom Kuku-nor. Dann folgten die Städte Liang-tscheu-fu -(Eritschu), Sining-fu (Sinju), und Ninghia (Egrigaia)<a name="FNAnker_31_31" id="FNAnker_31_31"></a><a href="#Fussnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a>. Nicht weit -davon lag die Sommerresidenz der ehemaligen Tangutkönige am Fuß des -Alaschan (Calaschan). Von Liang-tscheu folgte Polo einer Reiseroute, -die den modernen Postweg zur rechten ließ. Die Straße, welche er zog, -heißt seit der Zeit des Kaisers Kang-hi die Courierstraße. Nach Tenduc -(jetzt Kuku-choto) verlegte Polo den Sitz des Priesters Johann, den er -in dem Ung-chan zu erkennen glaubte. Ihm fielen dort die Mischlinge -auf, deren Nachkommen wahrscheinlich in den heutigen Dunganen zu suchen -sind. Auf diesem Theil der Reise mußte Polo die berühmte chinesische -Mauer berühren, aber er erwähnt sie nicht. Man mußte denn, wie H. Yule -(Marco Polo I, 283) meint, eine versteckte Anspielung darauf in den -folgenden Worten des Reisenden finden: „Hier ist auch der Ort, den -wir das Land Gog und Magog nennen, dort heißt es Unc und Mugul.“ Yule -deutet diese Stelle dahin: hier sind wir an der großen Mauer, die als -Wall von Gog und Magog bekannt sind. Dort zu Lande nennt man sie nach -zwei Volkstämmen Ung<a name="FNAnker_32_32" id="FNAnker_32_32"></a><a href="#Fussnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> und Mongolen, welche mit der Vertheidigung der -großen Mauer betraut waren.</p> - -<p>Sieben Tage weiter kommt man endlich in das große Land Cathay, welches -überall von volkreichen Städten und Dörfern dicht besät ist. Ueber<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span> die -kunstgewerbreiche Stadt Sindatschu<a name="FNAnker_33_33" id="FNAnker_33_33"></a><a href="#Fussnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a>, welche unter der Kin-Dynastie -als Siwant-tschu bekannt war, und jetzt Siwan-hwa-fu heißt, fünf -Meilen südlich von Kalgan, gelangten die Reisenden nach Tschagannor -(Ciagannor), einem ums Jahr 1280 erbauten Palaste des Großfürsten, -wo der Kaan sich gern aufhielt, um der Jagd auf Wasservögel am See -obzuliegen. Tschagannor bedeutet „weißer See“, die Ruinen liegen etwa -6 Meilen nördlich von Kalgan. Noch drei Tagereisen weiter gegen Norden -lag die Stadt Tschan-du (Ciandu) oder Schang-tu, d. h. oberer Hof, -obere Residenz, wo der Kaan gleichfalls einen prächtigen Marmorpalast -hatte errichten lassen, dessen vergoldete Zimmer mit kunstvollen -Gemälden geziert waren. <span class="antiqua">Dr.</span> S. W. Bushell hat den Platz 1872 -besucht. Die Ruinen liegen etwa unter 40° 22′ n. Br., westlich vom -Meridian von Peking. Der jetzt verödete, übergrünte Herrschersitz, den -Polo mit besonderer Ausführlichkeit beschreibt, erhob sich am sumpfigen -Ufer eines Flusses, der noch jetzt den Namen Schan-tu trägt. Bei den -Mongolen heißen die Ruinen Djao-Naiman Sume Khotan, d. h. Stadt mit -108 Tempeln. Marmorfragmente von Löwen, Drachen und anderen Bildwerken -zeigen die Stätten der ehemaligen Tempel und des Palastes.</p> - -<p>Die bisher genannten Fürstensitze lagen jenseit der großen Mauer auf -dem Gebiete der eigentlichen Mongolei. Seitdem China dem mongolischen -Weltreiche einverleibt worden, war die erste und größte Residenz, in -welcher der Kaiser die Wintermonate, December, Januar und Februar -verlebt, hierher verlegt worden. Dieser „große Hof“, als Stadt -Tatu oder Taidu genannt, bestand seit 1264. Sein Name Kaan-baligh, -„Stadt des Kaan“, war in der abendländischen Form Cambaluc, Canbalu -Jahrhunderte lang mit den Vorstellungen größter Fürstenpracht -und größten Glanzes verbunden, ehe er dem modernen „Pe-king“ -(Nord-Residenz) weichen mußte.</p> - -<p>Der großartigen Hofhaltung des mongolischen Kaisers widmete Polo die -eingehendste Beschreibung. Da die Venetianer von Kublai auch bei -diesem ihren zweiten Besuche auf das Huldreichste aufgenommen wurden -und sich seiner dauernden Gunst erfreuten, so war der jüngere Marco -auch mehr als andere in der Lage, bei der Beschreibung des Hofstaates -und tatarischen Regiments in China zahlreiche Einzelbeobachtungen -und Wahrnehmungen mitzutheilen. Marco Polo gewann in dem Grade das -Vertrauen des Großfürsten, daß dieser ihn in besonderer Sendung -nach den südlichen Provinzen Chinas und bis an die Grenzen seines -Reiches abordnete. Dadurch wurde dem Abendland zuerst der Blick in -die Großartigkeit der chinesischen Welt eröffnet. Die Reise ging von -Peking in südwestlicher Richtung durch die Provinzen Schansi, Schensi -und Szytschuán bis nach Yün-nan und bog dann nach Osten gegen das -Meer ab. Den ersten Theil des Weges hat v. Richthofen 1871 verfolgt -und seinen Untersuchungen verdanken wir besonders das neue Licht,<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span> -das auf die Weglinie des Venetianers gefallen ist. Wir begleiten -den kaiserlichen Agenten über Tschou-tschou (Juju) zunächst nach -T’aiyüan-fu (Taianfu) der Hauptstadt von Schansi, wo im 8. Jahrhundert -die Tang- und später die Ming-Dynastie residirte und wo, bei dem -sehr bedeutenden Reichthum an Kohlen und Eisen, seit alter Zeit die -Eisenindustrie blühte, welche im 13. Jahrhundert namentlich Waffen -fertigte. Sieben Tagereisen weiter folgte die in einem breiten Thal -des nordchinesischen Lös gelegene Stadt Pingyang-fu (Pian-fu). Nach -Ueberschreitung des Hwang-ho, den Polo unter dem mongolischen Namen -Caramoran, d. h. schwarzer Fluß, kennt, gelangt man in 10 Tagen zu -einer der merkwürdigsten Städte des Landes, nach Si-ngan-fu (Kenjanfu -bei Polo, Kansan bei Odorich von Pordenone). Als die Hauptstadt vieler -mächtiger Herrschergeschlechter, von deren Bedeutung auch unser -Gewährsmann Kunde erhalten hat, vielleicht schon das Θιναι -des Ptolemäus, und im 7. Jahrhundert der Sitz blühender Kirchen, kann -man diese Stadt wohl als die berühmteste in der chinesischen Geschichte -bezeichnen. Dann führt der Weg durch den von wilden Gebirgen erfüllten -südlichen District der Provinz Schensi und jenseits Han-tschung durch -das Tsinglinggebirge, wo seit alter Zeit die Straßen in Zickzack in den -Felsen gehauen sind. Polo brauchte 20 Tage, um über diese Gebirge nach -Tsching-tu-fu (Sindafu), der gegenwärtigen Hauptstadt von Szy-tschuan -zu gelangen. Die herrliche Ebene, in welcher die Stadt liegt, die, von -800,000 Menschen bewohnt, jetzt zu den schönsten Städten Chinas zählt, -breitet sich am Fuße des plötzlich abfallenden tibetanischen Plateaus -aus und hatte damals „vil stett vnd schlösser vnd dörffer“. Die -Ostgrenze Tibets war zu jener Zeit viel weiter nach Osten vorgeschoben -als jetzt; die Stadt Ya-tschou-fu, welche man in weitern fünf Tagen -erreicht, gehörte damals bereits zu Tibet und auch heutzutage liegt -sie an der Westgrenze des nur von Chinesen bewohnten Gebietes. Sie -bildet den Schlüssel zu dem westlichen Hochlande. Ueber 3000 Meter hohe -Pässe ging’s weiter nach Süden, 20 Tage ritt Polo durch menschenleere -Gebirge, so daß die Reisegesellschaft genöthigt war, alle Lebensmittel -mitzuführen. Jetzt gibt es auch an dieser Straße einige Ansiedlungen -und feste Plätze mit chinesischen Garnisonen, welche dem Wanderer gegen -die unabhängigen Lolo Schutz gewähren. Kurz vor der Stadt Ning-juan-fu -erreichte man wieder eine schöne, von einem Zufluß des Yang-tse-kjang -bewässerte Thalebene, welche die Chinesen als eine Art irdisches -Paradies preisen. Polo nennt die Stadt und Landschaft Caindu, ein Name, -welcher der noch jetzt im Volke üblichen Bezeichnung Kian-tschang -entspricht. Polo rühmt hier ein gewürztes Getränk, das aus Weizen, Reis -und andern Spezereien bereitet werde. Dieser gewürzte Wein steht noch -in gutem Ruf. Auch die Cassiablütenknospen, ein noch jetzt geschätztes -Produkt des Thales, werden unter den Landesprodukten als „Gewürznelken“ -aufgeführt.</p> - -<p>Nahe der südlichsten Biegung des Stromes wurde der obere Yang-tse-kjang -(bei Polo Brius) überschritten und dann die Landschaft Carajang (d. -h.<span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span> schwarzes Jang, nach den schwarzen Bewohnern) erreicht. Es bildet -den nördlichen Theil von Yün-nan, dessen Hauptstadt damals Ya-schi, -jetzt Yün-nanfu heißt. Der weiter westlich gelegene Hauptort von -Carajang trägt auch bei Polo diesen Namen, jetzt Talifu.<a name="FNAnker_34_34" id="FNAnker_34_34"></a><a href="#Fussnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a> Auf den -südwestlichen Gebirgen, welche die Grenze gegen den modernen Staat -Birma bilden, erkennen wir in den Bewohnern, welche ihre Zähne zu -vergolden pflegen, die Kakhyens oder Singpho, deren waldiges Bergland -Polo unter der persischen Bezeichnung Zardandan, d. h. „Goldzahn“ -beschreibt. Jenseit dieser Gebirge, über die man mehrere Tage beständig -abwärts reitet, öffnet sich das obere Thal des Irawadi. Polo nennt es -Amien, bei den Chinesen heißt Birma oder Ava noch jetzt Mien. Durch das -Thal des Schweli stieg der Reisende zum Iravadi hinab nach Alt-Pagan -oder Tagoung (Tagong), wo über den Königsgräbern zwei fingerdick mit -Gold und Silber belegte Thürme sich erhoben. Weiter scheint unser -Reisender nicht vorgedrungen zu sein als bis nach Ta-gang, welches -1283 auch der mongolischen Weltmacht unterthan gemacht war. Nur von -Hörensagen berichtet er weiter von den Landschaften Bangala (d. i. -Bengalen), Cangigu (d. i. Tung-king, chines. Kiaotschi-kwe), Anin im -südlichen Yün-nan,<a name="FNAnker_35_35" id="FNAnker_35_35"></a><a href="#Fussnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a> Coloman, d. h. Kolo-barbaren, an der Grenze von -Kwei-tschou (Cuiju bei Polo). Von hier aus macht die Vortragsweise Polo -wieder den Eindruck, als ob er auf seiner Rückreise aus Südwesten die -Schilderung seiner eignen Route wieder aufnehme. Er zog wahrscheinlich -von Yünnan-fu auf einem mehr östlich gelegnen Wege gegen Norden, setzte -bei Siü-tschou über den blauen Strom und erreichte in Tsching-tu-fu -seine frühere Straße wieder, um nun nach Cambalu seine Rückkehr zu -vollenden.</p> - -<p>Drei Jahre stand Marco Polo dann als Gouverneur in der großen Stadt -Yang-tschou nordöstlich von Nan-king, machte darauf mit seinem -Onkel Maffeo längeren Aufenthalt in Kantschou in Tangut und hat -wahrscheinlich auch Karakorum besucht. In diese Zeit fällt auch des -Großfürsten vergeblicher Eroberungszug gegen das blühende Inselreich -Zipangu (Japan), dessen Name Dschi-pen-kwe „Land des Sonnenaufgangs“ -zur Zeit des Columbus neben Indien und Cathay einen besonderen Lockreiz -auf alle abenteuernden Entdecker ausübte.</p> - -<p>Die venetianischen Kaufleute weilten bereits über 20 Jahre in China, -ehe sie eine günstige Gelegenheit fanden, ihre Heimat wieder zu sehen; -denn der Kaan wollte sie ungern entlassen. Diesen günstigen Anlaß zur -Abreise<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> bot nun die Entsendung der Prinzessin Kokatschin nach Persien, -wo sie mit Argunchan, dem Großneffen Kublais, vermählt werden sollte. -Der Kaan gab ihnen 2 goldene Täfelchen als Geleitsbriefe und Empfehlung -in allen seinen Landen und beauftragte sie auch noch mit einer -Botschaft an die Könige von Frankreich, England und Spanien, sowie an -andere Könige der Christenheit. Das Gefolge der Prinzessin bestand aus -600 Personen. Von Cambalu ging die Reise bis zum Seehafen von Zayton zu -Land und dann zur See. Auf dieser Landreise, welche Polo gleichfalls -beschreibt, sah er die der Ostküste näher gelegenen Provinzen mit ihrem -wimmelnden Völkerleben in den Riesenstädten, die alles übertrafen, was -das Abendland bieten konnte, die mit ihrem Reichthum, Gewerbfleiß und -überaus belebten Handel einen unverlöschlichen Eindruck zunächst auf -den Reisenden und nach dessen Erzählungen bei allen Völkern Europas, -namentlich den seefahrenden Nationen hervorbrachte, so daß an diesen -glühenden Schilderungen sich die Reise- und Entdeckungslust entzündete.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p65" name="abb_p65"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p65.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Goldenes Geleitstäfelchen mongolischer Fürsten.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Das Original, in Ost-Sibirien gefunden, ist - viermal so lang und breit.)</p> -</div> - -<p>Von Peking ging die Landreise zuerst gerade nach Süden über Hokian-fu -(Cacanfu), bei Tsinanfu (Chinangli) erreichte man damals, wie auch -heute wieder, den großen Strom, den Hwangho, welcher später und bis -vor 30 Jahren südlich um das Bergland von Schantung sich ins gelbe -Meer ergoß. Größtentheils auf dem Kaisercanal führt der Weg gegen -Südsüdosten durch Kiangsu bis zum Yang-tse-kjang und zur altberühmten -Stadt Jangtschen (Yanju, auf der catalanischen Karte von 1375 als -Jangio) wo M. Polo auf Befehl des Kaan drei volle Jahre, zwischen 1282 -und 1287 die Verwaltung geleitet hatte. In der Nähe dieser Stadt floß -bei Tschin-tschou oder I-tschin-tschou (Sinju) der blaue Strom vorüber, -auf dem Polo einmal 15,000 Schiffe vor der Stadt liegen sah. Nach den -Angaben der dortigen Kaufherren liefen jährlich gegen 200,000 Schiffe -den Fluß hinauf. Ueber die großen Plätze Tschang-tschen (Chinginju) und -Su-tschen (Suju) zogen sie dann in Hang-tschen ein. Polo nennt diese -größte aller Städte Kinsay oder Quinsai, nach dem chinesischen Namen -King-sze, d. h. Hauptstadt; denn sie war seit 1127 die Residenz der -Song-Dynastie gewesen. Keine Stadt der Welt hat unsern Reisenden mehr -in Erstaunen gesetzt als diese, keine hat er so eingehend beschrieben; -aber leider hat Polo, indem er das chinesische Wegmaß<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> „Li“ einer Meile -gleichsetzt, die Verhältnisse gewaltig übertrieben. Diese schönste -Stadt der Welt mit ihren meilenlangen, gepflasterten Straßen sollte -100 Meilen<a name="FNAnker_36_36" id="FNAnker_36_36"></a><a href="#Fussnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a> im Umfange haben. Die ganze Stadt lag, von Wasser -umgeben, von Canälen durchzogen, in der Niederung, nahe dem Meere; -12,000 Steinbrücken führten über die Canäle. Es gab 1,600,000 Häuser -und darunter viele stattliche Paläste. An jedem Hause war auf einer -Tafel die Anzahl der Bewohner zu lesen. Die zwölf gewerbtreibenden -Zünfte verfügten über 12,000 Häuser mit Arbeitern. In den Hauptstraßen -wogte ein unaufhörlicher Verkehr, Wagen folgten auf Wagen. Die -Einkünfte, welche der Kaan von hier bezog, sollten sich jährlich auf -fast 200 Mill. Mark (!) belaufen. Und um die Größe der Bevölkerung zu -veranschaulichen, hatte ein kaiserlicher Beamter erzählt, daß täglich -fast 10,000 Pfd. Pfeffer consumirt würden. Der neben der Stadt gelegene -Palast hatte 10 Meilen (Li) Umfang, umfaßte 20 in Gold gemalte, große -Hallen, gegen 1000 auf das herrlichste geschmückte Zimmer und war von -schönen Gärten mit Springbrunnen und Teichen umgeben. Die Stadt lag -unfern des Meeres, an welchem <em class="gesperrt">Ganfu</em><a name="FNAnker_37_37" id="FNAnker_37_37"></a><a href="#Fussnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a> einen ausgezeichneten -Hafen der Stadt bildete. Das ganze Küstengebiet hat seit jener Zeit -wesentliche Veränderungen erlitten. Die See ist näher an die Stadt -gerückt, die Stätte des Hafens ist unter den Spiegel des Wassers -gesunken, und die Metropole selbst hat gegenwärtig nur 35 Li Umfang. -Auch nach Polo’s Zeit ist diese Weltstadt von abendländischen und -arabischen Reisenden beschrieben, so von Odorich, welcher 1324–27 in -China weilte, von Marignolli (1342–47), welcher sie Campsay nennt, von -Wassaf, Ibn Batuta u. a.</p> - -<p>Von King-sze ging dann die Reise weiter durch die jetzigen Provinzen -Tsche-kjang und Fu-kian nach dem Seehafen Fu-tschen (Fuju, aus der -catal. Karte Fugio). Die leicht erregbare Bevölkerung dieser Capitale -Südchinas mußte stets durch starke mongolische Besatzung niedergehalten -werden, da sie zu Revolten geneigt war. Der weiter südlich gelegene -berühmte Hafen Zayton (Caiton, Çaiton, auf der catalon. Karte Caxum) -war der Sammelplatz der Indienfahrer und einer der größten Handelshäfen -der Welt. Wir haben diesen später sprichwörtlich berühmten Hafen -südlich von Fu-tschen in der Stadt Tsiuan-tschen zu suchen, doch -mögen die Vorhäfen dieses Platzes sich noch bis an das wundervolle, -geräumige Hafenbecken von Amoy erstreckt haben. Das östlich gelegene -Meer ist das Meer von „Tschin“. Nur an dieser einzigen Stelle (<span class="antiqua">lib. -III, cap.</span> 4) nennt Polo den jetzt üblichen Landesnamen China, aber -in persischer Form. Ein anderer Name dafür war das Meer von Manzi, -d. h. Südchina. Nach Angabe der Seeleute, welche in diesen Gewässern -verkehrten, gab es in jenem Meere 7459 Inseln.<a name="FNAnker_38_38" id="FNAnker_38_38"></a><a href="#Fussnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span> Von dort kamen -weißer und schwarzer Pfeffer und alle anderen geschätzten Spezereien. -Jahreszeitliche, regelmäßig wechselnde Winde beförderten den Verkehr -mit den Gewürz-Inseln.</p> - -<p>Von Zayton aus verließ Polo das Reich der Mitte. Die Namen King-sze -und Zayton, Zipangu und Manzi behielten Jahrhunderte lang ihren -zauberisch lockenden Klang für die handeltreibenden Völker des -Abendlandes. Nachdem man für das Gefolge der Prinzessin, welche nach -Persien geleitet werden sollte, im Hafen von Zayton 13 Schiffe, jedes -mit vier Masten, ausgerüstet und auf zwei Jahre mit Lebensmitteln -versehen hatte, stach man im Anfang des Jahres 1292 in See. Nach einer -Fahrt von angeblich 1500 Meilen kam die Ostküste von Hinterindien -in Sicht, dort lag das seit 1278 dem Großkaan tributäre Königreich -Tschampa (Cyamba) zwischen Tongking und Cambodja. Bei den Arabern hieß -es Sanf, und durch das Meer von Sanf führt nordwärts der Seeweg nach -China. Um die altberühmte, den Seefahrern bekannte Landmarke der jetzt -französischen Inselgruppe Pulo Condor bog der Weg westwärts nach dem -an Elephanten, Gold und Farbholz reichen Locac (Siam) ab. Eigentlich -bestanden zwei Königreiche dort, von denen das nördliche eigentliche -Siam bei den Chinesen Sien-lo, das andere, näher der See gelegene -Lo-hoh hieß. Nach der bei Polo mehrfach vorkommenden Vertauschung von -h mit c oder k, wurde aus Lo-hoh Lokok und Lococ (d. h. das Königreich -Lo). Bei der weiteren Küstenfahrt gewann die Gesandtschaftsflotte bei -der Insel Pentam (Bintang, östl. v. Singapur) das Südende Asiens, -„wo alle Wälder aus wohlriechendem Holze“ bestehen, und steuerte nun -nach Sumatra. Polo nennt hier einen Staat Malaiur; nach der Deutung -H. Yules haben wir darin Palembang auf Sumatra zu erkennen, welches -auch im 16. Jahrhundert noch bei den Malaien unter dem Namen Malayo -bekannt war. Die ganze Insel nennt unser Gewährsmann Klein-Java. An den -gewürzreichen Gestaden dieser großen Insel wurde die Expedition längere -Zeit aufgehalten, so daß sich Gelegenheit bot, die sechs Königreiche in -dem nördlichen Theil der Insel zu besuchen. Eines darunter trägt den -Namen Samara, vermuthlich Samatra (Sumatra). Um zu zeigen, wie weit -die Gebiete nach Süden gelegen sind, fügt Polo hinzu, daß man hier den -Polarstern oder die Sterne des Maestro (großer Bär?) kaum noch zu sehen -vermöge. In einem andern Königreiche Fanfur, woher der beste Kampfer -stammte, lernte er auch das wohlschmeckende Mehl der Sagopalme kennen. -Durch die Malakastraße steuerte das Geschwader nordwestlich zu den von -wilden schwarzen Menschen bewohnten Inseln Necuveran (Nikobaren) und -Angamanain (Andamanen), deren Bewohner Hundsköpfe haben. Das stupide, -prognathe Gesicht jener Negrito ist schon frühzeitig den Abendländern -aufgefallen, bereits der Grieche Ktesias spricht davon.</p> - -<p>Von da segelte man mit südwestlichem Cours nach der durch ihre -Edelsteine und Perlen berühmten Insel Seilan (Ceylon), aus deren -Mitte sich über dem Waldlande die Felsenspitze des Adamspik als ein -vielbesuchter<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span> Walfahrtsort erhob. Von da setzte man nach der Ostküste -Vorderindiens über, wahrscheinlich nach Tandschur. Der ganze Landstrich -hieß damals bei den Arabern Maabar oder Mabar, d. h. Ueberfahrt, -(nämlich nach Ceylon); jetzt trägt die Küste den Namen Koromandel. -Hier begegnen wir in der Gegend von Madras auch der sehr alten -Ueberlieferung, daß der Apostel Thomas in Indien gepredigt habe und daß -durch ihn die Gemeinde der Thomaschristen begründet sei. Dann wurde die -zu jener Zeit blühende, jetzt verödete und zu einem Dorf herabgesunkene -Handelsstadt Kail (bei Nicolo Conti im 15. Jahrhundert Kahila) besucht. -Dieser Hafenplatz lag nahe der Mündung des Tamraparniflusses im -District Tinnevelly. Die Südspitze Indiens bildete das Land Comari.<a name="FNAnker_39_39" id="FNAnker_39_39"></a><a href="#Fussnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a> -Im Reiche Melibar (Malabar) auf der Westküste, die besonders durch den -Reichthum von Pfeffer und Ingwer gesegnet ist, war man schon bedeutend -wieder nordwärts gerückt, „denn der Polarstern erhebt sich schon zwei -Ellen über dem Wasser“. In Gozurat (Guzerat) steht er bereits sechs -Ellen hoch. So wurde also eine Umfahrt fast um die ganze indische -Halbinsel ausgeführt, ehe man an der öden Küste von Mekran entlang nach -Ormuz steuerte. Bevor Polo das Schiff verläßt, wirft er noch einen -Blick über die westlichen Regionen und Gestade des indischen Oceans. -Hier beruhen seine Mittheilungen nur auf Erkundigungen und enthalten -daher manches Irrige oder Falschverstandene. Bemerkenswerth sind seine -Angaben über die Christen aus Socotra, welche bereits im 6. Jahrhundert -dem Indienfahrer Kosmos bekannt waren, und sogar nach den Angaben des -Carmelitermönches Vincenzo noch im 17. Jahrhundert existirt haben -sollen. Auch die Insel Sansibar (Zanzhibar) tritt in den Gesichtskreis. -Von allen Reisenden zuerst nannte Polo auch die große Insel Madagascar; -da er sie aber irrthümlich von Elephanten und Kamelen belebt sein läßt, -so liegt die Vermuthung nahe, daß er Nachrichten aus Magadascho auf der -Ostküste Afrikas mit Berichten aus Madagascar zusammengeworfen habe.</p> - -<p>Weiter südlich über jene Insel hinaus aber kann man nicht ohne Gefahr -in den Ocean vordringen, weil eine gewaltige Strömung die Fahrzeuge -unwiderbringlich nach Süden reißt. Und wenn uns von 12,700 Inseln -erzählt wird, welche im indischen Meere liegen sollen, so werden wohl -die Korallen-Ringe der Lakkediven, d. h. 100,000 Inseln und der Titel -des Sultans der Malediven, der sich Herr der 12,000 Inseln nannte, -dabei besondere Berücksichtigung gefunden haben.</p> - -<p>Erst im Jahre 1294 kam die bedeutend an Mitgliederzahl -zusammengeschmolzene Gesandschaft nach Persien, denn ein großer Theil -des ursprünglich aus 600 Personen bestehenden Gefolges war während -der Reise gestorben. Auch Argunchan, dem die Braut bestimmt war, war -inzwischen (am<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span> 10. März 1291) aus dem Leben geschieden. Ihm war sein -Bruder Kaichatu (Kiacatu) in der Herrschaft gefolgt; dessen Sohn, Gasan -(Casan), trat an die Stelle seines verstorbenen Ohms und heiratete die -Braut. Kaichatu selbst aber empfing die Poli in fürstlicher Weise und -gab ihnen auf ihrer Weiterreise die umfassendsten Geleitsbriefe mit, -so daß sie in unsicheren Gegenden zuweilen unter dem Schutze von 200 -bewaffneten Reitern dem Abendlande zueilten. Von Persien aus schlugen -sie über Bagdad den nördlichen Weg ein über das armenische Hochland -nach Trapezunt und gelangten von da zu Schiff über Konstantinopel und -Negroponte im Jahre 1295, nach 25jähriger Abwesenheit wieder in ihre -Vaterstadt Venedig.</p> - -<p>Fassen wir noch einmal die Resultate dieser epochemachenden Reise -zusammen,<a name="FNAnker_40_40" id="FNAnker_40_40"></a><a href="#Fussnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> so war Marco Polo der erste Reisende, welcher ganz Asien -der Länge nach durchzog und die einzelnen Länder beschrieb. Er sah -die Wüsten Persiens und die grünen Hochflächen und wilden Schluchten -Badachschans, die Jade-führenden Flüsse Ost-Turkistans und die Steppen -der Mongolei, die glänzende Hofhaltung in Cambalu und das Volksgewimmel -in China. Er erzählte von Japan mit seinen goldbedeckten Palästen, von -Birma mit seinen goldenen Pagoden, schildert zuerst die paradiesischen -Eilandfluren der Sundawelt mit ihren aromatischen Gewürzen, das ferne -Java und Sumatra mit seinen vielen Königreichen, mit seinen geschätzten -Erzeugnissen und seinen Menschenfressern; er sah Ceylon mit seinen -heiligen Bergen, besuchte viele Häfen Indiens und lernte dieses im -Abendlande noch immer von Sagen verhüllte Land in seiner Größe und -seinem Reichthum kennen. Er gab zuerst im Mittelalter einen klaren -Bericht von dem christlichen Reiche in Abessinien und drang mit seinem -Blick einerseits bis nach Madagascar vor, andererseits zog er im Innern -Asiens Erkundigungen über den höchsten Norden, über Sibirien ein, über -das Land der Finsterniß, wo weder Sonne noch Mond noch Sterne scheinen -und ein ewiges Zwielicht herrscht, wo man auf Hundeschlitten fährt oder -auf Renthieren reitet, ein Land, hinter welchem endlich ein eisiger -Ocean sich ausdehnt.</p> - -<p>Wissenschaftliche Bildung besaß Polo nicht. Er wundert sich darüber, -daß Sumatra so weit im Süden liegt, daß der Polarstern aus dem Gesicht -verschwindet und die Inseln im Eismeer auf der andern Seite so weit im -hohen Norden sich befinden, daß man den Polarstern hinter sich läßt. -Die Himmelsgegenden, nach denen der Weg führte, oder wohin Länder ihrer -Lage nach angegeben werden, sind oft falsch bestimmt, seine Wegelängen -erscheinen vielfach übertrieben.</p> - -<p>Vor allem aber ist zu beklagen, daß er nicht Chinesisch verstand, -obwohl er so lange im Lande weilte und sogar officiell mit dem Volke -verkehren mußte. Daher die falschen Uebersetzungen und Erklärungen -chinesischer Namen, wie wenn er King-sze als Stadt des Himmels deutet; -daher auch die Verstümmelung<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span> der Ortsnamen und seltsame Schreibweise -derselben. Zwar berichtet er über mancherlei interessante Einrichtungen -im Lande, von den wohlgepflegten, mit Bäumen bepflanzten Heerstraßen, -den Posten und Läufern, den zur Bequemlichkeit der Reisenden an der -Straße errichteten Gasthäusern und der polizeilichen Beaufsichtigung -des Fremdenverkehrs in den großen Städten. Er erwähnt zwar die -Einrichtung von Kornmagazinen, den Gebrauch der Steinkohlen, die -weitverbreitete Anwendung des Papiergeldes; aber andere wesentliche -Eigenthümlichkeiten und Erfindungen bleiben unbeachtet und nach dieser -Richtung erscheint das Werk lückenhaft. Wir vermissen Mittheilungen -über die Magnetnadel, über Pulver, über Bücherdruck, künstliches -Eierausbrüten und Fischerei mit Kormoranen; auch des Thees geschieht -keine Erwähnung. In der neuen Geschichte Asiens erscheint Polo ungenau. -Allein man muß auch erwägen, unter welchen Verhältnissen sein Buch -entstand. Kaum von seiner weiten Reise zurückgekehrt, nahm er an dem -Kriege theil, in welchen Venedig mit seiner Rivalin verwickelt war, -wurde noch im Jahre 1295 in der Seeschlacht bei Corzola, einer der -dalmatischen Inseln, gefangen genommen und nach Genua gebracht, wo -er in der Gefangenschaft einem Genossen, dem Pisaner Rusticiano oder -Rustichello seinen Bericht dictirte. — Trotzdem gehört Marco Polo zu -den geographischen Classikern des Mittelalters.</p> - -<p>Ursprünglich war der Bericht, noch nicht in Bücher und Capitel -abgetheilt, in altfranzösischer Sprache niedergeschrieben, wie man -dies aus der grade hier am meisten bewahrten Naivität der Erzählung -mit ihrer stereotypen Redeweise und ihrer Unbehilflichkeit im -Ausdruck, aber auch aus der hier annähernd correctesten Schreibweise -der Eigennamen erkannt hat. Dann wurde das Werk ins Lateinische, -Italienische übersetzt und überarbeitet.</p> - -<p>Trotzdem hat sein Bericht nicht plötzlich gewirkt. Seine Zeitgenossen -Dante und Sanudo erwähnen ihn noch nicht; wohl aber citirt ihn sein -persönlicher Freund Pietro di Abano (geb. 1250 in Abano bei Padua, -gest. 1316). Den ersten Einfluß auf die Ländergemälde verspürt man in -der catalanischen Karte von 1375, wo Vorder-Indien als Halbinsel sich -aus den von Ptolemäus gezogenen engen Schranken loslöst und manche -Landschaften Indiens und Südchinas ganz richtig gezeichnet sind.</p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="vollbild_p70" name="vollbild_p70"> - <img class="mtop2" src="images/vollbild_p70.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">Lith. Kunst-Anst. v. Aug. Kürth, Leipzig</p> - <p class="s7 center antiqua mbot1">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin</p> - <p class="s5 center">C<span class="smaller">HINESISCHES</span> P<span class="smaller">APIERGELD</span> - <span class="s7">AUS DER</span> - M<span class="smaller">ING</span>-D<span class="smaller">YNASTIE</span> (1368–1645).</p> - <p class="center antiqua">Facsimile Reproduction in ¼ der natürl. Größe - (Original in Paris).</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p70_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Die erste deutsche Uebersetzung erschien 1477 unter dem Titel: „Das -ist der edel Ritter Marcho Polo von Venedig der große Landfahrer, der -uns beschreibt die großen Wunder der Welt, die er selbr gesehenn hat. -Von dem auffgang pis zu dem undergang der sunnen, dergleychen vor -nicht meer gehort seyn. Diß hat gedruckt Friczs Creüßner zu Nurmberg -nach cristi gepurdt 1477.“ Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Polo’s -Bericht von den Kartographen in ausgiebiger Weise gebraucht und auch -misbraucht, indem man oft in unkritischer Methode seine Länder und -Städte über die Erdräume vertheilte. Trotzdem bildete es das wichtigste -Fundament für die Kenntniß des östlichen und südlichen Asien, bis -seine unbestimmten Angaben<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span> durch bessere, auf mühsamen Landreisen -gewonnene Resultate ersetzt werden konnten. Das schönste von allen -Resultaten, meint Libri,<a name="FNAnker_41_41" id="FNAnker_41_41"></a><a href="#Fussnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a> welches dem Einfluß Polo’s zu danken, -sei dieses, daß Columbus durch seine Schilderungen zur Entdeckung der -neuen Welt angeregt worden, und daß er, eifersüchtig auf Polo’s Ruhm, -es für seine Lebensaufgabe gehalten, Zipangu zu erreichen, von dem der -Italiener solche Wunderdinge berichtet habe.</p> - -<p>Allein H. Yule (a. a. O. I, 103) bemerkt mit Recht dagegen, daß -Columbus die Berichte Polo’s nur aus zweiter Hand kenne und zwar -aus einem Briefe Toscanelli’s. Polo’s Namen nennt der Entdecker der -neuen Welt nicht. Seine feste Ueberzeugung von der Schmalheit des -westlichen Oceans leitet sich nicht aus der Berechnung der Entfernungen -asiatischer Länderräume nach Polo’s Angaben her, wonach Ostasien -bis weit in den großen Ocean hinein sich erstrecken müßte, sondern -stammt von seinem beliebten Gewährsmann, dem Cardinal d’Ailly, welcher -seinerseits sich wieder auf Roger Bacon berief.</p> - -<p>Ob sich Karten, von Polo’s Hand entworfen, noch länger erhalten, bleibt -zweifelhaft. Doch wird erzählt, daß der Prinz Pedro von Portugal 1426 -von der venetianischen Signoria eine Karte erhielt, welche entweder ein -Original oder eine Copie von einer durch Polo selbst gefertigten Karte -gewesen sein soll.</p> - -<h4 id="Die_spaeteren_Missionsreisen">5. Die späteren Missionsreisen und -Handelszüge.</h4> - -<p>Polo hatte in Asien eine Reihe von Nachfolgern, namentlich -glaubenseifrige Mönche, welche zwar nicht so umfassende Reisen wie der -venetianische Kaufmann machten, aber doch manche Ergänzungen seines -Berichtes brachten und namentlich dazu beitrugen, daß noch längere Zeit -das Interesse für die östliche Welt lebhaft erregt blieb.</p> - -<p>Der erste unter diesen Missionaren war der Franziskaner <em class="gesperrt">Johann von -Montecorvino</em> in Süditalien, geb. 1247, gest. um 1328. Derselbe -befand sich zu gleicher Zeit mit den Poli in Asien. Im Jahre 1289 -vom Pabste entsendet, ging er in Begleitung des Kaufmanns Petrus de -Lucalongo nach Persien und weiter nach Indien, hielt sich dort bei -den Thomaschristen längere Zeit auf und konnte über Land und Leute -manches neue erzählen. Seine Erlebnisse und Beobachtungen sind in -einem Briefe niedergelegt, welchen er von Maabar in Ober-Indien 1292 -oder 1293 nach dem Abendlande sendete. Indien heißt bei ihm Maebar. -Die Bewohner der dekhanischen Halbinsel sind eigentlich nicht schwarz, -sondern olivenfarben und von schöner Gestalt. Ihre tägliche Nahrung -besteht in Reis und Milch; Brot und Wein kennen sie nicht. Unter den -Produkten werden Pfeffer, Ingwer und Bersi (Brasilholz) besonders -erwähnt. Montecorvino ist der erste abendländische Reisende, welcher -Zimmt als ein wichtiges Erzeugniß Ceylons<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span> nennt. Auch kennt er die -eigenthümliche Schrift auf Palmblätter. Die jahreszeitlichen Winde -(die Monsune) regeln die Schifffahrt, auch die Regen sind an bestimmte -Zeiten gebunden. Südlich vom indischen Meere gibt es kein Festland -mehr, sondern nur Inseln, und zwar mehr als 12000,<a name="FNAnker_42_42" id="FNAnker_42_42"></a><a href="#Fussnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a> von denen aber -ein Theil unbewohnt ist.</p> - -<p>Von Indien wandte sich Montecorvino nach China an den Hof Kublais; -diesen Fürsten, den Gönner Polo’s, fand er aber nicht mehr unter den -Lebenden. Kublai starb 1294.</p> - -<p>Von Cambalu aus, wo 1305 eine Kirche gebaut und ein Kloster gegründet -wurde und wo der Franziskaner das Oberhaupt der christlichen Gemeinde, -im Range eines Erzbischofs<a name="FNAnker_43_43" id="FNAnker_43_43"></a><a href="#Fussnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a> wurde, schrieb er noch zwei Briefe in -die Heimat, im Januar 1305 und im Februar 1306. Ein dritter Brief, oder -eigentlich der Schluß des zweiten Briefes, ist später von Menentillus -von Spoleto mitgetheilt, woraus man früher die irrthümliche Folgerung -zog, daß Menentillus selbst in China geweilt habe. Montecorvino scheint -der erste und auch der letzte Erzbischof von Cambalu gewesen zu -sein.<a name="FNAnker_44_44" id="FNAnker_44_44"></a><a href="#Fussnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a></p> - -<p>Zwischen 1316 und 1318 folgte seinen Spuren ein anderer Ordensbruder -<em class="gesperrt">Odorich von Pordenone</em> in Friaul. Er nahm seinen Weg über -Konstantinopel, Trapezunt und Armenien nach Tebris, wo zwischen 1284 -und 1291 bereits ein Pisaner Kaufmann, Jolus oder Ozolus ansässig -gewesen war. Ueber Sultanieh und Kaschan ging er nach Jesd. Auf Kreuz- -und Querzügen, abseits von dem gewöhnlichen Karawanenwege, scheint er -an den persischen Golf gekommen zu sein. Er schildert die beweglichen -Sandmassen der Wüsten im Innern Persiens, rühmt die ausgezeichneten -Feigen und grünen Trauben von Jesd, besuchte die öden Palasttrümmer -von Comerum (wahrscheinlich Persepolis) und ging über Schiras ins -Tigristhal hinab nach Bagdad. Am babylonischen Thurme vorbei gelangte -er ans persische Meer und nach Ormuz, stieg hier zu Schiff und fuhr auf -einem gebrechlichen Fahrzeuge, dessen Planken ohne Eisennägel nur durch -Kokosfäden zusammengenäht waren, ähnlich wie es Polo und Montecorvino -bereits beschrieben hatten, in 28 Tagen nach Tana auf Salsette nördlich -von Bombay und von da nach Malabar (Minibar), wo der beste Pfeffer -gedeiht. Dort blühten damals die Plätze Flandrina (Pandarani), eine -jetzt verschwundene Stadt, nördlich von Kalikut, und Cyngilin, d. i. -Kranganor, südlich von Kalikut, damals der Sitz einer der ältesten -Dynastien in Malabar.<a name="FNAnker_45_45" id="FNAnker_45_45"></a><a href="#Fussnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a> Um die Südspitze Vorder-Indiens herum -ging die Fahrt weiter nach Mobar (Koromandel), wo nach der Ansicht -Odorichs der Leib des heiligen Thomas begraben liegt. Auch Ceylon wurde -besucht, wo es Vögel mit 2 Köpfen (Tukan) gibt, und von hier auch -Mailapur (Madras) erreicht. Eine Seereise<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span> von 50 Tagen brachte unsern -Glaubensboten an den Nicobaren (Nicoveran) vorbei nach Lamori, einem -Reiche von Sumatra.<a name="FNAnker_46_46" id="FNAnker_46_46"></a><a href="#Fussnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a> Wegen der Hitze gehen die Einwohner nackt, es -herrscht bei ihnen Weibergemeinschaft, wie auch auf der Insel Pagi -oder Pagai westlich von Sumatra, und Landcommunismus, auch sind sie -dem Canibalismus ergeben. Das Gebiet bringt Gold, Kampfer, Aloeholz, -Reis und Weizen hervor. Weiter gegen Süden liegt das Reich Sumoltra. -Hier begegnen wir zum ersten Male unverkennbar dem heutigen Namen der -Insel, welcher von dem Königreiche auf das ganze Eiland übertragen ist. -Nachdem Odorich noch verschiedene Häfen besucht hatte, wandte er sich -nach der reichen Insel Java, welche nach seiner Vorstellung, eine arge -Uebertreibung — gut 3000 Meilen Umfang hat. An Produkten lieferte -diese zweitschönste von allen Inseln Kampfer, Kubeben, Kardamom- und -sogar Muskatnüsse. Mit Gold und Silber geschmückte Tempel verkündeten -die Macht und den Reichthum der Fürsten. Von hier kehrte Odorich nach -dem Norden zurück, berührte die Südküste Borneos, wie sich aus den von -ihm erwähnten Produkten Sagomehl, Palmwein, Bambus u. s. w. ergibt, -besuchte das Königreich Zampa (Tschampa), wo der König viele gezähmte -Elephanten besitzt, und endete in Kanton, im Lande Manzi (Südchina), -welches auch Ober-Indien genannt wurde, seine Seereise. Er bezeichnet -diesen berühmten Seehafen mit dem Namen Censcalan.<a name="FNAnker_47_47" id="FNAnker_47_47"></a><a href="#Fussnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> Die Stadt liegt -eine Tagereise vom Meere entfernt an einem großen Flusse und treibt -den ausgedehntesten Seehandel. „Ganz Italien besitzt nicht so viele -Schiffe als diese eine Stadt.“ Die betriebsame, dichte Bevölkerung -Chinas und seine zahlreichen Städte machten einen gewaltigen Eindruck. -Odorich greift wohl etwas zu hoch, wenn er meint, es gäbe in Manzi -2000 Städte, welche größer als Vicenza oder Traviso seien. Allein eine -annähernde Zahl von Städten besteht nach der Zusammenstellung Yules -(Cathay I, 104) noch jetzt. Von Kanton wandte sich Odorich nach Zayton -und von da nach dem Hafen Fuzo (Futscheu). Die weitere Landreise führte -sodann durch manche Städte und über ein hohes Gebirge, in welchem -zwei verschiedene Menschenrassen hausen, nordwärts zu einem großen -Fluß, in welchem er zuerst die Kormoranfischerei kennen lernte, und -dann nach Cansay, dem Quinsay Polo’s. In Bezug auf die Größe dieser -Weltstadt übertreibt er noch mehr als sein Vorgänger. Die Stadt liegt -in den Lagunen wie Venedig, hat 100 Meilen im Umfange und von den 12 -Hauptthoren aus erstrecken sich die Vorstädte noch meilenweit ins Land -hinein.</p> - -<p>Von hier gelangte der Franziskaner nach Chilenfu (Nanking), wo zuerst -die Könige von Manzi residirten. Damals hatten die Umfassungsmauern -eine Länge von 40 Meilen,<a name="FNAnker_48_48" id="FNAnker_48_48"></a><a href="#Fussnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> jetzt nur die Hälfte. Auf dem großen -Strome<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span> Talay (Ta kjang oder Yang tse kjang) ging die Fahrt an manchen -Städten vorbei zum Schifffahrtscanal, und über den Hwangho endlich nach -Cambalech (Peking), wo Odorich 3 Jahre verweilte und einer der von -Montecorvino gegründeten Kirchen vorstand.</p> - -<p>Als neue Beobachtungen des chinesischen Lebens, welche Polo unerwähnt -gelassen, erzählt Odorich, es sei ein Zeichen der Vornehmen, sich -lange Nägel wachsen zu lassen, bei einigen werde der Daumennagel so -lang, daß er rund um die Hand gehe. Bei Frauen gelte es als Schönheit, -sehr kleine Füße zu haben. Daher pflegten die Mütter den neugeborenen -Mädchen die Füße fest zu umwickeln, daß dieselben nicht wachsen -könnten. Auch beschreibt er zuerst die weißen Hühner mit wollhaarigem -Gefieder, welche nur in China heimisch sind.<a name="FNAnker_49_49" id="FNAnker_49_49"></a><a href="#Fussnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a></p> - -<p>Ueber den Weg, welchen Odorich auf seiner Heimreise einschlug, wissen -wir nur soviel, daß er sich von Peking westwärts ins Binnenland, in -das Land Tenduc, welches er für das Reich des Priesters Johann hielt, -begab, vielleicht auch Singanfu besuchte und über die Hochgebirge nach -Tibet und seiner Hauptstadt Lhasa vordrang. Hier verlieren sich alle -Spuren; möglicherweise führte die Route durch Persien über Tebris -wieder zurück. Um 1330 gelangte er wieder nach Venedig und starb im -Januar 1331 in Udine. Auf einem Theile seiner Wanderung hatte er einen -irischen Mönch Jakob zum Begleiter. Er war der erste Europäer, welcher -Tibet sah.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p74" name="abb_p74"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p74.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center mbot2">Hand eines reichen Annamiten.</p> -</div> - -<p>Auch auf dem nördlichen Handelswege nach Centralasien fanden sich in -der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eifrige Glaubensprediger ein, -denn der Pabst hatte allen, welche im Dienste der Kirche sich den -Mühen und Gefahren unterzogen, unter den Tataren das Christenthum zu -verbreiten, denselben Ablaß <span class="antiqua">„a poena et a culpa“</span> verheißen, -wie denen, welche nach Jerusalem pilgerten. So zog 1338 auch der -spanische Franziskaner <em class="gesperrt">Pascal von Vittoria</em> von Venedig aus, -fuhr übers schwarze Meer nach der Krim (Gazaria) und Asow (Tana) und -begab sich dann in Gesellschaft einiger griechischer Händler zu Wagen -nach Sarai (Sarray), wo er, wahrscheinlich im Ordenskloster der Stadt, -über ein Jahr lang verweilte, dann die Wolga (Tygris) hinab ins Meer -von Baku (Vatuk), d. i. das kaspische Meer gelangte und nach 12 Tagen -Saraitschik (d. h. kleiner Palast) am Uralflusse erreichte.<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span> Der Ort -liegt gegenwärtig in Ruinen. Pascal war im Stande, mit den Tataren -in ihrer Sprache zu verkehren, denn er hatte in Sarai die kumanische -(chamanische) Sprache und die uigurische Schrift, welche bis nach -China verstanden wurde, sich angeeignet. Vom Uralflusse verfolgte er, -nachdem sein bisheriger Begleiter Fra Gonsalvo Transtorna umgekehrt -war, seinen Weg allein, ritt zu Kamel durch die turanische Steppe nach -Chiwa (Urganth) und predigte dort in der Landessprache. Von da aus -drang er ins Reich Tschagatai (<span class="antiqua">Imperium Medium</span> der Abendländer), -wurde durch Kriegsunruhen zwar mehrfach aufgehalten, kam aber doch -endlich nach Almalik (Armalec) der Hauptstadt von Tschagatai, in der -Nähe des heutigen Kuldscha, und verkündigte trotz aller Verfolgung -glaubensmuthig die christliche Lehre. Von hier aus sandte er einen -Brief, den einzigen, nach Europa, in welchem er über seine Reisen -berichtete. Leider ist er, wahrscheinlich schon im nächsten Jahre, -1339 als Märtyrer gefallen.<a name="FNAnker_50_50" id="FNAnker_50_50"></a><a href="#Fussnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a> In demselben Jahre erreichte auch ein -Kaufmann, Wilhelm von Modena, die Stadt Almalik.</p> - -<p>Die letzte große Wanderung quer durch Asien führte der Franziskaner -<em class="gesperrt">Johann von Marignolli</em>, ein geborener Florentiner (geb. 1290) -aus. Auf einen Brief des Großchans, vom Juli 1336, welcher 1338 nach -Avignon gelangte, schickte der Pabst Benedikt XIII. eine Gesandtschaft, -aus 32 Personen bestehend, im December desselben Jahres von Avignon -ab. Unter den Sendlingen befand sich auch Marignolli. Man kam auf dem -bekannten Wege über Konstantinopel und Kaffa im Herbst 1339 nach Sarai, -wo man überwinterte, und schlug dann die Handelsroute über Urgendsch -nach Almalik (Armalec) ein. Hier blieb Marignolli bis 1341 und zog -dann über Komul (Kamil) nach Peking, wo die Gesandtschaft bei dem Kaan -eine Audienz hatte unter Vortragen des Kreuzes und unter dem Gesange: -<span class="antiqua">„Credo in unum deum</span>.“ In Cambalu verweilten sie 3 bis 4 Jahre -als Gesandte des Pabstes am kaiserlichen Hofe, dann ging die Wanderung -weiter nach dem Hafen Zayton. Die Schilderung, welche Marignolli von -China entwirft, ist etwas verworren. So hält er den Hwang ho und den -Yang tse kjang für ein und denselben Strom. Von dem Lande Manzi, -d. i. Südchina, welches früher unter dem Namen <span class="antiqua">India maxima</span> -bekannt war, sagt er, es habe 30,000 große Städte, unter denen Campsay -(Quinsay) die schönste, größte, reichste und wunderbarste sei mit -zahlreichen Prachtgebäuden und Götzentempeln, in denen bisweilen 1000 -bis 2000 Mönche wohnten. Zu Ende des Jahres 1347 segelte Marignolli -nach Indien. Unterwegs stattete er auch der Königin von Saba<a name="FNAnker_51_51" id="FNAnker_51_51"></a><a href="#Fussnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a> einen -Besuch ab und landete dann an der Küste Malabar in Indien in der Stadt -Columbum (Quilon oder Kollam). Denn hier verkehrten auch chinesische -Handelsschiffe. In Kollam existirte eine Gemeinde von Thomaschristen. -Die Vorsteher derselben bewahrten in Folge eines alten<span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span> Privilegiums -das Normalgewicht (<span class="antiqua">statera</span>), mit welchem Pfeffer und andere -Spezereien gewogen wurden. Daher nennt Marignolli sie auch „die Herren -des Pfeffers“.<a name="FNAnker_52_52" id="FNAnker_52_52"></a><a href="#Fussnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a> Bei dieser Stadt errichtete er auch eine Marmorsäule -mit Kreuz und salbte es mit Oel. An der Säule befanden sich die -Wappen des Pabstes und Marignolli’s mit indischer und lateinischer -Schrift. „Ich weihete es,“ erzählt der Bote des Pabstes, „und segnete -das Denkmal in Gegenwart einer unendlichen Menschenmenge und wurde -auf den Schultern von Häuptlingen in einem Palankin getragen.“ Von -da begab sich Marignolli nach Ceylon; aber das Paradies, welches -nach Mittheilungen der Eingebornen im Innern liegen sollte, hat er -selbst nicht gesehen. Nach der Ansicht des Johannes Scotus ist das -Paradies auf dem höchsten Punkte der Erde gelegen und reicht bis in -die Mondsphäre hinein. Daher muß das Wasser, welches aus dem Garten -Eden entspringt und die Bäume tränkt, mit starkem Falle herabstürzen. -Die Singhalesen fanden daher auch bei Marignolli Glauben, wenn sie ihm -erzählten, man könne das Rauschen der Paradiesquelle 40 Meilen weit -hören. Auf der höchsten Spitze des Berges ist noch der Fußstapfen Adams -und das Haus zu sehen, das er selbst gebaut hat.</p> - -<p>Auf der Rückkehr von Ceylon nach der Koromandelküste fiel -Marignolli mohammedanischen Seepiraten in die Hände und wurde aller -Werthgegenstände, die er aus dem Osten mitgebracht, beraubt; aber -man schonte seines Lebens und so konnte er über Ormuz, Bagdad, in -dessen Nähe er die Ruinen des Thurmes zu Babel (d. h. den Mudschelibe) -besuchte, über Mossul, wo er die Ruinen von Ninive gesehen, Haleb und -Damaskus nach dem Abendlande heimkehren und 1353 dem Pabste in Avignon -das Antwortschreiben des Großkaan überreichen.<a name="FNAnker_53_53" id="FNAnker_53_53"></a><a href="#Fussnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a></p> - -<p>Die oft wiederholten Handels- und Missionsreisen zu den Residenzen -der tatarischen Großfürsten machen es erklärlich, daß, lediglich um -den praktischen Bedürfnissen der Kaufleute zu genügen, Beschreibungen -des Weges mit Angabe der Entfernung und Kosten entworfen wurden. Ein -solcher <em class="gesperrt">Reiseführer</em> ist unter dem Titel <span class="antiqua">„Libro di divisamenti -di Paesi“</span> von dem Italiener <em class="gesperrt">Pegolotti</em> zusammengestellt, -welcher im Dienste der Handelsgesellschaft Bardi in Florenz zwischen -1315 und 1317 als Factor in Antwerpen und von 1324–27 in Cypern lebte. -Daß Pegolotti die Reise nach China selbst gemacht habe, ist nicht -erwiesen und auch nicht wahrscheinlich. Der damals übliche Weg ging -über das schwarze Meer und durch Südrußland. Unter den allgemeinen -Verhaltungsregeln ward als rathsam empfohlen, daß man sich zunächst -einen langen Bart stehen lasse. Dann nehme man sich in Tana einen -Dragoman und ein paar tüchtige Diener, welche kumanisch verstehen; auch -empfiehlt es sich eine Frau mitzunehmen, welche womöglich gleichfalls -kumanisch spricht. Dann versorge man sich mit Mehl und Salzfisch, denn<span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span> -Fleisch findet man allenthalben genug. Bewaffneten Schutz braucht man -nicht, da die ganze Straße bis China, Dank der Fürsorge der tatarischen -Herren, sicher ist. Hat man etwa (nach unserem Geld berechnet) für -240,000 Mark an Waaren, so wird die ganze Reise etwa 3000 bis 4000 Mark -kosten. Ein vierräderiger Ochsenkarren mit Filzdach trägt eine Last von -10 Centnern, ein Kamelwagen, zu dem drei Zugthiere gehören, gegen 30 -Centner, ein Pferd zieht etwa 6½ Centner.</p> - -<p>Was nun die Entfernung und Stationen betrifft, so rechnet man auf den -Weg von Tana bis Astrachan (Gintarchan) mit Ochsenkarren 25 Tage, -von da bis Sarai 1 Tag, von da bis Saraitschik (Saracanco) am Ural -8 Tage. Von hier kann man zu Land oder zu Wasser weiter reisen. Auf -dem Landwege braucht man bis Organci (Chiva) mit Kamelkarren 20 Tage, -weiter bis Otrar (Oltrare) an einem Nebenflusse des Syr-Darja südlich -der Stadt Turkestan, unter 43° n. B., wieder 35–40 Tage. Von Saracanco -direct nach Otrar kürzt sich der Weg auf 50 Tage ab. In Otrar nimmt -man Packesel und reiset 45 Tage bis Armalec (bei Kuldscha) und 70 Tage -bis Kan-tschou (Camexu). Dann reitet man zu Pferde 45 Tage, bis man -an einen chinesischen Fluß<a name="FNAnker_54_54" id="FNAnker_54_54"></a><a href="#Fussnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a> gelangt, auf welchem man nach Cassai -(Quinsay) kommt und von hier in 30 Tagen die ganze Reise bis Gamalec -(Cambalec, Peking) vollendet.</p> - -<p>Leider war dieser aufblühende Verkehr mit dem Oriente nicht mehr von -langer Dauer; denn als 1368 in China die mongolische Dynastie gestürzt -worden war und eine einheimische Fürstenfamilie an die Spitze trat, -wurde das Land gesperrt und der Handel völlig abgebrochen. Nur Indien -blieb offen. Und hierher kam im 15. Jahrhundert noch ein venetianischer -Kaufmann <em class="gesperrt">Nicolo de’ Conti</em>, dessen Erzählung nur durch den -seltenen Zufall sich erhalten hat, daß Conti auf der Heimreise nach -Europa auf dem rothen Meere in die Hände von Piraten gefallen und -aus Todesfurcht den Islam annahm, dann freigelassen, sich in seiner -Gewissensangst um Ablaß an den Pabst Eugen IV. wandte, welcher von -1439–42 sich in Florenz aufhielt, und dessen Secretär Poggio (Poggius) -die Erlebnisse des Reisenden niederschrieb.<a name="FNAnker_55_55" id="FNAnker_55_55"></a><a href="#Fussnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a> Der ganze Bericht -macht den Eindruck der Treue und Zuverlässigkeit, doch mag wohl Poggio -manches auf eigne Hand hinzugefügt haben, so über die Insel Taprobane. -Conti hatte sich in seiner Jugend in Aegypten aufgehalten, um Handel -zu treiben, war dann flüchtig geworden, weil er das ihm von seinem -Vater anvertraute Capital vergeudet hatte, und war mit einer großen -Karawane von 600 Köpfen durch das steinige Arabien und über Chaldäa an -den Euphrat gereist. Während des Zuges durch die syrische Wüste hatten -sie, ähnlich wie Polo, seltsame Erscheinungen, welche nach Angabe -von erfahrenen<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span> Männern, die dergleichen schon früher erlebt hatten, -für Dämonenspuk ausgegeben wurden. Es war, als ob Reiterschwärme -vorübersausten. Man wird bei der Schilderung unwillkürlich an das -bekannte Gedicht von Freiligrath: Das Gesicht des Reisenden erinnert. -Dann kam er nach der Stadt Babilonia am Euphrat, „welche die heutigen -Bewohner Baldachia (Bagdad) nennen“.<a name="FNAnker_56_56" id="FNAnker_56_56"></a><a href="#Fussnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a> Dann ging es den Fluß hinunter -nach Basra (Balsera) und übers Meer nach Ormuz (Ormesia), damals -bereits auf der Insel gelegen. Unterwegs berührte er den Hafen Colchum -(bei Diego Ribero 1529 Conga, jetzt Kongun, südlich von Schiras).</p> - -<p>In einem persischen Hafen, den er Calacatia<a name="FNAnker_57_57" id="FNAnker_57_57"></a><a href="#Fussnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a> nennt, hielt er sich -längere Zeit auf, um persisch zu lernen. Seine weitere Reise unternahm -er dann in der Tracht eines Persers und fuhr in Gesellschaft seiner -adoptirten Landsleute zu Schiff nach Cambaya (Cambahita), welches -sie nach einer Fahrt von einem Monat erreichten. Cambaya war damals -einer der bedeutendsten Hafenplätze Indiens. „Wenn die abendländische -Welt zum Genuß hinterindischer und chinesischer Produkte gelangte, so -verdankte sie dies zumeist den unternehmenden Kaufleuten und tüchtigen -Seecapitänen von Cambaya und Kalikut.“<a name="FNAnker_58_58" id="FNAnker_58_58"></a><a href="#Fussnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a> Eine Küstenfahrt führte -Conti nach Süden in die Region, welche ausgezeichneten Ingwer liefert.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <p class="s5 center"><b>MAPAMONDI</b> VOL DIR AYTANT CON YMAGE DEL MONDE - DE LES REGIONS QVE SON SVS LA TERRA E DE DIVERSAS MANERAS DE GENS QVE - EN ELA HABITAN</p> - <p class="s7 center">(Westlicher Teil)</p> - <a id="karte_p78a" name="karte_p78a"> - <img src="images/karte_p78a.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p78a_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <p class="s7 center mtop2">(Östlicher Teil)</p> - <a id="karte_p78b" name="karte_p78b"> - <img src="images/karte_p78b.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">Lithogr. Kunst-Anst. v. Aug. Kärth, Leipzig.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin.</p> - <p class="s6 center">Catalanische Erdkarte, für König Karl V. von Frankreich - 1375 in Mallorca gezeichnet. (Paris, National-Bibliothek.) Zu Gunsten der - Deutlichkeit sind einerseits die zahlreichen Compasslinien des Originals - weggelassen und ist andererseits das Meer mit einem blauen Ton gedeckt.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p78b_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p class="s5 center"><b>Mapamondi</b>, das heisst das Bild der Welt und -der verschiedenen Staaten der Welt und der Gegenden, welche auf der -Erde sind, der verschiedenen Arten von Völkern, welche auf derselben -wohnen. (Und besagtes Bild oder Figur ist rund wie ein Spielball und -ähnlich einem Ei, getheilt in vier Elemente. Denn wie das ganze Ei von -aussen von seiner Schale umgeben ist, wie die Schale das Eiweiss, und -dieses den Dotter umgibt, und darauf der Tropfen des Embryo gebildet -ist: so ist diese Welt auf allen Seiten vom Himmel umgeben, wie von -der Eierschale, der Himmel umgibt die reine Luft, wie die Schale das -Eiweiss; die trübe Luft ist umgeben von der reinen Luft, wie der Dotter -vom Eiweiss u. s. w.)</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_01_norwegen" name="karte_p78_01_norwegen"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_01_norwegen.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die Bewohner von Norwegen leben mehr von Fischen und von der Jagd als -von Brot. Diese Gegend ist sehr rauh und kalt und gebirgig, wild und -voll von Gebüschen. Viel Wild gibt’s hier: als Hirsche, weisse Bären -und Gerfalken. Es gibt Hafer, aber nur sehr wenig, wegen der grossen Kälte.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_02_irland" name="karte_p78_02_irland"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_02_irland.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In Irland gibt es viele merkwürdige Inseln, darunter ist eine kleine, -wo die Menschen nicht sterben; aber wenn sie sehr alt sind, um zu -sterben, trägt man sie von der Insel. Da gibt’s keine Schlange und -keine Kröte und keine giftige Spinne; denn das ganze Land duldet kein -giftiges Thier. (Da ist auch ein See und eine Insel. Noch mehr, es gibt -dort Bäume, die tragen Vögel, wie andere Bäume reife Feigen tragen.) -Desgleichen gibt es eine andere Insel in welcher die Frauen nicht -niederkommen; wenn aber die Zeit der Entbindung kommt, schafft man sie, -der Sitte gemäss, von der Insel fort.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_03_kanarische_inseln" name="karte_p78_03_kanarische_inseln"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_03_kanarische_inseln.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die glückseligen Inseln liegen in dem grossen Meere linker Hand, an der -Grenze des Occidents, aber nicht fern im Meere. (Isidor spricht also in -seinem 15. Buche: Diese Inseln heissen Fortunatae.) Denn sie sind reich -an allen Gütern, Korn, Früchten, Kräutern, Bäumen und die Einwohner -glauben, es sei hier das Paradies, wegen der milden Sonnenwärme und -der Fruchtbarkeit des Bodens. (Isidor sagt auch) Die Bäume wachsen -hier wenigstens 140 Fuss hoch und tragen viele Früchte und Vögel. Man -findet hier Honig und Milch, vorzüglich in der Insel Capria, die nach -der Menge der Ziegen, die es hier gibt, benannt ist. Dann ist hier die -Insel Canaria, benannt nach den grossen und starken Hunden, welche -dort sind. (Plinius, dieser Meister der Geographie, sagt, dass es -unter den Fortunaten eine gibt, wo alle Güter der Welt wachsen, ebenso -alle Früchte, ohne dass man sie zu säen und zu pflanzen braucht. Auf -der Höhe der Gebirge sind sehr wohlriechende Bäume, zu jeder Zeit mit -Blättern und Früchten bedeckt. Die Einwohner essen davon einen Theil -des Jahres. Die Bewohner Indiens glauben, dass ihre Seelen nach dem -Tode diese Inseln bewohnen werden und dass sie dort ewig leben werden -von dem Wohlgeruch dieser Früchte. Sie glauben, dass dies ihr Paradies -sei, aber, offen gestanden, es ist dies eine Fabel.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_04_ferrers_schiff" name="karte_p78_04_ferrers_schiff"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_04_ferrers_schiff.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Das Schiff des Jacob Ferrer ging in See nach dem Goldflusse am Tage des -heil. Laurentius, am 10. August 1346.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_05_orkneys" name="karte_p78_05_orkneys"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_05_orkneys.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die Orkney-Inseln, in denselben ist 6 Monate Tag, während die Nacht -hell ist, und 6 Monate Nacht, während der Tag trübe ist.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_06_kap_finisterre" name="karte_p78_06_kap_finisterre"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_06_kap_finisterre.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Cap Finisterre, das Westcap Afrikas, hier beginnt (Afrika) und endigt -in Alexandrien und Babilonia (Stadt in Aegypten) und umfasst die -ganze Küste der Berberei und reicht (bis Alexandrien) gegen Mittag u. -Aethiopien (und Aegypten. Man findet in diesem Lande viel Elfenbein -wegen der Menge von Elephanten, die hier geboren werden und welche hier -an den Strand kommen.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_07_darha" name="karte_p78_07_darha"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_07_darha.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Thal von Darha (Wadi Draa). Durch diesen Ort ziehen die Kaufleute, -welche nach dem Lande der Neger von Guinea reisen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_08_tuarez" name="karte_p78_08_tuarez"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_08_tuarez.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieses ganze Gebiet haben Leute inne, welche sich so einhüllen, -dass man nichts als die Augen sieht (Tuarez mit dem Lithmen oder -Gesichtsschleier), sie leben in Zelten und reiten auf Kamelen. (Es -gibt hier auch Thiere, welche Lemp(?) heissen, aus deren Haut man gute -Schilde macht.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_09_carena" name="karte_p78_09_carena"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_09_carena.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieses ganze Gebirge wird in seiner Länge Carena von den Sarazenen -genannt und von den Christen die Hellen Berge (vom Schnee) genannt, -hat viele schöne Städte und Schlösser, die mit einander Krieg führen -und hat Ueberfluss an Brot und an Wein und an Oel und an allen guten Früchten.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_10_mussemelly" name="karte_p78_10_mussemelly"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_10_mussemelly.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieser Negerfürst heisst Mussemelly, Herr der Neger von Guinea. Dieser -König ist der reichste u. vornehmste Herr dieses ganzen Landes, wegen -der Menge Gold, die man in seinem Lande sammelt.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_11_ostsee" name="karte_p78_11_ostsee"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_11_ostsee.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieses Meer heisst das deutsche Meer und das Meer von Gotland und -Schweden. Wisst, dass dieses Meer 6 Monate im Jahre gefroren ist, -nämlich von Mitte October bis Mitte März, so dass man in dieser Zeit -mit Ochsenwagen darüber fahren kann, wegen der Kälte des Nordens.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_12_mittl_gebirge" name="karte_p78_12_mittl_gebirge"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_12_mittl_gebirge.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier ist der mittlere Theil des Gebirges, über welches sarazenische -Pilger ziehen, welche vom Abendlande aus nach Mekka walfahren.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_13_organa" name="karte_p78_13_organa"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_13_organa.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier herrscht der König Organa, ein Sarazene, welcher fortwährend mit -den Sarazenen an der Küste und mit den andern Arabern Krieg führt.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_14_orions" name="karte_p78_14_orions"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_14_orions.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In diesem Sumpf leben Orions und andere seltsame Fische.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_15_lemberg" name="karte_p78_15_lemberg"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_15_lemberg.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Stadt Lemberg (Löwenberg); in diese Stadt kommen Kaufleute, welche aus -dem Orient anlangen und sich durch das deutsche Meer nach Flandern begeben.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_16_krieg_mit_nubien" name="karte_p78_16_krieg_mit_nubien"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_16_krieg_mit_nubien.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieser König führt beständig Krieg mit den Christen in Nubien, welche -dem Kaiser von Aethiopien im Lande des Priesters Johannes unterthänig sind.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_17_sultan_babilonia" name="karte_p78_17_sultan_babilonia"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_17_sultan_babilonia.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieser Sultan von Babilonia ist gross und mächtig unter den andern -dieser Gegend.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_18_meerenge" name="karte_p78_18_meerenge"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_18_meerenge.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Durch diese Meerenge gingen die Kinder Israels, als sie aus Aegypten -auszogen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_19_chos" name="karte_p78_19_chos"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_19_chos.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In diese Stadt Chos (Kosser) bringt man die Spezereien, die von Indien -kommen. (Man bringt sie dann nach Babylonia (Kairo) und Alexandrien.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_20_rotes_meer" name="karte_p78_20_rotes_meer"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_20_rotes_meer.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Dieses Meer heisst das rothe Meer (hier zogen die zwölf Stämme Israels -hindurch) und wisst, dass das Wasser nicht roth ist, sondern der -Boden hat diese Farbe. Durch dieses Meer geht der grössere Theil der -Spezereien, die von Indien (nach Alexandrien) kommen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_21_berg_sinai" name="karte_p78_21_berg_sinai"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_21_berg_sinai.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier ist der Leib d. Jungfrau Katharina (Katharinenkloster). Der Berg -Sinai, auf welchem Gott Moses das Gesetz gab.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_22_jambech" name="karte_p78_22_jambech"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_22_jambech.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier regiert der Kaiser dieser nördlichen Gegend, dessen Bereich in -der Provinz Bolgar (an der Wolgar) beginnt u. in der Stadt Urgendsch -endigt. Dieser Fürst heisst Jambech (1342–1356) Herr von Sarai.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_23_ninive" name="karte_p78_23_ninive"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_23_ninive.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Diese Stadt heisst das grosse Ninive, dieselbe wurde wegen ihrer Sünden -zerstört.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_24_babylon" name="karte_p78_24_babylon"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_24_babylon.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier lag das grosse Babylon, wo Nebukadnezar war.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_25_mekka" name="karte_p78_25_mekka"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_25_mekka.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In dieser Stadt ist das Grab Mohammeds, des Propheten der Sarazenen, -welche aus allen Ländern dahin pilgern u. sie sagen, dass nachdem sie -etwas so kostbares gesehen, es nichts mehr gebe, was des Ansehens werth -wäre. Dann lassen sie sich zur Ehre Mohammeds blenden.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_26_bagdad" name="karte_p78_26_bagdad"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_26_bagdad.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Es heisst jetzt Bagdad. Wisst, dass man in diese Stadt viele Spezereien -und schöne Sachen bringt, die von Indien kommen u. die man dann ins -Land Syrien und besonders nach Damaskus schafft.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_27_persischer_golf" name="karte_p78_27_persischer_golf"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_27_persischer_golf.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Vor der Mündung des Flusses von Bagdad das Meer von Indien und Persien. -Hier sind Fischereien von Perlen, welche man dann in die Stadt Bagdad -bringt. (Und die Fischer sprechen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihre -Zaubersprüche, um die Fische zu verjagen.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_28_lop" name="karte_p78_28_lop"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_28_lop.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Wisst, dass diejenigen, welche die Wüste durchreisen wollen, hier -anhalten und eine ganze Woche ausruhen in einer Stadt Namens Lop (wo -sie und ihre Thiere sich erholen), und wo sie sich mit allem Nöthigen -für 7 Monate versehen; denn in der Wüste kann ein Mensch einen Tag und -eine Nacht wandern, ehe er gutes Trinkwasser findet; (aber nach dieser -Zeit von einem Tag und einer Nacht findet man) so viel, dass es für -50, für 100 Personen und noch mehr ausreicht. Und wenn es geschieht, -dass ein Reisender bei Nacht auf dem Pferde einschläft, (oder aus einem -andern Grunde seine Kameraden verlässt, so kommt es oft vor) dass er -in der Luft zahlreiche Stimmen von Teufeln hört (die der Stimme seiner -Gefährten gleichen); dann rufen sie ihn bei seinem Namen und endlich -führen die Teufel ihn kreuz und quer durch die Wüste, dass er seine -Gefährten nie wieder findet. — Diese Karawane reist vom Kaiserthum -Sarai nach China.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_29_schiras" name="karte_p78_29_schiras"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_29_schiras.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die Stadt Schiras, sonst Gracia genannt; hier wurde die Astronomie -zuerst durch den sehr gelehrten Ptolemäus erfunden (?!)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_30_arabia_saba" name="karte_p78_30_arabia_saba"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_30_arabia_saba.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Arabia Saba ist die Provinz, welche die Königin von Saba besitzt. -Jetzt gehört sie arabischen Sarazenen. Es gibt dort viele Wohlgerüche -als Myrrhe und Weihrauch, sie hat Ueberfluss an Gold, an Silber und -kostbaren Steinen, auch findet man hier, wie man sagt, den Vogel Phönix.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_31_tarsia" name="karte_p78_31_tarsia"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_31_tarsia.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">(Diese Provinz heisst) Tarsia. Von hier zogen die drei weisen Könige -aus, welche mit ihren Geschenken nach Bethlehem in Judäa kamen und -Jesum Christum anbeteten; sie sind begraben in der Stadt Köln, zwei -Tagereisen von Brügge.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_32_ormus" name="karte_p78_32_ormus"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_32_ormus.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Diese Stadt heisst Ormus. Hier beginnt Indien. Wisst, dass in diese -Stadt Fahrzeuge kommen, welche 8–10 Masten haben mit Segeln von Rohr.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_33_dschonken" name="karte_p78_33_dschonken"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_33_dschonken.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Diese Schiffe heissen Dschonken (und haben 60 Ellen Kiel und wenigstens -34 Ellen Oberwerk.) Sie haben 4–10 Masten und ihre Segel sind aus Rohr -und Palmblättern.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_34_indische_inseln" name="karte_p78_34_indische_inseln"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_34_indische_inseln.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In dem indischen Meere, wo die Fischereien sind, gibt es mehr reiche -Inseln, aber die Fischer machen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihren -Zauber, wodurch sie die Fische vertreiben; und wenn die Fischer -zufällig untertauchen, bevor sie ihren Zauber gemacht haben, werden sie -von den Fischen gefressen. Das ist eine ausgemachte Sache.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_35_koenig_dehli" name="karte_p78_35_koenig_dehli"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_35_koenig_dehli.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der König von Dehli. Hier ist ein grosser, mächtiger u. sehr reicher -Sultan; dieser Sultan hat 700 Elephanten und 100,000 Reiter unter -seinem Befehl. Er hat auch zahllose Truppen zu Fuss. In dieser Gegend -der Erde gibt es viel Gold u. kostbare Steine.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_36_gerfalken" name="karte_p78_36_gerfalken"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_36_gerfalken.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Auf diesen Inseln gibt es viele gute Gerfalken und Falken, welche die -Einwohner nur für den Bedarf des Gross-Chans zu fangen wagen, des Herrn -und Kaisers von China.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_37_scheiterhaufen" name="karte_p78_37_scheiterhaufen"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_37_scheiterhaufen.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Wisst, die Männer und Weiber dieses Landes, wenn sie gestorben sind, -mit Musik und Freudenbezeugung zum Scheiterhaufen getragen werden. -(Während die Verwandten des Todten wehklagen) geschieht es bisweilen, -dass die Witwen sich ins Feuer stürzen zugleich mit ihren Männern; -dagegen die Männer nie mit ihren (gestorbenen) Frauen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_38_trompeten" name="karte_p78_38_trompeten"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_38_trompeten.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Diese (Trompeten) sind von Metall. Alexander, der grosse mächtige -König, liess sie machen. Die Gebirge von Badachschan. Diese Menschen -sammeln Diamanten; aber da sie nicht in die Gebirge gelangen können, wo -sich die Diamanten finden, so werfen sie sehr geschickt Fleischstücke -dahin, wo die Edelsteine liegen und die Steine heften sich an das -Fleisch und Vögel nehmen sie da weg. Dann fallen die (am Fleisch -klebenden Steine) den Vögeln weg u. so werden sie gefunden, und so fand -es Alexander.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_39_issyk_kul" name="karte_p78_39_issyk_kul"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_39_issyk_kul.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der See Issyk-Kul. In diesem See ist ein Kloster von armenischen -Mönchen, in welchen, wie man sagt, der Leib des Heil. Matthäus, des -Apostels und Evangelisten ist.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_40_alexanders_staedte" name="karte_p78_40_alexanders_staedte"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_40_alexanders_staedte.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Viele Städte, welche Alexander der Grosse, König v. Macedonien, baute.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_41_kollam" name="karte_p78_41_kollam"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_41_kollam.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier herrscht der König von Kollam, ein Christ. Provinz Kollam.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_42_koenig_chabech" name="karte_p78_42_koenig_chabech"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_42_koenig_chabech.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier herrscht der König Chabech (Gabak oder Kapak, zwischen 1310 u. -1320), welchen man den Herrn des medischen Reiches nennt. Er war in -Emaleck (?)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_43_koenig_stephan" name="karte_p78_43_koenig_stephan"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_43_koenig_stephan.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier herrschte der König Stephan. Hier ist der Leib des Heil. Thomas, -des Apostels. (Blicke nach der Stadt Butifilis (Motupalla)).</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_44_jana" name="karte_p78_44_jana"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_44_jana.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In der Insel Jana (?) findet man viele Bäume, Aloëholz, Kampfer, -Sandel, feine Spezereien, Galanga (eine Wurzel), Muskatnüsse, -Zimmtbäume, wovon das kostbarste Gewürz von ganz Indien kommt; auch -findet man dort Macis und Blätter.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_45_kaspisches_gebirge" name="karte_p78_45_kaspisches_gebirge"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_45_kaspisches_gebirge.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Das kaspische Gebirge, in welchem Alexander so hohe Bäume sah, dass -ihr Wipfel in die Wolken reichte. Und mit Hilfe seiner Kunst schloss -er dort die Tartaren Gog und Magog ein (und für sie liess Alexander -die eben beschriebenen Metallbilder machen.) Ebenso schloss er an -diesem Orte auch verschiedene Arten von Menschen ein, die nicht rohes -Fleisch essen sollten. Das ist das Menschengeschlecht, mit welchem der -Antichrist kommen wird. (Sie werden endlich durch Feuer vernichtet, -welches vom Himmel herabkommt, um sie zu vertilgen.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_46_kraniche" name="karte_p78_46_kraniche"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_46_kraniche.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Hier werden kleine Menschen geboren, welche nur 5 Palmen hoch sind (und -obwohl sie klein und unfähig sind, schwere Arbeit zu thun, so sind sie -doch im Stande und fähig zu weben und Vieh zu hüten.) Und wisst, dass -diese Menschen, wenn sie das 12. Jahr erreicht haben, heirathen und -gewöhnlich bis zum 40. Jahr leben.... Und sie vertheidigen sich kräftig -gegen die Kraniche und nehmen sie und essen sie. (Hier endigt das Land -der Herren von China.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_47_insel_der_nackten" name="karte_p78_47_insel_der_nackten"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_47_insel_der_nackten.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die Insel der nackten Menschen, in welcher Männer u. Frauen vorn und -hinten ein Blatt tragen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_48_gog_und_magog" name="karte_p78_48_gog_und_magog"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_48_gog_und_magog.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der grosse Fürst von Gog oder Magog. Dieser wird zur Zeit des -Antichrists mit grossem Volke kommen.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_49_koenig_alexander" name="karte_p78_49_koenig_alexander"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_49_koenig_alexander.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der grosse und mächtige König Alexander hätte hier sterben müssen, wenn -ihn Satanas nicht durch seine Kunst gerettet hätte.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_50_ulu_beg" name="karte_p78_50_ulu_beg"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_50_ulu_beg.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der grösste Fürst aller Tartaren heisst Ulu-beg, das bedeutet -Gross-Chan. Dieser Kaiser ist viel reicher als alle anderen Kaiser -der ganzen Welt. (Diesen Kaiser bewachen 12,000 Reiter.) Er hat 4 -Hauptleute, welche jeder 12,000 Pferde unter ihrem Befehl haben. Jeder -Hauptmann begiebt sich an den Hof des Herrschers mit seiner Compagnie -auf 3 Monate im Jahr und dann die andern der Reihe nach.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_51_indische_inseln" name="karte_p78_51_indische_inseln"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_51_indische_inseln.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">In dem Meere von Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle -wunderbaren Reichthümer, die darin enthalten sind, von Gold, Silber und -(kostbaren Steinen) aufzählen können.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_51_inseln_vor_indien" name="karte_p78_51_inseln_vor_indien"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_51_inseln_vor_indien.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Meer der Inseln von Indien, wo die Spezereien sind. In diesem Meere -fahren zahlreiche Schiffe verschiedener Völker.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_52_sirenen" name="karte_p78_52_sirenen"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_52_sirenen.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Man findet dort 2 Arten von Fischen, welche man Syrenen nennt, die eine -ist halb Frau und halb Fisch, die andere halb Frau und halb Vogel.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_53_cambalech" name="karte_p78_53_cambalech"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_53_cambalech.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Wisst, dass neben der grossen Stadt Cambalech ehemals die grosse Stadt -Garibalu lag. Und der grosse Chan fand durch Astronomie, dass diese -Stadt sich gegen ihn empören würde. Er liess sie daher zerstören und -die Stadt Cambalech bauen. Diese Stadt hat 24 Meilen Umfang und ist -mit sehr starken Mauern umgeben. Sie bildet ein Viereck, jede Seite -hat 6 Meilen und die Mauern sind 20 Schritt hoch und 10 Schritt dick. -Es gibt 12 Thore und einen grossen Thurm, auf dem eine grosse Glocke -angebracht ist, welche nach und vor dem Schlaf ertönt. Wenn sie ertönt, -darf niemand mehr durch die Stadt gehen. An jedem Thor halten 1000 Mann -Wache; nicht aus Furcht, sondern zur Ehre des Herrschers.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_54_antichrist" name="karte_p78_54_antichrist"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_54_antichrist.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Der Antichrist. Dieser wird in Corozaim in Galliläa aufwachsen. Und -wenn er 30 Jahre alt ist, wird er in Jerusalem anfangen zu predigen, -und gegen alle Wahrheit wird er sagen, er sei Christus, der Sohn -Gottes, und man sagt, dass er den Tempel wieder aufbauen werde.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_55_wilde_menschen" name="karte_p78_55_wilde_menschen"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_55_wilde_menschen.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Diese Menschen sind wild und leben von rohen Fischen und trinken -Seewasser und gehen nackt.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_56_taprobana" name="karte_p78_56_taprobana"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_56_taprobana.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Die Insel Taprobana, diese wird von den Tataren Magno-Caulij genannt; -es ist die letzte im Osten. (Auf dieser Insel gibts Menschen, welche -von den andern ganz verschieden sind.) In einigen Gebirgen dieser -Insel gibt es Menschen von grosser Gestalt, d. h. von 12 Ellen, wie -Riesen, sehr schwarz und ohne Vernunft, sie fressen die fremden weissen -Menschen, wenn sie dieselben fangen können. (Anklänge an Völker auf -Sumatra und Neuguinea.)</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p78_57_insel" name="karte_p78_57_insel"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p78_57_insel.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua mbot2 nobreak">Auf dieser Insel gibt es jedes Jahr 2 Sommer und 2 Winter. Die Bäume -und Kräuter blühen hier jährlich zweimal (und es ist die letzte -indische Insel und hat eine Fülle von Gold, Silber und kostbaren -Steinen).</p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><i>Schutzblatt zur catalanischen Erdkarte mit der Uebersetzung der -Legende des Originals. Die eingeklammerten Stellen des Textes sind -des beschränkten Raumes wegen aus den Legenden der Karte weggelassen, -werden aber hier der Vollständigkeit wegen in der Uebersetzung -mitgetheilt. Eingeklammerte einzelne Worte dienen zur Erläuterung.</i></p> - - <p class="s6 center">(<i>Diese Reproduction ist mit Ausnahme der Schriftcharaktere dem -Originale, welches auf vier Pergamenttafeln gezeichnet ist, in ⅓ der -Länge demselben facsimile nachgebildet.)</i></p> - -<hr class="map" /> - -<p>Von der Küste wandte sich der Venetianer ins Binnenland, er war der -erste Europäer, welcher quer durch die Halbinsel Vorder-Indien zog, und -der erste, der später den Ganges hinabfuhr,<a name="FNAnker_59_59" id="FNAnker_59_59"></a><a href="#Fussnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> und besuchte die Stadt -Bizenegalia (Bisnagar oder jetzt Widjajanagara, 15° 19′ n. B.) eine -damals berühmte, jetzt in Trümmern liegende Residenz, welche später, im -16. Jahrhundert auch von dem Venetianer Cesare Federici erreicht und -beschrieben ist. Nach dem Jahre 1567 verfiel die Stadt. Ueber Pelagonda -(jetzt Pinakonda) und Cenderghiria (Tschandragiri) drang Conti dann -quer durch das Plateau von Dekan vor und erreichte die Ostküste bei -Pudifatania (Madras) und Malipuria (Milapur, unmittelbar südlich von -Madras, auch St. Thoma genannt), wo der Leib des Apostels Thomas in -einer prächtigen Basilica begraben lag. Die ganze Landschaft nennt er -Malabar statt Maabar. Die letzte Stadt, welche er hier besuchte, war -Cahila. M. Polo nennt sie Cael. Es ist das altindische Kayal und lag -etwa zwei Kilometer oberhalb einer der Mündungen des Tamraparniflusses. -Kayal war eine Tochterstadt des ptolomäischen Kolchoi, jetzt Kolka, -ein Dorf, zwei bis drei engl. Meilen weiter landeinwärts auf der Höhe -gelegen.<a name="FNAnker_60_60" id="FNAnker_60_60"></a><a href="#Fussnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> Die Stadt war berühmt durch ihre Perlenfischereien. Von -da setzt der Reisende nach der Insel Seilana (Ceylon) über, welche -durch ihre Edelsteine: Rubinen, Saphiren und Katzenaugen<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> und durch den -Zimmtbaum berühmt war. Mit günstigem Fahrwinde segelte er von da in -20 Tagen, wobei man die Andamanen (Andamaria) zur rechten Hand ließ, -nach Sumatra (Sciamuthera bei Conti). Die wilden Bewohner tragen in -ihren großen Ohren mit Edelsteinen besetzte Goldringe und kleiden sich -in Seide und Leinen. Sie haben Pfeffer, Kampfer und Gold in Fülle. -Conti erwähnt hier zuerst die merkwürdige Frucht des Durianbaumes -(<span class="antiqua">fructum durianum</span>), welche grün von Farbe und so groß wie -eine Gurke von verschiedenem Geschmack gleich geronnener Butter ist. -Eine genaue Beschreibung dieser sehr geschätzten Frucht hat A. R. -Wallace<a name="FNAnker_61_61" id="FNAnker_61_61"></a><a href="#Fussnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a> gegeben. Die Verschiedenartigkeit des Geschmacks, welche -Conti hervorhebt, definirt Wallace in folgender Weise: „Ein würziger, -butteriger, stark nach Mandeln schmeckender Eierrahm gibt die beste -allgemeine Idee davon, aber dazwischen kommen Duftwolken, die an -Rahmkäse, Zwiebelsauce, braunen Jerezwein und anderes Unvergleichbare -erinnern. Dann ist der Brei von einer würzigen, klebrigen Weichheit, -die sonst keinem Dinge zukommt, die ihn aber noch delicater macht. Die -Frucht ist weder sauer, noch süß, noch saftig und doch empfindet man -nicht den Mangel einer dieser Eigenschaften.“ Auf Sumatra leben in der -Landschaft Bathech Menschenfresser, welche die Köpfe der erschlagenen -Feinde als Geld gebrauchen. Das Volk der Batta, welches gemeint ist, -steht noch in dem übeln Rufe des Canibalismus.</p> - -<p>Auf der Rückkehr von dort wurde Conti durch Sturm an die Küste von -Tenasserim verschlagen, wo es viele Elephanten und Färbeholz gibt. Von -da gelangte er zum Ganges und fuhr den Strom 15 Tage weit hinauf. Der -Reisebericht wird von hier ab dunkeler, namentlich auch, weil sich -manche der angeführten Ortsnamen nicht deuten lassen. Wahrscheinlich -besuchte er noch Arracan (Rachani), stieg über das Gebirge gegen Osten -ins Thal des Irawadi hinab und fuhr stromauf nach der alten Hauptstadt -Ava des Königreichs Birma. Man scheint dieses Land damals zu Süd- oder -Großchina gerechnet zu haben, dessen Namen Conti in der Form Macinum -(Ma-tschin) kennt. Von Ava kehrte Conti nach Sittang zurück (Xeython), -wandte sich nach Bangkok (Pancovia), wo er vier Monate blieb und fuhr -von da nach den Sundainseln. Den ganzen Archipel bezeichnet er mit dem -Namen Inner-Indien. Längeren Aufenthalt nahm er in Borneo und Java -(Groß- und Klein-Java), deren Bewohner ihm die unmenschlichsten und -grausamsten von allen zu sein schienen. Als Beispiel dafür erwähnt -er das auf Java übliche Amoklaufen. Conti erzählt auch zuerst von -den wundervollen Paradiesvögeln, deren Bälge als Kopfschmuck dienen. -Das noch in späteren Jahrhunderten von den Portugiesen vorgetragene -Märchen, wonach dieser Schmuckvogel keine Füße haben sollte, hat -auch Conti bereits vernommen; doch irrt er darin, daß er den Vogel -auf Borneo leben läßt, während derselbe auf den<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span> Molukken die -Westgrenze seiner Verbreitung findet. Bis zum Jahre 1760 war noch kein -vollständiges Exemplar nach Europa gelangt.<a name="FNAnker_62_62" id="FNAnker_62_62"></a><a href="#Fussnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a></p> - -<p>Nach einer Fahrt von 14 Tagen erreichte unser Reisender mit seiner -Familie, die ihn begleitete, die Gewürzinseln, wo die Muskatnüsse und -Gewürznelken gedeihen. Conti nennt die beiden von ihm besuchten Inseln -Sandai und Banda. Welche Eilande darunter zu verstehen sind, läßt -sich nicht bestimmen; denn der Name Sandai ist jetzt völlig unbekannt -und auf der heute Banda genannten Insel wuchsen die Gewürznelken -damals nicht. Höchst wahrscheinlich verwechselte er den Gewürzmarkt -mit dem Produktionsgebiet. Von da ging Conti nach dem oftbesuchten -Tschampa (Ciampa), welches er als Seestadt bezeichnet, und kehrte -nun nach Vorder-Indien, nach Kollam, zurück. Ueber Kotschin, Kalikut -(Collicuthia) und Cambaya wandte er sich zur Heimkehr, landete -unterwegs an der aloëreichen Insel Sokotra (Sochutera), berührte Aden -und das an der afrikanischen Küste gegenüberliegende Berbera (Barbora), -verweilte längere Zeit in Abessinien, schiffte darauf durchs rothe -Meer nach Djidda und kam endlich nach Kairo (Carras), wo er außer -sämmtlichen Dienern seine Frau und zwei Söhne an der Pest verlor.<a name="FNAnker_63_63" id="FNAnker_63_63"></a><a href="#Fussnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a> -Obwohl seiner Zeit die Erzählung Conti’s mehrfach auf Mißtrauen -gestoßen ist, so wird doch eine gründliche Prüfung bestätigen müssen, -daß ein großer Theil seiner Mittheilungen auf Autopsie beruht und -daß sich manche Dunkelheiten aus der mangelhaften Beschaffenheit der -erhaltenen Texte erklären lassen.</p> - -<p>Die Beziehungen der römischen Kirche zum Orient dauerten auch -noch unter Calixt III. (1447–1458) und Pius II. (1458–1464) fort, -äthiopische Gesandte kamen nach Rom, von denen schon Poggio -Erkundigungen über Aethiopien und die Region der Nilquellen einzog -und aufzeichnete, andere Boten gingen nach Persien und Indien, so daß -die Kenntniß von diesen Ländern sich immer klarer gestaltete. Auch -Kaufleute wagten sich immer häufiger in das Reich der Gewürze, und -so konnte Toscanelli in seinem Briefe an den Canonicus Martinez in -Lissabon 1474 genaue Schilderungen selbst Chinas nach dem Berichte von -Augenzeugen geben, mit denen er selbst verkehrt hatte.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p80" name="karte_p80"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p80.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Fra Mauro’s Weltkarte von 1459.</p> - <p class="s6 center">(Original in Venedig).</p> - <p class="s6 center">Längenmaassstab - <span class="nowrap"><span class="zaehler">1</span>⁄<span class="nenner">10</span></span> des Originals.</p> - <p class="s7 center antiqua">Alfr. Runge, Geogr.-artist. Inst. Reudnitz-Leipzig.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s7 center antiqua">Die Orientirung des Originals ist umgekehrt, Norden -unten; daher in dieser nach H. Kiepert gemachten Copie die Contouren -genau reducirt, die Gebirge aber dem Charakter des Originals nur -ähnlich und die Städte an Stelle der perspectivischen Zeichnungen des -Originals durch Signaturen angegeben sind.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p80_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="karte_p80_i" name="karte_p80_i"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p80_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p80_ii" name="karte_p80_ii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p80_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p80_iii" name="karte_p80_iii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p80_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p80_iv" name="karte_p80_iv"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p80_iv.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Was die Mitte des 15. Jahrhunderts vom Osten Afrikas wußte, läßt -sich, wenn auch in unbeholfener Gruppirung dargestellt, auf der in -Venedig 1459 entworfenen <em class="gesperrt">Weltkarte Fra Mauro’s</em> erkennen. In -Abessinien sind der Abai und Takazze als Tributäre des Nil verzeichnet, -selbst der Djub (Hebe) findet sich in annähernd richtiger Lage. -Vor allem wichtig muß es aber erscheinen, daß an der Ostküste, wo -zwar die Insel Madagascar noch fehlt, doch die Erkundigungen über -Makdischu (Mogodisco) und Sansibar<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span> (zweimal als Xengibar und -Chancibar), vielleicht bis zu der Comoren-Insel Mohilla (Mahal) und -nach Sofala (Soffala) reichen. Durch die sich weit nach Süden ziehenden -afrikanischen Uferlinien wurden später die Hoffnungen, eine Umfahrt um -Afrika zu ermöglichen, wesentlich bestärkt.</p> - -<div class="section"> - -<h3 id="Zweites_Capitel_2">Zweites Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Abendseite der alten Welt.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Prinz_Heinrich_der_Seefahrer">Prinz Heinrich der Seefahrer.</h4> - -<p><span class="s3">W</span>enden wir uns wieder der Westseite Afrikas zu, so ist unsere nächste -Aufgabe, nachzuweisen, wie die Kenntniß hier, nachdem um die Mitte des -14. Jahrhunderts die Grenze des Wissens alter Zeit wieder erreicht -worden war, unter besonders günstigen Umständen rasch und planmäßig -vorwärts rückte.</p> - -<p>Unter den damals bekannt gewordenen westafrikanischen Inselgruppen -waren nur die Canarien bewohnt gefunden. Hier saß das Volk der -Guanchen, wie die Spanier den Namen schreiben, ein starker kräftiger -Menschenschlag von blondem Haar und heller Gesichtsfarbe, deren -Nachkommen noch in jüngster Zeit einen deutschen Reisenden an den ächt -sächsischen, westfälischen Typus erinnern konnten.<a name="FNAnker_64_64" id="FNAnker_64_64"></a><a href="#Fussnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a> Und in der That -hat Löher auch den Beweis angetreten, daß die Wandschen (Guanchen) -germanischer Abkunft seien, und sich höchst wahrscheinlich ans den -Trümmern der von Belisar niedergeworfenen Vandalen und durch Tarik bei -Jerex besiegten Westgothen gebildet hätten. Unter den beigebrachten -historischen Zeugnissen ist hier namentlich die Deutung hervorzuheben, -welche die Sage von der Flucht eines Erzbischofs und mehrerer -Bischöfe auf die Inseln des Westmeeres erhielt, von welcher oben -(<a href="#Seite_21">S. 21</a>) berichtet ist. Danach ist dann der Name Wandschen identisch mit -Vandalen. Aber auch in Bezug auf den Nationalcharakter, die Sitten und -Anschauungen, die Art der Ansiedlungen und der staatlichen Verfassungen -bieten sich so manche Analogien mit altgermanischem Wesen, daß wir uns -der überraschenden Beweisführung Löhers nicht verschließen können. -Unverkennbar, aber auch ganz erklärlich, war die Sprache der Wandschen -mit berberischen Elementen durchsetzt. Im Jahre 1384 machten zuerst -spanische Mönche den Versuch, die Bewohner auf Groß-Canaria zum -Christenthum zu bekehren, fanden aber thätigen Widerstand und büßten -endlich 1391 alle ihren Glaubenseifer mit dem Tode. Planmäßiger begann -1402 <em class="gesperrt">Jean de Bethencourt</em> aus Rochelle das Werk; er segelte von -La Rochelle aus, landete auf Lanzarote mit einigen 50 Mann und baute -eine kleine Citadelle. Aber sie vermochten sich bei ihrer geringen -Anzahl doch nur mit Mühe zu halten. Daher suchte Bethencourt in -Spanien Hilfe, welche ihm auch um den Preis der Lehnsabhängigkeit -von Castilien gewährt ward.<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span> Nun begann ein mehrfach unterbrochener -Kampf gegen die Selbständigkeit der einheimischen Dynasten, in welchem -zunächst die Stämme auf Lanzarote, Fuertaventura und Ferro erlagen -und das Christenthum annahmen. Die andern Inseln wurden erst gegen -Ausgang des Jahrhunderts bezwungen. Gran-Canaria erlag nach 13jährigem -Kampfe 1483, Palma beugte sich 1491 und erst 1496 wurde auch Teneriffa -erobert. So kamen die Canarien unter spanische Botmäßigkeit und damit -ging ein nicht unwichtiger Stützpunkt für die maritimen Unternehmungen -den Portugiesen verloren, welche kurz nach dem Erscheinen Bethencourts -ihre glänzende Entdeckerlaufbahn eröffneten, und zwar unter der Führung -des <em class="gesperrt">Prinzen Heinrich</em>, welcher am Cabo Vicente im südwestlichen -Portugal seinen Sitz aufschlug und von hier aus die Seefahrten leitete, -die den westlichen Saum Afrikas entschleiern sollten.</p> - -<p>Dort am Cabo de São Vicente, zugleich dem südwestlichsten Vorsprunge -Europas, ist ihm auch in unserem Jahrhundert zum Ehrengedächtnisse -ein Marmordenkmal über dem Hauptthore der kleinen Festung Sagres -errichtet, welches in der Mitte das portugiesische Wappen, links ein -Seeschiff mit vollen Segeln, rechts eine Armillarsphäre zeigt. Darunter -ist folgende Inschrift in lateinischer und portugiesischer Sprache -angebracht: <span class="antiqua">„Aeternum sacrum!</span> An dieser Stelle hat der große -Prinz Heinrich, Sohn Johanns I., Königs von Portugal unternommen, -die vorher unbekannten Regionen von Westafrika zu erforschen und so -durch Umschiffung Afrikas einen Weg bis zu den entlegenen Theilen des -Ostens zu bahnen und hat auf eigne Kosten sein königliches Schloß, -die berühmte Schule der Kosmographie, das astronomische Observatorium -und das See-Arsenal errichtet und hat dasselbe bis an sein Lebensende -mit bewunderungswürdiger Thatkraft und Ausdauer erhalten, gefördert -und erweitert zum größten Segen für das Reich, für die Wissenschaft, -für die Religion und für das ganze Menschengeschlecht. Als seine -Expeditionen den 8. Grad nördlicher Breite erreicht hatten, als manche -Insel im Ocean entdeckt und mit portugiesischen Colonien besetzt war, -starb dieser große Prinz am 13. November 1460.“<a name="FNAnker_65_65" id="FNAnker_65_65"></a><a href="#Fussnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a></p> - -<p>Der Infant Dom Enrique, der später den Beinamen des Seefahrers erhielt, -war das fünfte Kind des Königs Johann und am Aschermittwoch, am 4. März -1394 in Oporto geboren. Im Kampfe gegen die Mauren vor Ceuta gewann er -1415 die Rittersporen. Er hatte sich dabei in persönlicher Tapferkeit -so hervorgethan, daß der Pabst, der deutsche Kaiser Sigismund, die -Könige von Castilien und von England ihn zu gewinnen suchten und seinem -Arm die Führung ihrer Truppen anvertrauen wollten. Der Pabst Martin -V. wünschte das Schwert des Infanten gegen die Türken zu richten, -der Kaiser ließ auf dem Concil zu Constanz durch den portugiesischen -Gesandten dem tapferen Prinzen ähnliche Anträge stellen.</p> - -<p>Aber Heinrich hatte nach der Eroberung Ceutas seine Aufmerksamkeit -auf das weiter südlich gelegene Afrika gerichtet, er wollte Guinea zu -erreichen<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span> suchen. Allein Guanaja oder Ganaja war ein nur durch dunkle -Gerüchte erkundetes Land; keines Europäers Auge hatte es bis dahin -gesehen. Aber von dem Reichthum dieses Gebietes berichtet schon die -catalanische Karte von 1375. Wir sehen hier im Lande <span class="antiqua">GINVIA</span> -bei Tenbuch (Timbuktu) einen Negerfürsten mit Scepter und Reichsapfel -thronen, neben welchem sich die Inschrift befindet: <span class="antiqua">Aquest Senyor -Negre es appellat Mussemelly, senyor de les Negres de Gineua, aquest -rey es lo pus rich e pus noble senyor de tota esta partida per -l’abundancia de l’or qual se recull en sua terra.</span> (Dieser Negerherr -ist Mussemelly [König von Melli] genannt, Herr der Neger von Guinea, -dieser König ist der reichste und vornehmste Herr dieser ganzen Gegend -durch die Fülle von Gold, welche man in seinem Lande sammelt.) Die -Landstriche jenseits Cap Bojador hatte noch niemand besucht.<a name="FNAnker_66_66" id="FNAnker_66_66"></a><a href="#Fussnote_66_66" class="fnanchor">[66]</a> Es -mußte für Portugal vortheilhaft erscheinen, <em class="gesperrt">allein</em> unter allen -Europäern Handelsbeziehungen mit den Völkern Guineas anzuknüpfen, bei -denen kein Mitbewerb drohte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p83" name="abb_p83"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p83.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Prinz Heinrich der Seefahrer.</p> - <p class="s6 center">Nach dem Miniaturegemälde in der - 1448–1453 entstandenen Handschrift<br /> - <span class="antiqua">„Chronica do descobrimento e - conquista de Guiné etc.“</span></p> - <p class="s6 center mbot2">(National-Bibliothek zu Paris.)</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span></p> - -<p>Prinz Heinrich hatte dabei noch einen andern Zweck im Auge. Er wollte -die Ausdehnung der Macht seiner Landesfeinde, der Mauren kennen -lernen. Man hatte nämlich in allen Berührungen und Conflicten mit -diesem Gegner nie gesehen, daß ihnen aus weiter südlich gelegenen -Gebieten ein Fürst zu Hilfe gekommen war. Er wollte darum erforschen, -ob in diesen Ländern nicht christliche Mächte, vielleicht Nachbarn -des bekannten Priesterkönigs Johann, säßen, welcher bereits nach der -Vorstellung der catalanischen Karte <span class="antiqua">Emperador de Etiopia</span> war. -Er wollte versuchen, ob man nicht von Süden her den Krieg gegen die -Mauren erregen könne, um sie von zwei Seiten zu fassen; denn es schien -ihm nicht unwahrscheinlich, den Beistand jener Fürsten um des Glaubens -willen und aus Liebe zu Christo gewinnen zu können. Auch stand das -Verlangen des Prinzen dahin, das Licht des Christenthums selbst in die -dunkeln Erdstriche zu tragen. Und endlich trat noch ein wichtiges, in -jenen Zeiten nicht angezweifeltes astrologisches Moment hinzu. Sein -Horoskop wies den Infanten bestimmt auf die Entdeckungen hin. Azurara -hat dasselbe mitgetheilt, es lautet danach: „Da sein Ascendent (d. -h. das bei seiner Geburt aufsteigende Haus) der Widder war, welcher -das Haus des Mars ist, wo die Sonne sich in Exaltation befindet (d. -h. den größten Einfluß übt), und da sein Herr (Mars) im eilften Hause -(d. h. nahe bei der Sonne) und im Wassermann steht, welcher das Haus -des Saturns ist, so bedeutet es, daß er zu großen Eroberungen berufen -war und ganz besonders zur Aufsuchung von Dingen, die andern Menschen -verborgen waren, denn Saturn ist der Hüter der Geheimnisse. Und da sein -Stern von der Sonne begleitet ist, die Sonne aber im Hause des Jupiter -steht, so wird damit angedeutet, daß alle seine Thaten und Eroberungen -durchaus loyal und zur Zufriedenheit seines königlichen Herrn geschehen -sollten.“<a name="FNAnker_67_67" id="FNAnker_67_67"></a><a href="#Fussnote_67_67" class="fnanchor">[67]</a> (<span class="antiqua">Azurara, Chron. cap. VIII p. 48. 49.</span>)</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span></p> - -<p>Und so legte er mit Genehmigung des Königs am Vorgebirge von -Sagres in Algarve, dessen lebenslänglicher Gouverneur er war, das -erste astronomische Observatorium in Portugal, das See-Arsenal, -die Kosmographenschule und seine Residenz an, in welcher er alle -wissenschaftlichen Kräfte seines Landes zu vereinigen strebte, während -der nahgelegene Hafen von Lagos seine Flotten barg. Die Klippe von -Sagres bildet eine etwa 200 Fuß hohe, kolbig in den Ocean vorspringende -Felsenplatte, von der Länge einer Viertelmeile. Diese Felsenbank, -von dem Salzschaum des Oceans übersprüht, bietet nur die spärlichste -Vegetation, aber sie war wohl geeignet, den Blick von dem Festlande -ab ganz allein aufs Meer hinauszulenken und von hier die Befehle zu -ertheilen, wie der Schleier, der die Geheimnisse des Saturn bedeckte, -sollte gelüftet werden. Zwar hat das furchtbare Erdbeben, welches -im Jahre 1755 Lissabon zerstörte, auch die meisten damals noch -existirenden Gebäude aus<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span> alter Zeit über den Haufen geworfen; allein -es lassen sich doch die Umrisse und die wahrscheinliche Lage der -wichtigsten Baulichkeiten aus den Zeiten des Seefahrers angeben. An der -nördlichen schmalen Einschnürung der kleinen Halbinsel, gegenwärtig -durch Befestigungen gedeckt, lag die Kirche, weiter südwärts erhebt -sich über dem fundamentalen Rundbau des ehemaligen Observatoriums das -Pulvermagazin der Citadelle. Auf der Nordostseite lag der Hafen.</p> - -<p>So erscheint uns noch in allgemeinen Zügen der ehemalige Sitz des -Prinzen, die Villa do Iffante, wie sie genannt wurde. Hier herrschte -der Mann, der eine neue Zeit für die wissenschaftliche Beherrschung der -Erde heraufführen sollte, der ein Bahnbrecher wurde durch das pfadlose -Weltmeer.</p> - -<p>Zeitgenossen haben uns sein Bild getreulich bewahrt. Man beschreibt -ihn als einen Mann von hoher Gestalt, kräftigem und starkem Körperbau. -Seine Miene war ruhig, seine Rede fest. Sein erster Blick hatte etwas -Zurückschreckendes für diejenigen, welche ihn nicht kannten, und etwas -Wildes, wenn er in Zorn gerieth, was ihm aber höchst selten widerfuhr. -Ehrbarkeit herrschte in seinen Reden und Handlungen, Einfachheit in -seiner Kleidung und Hofhaltung. Der Grund davon lag in der Reinheit -seines Herzens und seiner Sitten. Asketisch streng enthielt er sich -des Weines und des Umgangs mit Frauen. Er besaß viel Beharrlichkeit -und Gewalt über seine Leidenschaften; im Glück wie im Unglück war er -bescheiden und so geneigt, Fehler zu verzeihen, daß man ihn darüber -nicht selten getadelt hat. Aber in wichtigen Unternehmungen zeigte er -die größte Entschlossenheit und ein zähes Ausharren.</p> - -<p>Er fand großes Vergnügen daran, junge Leute für seine Zwecke -heranzubilden und so wurde sein Hof eine Pflanzschule des jungen -Adels. Gastfrei gegen Einheimische und Fremde, zog er tüchtige Männer -aller Nationen heran und keiner nahm Abschied, ohne Beweise von dem -Edelsinn des Prinzen empfangen zu haben. In strengen Anforderungen an -sich selbst gab er allen ein leuchtendes Vorbild. Jeder Tag gehörte -angestrengter Arbeit, unzählige Male hat er sich sogar den Schlaf -geraubt. Die Mittel zu den jahrelang wiederholten Fahrten flossen ihm -aus den Einkünften des Christusordens, dessen Großmeister er war. Der -Zweck dieses reichen Ordens war die Bekehrung der Heiden, und so ließ -er zunächst die Länder der Ungläubigen aufsuchen und zog Erkundigungen -ein über das Sudan, erhielt Nachricht von den Karawanen, welche bis zum -Senegal oder nach Timbuktu zogen und sendete so seine Schiffe hin, den -großen Strom zu finden, den die Eingeborenen Owedesch, die Portugiesen -nach dem Volksstamm der Sanaga, oder Azanaghen Sanaga, d. i. Senegal -nannten.</p> - -<p>Aber die Schifffahrt lag damals bei den Portugiesen noch in der -Wiege. Es waren kaum hundert Jahre verflossen, seit durch die ersten -Fahrten der Venetianer nach England und Niederland Lissabon zu einer -Haltestation auf halbem Wege von Italien nach den Häfen der Nordsee -geworden und<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span> die Portugiesen durch den fremden Verkehr angeregt, die -ersten Versuche auf dem flüssigen Elemente wagten. Aber noch zu den -Tagen des Infanten, dem die Nachwelt den Namen des Seefahrers gegeben, -hielt man sich bei allen Fahrten ängstlich an der Küste und fürchtete -sich, das Land aus dem Gesichte zu verlieren. Zwar war bereits die -Kraft und Tugend der Magnetnadel bekannt, ja man besaß sogar Boussolen; -aber die Anwendung war noch gering, so lange das Instrument selbst noch -unvollkommen und schwankend dem ängstlichen Schiffer kein Zutrauen -erweckte.</p> - -<p>Der große Geschichtsschreiber der Portugiesen João de Barras schildert -uns die Fahrweise seiner Landsleute in folgenden Worten: „Der Infant -hatte schon mehremale Schiffe auf Entdeckungen ausgesendet, aber sie -kamen nicht weiter als bis an das Cap Bojador (das „vorspringende“), -welches ungefähr 60 Seemeilen jenseits des Cabo de Não liegt. Sie -getrauten sich nicht, dieses Vorgebirge zu umsegeln, theils weil es -sich gegen 40 Seemeilen westlicher hinaus erstreckte als die Küsten, -die sie bisher befahren hatten, theils weil von dem Vorgebirge über -6 Leguas in das Meer ein Riff hinauslaufen sollte, auf welchem die -Brandung so gewaltig schäumte, daß es ihnen Schrecken verursachte,<a name="FNAnker_68_68" id="FNAnker_68_68"></a><a href="#Fussnote_68_68" class="fnanchor">[68]</a> -denn da ihnen sonst auf ihren Reisen nach der Levante und zurück die -Küste immer statt des Compasses gedient hatte, so verstanden sie noch -nicht, so weit in die See hinauszustechen, daß sie das Riff vermieden -hätten. Die Capitäne begnügten sich also damit, auf ihren Rückreisen -hier und da an den Küsten zu landen, und mit den Mauren zu scharmützen, -um mit ihren Siegen dem Infanten Vergnügen zu machen. Allein damit war -sein Endzweck nicht erreicht.“</p> - -<p>Die physischen Schwierigkeiten, oder richtiger gesagt die technischen -Schwierigkeiten waren es keineswegs allein, welche die Expeditionen -zur Umkehr trieben. Wir werden noch andere kennen lernen; zunächst -aber scheint es angemessen, die Westküste Afrikas, an der die -Schiffer ängstlich südwärts schlichen, in ihren allgemeinen Zügen zu -charakterisiren.</p> - -<p>Wie der ganze Gestadesaum des plumpen Erdtheils auffällig arm an -markirten Contouren vorspringender Glieder oder ins Land eindringender -Buchten ist, so vor allem und im höchsten Maße die Nordwestküste von -den Säulen des Herkules bis zum grünen Vorgebirge. Auf dieser ganzen -Strecke von 400 Meilen, mit geringer westlicher Ausweichung in der -Richtung von N.-O. nach S.-W. verlaufend, mündet kein Fluß, in welchem -ein Schiff ankern könnte, mit Ausnahme des Senegal, 20 Meilen nördlich -vom grünen Vorgebirge. Das Aussehen des Landes bleibt sich fast überall -gleich: ein flacher Küstensaum, meistens mit Dünen besetzt, zur Hälfte -der großen Wüste, der Sahara angehörig, wird gegen Süden immer öder -und grauenvoller. Vierzig bis fünfzig Seemeilen in das Meer hinaus -lagerte über den allenthalben<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span> seichten Fluten eine trübe Atmosphäre. -Die Ursache dieser Erscheinung, welche natürlich eine zaghafte Marine, -die das dunstverhüllte Land aus den Augen zu verlieren fürchtet, mit -steter Besorgniß erfüllte — die Ursache hat man bisher nur den feinen -Staub- und Sandtheilchen zugeschrieben, welche aus den Wüsteneien des -Innern aufgewirbelt, und dann allmählich übers Wasser hinausgetrieben, -hier die schweren Theilchen sinken lassen und das Meer mit Untiefen -füllen, die leichteren in dem Luftraum schwebend erhalten, bis sie erst -nach Hunderten von Meilen draußen im freien Ocean langsam sich zum -Wasserspiegel senken. Indes darf eine zweite Ursache nicht unbeachtet -bleiben, daß nämlich durch das Zusammentreffen ungleich erwärmter -Luftschichten nebelartige Dunstbläschen sich bilden, die durch die -daran haftenden feinsten Staubtheilchen den Horizont noch mehr -umschleiern, trotz der Abwesenheit von schweren Wolkenschichten das -Himmelsgewölbe niederzudrücken scheinen und mit eigenthümlich mattem -Licht den Schiffer umgeben.</p> - -<p>Theobald Fischer<a name="FNAnker_69_69" id="FNAnker_69_69"></a><a href="#Fussnote_69_69" class="fnanchor">[69]</a> macht noch auf einen bisher übersehenen -Factor aufmerksam, daß nämlich höchst wahrscheinlich ein kalter, -unterseeischer Strom an der Westküste der hesperischen Halbinsel und -Afrikas emporsteige, dem die häufigen Nebel von Galicien bis Marokko zu -danken seien. Gerhardt Rohlfs fand in Agadir, daß die Sonne den Nebel -selten vor Mittag besiegte und erfuhr von den Leuten, daß diese starken -Nebel selbst im hohen Sommer bis zur Mittagszeit andauerten.</p> - -<p>Die Schrecken eines „Dunkelmeeres“, von dem die Geographie des -Mittelalters manches Unheimliche zu erzählen weiß, finden in diesen -Erscheinungen ihre Erklärung. Diese dichten Nebel treten namentlich im -Winter auf und sind von einem kalten und trocknen Nordost begleitet, -der wohl auch die Ursache ist, daß das Tageslicht einer Dämmerung -weicht, in welcher noch jetzt Schiffe in der Nähe der Küsten gezwungen -sind, vor Anker zu gehen, bis das Wetter sich wieder aufhellt.</p> - -<p>In der That, der Ocean schien der jugendlich aufstrebenden, -portugiesischen Flotte einen zäheren Widerstand entgegenzusetzen als -die Heere der Moriscos, und wohl gar vielen ein unüberwindlicher -Gegner zu sein, nur nicht dem Infanten, der ihm mit einer Zähigkeit -und Ausdauer entgegentrat, welche allen seinen Seeleuten bedenklich, -wenn nicht geradezu tollkühn und wahnwitzig vorkam. Zwanzig Jahre hatte -der Prinz, unbekümmert um das Murren seines Volkes, ohne Resultat des -Vorwärtsdringens gerungen. Er mag wohl oft unter seinen Leuten die -sprichwörtliche Warnung vernommen haben: Wer das Cabo de Nao umfährt, -weiß nicht, ob er je wiederkehrt. „Die Furcht,“ sagt de Barros, „vor -dieser Fahrt war so groß, daß es dem Infanten schwer ward, Leute in -seinen Dienst zu bekommen; zumal da das<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span> Volk laut murrte, daß er dem -vaterländischen Boden seine Bewohner entzöge, um sie auf den Meeren -oder in entfernten wüsten Ländern umkommen zu lassen.“</p> - -<p>Unter diesen entfernten wüsten Ländern faßte man aber nichts geringeres -zusammen als die ganze heiße Zone. Man weiß, daß das gesammte -Mittelalter in seiner wissenschaftlichen Erkenntniß der Erdoberfläche -lediglich sich noch von den Brosamen nährte, die von dem Tische der -Reichen — der Griechen und Römer des Alterthums — gefallen waren. -Seit den Zeiten des letzten großen Geographen von Alexandria bis zum -Prinzen Heinrich waren mehr als tausend Jahre verflossen, ohne daß -die Entwicklung der physischen Geographie einen Schritt vorwärts -gethan hätte. Der Autoritätsglaube, so charakteristisch für das -gesammte Mittelalter, hielt auch noch die Zeitgenossen des Infanten in -beklemmende Schranken gebannt.</p> - -<p>Die Alten kannten die südlichen Grenzen der großen afrikanischen Wüste -nicht, ihre Kunde reichte kaum über die nördliche Oasenreihe hinaus. -Aber die zunehmende Verödung gegen Süden, das völlige Absterben aller -Vegetation konnte die theoretisch allzeit schlagfertigen griechischen -Philosophen leicht zu der Behauptung hinreißen, die ganze heiße Zone -sei unbewohnbar. Schon Aristoteles hatte diesen Satz aufgestellt und -wenn man weiß, daß Aristoteles sich im späten Mittelalter fast gleichen -Ansehens mit der Bibel erfreute, dann darf man nicht erstaunen, -daß auch das 14. Jahrhundert noch glaubte, was der große Weltweise -von Stagira gesagt, was der letzte Meister der Erdkunde, Ptolemäus -bestätigt, was die Wiedererwecker des Aristoteles, die arabischen -Gelehrten anerkannt und selbst ein so vielseitig gebildeter Mann wie -Albertus Magnus noch im 13. Jahrhundert nur dahin zu modificiren wagte, -daß möglicherweise an den Küsten und Inseln der heißen Zone organisches -Leben eine kümmerliche Existenz erzielen könne.</p> - -<p>Wenn nun der Infant seine Schiffe in diese unwirthlichen Regionen -hinausschickte, wo sie allein auf sich angewiesen im Kampfe gegen -die allmächtigen Naturgewalten, wo Land und Luft und Wasser in -der feindlichsten Gestalt erschien, als todtenstarre Wüste, als -trübverhüllter Luftraum, als zähe unter dem senkrechten Sonnenstande -fast zu Leim verdickte See — war es unter der Herrschaft solcher -Vorstellungen nicht Menschenpflicht und Nächstenliebe, gegen die -nutzlosen Menschenopfer einer unbegreiflichen Fürstenlaune sich zu -erheben?</p> - -<p>Und doch blieb der Infant fest, doch blieb er seinem schönen -Wahlspruche: <span class="antiqua">talent de bien faire</span> getreu. Die wichtigsten -Expeditionen der ersten Decennien waren folgende: 1416 wurde -<em class="gesperrt">Gonzalo Velho</em> über die Canarien hinausgesandt, 1419 geriethen -<em class="gesperrt">João Gonçalves Zarca</em> und <em class="gesperrt">Tristão Vaz Teyxeyra</em> vom -Sturm verschlagen nach Porto Santo und kehrten im nächsten Jahre mit -dem Piloten Juan de Morales nach Madeira zurück, und 1431 wurden -durch <em class="gesperrt">Goncalo Velho Cabral</em> die ersten Inseln der Açorengruppe -gefunden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span></p> - -<p>Dabei stand der Infant mit seinen Plänen und Zielen weit über seinen -Gehilfen. Wir finden unter den Leitern der Expeditionen Leibpagen und -Mundschenken des Prinzen, welche also wohl die Intentionen des Prinzen -kennen mußten; aber sie kannten kein höheres Ziel als sich mit Mauren -und Negern herumzubalgen und Menschen zu stehlen. Man kann von jeder -Fahrt fast die Kopfzahl der Menschenbeute nachweisen, allein die -wissenschaftlichen Erfolge ihrer Sendung, die nautischen Resultate -bleiben vielfach unerwähnt. Die Portugiesen waren zu sehr ritterliche -Raufbolde, als daß sich im Fluge Seeleute, geschweige denn gleich -Seehelden aus ihnen gestaltet hätten.</p> - -<p>Als Beispiel ihres Verfahrens und Gebahrens sei hier die mit 14 -Schiffen ausgerüstete Expedition des Lanzarote erwähnt, der, als die -durch Sturm verstreuten Fahrzeuge bei einer Insel an der Küste sich -wieder zusammengefunden hatten, vor allem darauf bedacht war, die auf -der Insel lebenden Mauren zu fangen. Allein diese waren bei Nachtzeit -aufs Festland entwichen und höhnten von hier aus die hintergangenen -Portugiesen. Zwei junge Edelleute an Bord des einen Schiffes sprangen, -empört über das Hohngeschrei, mit ihren Waffen über Bord und schwammen -ans Land, um die Mauren zu züchtigen. Wie diese sie kommen sahen, -liefen sie ihnen mit Geschrei entgegen, wodurch auch das übrige -Schiffsvolk in Bewegung kam. Alles, was schwimmen konnte, sprang ins -Wasser, um die beiden Jünglinge zu unterstützen, und es kam am Ufer -zu einem Gefechte, in welchem viele Mauren getödtet und 57 gefangen -wurden. In der Nacht griffen die Portugiesen noch ein Dorf an, welches -7 Meilen davon am Ufer lag und wohin, nach der Aussage der Gefangenen, -die Mauren geflohen waren. Sie fanden aber ein leeres Nest, weil die -Bewohner, gewarnt durch die Flüchtlinge, sich mit ihren Herden vom Ufer -entfernt hatten. Wie sie des Morgens zurückkehrten, wurden jedoch noch -ihrer fünf aufgegriffen.</p> - -<p>Und bei solchem Raubsystem waren die Portugiesen noch naiv genug, zum -Zeichen ihrer Heldenthaten, den Wahlspruch ihres Herrn: <span class="antiqua">talent de -bien faire</span> in die Bäume einzuschneiden.</p> - -<p>Zwar kommen nicht alle diese Heldenthaten auf Rechnung jener -Geschwader, die der Prinz selbst aussendet, denn er gestattete -gegen eine Abgabe vom Gewinn auch anderen, auf Entdeckungen und -Abenteuer auszuziehen; ja er ermuthigte dazu. Allein er blieb doch -der Mittelpunkt und oberste Leiter. Daß er aber, wie wohl behauptet -ist, gleich anfangs einen Seeweg nach Indien habe suchen wollen, ist -nirgends gesagt; ein solcher Plan, gleichsam die schönste Frucht aller -Arbeiten Dom Enrique’s, entwickelte sich erst allmählich und reifte -erst nach des Seefahrers Tode.</p> - -<p>Den ersten namhaften Fortschritt in den afrikanischen Fahrten -verzeichnet das Jahr 1434. <em class="gesperrt">Gil Eannes</em>, ein Page des Infanten, -hatte gegen den Befehl seines Herrn Menschen geraubt. Um die Gunst des -Fürsten wieder zu gewinnen, setzte er sein Leben daran, das berüchtigte -Cap Bojador, das selbst nach 12jähriger Anstrengung nicht zu überwinden -gewesen war, zu be<span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">[S. 91]</a></span>zwingen. Das, wie man meinte, unmögliche Wagniß -gelang ohne Unfall, und kühner und sicherer gemacht, erreichte sein -Nachfolger <em class="gesperrt">Affonso Gonçalez Baldaya</em> den Goldfluß, Rio d’Ouro -und damit den nördlichen Wendekreis, also die Grenze der heißen Zone. -Am Strande gefundene Fischernetze wiesen darauf hin, daß auch hier das -Land noch Menschen beherberge. Die alte Theorie von der Unbewohnbarkeit -der heißen Zone begann zu wanken, ohne jedoch zusammenzubrechen, denn -man befand sich ja erst am Saume des gefürchteten Erdstriches.</p> - -<p>Aber am Cap Bojador war das Thor der heißen Zone geöffnet und Schiff -folgte nun auf Schiff; man erreichte unter <em class="gesperrt">Nuño Tristão</em> 1441 -das Cap Branco und zwei Jahre später unter Leitung desselben Capitäns -die Bucht von Arguim. Es ist zu beklagen, daß der Prinz anfänglich den -Befehl ertheilt hatte, die Bevölkerung an der Bucht und auf den kleinen -Inseln erst zu tödten oder gefangen zu nehmen, ehe man die Entdeckungen -fortsetze. Er sah auch bald den großen Fehler, den er damit begangen -ein, und verbesserte ihn, ehe es zu spät war. Die Bewohner des -Wüstenrandes konnten, wenn man sie in ihren gewohnten Verhältnissen -ungestört ließ, und sich mit ihnen in ein freundschaftliches -Einvernehmen setzte, den Portugiesen bei ihren Erkundigungen über das -Binnenland wesentliche Dienste leisten. Die Insel Arguim wurde für -den Mittelpunkt dieses neuen Verkehrs erklärt und erhielt die erste -bleibende Niederlassung der Portugiesen nebst einem Castell zum Schutze -der Handeltreibenden. Der Tauschverkehr entwickelte sich mit den -Azanaghen sehr bald, und wenig Jahre nach der Entdeckung schon sandte -eine Handelsgesellschaft in Lagos, dem Hafen östlich von des Prinzen -Villa, eine Flotte von sechs Schiffen aus.</p> - -<p>Später brachten die portugiesischen Schiffe nach Arguim farbige Tücher, -allerart Leinwand, wollene Mäntel, Sättel, Steigbügel, Schüsseln, -Honig, Silber, Gewürze, rothe Korallen und Getreide und tauschten -dafür Negersklaven aus Guinea, Gold von Timbuktu, Büffelfelle, Gummi, -Zibethkatzen, Straußeneier, Kameele, Kühe und Ziegen ein.<a name="FNAnker_70_70" id="FNAnker_70_70"></a><a href="#Fussnote_70_70" class="fnanchor">[70]</a> Die -ersten Erfolge waren so verlockend, daß der Prinz Heinrich den Handel -nach Arguim an eine Handelsgesellschaft verpachten konnte.</p> - -<p>Nun endlich schwiegen auch die Gegner der Seefahrten und das Interesse -für die Unternehmungen, welche von Sagres aus geplant wurden, wuchs -bald so mächtig, daß man die leicht erregten Portugiesen zügeln mußte. -Man schränkte, indem man die Entwicklung einer tüchtigen Handelsflotte -im Auge behielt, die Raub- und Abenteurerzüge durch Gesetze ein und -monopolisirte sogar den afrikanischen Handel.</p> - -<p>Der zweite große Fortschritt in der weiteren Entdeckung geschah im -Jahre 1445. Er knüpft sich an den Namen des kühnen <em class="gesperrt">Diniz</em> -(Dionysius)<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span> <em class="gesperrt">Dias</em>, eines Vorfahren des bekannteren Bartolomeu -Dias, welcher 26 Jahre nach dem Tode des Prinzen Heinrich das Cap der -guten Hoffnung umsegelte. Diniz Dias hatte sich bereits im Dienste des -Königs Johann I. (bis 1433) ausgezeichnet. Der Prinz rüstete ihm eine -kleine Caravele aus und Diniz nahm sich vor, ganz den Plänen seines -Herrn folgend, ohne sich auf Handelsverkehr mit den Küstenbewohnern -einzulassen, weiter südwärts vorzudringen als alle seine Vorgänger und -das Land der <em class="gesperrt">schwarzen</em> Mohren, wie man die Neger im Gegensatz -zu den weißen Mohren, den Berbern und Mauren, zu nennen pflegte, zu -erreichen. So fuhr er kühn an der Mündung des Senegal, welcher beide -Menschenrassen trennt, vorüber bis zum grünen Vorgebirge. Seine -Caravele erregte unter den schwarzen Bewohnern des Landes gewaltiges -Erstaunen. Vier von den muthigsten, welche das große auf dem Wasser -treibende Ding untersuchen wollten — denn sie waren unter sich nicht -einig, ob es ein Fisch, ein Vogel, oder ein Phantom sei — näherten -sich dem Schiffe in einem Canoe; als sie aber Menschen auf dem -Ungeheuer gewahr wurden, flohen sie mit solcher Hast zurück, daß die -Portugiesen sie nicht wieder einholen konnten.</p> - -<p>So war also das Negerland endlich wirklich erreicht; aber nicht allein -darin liegt die Bedeutung dieser Fahrt, sondern vor allem in der am -grünen Vorgebirge unerwartet auftretenden Ueppigkeit der tropischen -Vegetation. Hier unter dem 15° N. befand man sich in der That in -der heißen Zone, wo unter dem Einfluß tropischer Regen, welche mit -gewaltigen Güssen das Land tränken, ein Reichthum der Flora sich -entfaltete, welche zahlreichen und großen Thieren, sowie kräftigen, -sogar schönen Menschenstämmen Nahrung in Fülle bot.</p> - -<p>Wie paßten zu solchen Beobachtungen und Thatsachen die Lehrsätze -des Aristoteles und Ptolemäus von der Unbewohnbarkeit des heißen -Erdgürtels? <em class="gesperrt">Am grünen Vorgebirge ist diese alte mächtige Theorie -zerschellt.</em> Und wiederum sehen wir die Bestrebungen des Prinzen -und seinen Wahlspruch auf das Herrlichste belohnt. Denn von hier aus, -vom Cabo verde, eröffnet sich uns eine ganz neue Perspektive für die -Entwicklung der Erdkunde. Man lernte seinen eignen Augen doch mehr -trauen, als den Schriften griechischer Autoritäten.</p> - -<p>Es gibt wenig geographische Namen, die so trefflich gewählt sind und -den Nagel so auf den Kopf treffen wie dieser des „grünen“ Vorgebirges, -und auch wohl keinen, der so einfach sich von selbst bot und so auf der -Hand lag wie dieser. Im Gegensatz zu den weißen Dünen des Cabo branco, -des weißen Vorgebirges, nördlich von Arguim, am Ufer der Sahara, -erhebt sich hier ein in den Ocean auffällig schlank hinausspringender -Höhenrücken, über dem sich die gefiederten Wipfel tropischer Palmen -wiegen. Unter ihrem Schatten liegt die Geographie des Mittelalters -begraben.</p> - -<p>Wenige Jahre nach der Entdeckung kam ein intelligenter venetianischer -Edelmann, <em class="gesperrt">Ludwig da Mosto</em>, hieher. Auf ihrer Fahrt nach Flandern -war die venetianische Flotte, die er begleitete, durch widrige Winde -am Cap<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span> Vicente in Portugal aufgehalten. Als der Infant Heinrich -dies erfuhr, schickte er seinen Secretär Antonio Gonsalvez und den -venetianischen Consul Patricio de Conti mit Proben des neugepflanzten -Zuckerrohrs von Madeira, mit Drachenblut und andern neuen Produkten -Afrikas zu ihnen und ließ sie auffordern zu einem Zuge nach dem -Senegal. Da Mosto wurde lebhaft von den Berichten angezogen, und -erkundigte sich nach den üblichen Bedingungen. Da erfuhr er, daß jeder -Schiffsrheder, der selbst sein Schiff ausrüste, nach vollendeter -Fahrt dem Prinzen ¼ des Gewinnes zu geben habe, daß aber, wenn der -Prinz selbst die Ausrüstung auf seine Kosten mache, er die Hälfte -des Ertrags der Fahrt beanspruche. Da Mosto hatte darauf hin eine -Unterredung mit dem Infanten und wurde für den Plan gewonnen. Die -Venetianer fuhren nach Flandern weiter, für da Mosto aber stellte -Prinz Heinrich unter Leitung des bewährten <em class="gesperrt">Vicente Dias</em> eine -Caravele von 90 Tonnen zur Verfügung, welche die ganze Küste Afrikas -entlang bis zum Gambia segelte. Da Mosto selbst hat über diese Reise -einen ausführlichen Bericht gegeben, aus welchem hier die Schilderung -des grünen Vorgebirges hervorgehoben sein mag und zwar nach der -deutschen Uebersetzung von 1534. Da Mosto erzählt: „Das grien Haupt -(d. i. Vorgebirge) hatt den Namen von den grienen Bäumen, die da sind -vnd schier das gantz jar grünen. Das haben die Portugaleser am jar ehe -ich dahin kam, funden, vnd habens von den grienen Bäumen genannt, wie -das Weis Haupt (Cabo branco) von dem weißen sand. Aber das grien Haupt -ist hoch vnd lustig zu sehen, das steht zwischen zweyen Bergen in der -mitten vnd breitet sich in das Meer mit vil Hütten und wohnungen der -Schwarzen Mooren umbgeben, zu vor gegen dem Meer.... Es ist auch zu -wissen, das nach dem Grienen Haupt sammeln sich die gestaden und machen -einen Busen, der rast lustig ist, und ist ein eben erdtrich mit vil -hüpschen Bäumen;<a name="FNAnker_71_71" id="FNAnker_71_71"></a><a href="#Fussnote_71_71" class="fnanchor">[71]</a> denn die bletter bleiben bis andre wachsen; die -grünen allweg. Und wie wohl sie vom Meer mehr denn mein armbrustschuß -stehen, so scheinen sie von weitem an dem Meer zu stehen. Das ist -überaus schön anzusehen (<span class="antiqua">chè una bellissima costa de vedere</span>). -Ich bin weit gegen Aufgang und Niedergang der Sonnen gereiset zu manich -land, aber ich hab kein schöneres gesehen. Es hat viel wasser.“<a name="FNAnker_72_72" id="FNAnker_72_72"></a><a href="#Fussnote_72_72" class="fnanchor">[72]</a></p> - -<p>Das Entzücken über die Schönheit der Tropenlandschaft kommt allerdings -in der Uebersetzung eines mäßigen, besonnenen Straßburger Bürgers aus -dem 16. Jahrhundert nicht zur Geltung, aber das Original läßt es warm -empfinden.</p> - -<p>Alexander von Humboldt hat in seinen kritischen Untersuchungen über -die historische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der -neuen Welt (deutsch von J. L. Ideler, II. S. 11) auf mehre Stellen -im Tagebuche der<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span> ersten Reise des Columbus hingewiesen, worin -der Entdecker Amerikas dem Zauber der Natur an den Gestaden von -Cuba beredte Worte leiht. Ludwig da Mosto hat die Schönheit einer -Tropenlandschaft ebenso empfunden und ein Menschenalter früher -geschildert. Daß seine Worte der Umgebung des grünen Vorgebirges -gelten, erhöht in unsern Augen wesentlich die Bedeutung der Entdeckung -des Cabo verde.</p> - -<p>Die Schilderungen dieser vollkommen anders gearteten Natur mußten -dem Infanten nach der Fahrt der Dias bereits eine hohe Genugthuung -gewähren. Die Nachrichten kamen ihm keineswegs unerwartet. Da in -Sagres alles gesammelt wurde, was an Erkundigungen über die südlichen -Länder sich gewinnen ließ — hatte doch der Prinz inzwischen auch aus -Italien ein Manuscript Marco Polos und eine Karte von Afrika erhalten, -welche einen Abschluß der Landmassen, ähnlich wie wir ihn am südlichen -Cap der guten Hoffnung kennen, zeigte — und war er auch durch seine -Agenten in Tunis schon davon unterrichtet, daß die großen Karawanen -in 5 bis 6 Wochen die Wüste Sahara durchmessen könnten<a name="FNAnker_73_73" id="FNAnker_73_73"></a><a href="#Fussnote_73_73" class="fnanchor">[73]</a> und Gold -und Negersklaven mitbrächten — so lag auch der Schluß nahe, daß man -bei fortgesetzten Fahrten gegen Süden endlich zu diesen Ländern kommen -müsse.</p> - -<p>Umsichtig und thätig eingreifend nach allen Seiten, um seine Leute -nicht einem blinden Ungefähr zu opfern, hatte er von Arguim aus -nicht blos ein ordentliches System der Exploration während des -Tauschhandels mit den maurischen Wüstenstämmen eröffnet und sich -von ihren Karawanenstraßen und den auf der Straße nach Timbuktu zu -berührenden Oasen berichten lassen, sondern er gewann mit Unterstützung -kühner Männer ein immer klareres Bild vom Sudan. Bezeichnend für die -Energie, mit welcher die Pläne, Guinea zu erreichen verfolgt wurden, -ist die Sendung des <em class="gesperrt">João Fernandez</em>, der sich am Strande der -Sahara aussetzen ließ, um unter den Mauren lebend und ihre Sprache -lernend, zuverlässige Nachrichten über die Negerstaaten, speziell -über das Königreich Melli sammeln zu können. Fernandez blieb sieben -Monate allein unter den wilden Stämmen im Innern und wurde dann von -dem Schiffe des Antonio Gonsalvez wieder aufgenommen und zum Prinzen -geführt. Dieser freute sich sehr, ihn wohlauf wieder zu sehen und ließ -sich seine Schicksale erzählen. Fernandez berichtete nun, daß ihm die -Eingeborenen zunächst, als er sich ohne Waffen und Hilfsmittel unter -sie begeben, die Kleider genommen und ihm dafür einen Mantel gegeben, -wie sie selbst trugen. Die Leute besaßen Schafe und lebten nomadisch. -Aber die Weide war spärlich, das Land öde und sandig. Dornige -Mimosen und Palmen waren selten. Diese berberischen Azanaghen waren -Mohammedaner, die mit den Negern im Kampfe lebten, dabei Gefangene -machten und diese als Sklaven nach Tunis und Marokko verkauften. Auch -erhielten sie Gold vom Negerlande.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span></p> - -<p>Dann machte Fernandez mit den Beduinen einen mehrtägigen Kamelritt zu -ihrem Häuptlinge. Der Weg ging durch die Wüste, drei Tage fehlte ihnen -Wasser; in dem pfadlosen Sande richtete man sich nach den Sternen und -dem Fluge der Vögel. Endlich kamen sie zu dem Häuptling und seinem -Völkchen von 150 Köpfen. Fernandez wurde hier sehr gut aufgenommen -und mit Milch verpflegt, so daß er, obwohl er von der Hitze und dem -Wüstensande viel zu leiden hatte, doch ganz wohl aussah, als er nach -sieben Monaten von seinen Landsleuten wieder aufgefunden wurde.</p> - -<p>Auch durch diesen abenteuerlichen Sendling erhielt der Infant wiederum -Nachrichten von den reichen Negerländern. Die klareren Vorstellungen, -welche der Leiter der Entdeckungen von der Natur der Tropenländer -gewann, räumte auch bei seinen Seeleuten den Wust veralteter Theorien -auf. Höchst beachtenswerth ist in dieser Beziehung eine Bemerkung -des <em class="gesperrt">Diogo Gomez</em> über das Land der Dscholoffen am Cabo verde. -Er sagt: „Das alles schreibe ich nur mit Verlaub Seiner Gnaden des -Ptolemäus, welcher recht gute Sachen über die Eintheilung der Welt -hat verlauten lassen, aber in einem Stücke sehr fehlerhaft dachte. Er -zerlegt die ihm bekannte Welt in drei Theile, nämlich in den bewohnten -mittleren, in den arktischen, welcher wegen seiner Kälte und in den -tropischen, welcher wegen seiner Gluthhitze unbewohnbar ist. <em class="gesperrt">Nun -hat sich aber das Gegentheil bestätigt.</em> Zahllos wohnen am Aequator -schwarze Völkerschaften, und zu unglaublichem Wuchse erheben sich die -Bäume, denn gerade im Süden steigert sich die Kraft und Fülle des -Pflanzenwuchses, wenn auch die Formen fremdartig gestaltet sind.“<a name="FNAnker_74_74" id="FNAnker_74_74"></a><a href="#Fussnote_74_74" class="fnanchor">[74]</a></p> - -<p>Die Entdeckungen wurden nach solchen glänzenden Resultaten nun eifrig -weiter gefördert. Schon im nächsten Jahre nach der Fahrt des Diniz -Dias erreichte <em class="gesperrt">Nuño Tristão</em> den Gambia und gelangte <em class="gesperrt">Alvaro -Fernandez</em> fast bis zur Sierra Leona. Aber der Verkehr mit den -Völkern war schwierig. Zahlreicher, kühner, tapferer als die armen -Wüstenstämme setzten sie, mit vergifteten Pfeilen bewaffnet, sich -gegen die Landungen der Portugiesen häufig zur Wehr und tödteten ihnen -manchen Mann. Wie schnell aber die Geschicklichkeit und das Vertrauen -der Seeleute gewachsen war, lernen wir vor allem bei der Fahrt des -<em class="gesperrt">Nuño Tristão</em> kennen. Dieser sah sich, als er in den kleinen -Fluß Rio Nuñez, südlich vom Rio grande mit einem Boote eingedrungen -war, plötzlich von bewaffneten Negerkähnen umringt. Fast die ganze -Mannschaft erlag sammt dem tapferen Anführer den vergifteten Pfeilen, -so daß nur der Notar und vier Schiffsjungen am Bord der Caravele -übrig blieben. Aber sie steuerten getrost nach Norden durchs freie -Meer und erreichten ihre Heimat glücklich nach zwei Monaten, ohne -unterwegs Land gesehen zu haben. So machte man sich also bereits los -von dem ängstlichen Anklammern an das Land und von den langsameren -Küstenfahrten und vertraute sich dem unbegrenzten Ocean an. Von großer -Bedeutung war auch die Wahr<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span>nehmung, daß die afrikanische Küste, die -bis zum Cabo verde gegen Südwesten verlaufen war, von diesem Vorgebirge -ab nach Südosten umlenkte.</p> - -<p>Daß der Prinz nun wirklich daran dachte, den Seeweg nach Indien zu -öffnen, wird von dem Geschichtsschreiber Azurara bezeugt. Aber Indien -umfaßte bekanntlich in jenen Tagen alle Länder am indischen Ocean, -also auch die Ostküste Afrikas und das äthiopische Hochland, wohin man -damals den Sitz des <em class="gesperrt">Priesterkönigs Johann</em> verlegte. Das war -bestimmt ein christliches Land, dessen Volk mit den Arabern in Aegypten -in beständiger Fehde lag, und dessen Bundesgenossenschaft gegen den -gemeinsamen Glaubensfeind gewonnen werden konnte. Vielleicht konnte -man sogar auf dem weitverzweigten Flußnetz, welches nach den damaligen -hydrographischen Hypothesen alle bekannten großen afrikanischen Ströme -verbinden sollte, dahin gelangen. Auch Fra Mauro huldigte in seinem -Erdgemälde diesen Vorstellungen und noch de Barros bezeichnet den Issa -(Niger) bei Timbuktu als den oberen Lauf des Senegal. Und doch hatte -Diogo Gomez im Jahre 1457 auch in Erfahrung gebracht, daß im Innern -Senegambiens große Ströme ihren Lauf nach Osten nähmen. Der Prinz hatte -nämlich drei Caravelen ausgesandt unter <em class="gesperrt">Gomez, João Gonsalvez -Ribeiro</em> und <em class="gesperrt">Nuño Fernandez de Baya</em> mit dem Auftrage, soweit -als möglich vorzudringen. Am Rio grande vorbei kamen sie in eine starke -Küstenströmung, in welcher kein Anker hielt, so daß die begleitenden -Capitäne umzukehren wünschten. Die Expedition lief in den Gambia ein -und fuhr den Strom bis zur großen Stadt Cantor hinauf. Hier erfuhr man, -daß Karawanen aus Tunis und Cairo aus diesen Gegenden Gold holten, -und daß jenseits der Gebirge der Sierra Leona große Ströme nach Osten -liefen. Es befand sich auf dem einen Schiffe sogar ein Indier, d. h. -ein Abessinier, welcher, wenn man nach Indien gelangte, als Dolmetscher -dienen sollte.</p> - -<p>Es war die letzte bedeutende Fahrt, welche auf Befehl des Infanten -unternommen war. Prinz Heinrich der Seefahrer starb am 13. November -1460 in Sagres in seinem 67. Lebensjahre. In der eifrigen Verfolgung -seines hohen Zieles hatte er seine Mittel vollständig erschöpft, ja er -schuldete bereits 1449 seinem Verwandten Don Fernando von Braganza die -enorme Summe von 19,394 Goldkronen. Aber diese Gelder waren nicht in -der Jagd nach einem Phantom vergeudet. Portugal war dadurch zu einer -Seemacht geworden, welche die Leitung der nautischen Entdeckungen in -die Hand genommen hatte und welche zu glänzenden Erfolgen berechtigen -mußte.</p> - -<p>Noch im Todesjahre Heinrichs entdeckte <em class="gesperrt">Diogo Gomez</em> die Capverden -in Gemeinschaft mit <em class="gesperrt">Antonio de Noli</em> oder Nolle, einem Genuesen. -Gomez landete zuerst und zwar auf Santiago, aber Noli kam ihm auf -der Rückfahrt zuvor und meldete zuerst die Entdeckung in Portugal. -Irrthümlich hat man das Verdienst der Auffindung der Inseln des grünen -Vorgebirges da Mosto zugeschrieben; allein sein Reisebericht, der -angeblich in das Jahr 1457 fällt, wird durch die innern Widersprüche -unglaubhaft, so daß man daraus schließen muß, da Mosto habe sich -fremden Ruhm angeeignet. Nach seiner Angabe<span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span> will er vom Cap Branco -in westnordwestlicher Richtung auf die Capverden gerathen sein und -zwar schon am Sanct Jakobstage (1. Mai), während er erst im Anfang -Mai aussegelte. Dann will er auf der Insel Flüsse gefunden haben, -in welche er mit dem Schiffe einlaufen konnte, während ein solcher -Wasserreichthum dort nicht existirt.<a name="FNAnker_75_75" id="FNAnker_75_75"></a><a href="#Fussnote_75_75" class="fnanchor">[75]</a></p> - -<p>Ehe wir dem weiteren Gange der Entdeckungsfahrten folgen, müssen wir -einen Blick auf die geographischen Auffassungen und die Karten aus -jener Zeit werfen. Nach den Schwankungen des früheren Mittelalters war -man seit dem 13. Jahrhundert allgemein zur Annahme der Kugelgestalt -der Erde zurückgekehrt. Wenn trotzdem die Erdgemälde sich noch in -Scheibenform präsentirten, als ob man noch an der Scheibengestalt der -Erde festhielte, so hatte das seinen Grund in einer eigenthümlichen -Theorie, welche von Dante’s Zeit bis in den Ausgang des 15. -Jahrhunderts hinüberspielt. Man nahm nämlich an, daß die Centren der -festen und flüssigen Erdsphäre verschieden seien und daß es außerdem -noch ein Gravitationscentrum gebe.</p> - -<p>Die <span class="antiqua">Margarita philosophica</span> des Karthäuserpriors Gregorius -Reisch, welche zuerst 1496 erschien und durch das 16. Jahrhundert -hindurch in vielen Auflagen verbreitet war, trägt diese Lehre etwa -in folgender Weise vor.<a name="FNAnker_76_76" id="FNAnker_76_76"></a><a href="#Fussnote_76_76" class="fnanchor">[76]</a> „Das Wasser umgab ursprünglich die ganze -Erdoberfläche wie ein sehr feiner Nebel bis zu den höheren Regionen. -Aber auf Geheiß des Schöpfers theilte das Firmament die oberen und -unteren Wasser, welche letztere nun in den Vertiefungen der Erde sich -an <em class="gesperrt">einem</em> Orte sammelten, wodurch Landraum geschaffen wurde -für die lebenden Wesen. Aus der ganzen Substanz der Erde und des -Wassers wurde <em class="gesperrt">ein</em> sphärischer Körper gebildet. Ihm schrieben -die Gelehrten ein doppeltes Centrum der Schwere und der Größe zu. Es -theilt nämlich das Centrum der Größe die Axe der ganzen Sphäre aus -Erde und Wasser und das ist der Mittelpunkt der Welt. Aber das Centrum -der Schwere liegt außerhalb, nämlich im Durchmesser der Erde, welcher -nothwendigerweise größer ist als der halbe Durchmesser der aus Erde -und Wasser gebildeten Sphäre, weil, wenn dies nicht der Fall wäre, der -Mittelpunkt der Welt außerhalb der Erde fiele. Etwas abgeschmackteres -als dieses könnte aber in Naturwissenschaft und Astronomie nicht -behauptet werden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p97" name="abb_p97"> - <img class="mtop1 mbot1" src="images/abb_p97.jpg" - alt="Gravitationszentrum" /></a> -</div> - -<p>Zur Annahme verschiedener Centren wird man aber genöthigt, weil -die von Wasser entblößte Erdoberfläche leichter ist, als die mit -Wasser umhüllte. Die trockene Erde ist leichter als die mit Wasser -durchtränkte, darum kann das Centrum der Schwere nicht dasselbe sein -mit dem Centrum der Größe, sondern strebt im Durchmesser der Erde mehr -nach der Peripherie und dem<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span> mit Wasser bedeckten Theil. Hierher werden -sich die Wasser der Erde mehr sammeln, weil sie dem Centrum der Welt -näher rücken.“</p> - -<p>Nach dieser Theorie sind also die Landmassen bei <span class="antiqua">A</span>, die -Wassermassen, das Weltmeer bei <span class="antiqua">B</span> vereinigt. Der Kugelabschnitt, -welcher die Landmassen umfaßt, wird sich natürlich in Kreisform -darstellen. Dieser Theil der Erdoberfläche verdiente allein, als -Wohnstätte der Menschen, kartographisch gezeichnet zu werden. Daher -bieten uns alle Weltkarten von Marino Sanudo (1320) bis auf Fra Mauro -(1459) im Grunde dasselbe Weltbild: die von einem schmalen Ocean -umfluteten Continente der alten Welt.</p> - -<p>Eine Darstellung der Wasserseite der Erde, der Weltmeere hatte noch -niemand versucht und schien alles Reizes zu entbehren, bis etwa ums -Jahr 1474 Toscanelli von Florenz den ersten Versuch wagte. Das war -aber zu einer Zeit, als ein anderer wichtiger Factor die bisherigen -Methoden und Theorien zu reformiren begann: das Studium des Ptolemäus. -Wir finden den Geographen von Alexandrien zuerst um 1410 in dem Werk -des Cardinal Pierre d’Ailly (geb. 1350) Bischof von Cambray erwähnt. -Es ist in dem vielgenannten Werke <span class="antiqua">de Imagine Mundi</span>, welches -auch Columbus mit besonderer Vorliebe als seine Rüstkammer benutzte, -um seinen Plan einer Westfahrt nach Indien mit Aussagen classischer -Autoren belegen zu können. Seit 1470 wurden die Werke des Ptolemäus -durch <em class="gesperrt">Nicolaus Donis</em> in lateinischer Uebersetzung und mit Karten -veröffentlicht, nachdem durch den Cardinal Bessarion das griechische -Original in die Hände unseres größten Astronomen jener Zeit, des -berühmten Regiomontan (1436–76), gelangt war.</p> - -<p>Durch die Anwendung der Astronomie auf die Bestimmung geographischer -Ortslagen, in den ersten Jahrhunderten allerdings nur der -geographischen Breitenbestimmung, wurden für ein correctes Kartenbild -die einzig sicheren Stützpunkte gewonnen. Regiomontan berechnete -behufs dieser Fixirungen im Jahre 1473 die Ephemeriden auf 32 Jahre, -so daß dieselben zunächst in der wichtigsten Zeit der Entdeckungen -fast bis zum Todesjahr des Columbus genügten. Er erfand aber noch -ein, auch auf Schiffen anwendbares, handliches Instrument, um -die Polhöhe eines Sternes zu messen, den s. g. <em class="gesperrt">Jakobstab</em>, -welcher aus einem Stabe mit rechtwinklich daran befestigten, aber -schiebbaren Querstabe bestand. Dieses Instrument wurde in der Folge -durch seinen Schüler Martin Behaim in Portugal eingebürgert. Aber die -Breitenmessungen der portugiesischen Seeleute ließen, gegenüber den -Resultaten der Astronomen in Europa, noch viel zu wünschen, denn es -steigerten sich die Beobachtungsfehler auf drei Grad. So lange man den -nördlichen gestirnten Himmel über sich hatte, waren die Ephemeriden des -Regiomontan stets anwendbar; aber als die portugiesischen Entdecker -die äquatoriale Linie überschritten hatten und eine unerwartet -andere Gruppirung der Sternbilder als auf der nördlichen Hemisphäre -erblickten, war es nothwendig, andere astronomische Tafeln zu -entwerfen. Zu dem Zwecke setzte König Johann IX. von Portugal (1481–95) -eine <em class="gesperrt">astronomische Commission</em> (Junta) nieder, welche unter<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span> -Leitung des Bischofs Diogo Ortiz und mit Hinzuziehung Behaims diese -Lücke ausfüllen sollte und die Sonnenhöhe für südliche Breiten zu -berechnen und in Tafeln zusammenzustellen hatte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p99" name="abb_p99"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p99.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Facsimile einer alten Abbildung des Jakobstabes und -seiner Anwendung.<a name="FNAnker_77_77" id="FNAnker_77_77"></a><a href="#Fussnote_77_77" class="fnanchor">[77]</a></p> - <p class="s6 center mbot2">Aus der 1584 zu Antwerpen gedruckten <span class="antiqua">Cosmographia Petri Apiani et -Gemmae Frisii</span>.</p> -</div> - -<p>Von solchen Hilfsmitteln unterstützt, konnte man die von den Schiffern -befahrenen Küstensäume immer bestimmter zeichnen, daß sie ein der -Wahrheit<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span> sich annäherndes Bild boten, während man für die noch -nicht wieder erreichten Küsten Asiens vorläufig das von Ptolemäus -überlieferte Gemälde Südasiens beibehielt und erst bei fortschreitender -Erforschung behutsam abänderte. Die Karten jener Epoche bieten darum -die interessante Verschmelzung neuer wissenschaftlicher Bestimmungen -mit der Erbschaft aus classischer Zeit.</p> - -<p>Indien trat immer entschiedener als Ziel aller nautischen -Unternehmungen hervor und was in den letzten Jahren des Prinzen noch -ziemlich unklar den Wünschen vorgeschwebt hatte, ward immer bestimmter -ins Auge gefaßt.</p> - -<p>Da die Erde als eine Kugel angesehen wurde, auf deren Oberfläche -allerdings das Verhältniß zwischen der Größe der Wasserbedeckung und -der der auftauchenden Landmassen noch verschieden beurtheilt wurde, und -da jedenfalls das Weltmeer sich nach verschiedenen Richtungen ausdehnte -und im Zusammenhange stand, so mußten auch allmählich Projecte -auftauchen, über diesen einen Ocean nach verschiedenen Richtungen den -Weg einzuschlagen, um Indien zu erreichen.</p> - -<p>Am einfachsten erschien das portugiesische Project, den -altherkömmlichen Randocean, der die Feste der alten Welt umflutete, -als Fahrbahn zu wählen und so gleichsam, wie es die Sicherheit -mittelalterlicher Schifffahrt vorschrieb, in einer großen Küstenfahrt -um Afrika herum zu dem gesegneten Osten zu gelangen. Eine Seefahrt -quer über ein weites unbegrenztes Weltmeer blieb hierbei außerhalb des -Planes.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da der wichtigste Abschnitt der Geschichte der großen Entdeckungen -die Versuche umfaßt, welche die europäischen See-Nationen in directe -Verbindung mit den Gewürzländern und China setzen sollten, so werden -wir zur Erleichterung der Uebersicht die einzelnen Richtungen der -Fahrten im Zusammenhange darstellen und beginnen mit den Unternehmungen -der Portugiesen, welche zuerst auf dem Schauplatze erschienen waren, -und zuerst nach Indien gelangten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Drittes_Buch">Drittes Buch.<br /> - -<span class="s7">Die Seewege nach Indien.</span></h2> - -</div> - -<div class="section"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102"></a></span></p> -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span></p> - -<h3 id="Erstes_Capitel_3">Erstes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Bahn der Portugiesen nach Südosten.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Diogo_Cao">1. Diogo Cão und seine Vorläufer.</h4> - -<p><span class="s3">N</span>ach dem Hinscheiden des großen Prinzen, seines Oheims, nahm König -Affonso V. in den ersten Jahren noch ein lebhaftes Interesse an den -weitern Fahrten. Pedro de Cintra befuhr von Rio Grande aus die Küste im -Jahre 1461 oder 1462, erreichte zuerst das Cap Verga (10° 12′ n. Br.) -und benannte weiterhin ein kühn vorspringendes Vorgebirge, wie man es -von solcher Höhe an der Küste bisher noch nicht angetroffen hatte, zu -Ehren des Infanten und der Stätte seines Wirkens das Cap Sagres. Die -schwarzen Strandbewohner zeigten in ihrem Ohren- und Nasenschmuck einen -Reichthum an Goldringen, schienen aber kein Eisen zu besitzen.</p> - -<p>Die Küste wurde felsig, hoch, bot aber geeignete Ankerplätze. Hier -erhob sich ein Berg, in dessen Wolkengipfel beständige Gewitter zu -zürnen schienen. Nach dem grollenden Donner erhielt derselbe den Namen -Sierra Leona. Dahinter öffnete sich ein von Sandbänken erfüllter Golf, -in welchem das Meer gewaltig brandete. Den jenseitigen Abschluß der -Bucht bildete das Vorgebirge der heiligen Anna (Cabo de Sa. Anna), -(7° 34′ n. Br.), am 26. Juli, als am Tage der Heiligen benannt. Dann -folgte das Cap Mesurado<a name="FNAnker_78_78" id="FNAnker_78_78"></a><a href="#Fussnote_78_78" class="fnanchor">[78]</a> (6° 19′ n. Br.), wo die Bewohner das -Nahen des Schiffes durch eine große Anzahl Feuer signalisirten, in -ähnlicher Weise, wie es in dieser Gegend fast 2000 Jahre früher der -carthaginiensische Admiral Hanno mochte gesehen haben.</p> - -<p>Wenige Meilen jenseit dieses Küstenvorsprungs, in der Nähe des heutigen -Monrovia endigte die Fahrt. In der Folgezeit wurde der König von den -Seeunternehmungen abgezogen durch die politischen Angelegenheiten -des Heimatlandes und dadurch, daß er sich in den castilischen -Erbschaftsstreit mischte. Indessen wurde, um den immer schwunghafter -betriebenen Handel mit Sklaven und Gold zu decken, in Arguim ein -Castell gebaut und das Handelsmonopol einem Portugiesen für den -jährlichen Preis von 250 Ducaten (100,000 Realen) verliehen. Im Jahre -1469 wurde auch das Monopol des Handels an der Guineaküste für die -doppelte Summe jährlich an <em class="gesperrt">Fernão Gomez</em> vergeben, und zwar auf -fünf Jahre; doch mußte derselbe sich auch noch verpflichten, auf seine -Kosten die Fahrten fortzusetzen zu weiteren Ent<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span>deckungen, und von der -Sierra Leona an gerechnet, jährlich 100 Leguas weiter vordringen, sowie -dem Könige alles Elfenbein für eine festgesetzte Summe, 1500 Realen für -den Centner, überlassen.</p> - -<p>So konnte das Jahr 1471 einen bedeutenden Fortschritt verzeichnen, -indem <em class="gesperrt">João de Santarem</em> und <em class="gesperrt">Pedro de Escovar</em> unter -Beihilfe des damals ausgezeichnetsten aller portugiesischen Piloten -<em class="gesperrt">Alvaro Esteves</em> nicht nur die Goldküste entdeckten, an welcher -später zur Ausbeutung des Edelmetalls König Johann im Jahre 1482 bei -dem Dorfe Aldea das duas Partes eine Festung unter dem Namen S. Jorge -da Mina anlegen ließ, sondern sie drangen über die Nigermündungen und -den Aequator hinaus nach Süden bis zum Cap Sa. Catarina (1° 51′ s. Br.) -vor.</p> - -<p>In dem nämlichen oder dem folgenden Jahre entdeckt Fernão do Po die -Insel, welche jetzt seinen Namen trägt, von ihm aber Formosa getauft -war. Auch die südlichen Guinea-Inseln wurden bald darauf gefunden. -Martin Behaim verlegt dies Ereigniß ins Jahr 1484 und bemerkt auf -seinem Globus, daß „eitel wildnus und keine Menschen“ dort gefunden -seien und daß der König von Portugal jährlich Volk dahin sende, das -sonst den Tod verschuldet habe, Männer und Frauen, und daß er ihnen -gebe, damit sie das Feld bauen und sich nähren und damit dies Land von -den Portugalesern bewohnt werde.</p> - -<p>Auf Alfons V. folgte 1481 sein Sohn Johann II. Auf ihn schien der Geist -des Prinzen Heinrich übergegangen zu sein, er nahm regern Antheil an -der weiteren Ausdehnung der afrikanischen Fahrten; aber er hatte auch -ein unmittelbares Interesse daran. Denn seit 1473 war ihm bereits als -Einkommen ein Theil der Erträgnisse des Guineahandels zugewiesen. Er -wußte, welche Reichthümer Fernão Gomez sich durch das fünfjährige -Monopol erworben hatte. Dazu kam noch ein neuer Impuls, als Pabst -Sixtus IV. durch die Bulle vom 21. Juli 1481 Portugal den Besitz aller -afrikanischen Entdeckungen bestätigte. Nachdem er im Mittelpunkte der -Goldwäschereien von Mina seine Macht befestigt hatte, nahm er den -Titel <em class="gesperrt">Herr von Guinea</em> an und führte auch die Sitte ein, statt -der bis dahin üblichen vergänglichen Holzkreuze, welche die Entdecker -an den hervorragendsten Küstenpunkten errichteten, um ihr Vorrecht -zu dokumentiren, steinerne Wappenpfeiler, s. g. <span class="antiqua">padrãos</span>, mit -lateinischer und portugiesischer Inschrift zu setzen. Der erste, -welcher solche Steinpfeiler mit an Bord nahm, war <em class="gesperrt">Diogo Cão</em> oder -Cam, welcher 1484 mit seinen zwei Schiffen auslief. An Bord befand sich -in der Function eines Kosmographen <em class="gesperrt">Martin Behaim</em>, welcher um -1459 geboren war und sich rühmen durfte, in der Zeit zwischen 1471 und -1475, in welchen Jahren Regiomontan in Nürnberg weilte, dessen Schüler -gewesen zu sein. Bald darauf hatte er sich als Kaufmann zuerst nach den -Niederlanden und von da nach Portugal gewendet. Zwischen beiden Ländern -bestand ein lebhafter Verkehr. Flandrische Colonisten gingen nach den -Açoren. Unter ihnen hatte sich auch ein Edelmann aus Brügge, Jobst von -Hurter befunden, welcher durch seine Verbindung mit einer vornehmen -Portugiesin,<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span> einer Palastdame der Königin, als Statthalter in den -erblichen Besitz der Inseln Fayal und Pico gelangte, von denen die -erste vlaamische, die andere portugiesische Ansiedler erhalten hatte. -Mit der Tochter dieses Hurter verheiratete sich Behaim nach seiner -Heimkehr im Jahre 1486.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p105" name="abb_p105"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p105.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Martin Behaim.</p> -</div> - -<p>Die Expedition des Diogo Cão war für 3 Jahre verproviantirt, hatte -allerlei Handelswaaren mitgenommen und außerdem als Geschenke an die -Mohrenkönige 18 köstlich aufgezäumte Rosse an Bord. Südlich vom Cap -der heiligen Catharina begannen die neuen Entdeckungen. Zuerst wurde -der gewaltigste aller afrikanischen Ströme, der Congo, erreicht, an -dessen Mündung der erste Wappenpfeiler,<a name="FNAnker_79_79" id="FNAnker_79_79"></a><a href="#Fussnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a> und zwar auf der Südküste -errichtet wurde. Danach hieß man anfänglich den Fluß Rio de padrão (bei -Behaim Rio de patron). Die Pfeilerspitze liegt unter 6° 8′ s. Br., -auf dem Globus Behaims ward aber die Mündung des Flusses bereits vom -südlichen Wendekreise durchschnitten. Später nannte man den Strom nach -dem gleichnamigen Königreiche Congo, obwohl man von den Eingebornen den -Namen Zaire gehört hatte. Den Entdeckern fiel bereits die Mächtigkeit -des Stromes auf, der vor seiner Mündung meilenweit das Meer mit süßem -Wasser bedeckte. Diogo Cão fuhr eine Strecke in den Unterlauf hinein -und fand allenthalben viel schwarzes Volk. Von der ganzen Küste wurde -im Namen des Königs von Portugal Besitz ergriffen. Hie und da wurden -auch Eingeborene mitgenommen, um, nachdem sie etwas Portugiesisch -gelernt hätten, als Dolmetscher zu dienen. Der König von Congo, mit -dem Cão Verkehr<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span> anknüpfte, bat sogar um christliche Lehren, und sein -Abgesandter, Kassuta, ließ sich in Portugal taufen. Man war erfreut -über die Menge neuer Gewürze. Behaim wähnte sogar die echte Zimmtrinde -gefunden zu haben. Vom Congo drang Cão noch über 200 Leguas nach -Süden, errichtete den zweiten Wappenstein am Cap Agostinho nördlich -von Cap Negro unter 13° 27′ s. Br. und den dritten am Cap Negro selbst -unter 15° 40′ s. Br.<a name="FNAnker_80_80" id="FNAnker_80_80"></a><a href="#Fussnote_80_80" class="fnanchor">[80]</a> Dieser Berg ist auf Behaims Globus besonders -ausgezeichnet als ein eigenthümlich schroffer Fels, der in seiner Form -von der conventionellen Bergzeichnung abweicht und in rother Schrift -den Namen Monte nigro trägt. Daneben lesen wir die Inschrift: „Hie -wurden gesetzt die säulen des konigs von portugal anno domini 1485 d. -18. jan.“ Irrthümlich hielt Behaim diese Spitze aber später für das Cap -der guten Hoffnung, welches Dias im<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span> nächstfolgenden Jahre entdeckte. -Das Datum des 18. Januar scheint zu gleicher Zeit den Zeitpunkt -anzugeben, wo man auf dieser Reise den südlichsten Punkt erreichte. Die -Dauer der ganzen Fahrt betrug 19 Monate.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p106" name="abb_p106"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p106.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2"> Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom - Jahre 1468.<a name="FNAnker_81_81" id="FNAnker_81_81"></a><a href="#Fussnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a></p> -</div> - -<p>Man muß die Verdienste Behaims bei dieser Entdeckungsfahrt sehr hoch -angerechnet haben, da er nach seiner Rückkehr vom Könige selbst -zum Ritter des Christusordens, welcher aus dem Tempelherrnorden -hervorgegangen war, geschlagen wurde, und zwar in Gegenwart des ganzen -Hofes.</p> - -<p>Schon im nächsten Jahre ging ein neues Geschwader aus, aber nach den -Maximen der Regierung unter einem andern Commando: man wollte nicht -<em class="gesperrt">einem</em> Manne zu sehr verpflichtet sein. Es war ein staatskluger -Grundsatz, dessen Vortheile erst recht ins Licht traten, als die -spanische Regierung in Folge zu weitgehender Zugeständnisse gegen -Columbus in mancherlei Verlegenheiten gerieth.</p> - -<h4 id="Bartolomeu_Dias">2. Bartolomeu Dias.</h4> - -<p>Im August 1486 segelte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Fahrzeugen von -50 Tons Gehalt, von denen das eine unter dem Befehl des João Infante -stand, und einem Proviantschiff unter dem Befehl seines Bruders Pero -Dias aus, um die Küstenforschung Diogo <em class="gesperrt">Cão’s</em> fortzusetzen. Die -Familie der Dias hatte sich seit dem Anfange der Unternehmungen des -Infanten Don Enrique im Seedienst ausgezeichnet. João Dias, der Ahne -des Geschlechts, war zuerst mit ums gefürchtete Cap Bojador gesegelt; -Diniz Dias erreichte zuerst das grüne Vorgebirge.</p> - -<p>Bartolomeu sollte die rühmlichen Thaten der Vorfahren noch verdunkeln; -und seinen Namen volksthümlich machen.</p> - -<p>An der Congoküste und bis über das südliche Cap der guten Hoffnung -hinaus wurden während der Fahrt Negerinnen mit Geschenken ans Land -gesetzt, um dasselbe zu erkunden und den Eingeborenen von der Macht und -Pracht der Portugiesen zu erzählen, welche gekommen seien, das Land -des Priesters Johannes aufzusuchen. Durch das sich weiter verbreitende -Gerücht sollte der Priesterkönig veranlaßt werden, seinerseits Boten -auszusenden, welche mit den Portugiesen eine Annäherung suchten. -Den ersten Wappenstein setzte Dias bei der Serra parda nördlich von -der Walfischbucht. Dann wurde er durch widrige Winde mehrere Tage -aufgehalten und mußte mühsam laviren. Er nannte diese Bucht Angra das -voltas. Der Name eines Cap Voltas haftet noch an der Küste, nahe der -Mündung des Oranjestroms. Vom St. Helenagolf mußte er 13 Tage lang mit -eingerafften Segeln sich von dem Sturm nach Südost treiben lassen. -Dabei gerieth er in kältere Meeresströmungen und war von der schnellen -Abnahme der Temperatur überrascht. Als der Sturm nachließ, steuerte -er wieder gegen Osten, um die Küste zu gewinnen, welche nach seiner -Vorstellung von Norden nach Süden vorlaufen mußte wie bisher. Als er -aber nach mehreren Tagen noch kein Land in Sicht bekam, richtete er -den Lauf der Schiffe nach Norden<span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">[S. 108]</a></span> und erreichte so das Südende des -Continents an einer Bucht, wo Hottentotten mit ihren Herden weideten -und über den Anblick den Schiffe erschreckt ins Binnenland flohen. Die -Bai erhielt den Namen der Kuhhirtenbai (<span class="antiqua">Angra dos Vaqueiros</span>); -jetzt heißt sie Flesh-Bai.</p> - -<p>Weiter gegen Osten in der San Bras-Bai (Mosselbai) nahm er Wasser ein, -wobei es zum Conflict mit den Eingeborenen kam; auf einer kleinen -Insel Santa Cruz in der Algoabucht wurde der äußerste Wappenpfeiler -gesetzt. Erschöpft durch die unerhörten Strapazen, welche sie erlitten, -forderten die Schiffsleute den Capitän auf, umzukehren. Man wies auch -darauf hin, daß der Proviant zu Ende gehe. Dias bedang sich noch eine -Fahrt von zwei bis drei Tagen aus; wenn sich dann nicht ein Erfolg -zeige (er erwartete wohl, daß die Küste wieder gegen Norden streiche) -wolle er umkehren. Daß das Südende Afrikas umsegelt sei, sah er gewiß; -daß das lang erstrebte Ziel sich nunmehr ohne große Schwierigkeiten -werde gewinnen lassen, war seine feste Ueberzeugung. Nach einer -Fahrt von zwei Tagen, in welchen die Schiffe noch 25 Meilen über den -Wappenpfeiler hinaus bis zum großen Fischfluß vordrangen, welcher -damals den Namen Rio do Infante erhielt, weil der zweite Capitän João -Infante das Land zuerst betrat, sah sich Dias genöthigt, schmerzerfüllt -den Heimweg anzutreten. Es wird uns erzählt, daß, als er zum zweiten -Male die Insel Sa Cruz betrat, er den Wappenstein umklammert und nur -mit schwerem Herzen Abschied von ihm genommen habe, wie wenn er einen -geliebten Sohn scheiden sehe.</p> - -<p>Beim weiteren Verfolg erkannte er auch das imposante Felsencap am -südwestlichen Ende des Festlandes, um welches ihn bei der Hinfahrt -der Sturm herumgeführt. Er gab ihm den Namen des Sturmcaps (<span class="antiqua">Cabo -tormentoso</span>). Aber der König änderte diesen ominösen Namen in -den Glück verheißenden „Cap der guten Hoffnung“ (<span class="antiqua">Cabo da boa -esperanza</span>), weil er der festen Zuversicht war, die Pforte zum -indischen Ocean stehe offen und der Wasserweg zu den Gewürzländern -werde endlich gefunden. Das Transportschiff, welches auf der Westküste -Afrikas zurückgeblieben, zeigte sich in bedauerlichem Zustande, als -die beiden Schiffe des Dias auf ihrer Heimkehr dasselbe trafen. Sechs -Mann an Bord waren von den Negern erschlagen, drei nur noch am Leben, -dazu das Schiff selbst, in Folge von Wurmfraß, nicht mehr seetüchtig. -Es mußte daher in Brand gesteckt werden, ehe man sich zum letzten Theil -der Rückreise anschickte. Im December 1487 langte Dias, nach einer -Fahrt von 16 Monaten und 17 Tagen, in Lissabon wieder an. Er hatte auf -dieser Reise weitere 350 Leguas Küstenlinie entdeckt.</p> - -<p>Inzwischen hatte aber der König auch Leute ausgesendet, welche -das Reich Habesch und die Verkehrsverhältnisse am indischen Meere -ermitteln sollten. Der erste Versuch einer Sendung schlug allerdings -fehl, denn der Pater Antonio de Lisboa und Pedro de Montorryo, -welche nach Jerusalem geschickt wurden, um dort abessinische Mönche -auszuforschen, die damals häufig zu der heiligen Stadt walfahrteten, -kehrten unverrichteter Sache wieder<span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span> zurück, weil sie ohne Kenntniß der -arabischen Sprache sich nicht getrauten, mit den Abessiniern ins Land -des Priesters Johannes zu reisen.</p> - -<p>So wurden denn, noch ehe Dias heimgekehrt war, zwei andere, -bewährte Männer abgesandt. <em class="gesperrt">Pero de Covilham</em> und <em class="gesperrt">Affonso -de Paiva</em><a name="FNAnker_82_82" id="FNAnker_82_82"></a><a href="#Fussnote_82_82" class="fnanchor">[82]</a> machten sich am 7. Mai 1487 nach dem Orient auf, -erreichten über Rhodos und Alexandrien die Hauptstadt Aegyptens, Cairo, -und fuhren auf dem rothen Meere nach Aden. Hier trennten sie sich, -nachdem als Ort späterer Vereinigung Cairo bestimmt war. Covilham ging -zu Schiff nach der indischen Malabarküste, besuchte Kananor, Kalikut, -Goa und kehrte von da nach der Ostküste Afrikas zurück, besuchte die -Häfen, erreichte als südlichsten Punkt das durch seinen Goldreichthum -berühmte Sofala und zog über die Insel Madagascar Erkundigungen ein.</p> - -<p>Als er auf der Rückreise Cairo wieder erreicht, erfuhr er, daß sein -Gefährte Paiva inzwischen gestorben sei. Doch traf er dort zwei andere -Sendlinge des Königs Johann von Portugal, den Rabbi <em class="gesperrt">Abraham</em> aus -<em class="gesperrt">Beja</em> und den Juden <em class="gesperrt">Joseph</em>, einen Schuster aus Lamego. -Der letztere ging mit den wichtigen Nachrichten, welche Covilham -eingezogen, sofort nach Portugal zurück. Covilham schrieb in seinem -Briefe, daß die portugiesischen Schiffe an der Küste Guineas nach -Süden zu steuern hätten, bis sie das Ende Afrikas erreicht, und daß -sie im indischen Meere ihren Cours nach Sofala und der Mondinsel -oder Madagascar richten müßten. Covilham besuchte mit Rabbi Abraham -sodann noch Ormuz und sandte seinen Gefährten mit einer Karawane auf -dem üblichen Wege über Bagdad und Haleb nach Syrien und in die Heimat -zurück, während er selbst Habesch aufzusuchen beschloß. Der König nahm -ihn in seiner Hauptstadt Schoa sehr freundlich auf, wußte aber den -ersten europäischen Besucher an sich zu fesseln, so daß Covilham im -Lande blieb, sich dort verheiratete und noch ein Menschenalter später, -als ein portugiesischer Gesandter 1525 unter Rodriguez de Lima in -Habesch eintraf, lebte. Er wurde über den Besuch seiner Landsleute zu -Thränen gerührt, blieb aber in Habesch und starb dort.</p> - -<h4 id="Vasco_da_Gamas_erste_Fahrt">3. Vasco da Gama’s erste Fahrt.</h4> - -<p>Das waren die letzten wichtigen Unternehmungen, welche der -Regierungszeit des Königs Johann noch angehören. Zwar noch bei -Lebzeiten dieses Fürsten sollte von unerwarteter Seite der Impuls -kommen, welcher die Portugiesen antreiben mußte, durch eine letzte -kühne Seefahrt ihre fast ein Jahrhundert bereits andauernden Arbeiten -zu krönen; aber Johann II. starb, ehe er an die Ausführung gehen -konnte. Den angedeuteten Impuls gab aber Columbus dadurch, daß er, -von seiner ersten Fahrt nach Westindien heimkehrend, durch Sturm -genöthigt worden war, in den Hafen von Lissabon einzulaufen<span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span> und dem -portugiesischen Könige auf dessen Einladung von seinem vermeintlichen -Besuch in Zipangu (Japan) Bericht erstatten konnte. Die mitgebrachten -braunen Indianer ließen nun mit Recht vermuthen, daß der kühne Genuese, -dessen Pläne in Portugal keinen Beifall gefunden hatten, wenigstens bis -in die Nähe Asiens gelangt sei, da die vorgeführten fremden Menschen -den wirklichen Indern ähnlich zu sein schienen. Auch war zu befürchten, -daß Columbus auf einer zweiten Fahrt noch vor den Portugiesen die -Gewürzländer erreichen und damit den Preis und Lohn so vieler Mühen -vorweg nehmen könnte. Glücklicherweise konnten sich die Portugiesen -darauf berufen, daß Pabst Nicolaus V. schon im Jahre 1454 durch eine -Bulle ihnen das Privilegium über den Handel mit Indien verliehen hatte. -Trotzdem beeilten sich nun doch die spanischen Monarchen Ferdinand und -Isabella, sich die neuen Entdeckungen durch päbstliche Sanction zu -sichern. Die Bulle des Pabstes Alexanders VI. vom 3. Mai 1493 spricht -der spanischen Krone alle Inseln und Festländer, welche in der von -Columbus eingeschlagenen Richtung gefunden sind und noch gefunden -werden sollen, zu in Anerkennung der Verdienste um den christlichen -Glauben, um die Vertreibung der Mauren aus Spanien, und hofft, daß -auch in den neu entdeckten Gebieten die friedlichen nackten Bewohner, -welche keine Canibalen sind und sogar an einen Schöpfer im Himmel -glauben, durch spanische Missionäre bald bekehrt werden möchten. Auf -die weiteren Eigenthümlichkeiten und Schwächen der päbstlichen Erlasse -vom 3. und 4. Mai genauer einzugehen, ist hier nicht der Ort, wo wir -die portugiesischen Entdeckungen allein im Auge haben. Allein es mag -hier noch erwähnt werden, daß in Folge dieser päbstlichen Verleihungen -am 7. Juni 1494 zwischen Spanien und Portugal ein Vertrag abgeschlossen -wurde, welcher die Grenzlinie der maritimen Entdeckungen beider Mächte -in Gestalt einer von Pol zu Pol gezogenen Meridianlinie festsetzte.</p> - -<p>Spanien erhielt den Westen der Erde, Portugal den Osten. Aber Spanien -schien dem Ziel näher zu sein als sein älterer Nebenbuhler. Darum -rüstete bereits Johann zu neuen Seefahrten; aber der Tod hemmte 1495 -den Fortgang. Ihm folgte der jugendlich kühne <em class="gesperrt">Manuel</em>, dem -die Nachwelt den Namen des Großen zuerkannt hat, weil unter ihm die -portugiesische Macht zu größter Entfaltung gelangte. Manuel, Herzog von -Beja, war 26 Jahr alt, als er den Thron bestieg. Er wollte sofort die -Entdeckungsarbeiten wieder beginnen lassen, aber seine Räthe machten -anfangs Schwierigkeiten. So verzögerte sich die Fertigstellung des -Geschwaders bis zum Jahre 1497. Der erfahrene Bartolomeu Dias wurde -damit betraut, diese kleine aus 3 Schiffen bestehende, zur Fahrt nach -Indien bestimmte Flotte sorgfältig auszurüsten, aber selbst sollte -er sie nur bis zur Factorei La Mina an der Goldküste begleiten. Den -Oberbefehl erhielt <em class="gesperrt">Vasca da Gama</em><a name="FNAnker_83_83" id="FNAnker_83_83"></a><a href="#Fussnote_83_83" class="fnanchor">[83]</a>, im zweiten Schiffe sein -Bruder <em class="gesperrt">Paulo da Gama</em>, im dritten <em class="gesperrt">Nicolao Coelho</em>.<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span> Der -Raumgehalt der Schiffe betrug 100 bis 120 Tons. Die Schiffe trugen die -Namen S. Rafael, S. Gabriel und S. Michael.</p> - -<p>Die portugiesischen Historiker weichen in ihren Berichten über Gama’s -Fahrt in vielen wesentlichen Punkten von einander ab. Gaspar Correa, -dessen <span class="antiqua">Lendas da India</span> erst 1858–1861 von der Academie in -Lissabon veröffentlicht worden sind, kam von allen Chronisten am -frühesten, vielleicht schon 1512, nach Indien und konnte als Secretär -des berühmten Affonso d’Albuquerque zum Theil das Tagebuch des -Geistlichen João Figueira, welcher die erste Fahrt Vasco da Gama’s -mitmachte, benutzen und zu Rathe ziehen. Castanheda (<span class="antiqua">Historia da -India</span>) kam um 1528 nach Indien, Damian de Goes (<span class="antiqua">Rey Emanuel</span>) -gelangte nicht nach dem Orient, und Osorio (<span class="antiqua">de rebus Emanueli</span>) -fußt vielfach auf Goes. João de Barros, dessen Decaden lange Zeit fast -allein die Grundlage der Darstellung gebildet, schrieb viel später.<a name="FNAnker_84_84" id="FNAnker_84_84"></a><a href="#Fussnote_84_84" class="fnanchor">[84]</a> -Correa’s Werk sollte bei seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht -werden, vielleicht um manchen Lebenden nicht zu verletzen. So kam -sein Manuscript erst nach seinem Tode nach Europa, erlebte dort zwar, -wenigstens in dem ersten Theile, mehrere Abschriften, aber erst vor 20 -Jahren eine sorgfältige Drucklegung. In manchen Punkten, wo Correa von -den übrigen Historikern abweicht, spricht aber die innere Wahrheit und -Wahrscheinlichkeit für ihn.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p111" name="abb_p111"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p111.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Vasco da Gama.</p> -</div> - -<p>Wie weit die Differenzen unter den einzelnen Berichten über Gama’s -erste Fahrt gehen, erhellt schon daraus, daß sie nur in <em class="gesperrt">einem</em> -Tages-Datum, nämlich in der Ankunft am Flusse Dos Reis, am heiligen -Dreikönigstage 1498 zusammen stimmen. Correa setzt die Abfahrt der -Flotte von Lissabon auf den 25. März 1497, Barros auf den 8. Juli, -Osorio auf den 9. Juli. Correa nennt die Schiffe S. Rafael (Capitän -Vasco da Gama), S. Gabriel,<span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span> (Paulo da Gama), S. Michael, (Nicol. -Coelho). Barros versetzt den ersten Capitän auf den Gabriel, seinen -Bruder Paulo auf den Rafael, und nennt das Schiff Coelho’s Berrio.</p> - -<p>Bei der Benennung neuentdeckter Küstenpunkte mußte dem Hauptschiffe, -auf welchem Vasco da Gama befehligte, naturgemäß der Vorrang eingeräumt -werden. Mustern wir nun einige der bedeutendsten Weltkarten des 16. -Jahrhunderts, die Karten Cabots und des Königs Heinrich II. von -Frankreich (<em class="gesperrt">Jomard</em>, <span class="antiqua">Monuments de la géographie</span>), so -treffen wir die Namen Gabriel und Berrio gar nicht; Rafael erscheint -auf Heinrichs II. Karte zweimal, ein Rio de S. Miguel bei Cabot. Ferner -zeigt die Baseler Ausgabe des Ptolemäus, 1513, einen padrão de S. -Rafael, und auch Ortelius (<span class="antiqua">Theatrum mundi</span>) bietet uns die Namen -Rafaels und Michaels. Dadurch wird die Existenz dieser Schiffsnamen -bestätigt, und wenn alle Autoren in der Angabe des Namens Gabriel -übereinstimmen, muß wohl der Name „Berrio“, den Barros angibt, falsch -sein. Stanley (<span class="antiqua">l. c. p. V.</span>) führt nach einem weiteren Beweis -an, daß das Hauptschiff den Namen Rafael führte. Nach dem glänzenden -Verlauf der ersten Reise wurde Vasco da Gama zum Grafen von Vidigueira -in Alemtejo erhoben. Vor dieser kleinen Stadt befindet sich eine -Capelle des heil. Rafael mit dem Bilde des Erzengels, dem das Schiff -geweiht war.</p> - -<p>Der Oberbefehlshaber erhielt Empfehlungsschreiben an den Priester -Johannes, an den Beherrscher von Kalikut und an andere Fürsten Indiens. -Die ganze Bemannung zählte nach Barros 170 Köpfe, während Correa sagt, -in jedem Schiffe seien 80 Personen gewesen. Nach Osorio und Goes zogen -148 Mann aus und kehrten nur 55 wieder zurück. Ueber die Canarien -gelangte das kleine Geschwader, nachdem es schon am Rio d’Ouro durch -Sturm getrennt war, zu den Capverden und blieb einige Tage in St. Jago. -Hier trennte sich Bartolomeu Dias, welcher sie bis dahin begleitet -hatte, von ihnen und steuerte nach seinem Bestimmungsorte, nach La Mina -an der Guineaküste. Gama richtete, das afrikanische Gestade verlassend, -seinen Cours direct nach dem Caplande.</p> - -<p>Der Wind war sehr heftig, erzählt Correa, so daß die See einen -furchtbaren Anblick gewährte; unter den rastlosen Arbeiten während -dieser Stürme litt das Volk sehr. Nachdem sie so einen Monat gesegelt -waren, wandten sie sich wieder der Küste zu, in der Hoffnung, das Cap -zu erreichen. Aber viel zu zeitig. Es sollten noch Monate vergehen, -ehe sie das Südende des Continents umfahren konnten. Alle Historiker -stimmen darin überein, daß die Fahrt mindestens 4 Monate währte, Correa -setzt sogar volle 6 Monate an. So ging’s also wieder in die offene See -hinaus, obwohl schon damals die Mannschaft lieber wieder umgekehrt -wäre. Gama selbst theilte mit ihnen alle Arbeiten und Mühen und gönnte -sich keinen Schlaf. Die Tage wurden immer kürzer, denn man fuhr in den -südlichen Winter hinein. Es schien fast immer Nacht zu sein. Die Leute -wurden krank vor Furcht und Mühsal, sie konnten nicht einmal ihr Essen -bereiten. Sie begannen zu murren und<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span> wollten umkehren; aber Gama wies -sie, als ein leidenschaftlicher Mann, mit scharfen Worten zur Ruhe, -obwohl er sah, daß man in beständiger Lebensgefahr schwebte. Und wenn -auch die Mannschaft unter den kalten Regenschauern fast erstarrte, so -schwur doch der Capitän, es möge kommen, was Gott wolle, umkehren werde -er nicht.</p> - -<p>Erst in der Nähe des Landes wurde die See ruhiger. Um die Polhöhe am -festen Lande zu bestimmen, ging das Geschwader in der St. Helenabai -vor Anker. Da die Seeleute mit dem Gebrauche des Astrolabiums noch -nicht lange vertraut waren, vermochten sie an Bord der kleinen Schiffe -wegen der Schwankungen der Fahrzeuge noch keine sichern Bestimmungen zu -machen. Das Beobachtungsinstrument hatte 3 Palmen im Durchmesser und -ruhte auf einem dreifüßigen hölzernen Gestell. Wahrscheinlich war es -hier, wo das begleitende (vierte) Proviantschiff entleert und in Brand -gesteckt wurde, nachdem die Mannschaft auf die andern Schiffe vertheilt -war.<a name="FNAnker_85_85" id="FNAnker_85_85"></a><a href="#Fussnote_85_85" class="fnanchor">[85]</a></p> - -<p>In einem mehrtägigen Sturme dublirten sie endlich das gefürchtete -Cap, Stürme verfolgten sie auch auf der weiteren Fahrt. Sturzseen -brachen von oben herein, das Wasser im Schiffsraume stieg immer höher. -Sie hatten keine Ruhe, weder bei Tage noch bei Nacht, weder für die -Seele noch für den Leib. Aber Gama schwur hoch und theuer, er werde -keinen Fuß breit zurückgehen, bis er Indien erreicht. Bei dieser -verzweifelten Lage wuchs die Mißstimmung unter der Bemannung immer -mehr und gestaltete sich zu einer Verschwörung: man wolle sich nicht -blindlings ins Verderben jagen lassen, Er sei nur Einer, sie aber seien -Viele. Durch einen Schiffsjungen verrathen, wurde der Plan, den Capitän -zu beseitigen, vereitelt. Gama brachte die Verschworenen mit List in -seine Gewalt und ließ sie in Ketten werfen. Vor Wuth soll er sogar alle -nautischen Bücher über Bord geworfen und erklärt haben: nun möchten sie -versuchen, ohne Steuermann und Pilot den Rückweg zu finden. Denn die -Capitäne und Steuerleute hielten alle treu zum Führer.</p> - -<p>Erst im Anfang Januar 1498 näherten sie sich wieder dem Lande. Die -Schiffe bedurften einer Reparatur, an Trinkwasser trat ein fühlbarer -Mangel ein, manche Fässer waren in den unaufhörlichen Stürmen -geborsten und ausgelaufen. Aber sie segelten noch mehrere Tage, ehe -sie einen günstigen Ankerplatz fanden. Am 6. Januar liefen sie in -die bequeme Mündung eines Flusses ein, der nach dem Tage Rio des -Reyes, Drei-Königsfluß, genannt wurde. Der Wasserplatz, an welchem -Gama fünf Tage verweilte, wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_114" id="Seite_114">[S. 114]</a></span> wegen des friedlichen Benehmens der -Bewohner Agua da boa Paz genannt. Beim Weitersegeln hatten sie vom -Cap Corrientes (<span class="antiqua">Cabo das Corrientes</span>) tagelang mit der heftigen -Mosambikströmung zu kämpfen und mußten darum weiter von der Küste -abhalten, um nicht gegen gefährliche Klippen getrieben zu werden. -In Folge dessen segelten sie an dem in der innern Bucht des Landes -gelegenen Sofala vorüber und erreichten nur mühsam die Mündung des -Sambesi. Dieser mächtigste Strom erhielt den Namen <span class="antiqua">Rio dos bons -Sinaes</span> (Strom der guten Anzeichen), denn hier trafen sie zuerst mit -hellfarbigen Mischlingen zusammen, die des Arabischen mächtig waren, -und ihnen mittheilten, daß weiter nordwärts eine belebte Schifffahrt -getrieben werde. Man hatte hier also die Sphäre des arabischen -Handelsverkehrs erreicht und konnte hoffnungsvoll dem glücklichen -Erfolg des kühnen Seezuges entgegensehen. Theils um die Schiffe -auszubessern, theils um der erschöpften und am Scharbock leidenden -Mannschaft Erholung und Erfrischung zu bieten, blieb Gama einen vollen -Monat hier. Dort wurde ein Wappenstein errichtet mit der Inschrift: -<span class="antiqua">Do Senhorio de Portugal Reino de Christaõs</span>. Dann stach Gama -wieder in See und erreichte bald die Insel und den Hafenplatz Mosambik. -Mehrere Sambuken, mit arabisch gekleideten Leuten bemannt, kamen heran -und erkundigten sich nach Herkunft und Ziel der fremdartigen Flotille. -Gama ließ ihnen antworten, sie seien Portugiesen, welche im Auftrage -ihres Königs nach Indien führen und, da sie den Weg noch nicht gemacht -hätten, um einige Lotsen bäten.</p> - -<p>Anfänglich schien es, als ob der Verkehr sich ganz friedlich -gestalten wolle. Der Scheich des Hafens stand unter der Botmäßigkeit -des arabischen Fürsten von Kiloa. Die Araber hatten den sicheren -Stapelplatz auf der Mosambik-Insel gewählt, um von hier aus lebhaften -Handel mit den Negern zu treiben und Gold, Elfenbein, Wachs u. a. -einzutauschen. Nachdem Gama dem Scheich mehre Geschenke gesendet, -kam dieser selbst an Bord, in faltenreicher, farbiger Tracht, das -dunkle Gesicht von einem mächtigen, buntseidenen Turban beschattet. -Unter seinem Gefolge befanden sich viele Mischlinge. Nach einem -ehrenvollen Empfange von Seiten der Capitäne nahm der Scheich alles -neue auf den Schiffen in Augenschein und ließ sich vermittelst eines -Dolmetschers von dem Flottenführer noch einmal erzählen, daß sie -von dem mächtigsten Könige der Christenheit abgesandt, bereits zwei -Jahre auf der stürmischen See umhergeworfen und von ihren Gefährten -getrennt nunmehr dem Lande der Gewürze zusteuerten und, des Weges -unkundig, um zuverlässige Piloten bäten. Bald nachdem der Scheich -zurückgekehrt war und frische Lebensmittel für die Portugiesen -gesandt hatte, erschienen auch drei Habessinier, mit denen aber die -Verständigung nur unvollkommen gelang. Werthvoller war der Verkehr -mit einem Mauren, Namens Davané, welcher sich bereit finden ließ, die -Schiffe nach Indien zu begleiten. Inzwischen änderte sich aber die -günstige Stimmung am Lande. Die Araber schöpften wegen der Herkunft -und Zwecke der Fremdlinge Verdacht oder wurden wegen<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span> ihres Handels -besorgt, für den ihnen so unerwartet eine Concurrenz zu drohen schien. -Zwar erhielt Gama die gewünschten Lotsen, aber sie waren nicht -zuverlässig; denn nachdem die Portugiesen als Christen erkannt und -somit als die natürlichen Feinde des Islam erklärt worden, wurde auch -der Scheich von den einheimischen Händlern gewonnen, die Hand zu einem -geplanten Verrath und Ueberfall zu bieten. Und hierzu sollten die -Lotsen behilflich sein. Eine Einladung des Scheich zu einem Besuche -in der Stadt hatte Gama, durch Davané gewarnt, vorsichtig abgelehnt. -Dagegen bat er, man möge ihm am festen Lande einen Platz anweisen, wo -seine Böte Wasser holen könnten. Diese Gelegenheit sollte von Seiten -der Moslemin zu einem Ueberfall benutzt werden; zu gleicher Zeit -sollten andere mit Bewaffneten besetzte Fahrzeuge, wenn ein Theil der -portugiesischen Matrosen beim Wassereinnehmen von den Schiffen fern -sei, diese überrumpeln und das Geschwader zu erobern suchen. Allein -dieser Plan wurde durch die Wachsamkeit und die Ueberlegenheit der -portugiesischen Waffen vereitelt. Gama ließ das Wasserboot mit zwei -Kanonen armiren und schickte zur Bedeckung der Matrosen bewaffnete -Mannschaft mit unter Führung des Capitäns Coelho. Zur Nachtzeit sollte -bei Hochflut Wasser eingenommen werden. Aber der begleitende Pilote -führte sie bis zum anbrechenden Morgen, wo Ebbe eintrat, in der Irre -herum und hoffte das Fahrzeug dann unversehens aufs Trockne zu setzen -und dem geplanten Ueberfall leichter preiszugeben. Indeß kam ihm Coelho -zuvor, indem er das Boot rechtzeitig wenden ließ und den Verräther, zum -abschreckenden Beispiel, an den Mast aufknüpfen wollte. Der Lotse aber -sprang über Bord, tauchte unter und kam erst in weiterer Entfernung -wieder zum Vorschein. Bei seiner Verfolgung wurde nun das Boot vom -Lande aus mit Pfeilen und Schleudersteinen angegriffen. Da man von den -Schiffen aus diesen feindlichen Zusammenstoß sehen konnte, so ertheilte -Gama dem Boote durch Flaggensignale den Befehl zur Umkehr. Auch ließ -er, wie Correa betont, nicht gleich mit Kanonen unter die Verräther -schießen, weil er sich in dem ersten arabischen Hafen nicht in -schlechten Ruf bringen wollte und vielleicht noch auf ein friedliches -Abkommen rechnete. Der Scheich, der wohl auch für seine wehrlose -Stadt fürchten mochte, ließ über den unangenehmen Zwischenfall sein -Bedauern ausdrücken und erbot sich andere Lotsen zu senden, die indeß -wieder den Auftrag zu haben schienen, die portugiesischen Schiffe auf -Korallenriffe zu führen.</p> - -<p>Vasco da Gama hatte mehrere Verbrecher an Bord, die ihm mitgegeben -waren, um an gefährlichen Stellen ans Land geschickt zu werden. -In der Ausführung eines lebensgefährlichen Auftrages bestand die -eigenthümliche Art der Begnadigung. João Machado, so hieß der zu -dieser Mission ausersehene Sträfling, wurde ans Land gesetzt, um -dem Scheich die Botschaft zu übermitteln, daß, da man an seiner -Ehrlichkeit zweifele, der weitere Verkehr mit ihm abgebrochen werde. -Machado richtete seinen Auftrag aus und gelangte später unter allerlei -Abenteuern über Kiloa und Mombas nach Indien.<span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span> Gama aber hielt noch an -einer unbewohnten Insel vor Mosambik an und ließ zu Ehren des heil. -Georg den Wappenstein San Jorge setzen. Dann stach er wieder in See. -Davané war an Bord geblieben und begann bereits etwas Portugiesisch -zu lernen, so daß man sich mehr und mehr verständigen und manche -werthvolle Mittheilungen über den Seehandel durch ihn gewinnen konnte.</p> - -<p>Der streng bewachte, aber treulose Lotse brachte bald darauf die -Schiffe zwischen die Untiefen einer Inselgruppe und wurde, als man -seine Verrätherei erkannte, dafür durchgepeitscht. Die Inseln erhielten -aber zum Andenken daran den Namen <span class="antiqua">Ilhas do Azoutado</span>, d. h. die -Inseln des Durchgepeitschten. An der Küste entlang ging die Fahrt nun -weiter auf Kiloa, welches als ein vielbesuchter Handelshafen galt, -wohin sogar christliche Armenier gelangen sollten. Aber widrige Winde -trieben die Schiffe ab. Das Schiff S. Rafael unter dem Commando des -Vasco da Gama gerieth sogar auf eine Sandbank, wurde aber glücklich -wieder losgebracht. So kamen sie in der letzten Woche des April<a name="FNAnker_86_86" id="FNAnker_86_86"></a><a href="#Fussnote_86_86" class="fnanchor">[86]</a> -nach Mombas. Wieder erschien ein Fahrzeug der Einwohner, um sich nach -den Zielen der Fremdlinge zu erkundigen. Gama erklärte, er komme, -auf dem Wege nach Indien, sich in dem Hafen mit einigen Bedürfnissen -zu versehen. Der Scheich, auch hier anfangs freundlich, mußte bald -den falschen Einflüsterungen nachgegeben und schon von Mosambik -Nachrichten erhalten haben, daß die Fremden Seeräuber seien und -den Handel nur zum Vorwand nähmen. Als Gama in den Hafen einlaufen -wollte, kamen viele kleine Schiffe heran, wie um die portugiesischen -Fahrzeuge mit festlicher Musik an die Stadt zu geleiten. Aber man ließ -höchstens 10 bis 12 Personen an Bord eines jeden Schiffes kommen. -Vielleicht war es dabei auf eine Ueberrumpelung oder eine Verrätherei -abgesehen, denn als das eine Schiff, rückwärts treibend, auf den Grund -gerieth, da es dem Steuer nicht folgte, so gab der Capitän rasch -Befehle, Anker auszuwerfen. Die dadurch hervorgerufene Unruhe machte -die Araber auf den andern beiden Schiffen besorgt; sie fürchteten -vielleicht, ihr Anschlag sei verrathen und sprangen eiligst wieder in -ihre Schiffe. In einer hellen Mondnacht wurde der Hafen von Mombas -verlassen und die Fahrt mit großer Vorsicht, weil man dem Lotsen -nicht traute, fortgesetzt. Bald stießen sie auf zwei Sambuken, welche -nach Mombas steuerten. Eine derselben wurde genöthigt, ihnen den Weg -nach Melinde zu zeigen, wobei man die arabische Mannschaft auf die -Schiffe vertheilte. Nach einer günstigen Fahrt von drei Nächten und -zwei Tagen langten sie in den letzten Tagen des Monats April dort -an und fanden hier endlich eine wohlgemeinte freundliche Aufnahme. -Aber der Einladung des Fürsten, in dem Hafen anzulegen, folgte Gama, -durch die Vorkommnisse in Mosambik und Mombas mißtrauisch gemacht, -nicht sogleich, sondern schickte zunächst den<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span> Capitän Coelho und in -seiner Begleitung den Davané ans Land. Am Ufer hatten sich so viele -Menschen versammelt, daß die Beamten nur vermittelst ihrer Stöcke für -die fremden Sendlinge Bahn schaffen konnten. Der Fürst ließ Coelho -neben sich auf einem Stuhle niedersitzen, erkundigte sich vor allem -nach europäischen Verhältnissen und ließ sich vom großen König Emanuel -erzählen. Gegen Sonnenuntergang nahm der portugiesische Capitän -Abschied und wurde, vom Herrscher von Melinde mit weißen und bunten -Seidenkleidern und einem kostbaren Ringe beschenkt, an den Strand -zurückgeleitet. Die von Gama auf einem Sambuk gewünschte Zusammenkunft -fand in den nächsten Tagen statt. Der ganze Strand, die weißen Häuser -und die Mauern der Stadt waren mit Schaulustigen dicht besetzt, als die -beiden Flottenführer, Vasco und sein Bruder Paulo da Gama, im vollsten -Schmucke, unter dem Donner der Salutschüsse in ihren beflaggten Böten -von den Schiffen abstießen und sich dem Audienzschiffe näherten. Bei -der herrschenden Rivalität zwischen Melinde und den anderen bereits -besuchten Häfen war die Aufnahme eine sehr günstige. Dem arabischen -Herrscher wurden ein kostbares Schwert, eine Lanze und ein Schild -verehrt und beide Theile schieden in Freundschaft. Gama bat, die -Piloten und übrigen Insassen des zur Mitfahrt gezwungenen Bootes sicher -wieder in ihre Heimat befördern zu wollen, was auch zugesagt wurde. Die -Portugiesen erhielten Lebensmittel und Wasser und konnten sich am Lande -erholen, denn sie hatten an der ungesunden Ostküste Afrikas viel durch -Krankheiten zu leiden gehabt und manchen Mann am Scharbock verloren.</p> - -<p>Später besuchte Gama den Scheich in seinem Schlosse und wurde von -diesem am Thor empfangen. Im Verlaufe des Gespräches erklärte der -Araber, daß der Gewürzhandel in Kalikut seinen Hauptstapel habe und daß -er dem Geschwader einen zuverlässigen Piloten dahin mitgeben werde. -Auch rieth er den Portugiesen, die gewünschten Waaren nicht zu hoch zu -bezahlen, um dadurch nicht den Markt zu verderben.</p> - -<p>Davané erbot sich bis Indien mitzugehen. Vor dem Abschiede stattete der -Fürst den Schiffen noch einen Besuch ab. Auf einer besonders angelegten -Treppe leitete man ihn an Bord, wo eine festliche Tafel hergerichtet -war. Dann ließ Gama mit Bewilligung des Herrschers einen marmornen -Wappenpfeiler in Melinde setzen, segelte, von tüchtigen Lotsen -geführt, am 24. April von der afrikanischen Küste ab und erreichte -unter günstigem SW. Monsun in 22 Tagen die Gestade Indiens. Die Berge -von Kananor traten hervor, die Häuser der Stadt zeigten sich bei dem -Vorübersegeln. Fischerböte nahten sich und waren über die seltsam -gebauten Schiffe und die weißen Menschen darin sehr verwundert. Am 20. -Mai langte das Geschwader endlich im Hafen von Kalikut an.</p> - -<p>Indien zerfiel damals in eine große Anzahl selbständiger Reiche, Barros -nennt darunter die Königreiche von Multan, Delhi, Cospetir, Bengalen, -Orissa, Mando, Tschitor, Guzarat oder Cambaya, Dekhan, Bisnaga und -viele andere kleinere. Am Westfuße der Ghats erstreckte sich vom Flusse -Karnat,<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118">[S. 118]</a></span> nahe beim Vorgebirge Komorin bis zu der weit übers Meer -sichtbaren Landmarke des Berges d’Ely (<span class="antiqua">de Ly</span>) oder Delly unter -12° n. Br., das Reich und die Landschaft Malabar mit der Hauptstadt -Kalikut. Sechs bis zehn Leguas breit und 80 Leguas lang breitete sich -dieser Landstrich aus, über welchen ein Kaiser die Oberherrschaft -besaß. Der Titel dieses Oberherrn war eigentlich Samudrin, d. h. Herr -der See, die Portugiesen nannten ihn Samorin. Zahlreiche Lehnsfürsten -standen nominell unter ihm, wußten sich aber mehrfach seinem -maßgebenden Einflusse zu entziehen oder fügten sich, wie die Fürsten -von Kotschin und Kollam, nur widerstrebend. Das Uebergewicht Kalikuts -beruhte in seinem Welthandel, in seinem Gewürzmarkte, welcher seit -dem 14. Jahrhundert an Großartigkeit alle Hafenplätze der Westküste -übertraf. Seine Blüte verdankte der Ort namentlich der Thätigkeit der -mohammedanischen Kaufleute und Schiffer, welche bei den Portugiesen -mit dem allgemeinen Namen der Mauren belegt wurden. Die Stadt zerfiel -in zwei Abtheilungen; am Hafen gruppirten sich um die steinernen -Wohnhäuser und Waarenlager der Mauren die mit Palmblättern gedeckten -Holzhütten der eingeborenen Gewerbsleute, der Handwerker und des andern -gemeinen Volks niedriger Kasten. Etwas entfernt lag in einem Palmenhain -die Residenz des Samorin, umgeben von den Villen der vornehmsten -Stände, der Brahmanen und der Kriegerkaste, der sog. Nair, die ihrem -Oberherrn mit Leib und Seele ergeben, sich dem Handelsgewoge des -Hafens entzogen, um ihren Standesvorurtheilen nichts zu vergeben durch -zu enge Berührung mit den niederen Kasten. Diese hatten ihren Erwerb -hauptsächlich durch die Mauren und waren, an deren Interesse gebunden, -von denselben abhängig, oder wenigstens geneigt, auf ihre Seite zu -treten. Denn den Vertrieb der geschätzten Waaren nach dem Abendlande -hatten die mohammedanischen Kaufherren allein in der Hand; ihre Flotten -kamen aus dem arabischen und persischen Golfe über Aden und Ormuz nach -Indien und brachten namentlich über Aegypten die indischen Artikel ans -Mittelmeer zu den christlichen Völkern. Aber nicht Araber und Aegypter -im engern Sinne betheiligten sich allein an diesem indischen Handel. -Mauren aus Tunis und Algerien, selbst Juden unternahmen die weite -Reise ins Morgenland und wieder zurück in die Markthäfen Italiens und -Spaniens. Die christlichen und mohammedanischen Staaten am Mittelmeer -standen sich feindlich gegenüber; die Niederlagen des Islam und seine -Verdrängung aus Spanien wurden bis Indien vernommen. Die Portugiesen -waren politisch die Feinde der Araber und Mauren und sollten nun auch -im indischen Handel als ihre Rivalen auf einem Gebiete erscheinen, -wo die Moslemin Jahrhunderte lang allein sich des ungestörten -Genusses und Gewinnes zu erfreuen gehabt hatten. Kein Wunder, daß -das Erscheinen einer portugiesischen Flotte auf der Küste Malabar, -vor dem Centralpunkte des Verkehrs, alle mohammedanischen Kaufleute -in die größte Aufregung brachte. Daher der eigenthümliche Willkomm, -den Gama vor Kalikut empfing. Schiffer im Hafen brachten nämlich zwei -Mauren aus Tunis zu ihm, welche spanisch und italienisch sprachen und -die Portugiesen<span class="pagenum"><a name="Seite_119" id="Seite_119">[S. 119]</a></span> mit den Worten begrüßten. „Schert Euch wieder zum -Teufel, der Euch hergebracht hat.“</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p118" name="karte_p118"> - <img class="mtop2" src="images/karte_p118.jpg" - alt="Die WESTKÜSTE von VORDER-INDIEN" /></a> - <p class="s7 center antiqua nobreak">Entworfen von S. Ruge.</p> - <p class="s7 center antiqua mbot1">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p118_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Auch dem Samudrin war der Besuch sicher ungelegen. Der friedliche -Verkehr und die Sicherheit der Einkünfte, auf denen seine Macht -basirte, schienen in Frage gestellt durch das plötzliche Erscheinen -der abendländischen Fremdlinge. Ließ sich der Friede und die Ordnung, -welche eine ausgezeichnete Marktpolizei bisher aufrecht erhalten hatte, -bei der Erregtheit der Concurrenten aufrecht erhalten?</p> - -<p>Und konnte nicht durch einbrechende Unsicherheit gedrängt, der ganze -Waarenverkehr sich aus seinem Gebiet und aus seinem Hafen wegwenden? -Daß unter solchen Umständen die Bekenner des Islam leichtes Spiel -hatten, durch Einflüsterungen und Verläumdungen den Kaiser gegen die -neuen Ankömmlinge einzunehmen, liegt auf der Hand. Vasco da Gama hatte -von Anbeginn einen schweren Stand, und es ist ein nicht geringes -Verdienst, daß er vorsichtig und seine leidenschaftlichen Aufwallungen -beherrschend die Verhandlungen leitete, gewandt allen Gefahren auswich -und seinen Auftrag glänzend löste.</p> - -<p>Die Handelssaison war bereits vorüber, die fremdasiatischen -Handelsbarken hatten den Hafen schon seit Monatsfrist oder länger -verlassen. Man war also am Lande nicht wenig erstaunt, zu so -ungewohnter Zeit Schiffe ankommen zu sehen, die offenbar mit diesen -Gewässern nicht vertraut waren. Aus Furcht vor einer sichtbaren starken -Brandung war Gama in einiger Entfernung vom Hafen bei dem Ort Kapokate -vor Anker gegangen. Hier näherten sich ihm zunächst Fischerböte, von -denen man Fische gegen portugiesische kleine Silbermünzen einhandelte. -Die Bootführer prüften die ihnen unbekannten Werthzeichen mit ihren -Zähnen auf den muthmaßlichen Silbergehalt. Dann brachten sie Hühner, -Kokosnüsse u. a. zum Verkauf. Durch diesen Verkehr erfuhr der Samorin, -daß Gama von Melinde komme und nicht ohne Erlaubniß des Landesherrn -das Ufer betreten wolle. Darauf erschien nach einigen Tagen ein Nair, -nur mit weißem Lendentuch bekleidet, mit rundem Schild und nacktem, -kurzem Schwert. Mit ihm ging dann einer der von der afrikanischen -Küste mitgenommenen Lotsen ans Land, um ähnliches über die Herkunft -und Schicksale des Geschwaders zu berichten, wie Gama selbst in -Melinde erzählt hatte: nämlich, daß sie zu einer großen Flotte von 50 -Schiffen gehörten, die der mächtigste christliche König des Abendlandes -abgesendet, um Pfeffer und Droguen einzuhandeln, daß sie aber durch -Sturm zerstreut seien. Mit dem Lotsen ging auch wieder ein Sträfling -ans Land, Namens João Nuñez (oder Martins). Als diese ihre Botschaft -ausgerichtet hatten und wie es schien, nach günstiger Aufnahme wieder -zum Hafen zurückkehrten, wurden sie von einem Manne in morgenländischer -Tracht auf castilisch angeredet und eingeladen, bei ihm zu bleiben, da -sie sich bei ihrer Sendung verspätet hatten und kein Boot mehr fanden, -das sie zu den Schiffen zurückgebracht hätte. Dieser neue Gastfreund -stammte aus Sevilla, war als Gefangener und Sklave<span class="pagenum"><a name="Seite_120" id="Seite_120">[S. 120]</a></span> durch viele Hände -gekommen, hatte äußerlich den mohammedanischen Glauben angenommen und -ging am nächsten Morgen mit den beiden Sendlingen an Bord, um den -Flottencapitän über die Verhältnisse in der Stadt aufzuklären und -namentlich vor den Ränken der arabischen Kaufherrn zu warnen.<a name="FNAnker_87_87" id="FNAnker_87_87"></a><a href="#Fussnote_87_87" class="fnanchor">[87]</a></p> - -<p>Gama ging darum nicht zuerst selbst ans Land, sondern schickte Coelho -mit mehreren Begleitern zum König, damit er ihm die Bitte um freien -Handel und friedlichen Verkehr vortrage. Wenn das zugesichert werde, -wolle der Admiral persönlich die Geschenke und Briefe des königlichen -Herrn überreichen.</p> - -<p>Bei der Landung der Portugiesen lief das Volk zusammen, verhielt sich -aber ruhig, als diese zum Palaste geleitet wurden. Da sich aber der -Samorin inzwischen durch seine Beamten über das Erscheinen und Benehmen -der Fremden genau berichten ließ, so verging darüber der Tag, ohne daß -eine Audienz anberaumt wurde. Coelho blieb daher über Nacht im Hause -eines Edelmanns.</p> - -<p>Am nächsten Morgen kam der Schatzmeister und erklärte, sein Herr sei -unwohl und könne die Gesandtschaft nicht empfangen, Coelho möge ihm -daher den Inhalt seiner Botschaft anvertrauen, er werde ihn dem Könige -übermitteln. Coelho aber erwiderte, er habe directen Auftrag, und -wenn der König krank sei, werde er bis zu günstiger Zeit wieder aufs -Schiff zurückkehren. So bequemte man sich denn zur Audienz. Coelho -begrüßte den Samorin ehrfurchtsvoll, blieb aber schweigend stehen, -bis ihn der König aufforderte, seinen Auftrag auszurichten. Als dies -geschehen, wollte der König die Audienz schließen mit dem Bemerken, die -Antwort werde ihm später durch den Schatzmeister zugehen. Allein auch -darauf ging Coelho nicht ein, sondern erbat sich directen Bescheid, -den ihm der Samorin dann in wohlwollender Weise gewährte. Zum Zeichen -des Friedens erhielt Coelho den königlichen Namenszug auf einem -Palmenblatte und begab sich damit wieder an Bord. Sobald dort der -Erfolg bekannt geworden war, wurden die Schiffe beflaggt, Trompeten -erklangen und die Kanonen donnerten Salutschüsse über den Hafen hin.</p> - -<p>So war durch das feste Auftreten Coelho’s die schwankende Politik der -königlichen Rathgeber bei Seite gedrängt. Das königliche Wort war eine -Bürgschaft des Friedens.</p> - -<p>Dann rüstete sich Gama selbst, zu einer Audienz ans Land zu gehen; -aber, gewarnt durch den indischen Castilier, that er es nicht eher, -als bis er durch eine Anzahl vornehmer Geißeln aus dem Stande der -Nair genügend gedeckt war. Dann erst betrat er in festlichem Aufzuge, -in Weiß und Roth gekleidete Trompeter voraus, die Stadt und wurde in -einem Palankin zum<span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span> Palaste getragen. Hier wurde er vom Samorin in -feierlicher Audienz empfangen. Correa gibt uns von dieser Scene ein -genaues Bild. Der König saß auf einem Divan. Er war von sehr dunkler -Hautfarbe, der Oberkörper nackt, von der Mitte des Leibes an bis zu den -Knien in Weiß gekleidet. Eines seiner Kleidungsstücke endigte in einer -langen Spitze, an welcher mehrere goldene Ringe mit großen, glänzenden -Rubinen angereiht waren. Am linken Arme über dem Ellbogen trug er eine -Spange, die aus drei Ringen zusammengesetzt schien und von Juwelen -strotzte; namentlich trug der mittlere höchst werthvolle Steine, und -von ihm hing noch ein Diamant von der Dicke eines Fingers herab. Um -den dunkeln Hals trug er eine helle Perlenschnur, deren Glieder die -Größe einer Haselnuß hatten. Zweimal umgeschlungen reichte diese Schnur -vorn bis auf die Mitte der Brust herab, und darüber trug er eine feine -Goldkette mit einem Schmuck in Gestalt eines Herzens, welches aus einem -Geschmeide von Perlen und Rubinen bestand, dessen Mittelpunkt ein -großer Smaragd bildete. Das lange schwarze Haar trug der Samorin auf -dem Wirbel in einen Knoten geschürzt und mit Perlenschnüren umwunden; -an den Ohren prangten zahlreiche Goldringe.</p> - -<p>Rechts und links vom Throne standen Leibpagen mit reichverzierten -Waffen und mit einem goldenen Spucknapf. Der erste Brahmane reichte dem -Fürsten von Zeit zu Zeit ein Blatt Betel, welches derselbe kaute und -dann in den goldenen Napf ausspie.</p> - -<p>Nachdem sich Gama tief vor der indischen Majestät verbeugt hatte, -reichte ihm dieselbe die rechte Hand entgegen und berührte mit den -Fingerspitzen die rechte Hand des Admirals, und dieser entledigte sich -dann zuerst mündlich seines Auftrags in portugiesischer Sprache. Sein -Dolmetscher João Nuñez übertrug den Inhalt zunächst ins Arabische und -wendete sich an den Sensal, dieser gab in der Landessprache das Wort -weiter an den Brahmanen, durch welchen dann endlich die Botschaft -an den König selbst gelangte. Darauf überreichte Gama knieend den -Brief des Königs Manuel, nachdem er ihn geküßt, auf seine Augen und -aufs Haupt gelegt hatte. Der Samorin nahm den Brief in die Hand, -drückte ihn an die Brust mit beiden Händen, öffnete ihn und übergab -ihn seinem Schatzmeister, um ihn sich übersetzen zu lassen; denn -er war portugiesisch und arabisch abgefaßt. Es war darin, was Gama -bereits mündlich ausgesprochen, der Wunsch ausgedrückt nach einem -Freundschaftsbündnisse und friedlichen Handelsverkehr. Damit war die -Audienz beendet, der Admiral kehrte unter Trompetenschall zur Factorei -zurück, wo er zu Nacht blieb. Die bald darauf folgende briefliche -Antwort des indischen Fürsten enthielt die Stelle: Vasco da Gama, ein -Edelmann aus Eurem Hause, hat mein Reich besucht, worüber ich mich sehr -gefreut habe. In meinem Lande gibt es Zimmt, Gewürznelken, Ingwer und -Pfeffer in Fülle, ich habe Perlen und Edelgestein. Was ich von Euch -wünsche, ist Gold, Silber, Korallen und Scharlach.</p> - -<p>Damit war die Genehmigung zur Eröffnung des Handels ertheilt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span></p> - -<p>Am Lande wurden den Portugiesen Lagerhäuser eingeräumt und Diogo Dias -zum Factor bestellt. Um nun den Handel einzuleiten, wurde zunächst das -Marktgewicht festgestellt, dann der Preis der Waaren bestimmt. Gold und -Silber galt nicht nach Gepräge, sondern nach Gewicht und Feingehalt; -es stellte sich dabei der Silberpreis höher als in Portugal. Außer -Edelmetallen gab der Factor auch Korallen, Quecksilber und Kupfer zum -Tausch. Die eingehandelten Droguen wurden dann durch indische Böte zu -den Schiffen gebracht. Die Portugiesen waren über den billigen Einkauf -erfreut und der Schatzmeister konnte hinwieder seinem Herrn melden, -die Christen zahlten doppelte Preise und nähmen auch die weniger guten -Produkte, deren Annahme die Araber verweigerten. Durch die blinde -Kauflust der Fremden verlockt, begannen die einheimischen Händler -die Gewürze zu fälschen, mit fremden Körpern zu vermischen oder gar -unbrauchbare Waaren, wie ungenießbaren Zimmt zu liefern. Der Factor -gewahrte wohl den Betrug, nahm aber auch die schlechte Waare an, um -vorläufig jeden Grund zu Mißhelligkeiten fernzuhalten.</p> - -<p>Inzwischen blieben die portugiesischen Boote stets in der Nähe auf der -Hut, mit versteckten Waffen, scheinbar müßig, aber stets schlagfertig.</p> - -<p>Da die Mauren sahen, daß sich der Handel mit den Portugiesen, zu ihrem -Nachtheile, so rasch entwickelte, verdächtigten sie die Fremdlinge -als Spione, welche nur gekommen seien, den Reichthum des Landes zu -erkunden, um demnächst mit bewaffneter Macht als Eroberer wieder zu -erscheinen. Als rechte Kaufleute würden sie doch die schlechte Waare -nicht um doppelten Preis kaufen. Der Handel diene nur als Folie, um -böse Absichten zu verdecken.</p> - -<p>Die reichen Handelsherren in der Stadt gewannen nun zunächst den -Katual, den mohammedanischen Gouverneur, oder, wie Correa ihn -bezeichnet, den ersten Officier der königlichen Leibwache, für sich, -daß er die Portugiesen am freien Verkehr hindern möge. Dies geschah -auch. Man gestattete ihnen nicht, die Stadt zu besuchen, unter dem -Vorgeben, als wolle man dadurch unliebsamen Begegnungen mit den Mauren -vorbeugen, auch hoffte man, sich gelegentlich der Person des Admirals -bemächtigen zu können. Vielleicht rechnete man auch bereits darauf, -den unbequemen Besuch so lange hinzuhalten, bis die mohammedanischen -Flotten mit dem neuen Monsun anlangten, um dann mit deren Hilfe die -Portugiesen vollständig zu vernichten.</p> - -<p>Als Gama die Handelsverschleppung bemerkte, ließ er die Absicht -durchblicken, lieber den Heimweg anzutreten, ohne seine Gewürzfracht -zu vervollständigen, um wenigstens seinem Könige die Kunde von dem -erfolgreichen Zuge nach Indien bringen zu können. Kam dieser Plan zur -Ausführung, dann hatten zwar die Mauren für den Augenblick das Feld -behauptet, mußten aber einer verstärkten Wiederkehr des Erbfeindes -gewärtig sein und waren keineswegs von einer drohend aufsteigenden -Gefahr für ihr Handelsmonopol befreit. Der Samorin ließ den Admiral -noch einmal zu sich rufen,<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span> der Katual erschien mit zwei Palankinen und -bat ihn, ihm zur Audienz zu folgen. Wie in Folge derselben der Conflict -endlich zum Ausbruch kam, wird verschieden berichtet, es scheint indeß -am wahrscheinlichsten, daß er durch Gama’s Erklärung vor dem Könige -beschleunigt wurde.<a name="FNAnker_88_88" id="FNAnker_88_88"></a><a href="#Fussnote_88_88" class="fnanchor">[88]</a> Denn als dieser ihn aufforderte, sich von -dem überall in der Stadt ausgesprochenen Verdachte zu reinigen, als -seien die Portugiesen gemeine Seeräuber, und ihm, dem Samorin offen -die Wahrheit zu sagen, entgegnete Gama: Es wundere ihn gar nicht, daß -die Vasallen des Samorin solche Verleumdungen ausstreuten, da er so -weiten, bisher noch nicht betretenen Weges daherkomme; aber sein Herr -und Gebieter sei durch den Ruf von der Größe und Macht des Samorin -bewogen, seine Schiffe so weithin zu senden, um freundschaftliche -Beziehungen und Handelsverkehr in Spezereien anzuknüpfen, daneben aber -auch sich die Verbreitung des Christenthums angelegen sein zu lassen. -Die Mauren seien in Europa die natürlichen Feinde der Portugiesen und -suchten ihnen auch hier zu schaden. Dann bat Gama den König, ihn gegen -dergleichen Ränke und Verdächtigungen zu schützen, damit nicht Krieg -dadurch angefacht würde. Zum Zeichen der Wahrheit wies er auf die -ihm zugestoßenen Verräthereien in Mosambik und Mombas hin. Und wenn -auch ihn und sein Geschwader das Verhängniß träfe, nicht wieder nach -Portugal heimzukehren, so werde König Manuel doch fortfahren, neue -Flotten auszusenden, bis er gewisse Nachricht aus Indien erhalten habe. -Der Samorin möge darum dafür Sorge tragen, daß nicht durch die Mauren -der Zwist eingeleitet würde, denn die Portugiesen seien nicht gewillt, -sich ungestraft beleidigen zu lassen, am wenigsten von den Mauren, -über welche sie schon manchen Sieg davon getragen. Der Samorin hatte -den Worten Gama’s mit Spannung gelauscht und erkannte aus dem Feuer -und der Festigkeit der Rede, daß der Admiral die Wahrheit gesagt. Dann -wünschte er, Gama möge aufs Schiff zurückkehren, wohin ihm die Antwort -nachgesendet werden sollte. Der Katual, welcher die Portugiesen zum -Landungsplatze zurückzuleiten hatte, bemächtigte sich aber unterwegs -ihrer Personen, trennte den Admiral von seinen Begleitern und hielt -sie unter verschiedenen Vorwänden tagelang wie in Gefangenschaft, -angeblich weil er für ihre Sicherheit verantwortlich sei. Er hoffte, -die Portugiesen würden, erbittert über diese Beleidigung, losschlagen -und so einen Streit beginnen, in welchem man die Fremden sämmtlich -beseitigen könne. Aber Gama behielt trotzdem seine Fassung und blieb -ruhig. Die Mauren forderten den Tod Gama’s, aber ohne Anlaß wagte der -Katual diese That nicht. Indeß mußte sich der Admiral dazu bequemen, -den Factor als Geißel zurückzulassen, wenn er selbst wieder an Bord -gehen wollte. Er<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span> ließ nun zwar die für ihn gestellten Geißeln frei, -weil er erwartete dadurch auch den Diogo Dias aus seiner Gefangenschaft -lösen zu können. Allein er sah sich darin getäuscht. Als er dann seinen -Handelsfactor nach Verabredung heimlich vom Strande durch seine Boote -wollte abholen lassen, kamen ihm seine wachsamen Gegner zuvor und -vereitelten die Flucht. Bei dem darüber entstandenen Tumult wurden -auch die portugiesischen Lagerhäuser geplündert. Ergrimmt ließ Gama -eine Anzahl Fischer auf der See aufgreifen und lichtete die Anker. -Das Jammern und Wehklagen der zurückgelassenen Weiber bewog nun den -Samorin, den Factor Dias zu entlassen und zugleich die Erklärung -mitzusenden, daß er aufrichtig den Frieden wünsche, aber auch den -Handel der Mohammedaner, die seit Alters in seinem Lande ansässig -seien, schützen müsse. Gama gab darauf hin die meisten Indier wieder -frei, drohte aber, er werde, wenn er in kurzer Zeit wiederkomme, die -ihm angethane Schmach rächen. Die von ihm mitgenommenen Fischer, -ließ er dem Könige melden, werde er zunächst nach Portugal führen, -damit sein Herr sich von ihnen über Kalikut könne berichten lassen; -dieselben würden aber auf der nächsten Flotte wieder zurückkehren, -damit sie auch dem Samorin über Portugal Kunde bringen könnten. Dann -brach er von Kalikut auf und segelte nach Norden. Als aber am nächsten -Tage das Geschwader durch Windstille auf dem Wasser, kaum zwei Meilen -von Kalikut gebannt war, machte sich eine bedeutende Anzahl kleiner -Fahrzeuge, nach Barros etwa 60 Schiffe, auf, um die Portugiesen zu -überfallen, aber sie wurden durch grobes Geschütz sehr rasch vertrieben.</p> - -<p>Daß Gama sodann noch den nördlich von Kalikut gelegenen Hafen von -Kananor besucht, wird unter allen Schriftstellern nur von Correa -erwähnt. Der Beherrscher von Kananor, welcher über die Vorgänge in -Kalikut wohl unterrichtet war, ließ Gama einladen, in seinem Hafen -anzulegen, dann erschienen mehrere Boote mit Wasser und Holz, Feigen, -Hühnern, Kokosnüssen, gedörrten Fischen und andern Lebensmitteln und -meldeten, wenn die Portugiesen nicht anlegen wollten, möchten sie diese -Artikel als Geschenke annehmen. Aber sie könnten im Hafen auch Gewürze -bekommen, um ihre Ladung zu vervollständigen, und zwar bessere Waare, -als man ihnen in Kalikut geboten.</p> - -<p>Die Portugiesen schickten nun eine Liste aller Artikel, welche sie noch -wünschten, ans Land und erhielten alles in Ueberfluß, was Gama ebenso -reichlich in Korallen, Zinnober, Quecksilber, Kupfer und Messingschalen -bezahlte. Es fand sodann auch eine Zusammenkunft mit dem Fürsten statt, -indem am Ende einer vom Strande aus geschlagenen Brücke eine Art -Pavillon über dem Wasser errichtet war, wo der Fürst die Befehlshaber -der drei Schiffe empfing, mit ihnen Geschenke wechselte und ihnen im -Auftrag des Samorin noch einmal dessen Bedauern über den feindlichen -Abschied von Kalikut ausdrücken ließ.</p> - -<p>Nachdem noch auf einer kleinen Gestade-Insel (13° 20′ n. Br.) ein -Wappenpfeiler<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span> Santa Maria errichtet worden, nach welchem dann später -die Insel ihren Namen erhielt, ging Gama an der Küste weiter nordwärts -bis zu der kleinen Gruppe der Andjediven (d. h. fünf Inseln), welche -etwa 12 Leguas südlich von Goa (14° 45′ n. Br.) liegen, um dort Wasser -einzunehmen und die Schiffe ausbessern zu lassen, ehe sie den Weg über -den Ocean bis zur afrikanischen Küste anträten.</p> - -<p>Die Nachricht von dem Aufenthalt der Portugiesen auf Andjediva -gelangte durch Fischerboote bis nach Goa. Diese Stadt gehörte zum -Reiche Bidjapur und war Jussuf Adil Chan untergeben, der, weil er -aus Sava im westlichen Persien, bei Hamadan, stammte, den Beinamen -Sabai führte, woraus die portugiesischen Historiker den Namen Sabayo -bildeten. Dessen Statthalter in Goa hoffte nun, da er gehört hatte, -daß zwei der portugiesischen Schiffe behufs der Reparatur an den -Strand gezogen seien, sich dieser Fahrzeuge bemächtigen zu können und -übertrug dies Unternehmen seinem Hafencapitän, d. i. dem Schah-bender, -einem spanischen Juden, der bei der Einnahme Granadas jung vertrieben, -durch die Türkei über Mekka nach Indien verschlagen war. Dieser -recognoscirte bei Nacht die portugiesischen Schiffe, um zu sehen, ob -er sie nehmen oder verbrennen könne. Indische Fischer, die mit den -Portugiesen verkehrten, hatten aber bemerkt, daß in der Nähe mehrere -bewaffnete Fahrzeuge, s. g. Fusten versteckt und zum Ueberfall bereit -lagen. Gama ließ, von ihnen unterrichtet, den Juden, der anderen Tages -wie von ungefähr vorübersegelnd die Schiffe auf spanisch begrüßte, -ungehindert herankommen und an Bord steigen, dann aber sofort binden -und mit der Tortur bedrohen, wenn er seine Absichten nicht bekenne. So -gezwungen, den Schlupfwinkel seiner Boote zu verrathen, mußte er die -Portugiesen selbst dahin begleiten und zusehen, wie diese über seine -Leute herfielen und sie tödteten oder gefangen nahmen, um sie an den -Schiffspumpen arbeiten zu lassen. Barros fügt hinzu, der Jude habe sich -dazu bequemt, Christ zu werden und habe den Namen Gaspar Gama erhalten. -Da der Mißerfolg seines Planes ihm die Rückkehr nach Goa abschnitt, -zog er es vor mit nach Europa zu gehen. Später zeigte er sich -außerordentlich geschickt und nützlich bei den weiteren Fahrten und -Unternehmungen in Indien. Er war es auch, der die Portugiesen auf die -günstige Lage des Hafens von Goa hinwies, welcher bald der Stützpunkt -der portugiesischen Macht werden sollte.</p> - -<p>Die endliche Abfahrt von den Gestaden des Gewürzlandes setzen Goes und -Castanheda auf den 5. October, Correa dagegen auf den 10. December. -Letzterer bemerkt ausdrücklich, die Piloten hätten dem Admiral -gerathen, das Eintreten des Nordost-Monsun abzuwarten. Daher ging die -Ueberfahrt dann bequem von statten und wurde der Hafen von Melinde -am 8. Januar 1499 erreicht,<a name="FNAnker_89_89" id="FNAnker_89_89"></a><a href="#Fussnote_89_89" class="fnanchor">[89]</a> nachdem man schon am 2. Januar die -afrikanische Küste bei Magadoschu<span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span> gesehen hatte. Der Fürst von -Melinde nahm sie wieder sehr freundlich auf und versorgte sie mit -Lebensmitteln. Während des dortigen Aufenthalts, der von Einigen auf -fünf Tage, von Andern auf elf Tage angegeben wird, starben noch mehrere -Matrosen, so daß die Bemannung kaum noch zur Führung der Schiffe -ausreichte. Beim Abschied erhielt Gama noch einen Brief an den König -Manuel von dem Beherrscher Melindes, welcher dem Admiral zugleich -versicherte, die Portugiesen würden ihm jederzeit willkommen sein, wenn -sie auf der Fahrt nach Indien in seinen Hafen einliefen.</p> - -<p>Bald darauf ging eins der drei Schiffe verloren. Ueber die Veranlassung -gehen die Berichte wieder bedeutend auseinander. Barros sagt, der San -Rafael sei wieder auf dieselben Klippen aufgefahren, auf die er schon -bei der Hinfahrt gestoßen; Osorio berichtet, Gama habe das Schiff -seines Bruders vor Melinde verbrannt, weil es untauglich war; Goes -verlegt diese Thatsache vor eine Stadt Tagata; Correa kennt dieses -Ereigniß gar nicht, denn noch nach der Umsegelung des Caps der guten -Hoffnung auf der Rückreise spricht er von dem Schiffe Paulo da Gama’s -als noch unter dem Geschwader vorhanden.<a name="FNAnker_90_90" id="FNAnker_90_90"></a><a href="#Fussnote_90_90" class="fnanchor">[90]</a></p> - -<p>Bei der weitern Fahrt wurden alle Details der Landmarken an der Küste -sorgfältig aufgenommen, um den späteren Flotten mehr Sicherheit in der -Fahrt zu geben. Am 2. Februar wurde auf einer Insel bei Mosambik noch -der letzte, S. Georg getaufte, Wappenstein gesetzt und dann später ohne -Schwierigkeit das gefürchtete Sturmcap dublirt. Hier in den kühleren -Meeresregionen genasen die meisten Kranken. Aber als man sich wieder -dem Aequator näherte und die fieberschwangeren Gewässer von Guinea -erreichte, brachen die Seuchen von neuem aus. Weniger widerstandsfähig -als früher, erlagen viele von der Mannschaft. Auch Paulo da Gama trug -seit dem Aufenthalte im Golf von Guinea den Todeskeim in sich. Die -Schiffe waren wieder sehr leck und hielten sich kaum noch über Wasser. -So sah sich Gama genöthigt, auf der Açoren-Insel Terceira anzulaufen. -Hier starb der edle Paulo da Gama in den Armen seines Bruders und -wurde im Kloster des heiligen Franciscus zu<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span> Angra bestattet. Dadurch -trat eine neue Verzögerung in dem Abschluß der Reise ein, so daß die -Nachricht von der Rückkehr der indischen Flotte eher nach Lissabon -gelangte, als Vasco da Gama selber dort einlaufen konnte.<a name="FNAnker_91_91" id="FNAnker_91_91"></a><a href="#Fussnote_91_91" class="fnanchor">[91]</a> Die erste -Kunde von der Ankunft der indischen Schiffe brachte Arthur Rodriguez -aus Terceira. Derselbe wollte grade mit seinem Schiffchen von den -Açoren nach Algarbe segeln, als Gama mit seinem Schiffe anlangte, -aber noch nicht bei Angra vor Anker gegangen war. Im Vorbeifahren -fragte Rodriguez, woher das Schiff komme und als er hörte, aus Indien, -steuerte er direct nach Lissabon und brachte schon nach vier Tagen dem -Könige, welcher sich grade in Cintra befand, die erste Meldung von -der Heimkehr Gama’s und wurde für diese erfreuliche Botschaft auf das -freigebigste beschenkt.</p> - -<p>Als nun Vasco da Gama endlich selbst den Hafen der portugiesischen -Hauptstadt erreichte — Coelho soll durch Sturm von ihm getrennt, -eher angelangt sein — sandte ihm der König mehrere Würdenträger zur -Begrüßung entgegen und verlieh dem glücklichen Seemanne den Adelsrang -und Titel eines Admirals der indischen Meere. Ferner erhielt er das -Recht, sich am indischen Gewürzhandel jährlich mit 200 Cruzados<a name="FNAnker_92_92" id="FNAnker_92_92"></a><a href="#Fussnote_92_92" class="fnanchor">[92]</a> -zu betheiligen, ohne Fracht und Zoll zu zahlen. Endlich wurde ihm ein -einmaliges Geschenk von 20,000 Cruzados und 10 Quintal Pfeffer zu theil.</p> - -<p>Nicolaus Coelho erhielt 3000 Cruzados monatlich für die Dauer der Reise -und ein Quintal von allen Droguen, sowie die Capitänschaft auf einem -Indienfahrer in allen Flotten, an denen er theil zu nehmen wünschte, -oder das Recht, dieselbe zu vergeben oder zu verkaufen.</p> - -<p>Den Erben Paulo da Gama’s gab man die Hälfte von allem, was Vasco -bekommen hatte.</p> - -<p>Jeder Steuermann und Bootsmann erhielt einen halben Quintal Gewürze, -ausgenommen Zimmt und Mazis, weil von diesem Artikel wenig mitgebracht -war<a name="FNAnker_93_93" id="FNAnker_93_93"></a><a href="#Fussnote_93_93" class="fnanchor">[93]</a>.</p> - -<p>Auch Klöster und Kirchen wurden reichlich beschenkt, und die -königlichen Majestäten wohnten allen feierlichen Processionen und -Messen bei, die bei diesen Gelegenheiten in Lissabon celebrirt wurden.</p> - -<p>Man sprach durch alle diese Schenkungen und Stiftungen deutlich aus, -welchen Werth man auf die glückliche Vollendung der indischen Seefahrt -legte, welche unter dem Prinzen Heinrich begonnen, unter mehreren -Königen fortgesetzt, doch noch am Ausgange desselben Jahrhunderts, -welches den Keim gepflanzt, gelungen war. Es war für die Entwickelung -der Seemacht Portugals und seines Handels ein großartiger Impuls -gegeben. Der glänzende Erfolg rechtfertigte die zähe Ausdauer. Aber in -der Kühnheit des Planes<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span> steht doch die Fahrt Gama’s hinter derjenigen -eines Columbus und Magalhaens zurück, denn sie bildete nur den Abschluß -einer ganzen Reihe von Unternehmungen, deren Leiter dem glücklichen -Vollender tüchtig vorgearbeitet hatten, so daß nur ein Theil der -Reise durch gänzlich unbekanntes Gebiet führte, während Columbus und -Magalhaens vollständig neue Bahnen einschlugen. Beide durchschnitten, -auf sich selbst angewiesen, breite, unbekannte Weltmeere, Gama’s Zug -erscheint mehr als eine Küstenfahrt im großen Stil, und wo es galt, den -indischen Ocean zu kreuzen, vertraute er die Führung seines Geschwaders -zuverlässigen Lotsen an, die mit jenen Gewässern vollkommen vertraut -waren.</p> - -<p>Dazu war Gama’s Stellung viel gesicherter, sowohl nach oben, gegen -die Behörden, die ihn aussendeten, als auch nach unten, gegen seine -Untergebenen. Gama erhielt den Auftrag von seinem Landesherrn, Columbus -und Magalhaens waren Fremdlinge, welche ihre Dienste einem auswärtigen -Fürsten anboten. Gama konnte sich seine Mannschaft aus den bewährten, -eigenen Landsleuten auslesen, Columbus und Magalhaens dagegen geboten -über Angehörige einer anderen Nation, die nur widerstrebend dem -vorgesetzten Ausländer gehorchten.</p> - -<h4 id="Cabral_und_da_Nova">4. Cabral und João da Nova.</h4> - -<p>Aus den Berichten Gama’s über seine Begegnisse in Indien war es -ersichtlich geworden, daß man, falls man den indischen Handelsbetrieb -fortsetzen wollte, sich auf ernste Kämpfe mit den Mauren gefaßt machen -müsse, welche das Gewürzmonopol seit langer Zeit in Händen gehabt -hatten, und daß die Glaubensfeindschaft den Streit um so erbitterter -machen werde. Eine friedliche Lösung schien ausgeschlossen; man -mußte einen bewaffneten und auch für Kriegsfälle gerüsteten Handel -in Aussicht nehmen. Dazu bedurfte es vor allem einer imponirenden -Flotte. Zum Befehlshaber wurde <em class="gesperrt">Pedralvarez Cabral</em>, ein intimer -Freund Gama’s, ausersehen. Während man in Spanien das Monopol des -westindischen Verkehrs nebst einer lästigen Reihe der höchsten -Auszeichnungen und Privilegien einem Einzigen, dem Columbus, übertragen -hatte, behielten sich die portugiesischen Fürsten, da sie von Anfang -an die Initiative dazu ergriffen hatten, alle Rechte freier Wahl vor, -belohnten die Erfolge nach Gebühr, aber wechselten in der Wahl der -Oberleitung der Expeditionen nach reiflichem Ermessen. Gama wurde nicht -ganz bei Seite geschoben, aber er wurde nur als Rathgeber herangezogen. -Er entwarf die Verhaltungsmaßregeln für den zweiten Zug nach Indien. Er -überwachte die Ausrüstung und schrieb den einzuschlagenden Schiffscours -vor. Er gab an, wie man sich in Kalikut gegenüber dem Samudrin zu -verhalten habe und empfahl, um den von den Mauren ausgestreuten -Verdacht, als ob die Portugiesen lediglich Seeräuber wären, zu -beseitigen, man solle die Beamten des Samudrin einladen, an Bord zu -kommen, um die mitgebrachten Tauschwaaren zu besichtigen. Vor allem -wurde aber Cabral eindringlich ge<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span>warnt, nicht ohne Geißel sich an Land -zu begeben. Als beste Zeit für die Abfahrt wurde der März bestimmt, -weil man dann zu günstiger Zeit die Region der Monsune im indischen -Meere erreiche. Die Flotte bestand aus zehn großen und drei kleinen -Schiffen und hatte 1200 Mann an Bord. Unter den Schiffscapitänen -befanden sich <em class="gesperrt">Bartolomeu Dias</em>, der Entdecker des Sturmcaps und -Nicolao Coelho, der Begleiter Gama’s. Auch Franziskanermönche und -Weltpriester gingen mit, um den christlichen Glauben zu verbreiten. An -der Ausrüstung der Flotte betheiligten sich auch reiche Florentiner -Kaufleute. Es war die Absicht, in Malabar festen Fuß zu fassen.</p> - -<p>Am 9. März 1500 ging das Geschwader von Lissabon aus unter Segel. In -der Nähe der Capverden wurde Luis Varez durch Sturm von den übrigen -getrennt und kehrte nach Portugal zurück. Von der Guineaküste ab wurde -gegen S.-W. gesteuert, um den Windstillen und widrigen Meeresströmungen -auszuweichen. Vasco da Gama’s Segelvorschrift lautete, man solle in -grade südlichem Cours bis zur Höhe des Caplandes segeln und dann mit -günstigen Westwinden das gefürchtete Südende Afrikas zu umschiffen -suchen. So kam es, daß die Schiffe durch den Aequatorialstrom weiter -als beabsichtigt war, gegen Südwesten geführt wurden, wo sie am -21. oder 24. April etwa unter dem 18° s. Br. unvermuthet auf eine -gebirgige Küste stießen, welche nach der Schätzung der Steuerleute -etwa 450 Leguas von der afrikanischen Küste entfernt lag. Es war das -Gestade Brasiliens, wohin eine günstige Meeresströmung sie durch -Zufall getragen hatte. Daß bereits drei Monate früher Vicente Yañez -Pinzon, einer der Begleiter des Columbus auf seiner ersten Fahrt, etwa -10 Grad weiter nördlich dieselbe Küste berührt hatte, war auf der -portugiesischen Flotte noch nicht bekannt. Es wird aber aus den durch -die Meeresverhältnisse geleiteten Fahrlinien der Portugiesen klar, -daß die neue Welt von ihrem südlichen Halbcontinente aus über kurz -oder lang von den Indienfahrern gefunden werden mußte, auch wenn der -kühne Plan eines Columbus keine Unterstützung gefunden hätte und nicht -zur Ausführung gelangt wäre. Der Gang der Ereignisse brachte diese -Entdeckung von selbst mit sich.</p> - -<p>Cabral segelte mehrere Tage an dem Ufer des waldigen Landes hin, -besuchte die Bucht des Porto-Seguro und verkehrte wiederholt mit den -braunen Eingebornen, die fast unbekleidet, ohne Metallwaffen, unter -leichten Strohdächern in Netzen aus Baumwollschnüren schliefen. Am 3. -Mai, dem Tage der Kreuzes-Erfindung nahm Cabral von dem Lande Abschied, -dem er den Namen Terra de Sa. Cruz beilegte, eine Benennung, die sich -aber bald änderte, nachdem man den Reichthum an Farbeholz (Rothholz) -entdeckt hatte. Dieses Holz nannten die Portugiesen Brazil (nach der -Farbe glühender Kohlen) und daher bekam jene Küste bald den Namen -Terra de Brazil, Brasilland, <em class="gesperrt">Brasilien</em>.<a name="FNAnker_94_94" id="FNAnker_94_94"></a><a href="#Fussnote_94_94" class="fnanchor">[94]</a> Der Capitän Gaspar -de Lemos erhielt den Auf<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span>trag, mit der Meldung der neuen Entdeckung -nach Portugal zurückzukehren und unterwegs so viel als möglich von der -weiter nördlich verlaufenden Küste aufzunehmen.<a name="FNAnker_95_95" id="FNAnker_95_95"></a><a href="#Fussnote_95_95" class="fnanchor">[95]</a> Cabral segelte quer -über den südatlantischen Ocean nach dem Caplande zu. In einem schweren -Unwetter, welches zwanzig Tage dauerte, wurden am 23. Mai in der Nähe -des Cap der guten Hoffnung vier Schiffe gekentert und gingen zu Grunde, -darunter auch das Schiff des Bartolomeu Dias. Als ein eigenthümliches -Verhängniß, daß der Entdecker des Cap hier sein Grab in den stürmischen -Wogen finden sollte, sieht es auch Camoēns an, der den Genius des -Sturmcaps also reden läßt:</p> - -<div class="poetry-container s6"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser Reise</div> - <div class="verse mleft1">Dir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, —</div> - <div class="verse">Die soll als Feinde hier in meinem Kreise</div> - <div class="verse mleft1">Bedrohen jeder Sturm, der sie befiel;</div> - <div class="verse">Die Flotte, welche unerlaubter Weise</div> - <div class="verse mleft1">Zuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,</div> - <div class="verse">Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,</div> - <div class="verse">Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)</div> - <div class="verse">Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft6">(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Außerdem wurde auch das Schiff des Diogo Dias vollständig von den -übrigen verschlagen und gelangte auf die Ostseite von Madagascar. -Erst am Nordende bemerkte Dias, daß er eine Insel entdeckt habe. Von -der stattlichen Flotte Cabrals waren somit nur noch sechs Fahrzeuge -vorhanden, die sich auf der Rhede von Sofala am 16. Juli wieder -zusammenfanden.</p> - -<p>Die Schiffe hatten furchtbar gelitten, mußten aber doch noch den -Weg bis Mosambik zurücklegen, ehe man Gelegenheit fand, sie für -die Fortsetzung der Reise wieder seetüchtig zu machen. Der ganze -Küstenstrich von Sofala bis Sansibar stand unter der Botmäßigkeit -des Scheich von Kiloa. Nach diesem Mittelpunkte der arabischen -Niederlassungen gelangte Cabral von Mosambik mittelst einheimischer -Lotsen, hatte aber dort wenig Erfolg, als er Handelsbeziehungen -anknüpfen wollte; denn der Scheich erklärte ihm ziemlich unumwunden, -er könne die ihm vorgelegten portugiesischen Waaren nicht gebrauchen. -Auch die Bekehrungsversuche der Geistlichen an Bord trugen keine -Früchte. Am 2. August erschien die Flotte vor Melinde. Mit dem dortigen -Oberherrn wurden die Freundschaftsbezeugungen erneuert. Hier ließ man -auch zwei portugiesische Sträflinge zurück, João Machado und Luis -de Moira,<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span> mit dem Auftrage, bis ins Land des Priesterkönigs nach -Abessinien vorzudringen; ein Unternehmen, das damals ebenso fehl -schlug als im 17. Jahrhundert, wo mehremal portugiesische Missionare, -unter ihnen Lobo, um 1626, sich abmühten, das Gebiet der Galla zu -durchbrechen. Der Scheich von Melinde gab den Portugiesen wiederum zwei -Steuerleute mit, welche die Schiffe glücklich in sechzehn Tagen nach -Indien hinübergeleiteten. Schon am 23. August wurden die Andjediven -wieder erreicht. Dort gönnte man sich vierzehn Tage Rast, die Schiffe -wurden wieder kalfatert und mit Wasser versorgt, denn man mußte mit -einer wohl in Stand gesetzten Flotte vor Kalikut auftreten. Wenn auch -die Seemacht auf die Hälfte reducirt war, war sie immerhin doppelt so -stark an Zahl der Schiffe, als das kleine Geschwader Gama’s und mußte -wohl den Verdacht eines Korsarenwesens zurückdrängen. Der Samudrin -bekundete seine friedliche Gesinnung dadurch, daß er die Fremden sofort -nach ihrem Eintreffen durch zwei Nair und einen angesehenen Kaufmann -aus Gudjerat begrüßen ließ. Cabral schickte die vier Indier, welche -Gama mitgenommen, wieder ans Land und ließ den Fürsten ersuchen, ihm -Geißeln als Bürgen eines friedlichen Geschäftsverkehrs zu senden. Der -Brief des Königs Manuel enthielt denselben Wunsch, sprach aber daneben, -unüberlegter Weise, viel von Bekehrungsplänen, wodurch die religiösen -Gegensätze und Antipathien in Indien von neuem aufgeregt werden mußten.</p> - -<p>Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits -hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die -brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf -den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand -zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens -gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt -geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch -die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am -Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber -nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte -erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung -verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum -Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste -erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum -fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn. -So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in -welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze -festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser -am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig -Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von -ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die -Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint -auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit -geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch -der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik -der Mauren<span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span> steckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten -hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer -eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors -ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler -gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen, -fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs -brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete -sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires -Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde -der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare -Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders -hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung: -er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und -beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr -abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem -Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin, -dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine -freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier -und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle -Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von -Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu -liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits -von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch -durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen -angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im -Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot -ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal -bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden. -Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging -die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz -vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die -Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe -noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am -Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag, -in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche -eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem -indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem -Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und -kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition -theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon -erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum -Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold -eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe. -Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso -treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen -Schifferlügen erzählte.</p> - -<p>Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von -statten.<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span> Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen -getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden -stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt -von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen -Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze -Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch -genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben. -Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand -nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen -waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An -diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher -seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat.</p> - -<p>Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von -Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero -de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare -Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig -auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile -bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter -Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu -vertreiben.</p> - -<p>Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 -wieder ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des -Galiciers <em class="gesperrt">João da Nova</em> ab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo -Barbosa, hatten portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes -hatte der Florentiner Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des -Francesco Vinetti gestellt; denn der portugiesische König gestattete -den Kaufherren, welche auf ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den -Capitän zu ernennen. Das vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes.</p> - -<p>Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova, -unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão -(Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen -Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später, -wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben -war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel), -wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den -Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der -guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf -seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie -die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen -war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein -von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio -Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai -gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde -gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der -Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die -Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigen<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span> -portugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das -freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits -Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen -Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf -die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner -Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt -seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen -Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner -Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein. -Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die -Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen -mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn -keiner Antwort.</p> - -<p>In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei -wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier -die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der -portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen -wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls -ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es -doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine -Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe -unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg -gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das -Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese -kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um -allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet -hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle. -Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich, -hier angelangt, für gerettet und geborgen.</p> - -<p>Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die -Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein -gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm -gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte.</p> - -<p>Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren, -welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen -Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne -sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der -afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen -weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen -Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken -laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne -das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen -Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen -Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine -Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten -drang aber doch die Ueberzeugung durch, daß<span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span> man mit Hilfe der in -Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen -europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und -daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann — was als eine -nicht geringe Pflicht angesehen wurde — den Heiden das Christenthum zu -bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen -unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel.</p> - -<h4 id="Vasco_da_Gamas_zweite_Fahrt">5. Vasco da Gama’s zweite Fahrt.</h4> - -<p>Ursprünglich war Cabral dazu ausersehen, diese große Expedition zu -leiten, doch trat er noch vor ihrem Beginn zurück; sei es nun, daß, wie -Correa erzählt, Gama beim König selbst Einwände dagegen erhoben und -sich auf sein verbrieftes Recht berufen hatte, wonach ihm der König -die Flottenführung zugesagt, um ihm Gelegenheit zu bieten, sich an dem -Samudrin wegen seiner Gefangennahme zu rächen; sei es, daß Cabral, nach -Barros’ Bericht, sich dadurch verletzt gefühlt, daß man dem Vicente -Sodre eine fast selbständige Leitung der kleinen Schiffe zugesagt, -welche zum Schutze der Factorei in Indien bleiben sollten, und daß er -in Folge dessen das Obercommando abgelehnt habe.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p135" name="abb_p135"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p135.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Vasco da Gama.</p> - <p class="s6 center mbot2">Aus dem Manuscript von Pedro Barretto de Resenda.<br /> - (In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)</p> -</div> - -<p>Gama trat an die Spitze einer stattlichen Flotte von zwanzig Segeln, -und unter ihm behielt Sodre den Befehl über die Kriegsabtheilung mit -800 Soldaten. Doch lief das ganze Geschwader nicht auf einmal aus, -Gama brach mit fünfzehn Schiffen am 10. Februar 1502 auf,<span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span> worauf sein -Neffe, Estevão da Gama mit fünf Schiffen erst am 1. April nachfolgte. -Beide Abtheilungen erreichten indeß ziemlich zu gleicher Zeit das Ziel. -Vasco da Gama landete zuerst in Porto Dale bei C. Verde und verweilte -dort sechs Tage, um Wasser einzunehmen. An der Guineaküste hatten sie -unter Windstillen zu leiden und verloren in der ungesunden Gegend -manchen Mann.</p> - -<p>Nur Correa erwähnt, daß diese Flottenabtheilung die Küste von Brasilien -berührt habe und bis zum C. Agostinho daran hingesegelt sei, ehe sie -nach der Südspitze Afrikas hinübersteuerten. In jener Meeresgegend, -wo Cabral durch Unwetter mehrere Schiffe verloren hatte, wurde auch -Gama von einem Sturm überfallen, welcher sechs Tage währte und das -Geschwader dermaßen zerstreute, daß nur zwei größere Schiffe und zwei -Caravelen bei dem Admiral blieben. Am Cap Corrientes brach ein neuer -Sturm los, welcher eins der Schiffe, die Sa. Elena auf die Sofalabank -trieb, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Die meisten Schiffe -fanden sich auf dem verabredeten Sammelplatz bei Mosambik wieder -zusammen, wo aus dem baufertig mitgenommenen Material in zwölf Tagen -eine Caravele zusammengesetzt wurde, welche den Namen Pomposa erhielt -und in Mosambik zur Deckung der dort errichteten Factorei und zur -Einleitung von Handelsverbindungen mit Sofala stationirt blieb.</p> - -<p>Gama blieb vier Tage dort und schloß mit dem Scheich von Mosambik einen -Freundschaftsvertrag. Auch erhielt er von demselben — es war nicht -mehr der nämliche Herrscher, wie bei der ersten Reise — Briefe von J. -da Nova, welche ihm über die Zustände in Indien Mittheilungen machten, -und ließ wiederum für seinen nachfolgenden Neffen und die beiden im -Sturm am Cap Corrientes abgetriebenen Schiffe Instructionen zurück.</p> - -<p>Ueber den von Mosambik aus unternommenen Zug des Pero Affonso d’Aguiar -nach Sofala unter Führung zweier einheimischer Lotsen gibt Correa -interessante Einzelheiten, welche wegen ihrer originellen Färbung hier -eingefügt werden mögen. Affonso hatte bei dem Scheich von Sofala, der -über Mosambik bereits von den Portugiesen gehört hatte, eine Audienz -und sagte ihm, er komme, um im Auftrage des portugiesischen Königs -auf ewige Zeiten Friede und Freundschaft mit ihm zu schließen. Der -schwarze Fürst erklärte darauf, er habe bereits früher den Portugiesen -versichert, alle in friedlicher Absicht kommenden Kaufleute seien ihm -willkommen. Als dann Pero Affonso noch einmal die Friedensliebe des -portugiesischen Königs betont hatte, war der Negerkönig sichtlich davon -befriedigt und schwur bei der Sonne und dem Himmel, bei seinem Haupte -und seinem Bauche, daß er ihnen ihre Waare abkaufen wolle. Als ein -Unterpfand seiner Treue zog er dann von seinem Daumen einen goldenen -Ring, reichte ihn dem portugiesischen Capitän und verehrte ihm zugleich -und dem Könige von Portugal mehre Schnüre von aufgereihten kleinen -Goldperlen als Zeichen immerwährender Brüderschaft. Und zum Beweise -seiner Aufrichtigkeit und Treue faßte er die Hände der Umstehenden, -denn sie pflegten nicht zu schreiben. Pero Affonso aber<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span> ließ alles -niederschreiben und unterzeichnete es mit sechs Leuten. Dann wurde -das Schriftstück verlesen und von dem Dolmetscher erklärt, worüber -der Scheich sammt seinem Volke höchlichst erstaunte, denn sie hatten -noch nie schreiben sehen (!) und meinten, das Papier spräche durch -Zauberkünste. Als dann der Portugiese zu seinem Schiffe zurückgekehrt -war, sandte ihm der Herr des Landes Hühner, Eier, Yams und was es sonst -an Nahrungsmitteln zu Lande gab.</p> - -<p>Pero Affonso wandte sich dann nach Mosambik zurück, traf aber den -Admiral nicht mehr an, da derselbe bereits nach Melinde weiter -gesteuert war. Gama wandte sich zunächst nach Kiloa. Diese Stadt -lag auf einer Insel an der Küste, doch war das Wasser auf der -Landseite nur knietief. Mit Mauern und Thürmen umgeben, zählte der -Ort 12,000 Einwohner und besaß gute Steinhäuser mit Terrassen und -aufgesetztem Holzbau. Sie lag in einem Hain von Citronen-, Limonen- -und Orangenbäumen. Zuckerrohr, Feigen und Granatäpfel gediehen in den -Gärten. Hier herrschte ein Araber, dem aber nur das Weichbild der Stadt -unterthänig war.</p> - -<p>Da der Scheich sich bei der ersten Ankunft der Portugiesen -verrätherisch benommen hatte, so rückte der Admiral mit seiner ganzen -Flotte vor die Stadt, setzte dieselbe durch blinde Kanonensalven -in Schrecken, umzingelte sie und erzwang so die Unterwerfung des -Scheichs, der nach vielem Sträuben sich endlich darein ergeben mußte, -einen jährlichen Tribut von 500 Mithikals in Gold (= 584 Cruzados) -zu zahlen, wofür er dann ein Patent als Schutzbefohlener des Königs -von Portugal zur Sicherheit für sich und die Kaufleute seiner Stadt -erhielt. Auch mußte er zulassen, daß auf dem Thurme seines Palastes die -portugiesische Flagge aufgehißt wurde. Später wurde zur Befestigung der -portugiesischen Macht sogar eine Citadelle gebaut.</p> - -<p>Dann brach das Geschwader nach Melinde auf. Es mußte dem Admiral daran -gelegen sein, dem Fürsten dieser Stadt, der sich ihm auf der ersten -Fahrt nach Kalikut allein freundlich und fördernd erwiesen hatte, seine -stattliche Flotte zu zeigen und durch die Entfaltung seiner Macht -in der Freundschaft zu befestigen. Es erscheint danach nicht recht -glaubhaft, daß Gama sich, wie Osorio und Barros erzählen, von dem -Besuch durch widrige Winde habe abhalten lassen und mehre Meilen von -der Stadt vor Anker gegangen sei, um Lebensmittel einzunehmen. Correa -dagegen schildert eingehend den Aufenthalt in Melinde und beschreibt -mit allen Einzelheiten das große Fest, welches die Portugiesen dem -Scheich auf ihren Schiffen gaben. Auch Castanheda bestätigt diesen -Besuch.</p> - -<p>Auf der Weiterfahrt trafen sie, im August, mit drei Schiffen Estevão da -Gama’s zusammen, während die beiden übrigen sich erst an der Westküste -Indiens bei den Andjediven wieder einfanden.</p> - -<p>Bei Dabul (17° 43′ n. Br.) erreichten sie das Gestade des Gewürzlandes -und gingen in eine Bai nahe bei Goa vor Anker. Die Küstenstädte sollten -dort bald erfahren, daß Gama nicht in friedlicher Absicht erschien, -daß ihm vielmehr daran lag, die auf der ersten Reise erlittenen -Demüthigungen zu<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span> rächen. Zur Gewaltthat geneigt, unverrückt sein -Ziel im Auge behaltend, den Gewürzhandel für die Portugiesen zu -monopolisiren, sah er alle Schiffe, auf die er stieß, als gute Beute an.</p> - -<p>Bei den Andjediven traf er dicht am Ufer drei Fusten. Diese flüchteten -in den Fluß Onor (14° 13′ n. Br.). Estevão da Gama verfolgte sie bis -ins Flußwasser hinein, stieß dort auf Verschanzungen, von denen aus er -mit Kanonenkugeln und Pfeilen empfangen wurde, und steckte nun alle -erreichbaren indischen Schiffe in Brand.</p> - -<p>Dann rückte die ganze Flotte weiter nach Baticala (13° 59′ n. -Br.), welches zum Königreiche von Bisnaga gehörte. Gama verlangte -Unterwerfung, begnügte sich dann aber auch mit einer Abgabe von Reis -für seine Mannschaften.</p> - -<p>Auf dem weitern Wege nach Kananor fiel ihm ein großes Schiff in die -Hände, das mit Waaren und Pilgern aus Mekka nach Indien zurückkehrte. -Das Schiff wurde ohne Gegenwehr genommen, geplündert und in Brand -gesteckt. Zu spät setzten sich die Asiaten zur Wehr, wurden dann aber -bis auf wenige gerettete Frauen und Kinder niedergemetzelt. Noch im -Wasser wurde an denen, die über Bord gesprungen waren, das Morden -fortgesetzt. Wahrscheinlich gehörte das Schiff dem Sultan von Aegypten -oder einem seiner Unterthanen, denn bald danach beschwerte sich jener -beim Papst darüber, daß die Portugiesen in den indischen Meeren Seeraub -trieben.</p> - -<p>Dann ging die Flotte im befreundeten Hafen Kananor vor Anker. Gama -hatte bei dem Fürsten mit großem Gefolge eine feierliche Audienz -und erklärte ihm, er werde in Zukunft keinen Handelsverkehr nach -dem rothen Meere dulden. Auch verlangte er, die Stadt solle ihre -Handelsbeziehungen mit Kalikut abbrechen. Nur die Schiffe von Kananor, -Kotschin und Kollam wollte er schonen und durchlassen. Auch der Preis -der Waaren wurde festgestellt, desgleichen, wie hoch die mitgebrachten -portugiesischen Artikel berechnet werden sollten. Auch dies setzte der -Admiral durch, obwohl man die fremden abendländischen Erzeugnisse in -Kananor eigentlich nicht verwerthen konnte.</p> - -<p>Als sich darauf Gama gegen Kalikut bewegte, schickte ihm der Samudrin -zu wiederholten Malen Botschafter entgegen, um ihm einen friedlichen -Ausgleich anzutragen. Aber der portugiesische Befehlshaber stellte -seine Forderungen derart, daß der indische Fürst nicht darauf eingehen -konnte. Gama forderte nämlich erstens das Eigenthum zurück, das vom -Stadtvolk bei dem Morde des portugiesischen Handelsfactoren geraubt -worden war, und zweitens, daß allen Mauren, die vom rothen Meere -kämen, der Hafen verboten würde. Gegen die erste Forderung bemerkt der -Samudrin, daß durch die Plünderung des Mekkaschiffes der Schaden in der -Factorei mehr als gedeckt sei. Zum andern aber könne er unmöglich mehr -als viertausend Familien von Arabern aus Kairo und Mekka (man ersieht -daraus, wie stark die arabische Colonie und wie groß ihr Einfluß in -Kalikut war), die in der Stadt ansässig seien, vertreiben, zumal da -Stadt und Land aus diesem Handel bedeutenden Vortheil zögen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span></p> - -<p>Gama hielt diese Gründe keiner Widerlegung werth. Er wollte die -Antwort persönlich überbringen und rückte vor die Stadt. Den Versuch -des Samudrin, sich wegen der Plünderung der Factorei durch eine -bedeutende Geldsumme abzufinden, lehnte der Portugiese mit dem Bemerken -ab: angethane Schmach lasse sich nicht mit Gold decken. In seiner -Erbitterung scheute Gama keine Mittel, um seine Feinde einzuschüchtern. -Wenn auch die Berichte über die einzelnen Acte einer barbarischen -Kriegsführung von einander abweichen, so kehren doch die Angaben -über die raffinirtesten Schlächtereien aufgegriffener malabarischer -Schiffer, oder über scheußliche Verstümmlungen, die an den armen Opfern -verübt wurden, immer wieder und müssen historisch begründet sein. Einen -eigenthümlich sagenhaften Zug erwähnt Correa, und man erkennt daraus -mit Befriedigung, daß diese ausgesuchten Grausamkeiten selbst unter -den Portugiesen Bedenken erregten. Unter den unglücklichen Seeleuten, -welche der Rache des Admirals zum Opfer fielen, befand sich eine Anzahl -von der Coromandelküste, welche baten, man möge sie zu Thomaschristen -machen, wie es solche in ihrem Lande gäbe. Gama erwiderte hart, taufen -könnten sie sich lassen, aber gehängt würden sie doch. Sie fanden -nur in sofern Gnade, als sie — es waren ihrer drei — nicht an den -Beinen aufgehängt wurden, um dann den Bogenschützen zur Zielscheibe zu -dienen, sondern am Halse gehängt wurden, so daß sie also die auf sie -gerichteten Pfeilschüsse nicht mehr fühlten. Aber dabei geschah ein -Wunder. Kein Schuß verletzte auch nur die Haut dieser Martyrer, welche -durch die Taufe gefeiet waren. Gama ließ ihnen dann wenigstens noch ein -christliches Begräbniß zu Theil werden und die eingesargten Leichen -unter christlichen Gebeten ins Meer senken.</p> - -<p>Zweimal ließ der Admiral die Stadt Kalikut beschießen und einen Theil -der Häuser vernichten. Er wollte keinen Frieden, sondern verlangte -Unterwerfung. Nun aber rüstete man sich auch im ganzen Reiche Kalikut -zu einem allgemeinen Rachekriege; an allen Flüssen wurden große und -kleine Kriegsschiffe gebaut, um dem grausamen Feinde die Stirne zu -bieten. Während Vicente Sodre an der Küste kreuzte, um alle indischen -Fahrzeuge abzufangen, wandte sich Gama selbst mit einer Flotte von fünf -großen und sechs kleinen Schiffen nach Kotschin, um mit dem Fürsten -dieser wichtigen Handelsstadt einen Vertrag zu schließen. Man kam dahin -überein, daß die Portugiesen Pfeffer, Gewürznelken und Benzoin mit Geld -bezahlen sollten, während sie andere Artikel wie Zimmt, Weihrauch und -dergl. gegen ihre europäischen Waaren eintauschen konnten.</p> - -<p>Kaum war dieses friedliche Abkommen getroffen, so erschien eine -Gesandtschaft vor der Mutter des Radscha von Kollam, dessen Gebiet die -Südspitze der indischen Halbinsel umfaßte und zu dessen Einkünften der -reiche Pacht von den Perlenfischereien gehörte. Die Verhandlungen hier -boten um deswillen Schwierigkeiten, weil Gama nur im Einverständnisse -mit seinem ersten Bundesgenossen in Kotschin handeln wollte und -diesem natürlich wenig<span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span> daran liegen konnte, in Kollam einen neuen -Concurrenten zu erhalten. Aber Gama löste diese Differenz mit großem -Geschick und gutem Erfolge. Zwei seiner Schiffe nahmen in Kollam eine -Fracht von Pfeffer ein und stellten dann den dortigen Handelsfahrzeugen -Geleitsbriefe aus, wie denen von Kotschin und Kananor.</p> - -<p>Unterdessen waren die Rüstungen des Samudrin soweit gediehen, daß -er unter Anwendung indischer List sich seines wüthenden Gegners -mit einem Schlage zu entledigen hoffte. Ein Brahmine erschien als -Abgesandter auf der Flotte und gab vor, er wolle nach Europa gehen, um -das Christenthum kennen zu lernen und mit dem portugiesischen Könige -selbst zu verhandeln, da man den jährlich wechselnden Schiffscapitänen -nicht traue. Als nun Gama erwiderte, er habe Vollmacht, erklärte ihm -der Brahmine, sein Fürst wünsche Frieden, und überredete nun den -Admiral, mit ihm nach Kalikut zu gehen. Er segelte mit seinem Schiffe -allein ab in der Erwartung, das Geschwader Sodre’s vor der Stadt zu -finden. Aber dieser war durch Ausstreuung von allerlei Gerüchten nach -Norden gelockt, sodaß Gama sich isolirt sah. In der Nacht wurde sein -Schiff umzingelt und von allen Seiten angegriffen; aber die überlegene -Seetüchtigkeit rettete ihn aus dieser drohenden Gefahr. Der Brahmine -wurde zur Strafe für seinen Verrath mit dem Tode bestraft und an -der Raae aufgeknüpft, oder es wurden ihm, wie Correa berichtet, die -Lügenlippen abgeschnitten und statt der abgehaunen Ohren Hundsohren -angenäht und er so verstümmelt ans Land geschickt.</p> - -<p>Nachdem dann ein großer Theil der Schiffe ihre Fracht in Kotschin -eingenommen, segelte die ganze Flotte im Anfang Februar 1503 nach -Kananor. Noch einmal wagten die Schiffe von Kalikut einen Angriff, -wurden aber durch Kanonen zurückgetrieben. Doch fiel der Capitän -Vasco Tinoco im Kampfe. In Kananor ließ Gama die Factorei mit Kanonen -besetzen. Sodre blieb mit fünf größeren Schiffen und zwei Caravelen in -den indischen Gewässern zurück, um den Samudrin in Schach zu halten und -die Bundesgenossen zu schützen. Dann wandte sich Gama zur Heimkehr und -ließ im September 1503 vor Lissabon den Anker fallen.</p> - -<p>Vicomte Sodre blieb als erster Capitão do mar in den indischen -Gewässern mit einer kleinen Flotte von sieben oder acht Schiffen -zurück. Der Samudrin beschloß diese Zeit, während die Hauptmacht der -Portugiesen abwesend war, zu einem Kriegszuge gegen den Fürsten von -Kotschin zu benutzen. Aber dieser glaubte nicht, daß die Rüstungen, die -gegen ihn im Werke waren, in der stillen Zeit des Verkehrs beendigt -werden könnten, und hatte dem portugiesischen Capitän, in zu großer -Sorglosigkeit, freigestellt, inzwischen noch einen Auftrag auszuführen, -welcher ihn an den Eingang des rothen Meeres führte, um den arabischen -Handel zu sperren. So sah sich denn der Radscha von Kotschin plötzlich -zu Lande von einem überlegenen Feinde angegriffen, dem er sogar seine -Hauptstadt überlassen mußte. Er flüchtete sich nach einer kleinen Insel -und brachte dort die Wintermonate in hartbedrängter Lage zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141">[S. 141]</a></span></p> - -<p>Sodre war nordwärts nach Gudjerat gesegelt und von da nach der Küste -Südarabiens hinübergegangen. Hier wurde er von einem furchtbaren Sturme -überfallen und ging mit mehreren Schiffen bei den Kuria-Muria-Inseln -sammt der Mannschaft zu Grunde, wahrscheinlich im Juli oder August des -Jahres 1503.</p> - -<p>Der Rest des Geschwaders wandte sich nach Indien zurück und wartete -bei den Andjediven auf neuen Zuzug aus der Heimat, da sie ohne -denselben sich nicht stark genug fühlten, irgend etwas zum Schutz ihrer -Bundesgenossen zu unternehmen. Die erwartete Hilfe ließ auch nicht -lange auf sich warten, denn schon im April 1503 waren wieder sechs -Schiffe segelfertig, um von Tejo auszulaufen und im Mai sollten noch -andere folgen. Am 6. April brachen Alfons und sein Vetter Francisco -d’Albuquerque mit je drei Schiffen auf. <em class="gesperrt">Affonso d’Albuquerque</em>, -den portugiesische Geschichtschreiber den „Großen“ nennen, -unzweifelhaft der bedeutendere der beiden Verwandten, betrat hier -zuerst den Schauplatz, auf dem er sich unsterblich machen sollte, denn -in ihm haben wir den eigentlichen Begründer der portugiesischen Macht -in Indien vor uns. Er war im Jahre 1453 in der kleinen Stadt Alhandra -am Tejo sechs Leguas oberhalb Lissabon, als zweiter Sohn des Gonçalo -d’Albuquerque, des Herrn von Villaverde und der Donna Leonor da Menezes -geboren. Im königlichen Palaste erzogen, hatte er sich zuerst 1480 bei -Otranto im Kampfe gegen die Türken ausgezeichnet.</p> - -<p>Affonso stand im fünfzigsten Lebensjahre, als er die erste kleine -Flotille von drei Segeln nach Indien führte.</p> - -<p>Einer seiner Landsleute hat ihn folgendermaßen geschildert: „Affonso -d’Albuquerque war von mittlerer Größe und von angenehmem Aeußern. Das -längliche Gesicht von frischer Farbe und mit einer Adlernase zierte -später ein mächtiger bis über den Gürtel reichender weißer Bart, -der ihm ein sehr würdiges Ansehn gab. Er war mit dem Lateinischen -vollkommen vertraut und ebenso vorsichtig in seinen Worten wie in -seinen Schriften. Er war geliebt und gefürchtet, ohne daß sein -Wohlwollen in Parteilichkeit, oder sein Tadel in Härte überging. Er -war ein Mann von Wort, ein Feind der Lüge, ein gewissenhafter Richter. -Zu Lande und zu Wasser hat er viele Wunden davon getragen und mit -seinem Blute bezeugt, daß er keiner Gefahr aus dem Wege gehe. Er war -verschwenderisch freigebig und überließ seinen Capitänen die ganze -Siegesbeute, da er stets mehr auf Ruhm als auf Reichthum bedacht war.“</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p142" name="abb_p142"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p142.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Alfons von Albuquerque.</p> - <p class="s6 center mbot2">Nach dem Manuscript des Pedro Barretto de Resenda.<br /> - (In der Sloane Bibliothek des British Museum, London.)</p> -</div> - -<p>Diesen Helden begleitete ein anderer kühner Capitän, <em class="gesperrt">Duarte Pacheco -Pereira</em>, dem später eine Aufgabe, ähnlich der des Spartanerköniges -Leonidas, zufallen sollte. In dem Gefolge des Francisco d’Albuquerque -befand sich Nicolao Coelho, welcher sich schon auf der ersten Fahrt -Gama’s hervorgethan hatte. Am 6. April 1503 waren beide Abtheilungen -von Lissabon abgesegelt. Im August erreichten sie die Küste von -Malabar. Francisco langte zuerst an, hatte aber unterwegs ein Schiff -eingebüßt. Dafür<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span> fand er die Schiffe von Sodre’s Geschwader vor und -segelte damit südwärts nach Kananor und Kotschin. Als auch Affonso -bald danach eintraf, hatten die Portugiesen wieder die Uebermacht, -verdrängten ihre Gegner aus dem befreundeten Hafen und führten -den Radscha von Kotschin in sein Gebiet zurück. Im Gefühl der -Nothwendigkeit und Erkenntlichkeit willigte dieser sodann in die Anlage -einer festen Citadelle. Die Capitäne stellten dem Fürsten vor, daß -alle Drangsale seines Reiches nur daher rührten, daß sie aus Mangel -an eigner Sicherheit ihren Bundesgenossen weniger helfen könnten. So -entstand also in Kotschin die erste portugiesische Festung, welche -bereits in Portugal geplant war und durch die Sendung der beiden -Albuquerque ins Werk gesetzt werden sollte. Um die Citadelle rasch zu -vollenden, theilten sich beide Capitäne in die Arbeit, und so entstand -ein Holzbau mit Pallisaden. Bei der Besetzung der Commandantenstelle -traten zwischen den portugiesischen Führern bereits Eifersüchteleien zu -Tage. Jeder gab dem Bollwerk einen besonderen Namen; aber da Affonso -nach dem Befehl seines Königs zuerst in Kollam Gewürzfracht einnehmen -sollte, mußte er vorläufig seinem Vetter das Feld überlassen. In -Kollam wurde Antonio de Sa als Factor eingesetzt. In den ersten Tagen -des Jahres 1504 hatte Affonso seine Aufgabe gelöst und wollte, wie -die Vorschrift lautete, gemeinschaftlich mit Francisco den Rückweg -antreten. Aber dieser zögerte mit dem Einkauf der Frachten, sodaß -Affonso Ende Januar sich veranlaßt sah, um die günstige Fahrzeit nicht -zu versäumen, allein aufzubrechen. Mit einem geschickten Piloten -steuerte<span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span> er zum erstenmal, statt den Umweg über Melinde zu machen, -direct auf Mosambik, umschiffte am 1. Mai bei schönem Wetter das Cap -der guten Hoffnung, wurde zwar an der Guineaküste eine Zeitlang von -verderblichen Windstillen aufgehalten, erreichte aber glücklich die -Capverden, wo er in dem Hafen von Sa. Maria die Fahrzeuge ausbessern -ließ, und langte am 3. September wohlbehalten vor Lissabon an. In -seiner Begleitung befand sich ein Venetianer Bonavito d’Alban, der vor -zweiundzwanzig Jahren über Aegypten nach Indien gegangen und sich lange -Zeit in Malaka aufgehalten hatte. Von ihm erhielt Albuquerque manche -wichtige Nachrichten über die entfernten Gewürzländer und über Malaka -besonders, was für die späteren Unternehmungen von großem Einfluß war.</p> - -<p>Francisco d’Albuquerque war erst am 5. Februar von Indien aufgebrochen, -wurde aber an der Ostküste Afrikas von Stürmen überfallen und ging -sammt Nicolao Coelho unter. Von einem anderen Schiffe, welches früher -zum Geschwader Sodre’s gehört hatte, rettete sich nur die Mannschaft. -In Indien blieb vorläufig Duarte Pacheco mit einigen Schiffen zurück.</p> - -<p>Bald nach der Abfahrt der beiden Albuquerque von Lissabon war ihnen -im Mai 1503 der Castilier Antonio de Saldanha mit drei Schiffen -gefolgt, um an Stelle Sodre’s vor dem rothen Meere zu kreuzen. Schon -im Golfe von Guinea wurden die drei Fahrzeuge von einander getrennt, -das erste Schiff, welches sich verlor, segelte allein um Afrika und -hielt sich länger bei der Insel Sokotra auf, welche die Portugiesen -bei dieser Gelegenheit zuerst betraten. Ein zweites Schiff unter Ruy -Lourenço Ravasco kam vor dem Sturmcap abhanden, ging ebenfalls auf die -Ostküste Afrikas und trieb schamlose Piraterie; alle Kauffahrer, die -man antraf, wurden geplündert. Bei Sansibar, dessen Herrscher im Namen -des Königs Manuel auch besteuert wurde, ließ er in zwei Monaten mehr -als 20 Sambuken anhalten. Nur das einzige Verdienstliche that Ravasco, -daß er dem befreundeten Scheich von Melinde gegen seine eifersüchtigen -Nachbarn in Mombas erfolgreichen Beistand leistete. Darüber verging -der Sommer, ehe Saldanha sich einfand. Dieser war noch nördlich vom -Sturmcap ans Land gegangen, in dem Glauben das gefährliche Cap bereits -hinter sich zu haben und hatte dort eine Bucht und einen Wasserplatz, -Aguada da Saldanha, entdeckt. Dann hatte er, nach Besteigung des -Tafelberges (Meza da Cabo), sich wieder auf den Weg gemacht, hatte die -Südspitze Afrikas glücklich überwunden, an der Ostküste ebenfalls dem -Seeraub obgelegen und endlich vor Melinde seine Genossen gefunden. -In der Nähe des rothen Meeres hatten sich alle drei Schiffe wieder -vereinigt und waren nach der arabischen Küste herübergesteuert, um -dort zu überwintern, hatten aber, bei der Feindseligkeit der Bewohner, -Wassermangel gelitten und waren dann nach den Andjediven gesegelt, wo -sie von der großen Flotte des Lopo Soarez eingeholt wurden, welcher -fast ein Jahr später von Portugal aufgebrochen war, um mit dreizehn -Segeln direct nach Indien zu fahren, wo er Ende August 1504 anlangte. -Auf Vasco da Gama’s Rath hatte<span class="pagenum"><a name="Seite_144" id="Seite_144">[S. 144]</a></span> man die Kräfte nicht zersplittert, -sondern eine imposante Armada mit vielem Kriegsgeräth und 1200 Mann -Besatzung entsendet. Der Krieg mit den Moslemin sollte mit Nachdruck -geführt werden. In Kananor erfuhr Soarez, wie in der Zwischenzeit, seit -die Albuquerques zurückgekehrt, die Angelegenheiten verlaufen waren.</p> - -<p>Pacheco hatte alle Angriffe des Samudrin glänzend zurückgeschlagen. -Der ganze Kampf, bei welchem der Beherrscher von Kalikut 60,000 Mann -sollte aufgeboten haben, drehte sich hauptsächlich um die Vertheidigung -einer Furt, über welche der Weg von Norden her nach Kotschin -führte. Diese Furt hatte Pacheco mit Pallisaden verschanzen und mit -Kanonen besetzen lassen. Nichts zeigte deutlicher die unentwickelte -Kriegskunst der Eingebornen, als ihre vergeblichen Anstrengungen, diese -Verschanzungen zu nehmen. Duarte Pacheco hatte seine kleine Schaar von -hundertundsechzig Portugiesen auf seine Schiffe, auf die Citadelle in -Kotschin und an der Furt vertheilt; es standen ihm also an jedem Orte -nur etwa fünfzig Mann zur Verfügung, und doch schlug er, obwohl er sich -auf seine indischen Bundesgenossen wenig verlassen konnte, mit geringen -Verlusten alle Angriffe ab und machte selbst den abenteuerlichen Plan -der Inder, seine Schiffe mit großen hölzernen, auf je zwei Prauen -errichteten Holzthürmen zu erobern, gründlich zu schanden. Der Samudrin -sah sich endlich genöthigt, nachdem auch seine Vasallen fahnenflüchtig -geworden waren und da Krankheiten seine Mannschaft decimirten, seinen -Feldzug aufzugeben und nach Kalikut zurückzugehen; denn die stille -Jahreszeit ging vorüber und ein neues Geschwader feindlicher Schiffe -war mit dem Eintreten des günstigen Fahrwindes von der afrikanischen -Küste her zu erwarten.</p> - -<p>Soarez hatte den gewöhnlichen Weg an der Ostseite Afrikas -eingeschlagen, in Melinde die wenigen aus dem Schiffbruche des -Francisco d’Albuquerque geretteten Mannschaften an Bord genommen und -war dann von den Andjediven aus gegen Kalikut vorgerückt, wo er Anfang -September erschien. Hier forderte er die Auslieferung von zwei zu den -Feinden übergelaufenen Geschützgießern (aus Mailand oder Slavonien) und -beschoß, als dieselbe verweigert wurde, zwei Tage lang die Stadt, wobei -ein Theil des königlichen Palastes zerstört wurde. Zur Vergeltung dafür -wurden in der Stadt die portugiesischen Gefangenen getödtet.</p> - -<p>Soarez wandte sich dann nach Kotschin, wo er durch die Fürsorge -Duarte Pacheco’s eine bedeutende Pfefferfracht aufgespeichert fand -und einnehmen konnte. Nachdem er dann die wahrscheinlich unter dem -Schutze der Citadelle von Trampatão (Dharmapatam) im Gebiete von -Kananor versammelte mohammedanische Handelsflotte zum Theil erobert und -verbrannt hatte, trat er zu Anfang des Jahres 1505 mit reicher Ladung -den Rückweg an. Daß die Macht des Samudrin durch dieses rücksichtslose -und immer siegreiche Auftreten der Portugiesen mehr und mehr -erschüttert wurde, beweist auch der Abfall eines seiner Vasallen, des -Radscha von Tanor, welcher zu seinen abendländischen Feinden überging. -Im indischen Meere blieb der Capitän<span class="pagenum"><a name="Seite_145" id="Seite_145">[S. 145]</a></span> Manuel Tellez Barreto mit fünf -Schiffen und 300 Mann zurück, um an der Küste zu kreuzen, während -280 andere Soldaten als Besatzung in Kotschin, Kananor und Kollam -stationirt wurden.</p> - -<p>Im Juli 1505 erreichte Soarez den Hafen von Lissabon, wo man vor allem -die Verdienste Duarte Pacheco’s, welcher mit der Flotte zurückgekehrt -war, würdigte. Als Belohnung erhielt dieser ausgezeichnete Mann die -Verwaltung der Niederlassungen an der Guineaküste, er wurde aber bald -in Folge von Verleumdungen angeklagt und in Ketten nach Portugal -transportirt, wo er später, ohne wieder Anerkennung zu finden, in der -bittersten Armuth starb. Camoens geißelt in seinen Lusiaden (X, 22–25) -den Undank des Königs mit harten Worten. Indem er Duarte Pacheco mit -Belisar vergleicht, wirft er dem Könige Ungerechtigkeit und Geiz vor.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Werfen wir, ehe wir die weiteren Unternehmungen der Portugiesen -verfolgen, einen Blick auf die <em class="gesperrt">Handelslinien</em> und <em class="gesperrt">großen -Lagerplätze des indischen Gewürzhandels</em>. Im fernen Osten lag Malaka -inmitten der reichsten Pfefferländer, zugleich ein Hauptstapel für -die Gewürze der Molukken und der Droguen der Sundawelt. Mit diesem -Handelsplatze stand Kalikut in unmittelbarer Verbindung. Von hier -aus boten sich aber zwei Straßen nach dem persischen und nach dem -rothen Meere. Dort galt als Mittelpunkt des Seeverkehrs die Inselstadt -Ormuz, welche Albuquerque bald bezwingen sollte, und hier vor der Enge -des rothen Meeres Aden. Von Ormuz führte der Weg über Basra durch -Mesopotamien nordwärts. Die Karawanen gingen entweder über Armenien -nach dem nördlichen Asien und Europa, oder wandten sich am Fuß des -Hochlandes, auf welchem Euphrat und Tigris entspringen, gegen Westen -nach Syrien und erreichten in Beirut das Gestade des mittelländischen -Meeres. Die Schiffe, die nach Aden gegangen, steuerten dann durch das -rothe Meer weiter nach Tor an der Südspitze der Halbinsel des Sinai und -von da nach Sues. Von hier wurden die Waaren zu Lande über Kairo nach -Alexandrien befördert.</p> - -<p>Damals beherrschte der Sultan von Aegypten auch die syrischen Häfen; -es ging demnach fast der ganze indische Handel durch sein Gebiet und -sicherte ihm namhafte Einkünfte. Jede Veränderung oder Störung dieser -Handelslinien und Handelsbewegungen berührte die Macht des ägyptischen -Sultans auf das empfindlichste; aber auch das Interesse für den Glauben -spielte hinein.</p> - -<p>Mohammedanische Dynastien saßen auch auf der Westküste Vorder-Indiens. -Sie alle hatten gleiches Interesse an dem Fortbestehen des -Gewürzhandels auf den bisherigen Seewegen. Der Sultan von Aegypten -empfand gar bald die Verluste in seinen Einnahmen, nachdem die -portugiesischen Schiffe die Straße nach dem rothen Meere gesperrt -hatten. Als aber die Kaufleute von Kalikut als seine Glaubensgenossen -in ihrer Bedrängniß sich an ihn gleichsam als an ihren Schirmherrn -wendeten, beschloß er sich vorerst bei dem Papst<span class="pagenum"><a name="Seite_146" id="Seite_146">[S. 146]</a></span> zu beschweren und -von dem geistlichen Oberhaupte der Christenheit Abhilfe zu fordern, -inzwischen aber sich auf einen entscheidenden Kampf vorzubereiten -und eine Flotte auszurüsten, welche im Verein mit dem Geschwader der -indischen Bundesgenossen den Portugiesen die Spitze bieten könne. Mit -seiner Sendung an den Papst Julius II. betraute er den Pater Mauro, -Prior des Klosters am Sinai. In seinem Briefe beschwerte sich der -ägyptische Sultan über die Grausamkeiten, welche König Ferdinand von -Aragonien gegen die Mauren in Spanien verübt hatte, sowie über die -Schädigungen, welche König Manuel von Portugal seinen Glaubensgenossen -und Unterthanen in Indien zufüge. Der Islam war seit zwanzig Jahren -hart ins Gedränge gekommen und erlag im äußersten Westen und Osten -den Schlägen der christlichen Fürsten. In Spanien waren die Mauren -aus mehr als siebenhundertjährigem Besitze vollständig verdrängt; nun -erschienen die Glaubensfeinde sogar in den indischen Meeren. Wenn die -Fürsten der spanischen Halbinsel, erklärte der Sultan, von ihrem Wüthen -gegen den Islam nicht abließen, werde er selbst zu ähnlichen Maßregeln -gegen die Christen in seinen Landen sich genöthigt sehen. Er werde das -heilige Grab vernichten und den christlichen Namen im Orient austilgen. -Er werde aber auch mit seinen Flotten die Gestade des Mittelmeeres -heimsuchen und den Christen gleiches mit gleichem vergelten, wenn der -Papst nicht dem König Manuel verbiete, fernerhin seine Schiffe nach -Indien zu senden.</p> - -<p>Mit Abschriften dieses Drohbriefes entsandte der heilige Vater den -Prior Mauro an die Höfe nach Spanien und Portugal und erbat sich eine -Antwort darauf für den Beherrscher Aegyptens. König Manuel erwiderte: -Der Sultan drohe nur mit Worten, weil ihm die Mittel zu Thaten fehlten. -„Als wir beschlossen,“ schreibt er, „mit unseren Flotten einen Weg -nach Indien zu bahnen und die unseren Vorfahren unbekannten Länder zu -erforschen, war unser Vorsatz, der mohammedanischen Sekte, von welcher -mit Satans Hilfe so viele Leiden über den Erdkreis gebracht sind, das -Haupt zu zertreten, und wo möglich das Grab Mohammeds vom Erdboden zu -vertilgen. Wir bedauern, daß wir dies Ziel noch nicht erreicht haben. -Der Sultan wird sich wohl hüten, die Christen in seinem Lande zu -vertreiben, da er aus den Abgaben der Pilger, welche das heilige Grab -besuchen, so bedeutende Einnahmen erzielt. Und sollte er je wagen, -die Küsten des Mittelmeeres zu plündern, so würde die jetzt uneinige -Christenheit sich alsobald zur Abwehr und zu gemeinsamem Angriff -zusammenschaaren. Eine solche Gefahr für sich und sein Land wird aber -der Sultan schwerlich heraufbeschwören.“ Der König Manuel meinte -ferner, die beste Antwort auf die Drohungen des Aegypters bestehe -darin, daß der Papst die gesammte Christenheit zu einem neuen Kreuzzuge -aufrufe. Er wolle sich zwar nicht erkühnen, Sr. Heiligkeit und dem -ehrwürdigen Cardinalscollegium die Antwort vorzuschreiben, welche dem -Sultan zu ertheilen sei; aber seinen Willen und seine Meinung wolle -er doch dahin aussprechen, daß er sich durch keine Drohung, keine -Schwierigkeit von seinem<span class="pagenum"><a name="Seite_147" id="Seite_147">[S. 147]</a></span> Ziele abhalten lassen werde, den Uebermuth -des Glaubensfeindes zu demüthigen und zu brechen.</p> - -<p>Damit ging Mauro zunächst nach Rom und dann nach Aegypten zurück. Ein -friedlicher Ausgleich war unmöglich; die Waffen mußten entscheiden. -In den indischen Gewässern hatte der Sultan Bundesgenossen und nur -<em class="gesperrt">einen</em> Feind; am Mittelmeer stand er fast allein und hatte die -gesammte Christenheit gegen sich. Darum wählte er zum Kampfplatz den -Orient und beschloß eine bedeutende Flotte nach Indien zu senden. -Aber auch dieser Plan wurde schon im Entstehen theilweise vereitelt. -Es war nämlich eine Flotte von fünfundzwanzig Schiffen nach der -kleinasiatischen Küste geschickt, um von dort das Bauholz nach Aegypten -und weiter ans rothe Meer zu schaffen. Dieses Transportgeschwader wurde -aber von den Johannitern auf Rhodos angegriffen, welche elf Schiffe -vernichteten, so daß, als noch vier andere im Sturme untergegangen -waren, nur zehn Fahrzeuge mit Bauholz glücklich ihr Ziel erreichten. -Somit konnten nur sechs größere und vier kleinere Schiffe erbaut -werden, über welche dann der Kurde Hussein Almuschrif 1506 den -Oberbefehl erhielt.</p> - -<p>Die Portugiesen hatten von diesen Vorfällen und Plänen aber bereits -1505 Kunde erhalten und konnten danach ihre Maßregeln treffen. Die -bisherige Kriegsführung, welcher eine einheitliche Leitung fehlte, -mußte abgeändert werden. Es war vor allem nöthig, dem Oberbefehl eine -größere Continuität zu geben und ihn auf mehrere Jahre auszudehnen. So -entstand das Institut des Vicekönigthums, dem Portugal thatsächlich den -indischen Besitz verdankt. Die Unternehmungen des Sultans von Aegypten -trugen also wesentlich dazu bei, die portugiesische Macht im Orient zu -befestigen.</p> - -<h4 id="Francisco_d_Almeida">6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien.</h4> - -<p>Zum ersten Vicekönig wurde <em class="gesperrt">Francisco d’Almeida</em> bestellt, ein -Mann von ausgezeichneter Tapferkeit, welcher sich schon im Kampfe der -Spanier gegen Granada ausgezeichnet hatte. Es wurde die Bestimmung -getroffen, daß in Zukunft nur die Lastschiffe aus Indien zurückkehren -sollten, während die Kriegsschiffe daselbst stationirt blieben. Eine -stattliche Flotte sollte die neue Aera einleiten. Die Zahl der Schiffe -steht nicht ganz fest, nach der geringsten Angabe waren es zwanzig. Auf -den Kriegsschiffen wurden 1500 Mann Soldaten befördert, welche sich -verpflichtet hatten, wenigstens drei Jahre im Orient zu dienen. Unter -den Capitänen treffen wir João da Nova und João Serãro; auch Ferdinand -Magalhães nahm an dem Zuge theil. Ein besonderes Interesse gewinnt aber -gerade diese Expedition dadurch für uns, daß sich an dem indischen -Handel zum ersten Male auch deutsche Kaufleute von Augsburg, namentlich -die Welser, Vöhlin u. a. betheiligten; daneben aber auch Genuesen -und Florentiner. Nur die Venetianer hielten sich grollend fern; denn -es war ihnen, wie der Chronist E. Sender schreibt, „fast wider“, daß -die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzländern mit wachsendem Erfolg -betraten und ihnen so gefährliche Concurrenz machten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_148" id="Seite_148">[S. 148]</a></span></p> - -<p>Die Welser hatten schon 1503 einen thätigen Agenten Namens Simon Seitz -nach Lissabon entsendet, welcher mit König Manuel über die Gründung -einer deutschen Handelsgesellschaft einen Vertrag abschloß, wonach die -Augsburger Kaufherren in Portugal gebaute und mit Portugiesen bemannte -Schiffe entsenden konnten, um Spezereien und Brasilholz einzuhandeln. -Zu gleicher Zeit diente der deutsche Buchdrucker Valentin Ferdinand, -welcher sich wahrscheinlich schon seit 1494 in Lissabon aufhielt, als -Mäkler (<span class="antiqua">corretor</span>) und war seinen neuangekommenen unternehmenden -Landsleuten durch seine Kenntniß der portugiesischen Sprache sehr -nützlich.<a name="FNAnker_96_96" id="FNAnker_96_96"></a><a href="#Fussnote_96_96" class="fnanchor">[96]</a></p> - -<p>Auf Simon Seitz folgte alsbald ein zweiter Vertreter der Welser -<em class="gesperrt">Lucas Rem</em>, welcher von 1503 bis 1508 in Portugal weilte.<a name="FNAnker_97_97" id="FNAnker_97_97"></a><a href="#Fussnote_97_97" class="fnanchor">[97]</a> -Ihm lag die schwere Arbeit ob, drei Schiffe auszurüsten und ihre -Ladung zu besorgen; denn die deutsche Handelscompagnie betheiligte -sich mit 21,000 Cruzados (à 2,75 Mark). „Die on mas enxtig -mie, überflisig arbait, gros widerwertigkait mir damit gegnet, ist -unerschreibenlich.“ So lauten die Worte seines Tagebuches.</p> - -<p>Aber nicht blos deutsches Capital war bei dieser Fahrt eingesetzt; es -machten auch zwei Deutsche im Auftrage der Compagnie die Reise nach -Indien mit, und C. Peutinger schrieb voll Stolz und Freude darüber: „es -ist uns Augsburgern ein großes Lob als für die <em class="gesperrt">ersten</em> Deutschen, -die India suchen“. (B. Greif a. a. O. 85). Der eine von ihnen, -<em class="gesperrt">Balthasar Sprenger</em>, hat seine Reise beschrieben unter dem Titel: -„Die Merfart von erfarung nüver Schiffung und Wege zu vile onerkanten -Inseln vnd Kunigreichen, von dem großmechtigen Portugalischen -Kunig Emanuel Erforscht, funden, bestritten vnnd Ingenomen, auch -wunderbarliche Streyt, ordnung, leben wesen handlung und wunderwerke -des volcks und Thyrer dar inne wonende, findestu in diessem buchlyn -warhaftiglich beschryben vnn abkunterfeyt, wie ich Balthasar Sprenger -sollichs selbs: in kurtz verschynn zeiten gesehen vnn erfaren habe etc. -Gedruckt Anno MDIX.“ Der Berichterstatter nennt sich darin einen „der -Geschickten des Großmechtigen Kunigs zu Portugal: Emanuel genannt: und -der Furtreffen kaufherren der Fucker, Welszer, Hochstetter, Hyrßfogel, -deren im Hofe (Imhof) und anderer yrer Gesellschaften.“<a name="FNAnker_98_98" id="FNAnker_98_98"></a><a href="#Fussnote_98_98" class="fnanchor">[98]</a> Der zweite, -<em class="gesperrt">Hans Mayr</em>, welcher sich Factoreischreiber auf dem Schiffe -Raphael nennt, hat ebenfalls einen, noch handschriftlich erhaltenen -Bericht überliefert.<a name="FNAnker_99_99" id="FNAnker_99_99"></a><a href="#Fussnote_99_99" class="fnanchor">[99]</a></p> - -<p>Die drei auf Kosten der Deutschen ausgerüsteten Schiffe hießen: San -Raffael, San Jeronimo und Lionarda.</p> - -<p>Das ganze Geschwader ging am 25. März 1505 von Lissabon ab. Eins der -Schiffe sank unterwegs in Folge eines Leckes; die übrigen steuerten -glücklich<span class="pagenum"><a name="Seite_149" id="Seite_149">[S. 149]</a></span> um das Cap der guten Hoffnung und langten größtentheils am -18. Juli vor Mosambik an. Von hier wandte sich die Armada zunächst -nach Kiloa und eroberte die Stadt. An Stelle des vertriebenen Scheich -wurde ein den Portugiesen willfähriges Oberhaupt eingesetzt und zum -Schutze der Handelsinteressen eine Citadelle St. Jago erbaut, in -welcher man eine stärkere Besatzung nebst „Artegleria“ zurückließ. -Vor Mombas wurde die Expedition am 13. August ebenfalls feindlich -empfangen und aus den Kanonen beschossen, welche der Fürst der Stadt -einem gescheiterten portugiesischen Schiffe entnommen hatte.<a name="FNAnker_100_100" id="FNAnker_100_100"></a><a href="#Fussnote_100_100" class="fnanchor">[100]</a> -Darum mußte auch diese Hafenstadt mit Verlust von vier Todten und -siebenzig Verwundeten am 15. August erstürmt werden. Dann wurde die -Stadt geplündert und niedergebrannt. Von dem befreundeten Melinde, in -dessen Hafen sich vierzehn der schnellsegelnden Fahrzeuge eingefunden -hatten, steuerte man dann in sechzehn Tagen, resp. neunzehn Tagen -nach den Andjediven hinüber. Diese Inseln, welche als günstiger -Sammelplatz der Indienfahrer erkannt worden waren und daher von den -Portugiesen besetzt wurden, erhielten, auf der größten der fünf -Eilande, nach dem Befehle des Königs gleichfalls eine Citadelle nebst -Besatzung. Panischer Schrecken ergriff das Handelsvolk von Kalikut, -als sie die Ankunft Almeida’s vernahmen; denn die Portugiesen machten -unverweilt auf alle Handelsschiffe Jagd. Im Hafen von Onor wurden alle -Fahrzeuge, die vor Anker lagen, verbrannt und dabei ging ein Theil der -leichtgebauten Stadt in Flammen auf. Bei seiner Ankunft in Kananor nahm -gegen Ende October Almeida den Titel Vicekönig an, den ihm der König -Manuel beigelegt hatte. In dieser Stadt wurde die dritte Citadelle, -S. Angelo, angelegt und mit hundertundfünfzig Mann besetzt. Der Hafen -hatte gleichfalls für die Portugiesen eine besondere Wichtigkeit, denn -„do pflegen,“ wie Sprenger berichtet, „die Schiff allweg vor irem -Abschied Speis und Wasser zu nehmen“. Inzwischen lief die traurige -Nachricht ein, in Kollam sei der Factor Antonio de Sa sammt seinen -Leuten ermordet und die Factorei geplündert. Es waren nämlich zwanzig -maurische Schiffe dort eingelaufen und hatten den Kampf begonnen. Der -Factor war mit sechzehn Portugiesen in eine Kirche geflüchtet; aber -der Fürst von Kollam ließ dieselbe anzünden und die Fremden darin -verbrennen. Der Sohn des Vicekönigs, Lourenço d’Almeida, erhielt den -Auftrag, diese Unthat zu rächen, er rückte mit acht Schiffen vor den -Hafen und zerstörte die ganze maurische Flotte.</p> - -<p>Francisco d’Almeida selbst begab sich nach Kotschin und krönte den -dortigen Fürsten und Bundesgenossen im Namen des Königs Manuel mit -einer goldenen Krone, welche als Geschenk mitgebracht war, und verehrte -dem Königsvasallen zugleich einen goldenen Becher mit sechshundert -Cruzados, eine gleiche Summe wurde für alle Jahre zugesagt. Dafür -erzielte Almeida die Erlaubniß zum Bau einer Steinburg.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span></p> - -<p>Dann erhielten sechs Frachtschiffe ihre Ladung in Gewürz und gingen -Ende December und Anfang Januar 1506 von Kananor zurück nach Portugal. -Zwei andere Handelsschiffe folgten im Frühjahr nach. Einige von -der ersten Abtheilung wurden auf der Rückfahrt über den indischen -Ocean durch Sturm aus der gewohnten Bahn getrieben und segelten an -der Ostseite Madagascars hin, darunter auch zwei von den deutschen -Schiffen, und fanden so einen kürzeren Seeweg. Sie waren die ersten, -welche den südlichen Theil jener größten afrikanischen Insel -entdeckten, die damals S. Lourenço genannt wurde.</p> - -<p>Vier Schiffe, darunter auch San Raffael und San Jeronimo, ließen -bereits am 22. Mai 1506 im Hafen von Lissabon die Anker fallen. -Sprenger langte mit seinem Fahrzeuge erst im November daselbst an. -Dies glückliche Ereigniß für die deutsche Unternehmung erwähnt auch -Lucas Rem:<a name="FNAnker_101_101" id="FNAnker_101_101"></a><a href="#Fussnote_101_101" class="fnanchor">[101]</a> „<span class="antiqua">Adj.</span> 22. May<sup>o</sup> 1506 (Rem schreibt irrthümlich -1505) kamen Sct. Jeronimo, Sct. Raffael und <span class="antiqua">adj.</span> 24. Nof. die -Lionarda. Da meret sich erst mie, anxt undt arbait. Sonder erhuben sich -on mas fil große und schwere Recht, den Ich aus wartet ob 3 Jar“. Die -berührten Rechtshändel beziehen sich wahrscheinlich darauf, daß die -Deutschen einen Antheil an der bei der Erstürmung von Kiloa und Mombas -gemachten Beute forderten, deren Werth auf 22,000 Cruzados geschätzt -wurde. Aber auch ohne dies war der Reingewinn bedeutend. Zwar erhielt -dem Vertrage gemäß die portugiesische Krone 40% vom Gewinn und hatten -die fremden Kaufherren nicht direct, sondern durch Vermittelung der -portugiesischen Factoren die Gewürze in Indien einkaufen müssen, theils -um nicht etwa die Preise zu steigern, theils aber und vor allem, um -das Monopol der Entdecker des Seewegs nicht in Frage zu stellen; trotz -alledem betrug nach Rems Angabe die „nutzung dieser armazion bey 150 -<span class="antiqua">pro Cento</span>“.</p> - -<p>Darum betheiligten sich die Deutschen auch sofort bei der Ausrüstung -der nächsten Handelsflotte, die unter Tristão da Cunha 1506 nach Indien -segelte. Leider gingen zwei Schiffe dabei zu Grunde; da aber Geld und -Gut gerettet wurden, war der Verlust gering. Doch wurde das Interesse -geschwächt, weil man in Folge des Schiffbruches einen längeren -Rechtsstreit mit dem König führen mußte. Als aber die Pfefferpreise -von Jahr zu Jahr aufschlugen — im Jahre 1505 kostete der Centner -Pfeffer in Lissabon 20 Cruzados, 1520 dagegen schon 34¼ C., — da -verloren die Deutschen allmählich die Lust, sich an dem Handel direct -zu betheiligen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Nach der Abfahrt Almeida’s von Portugal waren wiederum acht Schiffe -entsendet worden, welche unter Leitung Pero’s d’Anhaya die Ostküste -Afrikas ansegeln und in Sofala eine Befestigung anlegen sollten. Aus -Mangel an Steinmaterial wurde dieselbe aus Holz aufgeführt. Aber das -höchst ungesunde Klima der Niederung raffte viel Mannschaft hin; auch -der Capitän Pero d’Anhaya erlag demselben. Zu seinem Nachfolger wurde -später Nuno Vaz<span class="pagenum"><a name="Seite_151" id="Seite_151">[S. 151]</a></span> Pereira bestimmt; bemerkenswerth ist, daß unter ihm -der berühmte Fernão de Magalhães diente.</p> - -<p>In Indien war inzwischen, nach Abfertigung der ersten Lastschiffe, -der Vicekönig seinem Auftrag gemäß zum Angriff auf die maurischen -Flotten übergegangen. Sein Sohn Lourenço d’Almeida erfocht am 17. -und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg vor dem Hafen von Kananor -über zweihundert Segel (Prauen), welche der Beherrscher von Kalikut -ausgerüstet hatte. In Kananor, wo der Sieger einlief, kam der -Venetianer Ludovico di Varthema zu ihm aufs Schiff. Derselbe war 1502 -von seiner Vaterstadt in den Orient gewandert, hatte Aegypten, Syrien, -Arabien und Persien besucht, dann in den wichtigsten Hafenplätzen der -westlichen Küste Vorder-Indiens geweilt, am bengalischen Meerbusen die -Landschaften Bengalen und Pegu gesehen und endlich sogar Malaka und die -Gewürzinseln erreicht. Von Java war er dann nach Kalikut und Kananor -zurückgekehrt und hatte so, unter der Maske eines Mohammedaners, -den ganzen Sunda-Archipel durchstreift.<a name="FNAnker_102_102" id="FNAnker_102_102"></a><a href="#Fussnote_102_102" class="fnanchor">[102]</a> Was er nun über die -indischen Zustände und über den fernen Osten berichten konnte, war -den Portugiesen von hohem Werthe und gab wahrscheinlich auch die -Veranlassung, daß die Regierung in Portugal ihrem indischen Vicekönig -den Auftrag ertheilte, einige Schiffe zur Erforschung des Gewürzmarktes -von Malaka auszusenden. Allein Almeida konnte und wollte, da er in -Vorder-Indien selbst vollauf beschäftigt war und seine Macht nicht -zersplittern mochte, vor der Hand noch nicht darauf eingehen. Es war -offenbar, daß die mohammedanischen Schiffe, um zu den Gewürzhäfen zu -gelangen, andere Wege als bisher einschlugen. Statt die durch die -Portugiesen unsicher gemachten malabarischen Plätze anzulaufen, gingen -die Kauffahrer über die Malediven nach Ceylon, um dort die aus den -östlichen Productionsländern herbeigeführten Waaren in Empfang zu -nehmen.</p> - -<p>Als der Vicekönig dies in Erfahrung gebracht, schickte er seinen -tapfern Sohn zum zweiten Male mit Schiffen aus, um bei den Malediven -den Feinden auch diese Straße zu verlegen. Aber Lourenço verfehlte -sein Ziel vollständig und gelangte schließlich, statt nach den -Malediven, nach Ceylon. Es scheint, daß er sich hier durch eine List -der Mauren täuschen ließ und unverrichteter Sache wieder zurückkehren -mußte. Dem Oberbefehlshaber war es jedenfalls lieb, daß sein Sohn -sich in Ceylon nicht auch in blutige Conflicte eingelassen hatte; -denn die mohammedanische Stellung auf der großen Insel galt als -bedeutend, und ein blutiger Zusammenstoß hätte die Schaar seiner Gegner -unnöthigerweise vermehrt. Darum waren ihm auch die Unternehmungen -Affonso’s d’Albuquerque in<span class="pagenum"><a name="Seite_152" id="Seite_152">[S. 152]</a></span> Arabien durchaus zuwider; selbst die -kriegerischen Streifzüge an der Ostküste Afrikas hielt er für nutzlos, -weil sie die für Indien nothwendigen Streitkräfte zersplitterten. Er -wollte alle Macht und alle kriegerische Tapferkeit nur daran gesetzt -sehen, den werthvollsten Theil der indischen Küste dem portugiesischen -Handel und Staate tributpflichtig zu machen.</p> - -<p>Aber in Portugal dachte man anders und meinte, alle Küsten des -indischen Oceans, soweit die Glaubensfeinde auftauchten, angreifen und -auch bezwingen zu können.</p> - -<p>So gingen also im Frühjahr 1506 wieder fünfzehn Schiffe von Lissabon -ab: die zehn Lastschiffe, von denen wieder einige durch Deutsche und -Italiener ausgerüstet waren, sollten unter <em class="gesperrt">Tristão da Cunha</em> -direct nach Indien segeln, während Alfons d’Albuquerque mit fünf -Kriegsschiffen und 1300 Mann Soldaten nach der arabischen Küste -beordert wurde, um die Eingänge in das rothe Meer und den persischen -Golf zu bewachen. In Sokotra sollte er überdies eine Festung anlegen, -weil hier an dieser Insel die mohammedanischen Schiffe Wasser -einzunehmen pflegten.</p> - -<p>Unterwegs entdeckte Tristão da Cunha, als er vom Cap Agostinho in -Brasilien nach dem Caplande hinübersteuerte und seine Flotte durch -Sturm zerstreut sah, die nach ihm genannte einsame Felseninsel im -südlichen atlantischen Ocean unter 39° s. Br.; indeß fanden sich die -meisten Fahrzeuge bei Mosambik wieder zusammen. Nur Ruy Pereira wurde -auch noch im indischen Meere verschlagen und gerieth in den Hafen -Matatane auf Madagascar. Dort, glaubte er aus den Mittheilungen der -Eingebornen schließen zu dürfen, sei ein Reichthum an Silber, Pfeffer, -Ingwer u. a. einzuernten, ohne auf solche Handelsschwierigkeiten zu -stoßen wie in Indien.</p> - -<p>Auf diese Kunde hin machte sich Tristão da Cunha selbst nach dem -vielversprechenden Lande auf und erreichte im December 1506 die Bai -Angra da Concepção am nördlichen Ende der Insel. Aber hier traf er -noch Mauren. Wenn auch nicht eben wohlwollend empfangen, hütete sich -Tristão doch, sich in blutige Händel zu verwickeln, sondern er zog -nur sorgfältige Erkundigungen ein, aus denen leider hervorging, daß -die verlockenden Angaben Pereira’s auf Mißverständniß beruhten. Den -Plan, die ganze Insel zu umschiffen, gab er auf, nachdem er bei diesem -Versuch ein Schiff eingebüßt hatte, und kehrte an die afrikanische -Küste zurück. Südlich von Magadoscho (Makdischu) lag die feindliche -Stadt Brava (Barawa); dieselbe wurde nach heftiger Gegenwehr erstürmt -und geplündert. Die Portugiesen sollen dabei in der Schatzkammer des -Fürsten die reiche Beute von 2000 Centner (!) Silber gemacht haben.</p> - -<p>Dann steuerte die vereinigte Flotte nach Sokotra, wo Christen -abessinischer Abkunft, von den Portugiesen Jakobiten genannt, ansäßig -waren, aber seit 1480 in die Abhängigkeit von dem südarabischen Fürsten -von Fartach gerathen waren, welcher bei dem Hafen Soko (Tamarida) eine -Citadelle erbaute und mit hundert Mann besetzte. Diese Festung wurde -natürlich alsbald<span class="pagenum"><a name="Seite_153" id="Seite_153">[S. 153]</a></span> mit Sturm genommen, wieder ausgebaut, St. Miguel -getauft und mit portugiesischer Mannschaft belegt.</p> - -<p>Durch solche Nebenoperationen wurde viel Zeit vergeudet, ohne dem -eigentlichen Zwecke wesentliche Förderung zu bieten; denn man -verfeindete sich dadurch nur noch mehr mit dem Beherrscher Aegyptens -und war gleichwohl nicht im Stande, von Sokotra aus den Handelsverkehr -nach dem rothen Meere überwachen oder abschneiden zu können.</p> - -<p>Da Tristão da Cunha so lange ausblieb, gerieth Almeida in große -Verlegenheit, weil er sich bei unzulänglichen Mitteln in seinen -Unternehmungen gehemmt sah. Sein Sohn Lourenço verfolgte indessen im -kleinen Kriege alle fremden Handelsschiffe, welche sich der indischen -Küste näherten.</p> - -<p>Inzwischen starb aber auch der den Portugiesen befreundete Fürst in -Kananor, und sein Nachfolger verbündete sich wieder mit dem Samudrin, -weil der portugiesische Capitän Gonçalo Vaz da Goar ein kananorisches -Schiff, trotz seines portugiesischen Geleitsbriefes, hatte versenken -und die Mannschaft hatte ertränken lassen, angeblich, weil man es für -ein kalikutisches Schiff gehalten habe.</p> - -<p>Die neuangelegte Festung in Kananor wurde vier Monate belagert und -mehrere Male bestürmt; aber der tapfere Commandant Lourenço de Brito -hielt sich, bis Tristão da Cunha endlich gegen Ende August erschien und -ihn befreite. Die Festung wurde nun dauernder aus Stein erbaut. Da der -Vicekönig bereits genug Waaren hatte aufspeichern lassen, so konnten -Tristão’s Handelsschiffe rasch beladen und schon im December nach -Europa zurückgeschickt werden.</p> - -<p>Dann begab sich Lourenço d’Almeida mit einer Anzahl von Schiffen -nordwärts, um im Hafen von <em class="gesperrt">Tschaul</em>, südlich von Bombay, Gewürze -einzunehmen. Nisam Schah, der Fürst von Tschaul, hatte sein kleines -Gebiet, welches gegen Norden an Gudjerat grenzte, von Dekhan unabhängig -gemacht und sich den Portugiesen angeschlossen. Inzwischen rückte -die ägyptische Macht unter Hussein heran. Der Admiral des Schahs von -Gudjerat, Melek Aias oder Aß, (angeblich ein Russe von Geburt, dessen -ursprünglicher Name Jakob, in der russischen Koseform Jascha, von -den Orientalen in Eias oder Aß verwandelt wurde,) kam den Aegyptern -mit vierzig <em class="gesperrt">Fusten</em> (s. <a href="#abb_p155">Abbildung auf Seite 155</a>) zu Hilfe. -Als Statthalter von Diu hatte er diesen Hafen zu einer blühenden -Handelsstadt erhoben und trat zunächst scheinbar für die Sache des -Islam ein, wußte sich aber bald auf schlaue Weise seines Bundesgenossen -wieder zu entledigen. Lourenço lag noch mit seinen Schiffen im Flusse -vor Tschaul, als die vereinigte feindliche Flotte herannahte. Da er -die ägyptischen Schiffe aber für das Geschwader des von Ormuz her -erwarteten Albuquerque hielt, blieb er ruhig liegen. So sah er sich -genöthigt, im Flusse den Kampf aufzunehmen.</p> - -<p>Am ersten Kampfestage erfolgte noch keine Entscheidung. Trotz der -feindlichen Uebermacht wollte aber Lourenço nicht bei Nacht auf die See -zurückweichen, weil er den Vorwurf seines spartanisch gesinnten Vaters -fürchtete, der bei einer früheren Gelegenheit seine zu große Vorsicht -getadelt hatte. So entspann sich am folgenden Morgen das Seegefecht von -neuem.<span class="pagenum"><a name="Seite_154" id="Seite_154">[S. 154]</a></span> Das Schiff des portugiesischen Capitäns erhielt durch einen -Kugelschuß einen bedenklichen Leck und mußte versuchen, sich durch ein -anderes Schiff aus dem Flusse herausschleppen zu lassen. Dabei gerieth -es in das von den Fischern behufs des Fischfanges angebrachte Pfahlwerk -und blieb, indem ein Pfahl in den Leck eindrang, wie angespießt, darauf -hängen. Das Bugsirtau riß und Lourenço war den feindlichen Angriffen -wehrlos preisgegeben. Trotz der verzweifelten Lage blieb er standhaft. -Seine Tapferkeit war für alle ein leuchtendes Vorbild. Hatte er -doch noch bei dem Kampfe von Panane im Handgemenge einem maurischen -Hauptmanne mit seinem Schlachtschwerte den Kopf bis auf die Brust von -einander gespalten. Da verwundete ihn eine Stückkugel am Schenkel; er -ließ sich verbinden, auf einen Stuhl neben den großen Mast setzen und -commandirte weiter, bis ihn eine zweite Kugel tödtete. Erst nachdem -fast die ganze Mannschaft gefallen oder verwundet auf Deck lag, wurde -das Schiff genommen, sank aber auch alsbald unter und blieb nicht als -Trophäe in den Händen der Sieger. Die übrigen Fahrzeuge kamen glücklich -nach Kotschin zurück, wo damals der Vicekönig lag. Dieser empfing die -Todesnachricht seines tapferen Sohnes ernst und gefaßt, aber er schwur -an den Mohammedanern Rache zu nehmen, zumal da diese an den ersten Sieg -große Hoffnungen knüpften.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p154" name="abb_p154"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p154.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrh. mit - Rohrsegeln und am Stern aufgehängtem hölzernen - Anker.<a name="FNAnker_103_103" id="FNAnker_103_103"></a><a href="#Fussnote_103_103" class="fnanchor">[103]</a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_155" id="Seite_155">[S. 155]</a></span></p> - -<p>Alle Kriegsschiffe wurden zu diesem Rachezuge aufgeboten und in -Stand gesetzt, besonders das größte, Flor de la mar, ein Schiff -von vierhundert Tonnen; aber der Angriff verzögerte sich noch. Die -ägyptische Flotte überwinterte indessen in Diu.</p> - -<p>Mittlerweile wurden auch von Portugal wiederum zwei Geschwader -ausgerüstet. Das eine bestand aus dreizehn Schiffen und sollte unter -dem Befehle des Jorge d’Aguiar zuerst an den ostafrikanischen und -arabischen Küsten kreuzen und dann nach Indien gehen, um für acht bei -dieser Abtheilung befindliche Frachtschiffe Ladung einzunehmen. Auf -dem Hauptschiffe San João sollte der Vicekönig nach Ablauf seines -Amtes am Schluß des Jahres 1508 in die Heimat zurückkehren. Die andere -Abtheilung unter Lopez de Sequeira ging mit vier Schiffen im April 1508 -direct nach Indien. Aber die erste Flotte unter d’Aguiar wurde durch -Sturm gänzlich zerstreut, die Schiffe fanden sich einzeln bei Mosambik -wieder zusammen; nur das Hauptschiff blieb aus, es war mit Mann und -Maus untergegangen, so daß außer dem Befehlshaber auch Tristão da Cunha -sein Grab in den Wellen fand. Der Untergang dieses Schiffes sollte -später die Rückkehr Francisco’s d’Almeida verzögern und ihm selbst -verhängnißvoll werden.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p155" name="abb_p155"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p155.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2"> Ostindischer Schnellsegler des 16. - Jahrhunderts, Fusta (s. <a href="#Seite_153">Seite 153</a>).</p> -</div> - -<p>Ehe wir aber den Vicekönig auf seinem letzten siegreichen Kriegszuge in -Indien begleiten, müssen wir unsern Blick auf die kühnen Unternehmungen -<em class="gesperrt">Albuquerque</em>’s richten. Am 20. August 1507 war derselbe mit -sieben<span class="pagenum"><a name="Seite_156" id="Seite_156">[S. 156]</a></span> Segeln und vierhundert Mann von Sokotra aufgebrochen, um -die Handelsplätze am Golf von Oman zu brandschatzen, und sich wenn -möglich des wichtigsten Marktplatzes in jenem Gebiet, der Stadt -Ormuz, zu bemächtigen. Auf der Ostküste Arabiens zwischen Ràs el Hadd -und dem Ràs Mesandum erstreckt sich am Fuß des grünen Gebirges die -Landschaft Oman. Gegen das Wüstengebiet des Binnenlandes durch das -Gebirge gedeckt, mit vielen trefflichen Häfen und Ankerplätzen an der -wichtigen Handelsstraße zwischen Indien und Mesopotamien gelegen, hatte -dieses Gebiet seit Jahrhunderten sich an dem indischen Handel lebhaft -betheiligt. Weniger eng an die Satzungen des Islam gebunden und im -Verkehr mit Indien freiern Lebensanschauungen huldigend, hatten manche -dieser Städte sich zu bedeutendem Handelsrufe und Wohlstand erhoben. -Von Südosten gegen Nordosten waren die bemerkenswerthesten Hafenplätze -Kuriat, Maskat, Burka, Sohar und Khorfakkan, an welche sich dann an -der Meerenge des persischen Golfes die damals auf der kleinen, öden -Felsinsel gelegene, aber durch den Reichthum der Bewohner in aller Welt -bekannte Handelsstadt Ormuz anschloß.</p> - -<p>Albuquerque hatte die Absicht, diese Städte der Reihe nach -rücksichtslos die Ueberlegenheit der europäischen Waffen fühlen -zu lassen. Kuriat wurde erstürmt und verbrannt, Maskat ebenfalls -erobert. Sohar unterwarf sich ohne Widerstand, wurde daher auch nicht -der Plünderung preisgegeben, sondern nur zur Zahlung eines Tributs -angehalten. Khorfakkan (Orfacao), ein Hauptplatz für die Ausfuhr -arabischer Pferde nach Indien, war von den Einwohnern aus Furcht vor -den schrecklichen Feinden verlassen und wurde daher ausgeplündert. So -rückte der Verwüstungszug näher an Ormuz heran. Die Zeitgenossen haben -über Albuquerque’s barbarische Kriegführung kein abfälliges Urtheil -ausgesprochen. Daß er hart und herzlos Gefangene verstümmeln ließ und -Städte vom Erdboden vertilgte, fand das Zeitalter ganz natürlich; es -galt ja dem Feinde der Christenheit. Man kämpfte für den heiligen -Glauben und hatte Gott auf seiner Seite.</p> - -<p>Ende September 1507 erschien die portugiesische Flotte vor Ormuz. Den -Thron hatte damals ein zwölfjähriger Knabe, Seif-eddin (Seifadin) inne, -der eigentliche Regent war Chodscheh Atar, von Geburt ein Bengale. Die -Stadt lag, im Süden durch Felsen gedeckt, auf der flacheren Nordseite -der Insel; zwischen ihr und der Felsenküste von Mogistan befand sich -der Hafen. Die Besatzung bestand aus 30,000 Mann, darunter 4000 -persische Bogenschützen als Bundesgenossen. Albuquerque begrüßte bei -seiner Ankunft die Stadt durch Kanonensalven und segelte dann kühn in -den Hafen hinein. Kurzer Hand forderte er Unterwerfung und Anerkennung -der portugiesischen Oberhoheit, andernfalls drohte er mit Vernichtung. -Aber der Regent war nicht gewillt, sich bei seiner bedeutenden Macht -ohne weiteres in fremde Botmäßigkeit zu begeben, er lehnte die -Forderung des Portugiesen ab. Als Antwort darauf ließ Albuquerque -die Handelsschiffe im Hafen in den Grund bohren. Dabei wurden seine -Schiffe von zweihundert mit Bogenschützen<span class="pagenum"><a name="Seite_157" id="Seite_157">[S. 157]</a></span> bemannten Böten angegriffen; -aber die höher gebauten europäischen Fahrzeuge und namentlich das -europäische Geschütz behielt den Sieg. Dann erst bequemte sich -Chodscheh Atar, die Oberhoheit des Königs Manuel anzuerkennen und -einen jährlichen Tribut von 15,000 Scherafinen (etwa <span class="antiqua">à</span> 6 Mark) -zu zahlen. Auch mußte er gestatten, daß die Portugiesen eine Festung -anlegten. Schon im October begann der Bau, aber die portugiesischen -Capitäne, welche unter Albuquerque dienten, halfen nur ungern; sie -hätten lieber gewinnreiche Jagd auf Handelsschiffe gemacht oder wären -nach Indien gesegelt, um Gewürze einzuhandeln. Sie vereinigten sich -zu einem schriftlichen Protest, aber der Oberbefehlshaber zerriß -denselben, ungelesen, unter dem Thor der neuen Citadelle. Dadurch -gekränkt und beleidigt suchten die Capitäne nach einer Gelegenheit, -sich von ihrem Führer zu trennen. Die Uneinigkeit unter seinen -Feinden ermuthigte den Regenten der Stadt zu erneutem Widerstande. -Die Gelegenheit dazu bot sich bald. Da fünf von der Flotte entlaufene -und in die Stadt gelockte Portugiesen nicht sofort, wie Albuquerque -verlangte, ausgeliefert wurden, so brach der Krieg von neuem aus. -Derselbe mußte aber rasch abgebrochen werden, weil drei Capitäne -mit ihren Schiffen auf eigene Verantwortung den Hafen verließen und -nach Indien segelten, so daß Albuquerque, dadurch in seiner Macht -geschwächt, allein den Kampf nicht fortführen konnte, sondern sich -genöthigt sah, zur Ueberwinterung nach Sokotra zurückzuweichen. -Doch schickte er den João da Nova den Flüchtigen nach, um sich beim -Vicekönig über solche unerhörte Felonie zu beschweren.</p> - -<p>In Sokotra fand er die Besatzung der kleinen Citadelle durch Krankheit -und Hunger erschöpft. Von Melinde mußten Lebensmittel herbeigeschafft -werden; statt Unterstützung zu finden, mußte Albuquerque Hilfe -schaffen. Sein Aufenthalt an der afrikanischen Insel verzögerte sich -bis in den Hochsommer, dann kam unter Vasco Gomez d’Abreu Verstärkung -von Lissabon. Mit dieser vereinigte er den Rest seiner Macht, sah sich -also wieder an der Spitze von 300 Mann und war kühn genug, mit dieser -kleinen Schaar zum zweiten Male vor Ormuz zu rücken. Chodscheh Atar -hatte nach dem Abzuge der Portugiesen, deren Mißerfolge er sich als -Sieg anrechnete, im Vertrauen auf seine neubefestigte Stellung und -die eigne Truppenmacht, (die persischen Bundesgenossen waren durch -seinen Uebermuth verscheucht,) klugerweise die von den Portugiesen -begonnene Festung ausgebaut<a name="FNAnker_104_104" id="FNAnker_104_104"></a><a href="#Fussnote_104_104" class="fnanchor">[104]</a> und mit Geschützen armirt, welche -er durch europäische Ueberläufer hatte gießen lassen. Er war, wenn -auch auf sich allein angewiesen, doch nicht so wehrlos dem Gegner -preisgegeben als das erste Mal. Daher mußte sich Albuquerque vorläufig, -als er im September 1508 wieder vor der Stadt erschien, auf die -Blokade beschränken. Inzwischen erhielt aber Atar eine wesentliche -Hilfe und Ermuthigung zum Widerstande von einer Seite, woher er sie -wohl am wenigsten erwartete, vom Vicekönig<span class="pagenum"><a name="Seite_158" id="Seite_158">[S. 158]</a></span> Almeida selbst. Dieser -hatte nämlich auf die Klage der drei Capitäne, welche sich vor Ormuz -von Albuquerque getrennt hatten, im Mai 1508 eine Untersuchung der -Angelegenheit befohlen und Gonçalo Fernandez damit beauftragt. Im -Verlauf derselben war Almeida immer mehr zur Ueberzeugung gekommen, daß -Albuquerque durch seine Gewaltthaten die Interessen der portugiesischen -Krone mehr schädige als fördere. Ein von den Portugiesen aufgebrachtes -Schiff von Ormuz hatte Almeida wieder freigegeben und mit Briefen -an den Regenten von Ormuz gesandt. Almeida’s Schreiben<a name="FNAnker_105_105" id="FNAnker_105_105"></a><a href="#Fussnote_105_105" class="fnanchor">[105]</a> athmete -Freundschaft für die reiche Handelsstadt, wenn er auch wünschte, der -Fürst möge seinem König jährlich ein Geschenk senden. Er sprach seinen -Unwillen über die verderbliche Kriegführung Albuquerque’s aus und -sicherte, indem er sieben Geleitsbriefe mitsandte, jedem Handelsschiffe -von Ormuz seinen Schutz zu. „Ich will,“ schrieb er, „an dem König von -Portugal zum Verräther werden, wenn ich dulde, daß ihnen auch nur ein -Haar gekrümmt werde.“</p> - -<p>Eine Abschrift dieses Briefes ließ Chodscheh Atar an Albuquerque -übermitteln. Albuquerque bestand aber auf der Zahlung des Tributs -und erklärte die Briefe des Vicekönigs für untergeschoben, weil sie -dessen Unterschrift nicht trügen. Atar erklärte dagegen, die Stadt -werde bereit sein, in Friedenszeiten den auferlegten Tribut von -15,000 Scherafinen zu zahlen; wenn aber ihr Handel gelähmt werde, -könne sie die Summe unmöglich aufbringen. Die Briefe seien echt, des -Königs Siegel und des Vicekönigs Unterschrift bürgten dafür. — Man -weiß, welche Achtung man im ganzen Orient dem Siegel und Namenszuge -eines Mannes zollt. Albuquerque setzte darauf die Blokade noch eine -zeitlang fort und beunruhigte die Stadt in kleinen Gefechten; da er -aber die Gewißheit hatte, daß ihm von Indien her keine Unterstützung -kommen werde, und da er sah, daß es seinen Schiffen immer schwieriger -wurde, sich zu halten, weil sie leck geworden waren, so entschloß er -sich endlich den Kampf abzubrechen und nach Indien zu gehen. Ohne -Zwischenfälle erreichte er die Andjediven, machte dort drei Tage halt -und segelte dann nach Kananor, wo er den Vicekönig fand (im Dec. -1508). Leider mußte er hier erfahren, daß Almeida zwei von seinen -rebellischen Capitänen in Freiheit gesetzt, und den dritten, um sich -zu rechtfertigen, nach Portugal entsendet hatte. Da er zum Nachfolger -im Commando ernannt worden war, so verlangte er die Uebergabe des -Oberbefehls; aber Almeida, augenblicklich in der Ausrüstung seines -Zuges gegen Goa begriffen und begierig, noch vor Ablauf seines -Regiments die vor Tschaul den portugiesischen Waffen zugefügte -Niederlage und den Tod seines Sohnes zu rächen, erklärte, er werde -sein Amt nicht vor dem Schluß des laufenden Jahres niederlegen, auch -sei das Schiff, auf dem er, der von Portugal ergangenen Weisung gemäß, -zurückkehren solle, noch nicht angelangt. Dieses Schiff aber war, wie -bereits berichtet ist, an der<span class="pagenum"><a name="Seite_159" id="Seite_159">[S. 159]</a></span> ostafrikanischen Küste gescheitert und -untergegangen. Mißmuthig wartend zog sich Albuquerque nach Kotschin -zurück.</p> - -<p>Kurz darauf, am 12. December 1508 brach Almeida mit neunzehn Segeln -gegen Norden auf; später stießen noch vier Schiffe zu ihm, so daß seine -Flotte nun dreiundzwanzig Schiffe mit 1600 Mann Truppen zählte. Noch -vor Ablauf des Jahres wurde die Stadt Dabul erstürmt und entsetzlich -verwüstet, so daß die Zerstörung dieser Stadt im Orient noch lange mit -Schaudern erzählt und sprichwörtlich wurde als ein Beispiel unerhörter -Vernichtung.</p> - -<p>Erst am 2. Februar 1509 kam das Geschwader vor Diu an. Im Hafen lagen -die Flotten der Aegypter und des Statthalters von Diu, Melek Eias, -vereinigt; auch der Samudrin hatte eine Anzahl bewaffneter Fusten -zu Hilfe gesendet. Aber die drei Parteien trauten einander nicht, -besonders Melek Eias spielte eine zweifelhafte Rolle. Am folgenden Tage -drang Almeida in den Hafen ein und richtete seinen Angriff lediglich -auf die ägyptischen Schiffe. Eins nach dem andern wurde geentert und -versenkt, so daß der Flottenführer Hussein nur mit Noth dem allgemeinen -Verderben entrinnen konnte. Er verließ heimlich sein Schiff, bestieg -am Lande ein Pferd und jagte flüchtig nordwärts nach Kambaya. Als die -Schiffe von Diu und Kalikut sahen, daß der Ausgang des Kampfes nicht -mehr zweifelhaft blieb, und daß man sie vorläufig schonen wollte, zogen -sie sich bei Zeiten zurück. Auch hatte sich Almeida dafür entschieden, -Melek Eias vor Diu nicht anzugreifen, obwohl derselbe die Hauptursache -gewesen, daß sein Sohn Lourenço gefallen war. Der Vicekönig mochte -auch befürchten, durch einen Angriff auf Diu den Oberherrn des Landes, -den König von Gudjerat, mit in den Krieg zu verwickeln. Ihm war vor -allem darum zu thun, die mohammedanischen Aegypter aus den indischen -Gewässern zu vertreiben; mit den einheimischen Fürsten hoffte er -dann schon wieder in ein freundlicheres Verhältniß treten zu können. -In diesem Bestreben kam ihm sogar das schlaue Verhalten Melek Eias -entgegen, welcher sich nicht entblödete, den portugiesischen Sieger -wegen seines Erfolges zu beglückwünschen und ihm seine Dienste -anzubieten. Almeida begnügte sich daher auch, nur die Auslieferung -der Portugiesen zu verlangen, die auf dem Schiffe seines Sohnes zu -Gefangenen gemacht waren. Dieselben wurden auch alsbald durch Melek -Eias zurückgesandt. Dann kehrte der Vicekönig nach Kotschin zurück. -Hier erneuerte Albuquerque wiederum seine gerechte Forderung, ihm den -Oberbefehl zu übergeben; aber Almeida zögerte immer wieder, weil das -erwartete Schiff noch nicht angelangt sei. Erst als Fernão Coutinho im -Oktober 1509 von Portugal mit vierzehn Schiffen in Kotschin einlief -und bestimmten Befehl für den Wechsel des Obercommandos mitbrachte, -trat Almeida von seinem Amte zurück und schiffte sich am 19. December -ein. Aber er sollte die Heimat nicht wieder sehen. Das Schiff ging an -der Westküste von Südafrika, in der Saldanhabai, vor Anker um Wasser -einzunehmen. Dabei verwickelte sich die Mannschaft in einen Kampf mit -den Hottentotten und 150 tapfere Streiter, darunter elf Hauptleute, -welche in Indien Wunder der<span class="pagenum"><a name="Seite_160" id="Seite_160">[S. 160]</a></span> Tapferkeit gethan, wurden sammt dem -Vicekönig von den nackten Wilden überwältigt und erschlagen. „Nie,“ -so klagt de Barros, „erlitten die portugiesischen Waffen ein größeres -Unglück!“<a name="FNAnker_106_106" id="FNAnker_106_106"></a><a href="#Fussnote_106_106" class="fnanchor">[106]</a></p> - -<p>Almeida war ein tüchtiger Soldat, ein uneigennütziger, sittlich reiner -Charakter und daher auch bei jedermann beliebt und hochgeachtet. -Er sorgte väterlich für die Soldaten, aber er stellte auch an ihre -Leistungen hohe Ansprüche. Ihre materielle Lage suchte er zu heben, -denn ihr Sold war gering, und daher kamen häufig Desertionen vor. Der -König war nur darüber unzufrieden, daß Almeida mit seinen Belohnungen -nicht geizte. Dieser aber sah sich vielfach durch die von Portugal -ergangenen Befehle in seinen Unternehmungen gekreuzt. Namentlich -tadelte er das Verfahren der portugiesischen Verwaltung, ihm Höflinge -zu senden, die nichts leisteten, aber in Indien alsbald höhere Stellen -beanspruchten, ohne sie verdient zu haben. Dem König schrieb er: „Ich -rathe Euch, dem Vicekönig, den Ihr sendet, mehr Vertrauen zu schenken, -als mir zu Theil geworden ist, und keine Befehle zu erlassen, ehe Ihr -Eure Rathgeber in Indien gehört habt.“</p> - -<p>Er wollte alle Macht auf die Beherrschung des Meeres an der Westküste -Indiens werfen und die Flotte nicht durch Operationen an der -afrikanischen oder arabischen Küste zersplittert sehen. Daher seine -Abneigung gegen Albuquerque, in welcher er durch die abtrünnigen -Capitäne desselben bestärkt wurde. Als ihm der König befahl, Schiffe -nach Malaka zu senden, erwiderte er, dazu habe er noch keine Zeit, in -Indien gebe es noch genug zu thun.</p> - -<p>So handelte er stets nach einem festen Plane und ließ sich selbst -durch directe Befehle, die von Portugal an ihn ergingen, nicht davon -abbringen. Daß sein System mit ihm fallen würde, sah er voraus; denn -sein Nachfolger schlug ganz andere Bahnen ein und erweiterte den -Kampfplatz über die ganze Breite des indischen Oceans. In trüber -Stimmung, erhöht durch die Erinnerung an den herben Verlust seines -tapferen Sohnes, verließ der erste Vicekönig Indien und fand auf -afrikanischem Boden ein tragisches Ende.</p> - -<h4 id="Affonso_d_Albuquerque">7. Affonso d’Albuquerque, Generalcapitän und Governador von Indien.</h4> - -<p>Nachdem Almeida Indien verlassen hatte, traf Albuquerque in -Gemeinschaft mit dem Marschall Coutinho seine Vorbereitungen, Kalikut -anzugreifen und den Samudrin zu züchtigen; denn König Manuel hatte -diesen Angriff dringlich befohlen. Fernão Coutinho ergriff diese -Gelegenheit, sich in Indien mit Kriegslorbeeren zu schmücken, mit -unverhohlener Freude. So wurde er des lästigen Commandos über die -Handelsflotte ledig. „Seine Vorfahren hätten sich nicht mit Handel -abgegeben, und er selbst habe auch keine Neigung für solches Gewerbe.“ -Er war durch und durch Soldat und blickte mit Verachtung auf die -Kriegsleistungen der Indier. Am Abend des 2. Januar 1510 erschien die -vereinigte Flotte vor Kalikut, sie hatte, ungerechnet die indischen<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span> -Hilfstruppen, gegen 2000 portugiesische Soldaten am Bord. Der Samudrin -selbst war wahrscheinlich auf einem Feldzuge gegen einen benachbarten -Fürsten von seiner Hauptstadt fern, als die drohende Macht vor seiner -Residenz erschien. In der Nähe der Stadt, nicht fern vom Meere, lag auf -einer Anhöhe das Schloß des Fürsten, welches in der Zwischenzeit durch -Erdwälle verschanzt und in eine Festung umgewandelt war. Hieher mußte -sich der erste Angriff richten, wenn die unbefestigte Stadt selbst -dauernd gewonnen werden sollte.</p> - -<p>Coutinho forderte die Führung des ersten Treffens, er hoffte wohl -allein mit der feindlichen Streitmacht fertig werden zu können. -Albuquerque willigte nur ungern ein, weil er den Marschall als einen -Hitzkopf kannte, der mit den indischen Kriegslisten noch zu wenig -vertraut war und ohne viel Ueberlegung drauf los ging in der Erwartung, -schon beim ersten Waffengange seine Gegner in alle Winde zu verjagen.</p> - -<p>Als aber am Morgen des 3. Januar die Ausschiffung der Truppen begann, -zeigten sich die Nair doch so zäh im Widerstande und überschütteten -ihre Feinde mit einem solchen Hagel von Geschossen, daß die Portugiesen -bei ihrem Angriff sich zu theilen beschlossen. So kam es, daß indem -beide Feldherren verschiedene Landungsplätze wählten, Albuquerque seine -Leute eher ans Land geworfen hatte und zum Sturm überging als sein -Waffengefährte. Nach einem erbitterten Kampf um den Wall, bei welchem -schon viele Streiter fielen, drang der Generalcapitän zuerst in die -Schanzen ein, ließ Feuer in die königlichen Häuser werfen und vertrieb -die Indier aus der festen Stellung. Coutinho sah sich dadurch um den -ersehnten Ruhm betrogen und nannte, vor Zorn und Schmerz glühend, -jenen ein um das andere Mal einen wortbrüchigen Menschen, der anderen -keine Ehre und Auszeichnung gönne. Albuquerque blieb bei diesen -Schmähungen kaltblütig und wies darauf hin, daß man oft im Kriege gegen -den vorgefaßten Plan handeln müsse, wenn der günstige Augenblick es -fordere. Auch sei mit diesem ersten Erfolg der Sieg noch keineswegs -entschieden. Der Gegner sei zwar zurückgewiesen, aber seine Macht noch -nicht gebrochen. Allein Coutinho achtete nicht darauf, in blinder -Aufregung gebot er sofort den Angriff auf die Stadt. Hier wollte er -der erste sein und die Brandfackel in den großen königlichen Palast -schleudern. In einem entfernten Stadttheile lagen auf einem freien -Platze, von Mauern umgeben, die weitläufigen Gebäude des Fürstensitzes. -Trotz des Widerstandes drangen Coutinho und seine Schaar durch Thor und -Mauerlücken ein und legten Feuer an, worauf die Indier zurückwichen. -Albuquerque folgte, nachdem er vorsorglich einen Theil seiner -Mannschaft am Ufer zur Bewachung der Böte zurückgelassen hatte, durch -Kampf in den Straßen der Stadt aufgehalten, langsam nach. Coutinho -glaubte schon, im Besitze des Palastes, sich des vollständigen Sieges -erfreuen zu können, und gestattete sorglos seinen Soldaten sich zu -zerstreuen und die königlichen Schätze zu plündern. Darauf hatten aber -die Indier gewartet; sie sammelten sich von neuem und gingen<span class="pagenum"><a name="Seite_162" id="Seite_162">[S. 162]</a></span> wieder -zum Angriff über. Sie umzingelten in hellen Haufen den Palast und -drangen endlich trotz der hartnäckigen Gegenwehr des portugiesischen -Hauptmanns, dem die Bewachung des einen Thores übergeben war, wieder -in den Hof ein und fielen über die zerstreuten Portugiesen her. -Albuquerque konnte nur mit Mühe bis in die Nähe des Kampfplatzes -vordringen und sandte Boten über Boten an den Marschall, um ihn zu -eiligem Rückzuge aufzufordern. Dieser aber verachtete immer noch die -drohende Gefahr und erwiderte, der Generalcapitän möge nur ruhig den -Abmarsch antreten, er selbst werde folgen, wenn seine Mannschaft sich -wieder gesammelt hätte.</p> - -<p>Selbst von allen Seiten umdrängt, wich Albuquerque langsam zurück. -Der Rückzug ging durch einen Hohlweg, von dessen hohen Rändern aus -die Indier mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen die Portugiesen -überschütteten. Von Coutinho war er vollständig abgeschnitten und -konnte nur auf sich selbst Bedacht nehmen, da seine Truppen sich -weigerten, noch einmal den Versuch zu wagen, sich bis zu dem Marschall -durchzuschlagen. Albuquerque wurde im Gewühl zuerst schwer am linken -Arme verwundet, erhielt dann einen Pfeilschuß in den Nacken und mußte -endlich, als ihn ein mächtiger Stein vor die Brust traf, besinnungslos -fortgetragen werden. Der Marschall aber fiel mit 80 Kampfgefährten. So -endigte, durch die Tollkühnheit Coutinho’s herbeiführt, dieser Angriff -auf Kalikut als vollständige Niederlage; und hätte nicht Albuquerque -am Ufer die Schiffe mit starker Mannschaft bewachen lassen und wäre -die See nicht ruhig gewesen, so hätte der Ausgang des Tages für die -Portugiesen dermaßen verhängnißvoll werden können, daß ihre ganze -Machtstellung in Indien zweifelhaft geworden wäre.</p> - -<p>Nach dem Fall Coutinho’s erhielt Albuquerque auch das Commando über -dessen Schiffe und begab sich nach Kotschin. Kaum war er von seinen -Wunden genesen, so sann er auf neue Kriegspläne. Ende Januar 1510 -waren 21 Schiffe ausgerüstet und bemannt. Es schien, als wollte -er, dem Befehl seines Königs gemäß, nach dem rothen Meere segeln, -um dort einer neuen ägyptischen Flotte entgegenzutreten. Aber der -Generalcapitän hatte seine wahren Absichten nur geheim gehalten, um -desto erfolgreicher einen unerwarteten Schlag zu thun. Er hatte sein -Absehen auf <em class="gesperrt">Goa</em> gerichtet, welches so ziemlich auf der Mitte der -Westküste Vorder-Indiens und dazu in der Nähe der Andjediven gelegen, -wohin die von Afrika herübersteuernden Schiffe meistens ihren Lauf -richteten, besonders günstig erschien, um von hier aus das westliche -Meer und die Straßen nach Ormuz und Aden zu beherrschen. Goa lag auf -einer flachen, aber nicht feuchten Insel, welche durch die gemeinsame -Arbeit mehrerer von den Westghats herabkommender Flüsse aus dem -continentalen Ufersaume gleichsam herausgeschnitten war. Die Insel ist -von Osten nach Westen ungefähr drei Meilen lang und von Norden nach -Süden zwei Meilen breit. Das höhere, hügelige Land läuft gegen die See -in eine Spitze aus. Die gegen das Meer bedeutend erweiterten Mündungen -gestatteten den Zutritt der Flut um die ganze Insel. Die alte Stadt -lag auf der Südseite, die<span class="pagenum"><a name="Seite_163" id="Seite_163">[S. 163]</a></span> neue Stadt war ungefähr vierzig Jahre vor -der Ankunft der Portugiesen in Indien von Mohammedanern gegründet, -die von der etwa 18 Meilen weiter südlich gelegenen Stadt Onor hieher -geflüchtet und sich unter der Führung Melek Husseins hier angesiedelt -hatten. Die Canäle, welche die Insel und Stadt umziehen, sind voll von -Krokodilen und durften daher, wenn sie zur Ebbezeit durchwatbar werden, -nur mit Vorsicht durchschritten werden. Alt-Goa ist jetzt fast ganz -verlassen, nur Geistliche und Mönche wohnen noch dort zwischen den -großartigen Ruinen zahlreicher Kirchen und Klöster. Der Hafen der neuen -Stadt ist wegen seiner wunderbaren landschaftlichen Schönheit hoch -gepriesen.</p> - -<p>Die Zeit zum Angriffe war von Albuquerque insofern sehr günstig -gewählt, als der damalige Beherrscher Adil-Schah, der König von -Bidjapur, nur wenig Truppen in der Stadt unterhielt. Die Bevölkerung -des Hafenplatzes und die militärische Besatzung standen in ihren -Interessen einander gegenüber. Als Albuquerque mit seiner Flotte -vor der Einfahrt zum Hafen angelangt war, schickte er seinen Neffen -Antonio de Noronha mit bewaffneten Böten voraus, um das Fahrwasser in -den Canälen zu untersuchen. Bei einer Biegung des Flusses sahen sich -die Portugiesen plötzlich der Citadelle von Pandjin gegenüber, welche -nach der Seeseite die Stadt deckte. Unverweilt, ehe die Besatzung sich -sammelte und die Kanonen bedienen konnte, gingen die Portugiesen zum -Sturm über und drangen durch die Schießscharten und über den Wall in -die Citadelle, welche, nachdem ihr Befehlshaber verwundet worden, von -der Besatzung aufgegeben wurde. Der Generalcapitän hörte in der Ferne -das Kampfgetöse und gab sofort Befehl, mit allen Truppen vorzugehen, -fand aber bei seiner Ankunft den befestigten Platz bereits in den -Händen der Seinigen. Die Truppen des Adil-Schah zogen sich auch aus der -Stadt zurück, und ihr Anführer empfahl den Bürgern, sich ohne Gegenwehr -zu ergeben, denn die abendländischen Feinde seien unwiderstehlich. So -erschien schon am nächsten Tage eine Gesandtschaft von Bürgern vor -Albuquerque und bot gegen Sicherheit des Lebens und Eigenthums die -Unterwerfung an. Dieselbe wurde angenommen, doch wurde das vorhandene -Kriegsmaterial als Beute erklärt, Albuquerque zog mit seinen Truppen in -die Stadt und nahm den Palast des Statthalters in Besitz. Die eroberte -Citadelle wurde verstärkt, und die Flotte ging im Hafen vor Anker. Die -Schiffe wurden zum Theil sogar abgetakelt, damit während der Regenzeit -das Tauwerk nicht zu sehr litte; denn Albuquerque gedachte längere Zeit -in Goa zuzubringen.</p> - -<p>Inzwischen aber sammelte der Fürst des Landes ein größeres Heer und -rückte zum Entsatz heran. Die Portugiesen konnten die unbefestigte -Stadt nicht behaupten, und zogen sich auf die Schiffe zurück; aber -gedeckt durch die Kanonen der Citadelle blieb die Flotte noch im Hafen -liegen.</p> - -<p>Gegen Ende Mai trafen die Indier Vorkehrungen, dem Feinde den Rückzug -abzuschneiden, sie versenkten Schiffe in dem unteren Theile des Canals, -der zur See führte, und ließen brennende Flöße den Fluß hinabtreiben, -um<span class="pagenum"><a name="Seite_164" id="Seite_164">[S. 164]</a></span> die portugiesischen Fahrzeuge in Brand zu setzen. Bei dieser -drohender werdenden Gefahr mußte sich Albuquerque entschließen, -vorläufig das Errungene wieder aufzugeben. Aber auch der Rückzug war -mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft. Einzeln mußten seine Schiffe -zwischen den versenkten Fahrzeugen hindurch geführt werden und waren -dabei unausgesetzt dem Feuer der Feinde preisgegeben, welche an beiden -Seiten Schanzen aufgeworfen hatten. Diese mußten also erst erstürmt -werden, um das Feuer der Gegner zum Schweigen zu bringen. Und selbst -als dieses gelungen war, hemmte noch das seichte Wasser über der Barre -das Auslaufen der Flotte in die See eine längere Zeit. Von allen -Hilfsmitteln des Landes abgeschnitten, trat Mangel an Lebensmitteln -und Wasser ein, der Mann bekam täglich nur noch vier Unzen Zwieback, -und auf einigen Schiffen sah man sich sogar gezwungen, Jagd auf Ratten -zu machen. Jeder Tropfen Wasser mußte mit Blut erkauft werden. Antonio -de Noronha wurde durch einen Pfeilschuß verwundet und starb am dritten -Tage, ein herber Verlust für Albuquerque, welcher seinen heldenmüthigen -Verwandten sehr hoch schätzte. Zwar verrichteten noch manche Wunder -der Tapferkeit und gewannen dadurch die Bewunderung ihrer Feinde; aber -bei vielen griff Mißmuth und Verzagtheit dergestalt um sich, daß sie -in ihrer Verzweiflung und von Durst und Hunger gequält, desertirten. -Albuquerque bewies auch in dieser Noth seine Seelenstärke, feuerte -seine Schaar durch Trostesworte immer von neuem an und theilte mit -ihnen alle Entbehrungen und Gefahren. Erst im August gelang es ihm, -über die Barre hinwegzukommen und die See zu gewinnen. Es war die -zweite Niederlage, die er erlitten; aber sein Muth war nicht gebrochen -und seine Absichten auf Goa behielt er im Auge. Vorläufig allerdings -mußte er seinen Truppen Ruhe gönnen und wandte sich daher mit seiner -Flotte südwärts zu dem befreundeten Hafen nach Kananor. Auf dem Wege -dahin stießen vier Schiffe des Diogo Mendes de Vascogoncellos zu ihm, -die von Portugal aus den Auftrag erhalten hatten, einen Streifzug -nach dem berühmten Markte von Malaka zu unternehmen, weil man damals -im Mutterlande noch nicht erfahren hatte, daß, wie wir später sehen -werden, Lopez de Sequeira bereits jener Handelsstadt einen Besuch -abgestattet hatte. In Kananor stieß dann noch ein zweites Geschwader -zu ihm, welches unter der Führung des Capitän Gonçalo de Sequeira -mit sieben Handelsschiffen und frischen Truppen im März von Lissabon -ausgelaufen, aber ein Schiff an der afrikanischen Küste verloren hatte.</p> - -<p>Dieser Zuwachs an Macht bestärkte den Generalcapitän, einen neuen -Angriff auf Goa zu machen. Vascogoncellos erklärte sich bereit, an -diesem Zuge theilzunehmen, da der ihm gewordene Auftrag bereits -erledigt sei. Gonçalo de Sequeira dagegen glaubte die Theilnahme -ablehnen zu müssen, weil einerseits die meisten Schiffe Privatrhedern -gehörten, welche nur, um Handel zu treiben, gekommen wären, und -anderseits ihre nächste Hilfe dem Fürsten von Kotschin gehöre, welcher -von einem Nebenbuhler, den der Samudrin<span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span> mit Truppen unterstützte, -hart bedrängt werde. Um diesen zweiten Grund sofort zu erledigen, ging -Albuquerque mit einigen Schiffen und Mannschaften nach Kotschin und -stellte die Ruhe und gesetzmäßige Regierung in kurzer Frist wieder -her. Dann berief er in dieselbe Stadt einen Kriegsrath sämmtlicher -Hauptleute, um sie für seinen Plan zu gewinnen.</p> - -<p>Dieser Rath trat am 12. October 1510 zusammen. Der Generalcapitän legte -der Versammlung die Frage vor, ob sie nicht seinem Plane zustimmen -wolle, während die Handelsschiffe in Kotschin ihre Gewürzfrucht -einnähmen, alle verfügbare Mannschaft mit seinen Truppen zu vereinigen, -um Goa von neuem zu erobern.</p> - -<p>Diese Berathung ist in der späteren Zeit von außerordentlichen Folgen -gewesen. Hier war es, wo <em class="gesperrt">Fernão de Magalhães</em> sich entschieden -für die Ansicht Sequeira’s aussprach und Albuquerque dadurch auf das -empfindlichste verletzte: <em class="gesperrt">Vor</em> dem 8. November werde man bei -den augenblicklich herrschenden Gegenwinden schwerlich mit der Flotte -vor Goa erscheinen können (— Albuquerque kam in der That erst am 24. -November dahin —); dann werde aber die Rückfahrt der Handelsschiffe -dermaßen verzögert, daß man entweder der am Kriegszuge betheiligten -Mannschaft später keine Zeit lassen könne, ihre eigenen Angelegenheiten -zu betreiben, um sich zur beschleunigten Abreise einzurichten, oder es -werde der günstige Monsun verpaßt.</p> - -<p>Albuquerque erklärte dagegen aufs bestimmteste, er werde den nächsten -Tag aufbrechen, er werde auch niemanden gegen seinen Wunsch zwingen -mitzugehen, aber er wünsche deshalb diesen Zug so bald als möglich zu -unternehmen, um mit der demnächst abzufertigenden Handelsflotte seinem -Könige eine erfreuliche Botschaft aus Indien übersenden zu können.</p> - -<p>So blieben die <em class="gesperrt">Ansichten</em> getheilt und der Generalcapitän gewann -nur einen Theil der Stimmen für sich. Der Widerspruch Magalhães legte -den Grund zu dem ungünstigen Urtheile, welches Albuquerque in einem -Berichte an den König über jenen fällte, und welches wohl die Ursache -war — denn wir kennen keine andere — daß Manuel späterhin, als -Magalhães um eine bescheidene Erhöhung seiner wohlverdienten Pension -nachsuchte, die Gewährung dieser Bitte verweigerte, wodurch der -Bittsteller sich so sehr verletzt und zurückgesetzt fühlte, daß er -seinem Vaterlande den Rücken kehrte und auf spanischen Schiffen seine -berühmte, ja die berühmteste aller Weltreisen unternahm. Magalhães -scheint bald nach dem Conflicte mit Albuquerque Indien verlassen zu -haben, denn hier sah er von da an sich aller Gelegenheit beraubt, -Aufzeichnung und Ruhm zu gewinnen.</p> - -<p>Die portugiesische Flotte, 23 Segel stark, erschien mit 1600 Mann -Soldaten am 20. November vor Goa. Gaspar de Paiva hatte, mit drei -Schiffen vorausgesandt, schon einige Zeit vor dem Hafen gekreuzt und -kein Schiff weder hinein, noch heraus gelassen. In der Stadt war man -auf einen heißen Kampf gefaßt. Ohne Zeitverlust ging Albuquerque zum -Angriff über, schon am 25. November wurde die Citadelle erstürmt und -die Insel<span class="pagenum"><a name="Seite_166" id="Seite_166">[S. 166]</a></span> besetzt; aber gewarnt durch die schlimme Erfahrung von -Kalikut duldete er nicht, daß die Soldaten sich zerstreuten. Dann wurde -auch die Stadt selbst von zwei Seiten angegriffen und erobert. Viele -Einwohner verließen die Stadt, aber bei ihrer hastigen Flucht sollen in -den seichten Durchgängen der Canäle mehrere Tausende umgekommen sein. -Alles was mohammedanisch war, wurde in dem eroberten Platze ohne Gnade -niedergemacht: Männer, Weiber und Kinder. Eine Moschee, mit Gefangenen -angefüllt, wurde den Flammen übergeben, so daß alle in dem Gotteshause -Befindlichen ihren Tod fanden.</p> - -<p>Dann ließ Albuquerque ein starkes steinernes Kastell erbauen und -gab ihm, dem König zu Ehren, den Namen Manuel. Im Vertrauen auf die -dadurch gebotene Sicherheit ließen sich bald, neben den befreundeten -Indiern, welche nach dem Sturm zurückkehrten, auch Portugiesen dauernd -an diesem Platze nieder, welcher von den Siegern zum Mittelpunkte der -portugiesischen Macht in Indien erhoben wurde.</p> - -<p>Der Fall Goa’s machte auf die Fürsten der Nachbarschaft einen -bedeutenden Eindruck, weshalb sie sich beeilten, die Freundschaft der -neuen Herren zu gewinnen. Der König von Kambaya gab den Neffen des -Generalcapitäns Affonso de Noronha, der sich in seiner Gefangenschaft -befand, nicht nur ohne Bedingung los, sondern erklärte sich auch -bereit, den Bau einer Festung in Diu zu gestatten. Es erschienen -Gesandtschaften von Gudjerat, von Kalikut, selbst aus dem Binnenlande -von Bisnaga, alle bezeugten ihre Friedensliebe und wünschten bezüglich -eines friedlichen Handelsverkehrs in Unterhandlung zu treten. Da indeß -der Samudrin den geforderten Bau einer portugiesischen Citadelle nicht -zugeben wollte, so zerschlug sich mit diesem Fürsten die Verhandlung. -Emir Hussein, welcher damals in Kambaya sich befand, kehrte nach Kairo -zurück, da er alle Hoffnung aufgegeben hatte, in Indien noch wieder zum -Siege zu gelangen, und der Sultan von Aegypten ließ gleichfalls mit dem -weiteren Bau einer Flotte innehalten.</p> - -<p>So war die Wirkung der Eroberung Goa’s nach allen Seiten eine -tiefgehende. Goa hatte nicht blos eine dauernde Besatzung von 400 Mann -in der Burg, sondern wurde eine portugiesische Stadt, sie war Eigenthum -ihres Königs, und die Fürsten Indiens mußten diesen staatlichen Besitz -anerkennen. Und daß die Portugiesen die neuen Verhältnisse in Goa in -ähnlicher Weise auffaßten, beweist die Thatsache, daß bald darauf eine -Münzstätte in der Stadt errichtet wurde, wo nicht blos neues Geld -geprägt, sondern auch alles indische Geld, wenn es allgemein gültig -sein sollte im Verkehr, mit einem portugiesischen Stempel versehen -wurde. Aber der portugiesische Feldherr war nicht gewillt, von Goa -aus die friedliche Entwicklung seiner Macht zu leiten. Seine Blicke -schweiften bereits über Vorder-Indien hinaus nach Malaka, welches als -bedeutendster Gewürzmarkt Hinter-Indiens galt, und ohne dessen Besitz -die Portugiesen nie das Monopol erwarben; denn von Malaka aus gingen -die Handelsschiffe direct, mit Umgehung Vorder-Indiens, nach dem rothen -Meere. Sollte also Goa gehoben und zum Mittelpunkte des Verkehrs in -Vorder-<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span>Indien gemacht werden, dann konnte dies nur erreicht werden, -wenn Malaka gleichfalls in portugiesischen Besitz übergegangen war.</p> - -<p>Diogo Lopez de Sequeira war der erste gewesen, der jenen fernen -Handelsplatz erreicht hatte. Er war 1508 von Portugal mit vier Schiffen -abgegangen, hatte unterwegs Madagascar besucht und langte im Frühjahr -1509 in Kotschin an. Der Vicekönig Almeida gab ihm noch ein fünftes -Schiff, auf welchem Francisco Serrão, dessen abenteuerliche Reise nach -den Molukken uns später beschäftigen wird, und Fernão de Magelhães -dienten. Am 8. September desselben Jahres war Sequeira wieder von -Kotschin aufgebrochen, war an Ceylon und den Nikobaren vorüber nach -Nordsumatra gesteuert, wo er die Landschaft Pedir besuchte, denn -Sumatra lieferte schon damals am meisten Pfeffer, und war endlich -glücklich in Malaka angelaufen. Die Mauren gaben sich auch hier sofort -alle erdenkliche Mühe, die Ankömmlinge zu verdächtigen, trotzdem wurden -die Portugiesen wohlwollend aufgenommen, wenn auch der Sultan Mahmud -durch seine Grausamkeit berüchtigt war und nicht blos seinen Bruder, -sondern sogar seine Gemahlin hatte hinrichten lassen.</p> - -<p>Die Chinesen kamen den Portugiesen zuerst in freundlicher Weise -entgegen. Es war das erstemal, daß man mit den Söhnen aus dem Reiche -der Mitte zusammentraf. Die weiße Hautfarbe dieser Leute aus dem -Osten, ihre unbefangene Art, sorglos zu den fremden Schiffen wie zu -den asiatischen heranzurudern und den Kleinhandel zu eröffnen, selbst -manche ihrer Sitten und ihre Tracht wollte mehr ans Abendland, als -an den fernsten Osten gemahnen. Man darf nicht vergessen, daß die -Chinesen damals noch keinen Zopf trugen. Damian de Goes (a. a. O. -S. 300) fand eine Aehnlichkeit mit vlaamischen oder niederdeutschen -Gewohnheiten, und ähnlich äußert sich auch Barros.<a name="FNAnker_107_107" id="FNAnker_107_107"></a><a href="#Fussnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> Man fand bei -ihnen nicht den hemmenden Kastengeist, denn sie scheuten sich ja auch -nicht, mit den Portugiesen aus <em class="gesperrt">einer</em> Schüssel zu essen. So war -es natürlich, daß Europäer und Chinesen, beide in der Stadt Fremdlinge, -sich einander freundschaftlich näherten, und daß diese ihren neuen -Geschäftsfreunden die Warnung zukommen ließen, den Malayen nicht zu -sehr zu trauen. Darum ging auch der portugiesische Capitän nicht -selbst zur Audienz, sondern entsendete den Jeronimo Texeira, welcher -indeß eine gute Aufnahme fand und vom Sultan ein Lagerhaus angewiesen -erhielt, um von da aus den Handel mit den einheimischen Kaufleuten zu -eröffnen. Die Portugiesen gingen dann ungehindert in der Stadt umher, -waren aber leider unbedachtsam genug, sich auch nach der Kriegsflotte -des Sultans umzusehen, was die Mohammedaner, und unter ihnen namentlich -der abgefeimte Schatzmeister, sofort zu ihrem Vortheile ausbeuteten, -um die Fremden als Spione zu verdächtigen. Mit Einverständniß des -Sultans wurde ein Plan entworfen, die Portugiesen zu vernichten. -Zuerst hoffte man den Anführer und einige der vornehmeren<span class="pagenum"><a name="Seite_168" id="Seite_168">[S. 168]</a></span> Offiziere -bei einem Gastmahl überfallen und ermorden zu können, aber Sequeira -lehnte die Einladung ab und entschuldigte sich mit Krankheit. Dann -wollte man die portugiesische Mannschaft in der Stadt, an verschiedenen -Orten, wohin man sie gelockt, um ihnen Lebensmittel zu verkaufen, -einzeln überfallen, inzwischen aber auch eine Anzahl von kleineren -Schiffen bereithalten, um das Geschwader der Fremden anzugreifen, -wenn es von Mannschaft halb entblößt sei. Glücklicherweise gelang der -Verrath nur zum Theil. Die Wache auf den Schiffen machte, als sie die -Unruhe in der Stadt gewahrte, rechtzeitig Lärm, sodaß die Mannschaft -an Bord augenblicklich zur Vertheidigung bereit war. Aber etwa 30 -Portugiesen, die sich am Hafen und in der Stadt befanden, wurden theils -getödtet, theils gefangen. Francisco Serrão, welcher sich in der Nähe -des Landungsplatzes aufhielt, konnte sich nur mit einigen Matrosen -retten, die übrigen mußte man vorläufig ihrem Schicksale überlassen, -denn Sequeira fühlte sich keineswegs stark genug, die volkreiche -Stadt anzugreifen; er begnügte sich damit, einige feindliche Schiffe -in den Grund zu bohren und kehrte dann nach Vorder-Indien zurück. -Als das Gerücht von der zweiten Eroberung Goa’s auch bis nach Malaka -gedrungen war, ließ der Hafenmeister (Schahbender) den neunzehn noch -am Leben befindlichen gefangenen Portugiesen eine bessere Behandlung -zutheilwerden; ihre Freiheit erhielten sie aber erst wieder, nachdem -Albuquerque die Stadt erobert hatte.</p> - -<p>An seinen Plan, gegen Malaka zu ziehen, wurde der Generalcapitän bald -nach der Besitzergreifung von Goa in unangenehmer Weise erinnert, -als der Capitän Mendes de Vascogoncellos, dessen kleines Geschwader -ursprünglich nach Malaka bestimmt war, von dem Oberfeldherrn sich -Urlaub erbat, um seinen Auftrag auszurichten. Albuquerque zögerte -mit der Abfertigung, weil er entweder der Ueberzeugung war, daß ein -so kleines Geschwader nicht die genügende Sicherheit auf Erfolg -biete, oder weil er selbst erst noch mehr Mittel aufbieten wollte. -Vascogoncellos wollte daher heimlich entweichen, ging bei Nacht mit -seinen Schiffen über die Barre von Goa in See, wurde aber von einigen -nachgesandten Böten eingeholt und sah sich genöthigt, dem strengen -Befehl Albuquerque’s, zurückzukehren, Folge zu leisten. Er selbst blieb -längere Zeit in Goa in Gefangenschaft, ein Steuermann aber und der -Lotse wurden zur Strafe für diese Flucht an der Rae aufgeknüpft.</p> - -<p>Der Generalcapitän wäre am liebsten selbst nach Malaka sofort -aufgebrochen; allein dem stand ein Befehl Don Manuels entgegen, einen -Zug nach dem rothen Meere zu unternehmen, um diesen Handelsweg endlich -für die Mohammedaner zu schließen. Er lief auch wirklich mit 23 -Schiffen aus, sah sich aber durch widrigen Monsun zuerst aufgehalten -und dann ganz an die Küste zurückgetrieben, so daß er wieder in Goa -einlaufen mußte. Derselbe Monsun aber, welcher die Fahrt nach NW. nicht -gestattete, begünstigte eine Expedition nach SO. und so entschloß -sich Albuquerque kurzer Hand mit der schlagfertigen Flotte vor Malaka -zu ziehen und sie für ihren Verrath<span class="pagenum"><a name="Seite_169" id="Seite_169">[S. 169]</a></span> an Sequeira zu strafen. Es war -noch im Frühjahr 1511, als die Flotte von neunzehn Segeln, mit 800 -Portugiesen und 600 indischen Hilfstruppen von Kotschin nach Malaka -abging. Den Feldherrn begleiteten Antonio d’Abreu und Francisco Serrão, -die späteren Entdecker der Molukken und Fernão Peres d’Andrade, einer -der ersten Chinafahrer.</p> - -<p>Das Gebiet von Malaka war ursprünglich von Siam abhängig gewesen; die -in früherer Zeit berühmte Hafenstadt Singapur war aber hinter Malaka -zurückgetreten, seitdem sich im 15. Jahrhundert der Islam in diesem -Gebiete verbreitet hatte, denn in Malaka herrschte der Glaube Mohammeds -vor. Aber die ehemaligen Statthalter hatten sich seit fast 100 Jahren -zu selbstständigen Herren aufgeworfen. Durch geschickte Begünstigung -und Ausbeutung des Handels zu großem Reichthum gelangt, verwandte -Mahmud seine bedeutenden Mittel auf die Gründung einer Kriegsflotte, -welche ihm den Besitz des Hafens und die Herrschaft über die See -sichern mußte. Nun dehnten sich die Handelsbeziehungen noch weiter aus, -denn die Hauptnationen waren in freier Weise durch Berufsbeamte im -Handel gedeckt. Diese Schahbender (Hafenmeister) vertraten China, Java, -Kambaya und Bengalen. Die Handelsverbindungen reichten bis nach Japan, -und der Platz wurde von allen umwohnenden Völkern besucht, nur nicht -von den Siamesen, die sich immer noch mit dem Sultan auf Kriegsfuß -befanden und ihren frühern Verlust nicht verschmerzen konnten. Das -Königreich Malaka erstreckte sich etwa 100 Meilen an der Küste hin, -reichte aber nirgends über 10 Meilen weit ins Binnenland.</p> - -<p>Die Stadt liegt sehr günstig an der Grenze verschiedener Monsune, -denn in den chinesischen Gewässern herrschen andere Winde als im -bengalischen Meere, daher sich hier ein natürlicher Sammelplatz für -Araber, Inder und Chinesen bot. Die Häuser des Handelsplatzes dehnten -sich eine Meile am Wasser hin, — es ist der Canal, welcher die -hinter-indische Halbinsel von Sumatra scheidet. Ein Fluß trennte die -Häusermenge in zwei Theile, aber eine Brücke verband wiederum beide -Hälften. Albuquerque, welcher denselben Weg eingeschlagen hatte wie -Sequeira, langte am 1. Juli vor Malaka an, bereits in Pedir auf Sumatra -waren acht Portugiesen, die noch in Malaka gefangen gewesen waren und -die Flucht ergriffen hatten, zu ihm aufs Schiff gekommen. Von ihnen -erfuhr er auch, daß der Hauptanstifter des Verrathes, der javanische -Hafenmeister, eine Intrigue gegen den Fürsten angesponnen und seine -Verschwörung mit dem Leben bezahlt hatte; er erfuhr ferner, daß Sultan -Mahmud 8000 Geschütze besitze, um die lange, dem Meere zugekehrte Seite -kräftig vertheidigen zu können, daß er 30,000 Mann Soldaten und selbst -Kriegselephanten zu seiner Verfügung habe. Albuquerque ließ sich durch -die großen Zahlen nicht schrecken, sondern forderte ohne Umschweife -die Auslieferung der noch zurückbehaltenen Gefangenen. Eine sofortige -Erledigung würde im Orient als Feigheit angesehen sein; der Sultan -weigerte sich also, ohne weiteres darauf einzugehen. Als Antwort darauf -ließ der<span class="pagenum"><a name="Seite_170" id="Seite_170">[S. 170]</a></span> portugiesische Admiral die Häuser am Strande und die Schiffe -im Hafen in Brand stecken. Dann gab man die Gefangenen frei und unter -ihnen auch den Handelsfactor Ruy d’Araujo, einen Freund Albuquerque’s.</p> - -<p>Man war in der Stadt zu einem friedlichen Abkommen geneigt, aber -die allzuhohen Forderungen der Portugiesen trieben zum Widerstande. -Albuquerque verlangte nicht blos Schadenersatz für Sequeira, sondern -auch noch 300,000 Cruzados Kriegskosten und überdies die Einwilligung -in den Bau eines Kastelles.</p> - -<p>Im Rathe des Fürsten von Malaka, des alten Mohammed, waren, als diese -Forderungen bekannt wurden, die Meinungen getheilt. Diejenigen, -welche besonders den Handel nicht geschädigt sehen wollten, empfahlen -Frieden und Geldzahlung, die andern, welche fürchteten, durch -Zugeständnisse das Ansehen des Fürsten zu erniedrigen, forderten -bewaffneten Widerstand. Mahmud überließ die Leitung seinem Sohne, -und dieser hoffte, gestützt auf eine Heeresmacht von 30,000 Mann, -auf das zahlreiche Geschütz und seine Kriegselephanten, den Angriff -abschlagen zu können. Aber auf die fremden Kaufleute in der Stadt war -kein Verlaß, selbst der javanischen Truppen war man nicht ganz sicher. -Es war vorauszusehen, daß der feindliche Admiral, sobald er die Lage -der Stadt und ihre Gruppirung richtig erkannt habe, seine Angriffe auf -den gefährlichsten Punkt, auf die Brücke richten werde, welche die -beiden Stadttheile mit einander verbindet. Denn wer sich der Brücke -bemeisterte, war leicht auch Herr in der Stadt. Diese Verbindungsbrücke -wurde darum verschanzt und stark mit Kanonen besetzt; aber trotzdem -richtete, nach dem Rathe des Ruy d’Araujo, welcher bei seinem -längeren unfreiwilligen Aufenthalt die Wichtigkeit dieses Punktes -erkannt hatte, Albuquerque grade hieher seine ersten Angriffe. In der -Morgendämmerung des St. Jacobstages, 25. Juli, gingen die Portugiesen -in zwei Abtheilungen gegen die Stadt vor. Albuquerque mit seiner Schaar -stieg in der Nähe der Brücke ans Land, João de Lima mit der zweiten -Truppe weiter östlich bei einer steinernen Moschee, welche nicht fern -vom fürstlichen Palaste lag. Wenn ihm der Angriff gelänge, sollte er -sich auch gegen die Brücke wenden. An beiden Orten ward mit großer -Hartnäckigkeit gekämpft. Die Malayen bewiesen sich tapfer, schossen -vergiftete Pfeile und brauchten im Nahkampf den Kries. Sie fochten in -einzelnen Haufen unter Anführung eines Hauptmannes. Albuquerque stürmte -die Brücke und trieb die Malayen mit gefällten Lanzen nach der Vorstadt -zu. João de Lima hatte einen schweren Stand und konnte nicht so rasch -vordringen, er sah sich sogar genöthigt, persönlich am Kampfe gegen die -Kriegselephanten theilzunehmen, welche dann auch, durch Lanzenstiche -verwundet, auf die eigenen Truppen zurückgetrieben wurden. Dann erst -erreichte er die Brücke und vereinigte sich mit dem Oberfeldherrn. Von -den Dächern der nächsten Häuser wurde aber der Kampf noch fortgesetzt, -bis man die umliegenden Gebäude in Brand gesteckt hatte und so die -Feinde vertrieb. Allein von der Waffenarbeit erschöpft und fortwährend, -bei dem<span class="pagenum"><a name="Seite_171" id="Seite_171">[S. 171]</a></span> Versuch, die Brücke durch Vertheidigungswerke zu sichern, -durch erneute Angriffe der Malayen beunruhigt, sah Albuquerque bald -die Unmöglichkeit, diesen wichtigen Platz auf die Dauer zu behaupten. -Er gab also den Befehl zum Rückzug und zog sich auf die Flotte zurück. -Einige seiner Hauptleute meinten nun zwar, nachdem der Sultan für -die erste Verrätherei genügend gestraft sei, solle man mit günstigen -Fahrwinden nach Vorder-Indien zurückkehren, denn an eine dauernde -Besetzung dieses entfernten Platzes sei doch wohl nicht zu denken; -allein sie wurden von der Mehrzahl überstimmt, welche sich für eine -Fortsetzung des Kampfes entschied.</p> - -<p>Während der Vorbereitungen zum zweiten Angriffe hatte Mahmud allerorten -neue Verschanzungen aufwerfen und mit Kanonen besetzen lassen, in den -Straßen waren Minen und Fußangeln gelegt, um die Feinde bei ihrem -Einbruche in die Stadt aufzuhalten oder zu vernichten. Am 10. August -griff Albuquerque die Brücke zum zweitenmale an und obwohl man dieselbe -hartnäckig vertheidigte, wurde sie doch endlich erobert und die -malayischen Truppen gegen die steinerne Moschee hin vertrieben, wo sich -in Gegenwart des Sultans das letzte verzweifelte Handgemenge entspann. -Das Quartier der Kaufleute, darunter zuerst die Peguaner, begab sich -alsbald unter den Schutz des Eroberers, aber die östliche, höher -gelegene Stadt wurde nur langsam von den Malayen geräumt. Neun Tage -dauerte der kleine Kampf in den Straßen noch fort, bis diese endlich -von den eingeborenen Truppen aufgegeben wurden. Den Mauren wurde kein -Pardon gegeben, denn die Mohammedaner waren auch hier die erbittertsten -Gegner gewesen. Als Lohn für ihre Arbeit gestattete Albuquerque seinen -Leuten, die Stadt drei Tage lang zu plündern. Dreitausend Kanonen -fielen dem Sieger in die Hände. Zum Bau einer steinernen Burg wurden -die Steine der im Kampf theilweise zerstörten Moschee verwendet, und -weiteres Baumaterial aus den in der Nähe gelegenen alten Fürstengräbern -genommen. In der Burg erhob sich ein fünf Stockwerke hoher, mit Blei -gedeckter Thurm. Albuquerque gab ihr den Namen Famosa. Auch eine -Kirche wurde errichtet und das Dach dazu von einem königlichen Grabmal -genommen.</p> - -<p>Um den Handel wieder zu beleben und das Vertrauen in die neuen -Verhältnisse zu wecken, wurden eingeborene Schahbender (Hafenmeister) -ernannt, welche die handeltreibenden Nationen zu vertreten hatten. -Um den Marktverkehr zu ordnen, ließ Albuquerque goldene und silberne -Münzen prägen, denn unter den früheren Herrschern hatte es nur -zinnerne Münzen gegeben. Die großen Silbermünzen hießen Malaquezes, -die Goldmünzen, zu 1000 Realen, Catholicos. Durch diese zweckmäßigen -Einrichtungen wurde der Handel bald wieder gehoben, und fremde -Handelsschiffe liefen wieder in den Hafen ein.</p> - -<p>Mit den großen Staaten Ostasiens suchte Albuquerque in friedliche, -freundschaftliche Beziehungen zu treten. Durch die Vertreibung des -mohammedanischen Herrschers war er nur an die Stelle eines fremden -Eindringlings getreten,<span class="pagenum"><a name="Seite_172" id="Seite_172">[S. 172]</a></span> welcher sich die Freundschaft der fürstlichen -Nachbaren nicht erworben hatte; er hoffte also mit Recht, nicht als -Feind der eingeborenen Dynastien betrachtet zu werden. Nach allen -Seiten wurden Botschafter abgeordnet. Auf einer chinesischen Dschunke, -welche nach Siam ging, segelte Duarte Fernandez, welcher mit Ruy -Araujo gefangen gewesen war und in Malaka malayisch gelernt hatte, -mit nach Siam. Er war der erste Portugiese, welcher diesen mächtigen -hinter-indischen Staat betrat. Er sollte dem Könige von Siam die -Eroberung von Malaka melden und zugleich die officielle Erklärung -abgeben, daß die Kaufleute des Landes sich des besonderen Schutzes der -Portugiesen erfreuen sollten und in Malaka’s Hafen willkommen sein -würden. Fernandez wurde am siamesischen Fürstenhofe zu Ajuthia<a name="FNAnker_108_108" id="FNAnker_108_108"></a><a href="#Fussnote_108_108" class="fnanchor">[108]</a> -wohlwollend aufgenommen, man zeigte ihm unter anderen Merkwürdigkeiten -auch einen weißen Elephanten. Dann wurde er mit einem siamesischen -Gesandten wieder zurückgeschickt, welcher außer Briefen an den König -Manuel als Geschenke eine Krone, ein Schwert von Gold und einen -kostbaren Rubinring überreichen sollte.</p> - -<p>Zur Erwiderung gingen mit demselben Gesandten reiche Geschenke wieder -an den König von Siam zurück. Die Ueberbringer derselben, Antonio de -Miranda d’Azevedo und Duarte Coelho, reisten zu Lande über Tenasserim -nach Siam. Eine andere Gesandtschaft ging unter Ruy da Cunha nach -Pegu, um auch mit diesem Reiche einen Vertrag zu schließen. Malayische -Fürsten von Sumatra und Java beeilten sich ihre freundschaftliche -Gesinnung für die Portugiesen ebenfalls durch Geschenke zu bethätigen. -Nur mit Arakan, dessen Hafenstadt von João da Silveira angegriffen -war, und mit dem Königreiche Atschin in Nord-Sumatra blieb man auf -feindlichem Fuße. Das letztere Reich, in nächster Nachbarschaft von -Malaka gelegen, unterstützte in der Folgezeit mehrfach die immer -wiederholten Angriffe der vertriebenen Mauren auf die Stadt und suchte -Jahrzehnte lang den Handel zu beeinträchtigen.</p> - -<p>Da die Chinesen schon bei dem ersten Besuche Sequeira’s in Malaka sich -durchaus freundlichgesinnt bewiesen, so suchte Albuquerque auch mit -China freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Doch unterblieb die -Absendung einer Gesandtschaft noch in den nächsten Jahren. Dagegen -ist gewiß, daß bereits 1515 das Reich der Mitte von portugiesischen -Handelsschiffen aufgesucht wurde, welche zwar ihre Waaren absetzen -durften, aber für ihre Mannschaft nicht die Erlaubniß erhielten, das -Land zu betreten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_173" id="Seite_173">[S. 173]</a></span></p> - -<p>Der Eindruck, den die Kunde von der Eroberung Malaka’s in Europa -machte, war ein außerordentlicher. Derselbe wurde noch gesteigert -durch eine pomphafte Gesandtschaft, welche König Manuel 1513 unter -Tristão da Cunha mit großem Gefolge an den Papst Leo X. entsendete. -Außer reichen mit Gold und Edelsteinen geschmückten kirchlichen Ornaten -und schweren goldenen Gefäßen wurde bei dem prächtigen Einzuge der -Gesandtschaft in Rom, am 12. März 1514, dem erstaunten Volke auch die -gewaltige Thierwelt Indiens in Gestalt eines riesigen Elephanten, den -man seit dem Alterthum in Italien nicht mehr gesehen hatte, eines -Jagdleoparden, der auf einem reich aufgezäumten persischen Rosse saß -— es war ein Geschenk des Königs von Ormuz — vorgeführt. Ein Herold -mit den portugiesischen Abzeichen schritt in dem festlichen Zuge, der -eine Huldigung des Orients vor dem Haupte der Christenheit vorstellen -sollte, dem Gesandten voraus. Die Menschenmenge, welche um dieses -Schauspiel zu sehen, herbeigeströmt war, hatte Kopf an Kopf alle -Straßen dermaßen besetzt, daß der Zug kaum hindurchdringen konnte.</p> - -<p>Als derselbe endlich die Engelsburg erreicht, wurde mit allen Kanonen -geschossen, daß der Donner der Geschütze und dichter Pulverdampf -weithin über die Stadt rollten. Dann erschien der Papst an einem -Fenster und nahm den Zug in Augenschein. Der riesige Elephant mußte -vor Seiner Heiligkeit dreimal die Knie beugen, zu nicht geringer -Verwunderung der Zuschauer.<a name="FNAnker_109_109" id="FNAnker_109_109"></a><a href="#Fussnote_109_109" class="fnanchor">[109]</a> Am folgenden Tage wurden die Geschenke -in feierlicher Audienz überreicht durch den portugiesischen Abgesandten -Diogo Pacheco, welcher bei dieser Gelegenheit eine glänzende Rede über -die Waffenthaten seiner Landsleute in Indien hielt und dabei einen -Brief seines Königs überreichte, in welchem gleichfalls die Siege -Albuquerque’s verherrlicht waren. Nach der deutschen Uebersetzung (Die -New Welt der Landschafften u. s. w. Straßburg 1534. Fol. 57) lautet der -Anfang dieses Briefes folgendermaßen:</p> - -<p>Ein sendbrieff des mechtigsten vnd vnuberwintlichsten Emanuels des -Königs jnn Portugal, vnd Algarbien von den sygen, die er gehabt hat jnn -India vnd Malacha, zu dem Heyligsten jnn Gott vatter, vnd vnserm Herrn, -Herrn Leoni dem zehenden des namens Babst zu Rom.</p> - -<p>„Wie vast wir vns mit Gott dem Herrn vnd dir frewen sollen, -Allerheyligster vatter das erscheynet aus der bottschaft, die -vnser Indische schiffrüstung bracht hat. Dweyl vnder dir Römischem -Bischoff, und presidenten der Römischen vnd Christlichen Kirchen so -wunderbarliche Ding, zu lob vnd eher dem Allmechtigen nach wunsch -ergangen seind, das man dir billich zum lob und eher rechnet. Darumb -hat vns fur billich angesehen, was in India sich verloffen hat, mit -der Hilff Gots, vnd vnsern waffen zu deiner Heyligkeyt als zu eym -Haupt der gmeynen Christenheyt vnd richtschyt aller Christlichen -Religion kurtz vnd summarien weys zubeschreyben, das alle Ding nach<span class="pagenum"><a name="Seite_174" id="Seite_174">[S. 174]</a></span> -jhrem werd geschetzt werden, vnd Gott dem Herren darumb gedanckt. Auch -dz wir hoffen mögen tägliche merung deines lobs sambt zunemung des -Christlichen glaubens vnd leren.“</p> - -<p>Es wurden also auch die indischen Siege als Glaubenssiege aufgefaßt; -aber der Schauplatz dieser Kreuzzüge lag viel weiter im Osten, „am -güldenen Chersoneso, in den auswendigsten Morgenländern“, wo durch die -portugiesischen Waffen auch das Christenthum verbreitet werden sollte. -Albuquerque’s Verdienst wurde mit höchster Anerkennung gepriesen. -Der Generalcapitän Indiens stand damals auf der Höhe seines Ruhmes. -In Asien und Afrika erscholl sein Name mit Schrecken, in Europa mit -Bewunderung.</p> - -<p>Noch von Malaka aus wurden drei Schiffe am Schluß des Jahres 1511 -abgesendet, um das letzte Ziel der Portugiesen, die <em class="gesperrt">Gewürzinseln -oder Molukken aufzusuchen</em>. Das kleine Geschwader stand unter der -Führung des <em class="gesperrt">Antonio d’Abreu</em>. Derselbe hatte sich beim zweiten -Sturm auf Malaka ausgezeichnet, war dabei durch einen Schuß in die -Backe, welcher ihm mehrere Zähne und einen Theil der Zunge nahm, -verwundet, hatte aber trotzdem nach Anlegung eines Verbandes sich am -Kampfe wieder betheiligt. Wie diese erste Kundschaft nach den Molukken -verlief, werden wir später im Zusammenhange mit den folgenden Vorfällen -auf den Gewürzinseln zu schildern haben.</p> - -<p>Die Angelegenheiten zu Malaka ordnete Albuquerque der Art, daß er -Ruy d’Araujo zum Richter und Factor (<span class="antiqua">alcaide mór e feitor</span>), -Ruy de Brito Patalim zum Commandanten der Festung einsetzte. Die -Besatzung belief sich auf 300 Mann, ebenso stark war die Mannschaft -auf der dort stationirten Flotte von zehn Segeln, welche unter dem -Befehle des Fernão Peres d’Andrade zurückblieb. Diese beträchtliche -Macht war erforderlich, um Malaka gegen Angriffe von der Land- und -Seeseite vertheidigen zu können. Und solche Angriffe waren um so mehr -zu erwarten, als die Macht des früheren Herrschers keineswegs gebrochen -war; denn Mahmud hatte sich auf Bintang, südöstlich von der alten -Residenz Singapur, und sein Sohn Alaeddin in Dschohor festgesetzt, so -daß sie von da aus die Straße nach den Gewürzinseln und nach China -nicht nur beherrschten, sondern die Portugiesen in Malaka beständig -beunruhigen konnten.</p> - -<p>Im Januar 1512 ging Albuquerque mit drei Schiffen nach Indien zurück. -Auch nahm er eine Anzahl (gegen 60) javanischer Zimmerleute sammt -ihren Familien mit, welche ihm beim Schiffbau dienlich sein sollten. -An der gefährlichen Küste von Sumatra ging Albuquerque’s Schiff, Flor -de la mar, auf einer Sandbank zu Grunde. Er selbst verlor alle Beute -und Siegeszeichen in diesem Schiffbruche sammt den Manuscripten, in -denen er seine Thaten aufgezeichnet hatte. Die Mannschaft rettete sich -zwar auf das folgende portugiesische Schiff, aber die malayischen -Zimmerleute benutzten die Gelegenheit zu einer Meuterei, bemächtigten -sich des Fahrzeuges, auf dem sie segelten, mit Gewalt und gingen an der -Küste von Sumatra ans Land. Albuquerque selbst erreichte in den ersten -Tagen des Februar den Hafen von Kotschin.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_175" id="Seite_175">[S. 175]</a></span></p> - -<p>In Goa waren unterdessen, während der Abwesenheit des -Oberbefehlshabers, die Portugiesen belagert worden und arg bedrängt. -Die verhältnißmäßig kleine Besatzung von 450 Portugiesen und 1250 -indischen Hilfstruppen wurde fortwährend beunruhigt und durch kleine -Gefechte ermüdet. Sie verlor sogar zwei ihrer besten Hauptleute und -sah sich genöthigt, den noch gefangen gehaltenen Diogo Mendes de -Vascogoncellos seiner Bande zu entledigen und an die Spitze zu stellen. -Die Feinde hatten der Stadt gegenüber eine starke Burg in Benestarim -errichtet und drohten von da aus, die Fremdlinge zu vertreiben. Zum -Glück kamen im Sommer 1512 nacheinander mehrere Schiffe mit Mannschaft -und Lebensmitteln zu Hilfe, und als im August sogar eine größere Flotte -von dreizehn Schiffen mit 1800 Soldaten einlief, gewann man allen Muth -wieder und ging selbst zum Angriff über. Albuquerque durfte es daher -wagen, seine Ankunft zu verzögern, um vorher die Handelsflotte nach -Europa abzufertigen, und ging erst am 16. September mit sechzehn Segeln -nach Goa.</p> - -<p>Sein Erscheinen änderte die Lage vollständig. Aus den bisher -Bedrängten wurden wieder Bedränger und siegesgewisse Angreifer. -Benestarim wurde erobert. Den portugiesischen Ueberläufern in der -Festung hatte Albuquerque das Leben gesichert, aber er ließ ihnen zur -Strafe, anderen zur Warnung, Ohren und Nase abschneiden, die rechte -Hand, sowie den linken Daumen abhauen und schickte die Verstümmelten -nach Portugal zurück. Benestarim wurde noch stärker befestigt und -Goa bei dem folgenden Friedensschlusse an Portugal abgetreten. Der -verhältnißmäßig leichte Sieg ist zum Theil auch der steten Eifersucht -der dekhanischen Fürsten untereinander zuzuschreiben, die einerseits -nie gemeinschaftliche Sache gegen die Abendländer machten, andererseits -sich im Geheimen um die Freundschaft der Portugiesen bewarben. Dann -wurde durch eine an der Küste kreuzende Flotte der Hafen von Kalikut -gesperrt und dadurch der Fürst auch zur Nachgiebigkeit gezwungen. -Dagegen begann Goa als Handelsplatz aufzublühen. Albuquerque hatte -dafür gesorgt, daß nur nach Goa die Pferde aus Persien eingeführt -werden durften. Die einheimischen Kriege wurden damals in Indien aber -hauptsächlich durch Reiterei entschieden. Die indischen Fürsten waren -also dadurch, daß Goa allein der Einfuhrhafen für Pferde wurde, auf den -guten Willen und die Freundschaft der Portugiesen angewiesen, wenn sie -ihre Reiterei verstärken wollten.</p> - -<p>In Portugal selbst erkannte man die Bedeutung Goa’s noch nicht, oder -wurde durch falsche Berichte, die möglicherweise absichtlich von den -Gegnern Albuquerque’s verbreitet wurden, über die wahre Sachlage -getäuscht. Nur so erklärt es sich, daß Manuel in einem Schreiben an -den Oberbefehlshaber anordnen konnte, Albuquerque möge mit seinen -Hauptleuten wohl überlegen, ob Goa behauptet werden solle oder nicht. -Goa sei ein ungesunder Ort und seine Behauptung koste unnützes -Geld.<a name="FNAnker_110_110" id="FNAnker_110_110"></a><a href="#Fussnote_110_110" class="fnanchor">[110]</a> Man werde dadurch in immer erneute<span class="pagenum"><a name="Seite_176" id="Seite_176">[S. 176]</a></span> Kriege mit den nächsten -Landesherren verwickelt und es werde sehr fraglich sein, ob jemals -die Abgaben vom festen Lande eingezogen werden könnten, welche der -Generalcapitän als nicht unbeträchtlich bezeichnet hatte. Albuquerque -aber legte auf die Wiedereroberung Goa’s das größte Gewicht. Er -schrieb dem Könige, daß dieser Sieg in Indien mehr gewirkt habe für -die Macht des Königs, als alle Flotten, die seit fünfzehn Jahren dahin -abgeschickt worden seien. Der Bund der feindlichen Fürsten sei dadurch -gesprengt. Die Räthe des Königs wüßten die indischen Angelegenheiten -nicht richtig zu beurtheilen. Ohne feste Stütze auf dem Lande sei -in Indien die portugiesische Macht ohne Dauer. Alle Citadellen in -Kotschin, Kananor und anderen Orten hielten in Werth und Bedeutung -keinen Vergleich mit Goa aus. Er wisse wohl, daß er in Portugal Feinde -habe; aber der König möge nicht auf sie hören; denn wenn Goa wieder -aufgegeben würde, dürfte auch die portugiesische Herrschaft in Indien -ihrem Ende nahe sein. Er verdiene mehr Dank vom Könige dafür, daß er -Goa gegen Portugiesen vertheidige, als dafür, daß er es zweimal den -Feinden abgenommen.<a name="FNAnker_111_111" id="FNAnker_111_111"></a><a href="#Fussnote_111_111" class="fnanchor">[111]</a></p> - -<p>Osorio stellt bei dieser Gelegenheit folgenden interessanten Vergleich -zwischen der Politik Almeida’s und Albuquerque’s an:<a name="FNAnker_112_112" id="FNAnker_112_112"></a><a href="#Fussnote_112_112" class="fnanchor">[112]</a> das Ziel -beider Feldherrn ging auf die Verherrlichung und den Ruhm ihres -Königs und der portugiesischen Waffen, sowie auf die Verbreitung des -Christenthums in Indien; aber sie schlugen verschiedene Wege ein. -Almeida wollte sich mit einem Stützpunkt am Lande begnügen und dagegen -mit stets vereinigten Flotten die See beherrschen. Seine Truppen wollte -er nicht in einzelnen Besatzungen zersplittern, welche von großen -feindlichen Mächten leicht überwältigt werden könnten. Albuquerque -aber strebte vor allem danach, Herr des Landes zu werden, in der -festen Ueberzeugung, daß er dann auch über die See gebiete. Sein -Blick ging dabei über das Nächstliegende hinaus. Er wollte nicht blos -dafür sorgen, für die Gegenwart alljährlich kostbare Gewürzfrachten -heimzusenden, er wollte diesen Handel auch für die Zukunft sichern. -Dazu brauchte er eine imponirende Stellung auf dem Lande und damit -verbunden eine vollkommene Beherrschung der wichtigsten Handelsplätze. -Eine große Flotte, meinte er, könne in einem Sturme untergehen, eine -feste Stellung auf indischem Boden sei sicherer. Ein solcher Platz -sei aber nicht sicher, wenn er blos an sich fest sei, sondern erst -dann, wenn man demselben auf verschiedenen Wegen Hilfe bringen könne. -Solche Stützpunkte aber verminderten nicht, sondern stärkten auch die -Machtstellung auf der See.</p> - -<p>Wie richtig Albuquerque’s Urtheil in Bezug auf Goa war, erwies sich -in der Folgezeit, als Soliman von Aegypten Diu angriff und durch eine -von Goa kommende Flotte zum Rückzug genöthigt wurde; ebenso als der -Beherrscher von Kambaya mit türkischer Hilfe noch einmal Diu bedrohte. -Der damalige<span class="pagenum"><a name="Seite_177" id="Seite_177">[S. 177]</a></span> Befehlshaber in Goa, João Castre, konnte seine Gegner -um so leichter bezwingen, als er in Goa sofort neue Truppen ausheben -und auf den Werften konnte Schiffe bauen lassen, und als er mit -allem Kriegsmaterial wohl versehen war. Der Ausgang des Kampfes wäre -zweifelhaft gewesen oder wenigstens verzögert worden, wenn man auf die -entfernte Hilfe vom Mutterlande her hätte warten müssen. Dazu hatte -Albuquerque aus Goa eine portugiesische Stadt zu machen verstanden, in -welcher die Soldaten Heiraten mit Hindumädchen eingingen.</p> - -<p>Die große Bedeutung der Besetzung Goa’s hebt auch Barros<a name="FNAnker_113_113" id="FNAnker_113_113"></a><a href="#Fussnote_113_113" class="fnanchor">[113]</a> -hervor. Dieses Jahr, sagt er, war eines der glücklichsten für die -portugiesischen Angelegenheiten. Es kamen nicht blos reiche Flotten -mit Spezereien nach Portugal, sondern auch die Nachrichten von der -Eroberung Malaka’s und Goa’s, es kamen Gesandte vom Priester Johannes -(dem Könige von Habesch), von Siam und Pegu, sogar der Samudrin -bequemte sich in der Folgezeit endlich dazu, den Bau einer Citadelle -in Kalikut zu gestatten. Viele andere malabarische Fürsten von -Kambaya, von Narsinga u. a. wünschten Frieden und Freundschaft mit den -Portugiesen zu schließen.</p> - -<p>In Indien war Portugals Macht thatsächlich befestigt, die einheimischen -Fürsten erkannten, wenn auch widerstrebend, die Herrschaft der neuen -Seemacht an; aber sie wurden von Aegypten aus immer wieder von -neuem aufgeregt und mit Schiffen und Mannschaft zu neuen Erhebungen -aufgemuntert. Aegypten verlor durch die völlige Verdrängung vom -indischen Markte zu viel an Einkünften, als daß es sich nicht immer -wieder veranlaßt fühlen sollte, mit Hilfe indischer Bundesgenossen die -verhaßten Christen zu befehden. König Manuel drängte darum mit Recht -wiederholt auf einen Zug nach dem rothen Meere, um womöglich diese -wichtigste Straße des mohammedanisch-indischen Handels zu schließen. -So rüstete sich Albuquerque denn im Beginn des Jahres 1513 zu einem -Feldzuge nach jenen arabischen Gewässern. Es klingt fast wie eine -Entschuldigung oder Ablehnung der Verantwortlichkeit für die Folgen -dieses Unternehmens, wenn Albuquerque seinen Capitänen erklärte, der -König habe schon zu wiederholten Malen ihm diesen Zug geboten und -habe nun in seinem letzten Briefe ausdrücklich befohlen, unverzüglich -aufzubrechen.<a name="FNAnker_114_114" id="FNAnker_114_114"></a><a href="#Fussnote_114_114" class="fnanchor">[114]</a></p> - -<p>Am 18. Februar 1513 ging er mit 20 Schiffen, 1700 Portugiesen und -800 indischen Soldaten nach dem rothen Meere ab. Im Hafen von Soko -auf Sokotra wurde Wasser eingenommen; die Festung daselbst war im -vorhergehenden Jahre bereits aufgehoben. Von hier aus mußte die Fahrt -mit äußerster Vorsicht geschehen, da man das Fahrwasser nicht kannte. -Seit dem Alterthum war kein den Europäern gehöriges Schiff auf diesen -Gewässern erschienen. Albuquerque war wieder der erste, welcher in -dieses zwei Erdtheile scheidende Binnenmeer eindrang. Glücklicherweise -wurde ein Schiff,<span class="pagenum"><a name="Seite_178" id="Seite_178">[S. 178]</a></span> das von Tschaul kam, aufgebracht, der Lotse -desselben wurde gezwungen, den Führer zu machen. Die nächste Aufgabe -war, sich Adens zu bemächtigen. Es war schon damals wie noch heute der -Schlüssel des rothen Meeres. Die Stadt blühte rasch auf, weil es in -Folge der neuen Verhältnisse zum Stapel für die Gewürze geworden war; -denn die arabischen Händler wagten sich aus Furcht vor den Portugiesen -nicht mehr ins indische Meer, sondern nahmen in Aden die Waaren in -Empfang, welche auf malabarischen Schiffen ihnen zugeführt werden -durften. Aden liegt auf einer landfest gewordenen Insel, also auf einer -Halbinsel, auf durchaus vulkanischem Boden, eigentlich im Innern eines -erloschenen Kraters, dessen nackte Wände die Stadt in einem Halbkreise -umgeben. Wasser fehlte damals und mußte von weit hergeleitet werden. -Jetzt versorgen gewaltige Cisternen die Bewohner mit dem nöthigen -Wasser. Die an sich schon feste Lage war durch starke Mauern und Thürme -noch mehr gesichert. Albuquerque forderte die Uebergabe der Stadt, -welche im Besitz des Amir Ibn-abd-el-wahhab war; aber dieselbe wurde -abgelehnt. So entschloß sich der portugiesische Befehlshaber rasch -zum Sturm, setzte 1400 Portugiesen und 400 Indier ans Land, um auf -Sturmleitern die Mauern zu erklimmen. Voll Ehrgeiz und Kampfbegier -drängten sich die Angreifer auf die allzubreiten Leitern, so daß die -Stufen unter dem Gewicht von mehr als zwanzig Menschen, die zu gleicher -Zeit hinaufstrebten, zusammenbrachen. Vierzig Portugiesen befanden -sich schon auf der Mauer. Garcia de Sousa bemächtigte sich sogar eines -Thores. Da er aber von den Arabern gedrängt, sich nicht an einem -Stricke von der Mauer herablassen wollte, so stürzte er lieber mitten -unter die Feinde und opferte sich, tapfer kämpfend, auf, um seinen -Gefährten Zeit zu verschaffen, sich zu retten.</p> - -<p>Albuquerque mußte erkennen, daß seine Macht zu schwach sei und brach -daher nach vier Stunden den Kampf ab. Einen späteren Angriff behielt -er zwar im Auge, wollte aber vorher einige wichtige Inseln im rothen -Meere besetzen. Mit äußerster Vorsicht mußte vorgegangen werden, -weil überall Klippen und Korallenbänke ungeahnte Gefahr drohten. -Dazu traute Albuquerque dem gezwungenen Lotsen nicht, suchte mit dem -Senkblei in der Hand das Fahrwasser auf und ließ alle Abende beilegen. -So gelangte er bis zur flachen, felsigen Insel <em class="gesperrt">Kamaran</em> (15° -51′ n. Br. 42° 32′ ö. L. v. Greenwich). Dieselbe liegt hart an der -arabischen Küste, in der Nähe der Stadt Lohaja. Obwohl sich die Höhen -nur 16 Meter über den Meeresspiegel erheben, ist die Insel doch reich -an Brunnen und besitzt einen sehr guten Hafen auf der Ostseite. Sie -war den Küstenfahrern längst als guter Ankerplatz bekannt, wo man -sich auch mit Wasser und Früchten, namentlich Datteln versorgen -könnte. So erhielten denn auch die Europäer frühzeitig davon Kunde -und lernten den Platz schätzen. Carsten Niebuhr hebt hervor: Fast -alle Nachrichten der Europäer von dem arabischen Meerbusen erwähnen -dieser Insel.<a name="FNAnker_115_115" id="FNAnker_115_115"></a><a href="#Fussnote_115_115" class="fnanchor">[115]</a> Ihrer wichtigen Lage wegen<span class="pagenum"><a name="Seite_179" id="Seite_179">[S. 179]</a></span> ist sie gegenwärtig -im Besitze der britischen Macht, welche von der Insel Perim aus auch -den Ausgang des rothen Meeres beherrscht. Es zeugt aber sicher von -dem Scharfblicke Albuquerque’s, daß er sofort beim ersten Betreten -dieses Meeres die Bedeutung jener wasserreichen Insel erkannte. Aber -viel weiter sollte er nicht gelangen. Mehrere Versuche nordwärts zu -dringen, wurden durch Unwetter abgeschlagen. Er sah sich längere Zeit -an die Insel gefesselt, da die günstigen Monsune zur Rückfahrt nach -Indien noch nicht eingesetzt hatten, er verlor in dem verrufenen heißen -Klima viele Leute und konnte erst am 15. Juli nach Aden zurückkehren. -Ohne diese Stadt noch einmal zu bedrohen, segelte er weiter und langte -schon am 4. August wieder in Diu an. Hier zeigte sich nun Melek Eias so -weit nachgiebig, daß er die Errichtung einer Factorei den Portugiesen -gestattete, und als auch Kalikut sich endlich zu einem ähnlichen -Zugeständniß bereit erklärte, wurden den mohammedanischen Schiffen -Pässe ertheilt, und das Aufbringen der im Gewürzhandel beschäftigten -Kauffahrteischiffe hörte an den Küsten Indiens auf. Der Handel begann -sich wieder zu beleben und zu befestigen.</p> - -<p>Im nächsten Jahre wurde Pero d’Albuquerque, der Neffe des -Generalcapitäns, mit einem Geschwader nach Ormuz entsandt, um den -fälligen Tribut einzuziehen, während Jorge d’Albuquerque mit frischen -Truppen nach Malaka steuerte, um hier die Vertheidigung der viel -umstrittenen Stellung zu übernehmen.</p> - -<p>Die nächste Zeit war Albuquerque selbst mit den indischen -Angelegenheiten: mit der Befestigung der Citadellen in den -Handelsstädten und Abfertigung der Transportflotten beschäftigt, -außerdem plante er einen neuen Zug gegen Aden. Während der Vorbereitung -dazu erhielt er aber die königliche Weisung, zunächst womöglich nach -Ormuz zu gehen. Albuquerque konnte um so mehr diesem Befehle zustimmen, -als er inzwischen in Erfahrung gebracht, daß der Sultan von Aegypten -nicht weiter rüste, daß also von Seiten dieses Gegners keine Gefahr -drohe und das rothe Meer ruhig bleiben werde. Am 21. Februar 1515 ging -der Generalcapitän von Goa aus mit 27 Schiffen (14 großen Schiffen, 7 -Karavelen und 6 Ruderschiffen) in See. Es sollte sein letzter Zug sein. -Die Besatzung bestand aus 1500 Portugiesen und 700 Indiern (Kanaresen -und Malabaren). In Ormuz führte damals Rais Ahmed, ein ehrgeiziger -Perser, im Namen seines alten und schwachen Oheims das Regiment. Die -Portugiesen hatten über ihn gehört, daß er mit dem Plane umgehe, sich -unter die Oberhoheit des persischen Schah zu stellen, um sich der -Verpflichtungen des lästigen Tributs an Portugal zu entledigen.</p> - -<p>Diese Absichten wurden durch die Ankunft Albuquerque’s vor Ormuz, am -26. März, vereitelt. Der alte Fürst sah sich noch nicht in der Lage, -der Forderung des Generalcapitäns, ihm die Citadelle zu übergeben, -lange zu widerstehen. Das Wasserthor der Festung wurde schon am dritten -Tage den Portugiesen geöffnet, und ohne Blutvergießen zogen dieselben -ein. Das Thor gegen die Stadt wurde geschlossen und die Mauern mit -Kanonen bepflanzt,<span class="pagenum"><a name="Seite_180" id="Seite_180">[S. 180]</a></span> um die Burg vor einem Ueberfalle zu sichern. Dann -wurden die Festungswerke weiter ausgebaut und Pero d’Albuquerque -als Commandant eingesetzt. Nun galt es, um den Frieden vollständig -zu befestigen, den ehrgeizigen Rais Ahmed mit seinem Anhange zu -beseitigen. Bei einer Zusammenkunft Albuquerque’s mit dem bejahrten -Fürsten wagte Ahmed es, seinen Oheim von einer persönlichen Begrüßung -zurückzuhalten und sich sogar an der Person des portugiesischen -Befehlshabers zu vergreifen. Er rechnete nämlich auf fünfzig Leute -seines Gefolges, die mit verborgenen Waffen vor dem Hause standen. -Albuquerque war darauf vorbereitet und befahl seinen Hauptleuten, den -Anführer der Verrätherei niederzumachen. Den alten Fürsten führte man -aus dem Getümmel fort und das Gefolge des gefallenen Ahmed wurde von -portugiesischen Soldaten zurückgetrieben. Vom Dache des Hauses mußte -sich der alte Rais Nordin seinem Volke zeigen und dasselbe über seine -Person beruhigen. Dem aufgeregten Anhange und den Verwandten Ahmeds, -welche den Palast des Fürsten plündern wollten, ließ Albuquerque -erklären, wenn sie sich nicht sofort beeilten, bis Sonnenuntergang die -Stadt zu verlassen und auf persischen Boden zurückzukehren, so solle -keiner von ihnen mit dem Leben davon kommen; denn die Portugiesen -beherrschten mit der Flotte die See und von der Citadelle aus die Stadt -und die Insel. So wanderten denn die 25 Familien der persischen Partei -aus und Rais Nordin konnte unter dem Schutze und Geleite Albuquerque’s -wieder als Herrscher in seinen Palast zurückkehren. Die Stadt war über -den Zwischenfall bald beruhigt, und durch eine Gesandtschaft nach -Persien, unter der Führung Fernão’s Gomez de Lemos, wurde auch das -gute Einvernehmen mit Schah Ismail wieder hergestellt. Dieser leicht -gewonnene Friede erklärte sich besonders aus dem religiösen Zwiespalt -zwischen den schiitischen Persern und den sunnitischen Arabern.</p> - -<p>Albuquerque schickte einen Theil der Flotte unter seinem Neffen -Garcia de Noronha nach Kotschin und blieb selbst noch einige Monate -in Ormuz, um die Angelegenheiten vollständig zu ordnen, ehe er die -Weiterführung der Geschäfte dem Commandanten der Citadelle überlassen -konnte. Vielleicht wollte er auch noch Vorbereitungen zu einem -zweiten Angriff auf Aden treffen. Doch dieser Wunsch sollte unerfüllt -bleiben. Schon seit Anfang August litt er an der Ruhr, und da das -Uebel sich verschlimmerte, mußte er endlich dem Anrathen seiner Aerzte -nachgeben, vorläufig nach Indien zurückzukehren. Er begab sich an -Bord des Schiffes, welches Diogo Fernandez da Beja befehligte und -übergab sein eigenes Schiff seinem Neffen Vicente d’Albuquerque. Im -Anfang November segelte er von Ormuz ab; bei Kalhât an der Küste von -Oman traf man mit einem arabischen Schiffe zusammen, welches von Diu -kam und die Nachricht mitbrachte, Lopo Soarez sei zum Nachfolger im -Generalcapitanate ernannt worden.</p> - -<p>König Manuel hatte also endlich doch den feindlichen Einflüsterungen -nachgegeben. Nach diesen Verläumdungen sollte Albuquerque bald -wahnsinnig verwegen, bald von maßlosem Ehrgeize erfüllt sein. Man -ersann sogar das<span class="pagenum"><a name="Seite_181" id="Seite_181">[S. 181]</a></span> Märchen: er strebe danach, sich zum unabhängigen -Herrscher von ganz Indien zu machen. Dazu stütze er sich nur auf seine -Verwandten und begünstige sie bei allen wichtigen Stellungen. — Wenn -dies als Vorwurf gelten kann (denn die Thatsache ist richtig, daß er -die Vertheidigung von Ormuz und Malaka, unzweifelhaft die wichtigsten -Positionen außerhalb Indiens, seinen Neffen übertrug), so darf doch -nicht unberücksichtigt bleiben, daß er dadurch diese beiden Plätze am -sichersten bewahrt glaubte, da er sich auf die Befehlshaber verlassen -konnte. — Selbst daß er mit den Fürsten in Indien Frieden schloß, galt -als Zeichen des Verraths, denn diese neue Freundschaft, hieß es, sei -nur ein weiterer Schritt zur Unabhängigkeit, nach der er strebe.<a name="FNAnker_116_116" id="FNAnker_116_116"></a><a href="#Fussnote_116_116" class="fnanchor">[116]</a></p> - -<p>Albuquerque war gewarnt, er kannte solche Verdächtigungen, aber er -hatte, gestützt auf seine Verdienste und die Makellosigkeit seines -politischen Charakters, es für unnöthig gehalten, ihnen entgegen zu -treten. Er antwortete nur durch seine Thaten. Aber er hatte in Portugal -wenig Fürsprecher mehr; alle Edelleute, welche er wegen Vergehen und -Ungehorsamkeit zurückschickte und dem König zur Bestrafung überwies, -vermehrten die Zahl seiner Widersacher, und so glaubte Manuel endlich, -indem er, statt eine Untersuchung über die wiederholt vorgebrachten -Beschwerden anzuordnen und nach deren Ausfall zu entscheiden, sich -mit einer halben Maßregel begnügte, den Generalcapitän wenigstens -zurückrufen zu müssen. Und das war es eben, was diesen so tief -kränkte. Als er vernahm, daß Lopo Soarez ihn ersetzen solle und daß -andere Befehlshaber für die wichtigsten Positionen ernannt seien, -rief er wehmüthig aus: „Lopo Soarez Generalcapitän?! Konnte es nicht -ein anderer sein! Und solche Männer, wie Diogo Mendez und Diogo -Pereira,<a name="FNAnker_117_117" id="FNAnker_117_117"></a><a href="#Fussnote_117_117" class="fnanchor">[117]</a> die ich wegen ihrer Vergehen als Gefangene nach Portugal -heimgesandt, schickt mir der König als Capitäne und Secretäre wieder -zu?! Um des Königs willen habe ich es mit diesen Leuten verdorben, und -falle um der Leute willen bei dem Könige in Ungnade.“<a name="FNAnker_118_118" id="FNAnker_118_118"></a><a href="#Fussnote_118_118" class="fnanchor">[118]</a></p> - -<p>Sein Lebensmuth und seine Lebenskraft waren gebrochen. Er wünschte nur -noch Goa zu erreichen, denn hier hoffte er Briefe zu finden, welche ihm -den plötzlichen Umschlag erklärten und ihn wenigstens durch Anerkennung -seiner Verdienste trösten könnten.</p> - -<p>Auf Zureden seiner Freunde schrieb er mit zitternder Hand einen letzten -Brief an den König: „Sire, dies sind die letzten Worte, welche ich -an Ew. Majestät richte, schwergebeugt, nachdem ich so viele Berichte -mit heiterem Lebensmuthe geschrieben. Ich hinterlasse hier einen -Sohn,<a name="FNAnker_119_119" id="FNAnker_119_119"></a><a href="#Fussnote_119_119" class="fnanchor">[119]</a> Bras Albu<span class="pagenum"><a name="Seite_182" id="Seite_182">[S. 182]</a></span>querque; ihm bitte meine Verdienste anrechnen zu -wollen. Die Angelegenheiten in Indien werden für sich selbst und für -mich sprechen.“ Im Angesicht des Hafens von Goa starb er am Bord des -Schiffes, am 16. December 1515, 63 Jahre alt. Angethan mit dem weißen -Gewande des St. Jago-Ordens, dessen Commandeur er war, und geschmückt -mit den Ordenszeichen, um die Schultern den Sammetmantel gelegt und -über dem Goldnetz, welches das Haar umschloß, mit einem Sammtbarett: -so wurde seine Leiche auf einem mit Goldbrokat bedeckten Sessel ans -Land getragen. Die Augen waren halb geöffnet, aber ohne die Häßlichkeit -des Todes. Der lange, weiße Bart wallte bis auf die Brust herab, so -daß er auch im Tode noch dieselbe Achtung und Ehrfurcht gebot, die man -ihm im Leben zollte. Am Ufer wurde er von dem Commandanten und allen -Edelleuten empfangen und in der Capelle beigesetzt, welche er selbst -vor den Thoren der Stadt hatte erbauen lassen.</p> - -<p>Er hatte die Tugenden und Fehler eines Imperators. Er übte strenges -Recht, aber den Treubruch bestrafte er hart. Er war zäh im Ausharren -und Ertragen von Mühen. Er ging bei allen Kämpfen nicht mit Worten, -sondern mit dem besten, eigenen Beispiel voran. Schmeichler und -Ohrenbläser ließ er hart an und hielt sie von sich fern. Den gefaßten -Plänen folgte schnellste Ausführung. Persönliche Beleidigungen -ertrug er großmüthig, aber er litt es nicht, daß man seine Befehle -überschritt oder seine Pläne durchkreuzte; dann schreckte er auch vor -Gewaltmaßregeln nicht zurück. In seinen Todesurtheilen ist er mehrmals -zu rasch gewesen, denn er war eine leicht erregbare Natur, die schwer -zu befriedigen war; aber eine übereilte Handlung hat er alsbald bereut.</p> - -<p>Er forderte volle Hingebung an den Beruf und das Amt und verlangte -die Anspannung aller Kräfte. Darin that er selbst es allen zuvor. -Im Frieden war er Tag und Nacht thätig. G. Correa erzählt,<a name="FNAnker_120_120" id="FNAnker_120_120"></a><a href="#Fussnote_120_120" class="fnanchor">[120]</a> -daß er gewöhnlich des Morgens in aller Frühe die Messe hörte und -dann zu Pferde stieg, um, von seiner Leibwache umgeben, die Bauten, -Werften, Magazine zu besichtigen. Im Staatsdienst duldete er keine -Verschwendung und konnte über unnütze Verschleuderung des königlichen -Gutes leidenschaftlich aufbrausen. Seine Entscheidungen traf er rasch; -man hat mehrfach gesehen, daß er unterwegs, auf der Straße, Befehle -und Dokumente auf den Knien unterzeichnete. Er war leutselig gegen -jedermann und verstand die Hindus und Mohammedaner nach ihrer Art -zu behandeln. Für alle war er bedacht, die friedliche Entwicklung -des Handels zur Verbesserung der Lage und Vermehrung des Wohlstandes -zu fördern. Jedermann hatte Zutritt zu ihm. Seine Thür war nie -verschlossen, nur nach dem Mittagsessen gönnte er sich eine kurze -Ruhe und diese wurde an den Wochentagen noch auf das geringste Maß -beschränkt. Am Tage fast immer draußen beschäftigt, verwendete er die -Stunden der Nacht dazu mit seinen Secretären zu arbeiten, um dem Könige -von allem<span class="pagenum"><a name="Seite_183" id="Seite_183">[S. 183]</a></span> Rechenschaft zu geben bis ins Kleinste. An den König, die -Königin, die königlichen Räthe entwarf er die Briefe selbst.</p> - -<p>Da er immer nur darauf bedacht war, die königliche Macht in Indien -zu stärken, so lag es ihm ganz fern, für sich selbst Reichthümer zu -erwerben. Alle Geschenke, welche ihm von den Fürsten und Herren in -Indien verehrt wurden, übergab er dem König oder der Königin, oder -vertheilte sie unter die Hauptleute und Ritter. Auch gegen die Armen -erwies er sich hilfreich.</p> - -<p>Im Kriege und in der Schlacht stellte er sich den Soldaten gleich und -achtete auf sein Leben ebensowenig als auf das Leben der andern, wenn -es ein großes Ziel galt. Bei dem ersten unglücklichen Kampfe um den -Palast in Kalikut gerieth er selbst mehrfach in Lebensgefahr. Sein -Fahnenträger und einer seiner Pagen fielen an seiner Seite und er hielt -aus, bis ihn ein Steinwurf besinnungslos niederwarf. Ebenso begab er -sich beim ersten Sturm auf Malaka in Lebensgefahr, wurde dabei von den -Feinden umstürmt und mußte von João Lemos herausgehauen werden. Dann -ging er aber sofort wieder zum Angriff über. Er war ein vorsichtiger -Feldherr und nie tollkühn; aber wenn er Großes erreichen wollte, -setzte er alles daran. Vor dem zweiten Sturm auf Malaka erklärte er -seinen schwankenden Capitänen, daß er seine Mannschaft nur darum aufs -Spiel setzte, weil er die Position von Malaka für außerordentlich -wichtig halte. So griff er auch zweimal Goa an und ließ sich durch -einen ersten Mißerfolg nicht abschrecken, die blutige Entscheidung -noch einmal zu wagen. Darum hielt er bei der ersten Belagerung in Goa -auch so zäh bis zum äußersten aus. Als hier dem feindlichen Feldherrn -durch portugiesische Ueberläufer mitgetheilt war, daß auf seiner im -Flusse abgesperrten Flotte Mangel und Hungersnoth herrsche, und jener -Heerführer des Adil Schah den Portugiesen großmüthig mehrere Böte mit -Erfrischungen anbot, ließ Albuquerque seine letzten Vorräthe, einige -Faß Wein und Schiffszwieback auf Deck bringen, zeigte dieselben den -Abgesandten und erklärte: andere Leckerbissen als diese Speisen kennten -die Portugiesen nicht und bedürften sie nicht. Sollten ihnen diese -ausgehen, dann würden seine Soldaten sich schon ungebeten an der Tafel -des Adil Schah melden. Jetzt leide er noch keine Noth.</p> - -<p>So bewahrte er auch in schwerer Bedrängniß seinen Gleichmuth. Trotz -seiner großen Erfolge sah man ihn nie übermüthig werden, auch warnte er -seine Capitäne vor jeder Ueberhebung. Als einige von seinen Hauptleuten -meinten, die Mauern der neuen Festung in Ormuz seien nicht stark genug, -erwiderte er: „Wenn diejenigen, denen die Burg anvertraut ist, sich -nicht als Tyrannen geberden, werden sie stark genug sein. Lassen sie -sich aber zum Uebermuth hinreißen, so ist auch die stärkste Mauer zu -schwach.“</p> - -<p>Er suchte zwar die Rechte des Siegers voll und ganz zu vertreten, -wünschte aber doch, aus politischen Rücksichten, eine Annäherung -zwischen Portugiesen und Eingebornen. Darum begünstigte er die Heiraten -der Portugiesen mit Hindumädchen. In Goa waren diese letzteren weniger<span class="pagenum"><a name="Seite_184" id="Seite_184">[S. 184]</a></span> -schwierig als die Töchter der Brahminen und Nair weiter im Süden. -Jedem neuvermählten Paare verehrte er 18 Milreis aus der königlichen -Kasse und vertheilte unter die Ansiedler die Häuser und Aecker der -vertriebenen Mohammedaner. Dadurch wollte er Goa zum Mittelpunkt der -portugiesischen Herrschaft machen und seinen Besitz dauernd befestigen.</p> - -<p>Die indischen Gegner fürchtete er dabei weniger als den Sultan -Aegyptens. Von dort schien ihm auch in Zukunft allein ernste Gefahr -zu drohen. — Das ganze Zeitalter war so reich an überkühnen, -himmelstürmenden Gedanken und Plänen, daß wir uns nicht wundern dürfen, -auch Albuquerque in eine solche Schwäche verfallen zu sehen. Wie man -von Michel Angelo erzählt, daß er den Marmorgipfel des Monte Altissimo -in den Bergen von Carrara zu einer einzigen Statue habe umgestalten -wollen, und damit ein ganzes Gebirgsprofil verändert hätte, so hatte -auch Albuquerque, indem er der Oberfläche der Erde durch Verlegung -eines Stroms ein anderes Ansehen geben wollte, nichts geringeres im -Sinne, als den Nil in seinem Oberlaufe nach Habesch abzuleiten, um den -alten Kulturboden von Aegypten des segenspendenden Wassers zu berauben; -denn nur so hoffte er die mohammedanischen Herren für immer aus dem -Lande der Pyramiden vertreiben zu können.</p> - -<p>Verständiger klingt schon sein Vorschlag, einen großen Feldzug ins -rothe Meer hinauf zu machen und nach Eroberung Medina’s die Gebeine -Mohammeds zu entführen, um dafür das heilige Grab in Jerusalem von den -Ungläubigen auszutauschen.</p> - -<p>So genial wie in seinen Plänen, so reich war er an treffenden -Aussprüchen. Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber haben uns manche -davon überliefert, die offenbar von Mund zu Mund gegangen waren. -Dadurch wußte er auch die Gemüther wieder zu besänftigen, die er durch -sein leidenschaftliches Temperament verletzt hatte. Ein witziger -Einfall machte eine scheinbare Ungerechtigkeit, die er begangen, bald -vergessen. Man sah, er wollte nur die Pflichtvergessenen treffen.</p> - -<p>Als nach der Eroberung Malaka’s Albuquerque beim Bau der Citadelle -auf einem Gedenkstein, der in der Mauer angebracht werden sollte, die -Namen der Tapfersten hatte einmeißeln lassen, beschwerten seine Leute -sich darüber, daß nur einige genannt seien, während sie doch alle ihre -Schuldigkeit gethan hatten. Da befahl der Generalcapitän den Stein -umzukehren, daß die <em class="gesperrt">Schrift</em> nach innen kam, und ließ ihn als -Schlußstein über das Thor der Festung setzen mit der neuen Inschrift: -Der Stein, den die Bauleute verworfen haben. (Psalm 118. 22).<a name="FNAnker_121_121" id="FNAnker_121_121"></a><a href="#Fussnote_121_121" class="fnanchor">[121]</a></p> - -<p>Sicher war Albuquerque der bedeutendste unter den portugiesischen -Heerführern in Indien. Er verdunkelte auch die Thaten seiner -Nachfolger. Zu spät sah Manuel seinen Fehler ein, daß er durch seinen -Undank dem Begründer<span class="pagenum"><a name="Seite_185" id="Seite_185">[S. 185]</a></span> seiner indischen Macht das Herz gebrochen. Dann -wollte er ihn wieder an Stelle des Soarez einsetzen und ihm sogar den -Rang eines Vicekönigs verleihen. Aber dieser reuige Beschluß kam zu -spät, und der König selbst mußte es noch erleben, wie mühsam sich nach -Albuquerque’s Tode die indischen Angelegenheiten in befriedigender -Weise entwickelten.</p> - -<h4 id="Die_Nachfolger_Albuquerques">8. Die Nachfolger Albuquerque’s.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Lopo Soarez d’Albergaria</em>, welcher als nächster Nachfolger -Albuquerque’s von 1515–1518 den Oberbefehl in Indien führte, war kein -Neuling mehr im Orient; er hatte schon 1504 ein Commando gehabt. -Nun war er am 7. April von Lissabon mit 13 Segeln abgegangen und -erreichte am 8. September 1515 Goa. Als Capitäne der einzelnen Schiffe -begleiteten ihn alle die Widersacher Albuquerque’s, wie Diogo Mendes de -Vascogoncellos, Jorge de Brito u. a.</p> - -<p>Bei seiner Ankunft in Goa fand er allgemeine Niedergeschlagenheit über -seine Ernennung und Betrübniß über die rücksichtslose Beseitigung -seines verdienstvollen Vorgängers, der sich in der von ihm geschaffenen -Stadt der ungetheiltesten Verehrung erfreute. Im October ging Soarez -nach Kotschin und fand dort, wie überall, nur kühlen Empfang; selbst -die indischen Fürsten außer dem von Kalikut theilten die allgemeine -Stimmung. Um diese Zeit kehrte Albuquerque von Ormuz zurück und in -Kotschin erfuhr Soarez durch Simão d’Andrade zuerst von dem Hinscheiden -des bisherigen Generalgouverneurs. Nun hatte Soarez freie Hand, aber -auch im folgenden Jahre geschah noch nichts Erhebliches, er rüstete zu -einem großen Zuge nach dem rothen Meere und brachte eine stattliche -Flotte von 37 Schiffen zusammen, mit welcher er im Februar aufbrach, -um einem ägyptischen Geschwader entgegenzutreten, welches angeblich -27 Segel stark, wiederum nach den indischen Gewässern bestimmt sein -sollte. Die feindliche Macht hatte in der That noch vor Aufbruch des -Soarez sich auf den Weg gemacht, die wichtige Insel Kamaran befestigt, -damit dieselbe nicht wieder, wie unter Albuquerque, zum Stützpunkt -der portugiesischen Unternehmungen dienen könnte, war dann vor Aden -erschienen und hatte diese Festung vergeblich berannt. Dann war sie -nach Dschidda, dem Hafen von Mekka zurückgekehrt, wo man in gesicherter -Lage die Schiffe an den Strand gezogen hatte.</p> - -<p>Soarez erlitt zwar durch einen Sturm in der Babelmandeb-Enge einige -Verluste, drang aber trotzdem bis nach Dschidda vor. Er kam also -weiter als Albuquerque, allein damit hatten seine Erfolge ein Ende. -Denn der Hafen von Dschidda ist, wie fast alle Häfen am rothen Meere, -durch Korallenbänke gebildet und geschützt. Zwischen den Riffen -wand sich das schmale Fahrwasser wohl eine Meile weit, ehe man den -Landungsplatz erreichte, und diese gefährliche Straße war durch -Batterien vertheidigt. Eine Ueberrumpelung des Platzes mit bewaffneten -Böten mißlang, es konnten nur einige Schiffe<span class="pagenum"><a name="Seite_186" id="Seite_186">[S. 186]</a></span> in Brand gesteckt -werden. Während Soarez den Hafen noch blokirte, erhielt er bestimmte -Nachrichten über den Einbruch der Türken in Aegypten und die Niederlage -des ägyptischen Sultans. Dadurch war vorläufig die Kriegslust desselben -vernichtet, und da man vor der Hand von den Türken nichts für Indien zu -befürchten hatte, so wollte auch Soarez seine Leute nicht unnützerweise -in den ungesunden Gewässern opfern, sondern zog sich zurück. Die Insel -Kamaran war bei ihrer Ankunft von der mohammedanischen Besatzung -zwar verlassen; aber außer Trinkwasser bot die Insel nichts. Für -Lebensmittel war auf der Flotte nicht hinreichend gesorgt; nur um -solche zu gewinnen, wurde die Stadt Zeila, auf der afrikanischen -Küste, erstürmt und geplündert. Viele Leute verschmachteten oder -verhungerten, andere kamen in Krankheiten um, andere bei Schiffbrüchen. -Barros schätzt die Zahl der also Hinweggerafften auf achthundert. -Osorio<a name="FNAnker_122_122" id="FNAnker_122_122"></a><a href="#Fussnote_122_122" class="fnanchor">[122]</a> äußert sich in heftigem Unwillen über diese Mißerfolge: -„Mit Verlust von Menschen und Schiffen, mit Schimpf und Schande ging -Soarez nach Ormuz zurück. Weder besetzte er Aden, noch zerstörte er -die Flotte des Sultans in Dschidda, ja er setzte nicht einmal den -Gesandten des Königs Matthäus von Habesch, der sich an Bord befand, -in seiner Heimat ans Land.“ Auf dem Rückwege wurde die Flotte durch -Unwetter dermaßen auseinander gejagt, daß einige Schiffe sich bis nach -Melinde und gar nach Mosambik verschlagen fanden. So kläglich endete -dieses Unternehmen. Mehr Erfolg hatte Soarez 1513 mit seinem Zuge gegen -<em class="gesperrt">Ceylon</em>. Diese Insel war seit 1506 von Portugiesen besucht. Nach -der Eroberung von Ormuz, Goa und Malaka, und nach der Besetzung der -Haupthäfen auf der Westküste Vorder-Indiens durch Albuquerque, nahmen -die arabischen Kauffahrer einen anderen Weg, um von den Gewürzinseln -in ihre Heimat zurückzukehren. Sie vermieden das früher besuchte -malabarische Küstenland, legten dafür in Ceylon, namentlich in Kolombo, -an und steuerten dann über die Malediven nach Aden. Um ihnen nun -diesen Weg gleichfalls zu verlegen, hatte Manuel den Befehl gesandt, -in Kolombo sich festzusetzen. Der dortige Fürst bequemte sich erst -nach einer Niederlage dazu, den Bau einer portugiesischen Citadelle zu -gestatten, und mußte, indem er vollständig zinsbar wurde, jährlich 300 -Bahar Zimmt (<span class="antiqua">à</span> 4 Centner), 12 Ringe mit Rubinen und Saphiren, -und 6 Elephanten als Tribut in die Factorei von Kotschin liefern.</p> - -<p>Nachdem dieser Zug geglückt war, übergab Soarez den Oberbefehl seinem -Nachfolger und ging am 20. Januar 1519 mit neun beladenen Schiffen -nach Portugal ab. „Sein ganzes Glück scheint darin bestanden zu haben, -daß er seine Flotten und seine Ladungen wohlbehalten nach Hause -brachte.“<a name="FNAnker_123_123" id="FNAnker_123_123"></a><a href="#Fussnote_123_123" class="fnanchor">[123]</a></p> - -<p>Indem wir vorläufig die weiter östlich ausgeführten Entdeckungsfahrten -übergehen, um sie später im Zusammenhange übersichtlich darzustellen, -verweilen<span class="pagenum"><a name="Seite_187" id="Seite_187">[S. 187]</a></span> wir noch bei den Angelegenheiten, welche sich in -Vorder-Indien und im westlichen Theile des indischen Oceans abspielen. -Aber auch diese Ereignisse sollen nur summarisch geschildert werden, da -wenige bedeutende Erfolge im nächsten Jahrzehnt zu verzeichnen sind. -Auf Soarez folgte als Generalgouverneur <em class="gesperrt">Diogo Lopez de Sequeira</em> -von 1519–1521. Derselbe ist uns bereits bekannt durch seinen ersten -Besuch in Malaka 1509. Er kam als oberster Befehlshaber wieder mit -einer ansehnlichen Flotte und 1500 Mann im September 1518 nach Indien, -und unternahm auch, auf königlichen Befehl, 1520 einen erfolglosen Zug -nach dem rothen Meere, weil man in Portugal in Erfahrung gebracht, daß -die Türken in Aegypten einen Zug nach Indien vorbereiteten. In der -Nähe der Meerenge von Babelmandeb litt Sequeira selbst Schiffbruch; -er rettete sich mit seinen Leuten auf ein anderes Fahrzeug, gelangte -aber nicht einmal bis Dschidda, suchte dann den Hafen Massaua an der -Küste von Habesch auf — er war der erste Portugiese, der hier anlief -— und brachte endlich den habessinischen Gesandten, den schon Soarez -bei seinem Zuge an Bord gehabt, wieder in sein Vaterland. Dann begab -er sich von da nach Ormuz und wurde mit neuen Befehlen von Portugal -aus förmlich überschüttet, so daß er nicht wußte, was er zuerst -vornehmen sollte. Danach sollte er auf den Molukken, auf Sumatra, -auf den Malediven, in Tschaul (Vorder-Indien) Festungen anlegen, -dann wieder nach dem rothen Meere gehen, Diu erobern, Schiffe nach -China senden u. s. w. Aber von alledem hat er nur eins, die Anlegung -eines Forts in Tschaul, ausgeführt. Denn sein großer Zug gegen Diu -mit mehr als vierzig Schiffen mißlang und zu einem zweiten Zuge gegen -Aegypten fehlte ihm die Zeit. Seine Amtszeit war abgelaufen. Bis an das -nördliche Ende des rothen Meeres, bis nach Sues vorzudringen, war erst -1541 dem Sohne Vasco’s, Estevan da Gama vergönnt.</p> - -<p>Schon ehe Sequeira vom Oberbefehl zurücktrat, starb König Manuel am -13. Januar 1521. Sein Sohn und Nachfolger Johann III. schickte 1522 -den <em class="gesperrt">Duarte de Menezes</em> als Obergeneral nach Indien. Derselbe -hatte sich im afrikanischen Kriege vor Tanger ausgezeichnet und galt -als einer der vorzüglichsten Männer Portugals; aber auf indischem -Boden grünte ihm kein Lorbeer, denn um diese Zeit wäre beinahe die -wichtige Position von Ormuz verloren gegangen. Dort war nämlich gegen -Ende des Jahres 1521 ein Aufstand ausgebrochen, weil Portugiesen -als Hafenmeister angestellt waren, welche die Hafeneinkünfte -controlliren sollten. Darüber bildete sich eine Verschwörung, welche -die Fremden vernichten sollte. In einer Nacht wurden 125 Portugiesen, -welche sorglos in der Stadt wohnten, überfallen und niedergemacht. -Glücklicherweise aber hielt sich die Festung. Der König von Ormuz begab -sich daher, da der verrätherische Plan nicht vollständig geglückt -war, mit allem Volk nach der weiter nördlich gelegenen Insel Kishm, -nachdem er die Stadt den Flammen preisgegeben hatte. Der Bruder des -Generalcapitäns, Luis de Menezes, welcher auf die Kunde von diesem -Vorfall sofort dorthin gesendet wurde, stellte indeß den Frieden wieder -her. Das<span class="pagenum"><a name="Seite_188" id="Seite_188">[S. 188]</a></span> Handelsvolk kehrte in die Stadt zurück und der König mußte -sich zu einem jährlichen Tribut von 20,000 Scherafinen verpflichten. -Dann erschien auch Duarte de Menezes in Ormuz, ordnete die Verhältnisse -wieder und befestigte die portugiesische Stellung.</p> - -<p>Wenn als sein Nachfolger <em class="gesperrt">Vasco da Gama</em> noch einmal in -Indien erscheint, so durfte man wohl erwarten, daß er mit fester, -rücksichtsloser Hand die indischen Angelegenheiten leiten und das -eintretende Gefühl einer Ermattung durch glänzende Thaten bannen würde. -Leider sollte diese Erwartung nicht in Erfüllung gehen, da er nur ein -Vierteljahr die Oberleitung besaß.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p188" name="abb_p188"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p188.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Facsimile des Namenszuges von Vasco da Gama (und zwei -Zeugen) in dem Dokument, in welchem er König Johann III. huldigte, als -derselbe ihn zum Vicekönig von Indien ernannt hatte. — Das Dokument -befindet sich im Archiv von Lissabon. Die Unterschriften lauten: <span class="antiqua">Ho -conde do vymyoso. <em class="gesperrt"><span class="antiqua">Ho comde almirante.</span></em> Bertolomeu de paiva.</span></p> -</div> - -<p>Es ist mit Recht aufgefallen, daß der Entdecker des Seeweges seit -1502 keine Verwendung in indischen Diensten gefunden hatte. War Don -Manuel nicht einverstanden gewesen mit dem schroffen Auftreten Gama’s? -Erst unter König Johann III. begegnen wir ihm wieder und dann mit dem -Range eines Vicekönigs, den seit Almeida kein Heerführer in Indien -mehr erhalten hatte. Im Gefolge Gama’s befanden sich außer seinen -Söhnen Estevan und Paulo die Capitäne Henrique de Menezes und Lopo -Vaz de Sampayo, welche beide später als Generalcapitäne fungirten. Am -23. September langte der neue Vicekönig in Goa an, und wandte seine -Aufmerksamkeit und Thätigkeit zunächst einer sorgfältigen Prüfung -der Verwaltung zu. Hier waren allerlei Mißbräuche eingerissen und -Unterschleife vorgekommen, welche die Einkünfte des Königs schmälerten. -Dabei handelte Gama im Interesse<span class="pagenum"><a name="Seite_189" id="Seite_189">[S. 189]</a></span> des Staates, denn, sagte er, er wolle -lieber den König reich machen, da es das größte Glück für ein Volk sei, -einen reichen König zu haben, als die Leute sich bereichern lassen, -die arm von Portugal kämen, um, ohne für den Dienst besonders befähigt -zu sein, in Indien Schätze zu sammeln. Darum verfuhr er gegen die -reichen Beamten des Königs sehr streng und stellte niemanden an, ehe -er seine Fähigkeiten geprüft hatte. Ohne Erlaubnißschein sollte kein -portugiesischer Privatmann Handel treiben, bei Todesstrafe, und wenn -gar ein Beamter sich an den Geschäften betheiligte, sollten Schiff und -Ladung confiscirt werden.</p> - -<p>Da auch die portugiesischen Kauffahrteischiffe wegen der kriegerischen -Verhältnisse in den indischen Gewässern mit Geschützen versehen waren -und sich dieselben auf unerlaubte Weise vielfach aus den königlichen -Arsenalen zu verschaffen gewußt hatten, so forderte Gama diese Waffen -wieder zurück. Binnen einem Monate mußten sie an die Zeughäuser wieder -abgeliefert werden. Waren die Händler auf diese Weise wieder wehrlos -gemacht, dann war auch ihre Unternehmungslust dadurch gedämpft. Aber -nicht blos Waffen waren, mit Genehmigung der königlichen Verwalter, -aus den königlichen Magazinen abgegeben; manche höhere Beamte hatten -sogar königliche Gelder zurückbehalten. Diese trieb, so weit sie -ermittelt werden konnten, der Vicekönig ohne Ansehen der Person ein. -So forderte er selbst von seinem Vorgänger im Amte, Duarte de Menezes -Summen zurück, welche dieser sich aus den Einnahmen der Factoreien -angeeignet hatte. Eine längere Dauer seines Regiments würde für die -Verwaltung von heilsamer Wirkung gewesen sein. Aber diese letztere -wurde bald verwischt, da Vasco da Gama schon am 24. December 1524 -in Kotschin starb. Die Leiche wurde, in seidenen Kleidern mit dem -Mantel des Christusordens bedeckt, mit Schwert und goldenen Sporen, -zuerst in einer Halle ausgestellt und dann in der Kapelle des -Franziskanerklosters in Kotschin beigesetzt. Im Jahre 1538 wurden die -Gebeine nach Portugal gebracht und in Vidigueira bestattet, wo das -Grabmal 1840 vom Pöbel zerstört wurde.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p189" name="abb_p189"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p189.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Wappen von Vasco da Gama.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_190" id="Seite_190">[S. 190]</a></span></p> - -<p>Barros schildert ihn als einen Mann von mittler Größe, kühn und tapfer -in seinen kriegerischen Unternehmungen, strenge in seinen Befehlen, -furchtbar in seinem Zorn, unverdrossen in der Arbeit, beharrlich selbst -in Gefahren, unbestechlich in der Handhabung der Gerechtigkeit. Und -wenn Correa hinzufügt, daß er sich nur aus religiösem Eifer und zur -Ehre Portugals so oft in Lebensgefahr begeben habe, so liegen auch bei -Vasco da Gama als die treibenden Kräfte: ritterlicher Waffenruhm und -die Verbreitung des heiligen Glaubens offen vor Augen; denn vielen, -und darunter den Edleren, erschienen die indischen Kämpfe als heilige -Kriege, als Kreuzzüge gegen den Erbfeind des Christenthums.</p> - -<p>Nach dem Tode des Vaters kehrten die Söhne Gama’s zunächst nach -Portugal zurück.</p> - -<p>Gama’s Nachfolger wurde <em class="gesperrt">Henrique de Menezes</em>, ein junger, -tapferer Mann, welcher sich zuvor im marokkanischen Kriege -ausgezeichnet hatte und zu jener Zeit Gouverneur von Goa war. Derselbe -starb aber schon am 23. Februar 1526 in Folge eines Beinschadens. Zu -seinem Nachfolger bestimmte eine königliche Verordnung den <em class="gesperrt">Pero -Mascarenhas</em>. Derselbe war aber damals Statthalter in Malaka, und -weil man voraussah, daß eine geraume Zeit darüber vergehen werde, ehe -er mit günstigem Monsun nach Vorder-Indien kommen könne, und weil -man augenblicklich bei den fortwährenden Kämpfen an der Küste von -Malabar schleunigst einer Oberleitung bedurfte, so entschieden sich -die Hauptleute dahin, nach einer weitern königlichen Verfügung, welche -bereits in Indien schriftlich vorlag, den <em class="gesperrt">Lopo Vaz de Sampayo</em> -provisorisch als Generalgouverneur anzuerkennen, jedoch mit dem -Vorbehalte, daß er bei Ankunft des Mascarenhas zurückzutreten habe. -Lopo Vaz war damals Commandant in Kotschin und trat sofort sein Amt -an. Noch in demselben Jahre traf von Europa eine neue Verfügung des -Königs ein, welcher von den oben erwähnten Vorfällen und von dem Tode -des Menezes noch keine Kunde hatte und nun neuerdings bestimmte, daß, -falls Menezes stürbe, Lopo Vaz in seine Stelle treten solle. Daraus -entstanden unliebsame Verwicklungen. Als Mascarenhas am 26. Februar -1527 vor Kotschin ankam, wurde ihm bedeutet, er dürfe sich nicht -als Generalgouverneur betrachten und mit seinen bewaffneten Leuten -landen. Wolle er ohne Waffen als Privatmann ans Land kommen, so solle -das gestattet sein. Pero Mascarenhas hoffte durch sein persönliches -Erscheinen seinen Anhang zu vermehren und dann doch anerkannt zu -werden. Aber er fand am Ufer bewaffneten Widerstand und mußte, nachdem -er zweimal am Arme verwundet war, sich auf sein Schiff zurückziehen. -Er lieferte die von Malaka mitgebrachten Frachtschiffe und die Beute -aus einem glücklichen Kriege mit dem Fürsten von Bintang ohne Weigerung -ab und begab sich ohne Gefolge nach Goa, wo er durch friedliche -Entscheidung zu seinem Rechte zu kommen gedachte. Vor der Barre von -Goa wurde aber sein Fahrzeug auf Befehl des Lopo Vaz angehalten und -er selbst in Ketten gelegt und nach Kananor gebracht. Die starke Partei -<span class="pagenum"><a name="Seite_191" id="Seite_191"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_192" id="Seite_192">[S. 192]</a></span> -des Mascarenhas ruhte aber nicht eher, als bis Lopo Vaz zu -einem Vergleich sich herbeiließ und das Urtheil einem Schiedsgerichte -anheimstellte. Als dieses sich für ihn entschieden hatte, kehrte Pero -Mascarenhas nach Portugal zurück (December 1527). Vor seiner Ankunft -hatte der König schon beschlossen, um die in Indien ausgebrochenen -Parteistreitigkeiten zu beseitigen, einen neuen Generalgouverneur zu -entsenden, dem beide Parteien gehorchen könnten. Es wurde <em class="gesperrt">Nuno -da Cunha</em> ernannt, der schon mit seinem Vater Tristão in Indien -gewesen war. Diese Wahl war sehr glücklich, denn seit Albuquerque’s -Tode war nichts Bedeutendes mehr geleistet und die verfügbare Macht in -fruchtlosen Unternehmungen zersplittert. Im April 1528 verließ da Cunha -Lissabon mit 11 Schiffen und 2500 Mann. An der Küste von Madagascar -verlor er sein Schiff, wandte sich an den Komoren vorbei nach Sansibar, -eroberte im November Mombas fast ohne Blutvergießen und legte es in -Asche, da der Scheich nur in der Erwartung, daß das höchst ungesunde -Klima die Portugiesen bald vertreiben werde, den verlangten Tribut zu -zahlen sich weigerte. Dann ging da Cunha, obwohl er von dem Streite -über den Oberbefehl in Indien genauere briefliche Nachrichten erhalten -hatte, zuerst nach Ormuz, um dort zu überwintern und zugleich die -Angelegenheiten in der Stadt zu ordnen. Er traf zu Gunsten des Königs -von Ormuz uneigennützige Verfügungen und übte strenges Gericht über -hochgestellte einheimische Beamte, welche sich große Unterschlagungen -königlichen Gutes hatten zu Schulden kommen lassen. Dadurch gewann er -das Vertrauen des Herren der Stadt. Während seiner Anwesenheit daselbst -kam Belchior de Sousa Tavaros von einem Kriegs- und Entdeckungszuge -nach Basra in den Hafen zurück. Er war der erste Portugiese, welcher in -den vereinigten Mündungsstrom des Euphrat und Tigris eindrang.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p191" name="abb_p191"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p191.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"><em class="gesperrt">Pero Mascarenhas in Ketten.</em></p> - <p class="s7 center nobreak mbot2">Aus den <span class="antiqua">„Lendas da India“</span></p> -</div> - -<p>Am 15. September 1529 begab sich da Cunha nach Indien und erreichte -Goa am 22. October. Sofort begann er seine Vorbereitungen zu einem -energischen Angriff auf Diu, dem wichtigen und sehr festen Hafenplatz -im Reiche Gudjerat. Schon Albuquerque hatte, in richtiger Würdigung der -Wichtigkeit dieses Platzes, den Hafen von Diu ins Auge gefaßt, war aber -durch andere Angelegenheiten zu sehr in Anspruch genommen gewesen, um -einen Anschlag darauf ausführen zu können. Unter seinen Nachfolgern war -die Stadt, welche lange unter der Verwaltung des Melek Aias gestanden, -mehrfach vergeblich bestürmt. Auch unter den Nachfolgern des genannten -Statthalters, seinen Söhnen Melek Saka und Melek Toghan war sie eine -gefährliche Nachbarin der Portugiesen geblieben, denn der Sultan -Bahadur (Badur) von Gudjerat, zu dessen Gebiet sie gehörte, war einer -der mächtigsten Fürsten Indiens.</p> - -<p>Inzwischen traf da Cunha mit seinem Vorgänger Lopo Vaz vor Kananor -zusammen und übernahm aus dessen Hand die Oberleitung der indischen -Angelegenheiten. Auf Befehl des Königs Johann III. mußte er sogar den -bisherigen Generalcapitän verhaften lassen, weil von Ormuz und Kotschin -aus<span class="pagenum"><a name="Seite_193" id="Seite_193">[S. 193]</a></span> Klagen gegen denselben eingelaufen waren. In Portugal aber wurde -Lopo Vaz bald wieder in Freiheit gesetzt.</p> - -<p>Dem wankelmüthigen Samudrin, welcher den Frieden immer wieder brach, -sowie sich die portugiesische Macht aus seiner Nähe entfernte, wurden -die Häfen gesperrt und der einträgliche Handel gelähmt. Er wurde -nämlich von den Mohammedanern, in deren Interesse er handelte, immer -wieder heimlich unterstützt und aufgestachelt. Auch jetzt erbot er sich -wieder zum Frieden, allein da er die ihm auferlegten Bedingungen nicht -erfüllen wollte, zerschlugen sich die Verhandlungen, und der friedelose -Zustand dauerte fort. Im Jahre 1531 gelang es aber doch durch -geschickte Unterhandlungen dem Samudrin das Zugeständniß abzugewinnen, -die Erlaubniß zu ertheilen für die Anlegung einer Festung in Chali, -drei Meilen südlich von Kalikut, im Gebiet des untergebenen Radscha von -Tanur. Da Cunha ließ den Bau sofort beginnen und belegte den festen -Platz bereits im Februar 1532 mit 250 Mann. Trotzdem blieb der Samudrin -offen oder versteckt ein Gegner der Portugiesen.</p> - -<p>Das Reich Gudjerat, gegen welches Nuno da Cunha seinen großen Zug -richten wollte, erstreckte sich auf beiden Seiten des Golfs von Kambaya -vom Golf von Katsch bis südlich von Bombay. Hier lagen an der Küste -die reichen Handels- und Gewerbstädte Pattana, Diu, Kambaya, Barotsch, -Sorâth, Damân und Bassein, alte, wohlhabende und berühmte Orte, theils -von indischen, theils von mohammedanischen Kaufleuten bewohnt. Schon -ehe der Generalcapitän mit seiner großen Flotte aufbrach, schickte er -im Anfange des Jahres 1530 den Antonio da Silveira mit einer Anzahl von -Schiffen ab und ließ mehrere dieser Städte angreifen und plündern.</p> - -<p>Dann folgte im nächsten Jahre da Cunha selbst von Bombay aus mit einem -so gewaltigen Geschwader, wie es vorher von den Portugiesen noch nicht -aufgebracht war. Es sollen gegen 400 große und kleine Schiffe gewesen -sein mit 3600 Portugiesen und dazu eine bedeutende Schaar indischer -Hilfstruppen. Statt aber geradenwegs auf Diu zu steuern, wandte sich -der portugiesische Befehlshaber weiter ostwärts, wo in einer Entfernung -von 8 Meilen nordöstlich von Diu eine kleine felsenumsäumte Insel, -jetzt Searbett, damals Bete genannt, liegt. Dieselbe war in letzter -Zeit mit Festungswerken versehen und hatte eine Besatzung von 800 -Mann. Nuno da Cunha glaubte diese feste Position, welche den genannten -großen Handelsemporien näher lag, nicht im Rücken lassen zu dürfen -und hoffte sie ohne großen Verlust wegnehmen zu können. Allein die -mohammedanische Besatzung wehrte sich mit dem Muthe der Verzweiflung, -bis sie vernichtet war. Dadurch büßte da Cunha nicht blos viele Leute -und darunter hervorragende Führer ein, sondern er verlor auch viel -Zeit, welche von seinen Gegnern in Diu trefflich benutzt wurde, um den -ohnehin festen Platz noch mehr mit Vertheidigungswerken zu versehen. -Diu liegt vor dem Südende der Halbinsel Gudjerat auf einer Insel hart -an der Küste. Dieses Eiland erstreckt sich 1½ Meilen von Osten -nach Westen und ist etwa ½ Meile breit. Am schmäleren Ostende liegt -die Stadt,<span class="pagenum"><a name="Seite_194" id="Seite_194">[S. 194]</a></span> zwischen der Insel und dem nördlichen Festlande der gegen -Osten geöffnete Hafen. Klippenreihen umsäumen die Insel gegen Süden -und decken die Stadt. Auf und zwischen den Felsen waren Batterien -errichtet, um einen Angriff von der Seeseite abzuwehren. Weiter -ostwärts erstrecken sich Sandbänke vor der Einfahrt in die Bucht, und -der Hafen selbst war mit eisernen Ketten versperrt.</p> - -<p>Hätten die Portugiesen es nur mit den einheimischen Truppen zu thun -gehabt, so wäre der Angriff auf diese starke Position vielleicht -von Erfolg gekrönt gewesen; allein der Sultan Bahadur hatte kurz -vorher einen unschätzbaren Bundesgenossen bekommen in der Person des -türkischen Generals Mustafa, der auf die Kunde von den drohenden -Ereignissen vom rothen Meere her mit zwei Schiffen und 800 tüchtigen -türkischen Soldaten der Stadt zu Hilfe geeilt war. Mustafa verstand -die europäische Kriegführung und war namentlich als Artillerieoffizier -berühmt. Er wurde der Leiter der ganzen Vertheidigung und die -gutgezielten Schüsse seiner Batterien richteten unter den Portugiesen -unerwartet großen Schaden an. Nuno da Cunha übersah bald die veränderte -Lage und das Bedenkliche eines Sturmes auf die Festung; da aber sein -König den Angriff befohlen, so wagte er ihn, um nicht als zaghaft -gescholten zu werden. Sein Hauptsturm, am 16. August, wurde indeß durch -die Vertheidiger der Stadt abgeschlagen, und die Portugiesen mußten -sich zurückziehen. Mustafa erhielt in Anerkennung seiner rühmlichen -Leistung den Titel eines Chan und wurde mit der Verwaltung des -Districts von Barotsch belohnt. Nuno beschränkte sich auf eine Blokade -und ging dann nach Tschaul, südlich von Bombay, zurück. Der kleine -Krieg zur See, die Wegnahme von Handelsschiffen, die Verwüstung von -Küstenhäfen wurde auch im folgenden Jahre noch fortgesetzt.</p> - -<p>Bahadur, welcher bald darauf mit dem Sultan Humajun von Dehli in einen -Krieg verwickelt wurde und daher in den Küstenstädten nur wenige -Truppen zurücklassen konnte, wünschte indeß mit den Portugiesen Frieden -zu schließen und bot ihnen statt Diu die Stadt Bassein sammt der Insel -Salsette und Bombay (Mombain) an; der portugiesische Gouverneur ging -darauf bereitwillig ein und ließ schon im Januar 1535 ein Fort in -Bassein anlegen. Im Verlauf desselben Jahres lief aber Bahadurs Feldzug -gegen Dehli unglücklich ab, er wurde geschlagen und flüchtete, verfolgt -von dem Sieger Humajun, welcher Kambaya besetzte, nach Diu. Dem -Sultan war darum zu thun, in seiner Noth die Portugiesen als Freunde -zu gewinnen. Er erbot sich daher noch im Herbst 1535, ihnen einen -Platz bei Diu einzuräumen, um eine Festung anzulegen, die den Hafen -beherrschen könne. Dagegen sicherte Nuno da Cunha freien Handel der -Städte in der Richtung nach dem rothen Meere zu; alle Schiffe konnten -frei passiren, nur die türkischen nicht. Auf diesen Grundlagen wurde -ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen. Der Bau einer starken Burg -wurde alsbald begonnen.</p> - -<p>Als aber Humajun nach anderen Theilen seines Reiches abgerufen wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_195" id="Seite_195">[S. 195]</a></span> -und Bahadur sich von diesem gefährlichen Feinde erlöst sah, wurde -ihm die Burg der Portugiesen lästig. Er knüpfte daher mit anderen -Fürsten in Dekhan Verbindungen an, bewahrte aber äußerlich noch ein -gutes Einvernehmen. Nuno da Cunha erfuhr von dieser Sinnesänderung -und ging im Januar 1537 nach Diu. Als der Sultan den Gouverneur auf -seinem Schiffe besucht hatte und nach der Stadt zurückfuhr, kam es -in Folge eines unglücklichen Mißverständnisses zu einem feindseligen -Zusammenstoß mit einigen nachfolgenden portugiesischen Fahrzeugen. -Daraus entwickelte sich ein blutiges Gefecht, in welchem Bahadur -selbst getödtet wurde. Bei der allgemeinen Bestürzung, die darüber -entstand, ward es den Portugiesen leicht, die Stadt zu besetzen. Als -die Gudjeraten aber mit einem größeren Heere heranrückten, mußten -die Portugiesen sich wieder in die Festung zurückziehen. Hier hatten -sie bald eine sehr ernste Belagerung zu bestehen, denn im Jahre 1538 -rückte eine gewaltige türkische Flotte mit 7000 Soldaten vor Diu. -Fünfundzwanzig Tage lang wurde die Festung aus schwerem Geschütz -beschossen, aber der tapfere Commandant Antonio da Silveira hielt -Stand, und das Beispiel edler Frauen, welche nach dem Bericht Barros’ -mit Hand anlegten, um die durch die türkischen Geschosse zertrümmerten -Mauern wieder herzustellen, feuerte den Muth der kleinen Besatzung -an. Ein Hauptangriff gegen die geschossene Bresche wurde glücklich -abgeschlagen, die Türken mußten sich zurückziehen und die Belagerung -aufheben, weil Nuno da Cunha einige Schiffe zum Entsatz gesandt hatte, -welche von den Belagerern für einen Theil der großen erwarteten -Flotten gehalten wurden.<a name="FNAnker_124_124" id="FNAnker_124_124"></a><a href="#Fussnote_124_124" class="fnanchor">[124]</a> Es war für die hartbedrängte Schaar -auch die höchste Zeit für eine Erlösung, denn aller Kriegsvorrath war -verbraucht, und nur noch 40 Mann waren gefechtstüchtig geblieben. -Alle übrigen waren gefallen oder verwundet, oder lagen am Scorbut -krank, welcher in Folge des schlechten Trinkwassers in der Festung -ausgebrochen war.</p> - -<p>So war Diu gerettet, und die türkische Macht kehrte am 5. November nach -dem rothen Meere zurück.</p> - -<p>Es war dies das letzte bedeutende Ereigniß unter der Regierungszeit -Nunos. Sein Nachfolger war bereits angekommen. Garcia de Noronha, ein -Neffe Albuquerque’s, kam am 11. September 1538 mit einer Flotte nach -Goa und übernahm als Vicekönig die Leitung. Nuno da Cunha’s Stellung -war in Portugal erschüttert, das konnte er aus dieser Ernennung zu -deutlich erkennen. Statt einen kräftigen, energischen Mann, wie er -gewünscht hatte, und wie er es selbst gewesen war, ehe das indische -Klima seine Gesundheit untergraben hatte, schickte man einen Greis -von 70 Jahren, der auch dann als Diu in höchster Gefahr schwebte, mit -äußerster Bedächtigkeit seine Rüstungen vornahm. Statt geschulter -Soldaten brachte er entlassene Sträflinge mit,<span class="pagenum"><a name="Seite_196" id="Seite_196">[S. 196]</a></span> die erst eingeübt -werden mußten und so wenig Vertrauen erweckten, daß die portugiesischen -Hauptleute in Indien lieber eingeborene Truppen nahmen.<a name="FNAnker_125_125" id="FNAnker_125_125"></a><a href="#Fussnote_125_125" class="fnanchor">[125]</a> In -Portugal machte sich der Mangel an junger Mannschaft bereits so -fühlbar, daß man zu einem so bedenklichen Ersatz gegriffen hatte. Aus -Mißmuth darüber nahmen mehrere Hauptleute den Abschied und kehrten mit -da Cunha nach Portugal zurück.</p> - -<p>Die letzten Tage seines Aufenthalts in Indien wurden dem bisherigen -Gouverneur noch dadurch verbittert, daß der Vicekönig ihm ein Schiff -zur Heimreise verweigerte, unter dem Vorwande, er könne keins -entbehren. Dadurch wurde da Cunha noch bis zum Januar 1539 in Kananor -zurückgehalten und mußte sich, nachdem er zehn Jahre die portugiesische -Macht in rühmlicher Weise erweitert und seinem Könige die Festungen -in Diu, Bassein und Chali gegründet hatte, welche, wie Barros meint, -nicht weniger wichtig waren als Ormuz, Malaka und Goa, die Eroberungen -Albuquerque’s, auf eigene Kosten ein Schiff miethen, um in die Heimat -zurückkehren zu können. Den Keim einer tödtlichen Krankheit in sich -tragend und niedergebeugt durch den Undank des Herrschers, dem er -ebenso uneigennützig als erfolgreich sein Leben lang gedient, denn er -war schon sehr früh nach Indien gekommen, stieg da Cunha zu Schiff. -Als er den Tod nahen sah, erklärte er in seinem Testamente an Eides -statt, daß er niemals königliches Eigenthum sich angeeignet habe, außer -fünf goldenen Münzen aus dem Schatze des Sultans Bahadur, die er dem -König habe zeigen wollen. Als man ihn fragte, ob er wünsche, daß, falls -er sterbe, seine Leiche mit nach Portugal genommen würde, antwortete -er: „Soll ich nach Gottes Rathschluß auf der See sterben, so mag auch -die See mein Grab sein. Das Vaterland, das mich voll Undank von sich -gestoßen, soll auch mein Gebein nicht decken.“</p> - -<p>Sieben Wochen nach der Abfahrt von Kananor starb er und wurde, nach -seinem Willen mit dem Gewande des Christusordens bekleidet und mit dem -Schwert umgürtet, ins Meer gesenkt. So ward er wenigstens vor noch -tieferer Kränkung bewahrt; denn allzu leicht geneigt, den geheimen -Anklagen und Verleumdungen ein williges Ohr zu leihen, hatte die -portugiesische Regierung ihm bereits ein Schiff entgegengesandt mit dem -ausdrücklichen Befehl, den heimkehrenden Generalgouverneur in Ketten zu -legen.</p> - -<p>Vielleicht war Johann III. dem Nuno deshalb nicht wohl gesinnt, weil -dieser sich zu wenig die Ausbreitung des Christenthums hatte angelegen -sein lassen und aus politischem Interesse dem Sultan Bahadur zu große -Zugeständnisse gemacht hatte. Denn gerade zu jener Zeit war die -Geistlichkeit von maßgebendem Einfluß im Rathe Johanns III., welcher -die Inquisition in Portugal eingeführt hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_197" id="Seite_197">[S. 197]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p197" name="abb_p197"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p197.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"><em class="gesperrt">Porträt von Nuno da Cunha.</em></p> - <p class="s7 center nobreak mbot2">Aus den <span class="antiqua">„Lendas da India“</span></p> -</div> - -<p>Mit Nuno da Cunha ging die ruhmreiche Zeit in Indien zu Ende. -<span class="pagenum"><a name="Seite_198" id="Seite_198">[S. 198]</a></span> -Noch lange nach seinem Tode, sagt Barros, erinnerte man sich der zehn Jahre -seiner Regierung, so daß selbst diejenigen, die ihn ehedem befeindet -hatten, seine Lobredner wurden.</p> - -<p>Man muß sich erstaunt fragen, wie es gekommen, daß gerade die -verdienstvollsten Männer für ihre Thaten in Indien mit Undank -belohnt wurden. Nicht sie selbst allein beklagen sich darüber, die -Geschichtsschreiber fällen dasselbe Urtheil und stimmen ihnen bei. Ohne -Zweifel lag der Grund zum Theil darin, daß man von Portugal aus, ohne -die Sachlage aus so weiter Ferne genau beurtheilen zu können, zu viele -Wünsche, Verhaltungsmaßregeln und Befehle sandte, welche unmöglich -sofort ausgeführt werden konnten; daß man ein selbständiges Handeln, -selbst gegen die ertheilten Vorschriften, als ein Auflehnen gegen die -königliche Macht, als ein bedenkliches Trachten nach Unabhängigkeit -ansah. Dazu kam noch, daß viele portugiesische Edelleute den Dienst in -Indien als ein willkommenes Mittel ansahen, sich möglichst rasch zu -bereichern, und sei es auch auf ungerechte Weise. Wie oft ist nicht -über Unterschleife geklagt und Untersuchung angestellt worden! Oder es -wollten sich die vornehmen Herren den Befehlen des Generalgouverneurs -nicht fügen und lehnten sich dagegen auf. Wurden sie dann ihrer Stellen -entsetzt und nach Portugal zurückgeschickt, dann traten sie natürlich -mit bitteren Klagen über die Oberleitung in Indien auf, und von ihren -Gönnern bei Hofe unterstützt, fanden sie auch den Weg bis zu dem Ohr -des Herrschers, der fast nur die entstellten Berichte zu hören bekam -und so gerade die energischesten Statthalter mit Mißtrauen beobachten -lernte oder sich gegen dieselben gewinnen ließ.</p> - -<p>Ueberblicken wir noch einmal die politische Machtstellung der -Portugiesen in Indien zur Zeit, als Nuno da Cunha starb, so lag -der Mittelpunkt ihres Besitzes auf der Westküste jener asiatischen -Halbinsel. Es wäre aber eine durchaus falsche Vorstellung, ihre -Herrschaft sich über weite Ländereien auf dem Boden Indiens ausgedehnt -zu denken. Der ursprüngliche Plan, den Weg zu den Gewürzländern -zu finden und den Gewürzhandel ganz und allein in die Hand zu -bekommen, blieb stets maßgebend und die einzige Richtschnur. Mit den -einheimischen Fürsten wünschte man stets in Frieden zu leben; aber -die Anhänger Mohammeds, diese Erzfeinde des christlichen Glaubens, -und in den indischen Gewässern fast die alleinigen Zwischenhändler -des Handels mit Europa, sei es über den persischen Golf oder durch -den arabischen Meerbusen, mußten mit Waffengewalt verdrängt werden; -ihre Kauffahrer sollten aus dem indischen Ocean verschwinden. Zu dem -Zwecke mußten wachehaltende Kriegsschiffe auf dem Meere kreuzen, um die -unter mohammedanischer Führung gehenden Gewürzfrachten abzufangen und -ihnen alle Wege zu sperren, dazu dienten aber auch in den wichtigsten -Handelsplätzen Indiens feste Citadellen zur Ueberwachung des Verkehrs.</p> - -<p>Verstanden sich die indischen Fürsten dazu, daß in ihrem Gebiet eine -von Portugiesen besetzte steinerne Festung errichtet wurde, dann traten -sie in<span class="pagenum"><a name="Seite_199" id="Seite_199">[S. 199]</a></span> das Verhältniß der Bundesgenossenschaft, andernfalls waren sie -beständigen Belästigungen und Angriffen von der Seeseite ausgesetzt.</p> - -<p>Sonach besaßen zwar die Portugiesen eine größere Anzahl von Steinburgen -in oder neben den Städten, aber die einheimischen Fürsten regierten im -Lande. Nur an drei Punkten wurden den Portugiesen durch Verträge oder -Eroberung Küstenstädte nebst dem umgebenden Lande abgetreten: Diu, -Bassein mit Salsette und Goa. Und diese lagen sämmtlich an der Küste -auf kleinen Inseln, welche von den Eroberern besser vertheidigt werden -konnten. Hier waren die Portugiesen die alleinigen Herren und wußten -im Laufe der Zeit sich, nach dem Vorgange Albuquerque’s in Goa, diese -Positionen um so mehr zu sichern, als Europäer sich dort niederließen -und die Städte ihren rein indischen Charakter verloren. Daher kommt es -auch, daß noch jetzt die allerdings längst bedeutungslos gewordenen -Städte Goa und Diu in portugiesischen Händen geblieben sind.</p> - -<p>Außerhalb Indiens gehörte ihnen noch das mit bewaffneter Hand genommene -Malaka, das aber nur mühsam bis ins nächste Jahrhundert behauptet -wurde. Auch in Ormuz waren sie, obwohl die einheimische Herrschaft -in der Stadt belassen wurde, doch die gebietende Macht, während -eine Reihe von arabischen Küstenplätzen und ost-afrikanischen Häfen -tributpflichtig gemacht wurde.</p> - -<p>Die Verhältnisse auf den Molukken sollen im Folgenden noch eingehend -betrachtet werden.</p> - -<p>Die historischen Ereignisse in Vorder-Indien werden wir nicht weiter -verfolgen, sondern richten unsere Blicke auf die östlichen Länder und -Inseln Asiens, um zu sehen, wie sie allmählich entschleiert wurden, bis -die neugewonnene Kenntniß einerseits bis nach Japan, andererseits bis -hart an den Continent Australien reichte.</p> - -<h4 id="Die_Portugiesen_auf_den_Molukken">9. Die Portugiesen auf den Molukken.</h4> - -<p>Im Südosten von Hinter-Indien breitet sich die große malayische -Inselflur aus, welche aus der Sundawelt nebst Molukken und Philippinen -besteht. Der Flächenraum, welchen die an tropischen Erzeugnissen -überaus reich gesegneten und in malerischer Schönheit prangenden Inseln -bedecken, ist so groß wie ganz Europa. Die Summe der Landmassen dieses -Gebietes, welches in seiner ganzen Breite auf einer Strecke von 35 -Meridianen oder 525 Meilen vom Aequator durchschnitten wird, beträgt -etwa 36,000 Quadratmeilen; die Bevölkerung wird jetzt auf 35 Millionen -Menschen geschätzt, ist also größer als die Einwohnerschaft von ganz -Südamerika. Die Sundainseln gehören zu den größten Inseln der Erde: -Bórneo nimmt einen größern Flächenraum ein als das deutsche Reich sammt -den angrenzenden Staaten Schweiz, Belgien, Niederlande und Dänemark; -Sumátra ist so groß wie Preußen und Bayern zusammen, Celebes läßt sich -mit Großbritannien vergleichen, und Java steht<span class="pagenum"><a name="Seite_200" id="Seite_200">[S. 200]</a></span> dem Staatencomplex von -Süddeutschland nicht nach. Man macht sich von der Größe des ganzen -Gebiets und der Ausdehnung dieser Inseln gewöhnlich eine zu geringe -Vorstellung. „Der Reisende,“ sagt Wallace,<a name="FNAnker_126_126" id="FNAnker_126_126"></a><a href="#Fussnote_126_126" class="fnanchor">[126]</a> „segelt Tage, selbst -Wochen längs den Ufern <em class="gesperrt">einer</em> dieser Inseln, die oft so groß -sind, daß deren Bewohner sie für ein ausgedehntes Festland halten. Er -erfährt, daß man Touren zwischen diesen Inseln meist nur nach Wochen -und Monaten berechnet und daß ihre verschiedenen Einwohner oft so -wenig unter einander bekannt sind, wie die Eingebornen des nördlichen -Festlandes von Amerika denen des südlichen. Bald gelangt er dahin, -diese Region als eine von der ganzen übrigen Welt gesonderte anzusehen, -mit ihren eignen Menschenrassen und ihren eignen Ansichten der Natur, -mit ihren eignen Ideen, Empfindungen, Sitten und Sprachweisen, mit -einem Klima, einer Vegetation, einer Thierwelt, alles von durchaus ihr -eigenthümlichem Charakter.“</p> - -<p>Nahe dem Ostrande dieses großen Gebietes, genau in einem Abstande -von 25 Meridianen, von der Stadt Malaka aus gerechnet, liegen -die eigentlichen Molukken oder Gewürzinseln an der Westküste der -vielgegliederten Insel Halmahera oder Dschilolo zwischen dem ersten -und zweiten Grade nördl. Br. Die wichtigsten darunter sind Ternate und -Tidor. Zwei andere Gruppen von Eilanden, welche ebenfalls an Gewürz -reich sind, liegen 60 bezüglich 80 Meilen südlich und südöstlich von -der zuerst genannten Gruppe. Beide liegen im Süden der langgestreckten -Insel Ceram, und zwar die Amboinen und Banda.</p> - -<p>Hier ist die Heimat der Gewürznelken und der Muskatnuß. Im Gegensatz -zu der namhaften Ausdehnung der Sundainseln gehören die Molukken zu -den kleinsten Eilanden, so daß die kostbarsten Güter der Pflanzenwelt -nur auf einem sehr beschränkten Raum gedeihen. Tidor umfaßt kaum -1½, Ternate etwas mehr als 1 Quadratmeile, und die Bandagruppe ist -auch nicht größer. Dagegen nehmen die Amboinen einen Flächenraum von -17 Quadratmeilen ein. Gegenwärtig beträgt die Bevölkerung nicht ganz -100,000 Seelen, sie entspricht also annähernd der mittleren Dichtigkeit -der Bevölkerung im deutschen Reiche.</p> - -<p>Diese Inseln sind Glieder des großen vulkanischen Ringes, welcher von -den Philippinen her gegen Süden über Banda hinaus und weiter gegen -Westen und Nordwesten über Sumatra hin die größte aller in diesem -Gebiete liegende Insel Borneo umfaßt. Sie sind sämmtlich vulkanisch -und bestehen eigentlich nur aus 4- bis 5000 Fuß hohen Bergkegeln, -in denen die eruptischen Gewalten des Erdinnern noch wach sind, -und die theils durch verheerende Ausbrüche, theils durch heftige -Erderschütterungen die Bewohner erschrecken. Aber die vulkanischen -Aschen und die verwitterten Laven haben, von tropischem Regen getränkt, -eine erstaunliche Fruchtbarkeit und eine üppige<span class="pagenum"><a name="Seite_201" id="Seite_201">[S. 201]</a></span> Baumvegetation -erzeugt, welche die Gehänge der Vulkane vollständig umhüllt. Auf -den eigentlichen Molukken hat Tidor den größten und vollkommen -konisch gestalteten Berg, der Berg auf Ternate ist fast ebenso hoch -aber mit einer gerundeten und unregelmäßigen Spitze. Hier erhebt -sich unmittelbar hinter der Stadt der riesige Berg, anfangs langsam -ansteigend und mit dichten Hainen von Fruchtbäumen bedeckt, bald -aber steiler werdend und von tiefen Furchen durchzogen. Fast bis zum -Gipfel, dessen Oeffnung stets schwache Rauchwolken entsteigen, ist er -mit Pflanzenwuchs bekleidet und sieht so ruhig und schön aus, obgleich -er ein Feuer birgt, das gelegentlich in Lavaströmen ausbricht, aber -sich häufiger durch Erdbeben bemerkbar macht, welche oftmals die Stadt -verwüstet haben.<a name="FNAnker_127_127" id="FNAnker_127_127"></a><a href="#Fussnote_127_127" class="fnanchor">[127]</a></p> - -<p>Ueber den Fruchtbäumen erstreckt sich ein Gürtel von Lichtungen und -bebautem Boden, welcher sich den Berg hinauf bis zu einer Höhe von -zwei- bis dreitausend Fuß zieht, worauf Urwald folgt, der fast bis zum -Gipfel reicht.</p> - -<p>Die Küsten dieser kleinen Inseln haben steile, schwarze Gestade aus -vulkanischem Sande oder sind mit zerrissenen Massen von Lava und -Basalt belegt.<a name="FNAnker_128_128" id="FNAnker_128_128"></a><a href="#Fussnote_128_128" class="fnanchor">[128]</a> Nur hier auf den beiden genannten Inselbergen und -den südlich darauf folgenden Inseln, welche ähnlich gestaltet sind, -auf Motir und Makkian, sowie auf der südlichsten und größten, Batjan, -gedieh die geschätzte Gewürznelke. Der spanische Seefahrer Urdaneta, -welcher von 1526 bis 1535 dort weilte, schätzte zu seiner Zeit den -jährlichen Ertrag in guten Jahren auf 11,600 Centner (Quintal), in -schlechten Jahren auf 5- bis 6000 Centner. Als Urdaneta auf die Inseln -kam, kostete ein Bahar (d. h. mehr als 4 Centner) 2 Dukaten, und zur -Zeit, als er das Gebiet verließ, bezahlte man in Indien für dasselbe -Maß bereits 10 bis 14 Dukaten.<a name="FNAnker_129_129" id="FNAnker_129_129"></a><a href="#Fussnote_129_129" class="fnanchor">[129]</a></p> - -<p>Die zweitwichtigste Gruppe bilden die drei kleinen Bandainseln. -Barros<a name="FNAnker_130_130" id="FNAnker_130_130"></a><a href="#Fussnote_130_130" class="fnanchor">[130]</a> nennt sie einen Garten von Muskatbäumen, welche mit -zahlreichen Pflanzen und Kräutern zu gleicher Zeit blühen und so die -Luft mit einem unvergleichlichen Gemisch von Wohlgerüchen erfüllen. -Wallace schildert sie mit gleichem Entzücken, als bedeckt mit einer -ungewöhnlich dichten und brillianten grünen Vegetation. Banda ist ein -lieblicher kleiner Fleck Erde; die drei Inseln schließen einen sichern -Hafen ein, von dem kein Ausgang sichtbar ist, und der so durchsichtiges -Wasser besitzt, daß lebende Korallen und selbst die kleinsten -Gegenstände deutlich auf dem vulkanischen Sand und in einer Tiefe -von 7 bis 8 Faden zu sehen sind. Der immer rauchende Vulkan thürmt -seine nackte Spitze an einer Seite auf, während die zwei größeren -Inseln mit Pflanzenwuchs bis an den Gipfel der Hügel bedeckt sind. -Ungeachtet der Verluste, welche durch Erderschütterungen entstehen, -und ungeachtet des geringen Umfanges und der isolirten Lage dieser -kleinen Inseln sind sie<span class="pagenum"><a name="Seite_202" id="Seite_202">[S. 202]</a></span> noch der Haupt-Muskatnußgarten der Erde. Fast -die ganze Oberfläche ist mit Muskatnüssen bepflanzt, welche unter dem -Schatten der hohen Kanarienbäume (<span class="antiqua">Kanarium commune</span>) wachsen. Der -vulkanische Boden, der Schatten und die außerordentliche Feuchtigkeit -dieser Inseln, wo es mehr oder weniger jeden Monat im Jahre regnet, -scheinen dem Muskatnußbaume gerade zuzusagen, welcher keinen Dünger -und kaum der Pflege bedarf. Das ganze Jahr hindurch findet man Blumen -und reife Früchte, und dazu sind wenige cultivirte Pflanzen schöner -als Muskatnußbäume. Sie sind hübsch geformt und glattblättrig, 20 bis -30 Fuß hoch und tragen kleine gelbliche Blumen. Die reife dunkelbraune -Nuß ist von der carmoisinrothen Muskatblüthe oder Macis als Samenhülle -umgeben und bietet so einen reizvollen Anblick dar.<a name="FNAnker_131_131" id="FNAnker_131_131"></a><a href="#Fussnote_131_131" class="fnanchor">[131]</a></p> - -<p>Urdaneta schätzte zu seiner Zeit den Ertrag auf durchschnittlich 7000 -Centner Nüsse und 1000 Centner Macis (<span class="antiqua">macía</span>). Ein Bahar (hier -gleich 5 Centner) Nüsse kostete 5 Dukaten, Macis immer siebenmal -soviel. Von beiden Gewürzen gelangten damals nur etwa 500 Centner -Gewürznelken, 100 Centner Macis und 200 Centner Muskatnüsse nach -Portugal.<a name="FNAnker_132_132" id="FNAnker_132_132"></a><a href="#Fussnote_132_132" class="fnanchor">[132]</a></p> - -<p>Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von -Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina -besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von -einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der -Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der -Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund, -welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von -bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von -zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche -näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist. -Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze -Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.<a name="FNAnker_133_133" id="FNAnker_133_133"></a><a href="#Fussnote_133_133" class="fnanchor">[133]</a></p> - -<p>Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn -auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war -damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen, -welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich -ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in -zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne -einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete -vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten -Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen -Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge -zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten -Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone -durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren -Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über -die<span class="pagenum"><a name="Seite_203" id="Seite_203">[S. 203]</a></span> von Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die -Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber -auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde -hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel -führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die -Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr -einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte.</p> - -<p>Es ist bereits oben (<a href="#Seite_174">S. 174</a>) kurz angedeutet, daß der große -Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte, -drei Schiffe unter dem Oberbefehl <em class="gesperrt">Antonio’s d’Abreu</em> absandte, -um die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der -portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der -beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im -December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours -zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina. -Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte -sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich -Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene -Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen. -Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln -im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten -Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden, -und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres -d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise -von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte -zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen -von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der -portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den -Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen -Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer -gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen -Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des -fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die -Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben, -dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu -bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier, -wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von -Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen, -unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem -unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten -hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich -in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste -Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so -ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan -befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches -Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aber<span class="pagenum"><a name="Seite_204" id="Seite_204">[S. 204]</a></span> auf Java strandete, -gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s -nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen -Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem -Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem -benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um -die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten -in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und -erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung -anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den -Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem -Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während -dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden -Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter -einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der -Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer -Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit -verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung -geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen -Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den -Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus -den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln -aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen.</p> - -<p>Einen weiteren Besuch stattete 1518 <em class="gesperrt">Dom Tristão de Menezes</em> den -Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah -sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu -bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit -den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete, -in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle -Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters -von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt, -um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht -einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch -vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des -Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa -und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt -von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden, -nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete. -Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe -richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute -in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle -Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen -wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da -er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte -dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald -darauf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_205" id="Seite_205">[S. 205]</a></span></p> - -<p>Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein -größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab -dem <em class="gesperrt">Antonio de Brito</em> die Leitung. Derselbe ging 1521 mit -mehreren Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht -hatte, nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle -weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten -zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch -Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der -weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches -Schiff, welches einen in <em class="gesperrt">spanischer Sprache</em> ihm ausgestellten -Paß von dort mitbrachte.</p> - -<p>Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste -gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem -westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl. -weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß -spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden -hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt, -fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß -er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe -nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein -errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort, -züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen -und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan -de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier, -arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei -Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha -auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den -Portugiesen hielt.</p> - -<p>Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen -hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor -zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der -ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben -gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe -hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés -(portugiesisch <span class="antiqua">Cachil Daroës</span>), einen Verwandten, als Mitregenten -angenommen.</p> - -<p>Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der -Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage -S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen -über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar -Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren -zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch -und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch, -daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter -verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu -entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus -entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_206" id="Seite_206">[S. 206]</a></span></p> - -<p>Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach -Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern -noch nicht betretenen Weg einschlagen und <em class="gesperrt">nördlich</em> um Borneo -herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel -hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet -erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer -langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka.</p> - -<p>In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom -Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero -de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch -zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab, -landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte -dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun -weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea -verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener -dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von -ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h. -Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea -als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort -kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung, -nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate -gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die -Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war.</p> - -<p>Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die -Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa -anlangten.</p> - -<p>Nicht weit westlich von den Molukken springt die schlanke Halbinsel -von Celebes vor. Diese eigenthümlich gegliederte Insel wurde damals, -weil man die seichten und tiefgehenden Buchten noch nicht untersucht -hatte, noch für eine Insel<em class="gesperrt">gruppe</em> gehalten und Ilhos des -Celebes genannt. Zu ihrer Erforschung, denn es wurde viel von ihrem -Goldreichthume berichtet, ging von Ternate eine Fuste ab; aber dieselbe -wurde an mehreren Stellen bei Versuchen zu landen von den Einwohnern -feindlich empfangen und wollte darum nach Ternate zurückkehren. Auf dem -Heimwege trieb der Monsun das Fahrzeug weit nach Nordosten ins offene -Meer und führte es nach einer Fahrt von 200 Meilen an das Gestade einer -der Marianen oder Ladronen, welche Magalhães schon entdeckt hatte. Vier -Monate wurde die Fuste hier durch widrigen Wind festgehalten und kam -erst im Januar 1526 nach den Molukken zurück.</p> - -<p>Um diese Zeit war Brito von seinem Posten abgerufen und wurde durch -einen neuen Commandanten in der Person des Dom Garcia Henriquez -ersetzt; dieser aber brachte durch seine falschen Maßnahmen die -Portugiesen in mancherlei Ungelegenheit, weshalb an seine Stelle -Menezes trat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_207" id="Seite_207">[S. 207]</a></span></p> - -<p>Es wirft ein eigenthümliches Licht auf die Handlungsweise des -Henriquez, wenn wir lesen, daß derselbe zuerst seinen Nachfolger -Menezes dadurch zu beseitigen hoffte, daß er ihn auf falsche Aussagen -hin gefangen nehmen ließ und dann, als er genöthigt wurde, ihn wieder -frei zu geben und als Statthalter anzuerkennen, doch ehe er das Fort -verließ, die Kanonen desselben zu vernageln befahl, weil er fürchtete, -Menezes würde, wenn er in See gehe, die Kanonen auf ihn richten und -sein Schiff in den Grund schießen!</p> - -<p>Ueber die weiteren Ereignisse auf den Molukken werden wir später -zurückkommen, da sie ihr volles Verständniß erst im Zusammenhange mit -von den Spaniern unternommenen Fahrten nach den Gewürzinseln erhalten -(vgl. 3. Buch. 3. Capitel).</p> - -<h4 id="Phantom_Gold_Silberinseln">10. Das Phantom der Gold- und -Silberinseln.</h4> - -<p>Zu allen Zeiten, wo durch weit ausgedehnte Eroberungszüge oder durch -kühne Seefahrten große Strecken und Gebiete früher unbekannter Länder -entdeckt worden sind, und dadurch der Gesichtskreis in kurzer Zeit -bedeutend erweitert wurde, ist die Phantasie mächtig aufgeregt worden -und hat neben den wahrheitsgetreuen Berichten von den fernen Ländern -und Inseln auch den haltlosesten Gerüchten Glauben geschenkt, welche -von unglaublichen Wunderwesen und Wunderlanden zu erzählen wußten. So -ist es den Griechen nach dem Zuge Alexanders des Großen nach Indien -gegangen, so erging es nun auch den Portugiesen in Indien und sollte -es, wie wir später sehen werden, auch den Spaniern in Amerika ergehen.</p> - -<p>Ein besonders interessantes Beispiel dafür ist das lockende Gespenst -der Gold- und Silberinseln, um so mehr als darin ein Wahn aus dem -Alterthum neu belebt wurde, welcher das ganze Mittelalter hindurch ein -bescheidenes Dasein gefristet hatte.</p> - -<p>Als unter den Nachfolgern Alexanders des Großen das vorderindische Land -genauer bekannt wurde und einzelne Seefahrer auch den bengalischen Golf -durchkreuzten bis zu den Gestaden Hinter-Indiens, wurde im Abendlande -die Kunde von einer fern im Osten gelegenen Goldinsel (χρυσῆ νῆσος) -verbreitet. Weiterhin belegte man die östlichsten asiatischen -Länder nach ihren werthvollsten Erzeugnissen mit dem Namen des -Goldlandes, des Silberlandes, des Kupferlandes.<a name="FNAnker_134_134" id="FNAnker_134_134"></a><a href="#Fussnote_134_134" class="fnanchor">[134]</a> Man hat darunter -wohl die hinterindischen Staaten Birma und Siam zu verstehen. Ueber -den Reichthum an edlen Metallen, wie er noch zu M. Polo’s Zeit von den -Fürsten zur Schau getragen wurde, ist bereits (<a href="#Seite_64">S. 64</a>) berichtet. Auch -die Halbinsel Malaka kannte das griechische Alterthum unter dem Namen -des goldenen Chersoneses (χρυσῆ χερσόνησος); überdies nennt -Ptolemäus auch noch eine goldene Insel. An der Fülle von Edelmetallen -war also nicht zu zweifeln.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_208" id="Seite_208">[S. 208]</a></span></p> - -<p>Bei den römischen Schriftstellern ging die Vorstellung bereits ins -Phantastische und Unbestimmte über; man hielt sich namentlich an den -Begriff der Gold- und Silberinseln, wollte aber nicht entscheiden, -ob die Inseln nur Fundstätten des Metalles besäßen oder ganz und gar -daraus beständen. Auch begnügte man sich nur mit der ungefähren Angabe -der Lage. Aus den Lateinern schöpfte dann weiter das ganze Mittelalter.</p> - -<p>Maßgebend war Plinius, denn die Griechen verstand man im Mittelalter -bald nicht mehr. — Die Angaben des römischen Compilatoren und seines -späteren Nachschreibers Solinus beherrschten die Ansichten über ein -Jahrtausend. Plinius schreibt: Jenseit der Mündung des Indus liegen, -glaube ich, die Inseln Chryse und Argyre (die Namen wurden also aus dem -Griechischen beibehalten), welche reich an Metallen sind. Denn wenn -einige berichtet haben, sie beständen ganz aus Gold und Silber, so -dürfte das schwerlich zu glauben sein.</p> - -<p>Solinus, welcher stets geneigt ist, das Wunderbare noch zu übertreiben, -änderte den Bericht dahin, daß er schrieb, die Inseln seien so reich, -daß wie die meisten (?) berichteten, der Boden ganz aus Gold und Silber -bestehe. Viel vorsichtiger hatte sich Pomponius Mela ausgedrückt. Aber -Plinius und Solinus blieben die maßgebenden Quellen für die Gelehrten -des Mittelalters. Im 6. Jahrhundert schrieb Isidor von Sevilla: Chryse -und Argyre sind reich an Gold und Silber. Dort (nämlich in Indien -überhaupt) gibt es goldene Berge, die aber von Drachen und Greifen -und menschlichen Ungeheuern bewacht werden, so daß man nicht zu ihnen -gelangen kann.</p> - -<p>Kurz erwähnt die Inseln weiterhin der Geograph von Ravenna im 7. -Jahrhundert, ebenso Hrabanus Maurus im 8., sodann Hugo von St. Victor -im 13. Jahrhundert und Petrus de Alliaco (Pierre d’Ailly), Cardinal von -Cambray im Anfang des 15. Jahrhunderts.<a name="FNAnker_135_135" id="FNAnker_135_135"></a><a href="#Fussnote_135_135" class="fnanchor">[135]</a></p> - -<p>Der Glaube an diese Inseln war also allgemein verbreitet; sogar eine<span class="pagenum"><a name="Seite_209" id="Seite_209">[S. 209]</a></span> -gereimte Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert verherrlicht -dieselben.<a name="FNAnker_136_136" id="FNAnker_136_136"></a><a href="#Fussnote_136_136" class="fnanchor">[136]</a> Die Weltbilder jener Zeit durften diese allgemein -angenommenen Thatsachen nicht verschweigen. Bereits die Catalanische -Weltkarte zeigt östlich von Indien die Inschrift: „In dem Meere von -Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle wunderbaren -Reichthümer, die darin enthalten sind, von <em class="gesperrt">Gold, Silber</em> -und kostbaren Steinen aufzählen können.“ Der Globus von Laon, -welcher im Jahre 1493 entstanden ist, (vgl. <span class="antiqua">Bulletin soc. geogr. -Paris.</span> 1860, 2) gibt östlich vom Ganges wenigstens eine <span class="antiqua">Argentea -R(egio)</span> und <span class="antiqua">Aurea R(egio)</span> an.</p> - -<p>Es ist daher durchaus erklärlich, wenn auch die Portugiesen, sobald sie -in jene Regionen kamen, nach den kostbaren Inseln suchten.</p> - -<p>Der erste, welcher danach ausging, war Diogo Pacheco. Kaum war er -1519 mit seinem Bruder nach Malaka gekommen, als er, durch lockende -Erzählungen von der Goldinsel, welche südlich von Sumatra liegen -sollte, angespornt, sich erbot, eine Fahrt dahin zu wagen. Der -Gouverneur von Malaka, Diogo Lopez de Sequeira, gab ihm zwei Schiffe, -aber das eine ging schon an der Nordwestküste von Sumatra unter. -Mit dem andern gelangte Pacheco bis zum Hafen von Baros, welches -auf der Westseite jener Insel ungefähr unter gleicher Breite mit -Malaka liegt. Dort erfuhr er, die Goldinseln lägen wenigstens noch -hundert Meilen weiter<a name="FNAnker_137_137" id="FNAnker_137_137"></a><a href="#Fussnote_137_137" class="fnanchor">[137]</a> gegen Süden in der See; es seien niedrige -von Korallenriffen umsäumte Eilande mit Palmenhainen und schwarzer -Bevölkerung.</p> - -<p>Pacheco kehrte für diesmal wieder um, um noch Beistand zu holen, stach -aber im nächsten Jahre wieder in See in Begleitung einer Brigantine. -Das Einlaufen in Baros wurde ihm durch mehrere feindliche Schiffe -von Kambaja und von Sumatra verwehrt, und ein Sturm trennte seine -beiden Schiffe von einander. Pacheco selbst ging wahrscheinlich -unter. So kostete also der Versuch dem ersten Abenteurer, der das -Geheimniß lüften wollte, das Leben. Aber damit waren die Unternehmungen -keineswegs abgeschlossen. Als König Manuel davon<span class="pagenum"><a name="Seite_210" id="Seite_210">[S. 210]</a></span> hörte, gab er dem -Gouverneur von Indien, Diogo Lopez, welcher die königlichen Briefe in -Kalahat (Kalhat), an den Küsten Arabiens erhielt, den Auftrag, ein -Geschwader von drei Schiffen zur Aufsuchung auszuschicken. Zuerst -sollte Christovão de Menezes die Führung übernehmen, dann wurde Pedro -Eanes damit betraut. Die drei Schiffe bildeten aber einen Theil der -Flotte, welche unter Jorge Albuquerque nach Malaka bestimmt waren. Als -man jedoch zu diesem vielumstrittenen Hafen kam, konnte man dort die -Schiffe nicht entbehren, weil der kleine Seekrieg mit den Nachbaren -fast ununterbrochen fortging, und so unterblieb noch bei Lebzeiten -Manuels eine weitere Expedition.</p> - -<p>Dagegen gingen 1527 unter Leitung eines portugiesischen Piloten -drei Schiffe von Dieppe aus, um als Freibeuter das indische Meer zu -durchstreifen. Zwei Schiffe kamen nach Diu, ein drittes, welches schon -am Cap der guten Hoffnung von den anderen getrennt war, segelte aufs -Gerathewohl, ohne den Weg zu kennen, weiter und gerieth an die Küste -von Sumatra. Von hier aus forschte er nach der Goldinsel, wo der ganze -Strand, Kies und Sand, aus purem Golde bestehen sollte. Dieselbe -wurde als ein üppiges Land geschildert, mit schönen Bäumen und klaren -Wasserbächen und mit vielerlei wohlschmeckenden Früchten. Das nackte, -wilde Volk kleidete sich nur mit Baumblättern, zeigte sich aber den -Fremden gegenüber freundlich. Händler aus Sumatra erzählten später in -Malaka, das Schiff habe die Goldinsel wirklich gefunden, sich mit Gold -beladen und sei dann wieder abgesegelt, habe aber, der Meere unkundig, -vielfach umhergeworfen, an der Küste von Sumatra Schiffbruch gelitten -und alle Mannschaft verloren. Die dortigen Fischer hätten das Gold an -sich genommen.<a name="FNAnker_138_138" id="FNAnker_138_138"></a><a href="#Fussnote_138_138" class="fnanchor">[138]</a> Dadurch schien also die Existenz dieser Inseln -außer Frage gestellt. Und so schickte denn der Generalgouverneur Martim -Affonso de Sousa im Jahre 1543 wieder eine Galee mit zwei Fusten -aus, im Meere westlich von Sumatra nach der Goldinsel auszuspähen. -Jeronimo de Figueiredo wollte zu dem Zweck von Goa ausgehen, aber das -Unternehmen scheiterte bereits vor Beginn, infolge einer Intrigue.<a name="FNAnker_139_139" id="FNAnker_139_139"></a><a href="#Fussnote_139_139" class="fnanchor">[139]</a> -Die Lage der Insel glaubte man ziemlich sicher ansetzen zu können. Man -wird darum auch nicht vergebens suchen, wenn man auf den älteren Karten -nach der Lage der Goldinsel forscht. Ortelius führt in seinem Theatrum -Orbis<a name="FNAnker_140_140" id="FNAnker_140_140"></a><a href="#Fussnote_140_140" class="fnanchor">[140]</a> westlich von Sumatra sowohl <span class="antiqua">Isole d’or</span>, als <span class="antiqua">isolas -d’oure</span> an. Im Atlas Mercators, 1613, lesen wir in derselben Gegend -<span class="antiqua">Andramania id est aurea insula</span>. Und Willem Blaeu führt in seinem -Kartenwerke 1634, ebenso wie Hend. Hondius die Insel <span class="antiqua">„de Ouro“</span> -an drei verschiedenen Stellen westlich von Sumatra an. Wenn man nun -später auch etwas mehr Zweifel hegen mochte, so haben sich diese -Fabelinseln doch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Eine -von Homanns Erben 1748 veröffentlichte Karte unter dem Titel <span class="antiqua">Cartes -des Indes orientales</span> führt auf der Linie von den<span class="pagenum"><a name="Seite_211" id="Seite_211">[S. 211]</a></span> Malediven nach -Nord-Sumatra wiederum noch an drei Stellen die Inseln auf mit den -Inschriften: 1) <span class="antiqua">Ouro, juxta Anglos, positionis et existentiae -incertae</span> (südlich von Ceylon); 2) <span class="antiqua">I<sup>ae</sup> ouro s. auri, juxta -Batavos, pariter incertae</span>; 3) <span class="antiqua">Ouro, juxta Batavos</span>.</p> - -<p>Man erkennt auch hier wieder, daß Fabelwesen ein außerordentlich zähes -Leben haben.</p> - -<p>Daß man sich aber nicht blos unter den seefahrenden Nationen lebhaft -mit diesen Inseln beschäftigte, beweist ein Brief, welcher (ohne Datum) -an den Kurfürsten August von Sachsen gerichtet ist und folgendermaßen -lautet: Es sind wahrhaftige (?) Zeitungen gekommen in kurzen Tagen aus -Spania, wie daß der König habe eine neue Insel gefunden, Serieff, darin -liegt nichts als lauter gediegen Gold, man hat zwei Gefangene aus den -Königen allenthalben umhergeschickt, wer mit ihnen reden könnte, aber -keinen gefunden, der sie hat verstehen können, vermeinend, man wolle -viel erfahren durch sie, wie es um ihre Insel stehe. Sie sind aber bald -gestorben. Der König hat wieder drei Schiffe verordnet, wie sie zu -der Insel hinzufahren und zu besichtigen, wie sie zu gewinnen und zu -erobern sei, nachfolgends will er erst ein Volk darauf verordnen. Er -ist entschlossen, sie alle todt schlagen zu lassen, denn er könnte die -Insel sonst vor ihnen nicht behalten, denn es ist ein rauhes, hartes -und fahriges Volk.<a name="FNAnker_141_141" id="FNAnker_141_141"></a><a href="#Fussnote_141_141" class="fnanchor">[141]</a></p> - -<p>Wie alle solche Phantome, so wechselten auch diese Inseln ihre Stelle. -Sie flackerten wie Irrlichter durch den großen Inselarchipel, tauchten -einmal südlich von Timor auf und verloren sich schließlich in dem -weiten fast insellosen Raum des nördlichen großen Oceans.</p> - -<p>Es war am Ende des 16. Jahrhunderts, als Schiffer von der Insel Solor, -nordwestlich von der Insel Timor, ins südliche Meer verschlagen -wurden, und nun erzählten, sie hätten die Goldinsel gefunden. Als -man dann zum zweitenmale die Entdeckung ausbeuten wollte, war das -goldene Eiland nicht wieder zu finden. Aber die Kunde davon kam nach -Malaka, wo damals Manoel Godinho de Eredia weilte, ein portugiesischer -Mestize, welcher 1563 in Malaka geboren war und, nachdem er eine -kurze Zeit dem Jesuitenorden angehört hatte, sich mit Kosmographie -beschäftigte. Zuerst im Jahre 1594 schlug er vor, eine Expedition nach -den langgesuchten Inseln auszurüsten und schrieb zu dem Zweck auch -eine besondere Abhandlung.<a name="FNAnker_142_142" id="FNAnker_142_142"></a><a href="#Fussnote_142_142" class="fnanchor">[142]</a> Aber leider wurde der Plan zerstört, -da zwei Jahre später Cornelis Houtman mit einer holländischen Flotte -bei Sumatra erschien. Als dann nach Beseitigung dieser Gefahr für -Malaka Godinho wieder Zurüstungen machte, wurde seine Vaterstadt 1601 -zum zweitenmale von dem Holländer Jacob van Heemskerk angegriffen und -Godinho wieder abgehalten, die Schätze der Goldinsel zu heben. Somit -unterblieb der Zug überhaupt.<a name="FNAnker_143_143" id="FNAnker_143_143"></a><a href="#Fussnote_143_143" class="fnanchor">[143]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_212" id="Seite_212">[S. 212]</a></span></p> - -<p>Als dann kurz darauf die Holländer sich auf den Molukken und auf -Java festsetzten, traten sie auch die Erbschaft bezüglich der -Goldinseln an. Es war im Jahre 1635, als ein Beamter der holländischen -Handelscompagnie, Willem Verstegen, dem holländischen Generalgouverneur -Henricq Brouwer, dem Vorgänger des berühmten Antonio van Diemen, -eine Schrift überreichte, worin er den Vorschlag machte, die Gold- -und Silberinsel, welche östlich von Japan im großen Ocean unter -37½° nördl. Breite liegen sollte, für Holland in Besitz nehmen zu -lassen. Brouwer mußte, da er 1636 abberufen wurde, die Ausführung -seinem Nachfolger überlassen. Dieser war aber in den ersten Jahren -durch wichtigere Angelegenheiten gegen seinen Willen (<span class="antiqua">tegen ons -gemoet</span>) abgehalten, obwohl er die Wichtigkeit eines solchen -Zuges nicht unterschätzte, und konnte erst 1639 zwei Schiffe unter -dem Commandeur Matthys Quast aussenden mit dem Befehl, unter dem -angegebenen Breitenparallel vierhundert Meilen nach Osten zu steuern, -um die reichen Inseln aufzusuchen. Aber die ziemlich unglückliche Fahrt -blieb resultatlos, da die Schiffe nur bis zu den Bonininseln kamen, -welche südöstlich von Japan zwischen dem 20. und 30. Breitengrade -liegen. Darum mußte der Versuch 1643 wiederholt werden. Wiederum -sandte van Diemen zwei Fahrzeuge unter Martin de Vries aus, welcher -zuversichtlich die so oft vergeblich gesuchten Inseln zu finden hoffte, -da man sichere Kunde von ihrer Existenz in der bezeichneten Gegend zu -haben meinte; denn die spanischen Schiffe, welche seit Jahren zwischen -Manila und Mexiko verkehrten, hatten seit 1610 oder 1611 die Inseln -schon gesehen. Es sollten hohe Gebirgsinseln sein, welche über die -Maßen gold- und silberreich und von einem hellfarbigen, freundlichen, -civilisirten Volke bewohnt wären. Unzweifelhaft liegt diesen -Mittheilungen eine dunkle Nachricht von den hohen Sandwichinseln zu -Grunde, deren Lage aber erst durch J. Cook, auf seiner dritten Reise, -1778, bestimmt wurde.</p> - -<p>Die beiden Schiffe des Capitän Vries wurden an der Küste von Japan -von einander getrennt; beide unternahmen daher selbständig die -Forschungsreise. Vries wußte genau, wohin er zu steuern hatte, denn -er besaß sogar eine japanische Karte, auf welcher an der Ostseite der -Goldinsel ein Fluß verzeichnet war, in dem er ankern konnte. Vries -drang 460 Meilen weit von Japan gegen Osten vor, das andere Schiff kam -sogar 500 Meilen weit, aber das gesuchte Land blieb verborgen, denn -die Sandwichinseln liegen nicht in der Nähe des 37. Parallelkreises, -sondern nahe dem nördlichen Wendekreise.<a name="FNAnker_144_144" id="FNAnker_144_144"></a><a href="#Fussnote_144_144" class="fnanchor">[144]</a></p> - -<p>So blieb also der gehoffte Erfolg aus und man gab weitere -Unternehmungen auf; aber zur Erweiterung der Kenntniß von den östlichen -Meeren hatten auch diese fruchtlosen Fahrten beigetragen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_213" id="Seite_213">[S. 213]</a></span></p> - -<h4 id="Portugiesen_in_China_und_Japan">11. Der erste Besuch der -Portugiesen in China und Japan.</h4> - -<p>Mit den Söhnen aus dem Reiche der Mitte waren die Portugiesen zuerst -in Malaka zusammengetroffen; es war eine durchaus friedliche Begegnung -gewesen. Die Chinesen waren ohne Scheu, lediglich im Handelsinteresse, -an die fremden Schiffe herangekommen, denn sie hatten sofort die -nautische Ueberlegenheit der Portugiesen erkannt, und ebenso war es für -diese wohlthuend gewesen, gegenüber dem schleichenden, unzuverlässigen -Wesen der Malayen, in den Chinesen eine Klasse von Händlern zu finden, -mit denen man auf gleichem Fuße verkehren konnte, und die auch -nicht durch irgendwelche religiöse Satzungen an einem ungezwungenen -Geschäftsleben gehindert wurden.</p> - -<p>Es stand sicher zu erwarten, daß, sowie die Verhältnisse in Malaka -etwas geregelter sich gestalteten, man zu weiterer Bekanntschaft gern -die Hand bieten würde, um dadurch den begonnenen Handelsverkehr noch -mehr zu beleben. Leider sollte man bald die Erfahrung machen, daß der -Chinese in der Fremde weit zugänglicher ist als in seinem Heimatlande.</p> - -<p>Im Juli 1514 war Jorge d’Albuquerque Befehlshaber in Malaka geworden, -im folgenden Jahre sandte er den Rafael Perestrello mit zehn Leuten in -einer chinesischen Dschunke nach China, um das Land zu erkunden, von -da kehrte er in einer Brigantine, die er auf seine Kosten ausgerüstet -hatte, mit reicher Ladung nach Kotschin zurück.<a name="FNAnker_145_145" id="FNAnker_145_145"></a><a href="#Fussnote_145_145" class="fnanchor">[145]</a></p> - -<p>Kurz vorher langte der neue Generalstatthalter Lopo Soarez aus Portugal -an; in seiner Begleitung kam Fernão Perez d’Andrade, um auf Befehl der -portugiesischen Regierung eine Flotte nach China zu führen.</p> - -<p>Andrade begab sich zunächst nach Sumatra, um eine Ladung Pfeffer -einzunehmen, welche man in China gegen andere Waaren vertauschen -wollte. Leider wurde er durch den Verlust seines besten Schiffes, -welches durch Feuer zerstört wurde, genöthigt, sich nach Malaka zu -begeben, und brach von hier am 12. August 1516 von neuem auf, obwohl -die beste Jahreszeit ihrem Ende entgegen ging; denn es lag dem -neuen Statthalter von Malaka, de Brito, daran, zu erfahren, was aus -Perestrello geworden sei, von dem man damals noch nichts gehört hatte. -Andrade kam aber nur bis zur Küste von Kotschinschina, nahm auf der -wichtigen Insel (Pulo) Kondor, welche vor der Mündung des Mechong liegt -und gegenwärtig im Besitz der Franzosen ist, Wasser ein, und kehrte, -durch Stürme genöthigt, über den Hafen Patani, an der Ostküste der -Halbinsel Malaka, nach dem Hafen von Malaka zurück. Nur das Schiff des -Duarte Coelho blieb aus; dasselbe lief in die Mündung des Menam in Siam -ein, blieb dort während der schlechten Jahreszeit und ging dann von -hier aus allein nach China, wo Andrade wieder mit ihm zusammentraf. In -der Zwischenzeit war Perestrello hier eingelaufen und dann weiter nach<span class="pagenum"><a name="Seite_214" id="Seite_214">[S. 214]</a></span> -Kotschin gegangen. Der merkantile Erfolg seiner Reise spornte Andrade -an, im Juli 1517 zum zweiten Male seine Fahrt nach China anzutreten. -Ohne Zwischenfälle erreichte er am 15. August die Küste von Süd-China -und ließ an der Insel Tamão (Tamong) die Anker fallen.<a name="FNAnker_146_146" id="FNAnker_146_146"></a><a href="#Fussnote_146_146" class="fnanchor">[146]</a></p> - -<p>Andrade’s Flotte bestand aus vier portugiesischen und vier malayischen -Schiffen. An der Küste fand er chinesische Schiffswachten gegen die -Piraten postirt. Auch bestand die Einrichtung, daß die Schiffe, -welche in den Fluß einlaufen wollten, von den chinesischen Behörden -mit Pässen versehen werden mußten. Nach mancherlei Verzögerungen und -Plackereien von Seiten der chinesischen Beamten erhielt Andrade Lotsen, -welche ihn nach Kanton brachten. Die Absendung einer Gesandtschaft, -welche im Namen des Königs von Portugal dem Kaiser von China Geschenke -überreichen sollte, zog sich aber in die Länge, weil der Statthalter -von Kanton erst am kaiserlichen Hofe um die Genehmigung zur Abfertigung -der Gesandtschaft nachsuchen mußte. In dem ungesunden Klima von Kanton -starben viele Portugiesen, so daß Andrade es gerathen fand, nach der -Insel Tamao zurückzugehen. Von hier sandte er den Duarte Coelho nach -Malaka zurück, um über den günstigen Verlauf seines Unternehmens -Bericht zu erstatten. Ein anderes Schiff unter Jorge Mascarenhas wurde -auf Kundschaft weiter nach Norden geschickt, um Nachrichten über das -Land der Lequios einzuziehen. Mascarenhas kam bis nach Tsiuan-tschau -an der Fukianstraße, der Insel Formosa gegenüber, und fand in diesem -weniger besuchten Hafen viel vortheilhaftere Handelsverhältnisse, -da man die chinesischen Artikel viel billiger eintauschen und die -mitgebrachten Waaren viel höher verwerthen konnte. Auch erfuhr -Mascarenhas dort, daß das Land Lequia, worunter in engerem Sinne die -zu Japan gehörigen Liukiu-Inseln und im weiteren Sinne das japanische -Reich selbst zu verstehen ist, noch über hundert Meilen weiter -nordwärts liege.</p> - -<p>Nach einem Aufenthalte von vierzehn Monaten entschloß sich Andrade, -China wieder zu verlassen. Dazu nöthigte ihn besonders die Nachricht, -daß Malaka wieder von den malayischen Fürsten der Nachbarschaft -ernstlich bedroht sei. Ehe er wieder in See ging, ließ er in Kanton -und im Hafen von Tamao ausrufen, daß, wenn irgend ein Chinese von -den Portugiesen geschädigt sei, derselbe sich melden und seine -Entschädigung erhalten solle. Dieses Verfahren wurde von den -Chinesen ihm hoch angerechnet und gab ihnen einen Begriff von der -Gerechtigkeitsliebe der Fremden.<a name="FNAnker_147_147" id="FNAnker_147_147"></a><a href="#Fussnote_147_147" class="fnanchor">[147]</a> Der portugiesische Gesandte -Thomas Perez blieb auf Tamao zurück, bis er endlich, nach dreimaliger -Anfrage, die Erlaubniß erhielt, an dem kaiserlichen Hofe zu erscheinen. -So konnte er erst im Januar 1520 seine Reise antreten. Inzwischen war -aber im August 1519 Simão d’Andrade, der Bruder des Fernão Perez, mit<span class="pagenum"><a name="Seite_215" id="Seite_215">[S. 215]</a></span> -einem zweiten Geschwader vor Tamao erschienen. Thomas Perez fuhr zuerst -zu Schiffe bis an die südliche Grenze der Provinz Fukian und begab -sich dann zu Lande nach Nanking und von da weiter nach Peking. Da der -Kaiser sich aber zu jener Zeit noch in den nördlichen Grenzländern -aufhielt, so erfolgte die Audienz erst im Jahre 1521. Während dieser -Zeit waren aber über das Benehmen der Portugiesen höchst ungünstige -Nachrichten eingelaufen, welche mit der von dem Fernão Perez d’Andrade -laut verkündigten Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in grellem Widerspruche -standen. Simão d’Andrade, unvorsichtig und rücksichtslos, hatte die -Zeit benutzt, um sich, ohne dazu von den chinesischen Behörden die -Erlaubniß zu haben, auf Tamao zu befestigen, angeblich, um sich dadurch -gegen die Angriffe von Seeräubern zu decken. Sodann wurde gemeldet, daß -Simão d’Andrade vor seiner Abreise einige Kinder angesehener Eltern, -allerdings ohne zu wissen, daß dieselben ihrer Familie gestohlen -waren, aufgekauft und mit nach Indien genommen hatte. Endlich waren -auch Abgesandte des Fürsten der Insel Bintang bei Malaka erschienen, -welche ihren Herren als einen Lehnsmann des Kaisers bezeichneten, -welcher ein Recht auf die Hilfe der Chinesen habe, da die Portugiesen -ihm einen Theil seines Reiches genommen hätten, und welche erklärten, -daß die letzteren nur zum Zweck der Eroberung ihre Fahrten bis China -ausdehnten. Die Folge dieser Nachrichten war, daß der Kaiser Befehl -gab, den portugiesischen Gesandten nach Kanton zurückzuschaffen und -dort als Gefangenen zurückzuhalten, bis die Portugiesen in allen -Stücken Ersatz geleistet hätten. Ihre Schiffe wurden gleichfalls mit -Beschlag belegt und kein Portugiese mehr in einen Hafen zugelassen, -denn der Kaiser wollte solche eigenmächtige, streitsüchtige und -habgierige Leute in seinen Landen nicht dulden.<a name="FNAnker_148_148" id="FNAnker_148_148"></a><a href="#Fussnote_148_148" class="fnanchor">[148]</a></p> - -<p>Darum wurde Duarte Coelho, als er im Juni 1521 wieder mit zwei Schiffen -vor Tamao erschien, von den Chinesen angegriffen. Er wies zwar mit -seinen Kanonen den feindlichen Angriff zurück und befreite noch eins -der portugiesischen Schiffe, aber Perez und sein Gefolge blieben -als Gefangene zurück und wurden nicht freigegeben. Der abenteuernde -Reisende Mendez Pinto wollte sogar im Jahre 1550 noch einige davon -am Leben getroffen haben. Dagegen behauptet Barros, Thomas Perez -sei mit allen seinen Mitgefangenen etwa ums Jahr 1523 hingerichtet. -Ebenso schlug ein erneuter Versuch, welchen Martin Affonso de Mello -Coutinho 1522 wagte, vollständig fehl, die Beziehungen zu China wieder -anzuknüpfen. Die Chinesen griffen sein Geschwader von fünf Schiffen -an, eroberten eins derselben und sprengten ein zweites in die Luft, so -daß Coutinho die übrigen mit Mühe nach Malaka zurück rettete. So hatte -also das unüberlegte Verfahren Simãos d’Andrade auf längere Zeit die -nachtheiligsten Folgen.</p> - -<p>Einzelne Schiffe wagten sich später wieder in die chinesischen -Gewässer, wandten sich aber weiter nordwärts nach Ningpo, wo sie sich -anfänglich<span class="pagenum"><a name="Seite_216" id="Seite_216">[S. 216]</a></span> vorsichtiger benahmen, um an dem lebhaften Handel der -Stadt theilnehmen zu können. Aber mit den wachsenden Erfolgen stieg -auch wieder der Uebermuth der Portugiesen; in Folge dessen sie in den -vierziger Jahren wieder vertrieben wurden. Ningpo besaß aber eine -lebhafte Verbindung mit Japan, und so gelangten die Portugiesen von -hier nach jenem Inselreiche. In der Mitte des Jahrhunderts war China -ihnen wieder verschlossen, nur auf <em class="gesperrt">Macao</em> wußten sie sich zu -behaupten und haben den kleinen Besitz auf der Halbinsel bis heute -zu erhalten vermocht, von dem aus sie auch mit Kanton weiterhin in -geschäftlicher Verbindung blieben, nachdem sie sich zur Zahlung einer -Geldsumme bequemt hatten.</p> - -<p>Die erste Bekanntschaft mit <em class="gesperrt">Japan</em> machten die Portugiesen im -Jahre 1542. Leider fließt hier die wichtigste historische Quelle so -trübe, daß Wahrheit und Dichtung schwer zu unterscheiden ist. Es ist -der Reisebericht des Fernão Mendez Pinto,<a name="FNAnker_149_149" id="FNAnker_149_149"></a><a href="#Fussnote_149_149" class="fnanchor">[149]</a> welcher 1539 nach Malaka -kam, und nachdem er mehrere abenteuerliche Streifzüge nach Sumatra -ausgeführt hatte, sich im folgenden Jahre mit Antonio de Faria nach -China begab.</p> - -<p>Der Piratenzug, an welchem sich Pinto betheiligte, scheint ihn mehrere -Jahre in der Nähe und an den Küsten Chinas beschäftigt zu haben. So -mochte er vielleicht vernommen haben, daß von der Mannschaft des Diogo -de Freitas, welcher sich im Jahre 1542 in der alten Residenz von Siam, -in Ayuthia befand, mehrere Leute desertirten und auf einer chinesischen -Dschunke versteckt, dem „himmlischen Reiche“ zusteuerten, aber von -einem Sturme nordwärts geführt unter dem 32° nördl. Br. bis an die -Inseln der Japaner geführt wurden, wo sie auf Nipongi freundliche -Aufnahme fanden. Sie waren die ersten Europäer, durch welche die -Japaner mit Feuerwaffen bekannt gemacht wurden.</p> - -<p>Pinto, dessen Erzählung von Richthofen als „ein Meer von Lügen“ -bezeichnet, „in welchem man einzelne Inseln der Wahrheit findet“,<a name="FNAnker_150_150" id="FNAnker_150_150"></a><a href="#Fussnote_150_150" class="fnanchor">[150]</a> -eignete sich selbst den Ruhm der Entdeckung zu und behauptete, einer -von jenen Matrosen gewesen zu sein, aber er verlegte das Ereigniß -um zwei Jahre zu spät. Da aber seine Darstellung und die Angabe von -Ortsnamen wirkliche Kenntniß von Japan verräth, so ist es nicht -unmöglich, daß er selbst, nachdem er vielleicht in Ningpo die Nachricht -von jener ersten Entdeckung erhalten hatte, den südlichen japanischen -Inseln, Tamga-sima und Kiusiu einen Besuch abgestattet hat. Eine -klarere Vorstellung von jenem Inselreiche gewann man bald, seit Franz -Xaver als erster Glaubensbote 1549 das Land betrat und bis 1551 mit -großem Erfolge wirkte. Aber über Nippon hinaus nordwärts blieb Meer und -Land in Dunkel gehüllt.</p> - -<p>Auch China wurde noch in demselben Jahrhundert durch Augustiner- und -Franziskanermönche genauer bekannt, welche von den Philippinen her<span class="pagenum"><a name="Seite_217" id="Seite_217">[S. 217]</a></span> -1577 zuerst in das große Reich eindrangen und ihr Bekehrungswerk -begannen. So verdanken wir den Portugiesen nur die Kenntniß der Küsten, -den spanischen Geistlichen die Kenntniß des Binnenlandes.</p> - -<p>Die Thätigkeit der Portugiesen, welche in den ersten Decennien sowohl -in Vorder-Indien als auch im Gebiet der Sunda-Inseln, einen so -glänzenden Aufschwung genommen hatte, erlahmte sehr bald. Das kleine -Reich hatte sich an Mitteln und Menschen erschöpft, es behauptete den -errungenen Besitz nur noch mühsam, bis nach der Vereinigung Portugals -mit Spanien im Jahre 1580 und nach der Vernichtung der spanischen -Suprematie zur See die Holländer und Engländer in den indischen -Gewässern erschienen und die ersten Entdecker der Gewürzländer aus -ihrer Domäne verdrängten. Die Holländer übernahmen dann im folgenden -Jahrhundert die Weiterführung der Entdeckungsfahrten, einerseits gegen -Südosten nach Australien, andererseits gegen Nordosten über Japan -hinaus bis an das ochotskische Meer und bis zu den Kurilen.</p> - -<div class="section"> - -<h3 id="Zweites_Capitel_3">Zweites Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Bahn der Spanier nach Westen und die Entdeckung -der neuen Welt.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Italienische_Nautik">1. Die Bedeutung der italienischen, namentlich -genuesischen Nautik und das frühere Leben des Christoph Columbus.</h4> - -<p><span class="s3">N</span>och ehe die Portugiesen das Ziel ihrer langjährigen Anstrengungen zur -See, Indien, zu erreichen vermochten, ja noch ehe sie das ihnen in den -Weg geworfene Hinderniß, die plumpe Masse des ungegliederten Erdtheils -Afrika, durch glückliche Umschiffung endlich überwunden hatten, tauchte -ein anderes Project auf, das durch seine Kühnheit alle Welt stutzig -machte und deshalb naturgemäß überall auf Widerspruch stieß, ein -Project, das in seinem Kern von ganz richtigen Grundsätzen ausging und -unter der damals nicht mehr bestrittenen Annahme von der Kugelgestalt -der Erde den geraden Weg nach Westen über das völlig unbekannte -Weltmeer als den nächsten und bequemsten Weg nach Indien oder überhaupt -nach dem Ostrande der alten Welt vorschlug, deren Gestade, wie man aus -den Erzählungen Marco Polos und seiner Nachfolger wußte, gleichfalls -von einem unendlich scheinenden Ocean bespült wurden. Der Träger -dieses Projects, wenn auch keinesweges der Schöpfer desselben, war ein -Italiener Christofero Colombo oder, wie er mit der latinisirten Form -seines Namens allgemein genannt wird, <em class="gesperrt">Columbus</em>.</p> - -<p>Italienern verdanken wir im Mittelalter den ersten folgenreichen -Aufschwung der Nautik, Italiener waren die Lehrmeister der -Portugiesen gewesen, ein Italiener entwarf zuerst den kühnen Plan -einer Westfahrt nach Indien, ein Italiener führte den Gedanken aus, -nach einem Italiener erhielt<span class="pagenum"><a name="Seite_218" id="Seite_218">[S. 218]</a></span> die neue Welt ihren Namen; Italiener -waren zur selben Zeit auch die Leiter der Seeunternehmungen, welche -von Frankreich und von England aus im westlichen Meere Entdeckungen -machen sollten. Aber daß sie niemals in der Heimat eine hochherzige -Unterstützung für ihre Pläne fanden, und ihre Ideen nur im Auslande -verwerthen konnten, wo sie, nur von Fremden umgeben, und von nationaler -Eifersucht bewacht, vielfach auf Widerstand stießen, hat mannigfache -Verwicklungen und manche Wechselfälle in dem Leben der leitenden -Persönlichkeiten veranlaßt; vor allem in dem tragischen Ausgange des -berühmtesten von allen, des Columbus selbst.</p> - -<p>Werfen wir zunächst einen Blick auf das <em class="gesperrt">frühere Leben</em> dieses -merkwürdigen Mannes, auf die Zeit, in welcher er das Schicksal so -mancher seiner Zeitgenossen und Landsleute, die sich dem Seegewerbe -widmeten, theilte.</p> - -<p>Auf die Ehre, die Geburtsstätte des Columbus gewesen zu sein, haben -viele Orte Italiens Anspruch erhoben: Albisola, Bogliasco, Chiavara, -Cogoleto, Nervi, Oneglia, Pradello, Quinto, Savona, Genua; aber -Columbus selbst bezeugt in seinem Testamente zweimal, daß er in -der Stadt (<span class="antiqua">ciudad de Genova</span>) geboren sei, so daß damit die -rechtmäßige Entscheidung gegeben ist.</p> - -<p>Er stammte also aus derjenigen Seestadt, welche den weitgehendsten -Einfluß auf die Entwicklung des Seewesens in Westeuropa bereits seit -mehreren Jahrhunderten gehabt hatte. Denn schon in den Jahren 1116 und -1120 waren genuesische Schiffsbaumeister und Seeleute nach Spanien -gerufen, um die Küsten des Landes vor den maurischen Seeräubern zu -schützen, und im 13. und 14. Jahrhundert wurden Genuesen zum Range -castilischer Admirale erhoben.</p> - -<p>Genuesen hatten bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts (s. o. -<a href="#Seite_23">S. 23</a>) den Versuch gewagt, einen Seeweg nach Indien, um Afrika herum, -aufzufinden, und hatten vielleicht um dieselbe Zeit schon die -canarischen Inseln wieder aufgefunden. Der König Diniz III. von -Portugal stellte 1307 einen Genuesen an die Spitze der Flotte und noch -unter Heinrich dem Seefahrer zeichneten sich die Söhne Genuas bei den -Entdeckungsfahrten aus: Perestrello, ein Vorfahr des Schwiegervaters -des Columbus, wird als der Wiederentdecker von Porto Santo genannt, -Antonio de Noli fand 1460 die capverdischen Inseln (s. o. <a href="#Seite_96">S. 96</a>).</p> - -<p>Auch in Frankreich und England nahmen seit dem 13. und 14. Jahrhundert -die Könige genuesische Seeleute in ihren Dienst und vertrauten ihnen -die Führung von Seegeschwadern an.<a name="FNAnker_151_151" id="FNAnker_151_151"></a><a href="#Fussnote_151_151" class="fnanchor">[151]</a> Diesem selben Zuge der -genuesischen Jugend, in den westlichen Ländern am Ocean und auf dem -Ocean selbst ihr Glück zu suchen, folgte auch Columbus.</p> - -<p>Ueber <em class="gesperrt">sein Geburtsjahr</em> ist viel gestritten worden. Man hat -dafür die Jahre 1436, 1446 und 1456 angenommen. Die Ursache dieser -auffälligen<span class="pagenum"><a name="Seite_219" id="Seite_219">[S. 219]</a></span> Schwankungen liegt in den einander widerstreitenden -Angaben, wobei, je nach der Berechnung der Zeiträume, auch noch die -geringeren Abweichungen bezüglich der Jahre 1435 bis 1437 oder 1445 -bis 47 vorkommen. Der Beweis für das Jahr 1436 stützt sich vornehmlich -auf die Aussage eines zeitgenössischen Geschichtschreibers, welcher -persönlich mit Columbus bekannt war, auf Andres Bernaldez (<span class="antiqua">Historia -de los Reyes catolicos D. Fernando y Da. Isabel, Sevilla 1870</span>), -welcher von 1488 bis 1513 Geistlicher im Städtchen Los Palacios bei -Sevilla war, und den Entdecker der neuen Welt bei seiner glücklichen -Heimkehr von seiner zweiten Reise als Gast bei sich sah. Bernaldez -schreibt, daß Columbus in gutem Greisenalter, im Alter von 70 Jahren -etwa gestorben sei. (<span class="antiqua">Murió in senectute bona de edad de setenta años -poco mas o menos.</span>) Nach dieser Angabe wäre Columbus also etwa 32 -Jahre älter gewesen als sein jüngster Bruder Diego, welcher bestimmt im -Jahre 1468 geboren ist. Aber Bernaldez hat sich durch das graue Haar -des Entdeckers täuschen lassen und wußte nicht, daß Columbus schon mit -30 Jahren ganz weiß geworden war.</p> - -<p>Nach einer zweiten Ansicht, welche besonders von Peschel vertreten -wurde,<a name="FNAnker_152_152" id="FNAnker_152_152"></a><a href="#Fussnote_152_152" class="fnanchor">[152]</a> soll Columbus 1456 geboren sein. Columbus schreibt nämlich -am 7. Juli 1493, er sei in einem Alter von 28 Jahren in den Dienst -der spanischen Krone getreten,<a name="FNAnker_153_153" id="FNAnker_153_153"></a><a href="#Fussnote_153_153" class="fnanchor">[153]</a> und erwähnt am 14. Jan. 1493, -daß er den kommenden 20. Januar den katholischen Majestäten gerade 7 -Jahre gedient habe.<a name="FNAnker_154_154" id="FNAnker_154_154"></a><a href="#Fussnote_154_154" class="fnanchor">[154]</a> Sein Eintritt erfolgte demnach 1486 und sein -Geburtsjahr würde um 1458 zu setzen sein. Andererseits sagt aber der -Entdecker am 21. Dec. 1492, er sei fast ohne Unterbrechung 23 Jahre -auf See gewesen,<a name="FNAnker_155_155" id="FNAnker_155_155"></a><a href="#Fussnote_155_155" class="fnanchor">[155]</a> also seit 1470. Nimmt man dazu die Angabe der -<span class="antiqua">„vida del Almirante“</span>, welche selbst behauptet<a name="FNAnker_156_156" id="FNAnker_156_156"></a><a href="#Fussnote_156_156" class="fnanchor">[156]</a> von seinem -Sohne Ferdinand geschrieben zu sein, daß der Vater schon in seinem -14. Jahre auf die See gegangen sei, so mußte Christoph Columbus 1456 -geboren sein.</p> - -<p>Allein dagegen ist mit Recht eingewendet, daß Columbus von 1483 bis -1492 fast gar keine Seereisen mehr gemacht hat und seit 1486 sich -beständig in Spanien aufhielt, daß demnach der Ausgangspunkt, von dem -die 23 Jahre ununterbrochener Seefahrten an rückwärts zu zählen sei, -in das Jahr 1483 zu setzen sei, so daß also Columbus seit 1460 etwa -das Seegewerbe betrieben habe. Dazu stimmt ferner, daß Columbus 1501 -erklärt, er befahre nun bereits seit mehr als 40 Jahren das Meer. Kam -er nun sehr jung, im 14. Jahre, aufs Schiff, so müßte er 1446 geboren -sein.</p> - -<p>Diese Ansicht vertheidigt besonders d’Avezac.<a name="FNAnker_157_157" id="FNAnker_157_157"></a><a href="#Fussnote_157_157" class="fnanchor">[157]</a> Den Widerstreit -gegen<span class="pagenum"><a name="Seite_220" id="Seite_220">[S. 220]</a></span> die eigene Angabe des Columbus, er sei in seinem 28. Jahre in -spanische Dienste getreten, löst d’Avezac scheinbar gewaltsam, indem -er, wie vor ihm bereits Navarrete, die Zahl 28 für einen Schreibfehler -erklärt und behauptet, Columbus hätte schreiben müssen, im 38. -Jahre.<a name="FNAnker_158_158" id="FNAnker_158_158"></a><a href="#Fussnote_158_158" class="fnanchor">[158]</a></p> - -<p>Aber d’Avezac verstärkt seine Hypothese durch den Hinweis auf eine -gerichtliche Urkunde vom Jahre 1472, in welcher Columbus zweimal -als Zeuge vor dem Gericht in Savona, wo sein Vater damals wohnte, -aufgeführt wird als: <span class="antiqua">Christopherus Columbus, lanarius de Janua, -annos Laetoriae legis egressus</span>. Da nun das Lätorische Gesetz -sich auf das 25. Lebensjahr bezieht und Columbus 1472 dieses Jahr -bereits überschritten hatte, so kann er unmöglich 1456, wohl aber 1446 -geboren sein. Auch in den Jahren 1473 und 1476 wird Columbus zusammen -mit seinem Bruder noch in den Gerichtsacten Genuas genannt. Es ist -immerhin möglich, daß er, wenn er auch zeitweilig das Handwerk seines -Vaters, die Wollweberei betrieb, doch daneben auch kleinere Seereisen -unternahm, von denen er nach seiner Vaterstadt zurückkehrte.</p> - -<p>Ueber seine Jugendzeit wissen wir wenig, die Angabe der <span class="antiqua">„Vida“</span>, -welche sogar seinen Sohn Fernando als Verfasser nennt, aber -sicherlich nicht von ihm geschrieben ist, sind theils legendenhaft, -theils geradezu unglaublich, so daß sie vor der historischen Kritik -beanstandet worden sind.<a name="FNAnker_159_159" id="FNAnker_159_159"></a><a href="#Fussnote_159_159" class="fnanchor">[159]</a> Man hat ohne Bedenken danach angenommen, -daß Columbus die Universität Pavia besucht habe, aber seine Jugend und -die für diese Studien verfügbare Zeit sprechen dagegen, da er bereits -mit dem 14. Lebensjahre auf die See ging.<a name="FNAnker_160_160" id="FNAnker_160_160"></a><a href="#Fussnote_160_160" class="fnanchor">[160]</a></p> - -<p>Den Ocean scheint er erst im 30. Jahre kennen gelernt zu haben. Es wird -nämlich erzählt, daß er im Jahre 1477 und zwar bereits im Februar, -wahrscheinlich von Bristol aus, hundert spanische Meilen über Tyle -(Thule) hinaus gesegelt sei (vgl. oben <a href="#Seite_28">S. 28</a>). Thule identificirte man -mit den Faröern, welche damals unter dem Namen Friesland bekannt waren. -Columbus suchte also, wie auch andere seiner Landsleute, sein Glück im -Auslande zu machen. Von England begab er sich später nach Portugal, -wahrscheinlich zu Ende der Regierung Alfons V., welcher 1481 starb, und -machte von hier aus eine Fahrt nach der Küste von Guinea. Da er bei -dieser Gelegenheit die portugiesische Niederlassung von St. Jorge de la -Mina besuchte, so kann diese Fahrt nicht vor 1482 fallen, in welchem -Jahre das genannte Fort an der Goldküste erst angelegt wurde. In -Lissabon verheirathete er sich mit der Donna Felipa Muñiz-Perestrello, -und zog mit ihr nach dem Besitzthum ihres Vaters auf der Insel Porto -Santo. Dort lernte<span class="pagenum"><a name="Seite_221" id="Seite_221">[S. 221]</a></span> er auch die auf das Seewesen bezüglichen Karten -und hinterlassenen Papiere seines bereits verstorbenen Schwiegervaters -Perestrello kennen. Aus ihnen schöpfte er wohl auch die ersten dunklen -Nachrichten von Inseln und Ländern, welche im westlichen Meere liegen -sollten, von denen er dann selbst mit Eifer neue Kunde sammelte.</p> - -<h4 id="Plan_einer_Westfahrt">2. Das allmähliche Reifen des Planes einer -Westfahrt.</h4> - -<p>Es lag im Glauben der Zeit, hinter jeder am Horizonte auftauchenden -Nebelbank im Ocean ein noch unbekanntes, reiches und gesegnetes -Land zu vermuthen. Die Canarien, Açoren und Capverden waren in den -letzten Jahrzehnten genauer bekannt geworden, die Fortschritte der -portugiesischen Entdeckungen wirkten auf die Seeleute geradezu -fieberhaft. Die Matrosen erzählten einander von den Geheimnissen des -westlichen Weltmeeres, und Columbus lauschte aufmerksam auf solche -Berichte. Die <span class="antiqua">Vida del Almirante</span> führt (Cap. 8) eine Reihe -solcher Schiffernachrichten auf, welche gerade durch das Nebelhafte -ihrer Umrisse die Phantasie aufzuregen vermochten. Danach hörte -Columbus über die Nähe der den westlichen Gestaden der bekannten Welt -gegenüberliegen sollenden Küsten mancherlei von solchen Seeleuten, -welche häufig die Meere jenseit Madeira und der Açoren befahren hatten. -Der portugiesische Pilot Martin Vicente erzählte ihm, er habe 450 -Leguas (spanische Meilen) westlich vom Cap S. Vicente ein geschnitztes -Holz aufgefischt, welches unter dem mehrere Tage anhaltenden Westwinde -herangetrieben sei. Es müsse also in nicht zu großer Entfernung im -Westen Inseln oder größeres Land geben. Sein Schwager Pedro Correo -theilte ihm mit, daß ein ähnlich bearbeitetes Holz auch in Porto Santo -angeschwommen sei. Auf den Açoren waren Stämme von Fichten, wie sie -dort nicht wachsen, angetrieben. Auch ein mächtiges Schilfrohr, wie -es nur in Indien wachsen konnte, und welches von Knoten zu Knoten 9 -Karaffen Wein fassen sollte, war aufgefunden. Auf der açorischen Insel -Flores hatten die Bewohner zwei Leichen einer unbekannten Menschenrasse -gefunden. Die Ansiedler in der Nähe des Cap de la Virga wollten sogar -gedeckte Barken, s. g. Almadias mit fremdartigen Menschen besetzt -gesehen haben.</p> - -<p>Antonio Leme von Madeira erzählte dem Columbus ferner, er habe 100 -Meilen weit gegen Abend drei Inseln gesehen. Dieselben Inseln wurden -1484 wiederum von einem Schiffscapitän aus Madeira gesehen, der sich -in Folge dessen nach Portugal begab, um sich von der Regierung eine -Caravele zu erbitten, mit welcher er jene Inseln entdecken wollte.</p> - -<p>Ein anderer Pilot erzählte ihm in Puerto de Sta. Maria, daß er auf -der Reise nach Irland Land gesehen, welches er für den Theil der -Tatarei gehalten; schlechtes Wetter habe ihn aber abgehalten daselbst -zu landen. Ebenso wollte auch ein Galicier, Pedro Velasques (oder -Velasco), westlich von Irland Anzeichen von Land bemerkt haben. Und -endlich kam auch der<span class="pagenum"><a name="Seite_222" id="Seite_222">[S. 222]</a></span> Portugiese Vicente Dias aus der Stadt Tavira in -Algarbien mit der Nachricht heim, er habe auf der Rückfahrt von Guinea -nach Madeira im Westen unbekanntes Land gesehen. Mit Unterstützung -eines reichen Genuesen, Lucas de Cazzana, wurden in Folge dessen -mehrere vergebliche Versuche gemacht, dieses Land aufzufinden.</p> - -<p>Ob Columbus von der Fahrt des <em class="gesperrt">Johann von Kolno</em><a name="FNAnker_161_161" id="FNAnker_161_161"></a><a href="#Fussnote_161_161" class="fnanchor">[161]</a> gehört -hatte, welcher 1476 von dem König Christian I. von Dänemark abgesandt -worden, um die Verbindung mit Grönland wieder herzustellen, und -welcher wahrscheinlich Labrador und den Eingang der später sogenannten -Hudsonstraße sah, ist sehr fraglich, wenn sich auch später die -Nachricht von dieser Entdeckung bis nach Spanien und Portugal -verbreitete, wie daraus zu ersehen ist, daß Gomara in seiner Geschichte -von Indien (Zaragoza 1553, S. 20) dieselbe erwähnt.<a name="FNAnker_162_162" id="FNAnker_162_162"></a><a href="#Fussnote_162_162" class="fnanchor">[162]</a></p> - -<p>Alle diese und ähnliche Mittheilungen über Inseln, welche im fernen -westlichen Meere liegen sollten, gehörten aber nicht allein dem -Zeitalter des Columbus an, sondern lassen sich bis ins classische -Alterthum rückwärts verfolgen, wie bereits oben <a href="#Seite_22">S. 22</a> angedeutet ist.</p> - -<p>Wichtiger noch war es, daß solche Angaben auch von den Verfertigern -der Seekarten im 14. und 15. Jahrhundert mit verwendet wurden. Vor -allem waren es die Italiener, welche, wie sie den Fortschritt der -portugiesischen Entdeckungen mit größter Aufmerksamkeit verfolgten, -auch die von ihren Landsleuten zuerst gesehenen Canarien und Açoren -in die Karten einzeichneten (oben <a href="#Seite_24">S. 24</a>). Gradezu überraschend wirkt -die Wahrnehmung, daß Andrea Bianco schon 1448 auf seiner Karte eine -Andeutung von den Capverden machte, noch ehe dieselben, nachweisbar, -von den Portugiesen betreten waren.<a name="FNAnker_163_163" id="FNAnker_163_163"></a><a href="#Fussnote_163_163" class="fnanchor">[163]</a> Aber daneben erscheinen -auch andere Gebilde von Inseln, welche nur einer Sinnestäuschung der -Seefahrer ihre Existenz verdankten. Zu diesen gehört namentlich die -Insel <em class="gesperrt">Antilia</em>, welche seit dem Anfange des 15. Jahrhunderts -auftauchte und uns zuerst auf einer im Jahre 1424 gezeichneten und -in der großherzoglichen Bibliothek zu Weimar aufbewahrten Karte -entgegentritt.<a name="FNAnker_164_164" id="FNAnker_164_164"></a><a href="#Fussnote_164_164" class="fnanchor">[164]</a> Ebenso findet sich diese Insel auf den Karten -des Battista Beccario vom Jahre 1426 (in München) und vom Jahre 1435 -(in Parma). Westlich von den Açoren und etwa 15° vom Cap Finisterre -in Galicien erstreckt sich auf der letztern (vom Jahre 1435) eine -Inselkette von Norden nach Süden, vom Parallel der Gironde bis zu dem -von Gibraltar, und führt die Inschrift: <span class="antiqua">Insule de novo reperte</span>. -Von den zwei größeren<span class="pagenum"><a name="Seite_223" id="Seite_223">[S. 223]</a></span> Inseln ist die südliche Antilia genannt.<a name="FNAnker_165_165" id="FNAnker_165_165"></a><a href="#Fussnote_165_165" class="fnanchor">[165]</a> -Auch Andrea Bianco wiederholt 1436 das Bild von Antilia (<span class="antiqua">ya de -antillia</span>) und fügt hinzu, daß nach der Inselgruppe spanische -Schiffe gelangt seien (<span class="antiqua">questoxe mar de spagna</span>). Ihm folgt 1476 -Andrea Benincasa von Ancona und zeichnet das Bild der Insel wie Bianco, -während Martin Behaim dieselbe auf seinem Globus (siehe Beilage) weiter -südlich hart an die Grenzlinie der heißen Zone versetzt.</p> - -<p>Diese Insel hat eine gewisse Bedeutung in dem Plane des Columbus gehabt -und hat, wenn auch nicht ihre damals bereits ziemlich unbestimmte -Existenz, so doch wenigstens ihren Namen gerettet und auf die -westindische Inselflur vererbt.</p> - -<p>Verfolgen wir nun weiter die verschiedenen Anregungen, welche Columbus -in sich aufnahm, so müssen wir neben den Schifferberichten und den -dieselben beglaubigenden Seekarten auch eines damals verbreiteten -geographischen Werkes gedenken, welches der Genuese schon während -seines Aufenthaltes in Portugal sehr fleißig las und auch später auf -seinen Reisen mit sich führte. Es ist die <span class="antiqua">Imago mundi</span> (Weltbild) -des Cardinal von Cambray, Pierre d’Ailly (Petrus de Alliaco), welche -um 1410 geschrieben ist. Dieses Werk stellt sich als eine ziemlich -mittelmäßige Compilation aus früheren scholastischen Arbeiten heraus, -<span class="antiqua">ex pluribus auctoribus recollecta</span>, wie der Titel der ältesten -Ausgabe besagt. d’Ailly bemühte sich, das Wissen der Vergangenheit -zusammenzufassen und citirte sowohl Lateiner und Griechen als auch -Araber, von jenen den Seneca, Plinius, Solinus, Osorius, Augustin, -Isidor und Beda, ferner den Aristoteles, Ptolemäus, Hegesippus, -Johannes Damascenus, von diesen den Alfragani und Albategna. Aber er -schreibt ziemlich ohne eignes Urtheil und stellt die Ansichten der -classischen Autoren höher, als die Resultate neuerer Forschung. Den -Namen Marco Polos erwähnt er nirgend. Aus ihm aber schöpfte Columbus -den ganzen Vorrath seiner kosmographischen Vorstellungen, namentlich -seine Auffassung von der Größe der Erde, von der Schmalheit des Oceans, -von der Lage und Natur des Paradieses und von dem bevorstehenden -Weltuntergange.<a name="FNAnker_166_166" id="FNAnker_166_166"></a><a href="#Fussnote_166_166" class="fnanchor">[166]</a></p> - -<p>Vor allem auffällig ist die Abhängigkeit des Columbus zu erkennen, wenn -wir das 8. Capitel der Imago, über die Größe der bewohnbaren Erde, -prüfen. Aus diesem Abschnitte entlehnte der Genuese in seinem Briefe -aus Haiti, auf seiner dritten Reise (1498), einen längeren Abschnitt. -d’Aillys Darstellung ist etwa folgende.<a name="FNAnker_167_167" id="FNAnker_167_167"></a><a href="#Fussnote_167_167" class="fnanchor">[167]</a> Wenn man wissen will, -wie viel von der Oberfläche der Erde bewohnbar ist, so hat man theils -das Klima, theils das Wasser zu berücksichtigen. Ptolemäus meinte, -etwa ein Sechstel der Erde sei Land, das übrige mit Wasser bedeckt. Im -Almagest (<span class="antiqua">lib. II.</span>) modificirte<span class="pagenum"><a name="Seite_224" id="Seite_224">[S. 224]</a></span> er seine Ansicht, und hielt ¼ -der Erdoberfläche für bewohnbar. Aristoteles nahm einen noch größeren -Länderraum an und lehrte, daß zwischen der Westküste Spaniens und der -Ostküste Indiens das Meer (unser atlantischer Ocean) nur schmal sei. -Ueberdies sagt Seneca im 5. Buche der Naturgeschichte, daß man bei -günstigem Winde in wenig Tagen über dieses Meer segeln könne. Aehnlich -spricht sich auch Plinius aus, so daß man daraus folgern darf, daß das -Meer unmöglich ¾ der Erdoberfläche bedecken kann.</p> - -<p>Dazu kommt noch der gewichtige Ausspruch Esra’s (Esdra) im 4. Buche, -welcher behauptet, es sei nur <span class="nowrap"><span class="zaehler">1</span>⁄<span class="nenner">7</span></span> der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt.</p> - -<p>Im 49. Capitel, welches von der Verschiedenheit der Gewässer und -namentlich vom Ocean handelt, kommt d’Ailly noch einmal auf dieses -Thema zurück und betont, daß sowohl Aristoteles als auch sein -Commentator Averroes darauf aufmerksam gemacht, daß der Abstand -zwischen der Westküste Afrikas und der Ostküste Indiens (d. h. Asiens) -nicht sehr groß sein könne, weil man in beiden Ländern Elephanten -finde. Wie groß aber der Abstand ist, weiß man noch nicht, denn er ist -weder in unseren Zeiten gemessen, noch finden wir darüber bei den alten -Schriftstellern genauere Angaben. Aber, fügt er im 51. Capitel hinzu, -soviel ist gewiß, daß die Ausdehnung der bewohnten Erde von Spanien -ostwärts bis Indien viel größer ist als der halbe Umfang der Erde.</p> - -<p>Mit diesen und ähnlichen Gründen wollte Columbus später die leichte -Ausführbarkeit seines Planes einer Westfahrt erhärten. Mit Recht -bemerkt Humboldt (Kosmos II, 281) dazu: „Sonderbares Zeitalter, in -welchem ein Gemisch von Zeugnissen des Aristoteles und Averroes, des -Esra und Seneca über die geringe Ausdehnung der Meere im Vergleich mit -der der Continentalmasse den (spanischen) Monarchen die Ueberzeugung -von der Sicherheit eines kostspieligen Unternehmens geben konnte.“</p> - -<p>Außer diesen Hauptstellen hatte Columbus auch noch andere Vorstellungen -aus den Lehren d’Ailly’s sich angeeignet. Dahin gehört die Behauptung -des Cardinals (Cap. 12), daß, wie schon Augustin gelehrt habe, die -heiße Zone von menschlichen Ungeheuern belebt sei. Es geht dies hervor -aus einer Aeußerung aus dem Tagebuch der ersten Reise des Entdeckers, -wo derselbe verwundert bemerkt, die erwarteten Ungeheuer habe er noch -nicht gefunden. Ferner die Auffassung von der Lage des irdischen -<em class="gesperrt">Paradieses</em>. Dasselbe liegt, schreibt d’Ailly Cap. 55, nach der -Angabe des Isidor, Johannes Damascenus, Beda u. a. in der lieblichsten -Gegend des Ostens, weit von unserm bewohnten Gebiet entfernt auf einem -erhabenen Ort, so daß es fast bis in die Mondsphäre reicht und von den -Wassern der Sündflut nicht bedeckt werden konnte. Von diesem hohen -Berge stürzen nun die Gewässer mit gewaltigem Brausen herab und bilden -einen großen See. Eine ebenfalls von Columbus benutzte Ansicht und eine -Ergänzung des obigen über die Natur des Paradieses finden wir bereits -im 7. Capitel, wo gelehrt wird, daß das im Osten gelegene Paradies, -auch wenn es in der Nähe des Aequators liege, doch wegen seiner -bergehohen Lage ein sehr mildes Klima besitze.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_225" id="Seite_225">[S. 225]</a></span></p> - -<p>Endlich gehört hieher noch ein Ausspruch d’Ailly’s, in seinem -<span class="antiqua">Vigintiloquium de concordia astronomicae veritatis cum theologia, -p. 181</span>, worin er die Dauer der Erde von der Schöpfung bis auf die -Geburt Christi, nach Ermittlung Bedas, auf 5199 Jahre berechnet, so -daß also bis 1501 nach Christi 6700 Jahre verflossen seien. Da aber -das jüngste Gericht 7000 Jahre nach Christi eintreten wird, ist der -Weltuntergang nahe bevorstehend. Obwohl Columbus in den Zahlen etwas -abweicht, so hat er den Grundgedanken doch in seinen Plan verwebt.</p> - -<h4 id="Das_Project_Toscanellis">3. Das Project Toscanelli’s.</h4> - -<p>Wenn nun auch alle diese Meinungen und Lehrsätze d’Ailly’s einen großen -Einfluß auf die Gestaltung des Planes gehabt haben, so waren sie, -weil im allgemeinen zu verschwommen, nicht kräftig genug, um einen -wirklichen Impuls auszuüben, die Fahrt zu unternehmen. Denn welcher -Seemann konnte nach solchen allgemeinen, vagen Vorstellungen seinen -Cours einschlagen, welcher Fürst und welcher Staat würde zu einem -solchen Zuge ins Blaue die Mittel verschwendet haben? Darum kann ich -Humboldt darin nicht beistimmen, daß die Imago Mundi mehr Einfluß auf -die Entdeckung von Amerika geübt, als der Briefwechsel Toscanelli’s -(Kosmos II, 286). Grade die ganz bestimmte Direction, welche dieser -ausgezeichnete Astronom und Physiker den Ideen seines Landsmannes gab, -man kann sagen, die von ihm ganz genau vorgeschriebene Segelroute war -es, welche einerseits den noch unklaren Vorstellungen des Columbus -den richtigen Stützpunkt gab und andererseits auch die Monarchen -ermuthigte, die Kosten zu wagen.</p> - -<p>In dieser Hinsicht muß man entschieden der Ansicht d’Avezacs -beipflichten: „Die Ideen des Columbus entstanden aus einer Summe von -Notizen, welche er allmählich aus verschiedenen Quellen geschöpft; -aber ein bestimmtes Project kam erst durch den Brief Toscanelli’s zur -Reife. Dieser <em class="gesperrt">monumentale</em> Brief sichert dem Toscanelli das -unzweifelhafte Verdienst, die transatlantischen Entdeckungen angeregt -zu haben.“<a name="FNAnker_168_168" id="FNAnker_168_168"></a><a href="#Fussnote_168_168" class="fnanchor">[168]</a></p> - -<p>Diesen Brief lernte Columbus wahrscheinlich erst im Anfange der -achtziger Jahre kennen. Bis dahin war er einfach ein Seefahrer gewesen, -von da an wurde er Entdecker. Danach ist auch die von Las Casas -gemachte Zeitangabe zu verbessern,<a name="FNAnker_169_169" id="FNAnker_169_169"></a><a href="#Fussnote_169_169" class="fnanchor">[169]</a> wonach sich Columbus 14 Jahre -bemüht haben soll,<span class="pagenum"><a name="Seite_226" id="Seite_226">[S. 226]</a></span> den König von Portugal für seine Pläne zu gewinnen. -Da wir wissen, daß Columbus noch um 1476 in Genua war, und 1484 nach -Spanien ging, so ist die Angabe des Bischofs bestimmt falsch. Avezac -(<span class="antiqua">l. c. p. 43</span>) stellt die Vermuthung auf, es könne statt 14 Jahre -recht wohl 14 Monate heißen und Columbus habe seinen Vorschlag zuerst -im September oder October 1483 gethan, und sei dann gegen Ende des -nächsten Jahres nach Spanien übergesiedelt. — Doch wenden wir zunächst -unsere Aufmerksamkeit dem Briefe Toscanelli’s zu. Paolo Toscanelli, -auch, weil er Arzt war, <span class="antiqua">Paolo fisico</span> genannt (geb. 1397 in -Florenz, gestorben 1482), gehörte zu den ausgezeichnetsten Gelehrten -seiner Vaterstadt und beschäftigte sich namentlich mit Kosmographie. -Durch lebhaften Verkehr stets in Verbindung mit berühmten Reisenden, -Seefahrern und Kartenzeichnern, hat er wohl zuerst bei dem Studium -des Marco Polo und angesichts der durch persönlichen Verkehr mit -Nicolo de Conti (s. oben <a href="#Seite_77">S. 77</a>) weiter bestätigten großen Entfernung -Ostasiens von Europa, sowie neuer Beglaubigungen der Berichte von den -kostbarsten Produkten, den menschenwimmelnden prachtvollen Städten -und großartigen Reichen den Gedanken gefaßt, daß von Portugal oder -Italien aus <em class="gesperrt">ostwärts</em> die Entfernung bis Quinsay und Zaiton -weit mehr als den halben Erdumfang betragen müsse, und weiterhin -daraus gefolgert, daß dann der Weg über das Westmeer der nähere sein -müsse. Zur Veranschaulichung dieser Idee bedurfte es einer Karte, -welche die, wie es scheint, vor ihm noch nie entworfene Wasserseite -der Erde darstellte. Denn die Seekarten dienten praktischen Zwecken -und stellten daher nur die in der Nähe der großen Handelslinien -befindlichen Küsten und Länder dar. Da nun Toscanelli sah, wie sich -bereits seit einem halben Jahrhundert die Portugiesen abmühten, die -Umfahrt um Afrika zu vollenden, so richtete er 1474 einen Brief an -den Canonicus Fernam Martinz in Lissabon, um den König unter Beigabe -einer von ihm selbst entworfenen Karte auf seine Idee, das Morgenland -durch eine Westfahrt zu erreichen, aufmerksam zu machen. Allein die -Portugiesen hatten 1471 glücklich die Goldküste entdeckt (s. oben -<a href="#Seite_104">S. 104</a>) und beuteten dieses Gebiet aus, ohne Neigung, sich in unbestimmte -kostspielige Unternehmungen einzulassen. Toscanelli’s Aufforderung fand -also keinen Anklang; sein Brief galt wohl mehr als Curiosum, denn daß -man ein Staatsgeheimniß daraus machte, von dem nichts verlauten dürfe, -um nicht andere Unternehmer in dieselben Bahnen zu lenken. So konnte -auch Columbus nach Jahren davon Kunde erhalten und sich eine Abschrift -dieses Briefes verschaffen, indem er sich direct an Toscanelli -wandte. Wir kennen die Briefe des Columbus nicht, sondern nur die -Antworten des Florentiner Gelehrten und auch diese in einer sicher -nicht authentischen Fassung, da sie nur in der Vida del Almirante sich -finden, welche den Wortlaut nicht nur nicht getreu wiedergegeben hat, -sondern durch offenbare Einschiebsel den Zeitpunkt des Schreibens zu -verrücken sucht, um Columbus zu glorificiren, indem man die Bedeutung -des Briefes als maßgebend für den<span class="pagenum"><a name="Seite_227" id="Seite_227">[S. 227]</a></span> Impuls zu der Westfahrt verminderte -und die Initiative allein dem Entdecker beimaß.</p> - -<p>Nach der jetzt vorliegenden Fassung des Briefes schrieb nämlich -Toscanelli folgendermaßen:</p> - -<p>„Ich sehe Eurer edles und großes Verlangen, dahin zu reisen, wo die -Spezereien wachsen. Daher sende ich Euch zur Beantwortung Eures Briefes -die Abschrift eines andern, den ich <em class="gesperrt">vor einigen Tagen</em> an einen -meiner Freunde, im Dienste Sr. Maj. des Königs von Portugal, <em class="gesperrt">vor -den castilischen Kriegen</em>, in Beantwortung eines andern schrieb, -welchen er im Auftrage des Königs über die betreffende Angelegenheit an -mich richtete, und ich schicke Euch eine andere Seekarte (<span class="antiqua">carta da -marear</span>), die mit derjenigen übereinstimmt, welche ich ihm sandte.“</p> - -<p>Der castilische Erbfolgekrieg fällt in die Zeit von 1474–1479. Es -liegt auf der Hand, daß man den Ausdruck „<em class="gesperrt">vor</em> den castilischen -Kriegen“ nur gebrauchen kann, wenn der Krieg vollständig beendigt -ist, aber weder im Beginn noch im Verlauf desselben. Der Brief -Toscanelli’s muß also an Columbus <em class="gesperrt">nach</em> 1479 geschrieben sein, -der Originalbrief an Martinz <em class="gesperrt">vor</em> oder um 1474. Das Datum dieses -Briefes lautet auch: Florenz, 25. Juni 1474. Steht dieses fest, dann -kann Toscanelli aber nicht an Columbus schreiben, er habe erst „vor -einigen Tagen“ den Brief an Martinz verfaßt, denn es lag ein Zeitraum -von mindestens 5 Jahren dazwischen. Eine der beiden Zeitangaben ist -falsch, die Entscheidung fällt unbedingt <em class="gesperrt">gegen</em> den Ausdruck -„vor einigen Tagen“. Es soll einerseits durch diesen Zusatz der Plan -als geistiges Eigenthum des Columbus hingestellt und der Einfluß -Toscanelli’s verdeckt werden; denn wenn der florentinische Gelehrte -erst „vor einigen Tagen“ den ersten Brief nach Portugal geschickt hat, -kann Columbus noch keine Mittheilung von demselben haben, selbst wenn -der Brief direct an ihn selbst gerichtet wäre. Es soll dem Entdecker -die Priorität des Gedankens gerettet worden. Andererseits wird der -Zeitpunkt, in welchem dem Genuesen der Plan reifte, um wenigstens fünf -Jahre zurückgerückt, aber leider in eine Zeit verlegt, welche mit dem -angeblich früheren, ständigen Aufenthalte des Columbus in Portugal -sich nur schwer vereinigen läßt, da sein Name in den Acten Genuas -1472, 1473 und 1476 erscheint. Wenn dadurch auch die Möglichkeit nicht -ausgeschlossen ist, daß Columbus 1474 sich zu Lissabon aufgehalten, -so doch sicher nur als Seemann vorübergehend, und es bleibt die Frage -unerledigt, warum er sich nicht direct von Italien aus an den Physiker -in Florenz gewandt. Zudem ist auffällig, daß, nach dem zweiten Briefe -Toscanelli’s zu urtheilen, dieser Gelehrte nicht zu wissen scheint, daß -Columbus ein Italiener ist. Er hält ihn vielmehr für einen Portugiesen, -wie aus der Anspielung auf diese Nation hervorgeht. Wenn Columbus nun -nach dieser Seite sich nicht deutlich ausgesprochen hat, ist der Schluß -nicht unberechtigt, daß er bereits in Portugal seit mehreren Jahren -ansässig gewesen und sich also gleichsam als Portugiese gefühlt habe, -wie er ja auch in Spanien später<span class="pagenum"><a name="Seite_228" id="Seite_228">[S. 228]</a></span> seinen ganzen Namen umänderte. Dann -aber fällt die Correspondenz mit Toscanelli bereits in den Anfang der -achtziger Jahre,<a name="FNAnker_170_170" id="FNAnker_170_170"></a><a href="#Fussnote_170_170" class="fnanchor">[170]</a> was auch am besten zu dem ganzen Verlauf der -Angelegenheit in Portugal stimmt.</p> - -<p>Glücklicherweise ist von dem ausgezeichneten Forscher der ältesten -amerikanischen Literatur, von Harrisse, eine von Columbus selbst -geschriebene Copie des Toscanelli’schen Briefes an Martinz in der -Colombinischen Bibliothek zu Sevilla aufgefunden und veröffentlicht. -Ein Vergleich dieses lateinisch geschriebenen Briefes mit dem in der -<span class="antiqua">Vida del Almirante</span> gegebenen Texte zeigt deutlich, daß auch -dieses wichtige Document durch die Hand des Biographen des Entdeckers -nicht unwesentliche Veränderungen erfahren hat.</p> - -<p>Wegen seiner großen Bedeutung theilen wir den Brief vollständig -mit.<a name="FNAnker_171_171" id="FNAnker_171_171"></a><a href="#Fussnote_171_171" class="fnanchor">[171]</a></p> - -<p>„Dem Canonicus Ferdinand Martinz zu Lissabon sendet der Physiker Paul -(Toscanelli) seinen Gruß. Von deinem vertrauten Umgange mit Sr. Maj. -dem Könige ist es mir um so angenehmer gewesen Kenntniß zu erhalten, -als ich mit dir schon früher gesprochen habe über einen kürzeren Seeweg -zu den Gewürzländern, als derjenige ist, welcher über Guinea führt. -Der König wünscht nun von mir eine noch mehr durch den Augenschein -überzeugende Erläuterung, so daß auch der minder Bewanderte diesen -Weg begreifen und verstehen kann. Obgleich ich nun weiß, daß man dies -an einer Kugel, welche die Erde vorstellt, zeigen könnte, so habe ich -mich doch des leichteren Verständnisses und der geringen Mühe wegen, -entschlossen, diesen Weg auf einer Seekarte zu erläutern. Ich sende -also Sr. Majestät eine eigenhändig entworfene Karte, auf welcher eure -Küsten und Inseln eingezeichnet sind, von denen der Weg, immer gegen -Abend, beginnt, und die Orte, zu denen man gelangen muß, und wie weit -man vom Pol oder vom Aequator abweichen muß, und durch einen wie großen -Abstand, d. h. nach wie viel Meilen, man zu jenen Orten kommen muß, -welche die größte Fülle von allen Gewürzen und Edelsteinen besitzen. -Und wundert euch nicht darüber, daß ich <em class="gesperrt">das</em> „<em class="gesperrt">westliches</em>“ -Gebiet nenne, wo die Gewürze sind, während es gewöhnlich als östliches -bezeichnet wird, weil durch Seefahrten immer nach Westen jene Gegenden -durch unterirdische (<span class="antiqua">subterraneas</span>) Fahrten gefunden werden, -während sie zu Lande und auf dem <em class="gesperrt">oberen</em> Wege immer nach Osten -aufgesucht werden. Demnach zeigen die geraden in der Länge der Karte -eingetragenen Linien den Abstand von Osten nach Westen, dagegen die -transversalen Linien die Abstände von Süden nach Norden. Ich habe aber -in der Karte verschiedene Orte eingetragen, zu denen ihr nach den -genauern Nachrichten der Schifffahrten kommen könntet; sei es nun, -daß man durch (widrige) Winde oder durch irgend einen andern Umstand -anderswohin gelangte, als man erwartete, theils aber auch, um den -Einwohnern zu zeigen, daß sie (die Seefahrer) bereits eine Kenntniß -jenes Landes haben, was um so angenehmer sein muß. Es wohnen<span class="pagenum"><a name="Seite_229" id="Seite_229">[S. 229]</a></span> aber auf -den Inseln nur Kaufleute. Es wird nämlich behauptet, daß dort eine so -große Menge von Kauffahrteischiffern, wie sie auf der ganzen übrigen -Welt nicht sind, sich in dem einen berühmtesten Hafen, Namens Zaiton -finden. Man behauptet nämlich, daß in jenem Hafen jährlich 100 große -Schiffe mit Pfeffer abgehen, ungerechnet die anderen Schiffe, welche -andere Gewürze laden. Jenes Land ist sehr volkreich und sehr reich an -Provinzen, Staaten und zahllosen Städten und steht unter <em class="gesperrt">einem</em> -Fürsten, welcher der <em class="gesperrt">Groß-Kan</em> genannt wird, was so viel als -König der Könige bedeutet. Sein Sitz und seine Residenz ist meistens in -der Provinz <em class="gesperrt">Katay</em>. Seine Vorfahren wünschten mit den Christen in -Verkehr zu treten. Schon vor 200 Jahren schickten sie zum Papste und -baten um mehrere Gelehrte, damit sie im Glauben unterrichtet würden; -aber dieselben stießen unterwegs auf Hindernisse und kehrten wieder um. -Auch zur Zeit des Papstes Eugen kam einer zu Eugen<a name="FNAnker_172_172" id="FNAnker_172_172"></a><a href="#Fussnote_172_172" class="fnanchor">[172]</a> und bestätigte -das große Wohlwollen gegen die Christen; und ich habe selbst ein langes -Gespräch mit ihm gehabt über vielerlei, über die Größe der königlichen -Paläste und über die Größe der Flüsse in der Breite und wunderbaren -Länge und über die Menge der Städte an den Ufern der Flüsse, daß an -einem Flusse gegen 200 Städte erbaut sind und marmorne Brücken von -großer Breite und Länge, welche allenthalben mit Säulen geziert sind. -Dieses Land ist werth, von den Lateinern aufgesucht zu werden, nicht -allein weil ungeheure Schätze von Gold, Silber und Edelsteinen aller -Art von dort gewonnen werden können und von Gewürz, welches nie zu uns -gebracht wird, sondern auch wegen der gelehrten Männer, Philosophen und -erfahrenen Astrologen, und um zu erfahren, mit welchem Geschick und -Geist dieses so mächtige und große Land regiert wird und auch Kriege -geführt werden. Florenz, 25. Juni 1474.“</p> - -<p>„Von Lissabon nach Westen in gerader Linie sind 26 Spatien in die -Karte eingetragen, von denen jedes 250 Milliarien umfaßt, bis zu der -sehr prächtigen und großen Stadt Quinsay. Dieselbe hat einen Umfang -von 100 Milliarien und hat 10 Brücken und der Name bedeutet Stadt des -Himmels,<a name="FNAnker_173_173" id="FNAnker_173_173"></a><a href="#Fussnote_173_173" class="fnanchor">[173]</a> und viel Wunderbares wird darüber berichtet von der Menge -der Künstler und der Einkünfte. Dieser Abstand beträgt fast den dritten -Theil der ganzen Erde. Jene Stadt liegt in der Provinz <em class="gesperrt">Mangi</em>, in -der Nachbarschaft der Provinz <em class="gesperrt">Katay</em>, in welcher die Hauptstadt -des Landesherrn liegt. Aber von der auch bekannten Insel <em class="gesperrt">Antilia</em> -zu der sehr berühmten Insel <em class="gesperrt">Cippangu</em> sind 10 Spatien. Jene Insel -nämlich ist sehr reich an Gold, Perlen und Edelsteinen, und mit purem -Golde deckt man Tempel und Paläste. Und so muß man auf unbekannten aber -<em class="gesperrt">nicht weiten</em> Wegen den Raum des Meeres durchschneiden.“</p> - -<p>Leider ist die Karte Toscanelli’s, welche Columbus auf seiner Reise bei -sich hatte und welche später Las Casas in seinem Besitze hatte, nicht -bis auf unsere Zeit erhalten. Um ein Bild von derselben zu gewinnen, -muß<span class="pagenum"><a name="Seite_230" id="Seite_230">[S. 230]</a></span> man vor allem die von Toscanelli fixirten Abschnitte oder Spatien -prüfen. Es ist besonders wichtig zu betonen, daß der florentinische -Astronom nur <em class="gesperrt">ein</em> Längenmaß, Milliarien, gebraucht und von -diesen römischen Millien 250 auf ein Spatium rechnet. Humboldt<a name="FNAnker_174_174" id="FNAnker_174_174"></a><a href="#Fussnote_174_174" class="fnanchor">[174]</a> -und Peschel<a name="FNAnker_175_175" id="FNAnker_175_175"></a><a href="#Fussnote_175_175" class="fnanchor">[175]</a> sind deshalb zu irrigen Resultaten gelangt, weil -sie den lateinischen Originaltext des Toscanelli’schen Briefes noch -nicht kannten und durch die in den spanischen und italienischen -Uebersetzungen jenes Documents eingeschobenen und zum Theil wieder -verschriebenen und entstellten Uebertragungen von Millien in Leguas zu -falschen Schlüssen verleitet worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_231" id="Seite_231">[S. 231]</a></span></p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="karte_230" name="karte_230"> - <img class="mtop2" src="images/karte_230.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center nobreak">Gezeichnet von C. Opitz.</p> - <p class="s7 center">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s7 center">Lith. Anst. v. J. G. Bach in Leipzig.</p> - <p class="center"><span class="antiqua">DIE OCEANISCHE SEITE DES BEHAIM’SCHEN GLOBUS VOM - JAHRE 1492.</span></p> - <p class="s6 center"><span class="antiqua">Das Original, im Durchmesser einen pariser Fuß und acht Zoll groß, -befindet sich im Familienarchive der Freiherrn von Behaim in Nürnberg. -Über die Geschichte der Entstehung des Globus siehe die Inschrift unter -dem Circulus antarcticus, über dem nürnberger Wappen.</span></p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_230_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="karte_230_i" name="karte_230_i"> - <img class="mtop1" src="images/karte_230_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_230_ii" name="karte_230_ii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_230_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_230_iii" name="karte_230_iii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_230_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_230_iv" name="karte_230_iv"> - <img class="mtop1" src="images/karte_230_iv.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Die Angaben und Vorschriften Toscanelli’s für eine westliche Fahrt zu -den Gewürzländern waren so bestimmt und zuversichtlich gegeben, daß -Columbus dieselben nur zu adoptiren brauchte. Und daß er sich in diesem -Sinne ausgesprochen hat, läßt sich aus der darauf folgenden Antwort -Toscanelli’s erkennen. Da sind keine Zweifel zu beseitigen, keine -dunklen Punkte mehr aufzuhellen, keine Fragen zu beantworten. Columbus -hat sich bereit erklärt, die Idee Toscanelli’s zu verwirklichen und -dieser versichert noch einmal, der Weg sei ganz sicher und führe zum -Ziel: „Ich lobe eure Absicht,“ schreibt der Physiker, „nach Westen zu -fahren und ich bin überzeugt, wie ihr auf meiner Karte bereits gesehen -habt, daß der Weg, den ihr nehmen wollt, nicht so schwierig ist, als -man denkt; im Gegentheil der Weg nach jenen Gegenden, welche ich -eingezeichnet habe, ist ganz sicher. Ihr würdet keine Bedenken haben, -wenn ihr, wie ich, mit vielen Personen verkehrt hättet, welche in jenen -Ländern gewesen sind, und seid gewiß, mächtige Könige anzutreffen, -viele volkreiche wohlhabende Städte und Provinzen zu finden, welche -an jeder Art Edelsteinen Ueberfluß haben; und es wird die Könige und -Fürsten, welche in jenen entfernten Ländern herrschen, hoch erfreuen, -wenn man ihnen einen Weg bahnt, um mit den Christen in Verbindung zu -treten und sich von denselben in der katholischen Religion und in allen -Wissenschaften, welche wir besitzen, unterrichten zu lassen. Deshalb -und wegen vieler anderen Ursachen wundere ich mich nicht, daß ihr so -viel Muth zeigt wie auch die ganze portugiesische Nation, in welcher es -immer Männer gegeben hat, die sich in allen Unternehmungen auszeichnen.“</p> - -<p>Zwei Momente sind in diesem Schreiben noch beachtenswerth, einmal die -besondere Bedeutung der Fahrt für die Verbreitung des Glaubens, auf -welche Columbus selbst möglicherweise in seinem Brief angespielt hatte -und sodann die Anerkennung des portugiesischen Unternehmungsgeistes. -Toscanelli weiß offenbar nicht, daß Columbus Italiener ist, er hält ihn -vielmehr für einen Portugiesen, und dieser hat über seine Heimat und -sein Vaterland keine Mittheilung gemacht.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Wahrscheinlich im Jahre 1483 trat Columbus zuerst mit seinem Plane -hervor. Der König Johann II. forderte darüber das Gutachten einer -Commission ein, welche aus den bedeutendsten Gelehrten, Diego Ortiz, -Bischof von Ceuta und Beichtvater des Königs, so wie aus den beiden -königlichen Aerzten Rodrigo und Joseph bestand. Aber diese Räthe -nahmen, wie Barros erzählt<a name="FNAnker_176_176" id="FNAnker_176_176"></a><a href="#Fussnote_176_176" class="fnanchor">[176]</a> die Reden des Genuesen für eitle -Prahlerei und erklärten das ganze<span class="pagenum"><a name="Seite_232" id="Seite_232">[S. 232]</a></span> Project für Träumerei, welche nur -in den Berichten Marco Polo’s ihren Grund habe. Und da auch der König -sah, daß Columbus ein höchst fantastischer Schwätzer sei, so schenkte -er ihm keinen Glauben. Und als bald darauf seine Gemahlin starb, -verließ Columbus 1484 Portugal für immer, um in Spanien sein Glück zu -versuchen. Man hat das Urtheil der Commission scharf getadelt wegen der -rücksichtslosen Abweisung eines Unternehmens, welches noch im Laufe -des nächsten Decenniums mit Erfolg gekrönt zu sein schien. Allein man -darf nicht vergessen, daß die portugiesischen Ziele bestimmt nach einer -andern Richtung wiesen und daß, wenn auch das Südende Afrikas noch -nicht entdeckt war, doch die Erforschungen des Weges nach Indien nicht -wieder auf einem ganz andern Wege begonnen werden konnten, nachdem man -bereits so manchen Erfolg zu verzeichnen gehabt hatte. Es würde die -Mittel des Reiches zersplittert haben. Dazu hatten die portugiesischen -Räthe im Grunde Recht, den geringen Abstand der Westküste Europas von -der Ostküste Asiens zu leugnen; und es ist nicht abzusehen, was aus dem -Geschwader des Columbus geworden wäre, wenn er die wirkliche Breite des -Weltmeers bis zu den Gestaden Chinas hätte durchmessen müssen.</p> - -<p>Das später ausgesprengte Gerücht, der König Johann habe heimlich ein -Schiff zur Westfahrt abgesendet, um den Plan des Columbus auszuführen, -entbehrt jedes historischen Glaubens.</p> - -<p>Auch in Spanien fand Columbus anfangs keinen günstigen Boden, aber -er harrte, da sich allmählich die Aussichten günstiger zu gestalten -schienen, jahrelang aus, bis die Zeitverhältnisse die Erfüllung seiner -heißesten Wünsche, denen er von nun an sein ganzes Leben widmete, -gestatteten.</p> - -<h4 id="Columbus_in_Spanien">4. Columbus in Spanien.</h4> - -<p>Es ist ein beachtenswerther Umstand, daß wir kein Porträt von Columbus -besitzen, welches erwiesenermaßen als getreu bezeichnet werden darf. -Daher weichen die Bildnisse, welche es von dem Entdecker der neuen -Welt gibt, so außerordentlich von einander ab. Vielleicht liegt die -Ursache darin, daß Columbus nur wenige Jahre sich der höchsten Gunst -erfreute und bei seinem<span class="pagenum"><a name="Seite_233" id="Seite_233">[S. 233]</a></span> Tode unter seinen Zeitgenossen fast vergessen -schien. Wenn man indeß die Schilderungen der Mitlebenden prüft, -werden die beigegebenen Porträts wohl als die annähernd getreuesten -zu erachten sein. Columbus war von hoher und kräftiger Gestalt, aber -nach der Eigenthümlichkeit seines Kopfes und seiner Farbe hätte man -ihn eher für einen Nordländer als für einen Italiener halten sollen. -In dem länglichen, gerötheten, mit Sommersprossen bedeckten Gesichte -leuchteten ein Paar hellblaue Augen; auch sein Kopfhaar war röthlich, -ergraute aber frühzeitig, weshalb man ihn in der Regel für älter -hielt, als er wirklich war. Die älteste Charakteristik verdanken wir -dem Italiener Angelo Trivigiano,<a name="FNAnker_177_177" id="FNAnker_177_177"></a><a href="#Fussnote_177_177" class="fnanchor">[177]</a> welcher 1507 die Reiseberichte -veröffentlichte. In der deutschen Uebersetzung des Jobst Ruchhamer -vom Jahre 1508 lautet diese Darstellung, welche uns zugleich in die -Unternehmung des Columbus einführen soll, folgendermaßen:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Hie anhebet das vierde Buch, Vnd ist von der schieffarthe des -kuniges von Castilia, von Inseln vnd landen in kurtze erfunden. Das -lxxxiiij Capitel, wie der kunige von Hispania rüstet, oder beraythe -zway schieffe, dem Christoffel Dawber<a name="FNAnker_178_178" id="FNAnker_178_178"></a><a href="#Fussnote_178_178" class="fnanchor">[178]</a> von Jenua zu faren gegem -nidergang.</p> - -<p>DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein man̄e lang vnd gerade, was -grosser vernunfft, hette ein lang angesicht, nachuolgte vnd anhienge -lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von Hispania, an -alle orthe vnd ende so sie hin raysten, begerthe, das sie ime solten -helffen zurüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe, erbothe sich, -er wölte finden gegen dem nidergange Inseln, anstossende an India, -daselbstdann̄ die mennge der Edlen gestaynen, vnd Spezereyen, vnd -auch des goldes, welches man leychtlich möchte vberkummen, der Kunig -vnd Kunigin, vnd auch alle die vorgeensten in Hispania, hetten lange -zeyte ein spyle, oder kurtzweyl an diesem furnemen dises Christoffels, -vnd zu letzste nach siben jaren oder vber siben jare, vnd nach seynem -manigualtigen begeren, bitten, vnd anlangen, wurden sie zu gefallen -seynem willen, vnd rusten ime ein Naue, das ist, ein großses schieffe, -vnd zway Grauele, mit welcher er hinweg fure von Hispania, vnd also -anfienge sein rayse oder schieffarthe, vmb die ersten tage des -Septeēber, das ist, des Herbstmondes, im MCCCCxCij Jare. —<a name="FNAnker_179_179" id="FNAnker_179_179"></a><a href="#Fussnote_179_179" class="fnanchor">[179]</a></p> - -</div> - -<p>Am Schluß der originellen Uebersetzung steht: Also hat ein endte dieses -Büchlein, welches auß wellischer sprach in die dewtschen gebrachte vnd -gemachte ist worden, durch den wirdigē vnd hochgelarthen Herrn̄ -Jobsten Ruchamer der freyen Künste, vnd artzenneien Doctorn̄ etc. -Vnd durch mich Georgen Stüchßen zu Nüreinbergk, Gedrückte vnd volendte -nach Christi vnsers lieben Herren geburdte. M.ccccc.viij Jare, am -Mittwoch sancthi Mathei, des<span class="pagenum"><a name="Seite_234" id="Seite_234">[S. 234]</a></span> heiligen apostels abenthe, der do was der -zweyntzigiste Tage des Monadts Septembris.</p> - -<p>Columbus ging nach Südspanien. Hier gelang es ihm, einflußreiche -Gönner zu finden, unter denen namentlich der Herzog von Medinaceli -sich seiner annahm und ihn fast zwei Jahre lang als Gast in seinem -Hause beherbergte, damit derselbe nicht, wie er beabsichtigte, nach -Frankreich gehe, um dort dem Könige sein Project anzubieten.<a name="FNAnker_180_180" id="FNAnker_180_180"></a><a href="#Fussnote_180_180" class="fnanchor">[180]</a></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p234" name="abb_p234"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p234.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Angebliches Porträt von Christoph Columbus.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Madrid, Marine Ministerium.)</p> -</div> - -<p>Im Januar des Jahres 1486 erhielt er durch die Vermittlung des -Cardinalbischofs Mendoza von Toledo bei der Königin Isabella Audienz, -wurde, nachdem er seinen Plan vorgelegt, in das königliche Gefolge -aufgenommen und erhielt dessen Freiheiten und Auslösung. Er war damit -in den Dienst der spanischen Krone getreten. Aus den Jahren 1487 und -1488 haben sich mehrere Belege der kleinen Unterstützungen erhalten, -welche Columbus aus der königlichen Kasse erhielt, und welche in den -einzelnen Posten höchstens 10 Ducaten betrugen.<a name="FNAnker_181_181" id="FNAnker_181_181"></a><a href="#Fussnote_181_181" class="fnanchor">[181]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_235" id="Seite_235">[S. 235]</a></span></p> - -<p>Man hatte zwar von dem Vorhaben des Columbus im allgemeinen eine -günstige Meinung, wollte aber zuvor das Urtheil der Gelehrten hören -und wies ihn daher an die Universität von Salamanca. Hier hatte -Columbus einen schlimmen Stand; denn er berief sich nicht blos auf -seine kosmographischen Autoritäten, sondern glaubte vor dem Rath der -gelehrten Geistlichen auch mit falschverstandenen Bibelsprüchen kämpfen -zu können und legte von sich und seinem Beruf eine so eigenthümliche -schwärmerische Meinung an den Tag, daß die Mehrzahl der Richter sich -nicht für ihn erklären konnte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p235" name="abb_p235"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p235.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Angebliches Porträt von Christoph Columbus.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Madrid, National-Bibliothek.)</p> -</div> - -<p>Die Art seines Auftretens läßt sich am besten aus den brieflichen -Mittheilungen erkennen, welche Columbus später bei verschiedenen -Gelegenheiten selbst gegeben hat.</p> - -<p>„Ich habe mit wissenschaftlichen Männern, Geistlichen und Weltlichen, -Lateinern und Griechen, Juden und Mauren und vielen anderen -verkehrt. Dazu gab mir der Herr den Geist der Erkenntniß. In der -Schifffahrtskunde gab er reiche Fülle; von der Sternkunde gab er mir, -was ich brauchte und auch von der Geometrie und Arithmetik. In dieser -Zeit habe ich alle Arten<span class="pagenum"><a name="Seite_236" id="Seite_236">[S. 236]</a></span> von Schriften studirt: Geschichtswerke, -Chroniken, Philosophie und andere Wissenschaften.“<a name="FNAnker_182_182" id="FNAnker_182_182"></a><a href="#Fussnote_182_182" class="fnanchor">[182]</a></p> - -<p>„Die heilige Trinität,“ schreibt Columbus bei einer andern -Gelegenheit,<a name="FNAnker_183_183" id="FNAnker_183_183"></a><a href="#Fussnote_183_183" class="fnanchor">[183]</a> „bewog Ew. Maj. zu dem Unternehmen nach Indien -und durch ihre unendliche Gnade wählte sie mich, um es Ihnen zu -verkündigen. Deshalb kam ich als ihr (der Trinität) Botschafter zu Ew. -Maj., wie zu den mächtigsten Fürsten der Christenheit, welche sich im -Glauben übten und so viel für seine Verbreitung thaten. Trotz alles -Ungemachs, welches mir widerfuhr, war ich gewiß, daß meine Unternehmung -gelingen werde, und beharrte bei dieser Ansicht, weil alles vergehen -wird, ausgenommen das Wort Gottes. Und in der That, Gott spricht so -klar von diesen Gegenden durch den Mund des Jesaias an mehreren Stellen -der heiligen Schrift, wenn er versichert, daß von Spanien aus sein -heiliger Name solle verbreitet werden.“<a name="FNAnker_184_184" id="FNAnker_184_184"></a><a href="#Fussnote_184_184" class="fnanchor">[184]</a></p> - -<p>In der Colombinischen Bibliothek zu Sevilla wird noch die -handschriftliche Correspondenz des Columbus mit dem Pater Gorricio, -einem Karthäuser aus dem Kloster Sa. Maria de las Cuevas zu Sevilla -aufbewahrt, welche eine Menge Texte des alten und neuen Testamentes -enthält, die sich auf die Entdeckung der neuen Welt beziehen sollen, -sowie verschiedene Aussprüche der Kirchenväter und Classiker. Diese -letzteren sind aus Aristoteles, Plinius, Seneca u. a. von Gorricio -excerpirt in der besondern Absicht, von Columbus verwendet zu -werden.<a name="FNAnker_185_185" id="FNAnker_185_185"></a><a href="#Fussnote_185_185" class="fnanchor">[185]</a> Unter diesen ist besonders berühmt und viel genannt worden -die prophetische Stelle aus der Tragödie Medea von Seneca:</p> - -<div class="poetry-container s6"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse"><span class="antiqua">Venient annis saecula seris,</span></div> - <div class="verse"><span class="antiqua">Quibus Oceanus vincula rerum</span></div> - <div class="verse"><span class="antiqua">Laxet et ingens pateat tellus,</span></div> - <div class="verse"><span class="antiqua">Thetysque novos detegat orbes,</span></div> - <div class="verse"><span class="antiqua">Nec sit terris ultima Thule.</span><a name="FNAnker_186_186" id="FNAnker_186_186"></a><a href="#Fussnote_186_186" class="fnanchor">[186]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Mit diesen Prophezeiungen, welche Columbus auf sich bezog und durch -welche er um so fester von seiner göttlichen Sendung sich überzeugt -hielt, ging Hand in Hand die von ihm gefaßte Idee, durch die schon von -Toscanelli in Aussicht gestellten Schätze das heilige Grab zu erobern -und den<span class="pagenum"><a name="Seite_237" id="Seite_237">[S. 237]</a></span> Erzfeind aus dem Besitz der heiligen Stätten zu verdrängen. -Diesen Gedanken legt er in dem Tagebuch seiner ersten Reise (vom 26. -December 1492) nieder und wiederholt ihn in einem Briefe von 1503.</p> - -<p>Aber er fühlt auch den Beruf in sich, alle Heiden vor dem nahen -Weltuntergange zum Christenthume zu bekehren. „Der heilige Augustin -lehrt uns,“ schreibt er 1503, „daß das Ende der Welt 7000 Jahre nach -der Schöpfung stattfinden werde. Das ist auch die Meinung der heiligen -Theologen und des Cardinals Pedro de Aliaco. Da nun nach der Berechnung -des Königs Alfons von Portugal bereits 6845 Jahre verflossen sind, so -ist die Frist bis zum Untergange nur noch eine sehr kurze.“</p> - -<p>Man darf sich nicht wundern, daß selbst die Theologen von Salamanca -sich mit diesen mystischen Combinationen, mit dieser wunderlichen -Mischung einerseits von astronomisch-kosmographischen Berechnungen und -Schlüssen, anderseits von classischen und biblischen Prophezeiungen und -falschen Deutungen nicht einverstanden erklären konnten.</p> - -<p>Man muß dazu auch die politische Lage der beiden verbundenen spanischen -Monarchien erwägen, und daß Ferdinand und Isabella nicht blos schwere -Kämpfe zur Befestigung der königlichen Autorität, sondern auch -langwierige Kriege mit den Mauren zu führen hatten und durch diese -Projecte leicht auch in neue Verwickelungen mit dem Nachbarstaate -Portugal gebracht werden konnten.</p> - -<p>„Glücklicherweise aber,“ sagt Humboldt,<a name="FNAnker_187_187" id="FNAnker_187_187"></a><a href="#Fussnote_187_187" class="fnanchor">[187]</a> „begünstigten die -vorhandenen Irrthümer die Ausführung des Planes und flößten einen Muth -ein, welchen genauere Kenntniß von den Dimensionen des Erdkörpers, der -geographischen Länge von Catigara, Cathai und Zipangu, der bedeutenden -Ausdehnung des zwischen liegenden Oceans und der geringen Masse des -Festlandes wahrscheinlich erschüttert haben würden.“</p> - -<p>Man hat das Urtheil der wissenschaftlichen Prüfung in Salamanca ebenso -verdächtigt und verleumdet, als jenes abfällige Urtheil der Junta in -Portugal. Aber alle die Gegengründe, welche vorgebracht sein sollen, -klingen so lächerlich, daß sie als platte Erfindung erscheinen, welche -später, nachdem der Erfolg sich für Columbus ausgesprochen, zu seiner -Verherrlichung erdacht sind.</p> - -<p>Im Collegium zu Salamanca fand sich nur Einer, Diego de Deza, der -Lehrer des Prinzen Don Juan, später Erzbischof von Sevilla, welcher -sich des kühnen Planes annahm; aber da sich Talavera, damals Prior von -Prado und später Erzbischof von Granada entschieden dagegen erklärte, -so wurde vorläufig die Entscheidung ausgesetzt und Columbus auf eine -günstigere Zeit vertröstet. So lebte er, von Jahr zu Jahr auf Erfüllung -hoffend, bald in Sevilla, bald in Cordoba, gleichsam von königlichem -Gnadenbrote, wenig gekannt und wenig Freunde gewinnend.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_238" id="Seite_238">[S. 238]</a></span></p> - -<p>Die ganze Angelegenheit rückte nicht vorwärts. Und als selbst noch -im Jahre 1491 die entscheidende Commission erklärte, sie könne -erst nach Beendigung des Krieges gegen Granada die Sache in genaue -Erwägung ziehen und damit gleichsam in einer höflichen Form das -Project ablehnte, so entschloß sich Columbus endlich, doch das Land zu -verlassen, das ihn seit sieben Jahren in peinlicher Muße hingehalten -hatte.</p> - -<p>Auf seinem Wege nach Huelva, wo er sich einschiffen wollte, kam er, -mit seinem Sohne Diego an der Hand, von Palos, am breiten Rio Tinto -abwärts wandernd, zu Fuß nach dem alten Franziskanerkloster <em class="gesperrt">la -Rabida</em>. Dasselbe liegt nahe dem Meere auf einem dürren Hügel, -dessen Anbau den Fleiß der Bearbeiter nur spärlich lohnt. Zwischen -verfallenen Mauern und Dornhecken von Nopal und Aloë steigt man jetzt -auf die beherrschende Höhe. Auf einer kleinen Plattform hinter den -Klostergebäuden bezeichnet ein steineres Kreuz die Stelle, wo Columbus -von Kummer gebeugt und von Hunger erschöpft niedersank<a name="FNAnker_188_188" id="FNAnker_188_188"></a><a href="#Fussnote_188_188" class="fnanchor">[188]</a> und für -seinen Knaben und sich die Mönche um Brot und Wasser bat. Aber hier, -wo er mit tiefem Seelenleiden seine Hoffnungen bereits zu Grabe -getragen hatte, sollten sie neu belebt werden. Der seltsame Anblick -der Bittenden, der fremde Dialect des Mannes erregten die Neugierde -der barmherzigen Brüder, besonders des Juan Perez de Marchena, der -den Titel eines Beichtvaters der Königin führte. Columbus wurde ins -Kloster eingelassen und in die Wohnung des Priors geleitet. In dem -hohen Saal, aus dessen Fenstern man einen prachtvollen Blick auf das -Meer genießt und wo Columbus neugestärkt und belebt, im Angesicht des -Oceans von seinen Plänen und Enttäuschungen erzählte, sind jetzt zur -Erinnerung an diese denkwürdigen Stunden mehrere Gemälde zu sehen, -welche die Geschichte dieser Ereignisse darstellen. Der Pater Juan -Perez, welcher sich bald von der schwärmerischen Glut des Erzählers -angezogen fühlte, ließ einen in der Astronomie und Kosmographie -kundigen Physiker, Garcia Hernandez, aus dem nahen Orte Palos zu sich -bitten, um mit ihm den Gehalt des vernommenen Berichts zu prüfen, -denn er kannte den Genuesen zweifelsohne nicht einmal dem Namen nach. -Auch mochte er anfänglich keine große Meinung von dem ärmlich und -schlecht gekleideten Fremdlinge haben. Columbus war eben noch eine -Persönlichkeit, welche kein Mensch kannte (<span class="antiqua">por que ninguna persona -conoscia el dicho almirante</span>.<a name="FNAnker_189_189" id="FNAnker_189_189"></a><a href="#Fussnote_189_189" class="fnanchor">[189]</a>) Aber auch der junge Physiker aus -Palos, welcher damals kaum das 30. Lebensjahr überschritten hatte,<a name="FNAnker_190_190" id="FNAnker_190_190"></a><a href="#Fussnote_190_190" class="fnanchor">[190]</a> -horchte mit demselben Interesse wie der Pater Marchena. Beide glaubten -der Königin einen großen Dienst zu leisten, wenn sie den merkwürdigen -Mann zurückhielten. Juan Perez schrieb an die Königin Isabella einen -Brief und sandte ihn durch die Hand des Piloten Sebastian Rodriguez an -den spanischen Hof von Granada. Einstweilen blieb Columbus als Gast bei -den<span class="pagenum"><a name="Seite_239" id="Seite_239">[S. 239]</a></span> Klosterbrüdern. Nach 14 Tagen kam ein Dankschreiben der Königin -zurück, worin der Pater zur Königin berufen wurde. Derselbe reiste -noch in derselben Nacht ab und erhielt von der Königin die Zusage, daß -Columbus für seine Unternehmung drei Schiffe erhalten solle. Dann gab -die Fürstin ihm noch 53 Ducaten mit für Columbus, damit derselbe sich -besser kleiden und in anständiger Form zu Hofe reiten könnte.</p> - -<p>So war also in Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes -eingetreten und wenn auch noch manche Schwierigkeiten zu überwinden -sein mochten, so war es doch nun entschieden, daß der kühne Gedanke, -den Orient im Westen auszusuchen, seiner Verwirklichung nahe war.</p> - -<p>Im Lager zu Santafé vor Granada erwartete man die baldige Uebergabe -dieser letzten maurischen Stadt. Als dieselbe im Januar 1492 erfolgte, -schien der Weg für Columbus geebnet, denn der maurische Krieg war -beendigt. Aber zum letztenmale schien das ganze Unternehmen doch -noch sich zerschlagen zu wollen, weil Columbus allzuhohe Forderungen -stellte, Forderungen, welche weder mit seiner hilfsbedürftigen Lage, -noch mit der Würde der Krone vereinbar schienen; denn er verlangte -die höchsten Würden in Spanien und fast königliche Gewalt in den zu -entdeckenden Ländern. Seine Bedingungen stellte er dahin, daß er Rang -und Würde eines Admirals oder eines spanischen Almiranten für sich und -seine Nachfolger erhalte, daß er und seine Familie in den Adelstand -erhoben würden, daß er in den neuentdeckten Ländern zum Vicekönig -ernannt werde mit dem Rechte, für alle hohen Verwaltungsstellen in -jeder Insel, in jeder Provinz drei Männer vorzuschlagen, daß ihm -ein Zehntel der königlichen Einkünfte aus dem Gewinn von Perlen, -Edelsteinen, Gold, Silber, Spezereien und anderen Handelswaaren -zufalle, daß er der einzige Richter sei in allen Processen, welche -aus dem Verkehr zwischen jenen Ländern und Spanien entstehen könnten -und daß er, wenn er den achten Theil der Ausrüstung von Schiffen -bestreite, auch den achten Theil aus dem Gewinn erhalte. Diese -Forderungen klangen geradezu unerhört. Eine Reihe von Conflicten war -vorauszusehen, wenn man einem Fremden zugestand, was man nie einem -Spanier von Geburt zugestanden haben würde. Die Königin, so willig -sie sich gezeigt hatte, das Unternehmen doch noch zu fördern trotz -aller Widerreden und Zweifel, schreckte vor solchen Forderungen -zurück. Und Columbus wich in keinem Punkte von seinen Ansprüchen; so -fest glaubte er selbst sowohl an seine Bestimmung, als auch an den -großen materiellen Erfolg für Spanien. So zerschlug sich auch noch -im Januar die Verhandlung, und Columbus wandte sich zum zweiten Male -vom Hofe ab, um über Cordoba nordwärts nach Frankreich zu gehen, wo, -wie er selbst behauptete, man ihm glänzende, sichere Versprechungen -gemacht. Da versuchten noch einmal seine Gönner bei Hofe, namentlich -der Cardinal Mendoza und der Schatzmeister Luis de Sant-Angel, -die Königin zu dem Vertrage zu überreden. Sie stellten ihr vor, -welche unermeßlichen Reichthümer nach erfolgreicher Fahrt durch die -Unternehmung<span class="pagenum"><a name="Seite_240" id="Seite_240">[S. 240]</a></span> des Genuesen nach Spanien fließen müßten, wie sie durch -Zuwachs an Colonialbesitz und durch Ausbreitung des christlichen -Glaubens an Ruhm gewinnen würde, und erreichten es, daß Isabella den -Befehl ertheilte, Columbus zurückzurufen. Ein Eilbote traf ihn bereits -unterwegs in Pinos Puente, eine Stunde von Santafé und rief ihn unter -der Versicherung, daß die Königin auf seine Forderungen eingehe, -zurück. Der Vertrag wurde am 17. April vollzogen; aber der Besitz der -unerhörten Gewalt, die dem Entdecker verliehen, die plötzliche Erhebung -in den höchsten Stand führten nur zu bald den Sturz des Mannes herbei, -weil er nicht im Stande war, allen Ansprüchen seiner neuen Stellung -zu entsprechen. Man kann Columbus nicht frei sprechen von der Schuld, -die vielfachen bitteren Kränkungen und schweren Demüthigungen seiner -letzten Lebensjahre sich durch das Uebermaß seiner Forderungen selbst -heraufbeschworen zu haben.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p240" name="abb_p240"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p240.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Der im Bau begriffene Rumpf eines - großen Seeschiffes vom Ende des 15. Jahrh.</p> -</div> - -<p>Augenblicklich dachte er nur an die Ausrüstung seiner Schiffe. Der -Staatsschatz war leer, Luis de Sant-Angel schoß der Königin 5300 -Ducaten zur Fertigstellung der kleinen Flotte vor und Columbus begab -sich sofort nach Palos, nahe bei dem ihm günstigen Kloster la Rabida, -um hier seine Abfahrt mit allen Mitteln zu betreiben. Es war ein sehr -günstiger Umstand, daß er in dem kleinen Hafenplatz am untern Lauf -des Rio Tinto lebhafte Unterstützung durch die einflußreiche und -wohlhabende Schifferfamilie der Pinzone fand, welche sich selbst in -ihren Hauptträgern erbot, die kühne Fahrt mitzumachen. Ganz besonders -machte sich Martin Alonso Pinzon um das Zustandekommen der Expedition -verdient und trug sogar zur Bestreitung der Kosten bei. Es wurden -drei kleine Schiffe ausgerüstet; nur das größere war<span class="pagenum"><a name="Seite_241" id="Seite_241">[S. 241]</a></span> vollständig -gedeckt, die beiden andern hatten nur am Vorder- und Hintertheil -erhöhte Verdecke, waren aber in der Mitte offen. Die Schiffsmannschaft -recrutirte sich meist aus den umliegenden Hafenplätzen, aus Moguer, -Huelva und aus Palos selbst. Das größte Schiff, die Santa Maria, stand -unter dem Befehl des Columbus, auf der Pinta commandirte Martin Alonso -Pinzon und außer ihm sein Bruder Francisco Martin als Steuermann, auf -der Niña führte Vicente Yañez Pinzon das Commando. Die Mannschaft -belief sich im Ganzen auf 120 Köpfe.</p> - -<h4 id="Die_erste_Fahrt_des_Columbus">5. Die erste Fahrt des Columbus über -den Ocean.</h4> - -<p>Es war ein denkwürdiger Tag, als am 3. August 1492, nachdem die -Mannschaft vorher gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, die drei -Schiffe den Hafen von Palos verließen und dem unbekannten Weltmeere -zusteuerten. Columbus führte von Anfang an ein ausführliches Tagebuch, -von welchem uns Las Casas den größten Theil, vielfach in wörtlichen -Auszügen, erhalten hat. Die Einleitung erörtert die Beweggründe und -Ziele der Fahrt<span class="pagenum"><a name="Seite_242" id="Seite_242">[S. 242]</a></span> und läßt einerseits die Abhängigkeit des Führers von -den Angaben des Toscanelli, andererseits seine religiösen Empfindungen -deutlich erkennen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p241" name="abb_p241"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p241.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Seeschiff vom Ende des 15. Jahrh., - halb vor dem Winde segelnd.</p> -</div> - -<p>„Nachdem Ew. Majestäten in dem gegenwärtigen Jahre 1492 den maurischen -Krieg beendigt haben in der sehr großen Stadt Granada, in welcher -ich, am 2. Januar dieses Jahres, durch die Gewalt der Waffen die -königlichen Banner auf den Thürmen der Alhambra aufpflanzen und den -maurischen König sich ans Thor begeben und Ew. Maj. die Hände küssen -sah, und nach den Erklärungen, welche ich Ew. Hoheiten von den Ländern -Indiens und von einem Fürsten, welcher der Großchan, d. h. König der -Könige genannt wird, gegeben habe, sowie darüber, daß derselbe wie -auch seine Vorgänger nach Rom gesendet hatten, um sich Lehrer unseres -heiligen Glaubens zu erbitten, und daß so viele Völker im Unglauben und -Götzendienst verloren gingen, beschlossen Ew. Hoheiten als christliche -Fürsten und Verbreiter des heiligen christlichen Glaubens und Feinde -der Sekte Mohammeds und aller Ketzerei mich, Cristóbal Colon<a name="FNAnker_191_191" id="FNAnker_191_191"></a><a href="#Fussnote_191_191" class="fnanchor">[191]</a> zu -den erwähnten Ländern Indiens auszusenden, um die erwähnten Fürsten -und Völker und Länder, ihre Lage und ihren Zustand und die Art und -Weise zu erforschen, wie man sie zu unserm heiligen Glauben bekehren -könne. Sie befahlen mir, nicht zu Lande nach dem Osten zu gehen, -wie man gewöhnlich gethan hat, sondern vielmehr den Weg nach Westen -einzuschlagen, von dem wir bis jetzt nicht bestimmt wissen, ob er schon -von jemand eingeschlagen ist.“ Weiter fügt Columbus hinzu, daß er -beschlossen, ein genaues Tagebuch zu führen, genaue Segelanweisungen -zu geben und dazu eine Reihe von gemalten Karten zu entwerfen in einem -Netz von Breiten- und Längenlinien.</p> - -<p>Dieses letztere Vorhaben hat aber der Admiral nicht ausgeführt, er -war dazu auch kaum im Stande. Der Admiral steuerte gradenwegs nach -den Canarischen Inseln, um unter dem Parallelkreis dieser spanischen -Eilande westwärts über Antilia und Cipangu nach Indien zu segeln. Da -aber bereits am vierten Tage das Steuer der Pinta beschädigt wurde, -mußte man den Hafen in Gomera aufsuchen und sah sich dadurch vier -Wochen auf den Canarischen Inseln festgehalten. Erst am 6. September -setzte Columbus die Fahrt wieder fort und steuerte mit Nordostpassat -nach Westen. Schon am dritten Tage, am 9. September entschloß er sich, -eine zwiefache Berechnung der täglich zurückgelegten Meilenzahl zu -führen, und in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal kleinere -Ziffern aufzuführen, als er selbst die Entfernungen schätzte, um, -wie er sagt, die Mannschaft nicht durch die Größe der zurückgelegten -Meilenzahl zu erschrecken. Es ist dies wohl der einzige Fall, daß -bei einer großen Entdeckungsfahrt ein solches Mittel der Täuschung -zur Anwendung gekommen ist: „Am 10. September segelte er 60 Leguas, -berechnete aber nur 48, um die Mannschaft nicht zu entmuthigen, wenn -die Reise lange dauern sollte.“<a name="FNAnker_192_192" id="FNAnker_192_192"></a><a href="#Fussnote_192_192" class="fnanchor">[192]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_243" id="Seite_243">[S. 243]</a></span></p> - -<p>Am 13. September, bei Einbruch der Nacht, beobachtete Columbus zuerst -die <em class="gesperrt">Declination der Magnetnadel</em>, „ein denkwürdiger Zeitpunkt in -den Jahrbüchern der nautischen Astronomie“.<a name="FNAnker_193_193" id="FNAnker_193_193"></a><a href="#Fussnote_193_193" class="fnanchor">[193]</a> Die Abweichung gegen -NW. nahm am folgenden Tage noch zu. Drei Tage später machte er die -Wahrnehmung, daß ein rascher Wechsel des Klimas eintrat.</p> - -<p>Schon vom 16. September an, wo die Schiffe zuerst in das Sargassomeer -eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe eines Landes oder von -Inseln zu bemerken. Das Schiffstagebuch enthält darüber eine Reihe von -Bemerkungen. Am 18. galt ein dunkler Horizont als Zeichen von großer -Nähe des Landes; am 19. bildete sich ein Nebel ohne Wind, eine sichere -Andeutung von Land. Auch die schwimmenden Tangmassen, welche häufig -angetroffen wurden, galten als Beweis dafür. Dieses Tangmeer liegt -zwischen 20° und 35° n. Br. und reicht gegen Westen bis an den Rand -des Golfstroms. Das Kraut bedeckt die Oberfläche nicht in gleichmäßig -dichten Massen, sondern treibt in langen Streifen in der Richtung -des herrschenden Windes. Diese Streifen bestehen aus mehreren Reihen -von Krautbüscheln, jedes einzelne höchstens einen Fuß lang; es sind -vom Strande losgerissene Fragmente, welche absterben und allmählich -untersinken, so daß von einer Behinderung der Fahrt eines Schiffes -nicht die Rede sein kann.<a name="FNAnker_194_194" id="FNAnker_194_194"></a><a href="#Fussnote_194_194" class="fnanchor">[194]</a></p> - -<p>Der beständig günstige Fahrwind erregte in den Matrosen die -Befürchtung, es werde wegen des herrschenden Ostwindes die Rückfahrt -sehr erschwert, wo nicht unmöglich gemacht werden. Als am 23. September -die Krautmassen wieder dichter die Oberfläche des Wassers bedeckten -und das Meer so ruhig und glatt blieb, äußerte sich die Besorgniß des -Schiffsvolkes laut: man werde in dieser Gegend niemals einen günstigen -Wind zur Rückkehr nach Spanien treffen. Als dann aber das Meer sich -erhob, ohne daß ein Wind wehte, und eine rauhe See entstand, waren alle -höchlich erstaunt. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Columbus: „Diese -hoch gehende See war mir ebenso nothwendig als den Juden zur Zeit da -die Aegypter auszogen, um Moses zu verfolgen, welcher die Hebräer aus -der Knechtschaft befreite.“ Am 25. September besprach sich der Admiral -mit Martin Alonso Pinzon über eine Karte, welche er ihm vor 3 Tagen -geschickt, und auf welcher in dieser Gegend einige Inseln eingetragen -waren. Offenbar handelte es sich dabei um die Karte Toscanelli’s und -die etwas südlich vom Schiffscours vermuthete Insel Antilia (vgl. den -Globus Behaims). Martin Alonso glaubte diese Insel sogar zu sehen; auch -Columbus theilte diese Ansicht und schätzte die Entfernung auf etwa 25 -Meilen. In Folge dessen ließ der Admiral gegen West steuern, aber am -folgenden Tage klärte sich der Irrthum auf, man war durch das dunkle -Aussehen des Horizonts getäuscht worden. Daß aber die Insel Antilia -in der Nähe liegen müsse, bezweifelte Columbus nicht. Am 3. Oc<span class="pagenum"><a name="Seite_244" id="Seite_244">[S. 244]</a></span>tober -glaubte er diese Insel bereits hinter sich haben, denn Anzeichen von -Land hatte er genug gehabt; aber er wollte seine Zeit nicht mit dem -Aufsuchen verlieren, weil Indien sein Ziel war.</p> - -<p>Es unterliegt keinem Zweifel, daß, je länger die Fahrt dauerte, die -Mannschaft immer lauter ihre Besorgniß aussprach, vielleicht auch sogar -allerlei Drohungen gegen den fremden Führer, gegen den Liguren laut -werden ließ, wenn auch die dramatische Ausschmückung dieser Stimmung, -welche in der Erzählung von einem Vertrage gipfelt, den Columbus -sollte eingegangen sein, einer späteren Zeit angehört. Dennoch sollte -der Admiral sich dazu verstanden haben, nach drei Tagen umzukehren, -wenn bis dahin das gesuchte Land noch nicht aufgefunden sei. Die -Zeugnisse Peter Martyrs und des Columbus selbst sprechen zu deutlich -von der schwierigen Haltung der Matrosen. „Die spanischen Begleiter,“ -erzählt Martyr, „fingen erst heimlich an zu murren und traten dann -offen zusammen. Sie drohten ihren Führer ins Meer werfen zu wollen; -sie seien von dem ligurischen Menschen betrogen und ins Verderben -gebracht.“<a name="FNAnker_195_195" id="FNAnker_195_195"></a><a href="#Fussnote_195_195" class="fnanchor">[195]</a> Diese Angaben über die bedenkliche Stimmung unter dem -Schiffsvolke bestätigt Columbus in seinem Tagebuche, wenn er, am 14. -Februar 1493, also auf dem Heimwege, berichtet, daß er schon auf der -Hinfahrt viel von den Leuten zu leiden gehabt, weil alle einstimmig -erklärt hätten, umkehren zu wollen, und daß sie sich zu Drohungen gegen -ihn hätten hinreißen lassen.<a name="FNAnker_196_196" id="FNAnker_196_196"></a><a href="#Fussnote_196_196" class="fnanchor">[196]</a> Vom 7. October an beschloß Columbus, -einen südwestlichen Cours beizubehalten. Er wurde dazu durch den Flug -zahlreicher Vögel veranlaßt, welche nach dieser Richtung zogen; denn -er wußte, daß die Portugiesen der Beobachtung des Flugs der Vögel die -Entdeckung mancher Inseln verdankten. Auch am 10. October beklagten -sich seine Leute wieder über die lange Dauer der Reise, aber der -Admiral belebte ihre Hoffnung auf reichen Gewinn, der in sicherer -Aussicht stehe. Uebrigens fügte er hinzu, ihre Klagen nützten nichts, -da er unter allen Umständen mit Gottes Hilfe seinen Weg fortsetzen -werde, bis er Indien erreicht habe.</p> - -<p>So hätte er nicht sprechen können, wenn es wirklich zu einem Vertrage -gekommen wäre, der ihn verpflichtet hätte, nach drei Tagen umzukehren.</p> - -<p>Columbus war zu fest überzeugt, dem Ziel seiner Wünsche nahe zu sein -und fand in den Pinzonen eine kräftige Stütze. Ohne Schwankung war er -in den ersten Wochen westwärts gesteuert und wich nur in den letzten -Tagen mit bewußter Absicht von dieser Richtung ab.</p> - -<p>Sie waren bereits mehr als 750 Meilen von den Canarien entfernt.<a name="FNAnker_197_197" id="FNAnker_197_197"></a><a href="#Fussnote_197_197" class="fnanchor">[197]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_245" id="Seite_245">[S. 245]</a></span> -Das Schiffsvolk spähte immer eifriger nach Land aus, denn dem -Glücklichen, welcher zuerst dasselbe erblicken sollte, waren reiche -Geschenke und eine jährliche Pension von 10,000 Maravedis (etwa 25 -Ducaten) verheißen. Da in Folge dessen zu wiederholten Malen der Ruf: -Land! erscholl, ohne daß die daran geknüpfte Erwartung sich erfüllte, -so wurde bestimmt, daß derjenige, welcher die Gemüther auf solche Weise -vergeblich in Aufregung versetzte, in Zukunft keinen Anspruch auf die -ausgesetzte Belohnung haben solle.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p245" name="abb_p245"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p245.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Christoph Columbus’ Rüstung.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Madrid, Waffen-Museum im kgl. Palais.)</p> -</div> - -<p>Aber trotzdem blieben aller Augen mit gespannter Aufmerksamkeit auf den -fernen Horizont im Westen geheftet, zumal sich die echten Anzeichen von -Land zu mehren schienen. Am Morgen des 7. October gab die Niña, welche -vorausgesegelt war, durch einen Kanonenschuß das Signal, daß man Land -sehe, aber man mußte wiederum eingestehen, daß man sich getäuscht habe. -Die nun folgende Niedergeschlagenheit wurde aber bald wieder gehoben, -am 9. October spürte man einen frischen Hauch der Luft, wie wenn er -von<span class="pagenum"><a name="Seite_246" id="Seite_246">[S. 246]</a></span> fernen Blütenbäumen herüberwehe. Am 11. October fischte man bei -dem Admiralschiffe einen frischgrünen Zweig, bei der Pinta einen mit -Feuer bearbeiteten Stab und einen Zweig mit rothen Beeren aus dem -Wasser. Am späten Abend sah Columbus vom hohen Hintercastell seines -Schiffes aus einen Lichtschein, der sich vorwärts zu bewegen schien, -als ob jemand eine Fackel trage; auch andere, die er herbei rief, -glaubten dasselbe zu erkennen. Man befand sich in der That in der Nähe -des Landes. Wenige Stunden später, am 12. October, Morgens 2 Uhr, sah -der Matrose Rodrigo von Triana auf der Pinta einen flachen, sandigen -Strand im Mondschein leuchten; denn man hatte sich dem Lande von der -Seite bereits bis auf 2 Seemeilen genähert.</p> - -<p>Ein Kanonenschuß verkündete die glückliche Entdeckung den beiden -nachfolgenden Schiffen, und so wie es Tag wurde, sahen sie eine -anmuthig grüne Insel vor sich liegen. Die Ueberfahrt von den -Canarischen Inseln hatte 32 Tage gedauert. Entzückt und mit -Freudenthränen im Auge stimmte Columbus den Lobgesang <span class="antiqua">Te deum -laudamus</span> an, und alle seine Gefährten stimmten mit ein. Man -umringte den noch vor kurzem geschmähten Führer und brachte dem -Helden seine Huldigung dar. Leider gönnte der glückliche Entdecker -dem Matrosen Rodrigo den verheißenen königlichen Lohn nicht; er erhob -selbst Anspruch auf die ausgesetzte Jahresrente, weil er in der Nacht -zuvor das Licht in der Ferne gesehen hatte und erhielt wirklich später -das Geld ausgezahlt. War es Geiz oder Ehrgeiz? Fast muß man fürchten, -daß der schlechtere Beweggrund ihn verleitete.</p> - -<p>Die Befehlshaber der Schiffe landeten nun mit bewaffneten Böten. Unter -fliegenden Fahnen, welche außer dem grünen Kreuz die Anfangsbuchstaben -der katholischen Könige F. und I. zeigten, stiegen sie ans Land und -warfen sich nieder, um den Boden zu küssen. Dieses erste Eiland, -welches die Entdecker betraten, nannte Columbus San Salvador und -weihete es dadurch zu einem Erstlingsopfer dem Heiland der Welt. Bei -den Eingebornen hieß es Guanaham oder <em class="gesperrt">Guanahani</em>.<a name="FNAnker_198_198" id="FNAnker_198_198"></a><a href="#Fussnote_198_198" class="fnanchor">[198]</a></p> - -<p>Die braunen Insulaner schaarten sich harmlos um die fremden, dem -Meere entstiegenen Männer, und Columbus theilte, um sie zutraulich zu -machen, kleine Geschenke unter sie aus: Glasperlen, Nadeln und kleine -Schellen. Die Leute gingen vollständig nackt, nur einige Weiber trugen -eine Art Schürze von Blättern oder Gras oder zu dem Zweck bearbeiteter -Baumwolle. Metall war ihnen unbekannt, Waffen trugen sie nicht. Daß -sie in der Hautfarbe den Bewohnern der Canarischen Inseln glichen, -fand Columbus ganz natürlich, denn die entdeckte Insel lag unter -derselben Breite mit Ferro. Und unter denselben Breiteparallelen, so -lautete damals ein allgemein gültiger Lehrsatz, haben die Menschen -gleiche Farbe, und zwar um so dunkler, je näher dem Aequator. Einige -der Insulaner erschienen auch bemalt, schwarz,<span class="pagenum"><a name="Seite_247" id="Seite_247">[S. 247]</a></span> roth oder mit weißen -Streifen im Gesicht oder am ganzen Leibe. Ihr Haar war schwarz und -straff.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p247" name="abb_p247"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p247.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Facsimile des Titelholzschnittes einer - zu Florenz im Jahre 1493 gedruckten italienischen Flugschrift, - darstellend die Landung des Columbus. (London, British Museum.)</p> -</div> - -<p>Bald eröffnete sich ein gewinnbringender Tauschhandel, denn man sah -hie und da goldenen Nasenschmuck, den die Spanier für Kleinigkeiten -einzuhandeln verstanden. Auf die Frage, woher das Gold stamme, wiesen -die Indianer (Indios nannte Columbus sie bereits am vierten Tage) -nach Südosten, woraus man also auf das Vorhandensein anderer Länder -in der Nachbarschaft schließen konnte; denn wenn die Eingebornen -auch Ruderkähne, aus einem Stamme gearbeitet, besaßen, mit denen sie -erstaunlich schnell fuhren,<span class="pagenum"><a name="Seite_248" id="Seite_248">[S. 248]</a></span> so taugten diese Fahrzeuge doch nur zu -einem Verkehr zwischen nahegelegenen Inseln oder größeren Landmassen, -aber keineswegs zu weiteren Fahrten über den Ocean.</p> - -<p>Die Vermuthung, daß noch andere Inseln in der Nähe lägen, wurde durch -den weiteren Verkehr mit den Wilden bestätigt, woraus man mittelst -der Gebärdensprache soviel verstehen konnte, daß manche unter ihnen -im Kampfe mit den über See kommenden feindlichen Stämmen Wunden -davongetragen hatten, deren Narben die Spanier an den Insulanern -bemerkten.</p> - -<h4 id="Wo_liegt_Guanahani">6. Wo liegt Guanahani?</h4> - -<p>Bevor wir den weiteren Verlauf der Entdeckungsfahrt schildern, -müssen wir die Insel nachzuweisen suchen, welche Columbus zuerst -betrat. Sicherlich umwebt ein historischer Glanz jene Stätte, wo die -Menschheit der alten und neuen Welt sich zuerst einander entgegen -trat, und doch muß man fast mit Beschämung gestehen, daß mit bindender -Beweiskraft jene Insel nicht nachzuweisen ist. Nur eine größere -oder geringere Wahrscheinlichkeit fällt ins Gewicht und läßt die -Schale der Entscheidung sinken. Daß das Geschwader auf eine der -flachen Koralleneilande gestoßen, welche als die dritte Gruppe der -westindischen Inseln unter dem Namen der Bahama-Inseln am meisten -bekannt ist, unterliegt keinem Zweifel; aber welche unter diesen den -Ehrennamen S. Salvador verdient, ist streitig.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_249" id="Seite_249">[S. 249]</a></span></p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p249" name="textkarte_p249"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p249.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Die ENTDECKUNGEN des COLUMBUS<br /> - auf seiner ersten Reise.</p> - <p class="s7 center"><i>Karte eine Theiles von Westindien, nach der englischen -Admiralitätskarte N<sup>o</sup> 761.</i></p> - <p class="s7 center">Gez. v. C. Riemer.</p> - <p class="s7 center">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p249_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="textkarte_p249_i" name="textkarte_p249_i"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p249_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="textkarte_p249_ii" name="textkarte_p249_ii"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p249_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Die Gruppe der Bahama besteht aus 12 größeren Inseln und über 600 -Inselchen, ungerechnet die nach Tausenden zu zählenden Seeklippen. -Dieselben sind auf einer Strecke von 150 deutschen Meilen in der -Richtung von Südost nach Nordwest den großen Antillen vorgelagert und -erstrecken sich von dem Norden Haitis bis gegen die Halbinsel Florida. -Obwohl über einen so weiten Raum ausgedehnt, umfassen die meist in der -Richtung des ganzen Zuges sich hinlagernden schmalen Inseln doch nur -einen Flächenraum, welcher nicht ganz die Größe des Königreichs Sachsen -erreicht. Sämmtliche Inseln bestehen aus Korallenbauten, welche sich -auf submarinen Plateaus von Sandbänken oder Korallenkalk aufgesetzt -haben. Ihre Höhe übersteigt nirgend 60 <span class="antiqua">m</span>. Es sind also flache -Eilande, meistens auch noch von Korallenriffen umschlossen und mit -untiefen Korallenbänken untermischt, zwischen denen die Schifffahrt -mit größter Vorsicht betrieben werden muß. Hie und da erheben sich -am Strande niedere Kalkklippen. Viele der Inseln sind frisch grün, -sogar bewaldet, aber es fehlt an frischen Quellen; die Teiche und -Lagunen auf manchen dieser Eilande haben salziges oder brakisches -Wasser, weil sie unterirdisch mit der See in Verbindung stehen. Wenn -nun auch der Reichthum an Nutzhölzern immerhin erwähnenswerth ist, -so konnte doch das Verlangen der Spanier nach Gold und Gewürzen auf -den der See entstiegenen flachen Eilanden nicht befriedigt werden. -Columbus hielt sich darum auch nur einige Tage an jeder der größeren -Inseln auf und tastete<span class="pagenum"><a name="Seite_250" id="Seite_250">[S. 250]</a></span> -an den Korallenbänken und Riffen hin, seinen -Weg nach Südwesten, wohin ihn alle Indianer auf seine Fragen nach -Gold wiesen. Denn alles Sinnen und Trachten des Entdeckers war auf -das edle Metall gerichtet, sein Schiffstagebuch schreibt davon am 15. -16. 19. 22. und 27. October, am 4. 5. 6. 12. u. s. w. November; und -grade diesem Verlangen konnten die Bahama-Inseln nicht entsprechen. -Darum sind auch die späteren Entdeckungsfahrten nie wieder auf diese -Korallengebilde gerichtet, dieselben wurden als gefährlich gemieden -und höchstens aufgesucht, um Menschen zu fangen. Hierin haben wir -auch einen Grund zu suchen, daß S. Salvador eigentlich verschollen -ist. Der Hauptgrund aber, warum man die Insel nicht wieder findet, -liegt in der mangelhaften astronomischen Bildung des Admirals. Er -hatte sich zwar beim Beginn der Fahrt vorgenommen, neben einer -genauen Segelanweisung auch eine Karte von den entdeckten Gebieten -zu entwerfen, aber von einer Ausführung dieses Vorhabens ist nirgend -mehr die Rede. „Im Tagebuche des Columbus findet sich während der -ganzen Fahrt über den Ocean auch nicht eine einzige Breitenbestimmung, -und die, welche er in Westindien angestellt haben will, sind so -ungeheuerlich, daß sie schon seinerzeit Verdacht erregten; er gibt zum -Beispiel an der Küste von Cuba eine Breite von 42° statt 21°. Es läßt -sich nun einmal nicht abstreiten, daß Columbus einen sehr geringen -Grad wissenschaftlich-nautischer Kenntnisse besaß.“<a name="FNAnker_199_199" id="FNAnker_199_199"></a><a href="#Fussnote_199_199" class="fnanchor">[199]</a> Und allein -von diesen Thatsachen ausgehend, darf man behaupten, daß die von der -<span class="antiqua">Vida del Almirante</span> zuerst verbreitete Nachricht, Columbus habe -in Pavia studirt (s. oben <a href="#Seite_220">S. 220</a>) auf Unwahrheit beruht; denn auf einer -Universität wird man schwerlich gelehrt haben, was die roheste Empirie -verräth, daß man die geographische Breite eines Ortes aus der Dauer des -Tages abzuleiten habe. Und doch scheint aus dem Tagebuch hervorzugehen, -daß Columbus auf diese Weise am 13. December 1492 rechnete. Es fehlt -also in Beziehung auf die Lage von San Salvador jedweder Anhalt einer -astronomischen Bestimmung; daher konnten die späteren Historiker bei -ihren Vermuthungen drei volle Breitengrade von einander abweichen.</p> - -<p>Man muß also auf anderem Wege die Lage der zuerst entdeckten Insel -zu ermitteln suchen. Es liegt nahe, vor allem die ältesten Karten -jener Inselwelt zu Rathe zu ziehen. Allein wir vermissen auf allen -Darstellungen bis weit ins 17. Jahrhundert den Namen Salvador, sowie -die folgenden von Columbus weiterhin ertheilten neuen Inselbenennungen. -Schon die erste, von einem Begleiter des Entdeckers, um 1500 von dem -Basken Juan de la Cosa entworfene Karte Amerikas (siehe die Beilage) -führt nur die einheimischen Inselnamen und darunter auch Guanahani -auf. Aber diese Karte ist hier so ungenau, daß Capitän Becher sie -als ein altes Document bezeichnet, das den Namen einer „Karte“ nicht -verdiene.<a name="FNAnker_200_200" id="FNAnker_200_200"></a><a href="#Fussnote_200_200" class="fnanchor">[200]</a> In gleichem Sinne<span class="pagenum"><a name="Seite_251" id="Seite_251">[S. 251]</a></span> haben auch die späteren Kartographen -die Bahama-Inseln sehr ungenau dargestellt, weil man sie für ziemlich -werthlos hielt. War doch auch Peter Martyr der Ansicht, nachdem er die -Antillen genau beschrieben, es sei überflüssig, diese Koralleninseln -einer eingehenden Darstellung zu würdigen, weil die Spanier diese armen -Inseln, wo man höchstens Fischfang und etwas Landbau treiben könne, -aufgegeben hätten.<a name="FNAnker_201_201" id="FNAnker_201_201"></a><a href="#Fussnote_201_201" class="fnanchor">[201]</a></p> - -<p>Es scheint zwar noch einen andern Ausweg zu geben, das fragliche -Guanahani zu ermitteln, indem man unter den Bewohnern des Archipels -selbst sich erkundigte; denn da der Name von den Eingebornen ertheilt -ist und die Sprache der Insulaner vermuthlich wenig Aenderung -erlitten haben könnte, so müßte, sollte man meinen, auch der Name -der Insel entweder sich noch erhalten haben oder doch noch in -Erinnerung geblieben sein. Allein auch dieser Ausweg ist seit mehr als -drittehalbhundert Jahren vollständig versperrt: die Urbevölkerung ist -ausgestorben oder deutlicher gesagt, durch die Spanier vernichtet, und -man darf nicht verhehlen, daß Columbus selbst den Anlaß dazu gegeben. -Schon am 13. October schreibt er: „Diese gutartigen Menschen müssen -ganz brauchbare Sklaven abgeben.“ Bei seiner Abfahrt entführt er von -Salvador mehrere Insulaner mit Gewalt, „damit sie unsere Sprache lernen -und uns Auskunft geben können über ihr Gebiet“. Als nun die Königin -Isabella durch ein Edikt vom 30. October 1503<a name="FNAnker_202_202" id="FNAnker_202_202"></a><a href="#Fussnote_202_202" class="fnanchor">[202]</a> gestattete, die dem -Christenthum und ihren neuen Unterthanen in Westindien feindlichen -Canibalen wegzufangen und zu verkaufen, war damit dem Sklavenfang der -Stempel der Berechtigung aufgedrückt; und fünf Jahre später erhielt -eine spanische Gesellschaft die Erlaubniß, auch die Bahama-Insulaner -einzufangen, angeblich um sie so leichter zum Christenthum bekehren zu -können. Die ohnehin spärlich bewohnten Inseln waren bereits um 1525 -dermaßen entvölkert, daß der fromme Pedro de Isla die letzten Bewohner, -nur noch 11 Personen, zusammensuchen und nach Haiti bringen ließ, um -sie vor seinen Landsleuten zu retten.<a name="FNAnker_203_203" id="FNAnker_203_203"></a><a href="#Fussnote_203_203" class="fnanchor">[203]</a> Damit war der Urstamm der -dortigen Insulaner erloschen, und folglich aus ihrem Munde auch die -Lage von Guanahani nicht mehr zu ermitteln.</p> - -<p>Die neuern Historiker haben darum den einzigen noch möglichen Weg -eingeschlagen, indem sie der von Columbus in seinem Tagebuche gegebenen -Beschreibung seiner Fahrt, der Coursrichtung, den abgeschätzten -Entfernungen von einer Insel zur andern, und der Schilderung einzelner -Oertlichkeiten nachgingen. Die mancherlei Lücken des Berichts, die -offenbaren Ungenauigkeiten, die aus falscher Schätzung der Verhältnisse -entstanden, die Unklarheiten im Ausdruck haben diese kritische -Spürarbeit erschwert und die abweichenden<span class="pagenum"><a name="Seite_252" id="Seite_252">[S. 252]</a></span> Ansichten verursacht. -Die hauptsächlichen Meinungsverschiedenheiten sind auf der, einer -englischen Admiralitätskarte entlehnten Darstellung jenes Inselgebiets, -welche unserem Werke beigegeben ist (<a href="#Seite_249">S. 249</a>), zu ersehen.</p> - -<p>Wenn wir diese Ansichten nicht historisch, sondern geographisch ordnen, -so sehen wir, daß muthmaßlich der Schiffscours auf vier verschiedene -Inseln gerichtet ist, welche von Nordwest nach Südost in folgender -Ordnung sich aneinanderreihen: Cat Island, Watling Island, Mariguana -(oder Mayaguana), Turk Islands.</p> - -<p>Nach Cat Island führen den Entdecker W. Irving<a name="FNAnker_204_204" id="FNAnker_204_204"></a><a href="#Fussnote_204_204" class="fnanchor">[204]</a> und Alex. -v. Humboldt,<a name="FNAnker_205_205" id="FNAnker_205_205"></a><a href="#Fussnote_205_205" class="fnanchor">[205]</a> nach Watling der treffliche spanische -Geschichtsschreiber Muñoz<a name="FNAnker_206_206" id="FNAnker_206_206"></a><a href="#Fussnote_206_206" class="fnanchor">[206]</a> und Capitän Becher,<a name="FNAnker_207_207" id="FNAnker_207_207"></a><a href="#Fussnote_207_207" class="fnanchor">[207]</a> nach Mariguana -läßt ihn Varnhagen<a name="FNAnker_208_208" id="FNAnker_208_208"></a><a href="#Fussnote_208_208" class="fnanchor">[208]</a> gelangen, nach den Turk-Inseln Navarrete.<a name="FNAnker_209_209" id="FNAnker_209_209"></a><a href="#Fussnote_209_209" class="fnanchor">[209]</a> -Von diesen Erklärungsversuchen ist derjenige Navarretes mit Recht von -den Neueren ganz aufgegeben, weil er dem Texte des Reiseberichtes -weder nach der Beschreibung der zuerst betretenen Insel, noch in -Bezug auf die später eingeschlagenen Course entspricht. Gegen Irving -und Humboldt ist in erster Linie beizuwenden, daß Columbus nach dem -Wortlaut seines Tagebuches die Insel Guanahani thatsächlich auf der -Nordseite umsegelt hat, während nach der Vorstellung der beiden -genannten Forscher San Salvador nur an seinem Südende berührt wurde. -Ferner aber hat auch die im weitern Verlauf der Fahrt bis zur Nordküste -Cubas gedachte Courslinie ihre großen Bedenken, weil dieselbe auf -der Westküste von Long Island durch die ganze Breite der Bahamabank -führen müßte, wo an manchen Stellen die Wassertiefe wenig über einen -Faden mißt. Da Muñoz weiterhin bei der Erzählung der Fahrt zu den -andern Inseln in der Bahamagruppe nur allgemein gehaltene Vermuthungen -ausspricht über die Identität der von Columbus berührten Inseln, ohne -sich eingehend mit der Prüfung der eingeschlagenen Richtungen und -der berührten Oertlichkeiten einzulassen, so bleiben nur noch die -Hypothesen Bechers und Varnhagens zu vergleichen. Beide haben auf das -sorgsamste das Tagebuch des Columbus zu Rathe gezogen und alle darin -enthaltenen Angaben für ihre Idee zu verwerthen gesucht. Es läßt sich -nicht leugnen, daß für Varnhagen manche wichtige Momente sprechen, daß -namentlich die fast rathlos erscheinenden Kreuzfahrten zwischen den -nächst San Salvador besuchten Koralleninseln nach den Aufzeichnungen -sehr geschickt erklärt sind und zu den angegebenen Courslinien der -Schiffe passen. Allein zwei Momente von Bedeutung gestatten nicht, daß -wir uns für Varnhagen erklären. Varnhagen hält nämlich Mariguana oder -Mayaguana für San Salvador, und grade Mayaguana ist auf allen älteren<span class="pagenum"><a name="Seite_253" id="Seite_253">[S. 253]</a></span> -Karten, von Juan de la Cosa an, <em class="gesperrt">neben</em>, d. h. südöstlich von -Guanahani eingetragen. Mögen nun auch die früheren Kartographen die -Umrisse der einzelnen Inseln noch so ungenau und falsch gezeichnet -haben, so ist doch bei allen die klare Ueberzeugung zu erkennen, -daß sie Guanahani und Mayaguana als zwei verschiedene Inseln wollen -betrachtet wissen. Sodann paßt auch die von Columbus gegebene -Beschreibung der Insel nicht recht auf Mariguana. Und in dieser -Beziehung trägt Bechers Ansicht entschieden den Sieg davon. Man muß -dem englischen Capitän beipflichten, wenn er sagt: „Beides, Lage und -Beschreibung dieser Insel (Watling Island) entspricht in jeder Weise -dem Journal“ (des Columbus).<a name="FNAnker_210_210" id="FNAnker_210_210"></a><a href="#Fussnote_210_210" class="fnanchor">[210]</a> Man kann sogar behaupten, daß nur -Watling auf die Beschreibung paßt, welche der Entdecker gegeben hat. -„Diese Insel,“ sagt er, „ist ziemlich groß und ganz flach und hat sehr -viel Bäume und viel Wasser und in der Mitte eine sehr große Lagune, -aber keine Gebirge.“ Daß die Insel Süßwasserquellen besitzt, ist nicht -gesagt.<a name="FNAnker_211_211" id="FNAnker_211_211"></a><a href="#Fussnote_211_211" class="fnanchor">[211]</a> Wir werden uns im Folgenden an die Auffassung von Becher -halten, ohne indeß der Ansicht zu sein, daß die Untersuchung schon -vollständig abgeschlossen sei.</p> - -<h4 id="Fahrt_durch_das_westindische_Meer">7. Die Fahrt durch das -westindische Meer.</h4> - -<p>Von S. Salvador steuerte Columbus nach Südwesten, berührte die kleine -Insel <em class="gesperrt">Rum Cay</em> und wandte sich von da nach dem Nordende von -<em class="gesperrt">Long Island</em>, welche er S. Maria de la Concepcion nannte. -Westlich davon fand er die dritte Insel, <em class="gesperrt">Groß Exuma</em> und gab ihr -den Namen Fernandina, zu Ehren des Königs. Widrige Winde hinderten -ihn, dieses Eiland zu umsegeln, er kehrte nach Concepcion zurück und -segelte, weil die Indianer Samaot oder Saomet als eine Localität -nannten, wo man Gold finde, an der Ostseite von Long Island südwärts -bis zum Cap Verde und suchte von hier aus, wobei die Schiffe getrennt -ihren eigenen Cours gingen, ostwärts das Land Saomet auf. Nach drei -Stunden Fahrt tauchte eine neue Insel auf: es war das gesuchte Saomet, -jetzt <em class="gesperrt">Crooked Insel</em>, an deren Nordwestende die Schiffe sich -wieder vereinigten. Sie erhielt den Namen Isabella, nach der Königin. -Im Charakter glich dieselbe den übrigen, war schön bewaldet und etwas -hügelig. Während die Schiffe an dieser Insel kreuzten, erhielt Columbus -bestimmte Nachrichten von einer großen Insel gegen Süden. Die Indianer -nannten sie Colba (Cuba), Columbus vermuthete, es sei Cipangu. So ging -er am 24. October dahin unter Segel und wollte von da direct nach -Quinsay fahren, um dem Großkaan die königlichen Briefe zu überreichen. -Er war um so mehr überzeugt, daß er die Wunderinsel Cipangu vor sich -habe, weil<span class="pagenum"><a name="Seite_254" id="Seite_254">[S. 254]</a></span> dieselbe auf den Globen, die er gesehen, und auf den -Weltkarten in dieser Gegend angegeben war.<a name="FNAnker_212_212" id="FNAnker_212_212"></a><a href="#Fussnote_212_212" class="fnanchor">[212]</a></p> - -<p>Zuerst ging die Fahrt nach Südwesten und dann, nachdem man am Abend -des 26. October auf den Untiefen der Columbusbank vor Anker gegangen -war, am folgenden Morgen südwärts. Bei Einbruch der Nacht wurde Land -gesehen; da aber der Regen in Strömen fiel, konnte man sich demselben -nur mit Vorsicht nähern. Am 28. October liefen die Schiffe in einen -prachtvollen Fluß an der Nordküste <em class="gesperrt">Cubas</em> ein, wahrscheinlich in -Port Nipe. Columbus strebte unaufhaltsam vorwärts; und wenn er auch -in begeisterten Worten die Pracht der entdeckten Inseln schildert, er -will doch nicht eher anhalten, als bis er in genügender Menge Gold und -Gewürze findet, um seine Schiffe damit zu befrachten, denn das ist -der einzige Zweck seiner Unternehmung. Auf Cuba entzückten ihn die -majestätischen Palmen, welche er von den afrikanischen verschieden -fand. Von den Indianern wurde ihm gesagt, man brauche zwanzig Tage, -um Cuba zu umschiffen. Es mußte demnach eine Insel sein. Als aber -der Capitän der Pinta die abweichende Ansicht äußerte, unter Cuba -müsse man eine Stadt verstehen, das vor ihnen liegende Land gehöre -zu Asien und das weiter westlich gelegene Gebiet gehöre bereits zum -Reiche des Großkaan, da ließ sich auch Columbus willig zu dieser -Auffassung, welche seinen Wünschen und Zielen so sehr entgegen kam, -bekehren und erklärte im Tagebuch bereits am 1. November: Cuba ist -das feste Land von Asien, wir befinden uns vor Quinsay und Zaiton -in einem Abstande von etwa 100 spanischen Meilen.<a name="FNAnker_213_213" id="FNAnker_213_213"></a><a href="#Fussnote_213_213" class="fnanchor">[213]</a> Martin -Alonso, der Führer der Pinta, war aber zu seiner irrigen Annahme -durch ein Wort der mitgenommenen Indianer verleitet, welche, als sie -wiederholt die Fundstätten von Gold nachweisen sollten, den Ausdruck -<span class="antiqua">Cuba-nacān</span> gebrauchten, was in ihrer Sprache soviel als -die Mitte von Cuba bedeuten sollte, während die Spanier das Wort als -„Kaan oder Can von Cuba“ deuteten. Später brachte Columbus auch den -Ausdruck Caniba, mit dem die furchtsamen Stämme der kleinen Inseln -ihre gefährlichen Nachbarn, welche die erschlagenen Feinde verzehrten, -mehrfach bezeichneten, mit dem „Kaan“ in Zusammenhang und meinte, unter -Canibalen seien die Unterthanen des Großkaan zu verstehen.</p> - -<p>In welchem Theile des indischen Meeres er damals sich zu befinden -glaubte, wird auch noch durch die befremdende Bemerkung des Tagebuches -genauer bestimmt, daß er noch keine <em class="gesperrt">Sirenen</em> gefunden habe. Es -findet sich nämlich auf dem Behaim’schen Globus zwischen den Inseln, -welche westlich von Cipangu gezeichnet sind, die Inschrift: „Hie findt -man vil merwunder von<span class="pagenum"><a name="Seite_255" id="Seite_255">[S. 255]</a></span> <em class="gesperrt">serenen</em> und anderen Fischen.“ Man darf -wohl annehmen, daß Behaim manche seiner Inschriften von anderen Karten, -die ihm in Portugal bekannt geworden waren, entlehnt hat, und daß -dergleichen Bemerkungen auf den Weltkarten zu lesen waren, welche der -Entdecker eingesehen hatte oder bei sich führte.</p> - -<p>Nach allen diesen merkwürdigen Trugschlüssen scheint es nun ganz -natürlich, daß Columbus danach strebte, sich möglichst bald mit dem -Großkaan in Verbindung zu setzen. Daher schickte er bereits am 2. -November zwei Spanier ans Land: Rodrigo de Jerez und den gelehrten -Juden Louis de Torres, der Hebräisch, Chaldäisch und sogar etwas -Arabisch verstand. Zugleich sandte er mit ihnen zwei Indianer; -gemeinschaftlich sollten sie das Land ausforschen, dem König die Briefe -aus Spanien überreichen, und sich unterwegs nach Gewürzen erkundigen, -zu welchem Zwecke ihnen sogar Proben der verschiedensten Spezereien -mitgegeben wurden. An Stelle des Geldes erhielten sie Perlenschnüre, um -sich Lebensmittel dafür einzutauschen.</p> - -<p>Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten, -sie seien 12 Meilen zu einem Orte von 50 Häusern und etwa 1000 -Einwohnern gekommen. Man hatte sie nach Landessitte feierlich empfangen -und in den besten Häusern untergebracht. Die Indianer küßten ihnen -Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels -hielten. Die Vornehmsten des Dorfes trugen sie auf ihren Armen zu dem -größten Gebäude und ließen sie niedersitzen; auch die Frauen erschienen -sodann und erwiesen ihnen gleiche Verehrung wie die Männer. Auf die -Frage nach Gewürzen, von denen man den Eingebornen die Proben vorlegte, -zeigten diese nach Süden, wo dergleichen Produkte gedeihen sollten. Bei -ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst -die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die -daraus gefertigten Rollen, welche man anzündete und deren Rauch man -einsog, <span class="antiqua">tabaco</span>. Der Admiral fügte diesem Berichte die Hoffnung -hinzu, daß die spanischen Majestäten bald Geistliche herübersenden -würden, um die zahlreichen Völker zum rechten Glauben zu bekehren.</p> - -<p>Am 12. November lichtete er die Anker, um seine Entdeckungsfahrt weiter -fortzusetzen. Mit günstigem Fahrwind steuerte er an der Nordküste Cubas -weiter gegen Nordwesten. Mit Entzücken spricht er von dem Reichthum an -Gold, Perlen und Spezereien und hofft bald die großen Städte des Kaans -zu erreichen. Da sich aber die Küste immer weiter gegen Nordwesten -zog, und Columbus fürchtete, in den Winter hineinzukommen (denn nach -einer ganz fehlerhaften Beobachtung glaubte er schon bis zur Breite -von Spanien, bis zum 42° n. Br. vorgedrungen zu sein), und da ferner -seine indianischen Begleiter wiederholt die Insel Babeque als besonders -goldreich nannten und behaupteten, dieselbe liege weiter nach Osten, -so ließ Columbus am 13. November die Schiffe wenden und wieder nach -Osten steuern. Er war etwa bis zum 77½° westlich von Greenwich -gelangt.<a name="FNAnker_214_214" id="FNAnker_214_214"></a><a href="#Fussnote_214_214" class="fnanchor">[214]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_256" id="Seite_256">[S. 256]</a></span></p> - -<p>Am folgenden Tage (am 14. Nov.) glaubte er in der Nähe der zahllosen -Inseln sich zu befinden, welche auf den Weltkarten im äußersten Osten, -Asien vorgelagert, gezeichnet sind. Diese phantastische Inselwelt fand -sich also wahrscheinlich bei Toscanelli in ähnlicher Weise dargestellt, -wie auf dem Globus Behaims. Von diesen Vorstellungen war Columbus ganz -erfüllt und wie in einem Banne gefangen. Nie hat er sich von diesen -Anschauungen losmachen können und schloß dann später daraus, daß, da er -nach seiner Schätzung nicht so weit von den Canarien entfernt war, als -man nach der Darstellung der ihm vorliegenden Karten erwarten konnte, -die Erde einen geringeren Umfang besitze, als die Kosmographen auf die -Autorität der Alten hin allgemein annahmen.</p> - -<p>Mit widrigen Winden kämpfend ging Columbus an der Nordseite Cubas -wieder zurück nach Osten. Als er am 21. November, nahe der östlichen -Spitze der Insel, sich genöthigt sah, die Küste zu verlassen und gegen -Nordosten weit ins Meer hinauszusteuern, so daß er bereits den halben -Weg nach der Bahama-Insel Isabella zurückgelegt hatte, entfernte sich -am Abend die Pinta heimlich von den andern Schiffen, um auf eigene Hand -das goldreiche Babeque aufzusuchen. Der Admiral selbst wandte sich -wieder nach Cuba zurück. Entzückt von der Schönheit dieses Theils der -Insel schrieb er am 27. November, tausend Zeugen genügten nicht, alle -die Herrlichkeiten zu preisen, und seine Hand sei nicht im Stand, die -Wunder, die ihn umgäben, zu beschreiben. In dem milden, lieblichen -Klima, welches von demjenigen an der Guineaküste durchaus verschieden -sei, befände sich die ganze Mannschaft wohl, nicht ein Einziger sei -krank. Aber, setzt er hinzu, die spanischen Majestäten dürften keinen -Menschen, der nicht gut katholisch sei, gestatten, dies Paradies zu -betreten. „Denn das ist das Ziel der Entdeckungen gewesen, die ich -auf Befehl Ew. Maj. gemacht habe, und die nur unternommen sind, den -christlichen Glauben zu verbreiten und zu verherrlichen.“</p> - -<p>Am 5. December steuerte er von der Ostspitze Cubas, dem C. Maysi, -dem er den Namen Alpha und Omega gab, weil er dasselbe für den -äußersten Vorsprung Asiens hielt, nach Haiti hinüber und erreichte -die Nordwestspitze dieser Insel am folgenden Tage. Wegen der -Aehnlichkeit mit südspanischen Landschaften benannte der Entdecker -sie Espagnola.<a name="FNAnker_215_215" id="FNAnker_215_215"></a><a href="#Fussnote_215_215" class="fnanchor">[215]</a> Sie schien noch herrlicher als Cuba. „Ihre Berge -und Ebenen, ihre Auen und Fluren sind so schön und üppig. Hier könnte -man alle Feldfrüchte bauen, alle Arten Vieh züchten,<span class="pagenum"><a name="Seite_257" id="Seite_257">[S. 257]</a></span> Städte und -Dörfer gründen. Die Küste ist reich an Häfen; die Menge und Größe der -Flüsse, von denen die meisten Gold in ihrem Sande mit sich führen, -übertrifft alles.“ Acht Tage später glaubte er ganz nahe jener Gegend -zu sein, wo die Erde die größten Reichthümer birgt, und er hoffte, -daß Gott ihn bald in die ergiebigsten Goldfelder führen werde. Dieser -lebhafte Wunsch wird zum täglichen Gebet und Stoßseufzer. Möge der -Herr nach seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Die -letzten Tage der Fahrt waren sehr mühevoll gewesen, Columbus hatte -zwei Tage lang kein Auge zugethan. Da die See ruhig geworden, begab -er sich am Abend des 24. December, erschöpft von Anstrengungen, in -seine Cajüte, um auszuruhen. Er wußte das Steuer in sicherer Hand; -aber auch der Pilot hatte das Bedürfniß nach Ruhe empfunden und -unverantwortlicher Weise die Leitung des Fahrzeuges einem Schiffsjungen -überlassen. So kam es, daß kurz vor Mitternacht die Santa Maria auf -eine Untiefe gerieth und auf eine Sandbank stieß. Auf das Geschrei -des unerfahrenen Steuermanns eilte der Admiral sofort herbei, allein -das Schiff war nicht mehr zu retten. Die bestürzte Mannschaft wollte -sich zum Theil auf die nicht weit entfernte Niña retten, fand aber, -als sie mit dem Bote dort anlangte, mit Recht keine Aufnahme, denn -das Meer war vollkommen ruhig. Als nun aber bei zunehmender Ebbe das -Hauptschiff sich stark auf die Seite zu neigen begann, ließ Columbus -den Hauptmast kappen, um das Fahrzeug zu erleichtern; aber umsonst, -das Schiff neigte sich immer mehr und füllte sich mit Wasser. Da die -Windstille glücklicherweise anhielt, wurde mit Hilfe des Capitäns der -Niña, Vicente Yañez Pinzon, nicht nur die Mannschaft des gescheiterten -Schiffes gerettet, sondern am nächsten Tage ein großer Theil der Ladung -geborgen. Hierbei halfen auch zahlreiche Indianer, mit denen Columbus -bereits in freundschaftlichen Verkehr getreten war, und deren Häuptling -Guacanagari die geretteten Sachen bewachen ließ.</p> - -<p>Der Admiral hielt den Schiffbruch für eine unmittelbare Fügung Gottes, -der ihn dadurch gleichsam auf die in der Nähe befindlichen, sehr -goldreichen Gebiete hinführen wolle.<a name="FNAnker_216_216" id="FNAnker_216_216"></a><a href="#Fussnote_216_216" class="fnanchor">[216]</a> In diesem Glauben wurde er -noch besonders durch den Namen einer Landschaft in Haiti bestärkt, -welche die Indianer Cibao nannten und welche Columbus, durch die -Aehnlichkeit des Klanges getäuscht, für Cipangu hielt. Da nun das -Volk sehr gutmüthig schien und viel Gold in der Nähe zu finden sein -sollte — hatte man doch den Spaniern schon mancherlei goldenen -Zierat und dünne Goldblättchen gegeben —, da ferner der Boden des -Küstenlandes eine üppige Fruchtbarkeit zeigte, so beschloß Columbus -hier eine Colonie anzulegen, um so mehr, als in dem einzigen kleinen -Fahrzeuge, welches ihm noch geblieben war, die ganze Mannschaft<span class="pagenum"><a name="Seite_258" id="Seite_258">[S. 258]</a></span> nicht -untergebracht und nach Spanien zurückgeführt werden konnte. In diesem -Plane wurde er noch dadurch unterstützt, daß sich viele Matrosen -freiwillig erboten, zurückzubleiben, die sich schmeichelten, durch -einträglichen Tauschhandel ihre Goldgier in kurzer Frist befriedigen -zu können. So wurde auch der Admiral über den Verlust seines Schiffes -bald beruhigt und schrieb am zweiten Weihnachtstage: „Ich hoffe zu -Gott, daß ich bei meiner Zurückkunft von Castilien hieher eine Tonne -Goldes finden werde, welche die Hierbleibenden eingetauscht haben, und -daß diese inzwischen die Goldminen selbst und die Spezereien in solcher -Fülle entdeckt haben, daß, ehe drei Jahre vergehen, der König und die -Königin die Eroberung Jerusalems in Angriff nehmen können. Denn das -war — ich bezeugte es vor Ew. Maj. — mein Verlangen, durch meine -Unternehmung die Mittel zur Eroberung Jerusalems zu schaffen. Ew. Maj. -lachten darüber und sagten, daß ihnen das gefalle, daß sie aber auch -ohne dies bereit seien, die Entdeckungsfahrt zu unterstützen.“ Dies -sind, fügt Las Casas hinzu, die eigenen Worte des Columbus.<a name="FNAnker_217_217" id="FNAnker_217_217"></a><a href="#Fussnote_217_217" class="fnanchor">[217]</a></p> - -<p>In der neuen Colonie, welche den Namen Navidad (Weihnachten) erhielt, -blieben 39 Spanier zurück. Am 4. Januar 1493 nahm Columbus Abschied -und steuerte der Heimat zu. Zwei Tage darauf traf er zufällig wieder -mit der Pinta zusammen, welche seit jener Zeit, wo sie im November -sich getrennt, zuerst die Insel Groß-Inagua (nördl. von dem Canal, -welcher Cuba von Haiti trennt) und dann die östlichen Theile von Haiti -besucht hatte. Hier war sie dem Admiral zuvorgekommen und hatte viel -Gold eingetauscht, für ein Stück Schnur hatte Pinzon schöne, zwei -Finger lange, selbst handgroße Goldstufen erhalten.<a name="FNAnker_218_218" id="FNAnker_218_218"></a><a href="#Fussnote_218_218" class="fnanchor">[218]</a> Martin Alonso -kam zum Admiral an Bord der Niña und entschuldigte sich wegen seiner -Sonderfahrt, welche nur durch die ungünstigen Verhältnisse veranlaßt -und gegen seinen Willen geschehen sei. Columbus glaubte ihm zwar nicht, -aber er zeigte sich mit der Erklärung zufriedengestellt, „um den -Lockungen des Satans nicht nachzugeben, welcher diese Reise von Anfang -an zu hindern gesucht hatte“.</p> - -<p>Von nun blieben beide Schiffe zusammen. Am 13. Januar fand der erste -blutige Zusammenstoß mit Indianern statt, bei welchem zwei derselben -schwer verwundet wurden. Am 16 Januar verließen sie bei dem Cap Samana -(19° 18′ n. Br., 69° 8′ w. L. Gr.) die Insel Haiti und steuerten über -den<span class="pagenum"><a name="Seite_259" id="Seite_259">[S. 259]</a></span> Ocean zurück. Die Fahrt ging bis zum 12. Februar ohne Unfall von -statten, aber in den folgenden Tagen überfiel sie ein heftiger Sturm. -Auf der Niña gelobte Columbus eine Walfahrt nach Loreto und Guadelupe, -je nachdem das Los einen von der Mannschaft dazu bestimmte; auch -verpflichteten sich alle, am nächsten Lande, wohin sie sich retten -würden, im Bußgewande eine Procession zu machen und der heiligen Mutter -ihr Dankgebet darzubringen. Als in der Nacht vom 13. zum 14. Februar -die Gefahr aufs höchste stieg, und die kleinen Fahrzeuge sich unter -der Wuth der Elemente kaum noch über Wasser hielten, so daß Columbus -das schlimmste fürchtete, traf er Vorkehrung, um womöglich wenigstens -eine Kunde seiner Entdeckungen nach Europa gelangen zu lassen und -ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise sorgfältig -in Segeltuch einpacken und in einem wasserdichten Kistchen verwahrt -über Bord werfen, in der Hoffnung, daß die Wellen und die Strömung -die Botschaft irgendwohin ans Gestade tragen möchten. Am 15. Februar -kam die südöstlichste der Açoren, Sa. Maria, in Sicht, aber erst am -17. konnten sie landen. Die Hälfte der Mannschaft zog in Procession -zur Kapelle der Mutter Gottes, aber der portugiesische Gouverneur der -Insel Juan da Castañeda ließ sie während der Andacht überfallen und -gefangen nehmen. Erst nach Verlauf mehrerer Tage, während welcher das -Unwetter von neuem losbrach und auf der unsichern Rhede die Schiffe von -den Ankern riß, erhielt Columbus seine Leute zurück, nachdem er den -Abgesandten des Statthalters seine königlichen Vollmachten vorgezeigt -hatte, welche ihn zu seiner Reise autorisirten. Um sich weiteren -Unannehmlichkeiten zu entziehen, ging der Admiral am 24. wieder unter -Segel; aber am 3. März Abends brach ein so wüthender Orkan los, daß die -Schiffe von einander getrennt und der Segel beraubt ein willenloser -Spielball der aufgeregten Elemente wurden. Glücklicherweise beruhigte -sich die See am andern Morgen, je näher sie dem Lande kamen und zu -ihrem großen Entzücken erkannte die Mannschaft in der hochaufsteigenden -Küste das Cintragebirge an der Mündung des Tajo. Das Schiff des -Columbus gelangte glücklich in den Hafen von Lissabon, wo sich die -Kunde von der staunenswerthen Reise, welche durch das Erscheinen -der mitgenommenen Indianer beglaubigt wurde, rasch verbreitete und -gewaltiges Aufsehen machte. Das portugiesische Wachtschiff verlangte, -Columbus solle an Bord kommen und über sein Unternehmen Auskunft geben; -dieser aber, im Bewußtsein seines hohen Ranges als castilischer Admiral -lehnte die Forderung ab und sandte nur seine königlichen Vollmachten. -Sofort wurde dem Könige Johann II., welcher sich in Valdeparaiso bei -Santarem, oberhalb Lissabon am Tajo aufhielt, die Nachricht von dem -großen Ereigniß überbracht, und dieser lud den glücklichen Entdecker -ein, an den Hof zu kommen. In der am 9. März stattfindenden Audienz -wurde Columbus freundlich empfangen, wenn auch der König äußerte, daß -nach den wiederholten Schenkungen der Päpste und den Verträgen mit -Castilien die neuentdeckten Länder von Rechtswegen ihm gehören müßten. -Aus solchen Aeußerungen glaubten einige<span class="pagenum"><a name="Seite_260" id="Seite_260">[S. 260]</a></span> Hofleute entnehmen zu dürfen, -daß sie ihrem Könige einen großen Gefallen erwiesen, wenn sie den -Genuesen beseitigten. Sie erboten sich, mit demselben wie von ungefähr -Händel anzufangen und ihn zu tödten, um so die Entdeckung für immer zu -vernichten. Aber der König wies solches Ansinnen entschieden zurück -und entließ seinen Gast unter Gnadenbezeugungen. — Columbus segelte -am 13. März von Lissabon ab und langte nach zwei Tagen glücklich an -der Barre von Saltes vor Palos an. An demselben Tage kam auch Alonso -Pinzon mit seinem Schiffe dahin zurück. Er war nach der Nordwestküste -Spaniens, nach Galicien verschlagen worden, hatte von dort aus die -erste Kunde der glücklichen Heimkehr an den König von Spanien gelangen -lassen und um Audienz gebeten, war aber dahin bedeutet worden, daß er -nur im Gefolge seines Admirals zu erscheinen habe. Diese Zurücksetzung -kränkte ihn so tief, daß er bald darauf starb. Unzweifelhaft war er -der bedeutendste unter den Begleitern des Columbus, was schon daraus -hervorgeht, daß er auf eigne Hand auf Entdeckungen ausging, indem er -sich von Columbus trennte, wenn auch nicht geleugnet werden darf, -daß er durch dieses eigenmächtige Verfahren den Erfolg der kühnen -Unternehmung im ganzen in Frage stellte. Erst später hat die spanische -Krone diese Verdienste anerkannt, indem sie die Nachkommen Alonso’s in -den Adelsstand erhob.</p> - -<p>Unter dem Jubel des Volkes zog Columbus in Palos ein und ging von da -nach Sevilla. Durch Eilboten wurden die kgl. Majestäten, welche zu -jener Zeit in Barcelona Hof hielten, von der glücklichen Heimkehr und -dem glänzenden Erfolg der Expedition in Kenntniß gesetzt. Durch ein -königliches Schreiben vom 30. März wurde der Entdecker eingeladen -nach Barcelona zu kommen; zugleich wurde die Ausrüstung einer großen -Flotte nach dem Wunsche des Admirals angeordnet und ihm selbst die -Ertheilung der verheißenen Titel und Würden zugesagt. Mit allen -Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten Indiens, welche er auf seiner -Fahrt gesammelt hatte, und mit einigen der entführten Indier brach -Columbus von Sevilla auf und zog wie im Triumphzuge durch ganz Spanien. -Die Kunde von den unerhörten Entdeckungen flog durchs Land, überall -strömte das Volk zusammen, um den Bezwinger des Oceans zu sehen und -seine Wunderdinge anzustaunen. So zog er in der Mitte des April in -Barcelona ein.<a name="FNAnker_219_219" id="FNAnker_219_219"></a><a href="#Fussnote_219_219" class="fnanchor">[219]</a> Bei Hofe wurden ihm die höchsten Ehren zu Theil, -in öffentlicher Audienz lud man ihn ein sich zu setzen, was als die -höchste königliche Gnadenbezeugung galt,<a name="FNAnker_220_220" id="FNAnker_220_220"></a><a href="#Fussnote_220_220" class="fnanchor">[220]</a> und von seiner Fahrt<span class="pagenum"><a name="Seite_261" id="Seite_261">[S. 261]</a></span> -zu erzählen. Da Columbus gegen Ausgang und zum Schluß seiner Reise -zwei ziemlich gleichlautende Berichte in Briefform über den Erfolg -seiner Entdeckungsfahrt abgefaßt und dieselben, den einen „auf der -Höhe der Canarischen Inseln,“ am 15. Februar 1493 unter der Adresse -des Geheimsecretärs Luis de Sant-Angel<a name="FNAnker_221_221" id="FNAnker_221_221"></a><a href="#Fussnote_221_221" class="fnanchor">[221]</a> an den König und die -Königin gerichtet und den andern von Lissabon aus am 14. März an den -königlichen Schatzmeister Rafael Sanchez<a name="FNAnker_222_222" id="FNAnker_222_222"></a><a href="#Fussnote_222_222" class="fnanchor">[222]</a> gesandt hatte, und da in -diesen Schreiben der Gesammtgewinn der Unternehmung zusammengestellt -ist, so darf man wohl annehmen, daß der mündliche Bericht an die -Majestäten in ähnlicher Weise, wenn vielleicht auch in glühenderen -Farben und in wärmeren Worten erfolgt ist. Jedenfalls lernen wir aus -jenen Schreiben die Anschauungen und Hoffnungen des Admirals deutlich -erkennen. Daß er wirklich im indischen Meere gewesen, bezweifelt er -keinen Augenblick. Wenn auch die volkreichen Städte und Seeplätze -mit ihren Gewürzfrachten, die im äußersten Asien liegen, noch nicht -gefunden sind, so haben doch die großen neuentdeckten Inseln so viele -werthvolle Produkte, und verheißen in ihren goldführenden Flüssen eine -so reiche Ernte des edelsten Metalles, daß das zweite Ziel und die -zweite Aufgabe, welche der Entdecker sich gestellt hat, das heilige -Land wieder zu gewinnen, bald wird in Angriff genommen werden können. -So viel steht fest, daß die Zweifler und Spötter verstummen werden -„denn Gott hat auf so wunderbare Weise alles bestätigt, was ich -behauptet habe gegenüber den Meinungen hochgestellter, einflußreicher -Persönlichkeiten, welche meinen Plan für Träumerei und mein Vorhaben -für ein Hirngespinnst hielten“. „Aber daß dieses große Unternehmen -so glänzend verlaufen, ist nicht mein Verdienst, sondern dasselbe -gebührt dem heiligen katholischen Glauben und der Frömmigkeit unserer -Monarchen, weil, was der menschliche Geist nicht zu fassen vermag, -doch der göttliche Geist den Menschen gibt. Denn es erhört Gott die -Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann, wenn -sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen. So habe -auch ich Erfolg gehabt in meinem Unternehmen, welches bis jetzt -menschliche Kraft überstieg; denn wenn bisher einige über diese Inseln -geschrieben oder gesprochen haben, so geschah es doch nur in der Form -von Muthmaßungen, da noch niemand dieselben gesehen hatte, so daß das -ganze fast für Fabel gehalten wurde. Deshalb mögen nun der König und -die Königin, die Fürsten und ihre glücklichen Staaten, so wie alle anderen -<span class="pagenum"><a name="Seite_262" id="Seite_262">[S. 262]</a></span> -Länder der Christenheit, wir alle, dem Erlöser unserm Herrn -Jesu Christo danken, daß er uns einen solchen Sieg verliehen hat. Es -mögen Processionen begangen und heilige Feste gefeiert, die Tempel mit -grünen Zweigen geschmückt werden. Christus mögen auf Erden jubeln, -wie im Himmel, wenn er so vieler Völker bis hieher verlorene Seelen -gerettet sieht. Auch wir wollen uns freuen über die Erhöhung unseres -Glaubens, über den Zuwachs an weltlichen Gütern, an denen in Zukunft -nicht blos Spanien, sondern die ganze Christenheit theilhaben wird.“</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p262" name="abb_p262"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p262.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center nobreak"><em class="gesperrt">Die erste Flugschrift, - welche die Kunde von der Entdeckung Amerikas brachte.</em><br /> - Original im brit. Museum.</p> - <p class="s6 center">Ein Brief des Christoforus Colonus, dem unsere Zeit viel verdankt: -Von den neulich entdeckten Indischen Inseln jenseit des Ganges. -Um dieselben aufzusuchen war er acht Monate früher unter den -Auspicien und auf Kosten des unüberwindlichsten Königs Ferdinand von -Spanien ausgesendet. Der Brief ist an den Schatzmeister desselben -durchlauchtigsten Königs, an Raphael Sanxis gerichtet, und durch -den edlen und gelehrten Aliander de Cosco aus dem Spanischen ins -Lateinische übersetzt: am 29. April 1493 im ersten Jahre des Papstes -Alexander VI. (Gedruckt in Rom.)</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_263" id="Seite_263">[S. 263]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p263a" name="abb_p263a"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p263a.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Titel des ersten deutschen Flugblattes, - welches die Entdeckung Amerikas meldet.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p263b" name="abb_p263b"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p263b.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Schluß des deutschen Flugblattes.<br /> - Nach dem Original in der Staatsbibliothek in München.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_264" id="Seite_264">[S. 264]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p264" name="abb_p264"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p264.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center nobreak">Anfang des Berichts über die ersten - Entdeckungen, nach dem ersten deutschen Flugblatte.<br /> - Nach dem Original in der Staatsbibliothek in München.</p> - <p class="s6 center mbot2">Dieser Bericht enthält eine freie Uebersetzung des lateinischen -Briefes, dessen Anfang <a href="#abb_p262">Seite 262</a> gegeben ist. Ein merkwürdiger -Uebersetzungsfehler ist bei der Wiedergabe des Namens der vierten Insel -begangen, indem man statt Hysabella oder Isabella Isla bella las und -durch „schöne Insel“ übersetzte.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_265" id="Seite_265">[S. 265]</a></span></p> - -<p>Seine schwärmerische Begeisterung, welche der Admiral auch bei dieser -Gelegenheit zur Schau trug, mochte recht wohl zu dem eignen Entzücken -über die herrliche Natur der neuentdeckten Welt passen und dem beredten -Munde des heimgekehrten Helden Ohr und Herz aller Hörer zuwenden. Aber -wenn dann die praktischen, nüchternen Fragen herantraten: wo auf der -Erde liegt das neue Indien, wie groß sind die bedeutendsten Inseln, -dann mußte doch manchem kritischen Geiste hie und da ein Bedenken über -die Zuverlässigkeit der Angaben und die Sicherheit der Behauptungen -des Columbus auftauchen, zumal derselbe nicht im Stande gewesen war, -eine Karte der entdeckten Gebiete zu entwerfen. An der Küste von Cuba -war er nach seiner Meinung 107 Leguas in gerader Linie von Osten nach -Westen entlang gefahren, ohne das westliche Ende erreicht zu haben; -und doch liegt sein Cours nur zwischen 78 n. 74 w. v. Gr. Die Länge -der Nordküste Haitis schätzte er gar auf 138 Leguas, während die von -ihm besegelte Nordseite der Insel in der That in grader Richtung -nur 60 geogr. Meilen lang ist. Aus diesen Irrthümern erwuchsen die -Ueberschätzungen der Größe jener Inseln. Cuba war demnach größer als -England und Schottland zusammen, Haiti größer im Umfange als ganz -Spanien von Catalonien herum bis nach Fuentarabia in Biscaya. Cuba -galt ihm, trotz der bestimmten Erklärung der befragten Insulaner, -für das Festland von Catayo, Haiti für Cipangu, oder, wie P. Martyr -angibt, auch wohl für das Salomonische Ophir. Dazu kommen noch die ganz -unbegründeten Breitenangaben dieser Inseln, die Nordküste Cubas soll -unter 42° n. Br., der Westen Haitis unter 34°,<a name="FNAnker_223_223" id="FNAnker_223_223"></a><a href="#Fussnote_223_223" class="fnanchor">[223]</a> der Osten unter 26° -n. Br. liegen, wenn er die letzte Bestimmung auch nur als Vermuthung -gibt.<a name="FNAnker_224_224" id="FNAnker_224_224"></a><a href="#Fussnote_224_224" class="fnanchor">[224]</a> Vor allem aber konnte ihm mit Recht eingewendet werden, daß -er nicht gehalten, was er versprochen, daß er Katai nicht erreicht, -daß er die eigentlichen Gewürzländer nicht gefunden habe und daß die -geringen Goldproben und die zweifelhaften Gewürze die rege gemachten -Erwartungen nicht befriedigen könnten.</p> - -<p>Darum schreibt auch Peter Martyr kaum einen Monat nach jenem -großartigen Aufzuge und Empfang in Barcelona an den Grafen Boromeo -ziemlich nüchtern: „Bald darauf (nämlich nach dem Mordanfall gegen den -König<span class="pagenum"><a name="Seite_266" id="Seite_266">[S. 266]</a></span> Ferdinand im December 1492) kehrte von den westlichen Antipoden -ein gewisser Cristóbal Cólon zurück, ein Ligure, welcher von meinen -Monarchen nur mit Mühe zur Reise nach jener Gegend drei Fahrzeuge -erhalten hatte, weil, was er behauptete, als Fabel erschien. Er kam mit -vielen werthvollen Dingen heim und brachte namentlich Proben von Gold -mit, welches jene Länder von Natur liefern. Doch lassen wir so fern -liegende Dinge bei Seite.“<a name="FNAnker_225_225" id="FNAnker_225_225"></a><a href="#Fussnote_225_225" class="fnanchor">[225]</a></p> - -<p>In einem späteren Briefe vom 1. October 1493 an den Erzbischof -von Braga bemerkt derselbe fleißige Schriftsteller, Colon habe -mehrere Inseln entdeckt an einem Gestade, das er für das indische -halte. Angeblich seien es dieselben, welche nach den Kosmographen -(Toscanelli?) in dem Ostmeere von Indien liegen sollten. „Ich will das -nicht ganz in Abrede stellen; allein die Größe des Umkreises der Erde -scheint zu einer andern Annahme führen zu müssen. Doch gibt es Leute, -welche meinen, daß die Entfernung zwischen der spanischen Seeküste und -dem Gestade Indiens nur gering sei.“<a name="FNAnker_226_226" id="FNAnker_226_226"></a><a href="#Fussnote_226_226" class="fnanchor">[226]</a></p> - -<p>Manche Irrthümer des Columbus wurden auch bald von der Kritik -berichtigt oder zu berichtigen gesucht. So sagt Martyr, daß wenn man -die Karten genau prüfe, Haiti in der Gegend der Antillen, aber nicht -bei Asien liegen müsse,<a name="FNAnker_227_227" id="FNAnker_227_227"></a><a href="#Fussnote_227_227" class="fnanchor">[227]</a> und daß der Admiral die Größe dieser Insel -übertrieben habe.<a name="FNAnker_228_228" id="FNAnker_228_228"></a><a href="#Fussnote_228_228" class="fnanchor">[228]</a></p> - -<p>Zunächst aber stand Columbus in der Gunst der Monarchen so fest und -wurde so mit Ehren überhäuft, daß auch die kühleren Herzen sich mit -ihm zu befreunden beflissen waren. So stand auch Peter Martyr bald mit -dem berühmten Entdecker, dem Granden Spaniens, in Briefwechsel und -bezeichnete ihn nicht ohne Eitelkeit als seinen intimen Freund.</p> - -<p>Am 28. Mai 1493 erhielt Columbus eine neue Bestätigung seiner -ausbedungenen Privilegien und Gerechtsame als Admiral und Vicekönig -und ein Wappen verliehen, in welchem außer seinem Familienwappen die -Wappen von Castilien und Leon und goldene Inseln in blauen Meereswogen -enthalten waren. Fünf Anker waren das Abzeichen seiner Admiralswürde -und die Umschrift lautete: <span class="antiqua">A Castilla y a Leon Nuevo Mondo dió -Colon</span>. (Columbus gab Castilien und Leon eine neue Welt.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_267" id="Seite_267">[S. 267]</a></span></p> - -<h4 id="Die_Demarcationslinie">8. Die Demarcationslinie.</h4> - -<p>Dann beeilte man sich, den Papst Alexander VI. für die Pläne -weiterer Entdeckungen und der damit zu verbindenden Ausbreitung des -Christenthums zu gewinnen. Man mußte vor allem gesichert sein vor -den Ansprüchen der Portugiesen, denen bereits zu wiederholten Malen -durch päpstliche Erlasse alle neuen Erwerbungen in Afrika und Indien -sanctionirt und monopolisirt waren. So gelang es auch schon im Mai -1493, die gewünschte Concession von Seiten des Papstes zu erhalten. -Die darauf bezüglichen Decrete sind vom 3. und 4. Mai datirt, in denen -natürlich die Verkündigung der christlichen Lehre unter den Indianern -als ein Gott wohlgefälliges Werk vorangestellt wurde. „Da nun,“ heißt -es weiter, „Columbus gewisse weit entlegene Inseln und Festländer -(<span class="antiqua">terras firmas</span> mit Anspielung auf Cuba), welche bisher noch -nicht gefunden waren, entdeckt hat, so geben wir aus freier Bewegung, -ohne Euren (d. h. der spanischen Monarchen) oder irgend jemandes -Antrieb, und aus apostolischer Machtvollkommenheit, Euch alle diese neu -entdeckten und neu zu entdeckenden Inseln und Länder, so weit sie noch -keinem christlichen König gehören, Euch und Euren Erben und verbieten -allen anderen, bei Strafe der Excommunication, dahin zu fahren und -ohne Eure Erlaubniß Handel zu treiben.“ Da aber bei der zu allgemein -gehaltenen Erklärung doch Verwicklungen und Streitigkeiten mit der -portugiesischen Krone entstehen konnten, wenn die Entdeckungsbereiche -beider Mächte nicht genauer abgegrenzt wurden, so wurde in einem Decret -vom folgenden Tage, vom 4. Mai, noch eine <em class="gesperrt">Demarcationslinie</em> -eingefügt und bestimmt, daß eine meridional gezogene Linie, welche -hundert Leguas westlich jenseits der Açoren und Caboverdischen Inseln -vom Nordpol zum Südpol laufe, beide Nationen in ihren Unternehmungen -von einander halten solle.<a name="FNAnker_229_229" id="FNAnker_229_229"></a><a href="#Fussnote_229_229" class="fnanchor">[229]</a> Die westliche Erdhälfte solle spanisch, -die östliche dagegen portugiesisch sein. Es sollte also der Erdball wie -ein Apfel halbirt, und jedem Staate eine Hemisphäre zugewiesen werden. -Warum man die Scheidelinie hundert Meilen westlich von den bisher -bekannten westlichen Inseln verlegte, darf wohl auf die Ansichten -und Beobachtungen des Columbus zurückgeführt werden, welcher an der -genannten Linie glaubte ein wesentlich anderes Klima, und den Anfang -eines neuen Himmels und einer neuen Erde gefunden zu haben.</p> - -<p>„Ich erinnere mich,“ schreibt der Entdecker 1498, „daß, so oft ich nach -Indien segelte, 100 Leguas westlich von den Açoren sich die Temperatur -änderte, und daß dies überall von Norden nach Süden stattfand.“ An -einer späteren Stelle desselben Berichtes kommt Columbus noch einmal -auf dasselbe Thema zurück. „Wenn ich von Spanien nach Indien segelte, -fand ich, sobald ich hundert Meilen (Leguas) westlich von den Açoren -zurückgelegt hatte, eine<span class="pagenum"><a name="Seite_268" id="Seite_268">[S. 268]</a></span> sehr große Veränderung am Himmel und den -Gestirnen, in der Temperatur der Luft, in dem Wasser des Meeres, und -ich habe diese Erscheinungen mit großer Sorgfalt beobachtet. Ich -bemerkte, daß wenn man die genannten 100 Leguas vor den genannten -Inseln passirt, von Norden nach Süden, die Compaßnadeln, welche bisher -nach Nordosten abwichen, sich nun einen vollen Viertelwind<a name="FNAnker_230_230" id="FNAnker_230_230"></a><a href="#Fussnote_230_230" class="fnanchor">[230]</a> nach -Nordwesten wandten, und daß dies stattfand von der Zeit an, wo ich jene -Linie erreichte. Und zur selben Zeit trat eine Erscheinung ein, als -wenn eine Erhöhung der Erde sich hier fände; denn ich fand die See ganz -mit einem Kraut überdeckt, welches Tannenzweigen glich und Früchte wie -vom Mastixbaum trug und zwar so dicht, daß ich auf meiner ersten Reise -meinte, es sei eine Untiefe, und die Schiffe müßten auflaufen. Sobald -wir jenen Strich erreicht hatten, fand sich nicht ein Zweig mehr. Auch -bemerkte ich, daß an diesem Punkte das Meer ruhig und glatt und fast -nie von einem Winde bewegt war. Desgleichen fand ich, daß von derselben -Linie an, gegen Westen, die Temperatur immer milde war, und daß Sommer -und Winter sich wenig unterschieden.“<a name="FNAnker_231_231" id="FNAnker_231_231"></a><a href="#Fussnote_231_231" class="fnanchor">[231]</a></p> - -<p>„Diese Stelle,“ bemerkt A. v. Humboldt,<a name="FNAnker_232_232" id="FNAnker_232_232"></a><a href="#Fussnote_232_232" class="fnanchor">[232]</a> „enthält Ansichten der -physischen Erdkunde, Bemerkungen über den Einfluß der geographischen -Länge auf die Abweichung der Magnetnadel, über die Inflexion der -isothermen Linien zwischen den Westküsten des alten und den Ostküsten -des neuen Continents, über die Lage der großen Sargasso-Bank in dem -Becken des atlantischen Meeres, und die Beziehungen, in welchen dieser -Meeresstrich zu dem über ihm liegenden Theile der Atmosphäre steht. -Irrige Beobachtungen der Bewegung des Polarsternes in der Nähe der -açorischen Inseln hatten Columbus schon auf der ersten Reise, <em class="gesperrt">bei -der Schwäche seiner mathematischen Kenntnisse</em>, zu dem Glauben an -eine Unregelmäßigkeit in der Kugelgestalt der Erde verführt. In der -westlichen Hemisphäre ist nach ihm die Erde „angeschwollener“, die -Schiffe gelangen allmählich in größere Nähe des Himmels, wenn sie an -den Meeresstrich kommen, wo die Magnetnadel nach dem wahren Norden -weist; eine solche Erhöhung ist die Ursache der kühleren Temperatur. -Wenn man dazu erwägt, daß Columbus gleich nach seiner Rückkehr von -der ersten Entdeckungsreise die Absicht hatte, selbst nach Rom zu -gehen, um, wie er sagt, dem Papste über alles, was er entdeckt, -Bericht abzustatten; wenn man der Wichtigkeit gedenkt, welche die -Zeitgenossen des Columbus auf die Auffindung der <em class="gesperrt">magnetischen -Curve ohne Abweichung</em> legten, so kann man wohl eine von mir -zuerst aufgestellte historische Behauptung gerechtfertigt finden, die -Behauptung, daß der Admiral in dem Augenblick der höchsten Hofgunst -daran gearbeitet hat, <em class="gesperrt">die physische Abgrenzungslinie in eine -politische verwandeln zu lassen</em>.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_269" id="Seite_269">[S. 269]</a></span></p> - -<p>Es ist klar, daß die von Columbus auf einer Meridianlinie -zusammengelegten großen Unterscheidungsmerkmale der östlichen und -westlichen Welt einen ungeheuren Eindruck auf den Entdecker machen -mußten, und daß er die Hemisphäre jenseit der 100 Seemeilen, von -den Açoren ab, für die in den alten Weissagungen genannte und durch -ihn zuerst betretene „neue Erde“ ansah, von welcher er auch keinen -Fußbreit abtreten möchte. Die Merkmale schienen ja auch zahlreich -und sicher genug zu sein, um eine erkennbare Scheidelinie zu bilden. -Der entschiedene Ausspruch des Entdeckers, daß eine so auffällige -Veränderung am Himmel und auf der Erde hundert Leguas westlich von den -Açoren sich zeige, konnte dem Papste genügen. Wenn es in dem Erlasse -auffälligerweise heißt, die Linie soll 100 Meilen westlich von jeder -beliebigen (<span class="antiqua">qualibet</span>) Insel der Açoren <em class="gesperrt">oder</em> Capverden -gelegt werden, so wird auch dabei unentschieden gelassen, welche Gruppe -und welche Insel die westlichste ist. Gegenwärtig wissen wir, daß die -westliche der Capverden beinahe 6 Meridiangrade weiter östlich liegt -als die äußerste der Açoren; in jenen Tagen, wo bekanntlich noch alle -Mittel fehlten zu einer exacten Längenbestimmung, war diese Frage noch -nicht entschieden. Und eben bei der Unmöglichkeit, die nach den Angaben -des Columbus postulirte Demarcationslinie wirklich ermitteln zu können, -sahen sich die beiden Seemächte bald in die Lage versetzt, mit einander -in Unterhandlungen zu treten, um diesen Unklarheiten, als möglicher -Ursache unendlicher Streitigkeiten, baldigst eine Grenze zu setzen. -Denn wie sehr der portugiesische Monarch über seine vermeintlichen -Rechte in Bezug auf den Ocean wachte, sieht man daraus, daß er, kurz -nachdem er Columbus entlassen hatte, dem Hof in Spanien seine vom Papst -sanctionirten Entdeckungsräume nachweisen ließ und sogar mit dem Plane -umging, eine Flotte nach der neuen Welt zu entsenden. Seine Gesandten -Pedro Dias und Ruy de Pina verlangten in Spanien den Parallelkreis -der Canarischen Inseln als Grenze oder Demarcationslinie. Die Spanier -sollten nur nördlich von dieser Inselgruppe über den westlichen Ocean -segeln und also nur außerhalb der Tropen sich auch in den neuentdeckten -Gewässern bewegen dürfen. Man wünschte sie von allem Eindringen in -die heiße Zone fern zu halten. Lope de Herrera ging wiederum als -Gesandter Spaniens nach Lissabon. So schienen sich durch das Hin- und -Wiedersenden der Botschafter die Verhandlungen verschleppen zu wollen, -als durch ein anderweites Ereigniß der politische Einfluß Spaniens -bedeutend hervortrat und dadurch ein Druck auf Portugal ausgeübt -wurde, welcher es zu unerwartetem Nachgeben geneigt machte. Spanien -hatte nämlich von Frankreich die Rückgabe der Grafschaften Roussillon -und Cerdaigne erlangt. Damit war eine wichtige Streitfrage erledigt, -Spanien hatte keinen äußeren Feind mehr zu fürchten und konnte, falls -Portugal noch länger gerechten Anforderungen widerstreben sollte, wenn -es sein mußte, die Entscheidung der wichtigen maritimen Frage dem -Schwerte anvertrauen.</p> - -<p>So kam denn am 7. Juni 1494 der berühmte Vertrag von Tordesillas<span class="pagenum"><a name="Seite_270" id="Seite_270">[S. 270]</a></span> (in -Altcastilien am Duero, südwestlich von Valladolid, wo Columbus 12 Jahre -später starb) zustande, in welchem die Monarchen Spaniens zunächst die -Gerechtsame des Nachbarstaats auf Guinea u. s. w. in vollem Umfange -anerkannten und ferner zugaben, daß die Demarcationslinie 270 Leguas -über die anfänglich vom Papste genehmigte Grenze hinaus, nämlich auf -370 Leguas westlich von den Capverden verlegt wurde. Nach unserer -jetzigen Kenntniß von dem Unterschiede der Lage der westlichen Açoren -und westlichsten Capverden können wir hinzufügen, daß der von Spanien -noch eingeräumte Meridiangürtel von 270 Leguas sich noch weiter um -mindestens 90 Leguas verminderte, weil man nach dem neusten Vertrage -nur von den Capverden ausging und die Açoren nicht weiter in die -Streitfrage hineinzog.</p> - -<p>Da nun der von Columbus über den Ocean zurückgelegte Weg von den -Canarien aus mindestens 600 Leguas bis zu den neuen Inseln betrug, so -konnte man unbedenklich den mittleren Strich des atlantischen Ocean -preisgeben. Was man auf dieser Seite aufgab, erhielt man natürlich, -da die Theilungslinie auch über die andere noch unbekannte Erdhälfte -hinweglief, auf jener Seite, im Westen wieder. Und gerade hier sollte -sich später den Spaniern ein ganz unerwarteter Gewinn zeigen, als -es nach Entdeckung der eigentlichen Gewürzinseln fraglich wurde, ob -dieselben auf spanischer oder portugiesischer Hemisphäre lägen. Wir -werden darüber noch im Verfolg der Weltreise Magalhães’ zu berichten -haben. Vorläufig war in dem Vertrag auch noch die Frage offen -gelassen, auf welche Weise die Demarcationslinie festzulegen sei, ob -durch eine Gradbestimmung oder auf eine andere Weise, „wie es sich -am genauesten werde berechnen lassen“. Innerhalb der nächsten zehn -Monate nach Ratification des Vertrages sollten von beiden Parteien -eine oder zwei Caravelen oder auch noch mehr, je nach Uebereinkommen, -auf Gran Canaria zusammenkommen, um durch Piloten und Astronomen, -von beiden Seiten gleich viel Personen, die Grenzlinie zu fixiren. -Diese Commission sollte von Canaria sich nach den Capverden begeben -und von da 370 Leguas weit westwärts segeln, um dann die Entfernung -entweder durch Schiffstagereisen oder sonst wie zu bestimmen. Diese -von beiden Parteien gemeinschaftlich bestimmte Linie sollte dann -für alle Zeiten gültig bleiben.<a name="FNAnker_233_233" id="FNAnker_233_233"></a><a href="#Fussnote_233_233" class="fnanchor">[233]</a> Allein diese Expedition kam -nie zustande, vielleicht weil beiderseits keine Autoritäten sich -fanden, welche mit Sicherheit die gewünschte Demarcation anzugeben -wagten. Ueber diese Linie war man auch noch 20 Jahre später ebenso -im Unklaren. Peter Martyr erzählt,<a name="FNAnker_234_234" id="FNAnker_234_234"></a><a href="#Fussnote_234_234" class="fnanchor">[234]</a> wie er in Burgos die Karten -der neuen Entdeckungen, nach den Aufnahmen des Amerigo Vespucci, -Bartolomeo Colon, Juan de la Cosa, Morales und anderer Castilier, auch -auf einem Globus die Entfernungen geprüft und mittelst eines Zirkels -den Abstand von der Westspitze Portugals und von den Capverden bis -zur Theilungslinie und weiter bis zu den Küsten Brasiliens gemessen -habe; aber die Karten<span class="pagenum"><a name="Seite_271" id="Seite_271">[S. 271]</a></span> stimmten nicht genau überein und nahmen die -Küstenabstände der alten und neuen Welt verschieden an, so daß also ein -entscheidendes Urtheil nicht gefällt werden konnte.</p> - -<p>Wenn auch im atlantischen Ocean kein streitiges Object lag, so mußte -doch die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit der Demarcationslinie -nothwendigerweise in Südamerika noch wieder zu Differenzen führen.</p> - -<h4 id="Die_zweite_Reise_des_Columbus">9. Die zweite Reise des Columbus.</h4> - -<p>Inzwischen war aber bereits der Admiral des indischen Meeres mit einer -stattlichen Flotte zum zweiten Male über den Ocean gesegelt, ohne -den Abschluß der Verhandlungen abwarten zu können. Juan Rodriguez -de Fonseca erhielt die Leitung der indischen Angelegenheiten und -mußte, wenn auch widerstrebend, allen Forderungen des Columbus -bezüglich der Ausrüstung einer großen und theuren Flotte nachgeben, -welche aus 14 Caravelen und drei großen Lastschiffen bestand und -1200 Bewaffnete und Reiter mit an Bord nahm. Es waren Vorkehrungen -getroffen, die europäischen Hausthiere in genügender Anzahl nach -Westindien zu verpflanzen, sowie Getreide, Gemüse und Weinreben -anbauen zu können. Es war nicht mehr ein bloßes Entdeckungsgeschwader, -sondern eine Flotte mit Auswanderern; denn es galt die thatsächliche -Besitzergreifung der neuen Welt. Columbus wollte nicht allein Admiral -des Meeres sein, sondern auch den andern Theil seines neuen Titels -„Vicekönig“ durch Gründung von Colonien verwirklichen. Ein großes -Gefolge von Beamten und Soldaten mußte diesen Plan unterstützen. Als -Geistlicher wurde Fray Bernardo Boïl, ein Benediktiner von Monserrat -in Catalonien, mitgegeben, welcher von Rom aus zum apostolischen Vicar -in den neuen Ländern ernannt worden war. Auch war der spanische Adel -in diesem Seezuge vertreten: Alonso de Hojeda, Juan Ponce de Leon, -der Entdecker Floridas, sowie die späteren Statthalter von Cuba und -Jamaica, Diego Velasquez und Juan de Esquivel nahmen an dem Zuge -theil, welcher ebensowohl glänzenden Gewinn als die mannigfachsten -Abenteuer in Aussicht stellte. War dann an geeignetem Platze die -erste Niederlassung, in größerem Maßstabe als bei der ersten Fahrt -in Navidad, begründet, dann wollte Columbus seine an der Küste Cubas -abgebrochenen Entdeckungen wieder aufnehmen und nicht blos bis nach -Cipangu und Katai zu den Weltmärkten Ostasiens vordringen, sondern wo -möglich von da aus, in derselben Richtung weiter steuernd, den Erdball -umkreisen. Es war also auch eine Erdumsegelung geplant, welche der -Admiral um so eher auszuführen hoffte, weil er nach den auf der ersten -Reise gemachten Beobachtungen überzeugt war, die Erde sei nicht so -groß, als die Astronomen und Kosmographen behaupteten.</p> - -<p>Am 25. September 1493 brach die Flotte von der Bucht von Cadix auf -und steuerte zunächst nach den Canarischen Inseln. Wir besitzen über -diese Expedition den Bericht eines Augenzeugen, des Doctor Chanca aus<span class="pagenum"><a name="Seite_272" id="Seite_272">[S. 272]</a></span> -Sevilla, welcher als Arzt die Fahrt mitmachte und in objectiver Weise -seine Beobachtungen aufgezeichnet hat.<a name="FNAnker_235_235" id="FNAnker_235_235"></a><a href="#Fussnote_235_235" class="fnanchor">[235]</a></p> - -<p>Am 2. October erreichte die Flotte Gran Canaria und mußte hier und -später auch in Gomera einlaufen, weil eines der Schiffe leck geworden -war und ausgebessert werden mußte. Erst am 13. October stach man von -Ferro aus in See, durchschnitt in 20 Tagen den atlantischen Ocean, -wobei Columbus einen südlicheren Weg einschlug, als auf der ersten -Fahrt.</p> - -<p>Am 3. November, am ersten Sonntage nach Allerheiligen, entdeckte man, -unter dem allgemeinen Jubel des Schiffsvolks, das erste Land. Die -Piloten schätzten die Entfernung von Ferro auf 780 bis 800 Leguas. -Rechts neben der ersten Insel wurde noch eine andere sichtbar. Jene -war hoch und gebirgig, diese flach, aber dicht bewaldet. Als es -heller Tag wurde, erschienen auf beiden Seiten noch andere Inseln. -Die zuerst gesehene erhielt den Namen <em class="gesperrt">Dominica</em>. Dieselbe liegt -in der Mitte der Reihe der kleinen Antillen, zwischen 15 und 16° n. -Br. Columbus erreichte also auf dieser Fahrt die westindischen Inseln -an einem Punkte, welcher 8 bis 9 Breitengrade südlicher lag, als bei -seiner ersten Unternehmung. Dominica bot aber keinen Hafen, und so -steuerte die Flotte nach der zweiten nördlicheren Insel, welche nach -dem Admiralschiffe den Namen <em class="gesperrt">Maria galante</em> erhielt. Hier stieg -der Flottenführer ans Land und nahm, mit dem spanischen Banner in -der Hand, von der Insel Besitz. Dieselbe schien aber unbewohnt. Der -nächste Tag führte die Entdecker nach der Doppelinsel <em class="gesperrt">Guadalupe</em>. -Einem Versprechen zufolge, welches Columbus den Mönchen des Klosters -von Guadalupe in Estremadura gegeben, erhielt die Insel den neuen -Namen. Von der See aus bot sie einen großartigen Anblick dar: vom -hohen Gebirge stürzte sich ein prachtvoller Wasserfall ins Thal herab. -Die Landung erfolgte bei mehreren verlassenen Hütten, in denen man -Lebensmittel und viel, zum Theil verarbeitete Baumwolle fand, aber -auch Menschenknochen. Die Insel war also von Menschenfressern bewohnt. -„Menschenfleisch ist ihr bestes Essen, Knaben werden verschnitten und -zu Festmahlen aufgemästet.“ Von einzelnen gefangenen Insulanern erfuhr -man, daß die Bewohner Cariben hießen. Man deutete den Namen auf Canib -und dachte sich die Leute als Unterthanen des Großchanes, nach dessen -Lande man suchte. So entstand durch Misverständniß und falsche Deutung -bald die Bezeichnung der Canibalen für die wilden Stämme, welche ihre -Mitmenschen verzehrten. Bei dem Verkehr mit den Indianern leisteten -die auf der ersten Entdeckungsreise entführten Bahama-Insulaner -als Dolmetscher wesentliche Dienste. Leider waren von den sieben -Mitgenommenen nur noch zwei am Leben geblieben. Die Canibalen zeigten -offenbar eine höhere Entwicklung als die an Hilfsmitteln armen -Bahama-Indianer und verstanden auch bessere Häuser zu bauen. Die -einheimischen Freien und die von andern Inseln weggefangenen und zu -Sklavinnen gemachten<span class="pagenum"><a name="Seite_273" id="Seite_273">[S. 273]</a></span> Weiber unterschieden sich durch Bänder von -gewebter Baumwolle, welche am Knie und Fußgelenke getragen wurden. Die -Sklavinnen ließen sich von den Fremdlingen leicht gefangen nehmen, oder -kamen auch wohl aus freien Stücken zu den Schiffen. Von ihnen erfuhr -man auch, daß die weiterhin entdeckte Insel <em class="gesperrt">Monserrat</em> durch -die Cariben erst entvölkert worden sei. Sodann gelangte man zu den -Inseln <em class="gesperrt">Sa. Maria la Redonda, Sa. Maria la Antigua, San -Martin</em>. Sie erhielten ihre Namen nach den spanischen Kirchen, in -denen man besondere Gelübde gethan hatte. Dann folgte am 15. November -die Entdeckung von <em class="gesperrt">Sa. Cruz, Sa. Ursula</em> und <em class="gesperrt">der -11,000 Jungfrauen</em>, und endlich tauchte die schöne und fruchtbare -Insel <em class="gesperrt">Puerto rico</em>, die östlichste der großen Antillen, vor -den Augen der Entdecker auf. Die Eingebornen nannten sie Burequen -oder Burenquen,<a name="FNAnker_236_236" id="FNAnker_236_236"></a><a href="#Fussnote_236_236" class="fnanchor">[236]</a> der von Columbus zuerst gegebene Name „San Juan -Bautista“ fand nicht lange Verbreitung. Hier lebten keine Cariben mehr.</p> - -<p>Von dieser Insel aus erreichte das Geschwader am 22. Nov. die Insel -Hispaniola; derjenige Theil der Küste, wo man zuerst landete, hieß -Haiti. Aber man verweilte nicht lange, sondern strebte der Ansiedlung -Navidad zu, welche man nach der Meinung des Admirals in blühendem -Zustande und vielleicht auch schon im Besitz reichlichen Goldes, -welches von den Indianern so leicht zu erlangen war, anzutreffen -wähnte. Aber es sollte bald eine furchtbare Enttäuschung eintreten. -Das Vorspiel dazu bot sich ihnen im Hafen von Monte Christi, 12 Meilen -von Navidad, dar. Zuerst fand man zwei Leichen nicht weit vom Strande -im hohen Grase, unbekleidet und bereits unkenntlich geworden; von -denen trug die eine noch einen Strick um den Hals, die andere um die -Füße. Am zweiten Tage wurden noch zwei Leichen entdeckt, von denen -eine durch ihren großen Bart auffiel; ein sehr verdächtiges Zeichen, -weil die Insulaner sämmtlich bartlos waren. Am Abend des 27. November, -kurz vor Mitternacht, kam die Flotte vor Navidad an, aber wegen den -Klippen blieb man die Nacht auf See und landete erst am folgenden -Morgen. Der Admiral ließ zwei Kanonen lösen, um seine Ankunft zu melden -und wartete in höchster Spannung auf Antwort. Aber alles blieb still. -Statt, wie man gehofft hatte, eine fröhliche, jubelnde Menge sich am -Strande versammeln zu sehen, ließ sich in der Nähe des Hafens nur -ein einsamer, indianischer Nachen sehen. Bange Ahnung erfüllte das -Schiffsvolk. Endlich kam das Boot näher und fragte nach dem Admiral. -Die Indianer brachten zwei goldene Masken als Geschenk ihres Königs -mit und erwiderten auf die Fragen nach den zurückgebliebenen Spaniern -in zurückhaltender, dunkler Weise: diejenigen, welche im Kastelle -geblieben seien, befänden sich wohl. Einige seien an Krankheiten -gestorben, andere in einem unter ihnen ausgebrochenen Streite -erschlagen worden. Ihr Land, berichteten die Indianer ferner, sei von -zwei Fürsten, Caonabo und Mayreni überfallen<span class="pagenum"><a name="Seite_274" id="Seite_274">[S. 274]</a></span> und verheert, die Hütten -niedergebrannt. Ihr König Guacamari<a name="FNAnker_237_237" id="FNAnker_237_237"></a><a href="#Fussnote_237_237" class="fnanchor">[237]</a> sei im Kampfe verwundet und -habe daher nicht kommen können.</p> - -<p>Das hölzerne Kastell in Navidad war bis auf den Grund niedergebrannt, -man sollte danach wohl annehmen, es sei von feindlicher Hand -vernichtet. Aber auffällig blieb, daß die Indianer in der Nähe sich -gegen früher sehr scheu zeigten. Nur mit Mühe wußte man einige zu -bewegen, an Bord zu kommen. Hier gestanden sie nun, daß die Spanier -sämmtlich todt seien. Aber man fand in der nächsten Umgebung von -Navidad keine Leiche. Man durchstreifte nun weiterhin das Land und -entdeckte zunächst in einem kleinen aus 7 oder 8 Hütten bestehenden -Dorfe, deren Insassen geflohen waren, mancherlei Gegenstände, -namentlich Kleidungsstücke, welche den Spaniern gehört hatten. Nach -der Stätte der Festung zurückgekehrt, zeigten die inzwischen bereits -dreister gewordenen Indianer die Stellen, wo man von hohem Grase -überwuchert, die Leichen von eilf Spaniern fand. Dann suchte der -Admiral in stärkerer Begleitung den anscheinend kranken Guacanagari -auf. Derselbe lag, mit verbundenem Bein, ausgestreckt auf einem Lager, -das nach Landesart aus einem von starken Baumwollfäden gefertigten -Netzwerk bestand, welches an beiden Enden an die Pfosten der Hütte -befestigt war. Es ist die erste Erwähnung der Hängematte. Der König -beklagte thränenden Auges den Tod der Spanier. Einige seien an -Krankheiten gestorben, andere auf einem beabsichtigten Beutezuge nach -den Goldminen im Gebiete Caonabos erschlagen, der Rest in der Citadelle -angegriffen und bei der Vertheidigung gefallen. Der begleitende Arzt, -Doktor Chanca, welcher über diese Vorfälle ausführlich berichtet -hat,<a name="FNAnker_238_238" id="FNAnker_238_238"></a><a href="#Fussnote_238_238" class="fnanchor">[238]</a> erbot sich, den Verwundeten zu heilen. Dieser schien gerne -dazu bereit; da es aber in der Hütte zu dunkel war, um die Wunde -untersuchen zu können, so mußte er seine Lagerstelle verlassen. Mehr -aus Furcht vor den Spaniern, als aus Neigung begab er sich, auf -den Admiral gestützt, ins Freie. Er wollte durch einen Steinwurf -empfindlich getroffen sein. Als der Verband entfernt war, war keine -Verletzung zu bemerken, trotzdem klagte der Indianer über heftigen -Schmerz. Unbekannt mit dem wahren Verlauf der betrübenden Katastrophe, -konnte Columbus nicht zu einem entscheidenden Schritte bewogen werden. -Mehrere seiner Begleiter glaubten entschieden an die Mitschuld -Guacanagari und riethen deshalb dem Admiral, den Fürsten gefangen zu -nehmen. Aber Columbus lehnte dieses trotz mancherlei Verdachtsgründe -ab. Er suchte so lange wie möglich mit den Eingebornen in Frieden -zu leben. Auf seinen Plan, die niedergebrannte Festung wieder zu -errichten, wollte Guacanagari keine zustimmende Meinung äußern, er -wies vielmehr, und wohl auch mit Recht, auf die ungesunde Lage des -Platzes hin. So entschloß sich denn Columbus, eine geeignetere Stelle -auszusuchen; aber man suchte lange vergeblich nach einer günstigen -Oertlichkeit. Man steuerte an der Küste zurück<span class="pagenum"><a name="Seite_275" id="Seite_275">[S. 275]</a></span> und kämpfte dabei -mühsam gegen Wind und Wetter. So vergingen drei Monate, ehe man 10 -Leguas östlich von Monte Christi den Fuß ans Land setzte und hier sich -zu befestigen beschloß. Die neue Burg erhielt den Namen Isabella. -Daneben wurde der Plan zu einer Stadt entworfen, in welcher die -Hauptgebäude aus Stein errichtet werden sollten. Jetzt finden sich nur -noch einige Trümmer dieser Anlagen, alles ist mit Wald bedeckt; denn -es zeigte sich bald, daß auch dieser Platz ein ungesundes Klima hatte, -welches den dritten Theil der neuen Ankömmlinge aufs Krankenlager warf. -Selbst der Admiral blieb nicht verschont und konnte in Folge dessen ein -Vierteljahr lang sein Tagebuch nicht fortführen.</p> - -<p>Von der Willfährigkeit der Indianer äußerte Chanca:<a name="FNAnker_239_239" id="FNAnker_239_239"></a><a href="#Fussnote_239_239" class="fnanchor">[239]</a> „Ich glaube, -wenn wir mit dem Volke sprechen könnten, würde man es leicht bekehren -können, denn sie machen alles nach, beugen die Knie vor den Altären -und machen bei dem Ave Maria sowie bei den anderen Ceremonien das -Zeichen des Kreuzes. Sie sind zwar Götzendiener, denn man findet in -allen Hütten Götzenbilder; aber sie wünschen Christen zu werden.“ Die -Gegend schien reich an werthvollen Produkten, man glaubte mancherlei -Gewürze, Zimmt und Muskatnüsse entdeckt zu haben und sammelte Wachs -und Baumwolle. Besonders aber lockte die Kunde von Goldfeldern, welche -im Innern der Insel, 25 bis 30 Leguas von der Küste entfernt, in einer -Landschaft, Namens Cibao, liegen sollten. Im Januar 1494 machte sich -der muthige Alonso Hojeda mit 15 Begleitern auf den Weg, kam nach 7 -Tagen ans Ziel und brachte als besten Beleg für den Erfolg seines -Streifzuges aus den Bächen gesammelten Goldsand mit.</p> - -<p>Nachdem Columbus am 2. Februar sodann 12 Schiffe unter Antonio de -Torres nach Spanien zurückgeschickt hatte, theils um die Kranken -heimzubringen, welche bei dem zunehmenden Mangel an guten Lebensmitteln -sich nicht erholen konnten und der Colonie zur Last fielen, theils um -den spanischen Majestäten einen Bericht über den Verlauf seiner Reise -zu überreichen, brach er selbst mit einer größeren Schar nach dem -Goldlande auf. Mit kriegerischer Musik und mit fliegenden Fahnen zog -er durch die Dörfer, erreichte am 16. März das Bergland von Cibao und -ließ dort zum Schutze für die Goldgräber aus Holz und Erde ein festes -Haus anlegen, in welchem eine Besatzung von 56 Mann unter dem Befehle -des Pedro Margarita zurückblieb. Columbus kehrte dann wieder nach -Isabella zurück. Er war der Ueberzeugung, das Ophir Salomos gefunden zu -haben.<a name="FNAnker_240_240" id="FNAnker_240_240"></a><a href="#Fussnote_240_240" class="fnanchor">[240]</a> Den unerwartet reichen Goldfund bestätigt auch Chanca am -Ende seines Berichtes. „Seit Anfang der Welt ist kein solches Wunder -gesehen oder davon gelesen. Man wird Gold in solcher Menge mitbringen, -daß man staunen soll. Man mag mich<span class="pagenum"><a name="Seite_276" id="Seite_276">[S. 276]</a></span> vielleicht für einen Schwärmer -halten; aber Gott ist mein Zeuge, daß ich auch nicht im mindesten -übertreibe.“</p> - -<p>Dann schickte sich Columbus an, nachdem er von den wiederholten -Fieberanfällen genesen war, den Plan seiner ersten Reise wieder -aufzunehmen und den Weg nach Katai zu vollenden. In der Niederlassung -ließ er seinen Bruder Diego als Statthalter zurück und lichtete am 24. -April die Anker, um zunächst nach Cuba zu segeln. Am folgenden Tage -erreichte er mit seinen drei Schiffen Niña, S. Juan und Cardera die -Insel Tortuga und steuerte am 29. April von der Nordwestspitze Haitis, -von dem Cap S. Nicolas, nach der Südküste Cubas hinüber.</p> - -<p>Während Columbus an dieser Küste entlang fuhr, näherten sich ihm -die Indianer zutraulich in ihren Böten und brachten Früchte, -Fische, Wasser, oder luden ihn ein ans Gestade zu kommen und ihre -Gastfreundschaft anzunehmen. Wenn sie nach Gold befragt wurden, wiesen -sie in der Regel nach Süden. Ihrem Fingerzeige folgte der Admiral, -verließ am 3. Mai das Gestade von Cuba und steuerte nach Südwesten. -Am 2. Tage erreichte er die Mitte der Nordküste <em class="gesperrt">Jamaicas</em>, -deren landschaftliche Schönheit ihn über alles entzückte, so daß er -sie nur mit den Wohnungen der Seligen vergleichen zu können meinte, -und nannte die Gegend daher Santa Gloria und den zuerst gefundenen -Hafen Santa Anna. Da er aber zur Ausbesserung seines leck gewordenen -Hauptschiffes einen günstigeren Ankerplatz wählen wollte, richtete er -den Lauf seiner Schiffe wieder nach Westen bis zum Hafen, der noch -heute Puerto bueno heißt. Die Insulaner zeigten sich weit kriegerischer -als auf Cuba, umschwärmten in ihren Kähnen unter wildem Geschrei seine -Schiffe, schossen ihre Pfeile ab und schienen eine beabsichtigte -Landung ernstlich hindern zu wollen. Aber man vertrieb die Indianer -leicht durch einige Schüsse, ganz besonders aber dadurch, daß man -große Bluthunde auf sie hetzte. Als die Einwohner, welche vor solchen -unbekannten Angriffswaffen zurückwichen, in den folgenden Tagen -sich wieder ermannten und allmählich näherten, zeigten sie sich in -ihrer Haltung wesentlich verändert, sie begannen sogar den üblichen -Tauschhandel mit den Spaniern. Man bemerkte mit Vergnügen, daß sie -in manchen Dingen sich weiter entwickelt zeigten als auf Cuba, ihre -großen, bis zu 96 Fuß langen und 8 Fuß breiten, aus einem Stamm -gefertigten Kriegsböte waren an beiden Enden mit Schnitzwerk hübsch -verziert; aber, was man vor allem bei ihnen suchte, Gold, war nirgends -zu finden. Darum verließ Columbus, nachdem sein Schiff wieder in Stand -gesetzt war, die Insel, der er den Namen Santiago gab, und kehrte, -nordwärts steuernd, wieder nach Cuba zurück. Vom Cap Santa Cruz, wo -das Gebirge an der Südostküste jener Insel endigt, drang er in das -Labyrinth von Klippen und kleinen zum Theil grünbewachsenen Inseln -ein, welche den größten Theil der Südküste Cubas umsäumen. In diesem -„<em class="gesperrt">Garten der Königin</em>“, wie Columbus diesen Theil Westindiens -nannte, hatte er, unter täglich wiederkehrenden Gewittern mit tausend -Gefahren zu kämpfen<span class="pagenum"><a name="Seite_277" id="Seite_277">[S. 277]</a></span> und mußte die äußerste Wachsamkeit üben, um seine -Fahrzeuge sicher hindurchzuführen. Die unzähligen kahlen Korallenbänke -und grünen Eilande, die er um sich sah, hielt er für jenen Archipel, -welcher nach Marco Polos Erkundigungen östlich von Cim (China) liegen -und über 7000 Inseln umfassen sollte.<a name="FNAnker_241_241" id="FNAnker_241_241"></a><a href="#Fussnote_241_241" class="fnanchor">[241]</a> Von diesem wunderbaren -Inselgarten erzählt auch eine Inschrift auf dem Globus Behaims, -westlich von Cipango, also in jener Weltgegend, wo sich Columbus -bereits zu befinden glaubte. Er athmete ja auch die Wohlgerüche, die -von den mancherlei Gewürzbäumen und prächtigen Blumen übers Wasser zu -ihm herüberwehten.</p> - -<p>In Kreuz- und Querfahrten, bald nach Norden, bald nach Westen steuernd, -tastete der Admiral in dem gefährlichen Wundergarten weiter, ohne die -Küste von Cuba aus dem Gesicht zu verlieren. Unzählige buntfarbige -Fische tummelten sich in den klaren Gewässern, die Muscheln umschlossen -kostbare Perlen, das Meer wimmelte von großen Schildkröten.<a name="FNAnker_242_242" id="FNAnker_242_242"></a><a href="#Fussnote_242_242" class="fnanchor">[242]</a> In -seiner Meinung, in Cuba bereits das Festland von Asien erreicht zu -haben, wurde er von neuem durch die falsche Deutung eines Namens -bestärkt, als er von den Eingeborenen erfuhr, daß weiter im Westen -ein großer Fürst namens Magon wohne. Magon und Mango waren identisch, -und Mango war der König von Mangî (China). Er gelangte endlich zu der -größern Insel de Pinos, nahe dem Westende Cubas. Auf Befragen hatten -die Cubaner erklärt, daß man die Grenzen ihres Landes nicht kenne, -er könne wohl noch 20 Tage weiter fahren, ehe er das Ende erreiche. -Nach seiner Berechnung war er bereits 335 Leguas an diesem großen -Lande entlang gesegelt,<a name="FNAnker_243_243" id="FNAnker_243_243"></a><a href="#Fussnote_243_243" class="fnanchor">[243]</a> welches er mit größter Bestimmtheit für -den Anfang Indiens erklärte. Er wähnte, nur noch 2 Sonnenstunden -(also 30 Meridiangrade) von dem goldenen Chersones — mit diesem -Namen bezeichnete man seit dem Alterthum die Halbinsel Malaka in -Hinter-Indien — entfernt zu sein.<a name="FNAnker_244_244" id="FNAnker_244_244"></a><a href="#Fussnote_244_244" class="fnanchor">[244]</a> So schmal dachte er sich -den noch völlig unbekannten, noch nie betretenen Abschnitt auf dem -Erdball. Als er dann der Insel de Pinos gegenüber die Küste Cubas -sich nach Süden wenden sah, war auch der letzte Zweifel gehoben: denn -die asiatische Küste<span class="pagenum"><a name="Seite_278" id="Seite_278">[S. 278]</a></span> lief nun, nach seiner Meinung, in südöstlicher -Richtung bis zum goldenen Chersones weiter. Bei der Insel Evangelista, -denn so nannte er die Isla de Pinos, nahm er neue Vorräthe an Wasser -und Lebensmitteln ein. Wäre er nur noch einen oder höchstens zwei Tage -weiter gesegelt, so hätte er das Ende des vermeintlichen Continentes -erreicht. Schon von der Höhe des Mastes aus hätte man das freie Meer -westlich vom Cap S. Antonio sehen können. Leider nöthigte ihn der -üble Zustand seiner Schiffe zur Umkehr, so daß er die eigentlich -beabsichtigte Fahrt um Indien, wodurch er eine erstmalige Erdumsegelung -zu beschließen hoffte, aufgeben mußte. Aber er nöthigte auch noch -die gesammte Mannschaft, ein von dem Schreiber Fernan Perez de Luna -aufgesetztes Protokoll zu unterzeichnen, in welchem sie sich alle bei -schwerer Ahndung zu der verkehrten Ansicht ihres Admirals bekennen -mußten, daß man die Provinz Mango vor sich habe.<a name="FNAnker_245_245" id="FNAnker_245_245"></a><a href="#Fussnote_245_245" class="fnanchor">[245]</a> Das geschah am -12. Juni 1494.</p> - -<p>Dann wandte sich Columbus wieder nach Osten. Bei ungünstigem Wetter -legten die Schiffe den gefährlichen Weg noch einmal unter steten -Sorgen zurück. Am 6. Juli gerieth die Niña auf den Strand, wurde -zwar mit großer Anstrengung wieder flott gemacht, war aber dabei -dermaßen beschädigt, daß man, behufs der Ausbesserung, in der Bucht -bei Cap S. Cruz landen mußte. Erst nach 10 Tagen konnte die Fahrt -weiter fortgesetzt werden. Am 8. Juli wurde das Cap S. Cruz dublirt -und am 20. Juli ging Columbus nach Jamaica hinüber, um diese Insel -auch auf der Südseite zu erforschen. Das Land entzückte durch seine -Schönheit und Fruchtbarkeit. Von der Menge seiner Bewohner zeugten -die zahlreichen Dörfer an der Küste. Auch hier mit widrigen Winden -kämpfend, gelangten die Schiffe erst am 19. August an die Ostspitze -Jamaicas (das heutige Cap Morante). Am folgenden Tage sah man eine neue -Küste vor sich aufsteigen. Das nächste Vorgebirge erhielt den Namen S. -Michael (jetzt Cap Tiburon); es war die Westspitze von Haiti erreicht. -Gewißheit darüber, daß man die Insel ihrer Niederlassung glücklich -wieder gefunden, gewann man erst am zweiten Tage, als einige Indianer -am Strande den Seefahrern außer einigen spanischen Ausdrücken auch das -Wort „Almirante“ zuriefen.</p> - -<p>Bald darauf jagte ein Sturm das kleine Geschwader auseinander, doch -fanden sich die Fahrzeuge nach sechs Tagen glücklich wieder zusammen, -segelten<span class="pagenum"><a name="Seite_279" id="Seite_279">[S. 279]</a></span> nach der kleinen Insel Beata weiter, welche mitten vor der -Südseite Haitis liegt, entdeckten die reizende Bucht an der Mündung des -Neivaflusses und empfingen hier von den Eingebornen die frohe Kunde, -daß neue Schiffe von Spanien bei der Colonie angelangt seien. Um seine -bevorstehende Ankunft zu melden, sandte Columbus neun Mann mitten durch -die Insel nach seinem Blockhause S. Thomas und setzte dann seine Fahrt -weiter fort. Die Schiffe wurden durch Sturm und Unwetter von einander -getrennt. Der Admiral selbst, der aus gewissen Anzeichen den Ausbruch -desselben vorhergesehen, brachte sein gebrechliches Fahrzeug noch bei -Zeiten in den geschützten Canal, welcher von der Insel Saona (nahe -der Südostecke Haitis) und der Hauptinsel gebildet wird. Aus einer -Mondfinsterniß, welche er hier beobachten konnte (14./15. September), -berechnete er den Abstand von Cadiz bis Saona auf fünf Stunden 23 -Minuten<a name="FNAnker_246_246" id="FNAnker_246_246"></a><a href="#Fussnote_246_246" class="fnanchor">[246]</a> (oder 80° 45′). Nach Ablauf einer bangen Woche konnten -sich die drei Schiffe wieder vereinigen. Zwar beabsichtigte der -Admiral noch weiter nach Osten zu gehen, Puertorico und die kleinen -Antillen vollständig zu entdecken und zugleich die unbändigen Cariben -zu züchtigen, allein als er die kleine zwischen Haiti und Puertorico -gelegene Insel Mona am 24. September erreicht hatte, brach seine Kraft -zusammen. Die übermenschlichen Anstrengungen, die steten Aufregungen -der gefahrvollen Reise, (er hatte 32 Nächte nicht geschlafen) hatten -seine Energie übermannt. Er brach zusammen und verfiel in eine -tiefe, einer Ohnmacht ähnliche Schlafsucht. Alle weiteren Pläne -wurden aufgegeben und noch zweifelnd, ob sie ihren Admiral am Leben -erhalten könnten, richteten die Piloten den Lauf der Schiffe gegen -Nordwesten und segelten nach Isabella, wo sie am 29. September -anlangten. Hier erholte sich Columbus bald wieder unter entsprechender -Pflege und konnte nun mit Befriedigung die Resultate seiner zweiten -Entdeckungsfahrt überblicken, auf welcher ein Gesammtbild von den vier -großen Antillen gewonnen war, von denen Haiti und Jamaica vollständig, -Cuba fast ganz umsegelt worden war. Wäre er hier nicht durch seine -kosmographischen Autoritäten irregeleitet und wie in einem Zauberbanne -gefangen, welcher ihn die Inselnatur Cubas nicht erkennen ließ; so -hätte er seine weiteren Entdeckungen an jenem Westende der Insel wieder -aufnehmen müssen, und wäre vielleicht schon nach dem Goldlande Mexiko -gelangt. So aber traute er den Angaben der Indianer zu sehr, welche ihn -bei allen Fragen nach Gold immer nach Süden wiesen, und suchte darum -auf seiner dritten Reise einen südlichern Weg schon über den Ocean -einzuschlagen.</p> - -<p>In seiner Colonie fand Columbus eine unerwartete, aber sehr willkommene -Stütze an seinem Bruder Bartholomäus. Derselbe war schon vor<span class="pagenum"><a name="Seite_280" id="Seite_280">[S. 280]</a></span> Beginn -der ersten Reise in seines Bruders Auftrage nach England gegangen, um -dem britischen Könige Vorschläge behufs einer Fahrt nach Indien zu -machen, und war 1493, ehe ihm selbst sichere Kunde von dem Erfolge -seines Bruders zugekommen war, von dem Könige Heinrich, welcher directe -Nachricht von der Entdeckung der neuen Welt erhalten hatte, mit dem -Versprechen entlassen, die Pläne des Christoph Columbus unterstützen -zu wollen. Bartholomäus eilte über Frankreich nach Spanien, wo er, für -den ihm in England gewordenen Auftrag allerdings zu spät, eintraf, aber -doch bei Hofe sehr wohlwollend aufgenommen wurde und durch sein festes -männliches Auftreten, durch seine gewandte Rede und seine nautischen -Fertigkeiten sich bald einen günstigen Boden bereitete. Man ertheilte -ihm den Titel eines „Don“ und übergab ihm die Führung dreier Schiffe, -welche, mit den von dem Admiral erbetenen Vorräthen und Hilfsmitteln -versehen, nach Haiti abgehen sollten. Columbus erhielt zugleich -Nachricht von dem mit Portugal abgeschlossenen Theilungsvertrage und -fand in dem Briefe der Monarchen vollständige Zustimmung zu den bisher -von ihm getroffenen Maßnahmen. Auch noch andere in demselben Jahre 1494 -einlaufende Briefe ließen in schmeichelhafter Weise die ungeminderte -Gunst des Hofes erkennen. Aber neben diesen erfreulichen Zeichen seiner -wachsenden Macht fand der Vicekönig von Indien unter den Spaniern -Mißstimmung, Unzufriedenheit, Aufruhr. Der Geistliche Boïl, dem man -das Seelenheil der Indianer anvertraut, war seines mühevollen Amtes -überdrüssig geworden, der Anführer der Truppen, Margarit, der sich den -Anordnungen des vom Admiral eingesetzten Statthalters nicht gefügt -hatte: beide verließen auf den Schiffen, mit denen Don Bartolome Colon -gekommen war, die Ansiedlung und kehrten nach Spanien zurück. Unter den -spanischen Truppen war die Manneszucht in bedenklicher Weise gelockert. -„Margarit,“ sagt Muñoz,<a name="FNAnker_247_247" id="FNAnker_247_247"></a><a href="#Fussnote_247_247" class="fnanchor">[247]</a> „brachte unter unsere Leute die Pest der -Zwietracht und veranlaßte bei den Indianern einen tödtlichen Abscheu -gegen den spanischen Namen. Er hielt das Kriegsvolk beständig in der -angebautesten und wohlversehensten Gegend der Vega-Real (Königsgau), wo -es schwelgen und sich alle Freiheit erlauben durfte.“ Dieser Uebermuth -der Soldateska trieb die Indianer aus ihrer Schlaffheit auf, die -bedeutendsten und mächtigsten Häuptlinge der Insel traten zu einem -Bunde zusammen, um die fremden Eindringlinge zu vernichten. An der -Spitze der Verschwörung stand Caonabo. Diesen gefährlichsten Gegner zu -beseitigen, übernahm der verwegene Alonso Hojeda, welcher mit einer -Handvoll unternehmender Gesellen den feindlichen Caziken aufsuchte -und unter der Vorspiegelung besonderer Auszeichnung zu bereden wußte, -sich mit glänzenden Handfesseln schmücken zu lassen, an denen kleine -Glöckchen, woran die Indianer ganz besonders Gefallen fanden, befestigt -waren. Der auf solche Weise bereits halbgefangene Häuptling mußte -sich dann zu Hojeda auf sein Roß setzen, um dergestalt, mit den neuen -Abzeichen eines<span class="pagenum"><a name="Seite_281" id="Seite_281">[S. 281]</a></span> hohen Ranges geschmückt, in der Mitte seines Volkes zu -erscheinen. Statt aber in das Dorf, wie versprochen war, einzureiten, -jagte Hojeda mit seinem Gefangenen der Küste zu; die Indianer aber -wurden durch das kühne Auftreten des spanischen Ritters und durch -das ihnen unbekannte Roß so in Schrecken gesetzt, daß sie zu spät an -die Befreiung ihres Herren dachten. Hojeda kam glücklich, wenn auch -erschöpft und halbverhungert, mit seinem Gefangenen in Isabella an, wo -er den Caziken in die Burg ablieferte. Caonabo blieb hier, sorgfältig -bewacht, bis er von Columbus selbst auf seiner Rückreise mit nach -Spanien genommen wurde; aber er starb auf der See.</p> - -<p>Der Admiral sah sich aus verschiedenen Ursachen bewogen, im Frühjahr -1496 nach Spanien zurückzukehren. Zwar war von Seiten der Regierung -ein strenges Verbot ergangen, welches allen privaten Handel mit der -neuen Colonie untersagte, daneben war es aber jedem Spanier gestattet, -dahin auszuwandern, und überdies durften Handelsschiffe zur Aufsuchung -neuer Länder über den Ocean und überall, ausgenommen in Haiti, Handel -treiben. Dadurch wurde offenbar das dem Entdecker der neuen Welt -gegebene Privilegium verletzt. Columbus wollte daher seine Gerechtsame -persönlich wieder in Erinnerung bringen, außerdem aber den Anfeindungen -und Verleumdungen, welche bereits gegen ihn und seine Verwaltung laut -wurden, entgegen treten. Bei dieser Gelegenheit sollten auch mehr als -200 Colonisten, welche dem Lande zur Last lagen und auf Staatskosten -erhalten werden mußten, zurück gebracht werden. So verließ denn der -Admiral, nachdem er die Verwaltung der Insel seinem Bruder Bartolome -als Adelantado übertragen hatte, am 10. März 1496 mit zwei Schiffen, -225 Spaniern und 30 Indianern Haiti, steuerte durch die Reihe der -kleinen Antillen, berührte Guadalupe und langte am 11. Juni in Cadiz an.</p> - -<h4 id="Die_dritte_Reise_des_Columbus">10. Die dritte Reise des Columbus -und die Entdeckung Südamerikas.</h4> - -<p>Wiederum zog der Entdecker, wie bei seiner Rückkehr von der ersten -Fahrt, mit prunkendem Gefolge durch Spanien an den Königshof. Die -vornehmsten Indianer wurden mit goldenem Schmuck behängt, den sie -recht augenfällig zur Schau tragen mußten. Andere zeigten Gewürze und -feine Hölzer. Dadurch sollte der Glaube an den Reichthum der neuen -Länder wieder aufgefrischt und beim Volke verbreitet werden. Durch -die Sicherheit seines Auftretens wußte er selbst seiner Behauptung, -in Haiti das Ophir Salomos gefunden zu haben, Eingang zu verschaffen. -Zwar waren die Zeitverhältnisse seinen weiteren Plänen wenig günstig, -denn einerseits war Aragonien mit Frankreich in Krieg verwickelt und -alle verfügbaren Mittel und Kräfte des Landes wurden gesammelt, um -das Königreich Neapel den Franzosen wieder zu entreißen, andererseits -war die große Gönnerin des Columbus, die Königin Isabella, durch -Familienangelegenheiten, durch die bevorstehende Vermählung ihrer -Kinder, des Infanten Don Juan und der Infantin Dona Juana mit den -Kindern des Kaisers Maximilian, dem Erzherzog<span class="pagenum"><a name="Seite_282" id="Seite_282">[S. 282]</a></span> Philipp und der -Prinzessin Margarethe von Oesterreich, vollständig in Anspruch -genommen. Trotzdem fanden die spanischen Monarchen noch Gelegenheit, -den Bericht des Admirals anzuhören und ihm die wiederholte Versicherung -ihrer Gunst auszusprechen. Wenn somit auch nicht sofort zur Ausrüstung -eines neuen Geschwaders verschritten werden konnte, so fand Columbus -doch Gelegenheit, sich seine Privilegien von neuem bestätigen und die -Rechte eines Admirals neu verbriefen zu lassen. Auch die eigenmächtig -vorgenommene Ernennung seines Bruders Bartolome zum Statthalter -(<span class="antiqua">adelantado</span>) wurde nachträglich bestätigt. Eine neue Verzögerung -erlitt die Vorbereitung zur dritten Reise durch den unerwarteten Tod -des spanischen Thronerben Don Juan, am 4. October 1497. Die bereits -für die indischen Unternehmungen bewilligten Gelder mußten für den -französischen Krieg verausgabt werden, so daß erst im Januar 1498 -zwei Schiffe mit Vorräthen nach Haiti, zur Versorgung der Colonie, -vorausgesendet werden konnten. Die fortdauernden Störungen seines -Planes, die in einflußreichen Kreisen offen zu Tage tretende Misgunst -gegen seine kostspieligen Unternehmungen lasteten schwer auf dem -ungeduldig harrenden Admiral und verstimmten ihn tief. Da für eine -neue, auf der Südseite der Insel anzulegende Colonie sich nur mit Mühe -eine hinlängliche Anzahl von Auswanderern freiwillig aufbringen ließ, -so verfiel Columbus auf den gefährlichen Gedanken, sein indisches -Reich mit Sträflingen zu bevölkern. Die spanischen Gerichte erhielten -die Anweisung, alle Verbrecher, welche mit Verbannung bestraft -werden mußten, nach Indien zu verweisen. Auch die portugiesische -Regierung hatte bei den Fahrten Gamas und seiner Nachfolger zu dem -Mittel gegriffen, einige Verbrecher zur Ausführung lebensgefährlicher -Unternehmungen, Kundschaften und dergleichen mit an Bord zu senden; -Columbus ging aber in seinem Plane weiter, und machte die Verbrecher zu -Colonisten, welche in der jungen, nur mühsam zu erhaltenden Ansiedlung -die Elemente der Unzufriedenheit und Gährung verstärkten. Dazu kam der -immer mehr zu Tage tretende Zwiespalt des Admirals mit dem Bischof -Fonseca als dem Leiter des indischen Amts, welcher sich den zu hohen -Anforderungen des Columbus überall widersetzte. In Folge dieser -Misstände und des Miskredits, dem die indischen Angelegenheiten bereits -unterlagen, konnte Columbus erst am 30. Mai 1498 die Rhede von San -Lucar de Barrameda an der Mündung des Guadalquivir mit sechs Schiffen -verlassen und in See gehen.</p> - -<p>Um französischen Kaperschiffen, welche ihm vom Cap S. Vicente aus -den Weg verlegen wollten, auszuweichen, steuerte der Admiral auf -einem Umwege nach Madeira, wo er sich sechs Tage aufhielt, und dann -weiter nach den Canarien. Auf der Höhe der Insel Ferro entsandte -er drei Schiffe direct nach Haiti und gebot ihnen denselben Cours -einzuschlagen, welchen er 1493 genommen hatte, und an der Küste -Hispaniolas entlang zu seiner Colonie zu segeln, um derselben neue -Hilfsmittel zuzuführen. Er selbst ging weiter gegen Südwesten nach den -Capverden, indem er ein größeres Schiff und zwei Caravelen<span class="pagenum"><a name="Seite_283" id="Seite_283">[S. 283]</a></span> bei sich -behielt. Seine Absicht war, die heiße Zone aufzusuchen und in der Nähe -des Aequator über das Weltmeer nach Westen zu steuern, denn hier hoffte -er die kostbarsten Produkte zu finden. In dem allgemeinen Glauben der -Zeit, daß nur die heiße Zone neben den schwarzhäutigen Bewohnern auch -die edelsten Erzeugnisse hervorbringe, wurde er durch die Mittheilungen -eines angesehenen Seemanns bestärkt, welcher auf Anregung der Monarchen -ihm seine Gedanken darüber in einem schmeichelhaften Briefe<a name="FNAnker_248_248" id="FNAnker_248_248"></a><a href="#Fussnote_248_248" class="fnanchor">[248]</a> -mittheilte. Moisen Jaime Ferrer aus Blanes, einem catalonischen -Hafenorte nordöstlich von Barcelona, huldigte in seinem Schreiben -den überschwenglichen Vorstellungen, welche der Admiral von seiner -Sendung selbst hatte. Er nannte die Entdeckungsfahrt mehr göttlich -als menschlich, bezeichnete den Führer als einen Abgesandten Gottes, -welcher ausersehen sei, in den unbekannten Westen das Christenthum -zu tragen, wie einst der heilige Apostel Thomas nach dem Osten, -nach Indien gezogen sei. Er sprach dabei die Hoffnung aus, daß sein -Unternehmen zur Ehre Gottes und zu Nutz und Frommen der ganzen -Christenheit, besonders Spaniens gedeihen werde und behauptete, daß -nach allen seinen Erkundigungen, welche er in Syrien und Aegypten bei -den Händlern über die Herkunft der werthvollsten Produkte eingezogen -habe, Edelsteine, Gold, Gewürze und Droguen größtentheils aus der -heißen Zone stammten, und daß Columbus diese Dinge nur dort erst in -Ueberfluß antreffen werde, wo die Menschen schwarz oder dunkelhäutig -wären.</p> - -<p>Diese Ideen waren für den Admiral maßgebend, und er machte sie sich -dergestalt zu eigen, daß er aus ihnen wiederum als aus unanfechtbaren -Lehrsätzen seine seltsamen kosmographischen Folgerungen zog. Wir -besitzen von Columbus selbst einen ausführlichen Bericht über den -Verlauf seiner dritten Reise,<a name="FNAnker_249_249" id="FNAnker_249_249"></a><a href="#Fussnote_249_249" class="fnanchor">[249]</a> in welchem diese merkwürdigen -Ansichten niedergelegt sind. Die eigenthümliche Gemüthsstimmung, welche -diese Erzählung durchweht, und welche die Behauptung Ferrers, daß -auch er den Columbus für das unmittelbare Werkzeug Gottes halte, noch -verstärkte, lernen wir am besten aus den eigenen Worten des Entdeckers -kennen, mit denen er den Verlauf seiner ersten Fahrten und die später -lautwerdende Misgunst berührt. „Ich zog aus,“ schreibt der Admiral, -„im Namen der heiligen Trinität und kehrte bald wieder heim, mit dem -Beweis in der Hand von alle dem, was ich gesagt hatte. Ew. Hoheiten -schickten mich zum zweitenmale und ich entdeckte in kurzer Zeit durch -Gottes Gnade das Festland im äußersten Osten auf einer Strecke von 330 -Leguas,<a name="FNAnker_250_250" id="FNAnker_250_250"></a><a href="#Fussnote_250_250" class="fnanchor">[250]</a> und dazu noch 700 Inseln. (!) Ich umsegelte die Insel -Hispaniola, welche größer als Spanien ist.“ Diese arge Uebertreibung -erklärt sich nur daraus, daß Columbus, ohne eigne Berechnung einfach -die auf den Karten (man vergleiche den Globus Behaims) niedergelegte -Größe Cipangus (denn dafür hielt er die Insel Haiti), mit jener von -Spanien verglich und beide Länder ziemlich<span class="pagenum"><a name="Seite_284" id="Seite_284">[S. 284]</a></span> gleichgroß gezeichnet -fand; denn in Wahrheit ist Spanien mindestens sechsmal und die ganze -pyreneische Halbinsel, welche Columbus wahrscheinlich im Auge hatte, -sogar mehr als siebenmal so groß wie Haiti. „Dann,“ fährt der Admiral -fort, „erhoben sich Klagen und Verdächtigungen, um meine Unternehmungen -zu verkleinern, weil ich nicht gleich mit goldbeladenen Schiffen -heimkehrte. Die Kürze der Zeit und andere Hemmnisse wurden dabei nicht -in Rechnung gebracht. Daher fiel ich, entweder wegen meiner Sünden -oder zu meinem Heile, wie ich glaube, in Misgunst und fand bei allem, -was ich sagte und wünschte, Widerstand.“ Weiter zeigt er dann mit -ausführlichen historischen Belegen, daß er für Spanien das Goldland -Ophir wiedergefunden und in Besitz genommen habe. „Von den Capverden -segelte ich 480 <span class="antiqua">millas</span> oder 120 Leguas gegen Südwesten (Anfang -Juli), wo ich fand, daß der Polarstern 5 Grad hoch stand. Da trat -Windstille ein,<a name="FNAnker_251_251" id="FNAnker_251_251"></a><a href="#Fussnote_251_251" class="fnanchor">[251]</a> die Hitze war so groß, daß ich fürchtete, Schiffe -und Mannschaften würden versengt. Kein Mann wagte sich unter Deck, um -auf Wasser- und Mundvorräthe zu achten.<a name="FNAnker_252_252" id="FNAnker_252_252"></a><a href="#Fussnote_252_252" class="fnanchor">[252]</a> Diese Hitze dauerte acht -Tage; am ersten Tage war der Himmel klar, am zweiten wurde es nebelig -und regnete es; aber wir fanden keine Erleichterung, so daß ich glaube, -wir wären alle umgekommen, wenn die Sonne wie am ersten Tage geschienen -hätte. Nach acht Tagen sandte mir Gott einen günstigen Wind und ich -steuerte nun nach Westen.“ Columbus gab also den weitern Cours gegen -Südwesten auf, weil er sich von seinen frühern Fahrten erinnerte, daß -er jenseits von 100 Leguas westlich von den Açoren stets eine merkliche -Abnahme der Hitze beobachtet hatte und daher auch jetzt die Region -der milderen Temperatur aufzusuchen beschloß. Unter der Breite von -Serra Leona, wie er meinte, steuerte der Admiral 17 Tage mit günstigem -Winde nach Westen und fand am Morgen des 31. Juli Land. Es war eine in -drei Bergen aufsteigende Inselküste. Unter dem Gesange des <span class="antiqua">Salve -regina</span> näherte man sich in freudiger Erregung dem Strande. Die -Insel erhielt den Namen <em class="gesperrt">Trinidad</em>, das zuerst berührte Vorgebirge -wurde Cabo de la Galea (jetzt Cap Galeota) benannt. Man hatte also die -südlichste der kleinen Antillen erreicht, welche nahe an der Küste des -südamerikanischen Continentes liegt. Dieser zunächst gelegene flache -Streifen des Festlandes erhielt den Namen Gracia. Auf Trinidad bemerkte -man Häuser, von gutgepflegten Gärten umgeben und zahlreiche Menschen. -Auch Böte ließen sich blicken, aber scheu vermieden die Schiffer jede -Annäherung an die fremdartigen großen Fahrzeuge. Man suchte sie durch -Lockmittel, auch durch Musik, die vom Verdeck ertönte, zu bewegen, -näher zu kommen; aber vergebens. Man sah nur aus der Ferne, daß sie mit -Bogen und Pfeilen und hölzernen Schilden bewaffnet waren, und bemerkte -mit Staunen, daß diese Indianer eine viel hellere<span class="pagenum"><a name="Seite_285" id="Seite_285">[S. 285]</a></span> Hautfarbe hatten, -als die früher gesehenen. Ihre Haare waren nach spanischer Art vor -der Stirn abgeschnitten.<a name="FNAnker_253_253" id="FNAnker_253_253"></a><a href="#Fussnote_253_253" class="fnanchor">[253]</a> Als Bekleidung trugen sie nur einen aus -buntfarbigen Baumwollfäden gefertigten Schamgürtel.</p> - -<p>An der Südküste Trinidads segelte der Entdecker gegen Westen, erreichte -am 1. August die westliche „Sandspitze“ der Insel, welche sich auf -zwei Leguas dem gegenüberliegenden Orinocodelta nähert. Trichterartig -verengt sich gegen Westen der Ocean zwischen Insel und Festland und -drängt die gewaltigen Massen süßen Wassers, welche sich aus den -Deltaarmen des Orinoco ergießen, unter der Wucht des nordwestlich -flutenden Aequatorialstromes zu der immer enger werdenden Straße nach -dem Pariagolfe. Das Wasser strömte mit solcher Gewalt in den Golf -hinein, wie der Guadalquibir bei Hochwasser, also ungefähr 2½ Meilen -in einer Stunde. „Wenn man weiter nach Norden fahren will,“ schreibt -Columbus, „so trifft man auf eine Reihe von Stromschnellen, welche -den Canal durchsetzen und einen furchtbaren Lärm machen. Ich glaubte, -dies komme von Felsen und Riffen, welche den Eingang sperren. Dahinter -zeigten sich zahlreiche tosende Strudel, wie wenn die Wogen sich über -Felsen brechen.“ Außerhalb des Canals gingen die Schiffe vor Anker, -denn Columbus fürchtete wegen der Strömung nicht zurückkehren und wegen -der vor ihm liegenden Untiefen nicht vorwärts kommen zu können. „Tief -in der Nacht vernahm ich vom Decke des Schiffes aus ein furchtbares -Getöse, welches von Süden her gegen das Schiff kam.“ Die wirbelnden -schiffshohen Wasserberge, welche heranrollten, drohten die Schiffe zu -kentern. Columbus war von Jugend auf mit den mannigfachsten Gefahren -der See vertraut, aber niemals war er durch die übermächtigen Gewalten -des Ocean so in Angst und Schrecken versetzt, als hier.<a name="FNAnker_254_254" id="FNAnker_254_254"></a><a href="#Fussnote_254_254" class="fnanchor">[254]</a></p> - -<p>„Am folgenden Tage,“ erzählt Columbus weiter, „sandte ich unsere Böte -aus, um die Straße zu sondiren. Man fand 6 bis 7 Faden Tiefe, aber in -heftigen Gegenströmungen flutete das Wasser hier in den Golf hinein und -dort wieder aus demselben heraus. Doch gefiel es Gott, uns günstigen -Fahrwind zu geben, und so passirte ich diese Straße glücklich und kam -bald in ruhiges Wasser. Zum Erstaunen der ganzen Mannschaft war das -Wasser im ganzen Golfe, wo man es auch schöpfte, süß und trinkbar. -Columbus steuerte nordwärts über das Becken des Golfs auf die gebirgige -Halbinsel <em class="gesperrt">Paria</em> zu, welche die Bucht im Norden abschließt. Hier -zeigte sich ein zweiter, noch engerer und gefährlicherer Schlund, -wo sich thurmartig einzelne dunkele Klippen aus der brandenden Flut -erhoben. Die Küste der Pariahalbinsel zog sich gegen Südwesten, und da -Columbus in dieser Richtung eine ruhige Fahrt hoffte, wendete er sich -nach Westen. Je weiter man kam, desto frischer und gesunder zeigte -sich das Wasser. Das Land schien angebaut, das<span class="pagenum"><a name="Seite_286" id="Seite_286">[S. 286]</a></span> Geschwader ging vor -Anker, Böte wurden zur Kundschaft ans Gestade geschickt, aber die -Hütten waren verlassen. Weiter im Westen, wo das Land flacher wurde, -hoffte man mehr Menschen zu finden und wünschte mit ihnen in Verkehr -zu treten. Wiederum wurden an der Mündung eines Flusses die Anker -ausgeworfen. Dort waren die Eingeborenen zutraulicher, näherten sich -den Fremden und gaben an, daß ihr Land Paria heiße, und daß dasselbe -weiter gegen Westen noch mehr bewohnt sei. Dies bestätigte sich auch -bald, als man noch weiter an dem Lande entlang segelte. Reizende, -dicht bewohnte Gegenden luden zum Verkehr ein. Die Eingeborenen kamen -an Bord und baten den Admiral, im Namen ihres Königs, ans Land zu -kommen. Sie trugen Goldschmuck auf der Brust und mit Perlen besetzte -Armbänder. Auf die Nachfrage, wo die Perlen gefunden würden, wiesen -sie nach Norden und bemerkten, die Fundstätten lägen nicht allzufern. -Am Lande zeigten sich die Indianer sehr höflich, die Häuptlinge an -ihrer Spitze empfingen sie, führten sie zu großen, geräumigen Häusern, -wo man die Gäste zum Niedersitzen nöthigte und mit Brod, Früchten und -verschiedenen Arten von rothem und weißem Wein bewirthete, welcher -nicht aus Trauben, sondern aus anderen Früchten bereitet war. Leider -konnte man sich nur wenig verständigen, weil man keine Dolmetscher -hatte. Von dem Mais, welchen sie anbauten, nahm Columbus später mit -nach Spanien, um dieses amerikanische Getreide auch nach der alten -Welt zu verpflanzen. Das Gold, womit sie sich schmückten, stammte -aus den Bergen an der Grenze des Landes, doch warnte man die Spanier -durch Zeichen, sich nicht dahin zu wagen, weil dort Menschenfresser -wohnten.<a name="FNAnker_255_255" id="FNAnker_255_255"></a><a href="#Fussnote_255_255" class="fnanchor">[255]</a></p> - -<p>Aber Columbus hatte nicht die Absicht, sich dahin zu wenden, noch auch -die Perlenbänke zu besuchen, denn die Mundvorräthe drohten bei der -längeren Dauer der Reise zu verderben, auch waren die Schiffe für eine -schwierige Entdeckungsfahrt nicht mehr geeignet, und endlich litt er -selbst an den Augen und fürchtete, wie es auf einer der früheren Reisen -schon geschehen war, zeitweilig des freien Gebrauchs des Augenlichts -beraubt zu werden. Da er Paria noch für eine Insel hielt, so hoffte -er sie westlich umsegeln zu können, um sich dann nordwärts zu wenden. -Ein Caravele wurde zur Prüfung des Fahrwassers vorausgesendet, man -fand aber leider, daß sich der Golf westwärts immer mehr verengte, -daß unter dem Einströmen zahlreicher Flüsse das Wasser der Bucht -vollständig Süßwasser werde, daß demnach nach dieser Richtung kein -Ausgang zu finden sei. Man mußte also umkehren, konnte aber der -Strömung wegen nicht an dem bisher besuchten und bevölkerten Gestade -von Paria wieder entlang gehen, sondern mußte, der Wirbelbewegung des -Wassers im Golfe folgend, an den flachen Ufern der Orinocoinseln hin -fast bis zum südlichen Eingang zurücksegeln und dann nordwärts den -einzigen Ausweg durch den gefürchteten Drachenschlund zwischen Trinidad -und Paria<span class="pagenum"><a name="Seite_287" id="Seite_287">[S. 287]</a></span> wählen. Die Erscheinung der stürmischen Wirbel an den -beiden Ausgängen aus der Pariabucht erkannte der Admiral richtig als -die Folge des Zusammenstoßes der gewaltigen Wassermassen, welche der -Orinoco ergoß, mit der Strömung des Meeres und bezeichnete die Insel -Trinidad als ein durch die abspülende Kraft der Gewässer losgetrenntes -Stück des Continents. Am 13. August gelang es dem Geschwader glücklich -die gefürchtete Straße des Drachenschlundes zu passiren und in das -caribische Meer zu kommen. „Als ich den Drachenschlund verließ,“ -berichtet der Admiral weiter, „strömte das Meer so mächtig westwärts, -daß ich in einem Tage 65 Leguas zurücklegen konnte; und dabei blies -nicht etwa ein starker Wind, sondern es wehte ganz gelinde, was mich zu -dem Schlusse führte, daß das Meer gegen Süden beständig ansteigt und -dem entsprechend gegen Norden abfällt. Ich halte es für sicher, daß das -Meerwasser sich mit dem Himmel von Osten nach Westen bewegt und daß es, -weil es in diesem Striche reißender fließt, so viel Land abgespült hat, -woher die große Zahl von Inseln — Columbus hat die Reihe der kleinen -Antillen im Auge — entstanden ist. Und in der That bieten diese Inseln -einen weiteren Beweis dafür, da einerseits alle diejenigen Eilande, -welche sich von Osten nach Westen oder genauer von Nordwesten nach -Südosten erstrecken, breit sind, andererseits diejenigen, die sich von -Norden nach Süden oder von Nordosten nach Südwesten ausdehnen, schmal -und kleiner sind. Allerdings scheinen die Wasser in einigen Strichen -nicht dieselbe Strömungsrichtung zu haben; aber man trifft dies nur an -vereinzelten Stellen, wo sie, durch Land aufgehalten, in eine andere -Richtung gedrängt werden.</p> - -<p>Neben diesen großartigen Anschauungen über physische Erdkunde begegnen -wir auch den wunderlichsten Vorstellungen über die Gestaltung der Erde, -die jemals ein Seefahrer ausgesprochen. Aus falschen Voraussetzungen, -ungenauen astronomischen Beobachtungen und irrigen Verknüpfungen der -Naturerscheinungen mit ein für allemal bei dem Entdecker feststehenden -Lehrsätzen, die er aus seiner mittelalterlichen Kosmographie -geschöpft hatte, baute er sich ein System von Schlüssen auf, welches -in der ungeheuerlichen Behauptung gipfelte, <em class="gesperrt">die Erde habe nicht -Kugelgestalt, sondern sei wie eine Birne</em> geformt.</p> - -<p>„Irrige Beobachtungen der Bewegungen des Polarsternes in der Nähe -der açorischen Inseln hatten Columbus schon auf seiner ersten Reise -bei der Schwäche seiner mathematischen Kenntnisse zu dem Glauben an -eine Unregelmäßigkeit in der Kugelgestalt der Erde geführt.“ Dieser -Ausspruch Humboldts<a name="FNAnker_256_256" id="FNAnker_256_256"></a><a href="#Fussnote_256_256" class="fnanchor">[256]</a> findet seine Erklärung in den Bemerkungen des -Columbus über seine dritte Reise. „Ich bemerkte,“ sagt er, „daß ich den -Polarstern während der Nacht in einer Höhe von 5 Grad hatte und seine -Geleitsterne (die Sterne β und γ des kleinen Bären) -grade über dem Kopfe; dann um Mitternacht<span class="pagenum"><a name="Seite_288" id="Seite_288">[S. 288]</a></span> befand sich der Stern in 10 -Grad Höhe und bei Anbruch des Tages waren die Begleiter zu Füßen, in -5 Grad Höhe. Ich sah das mit Staunen, beobachtete die Sterne mehrere -Nächte hindurch auf das sorgfältigste und mußte, da ich meine erste -Wahrnehmung bestätigt fand, es für etwas ganz <em class="gesperrt">neues</em> ansehen, daß -auf einem so kleinen Raume eine so große Differenz am Himmel vor sich -gehen könne.“<a name="FNAnker_257_257" id="FNAnker_257_257"></a><a href="#Fussnote_257_257" class="fnanchor">[257]</a> Zur Erklärung dieser „neuen“ Thatsache verfiel nun -Columbus auf die Birnengestalt der Erde. Man wird den Trugschlüssen, -welche zu diesem Resultate führten, um so leichter folgen können, wenn -wir auch im Folgenden die eigenen Worte des Admirals wiedergeben, und -dadurch zugleicherzeit die historische Localfarbe des Gemäldes bewahren.</p> - -<p>„Ich habe stets gelesen, daß die Welt, Land und Wasser zusammen, -sphärisch sei, und die von Ptolemäus gemachten Beobachtungen, so -wie diejenigen der anderen Gelehrten, welche über diesen Gegenstand -geschrieben, haben durch die Mondfinsternisse und andere Erscheinungen -oder Beweise, welche in der Richtung nach Osten und Westen beobachtet -sind, so wie durch die Erhebung des Poles über den Horizont von Süden -nach Norden, dasselbe dargethan.“</p> - -<p>„Ich sah aber eine so große Unregelmäßigkeit (<span class="antiqua">disformidad</span>, -Unterschied in der Elevation des Polarsternes), daß ich mir eine -andere Vorstellung von der Welt machte, und daß ich daraus schloß, sie -sei nicht rund, wie man es bisher beschrieben hat, sondern wie eine -Birne gestaltet (<span class="antiqua">de la forma de una pera</span>), welche vollkommen -rund ist, mit Ausnahme der Stelle, wo der Stil ansetzt, oder auch wie -ein ganz runder Ball, an dem auf irgend einem Punkte eine Art Warze, -wie die Brustwarze einer Frau, aufgesetzt ist, und daß dieser Punkt -der Warze höher und dem Himmel näher liegt und im äußersten Osten im -Ocean sich unter dem Aequator befindet. Ich nenne den äußersten Osten -jene Gegend, in welcher alles Land und alle Inseln endigen.<a name="FNAnker_258_258" id="FNAnker_258_258"></a><a href="#Fussnote_258_258" class="fnanchor">[258]</a> Zur -Unterstützung dieser Ansicht verweise ich auf die Linie 100 Meilen -westlich von den Açoren,<a name="FNAnker_259_259" id="FNAnker_259_259"></a><a href="#Fussnote_259_259" class="fnanchor">[259]</a> von wo gegen Westen sich die Schiffe -sanft gegen den Himmel erheben und man sich einer milderen Temperatur -erfreut. Die Magnetnadel verändert in Folge dieser Milde ihre Richtung -um einen<span class="pagenum"><a name="Seite_289" id="Seite_289">[S. 289]</a></span> Viertelswind, und je mehr man westwärts kommt und sich (zu -der Anschwellung der Birnenform) erhebt, um so mehr weist die Nadel -nach Nordwesten. Und diese Erhebung bewirkt die Abweichung des Kreises, -welchen der Polarstern mit seinen Begleitern beschreibt. Je mehr man -sich dem Aequator nähert, desto höher erheben sich die Gestirne über -den Horizont und desto größer wird der Unterschied in den Kreisen sein, -welche die Begleitsterne beschreiben. Ptolemäus und andere Gelehrte, -welche von dieser Welt geschrieben haben, betrachten die Erde als -kugelförmig und meinen, daß sie es überall ebenso sein müsse wie an -jenen Orten, wo sie sich befanden; namentlich auf jener Hemisphäre, -deren Mittelpunkt mit der Insel Arin zusammenfällt,<a name="FNAnker_260_260" id="FNAnker_260_260"></a><a href="#Fussnote_260_260" class="fnanchor">[260]</a> welche unter -dem Aequator (!) zwischen dem arabischen und persischen Meerbusen -liegt. Die Grenzen dieser Hemisphäre laufen im Westen durch das Cap -S. Vincente in Portugal, im Osten durch Cangara (Cattigara) und das -Land der Serer (vgl. oben <a href="#Seite_6">S. 6.</a> und <a href="#Seite_7">7.</a>); und so findet sich keine -Schwierigkeit anzunehmen, daß die Erde auf dieser Hälfte kugelförmig -sei. Aber die westliche Erdhälfte gleicht einer halben Birne mit der -Anschwellung am Stiel. Ptolemäus und die übrigen, welche über die Welt -geschrieben haben, kannten diesen Theil der Erde nicht, der damals -unbekannt war, und so urtheilten sie nur nach der sphärischen Gestalt -auf der ihnen bekannten Seite.“</p> - -<p>„Allein auf der von mir entdeckten Erdseite,“ meint Columbus, „liegen -die Verhältnisse anders und nöthigen zu anderen Schlußfolgerungen. -Denn an der Küste Afrikas, unter dem Parallel von Arguin (vgl. oben -<a href="#Seite_91">S. 91</a>) fand ich die Bewohner dunkel und die Erde wie ausgeglüht. Unter -der Breite der Capverden waren die Eingebornen noch schwärzer<a name="FNAnker_261_261" id="FNAnker_261_261"></a><a href="#Fussnote_261_261" class="fnanchor">[261]</a> -und je weiter nach Süden, desto schwärzer dergestalt, daß unter dem -Parallel von Serra Leona, wo der Polarstern sich 5 Grad erhebt, auch -die allerschwärzesten Menschen wohnen.“</p> - -<p>„Bei meiner Fahrt von hier gegen Westen stieg anfangs die Hitze noch -aufs höchste; so bald ich aber die Grenzlinie (100 Meilen westlich -von den Açoren) überschritten hatte, fühlte ich, wie die Temperatur -milder wurde, so daß mir bei der Insel Trinidad und dem Lande Gracia, -welche gleichfalls unter dem 5. Grad n. Br. liegen,<a name="FNAnker_262_262" id="FNAnker_262_262"></a><a href="#Fussnote_262_262" class="fnanchor">[262]</a> das Klima so -milde erschien, und Felder und Bäume so schön grün waren, wie im Monat -April in den Gärten von<span class="pagenum"><a name="Seite_290" id="Seite_290">[S. 290]</a></span> Valencia. Dazu waren die Eingebornen nicht -so dunkel, als ich sie früher in Indien gesehen hatte. Die liebliche -Temperatur rührt nur von der Höhe dieses Theils der Erdoberfläche her. -Folglich kann die Erde hier nicht sphärisch gestaltet sein.“</p> - -<p>Wenn schon zu diesen mit großer Zuversicht ausgesprochenen neuen -Lehrsätzen Alexander von Humboldt bemerkt,<a name="FNAnker_263_263" id="FNAnker_263_263"></a><a href="#Fussnote_263_263" class="fnanchor">[263]</a> daß die Hypothese -von der Unregelmäßigkeit der Figur der Erdkugel einen Mangel an -mathematischen Vorkenntnissen und eine Verirrung der Einbildungskraft -verrathe, die uns mit Recht überraschen müsse; so wächst unser -Erstaunen und unsere Verwunderung noch mehr, wenn wir aus dem Munde des -Columbus vernehmen, daß er sich in Bezug auf astronomische Vorgänge -auf den naivsten Standpunkt des Kinderglaubens der Naturvölker stellt. -Um nämlich zu beweisen, daß auf jener birnenförmigen Anschwellung das -irdische Paradies liege, und daß er selbst so glücklich gewesen sei, -in dessen Nähe zu kommen, fährt er in seiner Deduction also fort: -„Was aber noch besonders zur Unterstützung meiner Ansicht beiträgt, -ist dieses: Als der Herr die Sonne schuf, geschah es am <em class="gesperrt">ersten -Punkte des Orients</em>, wo <em class="gesperrt">das erste Licht erschien</em> (!)<a name="FNAnker_264_264" id="FNAnker_264_264"></a><a href="#Fussnote_264_264" class="fnanchor">[264]</a> -und wo die höchste Erhebung der Erde ist. Obwohl nun Aristoteles der -Ansicht gewesen, daß der antarktische Pol oder das Land unter ihm der -höchste Theil der Erde und dem Himmel am nächsten sei,<a name="FNAnker_265_265" id="FNAnker_265_265"></a><a href="#Fussnote_265_265" class="fnanchor">[265]</a> haben -doch andere Gelehrte sich dagegen erklärt und sich für den arktischen -Pol ausgesprochen. Demnach scheint also die Annahme gerechtfertigt, -daß <em class="gesperrt">ein</em> Theil der Erde dem Himmel näher sei als der andere. -An die äquatoriale Zone dachten sie nicht, und das ist keineswegs zu -verwundern, denn über diese Region fehlte es an einer genauen Kenntniß, -da vor mir noch niemand zur Entdeckung ausgesendet worden.“ „Dort -nun,“ führt Columbus aus, „in der Nähe des Drachenschlundes rasen die -Wasser des Oceans und kämpfen mit den Ergüssen des Orinoco, welche mit -ungeheurer Wucht nach den Ausgängen des Golfes von Paria drängen.“ -Diese gewaltigen Strömungen lassen sich nach seiner Meinung nicht -anders deuten, als daß die Süßwasserströme aus einer bedeutenden Höhe -(von der birnenförmigen Anschwellung) herabrauschen, auf welcher das -irdische Paradies gelegen ist.</p> - -<p>„Die heilige Schrift bezeugt, daß unser Herr das irdische Paradies -schuf, und daß dort vier Flüsse aus einer Quelle entspringen. Ich finde -nicht und habe noch nie gefunden irgend eine Schrift der Griechen oder -Lateiner, welche genau die Lage des Paradieses angebe und habe es noch -auf keiner Karte gefunden, welche nach zuverlässigen Angaben gemacht -ist. Einige verlegen es nach Aethiopien an die Quellen des Nil; aber -andere, welche diese Länder durchzogen, fanden weder die Temperatur, -noch die Sonnenhöhe ihren<span class="pagenum"><a name="Seite_291" id="Seite_291">[S. 291]</a></span> Ideen entsprechend. Andere wieder haben das -Paradies auf den Canarischen Inseln gesucht.“</p> - -<p>„St. Isidor, Beda, Strabon (Walafried Strabo, der Verfasser der -scholastischen Geschichte) und St. Ambrosius, Scotus und alle gelehrten -Theologen stimmen darin überein, daß das Paradies im Osten lag. Ich -nehme nicht an, daß das irdische Paradies auf einem steilen Berge -liege, wie man es uns gelehrt hat, sondern daß dasselbe auf der Höhe -der angedeuteten Anschwellung der Erde gelegen sei, welche sich aus -weiter Ferne in unmerklichem Ansteigen erhebt, und daß niemand auf -den Gipfel kommen kann; daß aber alle die Wasser, welche hier die See -bedecken (am Golfe von Paria), von dort herabkommen. Auch glaube ich -nicht, daß dieser erhabene Ort schiffbar ist oder daß dort Wasser sich -findet, vielmehr halte ich es für unmöglich, dahinanzusteigen, weil -ich überzeugt bin, daß ohne den Willen Gottes niemand zu dem Orte des -irdischen Paradieses gelangen kann.“</p> - -<p>„Es sind hier also gewichtige Anzeichen für die Nähe des Paradieses, -und die Ansichten der heiligen und gelehrten Theologen stimmen mit -meinen Beobachtungen überein. Und wenn die Wasser (des Orinoco) nicht -aus dem irdischen Paradiese kommen, so scheint das ein noch größeres -Wunder zu sein, weil ich nicht glaube, daß man auf der ganzen Welt -einen so mächtigen und tiefen Fluß findet. Und ich glaube,“ fügt -Columbus an einer andern Stelle hinzu, „daß, wenn der erwähnte Fluß -nicht aus dem irdischen Paradiese käme, derselbe in einem ausgedehnten -Lande im Süden entspringen müßte, von welchem wir bisher noch keine -Kunde gehabt haben.“</p> - -<p>Las Casas läßt den Entdecker sogar die Worte gebrauchen: „Sollte -es doch ein Festland sein, so wird die gelehrte Welt tief darüber -erstaunen.“<a name="FNAnker_266_266" id="FNAnker_266_266"></a><a href="#Fussnote_266_266" class="fnanchor">[266]</a> Der Verfasser der <span class="antiqua">vida del Almirante</span> berichtet -dazu noch bestimmter, daß Columbus, nachdem er mehrere Inseln entdeckt -hatte, überzeugt gewesen sei, in Paria das Festland erreicht zu haben, -weil er darin einen mächtigen Strom gefunden, und weil er die Angabe -der Bewohner auf den kleinen Antillen bestätigt gesehen, welche von -einem großen Lande im Süden gesprochen. Um so befremdender erscheint -das Benehmen des Admirals, der schon am zweiten Tage, nachdem er -den Drachenschlund glücklich durchsegelt hatte, mit der Strömung -gegen Nordwesten zwischen den Testigos und der Insel Margarita -hindurchsteuernd, die kaum als continental erkannten Küsten wieder -verließ und, indem er die begonnene Entdeckung kurz abbrach, nach Haiti -segelte.</p> - -<p>War der Eindruck seiner Paradies-Hypothese so mächtig, daß er sein -Auge gegen die ermittelte Existenz einer großen Landmasse verschloß, -oder beherrschten seine Autoritäten, welche in diesen Erdstrichen -von einem Festlande nichts wußten und nichts berichteten, auch jetzt -noch seine Ansichten so sehr, daß er ihnen gegenüber und ihnen -entgegengesetzt nicht auszusprechen wagte, was der Augenschein lehrte? -Das Räthsel wird nicht gelöst durch<span class="pagenum"><a name="Seite_292" id="Seite_292">[S. 292]</a></span> die vorgebrachte Entschuldigung, -es habe seinen Schiffen bereits an Lebensmitteln gefehlt und er selbst -sei von einem Augenleiden befallen gewesen, so daß er sich von den -Piloten habe berichten lassen müssen. Denn wenn er wirklich zu einer -längeren Erforschungsreise ausgerüstet war, konnten doch die Vorräthe -nach Verlauf von 14 Tagen (denn länger weilte er nicht an der Küste -Südamerikas) nicht schon erschöpft sein. Auch auf den früheren Reisen -war er wochenlang durch Krankheiten an der persönlichen Leitung -der Schiffe behindert, ohne seine Unternehmungen deshalb sofort -abzubrechen. Vielleicht war es, wie Peschel angibt,<a name="FNAnker_267_267" id="FNAnker_267_267"></a><a href="#Fussnote_267_267" class="fnanchor">[267]</a> innere Unruhe -über das Schicksal der Colonie, die er seit 29 Monaten verlassen; -weniger wohl Besorgniß, daß die Lebensmittel, welche er zuführte, -verderben möchten, denn der größere Theil seiner Flotte war bereits von -den Canarien aus direct nach Hispaniola gegangen.</p> - -<p>Daß er selbst den rein geographischen Werth seiner neuen Entdeckung -weniger würdigte, darf man wohl aus den wunderlichen Theorien -schließen, welche er darauf aufbaute, und daß er gegen die -Weiterführung der Küstenaufnahmen ziemlich gleichgültig geworden war, -spricht auch Humboldt aus:<a name="FNAnker_268_268" id="FNAnker_268_268"></a><a href="#Fussnote_268_268" class="fnanchor">[268]</a> „Columbus legte bei seiner dritten -Reise mehr Werth auf die Perlen der Insel Margarita und Cubagua als auf -die Entdeckung der Terra firma, da er bis zu seinem Tode fest überzeugt -war, schon im November 1492 auf seiner ersten Reise in Cuba einen Theil -des festen Landes von Asien berührt zu haben.“</p> - -<p>Möglicherweise wollte er auch den immer lauter werdenden Widersachern -in Spanien nicht neue Veranlassung zu dem schon oft gehörten Vorwurf -geben, daß er in nutzlosen Fahrten viel Geld vergeude, sondern wollte -sich ganz der Pflege und Ausbeutung seiner Colonie widmen, um sie -so bald wie möglich von den Unterstützungen durch das Mutterland -unabhängig zu machen.</p> - -<p>In fünf Tagen segelte das Geschwader von der Küste des Continents -über das caribische Meer nach Haiti. Die westliche Abdrift führte -die Schiffe über ihr Ziel hinaus, so daß, als Columbus das Ufer -seines Coloniallandes erreicht hatte, der Cours, nach Osten zurück, -eingeschlagen werden mußte, um den Platz der neuen von Bartolomé Colon -gegründeten Stadt San Domingo zu erreichen, welche an der Mündung des -Ozamáflusses lag.</p> - -<h4 id="Die_Zustaende_auf_Haiti">11. Die Zustände auf Haiti und die -Gefangennahme des Columbus.</h4> - -<p>Während der Abwesenheit des Vicekönigs hatte sein Bruder Bartolomé als -Adelantado oder Statthalter die Colonie verwaltet, die Zahl der festen -Häuser auf der Insel vermehrt und die Häuptlinge zur Anerkennung der -spanischen Oberhoheit gebracht. Der ihnen auferlegte Tribut bestand -entweder in Gold oder in anderen den Spaniern willkommenen Erzeugnissen -des Landes. Unter dem thätigen Hieronymiten Fray Ramon Pane, welcher<span class="pagenum"><a name="Seite_293" id="Seite_293">[S. 293]</a></span> -innerhalb eines Jahres die Sprache der Eingeborenen erlernte, und unter -dem Franziskaner Fray Juan Borgoñon hatte das Bekehrungswerk unter den -Indianern begonnen. Nach dieser Richtung war also die Befestigung der -Colonie in günstiger Entwicklung begriffen. Anders verhielt es sich -mit den eingewanderten Spaniern, den Soldaten und Colonisten. Hier -trat der tiefe Gegensatz der Nationalitäten immer greller zu Tage. Daß -sie genuesischen Fremdlingen gehorchen mußten, ertrug ihr Stolz mit -Widerwillen. Der Adelantado forderte strenge Manneszucht; statt des -erträumten glückseligen Lebens, dessen Vorspiegelungen sie über das -Meer gelockt hatten, warteten ihrer angestrengte Arbeiten, sollten sie -mit Entbehrungen aller Art, selbst mit Hungersnoth kämpfen und wurden -in unablässigen Märschen nach allen Theilen des Landes ermüdet.</p> - -<p>Während der Abwesenheit des Statthalters brach in der Stadt Isabella -der Aufstand aus. Der Commandant Diego Colon, dem es überhaupt an -Energie zu fehlen schien, gerieth in eine mißliche Lage, um so mehr, -als der Oberrichter <em class="gesperrt">Francisco Roldan</em> sich an die Spitze der -Unzufriedenen stellte. Bei der Rückkehr des Adelantado mußte Roldan -mit seinem Anhange aus der Stadt weichen, fuhr aber fort, die Familie -des Columbus zu verdächtigen und zu schmähen als Feinde des spanischen -Blutes. Auch das wurde besonders den Genuesen zum Vorwurf gemacht, daß -sie die Goldminen als Familienmonopol behandelten. Um die Indianer -für sich zu gewinnen, erklärte Roldan ihnen, er wolle sie gegen die -Bedrückungen des Statthalters schützen. In Folge dessen verweigerten -jene den Tribut und lieferten keine Nahrungsmittel mehr. Selbst -die treugebliebenen Spanier wurden durch die nun eintretende Noth -entmuthigt und begannen zu desertiren, und wenn nicht im Anfange des -Jahres 1498 zwei Schiffe von Spanien neue Lebensmittel und Mannschaften -gebracht, so hätte schon damals die Colonie sich vielleicht -aufgelöst. Durch diese Zufuhr gewann Bartolomé Colon neue Kräfte, -die aufrührerischen Caziken zu bändigen und Roldan in den entfernten -Gau von Jaragua zu verdrängen, wo derselbe sich einem üppigen Leben -hingab und seinem Gefolge Zügellosigkeiten und Bedrückungen aller Art -gestattete. Ende Juli kamen die drei von Columbus vorausgesendeten -Schiffe an die Südseite von Haiti, wo Roldan Gelegenheit fand, sofort -einen Theil der neuen Ankömmlinge auf seine Seite zu ziehen, und grade -einen Monat später traf auch der Admiral selbst bei der neugegründeten -Stadt San Domingo ein. Vor allem war ihm daran gelegen, den Unfrieden -unter den Spaniern, durch welchen die Entwicklung der Colonisation -vollständig gelähmt wurde, zu beseitigen. Da er sah und hörte, daß -viele des unerquicklichen Lebens und Treibens auf der Insel überdrüssig -geworden waren, denn man vernahm oft den auffälligen Schwur: „So -wahr mich Gott wieder nach Castilien bringe“, so erließ Columbus -eine Bekanntmachung, in welcher er jedem Spanier gestattete, auf -einem der fünf zur Abfahrt nach Spanien vorbereiteten Schiffe in die -Heimat zurückzukehren. Er hoffte dadurch besonders die Zahl seiner<span class="pagenum"><a name="Seite_294" id="Seite_294">[S. 294]</a></span> -Widersacher und der Misvergnügten zu lichten. Aber Roldan und seine -Partei gingen darauf nicht ein; sie hielten sich für mächtig genug, -dem Vicekönige zu trotzen. Dieser ließ sich dann sogar dazu herbei, -einen freundlichen Brief an den Oberrichter zu schreiben und eine -Versöhnung anzutragen, fand aber auch dafür kein Gehör; denn seine -Gegner erkannten seine hilflose Lage, daß er ohne Geld gekommen und -seinen Soldaten den rückständigen Sold nicht bezahlen, sich bei einem -ausbrechenden Kampfe also auch nicht auf sie verlassen konnte.</p> - -<p>Die Flotte, auf welcher Columbus gekommen war, mußte, nach dem Vertrage -mit den Rhedern, binnen Monatsfrist wieder abgefertigt werden, und -wenn er sie auch bis über sechs Wochen zurückbehielt, so mußte er -sie doch endlich am 18. October entlassen, ohne, wie er gewünscht -hatte, den spanischen Monarchen von dem wiedergewonnenen Frieden in -der Colonie berichten zu können. Er schilderte in seinem Briefe seine -Gegner als Diebe, Schurken, Räuber und Landstreicher und erklärte in -seiner Aufregung, er werde sich noch genöthigt sehen, die äußersten -Gewaltmaßregeln anzuwenden, um diese Friedensstörer zu vernichten.</p> - -<p>Natürlich hatte auch die Gegenpartei Gelegenheit gefunden, in einem -Schreiben an die Regierung ihr Verhalten zu begründen und über -den Admiral und seine Verwandten die ärgsten Beschuldigungen von -Willkürherrschaft und Grausamkeit vorzubringen, wodurch die Feindschaft -gegen die Genuesen am spanischen Hof neue Nahrung gewann. Das konnte -freilich nicht ohne bedenkliche Folgen auf die Anschauung der Monarchen -bleiben.</p> - -<p>Columbus sah sich wieder zu neuen Verhandlungen getrieben und mußte -schließlich, wenn auch widerstrebend, unter schimpflichen Bedingungen -mit den Meuterern Frieden machen. Dieselben erhielten demgemäß zwei -Schiffe mit Proviant, um nach Spanien zurückkehren zu können. Auch -mußte ihnen der Vicekönig einen Schein ausstellen, wonach ihnen der -rückständige Sold in Spanien bezahlt werden sollte und ertheilte ihnen -schließlich sogar noch das Zeugniß, daß sie sich in Indien um den König -wohl verdient gemacht hätten. Alle, welche in Indien bleiben wollten, -erhielten freie Geleitsbriefe.</p> - -<p>Weil aber Columbus die versprochenen Schiffe zur gesetzten Frist nicht -ausrüsten konnte, erklärten seine Gegner auch diesen Vertrag für -nichtig. So dauerte die Zwietracht bis zum September 1499. Endlich -bequemte sich Columbus sogar dazu, Roldan wieder als Oberrichter -einzusetzen, dessen Parteigenossen mit Ländereien zu beschenken und -zu gestatten, daß, wenn der rückständige Sold nicht voll ausgezahlt -werde, die Meuterer das Recht haben sollten, diese Zusagen mit Gewalt -zu erzwingen.</p> - -<p>Tiefer konnte sich ein Statthalter nicht erniedrigen, als in solcher -Weise den Aufruhr durch Belohnung auszuzeichnen. Zwar hatte Columbus -gar nicht die Absicht, diese Versprechungen zu halten, und darum den -Vertrag an Bord eines Schiffes unterzeichnet, wo er, wie er sich selbst -und auch seinem königlichen Herrn zu bereden suchte, nur in seiner -Stellung als<span class="pagenum"><a name="Seite_295" id="Seite_295">[S. 295]</a></span> <em class="gesperrt">Admiral</em> rechtskräftige Urkunden unterzeichnen -konnte, während der Ausgleich mit den Meuterern hätte von ihm auf dem -Lande in seiner Eigenschaft als <em class="gesperrt">Vicekönig</em> vollzogen werden -müssen.<a name="FNAnker_269_269" id="FNAnker_269_269"></a><a href="#Fussnote_269_269" class="fnanchor">[269]</a> Aber zeigte er durch solche Handlungs- und Denkweise nicht -auf das klarste, daß ihm zu einer höchsten Verwaltungsstelle alle -Befähigung abging?</p> - -<p>In Spanien hörten die Klagen gegen ihn nicht auf. Daß er den Antheil -der Krone an der Ausbeute aus den Goldminen nicht rechtzeitig -einsandte, nannte man bereits Unterschlagung; und daß er den -Oberrichter Roldan, den er selbst gleichsam als seinen Liebling -großgezogen und zu der hohen Stellung vorgeschlagen hatte, jetzt als -seinen gefährlichsten Feind bezeichnete, mußte Bedenken erregen. Die -Königin war erzürnt, daß Columbus mit dem letzten Geschwader wiederum, -um dem Fiscus Geld zuzuführen, eine Fracht von Sklaven gesendet hatte, -statt der so oft in Aussicht gestellten Schätze von edlem Metall und -Gewürzen.</p> - -<p>Man sah wohl, daß die Colonie unter den beständigen Wirren ihrer -Auflösung entgegenging. Ein Mittel, die Ordnung wieder herzustellen, -bot sich in dem Wunsche des Vicekönigs, welcher um einen tüchtigen -Richter bat, um die Streitigkeiten auf der Insel zu untersuchen und -Recht zu sprechen. Aber die königliche Vollmacht, welche dem neuen -Richter auch die ganze Verwaltung der Insel übertrug und von Columbus -sogar die Uebergabe der höchsten militärischen Gewalt verlangte, -ging wiederum zu weit, weil sie die wiederholt bestätigten Rechte -des Genuesen als Vicekönig ohne weiteres bei Seite schob.<a name="FNAnker_270_270" id="FNAnker_270_270"></a><a href="#Fussnote_270_270" class="fnanchor">[270]</a> -<em class="gesperrt">Francisco de Bobadilla</em>, dem so weitgehende Befugnisse durch -Decret vom Mai 1499 ertheilt wurden, erhielt sogar das Recht, jeden, -der ihm für das Wohl der Colonie gefährlich schien, mit Gewalt aus -der Insel zu entfernen. Seine Entsendung nach Haiti erfolgte aber -erst im Sommer 1500, seine Ankunft vor San Domingo am 23. August. In -der Woche zuvor hatte Columbus noch sieben Spanier mit dem Tode am -Galgen bestraft, weil sie Unruhen anstifteten; und doch schrieb er -an die Amme des Prinzen Juan: „als Bobadilla nach S. Domingo kam, -war <em class="gesperrt">die Insel ruhig</em>“. Bobadilla sah die Leichen der Erhängten -noch am Galgen beiderseits der Einfahrt in den Hafen, und sah diese -Art der Justiz als einen Beleg für die Grausamkeit des Genuesen an, -welcher er entgegentreten müßte. Weder der Admiral noch sein Bruder -Bartolomé waren um diese Zeit in der Stadt anwesend. Bobadilla -landete am nächsten Morgen mit seiner Schar, und ließ, nachdem er in -der Kirche der Messe beigewohnt, seine Beglaubigungsschreiben der -versammelten Menge vorlesen. Als er dann noch zum Schluß das königliche -Mandat verkündigte, daß allen in königlichen Diensten Stehenden der -rückständige Gehalt ausgezahlt werden solle, hatte er<span class="pagenum"><a name="Seite_296" id="Seite_296">[S. 296]</a></span> bereits einen -großen Theil der Spanier gewonnen. Dann drang er mit Gewalt, aber -ohne Blutvergießen in die Festung ein und ließ sich die Gefangenen -ausliefern, um seinem Amte gemäß ihre Vergehen zu untersuchen. Seine -Wohnung nahm er im Hause des Columbus, dessen Eigenthum und Papiere -er mit Beschlag belegte, als sei er nur abgesendet, dem Vicekönig -den Proceß zu machen, nicht aber, die Rechtsansprüche <em class="gesperrt">beider</em> -Parteien zu prüfen. Das ganze Volk zog er aber dadurch auf seine Seite, -daß er am nächsten Tage verkündigen ließ, in den nächsten 20 Jahren -könne jedermann ungehindert sich mit Goldgewinnung befassen, falls -nur der eilfte Theil des Ertrages an die Krone abgeliefert würde. -So entfremdete er mit Ausnahme der wenigen Getreuen dem Vicekönig -die Gemüther aller Spanier und konnte es auch wagen, indem er den -ihm gewordenen königlichen Auftrag verkannte und überschritt, Hand -an den Admiral und seine Verwandten zu legen. Gebieterisch fordert -er diesen auf, vor ihm zu erscheinen, und Columbus leistete, als er -die königlichen Befehle gesehen, Folge, indem er ohne Begleitung -nach San Domingo reiste. Mittlerweile hatte Bobadilla den Bruder des -Vicekönigs, Don Diego, in Ketten an Bord eines seiner Schiffe bringen -lassen. Gleiches Schicksal widerfuhr kurz darauf dem Admiral selbst. -Bobadilla erreichte von dem Gefangenen sogar, daß dieser seinem -energischen Bruder Bartolomé schrieb, er möge sich gleichfalls der -königlichen Entscheidung unterwerfen. So wurde auch der dritte von den -genuesischen Brüdern gefesselt. Bobadilla scheute sich, persönlich -mit den Gefangenen zu verkehren. „Ich habe nie mit ihm gesprochen,“ -klagte Columbus in seinem Briefe an die Amme des Prinzen, „auch hat er -keinem anderen erlaubt, mit mir zu sprechen. Ein Gouverneur, der z. B. -nach Sicilien geschickt wird und das Land nach bestehenden Gesetzen -friedlich regiert, hat eine ganz andere Stellung als ich in einem ganz -fremden, neu unterworfenen Lande mit fremden Menschen und Sitten. -Wenn ich geirrt habe, so geschah es ohne Schuld oder unter dem Zwange -der Verhältnisse. Was mich am meisten kränkt, ist die Wegnahme meiner -Papiere, die ich nie wieder sammeln kann, und die meine Unschuld am -besten beweisen würden.“<a name="FNAnker_271_271" id="FNAnker_271_271"></a><a href="#Fussnote_271_271" class="fnanchor">[271]</a></p> - -<p>Columbus war durch die ihm widerfahrene Schmach so vollständig -gebrochen, daß er selbst für sein Leben fürchtete. Als der Hidalgo -Alonso de Villejo, ein Verwandter Fonsecas, mit der Wache bei ihm -erschien, um ihn aufs Schiff zu bringen, fragte Columbus, in dem -Glauben, man führe ihn zum Tode: „Villejo, wohin führt Ihr mich?“ „Aufs -Schiff um abzusegeln,“ lautete die Antwort. „Abzusegeln?“ wiederholte -der Admiral fast ungläubig. „Villejo, redet Ihr die Wahrheit?“ Erst bei -der wiederholten Versicherung,<span class="pagenum"><a name="Seite_297" id="Seite_297">[S. 297]</a></span> daß man ihn nicht täusche, fühlte sich -Columbus beruhigt. Auch fand er sowohl bei dem Schiffscapitän Andreas -Martin als bei Villejo Ehrerbietung und Theilnahme. Man wollte ihm -die Ketten abnehmen; aber er lehnte es ab: Spanien sollte die Schmach -sehen, die ihm, angeblich auf königliches Geheiß, als Lohn für seine -hohen Verdienste angethan war. Eine kurze und glückliche Ueberfahrt -ließ ihn schon in der letzten Woche des November 1500 in Cadiz landen.</p> - -<p>Der Hof befand sich in Granada. Der Capitän Andreas Martin hatte -gestattet, daß Columbus einen Brief an die Amme des Prinzen richten -dürfe, welche, wie er wußte, bei der Königin bedeutenden Einfluß besaß. -So gelangte die Darstellung der Verhältnisse nach seiner Auffassung -eher zu Ohren des Königpaars, als der bestimmt feindselige Bericht -Bobadilla’s.</p> - -<p>Wie es schon in Cadiz und Sevilla, soweit die Kunde gedrungen war, das -größte Aufsehen erregte, daß man den Entdecker der neuen Welt in Ketten -nach Spanien zurückbefördert hatte, so fühlten auch die Monarchen, daß -die gleichsam in ihren Namen dem Vicekönig angethane Schmach ihren -Schatten auf die eigne Majestät werfe, und gaben daher sofort ihr -höchstes Misfallen darüber zu erkennen. Columbus sollte sogleich seiner -Fesseln entledigt und mit aller ihm gebührenden Auszeichnung behandelt -werden. Zu gleicher Zeit ließen sie ihm eine bedeutende Summe (2000 -Ducaten) zustellen, damit er seinem Range gemäß reisen und bei Hofe -erscheinen könne. Daß er in seinen Ketten vor dem Thron erschienen, -darf wohl als romantische Ausschmückung bezeichnet werden; eher aber -dürfen wir dem Zeugniß Herreras<a name="FNAnker_272_272" id="FNAnker_272_272"></a><a href="#Fussnote_272_272" class="fnanchor">[272]</a> glauben, daß Columbus, als er vor -den Majestäten am 17. December erschien, und dem Königspaar knieend -seine Huldigung darbrachte, vor innerer Bewegung nicht sprechen konnte.</p> - -<p>Wenn ihm auch bei dieser Gelegenheit und in Zukunft stets mit -Auszeichnung begegnet wurde, und er darin eine Vergeltung für das ihm -zugefügte bittere Unrecht erblicken konnte, so sah er sich in dem -Einen, was er vor allem wünschte, getäuscht, daß er nicht wieder in -seine Hoheitsrechte über die neue Welt eingesetzt wurde.</p> - -<h4 id="Die_letzte_Reise_des_Columbus">12. Die letzte Reise des Columbus.</h4> - -<p>Es scheint, als ob König Ferdinand vor der Hand nicht daran dachte, -den einmal vollendeten Eingriff in die Rechte des Columbus wieder -rückgängig zu machen. Die Verwaltung der indischen Colonien mußte -vor allem in einen geregelten Gang gebracht werden. Bobadilla hatte -sich durchaus untauglich gezeigt durch die übereilte Parteinahme -gegen den rechtmäßigen Statthalter, den er, ohne ihn nur zu sehen und -zu hören, von der Insel entfernte. Seine Anordnungen lockerten alle -Bande, Zügellosigkeit und Gesetzwidrigkeiten<span class="pagenum"><a name="Seite_298" id="Seite_298">[S. 298]</a></span> traten an die Stelle -der straffen Zucht Bartolomé’s, so daß die bessern Elemente sich von -dem neuen Regimente abwandten. Auch war man auf der Insel selbst dem -beseitigten Befehlshaber eine entschiedene Genugthuung schuldig. -Daher wurde im königlichen Rathe beschlossen, Bobadilla durch den -gerechten und unparteiischen Don Nicolas de <em class="gesperrt">Ovando</em> zu ersetzen; -denn es galt zu gleicher Zeit auch, den nutzlosen Bedrückungen und -Grausamkeiten, welche sich die spanischen Herren über ihre indischen -Unterthanen erlaubten, ein Ziel zu setzen. Ovando erhielt von der -Königin Isabella den ausdrücklichen Befehl, den Caziken und andern -Indianern die bestimmte Versicherung zu geben, daß sie selbst ihre -neuen Unterthanen in jeder Beziehung zu beschützen gesonnen sei. -Nur für den königlichen Dienst sollten die Indianer zu Arbeiten -herangezogen werden dürfen. Dieses letzte Recht bot aber in der -Folgezeit wieder die Handhabe für fortdauernde neue Quälereien. Auch -sollte es gestattet sein, gewiß in der guten Absicht, die Indianer zu -entlasten, Negersklaven nach Haiti einzuführen entweder von Spanien -oder von der Westküste Afrikas, wo der Menschenhandel schon seit -langer Zeit bestand. Damit war der erste Anlaß zu dem für Amerika -so verhängnißvoll gewordenen schwarzen Sklaventhum gegeben, welches -in den folgenden Jahrhunderten so oft zu blutigen Conflicten und -staatserschütternden Kämpfen führen und — ein eignes Verhängniß — -nach 300 Jahren grade die erste spanische Colonie, Haiti, ganz in die -Hände der Schwarzen und Farbigen liefern sollte.</p> - -<p>Das von Bobadilla confiscirte Vermögen des Statthalters sollte -Ovando zurückfordern, die dem Vicekönig zustehenden Einkünfte ihm -ungeschmälert überweisen, die von Bobadilla erlassene Verfügung -bezüglich des freien Bergbaus auf Gold wieder aufheben.</p> - -<p>Das Vertrauen, welches man in Spanien auf die Tüchtigkeit Ovando’s -setzte und die Hoffnung, mit seinem Eintreffen in Haiti die Colonie -geordneten Verhältnissen wieder zugeführt zu sehen, ermuthigte eine -große Zahl von Auswanderungslustigen, ihr Heil in der neuen Welt zu -suchen. So segelte er mit 30 Schiffen und 2500 Personen am 13. Februar -1502 von San Lucar de Barrameda ab. Ein Schiff ging leider im Sturm -unter, die übrigen erreichten indeß am 15. April ihr Ziel. Ovando wurde -ohne Schwierigkeit, nachdem er die königlichen Befehle vorgelegt, als -Statthalter anerkannt. Gegen Bobadilla, dessen Ansehen mit einem Male -verschwand, wurde keine Untersuchung eingeleitet, doch mußte er nach -Spanien zurückkehren. Roldan dagegen und seine eifrigsten Parteigänger -wurden in Haft genommen und zur Verurtheilung auf die Flotte gebracht, -welche den neuen Befehlshaber herübergeführt hatte. Nachdem dieselbe -befrachtet war, sollte sie in die Heimat zurückkehren.</p> - -<p>Columbus hatte inzwischen, da er sah, daß er nicht sofort in seine -westindische Herrschaft wieder eingesetzt werde, sich zu einer neuen -großen Entdeckungsfahrt gegen Westen erboten. Man darf annehmen, daß -die Erfolge der Portugiesen einen wesentlichen Einfluß auf seine -neuen Pläne aus<span class="pagenum"><a name="Seite_299" id="Seite_299">[S. 299]</a></span>übten. Vasco da Gama war im September 1499 aus dem -indischen Gewürzlande zurückgekehrt, zu einer Zeit also, wo Columbus -noch in heftigem Kampfe gegen Roldan lag. In Spanien hatte er weitere -Nachrichten über Indien eingezogen, und da er sich überzeugt hielt, -das Ostgestade des asiatischen Continents bereits in Cuba und Paria -berührt zu haben, da ferner durch die Entdeckungsfahrten spanischer -Privatunternehmer, der Hojeda, Vespucci, Pinzon noch weitere -Küsten des Festlandes, zu welchem Paria gehörte, besucht waren, so -schloß er daraus, eine Fahrt zwischen Cuba und Paria gegen Westen -werde ihn nach dem portugiesischen Indien bringen. Die gewaltige -Meeresströmung, welche an der Küste Südamerikas ungestüm nach Westen -drängte, mußte nach seiner Vorstellung durch eine noch unerforschte -Meerenge führen, hinter welcher er das indische Meer „jenseits des -Ganges“, wie es seit dem Alterthum genannt wurde, zu finden meinte. -Durch diese Vorstellungen war die Richtung der neuen von ihm ins Auge -gefaßten Unternehmung bestimmt. Sein Plan wurde von den spanischen -Souveränen gern genehmigt, und so konnte er bereits im Herbste 1501 -an die Vorbereitungen zur Ausrüstung der bewilligten Schiffe gehen. -Er scheint selbst sein Leben daran setzen zu wollen, um einen großen -Erfolg zu erzielen; aber als ein vorsichtiger Mann wollte er dabei die -Zukunft seiner Familie möglichst sicher stellen. Darum ließ er von den -wichtigsten Dokumenten beglaubigte Abschriften nehmen und dieselben -in der Bank von Genua niederlegen. Darunter befand sich auch die am -14. März 1502 von der Krone gegebene erneuerte Versicherung, daß ihm -und seinen Kindern alle seine verbrieften Rechte unverkürzt erhalten -bleiben sollten. Er hatte vier kleine Caravelen, von 70 resp. 50 Tons -ausgerüstet und mit 150 Leuten bemannt. Sein Bruder Bartolomé, der ihm -überall die kräftigste Stütze gewesen war, sowie sein jüngerer, damals -erst 13jähriger Sohn Ferdinand begleiteten ihn.</p> - -<p>Am 9. Mai 1502 ging er von Cadiz aus in See. Beseelt von frommer -Hoffnung, daß seine Unternehmung gelingen werde, schrieb er von den -Canarien aus an seinen Freund und Rathgeber, der Karthäusermönch -Gaspar Gorricio in Sevilla. „Ich reise im Namen der heiligen Trinität -und hoffe auf Sieg“.<a name="FNAnker_273_273" id="FNAnker_273_273"></a><a href="#Fussnote_273_273" class="fnanchor">[273]</a> Eine rasche Fahrt von 19 Tagen brachte das -Geschwader von den Canarischen Inseln über den Ocean nach Martinique -(Matinino) und von hier an den kleinen Antillen und der Südküste -von Puertorico entlang nach San Domingo. So lange seine Schiffe im -Stande waren, wollte er seine Reise beeilen, aber da eins derselben -zur Forschungsreise untauglich war und schlecht segelte, so wollte er -dasselbe gegen ein besseres vertauschen und dieses auf seine Kosten -ausrüsten lassen. Im Haupthafen von San Domingo lag die große Flotte -noch vor Anker, als er am 29. Juni vor der Stadt erschien. Aber -Ovando gestattete dem Admiral nicht, ans Land zu<span class="pagenum"><a name="Seite_300" id="Seite_300">[S. 300]</a></span> kommen und Columbus -hinwieder hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, sein gesunkenes -Ansehen in seiner Colonie wieder zu heben, wenn er als Befehlshaber -eines Geschwaders einlaufe. Nur die von ihm aus Spanien mitgebrachten -Briefe konnten abgegeben werden, Ovando lehnte jede weitere Annäherung -ab. Auch darin fand Columbus kein Gehör, daß er aus astrologischen -Ursachen<a name="FNAnker_274_274" id="FNAnker_274_274"></a><a href="#Fussnote_274_274" class="fnanchor">[274]</a> den nahebevorstehenden Ausbruch eines furchtbaren Sturmes -verkündete und daher den Statthalter Ovando warnte, vor Ablauf einer -Woche die im Hafen segelbereite Flotte, auf welcher sich Bobadilla, -Roldan u. a. befanden, nicht abfertigen zu wollen.</p> - -<p>Wenn nun bald darauf, als die Flotte wirklich ausgelaufen war, der -Orkan losbrach, gegen 20 Schiffe mit Mann und Maus verschlang und -dabei auch Bobadilla und Roldan vernichtete; wenn von allen Fahrzeugen -nur ein einziges, und dazu ziemlich gebrechliches, welches aber das -wieder ausgelieferte Vermögen des Admirals an Bord hatte, endlich nach -Spanien die Reise fortsetzen konnte: mußte Columbus in allem nicht die -unmittelbare Hand Gottes und sein Strafgericht erkennen? Er selbst -hatte sich mit seinen vier Schiffen in die Nähe der Küste geflüchtet -und dort das verderbliche Unwetter glücklich überstanden, wenn auch -der schlechte Segler, den sein Bruder befehligte, aufs Meer getrieben -und seiner Böte beraubt wurde. „Der Sturm war furchtbar,“ schreibt -Columbus, „die Schiffe wurden getrennt und ich fürchtete, daß die -übrigen untergegangen. Wie schmerzlich ist es bei solcher Gefahr und in -Angst um den Sohn, den Bruder, die Freunde, nicht ans Land oder in den -Hafen flüchten zu dürfen, an einer Küste, welche ich unter so vielen -Mühseligkeiten für Spanien selbst gewonnen habe.“</p> - -<p>Am 14. Juli segelte Columbus von Haiti ab und steuerte, indem er die -Inseln Jamaica und Cuba zur Rechten ließ, grade gegen Westen. Jenseits -Jamaica trieb ihn aber eine heftige Strömung gegen Nordwesten bis -zu der Region, wo die „Gärten der Königin“ lagen, doch sah er das -Land nicht. Von hier steuerte er nach der <span class="antiqua">terra firma</span> hinüber -und erreichte am 30. Juli die im äußeren Golf von Honduras gelegene -Insel Guanaja,<a name="FNAnker_275_275" id="FNAnker_275_275"></a><a href="#Fussnote_275_275" class="fnanchor">[275]</a> welche er nach dem prächtigen Fichtenwalde Isla -de Pinos nannte. Dort traf er mit yukatanischen Händlern zusammen, -welche in ihren großen, aus einem Stamm gefertigte Barken allerlei -Handelswaren hatten, als messingene Schellen, Messer und Beile von -hellem, durchscheinenden Stein, hölzerne Schwerter, deren Schneiden -aus scharfen Steinen bestanden, welche beiderseits in Rinnen eingefügt -waren, schön geschnitzte hölzerne und marmorne Gefäße, baumwollene, in -verschiedenen Farben gewebte Decken u. a. Columbus erkundigte sich bei -den Insassen der Böte nach dem Lande im Westen. Man nannte das Land der -Maya (Yukatan). Da die Handelswaren eine höhere<span class="pagenum"><a name="Seite_301" id="Seite_301">[S. 301]</a></span> Kultur verriethen, -als die Spanier bisher im westindischen Gebiete angetroffen, so wäre -Columbus, wenn er die Heimat der einheimischen Händler aufgesucht -hätte, zu den Städten in Yukatan, vielleicht gar an das Gestade von -Mexiko gelangt. Aber von der Vorstellung einer Meerenge beherrscht, -welche ihn weiter südlich um die vermeintliche hinterindische -Halbinsel, in deren Nähe er sich zu befinden glaubte, in den Golf -von Bengalen führen sollte, blieb der Admiral seinem Plane treu und -segelte statt nach Westen, nach Osten, und sah sich dadurch auch bei -der letzten Fahrt auf die Erforschung innerhalb des caribischen Meeres -beschränkt. Zunächst ging der Admiral nach dem im Süden gelegenen -festen Lande hinüber und landete in der Nähe des Cap Honduras, um -von dem neu entdeckten Gebiete für Spanien Besitz zu ergreifen. Es -scheint, daß er bei dem fortdauernd schlechten Wetter hier gegen 14 -Tage verweilte, dann steuerte er an der Küste gegen Osten. Aber die -heftigen Stürme und die furchtbare Gegenströmung ließen ihn kaum einen -Schritt vorwärts gewinnen. In einem Zeitraum von vier Wochen, vom 14. -August bis zum 12. September (Columbus gibt irrthümlich 60 Tage, Peter -Martyr richtiger 40 Tage, den Aufenthalt bei Guanaja eingerechnet), -legte er, unter stetem Laviren, nur einen Abstand von drei Meridianen -zurück. „Es regnete, donnerte und blitzte unaufhörlich, es sah aus, -als ob die Welt untergehen sollte. In der ganzen Zeit sah ich weder -Sonne noch Sterne. Meine Schiffe hatten furchtbar gelitten, die Segel -waren zerrissen. Wir hatten Anker, Takelwerk, Böte und eine große Menge -Vorräthe eingebüßt. Das Schiffsvolk war krank und niedergedrückt. -Manche gelobten ein religiöses Leben zu führen und alle verpflichteten -sich zu Walfahrt und Beichte. Wir haben manche Stürme erlebt, aber nie -einen von solcher Heftigkeit.“<a name="FNAnker_276_276" id="FNAnker_276_276"></a><a href="#Fussnote_276_276" class="fnanchor">[276]</a> Am meisten war Columbus um seinen -13jährigen Sohn besorgt; aber er fand einen Trost darin, daß dieser -sich auf der See bewährte. Dann machte er sich Vorwürfe darüber, daß er -seinen Bruder Bartolomé, den er gegen dessen Willen mitgenommen, stets -der äußersten Gefahr ausgesetzt sah, weil er sich auf dem schlechtesten -Fahrzeuge befand. Der Admiral selbst lag fieberkrank danieder, leitete -aber trotzdem von einer kleinen Cabine aus, die auf Deck errichtet -worden war, den Lauf des Schiffes. Krankheit und Sorgen preßten ihm die -Klage aus, daß er nun in 20 Dienstjahren voll Mühen und Gefahren noch -nichts gewonnen habe und bis jetzt in Castilien noch keinen Dachziegel -erworben habe, daß er in Spanien beständig auf das Wirthshausleben -angewiesen gewesen sei und meistens kaum die Mittel besessen habe, um -seine Rechnungen bezahlen zu können.</p> - -<p>So erreichte er endlich am 12. September das östlichste Vorgebirge von -Honduras, von wo die Küste nach Süden lief und ihm besseres Wetter und -günstiger Fahrwind in Aussicht stand.</p> - -<p>Zum Dank für die Errettung Aller nannte er jenes Vorgebirge <span class="antiqua">Gracias<span class="pagenum"><a name="Seite_302" id="Seite_302">[S. 302]</a></span> -à Dios</span> (Gott sei Dank), wie es noch heute heißt. Die Küste, -welche sich von da ab, zwischen dem 15° und 10° n. Br. nach Süden -zog, bewahrte zwar noch denselben Charakter, aber die Fahrt ging -leichter von statten. Hinter dem flachen, sandigen Strande breiten sich -zahlreiche Lagunen hin. Der Boden ist, bisweilen bis dicht ans Meer, -mit Pechtannen bewachsen oder mit üppigem Platanenwald bedeckt. Große -Savannenflächen breiten sich dazwischen aus. Die ganze Gegend gilt als -gesund. Erzgänge kennt man hier nicht; aber manche Flüsse, wie der Rio -Tinto gegen Norden, und der Rio Pataca scheinen reich an goldführendem -Sande zu sein.</p> - -<p>Am 25. September gelangte das Geschwader zu einer reizenden -Gestadeinsel, welche Columbus den Garten (la Huerta) benannte. -Am festen Lande lag, in der Nähe der Mündung eines Flusses, das -Indianerdorf Cariai.<a name="FNAnker_277_277" id="FNAnker_277_277"></a><a href="#Fussnote_277_277" class="fnanchor">[277]</a> Hier gönnte er (vielleicht in der Nähe der -heutigen Stadt Greytown) seiner Mannschaft eine längere Ruhe, ließ -die Schiffe ausbessern und Vorräthe einnehmen. Aus den Erkundigungen, -welche Bartolomé Colon am Lande einzog, ging hervor, daß weiter gegen -Südosten reiche Goldgestade ihrer warteten. So steuerten denn die -Schiffe am 5. October dieser verheißenden Küste zu und kamen nach zwei -Tagen in die heutige inselreiche Bai von Chiriqui. Die Indianer nannten -diese Gegend Cerabaró oder Carabaro. „Ich selbst,“ schreibt Columbus, -„erhielt Mittheilung über die gesuchten <em class="gesperrt">Goldbergwerke in der Provinz -Ciamba</em> und zwei Indianer führten mich nach Carambaru, wo das nackte -Volk Goldschmuck am Halse trug.“</p> - -<p>Die Provinz Ciamba, welche Columbus nennt, ist das schon von Polo -erwähnte Königreich Tschampa in Hinter-Indien. Der Irrthum des Admirals -erklärt sich aber, sowie wir einen Blick auf den Globus Behaims werfen. -Westlich von Cipangu (Haiti, nach Ansicht des Columbus) erstreckt sich -die Ostküste Asiens zwischen dem 20° und 10° n. Br. von Norden nach -Süden. An dieser Küste glaubte der Admiral angelangt zu sein, und eben -hier sehen wir auf Behaims Globus das Königreich Ciamba eingezeichnet. -So fest war auch hier wieder Columbus von seinen Ideen eingenommen, -daß er ohne weitere Erklärung und mit der größten Sicherheit von der -„Provinz Ciamba“ spricht.</p> - -<p>Wo südlich von der Mündung des Rio San Juan die Küste des -mittelamerikanischen Isthmus in den Staaten Costarica und Panama -sich im allgemeinen mehr nach Osten zieht, ändert sich die Natur des -Gestades. Dicht bewaldete Berge treten bis an die See; größere und -kleinere, zum Theil mit Berginseln malerisch besetzte Buchten öffnen -sich und bieten guten Ankergrund. Gegenüber von Carabaró lag auf den -anderen Seiten der herrlichen,<span class="pagenum"><a name="Seite_303" id="Seite_303">[S. 303]</a></span> fischreichen Bucht von Chiriqui die -Landschaft <em class="gesperrt">Aburéma</em>, beide reich an Gold in allen Flüssen. -Hier war es, wo Columbus die erste dunkle Kunde von dem großen Ocean -erhielt, diese Nachricht aber auf das indische Meer jenseits des -Ganges bezog. Neun Tagereisen quer durch das Land nach Westen lag -nach den Angaben der Indianer, denen man Glauben schenken durfte, das -goldreiche Land <em class="gesperrt">Ciguara</em>, dessen Bewohner Korallenschmuck im -Haar und große Korallenarmbänder trugen. Auch sollte dort der Pfeffer -bekannt sein. Columbus erfuhr weiter, daß in jenem Lande Messen -und Märkte abgehalten würden, daß die Leute kunstreich gearbeitete -Kleidung trügen, mit Schwertern, Bogen und Pfeilen bewaffnet, sogar mit -Harnischen gerüstet seien. Auch glaubte der Admiral aus den weiteren -Mittheilungen zu verstehen, daß das Volk auf seinen Schiffen Kanonen -führe und Streitrosse besitze. Die goldreiche Küste jenseits der Bai -von Chiriqui wurde nach einem Indianerorte <em class="gesperrt">Veragua</em> genannt. -Eine höhere, der Küste parallel laufende Gebirgskette war fast immer -in Wolken gehüllt. Ihre Gipfel schätzte Columbus auf 50,000 Fuß Höhe. -Am Fuß der Gebirge, sagte er, öffne sich ein Pfad zu dem asiatischen -Ostmeere, so daß Veragua und Ciguara einander gegenüber liegen wie -Tortosa und Fuentarabia in Spanien, oder Venedig und Pisa in Italien. -Er hoffte also, da er sich die mittelamerikanischen Landschaften -auf den einander gegenüberliegenden Küsten einer Halbinsel, wie -Spanien und Italien vorstellte, bei einer Weiterfahrt das Ende des -Landes umsegeln zu können und eine Meerenge zu finden in ähnlicher -Lage, wie südlich von Italien oder Spanien. Darum fügt er hinzu: Die -See umgibt Ciguara und in 10 Tagen kommt man von da zum Ganges. Er -glaubte also nahe dem südlichen Ende der hinterindischen Halbinsel zu -sein, wo nach der Vorstellung des Ptolemäus der Hafen Catigara lag. -Bestärkt wurde Columbus noch durch die Angaben der Kosmographie des -Aeneas Sylvius<a name="FNAnker_278_278" id="FNAnker_278_278"></a><a href="#Fussnote_278_278" class="fnanchor">[278]</a> (Papst Pius II.), welche er auf seinem Schiffe -mit sich führte. Hier fand er bei der Beschreibung Ostasiens, Katais -und Matschins (Großchinas) Mittheilungen über das Tätowiren, über -den Sonnenkultus u. a., was er an der Küste von Mittelamerika auch -beobachtet hatte, so daß er daraus folgerte, er sei in die Nähe des -alten Handelshafens von Catigara angelangt, die Halbinsel sei nur noch -9 Tagereisen breit und jenseits derselben erreiche man bei günstiger -Fahrt in 10 Tagen den Ganges.</p> - -<p>War diese Berechnung richtig und hatte er damit, auf die Autorität -des Ptolemäus bauend, welcher Catigara 180 Meridiane östlich von den -Canarischen Inseln ansetzt, gegen Westen segelnd, die Hälfte des -Erdballs umfahren, dann konnte auch der Umfang der Erde nicht so groß -sein, wie seit der Berechnung des Alterthums allgemein angenommen -wurde; denn er war sich wohl bewußt, daß er in geradem Abstande von -Osten nach Westen noch nicht eine so große Strecke durchmessen hatte, -welche der Hälfte des Erdumfanges<span class="pagenum"><a name="Seite_304" id="Seite_304">[S. 304]</a></span> entspräche. Aber auch vor dieser -Consequenz schreckte er nicht zurück und erklärte darum in seinem -Briefe aus Jamaica: <em class="gesperrt">Die Welt ist nicht so groß, als man gewöhnlich -annimmt</em>, denn ein Aequatorialgrad beträgt nicht 60 sondern nur -56⅔ Meilen (<span class="antiqua">millas</span>).<a name="FNAnker_279_279" id="FNAnker_279_279"></a><a href="#Fussnote_279_279" class="fnanchor">[279]</a></p> - -<p>Unter diesen Vorstellungen und in der sicheren Erwartung, die -Meerenge bald zu erreichen, segelte er weiter, ohne das Goldland -von Veragua genauer zu untersuchen. Am Abend vor Simon und Judä -wurde er widerstandslos vom Sturme fortgetrieben und fand erst nach -mehreren angstvollen Tagen Schutz vor der wilden See und dem rasenden -Sturme in einem prächtigen Hafen, dem er den Namen Puerto bello gab. -Hier blieb er vom 2. bis 9. November liegen, bis das Unwetter sich -ausgetobt zu haben schien. Nach den Goldminen von Veragua wollte er -nicht zurückkehren; er sah sie schon als spanisches Eigenthum an. -Unter heftigen Regengüssen segelte er weiter, wurde aber schon nach -kurzer Fahrt genöthigt, wider seinen Willen, an der schützenden Küste -eine Zuflucht gegen die von neuem losbrechenden Wetter zu suchen. Die -Umgebung des Hafenplatzes war wohl angebaut und bot eine willkommene -Fülle von Nahrungsmitteln, daher erhielt die Bucht den Namen <span class="antiqua">Puerto -de los bastimentos</span> (Hafen der Vorräthe). Sturm und Ungewitter -hielten ihn hier bis zum 23. November fest. Als er sich ohne günstiges -Wetter von neuem wieder hinauswagte, konnte er unter großer Anstrengung -nur 15 Meilen zurücklegen; denn Wind und Strömung waren ihm dermaßen -entgegen, daß er nach dem verlassenen Hafen zurückweichen mußte. -Unterwegs fand er einen andern Hafen, den er Retrete nannte. Es war ein -ganz kleiner, unbequemer Hafen, der von Sandbänken und Felsen umsäumt -war. Hier ward er von neuem auf die Dauer von 14 Tagen festgehalten. -Am 5. December, als er die Zufluchtsstätte verlassen und nur vier -Meilen weit gekommen war, brach der Sturm mit gesteigerter Wuth wieder -los und machte ihn völlig rathlos. Die schaumbedeckte See erhob sich -zu furchtbarer Höhe, wie er noch nie erlebt hatte. „Der Wind war uns -grade entgegen,“ so beschreibt Columbus diese Unwetter, „und machte es -uns unmöglich, nach einer vor uns liegenden Landspitze zu steuern. Die -See kochte wie ein Kessel über starkem Feuer. Tag und Nacht flammte -der Himmel von den zuckenden Blitzen, welche von so entsetzlichem -Donner begleitet waren, daß wir alle fürchteten, die Schiffe müßten -untergehen.“ Neun Tage schwebte er so in Lebensgefahr und während -dieser ganzen Zeit strömte das Wasser vom Himmel nicht wie Regen, -sondern wie eine neue Sündflut. Die Mannschaft wurde so muthlos, daß -sie den Tod als eine Erlösung aus diesem Jammer ansah. Zweimal hatten -die Schiffe bereits Verluste an Böten, Ankern und Tauwerk erlitten und -lagen nun ohne Segel bei.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_305" id="Seite_305">[S. 305]</a></span></p> - -<p>In der Nähe der eigentlichen Landenge von Panama wurde Columbus zur -Umkehr genöthigt. Seine Schiffe waren in dem erbärmlichsten Zustande -und hielten sich, von Bohrwürmern angegriffen, kaum noch über Wasser. -Aber auch auf dem Rückwege nach Veragua tobte das Wetter und hielten -widrige Winde ihn beständig auf, so daß er wiederholt sich in den -Schutz der Küste flüchten mußte; so auch am Weihnachtsabend, wo er aus -der bevorstehenden Opposition des Saturns mit der Sonne auf ein neues -Ausbrechen der Wuth der feindlichen Elemente sich glaubte gefaßt machen -zu müssen. Erst mit dem Beginn des neuen Jahres 1503 trat günstigeres -Wetter ein und so erreichte er, im Zustande höchster Erschöpfung, denn -die Mannschaft lag größtentheils krank darnieder, die Küste von Veragua -am Epiphaniastage und lief in den Fluß Belen oder Yebra ein, über -dessen Barre er zwar mit großer Schwierigkeit, aber doch glücklich in -stilles Fahrwasser gelangte. Am folgenden Tage brach der Sturm wieder -los und hätte es ihm unmöglich gemacht über die Barre zu kommen, wenn -er von dem Unwetter noch auf der See überrascht worden wäre. Der Regen -hielt bis zum 14. Februar an, so daß man anfangs nicht im Stande war -die Schiffe zu verlassen. Am 24. Januar schwoll der Fluß plötzlich so -gewaltig an, daß er die Schiffe von ihren Kabeln losriß und beinahe -wieder auf das Meer hinausgetrieben hätte.</p> - -<p>Erst am 6. Februar konnte der Admiral es wagen, seinen Bruder Bartolomé -mit 68 Mann auf Kundschaft nach dem Veraguafluß zu senden. Der -Adelantado erreichte in seinen Böten bald das Dorf des Quibian oder -Caziken von Veragua. Der Häuptling, nach Landessitte bemalt, aber -nackt, kam den Fremden mit großem Gefolge, aber unbewaffnet entgegen. -Bei der Zusammenkunft holten seine Begleiter aus der Nähe einen großen -Stein herbei, wuschen denselben in dem Flusse sorgsam ab, rieben ihn -trocken und legten ihn vor ihrem Fürsten nieder, damit er, seiner -Würde gemäß, sitzend die Unterhaltung beginnen könne.<a name="FNAnker_280_280" id="FNAnker_280_280"></a><a href="#Fussnote_280_280" class="fnanchor">[280]</a> Auf den -Wunsch der Spanier, zu den Fundstätten des Goldes geführt zu werden, -zeigte sich der Quibian sofort bereit und bestellte drei Führer, um die -Fremden dahin zu geleiten. Bartolomé Colon sandte einen Theil seiner -Mannschaft zum Schutz der Böte zurück und brach mit den übrigen nach -den Minen auf. In allen Gewässern konnte man mit leichter Mühe zwischen -den Wurzeln der Bäume, unter dem Flußgeröll und im Sande Goldblättchen -auflesen. Weiter brachten die Indianer den Adelantado mit seinem -Gefolge auf einen hohen Berg, von wo aus man das Land weit und breit -übersehen konnte und erklärten, daß überall, namentlich gegen Westen -auf 20 Tagereisen weit sich Gold sammeln lasse und nannten Städte und -Dörfer, welche in jenem Goldgebiete lägen. Nachher erfuhr man, daß -der schlaue Quibian den Spaniern die ergiebigen Gebiete eines ihm -feindlichen Nachbarfürsten hatte zeigen lassen, um die<span class="pagenum"><a name="Seite_306" id="Seite_306">[S. 306]</a></span> Fremdlinge mit -seinem Feinde in Streit zu bringen, daß er aber die besten Goldfelder -im eignen Lande verheimlicht hatte.</p> - -<p>Am 16. Februar setzte Bartolomé die Erforschung des Landes weiter fort, -fand überall reichliche Spuren von Gold, besuchte mehrere Caziken, bei -denen er freundliche Aufnahme fand, erkannte aber, daß das Gebiet von -Veragua von allen am reichsten sei. Auch wiederholte sich hier wieder -die Kunde von einem mächtigen Kulturvolke, das an dem andern Meere -wohnen sollte.</p> - -<p>Es schien klar, daß man sich hier in der Nähe der reichsten Gebiete -Asiens befand, und daher beschloß Columbus hier eine Niederlassung zu -gründen. Veragua war der goldene Chersones. (Siehe oben <a href="#Seite_207">S. 207</a>.)<a name="FNAnker_281_281" id="FNAnker_281_281"></a><a href="#Fussnote_281_281" class="fnanchor">[281]</a></p> - -<p>Am Flusse Belen wurden Häuser errichtet, der Adelantado entschloß -sich in der Colonie die Leitung zu übernehmen und mit einem Fahrzeuge -zurückzubleiben, indeß Columbus nach Spanien zurückkehren und von da -neue Verstärkungen herüberführen wollte. Der Quibian, den der Admiral -durch Geschenke für seinen Plan gewonnen glaubte, sah die Versuche -seiner Gäste, sich häuslich niederzulassen, mit schelem Blick und -wachsendem Unbehagen. Das gute Einvernehmen zwischen Spaniern und -Indianern wurde allmählich getrübt, denn die Eingeborenen hatten -von der Anmaßung der Fremden zu leiden. Der Quibian benutzte die -entstehende Zwietracht zu einer allgemeinen Verschwörung, man wollte -die neuen Häuser der Colonie in Brand stecken und die Insassen -tödten. Diego Mendez, ein dem Columbus treu ergebener Mann, erhielt -zuerst von diesem Plan Kenntniß; er bewachte die Bewegungen<span class="pagenum"><a name="Seite_307" id="Seite_307">[S. 307]</a></span> der -bewaffneten indianischen Scharen, so daß sie im geheimen ihre Absicht -nicht ausführen konnten, ja er drang sogar bis zu dem Mittelpunkte -der feindlichen Macht, bis zur Behausung der Caziken vor, indem er -sich für einen Wundarzt ausgab, welcher dem verwundeten Häuptling -Linderung bringen wolle. Nachdem er sich dabei noch einmal vergewissert -hatte, daß in der That ein Angriff auf die spanische Niederlassung -bevorstehe, kehrte er nach dem Belen zurück. Bartolomé Colon wählte -sofort gegen 50 tüchtige Leute aus, rückte vor das Haus des Quibian -und nahm denselben sammt seiner zahlreichen Familie gefangen. Leider -entkam der Häuptling in der darauf folgenden dunkeln Nacht wieder und -gab nun das Signal zum Angriff auf die Ansiedlung. Inzwischen hatte der -Admiral im Anfang April drei Schiffe aus dem Flusse wieder über die -Barre aufs Meer gebracht, um nach Spanien zurückzukehren, während sein -Bruder nebst einem Schiffe in Veragua zurückbleiben sollte. Als aber -durch den erbitterten Angriff der Indianer die am Lande befindlichen -Spanier aus ihren Hütten vertrieben wurden, und als vollends der -Capitän Diego Tristan mit seiner Bootsmannschaft, welche den Fluß Belen -hinaufgegangen war, um Wasser zu holen, von den Feinden erschlagen -worden, war das Schicksal der Colonie besiegelt. Es galt nur noch, den -Adelantado mit seinen Leuten, die sich am Strande verschanzt hatten, -zu retten. Der Admiral, selbst in heftigem Fieber liegend, und fast -aller seiner Böte beraubt, nicht fähig seinem Bruder Hilfe zu bringen, -gerieth in die höchste Aufregung. „Ich war allein draußen,“ erzählte -er später, „an der gefährlichen Küste, von schwerem Fieber befallen -und todesmatt. Alle Hoffnung, zu entkommen, war dahin. Ich arbeitete -mich mühsam auf den höchsten Theil des Schiffes und rief mit zitternder -Stimme unter heißen Thränen die Hauptleute mir zu Hilfe zu kommen, aber -es kam keine Antwort.“ In seinen Fieberphantasien glaubte Columbus nun, -als er völlig erschöpft eingeschlafen war, eine mitleidige, tröstende -Stimme zu vernehmen, welche zu ihm sprach: „Warum verzagst du in deinem -Glauben an Gott? Was that er mehr für Moses oder für seine Knechte, -als er für dich gethan? Seit deiner Geburt hat er die größte Sorge um -dich gehabt. Als er dich zu den von ihm bestimmten Jahren kommen sah, -hat er deinen Namen in der ganzen Welt ertönen lassen. <em class="gesperrt">Er gab dir -Indien</em>, den reichsten Erdtheil, du vertheiltest es nach deinem -Belieben. Du empfingst von ihm die Schlüssel zum Ocean, der bisher -mit starken Ketten verschlossen war. Man gehorchte deinen Befehlen in -den unermeßlichen Ländern, und du hast unsterblichen Ruhm unter den -Christen erworben. Was that er mehr für das Volk Israel, als er es aus -<em class="gesperrt">Aegypten</em> führte, und für David, den er aus dem Hirtenstand zum -Throne Judas erhob? Kehre zurück zu deinem Gott, erkenne endlich deinen -Irrthum; sein Mitleid ist ohne Grenzen. Dein Alter (<span class="antiqua">ta vejez</span>) -wird dich nicht hindern, große Thaten zu thun. Er hält in seiner Hand -die glänzendste Erbschaft... Sprich, wer hat dich so tief und so oft -gebeugt, Gott oder die Welt? Gott hält stets, was er verspricht. -Fürchte nichts, fasse Muth!“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_308" id="Seite_308">[S. 308]</a></span></p> - -<p>Die peinliche Ungewißheit über die am Lande Zurückgelassenen währte -tagelang, denn wegen der starken Brandung war aller Verkehr mit der -Küste abgeschnitten. Endlich erbot sich der Pilot Pedro Ledesma, durch -die Brandung zu schwimmen, wenn man ihn mit dem letzten verfügbaren -Bote bis an die Grenze derselben bringe. Diese kühne That gelang, und -so erhielt Columbus Nachricht, daß sein Bruder sich noch an der Küste -vertheidige. Trotz seiner gefahrvollen Lage — denn die von Würmern -zerfressenen Schiffe hielten sich kaum noch über Wasser — mußte er -noch längere Zeit ausharren, bis das Wetter sich günstiger gestaltete -und es ermöglichte, die am Lande befindliche Mannschaft, wenn auch mit -Zurücklassung ihrer Caravele, wieder einzuschiffen und die Gründung -einer Colonie einer späteren Zeit vorzubehalten. So gelang es denn -Ende April, die gefährliche Goldküste von Veragua mit drei Schiffen -zu verlassen. Das Geschwader ging nach Osten an der Küste entlang, -mußte bei Puerto bello noch ein Schiff zurücklassen, welches zu einer -Fahrt über das Meer völlig untauglich geworden war, und drang bis an -den Golf von Darien vor. Von hier steuerten die beiden letzten Schiffe -grade nach Norden, um womöglich Jamaica zu erreichen; aber Wind und -Strömung trieben sie von ihrem Cours ab und zu weit nach Westen, so daß -sie statt nach Jamaica an die kleine Cayman-Insel und von da nordwärts -zu der Inselwolke kamen, welche Columbus bei seiner Erforschung der -Südküste Cubas bereits besucht und mit dem Namen „Gärten der Königin“ -belegt hatte. „Die See war sehr stürmisch und ich wurde rückwärts -getrieben vor Top und Takel (<span class="antiqua">volver atras sin velas</span>). Das eine -Schiff verlor drei Anker. Um Mitternacht brach ein Wetter los, als -sollte die Welt untergehen, so daß auch die Kabel des andern Schiffes -rissen und dasselbe mit solcher Gewalt auf uns zutrieb, daß alles -in Stücke zu gehen drohte. Nur <em class="gesperrt">ein</em> Anker hielt noch, und war -nächst Gott unsere einzige Rettung.“<a name="FNAnker_282_282" id="FNAnker_282_282"></a><a href="#Fussnote_282_282" class="fnanchor">[282]</a> Erst nach sechs Tagen, als -das Wetter ruhiger geworden war, konnte man weiter segeln. Es war eine -verzweifelte Fahrt. Die Schiffe waren von den Würmern wie Honigwaben -durchlöchert. Die Mannschaft war völlig verzagt und muthlos. Als -Columbus die Südwestspitze Cubas, Cap de la Cruz erreicht hatte, hoffte -er an der Küste entlang ostwärts nach Haiti zu kommen; aber Wind und -Strömung waren ihm dermaßen entgegen, daß er mit seinen kaum noch -haltbaren Schiffen nicht dagegen ankämpfen konnte und sich genöthigt -sah, sich nach Jamaica zu wenden. Das Wasser drang unaufhaltsam in die -Fahrzeuge ein und konnte, trotzdem man mit drei Pumpen, mit Töpfen und -Kesseln am Ausschöpfen arbeitete, nicht bewältigt werden, sondern stieg -im Schiffsraum immer höher. Man war froh, mit den sinkenden Schiffen -bis nach Jamaica hinübergekommen und wenigstens das Leben gerettet -zu haben. So ließ denn der Admiral beide Schiffe an einer günstigen -Stelle an den Strand laufen. Es war am 25. Juni 1503, daß die Schiffe -sich im Hafen Santa Gloria, jetzt Christovals-<span class="pagenum"><a name="Seite_309" id="Seite_309">[S. 309]</a></span>Bucht genannt, nahe -am Lande auf seichtem Grunde mit Wasser füllten, so daß sie bis ans -Verdeck sanken. Das Verdeck selbst blieb über Wasser, und hier wurde -in gedeckten Cajüten die Mannschaft untergebracht. So konnten die -Wracks noch als Holzfestungen gegenüber unerwarteten Angriffen von -Seiten der Bewohner dienen, auch wurden die Mannschaften abgehalten, am -Lande herumzuschweifen und den Indianern Anlaß zu Conflicten zu geben, -welche bei der hilflosen Lage der Spanier allen den Untergang bereiten -konnten, wenn ihnen vom Lande her die erforderlichen Lebensmittel -versagt wurden, denn die Schiffsvorräthe waren natürlich sämmtlich -verloren gegangen.</p> - -<p>Glücklicherweise zeigten sich die Indianer, welche bald scharenweise -am Strande erscheinen, geneigt, zum Tausch gegen europäische Artikel -Lebensmittel herzuzuschaffen. Aber diese Art der Verproviantirung -konnte bei ihrer Unregelmäßigkeit auf die Dauer die Spanier nicht vor -Hungersnoth schützen. Es mußte das Gebiet der Bezugsquellen weiter -ausgedehnt, es mußten mit den entfernteren Dörfern gewissermaßen -Lieferungsverträge abgeschlossen werden.</p> - -<p>Zu dem Ende erbot sich Diego Mendez, mit drei Leuten auf Kundschaft -auszuziehen. Ueberall fand er freundliche Aufnahme; Cassavebrod und -Fische wurden ihm in Fülle gereicht. So zog er von einem Dorf zum -andern und gelangte endlich bis an den äußersten Osten der Insel, wo -er sogar mit dem Caziken Blutsfreundschaft schloß und seinen Namen -eintauschte. Hier kaufte Mendez ein Boot, belud es mit Nahrungsmitteln -und brachte es nach der Hafenbucht von Santa Gloria.</p> - -<p>War damit und mit dem in Folge des Uebereinkommens reichlich -zugeführten Lebensbedarf die Noth der Schiffbrüchigen gehoben, so blieb -doch ihre Lage eine absolut hoffnungslose, wenn es nicht gelang, nach -Haiti zum Statthalter Ovando eine Mittheilung von ihrem Aufenthalte -und ihrem Schicksal zu befördern. Auch zu diesem Wagniß erbot sich -Mendez. Zwar schlug der erste Versuch fehl, da er mit seinen Genossen -am östlichen Strande von Jamaica gefangen genommen wurde und nur mit -Noth den Eingeborenen entrinnen konnte. Aber er war auch zum zweiten -Male bereit, sein Leben für die Rettung des von ihm verehrten Admirals -und seiner Begleiter zu wagen. Diese zweite Unternehmung wurde besser -vorbereitet. Es gingen nämlich zwei Böte, indianische Canoes, welche -für die Seefahrt besonders hergerichtet waren, unter Mendez und -Bartolomeo Fiesco ab. In jedem Bote befanden sich sechs Spanier und -zehn indianische Ruderer; es fand nämlich ein Verkehr über See zwischen -den großen Inseln statt und die Indianer konnten dabei den Spaniern -die Segelrichtung angeben. Damit aber die beiden Böte, welche erst vom -Ostende Jamaicas sich nordwärts über das Meer wagen sollten, nicht -wieder von Indianern überfallen werden könnten — denn es konnte der -Fall eintreten, daß wegen widriger oder hochgehender See die Böte nicht -sofort vom Strande ablaufen durften, sondern mehrere Tage auf günstiges -Wetter zu warten hatten; — so begleitete sie der Adelantado mit<span class="pagenum"><a name="Seite_310" id="Seite_310">[S. 310]</a></span> 50 -Bewaffneten, die am Strande hinzogen und denselben so lange schützten, -bis ihre Genossen sich mit den Canoes aufs Meer hinaus wagen durften. -Diese kühne Bootfahrt fällt in den August 1503. Fünf Tage und vier -Nächte wurde unablässig gerudert, Mendez saß ohne Unterbrechung am -Steuer. So erreichten sie das Cap St. Miguel (jetzt Cap Tiburon), die -Westspitze Haitis, wo sie, erschöpft von der großen Anstrengung, zwei -Tage rasteten. Dann setzten sie ihre Fahrt längst der Südküste weiter -fort. In der Landschaft Jaragua traf Mendez den Statthalter Ovando, -welcher ihn zwar freundlich empfing, aber doch seinem Bericht über die -trostlose Lage der Schiffbrüchigen auf Jamaica nicht trauete, vielmehr -argwöhnte, Columbus wolle durch eine plumpe List ihn täuschen, um -wieder den Boden seiner Colonie betreten zu dürfen.</p> - -<p>Monate vergingen, ehe der Statthalter von Haiti dem Drängen des Mendez -nachgab und ein Schiff unter Diego de Escobar auf Kundschaft nach -Jamaica entsendete. Die Wahl dieses Sendboten war als eine für Columbus -nicht günstige aufzufassen, denn Escobar hatte zu den Parteigängern -Roldans gezählt, war aber später begnadigt worden. Er kürzte auch -seinen Besuch in Jamaica möglichst ab, nahm Briefe des Columbus mit und -ging bald wieder in See mit dem Versprechen, ein größeres Schiff zu -senden, um den Admiral aus seiner gefährlichen Lage zu befreien; das -Fahrzeug, auf welchem er gekommen, sei zu klein, um die Schiffbrüchigen -alle aufzunehmen.</p> - -<p>Mendez hatte sich indessen bemüht, mit dem Gelde des Columbus in Haiti -ein Schiff zu miethen, konnte aber seine Absicht erst im Frühling 1504 -erreichen, weil nicht eher Schiffe von Spanien angekommen waren. Er -belud dann ein Fahrzeug mit Vorräthen aller Art und sandte es nach -Jamaica, während er selbst nach Spanien ging, um dem Könige von dem -Schicksal des Columbus Mittheilung zu machen. So kam es, daß der -Admiral sich ein ganzes Jahr unter wachsender Gefahr und aufreibenden -Sorgen auf Jamaica festgehalten sah.</p> - -<p>Bald nach der Abfahrt des Mendez hatten die Indianer die weiteren -Lieferungen von Lebensmitteln verweigert und konnten nur durch eine -auf ihre Einfalt und ihren Aberglauben berechnete List bewogen werden, -die weitere Verpflegung der fremden Gäste zu übernehmen. Columbus -wußte, daß am 29. Februar 1504 eine Mondfinsterniß eintreten werde. -Er drohte daher den Indianern mit dem Zorn der himmlischen Gottheit, -welche ihr leuchtendes Angesicht von ihnen abwenden werde, wenn man den -Spaniern den nöthigen Nahrungsbedarf entzöge. Die kindlichen Gemüther -der Eingebornen wurden durch das rasche Eintreffen der drohenden -Prophezeihung so erschreckt, daß sie, um den Zorn des Lichtgottes zu -besänftigen, sich alsbald bereit erklärten, die Spanier mit Vorräthen -zu versehen.</p> - -<p>Weit gefährlicher und langwieriger gestaltete sich die Meuterei -der beiden Brüder Francisco und Diego Porras, welche mit 48 -Gesinnungsgenossen unter Drohungen, denen sich der muthige Adelantado -vergebens zu<span class="pagenum"><a name="Seite_311" id="Seite_311">[S. 311]</a></span> widersetzen suchte, die Schiffe verließen und auf -demselben Wege wie Mendez und Fiesco ihr Heil versuchen und nach Haiti -segeln wollten, weil sie meinten, Columbus habe gar nicht die Absicht, -Jamaica wieder zu verlassen, sondern wolle sie zwingen, mit ihm dort -eine dauernde Colonie zu gründen. Ihr Versuch, auf indianischen Böten -ihre Flucht auszuführen, scheiterte an der Ungunst des Wetters, sie -waren nach kurzem Kampf mit dem feindlichen Elemente genöthigt, nach -Jamaica zurückzukehren. Columbus suchte vergebens eine Verständigung -herbeizuführen, aber diese zerschlug sich an den unbilligen Forderungen -der Meuterer. Und als diese vollends sich anschickten, einen geeigneten -Hafenplatz, wo man die Landung der verheißenen rettenden Fahrzeuge -erwartete, zu besetzen, und sich dadurch zu Herren der Rettungsschiffe -zu machen, blieb der dem Columbus treu gebliebenen Mannschaft, an -deren Spitze der Adelantado trat, nichts übrig, als die Entscheidung -der Waffen anzurufen. So kam es am 19. Mai 1504 zu einem blutigen -Zusammenstoß, in welchem mehrere Meuterer erschossen und Francisco -Porras gefangen genommen wurde. Die Besiegten baten um Gnade und mußten -unter feierlichem Eidschwur von neuem Treue geloben. Nur unter dieser -Bedingung wurden sie in dem Schiffe mit aufgenommen, welches, von Diego -Mendez gesendet, am 28. Juni vor der Bucht von Santa Gloria eintraf und -alle Spanier nach Haiti hinüberbrachte, wo sie am 13. August den Hafen -von San Domingo erreichten. Ovando nahm den Admiral mit seinen Leuten -ehrerbietig auf, zeigte ihm aber auch seine höhere Amtsgewalt, indem -er dem gefangenen Francisco Porras seine Fesseln abnehmen ließ. Am 12. -September trat Columbus seine letzte Heimreise aus der neuen Welt an -und erreichte im Anfang November nach einer stürmischen Ueberfahrt den -spanischen Boden in Cadiz.</p> - -<h4 id="Die_letzten_Lebensjahre_des_Columbus">13. Die letzten Lebensjahre -des Columbus.</h4> - -<p>Gekränkt und in seiner Ehre verletzt, niedergedrückt durch den Verlust -aller Schiffe, mit denen er von Spanien ausgezogen, siech an Körper -und Geist kam er von dieser seiner letzten Fahrt zurück. Niemand -kümmerte sich um die Heimkehr des armen Schiffbrüchigen. Der Jubel, der -ihn sonst empfangen, war verstummt. Peter Martyr, welcher in seinen -Briefen ehedem sich der intimen Freundschaft des Admirals gerühmt -hatte, schweigt in seinen gleichzeitigen Briefen über die Resultate -dieser Reise. Columbus ist ihm ein gefallener Mann, den man nicht mehr -nennen darf, ohne sich zu compromittiren. Man darf wohl daran erinnern, -daß Martyr auch in seinen Decaden (<span class="antiqua">Dec.</span> I. <span class="antiqua">lib.</span> 10) am -gehörigen Orte nur ganz kurz diese letzte Fahrt des Columbus erwähnt; -und erst viel später, in den 1515 geschriebenen Abschnitten seines -Werkes (<span class="antiqua">Dec.</span> III. <span class="antiqua">lib.</span> 1–4) wo er die Ereignisse von 1513 -auf dem mittelamerikanischen Isthmus erzählt, erinnert er sich seines -an Columbus begangenen Unrechts und holt die Geschichte der letzten -Fahrt nach.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_312" id="Seite_312">[S. 312]</a></span></p> - -<p>Gewiß, Columbus hatte, als er wieder in Spanien eintraf, nur noch wenig -Freunde und sollte bald nach seiner Ankunft auch noch die treueste -Freundin, die Königin, verlieren. Isabella starb am 26. November 1504, -also nur wenige Wochen, seitdem Columbus in Cadiz angekommen war. Daher -fand dieser keine Gelegenheit, seine hohe Beschützerin noch einmal zu -sehen.</p> - -<p>Der Admiral brachte den folgenden Winter in Sevilla zu. Er erwartete, -den schriftlichen Zusagen der Krone gemäß, baldigst in seine Rechte -und Würden wieder eingesetzt zu werden, er rechnete darauf, daß ihm -die versprochenen Einkünfte und der Antheil an den Erträgnissen der -Colonie, welche er seit mehreren Jahren nicht erhalten, ausbezahlt -würden. Wiederholt richtete er Briefe an seinen Sohn Diego, um seine -Angelegenheiten bei Hofe nachdrücklicher zu betreiben. So schrieb er -am 1. December 1504: „Mein Leiden gestattet mir nur des Nachts zu -schreiben, denn bei Tage habe ich keine Kraft dazu in den Händen“. -Er brannte vor Verlangen, von seinem Sohne zu hören, wie es bei Hofe -zugehe und wie seine Sachen stünden. Er ermahnt ihn, so oft als irgend -möglich zu schreiben.</p> - -<p>Auch an den König Ferdinand richtete er einen langen Brief, in welchem -er die Misstände der Colonialverwaltung ausführlich darlegte, und -forderte, es solle ein Vertrauensmann zur Untersuchung hinübergesandt -werden. Aber er erhielt keine Antwort darauf. Er beklagte sich bitter, -daß ihm kein Mensch mehr schreibe.</p> - -<p>Man liest diese Briefe des Verlassenen nicht ohne Mitleid; die steten -Wiederholungen seiner Wünsche, die drängende Ungeduld, die wehmüthigen -Klagen — alles zeigt uns den gebrochenen Mann.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p313" name="abb_p313"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p313.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot1">Haus zu Valladolid, in dem Christoph - Columbus gestorben.</p> -</div> - -<p>Der König Ferdinand behandelte die ganze Angelegenheit ohne Wärme -und persönliche Theilnahme und überließ die Ordnung derselben einem -Tribunal, welches die testamentarischen Verfügungen der Königin ordnen -sollte. Daher vermochte selbst Bartolomé Colon, der sich mit seinem -Neffen Ferdinand ebenfalls an den Hof begab, nichts ausrichten. Endlich -machte sich der Admiral im Mai 1505 selbst auf die beschwerliche Reise -nach Segovia, wo sich damals der König aufhielt. Zwar erwies man ihm -hier die seinem Range gebührende Achtung, aber eine von Herzen kommende -Werthschätzung seiner Verdienste mußte er schmerzlich vermissen. -Offenbar waren nach dem Tode der Königin die Stimmen der Gegner noch -lauter aufgetreten und hatten den König Ferdinand gewonnen, so daß auch -der edle Las Casas gestehen muß, er habe von manchen dem Monarchen nahe -stehenden Personen zu seinem Bedauern Aeußerungen vernehmen müssen, -welche diese Abneigung und den Mangel des königlichen Wohlwollens -bestätigten.<a name="FNAnker_283_283" id="FNAnker_283_283"></a><a href="#Fussnote_283_283" class="fnanchor">[283]</a> Das einberufene Tribunal, die Junta de Descargos, -hielt zwar mehrere Sitzungen, traf aber keine Entscheidung. Man -behandelte die ganze Frage als eine rein castilische Angelegenheit. Als -dann nach längerem Zögern dem Entdecker der neuen Welt<span class="pagenum"><a name="Seite_313" id="Seite_313">[S. 313]</a></span> der Vorschlag -gemacht wurde, seine Rechte auf das Vicekönigthum gegen Besitzungen und -Titel in Castilien zu vertauschen, wies Columbus diesen Antrag zurück, -weil er darin einen Bruch des gegebenen königlichen Wortes erblickte -und seine höchste Ehre darein setzte, den Ruhm seines mühevollen Lebens -seiner Familie in vollem Maße zu erhalten. Auch als er sich bereit -erklärte, zu Gunsten seines Sohnes Diego auf seine indischen Würden zu -verzichten, ging man nicht darauf ein und zog es vor, die Entscheidung -noch weiter hinauszuziehen. Man gewöhnte sich daran, die Verdienste -eines Mannes zu unterschätzen, „welcher lästig zu werden anfing, als -er zu nützen aufgehört hatte“.<a name="FNAnker_284_284" id="FNAnker_284_284"></a><a href="#Fussnote_284_284" class="fnanchor">[284]</a> Ein letzter Hoffnungsstrahl schien -dem Verlassenen noch zu winken, als die neuen Monarchen Castiliens, -Philipp und Johanna am 28. April 1506 von Flandern nach Spanien -kamen. Selbst krank und leidend, sandte er seinen Bruder Bartolomé -dem jungen Königspaar entgegen, um demselben in seinem Namen zu -huldigen. Er erhoffte von der Tochter der Isabella dieselbe Güte und -Gunst, welche ihm die Mutter stets bewiesen. Es war natürlich, daß -die neuangekommenen Regenten nicht sofort eine Entscheidung treffen, -sondern nur freundliche Zusagen machen konnten. Aber auch davon -sollte Columbus nichts mehr vernehmen, er starb am Himmelfahrtstage, -den 21. Mai 1506 zu Valladolid, nachdem er zwei Tage vorher, im -Vorgefühl des Todes sein bereits 1505 verfaßtes Testament gerichtlich -hatte bestätigen lassen. Er setzte seinen älteren Sohn Diego zum -Haupterben ein, da dieser allein aus einer rechtmäßigen Ehe entsprossen -war. Seine letzten Worte waren: <span class="antiqua">In manus tuas, Domine, commendo -spiritum meum</span>. Er starb in den Armen der Franziskaner und wurde -auch im<span class="pagenum"><a name="Seite_314" id="Seite_314">[S. 314]</a></span> Franciskanerkloster beigesetzt. Die Welt hatte ihn bereits -vergessen; sein Tod machte keinen Eindruck mehr. Das <span class="antiqua">Cronicon de -Valladolid</span>, welches sonst die kleinsten Vorfälle in der Stadt -bespricht, erwähnt des Todesfalls mit keiner Silbe. Selbst Peter -Martyr, der sich 10 Jahre früher gerühmt hatte, mit dem Genuesen im -Briefwechsel zu stehen, schweigt in seinen Briefen darüber, und erwähnt -auch in den Decaden nur einmal ganz nebenbei, daß Columbus gestorben; -und doch befand er sich vom 10. Februar bis zum 26. April 1506 zu -Valladolid, also zu einer Zeit, wo Columbus schon den Keim des Todes -in sich fühlte. Ruchhamer hatte bis zum 20. September 1508, wo er sein -Werk (Unbekanthe landte) vollendete, noch nichts vom Tode des Columbus -gehört, sondern schreibt vielmehr, daß er „noch auf den gegenwertigen -Tage“ mit seinem Bruder Bartolomé am spanischen Hofe lebe.</p> - -<p>Wahrscheinlich im Jahre 1513 wurde die Leiche nach Sevilla ins Kloster -<span class="antiqua">Santa Maria de las Cuevas</span> übergeführt und vermuthlich erst hier -erhielt der Sarg die Inschrift: <span class="antiqua">A Castilla y à Leon Nuevo Mondo -dió Colón</span>, welche sich auch in dem Wappen des Vicekönigs befand. -Der Admiral hatte den Wunsch ausgesprochen, in San Domingo auf Haiti -beigesetzt zu werden. Dorthin wurden die sterblichen Ueberreste in der -Zeit zwischen 1540 und 1559 gebracht und in dem Dome bestattet, in -welchem später auch sein Sohn Diego und wahrscheinlich auch sein Bruder -der Adelantado Bartolomé und seine Enkel Don Luis und Christoval ihre -Ruhestätte fanden.</p> - -<p>Als 1795 Domingo an Frankreich abgetreten wurde, ließ der Admiral -Don Gabriel d’Artizabel die Gewölbe der Kathedrale in der Hauptstadt -öffnen, die wenigen Reste des Entdeckers der neuen Welt auf dem Schiffe -San Lorenzo nach Habana hinüberführen und dort im Dome am 19. Januar -1796 feierlich wieder beisetzen; denn es vertrug sich nicht mit der -spanischen Ehre, die Asche des Mannes, welcher für Spanien so große -Verdienste hatte, den Fremden zu überlassen. Wie Columbus in seinem -Leben ruhelos umhergetrieben war, so sollten auch seine Gebeine erst -nach Jahrhunderten Ruhe finden.<a name="FNAnker_285_285" id="FNAnker_285_285"></a><a href="#Fussnote_285_285" class="fnanchor">[285]</a></p> - -<h4 id="Characteristik_des_Columbus">14. Zur Charakteristik des Columbus.</h4> - -<p>Vor der welthistorischen Größe des Columbus stehen wir mit getheilten -Gefühlen. Wir bewundern die Kühnheit, die aus der felsenfesten -Ueberzeugung von der Richtigkeit seiner Theorien und Combinationen -entsprang, wir fühlen uns vielseitig angeregt durch seine treffenden -Naturbeobachtungen, in denen wir die ersten Keime einer physischen -Erdkunde erblicken dürfen;<a name="FNAnker_286_286" id="FNAnker_286_286"></a><a href="#Fussnote_286_286" class="fnanchor">[286]</a> aber auf der andern Seite fühlen wir -uns abgestoßen durch seinen blinden Autoritätsglauben, durch die -Zuversichtlichkeit, mit der er seine aus falsch oder un<span class="pagenum"><a name="Seite_315" id="Seite_315">[S. 315]</a></span>genügend -angestellten Beobachtungen in seinem eignen Fache, der Nautik, -abgeleiteten abenteuerlichen Lehrsätze verkündet, durch die -schwärmerische Anmaßung, mit der er sich so oft als Abgesandten Gottes -einführt, durch die kleinliche Habsucht, mit welcher er die einem -armen Matrosen gebührende Belohnung sich selbst aneignet, durch die -in der Verschwörung Roldan zu Tage tretende Charakterschwäche. Wenn -Humboldt gemeint hat (a. a. O. II, 5), die großartige Gestalt des -Columbus beherrsche das Jahrhundert, so muß dagegen daran erinnert -werden, daß man den Entdecker der neuen Welt schon bei seinen -Lebzeiten fast vergessen hatte, und daß das Gesammtgebiet seiner -Entdeckung kurz nach seinem Tode nach einem seiner Nachfolger, nach -Amerigo Vespucci benannt wurde, und daß erst im 7. Jahrzehnt des 16. -Jahrhunderts mit dem Erscheinen der <span class="antiqua">vida del Almirante</span> die -Aufmerksamkeit der Welt wieder in erhöhtem Maße auf Columbus gelenkt -wurde. Die weiteren Folgen seiner Entdeckungszüge, die Eroberung -der neuen Welt, die Erdumsegelungen, die Enthüllung der allgemeinen -Züge des ganzen Erdballs beherrschten allerdings das Interesse aller -seefahrenden Nationen des Abendlandes, aber die Person des Entdeckers -trat dabei ganz zurück. Seine Stärke lag in dem scharfen Blick, mit -dem er die Erscheinungen in der Natur auffaßte, nicht blos in den -Schilderungen, welche er mit poetischer Begeisterung von den entdeckten -Tropenländern gab, sondern in der Aufstellung allgemeiner Gesetze, -zu denen er, ohne wissenschaftliche Bildung, in einzelnen Fällen -das Richtige treffend, die wahrgenommenen Erscheinungen combinirte. -„Dieses Bestreben, die Resultate der Beobachtung zu verallgemeinern, -verdient um so größere Aufmerksamkeit, als kein ähnlicher Versuch vor -dem Schlusse des 15. Jahrhunderts, fast hätte ich gesagt, vor den -Tagen des Pater Acosta hervorgetreten war. Bei den Urtheilen, welche -Columbus über Gegenstände der physischen Geographie fällte, ließ er -sich ganz gegen seine sonstige Gewohnheit <em class="gesperrt">nicht</em> von Erinnerungen -aus der scholastischen Philosophie leiten.<a name="FNAnker_287_287" id="FNAnker_287_287"></a><a href="#Fussnote_287_287" class="fnanchor">[287]</a> Dahin gehören seine -Beobachtungen über die Vertheilung der Wärme, die Variation des -Erdmagnetismus, die äquatoriale Meeresströmung und die durch diese -Strömung bedingte Gestaltung <em class="gesperrt">Trinidads</em> und der übrigen kleinen -Antillen. „Columbus hat Fragen angeregt aus dem Gebiete der physischen -Geographie und Anthropologie, die damals die aufgeklärten Geister -Spaniens und Italiens beschäftigt: die Frage nach der Vertheilung der -Menschenrassen, die Configuration der Ländermassen. Colon hat dem -menschlichen Geschlechte wesentliche Dienste geleistet, indem er so -viel neue Gegenstände auf einmal dem Nachdenken darbot; er hat die -Masse der Ideen vergrößert; durch ihn hat ein wahrhafter Fortschritt -des menschlichen Denkens stattgefunden. Das Zeitalter des Columbus war -auch die Zeit des Copernicus, Ariosto, Dürer und Rafael.“<a name="FNAnker_288_288" id="FNAnker_288_288"></a><a href="#Fussnote_288_288" class="fnanchor">[288]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_316" id="Seite_316">[S. 316]</a></span></p> - -<p>Aber neben diesen persönlichen und sachlichen Verdiensten, neben -den richtigen Beobachtungen und daraus abgeleiteten Lehrsätzen -erscheint eine so breite Phalanx von veralteten Theorien und -unverzeihlichen Verirrungen, wie sie nur in einem aller objectiven -Beurtheilung unfähigen Kopfe entstehen und von einem dem blindesten -Autoritätsglauben unterworfenen Geiste verkündigt werden konnten.</p> - -<p>Wir brauchen hier nur auf die Abhängigkeit hinzuweisen, in welcher -Columbus bei den Fragen über die Größe oder Kleinheit der Erde, über -die Schmalheit des Oceans und den geringen Antheil, welcher der -Wasserdecke gegenüber der Landhülle des Erdballs zugewiesen wird, -ferner über die Theorien von der Lage des irdischen Paradieses und -den Weltuntergang sich von den Schriften des Cardinal d’Ailly befand, -auf seine Abhängigkeit von Toscanelli in Bezug auf Richtung und Ziel -seiner Fahrten, um dieses Verzichtleisten auf eigne Kritik zu erkennen. -Und wenn er in den erforschten Regionen Ophir und Cipangu, Katai und -den goldenen Chersones wiedergefunden zu haben glaubte, so liegt eine -Hauptursache in der Unfähigkeit des Admirals, annähernd richtige -astronomische Bestimmungen zu machen, in Folge dessen nicht einmal sein -Landungspunkt in der neuen Welt mit Sicherheit nachzuweisen ist. Weil -er den Karten Toscanelli’s u. a. bezüglich der Größe Cipangus mehr -traute, als seinen eignen Erfahrungen, hielt er die Insel Haiti für -eben so groß als ganz Spanien und verlegte die Nordküste der großen -Antillen bis unter den 40. Breitengrad.</p> - -<p>Aber nicht blos, daß ihm thatsächlich in dieser Beziehung die -wissenschaftliche Kenntniß in seinem eigentlichsten Fache abging,<a name="FNAnker_289_289" id="FNAnker_289_289"></a><a href="#Fussnote_289_289" class="fnanchor">[289]</a> -er verschmähte sogar die Wissenschaft selbst, wenn er in seinem -<span class="antiqua">Libro de la profecias</span><a name="FNAnker_290_290" id="FNAnker_290_290"></a><a href="#Fussnote_290_290" class="fnanchor">[290]</a> behauptet: „Zur Ausführung einer -Fahrt nach Indien haben Vernunftschlüsse, Mathematik und Weltkarten -mir zu nichts geholfen. Es ist einfach in Erfüllung gegangen, was der -Prophet Jesaias vorhergesagt hat.“</p> - -<p>Man erkennt darin den mächtigen Einfluß, den die Geistlichkeit auf -das gläubige Gemüth des Genuesen ausübte. Wie er das Zustandekommen -seiner Unternehmung nur der Unterstützung und Befürwortung durch -die Geistlichkeit verdankte, und diese ihm auch behilflich war bei -der Sammlung und Erklärung der Stellen der heiligen Schrift, welche -er in zuversichtlichem Glauben auf sich bezog, wie er sich für den -Abgesandten Gottes erklärte, um die heiligen Prophezeiungen zu -erfüllen, so trug er auch äußerlich diese schwärmerisch-religiöse -Richtung zur Schau. „Da der Admiral,“ erzählt Las Casas (<span class="antiqua">lib.</span> -I. <span class="antiqua">Cap.</span> 102), „den Lehren des heiligen Franziskus sehr -ergeben war, so liebte er vorzugsweise die braungraue Farbe; wir -haben ihn zu Sevilla in einer Kleidung gesehen, welche mit der der -Franziskanermönche fast vollkommen übereinstimmte.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_317" id="Seite_317">[S. 317]</a></span></p> - -<p>Dahin rechnen wir auch die pedantische Gruppirung, in welcher Columbus -bei dem mystischen Bau seiner Namensunterschrift die seinem Eigennamen -vorangestellten sieben Buchstaben, unter denen wieder das A größer -als die übrigen sein mußte, theilweise nur mit Punkten versah. Diese -Unterschrift (d. h. die einzelnen Buchstaben)</p> - -<p class="center">S.<br /> -S. A. S.<br /> -Χ Μ Υ<br /> -ΧΡΟ FERENS.</p> - -<p>malte er mit peinlicher Genauigkeit unter alle seine Briefe, selbst -an seine Söhne, und verlangte die sorgfältige Nachahmung ausdrücklich -auch von den Erben seines Majorats. Diese Unterschrift ist verschieden -gedeutet. Margry<a name="FNAnker_292_292" id="FNAnker_292_292"></a><a href="#Fussnote_292_292" class="fnanchor">[292]</a> erklärt sie: <span class="antiqua">Supplex Servus Altissimi -Servatoris. Christus Maria Joseph Christoferens</span>. Becher<a name="FNAnker_293_293" id="FNAnker_293_293"></a><a href="#Fussnote_293_293" class="fnanchor">[293]</a> liest: -<span class="antiqua">Servidor Sus Altezas Sacras Jesus Maria Ysabel Christoferens</span>. -W. Irving macht zwar dabei darauf aufmerksam, daß<span class="pagenum"><a name="Seite_318" id="Seite_318">[S. 318]</a></span> es früher in -Spanien Sitte gewesen, seinem Namen irgend eine abgekürzte Sentenz -beizusetzen, welche, gegenüber den Juden und Mauren, den Schreiber als -<em class="gesperrt">Christen</em> auswies;<a name="FNAnker_294_294" id="FNAnker_294_294"></a><a href="#Fussnote_294_294" class="fnanchor">[294]</a> aber Columbus hatte bei dieser langen -Unterschrift, welche auch Humboldts gerechten Widerwillen erregte,<a name="FNAnker_295_295" id="FNAnker_295_295"></a><a href="#Fussnote_295_295" class="fnanchor">[295]</a> -die Absicht, seinen Eigennamen Christoph, Christoferens in nicht -mißzuverstehender Weise mit der heiligen Familie in Verbindung zu -bringen und sich als den Christbringer zu erklären, welcher, dem ihm -gewordenen göttlichen Auftrage gemäß, das Christenthum über den Ocean -tragen sollte.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p317" name="abb_p317"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p317.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph -Columbus, datirt Granada, 6. Februar 1502 <span class="antiqua">„à los Reyes Católicos -exponiendo algunas observaciones sobre el arte de naveger“</span>.<a name="FNAnker_291_291" id="FNAnker_291_291"></a><a href="#Fussnote_291_291" class="fnanchor">[291]</a></p> -</div> - -<p>Diesem Gedanken, den Admiral als den Christusträger zu verherrlichen, -hat auch Juan de la Cosa auf seiner Karte von Amerika vom Jahre 1500 -bildlichen Ausdruck gegeben, indem er auf dem damals noch nicht -enthüllten mittelamerikanischen Isthmus, wo Columbus 1503 eine Meerenge -suchte, den heiligen Christopherus darstellt, welcher das Christkind -durch den Ocean trägt. Einen erhöhten Reiz gewönne dies Bild, wenn die -oben bereits (<a href="#Seite_233">S. 233</a>) mitgetheilte Vermuthung das Richtige träfe, daß -der Kopf des Christopherus das Porträt des Entdeckers sei.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p318" name="textkarte_p318"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p318.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Die Insel Guanahani nach der Karte - Diego Ribero’s von 1529.</p> -</div> - -<p>Dieselbe Karte enthält noch ein zweites bedeutsames Bild in der -künstlerisch ausgeführten Strichrose, unter welcher der Wendekreis des -Krebses hinläuft. Inmitten der nautischen Rose thront Maria mit dem -Kinde, umgeben von anbetenden Engeln. Daß auch spätere Kartographen -noch dem Glauben an die göttliche Sendung des Columbus huldigten, -erkennt man aus der naiven Weise, in welcher Diego Ribero auf seiner -1529 entworfenen Weltkarte der zuerst von Columbus entdeckten Insel -<em class="gesperrt">San Salvador</em> eine geradezu symbolische Gestalt gab. Er zeichnet -sie nämlich in Gestalt eines Kreuzes und gruppirt die Korallenbänke -ringsum als eilf rundliche Inseln. Wir sehen also den Erlöser (San -Salvador) von seinen eilf Aposteln umgeben.</p> - -<p>Endlich ist hieher noch das merkwürdige Titelbild zu rechnen, mit -welchem die erste deutsche Ausgabe des Berichtes über die erste -Entdeckungsfahrt des Columbus geziert ist, von welchem Anfang und -Schluß bereits (<a href="#Seite_263">S. 263</a>) in Facsimiledruck mitgetheilt ist. Hier -erscheint Christus vor dem Könige von Spanien und weist bedeutsam auf -das Wundmal seiner Hand; ebendahin zeigte auch die rechte Hand des -Königs. Ist es nicht eine deutliche Anspielung auf den Unglauben des -Apostel Thomas, und ist der ungläubige<span class="pagenum"><a name="Seite_319" id="Seite_319">[S. 319]</a></span> spanische Monarch, welcher -jahrelang der Versicherung des Columbus mistraute, nicht durch den -Erfolg der ersten Reise bekehrt worden?</p> - -<p>Den Glauben, daß der Genuese profane und heilige Prophezeihungen -aus alter Zeit erfüllt habe, theilten die Zeitgenossen mehrfach. So -schrieb der gelehrte Sohn des Columbus, Ferdinand in die Tragödien des -Seneca zu der (<a href="#Seite_236">S. 236</a>) mitgetheilten Stelle aus der Medea: <span class="antiqua">Venient -etc.</span> „Diese Prophezeihung hat mein Vater erfüllt.“ So machte -Agostino Giustiniani (geb. 1470 in Genua, seit 1514 Bischof in Mebbio -auf Corsica) in seinem polyglotten Psalter<a name="FNAnker_296_296" id="FNAnker_296_296"></a><a href="#Fussnote_296_296" class="fnanchor">[296]</a> zu der bekannten Stelle -im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ die Bemerkung, -Columbus habe oft gesagt, daß er von Gott berufen sei, den Gedanken -des fünften Verses: „Durch alle Lande gehet ihr Klang, bis ans Ende -der Welt ihr Ruf“ zu verwirklichen. Und dabei benutzt der Verfasser -die Gelegenheit, an dieser Stelle seinem Commentare eine längere -Lebensbeschreibung des Columbus einzuverleiben.<a name="FNAnker_297_297" id="FNAnker_297_297"></a><a href="#Fussnote_297_297" class="fnanchor">[297]</a></p> - -<p>Alle diese verschiedenen Aeußerungen des Glaubens und Vertrauens auf -die Berufung des Columbus hatten ihren Ursprung in der felsenfesten -Zuversicht des Genuesen zu seiner von Gott bestimmten Lebensaufgabe, -welche von ihm selbst auf seine Umgebung überging. Im allgemeinen -repräsentirt sich in ihm der unverwüstliche Drang der Zeit zu großen -Entdeckungen, aber seine unerschütterliche Ausdauer entsprang nur -seinem schwärmerischen Glauben. Dieser gab ihm den Muth, auf seinen -ungemessenen Forderungen zu verharren, ehe noch die Unternehmung -gesichert war, dieser verlieh ihm auch die unvergleichliche Energie, -welche er sowohl auf der ersten, als auch auf der letzten Reise -bewiesen. In dieser unerschütterlichen Ueberzeugung, in diesem Glauben -an sich selbst lag eine Größe, welche seine Genossen zuweilen mit -fortriß.</p> - -<p>Den Eindruck, welchen die Kunde von den ersten Entdeckungen machte, -fühlen wir am besten aus den Briefen Peter Martyrs.</p> - -<p>Auf die erste Mittheilung vom 15. Mai 1493, worin er schreibt: „Von -den westlichen Antipoden ist ein gewisser Christopherus Colon, ein -Ligure, zurückgekehrt mit Proben von kostbaren Produkten, namentlich -von Gold“<a name="FNAnker_298_298" id="FNAnker_298_298"></a><a href="#Fussnote_298_298" class="fnanchor">[298]</a> folgt im September desselben Jahres (13. Sept.) schon -der Ausdruck wärmerer Theilnahme. „Merket auf und vernehmet die neue -Entdeckung,“<a name="FNAnker_299_299" id="FNAnker_299_299"></a><a href="#Fussnote_299_299" class="fnanchor">[299]</a> worauf ein ausführlicher Bericht über die erste -Fahrt des Columbus folgt. Ein anderer Brief<a name="FNAnker_300_300" id="FNAnker_300_300"></a><a href="#Fussnote_300_300" class="fnanchor">[300]</a> von demselben Tage -bezeichnet die Entdeckung als ein wunderbares Ereigniß, als eine -gesegnete That. Kurz darauf (1. Oct. 1493) spricht er seine Freude -darüber aus, daß die bisher noch unbekannte Erdhälfte durch den -Wetteifer der Spanier und Portugiesen, welche immer weiter südwärts -vordringen, nun immer mehr enthüllt werde.<a name="FNAnker_301_301" id="FNAnker_301_301"></a><a href="#Fussnote_301_301" class="fnanchor">[301]</a> Er bezeichnet Columbus -als<span class="pagenum"><a name="Seite_320" id="Seite_320">[S. 320]</a></span> den Entdecker der „neuen Welt“ (<span class="antiqua">novi orbis repertor</span>) -und jubelt, daß Tag für Tag neue Wunder aus jenen Regionen gemeldet -werden, und daß der Admiral fast schon den goldenen Chersones erreicht -habe.<a name="FNAnker_302_302" id="FNAnker_302_302"></a><a href="#Fussnote_302_302" class="fnanchor">[302]</a> Er nimmt sich vor, diese ewig denkwürdigen Ereignisse mit -gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, zu sammeln und den Gelehrten -mitzutheilen. Sein Freund Pomponius Laetus, der ausgezeichnete -Förderer der classischen römischen Literatur, war bei der Kunde von -den wunderbaren Erfolgen der Westfahrten vor Entzücken aufgesprungen -und hatte sich kaum der Freudenthränen erwehren können. „Ich ersehe,“ -schreibt ihm Martyr, „aus deinem Briefe, was du empfunden hast und -wie du die Bedeutung dieser Entdeckungen zu würdigen weißt. Welche -Nahrung kann für erhabene Geister willkommener sein? Ich fühle es -an mir selbst. Ich bin freudig erregt, wenn ich verständige Männer -spreche, welche aus jenen Gegenden zurückkommen. Wer mag heute noch -staunen über die Entdeckungen, welche Saturn, Ceres und Triptolemos -gemacht haben sollen? Selbst die Phönizier müssen mit ihren Leistungen -zurücktreten.“<a name="FNAnker_303_303" id="FNAnker_303_303"></a><a href="#Fussnote_303_303" class="fnanchor">[303]</a> Ganz ähnlich spricht er sich in den Decaden (I. -<span class="antiqua">lib. X. p.</span> 119) aus: „Weder dem Saturn, noch dem Herkules, noch -irgend einem der Alten, welche neue Küsten aufgesucht haben, stehen die -Spanier unserer Zeit nach. Wie weit wird die Nachwelt das Christenthum -ausgebreitet sehen, ein wie weiter Raum ist der Ausbreitung der -Menschen angewiesen? Was ich darüber empfinde, vermag ich weder mit -Worten noch mit der Feder wiederzugeben.“</p> - -<p>Aber diese hohe Begeisterung schien nur kurze Zeit zu dauern. Als das -Ansehen des Columbus nach seiner dritten Reise sank, als er selbst -in Ketten nach Europa geschafft wurde, wurde die Aufmerksamkeit der -Handelsvölker vielmehr nach dem von den Portugiesen <em class="gesperrt">wirklich -erreichten Indien</em> gelenkt. Hier war das lang erstrebte Ziel -thatsächlich gefunden, hier waren die Gewürzländer selbst erreicht, -und gewinnbringende Frachten kehrten nach Lissabon zurück. An den -Fahrten nach der neuen Welt betheiligten sich nur spanische Fahrzeuge, -zum indischen Handel drängten sich deutsche und italienische -Handelshäuser und unterstützten den wachsenden Verkehr mit Schiffen -und Geld. Daher erklärt sich die merkwürdige Erscheinung, daß sich die -Geschichtsschreiber in England, Frankreich und Portugal gar nicht um -die Entdeckungen des Columbus bekümmerten, daß alle durch Flugblätter -verbreiteten Berichte nur in lateinischen, deutschen oder italienischen -Uebersetzungen vorhanden sind, und daß von den vier Reisen des Admirals -nur eine einzige, und zwar die erste, in spanischer Sprache vorliegt. -Daran ist aber der Entdecker selbst schuld, insofern er in ängstlicher -Sorge um sein Monopol die große Angelegenheit als sorgfältig zu -hütendes Geheimniß behandelte und von seinen Gefährten sogar die von -ihnen entworfenen Karten abforderte, damit niemand ohne seine Erlaubniß -sein privilegirtes Gebiete beträte. Selbst in seinen Mittheilungen an -die Monarchen Spaniens war er in dieser Beziehung zurückhaltend.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_321" id="Seite_321">[S. 321]</a></span></p> - -<p>Nur zwei Briefe des Columbus drangen in die Oeffentlichkeit — und -zwar über die erste und vierte Reise. Der Inhalt des ersten an den -Schatzmeister Raphael Sanchez gerichteten Briefes wurde in der -<em class="gesperrt">ersten Flugschrift über Amerika</em> 1493 in Rom veröffentlicht. -Wir haben bereits oben (<a href="#Seite_262">S. 262</a>) das Facsimile des Anfangs dieses -interessanten Blattes mitgetheilt. Von dieser lateinischen Ausgabe -erschienen gleich im ersten Jahre sechs verschiedene Auflagen, dann -folgten spanische und italienische Texte und endlich 1497 eine deutsche -Bearbeitung unter dem Titel: Eyn schön hübsch lesen von etlichen -inßlen u. s. w. Endlich folgte 1505 die <span class="antiqua">lettera rarissima</span>, ein -Brief über die vierte Reise, welcher gleichfalls in Italien bekannt -gemacht wurde.<a name="FNAnker_304_304" id="FNAnker_304_304"></a><a href="#Fussnote_304_304" class="fnanchor">[304]</a> Damit erlosch die speciell columbische Literatur; -aber bereits seit 1503 beherrschten Amerigo Vespucci’s ausführliche -Reiseberichte den buchhändlerischen Markt, und so erntete dieser den -Ruhm, welcher dem Entdecker gebührte, so daß endlich sogar die ganze -neue Welt seinen Namen erhielt. Columbus selbst hatte leider bis an -seinen Tod nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß er einen neuen -Erdtheil entdeckt habe.</p> - -<p>Wir fügen diesem Abschnitt eine kurze Uebersicht über die Familie des -Columbus an.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bartolomeus Columbus</em>, spanisch Don Bartolomé Colon, war der -erste Vertraute und auf seinen späteren Reisen eine wesentliche Stütze -seines Bruders. In dessen Auftrage war er schon 1488, ehe der Vertrag -mit Spanien zum Abschluß gekommen, nach England gegangen, um dem -Könige Heinrich VII. den Plan seines Bruders vorzulegen. Möglicher -Weise entstanden aus den dabei gegebenen Anregungen die Pläne zu den -Fahrten der Cabots. Bartolomé machte dann die zweite Entdeckungsreise -mit, gründete als Adelantado die erste Stadt der neuen Welt, San -Domingo, 1496 und machte sich namentlich auf der letzten Reise 1502 -sehr verdient. Nach dem Tode des Admirals ging er mit seinem Neffen -Diego wieder nach Westindien und war 1511 in Besitz der kleinen Insel -Mona zwischen Haiti und Puertorico. Er starb am 12. August 1514 auf -Haiti. Las Casas rühmt seine Tüchtigkeit als Kosmograph und Kartograph. -Unzweifelhaft besaß er in der ganzen Familie am meisten Thatkraft und -Charakterstärke.</p> - -<p>Weniger bedeutend ist der zweite Bruder <em class="gesperrt">Diego</em>, der als -Befehlshaber in Isabella und in der Stadt San Domingo auftritt, aber -ohne diese schwierige Stelle befriedigend behaupten zu können. Auch er -starb auf Haiti.</p> - -<p>Der einzige rechtmäßige Sohn des Admirals und Vicekönigs war -gleichfalls <em class="gesperrt">Diego</em> benannt. Er hatte von Kind auf den Vater -während der langen<span class="pagenum"><a name="Seite_322" id="Seite_322">[S. 322]</a></span> peinlichen Zeit des Hoffens und Harrens in Spanien -auf seinen Wanderungen begleitet, war ihm zur Seite, als in dem -Kloster la Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes eintrat, -wurde später, als der Vater seine Fahrten begann, unter die Pagen der -Königin aufgenommen und kam erst 1509 nach Haiti. Er hatte dann den -langwierigen fiscalischen Proceß wegen der Würden und Privilegien, die -dem Vater zugesichert waren, zu führen, und erbte endlich den Titel -eines Admirals von Indien. Er starb am 23. Februar 1526.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ferdinand</em> Columbus, der natürliche Sohn des Entdeckers, erhielt -eine wissenschaftliche Bildung und wurde später Geistlicher. Nachdem -er Amerika besucht hatte, ließ er sich in Sevilla nieder, wo er eine -für jene Zeit bedeutende Bibliothek von 20,000 Bänden sammelte, -welche noch unter dem Namen <span class="antiqua">Biblioteca Colombina</span> vorhanden -ist. Es zeugt von seiner wissenschaftlichen Bedeutung, daß Cabot -ihn einst als Schiedsrichter anrief. Er galt bisher als Verfasser -der Lebensgeschichte seines Vaters, der s. g. <span class="antiqua">vida del almirante -(Historie et vera relatione della vita é de’ fatti dell Ammiraglio D. -Christofero Colombo)</span>, welche 1571 erschien; allein dieses Werk -enthält so viel gradezu legendenhaften Stoff und dazu anekdotenhafte -Züge, welche nicht blos thatsächlich Unmögliches berichten, sondern -auch aus der Feder des in der Nautik wohlerfahrenen Sohnes unmöglich -stammen können,<a name="FNAnker_305_305" id="FNAnker_305_305"></a><a href="#Fussnote_305_305" class="fnanchor">[305]</a> so daß die Authenticität der <span class="antiqua">„vida“</span> mit -vollem Rechte bestritten ist.<a name="FNAnker_306_306" id="FNAnker_306_306"></a><a href="#Fussnote_306_306" class="fnanchor">[306]</a></p> - -<p><em class="gesperrt">Don Luis</em>, der Sohn Diego’s, führte den fiscalischen Proceß zu -Ende und gab seine Ansprüche auf das Vicekönigthum auf gegen den Titel -Herzog von Veragua, Marquis von Jamaica, Admiral von Indien und für -eine Pension von 1000 Dublonen Gold. Er starb 1572 und es folgte ihm -der Sohn seines Bruders Christobal, <em class="gesperrt">Don Diego</em> II., als vierter -Admiral von Indien. Mit ihm erlosch 1576 die directe männliche Linie -des Columbus.</p> - -<h4 id="Die_kleinen_Entdecker">15. Die kleinen Entdecker.</h4> - -<p>Es war eine natürliche Folge des Misgeschicks, welches den Entdecker -Amerikas auf seiner dritten Reise während seines Aufenthalts auf -Haiti traf, daß, da sein Ansehen in dem unerquicklichen Streite -mit der Partei Roldans im Sinken begriffen war, eine Anzahl von -kühnen Unternehmern von der bereits 1495 gegebenen Erlaubniß, auf -Entdeckungsfahrten ausziehen zu dürfen,<span class="pagenum"><a name="Seite_323" id="Seite_323">[S. 323]</a></span> Gebrauch machte und die -Untersuchung des Festlandes von Paria, welches Columbus auf seiner -dritten Reise aufgefunden hatte, weiter fortsetzte. „Do aber Admirans -(Admiral) jnn das vngluck kam, das man in acht als wer er jn vngnaden -der könig, do vndernamen sich vil der seinen, die vast wol kundten -auff dem Meer faren, und vnderstunden vestigklich sich jn das gluck zu -begeben, und vnerfaren ort der welt zu ersuchen“.<a name="FNAnker_307_307" id="FNAnker_307_307"></a><a href="#Fussnote_307_307" class="fnanchor">[307]</a></p> - -<p>Der erste, welcher diese günstigen Zeitumstände benutzte, war der -jugendliche Ritter <em class="gesperrt">Alonso de Hojeda</em>. Derselbe war ums Jahr -1470 in der Stadt Cuenca in Neu-Castilien aus einer angesehenen -Familie geboren<a name="FNAnker_308_308" id="FNAnker_308_308"></a><a href="#Fussnote_308_308" class="fnanchor">[308]</a> und trat als Page in den Dienst eines der -einflußreichsten, mächtigsten Granden Spaniens, des Don Luis de -Cerda, Herzog von Medina Celi. Dieser ist uns bereits als einer der -frühesten Gönner des Columbus bekannt, und in seinem Hause hatte Hojeda -jedenfalls schon den Genuesen kennen gelernt und sich für dessen -Pläne begeistert; denn wir haben schon oben (<a href="#Seite_280">S. 280</a>) mitgetheilt, -daß Hojeda die zweite Reise des Columbus mitmachte und sich durch -die Gefangennahme des Caziken Caonabo auszeichnete. Dann verweilte -er einige Jahre in Spanien und wurde durch die Vermittlung seines -Vetters, des Dominikanermönches Alonso de Hojeda, welcher als einer -der ersten Inquisitoren Spaniens bei den Monarchen in Gunst stand, -mit dem Bischof Fonseca, dem Leiter der indischen Angelegenheiten -bekannt und erhielt durch diesen Einsicht in die Briefe und die Karte, -welche Columbus über den Verlauf seiner dritten Reise und namentlich -über die Entdeckung der Küsten von Südamerika eingesandt hatte. Diese -Nachricht lief etwa um Weihnachten 1498 in Spanien ein. Wahrscheinlich -ward bald nach dieser Zeit schon der Beschluß gefaßt, den Admiral von -seiner Statthalterschaft in Haiti zu beseitigen; Fonseca förderte -deshalb bereitwillig den Plan Hojeda’s, die perlenreiche Küste von -Paria auszubeuten und stellte ihm einen Erlaubnißschein zur Ausrüstung -von Schiffen aus; doch durfte Hojeda weder portugiesisches Gebiet -berühren, noch jene Regionen besuchen, welche Columbus bis zum Jahre -1495 entdeckt hatte. Als Piloten für seine Expedition gewann der junge -Ritter den Basken<span class="pagenum"><a name="Seite_324" id="Seite_324">[S. 324]</a></span> <em class="gesperrt">Juan de la Cosa</em>, welcher nach Abschluß dieser -Fahrt seine Karte, die erste von der neuen Welt, entwarf. Außerdem nahm -an dem abenteuerlichen Zuge der Florentiner <em class="gesperrt">Amerigo Vespucci</em> -theil, welcher es verstand, durch die lebendigen Schilderungen seiner -Erlebnisse und Beobachtungen sich bald einen weltbekannten Namen zu -machen.</p> - -<p>In welcher Stellung Vespucci mitging, läßt sich nicht mehr ermitteln. -Er war am 9. März 1451 in Florenz geboren, also nur wenige Jahre jünger -als sein Landsmann Columbus. Er war der Sohn eines öffentlichen Notars -und von seinem Oheim, einem gebildeten Geistlichen, unterrichtet worden -und zwar in Gemeinschaft mit Pietro Soderini, dem späteren Gonfaloniere -von Florenz. An diesen hat Vespucci im Jahre 1501 den Bericht seiner -zweiten Reise gesandt. Seit dem Jahre 1493 finden wir Vespucci in -Spanien, wohin sich damals viele unternehmende Italiener wandten. Dort -trat er in den Dienst des seit 1486 in Spanien ansäßigen italienischen -Handelshauses Berardi, welches für das indische Amt die Geschäfte -besorgte und die Ausrüstung der nach Westindien gehenden Schiffe -übernommen hatte. Hierbei war auch Vespucci thätig und wird 1495 und -1496 erwähnt.<a name="FNAnker_309_309" id="FNAnker_309_309"></a><a href="#Fussnote_309_309" class="fnanchor">[309]</a></p> - -<p>In der Zeit vom April 1497 bis zum Mai 1498 finden wir ihn fast immer -unterwegs zwischen Sevilla, dem Sitze des indischen Amts, und dem Hafen -von San Lucar, von wo Columbus aussegeln wollte.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <p class="center">Aelteste Karte von<br /> - <b>AMERIKA.</b></p> - <p class="s6 center antiqua nobreak">Westlichster Theil der im Jahre 1500 von Juan de la Cosa - gezeichneten Erdkarte. Original (auf Pergament) im Marine-Museum zu - Madrid. Facsimile-Reproduktion in ½ der Höhe des Originals.</p> - <a id="karte_324" name="karte_324"> - <img src="images/karte_324.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center antiqua nobreak">Die englischen Entdeckungen unter Cabot in Nordamerika -und die spanischen Entdeckungen in Mittel- und Südamerika sind durch -Wappenfähnlein kenntlich gemacht. — Die über das ganze Kartenblatt -laufenden, von den Strichrosen ausgehenden Linien sind nur an ihren -Durchschnittspunkten markiert. Die weissen Stellen im Festland von -Amerika bezeichnen im Original befindliche Löcher.</p> - <p class="s7 center antiqua">Alfr. Runge, Geogr.-artist. Inst. Leipzig-Reudnitz.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_324_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="karte_324_i" name="karte_324_i"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_324_ii" name="karte_324_ii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_324_iii" name="karte_324_iii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_324_iv" name="karte_324_iv"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_iv.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_324_v" name="karte_324_v"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_v.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_324_vi" name="karte_324_vi"> - <img class="mtop1" src="images/karte_324_vi.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Das kleine Geschwader Hojeda’s ging am 18. Mai 1499 von Cadix ab, -steuerte zuerst nach den Canarischen Inseln hinüber und nahm von -Gomera ab dieselbe Richtung, welche Columbus auf seiner dritten Reise -eingeschlagen hatte. In 27 Tagen gelangten sie über den Ocean an die -Gestade von Surinam etwa unter 6° n. Br. Sie folgten der flachen Küste -nach Nordwesten, entdeckten die Mündung des Essequibo, den sie Rio -dulce nannten, und das Delta des Orinoco und verfolgten von hier aus, -nachdem sie 200 spanische Meilen Küstenlinien entdeckt hatten, den -Spuren des Columbus. Auf Trinidad fanden sie Zeichen von der früheren -Anwesenheit des Admirals und gingen durch den Golf von Paria und den -Drachenschlund auf die Nordseite des Continents. Sie folgten der Küste, -besuchten auch die Perleninsel (Margarita) und Curaçao, wo, wie aus -dem Berichte Vespucci’s hervorgeht, die Seefahrer überrascht waren -durch den großen indianischen Menschenschlag, den sie dort antrafen, -infolge dessen man sie die Insel der Giganten nannte. Am 9. August -erreichten sie das Cap S. Roman (nach dem Heiligen des Tages benannt) -und entdeckten weiterhin den Golf von Venezuela, welcher seinen Namen -daher erhält, weil man an der Ostküste des Golfes viel Volk antraf, -welches an der Küste in auf Pfahlrosten errichteten Hütten über -dem Wasser wohnte. Durch diese kunstreichen Pfahlbauten wurden die -Entdecker an die Anlage Venedigs erinnert und nannten daher zunächst -das Dorf, dessen einheimischer Name Coquibacoa war, Klein-Venedig, also -Venezuela und demnach<span class="pagenum"><a name="Seite_325" id="Seite_325">[S. 325]</a></span> weiterhin auch den ganzen Golf. Bekanntlich -hat späterhin die ganze Küste und neuerdings die spanisch-amerikanische -Republik den Namen Venezuela erhalten.</p> - -<p>Von dem Golf aus drangen die Schiffe am 24. August durch den engen Hals -in die innere Bucht, in den See von Maracaibo ein, an dessen Eingange -sie den Hafen San Bartolomé benannten. Langsam vorrückend, besuchten -sie darauf die westlich vom Golf gelegene Halbinsel Guajira. Bis hieher -ist auf der Karte Juans de la Cosa der Verlauf der Küste recht wohl zu -erkennen; an dieser Halbinsel endete die Entdeckung am 16. September -bei dem Cabo de la vela. In der Ferne sah man noch einen hohen Berg, -welcher bei Cosa Monte de Santa Eufemia heißt, wahrscheinlich die -Sierra nevada von Santa Marta. Dann brach man die Untersuchung des -Continentes ab und steuerte in sieben Tagen nach Haiti hinüber und -lief am 23. September in die Bucht von Yaquimo ein. Dem Vicekönig, -welcher damals mitten in dem unerquicklichen Streit mit Roldan lag, -war der Besuch Hojeda’s höchst unbequem, so daß er noch nach Jahren -in dem Briefe an die Amme des Prinzen Juan darauf zurückkommt mit den -Worten: „Dann kam Hojeda, in der Absicht, diese Unordnungen auf Haiti -zu besiegeln.“</p> - -<p>Nach dem Bericht Vespucci’s nahm das Geschwader von Haiti aus den Weg -durch die Bahama-Inseln, wo man, um einen Theil der Ausrüstungskosten -decken zu können, 232 Menschen raubte, um sie in Spanien als Sklaven zu -verkaufen, und kehrte endlich, auf der Fahrt von den Açoren nach den -Canarien verschlagen, in Mitte Juni 1500 nach Cadix zurück.</p> - -<p>Wenn man auf Cosa’s Karte die Insel Cuba bereits als Insel dargestellt -sieht, obwohl dieser Kartograph wenige Jahre früher eidlich seine -Ueberzeugung hatte zu Protokoll geben müssen, daß er Cuba für das -Festland von Asien halte (s. <a href="#Seite_278">S. 278</a>), so sollte man vermuthen, daß -vielleicht auch auf dieser Expedition Hojeda’s schon das Westende Cubas -aufgefunden sei. Darauf weist auch eine etwas unbestimmt gehaltene -Bemerkung Peter Martyrs, daß von gewisser Seite behauptet sei, man habe -Cuba umfahren.<a name="FNAnker_310_310" id="FNAnker_310_310"></a><a href="#Fussnote_310_310" class="fnanchor">[310]</a></p> - -<p>Der Gewinn der Unternehmung war gering. Nach Abzug der Kosten blieben -nur 500 Ducaten, welche unter 55 Personen zu vertheilen waren.</p> - -<p>Daher kam es auch, daß die geographischen Erfolge weniger Beachtung -fanden, als sie verdienten, und daß die zwei Monate früher vollendete -Expedition des <em class="gesperrt">Per Alonso Niño</em> mehr Eindruck machte, weil der -materielle Gewinn ein größerer war.</p> - -<p>Palos und das benachbarte Moguer<a name="FNAnker_311_311" id="FNAnker_311_311"></a><a href="#Fussnote_311_311" class="fnanchor">[311]</a> waren durch die Unternehmung -des<span class="pagenum"><a name="Seite_326" id="Seite_326">[S. 326]</a></span> Columbus mächtig angeregt. Wie die dortigen Seeleute sich der -ersten Fahrt angeschlossen, so versuchten sie späterhin mehrfach in -selbständigen Expeditionen nach der neuen Welt ihr Glück.</p> - -<p>Der erste war <em class="gesperrt">Per</em> (Pedro) <em class="gesperrt">Alonso Niño</em> aus Moguer, welcher -unter Columbus die erste und dritte Reise mitgemacht hatte<a name="FNAnker_312_312" id="FNAnker_312_312"></a><a href="#Fussnote_312_312" class="fnanchor">[312]</a> und von -dem Banquier Luis Guerra in Sevilla die Mittel zur Ausrüstung eines -Schiffes unter der Bedingung erhielt, daß dessen Bruder Cristobal -Guerra nominell die Leitung erhalte. Das kleine Fahrzeug von fünfzig -Tons segelte mit 33 Mann im Juni 1499, einige Tage nach der Abfahrt -Hojeda’s, von Palos ab. Fonseca hatte dazu die königliche Erlaubniß -erwirkt, aber unter der Bedingung, daß sie sich wenigstens 50 Leguas -von denjenigen Plätzen entfernt hielten, welche Columbus berührt -hatte.<a name="FNAnker_313_313" id="FNAnker_313_313"></a><a href="#Fussnote_313_313" class="fnanchor">[313]</a></p> - -<p>Mit günstigem Fahrwinde erreichten Niño und Guerra die Küste von -Paria etwas südlicher als Columbus und gingen, nachdem sie am Golfe -Brasilholz geschlagen, durch den Drachenschlund nach der Perlenküste -(<span class="antiqua">Costa de perlas</span> auf Cosa’s Karte) mit der Absicht, dort Perlen -einzutauschen. An der Küste von Cumana und la Guaira machten sie den -reichsten Eintausch, denn sie langten 14 Tage eher dahin als Hojeda. -Westwärts gingen sie nur bis zu der Landschaft Cauchieto, wo nach -Angabe der Indianer viel Gold zu finden war. Allein darin fanden sie -sich getäuscht. In Folge dessen gingen sie im Anfang November noch -einmal nach Cumana und der Insel Margarita zurück, welche Columbus -nicht betreten hatte, und traten dann die Heimreise an, nachdem sie -die feste Ueberzeugung gewonnen hatten, daß das entdeckte Land ein -Continent und keine Insel sei, da sie Hirsche, Eber und anderes Wild -angetroffen, wie man es auf Inseln nicht findet, und da sie eine -bedeutende Strecke an der Küste hingefahren waren.<a name="FNAnker_314_314" id="FNAnker_314_314"></a><a href="#Fussnote_314_314" class="fnanchor">[314]</a> Im Februar -(nach Andern im April) erreichten sie die Nordwestküste von Spanien -wieder und liefen in den galicischen Hafen von Bagona ein. Die gesammte -Ausbeute belief sich auf 96 Mark (<span class="antiqua">libras octunciales</span>) Perlen, -von denen ein Fünftel an den königlichen Fiscus abgegeben wurde. Der -glückliche Verlauf und der reiche Gewinn reizte zu neuen Fahrten.</p> - -<p>Am Schlusse desselben Jahres 1499 brach von Palos ein zweites -Geschwader auf. Die reiche Familie der Pinzone hatte es auf ihre Kosten -ausgerüstet. An der Spitze standen <em class="gesperrt">Vicente Yañez Pinzon</em> und -seine Neffen Diego Fernandez und Perez Arias. Am 18. November gingen -4 Caravelen unter Segel und steuerten von der capverdischen Insel St. -Jago am 13. Januar 1500 gegen Südwesten trotz Stürme und großer Gefahr -über den<span class="pagenum"><a name="Seite_327" id="Seite_327">[S. 327]</a></span> Aequator. Jenseit des fünften Grades südl. Br. stießen sie am -26. Januar südlich von dem Cap S. Roque auf die brasilianische Küste -und nannten den ersten Landvorsprung das schöne Vorgebirge, Rostro -Hermoso. Die Portugiesen nannten dasselbe später Cap Sa. Cruz oder S. -Agostinho. Juan de la Cosa bezeichnet diese Stelle mit der Inschrift: -„Dieses Cap wurde im Jahre 1499 (irrthümlich statt 1500) für Castilien -entdeckt, der Entdecker war Vicentians.“<a name="FNAnker_315_315" id="FNAnker_315_315"></a><a href="#Fussnote_315_315" class="fnanchor">[315]</a> Der Führer der Expedition -stieg mit mehreren königlichen Notaren ans Land und nahm für den König -von Spanien Besitz von demselben, indem er Zweige von den Bäumen -abhieb, von dem Wasser des Landes trank und Kreuze errichtete. Ein -Versuch, mit den Eingebornen in friedlichen Tauschverkehr zu treten, -wurde durch das feindselige Benehmen derselben vereitelt. Man steuerte -darauf an der Küste des Landes gegen WNW. So wurde also auch, wie -Peter Martyr triumphirend schreibt, hier, jenseit des Oceans die alte -Streitfrage, an welcher sich Philosophen, Dichter und Kosmographen -lebhaft betheiligt hatten, ob nämlich der heiße Aequatorialgürtel für -Menschen bewohnbar sei, endgiltig durch den Augenschein gelöst.<a name="FNAnker_316_316" id="FNAnker_316_316"></a><a href="#Fussnote_316_316" class="fnanchor">[316]</a> -Auf der Weiterfahrt geriethen sie mit den Indianern in blutigen -Streit, welcher mehreren Matrosen das Leben kostete. Sie hielten daher -etwas von der Küste ab und gelangten vor die Mündung des mächtigen -Amazonenstroms; sie waren nicht wenig erstaunt, als sie in einer -Entfernung von 40 spanischen Meilen vom Lande trinkbares Wasser von -der Meeresfläche schöpfen konnten. Daß solche gewaltige Massen von -süßem Wasser, welche den Ocean bedeckten, nur von einem Riesenstrome -herrühren konnten, wurde klar, jemehr sie sich nun dem Gestade -näherten, an welchem sie mehrere Inseln entdeckten. Auf einer derselben -nahmen sie 36 Eingeborene gefangen und führten sie als Sklaven mit sich -fort. An der Mündung des Marañon, wo sie zuerst den Polarstern wieder -zu Gesicht bekamen, beobachteten sie eine Springflut und glaubten aus -den Angaben der Indianer zu verstehen, daß weiter aufwärts am Fluß -viel Gold zu finden sei. Offenbar hatte man ein bedeutendes Festland -vor sich, dem man unmöglich die kleine Bezeichnung „Insel“ ertheilen -konnte, man müßte denn, wie Martyr bemerkt, die ganze bewohnte Erde -(<span class="antiqua">universum terrae orbem</span>) als Insel ansehen. Wegen der ungeheuren -Breite des Amazonenstroms, welche die Entdecker auf 30 spanische Meilen -schätzten, hielt Martyr die Erzählung anfangs für eine Fabel. Als er -sie dann aber weiter fragte, ob sie nicht etwa eine Meerenge für einen -Fluß angesehen hätten, bemerkten ihm jene, daß, je weiter man in den -Strom hinauf fahre, das Wasser um so süßer werde. Durch diese Erklärung -beruhigt, ruft der<span class="pagenum"><a name="Seite_328" id="Seite_328">[S. 328]</a></span> Verfasser der Decaden aus: „Wer will es der Natur -nehmen, daß sie nicht noch größeres selbst als diesen Fluß schaffen -könne!“ Die Entdeckung des gewaltigsten Stroms der Erde erregte mit -Recht die staunende Bewunderung der Zeitgenossen. So verschwommen aber -waren damals noch die Vorstellungen, welche man über diese Gebiete in -Spanien hatte, daß Peter Martyr glaubte, der Marañon sei derselbe Fluß, -den Columbus auf seiner dritten Reise gefunden; der Amazonenstrom und -Orinoco schienen ihm also identisch. Daß beide neben einander existiren -könnten, schien unglaublich.</p> - -<p>Aus den prachtvollen Urwäldern nördlich vom Strome, wo sie Riesenstämme -antrafen, welche 16 Männer kaum zu umspannen vermochten, nahmen sie -eine Ladung von Brasilholz<a name="FNAnker_317_317" id="FNAnker_317_317"></a><a href="#Fussnote_317_317" class="fnanchor">[317]</a> mit und gingen dann am Orinocodelta -vorüber durch den Drachenschlund, entdeckten jenseit Trinidad die -Insel Tabago, berührten mehrere der kleinen Antillen und trafen am -23. Juni 1500 in Haiti ein. Von hier aus wandte sich das Geschwader, -welches weder Gold noch Perlen gewonnen hatte, zur Menschenjagd -nach den Bahama-Inseln, verlor aber in einem furchtbaren Sturm zwei -Schiffe. Die beiden andern Fahrzeuge erreichten am 30. September 1500 -den heimatlichen Hafen. Der geographische Erfolg dieser Reise war ein -bedeutender, aber der materielle Gewinn fehlte vollständig. Die Droguen -und Hölzer, welche man für Ingwer und Zimmet gehalten, waren werthlos. -Es blieb nur die Sklavenfracht und das Brasilholz; dazu stürzte der -Verlust zweier Schiffe die Familie der Unternehmer in Schulden und ließ -den Gedanken an eine Fortführung der Pläne nicht aufkommen, obwohl -man dem Ziele weit näher gekommen zu sein meinte, als Columbus; denn -man war überzeugt, über Catai hinaus das indische Gestade jenseit des -Ganges erreicht zu haben.<a name="FNAnker_318_318" id="FNAnker_318_318"></a><a href="#Fussnote_318_318" class="fnanchor">[318]</a></p> - -<p>Kaum einen Monat später, als die Pinzone, brach ebenfalls von Palos, -etwa in der Mitte des December 1499 <em class="gesperrt">Diego de Lepe</em> mit zwei -Schiffen auf und segelte von der capverdischen Insel Fuego 500 Leguas -gegen Südwesten, bis er in der Nähe von Cap Agostinho auf die Küste des -Festlandes stieß. Der Verlauf der Expedition am Marañon vorüber nach -dem Parialande ist ziemlich derselbe wie bei der Fahrt der Pinzone; -doch würde Lepe’s Reise noch ein besonderes Interesse gewinnen, wenn, -wie vermuthet ist, Amerigo Vespucci daran theilgenommen hätte und der -Bericht von der zweiten Schifffahrt des Florentiners sich auf Diego -de Lepe’s Unternehmung bezöge.<a name="FNAnker_319_319" id="FNAnker_319_319"></a><a href="#Fussnote_319_319" class="fnanchor">[319]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_329" id="Seite_329">[S. 329]</a></span> Vespucci, welcher zweimal am Cap -Agostinho war, bestimmte die südliche Breite desselben zu 8 Grad, nach -den Aussagen Sebastian Cabots, Juan Vespucio’s u. a. (Navarrete III, -319. 320). Andreas Morales entwarf nach den Angaben der Entdecker und -der nachfolgenden Expeditionen eine Karte für den Bischof Fonseca, -auf welcher auch die Lage des Cap Agostinho nach Rücksprache mit -Lepe angegeben war. Diego de Lepe’s Karte wurde später auch von Juan -Diaz de Solis geprüft. Das Cap Agostinho gewann aber deshalb eine so -große Wichtigkeit, weil man durch seine Fixirung den ersten festeren -Anhalt für die Bestimmung der Demarcationslinie zu finden glaubte. -Lepe’s Karte wurde dabei zu Rathe gezogen und Vespucci hat, nach der -Aussage namhafter Zeugen, seine Lage bestimmt (Navarrete III, 319). Die -Beziehungen zwischen Diego de Lepe und Amerigo Vespucci treten dadurch -so deutlich hervor, daß die Vermuthung, Vespucci habe mit Lepe seine -zweite Reise gemacht, dadurch an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Ueber -Haiti kehrten die Schiffe wieder heim und langten vor dem November 1500 -in Spanien an, denn schon am 9. November desselben Jahres ist ein Erlaß -der spanischen Majestäten, Diego Lepe betreffend, ergangen (Navarrete -III, 80).</p> - -<p>Um die Küsten des caribischen Meeres weiter zu erforschen, zog -<em class="gesperrt">Rodrigo de Bastidas</em> im October 1500 mit zwei Schiffen von Cadiz -aus, besuchte den Golf von Venezuela, sowie die Länder im Süden und -Westen der Landschaft Coquibacoa. Von Cabo de la vela begann er seine -Entdeckungen, berührte die Küste der Sierra nevada de Sa. Marta und -drang über die Mündung des Magdalenenstroms in das Innere des Golfes -von Darien (oder Urabá). Von hier wandte er sich nach Nordwesten und -verfolgte den Saum der darischen Landenge bis zur Punta San Blas oder -dem nahegelegenen Puerto de Escribanos.<a name="FNAnker_320_320" id="FNAnker_320_320"></a><a href="#Fussnote_320_320" class="fnanchor">[320]</a> Er erreichte also den -Isthmus von Panama vor Columbus, welcher erst am 26. November 1502 -hieher gelangte. Durch diese Reise des Bastidas wurde die Aufnahme der -Nordküste Südamerikas vollendet.</p> - -<p>Im Januar 1502 machte sich <em class="gesperrt">Hojeda</em> zum zweitenmale auf, nachdem -er zur Beschaffung der Mittel sich mit Juan de Vergara und Garcia de -Ocampo oder del Campo verbunden und mit der Krone durch Vermittlung -Fonseca’s einen Vertrag geschlossen hatte, wonach ihm die Umgebung -des Golfes von Maracaibo unter dem Namen einer Statthalterschaft von -Coquibacoa oder Cichibacoa überlassen wurde. Er ging mit vier Schiffen -über die Capverden nach der Küste von Venezuela, entdeckte den Golf von -Coro, den östlichen Theil des Golfs von Venezuela und beschloß dort -eine Niederlassung zu<span class="pagenum"><a name="Seite_330" id="Seite_330">[S. 330]</a></span> gründen; aber die Eingeborenen vertheidigten ihr -Land mit den Waffen und tödteten in einem Gefechte zwanzig Spanier. -Mangel an Lebensmitteln riefen unter der Mannschaft einen Aufruhr -hervor, in welchem Hojeda gefangen genommen und in Ketten geworfen -wurde. Dann gaben die Meuterer die Ansiedlung auf und gingen nach -Haiti, wo Hojeda dem Gericht überliefert und nach Spanien gebracht, im -Jahre 1503 aber völlig freigesprochen wurde.</p> - -<p>Noch unglücklicher verliefen die beiden Expeditionen, welche 1504 -nach jenen Gegenden auszogen. Das eine Geschwader unter <em class="gesperrt">Cristobal -Guerra</em> und <em class="gesperrt">Luis Guerra</em> bestand aus vier Schiffen, das andere -unter <em class="gesperrt">Juan de la Cosa</em> aus drei oder vier Schiffen. Nachdem -sie die Gestade Venezuelas gebrandschatzt und Menschenraub getrieben -hatten, scheiterten mehrere der Fahrzeuge am Golf von Darien. Man sah -sich gezwungen, dreiviertel Jahr unter Hunger und Mühsal an der Küste -auszuharren, wobei mehr als die Hälfte der Mannschaft dem Fieber erlag. -Von den 200 Abenteurern beider Geschwader retteten sich schließlich -nur etwa vierzig über Jamaica und Haiti nach Spanien. Trotz aller -Mißerfolge fand <em class="gesperrt">Alonso de Hojeda</em> im nächsten Jahre wieder -Gelegenheit, mit drei Schiffen den Versuch, seine Statthalterschaft in -Coquibacoa zu begründen, zu wiederholen. Nähere Umstände über diese -1505 ausgeführte Unternehmung sind aber nicht bekannt geworden.</p> - -<h4 id="Die_Portugiesen_in_Suedamerika">16. Die Portugiesen in Südamerika.</h4> - -<p>Es ist bereits oben (<a href="#Seite_129">S. 129</a>) berichtet, unter welchen Umständen bei -der zweiten portugiesischen Expedition nach Indien unter Pedralvarez -Cabral im April 1500 die Küste Brasiliens zufällig berührt wurde. Da -die Portugiesen von der fast gleichzeitig erfolgten Auffindung der -nördlicheren Gestade des südamerikanischen Continents durch die Spanier -noch keine Nachricht erhalten hatten, so hielt Cabral das entdeckte -Land für eine große Insel, welcher er den Namen Santa Cruz beilegte, -und schickte den Capitän Gaspar de Lemos mit der Kunde von dieser -Entdeckung nach Portugal zurück, während er selbst seinen Weg nach -Indien fortsetzte.</p> - -<p>In Lissabon erkannte man sofort den Vortheil, welchen die neue Insel -den Indienfahrern gewähren könne, da sie sehr günstig gelegen sei, -um Schiffe auszubessern und Wasser einzunehmen.<a name="FNAnker_321_321" id="FNAnker_321_321"></a><a href="#Fussnote_321_321" class="fnanchor">[321]</a> Es wurde daher -beschlossen, durch ein zu diesem Zweck entsendetes Geschwader den von -Cabral gemachten Fund weiter untersuchen zu lassen. Um diese Zeit war -Amerigo Vespucci von seiner zweiten Fahrt, auf welcher er bis zum -8. Grad s. Br. gekommen war, zurückgekehrt und weilte in Sevilla. -Da nun Amerigo auch eine von Fachleuten anerkannte Geschicklichkeit -besaß, mittelst Quadranten die geographische Breite zu bestimmen, so -suchte König Manuel ihn zu gewinnen, die beabsichtigte Fahrt nach -dem Sa. Cruzlande mitzumachen und sandte daher einen Florentiner,<span class="pagenum"><a name="Seite_331" id="Seite_331">[S. 331]</a></span> -Giuliano di Bartolomeo del Giocondo von Lissabon nach Sevilla. Erst -auf wiederholte Bitte erklärte Vespucci sich bereit und reiste nach -Portugal. Im Mai 1501 liefen drei Schiffe von Lissabon aus, an Bord des -einen befand sich Vespucci, wahrscheinlich als Astronom. Der Name des -Capitäns ist unbekannt, da Vespucci, dessen Briefe die einzige Quelle -über die Fahrt sind, uns denselben verschweigt. Das Geschwader ging -an der afrikanischen Küste bis über das grüne Vorgebirge hinaus, nahm -dort bei den Bissagos Lebensmittel, Holz und Wasser ein und steuerte -dann mehr westlich haltend über den Ocean. In der Region der Calmen, -in der Nähe des Aequators, brachen furchtbare Unwetter los, welche -sie lange dort festbannten.<a name="FNAnker_322_322" id="FNAnker_322_322"></a><a href="#Fussnote_322_322" class="fnanchor">[322]</a> Erst am 16. August kam die Küste -von Südamerika in Sicht in der Nähe von Cap S. Roque, unter 5° s. -Br. Man nahm für den König von Portugal in üblicher Weise Besitz vom -Lande und versuchte mit den Eingeborenen einen kleinen Tauschhandel -zu eröffnen. Es entstand aber auch hier bald Mißhelligkeit und Streit -und die Europäer mußten es erleben, daß einer ihrer jungen Matrosen am -Strande erschlagen und verzehrt wurde. Man folgte nun der Küste weiter -nach Südwesten und ertheilte, wie es scheint, einzelnen Punkten den -Namen der Kalenderheiligen des Tages. Der Atlas des Vaz Dourado<a name="FNAnker_323_323" id="FNAnker_323_323"></a><a href="#Fussnote_323_323" class="fnanchor">[323]</a> -läßt in solcher Weise den Fortschritt der Entdeckung klar erkennen. -Demgemäß war man am 16. August, am Tage des heil. Rochus zuerst auf -den Continent am Cap San Roque, gestoßen, hatte das Cap des heil. -Augustin (8° südl. Br.) am 28. August erreicht, den Rio de San Miquel -(10° südl. Br.) am Michaelistage berührt, den Rio de San Franciso am -4. October gefunden. Weiterhin streifte man die von Cabral entdeckte -Küste und erkannte daraus, daß die von demselben als Ilha de Sa. Cruz -bezeichneten Gestade einem gewaltigen Continente angehörten, und lief -nun weiter über den Rio de Sa. Luzia, wahrscheinlich den heutigen Rio -Doce, zu welchem man nach der Bestimmung des Tages am 13. December -gelangte, zum Cabo de San Thomé (21. December). Das Sternbild des -kleinen Bären war ihnen bereits entschwunden<a name="FNAnker_324_324" id="FNAnker_324_324"></a><a href="#Fussnote_324_324" class="fnanchor">[324]</a> und auch der große -Bär stand nur noch sehr niedrig.<a name="FNAnker_325_325" id="FNAnker_325_325"></a><a href="#Fussnote_325_325" class="fnanchor">[325]</a> Vermuthlich entdeckte man den -Eingang der prachtvollen Bucht am Rio de Janeiro<span class="pagenum"><a name="Seite_332" id="Seite_332">[S. 332]</a></span> am 1. Januar 1502 -und westlich davon die Angra dos Reis am heiligen Dreikönigstage, also -am 6. Januar, Porto de San Vicente am 22. Januar und gleich darauf -Cananea (25° s. Br.), fälschlich auf den damaligen Karten als Cananor -bezeichnet. Mit diesem Punkte hören auf den Karten, welche bis 1510 -erschienen, die Küstenbenennungen auf, obwohl Vespucci berichtet, das -Geschwader habe bis zum 32° südl. Br. das Land in Sicht behalten.</p> - -<p>Bis hieher läßt sich der Verlauf der Entdeckungen also bestimmt -verfolgen. Vespucci erzählt aber, man habe von da an ihm persönlich die -weitere Leitung übertragen und er sei nun vom Lande ab gegen Süden bis -zum 50° oder 52° s. Br. in das südliche Meer vorgedrungen, wo man am -2. April eine von Klippen umsäumte, unbewohnte, öde Küste entdeckt, an -der man 20 Seemeilen entlang gesegelt; und weil man in den südlichen -Winter hineingerieth, habe man nun die weitere Fahrt aufgegeben und -sei über den Ocean nach der Serra Leona zugesteuert. Welche Küste er -gesehen haben will, läßt sich nicht bestimmen.<a name="FNAnker_326_326" id="FNAnker_326_326"></a><a href="#Fussnote_326_326" class="fnanchor">[326]</a> Man hat an die -Falkland-Inseln und die patagonische Küste gedacht.</p> - -<p>An der Küste der Serra Leona wurde eins von den drei Schiffen, welches -untauglich geworden war, verbrannt, die beiden andern langten über die -Açoren am 7. September 1502 in Lissabon an, so daß also die ganze Reise -16 Monate gewährt hatte.</p> - -<p>Der Erfolg dieser auf Staatskosten unternommenen Erforschungsreise war -in geographischer Beziehung ein sehr bedeutender, und Vespucci verstand -es, durch seine Briefe und Berichte sich dabei als den Hauptträger -und wissenschaftlichen Leiter hinzustellen. Die ausführlichen -Schilderungen der entzückend schönen, tropischen Küstenlandschaften -des südamerikanischen Continents, dessen gewaltige Ausdehnung nach -Süden durch diese Fahrt zuerst erkannt wurde, die Schönheit des -südlichen Himmels, von dessen Sternbildern Vespucci einige unförmliche -Zeichnungen entwarf, und endlich die sichere Behauptung, daß er mit -seinen Schiffen wenigstens bis zum 50° s. Br. gekommen sei, alles -dies trug ohne Zweifel dazu bei, gerade diese dritte Reise Vespucci’s -berühmter als alle anderen zu machen; denn es war eine Seefahrt -gewesen, welche sich von Lissabon, also etwa von 40° n. Br. an, in -der Richtung der Meridiane über den vierten Theil des Erdumfanges -ausdehnte. In der deutschen Uebersetzung eines Briefes des Florentiner -Kosmographen an seinen Freund Lorenzo di Pierfrancesco de Medici wird -dieses Resultat mit den Worten zusammengefaßt. „So ist küntlich vnnd -offenbar das wir den vierdenteyl<span class="pagenum"><a name="Seite_333" id="Seite_333">[S. 333]</a></span> der welt durchschyffet haben.“ In -demselben Sinne gibt Ruchamer<a name="FNAnker_327_327" id="FNAnker_327_327"></a><a href="#Fussnote_327_327" class="fnanchor">[327]</a> diesem Abschnitt seines Werkes den -Titel: „Wie Alberich den vierten Theil der Welt entdeckt hat.“ Der -Brief Vespucci’s machte ungeheures Aufsehen, wurde 1503 zuerst durch -Jean Lambert zu Paris in lateinischer Uebersetzung und weiter in -Augsburg und Straßburg in deutscher Sprache gedruckt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p333" name="abb_p333"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p333.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Titelblatt der deutschen Uebersetzung des - Briefes, welchen Am. Vespucci über seine dritte Reise an Pierfrancesco - de Medici schrieb.</p> - <p class="s6 center">(Königl. Bibliothek zu Dresden.)</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_334" id="Seite_334">[S. 334]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p334" name="abb_p334"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p334.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Rückseite des Titelblattes und Anfang - desselben Briefes.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Königliche Bibliothek zu - Dresden.<a name="FNAnker_328_328" id="FNAnker_328_328"></a><a href="#Fussnote_328_328" class="fnanchor">[328]</a>)</p> -</div> - -<p>Und wenn schon auf dem Titel, auf dem der König von Portugal in -herausfordernder Weise sich spreizt und mit den Errungenschaften -zu brüsten scheint, die neu entdeckten Länder als eine <em class="gesperrt">Welt</em> -bezeichnet werden, so spricht Vespucci selbst es in der Einleitung -seines Briefes noch deutlicher aus, daß man die großen Länderräume, -welche er im Auftrage des Königs von Portugal<span class="pagenum"><a name="Seite_335" id="Seite_335">[S. 335]</a></span> aufgefunden, die <em class="gesperrt">neue -Welt</em> nennen könne, zumal da man früher gar keine Kunde davon -gehabt, vielmehr der Ansicht gewesen sei, daß südlich vom Aequator -sich nur Wasser über die ganze Hemisphäre erstrecke. Nun seien aber -zahlreiche Völker und eine eben so reiche Thierwelt aufgefunden, wie -sie in der alten Welt bekannt sei.</p> - -<p>Durch die Erzählungen von einer neuen Welt, welche Vespucci mit -bewußtem Stolze Asien, Afrika und Europa gegenüberstellte, verdunkelte -er das niedergehende Gestirn seines Landsmannes Columbus vollständig -und gab wenige Jahre später die Veranlassung, daß der neu entdeckte -Erdtheil seinen Namen erhielt. Der Florentiner war aber mit seinen -Erfolgen noch nicht zufrieden, er wollte, wie er an Lorenzo de -Pierfrancesco schreibt, noch einen ausführlicheren Bericht über -seine Beobachtungen und Entdeckungen liefern, „damit mein gedechtnuß -bei vnßern nachfaren, löblich beleib, Vnd des almechtigen gots so -groß köstlich, künstliche werk bekant werde.“ Zugleich kündigte er -auch seine Absicht an, noch eine vierte Reise zu unternehmen, zu -welcher bereits zwei Schiffe ausgerüstet seien. Er plante dabei nicht -geringeres, als durch den Süden nach dem Orient zu segeln,<a name="FNAnker_329_329" id="FNAnker_329_329"></a><a href="#Fussnote_329_329" class="fnanchor">[329]</a> oder -wie der Text der Dresdner Flugschrift noch bestimmter sagt „durch den -wyndt, genant Affricus“, also gegen Südwesten.</p> - -<p>Es ist also zuerst von Vespucci der Vorsatz klar ausgesprochen, -auf südwestlichem Wege Indien zu erreichen und dabei vor allem den -Gewürzmarkt von Malakka aufzusuchen — ein Gedanke, welchen Magalhães -16 Jahre später verwirklichte. Die Expedition, an welcher Vespucci -Theil nahm, stand unter dem Befehle des Gonzalo Coelho; sie zählte -sechs Schiffe und ging am 10. Juni 1503 von Lissabon ab. Von der -Serra Leona steuerte sie nach Südwesten, nach der Küste Brasiliens -hinüber; unter 4° s. B. scheiterte das größte Schiff an einer Klippe -vor der öden Felseninsel Fernando Noronha. Getrennt von einander -gingen die Fahrzeuge weiter nach dem verabredeten Sammelplatze der -Allerheiligenbai (Bahia). Als Vespucci mit seinem Begleitschiff -hier über zwei Monate vergebens gewartet hatte, folgte er der schon -bekannten Küste weiter nach Süden und legte unter 18° s. B. die erste -Niederlassung in Brasilien an, in welcher 24 Mann von dem gestrandeten -Schiffe als Colonisten blieben, nahm darauf eine Ladung Rothholz mit -und kehrte am 2. April nach Europa zurück. Am 18. Juni 1504 erreichte -er den Hafen von Lissabon. Nach und nach kamen auch die übrigen Schiffe -zurück. Das Unternehmen war vollständig misglückt, die der Expedition -vom König von Portugal gestellte Aufgabe, auf jeden Fall nach Indien -zu segeln, blieb ungelöst. Vespucci gab der Unerfahrenheit und dem -Hochmuth Coelho’s alle Schuld und meinte, da derselbe noch nicht -zurückgekehrt war, als Vespucci seinen Bericht entwarf, Gott werde ihn -wegen seines Stolzes auf dem Meere<span class="pagenum"><a name="Seite_336" id="Seite_336">[S. 336]</a></span> vernichtet haben.<a name="FNAnker_330_330" id="FNAnker_330_330"></a><a href="#Fussnote_330_330" class="fnanchor">[330]</a> Er schwebte -in Ungewißheit, was der König weiter über ihn selbst beschließen -werde. Er sehnte sich nach so vielen Anstrengungen nach Ruhe; aber auf -Belohnung für seine Dienste konnte er nicht rechnen, da die letzte -Unternehmung fehlgeschlagen war. Er nahm daher gern die Gelegenheit -wahr, mit einem Schreiben des portugiesischen Königs sich nach Sevilla -zu begeben. Hier traf er im Februar 1505 mit Columbus zusammen, der -ihn wie einen Leidensgenossen behandelte, welcher gleichfalls von dem -Undanke der Könige betroffen sei. „Vespucci,“ so schrieb der Admiral an -seinen Sohn Diego, „hat sich mir gefälllg erwiesen. Dem ehrenwerthen -Manne ist das Glück abhold gewesen, wie so vielen andern. Auch er hat -den gebührenden Lohn für seine Leistungen nicht empfangen.“<a name="FNAnker_331_331" id="FNAnker_331_331"></a><a href="#Fussnote_331_331" class="fnanchor">[331]</a> Der -König Ferdinand benutzte die dargebotene Gelegenheit, den tüchtigen und -kenntnißreichen Florentiner wieder für sich zu gewinnen; am 11. April -ehrte er ihn durch ein königliches Geschenk, und vierzehn Tage später -verlieh ihm sein Schwiegersohn, König Philipp, das Bürgerrecht in -Spanien.</p> - -<p>Von da an blieb Vespucci in spanischen Diensten.</p> - -<p>Neuerdings sind noch einige venetiansche Gesandtschaftsberichte bekannt -geworden,<a name="FNAnker_332_332" id="FNAnker_332_332"></a><a href="#Fussnote_332_332" class="fnanchor">[332]</a> aus denen hervorgeht, daß Vespucci noch eine fünfte -Reise unternommen und wiederum die Terra Firma berührt hat, aber ohne -neue bedeutende Entdeckungen zu machen.</p> - -<p>Amerigo hatte von 1505 sich wieder in den Dienst Spaniens begeben und -blieb demselben bis zu seinem Tode treu. Im Jahre 1508 wurde er mit -200 Ducaten Gehalt als Reichspilot angestellt und hatte das Amt, die -Befähigung der Piloten zu prüfen und als Kartograph thätig zu sein. Daß -er Seekarten entworfen hat, finden wir mehrfach bestätigt; aber leider -hat sich kein Originalblatt erhalten. Dagegen darf mit Sicherheit -angenommen werden, daß die in der Straßburger Ausgabe des Ptolemäus von -1513 enthaltene Karte der neuen Welt (<span class="antiqua">tabula terre nove</span>) von -Vespucci stammt. Er starb am 22. Februar 1512 zu Sevilla und erhielt -den Juan Diaz de Solis zum Nachfolger.</p> - -<p>Während Columbus schon bei Lebzeiten seinen Ruhm vollständig erbleichen -sah, widerfuhr dem Vespucci die unverdiente Ehre, daß bereits im Jahre -1507 der Vorschlag gemacht wurde, die neuentdeckten großen Landmassen -Amerika zu nennen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Entstehung des Namens Amerika</em> ist beachtenswerth genug, um -hier ausführlicher dargelegt zu werden. Es ist bereits mehrfach darauf -hingewiesen, daß Amerigo ein fleißiger Briefsteller war, und indem er -mit einer frischen Beobachtung auch die Gabe verband, namentlich das -Völkerleben der neuen Welt in pikanter Weise zu schildern, so wurden -seine Berichte außerordentlich<span class="pagenum"><a name="Seite_337" id="Seite_337">[S. 337]</a></span> gern gelesen und waren in vielfachen -Ausgaben und Uebersetzungen verbreitet. Außer den einzelnen Briefen -erschien seit 1507 eine zusammenfassende Darstellung seiner vier ersten -Reisen nach der Fassung, welche der Reisende selbst in den Berichten an -seinen florentinischen Freund Soderini gegeben hatte. Diese <span class="antiqua">„Quatuor -navigationes“</span> (Vier Schifffahrten) erlebten wiederum eine Reihe von -lateinischen Auflagen, während weder von Magalhães’ noch von Vespucci’s -Reisen gleichzeitige spanische oder portugiesische Ausgaben bekannt -sind.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p337" name="abb_p337"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p337.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Lies: <span class="antiqua">De vuestra reverendisima - señoria hymylmente beso las manos</span>.</p> - <p class="s6 center antiqua">Amerrigo Vespucci,<br /> - piloto mayor.</p> - <p class="s6 center mbot2">Facsimile der Schlußzeilen eines - Briefes von Amerigo Vespucci an den Cardinal Arzobispo de Toledo - (Ximénez de Cisneros); datirt Sevilla, 9. December 1508.</p> -</div> - -<p>Unverkennbar macht sich in ihnen ein eitles Haschen nach Gelehrsamkeit -bemerklich, denn Amerigo citirt den Plinius, Virgil und Aristoteles, -auch ist der Verfasser, wie die meisten Reisenden seines Zeitalters -zu Uebertreibungen geneigt und weiß sich auch als praktischer -Astronom einen gewissen Nimbus zu verschaffen. Alexander von Humboldt -hat es ganz treffend als ein Uebermaß astronomischer Ruhmredigkeit -bezeichnet,<a name="FNAnker_333_333" id="FNAnker_333_333"></a><a href="#Fussnote_333_333" class="fnanchor">[333]</a> wenn Vespucci in Bezug auf die Längenbestimmungen -zur See sich folgendermaßen äußert: Längenbestimmungen zu machen ist -eine sehr schwierige Sache, und nur diejenigen Personen verstehen es, -welche sich den Schlaf versagen können. Ich habe die nächtliche Ruhe -so oft gemieden, daß ich mein Leben dadurch um zehn Jahre verkürzt -habe, ein Opfer, welches ich keineswegs bedaure, weil ich hoffe dadurch -in späteren Jahrhunderten mir noch Nachruhm zu erwerben. Und da er -selbst nun von seiner dritten Fahrt berichtete, er habe seine Reise -über den vierten Theil des Erdumfanges ausgedehnt und die von ihm -berührten Länder könne man wohl füglich eine Welt für sich nennen und -den Erdtheilen der alten Welt gegenüber stellen, so verbreitete sich -nun sehr rasch die Meinung, <em class="gesperrt">Amerigo sei der Entdecker</em>, und -um so mehr wurde diese Ansicht widerspruchslos weitergetragen, weil -über die Reisen des Columbus nach dem Lande Paria und dem Goldlande -Veragua kaum ein Laut in<span class="pagenum"><a name="Seite_338" id="Seite_338">[S. 338]</a></span> die Oeffentlichkeit drang und weil man den -Genuesen nur für den Entdecker von „etlichen Inseln“ hielt. Man staunt -über die lange Reihe von Schriften und Verfassern, welche sämmtlich -dem Amerigo das Verdienst der Entdeckung des Festlands von Amerika -zuschreiben.<a name="FNAnker_334_334" id="FNAnker_334_334"></a><a href="#Fussnote_334_334" class="fnanchor">[334]</a> Daher erklärt sich auch, daß als einmal der Vorschlag -aufgetaucht war, das neue Land „Amerika“ zu nennen, man ohne Zögern den -Gedanken als einen glücklichen, treffenden bezeichnete und auch für die -weitere Verbreitung des Ausdrucks sorgte.</p> - -<p>Anfänglich waren die Bezeichnungen für die neuen Entdeckungen noch -ziemlich unsicher und schüchtern aufgetreten, so lange man noch -keine klare Vorstellung von der großen Ausdehnung zusammenhängender -Landmassen besaß. Columbus hatte von einem neuen Himmel und einer -neuen Erde gesprochen, in lateinischer Form lautete danach die -Bezeichnung <span class="antiqua">mundus novus</span> oder <span class="antiqua">novus orbis</span>, was dann -wieder in „neue Welt“ verdeutscht wurde. Während man in den wenigen -von Columbus bekannten Mittheilungen nur von Inseln erzählen hörte, -erklärte Vespucci mit großer Sicherheit, er habe einen neuen Erdtheil -entdeckt. Kein Wunder, daß dann die jungen Gelehrten, welche sich in -der lothringischen Stadt St. Dié mit Geographie befaßten und die vier -Schifffahrten des Vespucci in lateinischer Uebersetzung verbreiteten, -auch die Ueberzeugung gewannen, man müsse dann auch dem Florentiner -zu Ehren jene Länder nennen. Der Urheber des Namens Amerika ist -<em class="gesperrt">Martin Waltzemüller</em>.<a name="FNAnker_335_335" id="FNAnker_335_335"></a><a href="#Fussnote_335_335" class="fnanchor">[335]</a> In seiner 1507 zuerst veröffentlichten -Einleitung zur Kosmographie<span class="pagenum"><a name="Seite_339" id="Seite_339">[S. 339]</a></span> (<span class="antiqua">Cosmographiae introductio</span>) -gibt er im 9. Capitel eine ganz kurze Charakteristik der Erdtheile -Europa, Afrika und Asia und bemerkt dazu, daß in der neusten Zeit -diese Erdtheile nicht nur genauer bekannt geworden, sondern daß durch -Amerigo Vespucci auch noch ein vierter Erdtheil entdeckt worden sei, -welchem man mit gutem Fug und Recht den Namen Amerige, gleichsam -Amerigo’s Land oder <em class="gesperrt">Amerika</em> geben könne, da sowohl Europa als -auch Asia nach Frauen benannt worden seien. Ueber Land und Leute dieses -neuen Erdtheils sollen dann die der Kosmographie angehängten vier -Schifffahrten des Vespucci genaueres berichten. Da an dieser Stelle der -Name „Amerika“ zuerst in der Literatur erscheint, so geben wir hier -vorstehend eine getreue Copie dieser interessanten Stelle.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p339" name="abb_p339"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p339.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2 ">Facsimile der Stelle, in welcher zum - erstenmale der Name „Amerika“ vorgeschlagen wird.<br /> - Aus <span class="antiqua">Cosmographiae Introductio</span> des - <span class="antiqua">Hylacomylus</span> von 1507.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_340" id="Seite_340">[S. 340]</a></span></p> - -<p>Der Vorschlag Waltzemüllers fand zunächst unter den deutschen Gelehrten -Anklang. So erschien denn der Name Amerika zuerst in dem kleinen anonym -veröffentlichten Werke <span class="antiqua">Globus mundi</span> (Straßburg 1509) und in -demselben Jahre auf einer in Wien befindlichen Karte. Zwei Jahre später -lesen wir die neue Benennung in einem englischen Schauspiel (<span class="antiqua">A new -interlude</span>). Weiterhin begegnen wir derselben in einem 1512 von -Joachim Vadianus an Rudolf Agricola gerichteten Briefe, welcher in -der 1518 erschienenen Ausgabe des Pomponius Mela abgedruckt wurde. -Im Jahre 1515 schrieb Johannes Schöner in Bamberg den Namen Amerika -auf seinen Globus. Dann folgte die wahrscheinlich 1516 entworfene -merkwürdige Weltkarte Leonardo da Vinci’s, 1520 Peter Apian, welcher -für die von Camers (Giov. Rienzi Vellini aus Camerino in Umbrien) -besorgte Ausgabe des Solinus eine Weltkarte zeichnete, und sodann das -von dem französischen Kosmographen Oronce Fine (Orontius Finaeus) 1531 -gefertigte Weltbild. Aber allgemein befestigt war die Benennung damit -noch nicht, denn durch das ganze 16. Jahrhundert begegnen wir für -Südamerika auch den Bezeichnungen Peruana (Peru) oder Brasilia. Erst im -17. Jahrhundert erlangte der Name allgemeine Gültigkeit.</p> - -<h4 id="Die_spanischen_Niederlassungen">17. Die spanischen Niederlassungen -auf dem Festlande von Mittelamerika und die Entdeckung der Südsee.</h4> - -<p>Alonso Hojeda hatte bereits drei Fahrten nach der Nordküste Südamerikas -gemacht (vgl. oben <a href="#Seite_325">S. 325 </a> und <a href="#Seite_329">329</a>), aber seine Versuche, sich in der -ihm zuertheilten Statthalterschaft von Coquibacoa am Maracaibosee -mit Waffengewalt festzusetzen, waren an dem zähen Widerstande der -kriegerischen Cariben gescheitert. Trotzdem gab der unbeugsame -spanische Ritter seine Pläne nicht auf, er ließ sich 1508 mit der -ganzen Küste, welche nun den Namen Nueva Andalusia erhielt, von neuem -belehnen und verpflichtete sich, daselbst zwei feste Plätze anzulegen. -Zu gleicher Zeit wurde einem anderen Bewerber, <em class="gesperrt">Diego de Nicuesa</em>, -der Küstenstrich des mittelamerikanischen Isthmus von Honduras bis -Darien überwiesen; die Grenze sollte der Atrato bilden, welcher sich in -den Golf von Darien ergießt. Gegen Osten, auf dem Gebiet Hojeda’s, trug -die Landschaft den indianischen Namen Uraba, gegen Westen erstreckte -sich weiterhin das goldreiche Veragua. Hojeda ging im Herbst 1509 -mit vier Schiffen und 300 Mann nach seinem Gebiete unter Segel. In -seiner Begleitung befanden sich der Pilot Juan de la Cosa, als sein -Stellvertreter, und Francisco Pizarro. Kurz darauf folgte Nicuesa, -welcher über bedeutendere Mittel verfügte, mit sieben Segeln und 700 -Mann und steuerte nach Veragua.</p> - -<p>Hojeda landete in der Gegend von Cartagena und beschloß die Dörfer der -Cariben zu überfallen, um die Einwohner zu Sklaven zu machen. Mit dem -Erlös der Beute hoffte er einen Theil der Ausrüstungskosten decken zu<span class="pagenum"><a name="Seite_341" id="Seite_341">[S. 341]</a></span> -können. Vergebens warnte Juan de la Cosa vor den vergifteten Geschossen -der kriegerischen Küstenstämme, deren Gefährlichkeit er auf früheren -Fahrten hatte kennen lernen, und empfahl weiter westlich zu landen; -allein Hojeda verschmähte den wohlgemeinten Rath. Mit einer Schar von -70 Mann rückte er in der Morgendämmerung aus, überwältigte das erste -Dorf, machte alles nieder, was Widerstand leistete, und brachte die -Ueberlebenden als Menschenbeute auf seine Schiffe. Nach diesem ersten -Erfolge aber überließen sich die Spanier in der heißen Mittagszeit -sorglos der Ruhe und wurden nun von den benachbarten Indianern, -deren Ortschaft gleichfalls bedroht war, vollständig überrumpelt. -Unter den Giftpfeilen der Cariben fielen alle Spanier, zuletzt auch -Juan de la Cosa; nur Hojeda, der sich hinter seinem großen Schilde -vollständig decken konnte, schlug sich durch und rannte der Küste zu, -aber ohne die Schiffe erreichen zu können. Zum Glück kam zur selben -Zeit Nicuesa mit seinem Geschwader in dieselbe Gegend, fand Hojeda’s -Schiffe und beschloß, mit dem Reste der Mannschaft desselben die -Gegend zu durchstreifen, um das Schicksal der Expedition gegen die -Indianer aufzuklären. Zuerst fand man Hojeda, tief im Mangrovegebüsch -versteckt, wohin er sich geflüchtet hatte, entkräftet durch Hunger, -sprachlos vor Erschöpfung, aber den Degen in der Faust und am Arme -den Schild, auf welchem gegen 300 Pfeilschüsse zu zählen waren. Dann -kam man zur Stätte des unheilvollen Ueberfalls und stieß auf die -Leiche Cosa’s; dieselbe war an einen Baum gebunden und von zahllosen -Geschossen durchbohrt, „ein Igel von Pfeilen“. Von dem todbringenden -Gift gräßlich aufgedunsen, bot die Leiche ein so grauenvolles Bild, -daß keiner der Spanier, aus Furcht, von einem ähnlichen Schicksal -betroffen zu werden, auch nur noch eine Nacht an dem Orte zu bleiben -wagte. Alle kehrten zu den Schiffen zurück: Nicuesa steuerte nach -Veragua, Hojeda lief an dem Gestade westwärts und gründete im Anfange -des folgenden Jahres 1510 am Golf von Uraba, hart an der Grenze seines -Gebiets eine Niederlassung, welche er San Sebastian nannte und durch -ein festes Blockhaus sicherte. Aber da die Indianer der Nachbarschaft -ebenso kriegerisch und feindselig waren als bei Cartagena, so sahen -sich die Ansiedler fast ganz auf ihr Blockhaus beschränkt und durften -es einzeln nicht verlassen, aus Furcht, von den lauernden Cariben -aus dem Hinterhalte erlegt zu werden. So stellte sich bald Mangel an -Lebensmitteln ein und in seinem Gefolge Unmuth und Mißstimmung, welche -zu Meutereien ausartete; und wenn auch Hojeda strenge Mannszucht zu -halten verstand, so war er doch nicht im Stande, der immer drohender -nahenden Hungersnoth vorzubeugen. Um Verstärkungen an Abenteurern -heran zu ziehen, sandte er ein Schiff mit Sklaven und Gold nach Haiti. -Durch die vielverheißenden Berichte ließ sich ein spanischer Colonist -von Haiti, namens Talavera, welcher, weil er in Schulden steckte, die -Insel zu verlassen wünschte, mit einer Anzahl verwegner Leute gleicher -Lage verleiten, ein mit Lebensmitteln beladenes Schiff, welches an der -äußersten Südwestspitze von Haiti<span class="pagenum"><a name="Seite_342" id="Seite_342">[S. 342]</a></span> vor Anker lag, zu überfallen und -in Besitz zu nehmen, um mit diesem Raube dem Goldlande zuzusteuern. -Die Ankunft der Räuberbande mußte der bedrängten Colonie Hojeda’s -willkommen sein; sie brachte eine namhafte Verstärkung an Mannschaft -und — Brot. Nach dem rechtlichen Erwerb des Schiffes und der Fracht -durfte der Leiter der kleinen Ansiedlung nicht fragen. Mit neubelebtem -Muthe trat man den Indianern entgegen; aber schon bei einem der -nächsten Ausfälle aus dem Blockhause erhielt Hojeda einen vergifteten -Pfeilschuß in den Schenkel. Um den bekannten, unausbleiblichen -Wirkungen der gefährlichen Verletzung zuvorzukommen, ließ der kühne -Hidalgo sich die Wunde mit einem glühenden Eisen ausbrennen und einen -in Essig getauchten Verband darumlegen. Und nur durch solche unerhörte -Energie rettete er sein Leben.</p> - -<p>Kaum war er genesen, so ging er auf Talavera’s Schiffe selbst nach -Haiti, um neue Zufuhr herbeizuschaffen, da sich ohne dieselbe seine -Colonie nicht aufrecht erhalten ließ. Als seinen Stellvertreter ließ -er den Francisco Pizarro<a name="FNAnker_336_336" id="FNAnker_336_336"></a><a href="#Fussnote_336_336" class="fnanchor">[336]</a> zurück und setzte fest, daß, wenn er -binnen 50 Tagen nicht wieder erschienen sei, Pizarro die Niederlassung -ausheben und mit dem Reste der Leute Veragua aufsuchen könne.</p> - -<p>Hojeda landete mit dem Piratenschiff an der Südküste Cuba’s. Unter -unsäglichen Beschwerden wanderte er dreißig Meilen weit durch die -menschenleeren Strandsümpfe und Lagunen ostwärts. Tagtäglich betete -er zu seiner Patronin, der Jungfrau Maria, deren Bildniß, in Flandern -gemalt und ein Geschenk seines Gönners Fonseca, er am Halse trug. -In dem ersten Indianerdorfe, welches er antreffen würde, gelobte -er dem Madonnenbilde eine Capelle zu bauen. Und als er mit seinen -Leidensgefährten, halb verhungert und verschmachtet, dasselbe -erreichte, führte er sein Gelübde aus. Denn er fand freundliche -Aufnahme und die Indianer gaben ihm sogar Führer und ein Boot, um ihn -nach Haiti hinüberzubringen. Talavera mit seinen Raubgesellen fiel -hier in den Arm der Gerechtigkeit und erlitt für seine Verbrechen -den Tod am Galgen. Hojeda wurde freigesprochen; aber auch sein Muth -war gebrochen, er starb, von allen Freunden verlassen, in tiefster -Armuth, wahrscheinlich 1515. Ein tragisches Geschick hatte alle seine -hochfliegenden Pläne vereitelt. Die anmuthige Rittergestalt war ein -Schreckbild<span class="pagenum"><a name="Seite_343" id="Seite_343">[S. 343]</a></span> für alle Glücksjäger geworden. Er selbst fühlte dies in -tiefster Seele und verfügte in seinem letzten Willen, man solle ihn an -der Schwelle der Klosterkirche des heiligen Franciscus in San Domingo -begraben, damit jeder, welcher das Gotteshaus besuche, den Fuß auf -seinen Grabstein setzen müsse. So wollte er selbst noch im Grabe für -seinen Stolz büßen und sich demüthigen.</p> - -<p>Nachdem die verabredeten fünfzig Tage verflossen waren, ohne daß von -Hojeda irgend welche Kunde einlief, entschloß sich Pizarro im Sommer -1510 mit den letzten sechzig Mann, die ihm noch geblieben waren, die -unglückliche Niederlassung von San Sebastian in Uraba aufzulösen -und mit seinen zwei Schiffen den Weg nach San Domingo (Haiti) -einzuschlagen. Aber das Misgeschick verfolgte sie auch aufs Wasser. -Das eine Fahrzeug ging im Sturme unter, das andere stieß unerwartet -auf ein Schiff des Rechtsgelehrten (Baccalaureus) Martin Fernandez -de Enciso, welcher auch an der Küste der Tierra firme als Entdecker -und Colonisator sein Glück versuchen wollte. Aber auch Enciso verlor -an der Ostspitze des Golfs von Darien, an der Punta Caribana, sein -Schiff, und die Mannschaft sah sich genöthigt, am Strande hin nach der -nahe gelegenen Niederlassung von San Sebastian zu gehen. Da man aber -die kaum verlassenen Hütten bereits durch die Indianer zerstört und -verbrannt antraf, entschloß sich der ganze Haufe der unglücklichen -Abenteurer, auf die andere Seite des Golfs hinüber zu ziehen und sich -dort festzusetzen, ohne sich viel darum zu kümmern, daß dieser Theil -der Küste bereits zu Veragua, also unter die Botmäßigkeit Nicuesa’s -gehörte. Die Anregung zu diesem Schritte gab Vasco Nuñez <em class="gesperrt">Balboa</em>, -ein armer Edelmann aus Jerez de los Caballeros in Estremadura, südlich -von Badajoz. Derselbe zählte damals etwa 38 Jahre, war aber schon vor -fast zehn Jahren mit Bastidas in dieser Gegend gewesen und hoffte dort -einen günstigern Boden für eine Ansiedlung zu finden, als in Uraba. -Jahre lang hatte er dann auf Domingo, wo er Ländereien erhalten, -Feldbau getrieben. Aber des einförmigen Landlebens überdrüssig und -von Schulden gedrückt, suchte er eine Gelegenheit, sich seinen -Verpflichtungen zu entziehen. Als Enciso im Hafen von Domingo seine -Ausrüstung betrieb, nahm Balboa diese Gelegenheit wahr, ließ sich, da -nach dem Gesetz kein Schuldner ohne Wissen seiner Gläubiger die Insel -verlassen durfte, von seinem Landgute aus in einer Proviantkiste an -Bord schaffen und kam erst auf offner See, als er sich sicher glaubte, -aus seinem Versteck hervor. Enciso hatte zwar anfangs die Absicht, um -nicht selbst durch Balboa’s Erscheinen in Ungelegenheit zu kommen, den -Eindringling an der ersten wüsten Insel auszusetzen, ließ sich dann -aber bewegen, den Flüchtling als guten Kriegsmann zu behalten.</p> - -<p>In der neuen Niederlassung am Flusse Darien, welche den Namen Santa -Maria del Antigua erhielt, wollte Enciso, der sich für den einzigen -rechtmäßigen Leiter ansah, alles nach seinen gelehrten Rechtsbegriffen -ordnen und leiten, fand aber dabei in der Schar der zügellosen -Abenteurer den heftigsten Widerstand. Militärischem Commando entzogen -sie sich nicht, aber<span class="pagenum"><a name="Seite_344" id="Seite_344">[S. 344]</a></span> die Fesseln einer papiernen Rechtspflege ertrugen -sie nicht. Balboa trat an die Spitze der Widersacher und erklärte den -Baccalaureus für abgesetzt und gefangen; doch ließ man ihn später -wieder los. Enciso durfte nach Spanien zurückkehren. Die Erbitterung -Balboa’s gegen diesen Rechtsgelehrten war so groß, daß er noch im -Anfange des Jahres 1513 an den König von Spanien schrieb und bat, -er möge allen Juristen und studirten Leuten, außer den Medicinern -verbieten, die Tierra firme zu betreten, denn sie hätten alle den -Teufel im Leibe und stifteten mit ihren tausenderlei Rechtshändeln und -Niederträchtigkeiten nur Unheil an.<a name="FNAnker_337_337" id="FNAnker_337_337"></a><a href="#Fussnote_337_337" class="fnanchor">[337]</a></p> - -<p>Doch in Santa Maria del Antigua erschien bald wieder die Noth und -der Mangel an Lebensmitteln, welcher namentlich in den ersten -Stadien der Bildung einer neuen Colonie verhängnißvoll geworden ist. -Glücklicherweise brachten im November 1510 zwei Schiffe unter Rodrigo -Enriquez de Colmenares unerwartete Hilfe. Dieselben waren für Rechnung -Nicuesa’s mit Lebensmitteln befrachtet und liefen an der Küste hin, um -dessen Niederlassung aufzusuchen. Colmenares ließ sich bewegen, einen -Theil seiner Vorräthe an Balboa und seine Leute abzugeben und setzte -dann seine Reise fort, um <em class="gesperrt">Nicuesa</em> aufzufinden.</p> - -<p>Dieser war im November 1509, also ein Jahr vorher, von Cartagena -nach Darien gegangen und steuerte von da nach Veragua. Einer Karte -des Bartolomé Colon folgend, war er irrthümlich über das Ziel -hinausgerathen. Der Sturm trieb die Schiffe auseinander, einige gingen -unter, mit dem letzten lief er nothgedrungen in die Mündung eines -Flusses ein, wo dasselbe auf den Grund gerieth und durch den heftigen -Wogenschwall zerschlagen wurde. Die Mannschaft rettete sich ans Land. -In der Nähe des von Columbus entdeckten Vorrathshafens (<span class="antiqua">puerto -de bastimentos</span>) legte er nothgedrungen seine Niederlassung an -und gab ihr den Namen Nombre de Dios. Von Lebensmitteln entblößt, an -einer fieberschwangern Küste zwischen Sümpfen und dichten Wäldern -festgehalten erlag die Schar der Colonisten größtentheils den vereinten -Angriffen von Krankheit und Hunger. Colmenares fand nur noch die -bleichen Trümmer einer stattlichen Ausrüstung. Als Nicuesa durch -ihn von der Unternehmung Balboa’s hörte, der sich auf seinem Gebiet -an einem günstigen Platze festgesetzt hatte, beschloß er mit den -Ueberlebenden, — er zählte nicht mehr als sechzig Mann — sich dorthin -zu wenden und Nombre de Dios aufzugeben. Als einige Jahre später -(1515) Gonzalo de Badajoz mit achtzig Mann hier ans Land ging, um in -das Innere des Isthmus einzudringen, fand er in der Nähe von Nicuesa’s -Blockhaus nur noch zahlreiche Steinhaufen, mit rohen Holzkreuzen -versehen, unter denen die Leichen der Verhungerten bestattet waren.</p> - -<p>Balboa’s Colonie hatte sich indessen, dank der ihr durch Colmenares -gewordenen Unterstützung, fester organisirt und die erste schwerste -Prüfungszeit<span class="pagenum"><a name="Seite_345" id="Seite_345">[S. 345]</a></span> glücklich überwunden; aber sie war nicht gewillt, sich -unter die Botmäßigkeit Nicuesa’s zu begeben. Man war gefaßt darauf, daß -der nominelle Herr von Veragua seine Ansprüche werde geltend machen -und hatte darum auf den Höhen an der See Wachtposten ausgestellt, -um nicht durch einen unerwarteten Besuch Nicuesa’s überrascht zu -werden. Als dieser nun mit seiner sehr gelichteten Schar auf dem -Schiffe des Colmenares erschien, rotteten sich die Ansiedler von -Santa Maria zusammen und der <span class="antiqua">„procurador de la ciudad“</span> rief -ihm vom Strande mit lauter Stimme entgegen, bei Todesstrafe keinen -Fuß ans Land zu setzen. Zurück in seine unheilvolle Colonie konnte -Nicuesa nicht; ließ man ihn nicht in Santa Maria ans Land, so war er -unabwendbar dem Verhängniß verfallen. Trotz aller Verhandlungen und -Vorstellungen beharrte das Volk auf seinem Willen, und drohte zu den -Waffen zu greifen. Erst am nächsten Morgen ließ man den unglücklichen -Mann ans Land kommen, aber nur, um ihm einen Theil seiner Gefährten -zu entfremden und ihm selbst dann hinterlistiger Weise einen Eid -abzunehmen, der ihn verpflichtete, unverzüglich wieder in See zu gehen -und an keinem Punkte in der neuen Welt anzulaufen, sondern direct nach -Spanien zu segeln. Vergebens wies Nicuesa auf die gefährlichen Folgen -eines solchen verrätherischen Verfahrens hin (auf Balboa’s Haupt sollte -das gleiche Geschick fallen), man ließ ihm nur die schlechteste und -am wenigsten seetüchtige Brigantine und stieß ihn im März 1511 mit 17 -Leidensgefährten aufs Meer hinaus. Es ist ungewiß, ob Balboa oder sein -Genosse Zamudio der Hauptanstifter dieses Verraths gewesen. Nicuesa ist -verschollen, nirgends ist eine Spur von ihm aufgefunden. Die Reste von -drei verunglückten Colonisationsversuchen waren von da ab, in einer -Stärke von 300 Mann, unter Balboa’s energischer Leitung in Santa Maria -del Antigua vereinigt.</p> - -<p>Aus der ganzen Reihe der Abenteurer traten nur zwei Männer von -bekanntem Namen hervor, Balboa und Pizarro. Pizarro, damals noch in -untergeordneter Stellung, wurde von Balboa herangezogen und erhielt zu -kleinen Unternehmungen das Commando. So kam er empor und sollte später -an Balboa die Hand legen, um dessen Laufbahn ein plötzliches Ende zu -bereiten. Aehnlich war dieser mit Enciso und Nicuesa verfahren.</p> - -<p><em class="gesperrt">Balboa</em> drang auf glücklichen Streif- und Beutezügen ins freiere -Binnenland von Darien und bis ins Quellgebiet des Chucunaque vor, -der sich in den großen Ocean, in den Golf von San Miguel ergießt. -Als ein eingeborner Fürst, Panciaco, die Goldgier der Spanier sah, -wies er sie nach dem südlichen Meere, welches man in sechs Tagereisen -übers Waldgebirge erreichen, aber auf dem näheren Gebirgskamme -bereits sehen könne. Schon Columbus hatte dunkle Kunde von jenem -anderen Meere erhalten, jetzt trat die Nachricht bestimmter auf. Um -aber in jene völlig unbekannten Räume vordringen zu können und das -Gestade des gegenüberliegenden Meeres zu erreichen, bedurfte man -bedeutenderer Kräfte, als sie augenblicklich der in Noth befindlichen -Colonie zur Verfügung standen. Dem Admiral Don Diego<span class="pagenum"><a name="Seite_346" id="Seite_346">[S. 346]</a></span> Colon sollte -ein Schiff die wichtige Entdeckung nach Haiti melden und die Bitte um -Zusendung von Waffen und Lebensmitteln vortragen; aber das Fahrzeug, -welches zugleich den königlichen Fünften an Gold überbringen sollte, -scheiterte an der Küste von Yukatan. Die Mannschaft rettete sich zwar -anfänglich ans Land, fiel dort aber dem Stamm der Maya in die Hände, -welche die Gefangenen zum Theil in ihren Tempeln opferten, zum Theil -als Sklaven behielten. Einer dieser letzteren, der Pater Jeronimo -de Aguilar wurde 1519 durch Cortes befreit. Als der Erfolg dieser -Schiffssendung ausblieb, schickte Balboa das letzte verfügbare Schiff -1512 direct nach Spanien, zufällig kamen vom Admiral im folgenden -Jahre zwei Fahrzeuge mit Lebensmitteln nach Darien und befreiten die -hungerleidenden Ansiedler aus äußerster Noth. Noch günstiger war, daß -eine Schar von 150 Mann die bereits zusammengeschmolzene Zahl der -Colonisten verstärkte und daß der Statthalter von Haiti dem Balboa -die Oberleitung übertrug. Aber trotz dieser Anerkennung fürchtete -Balboa mit Recht, daß man ihn in Spanien als Empörer gegen Enciso und -Nicuesa nicht so glimpflich behandeln und ihm einen Nachfolger senden -werde, denn Enciso war nach Spanien gegangen und hatte beim indischen -Rathe Klage gegen ihn erhoben und seinen Verrath gegen Nicuesa -gebrandmarkt. Balboa war daher entschlossen, durch eine große That den -übeln Eindruck seines Verrathes abzuschwächen. Er faßte den Plan, das -südliche Meer auszusuchen und die daran grenzenden reichen Gebiete -der spanischen Krone zu unterwerfen. So brach er am 1. September 1513 -mit 190 Spaniern, 600 einheimischen Lastträgern und einer Meute von -Bluthunden von seiner Niederlassung auf und ging mit einer Brigantine -und neun großen Canoes an der Küste entlang nordwestlich nach Careta’s -Dorf. Der Häuptling gab ihm von hier Wegweiser mit ins Innere. Diese -Richtung des Marsches zeigt, daß Balboa über die Lage der Südsee wohl -unterrichtet war, denn von dem Punkte aus, wo er landete, beträgt die -Luftlinie zu dem gegenüberliegenden Gestade nur neun Meilen, und die -Waldgebirge auf dieser Landenge erheben sich nur 700 Meter hoch. Aber -dicht verschlungener Urwald umhüllt den mittelamerikanischen Isthmus -dergestalt, daß kaum ein Sonnenstrahl das Blätterdach durchdringt und -den Boden erreicht. Selbst noch in unserem Jahrhundert ist ein Marsch -über die Landenge mit den größten Schwierigkeiten verbunden. So hat -im Jahre 1853 der bekannte Reisende Carl v. Scherzer sich vergebens -bemüht, weiter im Westen, im Staate Costarica, unter dem 10° n. Br. von -Angostura aus, den Hafen von Limon zu erreichen. In Begleitung von 30 -Trägern, unterstützt von Ingenieuren mußte man nach vergeblicher Arbeit -von 16 Tagen davon abstehen, die Küste des nur 10 Meilen entfernten -caribischen Meeres zu erreichen. Der Wald war überall so dicht, daß -nur ein fahler Schein, der durch die Blätternacht brach, die Tageszeit -verkündete.<a name="FNAnker_338_338" id="FNAnker_338_338"></a><a href="#Fussnote_338_338" class="fnanchor">[338]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_347" id="Seite_347">[S. 347]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p347" name="textkarte_p347"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p347.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Karte zu Balboa’s Entdeckung der Südsee.</p> -</div> - -<p>Auf versteckten Waldwegen, auf denen die Indianerstämme sich zu -nächtlichem Ueberfall und Raub beschleichen, drang Balboa’s Schar -ins Gebirge hinein, welches hier, der Ostküste näher, sich am Golfe -von Darien hinzieht. Dahinter erstreckt sich, von zahlreichen Bächen -durchschnitten, das Waldland bis ans südliche Meer. Der Uebergang über -die Cordillere, ohnehin durch die natürlichen Verhältnisse erschwert, -wurde überdies den Spaniern durch die Häuptlinge, in deren Gebiet -Balboa eindrang, streitig gemacht. Erst am 25. September konnten die -eingebornen Wegweiser dem spanischen Anführer die langersehnte Meldung -machen, daß er auf dem nächsten, vor ihnen liegenden Bergrücken das -neue Meer sehen werde. Balboa ließ den ganzen Zug halten, er wollte -<em class="gesperrt">zuerst</em> sich an dem Anblick der Südsee erfreuen. Allein schritt -er voran und erreichte den Gipfel. Er fällt auf die Kniee, hebt die -Hände zum Himmel empor, grüßt den Süden und dankt Gott und allen -Himmlischen auf das innigste, daß ihm als einem Manne von nicht -hervorragenden Gaben, nicht vornehmer Geburt ein solcher Ruhm zu -theil geworden. Dann winkt er den Gefährten mit der Hand und zeigt -ihnen das ersehnte Meer. Alle sinken auf die Kniee, und Balboa fleht -zum Himmel, namentlich zur Jungfrau Maria, daß das Unternehmen einen -glücklichen Ausgang finden möge. Jubelnd stimmen alle den Lobgesang -an und blicken auf das Land hinunter. Kühner als Hannibal, der seinen -Soldaten von den Alpenhöhen herab das italische Land zeigte, verheißt -er den Genossen unermeßliche Schätze. Zum Zeichen der Besitznahme wird -von rohen Steinen ein Altar aufgethürmt. Dann werden beim Hinabsteigen -rechts und links die Namen des Königs in die Bäume geschnitten, damit -die Nachwelt die kühnen Entdecker nicht der Lüge zeihen könne, daß die -große That nicht wirklich ausgeführt sei.<a name="FNAnker_339_339" id="FNAnker_339_339"></a><a href="#Fussnote_339_339" class="fnanchor">[339]</a> Der begleitende Notar -Andres de Valderrabano nahm<span class="pagenum"><a name="Seite_348" id="Seite_348">[S. 348]</a></span> über das wichtige Ereigniß der Entdeckung -und Besitzergreifung ein Protokoll auf, in welchem alle 67 anwesenden -Spanier aufgezählt wurden, an zweiter Stelle nennt er den Geistlichen -Andres de Vera, als dritten Francisco Pizarro. Noch ein siegreicher -Kampf mußte ausgefochten werden, um die Häuptlinge zum Frieden und -zum Bündniß zu bewegen, dann erreichte Balboa am 29. September mit 26 -Begleitern die Mündung des Sabanas, der sich in den innern Golf von -San Miguel ergießt, welcher nach dem Tage der wichtigen Entdeckung -seinen noch jetzt gültigen Namen erhielt. Bei eintretender Flut schritt -Balboa mit Schwert und Fahne bis an die Kniee ins Wasser der See und -nahm von allen Ländern, Gestaden und Inseln dieses Meeres „vom Nordpol -bis zum Südpol“ im Namen seines königlichen Herrn feierlich Besitz. -Wochenlang blieb er dann an der Küste des Golfes, befuhr auf den Böten -der Eingeborenen die Südsee und machte die anwohnenden Häuptlinge -tributpflichtig. Vor den Augen der Spanier wurden im Golf von S. Miguel -Perlen gefischt, doch wurde der weiter draußen gelegene Archipel der -Perleninseln, wegen der stürmischen Jahreszeit, noch nicht aufgesucht. -Der Anführer selbst zog auch hier wieder möglichst genaue Erkundigungen -über die näheren und ferneren Landschaften ein und ließ sich von dem -Caziken Tumaco über eine mächtige Nation im Süden berichten, welche -unermeßlich reich sein, Schiffe und Lastthiere besitzen sollte, wie sie -in der Nähe von Darien nicht bekannt waren. Eine Figur aus Thon, welche -Tumaco von diesem Hausthiere fertigte, sah fast wie ein Kamel aus. Die -Spanier erhielten so die erste Kunde von dem Goldlande Peru und von dem -dort in Herden gezüchteten Lama. Auf keinen der Zuhörer machten diese -Erzählungen einen tieferen Eindruck als auf Pizarro, der den lockenden -Berichten mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte.</p> - -<p>Am 3. November trat Balboa den Rückmarsch an, er schlug einen anderen -Weg ein und zog das Thal des Chucunaque, welches damals noch gut -bevölkert war, bis zu den Quellen des Flusses hinauf. Trotz der -mühevollen Märsche fanden die Spanier Gelegenheit den einheimischen -Fürsten ihre Schätze an Gold abzupressen und für jedes kleine -Vergehen die grausamste Justiz an denselben auszuüben. So wurde der -Cazike Poncoa, nachdem er sein Gold hingegeben, nebst drei anderen -Häuptlingen, schmachvoll den Bluthunden geopfert und von diesen -zerrissen. Unter der täglich schwerer werdenden Last von Gold sanken -die erschöpften Träger nieder; aber erst als auch den Spaniern die -Kräfte zum Weiterzuge versagten, machte Balboa eine längere Rast in dem -Dorfe Pocorosa’s und kehrte von da nach Careta zurück. Am 19. Januar -1514 erreichte er endlich seine Niederlassung in Sa. Maria del Antigua -wieder, ohne einen Spanier verloren zu haben. Im darauffolgenden -März sandte der glückliche Entdecker ein Schiff nach Spanien mit dem -Berichte über seinen kühnen Zug und wußte den Werth seiner Eroberung -durch Beifügung eines ansehnlichen Schatzes von 20,000 Castellanos an -Gold und 200 der besten Perlen als königlichen Antheil an der Beute in -das beste<span class="pagenum"><a name="Seite_349" id="Seite_349">[S. 349]</a></span> Licht zu setzen. Die Kunde von der Entdeckung eines neuen -Oceans machte natürlich das größte Aufsehen. Von nun an konnte erst -mit Recht die Frage aufgeworfen werden, ob die neue Welt wirklich, wie -man bisher angenommen, einen Theil von Ostasien bilde, oder ob, was -immer wahrscheinlicher wurde, das von Columbus erreichte Indien, einen -Welttheil für sich bilde. Die Folgen der Entdeckung waren unermeßlich, -sie gaben den ersten Anstoß zu der Weltumsegelung Magalhães’ und zu der -Eroberung Peru’s durch Pizarro.</p> - -<p>Aber Balboa sollte die Früchte seiner glänzenden That nicht ernten. -Sein Schicksal war bereits besiegelt, als seine Sendung in Spanien -eintraf. Bereits am 11. April 1514 war sein Nachfolger, der 60jährige -<em class="gesperrt">Pedrarias de Avila</em> mit einer ansehnlichen Flotte von ca. 20 -Schiffen und 1500 Mann nach Darien unter Segel gegangen. Hätte Balboa -sich mit der Absendung des Schiffes mehr beeilen können, und wäre -seine Botschaft um vier Wochen früher nach Spanien gelangt, so hätte -sein Geschick und das der ganzen Colonie von Darien gewiß eine andere -Wendung genommen. Allein der Leiter der indischen Angelegenheiten, der -Bischof Fonseca, war über den an seinem Günstlinge Nicuesa verübten -Verrath empört und daher entschlossen, gegen Balboa auf das strengste -zu verfahren. Die Nachricht von Balboa’s Entdeckung würde seine -Maßnahmen unfehlbar gemildert oder ganz verändert haben, aber bis zur -Absendung Pedrarias’ hatte Balboa keinen Fürsprecher in Spanien.</p> - -<p>Der neue Statthalter des Landes Castilla aurifia, denn so hatte der -König befohlen, solle das Gebiet der Eroberung Balboa’s in Zukunft -heißen,<a name="FNAnker_340_340" id="FNAnker_340_340"></a><a href="#Fussnote_340_340" class="fnanchor">[340]</a> landete am 30. Juni 1514 in Sa. Maria del Antigua. Er -brachte ein so glänzendes Gefolge von Rittern und gelehrten Männern -mit, wie es die neue Welt noch nicht beisammen gesehen. Viele von -ihnen haben sich in der Folgezeit hervorgethan und in der Geschichte -der Eroberung einen dauernden Namen erworben. Vier unter diesen -Männern haben uns werthvolle historische und geographische Arbeiten -über die neue Welt hinterlassen: <em class="gesperrt">Bernal Diaz del Castillo</em>, -der Waffengefährte des Cortes, schrieb eine Geschichte der Eroberung -Mexiko’s, Gonzalo Fernandez de <em class="gesperrt">Oviedo</em>, welcher als Inspector -(<span class="antiqua">veedor</span>) eingesetzt wurde, schrieb die <span class="antiqua">historia general de -las Indias</span>, der Baccalaureus <em class="gesperrt">Enciso</em>, welcher das Amt eines -Alguacil mayor (Gerichtsbeamter) bekleidete, verfaßte eine <span class="antiqua">Summa -de geografia</span>, und <em class="gesperrt">Pascual de Andagoya</em> aus Cuartango in der -Provinz Alava, der Mitentdecker von Nicaragua, entwarf eine Schilderung -der Thaten der Spanier unter der Herrschaft des Pedrarias de -Avila.<a name="FNAnker_341_341" id="FNAnker_341_341"></a><a href="#Fussnote_341_341" class="fnanchor">[341]</a> Außerdem betraten den Boden Amerika’s Diego <em class="gesperrt">Almagro</em>, -der Eroberer von Chile, <em class="gesperrt">Benalcazar</em>, der Eroberer von Quito -und Bogota, Fernando de <em class="gesperrt">Soto</em>, der Waffengefährte Pizarro’s -und Entdecker des mittleren Mississippithals, und Francisco Vasquez<span class="pagenum"><a name="Seite_350" id="Seite_350">[S. 350]</a></span> -<em class="gesperrt">Coronado</em>, der Eroberer von Cibola und Quivira. Als erster Pilot -der Flotte wird Juan <em class="gesperrt">Serrano</em> genannt, welcher mit Magalhães -die erste Reise um die Erde unternahm und zugleich mit diesem auf den -Philippinen getödtet wurde.</p> - -<p>Die große Schar der neuen Ankömmlinge sah sich bei der Landung sehr -enttäuscht, da für die Urbarmachung des Landes und für Gewinnung von -Feldfrüchten fast noch nichts geschehen war. Die Umgebung von Sa. Maria -war mit Wald und Sümpfen bedeckt, der Landbau war völlig vernachlässigt -und wurde erst nach Balboa’s Rückkehr von der Südsee in Angriff -genommen. Auch Pedrarias de Avila war nicht der Mann, um hier energisch -einzugreifen und Hilfe zu schaffen. In kurzer Zeit erlagen gegen 500 -der Neuangekommenen dem Fieber und Hungertode, andere wurden von -Indianern getödtet. Der neue Statthalter war zu alt für einen solchen -gefährlichen und verantwortlichen Posten; mißtrauisch und eifersüchtig -auf Balboa’s Ruhm, überwachte er seinen Nebenbuhler mit argwöhnischem -Auge. Hart gegen die Indianer und auf gewaltsame Eroberungen bedacht, -ward er mehr zum Verwüster als zum Begründer eines Colonialgebiets. Las -Casas verurtheilt ihn, ohne seinen Namen zu nennen, aufs schärfste, -wenn er schreibt: „Im Jahre 1514 kam ein unseliger Statthalter nach der -Terra firme, der grausamste Tyrann, ohne Erbarmen und ohne Klugheit, -ein Werkzeug des göttlichen Zorns.“<a name="FNAnker_342_342" id="FNAnker_342_342"></a><a href="#Fussnote_342_342" class="fnanchor">[342]</a></p> - -<p>Zunächst wurde <em class="gesperrt">Ayora</em> mit 400 Mann ausgesandt, um eine Reihe -von Stationen von einem Meere zum andern anzulegen. Es war ein -Vernichtungszug gegen die eingeborenen Häuptlinge, die der grausame -Spanier verbrennen, hängen oder von Hunden zerreißen ließ. Aber seine -Gründungen wurden von den erbitterten Indianern wieder zerstört. Im -November 1515 sollte Antonio Tello de <em class="gesperrt">Guzman</em> die Pläne Ayora’s -wieder aufnehmen. Ebenso grausam wie dieser drang er gegen Westen über -die Landenge und erreichte zuerst <em class="gesperrt">Panama</em>. Von hier aus plünderte -er die Landschaft Chagre, wurde auf dem Rückwege von Indianern -angegriffen, kam indeß glücklich nach Maria del Antigua zurück.</p> - -<p>Im Juni 1515 machten Balboa und der von Pedrarias ernannte Befehlshaber -Luis <em class="gesperrt">Cavillo</em> einen Zug nach <em class="gesperrt">Dabaiba</em> am Atrato gegen -Süden, um die dortigen, angeblich von Gold strotzenden Tempel -aufzusuchen. Aber die Indianer griffen die spanischen Böte auf dem -Flusse an und stürzten dieselben um, wobei Cavillo das Leben einbüßte. -Der Rest kehrte unverrichteter Sache nach der Colonie zurück. Als in -der Folgezeit noch drei andere Expeditionen nach dem goldenen Tempel -fehl schlugen, gab man die Eroberung nach dieser Richtung auf.</p> - -<p>Inzwischen kam im Juli 1515 aus Spanien eine Anerkennung für<span class="pagenum"><a name="Seite_351" id="Seite_351">[S. 351]</a></span> Balboa’s -Leistungen; er wurde, allerdings unter dem Oberbefehl des Pedrarias, -zum Adelantado der Südsee ernannt und bekam dadurch einen eignen -Verwaltungs- oder Vergewaltigungsbezirk. Aber diese Gestade an der -Südsee waren das einzige kostbare Land in der Terra firme, ohne -welches die Ostseite, wo Pedrarias hauste, völlig werthlos war. Dazu -war es gesünder und für Europäer zuträglicher. Sollte Pedrarias es -seinem Rivalen überlassen? Er schickte seinen Neffen Gaspar de Morales -und Pizarro mit 60 Mann an den Michaelsgolf, um die Perleninseln zu -erobern. Mit 30 Mann gingen sie auf Böten nach der Isla rica, wie -Balboa die größte Insel im Perlenarchipel genannt hatte, hinüber, vor -dessen Häuptling selbst die Fürsten des Festlandes zu zittern schienen. -Nach einem erbitterten Kampfe unterwarf sich der Inselfürst und bot -den Fremden einen Korb voll kostbarer Perlen an. Dann führte er seine -Gäste auf den Thurm seines Hauses, zeigte ihnen alle Inseln, die unter -seiner Botmäßigkeit standen und sämmtlich ergiebige Perlenfischerei -besaßen, und berichtete von der mächtigen Nation im fernen Süden, -deren Schiffe er oft gesehen habe. Während Pizarro’s Phantasie aufs -neue lebhaft dadurch angeregt wurde und mit kühnen Plänen ins Weite -schweifte, hielt sich Morales an das vor Augen Liegende und dachte nur -an die Ausbeutung der besetzten Inselgruppe. Zu dem Zweck legte er dem -unterworfenen Fürsten einen jährlichen Tribut von 100 Mark Perlen auf. -Dann kehrten die Spanier nach dem festen Lande und nach der Ostseite -des Continents zurück, wobei wiederum unerhörte Schandthaten gegen die -Eingebornen verübt wurden. Bei einer zu freundschaftlichem Gespräch -berufenen Versammlung hetzte man die Bluthunde unter die Häuptlinge -und ließ achtzehn Caziken zerreißen; zu Hunderten wurden die Indianer -hingemordet und als die gefühllosen Räuber dann von dem ergrimmten -Volke verfolgt wurden, schlugen sie hundert gefesselten Eingebornen, -Weibern und Kindern, welche sie als Sklaven vor sich her getrieben -hatten, die Köpfe ab oder skalpirten sie, nur um die Verfolger von -weiterem Nachdringen abzuschrecken. Selbst Balboa berichtete mit -höchstem Unwillen über solche Greuel; aber der Neffe des Gouverneurs -ging ohne Strafe aus.</p> - -<p>Um eine Versöhnung zwischen den beiden Rivalen Pedrarias und Balboa -herbeizuführen, regte Quevedo, Bischof von Darien, eine Heirath -zwischen der ältesten Tochter des Statthalters und dem Entdecker der -Südsee an; beide Parteien schienen dazu geneigt, aber Pedrarias lauerte -nur auf eine Gelegenheit, den ihm lästigen Eidam unschädlich zu machen. -Diese Gelegenheit bot sich, sobald Balboa seine Machtstellung am -großen Ocean erweitern wollte. Um den Befehl des Königs, eine sichere -Verbindungslinie zwischen beiden Meeren herzustellen, in Ausführung -zu bringen, wurde jenseit Careta der Hafenplatz Acla angelegt und -auf trocknem Grund ein festes Blockhaus errichtet. Von diesem Punkte -aus sollte dann Balboa das Material zum Bau mehrerer Schiffe über -den Isthmus schaffen und am Strande der Südsee zu seetüchtigen -Fahrzeugen zusammenzimmern lassen. Als Balboa aber nach<span class="pagenum"><a name="Seite_352" id="Seite_352">[S. 352]</a></span> Acla kam, -fand er den Platz bereits durch die Indianer wieder zerstört, die -spanische Besatzung todt. Es war also seine Aufgabe, zunächst das -Blockhaus wieder herzustellen und die Indianer zu unterwerfen. Geraume -Zeit verstrich, ehe das Baumaterial für die kleine Flotille mühsam -auf dem Rücken indianischer Lastträger über die Landenge geschafft -werden konnte, wo es am Rio Balsa, dem untern Laufe des Chucunaque, -zusammengesetzt werden sollte. Aber hier zeigte sich, daß es zu lange -am Strande von Acla der Witterung und zerstörendem Insektenfraß -ausgesetzt gewesen war, so daß man aus den durchbohrten und morschen -Planken kein seetüchtiges Fahrzeug bauen konnte. Und doch hatte der -nutzlose Transport von Holz und Eisen über den Isthmus an 500 Indianern -das Leben gekostet. Las Casas gibt den Verlust an Menschenleben sogar -auf 2000 an. Man mußte also von neuem an die Arbeit gehen, um das -Baumaterial herbeizuschaffen.</p> - -<p>Inzwischen war König Ferdinand, 1516, gestorben und es hieß, Pedrarias -werde in der Person des bisherigen Gouverneurs auf den Canarien, Lope -de Sosa, einen Nachfolger erhalten. Um durch diesen nicht in seinen -Unternehmungen an der Südsee gehemmt zu werden, beeilte sich Balboa, -seine Schiffsausrüstung zu vollenden. Aber dieser Eifer wurde ihm -falsch ausgelegt. Die Freunde des Pedrarias behaupteten, er wolle -sich vom Statthalter von Darien unabhängig machen und direct mit der -spanischen Krone in Verbindung treten. Das sah Pedrarias als Verrath -an, denn Balboa hatte seinen Auftrag binnen 18 Monaten ausführen sollen -und diese Zeit war unter den mühsamen Vorbereitungen verstrichen, -ehe er hatte in See gehen können. Als nun Balboa zum letztenmal auf -Einladung des Pedrarias nach Acla zurückkehrte, um durch persönliches -Eingreifen die Ausrüstung zu beschleunigen, und mit dem Statthalter die -Ziele seines Unternehmens zu besprechen, ließ dieser ihn durch Pizarro -gefangen nehmen und nach kurzem Proceß, den Espinosa als Alcalde mayor -zu führen hatte, nebst vier Anhängern enthaupten; wahrscheinlich im -Jahre 1517. Balboa war etwa 42 Jahre alt geworden. Sein Tod war ein -Unglück für die Entwicklung der spanischen Herrschaft. Rohe Abenteurer -zertraten in kurzer Zeit Land und Volk und machten das Gebiet fast -menschenleer. Sicher hatte Balboa sich gegen den unglücklichen Nicuesa -schwer vergangen, aber das Urtheil des Pedrarias war ein ungerechtes. -Nachdem die Krone seine Verdienste durch Ernennung zum Adelantado -anerkannt hatte, war damit zugleich Verzeihung für sein früheres -Benehmen ausgesprochen. Leider ist die ganze Geschichte der spanischen -Eroberungen in der neuen Welt eine unausgesetzte Reihe von Treubruch -und Verrath, und diesem Verhängniß erlag auch Balboa. Aber kühn in -seinen Unternehmungen, fest im Entschluß, als Staatsmann und Krieger -zum Befehlen geboren, gebildet und von reifem Urtheil, hätte unter -seiner Leitung die Colonie einen ungeahnten Aufschwung nehmen können. -Zwar hatte auch unter Balboa das Land gelitten, aber weit schlimmer -wurden die Verhältnisse unter Pedrarias und die Verödung der einst -volkreichen<span class="pagenum"><a name="Seite_353" id="Seite_353">[S. 353]</a></span> Landstriche nahm dermaßen zu, daß es im Anfange des 17. -Jahrhunderts in der Provinz Panama mehr Neger als Indianer gab.</p> - -<p>An der Südsee wurde Espinosa Balboa’s Nachfolger. Mit Hilfe der von -Balboa erbauten Flotte von vier Brigantinen und der verfügbaren -Mannschaft gründete er 1519 die Colonie von Panama, welcher Karl V. -im Jahre 1521 Stadtrecht verlieh. Aber in dem ungesunden Klima gingen -in den ersten 28 Jahren 40,000 Menschen dort zu Grunde. Daher befahl -Philipp II. später den Ort zwei Meilen weiter westwärts an einer -gesünderen Stelle anzulegen und bestimmte als Ausgangspunkt für die -Isthmusstraße <em class="gesperrt">Puerto Bello</em>, nordöstlich von Aspinwall oder -Colon, von wo jetzt die Eisenbahn nach Panama hinüberführt.</p> - -<p>Espinosa unterwarf die Stämme und Landschaften auf dem Isthmus und -Bartolomé Hurtado befuhr die Küste der Südsee bis zum Golfe von -Nicoya (unter 10° n. Br.), und in den folgenden Jahren gingen alle -von Pedrarias angeordneten Entdeckungsfahrten nach Nordwesten, im -ausgesprochenen Gegensatz zu den Plänen Balboa’s, der sein Augenmerk -stets nach dem Süden gerichtet hatte. Möglicherweise ließ auch schon -Pedrarias nach einer mittelamerikanischen Meerenge forschen, wie sie -später so eifrig von Cortes gesucht wurde.</p> - -<p>Noch weiter als Espinosa gelangte <em class="gesperrt">Gil Gonzalez de Avila</em>. -Derselbe hatte zwar im Jahre 1519 durch königlichen Befehl das Commando -über die Flotte Balboa’s erhalten, mußte aber, da Pedrarias über -dieselbe bereits verfügt hatte, auf den Perleninseln 4 andere kleine -Fahrzeuge bauen und segelte damit im Jahre 1521 zunächst nach dem Dorfe -Nicoya’s, wo der Häuptling sich willig mit sammt seinem Volke taufen -ließ, und entdeckte dann weiter das fruchtbare, offene, volkreiche -Land, das nach seinem damaligen Fürsten noch den Namen <em class="gesperrt">Nicaragua</em> -trägt. Die Kultur zeigte sich bei den Indianern, je weiter man nach -Norden kam, immer mehr entwickelt, denn die Landschaften von Nicaragua -und Honduras standen bereits unter dem Einfluß der von Mexiko und -Yukatan her verbreiteten höheren materiellen und geistigen Bildung. -Gonzalez verließ seine Schiffe und zog friedlich zu dem Fürsten -Nicaragua, der an dem See gleichen Namens hauste und von dessen Macht -ihm bereits Nicoya erzählt hatte. Auch Nicaragua ließ sich mit 9000 -Mann auf einmal taufen und ließ es ruhig geschehen, daß der Spanier mit -seinem Pferde in den See hineinritt, von dem Wasser trank und durch -diese Ceremonie von dem umgebenden Lande Besitz ergriff. Auch bei -diesem Zuge sollen 100,000 Pesos in Gold erbeutet sein.<a name="FNAnker_343_343" id="FNAnker_343_343"></a><a href="#Fussnote_343_343" class="fnanchor">[343]</a></p> - -<p>Auf dem Rückwege an die Küste wurde Gonzalez zwar von den Eingebornen -angegriffen, aber seine Schar behauptete den Sieg und erreichte -glücklich den Strand der Südsee. Inzwischen hatte der Steuermann Andres -<em class="gesperrt">Niño</em> die Entdeckungsfahrt weiter bis zur Fonsecabai und darüber -hinaus bis auf „die Rückseite von Yukatan“ fortgesetzt.<a name="FNAnker_344_344" id="FNAnker_344_344"></a><a href="#Fussnote_344_344" class="fnanchor">[344]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_354" id="Seite_354">[S. 354]</a></span></p> - -<p>Am 25. Juni 1523 kam die ganze Expedition nach Panama zurück. Die alte -Niederlassung Santa Maria del Darien (Antigua) begann schon 1521 zu -veröden und wurde 1524 ganz aufgegeben. An ihre Stelle trat Panama.</p> - -<p>Zur weiteren Ausbeutung seiner Entdeckungen, die ihm Pedrarias nur -unter <em class="gesperrt">seinem</em> Namen gestatten wollte, begab sich Gil Gonzalez -nach S. Domingo, warb Schiffe und Mannschaften und segelte damit im -Frühling 1524 nach der Ostküste von Nicaragua und Honduras und wollte -an der Mündung des Rio Ulea landen. Er benannte den Hafen Puerto de -Caballos, weil er gezwungen wurde, im Sturme mehrere Pferde über Bord -zu werfen, um das Schiff zu retten. Dann ging er weiter nach Osten zum -Cap Honduras und drang von hier aus gegen Süden in der Richtung zum -Nicaraguasee vor. Dort stieß er auf eine Abtheilung der spanischen -Schar, welche um dieselbe Zeit von Süden her unter dem Commando des -Hernandez de Cordova dasselbe Gebiet zu erobern suchte. Gewissenlos -fiel er über seine Landsleute her und nahm ihnen ihre Beute an Gold -und ihre Waffen ab. Als er aber nach Puerto Caballos zurückkam, wurde -ihm wiederum von Cristoval d’Olid, welchen Cortes entsendet, das Land -streitig gemacht. Ueber den Ausgang dieser Unternehmungen werden wir im -Verlauf der Eroberung Mexiko’s (Cap. 2. 24) weiter zu berichten haben.</p> - -<p>Auch Francisco Hernandez de Cordova war von Pedrarias zur Eroberung -Nicaragua’s ausgesendet. Er legte den Grund zu den Städten Granada, -am nordwestlichen Ende des Sees und Leon, in der Nähe des Golfes von -Fonseca. Eine Brigantine, am Gestade der Südsee auseinander genommen -und im Nicaraguasee wieder zusammengesetzt, diente zur Befahrung -des Binnensees und entdeckte den Abfluß desselben, den Rio S. Juan, -den man aber wegen der Klippen und Stromschnellen nicht bis zum -caribischen Meere verfolgen konnte. Wie fast alle Conquistadoren, wenn -sie einigen Erfolg gehabt, strebte auch Cordova nach Unabhängigkeit -von dem Statthalter Pedrarias. Seine Hauptleute Hernando de Soto und -Compañon, welche den Verrath misbilligten, sagten sich von ihm los und -kehrten nach Panama zurück. Da raffte sich Pedrarias zum letztenmal -auf, erschien mit seinen Truppen unerwartet in Nicaragua, nahm den -rebellischen Hauptmann gefangen und ließ ihn in Leon 1526 enthaupten. -Als er im Februar 1527 nach Panama zurückkam, war sein Nachfolger -Pedro de los Rios bereits auf dem Isthmus gelandet. Pedrarias zog -sich nach Leon zurück und starb 1530. Dreizehn Jahre hatte das Land -unter seiner Verwaltung geseufzt, er war nicht mehr fähig gewesen, -seine Unterbefehlshaber zu zügeln, welche unter einander und gegen den -Statthalter selbst zu den Waffen griffen.<span class="pagenum"><a name="Seite_355" id="Seite_355">[S. 355]</a></span> Die dissoluten Verhältnisse, -welche seine schlechte Leitung über die herrlichen Landschaften von -Mittelamerika gebracht, machten sich auf immer fühlbar. Sein Name war -mit Recht verrufen.</p> - -<h4 id="Entdeckungen_im_Golf_von_Mexiko">18. Die Entdeckungen im Golf von -Mexiko.</h4> - -<p>Bisher hatten sich fast alle Unternehmungen im Umkreis des caribischen -Meeres bewegt. Columbus selbst hatte dazu die Richtung angegeben. Seit -dem ersten Zusammentreffen mit den Bewohnern der neuen Welt waren -die Spanier bei ihren unermüdlichen Fragen nach den Goldländern auf -den Südwesten gewiesen, und diese Richtung war selbst dann maßgebend -geblieben, als Columbus an der Küste von Yukatan zuerst mit der -Kultur der Mayastämme in Berührung kam. Daher blieb das Meer im -Nordosten von Cuba zwanzig Jahre unbesucht. Der erste kühne Versuch in -diesen unbekannten Norden einzudringen, ging merkwürdiger Weise von -dem Statthalter von Puertorico, <em class="gesperrt">Juan Ponçe de Leon</em> aus. Die -Bewohner der Bahamainseln hatten von einem Wunderlande im Nordwesten -berichtet, in dessen Heilquellen das Alter sich verjüngen könne.<a name="FNAnker_345_345" id="FNAnker_345_345"></a><a href="#Fussnote_345_345" class="fnanchor">[345]</a> -Ponçe de Leon betrat dieses Land am Ostertage, 27. März, 1513 und -nannte es nach dem Tage der Entdeckung Pascua <em class="gesperrt">Florida</em>. Er fuhr -dann an der Ostküste von Florida bis zum 10° n. Br., ließ es aber -noch unentschieden, ob es eine Insel oder ein Theil des Festlandes -sei.<a name="FNAnker_346_346" id="FNAnker_346_346"></a><a href="#Fussnote_346_346" class="fnanchor">[346]</a> Von hier kehrte er zur Südspitze der Halbinsel zurück und -ging eine Strecke weit an der Westküste nach Norden, wo zwischen 25° -und 26° n. Br. die Bahia de Ponçe de Leon noch den Namen des Entdeckers -trägt. Die erste Karte von Florida lieferte sein Pilot Antonio de -Alaminos.<a name="FNAnker_347_347" id="FNAnker_347_347"></a><a href="#Fussnote_347_347" class="fnanchor">[347]</a> Die feindselige Haltung der kriegerischen Einwohner -hatte jeden Versuch einer Besiedelung vereitelt. Mehr als Puertorico -schien Cuba schon durch seine Lage berufen der Ausgangspunkt aller -Unternehmungen zu werden, welche gegen die Länder im Westen gerichtet -wurden. Die „Perle der Antillen“ war mit leichter Mühe von <em class="gesperrt">Diego -Velasquez</em> unterjocht, welcher seit dem Jahre 1511 daselbst als -Statthalter eingesetzt war. Die ganze Insel wurde sammt den Indianern -unter die Eroberer vertheilt, und bei der großen Ausdehnung des Landes -strömten immer mehr Abenteurer dahin. Aber zum friedlichen Landbau -nicht geneigt, unternehmungslustig, unstät, durch jede neue Kunde -von goldreichen Ländern aufgereizt, scharten sich die jüngeren Leute -bald zusammen, um auf eigene Entdeckung und Eroberung auszuziehen. -Sie rüsteten zwei Schiffe aus, wählten Hernandez de Cordova zu ihrem -Hauptmann, gewannen Antonio de Alaminos aus Palos als Piloten und -erhielten zur Ausrüstung eines dritten Schiffes von Velasquez das Geld -vor<span class="pagenum"><a name="Seite_356" id="Seite_356">[S. 356]</a></span>gestreckt.<a name="FNAnker_348_348" id="FNAnker_348_348"></a><a href="#Fussnote_348_348" class="fnanchor">[348]</a> Am 8. Februar 1517 gingen die Schiffe unter Segel -und steuerten von Cuba nach Westen. Beim Cap Catoche erreichten sie -die Küste von Yukatan. Diese Entdeckung war von höchster Bedeutung, -denn hier trafen die Spanier zuerst auf ein Kulturvolk, das prächtige -Steinhäuser besaß, sich in baumwollene Gewänder kleidete und in -Tempeln von behauenen Steinen, welche auf abgestumpften Pyramiden -errichtet waren, ihren Götzen Menschenopfer darbrachten. Ueberrascht -waren die Entdecker, hier mehrfach das Zeichen des Kreuzes in Stein -gehauen zu finden, welches, wie sie später erfuhren, ein Symbol des -regenbringenden Gottes war. Das Volk der Maya, welches das Land -bewohnte, bediente sich sogar einer eigenartigen Bilderschrift, welche -noch nicht entziffert ist. Abgesehen von der Verwendung derselben auf -den monumentalen Bauwerken, welche sich, im Urwald begraben, zum Theil -noch erhalten haben und das lebhafteste Interesse der europäischen -Forscher auf sich gezogen haben,<a name="FNAnker_349_349" id="FNAnker_349_349"></a><a href="#Fussnote_349_349" class="fnanchor">[349]</a> sind nur drei oder vier -Manuscripte der <em class="gesperrt">Maya-Sprache</em> mit farbigen Bildern erhalten. Die -werthvollste und umfangreichste dieser Mayahandschriften bewahrt die -königliche Bibliothek in Dresden. Das Material dieser Handschriften -besteht aus einzelnen Blättern, die aus den Fasern der mexikanischen -Agave gefertigt und mit einer feinen Gypsschicht überzogen sind.<a name="FNAnker_350_350" id="FNAnker_350_350"></a><a href="#Fussnote_350_350" class="fnanchor">[350]</a> -Neben den merkwürdigen Ruinen, deren bedeutendste Ueberreste sich -im Süden des Landes bei Uxmal und Palenque finden, sind noch hohe -Steinbilder, aus Monolithen geschaffen, vor der Zerstörung durch die -Spanier, welche bei der fanatischen Verbreitung des Christenthums -alle Erinnerungen an das Heidenthum der Eingeborenen zu vernichten -strebten, sowohl in Yukatan als in den Nachbargebieten von Mexiko, -Guatemala und Honduras erhalten. Diese Steinbilder stellen vielfach -vergötterte Könige und Fürsten dar, denen, nach Weise des Heroencultus, -Opfer gebracht wurden,<a name="FNAnker_351_351" id="FNAnker_351_351"></a><a href="#Fussnote_351_351" class="fnanchor">[351]</a> oder erschienen als Frauengestalten in -der eigenthümlichen Landestracht, erstere mit kurzem Baumwollpanzer, -letztere in gesticktem Rock mit Perlen und Fransen.</p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="vollbild_p356" name="vollbild_p356"> - <img class="mtop2" src="images/vollbild_p356.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Eine Seite aus der Mayahandschrift der kgl. - Bibliothek zu Dresden; (Originalgröße).</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p356_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_357" id="Seite_357">[S. 357]</a></span></p> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="abb_p357" name="abb_p357"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p357.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Tempelruine zu Uxmal.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/abb_p357_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_358" id="Seite_358">[S. 358]</a></span></p> - -<p>Die Spanier unter Cordova versuchten an mehreren Punkten der Küste -zu landen, wurden aber von den kriegerischen Bewohnern blutig -zurückgewiesen. Alaminos segelte an der Nord- und Westseite der -Halbinsel bis Champoton, südlich von Campeche; aber als hier in einem -Gefechte der Anführer lebensgefährlich verwundet wurde, stand man von -der Fortführung des Kampfes ab, da man sich zu einer Eroberung zu -schwach fühlte, und ging wieder in See. In dem Irrthum befangen, daß -der nächste Weg nach Cuba über die Halbinsel Florida führe, steuerte -Alaminos zuerst nach diesem Lande, welches er von der ersten Fahrt Juan -Ponçe’s kannte, sah sich aber auch hier von den Indianern feindlich -empfangen und segelte nach Cuba, wo Cordova 10 Tage nach der Landung -seinen Wunden erlag. Der Statthalter Velasquez berichtete über den -Verlauf der Expedition nach Spanien und rühmte sich der Entdeckung, -sowie der darauf verwendeten Kosten.<a name="FNAnker_352_352" id="FNAnker_352_352"></a><a href="#Fussnote_352_352" class="fnanchor">[352]</a> „Von uns aber,“ fügt Bernal -Diaz bitter hinzu, „die wir das Land gefunden hatten, wurde keiner -genannt.“<a name="FNAnker_353_353" id="FNAnker_353_353"></a><a href="#Fussnote_353_353" class="fnanchor">[353]</a> Im nächsten Jahre rüstete Velasquez eine neue Flotte aus -und sandte im April oder Mai 1518 vier Schiffe unter seinem Neffen Juan -<em class="gesperrt">de Grijalva</em> nach Yukatan ab. Als Pilot fungirte wiederum Antonio -de Alaminos; außerdem begleitete ihn der tapfere Pedro de Alvarado, -welcher sich später unter Cortes bei der Eroberung Mexiko’s hervorthat. -Südlich vom Cap Catoche erreichten sie bei der Insel Cozumel, welche -damals ein berühmtes Heiligthum besaß, gegenwärtig aber dicht bewaldet -und unbewohnt ist, die Küste Yukatans und umfuhren die ganze Halbinsel -bis zur Laguna de Terminos und bis Tabasco. Die zahlreichen gut -gebauten Ortschaften, welche man mit ihren weißen Steinhäusern am -Strande schimmern sah, erinnerten die Seefahrer an ihre Heimat, weshalb -man das Land „Neuspanien“ zu nennen anfing. Auf der Halbinsel zeigten -sich die Bewohner ebenso feindlich als bei der ersten Expedition und -erst am Rio Tabasco, welchen man den Grijalvafluß nannte, gelang -es einen friedlichen Verkehr mit dem Volke und seinen Häuptlingen -zu eröffnen. Dann ging die Fahrt nach Westen an dem gefährlichen -Gestade<a name="FNAnker_354_354" id="FNAnker_354_354"></a><a href="#Fussnote_354_354" class="fnanchor">[354]</a> weiter bis in die Nähe der heutigen Hafenstadt von Vera -Cruz. Hier liegen mehrere kleine Inseln am Strande, wo man landete. -Die erste erhielt den Namen Opferinsel (<span class="antiqua">Isla de Sacrificios</span>), -weil im Tempel kurz zuvor fünf Indianer geopfert waren. Auch auf der -näher an Vera Cruz gelegenen Insel S. Juan de Ulua waren zwei Knaben -unter dem Opfermesser der schwarzgekleideten Priester verblutet. Mit -den wachsenden Anzeichen einer höheren Kultur<span class="pagenum"><a name="Seite_359" id="Seite_359">[S. 359]</a></span> mehrten sich, zum -Entsetzen der Spanier, auch die Spuren des gräßlichen Opfercultus -der Mexikaner. Nichts desto weniger landete Grijalva hier mit seiner -ganzen Macht und verstand es, mit den Caziken in freundlicher Weise -Geschenke zu wechseln und die Schätze des Landes, Gold, Edelsteine -und Gefäße von wunderbarer Form im Werthe von 15 bis 20,000 Goldpesos -gegen Glasperlen, Nadeln und Scheeren auszutauschen. Hier war also -ein wirkliches Goldland gefunden, welches eine unermeßliche Beute -verhieß. Alvarado wurde mit dem ersten Gewinn und mit der Botschaft der -wichtigen Entdeckung nach Cuba zurückgesandt, während Grijalva seine -Küstenfahrt noch bis zur Landschaft Panuco, bis nach Tampico, unter -22° n. Br., weiter ausdehnte und erst an einem stürmischen Vorgebirge -abbrach, um dann über Yukatan nach Cuba zurückzukehren, wo er am 15. -November 1518 in St. Jago landete. Die bedeutsamen Nachrichten, welche -Grijalva mitbrachte, regten die Unternehmungslust des Statthalters von -Cuba mächtig an und drängten ihn zu raschen Entschließungen, um sich -den Gewinn dieser Entdeckung zu sichern. Während er einerseits Boten -mit reichen Geschenken nach Spanien sendete, um die Krone zu bewegen, -die entdeckten Gebiete seiner Statthalterschaft unterzuordnen, rüstete -er andererseits eine größere Flotte, um jene Länder zu erobern, und -ernannte Ferdinand Cortes zum Befehlshaber der Expedition.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p class="s5 center mbot1">Sculpturen von Copán.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>Am Fuße einer Pyramide an einem Altar stehende männliche Figur. Ueber -derselben ein baldachinartiger Aufbau von Ornamenten mit mehreren -sitzenden menschlichen Figürchen. Die Figur trägt auf dem Haupte -einen Helm in der Form eines phantastischen Thierkopfes; von ihm -hängen Zierrathen aus Goldblechstreifen, mit Perlen besetzt, zu beiden -Seiten herab. Die übermäßig großen Ohren scheinen Symbole der Würde -des Dargestellten zu sein. Die Brust bedeckt ein Panzer, der oben aus -Kugeln, unten aus gewebten Stoffen in Form von Rollen zusammengesetzt -ist. Letztere umschließt ein breiter Gürtel mit Masken und verzierten -Goldblechtafeln zwischen ihnen. Vorn hängt der Gürtel bis auf den -Boden herab. Um den Hals trägt die Figur an einem Bande eine Zierrath. -Die Arme sind mit dreifachen Armbändern, die Beine mit Kniebändern, -aus Masken und Perlen gebildet, und über den Knöcheln mit Ringen -geschmückt. Die Sculptur ist in <em class="gesperrt">einem</em> Steine ausgehauen und mißt -in der Höhe 364, in der Breite 133, in der Dicke 91 Centimeter.</p> - -<p>Weibliche Figur, an einem Opfersteine stehend. Das kurze Gewand -ist mit netzartigen Ornamenten und am Saume mit Perlen und Fransen -geschmückt. Ein in derselben Weise verzierter Gürtel umschließt den -Leib; derselbe hat einen Thierkopf als Mittelpunkt und ist an den -Seiten, über den Hüften der Figur mit menschlichen Masken besetzt. Ein -breiter mit Goldblech und Perlen besetzter Streifen fällt vom Gürtel -auf den Boden herab. Die Figur trägt einen prächtigen Kopfschmuck, -dessen Kern ein phantastisches Thierhaupt ist, in welchem die Zähne -durch mit Perlen besetzte Fransen dargestellt werden. Von demselben -gehen nach beiden Seiten und oben viele Federn aus, deren größere -Ringe tragen und die auch sonst mit Rosetten, Perlen und Quasten reich -geschmückt sind. Eine kleine menschliche Figur krönt den Federschmuck; -unter ihm hängen vor den Ohren lange dünne Locken herab. Die nackten -Arme sind von Armbändern aus kleinen Platten, Perlen und Fransen -umschlossen. Die Brust wird von einem aus viereckigen, plattenartigen -Stücken zusammengesetzten Gewand bekleidet. Auf demselben liegt ein -Geschmeide, welches bis zu den Schultern reicht und daselbst in Masken -und Arabesken endigt. Die Füße sind von Halbschuhen, welche die vordere -Fußhälfte freilassen, bedeckt. Maaße: Höhe 345, Breite 98, Dicke 101 -Centimeter.</p> - -</div> - -<div class="figcenter break-before"> - <a id="doppelbild_p358" name="doppelbild_p358"> - <img class="mtop2" src="images/doppelbild_p358.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center">Sculpturen von Copán: als Trachtenbilder.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/doppelbild_p358_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<hr class="tb" /> - -<h4 id="Cortes_geht_nach_Mexiko">19. Ferdinand Cortes geht nach Mexiko.</h4> - -<p>Für die erfolgreichste Ausdehnung der spanischen Macht in der neuen, -indischen Welt war die auf Cortes gefallene Wahl eine überaus -glückliche, wenn sie auch für Velasquez selbst eine Reihe bitterer -Enttäuschungen brachte und ihm den gehofften Lohn gänzlich aus den -Händen riß. Unter den wenigen wahren Heldengestalten der spanischen -Conquistadoren, welche jenes Zeitalter gebar, ragt Cortes vor allen -hervor. Sein edler, großer Charakter, seine kühnen Thaten erfüllen uns -mit Bewunderung. Cortes war 1485 in Medellin in Estremadura geboren, -hatte in Salamanca zwei Jahre studirt und sich dort, wenn er auch -keine ausgesprochene Neigung zu den Wissenschaften zeigte, doch einen -Grad allgemeiner Bildung erworben, wie er unter den Heerführern in den -Colonialländern selten war. Der Reiz des Wunderbaren, welches die neue -Welt belebte, die Lockung zu romantischen Abenteuern, welche jenseits -des Oceans goldene Berge verhieß, erfüllte, wie die ganze spanische -Jugend, so auch ihn. Und so ging er schon 1504 zum Statthalter Ovando -nach San Domingo. Sieben Jahre später nahm er an der Eroberung Cuba’s -theil und erwarb sich dadurch Landbesitz. Seine literarische Bildung -beförderte ihn zum Secretair des Velasquez und später zum Alcalden -von St. Jago, so daß er bereits eine der ersten Beamtenstellen -auf der Insel einnahm. Seine Zeitgenossen schildern ihn als einen -übermittelgroßen, schönen Mann mit breiter männlicher Brust und -großen, dunkeln Augen in dem blassen Gesichte. In allen ritterlichen -Uebungen gewandt, muthig und fest in seinen Entschlüssen,<span class="pagenum"><a name="Seite_360" id="Seite_360">[S. 360]</a></span> wie klar und -überlegend in seinen Plänen; durch rasche Auffassung und klaren Geist, -wie durch gewandte und feurige Rede seine Umgebung beherrschend, war -er zum Anführer wie selten ein Mann in der neuen Welt geschaffen. Als -Velasquez ihm das Commando übertrug, zählte er 33 Jahre. Es war dem -Statthalter willkommen, daß Cortes aus eignen Mitteln einen Theil der -Ausrüstung bestreiten konnte, welche mit 11 Schiffen den kühnen Angriff -auf einen mächtigen Staat ausführen sollte.<a name="FNAnker_355_355" id="FNAnker_355_355"></a><a href="#Fussnote_355_355" class="fnanchor">[355]</a></p> - -<p>Aber noch ehe Cortes seine Vorbereitungen getroffen hatte, erwachte -bereits die Eifersucht des Statthalters, welcher, durch seine Getreuen -gewarnt, bereits fürchtete, dem gewählten Führer zu viele Machtmittel -anvertraut zu haben, mit denen er sich womöglich eine unabhängige -Stellung schaffen könnte. Er schien entschlossen zu sein, die Ernennung -des Cortes zum General wieder zurückzunehmen; aber dieser brach, noch -ehe der zögernde Velasquez sich entschied, mit seiner Flotte von -St. Jago auf, bevor die Ausrüstung und Verproviantirung vollendet -war, und ging zunächst nach der ebenfalls auf der Südseite von Cuba -gelegenen Stadt Trinidad und, nachdem er hier noch 100 Mann von der -zurückgekehrten Expedition Grijalva’s angeworben hatte, weiter nach -Habana. Hieher sandte Velasquez an die Behörden des Orts den Befehl, -Cortes zu verhaften, und gebot diesem in einem Briefe, er solle -nicht eher absegeln, als bis er selbst nach Habana gekommen sei. -Aber Cortes ließ sich an der Spitze seiner bedeutenden Macht weder -als ein einzelner Edelmann gefangen setzen, noch befolgte er das -unglaublich ungeschickt vorgebrachte Gebot des Velasquez, auf ihn zu -warten; vielmehr begab er sich am 10. Febr. 1519 nach dem Sammelpunkt -seiner Flotte am Cap S. Antonio, der Westspitze von Cuba, und ging -von hier aus acht Tage später mit seinen eilf Schiffen unter Segel. -Der erfahrene Steuermann Alaminos, der nun zum viertenmale nach -Yukatan steuerte, denn er hatte bereits die letzte Fahrt des Columbus -mitgemacht und dann die Expedition Cordova’s und Grijalva’s geleitet, -war sein Hauptpilot. Seine bewaffnete Macht bestand aus 400 spanischen -Soldaten, darunter 13 Büchsenschützen und 32 Armbrustschützen, und -200 Indianern, ferner aus 16 Reitern, 10 schweren Bronzegeschützen -und 4 leichten Feldschlangen. Auch begleiteten zwei Geistliche den -Zug, um den Götzendienst zu vernichten und die Indianer zu taufen. -Das Geschwader steuerte nach der Insel Cozumel. Die Einwohner flohen -bei der Landung zwar anfangs aus Furcht ins Innere, kamen dann, -durch Dolmetscher beschwichtigt, zurück, ließen es geschehen, daß -ihre blutigen Altäre gestürzt und daß in ihren Tempeln christlicher -Gottesdienst gefeiert wurde, ja sie bequemten sich sogar zur -äußerlichen Annahme des Christenthums.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p361" name="abb_p361"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p361.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Medaillenbildniß von Ferdinand Cortes; Originalgröße.</p> - <p class="s6 center mbot2">(Berlin, kgl. Münzcabinet.)</p> -</div> - -<p>Schon auf der Expedition Cordova’s hatte Alaminos mehrfach das Wort -Castillan gehört, ohne sich dasselbe in dem Munde der Indianer erklären -zu<span class="pagenum"><a name="Seite_361" id="Seite_361">[S. 361]</a></span> können. Cortes vermuthete sofort richtig, es müßten Spanier bereits -früher hieher gelangt sein. Diese Vermuthung wurde durch die Angabe -eines Häuptlings bestätigt, daß noch zwei Spanier als Gefangene im -Lande lebten. Unter ihnen befand sich Fray Jeronimo de Aguilar (s. -o. <a href="#Seite_346">S. 346</a>), den Cortes befreite und der ihm als Dolmetscher wichtige -Dienste leistete. Dann ging die Fahrt in gewohnter Weise um Yukatan -herum nach dem Rio de Tabasco oder Grijalva. Die Einfahrt in den -Fluß war so seicht, daß keins der größeren Schiffe einlaufen konnte; -Cortes befuhr ihn daher in den kleinen Brigantinen und mit bewaffneten -Böten, um die Stadt Tabasco selbst zu besuchen. Seine Erklärung, er -komme in friedlicher Absicht, wurde mit Drohungen und Kriegsgeschrei -beantwortet. Aber die Spanier ließen sich dadurch nicht abschrecken. -Der Kampf begann schon in den Böten, dann im Wasser am Strande, das den -Angreifenden bis an den Gürtel ging, und setzte sich am Lande fort, wo -am 25. März mit Geschütz und Reiterei eine förmliche Schlacht geliefert -wurde, in welcher die tapferen Tabascaner, deren Heer nach der eigenen -Angabe des Cortes<a name="FNAnker_356_356" id="FNAnker_356_356"></a><a href="#Fussnote_356_356" class="fnanchor">[356]</a> aus 40,000 Mann bestand, durch die ungewohnte -Kriegsmacht einer<span class="pagenum"><a name="Seite_362" id="Seite_362">[S. 362]</a></span> Reiterei in die Flucht geschlagen wurden und 220 -Todte auf dem Schlachtfelde zurückließen.</p> - -<p>Am nächsten Tage unterwarfen sich die Caziken und brachten unter -anderen Geschenken 20 Sklavinnen, deren eine, eine geborene -Mexikanerin, von den Spaniern den Namen <em class="gesperrt">Donna Marina</em> erhielt -und sich den Eroberern anschloß, denen sie als Dolmetscherin die -wesentlichsten Dienste leistete. In Tabasco vernahm man auch die -Worte Culhua, womit die gewerbreiche Stadt Cholula<a name="FNAnker_357_357" id="FNAnker_357_357"></a><a href="#Fussnote_357_357" class="fnanchor">[357]</a> westlich -von Mexiko bezeichnet wurde, und den Namen Mexiko selbst. Nachdem -am Palmsonntag noch in feierlicher Messe die Häuptlinge die Taufe -empfangen hatten, segelte Cortes weiter und landete am Charfreitag, -21. April 1519, mit seiner ganzen Macht an der Stelle der heutigen -Stadt Vera Cruz; zwei Tage später stattete ihm bereits der aztekische -Statthalter einen Besuch ab und erhielt die Mittheilung, daß Cortes -von einem mächtigen Herrscher jenseits des Meeres mit Geschenken und -einer persönlichen Botschaft an den Fürsten des Landes abgesendet sei -und freien Durchmarsch begehre. Die Mexikaner waren geschickte Maler; -um seinen Bericht an den Kaiser möglichst anschaulich zu machen über -die seltsamen, weißen, dem Meere entstiegenen Fremdlinge, ließ der -Gouverneur des Küstenlandes die Spanier abzeichnen. Cortes ließ dies -gern geschehen und, um den Eindruck, den sein Erscheinen offenbar -hervorrief, noch zu verstärken, mußte die Reiterei und die Artillerie -kriegerische Uebungen ausführen, damit auch diese mit abgebildet -würden. Dann richtete er sich hinter den Dünen ein festes Lager ein und -erwartete die Antwort auf seine Botschaft.</p> - -<p>Ehe wir den Verlauf der Verhandlungen weiter verfolgen, werfen wir -zunächst einen Blick auf die Natur des Landes und die Geschichte der -Bevölkerung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_363" id="Seite_363">[S. 363]</a></span></p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p363" name="textkarte_p363"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p363.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak"> KARTE ZU CORTES’ EROBERUNG von MEXICO.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p363_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="textkarte_p363_i" name="textkarte_p363_i"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p363_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="textkarte_p363_ii" name="textkarte_p363_ii"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p363_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_364" id="Seite_364">[S. 364]</a></span></p> - -<p>Hinter einem mehrere Meilen breiten, flachen Küstenstriche, der durch -seine Fieber verrufen ist, und an dem es keinen einzigen guten, -natürlichen Hafen gibt, erhebt sich das mittlere Land zu einem -mächtigen Plateau von durchschnittlich 2000 Meter Höhe. Der östliche -Steilrand des Hochlands wird von einzelnen Bergriesen, die über 5000 -Meter emporsteigen, überragt. Hier besitzt Mexiko keinen schiffbaren -Strom; von der Küste führen nur schwierige Landwege und Gebirgspässe -auf das innere Hochland von Anahuac, das Centrum des alten Reichs, -welches sich nordwärts etwa bis zum Wendekreise erstreckte. Das -Hochthal von Mexiko, der Hauptstadt, erhebt sich bis über 2200 Meter -und erscheint als ein Oval von 73 Kil. Länge und 35 Kil. Breite. Von -einem thurmartigen Walle von Porphyrfelsen umschlossen, war dieses Thal -früher grün und dicht mit Bäumen bewachsen, erscheint aber gegenwärtig -an manchen Stellen weißlich von den Salzefflorescenzen und macht von -den Höhen aus fast den Eindruck einer Steppe in folge der Abnahme des -Sees, welcher ehedem, die Stadt umgebend, eine weit größere Ausdehnung -hatte. Trotzdem ist die ganze Landschaft von großer, eigenartigen -Schönheit, erhöht durch den Kranz von Bergen, über welche die beiden -Schneegipfel, der Popocatepetl (5400 Meter) und der Ixtaccihuatl (5200 -Meter) mit breitem Rücken mächtig emporragen.</p> - -<p>Nördlich von dem Thale von Mexiko liegt <em class="gesperrt">Tula</em>, die erste -Ansiedlung der Tolteken, jenes räthselhaften Kulturvolkes, welches -aus dem unbekannten Norden zu unbekannter Zeit (man nennt in der -Regel das 7. Jahrh. n. Chr.) hier einzog. Sie führten den Anbau von -Mais, Baumwolle und des sog. spanischen Pfeffers als unentbehrliches -Gewürz ein. Sie bearbeiteten die edlen Metalle und entfalteten eine -originelle Baukunst. Sie liebten es, ihre Steinhäuser und Tempel auf -Anhöhen anzulegen, die verschiedenen Wohnräume lagen in verschiedener -Höhe und waren durch kleine Treppen und enge Corridore verbunden.<a name="FNAnker_358_358" id="FNAnker_358_358"></a><a href="#Fussnote_358_358" class="fnanchor">[358]</a> -Eigenartig waren auch die Stufenthürme oder Tempelpyramiden.</p> - -<p>Nach einem Aufenthalte von mehreren Jahrhunderten verschwanden die -Tolteken wieder, wahrscheinlich zogen sie weiter nach Süden und -verbreiteten ihre Kultur über Yukatan und Honduras.</p> - -<p>Nach ihnen rückten von Nordwesten die <em class="gesperrt">Chichimeken</em> ein und -wählten die Ostseite des Sees von Mexiko zu ihrer Hauptansiedlung, -wo sie die Stadt Tezcuco gründeten. Dort verschmolzen sie mit den -Acolhuern oder Acolhuas. Ihre Herrschaft unterlag wieder unter den -Angriffen eines verwandten kriegerischen Stammes, der <em class="gesperrt">Tepaneken</em>, -bis sie sich mit Hilfe der Azteken in Mexiko wieder befreiten und -sich mit diesen verbanden. Als letzter Zug der Einwanderer treten -die <em class="gesperrt">Azteken</em> auf, welche wahrscheinlich erst im Anfang des 14. -Jahrhunderts die Stadt Tenochtitlan (Mexiko) auf einer Insel im See -gründeten. Allmählich erst gelangten sie zu bedeutenderer Macht, hatten -aber zur Zeit der Ankunft der Spanier durch ihre Kriegstüchtigkeit -ihre Herrschaft von einem Meere zum andern ausgebreitet, und dabei -zahlreiche fremde, nicht verwandte Stämme unterworfen, ohne aber -in der verhältnißmäßig<span class="pagenum"><a name="Seite_365" id="Seite_365">[S. 365]</a></span> kurzen Zeit trotz ihres Gewaltregiments -die verschiedenartigen Volkselemente mit einander verschmelzen zu -können. Eine blutige Schreckensherrschaft lastete auf dem weiten -Länderraume zwischen dem Golf von Mexiko und der Südsee, denn die -Azteken verlangten für ihre Götzenaltäre zahllose Menschenleben von -den unterworfenen Stämmen. Man gibt die Zahl der Menschenopfer auf -jährlich 20,000 an. Die Schädel der Geschlachteten wurden zu Pyramiden -aufgethürmt; Spanier aus dem Gefolge des Cortes wollten an <em class="gesperrt">einem</em> -Orte 136,000 Schädel gezählt haben.</p> - -<p>Nur Furcht und Schrecken hielt das große Reich zusammen; ein Angriff -von außen mußte viele nach Befreiung seufzende Völkerstämme in das -Lager der Feinde treiben. So fiel nach diesem Gesichtspunkte die -Ankunft des Cortes in eine ihm günstige Zeit, und es stand zu erwarten, -daß er nach den ersten bedeutenden Waffenerfolgen den aztekischen -Staatsverband lockern und manche der unterworfenen Völker auf seine -Seite ziehen werde.</p> - -<p>Aus einer ursprünglich aristokratischen Regierung hatte sich bei den -Azteken ein fast unumschränktes Königthum entwickelt. Wenn die Könige -auch nur durch Wahl, welche von den vier vornehmsten Adligen vollzogen -wurde, auf den Thron gelangten, so blieb doch die höchste Würde stets -in derselben Familie. Bei Hofe war ein ängstliches Ceremoniell und -morgenländisches Gepränge eingeführt, den unmittelbaren Dienst bei der -Person des Monarchen versah der zahlreiche Lehnsadel.</p> - -<p>Der Nationalgott der Azteken (man zählte an 2000 Localgötter), -Huitzilopochtli<a name="FNAnker_359_359" id="FNAnker_359_359"></a><a href="#Fussnote_359_359" class="fnanchor">[359]</a>, war der zur Gottheit erhobene erste Anführer -gewesen, der das Volk nach Anahuac geführt. Er verlangte die meisten -Menschenopfer. Dagegen war Quetzalcoatl, ursprünglich ein Priester -und Reformator der Tolteken in Tula, aus dem Lande vertrieben, weil -er die Menschenopfer abschaffen wollte, und sollte der Sage nach an -der östlichen Meeresküste im niedrigen Waldlande am Goatzocoalco -verschwunden sein. Später verehrte man ihn als einen Gott der Luft, als -den Wohlthäter des Volkes, welches ihm die Kunst des Landbaues und der -Metallbearbeitung verdankte. Man dachte ihn sich von hoher Gestalt, -mit <em class="gesperrt">weißer</em> Hautfarbe und wallendem Barte. An das östliche -Meer vertrieben, schiffte er sich dort auf einem aus Schlangenhaut -gefertigten Zauberschiffe ein, nachdem er feierlich erklärt, er werde -dereinst zurückkehren und sein Reich wieder in Besitz nehmen. An seine -baldige Wiederkunft glaubte das ganze Volk. Die Unterdrückten und -selbst der König sahen in Cortes die Prophezeihung verwirklicht.</p> - -<p>Die von den Tolteken geschaffene materielle Kultur hatten die Azteken -weiter entwickelt. Der Landbau stand in hoher Blüte; außer Mais, -Baumwolle und Pfeffer baute man die Aloe (Magnay) an, deren Blattfasern -Papier, deren Saft den berauschenden Pulquewein lieferte, erntete -Cacao,<span class="pagenum"><a name="Seite_366" id="Seite_366">[S. 366]</a></span> deren Bohnen als kleinste Münze cursirten, oder zur Bereitung -des Chocolatl (Chokolade) verwendet wurden, und Vanille. Bananen boten -die beliebteste Frucht, den Tabak rauchte man aus Pfeifen oder in Form -von Cigarren. Der Bergbau wurde eifrig betrieben, doch verstand man die -Gewinnung des Eisens nicht und bediente sich zu Messern und Schwertern -der scharfen Splitter des glasartigen Obsidians. Die Töpferei war -allgemein verbreitet, Trinkschalen schnitzte man aus Holz, bemalte sie -und überzog sie mit Firniß. Sehr geschickt waren die Handwerker in der -Herstellung buntfarbig gestickter Baumwollgewänder, wie in den zum -Schmuck dienenden prächtigen Federarbeiten. Ein lebhafter Marktverkehr -fand zu bestimmten Zeiten in den Städten statt, und durch das ganze -Land zog sich ein Netz von mit Posthäusern besetzten Straßen. Eilboten -beförderten die Befehle der Regierung. Die militärische Einrichtung -war durch Bildung von Kriegerorden und Abzeichen am Kleide darauf -berechnet, den Ehrgeiz anzustacheln. Die Soldaten trugen ein dichtes -Baumwollkleid, welches die leichten Wurfgeschosse nicht durchdringen -ließ. Die Brust der Führer war außerdem durch goldene oder silberne -Platten gedeckt. Man trug hölzerne, zuweilen mit Silber belegte und mit -Federn geschmückte Helme, außerdem auch Arm- und Beinschienen. Das Heer -war in Armeecorps von 8000 Mann und diese wieder in Compagnien zu 3–400 -Mann abgetheilt. Die Waffen bestanden aus Schwertern, Lanzen, Keulen, -Bogen und Pfeilen und Schleudern. Wenn es zur Schlacht ging, trug der -Feldherr die Standarte. Im Kampfe war man vor allem darauf bedacht, -Gefangene zu machen, um sie den Götzen zu opfern.</p> - -<p>Unter den Wissenschaften, welche von den Priestern gepflegt wurden, -hatte die Eintheilung des Sonnenjahres in 18 Monate zu 20 Tagen, wozu -am Ende des Jahres noch fünf Ergänzungstage kamen, religiöse Bedeutung, -weil danach die Opfer- und Feiertage geregelt wurden. Eine farbige -Bilderschrift wurde auf die Faserstoffe der Agave, auf baumwollene -Tücher oder sorgfältig bereitete Häute aufgetragen. Auch verstand -man auf dem gleichen Material große Karten des Reichs, der Provinzen -und der Küsten zu zeichnen. Cortes zog eine solche Karte auf seinem -Feldzuge nach Honduras zu Rathe.</p> - -<p>Seit 1502 regierte der König Montezuma (Cortes schrieb Muteczuma). -Ehrgeizig, wie alle aztekischen Fürsten auf die Ausbreitung ihres -Reiches und ihres Cultus bedacht, denn er hatte die Stelle eines -Oberpriesters bekleidet, hatte er, allzueifrig und unbesonnen, den -Krieg in zu entfernte Landstriche getragen, bevor er alle seine -Feinde in der Nähe vollständig bezwungen hatte. So war er mit seinem -Heere bis Guatemala und Honduras (Vera-Paz), vielleicht sogar bis -Nicaragua vorgedrungen und hatte doch die Tlascalaner, in der -östlichen Nachbarschaft seiner Hauptstadt, nicht unterworfen. Ernst, -zurückhaltend, stolz, hatte er sich die Gemüther des Volkes entfremdet -und schlich mistrauisch, wie man es ähnlich von Harun al Raschid -erzählt, des Nachts vermummt durch die Gassen seiner Residenz, um -die Stimmung zu belauschen, angeblich um den ihm etwa verheimlichten -Misbräuchen in der<span class="pagenum"><a name="Seite_367" id="Seite_367">[S. 367]</a></span> Verwaltung auf die Spur zu kommen. Aus Mistrauen -hatte er seine Verwandten beseitigt, um des Thrones sicherer zu sein -und ließ sich den Spaniern gegenüber dann doch durch seinen Aberglauben -entwaffnen.<a name="FNAnker_360_360" id="FNAnker_360_360"></a><a href="#Fussnote_360_360" class="fnanchor">[360]</a></p> - -<p>Dieser Aberglaube bezog sich auf die bereits berührte Sage von der -Wiederkunft des Quetzalcoatl. Allerlei Zeichen deutete das Volk auf die -baldige Erfüllung dieser Prophezeihung. Der Thurm des Haupttempels war -abgebrannt, im Osten war ein seltsames Licht aufgegangen, drei Kometen -waren am Himmel erschienen u. dgl. mehr.</p> - -<p>Im Jahre 1516 starb der Fürst von Tezcuco; in dem nun ausbrechenden -Thronstreite begünstigte Montezuma den <em class="gesperrt">Cacama</em> und wußte ihm das -Haupterbtheil nebst der Hauptstadt zuzuwenden, während die nördliche -Hälfte an den zweiten Sohn <em class="gesperrt">Ixtlixochitl</em> fiel, den sich der -aztekische König dadurch zum Feinde machte.</p> - -<p>Unter diesen Ereignissen kam die Kunde von der Landung der Spanier. -Das Volk sah in ihnen die Erben des vertriebenen Gottes. Montezuma -berief seine Räthe. Die muthigen verlangten energischen Kampf, die -bedächtigen riethen zum Frieden. Montezuma wollte selbständig scheinen -und schlug einen gefährlichen Mittelweg ein. Auf die Botschaft des -Cortes antwortete er mit reichen Geschenken und mit der Bitte, den -beabsichtigten Besuch in der Hauptstadt zu unterlassen. Aber diese -wunderbaren Geschenke reizten die Spanier nur noch mehr.<a name="FNAnker_361_361" id="FNAnker_361_361"></a><a href="#Fussnote_361_361" class="fnanchor">[361]</a></p> - -<p>Den Wunsch Montezuma’s, die Spanier möchten mit diesen reichen -Geschenken heimkehren, befolgte Cortes nicht, er erwiderte vielmehr: er -habe den Auftrag erhalten, den König selbst zu sprechen. Eine zweite -mexikanische Gesandtschaft erschien mit neuen Gaben und wiederholte -das frühere Gesuch. Umsonst. Die Spanier blieben, aber sie mußten bald -empfinden, daß die<span class="pagenum"><a name="Seite_368" id="Seite_368">[S. 368]</a></span> Beziehungen zu dem aztekischen Fürstenhofe kühler -wurden. Die Indianer verließen die Nähe des spanischen Lagers, sie -lieferten keine Lebensmittel mehr und brachten dadurch die Fremden -in eine schwierige Lage. Da erschienen glücklicherweise mehrere -Totomaken, ein von den Azteken physisch und sprachlich verschiedener -Volksstamm, welcher nördlich von Vera Cruz an der Küste wohnte und -erst kürzlich von Montezuma unterworfen war, und luden Cortes zu -einem Besuch in ihrer Stadt Cempoalla ein. Der spanische Heerführer -erkannte daraus, daß das Reich Montezuma’s manche widerstrebende -Elemente umfaßte, welche er für sich gewinnen konnte. Ehe er aber -diese Einladung annahm, wurde in Vera Cruz eine förmliche Stadt mit -spanischen Einrichtungen gegründet. Dieselbe erhielt in glücklicher -Verbindung der beiden Hauptziele der Spanier: Gold und Christenthum, -den Namen „Die reiche Stadt des wahren Kreuzes“ (<span class="antiqua">Villa rica de -la vera cruz</span>). Vor dem aus seinen Getreuen zusammengesetzten -Rathe der neuen Stadt legte Cortes dann, indem er sich erlaubte, -eine kleine Komödie aufzuführen, das ihm von Velasquez anvertraute -Amt feierlich nieder. Der Rath ernannte ihn natürlich sofort „im -Namen der spanischen Majestät“ zum obersten Feldherrn und Richter und -damit war das Abhängigkeitsverhältniß von der Statthalterschaft Cuba -als gelöst zu betrachten. Die neue Colonie stellte sich unmittelbar -unter die spanische Krone. Die Anhänger des Velasquez, welche sich -dadurch überrumpelt sahen, rotteten sich zusammen; aber Cortes ließ -die Rädelsführer in Ketten werfen und beugte einem Aufstande vor. -Dann marschirte er nach Cempoalla. Damals zählte der Ort wenigstens -20–30,000 Einwohner, jetzt ist er verfallen. Die Spanier wurden -festlich empfangen und die Totomaken begaben sich unter die spanische -Botmäßigkeit. An Stelle der Götzentempel wurden christliche Altäre -errichtet und die Einwohner ließen sich taufen. Hier erfuhr Cortes auch -genauere Nachrichten von der feindlichen Stellung des tlascalanischen -Staats zu den Azteken.</p> - -<p>Das Zerwürfniß, welches zwischen beiden Stämmen herrschte, bestärkte -den kühnen Spanier in seinen Eroberungsplänen. Aber ehe er ins Innere -des Landes hineindrang, mußten an der Küste die Verhältnisse geordnet -und befestigt werden. Mit Zustimmung der Soldaten wurde der ganze -bisher erworbene Schatz an Gold und Schmuck an den König von Spanien -gesendet; auch mußte der Rath von Villa rica denselben ersuchen, -Cortes als Oberfeldherrn zu bestätigen. Am 26. Juli 1519 ging Alaminos -mit einem Schiffe nach Spanien; er hatte zwar die strengste Weisung -erhalten, direct nach der Heimat zu steuern, trotzdem lief er in Cuba -an, und so erhielt Velasquez die ersten zuverlässigen Nachrichten über -den Abfall der Truppen und beschloß die Empörer zu züchtigen. Seine -Partei im Heere des Cortes erhob sich von neuem, sie wollten sich von -Cortes trennen und heimlich nach Cuba zurückkehren. Dadurch wäre dessen -Macht zersplittert, sein großer Plan erschwert. Die Hauptanstifter -wurden mit dem Tode bestraft, und um ähnlichen Verschwörungen für alle -Zeiten ein Ende zu machen, griff der Feldherr<span class="pagenum"><a name="Seite_369" id="Seite_369">[S. 369]</a></span> zu dem verzweifelten -Mittel und ließ die Flotte, mit Ausnahme eines einzigen kleinen -Schiffes, auf den Strand laufen, nachdem ein ihm willkommenes Gutachten -dieselbe für nicht mehr seetüchtig erklärt hatte. Alles brauchbare -Geräth, alles Eisen wurde ans Land geschafft. Bernal Diaz (I, 52), -indem er die Erzählung des Historikers Gomara corrigirt, welcher -behauptete, Cortes habe die Fahrzeuge <em class="gesperrt">heimlich</em> versenken -lassen, schreibt dagegen: „Es ist weltkundig, daß Cortes die Schiffe -mit <em class="gesperrt">Zustimmung der ganzen Mannschaft</em> und vor aller Augen auf -den Strand laufen ließ, damit auch die Seeleute an unserem Feldzuge -theilnehmen könnten.“ So war also der Rückzug abgeschnitten; es gab -fortan nur noch ein Ziel: die feindliche Hauptstadt zu erobern, zu -siegen oder zu fallen.</p> - -<p>Nachdem in Villa rica 150 Mann und 2 Reiter als Besatzung -zurückgelassen waren, brach Cortes am 16. August mit 300 Spaniern, -1300 totomakischen Kriegern, 1000 Trägern, 15 Reitern und 7 Geschützen -auf und marschirte ins Bergland nach Westen. Durch das tropische -Küstenland kam der Zug in zwei Tagen nach Jalapa, wo in einer Höhe -von 1300 Metern die Palmen verschwinden. Je höher man stieg, desto -kühler wurde das Klima; die Pflanzenwelt änderte sich, und ehe man die -Gebirgspässe erreichte, hatte man auch die Region der Eichenwälder -bereits hinter sich gelassen. Drei Tage marschirten sie durch rauhes, -unbewohntes Land, wo mehrere von den cubanischen Indianern der Kälte -erlagen. Dann erreichten sie, an dem mehr als 4000 Meter hohen Cofre -de Perote vorbei, der südlich von ihnen lag, das Plateau von Anahuac. -Als Cortes hier einen Dorfhäuptling fragte, ob er auch ein Unterthan -Montezuma’s sei, antwortete dieser: „Wer wäre es denn nicht? Er ist -der Herr der Welt.“<a name="FNAnker_362_362" id="FNAnker_362_362"></a><a href="#Fussnote_362_362" class="fnanchor">[362]</a> Obwohl das Landvolk sich friedlich verhielt, -zog Cortes doch stets in fester Schlachtordnung weiter auf Tlascala. -Auf der Hochebene wurde bedeutender Maisbau getrieben, Tlascala -bedeutet „Brotland“. Das Volk der Tlascalaner war im 12. Jahrhundert -eingewandert und hatte sich nach mancherlei Kämpfen in dem Gebiete -niedergelassen. Sie standen nicht unter einem Könige, sondern sie -bildeten eine Art Bundesstaat, dessen vier Fürsten sämmtlich in -der Hauptstadt wohnten. In heftigen Kämpfen mit den Azteken hatten -sie sich auf ihrem Gebiet behauptet und ihre Freiheit bewahrt. Den -eindringenden Spaniern setzten sie den heftigsten Widerstand entgegen. -Die Anzahl ihrer Krieger schätzte Cortes auf 100,000. Nach mehrtägigem, -verzweifeltem Ringen, in welchem auch zwei Pferde getödtet wurden, -gewannen die Spanier, besonders durch ihre Kanonen, am 5. September -einen entscheidenden Sieg. Als dann auch noch der Versuch eines -nächtlichen Ueberfalls durch die Wachsamkeit des Cortes vereitelt -worden, welcher das Geständniß von der beabsichtigten Ueberrumpelung -von einem gefangenen Indianer herausgelockt hatte, nahmen die -Tlascalaner das Freundschaftsanerbieten des Siegers an und schlossen -Frieden. Der<span class="pagenum"><a name="Seite_370" id="Seite_370">[S. 370]</a></span> tapfere Fürst Xicotencatl erschien persönlich im Lager -der Spanier. Zum Abschluß eines Bündnisses trug besonders die Erklärung -der Leute von Cempoalla bei, daß die Fremden <em class="gesperrt">Feinde</em> des -Montezuma seien. Ohne den Bund mit Tlascala wäre das Unternehmen des -Cortes schwerlich gelungen. Sehr richtig befolgte dieser überall das -Princip sich Freunde zu erwerben und Frieden zu schließen. Der römische -Wahlspruch: <span class="antiqua">Divide et impera</span> verhalf auch ihm zum endlichen -Siege.</p> - -<p>Als die Nachricht von den wiederholten Siegen über die Tlascalaner zu -Montezuma drang, welcher trotz seiner großen Machtmittel den kleinen -Freistaat nicht hatte bezwingen können, befestigte sich in ihm der -Glaube immer mehr, die Spanier seien jene längst erwarteten Erben -Quetzalcoatls. Seine Boten suchten unter Ueberreichung wiederholter -Geschenke dem Heerführer der Weißen den Marsch in die Hauptstadt -des mexikanischen Reiches als ein höchst gefährliches Unterfangen -hinzustellen. Montezuma erklärte sich sogar zu einem Tribut an den -König Karl von Spanien bereit und ließ Cortes ersuchen, die Höhe -und den Umfang an Gold, Silber, edlen Steinen, Sklaven und bunten -Baumwolltüchern nach seinem Gutdünken zu bestimmen;<a name="FNAnker_363_363" id="FNAnker_363_363"></a><a href="#Fussnote_363_363" class="fnanchor">[363]</a> allein dieser -beharrte um so mehr bei seiner einmal abgegebenen Erklärung: er habe -von seinem königlichen Herrn den ganz bestimmten Befehl erhalten, -Mexiko selbst zu besuchen.</p> - -<p>Am 23. September 1519 zog Cortes in Tlascala ein, die Stadt schien ihm -größer als Granada zu sein.<a name="FNAnker_364_364" id="FNAnker_364_364"></a><a href="#Fussnote_364_364" class="fnanchor">[364]</a> Vor einer großen Zahl von neugierigen -Zuschauern wurde täglich Messe gelesen. Mehrere vornehme Indianerinnen, -darunter die Tochter Xicotencatls ließen sich taufen und gingen mit -spanischen Officieren ein Ehebündniß ein.</p> - -<p>In Tlascala erfuhr Cortes Genaueres über die Streitkräfte des -Beherrschers von Mexiko. Montezuma, so erzählten die Tlascalaner, habe -eine so große Kriegsmacht, daß er, wenn er einen großen Ort erobern, -oder in eine Provinz einfallen wolle, jedesmal 100,000 Mann ins Feld -rücken lasse. Die Mexikaner seien aber in allen Provinzen und bei -allen Völkerschaften, welche Montezuma ausgeplündert und unterjocht -habe, äußerst verhaßt und die mit Gewalt ausgehobenen Truppen schlügen -sich nur mit Widerwillen und ohne Tapferkeit. Dann berichteten sie -weiter von der Bewaffnung und Kriegsführung der Mexikaner und brachten -zur Erklärung alles dessen große Stücke Nequen herbei, worauf ihre -Schlachten abgebildet waren.<a name="FNAnker_365_365" id="FNAnker_365_365"></a><a href="#Fussnote_365_365" class="fnanchor">[365]</a> Es war also eine Militärherrschaft, -welche nur aus Furcht vor einem noch schlimmeren Regiment ertragen -wurde.</p> - -<p>Nach einer Rast von drei Wochen rückte Cortes weiter nach Cholula, -einer der größten Städte, welche unter mexikanischer Botmäßigkeit -stand, denn sie zählte 20,000 Häuser, war ein Haupthandelsplatz und -besaß ein blühendes<span class="pagenum"><a name="Seite_371" id="Seite_371">[S. 371]</a></span> Gewerbe. Hier hatte Quetzalcoatl auf seinem -Marsch an die Küste 20 Jahre geweilt. Ihm war ein gewaltiger Tempelbau -geweiht, dessen Stufenabsätze im ganzen 177 Fuß hoch sich erhoben. -Oben in dem Tempel befand sich das riesige Bild des Gottes. Außerdem -gab es noch 400 andere Opferthürme in der Stadt. Die Scheußlichkeit -der Menschenopfer trat immer greller hervor, jemehr man sich der -Hauptstadt näherte. Aus mächtigen Balken waren große Käfige gezimmert, -in welchen Männer und Knaben zum Opfer gemästet wurden. Diese -Menschenställe wurden von den Spaniern zerstört und die Gefangenen -in ihre Heimat entlassen. Schon in Tlascala hatte man Cortes vor dem -hinterlistigen, heuchlerischen Charakter der Cholulaner gewarnt; aber -6000 tlascalanische Krieger, welche mit ihm zogen, um an dem Feldzuge -gegen Montezuma theilzunehmen, meldeten ihm alles, was auf eine gegen -ihn geplante Verrätherei hindeutete. So erfuhr er denn, daß ein Theil -der Stadt verbarrikadirt sei, und daß viele Einwohner den Ort bereits -verlassen hätten. Donna Marina erfuhr ferner, daß man die Spanier -bei ihrem Abzuge aus der Stadt überfallen wolle. Deshalb kam Cortes -ihnen zuvor und ließ einen Theil der versammelten Caziken und Soldaten -niederhauen. Dann drangen auch die tlascalanischen Hilfstruppen aus -ihrem Lager vor der Stadt ein und setzten, aus Haß gegen Cholula, das -Plündern und Morden fort, bis Cortes ihnen Einhalt gebot. In diesem -Straßenkampfe kamen gegen 3000 Menschen um. Der große Tempel wurde -erstürmt und verbrannt. Diese rasche Züchtigung eines Verrathes, -welcher, wie sich nachher herausstellte, auf Montezuma’s Befehl geplant -war, übte einen gewaltigen Eindruck, so daß die Nachbarstädte sich, um -einem ähnlichen Geschick zu entgehen, schleunig unterwarfen.</p> - -<p>Dann ging der Marsch weiter nach Mexiko, dessen Thalbecken von Cholula -durch eine kurze von Süden nach Norden streichende Gebirgskette, -über welche einige Vulkankegel emporsteigen, getrennt wird. Der -Gebirgspaß, welchen die Spanier überschritten, führt zwischen den -beiden Hochgipfeln des Popocatépetl („rauchender Berg“) und dem -nördlich davon gelegenen Iztaccihuatl („weiße Frau“) hindurch. Von -der Höhe des Passes aus ließ Cortes durch den spanischen Hauptmann -Diego Ordaz eine Besteigung des Popocatépetl versuchen; aber es war -wegen der Menge Schnee, der großen Kälte und der Wirbelstürme in der -Höhe nicht möglich, den höchsten Gipfel zu erreichen. Von der Höhe -des Gebirgskammes genoß man eine herrliche Ansicht des schönen Thals -von Mexiko mit der Hauptstadt, welche, gleich Venedig, in einem See -erbaut war. Der See war damals größer als jetzt und verlängerte sich -gegen Südosten in das schmale Wasserbecken von Xochimilco und weiter -gegen Osten in den rundlichen See von Chalco, welcher von den ersteren -durch einen künstlichen Damm getrennt war. Nach der Hauptstadt selbst -führten von verschiedenen Seiten drei Dammstraßen, jede mit mehreren -Durchschnitten, über welche Holzbrücken gelegt waren. Unter denselben -konnten die Kähne von einem See-Abschnitt in den andern gelangen.<span class="pagenum"><a name="Seite_372" id="Seite_372">[S. 372]</a></span> -Wurden aber die Brücken abgenommen, so bestand die Dammstraße aus -mehreren inselartig von Wasser umgebenen Stücken, und es war nicht -möglich in die Stadt einzudringen. Diese war auch im Innern von -zahlreichen Canälen durchschnitten, über welche Zugbrücken führten. Die -Häuser waren mit einer Art von Brustwehr versehen und dienten jedes als -eine kleine Festung für sich.</p> - -<p>Außer der Hauptstadt lagen noch zahlreiche Städte und Dörfer am See, -welcher zum Theil auch noch schwimmende Gärten trug, die den Reiz der -eigenthümlichen Scenerie erhöhten. Derartige Gärten haben sich noch -bis in die Gegenwart erhalten. Die Stadt Mexiko selbst zählte damals -wenigstens 60,000 Häuser, woraus man auf eine Bevölkerung von über -300,000 Einwohnern schließen kann, besaß aber auch große Marktplätze, -von denen einer so groß wie die Stadt Salamanca gewesen sein soll; der -große Opfertempel, von dessen hoher Plattform, zu welcher 114 Stufen -hinanführten, man die ganze Stadt überschauen konnte, ragte mächtig -über alle Gebäude empor. Der Haupttempel hatte 40 Thürme, alle sehr -stark von behauenen Steinen gebaut, das Gebälk wohl zusammengefügt und -bemalt. Die vornehmsten Herren in der Stadt hatten in diesen Thürmen -ihre Götzen und Familiengrüfte. Auf der Höhe der Plattform befanden -sich in einer Tempelhalle zwei Götzenbilder, welche von Gold und -Edelgestein strotzten. Hier war die Hauptopferstätte, wo die Gefangenen -auf einem Jaspisblocke geschlachtet wurden. Boden und Wände der Halle -waren schwarz von Menschenblut. Die Köpfe der Schlachtopfer wurden auf -Gerüsten aufbewahrt. An einem dieser Schädelberge wollte ein Spanier -136,000 Köpfe gezählt haben.</p> - -<p>Trotzdem Montezuma immer wieder durch Botschafter seinen schon mehrfach -ausgesprochenen Wunsch erneuern ließ, marschirte doch Cortes gerade -auf die Stadt zu. Den Eindruck, welchen die Capitale der Azteken auf -die Europäer machte, malt Bernal Diaz in einzelnen charakteristischen -Zügen aus. „Wir gelangten,“ erzählt er, „auf die breite Heerstraße -von Iztallapan, wo uns zu erstenmale die Menge von Städten und -Dörfern, welche mitten in den See gebaut waren, die noch größere -Zahl von bedeutenden Ortschaften am Ufer und die schöne schnurgrade -Straße, welche nach Mexiko führte, ins Auge fiel. Unsere Verwunderung -stieg in der That auf das höchste, und wir sprachen unter einander, -daß hier alles den Zauberpalästen in Amadis’ Ritterbuche gleiche: -so hoch und stolz stiegen Thürme, Tempel und Häuser mitten aus dem -Wasser hervor. Ja manche unserer Leute behaupteten gradezu, daß -alles, was sie sähen, nur ein Traumgesicht sei. In Iztallapan selbst -stiegen unsere Vorstellungen von der Macht und dem Reichthum dieses -Landes immer höher. Wir wurden in wahre Paläste einquartirt, die von -ansehnlichem Umfange, mit großen Höfen umgeben, aus schön behauenen -Quadersteinen, aus Cedern- und anderm wohlriechenden Holze aufgeführt -waren. Sämmtliche Gemächer waren mit Tapeten von baumwollenen Zeugen -behangen.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_373" id="Seite_373">[S. 373]</a></span></p> - -<p>„Am nächsten Morgen zogen wir nach Mexiko. Die Dammstraße war acht -Schritt breit, aber gegenwärtig für die Menge von Menschen, welche in -die Stadt hineinwollten und aus derselben herausströmten, um uns zu -sehen, viel zu enge, so daß wir uns kaum bewegen konnten. Alle Thürme -und Opfertempel waren mit Zuschauern bedeckt, der ganze See lag voll -von Fahrzeugen, die mit Neugierigen angefüllt waren. Wer wollte sich -auch darüber wundern, da man Leute unserer Art und Pferde noch nie hier -gesehen hatte. Von Strecke zu Strecke hatten wir eine neue Brücke zu -passiren und vor uns dehnte sich die große Stadt Mexiko in all ihrer -Herrlichkeit aus. Und wir, die wir durch die zahllosen Menschenmassen -hinzogen, waren ein Häufchen von 450 Mann und hatten den Kopf noch voll -von den Warnungen der Bewohner von Tlascala und anderer Städte, und von -den Vorsichtsmaßregeln, die sie uns empfohlen, um unser Leben gegen -die Mexikaner sicher zu stellen. Wenn man unsere Lage erwägt, darf man -wohl fragen, ob es je Männer gegeben, welche ein so kühnes Wagestück -unternommen haben.“<a name="FNAnker_366_366" id="FNAnker_366_366"></a><a href="#Fussnote_366_366" class="fnanchor">[366]</a></p> - -<h4 id="Cortes_in_Mexiko">20. Cortes in Mexiko.</h4> - -<p>Dieser denkwürdige Einzug in Mexiko geschah am 8. Nov. 1519. In der -Hauptstraße der Stadt kam der König dem einrückenden spanischen -Feldherrn mit einem glänzenden Gefolge von 200 Personen entgegen, -sämmtlich barfuß, mit Ausnahme des Herrschers, welcher von Edelleuten -in einem goldverzierten Sessel getragen wurde, über dem sich eine -Art Thronhimmel, mit grünen Federn, Gold, Silber und edeln Steinen -geschmückt, erhob. Als die Spanier nahten, verließ Montezuma seinen -Sitz und schritt über ausgebreitete Decken den Fremden entgegen, -angethan mit einer reichen, malerischen Kleidung, auf dem Kopf den -Federbusch von grüner Farbe. Grün galt als die königliche Farbe. Seine -mit Juwelen besetzten Halbstiefel hatten goldene Sohlen. Wie er durch -die Menge daher schritt, durfte keiner zu ihm aufschauen; alle senkten -demüthig den Blick. Cortes stieg, als er des Königs ansichtig wurde, -vom Pferde, ging dem aztekischen Herrscher entgegen und hing ihm als -Geschenk eine Kette von funkelndem Kristallglas um den Hals, er wollte -ihn sogar umarmen, wurde daran aber durch die beiden begleitenden -Fürsten, welche dem Kaiser zunächst standen, verhindert, damit die -Person des Landesherrn nicht entweiht würde. Nachdem dieser dann für -Cortes noch ein reiches Geschenk zurückgelassen, zog er sich mit seinem -Gefolge zurück.</p> - -<p>Mit Musik und fliegenden Fahnen hielten die Spanier ihren Einzug. -Sechstausend Tlascalaner folgten ihnen. Inmitten der Stadt lagen an -einem geräumigen Marktplatze der hohe Tempel des Kriegsgottes, da wo -jetzt die Stiftskirche in Mexiko steht, und die weitläufigen Gebäude -des Palastes, welchen der Vater Montezuma’s gebaut. Diesen wies -Montezuma seinen<span class="pagenum"><a name="Seite_374" id="Seite_374">[S. 374]</a></span> Gästen als Wohnung an. Die besten Zimmer waren auch -hier mit bunten baumwollenen Vorhängen bedeckt und der Fußboden mit -Matten belegt. Cortes ließ den ganzen Gebäudecomplex, der durch die -umgebende dicke Mauer und die Mauerthürme an sich schon einer Festung -glich, mit Wachen besetzen und vor die Eingänge Kanonen aufpflanzen. Am -Abend erschien Montezuma zum Besuch, erzählte dem Cortes ausführlich -die Sage von Quetzalcoatl und erklärte schließlich: nach allem, was -er bisher von den Spaniern über ihr Land und über ihren König gehört, -glaube er ganz fest, dieser sei der rechtmäßige Herr von Mexiko.<a name="FNAnker_367_367" id="FNAnker_367_367"></a><a href="#Fussnote_367_367" class="fnanchor">[367]</a> -Cortes möge daher über ihn und über sein Land verfügen.</p> - -<p>Am nächsten Morgen erwiderte Cortes in Begleitung von vier Hauptleuten, -Pedro de Alvarado, Juan Velasquez de Leon, Diego de Ordaz und Gonzalo -de Sandoval, den Besuch. Der königliche Palast umschloß mehrere Höfe, -in einem derselben spielte ein Springbrunnen. Der ganze Bau war -aus behauenen Steinen ausgeführt. Die Wände der Gemächer waren mit -Marmor, Jaspis und Porphyr belegt, in dessen glattpolirten Flächen man -sich spiegeln konnte, oder sie waren mit kostbaren Webstoffen oder -Federteppichen behängt, auf denen Vögel und Blumen eingestickt waren. -Im Laufe des Gesprächs ließ Cortes durch den Dolmetscher erklären, er -habe von seinem Herrn den Auftrag erhalten, Montezuma zum Christenthum -zu bekehren und begann daher ihm die Grundlehren des Glaubens -auseinanderzusetzen. Allein der König, welcher früher selbst das Amt -eines Oberpriesters bekleidet hatte, wich einer weiteren Erörterung -über die Vorzüge der beiden Religionen aus; doch wiederholte er auch -hier seine Bereitwilligkeit, dem spanischen Könige als seinem Oberherrn -Tribut zu bezahlen. Bernal Diaz, welcher im Gefolge des Cortes dieser -Audienz beiwohnte, gibt bei dieser Gelegenheit folgende Beschreibung -von der Person Montezuma’s.<a name="FNAnker_368_368" id="FNAnker_368_368"></a><a href="#Fussnote_368_368" class="fnanchor">[368]</a></p> - -<p>„Der große Montezuma mochte um diese Zeit in seinem vierzigsten Jahre -stehen. Er hatte eine ansehnliche Statur, war von schlankem Wuchs, -etwas mager von Gliedern, aber in den besten Verhältnissen gebaut. -Seine Farbe fiel nicht sehr ins Braune, sondern streifte blos an das -Colorit der Indianer. Die Haare trug er nur über den Ohren stark, -welche ganz von den Locken bedeckt wurden. Er hatte einen schwachen, -aber wohlaussehenden, schwarzen Bart. Sein Gesicht war länglich und -heiter, und seine wohlgeformten Augen drückten, je nachdem es paßte, -Liebe und Ernst aus.“</p> - -<p>Die Spanier richteten sich dann, mit Genehmigung des Königs, in ihrem -Palaste eine christliche Kapelle ein, entdeckten dabei eine vermauerte -Thür und dahinter den verborgenen Privatschatz des Königs. Nachdem -eine Woche verstrichen war, entschloß sich Cortes, den aztekischen -Herrscher gefangen zu nehmen. Den Vorwand dazu boten die Ereignisse -in seiner Station an<span class="pagenum"><a name="Seite_375" id="Seite_375">[S. 375]</a></span> der Küste, wo Juan de Escalante mit 150 Mann -als Besatzung zurückgeblieben war. Ein benachbarter Cazike hatte -dieselbe verrätherisch überfallen, mehrere Spanier getödtet und den -Befehlshaber tödtlich verwundet. Mit mehreren zuverlässigen Leuten -ging Cortes zu Montezuma, sowie er von diesen Vorfällen benachrichtigt -war, und beschuldigte denselben als geheimen Urheber des Verraths, -auch verlangte er die Bestrafung des Caziken. Montezuma sagte dieses -bereitwillig zu und ließ den Frevler sofort nach der Hauptstadt zur -Verantwortung rufen. Damit noch nicht zufrieden, forderte Cortes, der -König solle solange, bis die Sache entschieden sei, in dem Palaste -der Spanier seine Wohnung nehmen. Montezuma bot seinen Sohn und seine -Töchter als Geißeln an; aber Cortes ging nicht darauf ein, sondern -bestand darauf, daß nur die eigne Person des Königs den Spaniern in -der Hauptstadt die nöthige Sicherheit gewähren könne. Als dieser -Wortwechsel schon eine gute halbe Stunde gedauert hatte, verloren die -Officiere des Cortes die Geduld und Velasquez de Leon rief erregt: -„Wozu noch viele Worte! Entweder geht er freiwillig mit uns, oder wir -stoßen ihn nieder. Denn hier kömmt es darauf an, unser eignes Leben zu -retten; und geschieht es nicht auf diese Weise, so sind wir unfehlbar -verloren.“<a name="FNAnker_369_369" id="FNAnker_369_369"></a><a href="#Fussnote_369_369" class="fnanchor">[369]</a></p> - -<p>Durch diese Drohung erschreckt, gab Montezuma nach und ging mit. -Dem Volke, das sich zusammenrottete, gab er die Erklärung, er -gehe freiwillig. Man behandelte ihn ehrfurchtsvoll, wie den Herrn -eines großen Reichs und ließ ihm seinen ganzen Hofstaat sammt dem -ceremoniellen Gepränge. Er ertheilte in gewohnter Weise Audienzen und -stand mit seinem Volke ununterbrochen in Verkehr.<a name="FNAnker_370_370" id="FNAnker_370_370"></a><a href="#Fussnote_370_370" class="fnanchor">[370]</a> Es <em class="gesperrt">schien</em> -fast keine Veränderung eingetreten, aber Montezuma selbst empfand sie -tief.</p> - -<p>Als der aztekische Statthalter Quauhpopoca (Cortes schreibt -Qualpopoca), welcher die Spanier an der Küste überfallen hatte, -auf Befehl Montezuma’s mit seinem Sohne und 15 Hauptleuten in der -Hauptstadt erschien, wurde er Cortes zur Verurtheilung übergeben. Sie -gestanden alle, daß Montezuma sie zu dem Ueberfall veranlaßt habe, und -wurden dann auf dem großen Platze vor dem Palaste verbrannt. Während -der Hinrichtung ließ Cortes den König als Urheber des Verraths in -Fesseln legen. Wenn es nun auch nach dieser Demüthigung Montezuma -freigestellt wurde, in seinen eignen Palast zurückzukehren, so wagte -er es doch nicht mehr aus Furcht, die Azteken möchten sich dann gegen -die Fremden erheben und er könne dem Ingrimm seines Volks keinen -Einhalt gebieten. Er zog es also vor, unter dem Schutze der Spanier zu -bleiben. Da beschloß der Neffe des Königs, Cacama, Fürst von Tezcuco, -einer großen Stadt am östlichen Seeufer, welche etwa 150,000 Einwohner -zählte, der unwürdigen Behandlung des Landesherrn mit Gewalt ein -Ende zu machen. Aber da der Adel ohne Zustimmung<span class="pagenum"><a name="Seite_376" id="Seite_376">[S. 376]</a></span> Montezuma’s nichts -unternehmen wollte, so erfuhr auch Cortes von dem Plan, ließ Cacama -mit Hilfe von tezcucanischen Edelleuten, die im Dienste Montezuma’s -standen, gefangen nehmen und durch seinen Oberherrn für abgesetzt -erklären. Auch die übrigen Verschworenen wurden auf Montezuma’s Befehl -verhaftet. Dann leistete dieser in öffentlicher Versammlung der Caziken -und Vornehmen den Huldigungseid dem Könige von Spanien, wobei er darauf -hinwies, daß die Prophezeihung Quetzalcoatl’s nun in Erfüllung gegangen -sei. Er schloß seine Ansprache an die Häuptlinge des Landes mit den -Worten: „Gehorchet also von nun an dem großen König Karl als eurem -natürlichen Oberherrn, und dem General, der ihn vertritt. Bezahlt ihm -die Abgaben, die ihr mir entrichtet habt und dienet ihm, wie ihr mir -gedient habt.“<a name="FNAnker_371_371" id="FNAnker_371_371"></a><a href="#Fussnote_371_371" class="fnanchor">[371]</a> Montezuma sprach unter Thränen und Seufzern, er -fügte sich fatalistisch ergeben in sein Geschick. Cortes ließ die Akte -der Unterwerfung von einem Notar aufsetzen und von beiden Parteien -unterzeichnen.</p> - -<p>Von eingebornen Beamten begleitet, zogen dann die Spanier weit und -breit durchs Land, um Steuern zu erheben und den Tribut für den König -von Spanien in Empfang zu nehmen. Sie drangen bis zu 100 Meilen -Entfernung von der Hauptstadt ohne Schwierigkeit vor und kehrten -mit Gold und Silber beladen zurück. Montezuma fügte dem aus seinem -Privatschatze noch andere Kostbarkeiten hinzu. „Die Kleinodien,“ -schrieb Cortes, „sind, abgesehen von ihrem Metallwerth, wegen ihrer -Neuheit und eigenartigen Form unschätzbar. Kein Fürst der Welt kann -dergleichen haben. Alles, was Montezuma auf der Erde gesehen, oder -aus der Tiefe des Meeres gezogen, wurde auf seinen Befehl in Gold, -Silber, Edelsteinen und bunten Federn aufs vollkommenste nachgebildet. -Er hat auch nach meinen Zeichnungen Crucifixe, Medaillen, Kleinodien -und Halsbänder nach europäischem Geschmack anfertigen lassen. -Außerdem hat mir Montezuma eine große Menge baumwollner Stoffe von -der größten Schönheit, sowohl wegen der Farbe als der Arbeit, ferner -Tapeten für Kirchen und Wohnhäuser, baumwollne und aus Kaninchenwolle -gefertigte Decken, sowie zwölf prächtig verzierte und gemalte Blasrohre -geschenkt.“<a name="FNAnker_372_372" id="FNAnker_372_372"></a><a href="#Fussnote_372_372" class="fnanchor">[372]</a> Ungerechnet die feinern Kunstarbeiten, die nicht -eingeschmolzen wurden, betrug von den übrigen Tributen und Geschenken -der königliche Quint 32,400 <span class="antiqua">pesos d’oro</span>.</p> - -<p>Um eine genauere Vorstellung von der Größe des Landes und seiner Küsten -zu bekommen, namentlich, um die Ankerplätze ausfindig zu machen, ließ -sich Cortes vom Kaiser eine auf Nequenstoff gemalte Karte geben.<a name="FNAnker_373_373" id="FNAnker_373_373"></a><a href="#Fussnote_373_373" class="fnanchor">[373]</a> -Durch die dadurch gewonnene Kenntniß wuchs der Einfluß der Spanier -im Lande immer mehr, und es schien, als ob sich der Uebergang der -Herrschaft allmählich und auf friedlichem Wege vollziehen sollte. Da -trat aber ein Ereigniß<span class="pagenum"><a name="Seite_377" id="Seite_377">[S. 377]</a></span> ein, durch welches Cortes genöthigt wurde, die -Hauptstadt zu verlassen und die bereits gewonnene Machtstellung gegen -die eignen Landsleute zu vertheidigen.</p> - -<h4 id="Cortes_siegt_ueber_Panfilo">21. Cortes siegt über Panfilo de Narvaez.</h4> - -<p>Der Statthalter von Cuba, Velasquez, hatte, nachdem sich Cortes mit -seinem Heere von ihm losgesagt, die Hoffnung noch nicht aufgegeben, -den abtrünnigen Befehlshaber zu bezwingen und das Goldland Mexiko -für sich zu gewinnen. Seine in Spanien angebrachte Beschwerde hatte -bei Fonseca Gehör gefunden, welcher in folge dessen die Abgesandten -des Cortes nicht, wie sie erwartet hatten, empfing, sondern ihr -Anliegen verschob. Velasquez rüstete inzwischen ein neues Heer in -der Stärke von wenigstens 800 Mann, darunter 80 Musketiere und 120 -Armbrustschützen, ferner 80 Reiter und 17 bis 18 Kanonen und übergab -das Commando dem <em class="gesperrt">Panfilo de Narvaez</em>, mit dem Befehl, Cortes -abzusetzen und gefangen nach Cuba abzuführen. Sobald der Vicekönig -von Haiti, Diego Colon, von diesen Rüstungen hörte, sandte er einen -gewandten Mann, den Licentiaten Lucas Vasquez de Ayllon nach Cuba, um -dem dortigen Statthalter zu bedeuten, daß er unter keinen Umständen -gegen Cortes feindlich auftreten dürfe, um den Erfolg des so glänzend -begonnenen Unternehmens nicht in Frage zu stellen. Als Velasquez auf -diese Vorstellungen nicht eingehen wollte, hielt sich Ayllon für -verpflichtet, die bereits segelfertige Flotte von 18 Schiffen nach -Mexiko zu begleiten. Narvaez kam am 23. April 1520 an dieselbe Stelle -der mexikanischen Küste, bei der heutigen Stadt Vera Cruz, wo auch -Cortes gelandet war. Als auch hier Ayllon seinen Protest gegen ein -feindliches Vorgehen wiederholte, ließ Narvaez ihn auf ein Schiff -bringen und nach Haiti zurückschaffen, wo er dem Vicekönige über die -Verhältnisse Bericht erstattete. Da dieser sich durch die seinem -Gesandten angethane Beleidigung in seiner Autorität verletzt sah, -führte er beim königlichen Gerichtshof in Spanien gegen Velasquez und -Narvaez Beschwerde. Er nahm also für Cortes Partei, was für diesen -in der Folgezeit von Wichtigkeit wurde und eine ihm selbst günstige -Entscheidung herbeiführte.</p> - -<p>Nachdem Narvaez mit seinem Heere gelandet war, forderte er den -Befehlshaber von Villa Rica, Gonzalo de Sandoval, auf, sich ihm -zu ergeben und den Platz zu überliefern. Dieser aber schickte die -Gesandten, den Priester Guevara und fünf andere Spanier, gebunden -auf dem Rücken indianischer Lastträger direct nach Mexiko, welches -sie in vier Tagen erreichten, um ihren Auftrag persönlich an Cortes -auszurichten. Dieser ließ die unfreiwilligen Gesandten vor der Stadt -beritten machen, damit sie würdig einziehen könnten, und empfing sie -sehr höflich. Nachdem er ihnen die Verhältnisse in der Hauptstadt -auseinandergesetzt hatte, gewann er sie bald alle für sich und schöpfte -auch aus den Mittheilungen der Gesandten die Hoffnung, das gegen ihn -ausgeschickte Heer zu gewinnen. Man fürchte, sagte man ihm, nur den<span class="pagenum"><a name="Seite_378" id="Seite_378">[S. 378]</a></span> -Feldherrn Narvaez; allein sein Einfluß sei nicht groß, da er sich durch -seine Anmaßung und seinen Geiz viele entfremdet habe.</p> - -<p>Cortes entsandte darauf den klugen Pater Olmedo mit einem versöhnlichen -Briefe an Narvaez, in welchem er ihm Waffenbrüderschaft und Theilung -der Macht anbot. Außerdem waren für die Officiere des gelandeten Heeres -reichliche Goldgeschenke beigelegt. Die Erzählungen und Berichte -Guevara’s und Olmedo’s gewannen die Soldaten bald für Cortes, aber -Narvaez wollte von einem Vergleiche nichts wissen. Ohne die Antwort -abzuwarten, deren Inhalt ihm nicht zweifelhaft sein konnte, beschloß -Cortes, seinem Rivalen entgegenzurücken, ehe er Zeit gewinnen könne, -ins Innere vorzudringen. Nachdem er den König Montezuma unter der -Obhut des tapferen und zuverlässigen Pedro de Alvarado mit 140 Mann -und allem Geschütz zurückgelassen hatte, brach er selbst mit nur 70 -seiner tapfersten Leute und 2000 Indianern, welche gegen die Reiter -des Narvaez mit langen Lanzen bewaffnet waren, im Mai 1520 von der -Hauptstadt auf, traf in Cholula mit einer Abtheilung seines Heeres, -welche, 120 Mann stark, unter Velasquez de Leon südlich von Vera Cruz -einen Hafen hatte aufsuchen sollen, aber auf die Nachricht von der -Landung des Narvaez zurückgerufen war, zusammen, begegnete in der Nähe -von Tlascala seinem zurückkehrenden Gesandten Olmedo und verfügte -nun, nachdem in der Nähe des Pico de Perote noch Sandoval von Villa -rica mit 60 Mann zu ihm gestoßen war, über eine Streitmacht von etwa -260 Spaniern. Mit diesen rückte er dem Narvaez, welcher bei Cempoalla -lagerte, kühn entgegen. In einer regnerischen, dunkeln Nacht, am Abend -vor Pfingsten, überfiel er seinen Gegner, dessen Stellung er genau -ausgekundschaftet hatte. Er benutzte die Nacht, damit seine Gegner -nicht durch die geringe Zahl seiner Mannschaft zu stärkerem Widerstande -gereizt würden. „Als wir eindrangen,“ erzählt Bernal Diaz, „war es -stockfinster und es regnete stark, und erst später ging der Mond -auf; aber auch die Finsterniß war uns von großem Nutzen, denn in der -dunklen Nacht flogen eine Menge Leuchtkäfer umher, die von Narvaez’ -Leuten für Lunten zum Losbrennen der Musketen gehalten wurden und -ihnen daher einen ganz besonderen Begriff von der großen Zahl unserer -Feuergewehre beibrachten.“<a name="FNAnker_374_374" id="FNAnker_374_374"></a><a href="#Fussnote_374_374" class="fnanchor">[374]</a> Cortes wußte genau das Quartier des -feindlichen Heerführers und kam unbemerkt bis in den Hof des Hauses, -wo erst die Gegner allarmirt wurden. Sandoval drang in das Thurmzimmer -ein, wo Narvaez wohnte. Im nächtlichen Getümmel verlor dieser durch -einen Lanzenstich ein Auge und wurde gefangen genommen. Der Kampf -gegen seine Truppen dauerte nur kurze Zeit, ihr Widerstand hörte mit -der Gefangennahme des Feldherrn auf. Nur zwei Spanier waren gefallen. -Die Soldaten huldigten Cortes, welcher den verwundeten Gegner und -seine entschiedensten Anhänger nach Villa rica bringen ließ. Erst am -nächsten Morgen kamen die 2000 indianischen Hilfstruppen<span class="pagenum"><a name="Seite_379" id="Seite_379">[S. 379]</a></span> an, welche -Cortes am Kampfe gegen seine Landsleute nicht hatte theilnehmen lassen, -damit sie sich nicht eines Sieges über die Weißen rühmen könnten. Es -war ein leicht errungener Erfolg gewesen. „Ich kann Euch versichern,“ -hatte Cortes zu dem gefangenen Narvaez gesagt, „daß dieser Sieg eine -der geringsten Waffenthaten ist, die wir in Neu-Spanien verrichtet.“ -Aber der Sieg war trotzdem von höchster Bedeutung, weil ohne ihn die -begonnene Unterwerfung des aztekischen Reichs unmöglich gewesen wäre.</p> - -<p>Kurze Zeit darauf erhielt Cortes eine Nachricht, welche ihn veranlaßte, -so rasch als möglich nach Mexiko zu eilen. Alvarado hatte bei einem -großen Opferfeste in der Stadt, welches angeblich von den Mexikanern -hatte benutzt werden sollen, um ihren König wieder zu befreien, -allzurasch zu Gewaltmaßregeln sich hinreißen lassen, auf die -versammelte Menge einzuhauen befohlen und ein Blutbad angerichtet, -wobei viele vom aztekischen Adel niedergestoßen waren. In folge -dessen erhob sich die ganze Stadt und griff die spanische Besatzung -in ihrem Palaste so energisch an, daß Alvarado Boten entsenden und -den Oberfeldherrn um schleunige Hilfe bitten mußte. Die Kranken und -Verwundeten in Cempoalla zurücklassend, eilte Cortes mit seiner ganzen -Macht auf das Tafelland zurück. In Tlascala hielt er kurze Rast und -musterte sein Heer. Er verfügte wieder über eine Streitmacht von -1300 Mann, darunter 90 Reiter, 80 Armbrustschützen und ebensoviel -Musketiere. Je näher er der Hauptstadt kam, um so kühler wurde der -Empfang von seiten der Bewohner. Alvarado war seit vierzehn Tagen -in seiner Festung belagert. Als Cortes am Johannistage 1520 wieder -in die Hauptstadt einrückte, empfing ihn nicht mehr eine neugierige -Volksmenge, wie das erste Mal. Alle Bewohner hielten sich scheu zurück. -Die Stadt schien wie verödet.</p> - -<h4 id="Der_Kampf_um_Mexiko">22. Der Kampf um Mexiko.</h4> - -<p>Bald nachdem Cortes sich mit Alvarado vereinigt hatte, erfolgte ein -wüthender Angriff auf die Festung, der bis zur Nacht andauerte, aber -durch die Kanonen abgeschlagen wurde. Die Brustwehren und Hauswände -waren mit Pfeilen dermaßen bedeckt, daß man kaum gehen konnte. -Die Menge der Schleudersteine verdeckte fast den ganzen Boden der -Palasthöfe. Am nächsten Morgen machten die Spanier einen Ausfall und -begannen einen erbitterten Kampf gegen die dichten Massen der Indianer. -Sie feuerten Schuß auf Schuß gegen sie, sie rückten dicht an sie heran -und stießen in jedem Anlauf 30 bis 40 Indianer nieder; umsonst, die -Feinde behaupteten ihre Stelle und ihre Kraft schien eher zu wachsen -als abzunehmen. Von den Dächern der Häuser warf man große Steine auf -die Weißen. Cortes ließ zwar, um seine Gegner zu vertreiben, die -nächsten Häuser anzünden; allein da dieselben durch Wassergräben von -einander getrennt waren, so verbreitete sich das Feuer nicht weiter.</p> - -<p>Da ein fortgesetzter Kampf aus dem Innern der Stadt für die Spanier<span class="pagenum"><a name="Seite_380" id="Seite_380">[S. 380]</a></span> -völlig nutzlos war, so forderte Cortes den König auf, sich seinem Volk -zu zeigen und demselben zu erklären, daß die Fremden bereit seien, die -Stadt zu verlassen, wenn man ihnen unbelästigten Abzug gestatte. Nach -einigem Zögern erschien Montezuma in vollem königlichen Schmucke auf -der Plattform des Thurmes. So wie das Volk seiner ansichtig wurde, -trat eine ehrfurchtsvolle Stille ein. Er erklärte laut: er sei kein -Gefangener und die Spanier wollten abziehen. Aber das erzürnte Volk -nahm die Worte des Herrschers für ein Zeichen von Feigheit und rief -ihm zu, sie hätten seinen Vetter, den Fürsten von Iztapalapan, auf den -Thron gehoben und geschworen, die Waffen nicht eher niederzulegen, als -bis alle Spanier getödtet seien. Ein Hagel von Steinen und Geschossen -begleitete diese Worte. Ehe die neben dem Könige stehenden Spanier ihn -mit ihren Schilden decken konnten, erhielt er mehrere Wunden und wurde -durch einen Steinwurf an den Kopf besinnungslos niedergeworfen.<a name="FNAnker_375_375" id="FNAnker_375_375"></a><a href="#Fussnote_375_375" class="fnanchor">[375]</a> -Diese Demüthigung durch sein eignes Volk empfand Montezuma so tief, -daß er, als er aus seiner Betäubung erwacht war, alle ärztliche -Hilfeleistung von sich wies, den Verband abriß und am dritten Tage -starb, am 30. Juni 1520. Mit seinem Tode hörte auch der letzte Rest -von Rücksicht auf, welche die Azteken um ihres Königs willen noch an -den Tag gelegt. Ihr Ziel war auf die vollständige Vernichtung ihrer -gefährlichen Feinde gerichtet, und zu dem Zwecke hatte man auch die -Dammbrücken beseitigt, um den Spaniern den Rückzug abzuschneiden. Dazu -gingen die Lebensmittel aus. Cortes mußte den Abmarsch vorbereiten -und ließ zu dem Vorhaben eine tragbare Brücke zimmern, um damit die -Dammbrücken, eine nach der andern, überschreiten zu können. Bei dunkler -Nacht, am 1. Juli 1520, brach Cortes mit seinem Heere auf und schlug -den Weg über den westlichen Damm ein. Die Töchter des Montezuma und -den Fürsten Cacama nahm er als Gefangene mit. Da die Goldschätze wegen -ihres bedeutenden Gewichtes nicht auf einmal zu transportiren waren, so -ließ er nur den königlichen Antheil aufpacken; von dem übrigen Vorrathe -konnte sich jeder Soldat nehmen. Doch warnte der Feldherr, sich nicht -zu sehr zu beladen. Mancher wurde durch seine Habgier ins Verderben -gezogen, wenn er in dem Gedränge des nächtlichen Kampfes durch seine -Goldlast in der Führung seiner Waffen gehemmt wurde. Ebenso kamen alle -Tlascalaner ums Leben, denen der Kronschatz anvertraut war.</p> - -<p>Die erste Dammlücke wurde mittelst der tragbaren Brücke glücklich -überschritten, obwohl die Azteken zu Lande lebhaft nachdrängten -und von zahlreichen Kähnen aus die Abziehenden mit Wurfgeschossen -überschütteten. Schon bei der zweiten Lücke wurde die Lage der Spanier -höchst bedenklich. Da es regnete, waren die Brückenbalken glatt -geworden; zwei Pferde glitten aus, wurden scheu, überschlugen sich in -den See und auch die Brücke schlug um.<span class="pagenum"><a name="Seite_381" id="Seite_381">[S. 381]</a></span> Nun entstand ein verzweifeltes -Gedränge, die vorderen Reihen wurden ins Wasser gestoßen, wo sich -Kampf und Gemetzel fortsetzte. Wer sich durch Schwimmen zu retten -suchte, wurde von den Kähnen eingeholt und gefangen fortgeschleppt. -Die Dammlücke füllte sich mit todten Rossen und Menschenleibern, mit -Kanonen und Karren und darüber ging der Strom der dichten, wogenden, -kämpfenden Menschenmenge. Jeder war nur noch auf die Rettung des eignen -Lebens bedacht, es galt kein Commando, es gab keinen Zusammenhalt mehr. -Alles drängte nach dem festen Lande hinüber. Von den 1300 Soldaten, -welche mit Cortes in die Stadt gezogen waren, kamen nicht mehr als -440 mit dem Leben davon, und auch sie waren alle verwundet. Ueber 860 -Mann wurden getödtet oder fielen den Azteken in die Hände, welche sie -ihren Göttern opferten.<a name="FNAnker_376_376" id="FNAnker_376_376"></a><a href="#Fussnote_376_376" class="fnanchor">[376]</a> Verloren gingen ferner alle Kanonen, aller -Schießbedarf, alle Büchsen und 46 Pferde, so daß die Reiterei nur noch -aus 23 Mann bestand. Dieser Rückzug ist unter dem Namen der traurigen -Nacht (<span class="antiqua">la noche triste</span>) bekannt. In Popotla zeigt man noch den -Cederbaum, um welchen Cortes mit dem Reste seiner Truppen in jener -Nacht lagerte.<a name="FNAnker_377_377" id="FNAnker_377_377"></a><a href="#Fussnote_377_377" class="fnanchor">[377]</a> Am nächsten Morgen zog der Feldherr der Spanier -nordwärts und um den See herum gegen Osten, unter steter Verfolgung -des Feindes die Schwerverwundeten in der Mitte führend und mit seiner -Reiterschar die Flanken deckend. Am 7. Juli gelangte er zu den noch -vorhandenen, vielleicht ältesten Baudenkmälern des Landes, den beiden -Pyramiden von Teotihuacan (d. h. „Wohnung der Götter“), von denen die -größere an der Basis 208 Meter lang ist und eine senkrechte Höhe von -55 Metern hat. Beide waren genau nach den Himmelsgegenden orientirt. -Oestlich davon in der Ebene von Otumba suchte ihnen ein mexikanisches -Heer den Rückzug zu verlegen. Die große Uebermacht — ihre Zahl wird -auf 200,000 angegeben — schloß die kleine spanische Schar völlig ein. -Sie stand da wie eine Insel in stürmisch brandender See<a name="FNAnker_378_378" id="FNAnker_378_378"></a><a href="#Fussnote_378_378" class="fnanchor">[378]</a>, aber -Cortes wußte seine Leute durch ermunternden Zuspruch zu beleben: „Heute -ist noch nicht der Tag, an dem wir besiegt werden sollen.“ Trotzdem -erkannte er den ganzen Umfang der Gefahr. Er schrieb später an den -König: „Wir fochten, so zu sagen, unter einander gemischt, und wir -hielten dies für unser letztes Gefecht in unserem Leben: so schwach -waren wir, so mächtig und stark waren hingegen die Feinde.“<a name="FNAnker_379_379" id="FNAnker_379_379"></a><a href="#Fussnote_379_379" class="fnanchor">[379]</a> -Cortes wurde durch zwei Steinwürfe empfindlich am Kopfe verwundet und -mußte sich verbinden lassen. Da rettete der Ritter Juan Salamanca -seine Genossen durch eine kühne That. Er sah mitten im Getümmel den -feindlichen Anführer, der das Feldzeichen trug, drang mit wenig Reitern -auf ihn ein, indem er alles vor sich niederritt, tödtete den Gegner -und nahm die Standarte.<a name="FNAnker_380_380" id="FNAnker_380_380"></a><a href="#Fussnote_380_380" class="fnanchor">[380]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_382" id="Seite_382">[S. 382]</a></span> Der Fall des Führers gab das Signal -zur Flucht. Nachdem die erschöpften Truppen drei Tage in der Stadt -Huejotlipan gerastet, zogen sie nach Tlascala, wo sie freundlich -empfangen wurden und in Ruhe die Heilung ihrer Wunden abwarten konnten. -Cortes selbst bedurfte vor allem der Pflege. Seine Kopfwunden hatten -sich verschlimmert, er hatte außerdem zwei Finger der linken Hand -eingebüßt und war durch die gewaltige Aufregung und Ueberanstrengung -nicht unbedenklich erkrankt. Kein Wunder, daß unter solchen -Verhältnissen auch den Soldaten der Muth sank, und daß ein großer Theil -nach der Küste zurückzukehren wünschte. Dazu wurde ihre Lage höchst -unsicher, weil eine Gesandtschaft der Mexikaner die Tlascalaner zum -Bündniß gegen die Spanier aufforderte und der Häuptling Xicotencatl -nicht abgeneigt schien, sich auf die Seite der Azteken zu stellen. -Glücklicherweise hielt sein eigner Vater fest an dem Bunde mit Cortes.</p> - -<p>Nachdem sich das Heer genügend erholt hatte, und Cortes wieder -genesen war, kehrte auch der alte Unternehmungsgeist der Truppen -wieder zurück. In glücklichen Kämpfen unterwarfen sie mit Hilfe der -Tlascalaner das Land zwischen dem Popocatépetl und dem Citlaltépetl. -Neue Scharen, welche Velasquez gesendet, in dem Glauben, Narvaez sei -Herr des Landes, traten sofort zu Cortes über. Dann schrieb dieser von -der Stadt Tepeaca aus, welche er Segura de la frontera nannte, seinen -berühmten Brief, vom 30. October 1520 datirt, an den König von Spanien, -in welchem er über die bisherigen Vorgänge genau Bericht erstattete, -und schloß mit den Worten: „Wegen aller Aehnlichkeiten, welche ich -zwischen diesen Ländern (Mexiko und Spanien) gefunden, in Bezug auf -Fruchtbarkeit, Größe, Klima u. a. habe ich für passend gehalten, ihnen -den Namen „<em class="gesperrt">Neuspanien des Oceans</em>“ (<span class="antiqua">la nueva España del Mar -Oceano</span>) zu geben und wage, Ew. Maj. zu ersuchen, diese Benennung -zu bestätigen.<a name="FNAnker_381_381" id="FNAnker_381_381"></a><a href="#Fussnote_381_381" class="fnanchor">[381]</a> Aus diesem Berichte ersah man zuerst in Spanien, -daß Cortes im Begriff stand, ein mächtiges Reich, das eine Fülle der -geschätztesten Produkte besaß, der spanischen Krone zu unterwerfen, und -Peter Martyr beeilte sich seinen Gönnern und Freunden die Pracht der -Hauptstadt „Tenustitan <span class="antiqua">alias</span> Mexiko“ und die Reichthümer des -Landes zu schildern.<a name="FNAnker_382_382" id="FNAnker_382_382"></a><a href="#Fussnote_382_382" class="fnanchor">[382]</a></p> - -<p>Cortes hatte beschlossen, die feindliche Hauptstadt von neuem -anzugreifen. Aber um von dem See aus nicht wieder durch die Kriegsböte -der Azteken belästigt zu werden, wollte er sich vor allem zum Herrn -der die<span class="pagenum"><a name="Seite_383" id="Seite_383">[S. 383]</a></span> Stadt umgebenden Gewässer machen, um derselben die Verbindung -mit dem Lande abzuschneiden. Zu dem Zwecke ließ er eine Anzahl von -Brigantinen bauen, wozu er das Takelwerk und Eisen von Vera Cruz -heraufschaffen ließ. Die Schiffstheile wurden in Tlascala angefertigt -und von da an den See geschafft, wo sie zusammengesetzt wurden. Als -er in der Mitte des December von Tepeaca aufbrach, bestand sein Heer -aus 550 Mann zu Fuß, 40 Reitern und 8 oder 9 Kanonen. Das Heer der mit -ihm verbündeten Indianer, welche mit der Eroberung der aztekischen -Hauptstadt ihre Unabhängigkeit von dem drückenden Joche zu gewinnen -hofften, zählte über 100,000 Mann.</p> - -<p>Auf einem schwierigen Gebirgspasse nördlich vom Iztaccihuatl zog er -nach Tezcuco, dessen Bewohner sich theils zu Boot über den See, theils -zu Fuß über das Gebirge geflüchtet hatten.</p> - -<p>In Mexiko war der Bruder und Nachfolger Montezuma’s nach viermonatiger -Regierung gestorben und an seine Stelle der Neffe der beiden letzten -Regenten, der 25jährige Quauhtemotzin<a name="FNAnker_383_383" id="FNAnker_383_383"></a><a href="#Fussnote_383_383" class="fnanchor">[383]</a> oder Guatemotzin gewählt -worden. Dieser ließ die Stadt gegen den beabsichtigten Angriff -der Spanier von allen Seiten befestigen. Nachdem Cortes sich in -Tezcuco festgesetzt hatte, ließ er einen Graben, welcher zu dem eine -halbe Legua entfernten See führte, so weit vertiefen, daß seine 13 -neuerbauten Schiffe in den See einlaufen konnten. Dann unternahm -er einen Recognoscirungszug rings um den See, um die Zugänge zur -Hauptstadt kennen zu lernen, unterwarf die Städte, welche am Seeufer -lagen und griff, nachdem er von Haiti noch eine erbetene Verstärkung -an Truppen, 200 Mann zu Fuß und 70 bis 80 Pferde, erhalten hatte, die -Stadt Xochimilco (d. h. Blumenfeld, nach den schwimmenden Gärten so -genannt) an, welche theilweise im See lag. Bei der Erstürmung wäre -Cortes fast in Gefangenschaft gerathen. Im Getümmel des Kampfes that -sein Roß einen Fehltritt und stürzte nieder. Augenblicklich war er -von Feinden umringt, gegen die er sich mit seiner Lanze vertheidigte. -Er wäre fortgeschleppt worden, wenn nicht ein treuer Diener und ein -Tlascalaner ihn aus der drohenden Gefahr befreit hätten. Kurz darauf -hatte er einen Angriff Guatemotzins abzuschlagen, der mit 2000 Kähnen -und 12,000 Mann der Stadt zu Hilfe eilte.</p> - -<p>Die Anhänger des Velasquez, deren es noch manche in dem spanischen -Heere gab, und denen die gewaltigen Anstrengungen, welche Cortes ihnen -auferlegte, nur eine nutzlose Vergeudung von Menschenleben schienen, -ohne Aussicht, endlich in den Besitz der gehofften Schätze zu gelangen, -stifteten wieder eine Verschwörung an und beabsichtigten, den Feldherrn -sammt seinen treusten Officieren zu ermorden und dann nach der Heimat -zurückzukehren. Aber auch von diesem Verrath erhielt Cortes rechtzeitig -Kunde, ließ den<span class="pagenum"><a name="Seite_384" id="Seite_384">[S. 384]</a></span> Anstifter hinrichten und zerriß die Liste aller -Verschworenen, die er bereits in Händen hatte. Doch umgab er sich von -da an mit einer zuverlässigen Leibwache.</p> - -<p>Endlich war nach einer Arbeit von 50 Tagen der 12 Fuß tiefe Graben -durch 8000 Arbeiter am 28. April 1521 vollendet und die Schiffe liefen -vor den Augen des versammelten Heeres in den See. Nun erst konnte man -den unaufhörlichen Belästigungen durch die feindlichen Böte, welche -jeden Vormarsch auf die Seedämme erschwerten, ein Ende machen. Jedes -Schiff erhielt eine Kanone und 25 Mann Besatzung. Dann wurde das -Heer, welches wieder auf mehr als 800 Mann angewachsen war, in drei -Haufen getheilt und diese unter den Befehl von Alvarado, Olid und -Sandoval gestellt. Durch einen glänzenden Sieg über die feindliche -Flotille machte sich Cortes zum Meister des Sees. Anfänglich war es -seine Absicht gewesen, die aztekischen Böte, die in einer Anzahl -von 500 gegen ihn auf Kundschaft ausgeschickt waren, unbehelligt -herankommen zu lassen, um sie dann mit Kanonenschüssen zu empfangen -und so bei dem ersten Zusammentreffen eine für den ganzen Krieg -wichtige Entscheidung durch die Ueberlegenheit der europäischen -Schifffahrtskunst herbeizuführen. Da erhob sich aber plötzlich ein -günstiger Wind vom Lande her. Sofort ließ Cortes die Brigantinen mit -vollen Segeln gegen die Böte steuern und gab Befehl, die feindlichen -Fahrzeuge bis an die Stadt zu verfolgen. Zahllose Kähne wurden -übersegelt und die Mannschaft in den See gestürzt und getödtet. Drei -Meilen weit wurde die Verfolgung fortgesetzt und ein Sieg errungen, -herrlicher als man gehofft hatte.<a name="FNAnker_384_384" id="FNAnker_384_384"></a><a href="#Fussnote_384_384" class="fnanchor">[384]</a> Dann wurde den Mexikanern das -Trinkwasser der Röhrenleitung abgeschnitten und die südlichen Dämme -besetzt, welche von den Vertheidigern der Stadt verschanzt waren, -aber, sobald die Brigantinen vorgingen, verlassen worden waren. Die -drei Heerführer der Truppentheile erhielten zu ihrer Unterstützung -mehrere Brigantinen, Alvarado und Olid besetzten die südlichen -Dammstraßen, Sandoval die nördlichen. So war die ganze Stadt cernirt. -Die Dammlücken wurden unter heftigen Kämpfen zugeschüttet, aber näher -der Stadt warfen die Belagerten immer neue Gräben aus und erwiesen -sich trotz der Einschließung unerschüttert und todesmuthig. Ueberall -zu Lande und zu Wasser ertönte ihr wildes Kriegsgeschrei, als ob das -Weltall einstürzen sollte.<a name="FNAnker_385_385" id="FNAnker_385_385"></a><a href="#Fussnote_385_385" class="fnanchor">[385]</a> Endlich gelang es den Spaniern, bis -an die Stadt vorzudringen. Die in den Straßen aufgeworfenen Bollwerke -wurden von den Kanonen zusammengeschossen und über dieselben hinweg -gelangten die Sieger bis zu dem großen Tempel, dessen erneuertes -Götzenbild sie zertrümmerten. In einem wüthenden Angriff der Indianer -wurde das spanische Fußvolk zurückgetrieben, aber durch einen kühnen -Reiterangriff aus der Bedrängniß gerettet. Die Stadt schon jetzt<span class="pagenum"><a name="Seite_385" id="Seite_385">[S. 385]</a></span> -zu behaupten war unmöglich, weil man bei Tag und Nacht von allen -Seiten bedroht war. Aber unter dem Eindruck der spanischen Erfolge -lockerte sich der Lehnsverband im aztekischen Reiche immer mehr; der -Fürst von Tezcuco, der lange zweifelhaft gestanden, ging mit 50,000 -Mann zu den Eroberern über; andere Städte folgten seinem Beispiel -und begaben sich in die spanische Botmäßigkeit. Täglich wurden die -Angriffe auf die Stadt wiederholt und einzelne Gebäude niedergebrannt, -Hungersnoth stellte sich ein, aber die Mexikaner wiesen alle -Friedensbedingungen zurück. „Wir waren,“ berichtet Cortes, „mehrere -Tage nacheinander in der Stadt gewesen, viermal schon hatte sich das -Gemetzel wiederholt. Ein Theil der Stadt war abgebrannt, die meisten -Terrassen waren zerstört, die natürlichen und künstlichen Hindernisse -wurden überwunden; immer siegreich hatten wir den Feind mit Kanonen -und Musketen niedergeschmettert. Ich erwartete daher täglich, sie -würden um Frieden bitten und mein Herz wünschte sehnlich, daß sie den -nothwendigen Schritt thun würden. Erbittert über den zähen Widerstand -glaubte ich sie zum äußersten zwingen zu müssen.“<a name="FNAnker_386_386" id="FNAnker_386_386"></a><a href="#Fussnote_386_386" class="fnanchor">[386]</a> So wurde, -nachdem der Kampf bereits drei Wochen gedauert hatte, ein allgemeiner -Angriff befohlen und zwar von Süden und Westen her. Beim Vorrücken -war der Hauptmann Alderete zu eilig gewesen und drang, ohne eine -Dammlücke gehörig ausfüllen zu lassen, unvorsichtig bis auf den großen -Marktplatz vor. Von dort wurde er durch die Azteken zurückgetrieben -und mit seiner Schar ins Wasser gedrängt. Cortes wollte ihnen mit -einer Handvoll Soldaten zu Hilfe kommen, wurde im Gewühl am Bein -verwundet und niedergeworfen. Schon legten mehrere Mexikaner Hand an -ihn und hätten ihn unfehlbar gefangen genommen, wenn ihm Antonio de -Quiñones nicht beigesprungen und ein anderer junger Spanier sich für -ihn geopfert hätte. Trotzdem wollte Cortes noch nicht zurückweichen und -mußte von mehreren Officieren mit Gewalt aus dem Getümmel fortgetragen -werden. In diesem unglücklichen Gefechte kamen gegen 40 Spanier um und -62 wurden nebst vielen Verbündeten lebendig fortgeschleppt, um den -Göttern geopfert zu werden. Am Abend hörte man die große Trommel in -dem Tempel des Kriegsgottes, und ein langer Zug von Kriegern bewegte -sich die hohe Treppenflucht hinauf zum Tempel. Da die Entfernung nicht -sehr groß war und man die Plattform des Tempels ganz deutlich sehen -konnte, so mußten die Spanier mit Entsetzen gewahren, wie die Mexikaner -ihren unglücklichen Kameraden die Köpfe mit Federn schmückten und sie -zwangen, vor dem Götzenbilde zu tanzen, und wie sie dieselben dann -auf dem Opfersteine niederstreckten, ihnen mit Feuersteinmessern die -Brust aufschlitzten, die zuckenden Herzen herausrissen und sie ihren -Götzen darbrachten. Cortes spricht mit Entsetzen von dem Anblick dieser -Gräuel, der das Herz seiner Soldaten erstarren machte.</p> - -<p>Nach einer Ruhe von 8 Tagen wurde der Angriff erneuert und wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_386" id="Seite_386">[S. 386]</a></span> -beschlossen, weil kein anderes Mittel von Erfolg war, die Stadt, -so weit man sie besetzt hatte, Haus für Haus niederzureißen; denn -jedes diente den Vertheidigern als Festung. So dauerte nun Kampf und -Zerstörung tagelang fort, auch Guatemotzins Palast ging in Flammen -auf, die Hungersnoth wuchs, die Einwohner verzehrten Wurzeln, Kraut -und selbst Holz; aber an Unterwerfung dachten die Azteken nicht. Sie -wollten unter den Trümmern ihrer Hauptstadt begraben sein und den Fall -des Reiches nicht überleben.</p> - -<p>Die Belagerung währte vom 30. Mai bis zum 13. August, 75 Tage lang, -und erreichte erst ihr Ende, als Guatemotzin bei seinem Versuch, in -einem Boote über den See zu flüchten, von den Brigantinen eingeholt und -gefangen genommen wurde. Die auswärtigen Krieger ließ Cortes auf Bitten -des gefangenen Königs aus der Stadt abziehen. Drei Tage und Nächte -waren die Dammstraßen mit großen Zügen von Männern, Weibern und Kindern -bedeckt, die sich vor Entkräftung nur noch mühsam fortschleppten. Der -Zustand der Stadt, welche nun allen Widerstand aufgab, war entsetzlich. -Alle Häuser in dem Stadttheile, den Guatemotzin bis zuletzt behauptet -hatte, waren mit Todten angefüllt, und was noch am Leben war, hatte -kaum noch Kraft sich zu erheben. Der Verlust an Menschenleben wird -auf 120,000 bis 240,000 angegeben. Dem Fall Mexiko’s folgte rasch die -Unterwerfung aller Nachbarstaaten. Die Menge des erbeuteten Goldes -belief sich auf 130,000 Goldcastellanos. Die goldenen Schilde und -die kostbaren Federschmuckarbeiten als einzig in ihrer Art wurden -mit allgemeiner Zustimmung an den König nach Spanien gesendet. Dann -schritt Cortes zum Wiederaufbau der Stadt und zeigte darin sein -organisatorisches Geschick. Viele Gräben wurden zugeschüttet, die -Straßen breiter angelegt, aber die Hauptstraße der alten Stadt in -ihrer Anlage erhalten. An Stelle des Tempels des Kriegsgottes erhob -sich eine Kirche des heiligen Franciscus, welche seit 1573 durch eine -prachtvolle Kirche, die Kathedrale der heiligen Maria de la Asuncion, -ersetzt wurde. Eine starke Festung auf dem heutigen Matadoroplatze -hatte auch den Zweck, die Brigantinen zu decken, welche im Falle eines -Aufstandes wichtig waren für die Beherrschung des Sees. In wenigen -Jahren waren bereits 2000 spanische Familien ansässig, denn der Zuzug -von den Antillen und vom Mutterlande her wurde nach der Eroberung von -Mexiko immer lebhafter. Im Jahre 1524 konnte Cortes die Größe der -Einwohnerschaft schon zu 30,000 Seelen angeben. Die Zerstörung der -alten Kultur, mit welcher zugleich das Gewerbe der Eingebornen zu -Grunde ging, ist zwar zu beklagen, da mit dem Fall des Adels und der -Priesterschaft alle höheren Bildungselemente verloren gingen; allein -die Beseitigung der gräßlichen Menschenopfer und des Canibalismus ist -höher anzuschlagen. Leider riß mit der Vernichtung der bisherigen -staatlichen und socialen Ordnung eine beklagenswerthe Demoralisation -des Volkes ein. Land und Leute wurden den Conquistadoren zugetheilt -und die Eingeborenen geriethen<span class="pagenum"><a name="Seite_387" id="Seite_387">[S. 387]</a></span> in drückende Knechtschaft.<a name="FNAnker_387_387" id="FNAnker_387_387"></a><a href="#Fussnote_387_387" class="fnanchor">[387]</a> Doch -nahm sich die spanische Geistlichkeit ihrer nach Kräften an und daher -schlossen sich die Indianer leicht an die Priester an und ließen sich -taufen.</p> - -<h4 id="Cortes_als_Statthalter">23. Cortes als Statthalter von Neuspanien.</h4> - -<p>Unter den einheimischen Fürsten, welche sich dem siegreichen Spanier -unterwarfen, befand sich auch der Beherrscher von Michoacan. Durch -seine Abgesandten erhielt man zuerst zuverlässige Nachrichten über die -Nähe der Südsee. Cortes sandte vier Spanier dahin, mit der bestimmten -Weisung, nicht eher zurückzukehren, als bis sie für den König von -Spanien von diesem Meere Besitz genommen. Zwei der Abgesandten -führten den Befehl vollständig aus. Sandoval und Alvarado drangen mit -Heeresabtheilungen in die südlichen Länder, namentlich nach dem reichen -Thal von Oaxaca, welches später zur Hälfte dem Eroberer Mexiko’s als -Privateigenthum zufiel und wovon er den Titel Marques de Valle erhielt. -Dann wurden die Landschaften Colima im Westen und Tabasco im Südosten -dem spanischen Gebiet einverleibt, selbst der Fürst von Guatemala -zeigte seine Unterwerfung an. Cortes bezwang nach hartnäckigem -Widerstand das Gebiet von Panuco und erweiterte damit den Küstenbesitz -am Golf von Mexiko. Das westliche Weltmeer aber hatte für ihn eine -besondere Anziehung, weil er hier, der Anschauung der Zeit huldigend, -mit Gold und Spezereien gesegnete Inseln zu finden hoffte. Sowie die -Landschaft Michoacan ihn als Oberherrn anerkannt hatte, befahl er -in dem Hafen von Zacatula vier Schiffe zu bauen, um die Südsee zu -erforschen. Leider brach noch während des Baues auf der Werfte Feuer -aus und zerstörte die Fahrzeuge, sodaß der Plan einer Entdeckungsreise -noch verschoben werden mußte.</p> - -<p>Noch hatte Cortes von der spanischen Regierung kein Schreiben, keine -Anerkennung seiner Verdienste erhalten. Fonseca war vielmehr immer -noch der Ansicht, man müsse den Usurpator und Empörer absetzen. Ja, -er unterzeichnete sogar am 11. April 1521 einen Verhaftsbefehl gegen -Cortes und übertrug die Ausführung desselben dem Cristoval de Tapia. -Als dieser in Vera Cruz ans Land stieg, ließ man nicht zu, daß er ins -Innere zur Hauptstadt reise; er verstand sich dann auch dazu, seine -Ausrüstung und Waffen gegen Bezahlung zurückzulassen und ging nach Cuba.</p> - -<p>Erst im Jahre 1522, als Karl V. nach Spanien kam, und die Abgesandten -des Cortes nebst den ausführlichen Berichten des glücklichen Eroberers -auch die Kostbarkeiten und kunstreichen mexikanischen Arbeiten ihrem -Könige vorlegen konnten, übertrug derselbe die Entscheidung der -wichtigen Streitfrage einem besonderem Rathe, und dieser erklärte sich -für Cortes. So wurde derselbe durch königliches Dekret vom 15. October -1522 als Statthalter und Oberbefehlshaber von Neuspanien bestätigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_388" id="Seite_388">[S. 388]</a></span></p> - -<p>Von dem Augenblicke an fühlte sich Cortes erst sicher in dem -errungenen Besitz und entwarf weitschauenden Blickes eine Reihe kühner -Pläne zur festen Begründung der spanischen Macht in Mexiko und den -Nachbargebieten und zur Erweiterung der Kenntniß von unbekannten -Regionen, mit denen und durch welche eine Verbindung und ein Verkehr -ihm für die Erweiterung seiner politischen Machtstellung in Neuspanien -von großer Bedeutung schien. Aus den kleineren Streifzügen wurden -unter diesen Gesichtspunkten bedeutende Entdeckungsfahrten und kühne -Eroberungszüge, theils um die Ausdehnung der Südsee kennen zu lernen, -theils um eine Verbindung des östlichen und westlichen Oceans, also -eine <em class="gesperrt">mittelamerikanische Meerenge</em> ausfindig zu machen, theils um -die Grenzen seiner Herrschaft nach Südosten bis zur Statthalterschaft -des Pedrarias auszudehnen.</p> - -<p>Die Idee einer Meerenge hat Cortes beschäftigt, seitdem ihm -Montezuma eine Küstenkarte seines Reiches übergab. Alle Land- und -Wasserexpeditionen, welche er in den ersten Jahren nach Bezwingung der -Hauptstadt aussandte, hatten den Auftrag danach zu forschen. Von beiden -Oceanen, von den gegenüberliegenden Küsten wurde zu gleicher Zeit nach -dieser Meerenge gesucht.<a name="FNAnker_388_388" id="FNAnker_388_388"></a><a href="#Fussnote_388_388" class="fnanchor">[388]</a> Anfänglich glaubte er, sie in der Nähe -des Goatzacoalcoflusses zu treffen, weil auf der mexikanischen Karte -in dieser Gegend eine große Hafenbucht zwischen Gebirgen angegeben -war. Der genannte Fluß ist an der Mündung ein Kilometer breit, weitet -sich oft seenartig aus und hat selbst noch oberhalb der neuen Stadt -Amatitlan einen Durchmesser, wie der Rhein bei Cöln.<a name="FNAnker_389_389" id="FNAnker_389_389"></a><a href="#Fussnote_389_389" class="fnanchor">[389]</a></p> - -<p>Als sich hier am Isthmus von Tehuantepec die gewünschte Durchfahrt -nicht fand, richtete er seinen Blick auf die zweite Verengung des -centroamerikanischen Landes, auf den Golf von Honduras, und sandte -<em class="gesperrt">Cristoval d’Olid</em> (Dolid) dahin, um das Gebiet zu besetzen, -weil, wie er an den König von Spanien schrieb, nach der Ansicht -vieler Piloten dort eine Wasserstraße zum andern Meere führe, und es -sein sehnlichster Wunsch sei, dieselbe zu entdecken, da eine solche -Wasserverbindung für die Entwicklung der spanischen Macht von großer -Bedeutung sei.<a name="FNAnker_390_390" id="FNAnker_390_390"></a><a href="#Fussnote_390_390" class="fnanchor">[390]</a> Mit der Expedition d’Olid’s sandte er zugleich -seinen Vetter Hurtado de Mendoza mit drei kleinen Schiffen aus, welche, -während Olid am Golf von Honduras eine Colonie gründete, die Küsten -des caribischen Meeres bis nach Darien hin auf das Vorhandensein eines -natürlichen Canals untersuchen sollten.</p> - -<p>Später suchte Cortes die Straße weiter nordwärts. Nachdem Magalhães -durch das Südmeer den Weg bis zu den Molukken gebahnt hatte, wuchs -die Bedeutung einer solchen Straße in hohem Maße. Wie leicht konnte, -wenn eine solche Meerenge in Mittelamerika vorhanden war, der<span class="pagenum"><a name="Seite_389" id="Seite_389">[S. 389]</a></span> Weg von -Spanien nach den Gewürzinseln zurückgelegt werden. Es war nicht mehr -ein auf haltlose Hypothesen gebautes nautisches Problem, wie zur Zeit -des Columbus, welches den Eroberer Mexiko’s zu diesen Unternehmungen -trieb, sondern ein weiter, staatsmännischer Blick; denn wenn sein -neuspanisches Reich an die Hauptfahrbahn des Weltmeers gerückt wurde, -mußte seinem Pflanzlande an einer solchen Weltstraße zwischen Europa -und dem gewürzreichen Indien eine glänzende Entwicklung zu theil werden.</p> - -<p>All sein Sinnen und Trachten ging nur darauf aus, diese höchstwichtige -Straße zu finden.<a name="FNAnker_391_391" id="FNAnker_391_391"></a><a href="#Fussnote_391_391" class="fnanchor">[391]</a> Er suchte sie entweder zwischen Mexiko und -Florida, oder zwischen Florida und Neufundland. Die Fahrt durch diese -Straße würde den Weg zu den Gewürzländern bedeutend abkürzen und ganz -sicher sein, weil er stets durch spanisches Gebiet führe.</p> - -<p>An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten -Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524 -von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage -fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite -bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst -sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von -Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den -beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen -Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt, -und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen -Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die -Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre -später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite -Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung -der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen -geregelt sein.</p> - -<p>Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen, -engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte, -Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der -Landbau wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_390" id="Seite_390">[S. 390]</a></span> durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven, -Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die -Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer -Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst -kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in -reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche -Pulver fabricirt.</p> - -<p>Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten -ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der -Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in -das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter <em class="gesperrt">Olid</em> nahm den -Weg zur See nach Honduras.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alvarado</em> brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem -Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen -sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn -von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen -auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von -Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet. -Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner -hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden -die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt -entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur -noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung -bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung -der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem -Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte -sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch -Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich -den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser -altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten, -Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene -Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst -wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.<a name="FNAnker_392_392" id="FNAnker_392_392"></a><a href="#Fussnote_392_392" class="fnanchor">[392]</a> Ihre Waffen -bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil -vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die -Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse -Cultus war ähnlich, wie in Mexiko.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p391" name="textkarte_p391"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p391.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach - Guatemala und des Cortes nach Honduras.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p391_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="textkarte_p391_i" name="textkarte_p391_i"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p391_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="textkarte_p391_ii" name="textkarte_p391_ii"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p391_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und -300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um -sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her, -von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg -er durch<span class="pagenum"><a name="Seite_391" id="Seite_391">[S. 391]</a></span> die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein -Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in -mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger -von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt -Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal -(Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein -schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde -der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an, -brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines -Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in -der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt -als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der -neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier -zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde -ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen -der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen -konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft. -Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere -Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den -Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken -abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des -Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die -Unterkunft der Pferde<span class="pagenum"><a name="Seite_392" id="Seite_392">[S. 392]</a></span> Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der -König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde -er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung -auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne -dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig -verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe -er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.<a name="FNAnker_393_393" id="FNAnker_393_393"></a><a href="#Fussnote_393_393" class="fnanchor">[393]</a> Die Burg der Quiché -wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado -weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der -alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und -ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs -und der Verwüstung.</p> - -<p>Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die -Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die -Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen. -Die Hauptburg des Landes lag im See von <em class="gesperrt">Atitlan</em>, einem gegen -1000 Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft -von drei Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken -unterbrochener Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen -Kampfe am Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den -flüchtigen Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit -ihrem Fall war der Widerstand des Volkes gebrochen.</p> - -<p>Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla -(Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei -Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten. -Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das -Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado -das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit -die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von -Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador. -Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung -ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe -aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten -die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren -Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado, -der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert -war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde -abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S. -Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala. -Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der -Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit -die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche -Besitzergreifung des Landes und<span class="pagenum"><a name="Seite_393" id="Seite_393">[S. 393]</a></span> Vertheilung der Bewohner an die -Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier -1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538 -die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem -Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und -decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus -welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft, -nicht hat erheben können.</p> - -<p>Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch -<em class="gesperrt">Cristoval d’Olid</em>, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf -Cortes’ Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er -sollte jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine -Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen -Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und -einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba -anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam -(wie bereits oben <a href="#Seite_388">S. 388 </a> erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado -de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu -forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung, -welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich -seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher, -Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der -Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch -Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien -unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte, -schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach -Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien -dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage -kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten -haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man -damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.<a name="FNAnker_394_394" id="FNAnker_394_394"></a><a href="#Fussnote_394_394" class="fnanchor">[394]</a> Vierzehn -Meilen östlich vom Hafen Caballos<a name="FNAnker_395_395" id="FNAnker_395_395"></a><a href="#Fussnote_395_395" class="fnanchor">[395]</a> ging er am 3. Mai 1524 ans Land -und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die -Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen -Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer -widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne -Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.<a name="FNAnker_396_396" id="FNAnker_396_396"></a><a href="#Fussnote_396_396" class="fnanchor">[396]</a></p> - -<p>Bald aber trat Olid mit seinen Plänen hervor und fand bei den meisten -seiner Leute Zustimmung. Als die erste Kunde davon nach Mexiko -gelangte, und zwar über Cuba, entsandte Cortes seinen Schwager -<em class="gesperrt">Francisco de las Casas</em> mit vier Schiffen und 150 Mann nach -Honduras,<a name="FNAnker_397_397" id="FNAnker_397_397"></a><a href="#Fussnote_397_397" class="fnanchor">[397]</a> wo Olid<span class="pagenum"><a name="Seite_394" id="Seite_394">[S. 394]</a></span> ihm die Landung verwehren wollte. Casas nahm -die beiden Schiffe Olid’s mit Gewalt, während die Mannschaft ans Ufer -entfloh. Unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur Uebergabe der -Colonie zu treffen, bat Olid um Waffenstillstand, benutzte aber die -Zeit, um seinen im Innern befindlichen Hauptmann Pedro de Briones mit -seiner Schar herbeizurufen. Dieser erhielt aber zu gleicher Zeit eine -Warnung durch Las Casas und zog es vor, dem Befehl seines Vorgesetzten -nicht zu folgen und ihn im Stich zu lassen. So zog sich eine Kette -des Verraths von S. Domingo, der Hauptstadt Indiens, über Mexiko -bis zu den Wildnissen Centroamerika’s: Velasquez empört sich gegen -Diego Colon, Cortes gegen Velasquez, Olid gegen Cortes, Briones gegen -Olid.<a name="FNAnker_398_398" id="FNAnker_398_398"></a><a href="#Fussnote_398_398" class="fnanchor">[398]</a> In der nächsten Nacht warf ein Sturm die ganze Flotille -des Las Casas an den Strand, 40 Mann ertranken dabei und der Capitän -selbst gerieth in Olid’s Gefangenschaft. Dann nahm dieser auch den von -Süden hergekommenen Gil Gonzalez, der mit seiner zusammengeschmolzenen -Mannschaft ziellos umherschweifte, gefangen, behandelte aber beide -Gegner mit äußerster Milde, zog sie ins Haus und an seinen Tisch, -als ob er sie dadurch gewinnen wollte, gab ihnen aber dadurch die -bequemste Gelegenheit, sich zu verständigen, wie man sich am sichersten -des Usurpators entledigen könne. Sie fielen eines Mittags über Olid -her, welcher, da er unbewaffnet war und sich nicht vertheidigen -konnte, flüchten mußte, um das Leben zu retten, und sich im nahen -Walde verbarg. Sein Versteck wurde durch einen Geistlichen verrathen. -Seine Leute hatten ebenso leicht seine Partei verlassen, wie früher -ergriffen; den Verschworenen der königlichen Partei wurde es dadurch -leicht gemacht, sich seiner Person zu bemächtigen und ihm den Proceß zu -machen. Er büßte seinen Verrath mit dem Leben. Dann gründete Las Casas -die Stadt Trujillo<a name="FNAnker_399_399" id="FNAnker_399_399"></a><a href="#Fussnote_399_399" class="fnanchor">[399]</a> und entließ sämmtliche Spanier, welche sich der -neuen Niederlassung nicht anschließen wollten, nach Mexiko oder Spanien.</p> - -<h4 id="Cortes_Feldzug_nach_Honduras">24. Cortes’ Feldzug nach Honduras.</h4> - -<p>Dem Statthalter von Neuspanien lag seine Colonie in Honduras sehr am -Herzen; mit großer Sorge hatte er die Nachricht von dem Verrathe seines -Waffengefährten Olid erhalten, mit Spannung erwartete er günstigere -Kunde über den Verlauf der Sendung seines Schwagers. Da aber jede -Botschaft ausblieb, weil derselbe seine Schiffe verloren und selbst -in Gefangenschaft gerathen war, so fürchtete er schon, sein Rivale -Velasquez möchte in Gemeinschaft mit Olid in Honduras festen Fuß -gefaßt haben und könnte ihn von dieser Seite her bedrohen oder seinem -Pflanzlande Schwierigkeiten bereiten. Ehe er also von dem für ihn -glücklichen Ausgang der Sendung des<span class="pagenum"><a name="Seite_395" id="Seite_395">[S. 395]</a></span> Las Casas vernommen, beschloß -er selbst zu Lande nach Honduras zu ziehen und seinen ungehorsamen -Vasallen zu bändigen.</p> - -<p>Nachdem er den Schatzmeister Alonso de Estrada zu seinem Stellvertreter -in der Statthalterei ernannt hatte, verließ er mit seinen Truppen im -October 1524 die Hauptstadt Mexiko. Um etwaigen Aufständen und Unruhen -während seiner Abwesenheit vorzubeugen, veranlaßte er den letzten -aztekischen Kaiser Guatemotzin und andere mexikanische Fürsten, ihn -zu begleiten. Als Dolmetscherin folgte ihm wieder die bewährte Donna -Marina. Wenn er den schwierigsten Weg zu Lande wählte, so wurde er -dazu zum Theil durch den Besitz einer aztekischen Karte veranlaßt, -welche ihm in der ersten Hälfte seines Marsches durch Angabe der -hauptsächlichsten Oertlichkeiten wesentliche Dienste leistete; dann -trieb ihn aber auch der Drang zu neuen Entdeckungen. Sollte zwischen -Mexiko und Honduras eine Meerenge existiren, so mußte sie auf diese -Weise sicher gefunden werden. Cortes sagt selbst, er sei mehrere Jahre -bereits unthätig gewesen; der Abfall Olid’s bot ihm also die beste -Gelegenheit, nicht nur diesen wieder zu unterwerfen, sondern auch sich -zu neuen Thaten auszumachen und neue Länder zu entdecken. Niemand -hat diesen Feuergeist treffender gezeichnet als sein Waffengefährte -Bernal Diaz, wenn er schreibt: „Wie denn Cortes’ Gedanken immer sehr -hoch gingen, so gedachte er in allen Dingen den König Alexander von -Macedonien nachzuahmen.“<a name="FNAnker_400_400" id="FNAnker_400_400"></a><a href="#Fussnote_400_400" class="fnanchor">[400]</a></p> - -<p>Seine Schar bestand aus 140 Arkebusieren und Armbrustschützen und aus -93 Reitern, dazu kamen noch 3000 Mann indianischer Hilfstruppen. So -lang der Weg von dem Plateau von Anahuac nach der Landschaft Tabasco -führte, fand er gebahnte Straßen und konnte sich auf der mitgenommenen -Karte orientiren. Vom Isthmus von Tehuantepec bis an die Wurzel -der Halbinsel Yukatan ist aber das Küstenland von einem Gewirre -wasserreicher Flußadern durchzogen. Die Kulturen der Indianer bilden -nur Oasen in dem Waldlande und zwischen den ausgedehnten Sümpfen. Der -Verkehr der Eingeborenen ist fast ganz auf die zahlreichen Wasserwege -angewiesen, und ein Marsch mit Truppen und Heerestroß wird ebenso -häufig durch die von Wald umschlossenen Wasserläufe, welche meist -erst überbrückt werden mußten, aufgehalten, als die Verpflegung einer -größeren Menschenmenge in den Urwaldwildnissen immer mehr erschwert -wird.</p> - -<p>In Tabasco versanken die Pferde zwischen Chilapan und Tepetitan -fast im Sumpfe<a name="FNAnker_401_401" id="FNAnker_401_401"></a><a href="#Fussnote_401_401" class="fnanchor">[401]</a>. Die indianischen Ortschaften waren beinahe -alle niedergebrannt und verlassen, man fand nur noch wenig Getreide -vor und mußte sich mit unreifen, von den Feldern gepflückten -Maiskolben behelfen. Ehe man das ganze Heer der Gefahr aussetzte, -in den Wüsteneien zu verhungern, mußte man einige Abtheilungen auf -Kundschaft voraussenden. „In Tepetitan,“ berichtet Cortes, „fanden -wir <em class="gesperrt">einen</em> Indianer. Der Mann kannte den Weg<span class="pagenum"><a name="Seite_396" id="Seite_396">[S. 396]</a></span> nach Iztapan, dem -nächsten Ort auf meiner Karte, nicht. Es gäbe dahin keinen Landweg, -doch unternahm er uns zu führen. Mit diesem Indianer sandte ich 30 -Reiter und 30 Mann zu Fuß voraus mit dem Befehl Iztapan aufzusuchen -und mir dann eine genaue Beschreibung ihres Weges zu machen, der ich -folgen könnte. Ich beschloß so lange Rast zu machen, bis ich von ihnen -eine Nachricht bekäme. Nach zwei Tagen, als weder ein Brief noch eine -Meldung eintraf, beschloß ich, da die Truppen bereits Mangel litten, -ihnen zu folgen, ohne Führer, ohne andere Anzeichen als die Spuren -der Vorausgesandten in den Schlammsümpfen, welche das ganze Land -bedeckten, und ich kann Ew. Majestät versichern, daß selbst auf den -höheren Stellen unsere Pferde, die wir am Zügel führten, bis an den -Gurt in den Morast sanken. So marschirten wir zwei Tage ohne irgend -eine Nachricht zu erhalten, so daß ich fast rathlos wurde. Ich konnte -nicht zurück, und vorwärts zu gehen ohne Gewißheit von der Richtung des -einzuschlagenden Weges, war eben so gefährlich. In dieser Noth, als wir -erschöpft und niedergeschlagen schon fürchteten verhungern zu müssen, -kamen zwei Indianer mit Briefen von der vorausgeschickten Schar.“ -Dieselbe hatte Iztapan erreicht. Der Ort lag, von Sümpfen umgeben, -an einem großen Flusse und war voll Indianer, welche sich durch die -Natur der Oertlichkeit sicher glaubten. Als sie aber sahen, daß die -spanischen Reiter durch den Fluß schwammen, wollten sie das Dorf in -Brand stecken. Hieran wurden sie zwar durch die Spanier gehindert; -doch begann eine allgemeine Flucht auf Böten, oder schwimmend, wobei -viele ertranken. In Iztapan fand man ausreichende Lebensmittel, und -die Truppen konnten sich erholen, auch gelang es ihnen die Einwohner -zu beruhigen und zur Rückkehr ins Dorf zu bewegen. Der Beschreibung -nach lag dasselbe am Usumaçinta, dem größten Flusse Mittelamerika’s, -dessen Gebiet den ganzen Norden der gegenwärtigen Republik Guatemala -umfaßt, und der sich nach einem Lauf von über 100 Meilen in die Laguna -de Terminos ergießt.</p> - -<p>Beim Weitermarsch gegen Südosten gerieth das Heer in den dichtesten -Urwald, wo die indianischen Führer den Weg verloren. Der Wald war -undurchdringlich und hemmte jeden weitern Blick, selbst von dem Gipfel -der mächtigen Bäume, zu welchen die Späher hinaufkletterten, konnte -man höchstens einen Steinwurf weit sehen. Man mußte umkehren, um -den Pferden, die seit 18 Stunden nichts zu fressen bekommen hatten, -Futter zu verschaffen. Die Menschen waren vor Erschöpfung und Hunger -halb todt. Da ließ sich Cortes seinen Schiffscompaß bringen, welcher -ihm schon oft große Dienste geleistet hatte, aber nie mehr als in -dieser gefährlichen Lage,<a name="FNAnker_402_402" id="FNAnker_402_402"></a><a href="#Fussnote_402_402" class="fnanchor">[402]</a> er erkundigte sich bei den begleitenden -Eingebornen nach der Lage des Dorfes, wohin sie sie<span class="pagenum"><a name="Seite_397" id="Seite_397">[S. 397]</a></span> hatten führen -wollen, und schloß daraus, daß ein Marsch in nordöstlicher Richtung sie -dahin bringen werde. Der Weg wurde nach der angegebenen Himmelsgegend -gebahnt und das Dorf glücklich gefunden. Die freudige Aufregung über -die Entdeckung des Ortes war so groß, daß die meisten Leute, ohne auf -die weiten Sümpfe vor ihnen zu achten, gerade auf die in der Ferne -sichtbare Ansiedlung zueilten, wobei manche Pferde so tief in den -Morast einsanken, daß man sie erst am nächsten Tage herausbringen -konnte, denn in ihrem Hunger hatten die Reiter sie im Stich gelassen. -Glücklicherweise ging kein Thier dabei verloren. Auch dieser, am -Usumaçinta gelegene Ort war niedergebrannt und verlassen, bot aber für -alle Mannschaften genug Vorräthe, so daß man sich eine Rast von acht -Tagen gönnte. Der directe Weg nach Honduras hatte sich als unmöglich -erwiesen, Cortes mußte in einem nördlichen Bogen ausweichend, durch -Yukatan sein Ziel zu erreichen suchen. Er setzte über den Fluß und zog -nach der Landschaft Acalan, welche an die Laguna de Terminos stößt. -Nach einem dreitägigen Marsch durch die Bergwälder wurde der Zug durch -einen weiten Sumpfsee aufgehalten. Die Führer meinten, man brauche 20 -Tage, um ihn zu umgehen. Mittelst eines kleinen Kahns, den man fand, -wurde das Wasser untersucht, es war vier Klafter tief und an den -zusammengebundenen Speeren, die man hinabsenkte, zeigte es sich, daß -eine zwei Klafter dicke Schlammschicht den Boden bedeckte. Der Sumpf -war nicht zu durchwaten und wegen der vielen Bäume und verschlungenen -Wurzeln in demselben konnten auch die Pferde nicht hindurchschwimmen. -Da die Lagune nur etwa 500 Schritt breit schien, entschloß sich Cortes, -eine Brücke zu bauen. Man fertigte mehrere Flöße an und trieb von -ihnen aus eine Reihe von 9 bis 10 Klafter langen Pfosten senkrecht -in den Boden. Die schwere Arbeit erschöpfte die Kräfte der Spanier, -die zu ihrer Nahrung nur wildwachsende Kräuter und Wurzeln hatten, -derart, daß sie sich weigerten, sie weiter zu führen. Da erklärte -Cortes, dann werde er mit seinen Indianern, denen er bei seiner -Rückkehr nach Mexiko reichliche Belohnung versprach, den Bau allein -vollenden. Jenseit des Sumpfes läge das fruchtbare Acalan; man müsse -über das Wasser, oder davor verhungern, denn hinter ihnen seien durch -die vom Regen angeschwellten Bäche alle ihre Brücken weggerissen. -Diese Erwägungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Spanier legten -mit Hand an und in vier Tagen wurde die Brücke fertig, zu der man -gegen 1000 Stämme gefällt und eingerammt hatte. Aber nachdem der -See glücklich überwunden war, gerieth man wieder in Sümpfe, wo die -Pferde tief einsanken; man mußte ihnen, da sie, unruhig geworden, -immer tiefer zu versinken drohten, Reißigbündel und Buschwerk unter -den Bauch schieben, um sie zu erhalten. Glücklicherweise kamen einige -vorausgesandte Spanier mit 80 Indianern zurück, welche von Acalan -Lebensmittel brachten. Die Hauptstadt Çancanar (Izancanas) lag am Ufer -einer Seebucht, die sich bis zur Laguna de Terminos erstreckte. Der -Fürst von Acalan unterstützte die Spanier nach Kräften und zeigte ihrem -Heerführer<span class="pagenum"><a name="Seite_398" id="Seite_398">[S. 398]</a></span> auf einer Karte, welchen Weg er einzuschlagen habe.<a name="FNAnker_403_403" id="FNAnker_403_403"></a><a href="#Fussnote_403_403" class="fnanchor">[403]</a> -Acalan ist fast ganz von Seen und Sümpfen umgeben, die mit der Bai -von Terminos in Verbindung stehen, und da das Land gut bevölkert und -reich an Produkten war, so trieben die Bewohner einen lebhaften Handel -nach Tabasco. Ob, wie man damals im Lande behauptete, das nordöstlich -gelegene Yukatan eine Insel sei, wollte Cortes auf seinem weiteren Zuge -zunächst ermitteln. Am ersten Sonntag in den Fasten des Jahres 1525 -zog er mit indianischen Führern weiter. Während dieses Marsches durch -Acalan erfolgte die <em class="gesperrt">Hinrichtung Guatemotzins</em> und des Fürsten -von Tacuba, weil sie die Absicht gehabt haben sollten, alle Spanier -sammt Cortes niederzumachen, Mexiko zur Befreiung aufzurufen und das -Joch der Fremden abzuschütteln. Ob eine solche Verschwörung wirklich -stattgefunden, ist nicht erwiesen. Befremdlich bleibt die Eile, mit -welcher Cortes, sobald ihm von dem Plan der aztekischen Fürsten eine -Mittheilung geworden, Verhör, Verurtheilung und Vollstreckung des -Urtheils aufeinander folgen ließ. Aber die rasche Entscheidung war -wohl durch die schwierige Lage geboten, in welcher sich die ganze -Unternehmung befand. Da Cortes niemals leichtfertige und unnütze -Bluturtheile gefällt hat, so müssen auch bei dieser wichtigen -Entscheidung die Verdachtsgründe schwerwiegend gewesen sein. „Als -ich mich überzeugt hatte,“ schreibt er an Karl V., „daß diese beiden -(Guatemotzin und Tacuba) die Hauptschuldigen seien, gab ich Befehl, sie -zu hängen, und so wurden sie gehängt.“<a name="FNAnker_404_404" id="FNAnker_404_404"></a><a href="#Fussnote_404_404" class="fnanchor">[404]</a> Sich rasch zu entschließen -und ungesäumt zu handeln, lag in seiner Art; aber in diesem Falle kam -selbst den begleitenden Spaniern der Verlauf des Processes binnen 24 -Stunden so unerwartet und plötzlich, daß sie an der Rechtmäßigkeit -des Spruches zweifelten. Bernal Diaz erklärt unumwunden, daß der Tod -der aztekischen Fürsten ihn aufs tiefste geschmerzt und daß derselbe -in den Augen aller, die den Zug mitmachten, eine Ungerechtigkeit -gewesen sei.<a name="FNAnker_405_405" id="FNAnker_405_405"></a><a href="#Fussnote_405_405" class="fnanchor">[405]</a> Jedenfalls verfehlte das summarische Verfahren auf -die übrigen Mitwisser des Planes seine Wirkung nicht; sie schrieben -dem spanischen Heerführer Zauberkräfte zu und meinten, er bringe alle -Geheimnisse durch seine Seekarte und seinen Compaß (<span class="antiqua">carte de marear -y un ahuja</span>) heraus. Cortes ließ sie bei dem Wahn, welcher ihn -seinen Gegnern so furchtbar machte.</p> - -<p>Von Acalan zog er gegen Südosten zum Peténsee in der Landschaft Taiza, -welcher auf allen Seiten von 60 bis 150 Meter hohen, waldbedeckten -Kalksteinketten umgeben ist und keinen oberirdischen Abfluß hat. Die -Halbinsel, welche von Osten her in den See hineinragt und denselben in -ein nördliches und südliches Becken theilt, ist noch mit künstlichen -Hügeln bedeckt, auf denen die Spuren alter Gebäude zu sehen sind.<a name="FNAnker_406_406" id="FNAnker_406_406"></a><a href="#Fussnote_406_406" class="fnanchor">[406]</a> -Zu Cortes’ Zeit lag<span class="pagenum"><a name="Seite_399" id="Seite_399">[S. 399]</a></span> die Hauptstadt des Gebiets auf einer Insel am Ende -dieser Landzunge und umfaßte eine Menge Tempel und Steinbilder. Von -menschenleeren Wildnissen umgeben, behauptete sich hier ein kleiner -selbstständiger Staat, welcher erst 1697 von den Spaniern zertrümmert -wurde.<a name="FNAnker_407_407" id="FNAnker_407_407"></a><a href="#Fussnote_407_407" class="fnanchor">[407]</a> Denn wenn sich auch bei Cortes’ Ankunft der Fürst des -Landes der spanischen Oberhoheit unterwarf und Geschenke brachte, so -hatte doch diese Herrschaft nur bis zum Abzuge der Spanier Bestand.</p> - -<p>Weiter ging der Zug zuerst über ebenes, nur hier und da waldiges Land; -dann gelangte man aber an mehrere Reihen niedriger, sehr steiler -Bergzüge, welche dem Vorrücken die größten Schwierigkeiten bereiteten. -Ueber die erste Kette konnte man die Pferde am Zügel noch sicher -hinüberführen, auf der zweiten verloren die Reitthiere fast alle -die Hufeisen, so daß man einen Rasttag machen mußte, um dieselben -wieder zu beschlagen. Dann folgte aber der beschwerlichste von allen -Paßübergängen. Das Gebirge war von unbeschreiblicher Wildheit<a name="FNAnker_408_408" id="FNAnker_408_408"></a><a href="#Fussnote_408_408" class="fnanchor">[408]</a>. -Man brauchte 12 Tage zu einem Wege von 8 Meilen und verlor eine Anzahl -von Rossen durch Sturz von jähen Felsen, oder durch Erschöpfung. Alle -Thiere waren beschädigt und blieben drei Monate zum Reiten untauglich. -Dabei regnete es Tag und Nacht unaufhörlich und trotzdem litten Roß -und Mann Durst, weil zwischen den schneidigen Felskämmen sich nirgend -Wasser ansammelte und das, was man in Gefäßen zur Nachtzeit auffing, -für das Heer nur auf kurze Zeit ausreichte. Ein Neffe des Cortes erlitt -durch den Sturz seines Pferdes mehrfachen Beinbruch in schwerer Rüstung -und konnte nur mit Mühe fortgebracht werden. Am Fuß dieses Gebirges, -dem die Spanier den Namen Feuersteingebirge beilegten, mußten wieder -gegen 20 Bergschluchten, in denen das Regenwasser über Klippen brauste, -überbrückt werden. Erst am 15. April, am Tage vor Ostern, waren die -bedeutendsten Schwierigkeiten überwunden und erfuhr Cortes hoch -erfreut, daß er nur noch einige Tagereisen von der durch Gil Gonzalez -in Nito gegründeten Niederlassung entfernt sei. Man war also endlich -bis in die Nähe des Golfs von Honduras vorgedrungen und hatte den -Polochic erreicht, der sich in den Golfo dulce ergießt und aus diesem, -nach einer zweiten seenartigen Erweiterung als Rio dulce in die Bucht -von Amatique, den innern Theil des Golfes von Honduras, fällt. Die -spanische Colonie konnte allerdings den heranziehenden Truppen keine -Unterstützung gewähren, denn fast alle Ansiedler lagen fieberkrank -darnieder und litten Mangel, so daß ohne Cortes’ Dazwischenkunft ihr -Schicksal besiegelt schien. Statt also mit<span class="pagenum"><a name="Seite_400" id="Seite_400">[S. 400]</a></span> dem Reste seiner noch -kriegstüchtigen Mannschaft sofort weiter auf Olid’s Niederlassung -marschiren zu können, mußten zunächst für die Truppen und Colonisten -neue Vorräthe vom Golfo dulce herbeigeschafft werden. Uebrigens hoffte -Cortes bei dieser Gelegenheit mancherlei nützliche Entdeckungen im -Binnenlande machen zu können. Er unternahm diese Fahrt mit einer -Brigantine, zwei Böten und vier Canoes. In dem tiefen Fahrwasser des -Rio dulce, der zwischen 100 Meter hohen malerischen Felswänden in den -See mündet, gelangte die kleine Flotille, gegen den Strom rudernd, -in einer anstrengenden Fahrt von zwei Nächten und einem Tage zu der -ersten nur zwei Leguas vom Meere entfernten Flußerweiterung, einem -von sumpfigen Ufern umgebenen Flußsee, und von hier nach 24 stündiger -Arbeit durch die zweite Flußenge in den Golfo dulce oder den See von -Izabal, wie er nach einem neuerdings an der Südseite angelegten Orte -benannt wird. Dieser See, welcher etwa 30 engl. Meilen lang und 12 -Meilen breit ist, wird von hohen Bergketten umrahmt. Am südlichen Ufer -ging Cortes ans Land, fand aber das erste Dorf verlassen; denn offenbar -hatten die Indianer die Fahrzeuge ankommen sehen und sich geflüchtet. -Nur ein einziger rauher Bergpfad führte südlich vom See an den -Micobergen entlang nach Westen. Unter Führung von zwei eingefangenen -Indianern folgte man dem Pfade, mußte auf dem Steilgehänge theilweise -auf Händen und Füßen weiter klettern, mehrere Bergströme durchwaten -und endlich, von Moskitos gepeinigt, unter Sturm und Regen die Nacht -zubringen. In der Morgendämmerung wurde das nächste Dorf überfallen; -da es aber wenig Lebensmittel bot, erkundigte sich Cortes nach -größeren Ortschaften und gelangte endlich nach Chacujal.<a name="FNAnker_409_409" id="FNAnker_409_409"></a><a href="#Fussnote_409_409" class="fnanchor">[409]</a> Eine -Stadt von dieser Ausdehnung mit Tempeln, Steingebäuden und großem -Platze hatte man seit Acalan nicht mehr angetroffen. Es schien daher -zweifelhaft, ob man mit der geringen Mannschaft den volkreichen Ort -werde bezwingen können. Einige riethen zur Umkehr, aber Cortes hoffte -durch Verwegenheit die Einwohner zu entwaffnen. Er überfiel den Ort -bei Nacht, vertrieb die Bewohner und bemächtigte sich der reichen -Vorräthe an trocknem Mais, Cacao, Bohnen, Pfeffer, Salz, Hühnern und -einer Art Fasanen, die man in Käfigen hielt; außerdem fand man hübsche -Webstoffe und rohe Baumwolle. Hier blieb die kleine Schar 18 Tage, ging -dann nordwärts ins Thal des Polochic hinab und holte, da sich der Fluß -schiffbar erwies, ein Boot und ein Canoe vom Golfo dulce herauf, um bei -dem Transporte von Lebensmitteln Hilfe zu leisten. Cortes ließ dann -vier Flöße bauen, um die Lebensmittel, namentlich Mais, auf dem Fluß -herunter zu schaffen. Da man während der Fahrt auf dem Wasser erwartete -von den Indianern angegriffen zu werden, so wurde die Mannschaft -getheilt und begleitete entweder die Schiffsfracht oder ging zu Lande -an den See (Golfo dulce) hinunter, wo ein Sammelplatz bestimmt<span class="pagenum"><a name="Seite_401" id="Seite_401">[S. 401]</a></span> war. -Cortes selbst überwachte die Beförderung der Vorräthe auf den Flößen. -Das Canoe wurde vorausgesandt, um nach etwaigen Hinterhalten der -Indianer auszuspähen, dann folgten die Flöße und zuletzt das Boot, -in welchem Cortes mit zwei Armbrustschützen sich befand, um, wenn -nöthig, den Flößen beispringen zu können. Die Flußfahrt war gefährlich, -sowohl wegen der bedeutenden Strömung, als auch wegen der Angriffe der -Indianer. Gegen Abend stieß ein Floß so heftig gegen einen im Flußbett -festsitzenden Baumstamm, daß es ganz untertauchte und die Hälfte der -Ladung verlor. Bei einer Wendung des Stroms, wo die Fahrzeuge durch den -Strudel hart an den einen Uferrand getrieben wurden, erwarteten sie -die Indianer und überschütteten sie mit einem Hagel von Geschossen, so -daß fast alle Spanier verwundet wurden. Cortes selbst, der seinen Helm -abgenommen, erhielt einen Steinwurf an den Kopf. Glücklicherweise war -das Wasser an jener Stelle tief, die Ufer hoch, so daß die Fahrzeuge -in wenigen Minuten an dem Hinterhalte vorbeigetrieben wurden. Auch -war die Nacht zu dunkel, um den Angreifern deutliche Zielpunkte -für ihre Geschosse zu zeigen. Am nächsten Tage erreichte man den -Golfo dulce und fand die Brigantine zur Stelle. Die von den Flößen -hinübergeschafften Vorräthe wurden aus den Maisfeldern am See, wo -inzwischen das Getreide zur Reife gelangt war, noch vervollständigt, -und als die von Chacujal zu Lande kommende Schar ebenfalls eingetroffen -war, kehrte die Expedition, nach Verlauf von 25 Tagen, befriedigt zur -Niederlassung an der Bai St. Andres zurück. Der Platz der bisherigen -Ansiedlung wurde wegen seiner ungesunden Lage aufgegeben und weiter -ostwärts eine neue Stadt gegründet, welche den Namen Natividad de -nuestra señora erhielt. Dann erst brach Cortes nach dem letzten Ziel -seines mühevollen Zuges, nach Triumfo de la Cruz, der Niederlassung -Olid’s, auf. Hier erfuhr er den Tod seines ungetreuen Vasallen; das -ganze Unternehmen erwies sich somit eigentlich als unnöthig. Aber -unermüdlich, und trotz aller Strapazen immer noch mit weiter gehenden -Plänen beschäftigt, hoffte er die Küste von Honduras zum Ausgangspunkt -weiterer Eroberungen zu machen. Die Indianer der Umgebung von Trujillo, -dessen Hafen sich besonders günstig erwies, wußte er zu beruhigen, -so daß sie den Platz wieder mit Lebensmitteln versorgten, und befuhr -die weiter nach Osten streichenden Küsten, um auch Nicaragua seinem -Colonialreiche einzuverleiben. Allein diese Unternehmung fand einen -vorzeitigen Abschluß, weil in Mexiko Unruhen ausgebrochen waren, da -sich das Gerücht verbreitet hatte, Cortes sei in den Sümpfen von -Chiapas, südlich von Tabasco, mit seinem ganzen Heere umgekommen. Er -wollte rasch zu Schiffe die Rhede von Vera Cruz zu erreichen suchen, -aber zweimal trieb der Sturm das Fahrzeug mit gebrochenem Maste an die -Küste zurück. Cortes lag am Fieber schwer krank darnieder. Erst am 25. -April 1526 konnte er Honduras verlassen, erreichte Ende Mai Vera Cruz -und hielt im Juni seinen festlichen Einzug in Mexiko.</p> - -<p>Vier Wochen später langte Luis Ponçe de Leon als Bevollmächtigter<span class="pagenum"><a name="Seite_402" id="Seite_402">[S. 402]</a></span> der -spanischen Regierung dort an, um die von den Widersachern des Cortes -vorgebrachten Klagen über Verschwendung der Staatsgelder zu unnützen -Unternehmungen zu untersuchen und die Civilverwaltung von Neuspanien -zu übernehmen. Man hatte in Europa sogar das verleumderische Gerücht -verbreitet, Cortes wolle sich ganz unabhängig machen. Da aber Ponçe de -Leon, dessen trefflicher, unparteiischer Charakter gerühmt wird, leider -bald starb, so folgte ihm zuerst Marcos de Aguilar und nach dessen -Tode der Schatzmeister Estrada, welcher, voll feindlicher Gesinnung, -danach trachtete, den Eroberer von Mexiko zu demüthigen; er verbannte -ihn aus der Hauptstadt, und wenn er auch bald darauf diesen Befehl -zurücknahm und sich mit Cortes zu versöhnen suchte, so vermied dieser -doch absichtlich, die Stadt Mexiko zu betreten.<a name="FNAnker_410_410" id="FNAnker_410_410"></a><a href="#Fussnote_410_410" class="fnanchor">[410]</a></p> - -<h4 id="Cortes_spaetere_Unternehmungen">25. Cortes’ spätere Unternehmungen -und sein Tod.</h4> - -<p>Um den unaufhörlichen Verleumdungen und Beschuldigungen, welche seine -Feinde in Spanien gegen ihn erhoben und welche darin gipfelten, daß -er den Tod der kaiserlichen Statthalter durch Gift veranlaßt habe, -auf das kräftigste entgegentreten zu können, beschloß Cortes, sich -persönlich nach Spanien zu begeben, um mündlich seine Sache zu führen -und sich zu rechtfertigen. In seinem Gefolge befanden sich mehrere -treuergebene Ritter, namentlich Sandoval, sodann die Söhne der Fürsten -von Tlascala, eine Anzahl Gaukler, indianische Tänzer und Zwerge, von -denen einige später dem Papste verehrt wurden, und endlich Proben von -verschiedenen merkwürdigen Landesprodukten, dazu kam noch eine reiche -Sammlung von Edelsteinen, 200,000 <span class="antiqua">pesos d’oro</span> und 1500 Mark -Silber. Die Fahrt ging rasch von statten und in 41 Tagen segelte er, -ohne irgendwo anzuhalten, über den Ocean und landete im December 1527 -bei dem Kloster La Rabida vor Palos. Dort traf er mit Franz Pizarro -zusammen, welcher ebenfalls in die Heimat geeilt war, um für seine -kühnen Eroberungspläne sich die Unterstützung der Regierung zu sichern -und die Geldmittel aufzutreiben. Cortes erlitt kurz nach seiner Landung -einen schmerzlichen Verlust, denn es starb sein treuer Waffenbruder -Gonzalo de Sandoval, welcher bereits krank ans Land gebracht war, -kurze Zeit darauf in Palos, im kräftigsten Mannesalter, erst 31 Jahre -alt. Er war der ausgezeichnetste unter den Gefährten des Cortes; in -seinem 22. Jahre kam er nach Mexiko und erwies sich überaus tapfer -und entschlossen. Sein grades, offnes Wesen, sein schlichtes Aeußere, -seine ritterliche Freigebigkeit bei der Austheilung der Beute, seine -Besonnenheit und Ruhe in der Gefahr, machten ihn zum Liebling aller -Soldaten. Und wenn man auch hie und da seine Art zu sprechen — er -stieß nämlich mit der Zunge an — im Lager nachahmte; seine Befehle -wurden befolgt, sein Vorbild riß die Lässigen mit fort. Cortes verlor -in ihm seine zuverlässigste Stütze.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_403" id="Seite_403">[S. 403]</a></span></p> - -<p>In Toledo empfing ihn Karl V. in glänzender Audienz und ließ ihm auch -die Urkunde<a name="FNAnker_411_411" id="FNAnker_411_411"></a><a href="#Fussnote_411_411" class="fnanchor">[411]</a> über seine bereits 1522 erfolgte Ernennung zum Marques -de Valle (nämlich Oaxaca) aushändigen, wobei ihm in diesem schönsten -Theile Neuspaniens große Ländereien als Eigenthum überwiesen wurden. -Aber die Regierung von Mexiko erhielt er nicht zurück, sondern nur das -Commando über die Militärmacht. Im Frühjahr 1530 kehrte er, vor seinen -Feinden allerdings gerechtfertigt, aber doch unbefriedigt, weil ihm -die Civilverwaltung entzogen war, nach Mexiko zurück und beschäftigte -sich einige Jahre auf seinen Gütern, namentlich in Cuernavaca, südlich -von der Hauptstadt, mit dem Landbau, bis er im Jahre 1532 seine -Entdeckungen in dem westlichen Ocean wieder ausnahm.</p> - -<p>Die erste von ihm ausgerüstete Expedition ging unter seinem Vetter -<em class="gesperrt">Diego Hurtado de Mendoza</em> am 30. Juni 1532 mit zwei Schiffen von -Acapulco aus, ging an der Westküste nach Norden, entdeckte die kleine -Inselgruppe der „drei Marien“ (<span class="antiqua">las tres Marias</span>) zwischen 21 und -22° n. Br., erreichte weiterhin Culiacan in Sonora, welches in späteren -Zeiten der Ausgangspunkt merkwürdiger Entdeckungszüge wurde und segelte -von da nach der Küste der Halbinsel Californien hinüber. Dort brach -unter dem Schiffsvolk eine Meuterei aus, der Capitän Mendoza wurde -erschlagen, die beiden Schiffe trennten sich, das Hauptschiff mit den -Meuterern blieb verschollen, das andere kehrte nach Jalisco zurück.</p> - -<p>Auch die zweite Expedition, welche bereits im October 1533 segelfertig -war, wurde von Misgeschick verfolgt. Die beiden Schiffe, welche am -30. October von St. Jago (19° n. Br.) ausgingen, wurden schon am -nächsten Tage durch Sturm getrennt und vereinigten sich nicht wieder. -Der Capitän des Hauptschiffes, <em class="gesperrt">Diego Bezerra</em>, wurde von seinem -Lotsen Fortun Ximenes im Schlaf überfallen und getödtet. Dann steuerte -dieser nach Californien hinüber, wurde aber bei seiner Landung in -der Bai von Sa. Cruz (jetzt Bahia de la Paz) mit etwa zwanzig seiner -Leute von Indianern erschlagen. Die übrige Mannschaft kehrte darauf -nach dem Hafen von Chamatla, südlich von Mazatlan, zurück. Das andere -Schiff unter Hernando de Grijalva und dem Portugiesen Martin de Acosta -als Pilot suchte zuerst nach dem Sturm das Hauptschiff in südlicher -Richtung, angeblich bis 13½° n. Br.,<a name="FNAnker_412_412" id="FNAnker_412_412"></a><a href="#Fussnote_412_412" class="fnanchor">[412]</a> wandte sich am 9. November -wieder nordwärts, kam aber, von Windstillen aufgehalten, nur langsam -vorwärts, ging am 7. December über den Wendekreis und entdeckte, sich -wiederum nach S.-W. wendend, am 28. December die Revilla-Gigedo-Gruppe, -deren Hauptinsel San Tomas (jetzt Socorro) genannt wurde. Nachdem man -durch Errichtung eines Kreuzes von der Entdeckung Besitz genommen, ging -man an die Küste Neuspaniens zurück und lief im Januar 1534 in den -Hafen von Zacatula (18° n. Br.) ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_404" id="Seite_404">[S. 404]</a></span></p> - -<p>Da die bisherigen Resultate den Erwartungen, welche <em class="gesperrt">Cortes</em> von -diesen Fahrten gehegt hatte, zu wenig entsprachen, so machte er sich -im Jahre 1535 selbst auf mit drei Schiffen, welche er in Tehuantepec -hatte bauen lassen und nach Chamatla (Chiametlan, 23° n. Br.) schickte, -wo er sich an Bord begab und am 15. April 1535 unter Segel ging. Am -3. Mai erreichte er die Friedensbucht an der Halbinsel Californien -und fand dort den Tod des Lotsen Ximenes bestätigt. Seine Versuche, -sich dort festzusetzen, schlugen, bei der Unfruchtbarkeit des Landes, -fehl. Von hier ging er noch 50 Meilen in den Golf von Californien -nordwärts, lief auf der Rückkehr noch einmal in der Friedensbucht an, -verlor aber, da die Lebensmittel ausgingen, viel Mannschaft; denn die -wenigen Eingebornen, welche man antraf, nährten sich kärglich nur vom -Fischfange. Man hatte ihn in Mexiko bereits aufgegeben, als er im -Anfang des Jahres 1537 nach Acapulco zurückkam. Trotz aller Miserfolge -schickte Cortes im nächsten Jahre noch einmal den <em class="gesperrt">Francisco -Ulloa</em> von Acapulco ab. Eins von den drei Schiffen ging kurz nach -der Abfahrt (8. Juli 1538) unter, die beiden andern steuerten nach der -Halbinsel Californien und erreichten an der Westseite die Punta del -Engaño<a name="FNAnker_413_413" id="FNAnker_413_413"></a><a href="#Fussnote_413_413" class="fnanchor">[413]</a> (Cabo bajo), unter 21½° n. B. Da das eine der beiden -Schiffe stark beschädigt war, so ging es nach der Westküste von Mexiko -zurück, wo es glücklich anlangte. Ulloa setzte in der „Trinidad“ allein -seine Entdeckungsfahrt fort und kehrte nicht zurück.</p> - -<p>Cortes blieb trotz aller Unglücksfälle unerschütterlich. Das Glück -versagte ihm beharrlich auf dem Meere die Ruhmestitel, womit es seine -Unternehmungen zu Lande ausgezeichnet hatte. Wenn daher der Vicekönig -von Neuspanien, Mendoza, ihm nicht gestatten wollte, dem westlichen -Ocean weitere Opfer zu bringen, so fühlte sich Cortes dadurch in seinem -eigentlichen Amte als Oberfeldherr und Befehlshaber an der Küste der -Südsee beeinträchtigt. Sein Geist war viel zu lebhaft, um sich in -müßiger Ruhe dem Genusse des Errungenen hinzugeben. Um die Entscheidung -über seine Differenz mit dem Vicekönig dem König vorzulegen, ging er -1540 zum zweitenmale nach Spanien. Aber Karl V. empfing ihn ziemlich -kühl, und so blieb Cortes, nachdem er 1541 an Karls Feldzug gegen -Algier theilgenommen hatte, jahrelang auf günstigen Bescheid hoffend in -Spanien, bis er am 2. December 1547 in Castilleja de la Cuesta, einem -Dorfe bei Sevilla, starb. Er war 63 Jahre alt geworden. Sein Schicksal -erinnert an das des Columbus. In den späteren Jahren war sein Name -schon halb vergessen und durch den Glanz des peruanischen Goldes auch -sein Ruhm verdunkelt. Er starb wie Columbus, in beständiger Erwartung, -wieder in seine Rechte eingesetzt zu werden. Die Sonne, die im Zenith -gestrahlt und am Abend hinter Wolken<span class="pagenum"><a name="Seite_405" id="Seite_405">[S. 405]</a></span> untergeht, ist ein treffendes -Bild, welches auf beide Entdecker paßt. Aber Cortes war ein reicher -Mann geworden, Columbus starb in Dürftigkeit. Seine Gebeine wurden 1562 -nach Neuspanien und zwar nach Tezcuco gebracht, dann 1629 in der Kirche -des heiligen Francisco in Mexiko beigesetzt und 1794 in das von ihm -gegründete Hospital Jesus von Nazareth über<span class="pagenum"><a name="Seite_406" id="Seite_406">[S. 406]</a></span>geführt. Von hier wurden -die irdischen Überreste 1823 während des Aufstandes entfernt, man weiß -nicht, wohin? Seine männlichen Nachkommen starben im vierten Gliede aus.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p405" name="abb_p405"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p405.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Rüstung von Ferdinand Cortes (Madrid, - Waffenmuseum).</p> -</div> - -<p>Cortes war von hoher kräftiger Gestalt, der Ausdruck seines bleichen -Gesichtes war gewöhnlich ernst; er trug einen dünnen, schwarzen Bart, -den er in späteren Jahren, als er ergraute, zu färben liebte. Er -war ein vorzüglicher Reiter und in jeder Kampfesart, zu Fuß oder zu -Roß, sehr gewandt. Als junger Mann soll er auf Hispaniola manchen -Liebeshandel mit Frauen und manchen Degenkampf mit Männern bestanden -haben. Bei einer solchen Gelegenheit war er im Gesicht verwundet und -trug davon am Kinn eine Narbe, welche der Bart nicht ganz verdeckte. -Karten- und Würfelspiel liebte er auch noch im Lager, aber er -blieb dabei stets, auch wenn er verlor, guter Laune. Seine äußere -Erscheinung, seine Haltung, sein Gang, sein Benehmen verriethen den -Mann von hohem Stande. Er kleidete sich einfach und trug als einzigen -Schmuck immer dieselbe zierliche Goldkette mit dem Bilde der Mutter -Gottes. Auf der Universität hatte er sich den Grad eines Baccalaureus -der Rechte erworben, und durch diese seine wissenschaftliche Bildung -überragte er alle seine Kriegsgenossen und sämmtliche Conquistadoren, -welche sich in der neuen Welt als Heerführer einen Namen erwarben. Mit -gelehrten Leuten verstand er Lateinisch zu reden. Er schrieb fließend -und gewandt und pflegte seine Briefe mit lateinischen Citaten zu -schmücken. Seine ausführlichen Berichte an den König Karl, in denen -er eine klare Darstellung seiner Kriegsthaten gegeben, gehören zu den -werthvollsten Urkunden der Geschichte der spanischen Eroberungen, sie -fesseln durch die Schlichtheit und Natürlichkeit, welche den Stempel -der Wahrheit an sich trägt. Sie zeigen uns den ganzen Mann, klar und -entschieden in seinem Wollen, umsichtig in seinen Plänen, rastlos -thätig, immer bemüht zu schaffen, zu ordnen. Denn er war Feldherr und -Staatsmann zugleich und besaß einen weiten politischen Blick.</p> - -<p>Als Heerführer im Kampfe war er kühn, fast tollkühn. In der Schlacht -zeigte er sich stets allen voran und gerieth dabei mehrfach in -höchste Lebensgefahr. Bei seinen kriegerischen Unternehmungen war er -unbeugsam, es mochte kosten was es wollte, und er ließ trotz aller -gutgemeinten, aber ängstlichen Rathschläge nicht ab, bis er sein Ziel -erreicht. Manches Beispiel seiner treffenden Reden, mit denen er in -gefährlicher Lage sein Kriegsvolk zu ermuntern pflegte, hat uns Bernal -Diaz aufbewahrt. Wenn seine Soldaten unruhig und mismuthig wurden und -ihn durch ihre Reden in Zorn brachten, dann schwoll ihm eine Ader am -Hals und an der Stirn, er warf wohl auch in der Aufregung den Mantel -von sich, aber nie ließ er ein Schimpfwort hören. Redete ihn jemand -ungebührlich an, so rief er, ohne heftig zu werden. „Schweigt!“ oder -„Geht in Gottes Namen und besinnt Euch eines Besseren, daß Eure Rede -Euch nicht bösen Lohn bringt.“ Sein gewöhnlicher Schwur war: „Auf -mein Gewissen!“ Schlagfertig in seinen<span class="pagenum"><a name="Seite_407" id="Seite_407">[S. 407]</a></span> Antworten, setzte er unter -die Spottverse, welche man nach der Eroberung Mexiko’s, enttäuscht -über die geringe Beute an Gold, in der Nähe von Cortes’ Wohnung an die -Wand geschrieben hatte, sofort seine Erwiderung in Versen und brachte -dadurch die Murrenden zum Schweigen. Im Dienste war er sehr pünktlich -und inspicirte die Wachen selbst bei Nacht persönlich. Wo er Unordnung -fand, nannte er die Leute räudige Schafe, denen die eigne Wolle zur -Last sei.</p> - -<p>Im Beginn seines Feldzuges gegen Mexiko war es ein staatskluger -Schritt von der höchsten Wichtigkeit, daß er nach mehreren Siegen das -tapfere Volk der Tlascalaner für seine Partei zu gewinnen wußte. Aber -der romantische Zug, welcher der ganzen spanische Ritterschaft jener -Zeit im hohen Grade eigen war, ließ ihn auch nach der Eroberung des -aztekischen Reiches noch nicht zur Ruhe kommen. Der Gedanke einer -mittelamerikanischen Meerenge, welche sein Neuspanien unmittelbar an -die Hauptstraße des beginnenden Weltverkehrs verlegen sollte, trieb -ihn nach Honduras und Californien. Und erst als ihm die Weiterführung -dieser, wie wir jetzt erkennen, fruchtlosen Unternehmungen versagt -wurde, zog er sich von dem Schauplatze seiner Thätigkeit zurück. -Die Anerkennung aber seiner Verdienste um die spanische Krone -findet ihren charakteristischen Ausdruck in dem Wappen, welches ihm -Kaiser Karl am 7. März 1525 verlieh. Das Wappenschild (<span class="antiqua">escudo de -armas</span>) des Marques de Valle umfaßt vier Mittelfelder, rechts oben -den kaiserlichen, doppelköpfigen schwarzen Adler, darunter rechts -unten einen goldenen Löwen in rothem Felde, um den Löwenmuth des -Cortes anzudeuten. Links oben zeigten sich drei goldene Kronen auf -schwarzem Grunde, sie stellten die drei mexikanischen Könige vor. Im -letzten Felde, links unten, erschien die Stadt Mexiko. Rings um den -vierfeldigen Mittelschild standen die Köpfe der sieben bezwungenen -Fürsten im goldenen Felde, durch eine goldene Fessel an einander -gekettet. So waren seine Thaten auf dem Wappenschild verherrlicht. Wenn -ihm in späteren Jahren die Verwaltung von Neuspanien entzogen wurde und -nur das Heer untergeben blieb, so liegt die Ursache dieser für Cortes -demüthigenden Maßregel der Regierung wohl weniger in dem Einfluß der -Verleumdungen und Intriguen seiner Feinde, als in der Erwägung, daß -Cortes sich durch einen ungesetzmäßigen Schritt von dem Statthalter -von Cuba losgerissen hatte, und daß man für die Folgezeit den Act der -Felonie nicht sanctioniren wollte. Dessen ungeachtet bleibt Cortes -eine der anziehendsten Gestalten in der Geschichte der spanischen -Eroberungen.</p> - -<h4 id="Die_Unternehmungen_gegen_Florida">26. Die Unternehmungen gegen -Florida und die Küsten von Nordamerika.</h4> - -<p>Im weiten Umkreise des mexikanischen Golfes hatten die nördlichen -Gestade längere Zeit weniger Beachtung gefunden und die Eroberungslust -der Spanier nicht gereizt. Nach dem ersten Versuche Juan Ponçe’s -(s. <a href="#Seite_355">S. 355</a>) im Jahre<span class="pagenum"><a name="Seite_408" id="Seite_408">[S. 408]</a></span> 1513 war die Aufmerksamkeit der Eroberer mehr -nach den im Südwesten der Antillen gelegenen Regionen gerichtet, als -nach Nordosten und Norden, bis in den Jahren 1519 und 1520 kurz nach -einander mehrere Expeditionen ausliefen, um in jenen Gebieten festen -Fuß zu fassen oder Menschenjagden anzustellen. <em class="gesperrt">Juan Ponçe</em> -versuchte 1520 noch einmal mit 200 Mann sich auf Florida festzusetzen, -wurde aber von den kriegerischen Einwohnern, welche ausgezeichnete -Bogenschützen waren, so energisch abgewiesen, daß er, selbst schwer -verwundet, seinen Plan aufgeben und nach Cuba zurückweichen mußte, wo -er seinen Wunden erlag.</p> - -<p>Fast um dieselbe Zeit schickte der Licentiat <em class="gesperrt">Lucas Vasquez -Ayllon</em> von Haiti aus zwei Schiffe an die Ostküste von Florida, um -Indianer einzufangen, welche auf den Antillen als Arbeiter verwendet -werden sollten. Der Küstenstrich am atlantischen Ocean etwa zwischen -32 und 34° n. Br. hieß bei den Eingebornen Chicora und Gualdape. Man -benannte dort die S. Helenabai<a name="FNAnker_414_414" id="FNAnker_414_414"></a><a href="#Fussnote_414_414" class="fnanchor">[414]</a> und den Jordanfluß, welcher, -nach Vergleich der älteren Seekarten, mit dem Flusse von Charleston -identisch zu sein scheint. Das Land machte einen so günstigen Eindruck, -daß Ayllon, dem Bericht seines ausgesandten Piloten trauend, sich in -dem Land festzusetzen beschloß und sich mit dem indischen Amte in -Spanien in Verbindung setzte, worauf er von diesem unter dem Titel -eines Adelantado die Ermächtigung erhielt, jene Länder zu erobern. Er -verpflichtete sich zu gleicher Zeit, die Küsten weiterhin zu erforschen -und namentlich nach einer Meeresstraße auszuspähen, welche den -östlichen und westlichen Ocean verbinden sollte.</p> - -<p>Im Jahre 1526 segelte er mit sechs Schiffen und 500 Mann nach dem -Jordanflusse; bei der Einfahrt in denselben ging sein Hauptschiff sammt -allen Vorräthen unter. Die indianischen Dolmetscher, welche man zur -Verständigung mit den Eingeborenen mitgebracht hatte, entflohen und -ließen die Spanier rathlos am Strande, dessen niedriger, unfruchtbarer -Boden ihren Erwartungen keineswegs entsprach. Man versuchte etwa 40 -Meilen weiter nordwärts bessere, günstigere Verhältnisse zu finden, -ging dahin unter Segel und lief in einen seichten Fluß ein, dessen -Barre nur mittelst der Flut zu passiren war. Das Land war fruchtbarer, -aber auch ungesund. Viele der neuen Ankömmlinge starben noch in -demselben Sommer; im Herbst (18. October) 1526 erlag auch Ayllon, und -nun hielt sich die auf 150 Mann zusammengeschmolzene Schar nicht weiter -verpflichtet, sondern verließ den ungastlichen Strand und kehrte nach -Westindien zurück. Lange Zeit noch heißt diese Gegend auf den Karten -Ayllon’s Land, aber weitere Colonisationsversuche wurden nicht gemacht.</p> - -<p>Die Nordküste des mexikanischen Golfes enthüllt zu haben, ist das -Verdienst des Statthalters von Jamaica, <em class="gesperrt">Francisco de Garay</em>, -welcher bereits<span class="pagenum"><a name="Seite_409" id="Seite_409">[S. 409]</a></span> die zweite Fahrt des Columbus mitgemacht hatte und -nun von dessen Sohne mit der Verwaltung von Jamaica betraut war. Garay -entsandte den tüchtigen Capitän <em class="gesperrt">Alonso Alvarez de Pineda</em> mit -vier Schiffen, um einen größeren Golf oder eine Meeresstraße in dem -Festlande zu entdecken.<a name="FNAnker_415_415" id="FNAnker_415_415"></a><a href="#Fussnote_415_415" class="fnanchor">[415]</a> Pineda begann seine Küstenaufnahme am -Nordende der Halbinsel Florida bei der Apallacheebucht und verwendete, -alle Krümmen der Küste genau vermessend, 8 bis 9 Monate darauf, ehe er -an die Grenzdistrikte von Mexiko gelangte. Das Land war anmuthig, die -Indianer, welche mit den Seefahrern friedlich verkehrten, nannten es -Amichel. Man berührte eine größere Anzahl indianischer Ortschaften, -glaubte auch in den Flüssen Spuren von Gold zu entdecken, war entzückt, -dieses Metall bei den Eingeborenen vielfach als Schmuck verwendet zu -finden und lief auch mehrere Meilen weit in einen mächtigen Strom -hinein, dem der Name Rio del Espiritu santo ertheilt wurde. Ohne -Zweifel haben wir in diesem „Heiligengeist-Flusse“ den Mississippi vor -uns. Dort blieb die Flotille 40 Tage. Daß die Entdecker in der Freude -über ihren Fund die Natur des Landes zu günstig beurtheilten, oder in -Bezug auf das Vorkommen von Gold sich angenehmen Selbsttäuschungen -hingaben, hat sich zu oft wiederholt, um besonders aufzufallen; allein -wenn sogar auch die einheimischen Menschenstämme in Giganten und Zwerge -zerfallen sollten, so wären solche Berichte wohl geeignet gewesen, -besonneneres Urtheil und ruhige Erwägung zu veranlassen, sofern es sich -um weitere Ausdehnung der Eroberungspläne handelte; allein grade das -Wunderbare in diesen Berichten lockte an und reizte die Habgier der -Spanier.</p> - -<p>Pineda fuhr vom Mississippi bis in die Gegend von Vera Cruz, wo bei -einer Landung ein Theil seiner Leute dem Cortes in die Hände fiel. -Hier mußte bald eine bestimmte Grenze zwischen dem Garay-Lande und -Cortes-Lande (Mexiko) gezogen werden. Die Krone Spaniens entschied, -daß der Rio Panuco (Tampico) die Gebiete der beiden Eroberer scheiden -solle. Im Jahre 1523 ging nun Garay selbst mit elf Schiffen und -bedeutender Mannschaft nach dem Palmenflusse, nördlich von Panuco, um -dort eine Niederlassung in der Nähe von Mexiko zu gründen. Aber kaum -waren die Truppen gelandet, so lief bereits ein Theil zu Cortes über, -unter dessen Fahnen mehr Beute in Aussicht stand. Garay selbst mußte -sich seinem glücklichen Rivalen ebenfalls ergeben, blieb im Lande und -starb in Mexiko. Nach seinem Tode verlieh der König von Spanien die -nördliche Golfküste an Narvaez.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pamfilo de Narvaez</em> faßte 1528 die Eroberung dieses Gebietes -von neuem ins Auge. Cortes gegenüber hatte er zwar eine empfindliche -Schlappe erlitten und in dem nächtlichen Kampf ein Auge verloren; -allein sein Unternehmungsgeist erwachte wieder. Sein Name hatte immer -noch Klang genug, um Mannschaften, welche das Abenteurerleben nach -der neuen<span class="pagenum"><a name="Seite_410" id="Seite_410">[S. 410]</a></span> Welt hinübergeführt hatte, unter seiner Fahne zu sammeln. -Er ging mit 400 Mann und 80 Pferden in vier Schiffen nach dem Hafen -Sa. Cruz in Florida, wahrscheinlich an der Tampa-Bai, 28° n. Br., -hinüber, landete mit 300 Mann und zog, während die Schiffe an der -Küste folgen sollten, parallel dem Meeresstrande nordwärts und ins -Innere. Am 26. Juni erreichte er die Indianerstadt Apalachee (der Name -haftet vielleicht noch an der Apalacheebai im Norden von Florida), -rastete dort fast vier Wochen und zog von da weiter nach <em class="gesperrt">Aute</em>. -Nachdem sie von hier aus mehrere Tagereisen weite Streifzüge nach -Westen unternommen hatten, ohne dabei Gold oder Anzeichen dieses -begierig gesuchten Metalles entdeckt zu haben, wandten sie sich der -See zu, in der Hoffnung, ihre Schiffe zu finden; aber diese hatten -fast ein ganzes Jahr lang an der Küste weiter westlich nach dem ins -Binnenland eingedrungenen Heere gesucht und waren dann unverrichteter -Sache zum Theil nach Cuba zurückgekehrt. Einige Schiffe gingen unter. -Nach langem, vergeblichem Harren, von Krankheiten und Noth bedrängt, -mußte man sich entschließen, fünf Böte zu bauen, auf denen man, gegen -Westen am Land hinschiffend, endlich zu spanischen Niederlassungen zu -kommen hoffte. Die Schar war bereits auf 250 Mann zusammengeschmolzen. -Sieben Tage ging die Fahrt am Gestade hin, man kam an der Mündung -eines bedeutenden Flusses vorbei. Dann wurden vier Böte bei heftig -bewegter See ans Land geworfen, während das fünfte, in dem sich der -Capitän Narvaez befand, aufs Meer hinausgetrieben wurde und dort für -immer verschwand. Nur ein Theil der Gestrandeten entrann dem Tode im -Meer, rettete zwar augenblicklich das Leben, gerieth aber, von einander -getrennt und den feindlichen Indianern gegenüber hilflos geworden, in -Gefangenschaft, aus welcher nach jahrelanger Drangsal nur vereinzelte -befreit wurden. Das merkwürdigste Schicksal hatte Alvar Nuñez Cabeça -de Vaca, dessen Boot zunächst an eine flache Küsteninsel trieb, welche -den Namen Malhado (Unglücksinsel) erhielt. Von hier rettete er sich -aufs Festland, verlor noch mehrere von seinen Begleitern, bis ihm nur -noch drei Genossen: Andres Dorantes, Alonso del Castillo Maldonado -und ein Mohr, Namens Estebanico erhalten blieben. Es gelang ihnen -durch einige glückliche Krankenheilungen das Vertrauen der Indianer zu -gewinnen, so daß sie von der Küste sich ins Binnenland retten konnten, -wahrscheinlich nach dem Norden Alabama’s. Von da zogen sie gegen -Westen, setzten über einen großen Fluß,<a name="FNAnker_416_416" id="FNAnker_416_416"></a><a href="#Fussnote_416_416" class="fnanchor">[416]</a> den Mississippi, gingen -über den Arkansas, überschritten den Canadian oberhalb des großen Cañon -(vielleicht in derselben Gegend, wo später die Expedition Coronado’s -auf dem Marsche nach Quivira ihn berührte) und kam endlich nach langem -Umherirren durch das heutige Neumexiko und Arizona nach Culiacan, -in der Nähe des californischen Golfes, wo sie endlich im Jahre 1536 -anlangten, von Melchior Diaz, welcher in dem seit 1532 von den Spaniern -besetzten<span class="pagenum"><a name="Seite_411" id="Seite_411">[S. 411]</a></span> Gebiete als Befehlshaber stand, aufgenommen wurden und sich -unter dem Schutz und der Pflege ihrer Landsleute von ihrer mühseligen -Wanderung erholen konnten.</p> - -<p>So unglücklich auch der ganze Zug des Narvaez verlaufen war, so fand -er doch wenige Jahre, nachdem die geringen Trümmer seiner Schar den -Boden Neuspaniens erreicht hatten, einen Nachfolger, der seinen Plan -wieder aufnahm, und zwar in <em class="gesperrt">Hernando de Soto</em> aus Barcarroto -in Estremadura, südlich von Badajoz. Dieser ausgezeichnete Ritter -hatte sich in Goldcastilien und Nicaragua hervorgethan, war dann mit -Pizarro (s. unten, Cap. 29) nach Peru gezogen, war von diesem zum -Generallieutenant (<span class="antiqua">Teniente de Capitan general</span>) erhoben, hatte -dann aber, in folge des unerquicklichen Streits zwischen Pizarro und -Almagro, das südamerikanische Goldland verlassen und war nach Spanien -zurückgekehrt.</p> - -<p>Sobald er dort mit dem Plane hervortrat, eine Expedition nach Florida -zu unternehmen, lockte der glänzende Ruf seines ritterlichen Charakters -so viele tüchtige Kräfte, selbst zahlreiche Hijosdalgo und Priester -herbei, daß er sich bald an der Spitze eines Heeres von tausend Mann -sah. Mit ihnen ging er am 6. April 1538 auf zehn Schiffen von San -Lucar nach Cuba ab, vervollständigte in Habana seine Ausrüstung und -landete am 31. Mai 1539 mit 900 Soldaten und 350 Pferden in der Bai -von Espiritu santo auf Florida. Zufällig trafen seine Begleiter einen -Landsmann, Juan Ortiz, welcher, durch die Frau des Caziken gerettet, -allein von dem Heere des Narvaez noch am Leben war. Aber über das Land -vermochte er nur wenig Auskunft zu geben, er hatte nur gehört, daß das -Binnenland wegen seiner Fruchtbarkeit sehr gerühmt werde. Indes konnte -Ortiz doch als Dolmetscher sehr nützlich werden.</p> - -<p>Nachdem Soto zur Bewachung der Schiffe 40 Mann zu Pferde und 80 -Mann zu Fuß zurückgelassen hatte, zog er mit seinen Truppen gegen -Nordnordwesten ins Innere des Landes. Man stieß auf Ortschaften mit -mehr als 600 Hütten, mußte auf rasch geschlagenen Brücken sich den -Weg über Flüsse und Sümpfe bahnen und hatte mehrfach feindselige -Begegnungen mit den Indianern, welche verpallisadirte Hügel besetzt -hielten. An die Flotte ging der Befehl zurück, zunächst nach Apalachee -zu segeln und von da aus 100 Meilen gegen Westen alle Buchten und -Häfen sorgfältig aufzunehmen. Soto bezog seine Winterquartiere in der -Landschaft Apalachee, wo man Lebensmittel genug fand. Im Frühjahr 1540 -rückte er gegen Norden; seinen Truppen schickte er stets gewandte -Botschafter voraus, welche von den Eingebornen nur friedlichen Durchzug -zu fordern hatten. Einer der Häuptlinge, durch dessen Gebiet man zog, -der Cazike von Cofachi (Cofaqui), führte als Waffe ein mächtiges, -zweihändiges Holzschwert. Wiederum ging es über große und kleine -Flüsse nordwärts und nordostwärts. Als man an den Xuala gelangte, -hielten die Seeleute, welche an dem Zuge theilnahmen, denselben für -den nämlichen, dessen Mündung an der Ostküste Ayllon mit dem<span class="pagenum"><a name="Seite_412" id="Seite_412">[S. 412]</a></span> Namen -Santa Elena belegt hatte,<a name="FNAnker_417_417" id="FNAnker_417_417"></a><a href="#Fussnote_417_417" class="fnanchor">[417]</a> weiter nordwärts kam man in die Nähe von -Kupferminen.<a name="FNAnker_418_418" id="FNAnker_418_418"></a><a href="#Fussnote_418_418" class="fnanchor">[418]</a> Dann scheint der Marsch mitten durch Alabama nach -Westen gegangen zu sein. In der dichtbewohnten, fruchtbaren Landschaft -Coça (Cossa) machten sie eine zwölftägige Rast und rückten weiter nach -dem befestigten Talisse im Gebiete des Tascaluço. Dieser Häuptling war -ein Riese von Gestalt. Er erbot sich, das spanische Heer eine Zeitlang -zu begleiten, und bat deshalb um ein Pferd. Soto gab ihm eines von -seinen Lastpferden. Als er darauf saß, reichten seine Füße fast bis -auf die Erde.<a name="FNAnker_419_419" id="FNAnker_419_419"></a><a href="#Fussnote_419_419" class="fnanchor">[419]</a> Tascaluço führte seine Gäste verrätherischer Weise -zu einer starken indianischen Festung, Mavila (Mobile), um sie dort zu -überfallen. In den 80 casernenartig großen Häusern der Festung sollen -sich je 1000 Krieger befunden haben. Die Spanier waren arglos in den -Ort eingerückt, zogen sich aber, als sie die drohende Gefahr bemerkten, -zurück und griffen von außen die Pallisadenverschanzung an, schlugen -die Holzpforten mit Beilen ein und legten Feuer an die Häuser. Soto -wurde im Kampfe verwundet, blieb aber im Gefecht, um seine Leute nicht -zu entmuthigen. Selbst die indianischen Weiber nahmen am Kampfe theil; -als aber das Feuer mehr um sich griff, sprangen die Vertheidiger von -den Wällen herab und suchten sich durch die Flucht zu retten. Der Kampf -dauerte neun Stunden. Die Spanier verloren 83 Mann, theils im Gefecht, -theils an den Wunden, da es an jeglicher Pflege fehlte. Dazu büßte -man 45 Pferde ein. Der Verlust, den die Indianer erlitten, wird auf -11,000 Mann angegeben. Mehr als 3000 Todte zählte man in den Straßen -der Festung, über 4000 sollen im Feuer umgekommen sein. Den Körper des -Verräthers Tascaluço fand man nicht, man nahm für gewiß an, daß er den -verdienten Tod in den Flammen gefunden habe und mit verbrannt sei.</p> - -<p>Der bedeutende Verlust, den die Spanier erlitten hatten, machte sie -muthlos. Da man kein Gold fand und überall von einer feindseligen -Bevölkerung bedroht war, wollte man lieber heimkehren. Soto aber wollte -seinen Feldzugsplan noch nicht aufgeben, er gönnte seinen Truppen -eine vierzehntägige Rast und zog dann weiter ins Land der Chikasa. Am -Grenzflusse wehrten ihm die Indianer den Uebergang, aber Soto ließ -zwei große Böte bauen, bemannte sie mit je 40 Schützen und 10 Reitern, -ging in der Morgendämmerung über das Wasser und vertrieb die Gegner, -so daß der Haupttheil seines Heeres unbelästigt folgen konnte. In dem -Hauptorte der Landschaft, welchen man in vier Tagen erreichte und -welcher in günstiger Lage, reichlich mit Vorräthen versehen, sich für -einen längern Aufenthalt eignete, schlugen die Spanier wieder ihre -Winterquartiere auf; aber allzu sorglos hatten sie versäumt, Wachen -auszustellen. So wurden sie im Spätherbste von den Indianern bei -Nacht überrumpelt, welche ihnen die Strohdächer der Hütten über dem -Kopfe<span class="pagenum"><a name="Seite_413" id="Seite_413">[S. 413]</a></span> anzündeten. Soto, welcher stets in Waffen schlief, war zuerst -auf dem Platze; aber er verlor in dem nächtlichen Kampfe wiederum -40 Soldaten und büßte 50 Pferde ein, von denen 20 verbrannten. Man -mußte die Quartiere eine Meile weiter nach dem auch für die Pferde -sichereren Orte Chicacolla verlegen. Wenn auch hier unablässig von -den Eingebornen beunruhigt, behauptete sich Soto doch bis Ende März. -Unter steten Kämpfen zog er weiter, bald nach Südwesten, bald nach -Westen. Sein Marsch ging, wie es scheint, über den oberen Alabama und -am mittleren Tennessee hinab, welcher an Größe dem Guadalquibir bei -Sevilla glich, und führte ihn endlich an den Mississippi. In Verbindung -mit einem Caziken machte das Heer, welches bereits auf die Hälfte -zusammengeschmolzen war, einen Kriegszug auf 80 Canoes den Strom -hinab gegen einen feindlichen Nachbarn, dessen Hauptstadt erobert und -vernichtet wurde. In diesen Kämpfen wird auch zuerst der blutigen Sitte -der Indianer, Skalpe zu erbeuten, Erwähnung gethan. Dann ging Soto über -den Strom, fand auch jenseits noch fruchtbares Land und zahlreiche -Ortschaften. Aber in der Landschaft Quigualtangui wurde der Feldherr, -welcher bisher unermüdlich ausgeharrt hatte, vom Fieber ergriffen und -starb am 21. Mai 1541 in seinem 42. Jahre. Auf seinem Sterbelager -hatte er in Gegenwart sämmtlicher Hauptleute den <em class="gesperrt">Luis de Moscoso de -Alvarado</em> zu seinem Nachfolger ernannt.</p> - -<p>Soto war sehr beliebt gewesen bei seinen Soldaten, mit denen er alle -Mühseligkeiten ertragen hatte. Er wurde bei Nacht bestattet, damit die -Kunde seines Todes sich unter den Indianern nicht verbreite. Der Sarg -wurde in einen 19 Ellen tiefen Seitencanal des Stromes versenkt.</p> - -<p>Am 5. Juli rückten die Truppen in großen Tagemärschen nach Westen, -100 Meilen weit durch unfruchtbares Steppenland, dann durch -Wüsteneien, in denen sich selbst die indianischen Führer verirrten. -Da die Lebensmittel ausgingen und der neue Heerführer die ermatteten -Soldaten nicht der äußersten Gefahr in den menschenleeren Wildnissen -aussetzen wollte, so ordnete er im Angesicht der hohen Gebirge (man -hatte also den östlichen Fuß der Felsengebirge erreicht) den Rückzug -an, um den großen Strom wieder zu erreichen. Viele Soldaten fielen -auf dem Marsche, der Winter kam heran, die Lebensmittel mußten mit -Blut erkämpft werden. In den Niederungen des Mississippi mußten sie -mehreremale, weil sie nachts keine geeigneten Lagerplätze fanden, die -Reiter zu Pferde bleibend, die übrigen Soldaten, bis an die Knie im -Wasser stehend, den Morgen erwarten. Barfuß und in Thierfelle gehüllt, -— denn die europäische Kleidung war zerfetzt und zerfallen, — -erreichten die Trümmer des Heeres im Winter, Ende November, den großen -Strom wieder, etwa 16 Meilen oberhalb der Stelle, wo sie ihn im Sommer -überschritten hatten. Man setzte sich an einem von tiefen Wassergräben -umzogenen Orte mit Gewalt fest und behauptete sich dort für den Winter. -Eine Musterung ergab nur noch 320 Mann Infanterie und 70 Pferde; aber -in folge der entsetzlichen Strapazen starben während des Winters -noch<span class="pagenum"><a name="Seite_414" id="Seite_414">[S. 414]</a></span> manche, unter ihnen auch Juan Ortiz, dem es nicht vergönnt sein -sollte, nachdem er so vielen Gefahren und jahrelangen Mühen entronnen -war, die Heimat wieder zu sehen. Von einem benachbarten Häuptlinge -mit Lebensmitteln und Decken versorgt, brachte man so den letzten -traurigen Winter zu, nur noch belebt durch die Hoffnung, auf dem -Wasserwege ans Meer und wieder zu spanischen Colonien zurückgelangen -zu können. Im März und April bauten sie sieben feste Böte, welche -vorn und hinten gedeckt waren. Aber die gewaltigen Frühjahrsfluten -des Riesenstromes verzögerten noch wochenlang die Abfahrt. Das Wasser -begann am 10. März zu steigen und überschwemmte vom 20. April an das -ganze, weite Flußthal, so daß noch am 20. Mai die Straßen des Ortes -nicht gangbar waren. Erst am Johannistage waren die Böte mit Vorräthen -hinlänglich versorgt, und in den letzten Tagen des Juni konnte man -sich einschiffen. In jedem Boote befanden sich etwa fünfzig Spanier -und vier Indianer (Männer und Weiber), welche freiwillig die Fahrt -mitmachten. Die Vorbereitungen waren den südlichen Anwohnern des -Stromes nicht entgangen, sie beschlossen den Fremden den Durchzug zu -wehren. Mit 1000 Kriegscanoes, darunter manche mit 25 Rudern an jeder -Seite, versperrten sie den Spaniern die Wasserstraße. Die Krieger waren -meist schwarz und blau bemalt, und die Canoes trugen die entsprechende -Farbe. Die spanischen Böte mußten sich mitten durch die übermächtige -feindliche Flotte den Weg bahnen, Verfolgung und Kampf dauerte zehn -Tage lang, wobei mancher Spanier noch das Leben einbüßte. Dann erst -konnten sie ungehemmt weiter segeln. Der Strom wurde so breit, daß man -von der Mitte aus kaum die niedrigen Ufer sehen konnte. Am 19. Tage -der Fahrt erreichten sie das Meer und beschlossen nun, ohne Compaß -und ohne Karten, am Gestade nach Westen steuernd, zu versuchen, ob -sie Neuspanien fänden. Einen Tag lang war das Meer von den Fluten -des Mississippi noch mit süßem Wasser bedeckt. Dreiundfünfzig Tage -segelten sie am Lande hin, ergänzten ihre Vorräthe durch ergiebigen -Fischfang und nahmen von Zeit zu Zeit an der Küste frisches Wasser -ein. Gegen das Ende der im allgemeinen äußerst günstigen Fahrt wurde -die Flottille von Sturm und heftigen Regengüssen überfallen, welche -die Böte zu füllen und zu versenken drohten. Ohne Schlaf und Speise -mußten die Seefahrer 26 Stunden bei ununterbrochner Arbeit ausharren, -ehe es ihnen gelang, einen Landungsplatz zu finden. Da sie hofften, nun -endlich bald in das Gebiet von Neuspanien zu gelangen, so verließen -sie ihre Schiffe und marschirten am Strande gegen Süden. Nach einer -Wanderung von 13 oder 14 Meilen war die ganze Schar von Entbehrungen -und Hunger so erschöpft, daß man sich lagern mußte. Fast am Ziel und -doch, wie es schien, noch dem Untergange geweiht. Da erbot sich Gonzalo -Quadrado Xaramillo mit noch einem Genossen, nur mit Schwert und Schild -bewaffnet, barfuß, nachts die Gegend zu durchstreifen, während die -übrigen sich der Ruhe hingaben. Bald traf er Indianer an, von denen er -erfuhr, daß sie nicht fern von Panuco, also<span class="pagenum"><a name="Seite_415" id="Seite_415">[S. 415]</a></span> bereits auf neuspanischem -Boden sich befänden. Der Gouverneur nahm die halbnackten, in Thierfelle -gekleideten Landsleute, welche mit ihren verwilderten Bärten mehr den -Wilden als civilisirten Menschen glichen, freundlich auf und schickte -eine Botschaft an den Vicekönig Mendoza, welcher sie sofort mit allem -Bedarf an Kleidung, Lebensmitteln und Arznei versehen ließ.</p> - -<p>Manche von den Abenteurern kehrten nach Spanien zurück, für immer von -ihrem Entdeckungsfieber geheilt, andere blieben in Mexiko, wieder -andere ließen sich für Peru anwerben, einzelne traten in einen -geistlichen Orden ein. So lösten sich die Trümmer des stattlichen -Heeres, welches Soto einst hinausgeführt hatte, wieder auf und trugen -durch ihre abschreckenden Berichte dazu bei, daß das Mississippigebiet -nicht wieder zum Ziel spanischer Eroberungsgelüste ausersehen wurde.</p> - -<h4 id="Coronados_Feldzug_nach_Cibola">27. Coronado’s Feldzug nach Cibola -und Quivira.</h4> - -<p>Nach der Eroberung Mexiko’s blieben die Blicke noch jahrzehntelang -auf das unbekannte Gebirgsland im Norden gerichtet. Die Fahrten, -welche im westlichen Meere schon von Cortes selbst angeregt waren, -hatten eine unendlich weite Erstreckung des Festlandes mit bedeutenden -Gebirgszügen im Norden nachgewiesen. Im Binnenlande rückte man in die -öderen Striche des neuspanischen Vicekönigreichs nur langsam nach -Norden vor. Es bedurfte besonderer, lockender Aussichten, um die dort -beginnenden Wüsteneien zu durchbrechen. Der Präsident des königlichen -Gerichtshofes in Mexiko, welcher von 1528–31 die Civilverwaltung des -reichen Pflanzlandes leitete, Nuño de Guzman, hatte schon im Jahre 1530 -von einem Indianer Mittheilungen erhalten über ein im Norden liegendes -Land Tejos (Texas?), wo er sieben Städte wollte besucht haben, jede -so groß wie Mexiko, in denen ganze Straßen mit Juwelierläden besetzt -seien. Der Weg dahin führe 40 Tage durch eine Wüste. Guzman beschloß -mit 400 Spaniern und 2000 Indianern sich dahin einen Weg zu bahnen; -aber er fand, indem er sich vornehmlich an den westlichen Terrassen -des Hochlandes nordwärts bewegte, schon in Culiacan, südlich von 25° -n. Br., so bedeutende Schwierigkeiten, daß er von seiner Unternehmung -abstand und sich dabei begnügte, <em class="gesperrt">Culiacan</em> zu colonisiren. Dieser -Ort bildete in der Folgezeit den Ausgangspunkt mehrerer Expeditionen in -die nördlichen Regionen. Die Fabel von den goldreichen Städten tauchte -1536 von neuem auf, als die letzten Ueberbleibsel der Expedition des -verunglückten Narvaez, Nuñez Cabeça, Dorantes, Maldonado und der Mohr -Estebanico sich nach Neuspanien zurückgefunden hatten. Sie behaupteten, -es gäbe im Norden Städte, deren Häuser sechs bis sieben Stockwerke -hätten, und die Thürgewände seien mit kostbaren Steinen geschmückt.</p> - -<p>Im Auftrage des Vicekönigs Antonio Mendoza (1535–57) schickte Coronado, -welcher damals Commandant in Culiacan war, den Priester <em class="gesperrt">Marcos de -Niza</em> nebst einem Franciskaner Fray Onorato und Estebanico<span class="pagenum"><a name="Seite_416" id="Seite_416">[S. 416]</a></span> im -Frühling 1539 nach Norden.<a name="FNAnker_420_420" id="FNAnker_420_420"></a><a href="#Fussnote_420_420" class="fnanchor">[420]</a> Onorato blieb schon in Sonora wegen -Krankheit zurück. Die andern zogen mit einigen Indianern weiter. Der -Mohr wurde auf Kundschaft vorausgeschickt. Je weiter man nach Norden -durch die sporadischen Ansiedlungen der Indianer vorwärts drang, um so -bestimmter lauteten die Angaben über eine große Stadt Cibola. Bald aber -erhielt Marcos de Niza die Trauerbotschaft, Estebanico sei bei seinem -Eintritt in die Stadt getödtet worden; wie sich später herausstellte, -war er als ein Opfer seiner Lüsternheit und Habgier gefallen. Marcos -konnte seine indianische Begleitung nur durch Geschenke bewegen, ihm so -weit zu folgen, bis er die Wunderstadt mit eignen Augen, wenn auch nur -aus der Ferne, sähe.</p> - -<p>Es gelang ihm in der That, so weit vorzudringen. Er sah die Stadt in -einer Ebene, am Abhange eines runden Hügels. Ob er sich selbst täuschte -oder ob der Eindruck aus der Ferne ein größerer wurde: Marcos hielt -die Stadt für ansehnlicher und größer als Mexiko. Gern hätte er die -Stadt selbst besucht, allein bedenkend, daß, wenn er getödtet werde, -alle Kunde seiner Entdeckung verloren ginge, stand er davon ab. Auf der -Höhe, wo er stand, thürmte er einen Steinhaufen auf, errichtete darüber -ein kleines Kreuz und nahm im Namen des Vicekönigs von dem Lande -Besitz. Dann kehrte er zurück und stattete noch im September desselben -Jahres dem Vicekönig in Mexiko Bericht ab. Coronado, mit welchem Marcos -in Guadalajara zusammengetroffen war, schickte noch im Herbst den -Capitän Melchior Diaz ab, weil ihm die Erzählung des Priesters nicht -hinreichend beglaubigt schien. Aber Diaz konnte wegen der eintretenden -Winterkälte in den wenig bewohnten Regionen nicht ans Ziel gelangen, -sondern mußte sich in seinem Bericht, den er am 20. März 1540 an -Coronado abgehen ließ, auf die unterwegs gemachten Erkundigungen -stützen. Wenn nun auch dadurch die überschwenglichen Schilderungen des -Pater Marcos etwas gedämpft wurden, so mußte er doch die Existenz von -sieben merkwürdigen Städten, deren vornehmste Cibola war, bestätigen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_417" id="Seite_417">[S. 417]</a></span></p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p417" name="textkarte_p417"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p417.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">KARTE<br /> - zu CORONADOS EXPEDITION nach<br /> - CIBOLA und QUIVIRA</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/textkarte_p417_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="textkarte_p417_i" name="textkarte_p417_i"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p417_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="textkarte_p417_ii" name="textkarte_p417_ii"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p417_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Diese Thatsachen bestimmten sodann den Vicekönig, ein ansehnliches -Heer unter <em class="gesperrt">Coronado</em><a name="FNAnker_421_421" id="FNAnker_421_421"></a><a href="#Fussnote_421_421" class="fnanchor">[421]</a> zur Erweiterung seiner Herrschaft nach -Norden zu entsenden. Dieser brach im Frühjahr 1540 mit einem Heere, -welches an Spaniern und Indianern über 1000 Mann zählte, von Mexiko -auf und ging über Compostella nach Culiacan. Da von hier aus der Weg -beschwerlicher wurde, so mußte eine kleine Schar immer vorausgesandt -werden, um die Gegend zu erforschen. Auch begleiteten zwei Schiffe -unter <em class="gesperrt">Pedro de Alarcon</em> die Expedition, indem sie möglichst -nahe sich an der Küste hielten.<span class="pagenum"><a name="Seite_418" id="Seite_418">[S. 418]</a></span> Der Marsch ging von Culiacan im -allgemeinen nach Nordwesten bis etwa zum 30° n. Br. und richtete sich -dann nach Norden und später nach Nordosten. Man durchschnitt das Thal -von Sonora und wandte sich vom Rio de S. Ignacio nordöstlich ins -Gebirge, um den oberen Lauf des Rio Sa. Cruz (Nexpa) zu erreichen, an -dessen Ufer man zwei Tage abwärts und später über die öden Flächen -zum Rio Gila gelangte, welcher, weil man auf Flößen übersetzte, den -Namen Rio de las balsas erhielt. Dem südwestlichen Steilabfall des -Coloradoplateaus ausweichend, führte der Weg in östlicher Richtung -über einen mit Fichten bestandenen Berg. Ueber grasige Ebenen, -Schluchten und ödes Bergland ging es weiter nach Nordosten, bis -man Cibola erreichte. Die Truppen hatten den Weg sämmtlich zu Fuß -gemacht, jeder Mann trug seinen Bedarf an Lebensmitteln selbst, auch -die Pferde waren beladen. Vierzehn Tage nach Ankunft der Vortruppen -langte auch das Hauptcorps an; aber das erreichte Ziel, Cibola, brachte -große Enttäuschungen, man verwünschte die übertriebenen, lockenden -Schilderungen des Marcos de Niza und erklärte spöttisch, manche Farm -in Neuspanien mache einen stattlicheren Eindruck als dieser Ort, der -aus Stein und Lehm auf einen Felsen gebaut, höchstens 200 Krieger -bergen könne. Mit leichter Mühe wurde der Ort gestürmt und die Indianer -verjagt. Das Land war kalt und hoch gelegen, der Boden sandig und nur -spärlich mit Grün bedeckt. Die Indianer waren in baumwollne Tücher oder -in Thierfelle ärmlich gekleidet. Schätze durfte man hier nicht erwarten -und die herrlichen sieben Städte, von denen gefabelt war, bestanden in -kleinen Ortschaften (<span class="antiqua">pueblozuelos</span>), die in einem Umkreise von -etwa sechs Meilen den Hauptplatz umgaben.</p> - -<p>Wo lag Cibola, dessen Namen wir auf modernen Karten vergeblich suchen? -Zahlreiche nordamerikanische Gelehrte und Reisende haben sich mit der -Frage beschäftigt.<a name="FNAnker_422_422" id="FNAnker_422_422"></a><a href="#Fussnote_422_422" class="fnanchor">[422]</a> Cibola ist das heutige Zuñi am Zuñiriver, -welcher sich durch den kleinen Colorado in den Colorado del Occidente -ergießt. Es liegt im Territorium von Neu-Mexiko nahe der Grenze von -Arizona unter 35° n. Br. Nach der Angabe von Simpson (<span class="antiqua">p.</span> 324) -erscheint Zuñi aus einer Entfernung von drei Meilen als ein niedriger -brauner Felsrücken in baumloser Umgebung. Das Flußbette ist 150 Yards -breit, aber das Wasser nur sechs Fuß breit und einige Zoll tief. Die -Stadt ist terrassenartig gebaut, jedes Stockwerk der Häuser — in -der Regel sind es drei — tritt nach oben weiter zurück und läßt für -eine Plattform Raum. Die aufsteigenden Gassen sind sehr enge. In der -Umgebung von Zuñi finden sich noch, am Rio Vermejo, die Ruinen von -sechs Pueblos, alle dicht zusammen. Daß Zuñi und Cibola identisch sind, -geht auch aus dem Ausspruche Antonio’s de Espejo hervor, welcher 1583 -das Gebiet besuchte und erklärt, die Spanier unter Coronado<span class="pagenum"><a name="Seite_419" id="Seite_419">[S. 419]</a></span> hätten dem -von den Indianern Zuñi benannten Orte den Namen Cibola gegeben.<a name="FNAnker_423_423" id="FNAnker_423_423"></a><a href="#Fussnote_423_423" class="fnanchor">[423]</a></p> - -<p>Während das Hauptheer nach Cibola marschirte, hatte Coronado schon vom -Sonoraflusse aus den Capitän <em class="gesperrt">Melchior Diaz</em> mit 25 Mann ans Meer -hinabgesandt, um die Schiffe Alarcon’s aufzusuchen und ihm, womöglich, -Verhaltungsmaßregeln für seine weitere Fahrt zu geben. Diaz zog an -dem östlichen Strande des californischen Meerbusens gegen Norden, bis -er an das Ende des Golfes kam. Da er aber von den Schiffen nirgends -eine Spur fand, ging er an dem dort mündenden Strom weiter, bis er -einen mächtigen Baum fand, in dessen Rinde die Nachricht eingegraben -war, daß Alarcon bis dahin mit seinen Schiffen gekommen sei und am Fuß -des Baumes einen Brief niedergelegt habe. Der Inhalt des Schreibens -ergab, daß Alarcon hier längere Zeit gewartet und dann, da er mit -seinen Schiffen nicht weiter vordringen, also nicht mehr in der Nähe -Coronado’s bleiben konnte, den Rückweg angetreten habe. <em class="gesperrt">Alarcon</em> -war am 9. Mai 1540 vom Hafen Natividad ausgesegelt, hatte von Jalisco -aus noch einen Transport mit Vorräthen für die Truppen mitgenommen -und war im August an das Nordende des Meerbusens gelangt. Mit Böten -war er noch 85 Meilen weit den Colorado, welchen er Rio de buena guia -nannte, hinaufgegangen und hatte alles versucht, um sich mit Coronado -in Verbindung zu setzen, aber vergeblich. Er sah sich zur Umkehr -genöthigt. Sein Pilot Domingo del Castillo entwarf eine Karte<a name="FNAnker_424_424" id="FNAnker_424_424"></a><a href="#Fussnote_424_424" class="fnanchor">[424]</a> -von den Küsten des Golfes und bewies damit, daß das westliche Land, -Niedercalifornien, eine Halbinsel sei. Später hat allerdings lange -und bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus die falsche -Vorstellung geherrscht, als sei Californien eine Insel.</p> - -<p>In der Nähe des Colorado kam Diaz durch einen unglücklichen Zufall ums -Leben und seine Mannschaft kehrte nach Mexiko zurück.</p> - -<p>Inzwischen hatte Coronado von Cibola aus, wo er vorläufig sein -Standquartier nahm, zunächst die umliegenden Ortschaften unterwerfen -lassen und dann nach verschiedenen Richtungen einzelne Truppentheile -in entfernte Regionen zur Erforschung der Länder entsendet. In der -Landschaft Tuzan oder Tuçaya hörten die Spanier von einem großen Flusse -im Norden. Diesen Strom aufzusuchen zog <em class="gesperrt">Garcia Lopez de Cardenas</em> -aus. Er ging mit seiner kleinen Schar über das Coloradoplateau und -trat dann, bestürzt über den wilden Abgrund, an den Rand des großen -Colorado-Cañons. Eine Welt in Trümmern, ein von klaffenden Spalten -zerrissener Felsboden, auf dessen Grunde allein das spülende und -grabende Wasser arbeitet, zeigte sich hier den erstaunten Blicken, wie -sie in solcher Großartigkeit in keinem Erdtheil wieder auftritt.<a name="FNAnker_425_425" id="FNAnker_425_425"></a><a href="#Fussnote_425_425" class="fnanchor">[425]</a> -Die Spanier unter Cardenas meinten, die Stromschluchten<span class="pagenum"><a name="Seite_420" id="Seite_420">[S. 420]</a></span> seien drei bis -vier Meilen tief, neuere Messungen haben die Tiefe des großen Cañons -auf etwa 100 Meter bestimmt. Drei Tage lang irrten sie am Plateaurande -umher, nach einem Passe ausspähend, der sie zum Wasser hinunterführe, -umsonst. Einige Wagehälse versuchten zwischen dem zerklüfteten Gestein -hinabzuklettern, mußten aber unverrichteter Sache zurücksteigen. Sie -versicherten, daß einige Felsen, die von oben gesehen etwa Mannesgröße -gezeigt hätten, in der That höher als die Cathedrale von Sevilla -gewesen seien. Cardenas trat vor dieser unbezwinglichen Naturschranke -den Rückweg an. Er hatte zuerst den großartigsten Theil des mittleren -Colorado gesehen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p420" name="vollbild_p420"> - <img class="mtop1" src="images/vollbild_p420.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Ansicht des großen Colorado-Cañon.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p420_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Eine andere Schar ging unter <em class="gesperrt">Hernando d’Alvarado</em> von Cibola -nach Osten; jenseits der Zuñigebirge trafen sie wieder auf mehrere -indianische Ortschaften, welche in ähnlicher Weise, wie Cibola angelegt -waren. Unter diesen war namentlich Acuco (jetzt Acoma)<a name="FNAnker_426_426" id="FNAnker_426_426"></a><a href="#Fussnote_426_426" class="fnanchor">[426]</a> durch -seine Lage auf einem zerklüfteten Sandsteinfelsen merkwürdig. Auf -der Nordseite hat der Wind den Sand so hoch angehäuft, daß man auf -demselben fast bis zur Höhe hinaufsteigen kann. Dann bleibt aber noch -der nackte Fels zu erklimmen; in einer engen Spalte windet sich der -Pfad hinauf, den die Indianer durch eingezwängte Holzstufen bequemer -gemacht haben. Alvarado mußte mit seinen Leuten auf Händen und Füßen -den Felsen erklettern. Diese Felsendörfer lagen in der Nähe eines -Flusses, der gegen Südosten floß und sich bald mit einem größeren -nach Süden ziehenden Strome vereinigte. Bis nach Cibola hin hatten -alle Stromrinnen vorwiegend eine westliche Richtung gezeigt. Die -Bedeutung dieser hydrographischen Verhältnisse entging dem Scharfblick -des Capitän Jaramillo nicht. Treffend bemerkt er in seinem Bericht: -„Alle Gewässer, Flüsse und Bäche, welche wir bis Cibola oder noch -ein paar Tagereisen weiter antrafen, laufen zum Südmeere (d. h. zum -großen Ocean), von da ab aber zum Nordmeere (d. h. zum mexikanischen -Golfe).“<a name="FNAnker_427_427" id="FNAnker_427_427"></a><a href="#Fussnote_427_427" class="fnanchor">[427]</a> Mit der größten Sicherheit erkennen wir daraus, daß -die Expedition die Wasserscheide zwischen dem Colorado del Occidente -und dem Rio grande del Norte überschritten<span class="pagenum"><a name="Seite_421" id="Seite_421">[S. 421]</a></span> hatte und sich nun im -Gebiet des letzteren befand. Auch dieser Strom wurde überschritten -und in der Landschaft Tiguex vereinigte sich Coronado wieder mit dem -vorausgegangenen Alvarado. Weiterhin wurde der östliche Nebenfluß des -Rio grande, der Rio Pecos, erreicht; denn der Häuptling, welcher hier -in einer festen Stadt, Namens Cicuyé, hauste, sollte begehrenswerthe -Schätze besitzen. Auf diesen waren die Spanier durch einen Indianer -aufmerksam gemacht, welcher viel von gold- und silberreichen Städten zu -erzählen wußte. Dort, berichtete er, halte ein Fürst seine Siesta unter -einem mächtigen, großen Baume, dessen Zweige mit goldenen Glöckchen -behängt seien, damit sie, wenn er entschlummere, im Luftzuge leise -erklängen. Er selbst habe einige von diesen Schellen besessen, aber der -Fürst von Cicuyé<a name="FNAnker_428_428" id="FNAnker_428_428"></a><a href="#Fussnote_428_428" class="fnanchor">[428]</a> habe sie ihm abgenommen. Alvarado rückte nach -Cicuyé, um die Glocken zu holen, fand aber keine Spur von Gold, und -die Einwohner erklärten jenen Indianer für einen unverschämten Lügner. -Dann nahm er zwar den Häuptling gefangen und brachte ihn zu Coronado, -der ihn sechs Monate in Haft hielt, aber damit nur erzielte, daß die -Indianer allenthalben sich gegen die Spanier erhoben, welche sich -unter steter Unruhe den Winter über in Tiguex behaupteten. Im Mai des -Jahres 1541 sollte das vielversprechende Quivira aufgesucht werden; -über den Pecosfluß nach Nordosten, und am Gebirge hin über die Steppen -ziehend, traf man hier mit Jagdindianern zusammen, welche ohne feste -Wohnsitze (<span class="antiqua">sin casas</span>) in Lederzelten lebten und alle wichtigen -Lebensbedürfnisse von der Beute an erlegten Büffeln bestritten, -Nahrung, Kleidung und Schuhwerk.<a name="FNAnker_429_429" id="FNAnker_429_429"></a><a href="#Fussnote_429_429" class="fnanchor">[429]</a> Weiterhin begegnete man einem -Indianer, welcher durch Zeichen zu verstehen gab, daß er schon Spanier -gesehen habe. Offenbar bezog sich diese Andeutung auf Cabeça de Vaca -und seine Genossen.</p> - -<p>Nachdem man, wenn auch in kurzen Tagemärschen, einen Monat lang nach -Nordosten gezogen war, erreichte man einen großen Fluß, dem man -nach dem Tage der Entdeckung den Namen Rio de San Pedro y San Pablo -(Arkansas) beilegte. Jenseits desselben stieß man wieder auf jagende -Indianer, deren Wohnungen drei oder vier Tagereisen weiter hinab -ins Land gegen Osten lagen. Diese Ortschaften gehörten bereits zu -Quivira. Ziemlich einstimmig erklären die ältern Geschichtsschreiber, -Coronado sei etwa bis zum 40° n. Br. vorgedrungen. Wenn nun Theilnehmer -des Zuges, wie Jaramillo, erfreut über das frischgrüne Ansehen der -Landschaft, Quivira ein prachtvolles Land nennen, wie es nicht besser -in Spanien, Frankreich oder Italien zu finden, und meinen, es sei für -alle Arten von Kulturen geeignet, denn man finde an einigen Bächen -sogar Trauben von ziemlich gutem Geschmack, und wenn ferner dieses Land -nicht mehr als gebirgig, sondern nur als hügelig und eben, von Strömen -getränkt, geschildert wird, und wenn der Zug über den<span class="pagenum"><a name="Seite_422" id="Seite_422">[S. 422]</a></span> Peter-Paulsfluß -hinaus zu einem noch größeren Strome gelangte, an welchem die -Ortschaften sich mehrten und die einheimische, in Strohhütten lebende -Bevölkerung wuchs; so darf aus allen diesen Angaben mit ziemlicher -Sicherheit geschlossen werden, daß Coronado im nordöstlichen Kansas bis -an den Missouri gelangte. Den Marsch noch weiter auszudehnen, versprach -wenig Erfolg, denn von den edlen Metallen hatten die Indianer gar -keine Kenntniß; selbst die Häuptlinge trugen nur Kupfer als Schmuck. -Man nannte zwar den nachforschenden Fremdlingen noch eine fernere -Landschaft Harahey; aber auch diese bot nichts Verlockendes. Dazu war -bereits der Augustmonat herangekommen, man sah sich also, um nicht -etwa von dem einbrechenden Winter auf den öden Hochsteppen überrascht -zu werden, genöthigt, den Rückmarsch anzutreten.<a name="FNAnker_430_430" id="FNAnker_430_430"></a><a href="#Fussnote_430_430" class="fnanchor">[430]</a> Zum Zeichen, -wie weit man gekommen sei, errichteten die Soldaten ein Kreuz und -schnitten den Namen ihres Feldherrn Francisco Vasquez de Coronado in -das Holz des Stammes. Den Rückweg nahm man in mehr südlicher Richtung -und gerieth in noch sterilere Regionen, in denen auf den Salzsümpfen -4–5 Zoll starke Salzplatten schwammen. Nachdem man den nördlichen Theil -des Llano estacado passirt, erreichte man den Pecosfluß etwa 30 Meilen -südlich von der Stelle, wo man ihn auf dem Hinwege überschritten hatte. -Während Coronado in Quivira weilte, waren von der Landschaft Tiguex aus -Streifzüge nach Norden und Süden, flußauf und flußab gemacht. Immer -traf man wieder auf die nämliche Form der Oasendörfer. Am weitesten -drang man am Rio grande abwärts und fand, nachdem man vier größere -Ortschaften entdeckt, schließlich eine Stelle, wo der Strom im Boden -zu verschwinden schien. Vermuthlich ist damit die Gegend bezeichnet, -wo unter 31° 39′ n. Br. der „große Fluß“ in seinen tiefen und -unpassirbaren Cañon eintritt. Hier entzog sich derselbe ihren Blicken; -doch sollte er, nach Angabe der Indianer, weiter unten im Lande noch -wasserreicher wieder hervorbrechen.</p> - -<p>Coronado hatte die Absicht, nach der Ueberwinterung in Tiguex -im nächsten Frühling zeitiger einen zweiten Zug nach Quivira zu -unternehmen, um womöglich noch weiter in das fruchtbare Land -vorzudringen. Allein ein Unfall, welcher ihn im Turnier mit Pedro -Maldonado traf — er wurde im Ringrennen aus dem Sattel geworfen und -schwer verletzt — nöthigte ihn, von weiteren Plänen abzustehen. -So brach er im April 1542 auf und kehrte über Cibola nach Culiacan -zurück. Die theure Expedition war ohne Gewinn verlaufen, ohne Schuld -Coronado’s; aber der Vicekönig empfing den berichterstattenden -Heerführer in der Hauptstadt sehr ungnädig und nahm ihm die Oberleitung -in dem nördlichen Theil seines Vicekönigreichs, welches man mit dem -Namen Neu-Galicien bezeichnete.</p> - -<p>Die weite, scheinbar unbegrenzte Erstreckung der Landschaften, welche<span class="pagenum"><a name="Seite_423" id="Seite_423">[S. 423]</a></span> -man betreten hatte, gegen Norden, der Abschluß des californischen -Golfes, hinter welchem das Land ins Unendliche nach Nordwesten verlief, -gab zu eigenthümlichen Vorstellungen von der Vertheilung und Gruppirung -der Landmassen, sowie zu seltsamen Vermuthungen über die Bewohner -Anlaß. So vermuthete der Capitän Castañeda, die Indianer von Quivira -müßten aus Großindien stammen, weil ihre Sitten und Lebensformen so -gänzlich von den bisher beobachteten Erscheinungen indianischen Lebens -abwichen. Nach Uebersteigung der Gebirge, meinte er, seien sie dem -Laufe der Flüsse, wie z. B. des Rio grande, nach Süden gefolgt. Es -müsse in dem Lande, von wo die Indianer eingewandert seien, große -Reichthümer geben; dieses Land müsse theils im äußersten Gebiete von -Ostindien liegen, theils in jenem weiten Binnenlande zu suchen sein, -welches sich fast von China bis Norwegen erstrecke.</p> - -<p>Nach diesen Vorstellungen setzte sich also die Westküste Amerika’s -mit Asien in Verbindung, während der Ostrand der neuen Welt über -Florida und Grönland nach Norwegen liefe. Uebrigens waren derartige -Anschauungen nicht etwa dem müssigen Kopfe eines ungebildeten -Kriegsmannes entsprungen, sie wurden auch in Europa getheilt, und so -findet sich ein klares Bild dieser tellurischen Träume auch in der 1562 -zu Venedig erschienenen <span class="antiqua">Geographia Claudii Ptolemaei</span> auf der -<span class="antiqua">Carta marina nuova tavola</span>.</p> - -<p>Wie lange solche trügerische Vorstellungen selbst unter den Gebildeten -sich noch erhalten konnten, dafür gibt den sichersten Beleg ein -Ausspruch Lorenzana’s, des Erzbischofs von Mexiko, welcher noch -1770 darüber im Dunkeln ist, ob nicht Mexiko einerseits mit China, -andererseits mit Grönland zusammenhänge.<a name="FNAnker_431_431" id="FNAnker_431_431"></a><a href="#Fussnote_431_431" class="fnanchor">[431]</a></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ueber die Beziehungen zur asiatischen Küste brachte auch die Expedition -<em class="gesperrt">Juan Rodriguez Cabrillo</em>’s keine weitere Aufklärung. Derselbe -wurde bald nach der Rückkehr Coronado’s mit mehreren Schiffen auf die -Westseite der Halbinsel Californien gesendet, und kam im Sommer 1542 -an der Cedros-Insel (28° n. Br.) vorbei, wahrscheinlich bis zu den -südlichen Ausläufern der Sierra nevada, denn er sah, angeblich unter -40° n. Br., hohe schneebedeckte Gebirge. Nachdem Cabrillo während -der Ueberwinterung im Hafen bei der Insel Posesion an den Folgen -eines unglücklichen Sturzes das Leben verloren hatte, versuchte sein -Nachfolger, der Pilot mayor Bartolomé Ferrel, noch einige Breitengrade -weiter vorzudringen und behauptete, bis zum 43° n. Br. gekommen zu -sein. Doch sind diese Angaben sehr zweifelhaft und die Configuration -der Festlandsküste blieb in jenen Breiten durchaus unklar.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_424" id="Seite_424">[S. 424]</a></span></p> - -<p>Man suchte hier im Norden nach einer Straße, welche zum atlantischen -Ocean hinüberführen und etwa bei Neufundland ausmünden sollte. -Denn es war eine weitverbreitete Ansicht, daß, der eingebildeten -Gleichförmigkeit wegen, im Norden eine ähnliche Wasserverbindung -bestehen müsse, wie sie im Süden durch Magalhães aufgefunden sei. -Dieser postulirten Straße, welche zwischen 1560 und 1570 den Namen -<em class="gesperrt">Anianstraße</em> erhielt, schrieb man militärische Wichtigkeit für -Spanien zu und noch im Jahre 1602 schickte Philipp III. von Spanien -Schiffe aus, um dieselbe zu besetzen, damit nicht ungebetene Gäste, -Engländer oder Franzosen, auf diesem Wege den Westküsten der neuen -Welt unliebsame Besuche abstatten könnten; aber die Straße wurde -nicht gefunden und der spanische Entdeckungseifer erlahmte an den -Küsten Californiens etwa unter dem 43° n. Br. Den weitern Verlauf der -Küsten aufzuhellen, blieb einer späteren Zeit und anderen Seemächten -überlassen, denn die allgemeine Aufmerksamkeit hatte sich schon nach -dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts fast ausschließlich den -Entdeckungen und Vorgängen in Südamerika zugewandt.</p> - -<h4 id="Das_Goldland_Peru">28. Das Goldland Peru und seine alte Kultur.</h4> - -<p>Der Name Peru wurde zum erstenmale vernommen, als unter der -Verwaltung des Pedrarias de Avila der Generalaufseher der Indier -Andagoya im Jahre 1522 vom Michaelsgolfe aus an der Landenge von -Panama einen Entdeckungszug an den Küsten nach Süden unternahm und -dabei in eine kleine Landschaft Biru gelangte, von welcher das -weiter südlich gelegene mächtige Inkareich seinen Namen Peru bei den -Europäern erhielt.<a name="FNAnker_432_432" id="FNAnker_432_432"></a><a href="#Fussnote_432_432" class="fnanchor">[432]</a> Er traf in dem dicht bewohnten Lande eine -kriegerische Bevölkerung, drang aber doch in das Land ein und konnte -manche werthvolle Nachricht über den weitern Süden und den dortigen -mächtigen Staat sammeln. Ein Fall aus dem Boot ins Meer, wobei er fast -ertrunken wäre, machte ihn unfähig, seine Entdeckungen weiter südwärts -auszudehnen. Er legte daher die Fortführung der Unternehmung in die -Hände Pizarro’s; allein es verging noch ein Jahr, ehe dieser die Mittel -fand, seine Pläne ins Werk zu setzen. Aber seit dieser Zeit bezeichnete -man alle Fahrten nach Süden mit dem Ausdruck „Expeditionen nach Biru“, -und je weiter sich vor den unermüdlichen Entdeckern die Küste nach -Süden erstreckte, um so größere Ländermassen faßte man unter dem Namen -„Peru“ zusammen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_425" id="Seite_425">[S. 425]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p425" name="vollbild_p425"> - <img class="mtop1" src="images/vollbild_p425.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Das Inkathor bei Cuzco.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p425_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Werfen wir zunächst einen Blick auf den mächtigen und ausgedehnten -Staat, welchen der spanische Abenteurer, nur von wenigen Genossen -unterstützt, zu zertrümmern und zu unterwerfen trachtete.</p> - -<p>Auf dem Rücken der Cordilleren, des längsten Kettengebirges der Erde, -im Westen von den Fluten der Südsee bespült und nach Osten sich in -den Schatten unermeßlicher Urwälder verlierend, dehnte sich der Staat -der Peruaner von Neu-Granada oder Columbia bis nach Chile aus. Die -herrschenden Stämme waren die Quechuá und Aymará. Die Küste der Südsee -zeigt wenig Gliederung, besonders in den südlicheren Theilen, aber -während sie im Norden, von Panama bis über den Aequator hinaus, unter -der Wirkung reichlicher Regengüsse mit feuchten Urwäldern bedeckt ist, -über welchen in weiterer Ferne die majestätischen Ketten der Anden -sichtbar werden, nimmt an der Nordgrenze des heutigen Staates Peru -das Gestade einen andern Charakter an und verläuft mit zunehmender -Dürre ungegliedert gegen Südosten. „Dürftig und düster ist die Natur, -die den Reisenden bei dem Anblick des Landes der Sonne und dem Reiche -der Inka’s empfängt, des Landes abschreckende Unfruchtbarkeit scheint -sich schon aus dem einförmigen zwischen Braun und Grau liegenden -Colorit zu ergeben. Ein flaches Land, das nur langsam nach dem Innern -zu sich erhebt, wird durch einen weißlichen Sandstreifen des Gestades -begrenzt. So weit das Auge trägt, ergrünt kein Baum auf den öden, -steinigen Flächen. In größerer Entfernung erheben sich in dem Gewande -einer Dürre, welche diejenige des Vordergrundes noch übertrifft, -die niedrigen Felsberge, welche die ehemalige Grenze des Oceans -bezeichnen.“<a name="FNAnker_433_433" id="FNAnker_433_433"></a><a href="#Fussnote_433_433" class="fnanchor">[433]</a> Eine trübe, schwere Wolkenbank hängt fast beständig -über dem Lande, so daß man selten den Anblick der Cordilleren genießt. -Zerreißt der Flor, dann haben diese Berge, in Stufen einer hinter dem -andern aufsteigend, durch die Oeffnungen der Wolken gesehen, ein sehr -großartiges Ansehen.<a name="FNAnker_434_434" id="FNAnker_434_434"></a><a href="#Fussnote_434_434" class="fnanchor">[434]</a></p> - -<p>Im Küstenlande, zwischen den Cordilleren und dem Ocean, wo der Regen -fast völlig unbekannt ist, ziehen sich, durch sandige Einöden von -einander geschieden, fruchtbare Thäler an den kurzen Gebirgsbächen -von den Höhenkämmen bis an die See hernieder. Das Land zwischen den -parallelen Hochgebirgsketten bezeichnet der Spanier mit dem Namen -Sierra; dasselbe besteht aus weitgedehnten Hochebenen und Weideländern, -welche von reichen, warmen Thälern und Schluchten durchzogen sind, -deren wasserreiche Ströme sämmtlich zum Gebiet des Amazonas gehören. -Inmitten dieses großartigen Gebirgslandes lag die alte nationale -Hauptstadt Cuzco, für die Inkaperuaner der „Nabel“, d. h. der -Mittelpunkt der Welt. Noch weiter im Süden lagert sich in malerischer -Gliederung und im Osten von den Riesen des Hochgebirges<span class="pagenum"><a name="Seite_426" id="Seite_426">[S. 426]</a></span> überragt, -in einer Höhe von mehr als 3800 Meter der sagenreiche Titicacasee, -welcher an Ausdehnung fast die Größe des Königreichs Sachsen erreicht. -Uebersteigt man von diesen Hochebenen aus die östlichen Ketten der -Anden, dann gelangt man in die Region der tropischen Urwälder, die bis -auf unsere Tage noch wenig erforscht und fast unbekannt geblieben sind.</p> - -<p>Das peruanische Reich war durch stete Kriege vergrößert und umfaßte -zahlreiche und verschiedene einheimische Stämme. Die <em class="gesperrt">Aymará</em>, -deren Sitze sich um den Titicacasee gruppirten, waren wohl das -ältere Kulturvolk, wie die Tolteken in Mexiko. Daher lag auch das -alte nationale Heiligthum auf einer Insel im See. Die merkwürdigsten -Bauwerke der älteren Kulturepoche erhoben sich in der Nähe des Sees. -Die Fürsten der Quechua führten den Titel Inka, als Begründer ihrer -Dynastie gilt Manco Capac, um 1000 n. Chr. Cuzco machte er zu seiner -Residenz, aber auch am heiligen Titicaca erhob sich ein fürstliches -Schloß, Tiahuanaco.</p> - -<p>Die frühere Geschichte des Inkareichs ist sagenhaft, ein helleres Licht -fällt erst auf das letzte Jahrhundert vor der Eroberung. Der große -Eroberer Huayna-Capac regirte von 1475 bis 1525, unter ihm erweiterte -sich das Reich besonders nach Norden. Aber gerade von hier, wo die neu -erworbenen Gebietstheile noch nicht fest mit dem Hauptlande verbunden -waren, erfolgte der Angriff der Spanier. Die Zustände waren ähnlich -wie in Mexiko bei dem Einmarsche des Cortes; aber Pizarro gewann um so -leichter das Feld, weil er zu einer Zeit erschien, in welcher die Söhne -Huayna-Capacs, von denen <em class="gesperrt">Huascar</em> in Cuzco und <em class="gesperrt">Atahuallpa</em> -in Quito residirte, mit einander in einen Bruderkrieg verwickelt -waren. Atahuallpa war der Sohn der früheren Fürstin von Quito, welches -von Huayna-Capac unterworfen worden, und mußte daher dem legitimen -Thronfolger Huascar nachstehen. Er hatte trotzdem eine Partei für sich -gewonnen, war gegen seinen Bruder im Felde siegreich gewesen und befand -sich auf der Heimkehr, als die Spanier ihn in Cajamarca erreichten. -Seinen Bruder hatte er gefangen genommen und behauptete augenblicklich -die unumschränkte Obergewalt.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p426" name="vollbild_p426"> - <img class="mtop1" src="images/vollbild_p426.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p426_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_427" id="Seite_427">[S. 427]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p427" name="abb_p427"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p427.jpg" - alt="" /></a> - <p class="center nobreak">Conti am Titicacasee: als Specimen der - merkwürdigen Thorbauten.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/abb_p427_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich -göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im -ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den -beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga; -ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt -war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich -geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem -prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle -gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am -buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers. -Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in -der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte -Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden. -Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen,<span class="pagenum"><a name="Seite_428" id="Seite_428">[S. 428]</a></span> -selbst Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung. -Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt. -Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein, -die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge -Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten -und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den -Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich -in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von -dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet -wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser -öffnete, um das Herz herauszureißen.</p> - -<p>Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem -einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und -Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden -Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf -die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und -Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu -dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate -einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken.</p> - -<p>Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung, -jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien -stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich -geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das -ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel, -mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien -wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu -ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren -Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in -Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus- -und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren -ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt -jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen. -In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und -fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und -Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen -zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder -Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige -Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen.</p> - -<p>Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger, -legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte -sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute -Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des -Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak -wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der -Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_429" id="Seite_429">[S. 429]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p429" name="abb_p429"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p429.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Altperuanisches Gobelingewebe aus dem - Todtenfelde von Ancon.</p> - <p class="s6 center mbot2">Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete -Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise -einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des -Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von -vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer -grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben -stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von -einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der -schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten -Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder -getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet -sind. — Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene -kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere -Ornamente. — Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in -Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit -und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in -allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. — Die Kette besteht aus -starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_430" id="Seite_430">[S. 430]</a></span></p> - -<p>Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das -Eisen zu kennen — denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder -Stein — verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen, -lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall, -selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe -bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine -Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und -Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima, -bewiesen.<a name="FNAnker_435_435" id="FNAnker_435_435"></a><a href="#Fussnote_435_435" class="fnanchor">[435]</a></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p430" name="abb_p430"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p430.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Sculptur am Inkathor bei Cuzco.</p> -</div> - -<p>Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas. -Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzte<span class="pagenum"><a name="Seite_431" id="Seite_431">[S. 431]</a></span> -auf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus -Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern -Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere -Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore -nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche -älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von -drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die -Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck -der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in -strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p431" name="abb_p431"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p431.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Sculptur am Inkathor bei Cuzco.</p> -</div> - -<p>Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen -Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen -und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen -von Cuzco<span class="pagenum"><a name="Seite_432" id="Seite_432">[S. 432]</a></span> nach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung -von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern -gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren -Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten -angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum -Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr -keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit -Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen -und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben -oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier -Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres -Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen -Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht -einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der -Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der -gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit -sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt -setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem -südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als -diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen -Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“<a name="FNAnker_436_436" id="FNAnker_436_436"></a><a href="#Fussnote_436_436" class="fnanchor">[436]</a> Auf diesen Straßen -besorgten Schnellläufer (<span class="antiqua">Chasquis</span>), ähnlich wie in Mexiko, den -Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten -Reiche auf das schleunigste in Kenntniß.</p> - -<p>Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte -man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich -verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle -von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge -gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese -Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten. -Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die -Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und -Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder -Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den -Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen -Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> -<p class="s5 center"><b>Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde -zu Ancon.</b></p> - <a id="doppelbild_p433" name="doppelbild_p433"> - <img class="mtop1" src="images/doppelbild_p433.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/doppelbild_p433_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Abbildung:</p> - <a id="doppelbild_p433_i" name="doppelbild_p433_i"> - <img class="mtop1" src="images/doppelbild_p433_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="doppelbild_p433_ii" name="doppelbild_p433_ii"> - <img class="mtop1" src="images/doppelbild_p433_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="doppelbild_p433_iii" name="doppelbild_p433_iii"> - <img class="mtop1" src="images/doppelbild_p433_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="doppelbild_p433_iv" name="doppelbild_p433_iv"> - <img class="mtop1" src="images/doppelbild_p433_iv.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p>1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein -eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18 <span class="antiqua">cm</span> breit.</p> - -<p>2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur -Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter -Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln, -darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel -mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur. -Das Körbchen ist ca. 38 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen -Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu -regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn -gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein -geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu -einem knollenartigen Stile des Federbusches.</p> - -<p>5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene -Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche -getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt; -oberer Durchmesser 15 <span class="antiqua">cm</span>.</p> - -<p>6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel -und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes -geschützt eingeschlagen war; 94 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch -die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer -Durchmesser 9–10 <span class="antiqua">cm</span>.</p> - -<p>8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten -Ornamenten; 7 <span class="antiqua">cm</span> hoch.</p> - -<p>9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des -unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende -Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½ -<span class="antiqua">cm</span> hoch.</p> - -<p>10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte -Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der -Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten -mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich -die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer -menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der -Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen -diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer -Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die -Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer -Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig -angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck -der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck, -ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der -Verstorbenen? 32 <span class="antiqua">cm</span> hoch.</p> - -<p>11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig -verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen; -148 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein -mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115 -<span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>13. Keulenartiger Stab; 105 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>14. Schleuder mit einem zur Unterlage des zu werfenden Steines -dienenden Geflecht; am linken Ende die Fingerschleife. Die -Schleudern wurden meist aus den Fasern der Agave, und aus Wolle und -Baumwolle gemacht, doch auch aus Menschenhaaren; 192 <span class="antiqua">cm</span> lang.</p> - -<p>15. Schleuder, zum Theil aus Menschenhaaren gefertigt, mit steifem -Mittelstück, zur Aufnahme des Steines; 140 <span class="antiqua">cm</span> lang. (Die -Schleudern wurden häufig auch als Kopfbinden benutzt.)</p> - -<p>16. Bruchstück eines Trinkkruges, aus feinem Thone gefertigt -(schwarz), eine wassertragende Indianerin darstellend. Dieselbe -trägt als Schutz gegen die Sonne ein Tuch über dem Kopf; größte -Höhe 21 <span class="antiqua">cm</span>.</p> - -<p>17. Krug aus Thon mit konischem Boden, tief angesetzten Henkeln -und oben zum Durchziehen von Schnuren eingebohrten Löchern; 21 -<span class="antiqua">cm</span> hoch.</p> - -<p>18. Rothes kannenartiges Thongefäß mit weißer Bemalung; 145 -<span class="antiqua">mm</span> Durchmesser.</p> - -<p>19. Flasche aus rothem Thon. Am Halse nach beiden Seiten hin ein -menschliches Gesicht; auf der Wandung ein katzenartiges Thier, über -ihm ein ausgezacktes Bogenornament; 165 <span class="antiqua">mm</span> hoch.</p> - -<p>20. Hellfarbiges Thongefäß den Körper eines sitzenden Indianers -nachbildend; die Arme und die im Knie stark gebogenen Beine sind -roh angedeutet. Der Kopf bildet den Hals des Gefäßes. Der Indianer -trägt auf dem Rücken ein Lama, dessen Kopf in unserer Ansicht über -der Schulter sichtbar ist; 225 <span class="antiqua">mm</span> hoch.</p> - -<p>21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen -Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in -violetter Farbe aufgetragen; 25½ <span class="antiqua">cm</span> hoch.</p> - -<p>22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein -menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden -Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen -gestützt wird; 18 <span class="antiqua">cm</span> Durchmesser.</p> - -<p>23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (<em class="gesperrt">nicht</em> -aus Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz des -<span class="antiqua">Dr.</span> Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen -altperuanischer Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der -Deckelfigur 28 <span class="antiqua">cm</span>.</p> - -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Das Kriegswesen war ebenso fest und streng geregelt, wie das -bürgerliche Leben. Die Bewaffnung bestand aus Kupferkeulen und -bronzenen Streitäxten, Spieße und Pfeile waren mit Kupferspitzen -versehen. Auch Schleuder und Stein gehörten einer besondern -Waffengattung an. Als Schutzwaffen bediente man sich baumwollner Panzer -und mit Baumwolle gefütterter hölzerner Helme, welche mit Metall und -Edelsteinen bei den Vornehmen geziert waren, während die gemeinen -Soldaten eine Art Turban trugen. Trommeln und Hörner bildeten die -Kriegsmusik. Im Felde lagerten die Truppen unter<span class="pagenum"><a name="Seite_433" id="Seite_433">[S. 433]</a></span> baumwollenen -Zelten. Die Schleuderer bildeten das Vortreffen, die Keulenmänner und -Axtträger standen im Mitteltreffen. Die Heere waren nach der Kopfzahl -in bestimmte Abtheilungen gegliedert und zählten in großen Kriegen bis -zu 200,000 Mann.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p433" name="abb_p433"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p433.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien; im -Todtenfelde von Ancon.</p> -</div> - -<p>In keinem Lande der neuen Welt haben die spanischen Eroberer die alte -Kultur in so rücksichtsloser Weise von dem Erdboden vertilgt, wie in -Peru. Fast nur dasjenige, was die Altperuaner zu ihren Todten unter -die Erde gebettet haben, ist uns erhalten, um uns von den gewerblichen -Leistungen und dem Kulturgrade derselben Zeugniß zu geben. Aber das -Kostbarste ist auch hier schon längst durch die habgierigen Hände -der nach Schätzen suchenden und grabenden Conquistadoren vernichtet. -Die Mumien der Könige, welche im Sonnentempel zu Cuzco auf goldenen -Stühlen saßen, sind ihres Schmucks beraubt und zerstört, die steinernen -Erbbegräbnisse der Vornehmen, deren Leichen ebenfalls balsamirt -waren, sind erbrochen und ausgeplündert. Um so willkommner ist die in -vierteljähriger Arbeit durchgeführte Aufdeckung des Todtenfeldes von -Ancon durch Reiß und Stübel, welche uns am besten das bürgerliche Leben -in alter Zeit vergegenwärtigt. Wenn der spanische Historiker Gomara uns -berichtet, daß schon in dem ersten Decennium nach der Eroberung gegen -anderthalb Millionen Indianer ums Leben gekommen seien, dann darf man -wohl mit Recht auf eine früher viel dichtere Bevölkerung des Landes -schließen. Darauf weist auch die ausgedehnte Nekropole von Ancon hin, -welche ein Quadratkilometer Flächenraum an dem völlig öden Strande -besetzt und trotz dieser Ausdehnung — sie war mit einer Steinmauer -abgeschlossen — auch außerhalb dieser Umfriedigung stundenweit -noch von Grabreihen umgeben war. In den bis zu sechs Meter tiefen -Grabstätten waren bisweilen mehrere Todte in eine gemeinschaftliche -Gruft gebettet. Der Leichnam wurde in hockender oder kauernder Lage -eng zusammengeschnürt und in<span class="pagenum"><a name="Seite_434" id="Seite_434">[S. 434]</a></span> einen Sack von grobem Webstoff fest -eingenäht, die Vornehmen waren in farbenprächtige Gewandstücke oder -Tücher und Decken eingehüllt, welche von der Kunst und dem Geschmack -der Bewohner zeugen und ihre Leistungen weit über den Begriff einfacher -Naturvölker erheben. Allerlei Hausrath, wie er täglich in Gebrauch kam, -wurde den Todten mitgegeben, seien es Waffen, Hals- und Arm-Schmuck, -verzierte und bemalte Thongefäße, oder seien es die verschiedensten -zum Spinnen und Weben erforderlichen Geräthschaften und Stoffe, wie -buntfarbige Spindeln und gesponnene Wolle oder Baumwolle oder endlich -allerlei Kinderspielzeuge; alles dieses läßt uns die Anschauung und -Begabung des alten Inkavolkes erkennen; und um so tiefer ist es zu -beklagen, daß diese vielversprechenden Keime einer höheren Gesittung in -schonungsloser Weise zertreten wurden.</p> - -<h4 id="Pizarro_versucht_bis_zum">29. Pizarro versucht bis zum Lande der Inkas vorzudringen.</h4> - -<p><em class="gesperrt">Francisco Pizarro</em>, welcher wie (<a href="#Seite_424">S. 424</a>) erwähnt ist, die Pläne -Andagoya’s aufnahm, suchte, da es ihm selbst an Mitteln fehlte, -Genossen, welche ihn einerseits durch Geldmittel, andererseits durch -ihren kräftigen Arm unterstützten. Erstere fand er durch Vermittlung -eines klugen und gewandten Geistlichen, <em class="gesperrt">Fernando de Luque</em> in -Panama, welcher ihm auch die Bewilligung des Statthalters für seine -Pläne erwirkte, letzteren bot ihm <em class="gesperrt">Diego de Almagro</em>, ein Mann von -dunkler Herkunft, der als Kind an einer Kirchenthür ausgesetzt gefunden -worden sein soll.<a name="FNAnker_437_437" id="FNAnker_437_437"></a><a href="#Fussnote_437_437" class="fnanchor">[437]</a> In der Heimat hatte er nichts zu erwarten, in -der neuen Welt hoffte er sich eine Stellung zu erringen. Er war ein -vortrefflicher Soldat und ein so ausgezeichneter Fußgänger, daß er im -dichtesten Bergwalde die Spur eines Indianers verfolgen und denselben -einholen konnte, wenn derselbe auch eine Meile Vorsprung hatte.<a name="FNAnker_438_438" id="FNAnker_438_438"></a><a href="#Fussnote_438_438" class="fnanchor">[438]</a> -Tapfer und graden Herzens war er ein Feind aller Schleichwege und -Intriguen, doch wußte er seine Leidenschaftlichkeit nicht immer zu -beherrschen. Pizarro rüstete zwei Schiffe zu 40 und 70 Tonnen Gehalt -nebst einer kleinen Brigantine aus, und Almagro warb als Mannschaft 112 -Spanier. Es war die Verabredung getroffen, daß Pizarro vorausgehen und -Almagro ihm folgen solle, während de Luque durch sein Amt an der Kirche -(<span class="antiqua">clerigo presbitero, vicario de la santa iglesia</span>) in Panama -zurückgehalten wurde und von hier aus die Unternehmung zu fördern hatte.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> -<p class="s5 center"><b>Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon.</b></p> - <a id="vollbild_p434_1" name="vollbild_p434_1"> - <img class="mtop1" src="images/vollbild_p434_1.jpg" - alt="Mumien, Bild 1" /></a> -</div> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p434_2_3" name="vollbild_p434_2_3"> - <img class="mtop1" src="images/vollbild_p434_2_3.jpg" - alt="Mumien, Bilder 2 und 3" /></a> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><span class="s4">1. Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.</span> -Allem Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range -Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst, -wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der -letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen -Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten -Knochen desselben. Der Mumienballen, dessen <em class="gesperrt">Vorder</em>ansicht -unsere Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt -und seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand -völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei -Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen -ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen -Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert. -Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen -Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s. -Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische -Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele -Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten -Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit -noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von -mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer -Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter; -ihre größte Höhe 76 Centimeter.</p> - -<p><span class="s4">2. Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.</span> -Die mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in -hockender Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern -umwickeltes Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt -nicht den wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, -einer Perrücke und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der -Mumienballen ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus -Riedgras geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der -Mumie gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, -Umfang 280 Centimeter.</p> - -<p><span class="s4">3. Durchschnitt einer einfachen Mumie.</span> Diese Abbildung -zeigt, wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit -den verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.</p> - -<p>In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, -Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt -worden ist.</p> - -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete -an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und -Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eine<span class="pagenum"><a name="Seite_435" id="Seite_435">[S. 435]</a></span> -Fahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro -mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz -bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr -das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte -er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar -gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen -erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der -Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und -Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr -brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem -Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber -von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge -in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf -Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu -schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama -zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne -Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an -den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de -San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen -Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in -folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte, -ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer -deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates -vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das -Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war.</p> - -<p>In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern -Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung -Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme -(20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel -des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro, -welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei -spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag.</p> - -<p>So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des -Piloten <em class="gesperrt">Bartolomeo Ruiz</em> aus Moguer bei Palos und mit 160 Mann -ein zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der -Mündung des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr -Leute zu werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach -Panama zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb.</p> - -<p>Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus; -berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die -Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator. -Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen -Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.) -zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die -schön gewebten Stoffe,<span class="pagenum"><a name="Seite_436" id="Seite_436">[S. 436]</a></span> die farbigen Muster prüfen konnte und genauere -Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde -ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu -angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo -vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um -so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte, -sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den -Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte -sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama, -das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß -sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die -Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß -der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen -Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere -Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel -zurück.</p> - -<p>Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß -benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit -dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose -Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias -war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer -der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff -verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die -traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war.</p> - -<p>Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende -Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da -sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten -sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur -den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen -und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen: -„Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen, -dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit -überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm -noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen -Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte -das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren -und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser -Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort -sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig -neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit, -noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade -der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die -Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren -Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen. -Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, war -<span class="pagenum"><a name="Seite_437" id="Seite_437"></a></span> -<span class="pagenum"><a name="Seite_438" id="Seite_438">[S. 438]</a></span> -der bedeutendste Ort -im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und -silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete -sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro -de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft, -und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer -Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer -Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap -Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem -äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen -Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber -sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den -Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug -von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung -sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß -die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben -autorisire und ihn unterstütze.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p437" name="textkarte_p437"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p437.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Zur Entdeckung von<br /> - <span class="s5"><b>PERU</b></span><br /> - durch Pizarro</p> -</div> - -<p>Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den -Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm -die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten, -deren Inhalt sich auf der <em class="gesperrt">Weltkarte Ribero’s</em> vom Jahre 1529 zum -erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große -Ausdehnung Peru’s zeigen zu können.</p> - -<p>Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus -Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch -Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf -Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft -wußte, in Freiheit gesetzt.</p> - -<p>Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die -Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und -erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen.</p> - -<p>Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte -Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete -im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und -de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum -Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez -und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt -Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben. -Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus -den Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von -der Insel Gorgona wurden zu Edelleuten (<span class="antiqua">hijosdalgo</span>) erklärt. -Die materielle Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen -angedeihen ließ, bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, -sowie in Pferden, welche von Jamaica entnommen werden sollten.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p438" name="karte_p438"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p438.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua">Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p438_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="karte_p438_i" name="karte_p438_i"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p438_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p438_ii" name="karte_p438_ii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p438_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p438_iii" name="karte_p438_iii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p438_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffen<span class="pagenum"><a name="Seite_439" id="Seite_439">[S. 439]</a></span> -und mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun -unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln -noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo -begleiteten ihn.<a name="FNAnker_439_439" id="FNAnker_439_439"></a><a href="#Fussnote_439_439" class="fnanchor">[439]</a> Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro -in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden, -zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt -hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung -zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich -zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden -Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide -Theile zu einem tragischen Ausgange führte.</p> - -<h4 id="Die_Eroberung_Perus">30. Die Eroberung Peru’s.</h4> - -<p>Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar -1531 von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte -Ziel, Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai -von San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, -ein Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque -eine ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des -Raubes wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß -des Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine -namhafte Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.<a name="FNAnker_440_440" id="FNAnker_440_440"></a><a href="#Fussnote_440_440" class="fnanchor">[440]</a> -Während sie sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, -stieß auch bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten -zu dem Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. -Jago), wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen -ließ und weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner -lebten in Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter -verdächtigten ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten -ihm mit, die Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle -Fremden zu vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die -Häuptlinge der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches -in folge dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine -Niederlage bei. Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, -welche ihm <em class="gesperrt">Hernando de Soto</em>, bestochen durch die Smaragden- und -Goldsendungen, welche nach Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen -zuführte. Dann ging Pizarro nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn -sehr wichtige<span class="pagenum"><a name="Seite_440" id="Seite_440">[S. 440]</a></span> Nachricht, daß zwischen den Söhnen des letzten Inka -Huayna-Capac ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und -Huascar hatten von 1525–1530 friedlich neben einander regiert, jener -in Quito, dieser in Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte -Atahuallpa, welcher sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der -Bai von Guayaquil gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. -Br.) Anspruch erhob und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach -Süden gedrungen, hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe -bei Chontacaxas, nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen -genommen, worauf seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und -Chalcuchima sich der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling -1532, kurz vor Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen -Inka war auf Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige -waren dem Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem -Heere bei Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt -hatte in dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner -ängstlich und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen -ausgeschifft hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft -des spanischen Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne -Anstand geschehen ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht -verstanden.</p> - -<p>Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel -gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die -junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am -24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s. -Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen -wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch -einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf -Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich -anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168 -Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein. -Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren, -Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer -stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland -hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden -verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit -Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau -über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p441" name="vollbild_p441"> - <img class="mtop2" src="images/vollbild_p441.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"> Krieger aus der Inca-Zeit: Malerei auf einem - altperuanischen Thongefäß. (½ der natürlichen Größe.)</p> - <p class="s6 center">Die Bewaffnung aller fünf Figuren ist lediglich die Lanze, an -den Schäften mit großen kreuzförmigen Aufsätzen versehen, welche -vielleicht als streitkolbenartige schwere Keulen zu betrachten sind. -Als Schutzwaffen tragen die Krieger hohe, spitze, unter dem Kinn mit -Bändern befestigte Helme mit einem halbmondförmigen aufgesetzten -Zierrath und einem über den Nacken herabhängenden Tuche. Einen Schild -führt nur die äußerste Figur rechts. Mit Ausnahme des mittleren tragen -die Krieger alle große Taschen. Die Körperbekleidung besteht aus einem -bis fast auf die Knie herabfallenden Untergewand mit verziertem Rande -und darüber eine bis zur Hüfte reichende Jacke aus verschiedenartig -ornamentirtem Gewebe. Die Gewänder sind ganz in der Form des Ponchos -der heutigen Südamerikaner gearbeitet und lassen die Arme unbekleidet. -Auch die Beine sind nackt, auf unserem Vasenbilde aber, wie auch die -Gesichter und Hände, bemalt. Die mittlere Figur trägt einen Nasenring, -die beiden neben ihr ansehnliche Pflöcke in den Ohren. Vier von den -Kriegern haben auf der linken Schulter eine Schleife, der fünfte trägt -den Kopf eines phantastischen Thieres als Helmschmuck. Die Gesichter -sind von dem charakteristischen Indianer-Typus. — Die Form des Gefäßes -ist durchaus ungewöhnlich und deshalb auf der Tafel „Altperuanische -Geräthschaften“ mit abgebildet (s. d.). Das Gefäß befindet sich in -Privatbesitz zu Lima und soll aus der Gegend von Trujillo stammen.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p441_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p>Nach einem Marsche von sieben Tagen langte Pizarro in dem -wohlangebauten Thale von Cajamarca an, welches sich bei einer Höhenlage -von 2860 Meter eines angenehmen, kühlen Klimas erfreut. Fruchtbare -Ackerfelder und blühende Gärten zogen sich das Thal entlang. In -der Ferne sah man die Dampfsäulen der warmen Bäder von Pultamarca, -Schwefelquellen von 55° R., aufsteigen, welche noch heute den Namen der -Inkabäder<span class="pagenum"><a name="Seite_441" id="Seite_441">[S. 441]</a></span> führen und wo Atahuallpa zu baden pflegte. Am Bergabhange -davor breitete sich die Zeltstadt des peruanischen Lagers, welches -40,000 Mann zählte, aus. Pizarro zog in die kleine, menschenleere -Stadt ein, welche mit einer festen und hohen Mauer umschlossen war, -und besetzte am 15. November den Marktplatz. Dann untersuchte er die -Verhältnisse der Stadt, um eine feste Stellung für sein Lager zu -ermitteln, damit er nicht unerwartet überfallen werden könnte. Soto, -welcher schon vorher einen kühnen Kundschafterritt ausgeführt hatte, -ritt darauf mit 20 andern Reitern als Gesandtschaft in das Lager des -Inka hinüber und jagte die letzte Strecke bis an den Bach, welcher sie -noch vom Lagerplatze trennte, im Galopp vor, um seine Reiterkünste zu -zeigen und die Indianer durch die Erscheinung der schnaubenden Rosse -zu erschrecken. Der Inka befand sich im Hofe des Palastes, von seinem -Gefolge umgeben. Von einem Thronsessel aus sah er hinter einem zarten -durchsichtigen Schleier, den zwei Frauen vor ihm hielten, damit er -nach Landessitte nicht von jedem unberufenen Auge beobachtet werde, -die Spanier sich nähern. Als Soto heransprengte, befahl Atahuallpa den -Schleier zu senken.<a name="FNAnker_441_441" id="FNAnker_441_441"></a><a href="#Fussnote_441_441" class="fnanchor">[441]</a> Dann trat Hernando Pizarro vor und hielt durch -den Mund des Dolmetschers eine Ansprache an den König, worin er sich -als Abgesandten eines mächtigen Monarchen bezeichnete und sich erbot, -die Peruaner im wahren Glauben zu unterrichten.</p> - -<p>Der Inka schwieg auf diese Worte, nur einer seiner ersten Beamten -erwiderte: „Es ist gut.“ Pizarro begann von neuem und bat den -Fürsten, die Spanier in ihrem Lager zu besuchen. Atahuallpa sagte -für den nächsten Tag, nach Beendigung der Fastenzeit, den Besuch zu. -Inzwischen möchten die Spanier sich in den Staatsgebäuden von Cajamarca -einrichten. Dann verabschiedete er die fremden Gäste.</p> - -<p>Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast -göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der -Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende -Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden — -alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man -konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf -mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der -verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige -Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu -lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu -bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag -der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend -erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit -großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er -sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles -zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf<span class="pagenum"><a name="Seite_442" id="Seite_442">[S. 442]</a></span> seine Macht -vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu -sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der -kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf -den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in -den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet. -Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu -behalten und sich seiner Person zu bemächtigen.</p> - -<p>Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente -de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor -und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen -Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf -Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen -Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle -Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl -die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben -bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten -Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten -sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts, -die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen -Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er -gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm -der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das -Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung -des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe: -„Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar -Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die -Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf -des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall -geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch -die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am -einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und -die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk -und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her. -Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu -Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf -dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten.</p> - -<p>Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut, -da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen -gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten -nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben -wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine -Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von -den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa -zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen -gehalten wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_443" id="Seite_443">[S. 443]</a></span> — dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit — mit -Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne. -Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß -hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung -seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p443" name="abb_p443"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p443.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, - in welchem der Inka von Pizarro gefangen gehalten wurde.</p> -</div> - -<p>Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco -(östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu -dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht -gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit -dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls -an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben -beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den -Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder -zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt -oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn -nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete, -so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges -Motiv für seine spätere Hinrichtung.</p> - -<p>Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die -Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando -Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der -Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach -der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die -Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich. -Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem -später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar -1533<span class="pagenum"><a name="Seite_444" id="Seite_444">[S. 444]</a></span> nach Pachacamac<a name="FNAnker_442_442" id="FNAnker_442_442"></a><a href="#Fussnote_442_442" class="fnanchor">[442]</a> kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel -drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte. -Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara -zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die -große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima), -wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel -seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn -inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden -Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging -freiwillig mit nach Cajamarca.</p> - -<p>Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und -Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der -Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf -das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im -Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten -belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je -350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und -Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort -und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für -den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200 -Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in -Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den -neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil -(ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert -und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der -königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber. -Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.<a name="FNAnker_443_443" id="FNAnker_443_443"></a><a href="#Fussnote_443_443" class="fnanchor">[443]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_445" id="Seite_445">[S. 445]</a></span> Etwa -fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San -Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit -Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro -und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30 -Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533, -rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter -der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem -das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro -gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen -und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde -auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem -sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten -Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur -der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen, -alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos. -Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde -Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber, -Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher -zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und -dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der -Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen -Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in -welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war -ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete -eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling -von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke -darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei -stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen -halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem -Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz -Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer -gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“<a name="FNAnker_444_444" id="FNAnker_444_444"></a><a href="#Fussnote_444_444" class="fnanchor">[444]</a></p> - -<p>Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person -des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen -Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb -schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker -berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_446" id="Seite_446">[S. 446]</a></span></p> - -<p>Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco -auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner -hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und -schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer -Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern -voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf -verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der -Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden -beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November -seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner -zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten -Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude -in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der -Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an -Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt, -selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt.</p> - -<p>Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und -erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte -damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s -ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien -beschenkt.</p> - -<p>Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale -eingefunden, <em class="gesperrt">Pedro de Alvarado</em>, der Eroberer Guatemala’s, -welcher, nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich -Quito zu erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum -peruanischen Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen -Bereiche. Eine nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März -1534 mit 500 Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. -Von der Küste marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor -aber dabei viel Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er -leider aus deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein -anderer Spanier in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war -<em class="gesperrt">Benalcazar</em>, welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel -eingesetzt hatte. Als man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s -erzählte, brach er auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und -erreichte, weil er bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße -über Riobamba eher das Ziel.</p> - -<p>Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch -nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen -auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich -mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem -Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten -Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von -100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial -seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine -Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="vollbild_p446" name="vollbild_p446"> - <img class="mtop2" src="images/vollbild_p446.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak">Sacsahuaman: Ruinen der alten Inkafestung - bei Cuzco.</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/vollbild_p446_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_447" id="Seite_447">[S. 447]</a></span></p> - -<p>Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los -Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer -des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac) -genannt.</p> - -<h4 id="Almagros_Zug_nach_Chile">31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod.</h4> - -<p>Nachdem das Hauptland von Peru bezwungen worden war, beschloß -Almagro auch die südlichen Länder zu unterwerfen. Es war der -schwerste und kühnste Heereszug, welcher je durch die Wüsteneien der -südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt wurde. Zwei indianische -Edelleute, der Bruder des Inka, Paulo Topa, und der Oberpriester -Vilehoma, wurden in Begleitung dreier Spanier vorausgesendet, um den -Weg zu zeigen, die Indianer über die Absichten des Zuges zu beruhigen -und Quartiere zu schaffen. Dann brach Almagro am 3. Juli 1535 von -Cuzco auf<a name="FNAnker_445_445" id="FNAnker_445_445"></a><a href="#Fussnote_445_445" class="fnanchor">[445]</a> und zog durch das Gebiet der Conchas, nordwestlich -vom Titicacasee, und am westlichen Ufer des Gebirgssees durch die -Landschaft Collao, ging dann auf der Ostseite des Aullagassees -südöstlich über das Hochland von Potosi nach Tupiza, an der Südgrenze -Boliviens, wo er, nachdem er bereits einen Marsch von wenigstens 200 -Meilen gemacht hatte, seinen Truppen zwei Monate Rast gönnte. Während -des Aufenthaltes entfloh der Oberpriester Vilehoma sammt seinem Gefolge -bei Nacht und kehrte nach dem Norden, nach der Landschaft Collao zurück.</p> - -<p>Almagro stand hier an der Grenze des Inkareiches, weiter hinaus -hatte er unabhängige Bergstämme vor sich, durch deren Gebiet er sich -mit Gewalt den Weg bahnen mußte. Es standen ihm, um nach Chile zu -gelangen, dessen Schätze ihn lockten, zwei in gleichem Maße schwierige -Wege offen. Entweder mußte er von Tupiza aus sich westwärts über die -unwirthlichen Einöden und den Hauptkamm der Anden übersteigend nach -der Küste wenden und die wasserlose Atacamawüste durchschneiden, oder -den mühsamen Gebirgsmarsch nach Süden fortsetzen und ausgedehnte -Schneeregionen durchziehen, wo für die Mannschaften weder Vieh noch -Getreide zu beschaffen war. Almagro wählte den letzteren Weg, weil er -kürzer schien. Da von den Eingeborenen in Jujuy drei Spanier, welche -vorausgeschickt waren, getödtet worden, so wurde der Capitän Salcedo -mit 50 Reitern und Fußgängern ausgesandt, die Indianer zu züchtigen. -Diese hatten sich in eine Festung zurückgezogen, welche Salcedo erst -anzugreifen wagte, als ihm Francisco de Chaves Unterstützung brachte. -Darauf flohen die Indianer ins Gebirge und ließen den Paß frei. Nun -rückte das Heer weiter durch Jujuy in die Landschaft Chicoana, südlich -von der modernen Stadt Salta. Das fruchtbare Thal war verödet, wilde -Bergstämme waren von Norden her eingebrochen, hatten die Kulturen -zerstört und die Ortschaften in Trümmerhaufen verwandelt. Doch gelang -es Almagro noch, seine Truppen mit einigen Vorräthen von Vieh und Mais<span class="pagenum"><a name="Seite_448" id="Seite_448">[S. 448]</a></span> -zu versorgen; allein beim Uebergang über einen reißenden Bergstrom -ging ein großer Theil der Thiere verloren, ein empfindlicher Verlust, -der nicht wieder ersetzt werden konnte, wenn auch hie und da in den -Hochthälern noch einige wenige kleine Ortschaften angetroffen wurden. -Von Chicoana (Salta) ging der Zug in südwestlicher Richtung über das -Campo del Arenal westlich von der Sierra Aconquija durch das Thal von -Arroyo nach dem Hauptrücken der nördlichen chilenischen Anden, um diese -zu übersteigen. Hier stand den Truppen noch die schwerste Arbeit bevor. -Als sie aus einer Gebirgsschlucht (Quebrada) heraustraten, sahen sie -hohe, schneebedeckte Gebirge in unabsehlicher Ausdehnung vor sich. -Nachdem sie eine Zeit lang daran hingezogen, sahen sie sich genöthigt, -dieselben zu übersteigen, ohne ihre Breite zu kennen. Aber muthig -wagten sie sich hinein, mit den Elementen und mit dem Hunger kämpfend, -mit wenig Lebensmitteln, mit Waffen und allerlei Geräth, um Brücken -oder Flöße zu bauen, beladen.</p> - -<p>Almagro zog mit 20 Reitern vorauf, um Wege und Pässe ausfindig zu -machen, und womöglich dem nachfolgenden Heere Lebensmittel zu schaffen. -Sieben Tage lang ging’s über Salzboden und wieder über beschneite -Pässe, wo die Augen von dem blendenden Schnee entzündet wurden. Sturm -und Kälte erschwerte jeden Tritt. Am dritten Tage der schwersten -Leiden öffnete sich gegen Osten das Thal von Copiapo, wo Almagro’s -kleine Schar sich erholen und den nachfolgenden Truppen Lebensmittel -entgegensenden konnte. Ohne diese Hilfe wäre das ganze Heer in den -schrecklichen Wüsteneien umgekommen. Die indianischen Lastträger, -welche den Zug mitmachen mußten, litten noch mehr als die Spanier.<a name="FNAnker_446_446" id="FNAnker_446_446"></a><a href="#Fussnote_446_446" class="fnanchor">[446]</a> -Manche sanken vor Erschöpfung nieder; die Luft war so kalt, daß man -kaum athmen konnte. Dazu nachts kein Feuer, um sich zu erwärmen, kein -Schutz vor den rasenden Winden, keine ausreichende Nahrung, um den -Körper widerstandsfähiger zu machen. Der Hunger war so arg, daß die -lebenden Indianer das Fleisch ihrer gefallenen Kameraden verzehrten -und die Spanier mit Begier das sonst verschmähte Fleisch gefallener -Pferde unter sich theilten. Das Heer verlor bei diesem Uebergange 150 -Mann und 30 Pferde. Erst im Thal von Copiapo konnten die Soldaten bei -längerer Rast sich erholen und stärken. Rodrigo Orgoñez, welcher dem -Almagro später von Cuzco her neue Truppen zuführte und denselben Weg -über die Anden einschlug, hatte noch mehr Verluste als der Adelantado. -Die Schneemassen begruben manchen Mann und manches Roß. Dann marschirte -Almagro im chilenischen Küstenlande weiter nach Süden, nach Coquimbo. -Hier traf er unerwartet einen Spanier, welcher, vor einer angedrohten -Strafe flüchtig, aus Peru 600 Meilen weit nach Chile gelaufen war, ohne -Schaden zu erleiden. (Oviedo, <span class="antiqua">historia</span> 47, 4). Von Coquimbo aus -ließ Almagro dann das Land im Süden bis zum Rio Maule (35° s. Br.) -erforschen und trat dann, da die erträumten Schätze sich nirgends -zeigen wollten, enttäuscht<span class="pagenum"><a name="Seite_449" id="Seite_449">[S. 449]</a></span> den Rückweg an. Um das Heer nicht noch -einmal den Gefahren des Hochgebirgs auszusetzen, wählte er diesmal den -Küstenweg, welchen ihm die Indianer in Jujuy bereits empfohlen hatten. -Zwar mußte er hier die Atacama passiren und verlor durch Mangel an -Wasser und Futter mehr als 30 Pferde, aber keinen Mann. Sein Heer war -in kleine Abtheilungen vertheilt, Almagro bildete mit seinem Gefolge -den Schluß. So überwand er glücklich diese Wüste und stieg dann von -Arequipa nach dem Hochland von Cuzco hinauf, wo er im Frühling 1537 -wieder anlangte. Es war ein überaus verwegener, aber erfolgloser -Entdeckungszug gewesen.</p> - -<p>Während Almagro auf dem Marsche nach Chile war, suchte die nationale -Partei unter ihrem Inka Manco die Gelegenheit, das spanische Joch -abzuschütteln, zu benutzen, so lange ein ansehnlicher Theil des -feindlichen Heeres aus dem Lande abwesend war. Manco entwich aus Cuzco -und rief das Volk zu den Waffen. Die Hauptstadt wurde belagert und -durch brennende Pfeile leicht in Brand geschossen, da die meisten -Häuser mit Stroh gedeckt waren. Die halbe Stadt wurde zerstört, die -Festung fiel in die Hände der Peruaner. Juan Pizarro eroberte zwar -einen Theil derselben wieder, wurde aber dabei durch einen Steinwurf -so gefährlich verletzt, daß er bald darauf starb. Erst nach seinem -Tode konnten die Spanier die Festung wieder gewinnen; dann wurden sie -aber Monate lang von einem großen indianischen Heere in Cuzco belagert -und ihre Verbindungen mit Lima abgeschnitten, so daß Francisco Pizarro -vergebens, da die Indianer die Bergpässe besetzt hielten, versuchte, -der bedrohten Hauptstadt Ersatz zu bringen. Erst als in der Zeit -der Feldbestellung das peruanische Belagerungsheer sich theilweise -auflöste, wich die äußerste Noth, in welcher sich die Besatzung -befunden hatte. Man machte in dieser Zeit sogar den, wenn auch -verfehlten Versuch, sich durch einen Handstreich der Person des Inka -zu bemächtigen. Francisco Pizarro fühlte, daß der ganze Besitz seiner -Eroberung durch den allgemeinen Aufstand auf dem Spiel stehe, wenn -nicht rasche Hilfe komme. Er entsandte Schiffe nach Mittelamerika und -forderte die dortigen Statthalter unter lockenden Verheißungen auf, ihn -mit Truppen zu unterstützen.</p> - -<p>Unter solchen Verhältnissen erschien Almagro wieder in Peru. Die schon -lange im Stillen glimmende Eifersucht zwischen ihm und Pizarro hatte -zwar schon vor seinem Abmarsch nach Chile eine scheinbare Versöhnung -gefunden, da sich beide Rivalen durch schriftlichen Vertrag und -Eidschwur auf die Hostie am 12. Juni 1535 zur Beilegung des Streites -bereit erklärt hatten; allein da nun nach seiner Rückkehr Almagro -erfuhr, daß eine königliche Vollmacht ihn zum selbständigen Statthalter -über alle Länder ernenne, welche 270 Leguas (17½ Leguas = 1 -Breitengrad von 15 Meilen) südlich vom Santiagoflusse<a name="FNAnker_447_447" id="FNAnker_447_447"></a><a href="#Fussnote_447_447" class="fnanchor">[447]</a> beginnend, -sich gegen Süden ausdehnten, so glaubte er<span class="pagenum"><a name="Seite_450" id="Seite_450">[S. 450]</a></span> Anspruch auf den Besitz -von Cuzco zu haben. Bei der Unsicherheit genauer astronomischer -Bestimmungen konnte zu jener Zeit allerdings die Entscheidung dieser -Frage zweifelhaft sein, wenn wir jetzt auch mit Bestimmtheit sagen -können, daß die alte Hauptstadt noch zum Gebiete Pizarro’s gehört. -Ehe Almagro noch in die Nähe von Cuzco gelangt war, suchte er mit -dem Fürsten Manco, mit welchem er früher befreundet gewesen, eine -Zusammenkunft, wurde von diesem aber überfallen. Nachdem er den Angriff -siegreich abgewiesen hatte, rückte er mit seinem Heere vor Cuzco -und forderte von Gonzalo und Hernando Pizarro, welche in derselben -befehligten, die Uebergabe der Stadt. Da dieselbe unter verschiedenen -Vorwänden verzögert wurde, so drang er in einer finstern Nacht am 8. -April 1537 in Cuzco ein und nahm beide Brüder nach kurzem Kampfe in -ihrem Hause, welches dabei in Flammen aufging, gefangen.</p> - -<p>Inzwischen war Alvarado, von Francisco Pizarro zu Hilfe gerufen, zum -zweitenmale in Peru erschienen und stand, im Begriff mit 500 Mann auf -Cuzco zu marschiren, 13 Meilen von der Hauptstadt entfernt in Jauja. -Almagro ließ ihm die erfolgte Besetzung seiner Hauptstadt melden, aber -Alvarado befahl, die Boten in Ketten zu werfen. Erbittert über solchen -Verrath fiel Almagro rasch über ihn her, besiegte ihn bei der Brücke -von Abancay, am 12. Juli 1537, und kehrte dann nach Cuzco zurück. Der -Inka wurde mit dem Rest seiner Scharen ins Gebirge getrieben und das -Land von den Aufständischen gesäubert. Es kam nun vor allem darauf -an, eine directe Verbindung mit dem Mutterlande zu schaffen und einen -Seehafen im südlichen Peru ausfindig zu machen. Deshalb zog Almagro -ins Küstenland hinunter, um dort einen befestigten Landungsplatz zu -gründen. Sein Augenmerk war auf das fruchtbare Chinchathal gerichtet; -Hernando Pizarro mußte als Gefangener folgen, während es dem andern -Bruder Gonzalo gelang, aus der Haft zu entfliehen und Lima zu erreichen.</p> - -<p>Francisco Pizarro, welchem vor allem daran gelegen war, seinen noch -gefangenen Bruder dem siegreichen Gegner zu entreißen, zeigte sich -sehr friedlich gesinnt und knüpfte Unterhandlungen an. Beide Parteien -kamen am 13. November in Mala, südlich von Lima, zusammen und Almagro -verstand sich dazu, gegen die vorläufige Anerkennung seiner Ansprüche -auf Cuzco, Hernando Pizarro freizugeben. Die endgiltige Entscheidung -des Streits wurde der spanischen Regierung überlassen.</p> - -<p>Kaum war Hernando frei, so erklärte bereits Francisco Pizarro den -Vertrag für ungiltig, und der Streit begann von neuem. Almagro ging -nach Cuzco zurück, wohin ihm sein erbitterter Gegner Hernando im -Frühling des nächsten Jahres folgte. Am 26. April 1538 kam es zum -Kampfe bei Las Salinas, eine kleine Meile von der Hauptstadt. Keine -der beiden Parteien verfügte über mehr als 700 oder 800 Mann, aber das -Gefecht war sehr heftig und dauerte den ganzen Tag. Almagro konnte, -weil er krank war, nicht unmittelbar in den Streit eingreifen, aber -er befand sich ganz in der Nähe. Während des Gefechtes fielen nur -15 bis 20 Mann, aber bei<span class="pagenum"><a name="Seite_451" id="Seite_451">[S. 451]</a></span> der Verfolgung der geschlagenen Truppen -Almagro’s, welcher selbst gefangen genommen wurde, sollen noch 150 Mann -niedergemacht worden sein. Hernando hatte für den überwundenen Gegner, -den frühern Waffengefährten, der ihm großmüthig die Freiheit geschenkt, -kein Mitgefühl, kein Erbarmen; er sann auf Rache für die angethane -Schmach. Almagro wurde nach Cuzco gebracht und ihm dort der Proceß -gemacht. Unter Aufbietung einer ansehnlichen Truppenmacht wurde ihm -öffentlich am 8. Juli der Urtheilsspruch verkündet. Dann ließ Hernando -ihn im Gefängniß erdrosseln.</p> - -<p>Almagro war eine offne, rohe Natur, welche sich nie mit heuchlerischen -Hintergedanken oder mit Racheplänen trug. Er besaß einen empfindlichen -Ehrgeiz und liebte es, durch verschwenderische Geschenke seine Truppen -zu belohnen. Tapfer und in allen Strapazen ausharrend, machte ihn seine -durch und durch soldatische Natur bei seinem Heere beliebt. Seine -Verbindung mit dem herz- und gewissenlosen Pizarro stürzte ihn ins -Verderben.</p> - -<h4 id="Die_Ermordung_Pizarros">32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende -der peruanischen Parteikämpfe.</h4> - -<p>Der junge Diego Almagro befand sich inzwischen in Lima, aber die -Statthalterschaft seines Vaters erhielt er nicht; auch wurden seine -Anhänger, die „Chilenen“, durch Verachtung gekränkt. Man wandte sich -um Recht nach Spanien. Um diesen Bemühungen der Partei Almagro’s, -besonders des eifrigen Diego de Alvarado entgegenzuwirken, ging -Hernando Pizarro 1539 selbst nach dem Mutterlande. Kurz nach seiner -Ankunft in Valladolid am Hofe starb dort Alvarado ganz plötzlich, -man sagte: durch Gift, welches Pizarro ihm beigebracht. Der Henker -Almagro’s fand keinen freundlichen Empfang, man beschuldigte ihn mit -Recht, daß er einen von der Krone eingesetzten Statthalter — ob -aus eignem Antriebe oder durch seinen Bruder bestimmt, blieb dabei -unerörtert — habe hinrichten lassen. Er wurde daher gefangen genommen -und blieb auf der Festung Medina del Campo bis 1560 eingesperrt, so daß -er alle seine Verwandten und auch — seinen Ruhm überlebte.</p> - -<p>Um die verwirrten und unerquicklichen Verhältnisse in Peru zu -ordnen, wurde der Rechtsgelehrte <em class="gesperrt">Vaca de Castro</em> entsendet als -„königlicher Richter“, oder, für den Fall, daß Francisco Pizarro -bereits gestorben, als königlicher Statthalter. Im Sommer 1541, während -er noch auf der Reise begriffen war und sich in Popoyan, nördlich von -Quito (2½° n. Br.), aufhielt, erreichte ihn schon die Nachricht, -Francisco Pizarro sei von seinen Gegnern ermordet. Die chilenische -Partei hatte unter Anführung des Juan de Herrada mit einer Anzahl -von Verschworenen am Sonntage den 26. Juni 1541, da Pizarro nicht -zur Messe gegangen, den Zugang zu seinem Palaste in Lima erzwungen -und, wie der junge Almagro behauptete, den Statthalter gefangen -nehmen wollen, weil dieser in gleicher Weise wie seinem Vater, auch -ihm, nach dem Leben getrachtet habe. Bei seiner Vertheidigung wurde<span class="pagenum"><a name="Seite_452" id="Seite_452">[S. 452]</a></span> -Pizarro sammt seinem Bruder Francisco Martin und seinem Pagen Tordoya -getödtet, während das übrige Gefolge floh. Er war 63 Jahre alt, als er -zur Sühne für den an seinem Genossen Almagro verübten Mord unter den -Streichen der Verschworenen fiel.<a name="FNAnker_448_448" id="FNAnker_448_448"></a><a href="#Fussnote_448_448" class="fnanchor">[448]</a> Wenn er auch Jahre lang sein -Ziel, Peru zu erobern, kühn und unbeugsam im Auge behielt und dabei -eine erstaunliche Thatkraft entfaltete, so läßt sich seinem Charakter -doch keine sympathische Seite abgewinnen. Ungebildet und gefühllos -trat er Freund und Feind nieder. Er hatte Cortes mehrfach als Vorbild -genommen, so namentlich in der Gefangennahme des Fürsten; auch war ihm -die Eroberung des Landes leichter geworden, als jenem, welcher zuerst -mit einem amerikanischen Kulturvolke rang, die Besiegung von Mexiko. -Aber verglichen mit einem Feldherrn und gebildeten Staatsmann wie -Cortes erscheint Pizarro nur als ein gemeiner Abenteurer, und zwar als -der grausamste von allen, welcher das eroberte Land ausplünderte und -mit Blut überschwemmte und den spanischen Namen für immer in Südamerika -verhaßt machte.</p> - -<p>Als Cristoval Vaca de Castro in Popayan das Schicksal Pizarro’s erfuhr, -nahm er, seiner Instruction gemäß, den Titel eines Statthalters an. -Zwar suchte der junge Almagro einen Vergleich herbeizuführen, wonach -ihm die seinem Vater zugewiesene südliche Hälfte des eroberten Reiches -überlassen werde; allein Vaca de Castro konnte, nach den Vorfällen in -Lima, darauf nicht eingehen. Er verlangte vielmehr, daß Almagro sich -unterwerfe, das Heer, welches er um sich gesammelt hatte, entlasse und -ihm, dem rechtmäßigen Statthalter, alle am Morde Pizarro’s betheiligten -Personen zur Bestrafung ausliefere. Almagro weigerte sich, und so kam -es am 16. September 1542 auf der Ebene von Chupas bei Guamango (jetzt -Ayacucho) zwischen Lima und Cuzco zum Entscheidungskampfe. Castro’s -Heer zählte 328 Reiter und 420 Fußgänger, Almagro stellte dagegen -220 Reiter und 280 Fußgänger ins Feld.<a name="FNAnker_449_449" id="FNAnker_449_449"></a><a href="#Fussnote_449_449" class="fnanchor">[449]</a> Die chilenische Partei -wurde aufs Haupt geschlagen, Almagro floh nach Cuzco, wurde aber bald -ausgeliefert und enthauptet. Damit war auch das Loos seiner Anhänger -entschieden. Der Widerstand hörte auf, und die Parteigänger Almagro’s -unterwarfen sich. Der königlichen Autorität stand, als Castro im Jahre -1544 durch den Vicekönig <em class="gesperrt">Blasco Nuñez Vela</em> ersetzt wurde, -nur noch der <em class="gesperrt">letzte Bruder Pizarro’s, Gonzalo</em>, gegenüber, -welcher sich im nördlichen Theil des Reichs festgesetzt hatte und -sich nicht beugen wollte. Er war schon im Jahre 1540 zum Statthalter -von Quito gemacht und hatte mit einem Heere von 350 Spaniern und -4000 Indianern das Land besetzt. Von hier war er dann, angelockt von -dem fabelhaften Goldreichthum, welcher sich nach den Erzählungen der -Indianer in den östlichen Waldgebieten finden sollte, in der Nähe des -Aequators über<span class="pagenum"><a name="Seite_453" id="Seite_453">[S. 453]</a></span> die östlichen Anden gestiegen und an dem Rio Napo -abwärts vielleicht bis zu dem Katarakt del Cando in die Urwälder -eingedrungen, wo ihn die unwegsame Wildniß und Mangel an Lebensmitteln -in die äußerste Noth brachten. Hier beschloß er ein Fahrzeug zu -bauen, um die Truppen, wenigstens zum Theil, namentlich die Kranken, -und außerdem das Geschütz, zu Wasser weiter stromabwärts befördern -zu können. Zum Schiffscapitän wurde <em class="gesperrt">Francisco de Orellana</em> aus -Trujillo gemacht. Landheer und Schiff rückten noch eine Zeitlang -neben einander den Strom hinunter, bis die zu Lande marschirenden -Soldaten durch den verschlungenen Urwald nicht mehr weiter konnten. -Dazu trat die Regenzeit ein, die Vorräthe waren erschöpft, alle -Pferde mußten geschlachtet werden. Das Heer machte Halt, Orellana -erhielt den Auftrag, mit dem Schiffe allein weiter zu gehen, um -Lebensmittel aufzutreiben; aber er kehrte nicht wieder zurück. Ueber -sein Schicksal wird das nächste Capitel berichten. Nachdem Pizarro -wochenlang vergebens gewartet hatte, mußte er endlich erfahren, daß -Orellana ihn im Stich gelassen und weiter gesegelt sei. Er mußte sich -daher entschließen, den Rückmarsch nach Quito anzutreten. Hunger und -Fieber hatten seine Mannschaft bereits decimirt. Unter den beständigen -Regengüssen war der Waldboden in Sümpfe verwandelt. Mit zerrissenen -Kleidern, abgezehrt, zum Tode erschöpft erreichten nur 80 Spanier das -Hochthal von Quito. Hier erfuhr Gonzalo, daß sein Bruder Francisco vor -Jahresfrist von Mörderhand gefallen und der junge Almagro die Gewalt an -sich gerissen hatte, daß aber Vaca de Castro bereits über Quito nach -dem Süden gezogen sei. Aus Haß gegen Almagro bot er dem königlichen -Statthalter seine Unterstützung gegen den Mörder seines Bruders an; -aber Castro lehnte dieselbe ab, um sich nicht, wenn die chilenische -Partei von der Anwesenheit eines Pizarro in seinem Lager erfahre, -jede Aussicht auf einen friedlichen Ausgleich mit den Almagristen zu -versperren. Aber diese Ablehnung seiner Hilfe verletzte Gonzalo aufs -tiefste, trotzdem begab er sich später, nach der Hinrichtung des jungen -Almagro mit einer Reiterschar zuerst nach Lima und dann auf den Befehl -Castro’s nach Cuzco, wo sich der königliche Statthalter befand. Er -hoffte noch, daß ihm, nach dem Tode seines Bruders und der Bewältigung -des Aufstandes der chilenischen Partei, die Statthalterwürde zufallen -werde. Das kluge Benehmen Castro’s bei dieser Zusammenkunft raubte ihm -aber jeden Grund zu einer Schilderhebung, und da dieser ihm empfahl, -seine Besitzungen im Charcasgebiete<a name="FNAnker_450_450" id="FNAnker_450_450"></a><a href="#Fussnote_450_450" class="fnanchor">[450]</a> in Frieden auszubeuten, so -begab er sich nach dem Süden, wo er die schon den Inkas bekannten -Silberminen mit großem Erfolg abbaute. Erst als Castro in der Person -des <em class="gesperrt">Blasco Nuñez</em> einen Nachfolger empfing, und dieser die -vermeintlichen Rechte der Spanier über die Indianer, welche sie als -ihre Hörigen behandelten, antastete, ging Gonzalo nach Cuzco, wo man -ihn an die<span class="pagenum"><a name="Seite_454" id="Seite_454">[S. 454]</a></span> Spitze der gegen den neuen Vicekönig gerichteten Bewegung -stellte und ihn ermächtigte, Truppen zusammenzuziehen. Dann rückte er -mit seiner Schar gegen Lima, wo Vasco Nuñez, der sich nirgend Freunde -zu gewinnen verstand, in einer Revolte der Stadtbevölkerung mit -seinen wenigen Getreuen ohne Blutvergießen gefangen genommen und von -den gegen ihn gesinnten königlichen Richtern bald darauf nach Panama -zurückgeschafft wurde. Am 28. October 1544 zog Gonzalo in Lima ein und -wurde zum Statthalter von Peru proclamirt. Der Vicekönig war indes -nicht nach Panama gelangt, sondern hatte Mittel gefunden, in Tumbez -wieder ans Land zu gehen, von wo er sich nach Quito begab, um von hier -aus sich mit Gewalt wieder in Besitz der ihm durch königliches Mandat -übertragenen Macht zu setzen. Gonzalo Pizarro verfolgte ihn bis über -Pastos hinaus, ohne ihn zu erreichen, wußte ihn dann aber durch eine -List bis in die Nähe von Quito zu locken, wo er ihn bei Añaquito am 18. -Januar 1546 besiegte. Vasco Nuñez fiel selbst im Kampfe. Dann kehrte -Pizarro nach Lima zurück und führte die unbestrittene Obergewalt in -Peru, bis König Karl den Geistlichen <em class="gesperrt">Pedro de Gasca</em> mit den -weitgehendsten Vollmachten nach Peru sandte. Ohne Heer und großes -Gefolge, in einfachem Priestergewande wußte sich der gewandte Mann -zunächst die Landung im Nombre de Dios und dann den Eintritt in Panama -zu ermöglichen, obwohl Pizarro beide Plätze durch seine Untergebenen -besetzt hielt und eine starke Flotte von mehr als 20 Schiffen im Hafen -von Panama lag. Er bezeichnete seine Sendung als eine friedliche und -richtete auch in diesem Sinne ein Schreiben an Pizarro, um ihn zu -bewegen, die Befehle seines Königs anzuerkennen. Dann gelang es ihm, -den Befehlshaber der Flotte, Hinojosa, einen eifrigen Parteigänger -Pizarro’s, zu gewinnen, die königliche Vollmacht anzuerkennen und -sich seinem Befehl zu unterwerfen. Im Besitz der Flotte begann de -Gasca nun Truppen auszuheben, um mit bewaffneter Macht in Peru zu -erscheinen. Vier Schiffe wurden voraufgeschickt, um allen Spaniern -in Peru, die zu ihrer Pflicht zurückkehrten, volle Verzeihung und -Sicherheit ihres Besitzes anzukündigen. Diese Proclamation lichtete die -Reihen der Anhänger Pizarro’s rasch, die Bewohner von Cuzco erklärten -sich für den König, und die wichtige Provinz Charcas ging gleichfalls -verloren. Gasca ging mit der Flotte nach Tumbez, während die vier -vorausgesendeten Schiffe in dem Hafen von Lima landeten und, da Pizarro -gegen Cuzco gezogen war, auch die neue Hauptstadt ohne Schwierigkeit -besetzten.</p> - -<p>Zwar leuchtete dem letzten Pizarro noch einmal das Glück, da er in dem -blutigen Gefecht bei Huarina am Titicacasee am 26. October 1547 über -seine Gegner den Sieg gewann und noch einmal in Cuzco einzog, wo er -sich zum Entscheidungskampf rüstete, denn das Hauptheer Gasca’s befand -sich zu jener Zeit in Jauja und rückte erst im Frühjahr 1548, 2000 Mann -stark, gegen die altnationale Hauptstadt vor.</p> - -<p>Vier Meilen von Cuzco in dem Thale von Xaquixaguana standen sich<span class="pagenum"><a name="Seite_455" id="Seite_455">[S. 455]</a></span> -beide Heere kampfbereit am 9. April 1548 gegenüber. Gasca hatte bis -zuletzt den Gegner aufgefordert, sich zu unterwerfen und die Gnade des -Königs anzunehmen; aber Pizarro hatte auf sein Glück bauend, das ihn -aus allen Kämpfen und Gefahren siegreich hatte hervorgehen lassen, den -Frieden abgewiesen, obwohl die Heeresmacht Gasca’s stärker war. Allein -in diesen Tagen verließ ihn das Glück, verließen ihn seine Freunde. -Vor Beginn der Schlacht gab der Anführer seines Fußvolks das Zeichen -zum Abfall, indem er zur königlichen Partei hinüberjagte. Ihm folgten -die Truppen zu Fuß und zu Roß, so daß Pizarro sich gefangen geben -mußte. Ihm und seinen entschiedensten Anhängern Francisco de Caravajal -und Juan de Costa wurde der Proceß gemacht, und sie büßten alle ihre -Rebellion mit dem Tode.<a name="FNAnker_451_451" id="FNAnker_451_451"></a><a href="#Fussnote_451_451" class="fnanchor">[451]</a> Gasca ordnete die Verhältnisse des Landes -einsichtsvoll und kehrte 1550 nach Spanien zurück.</p> - -<h4 id="Orellana_entdeckt_den_Amazonenstrom">33. Orellana entdeckt den -Amazonenstrom 1541.</h4> - -<p>Es ist bereits im vorigen Capitel erwähnt, daß Francisco Orellana von -Gonzalo Pizarro auf seinem abenteuerlichen Zuge in das Waldland des -Amazonengebiets am Rio Napo mit einem Schiffe entsendet worden war, um -für das bedürftige Heer nach Lebensmitteln zu suchen. Orellana hatte -50 Mann an Bord und 2 Geistliche.<a name="FNAnker_452_452" id="FNAnker_452_452"></a><a href="#Fussnote_452_452" class="fnanchor">[452]</a> In der Strömung des mächtig -flutenden Wassers legte Orellana täglich 20 bis 25 Meilen zurück, -ohne Ansiedlungen am Ufer anzutreffen. Statt für das zurückgelassene -Heer sorgen zu können, wurden sie selbst vom Gespenst des Hungers -verfolgt und verspeisten das Leder der Sättel. Erst in der Nähe des -Amazonenstroms, wohin man am 8. Januar 1541 gelangte, stieß man auf -ein Indianerdorf. Umzukehren war nicht möglich, denn zu Lande gab’s -keinen Weg und zu Wasser würde man bei aller Anstrengung, gegen den -im untern Laufe allerdings langsam dahinziehenden Strom zu rudern, -Monate gebraucht haben. Es blieb ihnen also keine andere Wahl, als der -Strömung des Wassers zu folgen und sich bis ans Meer tragen zu lassen, -ungewiß wo man es erreichen werde. Da man aber von den Indianern in -Erfahrung gebracht, daß man nicht fern von einem sehr großen Strome -sei, so beschloß Orellana, um den unbekannten Gefahren auf dem Wasser -besser begegnen zu können, noch eine feste Brigantine zu bauen. Am -Abend des 1. Februar schifften sie sich wieder ein, nachdem sie durch -die Indianer mit allerlei Vorräthen an Schildkröten, Hühnern und -Fischen versorgt waren. Die Brigantine besetzten 30 Mann, die Barke -20. Zehn Tage später erreichten sie eine Stelle, wo sich drei Flüsse -vereinigten; der von rechts kommende Strom schien sich von Ufer zu Ufer -wie ein weites Meer auszudehnen (<span class="antiqua">una amplissima mar.</span> Oviedo -<span class="antiqua">l. c. p.</span> 548). Man hatte damit den oberen Marañon<span class="pagenum"><a name="Seite_456" id="Seite_456">[S. 456]</a></span> -selbst erreicht. Am 26. Februar wurde wieder angelegt, um die Schiffe -auszubessern. Man blieb bei den freundlich gesinnten Einwohnern bis -nach Ostern, nur, wie der die Expedition begleitende Geistliche, -Carvajal, klagt, von der „ägyptischen Plage“ der Moskitos belästigt. -Weiter stromab stieß man auf kriegerische Stämme, welche die Spanier -auch auf dem Wasser mittelst ihrer Canoes angriffen. In der beständigen -Feuchtigkeit des Stromthals war aber das Pulver naß geworden, und die -Sehnen der Armbrüste hatten ihre Spannkraft verloren; ihre besten, -fernhintragenden Waffen waren also unbrauchbar geworden. Die beiden -Schiffe hielten sich womöglich in der Mitte des großen Stromes, wo sie -am wenigsten belästigt wurden, und erreichten am Abend vor Trinitatis -einen von links mündenden Zufluß, dessen Wasser schwarz wie Tinte -erschien. Man gab ihm den Namen Rio Negro; es ist der bedeutendste -aller linken Zuflüsse des Amazonas. Unterhalb desselben wuchs die -Bevölkerung am Ufer ganz bedeutend, man segelte an vielen großen -Ortschaften vorbei,<a name="FNAnker_453_453" id="FNAnker_453_453"></a><a href="#Fussnote_453_453" class="fnanchor">[453]</a> von denen die eine sich mit ihren Hütten eine -ganze Meile am Strande hinzog. Hier konnte man überall Mais und Hühner -erlangen. Am 24. Juni trafen sie ein Dorf, das nur von Frauen bewohnt -war, welche keinen Verkehr mit Männern pflegten (<span class="antiqua">sin conversaçion -de varones</span>). Diese Weiber erschienen, nach Carvajals Angabe groß -und von starken Gliedmaßen, waren von heller Hautfarbe und trugen -lange Haarflechten. Mit Bogen und Pfeil griffen sie die Spanier an, -verloren aber sieben bis acht Kämpfende. Von dieser Begegnung mit -bewaffneten Frauenvölkern, eine selbst in dem Wunderlande der neuen -Welt den Spaniern unerwartete Erscheinung, hat der Strom seinen Name -Rio das Amazonas (Strom der Amazonen) erhalten.<a name="FNAnker_454_454" id="FNAnker_454_454"></a><a href="#Fussnote_454_454" class="fnanchor">[454]</a> Weiter abwärts -zum Meere wohnten Cariben, verabscheuungswürdig, weil sie das Fleisch -der Erschlagenen verzehren, aber geschickt in allen Waffen und in -Verfertigung schöner Gefäße, die sie verzieren und bemalen.</p> - -<p>Trotz häufiger Kämpfe verloren die Spanier doch nur drei Genossen an -Wunden, dagegen acht an Krankheiten.</p> - -<p>Ehe man ins Meer hinaussteuerte, wurden beide Schiffe mit einem<span class="pagenum"><a name="Seite_457" id="Seite_457">[S. 457]</a></span> festen -Verdeck versehen, die Segel setzte man aus mitgenommenen peruanischen -Mänteln zusammen. Mit diesen Vorbereitungen beschäftigt, blieb Orellana -24 Tage in der Nähe der Mündung und steuerte dann am 26. August kühn -ins Meer hinaus; ohne Piloten, ohne Compaß wußte er kaum, wohin er -steuern sollte. Aber alle sahen es als eine besondere Gnade des Himmels -an, daß in der ganzen Zeit, seit sie den großen Strom verlassen und am -Lande hin nordwärts segelten, kein Regen fiel und das schönste Wetter -sie begleitete. Sonst hätten wohl kaum die gebrechlichen Fahrzeuge die -See behaupten können. Zwar wurden sie bei Nacht durch die Strömung -des Meeres getrennt, gingen einzeln durch den Pariagolf und durch den -stürmischen Drachenschlund, langten aber beide doch glücklich am 11. -September auf der Insel Cubagua neben der Perleninsel Margarita an und -wurden von ihren Landsleuten freundlich aufgenommen.</p> - -<p>Die größte, schiffbare Stromrinne des südamerikanischen Continentes -war so mit einem Schlage aufgefunden. Orellana’s romantische Fahrt -läßt sich nur mit Stanley’s staunenerregender Congofahrt in dem jüngst -verflossenen Jahrzehnt vergleichen.</p> - -<p>Von Cubagua sandte der glückliche Entdecker des Riesenstroms einen -Bericht an den König und begab sich dann mit seinen Gefährten nach dem -Mittelpunkte der westindischen Welt, nach Haiti, wo er am 20. December -1541 ans Land ging.</p> - -<p>Orellana’s Pläne waren aber auf eine Besiedlung des entdeckten -Gebietes gerichtet; darum kehrte er im nächsten Jahre nach Spanien -zurück und schloß mit der Regierung eine Capitulation, wonach er -zur Eroberung des Landes autorisirt wurde. Sehr treffend erhielt -es den Namen Neu-Andalusien. Denn wie das spanische Andalusien von -dem wasserreichsten „großen Strome“, d. i. dem Guadalquibir, dem -größten der ganzen Halbinsel, bespült wird, so Neu-Andalusien von dem -mächtigsten Wasser der neuen Welt. Es gelang Orellana für sein Project -Theilnahme und Unterstützung zu finden, und so segelte er am 11. Mai -1544 mit vier Schiffen und 400 Mann von San Lucar de Barrameda ab; -aber diese Expedition hatte beständig mit Misgeschick zu kämpfen. Drei -Monate wurde das kleine Geschwader bei Teneriffa, zwei Monate am grünen -Vorgebirge aufgehalten und verlor durch den Tod 98 Personen, während 50 -andere davonliefen. Bei der Ueberfahrt über den Ocean jagte der Sturm -die Schiffe auseinander, zwei derselben, auf deren einem sich Orellana -befand, wurden bis zur Ostspitze Brasiliens getrieben. Von hier gingen -sie dann an der Küste des Festlandes nach Nordwesten bis zum <span class="antiqua">mar dolce</span> -und fanden endlich die Mündung des großen Stromes wieder, welchem -Orellana seinen Namen beilegte. Aber dort wurde der größte Theil der -Mannschaft an der ungesunden Küste bald von Fiebern hinweggerafft; und -als auch Orellana ins Grab sank, löste sich die Unternehmung auf, und -die Ueberlebenden wandten sich nach San Domingo.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_458" id="Seite_458">[S. 458]</a></span></p> - -<p>Alle Eroberungszüge der Spanier in der neuen Welt, so weit sie durch -die Entdeckungsfahrten des Columbus angeregt waren, bewegten sich -fast ausschließlich in den Grenzen des heißen Erdgürtels und nahmen -von der Inselflur Westindiens als der natürlichen Eingangspforte zu -diesen Regionen ihren Ausgang. Der Reiz der Neuheit der sie umgebenden -Naturprodukte, die Romantik der wunderbarsten Abenteuer, welche das -Leben zu einem Roman gestalteten, die Befriedigung, welche die Einen -in der Aufspürung und Erbeutung edler Metalle und die Andern in der -Bekehrung unzähliger Menschenstämme zum Christenthum fanden, rief unter -den Spaniern ein wahres Auswanderungsfieber und einen unglaublichen -Entdeckungs-Schwindel hervor, welcher das Mutterland zu entvölkern -drohte. Fand doch der venetianische Gesandte Andrea Navagiero, welcher -1525 Spanien bereiste, in Sevilla, dem Sitze des indischen Amtes, so -wenig Männer vor, daß er meinte, die Stadt sei fast ganz den Weibern -überlassen.</p> - -<p>Die großartige Erweiterung des Horizontes und der Umschwung der ganzen -Weltanschauung, welche Europa’s Kultur dadurch gewann, wurde leider -durch den Untergang origineller Bildungselemente in der neuen Welt und -durch die Vernichtung unzähliger Menschenleben erkauft, welche unter -der harten Hand der Eroberer trotz aller Bemühungen der Geistlichkeit -und aller Gesetze der Regierung zu Grunde gingen.</p> - -<div class="section"> - -<h3 id="Drittes_Capitel_3">Drittes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste -Erdumsegelung Magalhães’.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Die_Vorlaeufer_Magalhaes">1. Die Vorläufer Magalhães’.</h4> - -<p><span class="s3">N</span>achdem Amerigo <em class="gesperrt">Vespucci</em> im Jahre 1501 auf seiner -Entdeckungsfahrt an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. -vorgedrungen war (s. oben <a href="#Seite_332">S. 332</a>), faßte er 1503 bereits den Plan auf -südwestlichem Wege bis zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben <a href="#Seite_335">S. 335</a>), -aber das Ungeschick des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er -kam nicht so weit nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber -Vespucci der erste, welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im -Jahre 1505 ganz nach Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem -Plane Geltung zu verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der -Absicht der spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu -schicken (<span class="antiqua">para descobir la especeria</span>), wobei das Gutachten der -beiden erfahrensten Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, -eingeholt werden solle.<a name="FNAnker_455_455" id="FNAnker_455_455"></a><a href="#Fussnote_455_455" class="fnanchor">[455]</a> Doch scheint die Absendung sich<span class="pagenum"><a name="Seite_459" id="Seite_459">[S. 459]</a></span> verzögert -zu haben, wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung -und in dem genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni -zwei Schiffe unter <em class="gesperrt">Pinzon</em> und <em class="gesperrt">Juan Dias de Solis</em> von San -Lucar aus, gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber -und kamen bis etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit -zwischen den beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die -Schiffe kamen Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück.</p> - -<p>Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten -doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so -wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben -wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. -Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. -oben <a href="#Seite_347">S. 347</a>). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt -ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von -dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat -zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen -Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste -Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu -erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in -ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen -war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, -welche beide Oceane mit einander verbinde.</p> - -<p>Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter -Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den -Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht -hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, -welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der -erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben -Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die -Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.<a name="FNAnker_456_456" id="FNAnker_456_456"></a><a href="#Fussnote_456_456" class="fnanchor">[456]</a> Möglicherweise -datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird -nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner -berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) -gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf -welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt<span class="pagenum"><a name="Seite_460" id="Seite_460">[S. 460]</a></span> -(<span class="antiqua">multo occulto</span>) angegeben sei.<a name="FNAnker_457_457" id="FNAnker_457_457"></a><a href="#Fussnote_457_457" class="fnanchor">[457]</a> Da nun Behaim schon 1506 -oder 1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden -sein. Daß seine Zeichnung, welche <em class="gesperrt">vor</em> der Entdeckung der Südsee -durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent -später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich -aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, -wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland -überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das -Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse -der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische -stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,<a name="FNAnker_458_458" id="FNAnker_458_458"></a><a href="#Fussnote_458_458" class="fnanchor">[458]</a> die deutsche -von Johannes Schöner.<a name="FNAnker_459_459" id="FNAnker_459_459"></a><a href="#Fussnote_459_459" class="fnanchor">[459]</a> Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie -bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden -Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten -Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise -auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt -und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s -Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam -um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu -fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht -der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner -seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher -er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm.</p> - -<p>Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; -wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite -Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken -suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben -Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der -ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem zu -lösen und praktisch zu verwerthen. <em class="gesperrt">Juan Dias de Solis</em> schloß -nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er sich -verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken und -auf die Rückseite des Landes (<span class="antiqua">á las espaldas de la tierra</span>) zu -gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in -Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische -Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach -den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe -verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.<a name="FNAnker_460_460" id="FNAnker_460_460"></a><a href="#Fussnote_460_460" class="fnanchor">[460]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_461" id="Seite_461">[S. 461]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="textkarte_p461" name="textkarte_p461"> - <img class="mtop1" src="images/textkarte_p461.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"><span class="s5">SÜDAMERICA</span><br /> - mit einer südlichen Meerenge,<br /> - <span class="s6">nach dem<br /> - von </span>Joh. Schöner 1515<br /> - <span class="s6">entworfenen Globus.</span></p> - <p class="s7 center antiqua mbot2">Die punktirten Conturen zeigen die - richtigen Umrisse des Landes.</p> -</div> - -<p>Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er -bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. -Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October -1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die -südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit -des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des -Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und -wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern -Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern -Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen -getödtet und verzehrt.</p> - -<p>Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de -Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_462" id="Seite_462">[S. 462]</a></span></p> - -<h4 id="Fernao_de_Magalhaes">2. Fernão de Magalhães.</h4> - -<p>Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf -südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, -sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht -ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht -direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in -dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die <em class="gesperrt">Umschiffung des -Erdballs</em>, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann -seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit -und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu -verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des -Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. -Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den -Portugiesen <em class="gesperrt">Ferdinand Magalhães</em><a name="FNAnker_461_461" id="FNAnker_461_461"></a><a href="#Fussnote_461_461" class="fnanchor">[461]</a>, unter die hervorragendsten -Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist.</p> - -<p>Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, -sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras -os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches -er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, -aufsetzte.<a name="FNAnker_462_462" id="FNAnker_462_462"></a><a href="#Fussnote_462_462" class="fnanchor">[462]</a> Um 1480 mag er geboren sein.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p462" name="abb_p462"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p462.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak mbot2">Facsimile des Namenszuges von Magalhães.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_463" id="Seite_463">[S. 463]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p463" name="abb_p463"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p463.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"><em class="gesperrt">Fernão de Magalhães.</em></p> - <p class="s6 center mbot2">Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches von Ferd. Selma.</p> -</div> - -<p>Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, -focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, -betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten -Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den -Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in -demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen -Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu -gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan -des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß -er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien -ausgeschlossen sah (s. oben <a href="#Seite_165">S. 165</a>). Während sein Freund Francisco -Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte -Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen<span class="pagenum"><a name="Seite_464" id="Seite_464">[S. 464]</a></span> seinen -Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher -an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere -Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn -vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt -zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa -Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. -Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere -nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der -nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit -und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm -dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder -nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient -hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen -Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães -glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um -eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses -Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range -zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich -auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert -vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, -wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt -nach den Molukken (s. oben <a href="#Seite_204">S. 204</a>) anregte; denn es stieg dabei in ihm -der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen -Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer -angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem -Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika -herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte -der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte -über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die -Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war -nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich -abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das -bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu -die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen -zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem -Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität -zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter -Martyr bezeichnet,<a name="FNAnker_463_463" id="FNAnker_463_463"></a><a href="#Fussnote_463_463" class="fnanchor">[463]</a> sondern trat in aller Form, wie es seinem -Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus<a name="FNAnker_464_464" id="FNAnker_464_464"></a><a href="#Fussnote_464_464" class="fnanchor">[464]</a> -und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls -vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de -Haro nach Spanien. Am 20. October 1517<span class="pagenum"><a name="Seite_465" id="Seite_465">[S. 465]</a></span> langte er in Sevilla, dem -Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen -Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, -welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht -hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (<span class="antiqua">alcaide del alcaçar de -Sevilla</span>) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche -Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, -Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen -Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den -Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit -Begeisterung.</p> - -<p>Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda -an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken -tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die -berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und -Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser -nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man -doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung -aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine -weiteren Ansprüche haben müsse.<a name="FNAnker_465_465" id="FNAnker_465_465"></a><a href="#Fussnote_465_465" class="fnanchor">[465]</a></p> - -<p>So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens -und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich -verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (<span class="antiqua">dentro -de nuestros limites é demarcacion</span>) zu bewegen, wogegen ihnen das -Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein -diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf -den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird -die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen -und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des -Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang -eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen -Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. -Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien -derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von -dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. -Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter -zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen -Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 -Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die -höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und -Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, -dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als<span class="pagenum"><a name="Seite_466" id="Seite_466">[S. 466]</a></span> Hauptziel und -Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.<a name="FNAnker_466_466" id="FNAnker_466_466"></a><a href="#Fussnote_466_466" class="fnanchor">[466]</a> Ein -Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.</p> - -<p>Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man -portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn -Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten -Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu -lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. -Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den -König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der -Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães -und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines -Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und -erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine -Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und -den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, -die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien -kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn -er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die -Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation -angeworben.<a name="FNAnker_467_467" id="FNAnker_467_467"></a><a href="#Fussnote_467_467" class="fnanchor">[467]</a> Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann -aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães -gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen -scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, -welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete -nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und -Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat -zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der -ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich -Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta -aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur -Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April -1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das -Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:</p> - -<table class="schiffe" summary="Schiffe des Magalhaes"> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3"> - Trinidad, Commodor Magalhães - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"> - San Antonio, - </td> - <td class="tdc"> - Capitän - </td> - <td class="tdl"> - Juan de Cartagena - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"> - Concepcion, - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Gaspar de Quesada - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"> - Victoria, - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Luis de Mendoza - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"> - Santiago, - </td> - <td class="tdc"> - „ - </td> - <td class="tdl"> - Juan Serrano. - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_467" id="Seite_467">[S. 467]</a></span></p> - -<p>Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die -Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich -nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte -er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, -ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem -sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den -Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit -zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen -über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein -Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="abb_p467" name="abb_p467"> - <img class="mtop1" src="images/abb_p467.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s6 center nobreak"><em class="gesperrt">Rumpf eines großen Seeschiffes um 1500</em>.</p> - <p class="s6 center mbot2">Aus dem Wappen von Johann Segker. - Verkleinertes Facsimile eines Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.</p> -</div> - -<p>Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier -aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs -ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits -Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena -als zweiter Befehlshaber (<span class="antiqua">veedor general de la armada</span>) den -Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine -Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem -er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst -allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen -hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn -dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães -die<span class="pagenum"><a name="Seite_468" id="Seite_468">[S. 468]</a></span> Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine -verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. -Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er -berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen -und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber -des Schiffes.<a name="FNAnker_468_468" id="FNAnker_468_468"></a><a href="#Fussnote_468_468" class="fnanchor">[468]</a> Dann ging das Geschwader unter veränderlichen -und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an -der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es -vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und -Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu -untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen -Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang -existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar -1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an -der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte -Vidi (Montevideo).<a name="FNAnker_469_469" id="FNAnker_469_469"></a><a href="#Fussnote_469_469" class="fnanchor">[469]</a> Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war -bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, -eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai -zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte -aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große -Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach -denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig -unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet -auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. -Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen -Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, -mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen -Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz -versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães -noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah -sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu -überwintern.</p> - -<p>Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, -dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter -das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag -lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land -umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, -weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, -von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (<span class="antiqua">bahia de -los trabalhos</span>) erhielt<a name="FNAnker_470_470" id="FNAnker_470_470"></a><a href="#Fussnote_470_470" class="fnanchor">[470]</a> und erreichte endlich am 31. März -den Julianshafen (Puerto San Julian), wo<span class="pagenum"><a name="Seite_469" id="Seite_469">[S. 469]</a></span> er unter 49° 15′ s. Br. -in trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter -fand und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. -Aber sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu -kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen -und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn -auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach -einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter -vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete -es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das -Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch -vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die -Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher -List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo -Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. -Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und -Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer -festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man -rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit -seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“<a name="FNAnker_471_471" id="FNAnker_471_471"></a><a href="#Fussnote_471_471" class="fnanchor">[471]</a> Magalhães berief sich -auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes -geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die -Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der -guten Hoffnung umsegelten.<a name="FNAnker_472_472" id="FNAnker_472_472"></a><a href="#Fussnote_472_472" class="fnanchor">[472]</a> Trotz alledem wurde die Mannschaft -nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht -vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze -der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit -diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem -Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master -und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber -für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada -den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den -Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen -abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen -zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem -Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die -Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde -Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt -der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten -des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, -was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu -ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und -nach<span class="pagenum"><a name="Seite_470" id="Seite_470">[S. 470]</a></span> Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten -ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. -Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um -auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich -an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar -zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er -in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu -machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der -Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in -den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch -mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.</p> - -<p>Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, -um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der -Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das -Schiff des Magalhães heran.<a name="FNAnker_473_473" id="FNAnker_473_473"></a><a href="#Fussnote_473_473" class="fnanchor">[473]</a> Hier wurde es mit grobem Geschütz -und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän -bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, -Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am -nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, -auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das -Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal -überlassen.<a name="FNAnker_474_474" id="FNAnker_474_474"></a><a href="#Fussnote_474_474" class="fnanchor">[474]</a> Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit -seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und -brachte sie nach Spanien.</p> - -<p>Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 -Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden -der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen -Füße (spanisch <span class="antiqua">patagon</span> = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die -übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel -gelesener Reisebericht verbreitete,<a name="FNAnker_475_475" id="FNAnker_475_475"></a><a href="#Fussnote_475_475" class="fnanchor">[475]</a> veranlaßten in Europa die -Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst -nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der -Körpergröße widerlegt wurde.<a name="FNAnker_476_476" id="FNAnker_476_476"></a><a href="#Fussnote_476_476" class="fnanchor">[476]</a></p> - -<p>Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er -durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden -untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung -des Landes<span class="pagenum"><a name="Seite_471" id="Seite_471">[S. 471]</a></span> aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des -Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit -seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, -zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt -wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen -Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago -auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da -zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden -mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er -sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst -wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, -würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar -vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das -Cap Virgenes (<span class="antiqua">Cabo de las Virgenes</span>) und damit den Eingang der -berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen -Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. -Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen -vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen -abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen -Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche -Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in -der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der -Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei -Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche -Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen -denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der -tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger -gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen -Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine -gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein -vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen -erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. -Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen -an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden -und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der -sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen -und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den -Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, -wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald -umsäumt.<a name="FNAnker_477_477" id="FNAnker_477_477"></a><a href="#Fussnote_477_477" class="fnanchor">[477]</a></p> - -<p>„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen -Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit -der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge -entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu -Gletschern erstarrten Wasser<span class="pagenum"><a name="Seite_472" id="Seite_472">[S. 472]</a></span>fällen, die wie gefrorene Niagaras, wie -ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten -der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das -schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen -hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne -Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich -plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in -Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen -Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet -ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von -dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, -die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der -finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom -rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, -daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen -aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst -jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen -bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“<a name="FNAnker_478_478" id="FNAnker_478_478"></a><a href="#Fussnote_478_478" class="fnanchor">[478]</a></p> - -<p>Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden -Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu -untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria -zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe -nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich -weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und -hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, -wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, -wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe -des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der -Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich -gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff -am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die -hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten -zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu -besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für -drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot -auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, -besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer -besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu -führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der -schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. -Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte -ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit -des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war,<span class="pagenum"><a name="Seite_473" id="Seite_473">[S. 473]</a></span> sich auf den Ausspruch -einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu -lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt -den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich -unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund -ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, -welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das -Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (<span class="antiqua">tierra del -fuego</span>). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene -Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von -zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch -Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man -befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San -Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, -und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, -nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in -demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, -aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit -den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, -während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu -untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, -es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. -Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das -Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, -da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den -Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. -Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, -in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender -Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht -niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das -vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen -den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er -hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie -Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen -angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen -Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. -Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im -Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum -in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter -des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät -belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.</p> - -<p>So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch -der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er -nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. -Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre er -vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne und<span class="pagenum"><a name="Seite_474" id="Seite_474">[S. 474]</a></span> -Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben<a name="FNAnker_479_479" id="FNAnker_479_479"></a><a href="#Fussnote_479_479" class="fnanchor">[479]</a> abgehen zu lassen, -in welchem er sie um <em class="gesperrt">schriftliche</em> Meinungsäußerung ersuchte, -ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte -vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die -Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war -„gegeben im Canal Allerheiligen“, <span class="antiqua">canal de todos los Santos</span> -(denn so hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das -Geschwader befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten -Abschnittes der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. -ausliefen und das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. -Am nächsten Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den -bekannten Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf -den Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch -auf den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum -60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften -entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, -die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern -Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl -zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft <span class="antiqua">tierra -firme</span>, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln -vor sich zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der -Brandung eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.<a name="FNAnker_480_480" id="FNAnker_480_480"></a><a href="#Fussnote_480_480" class="fnanchor">[480]</a> Man -mußte also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald -den offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen -Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei -Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die -Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ -der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte -am 28. November beim <span class="antiqua">Cabo Deseado</span><a name="FNAnker_481_481" id="FNAnker_481_481"></a><a href="#Fussnote_481_481" class="fnanchor">[481]</a> („ersehntes Vorgebirge“) -das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und -rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten -mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.<a name="FNAnker_482_482" id="FNAnker_482_482"></a><a href="#Fussnote_482_482" class="fnanchor">[482]</a></p> - -<p>Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade -nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen -Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach -Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit -gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von -Chile, zu berühren,<span class="pagenum"><a name="Seite_475" id="Seite_475">[S. 475]</a></span> steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke -der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem -Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen <span class="antiqua">Mar pacifico</span> „stiller -Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel -und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, -unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San -Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes -Inselchen, welches Haifischinsel (<span class="antiqua">los tiburones</span>) genannt wurde -und unter 10° 40′ s. Br. lag.<a name="FNAnker_483_483" id="FNAnker_483_483"></a><a href="#Fussnote_483_483" class="fnanchor">[483]</a> Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, -um die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die -Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie -Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, -als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer -drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, -ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, -voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser -war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter -der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht -durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, -dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser -eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu -machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, -mit ½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, -welchem 19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf -der langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle -in dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals -eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf -den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie -Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den -Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang -ohne Nachfolger blieben.</p> - -<p>Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: -„Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert -wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das -Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt -sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach -Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des -16. Jahrhunderts als <span class="antiqua">terra australis incognita</span> gedacht und bis -tief ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die -Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.</p> - -<p>Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. -v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß<span class="pagenum"><a name="Seite_476" id="Seite_476">[S. 476]</a></span> er -zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen -diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete -er den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen -stieß. Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem -Aequator lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der -Portugiesen dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er -weiter nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen -Gegnern noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe -bessern und seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden -Inseln, auf die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie -bewohnt waren, bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, -die mit gleicher Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und -pfeilschnell über das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.<a name="FNAnker_484_484" id="FNAnker_484_484"></a><a href="#Fussnote_484_484" class="fnanchor">[484]</a> Wegen -der dreieckigen Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden -die Inseln <span class="antiqua">Islas de las velas</span> (Segel) genannt. Zutraulich -und zudringlich kamen diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie -brauchbares fanden. Als sie aber gar ein größeres Boot entführt und -an den Strand geschleppt hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, -ihr Dorf zerstört, die Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen -getödtet. Von diesem Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln -oder Ladronen, welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt -von drei Tagen ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte -so zu dem Archipel des San Lazaro, oder, wie er später benannt -wurde, Philippinen. An der kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, -wurde zuerst gelandet, um frisches Wasser einzunehmen und besonders -den Kranken einige Ruhe zu gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein -friedlicher Verkehr eröffnet. Der Häuptling von Suluan erschien in -malaiischer Tracht, den Kopf mit einen seidenen Tuch umwunden und einen -golddurchwirkten Sarong um den Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, -berührte das Geschwader zwischen Mindanao und Leyte die kleine Insel -Limasagua (<span class="antiqua">Maçaguoa</span>), wo eine Messe celebrirt wurde. Der dortige -Radscha brachte sie zu der gegen Nordwesten gelegenen Insel Zebu, -deren Kaufleute schon mit Portugiesen zusammengetroffen waren. Der -Häuptling erwies sich den Seefahrern sehr geneigt und ließ sich schon -nach acht Tagen mit mehreren hundert Insulanern taufen. Zwar wollte -hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten der Insel vor den Fremdlingen -warnen, weil sie zu derselben Nation gehörten, welche Calicut und -Malaka erobert hätten; aber Magalhães erklärte, ihr König sei noch weit -mächtiger als der portugiesische, und werde sie in seinen Schutz nehmen -und ihre Macht erhöhen. Der Christ gewordene Fürst von Zebu sollte -nach seinem Plane der Oberherr über die umliegenden Inseln werden und -als solcher dem Könige von Spanien huldigen. Die Ortschaften, welche -sich nicht unterwerfen wollten, wurden zerstört, entfernteren legte -man Tribut auf. Mitten vor der Ostküste von Zebu, nur durch einen -schmalen<span class="pagenum"><a name="Seite_477" id="Seite_477">[S. 477]</a></span> Meeresarm getrennt, liegt die Insel Matan oder Mactan. Diese -weigerte sich, die geforderten Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; -daher beschloß Magalhães, sie die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen -zu lassen. Die Hilfstruppen des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er -die Stärke und Kriegsführung seiner Gegner unterschätzte, und ging am -27. April nur mit 50 bis 60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, -während er seinen eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; -auch seine Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die -Spanier bald einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.<a name="FNAnker_485_485" id="FNAnker_485_485"></a><a href="#Fussnote_485_485" class="fnanchor">[485]</a> Gegen die -Schüsse der Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen -Schutz und bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten -Wolken von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten -Pfeil am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber -der Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, -bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem -verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde -richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der -Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht -als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. -Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze -nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, -in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, -für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs -Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends -tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des -Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, -den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir -uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, -um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere -Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische -Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet -war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den -nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte -Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde -von den Siegern entschieden verweigert.</p> - -<p>Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod -fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht, -so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste -gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das -größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es -war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend -bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug -Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer -besser als andere. Er war nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_478" id="Seite_478">[S. 478]</a></span> blos ein tapferer Soldat, sondern -bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute -anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten, -auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten. -Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber -darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten -Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch -die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal, -weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein -Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner -kühnen Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, -was wir darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein -merkwürdiges Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die -Heldenthat eines <em class="gesperrt">Portugiesen</em> in <em class="gesperrt">spanischen</em> Diensten von -<em class="gesperrt">Italienern</em> beschrieben ist.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">wissenschaftliche</em> Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt -Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und -Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer -Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst -die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen -auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten -Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale, -durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber -der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck, -die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere -Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine -Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum, -welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt -ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare -Feld für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende -Fläche für den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; -er ist aber nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein -nothwendiges Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung -für alles, was die Continente belebt.“ Der <em class="gesperrt">materielle</em> Vortheil, -welchen die spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, -wird uns in den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen.</p> - -<h4 id="Erste_Erdumsegelung">3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung.</h4> - -<p>Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung -der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden -war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst -von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem -Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen -bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes -Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter -die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano<span class="pagenum"><a name="Seite_479" id="Seite_479">[S. 479]</a></span> -sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem -der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine -ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta -litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de -Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden -sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt, -getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen -Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte, -verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn -loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht, -die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal -überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen -nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten -seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt. -Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und -Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der -kleinen, nordöstlich von <em class="gesperrt">Borneo</em> gelegenen Insel <em class="gesperrt">Cagayan</em>, -wo man nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. -Von hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo -sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten. -Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch -verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie -nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel -zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den -Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue -an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte. -So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten -gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf -25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke -ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten -zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch -Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in -der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten -wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen -auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab -Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich -nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen -Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte, -fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten -mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser. -Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein -Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den -Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der -Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth -in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl -der Capitän eine Auswechselung<span class="pagenum"><a name="Seite_480" id="Seite_480">[S. 480]</a></span> der Gefangenen (denn es waren mehrere -vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken -angetroffen) vorschlug.</p> - -<p>Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste -Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich -am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt -von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie -den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht -ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von -trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur -mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von -den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch -man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher -geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser -überall wenigstens 100 Faden tief.</p> - -<p>Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen<a name="FNAnker_486_486" id="FNAnker_486_486"></a><a href="#Fussnote_486_486" class="fnanchor">[486]</a> und -schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag, -denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als -die Portugiesen<a name="FNAnker_487_487" id="FNAnker_487_487"></a><a href="#Fussnote_487_487" class="fnanchor">[487]</a>. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich -festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine -Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen. -Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote -der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von -Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de -Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien -hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise -erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren -diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl -am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den -Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in -Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach -den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in -folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem -Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord -des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln.</p> - -<p>Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht -eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz<span class="pagenum"><a name="Seite_481" id="Seite_481">[S. 481]</a></span> des -heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild -unseres Glückes“ (<span class="antiqua">questa e la figura della nostra buena ventura</span>) -aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das -Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom -Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten. -Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen -und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am -21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60 -Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete, -das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die -beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando -Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an -Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um -Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen -Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte -am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in -der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische -Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und -19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang -an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br. -hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte -nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli -die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel -St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte -unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika. -Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie -sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein -Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung -geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte -uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch -war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein -Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler -gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied -entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird -dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an -derselben Stelle geblieben sind.“</p> - -<p>Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen -zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische -Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del -Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar. -Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein -von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.<a name="FNAnker_488_488" id="FNAnker_488_488"></a><a href="#Fussnote_488_488" class="fnanchor">[488]</a> Nachdem sie am 8. -September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage -sämmtlich eine<span class="pagenum"><a name="Seite_482" id="Seite_482">[S. 482]</a></span> feierliche Procession nach der Kirche der heiligen -Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach -Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig -empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt -außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches -Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: <span class="antiqua">Primus -circumdedisti me</span> (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta -überreichte bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig -geführtes Tagebuch der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die -Bewunderung, welche allgemein den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung -gezollt wurde, drückt Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere -Seeleute sind des ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit -Jason nach Colchis segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) -verdient mehr unter die Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“</p> - -<p>Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn -die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern -Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders -vollauf.<a name="FNAnker_489_489" id="FNAnker_489_489"></a><a href="#Fussnote_489_489" class="fnanchor">[489]</a></p> - -<p>Wie bereits oben (<a href="#Seite_481">S. 481</a>) erzählt ist, mußte die <em class="gesperrt">Trinidad</em> auf -Tidor zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. -Erst am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen -Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß -den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor -aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn -getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen, -litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß -viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen -Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man -sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß -die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort -eine Festung bauten (s. oben <a href="#Seite_205">S. 205</a>). Die Noth zwang die Spanier, -an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den -portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem -Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der -Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne -Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17 -Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523, -vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda -gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor -dort als Factor<span class="pagenum"><a name="Seite_483" id="Seite_483">[S. 483]</a></span> zurückgelassen -(s. oben <a href="#Seite_205">S. 205</a>), versuchte von Banda -mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen, -ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier -Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein -Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem -Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden -Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen -höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu -befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute -Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch -sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen -die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich -mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die -letzten nach jahrelangen Leiden.</p> - -<p>Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort -Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung -ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger -ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten -Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge -alljährlich wiederholten.</p> - -<h4 id="Der_Streit_um_die_Molukken">4. Der Streit um die Molukken.</h4> - -<p>Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die -für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als -äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen -als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein -augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde -erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen -Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und -gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen -Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des -Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und -geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen -Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die -länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter -geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den -Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die -Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend -wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; -so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker -einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. -Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten -Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über -die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf -der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun -nach entgegengesetzten Richtungen zwei<span class="pagenum"><a name="Seite_484" id="Seite_484">[S. 484]</a></span> Wege zu dem Lande der Gewürze -gefunden waren — und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige -Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen -—, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich -nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die -Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber -diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, -sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen -Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man -richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung -der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr -Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines -Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine -mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, -weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden -könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen -in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um -den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege -zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus -Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der -schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits -aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt -war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten -Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April -1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den -beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht -einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die -westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 -spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte -und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden -mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die -Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand -nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen -aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine -davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. -Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen -ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem -Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer -Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der -einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung -des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von -Sevilla um 51½ Grad zu gering an.</p> - -<p>Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen -(Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die -Ansichten der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, -die Portugiesen 17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten -die Molukken den Portugiesen<span class="pagenum"><a name="Seite_485" id="Seite_485">[S. 485]</a></span> zufallen. Die Spanier behaupteten, -die Gewürzinseln seien von den Capverden 183 Grade entfernt, die -andern dagegen nahmen nur 137 Grade an. Die unausgleichbare Differenz -betrug demnach 46 Meridiane (etwa die Entfernung von Berlin bis zum -Uralgebirge). Dabei gaben die Spanier den Abstand um 30½ Grade zu -groß, die Portugiesen um 15½ Grad zu klein an.<a name="FNAnker_490_490" id="FNAnker_490_490"></a><a href="#Fussnote_490_490" class="fnanchor">[490]</a></p> - -<p>Der Pilotencongreß mußte ohne Resultat verlaufen, da keine der -streitenden Parteien die Mittel dazu besaß, der andern ihre Fehler -beweisen zu können, und löste sich am 31. Mai 1524 auf.</p> - -<p>Beide Nebenbuhler rüsteten sich, wetteifernd auf den Molukken Boden zu -gewinnen und waren entschlossen, sich auf den einmal besetzten Inseln -Tidor und Ternate mit Gewalt zu behaupten.</p> - -<p>Spanien entsandte ein Geschwader von sieben Schiffen mit 450 Mann -unter dem Befehl des <em class="gesperrt">Garcia Jofre de Loaysa</em>, während del Cano -als Oberpilot mitging<a name="FNAnker_491_491" id="FNAnker_491_491"></a><a href="#Fussnote_491_491" class="fnanchor">[491]</a>. Am 24. Juli 1525 lief dasselbe von Coruña -aus, denn nach diesem tiefen und sicheren Hafen in Galicien hatte -man das indische Haus von Sevilla verlegt, einerseits um für die zu -den Weltreisen erforderlichen größeren Schiffe einen ihrem größern -Tiefgange entsprechenden Hafen zu besitzen, andererseits um für die -Gewürze, welche, wie man hoffte, nun bald in vollen Frachten auf dem -Westwege einlaufen würden, einen Stapelplatz zu schaffen, welcher den -großen Märkten von Nordwest-Europa, namentlich den flandrischen und -englischen Häfen näher liege als Lissabon. Coruña sollte zu einer -Rivalin der portugiesischen Hauptstadt gemacht werden. <em class="gesperrt">Loaysa’s</em> -Flotte wurde beständig von Misgeschick heimgesucht. In der Region der -Calmen an der Küste von Guinea monatelang aufgehalten, gelangten die -Schiffe erst am 22. November in die Nähe des Cap S. Augustin, am 5. -December nach Cap Frio und am 14. Januar 1526 zum Julianshafen. Am -nächsten Tage zerschellte das Schiff del Cano’s in einem Sturm, welcher -auch die anderen Schiffe arg mitnahm, an der Küste; die Mannschaft -rettete sich. Wieder verging ein Monat, ehe man den Eingang der -berühmten Straße wiederfand. Der Sommer ging zur Neige, die Stürme -wurden immer heftiger und jagten am 12. Februar die Flotte vollständig -auseinander.</p> - -<p>Zwei Schiffe, die <em class="gesperrt">Anunciada</em> unter Pedro de Vera und der -<em class="gesperrt">Gabriel</em> unter Rodrigo de Acuña trafen weit nördlich von der -Magalhãesenge zusammen. Keiner der Capitäne zeigte eine Neigung, -die gefährliche Fahrt in der beabsichtigten Richtung fortzusetzen; -aber über den Weg, den sie selber einschlagen wollten, konnten sie -sich nicht einigen. Während die Anunciada ohne Steuermann (derselbe -war bereits gestorben) tollkühn ums Cap der guten Hoffnung nach den -Molukken ging und auf dem Ocean verschollen ist, steuerte der Gabriel -nach Brasilien, nahm in der Allerheiligen-Bai eine Ladung Brasil<span class="pagenum"><a name="Seite_486" id="Seite_486">[S. 486]</a></span>holz -ein, bestand eine feindliche Begegnung mit drei französischen -Freibeutern, in folge deren der Capitän und ein Theil der Mannschaft -am Lande zurückbleiben mußte, und erreichte am 28. Mai 1527 den Hafen -Bayona in Galicien, südwestlich von Vigo. Rodrigo de Acuña konnte erst -im nächsten Jahre auf einem portugiesischen Schiffe heimkehren.</p> - -<p>Derselbe Sturm vom 12. Februar trieb aber auch den Capitän <em class="gesperrt">Francisco -de Hóces</em> mit seinem Schiff <em class="gesperrt">S. Lesmes</em> bis zum 55° s. -Br., sodaß er das Ende des Landes sah, vermuthlich die südöstliche -Spitze des Feuerlandes an der Le Maire-Straße. Auf den Werth dieser -Entdeckung, durch welche das zeitraubende und gefährliche Einlaufen in -den Feuerlandssund hätte umgangen werden können, achtete man damals zu -wenig, und dem Entdecker Hóces war bald auch die Möglichkeit geraubt, -in späterer Zeit seinen Fund, welcher eine bequemere Einfahrt in den -großen Ocean in sichere Aussicht stellte, weiter auszubeuten, denn wenn -er sich auch zum Geschwader Loaysa’s zurückfand und mit diesem durch -die Magalhãesstraße zog, so wurde er doch wieder am 1. Juni 1526 durch -Sturm von den übriggebliebenen Schiffen getrennt, suchte allein seinen -Weg nach den Molukken und ist wahrscheinlich an der Paumotu-Insel -Anäa gescheitert und untergegangen.<a name="FNAnker_492_492" id="FNAnker_492_492"></a><a href="#Fussnote_492_492" class="fnanchor">[492]</a> Loaysa konnte mit den -vier Schiffen, welche ihm geblieben waren, erst am 6. April in die -Magalhãesstraße einsegeln und erreichte am 25. Mai den großen Ocean. -Am 1. Juni brach wieder ein wüthender Sturm los und riß das bereits -aus vier Schiffe zusammengeschmolzene Geschwader vollends auseinander, -sodaß von da an jedes Schiff sich seinen Weg allein suchen mußte.</p> - -<p>Das kleinste Fahrzeug, der <em class="gesperrt">St. Jago</em>, ein Schiff von nur 50 -Tonnen, sah sich unter seinem Capitän <em class="gesperrt">Guevara</em> außer Stande, den -andern über den großen Ocean zu folgen, denn es fehlte ihm an Proviant, -von welchem sich der größte Theil an Bord des Flaggschiffes befand. -Guevara suchte die nächsten Ansiedelungen der Spanier zu erreichen -und schlug daher den Weg nach Norden ein, in der Hoffnung, das jüngst -von Cortes eroberte Mexiko zu finden. Die Westküsten Südamerika’s -waren damals vom Feuerlande bis zum Aequator noch völlig unbekannt. -Doch da Magalhães bereits nach seinem Eintritt in den stillen Ocean -einen nördlichen Cours eingeschlagen und dabei gefunden hatte, daß -die Küsten der neuen Welt sich nordwärts erstreckten, so beschloß -Guevara in dieser Richtung weiter zu segeln. So gelang es ihm ohne -Unfall, vielmehr durch die nordwärts ziehende antarktische, sog. -Humboldtströmung begünstigt, am 25. Juli 1526 den Hafen von Tehuantepec -zu gewinnen und dabei die höchst wichtige Entdeckung über die westliche -Begrenzung des südamerikanischen Continents zu machen, eine Entdeckung, -welche auf die bald darauf ausgeführten Expeditionen von Pizarro und -Almagro nicht ohne Einfluß blieb.</p> - -<p>Nur zwei Schiffe Loaysa’s scheinen den großen Ocean vollständig -durchsegelt<span class="pagenum"><a name="Seite_487" id="Seite_487">[S. 487]</a></span> zu haben, das Hauptschiff, die Sa. Maria de la Victoria -und die <em class="gesperrt">Sa. Maria del Parral</em> unter Jorge Manrique de Najera. -Daß die letztere bis zum Gestade von Sangir, südlich von Mindanao, -gelangt sei, erfuhr man erst, als das Hauptschiff die Molukken erreicht -hatte, aus dem Munde der wenigen Schiffbrüchigen, welche dem Untergange -entronnen waren.<a name="FNAnker_493_493" id="FNAnker_493_493"></a><a href="#Fussnote_493_493" class="fnanchor">[493]</a></p> - -<p>Aber auch das Flaggschiff wurde von schweren Schlägen betroffen. Loaysa -starb in folge der Aufregungen über den Verlust seiner Flotte am 30. -Juli 1526 während der Fahrt über das stille Weltmeer. Sein Nachfolger -Sebastian del Cano erlag gleichfalls am 4. August; denn der Tod hielt -unter der durch Hunger und Arbeit erschöpften Mannschaft täglich seine -Ernte. Toribio Alonso <em class="gesperrt">de Salazar</em>, den man nun zum Capitän -wählte, brachte das Schiff zwar bis zu den Ladronen, wo man sich 11 -Tage Ruhe und Erholung gönnte, aber auch er starb bald nach der Abfahrt -am 13. September. Ihm folgte im Commando der Baske Martin Irriguiez -de Carquisano und brachte das Schiff endlich auf dem Wege über die -Philippinen und die Talaut-Insel nach Halmahera (Djilolo) auf dessen -Ostseite man in den Hafen von Samafo vor Anker ging. Das Schiff hatte -fast die Hälfte seiner Mannschaft eingebüßt, von 105 Personen waren 40 -gestorben.</p> - -<p>Auf Tidor, wohin man erst am 1. Januar 1527 kam, wurden die Spanier -als Befreier von dem portugiesischen Uebermuth mit offnen Armen -empfangen und fingen sofort an, sich zu befestigen. Einen Versuch der -Portugiesen, sie zu überrumpeln, schlugen sie glücklich ab; aber das -Schiff war nicht mehr seetüchtig, und an eine Heimkehr war nicht zu -denken. Nachdem auch Irriguiez gestorben, wurde Fernando de la Torre -zum Capitän gewählt. Unter ihm behaupteten sich die Spanier, bis -Saavedra ihnen zu Hilfe kam. <em class="gesperrt">Alvaro de Saavedra</em><a name="FNAnker_494_494" id="FNAnker_494_494"></a><a href="#Fussnote_494_494" class="fnanchor">[494]</a> war gegen -Ende des Jahres 1527 von Cortes mit drei Schiffen und 110 Mann von -Mexiko über den großen Ocean entsendet, um eine Verbindung zwischen -Neuspanien und den Gewürzinseln herzustellen, aber er verlor auf der -Ueberfahrt (er kam in zwei Monaten bis zu den Ladronen) zwei Schiffe, -befreite auf den Philippinen noch mehrere von den ehemaligen Begleitern -Magalhães’ und Loaysa’s (von dem Schiffe Sa. Maria del Parral) aus der -Gefangenschaft und kam am 30. März 1528 nach Tidor. Leider war seine -Mannschaft schon auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen, sodaß er seinen -bedrängten Landsleuten keine wesentliche Verstärkung bringen konnte; -es schien daher gerathener, noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, -und in Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Behauptung von -Tidor für Spanien hatte, von Cortes Hilfe zu verlangen. Daher ging -Saavedra am 3. Juni 1528 wieder unter Segel, berührte mehrere von -Papuas bewohnte Inseln, vermuthlich auch die Nordküste von Neu-Guinea, -streifte in nordöstlichem Cours unter 7° n. Br. die Gruppe der<span class="pagenum"><a name="Seite_488" id="Seite_488">[S. 488]</a></span> -Carolinen,<a name="FNAnker_495_495" id="FNAnker_495_495"></a><a href="#Fussnote_495_495" class="fnanchor">[495]</a> konnte aber in folge der beständigen Gegenwinde nicht -über die Ladronen hinaus in den Ocean vordringen und kam im October -wieder nach Tidor zurück. Im Mai des folgenden Jahres wiederholte -Saavedra seinen Versuch, gelangte zwar bis zu den Marshalls-Inseln -und steuerte nordöstlich bis zum 27° n. Br.; aber hier starb er. -Sein Schiff versuchte noch eine Zeitlang die eingeschlagene Route zu -verfolgen, mußte aber unter 30° n. Br. ebenfalls vor den ungünstigen -Winden umdrehen, erreichte nur mühsam im December 1529 (oder Ende -October) die Nordküste von Halmahera und fiel hier den Portugiesen in -die Hände, welche die Mannschaft nach Malaka brachten. Aus Tidor wurden -die Spanier vertrieben und wichen nach Halmahera zurück. Aber ihre -glücklichen Nebenbuhler kamen damit nicht blos <span class="antiqua">de facto</span> in den -Besitz der Molukken, sondern sie erwarben dieselben auch durch Vertrag. -Karl V. trat nämlich am 22. April 1529 seine Ansprüche für 350,000 -Ducaten an die Krone von Portugal ab und war damit einverstanden, daß -man die Theilungslinie 17 Grade östlich von den Molukken verlegte. -Auch diese bedeutende Abfindungssumme, welche an Spanien bezahlt -wurde, ist unter die Erfolge der ersten Erdumsegelung zu rechnen. Und -wenn dem Vertrage auch die Clausel angehängt war, daß die ganze Summe -zurückzuzahlen sei, falls es sich herausstelle, daß Portugal schon -durch die erste Bestimmung der Demarcationslinie rechtmäßigen Anspruch -auf die Gewürzinseln besitze, so wurde doch dieser Zusatz nie zur -Ausführung gebracht.</p> - -<p>Endlich wurde noch zu Gunsten der Spanier festgesetzt, daß, wenn -ihre Schiffe bei Fahrten über den großen Ocean, welcher unbestritten -innerhalb der spanischen Erdhälfte lag, sich in die molukkischen -Gewässer aus Unkenntniß verlören, diese Schiffe von Seiten der -Portugiesen nicht feindlich behandelt werden sollten. Denn es ist -bemerkenswerth, daß die spanischen Fahrten von Mexiko nach den -Philippinen fortgesetzt wurden, obwohl diese Inselgruppe nordwestlich -von den Molukken liegt und nach dem Vertrag von 1529 in den -Machtbereich der Portugiesen gezogen war.</p> - -<p>Die letzten Spanier unter de la Torre, 16 Mann, welche sich in jenem -Gebiet behauptet hatten, konnten erst 1534 nach Europa den Rückweg -antreten, aber kaum die Hälfte erreichte 1536 den heimatlichen Boden. -Unter ihnen Torre und der berühmte Pilot Andres Urdaneta, welcher nach -seiner Rückkehr einen wichtigen Beitrag zur Kenntniß der Gewürzländer -gab und seinen Bericht im Februar 1537 dem Könige in Valladolid -überreichte.<a name="FNAnker_496_496" id="FNAnker_496_496"></a><a href="#Fussnote_496_496" class="fnanchor">[496]</a></p> - -<p>Von nun an blieb Portugal im unbestrittenen Besitz des Gewürzhandels, -bis die Niederländer im Anfange des 17. Jahrhunderts sie -verdrängten.<a name="FNAnker_497_497" id="FNAnker_497_497"></a><a href="#Fussnote_497_497" class="fnanchor">[497]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_489" id="Seite_489">[S. 489]</a></span></p> - -<h4 id="Entdeckungsfahrten_im_grossen_Ocean">5. Die spanischen -Entdeckungsfahrten im großen Ocean.</h4> - -<p>Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken -für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die -weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige -wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn -der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die -Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen.</p> - -<p>Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen -Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem <em class="gesperrt">Hernando Grijalva</em> -zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der -Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten -die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus, -ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war, -nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen -Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von -Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel -die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige -Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der -portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später ließ -der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere Flotte -von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542 von -Neuspanien nach dem Westen. <em class="gesperrt">Ruy Lopez de Villalobos</em> berührte -zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln -vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die Hallinseln -und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem Meere -umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt. Villalobos -gab ihnen den Namen Coralleninseln und <span class="antiqua">los Jardines</span> (die -Gärten).<a name="FNAnker_498_498" id="FNAnker_498_498"></a><a href="#Fussnote_498_498" class="fnanchor">[498]</a> Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner -schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen -den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß: -<span class="antiqua">buenos dias matalotes!</span> zu und machten das Zeichen des Kreuzes. -Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).<a name="FNAnker_499_499" id="FNAnker_499_499"></a><a href="#Fussnote_499_499" class="fnanchor">[499]</a> -Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von -Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden Namen -Riffinseln (<span class="antiqua">Islas de arrecifes</span>) gab; es war die Gruppe der -Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29. -Januar<span class="pagenum"><a name="Seite_490" id="Seite_490">[S. 490]</a></span> in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao; -hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der -Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers -nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund -erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu -liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber -auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um -Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und -jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen -waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen -zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte -zugleich den Capitän <em class="gesperrt">Bernardo de la Torre</em> mit seinem Schiff San -Juan am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den -Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte, -welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem -Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen) -aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao, -nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen -Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden, -drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen -Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr, -daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit -seinem Befehlshaber wieder zusammen.</p> - -<p>Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge -de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders -erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag -von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den -Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht -Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie -gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug -fordern.</p> - -<p>Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf -den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den -portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu -bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines -Königs Protest ein.</p> - -<p>Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele -Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken -aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen, -und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung -zu setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im -Mai 1545 der San Juan unter dem Capitän <em class="gesperrt">Iñigo Ortiz de Retes</em> -ausgesandt; dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein -und traf so auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon -1526 gefunden hatte (s. oben <a href="#Seite_206">S. 206</a>). Zwei Monate lang kämpfte er -gegen das Unwetter an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den -Gestaden der Papuainsel<span class="pagenum"><a name="Seite_491" id="Seite_491">[S. 491]</a></span> und der vorliegenden Inseln<a name="FNAnker_500_500" id="FNAnker_500_500"></a><a href="#Fussnote_500_500" class="fnanchor">[500]</a> festhielt. -Retes landete an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An -der Küste breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im -Innern mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier -von den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne -hatten einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der -spanischen Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, -unten befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an -einer günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem -Lande Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen <em class="gesperrt">Neu-Guinea</em>. -Gegen Osten drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ -s. Br., 146° ö. v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den -Neubritannischen Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der -langen, vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen -nördlichen Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden -Verlangen der Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, -nachgeben und den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er -wieder in Tidor ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den -stillen Ocean sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen -Bemühungen eines tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen -Richtungen den Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er -mit seiner ganzen Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände -fallen müsse, denn den Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika -herum durfte er nach den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht -einschlagen.</p> - -<p>Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October -1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa, -kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und -forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen. -So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er -bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung -durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine -Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen -auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt -wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen -gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück.</p> - -<p>Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren -noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten -Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger -Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche -der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der -kleine Nachbarstaat<span class="pagenum"><a name="Seite_492" id="Seite_492">[S. 492]</a></span> bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte -nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter -auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den -Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen -doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe. -So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den -Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in -erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition -Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt -kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand. -Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und -lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur -Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser -Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland -zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des -Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens -gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November -1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus über -das stille Weltmeer. Zum Leiter war <em class="gesperrt">Miguel Lopez de Legaspi</em>, -ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte -den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos -eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf -zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen, -vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen. -Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen -Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener -Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean, -berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach -Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach -Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre -und Retes vergebens gesucht hatten.</p> - -<p>Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an, -fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm -auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft -hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung -der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu -festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die -Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt -hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die -Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen -Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach.</p> - -<p>Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta -nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten. -Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in -höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten -Passatwinden werde<span class="pagenum"><a name="Seite_493" id="Seite_493">[S. 493]</a></span> auf westliche Winde rechnen können, welche eine -Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er -mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis -zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30. -October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl -unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende -Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf -welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen -habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an -nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte -und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung -Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach -Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst -am 3. Juni 1568.</p> - -<p>Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen -neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber -dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich -behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den -Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu -überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben -und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben -daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher -Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren -Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor -unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne.</p> - -<p>Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und -dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit -einer größeren Flotte an der Bai von Manila, — denn er hatte wiederum -von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König -Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt -— und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche -mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der -spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem -jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt, -baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der -Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten -sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens -verblieb. —</p> - -<p>Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die -ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die -Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der -vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres -führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und -Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von -Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an -ein großes unbekanntes Süd<span class="pagenum"><a name="Seite_494" id="Seite_494">[S. 494]</a></span>land, dessen Vorstellung aus dem Alterthum -herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte -die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit -dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und -Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn.</p> - -<p>Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu, -während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der -Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren -Expedition kann die kühne Fahrt des <em class="gesperrt">Juan Fernandez</em> bezeichnet -werden, von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten -besitzen. Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite -Südamerika’s nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru -nach Chile zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, -die westlich von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen -Namen tragen und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und -unfreiwillige Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk -wurden, aus dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten -„Robinson“ schuf. Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer -andern Fahrt, weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, -vermuthlich Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu -einem Theil des gesuchten Südlandes gestempelt wurde.</p> - -<p>Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den -Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn er -auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern dem -General <em class="gesperrt">Alvaro de Mendaña</em> der Vicekönig von Peru das Commando -über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging -indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit<a name="FNAnker_501_501" id="FNAnker_501_501"></a><a href="#Fussnote_501_501" class="fnanchor">[501]</a> und unter ihm Hernan -Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu -finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums -vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20. -November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach -Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den -Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung -steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre -Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man -sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte -Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen. -Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den<span class="pagenum"><a name="Seite_495" id="Seite_495">[S. 495]</a></span> Philippinen -weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war, -— man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ — gab der General in -sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu -Süd steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit -Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt. -Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile -in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff -besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche -man an den Strand gelangen konnte.<a name="FNAnker_502_502" id="FNAnker_502_502"></a><a href="#Fussnote_502_502" class="fnanchor">[502]</a> Von hier aus ging die Fahrt -etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar -die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis -1200 Meter erheben. Man taufte sie <em class="gesperrt">Santa Isabel de la Estrella</em>, -weil man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und -fügte „estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen -Stern zu sehen meinte. In der Sternbai (<span class="antiqua">bahia de la estrella</span>) -gingen die Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner<a name="FNAnker_503_503" id="FNAnker_503_503"></a><a href="#Fussnote_503_503" class="fnanchor">[503]</a> sahen -zu, wie die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es -wurde sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von -Spanien gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es -gab Schweine und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und -vermeinte auch alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und -Zimmt, Aloe und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber -entzückt, sichere Anzeichen von Gold zu finden (<span class="antiqua">grande disposicion -de oro</span>) und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das -langgesuchte, goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, -die ganze Gruppe mit dem Namen <em class="gesperrt">Salomonsinseln</em>. Anfänglich hielt -man das entdeckte Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro -de Ortega die ganze Insel umfahren hatte, mußte man sich von der -Inselnatur überzeugen. Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen -und wandten sich dann nach Südosten, um die von Ortega bereits -gemachten Entdeckungen weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die -südlichern großen Inseln, welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu -San Cristoval entdeckt; aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach -Süden vorzudringen, blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am -4. September über den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort -aber noch mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch -Hunger und Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen -von Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das -Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt<span class="pagenum"><a name="Seite_496" id="Seite_496">[S. 496]</a></span> -nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche -Reise beendigt wurde.<a name="FNAnker_504_504" id="FNAnker_504_504"></a><a href="#Fussnote_504_504" class="fnanchor">[504]</a></p> - -<p>Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter -dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden -sie wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung -und unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez <em class="gesperrt">de -Quiros</em>. Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von -Callao, und nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von -diesem Hafen am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. -Auf dem Wege dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen -Gebirgsinseln, welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza -erhielten. Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. -Cristina und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben -etwas Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten -hier den geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in -üblicher Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin -wurden San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, -zwei flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- -und Vitiinseln wurden nicht gesehen.</p> - -<p>Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln -nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem -steil aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden -Kegel eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, -trennte sich das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für -immer. Gleich darauf kam gegen SO. die hohe Insel <em class="gesperrt">Sa. Cruz</em> in -Sicht und belebte den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte -sich anfänglich für friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen -die Spanier sich bei der Landung von mehreren hundert Insulanern -angegriffen. An der schönen Hafenbai im NW. der Insel, an der -<span class="antiqua">Bahia graciosa</span>, wollte Mendaña eine Niederlassung gründen, -er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord; allein die Truppen -revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade sich nicht verbannen -lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum Unglück starb -während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein Nachfolger -Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung aufzugeben -und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder in See, -um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht genau -bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher die -vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten Zustande -seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an Bord (er -hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht in der -Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete<span class="pagenum"><a name="Seite_497" id="Seite_497">[S. 497]</a></span> vielmehr seinen -Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen Inseln -bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch noch -ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines Leckes -schlecht segelte.</p> - -<p>Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach -Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598 -Paita in Peru.</p> - -<p>Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt -Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der -ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt -habe.</p> - -<p>Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur -nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der -Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand -von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas) -angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage -die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen, -welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s) -die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet -wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten -nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten -an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und -selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer -der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle -Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben -Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen -verwandten Formen der Sitte.<a name="FNAnker_505_505" id="FNAnker_505_505"></a><a href="#Fussnote_505_505" class="fnanchor">[505]</a></p> - -<p>Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert -in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder. -Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da -der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die -Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich -persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an -Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige -Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte -wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete -nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu -kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall -die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk -war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln -bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die -Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die -Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker -wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der<span class="pagenum"><a name="Seite_498" id="Seite_498">[S. 498]</a></span> Glaubenseifer -nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III. -bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland -entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen.</p> - -<p>Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab, -welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner und -vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. <em class="gesperrt">Luis Vaez de -Torres</em> befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er -gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches -Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel -zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst -das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April -in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm -die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete. -Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am -1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger -Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland -ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im -Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil. -Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und -im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren -Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und -behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der -Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner -mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang -dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande -aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen -getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am -3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in -nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten -und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad.</p> - -<p>In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte -Land, die <span class="antiqua">Australia del espiritu santo</span>, als reich gesegnet mit -allen tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als -ganz Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.<a name="FNAnker_506_506" id="FNAnker_506_506"></a><a href="#Fussnote_506_506" class="fnanchor">[506]</a> Unermüdlich -suchte er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König -richtete, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des -schönen Landes darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 -bezeichnete Diego de Prado in einem Briefe an den König die ganze -Erzählung als Täuschung und Lüge.<a name="FNAnker_507_507" id="FNAnker_507_507"></a><a href="#Fussnote_507_507" class="fnanchor">[507]</a></p> - -<p>Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl. -Theil des großen Oceans.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_499" id="Seite_499">[S. 499]</a></span></p> - -<p>Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän -<em class="gesperrt">Torres</em> davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt -sah, mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den -Philippinen einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die -Küste von Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb -zweier Monate an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose -Klippen, Riffe, Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen -und Nordwesten, bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus -er sich nach Manila begab. So wurde er der Entdecker der später mit -Recht nach ihm benannten „Torresstraße“, welche den australischen -Continent von dem Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung -blieb bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen -Archiven von Manila begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 -der erste Nachfolger des Torres durch jene Straße. Torres berührte -das Australland an der Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten -des Continents fiel im 17. Jahrhundert den Holländern, im 18. den -Engländern zu.</p> - -<p>Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem -südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden -holländischen Capitäne <em class="gesperrt">Le Maire</em> und <em class="gesperrt">Schouten</em> 1616 -machten. Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen -mit Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, -welches Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct -aus dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren -Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer.</p> - -<div class="section"> - -<h3 id="Viertes_Capitel">Viertes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu -finden.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Giovanni_und_Sebastiano_Cabotto">1. Giovanni und Sebastiano Cabotto.</h4> - -<p><span class="s3">D</span>er Gedanke, von den Küsten Europa’s auf nordwestlicher Fahrt einen -Weg nach China und Indien aufzusuchen, fand zuerst in England, als -in dem für eine solche Unternehmung am günstigsten gelegenen Lande, -eine thatkräftige Förderung. Auch hier ging die Anregung von einem -Italiener, und zwar von einem Landsmanne des Columbus aus. Wenn er -auch seine ersten Versuche vielleicht noch vor der ersten Fahrt des -Entdeckers der neuen Welt gemacht hat, so darf doch bezweifelt werden, -ob ihm die Priorität des Planes gebührt, denn man weiß, wie lange sich -Columbus mit der Idee beschäftigt hatte, ehe es ihm vergönnt war, mit -seinem ersten kleinen Geschwader von Palos aus in See zu stechen.</p> - -<p>Der Träger des Gedankens einer nordwestlichen Bahn nach Asien ist<span class="pagenum"><a name="Seite_500" id="Seite_500">[S. 500]</a></span> -<em class="gesperrt">Giovanni Cabotto</em>, oder wie ihn die Engländer nennen, John -Cabot.<a name="FNAnker_508_508" id="FNAnker_508_508"></a><a href="#Fussnote_508_508" class="fnanchor">[508]</a> Seine Zeitgenossen bezeichnen ihn allgemein als einen -Genuesen, dessen Wiege am ligurischen Strande in Castiglione oder -Savona stand.<a name="FNAnker_509_509" id="FNAnker_509_509"></a><a href="#Fussnote_509_509" class="fnanchor">[509]</a> Im Jahre 1461 wandte er sich nach Venedig, wo er am -28. März 1476 das Bürgerrecht erhielt, nachdem er, wie es das Gesetz -vorschrieb, 15 Jahre in der Stadt ansässig gewesen war. Er erhielt das -Privilegium civilitatis nach innen und außen, d. h. er konnte nun seine -bürgerlichen Rechte nicht blos in der Stadt ausüben, sondern er genoß -alle Handelsvorrechte auch in der Fremde und durfte unter der Flagge -des heiligen Markus segeln.</p> - -<p>Wahrscheinlich um 1490 begab sich Cabotto mit seinen drei Söhnen -Ludovico, Sebastiano und Sancto nach England, wo er sich in Bristol -niederließ, um von hier seine Entdeckungsfahrten zu betreiben, -denn Bristol stand als Handelsplatz damals London zunächst. Und es -scheint, daß auf seine Anregung die Kaufleute der Stadt alljährlich -seit 1491 bereits Schiffe aussandten, um die auf den alten Seekarten -verzeichneten Inseln im westlichen Meere aufzusuchen. So schrieb -der spanische Gesandte Pedro de Ayala am 25. Juli 1498 an den König -Ferdinand: „Die Leute von Bristol haben seit sieben Jahren alljährlich -zwei, drei und vier Caravelen ausgesendet, um die Insel Brasil und die -sieben Städte zu suchen, nach den Angaben dieses Genuesen.“<a name="FNAnker_510_510" id="FNAnker_510_510"></a><a href="#Fussnote_510_510" class="fnanchor">[510]</a></p> - -<p>In wie weit diese Unternehmung von Erfolg gekrönt gewesen, ist nicht -gesagt. Doch mag hierbei erwähnt werden, daß schon ums Jahr 1480 Thomas -Llyde oder Lloyd ins westliche Meer hinaussteuerte, um die genannten -Inseln zu suchen, aber vergebens.</p> - -<p>Bis zum Jahre 1496 waren die Kosten zu den Westfahrten lediglich aus -Privatmitteln bestritten, dann aber stellte Heinrich VII. dem Giovanni -Cabotto am 5. März 1496 ein königliches Patent aus, das ihn und seine -drei Söhne zu den Entdeckungsfahrten autorisirte.<a name="FNAnker_511_511" id="FNAnker_511_511"></a><a href="#Fussnote_511_511" class="fnanchor">[511]</a> Auch rüstete der -König nebst den Bristoler Kaufleuten mehrere Schiffe für Cabotto aus.</p> - -<p>Es war im Anfang Mai 1497, daß Cabotto zu seiner ersten erfolgreichen -Expedition über den Ocean ging. Die Kunde von den Erfolgen des -Columbus<span class="pagenum"><a name="Seite_501" id="Seite_501">[S. 501]</a></span> war auch nach England gedrungen, unter ihrem Einfluß wagten -die englischen Kaufleute und selbst der König den nicht bedeutenden -Einsatz für das zeitgemäße Glücksspiel, und Giovanni Cabotto selbst -drang kühner in die Weite, seitdem man mit Sicherheit auf die nicht -allzugroße Entfernung der asiatischen Küste rechnen durfte. Es darf als -erwiesen gelten, daß die Entdeckung Cabotto’s ins Jahr 1497 und nicht -schon 1494 fällt.<a name="FNAnker_512_512" id="FNAnker_512_512"></a><a href="#Fussnote_512_512" class="fnanchor">[512]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_502" id="Seite_502">[S. 502]</a></span></p> - -<p>Am Johannistage fand er Land, vermuthlich Labrador, und ging -an der Küste nach Nordosten, bis er durch das entgegenflutende -Treibeis zur Umkehr genöthigt wurde. Da er im Anfang August schon -wieder nach Bristol zurückgekehrt war, kann er unmöglich an der -Küste des amerikanischen Continents bis zur Breite von Florida -gelangt sein, wie von manchen Schriftstellern behauptet ist, auch -bezeichnet die Karte Ribeiro’s von 1529 ganz bestimmt Labrador als -englische Entdeckung,<a name="FNAnker_513_513" id="FNAnker_513_513"></a><a href="#Fussnote_513_513" class="fnanchor">[513]</a> während auf Neufundland (<span class="antiqua">tierra de los -bacalhaos</span>) der Name Cortereals eingetragen ist und an der Küste von -Neu-Schottland und der Insel Cap Breton „Land der Bretonen“ (<span class="antiqua">terra -de los bretones</span>) sich findet. Daß Cabotto den nordwestlichen -Weg nach Asien einschlug und nicht nach Südwesten segelte, wird von -mehreren Zeitgenossen bestätigt.<a name="FNAnker_514_514" id="FNAnker_514_514"></a><a href="#Fussnote_514_514" class="fnanchor">[514]</a> Erst 47 Jahre später hatte -Cabotto auf seiner Weltkarte den Namen <span class="antiqua">„prima tierra vista“</span> -hinter Neufundland am Lorenzgolf eingetragen, zu einer Zeit, als -jene Gegenden durch die Reisen Cartier’s wichtig zu werden schienen, -gleichsam als wollte er durch diese Fälschung das frühere Anrecht -der Engländer an jene Regionen betonen. Wäre er bereits 1497 in den -Lorenzgolf eingedrungen, so müßte er auch die Inselnatur Neufundlands -erkannt haben, während dieses Land noch bis 1540 auf allen Karten als -Continentalküste gezeichnet ist. Auch verrathen die Namen, welche -Cabotto 1544 am Lorenzstrom auf seine Karte schrieb, daß er die -Resultate der letzten französischen Entdeckungen dabei zu Rathe zog.</p> - -<p>Vielleicht entdeckte er aber auf seinem Rückwege schon die reichen -Fischgründe auf der Neufundlandsbank, denn seit dem Anfange des 16. -Jahrhunderts fanden sich hier schon häufig normannische, baskische und -portugiesische Fischer ein, und erhielt von letzteren die dahinter -liegende Küste den Namen „Kabeljau-Land“ (<span class="antiqua">tierra de bacalhaos</span>). -Unzweifelhaft hat er den Continent der neuen Welt <em class="gesperrt">zuerst</em> -erblickt.</p> - -<p>Cabotto wurde in England wegen seiner Entdeckung glänzend aufgenommen -und ging, durch königliches Patent ermächtigt, im nächsten Jahre mit -fünf oder sechs Schiffen wieder in See, doch gab der König selbst nur -die geringe Beisteuer von 110 £.</p> - -<p>Die Resultate sind nicht bekannt, doch läßt sich vielleicht aus der -Stellung der englischen Wimpel auf Cosa’s Karte von 1500 vermuthen, daß -die Fahrt gegen SW. bis etwa zum Cap Hatteras führte.</p> - -<p>Es war die letzte Reise des älteren Cabotto. Von da an trat sein Sohn -Sebastian in seine Fußtapfen; aber unruhigen Geistes und nicht so<span class="pagenum"><a name="Seite_503" id="Seite_503">[S. 503]</a></span> zäh -wie der Vater <em class="gesperrt">ein</em> Ziel im Auge behaltend, versuchte er sich nach -verschiedenen Richtungen und bot seine Dienste in allen Ländern und -Staaten an, von denen er eine Unterstützung seiner Pläne hoffte.</p> - -<p>Nach Nordwesten steuerte er nur noch einmal, wahrscheinlich 1503. Aber -über diese Fahrt hat sich nur eine einzige Bemerkung in Robert Fabians -Chronik erhalten, wonach Sebastian Cabotto von den neugefundenen Inseln -mehrere in Felle gekleidete Wilde mitbrachte, welche rohes Fleisch aßen -und deren Sprache niemand verstand.<a name="FNAnker_515_515" id="FNAnker_515_515"></a><a href="#Fussnote_515_515" class="fnanchor">[515]</a></p> - -<p>Nach dem Tode Heinrichs VII. (1509) ging der Venetianer, vermuthlich -1512, nach Spanien, wo er mit einem Gehalt von 50,000 Maravedis -als Capitän angestellt wurde. Ob er im indischen Rathe Sitz und -Stimme erhalten, ist zweifelhaft; denn sein Name findet sich in den -betreffenden Listen nicht. Doch wurde er später unter den Kosmographen -mit zu Rathe gezogen, welche die Anrechte Spaniens an die Molukken -erweisen sollten. Für das Jahr 1516 war eine Nordwestfahrt unter seiner -Leitung geplant; da aber König Ferdinand schon im Anfange dieses Jahres -starb, so unterblieb diese Expedition.</p> - -<p>Sebastian Cabotto ging wieder nach England, suchte hier seine Idee -zu verwirklichen, doch scheiterte auch diese Expedition an der -Zaghaftigkeit des Viceadmirals Thomas Pert (1517).</p> - -<p>Sobald daher Cabotto vernahm, daß der junge König Karl nach Spanien -gekommen sei, beeilte er sich, diesem seine Dienste anzubieten, und -erhielt als Pilot mayor ein Gehalt von 125,000 Maravedis (= 300 -Ducaten). Trotzdem finden wir ihn 1519 auf kurze Zeit in England.</p> - -<p>Aus den Berichten des venetianischen Gesandten Contarini geht hervor, -daß Cabotto sich um 1522 sogar der Republik Venedig heimlich zur -Verfügung stellte, um seiner Vaterstadt den Nordwestweg nach China zu -zeigen. Denn nachdem die erste Erdumsegelung die große Ausdehnung der -Meere im Westen der neuen Welt nachgewiesen hatte, schien es nicht mehr -zweifelhaft, daß man auch im Nordwesten von Amerika einen Durchgang -zum großen Ocean finden müsse. Aber diese perfiden Anerbietungen des -in spanischen Diensten stehenden Piloten wurden vom Rathe in Venedig -vorsichtig verschoben und blieben unerledigt,<a name="FNAnker_516_516" id="FNAnker_516_516"></a><a href="#Fussnote_516_516" class="fnanchor">[516]</a> da Cabotto bald -darauf die Leitung einer größeren Expedition erhielt, welche dem -Pfade Magalhães’ folgend in den stillen Ocean eindringen und nach den -Molukken segeln sollte. Aber diese Unternehmung, welche von 1526–30 -dauerte, scheiterte vollständig, denn Cabotto kam nur bis zum Laplata. -Da man dem Leiter alle Schuld an dem Miserfolge beimaß, so wurde er -nach seiner Rückkehr zuerst gefangen gesetzt und dann (1532) auf zwei -Jahre an die afrikanische Küste nach Oran verbannt. Doch ließ König -Karl schon im nächsten Jahre Begnadigung eintreten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_504" id="Seite_504">[S. 504]</a></span></p> - -<p>Gegen Ende 1547 verließ er Spanien, ohne seine Titel und seine Pension -aufzugeben, und ging wieder nach England, wo er ebenfalls als Pilot -mayor einen Gehalt von 166 £ bezog. Der König von Spanien rief ihn -mehrmals zurück, aber der englische Kronrath erklärte, Cabotto sei -Unterthan des Königs von England, und kein Recht, kein Grund könne ihn -zwingen, das Land zu verlassen. Und während er so Englands Schutz und -Gnadengeschenke annahm, hielt er es doch für erlaubt, noch im August -1551, zum letztenmale, seiner Vaterstadt das Anerbieten zu erneuern, -eine venetianische Flotte auf dem nur ihm bekannten geheimnißvollen -Wege nach China zu führen. Ob er damals noch den nordwestlichen Weg -im Auge hatte, muß bezweifelt werden, wenn man bedenkt, daß er gleich -darauf die Ausrüstung der Schiffe zu überwachen hatte, welche zum -erstenmal die nordöstliche Straße um Europa und Nordasien nach China -einschlagen sollten. Sebastian Cabotto starb wahrscheinlich bald nach -dem Jahre 1557, Ort und Zeit sind unbekannt.</p> - -<p>Wenn auch die letzte Hälfte seines sehr bewegten Lebens nur in -Projecten verlief, die der in drei Staaten eingebürgerte und doch -heimatlose Mann mit fieberhafter Unruhe, unbeirrt um Gewissensfragen, -allenthalben ins Werk zu setzen suchte, so hat er doch das eine -unleugbare, große Verdienst gehabt, daß er die englische Nation für -große Unternehmungen zur See begeisterte und so gleichsam der Begründer -der englischen Seeherrschaft wurde. Auf die Anregungen und Fahrten der -beiden Cabots sind alle späteren Versuche, in polaren Regionen einen -Weg nach China und Indien zu bahnen, zurückzuführen. Auf die unter den -Auspicien der Königin Elisabeth besonders regen Expeditionen nach dem -Westen und Nordwesten gründen sich die britischen Ansprüche auf den -ausgebreiteten Besitz in der neuen Welt.</p> - -<h4 id="Portugiesen_Italiener_Franzosen">2. Portugiesen, Italiener und -Franzosen auf dem Nordwestwege.</h4> - -<p>Fast zur selben Zeit mit Giovanni Cabotto wurden auch von Portugal aus -mehrere Versuche gemacht, nach Nordwesten vorzudringen. Die Träger -dieser Idee waren die beiden Brüder <em class="gesperrt">Gaspar</em> und <em class="gesperrt">Miguel -Cortereal</em>; aber leider sind uns über ihre kühnen Fahrten nur -verschwommene Mittheilungen überliefert. Es scheint, als ob der erste -Vorstoß gegen Nordwesten über den atlantischen Ocean von Gaspar -Cortereal schon vor dem Jahre 1500 ausgeführt, aber ohne Erfolg -verlaufen ist. Auf der zweiten Expedition, 1500, welche mit mehreren -Schiffen unternommen wurde, gelangte er an die Küste von Labrador, -welche man als einen Theil des Continents (nach damaliger Auffassung -natürlich Asiens) erkannte und wich vor dem Eise bis an die Klippen von -Neufundland zurück. Alte Karten verlegen das Corterealland unter 50° -bis 53° n. Br.</p> - -<p>Frühzeitig im nächsten Jahre brach Gaspar von neuem mit mehreren -Schiffen auf, um seine Entdeckungen weiter zu verfolgen. Vielleicht -war es<span class="pagenum"><a name="Seite_505" id="Seite_505">[S. 505]</a></span> an den bewaldeten Gebirgsküsten von Neu-Schottland oder an dem -Gestade Neu-Englands, wo Cortereal landete und eine Anzahl Indianer -raubte. Dann sandte er zwei Schiffe nach Europa vorauf, welche am 8. -und 11. October in Lissabon einliefen; aber er selbst kehrte nicht -zurück. Darum zog sein Bruder Miguel im nächsten Jahre (1502) ebenfalls -mit drei Schiffen aus, um seinen Bruder aufzusuchen, erreichte zwar die -Nordwestgestade, kehrte aber auch nicht wieder heim. Danach entsandte -Manuel von Portugal 1503 zwei Schiffe, um das Schicksal der Cortereals -aufzuhellen; aber umsonst. Man hat nie wieder von ihnen gehört, und mit -ihrem Tode ist die Reihe der von Portugal ausgehenden Unternehmungen, -im Nordwesten einen Durchgang zu finden, für immer abgeschlossen.</p> - -<p>Zwanzig Jahre vergingen, ehe wir von neuen Versuchen hören. Es -war die Zeit, wo nach Vollendung der ersten Fahrt um die Erde die -Selbständigkeit der amerikanischen Continentalmassen erkannt worden -war, und die spanische Regierung vor allem durch Cortes nach einer -die beiden Oceane im Osten und Westen der neuen Welt verbindenden -Meeresstraße suchen ließ; als der politische Nebenbuhler Kaiser -Karls, Franz I. von Frankreich, auch bei der Lösung dieser wichtigen -maritimen Frage sich zu betheiligen beschloß, sobald sich eine -günstige, Erfolg versprechende Gelegenheit bot. Fischer aus der -Bretagne hatten zwar schon seit 1504 sich nach den reichen Fangplätzen -auf der Neufundlandsbank begeben; aber zu einer, wissenschaftlichen -Zwecken, wie der Aufnahme neu entdeckter Küstenstriche, dienenden -Unternehmung waren sie nicht befähigt. Dazu bedurfte es auch in -Frankreich geschulter Kräfte. Wie in Spanien Columbus, in England -Giovanni Cabotto, so erbot sich in Frankreich ebenfalls ein Italiener, -<em class="gesperrt">Giovanni di Verrazzano</em> aus Florenz, die Leitung zu übernehmen. -So traten also in den westlichen Ländern Europa’s nach einander -Angehörige der bedeutendsten Plätze Italiens, Genuesen, Venetianer, -Florentiner als die Bahnbrecher über den Ocean auf. Verrazzano erbot -sich, den Franzosen den Weg nach China zu zeigen.<a name="FNAnker_517_517" id="FNAnker_517_517"></a><a href="#Fussnote_517_517" class="fnanchor">[517]</a> König Franz ließ -vier Schiffe zu dem Zwecke ausrüsten; mit ihnen brach Verrazzano gegen -Ende des Jahres 1523 von Dieppe auf. Aber zwei Fahrzeuge zerschellten -im Sturm an der Küste der Bretagne, ein drittes ging im Kampf mit -Spaniern bei Madeira verloren, so daß nur noch der „Delphin“ übrig -blieb, mit welchen der florentinische Capitän am 17. Januar 1524 von -einer einsamen Klippe bei Madeira über den Ocean steuerte und nach -einer im allgemeinen günstigen Fahrt unter dem 34° n. Br. auf die -Küste des nordamerikanischen Festlandes in der Gegend der heutigen -Stadt Wilmington stieß. Zuerst ging er an dem flachen, hafenlosen -Strande 50 Seemeilen (20 = 1°) nach Süden, kehrte dann nach Norden -zurück und segelte an der ganzen Küste entlang bis zum 50° n. Br. Aus -der Region der<span class="pagenum"><a name="Seite_506" id="Seite_506">[S. 506]</a></span> Palmen, welche er im Süden noch antraf, gelangte er, -vielfach mit den Eingeborenen friedlichen Verkehr pflegend, an den im -Wechsel der Laubfärbung reizend erscheinenden Wäldern des mittleren -Gestades vorüber, endlich zu den Nadelwäldern des Nordens. Um die -Küstengestaltung genau aufnehmen zu können, segelte er nur bei Tage und -ankerte bei Nacht. Er entdeckte die Mündung des Hudsonstromes, dessen -tiefes Fahrwasser schwer beladenen Schiffen das Einlaufen gestattete, -ging eine Strecke zu Boot den herrlichen Fluß hinauf, steuerte an dem -höher, gebirgiger und kälter werdenden Lande weiter gegen Nordosten, -entdeckte Rhode-Island, welche er mit Rhodus vergleicht, und traf -weiterhin mit Jagdindianern zusammen, welche größer als die Europäer -und von hellerer Hautfarbe als ihre südlichen Nachbarn waren, und -Kupfer, aber nicht Gold als Zierat und Schmuck verwendeten. In der -Narrangasetbai, welche er ganz deutlich beschreibt, ging er vor Anker -und verkehrte längere Zeit mit den Eingebornen. Ziemlich richtig -verlegte er diese ausgezeichnete Hafenbai unter dieselbe Breite wie -Rom, bemerkt aber treffend, das Klima sei dort viel kälter als in -Italien. Weiter nördlich, wo das Land rauher und bergiger wurde, und -die Bewohner sich wilder, unfreundlicher bewiesen, drang er mit einer -bewaffneten Schar einige Meilen ins Land, um dasselbe zu besichtigen. -Die mit klippigen Inseln besetzten und von fjordartigen Einschnitten -durchfurchten Küsten verglich er mit den dalmatischen Gestadeformen. -Erst über dem 50° n. Br., also an den Küsten Neufundlands brach er, -weil die Lebensmittel auszugehen drohten, seine Untersuchungen ab, -kehrte nach Frankreich zurück und berichtete in einem ausführlichen -Briefe, vom 8. Juli 1524 aus Dieppe datirt, über den Verlauf seiner -Expedition an den König. Dieser Bericht enthält die älteste zutreffende -Beschreibung der Küsten der Vereinigten Staaten. Verrazzano erweist -sich darin als ein vortrefflicher Beobachter und Darsteller und als ein -gebildeter Mann, der die Classiker kennt und den Aristoteles citirt. -In gewandter Darstellung waren die Italiener damals allen andern -Seefahrern überlegen.<a name="FNAnker_518_518" id="FNAnker_518_518"></a><a href="#Fussnote_518_518" class="fnanchor">[518]</a></p> - -<p>Die politischen Verwicklungen in Europa, die Kriege zwischen Franz I. -und Karl V. zogen das Interesse Frankreichs für die nächste Zeit von -der weitern Verfolgung der gemachten Entdeckungen ab. Erst ums Jahr -1562 faßte Coligny den Plan, an der Südgrenze von Süd-Carolina eine -Hugenottencolonie anzulegen. Von dem zu Ehren Karls IX. benannten Fort -Carolina erhielt hundert Jahre später das Land den noch giltigen Namen. -Aber Coligny’s Ansiedler gaben schon im nächsten Jahre ihren Plan -wieder auf, und wenn auch bald darauf der Versuch einer Niederlassung -erneuert wurde, so wurde derselbe doch 1565 durch den Spanier Pedro -Melendez<span class="pagenum"><a name="Seite_507" id="Seite_507">[S. 507]</a></span> im Blute aller protestantischen Colonisten erstickt und damit -den französischen Plänen in jener Gegend für immer ein Ende gemacht.</p> - -<p>Etwa ein Jahr später als Verrazzano befuhr der Portugiese <em class="gesperrt">Esteban -Gomez</em> gleichfalls die Ostküste Nordamerika’s, und es würde seine -Leistung hier nicht erwähnt werden, wenn sie die Arbeiten Verrazzano’s -nicht in passendster Weise ergänzte. Wir verdanken ihm nämlich -eine Küstenkarte; und wenn auch das Original verloren gegangen, so -wissen wir doch, daß, von Diego Ribeiro an, spätere Kartographen -die Darstellung des Gomez für den Gestadestreifen von Maryland bis -Rhode-Island benutzt und copirt haben. Gomez stammte aus Porto und -kam wahrscheinlich mit Magalhães nach Spanien, wo er der Regierung -einen ähnlichen Plan vorlegte, wie sein Landsmann. Als aber dieser -vorgezogen wurde, entschloß sich jener zwar, an der Magalhães’schen -Expedition theil zu nehmen, spielte dann aber eine zweideutige Rolle -und kehrte von der Feuerlandsenge mit dem Schiffe Antonio nach Spanien -zurück.<a name="FNAnker_519_519" id="FNAnker_519_519"></a><a href="#Fussnote_519_519" class="fnanchor">[519]</a> Als ausgezeichneter Pilot und Kartograph wurde er zu der -Junta von Badajoz 1524 hinzugezogen und trat dann mit dem zeitgemäßen -Plane hervor, im Nordwesten, zwischen Florida und Bacalhaos, d. h. -zwischen dem Nordgestade des mexikanischen Golfes und Neufundland -eine Straße nach China (Katai) zu suchen. Es ist dieselbe Region, wo -auch Cortes eine Durchfahrt zu finden hoffte. (Siehe oben <a href="#Seite_389">S. 389</a>). -Wie im Süden, ehe Magalhães die nach ihm benannte Straße auffand, -eine Meerenge bereits auf einzelnen Karten gezeichnet worden ist, so -beeilten sich die Geographen, auch im Norden Amerika’s solche Sunde, -die von einem Ocean zum andern führten, nach dem allgemeinen Glauben -der Zeitgenossen auf ihren Weltbildern zur Anschauung zu bringen. So -findet sich in dem von unserm deutschen Kosmographen Sebastian Münster -1542 herausgegebenen lateinischen Ptolemäus vom Lorenzgolfe aus eine -Durchfahrt angedeutet mit der Inschrift: Durch diese Straße führt der -Weg zu den Molukken (<span class="antiqua">per hoc fretum iter patet ad Molucas</span>). -Gomez erhielt für sein Project nur eine Caravele von fünfzig Tons zur -Verfügung, wurde am 10. Febr. 1525 zum königlichen Piloten ernannt und -ging gleich darauf von Coruña ab unter Segel. Nachdem er den Ostrand -der neuen Welt im Gebiet der Neu-England-Staaten erreicht hatte, lief -er an der Küste nach Süden bis über die Chesapeakbai und kehrte dann -mit einer Fracht gefangener Indianer, durch deren Verkauf die Kosten -der Ausrüstung gedeckt werden sollten, nach Spanien, wahrscheinlich -Ende November 1525, zurück. Das Land, dessen Küsten er sorgfältig -aufnahm, so daß z. B. der Hudsonstrom deutlich erkennbar ist, hieß -längere Zeit das Gomezland (<span class="antiqua">tierra de Esteban Gomez</span>) und -Ribeiro fügt, jedenfalls nach den Mittheilungen des Piloten, einige -kurze Angaben über die Natur des entdeckten Landes hinzu, aus denen -hervorgeht, daß das wald- und fruchtreiche Land in seinen Flüssen -an Fischen gesegnet war und<span class="pagenum"><a name="Seite_508" id="Seite_508">[S. 508]</a></span> daß, wie es auch Verrazzano bereits -beobachtet hatte, die Indianer im Norden von höherer Statur seien als -auf den westindischen Inseln, und daß sie sich von Mais, Fischen und -ergiebiger Jagd nährten und in Wolfs- und Fuchsfelle kleideten.<a name="FNAnker_520_520" id="FNAnker_520_520"></a><a href="#Fussnote_520_520" class="fnanchor">[520]</a></p> - -<p>Nach diesen nördlicheren Regionen richtete der kühne französische -Seefahrer <em class="gesperrt">Jacques Cartier</em><a name="FNAnker_521_521" id="FNAnker_521_521"></a><a href="#Fussnote_521_521" class="fnanchor">[521]</a> von St. Malo im nächsten -Jahrzehnt seine erfolgreichen Unternehmungen und wurde durch -dieselben der Urheber der spätern französischen Niederlassung in -Canada. Er unternahm drei Reisen. Das erstemal ging er am 20. April -1534 von seiner Vaterstadt mit zwei Schiffen aus, erreichte am 10. -Mai Neufundland und drang durch die Enge der Belle-islestraße in -den Lorenzgolf ein. Am Westufer Neufundlands gegen Süden steuernd, -gelangte er an den Inseln Cap Breton und Prinz Eduard vorüber, welche -er noch für Theile des Festlandes ansah, nach der <em class="gesperrt">Chaleurbai</em>, -welche ihren Namen erhielt, weil dem Entdecker die Temperatur dort -viel wärmer als in Spanien vorkam. Er hoffte hier einen Durchgang ins -westliche Meer zu finden; als sich aber bei weiterem Vordringen ergab, -daß die Bucht ganz von hohem Lande umschlossen sei, kehrte Cartier -zurück und segelte an der Südküste von Anticosti gegen Nordosten -wieder zur Belle-islestraße. Er hatte fast ganz Neufundland umkreist -und den St. Lorenzgolf aufgenommen. Am 5. September erreichte er -glücklich den Hafen von St. Malo. Im nächsten Jahre brach er am 19. -Mai mit drei Schiffen auf, um seine Entdeckungen in „Nova Francia“ -weiter zu verfolgen. Wiederum drang er durch die Belle-islestraße -ein, ging diesmal aber an der Labradorküste westwärts, wo er nördlich -von Anticosti im Nicolaushafen vor Anker ging und bis Anfang August -verweilte. Eine größere, weiter westlich gelegene Einbuchtung des -Landes erhielt damals den Namen <em class="gesperrt">Sanct-Lorenzbucht</em>. Erst später -wurde diese Bezeichnung auf die ganze durch Neufundland vom Ocean -abgeschlossene Meeresbucht ausgedehnt. Die beiden auf der ersten Reise -mitgenommenen Indianer, welche nun als Dolmetscher dienten, erklärten, -daß westlich von dem Lorenzhafen der große Strom von Hochelaga beginne -und ins Land Canada führe. Cartier drang nun in den großen Lorenzstrom -ein und ging zunächst unterhalb Quebec an der Bacchusinsel (wegen des -vielen wildrankenden Weines benannt) vor Anker. Dort hatte er eine -freundschaftliche Zusammenkunft mit dem Häuptling von Canada, vom -Stamme der Algonkins, welcher ihn zu bereden suchte, nicht weiter -flußaufwärts<span class="pagenum"><a name="Seite_509" id="Seite_509">[S. 509]</a></span> bis zu dem Indianerorte Hochelaga zu fahren, vermuthlich -um allein die aus dem Verkehr mit den Fremdlingen erwachsenden -Handelsvortheile zu genießen. Aber die Vorstellungen des Häuptlings -machten den Franzosen nur um so neugieriger, jenen oft genannten Ort -kennen zu lernen. Am 2. October langte Cartier auf Böten vor Hochelaga -an, wo gegen tausend Indianer ihn am Gestade empfingen und in die von -dreifachem Pallisadenringe umschlossene Stadt führten. Von hier aus -bestieg er einen niedrigen Berg am Strom, von dessen Gipfel er den -Anblick des schönen, von mächtigen Wasseradern durchzogenen Waldlandes -genoß. Der Berg erhielt den Namen Montroyal; wir erkennen darin den -Namen der größten Stadt Canada’s, Montreal. Unterhalb der Stadt suchte -Cartier sich einen bequemen Hafen und überwinterte dort mit seinen -Schiffen bis zum 6. Mai 1536. Von Mitte November bis Mitte März waren -die Fahrzeuge von zwei Faden dickem Eise gefesselt, und der im Winter -ausbrechende Scorbut forderte manches Opfer. Aus den Mittheilungen der -Indianer entnahm man, daß oberhalb der Stadt mehrere große Seen lägen. -Es war die erste Kunde von der canadischen Seenkette, deren Abfluß der -Lorenzstrom bildet.</p> - -<p>Der Rückweg ging ohne Unfall und rasch von statten. Am 6. Juli lief -Cartier wieder in den Hafen von St. Malo ein;<a name="FNAnker_522_522" id="FNAnker_522_522"></a><a href="#Fussnote_522_522" class="fnanchor">[522]</a> aber die Leiden -während der Ueberwinterung in dem strengen Klima und der Mangel an -Edelmetallen, die man in der neuen Welt allerorten zu finden hoffte, -kühlten doch den Eifer für die Colonisation jener Gegenden auf einige -Jahre merklich ab, so daß Cartier erst 1541 wieder Mittel fand, eine -neue Fahrt zu unternehmen.</p> - -<p>Ein reicher französischer Edelmann, François de la Roque, Herr von -Roberval, hatte nämlich beschlossen, an dem von Cartier entdeckten -Strome auf seine Kosten eine Colonie anzulegen und ließ sich daher -mit jenem Gebiete von der Krone förmlich belehnen. Selbstverständlich -konnte er der Führung Cartier’s nicht entbehren; aber es herrschte -zwischen beiden kein rechtes Einvernehmen, kein fester Plan. Es -befremdet schon zu sehen, daß, als Cartier am 23. Mai 1541 in St. Malo -die Anker lichtete, Roberval mit seinen Vorbereitungen noch nicht -fertig geworden war, vielmehr noch bis in den Hochsommer 1542 sich -vor Honfleur aufhielt, um Kanonen und Munition an Bord zu nehmen, -so daß also die Geschwader für Colonisation und Entdeckung getrennt -über den Ocean gingen, ohne bestimmte Verabredungen über die Punkte -einer Wiedervereinigung getroffen zu haben. Cartier gründete in der -Gegend von Quebec eine Niederlassung und benutzte noch die<span class="pagenum"><a name="Seite_510" id="Seite_510">[S. 510]</a></span> günstige -Jahreszeit, um auf Böten die oberhalb Montreal gelegenen Stromschnellen -untersuchen zu lassen. Dann überwinterte er und wartete vielleicht -bis zum Juli 1542 auf die Ankunft Roberval’s. Als dieselbe sich aber -immer noch verzögerte und die Lebensmittel auf die Neige gingen, trat -er den Rückweg an, traf zwar seinen Genossen bei Neufundland, zeigte -aber keine Neigung, noch einmal nach der bereits verlassenen Colonie -zurückzukehren, sondern schlich sich aus Roberval’s Nähe fort und -wandte sich der Heimat zu. Offenbar versprach er sich wenig Erfolg von -den ungeschickten Maßnahmen de la Roque’s. Dieser wählte mit seinen -200 Colonisten dieselbe Stelle, welche Cartier verlassen, als ersten -Stützpunkt seiner Niederlassungen und errichtete daselbst das Fort -Franceroy. „Man hatte Vorrathskammern, aber keine Vorräthe, Mühlen, -aber kein Korn, einen großen Ofen, aber kein Brot.“<a name="FNAnker_523_523" id="FNAnker_523_523"></a><a href="#Fussnote_523_523" class="fnanchor">[523]</a> Ein Drittel -der Colonisten erlag im ersten Winter. Auch das nächste Jahr brachte -keine Erleichterung, so daß König Franz sich veranlaßt sah, den Leiter -des verfehlten Unternehmens zurückzurufen und den Rest der Ansiedler -durch Cartier 1544 wieder nach Frankreich zurückzuschaffen. Erst im -Anfange des 17. Jahrhunderts wurde der rastlos thätige und umsichtige -<em class="gesperrt">Samuel de Champlain</em> der Begründer dauernder französischer -Colonien in Canada, auch drang er zuerst bis zu den canadischen Seen -vor. Champlain starb 1635. Der weitere Verlauf seiner Arbeiten gehört -der Geschichte der nordamerikanischen Colonien an.</p> - -<h4 id="Die_Versuche_der_Englaender">3. Die Versuche der Engländer, eine -Nordwestpassage zu finden.</h4> - -<p>In England hatten seit den Nordwestfahrten Sebastian Cabot’s die -Unternehmungen nach dieser Richtung geruht. Da trat 1527 <em class="gesperrt">Robert -Thorne</em>, der Sohn eines der ältesten Begleiter Cabot’s mit dem -Project auf, direct über den Pol den Weg nach China zu suchen, und wies -darauf hin, daß England durch seine Lage vor allen anderen Mächten -Europa’s berufen sei, das Problem einer Nordwestpassage zu lösen. -Heinrich VIII. bewilligte einen Theil der Kosten, und so ging Thorne -im Mai 1527 mit zwei Schiffen von England ab, kehrte aber ohne irgend -einen Erfolg zurück.</p> - -<p>Wiederum trat eine Pause von 50 Jahren ein, bis unter der Königin -Elisabeth der Unternehmungsgeist mächtig erwachte und sich in einer -Reihe von Expeditionen bethätigte, welche über 50 Jahre lang, von -1576–1632 fortgesetzt wurden. Und wenn sie auch ihr Ziel nicht -erreichten, so haben sie doch einerseits zur Aufhellung der polaren -Küstensäume Nordamerika’s Erhebliches geleistet, andererseits die -englische Marine in den schwierigsten Fahrten geschult und den -Aufschwung des Seewesens bedeutend gefördert. So wurden diese -Nordwestfahrten durch die Gunst des Volkes getragen;<span class="pagenum"><a name="Seite_511" id="Seite_511">[S. 511]</a></span> wohlhabende, -patriotisch gesinnte Männer traten zusammen, um die Kosten zu -bestreiten. Der Schauplatz dieser Unternehmungen liegt im Westen -Grönlands, wo die Gewässer der Frobisherbai, Davisstraße und -Baffinsbai, der Hudsonsstraße und Hudsonsbai die Namen der Seehelden -jener Tage verewigen. Die Schifffahrt in jenen arktischen Regionen -wird durch die häufig auftretenden starken Nebel, welche das Erkennen -der Küstenlandschaften unmöglich machen, noch mehr aber durch das Eis -erschwert, welches einerseits die zahlreichen engen Sunde versperrt und -die Küsten bis zum Hochsommer besetzt hält, andererseits aber in der -warmen Jahreszeit theils in Form von dicken Schollen, theils in Gestalt -phantastisch aussehender Eisberge, an der See abgebrochener riesiger -Trümmer mächtiger Küstengletscher, durch die breiteren Meeresgassen -der Hudsonsstraße, des Lancaster- und Smithsundes dem Ocean zutreibt; -denn in allen diesen Canälen vertieft sich der Meeresgrund nach dem -atlantischen Meere zu immer mehr und befördert in natürlichster -Weise das Abtreiben der Eismassen, welche in der mittleren Bahn -der Baffinsbai und Davisstraße sich zu dichtgedrängten Massen als -Packeis zusammenschieben, und von den Schiffen nur selten mit Erfolg -durchbrochen werden können. Daraus erklären sich die eigenthümlichen -Course der Schiffe, welche oft in scheinbarer Rathlosigkeit hier vor -den andringenden Eismassen zurückweichen, dort in eine sich zufällig -öffnende Gasse freien Fahrwassers einlenken, bis das Eis ihnen wieder -Halt gebietet.</p> - -<p>Zuerst erschien in jenen Gewässern <em class="gesperrt">Martin Frobisher</em>, welcher -von 1576–78 drei Fahrten unternahm. Aber nur die erste verfolgte den -Zweck geographischer Entdeckungen, die beiden folgenden sollten die -bereits gewonnenen Erfolge ausbeuten. Als er im Anfang Juni 1576 mit -seinen beiden kleinen Barkschiffen von 35 und 30 Tons die Themse -hinuntersegelte, winkte ihm die Königin mit der Hand Abschiedsgrüße -zu und bezeugte dadurch die hohe Theilnahme an den patriotischen -Forschungen. Wenn man erwägt, daß Frobisher für den hohen Norden, nach -welchem er steuerte, keine andere Karte, als die Zeno’sche besaß,<a name="FNAnker_524_524" id="FNAnker_524_524"></a><a href="#Fussnote_524_524" class="fnanchor">[524]</a> -wo zwar Island und Grönland in schicklicher Lage sich finden, die -Faröer aber zu einer an Größe mit Island wetteifernden vielgliederigen -Insel aufgebauscht sind und weiter hinaus die Fabelgestalten von Icaria -und Estotiland sich zeigen: so darf man sich nicht wundern, wenn der -englische Seefahrer über die im Eismeere auftauchenden Küsten eine -irrige Meinung faßte. Als er am 11. Juli unter 61° n. Br. auf die -Ostseite von Grönland stieß, erklärte er dieses Land für Friesland, -verlegte das „grüne Land“ noch weiter hinaus und steuerte darum von -der Südspitze Grönlands westlich. So stieß er am 26. Juli auf die -Labradorküste am Eingange der Hudsonsstraße, fand alle Sunde noch -mit Eis besetzt und ging an der Resolutioninsel vorüber zum Eingange -der Bai, welche noch jetzt seinen Namen trägt. Hier glaubte er, am -8. August,<span class="pagenum"><a name="Seite_512" id="Seite_512">[S. 512]</a></span> die gesuchte Straße, welche den Weg nach den Molukken -gestatte, gefunden zu haben, nahm eine Ladung von Kupferkies, welchen -man für Golderz hielt, an Bord und segelte nach Europa zurück.</p> - -<p>Der vielversprechende Anfang der Nordwestfahrten heischte rasche -Förderung. Mit einem königlichen Schiffe und zwei Barken konnte -Frobisher am 26. Mai 1577 wieder in See gehen, um die Durchfahrt noch -weiter zu erforschen (<span class="antiqua">for the further discovering of the passage -to Cathay</span>. Hakluyt, <span class="antiqua">Voyages</span>, III, 32). Am 16. Juli war er -mit seinen Schiffen an der vermeintlichen Straße, nannte die südliche -Küste <span class="antiqua">„The Queenesforeland“</span> (Königin-Vorland), und die Insel -auf der Nordseite nach dem Steuermann des Hauptschiffes „Hall-Insel“. -Diese liege, so meinte er, neben Asien; denn er war in der irrigen -Vorstellung befangen, einen Paß an der Grenze der alten und neuen Welt -gefunden zu haben. Das Land an der Nordseite der Frobisherbai galt -ihm bereits als asiatische Küste. Am 19. Juli lief er in die „Straße“ -ein und ließ an der Nordseite, am Warwicksunde (nach der Gräfin Anna -Warwick benannt) wieder sog. „Nordwesterz“ laden, in welchem der -italienische Alchymist Agnello durch eine geschickte Täuschung Spuren -von Gold nachzuweisen verstanden hatte. Eine weiter nach Nordwesten -gehende Untersuchung der Bai unterblieb; trotzdem nannte Master George -Best, welcher die Reise mitmachte, den vermeintlichen Sund emphatisch -„die nördliche Magalhãesstraße“.<a name="FNAnker_525_525" id="FNAnker_525_525"></a><a href="#Fussnote_525_525" class="fnanchor">[525]</a> Am 24. August kehrte Frobisher -zurück und erreichte am 17. September Landsend, die Südwestspitze -Englands.</p> - -<p>Da man in London die Ansicht des Entdeckers theilte, daß die Straße -zwischen Amerika und Asien gefunden sei, so galt es vor allem, die -Vortheile eines kürzeren Weges nach China für England allein zu -sichern. Der Eingang der Nordwestpassage mußte militärisch befestigt -werden, um fremden Schiffen das Einlaufen verwehren zu können. Das -Land auf der Südseite taufte die Königin <span class="antiqua">Meta incognita</span> („das -unbekannte Ziel“). Zur förmlichen Besitzergreifung des wichtigen -Passagelandes zog Frobisher 1578 zum drittenmale mit einer stattlichen -Flotte von 15 Segeln aus. Zwölf Schiffe sollten wieder Erz laden -und dann zurückgehen, die drei anderen dort stationirt bleiben und -Befestigungen anlegen. Da Frobisher diesmal einen zu südlichen -Cours eingehalten hatte, so gerieth er zuerst in den Eingang der -Hudsonsstraße, erkannte aber die Wichtigkeit derselben nicht, oder war -so sehr von der Ueberzeugung erfüllt, in der schon zweimal besuchten -Bucht die einzige Straße gefunden zu haben, daß man eine genauere -Untersuchung des südlichen Wassers für unnütze Zeitvergeudung hielt. -Als bei dieser Fahrt eins der größeren Schiffe sich einen Weg durchs -Eis bahnen wollte, wurde es zwischen den Schollen zerdrückt und -ging unter. Die Mannschaft wurde zwar gerettet, aber leider befand -sich in dem versunkenen Fahrzeuge das Bauholz für das Fort und das -Winterhaus. Der Plan einer Befestigung<span class="pagenum"><a name="Seite_513" id="Seite_513">[S. 513]</a></span> mußte also aufgegeben werden, -man nahm wieder Nordwesterz ein und kehrte Ende August nach Europa -zurück. Daß die mitgebrachten Erze werthlos waren, mußte eine genauere -Untersuchung bald ergeben; aber man verschwieg die Resultate, um sich -nicht öffentlichem Spotte auszusetzen. Doch sah man bei den späteren -Expeditionen davon ab, unnützen Ballast nach Europa zu verfrachten.</p> - -<p>Daß Frobisher keine Straße gefunden, sondern nur in eine Bucht gerathen -war, ist erst in unserem Jahrhundert, 1862, durch Francis Hall -nachgewiesen. Bis dahin, also bis vor 20 Jahren, figurirte auf allen -Karten noch eine „Frobisherstraße“.</p> - -<p>Trotz der nicht erheblichen Resultate dieser Fahrten trat wenige -Jahre später eine Gesellschaft Londoner Kaufleute unter der Leitung -William Sanderson’s zusammen, um die Entdeckungen weiter zu verfolgen. -<em class="gesperrt">John Davis</em>,<a name="FNAnker_526_526" id="FNAnker_526_526"></a><a href="#Fussnote_526_526" class="fnanchor">[526]</a> ein wissenschaftlich gebildeter und praktisch -tüchtiger Seemann wurde mit der Führung der Expedition betraut und ging -mit seinen beiden kleinen Schiffen „Sonnenschein“ und „Mondschein“, -von 50 und 30 Tonnen Gehalt, am 7. Juni 1585 von Dartmouth ab. Am 20. -Juli traf er, wahrscheinlich bei Cap Discord, auf die Südostküste von -Grönland. Weil er sich aber durch die noch immer maßgebende Karte -Zeno’s irreleiten ließ, erkannte er das Land nicht als Grönland, -sondern gab ihm den Namen <span class="antiqua">Land of Desolation</span>, da es mit seinen -mächtigen, schneebedeckten Bergen und dem vegetationslosen Strande, -den ein zwei Meilen breiter Eissaum umschloß, in starrer Oede sich aus -den Fluten erhob. Dann drang er um die Südspitze des Landes herum nach -Norden, ging unter 64° 15′ n. Br. über die nach ihm benannte Straße an -das westliche Gegengestade und verfolgte die Fjordküste von Cumberland -bis 66° 40′ n. Br., verewigte die Namen seiner Freunde an den Sunden -und Vorgebirgen, wandte sich zur Umkehr, ging am 12. August über den -Ausgang der Cumberlandbai, deren kahle Felsenküste er nicht weit genug -verfolgte, um das Wasser als eine abgeschlossene Bucht zu erkennen, und -langte am 30. September wieder in England an.</p> - -<p>Nach mehreren Richtungen schien das arktische Meer noch weiteres -Vordringen zu gestatten. Darum stellten die Kaufleute dem kühnen -Polarfahrer, welcher schon bei dem ersten Versuche bedeutend weiter -nach Norden gekommen war als Frobisher, im nächsten Jahre vier Schiffe -von 120, 60, 35 und 10 Tonnen Gehalt zur Verfügung, um die entdeckte -Straße weiter zu verfolgen. Um die günstige Jahreszeit des Hochsommers -mehr ausbeuten zu können, stach er einen Monat eher in See, war schon -am 15. Juni an der Südspitze Grönlands, erreichte aber, weil er -durch dichte Nebel und Eisbarrieren aufgehalten wurde, die gleiche -Polhöhe wie im vorigen Jahre nicht (er kam am 1. August bis 66° 33′ -n. Br.) und hoffte auf dem Rückwege<span class="pagenum"><a name="Seite_514" id="Seite_514">[S. 514]</a></span> in die Cumberlandbai eindringen -zu können, weil er fest überzeugt war, hier eine Passage zu finden, -sah aber noch am 15. August den Eingang durch Eis versperrt. So lief -er bis zum 28. August an der Küste weiter gegen Süden und brach die -weiteren Nachforschungen erst ab, als er an der Labradorküste bis zum -57° n. Br. entlang gesegelt war. Dann wandte er sich der Heimat zu -und langte am 6. October in der Themse an. Außer der Entdeckung von -gewinnversprechenden Fischgründen bot diese zweite Forschungsreise -geringere Erfolge als die erste; doch sprach Davis in einem Briefe -an seinen Freund William Sanderson die Hoffnung aus, an vier Stellen -(Davisstraße, Cumberland, Frobisherbai und Hudsonsstraße) bei günstiger -Jahreszeit den Durchgang erzwingen zu können. Auch äußerte er später -die treffende Vermuthung, daß ganz Amerika sich im Norden in Inseln -auflöse.<a name="FNAnker_527_527" id="FNAnker_527_527"></a><a href="#Fussnote_527_527" class="fnanchor">[527]</a></p> - -<p>Unter diesen Auspicien wurden zum drittenmale die Mittel beschafft, um -Davis nach dem Nordwesten zu senden. Am 19. Mai 1587 lief er mit zwei -größeren und einem kleineren Schiffe von Dartmouth aus und erreichte -am 16. Juni den Gilbertsund an der Westseite Grönlands (64° n. Br.), -in welchen er schon bei seinen früheren Fahrten eingelaufen war. -Am Eingange desselben liegt gegenwärtig die dänische Niederlassung -Godthaab. Von hier aus ging Davis am 21. Juni mit dem kleinen Schiffe, -einem „Clincher“ oder einer Pinasse, allein weiter auf Entdeckung -nach Norden, während die beiden größeren Fahrzeuge dem Fischfang -oblagen und sechszehn Tage auf seine Rückkehr warten sollten. Allein -dieselben hielten nicht Wort und ließen ihren Capitän im Stich. Dieser -segelte in offenem Fahrwasser an der grönländischen Küste nordwärts -über den Polarkreis, an der Disko-Insel vorüber, bis zur Polhöhe -von 72° 12′ n. Br.<a name="FNAnker_528_528" id="FNAnker_528_528"></a><a href="#Fussnote_528_528" class="fnanchor">[528]</a> Auch hier fand er im Norden und Westen noch -freies Wasser. Den nördlichsten Punkt, den er erreichte, nannte er -Hope Sanderson, südlich von Upernivik. Bei seinem Versuche, nun -westwärts quer über den Meerbusen zu segeln, stieß er am 2. Juli auf -das sogenannte Mittel-Packeis und war mehrere Tage im Eise besetzt; -doch gelangte er glücklich an die westlichen Küsten, passirte am 31. -Juli einen sehr großen Golf,<a name="FNAnker_529_529" id="FNAnker_529_529"></a><a href="#Fussnote_529_529" class="fnanchor">[529]</a> den Eingang der Hudsonsstraße und -ließ am 15. September im Hafen von Dartmouth die Anker fallen. Er war -der festen Ueberzeugung, daß die Nordwestpassage möglich sei. Schon -am nächsten Tage schrieb er an Sanderson: „Die Passage ist höchst -wahrscheinlich, deren Ausführung leicht.“ Dieselbe Ansicht verfocht -er auch später in einem besonderen Werke,<a name="FNAnker_530_530" id="FNAnker_530_530"></a><a href="#Fussnote_530_530" class="fnanchor">[530]</a> in welchem er auch -die Gründe angiebt, weshalb mit dieser dritten Fahrt die weiteren -Versuche abgebrochen wurden; denn einerseits wurde England von der -spanischen Armada bedroht, andrerseits fehlte, nachdem Walsingham,<span class="pagenum"><a name="Seite_515" id="Seite_515">[S. 515]</a></span> der -Secretär Elisabeths, gestorben war, ein mächtiger Fürsprecher bei der -Königin.<a name="FNAnker_531_531" id="FNAnker_531_531"></a><a href="#Fussnote_531_531" class="fnanchor">[531]</a></p> - -<p>Erst unter ihrem Nachfolger Jacob I. belebte sich das Interesse für die -Polarfahrten aufs neue und konnten wichtige Erfolge verzeichnet werden. -Hier glänzen vor allen die Namen Hudson und Baffin.</p> - -<p><em class="gesperrt">Henry Hudson</em><a name="FNAnker_532_532" id="FNAnker_532_532"></a><a href="#Fussnote_532_532" class="fnanchor">[532]</a> hat vier Reisen nach dem Norden gemacht, davon -gehören die beiden letzten in den Rahmen der Nordwestfahrten. Im Jahre -1609 sollte er im Auftrage der niederländisch-ostindischen Compagnie -(gegründet 1602) in der Yacht „Der Halbmond“ einen wiederholten Versuch -machen, die Eisschranken der Nordostpassage, welche um Nordasien herum -nach Indien führen sollte, zu brechen. Da er aber für dieses Vorhaben -viel zu zeitig, am 27. März alten Stils, von Texel in See gegangen -war, so stieß er im Anfang Mai jenseits des skandinavischen Nordcaps -bereits auf dichtes Eis, verlor dadurch die Aussicht, weiter als in den -früheren Jahren kommen zu können, und entschloß sich rasch, umzukehren -und an den Küsten Nordamerika’s nach einer Passage zu suchen. So -ging er Ende Mai von den Lofoten über die Faröer nach Neufundland -hinüber und begann, vom 35° 41′ n. Br. an, alle Buchten des Continents -in langsamer Fahrt gegen Nordosten zu mustern. Dabei verwendete er -die meiste Zeit, einen vollen Monat, auf die Erforschung des tiefen -Stromes, welcher nach ihm der Hudson benannt ist, und welchen er bis in -die Nähe von Albany aufnahm. Die große Wichtigkeit dieser Stromrinne -wurde durch ihn so entschieden betont, daß die Niederländer bald darauf -an der Mündung desselben eine Colonie, Neu-Amsterdam, anlegten, aus -welcher später, nachdem sie von Engländern besetzt und in Neu-York -umgetauft worden war, die größte und mächtigste Stadt der neuen Welt -erwuchs.</p> - -<p>Im folgenden Jahre 1610 wurde ihm die Gelegenheit gegeben, im Auftrage -der englischen moskowitischen Gesellschaft dasselbe Ziel weiter -nordwärts zu verfolgen. Er richtete dabei sein Augenmerk auf die von -seinen Vorgängern Frobisher und Davis bereits gesehene große Bucht, -südlich von der <span class="antiqua">Meta incognita</span>, hinter welcher Davis eine Straße -zum großen Ocean vermuthete und in welche 1602 Georg Weymouth, dessen -Logbuch Hudson durch Vermittlung des holländischen Gelehrten Peter -Plancius hatte einsehen können, bereits eingesegelt war. Unter den -großen Patronen der englischen Seeunternehmungen jener Zeit, Männern -wie Sir Thomas Smith, Sir Francis Jones, Sir Dudley Digges, Sir John -Wolstenholm, Sir James Lancaster, hat sich besonders Smith durch seine -patriotische Opferwilligkeit, durch seinen selbstlosen Eifer und -durch die Kühnheit seiner Pläne nicht blos<span class="pagenum"><a name="Seite_516" id="Seite_516">[S. 516]</a></span> um die rasche Ausdehnung -des englischen Handels, sondern auch um die maritimen Entdeckungen -hohe Verdienste erworben. Er gehörte nicht nur zu den thätigsten -Mitgliedern der moskowitischen Handelsgesellschaft, deren Bestrebungen -wir im nächstfolgenden Capitel kennen lernen werden, sondern war -auch einer der Begründer der ostindischen Compagnie (1600) und rief -später (1615) die Gesellschaft Londoner Kaufleute zur Entdeckung der -Nordwestpassage (<span class="antiqua">the Company of merchants of London, discoverers of -the Northwestpassage</span>) ins Leben.</p> - -<p>Noch ehe diese letzte Gesellschaft bestand, trat er mit den genannten -Freunden zusammen, um Henry Hudson auf dem Schiffe „Discovery“ nach -dem Nordwesten zu senden. Man billigte dessen Plan, südlich von der -Meta incognita in die von Weymouth zuletzt besuchte Bucht weiter -vorzudringen.</p> - -<p>Am 24. Juni kam das Schiff vor die Einfahrt in die Hudsonsstraße, -mußte sich aber vor den herausflutenden Eisschollen in die Ungavabucht -flüchten und arbeitete sich mühsam im Eise weiter, so daß die -Mannschaft umzukehren wünschte, weil sie der harten Arbeit überdrüssig -geworden. Erst gegen Ende Juli hatte er bis zur Insel Salisbury am -westlichen Ausgange der Straße vorrücken können und wandte sich nun, -da die Labradorküste nach Süden verlief und ein weiteres Meer sich vor -ihnen ausbreitete, nach Südwesten. Im nördlichen Theile von Labrador -setzte Hudson in den Namen Cap Wolstenholm, Diggesinseln und Cap Smith -den Förderern der Expedition ein bleibendes Denkmal. Hier bricht leider -Hudsons Tagebuch ab und wir sind für den weitern Verlauf und das -tragische Ende des Entdeckers auf die Aufzeichnungen beschränkt, welche -Abacuk Prickett, ein Diener Sir Digges’, hinterlassen hat. Hudson ging -mit seinem Schiffe an der die Festlandsküste in ziemlicher Entfernung -begleitenden Inselreihe der Nord- und Süd-Schläfer entlang bis zur -südwestlichen Einbuchtung der Jamesbai, wo er am 1. November vor Anker -ging und in einer Breite von 52 Graden zu überwintern beschloß. Den -meuterischen Steuermann und Hochbootsmann hatte er absetzen müssen -und ihre Stellen an Robert Bylot und William Wilson übertragen. Schon -am 10. November fror das Schiff ein und wurde erst im Juni wieder -frei. Die strenge Winterkälte steigerte den Mismuth der Mannschaft -gegen den harten Capitän, der mit eiserner Hand seine Autorität wahren -wollte.<a name="FNAnker_533_533" id="FNAnker_533_533"></a><a href="#Fussnote_533_533" class="fnanchor">[533]</a> Als er im Juni 1611 auf dem Rückweg nach Cap Wolstenholm -sich befand, brach die Empörung aus, weil Hudson gedroht hatte, er -werde die Widerspenstigen an dem unwirthlichen Gestade aussetzen. Zu -den Haupträdelsführern gehörte auch Henry Green, den Hudson in seinem -Hause in London aufgenommen und erzogen hatte. Er gehörte nicht zu -der besoldeten Mannschaft, sondern war von Hudson auf seine Kosten -mitgenommen, „weil er gut schreiben konnte“. Das Schicksal, das den -Meuterern angedroht war, bereiteten sie dem<span class="pagenum"><a name="Seite_517" id="Seite_517">[S. 517]</a></span> Capitän. Hudson wurde -bei Nacht von ihnen überfallen, gebunden und sammt seinem jungen -Sohne und acht Leidensgefährten in einer Schaluppe ausgesetzt und -dem unvermeidlichen Untergang preisgegeben. Zwar ereilte auch den -undankbaren Green und einige seiner Genossen das Verhängniß; denn sie -wurden am 29. Juli bei den Diggesinseln von Eingeborenen erschlagen. -Das Schiff kehrte dann nach England zurück.</p> - -<p>Die Hudsonsbai wurde Hudsons Grab. Um den Verschollenen aufzusuchen, -wurden 1612 zwei Schiffe, auf welchen auch Robert Bylot und Abacuk -Prickett mitgingen, nach dem Schauplatz des Verraths ausgesendet -unter <em class="gesperrt">Thomas Button</em> und <em class="gesperrt">Ingram</em>, aber sie fanden von den -Verlorenen keine Spur. Sie umkreisten den nördlichen und westlichen -Rand der großen Bai bis zum Nelsonflusse, wo sie überwinterten, und da -der Winter ausnahmsweise milde verlief, nur vom 16. Februar bis zum 5. -April vom Eise besetzt waren. Weil man in Port Nelson eine Fluthöhe -von 15 bis 18 Fuß beobachtet hatte, so folgerte man in England daraus, -die Hudsonsbai müsse im Südwesten mit dem großen Ocean in Verbindung -stehen, denn in einem geschlossenen Binnenmeere könnten die Gezeiten -eine solche Höhe nicht erreichen. Von Westen kommende Fluten galten -mit Recht als Anzeichen einer weitern Wasserverbindung nach jener -Himmelsgegend. Button war von der Existenz der Passage westlich von der -Hudsonsbai aus fest überzeugt.</p> - -<p>So lief denn dasselbe Schiff, die „Discovery“, welches Hudson und -Button befehligt hatten und welches auch noch im Jahre 1614 mit -Capitän Gibbons an der Labradorküste gewesen war, im folgenden Jahre -zu neuen Entdeckungen aus, diesmal unter Robert Bylot und <em class="gesperrt">William -Baffin</em>.<a name="FNAnker_534_534" id="FNAnker_534_534"></a><a href="#Fussnote_534_534" class="fnanchor">[534]</a> Baffin war in den arktischen Gewässern kein Neuling -mehr. Im Jahre 1612 war er als Steuermann mit James Hall nach -der Westküste Grönlands gegangen, um nach den Trümmern der alten -normannischen Niederlassungen zu forschen, hatte dann im Dienste der -moskowitischen Compagnie in den beiden nächsten Jahren größere Flotten -nach Spitzbergen begleitet und ließ sich nun für die Unternehmungen der -Nordwestcompagnie gewinnen. Der Uebergang aus dem Dienste der einen -Gesellschaft in den der andern vollzog sich um so leichter, weil beide -von Thomas Smith geleitet wurden. Baffin war einer der gebildetsten -Seeleute seiner Zeit, der mit der einem Polarfahrer nöthigen Kühnheit -und Entschlossenheit das Talent und die Liebe zu wissenschaftlichen -Beobachtungen verband. Er war in dieser Hinsicht dem Capitän Bylot -bedeutend überlegen, ordnete sich demselben aber im Interesse der Sache -unter und ging als Pilot mit.</p> - -<p>Am 27. Mai drang die „Discovery“ in die Hudsonsstraße ein, wo Baffin -bald darauf den ersten Versuch auf der See machte, die Längen nach -Monddistanzen zu bestimmen, eine Methode, welche schon 1514 von dem -Nürnberger<span class="pagenum"><a name="Seite_518" id="Seite_518">[S. 518]</a></span> Astronomen Johann Werner gelehrt, aber bisher von den -Seefahrern noch nicht ausgeführt war. Am 3. Juli befand sich das Schiff -bei der Millsinsel, am nordwestlichen Ausgange der Straße und versuchte -nun, sich nordwärts durch den Foxcanal einen Weg zu bahnen. Man sah -auch hier noch mit Betrübniß, daß die Flutwelle von Osten, also aus -dem atlantischen Ocean kam. Zwar belebte sich die Hoffnung noch einmal -auf kurze Zeit, als man an der westlich vom Foxcanal gelegenen großen -Southamptoninsel eine von Norden kommende Flut beobachtete und gab den -freudigen Erwartungen dadurch Ausdruck, daß man daselbst ein Vorgebirge -Cap Comfort (Trost) benannte (75° n. Br.); allein schon am nächsten -Tage zerrann die Hoffnung wieder, denn man sah vom Westen bis herum -nach Nordosten ringsum mit Eis umschlossenes Land und beobachtete nur -eine schwache Flut. Hier konnte also die Passage nicht erwartet werden.</p> - -<p>Das Schiff kehrte dann nach der Südostspitze von Southampton zurück, -wo man in offner See ankerte, um die Richtung der Flutbewegung -besser beobachten zu können. Das Hochwasser kam ganz sichtlich aus -Südosten, die Ebbe von Nordwesten. Schärfer war die Strömung noch -nicht wahrgenommen; aber sie vernichtete jede Hoffnung, im Umkreise -der Hudsonsbai die Durchfahrt zu finden.<a name="FNAnker_535_535" id="FNAnker_535_535"></a><a href="#Fussnote_535_535" class="fnanchor">[535]</a> Also wandte man sich zur -Heimkehr und landete am 6. September in Plymouth, ohne während der -ganzen Fahrt einen Mann eingebüßt zu haben.</p> - -<p>Baffin sprach nunmehr seine Ansicht dahin aus, daß die Hauptpassage nur -in der Verlängerung der Davisstraße zu suchen sei. Um dieselbe weiter -aufzuhellen, wurden Bylot und Baffin in demselben Schiffe 1616 noch -einmal ausgeschickt. Diesmal steuerten sie direct nach der Davisstraße -und erreichten am 30. Mai Hope Sanderson (72° 42′ n. Br.). Von hier -aus also begannen die neuen Entdeckungen. Das Schiff ging bis zum 10. -Juni an der grönländischen Küste nordwärts und versuchte dann einen -Vorstoß in die westlichen, in der Mitte der Bai treibenden Eismassen, -um weiter von der Küste abkommen zu können. Aber dieser Versuch, das -sogenannte Mittelpackeis zu durchbrechen, schlug fehl<a name="FNAnker_536_536" id="FNAnker_536_536"></a><a href="#Fussnote_536_536" class="fnanchor">[536]</a>, und man -war gezwungen, das Küstenfahrwasser wieder aufzusuchen. In diesem -fuhr man nordwärts bis zum Whalesunde (77° 30′ n. Br.), der nach -der großen Anzahl dort gesehener Walfische benannt wurde, und bis -zum Eingange des Smithsundes, wo das Schiff zwei Tage lang in Sturm -und Nebel umhergejagt wurde. Auf der andern Seite der großen Bai -gelangte das Schiff am 10. Juli zur Oeffnung des Jonessundes, am 12. -Juli zum Lancastersunde. Hier befand man sich thatsächlich an der -Pforte der nordwestlichen Durchfahrt, aber man erkannte sie nicht; -denn die Bezeichnung „Sund“ berechtigte noch nicht zur Annahme<span class="pagenum"><a name="Seite_519" id="Seite_519">[S. 519]</a></span> eines -Durchgangscanals. „Vom Lancastersunde an,“ schreibt Baffin, „begann -unsere Hoffnung auf eine Passage geringer zu werden. Denn von nun an -hatten wir eine geschlossene Eisbank zwischen uns und der Küste. Wir -hielten uns bis zum 14. Juli dicht an der Eisbarriere und sahen das -Land sich noch bis zum 70° 30′ n. Br. erstrecken. Bei dem Versuche, -durch das Eis nach Osten ins grönländische Küstenwasser zu kommen, -wurden wir in dem Schollenmeere festgehalten und trieben bis 65° 40′ n. -Br. südwärts.“ Nun erst gab man, da auch viele Leute an Bord erkrankt -waren, die Untersuchung der Westküste auf und kehrte nach England -zurück, wo man am 30. August in Dover landete.</p> - -<p>In einem Briefe an John Wolstenholm spricht sich Baffin ganz -entschieden dahin aus, daß das große Wasser nördlich von der -Davisstraße, die Baffinsbai, nur eine geschlossene Bai sei und daß -dort keine Passage existire. Ehe er sich mit eignen Augen davon -überzeugte, sei er noch anderer Ansicht gewesen. Er schließt seinen -Brief mit den Worten: „Ich darf kühn und ohne Prahlerei behaupten, daß -in kürzerer Zeit bessere Entdeckungen nicht gemacht sind, wenn man die -Eismassen und die Schwierigkeit einer Segelfahrt so nahe am Pol und -dazu die fabelhafte Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zieht, so -daß ohne die größte Sorgfalt gar keine richtige Karte entworfen werden -kann.“<a name="FNAnker_537_537" id="FNAnker_537_537"></a><a href="#Fussnote_537_537" class="fnanchor">[537]</a></p> - -<p>Volle zweihundert Jahre, bis 1818, ruhten die Versuche, durch -den nördlichen Theil der Baffinsbai weiter vorzudringen. Doch -wurden jene Gewässer für den Walfischfang in ergiebigster Weise -ausgebeutet. Erst in unserm Jahrhundert nahm man die Frage der -Nordwestpassage in England wieder auf. Nach einer Reihe glänzender, -heldenmüthiger Forschungsreisen ist 1850 durch Mac Clure die Existenz -einer Wasserstraße von der Baffinsbai aus durch den Lancastersund -um Nordamerika sowie durch die Beringsstraße zum großen Ocean -nachgewiesen, aber eine Umsegelung der neuen Welt im Norden wegen -der höchst schwierigen Eisverhältnisse noch nicht ausgeführt. Der -materielle Gewinn, welchen der britische Handel aus den Nordwestfahrten -erzielte, ergab sich noch im Laufe des 17. Jahrhunderts, nachdem im -Jahre 1631 noch zwei verschiedene Expeditionen unter den Capitänen -<em class="gesperrt">Fox</em> den Norden und <em class="gesperrt">James</em> den Süden der Hudsonsbai -erforscht hatten, und sich dann 1670 auf Anregung des Prinzen -Rupert eine Gesellschaft bildete (<span class="antiqua">Company of adventurers of -England trading into Hudsonsbai</span>), um von den<span class="pagenum"><a name="Seite_520" id="Seite_520">[S. 520]</a></span> Küsten dieses -nordamerikanischen Binnenmeeres aus besonders Pelzhandel zu treiben. -Die Hudsonsbai-Compagnie beherrschte sodann in ihrer weiteren -Entwicklung den ganzen Norden Amerika’s und legte so den Grund zu der -Ausdehnung der britischen Herrschaft über die ganze nördliche Hälfte -jenes Continents.</p> - -<div class="section"> - -<h3 id="Fuenftes_Capitel">Fünftes Capitel.<br /> - -<span class="s7"><b>Die Nordostpassage.</b></span></h3> - -</div> - -<h4 id="Die_Englaender_auf_dem_Nordostwege">1. Die Engländer auf dem -Nordostwege und die moskowitische Compagnie.</h4> - -<p><span class="s3">S</span>ebastian Cabot, den wir zuerst, in Gemeinschaft mit seinem Vater, von -England aus die nordwestliche Bahn nach Indien betreten sehen, ist auch -der Urheber des Gedankens, den letzten noch möglichen Weg nach den -reichsten Ländern Asiens einzuschlagen: von England aus nach Nordosten -um Nordeuropa und Nordasien. Zwar hat Sebastian Cabot nicht selbst mehr -Schiffe nach dem Nordosten geführt, denn er war bereits hochbetagt, -wenigstens 80 Jahre alt, als er mit seinem Vorschlage hervortrat; aber -er lieh dem Unternehmen die Unterstützung seiner reichen Erfahrungen im -Seewesen und wirkte dadurch fördernd und anregend.</p> - -<p>Es könnte befremden, daß der Nordostweg so spät, erst 1553 versucht -wurde, wenn uns nicht ein Blick auf die Karten jener Zeit belehrte, -daß man die Küstenumrisse Afrika’s und Südamerika’s besser kannte -und richtiger darstellte als die Meeressäume in Nordeuropa; denn bis -nach Skandinavien erstreckte sich der Handel der Italiener, folglich -auch ihre Kunst der Seekarten nicht, und die Hanseaten, zu deren -Handelsgebiet der ganze Norden, wenigstens bis Bergen und Drontheim -gehörte, verwendeten statt der gemalten Compaßkarten geschriebene -Segelanweisungen, Seebücher. So blieb der Norden Europa’s in seiner -kartographischen Entwicklung lange hinter dem Süden, namentlich den -Gestaden des Mittelmeeres, zurück. Wie die Karten des Nicolaus Donis -von 1482,<a name="FNAnker_538_538" id="FNAnker_538_538"></a><a href="#Fussnote_538_538" class="fnanchor">[538]</a> die Weltkarte von 1513 (vorliegendem Werke beigegeben) -und Jacob Zieglers Karte<a name="FNAnker_539_539" id="FNAnker_539_539"></a><a href="#Fussnote_539_539" class="fnanchor">[539]</a> (Straßburg) von 1532 zeigen, hielt -man noch an der Vorstellung fest, daß vom Norden Europa’s eine -Landverbindung nach Grönland existire. Entsprach eine solche Auffassung -der Wirklichkeit, dann war selbstverständlich an eine nordöstliche -Durchfahrt nicht zu denken. Und doch bestand, wenigstens schon seit dem -15. Jahrhundert, ein Schifffahrtsverkehr zwischen dem weißen Meere und -den Westgestaden Skandinaviens, von dem man im Süden eigentlich nichts -wußte. Noch mehr: die<span class="pagenum"><a name="Seite_521" id="Seite_521">[S. 521]</a></span> leichtgebauten russischen Fahrzeuge wagten sich -schon bis nach Nowaja Semlja und bis an die Eingänge des karischen -Meeres; denn im Laufe des 16. Jahrhunderts fanden englische Schiffe -an der Westseite des „Neuen Landes“ die Einfahrt in einen sichern -Hafen bereits durch Kreuze markirt. Sigismund von Herberstein, welcher -zweimal, 1517 und 1526 als Gesandter des deutschen Kaisers nach Moskau -ging, berichtet uns<a name="FNAnker_540_540" id="FNAnker_540_540"></a><a href="#Fussnote_540_540" class="fnanchor">[540]</a> über die im Jahre 1496 von dem russischen -Botschafter David ausgeführte Seefahrt von der Dwina nach Drontheim. -Wir erfahren aus dem Munde eines Mitgliedes dieser Gesandtschaft, -Gregory Istoma, daß zu jener Zeit schon das norwegische Grenzfort -Vardöhuus am Varangerfjord jenseit des Nordcaps bestand, wodurch die -Grenzen der norwegischen Besitzungen bewacht wurden. Und wenn die -von da aus nach Südost verlaufende Küste der Halbinsel Kola noch -jetzt den Namen murmanische d. h. normannische Küste führt, so müssen -skandinavische Seefahrer sie besucht haben. Ihnen war also das äußerste -Nordgestade unseres Continents längst bekannt; aber in Südeuropa -vernehmen wir nur vereinzelte kundige Stimmen. So erzählt Gomara, in -Bologna habe ihm der landesflüchtige, schwedische Bischof Olaus Magnus -erzählt, daß man um Nordeuropa bis nach China segeln könne.<a name="FNAnker_541_541" id="FNAnker_541_541"></a><a href="#Fussnote_541_541" class="fnanchor">[541]</a> Aber -Olaus Magnus rückt irrthümlich auf seiner Karte<a name="FNAnker_542_542" id="FNAnker_542_542"></a><a href="#Fussnote_542_542" class="fnanchor">[542]</a> die Nordspitze -Skandinaviens bis zum 84° n. Br. hinauf, während doch der Florentiner -Verrazzano schon im Jahre 1525 richtig die geographische Breite des -Nordcaps auf 71° verlegte.<a name="FNAnker_543_543" id="FNAnker_543_543"></a><a href="#Fussnote_543_543" class="fnanchor">[543]</a></p> - -<p>Genaueres über die Polarküsten Europa’s erfuhr man erst aus den -Darstellungen Herbersteins, und es ist sehr wahrscheinlich, daß erst -durch das Erscheinen seines Werkes, in welchem auch die sibirischen -Flüsse Ob und Irtysch erwähnt werden, ein möglicherweise schon älteres -Project Cabot’s neu belebt wurde und auf Grund der neu erworbenen -Anschauungen mehr Aussicht auf Verwirklichung gewann. Allerdings -lief auch ein folgenreicher Irrthum mit unter, wie so oft in diesem -Zeitalter durch falsche Combinationen die kühnsten Unternehmungen -getragen wurden. Nach Herbersteins Erkundigungen sollte nämlich der -Ob aus einem See Kitaisk abfließen. Dieser kitaische See mußte — -so schloß man vorschnell — in der Nähe von Kitai oder Cathay, also -China liegen. Konnte man zu Schiffe an den Ob gelangen, dann mußte -auch der Rest des Weges nach Ostasien sich ohne große Schwierigkeit -ausführen lassen. Zwar legten die Kartographen der Vollendung dieser -nordöstlichen Schifffahrt noch ein selbstgeschaffenes Hinderniß in den -Weg, indem<span class="pagenum"><a name="Seite_522" id="Seite_522">[S. 522]</a></span> sie nach einer misverstandenen Angabe des Plinius (<span class="antiqua">lib. -VI</span>, 20) ein Vorgebirge Tabin als äußerste Spitze des polaren Asien -ansetzten, welches wenigstens bis zum 75° n. Br. reichen sollte. Allein -Tabin galt doch nicht als unüberwindliche Schranke.</p> - -<p>Daß Asien sich so weit in die polare Zone hinein erstrecken solle, war -durch keine Wahrnehmung oder Kunde irgend welcher Art zu beweisen, -und doch hat sich, wie die Forschungen des 18. Jahrhunderts ermittelt -haben, die Lage des hypothetischen <span class="antiqua">„Promontorium Tabin“</span> -bestätigt, wenn wir dafür das Cap Tscheljuskin, welches unter 77° 36′ -n. Br. liegt,<a name="FNAnker_544_544" id="FNAnker_544_544"></a><a href="#Fussnote_544_544" class="fnanchor">[544]</a> gelten lassen.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, wie oft die kartographischen Phantasiegemälde, -welche die Kosmographen des 16. Jahrhunderts in ruhelosem -Schaffensdrange entwarfen, das richtige getroffen haben und gerade bei -den für die räumliche Vertheilung der Landmassen wichtigen Momenten. -Dahin gehören die bereits vier Jahre vor der Entdeckung durch Magalhães -von Schöner gezeichnete südamerikanische Meerenge, ferner das Cap Tabin -als äußerster nördlicher Punkt des Continents der alten Welt und die -schon im 16. Jahrhundert vermuthete und gezeichnete <em class="gesperrt">Anianstraße</em>, -welche die alte und neue Welt von einander scheidet, unsere -Beringstraße.</p> - -<p>Als Cabot daran ging, den Plan einer Nordostfahrt ins Werk zu setzen, -bedurfte er zunächst bedeutender Mittel und diese zu schaffen, galt -es besonders den Patriotismus der englischen Kaufherren aufzurufen. -Es gelang ihm, im Jahre 1553 (vier Jahre nach dem Erscheinen des -Herberstein’schen Werkes) eine Handelsgesellschaft ins Leben zu rufen, -welche der auch in England mit wichtigen Privilegien ausgestatteten -und den Seehandel beherrschenden Hansa entgegen arbeiten sollte. Diese -Gesellschaft, zu deren lebenslänglichem Präsidenten Cabot ernannt -wurde, trat unter dem Namen: <span class="antiqua">„Mystery, Company and fellowship of -merchant adventurers for discovery of unknown lands“</span> ins Leben. -Es lag in diesem Titel die Absicht ausgesprochen, dem englischen -Seeverkehr Länder zu erschließen, wohin der Einfluß der Hansa nicht -reichte.</p> - -<p>Das erste Geschwader, welches die neugegründete Compagnie 1553 -aussendete, bestand aus drei Schiffen von 160, 120 und 90 Tonnen -Gehalt. An die Spitze wurde Sir <em class="gesperrt">Hugh Willoughby</em> gestellt, -weil er „im Kriegswesen wohl bewandert war“. Ihn begleiteten Richard -Chancellor und Stephen Burrough.<a name="FNAnker_545_545" id="FNAnker_545_545"></a><a href="#Fussnote_545_545" class="fnanchor">[545]</a> Am 10. Mai (alten Stils) liefen -die Schiffe von der Themse aus, unter dem Jubelzurufe des versammelten -Volks, am 27. Juli ankerten sie bei den Lofoten und gingen dann -weiter nordwärts. In der Mitte des August trieb ein Sturm die Schiffe -auseinander. Willoughby gerieth nebst dem kleinsten Fahrzeuge weit -jenseit des Nordcaps, welches für die westeuropäische Schifffahrt bei -dieser Gelegenheit gleichsam entdeckt wurde, an<span class="pagenum"><a name="Seite_523" id="Seite_523">[S. 523]</a></span> eine von Eis umstarrte -flache Küste, vielleicht die Insel Kolgujew,<a name="FNAnker_546_546" id="FNAnker_546_546"></a><a href="#Fussnote_546_546" class="fnanchor">[546]</a> wandte sich von da -wieder zurück und erreichte am 18. September die lappländische Küste, -wo er am Flüßchen Arzina (jetzt Varsina) unter 68° 20′ n. Br. zu -überwintern beschloß. Aber unbekannt mit den Gefahren eines arktischen -Winters und mit den Mitteln, demselben Widerstand zu leisten, erlag die -gesammte Mannschaft beider Schiffe, sammt ihrem Befehlshaber. Russische -Fischer fanden später das verhängnißvolle Winterlager und brachten -beide Schiffe mit Willoughby’s Leiche 1555 nach England.</p> - -<p>Das dritte Fahrzeug unter Richard Chancellor ging, als es sich nach dem -Auguststurme allein sah, nach Vardöhuus, wartete dort eine Woche lang -auf Willoughby und setzte dann auf eigene Hand seine Entdeckungsfahrt -weiter fort, bis es am weißen Meere nahe der Mündung der Dwina ein -kleines Kloster erreichte, da, wo jetzt die Stadt Archangelsk liegt. -Hier fand Chancellor gastliche Aufnahme, wurde, nachdem Eilboten -dem Zaren die Ankunft eines englischen Schiffes gemeldet hatten, -eingeladen, nach Moskau an den Hof zu kommen und verbrachte dort einen -Theil des Winters mit seinen Leuten. Dann kehrte er 1554 mit seinem -Schiff nach England zurück. So war ein Theil des Programms der von -Cabot gegründeten Handelsgesellschaft: unbekannte Länder aufzusuchen, -um mit ihnen in Verkehr zu treten, erfüllt. Rußland ergriff mit Freuden -die Gelegenheit, sich über das einzige Meer, dessen Küsten unter -seiner Botmäßigkeit standen, mit Westeuropa in Verbindung zu setzen. -Es entwickelte sich ein lebhafter Handel, die englische Gesellschaft -erhielt 1555 von der Königin Maria Corporationsrechte unter dem Namen -einer <span class="antiqua">Company of merchant adventurers</span>. Man nannte sie aber -gewöhnlich die moskowitische Gesellschaft (<span class="antiqua">Muscovy Company</span>).</p> - -<p>Die Gesellschaft besteht noch als <span class="antiqua">fellowship of English merchants -for discovery of new trades</span>. Ihr Archiv ist leider in dem großen -Brande 1666 untergegangen und damit manches werthvolle Blatt für -die Entwicklungsgeschichte des englischen Seehandels verloren. -Chancellor wurde 1556 wieder nach dem Kloster Cholmogory (Archangelsk) -abgeschickt, verlor aber auf dem Heimwege von der Dwina bei Aberdeen im -Schiffbruch am 10. November das Leben.</p> - -<p>In England ließ man, trotz des ersten Erfolges, das große Ziel, auf dem -eingeschlagenen Wege bis nach Indien vorzudringen, nicht aus den Augen. -Zu gleicher Zeit mit Chancellor wurde auch <em class="gesperrt">Stephen Burrough</em><a name="FNAnker_547_547" id="FNAnker_547_547"></a><a href="#Fussnote_547_547" class="fnanchor">[547]</a> -wieder entsendet, aber mit dem weitergehenden Auftrage, die Mündung des -Ob aufzusuchen, als nächsten Schritt zur Auffindung der Nordostpassage -(<span class="antiqua">intending the discovery of the north-east passage</span>). Cabot -überwachte persönlich die Ausrüstung und nahm auf dem Schiffe von -Burrough Abschied, welcher am 27. April von Gravesend in See ging.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_524" id="Seite_524">[S. 524]</a></span></p> - -<p>Am 11. Juni traf dieser jenseit des Nordcaps an der lappländischen -Küste mit russischen Lotjen (kleine Ruder- und Segelböte) zusammen -und ließ sich von ihnen den Weg zur Petschora zeigen. Da aber die -Lotjen schneller segelten als das englische Schiff, so mußten sie -oft die Segel einziehen, um Burrough nachkommen zu lassen. Diese -Fahrgeschwindigkeit der russischen Böte bestätigt die Annahme, daß jene -nordischen Seeleute weithin mit den Küsten des Eismeers bekannt sein -konnten. Am 15. Juli lief Burrough in die Mündung der Petschora ein -und ging von da fünf Tage später grade nordwärts nach dem südlichen -Rande von Nowaja Semlja. Unter diesem Namen kannten die Russen -bereits jene langgestreckte Doppelinsel, welche das karische Meer -gegen Westen abschließt. Statt nach Osten sich zu wenden, verfolgte -Burrough die Küste nach Westen, wo ihn eine russische Lotje belehrte, -daß er, um nach dem Ob zu gelangen, eine entgegengesetzte Richtung -einschlagen müsse. Auch gab der russische Schiffer den Engländern -weitere Andeutungen über die einzuhaltende Route. Burrough kam bis -zur Waigatschinsel, lag dort einige Zeit vor Anker, wurde, als er ins -karische Meer einzusegeln versuchte, am 23. August von einem schweren -Sturm betroffen, der ihn zur Umkehr zwang. Er hatte die Absicht, an der -Dwina zu überwintern und im nächsten Jahre die Fahrt nach dem Ob zu -vollenden, aber führte den Plan nicht aus, sondern ging nach England -zurück.</p> - -<p>Die moskowitische Handelsgesellschaft ließ vorläufig die Pläne, nach -dem Ob und weiter die Route zu entdecken, fallen und beutete die neu -eröffneten Handelsbeziehungen an der Dwina aus. An dem Stillstande der -Entdeckungen war wohl auch der 1557 erfolgte Tod Cabot’s schuld. Erst -als Frobisher (s. oben <a href="#Seite_511">S. 511–514</a>) sich in den Jahren 1575–77 vergebens -abgemüht hatte, eine Nordwestpassage zu finden, kehrte man zu Cabot’s -Idee zurück und schickte 1580 noch einmal zwei Schiffe nach dem Ob und -nach Cathai.<a name="FNAnker_548_548" id="FNAnker_548_548"></a><a href="#Fussnote_548_548" class="fnanchor">[548]</a> <em class="gesperrt">Arthur Pet</em>, welcher schon die erste Fahrt -unter Chancellor als Matrose mitgemacht, und <em class="gesperrt">Charles Jakman</em> -befehligten die Schiffe, welche am 30. Mai von Harwich abgingen. -Jenseit des Nordcaps trennten sich die beiden Schiffe, um sich später -bei der Waigatschinsel wieder zu treffen. Pet ging allein nördlich -um diese Insel herum durch die karische Straße, und nach Südosten am -Lande hin zwischen der Küste und einem ausgedehnten Eisfelde, bis er -nothgedrungen in einem Hafen auf der Ostseite von Waigatsch Zuflucht -suchen mußte. Dort traf er wieder mit Jakman zusammen. Da beide Schiffe -vom Eise beschädigt waren, so beschlossen sie umzukehren und das -karische Meer, welches sie zuerst betreten, wieder zu verlassen. Pet -kam am 26. October wieder nach England, Jakman überwinterte an der -Küste Norwegens und ging im nächsten Jahre auf einem dänischen Schiffe -nach Island. Dort ist er verschollen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_525" id="Seite_525">[S. 525]</a></span></p> - -<p>„Pet und Jakman waren die ersten Nordostfahrer, welche sich ernstlich -in das Treibeis wagten. Sie benahmen sich dort mit Entschlossenheit und -Umsicht, und in der Geschichte der Schifffahrt kommt ihnen die Ehre zu, -die ersten Fahrzeuge geführt zu haben, welche vom westlichen Europa in -das karische Meer eingedrungen sind.“<a name="FNAnker_549_549" id="FNAnker_549_549"></a><a href="#Fussnote_549_549" class="fnanchor">[549]</a> Mit Unrecht erklärt Barrow -sie für unbedeutende Seeleute;<a name="FNAnker_550_550" id="FNAnker_550_550"></a><a href="#Fussnote_550_550" class="fnanchor">[550]</a> denn ihre Leistung ist in diesem -Gebiete von keinem englischen Schiffer mehr übertroffen, und mit dieser -Expedition hörten die englischen Expeditionen zur Nordostpassage fast -ganz auf, nachdem die Holländer in ihre Fußtapfen getreten waren.</p> - -<h4 id="Die_Hollaender_auf_dem_Nordostwege">2. Die Holländer auf dem -Nordostwege und der Kampf um Spitzbergen.</h4> - -<p>Die Holländer folgten den Engländern auf dem nordöstlichen Wege sehr -bald nach. Als Stephen Burrough 1557 nach seiner Ueberwinterung in -Archangelsk zurückging, traf er jenseits Vardöhuus Holländer an, welche -nach Lappland Handel trieben und sich in Kola niederließen. Von hier -gingen 1566 zwei Antwerper Kaufleute Simon von Salingen und Cornelis -de Meijer an der Küste entlang zu Schiff nach dem Onegafluß, von wo -sie als Russen verkleidet zu Lande nach Moskau reisten. Noch wichtiger -und für die Entwicklung des holländischen Handels nach dem weißen -Meer von bestimmendem Einfluß war das Auftreten des niederländischen -Kaufmanns <em class="gesperrt">Oliver Brunel</em> aus Brüssel. Derselbe war 1565 mit einem -Enkhuizer Schiffe nach Kola gekommen und wagte sich dann auf einer -russischen Lotje nach Cholmogory. Auf Veranlassung der eifersüchtigen -Engländer als Spion erklärt, wurde Brunel in Jaroslawl an der obern -Wolga gefangen gesetzt, bis er durch Vermittlung der russischen -Kaufleute, der Gebrüder Anikiew, die Freiheit wieder erhielt, und in -den folgenden Jahren in dem Interesse seiner Befreier Handelsreisen -bis zur Petschora machte und so den ganzen Norden Rußlands kennen -lernte. Da er aber auch im Westen den russischen Waaren Absatz zu -verschaffen wünschte, so begab er sich mit Verwandten der Anikiews -zu der holländischen Niederlassung in Kola und miethete hier ein -niederländisches Schiff nach Dordrecht. Der Erfolg war günstig, und so -wurde über Kola eine regelmäßige Verbindung mit Holland angeknüpft. -Brunel diente zwischen den Handelsplätzen als Agent.<a name="FNAnker_551_551" id="FNAnker_551_551"></a><a href="#Fussnote_551_551" class="fnanchor">[551]</a> Im Jahre 1577 -ging er mit Jan van de Walle, dem Agenten des Handelshauses Gillis van -Eychelberg, genannt Hoofman, zu Lande nach Moskau und bewog dieses Haus -noch in demselben Jahre das erste holländische Schiff nach der Dwina -zu ent<span class="pagenum"><a name="Seite_526" id="Seite_526">[S. 526]</a></span>senden. Andere niederländische Schiffe folgten und ankerten -in der Pudoschemsko-Mündung der Dwina. Als dann auch Melchior de -Moucheron als Agent seines Bruders, des reichen Handelsherrn Balthasar -de Moucheron, sich an der Dwina niederließ und 1584 den Capitän -Adrian Krijt veranlaßte, einen bessern Ankerplatz bei dem Kloster des -Erzengel Michael zu suchen, so entstand dort rasch Neu-Cholmogory -oder Archangelsk und entwickelte sich so günstig, daß 1591 auch die -Engländer ihre Factorei hierher verlegen mußten.</p> - -<p>Inzwischen war 1581 Brunel zum zweitenmale in den Niederlanden gewesen, -um für die von schwedischen Schiffbauern auf Kosten der Anikiews -erbauten besseren Fahrzeuge holländische Matrosen anzuwerben, denn -die Schiffe sollten den Handelsweg nach dem Ob eröffnen. Seinen Weg -nach den Niederlanden hatte Brunel über die Ostsee genommen und bei -dieser Gelegenheit den Kosmographen Johann Balak in Arensberg auf der -Insel Oesel besucht, welcher ihm Empfehlungen an den berühmtesten -Kartographen seiner Zeit, Gerhard Mercator, mitgab und, nach den -Angaben Brunels in einem Brief an den großen Gelehrten, seine -Erkundigungen über die Polarregion der alten Welt mittheilte. Wir -finden darin die Petschora, Waigatsch, das karische Meer mit den -einmündenden Flüssen ganz richtig beschrieben. Jenseit des Ob werden -allerdings die Vorstellungen unklar. Der berüchtigte Kataisee, dessen -Abfluß der Ob sein sollte, wird nach dieser Auffassung von Karakalmaken -umwohnt, die ganz nahe an China grenzen oder bereits diesem Lande -angehören (<span class="antiqua">non alia certe quam Cathaya</span>).<a name="FNAnker_552_552" id="FNAnker_552_552"></a><a href="#Fussnote_552_552" class="fnanchor">[552]</a> Pet und Jakman -waren im Jahr vorher in das karische Meer eingedrungen, die Angaben -Brunels fanden dadurch eine weitere Bestätigung. Dieser scheint nun die -Ehre des großen Unternehmens, den Handelsweg nach dem Ob zu eröffnen, -aus Patriotismus seinem Vaterlande haben zuwenden zu wollen; denn er -trat nicht mehr als russischer Agent in den Niederlanden auf, sondern -brachte mit Hilfe seiner Landsleute eine Expedition zustande, an deren -Spitze er 1584 das karische Meer zu erreichen suchte. Die Geschichte -dieser Fahrt ist dunkel, wir erfahren nur, daß er sein Schiff auf dem -Rückwege an der Petschora einbüßte. Brunel kehrte nicht nach Holland -zurück; er begab sich vielmehr, da er durch seine Handlungsweise seine -Stellung auch in Rußland verloren hatte, in dänische Dienste und erbot -sich zu Fahrten nach Grönland. Dann verschwindet er aus der Geschichte, -jedenfalls erlebte er die ersten großen holländischen Entdeckungszüge -nach dem Nordosten nicht mehr.</p> - -<p>Den directen Anstoß dazu gab Balthasar de Moucheron. Ende 1593 legte -er dem Statthalter Moritz von Oranien und Oldenbarneveldt seinen Plan -vor, durch die karische See nach China zu segeln (<span class="antiqua">„in wat manieren -en by wat middelen de noordsche zee omtrent Waygats tot China toe -bevaarbaar zijn zou“</span>).<a name="FNAnker_553_553" id="FNAnker_553_553"></a><a href="#Fussnote_553_553" class="fnanchor">[553]</a> Den vierten Theil der Kosten wollte -er selbst tragen.<span class="pagenum"><a name="Seite_527" id="Seite_527">[S. 527]</a></span> Aber nach längerer Berathung nahmen durch Beschluß -vom 16. Mai 1594 die Generalstaaten die Sache selbst in die Hand und -machten sie zu einer Staatsangelegenheit. Zwei Schiffe wurden von der -Admiralität in Seeland und Nordholland gestellt, das dritte Schiff -und eine Yacht fügte, auf Anregung des Kosmographen Peter Plancius, -die Regierung von Amsterdam hinzu. Beide Abtheilungen standen unter -dem Oberbefehl des Capitän Cornelis Cornelisz. Nay aus Enkhuizen, -so lange sie vereinigt bis zur Insel Kildin an der lappländischen -Küste gingen. Von hier aus mußten sich die Wege trennen, denn den -von den Generalstaaten gestellten Schiffen war der Weg durch die -Waigatschstraße ins karische Meer vorgeschrieben, von wo sie dann -weiter nach Cap Tabin und der Anianstraße steuern sollten, während die -andere Abtheilung des Geschwaders Nowaja Semlja umsegeln sollte, um -die karische See zu vermeiden, von der man noch nicht wußte, ob sie -mit dem nördlichen Weltmeer zusammenhänge oder nicht. Eine Fahrt um -Nowaja Semlja hielt man deshalb für keineswegs schwierig, weil nach -der Ansicht Mercators, welcher auch sein Schüler Plancius folgte, das -Eismeer wegen des raschen Flutwechsels nicht fest zugefroren sein -könne.<a name="FNAnker_554_554" id="FNAnker_554_554"></a><a href="#Fussnote_554_554" class="fnanchor">[554]</a> Cornelisz. Nay kannte jene nordischen Gewässer, da er -im Auftrage des Hauses Moucheron bereits mehreremale das weiße Meer -besucht hatte. Das zweite Schiff stand unter dem Commando des Capitäns -Brandt Ijsbrandtsz. Tetgales ebenfalls aus Enkhuizen. Die Amsterdamer -Schiffe befehligte Willem Barendsz. Alle Schiffe gingen am 5. Juni 1594 -von Texel ab und langten am 23. Juni zusammen vor Kildin an. Nay ging -mit Tetgales am 2. Juli nach der Waigatschstraße, kam am 5. des Monats -ins Eis, erreichte aber doch am 18. die Mündung der Petschora und -ankerte am 21. vor Waigatsch. Nach mancherlei Aufenthalte segelte er am -1. August durch die jugorische (ugrische) Straße, von den Holländern -die Nassaustraße genannt, und gelangte bis in die karische See, wo er -zwar anfangs auch noch mit dem Eise zu kämpfen hatte, dann aber unter -71° n. Br., am 11. August, in offenes Wasser kam. Da man die Durchfahrt -nach Indien in der „neuen Nordsee“, wie man das karische Meer nannte, -meinte gefunden zu haben, so beschloß man, sich mit diesem Erfolg zu -begnügen und den Heimweg anzutreten; denn man war überzeugt, an der -Mündung des Ob vorbei — die Karabucht wurde dafür gehalten — bis zur -Höhe des Vorgebirges Tabin vorgedrungen zu sein.</p> - -<p>Auf dem Rückwege traf Nay am 16. August mit den Amsterdamer Schiffen -zusammen, welche unter Capitän <em class="gesperrt">Willem Barendsz.</em> von Kildin nach -Nordosten gesegelt waren. Am 4. Juli sah dieser unter 73° 25′ n. Br. -die Westküste von Nowaja Semlja und ging an derselben bis zum 78° n. -Br., wo am Eiscap ein mächtiges Eisfeld ihn zur Umkehr nöthigte. Daß -<em class="gesperrt">vor</em> ihm Russen schon so weit die Küsten des „neuen Landes“ -kannten, bewiesen die unter 77° 55′ n. Br. auf einer Insel an der Küste -errichteten Kreuze.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_528" id="Seite_528">[S. 528]</a></span></p> - -<p>Die Schiffe traten gemeinschaftlich den Rückweg an und langten am 16. -September wieder in Holland an.</p> - -<p>Die Resultate dieses ersten Versuches erschienen den Unternehmern -keineswegs entmuthigend. Namentlich hielt man die Beobachtung Nay’s, -daß er ein offnes Meer bis Tabin entdeckt habe, für so günstig, daß -man sofort in dieser Richtung weiter zu gehen beschloß; aber man -wollte sich den Eingang sichern und faßte schon den Plan ins Auge, -die Nassaustraße durch Befestigungen zu sperren, damit man nicht mit -fremden Nationen den Gewinn theilen müßte.</p> - -<p>So wurde ein zweites, noch größeres Geschwader, auf Staatskosten -ausgerüstet „zur nördlichen Schifffahrt nach den Königreichen China -und Japan“ (<span class="antiqua">opte navigatie benoorden om, naeden Coninckrycken van -China ende Japan</span>).<a name="FNAnker_555_555" id="FNAnker_555_555"></a><a href="#Fussnote_555_555" class="fnanchor">[555]</a> Man war diesmal so fest überzeugt, das -Ziel zu erreichen, daß man nicht blos die ansehnliche Zahl von sieben -Segeln (je zwei von Amsterdam, Seeland und Enkhuizen und eins von -Rotterdam) entsendete und theilweise mit Kaufmannsgütern für den Handel -mit China befrachtete, sondern auch zwei kleineren Schiffen der Flotte -den Auftrag ertheilte, die Nachricht von der erfolgten Umschiffung -Tabins sofort nach den Niederlanden zurückzubringen. Cornelis Nay -wurde wieder zum Oberbefehlshaber, Tetgales als zweiter Capitän -und Barendsz. zum Obersteuermann ernannt. Linschoten, der bekannte -Geschichtsschreiber dieser Nordostfahrten,<a name="FNAnker_556_556" id="FNAnker_556_556"></a><a href="#Fussnote_556_556" class="fnanchor">[556]</a> sowie Hermskerck und -Rijp nahmen als Commissarien an dem Schiffszuge theil, dessen Ziel der -von Polo’s Zeiten her bekannte Seehafen Quinsay (<span class="antiqua">haeven ende stadt -van Guinsay</span>) war. Aber man hatte mit der Ausrüstung der großen -Flotte so viel Zeit verloren, daß man erst am 2. Juli von Texel in See -gehen konnte. Am 10. August war man am Nordcap, am 17. stieß man schon -auf Treibeis. Zwar gelang es noch am 24., durch die Nassaustraße ins -karische Meer zu kommen; aber das dichte Eis trieb die Schiffe nach -der Waigatschinsel zurück. Vergebens machte Barendsz. noch mehrere -Versuche, den Eisgürtel zu durchbrechen, aber die Jahreszeit wurde -immer ungünstiger und am 15. September mußte man schweren Herzens die -Hoffnung aufgeben, vorwärts zu kommen. Man erfuhr zwar, daß die Russen -noch über den Ob hinaus nach einem Flusse namens Gillissy (Jenissei) -Handel trieben, aber man konnte ihnen wegen der vorgerückten Jahreszeit -nicht mehr folgen.<a name="FNAnker_557_557" id="FNAnker_557_557"></a><a href="#Fussnote_557_557" class="fnanchor">[557]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_529" id="Seite_529">[S. 529]</a></span></p> - -<p>Erst im November kamen die Schiffe nach Holland zurück. Aber die -Unternehmungslust der Kaufleute war durch diesen Miserfolg keineswegs -gedämpft. Namentlich Linschoten forderte zu neuen Anstrengungen auf -und wies darauf hin, wie lange sich die Portugiesen abgemüht hatten, -bis sie das Südende Afrika’s erreichten. Ihre Ausdauer sei glänzend -belohnt. Eine nordöstliche Durchfahrt nach China und Indien bestehe -ganz sicher, als Beweis führte er die Fahrten der Russen nach dem Ob -und Jenissei an. Aber man kenne die Temperatur- und vor allem die -Eisverhältnisse des Nordens noch nicht genügend, um die richtige -Jahreszeit zu treffen. Er rieth daher, zeitig im Frühjahr zwei kleine -Schiffe nach Waigatsch zu senden, welche dort das Aufbrechen des Eises -abwarten sollten und dann den Spuren der russischen Lotjen nach dem -Ob folgen könnten. Am Jenissei sollten dann die Schiffe überwintern, -von den Anwohnern Erkundigungen einziehen und im nächsten Jahre ihre -Reise fortsetzen. Die Generalstaaten freilich wollten neue Mittel für -Schiffe nicht bewilligen; um jedoch die Unternehmungen nicht ganz -fallen zu lassen, setzten sie eine Prämie von 25,000 Gulden auf die -erste glückliche Vollendung der Fahrt nach China.<a name="FNAnker_558_558" id="FNAnker_558_558"></a><a href="#Fussnote_558_558" class="fnanchor">[558]</a> Dagegen faßte -der Rath der Stadt Amsterdam den Beschluß, aus den Mitteln der Stadt -zwei Schiffe von 50 bis 60 und 30 Lasten auszurüsten und darauf bis zu -12,000 Gulden zu verwenden.<a name="FNAnker_559_559" id="FNAnker_559_559"></a><a href="#Fussnote_559_559" class="fnanchor">[559]</a> Jan <em class="gesperrt">Cornelis Rijp</em> und Jacob -Hendrichsz. <em class="gesperrt">Heemskerck</em> führten die Schiffe, <em class="gesperrt">Barendsz.</em> -ging wieder als Steuermann mit. Am 18. Mai (neuen Stils) liefen sie -von Vlieland aus, Rijp steuerte von den Lofoten nach Nordnordost, da -er den Nowaja Semlja umlagernden Eismassen auszuweichen wünschte und -fand so zunächst am 9. Juni die <em class="gesperrt">Bäreninsel</em>,<a name="FNAnker_560_560" id="FNAnker_560_560"></a><a href="#Fussnote_560_560" class="fnanchor">[560]</a> so genannt, -weil dort ein großer Bär erlegt wurde, und entdeckte am 17. Juni -(nach Barendsz.’s Journal), indem er einen dermaßen nördlichen Cours -einhielt, als ob er über den Pol segeln wollte, die Inselgruppe von -Spitzbergen. Aber seine Versuche von hier aus, um die Westküsten -nach der Nordseite vorzudringen, scheiterten an den unbezwinglichen -Eismassen. Die Schiffe kehrten also nach dem Süden zurück und trafen -am 1. Juli wieder an der Bäreninsel ein.<a name="FNAnker_561_561" id="FNAnker_561_561"></a><a href="#Fussnote_561_561" class="fnanchor">[561]</a> Hier trennten sich die -beiden Schiffe: Barendsz. ging nach Nowaja Semlja, Rijp nördlicher, in -der Absicht, auf der Ostseite von Spitzbergen von neuem den Weg über -den Pol zu suchen. Aber er fand auch hier eine feste Eismauer, ging an -deren Rande nach Westen und kam so zum<span class="pagenum"><a name="Seite_530" id="Seite_530">[S. 530]</a></span> zweitenmal nach Spitzbergen. -Nun erst gab er seinen Plan auf und wandte sich auch nach Nowaja -Semlja. Aber da der Sommer zu Ende ging, so gab er, ohne nach dieser -Richtung noch etwas erreicht zu haben, den Kampf gegen das Eis verloren -und kehrte über Kola nach Hause zurück.</p> - -<p>Barendsz. hatte inzwischen am 17. Juli Nowaja Semlja erreicht und war -nach langer Arbeit im Eise endlich am 15. August so glücklich, über -das Eiscap hinaus zu kommen und am folgenden Tage die nördlichste -Spitze des Landes zu umsegeln. Aber im Nordosten wurde das Schiff vom -Eise besetzt und mußte im „Eishafen“ überwintern unter 76° 7′ n. Br. -Der Aufenthalt währte vom 26. August 1596 bis zum 14. Juni 1597. Man -fand am Strande viel Treibholz, baute ein geräumiges Wohnhaus und -verbrachte darin unter Leiden und Entbehrungen den Winter. Der Muth und -die Ausdauer, mit welcher die Leute eine bis dahin unerhört strenge -Ueberwinterung überstanden, erregte die allgemeinste Theilnahme. Die -Reiseberichte wurden in alle Sprachen übersetzt, und so wurde diese -letzte große holländische Polarfahrt zugleich die populärste. Als im -Sommer 1597 die Schiffe aus ihrem Eisgefängniß nicht frei wurden, -mußte man sie preisgeben und ging in offnen Böten um Nowaja Semlja -herum zur Petschora. Fünf von der aus 17 Köpfen bestehenden Mannschaft -starben; auch der edle Willem Barendsz. erlag während der Bootfahrt -und fand auf dem neuen Lande sein Grab. Barendsz. war nicht blos ein -liebenswürdiger, allgemein geachteter Charakter, er war auch ein -gebildeter, ja ein gelehrter, der lateinischen Sprache sogar kundiger -Seemann, der von Kindesbeinen an (<span class="antiqua">von sijne kintsche daghen aen</span>) -eifrigst bemüht gewesen war, von allen Ländern, die er durchwanderte -oder befuhr, Karten zu entwerfen.<a name="FNAnker_562_562" id="FNAnker_562_562"></a><a href="#Fussnote_562_562" class="fnanchor">[562]</a> Mit ihm sank gleichsam die Seele -der Polarfahrten ins Grab. Sein Wahlspruch war gewesen: <span class="antiqua">Niet zonder -God</span> (nichts ohne Gott). Mit dieser dritten Reise Barendsz.’s und -mit seinem Tode hörten die energischen Versuche der Holländer, den -Nordostweg nach China zu finden, auf.<a name="FNAnker_563_563" id="FNAnker_563_563"></a><a href="#Fussnote_563_563" class="fnanchor">[563]</a> Man mußte zugeben, daß die -Lehren der Kosmographen von einem stets befahrbaren Polarmeere sich -als irrig erwiesen hatten. Aber die Anstrengungen und Opfer waren -doch nicht vergeblich gewesen, denn einerseits stand in dem Eismeere -ein ergiebiger Walfang in Aussicht, andererseits — und dies war weit -höher anzuschlagen —, war das Nationalbewußtsein mächtig gehoben. Man -verglich in Holland diese arktischen Reisen mit dem Argonautenzuge, -oder gar mit Hannibals Uebersteigung der Alpen und mit Alexander des -Großen Feldzügen.<a name="FNAnker_564_564" id="FNAnker_564_564"></a><a href="#Fussnote_564_564" class="fnanchor">[564]</a></p> - -<p>Daß man die Nordfahrten vorläufig aufgab, hatte noch einen andern -Grund. In demselben Jahre, als Heemskerck mit dem Rest seiner -Mannschaft<span class="pagenum"><a name="Seite_531" id="Seite_531">[S. 531]</a></span> von Nowaja Semlja zurückkehrte, kam Cornelis Houtman mit -der ersten Flotte von Indien zurück. Der alte Weg ums Cap der guten -Hoffnung war sicher und brachte Gewinn, der Versuch, einen neuen Weg -zu finden, hatte nur Opfer gefordert. Nachdem Spanien seit 1580 auch -die Hand auf Portugal und seine Besitzungen gelegt, seitdem mit dem -Untergange der berühmten Armada die spanische Oberherrschaft zur See -erschüttert war, achteten weder England noch Holland mehr auf das alte, -vom Pabst verliehene Monopol des indischen Handels, und nach Houtmans -erfolgreichem Zuge blühte der Handel nach Indien dermaßen auf, daß -bereits 1602 die holländisch-ostindische Compagnie ins Leben gerufen -wurde. Man wandte also in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts -sein Interesse dieser neuen Richtung zu; aber gerade in der Gründung -dieser Handelsgesellschaft lag auch wieder der Keim und Anstoß, die -Nordostfahrten wieder aufzunehmen; denn die niederländische Regierung -hatte dieser ostindischen Gesellschaft ausschließlich das Recht -ertheilt, ums Cap oder durch die Magalhãesstraße mit Indien Handel -zu treiben. Alle nicht der Compagnie angehörenden Kaufherren waren -ausgeschlossen, und diese eben suchten nun wieder „um den Norden herum“ -nach Ostasien zu gelangen.</p> - -<p>Fünf Jahre später nahm aber auch die moskowitische Handelsgesellschaft -ihre seit 1580 abgebrochenen Entdeckungen wieder auf und entsandte 1607 -<em class="gesperrt">Henry Hudson</em> mit einem kleinen Fahrzeuge, um über den Nordpol -den Weg nach Japan und China in nordöstlicher Richtung zu eröffnen. -Hudson steuerte am ersten Mai von der Themse aus nach Nordwesten -und stieß unter 67° n. Br. auf die Ostküste Grönlands. Von hier aus -wollte er sich mehr und mehr nach Nordosten hinüberwenden. Die Küste -des hohen Schneelandes lief anfänglich von Westen nach Osten, später -von Süden nach Norden. Dieser Theil der grönländischen Küste ist auch -gegenwärtig noch nur ungenügend bekannt. Er befuhr die Küste bis -zum 70° und wandte sich dann nordöstlich nach Spitzbergen hinüber. -Mit Sturm, Regen und mit dichten Nebeln kämpfend, welche in einem -Zeitraum von drei Wochen (vom 2. bis 21. Juni) nur einmal der Sonne -gestatteten, den Dunstschleier zu durchbrechen, kam er unerwartet -am 22. Juni noch einmal, unter 72° 38′ n. Br. in die Nähe der hier -nicht überall mit Schnee bedeckten, aber hochgebirgigen Küste von -Grönland, bis er auf die Eisbarriere stieß, welche in der Regel das -Meer zwischen Grönland und Spitzbergen überbrückt. Da er sah, daß -sich das amerikanische Land viel weiter nach Osten erstreckte, als -er nach seiner (auf Zeno basirenden) Karte annehmen durfte,<a name="FNAnker_565_565" id="FNAnker_565_565"></a><a href="#Fussnote_565_565" class="fnanchor">[565]</a> so -ging er nun am Rande der Eismauer nach Spitzbergen hinüber, dessen -Küste er am 27. Juni<span class="pagenum"><a name="Seite_532" id="Seite_532">[S. 532]</a></span> erreichte. Bis zum 13. Juli kreuzte er in dem -Eise hin und her, wobei er die Höhe von 80° 23′ n. Br. erreichte. -Dann drang er bis auf die Nordseite der Inselgruppe vor, vermuthlich -bis zu den „Siebeninseln“, wo das Eis seiner Weiterfahrt ein Ziel -setzte. Es gelang ihm also ebensowenig wie früher dem Holländer -Rijp, Spitzbergen im Norden zu umsegeln. Er versuchte es dann noch -auf der Südseite, mußte aber auch hier des Eises wegen am 27. Juli -von seinem Vorhaben abstehen und kehrte nach England zurück. Wichtig -wurde für die Folgezeit die Entdeckung zahlreicher Walfische, welche -sich damals noch in dem friedlichen Meere von Spitzbergen tummelten. -Im folgenden Jahre schickte die moskowitische Compagnie ihn zum -zweitenmale aus, den Weg zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja -einzuschlagen. Auch diese Reise blieb resultatlos, wahrscheinlich weil -sie wieder zu früh im Jahre begonnen war. Hudson ging nämlich schon -am 22. April die Themse hinunter zur See und erreichte Ende Mai die -Höhe des Nordcaps. Unter 75° 29′ n. Br. gerieth er am 9. Juni ins Eis -und mußte sich mühsam, nach Südosten zurückweichend, bis zur Küste -von Nowaja Semlja durcharbeiten, welche er unter 72½° zu Gesicht -bekam. Da er die Insel im Norden nicht umsegeln konnte, wandte er sich -zur Waigatschstraße, aber wegen der in heftiger Strömung bewegten -Eismassen wagte er sich nicht hinein und kehrte um. Am 26. August ließ -er in Gravesend die Anker fallen. Es galt als eine besonders wichtige -Wahrnehmung, daß das Klima von Spitzbergen unter 80° milder war, als -bei Nowaja Semlja unter 76°, denn dadurch wurde die Theorie von dem -offnen Polarmeere neu bekräftigt.</p> - -<p>Die niederländisch-ostindische Compagnie, welche, wie sie für den -Handel ums Cap und durch die Magalhãesstraße bereits privilegirt -war, auch noch die Nordoststraße für sich zu monopolisiren hoffte, -gewann darum für 1609 den kühnen englischen Polarfahrer, um in ihrem -Interesse den nordöstlichen Weg nach China zu finden. Daß diese dritte -Reise Hudsons aber eine ganz andere Richtung nahm, ist bereits -(<a href="#Seite_515">S. 515</a>) berichtet. Trotzdem beschloß die ostindische Gesellschaft die -Versuche fortzusetzen. Abgesehen von der durch Plancius vertretenen -und verbreiteten Lehre, daß in der hohen Polarregion unter der -monatelang ununterbrochen andauernden Bestrahlung durch die Sonne -das Eis schmelzen und die Luft erwärmt werden, daher ein offenes -Polarmeer entstehen müsse, erhielt die niederländisch-ostindische -Handelsgesellschaft einen neuen Anstoß, den Weg über den Pol zu -versuchen, durch ein merkwürdiges Werkchen eines deutschen Gelehrten -Helisäus (Elisée) Röslin, Leibarzt des Grafen von Hanau, zu Buchsweiler -im Elsaß, welcher in seinem „künstlichen, philosophischen Tractat: -Mitternächtige Schiffarth“ nicht nur den Ansichten Plancius’ -beipflichtete, sondern sich auch bemühte, mit astrologischen Gründen zu -beweisen, daß Gott die Entdeckung des Nordpols wolle. Dieses Werkchen -sandte Röslin 1610 an die holländischen Generalstaaten. Dadurch -angeregt, beschloß die Admiralität von Amsterdam 1611 zwei Schiffe -auszusenden unter <em class="gesperrt">Jan Cornelisz. May</em> und Simon Willemsz. Cat, -um<span class="pagenum"><a name="Seite_533" id="Seite_533">[S. 533]</a></span> über den Nordpol durch die Anianstraße nach China zu segeln. Sie -versuchten zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja durchzubrechen, -kamen aber des Eises wegen nicht über den 76° hinaus, und wandten sich -daher nach der Ostseite von Amerika, dessen Küsten sie zwischen 47 und -42½° n. Br. befuhren. Im Februar des folgenden Jahres kehrte ein -Schiff nach Amsterdam zurück. May machte in diesem Jahre noch einen -Versuch, Nowaja Semlja zu umsegeln, aber er traf unter 77° wieder -den unbezwinglichen Eiswall.<a name="FNAnker_566_566" id="FNAnker_566_566"></a><a href="#Fussnote_566_566" class="fnanchor">[566]</a> Es war also weder Engländern noch -Holländern möglich, „um den Norden herum“ nach China zu kommen. Erst -in den letzten Jahren 1878 und 1879 ist diese ruhmreiche That auf dem -schwedischen Schiffe Vega unter der Führung des kühnen Polarforschers -Nordenskiöld und des tüchtigen Capitäns Palander gelungen, und Asien -auch im Norden umschifft worden.</p> - -<p>Engländer und Holländer hatten sich nun schon über ein Menschenalter -abgemüht, die starren Eismauern des Polarmeeres zu durchbrechen, -ohne daß mehr als ein scheinbarer Erfolg in Bezug auf das erstrebte -Endziel errungen wäre. Dagegen fanden sie theilweise Ersatz für -den nicht unbedeutenden Kostenaufwand in der Jagd auf die großen -Fischsäugethiere, Wale, Walrosse und Robben, welche namentlich bei -Spitzbergen in großer Anzahl angetroffen wurden. Beide Nationen -beanspruchten die alleinige Ausbeutung jener Jagdgründe und so -entwickelte sich in den ersten Decennien des 17. Jahrhunderts ein -lebhafter <em class="gesperrt">Kampf um Spitzbergen</em>.</p> - -<p>Die Engländer erschienen zuerst auf dem Plan und schickten ihre Schiffe -seit 1597 bereits nach dem hohen Norden, aber sie verstanden noch -nicht, die Walthiere zu erlegen. Die Basken mußten ihre Lehrmeister -werden, baskische Harpuniere wurden in Dienst genommen und gingen auf -englischen Schiffen nach Spitzbergen. Der biskaische Wal (<span class="antiqua">Balaena -Biscayensis</span>) ist zwar ausgestorben; aber daß die Basken schon seit -langen Jahren den Walfang betrieben hatten, läßt sich wohl daraus -schließen, daß Städte wie Guipuzcoa, Fuentarrabia u. a. einen Walfisch -im Wappen führten.</p> - -<p>Häufiger wurden die Besuche der Engländer in der spitzbergischen See, -seitdem 1608 Hudson auf den Reichthum an Walen in jenen Gewässern -wieder aufmerksam gemacht. In den Jahren 1609 und 1610 erforschte -Jonas Pool die ganze Westküste Spitzbergens. Im folgenden Jahre -ertheilte König Jacob I. der moskowitischen Compagnie ein Privilegium, -welches alle übrigen Seefahrer, einheimische sowohl als fremde von der -Fischerei daselbst ausschloß. Trotzdem erschienen seit 1612 auch die -Holländer an jener arktischen Inselgruppe, welche von ihren Landsleuten -entdeckt war, um unter Anleitung baskischer Fangmänner (im Jahre 1613 -hatten sie zwölf derselben angeworben) an der Walfischerei sich zu -betheiligen. Neben ihnen fanden sich auch baskische und französische -Schiffe ein. Aber die Engländer waren entschlossen, die fremden -Eindringlinge nicht zu dulden. Die<span class="pagenum"><a name="Seite_534" id="Seite_534">[S. 534]</a></span> moskowitische Gesellschaft schickte -1613 sieben große Schiffe unter Capitän Benjamin Joseph und Baffin -als Oberpilot nach Spitzbergen, welche rücksichtslos die fremden -Fischer überfielen, ihnen den gemachten Fang wieder abnahmen oder sie -verjagten, so daß nur ein holländisches Schiff mit seiner Beute entkam. -Damit war der Krieg im Eismeere erklärt, welchen die Niederländer indes -muthig aufnahmen. Die betheiligten Unternehmer vereinigten sich, um -mit geschlossener Macht energischer auftreten zu können, 1614 zu einer -Handelsgesellschaft unter dem Namen der „<em class="gesperrt">nordischen Compagnie</em>“ -und erhielten von den Generalstaaten das Handelsprivilegium für -den ganzen Norden, von der Davisstraße bis nach Nowaja Semlja. So -standen die moskowitische und die nordische Compagnie kampfbereit -einander gegenüber. Die Holländer blieben zwar im ersten Jahre, 1614, -unbehelligt, denn ihre stattliche Flotte von 14 großen Schiffen war -durch drei von den Generalstaaten zum Schutz beigegebene Kriegsschiffe -gedeckt, so daß die Engländer, welche mit 13 Schiffen und zwei Pinassen -erschienen waren, nicht wieder zu Gewaltthätigkeiten zu schreiten -wagten. Aber die Briten hatten in den nächsten Jahren doch wieder die -Oberhand. Indes ließen sich die Mitglieder der nordischen Compagnie -nicht völlig verjagen. Um nun den unsicheren Zuständen, welche -den Handel beider Parteien schädigten, abzuhelfen, versuchten die -Holländer ein friedliches Abkommen zu treffen, welches nach jahrelangen -Verhandlungen erst unter Karl I. 1627 zustande kam, wonach man die -Fischereibezirke unter den Rivalen theilte: die Engländer fischten -seitdem im Südwesten, die Holländer im Nordwesten von Spitzbergen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ueberblicken wir das Gesammtresultat aller Unternehmungen, welche -von den europäischen Seemächten ins Werk gesetzt wurden, um das -gemeinsame Ziel, Indien und die Gewürzländer, auf verschiedenen -Wegen zur See zu erreichen; so sehen wir nur die beiden romanischen -Völker, die Portugiesen und Spanier, jene ums Cap der guten Hoffnung, -diese durch die Magalhãesstraße ans Ziel gelangen. Es waren also -nur der südöstliche und der südwestliche Weg nach Indien offen -gefunden. Die Spanier hatten außerdem auf dem Westwege in den reichen -Bergländern des tropischen Amerika ein neues Indien entdeckt. Als -die beiden Nebenbuhler, nach Umschiffung der halben Welt, an den -beiden Gewürzinseln auf einander stießen, geriethen sie um den Besitz -derselben in einen lebhaft geführten Streit, welcher 1529 durch einen -Vertrag geschlichtet wurde, nach welchem die Portugiesen einstweilen -die Molukken und den Gewürzhandel behaupteten.</p> - -<hr class="map break-before" /> - -<div class="figcenter"> - <a id="karte_p535" name="karte_p535"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p535.jpg" - alt="" /></a> - <p class="s7 center antiqua nobreak">Geogr.-artist. Inst. v. Runge & Glöckner, Leipzig.</p> - <p class="s7 center antiqua">G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.</p> - <p class="s6 center">Facsimile der <b>Molukken-Karte</b> im Atlas des Diego Homen -vom Jahre 1568. (Dresden, Königl. Bibliothek.)</p> - <p class="s7 center mbot2 ebhide"><a href="images/karte_p535_hr.jpg">❏<br /> - <span class="smaller">GRÖSSERE BILDANSICHT</span></a></p> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <p class="center antiqua mtop2 nobreak-after u">Ausschnitte aus der obenstehenden - Karte:</p> - <a id="karte_p535_i" name="karte_p535_i"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p535_i.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p535_ii" name="karte_p535_ii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p535_ii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p535_iii" name="karte_p535_iii"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p535_iii.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<div class="figcenter nohtml"> - <a id="karte_p535_iv" name="karte_p535_iv"> - <img class="mtop1" src="images/karte_p535_iv.jpg" - alt="" /></a> -</div> - -<hr class="map" /> - -<p>Einen ganz andern Verlauf nahmen die Versuche der germanischen -Seefahrer, der Engländer und Niederländer, im Nordwesten und Nordosten -eine fahrbare Straße nach den asiatischen Tropenländern zu finden. -Länger als ein halbes Jahrhundert setzten sie den Kampf mit dem Eise -der Polarmeere fort, um schließlich, auf der Grenze zwischen den beiden -hauptsächlich eingeschlagenen<span class="pagenum"><a name="Seite_535" id="Seite_535">[S. 535]</a></span> Bahnen, sich um den Besitz der -Fischereien an den unwirthlichen Klippen von Spitzbergen zu befehden, -bis auch hier, hundert Jahre nach dem Vertrage von Tordesillas, Friede -geschlossen wurde. Welch ein Gegensatz! Dort unter den Romanen der -Streit um die Gewürzinseln am Aequator, hier unter den Germanen der -Kampf um die Eisfelder von Spitzbergen nahe am Pol. Aber die Gefahren -im arktischen Meere, die stets erforderliche Wachsamkeit bei der -Führung der gebrechlichen Fahrzeuge durch die Eislabyrinthe des hohen -Nordens hatten die Kraft der germanischen Schiffer gestählt und ihr -Selbstbewußtsein mächtig gehoben. Sie fühlten sich stark genug, um -auch um den Besitz Indiens mit den Romanen zu ringen. Die Gründung der -englischen und der holländischen ostindischen Handelsgesellschaften -im Beginn des 17. Jahrhunderts eröffnete eine neue Aera des Kampfes -um das alte vielumworbene Ziel Indien. Die Germanen blieben Sieger -und theilten die Beute: England setzte sich in dem folgenden Zeitraum -auf der Halbinsel von Vorderindien fest, die Niederländer gewannen -die Sundawelt sammt den Molukken und haben bis heute diesen Besitz -behauptet. —</p> - -<p>Um ein Bild von der Kenntniß jenes merkwürdigen und wichtigen -Inselgebietes zu geben, so weit es gegen das Ende der portugiesischen -Herrschaft in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits -erforscht war, geben wir zum Schluß eine getreue Copie der Karte -eines ausgezeichneten portugiesischen Kosmographen <em class="gesperrt">Diego Homen</em> -vom Jahre 1568. Das Blatt ist einem auf Pergament gezeichneten Atlas -entlehnt, welcher sich im Besitz der königlichen Bibliothek zu Dresden -befindet und noch nicht veröffentlicht ist. Es zeigt uns die hohe -Entwicklung und die Eigenthümlichkeit der kartographischen Kunst in der -letzten Hälfte des Zeitalters der Entdeckungen.</p> - -<hr class="full" /> - -<div class="chapter"> - -<div class="footnotes"> - -<p class="s3 center">FUSSNOTEN:</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_1_1" id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">v. Richthofen</em>, China. I, 443.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Eine Ahnung davon verräth schon der merkwürdige Brief -des Maximilian Transsilvanus über die Molukken und die Fahrt des -Magalhaes, Oktob. 1522. Vgl. <em class="gesperrt">Fr. Wieser</em>, Magalhaesstraße und -Austral-Continent. Innsbruck 1881. S. 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_3_3" id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> <em class="gesperrt">H. Kiepert</em>, Lehrbuch der alten Geographie. Berlin -1878. S. 44.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_4_4" id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> <em class="gesperrt">F. v. Richthofen</em>, China. I, 469 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_5_5" id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> <em class="gesperrt">W. Heyd</em>, Geschichte des Levantehandels im -Mittelalter. Stuttgart 1879. I, 182.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_6_6" id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> <em class="gesperrt">H. Kiepert</em>, Lehrbuch der alten Geographie. S. 222.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_7_7" id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> <em class="gesperrt">K. Müllenhoff</em>, Deutsche Alterthumskunde. Berlin -1870. I, 73 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_8_8" id="Fussnote_8_8"></a><a href="#FNAnker_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Ebd. I, 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_9_9" id="Fussnote_9_9"></a><a href="#FNAnker_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Transscription und Uebersetzung zu dem Facsimile: -</p> -<p> -<span class="antiqua">3. „Ohthere sæde his hlaforde, Ælfrede [cyninge], þæt he ealra -Norðmanna norðmest bude. He cwæð þæt he bude on þæm lande norðeweardum -wið ða west sǽ. He sæde ðeah þæt þæt land sy swyðe lang norð þanon; -ac hit is eall weste, buton on feawum stowum, sticcemælum wiciað -Finnas,—on huntaðe on wintra, and on sumera on fiscoðe be ðære sǽ: He -sæde þæt he, æt sumum cyrre, wolde fandian hû lange þæt land norðrihte -læge; oððe hwæþer ænig man be norðan þæm westene bude.“</span> -</p> -<p> -Ohthere erzählte seinem Herrn, König Alfred, daß er nördlicher als -alle Normannen wohnte. Er sagte, daß er wohnte in dem Lande im Norden -an der Westsee. Er sagte ferner, daß das Land sich weit nach Norden -erstrecke, aber es ist alles wüste, außer an wenigen Stellen, hie und -da, wo Finnen sitzen, um im Winter zu jagen und im Sommer zu fischen -in der See. Er sagte, daß er zu einer gewissen Zeit wissen wollte, wie -weit das Land nordwärts läge, oder ob noch jemand nördlich von dem -Wüstengebiet wohne.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_10_10" id="Fussnote_10_10"></a><a href="#FNAnker_10_10"><span class="label">[10]</span></a> <em class="gesperrt">Jos. Bosworth</em>, <span class="antiqua">A description of Europe and -the voyages of Ohthere and Wulfstan, written in anglo-saxon by King -Alfred the great. London MDCCCLV.</span> Vergl. auf Seite 15 die Probe des -angelsächs. Originals.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_11_11" id="Fussnote_11_11"></a><a href="#FNAnker_11_11"><span class="label">[11]</span></a> <em class="gesperrt">A. Letronne</em>, <span class="antiqua">Recherches geogr. et critiques sur -le livre de Mensura Orbis Terrae par Dicuil.</span> Paris 1814. Zweite -Abtheilung. S. 38. 39.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_12_12" id="Fussnote_12_12"></a><a href="#FNAnker_12_12"><span class="label">[12]</span></a> <em class="gesperrt">Adam</em>, <span class="antiqua">Hist. eccles. IV. cp.</span> 39. -Vgl. auch <em class="gesperrt">J. G. Kohl</em>, die erste deutsche Entdeckungsreise zum -Nordpol, in Bremisches Jahrbuch V, 174–191.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_13_13" id="Fussnote_13_13"></a><a href="#FNAnker_13_13"><span class="label">[13]</span></a> <em class="gesperrt">H. Major</em>, <span class="antiqua">The voyages of Nic. & Antonio -Zeno</span> (<span class="antiqua">Hakluyt Soc.</span> 1873) <span class="antiqua">p. LXV.</span> gibt 1406 als -letztes Jahr an.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_14_14" id="Fussnote_14_14"></a><a href="#FNAnker_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Vgl. die -<a href="#beilage_p6">Kartenbeilage</a>. Dieselben Länderumrisse -erschienen schon auf Weltgemälden aus dem Ende des 15. Jahrhunderts -und wurden von hier getreu in die genannte Ausgabe des Ptolemäus -hinübergenommen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_15_15" id="Fussnote_15_15"></a><a href="#FNAnker_15_15"><span class="label">[15]</span></a> <em class="gesperrt">H. Major</em>, <span class="antiqua">Henry the Navigator, pp.</span> -58. 59.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_16_16" id="Fussnote_16_16"></a><a href="#FNAnker_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Abweichend von allen andern Seekarten jener Zeit ist -Südafrika hier dargestellt, aber leider nur ein Phantasiegemälde, wie -die charakterlosen Contouren beweisen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_17_17" id="Fussnote_17_17"></a><a href="#FNAnker_17_17"><span class="label">[17]</span></a> <span class="antiqua">The voyages of the Venetian brothers Nicolo & Antonio -Zeno.</span> Ausgabe der Hakluyt Soc. London 1873. Man vgl. auch den -Aufsatz von Prof. <span class="antiqua">Dr.</span> Hermann Vogelsang: Die Insel Friesland und -die Reisen der Gebrüder Zeno im Ausland. 1872. S. 1162 bis 1168.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_18_18" id="Fussnote_18_18"></a><a href="#FNAnker_18_18"><span class="label">[18]</span></a> <em class="gesperrt">H. Major</em>, <span class="antiqua">l. c. Introd. p. 1. IX</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_19_19" id="Fussnote_19_19"></a><a href="#FNAnker_19_19"><span class="label">[19]</span></a> Admiral Irminger, welcher im <span class="antiqua">Journ. R. Geogr. Soc. -1879 p. 398 sq.</span> zu beweisen sucht, daß Zenos Frislanda Island sei, -gibt zur Bestätigung obiger Thatsachen die nachstehenden Beobachtungen -von seinem zweimaligen Besuche Islands in den Jahren 1826 und 1834. -Irminger schildert die ehemalige Wohnung des berühmten Historikers -Snorre Sturleson in Reikholt (1178–1241), welcher neben seinem Hause -sich ein großes Badebassin erbaut hatte, zu dem das heiße Wasser -einer nahen Quelle geleitet war. Die Anlage war so dauerhaft gemacht, -daß man noch nach 600 Jahren dieselben hätte benutzen können. Auch -erwähnt Irminger noch andere Vorkehrungen in Reikjadal, welche darauf -abzielten, heißes Quellwasser zum Kochen zu benutzen. Der alte Bericht -Zenos findet durch diese Wahrnehmung seine Bestätigung.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_20_20" id="Fussnote_20_20"></a><a href="#FNAnker_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Ztschr. der Ges. f. Erdkunde. Berlin. Bd. IX, 279–314.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_21_21" id="Fussnote_21_21"></a><a href="#FNAnker_21_21"><span class="label">[21]</span></a> <em class="gesperrt">Fr. Zarncke</em>, der Priester Johannes, in d. Abhdl. -d. kgl. sächs. Ges. d. Wiss. phil.-hist. Cl. VII, 852.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_22_22" id="Fussnote_22_22"></a><a href="#FNAnker_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Vgl. die beifolgende Karte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_23_23" id="Fussnote_23_23"></a><a href="#FNAnker_23_23"><span class="label">[23]</span></a> <em class="gesperrt">Pauthier</em>, <span class="antiqua">Le livre de Marco Polo. 2 vol. Paris -1865</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_24_24" id="Fussnote_24_24"></a><a href="#FNAnker_24_24"><span class="label">[24]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, <span class="antiqua">The book of Ser Marco Polo. 2 vol. 2. -edit. London 1875</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_25_25" id="Fussnote_25_25"></a><a href="#FNAnker_25_25"><span class="label">[25]</span></a> Die New Welt der Landschaften vnnd Insvln etc. Straßburg -1534. Fol. 107.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_26_26" id="Fussnote_26_26"></a><a href="#FNAnker_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Der Uebersetzer hat also auch Formosa wieder verdeutscht, -wie man zur selben Zeit auch den Namen Christoph Columbus in -Christoffel Dawber übertrug und seinen Titel <span class="antiqua">„admirante del mar“</span> -mit „Wunderer des Meeres“ übersetzte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_27_27" id="Fussnote_27_27"></a><a href="#FNAnker_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Die Abwesenheit der Vögel ist aber nur zeitweilig. Im -Sommer sind vielmehr die Gewässer sehr belebt, wie es bereits um 644 p. -C. der berühmte chinesische Reisende Hwen Thsang schildert.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_28_28" id="Fussnote_28_28"></a><a href="#FNAnker_28_28"><span class="label">[28]</span></a> „Auch kann es die Speisen nicht so weich kochen,“ fügen -andere Handschriften von Polo’s Reise hinzu.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_29_29" id="Fussnote_29_29"></a><a href="#FNAnker_29_29"><span class="label">[29]</span></a> d. h. der ganze Uebergang über das Plateau.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_30_30" id="Fussnote_30_30"></a><a href="#FNAnker_30_30"><span class="label">[30]</span></a> M. Polo erwähnt den See Lop (Lopnor) nicht. Auch heute -noch heißt der ganze <em class="gesperrt">Landstrich</em> Lopnor. Charakteristisch ist -folgende Bemerkung Prschewalskys (Russ. Revue, XV, 568) Als wir in das -erste am Tarim gelegene Dorf kamen, antwortete der Dorfälteste auf -meine Frage: Ist es noch weit bis zum Lopnor? indem er mit dem Finger -auf sich zeigte. „<em class="gesperrt">Ich bin Lop-Nor</em>“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_31_31" id="Fussnote_31_31"></a><a href="#FNAnker_31_31"><span class="label">[31]</span></a> Noch jetzt nennen die Eleuten des Alaschangebirges der -Stadt Ning-Nia Yargai, was an Polo’s Egrigaia erinnert. Damals war der -District wegen des Anbaus von Safflor (<span class="antiqua">carthamus tinctorius</span>) -berühmt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_32_32" id="Fussnote_32_32"></a><a href="#FNAnker_32_32"><span class="label">[32]</span></a> Ein türkischer Stamm.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_33_33" id="Fussnote_33_33"></a><a href="#FNAnker_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Bei <em class="gesperrt">Pauthier</em>, <span class="antiqua">le livre de Marco Polo</span>. -I, 220, <em class="gesperrt">Sugdatu</em>, und unter dieser entstellten Form nicht -identificirt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_34_34" id="Fussnote_34_34"></a><a href="#FNAnker_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Folgende Sitte des dortigen Volks mongolischen Stammes, -welche Polo erwähnt, mag hier verzeichnet werden: „Dis Volck yßt roh -fleisch, das bereyten sie vor also. Sie zertreybens vor klein, darnach -thund sie öll vnd gute specerey dran, vnd essens dann also.“ Also ein -echtes Beefsteak <span class="antiqua">à la tatare</span>!</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_35_35" id="Fussnote_35_35"></a><a href="#FNAnker_35_35"><span class="label">[35]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em> (II, 104) sucht Anin in dem Stamm des -Volkes und in der Stadt Hon-hi oder Ngoming, jetzt Homi-tscheu. Andere -Lesearten für dieses, den Geographen früherer Jahrhunderte unfindbare -Länder sind Amu, Aniu, Ania, Anian. Aus Verlegenheit schoben die -Kartographen diesen Namen nebst andern immer weiter nordwärts, bis in -der Mitte des 16. Jahrhunderts ein <span class="antiqua">Fretum Anian</span> die postulirte -Meerenge zwischen der alten und neuen Welt im Nordosten Asiens bildete.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_36_36" id="Fussnote_36_36"></a><a href="#FNAnker_36_36"><span class="label">[36]</span></a> 60 = 1 Aequatorialgrad, 3–4 Li = 1 solche Meile.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_37_37" id="Fussnote_37_37"></a><a href="#FNAnker_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Von den Arabern des Mittelalters vielbesuchter Hafen, den -sie Kan-pu oder Khan-fu nennen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_38_38" id="Fussnote_38_38"></a><a href="#FNAnker_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Alle spätern Karten, welche auf Polo’s Angaben Bezug -nehmen, haben das südchinesische Meer nach Kräften mit zahlreichen -Inseln besäet.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_39_39" id="Fussnote_39_39"></a><a href="#FNAnker_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Das Cap Comorin hat seinen Namen von skr. <span class="antiqua">kumari</span>, -d. h. Jungfrau, nämlich die Göttin Durga. Schon der Periplus des -erythräischen Meeres und nach ihm Ptolomäus nennt das Κομαρια ακρον.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_40_40" id="Fussnote_40_40"></a><a href="#FNAnker_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Marco Polo. I, 103. Introd.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_41_41" id="Fussnote_41_41"></a><a href="#FNAnker_41_41"><span class="label">[41]</span></a> <span class="antiqua">Hist. des Sc. Math. II</span>, 150.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_42_42" id="Fussnote_42_42"></a><a href="#FNAnker_42_42"><span class="label">[42]</span></a> -Siehe <a href="#Seite_68">S. 68</a>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_43_43" id="Fussnote_43_43"></a><a href="#FNAnker_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Auch in Zayton entstanden christliche Kirchen. Dort waren -um 1326 als Bischöfe die Franziskaner Gerardus, Peregrinus und Andreas. -Zu derselben Zeit trieben dort Genuesen Handel. <em class="gesperrt">W. Heyd</em>, Gesch. -d. Levantehandels. II, 221.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_44_44" id="Fussnote_44_44"></a><a href="#FNAnker_44_44"><span class="label">[44]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Cathay. I, 172.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_45_45" id="Fussnote_45_45"></a><a href="#FNAnker_45_45"><span class="label">[45]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Cathay. I, 75.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_46_46" id="Fussnote_46_46"></a><a href="#FNAnker_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Lamori, bei Polo Lambri, ebenso bei malaiischen -Schriftstellern, bei den Arabern Al-Rami, Ramin, Ramni, lag -wahrscheinlich im nordwestlichen Theile der Insel Sumatra, zwischen -Daya und Atschin. <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Cathay. I, 84.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_47_47" id="Fussnote_47_47"></a><a href="#FNAnker_47_47"><span class="label">[47]</span></a> Auf der catalan. Karte Cincalan, bei Marignolli Cynkalan, -d. h. Großtschin oder Großchina.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_48_48" id="Fussnote_48_48"></a><a href="#FNAnker_48_48"><span class="label">[48]</span></a> 60 Meilen auf einen Aequatorialgrad gerechnet.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_49_49" id="Fussnote_49_49"></a><a href="#FNAnker_49_49"><span class="label">[49]</span></a> <em class="gesperrt">v. Richthofen</em>, China. I, 617.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_50_50" id="Fussnote_50_50"></a><a href="#FNAnker_50_50"><span class="label">[50]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Cathay. I, 231–237.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_51_51" id="Fussnote_51_51"></a><a href="#FNAnker_51_51"><span class="label">[51]</span></a> Bei Ptolomäus Zaba und Zabae, möglicherweise Sanf oder -Tschampa an der Ostküste Hinterindiens. <em class="gesperrt">H. Yule</em>, M. Polo. II, -250.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_52_52" id="Fussnote_52_52"></a><a href="#FNAnker_52_52"><span class="label">[52]</span></a> <em class="gesperrt">W. Heyd</em>, Geschichte des Levantehandels im -Mittelalter. Stuttgart 1879. II, 149.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_53_53" id="Fussnote_53_53"></a><a href="#FNAnker_53_53"><span class="label">[53]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, Cathay. I, 311–394.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_54_54" id="Fussnote_54_54"></a><a href="#FNAnker_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Richthofen</em>, China I, 614, ist der Tan-ho, ein -Zufluß des Han gemeint, aber nicht, wie Yule noch annahm, der große -Canal.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_55_55" id="Fussnote_55_55"></a><a href="#FNAnker_55_55"><span class="label">[55]</span></a> <em class="gesperrt">Frdr. Kunstmann</em>, die Kenntniß Indiens im 15. -Jahrhundert. München 1863. 13. 14. 39.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_56_56" id="Fussnote_56_56"></a><a href="#FNAnker_56_56"><span class="label">[56]</span></a> Nach dem Glauben jener Zeit war Babylon und Bagdad -identisch; auch auf der catalanischen Karte lesen wir: <span class="antiqua">Ciudad de -Baldach, aci fu Babilonia la gran.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_57_57" id="Fussnote_57_57"></a><a href="#FNAnker_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Vielleicht das in Aman liegende Calhat.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_58_58" id="Fussnote_58_58"></a><a href="#FNAnker_58_58"><span class="label">[58]</span></a> <em class="gesperrt">W. Heyd</em>, Gesch. d. Levantehandels. II, 360.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_59_59" id="Fussnote_59_59"></a><a href="#FNAnker_59_59"><span class="label">[59]</span></a> <em class="gesperrt">W. Heyd</em>, der Reisende Niccolo de’ Conti. Ausland -1881, Nr. 25. <em class="gesperrt">H. Yule</em>, M. Polo. II, 375.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_60_60" id="Fussnote_60_60"></a><a href="#FNAnker_60_60"><span class="label">[60]</span></a> <em class="gesperrt">H. Yule</em>, M. Polo. II, 360.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_61_61" id="Fussnote_61_61"></a><a href="#FNAnker_61_61"><span class="label">[61]</span></a> Der malayische Archipel, deutsch von A. B. <em class="gesperrt">Meyer</em>. -Braunschweig 1869. I, 104–107.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_62_62" id="Fussnote_62_62"></a><a href="#FNAnker_62_62"><span class="label">[62]</span></a> A. R. <em class="gesperrt">Wallace</em>, der malayische Archipel. II, 360.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_63_63" id="Fussnote_63_63"></a><a href="#FNAnker_63_63"><span class="label">[63]</span></a> Conti ist der erste und einzige mittelalterliche -Reisende, der auf der Rückkehr von Indien her seinen Weg durchs rothe -Meer statt durch den persischen Golf nahm.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_64_64" id="Fussnote_64_64"></a><a href="#FNAnker_64_64"><span class="label">[64]</span></a> <em class="gesperrt">Fr. v. Löher</em>, Canarische Reisetage, in der Allg. -Zeitung 1876. Nr. 57 u. f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_65_65" id="Fussnote_65_65"></a><a href="#FNAnker_65_65"><span class="label">[65]</span></a> R. H. <em class="gesperrt">Major</em>, <span class="antiqua">The life of Prince Henry of -Portugal. London 1868. p. 314.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_66_66" id="Fussnote_66_66"></a><a href="#FNAnker_66_66"><span class="label">[66]</span></a> Möglicherweise war der arabische Seefahrer Ibn Fatima -einmal bis zum Cap Branco verschlagen, welches er als „glänzendes -Vorgebirge“ bezeichnet. (O. <em class="gesperrt">Peschel</em>, Gesch. d. Erdkunde. 2. -Aufl. S. 130). Auch hatte Bethencourt 1405 die Küste von Bojador -(<span class="antiqua">port de Bugeder</span>), südlich neben dem Vorgebirge gelegen, -erreicht. R. H. <em class="gesperrt">Major</em>, <span class="antiqua">The conquest and conversion of the -Canarians by J. de Bethencourt (Hakluyt Soc. 1872) p. 180</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_67_67" id="Fussnote_67_67"></a><a href="#FNAnker_67_67"><span class="label">[67]</span></a> Zur Erklärung dieses Horoskops diene folgendes: Die -Astrologen bezeichneten mit dem Ausdruck „Haus“ ein sphärisches Zweieck -(Winkel) am Himmelsgewölbe, im Thierkreise. Die zwölf Zeichen des -Thierkreises waren aber als „Häuser“ derart an die sieben Planeten -vertheilt, daß jeder Wandelstern zwei Häuser hatte, außer Sonne und -Mond, denen nur eins zugewiesen war.</p> - -<div class="figcenter"> - <p class="center nobreak-after">Fig. 1.</p> - <a id="haeuser" name="haeuser"> - <img src="images/haeuser.png" - alt="Häuser des Tierkreises" /></a> -</div> - -<p>Danach herrschte also die Sonne im Hause des Löwen, der Mond im Krebs, -Merkur in den Zwillingen und in der Jungfrau, Venus im Stier und in der -Wage, Mars im Widder und im Scorpion, Jupiter in den Fischen und im -Schützen, und endlich Saturn im Wassermann und im Steinbock.</p> - -<p>Die Exaltation war anders vertheilt, und zwar:</p> - -<div class="figcenter"> - <p class="center nobreak-after">Fig. 2.</p> - <a id="exaltation" name="exaltation"> - <img src="images/exaltation.png" - alt="Verteilung der Exaltation" /></a> -</div> - -<p>Das <span class="antiqua">Speculum astrologicum</span> oder die Stellung -der Gestirne war demnach bei der Geburt des Prinzen:</p> - -<div class="figcenter"> - <p class="center nobreak-after">Fig. 3.</p> - <a id="speculum_astrologicum" name="speculum_astrologicum"> - <img src="images/speculum_astrologicum.png" - alt="Speculum astrologicum" /></a> -</div> - -<p>Der Mars stand im Wassermann, der Wassermann ist das Haus des Saturn -(siehe <a href="#haeuser">Figur 1</a>) und ist das eilfte Haus, im zwölften steht die Sonne -in Exaltation (vgl. <a href="#exaltation">Figur 2</a> erste Zeile). Das sind die Elemente dieses -einfachen Horoskops, auf das man so großes Gewicht legte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_68_68" id="Fussnote_68_68"></a><a href="#FNAnker_68_68"><span class="label">[68]</span></a> In der That ist es nur eine flache Sandzunge, welche -ins Meer vortritt und von einem Riffe umgürtet ist, welches kaum eine -deutsche Meile lang ist. Nur ungeschickte Küstenfahrer konnten davon -zurückgeschreckt werden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_69_69" id="Fussnote_69_69"></a><a href="#FNAnker_69_69"><span class="label">[69]</span></a> Studien über das Klima der Mittelmeerländer. Gotha 1879. -S. 25 im Ergänzungsheft Nr. 58 der „Mittheilungen“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_70_70" id="Fussnote_70_70"></a><a href="#FNAnker_70_70"><span class="label">[70]</span></a> <em class="gesperrt">Fr. Kunstmann</em>, Die Handelsverbindungen der -Portugiesen mit Timbuktu im XV. Jahrh. d. Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. -Wiss. VI., I. Abthl. 178.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_71_71" id="Fussnote_71_71"></a><a href="#FNAnker_71_71"><span class="label">[71]</span></a> <span class="antiqua">e la costa è tutta terra bassa, copiosa di bellissimi -e grandissimi arbori verde.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_72_72" id="Fussnote_72_72"></a><a href="#FNAnker_72_72"><span class="label">[72]</span></a> <span class="antiqua">tutta bagnata di molte riviere e fiumi piccoli.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_73_73" id="Fussnote_73_73"></a><a href="#FNAnker_73_73"><span class="label">[73]</span></a> Ein Italiener war sogar bis Timbuktu vorgedrungen -(<em class="gesperrt">Peschel</em>, Geschichte der Erdkunde. 2. Auflage. 190).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_74_74" id="Fussnote_74_74"></a><a href="#FNAnker_74_74"><span class="label">[74]</span></a> <em class="gesperrt">Peschel</em>, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Auflage. -S. 55.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_75_75" id="Fussnote_75_75"></a><a href="#FNAnker_75_75"><span class="label">[75]</span></a> H. <em class="gesperrt">Major</em>, <span class="antiqua">Prince Henry. 277 et seq.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_76_76" id="Fussnote_76_76"></a><a href="#FNAnker_76_76"><span class="label">[76]</span></a> <span class="antiqua">Margarita phil. Basil. 1508. Lib. VII. Cap. XLII.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_77_77" id="Fussnote_77_77"></a><a href="#FNAnker_77_77"><span class="label">[77]</span></a> Der von Regiomontan erfundene Jakobsstab oder Kreuzstab -bestand aus einem längeren graduirten Ellenstabe mit verschiebbarem -kürzerem Querholz. Das Ende des Ellenstabes brachte man beim Visiren -möglichst nahe vors Auge und schob dann das Querholz so weit, bis -das eine, untere Ende den Horizont, das obere den Stern, dessen Höhe -man messen wollte, berührte. In ähnlicher Weise konnte man auch den -Abstand eines Sternes vom Monde messen. Wollte man Sonnenhöhen messen, -so brachte man farbige Gläser an dem Querholze an, um das Auge zu -schützen. Dieses Instrument bürgerte sich bald bei allen seefahrenden -Nationen ein und hieß bei den Portugiesen <span class="antiqua">balestilha</span>, bei den -Spaniern <span class="antiqua">baculo de Santiago</span> (Jakobsstab), bei den Engländern -<span class="antiqua">cross-staff</span>, bei den Holländern <span class="antiqua">graedboog</span>. Bis zur Mitte -des vorigen Jahrhunderts war er noch allgemein in Gebrauch.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_78_78" id="Fussnote_78_78"></a><a href="#FNAnker_78_78"><span class="label">[78]</span></a> Auf unseren Karten gewöhnlich C. Montserrado.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_79_79" id="Fussnote_79_79"></a><a href="#FNAnker_79_79"><span class="label">[79]</span></a> In der neuesten Zeit hat die portugiesische Regierung die -Pfeiler wieder aufsuchen und ihre Stätte fixiren lassen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_80_80" id="Fussnote_80_80"></a><a href="#FNAnker_80_80"><span class="label">[80]</span></a> Die Karten Juans de la Cosa (1500) und S. Cabots (ca. -1525) verlegen die Manga das Areas, den äußersten Punkt der Fahrt, -nördl. v. C. Negro.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_81_81" id="Fussnote_81_81"></a><a href="#FNAnker_81_81"><span class="label">[81]</span></a> Die <em class="gesperrt">Astrolabien</em> dienten bereits bei den Griechen -des Alterthums und bei den Arabern des Mittelalters zur Messung der -Sternhöhen, d. h. des Winkels vom Horizont bis zur momentanen Stellung -des Gestirnes (der Sonne, des Mondes). Einer unter den arabischen -Astronomen, Ali ben Isa (um 833), erhielt sogar den Beinamen <span class="antiqua">al -astralabi</span>, der Astrolabienmacher, weil seine Instrumente besonders -geschätzt und über das ganze mohammedan. Reich verbreitet waren. Die -europäischen Gelehrten entlehnten bereits seit dem 11. Jahrhundert das -Instrument von den Arabern. Dasselbe bestand in seiner einfachen Form -aus einem großen Kreisbogen von Holz, in dessen Mitte um einen Zapfen -sich ein Winkelzeiger (arab. Alidad) drehte, welcher an beiden Enden -mit feinen Visirlöchern versehen war. Wenn das Instrument aufgehängt -war, zeigte der eine Durchmesser des Kreises die horizontale Linie -an, während der andere Durchmesser die verticale Richtung erhielt. -Da der Holzkreis in Grade abgetheilt war, ließ sich durch die genaue -Richtung des Alidad auf den Stern der Höhenwinkel auf dem graduirten -Kreise ablesen. Regiomontan ließ in seiner Werkstatt in Nürnberg diese -Instrumente verbessern und aus Metall herstellen und wahrscheinlich -machte Martin Behaim die Portugiesen mit denselben bekannt. Gewiß ist, -daß alle großen Seefahrer: Columbus, Gama, Magalhães sich der von den -Deutschen verbesserten Instrumente bedienten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_82_82" id="Fussnote_82_82"></a><a href="#FNAnker_82_82"><span class="label">[82]</span></a> Gaspar Correa, Lendas da India. I, 5 (Lisboa 1858) nennt -ihn Gonçalo de Pavia und bezeichnet ihn als eingeborenen Canarier.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_83_83" id="Fussnote_83_83"></a><a href="#FNAnker_83_83"><span class="label">[83]</span></a> geboren um 1469 in Sines.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_84_84" id="Fussnote_84_84"></a><a href="#FNAnker_84_84"><span class="label">[84]</span></a> <em class="gesperrt">Henry E. J. Stanley</em>, <span class="antiqua">The three voyages of -Vasco da Gama and his Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar -Correa. London (Hakluyt Soc. MDCCCLXIX. p. VI.)</span> Bei der folgenden -Darstellung ist dieses Werk vielfach benutzt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_85_85" id="Fussnote_85_85"></a><a href="#FNAnker_85_85"><span class="label">[85]</span></a> <em class="gesperrt">Osorio</em> gibt an, die Helenabai und der Jacobusfluß -seien nach dem Heiligentag benannt, St. Helena fällt auf den 18. -August, Jacobus noch früher. Wenn nach Barros die ganze Fahrt bis dahin -etwa 5 Monate gedauert, dann fällt die Ausfahrt auf die von Correa -angegebene Zeit, in den März. Die Landung im August stimmt auch mit den -Angaben der Winterzeit und den kurzen, dunklen Tagen. Die Dublirung des -Caps müßte danach vor dem 20. Nov. (Castanheda) oder 22. Nov. (Barros) -fallen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_86_86" id="Fussnote_86_86"></a><a href="#FNAnker_86_86"><span class="label">[86]</span></a> Barros gibt irrthümlich den 7. April an, vgl. <em class="gesperrt">H. E. J. -Stanley</em>, <span class="antiqua">Vasco da Gama. p. 111. Note 1</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_87_87" id="Fussnote_87_87"></a><a href="#FNAnker_87_87"><span class="label">[87]</span></a> Diese Darstellung nach Correa scheint der Wahrheit mehr -zu entsprechen als die Angabe Barros, der Mann sei ein Araber aus -Tunis gewesen, der in Oran mit den Portugiesen verkehrt habe. Denn es -klingt nicht wahrscheinlich, daß ein geborner Mohammedaner sollte seine -Glaubensgenossen verrathen und, wie von allen Seiten berichtet wird, -später den christlichen Glauben angenommen haben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_88_88" id="Fussnote_88_88"></a><a href="#FNAnker_88_88"><span class="label">[88]</span></a> Namentlich stehen sich Barros und Correa gegenüber. -Wenn man jedoch die (von Correa <em class="gesperrt">vor</em> die Audienz verlegte) -Gefangennahme Gama’s als eine Folge der offenen Aussprache des Capitäns -in Gegenwart des Samorin auffaßt, und sie <em class="gesperrt">nach</em> der Audienz als -eine eigenmächtige Maßnahme der mohammedanischen Partei annimmt, lassen -sich die Berichte bis auf einen gewissen Punkt vereinigen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_89_89" id="Fussnote_89_89"></a><a href="#FNAnker_89_89"><span class="label">[89]</span></a> Barros läßt die Fahrt vor Eintreten des Monsuns -beginnen, in Folge dessen die Schiffe, durch Windstille und Gegenwinde -aufgehalten, viel Mannschaft verloren, da bei der langen Dauer der -Fahrt Mangel an Wasser und frischen Lebensmitteln eintrat. Allein -es ist wahrscheinlicher, daß Gama, da er einmal von Kalikut vor der -Monsun-Zeit aufbrechen mußte, nordwärts segelnd, den günstigen Fahrwind -bei den Andjediven abwartete, als daß er gegen den Rath der Piloten -sich zu früh über den Ocean gewagt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_90_90" id="Fussnote_90_90"></a><a href="#FNAnker_90_90"><span class="label">[90]</span></a> Correa’s Bericht erscheint auch hier in sich correct. -Wie er die Flotte erst nach dem Auftreten des Monsun von der indischen -Küste Abschied nehmen und mit günstiger Fahrt rasch nach Afrika -gelangen läßt, ungehemmt durch Gegenwinde und Windstille, deren -drückende Schwüle nach den Angaben der anderen Historiker die Ursache -der zahlreichen Todesfälle unter dem Schiffsvolk gewesen sein soll, so -daß in Folge dessen die Mannschaft zur Bedienung dreier Schiffe nicht -mehr ausreichte, so weiß er auch nichts von dem nothwendig gewordenen -Aufgeben des dritten Schiffes. Und dabei beruft er sich grade hier, -wo er die Rückfahrt schildert, auf die authentischen Berichte des -Geistlichen João Figueira, welcher als Augenzeuge seine Erlebnisse -niederschrieb.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_91_91" id="Fussnote_91_91"></a><a href="#FNAnker_91_91"><span class="label">[91]</span></a> Als Tag der Ankunft nennen Barros und Goes den 29. -September, Correa den 18. September. Den Monat September gibt, ohne -Tagesangabe, auch Castanheda an.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_92_92" id="Fussnote_92_92"></a><a href="#FNAnker_92_92"><span class="label">[92]</span></a> Cruzado = 2,75 Mark.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_93_93" id="Fussnote_93_93"></a><a href="#FNAnker_93_93"><span class="label">[93]</span></a> Der Quintal Pfeffer galt damals in Lissabon 80 Cruzados, -Zimmt 180, Näglein 200, Ingwer 120, Muskatnuß 100, Mazis 300 Cruzados.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_94_94" id="Fussnote_94_94"></a><a href="#FNAnker_94_94"><span class="label">[94]</span></a> <em class="gesperrt">P. A. Thiele</em>, <span class="antiqua">De vestiging der Portugeezen -in Indië, (zie de Gids 1873. no. 8)</span> Bl. 15. Anm. 1. führt das -Auftauchen des Namens Brasilien bis ins Jahr 1504 zurück.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_95_95" id="Fussnote_95_95"></a><a href="#FNAnker_95_95"><span class="label">[95]</span></a> <em class="gesperrt">G. Correa</em>, Lendas I, 152 nennt den Capitän -<em class="gesperrt">André Gonsalvez</em>, der in der Liste des Barros unter den Führern -der dreizehn Schiffe nicht mit aufgeführt ist. Werthvoll ist aber die -Angabe Correa’s, weil er hinzufügt, derselbe Gonsalvez sei von König -Manuel sofort mit einer zweiten Fahrt nach Brasilien beauftragt. Dies -würde die Expedition sein, an welcher Vespucci theilnahm, und von der -man bisher den Namen des Capitäns nicht kannte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_96_96" id="Fussnote_96_96"></a><a href="#FNAnker_96_96"><span class="label">[96]</span></a> <em class="gesperrt">F. Kunstmann</em>, die Fahrt der ersten Deutschen nach -dem portugiesischen Indien. München 1861. S. 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_97_97" id="Fussnote_97_97"></a><a href="#FNAnker_97_97"><span class="label">[97]</span></a> <em class="gesperrt">B. Greiff</em>, Tagebuch des Lucas Rem aus den Jahren -1494–1541. Augsburg 1861, mitgetheilt im 26. Jahresberichte des Histor. -Kreisvereins im Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_98_98" id="Fussnote_98_98"></a><a href="#FNAnker_98_98"><span class="label">[98]</span></a> <em class="gesperrt">Kunstmann</em>, a. a. O. S. 6.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_99_99" id="Fussnote_99_99"></a><a href="#FNAnker_99_99"><span class="label">[99]</span></a> Ebenda. S. 8.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_100_100" id="Fussnote_100_100"></a><a href="#FNAnker_100_100"><span class="label">[100]</span></a> Es war das Schiff des Sancho de Toar, von der Flotte -Cabrals, welches 1501 hier gescheitert war.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_101_101" id="Fussnote_101_101"></a><a href="#FNAnker_101_101"><span class="label">[101]</span></a> Tagebuch S. 8.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_102_102" id="Fussnote_102_102"></a><a href="#FNAnker_102_102"><span class="label">[102]</span></a> <span class="antiqua">The travels of Ludovico di Varthema, translated -from the original edition of 1510 and edited by G. P. Badger (London, -Hakluyt Soc. 1863).</span> Eine deutsche Uebersetzung findet sich bereits -in: „Die New Welt der Landschaften vnnd Insvln, etc.“, Straßburg 1534, -Fol. 58 u. f. Eine lateinische Uebersetzung gab vorher Grynäus in -seinem <span class="antiqua">„Novus orbis regionum ac insularum“</span>, <span class="antiqua">Basil. 1532, fol. -189</span> u. f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_103_103" id="Fussnote_103_103"></a><a href="#FNAnker_103_103"><span class="label">[103]</span></a> Diese und die -<a href="#abb_p155">Abbildung auf nächster Seite</a> ist entnommen -(Facsimile in ⅓ der Breite des Originals) aus: <em class="gesperrt">Linschoten, -Itinerarium ofte Schipvaert naer Oostofte Portugaels Indiën. Amsterdam -1614.</em></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_104_104" id="Fussnote_104_104"></a><a href="#FNAnker_104_104"><span class="label">[104]</span></a> <em class="gesperrt">N. de Gray Birch</em>, <span class="antiqua">The Commentaries of the -great Afonso d’Alboquerque. London, (Hakluyt Soc.) 1875. Vol. I. -225.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_105_105" id="Fussnote_105_105"></a><a href="#FNAnker_105_105"><span class="label">[105]</span></a> Vollständig wiedergegeben in den <span class="antiqua">Commentaries of the -great A. d’Alboquerque</span>. I, 227. 228.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_106_106" id="Fussnote_106_106"></a><a href="#FNAnker_106_106"><span class="label">[106]</span></a> <span class="antiqua">Dec. II. liv. III. cap. 9.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_107_107" id="Fussnote_107_107"></a><a href="#FNAnker_107_107"><span class="label">[107]</span></a> <span class="antiqua">Dec. II, 4. 3. que usam vestir panno et outras cousas -a nosso modo.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_108_108" id="Fussnote_108_108"></a><a href="#FNAnker_108_108"><span class="label">[108]</span></a> Ajuthia liegt nördlich von Bangkok am Menam. Sie war -damals nicht blos die prächtige Residenz der Könige, sondern auch eine -belebte Handelsstadt, in deren Hafen sich Schiffe aller ost-asiatischen -Nationen, selbst der Japaner einfanden. Sie wurde 1555 zuerst vom -Könige von Pegu zerstört und nach ihrem Wiederaufbau zum zweitenmale -vom Könige von Birma 1767 vernichtet, so daß nur jene Ruinen übrig -blieben, „die in einer Wildniß wuchernden Gestrüppes noch jetzt von der -einst berühmten und glänzenden Residenz zeugen und in ihren gebrochenen -Pagoden, von dichtem Epheu umflort, über die verwaiste Stadt zu -klagen scheinen, die später wieder neben ihnen aufgebaut wurde, aber -ihren Herrschersitz verlor“. <em class="gesperrt">A. Bastian</em>, die Geschichte der -Indochinesen. Leipzig 1866. S. 369. 371. 382.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_109_109" id="Fussnote_109_109"></a><a href="#FNAnker_109_109"><span class="label">[109]</span></a> <em class="gesperrt">Osorio</em>, <span class="antiqua">de rebus Emmanuelis. Colon. 1586 p. -264<sup>b</sup>. Elephantus accessit et ter genibus flexis et demisso corporis -habitu venerabundus illum salutavit, quod non mediocrem admirationem -spectantibus incussit.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_110_110" id="Fussnote_110_110"></a><a href="#FNAnker_110_110"><span class="label">[110]</span></a> Dagegen rühmt Osorio das milde Klima und die herrliche -Gegend. <span class="antiqua">Coeli temperies et regionis amoenitas.</span> A. a. O. S. 191.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_111_111" id="Fussnote_111_111"></a><a href="#FNAnker_111_111"><span class="label">[111]</span></a> Die Commentarien Albuquerques. <span class="antiqua">Hakluyt Soc. 1875. -III. 259. 264.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_112_112" id="Fussnote_112_112"></a><a href="#FNAnker_112_112"><span class="label">[112]</span></a> <em class="gesperrt">Osorio</em>, <span class="antiqua">de rebus Emmanuelis. Colon.</span> 1586. -S. 205<sup><span class="antiqua">b</span></sup>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_113_113" id="Fussnote_113_113"></a><a href="#FNAnker_113_113"><span class="label">[113]</span></a> <em class="gesperrt">de Barros</em>, <span class="antiqua">Asia. Dec. II. 7. 6.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_114_114" id="Fussnote_114_114"></a><a href="#FNAnker_114_114"><span class="label">[114]</span></a> <em class="gesperrt">de Barros</em>, <span class="antiqua">Asia. Dec. II. 7. 7. Como El Rey -D. Manuel per <em class="gesperrt">muitas vezes</em> lhe tinha escrito que trabalhasse -por entrar no mar Roxo, e que pelas cartas da quelle anno lhe mandava -<em class="gesperrt">estreitamente</em> que o fizesse, se o já não tinha feito.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_115_115" id="Fussnote_115_115"></a><a href="#FNAnker_115_115"><span class="label">[115]</span></a> Beschreibung von Arabien. Kopenhagen 1772. S. 230.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_116_116" id="Fussnote_116_116"></a><a href="#FNAnker_116_116"><span class="label">[116]</span></a> <em class="gesperrt">Osorio</em> a. a. O. S. 285<sup><span class="antiqua">b</span></sup>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_117_117" id="Fussnote_117_117"></a><a href="#FNAnker_117_117"><span class="label">[117]</span></a> Der Geheimsecretär Pereira hatte vor allem verlangt, -Goa wieder aufzugeben und war deshalb mit Albuquerque zerfallen. Nach -Portugal zurückgeschickt, hatte er auch dort fortwährend die falsche -Ansicht verbreitet, Albuquerque gebe die Herrschaft auf der See -auf, um die Portugiesen hinter ungesunden Mauern sterben zu lassen. -<em class="gesperrt">Osorio</em>, S. 252.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_118_118" id="Fussnote_118_118"></a><a href="#FNAnker_118_118"><span class="label">[118]</span></a> <span class="antiqua">Pois estou mal ante elle (El Rey) por amor dos -homens, e mal com os homens por amor d’elle.</span> <em class="gesperrt">G. Correa</em>, -Lendas II, 458.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_119_119" id="Fussnote_119_119"></a><a href="#FNAnker_119_119"><span class="label">[119]</span></a> Es war ein natürlicher Sohn, Albuquerque war nie -vermählt. Manuel befahl später, daß er den Vornamen seines Vaters, -Alfons, annehmen solle. <em class="gesperrt">G. Correa</em>, Lendas II, 461.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_120_120" id="Fussnote_120_120"></a><a href="#FNAnker_120_120"><span class="label">[120]</span></a> Lendas II, 460.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_121_121" id="Fussnote_121_121"></a><a href="#FNAnker_121_121"><span class="label">[121]</span></a> Commentarien III, 137. Aehnlich auch de Barros.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_122_122" id="Fussnote_122_122"></a><a href="#FNAnker_122_122"><span class="label">[122]</span></a> <span class="antiqua">De rebus Emmanuelis p. 306<sup>b</sup>.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_123_123" id="Fussnote_123_123"></a><a href="#FNAnker_123_123"><span class="label">[123]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Asia. Dec. III, lib. 3. cap. 1. Parece -que toda a fortuna delle Lopo Soares estava em ir, e vir com sua frota, -e boa carga de especiaria.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_124_124" id="Fussnote_124_124"></a><a href="#FNAnker_124_124"><span class="label">[124]</span></a> Der Grund, weshalb Nuno nicht mehr Hilfe gesendet, lag -darin, daß bereits im September Garcia de Noronha als sein Nachfolger -im Amte eingetroffen war. Dieser aber brauchte zu viel Zeit für seine -Vorbereitungen, so daß dieselben schließlich überflüssig wurden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_125_125" id="Fussnote_125_125"></a><a href="#FNAnker_125_125"><span class="label">[125]</span></a> <em class="gesperrt">P. A. Tiele</em>, <span class="antiqua">Nuno da Cunha in het Oosten -(overgedrukt uit „de Gids“ 1879, No. 8)</span> S. 48.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_126_126" id="Fussnote_126_126"></a><a href="#FNAnker_126_126"><span class="label">[126]</span></a> <em class="gesperrt">A. R. Wallace</em>, der malayische Archipel, deutsch -von <em class="gesperrt">A. B. Meyer</em>. I, 2. Braunschweig 1869.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_127_127" id="Fussnote_127_127"></a><a href="#FNAnker_127_127"><span class="label">[127]</span></a> A. R. <em class="gesperrt">Wallace</em>, a. a. O. II, 1 u. 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_128_128" id="Fussnote_128_128"></a><a href="#FNAnker_128_128"><span class="label">[128]</span></a> <em class="gesperrt">Wallace</em>, a. a. O. II, 4 u. 24.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_129_129" id="Fussnote_129_129"></a><a href="#FNAnker_129_129"><span class="label">[129]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">Coleccion de los viajes y -descubr. tom V. p.</span> 435. Madrid 1837.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_130_130" id="Fussnote_130_130"></a><a href="#FNAnker_130_130"><span class="label">[130]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Asia. Dec. III., lv. V. -p.</span> 6.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_131_131" id="Fussnote_131_131"></a><a href="#FNAnker_131_131"><span class="label">[131]</span></a> <em class="gesperrt">A. R. Wallace</em> a. a. O. I, 408 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_132_132" id="Fussnote_132_132"></a><a href="#FNAnker_132_132"><span class="label">[132]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">l. c. V</span>, 435. 437. 438.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_133_133" id="Fussnote_133_133"></a><a href="#FNAnker_133_133"><span class="label">[133]</span></a> <em class="gesperrt">Wallace</em> a. a. O. I, 417 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_134_134" id="Fussnote_134_134"></a><a href="#FNAnker_134_134"><span class="label">[134]</span></a> <em class="gesperrt">H. Kiepert</em>, Lehrbuch der alten Geographie. S. 42.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_135_135" id="Fussnote_135_135"></a><a href="#FNAnker_135_135"><span class="label">[135]</span></a> <em class="gesperrt">Plinius</em>, <span class="antiqua">hist. nat. VI. Extra -ostium Indi Chryse et Argyre fertiles metallis, ut credo. Nam quod -aliqui tradidere, aureum argenteumque iis solum esse, haud facile -crediderim.</span> — <em class="gesperrt">Pomp. Mela</em>, <span class="antiqua">de situ orbis VII, 7</span>. -<span class="antiqua">Ad Tamum</span> (ein unbestimmbares Vorgebirge) <span class="antiqua">insula est Chryse, -ad Gangen Argyre, altera aurei soli (ita veteres tradidere), altera -argentei; atque ut maxime videtur aut ex re nomen, aut ex vocabulo -fabula est</span>. — <span class="antiqua"><em class="gesperrt">Solinus</em>, ed. Mommsen, p. 266, 11.</span> -<span class="antiqua">Extra Indi ostium sunt insulae duae Chryse et Argyre adeo fecundae -copia metallorum, ut plerique eas aurea sola habere prodiderint et -argentea.</span> — <em class="gesperrt">Isidor</em>, <span class="antiqua">Etymolog. XIV, cap. 3. Chryse -et Argyre auro et argento fecundae. Hi sunt et montes aurei, quas adire -propter dracones et gryphos et immensorum hominum monstra impossibile -est.</span> — <span class="antiqua"><em class="gesperrt">Ravennatis</em> Cosmogr. ed. Pinder et Parthey p. 419. -420. In Oceano vero Indio sunt diversae insulae: Argire... Item -est insula in eandem partem in eodem Oceano, quae dicitur Chrisi, id -est aurosa.</span> — <em class="gesperrt">Hrabanus Maurus</em>, <span class="antiqua">De Universo XII, 5</span>. -<span class="antiqua">Crysae et Argyrae insulae in Indico oceano dictae.</span> — <em class="gesperrt">Hugo -von St. Victor</em>, <span class="antiqua">Excerpt. prior. III, cap. 7. Argyria, -Chrysa.</span> — <em class="gesperrt">Petrus de Alliaco</em>, <span class="antiqua">Imago mundi, cap. XV</span>. -<span class="antiqua">Crisa et Argire auro et argento fecundae.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_136_136" id="Fussnote_136_136"></a><a href="#FNAnker_136_136"><span class="label">[136]</span></a> <em class="gesperrt">J. V. Zingerle</em>, Eine Geographie aus dem 13. -Jahrh. Wien 1865.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="csstab"> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - S. 10. - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - Agyrâ und Agyrê, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - die zwô grôzen inseln rîch, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - die ligent ouch dâ wunniklîch. - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - si sint nâch alles wunsches kraft - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - zu allen zîten berehaft, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - dâ naht und tag und alle frist - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - daz lant ungebûwen grüen ist, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - und der erden blüende fruht, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - mit grôzer rîlîcher genuht - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - gebernt die insel alliu zil - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - goldes unde silbers vil, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - des ist mit grôzer rîcheit dâ, - </div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell"> - - </div> - <div class="csscell antiqua padl1"> - vil mêr, dann iender anderswâ. - </div> - </div> - </div> - </div> -</div> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_137_137" id="Fussnote_137_137"></a><a href="#FNAnker_137_137"><span class="label">[137]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Dec. III. C. 3. 3. cento et tantas -leguas.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_138_138" id="Fussnote_138_138"></a><a href="#FNAnker_138_138"><span class="label">[138]</span></a> <em class="gesperrt">G. Correa</em>, <span class="antiqua">Lendas III</span>, 240.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_139_139" id="Fussnote_139_139"></a><a href="#FNAnker_139_139"><span class="label">[139]</span></a> <em class="gesperrt">G. Correa</em>, <span class="antiqua">Lendas IV</span>, 306.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_140_140" id="Fussnote_140_140"></a><a href="#FNAnker_140_140"><span class="label">[140]</span></a> Dritte Auflage. 1571.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_141_141" id="Fussnote_141_141"></a><a href="#FNAnker_141_141"><span class="label">[141]</span></a> <em class="gesperrt">K. v. Weber</em>, Anna Kurfürstin von Sachsen. Leipzig -1861. S. 332.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_142_142" id="Fussnote_142_142"></a><a href="#FNAnker_142_142"><span class="label">[142]</span></a> <span class="antiqua">Informação da aurea Chersoneso ou Peninsula e las -ilhas Auriferas etc.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_143_143" id="Fussnote_143_143"></a><a href="#FNAnker_143_143"><span class="label">[143]</span></a> <em class="gesperrt">P. A. Tiele</em>, <span class="antiqua">de voorgewende ontdekking von -Australie (Nieuw Holland) door de Portugeezen in 1601, overgedruckt -uit de Nederlandsche Spectator 1875.</span> — <em class="gesperrt">E. T. Hamy</em>, <span class="antiqua">Le -descobridor Godinho de Eredia, im Bulletin soc. geogr. Paris. Juin -1878. p. 311–442.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_144_144" id="Fussnote_144_144"></a><a href="#FNAnker_144_144"><span class="label">[144]</span></a> <em class="gesperrt">P. A. Leupe</em>, <span class="antiqua">Reize von Maarten Gerritss. Vries -in 1643.</span> Amsterdam 1858. Einleitung. S. 1–5. 24. 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_145_145" id="Fussnote_145_145"></a><a href="#FNAnker_145_145"><span class="label">[145]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Asia, Dec. III. liv. I, 8</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_146_146" id="Fussnote_146_146"></a><a href="#FNAnker_146_146"><span class="label">[146]</span></a> Diese Insel, welche bei den Portugiesen Tamao -oder Sancian genannt wird, heißt chinesisch San-tschuën, auf den -europäischen Seekarten St. John und liegt südwestlich von der Mündung -des Si-kiang, in dessen Gebiet die bekannte Handelsstadt Kanton gelegen -ist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_147_147" id="Fussnote_147_147"></a><a href="#FNAnker_147_147"><span class="label">[147]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Asia, Dec. III, liv. 2. 8</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_148_148" id="Fussnote_148_148"></a><a href="#FNAnker_148_148"><span class="label">[148]</span></a> <em class="gesperrt">Barros</em>, <span class="antiqua">Asia, Dec. III, liv. 6. 1</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_149_149" id="Fussnote_149_149"></a><a href="#FNAnker_149_149"><span class="label">[149]</span></a> <span class="antiqua">Peregrinaçam de Fernam Mendez Pinto. Lissabon -1614.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_150_150" id="Fussnote_150_150"></a><a href="#FNAnker_150_150"><span class="label">[150]</span></a> v. <em class="gesperrt">Richthofen</em>, China. I, 647.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_151_151" id="Fussnote_151_151"></a><a href="#FNAnker_151_151"><span class="label">[151]</span></a> <em class="gesperrt">Theobald Fischer</em>, Ueber italienische Seekarten -und Kartographen des Mittelalters, in Zeitschr. d. Gs. f. Erdk. zu -Berlin. Bd. XVII. S. 5 u. folg.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_152_152" id="Fussnote_152_152"></a><a href="#FNAnker_152_152"><span class="label">[152]</span></a> Ueber das Geburtsjahr des Entdeckers von Amerika, im -„Ausland“ 1866. S. 1177–81.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_153_153" id="Fussnote_153_153"></a><a href="#FNAnker_153_153"><span class="label">[153]</span></a> <em class="gesperrt">M. F. de Navarrete</em>, <span class="antiqua">Coleccion de los viajes y -descubrimientos. tom. I. p. 311</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_154_154" id="Fussnote_154_154"></a><a href="#FNAnker_154_154"><span class="label">[154]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 285.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_155_155" id="Fussnote_155_155"></a><a href="#FNAnker_155_155"><span class="label">[155]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 101.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_156_156" id="Fussnote_156_156"></a><a href="#FNAnker_156_156"><span class="label">[156]</span></a> Daß hier eine litterarische Fälschung vorliegt, wird -jetzt allgemein angenommen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_157_157" id="Fussnote_157_157"></a><a href="#FNAnker_157_157"><span class="label">[157]</span></a> <span class="antiqua">Année veritable de la naissance de Christophe -Columbe, im Bull. de la Soc. d. Geogr. Paris 1872. Juillet.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_158_158" id="Fussnote_158_158"></a><a href="#FNAnker_158_158"><span class="label">[158]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em>, welcher der Ansicht war, Columbus sei -1436 geboren, substituirte die Zahl 48. <span class="antiqua">Colleccion de los viajes y -déscabr. I, LXXX.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_159_159" id="Fussnote_159_159"></a><a href="#FNAnker_159_159"><span class="label">[159]</span></a> <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">D. Fernando Colon, historiador de sa -padre.</span> Sevilla 1871. <em class="gesperrt">Schumacher</em>, Peter Martyr S. 94.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_160_160" id="Fussnote_160_160"></a><a href="#FNAnker_160_160"><span class="label">[160]</span></a> <em class="gesperrt">d’Avezac</em> <span class="antiqua">l. c. p. 32</span>. Möglicher Weise -beruht auch die Angabe Pavia auf einem Druckfehler der <span class="antiqua">„Vida“</span>, -wie solche mehrfach vorkommen, und man müßte statt dessen lesen -<span class="antiqua">patria</span>, wonach Col. seine Studien in seiner Vaterstadt gemacht.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_161_161" id="Fussnote_161_161"></a><a href="#FNAnker_161_161"><span class="label">[161]</span></a> Kolno, ein kleiner Marktflecken im nördl. Polen, in -Masovien, nahe der preußischen Grenze, südlich von Johannisburg. -In latinisirter Form wird der Entdecker Johannes Scolnus (<span class="antiqua">i. e. -zKolna</span>, von Kolno) genannt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_162_162" id="Fussnote_162_162"></a><a href="#FNAnker_162_162"><span class="label">[162]</span></a> <em class="gesperrt">J. Lelewel</em>, <span class="antiqua">Géographie du moyen age. Tom. III. -et IV. No. IV. p. 106.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_163_163" id="Fussnote_163_163"></a><a href="#FNAnker_163_163"><span class="label">[163]</span></a> <em class="gesperrt">Th. Fischer</em>, Ueber italienische Seekarten und -Kartographen des Mittelalters. S. 42.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_164_164" id="Fussnote_164_164"></a><a href="#FNAnker_164_164"><span class="label">[164]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Kritische Untersuchungen. I, 415. -<em class="gesperrt">Th. Fischer</em> (a. a. O. S. 34) vermuthet B. Beccario als -Verfasser.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_165_165" id="Fussnote_165_165"></a><a href="#FNAnker_165_165"><span class="label">[165]</span></a> <em class="gesperrt">Th. Fischer</em> S. 34.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_166_166" id="Fussnote_166_166"></a><a href="#FNAnker_166_166"><span class="label">[166]</span></a> Doch irrt Humboldt (krit. Untersuchungen I, 82) -wenn er meint, d’Ailly kenne den Namen Catthay nicht. Derselbe findet -sich neben andern modernen Ländernamen Asiens in der Imago Mundi Cap. -XXIIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_167_167" id="Fussnote_167_167"></a><a href="#FNAnker_167_167"><span class="label">[167]</span></a> d’Ailly nahm die folgende Zusammenstellung fast wörtlich -aus <em class="gesperrt">Roger Bacon</em>, <span class="antiqua">opus majus p. 183</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_168_168" id="Fussnote_168_168"></a><a href="#FNAnker_168_168"><span class="label">[168]</span></a> <em class="gesperrt">d’Avezac</em>, <span class="antiqua">Année veritable de la naissance de -Christophe Colombe. p. 50</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_169_169" id="Fussnote_169_169"></a><a href="#FNAnker_169_169"><span class="label">[169]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">l. c. p. lxxix</span>. Hierbei mag -erwähnt werden, daß vielleicht auch Leonardo da Vinci schon vor -Toscanelli mit Columbus in Verbindung getreten und zu dem Plane, Indien -im Westen zu suchen, angeregt hat. Leonardo da Vinci, ebensowohl -ausgezeichnet als Physiker, Ingenieur, Architekt und Musiker, wie als -Maler, soll 1473 einen Brief an Columbus gerichtet haben, worin er -sich über die Wahrscheinlichkeit ausspricht, Orient-Indien auf dem -intendirten Wege zu erreichen. (<span class="antiqua">Dr.</span> <em class="gesperrt">H. Grothe</em>, Leonardo -da Vinci. Berlin 1874. S. 20.) Daß wir von Leonardo auch eine sehr -interessante Erdkarte aus den Jahren 1514–16 besitzen, wird später -besprochen werden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_170_170" id="Fussnote_170_170"></a><a href="#FNAnker_170_170"><span class="label">[170]</span></a> Toscanelli starb im Mai 1482.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_171_171" id="Fussnote_171_171"></a><a href="#FNAnker_171_171"><span class="label">[171]</span></a> <span class="antiqua">Bibliotheca Americana vetustissima, Additions. Paris -1872. Introduction p. XVI-XVIII.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_172_172" id="Fussnote_172_172"></a><a href="#FNAnker_172_172"><span class="label">[172]</span></a> Wahrscheinlich ist Nicolo de Conti gemeint -(<a href="#Seite_77">S. 77</a>).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_173_173" id="Fussnote_173_173"></a><a href="#FNAnker_173_173"><span class="label">[173]</span></a> Nach der falschen Erklärung Marco Polos. Vgl. oben -<a href="#Seite_65">S. 65</a>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_174_174" id="Fussnote_174_174"></a><a href="#FNAnker_174_174"><span class="label">[174]</span></a> Kritische Untersuchungen I, 205 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_175_175" id="Fussnote_175_175"></a><a href="#FNAnker_175_175"><span class="label">[175]</span></a> Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 101 ff. Peschel -rechnete folgendermaßen. Da 60 oder 62½ Milliarien 1 Aequatorialgrad -betragen, so nahm Toscanelli für die Breite von Lissabon rund 50 -Millien an. Folglich ist ein Spatium von 250 Millien = 5 Meridiangrade. -Allein diese Rechnung ist zu unsicher. Denn nehmen wir die Lage -Lissabon, nach den alfonsinischen Tafeln von 1483 zu 41° n. Br. an, so -beträgt der Abstand von einem Meridian zum andern 45⅓ resp. 48⅓ -Millien, je nachdem man 60 oder 62½ Millien einsetzt. Ein Spatium -von 5 Graden würde demnach entweder 226⅔ oder 241⅔ Millien -ausmachen. Da aber Toscanelli keinesweges behauptet, daß unter der -Breite von Lissabon ein Spatium = 250 Mill. sei, sondern nur sagt, daß -das Kartenblatt von Lissabon bis Quinsey in 26 Spatien eingetheilt -sei, davon jedes auf 250 Mill. zu berechnen sei, so kann er ebensogut -den Aequatorialwerth des Spatiums eingesetzt haben, ohne sich auf -eine genaue Berechnung der Werthe für bestimmte geographische Breiten -einzulassen. Nun begegnen wir um die Wende des 15. und im Anfange -des 16. Jahrhunderts noch mehrfachen Schwankungen in den Angaben des -Erdumfanges. Man hielt zwar an der Autorität des Ptolemäus fest, -welche 180,000 Stadien für die Länge des Aequators angibt; allein die -Bestimmung der Länge des Stadiums wurde verschieden versucht, bald nahm -man 8, bald 8⅓ Stadien für eine römische oder italienische Millie. -Neben der verbreiteten Angabe von 21,600 ital. Milliarien für die Länge -des Aequators finden wir mehrfach auch die etwas größere Ziffer 22,500 -röm. Mill. (G. <em class="gesperrt">Reisch</em>, <span class="antiqua">Margarita, lib. VII, tract. I. cp. -44</span> und <em class="gesperrt">P. de Mexia</em>, <span class="antiqua">Silva de varia leccion, pars III. -cp. XVIII, p. 118. verso</span>). Nach dieser Annahme ist ein Spatium -von 250 Mill. genau 4 Grad. Nach der Ansicht Toscanelli’s betrug also -der Abstand von Europa nach Asien 26 Spatien zu 4 Grad, d. h. 104 -Grad. Es ist, fügt er in seinem Briefe hinzu, ungefähr ein Drittel des -Erdumfangs, und gleichsam um dieses Maß noch etwas abzumindern, setzt -er zum Schluß die Bemerkung, daß der Weg durch das unbekannte Meer -nicht gar zu groß sei, so daß man daraus abnehmen darf, daß er den Weg -eher geringer als ⅓ des Umfangs der Erde schätzt. Wenn Toscanelli -ferner angibt, daß der Abstand von Antilia nach Zipangu 10 Spatien -betrage, also nach unserer Rechnung 40 Grade, so stimmt das mit dem -Globus Behaims sehr gut überein. Wie überhaupt die ganze Darstellung -Ostasiens und der davor gelagerten Inseln auf dem Globus gewiß den -Anschauungen Toscanelli’s entlehnt ist, denn Behaim konnte bei seiner -einflußreichen Stellung in Portugal sicher Gelegenheit gefunden -haben, die Karte Toscanelli’s und sein Project genau zu prüfen, und -adoptirte dessen Darstellung. Auch noch eine andere Karte, welche -sich in der römischen Ausgabe des Ptolemäus von 1508 befindet und von -Ruysch entworfen ist, zeigt die nämliche Configuration Ostasiens und -der Inseln, so daß beide Darstellungen unzweifelhaft auf Toscanelli -zurückzuführen sind. Daß man auf der Behaim’schen Karte die Route des -Columbus und dessen Ideen über die Localitäten, zu denen er gekommen zu -sein meinte, recht gut verfolgen kann, werden wir später zeigen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_176_176" id="Fussnote_176_176"></a><a href="#FNAnker_176_176"><span class="label">[176]</span></a> <span class="antiqua">Dec. I. liv. III. cp. XI.</span> Anders und weitaus -günstiger stellt <em class="gesperrt">Muñoz</em> (Geschichte der neuen Welt, II, 19) die -Auffassung des Königs dar. Er habe, gegenüber dem abfälligen Bescheid -der Commission, die Gründe des Columbus leidenschaftslos gewürdigt und -würde einen Vertrag mit demselben abgeschlossen haben, wenn dieser -nicht so übermäßig hohe, in Portugal ganz unerhörte Forderungen, -ähnlich wie später in Spanien, gestellt hätte. Und nur hieran sei die -Ausführung gescheitert. Man muß in der That die Kühnheit und Festigkeit -des Genuesen bewundern, der obwohl arm und mittellos, doch nur um den -höchsten Preis sich zu der Ausführung eines Unternehmens erbot, von -dessen Gelingen er in innerster Seele überzeugt war. Der König Johann -von Portugal war nach den bisher bei den Entdeckungsfahrten befolgten -Grundsätzen nicht in der Lage, vollends einem Fremdlinge gegenüber, -solche Forderungen zu befriedigen, und mußte die Verhandlung abbrechen, -so daß dem Urheber des Planes jede Aussicht auf Erfolg benommen wurde. -Daß der König Johann von Columbus eine günstige Meinung behielt, -scheint daraus hervorzugehen, daß er denselben in einem Briefe vom 20. -März 1488 noch mit der Bezeichnung: <span class="antiqua">noso especial amigo</span> beehrte. -<em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">II, No. III. Carta del Rey de Portugal à Cristóbal -Colon</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_177_177" id="Fussnote_177_177"></a><a href="#FNAnker_177_177"><span class="label">[177]</span></a> <span class="antiqua">Paesi novamente ritrovate. Vicenza 1507.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_178_178" id="Fussnote_178_178"></a><a href="#FNAnker_178_178"><span class="label">[178]</span></a> <em class="gesperrt">R. H. Major</em>, <span class="antiqua">Select. Lettres of Columbus. -Introd. p. lxxxix</span>, vermuthet, daß der Kopf des Christopherus auf -der Karte Juan de la Cosas von 1500 ein Porträt des Columbus sei (siehe -die Kartenbeilage).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_179_179" id="Fussnote_179_179"></a><a href="#FNAnker_179_179"><span class="label">[179]</span></a> Vnbekanthe landte vnd ein Newe weldt in kurtz verganger -zeythe erfunden. o. O. u. J.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_180_180" id="Fussnote_180_180"></a><a href="#FNAnker_180_180"><span class="label">[180]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">II, No. XIV. Carta del Duque de -Medinaceli al Gran Cardenal de España.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_181_181" id="Fussnote_181_181"></a><a href="#FNAnker_181_181"><span class="label">[181]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">II, No. II. Relacion de varias -cantidades de maravedis, dadas de orden de los Señores Reyes à -Cristóbal Colon.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_182_182" id="Fussnote_182_182"></a><a href="#FNAnker_182_182"><span class="label">[182]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> II, 289. 2. <span class="antiqua">edit.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_183_183" id="Fussnote_183_183"></a><a href="#FNAnker_183_183"><span class="label">[183]</span></a> Ebenda I, 391.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_184_184" id="Fussnote_184_184"></a><a href="#FNAnker_184_184"><span class="label">[184]</span></a> Col. meint Jes. 24, 16. Von den Enden der Erde hören -wir Gesänge. (Col. deutet die Enden der Erde auf Spanien.) Ferner -Jes. 60, 9 u. 65, 17. Ich schaffe einen neuen Himmel und eine <em class="gesperrt">neue -Erde</em> (die <em class="gesperrt">neue</em> Welt). Auf diese Stelle kommt Columbus in -seinem Briefe an die Donna Juana de la Torre (<em class="gesperrt">Navarrete</em> II, -413) mit den Worten zurück: Gott machte mich zum Gesandten eines neuen -Himmels und einer neuen Erde. Und daß er es mit seiner Glaubenssendung -ernst meint, spricht er in einem Brief von seiner dritten Reise aus. -„In allen Ländern, welche ich besucht habe, ließ ich ein hohes Kreuz -aufrichten. Ich erzähle den Einwohnern, was ich kann, von unserm -heiligen Glauben und von dem Glauben an unsere heilige Mutter, die -Kirche, welche ihre Glieder in aller Welt hat.“</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_185_185" id="Fussnote_185_185"></a><a href="#FNAnker_185_185"><span class="label">[185]</span></a> <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">Bibl. Americana vetust. Introduction -p. xlvi.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_186_186" id="Fussnote_186_186"></a><a href="#FNAnker_186_186"><span class="label">[186]</span></a> Es wird dereinst die Zeit kommen, wo der Ocean seine -Fesseln sprengt, und der Erdkreis weit und breit sich aufthut, und das -Meer neue Länder entschleiert, und Thule nicht mehr das äußerste Land -sein wird.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_187_187" id="Fussnote_187_187"></a><a href="#FNAnker_187_187"><span class="label">[187]</span></a> Krit. Untersuchungen I, 91.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_188_188" id="Fussnote_188_188"></a><a href="#FNAnker_188_188"><span class="label">[188]</span></a> <em class="gesperrt">G. de Lavigne</em>, <span class="antiqua">Itineraire de l’Espagne.</span> -Paris 1866. S. 694.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_189_189" id="Fussnote_189_189"></a><a href="#FNAnker_189_189"><span class="label">[189]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 578.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_190_190" id="Fussnote_190_190"></a><a href="#FNAnker_190_190"><span class="label">[190]</span></a> Ebenda III, 540.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_191_191" id="Fussnote_191_191"></a><a href="#FNAnker_191_191"><span class="label">[191]</span></a> Diese spanische Form seines Namens hat Columbus von nun -stets beibehalten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_192_192" id="Fussnote_192_192"></a><a href="#FNAnker_192_192"><span class="label">[192]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 160. 2. <span class="antiqua">edit.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_193_193" id="Fussnote_193_193"></a><a href="#FNAnker_193_193"><span class="label">[193]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchungen II, 20.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_194_194" id="Fussnote_194_194"></a><a href="#FNAnker_194_194"><span class="label">[194]</span></a> <em class="gesperrt">O. Kuntze</em> in Engler, botan. Jahrbücher. 1880. S. -191–239.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_195_195" id="Fussnote_195_195"></a><a href="#FNAnker_195_195"><span class="label">[195]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">de rebus Oceanicis. Dec. I. lib. I. -Colon. 1574. p. 3</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_196_196" id="Fussnote_196_196"></a><a href="#FNAnker_196_196"><span class="label">[196]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 299. <span class="antiqua">Los cuales todos á una -voz estaban determinados de se volver y alzarse contra el haciendo -protestaciones.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_197_197" id="Fussnote_197_197"></a><a href="#FNAnker_197_197"><span class="label">[197]</span></a> Schon am 1. Oct. schätzte Columbus die Entfernung von -Ferro auf 707 Meilen, während er in dem öffentlichen Schiffstagebuch -nur 584 Seemeilen angab. Uebrigens weichen die Berechnungen der Piloten -auf den drei Schiffen bedeutend von einander ab. Auf der Niña zählte -man 650, auf der Pinta 634 Meilen, während der Pilot des Hauptschiffes -578 Meilen angab.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_198_198" id="Fussnote_198_198"></a><a href="#FNAnker_198_198"><span class="label">[198]</span></a> <span class="antiqua">Gua est apud eos articulus.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, -<span class="antiqua">Dec. III. lib. 7. p. 285</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_199_199" id="Fussnote_199_199"></a><a href="#FNAnker_199_199"><span class="label">[199]</span></a> <em class="gesperrt">A. Breusing</em>, Zur Geschichte der Kartographie, in -J. J. Kettlers Zeitschr. f. wiss. Geogr. II, 193.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_200_200" id="Fussnote_200_200"></a><a href="#FNAnker_200_200"><span class="label">[200]</span></a> <em class="gesperrt">A. B. Becher</em>, <span class="antiqua">The Landfall of Columbus. -Introduction p. XII.</span> London 1856.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_201_201" id="Fussnote_201_201"></a><a href="#FNAnker_201_201"><span class="label">[201]</span></a> <span class="antiqua">De rebus oceanicis. Dec. III. lib. 9. p. 308. De -insulis autem, quae Hispaniolae latus septentrionale custodiunt, -mentionem praetereo, quia licet piscationibus et culturis aptae sint, -relictae tamen sunt a nostris tanquam pauperes.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_202_202" id="Fussnote_202_202"></a><a href="#FNAnker_202_202"><span class="label">[202]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">vol. II. 2. ed. p. 460</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_203_203" id="Fussnote_203_203"></a><a href="#FNAnker_203_203"><span class="label">[203]</span></a> <em class="gesperrt">R. Pietschmann</em>, Beiträge zur Guanahani-Frage, in -Zeitschr. für wissenschaftliche Geographie. Band I. S. 7 u. 8.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_204_204" id="Fussnote_204_204"></a><a href="#FNAnker_204_204"><span class="label">[204]</span></a> <em class="gesperrt">Wash. Irving</em>, <span class="antiqua">History of the life and voyages -of Christopher Columbus. tom. 4. No. XVI</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_205_205" id="Fussnote_205_205"></a><a href="#FNAnker_205_205"><span class="label">[205]</span></a> Kritische Untersuchungen II, 130.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_206_206" id="Fussnote_206_206"></a><a href="#FNAnker_206_206"><span class="label">[206]</span></a> <em class="gesperrt">J. B. Muñoz</em>, Gesch. der neuen Welt. Weimar 1795. -S. 139.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_207_207" id="Fussnote_207_207"></a><a href="#FNAnker_207_207"><span class="label">[207]</span></a> <em class="gesperrt">A. B. Becher</em>, <span class="antiqua">The Landfall of Columbus. p. -103</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_208_208" id="Fussnote_208_208"></a><a href="#FNAnker_208_208"><span class="label">[208]</span></a> <em class="gesperrt">F. A. v. Varnhagen</em>, <span class="antiqua">La verdadera -Guanahani</span>. St. Jago de Chile. 1864. — Ders. Das wahre Guanahani -des Columbus. Wien. 1869.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_209_209" id="Fussnote_209_209"></a><a href="#FNAnker_209_209"><span class="label">[209]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">I. Introd. p. 107. 2. ed.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_210_210" id="Fussnote_210_210"></a><a href="#FNAnker_210_210"><span class="label">[210]</span></a> <em class="gesperrt">Becher</em>, <span class="antiqua">The Landfall. p. 103.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_211_211" id="Fussnote_211_211"></a><a href="#FNAnker_211_211"><span class="label">[211]</span></a> <em class="gesperrt">Becher.</em> <span class="antiqua">l. c. p. 103. As to the abundance of -water: Columbus has been supposed to have meant that it was fresh, for -he does not say, that it was so in his journal.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_212_212" id="Fussnote_212_212"></a><a href="#FNAnker_212_212"><span class="label">[212]</span></a> <span class="antiqua">es la isla de Cipango de que se cuentan cosas -maravillosas, y en las esperas que yo vi y en las pinturas de -mapamundos es ella en esta comarca.</span> Tagebuch vom 24. October. -<em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 190. 2. <span class="antiqua">ed.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_213_213" id="Fussnote_213_213"></a><a href="#FNAnker_213_213"><span class="label">[213]</span></a> <em class="gesperrt">Las Casas</em> bemerkt dazu: „Ich verstehe dies Gerede -nicht.“ Wenn aber Columbus überzeugt war, daß er Cipangu bereits hinter -sich habe, so wird auch sein Ausspruch verständlich und durch einen -Blick auf die Zeichnung Martin Behaims erklärt; denn er schätzte die -Entfernung von 100 Meilen nach der Karte Toscanelli’s.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_214_214" id="Fussnote_214_214"></a><a href="#FNAnker_214_214"><span class="label">[214]</span></a> Nach seiner Berechnung befand sich der Admiral am 2. -November 1142 Leguas westlich von Ferro. 1 Legua = 4 ital. Seemeilen. -(<span class="antiqua">Volunt lequam Hispani millia passuum quattuor continere, mari -praesertim; terra vero tria.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. II. lib. X. -p. 200</span>). Rechnet man auf dem Parallel der Canarien 50 ital. Meilen -auf 1 Grad, so betrug nach der Annahme des Columbus seine Entfernung -von Ferro volle 91 Grad. Auf der Behaim’schen Karte liegt dieser Punkt -zwischen Cipangu und der Küste Asiens in der Region der „zahllosen“ -Inseln. In Wahrheit beträgt aber die Entfernung von seinem Standpunkte -bis Ferro nur 60 Grad.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_215_215" id="Fussnote_215_215"></a><a href="#FNAnker_215_215"><span class="label">[215]</span></a> <span class="antiqua">Haiti dicitur asperitas, eorum vetere lingua.</span> -<em class="gesperrt">P. Martyr</em>, Dec. <span class="antiqua">III. lib. 7. p. 279</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_216_216" id="Fussnote_216_216"></a><a href="#FNAnker_216_216"><span class="label">[216]</span></a> „So erkannte ich, daß unser Herr wunderbarerweise -(<span class="antiqua">milagrosamente</span>) unser Schiff gerade hier stranden ließ, weil -es der beste Platz auf der ganzen Insel ist, und damit wir unsere -Niederlassung möglichst nahe den Goldminen anlegen könnten.“ Tagebuch -vom 6. Jan. 1493. <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 275. 2. <span class="antiqua">ed.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_217_217" id="Fussnote_217_217"></a><a href="#FNAnker_217_217"><span class="label">[217]</span></a> Daß die Ausbreitung des christlichen Glaubens die -spanischen Majestäten lebhaft beschäftigte, bezeugt auch <em class="gesperrt">Peter -Martyr</em>: <span class="antiqua">Dec. I. lib. 1. ep. 1. 10. 9. Rex et regina, quorum -omnes cogitatus vel dormientium, in religionis nostrae augmento sunt -siti, sperantes ad Christi legem tot nationes et simplices gentes -facile trahi posse.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_218_218" id="Fussnote_218_218"></a><a href="#FNAnker_218_218"><span class="label">[218]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em> erwähnt mehrfach den Goldreichthum von -Haiti und Cuba. <span class="antiqua">Ex sola Hispaniola vehitur in Hispaniam quotannis -quadringentorum et quingentorum, interdum millium ducatorum auri summa. -Id ex quinta regia intelligitur, quae ad fiscum venit: octoginta, -nonaginta et centum millium castellanorum auri et aliquando maior. Dec. -III. lib. 8. p. 297. Hac hora, qua haec scribo, coacta esse in Cuba -referunt castellanorum auri centum octoginta milia conflanda, magnum -opulentiae argumentum. ibid. p. 306.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_219_219" id="Fussnote_219_219"></a><a href="#FNAnker_219_219"><span class="label">[219]</span></a> Es ist sehr auffällig, daß in einer im Archive der -Stadt befindlichen Chronik Barcelonas, welche vom Jahre 1411 bis auf -die Gegenwart geführt ist und alle kleinen Vorfälle innerhalb der -Stadt verzeichnet hat, der Anwesenheit des Columbus im April 1493 mit -keiner Silbe Erwähnung geschieht. <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">Bibl. Amer. vet. -Additions. p. IX.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_220_220" id="Fussnote_220_220"></a><a href="#FNAnker_220_220"><span class="label">[220]</span></a> <em class="gesperrt">Peter Martyr</em> <span class="antiqua">Dec. I. lib. 1. p. 10</span>. Jobst -Ruchhamer in seinem oben (<a href="#Seite_233">S. 233</a>) angeführten Werke gibt im Cap. 41 den -Empfang des Columbus bei Hofe mit folgenden Worten: „Der Kunige vnd die -Kunigin entpfingen disen Christoffel Dawber mit dem allerangenemsten -angesicht, vnd thaten jme die allergrösten Eere, vnd liessen jne -öffentlich sitzen vor Jnen, welches bey jnen ist von den ersten vnd -grösten eeren. Vnd wolten, das er genant wurde <em class="gesperrt">Ein wunderer des -Meres Occeani</em>.“ Mit diesen letzten Worten überträgt Ruchhamer den -Titel Almirante. Aehnliche confuse Verdeutschungen finden sich noch -mehr. Aus Alonso Niño wird ihm ein Alonsus Schwartze, aus Lorenzo -di Pier Francesco de Medici Laurentius petri artzte zu Florentia. -Uebrigens wurde auch in der Sammlung von Reiseberichten, welche 1534 in -Straßburg unter dem Titel: „Die New Welt der Landschaften vnnd Jnsvln“ -herauskam, Admirans mit „verwunderer des Meers“ übersetzt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_221_221" id="Fussnote_221_221"></a><a href="#FNAnker_221_221"><span class="label">[221]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em>, I, 314–321.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_222_222" id="Fussnote_222_222"></a><a href="#FNAnker_222_222"><span class="label">[222]</span></a> <span class="antiqua">Ibid. p. 327–343.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_223_223" id="Fussnote_223_223"></a><a href="#FNAnker_223_223"><span class="label">[223]</span></a> Tagebuch vom 13. Dec. 1492.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_224_224" id="Fussnote_224_224"></a><a href="#FNAnker_224_224"><span class="label">[224]</span></a> Brief an Luis de Sant-Angel. <em class="gesperrt">Navarrete</em>, I, -338 <span class="antiqua">ob aequinoctiali linea distat (ut videtur) gradus sex et -viginti</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_225_225" id="Fussnote_225_225"></a><a href="#FNAnker_225_225"><span class="label">[225]</span></a> <span class="antiqua">Opus epistul. Ep. CXXXI ed. Compluti (Alcala) 1530 -(ed. Amstelod. 1670: Ep. 130.)</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_226_226" id="Fussnote_226_226"></a><a href="#FNAnker_226_226"><span class="label">[226]</span></a> <span class="antiqua">Opus epistol. Ep. 136 (ed. Complu.) Ep. 135 (ed. -Amstelod.).</span> Man vergleiche damit Martyrs Ansicht in der <span class="antiqua">Dec. I. -lib. I. p. 8. Haec volui de psittacis recitasse: quamvis huius -Christophori Coloni opinio, magnitudini sphaerae et opinioni veterum de -subnavigabili orbe videatur adversari, psittaci tamen inde absportari -atque alia multa, vel propinquitate, vel natura solum Indicum has -insulas sapere indicant.</span> „Mußte doch jeder Gebildete einsehen, -daß die von dem Genuesen hartnäckig wiederholte Behauptung, Asien -reiche ziemlich nahe an den Westen Europas hinan, aller geographischen -Kenntniß entgegen war.“ <em class="gesperrt">Schumacher</em>, Peter Martyr. S. 24.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_227_227" id="Fussnote_227_227"></a><a href="#FNAnker_227_227"><span class="label">[227]</span></a> <span class="antiqua">Dec. I. lib. I. p. 4.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_228_228" id="Fussnote_228_228"></a><a href="#FNAnker_228_228"><span class="label">[228]</span></a> <span class="antiqua">Dec. III. lib. 7. p. 282.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_229_229" id="Fussnote_229_229"></a><a href="#FNAnker_229_229"><span class="label">[229]</span></a> <span class="antiqua">quae linea distet a qualibet insularum, quae -vulgariter nuncupantur de los Azores et Cabo Verde, centum leucis -versus occidentem et meridiem.</span> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">II.</span> Nr. 18. -<span class="antiqua">p.</span> 83.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_230_230" id="Fussnote_230_230"></a><a href="#FNAnker_230_230"><span class="label">[230]</span></a> So viel als 11¼ Grad. Der Compaß zerfiel in 8 Winde -oder 32 Viertelwinde (<span class="antiqua">quarte di vento</span>) oder 360 Grad, also -ein Viertelwind gleich 11¼°. Vgl. <em class="gesperrt">Breusing</em>, Zur Gesch. der -Kartographie, in Kettler, Zeitschr. für wiss. Geogr. II, 132. 133.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_231_231" id="Fussnote_231_231"></a><a href="#FNAnker_231_231"><span class="label">[231]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 395 und 402.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_232_232" id="Fussnote_232_232"></a><a href="#FNAnker_232_232"><span class="label">[232]</span></a> Kosmos II, 317.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_233_233" id="Fussnote_233_233"></a><a href="#FNAnker_233_233"><span class="label">[233]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> <span class="antiqua">II. No.</span> LXXIV u. LXXV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_234_234" id="Fussnote_234_234"></a><a href="#FNAnker_234_234"><span class="label">[234]</span></a> <span class="antiqua">Dec. II. X. p. 200.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_235_235" id="Fussnote_235_235"></a><a href="#FNAnker_235_235"><span class="label">[235]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 347–372.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_236_236" id="Fussnote_236_236"></a><a href="#FNAnker_236_236"><span class="label">[236]</span></a> Bei <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. p. 19. Burichena.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_237_237" id="Fussnote_237_237"></a><a href="#FNAnker_237_237"><span class="label">[237]</span></a> Richtiger Guacanagari.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_238_238" id="Fussnote_238_238"></a><a href="#FNAnker_238_238"><span class="label">[238]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 347–372.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_239_239" id="Fussnote_239_239"></a><a href="#FNAnker_239_239"><span class="label">[239]</span></a> Siehe seinen Bericht bei <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 369.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_240_240" id="Fussnote_240_240"></a><a href="#FNAnker_240_240"><span class="label">[240]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Opus Epist. Alcala 1530. Ep. 165. -Ex Hispaniola, quam admirantus ipse Colonus... Offiram Salomonis -aurifodinam putat.</span> Im weiteren Verlauf des Briefes bezieht -sich Martyr darauf, daß Columbus selbst ihm geschrieben (<span class="antiqua">ad me -scripsit</span>).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_241_241" id="Fussnote_241_241"></a><a href="#FNAnker_241_241"><span class="label">[241]</span></a> <em class="gesperrt">M. G. Pauthier</em>, <span class="antiqua">Le livre de Marco Polo</span>. -Paris 1865. II, 550. <span class="antiqua">Et si vous di que en ceste mer de Cim qui -est au levant, si comme dient les pescheurs et les saiges mariniers -de ceste contrée, il ya vii mille quatre cens. lix (7459) isles, là -où lesdis mariniers vont... Et si vous di, qu’il n’y a nulle de ces -isles où il n’ait arbres moult bons et <em class="gesperrt">de grant oudour</em>.</span> Die -Wunderberichte des Ritters Mandeville, welcher die Reisebeobachtungen -des Odorich von Pordenone (siehe oben <a href="#Seite_72">S. 72</a>) in frecher Weise -ausbeutet, schienen diese Angaben zu bestätigen. Wahrscheinlich fußte -Columbus auf Mandeville, dessen Buch er mit sich führte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_242_242" id="Fussnote_242_242"></a><a href="#FNAnker_242_242"><span class="label">[242]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Opus epist. 1530. No. 164: A laeva -innumeras se vidisse insulas narrabat. Huius magnae telluris litoribus -in mare advertit cadere flumina multiformia. In plerisque piscium -ingentem copiam, alibi multa conchylia, ex quibus uniones abraduntur, -invenit. Per maria se transisse inquit, testudinibus puta majoribus -fere condensata.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_243_243" id="Fussnote_243_243"></a><a href="#FNAnker_243_243"><span class="label">[243]</span></a> Von der Ostspitze Cubas bis zur Isla de Pinos beträgt -die Entfernung nur 8 Meridiane.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_244_244" id="Fussnote_244_244"></a><a href="#FNAnker_244_244"><span class="label">[244]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr.</em> <span class="antiqua">Opus Epist. Ep. 164. Decad. I. 3. -p. 35.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_245_245" id="Fussnote_245_245"></a><a href="#FNAnker_245_245"><span class="label">[245]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> II, 162. Nr. LXXVI. <span class="antiqua">Informacion -y testimonio de cómo el Almirante fue á reconocer la isla de Cuba -quedando persuadido de que era tierra-firme.</span> Danach gab der Pilot -der Caravele Niña Francisco Niño auf seinen Eid die Erklärung ab, daß -es keine Insel geben könne, welche in ostwestlicher Erstreckung 335 -Leguas lang sei. Seiner Erklärung schlossen sich auch die anderen -kundigen Seeleute an, unter ihnen auch <em class="gesperrt">Johan de la Cosa</em>, -<span class="antiqua">„vicino de Puerto de Santa Maria, Maestro de hacer Cartas, Marinero -de la carabela Niña“</span>. Es ist derselbe Juan de la Cosa, dem wir die -erste noch erhaltene Karte der neuen Welt verdanken, auf welcher er, -trotz seines Schwurs, sechs Jahre später, Cuba als Insel darstellte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_246_246" id="Fussnote_246_246"></a><a href="#FNAnker_246_246"><span class="label">[246]</span></a></p> - -<table class="collapse" summary="Abstand Cadiz-Saona"> - <tr> - <td class="tdl"> - Cadiz liegt - </td> - <td class="tdc"> -  6° 17′ - </td> - <td class="tdl"> - W. v. Greenwich, - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl bbot"> - Saona, Ostspitze - </td> - <td class="tdc bbot"> - 68° 35′ - </td> - <td class="tdl bbot"> - „       „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl vat"> - Differenz - </td> - <td class="tdc vat"> - 62° 18′, - </td> - <td class="tdl vab"> - so daß Columbus sich also in seiner Längenbestimmung um 18° 27′ verrechnete. - </td> - </tr> - -</table> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_247_247" id="Fussnote_247_247"></a><a href="#FNAnker_247_247"><span class="label">[247]</span></a> <em class="gesperrt">Muñoz</em>, Geschichte der neuen Welt. V, 25. S. 293.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_248_248" id="Fussnote_248_248"></a><a href="#FNAnker_248_248"><span class="label">[248]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> II, 118–120.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_249_249" id="Fussnote_249_249"></a><a href="#FNAnker_249_249"><span class="label">[249]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 391–412.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_250_250" id="Fussnote_250_250"></a><a href="#FNAnker_250_250"><span class="label">[250]</span></a> Die Insel Cuba, welche Columbus für das Gestade Asiens -hielt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_251_251" id="Fussnote_251_251"></a><a href="#FNAnker_251_251"><span class="label">[251]</span></a> Columbus gerieth in die Region der Calmen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_252_252" id="Fussnote_252_252"></a><a href="#FNAnker_252_252"><span class="label">[252]</span></a> <span class="antiqua">Ibi malaciis et ardoribus adeo (ut ait) oppressus -fuit, ut fere navigia illa incenderentur.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. -I. VI, 70</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_253_253" id="Fussnote_253_253"></a><a href="#FNAnker_253_253"><span class="label">[253]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. VI, 71 capillis quasi more -Hispano scissis in fronte</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_254_254" id="Fussnote_254_254"></a><a href="#FNAnker_254_254"><span class="label">[254]</span></a> <span class="antiqua">Ibi se, ex quo navigare a teneris coepit, nusquam -tantum formidasse fatetur.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. VI, 73</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_255_255" id="Fussnote_255_255"></a><a href="#FNAnker_255_255"><span class="label">[255]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em> (<span class="antiqua">Dec. I. VI, 75</span>) berichtet fast -wörtlich dasselbe.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_256_256" id="Fussnote_256_256"></a><a href="#FNAnker_256_256"><span class="label">[256]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Kosmos II, 317.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_257_257" id="Fussnote_257_257"></a><a href="#FNAnker_257_257"><span class="label">[257]</span></a> <span class="antiqua">que en poco espacio haga tanta diferencia en -cielo.</span> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 404. <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">I. VI. p. -76/7. De poli varietate quaedam refert, quae quoniam <em class="gesperrt">contra omnium -astronomorum sententiam</em> prolata mihi videntur, sicco pertingam -pede. Compertum est, polarem illam stellam, quam nautae nostri -Tramontanam vocant, non esse arctici poli punctum etc.</span> Aber wie -der Stern Abends 5 Grad und Morgens 15 Grad hoch stehen kann, fasse -ich nicht, sagt P. Martyr, auch die Gründe billige ich nicht, welche -Columbus für seine Ansicht von der Birnengestalt der Erde anführt. Er -schließt dann mit den Worten: <span class="antiqua">De his satis, cum <em class="gesperrt">fabulosa mihi -videntur</em>.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_258_258" id="Fussnote_258_258"></a><a href="#FNAnker_258_258"><span class="label">[258]</span></a> Da man nur die Continentalmasse der alten Welt kannte, -lag also jene Gegend am östlichen Gestade Asiens, in dessen Nähe -Columbus schon auf der ersten Reise gekommen zu sein wähnte. Vgl. den -Behaim’schen Globus.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_259_259" id="Fussnote_259_259"></a><a href="#FNAnker_259_259"><span class="label">[259]</span></a> Dort fand Col. die Rechtweisung der Magnetnadel, von -dort begann sich die Temperatur gegen Westen zu auffällig zu mildern.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_260_260" id="Fussnote_260_260"></a><a href="#FNAnker_260_260"><span class="label">[260]</span></a> Udjen oder Udjein in der Landschaft Malwa in -Vorder-Indien, mitten zwischen Dehli und Bombay gelegen, in der Nähe -des Wendekreises, eine heilige Stadt der Inder, nicht eine Insel, -wie spätere Kosmographen annahmen. Von hier zählten die indischen -Astronomen den ersten Meridian. Wie der indische Laut <span class="antiqua">dj</span> -arabisch <span class="antiqua">z</span>, also aus Udjein, Uzein, Ozein, Ozin wurde, und -wie diese Form dann von den Copisten noch in Arin verstümmelt wurde, -darüber vgl. <em class="gesperrt">Reinaud</em>, <span class="antiqua">Memoire sur l’Inde. p. 373.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_261_261" id="Fussnote_261_261"></a><a href="#FNAnker_261_261"><span class="label">[261]</span></a> Hier erst beginnt das Gebiet der eigentlichen Neger.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_262_262" id="Fussnote_262_262"></a><a href="#FNAnker_262_262"><span class="label">[262]</span></a> Beide liegen nahe dem 10. Grad n. Br., so daß Columbus -in seinen Beobachtungen oder Schätzungen sich um 5 Breitengrade irrte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_263_263" id="Fussnote_263_263"></a><a href="#FNAnker_263_263"><span class="label">[263]</span></a> Krit. Untersuchungen II, 76.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_264_264" id="Fussnote_264_264"></a><a href="#FNAnker_264_264"><span class="label">[264]</span></a> Col. denkt an den schon erwähnten äußersten Ostrand -Asiens, diesem Punkte gegenüber schuf Gott die Sonne. (!)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_265_265" id="Fussnote_265_265"></a><a href="#FNAnker_265_265"><span class="label">[265]</span></a> Daß Col. den Aristoteles nicht selbst gelesen, ist -gewiß. Seine Gewährsmänner, welche sich auf Aristoteles beziehen, haben -aber denselben offenbar misverstanden. (<span class="antiqua">Arist. Meteorol. II. 1, -15.</span>)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_266_266" id="Fussnote_266_266"></a><a href="#FNAnker_266_266"><span class="label">[266]</span></a> <em class="gesperrt">Peschel</em>, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. -228.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_267_267" id="Fussnote_267_267"></a><a href="#FNAnker_267_267"><span class="label">[267]</span></a> Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 230.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_268_268" id="Fussnote_268_268"></a><a href="#FNAnker_268_268"><span class="label">[268]</span></a> Kosmos II, 304.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_269_269" id="Fussnote_269_269"></a><a href="#FNAnker_269_269"><span class="label">[269]</span></a> <em class="gesperrt">Las Casas</em> I, <span class="antiqua">cp.</span> 160 <span class="antiqua">ms.</span> bei -Peschel. <span class="antiqua">l. c.</span> S. 238.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_270_270" id="Fussnote_270_270"></a><a href="#FNAnker_270_270"><span class="label">[270]</span></a> In den königlichen Briefen vom 21. und 26. Mai 1499 -(<em class="gesperrt">Navarrete</em> II, No. 127 und 128. <em class="gesperrt">Las Casas</em> I, <span class="antiqua">cp.</span> -179. <span class="antiqua">ms.</span>) wurde Columbus nur als „Admiral des Weltmeers“, nicht -mehr als Vicekönig bezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_271_271" id="Fussnote_271_271"></a><a href="#FNAnker_271_271"><span class="label">[271]</span></a> <em class="gesperrt">Peter Martyr</em> urtheilt über das Verfahren gegen -Columbus wie ein vorsichtiger Diplomat, wenn er schreibt: <span class="antiqua">Quid in -praefectum et ejus fratrem, quidve in illos qui eis adversati sunt, -fuerit perquisitum, non bene percipio. Hoc unum scio: capitur uterque -frater in vincula, omnibus bonis spoliatus, conjectus ducitur. (Dec. I. -VII. p. 86.)</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_272_272" id="Fussnote_272_272"></a><a href="#FNAnker_272_272"><span class="label">[272]</span></a> <span class="antiqua">Dec. I. IV. c.</span> 10.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_273_273" id="Fussnote_273_273"></a><a href="#FNAnker_273_273"><span class="label">[273]</span></a> <span class="antiqua">Agora será mi viage en nombre de la Santa Trinidad, y -espero della la vitoria.</span> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 479.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_274_274" id="Fussnote_274_274"></a><a href="#FNAnker_274_274"><span class="label">[274]</span></a> Opposition des Jupiter und des Mondes, Conjunction des -Merkur mit der Sonne. Ausführliches bei <em class="gesperrt">Peschel</em>, Zeitalter. S. -288. Anmerkung 3.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_275_275" id="Fussnote_275_275"></a><a href="#FNAnker_275_275"><span class="label">[275]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em> schreibt Guanassa.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_276_276" id="Fussnote_276_276"></a><a href="#FNAnker_276_276"><span class="label">[276]</span></a> <em class="gesperrt">Columbus</em>, Brief aus Jamaica. <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, -446.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_277_277" id="Fussnote_277_277"></a><a href="#FNAnker_277_277"><span class="label">[277]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec III. 4. p. 242. Regio -Quicuri, in qua portus est <em class="gesperrt">Cariai</em>, ab ipso Almiranto Myrobalanus -appellatus.</span> Columbus schreibt Cariay und nannte den Ort Myrobale, -weil er eine Baumfrucht für die indische Myrobalane hielt. Er zweifelte -nicht mehr, an der Küste Indiens zu sein, wie auch aus dem folgenden -hervorgeht.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_278_278" id="Fussnote_278_278"></a><a href="#FNAnker_278_278"><span class="label">[278]</span></a> <span class="antiqua">Asia, cp. XII. Opera geogr. Francof. et Lips. 1707. -p. 22.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_279_279" id="Fussnote_279_279"></a><a href="#FNAnker_279_279"><span class="label">[279]</span></a> Diese Berechnung der Größe eines Aequatorialgrades -zu 56⅔ arabischen Meilen stammt von der Erdmessung arabischer -Astronomen unter dem Chalifen Almamun. Columbus entlehnte dieselbe aus -seinem beliebten Gewährsmanne Pierre d’Ailly (<span class="antiqua">Comp. Cosmogr.</span> -<span class="antiqua">cap.</span> 4).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_280_280" id="Fussnote_280_280"></a><a href="#FNAnker_280_280"><span class="label">[280]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec.</span> III. IV, 247.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_281_281" id="Fussnote_281_281"></a><a href="#FNAnker_281_281"><span class="label">[281]</span></a> Col. schreibt darüber in seinem Briefe aus Jamaica: „Man -versichert, daß beim Tode der Fürsten von Veragua mit ihren Leichen all -ihr Gold beerdigt werde. Man brachte zu Salomo von <em class="gesperrt">einer</em> Reise -660 Centner Gold, außer dem, was die Kaufleute und Seeleute besaßen -und außer dem, was man in Arabien kaufte. Er machte aus diesem Golde -200 Lanzen und 300 Schilde und andern Schmuck, sowie eine große Zahl -mit Edelsteinen besetzter großer Gefäße. Josephus erzählt davon in der -Chronik de Antiquitatibus und meint, daß dieses Gold von dem goldenen -Chersonese (<span class="antiqua">en la Aurea</span>) stamme. Wenn dem so ist, so behaupte -ich, daß diese Minen der Aurea absolut dieselben sind, wie in Veragua. -Salomo kaufte all dies: Gold, Silber und kostbare Steine, und hier hat -man es nur suchen zu lassen, wenn man will. David hinterließ in seinem -Testamente 3000 Ctnr. indisches Gold dem Salomo zum Tempelbau, und nach -Josephus kam es aus diesen Ländern.“ Columbus hatte zwar die Meerenge -nicht gefunden; daß seine Zeitgenossen aber an ihrer Existenz auch noch -Jahre lang nach dem Tode des Entdeckers nicht zweifelten, läßt sich aus -mehreren Karten jener Zeit erkennen. Die Meerenge ist gezeichnet auf -dem Globus der Lenoxbibliothek in New-York etwa vom Jahre 1507, ferner -auf zwei Globen in der Sammlung des Feldzeugmeisters Fr. R. v. Hauslab -in Wien, deren Entstehungszeit nach F. A. de Varnhagen in die Jahre -1509 u. 1513 fallen mag, sodann auf den beiden Globen von Johannes -Schöner von 1515 (in Frankfurt a. M. und in Weimar) und vom Jahre 1520 -(in Nürnberg), weiterhin auf der handschriftlichen Globuszeichnung von -Leonardo da Vinci (etwa 1515–1516) und endlich auf der Weltkarte des P. -Apianus (in Camers’ Ausgabe des Solinus, Wien 1520). Vgl. darüber Fr. -<em class="gesperrt">Wieser</em>, Magalhâes-Straße, Innspruck 1881. S. 15, 27, 42. Anm. 3.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_282_282" id="Fussnote_282_282"></a><a href="#FNAnker_282_282"><span class="label">[282]</span></a> Brief aus Jamaica. 1503.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_283_283" id="Fussnote_283_283"></a><a href="#FNAnker_283_283"><span class="label">[283]</span></a> <em class="gesperrt">Las Casas</em>, <span class="antiqua">hist. Ind. II</span>, 37.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_284_284" id="Fussnote_284_284"></a><a href="#FNAnker_284_284"><span class="label">[284]</span></a> <em class="gesperrt">W. Irving</em>, Christoph Columbus, Buch 18, Cap. 3.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_285_285" id="Fussnote_285_285"></a><a href="#FNAnker_285_285"><span class="label">[285]</span></a> Die Angaben, man habe 1877 in Domingo die wahren -Ueberreste des Columbus aufgefunden, sind falsch; man fand Gebeine von -den Verwandten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_286_286" id="Fussnote_286_286"></a><a href="#FNAnker_286_286"><span class="label">[286]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchungen I, 91.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_287_287" id="Fussnote_287_287"></a><a href="#FNAnker_287_287"><span class="label">[287]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchungen II, 17.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_288_288" id="Fussnote_288_288"></a><a href="#FNAnker_288_288"><span class="label">[288]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchungen II, 107. 108.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_289_289" id="Fussnote_289_289"></a><a href="#FNAnker_289_289"><span class="label">[289]</span></a> Vergleiche Breusings Urtheil in der Zeitschrift für -wissenschaftl. Geographie II, 193. 194.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_290_290" id="Fussnote_290_290"></a><a href="#FNAnker_290_290"><span class="label">[290]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> II, 289 u. folg.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_291_291" id="Fussnote_291_291"></a><a href="#FNAnker_291_291"><span class="label">[291]</span></a> <span class="antiqua">La Sancta Trenydad guarde à Vuestras Alteças como -deseo y menester habemos, con todos sus grandes estades y senorios. De -Granada à seys de hebrero de mill y quinientos y dos años.</span> (Die -heilige Trinität bewahre Eure Hoheiten, wie ich bitte und wie wir es -bedürfen, mit allen ihren Staaten und Herrschaften. In Granada am -6. Febr. 1502.) Man vergleiche mit diesem frommen Briefschlusse die -nüchterne geschäftsmäßige Form, mit welcher Vespucci unterzeichnet. -Χρο Abkürzung für Χριστος = der Haupttheil von -Columbus’ Vornamen, <span class="antiqua">ferens</span> die letzte Hälfte = Christus-Träger.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_292_292" id="Fussnote_292_292"></a><a href="#FNAnker_292_292"><span class="label">[292]</span></a> <em class="gesperrt">V. Margry</em>, <span class="antiqua">Les navigations françaises</span>. -<span class="antiqua">p.</span> 362. Paris 1867.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_293_293" id="Fussnote_293_293"></a><a href="#FNAnker_293_293"><span class="label">[293]</span></a> <span class="antiqua">The Landfall of Columbus p.</span> 283.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_294_294" id="Fussnote_294_294"></a><a href="#FNAnker_294_294"><span class="label">[294]</span></a> Leben des Columbus, Anhang Nr. XXXV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_295_295" id="Fussnote_295_295"></a><a href="#FNAnker_295_295"><span class="label">[295]</span></a> Krit. Untersuchungen II, 284.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_296_296" id="Fussnote_296_296"></a><a href="#FNAnker_296_296"><span class="label">[296]</span></a> <span class="antiqua">Psalterium Hebreum, Grecum, Arabicum et Chaldeum cum -tribus interpretationibus et glossis</span> 1511.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_297_297" id="Fussnote_297_297"></a><a href="#FNAnker_297_297"><span class="label">[297]</span></a> <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">Bibl. Am. Vetust. p.</span> 154.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_298_298" id="Fussnote_298_298"></a><a href="#FNAnker_298_298"><span class="label">[298]</span></a> <span class="antiqua">Opus Epistol. Compluti (Alcalá)</span> 1530. -<span class="antiqua">Ep.</span> CXXXI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_299_299" id="Fussnote_299_299"></a><a href="#FNAnker_299_299"><span class="label">[299]</span></a> <span class="antiqua">ibid. Ep.</span> CXXXIIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_300_300" id="Fussnote_300_300"></a><a href="#FNAnker_300_300"><span class="label">[300]</span></a> <span class="antiqua">Ep.</span> CXXXV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_301_301" id="Fussnote_301_301"></a><a href="#FNAnker_301_301"><span class="label">[301]</span></a> <span class="antiqua">Ep.</span> CXXXVI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_302_302" id="Fussnote_302_302"></a><a href="#FNAnker_302_302"><span class="label">[302]</span></a> <span class="antiqua">Ep. CXXXXIII.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_303_303" id="Fussnote_303_303"></a><a href="#FNAnker_303_303"><span class="label">[303]</span></a> <span class="antiqua">Epist. CLIII.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_304_304" id="Fussnote_304_304"></a><a href="#FNAnker_304_304"><span class="label">[304]</span></a> <span class="antiqua">Copia de la lettera per Columbo mandata ali Sere<sup>me</sup> -Re et Regina di Spagna: de le insule et luoghi per lui trouate. -Stampata in Venetia (a nome de Constantio Bayuera citadino di -Bressa) per Simone de Louere. a di</span> 7 <span class="antiqua">di Mazo</span> 1505. Dieser -Brief ist im höchsten Grade selten geworden. Im Jahre 1810 wurde er in -Venedig wieder abgedruckt unter dem seit der Zeit allgemein üblichen -Titel <span class="antiqua">lettera rarissima</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_305_305" id="Fussnote_305_305"></a><a href="#FNAnker_305_305"><span class="label">[305]</span></a> Vergleiche <em class="gesperrt">Breusing</em>, Zur Geschichte der -Kartographie in Zeitschrift für wissenschaftl. Geogr. II, 185. Daß -Columbus bei einem Seezuge im Mittelmeer die grobe List gebraucht habe, -der Rose über der Magnetnadel Abends die entgegengesetzte Richtung zu -geben, um die Matrosen über die Richtung der Fahrt zu täuschen, wird -als ungeschickte Erfindung bezeichnet, weil auf nichts an Bord so genau -acht gegeben wird als auf die Richtung des Windes und schon aus der -Vergleichung der Windrichtung mit dem herrschenden Seegange sich die -Täuschung ergeben hätte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_306_306" id="Fussnote_306_306"></a><a href="#FNAnker_306_306"><span class="label">[306]</span></a> <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">D. Fernando Colon, Historiador de su -padre</span>. Sevilla 1871. 4<sup>o</sup>. Dagegen schrieb d’<em class="gesperrt">Avezac</em>: <span class="antiqua">Le -livre de Fernan Colomb.</span> Paris 1873.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_307_307" id="Fussnote_307_307"></a><a href="#FNAnker_307_307"><span class="label">[307]</span></a> Die New Welt der Landtschaften und Inseln. Straßburg -1534. Fol. 37.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_308_308" id="Fussnote_308_308"></a><a href="#FNAnker_308_308"><span class="label">[308]</span></a> Von dieser anmuthigsten aller spanischen Rittergestalten -entwirft Las Casas ein mit Vorliebe gezeichnetes Bild (<em class="gesperrt">Navarrete</em> -III, 163). Hojeda war von kleiner Gestalt, aber von vollendetem Ebenmaß -und von angenehmer Erscheinung, in dem schönen Gesicht ein Paar große -Augen. Er war in allen Leibesübungen außerordentlich gewandt und -sicher. Als einst die Königin Isabella auf den Thurm der Kathedrale -zu Sevilla stieg, um von da aus die klein erscheinenden Menschen, -welche unten standen, zu betrachten, stieg er auf einen Balken, welcher -zwanzig Fuß aus dem Thurme herausragte und schritt auf demselben hin -bis zum Ende, drehte sich hier auf einem Fuße herum und schritt mit -derselben Schnelligkeit wieder zum Thurm zurück. Es war einer der -verwegensten Streiche, die man ausführen konnte; alle, die es mit -ansahen, zitterten vor Aufregung. Dann stellte er sich an den Fuß des -Thurmes und warf eine Pommeranze bis zur Thurmspitze hinauf, um die -außergewöhnliche Kraft seines Armes zu zeigen. Er war unserer lieben -Frauen ergeben und schwur stets bei der Jungfrau Maria.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_309_309" id="Fussnote_309_309"></a><a href="#FNAnker_309_309"><span class="label">[309]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 317. Juanoto Berardi starb 1495.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_310_310" id="Fussnote_310_310"></a><a href="#FNAnker_310_310"><span class="label">[310]</span></a> <span class="antiqua">Neque enim desunt, qui se circuisse Cubam audeant -dicere. Dec. I. cp. VI, p.</span> 78.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_311_311" id="Fussnote_311_311"></a><a href="#FNAnker_311_311"><span class="label">[311]</span></a> W. Irving besuchte 1828 diese Plätze und hat davon eine -eingehende Schilderung gegeben, welche als <span class="antiqua">A visit to Palos</span> -seinem Werke <span class="antiqua">„Voyages and Discoveries of the Companions of -Columbus“</span> beigegeben ist. Palos ist ein armes Dorf, eine viertel -englische Meile vom Fluß entfernt, in einer Bodensenkung. Es hat nur -einige hundert Einwohner, welche sich lediglich von Feld- und Weinbau -nähren. Die besseren Familien, darunter die noch blühende, angesehene -Familie der Pinzone, sind alle in Moguer ansässig. In Palos gibt’s -weder Schiffer noch Kaufleute. Kein Schiff gehört dem Platze, am Ufer -finden sich keinerlei Hafenbauten. Das Volk ist ganz unwissend, und -vermuthlich kennen die wenigsten den Namen Amerika.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_312_312" id="Fussnote_312_312"></a><a href="#FNAnker_312_312"><span class="label">[312]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 542.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_313_313" id="Fussnote_313_313"></a><a href="#FNAnker_313_313"><span class="label">[313]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. lib. VIII, p.</span> 87 -<span class="antiqua">et seq.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_314_314" id="Fussnote_314_314"></a><a href="#FNAnker_314_314"><span class="label">[314]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. lib. VIII, p.</span> -90. 91.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_315_315" id="Fussnote_315_315"></a><a href="#FNAnker_315_315"><span class="label">[315]</span></a> <span class="antiqua">este cabo se descubrio en ano de mil y CCCC CIX por -Castilla, syendo descobridor vincentians (Vicente Yañez).</span> Trotz der -beiden, auf der beigegebenen Karte bezeichneten Defecte im Original -können wir auf Cosa’s Karte den Verlauf der Entdeckung recht wohl -verfolgen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_316_316" id="Fussnote_316_316"></a><a href="#FNAnker_316_316"><span class="label">[316]</span></a> Nach ihrer Heimkehr richtete P. Martyr an die Entdecker -die Frage, ob es auch einen antarktischen Polarstern gäbe, was verneint -wurde. <span class="antiqua">Dec. I. lib. IX. p.</span> 96.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_317_317" id="Fussnote_317_317"></a><a href="#FNAnker_317_317"><span class="label">[317]</span></a> <span class="antiqua">Verzinum mercatores Itali, Hispani brasilum -appellant.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. I. lib. IX. p. 99</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_318_318" id="Fussnote_318_318"></a><a href="#FNAnker_318_318"><span class="label">[318]</span></a> <span class="antiqua">ut ipsi putant, ultra urbem Cataii et littus Indicum, -ultra Gangem percurrerant.</span> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">l. c. p. 101</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_319_319" id="Fussnote_319_319"></a><a href="#FNAnker_319_319"><span class="label">[319]</span></a> <span class="antiqua">Quatuor Americi Vesputii navigationes. Urbs -Deodate (St. Dié) 1507.</span> Diese „Vier Schifffahrten“ des Vespucci -wurden zusammen mit der <span class="antiqua">Cosmographiae Introductio</span> von Martin -Waltzemüller veröffentlicht, in welcher zuerst der Name „Amerika“ für -die neue Welt vorgeschlagen wurde. Amerigo nennt in seiner zweiten -Schifffahrt den leitenden Capitän nicht, nennt den Mai 1499 als -Abfahrtszeit und den September 1499 als Zeit der Rückkunft, und doch -sagt er, die Schiffe seien ein ganzes Jahr unterwegs gewesen. Die -Zeitbestimmungen sind offenbar falsch. Die Gründe für die Annahme, daß -Vespucci auf Lepe’s Schiffen mitfuhr, liegen in dem Verlauf der Fahrt. -<em class="gesperrt">Humboldt</em> (Krit. Untersuchungen II, 428 u. f.) hat versucht, -Vespucci’s zweite Fahrt mit der ersten Reise des Vicente Yanez Pinzon -zu identificiren, d’Avezac weist, wohl richtiger, auf Lepe hin. -(<span class="antiqua">Bull. Soc. géogr. Paris 1857. Avril et Mai.</span>)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_320_320" id="Fussnote_320_320"></a><a href="#FNAnker_320_320"><span class="label">[320]</span></a> Bastidas war <span class="antiqua">escribano</span> (Notar) <span class="antiqua">de Sevilla</span>. -<em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 25.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_321_321" id="Fussnote_321_321"></a><a href="#FNAnker_321_321"><span class="label">[321]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 95.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_322_322" id="Fussnote_322_322"></a><a href="#FNAnker_322_322"><span class="label">[322]</span></a> In der deutschen Uebersetzung des Briefes an Lorenzo -Pierfrancesco de Medici (auf der königl. öffentl. Bibl. zu Dresden) -lautet die Schilderung folgendermaßen: Vnd das ich mit einē wort -alle ding begriffe solt du wissen, das in Sechtzig tagen vn̄ siben -tagen die wir schiffeten vier vn̄ viertzig tag an vnderlaß an -einander gehebt habē mit kegen tonnern vn̄ plitzen so gar finster -das wir weder Sonnen im tag noch liechtē hymel in der nacht nie -gesehen haben, Da von so geschach das vns solicher grosser schrecke -einfiel das wir gar nach alle hoffnuug vnsers lebens hinwurffen, In -solichen angsten dennoch vn̄ so wütungen des mers vn̄ des himels -gefiel dem hochstē gott vns ze zeygen ingewont ertrich vn̄ new -lantschafften vn̄ ein vnbekante welt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_323_323" id="Fussnote_323_323"></a><a href="#FNAnker_323_323"><span class="label">[323]</span></a> Vgl. Kunstmann und Thomas, Atlas zur Entdeckung -Amerikas, München 1859.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_324_324" id="Fussnote_324_324"></a><a href="#FNAnker_324_324"><span class="label">[324]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Kritische Untersuchungen III, 10 -sinkt dasselbe in der südl. Breite von 16° 24′ unter den Horizont.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_325_325" id="Fussnote_325_325"></a><a href="#FNAnker_325_325"><span class="label">[325]</span></a> Der Stern η des großen Bären verschwindet unter -18° 10′ s. Br. (<em class="gesperrt">Humboldt</em> a. a. O.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_326_326" id="Fussnote_326_326"></a><a href="#FNAnker_326_326"><span class="label">[326]</span></a> „In der Geschichte der Geographie ist es, wie in allen -übrigen Fällen, oft der Klugheit angemessen, nicht alles erklären zu -wollen.“ <em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchungen III, 14. Ob Vespucci -so weit nach Süden vorgedrungen, bleibt immerhin fraglich. Er würde -dann sicher darauf aufmerksam gemacht haben, daß ihm das Sternbild des -großen <em class="gesperrt">Bären ganz</em> aus dem Gesichtskreise entschwunden sei.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_327_327" id="Fussnote_327_327"></a><a href="#FNAnker_327_327"><span class="label">[327]</span></a> Vnbekanthe landte vnd eine Newe welt. Cap. CXXI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_328_328" id="Fussnote_328_328"></a><a href="#FNAnker_328_328"><span class="label">[328]</span></a> Die Dresdener Ausgabe ist in <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">Bibl. -Am. Vet.</span> nicht beschrieben, das Exemplar zu Dresden weicht von -der unter Nr. 38 (S. 81) beschriebenen Ausgabe im Druck etwas ab. Die -letzten Zeilen der letzten Seite lauten im Dresdner Exemplar: Auß -lateyn ist dyß missiue in Teusch ‖ gezogen auß dem Exemplar das von -Paryß kam im meyen mo-|net Nach Christi geburt. xv. hundert vnd funff -jar. Das von <em class="gesperrt">Harrisse</em> beschriebene Exemplar liest: „diß missiue -in Teutsch“ und weiter „XV. hundert vnd funff jar“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_329_329" id="Fussnote_329_329"></a><a href="#FNAnker_329_329"><span class="label">[329]</span></a> <span class="antiqua">Dum igitur proficiscar in orientem, iter agens per -meridiem, Noto vehar vento. Grynaeus, Novus Orbis. Basil. 1532. p. -130.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_330_330" id="Fussnote_330_330"></a><a href="#FNAnker_330_330"><span class="label">[330]</span></a> <span class="antiqua">Quo superbiam modo iustus omnium censor Deus -compensat.</span> (<span class="antiqua">Quarta Navigatio. Urbs Deodate. Anno supra -sesquimilesimum. vij.</span>)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_331_331" id="Fussnote_331_331"></a><a href="#FNAnker_331_331"><span class="label">[331]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> I, 351.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_332_332" id="Fussnote_332_332"></a><a href="#FNAnker_332_332"><span class="label">[332]</span></a> Zuerst veröffentlicht von <em class="gesperrt">Harrisse</em> in <span class="antiqua">Bibl. -Am. Vet. Additions</span>. Paris 1872, S. XXVII. Man vergleiche -<em class="gesperrt">Humboldt</em>, Krit. Untersuchgn. III, 111 u. ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_333_333" id="Fussnote_333_333"></a><a href="#FNAnker_333_333"><span class="label">[333]</span></a> Krit. Untersuchungen III, 24.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_334_334" id="Fussnote_334_334"></a><a href="#FNAnker_334_334"><span class="label">[334]</span></a> <em class="gesperrt">Martin Waltzemüller</em>, <span class="antiqua">Cosmographiae -Introductio</span>. St. Dié 1507. <span class="antiqua">Globus Mundi declaratio.</span> -Straßburg 1509. (auf d. Titel). <span class="antiqua">Opusculum de mirabilibus.</span> Rom -1510. <span class="antiqua">fol. 101.</span> — <em class="gesperrt">Joh. Schöner</em>, <span class="antiqua">Luculentissima -quaedam terrae totius descriptio. Noribergae 1515. cp. XI. fol. -60</span>. — <em class="gesperrt">Montalboddo</em>, <span class="antiqua">Paesi novamente retrouati & Nouo -Mondo da Alberico Vesputio florentino intitulato. Milano 1519.</span> -— <em class="gesperrt">Stobnicza</em>, <span class="antiqua">Introductio in Ptolemaei cosmographiam. -1519. fol. 5</span>. — <span class="antiqua">Albertus <em class="gesperrt">Pighius</em> Campensis de -æquinoctiorum solstitiorumque inventione. Parisiis 1520. p. 28</span>. -— <em class="gesperrt">Vadianus</em>, <span class="antiqua">Pomponii Melae de orbis situ</span>. Basel 1522. -Das Werk beginnt mit einem 1512 geschriebenen Briefe Vadians an Rudolf -Agricola, worin steht: <span class="antiqua">America a Vespuccio reperta</span> u. s. w.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_335_335" id="Fussnote_335_335"></a><a href="#FNAnker_335_335"><span class="label">[335]</span></a> <em class="gesperrt">Martin Waltzemüller</em> aus Freiburg im Breisgau, -ist etwa um 1480 oder 1481 geboren. Er war befreundet mit dem -Elsasser Matthias Ringmann, dem Schüler des berühmten Philologen -Jakob Wimpfeling. Nach der Sitte der Zeit nahmen beide in späterer -Zeit latinisirte Namen an: Waltzemüller nannte sich Hylacomylus oder -Ilacomilus (eigentlich eine Uebertragung aus Wald(see)müller), Ringmann -dagegen Philesius mit dem Zusatze <span class="antiqua">vogesigena</span>, weil er aus -den Vogesen stammte. Als nun ums Jahr 1507 auf Anregung des reichen -Canonicus Walther Lud und unter den Ausspicien des Herzogs René von -Lothringen in der Stadt St. Dié an der Meurthe ein Gymnasium und eine -Druckerei errichtet worden, berief man Ringmann und Waltzemüller an -die neue Schule. Ringmann hatte in Italien den berühmten Mathematiker -und Architekten Fra Giovanni del Giocondo, einen Dominikaner, kennen -gelernt, welcher, mit Vespucci befreundet, den Brief dieses Reisenden -über seine dritte Entdeckungsfahrt ins Lateinische übertragen hatte. -So wurde er mit den glänzenden Erfolgen des Florentiner Reisenden -bekannt und gehörte bald zu seinen Verehrern, so daß er die lateinische -Uebersetzung Giocondo’s noch einmal in Straßburg 1505 durch den -Druck veröffentlichte. In St. Dié gab dann Waltzemüller mit seiner -<span class="antiqua">Cosmographiae introductio</span> zugleich alle vier Schifffahrten des -Vespucci heraus. Daneben entwarf man den Plan, eine neue Ausgabe des -Ptolemäus zu veranstalten, für deren bedeutende Kosten Walther Lud -eintrat. Diese berühmte Ausgabe erschien aber erst zwei Jahre nach -Ringmanns Tode († 1511) in Straßburg und wurde hauptsächlich durch -Waltzemüller besorgt. Die berühmte Weltkarte dieser Ausgabe, <span class="antiqua">Orbis -typus universalis iuxta hydrographorum traditionem</span> haben wir -bereits in verkleinerter Copie der 36. Abtheilung der „allgemeinen -Geschichte in Einzeldarstellungen“ beigegeben. Man vermuthet, daß -diese Karte die Copie einer Originalzeichnung des Vespucci sei. Wie -unklar die Vorstellungen des lotharingischen Gelehrten waren, erhellt -daraus, daß er in der Vorrede zu dem Supplement seines Ptolemäus -von einem gewissen Admiral des <em class="gesperrt">portugiesischen</em> (!) Königs -Ferdinand spricht (<span class="antiqua">Admiralem quendam serenissimi Portugaliae regis -Ferdinandi</span>), während die der Weltkarte folgende <span class="antiqua">„tabula terre -nove“</span>, auf welcher die Küsten der neuen Welt in größerem Maßstabe -dargestellt sind, in dem nördlichen Theile des südamerikanischen -Continentes die Inschrift trägt: „Dieses Land sammt den angrenzenden -Inseln ist auf Befehl des Königs von Castilien durch den Genuesen -Columbus entdeckt worden.„(<span class="antiqua">Hec terra cum adiacentibus insulis -inuenta est per Columbum Januensem ex mandato Regis Castelle</span>). Und -trotzdem schlug Waltzemüller vor, dem „Entdecker“ zu Ehren das neue -Land Amerika zu nennen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_336_336" id="Fussnote_336_336"></a><a href="#FNAnker_336_336"><span class="label">[336]</span></a> Pizarro ist der natürliche Sohn eines spanischen -Hauptmanns und in Trujillo geboren. In seiner Jugend soll er die -Schweine gehütet haben und ohne Unterricht aufgewachsen sein. Gewiß -ist, daß der spätere Eroberer Peru’s des Schreibens unkundig war. -Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Das Jahr 1471, welches in der Regel -angegeben wird, paßt nicht zu der Mittheilung, daß Pizarro, um einer -Züchtigung von seiten seines Vaters zu entgehen, entlaufen sei und sich -nach Westindien habe anwerben lassen. Denn wenn wir auch annehmen, daß -er schon ums Jahr 1500 den Boden der neuen Welt betreten habe, so mußte -er doch in seinem 29. Jahre längst der väterlichen Ruthe entwachsen -sein. Mehr Glauben verdient die Angabe Herrera’s (<span class="antiqua">Hist. gen. dec. -VI. lib. X. cap. 6</span>), daß Pizarro 63 Jahre alt geworden sei. Da er -1541 ermordet wurde, fällt demnach das Geburtsjahr auf 1478.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_337_337" id="Fussnote_337_337"></a><a href="#FNAnker_337_337"><span class="label">[337]</span></a> <em class="gesperrt">Navarette</em> III, 374. <span class="antiqua">porque ningund bachiller -acá pasa que so sea diablo y tienen vida de diablos, é no solamente -ellos son malos, mas aun fasen y tienen forma por donde haya mil -pleitos y maldades.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_338_338" id="Fussnote_338_338"></a><a href="#FNAnker_338_338"><span class="label">[338]</span></a> <em class="gesperrt">M. Wagner</em> und <em class="gesperrt">C. v. Scherzer</em>, die Republik -Costa Rica. Leipzig 1857. S. 359–392.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_339_339" id="Fussnote_339_339"></a><a href="#FNAnker_339_339"><span class="label">[339]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr</em>, <span class="antiqua">Dec. III. lib. I. Col.</span> 1574 -<span class="antiqua">p.</span> 210.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_340_340" id="Fussnote_340_340"></a><a href="#FNAnker_340_340"><span class="label">[340]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 343.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_341_341" id="Fussnote_341_341"></a><a href="#FNAnker_341_341"><span class="label">[341]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 393–456. <em class="gesperrt">Cl. R. Markham</em>, -<span class="antiqua">The narrative of Pascual de Andagoya. Hakluyt Soc. for 1865. -vol. 34.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_342_342" id="Fussnote_342_342"></a><a href="#FNAnker_342_342"><span class="label">[342]</span></a> <span class="antiqua">El anno de mil e quinientos e catorze: passo a la -terra firme un infelice gouernador; crudelissimo tirano: sin alguna -piedad ni aun prudencia: como un instrumento del furor divino.</span> -<em class="gesperrt">Las Casas</em>, <span class="antiqua">Brevissima relacion de la destruycion de las -Indas</span>. Sevilla 1552. <span class="antiqua">fol. b iiii.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_343_343" id="Fussnote_343_343"></a><a href="#FNAnker_343_343"><span class="label">[343]</span></a> <em class="gesperrt">Andagoya</em> in Navarrete, <span class="antiqua">Col.</span> III, 413.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_344_344" id="Fussnote_344_344"></a><a href="#FNAnker_344_344"><span class="label">[344]</span></a> <em class="gesperrt">J. G. Kohl</em>, (die beiden ältesten Generalkarten -von Amerika. Weimar 1860, S. 169) vermuthet, daß die auf den Karten -von 1527 und 1529 angegebenen Sierras de Gil Gonzalez de Avila mit -den Bergen südlich von Soconusco, in der mexikan. Landschaft Chiapas, -zwischen 15 und 16° n. Br. identisch seien.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_345_345" id="Fussnote_345_345"></a><a href="#FNAnker_345_345"><span class="label">[345]</span></a> Ueber den sog. Jungbrunnen vgl. <em class="gesperrt">Martyr</em>. <span class="antiqua">Dec. -II. lib. X. p.</span> 202.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_346_346" id="Fussnote_346_346"></a><a href="#FNAnker_346_346"><span class="label">[346]</span></a> Der Reisebericht desselben ist von <em class="gesperrt">Herrera</em> -(<span class="antiqua">Dec. I. lib. X. cp. 16</span>) benutzt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_347_347" id="Fussnote_347_347"></a><a href="#FNAnker_347_347"><span class="label">[347]</span></a> Schon frühzeitig ist behauptet worden, Sebastian Cabot -habe das Land vor Ponçe gesehen. <em class="gesperrt">De Thou</em>, <span class="antiqua">historia sui -temporis</span>. 1609. <span class="antiqua">lib. X. c. 4.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_348_348" id="Fussnote_348_348"></a><a href="#FNAnker_348_348"><span class="label">[348]</span></a> <em class="gesperrt">Bernal Diaz del Castillo</em>, Entdeckung und -Eroberung von Neu-Spanien. Deutsch v. Rehfues. Bonn 1838. I. S. 4. -Ferdinand Cortes stellt die Sache so dar, als ob Cordova, Lope Ochoa -und Cristoval Morante sich zum Unternehmen vereinigt und die Mannschaft -geworben hätten. <span class="antiqua">Colecion de doc. inedit. para la historia de -España. I, 422.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_349_349" id="Fussnote_349_349"></a><a href="#FNAnker_349_349"><span class="label">[349]</span></a> Viele von den alten kunstreichen Steinbauten waren schon -zur Zeit, als die Spanier eindrangen, verfallen und gehörten einer -früheren Kulturepoche an. Einer der spanischen Mönche, welche bald nach -der 1540 und 1547 vollendeten Eroberung Yukatan’s ins Land kamen, Fray -Lorenzo de Bienvenido, schreibt darüber am 10. Februar 1548 an König -Philipp, daß die Gebäude in Merida aus behauenen Steinen kunstvoll -erbaut, aber vielleicht schon vor Christi Geburt errichtet seien, weil -auf ihnen der Wald sich eben so mächtig erhöbe, als unten im Lande -(<span class="antiqua">porque tan grande estava el monte ençima dellos como en lo baxo de -la tierra</span>.) Auch fügt der Geistliche hinzu, daß die Eingeborenen -damals nur in Hütten von Holz und Stroh wohnten (<span class="antiqua">ni hazen casa sino -de paja y madera</span>.) <span class="antiqua">Cartas de Indias. Madrid 1877. p. 71.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_350_350" id="Fussnote_350_350"></a><a href="#FNAnker_350_350"><span class="label">[350]</span></a> <em class="gesperrt">Die Mayahandschrift d. kgl. öff. Bibliothek</em> zu -Dresden. 74 Tafeln in Chromo-Lichtdruck. Leipzig 1880. 4<sup>o</sup>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_351_351" id="Fussnote_351_351"></a><a href="#FNAnker_351_351"><span class="label">[351]</span></a> <em class="gesperrt">H. Meye</em> u. <em class="gesperrt">J. Schmidt</em>, Die Steinbildwerke -von Copán und Quirigua. Berlin 1883. Fol.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_352_352" id="Fussnote_352_352"></a><a href="#FNAnker_352_352"><span class="label">[352]</span></a> Cortes gibt die von Velasquez aufgewendeten auf ¼ der -Gesammtsumme an. <span class="antiqua">Colecion d. doc. ined. para la historia d’España. -I, 423.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_353_353" id="Fussnote_353_353"></a><a href="#FNAnker_353_353"><span class="label">[353]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em>, Entdeckung u. s. w. von Neuspanien I. S. -23.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_354_354" id="Fussnote_354_354"></a><a href="#FNAnker_354_354"><span class="label">[354]</span></a> Die Küste von der Mündung des Goatzacoalto (westlich vom -Tabasco) bis nach Vera Cruz ist voller Riffe, daher Schiffbruch und -Strandung häufig vorkommen. Eine kurze Strecke südlich von Vera Cruz -sieht man zahlreiche Trümmer untergegangener Schiffe aus den Wellen -oder dem Sande ragen. Fr. Ratzel, Aus Mexiko. S. 162.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_355_355" id="Fussnote_355_355"></a><a href="#FNAnker_355_355"><span class="label">[355]</span></a> Die Instruction des Velasquez für Cortes findet sich in -<span class="antiqua">Col. d. doc. ined. p. l. hist. de España</span> I, 385.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_356_356" id="Fussnote_356_356"></a><a href="#FNAnker_356_356"><span class="label">[356]</span></a> Wir besitzen von Cortes’ Hand fünf ausführliche Berichte -über den Verlauf seiner großen Unternehmungen, in welchen er in sehr -eingehender Weise dem Könige von Spanien über seine Feldzüge Bericht -erstattet. Man hat sie nicht unpassend mit den bekannten Commentarien -Cäsars verglichen. I. Der <em class="gesperrt">erste Bericht</em> aus Villa rica de la -Vera Cruz vom 10. Juli 1519, von den Behörden der Stadt im Namen -des Heerführers und wohl auch von ihm selbst verfaßt, ging am 16. -Juli mit einem Schiffe nach Spanien ab. Er ist veröffentlicht in der -<span class="antiqua">Colecion de documentos inedit. para la historia de España I, p.</span> -421–461. II. Der <em class="gesperrt">zweite Brief</em> ist aus Segura de la Frontera -(Tepeaca, östl. v. La Puebla) vom 30. October 1520 datirt und wurde -bereits 1522 in Sevilla gedruckt. Später erschien er in <em class="gesperrt">Barcia</em>, -<span class="antiqua">Historiadores primitivos de las Indias orientales, 1743, vol. I, -p.</span> 1–62, u. in Don Francisco Antonio <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, <span class="antiqua">Historia -de nueva España</span>, Mexiko 1770, <span class="antiqua">p.</span> 38–170. III. Der <em class="gesperrt">dritte -Brief</em>, von Cuyocan (2½ span. Meilen südl. v. Mexiko) aus am -15. Mai 1522 geschrieben, wurde zuerst 1523 in Sevilla gedruckt, dann -in Barcia I,<span class="antiqua"> p.</span> 63–123, u. in Lorenzana, <span class="antiqua">p.</span> 178–320. -IV. Der <em class="gesperrt">vierte Brief</em>, von Temixtitan (Mexiko), vom 15. October -1524, wurde 1525 in Spanien gedruckt und später in Lorenzana, <span class="antiqua">p.</span> -330–399. V. Der <em class="gesperrt">fünfte Brief</em>, welcher seinen Feldzug nach -Honduras schildert, erschien in <span class="antiqua">Colecion de doc. ined. p. l. hist. -de Esp.</span>, Madrid 1844, <span class="antiqua">Tom. IV, p.</span> 8–167, als <span class="antiqua">Relacion -hacha al emperador Carlos V por Hernan Cortes sobre la expedicion de -Honduras</span>, datirt von Temixtitan, 3. September 1526.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_357_357" id="Fussnote_357_357"></a><a href="#FNAnker_357_357"><span class="label">[357]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em> erzählt, sie hätten schon vor der Fahrt -des Cortes in Tabasco den Namen <em class="gesperrt">Culba</em> gehört. Columbus vernahm -bei Cuba das Wort Colba und deutete es auf die Insel, aber es wäre -nicht unmöglich, daß der Name der alten berühmten Stadt bis zu den -Antillen gedrungen wäre. Daß Verbindungen zwischen den Inseln und dem -Festlande stattfinden, läßt sich daraus schließen, daß Columbus an der -Küste von Yukatan auf mexikanische Handelsbarken stieß und daß Cortes -ebendaselbst von Jamaica herüber verschlagene Indianer fand.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_358_358" id="Fussnote_358_358"></a><a href="#FNAnker_358_358"><span class="label">[358]</span></a> <em class="gesperrt">D. Charnay</em>, Ansichten über d. Alter u. d. -Ursprung der Baudenkmäler u. s. w. in Mexiko und Central-Amerika, in -Zeitschr. f. Ethnologie. Berlin 1882. S. 10 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_359_359" id="Fussnote_359_359"></a><a href="#FNAnker_359_359"><span class="label">[359]</span></a> D. h. Colibri links, weil der Gott am linken Fuß mit -Colibrifedern geschmückt war.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_360_360" id="Fussnote_360_360"></a><a href="#FNAnker_360_360"><span class="label">[360]</span></a> <em class="gesperrt">Th. Weitz</em>, Anthropologie IV, 4 erklärt sein -unsicheres Benehmen aus seinem bösen Gewissen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_361_361" id="Fussnote_361_361"></a><a href="#FNAnker_361_361"><span class="label">[361]</span></a> <em class="gesperrt">Bernal Diaz</em> I, 121 beschreibt diese Geschenke -genau: „Das erste war eine Scheibe von der Größe eines Wagenrades, -welche die Sonne vorstellte, ganz von feinem Golde und von der -schönsten Arbeit, ein überaus merkwürdiges Kunstwerk, das nach der -Aussage derer, die es gewogen, über 20,000 Gold-Piaster Werth gehabt -haben soll. Das zweite, eine Scheibe, größer noch als die erste, schwer -von Silber, von großem Werth, und den Mond vorstellend mit vielen -Strahlen und andern Figuren darauf. Das dritte war die Sturmhaube, -ganz mit gediegenen Gold-Körnern angefüllt, wie sie aus den Bergwerken -kommen, an 3000 Piaster Werth, für uns aber von weit höherem Werth, -weil es uns die Gewißheit gab, daß es reiche Goldgruben im Lande gab. -Dazu kamen noch 20 goldene Enten, vollkommen nach der Natur und sehr -zierlich gearbeitet; ferner Figuren von Hunden, Tigern, Löwen, Affen, -10 Halsketten von Gold, in Silber und Gold gefaßte Fächer und Büsche -von den schönsten grünen Federn, ferner über 30 Pakete mit bunten -Federn durchwirkter Baumwollstoffe u. a. m. Aehnlich beschreibt auch -<em class="gesperrt">Torquemada</em>, <span class="antiqua">Mon. Ind. lib. IV. c.</span> 17 diese Gaben. Einzeln -sind die für den König von Spanien bestimmten Geschenke aufgeführt -in <span class="antiqua">Colec. de doc. inedit. p. l. hist. de España. I</span>, 462–471. -Darnach hatte die goldene Scheibe (<span class="antiqua">una rueda de oro grande con una -figura de monstruos en ella</span>) nur ein Gewicht von 3800 <span class="antiqua">pesos de -oro</span>, aber nicht 20,000 P. wie Diaz angibt. Dem König Karl wurden -diese Geschenke im April 1520 zu Valladolid vorgelegt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_362_362" id="Fussnote_362_362"></a><a href="#FNAnker_362_362"><span class="label">[362]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 47.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_363_363" id="Fussnote_363_363"></a><a href="#FNAnker_363_363"><span class="label">[363]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 66.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_364_364" id="Fussnote_364_364"></a><a href="#FNAnker_364_364"><span class="label">[364]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 58, bemerkt dazu, aus den noch -vorhandenen Ruinen von Tlascala könne man erkennen, daß Cortes nicht -übertrieben habe.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_365_365" id="Fussnote_365_365"></a><a href="#FNAnker_365_365"><span class="label">[365]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em> Bd. I, 248 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_366_366" id="Fussnote_366_366"></a><a href="#FNAnker_366_366"><span class="label">[366]</span></a> B. Diaz II, 51 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_367_367" id="Fussnote_367_367"></a><a href="#FNAnker_367_367"><span class="label">[367]</span></a> <span class="antiqua">Creemos y tenemos por cierto el ser nuestro Señor -natural.</span> <em class="gesperrt">Lorenzana</em> S. 81.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_368_368" id="Fussnote_368_368"></a><a href="#FNAnker_368_368"><span class="label">[368]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em> II, 65.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_369_369" id="Fussnote_369_369"></a><a href="#FNAnker_369_369"><span class="label">[369]</span></a> B. Diaz II, 101.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_370_370" id="Fussnote_370_370"></a><a href="#FNAnker_370_370"><span class="label">[370]</span></a> Die Lebensweise des Monarchen hat Cortes genau -geschildert. Lorenzana, S. 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_371_371" id="Fussnote_371_371"></a><a href="#FNAnker_371_371"><span class="label">[371]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 97.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_372_372" id="Fussnote_372_372"></a><a href="#FNAnker_372_372"><span class="label">[372]</span></a> Ebd. S. 99.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_373_373" id="Fussnote_373_373"></a><a href="#FNAnker_373_373"><span class="label">[373]</span></a> Ebd. S. 91. <span class="antiqua">Figurada en un paño toda la costa.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_374_374" id="Fussnote_374_374"></a><a href="#FNAnker_374_374"><span class="label">[374]</span></a> <em class="gesperrt">Bernal Diaz</em> II, 208.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_375_375" id="Fussnote_375_375"></a><a href="#FNAnker_375_375"><span class="label">[375]</span></a> <span class="antiqua">Le dieron una pedrada los suyos en la cabeza tan -grande que de alli á tres días murió.</span> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 136.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_376_376" id="Fussnote_376_376"></a><a href="#FNAnker_376_376"><span class="label">[376]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em> I, 53.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_377_377" id="Fussnote_377_377"></a><a href="#FNAnker_377_377"><span class="label">[377]</span></a> Fr. <em class="gesperrt">Ratzel</em>, Aus Mexiko. S. 134.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_378_378" id="Fussnote_378_378"></a><a href="#FNAnker_378_378"><span class="label">[378]</span></a> <em class="gesperrt">Sahagun</em>, <span class="antiqua">hist. d. nueva España</span>. XII, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_379_379" id="Fussnote_379_379"></a><a href="#FNAnker_379_379"><span class="label">[379]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 148.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_380_380" id="Fussnote_380_380"></a><a href="#FNAnker_380_380"><span class="label">[380]</span></a> Daß Cortes selbst den feindlichen General getödtet, ist -höchst unwahrscheinlich, weil er durch seine Wunden behindert wurde. -Seine eignen Worte schließen diese Annahme aus: <span class="antiqua">E con este trabajo -fuimos mucha parte de el dia, hasta que quiso dios, que murio una -persona de ellas, que debía ser tan principal, que con su muerte cesó -toda aquella guerra.</span> Lorenzana, S. 148.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_381_381" id="Fussnote_381_381"></a><a href="#FNAnker_381_381"><span class="label">[381]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 169.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_382_382" id="Fussnote_382_382"></a><a href="#FNAnker_382_382"><span class="label">[382]</span></a> <span class="antiqua">Opus epistolarum, Compluti</span>. 1530. -<span class="antiqua">Ep.</span> 717. <span class="antiqua">Sunt incredibilia, quae de huius urbis et -circumvicinarum aedificiis, commerciis et hominum frequentia -referuntur.... De templorum magnitudine cultuque ac ornatu mira -referuntur.</span> In einem späteren Briefe (<span class="antiqua">Compluti</span> Nr. 774; -<span class="antiqua">Amstelodami</span> Nr. 771) vom 20. November 1522 zählte er die Menge -des nach Spanien gebrachten Goldes auf. Nach dreißigjährigen Bemühungen -seit der ersten Fahrt des Columbus schien nun das goldreiche Indien -wirklich gefunden zu sein.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_383_383" id="Fussnote_383_383"></a><a href="#FNAnker_383_383"><span class="label">[383]</span></a> Die Endung -tzin wird den Namen der Vornehmsten -angehängt, so daß der Name des neuen Königs eigentlich Quauhtemo war; -in ähnlicher Weise nennen mehrere Historiker den mehrfach erwähnten -Cacama auch Cacamatzin.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_384_384" id="Fussnote_384_384"></a><a href="#FNAnker_384_384"><span class="label">[384]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 242.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_385_385" id="Fussnote_385_385"></a><a href="#FNAnker_385_385"><span class="label">[385]</span></a> <span class="antiqua">Por el agua y por la tierra daban tantas gritas y -alaridos que parecia que se hundia el mundo.</span> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. -245.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_386_386" id="Fussnote_386_386"></a><a href="#FNAnker_386_386"><span class="label">[386]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em> S. 260.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_387_387" id="Fussnote_387_387"></a><a href="#FNAnker_387_387"><span class="label">[387]</span></a> Nur die Tlascalaner blieben von dieser Hörigkeit -befreit.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_388_388" id="Fussnote_388_388"></a><a href="#FNAnker_388_388"><span class="label">[388]</span></a> In demselben Jahre, als Cortes den Boden von Mexiko -betrat, ließ auch der Statthalter von Jamaica, Francisco de Garay, nach -einer Meerenge suchen. Siehe unten Cap. 26.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_389_389" id="Fussnote_389_389"></a><a href="#FNAnker_389_389"><span class="label">[389]</span></a> <em class="gesperrt">Ratzel</em>, aus Mexiko. S. 181.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_390_390" id="Fussnote_390_390"></a><a href="#FNAnker_390_390"><span class="label">[390]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 351. Vgl. auch <span class="antiqua">Colecc. d. doc. -ined. relat. al. descubr. XII, p. 62</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_391_391" id="Fussnote_391_391"></a><a href="#FNAnker_391_391"><span class="label">[391]</span></a> <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, S. 382. <span class="antiqua">Como tengo continuo -cuydado, y siempre me occupo en pensar todas las maneras, que se pudan -tener para poner en execucion, y efectuar el deseo que yo al real -servicio de Vuestra Magestad tengo, viendo que otra cosa no me quedaba -para esto, sino saber el secreto de la costa, que esta por descubrir -entre el rio de Panuco y la Florida;... y de allí por la parte de el -norte hasta llegar a los Bacallaos, porque se tiene cierto, que en -aquella costa hay estrecho, que pasa á la mar del Sur.</span> Er beruft -sich sogar auf eine Karte, welche eine Meeresstraße in diesen Gegenden -darstellt (<span class="antiqua">segun cierta figura, que yo tengo del paraje</span>) und -betont die Wichtigkeit dieses Weges als des schnellsten und kürzesten -zu den Molukken: <span class="antiqua">seria la navegacion desde la especeria para essos -reynos de Vuestra Magestad muy buena, y muy breve y tanto que seria las -dos tercias partes menos, que por donde ayora se navega, y sin ningun -riesgo, ni peligro de los navios, que fuesen y viniessen, porque irian -siempre y vernian por reynos y Señorios de V. M.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_392_392" id="Fussnote_392_392"></a><a href="#FNAnker_392_392"><span class="label">[392]</span></a> Ueber die neusten Forschungen in diesem Gebiet -vergleiche Desiré Charnay in <span class="antiqua">Comptes rendus de soc. de géogr. Paris -1882. p. 546 et suiv.</span> und <em class="gesperrt">A. P. Maudslay</em>, <span class="antiqua">Exploration -in Guatemala and Examination of the newly-discovered Indian Ruins of -Quirigua, Tikal and the Usumacinta</span>, in <span class="antiqua">Proceedings of the royal -geogr. soc.</span> London 1883. April.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_393_393" id="Fussnote_393_393"></a><a href="#FNAnker_393_393"><span class="label">[393]</span></a> <em class="gesperrt">Las Casas</em>, <span class="antiqua">Brevissima relacion</span>. Sevilla -1552. <span class="antiqua">De la provincia e reyno de Guatimala: Mando los luego quemar -bivos sin otra culpa ni otro processo ni sentencia.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_394_394" id="Fussnote_394_394"></a><a href="#FNAnker_394_394"><span class="label">[394]</span></a> <span class="antiqua">Relacion e informacion del viage, que hizo á las -Higueras el Bachillar Pedro Moreno</span> (<span class="antiqua">in Colecc. d. doc. ined. -rel. al descubr. XIV, p. 236–264</span>) enthält die gerichtlichen -Aussagen von Augenzeugen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_395_395" id="Fussnote_395_395"></a><a href="#FNAnker_395_395"><span class="label">[395]</span></a> Vgl. oben -<a href="#Seite_354">S. 354</a>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_396_396" id="Fussnote_396_396"></a><a href="#FNAnker_396_396"><span class="label">[396]</span></a> <span class="antiqua">Relacion p. 237.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_397_397" id="Fussnote_397_397"></a><a href="#FNAnker_397_397"><span class="label">[397]</span></a> <em class="gesperrt">Cortes</em>, <span class="antiqua">Relacion al Emperador Carlos de -Temixtitan à</span> 3 <span class="antiqua">de Septiembre de 1525</span>, in <span class="antiqua">Colecc. d. doc. -ined. para la historia de España. IV, p. 113</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_398_398" id="Fussnote_398_398"></a><a href="#FNAnker_398_398"><span class="label">[398]</span></a> <em class="gesperrt">H. H. Bancroft</em>, <span class="antiqua">History of the pacific. -States. I, 530</span>. London 1883.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_399_399" id="Fussnote_399_399"></a><a href="#FNAnker_399_399"><span class="label">[399]</span></a> Die Gründungsurkunde ist vom 18. Mai 1525 datirt. -(<span class="antiqua">Colecc. d. doc. ined. rel. al descubr. Vol. XIV, p. 44.</span>)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_400_400" id="Fussnote_400_400"></a><a href="#FNAnker_400_400"><span class="label">[400]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz</em> III, 251.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_401_401" id="Fussnote_401_401"></a><a href="#FNAnker_401_401"><span class="label">[401]</span></a> <span class="antiqua">Relacion, hecha al Emperador Carlos V por Hernan -Cortes p. 23.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_402_402" id="Fussnote_402_402"></a><a href="#FNAnker_402_402"><span class="label">[402]</span></a> <span class="antiqua">Relacion hecha al Emperador Carlos V. p.</span> -35: <span class="antiqua">hice sacar una ahuja de marear, que traia conmigo, por donde -muches veces me guiaba, aunque nunca nos habiemos visto en tan extrema -necessidad</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_403_403" id="Fussnote_403_403"></a><a href="#FNAnker_403_403"><span class="label">[403]</span></a> <span class="antiqua">Relacion. p.</span> 50. <span class="antiqua">hizome una figura pintada en -un paño del camino, que habia de llevar.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_404_404" id="Fussnote_404_404"></a><a href="#FNAnker_404_404"><span class="label">[404]</span></a> <span class="antiqua">Relacion. p.</span> 54.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_405_405" id="Fussnote_405_405"></a><a href="#FNAnker_405_405"><span class="label">[405]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz.</em> Band 4. S. 77.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_406_406" id="Fussnote_406_406"></a><a href="#FNAnker_406_406"><span class="label">[406]</span></a> <span class="antiqua">Dr.</span> C. H. Berendt erforschte das wenig besuchte -Gebiet 1865–67. <span class="antiqua">cf. Smithsonian Instit. Report for</span> 1867, -<span class="antiqua">p.</span> 420.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_407_407" id="Fussnote_407_407"></a><a href="#FNAnker_407_407"><span class="label">[407]</span></a> In neuester Zeit hat Desiré Charnay ziemlich dieselbe -Route wie Cortes verfolgt. <span class="antiqua">„Il y avait autrefois des villes le long -de ce sentier; j’aperçois sur la droite des esplanades, dont les arêtes -en pierres taillées sont encore intactes et le guide m’annonce que sur -la gauche, du côte de la vallée du San Pedro se trouvent aussi des -monuments.“</span> <span class="antiqua">Comptes rendus des séances d. l. soc. d. géogr.</span> -Paris 1882. S. 546.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_408_408" id="Fussnote_408_408"></a><a href="#FNAnker_408_408"><span class="label">[408]</span></a> <span class="antiqua">Relacion, p.</span> 74. <span class="antiqua">la cosa del mundo mas -maravillosa de ver y pasar.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_409_409" id="Fussnote_409_409"></a><a href="#FNAnker_409_409"><span class="label">[409]</span></a> <em class="gesperrt">Maudslay</em> (<span class="antiqua">Proceedings of the royal geogr. -Soc.</span> London 1883. S. 189) glaubt diesen Ort am Rio pueblo viejo, -einem Zufluß des Polochic, wiedergefunden zu haben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_410_410" id="Fussnote_410_410"></a><a href="#FNAnker_410_410"><span class="label">[410]</span></a> <em class="gesperrt">B. Diaz.</em> IV. 179.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_411_411" id="Fussnote_411_411"></a><a href="#FNAnker_411_411"><span class="label">[411]</span></a> <span class="antiqua">Coleccion de doc. ined. p. l. hist. de España. I. -p.</span> 105.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_412_412" id="Fussnote_412_412"></a><a href="#FNAnker_412_412"><span class="label">[412]</span></a> Die gemachten Breitenbestimmungen sind ungenau; es ist -wahrscheinlich, daß das Schiff bis in den Golf von Tehuantepec gelangte -und dann umkehrte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_413_413" id="Fussnote_413_413"></a><a href="#FNAnker_413_413"><span class="label">[413]</span></a> Der auf Pergament gemalte Atlas des Diego Homem von 1568 -(königl. öffentl. Bibl. in Dresden) verlegt das <span class="antiqua">C. del engañho</span> -ganz bestimmt nördlich von der gegenwärtig so benannten Punta S. -Eugenia, und zwar unter 31° n. Br., was mit der 1542 erfolgten Aufnahme -der Küste durch Cabrillo übereinstimmt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_414_414" id="Fussnote_414_414"></a><a href="#FNAnker_414_414"><span class="label">[414]</span></a> Nach <em class="gesperrt">J. G. Kohl</em>, die beiden ältesten -Generalkarten, S. 70, nicht der jetzt noch so genannten <span class="antiqua">St. Helena -sound</span>, sondern der südlichere <span class="antiqua">Port royal</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_415_415" id="Fussnote_415_415"></a><a href="#FNAnker_415_415"><span class="label">[415]</span></a> <span class="antiqua">algund golfo ó estrecho en la tierra firme.</span> -<em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">Colec. III</span>, 147.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_416_416" id="Fussnote_416_416"></a><a href="#FNAnker_416_416"><span class="label">[416]</span></a> <em class="gesperrt">Herrera</em>, <span class="antiqua">Dec. VI. lib. I. cp.</span> 4. -<span class="antiqua">haviendo pasado un rio <em class="gesperrt">bien grande</em>.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_417_417" id="Fussnote_417_417"></a><a href="#FNAnker_417_417"><span class="label">[417]</span></a> Vielleicht der Altamaha in Georgia, oder der Savannah an -der Grenze von Süd-Carolina.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_418_418" id="Fussnote_418_418"></a><a href="#FNAnker_418_418"><span class="label">[418]</span></a> Kupferbergbau findet sich noch im Norden des Staates -Georgia.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_419_419" id="Fussnote_419_419"></a><a href="#FNAnker_419_419"><span class="label">[419]</span></a> <em class="gesperrt">Herrera</em>, <span class="antiqua">Dec. VII. lib. I. c.</span> 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_420_420" id="Fussnote_420_420"></a><a href="#FNAnker_420_420"><span class="label">[420]</span></a> Marcos Bericht in <span class="antiqua">Colecc. d. doc. ined. relat. al -descubr. III</span>, 329–50. Madrid 1865.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_421_421" id="Fussnote_421_421"></a><a href="#FNAnker_421_421"><span class="label">[421]</span></a> Coronado’s Bericht in <span class="antiqua">Doc. ined. rel. al descubr. -III</span>, 363. Sein Brief an den Kaiser, <span class="antiqua">ibid.</span> XIII, <span class="antiqua">p.</span> -261. Außerdem die Berichte seiner Capitäne Jaramillo, <span class="antiqua">ibid.</span> XIV, -304, und Castañeda in <em class="gesperrt">Ternaux Compans</em>, <span class="antiqua">Voyages, relations et -memoires etc.</span> Paris 1838.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_422_422" id="Fussnote_422_422"></a><a href="#FNAnker_422_422"><span class="label">[422]</span></a> Vgl. General <em class="gesperrt">J. H. Simpsons</em> kritische Arbeit über -Cibola in <span class="antiqua">Smithsonian Rapport</span>, 1869 <span class="antiqua">p.</span> 309–40. Simpson -kennt die Gegend aus eigner Anschauung und stützt sich ferner auf die -Ansicht des Ingenieur N. H. Hutton, welcher mit Whipple und Parke -1853–56 Neu-Mexiko und Arizona erforschte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_423_423" id="Fussnote_423_423"></a><a href="#FNAnker_423_423"><span class="label">[423]</span></a> <em class="gesperrt">R. Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Voyages. Vol. III.</span> -<span class="antiqua">p.</span> 394. London 1600.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_424_424" id="Fussnote_424_424"></a><a href="#FNAnker_424_424"><span class="label">[424]</span></a> Eine Copie dieser Karte findet sich in <em class="gesperrt">Lorenzana</em>, -<span class="antiqua">Historia de nueva España</span>. S. 328. Mexiko 1770.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_425_425" id="Fussnote_425_425"></a><a href="#FNAnker_425_425"><span class="label">[425]</span></a> „Leutnant Ives, welcher den unteren Colorado erforschte, -machte einen kleinen Abstecher zu Lande von einem Punkte unterhalb -des großen Cañon nach Südwesten herum und erklomm das Plateau von San -Francisco. Von einer Höhe konnte er weit nach Nordosten schauen und das -Gebiet übersehen. Die Ausdehnung und Großartigkeit der Cañons, sagt er, -ist in dieser Richtung staunenerregend. Das ganze Hochland ist durch -riesige Klüfte in Fetzen zerrissen und gleicht einer ungeheuren Ruine. -In meilenweiten Landstrichen sind die oberen Schichten hinweggefegt -und nur isolirte Berge stehen geblieben. Klüfte, so tief, daß das -Auge nicht bis auf den Grund hinunterzudringen vermag, werden durch -Wände getrennt, deren Dicke man beinahe umspannen kann, und schlanke -Spitzsäulen, welche auf ihrem Grunde zu schwanken scheinen, schießen -tausend Fuß hoch aus den unterirdischen Höhlen empor.“ (J. W. Powell), -<span class="antiqua">Exploration of the Colorado river of the west</span>. Washington. 1875. -<span class="antiqua">p.</span> 195.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_426_426" id="Fussnote_426_426"></a><a href="#FNAnker_426_426"><span class="label">[426]</span></a> In der Zuñisprache noch jetzt Hak-ku-kiah genannt. -(<em class="gesperrt">Schoolcroft</em>, <span class="antiqua">History of the Indian Tribes</span>. IV, 220.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_427_427" id="Fussnote_427_427"></a><a href="#FNAnker_427_427"><span class="label">[427]</span></a> <em class="gesperrt">Jaramillo</em>, <span class="antiqua">Relacion l. c. p.</span> -308. <span class="antiqua">Todas cuantas aguas hallamos, y rios é arroyos, hasta este de -Cibola, y aun, no sé si una jornada, ú dos mas, corren á la mar del -Sur, y los dende aqui adelanto, a la mar del Norte.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_428_428" id="Fussnote_428_428"></a><a href="#FNAnker_428_428"><span class="label">[428]</span></a> Auf dem amerikan. Atlas von Thomas Jeffreys, 1775, -findet sich der Ort Sayaqué, welcher vielleicht dem Cicuyé entspricht. -(Simpson, <span class="antiqua">l. c. p.</span> 336).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_429_429" id="Fussnote_429_429"></a><a href="#FNAnker_429_429"><span class="label">[429]</span></a> Jaramillo, <span class="antiqua">l. c. p.</span> 310. <span class="antiqua">porque dellas -comen y visten y calzan.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_430_430" id="Fussnote_430_430"></a><a href="#FNAnker_430_430"><span class="label">[430]</span></a> Auf dem Rückmarsche wird auch das Vorkommen der -Hundmurmelthiere erwähnt, als kleiner Geschöpfe, die den Eichhörnchen -gleichen und in Erdlöchern leben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_431_431" id="Fussnote_431_431"></a><a href="#FNAnker_431_431"><span class="label">[431]</span></a> <span class="antiqua">Historia de nueva España: Mexico 1770, p. 38: y aun -se ignora si confina con la Tartaria, y Groelandia; por las Californias -con la Tartaria, y por el Nuevo Mexico con la Groelandia</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_432_432" id="Fussnote_432_432"></a><a href="#FNAnker_432_432"><span class="label">[432]</span></a> Andagoya sagt in seiner <span class="antiqua">Relacion</span> -(<em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 420): <span class="antiqua">una provincia que se dice Biru, donde -corrompido el nombre se llamó Pirú</span>. Aehnlich auch <em class="gesperrt">Augustin -de Çarate</em>, <span class="antiqua">Historia del descubrimiento y conquista de las -Provincias del Peru. Sevilla</span> 1577, <span class="antiqua">p.</span> 1: <span class="antiqua">una -pequeña y pobre provincia cincuenta leguas de Panama, que se llama -Peru, de donde despues <em class="gesperrt">impropriamente</em> toda la tierra... por -espacio demas de mil y dozientas leguas por luengo de costa se llamo -Peru</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_433_433" id="Fussnote_433_433"></a><a href="#FNAnker_433_433"><span class="label">[433]</span></a> <em class="gesperrt">E. Pöppig</em>, Reise in Chili, Peru und auf dem -Amazonenstrom. Leipzig 1836. II, 10 und 7.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_434_434" id="Fussnote_434_434"></a><a href="#FNAnker_434_434"><span class="label">[434]</span></a> <em class="gesperrt">Ch. Darwin</em>, Reise eines Naturforschers um die -Welt. Stuttgart 1874. S. 419.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_435_435" id="Fussnote_435_435"></a><a href="#FNAnker_435_435"><span class="label">[435]</span></a> <em class="gesperrt">W. Reiß</em> und <em class="gesperrt">A. Stübel</em>, das Todtenfeld von -Ancon. Berlin 1881–83. Tafel 13–16, 45–48 u. a.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_436_436" id="Fussnote_436_436"></a><a href="#FNAnker_436_436"><span class="label">[436]</span></a> Ansichten der Natur II 326, 322 u. 324. Stuttgart u. -Tübingen 1849.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_437_437" id="Fussnote_437_437"></a><a href="#FNAnker_437_437"><span class="label">[437]</span></a> <em class="gesperrt">Aug. de Çarate</em>, <span class="antiqua">Historia del -descubrimiento</span>. Sevilla 1577, S. 1. <span class="antiqua">Almagro, cuyo linaje nunca -se pudo bien averiguar, por que algunos dizen que fue achado a la -puerta de la yglesia.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_438_438" id="Fussnote_438_438"></a><a href="#FNAnker_438_438"><span class="label">[438]</span></a> Pedro Pizarro, <span class="antiqua">Relacion del descubrimiento y -conquista etc.</span> in <em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">Colecion de doc. inedit. -para la historia de España</span>. Madrid, 1844 <span class="antiqua">Tom V, p. 203</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_439_439" id="Fussnote_439_439"></a><a href="#FNAnker_439_439"><span class="label">[439]</span></a> Nicht zu der Verwandtschaft gehört Pedro Pizarro aus -Toledo, welcher mit 15 Jahren in den Dienst Francisco Pizarro’s -trat und seit dem 18. Jahre die Feldzüge mitmachte. Er schrieb eine -<span class="antiqua">Relacion del descubrimiento y conquista de los reinos del Peru -etc.</span> Abgedruckt in <em class="gesperrt">Navarrete</em>, <span class="antiqua">Colecion de doc. inedit. -para la historia de España</span>. Madrid 1844. <span class="antiqua">Tom. V, p.</span> -201–388.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_440_440" id="Fussnote_440_440"></a><a href="#FNAnker_440_440"><span class="label">[440]</span></a> <em class="gesperrt">P. Pizarro</em>, <span class="antiqua">Relacion. p.</span> 211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_441_441" id="Fussnote_441_441"></a><a href="#FNAnker_441_441"><span class="label">[441]</span></a> <em class="gesperrt">P. Pizarro</em>, S. 224.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_442_442" id="Fussnote_442_442"></a><a href="#FNAnker_442_442"><span class="label">[442]</span></a> Pachacamac ist jetzt meist unter Sand begraben und -bei dem Umblick von den auf den Hügel gebauten Terassen des Tempels -sieht man im weiten Umkreis die Reste der frühern Klöster, sowie der -Befestigungen hervorragen. A. Bastian. Die Kulturländer des alten -Amerika. I, 51. Berlin 1878.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_443_443" id="Fussnote_443_443"></a><a href="#FNAnker_443_443"><span class="label">[443]</span></a> <em class="gesperrt">Cl. Markham</em> hat (<span class="antiqua">Reports on the discovery of -Peru. Hakluyt Society.</span> London 1872, <span class="antiqua">p.</span> 97) nach dem -Verhältnisse von 100 Pesos Gold = 144 Ducaten, 120 Pesos Silber = 144 -Ducaten den Geldwerth berechnet, der auf jeden Antheil entfiel. Doch -weichen die Angaben von einander ab.</p> - -<table class="collapse" summary="Beute"> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - Pizarro erhielt - </td> - <td class="tdc"> -  312,000 - </td> - <td class="tdc"> - Ducaten, - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - 3 - </td> - <td class="tdc"> - Capitäne - </td> - <td class="tdc"> - der - </td> - <td class="tdl"> - Cavallerie - </td> - <td class="tdc"> -  165,000 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> - 4 - </td> - <td class="tdl"> -    „ - </td> - <td class="tdl"> -  „ - </td> - <td class="tdl"> - Infanterie - </td> - <td class="tdc"> -  165,000 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - 60 Reiter - </td> - <td class="tdc"> - 1,166,000 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - 100 Mann zu Fuß - </td> - <td class="tdc"> - 1,458,000 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - Almagro - </td> - <td class="tdc"> -   55,200 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - Die Truppen Almagro’s - </td> - <td class="tdc"> -  331,200 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="4"> - Der königliche Quint - </td> - <td class="tdc"> -  931,500 - </td> - <td class="tdl"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl bbot" colspan="4"> - Zuschlag von feinem Silber - </td> - <td class="tdc bbot"> -   38,170 - </td> - <td class="tdl bbot"> -   „ - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="4"> - In Summa - </td> - <td class="tdc"> - 4,605,670 - </td> - <td class="tdc"> - Ducaten, - </td> - </tr> -</table> - -<p class="p0">d. h. nach dem Geldwerth unserer Tage etwa 70 Millionen Reichsmark. Die -ausführliche Liste über die Vertheilung der Beute gibt der spanische -Notar Pedro Sancho (cf. Markham, <span class="antiqua">l. c. p.</span> 133–142). In -folge dieser Reichthümer stiegen die Preise für europäische Waaren -bedeutend: Ein Pferd kostete 2500–3300 Pesos, ein Paar Schuh oder -Stiefel 30–40 Pesos, ein Mantel 100–120 Pesos, ein Buch Papier 10 Pesos -u. s. w. — De Luque war inzwischen gestorben, also fiel sein Antheil -hinweg.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_444_444" id="Fussnote_444_444"></a><a href="#FNAnker_444_444"><span class="label">[444]</span></a> <em class="gesperrt">P. Pizarro</em>, <span class="antiqua">Relacion. p.</span> 247.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_445_445" id="Fussnote_445_445"></a><a href="#FNAnker_445_445"><span class="label">[445]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Aug. de Çarate</em> <span class="antiqua">lib. III, cp.</span> -1, <span class="antiqua">p.</span> 23 zählte sein Heer 570 Mann.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_446_446" id="Fussnote_446_446"></a><a href="#FNAnker_446_446"><span class="label">[446]</span></a> Auf dem ganzen Zuge sollen 10,000 Indianer gefallen -sein.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_447_447" id="Fussnote_447_447"></a><a href="#FNAnker_447_447"><span class="label">[447]</span></a> Der Santiagofluß entspringt am Catacachi, nördlich vom -Aequator, und fließt in die Bai von Panguapi (Bai von S. Mateo) nahe -der Nordgrenze des Staates Ecuador, 1° 20′ n. Br.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_448_448" id="Fussnote_448_448"></a><a href="#FNAnker_448_448"><span class="label">[448]</span></a> Vgl. den Brief des Bischofs von Cuzco in <span class="antiqua">Colecion de -doc. inedit. relat. al descubrim. III</span>, 221 und den Brief Martins de -Arauco, ebd. III, 213. Madrid 1865. Ferner P. Pizarro S. 353 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_449_449" id="Fussnote_449_449"></a><a href="#FNAnker_449_449"><span class="label">[449]</span></a> Castro’s Bericht in <span class="antiqua">Cartas de India. p.</span> -480. Madrid 1877.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_450_450" id="Fussnote_450_450"></a><a href="#FNAnker_450_450"><span class="label">[450]</span></a> Die Charcas-Indianer wurden 1539 durch Pedro de Anzures -besiegt, welcher in dem silberreichen Gebiete die Stadt la Plata -anlegte (Chuquisaca in Bolivia). Francisco Pizarro hieß nach diesem -Gebiete Marques de los Charcas.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_451_451" id="Fussnote_451_451"></a><a href="#FNAnker_451_451"><span class="label">[451]</span></a> Der officielle Bericht über den Ausgang Pizarro’s findet -sich in <span class="antiqua">Colecion de doc. ined. para la historia de España</span>. -<span class="antiqua">Vol. XXVI, p.</span> 177.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_452_452" id="Fussnote_452_452"></a><a href="#FNAnker_452_452"><span class="label">[452]</span></a> Die Liste der Spanier, welche die Fahrt mitmachten, -gibt Oviedo, <span class="antiqua">historia general</span>. Madrid 1845. <span class="antiqua">Tom. IV.</span> -<span class="antiqua">lib.</span> 49. <span class="antiqua">cp.</span> 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_453_453" id="Fussnote_453_453"></a><a href="#FNAnker_453_453"><span class="label">[453]</span></a> <em class="gesperrt">Oviedo</em>, <span class="antiqua">Tom IV. lib.</span> 50. <span class="antiqua">cp.</span> -24. <span class="antiqua">p.</span> 557.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_454_454" id="Fussnote_454_454"></a><a href="#FNAnker_454_454"><span class="label">[454]</span></a> <em class="gesperrt">Carvajal</em> (Oviedo <span class="antiqua">p.</span> 562) spricht von -den Amazonen als einer <span class="antiqua">gran novedad; que aquestas mugeres que -alli peleaban <em class="gesperrt">como amaçonas</em>, son aquellas de quien en muchas -é diversas relaçiones mucho tiempo há que anda una fama extendida en -estas Indias ó partes de muchas formas discontada, del hecho destas -belicosas mugeres</span>. Und auch <em class="gesperrt">Herrera</em> (<span class="antiqua">Dec. VI. lib. -IX. cp.</span> 4) gibt die Erzählung nur mit Vorbehalt, beruft sich -aber auf die Wahrheitsliebe des muthigen Carvajal. Die Thatsache ist -lange bezweifelt, und der Bericht unter die zahlreichen spanischen -Erfindungen gerechnet, hat indes noch in der neuesten Zeit ihre -Bestätigung durch den französischen Reisenden Crevaux gefunden, welcher -am 31. October 1878 an dem Paru, einem aus dem Hochlande der Guayana -herabkommenden Zuflusse, ein Dorf antraf, welches <em class="gesperrt">ausschließlich</em> -von geschiedenen Frauen bewohnt war. (<span class="antiqua">Bull. d. l. soc. géogr.</span> -Paris 1882, <span class="antiqua">p.</span> 672). Das Geschlecht der Amazonen ist also noch -nicht ausgestorben. Die Angabe Crevaux’ läßt uns auch annähernd den -Punkt bestimmen, wo Orellana diese kriegerischen Weiber antraf, nämlich -wahrscheinlich an der Mündung des Jamunda.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_455_455" id="Fussnote_455_455"></a><a href="#FNAnker_455_455"><span class="label">[455]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 294. Nr. V.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_456_456" id="Fussnote_456_456"></a><a href="#FNAnker_456_456"><span class="label">[456]</span></a> Ein solcher, allerdings noch nicht genügend -enträthselter Bericht hat sich in der „<span class="antiqua">Copia</span> der Newen Zeytung -aus Presillg Landt“, einem Flugblatt, erhalten, welches um 1508 oder -1509 in Augsburg gedruckt und offenbar aus dem Italienischen ins -Deutsche übertragen ist. Die Zeitung erzählt von einer Fahrt zweier -portugiesischer Schiffe nach Brasilien (Presillg Landt) und von der -Auffindung einer Straße etwa unter dem 40. Grade s. Br. Wann die Fahrt -gemacht und wer die Expedition geleitet, ist nicht gesagt. Sie hat sich -bisher auch mit keiner bekannten Unternehmung identificiren lassen, -so daß arge Entstellung des Thatbestandes und selbst Fiction nicht -ausgeschlossen ist. Aber Thatsache ist, daß die Zeitung um 1509 in -Deutschland und Italien bekannt war und daß sie aus Portugal stammte. -Daß sie zum Entwurf von Weltbildern benutzt wurde, werden wir weiterhin -zeigen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_457_457" id="Fussnote_457_457"></a><a href="#FNAnker_457_457"><span class="label">[457]</span></a> <em class="gesperrt">Pigafetta</em> in <span class="antiqua">Ramusio Navigationi et Viaggi -I</span>, 354<sup>b</sup> und <em class="gesperrt">Herrera</em>, <span class="antiqua">Decad. II. lib. -II. cp.</span> 19. Vgl. auch <em class="gesperrt">Wieser</em>, Magalhãesstraße. -Innsbruck 1881. S. 49.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_458_458" id="Fussnote_458_458"></a><a href="#FNAnker_458_458"><span class="label">[458]</span></a> Veröffentlicht von <em class="gesperrt">R. H. Major</em> in der -<span class="antiqua">Archaeologia, Vol. XL</span>. London 1865. <em class="gesperrt">Wieser</em>, -Magalhãesstraße S. 19 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_459_459" id="Fussnote_459_459"></a><a href="#FNAnker_459_459"><span class="label">[459]</span></a> Auf zwei Globen aus dem Jahre 1515, welche sich in -Frankfurt und Weimar befinden. <em class="gesperrt">Wieser</em>, Magalhãesstraße S. 19 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_460_460" id="Fussnote_460_460"></a><a href="#FNAnker_460_460"><span class="label">[460]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, 134.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_461_461" id="Fussnote_461_461"></a><a href="#FNAnker_461_461"><span class="label">[461]</span></a> Die verstümmelte Namensform Magellan ist eine -französische Abkürzung der spanischen Umformung des portugiesischen -Namens und daher zu verwerfen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_462_462" id="Fussnote_462_462"></a><a href="#FNAnker_462_462"><span class="label">[462]</span></a> <span class="antiqua">Vida e viagens de Fernão de Magalhães por -Diego de Barros Arana, traducção de Hespanhol de Fernando de -Magalhães-Villas-Boas. Lisboa</span> 1881, <span class="antiqua">p.</span> 11, 145, 178.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_463_463" id="Fussnote_463_463"></a><a href="#FNAnker_463_463"><span class="label">[463]</span></a> <em class="gesperrt">Martyr</em>, <span class="antiqua">Epist.</span> 630, <span class="antiqua">duobus transfugis -Portugalensibus a suo rege discedentibus</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_464_464" id="Fussnote_464_464"></a><a href="#FNAnker_464_464"><span class="label">[464]</span></a> <em class="gesperrt">Faria e Sousa</em>, <span class="antiqua">Comentarios a la Lusiada de -Camoens II, coment. á octava 140 do canto X</span>. — Barbosa, <span class="antiqua">Bibl. -Lusitana II, p.</span> 31 citirt in <span class="antiqua">Barros Arana, Vida e viagens -de F. Magalh. p.</span> 23.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_465_465" id="Fussnote_465_465"></a><a href="#FNAnker_465_465"><span class="label">[465]</span></a> <em class="gesperrt">P. Martyr.</em> <span class="antiqua">Epist.</span> 630. <span class="antiqua">Si fauste -res successerit, Orientalibus et Portugallo regi commercia -intercipiemus.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_466_466" id="Fussnote_466_466"></a><a href="#FNAnker_466_466"><span class="label">[466]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 116–122. <em class="gesperrt">Magalhães</em> -berechnete die Entfernungen in folgender Weise: Die Insel S. Antonio -unter den Capverden 22° östl. von der Demarcationslinie, Cabo S. -Augustin 20° östl., C. Sa. Maria am Laplata 5° östl. Malaka 17½° -westlich der andern Demarcationslinie, welche durch den großen -Ocean lief, und die Molukken theils 2½°, theils 4° östlich jener -Grenzlinie. (Navarrete IV, 188.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_467_467" id="Fussnote_467_467"></a><a href="#FNAnker_467_467"><span class="label">[467]</span></a> Nach der von <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 12 ff. gegebenen Liste -befanden sich unter der Mannschaft 20 Portugiesen, 23 Italiener, meist -Genuesen, 10 Franzosen, 4 Flamländer, 1 Deutscher, 1 Engländer.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_468_468" id="Fussnote_468_468"></a><a href="#FNAnker_468_468"><span class="label">[468]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 202. 203. An der Küste von -Brasilien trat Alvaro de la Mezquita an seine Stelle als Capitän.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_469_469" id="Fussnote_469_469"></a><a href="#FNAnker_469_469"><span class="label">[469]</span></a> <span class="antiqua">Diario ó derrotero del viage de Magallanes, escrito -por Francisco Albo</span> in <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 209–247. <span class="antiqua">Una montaña -hecha un sombrero p.</span> 211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_470_470" id="Fussnote_470_470"></a><a href="#FNAnker_470_470"><span class="label">[470]</span></a> Vielleicht der Puerto deseado nahe am 48° s. Br.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_471_471" id="Fussnote_471_471"></a><a href="#FNAnker_471_471"><span class="label">[471]</span></a> <em class="gesperrt">Gomara</em>, <span class="antiqua">la historia general de las Indias</span>. -Anvers 1554. <span class="antiqua">p.</span> 127–128.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_472_472" id="Fussnote_472_472"></a><a href="#FNAnker_472_472"><span class="label">[472]</span></a> Brief des Secretärs Maximilian Transilvanus an -den Cardinal von Salzburg. In der spanischen Ueberarbeitung bei -<em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 260. 261.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_473_473" id="Fussnote_473_473"></a><a href="#FNAnker_473_473"><span class="label">[473]</span></a> <em class="gesperrt">G. Correa</em>, <span class="antiqua">Lendas II ep XIV p.</span> -625 behauptet, Magalhães habe das Kabeltau des Antonio heimlich -durchschneiden lassen, um das Schiff zum Abtreiben zu bringen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_474_474" id="Fussnote_474_474"></a><a href="#FNAnker_474_474"><span class="label">[474]</span></a> <span class="antiqua">Carta del Contador Juan Lopez de Recalde al Obispo de -Burgos</span> in <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 201–208.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_475_475" id="Fussnote_475_475"></a><a href="#FNAnker_475_475"><span class="label">[475]</span></a> Eines Tages, erzählt Pigafetta, kam ein Riese zu uns an -den Strand, der so groß war, daß wir mit dem Kopf ihm nur bis an den -Gürtel reichten. (Anton Pigafetta’s Reise um die Welt. Gotha 1801. S. -30.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_476_476" id="Fussnote_476_476"></a><a href="#FNAnker_476_476"><span class="label">[476]</span></a> Louis de Bougainville, welcher von 1766–1769 die erste -französische Erdumsegelung ausführte, gibt die Größe der Patagonen zu 5 -Fuß 5 Zoll bis 5 Fuß 10 Zoll an. <span class="antiqua">Vogaye autour du monde.</span> Paris -1771. Cap. 4.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_477_477" id="Fussnote_477_477"></a><a href="#FNAnker_477_477"><span class="label">[477]</span></a> Nach P. P. King’s Schilderung in <span class="antiqua">Journal of the royal -geogr. soc. vol. I p.</span> 165.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_478_478" id="Fussnote_478_478"></a><a href="#FNAnker_478_478"><span class="label">[478]</span></a> Die Reisen der deutschen Kriegsflotte im Jahre 1878, in -der Allgemeinen Zeitung. 1879. S. 818. 819.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_479_479" id="Fussnote_479_479"></a><a href="#FNAnker_479_479"><span class="label">[479]</span></a> Dasselbe hat sich abschriftlich in dem Tagebuch des -Astronomen Andres de San Martin, welcher während der Fahrt starb, -erhalten und ist von João de Barros <span class="antiqua">Dec. III. lib. V.</span> -<span class="antiqua">cp.</span> 9 mitgetheilt. Vgl. <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, <span class="antiqua">p.</span> 45–49.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_480_480" id="Fussnote_480_480"></a><a href="#FNAnker_480_480"><span class="label">[480]</span></a> <em class="gesperrt">Max. Transilvanus</em> § 9. <em class="gesperrt">Navarrete</em> III, -<span class="antiqua">p.</span> 266.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_481_481" id="Fussnote_481_481"></a><a href="#FNAnker_481_481"><span class="label">[481]</span></a> Jetzt Cap Pillar, Pfeilercap nach seiner Gestaltung -genannt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_482_482" id="Fussnote_482_482"></a><a href="#FNAnker_482_482"><span class="label">[482]</span></a> Loaysa brauchte 1526 zur Fahrt durch die Straße vier -Monate, Drake 1577 nur 17 Tage. Von den Holländern und Engländern, -welche am Schluß des 16. Jahrhunderts die Durchfahrt versuchten, kehrte -die Hälfte wieder um. Byron brauchte 1765 51 Tage, Wallis 1767 116 -Tage, Bougainville 1768 60 Tage. Alle diese Seefahrer besaßen Karten, -Magalhães nicht.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_483_483" id="Fussnote_483_483"></a><a href="#FNAnker_483_483"><span class="label">[483]</span></a> Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">C. Meinicke</em> -(Petermann’s Mittheilungen 1868. S. 376) ist S. Pablo identisch mit -Pukapuka (138° 48′ w. v. Gr.), und die Haifischinsel die Insel Flint -(151° 48′ w. v. Gr.).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_484_484" id="Fussnote_484_484"></a><a href="#FNAnker_484_484"><span class="label">[484]</span></a> <em class="gesperrt">Francisco Albo</em> in <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 219.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_485_485" id="Fussnote_485_485"></a><a href="#FNAnker_485_485"><span class="label">[485]</span></a> Die Angaben schwanken zwischen 1800 und 4000 Kriegern.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_486_486" id="Fussnote_486_486"></a><a href="#FNAnker_486_486"><span class="label">[486]</span></a> Pigafetta schreibt diese rasche Freundschaft der -Eingebung eines Traumes, Transilvanus der Sternkunde des Fürsten zu. Im -Grunde war es nur die Handelseifersucht gegen Ternate.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_487_487" id="Fussnote_487_487"></a><a href="#FNAnker_487_487"><span class="label">[487]</span></a> Pigafetta gibt folgende Preisliste. Für ein Bahar (40 -Pfund) Nelken gab man, je nach Wahl, einen Posten der folgenden Waaren: -10 Ellen feines, oder 15 Ellen mittelfeines rothes Tuch, 15 Beile, -35 Glasschalen, 25 Ellen feine Leinwand, 150 Messer, 50 Scheeren, 40 -Mützen, 1 Ctr. Bronze. Der genuesische Pilot bemerkt, daß der Werth des -Tuches, welches man für 1 Bahar gab, in Spanien 14 Ducaten betragen -habe.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_488_488" id="Fussnote_488_488"></a><a href="#FNAnker_488_488"><span class="label">[488]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> IV, 96 zählt sie sämmtlich mit Namen -auf.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_489_489" id="Fussnote_489_489"></a><a href="#FNAnker_489_489"><span class="label">[489]</span></a> Die Berechnung, welche <em class="gesperrt">Peschel</em> (Zeitalter der -Entdeckungen S. 645, zweite Auflage S. 507) aufstellt, wonach man für -533 Centner auf den Molukken etwa 213 Ducaten bezahlt und auf dem -Markte von London mehr als 100,000 Ducaten erhielt, ist nach <em class="gesperrt">P. -A. Tiele</em> (<span class="antiqua">De Europeërs in den maleischen Archipel</span> Bl. 60) -unrichtig, weil 1) der Einkaufspreis höher war als 213 Ducaten, 2) der -Preis in Spanien viel niedriger stand als in England und 3) auch der -für England angenommene Marktwerth viel zu hoch gegriffen ist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_490_490" id="Fussnote_490_490"></a><a href="#FNAnker_490_490"><span class="label">[490]</span></a> <em class="gesperrt">San Antonio</em>, die westlichste der Capverden liegt -etwa 25° w. v. Gr. und Tidor 127½° ö. v. Gr. Der Abstand beträgt in -Wirklichkeit 152½ Grad.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_491_491" id="Fussnote_491_491"></a><a href="#FNAnker_491_491"><span class="label">[491]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> V, 1–439, besonders wichtig ist die -Relacion Urdaneta’s, <span class="antiqua">p.</span> 401–439.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_492_492" id="Fussnote_492_492"></a><a href="#FNAnker_492_492"><span class="label">[492]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> V, 103.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_493_493" id="Fussnote_493_493"></a><a href="#FNAnker_493_493"><span class="label">[493]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> V, 183.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_494_494" id="Fussnote_494_494"></a><a href="#FNAnker_494_494"><span class="label">[494]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> V, 95–114. 440–498, <span class="antiqua">Colec. d. doc. -inedit. rel. al descubr. V</span>, 68–97.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_495_495" id="Fussnote_495_495"></a><a href="#FNAnker_495_495"><span class="label">[495]</span></a> Wahrscheinlich die in der westl. Gruppe gelegenen Inseln -Fais und Ulithi, vgl. <em class="gesperrt">Meinicke</em>, Die Inseln des stillen Oceans -II, 359.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_496_496" id="Fussnote_496_496"></a><a href="#FNAnker_496_496"><span class="label">[496]</span></a> <em class="gesperrt">Navarrete</em> V, 401–429.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_497_497" id="Fussnote_497_497"></a><a href="#FNAnker_497_497"><span class="label">[497]</span></a> Wie ängstlich die Portugiesen darauf bedacht waren, den -Weg zu den Gewürzländern geheim zu halten, geht auch daraus hervor, daß -noch 1531 der Italiener Leone Pancaldo, welcher auf dem Flaggschiffe -Magalhães’ als Matrose die Reise mitgemacht und glücklich zurückgekehrt -war, in seiner Vaterstadt Savona vor einem öffentlichen Notar und einem -Agenten des Königs von Portugal gegen eine Summe von 2000 Ducaten sich -verpflichtete, keinem Menschen den Weg nach den Molukken zu zeigen und -keine Karte davon zu zeichnen. <em class="gesperrt">C. B. Belloro</em>, <span class="antiqua">Elogio di Leone -Pancaldo</span>, citirt in <em class="gesperrt">Harrisse</em>, <span class="antiqua">Jean et Sebastian Cabot p. -73</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_498_498" id="Fussnote_498_498"></a><a href="#FNAnker_498_498"><span class="label">[498]</span></a> <span class="antiqua">Col. d. doc. ined. relat. al descubr. V</span>, 117–209.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_499_499" id="Fussnote_499_499"></a><a href="#FNAnker_499_499"><span class="label">[499]</span></a> Lamaliork in den westlichen Carolinen, zuerst 1526 von -Diego de Rocha gesehen und Sequeira genannt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_500_500" id="Fussnote_500_500"></a><a href="#FNAnker_500_500"><span class="label">[500]</span></a> Vermuthlich ging in diesen Gegenden Grijalva mit seinem -Schiff zu Grunde. <span class="antiqua">En estas islas se perdió un navio del Marquis de -Valle (Cortes), en que venia por Capitan Grijalva, el cual mataron -los marineros. Col. d. doc. inedit. rel. al descubr. V, p.</span> 154. -<span class="antiqua">Herrera. Dec. III. lib. IX. cp.</span> 10.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_501_501" id="Fussnote_501_501"></a><a href="#FNAnker_501_501"><span class="label">[501]</span></a> Ueber diese wichtige Reise finden sich zwei -Originalberichte in der <span class="antiqua">Colec. d. doc. ined. rel. al descubr. V</span>, -<span class="antiqua">p.</span> 210–211 und <span class="antiqua">p.</span> 221–286. Der letztere, leider ohne -Schluß, ist, wie auf <span class="antiqua">p.</span> 240 ersichtlich ist, von Mendaña selbst -verfaßt. Außerdem ein Bericht des Piloten Gallego in Justo Zaragoza, -<span class="antiqua">historia del descubr. de las regiones Austriales hecho por el -general Fernandez de Quiros. Tom. I. p.</span> 1–22. Madrid -1876, besonders werthvoll, weil er genauere Mittheilungen über den -Abschluß der Expedition giebt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_502_502" id="Fussnote_502_502"></a><a href="#FNAnker_502_502"><span class="label">[502]</span></a> <em class="gesperrt">C. Meinicke</em>, Die Inseln des stillen Oceans, -Leipzig 1876. Bd. II. S. 425 u. 133 vermuthet, es sei die Insel Nui in -der Ellicegruppe (7° 15′ s. Br.) gemeint.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_503_503" id="Fussnote_503_503"></a><a href="#FNAnker_503_503"><span class="label">[503]</span></a> Mendaña nennt sie sogar heller als die Indianer Peru’s. -<span class="antiqua">Colec. d. doc. l. c. p.</span> 244.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_504_504" id="Fussnote_504_504"></a><a href="#FNAnker_504_504"><span class="label">[504]</span></a> <em class="gesperrt">J. Zaragoza</em>, <span class="antiqua">Historia del descubr. de las -regiones Austriales hecho por el general Pedro Fernandez de Quiros</span>. -<span class="antiqua">T. I. p.</span> 19–22. Madrid 1876.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_505_505" id="Fussnote_505_505"></a><a href="#FNAnker_505_505"><span class="label">[505]</span></a> <em class="gesperrt">J. Zaragoza</em> <span class="antiqua">l. c. I</span>, 190 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_506_506" id="Fussnote_506_506"></a><a href="#FNAnker_506_506"><span class="label">[506]</span></a> <em class="gesperrt">J. Zaragoza</em> <span class="antiqua">l. c. II</span>, 218 und <span class="antiqua">Colec. d. -doc. ined. rel. al descubr. V</span>, 497–506.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_507_507" id="Fussnote_507_507"></a><a href="#FNAnker_507_507"><span class="label">[507]</span></a> <em class="gesperrt">J. Zaragoza</em> II, 190 u. <span class="antiqua">Colec. de doc. V, 517 -todo le que dice Pero Fernandez de Quiros, es mentiva y falsedad</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_508_508" id="Fussnote_508_508"></a><a href="#FNAnker_508_508"><span class="label">[508]</span></a> <em class="gesperrt">H. Harrisse</em>, <span class="antiqua">Jean et Sebastien Cabot</span>. -Paris 1882. Ein grundlegendes Werk, welchem wir in diesem Abschnitte -folgen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_509_509" id="Fussnote_509_509"></a><a href="#FNAnker_509_509"><span class="label">[509]</span></a> <em class="gesperrt">P. Amat di S. Filippo</em>, <span class="antiqua">Studi biografici e -bibliografici sulla storia della geografia in Italia. Vol. -I</span>, 200. <span class="antiqua">Roma</span> 1882.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_510_510" id="Fussnote_510_510"></a><a href="#FNAnker_510_510"><span class="label">[510]</span></a> <span class="antiqua">Los de Bristol ha siete annos que cada anno un armado -dos, tres, cuatro caravelas para ir a buscar la isla del Brasil y -las siete ciudades con la fantasia deste Genoves.</span> Der Brief ist -vollständig abgedruckt bei Harrisse <span class="antiqua">l. c. p.</span> 329. Ueber -die Lage der Insel der sieben Städte und über Brasil vgl. oben <a href="#Seite_21">S. 21</a>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_511_511" id="Fussnote_511_511"></a><a href="#FNAnker_511_511"><span class="label">[511]</span></a> Da alle drei Söhne in dem Patent mit aufgeführt sind, -müssen sie 1496 bereits volljährig, d. h. nach engl. Rechte wenigstens -21 Jahre alt gewesen sein. Danach darf das Geburtsjahr des jüngsten, -Sancto, nicht nach 1474 gesetzt werden; Sebastian, der bedeutendste der -drei Söhne, welcher später die Pläne des Vaters weiter verfolgte, war -älter, vielleicht 1472 geboren. Zu dieser Zeit muß der Vater bereits in -Venedig ansässig gewesen sein. Sebastian Cabotto ist seiner Geburt nach -Venetianer.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_512_512" id="Fussnote_512_512"></a><a href="#FNAnker_512_512"><span class="label">[512]</span></a> Die letztere Annahme (1494) wird scheinbar durch eine -Inschrift Sebastian Cabotto’s auf seiner 1544 entworfenen Weltkarte zur -allein giltigen erhoben, wonach die Entdeckung 1494 stattgefunden haben -soll. Allein es wird gezeigt werden, daß in der Jahreszahl selbst ein -Fehler liegt. Die Inschrift, welche auf jener Weltkarte italienisch und -lateinisch eingetragen ist, lautet in deutscher Uebersetzung: Dieses -Land (nämlich Labrador) wurde von dem Venetianer Jean Caboto und seinem -Sohne Sebastian Caboto entdeckt im Jahr der Geburt unseres Heilandes -Jesu Christi <span class="antiqua">M.CCCC XCIIII</span> den 24. Juni morgens; sie gaben ihm -den Namen <span class="antiqua">„prima terra vista“</span> und einer großen Insel in der -Nähe des erwähnten Landes den Namen St. Johannes, weil das Land am -St. Johannistage entdeckt wurde. Harrisse (S. 52–60) weist mit Recht -darauf hin, daß die Zahl 1494 auf einem Irrthum beruhe, daß die Ziffern -vielmehr <span class="antiqua">M.CCCC XCVII</span> lauten sollten. Zunächst enthält schon die -latein. Inschrift einen Druckfehler, insofern als Tag der Entdeckung -der 24. <em class="gesperrt">Julii</em>, statt <em class="gesperrt">Junii</em> genannt ist. Es kann sich also -auch in der Angabe der Jahreszahl ein Fehler eingeschlichen haben. Von -der Weltkarte scheint es mehrere Ausgaben gegeben zu haben. Richard -Hakluyt citirt dieselbe im dritten Bande seiner Voyages (London 1600) -S. 6 und bemerkt, indem er die Inschrift mittheilt: ein Exemplar -finde sich in der Privatgallerie der Königin zu Westminster, andere -Exemplare seien noch in alten Handelshäusern zu sehen. Er sah also -mehrere Exemplare und liest auf denselben: „Ano Domini 1497.“ Innere -Gründe treten hinzu, um diese Zahl für die allein richtige zu halten. -— Zunächst meldete Ruy Gonzales de Puebla am 21. Januar 1496 nach -Spanien, daß jemand dem englischen Könige ein ähnliches Unternehmen -wie Columbus bezüglich einer Fahrt nach Indien vorgeschlagen habe. -Bereits neun Wochen darauf ließen Ferdinand und Isabella dem König -Heinrich von England mittheilen, daß die von England beabsichtigten -Fahrten gegen die Privilegien der spanischen und portugiesischen Krone -verstießen, wie sie durch den Theilungsvertrag von 1494 sanctionirt -waren. Aus der Sprache dieses Briefes geht hervor, daß das berührte -Project etwas Neues war, dessen Ausführung man hoffte, noch hindern -zu können, ähnlich wie später der König von Portugal bezüglich der -Expedition Magalhães’ in Spanien Vorstellungen machte. Wenn nun Cabotto -schon zwei Jahre vorher seine Entdeckung ausgeführt hätte, würde eine -nachfolgende Schiffsausrüstung kaum von solchem Belang erschienen -sein, um daran einen diplomatischen Schriftenwechsel zu knüpfen. Aber -schon ehe der Brief der spanischen Majestäten einlief, hatte Heinrich -VII. durch Erlaß vom 5. März 1496 den Plan Cabotto’s angenommen und -genehmigt, daß er nach Westen, Osten und Norden mit fünf Schiffen -unter englischer Flagge Inseln und Länder der Heiden aufsuchen könne. -(<span class="antiqua">„ad inveniendum, discooperiendum et investigandum quascunque -insulas, patrias, regiones sive provincias gentilium et infidelium -in quacunque parte mundi positas, quae christianis omnibus ante haec -tempora fuerunt incognitae.“</span>) Die Fassung des Patents deutet sicher -nur auf geplante, aber nicht auf schon gemachte Entdeckungen hin. — -Ferner ist erst seit der zweiten Hälfte des Jahres 1497 überhaupt von -bereits erfolgten Entdeckungen die Rede. Am 10. August 1497 erhielt -Cabotto nach seiner Rückkehr von der Küste Amerika’s eine königliche -Belohnung von zehn Pfund Sterling. Am 3. Febr. 1498 schreibt der -Kanzler des Königs an Cabotto, daß dieser ermächtigt werde, nach dem -Lande und den Inseln, die er kürzlich entdeckt, (<span class="antiqua">„the Londe and Iles -of late founde by the seid John“</span>, Harrisse, <span class="antiqua">p.</span> 317) Schiffe -zu führen. Und endlich berichtet auch Pedro de Ayala am 25. Juli 1498, -daß im vorhergehenden Jahre, also 1497, die Leute von Bristol Land im -Westen aufgefunden hätten. So weist alles auf das Jahr 1497 hin. Nur -von diesem Jahre kennen wir auch die Resultate.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_513_513" id="Fussnote_513_513"></a><a href="#FNAnker_513_513"><span class="label">[513]</span></a> Die Inschrift lautet: <span class="antiqua">Tierra del labrador. Esta -tierra descubrieron los Ingleses.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_514_514" id="Fussnote_514_514"></a><a href="#FNAnker_514_514"><span class="label">[514]</span></a> Vgl. Harrisse, S. 325.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_515_515" id="Fussnote_515_515"></a><a href="#FNAnker_515_515"><span class="label">[515]</span></a> <em class="gesperrt">R. Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Voyages III, p.</span> 9.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_516_516" id="Fussnote_516_516"></a><a href="#FNAnker_516_516"><span class="label">[516]</span></a> Die darüber geführte Correspondenz findet sich in -Harrisse, S. 344–54.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_517_517" id="Fussnote_517_517"></a><a href="#FNAnker_517_517"><span class="label">[517]</span></a> <span class="antiqua">Mia intenzione era di pervenire in questa navigazione -al Cathaj allo estremo oriente dell’ Asia.</span> (<em class="gesperrt">Asher</em>, <span class="antiqua">Henry -Hudson the navigator, London</span> 1860. <span class="antiqua">p.</span> 224).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_518_518" id="Fussnote_518_518"></a><a href="#FNAnker_518_518"><span class="label">[518]</span></a> Verrazzano’s Originalbericht, in italienischer Sprache, -ist zuerst vollständig veröffentlicht in <em class="gesperrt">Asher</em>, <span class="antiqua">Henry Hudson, -the navigator, London</span> 1860. <span class="antiqua">p.</span> 199–288. (Hakluyt -Soc.).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_519_519" id="Fussnote_519_519"></a><a href="#FNAnker_519_519"><span class="label">[519]</span></a> Vgl. -<a href="#Seite_472">S. 472.</a> <a href="#Seite_473">473.</a></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_520_520" id="Fussnote_520_520"></a><a href="#FNAnker_520_520"><span class="label">[520]</span></a> Die betreffenden Inschriften auf der Karte Diego -Ribeiro’s lauten: <span class="antiqua">Tierra de Estebã Gomez: la qual descubrio por -mandado de su magt. el añ de 1525. ay en ella muchos arboles y fructos -de los de España y muchos rodovallos (?) y salmones y sollos</span> -(Hechte). <span class="antiqua">no han alla lo oro. En toda esta costa del norte son los -Indios de mayor estatura que no los de sancto Domingo, ni de las otras -islas, mantienen se de mais y pescado, que ay en mucha abundancia y -caça de muchos venados y de otras animalias. vistense de pelijas de -lobos y de rapossos y zorras</span> (Füchse).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_521_521" id="Fussnote_521_521"></a><a href="#FNAnker_521_521"><span class="label">[521]</span></a> <span class="antiqua">Navigation par le Capitaine Jacques Cartier aux iles -de Canada, ed. par d’Avezac.</span> Paris 1863.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_522_522" id="Fussnote_522_522"></a><a href="#FNAnker_522_522"><span class="label">[522]</span></a> Die Resultate der beiden ersten Entdeckungsfahrten sind -auf einer Karte niedergelegt, welche <em class="gesperrt">Jomard</em> in seiner Sammlung -mittelalterlicher Karten (<span class="antiqua">Monuments de la géogr.</span>) unter dem -Titel: Karte eines Piloten Heinrichs II. von Frankreich veröffentlicht -hat. Es kann aber gegenwärtig als erwiesen betrachtet werden (vgl. -<span class="antiqua">Bull. de l’acad. d. inscript. et belles lettres. Août</span> -1867), daß die Karte noch unter Franz I. im Jahre 1542 entworfen ist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_523_523" id="Fussnote_523_523"></a><a href="#FNAnker_523_523"><span class="label">[523]</span></a> <em class="gesperrt">Francis Parkman</em>, Die Pionniere Frankreich’s in -der neuen Welt. Deutsch v. Fr. Kapp. S. 30. Stuttgart 1875.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_524_524" id="Fussnote_524_524"></a><a href="#FNAnker_524_524"><span class="label">[524]</span></a> Auf -<a href="#Seite_27">S. 27</a> befindet sich eine verkleinerte Copie -derselben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_525_525" id="Fussnote_525_525"></a><a href="#FNAnker_525_525"><span class="label">[525]</span></a> <em class="gesperrt">Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Voyages III</span>, 58.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_526_526" id="Fussnote_526_526"></a><a href="#FNAnker_526_526"><span class="label">[526]</span></a> <em class="gesperrt">A. H. Markham</em>, <span class="antiqua">The Voyages and workes of John -Davis the navigator</span>. London, 1880. (Hakluyt <span class="antiqua">Soc. Vol.</span> 59.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_527_527" id="Fussnote_527_527"></a><a href="#FNAnker_527_527"><span class="label">[527]</span></a> <em class="gesperrt">A. H. Markham</em>, <span class="antiqua">John Davis p.</span> 208.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_528_528" id="Fussnote_528_528"></a><a href="#FNAnker_528_528"><span class="label">[528]</span></a> Nach Davis’ Bestimmung; Hope Sanderson liegt aber 72° -42′ n. Br.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_529_529" id="Fussnote_529_529"></a><a href="#FNAnker_529_529"><span class="label">[529]</span></a> <span class="antiqua">L. c. p. 47 this day and night we passed by a very -great gulfe.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_530_530" id="Fussnote_530_530"></a><a href="#FNAnker_530_530"><span class="label">[530]</span></a> <span class="antiqua">The Worldes hydrographical discription.</span> London -1595, wieder abgedruckt in <em class="gesperrt">A. H. Markham</em>, <span class="antiqua">John Davis</span> -<span class="antiqua">p.</span> 192–238.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_531_531" id="Fussnote_531_531"></a><a href="#FNAnker_531_531"><span class="label">[531]</span></a> Davis machte 1591 bis 1593 unter Thomas Cavendish die -Expedition nach der Magalhãesstraße und in der Zeit von 1598 bis 1604 -mehrere Reisen nach Indien. Während der letzten Fahrt wurde er an der -Ostküste von Malaka von asiatischen Piraten meuchlings überfallen und -am 29. oder 30. December 1605 erschlagen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_532_532" id="Fussnote_532_532"></a><a href="#FNAnker_532_532"><span class="label">[532]</span></a> <em class="gesperrt">G. M. Asher</em>, <span class="antiqua">Henry Hudson, the navigator</span>. -London 1860 (Hakluyt <span class="antiqua">Soc. Vol.</span> 27).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_533_533" id="Fussnote_533_533"></a><a href="#FNAnker_533_533"><span class="label">[533]</span></a> Prickett schreibt in seinem Tagebuche (<em class="gesperrt">Asher</em>, -<span class="antiqua">Hudson. p.</span> 111): <span class="antiqua">About the middle of the moneth of -November dyed John Williams, our gunner: <em class="gesperrt">God pardon the masters -uncharitable dealing with this man</em></span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_534_534" id="Fussnote_534_534"></a><a href="#FNAnker_534_534"><span class="label">[534]</span></a> <em class="gesperrt">Clements R. Markham</em>, <span class="antiqua">The voyages of William -Baffin</span>. London 1881 (Hakluyt <span class="antiqua">Soc.</span>).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_535_535" id="Fussnote_535_535"></a><a href="#FNAnker_535_535"><span class="label">[535]</span></a> Im Jahre 1821 hat Edward Parry dieselben Gebiete -erforscht; seine Beobachtungen über die Flut stimmen mit Baffin -überein, die Breitenbestimmungen Baffins fand er nahezu richtig. -(<span class="antiqua">Second voyage</span>, London 1824, <span class="antiqua">p.</span> 33.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_536_536" id="Fussnote_536_536"></a><a href="#FNAnker_536_536"><span class="label">[536]</span></a> Nur Parry, 1819, und Nares, 1875, haben es mit Erfolg -ausgeführt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_537_537" id="Fussnote_537_537"></a><a href="#FNAnker_537_537"><span class="label">[537]</span></a> Es scheint, als ob Baffin später an der Westseite, also -von Asien her durch den großen Ocean, den Ausgang der Nordwestpassage -zu finden hoffte. Um nach dieser Richtung seinem Lieblingsplan noch -einmal näher treten zu können, ging er in den Dienst der ostindischen -Compagnie, mit deren Unterstützung er sein Vorhaben ausführen zu können -hoffte. Nachdem er schon eine Fahrt nach Indien gemacht, wurde ihm -der Auftrag ertheilt, in Verbindung mit dem Schah Abbas von Persien -die Portugiesen aus Ormuz zu vertreiben. Hier wurde er während der -Belagerung der portugiesischen Citadelle am 23. Januar 1622 durch einen -Kanonenschuß getödtet.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_538_538" id="Fussnote_538_538"></a><a href="#FNAnker_538_538"><span class="label">[538]</span></a> Im Ptolemäus, Ulm 1482. Die Karte von Nordeuropa ist in -getreuer Copie veröffentlicht in Nordenskiöld, Die Umsegelung Asiens -und Europa’s auf der Vega. I, S. 48.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_539_539" id="Fussnote_539_539"></a><a href="#FNAnker_539_539"><span class="label">[539]</span></a> Ebenda.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_540_540" id="Fussnote_540_540"></a><a href="#FNAnker_540_540"><span class="label">[540]</span></a> <span class="antiqua">Rerum Moscoviticarum commentarii.</span> Abtheil. II. -<span class="antiqua">Fol. XXVIII.</span> Wien 1549. <span class="antiqua">Navigatio per mare glaciale.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_541_541" id="Fussnote_541_541"></a><a href="#FNAnker_541_541"><span class="label">[541]</span></a> <em class="gesperrt">Gomara</em>, <span class="antiqua">Historia general. Anvers</span> -1554. <span class="antiqua">Fol.</span> 16 <span class="antiqua">verso. Agora ay mucha noticia y -esperiencia, como se nauega de Noruega hasta passar por debaxo el mesmo -Norte.</span> — <span class="antiqua">Fol.</span> 10. <span class="antiqua">Y continuar la costa hazia el Sur la -buelta de la China. Olao Godo me contaua muchas cosas de aquella tierra -y navegacion.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_542_542" id="Fussnote_542_542"></a><a href="#FNAnker_542_542"><span class="label">[542]</span></a> In <span class="antiqua">Historia de gentium septentrionalium variis -conditionibus</span>. Basel 1567.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_543_543" id="Fussnote_543_543"></a><a href="#FNAnker_543_543"><span class="label">[543]</span></a> <em class="gesperrt">Verrazzano</em> schreibt in seinem (oben -<a href="#Seite_506">S. 506</a>) -erwähnten Brief an Franz I. von Frankreich: <span class="antiqua">Lo estremo della -Europa, che sono i limiti di Norvegia, che stanno in gradi 71</span>. -(<em class="gesperrt">Asher</em>, <span class="antiqua">Hudson the navigator. p.</span> 226.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_544_544" id="Fussnote_544_544"></a><a href="#FNAnker_544_544"><span class="label">[544]</span></a> <em class="gesperrt">Nordenskiöld</em>, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. -I, 317.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_545_545" id="Fussnote_545_545"></a><a href="#FNAnker_545_545"><span class="label">[545]</span></a> Der Reisebericht in <em class="gesperrt">Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Principal -Navigations.</span> London 1598. <span class="antiqua">p.</span> 234 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_546_546" id="Fussnote_546_546"></a><a href="#FNAnker_546_546"><span class="label">[546]</span></a> <em class="gesperrt">Nordenskiöld</em>, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. -I, 58.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_547_547" id="Fussnote_547_547"></a><a href="#FNAnker_547_547"><span class="label">[547]</span></a> <em class="gesperrt">Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Principal Navigations</span>. London -1598. <span class="antiqua">p.</span> 274.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_548_548" id="Fussnote_548_548"></a><a href="#FNAnker_548_548"><span class="label">[548]</span></a> <em class="gesperrt">Hakluyt</em>, <span class="antiqua">Principal Navigations</span>. London -1598. <span class="antiqua">p.</span> 445.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_549_549" id="Fussnote_549_549"></a><a href="#FNAnker_549_549"><span class="label">[549]</span></a> <em class="gesperrt">Nordenskiöld</em>, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. -I, 203.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_550_550" id="Fussnote_550_550"></a><a href="#FNAnker_550_550"><span class="label">[550]</span></a> <span class="antiqua">A chronological history of the voyages into the -arctic regions.</span> London 1818. <span class="antiqua">p.</span> 99.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_551_551" id="Fussnote_551_551"></a><a href="#FNAnker_551_551"><span class="label">[551]</span></a> <em class="gesperrt">J. K. J. de Jonge</em>, <span class="antiqua">De opkomst van het -Nederlandsch Gezag in Oost-Indie</span>. s’Gravenhage 1862. <span class="antiqua">p.</span> 10. -<span class="antiqua">S. Müller, Geschiedenis der noordsche compagnie</span>. Utrecht -1874. <span class="antiqua">p.</span> 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_552_552" id="Fussnote_552_552"></a><a href="#FNAnker_552_552"><span class="label">[552]</span></a> John Balaks Brief ist veröffentlicht in <em class="gesperrt">Hakluyt</em>. -I, 509. London 1598.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_553_553" id="Fussnote_553_553"></a><a href="#FNAnker_553_553"><span class="label">[553]</span></a> <em class="gesperrt">De Jonge</em>, <span class="antiqua">De opkomst. p.</span> 167.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_554_554" id="Fussnote_554_554"></a><a href="#FNAnker_554_554"><span class="label">[554]</span></a> Mercator hatte auf seine Polarkarte die Inschrift -gesetzt: <span class="antiqua">Euripus ob celerem fluxum nunquam congelatur</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_555_555" id="Fussnote_555_555"></a><a href="#FNAnker_555_555"><span class="label">[555]</span></a> <em class="gesperrt">S. Müller</em>, <span class="antiqua">Geschiedenis. p.</span> 39. -<span class="antiqua">Resolutien der Staten-Generaal. 9. mei 1595</span>. ebenda <span class="antiqua">p.</span> -358–60.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_556_556" id="Fussnote_556_556"></a><a href="#FNAnker_556_556"><span class="label">[556]</span></a> <em class="gesperrt">Linschoten</em>, <span class="antiqua">Voyasie ofte schip-vaert by -Noorden om. Amsterdam 1598</span>. Derselbe, <span class="antiqua">Navigatio in orientalem -sive Lusitanorum Indiam. Hagae Comitis</span> 1599. Die Reisen -Barendszons sind beschrieben in Gerrit de Veer, <span class="antiqua">Vraye description -de trois Voyages des mers tres admirables etc.</span> Amsterdam 1598. Von -diesem Werke existiren auch holländische und latein. Ausgaben.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_557_557" id="Fussnote_557_557"></a><a href="#FNAnker_557_557"><span class="label">[557]</span></a> <em class="gesperrt">Nordenskiöld</em> I, 217, ist der Ansicht, daß den -Holländern auf ihrer ersten und zweiten Reise der Weg nach dem Ob und -Jenissei offen gestanden. Wenn sie die Fahrt fortgesetzt hätten, bis -sie an einem der beiden Flüsse zu bewohnten Gegenden gekommen wären, so -wäre ganz sicher schon im Anfang des 17. Jahrhunderts auf diesem Wege -ein bedeutender Handel zwischen Nordasien und Europa entstanden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_558_558" id="Fussnote_558_558"></a><a href="#FNAnker_558_558"><span class="label">[558]</span></a> Die Resolution ist wieder veröffentlicht in -<em class="gesperrt">Nordenskiöld</em> I, 218.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_559_559" id="Fussnote_559_559"></a><a href="#FNAnker_559_559"><span class="label">[559]</span></a> <em class="gesperrt">Müller</em>, <span class="antiqua">Geschiedenis. Bijlage V. -p. 362 dat von stads wege twee schepen... datelyk zullen werden -toegemaect</span>. Die Expedition wurde also nicht, wie Nordenskiöld -I, 218 schreibt, von Kaufleuten in Amsterdam, sondern von der Stadt -ausgerüstet.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_560_560" id="Fussnote_560_560"></a><a href="#FNAnker_560_560"><span class="label">[560]</span></a> An dieser Insel, welche 1603 auch von den Engländern -aufgefunden wurde, trieben diese in den folgenden Jahren eine ergiebige -Walroßjagd, bis man, seit 1610, als bei der Bäreninsel der Fang -geringer wurde, sich nach Spitzbergen wandte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_561_561" id="Fussnote_561_561"></a><a href="#FNAnker_561_561"><span class="label">[561]</span></a> Daß Rijp nicht um Spitzbergen herum gesegelt -ist, beweist P. A. Tiele in <span class="antiqua">Aardrijksk. Genotsch. Deel. -III, p.</span> 136. Amsterdam, 1878. Vgl. auch S. Müller, -<span class="antiqua">Geschiedenis, p.</span> 43, Anmerkung 3.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_562_562" id="Fussnote_562_562"></a><a href="#FNAnker_562_562"><span class="label">[562]</span></a> <em class="gesperrt">Barentzoen</em>, <span class="antiqua">Nieuwe Beschr. ende Caertboeck van -de niedlandtsche Zee</span>, citirt in <em class="gesperrt">Müller</em>, <span class="antiqua">Geschiedenis</span>, -<span class="antiqua">p.</span> 38.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_563_563" id="Fussnote_563_563"></a><a href="#FNAnker_563_563"><span class="label">[563]</span></a> Das Winterlager Barendsz.’s ist erst 1871 durch den -norwegischen Polarfahrer Carlsen wieder aufgefunden; bis dahin hatte -kein Schiff den Nordosten Nowaja Semlja’s wieder erreicht.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_564_564" id="Fussnote_564_564"></a><a href="#FNAnker_564_564"><span class="label">[564]</span></a> <em class="gesperrt">Blavius</em>, <span class="antiqua">Atlas major</span>, lat. Ausgabe. 1665. -I. <span class="antiqua">Fol.</span> 24 und 31.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_565_565" id="Fussnote_565_565"></a><a href="#FNAnker_565_565"><span class="label">[565]</span></a> Die von Pontanus 1611 entworfene Karte (wiedergegeben -im Nordenskiöld I, 220) rückt Hudsons äußersten Punkt an der Küste -Grönlands, <span class="antiqua">Hold with hope</span>, um 20 Meridiane zu weit nach Osten, -bis unter den Meridian von Edinburgh, aber vermuthlich nach den Angaben -Hudsons selbst, welcher keine Längenbestimmung in seinem Tagebuche -angesetzt hat.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_566_566" id="Fussnote_566_566"></a><a href="#FNAnker_566_566"><span class="label">[566]</span></a> <em class="gesperrt">De Jonge</em>, <span class="antiqua">Opkomst I. p.</span> 28–30. -<em class="gesperrt">S. Müller</em>, <span class="antiqua">Geschiedenis. p.</span> 60–66.</p></div> - -</div> - -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte des Zeitalters der -Entdeckungen, by Sophus Ruge - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES ZEITALTERS *** - -***** This file should be named 54832-h.htm or 54832-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/8/3/54832/ - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/54832-h/images/abb_p105.jpg b/old/54832-h/images/abb_p105.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c43c5c5..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p105.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p106.jpg b/old/54832-h/images/abb_p106.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c5b1fc5..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p106.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p111.jpg b/old/54832-h/images/abb_p111.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3266990..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p111.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p135.jpg b/old/54832-h/images/abb_p135.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 59ddb68..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p135.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p142.jpg b/old/54832-h/images/abb_p142.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 82ce643..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p142.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p15.jpg b/old/54832-h/images/abb_p15.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 551fba8..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p15.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p154.jpg b/old/54832-h/images/abb_p154.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cab51dc..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p154.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p155.jpg b/old/54832-h/images/abb_p155.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5ffa3d4..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p155.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p188.jpg b/old/54832-h/images/abb_p188.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 275d119..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p188.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p189.jpg b/old/54832-h/images/abb_p189.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8359365..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p189.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p191.jpg b/old/54832-h/images/abb_p191.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d3c851f..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p191.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p197.jpg b/old/54832-h/images/abb_p197.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index deb184d..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p197.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p234.jpg b/old/54832-h/images/abb_p234.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 87167c7..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p234.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p235.jpg b/old/54832-h/images/abb_p235.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f3e64a2..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p235.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p240.jpg b/old/54832-h/images/abb_p240.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5d91e92..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p240.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p241.jpg b/old/54832-h/images/abb_p241.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 53fa52c..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p241.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p245.jpg b/old/54832-h/images/abb_p245.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6b4b42c..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p245.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p247.jpg b/old/54832-h/images/abb_p247.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f6820bd..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p247.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p262.jpg b/old/54832-h/images/abb_p262.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d2a6532..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p262.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p263a.jpg b/old/54832-h/images/abb_p263a.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index de90fc0..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p263a.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p263b.jpg b/old/54832-h/images/abb_p263b.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e5d24e3..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p263b.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p264.jpg b/old/54832-h/images/abb_p264.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d1a6d23..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p264.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p313.jpg b/old/54832-h/images/abb_p313.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 058f40b..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p313.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p317.jpg b/old/54832-h/images/abb_p317.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 243c765..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p317.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p333.jpg b/old/54832-h/images/abb_p333.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 48e9639..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p333.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p334.jpg b/old/54832-h/images/abb_p334.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 77342a9..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p334.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p337.jpg b/old/54832-h/images/abb_p337.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c56f5e6..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p337.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p339.jpg b/old/54832-h/images/abb_p339.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 279cd98..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p339.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p357.jpg b/old/54832-h/images/abb_p357.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4ea3975..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p357.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p357_hr.jpg b/old/54832-h/images/abb_p357_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 466153c..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p357_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p361.jpg b/old/54832-h/images/abb_p361.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3ed5a2a..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p361.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p405.jpg b/old/54832-h/images/abb_p405.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c784cdc..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p405.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p427.jpg b/old/54832-h/images/abb_p427.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 23e0845..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p427.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p427_hr.jpg b/old/54832-h/images/abb_p427_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0715b55..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p427_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p429.jpg b/old/54832-h/images/abb_p429.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 97619fa..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p429.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p430.jpg b/old/54832-h/images/abb_p430.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 249ce78..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p430.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p431.jpg b/old/54832-h/images/abb_p431.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5f11f8a..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p431.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p433.jpg b/old/54832-h/images/abb_p433.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f8c7711..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p433.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p443.jpg b/old/54832-h/images/abb_p443.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0306656..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p443.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p462.jpg b/old/54832-h/images/abb_p462.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ca2ef69..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p462.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p463.jpg b/old/54832-h/images/abb_p463.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c021f01..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p463.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p467.jpg b/old/54832-h/images/abb_p467.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fad81e3..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p467.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p49.jpg b/old/54832-h/images/abb_p49.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4746181..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p49.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p53.jpg b/old/54832-h/images/abb_p53.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9eff392..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p53.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p65.jpg b/old/54832-h/images/abb_p65.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 04fece0..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p65.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p74.jpg b/old/54832-h/images/abb_p74.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8a17e38..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p74.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p83.jpg b/old/54832-h/images/abb_p83.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 65277ab..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p83.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p97.jpg b/old/54832-h/images/abb_p97.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f29cddb..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p97.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/abb_p99.jpg b/old/54832-h/images/abb_p99.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 24c0e9d..0000000 --- a/old/54832-h/images/abb_p99.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p36.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p36.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cc46aad..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p36.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p36_hr.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p36_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bd76f2b..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p36_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p36_i.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p36_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4742071..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p36_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p36_ii.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p36_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2f6e8f6..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p36_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p6.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p6.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b1d85b8..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p6.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/beilage_p6_hr.jpg b/old/54832-h/images/beilage_p6_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c15d7c7..0000000 --- a/old/54832-h/images/beilage_p6_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/cover.jpg b/old/54832-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c85856a..0000000 --- a/old/54832-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p358.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p358.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6a79a6d..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p358.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p358_hr.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p358_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4bc5c41..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p358_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ec4c18d..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_hr.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1135f78..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_i.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2e82305..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_ii.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 960a46e..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iii.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 624768f..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iv.jpg b/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iv.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4139afc..0000000 --- a/old/54832-h/images/doppelbild_p433_iv.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/exaltation.png b/old/54832-h/images/exaltation.png Binary files differdeleted file mode 100644 index de05c52..0000000 --- a/old/54832-h/images/exaltation.png +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/haeuser.png b/old/54832-h/images/haeuser.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 12886ab..0000000 --- a/old/54832-h/images/haeuser.png +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230.jpg b/old/54832-h/images/karte_230.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8b59933..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_230_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 76d7e2b..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230_i.jpg b/old/54832-h/images/karte_230_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a9a3b5c..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230_ii.jpg b/old/54832-h/images/karte_230_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9c0f9f8..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230_iii.jpg b/old/54832-h/images/karte_230_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b8aec08..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_230_iv.jpg b/old/54832-h/images/karte_230_iv.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2e6fbbd..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_230_iv.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324.jpg b/old/54832-h/images/karte_324.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 19ee9c6..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9752678..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_i.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cdf3788..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_ii.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3b55267..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_iii.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5078c57..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_iv.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_iv.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 52595d3..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_iv.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_v.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_v.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 490c4c4..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_v.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_324_vi.jpg b/old/54832-h/images/karte_324_vi.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2a47634..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_324_vi.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p118.jpg b/old/54832-h/images/karte_p118.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0f0cf43..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p118.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p118_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p118_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e279394..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p118_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p438.jpg b/old/54832-h/images/karte_p438.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index daba1d1..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p438.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p438_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p438_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2ed1ff2..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p438_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p438_i.jpg b/old/54832-h/images/karte_p438_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d1b76ca..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p438_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p438_ii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p438_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 705514c..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p438_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p438_iii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p438_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ff9fe6c..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p438_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b2dcfcd..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ea42322..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535_i.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b8ab705..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535_ii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3803994..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535_iii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4087f3a..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p535_iv.jpg b/old/54832-h/images/karte_p535_iv.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f39e8b0..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p535_iv.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_01_norwegen.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_01_norwegen.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5af110d..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_01_norwegen.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_02_irland.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_02_irland.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9e17922..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_02_irland.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_03_kanarische_inseln.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_03_kanarische_inseln.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d068096..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_03_kanarische_inseln.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_04_ferrers_schiff.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_04_ferrers_schiff.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 23fe9c8..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_04_ferrers_schiff.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_05_orkneys.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_05_orkneys.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 20d2061..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_05_orkneys.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_06_kap_finisterre.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_06_kap_finisterre.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 87deb21..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_06_kap_finisterre.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_07_darha.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_07_darha.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3ac1f38..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_07_darha.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_08_tuarez.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_08_tuarez.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index eab1717..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_08_tuarez.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_09_carena.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_09_carena.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4ae8272..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_09_carena.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_10_mussemelly.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_10_mussemelly.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fb4b3cf..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_10_mussemelly.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_11_ostsee.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_11_ostsee.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d0afca8..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_11_ostsee.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_12_mittl_gebirge.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_12_mittl_gebirge.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 103a6b8..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_12_mittl_gebirge.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_13_organa.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_13_organa.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a50b71f..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_13_organa.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_14_orions.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_14_orions.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c6ec1af..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_14_orions.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_15_lemberg.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_15_lemberg.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 74005f3..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_15_lemberg.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_16_krieg_mit_nubien.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_16_krieg_mit_nubien.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fa5e757..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_16_krieg_mit_nubien.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_17_sultan_babilonia.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_17_sultan_babilonia.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index be1d538..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_17_sultan_babilonia.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_18_meerenge.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_18_meerenge.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6b13f0a..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_18_meerenge.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_19_chos.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_19_chos.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 40083d3..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_19_chos.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_20_rotes_meer.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_20_rotes_meer.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d48a49f..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_20_rotes_meer.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_21_berg_sinai.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_21_berg_sinai.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 52eeaac..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_21_berg_sinai.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_22_jambech.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_22_jambech.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e01766e..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_22_jambech.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_23_ninive.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_23_ninive.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ca529c5..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_23_ninive.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_24_babylon.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_24_babylon.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f81ebf9..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_24_babylon.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_25_mekka.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_25_mekka.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2a8527d..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_25_mekka.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_26_bagdad.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_26_bagdad.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 910a37b..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_26_bagdad.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_27_persischer_golf.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_27_persischer_golf.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a7bf102..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_27_persischer_golf.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_28_lop.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_28_lop.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2640958..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_28_lop.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_29_schiras.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_29_schiras.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b59c6b6..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_29_schiras.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_30_arabia_saba.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_30_arabia_saba.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0223a5a..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_30_arabia_saba.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_31_tarsia.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_31_tarsia.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1342cf6..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_31_tarsia.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_32_ormus.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_32_ormus.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b278d20..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_32_ormus.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_33_dschonken.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_33_dschonken.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ce20e3f..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_33_dschonken.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_34_indische_inseln.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_34_indische_inseln.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2593075..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_34_indische_inseln.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_35_koenig_dehli.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_35_koenig_dehli.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 80cb8d9..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_35_koenig_dehli.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_36_gerfalken.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_36_gerfalken.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0e2394a..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_36_gerfalken.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_37_scheiterhaufen.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_37_scheiterhaufen.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e27f8ff..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_37_scheiterhaufen.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_38_trompeten.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_38_trompeten.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 61d2932..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_38_trompeten.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_39_issyk_kul.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_39_issyk_kul.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1a8daa5..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_39_issyk_kul.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_40_alexanders_staedte.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_40_alexanders_staedte.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1e2c659..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_40_alexanders_staedte.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_41_kollam.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_41_kollam.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index adc17e6..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_41_kollam.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_42_koenig_chabech.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_42_koenig_chabech.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b4020e2..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_42_koenig_chabech.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_43_koenig_stephan.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_43_koenig_stephan.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e6cb9ca..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_43_koenig_stephan.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_44_jana.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_44_jana.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0151358..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_44_jana.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_45_kaspisches_gebirge.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_45_kaspisches_gebirge.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 24f63a8..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_45_kaspisches_gebirge.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_46_kraniche.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_46_kraniche.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7d836b1..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_46_kraniche.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_47_insel_der_nackten.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_47_insel_der_nackten.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1965a7d..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_47_insel_der_nackten.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_48_gog_und_magog.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_48_gog_und_magog.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2bcf266..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_48_gog_und_magog.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_49_koenig_alexander.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_49_koenig_alexander.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9f7a38a..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_49_koenig_alexander.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_50_ulu_beg.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_50_ulu_beg.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9d7afd6..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_50_ulu_beg.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_51_indische_inseln.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_51_indische_inseln.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7c01629..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_51_indische_inseln.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_51_inseln_vor_indien.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_51_inseln_vor_indien.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e168e38..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_51_inseln_vor_indien.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_52_sirenen.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_52_sirenen.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4437bdc..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_52_sirenen.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_53_cambalech.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_53_cambalech.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3d6d9fa..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_53_cambalech.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_54_antichrist.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_54_antichrist.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6e372dc..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_54_antichrist.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_55_wilde_menschen.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_55_wilde_menschen.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3925838..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_55_wilde_menschen.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_56_taprobana.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_56_taprobana.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8d8cebf..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_56_taprobana.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78_57_insel.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78_57_insel.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index be15974..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78_57_insel.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78a.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78a.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0232f50..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78a.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78a_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78a_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 363f96d..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78a_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78b.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78b.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1896d95..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78b.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p78b_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p78b_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 63ae2e9..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p78b_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 943990d..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80_hr.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e8e25df..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80_i.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 311050e..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80_ii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 669e6e1..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80_iii.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80_iii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 45270b9..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80_iii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/karte_p80_iv.jpg b/old/54832-h/images/karte_p80_iv.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ea06711..0000000 --- a/old/54832-h/images/karte_p80_iv.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/speculum_astrologicum.png b/old/54832-h/images/speculum_astrologicum.png Binary files differdeleted file mode 100644 index cb2ea25..0000000 --- a/old/54832-h/images/speculum_astrologicum.png +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/stammbaum_p36.jpg b/old/54832-h/images/stammbaum_p36.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c53c45c..0000000 --- a/old/54832-h/images/stammbaum_p36.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/stammbaum_p36_hr.jpg b/old/54832-h/images/stammbaum_p36_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4ba65fa..0000000 --- a/old/54832-h/images/stammbaum_p36_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/stammbaum_p53.jpg b/old/54832-h/images/stammbaum_p53.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9e67c3a..0000000 --- a/old/54832-h/images/stammbaum_p53.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/stammbaum_p53_hr.jpg b/old/54832-h/images/stammbaum_p53_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9d980f0..0000000 --- a/old/54832-h/images/stammbaum_p53_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p249.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p249.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e28b97f..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p249.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p249_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p249_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4234f0f..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p249_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p249_i.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p249_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1897ee6..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p249_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p249_ii.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p249_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 61bf947..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p249_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p25.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p25.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9a7165e..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p25.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p25_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p25_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2ce88ec..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p25_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p27.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p27.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f6043c1..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p27.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p27_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p27_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a1c0323..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p27_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p318.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p318.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e97b19f..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p318.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p347.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p347.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2e5a189..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p347.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p363.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p363.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 40240b8..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p363.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p363_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p363_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9f45d10..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p363_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p363_i.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p363_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 64924b8..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p363_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p363_ii.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p363_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3a3fd3d..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p363_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p391.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p391.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a03a43d..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p391.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p391_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p391_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 25517b9..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p391_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p391_i.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p391_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fb228e1..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p391_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p391_ii.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p391_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9b96bee..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p391_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p417.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p417.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bae95d5..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p417.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p417_hr.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p417_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c2234f2..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p417_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p417_i.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p417_i.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5ab1d2e..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p417_i.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p417_ii.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p417_ii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a54f9c4..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p417_ii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p437.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p437.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bcc0ecd..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p437.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/textkarte_p461.jpg b/old/54832-h/images/textkarte_p461.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 93ec283..0000000 --- a/old/54832-h/images/textkarte_p461.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/verlagssignet.jpg b/old/54832-h/images/verlagssignet.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 57f4d4b..0000000 --- a/old/54832-h/images/verlagssignet.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p356.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p356.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d0a7727..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p356.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p356_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p356_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e4e5869..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p356_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p420.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p420.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4fe1352..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p420.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p420_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p420_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4cc5add..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p420_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p425.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p425.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 40f061e..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p425.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p425_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p425_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8cfac29..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p425_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p426.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p426.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9151f6b..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p426.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p426_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p426_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7d3a793..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p426_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p434_1.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p434_1.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 48a1371..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p434_1.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p434_2_3.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p434_2_3.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4fb1f27..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p434_2_3.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p441.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p441.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b5598d4..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p441.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p441_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p441_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 50eb33b..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p441_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p446.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p446.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e6a0aea..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p446.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p446_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p446_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f540da1..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p446_hr.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p70.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p70.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2a21c39..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p70.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54832-h/images/vollbild_p70_hr.jpg b/old/54832-h/images/vollbild_p70_hr.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1af68f5..0000000 --- a/old/54832-h/images/vollbild_p70_hr.jpg +++ /dev/null |
