summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/53925-0.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to 'old/53925-0.txt')
-rw-r--r--old/53925-0.txt2815
1 files changed, 0 insertions, 2815 deletions
diff --git a/old/53925-0.txt b/old/53925-0.txt
deleted file mode 100644
index b5a82aa..0000000
--- a/old/53925-0.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2815 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst, by
-Ernst Wilhelm Bredt
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst
-
-Author: Ernst Wilhelm Bredt
-
-Release Date: January 8, 2017 [EBook #53925]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BELGIENS VOLKSCHARAKTER ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist +so ausgezeichnet+. Im Original in Antiqua gesetzter Text
- ist ~so markiert~. Im Original fetter oder in größerer Schrift
- dargestellter Text ist =so ausgezeichnet=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
- Buches.
-
-
-
-
- E. W. Bredt
-
- Belgiens Volkscharakter
- Belgiens Kunst
-
- Mit 54 Abbildungen
-
- [Illustration]
-
- Hugo Schmidt Verlag München
-
-
-
-
- ~Copyright 1915 by Hugo Schmidt, Munich~
- Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der
- Übersetzung
-
- +Hugo Schmidt+ +E. W. Bredt+
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis
-
-
- Seite
-
- Belgiens Volkscharakter -- Belgiens Kunst 9
-
- Von Belgischer Künstler großer Lust und
- Gabe, Grausamkeiten packend zu schildern 19
-
- Von der sinnlich-übersinnlichen Phantastik
- belgischer Maler 45
-
- Vom belgischen Heimat-Realismus 59
-
- Von der unversiegbaren Lebensbejahung der
- Künstler und des Volkes der Belgier 73
-
- Anmerkungen zu den Abbildungen 97
-
-
-
-
-+Diese Schrift will Verständnis wecken+ für das uns verwandte flämische
-Volk, das eine furchtbar traurige Vergangenheit jähzornig, das Englands
-neidisch-verräterische Politik verbohrt gegen uns gemacht hat, das sich
-aber im Vollbewußtsein seiner unsterblichen Rasse so frei und stark und
-zwingend in den Werken seiner genialen Künstler charakterisiert hat,
-wie kaum ein anderes Volk der Welt. +Mit ihren Bildern möchte diese
-erlebte Schrift+ warnend wirken vor belgischer Wut so lange das Volk
-uns wie Feinde betrachtet. Dann aber möge sie auch führen zu einem
-Volke, dem des Lebens ganze ungebundene Lust Lebensbedingung, dessen
-Kunst des Lebens Qual und aller Menschen Leidenschaften malerisch
-verklärt hat.
-
- E. W. Bredt
-
-[Illustration: Der »Große Platz« in Brüssel.
-
-Holzschnitt von Paillard.]
-
-
-
-
-Belgiens Volkscharakter -- Belgiens Kunst
-
-
-Bei Lüttich und Namur, in Charleroi und Löwen, bei Mecheln und
-Antwerpen und überall sonst auf belgischem Boden haben unsere
-unerschrockenen, unvergleichlich tapfer und offen vorgehenden Krieger
-erlebt, wie unsagbar rasend und wild, wie teuflisch-grausam die
-belgischen Massen, wie furchtbar fanatisch und erfinderisch sich der
-einzelne gezeigt in allen unausdenkbaren Schlichen der Hinterlist. --
-
-[Illustration: Abb. 1. +A. Coppens+, Der »Große Platz« in Brüssel nach
-der Zerstörung durch die Franzosen i. J. 1695.]
-
-Man kann sich gar nichts Schrecklicheres vorstellen als die
-Straßenkämpfe in Charleroi und in und vor anderen Städten des heutigen
-Belgiens. Das Schießen erbärmlichster Schufte aus Fensterritzen und
-Kellerluken, aus Dächern und Kothaufen machten die Straßen zur Hölle,
-in der das Blut deutscher Helden und belgischer Feiglinge tatsächlich
-in Strömen floß, -- den Tapferen zum unsterblichen Ruhm, -- zur schwer
-zu sühnenden Schande der Nachkommen jener, die Tacitus vor langer,
-langer Zeit die tapfersten von allen germanischen Stämmen genannt hat.
-
-[Illustration: Abb. 2. +Hoogenberg+, Der Brand des Rathauses in
-Antwerpen i. J. 1576.]
-
-Freilich, wer nur einigermaßen dieses Volkes, dieses Landes Geschichte
-kennt -- war nicht überrascht über diese furchtbar wilde Raserei, die
-wir lieber dem Pöbel als einem Volke zuschreiben möchten. Wurde doch
-Belgien in allen Jahrhunderten zum Schauplatz gräßlichster Kämpfe. Bald
-war es französisch, bald deutsch, bald spanisch, bald holländisch. Ein
-Land aber, das durch Kriege und Freiheitskämpfe politischer, religiöser
-und wirtschaftlicher Art so durchwühlt und vernichtet und nach Zeiten
-blühenden, aufbauenden Reichtums wieder zerstört wurde, oft genug von
-Teilen des eigenen Volkes, das mußte durch diese Kette furchtbarer
-Erlebnisse, die noch in den flämischen Legenden, Liedern und Bildern
-weiterleben, eine Hochschule jenes unsicheren und bedenklichen, weil
-allzu unbedenklichen Patriotismus werden, der die einzelnen mehr zur
-bewaffneten Selbsthilfe erzieht als zum einheitlich, stark und offen
-vorgehenden Heere.
-
-Diese Erinnerungen sind unerläßlich zur Erklärung jener Wutausbrüche
-des belgischen Volkes, wie der gleichzeitig echt volksgemäßen und doch
-durch und durch unabhängigen großen, starken und unvergleichlichen
-flämischen Kunst, die zu allen Zeiten aus tiefsten, blutenden Wunden
-des Volkes zu neuer Größe sich erhob.
-
-[Illustration: Abb. 3. +D. Vinckboons+, Der alle ereilende Tod.]
-
-Was de Coster in seinem unsterblichen »Ulenspiegel« von Todesängsten
-und Todesqualen erzählt -- in Hoogenbergs dickem Atlas geschichtlicher
-Begebenheiten (Abb. 2) in unzähligen anderen Stichen, in Coppens
-»Gallischer Grausamkeit traurigem Zeugnis« (Abb. 1) bleiben genug
-Erklärungen lebendig, für die immer und immer noch zum Auflodern
-glimmende Glut des Volkes gegen vermeintliche Angreifer.
-
-Aber wie das völkerverblendende England mit jenen Bildern und
-Erinnerungen furchtbarster feindlicher Zerstörungswut das belgische
-Volk gegen uns hetzte, als das grausamste von allen --, so zeigen wir
-nun mit eben diesen Bildern, die auch de Costers Bibel des flämischen
-Volkes illustrieren, wie ganz anders deutsche Heeresmassen siegreich
-vorrücken als jene Zerstörer Antwerpens, als die französischen
-Mordbrenner Brüssels und der herrlichen Pfalz am Rhein. -- -- Doch
-genug von solchen Erinnerungen.
-
- * * * * *
-
-Den letzten, wie allen früheren schaudererweckenden Katastrophen des
-belgischen Volkes widersprechen in denkbar schroffster Weise unsere
-+landläufigen+ Vorstellungen von alter niederländisch-belgischer Kunst.
-
-[Illustration: Abb. 4. +Adriaen Brouwer+, Singender Bauer.]
-
-Man braucht doch nur das Wort »niederländische Malerei« auszusprechen
-und jeder Museumsbesucher, zumal der, der das Brouwer-Kabinett der
-Münchener Pinakothek kennt, lacht auf und sieht vor sich eine lustige
-übermütige Gesellschaft von Bauern, die fiedeln und singen in ihren
-dunkeln Kneipen, die auf den Märkten tanzen und schreien. --
-
-Unsere Museumsbummler machen freilich keinen Unterschied zwischen Franz
-Hals, dem Holländer, oder Teniers, dem Antwerpener oder Ostade, oder
-Jan Steen oder Adriaen Brouwer, der von Haarlem nach Antwerpen zog.
-
-Wozu auch gleich?
-
-Jedenfalls, die große Reihe bunter Bilder, die das ausmachen, was
-wir kurzweg »niederländisch« nennen, die stellt uns das belgische
-Volk so lebenslustig und behaglich genießend vor wie nur irgend
-möglich. Wir sagen uns, wir sehen's in Brouwers und Teniers so gern
-reproduzierten, in den Galerien meistbetrachteten Bildern, daß sich
-die belgischen Künstler gut aufs Lachen verstanden haben und daß es
-recht lustig zuging dazumal in Antwerpen und Brüssel und allerorten an
-der Schelde und in Flandern und Brabant bei Braunbier und spanischem
-Wein und Burgunder -- und daß sie sich sonst keine Sorgen gemacht und
-Seelenqualen.
-
-[Illustration: Abb. 5. +Adriaen Brouwer+, Das Gehör. K. Pinakothek in
-München.]
-
-Also gingen belgische Künstler ganz andere Wege als das von schweren
-Schicksalen heimgesuchte belgische Volk?
-
-Oder ist die lustige, verwegene Bauernmalerei doch vielleicht nur
-holländischer Kunstimport?
-
-Oder sind belgischer Volkscharakter und belgische Kunst Dinge, die sich
-kaum berühren? --
-
-Vielleicht -- und das liegt sehr nahe -- haben die belgischen
-Künstler, aus lauter Überdruß an den qualvoll blutigen Ereignissen
-des Landes, nur immer in idealen Welten gelebt, nicht in der der
-tatsächlichen Ereignisse?
-
-War die Kunst nur fröhlich, aber Volk und Zeit traurig?
-
-Nein! Nein!
-
-Die belgische Kunst, d. h. das, was die größten belgisch-flämischen
-Künstler vorzugsweise geschaffen, und die Bilder, die das belgische
-Volk vor anderen geliebt hat, sind weder das eine allein noch das
-andere.
-
-+Die Höhepunkte flämischer Kunst -- und jene Kunstwerke, die in Belgien
-in Auftrag gegeben und geschaffen wurden, zeigen einen Geist, der
-gleichzeitig humorvoll und voller Satire, grausam und melancholisch,
-sinnlich und übersinnlich, angstvoll und lebensfreudig, phantastisch
-und arbeitsam ist.+ Das sagen die Kunstwerke, das sagen die Dichter
-Belgiens, das sagt doch auch des Landes Geschichte.
-
-Trotz aller furchtbaren völkischen Katastrophen, ja aus ihnen heraus
-nähren und erheben sich die Genies der flämischen Rasse zu herrlichen
-Schöpfungen. Und kaum in irgend einem anderen Lande geben Kunst und
-Kunstgeschmack treffender als anderes wieder den Volkscharakter.
-
-Die belgische Kunst, das ist das Beste des belgischen Volkes.
-
-In so klarer und scharfer und immer künstlerisch autochthoner Weise
-offenbart sich dieses Volkes Kern, daß wir ihn schlechterdings als
-etwas Festes, Unwandelbares und -- ich kann nicht anders -- als etwas
-Hochgeniales ansprechen müssen.
-
-Denn des Pöbels Verhalten gibt überall nur ein Zerrbild vorhandener
-Schwächen.
-
-Immer wieder setzte sich des flämisch-niederdeutschen Volkes Sinnesart
-künstlerisch in einer Form durch, die nur das Kennzeichen tiefsten
-Erfassens und Leidens und stärkster Lust und Gestaltungskraft sein kann.
-
-Mögen die üppig-herrlichen Rathäuser und die festen Belfriede mehr
-Zeugen von glücklicher Wirtschaft und politischer Wachsamkeit sein
--- die Werke des Bouts und des Bosch, des Breughel und Brouwer, der
-Rubens, Jordaens und Teniers, und dann doch auch der Wiertz, Lambeaux,
-Khnopff, Ensor und nicht zum wenigsten des Rops, sie sind alle und alle
-vom selben merkwürdig zäh und stark sich erhaltenden Geiste dieses
-Volkes.
-
-Nichts trennt hier Kunstgeist und Volkscharakter.
-
-Denn wenn auch Künstler wie Meunier, der übrigens nur schwer in seiner
-Heimat Anklang finden konnte, wohl nur wie einer von den vielen
-Armeleutmalern aller Länder erscheint, so gestaltete doch auch er
-Hünen und Recken des Volkes wie Rubens. Und wenn Fernand Khnopff alles
-mystisch erschaut, wie einst Bosch, wenn er die Dame von heute erschaut
-wie eine bleiche, krankende, unheimliche, Sinnlichkeit ausstrahlende
-Sphinx, wenn Antwerpens letzte große Historienmaler ganz gewiß auch
-deshalb so starken Widerhall im Volk gefunden, weil sie die geköpften
-Leichen des Egmont und Horn entseelter als andere gemalt, so sind
-eben doch alle die Neueren bis auf Laermans und Minne nur Fortsetzer,
-Neuschilderer der echt flämischen alten Themen von furchtbaren
-Hinrichtungen und Greueln, von des Lebens tiefsten Melancholien und
-höchster, unbändiger Lust am Dasein. Satiriker und Bekenner.
-
-[Illustration: Abb. 6. +Const. Meunier+, Lastträger in Antwerpen.]
-
-Die belgischen Künstler sind und waren Realisten, denen nichts
-gräßlich, nichts häßlich ist. -- Das ist ihr Ruhm.
-
-Nie -- von einer kurzen Zeit der Verirrung abgesehen -- haben sie
-fremdem hohlen Formalismus gehuldigt -- die ganze Welt steht ihnen
-offen und ihre Phantasien machten alle Träume, machten das Jenseits
-selbst zu neuen wahrhaftigen Welten.
-
-Von diesem +starken+, künstlerisch +schöpferischem Kerne+ der echten
-Flamen gilt de Costers herrliche Überzeugung:
-
-»Begräbt man Ulenspiegel, den Geist, und Nele, das Herz der Mutter
-Flandern? -- Auch sie kann schlafen, aber sterben, nein!«
-
-[Illustration: Abb. 7. +Rubens+, Sturz der Verdammten.
-
-Nach einem Lichtdruck von Karl Kuhns Kunstanstalt, München.]
-
-
-
-
-Von Belgischer Künstler großer Lust und Gabe, Grausamkeiten packend zu
-schildern
-
-
-»Die belgische Kunst -- das ist das belgische Volk.«
-
-Ist der Satz richtig, dann müßte doch in den Werken größter belgischer
-Künstler ein Zug von Grausamkeit zu finden sein, der stärker vortritt
-als in der Kunst anderer Völker.
-
-Denn Generationen unseres Volkes werden nicht vergessen, wie mörderisch
-belgischer Pöbel gegen unsere Truppen nicht etwa vorging, nein, sich
-feig heranschlich, um bestialisch zu martern und zu morden. Wer kennt
-von +der+ Seite belgische Kunst?
-
-[Illustration: Abb. 8. +Rubens+, Der h. Justus.]
-
-Kommen in der besten belgischen Malerei -- also nicht nur in den
-minderen Illustrationen internationaler Schauerromane -- mehr grausame
-Schilderungen vor als etwa in der deutschen oder italienischen Kunst?
-
-Belgische Künstler haben nie ihre Neigung verleugnet, grausame
-Handlungen mit heidnischem Behagen zu genießen und zu schildern. Die
-fürchterlichsten Martern Gerechter und Ungerechter haben sie mit so
-überlegenen malerischen Mitteln dargestellt, daß Furcht und Abscheu vor
-den Henkern, Mitleid mit den Opfern wie vor einem Erlebnis erregt wird.
-
-Und die Maler Belgiens malten mehr Furchtbares als andere, weil
-hier ein Volk von Bestellern lebte, das solches wollte -- gewiß oft
-genug als drastisches Mittel zu religiöser Erziehung nach einer ganz
-bestimmten Richtung. Kein anderer Maler der Welt hat grausamste
-Hinrichtungen so festlich, hat das letzte Weltgericht so hinreißend
-geschildert wie +Peter Paul Rubens+.
-
-Andre haben vielleicht noch mehr Hinrichtungen dargestellt, aber sie
-sind den Aufgaben künstlerisch unterlegen. Rubens schwelgt künstlerisch
-auch in den gräßlichsten Vorgängen.
-
-In der Brüsseler Galerie hängt ein großes Bild, das sich jedem fest in
-die Erinnerung prägt durch den krassen Gegenstand, die unerschrocken
-wahrhaftige Malerei. Es ist das der Märtyrertod des h. Livinus (Abb.
-10).
-
-[Illustration: Abb. 9. +Dierick Bouts+, Martertod des h. Hippolytus.]
-
-Starke Kerle haben den alten Bischof auf den Rücken geworfen, einer
-hält ihn halb aufrecht am Barte. Der Henker aber hat dem Heiligen
-bereits mit einer Zange die Zunge aus dem Schlunde gerissen und wirft
-das blutende Fleisch einem Hunde zu. -- »Die rote Zunge glüht zwischen
-den sie fassenden Zangen wie ein wundervolles Geschmeide von Korallen
-oder Rubinen.«
-
-[Illustration: Abb. 10. +Rubens+, Der Martertod des h. Livinus.]
-
-Das ganze Gemälde wirkt allerdings durch die Verherrlichung des Todes,
-durch die Gestalten des Himmels, durch die wie von Leidenschaften
-zerrissene Komposition, durch die Glut auch in Farben eher wie ein
-prächtiges Fest. Es soll ja auch ein kirchliches Triumphbild sein,
-wie so manche Schlacht voll Blut und Leichen ein Bild des Sieges.
--- Aber all diese reinkünstlerischen Steigerungen des großen Flamen
-lassen nicht den Glauben zu, er habe den eigentlichen grausamen Vorgang
-lindern wollen. -- Das tat Rubens allenfalls bei seinen Bildern des
-Leidens Christi und bei dem früheren Gemälde »der Tod des Argus«.
-Da ist alles Blutige verdeckt. Aber sonst hat Rubens ganz unleugbar
-das Gräßlichste mit derselben Schaulust und Farbenfreude gemalt wie
-irgendwelche Feste der Pracht, des Fleisches und des Genusses. Wie
-häuft doch Rubens die Frauenleichen auf beim »Tod der h. Ursula« (in
-Brüssel), wie echt gesehen ist die Brutalität der Henker, die den
-h. Lorenz zurückstoßen auf den glühenden Rost über des Feuers Glut.
-(München). -- Wie grauslich, wie noch wahrhaftig lebendig wirkt Rubens
-»h. Justus«, der, noch stehend, sein eigenes abgeschlagenes Haupt in
-Händen hält. (Abb. 8.) Und all die andern Schreckensszenen des Todes
-der Märtyrer Andreas, Petrus, Thomas zeigen Rubens' Geist frei von
-jeder Zartheit der Empfindung. Rubens ist brutal wie seine Landsleute,
-die solche Themen in Auftrag gaben und gerade mit diesen Gemälden sehr
-zufrieden waren. Rubens war, was für einen Zeitgenossen furchtbarster
-Ketzerverfolgungen nicht befremdlich sein kann, gegen die Schauder von
-raffinierten Hinrichtungsszenen und Foltern kalt wie nur irgend ein
-mittelalterlicher Zuschauer. Aber gerade die Pracht und Herrlichkeit
-solcher Rubensscher Szenen festigt unser Urteil über diesen brutalen
-Betrachter.
-
-[Illustration: Abb. 11. +P. Breughel d. Ä.+, Der bethlehemitische
-Kindermord.]
-
-Hier tritt überdies doch Rubens in der rein künstlerischen Bewertung
-bald hinter frühere, bald hinter Zeitgenossen zurück. Rubens braucht
-zur Wirkung theatralisches Pathos. Wie ganz anders konnte Rembrandt
-schaffen. Weil der jedem Theater fernsteht, weil er tiefer, innerlicher
-ist, wirkt er bei ähnlichem noch viel stärker als Rubens.
-
-Wer von Rembrandt kommt, empfindet das Pathos des Rubens als
-schwülstig, als zu viel. Es bleibt nur die brutale Lust.
-
-[Illustration: Abb. 12. +P. P. Rubens+, Der bethlehemitische
-Kindermord.]
-
-Aber auch ein Vorläufer des Rubens, der andere geniale Belgier Pieter
-Breughel der Ältere, der noch vor Rubens Geburt in Brüssel starb, hat
-gleich grausame Bilder gemalt und er packt uns oft genug gerade durch
-ganz gegenteilige Mittel als Rubens. Der Kindermord des Breughel (Abb.
-11) ist viel ruhiger, viel sachlicher gehalten als der des Späteren
-(Abb. 12). Die beiden Bilder vergleichen heißt zwei verschiedene
-Belgier charakterisieren. In Rubens' Münchener Bild ist alles höchste
-Ekstase, lautes Schreien, alles leidenschaftlichste Bewegung. Bei
-Breughel geht das Furchtbare vor sich in beängstigender Stille. Die
-sachliche Geschäftigkeit und Unerbittlichkeit der hohen Polizei. Die
-graue Luft über dem verschneiten flämischen Dorf wirkt schwül und
-drückend. Die Ruhe der Befehlshaber zu Pferde ist unerbittlich. Und
-erstarrend krampft sich das Herz der Mütter. Ohnmächtig sinken die
-Mütter hin. Kein Laut durchzittert die Luft, während bei Rubens alles
-schreit. Rubens malt den Vorgang fast unruhig wie eine Schlacht.
-Die Mütter zerfleischen die Henker. Rubens ist hier ein schlechter
-Schauspieler.
-
-Wenn die einfachere Gestaltung die künstlerisch höhere ist, steht hier
-sichtlich Breughel über Rubens. Aber beide Maler sind Flamen durch und
-durch. Beide malen das Grausen mit derselben natürlichen unverhohlenen
-Lust wie irgend etwas anderes. -- Nur zwei Zeitalter trennen sie.
-Der eine ist barocker als Shakespeare. Der andere nüchtern wie sein
-Zeitgenosse Rabelais.
-
-[Illustration: Abb. 13. +P. Breughel d. Ä.+, »Gerechtigkeit«.]
-
-Den alten Breughel nennen mit vollem Rechte die Belgier selbst
-den echten, volkstümlichen flämischen Künstler. Er ist wie Rubens
-Realist und Phantast -- aber Rubens ist nie Humorist, nie der milde,
-verstehende Spötter wie der geistig festere Breughel. Von den vielen
-grausamen Schildereien Breughels ist ein Stich nach ihm (Abb. 13)
-bezeichnend für die furchtbare Zeit, bezeichnend für das Sehen dieses
-bahnbrechenden Belgiers.
-
-In dem Stiche »Gerechtigkeit« werden so ziemlich alle Arten der
-Folterungen und Hinrichtungsweisen jener Zeiten so geschildert, daß
-zweifellos viele Henker manch neue oder zeitweise vergessene Folterei
-sich davon abgesehen haben werden. Aber Hinrichtungsarten haben schon
-vor Breughel auch Deutsche dargestellt. Und der spätere Lothringer
-Callot hat ja auch unbewußt ein illustriertes Lexikon für Folterer
-geschaffen. Aber Breughels Darstellung hat tieferen Sinn. Es ist eine
-Drohung des alten Künstlers gegen das Joch der spanischen Tyrannei.
-
-Zurück zu Rubens.
-
-Rubens als Schilderer des Jüngsten Gerichts!
-
-Da steht er ohnegleichen.
-
-Michelangelo hat ihm die Anregung gegeben wie so vielen anderen in
-allen Jahrhunderten und aus allen Völkern.
-
-Aber kein Schüler hat so den Meister übertroffen.
-
-Nur ein Flame, nur ein Vollblutmaler konnte das, nur ein Belgier voll
-unerschöpflicher Lust, konnte Qualen nackter Leiber in unübersehbaren
-Maßen, unzählbaren Variationen schildern.
-
-So sehr sonst gerade für Belgiens Kunst die Lust der Besteller und
-das Vermögen der Maler eins ist -- Rubens' verschiedene Darstellungen
-des Jüngsten Gerichts scheiden sich deutlich in zwei Gruppen. Die
-schwächeren Bilder dieses Themas, das sind die bestellten. Da hat er
-seine grausam schöpferische Phantasie bezähmen müssen, und unter diesem
-Zwang ließ er die Bilder lieber von anderen ausführen.
-
-Aber von ganzer, voller, sprudelnder, erfinderischer Lust sind die mit
-eigener Hand, wie in einem Zuge des Rausches gemalten kleineren Bilder.
-Die kleine Auferstehung der Gerechten, »das kleine Jüngste Gericht« und
-»der Höllensturz der Verdammten« in München (Abb. 7).
-
-[Illustration: Abb. 14. +Hans Memling+, Die Hölle.]
-
-Der Höllensturz der Verdammten, das ist belgische Malerei, belgische
-Komposition, belgischer Geist. Michelangelo hätte daran wohl keine
-Freude gehabt, weil hier jeder Formalismus versagt. Aber unverständlich
-bleibt, wie der Belgier Rooses dies Bild tadeln konnte, weil es ein
-phantastischer Traum sei, zu unruhig und versplittert, um uns beim
-ersten Anblick zu packen, zu derb von Malerei, und zu unedel von Form,
-um uns »bei näherer Untersuchung zu befriedigen«.
-
-Die Unruhe ist immer in Rubens und die episodenhafte Reihung, diese
-unendliche Verknotung der Einzelbilder ist echt nordisch, ist vom
-Geiste Boschs und Breughels und Lambeaux' und Rops'. Und wo anders als
-hier wäre diese rassige, germanisch-flämische Komposition künstlerisch
-angebrachter, geistreicher?
-
-Dieser Höllensturz, für dessen Komposition auch der holländische
-Komponist der »Nachtwache« allen Sinn gehabt haben muß, ist ein Signum
-flämischer Stärke.
-
-[Illustration: Abb. 15. +Bosch+, Die Hölle. Flügel eines Gemäldes im
-Eskurial.]
-
-Wie wirbeln und überstürzen sich diese Kaskaden verdammter prächtiger
-Leiber. Welch vielmaschiges Netz mit unzähligen zappelnden Gestalten.
-Welch unlösbare Verkettung von Richtungen und Knäueln. So viel
-Richtung in Rubens' Milliarden von Scharen, in der Auferstehung der
-Gerechten, so viel unglückseliges, chaotisches Hin und Her hier in
-Licht und Schatten, in feurigen Gluten und rotem Rauch. Die Panik der
-Weltenmassen gegeben in Farben und Richtungen. Und welches Auge fürs
-Einzelne. Wie üppig die rosigen, prallen Leiber, wie fahl und gelb die
-schwammigen Alten. Und wie die Teufel die Leiber packen und krallen und
-werfen, würgen, zerren, stürzen, spießen und hängen.
-
-Italien konnte anderes. Das konnte nur ein Flame.
-
-Nicht überlegen ist italische Kunst der nordischen. Rubens und
-Michelangelo -- jeder in anderer Schale -- halten die Wage im
-Gleichgewicht.
-
-Schon lange vor Rubens sind in Belgien Höllenbilder von großer
-Vorstellung gemalt worden. Durch die Wirklichkeit nackter Körper ragt
-hervor Memlings Jüngstes Gericht (Abb. 14) in Danzig, das für einen
-Florentiner Kaufmann gemalt wurde. Das ist bezeichnend für den Ruhm der
-damaligen belgischen Malerei. Ihre starke Realistik, ihre Phantastik
-mußte auffallen. Höllenmalerei ist und bleibt tatsächlich in Belgien
-für lange ein ganz besonders reich beschenktes Gebiet.
-
-Mag immerhin der häufige Anblick grausamster Foltern und Hinrichtungen,
-furchtbarster Kämpfe von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus auf die
-Zahl dieser Themen mitgewirkt haben; für die Phantasie sind Tatsachen
-der Außenwelt nicht ausschlaggebend. Waren doch in jener Zeit überall
-öffentliche Hinrichtungen etwas Gewöhnliches. Haben doch die Maler
-aller Länder, haben längst die kirchlichen Bildner des Mittelalters
-überall gar zu gern dem armen Menschen das Gruseln vorm Jüngsten
-Gericht und der irdischen Gerechtigkeit beizubringen versucht. Nur
-haben die Maler Belgiens mehr als die anderer Länder schon früh Leiber
-der Sterbenden und Toten als etwas den Augen Genußreiches anzusehen
-gelernt.
-
-+Zumal Memling.+ Der hat sich tüchtig in den malerischen Anblick
-nackter magerer Leiber vertieft. Den Gram, die Qual, das Elend in
-erstarrten Köpfen haben auch Spätere kaum besser wiedergegeben. Sein
-scharfes Auge macht Memling zum Niederländer.
-
-Das Auge entscheidet, nicht die Masse des vorhandenen
-Beobachtungsmaterials. Ja das Ungewöhnliche wird sonst lieber
-angeschaut, aufmerksamer, es lehrt besser sehen als das was dem Auge
-gewöhnlich. -- Freilich wem hätten die schweren Heimsuchungen der
-flämischen Lande nicht die Augen und das Herz öffnen müssen für die
-höllischen Qualen ringsum?
-
-Doch hoch über Memling, rein als Höllenmaler gewertet, ragt der kaum
-zwanzig Jahre jüngere +Hieronymus Bosch+.
-
-Man vergleiche nur die beiden Höllenbilder dieser Meister. Dann
-schwindet die Phantastik des Memling, sein Realismus tritt als das
-Entscheidende vor. Beide schöpfen wohl aus gleichen Quellen: dem
-Bilderreichtum an den Kathedralen des Mittelalters, der Gemeingut der
-nordischen Völker und Kultur. --
-
-Memling macht nur die plastischen Bilder zu Malerei. Macht die
-horizontalen Prozessionen der Fassaden zu aufsteigenden Scharen, die
-zum Himmel wie zu einem Kirchenportal pilgern, macht die Verdammten zu
-herabstürzenden Massen. Memling geht also nur +einen+ Schritt weiter
-als die älteren Bildner, macht den bleichen Stein zum farbigen Bild, er
-schiebt die regelmäßigen stillen Reihen hin und her, auf und ab, vor-
-und rückwärts.
-
-Memling erfaßt mit einem Schlage, wie die besten seiner Zeitgenossen,
-wes' Geist die Plastik, wes' Geist die Malerei.
-
-Aber woher hatte Bosch die unendlich reicheren Bilder? Wer erklärt das?
-Wer erklärt das anders als aus einem Auge voll Wundern, einem Geist
-voll stärkster schöpferischer Kraft?
-
-Haben dem Memling nicht einmal die grotesken, derben Bilder der
-Mysterienspiele starke Impulse gegeben -- so wäre ein Bosch von
-vornherein als genialster Regisseur von Bühnen zu schätzen, der die
-raffiniertesten malerischen und technischen Mittel des Theaters
-Jahrhunderte vorausnimmt. Wahrhaftig hat Lafond, Boschs letzter
-Biograph, recht: »Bosch ist kein Primitiver. Die Macht des Gedankens
-steht im Gleichgewicht zur Fähigkeit, zu gestalten.« Er steht auf der
-Höhe seiner Zeit, auf einer malerischen Höhe, die inkommensurabel
-bleibt.
-
-Boschs Höllen sind weder Malerei gewordene Domskulpturen, noch
-malerische Erinnerungen aus kirchlichen Schauspielen.
-
-So viel sich Dollmayer abgemüht, aus den Dichtungen, aus den Spielen,
-aus allen möglichen Dingen der Wirklichkeit, Boschs Vorbilder
-festzustellen -- die unerschöpfliche Phantasie, das starke malerische
-Können dieses pessimistisch-lachenden Philosophen, alles macht ihn zu
-einer gestaltenden Persönlichkeit, die kein Gelehrter von dem Wunder
-künstlerischer Synthese jemals wird entschleiern können.
-
-Eher kann das bei jenen Zeichnungen der Fall sein, die Bosch für die
-Armen jener angstvoll apokalyptischen Zeiten entwarf -- wie unser Dürer
-das tat mit den Holzschnitten zur Offenbarung Johannis.
-
-Ganz wie Dürer wußte Bosch, was für die geistig ärmeren, was für die
-reiferen Geister seiner Zeit taugte.
-
-[Illustration: Abb. 16. +A. du Hameel+ nach +Bosch+, Das Jüngste
-Gericht.]
-
-Ja, der Stich Alaart du Hameels nach Boschs Zeichnung »Das Jüngste
-Gericht« (Abb. 16) war für die damalige Menge zweifellos leichter
-verständlich als Dürers apokalyptische Reiter, als Johannes, der das
-Buch verschlingt, als das Bild vom Sonnenweib und von der »Eröffnung
-des sechsten Siegels«.
-
-So wild grotesk uns auch die Monstra alle auf diesem Weltgericht Boschs
-anmuten, so vertraut waren sie dem Volke von damals aus den Skulpturen
-und Mummereien. Und wenn jenes Volk solche neuen Bilder doch noch
-lieber anschaute als die verwitterten Steinbilder -- so begegnete
-sich hier die Bewunderung des flämischen Volkes für einen großen
-Zusammenfasser mit dem genialen Verständnis des Künstlers für das
-Verlangen der flämischen Rasse. Dieser Künstler wußte von seinem Volke,
-daß es gern lachte. Und solche Bilder wollten und sollten auch lachen
-machen.
-
-Ein Ästhetizismus, der das vergißt, taugt nichts.
-
-Nicht van Eyck, Bosch ist der erste volkstümliche Künstler Belgiens.
-Das Wunderbare der belgischen Kunst ist, daß sie immer volkstümlich und
-doch hoch künstlerisch bleibt.
-
-So viel von Bosch als Höllengestalter.
-
-Vom unsterblichen Bosch als Humorist, als Landschafter, als Realist muß
-später die Rede sein. Ist doch Bosch ebenso ein Maler der irdischen
-Lust. Ihn nur als Maler von Grausamkeiten betrachten, wäre erbärmlich.
-Nicht nur das Grauslich-furchtmachende, seine ganze reiche, wunderbar
-malerische, phantastische Welt machen ihn zum Genie einer Rasse am Ende
-des Mittelalters, das nie so stark an Mitgefühl für Gemarterte war wie
-in Bosch. -- Als Maler des Grausamen und seiner Allegorie ist Bosch
-stärker und reicher, echter zumal als Botticelli, der Dantes Hölle doch
-nur illustriert. Und alles was Qual ist -- spielender schafft es Bosch,
-leichter als das Genie Lionardos. Wie mühte sich der Italiener ab um z.
-B. Wollust und Schmerz in einer Figur zu versinnbildlichen. Bosch schuf
-Tausende von Bildern der Qual und der Lust.
-
-Vielleicht wäre Bosch auch ohne brennende Städte und Scheiterhaufen,
-ohne all die hochnotpeinlichen Gerichte seiner Zeit der Maler solcher
-Phantasien geworden. -- Er war dazu berufen. Sein Volkstum ist sein
-Genie.
-
-Sein Volk will solche Bilder. --
-
-Denn wenn die +Künstler+ Belgiens gar nichts Furchtbares hätten malen
-wollen, Vertreter des Volkstums haben sie oft genug dazu bestellt.
-
-Nur drei interessante Beispiele hierfür. Interessant, weil sie
-beweisen, daß auch Werke nichtflämischer Künstler als unanfechtbare
-Zeugnisse des belgischen Volkscharakters Geltung bekommen.
-
-Von Holland her kam Gerard David nach Brügge. Er malte tüchtig -- und
-was wir sonst von ihm kennen, sind freundliche, liebliche, etwas kühle
-Bilder. So wurde er in Brügge angesehen.
-
-[Illustration: Abb. 17. +Gerard David+, Die Schindung des Sisamnes.
-
-Phot. F. Bruckmann A.-G., München.]
-
-Als nun die Brügger den Gerichtssaal der Schöffen mit einem recht
-passenden, eindrucksfähigen Bilde schmücken wollten, beauftragten sie
-David damit.
-
-Die Wahl des Malers zu solchem Thema war merkwürdig.
-
-Irgendein Gelehrter hatte in den Geschichten des Herodot diese
-unglaubliche Erzählung gefunden: Kambyses läßt den Richter Sisamnes,
-der durch Bestechung zu einem ungerechten Urteil sich hatte verleiten
-lassen, bei lebendigem Leibe die Haut abziehen. Die Haut wurde dann als
-Überzug des Richtersessels verwendet, auf dem der Sohn des Gerichteten
-künftig Urteile zu fällen hatte.
-
-[Illustration: Abb. 18. +Dierick Bouts+, Das Martyrium des h. Erasmus.]
-
-Die furchtbare Schindung mußte also David malen, obwohl er die
-besondere Fähigkeit dafür noch nicht gezeigt hatte.
-
-Doch er löste die Aufgabe ganz entsprechend den Wünschen seiner
-belgischen Auftraggeber (Abb. 17).
-
-Ruhiger, erbarmungsloser, herzloser hätte keiner dies unheimliche Thema
-malen können.
-
-An handgreiflicher Wirkung läßt das Bild nichts übrig.
-
-Und wenn auch unsere Mediziner sagen, das sei ganz unmöglich, einem
-lebenden Menschen die Haut abzuziehen wie einem toten Hasen -- auf die
-Zeitgenossen und auf uns Unbefangene wirkt der Vorgang so wahrhaftig,
-daß wir beim Anblick des roten enthäuteten Fleisches schon fast den
-üblen Geruch einer Anatomie zu atmen glauben. Was Schnaase von der
-volkstümlichen Wirkung des, eine Zeitlang nach Paris entführten,
-Bildes erzählt, ist für den im Bilde gewollten und von den Bestellern
-anerkannten Realismus nur eine Bestätigung. Das Publikum umdrängte das
-Bild wie eine leibhaftige Hinrichtung.
-
-Der Realismus ist auch sonst stark -- war er's unbewußt auch in der
-Darstellung der völlig teilnahmslosen Richter und Zuschauer und Henker?
-
-Ich glaube es, abgesehen von der Gewöhnung des flandrischen Volkes
-selbst an solche Hinrichtungen, weil ähnliche Bilder dieser Zeit, so
-realistisch sie auch sonst sein mögen, kaum ein leises Entsetzen --
-eher ein verstohlenes oder gar offenes Behagen an dem Anblick des
-Gemarterten verraten.
-
-Noch ein Holländer, in einer belgischen Stadt lebend, hat sich durch
-zwei Bilder ungewöhnlich grausamer Hinrichtung beliebt gemacht bei den
-Belgiern:
-
-+Dierik Bouts.+
-
-Dierik Bouts, der Stadtmaler Löwens, bekam diese echt belgischen
-Aufträge. »Das Martyrium des heil. Hippolit« das neuerdings dem
-»Meister von Brabant« zugeschrieben war, hängt in der Erlöserkirche
-zu Brügge (Abb. 9). Das Martyrium des heil. Erasmus (Abb. 18) ist in
-der Peterskirche zu Löwen. Das Zerreißen eines Lebenden in vier Teile
-war häufig genug. Aus den belgischen Sagen braucht hier nur an die
-Genovefasage und die Hinrichtung Golos erinnert zu werden.
-
-In beiden Bildern keine Spur von Entsetzen. Nur einer der Zuschauer
-nimmt die Körperzerreißung mit jener Spur von Mitleid auf, wie wir etwa
-eine leichte Tierquälerei auf der Straße. Dem Schergen links macht die
-Aufgabe entschieden Freude. »Das ist doch mal was anderes als Henken.«
-
-Und den Henkern des Erasmus sehe ich, entgegen sentimentaleren
-Kritikern nur die Mühe ihrer Arbeit an; nichts weiter. Beim Bärtigen
-links ist das nicht zu bezweifeln. Der zusammengekniffene Mund des
-andern könnte als leichte mitleidige Regung aufgefaßt werden, wenn nur
-nicht die Augen in weite Ferne, an dem Gemarterten ganz vorbei schauen
-würden.
-
-Doch nun Vorsicht vor falschen Schlüssen auf den Volkscharakter und vor
-Mißverständnissen.
-
-Charakteristisch für den belgischen Volkscharakter sind hier nur die
-Besteller: die Herren von Löwen und Brügge.
-
-Die aber dürfen wir uns mindestens so teilnahmslos vorstellen bei
-solchen Greueln, wie das Publikum, das der Realist Bouts in beiden
-Bildern gezeichnet hat. Auf den Holländer Bouts trifft trotz dieser
-Bilder nicht der Vorwurf besonderer Lust am Grausamen.
-
-Und die sichtliche Teilnahmslosigkeit der Zuschauer beider
-Hinrichtungen ist nicht mehr als Tatsache und ist nicht mehr als
-allgemeine Erscheinung bei allen Völkern der Zeit.
-
-Wären Bouts und David nicht +nur+ Realisten, sondern starke
-sittenrichterliche Allegoristen gewesen -- wie Bosch und Breughel --
-so hätten sie wenigstens den Richtern des Hippolit, des Erasmus, des
-Sisamnes Fratzen aufsetzen müssen voll von teuflischer Lust an den
-sich krampfenden, zähneknirschenden, armen Gemarterten. Das wäre die
-richtige Anspielung auf die mehr als abgehärteten Besteller gewesen.
-
-Die Gleichgültigkeit der doch ganz ohnmächtigen Zuschauer ist nicht
-als kunsteigentümlich anzusehen. Auch Italiens Künstler zeigen
-Italiens Volk genau so teilnahmslos. Nur freilich, wie wurde dort das
-Schreckliche vermieden, das Blutige verdeckt.
-
-Auffallend echt malen Bouts und David selbst +diese+ Henker. Fast
-überall sonst -- zumal auf dem berühmten Johannisaltar des Massys in
-Antwerpen -- wurden die Henker karikaturenhaft häßlich dargestellt und
-in ihrer Arbeit so fanatisch wütend wie nur denkbar. Das war nicht der
-Wirklichkeit entsprechend, war entweder Unfähigkeit oder nur Konzession
-ans Publikum, billige Deutlichmachung von Repräsentanten des Auswurfs
-der Menschheit ohne psychologische Konsequenz. Denn der Auswurf bleibt
-regungslos beim Grausamen. Realismus ist und bleibt das Auszeichnende
-dieser Bilder und dieser Künstler.
-
-[Illustration: Abb. 19. +Brügger Meister+: Der Tod der h. Ursula.]
-
-David und Bouts malten für ihre Zeit die Dinge wie sie waren. Sie
-brauchten keine billige Übertreibung. Ihre Henker haben eben nur die
-richtigen »konfiszierten Gesichter«. Nicht mehr. In der Geschichte
-der künstlerischen Physiognomik wird der Verzicht auf pathetische
-Übertreibung immer einen Höhepunkt bezeichnen.
-
-Hoch, höher jedenfalls als Bouts steht in dieser Beziehung +Memling+.
-Sein »Martyrium des h. Sebastian« im Louvre zeigt ihn als Meister
-im Gesichtsausdruck. Hier ist an der teuflischen Lust des einen
-Bogenschützen, am Mitleid des andern nicht zu zweifeln. -- Doch wie
-ganz anders stellten Italiens Künstler diesen Heiligen dar. -- Als
-Gegenstück zu Memlings berühmterem Ursulaschrein in Brügge mit der
-Erschießung der elftausend Jungfrauen und der h. Ursula sei hier ein
-anderer Ursulatod aus dem Kloster der schwarzen Schwestern in Brügge
-gezeigt. (Abb. 19). Der Maler ist jetzt unbekannt, er wurde damals
-aber besonders gut bezahlt von Florentinern. Als Charakterschilderer
-keineswegs groß, sagt er uns doch viel von der Beliebtheit des
-Bogenschießens in Flandern. Jedenfalls erklärt die in Brügge
-aufbewahrte Reliquie nicht allein, erklärt auch die Volkssitte die Wahl
-des gleichen Themas, erst durch diesen Meister, dann zehn oder zwanzig
-Jahre später durch Memling.
-
-[Illustration: Abb. 20. +Amb. Francken+, Die Hinrichtung der Heiligen:
-Crispin und Crispinian.]
-
-Etwa hundert Jahre nach David malte +Ambrosius Francken+ in Antwerpen
-den Märtyrertod der h. Crispinus und Crispinianus. (Abb. 20). Wieder
-bleibt die Wahl gerade einer so ausgesucht furchtbaren Hinrichtung
-belgischen Bestellern und Malern vorbehalten. Diesmal ist die Ruhe
-der Gemarterten auffallend, die Unruhe, das Entsetzen der Henker und
-Zuschauer erscheint unmotiviert. Die physiognomischen Motive gibt die
-Legende: die ausgeschnittenen Hautpfriemen springen wunderbarerweise
-auf die Henker zurück. Sie erschrecken, fühlen sich gefoppt.
-
-Es ist unmöglich, die Kette vortrefflich gemalter belgischer Bilder der
-Grausamkeit zu verfolgen.
-
-Natürlich blieb Rubens ungestümes, auf stärkste künstlerische und
-seelische Wirkung berechnetes Schildern so vieler Schlachten und
-Martyrien umso mehr von Einfluß auf die ganze folgende Zeit, als ja ein
-Heer von Stechern und von Nachahmern der oft umgeänderten Stiche gerade
-die pathetischsten Werke des großen Flamen in alle Welt verbreiteten.
-
-Im letzten Jahrhundert suchte ein großer Schwärmer, aber schlechter
-Maler in Brüssel als kongenialer Folger des Rubens zu gelten: +Anton
-Wiertz+.
-
-Sein Museum ist, zumal für Künstlerische, eine gemalte Folterkammer.
-Er will entsetzen, will durch kaum auszudenkende Bilder verblüffen. Er
-wollte +noch+ mehr grauenerregende Bilder schaffen als alle vor ihm. Er
-malt Napoleon in der Hölle, das Grauen der Cholera, Hölle und Krieg,
-Wahnsinn, Verbrechen und Tod.
-
-Der Scheintote (Abb. 21), der den Deckel seines Sarges zu heben sucht,
-dessen Rechte den Betrachter des Bildes zu erreichen sucht, das sind
-Bilder, die wohl eher in ein Panoptikum gehören als in eine Galerie,
-die aber doch unverkennbare +Epigonen+ sind Bosch's und Brueghels und
-Rubens', der Unerreichbaren.
-
-Denn wie diese, nur immer zu unkünstlerisch, absichtlich knüpft auch
-Wiertz gern an Ereignisse seiner Zeit, an Dinge, die er erlebt.
-
-»Die Ohrfeige einer belgischen Dame« (Abb. 22) ist ein Bild, geboren
-aus der Erinnerung an die französischen Eroberer Belgiens, die
-anders vorgingen als unsere Helden. So zeichnete ein Belgier die
-Belgierinnen! --
-
-Und doch liegt Wiertz' Schaffen fast jenseits der Kunst, jedenfalls
-jenseits guter Malerei. Und seine Kunst ist nur Zerrbild flämischen
-Geistes, wie jener Pöbel Belgiens, den unsere Krieger kennen gelernt.
--- Vor allen anderen Großen Belgiens fehlt ihm als Maler sehr
-sinnlicher Themen die gesunde, kraftvolle, naive Sinnlichkeit, die ein
-göttliches Vorrecht. Seine Sinnlichkeit ist krankhaft, altersschwach.
-Die Belgier können nicht stolz auf ihn sein.
-
-[Illustration: Abb. 21. +Antoine Wiertz+, Das Erwachen des Scheintoten.]
-
-Ein anderer, echter Belgier aus Namur war +Felicien Rops+.
-
-Ohne über die so entgegengesetzten, verdammenden und rühmenden Urteile,
-die sein Werk erfahren, ein Wort zu verlieren, sage ich nur: Er ist
-ganz das, was Bosch für seine Zeit war. Phantast seiner Zeit, Moralist
-mit den Mitteln, mit den Bildern seiner Zeit.
-
-So wenig wie Bosch schreckt er vor den gewagtesten Bildern zurück, um
-das zu sagen, was er erlebt. Erlebt ist seine Wollust.
-
-Hier eine Illustration zu Peladans »~Vice suprême~«: »Das erhabene
-Laster«. (Abb. 23.) Der Tod ist's der verblendeten Leidenschaft.
-
-Verblendung und Wahn bis über den Tod. Wie ein Triumphator steht der
-vom Tod zerfressene Galan, den Schädel unterm Arm eingeklemmt, auf dem
-Podium der gierigen Liebe. Er öffnet den Sarg einer Dirne mit falschem
-Busen, dem Fächer und rauschenden Röcken.
-
-»~Ecce homo -- ecce Eros.~«
-
-[Illustration: Abb. 22. +Ant. Wiertz+, Die Ohrfeige einer belgischen
-Dame.]
-
-Ähnlich sein Bild vom »Syphilitischen Tod«. Grausam zupackend. Ganz wie
-Bosch ist Rops ein Symbolist, der selbst alle Leidenschaften erlebt
-haben muß, ein Symbolist vor allem auf der unendlichen, schrankenlosen,
-erotischen Welt, die gebiert und vernichtet.
-
-Solche Bilder des Rops sind flammende Menetekel an den Wänden
-überfüllter Bordelle. Es sind Kapuzinaden voll scharfer, witziger
-Schlager, die lachen machen und die Genießer aufrütteln und
-beschäftigen, wenn die Dämmerung kommt und die verführerische Nacht. --
-Wie Bosch, sein unsterblicher Ahne, denkt auch Rops, daß der Skandal
-der Prüden wichtiger ist als die Lüge, daß es verflucht notwendig,
-solche Dinge zu sagen und zu zeigen, wie sie sind.
-
-Zumal gegen Wiertz ist auch die kraftstrotzende, üppige Erotik des Rops
-gesund, wenn auch noch so weltstädtisch, so verführerisch durch alle
-aufpeitschenden Mittel halbweltlerischen Luxus.
-
-[Illustration: Abb. 23. +F. Rops+, »Das erhabene Laster«.]
-
-Wiertz zeigt seine Nuditäten durch Schlüssellöcher. Rops zeigt das
-Schamlose schamlos. Er hat immer die starke, spiegelnde Wahrheit -- das
-freie, echte Künstlertum auf seiner Seite.
-
-Und das gilt von der belgischen großen Kunst durchweg.
-
-Es ist kein Zufall, ist Zeichen der Selbsttreue einer Rasse, daß Bosch
-und Breughel, Rubens und Rops sich folgen wie die Glieder einer Kette.
-In der Wiederholung der Themen und der Typen ist Charakter.
-
-Und ob die Welt um 1900 gar so von Grund aus -- auf dem von diesen
-Künstlern gleich stark geliebten und gleich hart gegeißelten Gebiete --
-anders war, als die um 1500?
-
-
-
-
-Von der sinnlich-übersinnlichen Phantastik belgischer Maler
-
-
-»Ich bin ein melancholisches Geschöpf, dessen Lustigkeit Wahnsinn oder
-Unsinn ist.«
-
-Dies Bekenntnis de Costers, dessen bester Illustrator Rops war, hätte
-auch Hieronymus +Bosch+ von sich aussprechen können.
-
-[Illustration: Abb. 24. +Hieron. Bosch+, Der Heuwagen.]
-
-Beide lachen mit dem einen und weinen mit dem andern Auge.
-
-Die Bilder des Bosch sind fast alle bitterernst gemeint und doch fühle
-ich, sie hat einer gemalt, der gar herzhaft über eigene und fremde
-Torheiten lachen konnte, lachen hören und sehen wollte.
-
-Wie in einem Kaleidoskop wechselt in Boschs unerklärlichen Bildern das
-Nebeneinander von farbiger Freude und düstrem Schmerz.
-
-»Der Heuwagen« im Eskurial (Abb. 24). Himmel und Erde! Hinter dem
-Heuwagen unter Gott Vaters leuchtenden Wolken eine wundervolle echt
-flandrische Landschaft. Weit und feucht. Und über das flandrische Land
-fährt der Menschheit Wagen. Hoch auf dem schwankenden Polster von
-Blumen und Gras ein Jüngling mit der Gitarre beim Liebchen. Und der
-Teufel bläst auf seinem Rüssel die üble Begleitung: »Alles Fleisch ist
-wie Heu und alle Herrlichkeit wie die Blume des Feldes.«
-
-Die Todsünden -- alle unerklärlichen Laster in unerklärlichen Gestalten
-ziehen den Wagen -- dem die ganze Welt, Kaiser und Könige, Kardinäle,
-Papst und Geistliche, dem die Ärmsten und Elendesten voller Verlangen,
-voll Zuversicht auf herrlichen, leichten Genuß und Vorteil folgen.
-
-Und sie kommen noch alle aus lauter Eifer unter die Räder!
-
-Eines der schönsten und wichtigsten Bilder des Bosch. Eine +Malerei+,
-nicht etwa eine jener gelehrten Ausklügeleien, von elenden
-Unkünstlerischen zur sogenannten moralischen Allegorie zusammengebaut.
-Kein Katechismus. Kunst und Leben, die zwei, die immer vom Schleier des
-Geheimnisses verhüllt bleiben.
-
-Viel rätselhafter -- aber gleich stark als malerische Schöpfung ist das
-andere große Bild des Bosch im Eskurial (Abb. 25).
-
-Es hat die entgegengesetztesten Namen. »Die irdischen Freuden« nennen's
-die einen. Die andern: »Die Völlerei«. Die beides sehen, nennen's:
-»Die Strafe der Laster«, »Die Wollust und der Teufel«.
-
-[Illustration: Abb. 25. +Hieron. Bosch+, Die Freuden der Welt.]
-
-Doch hier sei's betont: wir sehen derartige groteske Höllenbilder meist
-viel zu ernst an. Bosch zumal hat Freude an unserm Lachen. Wer so einen
-Lasterzirkus erfunden hat, der fühlte, die Verrücktheiten der Menschen
-sind unausrottbar. Es dreht sich alles im Kreise. -- Und im einzelnen
-wie viel köstlicher Humor, wie viele mühen sich ordentlich ab, doch
-endlich zu den Lustgefühlen zu kommen, die sie sich ersehnt. Von
-solchen Bildern können Tausende von Phantasten, Symbolisten leben. Die
-Bilder sind unerschöpflich. Die einen machen sich, die andern andern
-was vor, aus Verlangen, aus Zeitvertreib. Manche spielen Versteck --
-isolieren sich -- um doch Narren und Sünder zu bleiben wie die in der
-großen Welt.
-
-Im einzelnen bleiben die Traumbilder des Bosch, die ihm erlebte
-Wirklichkeit sind, unerklärlich. -- Die »kleine Hölle« (Abb. 15), in
-der's zugeht wie in einer belagerten, erstürmten, brennenden Stadt,
-in der die Eroberer plündern und die Menschen nackt wegführen und
-foltern (in Hogenbergs Radierungen ist's die furchtbare Wirklichkeit
-geworden) -- im »+Jüngsten Gericht+«, das nach Bosch Alaart du Hameel
-gestochen hat (Abb. 16), sind Gestalten, sind Maschinen, Tiere und
-Menschen und wieder Gestalten, die alles das in einer ungeheuerlich
-karnevalistischen Form sind.
-
-Wer erklärt sie?
-
-Was sind's sonst als die geistigen, seelischen, körperlichen Qualen der
-genarrten, nur aus Glücksucht verbrecherischen Menschheit?
-
-Es fällt ein Schimmer von Sympathie auf den düsteren Tyrannen der
-Niederlande Philipp II. von Spanien, daß er an keinen Bildern bis zum
-Tode solche Freude empfand wie an diesen erlebten Menschheitbildern,
-gesehen wie im Spiegel eines unergründlichen Märchensees, um den die
-Pessimisten sich sammeln und die Träumer. -- Woher hat Bosch solche
-Phantasien?
-
-Aus seinem Genie, seinem Land, seiner Zeit und allem vor ihm.
-
-Vergil und Talmud und Indien, Hellenisches und irische Sagen, Bibel
-und Masken und Geräte wilder Völker erkennt der gelehrte Literat und
-Ethnograph da und dort im kaum verwandelten Bilde.
-
-In Bosch lebt der Geist der flämischen Rasse, der Geist des
-Mittelalters, der sterbend Neues erschaut.
-
-»Charakteristisch für den Geist des Bosch,« sagt Lafond, »ist sein
-Verlangen nach lebendigem Ausdruck. Er ist der erste Maler seines
-Landes, der umherging, um alles zu beobachten, was nur geschah, der
-die Feste besuchte und das Volk bei seinen Vergnügungen, die nirgends
-so häufig und derb wie in Flandern und Brabant.« Es war die Zeit, da
-zwei Epochen mit aller Heftigkeit aufeinanderplatzten. Die Hirne
-zermarterten sich in Sorgen und Aberglauben, in den Weissagungen der
-Apokalypse vom nahenden Weltende.
-
-Aber in Flandern und Brabant blieb trotz allem noch der Geist
-überlegener Gelassenheit, der sich lustig macht und mit einer
-derben Zote ins volle Leben zurückspringt, wenn's nicht anders mehr
-auszuhalten. Der Spott des Genießers liegt in allem. Eine köstliche,
-lachende, praktisch bewährte Philosophie des Durchhaltens.
-
-Bosch hat viel gesehen. Daheim und in der Ferne. Ob er weit gereist
-ist? Ein so Reicher hat das nicht nötig. Er hat viel gelesen und
-viel gesehen in den Büchern von Mandevilles indischen Reisen,
-vom Physiologus mit seinen Mißgeburten und Ausgeburten begabter
-Reiselügner. Die erzählten von Menschen ohne Beine, oder von
-Seeweibern, die fast Fische waren, von allen Unmöglichkeiten.
-
-Bosch vertiefte sein suchendes Auge in die grotesken Wasserspeier der
-Dome, die Teufeln, die unter den Konsolen der Heiligen hocken, die
-aus den Fassaden herauslugen und sich krümmen müssen zu Armlehnen im
-Gestühl für die lebenskundigen Chorherren.
-
-Das war alles Art von seiner Art an den Kirchen von Brüssel und
-Löwen, in Breda und im Rathaus von Damme. Das war immer und immer
-noch die gleiche anthropomorphisierte Welt der Sonderlinge um ihn
-herum auf den Jahrmärkten und in den Stuben. -- Er sah die Teppiche
-Persiens mit Jagden und Prozessionen und rätselhaften Zeichen. --
-Bosch aber verknüpft und verknotet und umschlingt diese Millionen von
-Vorstellungen zu einer ewig von Fragen erfüllten, atmenden Welt.
-
-Einem Flamen gelingt dieser Wurf!
-
-Eine lebendige Welt. Äonen von Leiden und Freuden fern, fern von der
-hellenischen Welt mit ihren schönen Menschen ohne Erlebnis.
-
-Bosch geht noch weiter als alle Erfinder und Phantasten Er bildet
-Menschen, die sind halb und halb Geräte, Maschinen, Mühlen mit Armen
-statt Flügeln, Häuser mit glotzenden, phosphoreszierenden Augen statt
-der Fenster. Seine Höllen sind voll von Belagerungsmaschinen, Flug- und
-Schwimmaschinen, die Ingenieure verrückt machen, beschämen und anregen
-könnten.
-
-Das alles ist Boschs persönlichstes Eigentum -- geschöpft aus den
-tiefsten Quellen der Menschheit, aus der Art seiner Rasse: »Die Belgier
-haben«, sagt L. Maeterlinck, »von Anfang an stärkste Begabung gezeigt
-für Satire und Phantasie.« Und V.[1] sagt: »In Flandern darf nichts
-abstrakt sein, dort muß der Stein lebendig sein, in steter Bewegung, so
-wie Pflanze, Bäume, das Feuer, die Vögel, das Tier und die Menschen,
-selbst auf die Gefahr hin, einen strengen Geschmack mit dieser
-Bewegungsfülle zu verletzen« (Was z. B. von Michelangelo gilt.)
-
- [1] Es widersteht mir, den Namen dieses Schriftstellers zu
- nennen, der das künstlerisch beste Buch über Rubens geschrieben
- hat. V. hat unsere deutschen Krieger in einer so unflätigen
- Weise, die nur grausamster Selbsterfindung zweifelhafte
- Ehre machen kann, beschimpft, daß sein Name alles Vergessen
- verdient. Nicht nur seitens der Deutschen, ebenso seitens
- der Flamen, deren Verräter und Abtrünniger er geworden. Haß
- aus politischen Gründen ist verzeihlich -- wer aber seine
- unsterbliche Rasse beschimpft, verdient Namenlosigkeit.
- -- Gleichzeitig bemerke ich, daß der hier öfter genannte
- =L.= Maeterlinck nicht mit dem uns gleichfalls verächtlich
- gewordenen Maurice M. identisch ist. Wie Französelei die
- modernen Städte Belgiens charakterlos gemacht hat, so ist das
- Verhalten V's. und M. M's. Mordversuch am allein schöpferischen
- Flamentum.
-
-Wer heute sich in die Bilder des Bosch vertieft, sieht die tolle, bunte
-Menschheit -- er sieht, wie nirgends sonst, die Seele Flanderns.
-
-Das macht den Ruhm des Bosch bei seinen Zeitgenossen klar.
-
-Bosch ist der Maler der Zauberei und der Hexenprozesse -- der Angst vor
-Folterqualen, des Suchens nach Errettung durch Gottes Wort und Macht.
-Seine Bilder von der Bühne des Lebens der flämischen Lande waren alle
-warmblütigen Lebens voll.
-
-Das Verhältnis König Philipps II. ist für die Seelencharakteristik
-dieses melancholischen Tyrannen unerläßlich.
-
-Seine öffentlichen Handlungen waren nichts als kalte berechnende Posen,
-er spielte vor einem Publikum, das in stiller Angst erzitterte. Und
-Bosch malte dies Volk und diesen Herrscher.
-
-Diese Bilder paßten also nirgends besser als in den Beichtstuhl und
-vor das Totenbett des kranken Tyrannen, der ein geniales Volk verbissen
-und heimtückisch gemacht hat.
-
-Verbohrtheit ist in diesem Maler, in diesem Volke, diesem Herrscher. --
-Verbohrtheit bis zum Genialen.
-
-[Illustration: Abb. 26. +James Ensor+, Der Krieg. (Verlag Ey,
-Hannover.)]
-
-Trotzdem, trotz Michelangelo ist Bosch ein vollkommener Künstler.
-
-»Seine malerische Harmonie ist ebenso stark, seine Farbe ebenso warm
-wie die Rembrandts. Er steht ihm gleich.« (Lafond.)
-
-Der Einfluß des Bosch ist unermeßlich. Natürlich auch gefährlich
-gewesen, wie der aller ganz Starken und Einzelnen.
-
-Callots »Versuchung des h. Antonius« ist ohne Bosch kaum denkbar.
-
-Ein letzter Verwandter in Belgien mag +James Ensor+ sein (Abb. 26).
-Nur ist Ensor kein Reifer, kein Lachender wie Bosch. Er griffelt
-die Ängstlichkeit in zitternden Linien von traumhafter Zartheit. --
-Drohender Pöbel, Massenangst, das sind seine Themen.
-
-Die Reihe der Bilder übersinnlicher belgischer Phantasten des Lebens
-und des Todes schließe ich mit einem der gewaltigsten, dem »+Triumph
-des Todes+« von +Pieter Brueghel+ (Abb. 27).
-
-Muß der Ruhm Bosch' als Maler noch verteidigt werden, so steht Brueghel
-als einer der größten Maler über allem Streit.
-
-Auch in +dem+ Bilde ist er Maler und Landschafter hohen Ranges. Aber
-die Wucht der Erfindung fesselt fest das Auge an die Darstellung.
-
-Auch hier, wie bei Bosch, bei Rubens, bei Rembrandt eine Komposition
-voll divergierender Richtungen und schneidender Zäsuren. Es ist ja auch
-ein Bild des Hin und Her.
-
-Die Schlacht, die nie aufhören wird. --
-
-Wie im »Kindermord« hat der Schrecken etwas Erstickendes.
-
-In geschlossenen, dichten Reihen schieben sich hinter Schildern wie
-Sargdeckeln die Bataillone des Todes vor. Viel kleiner -- und ganz
-zerrissen die Schar der Menschen. Die Karren des Todes sind schon voll
-bleicher Schädel. -- Weiter hinten tobt in Schluchten eine andere
-Schlacht. Nirgends Sicherheit vorm Tod.
-
-Am Horizont rauchende Städte. Im Meer untergehende Schiffe. Auf
-der großen Richtstätte gehen Henker ihrer Arbeit nach. Gugelmänner
-bestatten die Toten. Alles kahl und kalt. Vorn aber liegt der Kaiser
-gleichgültig auf seinem Purpur -- und noch spielt ein Liebhaber im
-Schoße einer Buhlerin die Laute.
-
-Spiel und Grausen. Tod und Karneval. Wahrheit und Gleichnis.
-
-In Pisa und Palermo, deren »Todestriumphe« der niederdeutschen Kunst
-näher stehen als ähnliche Bilder in Italien, sind die Allegorien
-illustrative Paraphrasen alter enger literarischer Themen. Frisch
-hat Breughel erfunden, nichts ist Illustration. Breughels Kampf
-ist ohnegleichen. Und das Chaotische der Komposition ist auch vom
-andern Flamen Rubens bewußt oder unbewußt im »Sturz der Verdammten«
-aufgegriffen.
-
-Wenn nach Breughel auch kein Rubens gekommen wäre, Bilder so starker
-Art bestimmen die Charakterzeichnung der Rasse.
-
-In Breughel feiert die germanisch-flämische Kunst Höchstes:
-
-»Uns ist nichts häßlich. Verhaßt ist uns nur das Leblose.«
-
-Die tiefere Bedeutung dieser germanischen Begabung wird in Breughels
-Werk erschlossen.
-
-Sein Vorgehen muß auch uns Beispiel und Schild bleiben.
-
-Denn wieviel liegt in solchem Bekenntnis!
-
-Der Reichtum aus solcher Anschauung erdrückt allen ästhetischen
-Formalismus, er erschließt künstlerische Gebiete von nie geahntem, nie
-auszuschöpfendem Erträgnis vom goldnen Überfluß der Welt.
-
-[Illustration: Abb. 27. +Pieter Breughel+, Der Triumph des Todes.
-Lichtdruck von Karl Kuhn, München.]
-
-
-
-
-Vom belgischen Heimat-Realismus
-
-
-Vom starken Realismus belgischer Maler mußte schon oft die Rede sein.
-Er ist das Kennzeichen aller Großen dieses Landes.
-
-[Illustration: Abb. 28. +P. Breughel+, Ein brabantisches Dorf.]
-
-Er ist Voraussetzung für die große Zahl mächtiger Bilder, furchtbarster
-Schrecknisse des Todes, der Schlachten, der Martern, der ganzen Fülle
-von Bildern mit an sich häßlichen Erscheinungen.
-
-Denn auch Phantasie setzt, wenn sie als höchste Kunst gewertet sein
-will, Naturstudium voraus. Auch die wildeste Phantasie ist Tochter der
-Erinnerung, die die nackten Tatsachen fest angeschaut.
-
-Doch nun einiges von der Geburt, dem Entwicklungsgang, der Ergiebigkeit
-des belgischen Realismus, der in den Künstlern lebt und im Volk, der
-dieses glücklich und reich, jene begehrt macht.
-
-Wie er anfängt, früher, großartiger, entschlossener als sonst wo, wie
-er die Kunst Belgiens in ganz Europa berühmt macht, berühmter sogar als
-die Kunst anderer Länder, wie er erobernd vorgeht, wie er mit dem einen
-das andere Gebiet erschließt, deren Bedeutung befestigt und durch alle
-Zeiten verteidigt.
-
-Nur einmal sank der Ruhm belgischer Kunst dahin, als der realistische
-Sinn verachtet wurde, als die Belgier, verblendet von Italiens
-Schematismus formalen Aufbaus, das Land verließen und mit ihm die
-feste, bodenständige Anschauung ihrer alten Künstler.
-
-Doch die unglückliche Zeit des Abfalls der Künstler der
-malererzeugenden Niederlande von ihrer Heimat, vom starken flämischen
-Naturell, von der Form der germanischen Rasse währte nicht lange.
-
-[Illustration: Abb. 29. +Pieter Breughel+, Das Hochzeitsmahl der
-Bauern.]
-
-Zur selben Zeit kam einer aus irgendeinem Neste Brabants, der rüttelte
-sein Volk auf, schüttelte voll Zorn die Ausländerei der Maler ab: Das
-war +Pieter Breughel+.
-
-Breughel ist der Vater der belgischen Heimatsmalerei.
-
-Er erschließt endgültig alle Probleme und Taten der belgischen Malerei.
-Er ist der urwüchsige, ausschlaggebende Künstler der zähen, kraft-
-und fruchtstrotzenden Opposition im belgischen Realismus gegen alle
-Fremdtümelei -- unter der die deutsche Kunst ach so oft und schwer
-gelitten.
-
-Breughel war jung in Italien. In Rom, wie so viele. Nichts scheint
-ihn dort interessiert zu haben. Kaum etwas blieb von seinen römischen
-Studien. Die hatten keinen Wert für ihn.
-
-Aber in den Alpen da geht ihm das Herz auf, das Auge des Zeichners, des
-Malers, des Realisten.
-
-Keiner hat zu jener Zeit so ganz das mächtige, große, unendliche Auf
-und Ab der Felsen und Täler, der Hänge und der Flüsse zwischen den
-Bergreihen in sich aufgenommen, wie dieser Maler des Tieflandes. Mit
-und nach ihm wurden Belgier beste Alpenmaler.
-
-[Illustration: Abb. 30. +P. Breughel+, Das Gleichnis von den Blinden.]
-
-Aber dann vermißt er die Berge nicht mehr, deren feuchte Wände er
-gemalt, wie erst ein Böcklin wieder im letzten Jahrhundert. Er
-konstruiert nun nicht etwa, wie andere, unwirkliche Bergbilder. Nein
-er sieht eine Welt von linearem Reiz in -- den schlichtesten Dörfern
-Brabants. Er zeichnet die Hütten seiner Bauern mit unerhörter Treue --
-mit derselben Treue, mit der der richtige Italienschwärmer von damals
-nur Paläste Italiens gezeichnet, nur Statuen und schöne Posen und
-vollkommene Akte.
-
-Eine ganze Folge von solchen Stichen entsteht. Immer wieder mußten sie
-verlegt werden, so sehr gefallen sie im ganzen Lande. Die Heimatkunst
-wirkte wechselseitig. Eine solche Liebe zu solchen Bildern der Hütten,
-die frei sind von jeder Art Verschönerung, die auch noch nicht einmal
-das Volk in irgendwie fesselnd-deutlicher Weise zeigen war noch nicht
-da. Es war etwas ganz neues. (Abb. 28.)
-
-Breughel gab dem Volke das als +denkbar+ schön, was die +Kenner+ vorher
-als minderwertig und häßlich verachtet hatten.
-
-Er hebt also alte Schätze aus vorher ungesehenen Tiefen. Er gab nicht
-nur anderes, er malte auch durchaus anders, als damals für schön galt.
-Seine ganze Umgebung schwärmte nur für Rafael.
-
-Alles an dem Maler ist Opposition gegen Schönheitsbegriffe der Zeit.
-Alles ist Charakter. Alles Heimat-Realismus.
-
-Die von Italien kamen, malten die Bilder im Hochformat. Er zieht das
-Breitformat vor, das weitaus herrschend geblieben in der +echten+
-nordischen Kunst. Was er malte war weit und breit gesehen.
-
-Er malt bunter als andere. Nicht fein nüanciert. Er setzt die
-Lokalfarben, setzt blau und gelb und rot unvermittelt nebeneinander.
-
-Er malt die Dinge wie er sie sieht, nicht nach feinen Rezepten.
-
-Er malt Volk, nicht Heilige, malt Genre, nicht Religionen, nicht Engel
-im Himmel, sondern Bauern im Wirtshaus -- malt Straßen und Schützen,
-Trunkenheit und Epilepsie.
-
-Und das bleibt das Thema der belgischen Kunst, trotz van Dyck.
-
-Er malt die Häßlichsten und Ärmsten und gibt solchen Bildern ohne alle
-irgendwie pathetischen Mittelchen Wucht und Größe.
-
-Oder nicht? -- -- Sind die »Blinden, die Blinde führen« nicht
-herrlicher, bedeutsamer, packender und zwar auch rein als Kunstwerk als
-all die schonen und verzückten und entzückenden Heiligenbilder dort
-ringsum im Museum zu Neapel? (Abb. 30.)
-
-Breughel schlug noch einmal Bresche für flämisch-niederdeutsche
-Art. Für ihn war das schwerer als gut 100 Jahre früher für die van
-Eyck. Denn damals galt auch in Italien das Niederländische. Jetzt
-beeinflußten Rafael, Michelangelo, Tizian den Geschmack hier wie dort.
-Dort mit Recht. Hier zu unrecht. Denn Breughel ist wie Bosch, wie van
-Eyck vom Uradel seines Landes, wie jene von ihrem. Fremde Herren aber
-können den Adel nicht verleihen.
-
-Das sei nie vergessen.
-
-So scheidet Breughel nicht nur endgültig Belgien von Italien -- er
-ändert auch die Richtung der Anschauung im eigenen Lande.
-
-Nur einiges von dem, was ihn unterscheidet von den alten belgischen
-Künstlern; seine Auftraggeber, von denen des van Eyck.
-
-Breughel sieht nicht mehr die Pracht der hohen Herren. Pomphafte
-Aufzüge, wie wir sie so vielfach in den alten reichen Handschriften
-der Herzöge von Burgund, im Turiner Gebetbuch (Abb. 31) mit
-erstaunlichster Treue und Farbenfreude gemalt sehen, wie sie Jan van
-Eyck in dem epocheeröffnenden Genter Altar geschildert -- interessieren
-Breughel nicht. Er liebt die bunte Masse.
-
-[Illustration: Abb. 31. Die Landung Wilhelms von Bayern in Holland.
-
-Miniatur aus dem 1904 verbrannten Turiner Gebetbuch.]
-
-Die Landschaft des Turiner Gebetbuches, die Küste mit dem Turm von
-Vere, die Atmosphäre ist freilich holländisch. Und der dargestellte
-Wilhelm IV. von Bayern war Herzog von Holland. Aber hier gilt uns
-mit Recht das Bild als Beispiel für die Prunkliebe der damaligen
-Höfe, für das große Interesse der Hofmaler für prachtvolle Stoffe.
-Erst allmählich änderte sich dies mehr und mehr ins Bürgerliche
-und Bäuerliche. Nur eines blieb stark in beiden Niederlanden, die
-stoffliche Wahrmalerei. -- Diese war altes Erbteil der Niederlande.
--- Aber keiner war vor Breughel stark durch den ausgesprochen
-belgisch-volkstümlichen Realismus.
-
-[Illustration: Abb. 32. +Jan van Eyck+, Adam und Eva.]
-
-Hundert Jahre vor Dürers »Fortuna« mit dem dicken Unterleib, der zuviel
-daheim hockenden Hausfrau, malt Jan van Eyck die ersten Menschen um
-kein Haar schöner als die ersten besten schlichten Landsleute, die sich
-ausgezogen vor den Genter Maler hingestellt. (Abb. 32.)
-
-Was sollte sich die Rasse schämen? Was sollte hier antikische
-Körperpflege? Freilich in dem sonst so feierlich repräsentativem
-Charakter des unerhört großen Altarbildes wirken die Figuren nicht
-passend im Sinne des Stils. Nur die Akte sind »wie daheim«. Alles
-andere bewegt sich, wie für feierliche Aufzüge.
-
-Nichts wirkte damals aufs Volk so stark wie diese Akte. Diese gaben dem
-Altar den Namen: »Spiegel, Spiegel sind es, keine Bilder« rief man aus.
-
-Ist also Jan van Eyck teils noch dies -- nur im kleineren Teile schon
-der nationale Maler, so gehören erst Breughels scharfe Augen ganz
-allein der Heimat. Er will nichts von der alten Schaustellung. Akte hat
-er nie gemalt. Und wenn er's getan hätte. -- Man kann sie sich leicht
-bilden aus den festen vierschrötigen, gesunden Gestalten im prallen
-Kittel.
-
-Er malt Belgiens gesunde Rasse -- und alle Belgier nach ihm! Brouwer,
-Teniers, Rubens, Lambeaux, Rops, Rassenfosse.
-
-[Illustration: Abb. 33. +Meister von Flémalle+, Madonna.]
-
-Ein anderes Werk mag unsere Überzeugung befestigen von dem gerade in
-Belgien kräftig sich durchsetzenden Realismus. Der noch nicht mit Namen
-bekannte »Meister von Flémalle«, der jedenfalls ein Schüler des echt
-Brüsseler Malers Rogier van der Weyden gewesen ist, malte nicht lang
-nach dem Tode des älteren van Eyck eine Madonna, die bezeichnend für
-jenen kecken, derben Naturalismus, der Eigentum der flämischen Kunst
-blieb bis heute. (Abb. 33.)
-
-Die, wohl in Tournay gemalte, Gottesmutter ist von gleicher, gesunder,
-ja kraftstrotzender Art wie eine Madonna des Rubens im Prado, in Berlin
-oder im Louvre, sie ist eine unverkennbare Ahnin der »Fruchtbarkeit«
-des Jordaens. »Die Auffassung ist derb und groß«, sagt Friedländer.
-Vertieft im mütterlichen Glück, behäbig und breit thront die göttliche
-Mutter im reichen Heim.
-
-Und wenn hier auch vieles noch etwas gar fein und geziert, die Keckheit
-der unsymmetrischen Komposition konnte nur einer haben, dessen Wille es
-war, alles recht unmittelbar erscheinen zu lassen.
-
-Freilich ist die Kunst dieser Zeit, in der der burgundische Hof
-alle anderen an Pracht überbieten konnte, nicht frei vom höfischen
-Einschlag. Um so mehr muß, gegen den Geschmack der Weltstadt Paris, die
-derbere nationale Eigenart stark aufgefallen sein.
-
-War die Kunst dieses Meisters noch nicht in jeder Beziehung
-realistisch, ihr Ziel: Naturalismus, ihre Art: das kernige, flandrische
-Naturell traten bahnbrechend hervor, wie in den Genter Akten.
-
-Wie ganz anders die französische Malerei am Hofe von Paris, etwa zur
-gleichen Zeit. Sie fürchtete vielleicht gar den niederländischen
-Einschlag. Sie protestierte gegen deren Neuerungen, während die
-flämische immer bewußter auftritt. Die Pariserischen blieben milder,
-auch in den Farben zarter. Sie malten schöner, glatter. Lack und Gold
-machten viel aus. Wo die von Paris oder in der Touraine auch mal
-kecker auftreten wollten, da vergreifen sie sich eher ins Pikante, ins
-gesellschaftlich Sensationelle.
-
-Man braucht doch nur diese Madonna des Meisters von Flémalle mit
-der uns heute befremdlicheren des Jean Foucquet zu vergleichen, die
-jetzt im Antwerpener Museum hängt -- um den Unterschied belgischer
-und französischer Kunst schon in jener Zeit zu fühlen. Foucquets
-Madonna soll die Geliebte Karls VII.: Agnes Sorel darstellen. Sie
-ist ganz modisch gekleidet -- nicht wie die des Flemallers etwas
-patriarchalisch. Auch sie hat eine Brust entblößt. -- Und doch wirkt
-das alles nicht frisch, nicht naiv. Alles ist schönheitlich berechnend,
-trotz Realismus alles archaistisch. Die Komposition ist ganz
-konventionell. Es ist höfische Kunst -- nicht die echte menschliche im
-neuen Flandern.
-
-Was vom figürlichen Bilde gilt, gilt auch vom Realismus in der
-Landschaft.
-
-[Illustration: Abb. 34. +Jan van Eyck+, Die Madonna des Kanzlers Rollin.
-
-Ausschnitt: Die sogenannte Landschaft von Lüttich.]
-
-Um die Bedeutung der Heimatlust eines Bosch und Breughel zu erkennen,
-muß man deren Bilder mit den älteren vergleichen. Die prächtige
-Küstenlandschaft mit Wilhelm von Bayern ist gemeinsamer Ausgangspunkt.
-Dann wirkt die große Landschaft im Genter Altar wie eine Offenbarung.
-Aber sie ist zusammengestellt, sie zeigt sogar noch die Palmen des
-Südens. Schon vorher aber hat Jan van Eyck auf dem Bilde des Kanzlers
-Rollin (Abb. 34) möglichst getreu seine Heimat gemalt: Felix Rosen
-will in der Landschaft Lüttich und seine Umgebung erkennen. --
-Jedenfalls ist das Maaßtal auch landschaftlich der klassische Boden der
-flandrischen Kunst. -- Doch gab auch Jan van Eyck noch keine Landschaft
-der Heimat ganz für sich. Auch Patinier malt ganz wundervolle Ideale
-flandrischer Weiten zu dem Bilde des Quentin Massys: Versuchung des
-h. Antonius (Abb. 36). Nicht lange nach ihm kamen Bosch und dann P.
-Breughel, von dessen epochemachender Folge Brabanter Dörfer schon
-die Rede war. Mit ihnen beginnt die eigentliche Heimatlandschaft der
-belgischen Maler. (Abb. 28.)
-
-[Illustration: Abb. 35. +D. Y. Cameron+, Die Maas bei Dinant.]
-
-[Illustration: Abb. 36. +Quinten Massys+ und +J. Patinier+, Die
-Versuchung des h. Antonius.
-
-Phot. F. Bruckmann, München.
-
-Die Figuren von Massys, die große ideale Landschaft des oberen
-Maastales und der flandrischen Ebene von Patinier.]
-
-
-
-
-Von der unversiegbaren Lebensbejahung der Künstler und des Volkes der
-Belgier
-
-
-Realismus und Heimatlust sind die starken Pfeiler der niederländischen
-Kunst. Beide haben die belgische Malerei siegreich gemacht im
-künstlerischen Wettstreit aller Völker der Erde.
-
-[Illustration: Abb. 37. +Pieter Breughel+, Die Bauern tanzen unterm
-Galgen.]
-
-Aber der starke Erfolg der großen belgischen Maler daheim und draußen,
-bei den schärfsten kritischen Beurteilern wie bei allen Schaulustigen
-überhaupt, verlangt noch andere Erklärung. -- Und die gibt nichts
-anderes als die unvergleichlich starke Lebenslust des flämischen
-Volkes, das nichts weiß von Sentimentalität und Kopfhängerei, nichts
-von Schwäche und Daseinsverzicht.
-
-Was die Reihen der belgischen Bilder so genußreich macht -- auch für
-die jenseits künstlerischen Gestaltens, das ist die derbe Freude, die
-gute Laune, das Genießerische.
-
-Weil der belgische Künstler, wie das Volk, schließlich überall mit
-allen Augen, mit ganzem Herzen fühlt: das Leben ist doch lobenswert,
-es ist doch zu bejahen -- ist die Kunst dieser Maler so ohne Grenzen.
-Alles, alles ist ihnen bedeutend, genußreich.
-
-So vollzieht sich in Belgien's Malerei häufiger und leichter als
-sonstwo die ewig unbegreifliche Wandlung vom Häßlichen ins Schöne, vom
-Grausigen ins Erschütternde, vom Wahren ins Wunderbare, von der ich in
-einem anderen Werke ausführlich gesprochen habe.
-
-Wäre wirklich die niederländische Bauernmalerei so sieghaft gewesen,
-wenn nicht aus all diesen ärmlichen Kneipen, aus diesen derben
-Gesichtern armer Teufel ein Rassenbewußtsein uns entgegenlachte, das
-überzeugender wirkt als alle philosophischen und theologischen Traktate
-über das Glück der Bescheidenheit?
-
-So hängt aufs engste zusammen, flämischer Volkscharakter und flämische
-Kunst. Kraft solcher naiver, volkstümlicher Doppelbejahung sind und
-bleiben die größten belgischen Künstler die stärksten Repräsentanten
-des belgischen Volkes.
-
-Rubens ist der stärkste. Er steht für uns mitten zwischen den
-Jahrhunderten.
-
-Rubens erst hat die Bauern seiner Heimat verherrlicht. Er hat sie
-vergöttlicht zu Panen und Satyren. Kein größerer Unterschied als Rubens
-Bauern und Watteaus Bauern. Dieser bewußte Nachfolger des Rubens ist
-nur durch Geburt Auch-Flandrer. Die belgischen Rassebauern gehen mit
-ihm unter. Sie werden verächtliche »magots«. Rubens Kirmesbild im
-Louvre (Abb. 38) ist Rausch an Rassegefühlen, ist die Hymne belgischer
-Heimatlust und flämischen Genießens.
-
-[Illustration: Abb. 38. +P. P. Rubens+, Die flämische Kirmes.]
-
-»Alle Laster, die Freßsucht, die Trunkenheit, die Ausschweifung, sind
-hier in einer so donnernden Hymne gefeiert, daß man gar nicht auf die
-einzelnen Worte achtet. Eine ungeheuere Musik, keine Zurückhaltung,
-keine Dämpfung, brutal bricht sie aus wie Zimbelschlagen, rauschende
-Blechmusik und das Gröhlen der breiten Baßgeigen. Rubens vergötterte
-seine Rasse, er liebte in ihr die Gutmütigkeit, ihre Sinnlichkeit,
-ihre rohe, rote Glut. Von allen Genrebildern des Rubens ist dies
-Kirmesbild das berühmteste und typischste«. (V.)
-
-[Illustration: Abb. 39. +P. van der Heyden+, St. Georgskirmes.
-
-Kupferstich nach P. Breughel.]
-
-Wild und sinnlich sind auch die Kirmessen des Breughel, des Vinckboons,
-des Jordaens. Aber nur Rubens prägt und stilisiert das Bild, das
-hundert andere gemalt, zu einem Rassezeichen, zum Signum seines Volkes
-voll künstlerischer Klarheit und Kraft.
-
-In der Darmstädter Galerie hängt ein Bild Breughels, das vielleicht am
-ehesten neben die Rubenssche Kirmes gehört. Wie die Bauern sogar noch
-unterm Galgen tanzen. (Abb. 37.)
-
-Bei Rubens meint man, das müßte so sein. Bei Breughel erlebt man erst
-dies wundervolle »Und doch, und doch« der uralten flämischen Lebenslust
-trotz aller Widerwärtigkeiten des Daseins.
-
-Rubens Kirmes ist tatsächlich Signum -- Breughels Bild aber ist die
-Allegorie eines Malerphilosophen sondergleichen.
-
-Beide Künstler sind wahr und überzeugt vom Werte ihrer Art.
-
-Rubens zumal ist selten so wahrhaftig, so mitfühlend, so ganz derselbe
-wie die, die er malt. Der Hofmann konnte ganz Bauer sein.
-
-Bei den Märtyrerszenen ist er lieblos -- hier wird seine Liebe auch
-ohne »Theater« Leben! Ja die Übertragung ins »Stilvolle« kommt durch
-Verzicht auf jeden szenischen Apparat.
-
-[Illustration: Abb. 40. +Fel. Rops+, Der Frühling im Städtchen.]
-
-Die +St. Georgskirchweih des Pieter Breughel+ (Abb. 39) will etwas
-anderes sein. Eine recht getreue Erinnerung an übermütige Stunden. Alle
-Belustigungen, alle sportlichen Veranstaltungen, alle Aufführungen
-werden gezeigt. So ein Stich in der Bauernstube an die Wand genagelt,
-hat jeden echten Flamen die Tage bis zur nächsten Kirchweih
-herbeisehnen lassen. Wie's da zuging, das war Vorbild für den nächsten
-Freudenrausch.
-
-Rops, der Wallone, hat einmal »den Frühling« gezeichnet -- (Abb. 40),
-nicht wie ein Ludwig Richter, nicht wie ein Schwind oder Thoma. Nein,
-ganz wie ein echter alter, von niederländischer Volkstümlichkeit
-strotzender Belgier.
-
-Hier wird die Schilderung freilich witzig -- aber im einzelnen und
-im ganzen ist's das alte lustige Getriebe, sind's die alten feisten
-Breughelschen Gestalten, die sich necken, lieben, schlagen, drehen.
-
-Rops Spott trifft nur die Nichtbauern, die Nichtvölkischen. --
-
-[Illustration: Abb. 41. +Teniers d. J.+, Fest im Hofe eines
-Wirtshauses.]
-
-Und bei Teniers stört nur eines, mindert nur eines die Kraft
-der Vorstellung: Die Anwesenheit städtischer Zuschauer. Auf
-die Bildbetrachter geht von diesen Zuschauern doch immer etwas
-reflektierendes aus. Es tritt zwischen die Bauern und uns ein
-Störendes. Das Bild wird zur Bühne, die die Welt bedeutet, nicht ist.
-Wir meinen sogar Teniers stelle die Bilder absichtlich wechselvoller
-zusammen. Fürchtet er sonst zu einseitig zu sein? (Abb. 41.)
-
-Mag diese Empfindung unnötiger arrangierender Nachhilfe berechtigt sein
-oder nicht -- für die Beurteilung des Künstlers sind die Zuschauer, die
-Brueghel und Brouwer nicht kennen, zutreffend: Der Maler hat nicht sich
-eins gefühlt mit seinem Volke. Der Hofmaler Teniers, der von seinem
-Schloß aus die Kirmessen sah, ist wohl der Geburt, aber gar nicht dem
-Herzen nach Vollblutflame.
-
-Doch für uns ist Teniers gerade als Hofmaler interessant.
-
-[Illustration: Abb. 42. +Adriaen Brouwer+, Das Gefühl.]
-
-Die fremden Herrscher protegierten ihn. Der deutsche leidenschaftliche,
-in Spanien erzogene, Don Juan d'Austria, aus bayerischem Blut, war's,
-der ihn unterstützte. Er wollte mit ihm zeigen, daß er für das
-flämische Volk fühle. Er wollte es gewinnen.
-
-Ob ein Hofmaler dafür gerade der geeignetste war, läßt sich bezweifeln,
-zumal Teniers das künstlerisch sehr zweideutige Ziel erreichte, die
-flämische Bauernmalerei salonfähig zu machen.
-
-Da war doch Brouwer ein ganz anderer Kerl. (Abb. 42 und 43.)
-
-Der lebte nicht auf hohem Schloß -- lebte nur in den Kneipen.
-
-Der war nicht Hofmaler und Galeriedirektor -- sondern ein Lump und
-Sumpfgenie, der von den Manieren der guterzogenen Leute nichts wissen
-wollte. Rubens Mühe versagte bei ihm.
-
-Ein genialer Mensch war +Brouwer+ und ein genialer Künstler.
-
-Nicht Besteller, nicht Vorteile, Charakter allein machte Brouwer zum
-echten flämischen Bauernmaler, reich an Geist und Witz.
-
-»Jeder Zoll ein Künstler, ein malerisches Genie, das neben den größten
-genannt zu werden verdient.« »Ein Adonis in Lumpen, ein Philosoph unter
-der Narrenkappe, ein Epikuräer mit zynischen Formen« sagt Wilhelm von
-Bode.
-
-[Illustration: Abb. 43. +Adr. Brouwer+, Raufende Kartenspieler.]
-
-Sein Atelier -- das waren die Weinspelunken Antwerpens.
-
-Dort waren seine Freunde. Nur dort seine Modelle. -- Wo er her kam,
-wissen wir nicht. Daß er ein Flandrer war ist gewiß.
-
-In dem Element, in dem er allein leben konnte und wollte, ging's
-polizeiwidrig, ging's animalisch zu, in Spiel und Genuß.
-
-Das Künstlerische und das Volkseigene lassen sich bei Brouwers
-Bildern nicht trennen, nicht mit allen Pinzetten und Goldwagen der
-Gelehrtentüftelei.
-
-Ob Maler, ob Volk, der Flame liebt die Farben als Farben, ob Kittel,
-ob Haar, ob Wein, ob Rauch. Er liebt die Formen des Lebens, also nicht
-die hergerichteten, ausgeglichenen, aus Konvention schon genannten.
-Konvention und Künstlertum hassen sich.
-
-Wie sehr in Brouwers Kunst auch höchster Volkssinn lebt, zeigt der fast
-beispiellose Erfolg des Malers Niemals war ein Erfolg künstlerisch
-verdienter. Niemals so frei von allen anderen Einflüssen. Denn
-liebenswürdig war Brouwer nicht. Seine kleinen, -- zunächst sehr bunten
--- lokalfarbigen Bilder werden bald so hoch bezahlt, wie die großen des
-Rubens. Mit 24 Jahren ist Brouwer berühmt.
-
-[Illustration: Abb. 44. +Hemessen+, Lockere Gesellschaft.
-
-Phot. F. Bruckmann A.-G., München.]
-
-Doch Besitz galt ihm nichts. Der floß in die Kehle.
-
-Als er mit 33 Jahren stirbt, hinterläßt er an Wäsche nur einen Kragen,
-fünf Manschetten und -- kein Hemd.
-
-Wer Belgiens Geschichte und Belgiens Kunstgeschichte nur in den
-Höhepunkten vergleicht, wird finden, daß die Kurve dieser meist hoch
-steht, wenn die Höhe jener sich senkte oder noch kaum wieder sich zu
-heben anfing.
-
-So wird Brouwers Schicksal zur Allegorie: Die Kunst Belgiens ist häufig
-genug ein Phönix aus der Asche.
-
-Man hat in Brouwers Malerei viel Holländisches festgestellt.
-
-Aber vergleicht den größten Holländer neben ihm: den Franz Hals, der
-vielleicht sein Lehrer war. -- Das, was flämisch ist, hat nur Brouwer.
-Hals aus Antwerpen ist auch Maler des Lachens und Genießens. Aber er
-ist doch mehr, er ist am größten, unvergleichlich im +feinen+ Lächeln.
-Die lachenden Genießer des Holländers sind zudem meist gesittete,
-wohlgekleidete Leute. --
-
-[Illustration: Abb. 45. +Joos van Craesbeeck+, Die Kurtisane.]
-
-Die ganze Schule geht von Brouwer aus. Von Antwerpen nach Haarlem,
-Delft, Amsterdam, Leiden.
-
-Brouwers tüchtigster Schüler war +Joos van Craesbeeck+. Im bürgerlichen
-Leben kein ganz sauberer Mensch. -- Auch er ein Kneipenmaler mit Zank
-und Rauferei. Lehrer und Schüler lebten in der Kneipe und nahmen's mit
-dem weiblichen Mein oder Dein nicht genau.
-
-Craesbeecks Bilder spielen bezeichnenderweise nicht nur in Kneipen
-und -- was bei Brouwer nie der Fall, eine zweifelhafte Weiblichkeit
-gibt den Mittelpunkt. (Abb. 45.) Er malt schon recht gern Soldaten und
-Herren bei Dirnen in Freudenhäusern.
-
-Das Thema war keine neue Erfindung. Es konnte in der genußsüchtigen,
-lebenslustigen Welt Antwerpens nicht fehlen. Doch erst Craesbeeck
-hatte Erfolg. Aertsen und Hemessen, die hundert Jahre früher Ähnliches
-malten, fanden für diese Psychologie noch wenig Verständnis. Das
-ist begreiflich. Beide sind nicht fest. Ihr Leben wechselt zwischen
-Belgien und Holland, wie ihre künstlerische Anschauung, die, weil sie
-schwächlich, nicht kurz zu charakterisieren ist.
-
-In Aertsens ruhigen Bildern aus öffentlichen Häusern lebt nicht die
-starke, zugreifende, rasch handelnde Begierde. In seinen zarten,
-oft bleichen Gestalten fühlt man das Zittern verhaltenen sinnlichen
-Verlangens. Das widerspricht flämischer Rasse. --
-
-Denn allen Flämischen sind »~naturalia non turpia~«.
-
-Hemessens »Lockere Gesellschaft« (Abb. 44) ist nur negativ vielsagend.
-In den Bildern der wahrhaft großen Belgier, ist die starke,
-lebensbejahende Physiognomie des belgischen Volkes ganz anders und ohne
-alle Zweideutigkeit gezeichnet.
-
-So ein ganz unverblümter Schilderer der rassigen, flämischen
-gutgestellten Familie ist +Jakob Jordaens+.
-
-Auch ein echter Sohn seiner Rasse, der nicht nach Italien ging. Der
-die Götter Griechenlands -- wie Rubens -- ganz so malt wie die Kinder,
-die Männer und Frauen seiner gesegneten Heimat. Kräftige Körper,
-schwellende, milchstrotzende Brüste und leuchtende Augen, rotes Haar
-und rosiges Fleisch, runde Gesichter mit feuchten Lippen, die gern
-essen und schlürfen, die tüchtig singen und breit lachen können und
-wollen. (Abb. 46 und 47.)
-
-Die Familien Jordaens' sind immer bei voller Tafel versammelt
--- irgendein Fest gab's immer zu feiern. Die Bohnenfeste, die
-Martinsfeste, den Dreikönigstag, wie oft hat sie Jordaens gemalt in
-gesunden Farben beim fast blendenden Licht. So strahlt das grelle
-Fleisch fast hart wie die Pokale der vollen Tafel.
-
-Es muß sehr laut zugegangen sein bei solchen Festen. Das hört man
-aus allen Bildern dieses Malers familiären Genusses. Es lacht alles.
-Alles singt und fiedelt durcheinander. Rommelpot und Dudelsack und
-Kinderschreien und lauter Schabernack, Gläserklirren und Hochs ohne
-Anlaß und ohne Ende geben die dissonante Musik dieser unvergleichlich
-ausgelassenen Familienfeste.
-
-Ein Bild dieser Art hat Jordaens unzählige Male wiederholt. »Wie die
-Alten sungen, so zwitschern die Jungen.«
-
-Alt und jung singt lustige Lieder. Der Bub auf Großvaters Schoß flötet,
-und das Muttersöhnchen tut desgleichen.
-
-»Wie die Alten -- so die Jungen.«
-
-Das Sprichwort ist echt belgisch. Und immer hat's den gleichen Sinn
-behalten, ohne Moralität das Leben stark bejahend.
-
-Gut essen und gut trinken, zumal bei Festen, ist flandrische Tradition.
-
-Ist's Zufall, daß das Thema in der belgischen Kunst so beliebt und daß
-es immer üppig schmausende, singende, lachende, lärmende Menschen zeigt
-aus allen Altersstufen vom Säugling bis zum Greis?
-
-Jedenfalls läßt sich die malerische Ergiebigkeit aus solcher Anschauung
-nicht begrenzen.
-
-Dieser, durch alle guten und schlechten Zeiten, ganz besonders
-gepflegte Sinn trug der Kunst Belgiens reifste Früchte.
-
-Die Stillebenmalerei hat, schon immer durch die lebhafte Freude
-aller Niederländer am Stofflichen genährt, die Maler Burgunds und
-Belgiens besser und früher als andere Maler erzogen zur möglichst
-treuen, malerisch-täuschenden Wiedergabe aller Dinge, aller Stoffe und
-Erscheinungen, aller Tiere und Speisen. --
-
-In den großen Stilleben Franz Snyders äußert sich des Volkes starker
-Materialismus geradezu monumental.
-
-Auch hierzu gaben schon sehr früh belgische Maler den Weg.
-
-Pieter Aertsen, der Maler der Köchinnen und der Küchen, darf nicht
-vergessen werden. Und Rubens selbst, seine ganze Schule hat wieder auf
-unzählige Maler weiter gewirkt. Auch auf die Kunst der Kupferstecher.
-Unsere Abb. 48 ist nach dem unerreicht schönen Schabkunstblatt Earloms
-gefertigt, der das Glänzende und Schlüpfrige, das Glatte der Aale und
-Schüsseln, das Harte der Krebse und Hummern, das Blanke des Messers,
-diese ganze wunderbare tote Natur, schwarz-weiß greifbar wiedergegeben
-hat.
-
-[Illustration: Abb. 46. +Jak. Jordaens+, Der König trinkt.]
-
-Wie die Sitten des Volkes sind die Themen der Künstler bezeichnend für
-Rasse und Art, Ideale und Wirklichkeit.
-
-Mag die große griechische plastische Kunst nur die Sehnsucht nach
-vollkommener Menschheit verbildlichen -- die Belgier fühlen sich
-vollkommen, vollkommen in ihrer Art. Ihre Kunst ist vollkommen, wie
-alles Autochthone -- sie bleibt groß und wird stark bleiben, solange
-sie wie Antäus aus der Heimat ewiger Erde neue Kraft gewinnt.
-
-Nur der Tod flämischen Geistes würde das Ende bedeuten belgischer Kunst.
-
-Den Bahnbrechern echter Rassekunst blieben, mit der erwähnten kurzen
-Unterbrechung durch eine landfremde Renaissance, Belgiens fernere
-Künstler treu durch die Jahrhunderte.
-
-Und wenn auch in der neueren belgischen Kunst -- ganz wie in der
-deutschen -- manche Malerei gerade wegen ihrer Heimatlosigkeit den
-einen mißliebig auffällt, den andern schmeichelt, -- man denke auch an
-den charakterlosen pariserischen Belgier Alfred Stevens, -- es sind
-doch in Belgien bis auf heute kräftige Stammhalter genug der echten
-flämischen Rasse am Werk.
-
-[Illustration: Abb. 47. +Jak. Jordaens+, Wie die Alten sungen, so
-piepen die Jungen.]
-
-Ein solcher Stammhalter ist Jef Lambeaux, den wir weniger kennen als
-andere, die viel, viel schwächer, aber sensationeller.
-
-Wie wundervoll verkörpert Lambeaux in seinen prächtigen, üppiggesunden,
-starken Göttern und Menschen (Abb. 49) alles das, was Belgiens Kunst
-groß gemacht, alles das, woraus Belgiens Künstler das Beste ihrer
-Schöpferkraft gezogen und genährt.
-
-Die belgische Kunst nahm, wie Rooses gesagt, aus dem Leben das
-Fröhliche, Lachende, Genießbare. Sie ist eine menschliche Kunst.
-Lambeaux »Freude« braucht keine Benennung. Es ist die starke Freude
-aller Gesunden.
-
-Auch hier ein Vergleich mit einem französischen Werk, das kaum älter:
-mit Carpeaux' echt +französischer+ Gruppe »Der Tanz«, an der Schauseite
-der Großen Oper zu Paris.
-
-Nicht der Taumel bacchischer Lust macht Lambeaux Gruppe zum belgisch
-bedeutenden Werke. Auch Carpeaux Gestalten tanzen in solchem Rausch.
-Diese Gestalten, dieser Tanz sind echt französisch.
-
-Aber wie diese nur echt französisch, geschmeidig und elegant wie die
-Figuren schon des Primaticcio oder Goujon -- so sind Lambeaux Götter
-und Menschen gestaltet wie die Bauernweiber Breughels, wie die Götter
-des Rubens, die Gattinen des Jordaens.
-
-Sie sind so echt flämisch -- wie echt deutsch sind die Engel und Bengel
-des Altdorfer und Richter, wie die derben Frauen des Baldung, wie
-Schongauers eckige, geistdurchwühlte Jünger, wie Schwindsche Märchen,
-wie alle Menschen des Mathias Grünewald auf dem Isenheimer Altar, wie
-so viele markige, ganz vom Gedanken beherrschte, unscheinbare Gestalten
-Rembrandts, wie Dürers monumentale Apostel, seine ewig-deutsche
-Melancholie.
-
- * * * * *
-
-»Wie die Alten -- so die Jungen« (Abb. 47). Das war das Leitmotiv
-belgischer Kunst. Das war ihr Segen.
-
-Das sang man in Flandern.
-
-Weshalb nur blieb deutsche Kunst nicht immer deutsche Kunst?
-
-Werde sie endlich frei vom Wahne des alleinselig-, alleinschönmachenden
-antikisch-italischen Formalismus.
-
-Der bleibt unserer Rasse fremd. Dieses Fremde werde uns unerträglich,
-wie die Lobpreisung französischer Maltradition!
-
-Der Niederlande, des Rubens und noch mehr Rembrandts unsterbliche Kunst
-unterstreicht dies Verlangen -- zeigt Künstlern deutscher Rasse den Weg.
-
-Denn trotz so vieler großer Meister, trotz des tieferen, gemütvolleren,
-trotz des nur künstlerisch immer gefahrvollen sentimentalen Gehalts
-deutscher Art -- hat die Geschichte deutscher Kunst bisher nicht die
-Festigkeit der Physiognomie, nicht die zähe Treue der belgischen Kunst
-gezeigt.
-
-[Illustration: Abb. 48. +Richard Earlom+ nach Frans Snyders:
-Fischmarkt.]
-
-Die belgischen Maler waren treu ihrer Rasse, treu dem Lichte und
-der Luft ihrer Heimat, treu ihren Farben, treu ihren Gestalten, ihren
-Menschen, ihrem Allzumenschlichen.
-
-[Illustration: Abb. 49. +Jef Lambeaux+, Die Freude.]
-
-Nie und nie haben sich die +großen+ Maler dieses Landes einer noch so
-viel geltenden rassefremden Kunstform unterworfen, nie unterwarfen sie
-sich der verführerischen italienischen »Schönheit« -- die auch uns
-gefährlicher als irgend eine andere. Sie lebt nicht uns.
-
-[Illustration: Abb. 50. +Frank Brankwyn+, St. Nikolauskirche in
-Dixmuiden.]
-
-+Es gibt keinen edleren Realismus als den, geboren aus der Luft, der
-Erde, dem Fleische, der inneren und äußeren Heimat des Künstlers.+
-
-Solches Schöpfen aus unveränderlichen Tatsachen eroberte der Kunst der
-Niederlande einen Thron, der um keine Stufe niederer steht als der
-jener anderen Rasse und jener anderen Welt.
-
-Nur Heimattreue und Rassezähigkeit macht populär. Volkstümlich,
-national war immer die Kunst der großen Belgier.
-
-[Illustration: Abb 51. +D. Y. Cameron+, Der Belfried von Brügge.]
-
-Nur Blick und Geist, nur Herz, in denen sich alles was landeseigen ist,
-kristallisiert, schafft Werte von Rasse, von Weltdauer.
-
-Belgiens Künstler wissen sehr gewiß von sich: sie bleiben und wollen so
-bleiben und schaffen, wie sie waren und schufen.
-
-Die Belgier wollen sich gar nicht ändern. Nicht im Schlechten, nicht im
-Guten. Sie können nicht anders.
-
-Rechnen wir mit dem bleibenden Charakter des Volkes. -- Lernt, deutsche
-Künstler, von der sieghaften Treue der belgischen Kunst.
-
-[Illustration: Abb. 52. +Jer. Duquesnoy+, Das Manneken pis in Brüssel.]
-
-
-
-
-Anmerkungen zu den Abbildungen.
-
-
- =Abb. 1. Aug. Coppens, Der große Platz in Brüssel= nach seiner
- fast vollständigen Zerstörung durch die Franzosen 1695. Das
- Blatt (182×150 ~mm~) ist von R. van Orley nach A. C. radiert.
- Es gehört zu dem Werke: »~Perspectives des Ruines de la
- Ville de Bruxelles~«. Der Generalstatthalter Max Emmanuel,
- Kurfürst von Bayern, stellte damals seine eigenen Mittel
- zur Verfügung, um die Schönheit der alten Stadt bald wieder
- erstehen zu lassen.
-
- =Abb. 2. Franz Hoogenbergh, Der Brand des Rathauses= von
- Antwerpen 1576. Radierung (208×276 ~mm~) aus dem Werk: Mich.
- Aitsingers: »~De leone belgico Topographia~«. Cöln 1583. --
- Der Plünderung durch die Spanier fielen an 7000 Menschen
- zum Opfer. Das Rathaus war nur 10 Jahre früher durch Corn.
- de Vriendt vollendet worden. 5 Jahre später wurde es wieder
- hergestellt.
-
- =Abb. 3. David Vinckboons, Der alle ereilende Tod.= 1610.
- Kupferstich von B. A. Bolswerd. Ausschnitt im Original
- 202×375 ~mm~. (Le Blanc 27~a~).
-
- =Abb. 4. Adriaen Brouwer, geb. 1605/6 in +Flandern+, gest. 1638
- in Antwerpen, Das Gehör.= Original in der K. ält. Pinakothek
- zu München. Ölgemälde auf Holz. (23×20 ~cm~.) Die Abbildung
- nach der Lithographie mit Tonplatte von R. Strixner. --
- Die größte Zahl (18) von Brouwerschen Gemälden besitzt die
- Münchener ältere Pinakothek. Über Brouwer schrieb das Beste:
- W. von Bode in »Rembrandt und s. Zeitgenossen«. Leipzig 1907.
- (E. A. Seemann.)
-
- =Abb. 5. Constantin Meunier (1831--1904), Hafenarbeiter.=
- (Bronze-Original vorm Museum in Antwerpen.) Die Abb. nach der
- Heliogravüre in C. Lemonnier, Constantin Meunier. Paris 1904.
- Constantin Meunier fand viel eher in Deutschland als daheim
- Erfolg. Bezeichnend ist's für seine Kunstauffassung, daß er
- nichts vom Rompreis wissen wollte.
-
- =Abb. 6. Adriaen Brouwer, Der singende Bauer.=
- Originalradierung. (W. 3.) (116×88 ~mm~.)
-
- =Abb. 7. Dierick Bouts, Martertod des heil. Hippolytus.=
- Originalgemälde in der Erlöserkirche zu Brügge. Mittelbild
- eines dreiteiligen Altars. 91×90 ~cm~. Das Bild gehörte
- ursprünglich der Zunft der Kalkbrenner. Es galt früher als
- ein Werk des Memling, wird jetzt von einigen, wie Reylaender,
- (1911) dem »Meister der Perle von Brabant«, also einem
- Schüler des Bouts zugeschrieben. -- Als Landschafter folgt
- Bouts der holländischen Anschauung. »Er wird in Löwen zum
- Gründer der Landschaftsmalerei.« (Johanna de Jongh). -- Bouts
- war ein Holländer (geb. in Haarlem, vor 1410). Vor 1450 läßt
- er sich in Löwen nieder. Wird dort Stadtmaler. Starb 1475.
- -- »Bouts scheint durch den Tod an der Vollendung des Altars
- verhindert worden zu sein.« (Friedländer).
-
- Die Stifter des Altars sind Hippolyte de Berthoz und sein
- Weib Elisabeth de Keverwyck. -- Nach Detzel wurde 1551 eine
- frühchristliche Statue des Heiligen in Rom aufgefunden.
- In der Kunst sein Bild meist nur als stehende Figur. Ein
- Martyriumbild (um 1200) soll sich in Breuweiler befinden.
- -- Der Artikel »Bouts« im Künstlerlexikon Thieme-Becker
- sagt: B. suche durch Schönes und Mildes das Gruseliche zu
- paralysieren!?
-
- =Abb. 8. P. P. Rubens, Der Martertod des heil. Livinus.= Nach
- dem Kupferstich des Corn. van Caukercken 1657. (575×435 ~mm~)
- (B. S. 106, 108 I) Gemalt um 1635. Jetzt im K. Museum zu
- Brüssel. Gemalt für die Jesuitenkirche in Gent. Auch Jak.
- Burckhardt nennt Rubens einen der allergrößten Meister des
- Dämonischen im Menschenleben. Das Gemälde mißt 4,50×3,35 ~m~.
- Der Stich zeigt das Bild im Gegensinn.
-
- =Abb. 9. P. P. Rubens, Der enthauptete heil. Justus hält seinen
- Kopf.= Holzschnitt Josef Middeleers in Jules du Jardin's
- »~L'art Flamand~« Brüssel 1897. Das Bild (1,89×1,32),
- jetzt im Museum zu Bordeaux, wurde für die Antwerpener
- Klosterkirche der Annunziaten gemalt, weil dort der Kopf des
- Heiligen bewahrt wird. Von Rubens Hand nur diese furchtbar
- wirkende Figur des jungen Heiligen. Eine ähnliche Darstellung
- auf einem Glasgemälde des 16. Jhds. im Chor der Kathedrale
- von Beauvais.
-
- =Abb. 10. Pieter Breughel, Der Kindermord zu Bethlehem.=
- Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. Vom Künstler
- signiert. (Holz, 116×160 ~cm~) Mehr als 150 kaum 15 ~cm~
- große Figuren. Aus dem Besitz des Kaisers Rudolf II. Kopien
- in den Museen zu Brüssel, Hermannstadt i/S., Würzburg u. a.
-
- =Abb. 11. Rubens, Der Kindermord zu Bethlehem.= Nach dem
- Stiche des Car. Dupuis von 1709. (319×465 ~mm~) Das Original
- (1,98×3,02 ~m~) in der K. ält. Pinakothek in München,
- fast ganz von Rubens Hand (um 1635). Zum Vergleich mit
- Breughel noch: B. gibt alles in flämischem Dorf. Rubens
- in großer antiker Welt. Die Engel in der Luft bei Rubens
- bezeichnend für ein gewisses Schwächegefühl, das Breughel
- nicht kannte. Vergl. hiermit Callots Stich, der das ganze in
- eine Kulissenstraße verlegt. Der stärkste von allen bleibt
- Breughel.
-
- =Abb. 12. Ph. Galle (?) nach Pieter Breughel d. Ä.
- »Gerechtigkeit«.= Kupferstich aus der Stichfolge der 7
- Tugenden (225×290 ~mm~). Wohl aus Breughels letzter Zeit.
- Den großen kulturhistorischen Wert des Blattes erhärtet die
- Feststellung Romdahls, daß z. B. die Foltermethode mit dem
- Trichter in dem 1553 erschienenen Werke »~Praxis Criminalium
- Rerum~« des niederländischen Rechtsgelehrten Josse van
- Damhouder als die wirksamste und üblichste empfohlen wird.
- Anregungen zu diesem Bild fand Breughel auch in der deutschen
- Kunst, z. B. in dem Augsburger Laienspiegel von 1512 u. a.
- Doch macht er erst aus einer Illustration eine überlegene
- Schöpfung tieferer Bedeutung. Von B. führt mehr als ein Weg
- zu Goya.
-
- =Abb. 13. Rubens, Sturz der Verdammten= nach dem Stich von
- Richard van Orley nach Zeichnung Jan van Orleys. (Lichtdruck
- von Karl Kuhn in München in Bredt: »Häßliche Kunst?«) Das
- Original (2,86×2,24) in der K. alten Pinakothek in München.
- Um 1615 ganz von Rubens Hand gemalt! -- Ursprünglich in Gent.
- 1677 an den Herzog von Richelieu verkauft, dann kurfürstl.
- bayer. Besitz.
-
- Zu der Zeit, als Rubens dies Bild malte, war, nach dem Bericht
- des Lord Dudley Carleton, Antwerpen eine verödete Stadt. In
- den Straßen wuchs vielfach Gras »und das ganze Land gleicht
- dieser Stadt: eine glänzende Armut, schön aber elend.«
- Antwerpen bekam durch den Frieden von Münster den Todesstoß.
- Übrigens war Rubens der Hofmaler des Bezwingers Belgiens,
- des Al. Farnese von Parma, dann des Statthalters Erzherzogs
- Albert.
-
- =Abb. 14. Hans Memling=, Ausschnitt aus der Hölle von M's
- »Jüngstem Gericht« in der Marienkirche zu Danzig (80 ~cm~
- breit). Der Besteller des Altars war ein Vertreter der Medici
- in Brügge! Bezeichnend für den Handelsruf der Stadt, den
- Kunstruhm Flanderns. Das Schiff mit dem Bild wurde auf dem
- Weg nach Italien von einem Danziger Schiff gekapert. Das
- Bild, um 1471 gemalt, wurde 1807 nach Paris entführt. Ist
- seit 1816 wieder in Danzig. Lafenestre sagt von Memling, der
- vom Mittelrhein stammt, »in Flandern und unter dem Einfluß
- flandrischer Maler hat sich Memlings Genie entwickelt.«
- Über den großen Ruhm der belgischen Malerei jener Zeit und
- Art, zumal in Italien, vergl. Kraus, Gesch. v. Chr. Kunst
- II, 2. S. 189. Burckhardt, Cicerone III, 716. ~Fétis, Les
- artistes belges à l'étranger~ 1857. Bode, Holl. Malerei.
- Floerke, Kunsthandel u. a. Niederländische Gemälde an den
- Höfen Italiens damals italienischen weit vorgezogen. Gründe:
- Technik, Realismus, Phantasie. Lies dagegen Michelangelos
- Gespräche und gegen diesen wieder Schopenhauer, Welt als
- Wille I, 3, 48. -- Das erwähnte Brüsseler Bild »Marter des h.
- Sebastian« wird von anderen dem Memling jetzt abgesprochen.
- Vgl. Frz. Bock, Memling-Studien, Düsseldorf 1900.
-
- =Abb. 15. Hieronymus Bosch, Die Hölle.= Rechter Flügel des
- dreiteiligen Bildes: »Der Heuwagen« im Eskurial. Nach 1500
- gemalt. Original 1,62 h. -- Nach der Photogravüre in: P.
- Lafond »Hieronymus Bosch«. Bruxelles u. Paris. G. van Oest &
- Co. Hierzu noch Abb. 24.
-
- =Abb. 16. Alaart du Hameel, »Das Jüngste Gericht«= nach Hieron.
- Bosch. Kupferstich. Originalgröße 240×350 ~mm~. Die Laster
- als Tiere ist uralte Allegorie. In der deutschen Kunst der
- Zeit wirkte kein Blatt auch auf den jungen Michelangelo
- mehr als Schongauers: Versuchung des h. Antonius. Flämische
- und rein germanische Phantastik sind noch nicht getrennt.
- Lionardos »Wollust und Schmerz«, abgeb. in Bredt, »Sittliche
- oder unsittliche Kunst?«
-
- =Abb. 17. Gerard David, Die Schindung des ungerechten
- Richters Sisamnes.= Original im Städt. Museum in Brügge.
- (182×159). Hierüber orientiert gründlichst Eberhard Freih.
- von Bodenhausen: Gerard David u. s. Schule. München 1905.
- F. Bruckmann. Davids Bild charakterisiert durch seine
- Auftraggeber den belgischen Charakter. Ähnliche Aufträge
- noch an Rogiers für Brüssel und Bouts für Löwen. David kam
- wie fast alle großen in Flandern tätigen Maler aus Holland.
- Über die Kunstgeographie der Niederlande orientiert sehr
- übersichtlich Friedländer in »Kunst und Künstler« XIII,
- 2. Heft. Die Individualitäten als Stammesrepräsentanten
- aufzufassen -- wie das Heidrich nicht gerade geschickt
- versucht hat -- geht nicht an. Aber die Aufträge
- unterscheiden sich gar sehr da und dort. David wurde 1484
- Meister in Brügge und starb dort 1525. -- Schindungen malten
- auch andere -- aber die Bilder des Ribera sogar haben nicht
- diese furchtbare Kälte. Anders wirkt auch Riberas Radierung:
- Schindung des h. Bartholomäus, durch den fanatischen wilden
- Henker, durch die sich abwendenden Zuschauer. Auch dies
- Bild ist Zeugnis +französ.+ Kunsträuberei. 1794 nach Paris
- entführt, 1815 erst zurückgegeben. -- Unsere Abbildung nach
- der Photogr. von F. Bruckmann A. G. München.
-
- =Abb. 18. Dierick Bouts, Martertod des heil. Erasmus.=
- Originalgemälde in der St. Peterskirche in Löwen.
- Mittelbild eines Flügelaltars. (82×80 ~cm~) »Das Bild ist
- nicht urkundlich als Schöpfung des Bouts beglaubigt. Die
- Durchbildung aller Einzelheiten, namentlich der Köpfe und
- Stoffe von einer frommen Gewissenhaftigkeit sondergleichen.
- Die peinliche und mit krasser Deutlichkeit geschilderte
- Marterszene steht in eigentümlichem Widerspruch zu der
- stillen Würde, die Bouts über diese, wie über alle
- Gestalten breitet.« (Friedländer). -- Vergleiche hiermit
- den Kupferstich des unbekannten »Meisters des Erasmus«, den
- Lehrs im Katalog der Kupferstiche des German. Museums (Nr. 8)
- zuerst veröffentlichte.
-
- Die Reliquien des h. Erasmus, eines der 14 Nothelfer, ruhen in
- Gaeta. Das Bild, durch den Dachstuhlbrand der Peterskirche
- gefährdet, wurde durch deutsches Militär in das Löwener
- Rathaus übertragen und steht noch heute unter der Aufsicht
- des Bürgermeisters von Löwen.
-
- =Abb. 19. »Brügger Meister der Ursulalegende«. Tod der heil.
- Ursula.= (Ein Bild von 8 Szenen). Original in Brügge (48×30
- ~cm~) im Kloster der schwarzen Schwestern. Der Meister war
- um 1470--90 viel für florentinische Kaufleute tätig. Das
- Bild ist vor dem Ursula-Schrein Memlings gemalt. -- Über die
- sehr kriegerischen Volksübungen berichtet Mokes: ~Moeurs et
- usages, Fêtes et solennités des Belges~. (Brüssel.)
-
- =Abb. 20. Ambros. Francken, Martertod der heiligen Crispinus
- und Crispinianus.= -- Original im Museum zu Antwerpen
- (2,69×2,17). Ursprünglich für den Altar der Schuhmacher
- (deren Schutzpatrone die Heiligen sind) in Antwerpen gemalt.
- Francken -- kein großer Maler, starb 1618.
-
- =Abb. 21. Antoine Wiertz, Das Erwachen des Scheintoten.=
-
- =Abb. 22. Ders., Die Ohrfeige einer belgischen Dame.= Beide
- Bilder im Wiertz-Museum zu Brüssel. Wiertz starb, wahnsinnig,
- 1865.
-
- =Abb. 23. Felicien Rops=, Titelbild zu Péladans »~Vice
- suprême~« Paris 1884. P. schildert den Tod der lateinischen
- Rasse; Barbey d'Aurevilly sagte über Peladan: Er trage in
- sich die Dinge, die von allen am meisten gehaßt werden, den
- Aristokratismus, die Originalität.
-
- =Abb. 24. Hieronymus Bosch, Der Heuwagen.= Hauptbild des
- Triptychons im Eskurial. (1,62×1,05.) Hierzu: Lafond,
- Hieronymus Bosch, und Dollmayer, Bosch und die Darstellung
- der vier letzten Dinge. Jahrbuch der K. K. Sammlungen des ah.
- Kaiserhauses XIX. (Wien.)
-
- =Abb. 25. Hieronymus Bosch, »Die Freuden der Welt«.= Mittelteil
- eines Triptychons. Originalgemälde im Eskurial (2,20×1,95).
- Wohl aus Bosch's letzten Jahren. Varianten des Bildes in der
- Sammlung Cardon in Brüssel und in der Sammlung Moreno, Paris.
-
- =Abb. 26. James Ensor, Der Krieg.= E. geb. 1800 in Ostende.
- Sein Vater Engländer, seine Mutter eine Belgierin. Wie
- Schongauer und Bosch, sind Ensor und Kubin Rasse- und
- Zeitverwandte. E. ist auch als Kolorist höchst interessant.
- P. Buschmann nennt ihn in jeder Hinsicht eine der
- differenziertesten und originellsten Persönlichkeiten der
- heutigen belgischen Schule. Die Abb. nach dem Werke: Herbert
- von Garvens-Garvensburg: James Ensor. Hannover 1913. Ludwig
- Ey.
-
- =Abb. 27. P. Breughel d. Ä., Der Triumph des Todes.= Original
- im Pradomuseum, Madrid. (Holz: 117×162 ~cm~.) Gemalt um
- 1565/66. Maeterlinck: »~attristé par les malheurs de la
- patrie il sentait déja sa fin prochaine~«. Kopien des Bildes
- in der Galerie Fürst Liechtenstein in Wien und beim Baron
- de Fierlant in Brüssel (? von Vinckboons). Nach Karl Kuhns
- Lichtdruck (München 1912.)
-
- =Abb. 28. P. Breughel d. Ä., Ein Dorf in Brabant.= Kupferstich
- im Verlage H. Cocks. Blatt 11 aus der Folge: »~Praediorum
- villarum~«. (Bastelaer, ~Les estampes de B.~ Brüssel 1908.
- 44.) Den flandrischen Charakter in den Landschaften Boschs,
- des Vorläufers Breughels, rühmt Lafond.
-
- =Abb. 29. Pieter Breughel d. Ä., Das Hochzeitsmahl der Bauern.=
- Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. (114×163
- ~cm~.) Mehr als 40 Figuren von etwa ⅓ ~m~ Größe. Das Bild
- befand sich schon 1659 in der Galerie des Großherzog
- Leopold Wilhelm. Es geht hier bei aller nicht gefühlten
- Unbequemlichkeit kulinarisch so üppig zu, daß die Schüsseln
- gleich auf ausgehängten Türen herbeigetragen werden.
- Obwohl doch das Derbe zu betonen nahegelegen hätte, zeigt
- sich Breughel gerade hier als ein Maler frei von jeder
- Übertreibung. Er ist hier nur Tatsachenschilderer. Seine
- Bauernmalerei -- also auch die der Kirmessen -- ist frei von
- jeder Karikatur, von jeder sozialen Tendenz, frei von jeder
- Sentimentalität. Man darf nicht vergessen, wie groß der
- Abstand des jüngeren Teniers vom älteren Breughel. Vgl. R.
- van Bastelaer und de Loo, P. Bruegel d. Ä.
-
- =Abb. 30. Pieter Breughel d. Ä., Blinde, Blinde führend.=
- Das Gleichnis nach Matth. XV, V. 14. Originalgemälde im
- Nationalmuseum zu Neapel. Signiert Bruegel ~M. D. LXVIII.~
- -- (86×154 ~cm~.) Das gleiche Thema malten schon Massys und
- Bosch vor Breughel. Aber mit Recht nennt Bastelaer dies
- Bild das höchste Kunstwerk B.'s; Romdahl stellt es neben
- Lionardos Abendmahl. Der Sinn dieser monumentalen Schöpfung
- hat doppelte Tiefe: Es ist eine Allegorie auf die verworrene
- Zeit -- es verbildlicht den ewigen Wahn in uns nicht sehenden
- Menschen, die doch wähnen Ziele zu sehen und führen zu können.
-
- =Abb. 31. Miniatur aus dem Turiner Gebetbuch.= (Die Landung
- Wilhelms VI. von Bayern-Straubing-Holland. 1416.) Über die
- Landschaft am besten: Dr. Johanna de Jongh, Die holländische
- Landschaftsmalerei. Deutsch von Dr. Jeltes bei B. Cassirer,
- Berlin 1905.
-
- =Abb. 32. Jan van Eyck, Adam und Eva.= 2 Flügelbilder vom
- Genter Altar. Die Originale im K. Museum in Brüssel
- (168×38 ~cm~). Diese Bilder gaben dem ganzen Altar den
- volkstümlichen Namen. Das Bild wurde von Anfang an als
- Wunderwerk angestaunt. Es wurde nur hohen Herren enthüllt
- oder gegen schweres Trinkgeld gezeigt. -- Die Inschrift,
- die Hubert größer nennt als Jan, ist aber doch eines der
- häufigen Beispiele aus der Kunstgeschichte, die die Größe der
- eigentlichen, starken Neuerer selten voll gewürdigt findet.
- -- Vom Genter Altar in Gent jetzt nur die Mittelbilder von
- Huberts Hand. Die anderen Originale in Berlin und Brüssel.
- Die Bilderstürmer hätten das Werk beinahe zerstört. Kaiser
- Josef II. war entrüstet über die zwei nackten Gestalten. Sie
- wurden nun verschlossen gehalten. Die Mitteltafeln wurden --
- wie so vieles -- 1794 von den Parisern entführt. 1816 erwarb
- das »barbarische« Berliner Museum die 6 Flügel rechtmäßig für
- 410000 Frcs. von einem Privatmann. -- Das erste Lobgedicht
- nennt den Altar treffend: »eine Himmelsgabe für das teure
- Flandern«. -- Um das naturalistisch-oppositionelle für die
- Zeit zu empfinden, vergleiche man diese Akte mit denen der
- Brüder Limburg in den »~Très riches heures du duc de Berry~«.
- Auch dort wohl der modische dicke weibliche Bauch. Aber die
- Bewegungen sind geziert, die Glieder zierlich. Alles ist
- dort gerade im Akt auf den höfischen, verfeinerten Geschmack
- berechnet.
-
- =Abb. 33. Meister von Flémalle, Madonna.= Original in der
- Sammlung de Somzée in Brüssel. (62×49 ~cm~.) (Flémalle in
- der Provinz Lüttich.) Der Meister war um 1432 in Arras und
- Brügge tätig. Vgl. Friedländer, Die Ausstellung in Brügge
- 1902 (München 1913). -- Eine Abb. der Madonna Foucquet's in
- Woermann, Geschichte der Kunst II.
-
- =Abb. 34. Ausschnitt aus dem Altar »des Bürgermeister Rollin«
- von Jan van Eyck.= Die Landschaft ähnelt der bei Lüttich (F.
- Rosen, Die Natur in der Kunst, Leipzig 1903.) Original im
- Louvre, Paris. -- Rosen findet in den Landschaften des Bouts
- (München) die Felsen von Marche aux Dames an der Maas.
-
- =Abb. 35. Die Maas bei Dinant.= Radierung von D. Y. Cameron
- (1907). (R. 390.) (Originalgröße 165×377 ~mm~.) »Das Maastal
- ist der klassische Boden der flandrischen Kunst« (Crowe und
- Cavalcaselle). Die englischen modernen Radierer, Whistler,
- Cameron, Brangwyn haben sich sehr viel Motive aus Belgien
- geholt. Von neueren deutschen und holländischen Künstlern
- sind mir belgische Landschaften in Erinnerung von Achener,
- Anderson, von Bartels, Bertlings, Beyer, Eder, Gaisser,
- Großmann, von Hayek, Heesch, von Leuxden, M. Liebermann,
- Lynch von Town, Mackowsky, Oppler, Orlik, Paulsen, Schrag,
- Schülein, Schumacher, Seyler, Storm vans Gravesande,
- Westendorf. -- Die Mappen der belgischen Radiervereine
- geben eine Fülle gerade jener so feuchten Landschaften
- zwischen Schelde und Meer wieder, die der Schauplatz unserer
- Schlachten. Der moderne belgische Maler-Radierer Lüttichs ist
- Maréchal.
-
- =Abb. 36. Quinten Massys und Joachim Patinier, Die Versuchung
- des h. Antonius.= Original im Prado, Madrid. Patinier ist
- in Dinant geboren. Massys kam von Löwen nach Antwerpen.
- -- Photographie von F. Bruckmann A.-G., München. -- Eine
- Porträtlandschaft: Das Schloß Walzin an der Lesse 7 ~km~ von
- Dinant auf dem Bild in der Liller Galerie: Predigt Johannes
- des Täufers von Pieter Coecke.
-
- =Abb. 37. P. P. Rubens, die flämische Kirmes.= Original im
- Louvre, Paris. Um 1636 ganz von Rubens eigener Hand gemalt.
- (149×261 ~cm~.) --
-
- =Abb. 38. Pieter Breughel d. Ältere, Der Tanz unterm Galgen.=
- Originalgemälde im Großherzogl. Museum in Darmstadt. (45×50
- ~cm~.) Gemalt i. J. 1568, im Alter von etwa 43 Jahren, ein
- Jahr bevor der Unsterbliche starb. Van Mander erzählt, der
- Künstler habe dies Bild seiner Frau vermacht mit dem Hinweis
- auf die schwatzhafte Elster auf dem Galgen, die all die
- bösen Zungen bedeutet, die er zum Teufel wünscht. -- Die
- wundervolle Landschaft, ausnahmsweise nicht so breit, nimmt
- wieder alte alpine Erinnerungen auf, sie gab dem Sohne den
- stärksten Einfluß für dessen ganz andere landschaftliche
- Gabe. -- Freier ist Rubens flandrische Landschaft beim
- Schlosse Steen, zwischen Mecheln und Vilvorde, in der
- Nationalgalerie London.
-
- =Abb. 39. Pieter van der Heyden, Die St. Georgs-Kirchweih
- nach Pieter Breughel d. Älteren.= Kupferstich (340×530
- ~mm~.) Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung,
- München. (Bastelaer 207 I.) Sehr instruktiv für die Art
- der Kirchweihbelustigungen und die volkstümlichen Übungen
- und Spiele in Flandern. Abgesehen von den hier nur etwas
- derberen Vergnügungen, die dem Volk überall angehören, sind
- bezeichnend für flämische Kirmessen: der Schwerterreigen
- und das Bogenschießen nach einem auf dem aufrechten
- Windmühlflügel befestigten Ziele (auf dem Hügel, ganz
- hinten links). Eine Erklärung aber zu den grotesken, teils
- maschinell wirkenden Figuren des Bosch und des Breughel,
- (auch noch des Callot), geben die etwas karnevalistischen
- Aufführungen »Wie St. Georg den Drachen tötet« in der Mitte
- des Bildes vor der Kirche. -- Die primitive Bühne, auf Tonnen
- aufgebaut, läßt die großartige, theatralisch-wirkliche Welt
- in den Höllen des Bosch, mit ihren brennenden Burgen, ihrem
- illusorisch plastischen Kulissenwerk besonders stark fühlen.
- Der Künstler steht als Realist auf dem Boden seiner Zeit,
- als Phantast eilt er ihr weit voraus -- in die Zeit des
- Illusions-Theaters, das überwunden werden soll. -- Wie St.
- Martin seinen Mantel teilt, wie David den Goliath besiegt u.
- v. a. wurde auf den Kirmessen drastisch gezeigt.
-
- =Abb. 40. Felic. Rops, Frühling.= Lithographie. (Mascha 176)
- (412×588 ~mm~).
-
- =Abb. 41. David Teniers d. J., Das Fest im Hofe des
- Wirtshauses.= Originalradierung. (195×233 ~mm~).
-
- =Abb. 42. Adr. Brouwer, Das Gefühl. (Der Dorfbader.)= Original
- in der K. ält. Pinakothek, München. (Holz 23×20 ~cm~.)
- Nach der Tonlithographie des Rep. Strixner im »K. bayer.
- Gemäldesaal zu München und Schleißheim«. -- Hofsteede de
- Groot, der Brouwer unter die holländischen Maler aufgenommen,
- sagt doch, daß Holland um 1623 eine eigentliche Bauernmalerei
- noch nicht gekannt habe, während in Flandern der alte
- Breughel bahnbrechend wirkte. Brouwer war in Antwerpen seit
- 1631.
-
- =Abb. 43. Adriaen Brouwer, Streitende Bauern beim Kartenspiel.=
- Holzschnitt von Middeleer nach dem Originalgemälde in der
- K. Galerie in Dresden (26,5×34,5). -- Die Kirche sagte:
- »Häßlich ist das Böse«. Der Genius der germanisch-nordischen
- Kunst antwortet darauf: Das Übel aller Kunst fängt an
- mit der Herrschaft des konventionell Schönen. Über den
- beständigen Kampf der Künstler gegen diese Herrschaft habe
- ich ausführlich in m. Buche »Häßliche Kunst?« berichtet.
-
- =Abb. 44. Jan Sanders van Hemessen. Lockere Gesellschaft.=
- Original im Gh. Museum zu Karlsruhe (81×110). Hemessen bei
- Antwerpen geboren (um 1504) zog später nach Haarlem († 1566).
- Das Lob seiner Zeitgenossen als »holländischer Raffael«
- trifft die üble Zwiespältigkeit seiner Kunst. Es gibt kein
- schlechteres »Lob« für einen Nordischen.
-
- =Abb. 45. Joos van Craesbeeck= († 1654 in Brüssel). =Die
- Kurtisane.= Original im Museum zu Lille. (Holzschnitt von
- Middeleer.)
-
- =Abb. 46. Jakob Jordaens= († 1678). =Der König trinkt.= Nach
- dem Stich des P. Pontius »Der Bohnenkönig«.
-
- =Abb. 47. Derselbe: Wie die Alten sungen so zwitschern die
- Jungen.= Original im Museum Antwerpen (120×192).
-
- =Abb. 48. Richard Earlom, Schabkunstblatt nach Franz Snyders'
- »Fischmarkt«= (Earlom 1822 †.) »Keine Schule, auch die
- holländische nicht, hat das animalische Leben so künstlerisch
- verherrlicht, wie die flämische. Deren große Kämpfe, Jagden
- und Stilleben sind unvergleichliche Triumphe malerischer
- Kühnheit und Lebendigkeit.« (~Wauters, La peinture
- flamande, Paris 1883.~) -- Neben Rubens' Schlachten ist die
- Anghiari-Schlacht ruhig.
-
- =Abb. 49. Josef Lambeaux, Die Freude.= (Marmor.) Lambeaux
- geb. 1852 in Antwerpen, ist bekannt als Schöpfer des
- »Brabo«-Brunnens auf dem Rathausplatz in Antwerpen.
-
- =Abb. 50. Frank Brangwyn, Die St. Nikolauskirche in Dixmuiden.=
- Radierung. Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung,
- München.
-
- =Abb. 51. D. Y. Cameron, Der Belfried von Brügge.= (1907.)
- Radierung und Kaltnadel (380×134 ~mm~.) (N. 392.)
-
- =Abb. 52. Jerome Duquesnoy d. Ä. Das Manneken pis in Brüssel=
- (1619). -- Jerome D. ist der Vater des berühmten Franz D.,
- dessen Arbeiten in St. Peter in Rom, dessen Putti in aller
- Welt bekannt waren. -- Diese Brunnenfigur wäre nach ihrem
- uralten Motiv gewiß kein besonderes Charakteristikum für
- irgendein Volk. Auch die prüdeste Stadtgemeinde würde keinen
- Anstoß dran nehmen, jede sie gern aufstellen. Was aber
- doch dies Buberl von Duquesnoy gerade zu einer Idealfigur
- flämischen Volkscharakters macht, das ist die Art, wie sie
- von allen Ständen des Volks als Wahrzeichen durch alle
- Jahrhunderte in guten und bösen Tagen verehrt und geschmückt
- wurde. Sie ist mit Recht von J. W. Wolf (Niederländische
- Sagen. 1843) die populärste Statue von Europa genannt worden.
- An Festtagen mit Blumen und Kränzen geschmückt, von allen
- fürstlichen Besuchern Brüssels mit Kleidern beschenkt, hat
- sie sogar Testatoren gefunden, die Summen zur Erhaltung,
- Summen für die Anstellung eines besonderen Pflegers
- gestiftet. -- Alle politischen Wandlungen hat das Buberl zur
- Schau tragen müssen. Ja Kurfürst Maximilian schenkte ihm 1698
- das Ritterband seiner Orden und Ludwig XV. schmückte es mit
- dem Ordenskreuze des h. Ludwig. 1831 bekam es die Uniform der
- Brüsseler Bürgergarde. -- Öfters geraubt von fremden Truppen
- hat man es immer wieder zu finden gewußt. -- Kann eine
- harmlose Statue nur wegen eines guten alten echt menschlichen
- Motivs des Wasserspendens mehr verehrt werden? Das Manneken
- pis ist ein Charakteristikum des lebensfrohen belgischen
- Volkes, dem kein anderes sich vergleichen läßt. -- Auch wir
- wollen ihm als köstlichen flämischen Volks-Genius nie Respekt
- versagen.
-
- =Abb. 53.= (Auf Seite 8.) =H. Paillard, Der große Platz in
- Brüssel.= Holzschnitt.
-
- =Abb. 54.= (Auf dem Umschlag.) =Chr. Jegher nach Rubens=,
- Holzschnitt (605×360). Herkules tötet Neid und Zwietracht.
- (Nach dem Deckengemälde in Whitehall in London.)
-
-
-
-
-Anmerkungen zu den Abbildungen:
-
-
-Durch ein Versehen blieben nach notwendigem Umstellen von Bildern im
-Text in den Anmerkungen falsche Numerierungen stehen:
-
- Abb. 4 im Text ist in den Anmerk. Abb. 6
- " 5 " " " " " " " 4
- " 6 " " " " " " " 5
- " 7 " " " " " " " 13
- " 8 " " " " " " " 9
- " 9 " " " " " " " 7
- " 10 " " " " " " " 8
- " 11 " " " " " " " 10
- " 12 " " " " " " " 11
- " 13 " " " " " " " 12
- " 37 " " " " " " " 38
- " 38 " " " " " " " 37
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription.
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
- Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. Der Schmutztitel
- wurde entfernt.
-
- Die Abb. 54 (Umschlag) fehlt.
-
- Korrekturen:
-
- S. 9: Kapitelüberschrift ergänzt
- Belgiens Volkscharakter -- Belgiens Kunst
-
- S. 36: Einsetzen → Entsetzen
- sie auch sonst sein mögen, kaum ein leises {Entsetzen}
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst, by
-Ernst Wilhelm Bredt
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BELGIENS VOLKSCHARAKTER ***
-
-***** This file should be named 53925-0.txt or 53925-0.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/3/9/2/53925/
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License (available with this file or online at
-http://gutenberg.org/license).
-
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
-terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
-before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
-distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
-"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
-posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
-you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.