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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Reime und Bilder - -Author: Carl Spitzweg - -Editor: Hermann Uhde-Bernays - -Illustrator: Emil Preetorius - -Release Date: October 8, 2016 [EBook #53232] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REIME UND BILDER *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~. - - Im Original gesperrter Text ist +so markiert+. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - -[Illustration] - - - - - Spitzweg - - Reime und Bilder - - Mit 24 Bildern - - [Illustration] - - Delphin-Verlag München - - - - - Einbandzeichnung von Emil Preetorius - - - - -Carl Spitzweg - - -Mit dem Aufruf des Namens »Carl Spitzweg« tritt die menschlich -empfindsamste, künstlerisch bedeutendste Erscheinung aus der nicht -allzu großen Schar deutscher Maler vor uns, die als Nachzügler der -mondumglänzten Romantiker schon den schlichten Vortrab des Realismus -gebildet haben. Erst in einer Entfernung von den Zeiten vor der -Einigung Deutschlands, die abschließende Übersicht gestattete, ist -es möglich geworden, den Wert dieser besonders in Süddeutschland für -die Entwicklung einer immer freieren und lebendigeren künstlerischen -Darstellung wichtigen Genossen gebührend einzuschätzen und das -Verdienst der einzelnen zu sondern. Mit überraschender Deutlichkeit -heben sich aus diesem Kreise die Persönlichkeit und das Werk Carl -Spitzwegs heraus, die Natürlichkeit, die Anmut, und die malerische -Kraft des bescheidenen Meisters verleihen den Absichten seiner -Kunst erst jetzt die gebührende allgemeine Anerkennung. Wohl ist -Spitzweg Münchner, und zwar ein typischer Vertreter der Münchener -Kunst im 19. Jahrhundert, aber seine Schöpfungen, völlig frei von -lokalen Anspielungen und Traditionen, haben als die ansprechendsten -Erinnerungen der Biedermaierzeit in ganz Deutschland Freunde gefunden. - -Ein Menschenalter ist vergangen, seitdem Carl Spitzweg zu Grabe -getragen wurde. Das Geheimnis seiner Kunst schied mit ihm, der keine -Schüler und Nachfolger besaß. Aus dem Werk Carl Spitzwegs tritt uns -schon aus diesem Grunde die Ursprünglichkeit einer ungewöhnlich hohen -künstlerischen Begabung anregend und überzeugend vor Augen, und der -Humor seiner Schilderung, den wir an den zahllosen Zeugnissen seiner -künstlerischen Laune verfolgen, wie sie uns in seinen Bildern und -Zeichnungen erhalten sind, überträgt sich ganz von selbst auf den -Beschauer. So ergibt sich der Wunsch nach einem kurzen Bericht über -das Leben dieses freundlichen Junggesellen, der uns immer wie ein -gütiger Onkel erscheint, dessen Launen und Grillen wir uns gerne -anschmiegen, weil seine Geschichten uns unbezwinglich festhalten, als -eine unmittelbare Folgerung der verschiedenartigen Eindrücke, die wir -von Spitzwegs Kunst empfangen. - -Spitzweg ist einer der wenigen hervorragenden Münchner Künstler, die -schon von Geburt Münchner waren. Sein Vater ist ein wohlhabender und -angesehener Bürger gewesen, auch politisch trat er hervor, und im -Landtage hat er das Denkmal des Königs Max Joseph vor dem Hoftheater -angeregt. Von der Kunst wollte er sonst freilich nicht viel wissen. -Er war bestrebt, den Sohn, folgsam wie dieser war, zu einem guten -und bürgerlich angesehenen Berufe zu erziehen. Man schickte ihn in -die Lateinschule, und dann vertauschte er den Cicero mit dem Mörser -des Apothekers. Die Hofapotheke hat die Ehre, »Subjekt« und Provisor -Spitzweg zum behäbigen Apotheker ausgebildet zu haben. Wir können uns -den kurzsichtigen Meister gut vorstellen, wie er mit Fläschlein und -Pillenschachtel hantierte, und ein kleiner Rest seines ursprünglichen -Berufes steckt deutlich erkennbar in der Bedachtsamkeit und -Genauigkeit des Künstlers, der an den »nachdrücklichen« Apotheker in -Goethes Hermann und Dorothea gemahnt. Als Spitzweg die Rothenburger -Marienapotheke malte mit dem ängstlich wartenden Mütterlein und dem -wichtigtuerischen Provisor, der im Stoßen innehält, um der sittsam -vorbeispazierenden Jungfer Nachbarin feurige Blicke nachzusenden -- -da wird er sicher vergnüglich an die eigene Lehrzeit zurückgedacht -haben, in der er übrigens eine reichlich zugemessene Urlaubszeit -klug nutzte, um nach Tirol und Italien hineinzusehen. Da starb der -Vater. Fast dreißigjährig, grüßte Carl Spitzweg die Freiheit. Über den -neuen Beruf besserte sich die Meinung bei den Münchenern. Die Gunst -König Ludwig I. leuchtete den Künstlern, und so fühlte sich auch der -Bürger der Stadt bemüßigt, um nicht nach obenhin Ärgernis zu geben, -eine freundlichere Miene zu ziehen. Aus dem absprechenden »Malervolk« -wurde Wohlgeboren der Herr Kunstmaler. Spitzweg konnte als -Erbe eines stattlichen Vermögens die Nachteile des Künstlerberufes -vermeiden, aber die Akademie besuchen wollte er dennoch nicht. -Seit Jahren hatte er Büchelchen mit Skizzen gesammelt, den eigenen -Augen folgend, festgehalten, was seine Laune anregte, zahnwehkranke -Dienstboten und ausgediente, brummige Feldzugssoldaten draußen in -Bruck, den verulkten Flurhüter im englischen Garten und die preziösen -alten Jungfern auf der Promenade, übergewissenhafte Briefträger und -grillenhafte Stadtoriginale -- ein Material stand ihm zur Verfügung, -wie es zu gleicher Zeit der norddeutsche Autodidakt Menzel nicht -fleißiger zusammengebracht hat. Zu den Figuren fand sich alsbald die -Bühne, auf der sie stimmungs- und beifallssicher wandelten. Spitzweg -zog aus mit Schleich, dem prächtigen Landschafter, um die Sonne im -Dachauer Moor scheiden zu sehen, er wanderte ins Isartal zu Füßen -unserer Voralpen, an manchem unersteiglichen Felsblock, den allein -der romantische Efeu zu erklettern vermag, sah er hinauf, und dann -versuchte er heimlich die Waldnymphe im grünen Bergsee zu belauschen. -Er stieg empor zu der Sennerin auf der Alm, lagerte im hellen Grün und -blinzelte erwartungsvoll die Windungen des Pfades hinab, ob nicht am -Gatterl drunten sich etwas ereignen werde, ob nicht der Forstler oder -der Bader daherkäme, und sein Herz frohlockte, als er einmal gar den -juhschreienden heimkehrenden »Leiber« anrücken sah. War's noch zu kalt, -um bergwärts sich zu rüsten, bummelte er gemächlich in den engen Gassen -der Münchener Altstadt, und als es ihn antrieb, die Höfe und Tore, die -seltsamen Giebel und die blumenumstellten Erker der alten Reichsstädte -kennen zu lernen, fuhr er auf der Thurn und Taxisschen Post weit -über Land und zeichnete in Nördlingen und Dinkelsbühl, vor allem in -der Stadt, deren dichterisch-verklärtes Märchendasein seine Muse so -verwandtschaftlich nahe ansprach, in Rothenburg ob der Tauber. - -Dieser kecke Wandersinn des Malers stellt ihn in Beziehung zu einer -ganzen Gruppe Münchner Künstler, neben denen er sich ganz selbständig -hält. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete das -künstlerische Leben Münchens zwei scharfe Gegensätze. Es schritt -teils einher auf dem hohen Kothurn akademisch-selbstgefälliger -klassizistischer Tradition, teils war es ein romantisches Nachzüglertum -voller Humor und Laune, eine lustige Schar, die mit offenen Augen durch -die Gassen und über die Landstraßen lief, dort Cornelius, Kaulbach, -Heß, hier die Kaiser und Morgenstern, die Bürkel und Schleich, im -Fähnlein dieser Aufrechten der stattlichste Bannerträger, Carl -Spitzweg. Was ihn über die Genossen erhebt, ist die nach Stoff, Gehalt -und malerischer Technik frei und frisch sich aussprechende Eigenart -seiner Kunst. Denn er wertete in seiner Phantasie, deren Lebendigkeit -ihm die merkwürdigsten Kunststücke gelingen ließ, wie etwa die wegen -ihrer Naturwahrheit angestaunten Bilder aus dem Orient, die er nach -der eifrigen Durchnahme eines gewichtigen ethnographischen Werkes über -Ägypten schuf, frei im Kopf Geschautes und Gelesenes um und kopierte -gleichsam nach einem Bilde, das er schon fertig in sich trug. Das -Anekdotenhafte des Genre, die köstliche Pointe kam dann erst in zweiter -Linie und fiel weg, wenn sie sich hätte erzwingen lassen müssen und -nicht ganz von selber gab. Das malerisch Natürliche der Ausführung -ist vielleicht das Anziehendste der Spitzwegschen Kunst. Für die -Harmonie der Farben, für die kleinste Nuance wie für den absichtlichen -Kontrast mit der gleichen sensitiven Feinheit des Empfindens begabt, -entzückt und erstaunt sie durch die Einfachheit des Eindrucks, die rein -äußerlich durch das kleine Format der Bilder verstärkt wird. - -Spitzweg nahm es sehr gewissenhaft bei der Arbeit. Wenn das Werk -seiner Kritik nicht Stand hielt, wanderte es in den Ofen, und so ging -es fort, bis endlich, oft erst nach einem Dutzend von Versuchen, die -gerunzelte Stirn sich in zufriedenen Falten glättete. Das wichtigste -Instrument des Ateliers war das zerstörende Federmesser. Trotzdem -hat der Meister, dem ein unermüdlicher Fleiß bis zum letzten Stündlein -eigen war, Hunderte von Bildern hinterlassen. Man hat sich bemüßigt -gefühlt, mehrere Perioden in der Kunst Spitzwegs zu unterscheiden. -Doch ist nur ein einziger wirklich wichtiger Wendepunkt deutlich -wahrzunehmen. Dem Münchner Freundeskreise, dem Dyck und Flüggen -Anregungen gaben, welchen Spitzwegs frühe Bilder sich nicht entziehen -konnten, mit dem Freunde Schleich 1851 zu einer längeren Studienreise -nach Frankreich und England entwichen, hat Spitzweg in London von den -theoretischen Erklärungen Burnetts gelernt, in Paris Decamps und Diaz, -vor allem Eugen Delacroix technische Ausdrucksmittel abgesehen, die -er, heimgekehrt, maßvoll prüfte. Ähnliche Anregungen gaben ihm die -holländischen Meister, die er in Pommersfelden und München liebevoll -kopierte. Als glückliche Folge dieses doppelten Verkehrs zeigt sich bei -Spitzwegs späteren Werken in der Farbe eine gesteigerte Klärung der -hellen Töne, die seine Technik bis an die Grenze impressionistischer -Farbenentwicklung gelangen lassen, in der Zeichnung eine sichere -Ausnutzung architektonischer Wirkungen im Raum. Ein volles -Menschenalter ist Spitzweg sich so treu geblieben. Während er äußerlich -die liebenswürdigen Seiten des verbitterten Junggesellen zur Schau -trug, blieb der Künstler auf der schaffensfreudigen Höhe stehen -- -einer Höhe, deren überragende Position er skeptisch und weltverachtend -nicht einsehen wollte. - -Mit dem Namen »Spitzweg« verbindet sich nunmehr eine feste Vorstellung, -die die Nachwelt stärker und sehnsuchtsvoller empfindet. An seinen -Bildern allen haftet der feine Duft, den wir einstmals als Kinder -einsogen, als Großmutter ihren Schrank öffnete, um ihr Brautkleid -mit den guten Spitzen zu zeigen. Es ist der milde Hauch der guten -alten, der glücklichen goldnen Zeit. Der Maler mit dem weichen -Herzen, den die Nachbarschaft als höchsten Schiedsrichter in allen -menschlich-häuslichen Dingen verehrte, der stille Erzähler und Dichter -hat manchmal auch zur Feder gegriffen, um den launigen Einfällen -des Pinsels andere Genossen zu geben, sarkastischer und tiefer -Art. Allgemein suchte man sein Wesen, das zwischen liebenswürdiger -Schelmerei und geistreichem Recken, holder Beschaulichkeit und -junggesellenhaftem Gram schwankte, neben Jean Paul zu stellen. Uns -steht Altmeister Spitzweg neben einem Anderen, Größeren, dessen -Ruhm ebenfalls stündlich wächst, neben Gottfried Keller. In Spiegel -dem Kätzchen ist gedruckt: »Sogleich kleidete der Herr Pineiß in -sein abgeschabtes gelbes Sammetwämschen, das er nur bei feierlichen -Gelegenheiten trug, setzte die bessere Pudelmütze auf und umgürtete -sich mit seinem Degen; in die Hand nahm er einen alten grünen -Handschuh, ein Balsamfläschchen, worin einst Balsam gewesen und das -noch ein bischen roch, und eine papierne Nelke, worauf er vor das -Tor ging, um zu Freien.« Kann man sich eine köstlichere Beschreibung -Spitzwegscher Figuren denken? In diesen Worten stehen sie leibhaftig -vor uns. Und wie wir Meister Gottfried den schlichten Eichenkranz -geben, um ihm die Jubellast des Lorbeers zu ersparen, so wollen wir -Carl Spitzweg feiern, den ewig jugendlichen Meister unserer deutschen -Kunst. Wenn wir abends den Staub gewischt haben von der ältesten Lampe -unseres Hausrates, und sie dann schwachen, wohltuenden Schein wirft -über den eichenen Tisch, dann nehmen wir die Blätter zur Hand, auf -denen der stimmungsvolle Apostel häuslichen Behagens, der köstliche -Erzähler harmlos heiterer Geschichten, der gründlichste Beobachter -der guten alten Zeit und des gemütlichen Daseins von ehemals so -herzensinnig zu uns spricht: »Liebe das Leben mit seinen Torheiten.« -Denn so heißen die goldenen Worte über der Türe zum Herzen der -Spitzwegschen Kunst. - - Hermann Uhde-Bernays. - - ★ ★ ★ - - - - -Reime - - -Malergespräch - - Ich: - - »O Himmel, ist die Kunst doch schwer! - »Die Göttin spröd, die dralle!« - - +Schwind+: - - »Ja, Lieber, wenn so leicht es wär', - »Die Luder malten +alle+!« - - ★ - - -Maler-Schnadahüpfel - - 1. Z'erst tuat ma's patiern, - Drauf kimmt dö Lasur - Und durch dös Lasiern - Werd's grad wia d' Natur! - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 2. Z'letzt nimmst no a Farb her, - Die d' Aug'n recht daschreckt, - Die streichst nocha dick hi ... - Dös hoaßt ma 'n Effekt! - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 3. Nur Farb drauf in Häuf'n - Als wann g'mauert wer'n müaßt, - Daß d' Nachwelt kann greif'n, - Wann d' Farb eppa schiaßt! - ... Hu-i-di-e, Hi-i-di-e! - - 4. A Leinwand hon i aufg'spannt - So glatt und so fein -- - Ja, komponieren kunnt i schon, woaßt, - Aber 's fallt ma nix ein! - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 5. Jetz glaub i in koan Fall, - Daß i net weit mehr fehl -- - Morg'n steht mir dö dick' Köchin - Als Psyche Modell! ... - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 6. Na, jetz bin i im Zweifel: - Schaugt d' Psyche so aus? - Z'letzt, hol mi der Teufel, - I mach a Sennerin draus! - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 7. Ja, es is ja wahr a, - In Kritisieren, do sans fix -- - Aber selba was macha? - Na -- macha könnas nix! - ... Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - 8. Beim Mal'n wia beim Dicht'n - Isch allweil oan G'schicht: - Es soll si halt raime ... - So is a Gedicht! - Hu-i-di-e, Hu-i-di-e! - - ★ - - -Ich als Maler - - Bleiben alle unser Lebtag wir Studenten: - Ich bin Doktor -- meine Bilder Patienten! - Daß auch viele mir schon in der Kur gestorben, - Hat die Lust mir am Kurieren nie verdorben; - Aber leider sehen meine Patienten - Nicht als +Doktor+ an mich, sondern als +Studenten+. - - ★ - - -Tizians Himmelfahrt Mariens - - Hättst du doch, goldner Tizian, - (Und mit dir auch noch andre) - Gemalt nicht, wie so himmelan - Maria leiblich wandre; - Hättst du dies Frauenkonterfei - So himmlisch nicht beschrieben: - Ein Dogma wär' -- ich bleib dabei -- - Vielleicht erspart uns blieben. - - ★ - - -Sprüche - - Glücklich macht dich das Wissen, - Selig aber dein Gewissen! - - ★ - - Ein jeder Mensch ist Patient - Und eigens zu behandeln, - Doch schmecken die Rezept' am End' - Fast all nach bittern Mandeln! - - ★ - - Hast du Humor, so laß ihn auch sprudeln, - Nie aber soll er dudeln und sudeln! -- - - ★ - - Und komme auch, - Was es da sei: - 's ist Künstlerbrauch: - Der Kunst bleib treu! - - ★ - - Dein Gedicht zum Revidieren - Traue keinem Dichter an! - Wie bei Malern könnt's passieren, - Daß der Meister malt daran! - - ★ - - Im Schaffen nur sind' Freud' und Glück, - Laß keine Müh' dich reuen! - Und was du schufst, blickst einst zurück, - Soll andere stets erfreuen! - - ★ - - Das Schönste, was der Dichter singt, - Unmöglich ist's zu malen! - Das Schönste, was der Maler bringt, - Mit Worten nicht zu lallen! - - ★ - - Gib allerorten - Immer hin - Mit +kurzen+ Worten - +Langen+ Sinn. - - ★ - - -Rezept zu einem guten Schlafe - - Beschwere dein Gewissen nicht, - So detto nicht den Magen. - Doch was bei dir Gewissen ist, - Mußt du dir selber sagen. - - ★ - - -~Para pacem si vis bellum!~ - - 's ist nur umgedrehte Wortung! - Sattle ab dein Streiterroß, - Bring nur alles hübsch in Ordnung, - Geht gewiß der Teufel los. - - ★ - - -An Pocci! - - Was hebt und engt die Menschenbrust - Zu sagen, ist euch unbenommen! - Doch +er+, er singt voll Herzenslust: - »Die +Kleinen+ laßt mir kommen!« - - ★ - - -Die Ausgrabungen in Olympia - - Und wird die Welt auch noch so alt, - Der Mensch, er bleibt ein Kind! - Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt, - Wie eben Kinder sind! - - Wann alles erst in klein zerstückt - Und nichts mehr zu verderben, - So sucht er wieder -- neubeglückt -- - Und spielt dann mit den Scherben! - - ★ - - -Jetztzeit! - - Billig ist die Klassizität, auch jetzt noch so ziemlich in Ehren, - Unseren Firnis und Glanz kannten die Alten noch nicht! - - ⚫ - - Übrigens wunderbar bleibt, wie doch die Maler, die alten, - +Ohne+ die Photographie brachten es wirklich so weit. - - ☀ - - Der Architekt baut's Haus! - Die +drinnen+ schmücken's aus! - - ★ - - -Des Genügsamen Trost - - Behalt' die Perlen und dein Gold, - Behalt' die Diamanten! -- - Was tut's, wenn auch Fortuna schmollt - Durch ganze Folianten! - - Es bleibt zuletzt doch etwas noch, - Was muß das Herz erheben - Weit über jedes Unbill hoch, -- - Und schöner macht das Leben!! - - Ach, wenn ich es nicht sagte dir, - Du würdest's nie erraten! - Freund, morgen gibt es Märzenbier - Und Heringe gebraten! - - ★ - - -Der Weisheitszahn! - - Wart allweil auf den Weisheitszahn, - Die andern fallen aus -- - I denk, i zieh mein Pelzrock an - Und geh schön stat nach Haus! - - Was hilft denn a dös Warten jetzt - Dös Herstehn da im Schnee; - Da könnt i mi verkält'n z'letzt, - Dös g'scheitest ist -- i geh! - - Zur Einsicht bin i endli g'langt, - +Den+ krieg i nimmer -- i --! - Allweil hat mir vor Weisheit bangt: - An +Zahn+ hat's g'habt auf mi! - - ★ - - -Der Karmelitergeist - -(~Spiritus melissae compositus cecc. Pharmacop.~) - - Eingeführt im deutschen Land - Habt geistreich ihr das Liter; - Nicht aber Gnade vor euch fand - +Ein+ Geist ... der +Karmeliter+! - Grad +sie+, die lang Zeit lobesam - Den edlen Geist uns setzten an - Für so Gebrest, das jedermann - Im Deutschen Reich befallen kann ... - +Die+ müssen fort! ... 's ist bitter! - - ★ - - -Die Orden - - Wenn einer einen Orden kriegt, - Bei uns ist's so der Brauch, - Sagt jeder grad zu ihm ins G'sicht: - »Verdient hätt' ich ihn auch!« - Wahrhaft erfreulich ist dies schon, - Es gibt ein treues Bild! - +Wie+ hoch muß stehen die Nation, - Wo +jeder+ sich so fühlt!! - - ★ - - -Berg und Tal - - Erst auf den höchsten Zinnen - Die mühsam du erklommst, - Wird's hell in deinen Sinnen, - Dem Himmel näher kommst! - - Willst du ein Weilchen selig sein, - Dann leg' dich auf den Bauch - Dort in die nächste Wiese 'nein - Inmitt der Blumen Hauch! - - So bist der Gottheit näher, - Das Herz, es schlägt dir froh: - Nur meide nahe Späher, - Die finden so was roh! - - ★ - - -I möcht a Klausner wer'n ... - - Oft is mir kommen so in Sinn: - I möcht a Klausner wer'n! - Adje, du schöne Welt, fahr hin, - Will nix mehr von dir hör'n! - - Wenn aber i dem Maderl so, - So +recht+ in d' Aug'n guck, - Da bin i weg -- i woaß net wo -- - Dös bringt mi wieda z'ruck! - - I bleib a +do+, 's is alles recht! - I mag ka Klausner wer'n! - Mei Klausen do is a net schlecht ... - Grad nüber tuat's loschern! - - Da schau i halt den ganzen Tag - So in ihr Zimmerl nein -- - A oanzig Wörtl! wenn's mi mag: - Z' Micheli ziag i ein! - - ★ - - -Mein Stübchen! - - Nicht kleinste Freude noch auf Erden - Ist mir mein Stübchen spät bei Nacht; - Des Tages Mühsal und Beschwerden - Bei Lesen mich vergessen macht! - - »Wohl besser in geselligen Kreisen - »Froh auszutauschen, was erhebt; - »Du wähnst wohl gar dich einen Weisen - »Der selber schon genug gelebt. - - »Wer doch bei solch Schartekenhocken - »Einseitig, tot nicht werden müßt'?! - »Kann dich kein Freundeszirkel locken, - »Wo ein lebendig »Du« dich grüßt?« - - Verzeih, wenn ich so minder Nutzen, - Belehrung minder finden kann! -- - Und wenn dort andere lernen sich »duzen«, - Red' ich mich auch mit »Sie« nicht an! - - ★ - - -Lebensregel! - - Wenn dir's vergönnt je, dann richt' es so ein, - Daß dir ein Spaziergang das Leben soll sein! - Stets schaue und sammle, knapp nippe vom Wein, - Mach' unterwegs auch Bekanntschaften fein, - Des Abends kehr' selig bei dir wieder ein - Und schlaf in den Himmel, den offnen, hinein! - - ★ - - -Lebens-Alpenfahrt! - - Stets wandeln wir dem Abgrund dicht, - Wo Tief und Dunkel schrecken, - Aus dem ein Tod und letzt Gericht - Die Drachenhälse recken! - - Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr, - So sorglos hin wie Kinder ... - Da strauchelst du und gleitest gar - Und gleitest ab geschwinder! - - »Jetzt gilt's! Ist keine Latsche da, - An der du dich kannst halten? - Umfassen nicht, dem Sturze nah, - Dich rettende Gestalten? ... - - +Humor+, so heißt die Latsche schlicht - Gleich Göttern hochgeboren -- - Erhaschst du sie im Gleiten nicht, - Dann, Freund, bist du verloren! - - ★ - - Ich mußte gleichwohl sinnen, - Wenn nichts ich auch ersann; - Hab' lange so gesonnen, - Merk' nun, daß ich nichts kann, - Und komm' am Lebensende - Als +Lehrling+ wieder an! - - ★ - - Hin eilen die Sterne weit - In endlosem Schwung! - Schon morgen um die +Zeit+ - Bist nimmer so jung! - Umarme hinieden - Die Gegenwart froh: - Was +heut+ dir beschieden, - Nicht +morgen+ ist's so! - - ★ - - Gedanken, weisheitsvoll, - Wenn ich sie jemals hab': - Sie brachen immer mir - Beim Bleistiftspitzen ab! - - ☀ - - Mit Schmerzen durftst du auf die Welt; - Du weißt nichts mehr davon -- - Mit Schmerzen mußt du aus der Welt: - Du merkst es leider schon! - - ⚫ - - Schenkt dir ein höheres Alter Gott, - Dann bitt' aus tiefster Brust, - Daß manches noch erleben +darfst+, - Doch nicht zu viel erleben +mußt+! - - ★ - - Du wappnest dich mit Panzerketten, - Mit Schild und Haube fest aus Stahl: - Der Todespfeil, nichts kann dich retten, - Durchdringt die Fugen überall! - - Und du erliegst! -- Sei, Freund, doch weise, - Schnell zieh den schweren Panzer aus, - Der dich beschwert nur auf der Reise, - Hemdärmlig wage keck den Strauß! - - Ein Held, er beut die Brust dem Schusse, - Der mitten zielt ins Herz hinein, - Und lächelnd wie zum Abschiedsgruße - Geht er in seinen Himmel ein! - - ★ - - -Epilog - - Oft denke ich an den Tod, den herben, - Und wie am End' ich's ausmach'?! - Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben -- - Und tot sein, wenn ich aufwach'! - - ★ - -[Illustration: Abb. 1 - -Clara Lechner] - -[Illustration: Abb. 2 - -Der Bibliothekar] - -[Illustration: Abb. 3 - -Wo brennt's?] - -[Illustration: Abb. 4 - -Der Wachposten] - -[Illustration: Abb. 5 - -Keine Rosen ohne Dornen] - -[Illustration: Abb. 6 - -Der Witwer] - -[Illustration: Abb. 7 - -Der Sterndeuter] - -[Illustration: Abb. 8 - -Der Porträtmaler] - -[Illustration: Abb. 9 - -Heimkehrender Mönch] - -[Illustration: Abb. 10 - -Der Maler] - -[Illustration: Abb. 11 - -Heimkehr] - -[Illustration: Abb. 12 - -Der Bärenführer] - -[Illustration: Abb. 13 - -Die Scharwache] - -[Illustration: Abb. 14 - -Der Kaktusfreund] - -[Illustration: Abb. 15 - -Ständchen] - -[Illustration: Abb. 16 - -Das Gespenst] - -[Illustration: Abb. 17 - -Wäscherinnen am Brunnen] - -[Illustration: Abb. 18 - -Die Geierjagd] - -[Illustration: Abb. 19 - -Der Bettelmusikant] - -[Illustration: Abb. 20 - -Drachensteigen] - -[Illustration: Abb. 21 - -Der Storch] - -[Illustration: Abb. 22 - -»Liebe macht blind«] - -[Illustration: Abb. 23 - -Schauspielergesellschaft] - -[Illustration: Abb. 24 - -Der Nachtwächter] - - - - -Im gleichen Verlag ist erschienen - - -Spitzweg - -Der Altmeister Münchener Kunst - -von Professor Hermann Uhde-Bernays - -Billige Ausgabe mit 155 Bildern - -Ein stattlicher Quartband von 168 Seiten - - In biegsamem Pappband M. 4.-- - In hübschem Geschenkband M. 5.50 - -Der stattliche Band in Quartformat enthält nicht weniger als -120 meist ganzseitige Abbildungen nach Gemälden des Meisters in -vorzüglicher Reproduktionstechnik, -- weil zum Teil jetzt erst -gefunden oder entdeckt, -- die selbst in der großen Ausgabe noch nicht -veröffentlicht sind; ferner eine farbige Tafel und etwa 35 Zeichnungen -und Witz-Illustrationen, die Spitzweg für die »Fliegenden Blätter« -seinerzeit gezeichnet hat. - -Der Text von Professor Uhde-Bernays gibt ein äußerst lebendiges Bild -vom Menschen und Künstler Spitzweg, von seiner Laufbahn und dem reichen -künstlerischen und bürgerlichen Leben der damaligen Zeit. - -Die +Vossische Zeitung+ schreibt über die Ausgabe: - -»Es war ein guter Einfall, das große Spitzwegwerk in einer wohlfeilen -Ausgabe breiteren Massen zugänglich zu machen. Es gibt kein -reizvolleres Bilderbuch für erwachsene Deutsche als diese Sammlung -Spitzwegscher Idyllen. In über hundert Abbildungen erhält der Leser -hier eine Vorstellung des Poeten Spitzweg, der mit Pinsel und Blei -dichtete. Auch der Zeichner Spitzweg ist repräsentativ vertreten. -Dies alles gibt, mit Uhde-Bernays' bescheiden zurücktretendem Text, -das liebenswürdigste Buch dieses Jahres. Es ist ein Buch voll tiefem, -ungestörtem Frieden -- eben deshalb ist es uns jetzt besonders wert.« - -+Gothaisches Tagblatt+: - -»Jetzt können breitere und weitere Kreise erproben, ob sie den -alten Lustigmacher verstehen, denn der Delphin-Verlag hat den -Zeitverhältnissen Rechnung getragen und eine billige Ausgabe -herausgebracht, die trotzdem in Text und Bild sehr reichen Stoff -bietet. Gerade in den jetzigen schweren Zeiten kann der urwüchsige und -durchaus gesunde Humor Spitzwegs für viele ein Labsal werden. Hier kann -man die lauten Aufregungen der Gegenwart für einige Zeit vergessen.« - - - Delphin-Verlag München - - - - -Im gleichen Verlag erscheint als »große« Ausgabe - - -Carl Spitzweg - -Des Meisters Leben und Werk - -Seine Bedeutung in der Geschichte der Münchner Kunst von Hermann -Uhde-Bernays - -Zweite vermehrte Auflage - -Mit 200 meist ganzseitigen Abbildungen - - -In Biedermaierpappband 14 Mark, in Halblederband (nach Entwurf -von Prof. Tiemann) 18 Mark, in biegsamem Ganzlederband 18 Mark, -Geschenkausgabe (in echte bayerische Buntseide gebunden) 25 Mark. - -Die große Ausgabe des Spitzwegbuches bietet gegenüber der kleinen -Ausgabe nicht nur eine wesentliche Erweiterung des biographischen -Teils, sondern sie enthält außerdem die köstlichen Briefe Spitzwegs, -die in ihrer humoristischen Diktion wie Wiederholungen seiner Gemälde -anmuten, ferner seine Gedichte und endlich ein von Spitzweg selbst -angefertigtes Verzeichnis seiner Werke. Statt 155, wie die kleine, -enthält die große Ausgabe ca. 200 meist ganzseitige Abbildungen. -Darunter 8 Gravüren, 4 farbige Tafeln und zahlreiche Zeichnungen aus -Studienmappen und Skizzenbüchern und die besten seiner Beiträge für die -Fliegenden Blätter. Dem Freunde und Verehrer Carl Spitzwegs sei die -große Ausgabe warm empfohlen. - -»Das Buch ist in mancher, und zwar der wesentlichsten Hinsicht -musterhaft, weil es die Proportionen, die der Biograph, zumal der -Künstler-Biograph, gern zu vergessen pflegt, mit seltenem Takt -innehält. Spitzweg bleibt Spitzweg, der romantische Apotheker, -obwohl sein Malertum gezeigt wird. Er behält sein köstliches -Kleinstädterwesen, obwohl große Dinge in seiner Kunst, eine -hochentwickelte Farbigkeit und vieles andere, mit Sachlichkeit -nachgewiesen werden. Diese Eigenschaft des Biographen war hier um -so notwendiger, als Spitzwegs größte und beste Eigentümlichkeit auf -eben dieser Sauberkeit der Verhältnisse beruht. ... Uhde-Bernays hat -einen Schriftstil für diesen gemalten Stil erfunden. Der modernen -Kunstschreiberei fehlt im allgemeinen nichts so sehr wie diese -wohlgeformte Distanz zu den beschriebenen Dingen.« - - Jul. +Maier-Gräfe+ im »Bücherwurm« - - - Delphin-Verlag München - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die Abbildungen - wurden an das Ende des Buches verschoben. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Reime und Bilder, by Carl Spitzweg - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REIME UND BILDER *** - -***** This file should be named 53232-0.txt or 53232-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/2/3/53232/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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