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This file was produced from -images generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek -- Staats- und Universitätsbibliothek -Dresden - - - - - - - - - - Abaellino - der große Bandit. - - - von - J h d z. - - F. P. Kybnitz. - - Frankfurt und Leipzig, - 1794 - - - - - Vorrede. - - -Troz dem, daß man in unserm Decennio nur romantische Szenen der Vorwelt, -Rittergeschichten, Sagen der Vorzeit, Begebenheiten aus den Tagen des -Faustrechts lesen will, schreib ich doch, wenn ich denn einmal etwas zum -Lesen schreiben will, nichts davon. Ich habe den Grundsaz, der -Schriftsteller müsse sich nie nach den Launen der Leser, sondern der -Leser nach den Launen des Dichters bequemen. All unsre Romanschreiber, -die dem Publikum mit Rittermärchen aufwarten, haben eine große -Aehnlichkeit mit den Musikanten, die nach der Laune der Tänzer bald eine -Menuet leiern, bald einen Walzer geigen müssen. - -Sobald ich nun einmahl den Einfall habe _meinen_ Lesern etwas zu -erzählen; so ists mir gleichviel, _was_ ich ihnen erzähle, aber mehr -darauf denk' ich _wie_ ich ihnen erzähle. Es gilt mir gleichviel, ob ich -ihnen ein morgenländisches oder abendländisches Märchen, eine Lüge oder -Wahrheit vorschwazze, aber in allen diesen Plaudereien bemühe ich mich -die Natur, wie sie _ist_, oder sein _könnte_, darzustellen. Ich nehme -gewisse Karaktere und führe sie durch eine Reihe von Situazionen, und -beobachte, wie sie sich in all diesen Verhältnissen ausnehmen. Darüber -freu' ich mich selber. - -Aber diese Karaktere, so genau ich sie auch immerhin zeichnen mag, -pflegen gewöhnlich am Ende der Geschichte ganz anders dazustehn, als im -Anfang. Nun muß man darüber nicht böse werden und denken: die Karaktere -werden sich untreu! nein. Ein andres ists mit der Schilderung des -Menschen im Roman, und ein andres in dem _Drama_. - -Das Drama umfaßt, wenn es regelmäßig ist, nur einen kurzen Zeitraum. In -einem Tage oder drei Stunden verwandeln sich die Menschen nicht so -leicht -- hier kann sich ihr Karakter von der ersten bis zur lezten -Szene gleich bleiben; hier veranlassen die Karaktere gewisse Ereignisse, -Handlungen, und große Begebenheiten. - -Aber im Roman veranlassen und bilden gewisse Ereignisse und -Begebenheiten den Karakter des Menschen, wiewohl auch dieser Einfluß auf -jene hat; das menschliche Gemüth wenn es durch eine Reihe von -Begebenheiten geführt wird, nimmt von der Farbe einer jeden etwas an -sich, diese vermischet sich endlich und daher oft der bunte Karakter -mancher Menschen. Drängt sich der Sterbliche durch viele schwarze -Situazionen, kein Wunder, wenn seine Gemüthsstimmung zulezt dunkel und -ernst wird; wird er geführt durch rosenfarbne Verhältnisse, wer wundert -sich dann noch über seinen frohen Humor? - -Aber nicht genug, daß ich Menschenkaraktere unter allerlei -Gesichtspunkten und Verhältnissen betrachte: so hab ich auch das einzig -mögliche Prinzip jeder psychologischen Aesthetik, den Zwek der edlen -Kunst stets vor mir, wodurch die Künste allein zur möglich erhabensten -Stufe der Vollkommenheit emporgeführt werden können: - - _Regelmäßige Mittheilung guter Empfindungen._ - -Und erreiche ich diesen Zwek, errege ich in meinen Lesern nur dann und -wann das moralische Gefühl, jenes reine Wohlgefallen an große, -tugendhafte Handlungen und Gesinnungen, schwillt von Liebe, Mitleid und -Freundschaft nur _ein_ Busen; spricht nur _ein_ Leser zu sich selber: -handle in _deinen_ Verhältnissen, bei deiner Erziehung, bei deinen -Kenntnissen so gut, so schön, als dieser, oder jener in dieser -Erzählung; fache ich nur einem Herzen den Enthusiasmus für Sittlichkeit -und Tugend an, dann -- dann hab ich überwunden, dann ruf' ich: Triumph! -auch die mir sparsam zugemessenen Augenblikke der Einsamkeit und -Erhohlung von ernstern Geschäften sind meinen Mitbrüdern wohlthätig -geworden! - -So, meine Leser, kleid' ich in das Gewand der Fabel _Natur_ und -_Wahrheit_, und bezielte jeder Dichter diesen herrlichen Gegenstand, -wahrlich: so würden wir nicht so viel unleidliches, geistloses Gewäsch -anhören müssen, woran sich heuer unsre entnervten Knaben und Mädchen bas -ergözzen; so würden unsre Kunstrichter und Rezensenten nicht auf die -Fabel, sondern auf ihren innern Werth, nicht auf das ^Continens^ sondern -das ^Contentum^ sehn. Der Dichter ist in dieser Rüksicht zu beurtheilen -wie ein Maler, der Ideale oder Wirklichkeiten, Menschen mit Flügeln, -oder im Uiberrok hinzeichnet, nicht um der Flügeln, oder um des -Uiberroks willen, sondern um Empfindungen des Guten, Edlen und Schönen -im Zuschauer zu entwikkeln. - -Leute, die mich persönlich kennen, dürften mir auch hier wieder den -Vorwurf machen: warum schreiben Sie nichts solideres, nichts -nüzlicheres? - -Antwort: sobald ich fühle, etwas Neues, Gutes, Nüzliches in andern -Disziplinen der menschlichen Erkenntniß anzeigen zu können, werde ich -nicht dazu träge sein. Aber das Sprüchwort: ^quid valeant humeri, quid -ferre recusent^ bedenk' ich auch hier. - -Der Dichter ist überdies, wenn er den Zwek seiner Bestimmung erreicht, -der menschlichen Gesellschaft so nützlich, als der Staatsmann im -Ministerio und der Gelehrte auf dem Katheder. Ein elender Dichter im -Gegentheil ist eine eben so große Null in der Schöpfung, als das Genie -eines Holzhakkers im Ministerio und ein geistloser Kohlkopf auf dem -Katheder. - -Ich wünschte gern durch Winke guter Kunstrichter das erhabne Ziel des -Dichters erreichen zu können -- also keinen Vorwurf darüber, daß ich -- -nur einen _Roman_ schrieb! -- - - Amen! - - - - - Innhalt. - - - - Erstes Buch. - Erstes Kapitel. - Venedig. S. 1. - Zweites Kapitel. - Die Banditen. 8. - Drittes Kapitel. - Die Banditenwohnung. 12. - Viertes Kapitel. - Banditenphilosophie. 17. - Fünftes Kapitel. - Die Einsamkeit. 23. - Sechstes Kapitel. - Rosamunde, die schöne Nichte des Dogen. 27. - Siebentes Kapitel. - Fortsezzung. 33. - Achtes Kapitel. - Entdekkungen. 36. - Neuntes Kapitel. - Mollas Häuschen. 45. - - Zweites Buch. - Erstes Kapitel. - Der Geburtstag. 56. - Zweites Kapitel. - Flodoard. 68. - Drittes Kapitel. - Neuer Lärm. 76. - Viertes Kapitel. - Das Veilchen. 81. - Fünftes Kapitel. - Abaellino. 92. - Sechstes Kapitel. - Die Entdekkung. 97. - - Drittes Buch. - Erstes Kapitel. - Flodoard und Rosamunde. 104. - Zweites Kapitel. - Ein fürchterliches Versprechen. 111. - Drittes Kapitel. - Die nächtliche Verschwörung. 121. - Viertes Kapitel. - Der wichtige Tag. 127. - Fünftes Kapitel. - Höllenangst. 134. - Sechstes Kapitel. - Geistererscheinungen. 140. - Siebentes Kapitel. - Nachschrift. 156. - - - - - Abaellino, der große Bandit. - - - - - - Erstes Buch. - - - - - Erstes Kapitel. - Venedig. - - -Es war Abend. Ungeheure Wolkenstreifen, halb vom Schimmer des Mondes -erleuchtet, bogen sich rippenförmig am Horizont hinab und durch ihnen -schwamm der Vollmond in stiller Majestät hin, und sah sich verherrlicht -von jeder Welle des adriatischen Meers. Still wars umher, leise tanzten -die Wogen am Winde, leise hauchte der Nachtwind über die todten Palläste -Venedigs hin. - -Da sas noch ein junger Mann, einsam und traurig in der -Mitternachtsstunde am _langen_ Kanal; bald hob er das Auge zu den -stolzen Zinnen und Thürmen von Venedig empor, bald senkte er den Blik in -die Wellen. Nach einer Weile sprach er: - -»Verdammt! da sizze ich nun in Venedig, und weis nicht, wie weiter! Was -soll daraus werden? Alles schläft, nur ich nicht. Der Doge wälzt sich -auf seinem Dunenlager, der Bettler auf seinem Strohbett -- und ich lieg -hier auf der kalten, nakten Erde. Der elendeste Gondelier, der ärmste -Bootsknecht kennt am Tage seine Arbeiten und Nachts seine Ruhestatt, und -ich -- und ich -- o es ist ein schrekliches Schiksal, das mit mir sein -Spiel treibt! --« - -Er fing an seine Taschen zu untersuchen, mit den Fingern jede Falte des -Kleides zu biegen, und zu visitiren. - -»Auch keinen Heller! -- und mich hungert doch!« - -Er besah seinen Degen im Mondschein und seufzte: »Nein, alter, treuer -Gefährte, dich verkauf ich nicht; sollst mein bleiben und wenn ich -verhungerte. Nicht wahr, damahls wars noch goldne Zeit, als dich -_Emmoine_ mir gab, mir das Bandelier über die Achseln warf, und ich dich -und Emmoinen küßte -- (Pause) Sie ist nun tod, wir beide leben noch!« - -Er wischte sich eine Thräne von den Wimpern. - -»Nein, das war keine Thräne; die Nachtluft geht kühl und da wird das -Auge leicht nas. (Lächelnd) Hm, ich weinen! -- _weinen_! ha, ha, ha! --« - -Der Unglükliche, dies schien er, wenigstens seinen Reden nach zu sein, -stämmte den Ellbogen auf die Erde, wollte mit den Zähnen knirschen -- -und pfiff. -- »Ich müßte nicht Ich sein, dachte er bei sich: wenn ich -kleinmüthig würde unter dem Fluch des Schiksals.« - -In dem Augenblik hörte er in der Nachbarschaft ein Geräusch. Er sah in -einem vom Monde halbhellen Nebengäschen einen Kerl auf und -niederschleichen. - -»Den führt mir Gott zu -- ich will -- ich will betteln! Betteln ist -keine Schande, aber neapolitanische Schurkereien schänden. Auch, der -Bettler kann _gros_ denken.« - -Mit diesen Worten sprang er auf und ging in die Winkelstraße. In eben -den Moment trat von der andern Seite ein Mensch in diese Gasse. Der -schleichende Kerl trat mit einemmale in den Schatten zurük, als -verstekte er sich vor dem Ankommenden. - -»Was soll das bedeuten?« dachte unser Bettler: »ist der Schleicher dort -etwa ein unbefugter Handlanger des Todes? haben ihn auch Vettern und -Basen bestochen, um das Geld desto ruhiger in Besiz zu nehmen, was dem -armen Schelm izt noch angehört, der dort so unbefangen herschlendert? -warte!« - -Er zog sich in den Schatten zurük und schlich dem Lauerer nahe, der -keine Bewegung machte. Der fremde Mann war schon dem Lauerer und unserem -Bettler vorüber, als jener mit bangen Schritten rasch hinter ihn her -schlich, die rechte Hand erhob, worinn ein Dolch schimmerte, und eh' er -sich versah von dem _Bettler_ zu Boden gestürzt wurde. - -Der _fremde Herr_ drehte sich um; der _Bandit_ sprang auf und entfloh; -der Bettler lachte. - -»Was war das?« fragte der _Fremde_? - -»»Ein Spas, der Euch, mein Herr, das Leben rettete.«« - -»Mir? Wie so?« - -»»Die flüchtige Massette schlich hinter Euch her wie ein lauernder Kater -und hatte den Dolch schon gehoben. -- Ich dachte Ihr gäbet mir dafür ein -Stück Geld, denn bey meiner armen Seele, mich hungert und dürstet und -friert.«« - -»Euch Spitzbuben, und eure Kniffe kennt man; Ihr habt euch zu dem Spas -beredet, um mir die Börse abzuplündern und einen großen Dank für mein -gerettetes Leben dazu. Geht mir, geht, und grellt die Leichtgläubigkeit -des Dogen selber, nur an Buonarotti wagt euch nicht!« - -Der arme, hungernde Bettler stand bestürzt da und sah den pfiffigen -Herrn an. - -»Nein, so wahr ich lebe, Herr, ich lüge Euch nichts vor -- es ist mein -Ernst, ich sterbe die Nacht vor Hunger.« - -»»Geht, sag ich Euch, oder -- --«« der Unbarmherzige zog bey diesen -Worten ein geheimes Schiesgewehr hervor und drohte. - -»Donner und Wetter, bezahlt man in Venedig die guten Thaten so?« - -»»Die Sbirren sind in der Nähe, wie Ihr wißt, also -- --«« - -»Zum Teufel, seht Ihr mich denn für einen Banditen an?« - -»»Ich sage Euch, mache keinen Lärmen!«« - -»Hört, Buonarotti heißt Ihr? ich will mir doch den Namen des zweiten -Schurken aufschreiben, den ich in Venedig kennen lernte. (Mit -schreklicher Stimme) Und wenn du, Buonarotti, jemals den Namen -_Abaellino_ hören solltest, dann zittre!« - -_Abaellino_ drehte sich um und verlies den Unerbittlichen. - - - - - Zweites Kapitel. - Die Banditen. - - -Der Unglükliche durchkreuzte izt Venedig, er haderte mit dem Schiksal, -lachte und fluchte, stand zuweilen still, als übersänn' er einen großen -Plan, eilte zuweilen fort, als flög er ihn zu vollführen. - -An einem Ekstein der prächtigen Signoria gelehnt, überdachte er die -ganze Summe seines Elendes. Es schien sein irres Auge Trost zu suchen, -aber er fand ihn nicht. - -»Das Schiksal bat mich zum Abentheurer oder gar zum Bösewicht verdammt! -tief er in einer Ekstase seines Mismuths: denn warum muß der Sohn des -reichsten Neapolitaners als Bettler, die Barmherzigkeit der Venetianer -anflehen? Ich, der ich Geist und Kraft zu großen Thaten in mir fühle, -muß hier umherschleichen und darauf sinnen, wodurch ich mir das Leben -wider den Hunger bewahre. Menschen, die ich sonst satt fütterte, die an -meiner Tafel im Cyprier ihre Mükkenseelen berauschten und die -Lekkerbissen fremder Welttheile von meinen Schüsseln naschten, werfen -mir jezt keine verschimmelte Brodrinde zu. -- O, das ist abscheulich, -abscheulich von Menschen und vom Himmel! --« Er schwieg, schlug die Arme -untereinander und seufzte: »Doch, nein, so ists recht, ich will alle -Grade des menschlichen Elendes durchwandern, und allenthalben mir gleich -bleiben, und allenthalben gros sein. -- Jezt bin ich nicht mehr der Graf -Obizzo, um den Neapel einst buhlte -- ich bin der _Bettler Abaellino_. -Ein Bettler! in der Ordnung menschlicher Stände der lezte, aber doch -- -im alphabetischen Namenverzeichnis aller Hungerer, Pflastertreter und -Taugenichtse der _erste_!« - -Ein Geräusch entstand. _Abaellino_ horchte umher, er war den Schleicher -gewahr, den er vor einer halben Stunde zu Boden geworfen hatte, in -Gesellschaft dreier andern. -- Sie suchten. »Und sie suchen dich!« sagte -Abaellino leise zu sich selber, und gieng ein paar Schritt vor, und -pfiff ihnen. - -Die Kerls blieben stehn. Sie besprachen sich unter einander und schienen -unentschlossen zu sein. - -_Abaellino_ pfiff zum andernmal. - -»Er ists!« hörte er einen von ihnen deutlich genug sprechen -- und in -dem Augenblik kamen sie langsam gegen ihn angewandert. - -Abaellino blieb stehn, und zog den Degen. Die drey Verkappten standen -einige Schritte von ihm entfernt. - -»Was soll das? he, warum ziehst du Gauch den Degen?« fragte einer von -ihnen. - -»»Wir müssen uns nicht zu nahe kommen, denn Ihr guten Leute lebt vom -Leben anderer, ich kenn' euch;«« antwortete Abaellino. - -Ein Kerl. Galt nicht dein Pfeifen _uns_? - -Abaellino. Nun ja. - -Ein Kerl. Was willst du? - -Abaellino. Hört, ich bin ein armer Schelm, gebt mir doch von eurer Beute -ein Allmosen. - -Ein Kerl. Allmosen? ha, ha, ha! mein Seel, das ist lustig! Allmosen von -uns! doch, es gefällt mir, warum nicht? - -Abaellino. Oder strekt mir funfzig Zechinen vor, ich will mich zu euch -in den Dienst geben und die Schuld abarbeiten. - -Ein andrer. Wer bist du denn? - -Abaellino. Zur Stunde der ärmste Schlucker in der Republik. Kräfte hab -ich, und lägen drei Panzer vor einem Herz, ich durchbohr' es; und Augen, -daß ich in egyptische Finsternis nicht fehlstoßen würde. - -Ein dritter. Warum warfst du mich vorhin nieder? - -Abällino. Geld zu verdienen; aber der Kerl gab mir für sein Leben keinen -rothen Heller. - -Ein andrer. Das gefällt mir! meinsts redlich? - -Abällino. Die Verzweiflung lügt nicht. - -Der dritte. Kerl, wenn du aber ein Schurke wärst! - -Abaellino. So wären wir nicht weit von einander -- und eure Dolche sind -ja immer geschliffen. - -Die drei gefährlichen Burschen sprachen leise mit einander und stekten -ihre Gewehre ein. - -»Na, komm zu uns, hier auf der Straße läßt sichs nicht gut von gewissen -Sachen reden.« Sprach einer. - -»»Aber weh euch, wenn einer feindseelig wider mich handelt! Du Kerl, -vergieb mir, daß ich dir vorhin die Rippen etwas zerdrükte -- es soll -nicht wieder geschehn! Ich will euer Gesell werden!«« sagte Abaellino. - -»Auf Ehre, riefen alle; wir thun dir nichts Leides; der ist unser Feind, -der dir übel thut, ein Kerl wie du, gefällt uns! komm!« - -Sie giengen, _Abaellino_ in ihrer Mitte. Mistrauisch schielte er von -allen Seiten, aber in den Banditen schien kein böser Gedanke zu -erwachen, Sie führten ihn seitwärts, gelangten an einen Kanal, sie -banden eine Gondel los, sezten sich ein und ruderten zur entlegensten -Spitze Venedigs. Man stieg aus; durchkroch verschiedne enge Straßen; -klopfte endlich an ein niedliches Haus; ein junges Weib schlos auf, -führte die Herrn in ein simples, aber reinliches Zimmer und beantlizte -den bestürzten halbfrohen, halbängstlichen Abaellino, der noch immer -nicht wußte, woran er war, und immer noch an der Sicherheit der -Banditenparole zweifelte. - - - - - Drittes Kapitel. - Die Banditenwohnung. - - -Die drey Herrn vermehrten sich bald durch zwei Neuankommende, die ihren -unbekannten Gast von allen Seiten betrachteten. - -»Nun laß dich doch beschauen!« riefen die Führer und Bekannten des -Abaellino, und stellten sich beym Schimmer einer brennenden Lampe um ihn -her. - -»Pfui, ein häslicher Bube!« rief _Molla_, so hies die Wirthin und drehte -sich von ihm hinweg und Abaellino wälzte einen gräslichen Blik auf sie -hin. - -»Kerl, sezte ein andrer hinzu: dich hat die Natur schon zum Banditen -gestämpelt; welchem Zuchthause bist du entronnen, welcher Galeere hast -du Valet gesagt?« - -_Abaellino_ stämmte die Arme in die Seite. »Desto besser, sagte er mit -einer heisern, fürchterlichen Stimme: so darf der Himmel zu meiner -künftigen Lebensart nicht sauer sehn, wenn er mich selber dazu -geschaffen hat.« - -Die fünf Herrn giengen beiseite und besprachen sich mit einander; den -Stof ihrer Unterhaltung können wir leicht errathen. Abaellino warf sich -schweigend auf einen Sessel. - -Nach einigen Minuten kamen sie wieder zu ihm. Der stärkste und wildeste -von ihnen trat hervor, und redete Abaellino'n an. - -»Höre, Venedig ernährt fünf Banditen, wie du sie hier siehst, und für -den sechsten, der du bist, wird sich auch Brod finden. Ich bin _Matteo_ -und der älteste von allen, der Rothkopf dort heißt _Baluzzo_, der mit -dem glimmernden Kazzenauge da ist _Thomas_, ein Erzschelm; der Kerl -dort, dem du die Rippen zerschelltest, ist _Petrini_, und der Wicht, der -da bei der Molla steht, mit den dikken Mohrenlippen, ist _Struzza_. Jezt -kennst du uns alle. Wir wollen dich zünftig machen, weil du ein armer -Teufel bist; aber höre, bist du auch ein ehrlicher Kerl?« - -Abaellino lächelte, oder vielmehr grinste, und brummte: mich hungert! - -»Bist du ein ehrlicher Kerl?« - -»»Das soll die Folge entscheiden.«« - -»Sieh, Bursch, die erste Treulosigkeit kostet dir das Leben. Wirf dich -dem Dogen in den Schoos und umschanze dich mit aller Macht der Republik, -wir ermorden dich im Arm des Dogen, hinter hundert Kanonen. Sez dich auf -den Hochaltar, wir schleppen dich vom Kruzifix hinweg und ermorden dich. --- Kerl, besinne dich, wir sind _Banditen_!« - -»»Das weis ich. Aber gebt mir nur Essen, dann will ich plaudern, so viel -ihr wollt. Ich habe seit vier und zwanzig Stunden fasten müssen.«« - -_Molla_ dekte einen kleinen Tisch, trug nach ihrem besten Vermögen auf -und füllte die silbernen Becher mit herrlichem Wein. - -»Wenn er nur leidlicher, nur wie andre Menschenkinder aussähe!« brummte -sie: »aber seiner Mutter ist gewiß in ihrer Schwangerschaft der Teufel -erschienen, und da kam denn die abscheuliche Larve zur Welt!« - -_Abaellino_ lies sich nicht stöhren, sondern aß und trank als wollte er -sich für ein halbes Jahr satt essen. Die Banditen sahn ihm mit -Wohlgefallen zu, und stießen auf die glükliche Eroberung an, die sie -hier gemacht hatten. - -Will sich der Leser diesen Abaellino denken, so stelle er sich einen -jungen, starken Kerl vor, von dem man sagen würde, er sei schön geformt, -wenn nicht das häslichste Gesicht, welches je ein Karrikaturmaler -ersonnen, oder _Milton_ dem häslichsten seiner gefallenen Engel -aufgesezt, die übrigen Schönheiten entstellte. Schwarz und glänzend, -aber weich und lang flog sein Haar verwildert ihm um den braunen Hals -und um das gelbe Gesicht. Der Mund schien in einer ewigen Verzerrung zu -grinsen und dehnte sich bis zu den Ohren aus; die Augen lagen tief ins -Fleisch vergraben und zeigten fast immer das Weisse; die gröbsten Züge, -die je ein Holzschnittsgesicht aufzuweisen hat, traf man hier in einer -abscheulichen Zusammensezzung an, und verlegen war man, ob diese -widerliche Physiognomie Dummheit oder Tükke des Herzens, oder beides -zugleich verrieth. - -»Nun bin ich satt!« brüllte _Abaellino_, und stürzte den vollen -Weinbecher hinter. »Was habt ihr nun zu fragen, ich bin bereit zu -antworten.« - -»Ich dächte, hub _Matteo_ an: ich dächte, du legtest einmahl ein -Probestük von deiner Stärke ab, denn diese kömmt bei uns sehr in -Anschlag. Bist du gewandt im Ringen.« - -»»Ich weis nicht.«« - -»Molla, sezz' alles beiseite! -- Abaellino, mit wem nimmst du's unter -uns auf? wen glaubst du so niederschmeisen zu können, wie den Poeten da, -den Petrini?« - -»»Euch alle, wie ihr da seid, und ein halbes Duzzend solcher Lumpenbunde -dazu!«« rief Abaellino, warf den Degen auf den Tisch, sprang auf und -schielte die Bande an. - -Die Kerls lachten. - -»Na, macht das Probestük!« rief Abällino! was zaudert ihr. - -»Hör, Bursche, entgegnete _Matteo_: versuchs mit mir allein; und fühle -erst, wer wir sind! denkst du, es stehn hier Knaben, oder saftlose -Süsherrchen, die ihre Kraft in den Eiderdunen verschwizzen, oder feilen -Mezzen vergeuden, oder dem Onan opfern?« - -Abaellino lachte. -- _Matteo_ wurde wild; die übrigen jauchzten. - -»Halloh!« rief Abaellino: »ich habe Lust zu rasen, macht euch gefaßt!« -und in einen Klumpen stürzte er zusammen, warf den Riesen Matteo über -sich hin, wie eine Puppe, schleuderte den Baluzzo rechts, den Petrini -links, kehrte dem Thomas das oberst zu unterst, und strekte den Struzza -unter die Bänke. - -Drei Minuten lagen die Ueberwundnen ohne sich zu regen am Erdboden -umher, und Abaellino jauchzte und die bestürzte Molla zitterte bei dem -schreklichen Schauspiel. - -»Beim heiligen Klas! rief _Matteo_ und rieb sich die mürben Schenkel: -der ist unser Meister! Molla, dem Kerl ein gutes Nachtlager!« - -»»Er hat mit dem Teufel einen Bund!«« murmelte _Thomas_, und renkte die -verschobne Gelenke in ihre Fugen. - -Niemand war nach einem neuen Probestük lüstern; spät wars in der Nacht, -oder vielmehr, es graute der Morgen schon über das Meer empor und jeder -begab sich in sein Schlafgemach. - - - - - Viertes Kapitel. - Banditenphilosophie. - - -_Abaellino_, dieser furchtbare Riese, konnte nicht lange, ohne sich eine -unbegränzte Hochachtung von allen seinen Spiesgesellen zu erwerben, in -der Mitte dieser Leute leben. Jeder liebte, jeder schäzte ihn, wegen -seiner Banditentalente, wozu nicht allein die ungeheure Kraft seines -Körpers, sondern auch seine Klugheit, sein Wiz zu dummen Streichen -gehörte. Auch die kleine _Molla_ hätte ihn wohl geliebt, aber -- er war -gar zu häslich. - -_Matteo_ war, wie Abaellino nun bald erfuhr, der Herr dieser -gefährlichen Bande. Er war ein raffinirender Bösewicht, unerschrokken -vor jeder Gefahr, wizzig und schlau und gewissenloser, als ein -französischer Finanzpächter. Er empfing die Beute und die Bezahlung, -welche seine Untergebnen täglich einbrachten, gab davon jedem sein Theil -und behielt für sich selbst nie mehr, als jeder andre bekam. Die Zahl -derer, welche er schon in die andre Welt befördert hatte, war schon zu -gros, als daß er sie angeben konnte. Sein größtes Vergnügen war, in -einsamen Stunden diese Mordgeschichten zu erzählen, um durch sein -Beispiel die andern zu begeistern. Er hatte seine besondre Rüstkammer; -hier fand man Dolche von verschiednen Gestalten, mit und ohne -Widerhaken, breit, zwei- drei- und vierschneidig. Hier fand man -Windbüchsen, Terzerole, Pistolen gros und klein; Gifte verschiedner Art -und verschiedner Wirkung; Kleider zu allen möglichen Verkappungen; -Mönchs- Juden- Taglöhner- Senatoren- Soldaten- Bettlertrachten. - -Eines Tages rief er den Abaellino zu sich. »Höre, sagte er: Du wirst ein -braver Kerl werden, das seh ich voraus. Fange nun auch an, das Brod, was -wir dir geben, selber zu verdienen. -- Hier hast du einen Dolch vom -feinsten Stahl; du läßt dir jeden Zoll daran bezahlen. Stichst du nur -_einen_ Zoll tief in das Fleisch deines Gegners, so foderst du von dem, -der dich besoldete, eine Guinee. Zwei Zoll, zehn Guineen; drei Zoll -zwanzig, der ganze Dolch so viel du selber willst -- das ist so die -Taxe. Hier hast du einen gläsernen Dolch; an ihn hängt der unfehlbare -Tod dessen, dem er ins Fleisch gestossen wird -- kaum ist der Stich -geschehn, so brichst du ihn in der Wunde ab, das Fleisch schließt sich -über die abgebrochne Spizze zusammen, die bis zum Auferstehungstage -darin ihr Quartier behält. -- Hier dieser metallne Dolch bewahrt in -seiner Höhlung ein subtiles Gift; stoß ihn, wem du willst, in den Leib, -drükke hart an diese Feder, und du sprüzzest in eben den Augenblik den -Tod in die Adern des Verwundeten. -- Nimm die Dolche, ich gebe sie dir -zum Geschenk, ein Kapital, das goldne, schwere Zinsen trägt!« - -_Abaellino_ nahm die Mordinstrumente mit einem leisen Schauer in die -Hand. -- - -»Ihr müßt euch doch schon ein großes Vermögen zusammengestohlen haben!« - -»»Schurke, entgegnete Matteo beleidigt: wer stiehlt unter uns. Hältst du -uns für Straßenräuber, Beutelschneider, oder für Verwandte dieses -Lumpengesindels?«« - -»Vielmehr für noch etwas ärgers; denn offenherzig gesprochen, Matteo, -jene plündern doch nur die Schränke und Geldbörsen, die sich immer -wieder füllen lassen, aber wir nehmen dem Menschen ein Kleinod, das er -nur einmahl hat und einmal nur verlieren kann. Sind wir nicht noch -tausendmahl ärgere Räuber?« - -»Beim heiligen Klas, Abaellino, ich glaube, du willst moralisiren?« - -»»Ha, ha, ha, ha!«« - -»»Nun was schwazzest du da?«« - -»Höre, Matteo, noch eine Frage: wie finden wir uns dereinst mit dem -Weltrichter ab?« - -»»Ha, ha, ha!«« - -»Glaube nicht, daß es dem Abaellino am Muth fehlt; sieh, ich will auf -deinen Befehl das halbe Venedig erwürgen, aber -- --« - -»»Närrchen, als Bandit mußt du dich über die Fabel von Tugend und Sünde -hinweg sezzen. Was ist Tugend, was ist Laster? nichts, als ein Etwas, -welches die Landesverfassung, Gewohnheit, Sitte, Erziehung geheiligt -hat; und was _Menschen_ heiligen, können auch Menschen _entheiligen_; -hätte der Senat die freimüthigen Urtheile über die venetianische Polizei -nicht verboten: so wäre die Aeusserung solcher Urtheile keine Sünde. -Gott frägt nicht nach Menschensazzungen, sondern nach seinem Willen. Wen -er von uns zur Seligkeit bestimmt hat, der wird einmal selig, und wen er -verdammt hat, der bleibt verdammt in alle Ewigkeit, und wenn er gleich -nach menschlicher Meinung ein Heiliger wäre. Also über die Sorgen sezz' -dich hinweg. Wir sind Menschen, so gut wie der Doge und seine Senatoren; -wir können so gut, wie sie Gesezze geben, und aufheben, und bestimmen, -was Sünde und Tugend sein soll.«« - -_Abaellino_ lächelte. - -»»Sagst du, wir treiben ein ehrloses Gewerbe? was ist Ehre? ein Wort, -ein leerer Schall und ein leeres Hirngespinnst. Der Knikker sagt: Ehre -ist es reich zu sein, und die Goldstükke zu Tausenden zählen zu können. -Ehre, sagt der Wollüstling, ist es von jedem Mädchen angebetet zu werden -und jedes schöne Weib zu besiegen. Nein, sagt der Feldherr, Städte zu -erobern, Armeen zu schlagen, Dörfer zu verheeren, das bringt Ehre. Der -Gelehrte sezt seinen Ruhm in die Menge der Folianten die er geschrieben, -oder gelesen hat; der Kesselflikker in die Kunst Scherben wieder genau -zusammen zu kitten; die Nonne in der großen Zahl ihrer Andachtsübungen; -die Weltdame in die Menge ihrer Vergötterer; die Republik in die Größe -ihrer Provinzen und so, Freundchen, sezt jeder seine Ehren in etwas -anders. Warum ist es ehrlos, wenn wir uns in unsrer Kunst Glanz und -Vollkommenheit erringen.«« - -»Schade, an dir verliert der Lehrstuhl einen braven Philosophen.« - -»»Meinst du? sieh nur Abaellino, ich bin im Kloster erzogen; mein Vater -war ein Prälat in Lukka, meine Mutter eine keusche Nonne vom Orden der -Urselinerinnen. Da hab ich studieren sollen, mein Vater wollte mich zu -einem Kirchenlicht machen, aber ich fühlte mich zu einer -Mordbrennerfakkel tauglicher. Als ich bei dem alten Pater _Hieronimus_ -die Moral studierte, sagte er mir oft, _Selbstliebe_ sei das große -Triebrad aller menschlichen Handlungen, das Urprincip jeder Sittenlehre. -Hieronimus hatte Recht. Gott schuf aus Selbstliebe das unermeßliche -Universum, um sich selber zu verherrlichen, und verherrlicht zu sehn; -jedes Thier handelt den Naturgesezzen gemäs, nach dem ehrwürdigen -Grundsaz der Selbstliebe -- jeder Mensch ordnet seine Thaten diesem -großen Gesez unter, und wer hat nun wider die Sittlichkeit unsers -Geschäfts etwas einzuwenden, da wir eben dem Gesez gehorchen, dem das -Universum Gehorsam leistet? -- Mit einem Worte, zittre nicht vor den -Selbstgespinnsten deiner Einbildungskraft!«« - - - - - Fünftes Kapitel. - Die Einsamkeit. - - -Schon über sechs Wochen war _Abaellino_ in Venedig, aber noch hatte er -von seinen Dolchen keinen Gebrauch machen können oder wollen. Denn -theils war er in den Straßen, Schlupfwinkeln, Pallästen und Kajütten -Venedigs zu unbekannt, theils fehlten ihm auch noch Kunden, deren -mörderische Aufträge er hätte executiren können. - -Diese Geschäftlosigkeit ekelte ihm, er wollte handeln und konnte nicht. - -Melancholisch schlich er umher, und seufzte. Er besuchte die -öffentlichen Pläzze Venedigs, die Wirthshäuser, Garten- und Lustpläzze, -aber nirgends fand er, was er suchte -- Ruhe. - -An einem Abend hatte er sich in einem Garten verspätet, der auf einer -niedlichen Insel Venedigs gelegen war. Er schlich von Laube zu Laube, -sezte sich am Ufer des Meeres nieder und sah dem Spiel der Wellen im -Schein des Mondes zu. - -»So ein schöner Abend wars vor zwei Jahren, da ich Emmoinen den ersten -Kuß raubte, und Emmoine mir Liebe schwor!« seufzte er, und schwieg und -wehmüthige Empfindungen stiegen in ihm auf. - -Es war so stille. Kein Lüftchen bog die Hälmchen des Grases; aber in -_Abaellinos_ Busen stürmte es. - -»Hätt' ich es vor zwei Jahren träumen können, daß ich einmahl in Venedig -als Bandit meine Rolle spielen würde? O wo sind die goldnen Hofnungen, -die lieblichen Pläne, welche meine Jugend umgaukelten? -- Ich bin ein -Bandit, noch weniger, als ein Bettler! --« - -»Wenn mein grauer Vater oft im Enthusiasmus mich umschlang und rief: -Sohn, du wirst den Namen Obizzo glänzend machen! Gott, wie bebte ich da, -was dacht ich, was empfand ich, was wollt' da nicht alles! und der Vater -ist tod, und sein Sohn -- -- ein venetianischer Bandit! -- wenn meine -Lehrer mich bewunderten und liebkoseten, und sie entzükt mir zuriefen: -Graf, ihr verewiget einst das alte Geschlecht von Obizzo! ha, was -versprach ich mir da nicht in seliger Trunkenheit von der Zukunft! -- -Als mich Emmoinna von einer schönen That zu sich heimkehren sah, und sie -die Arme mir entgegenstrekte und mich an ihren Busen schlos und mir ins -Ohr lispelte: wer sollte den großen Obizzo nicht lieben, -- -- oh, oh! -hinweg ihr Bilder der Vergangenheit, euer Erscheinen führt zum -Wahnsinn!« - -Er schwieg, bis die Lippen zusammen, hielt die flache Hand vor die Stirn -und krallte die andre zusammen. - -»Ein Meuchelmörder, ein Diener der Niederträchtigkeit und Büberei, einer -der größten Schurken, den die venetianische Sonne bescheint ist -- der -_große Obizzo_! -- pfui! -- und doch hat mich das Schiksal selber zu -diesem unseligen Loose verdammt. --« - -Plözlich sprang er nach einem langen Stillschweigen auf, sein Auge -funkelte, seine Miene verwandelte sich, sein Odem flog lauter. - -»Ja, beim Himmel, ja, gros konnt' ich als Graf Obizzo nicht sein, aber -wer wehrt mirs, gros, als Bandit, zu werden? -- Vater, mein Vater!« rief -er und sank von ungewöhnlichen Gefühlen bestürmt nieder auf die Kniee, -und strekte die Finger empor zum Himmel, als zu einem Eide: - -»Geist meines Vaters, Geist meiner Emmoina, ich will eurer nicht unwerth -sein! hört mich, wenn ihr mich umschweben dürfet, hört mich, ich will -auch als Bandit meinen Ursprung nicht verläugnen, eure Hofnungen, mit -denen ihr aus dieser Welt schiedet, nicht vernichten -- o, so wahr ich -lebe, ich will der _einzige_ meiner elenden Zunft sein und werden, und -die Nachwelt soll den Namen verehren, den ich verherrlichen kann. --« - -Er berührte mit seiner Stirn den Erdboden und weinte. Die Zweige -lispelten leise im Abendwinde um ihn her, leise lispelten die Gebüsche -und das dunkle Schilf am Gestade. - -Länger als eine Viertelstunde verharrte er in dieser Situazion. Große -Gedanken flogen vor seinem Geiste vorüber; über ungeheuern Plänen -schwindelte er und er sprang auf sie zu realisiren. - -»Mit fünf erbärmlichen Gaunern mach ich kein Complot wider die -Menschheit. Ich allein muß die Republik zittern machen, und jene -meuchelmörderischen Buben sollen in acht Tagen hängen. Fünf Banditen -soll Venedig nicht füttern, aber einen, _einen einzigen_, und dieser -soll dem Dogen die Spizze bieten, soll über Recht und Unrecht in der -Republik wachen. Ehe acht Tage verfliegen, soll der Staat gereinigt sein -von dem Auswurf des menschlichen Geschlechts, und dann steh ich noch -allein da. An mich allein müssen sich alle jene Schurken von Venedig -wenden, welche meine Spiesgesellen vormahls zum Morde der Rechtschaffnen -gedungen haben. Ich lerne nun die feigen Mörder, die vornehmen Buben -kennen, die den Matteo sonst und seine Knechte bezahlten -- ha, -Abaellino! Abaellino! -- --« - -Er taumelte, trunken von seinen Hofnungen durch den Garten, rief einen -Gondelier herbei, sezte sich in die Gondel und eilte zu der Wohnung der -kleinen _Molla_, wo alles schon im Arm des Traumgotts hingestorben lag. - - - - - Sechstes Kapitel. - Rosamunde, die schöne Nichte des Dogen. - - -»Hör Bursche!« sprach _Matteo_ am folgenden Morgen zum Abaellino: »heute -sollst du dein Probestük in der Kunst machen!« - -»»Heute?«« murmelte _Abaellino_ durch die Zähne: »Wem gilts?« - -»Es ist freilich nur ein Weib, allein man muß jedem den Anfang -erleichtern. Ich will dich selber begleiten, und sehn, wie du dich bei -dieser Probearbeit benehmen wirst!« - -»»Hm!«« sagte _Abaellino_, und maß den Matteo vom Wirbel bis zu den -Sohlen. - -»Heut Nachmittag um die vierte Stunde gehn wir mit einander, gut -gekleidet in den Garten von Dolabella, auf der Südseite von Venedig. -Hier pflegt die Nichte des Dogen Andreas Gritti, die schöne Rosamunde -von Corfu zu baden, und nach dem Bade allein zu lustwandeln. Und dann -- -nun weißt du's.« - -»»Und du begleitest mich?«« - -»Ich will von deiner ersten That ein Zuschauer sein; so pfleg ichs zu -halten bei jedem! --« - -»»Wie tief der Stos?«« - -»Bis aufs Leben! die Bezahlung ist fürstlich; ich empfange sie nach -Rosamundens Tode.« - -Es wurde alles übrige verabredet. Der Nachmittag erschien. Es schlug in -der benachbarten Benediktinerkirche vier Uhr, und Matteo und Abaellino -machten sich auf den Weg. - -Sie kamen in den Dolabellischen Garten, der heut ungewöhnlich volkreich -war; Menschen beiderlei Geschlechts durchirrten die umbüschten Gänge; in -allen Lauben sassen die Edlen von Venedig; in allen Winkeln seufzten -liebende Paare der angenehmern Dämmerung des Abends entgegen; und von -jeder Seite scholl Vokal- und Instrumentalmusik um das schwelgende Ohr. - -_Abaellino_ mischte sich unter die Spaziergänger; er hatte seinen Kopf -in eine ehrwürdige Perükke verstekt, die Attitüde eines podagrischen -Alten angenommen und schlich so an einem Krükkenstok durch die -Versammlung. Seine goldreiche Kleidung verschaffte ihm allenthalben -Zutritt, jeder lies sich mit ihm in Gespräche über Witterung, Kommerz -der Republik und die Kriege der Ausländer ein, und Abaellino wußte -angenehm zu unterhalten. - -So erfuhr er nun auch, daß Rosamunde im Garten sei, wie sie sich heut -gekleidet, und in welcher Gegend sie wandele. - -Sogleich schlich er dahin. _Matteo_ verfolgte ihn auf den Fus. - -In einer entlegnen Laube sas die größte Schönheit Venedigs, _Rosamunde -von Corfu_. - -_Abaellino_ näherte sich der Laube; er wankte vor dem Eingang derselben, -als ein Ohnmächtiger umher, und erregte Rosamundens Aufmerksamkeit. -»Ach!« seufzte er: »ist denn niemand, der sich eines schwachen Greises -erbarmet?« - -Die schöne Nichte des Dogen sprang eilig hervor aus der Laube, dem alten -Mann zu helfen. »Was ist Euch, lieber Vater?« fragte sie mit einer süßen -Stimme, und besorgtem Blik. - -Abaellino winkte mit der Hand zur Laube hin; Rosamunde führte ihn hinein -und sezte ihn auf ein Rasenbänkchen. - -»Gottes Lohn!« stammelte Abaellino mit schwacher Stimme, und sah -Rosamunden ins Auge und erröthete. - -_Rosamunde_ stand schweigend vor dem verlarvten Banditen und zitterte in -zärtlicher Sorge -- und diese Bekümmernis macht das schöne weibliche -Geschöpf noch schöner. -- Bebend bog sie sich mit dem halben, schlanken -Leibe über ihren gedungnen Mörder und fragte nach einer Weile: »ists -Euch besser?« - -»Besser!« stammelte der Betrüger mit matten Lippen. -- »Ihr seid die -edle Rosamunde von Corfu, des Dogen Nichte?« - -»Wohl bin ichs, lieber Alter!« - -»»O, Fräulein, da hab ich Euch etwas wichtiges zu entdekken -- ach, du -lieber Gott, wie können die Menschen so grausam sein -- seht nur, man -steht Euch nach Euerm Leben.«« - -Das Mädchen bebte erblassend zurük. - -»Wollt ihr Euern Mörder kennen lernen? -- Ihr sollt nicht sterben, aber -thut mir den Gefallen und verhaltet euch ganz still!« - -_Rosamunde_ wußte nicht, was sie zu den Worten des Greises denken -sollte; es wurd ihr bange in der Gesellschaft dieses alten Mannes. - -»Fürchtet nichts, Fräulein, fürchtet nichts, seid unbesorgt. -- Der -Mörder soll vor euern Augen sterben.« - -_Rosamunde_ machte eine Bewegung, als wollte sie entfliehn. Aber -plözlich verwandelte sich der schwache Greis vor ihren Augen. Er der vor -einer Minute ohnmächtig nur lallen konnte, und zitternd da sas, sprang -auf wie ein Riese und hielt sie zurük in seinen Arm. - -»Um Gotteswillen, laßt mich!« rief sie. - -»»Fräulein, seid sorglos, ich beschüzze euch!«« entgegnete Abaellino -nahm ein kleines Blech in den Mund und pfiff. - -Plözlich sprang der lauernde Matteo aus einem Gesträuch hervor und in -die Laube hinein. Abaellino zog den Dolch, schleuderte Rosamunden hinter -sich, gieng dem Matteo einen Schritt entgegen und stieß ihm das Messer -ins Herz. - -Ohne einen Laut von sich zu geben, stürzte der Banditenhauptmann zu -Abaellinos Füßen nieder und röchelte und gab nach vielen gräslichen -Verzukkungen den Geist auf. - -Jezt sah der Mörder Matteo's hinter sich, und erblikte Rosamunden -halbohnmächtig auf der Rasenbank. - -»Nun ist dein Leben gerettet, schöne Rosamunde, sagte er: da liegt der -Schurke, der mich zu deiner Ermordung hieher führte. Sei ruhig, geh hin -zu deinem Oheim Andreas Gritti, und sage, Abaellino habe dein Leben -erhalten!« - -_Rosamunde_ konnte nicht sprechen. Bebend strekte sie ihre Arme aus, -ergrif Abaellinos Hand und küßte sie mit stummer Dankbarkeit. - -_Abaellino_ sah die schöne Leidende an, und wer konnte hier gefühllos -bleiben? Man denke sich ein Mädchen, das kaum neunzehn Sommer dieses -Lebens gesehen hatte; den schlanken Gliederbau verstekt in ein weises, -tausendfaltiges leichtes Gewand, mit einem großen, blauen Augenpaar, aus -welchem die reinste Unschuld sprach, einer Stirn, weis wie Elfenbein, -über welcher das schwarze lokkigte Haar sanftgeringelt herabquoll, -Wangen, die der Schrek izt gebleicht hatte, Lippen, die nie ein -Verführer mit seinem Kusse vergiftet, einen Busen, den der keusche -Flornebel vergebens verbergen wollte. Man denke sich dieses Geschöpf, -woran die liebende Natur nichts vergas, um es zum Ideal weiblicher -Schönheit zu erheben -- und man wirds dem ungestümen Abaellino nicht -verargen, wenn er einige Minuten entgeistert dastand und sich um die -Ruhe seines Herzens betrog. -- - -»O, bei Gott! rief er: Rosamunde, du bist schön, schön wie Emmoina! --« -Er bog sich über sie hin und drükte einen brennenden Kuß auf ihre blasse -Wange. - -»»Geh, schreklicher Mensch!«« lispelte sie. - -»Ach, Rosamunde, warum bist du so schön, und warum bin ich -- weißt du -wer dich küßte, geh, und sage dem Dogen laut: _der Bandit Abaellino_!« - -Er sprachs und verschwand aus der Laube. - - - - - Siebentes Kapitel. - Fortsezzung. - - -Und in der That hatte _Abaellino_ Ursach zu eilen; denn wenige Minuten, -nachdem er die Laube verlassen hatte, verirrten sich mehrere -Spaziergänger in dieser Gegend her, die bald den ermordeten Matteo, und -die todtenblasse Rosamunde erblikten. - -Man versammelte sich um die Laube: es strömten immer mehrere Personen -herbei und _Rosamunde_ mußte fast jedem die Begebenheit der vergangnen -Augenblicke erzählen. - -Es befanden sich unter den Herbeieilenden verschiedne Hofleute des -Andreas Gritti; man rief ihre Gesellschaftsdamen und Zofen herbei, rief -ihrer Gondel und so begab sich das arme Mädchen in den Pallast ihres -Oheims zurük. - -Vergebens hielt man alle andern Gondeln an, vergebens untersuchte man -alle Gäste des Dolabellischen Gartens, der sogenannte Bandit Abaellino -war verschwunden. -- - -Der Ruf dieser Geschichte flog durch ganz Venedig; jedermann bewunderte -Abaellinos That, bedauerte die arme Rosamunde, verfluchte denjenigen, -der den Matteo zu ihrem Morde besoldet hatte, und suchte alle diese -unzusammenhängenden Fragmente mit dem Kitt der Hypothesen, so gut, wie -gewisse deutsche Philosophen ihre Systeme, zusammenzuflikken. - -Am Ende entspann sich hieraus der schönste Stoff zu einem -abentheuerlichen Roman, oder Trauerspiel, betitelt: _Die Gewalt der -Schönheit_. Denn Abaellino hätte wahrscheinlich Rosamunden den Dolch ins -Herz gestossen, meinten die venetianischen Damen und Herrn, wäre -Rosamunde minder schön gewesen. - -Zulezt beneideten die Venetianerinnen Rosamunden sogar um das -Abentheuer; man fieng schon an über den Kus des Banditen zu medisiren. -Hm! sagten einige: was kann die schöne Rosamunde ihrem Erretter nicht in -der Angst erlaubt haben! -- Und wird, riefen andere: und wird der Kerl -mit einem schönen Mädchen, dem er das Leben erhielt, allein sich mit -einem einzigen Kusse begnügt haben? -- Freilich! entgegnete man: -Banditen pflegen sonst so sehr galant nicht zu sein und in der Liebe zu -platonisiren! -- - -Mit einem Worte, Rosamunde und der häsliche Abaellino waren so lange der -Gegenstand müßiger Schwäzzer und Schwäzzerinnen, bis man endlich die -Nichte des Andreas Gritti die _Banditenbraut_ betitelte. - -Keiner aber war aufgebrachter, als der Doge. Er gab sogleich Befehl, man -solle wachsamer als je auf alle und jede verdächtige Personen sein; die -Nachtwachen wurden verstärkt, es wurden alltäglich Spione ausgesandt, -aber vergebens, man entdekte keine Spur von den Banditen. - - - - - Achtes Kapitel. - Entdekkungen. - - -»Verdammt!« rief am andern Tage der wilde _Parozzi_, ein venetianischer -Nobile erstern Ranges, und ging mit großen Schritten durch sein Gemach: -»Verdammt sei die Ungeschiklichkeit des Schurken! aber in der That, ich -begreif es noch gar nicht, wie sich das alles zugetragen hat! -- Weis -man von meinen Plänen? hat Bembi Rosamundens Liebe? Wer hat den -Abaellino wider den Matteo ausgeschikt? -- Bembi vielleicht? -- gewis! --- Und wird der Doge nun nicht fragen: wer hat Mörder wider meine Nichte -ausgesandt? wer kann es anders gewesen sein, als _Parozzi_, der -unglükliche Liebhaber, dem die schöne Rosamunde einen Korb gab, und -Andreas Gritti unhold ist? wird man sagen. -- Pfui! -- Parozzi -- -Parozzi! und wenn der schlaue Gritti all deine Pläne entdekte, wenn er -wüßte, daß du an der Spizze mehrerer Leichtsinnigen -- Leichtsinnigen? -ja doch, was sind die Knaben anders, die um der Ruthe zu entgehn, den -Eltern das Haus übern Kopf anzünden wollen? -- Parozzi, wenn das alles -dem Gritti verrathen würde!« - -Er wurde in seinen Betrachtungen gestört. _Memmo_, _Falieri_ und -_Contarino_ traten herein, drei junge Venetianer vom besten Adel, -Parozzis tägliche Gesellschafter, am Geist und Körper verdorbne -Menschen, Springinsfelde, Bonvivants, die allen Wucherern in Venedig -mehr schuldig waren, als sie jemals mit ihrem väterlichen Erbe bezahlen -konnten. - -»Aber, Brüderchen, rief Memmo, dem das Laster in der grauen -Gesichtsfarbe, dem trüben Blik und den rothblauen Ringen um den Augen -verrieth; um des Himmels Willen, ich bin ausser mir, hast du den Matteo -wider die Nichte des Andreas Gritti ausgeschikt?« - -»»Ich?«« sagte Parozzi, und drehte sich um, um die Todtenblässe zu -verstekken, die ihm über das Gesicht flog: »»kein Gedanke -- ich glaube, -du schwärmst!«« - -Memmo. Wahrhaftig, ich spreche im ganzen Ernst; frag nur den Falieri, -der kann dir mehr erzählen. - -Falieri. Höre, Parozzi, der Procurator _Sylvio_ hats dem Dogen als eine -heilige Wahrheit beschworen, daß kein andrer, als du, den Matteo zu -Rosamundens Ermordung bestellt habest. - -Parozzi. Nun, und ich sage euch, der Kerl raset. - -Contarino. Aber nimm du dich in Acht. Gritti ist fürchterlich. - -Falieri. Der Doge ist der elendeste Gauch von der Welt; er kann ein ganz -guter Soldat sein, aber Kopf hat er nicht. - -Contarino. Und ich schwöre dirs, Gritti ist wild wie ein Löwe und schlau -wie ein Fuchs. - -Falieri. Durch das verdammte Kleeblat, davon er der Stiel ist, der es um -sich zusammen hält. Man nehme ihm den Sylvio, Conari, und Dandoli, so -wird er dastehn, wie ein Schulknabe im Examen, dem mans Concept -gestohlen hat. - -Parozzi. Falieri hat Recht. - -Memmo. Ja, wahrhaftig. - -Falieri. Und stolz ist der Gritti, wie ein Bauer, dem man ein -Purpurkleid angezogen hat. Bei Gott, er ist unleidlich. Bemerkt ihr denn -gar nicht, wie er täglich seinen Hofstaat vermehrt? - -Memmo. So wahr ich lebe, du hast Recht. - -Contarino. Und welche Gewalt er sich allenthalben anmaßt? Die Signoria, -die Quaranti, die Procuratoren di St. Marco, die Avogadori wollen und -wünschen nichts anders, als was dem Gritti gefällt. Alle hängen sie an -dem Faden seiner Launen wie Marionetten, die ihre Holzköpfe schütteln -oder verneigen, nachdem sie gezogen werden. - -Parozzi. Und das Volk vergöttert diesen Gritti. - -Memmo. Ja, das ist eben das schlimmste. - -Falieri. Aber ich will verdammt sein, wenn sich das Spiel nicht bald -dreht. - -Contarino. Ja, nur angefangen, Leute. Aber was thun wir? da liegen wir -in den Weinhäusern und Bordellen, saufen und spielen, stürzen uns in ein -Meer von Schulden hinein, wo zulezt der beste Schwimmer ertrinken muß. -Laßt uns den Anfang machen -- laßt uns werben, laßt uns angreifen, die -Verhältnisse müssen sich ändern, oder es geht in dieser Welt mit uns -nicht gut. - -Memmo. (seufzend) Freilich, freilich, die Gläubiger zerklopfen mir schon -seit einem halben Jahr die Thüren, wekken mich des Morgens aus dem -Schlaf und lullen mich des Abends mit ihren Klagen wieder ein. - -Parozzi. Ha, ha, ha! nun ihr wißt ja, wie mirs geht! -- - -Falieri. Hätten wir minder flott gelebt: so würden wir izt ruhig sizzen -können in unsern Pallästen, und -- Aber izt -- - -Parozzi. Nun, wahrhaftig, ich glaube Falieri hält uns eine Buspredigt. - -Contarino. So machens die alten Sünder sammt und sonders, wenn sie nicht -mehr sündigen können, dann geloben sie hoch und theuer Reue und -Besserung. Nein, ich bin zufrieden mit meinen Ausschweifungen; ich seh -doch daraus, daß ich kein Alltagsmensch bin, der mit seinem Pflegma -hinter dem Ofen zusammenschurrt, Federn spizt, Männerchen malt und vor -ungewöhnlichen Einfällen schaudert. Die Natur hat mich einmal zum -Wildfang geboren, und ich will meine Bestimmung erfüllen. -- Brächte der -Himmel nicht zuweilen Geister wie die unsrigen hervor: so würden die -Menschen endlich einschlafen. Aber wir treiben die alte Ordnung aus -ihren Fugen, und die Menschen aus ihrem Schnekkengang, geben einer -Million Müßiggänger Räthsel auf, jagen einige hundert neue Ideen durch -die Köpfe der großen Menge, verursachen allgemeine Gährung und sind -zulezt der Welt so nüzlich, wie ein Sturmwind der trägen, sich selbst -vergiftenden Natur. - -Falieri. Prächtige Floskeln, so wahr ich Falieri heiße; Contarino; das -alte Rom vermißt dich. -- Allein Jammer und Schade, daß an dem Geklimper -deiner Worte so wenig Realitäten hängen! -- siehst du, inzwischen du -vielleicht mit deinem Rednertalent barmherzigen Ohren ermüdet hast, hat -Falieri gehandelt. Der Kardinal Grimaldi ist mit der Regierung -unzufrieden, Gott weis es, wodurch ihn Gritti wider sich aufgehezt hat --- kurz Grimaldi ist von unsrer Parthei. - -Parozzi. (erstaunt und froh) Falieri, bist du toll -- der Kardinal -Grimaldi? - -Falieri. Und er hängt an uns mit Leib und Seele. Freilich, ich habe ihm -viel von unsern edeln Absichten, von unserm Patriotismus, von unsrer -Freiheitsliebe vorneindbeuteln müssen, aber Grimaldi -- ist ein Pfaffe, -das heißt, ein Gauner! und so taugt er für uns. - -Contarino. (reicht dem Falieri die Hand) Bravo, -- Herr Bruder, wir -spielen den Katilina zu Venedig! -- Was mich betrifft, so hab auch ich -gehandelt. Zwar hab ich für uns noch keinen großen Fang gethan, aber -doch besizze ich ein großes allmächtiges Nez, womit ich den besten Theil -Venedigs zu unsern Plänen zusammenfischen werde. -- Ihr kennt doch die -Markise Almeria? - -Parozzi. Hält nicht jeder von uns eine Liste der Venetianerinnen, und -wir sollten ^No. I^ vergessen haben? - -Falieri. Almeria und Rosamunde, die Losung aller Venetianer. - -Contarino. Almeria ist mein. - -Falieri. Was? - -Memmo. (durch die Zähne) Pest! - -Parozzi. Almeria? - -Contarino. Nun, gafft ihr mich nicht an, als weissagt ich euch den -Einsturz des Himmels? -- Kurz, ich bin Almeriens Favorit, und mit ihr -aufs innigste vertraut. Aber unsre Liebschaft wird verdekt gehalten; was -ich will, will auch sie, und wie sie pfeift, so tanzt Venedigs halber -Adel. - -Parozzi. Contarino, du bist unser Meister. - -Contarino. Und nun ahndet ihr doch nicht, welche Macht ich in den Händen -habe? - -Parozzi. Ich schäme mich vor euch, denn noch hab ich nichts gethan. Wär' -Rosamunde ermordet: so würd' ich, wenigstens euch vorlügen können, daß -ich sie für mein Geld habe in den Himmel bringen lassen, damit Gritti -den Hamen verlöre, womit er Venedigs erste Männer an sich gefangen hält. -Lebt Rosamunde nicht mehr: so verliert Gritti allen Reiz; die -glänzendsten Häuser werden von ihm ablassen, wenn ihre Hofnung zu Grabe -geht, sich mit dem Gritti durch Rosamundens Verheurathung zu verbinden. -Sie erbt einmahl vom Dogen. - -Memmo. Und damit ich eurer würdig sei, will ich -- Geld schaffen. Mein -alter, grämlicher Oheim hinterläßt mir dem Universalerben volle Kisten --- und der alte Filz, kann ja sterben, wenns mir gefällt. - -Falieri. Er hätte längst sterben können. - -Memmo. Ich war nur zu ängstlich -- wahrhaftig Leutchen, ihr glaubts -nicht, ich bin zuweilen so hypochondrisch, daß es mir ist, als hätt' ich -Gewissensbisse. - -Contarino. Freund, nimm einen guten Rath an. -- Geh ins Kloster! - -Memmo. He, he, he, he! - -Falieri. Wir müssen die alten Freunde, -- Matteo's Gesellschaft -aufsuchen; die Gauner lassen sich jezt nirgends wittern. - -Parozzi. Und vor allen Dingen muß das Kleeblatt des Dogen verdorren oder -abgerissen werden. - -Contarino. Vortrefliche Vorsäzze! wahrhaftig, wenn sie nur so schnell -erreicht, als geträumt wären. -- Kurz, Freunde, wir begraben entweder -unser Elend unter den Ruinen der alten Staatsverfassung, oder wir -befestigen dieselbe noch mehr durch unsere Todtenschädel. -- In beiden -Fällen erlangen wir Ruhe. Die Noth hat uns mit ihrer Geissel nun -hinaufgepeitscht auf den lezten Gipfel ihres Felsen, wo wir entweder uns -durch einen Geniestreich erretten, oder von der andern Seite in den -Abgrund ewiger Vergessenheit und Schande hinunterschwindeln müssen. -- -Laßt uns izt nur raffiniren: woher Geld zu den nöthigsten Unkosten und -woher Theilnehmer an unsern Plänen? Geht hin, und erobert die -berühmtesten Mezzen Venedigs, auf deren Altären der Staatsmann, Mönch -und Bürger opfert. Was wir mit aller Beredsamkeit, Banditen mit ihren -Dolchen, Prinzen mit ihren Geldbörsen nicht vermögen, kann solch eine -Phryne mit einem einzigen Blik. Wo der Wiz des Pfaffen scheitert und die -Gewalt des Kriminalrichters ohnmächtig wird, kann noch ein Kus, ein -süsses Versprechen Wunder thun. An dem wollüstigen Busen solcher Weiber -schläft endlich die wachsamste Treue ein: ein Kus von solchem Weibe -thaut der stummen Verschwiegenheit die Lippen auf und eine Schäferstunde -kann die heiligsten Grundsäzze zu Grabe läuten. - -Oder will euch das Glük bei den Weibern nicht wohl, oder fürchtet ihr -euch selber in den Nezzen verwirren zu können, die ihr für andere -ausspannt: so versuchts mit den Pfaffen. Schmeichelt den Stolz dieser -Hochmüthigen, malt ihnen auf das leere Blatt der Zukunft Kardinalshüte, -Patriarcheninsuln, Bischofsstäbe und Pontificalien. Ich schwör es euch, -sie haschen zu, und ihr habt sie in eurer Gewalt. Sie, die -Gewissensräthe der bigotten Venetianer, lenken Mann und Weib, Edelmann -und Bettler, Gondolier und Dogen, Gelehrte und Laien am Zaum des -Aberglaubens. Habt ihr die Pfaffen für euch: so könnt ihr Tonnen Goldes -ersparen, um die Gewissen zu bestechen, denn sie handeln mit dem lieben -Gott in Compagnie, und verschenken nach ihrem Gefallen bald die ewige -Seligkeit bald die höllische Verdammnis. - - - - - Neuntes Kapitel. - Mollas Häuschen. - - -Kaum hatte _Abaellino_ die berüchtigte That vollbracht, die nun allen -Venetianern Stoff zum Plaudern gab: so entwischte er so glüklich, daß -man auch nicht den geringsten Umstand vorfinden konnte, der ihn, als dem -Thäter verrathen, oder die Spuren seiner Flucht entdekken konnte. - -Er kam an Molla's Häuschen -- es war schon gegen Abend. Molla öffnete -die Thür und er begab sich ins Zimmer. »Wo sind die andern?« fragte er -in einem wilden Ton. _Molla_ erschrak: - -»Sie schlafen schon seit dem Mittag. Wahrscheinlich wollen sie in der -Nacht auf die Jagd gehn.« -- - -_Abaellino_ warf sich gedankenvoll auf einen Sessel. - -»Aber du bist ja so düster, Abaellino? sieh nur, du wirst dadurch so -häslich. Weg mit den Falten von der Stirn, sie entstellen dich noch -mehr.« - -_Abaellino_ antwortete ihr nicht. - -»Aber ich fürchte mich endlich vor dir. Sei doch freundlich du Riese! -ich fange wirklich schon an dir gut zu werden, und deinen Anblik zu -ertragen und« -- -- -- - -»»Wekke die Schläfer!«« brummte der Bandit. - -»Ei, laß sie doch schlafen, die trägen Kerls, fürchtest du dich denn mit -mir allein zu sein? Seh ich denn so schreklich aus, wie du? -- sieh mich -doch einmal an.« - -Sie stellte sich in ihrer kleinen, runden Figur vor ihm hin, und -schielte lächelnd mit lüsternen Augen zu ihm hinüber. -- Molla war in -der That nicht häslich; ihr Stumpfnäschen, ihr brennendes Auge, ihr -blondes Haar, das hinter der Haube wild über den vollen Busen -herabstürzte, der in diesen Augenblikken ohnedies nur sehr leicht bedekt -war, machte sie niedlich. Allein Molla wußte auch, daß sie ein -Stumpfnäschen, einen sprechenden Blik, ein blondes Haar, und einen -vollen Busen hatte. Und ihr Karakter war daher -- wie der Karakter der -meisten Mädchen und Weiber in einem gewissen Alter, in allen Ständen. -Ein Mädchen, die es ihrem Spiegel und ihren Schmeichlern glaubt, es sei -schön, ist auf dem halben Wege, ihre Unschuld zu verlieren. -- Molla -übrigens war weder Mädchen noch Weib, sondern -- -- -- was viele ihres -Alters und Geschlechts sind. - -»Aber sei doch nicht so tükkisch, lieber Abaellino!« sagte sie und sezte -sich dicht neben ihn nieder und strich ihm mit ihrer runden Hand die -schwarzen Lokken von der Stirn. - -»»Wekke die Schläfer!«« rief _Abaellino_, und stierte sie verdrüslich -an. - -»Ei, ich glaube gar, der Schelm will trozzen!« sagte sie und stand auf, -warf sich auf seinen Schoos, sah ihn in die Augen -- und das Halstuch -fiel ab. - -»Bösewicht! rief sie, was machst du?« - -_Abaellino_ konnte sich des Lächelns nicht erwehren. - -»Lache nur noch!« sagte sie lächelnd und faltete die Stirn, um zornig zu -scheinen, vergab ihm aber bald die nicht begangne Sünde, schlang ihre -Arme um ihn und drükte ihn an sich. - -»»Du bist ein gutes Mädgen, Molla!«« entgegnete er, sties sie sanft -zurük und stand auf: »»in einer halben Stunde wollen wir uns beide mehr -erzählen, jezt rufe die Schnarcher herbei, ich muß sie sprechen!«« - -_Molla_ entfernte sich schweigend und drohte ihm im Zurüksehn mit dem -Zeigefinger. - -_Abaellino_ gieng mit starken Schritten durchs Zimmer, den Kopf auf die -Brust gesenkt, die Arme untereinander geschlagen. »Der erste Schritt,« -dachte er bei sich! »der erste Schritt ist gethan; ein moralisches -Ungeheuer weniger in der Welt. Ich habe in diesem Morde nicht gesündigt, -sondern mich geheiliget. -- Gott, steh mir bei, ich habe ein großes Werk -vor mir. -- Ach, und dann soll Rosamunde der Lohn meiner Mühseligkeiten --- Rosamunde? die Nichte des Dogen dem verworfnen Abaellino -- o, in -Ewigkeit geht es hier nicht gut zu Ende. Aber welch ein toller Einfall, -ein Mädchen beim ersten Anblik -- -- Aber auch nur eine Rosamunde kann -durch ihr erstes Erscheinen fesseln. -- Rosamunde und Emmoina! -- -- -Doch es ist schön nach Unmöglichkeiten zu haschen, es belustigen Träume -wenigstens, und der arme Abaellino bedarf Belustigung. O wüßte die Welt, -was Abaellino vollführen wird, ach sie würde ihn gewis lieben und -bemitleiden! --« - -_Molla_ trat herein. Ihr nach folgten schlaftrunken, gähnend und schlaff -Thomas, Baluzzo, Petrini und Struzza. - -»Reibt euch den Schlaf von den Augen, und überzeugt euch, daß ihr -wachend seid, denn ihr sollt etwas hören, was ihr kaum im Traume glauben -würdet.« - -Alle sahn ihn gleichgültig an. »Nun was ists denn?« fragte _Thomas_ und -dehnte sich schläfrig. - -»Nichts mehr und nichts weniger, als daß unser braver, schlauer, tapfrer -Matteo -- _ermordet_ ist.« - -»»Wie? -- ermordet!«« lallte jeder und starrte den Hiobsboten mit -erschroknen Blikken an, und Molla schlug die Hände über den Kopf -zusammen und sank kreischend auf den Sessel nieder, auf welchem sie vor -wenigen Minuten noch um Abaellinos Zärtlichkeit buhlte. - -Es herrschte eine allgemeine Stille. - -»Donner und Wetter!« rief endlich Struzza und trat ein paar Schritt -zurük. - -Thomas. Von wem? - -Baluzzo. Wo? - -Petrini. Diesen Nachmittag? - -Abaellino. Vor einigen Stunden im Dolabellischen Garten, wo er die -Nichte des Dogen aufgesucht hatte -- wer ihn ermordet, das weis der -Himmel. - -Molla. (heulend) Der arme Matteo. - -Abaellino. Morgen um diese Zeit findet ihr seinen Leichnam auf dem -Rabenstein. - -Petrini. Hat man ihn denn erkannt? - -Abaellino. Freilich. - -Molla. Der arme Matteo! - -Thomas. Ein verdammter Streich! - -Baluzzo. Verflucht, das hat ihn nicht geahndet, da er von uns ging, und -uns allen nicht. - -Abaellino. Nun, ihr scheint darüber bestürzt zu sein? -- - -Struzza. Ich kann mich noch nicht erhohlen -- Der Schrek hätte mich fast -zu Boden geschlagen. - -Abaellino. Ei, beileibe, ich lachte, als ich die Botschaft erfuhr. So -früh schon am Ziele! dacht ich. - -Thomas. Was? - -Baluzzo. Ich sähe darinn nichts lächerliches wahrhaftig! - -Abaellino. Ihr fürchtet euch doch nicht davor, eine Gabe zu empfangen, -die ihr selber so gern austheilt? -- Wohin strebt ihr? was dürfen wir am -Ende unsrer Arbeiten zum Dank fodern, als Galgen und Rad und -Scheiterhaufen? welche Monumente dürfen wir für unsre Thaten fodern: als -Schandsäulen und Rabensteine? Wem es gelüstet auf dem großen Welttheater -die Rolle des Banditen zuspielen, der muß vor dem Tode nicht schaudern, -er komme in Gesellschaft des Arztes, oder des Henkers. Also lustig! - -Thomas. Das sei hier der Gottseibeiuns, ich kanns nicht sein. - -Struzza. Mir klappern die Zähne. - -Petrini. Hör', Abaellino, laß uns ein vernünftiges Wort mit einander -sprechen. Dein Wiz wird hier fürchterlich. - -Abaellino. Ha, ha, ha, ha! - -Molla. Ach du armer, unglükseliger Matteo! - -Abaellino. Nicht doch, Molla, mein Schäzchen, wer wollte so sehr -verrathen, daß man ein Weib sei. Komm und laß uns das Gespräch -fortsezzen, das ich vorhin zerriß. Sez dich zu mir und gieb mir ein -Mäulchen. -- - -Molla. Geh, Ungeheuer. - -Abaellino. Hat Liebchen die Laune verloren? Nun wohl, sie wird schon -zurükkehren, und wer weis, wie es dann um die meinige steht. - -Baluzzo. Daß dich der Geier fasse, Abaellino, du bist unausstehlich! - -Abaellino. Bist du eifersüchtig? Ho, ho, befürchte nichts! - -Baluzzo. Verdammt seist du mit deinem hirnlosen Gewäsch; saalbadre ein -andermahl. Jezt laß uns überlegen, was zu thun sei? - -Petrini. Freilich, es ist hier nicht die Zeit zum Spassen. - -Thomas. Abaellino, ich halte dich für einen gewizten Kerl, gieb Rath, -was sollen wir thun? - -Abaellino. (nach einer Pause) Nichts oder vieles. Entweder wir bleiben, -_was_ wir sind, und wo wir sind, morden für Geld und gute Worte einem -Schurken zum Gefallen jeden ehrlichen Mann, lassen uns zulezt hängen, -rädern, braten, an die Galeeren schmieden, kreuzigen und köpfen, je -nachdem es der blinden Justiz behagt, oder -- -- - -Einige. Oder? - -Abaellino. Oder wir theilen unsern Raub, verlassen die Republik, -beginnen ein ehrliches Leben, und söhnen den Himmel wieder mit uns aus. -Seht, ihr habt izt soviel, daß ihr zeitlebens nicht in die verlegne -Frage gerathen dürfet: woher nehmen wir Brod? -- Ihr kauft euch in einem -fernen Lande eine Villa, oder ein Wirthshaus, oder treibt Handel, oder -ein Gewerbe, welches euch besser gefällt, als die Meuchelmörderei. Ihr -mustert die Schönen, wählt euch ein Weibchen, zeugt Söhne und Töchter, -eßt und trinkt und wezt die Scharten aus, durch eure Ehrlichkeit, die -ihr durch Büberei schluget. - -Thomas. Ha, ha, ha! - -Abaellino. Was ihr thut, will auch ich thun, in eurer Gesellschaft laß -ich mich entweder hängen und rädern, oder zum ehrlichen Kerl machen. -- -Nun wählt! - -Thomas. Ein alberner Rath! - -Baluzzo. Die Wahl hält nicht schwer. - -Abaellino. Ich sollt' es auch glauben. - -Thomas. Wir bleiben beisammen, und treiben nach wie vor unser altes -Gewerbe. Das bringt Geld und ein flottes Leben. - -Petrini. Mein Seel, Kerl, du sprichst mir aus dem Herzen. - -Thomas. Wir sind zwar Banditen, aber doch ehrliche Kerls, und der Donner -über den, der dies läugnet. Vor allen Dingen aber müssen wir uns einige -Tage eingezogen halten, damit wir nicht etwa verrathen werden, denn der -Doge hat gewis izt seine Spione allenthalben. Dann aber schleichen wir -uns, erkundigen uns nach dem Mörder Matteo's und erdrosseln ihn zum -warnenden Beispiel ^gratis^. - -Alle. Bravo! bravissimo! - -Petrini. Und du, Thomas, bist dafür von heut an unser Meister. - -Baluzzo. Ja, an Matteo's Stelle. - -Alle. Ja, ja! - -Abaellino. Und ich sage, als ein braver Gesell hierzu mein herzliches -_Amen_. - - - - - Zweites Buch. - - - - - Erstes Kapitel. - Der Geburtstag. - - -In ängstlicher Einsamkeit, eingeriegelt in ihren dumpfen Kammern, -betrauerten die Banditen den Tod ihres Matteo; jeder Schlag an ihre -Thüren machte sie zittern; jedes Geräusch auf der Straße machte sie -grausen. - -Fröhlicher aber und herrlicher gings im herzoglichen Pallast einher. Der -_Doge_ feierte den Geburtstag seiner schönen Nichte Rosamunde, und -Venedigs Adel, die Gesandten und hohen Fremden machten mit ihrer -Gegenwart dieses Fest zum glänzendsten in seiner Art. - -Keine Herrlichkeit war hier gespart, keine Quelle der Freude -verschlossen geblieben. Ueppig buhlten alle Künste um den Vorrang; -Venedigs erste Dichter besangen diesen Tag schöner, als je, denn sie -sangen Rosamunden; die Tonkünstler und Virtuosen verschwendeten hier die -Allmacht der Musik, denn es galt Rosamunden; alle athmeten Seligkeit, -alles schwelgte in der seltnen Verbindung jeder Freude; der Geist des -Vergnügens umschwebte den Greis und den Jüngling, die Matrone und das -Mädchen. - -Selten hatte man den alten Dogen heiterer erblikt, als an diesem Tage. -Er war ganz Leben, die fröhlichste Laune schwebte um seinen Lippen; -gnädig und herablassend lies er niemanden seine Hoheit beahnden. Er -scherzte bald mit den Damen, schwärmte bald unter den Masken umher, die -den Ball glänzend machten, spielte bald mit den Feldherrn und Admiralen -der Republik im Schach, überwand und lies sich überwinden, bald nekte er -Rosamunden, und warnte sie, ihr Herz zu bewahren. - -_Dandoli_, _Sylvio_ und _Canari_, seine treuen Freunde und Räthe -vergaßen ihr graues Alter; mischten sich unter die jungen -Venetianerinnen und trugen scherzend jeder ihre Liebe an, nekten und -ließen sich nekken. - -»Als wir vor _Scardona_ lagen, Canari, und die Türken uns dort den Sieg -so schwer machten, da waren wir nicht so vergnügt, als an diesem Abend. -Nicht so?« rief _Andreas Gritti_ dem alten Canari zu, der in eben dem -Augenblik in das Seitenzimmer hinein trat, worin sich der Doge mit -seiner Nichte allein befand. - -»Warlich nicht, gnädigster Herr aber es ruht sich nach solchen Arbeiten -schön! -- Ich denke noch immer mit frohem Schauder an den neblichten -Novemberabend, da wir Scardona eroberten und den halben Mond von den -Stadtmauern hinunterstürzten! Bei Gott, unsre Venetianer fochten wie die -Löwen!« - -Gritti. Nun, alter Kriegsgefährte, trinkt; wir haben uns Ruhe -erstritten. - -Canari. Ruh und Lorbeern. -- O, bei Gott, ich bin glüklich und glüklich -ist jeder der unter euern Fahnen gefochten. Ihr, gnädigster Herr, habt -mich verewigt; wer hätte in der Welt an Canari gedacht, wenn Canari -nicht mit dem großen Gritti gefochten hätte, und in Sicilien und -Dalmatien die ewigen Trophäen der Republik Venedig aufgepflanzt hätte -mit dem großen Gritti. - -Gritti. (sanftlächelnd) Der Cyprier besticht eure Fantasie, braver -Canari. - -Canari. Freilich sollt ich euch nun wohl nicht gradezu den Großen -nennen, und in eurem Beisein loben, aber ich bin alt, und mag mich nicht -verstellen; mögen das unsre jungen Hofschranzen thun, die noch nicht im -Pulverdampf da standen und für Venedig und Andreas Gritti fochten. -- - -Gritti. Alter Schwärmer! -- wird der deutsche Kaiser auch so denken? - -Canari. Wenn Karl der fünfte nicht betrogen wird, oder sein Stolz noch -die Größe eines andern ertragen kann: so muß er bekennen: Ich fürchte -den Gritti von Venedig, aber auch er nur allein ist mir auf Erden -überlegen! bei Gott, das muß Karl. - -Gritti. Sollte ihn die Antwort beleidigen, die ich seinem Gesandten gab, -da er mir die Gefangennehmung des Königs von Frankreichs notifizirte? -- - -Canari. O, gewiß, gnädigster Herr, gewiß. Aber sei es auch. Venedig -zittert, so lange Gritti lebt, nicht. -- Aber gnädigster Herr, wenn ihr -einmal werdet heimgegangen sein zur ewigen Ruhe und eure Helden mit -euch! O, Venedig, Venedig, ich fürchte deine goldne Zeit neiget sich zum -Untergange! - -Gritti. Lassen nicht unsre jungen Offiziere vieles hoffen? - -Canari. Ach was sind die meisten? Helden in den Feldern der Liebe; -Helden hinter den Pokalen; entnervte Jünglinge, schlaff an Körper und -Geist. Doch halt, -- nein! o, wenn man alt wird, oder neben einen -Andreas Gritti steht, da vergißt man doch so leicht das wichtigste. -- -Ich habe eine Bitte an euch, mein Doge, eine große Bitte. - -Gritti. Ich bin neugierig. - -Canari. Seit acht Tagen befindet sich hier ein junger florentinischer -Edelmann, Flodoard heißt er, ein herrlicher, vielversprechender Mann. - -Gritti. Nun? - -Canari. Sein verstorbner Vater war mein sehr guter Freund, er ist nun -gestorben, der alte ehrliche Graf. Er diente in seiner Jugend mit mir -auf einem Schiffe, hat manchen Türkenkopf hinweggesäbelt. -- Es war ein -braver Soldat! - -Gritti. Ihr vergeßt seinen Sohn. - -Canari. Sein Sohn hält sich jezt in Venedig auf und will in Dienste der -Republik gehn. Ich bitte bei euch für ihn, stellt den jungen Mann irgend -wo an; er wird einmal Venedigs Stolz sein, wenn unsre Asche vom Winde -verweht ist. Ja, bei Gott, das wird er! - -Gritti. Hat er Kopf? - -Canari. Kopf und Herz, wie sein Vater. Wollt ihr ihn sehn, ihn sprechen? -er ist unter den Masken dort im großen Saale. -- Noch eins -- er hat von -den Banditen gehört, die in Venedig umherspuken, das erste Probestük -seiner Schlauheit will er euch dadurch ablegen, daß er dieß unsichtbare -Gesindel, dem unsre Polizei vergebens nachspürt, dem Criminalgericht in -die Hände spielt. - -Gritti. (verwundert) Wie ist das möglich? Graf Flodoard heißt er? sagt -diesem Flodoard, ich verlange ihn zu sprechen. - -Canari. O, nun hab ich schon die Hälfte oder alles gewonnen. Denn -Flodoarden sehn, und nicht lieben, hält so schwer, als einen Blik ins -Paradies thun und ohne Lüsternheit zu verbleiben. Flodoarden sehn und -ihn hassen ist so unmöglich, wie den Blindgebohrnen das Tagslicht zu -hassen, das er zum erstenmahl erblikt, da ihm der Staar vom Auge -gezogen, wird. - -Gritti. (lächelnd) Ich habe meinen alten Canari nie so schwärmerisch -gefunden, als diesen Abend. - -Canari. O, bei Gott, gnädigster Herr, die Flodoarde waren seit den -frühsten Zeiten gros. Ihres Geschlechts Stamm trug schon damals -herrliche Zweige, als das Geschlecht der Gritti, Canari, Dandoli und -Falieris noch unter den wilden Gesträuchen keimte. Und ich glaube, jede -Ceder grünt noch und giebt berühmte Zweige von sich, wenn unsre Familien -rings umher ausgestorben sind, wie dürres, schwaches Pflanzwerk. - -Gritti. Zeiget mir doch den Wundermann! - -Canari. (im Aufstehn.) Ich werd ihn herbeirufen. Ach, es thut mir wohl -meinen alten verstorbnen Waffenbruder Flodoard in seinem Sohn wieder -lieben zu können. -- Und, ihr edle Donna, hütet euch! hütet euch! (geht -ab) - -Rosamunde. Führt nur euern Helden vor, ihr habt meine Neugierde -gespannt. - -Gritti. Warum sonderst du dich so lange von den Tänzern ab, Rosamunde? - -Rosamunde. Ich bin ermüdet, und jezt fesselt mich noch die Neugier, den -hochgepriesenen Flodoard zu sehn. -- Ach, lieber Oheim, mir deucht, ich -kenne ihn schon. Unter allen Masken zeichnet sich vorzüglich eine -griechische aus, und zeichnet sich so aus, daß man sie mit dem -flüchtigsten Blik unter tausenden erkennt. Eine schlanke, große Gestalt, -in jeder Bewegung so angenehm, -- und tanzt so treflich. - -Gritti. (lächelnd mit dem Finger drohend) Nichte! Nichte! - -Rosamunde. O, fürwahr, lieber Oheim ich lüge nicht -- aber doch kann es -sein, daß der florentinische Flodoard und der Grieche zwei Personen -- --- seht, Oheim, seht dort hinunter, da, da steht der Grieche! - -Gritti. Und Canari neben ihm. -- Sie kommen! Nun, du bist im Errathen -glüklich -- -- - -Der Doge hatte kaum seine Worte vollendet, als der alte _Canari_ -hereintrath, einen schlanken Griechen an seiner Hand führend. - -»Seht hier den Grafen Flodoard, der um eure Gnade bittet!« sagte Canari, -und _Flodoard_ entblößte ehrerbietig sein Haupte, zog die Larve vom -Gesicht und verneigte sich tief vor Venedigs großen Dogen. - -Gritti. Ihr wollet in die Dienste unsrer Republik treten? - -Flodoard. Wenn. Ew. Durchlaucht mich für dieselben würdig finden. - -Gritti. Canari versprach mir viel Gutes von euch. Warum hat euch euer -Vaterland nicht behalten? - -Flodoard. Weil dort kein Gritti lebt. - -Gritti. Bestätigt es sich, daß ihr die Banditen in Venedig aufgespürt -habt? - -Flodoard. Ich zweifle nicht daran sie aufspüren, und sie euren Gerichten -überliefern zu können. - -Gritti. Das wäre in der That von einem Fremdling viel. Ich bin begierig -zu wissen ob ihr Wort halten könnet. - -Flodoard. Morgen oder Uebermorgen Durchlauchtigster Herr, hab ich mein -Versprechen erfüllt. - -Gritti. Und das verspreche ihr so fest? Wißt ihr was es heißt, Banditen -zu fangen? dies Gesindel ist unsichtbar und allgegenwärtig, man sieht es -allenthalben, und nirgends, und noch ist es den Polizeibedienten der -Republik nicht möglich gewesen diese Brut zu erhaschen, wiewohl kein -Winkel in Venedig existirt, den unsre Spione nicht kennen, nicht -durchstöbern. - -Flodoard. Ich schäzze mich glüklich dem großen Dogen von Venedig mich -durch solches Probestük empfehlen zu können. - -Gritti. Wenn ihrs vollbracht habt, dann kommt zu mir. Jezt wollen wir -uns der Freude überlassen, der dieser Tag geheiligt ist. -- Führt meine -Nichte zum Tanz, wenn ihr wollet. - -Flodoard. Ein angenehmer Befehl. -- - -Rosamunde stand an den Sessel ihres ehrwürdigen Oheims gelehnt, und -musterte den Grafen, und dachte an Canari's Worte: ihn sehn und ihn -nicht lieben hält so schwer, als einen Blik ins Paradies werfen, ohne -lüstern zu werden. Und Rosamunde gab dem alten Canari recht. Ein helles -Roth überflog sie, da der Oheim den Befehl gab, sie war verlegen, und -wußte nicht, ob sie vor oder zurüktreten müßte. - -Und wären manche meiner Leserinnen in Rosamundens Stelle gewesen, so -zweifle ich gar nicht, daß sie in gleiche Verlegenheit gerathen wären. -Denn eine Gestalt, wie die Gestalt des Flodoard, ein Gesicht mit einer -so empfehlenden Physiognomie, mit solchen karakteristischen Zügen, die -dem Künstler nichts mehr übrig ließen, wenn er das Ideal männlicher -Schönheit darstellen wollte, Züge, welche laut sprachen, dieser Jüngling -trägt ein Heldenherz im Busen -- ach, die können ein armes, schwaches, -unbefangnes Mädchen leicht in Verlegenheit sezzen. - -Flodoard nahm Rosamundens Hand und führte sie in den Saal der Tänzer. -Hier drehte, hier schwang sich alles nach den Harmonien des rauschenden -Orchesters in lieblichen Gruppen beim Schimmer der brennenden Kerzen. -Aber Flodoard gieng bebend und bebend Rosamunde an Flodoards Hand vor -den Reihen der Tänzer vorüber -- sie verloren sich bis zum fernsten Ende -des herzoglichen Saals und blieben sprachlos an einem Fenster stehn, und -sahn sich an, und sahn zu den Tänzern, und dann zum Mond hin und -vergaßen sich und Tänzer und Mond und waren jeder allein mit sich -beschäftigt. - -»Fräulein, sagte _Flodoard_ endlich nach langem Stillschweigen: das heiß -ich unglüklich sein!« - -»»Unglüklich? Ich verstehe euch nicht, Herr Graf, wer ist denn -unglüklich?«« entgegnete die schöne Rosamunde, und sah dem Jüngling ins -Auge, und lächelte sanft. - -»Der, der in Elysium hineintritt und mit allem fremd ist; der, dem da -dürstet, und den Pokal vor sich sieht, welcher nicht für ihn gefüllt -ist.« - -»»Seid ihr der Fremdling in Elysium etwa, oder der Dürstige neben dem -Pokal, der nicht für ihn gefüllt ist? Es scheint, als wolltet ihr, daß -ich eure Worte so verstände.«« - -»Ihr habt es verstanden, schöne Rosamunde. Und, sagt, bin ich nicht -recht sehr unglüklich?« - -»»Wo ist denn das Elysium, in welchem ihr fremd wäret?«« - -»Um Rosamunden ist Elysium.« - -Rosamunde schlug die Augen nieder. - -»Seid ihr böse? hat euch diese Offenherzigkeit gekränkt?« fuhr Flodoard -schnell fort, und zog schüchtern ihre schöne Hand an sich. -- - -»»Herr Graf, Florenz ist eure Vaterstadt? in Venedig haßt man -Galanterien dieser Art. Wenigstens haß _ich_ sie, und von euch wünsch -ich sie am wenigsten zu hören.«« Sagte Rosamunde. - -»Nein, Fräulein, so wahr ich lebe, hier lauschte hinter den Worten keine -Schmeichelei.« - -»»Dort tritt der Doge in den Saal -- Canari und Sylvio neben ihm, er -wird uns im Tanze vermuthen. Kommt zu den Tänzern!«« - -Flodoard folgte ihr schweigend. Der Tanz begann. -- Himmel, wie schön -war Rosamunde, wenn sie um Flodoarden nach den süssen Akzenten der Musik -hinschwebte -- wie schön war Flodoard, wenn er durch die unabsehbare -Reihe der Tanzenden hinflog, und sein Auge Rosamunden suchte! Er war -entlarvt noch und baarhäuptig, aber jedes Auge glitschte ab von den -Federhüten und Helmen, und hin zu dem wilden hochfliegenden schwarzen -Haargekräusel des schönen Flodoard. -- Im Saal erhob sich ein Geflüster; -die Tänzerinnen vergaßen ihre Touren, und die Herzen ihren gewöhnlichen -Takt. - - - - - Zweites Kapitel. - Flodoard. - - -Einige Abende nachher sas _Parozzi_ mit dem _Memmo_ und _Falieri_ auf -seinem Zimmer, trübe leuchteten die Kerzen, trübe und stürmisch wars -draußen am Himmel und düster wars in der Seele dieser Wüstlinge. - -Parozzi. (nach einer langen Stille) Seid ihr eingeschlafen? He, Falieri, -Memmo, trinkt doch. - -Memmo. (verdrüslich) Ach! - -Falieri. Dein Wein schmekt mir heut wie Galle. - -Parozzi. Die verdammten Schurken! - -Memmo. Du meinst die Banditen? - -Parozzi. Keiner läßt sich wittern. Es ist bis zum sterben ärgerlich. - -Falieri. Und die Zeit verstreicht, unsre Pläne werden verrathen, und wir -sizzen dann in den venetianischen Staatskerkern dem Pöbel zum -Hohngelächter. - -(abermahlige Stille) - -Parozzi. (seufzend) Flodoard! Flodoard! - -Falieri. Der Kardinal Grimaldi erwartet mich noch diesen Abend. - -Memmo. Nun ich denke Contarino kann nicht mehr lange ausbleiben. - -Falieri. Er schwelgt gewis in diesen Augenblikken bei Almerien und -vergißt Gott, uns, die Republik und Banditen. - -Parozzi. Also ihr kennt den Flodoard nicht? - -Memmo. Ich kenne ihn nur von Rosamundens Geburtsfest. - -Falieri. Parozzi ist eifersüchtig. - -Parozzi. O wahrhaftig nicht. Mag Rosamunde ihre Hand dem deutschen -Kaiser oder dem ärmsten Gondelier in Venedig schenken, es wird mir -gleichgültig sein. - -Falieri. Ha, ha, ha, ha! - -Memmo. Aber gestehn muß es der Neid, daß Flodoard der schönste Mann -unterm Monde ist. -- Bei Gott, wär ich ein Weib, ich müßte ihn lieben. - -Parozzi. Nun ja, wenn die Weiber Närrinnen deines Kalibers wären, und -auf die Schale mehr, als auf den Kern achteten -- -- - -Memmo. Wie denn die Weiber einmal sind. - -Falieri. Der alte Canari scheint mit dem Flodoard schon seit alten -Zeiten bekannt gewesen zu sein. - -Memmo. Freilich, der Graukopf hat ihn ja dem Dogen vorgeführt. - -Parozzi. (knirschend) Brüder, es nimmt ein trauriges Ende. - -Memmo. (seufzend) Dem Himmel seys geklagt. - -Parozzi. Still! -- es wird unten gepocht. - -Memmo. Contarino ist's. Nun werden wir bald hören, ob er die Banditen -gefunden. - -Falieri. (aufspringend) Es ist sein Gang. - -Die Thür sprang auf. Contarino in einen Mantel verhüllt, trat herein. -»Guten Abend!« sagte er und warf den Mantel ab -- und Parozzi, Memmo und -Falieri bebten erschrokken zurük, und riefen: Du blutest! was hast du -gemacht. - -»Kleinigkeiten« rief Contarino: »He, ist Wein da? gießt mir den ersten -besten Becher voll, mich dürstet!« - -Memmo. Aber Herzensbrüderchen, du bist sehr erhizt. - -Contarino. (trinkt den Becher leer) Gift! Gift! schenkt ein. - -Falieri. (gießt den Becher voll) Du blutest! - -Contarino. Das weis ich; meine Schuld ists nicht. - -Parozzi. Laß dich verbinden und dann erzähle! was ist vorgefallen? - -Contarino. (trinkt) tausend Spas! he, füllt den Pokal! - -Memmo. Nun, da stehn mir die Sinne still, - -Contarino. Nicht so? Siehst du, Memmo, dafür bin ich auch Contarino, und -nicht Memmo. -- Die Wunde blutet zwar, aber gewiß sie ist nicht -gefährlich. (reißt das Wamms auf und entblößt die Brust) da, seht her, -was ists mehr, als ein Hieb von zwei Zoll Länge durchs Fleisch. - -Memmo. (schaudernd) Brr, ein gräslicher Anblik. - -Parozzi. (hohlt Pflaster herbei und verbindet die Wunde, nachdem er sie -ausgewaschen.) - -Contarino. Vater Horaz hat recht! der Philosoph ist alles was er sein -will, Schuster und König und Wundarzt. Da sehe mir einer den Philosoph -Parozzi, mit welcher Grandezza er mich zu bepflastern weis. -- Magst -Dank haben. Nun, Leutchen, sezt euch um mich her in einen Kreis, ich hab -euch wunderliche Geschichten zu erzählen. - -Falieri. Erzähle. - -Contarino. Ich gieng um die Abenddämmerung aus, die Banditen -aufzusuchen. Ich kannte die Kerls von Person nicht, und sie mich eben so -wenig. Ein abentheuerliches Unternehmen, werdet ihr sagen: Allein, ich -thats, um euch zu überführen, man könne alles, wenn man nur können -_will_. Ich hatte schon Notizen genug, und siehe da, in meiner -Verkleidung lies ich mich mit einem Gondelier ins Gespräch ein. Ich -merkte fast, daß er von dem Aufenthalt der Bravo's etwas wisse, ich -rükte mit Geld und guten Worten näher, er desgleichen, zulezt erfuhr -ich, daß er selber eines des saubern Gelichters sei. Ich schloß mit ihm -einen Kontrakt, er fuhr mich auf seiner Gondel durch ganz Venedig, bald -links, bald rechts, zulezt wußt ich in der Dunkelheit selber nicht mehr, -in welchem Viertel der Stadt ich mich befände. Er verband mir endlich -sogar die Augen und ich mußte mirs gefallen lassen. -- Nach einer -Viertelstunde, hielt er die Gondel an, befahl mir auszusteigen, führte -mich durch ein paar Straßen in ein Haus, und da in eine enge kleine -Stube. Hier riß er mir die Binde von den Augen, ich sah mich in der -Mitte von drei fremden Kerln und einer Weibsperson. - -Falieri. Ein Wetterkerl der Contarino. - -Contarino. Hier war keine Zeit zu verlieren: sondern ich warf mein Geld -auf den Tisch, versprach ihnen goldne Berge und machte sie mit gewissen -Tagen, Stunden und Zeichen bekannt, durch welche wir uns irgendwo -zusammenfinden wollten. Gab ihnen zugleich den Befehl, den Canari, -Sylvio und Dandoli aus dem Wege zu räumen. - -Alle. Bravo! - -Contarino. Kurz, es gieng alles glüklich von Statten; aber plözlich -wurden wir durch einen unerwarteten Besuch gestört. - -Parozzi. Nun? - -Memmo. (ängstlich) Um Gotteswillen -- -- - -Contarino. Man klopfte. Die Weibsperson sprang hinaus, öffnete die Thür -und kam todtenblaß wieder zurükgestürzt in unser Zimmer und rief: -flieht! flieht! - -Falieri. Nun? - -Contarino. Bewafnet und bewehrt traten Polizeioffiziere und Sbirren -herein, und an ihrer Spizze der Fremdling von Florenz mit dem Degen in -der Faust. - -Alle. Flodoard? Flodoard? - -Contarino. Flodoard! - -Falieri. Welcher Teufel führt den dahin? - -Parozzi. Hagel und Wetter, warum war ich nicht bei dir! - -Memmo. Da siehst du nun, Parozzi, da siehst du's, daß Flodoard kein -feiges Weiberherz hat? - -Falieri. Still, laß ihn erzählen! - -Contarino. Wir standen, wie angedonnert, da, und keiner rührte sich. Im -Namen der Republik und des Dogen, ergebt euch! schrie Flodoard! Der -Satan ergiebt sich dir eher, als wir! rief ihm mein Gondelier zu und -grif nach einem Degen; die andern rissen die Flinten von der Wand und -ich zog die Klinge und schlug die Lampen um, damit keiner den andern -sähe. Aber der Mond schimmerte trüb durch die Fensterscheiben. -- Ich -dachte, hier wirds heißen: mit gefangen mit gehangen! und gieng dem -Flodoard mit der Klinge zu Leibe. Aber meine Schläge glitten jedesmal -von seinem Säbel ab, der wie ein Bliz um ihn herumflirrte. Ich schlug -wie ein Rasender um mich her, aber hier ward meine Kunst zu Schanden, -und eh ichs mir versah schlizte er mir die Brust auf. Ich fühlte die -Wunde, sprang zurük, es fielen ein paar Schüsse, im Pulverbliz erkannte -ich eine unbesezte Nebenthür, ich entwischte glüklich in die eine -Kammer, schlug mit einem Faustschlag ein Fenster durch, sprang hinunter, -lief einen Hofraum durch, überkletterte ein Paar Zäune, kam an den -Kanal, ein Gondelier fuhr mich zum Marcusplaz und nun rannt ich zu Fus -hieher. Da habt ihr das vermaledeite Abentheuer! - -Parozzi. (aufspringend) Ich werde rasend. - -Falieri. Alles, alles geht mit uns den fürchterlichen Krebsgang! - -Memmo. Der Himmel warnt uns! - -Contarino. Kleinigkeiten! So muß es sein. Je mehr Hindernisse, je größer -mein Muth! - -Falieri. Haben dich die Banditen erkannt? - -Contarino. Nein, sie wissen nicht wer ich bin, noch wer sie zum Morde -des herzoglichen Kleeblatts besolden wollte. - -Memmo. Ich danke Gott, daß du so glüklich davon gekommen bist. - -Falieri. Aber wie hat Flodoard den Aufenthalt der Banditen erfahren, da -er doch in Venedig fremd ist? - -Contarino. Wahrscheinlich durchs Ohngefähr, wie ich. -- Aber meine -Brustwunde soll er noch bezahlen! - -Falieri. Flodoard macht sich zu schnell merkwürdig. - -Parozzi. (hebt den Becher auf) Sein Tod! - -Contarino. (trinkt) Gift für ihn! - -Falieri. Ich muß mit ihm bekannter werden. - -Contarino. He, Memmo, schaff Geld! wann fährt dein Alter dahin? - -Memmo. Morgen Abend! -- - - - - - Drittes Kapitel. - Neuer Lärmen. - - -Der schöne Fremdling von Florenz war seit dem Geburtsfest der Rosamunde -von Korfu das tägliche Gespräch und der ewige Gedanke aller -Venetianerinnen geworden, die irgend nur entlegne Ansprüche auf -Schönheit und Eroberungen machen konnten. Manches Mädchen schlief jezt -unruhiger, und träumte jezt schwerer, manche vermählte Donna stellte -jezt Vergleichungen an und seufzte; manche eingezogne Spröde besuchte -jezt die vorzüglichsten Spaziergänge und Gärten Venedigs, wo Flodoard -sich etwa sehn lassen dürfte. - -Allein seit der Zeit, daß eben dieser Flodoard an der Spizze der Sbirren -die Banditen in ihrem Neste überfallen und mit Lebensgefahr gefangen -genommen hatte, wurde er nun auch der Aufmerksamkeit der Männer -würdiger. Man bewunderte nicht sowohl seine Entschlossenheit, seine -Kühnheit, als vielmehr die Schlauheit, durch welche er die Wohnung der -Bravo's erspäht und die scharfsichtige weltberühmte Polizei der -Venetianer beschämt hatte. - -Der Doge _Andreas Gritti_ zog ihn nun öfterer zu sich in Gesellschaft, -und fieng an, diesem wunderbaren jungen Mann mit vorzüglicher -Hochachtung zu begegnen. Er machte ihm ein königliches Geschenk für -seine That, wodurch er der Republik so nüzlich geworden war, und erhob -ihn zu einer ansehnlichen Civilcharge. - -Allein bescheiden lehnte der liebenswürdige Florentiner diese -Ehrenbezeugungen von sich ab. Er bat den Dogen ihm noch ein Jahr -wenigstens zu erlauben, frei und unabhängig in Venedig leben zu dürfen; -dann wolle er selber um ein Amt anhalten. -- - -_Flodoard_ wohnte in dem prächtigen Pallast des alten Canari, aber lebte -hier sehr eingezogen, studierte in den Schriften der Alten und Neuern, -verschloß sich Tagelang in seinen Zimmern, und erschien selten nur auf -den gewöhnlichen Promenaden. - -Aber _Canari_, der _Doge_, wie auch _Sylvio_ und _Dandoli_, Männer, die -Venedigs Ruhm für Jahrhunderte gegründet hatten und glänzend erhielten, -Männer, in deren Gesellschaft man sich aus dem Zirkel der -Alltagsmenschen gerissen fand und im Umgang mit höhern Wesen zu leben -glaubte, Männer, die den ausserordentlichen Jüngling Flodoard jezt in -ihre Mitte aufnahmen, um ihn zum großen Mann auszubilden; _Canari_, -_Gritti_, _Sylvio_ und _Dandoli_ sag ich bemerkten leicht, daß Flodoards -Heiterkeit ein verstelltes Wesen sei, daß ein geheimer Gram an seinem -Herzen nage. - -Vergebens durchforschte ihn Canari, der ihn, wie seinen eignen Sohn -liebte, vergebens heiterte ihn der ehrwürdige Doge auf -- Flodoard -blieb, wie er war, schwermüthig. - -Und _Rosamunde_? Rosamunde hätte kein Mädchen sein müssen, wenn sie -heiter geblieben wäre: düster und melancholisch schlich sie umher, sie -ward blas und immer blässer, der Doge, der sie zärtlich liebte, wurde -besorgt für ihre Gesundheit, -- Rosamunde wurde zulezt wirklich krank -und schwach, die venetianischen Aerzte verschwendeten hier umsonst ihre -Kunst, Rosamunde mußte das Bett hüten und fieberte. - -In dieser Unruhe, worin sich der Doge und seine Lieblinge befanden, -erfuhren sie eines Morgens etwas, welches ihre Sorgen allerdings aufs -höchste treiben mußte. Denn eine solche Verwegenheit war bisher in -Venedig unerhört gewesen, als diejenige war, welche jezt begangen ward. - -Die durch den Flodoard gefangenen Banditen, _Petrini_, _Struzza_, -_Thomas_ und _Baluzzo_ lebten längst in gefänglichem Verhaft, mußten ein -tägliches Verhör dulden und sahn mit jedem Tage ihrer Todesstunde -entgegen -- jezt glaubten Gritti und seine Vertrauten, es sei nichts -mehr für die öffentliche Ruhe zu fürchten und Venedig gesäubert von all -dem Gesindel, welches sich zu Werkzeugen des Lasters gebrauchen läßt -- -als mit einemmahle an den vorzüglichsten Statüen, Straßenekken und -öffentlichen Gebäuden folgende Addresse angeschlagen gefunden wurde. - - Venetianer! - - Struzza, Thomas, Matteo, Petrini, und Baluzzo, die bravsten - Männer von der Welt, die, wenn sie an der Spizze einer Armee - gestanden hätten, Helden heißen würden und izt als Banditen - der Staatsetikette zum Opfer gebracht worden sind, existiren für - euch zwar nicht mehr, aber mit Leib und Seele noch einer, - dessen Name diesem Blatte unterschrieben steht. Lächerlich ist - mir Venedigs Polizei, lächerlich der Stolz des schlauen Flodoard, - der meine Brüder zur Schlachtbank hinschleppte. Ich lebe noch! - Wer meiner bedarf, der suche mich, er wird mich allenthalben - finden, wer mir verrätherisch nachspürt, wird mich nirgends sehn! - -- Venetianer, ihr versteht mich! Wehe dem, der mich verfolgt; - sein Leben und sein Tod ruhn in meiner Hand. -- Ich bin der - venetianische Bandit - - _Abaellino_. - -»Hundert Zechinen!« rief der brave Doge von Venedig: »hundert Zechinen -dem, der mir das Ungeheuer entdekt, und tausend dem, der mir es -liefert!« -- - -Allein umsonst flogen die Spione der Polizei umher; sie trafen keinen -_Abaellino_. Umsonst paßten jezt alle Müßiggänger, Pflastertreter, -Lungrer und Banqueroteurs auf, um tausend Zechinen zu gewinnen, -Abaellino machte ihren Wiz zu Schanden. - -Aber allenthalben wollte man izt den Abaellino gesehn haben, der eine in -der Gestalt eines Greises, der andre in der eines Knaben, der dritte in -einem Weiberrok, der vierte in der Mönchskutte; es hatte ihn jeder -gesehn und keiner. - - - - - Viertes Kapitel. - Das Veilchen. - - -Ich erzählte den Lesern im Anfang des vorigen Kapitels, daß _Flodoard_ -so traurig und Rosamunde so düster geworden wären, aber das _warum?_ hab -ich ihnen noch nicht entdekt. - -_Flodoard_, der sonst so heiter und die Seele der Gesellschaften gewesen -war, fing seit einem _gewissen Tage_ an, ernster zu werden, und von eben -dem Tage an verlor auch die fröhliche Rosamunde ihren Humor. - -An diesem Tage nämlich führte die Hand des launenhaften Ohngefährs, oder -die Göttin Liebe, die nun zuweilen auch ihre Grillen hat, Rosamunden in -ihren Oheimes Garten, der nur den Vertrauten des Dogen offen stand, und -in welchem er selber in stiller Einsamkeit oft am Abend eines schwülen -Tages ausruhte. - -_Rosamunde_ gieng hier die breiten, sandigen Wege auf und nieder, tief -in Betrachtungen verloren. Sie rupfte die unschuldigen Blätter von den -Hekken ab, und streute sie gedankenlos vor sich hin; blieb zuweilen -plözlich stehn, gieng dann wieder einige Schritte vor, blieb wieder -stehn, sah bald den blauen Himmel, bald die Erde an: zuweilen schwoll -ihr schöner Busen stürmisch empor, zuweilen flog ein halbunterdrükter -Seufzer über ihre kleinen Lippen. -- - -»Aber er ist doch schön!« sprach sie leise, und starrte schmachtend vor -sich hin, als sähe ihr Auge ein Etwas, das gewöhnlichen Blikken -verschleiert ist. - -»Doch _Iduella_ hat auch Recht!« fuhr sie dann wieder fort, und sah böse -aus, als wenn Iduella Unrecht gehabt hätte. - -Diese _Iduella_ war ihre Gouvernantin Freundin und Vertraute, eine der -würdigsten Damen ihres Geschlechts. Rosamunde hatte nämlich ihre Eltern -früh verloren. Die Mutter starb, da Rosamunde kaum den Mutternamen -lallen konnte, und ihr Vater _Guiscardo_ von _Korfu_, Kommandeur eines -venetianischen Schiffes, war vor acht Jahren mit seinem Schiffe in einem -Seetreffen wider die Türken untergegangen, da er noch ein Mann in den -besten Jahren war. _Iduella_ wurde nun die Erzieherin und Mutter -Rosamundens, und nun Freundin und Vertraute ihrer kleinen Geheimnisse. - -Indem nun Rosamunde noch mit sich selber plauderte, trat die ehrwürdige -_Iduella_ aus einem Seitengang hervor. - -Rosamunde. (bestürzt) Bist du auch hier? - -Iduella. (sanftlächelnd) Nun ja, du nennst mich ja gewöhnlich deinen -Schuzgeist, und Schuzgeister müssen nie von ihren Lieblingen fern sein. - -Rosamunde. Höre, Iduella, ich habe deine Reden überdacht, und gefunden, -daß sie zwar richtig und sehr weise gesprochen sind, allein -- -- - -Iduella. Was deine Vernunft bejaht, verneint dein Herz? - -Rosamunde. Gewis. - -Iduella. Ich tadle dich auch gar nicht, liebes Kind, sondern ich habe -dir ja selber gestanden, daß, wär ich in deinem Alter, und ein Flodoard -erschiene, und bettelte oder bettelte nicht um meine Gunst, ich ihm -gewis nicht böse sein würde. -- Flodoard bleibt unstreitig ein -angenehmer, und, für jedes Mädchen von Geschmak, sehr gefährlicher -junger Mann. Er hat viel Einnehmendes in seiner Gestalt, viel Reiz in -seinem Umgang, viel schöne Züge in seinem Karakter -- -- aber er ist ein -armer Edelmann, dem der Doge von Venedig unmöglich seine Nichte zur -Gemahlin geben kann und wird. - -Rosamunde. (lächelnd) Ei, wer spricht denn von Gemahlin werden? ich will -ihm ja nur -- -- nur gut sein. - -Iduella. So? also, würdest du zufrieden sein, wenn Flodoard sich mit -einer andern Venetianerin -- -- -- - -Rosamunde. (schnell) O das thut er gewiß nicht. - -Iduella. (lächelnd) Liebes Kind, du willst dich so gern selbst betrügen. -Aber thu es nicht. Ein Mädchen, welches liebt, verknüpft mit den -Gedanken an ihre Liebe zugleich den Wunsch einer ewigen Verbindung. Und -den Wunsch darfst du hier gar nicht hegen, ohne deinen Oheim zu -beleidigen, der, er mag der beste Mann von der Welt sein, doch dem -eisernen Gesez der Politik und Etikette gehorchen muß. - -Rosamunde. Ja, ja, ich weis das sehr gut. Sieh nur, ich will ihn auch -nicht lieben, sondern, ich will nur seine _Freundin_ sein. Und er -verdiente gewiß, daß ich ihm gut bin; ach, glaube nur Flodoard verdient -noch weit mehr. - -Iduella. Und Freundschaft und Liebe, -- o, Rosamunde, du kennst diese -Gäste nicht. Freundschaft und Liebe vertauschen oft ihre Masken unter -einander. Die Liebe hängt oft den Mantel der Freundschaft um, wenn man -sie in ihrer eigenthümlichen Gestalt nicht dulden will. -- Mit einem -Worte, liebes Kind, denk an deinen Oheim, denke daran wieviel du ihm -schuldig bist, und opfre ihm eine Grille deines Herzens auf. - -Rosamunde. Ja, ich glaube beinah selber, daß nur eine vorübergehende -Laune bei mir ist. Ich will den Flodoard nicht mehr lieben. Du kannst -dich darauf verlassen. -- Ich bin ihm jezt gar nicht mehr gut, wenn ich -daran denke, daß er mich von meinem lieben Oheim abwendig machen will. - -Iduella. (lächelnd) Solltest du so viele Gewalt über deine rebellischen -Empfindungen haben? - -Rosamunde. Gewiß. Es wird sich zeigen. Ich bin ihm gar nicht mehr gut, -dem Verführer. - -Iduella. (mit einem scharfen Blik auf sie) _Gar nicht mehr gut?_ - -Rosamunde. (seitwärts blikkend) I nun ja, wohl noch _etwas_; denn hassen -kann ich doch den armen Flodoard nicht; das hat er nicht verschuldet. - -Iduella. Nun, wir sprechen uns wieder. Vergiß deinen schnellen Vorsatz -nicht so rasch, als er dir auflog. Ich will einen Besuch ablegen; die -Gondel erwartet mich. - -Iduella verlor sich in den Gängen des Gartens und Rosamunde schlich -langsam umher und träumte und dachte, wünschte und verdammte, sehnte -sich wonach und wollte sich nicht das Ziel ihrer Sehnsucht gestehn. - -Es war ein heißer Sommernachmittag, und Rosamunde sah sich um nach einem -schattigten Pläzchen. Sie suchte die Fontaine auf, neben welcher eine -kleine Rasenbank angelegt war, worüber die zauberischen Hände der Kunst -und Natur ein Nez von Jasmin und Epheu gewebt hatten. Dieß Pläzchen -suchte sie auf; sie kam zur Fontaine, drehte sich um die Hekken und -- -ach! erröthend flog sie zurük, denn _Flodoard_ sas auf dem Rasenbänkchen -unter dem Jasmin- und Epheunez neben der Fontaine und las in einem -Bündel Schriften. - -Rosamunde wußte nicht ob sie fliehn, oder stehn bleiben müsse. -- -_Flodoard_ sprang auf, so bestürzt er auch war, und rettete sie aus der -Verlegenheit, indem er ihr die Hand küßte. - -Jezt, wenn sie nicht wider allen guten Ton sündigen wollte, _mußte_ sie -stehn bleiben. - -Flodoard behielt ihre Hand in der seinen -- was konnte sie davor, daß er -auf den sehr natürlichen Einfall kam? die Hand zurükzuziehn? -- je nun, -er that ja der Hand nichts zu leide, und schien in ihrem Besiz so -glüklich zu sein -- und wie konnte Rosamunde die namenlose Grausamkeit -begehn, und jemanden ein Glük rauben, das ihrem Glükke nicht -widersprach? - -»Fräulein, sagte Flodoard, um doch etwas zu sagen; der schöne Nachmittag -ists werth, daß man ihn im Freien verlebt!« - -»»Aber ich störe Euch im Studieren, Herr Graf.«« - -»Wird man gestört in seiner Pflicht, wenn sich uns eine angenehmre -aufdringet?« - -Nun war das Gespräch zu Ende. Sie sahn sich beide an, schlugen beide die -Augen nieder, sahn beide umher nach Luft, Beeten, Himmel, Bäumen und -Blumen, suchten Stoff für ein Gespräch und je ämsiger sie suchten, je -weniger fanden sie, und in der peinlichsten Verlegenheit verflogen zwei -kostbare Minuten. - -»Ach ein niedliches Veilchen!« rief plözlich Rosamunde, um doch etwas -vorzunehmen, und sprang hin, bükte sich und pflükte das Blümchen, -welches sie gewiß zu jeher andern Zeit nicht gepflükt haben würde. - -»»Eine schöne Blume!«« sagte _Flodoard_ und ärgerte sich über diese -leeren Worte. - -»Eine herrliche Farbe!« fuhr _Rosamunde_ fort: »_Violet_, roth und blau -so schön unter einander gemischt, wie kein Maler die Farben mischen -kann.« - -»»Und ein bedeutungsvolles Blümchen! sezte er hinzu: _Roth_ die Farbe -der Freude, _Blau_ die Farbe der Freundschaft und -- -- ach, wie -glüklich wäre der Mann, Rosamunde, dem ihr die Blume gäbet! -- -Freundschaft und Seeligkeit hängen unauflöslich aneinander, Freundschaft -und Seeligkeit sind inniger vermischt, als dieß Roth und Blau des -bedeutungsvollen Veilchens!«« - -»Was ihr nicht über eine simple Blume schönes zu sagen wißt!« - -»»Aber, wem wird einstens Rosamunde _das_ geben, was diese Blume -bezeichnet? -- doch, eine alberne Frage -- ich weis auch gar nicht, wie -ich heut beschaffen bin -- verzeiht mir den lächerlichen Vorwiz, -Fräulein!«« - -Er war still. Rosamunde war still; Stille herrschte am Himmel und auf -Erden, aber nicht im Herzen der Liebenden. - -Aber wenn sie auch ihrer Zunge gebieten konnten, daß sie nicht Verräther -der geheimen Leidenschaft wurde, wenn gleich die Lippen Rosamundens -nicht gestanden: du bist es, Flodoard, dem dies Veilchen von mir gegeben -werden soll; wenn gleich Flodoards Mund nicht fragte: Rosamunde, gieb -mir die Blume und das was sie bedeutet! o so schwiegen doch ihre Augen -nicht. Diese treulosen Dollmetscher heimlicher Gefühle bekannten hier -mehr, als das Herz sich selber eingestand. -- - -Flodoard und Rosamunde standen in süsse Quaalen versunken vor einander -da; ihre Blikke ruhten auf einander und wurden die Herolde der -wachsenden Empfindung. Mit einem namenlosen schwärmerischen Lächeln -starrte die unschuldige Rosamunde den auserkornen Liebling an; und -schüchtern zweifelnd studierte der schöne Jüngling dieß Lächeln -Rosamundens. Und er verstand es; und das Herz pochte lauter, und rascher -flog sein Odem. - -Rosamunde bebte; ihr Busen erhob sich ungestümmer; sie wurd es gewahr -und ein liebliches Roth der Schaamhaftigkeit strömte über ihr Angesicht -hinab. - -Ach, eine Ewigkeit so dazustehn, sich spiegeln zu können im liebenden -Auge des Geliebten, hören zu können die leisen Seufzer der Sehnsucht, -berechnen zu können am Aufwallen und Sinken des Busens, die Ebbe und -Flut der Empfindungen -- dieß ist der erste Himmel, zu welchem die Liebe -führt. - -»Rosamunde!« seufzte Flodoard unwillkührlich, und unwillkührlich -lispelte sie: »Flodoard!« - -»Gieb mir das Veilchen, o mir!« stammelte er, und zitterte nicht vor -seiner kühnen Foderung. - -Rosamunde hielt die Blume fest. - -»Fodre, fodre dafür eine Königskrone, ich will sie dir stehlen. -Rosamunde, mir die Blume!« - -Sie sah den Bittenden an und schwieg. - -»Mein Glük, meine Ruhe, mein Leben hängt an dieser Blume. So wahr ein -Gott lebt, ich thue dann Verzicht auf alles, was die Erde Schönes -trägt!« - -Die Blume schwankte in ihrer schönen Hand. - -»Du erhörst mich, Rosamunde? Ich bettle nicht umsonst?« - -Bei dem Wort _betteln_ fiel ihr Iduella ein. Wo bleibt dein Versprechen, -dein Vorsaz? sagte sie zu sich selber: flieh, flieh! du wirst dir und -Iduellen und deinem Oheim treulos. - -Und sie zerriß die Blume. - -»Ich verstehe euch, Flodoard, sagte sie: aber gebt eure Pläne auf -- und -so wie jezt laßt uns nimmer in diesem Leben wieder beisammen stehn.« - -Sie sprachs, drehte sich um und lies den armen Flodoard angedonnert -stehn. - - - - - Fünftes Kapitel. - Abaellino. - - -Kaum war sie auf ihrem Zimmer, o so beweinte sie auch schon ihre -Heldenthat. -- Es that ihr wehe, ihn so beleidigt zu haben. Sie dachte -sich den armen Jüngling, wie er nun nach ihrer Flucht dagestanden habe, -niedergeschlagen, hoffnungslos mit nassen Augen. Sie sah ihn im Geiste -sich härmen, und trostlos jammern; sah ihn, wie er nun freudenlos -umherschlich, die Mörderin seiner Seelenruhe verdammte, dem Grabe -entgegen hoffte und sich demselben mit jeder Thräne, die er ihrentwillen -verweinte, näherte; sie hörte schon im Geiste die Nachricht: Flodoard -ist gestorben! sah nun schon das Volk um seine Gruft versammelt weinen, -um ihn, den das halbe Venedig anbetete, und die ganze Stadt und seine -Feinde selbst bewunderten. - -»Nein, nein!« rief sie: »das war eine erbärmliche Heldenthat! nein, -Flodoard, ich habe es nicht so gemeint, als ich sprach, ich liebe dich -doch, ich will dich lieben, und wenn auch Iduella zürnt, und mein Oheim -mich hasset!« - -Einige Tage nachher erfuhr sie, daß Flodoard allen seinen Bekannten sehr -verwandelt erscheine, daß er melancholisch umherirre und sich in den -Zirkeln der Freude nur selten hineinmische. - -Dies war ihrem weichen Herzen eine schrekliche Post. -- Sie floh in die -Einsamkeit ihres Gemachs, weinte sich satt, und büßte mit tausend -Thränen der Reue ihr Verbrechen. - -Niemand kannte ihrer Schwermuth Quelle niemand ihrer Krankheit Ursprung. -Darf es uns noch wundern, wenn Rosamunde zulezt die ängstlichen Sorgen -den alten Oheims wekte, und jeder um ihr Leben zitterte. Darf es uns -noch wundern, wenn Flodoard sich mit seinem Seelengram den Augen der -Welt entzog und vergebens den harten Kampf mit einer Leidenschaft -begann, welche schon jede andre Empfindung in ihre Wirbel verschlungen -hatte? - -Doch wir verlassen Rosamundens Krankenbett auf einige Augenblikke und -besuchen zur Abwechslung die Wohnung der Rebellen, die in ihren Planen -immer weiter rükten, immer zahlreicher, immer mächtiger und für den -alten Andreas Gritti und sein Venedig fürchterlicher wurden. - -_Parozzi_, _Memmo_, _Contarino_, _Falieri_ die Häupter der werdenden -Verschwörung versammelten sich jezt öfter im Pallast des Kardinal -_Grimaldi_, wo sie ihre Entwürfe zur Staatsveränderung Venedigs -gemeinsam spannen. -- Jeder handelte hier angetrieben von seinem -Privatintresse; der eine um seiner ungeheuer angelaufnen Schulden mit -einemmale quitt zu werden, der andre um seinem Ehrgeiz ein Opfer zu -bringen, der dritte um Rache zu üben für gewisse längst vergährte -Kränkungen, der vierte um seine Rechte ausgebreiteter zu machen u. s. f. - -Diese schreklichen Menschen, welche nichts geringers als entweder -Venedigs Umsturz, oder Erfüllung ihrer überspannten Foderungen -verlangten, hatten um so mehr zur Ausführung ihrer Schwindeleien Muth, -da der größte Theil des venetianischen Pöbels, der über die neuen -Auflagen und Steuern klagte, sich an sie schlos. - -Reich genug an Menschen, reich genug an Geldern, um die fürchterlichen -Projekte zu realisiren, reich genug an kühnen, verwegnen, schlauen -Männern, die fähig genug waren Revoluzionen anzuzetteln und -durchzuführen, sahn sie schon stolz herab auf den guten Doge Andreas -Gritti, der von diesem höllischen Komplot nichts beahndete. - -Allein ein fürchterlicher Schall wars ihren Ohren, als man die arme -Sünderglokke läutete und die gefangnen Banditen zum Richtplaz führte, -auf welche sie einen großen Theil ihrer Hofnungen gesezt hatten. Desto -froher aber machte sie der Stolz des verwegnen Banditen _Abaellino_, der -öffentlich aufzuschlagen sich erkühnte, er lebe noch in Venedig, und man -solle nicht verzagen. - -Der Tollkopf ist ein Mann für uns, riefen alle entzükt, und jezt lag -alles daran den verwegnen Menschen in ihre Verschwörung zu verzetteln. - -Es gelang ihnen wirklich. Abaellino fand sich zuweilen bei ihnen ein, -aber er war in seinen Foderungen eben so vermessen, als in seinen -Versprechungen. - -Alle verlangten zuerst den Tod des Prokurator Sylvio, ein Mann, der zu -den wärmsten Freunden des Dogen gehörte, ein Mann, vor dessen Falkenblik -sich ihr lichtscheues Gewissen fürchtete, und der den Kardinal Grimaldi -bei dem Dogen verdrängt hatte. - -Aber _Abaellino_ verlangte für das Leben dieses einzigen ungeheure -Goldsummen. - -»Ich versprech' es euch, sagte er, als ein ehrlicher Kerl, daß wenn ihr -mir mein Geld gebt, der Prokurator Sylvio in der andern Stunde die Augen -auf immer schließt. Er hänge am Himmel, oder verkerkere sich in der -Hölle, ich finde ihn, und treffe ihn.« - -Was sollte man thun. Handeln ließ sich Abaellino nicht; der Kardinal -wollte so gern seinem Ziele näher rükken, über Sylvios Grab aber führte -sein Weg. - -_Abaellino_ empfieng das Geld, und am andern Morgen fehlte der -verehrungswürdige Sylvio, der Liebling den, braven Gritti, der Stolz -Venedigs in der Gesellschaft der Lebendigen. - -»Ein fürchterlicher Kerl, der Abaellino!« riefen die Verschwornen, und -feierten triumphirend an der Tafel des Kardinals das Todesfest des -Prokurators. - -Der Doge war bestürzt und lange ausser sich vor Schrek. Er sezte eine -große Prämie darauf, wer denjenigen entdekken würde, der den Freund des -Dogen aus der Welt geschafft hätte. -- -- - -Es wurde dieser Wille des Dogen an allen Straßenekken ausgerufen, in der -ganzen Republik bekannt gemacht, und einige Morgen nachher fand man -folgenden Zettel angeschlagen an die Hauptpforte der venetianischen -Signoria: - - Venetianer! - - Bemüht euch nicht den Preis zu verdienen, der auf meine - Entdekkung gesezt ist. Ich selber bekenne hiemit: _Abaellino_ war - _Sylvios Mörder, und wer ihn hascht, den will er königlich - belohnen._ - - Abaellino. - - - - - Sechstes Kapitel. - Die Entdekkung. - - -Ich darfs gewiß meinen Lesern nicht erst erzälen, daß Venedig ob dieser -Frechheit ausser sich war. Nie hatte noch ein Mensch so etwas gewagt, -nie einer so voll stolzen Uibermuthes der berühmten Polizei Venedigs und -der Gewalt des Dogen gespottet. Alles gerieth in Bewegung, die -Patrouillen wurden verdoppelt, die Wachen verstärkt, die Sbirren -umhergesandt, und niemand sah und hörte und spürte etwas von dem -Abaellino. - -Die Pfaffen predigten von dem stolzen Verbrecher, und riefen die -schlummernde Rache Gottes auf, solchen Greuel zu rügen. Die Damen -zitterten vor dem Namen Abaellino's, denn wer konnte ihnen dafür stehn, -daß er sie nicht, wie ehmals Rosamunden, zu seiner Braut einweihte. Die -alten Mütterchen behaupteten fest, Abaellino hab sich dem Teufel -verkauft und mit dessen Beistand spotte er der gerechten Wuth aller -frommen Venetianer. Kardinal Grimaldi, Parozzi und seine Gesellen waren -stolz auf diesen furchtbaren Bundesgenossen, und pochten jezt schon -lauter und sahen eine Zukunft voller Triumphe. Die verwaiste Familie des -ermordeten Sylvio rief Fluch herab auf den Mörder, und jede Thräne, -welche sie verweinte, wünschten sie in ein Schwefelmeer verwandeln zu -können, worinn sie den Abaellino hinabstürzen könnten. Der Doge und -seine Getreuen betrauerten lange ihren verlornen Freund und schwuren -nicht eher zu rasten, bis sie den heillosen Verbrecher ertappt, und -schreklich bestraft haben würden. - -»Aber bei alle dem, sagte _Andreas Gritti_: bei alle dem muß ich dennoch -gestehn, der Abaellino ist ein seltner Mensch, der, wenn er vielleicht -an der Spizze eines Heers stände, die halbe Welt erobern würde. Ich -möchte wenigstens den Mann nur einmal sehen! - -Ich will deinen Wunsch erfüllen! sagte eines Abends, da _Gritti_ allein -in dem Garten seiner Familie auf und niederwandelte, ein unbekannter -Mensch zu ihm: Ich will deinen Wunsch erfüllen. Sieh hier den -_Abaellino_, den Freund des erschlagnen Sylvio und deinen und der -Republik allgetreusten Diener! --« - -_Gritti_ sah auf und bebte zurük. Eine, halb in ihren Mantel vermummte -Gestalt, mit dem scheuslichsten Angesicht von der Welt, stand vor ihm -und röchelte ihm diese Worte zu. Er, der in den Feld- und Seeschlachten -nie gezittert, und von keiner Gefahr aus seiner Gleichmüthigkeit gestört -war, er, der tapfre Doge verlor in diesem Augenblik auf einige Minuten -seine Geistesgegenwart. Sprachlos starrte er den Banditen an, der -furchtlos vor ihm da stand, und nicht von der Majestät des Ersten in -Venedig gerührt wurde. - -_Abaellino_ grinste ihn freundlich an. - -»Du bist ein fürchterlicher -- ein abscheulicher Mensch!« sprach -_Gritti_ indem er sich wieder sammelte. - -»_Fürchterlich?_« entgegnete der Bandit: »das freut mich! -- -_Abscheulich?_ das möcht ich nicht sagen. Freilich mein Aushängeschild -zeugt von einem abscheulichen Handwerke, aber Doge, was meinst du? -vielleicht sind wir beide die größten Männer Venedigs, du in deiner, ich -in meiner Art!« - -Der Doge lächelte unwillig. - -»O!« fuhr _Abaellino_ fort: »lächle nicht so ungläubig. Erlaub es -immerhin, daß ich mich, als Bandit, mit einem Dogen vergleiche; ich -denke immer, man darf sich mit _dem_ vergleichen, mit wem man sich -messen darf! --« - -Der Doge machte eine Bewegung ihn zu verlassen. - -»Nicht doch!« rief der Bandit schmunzelnd: »das Ohngefähr führt solch -ein Paar großer Männer nicht sobald wieder auf diesen kleinen Landstrich -zusammen. Bleib doch!« - -»Höre Abaellino,« redete ihn der Doge an, mit aller Hoheit, die in -seiner Gewalt stand: »Du hast große Talente vom Himmel empfangen, warum -wucherst du mit denselben nicht besser. -- Ich verkündige dir völlige -Verzeihung und Amnestie über alles das, was geschehen ist, unter der -Bedingung, daß du mir den nennst, der dich zu Syivios Mörder gedungen, -und daß du das Gebiet der Republik verlassest. --« - -»Hi, hi!« entgegnete Abaellino: »Über die Grillen bin ich längst -hinweggesprungen. Menschen können für meine Sünden keinen Ablaß -ertheilen, und an jenem Tage, wenn alle Menschen ihren Schuldbrief -vorzeigen, werd' ich auch den meinigen aufzeigen können. Den Namen -dessen, der mich zu Sylvios Mord bezahlte, wirst du, aber nur heute -nicht erfahren. Ich soll das Gebiet der Republik räumen? -- warum? aus -Furcht vor dir? hi, hi! aus Furcht vor der Republik? -- ha, die fürchtet -den Abaellino, aber Abaellino sie nicht! Doch unter einer Bedingung -könnt' ichs vielleicht thun -- --« - -»Und die wäre?« fragte der _Doge_: »willst du zehntausend Goldstükke? ---« - -»Ich gäbe dir selber gern zehntausend Goldstükke, wenn du deine -häßlichen Worte ungesagt machen könntest. -- Nein, gieb mir deine Nichte -_Rosamunde_, die, Tochter des _Guiscardo_ von _Korfu_ zur Gemahlin!« - -»Unmensch!« - -»Hi, hi! Geduld! -- Du willst nicht? --« - -»Fodre Geld und Gut, ich gäbe dirs. Und wenn die Republik eine Million -an dich verlöre, sie gewönne dabei, wenn du ihre Luft nicht mehr -verpesten wolltest!« - -»Wahrhaftig? -- sieh eine halbe Million beinah hab ich schon wieder -bekommen für das Leben deiner treusten Freunde, für Kanaris und Dandolis -Kopf! gieb mir Rosamunden, oder -- --« - -»Schurke!« - -»In vier und zwanzig Stunden sind Kanari und Dandoli zum Teufel! sag, -Abaellino hats gesagt!« - -Bei diesen Worten zog der Bandit ein Terzerol hervor, schos es in die -Luft ab -- der _Herzog_ prallte zurük, und als er sich umsah, war -_Abaellino_ verschwunden. - -An eben demselben Abend, oder vielmehr in der Mitternachtsstunde stand -Abaellino im Pallaste des Kardinal _Grimaldi_ unter den Verschwornen. -_Parozzi_, _Memmo_, _Falieri_, _Kontarino_, welche wir schon kennen und -andre ihres saubern Gelichters waren gegenwärtig. - -Man sas eben bei Tische und schwenkte die vollen Pokale. _Grimaldi_ -erzählte, wie er sich beim Dogen eingeschmeichelt und den Parozzi, Memmo -Kontarino und Falieri empfohlen hätte; _Kontarino_ prahlte mit der -erledigten Procuratorstelle, wie sie ihm gewiß nicht entgehn würde, -_Parozzi_ zweifelte gar nicht an Dandolis oder Kanaris Stelle beim -Herzog Plaz nehmen zu können, wenn sie nur erst hingerichtet sein würden -und -- in dem Augenblik stand _Abaellino_ vor ihnen. - -»Na, rief er: Wein her! das Werk war vollbracht! Dandoli und Kanari -sizzen jezt beim Teufel zum Nachtmahl! --« - -Alle sprangen erstaunt auf. - -»Und den Dogen hab ich persönlich Wahrheiten gesagt. Seid ihr nun -zufrieden mit mir, ihr Bluthunde?« - -»Flodoarden noch!« schrie jauchzend _Parozzi_, und _Abaellino_ rief: -Brr! Brr! - - - - - Drittes Buch. - - - - - Erstes Kapitel. - Flodoard und Rosamunde. - - -_Rosamunde_, Venedigs Liebling, war krank: _Iduella_ seufzte sich müde -am Lager der schönen Elwin und seufzte sich wach daran. _Rosamunde_ war -krank, ein stiller Seelenharm nagte an der Blüte ihrer Reize, -- ach, -sie liebte den edeln _Flodoard_; aber wer hätte Flodoarden auch _hassen_ -können. -- Sein Heldenwuchs, sein schönes Angesicht, sein -schwärmerischer Blik, sein ganzes Wesen predigte laut: seht hier den -Favoriten der Natur -- und Rosamunde? -- Rosamunde liebte die Natur so -sehr! - -Aber _Flodoard_ war auch kränklich. Er schlos sich oft ein: vermied alle -Gesellschaften, oder reiste zur Erheiterung seines Geistes durch die -Städte der Republik. Oft war er Wochenlang abwesend, und wenn er dann -wieder kam, o, wie sehnsuchtsvoll erwartete ihn dann jeder -Familiencirkel, in welchen er eingeweiht war! - -Jezt war er drei Wochen von Venedig abwesend gewesen. Niemand wußte von -ihm, in welchen Gegenden er umherschwärmte. Der Doge hätte ihn so gern -jezt gehabt, um sich nach so vielen Fatalitäten etwas in seiner -Gesellschaft zu zerstreuen, und -- wie gerufen -- erschien er nun. - -»Lieber Flodoard!« seufzte der _Doge_, als _Flodoard_ zu ihm in das -Zimmer trat: »ihr müßt euch nicht nicht so lange von uns entfernen. Ich -bin jezt ein verwaister Mann. Ihr wißt doch schon, daß mein Kanari, mein -Dandoli --« -- -- - -»Alles« entgegnete _Flodoard_ mit verbißnem Schmerz. - -»Es schleicht der Teufel durch Venedig, unter dem Namen _Abaellino's_, -und raubt mir alles, was mir theuer ist. Flodoard, ich zitterte auch -schon für euch. -- Wir haben vieles, vieles mit einander zu reden, aber -jezt gebricht mir die Zeit. Es hat sich ein Fremder melden lassen; ich -muß ihn empfangen. Aber --« -- - -In diesem Augenblik schwankte _Rosamunde_ aus einem Nebenzimmer herein. -Sie sah Flodoarden und bebte seitwärts. Flodoard schlug die Augen nieder -und begrüßte bebend die holde Nichte des bekümmerten Dogen. - -»In einer halben Stunde werd' ich euch rufen lassen;« fuhr der Herzog -fort; »unterhaltet meine kranke Nichte.« - -Der ehrwürdige _Gritti_ verlies den bestürzten Jüngling. _Rosamunde_ -trat an ein Fenster. Flodoard schlich ihr langsam nach. - -Verlegen standen sie beide da -- sahen bald hinaus auf den St. -Markusplaz, bald nach den herrlichen Gemälden des herzoglichen Zimmers, -bald auf ihre Fingerspizzen. - -»Ihr zürnet noch?« stammelte endlich Flodoard, und dachte an die fatale -Gartenscene. - -»Ich zürne nicht,« antwortete Rosamunde, und ein schönes Roth flog über -die blassen Wangen. - -Flodoard. (mit festerer Stimme) Und ihr habt mir meine Sünde ganz -vergeben? - -Rosamunde. (vor sich nieder lächelnd) _Sünde?_ -- nun ja, ganz vergeben. --- Ein Sterbender muß ja gern verzeihn, damit Gott in seinem Gericht -auch gern verzeihe. Und ich bin eine Sterbende -- ich fühl es. - -Flodoard. Sennora! - -Rosamunde. Zweifelt nicht. Seit gestern hab ich zwar das Krankenlager -verlassen, aber, es ahndet' mir, ich werd' es bald wieder aufsuchen, um -es nie wieder zu verlassen. Und darum -- darum bitt ich auch von euch -Verzeihung, wenn ich euch gekränkt haben sollte. - -Flodoard. (schweigt) - -Rosamunde. Ihr scheinet sehr rachsüchtig, sehr unversöhnlich zu sein. - -Flodoard. (lächelt sie wehmüthig an) - -Rosamunde. (ihm die Hand reichend) Nun, Signor, alles vergessen? - -Flodoard. Nein, nein! das kann ich nicht. Ich kann nichts vergessen, was -ich mit euch gelebt habe. Ich will nichts vergessen, die Auftritte sind -mir zu heilig. -- Aber verzeihen? (indem er ihre Hand an seinen Mund -drükt) Ach, wollte Gott, ihr hättet mich recht sehr beleidigt, theure -Sennora, recht sehr beleidigt, dann könnt ich euch auch sehr vieles -verzeihn -- aber jezt kann ich nichts vergeben. (lange Pause) - -Rosamunde. Ihr habt wohl viel umhergeschwärmt seit den lezten Wochen. - -Flodoard. Viel. - -Rosamunde. Und hattet vieles Vergnügen? - -Flodoard. (schnell) Warum nicht? man sprach ja allenthalben mit mir von -Rosamunden. - -Rosamunde. (mit einem strafenden Blik und sanften Ton) Flodoard? - -Flodoard. Und wißt ihr, welchen Plan ich nun habe? - -Rosamunde. Wieder fortzureisen? - -Flodoard. Getroffen, und zwar um nie wieder nach Venedig heimzukehren. - -Rosamunde. (überrascht) Nicht doch, Flodoard! Flodoard, das solltet ihr -können? (vor ihren Worten erröthend. ) Ihr -- ihr scherzt! - -Flodoard. So wahr Gott lebt, ich habe nie ernster gesprochen! - -Rosamunde. (mit einem intressanten Blik) Nein, Flodoard, ich glaub es -euch in Ewigkeit nicht. - -Flodoard. Hab ich schon allen Glauben bei euch verloren? - -Rosamunde. Und wohin wollt ihr, wenn ich darum fragen darf? - -Flodoard. Nach Maltha, und mit den Malthesern wider die Korsaren. Der -Himmel wirds doch geben, daß ich mich zum Kommandeur eines Schiffs -aufschwinge -- das Schiff führe dann den Namen _Rosamunde_, und das -Schlachtgeschrei sei _Rosamunde_! Ich hin dann gewiß unüberwindlich! -- - -Rosamunde. Ihr spottet bitter, aber bei Gott, das hat Rosamunde um euch -nicht verdient. - -Flodoard. Spott? -- ich euch verspotten? -- wahrhaftig ich spotte nicht, -die Zeitungen mögen über Jahr und Tag mich und diese Stunde -rechtfertigen. - -Rosamunde. (ihn anstarrend) Ihr treibt es weit mit euern Wiz. - -Flodoard. (lächelnd) Nun ja, und wem verdank' ich diesen Wiz? kurz und -gut, Sennora, ich verlasse Venedig, um euch keine unangenehme -Augenblikke zu schaffen. Vielleicht sehn mich die türkischen Freibeuter -lieber. - -Rosamunde. Man sollte auf euch Jagd machen; ihr freibeutert nur zu sehr -und selbst auf festem Lande. - -Flodoard. Gott weis es, und bin ein sehr unglüklicher Freibeuter auf -festem Lande, denn ich gerathe da in Gefangenschaft, wo ich zu siegen -träumte. - -Rosamunde. (ausweichend) Und ihr könntet den Dogen verlassen, der euch -so sehr schäzt? - -Flodoard. Die Liebe des Dogen ist mir theuer. Aber, bei Gott, Rosamunde, -sie macht mich nicht glüklich, und wenn man mir Königreiche zu Füssen -legte, sie machten mich nicht glüklich -- - -Rosamunde. Bedürft ihr zu euerm Glük soviel? - -Flodoard. Viel, unendlich viel! -- ich habe darum gebettelt -- (indem er -sie anstarrt und ihre Hand heftig drükt) ich habe darum gebettelt -- -Rosamunde, und man hat mirs abgeschlagen. - -Rosamunde. Ihr seid ein Schwärmer! - -Flodoard. (sich näher an sie schließend) Rosamunde! - -Rosamunde. (zitternd) Was wollt ihr? - -Flodoard. (halbleise) Mein Glük! - -Rosamunde. (sieht ihn ein Weilchen an, zieht ihn zu sich, stößt ihn -wieder zurük) Geht! geht! um Gotteswillen geht! -- - -Flodoard. (wandelt langsam und traurig mit untereinander geschlagnen -Atmen durchs Zimmer) - -Rosamunde. (schwankt ihm nach, nimmt seine Hand -- sinkt an seine Brust) -Flodoard! - - - - - Zweites Kapitel. - Ein fürchterliches Versprechen. - - -Heil dem glüklichen _Flodoard_, er hatte überwunden! er hielt das -liebende Mädchen in seinen Armen fest, und glaubte eine Gottheit zu -umarmen. Fest schlang sich Rosamundens Hand um Flodoardens Nakken; er -war der ihrige, dem sie so manche Thräne geweint, so manchen Seufzer -geseufzt, so manchen Traum geträumt hatte. - -Dicht in einander verschlungen, standen sie da, eine herrliche Gruppe -für den Pinsel einer Angelika Kaufmann -- und die Engel Gottes schwebten -unsichtbar über die Liebe dieser Heiligen. - -Nur einmahl schlägt unter allen tausend Stunden des Lebens dem -Sterblichen eine _solche_ Stunde: Heil dem, der sie noch erwartet, Heil -dem, der sie noch genießet! Man sage immerhin, es ist doch nur -Gaukelspiel der entzükten Einbildungskraft, ein leicht verdunstender -Rausch der Sinnlichkeit -- o, nennt mir unterm Mond eine Seeligkeit, -welcher die Einbildungskraft ihren Zauber nicht leiht! -- - -Flodoard und Rosamunde vergaßen nun zum erstenmahle, daß sie Menschen -wären. Das Zimmer um ihnen her ward zum Himmel; die Erde der Altar -Gottes, ihre Seufzer, ihre Küsse wurden Lobgesänge dessen, der das -Hochgefühl der Liebe gab! - -»Ich bin dir gut!« lispelte Rosamunde und gedachte nicht ihrer Iduella: -»ach, ich bin dir nur zu gut, Flodoard! --« - -Der _Jüngling_ antwortete nichts. _Rosamunde_ stammelte ein leises, Ach! -und Lippe glühte an Lippe, Busen stürmte an Busen, Arme hingen gewunden -um Arme. - -Und -- plözlich eröffnete sich die Seitenthür. - -Der Doge _Andreas Gritti_ trat schon wieder herein. Der erwartete Fremde -war, Kränklichkeiten halber, nicht erschienen. -- - -_Flodoard_ und _Rosamunde_ hörten den Hereinkommenden nicht. - -_Gritti_ stand bestürzt da, er sah der Scene einige Augenblikke zu, -seine Mienen verzogen sich in ein sanftes Lächeln, er drehte sich um und -ging wieder zurük. - -Das Geräusch seines Kleides an der hohen Flügelthür erwekte die Trunknen -aus ihrem Wonnetraum. _Rosamunde_ riß sich mit Entsezzen los; _Flodoard_ -verlor seine Geistesgegenwart aber keineswegs. - -»Gnädigster Herr!« rief er dem Dogen nach -- -- - -Der _Herzog_ wandte sich um und _Flodoard_ lag zu seinen Füssen. - -Gritti sah mit stiller Würde und mit Ernst auf den Knieenden hernieder. - -»Ich mag eure Vertheidigung nicht hören!« sagte der Doge mit steigender -Stimme. - -»Nein,« entgegnete _Flodoard_, mit festem Tone: »nein, gnädigster Herr, -_ich_ bedarf keiner Vertheidigung, daß ich Rosamunden liebe, wohl muß -sich _der_ vertheidigen, der sie _nicht_ liebte! Ists aber ein -Verbrechen, daß ich Rosamunden anbete, o so mag mich Gott von dieser -Sünde frei sprechen, weil er Rosamunden so schön erschuf.« -- - -»Ihr scheint auf eure wizzige Apologie vielen Fleiß verwandt zu haben; -aber sie verfehlt ihren Zwek,« versezte _Gritti_. - -»Ich sag es noch einmahl, gnädigster Herr!« erwiederte _Flodoard_, und -stand auf: »entschuldigen will ich mich nicht. Aber ich will mehr, ich -bitte bei euch um Rosamunden.« - -Gritti stierte den Kühnen mit einem fremden Blik an. - -»Freilich, gnädigster Herr, freilich bin ich ein armer Edelmann, und es -scheinet Verwegenheit zu sein, wenn ein solcher um die Nichte des -Venetianischen Doge buhlt. Aber, beim Himmel, ich glaube der große -Gritti wird seine Rosamunde nicht an Männer verschenken, die nur mit -Goldstükken, Grafschaften, und Titeln prahlen, oder sich in den Glanz -ihrer Ahnen verhüllen, wenn sie nicht selber glänzen. -- Ich gesteh es -freilich, noch besizze ich keine Verdienste, die mich eurer Rosamunde -würdig machen könnten, aber ich will sie mir erwerben. -- --« - -Der Doge drehte sich unwillig um. _Rosamunde_ flog herbei und schlang -ihren Arm um Grittis gebeugten Nakken. -- - -»Zürnet nicht!« rief sie und verbarg ihr bethräntes Antliz an dem Busen -ihres Oheims. - -»Fodert!« rief _Flodoard_; »was muß ich sein, was soll ich thun, um -Rosamunden zu erhalten von euch. Fodert, es soll mir das Schwerste ein -Kinderspiel werden. Beim Himmel, ich wünschte Venedig läge unter der -gräslichsten Gefahr, oder euer Leben würde von zehntausend Dolchen -bedroht -- dann dürft ich hoffen Rosamunden zu verdienen. Ich rettete -Venedig und schlüge zehntausend Klingen zurük. --« - -Gritti lächelte bitter. »Ich habe,« sagte er: »ich habe der Republik -viele Jahre gedient; ich habe Leben und Blut gewagt, ich erwartete -wenigstens zur Belohnung ein sanftes, glükseliges Alter -- aber ich habe -mich betrogen. Meine alten Freunde werden mir durch Banditen geraubt und --- ihr, Flodoard, ihr nehmt mir nun noch diese einzige, die bisher meine -lezte Freude war. -- -- Höre, Rosamunde, liebst du den Flodoard -wirklich?« - -Flodoard zitterte. _Rosamunde_ ergriff des Jünglings Hand und -- -schwieg. - -Gritti wandte sich aus Rosamundens Arme, und gieng langsam mit tiefem -Ernste im Zimmer auf und nieder. Rosamunde warf sich auf einen -benachbarten Sessel; und weinte. _Flodoard_ beobachtete den Dogen. - -So verstrichen einige Minuten. Es herrschte im Zimmer eine feierliche -Stille; _Gritti_ schien mit einem fürchterlichen Entschlusse schwanger -zu gehn. Bekümmert erwarteten die Liebenden den Ausgang der Geschichte. - -Plözlich blieb der Doge in der Mitte des Zimmers stehn. »Flodoard!« -sprach er, und Flodoard nahte sich ihm ehrerbietig: »Flodoard, ich habe -den Entschluß gefaßt: Liebt euch meine Rosamunde, wohl, so mag sie es -thun; ich will der Wahl ihren Herzens keine Schranken bauen. Aber -Rosamunde ist mir viel zu theuer, als daß ich sie dem ersten besten -überlassen könnte, der sie fodert. Der Mann, dem ich Rosamunden lasse, -muß Rosamundens werth sein; sie soll eine Belohnung seiner Verdienste -werden. Noch habt ihr euch nur geringe Verdienste um unsern Staat -erworben -- es ist jezt Gelegenheit da, euch ein sehr großes zu -verschaffen. Schafft mir den Mörder Sylvios, Kanaris und Dandoli's -- -schafft mir den fürchterlichen Banditenkönig _Abaellino_ tod oder -lebendig! --« - -Flodoard trat bei dieser Foderung, an deren Erfüllung sein Wohl und Weh -hieng, erblassend zurük. »Gnädigster Herr -- --« stammelte er. - -»Ich weis, fuhr _Andreas Gritti_ fort: ich weis sehr gut, welch eine -Foderung ich wage, wenn ich den _Abaellino_ fodre. Lieber will ich -selber mich durch eine türkische Flotte schlagen und das Admiralschiff -aus ihrer Mitte stehlen, als diesen Abaellino fangen, der mit der Hölle -einen Bund geschlossen zu haben scheint, der allenthalben und nirgends -ist, den viele gesehn haben und den keiner kennt, der den Wiz unserer -Staatsinquisitoren, des Collegiums der zehn Männer und ihrer Spione zu -Schanden macht; vor dem jeder edle Venetianer zitiert, vor dessen Dolch -ich selber auf meinem Throne nicht sicher bin. -- Ich weis es, was ich -fodre, aber, Flodoard, ich weis auch, was ich gebe. Ihr seid verlegen? --- Ihr schweiget? -- Flodoard, ich habe euch lange genug beobachtet, ich -habe in euch Spuren eines wahrhaft großen Geistes entdekt -- darum wag -ich die Foderung, ists einer vermögend, den Abaellino zu fassen, so -glaub ich seid ihrs. -- Nun?« - -Flodoard gieng schweigend vor sich umher; ein fürchterliches Wagestük -wars, das er unternehmen sollte, wehe, wenn Abaellino sein Vorhaben -erfuhr! aber _Rosamunde_ war der _Preis_! Er warf einen Blik auf das -Mädchen, und sein Plan war entworfen, alles zu wagen. - -Er gieng zum Dogen. - -Gritti. (sanft) Nun, Flodoard? - -Flodoard. (mit großem Nachdruk) Erhalt' ich warlich dann Rosamunden, -wann ich euch den Abaellino überliefre? -- - -Gritti. Nicht eher. - -Rosamunde. Flodoard! Flodoard! das Spiel endet sich schreklich -- hüte -dich selber vor Abaellinos Dolch! - -Flodoard. (indem er mit den Zähnen knirscht) Still! -- (gefaßt) -Gnädigster Herr, gebt mit eure Herzogliche Hand darauf. - -Gritti. Ich schwör es euch, Flodoard, schafft ihr mir den schreklichen -Feind der Republik lebendig oder tod, so geb ich euch Rosamunden mit -fürstlicher Aussteuer zur Gemahlin! - -Flodoard. (hält schweigend die Hand hin) - -Gritti. Hier empfangt meine Herzogliche Rechte. - -Flodoard ging in Gedanken verloren durch das Zimmer. Im Thurme der St. -Markuskirche schlug es fünf Uhr. - -»Der Abend übereilt uns!« tief _Flodoard_ »wohlan so sei's; in _vier und -zwanzig Stunden_ überliefr' ich euch den fürchterlichen Banditen -Abaellino.« - -Gritti. (betroffen) Junger Mensch, versprecht weniger und leistet mehr. - -Flodoard. (ernst und fest) Es gehe wie es gehe, ich halte entweder mein -Wort, oder trete nimmermehr wieder über die Schwelle eures Pallastes. -Ich habe Spuren und sichre Merkmahle von dem Bösewicht -- entweder spiel -ich morgen um diese Zeit ein Lustspiel, oder es werde in Gottesnamen ein -Trauerspiel! - -Gritti. Uebereilung ist gefährlich. - -Flodoard. (mit Stolz) Ueber die Jahre der Uebereilung denk ich in meinem -Leben hinweggesprungen zu sein. -- - -Rosamunde. (seine Hand fassend) Flodoard, Flodoard besinnet euch. Mein -Oheim liebt euch, -- nehmet euch vor Abaellinos Dolch in Acht! - -Flodoard. Eben deswegen muß alles in vier und zwanzig Stunden, oder nie -gethan werden. Wohlan, gnädigster Herr, ich will beweisen, daß die Liebe -alles wagen kann -- -- - -Gritti. _Wagen_ freilich, aber ob _erringen_? - -Flodoard. (dem man eine wachsende Verlegenheit ansieht) Macht mich nicht -kleinmüthig, gnädigster Herr, seht, ich will euch bessern Muth geben. -Habet die Gnade morgen Nachmittag in diesem Zimmer große Gesellschaft -zusammenzubitten, Damen und Herrn, denn gewinn' ich morgen den Sieg, so -erleb ich ein großes Fest. Ladet vorzüglich die Beisizzer des -ehrwürdigen Gerichts der zehn Männer ein, damit sie doch den Abaellino -von Angesicht zu Angesicht kennen lernen, mit dem sie so lange vergebens -im Kriege lebten. - -Gritti. (sieht ihn lange bedenklich an, endlich:) Sie sollen erscheinen. - -Flodoard. Und ihr habt ja wohl, wenn ich nicht irre, einige neue Freunde -an dem Kardinal Grimaldi, dem Nobile Kontarino, Memmo, Falieri und -Parozzi erhalten. Sie sind auch meine Freunde vor kurzer Zeit geworden; -ich wünschte sie wären morgen gegenwärtig. - -Gritti. Sie sollen gegenwärtig sein. - -Flodoard. Aber noch eins. Sagt niemanden früher die Ursach der -Zusammenkunft, ehe sie nicht alle angekommen sind. Dann stellt rings um -eueren Pallast Wache mit geladnen Gewehren und selbst vor den Thüren -dieses Zimmers, mit dem strengen Befehl, jeden herein, niemanden, bei -Todesstrafe, heraus zu lassen. Denn vor Abaellino ist niemand sicher. - -Gritti. Es wird geschehn. - -Flodoard. Morgen mit dem Glokkenschlage fünf, oder nie, sehn wir uns -wieder! - -Flodoard empfahl sich schnell. _Rosamunde_ bebte am Arme des Herzogs und -_Gritti_ schüttelte den Kopf. - - - - - Drittes Kapitel. - Die nächtliche Verschwörung. - - -»Juchheisa!« rief in der Mitternachtsstunde _Parozzi_ im Zimmer des -Kardinals _Grimaldi_, wo das ganze höllische Complot wieder beisammen -war: die Sachen gehn treflich. Flodoard ist heut angekommen und -Abaellino schon richtig bezahlt! - -Grimaldi. Der Flodoard ist ein Schlaukopf, ich wünschte lieber, er -bliebe am Leben und schlüge sich zu unsrer Parthei. Ich sage euch, -Flodoard ist ein Schlaukopf! - -Parozzi. Wie die Vagabonden immer sind. - -Memmo. Und stolz ist er, stolz, als wär er Venedigs Herrgott. - -Falieri. Rosamunde, wie ich erfahren habe, soll ihm nicht unhold sein. - -Parozzi. O, Geduld, Abaellino bricht ihm den Hals, dann kann er mit dem -Teufel und seiner Grosmutter liebeln. - -Kontarino. Uebrigens hab ich troz aller Kundschaft seinetwegen in -Florenz wenig erfahren. Es sollen einmahl, schreibt man mir, es sollen -einmahl Flodoardo's in Florenz existirt, aber sich längst von da hinweg -begeben haben, man wisse nicht, wohin? und zu dieser Familie Flodoardo -müsse denn wohl unser Vagabond gehören. - -Grimaldi. Der Doge hat euch also sämmtlich auf morgen Nachmittag zu sich -eingeladen? - -Alle. Wahrhaftig! wahrhaftig! - -Grimaldi. (mit Selbstgefühl) Das freut mich, das freut mich. Ich sehe -mit Vergnügen, daß meine Empfehlung bei ihm so vieles gewirkt hat. -- -Und morgen Abend ist bei ihm Ball mit Masken, wie mir sein Kammerdiener -sagte? - -Falieri. Freilich! - -Memmo. Wenn er nur nicht um unsre Verschwörung weis -- ich wäre des -Todes! - -Grimaldi. Er kann unmöglich davon wissen. - -Memmo. Ei, zum Teufel, jeder Beutelschneider, Pflastertreter, -Abentheurer, Bettler und wie das Lumpengesindel heissen mag, welches -unsre Armee ausmacht, weis davon und er sollte noch nichts gewittert -haben? - -Kontarino. Du Narr, da gehts ihm, wie betrognen Ehemännern; jedermann -weis, daß sie Hörner tragen, nur sie selber haben keine Notiz davon. -Aber, wahrhaftig, wir müssen nun den Anfang machen, unsre Projekte zu -realisiren, oder wir werden endlich verrathen. -- - -Falieri. Du hast recht, Bruder. - -Parozzi. Die Misvergnügten, die sich auf unsre Seite geschlagen haben, -sinds zufrieden, wenn der Betteltanz in dieser Nacht vor sich gienge. - -Kontarino. Ich nehme morgen den Dogen auf mich, und steche ihn nieder. -Dann ergeh es, wie es wolle. Entweder wir sind dann aus allen -Bedrängnissen durch allgemeinen Aufruhr der Republik gerettet, oder wir -seegeln mit vollem Winde aus dieser vermaledeiten Zeitlichkeit ab. - -Parozzi. Wir versehn uns alle mit Gewehr. - -Grimaldi. Das Kollegium der Zehnmänner ist sammt und sonders morgen -gegenwärtig -- -- - -Falieri. Alle müssen sie niedergemacht werden! - -Memmo. Wenns nur zulezt nicht schreklich für uns selber abläuft. - -Kontarino. Ei, du verdammter feiger Knabe, bleib zu Hause hinterm Ofen; -aber sind wir durchgedrungen, so komm nicht und fodre deine Geldsummen -wieder. - -Memmo. Bei meiner Seel, Kontarino, an Muth fehlts mir nicht; willst du, -ich messe mich mit dir in diesem Augenblik mit der Klinge. Aber dein -unseeliger Hitzkopf fehlt mir. - -Grimaldi. Und wenn alles verdorben ist, so macht es die Kirche wieder -gut und das große Wort Sr. Heiligkeit. - -Memmo. Aber wo sind denn die Briefe vom Pabst? - -Grimaldi. (wirft ihm zwei Papiere vor) Lies, ungläubiger Thomas! - -Memmo. Donner und Wetter, wir treiben also eine privilegirte Schurkerei! --- - -Grimaldi. Der Pabst muß uns schüzzen, ich sage, er _muß_, denn wir -vertheidigen als gute Christen die Gerechtsame seines Stuhls in der -Republik Venedig -- schon das kann euch eine Quelle des Muths werden, -wenn in der lezten Noth alles scheitern sollte. Keine Hand darf euch -verlezzen! - -Kontarino. Höre, Parozzi, es bleibt nach unsrer Abrede dabei, du -bestellst unsre Bundesgenossen mit Waffen und Wehr in deine Behausung. -Um Mitternacht verläßt du den Ball, und bemächtigst dich des Arsenals. -Der Hauptmann Sebilli ist unser, und hält dort die Wache. - -Grimaldi. Der Schiffkapitain Adormo wird auf das Signal der Sturmglokke -zu uns stossen mit seinen Leuten. - -Falieri. Es kann gar nicht fehlen! - -Kontarino. Macht nur die Verwirrung so gros, als möglich, Freunde und -Feinde müssen durcheinander wüthen, keiner muß wissen woher der Aufruhr, -warum, und wohin! -- - -Parozzi. Bei meiner Seele, ich danke Gott, daß es endlich so weit -gediehen ist. - -Falieri. Hast du die weißen Armbinden unter unsre Leute ausgetheilt, -Parozzi? - -Parozzi. Schon vorgestern. - -Kontarino. Halloh, Brüder, die Kelche gefüllt! so wie jezt sizzen wir -nicht sobald wieder beisammen, als nach vollbrachter Arbeit! -- - -Memmo. Laßt uns noch einmahl alles weislich überlegen! - -Kontarino. Pfui! Ueberlegung ist das Kind der kalten Vernunft, und diese -gilt in der Rebellion nicht. Hier spricht die Verzweiflung. Nur erst das -Werk begonnen, das Staatssystem Venedigs mit Heldenmuth über einander -geworfen, bis keiner mehr weis, wer Herr, und wer Unterthan sei, dann -kann die Ueberlegung kommen, um zu rathen, wie weiter! -- lustig, -eingeschenkt! -- Der Doge bietet uns durch seinen Ball die Hand -- ha, -ha, ha! - -Parozzi. Den Abaellino müssen wir nothwendig vorher sprechen. - -Kontarino. (schwänkt den Weinbecher) Es lebe Abaellino! - -Alle. (trinkend) Abaellino! Abaellino! - -Grimaldi. Und glüklichen Ausgang der künftigen Nacht! - -Memmo. Ja, wohl! ja wohl! - -Alle. Ein glüklicher Ausgang! - -Parozzi. Wo sizzen wie übermorgen Nacht? - - - - - Viertes Kapitel. - Der wichtige Tag. - - -Am folgenden Morgen war alles so ruhig in Venedig, als wäre nichts -geschehn, und doch war es gewiß, daß dieser Tag einer der merkwürdigsten -in diesem Staate werden mußte. - -Im Herzoglichen Pallaste war alles schon sehr früh erwacht. Der -bekümmerte _Gritti_ verlies ungewöhnlich zeitig das Nachtlager, auf -welchem er sich dießmal schlaflos und sorgenvoll hin und her gewälzt -hatte. _Rosamunde_ hatte vom schönen Flodoard geträumt und wachend sezte -sie ihre Träumereien fort. _Iduella_ hatte unruhig geschlafen; sie -liebte Rosamunden zu sehr und wußte schon welch ein intressanter Tag für -das arme liebende Geschöpf der heutige werden würde. Aber Rosamunde war -ungemein heiter; sie scherzte mit Iduellen, sezte sich zu ihrer Harfe -und sang sich das Lied ihres Lieblingsdichters: - - Liebe, Liebe, Kind des Himmels, - Aller Welten Königin, - Durch die Graun des Weltgetümmels - Warst du meine Führerin. - Früh hat mich dein Arm umschlungen, - Früh dein holder Geist bezwungen, - Früh dein Rosenmund geküßt. - - In dem Morgentraum des Lebens - Sog des Lebens erste Lust - Stiller Wonne, frohen Lebens - Lieb o Lieb an deiner Brust! - Ach, von deinem Arm geschaukelt, - Deinen Tändelein umgaukelt - Froh zu früh der Morgentraum! - - Deinen Namen, deinen Stämpel - Trägt die Schöpfung immerdar; - Sieh, der Himmel ist dein Tempel - und die Erde dein Altar -- - Ja, so lange meine Augen - Noch den Reiz der Schöpfung saugen, - Bet' ich dich, o Liebe, an! - -Aber _Rosamundens_ selige Laune verschwand, als der Mittag heranrükte -und vorüberzog. Aengstlich wankte sie hier und dahin; ihr Herz klopfte -ungestüm, in Erwartung fürchterlicher Auftritte. - -Schon versammelten sich die Vornehmen Venedigs im Pallast ihres Oheims, -schon war der schrekliche Nachmittag da, und der Doge sandte Iduellen an -sie ab, in den großen Saal sie zu führen, wo die Herrn und Damen ihrer -harrten. - -»Gott! o mein Gott!« rief sie leise: »laß alles wohlgelingen.« - -Blas wie eine Leiche trat sie in das Zimmer, in welchem sie gestern -ihren Flodoard Liebe bekannt hatte und Flodoard -- war noch nicht da. - -Die Gesellschaft war glänzend und heiter gestimmt; man sprach von -Stadtnovellen, europäischen Staatsangelegenheiten. _Kontarino_ und -_Grimaldi_ unterhielten sich mit dem Dogen; _Memmo_, _Falieri_ und -_Parozzi_ standen in einem Winkel schweigend beisammen. - -Draussen wars trübe und dunkel; es stürmte der Wind in den Wellen des -Kanals und den Wetterfahnen der Palläste am Markusplaz; ein Regenschauer -folgte dem andern. - -Es schlug vier Uhr. Rosamunde ward blässer, als vorher. _Gritti_ befahl -dem Kammerdiener etwas leise ins Ohr. Man hörte bald darauf Männer von -aussen wanken, und Waffen klirren an den Thüren des Saals. - -Eine plözliche Stille herrschte durch die Gesellschaft. Die jungen -Nobili stokten in ihren Liebeserklärungen vor den Damen; die Damen -vergaßen ihre Modeneuigkeiten; die Staatsmänner starrten sich an und -brachen ihre politischen Discourse ab. - -Der Doge trat langsam in die Mitte der Versammlung. Jedes Auge wandte -sich zu ihm. Hoch schlug den Verschwornen das Herz. - -»Wundert euch nicht, meine Lieben, über jene seltsamen Anstalten!« -redete _Andreas Gritti_, Venedigs Herzog, sie an: »Es hat nichts zu -bedeuten, was dem Vergnügen dieser Gesellschaft gefährlich sein könnte. -Euch allen wird der Bandit _Abaellino_ bekannt sein, der Mörder des -braven Prokurator Sylvio und meiner getreuen Räthe Kanari und Dandoli. -Dieser, vor welchem jeder rechtschaffne Republikaner zittern muß, dem -nichts heilig und ehrwürdig heißt, der allen Troz bietet, die ihm -drohen, -- dieser höllische Auswurf wird vielleicht binnen einer Stunde -in diesem Saale vor unsern Augen erscheinen!« - -Alle. (erstaunt) Abaellino? Abaellino? - -Grimaldi. Freiwillig? - -Gritti. Nein, freiwillig in der That nicht. Aber Flodoard von Florenz -hat gelobt unsrer Republik diesen wichtigen Dienst mit Gefahr seines -Lebens zu leisten, es koste was es wolle, den Abaellino zu fangen, und -hieher zu bringen. - -Einer der Beisizzer des Zehengerichts. Viel, unendlich viel gelobt! - -Ein andrer. Ich zweifle an der Vollführung des Gelübdes! - -Ein dritter. Aber bei Gott, Flodoard machte sich uns die Republik zu -großen Schuldnern. - -Ein Vierter. Wahrhaftig, wie soll der Staat dem Flodoard vergelten. - -Gritti. Die Vergeltung übernehm ich allein. Flodoard hat um die Hand -meiner Nichte angehalten -- ich gebe sie ihm. - -Alle. (sehn sich schweigend unter einander an, theils mit Blikken der -höchsten Zufriedenheit, theils des Erstaunens) - -Falieri. (leise) Parozzi, was meinest du? - -Memmo. Ich habe das kalte Fieber, so wahr Gott lebt! - -Parozzi. (heimlich lachend) Abaellino wird sich fangen lassen! -- - -Kontarino. Meine Herrn, hat einer von euch schon den Abaellino von -Angesicht zu Angesicht gesehn? - -Einige. Wir nicht! wir nicht! - -Ein andrer. Es ist ein Gespenst, der nur dann und wann und sehr -unverhoft und ungebeten erscheint. - -Rosamunde. Ich vergesse das Ungeheuer nicht -- (sie erzählt einigen -Damen leise) - -Gritti. Und wie er mir erschienen ist, wird euch bekannt sein. - -Memmo. (zu einigen Senatoren) Ich habe mir von dem Ungeheuer tausend -Wunderdinge erzählen lassen -- er ist der Teufel in menschlicher Gestalt --- ich halte nicht für gut, daß man ihn in diese Versammlung bringt, -denn er ist fähig hier ohne Gnade einen nach dem andern zu erwürgen. - -Mehrere Damen. Gott bewahre, in dieses Zimmer? - -Kontarino. Die Hauptsache ist, ob ihm Flodoard, oder er den Flodoard -besiegt. Und ich geh eine schwere Wette darauf ein, daß Flodoard -unverrichteter Sache abzieht. - -Ein Senator. Und ich halte die Wette mit, daß nur ein einziger Mann in -Venedig es unternehmen darf den Abaellino zu fangen -- und der eine ist -_Flodoard von Florenz_; eben der, von dem ich längst prophezeit habe, er -werde in den Jahrbüchern der Welt einmahl eine glänzende Rolle spielen --- - -Ein andrer. Ihr habt recht, Sennor, ich bin erstaunt über ihn, als ich -zum erstenmahle in seine Gesellschaft trat. - -Kontarino. Tausend Zechinen! Abaellino läßt sich nicht greifen, oder er -wäre denn gestorben. - -Der erste Senator. (hizzig) Tausend Zechinen, Flodoard hascht ihn -- - -Gritti. Und liefert ihn tod oder lebendig. - -Kontarino. Ihr, edle Venetianer, seid Zeugen: (er reicht dem Senator die -Hand) (sie geben sich die Hände.) - -Senator. Die Wette gilt. - -Kontarino. (lachend) Ich danke euch für die tausend Zechinen, Sennor! -Abaellino ist ein feiner Gauch -- gewiß Flodoard hat Ursach sich zu -hüten. - -Grimaldi. Hat Flodoard die Sbirren zur Hülfe? - -Gritti. Keinen, als sich selber. Seit gestern ist er nun schon abwesend, -um auf den Banditen Jagd zu machen. - -Grimaldi. (mit einem triumphirenden Lächeln zu Parozzi) Glük zu, Sennor! - -Parozzi. (mit einer erfurchtsvollen Verbeugung) Gewiß, Ew. Eminenz -prophezeien wahr. - -Memmo. Ich lebe wieder auf. Nun, nun! man wird doch sehen! - -Drei und zwanzig Stunden waren vorüber, seit dem Gelübde des kühnen -Flodoard -- die vier und zwanzigste brach an und er kam noch nicht. - - - - - Fünftes Kapitel. - Höllenangst. - - -Der Doge wurde unruhig. Der Senator fieng an für seine tausend Zechinen -zu zittern, und _Kontarino_ und seine Parthei lachten schadenfroh, wie -wohl Kontarino laut bekannte: er wünsche lieber tausend Zechinen und -zwei tausend zu verlieren, weil mit der Gefangenschaft Abaellinos die -allgemeine Sicherheit der Republik gewönne. - -Es schlug im Thurme der St. Markuskirche fünf Uhr -- Rosamunde bebte; -Todesschweis perlte von ihrer schönen Stirn. _Flodoard_ kam noch nicht. - -Der alte _Andreas Gritti_ liebte Flodoarden wirklich -- jezt schauderte -er zum erstenmal vor dem Gedanken, daß Abaellinos Dolch gesiegt haben -könne. - -Rosamunde gieng zum Herzog, sie schien ihm etwas sagen zu wollen, aber -die Angst lähmte ihre Zunge, eine Thräne quoll in ihrem Auge hervor. Sie -verbarg die Angst und ihre Thräne so meisterhaft, als es sich immer hier -thun lies -- in einem Winkel warf sie sich auf einen Sessel nieder, rang -die Hände und ihre Seufzer flehten Hülfe von dem barmherzigen _Gott_. - -Die übrige Gesellschaft trippelte in sichtbarer Verlegenheit umher; man -wollte fröhlich sein, aber auch nicht einmal der Schein der Fröhlichkeit -konnte affektirt werden. - -So verflos wieder eine Stunde, und _Flodoard_ kam nicht. - -Jezt brach die Abendsonne lächelnd hinter den Regengewölken hervor, ein -Strahl der sinkenden Tageskönigin fiel auf Rosamunden -- und Rosamunde -wurde, sie wußte nicht, warum? froh. - -Kontarino. Um fünf Uhr wollte Flodoard den Abaellino liefern! -- es sind -anderthalb Stunden darüber. - -Senator. Wenn er ihn nur liefert, mögen dann auch anderthalb Wochen -darüber sein. - -Gritti. Nein! -- still! -- ich höre draussen Geräusch. -- -- - -Die Flügelthüren sprangen auf und _Flodoard_ trat allein herein im -Reisekleide und Regenmantel. Wild und wüst flog sein Haar, düster rollte -sein Auge durch die Gesellschaft. Er ris den Federhut vom Kopf herab und -begrüßte die Versammlung. - -Alles drehte sich zu ihm hin, jeder Mund schien zehn Fragen zu haben, -jedes Auge studierte seine Mienen. - -»Jesus! schrie _Memmo_: mir ahndet was!« - -»Seid ohne Sorgen, Sennor!« murmelte _Kontarino_. - -»Edle Venetianer, sprach Flodoard, und seine Sprache war die Stimme des -Helden: wahrscheinlich hat unser Durchlauchtigster Herr euch die Ursach -dieser Zusammenkunft gemeldet -- ich will jezt eure Sorgen lösen. Aber -vorher frag ich noch einmahl, gnädigster Herr, wird Flodoard Rosamunden -zur Gemahlin erhalten, wenn er den Abaellino in eure Hände liefert?« - -Gritti. (ihn mit den Augen messend) Habt ihr den Abaellino? - -Flodoard. Empfang ich Rosamunden? - -Gritti. Ohne Widerspruch, ja! ihr empfangt sie mit einem fürstlichen -Brautschaz. - -Flodoard. Ihr Edeln von Venedig, ihr habt das Wort des Dogen gehört! - -Viele Senatoren. Wir haben's gehört! - -Flodoard. (indem er drei Schritt durch den Saal macht) Wohlan, -Abaellino, ist in meiner und eurer Gewalt! - -Alle. (im wilden Tumult) Hilf Himmel! -- Wo ist er! -- Jesus Sohn -Gottes! -- Abaellino! - -Gritti. Tod oder lebendig? - -Einige. Tod oder lebendig, Sennor? - -Flodoard. (ernst) lebendig! - -Alle (in sprachloser Verwunderung oder mit Entsezzen ihm nachlallend): -Lebendig! lebendig! - -Grimaldi. (mit der Hand über die Stirn fahrend) Lebendig! - -Kontarino. Das geht ins weite. - -Rosamunde. (Iduellens Hand küssend) Hörst du, Iduella! Iduella! -lebendig! - -Senator. Sennor Kontarino, tausend Zechinen! - -Kontarino. (durch die Zähne) Mit Vergnügen! - -Flodoard. (mit einem schweren Seufzer) O gnädigster Herr -- -- - -Gritti. (sanftlächelnd) Die Republik ist deine Schuldnerin, mein Sohn. - -Einige Senatoren. Und wir danken euch jezt, heldenmüthiger Florentiner, -für eure unbegreifliche Heldenthat. Die Republik wird vergelten. - -Flodoard. (den Arm traurig nach Rosamunden ausstrekkend) Dort, seht sie -dort meine Vergeltung. - -Gritti. (mit Freudestrahlenden Antliz) Führe den Bluthund Abaellino -hieher -- ich kenne ihn. Es war eine Zeit, da sagte er zu mir: Herzog, -ich messe mich mit dir, die Erde trägt selten auf einem so schmalen -Strich Landes zwei so große Männer -- führe doch den grossen Mann -hieher! - -Senatoren. Wo ist er? wo ist er? - -Einige Damen. (in schreklicher Furcht) Um Gotteswillen -- -- - -Flodoard. (schmerzhaft lächelnd) Fürchtet euch nicht mehr vor ihm, -schöne Venetianerinnen, er hat ja nun seine Braut! (indem er auf -Rosamunden deutet) - -Falieri. (erblassend) Ist er hier schon im Pallast? - -Flodoard. Hier im Pallast. - -Ein Senator. Warum laßt Ihr uns so lange in banger Erwartung schweben? - -Flodoard. (führt den Dogen zu einem Lehnsessel) Wohlan, so mag die -Komödie beginnen! -- Abaellino soll erscheinen. Tretet alle an die -Seiten! - -Wie von einem Sturmwind fortgerissen flog alt und jung erschrokken zurük -nach den Wänden. Allen klopfte hoch das Herz; keinen aber mehr, als den -Verschwornen, die mit Höllenangst der Erscheinung Abaellinos -entgegenharrten. - -Der Doge _Andreas_ sas ernst und ruhig in seinem Stuhle, wie ein Richter -zum Gericht des Banditenfürsten. Einzeln, in besondern Gruppen standen -die Anwesenden mit verschiednem Mienenspiel da -- wie am -Weltgerichtsmorgen die Schatten der Seeligen und Verdammten einst -untereinandergemischt, und doch grell von einander verschieden dastehn -werden. Die schöne _Rosamunde_ lehnte sich in ruhiger Engelsunschuld an -Iduellens Achsel und musterte mit durstgen Augen ihren großen Liebling. -Die Verschwornen mit langen, bleichen Gesichtern und hin stierenden -Augen formirten den Hintergrund. Dumpfe Stille waltete über die -Versammlung; kein Odemgeräusche störte sie. - -»Und nun soll der schrekliche Abaellino vor euch erscheinen; zittert -nicht, er wird keinen verlezzen!« rief _Flodoard_ aus, drehte sich um, -ging zur Flügelthür, wischte sich über das Gesicht, warf den Mantel ab, -kehrte wieder um -- und wie durch ein Gaukelspiel, war _Flodoard_ in -_Abaellino_ verwandelt! -- - - - - - Sechstes Kapitel. - Geistererscheinungen. - - -Ein lautes Zetergeschrei scholl plözlich durch den Saal -- _Rosamunde_ -stürzte ohnmächtig zusammen, die _Verschwornen_ schnappten nach Luft, -die _Damen_ kreuzigten und segneten sich, die _Senatoren_ standen leblos -wie steinerne Puppen umher und _Andreas Gritti_ verlor im Schrek Gehör -und Gesicht. - -_Abaellino_ stand ruhig da in seiner ganzen furchtbaren Häßlichkeit, in -seinem Banditenhabit, mit dem Gürtel voller Pistolen und Dolche, mit dem -abscheulichen verzerrten, gelben Gesicht, über dem rechten Auge ein -Pflaster, das linke hinter Fleischrunzeln halb verschwollen. Er grinste -nach einer Minute rings umher, und trat dann ·zum erstarrten Doge. - -»He!« rief er mit heisrer, grölzender Stimme: »kennt ihr noch den -Abaellino, hier ist er, mit Leib und Seele ist er hier, gnädiger Herr, -um seine Braut einzuhohlen!« - -_Andreas Gritti_ seufzte tief auf, starrte den Ausbund der Hölle mit -einem schreklichen Blik an und rief: »so bin ich noch nie hintergangen!« - -»Wache! Wache!« schrie _Grimaldi_, der Kardinal, und _Abaellino_ zog -eine Pistole hervor aus dem Gürtel, spannte den Hahn und drohte zu ihm -herüber: »der erste,« rief er, »der erste, der Wache schreit, oder eine -Bewegung macht, ist in dieser Minute des Todes. Glaubt ihr, daß ich mich -selber hier überliefern, selber die Wachen an den Thüren bestellt haben -würde, wenn ich mich vor ihnen fürchtete, oder wenn ich euch entrinnen -wollte? Ja, ich will euer Gefangner sein, aber ohne Gewalt; ich will -euer Gefangner sein, dazu bin ich hier erschienen. Fangen soll den -Abaellino kein Mensch, er muß selber kommen, um sich seinen Richtern zu -überantworten. Oder glaubt ihr, der Abaellino sei der gewöhnlichen -Bravo's einer, der vor den Sbirren läuft, aus Armuth oder Leidenschaft -meuchelmordet? nein, beim Himmel, nein, der bin ich nicht! war ich -Bandit, so war ich Bandit aus Grundsäzzen! --« - -Gritti. (die Hände zusammenwerfend) Großer Gott, ist es möglich? - -Ein schauerliches Stillschweigen wohnte im Saale. Jeder gehorchte der -Stimme des großen Banditen, der mit der Majestät des höllischen -Monarchen durch den Saal schritt, wenn anders der Teufel Majestät -besizzen kann. - -_Rosamunde_ schlug die Augen auf -- ihr erster Blik haftete auf den -verwandelten _Flodoard_. - -»O!« rief sie: »Allbarmherziger, es ist nicht möglich -- es ist ein -satanisches Blendwerk!« - -Abaellino. (zu ihr tretend) Nein, kein Blendwerk, Rosamunde; dieser -Bandit Abaellino ist dein Flodoard von Florenz. - -Rosamunde. Geh, geh, entsezlicher Lügner, es ist nicht möglich! -- du -und Flodoard, Seraph und Satan! wer schmilzt die zusammen? Flodoard -handelte gros und gut, wie ein Halbgott -- ich habe von ihm gelernt -tugendhaft zu handeln. Er war ohne Leidenschaft, zu jeder schönen That -willig. Elend und Kummer ertrug er um des Guten willen, die Thränen der -Leidenden abzutroknen -- das waren seine Triumpfe! -- Höllischer -Bösewicht, den die Schaaren der Ermordeten vor Gottes Richterstuhl -längst verklagt haben, prahle nicht mit Flodoards Namen. - -Abaellino. (mit Stolz) Rosamunde, du bist -- -- -- ein Weib. Sieh her, -ich und dein Flodoard sind eins -- sieh her! sieh her! - -Abaellino riß das Pflaster vom Auge, rieb mit seinen Tuch im Gesicht -umher, faltete die verzognen Mienen in ihre natürliche Ordnung zurük, -strich die schwarzen Haare von der Stirn, und siehe da, der schöne -Flodoard stand in Abaellinos Banditentracht vor den Augen der -Versammlung. - -Abaellino. Sieh, Rosamunde, siebenmahl will ich mein Gesicht noch -verwandeln vor deinen Augen, und so täuschend, daß du mich in Ewigkeit -nicht erkennen solltest. Aber dieß Gesicht ist Flodoards Angesicht, ich -will es vor der Hand beibehalten. - -Grimaldi. Entsezlich! - -Die Senatoren. (durch einander murmelnd) Unerhört! Schreklich! - -Abaellino. (liebreich zu Rosamunden) Nun? -- versöhnst du dich mit mir? - -Rosamunde. (ihn anstarrend) Flodoard, du bist kein Mensch! - -Abaellino. (sich zu ihr hinabbeugend) Rosamunde -- Rosamunde -- bist du -mein? - -Rosamunde. (mit schaudernder Verlegenheit) Flodoard -- ach, daß ich dich -nie gesehn, nie geliebt hätte! - -Abaellino. Willst du nun noch die Braut Flodoards -- die Banditenbraut -sein? - -Rosamunde. (sieht ihn schweigend an, mit sich selber im fürchterlichen -Kampf.) - -Abaellino. Sieh, Mädchen, um deinetwillen hab ich mich selber verrathen --- selber hingeliefert -- -- ach, Rosamunde, ich könnte noch mehr thun! --- doch still! Rosamunde, nur eine Sylbe laß mich hören von deiner -Lippe, nur ein armseliges Nein, oder Ja! Rosamunde, liebst du mich noch? --- -- - -Rosamunde antwortete nicht. Ihr Auge sah zu ihm empor, schuldlos und -liebevoll, wie das Auge eines Engels, und ihr Blik bekannte dem -verführerischen Bösewicht, Liebe. Ihr Busen stürmte ungestüm -- ungestüm -wie das Meer der Gedanken und Empfindungen in ihrer Seele. Sie sank in -_Iduellens_ Arm zurük und _Iduella_ weinte eine mitleidige Thräne auf -ihren Liebling herab. - -Der _Doge_ sprang in diesem Augenblik wild vom Sessel auf; sein Auge -blizte Wuth, seine Unterlippe zog sich höher hinauf; sein Odem flog -heftiger. -- Die Senatoren sahn ihn, warfen sich ihm vor und hielten ihn -gewaltsam zurük. _Abaellino_ inzwischen gieng ihm mit befremdender Kälte -entgegen, und bat ihn sich zu beruhigen. - -»Werdet ihr mir euer Wort halten, gnädigster Herr? -- ihr gabt es mir, -des sind jene edeln Venetianer und Venetianerinnen Zeuge.« - -Gritti. (wild) Abscheulicher Bösewicht, dein Plan ist fein, boshaft und -schreklich angelegt, mich zu betrügen. Sagt, Venetianer, bin ich -verpflichtet, einem solchen fürchterlichen Gauner Wort zu halten? Da -geht er hin und spielt eine betrügerische blutige Rolle: mordet Venedigs -bravste Männer für Lohn, um mit dem Blutgelde in Venedig Aufwand zu -machen. Dann kömmt der abgefeimte Abentheurer unter der Maske eines -Biedermanns, verführt meine unglükliche Rosamunde zur Liebe, fodert mir -das Mädchen ab, unter der Bedingung den Abaellino zu schaffen -- stellt -sich dann selber ein, verlangt die Erfüllung meines Versprechens und -erwartet schlau genug zugleich Amnestie seiner Verbrechen. -- Sagt, -Venetianer, darf ich dem Bösewicht Wort halten. - -Alle. Nimmermehr, nimmermehr! - -Abaellino. (mit Ernst) Auch dem Fürsten der Finsternis müsset ihr euer -Versprechen halten, wenn ihrs einmahl von euch gabet. O, Pfui, pfui, -Abaellino, so hast du dich denn schreklich verrechnet: mit Biedermännern -glaubt ich zu handeln, pfui, und ich lies mich betrügen! -- (mit -schreklichem Ernst) Noch einmahl und zum leztenmahle: soll das -herzogliche Wort gebrochen sein? - -Gritti. (richterlich) Entwaffnet euch. - -Abaellino. Und ihr wollt mich verstoßen -- ich habe mich umsonst in eure -Hände geliefert? - -Gritti. Dem braven Flodoard hätt ich Rosamunden nicht verweigert, aber -dem Mörder Abaellino hab ich nichts in der Welt versprochen. - -Abaellino. Hi, hi! meine Mordthaten drükken euch ja nicht, sondern mich; -dereinst will ich die Sache vor dem Richter der Welt schon ausfechten. - -Grimaldi. (zum Doge) Welche Gotteslästerung! - -Abaellino. O, Herr Kardinal, bittet doch für mich -- ihr kennt mich ja, -ich bin ein guter Kerl. - -Grimaldi. (mit Zorn und geistlicher Hoheit) Elender, was hab ich mit dir -zu schaffen? - -Abaellino. Soll ich also wahrhaftig verdammt werden? He da, nimmt sich -keiner von euch des armen Abaellino an? (Eine Pause) Alle schweigen? -gut, so eile denn alles zu Ende mit mir! - -Rosamunde. (aufspringend, und zu den Füssen des Dogen) Gnade! Gnade! -Barmherzigkeit für ihn! - -Abaellino. (mit Seeligkeit) Oh, oh! ein Engel betet für mich in der -leztcn Stunde. - -Rosamunde. Erbarmen für ihn, mein Vater, Erbarmen für ihn! war er ein -Sünder, so richte Gott über ihn! -- ach, ich liebe ihn noch! - -Gritti. (sie von sich stoßend) Weg, Geschöpf, ich kenne dich nicht! - -Abaellino. (steht mit verschränkten Armen da und weidet sich an der -Szene) - -Rosamunde. (auf dem Erdboden sich halb erhebend) Habet ihr mit ihm kein -Erbarmen, so habet es nur mit mir nicht. Richtet ihr ihn, so richtet -mich zuvor! -- -- Vater, -- Vater! verstoßet mich nicht. - -Gritti. (zum Abaellino im ernsten Ton) Entwaffnet euch! - -Abaellino. Und ihr könnt es kalten Auges ansehn, wie sich dies Lamm zu -euern Füssen windet? -- geht, ihr habt sie nie geliebt, diese Rosamunde. --- (Er hebt sie vom Boden auf und trägt sie zu Iduellen) Jezt ist sie -mein! -- ich sag es euch, jezt ist sie mein, und der Tod soll uns erst -von einander scheiden. - -Venetianer, es scheinet als wollet ihr jezt Gericht über mich halten, es -scheint, als wolltet ihr den Stab über mich brechen -- wohlan, es sei -euch erlaubt! aber zuvor will ich mit mehrern von euch erst richten. - -Seht hier, ich bin der Mörder Sylvios, der Mörder Dandolis, der Mörder -Kanari's! ich leugne es nicht; wollt ihr nun die Herren kennen lernen, -die mich dazu besoldeten -- so seht, Venetianer, seht auf jene Schurken -da -- ein, zwei, drei, vier -- Grimaldi, Parozzi, Memmo, Falieri und -Kontarino. -- Diese laßt in Verhaft nehmen. - -Versteinert und entgeistert standen die genannten da -- das -verrätherische Gewissen blinzelte durch die starren Augen, durch die -bleichen Wangen hervor und Abaellino wurde von keinem widerlegt. - -»Was ist das?« frugen sich die Senatoren erschrokken untereinander. - -»Ein schändlicher Gaunerkniff!« lallte der Kardinal _Grimaldi_, -»rachsüchtig will nun der Boshafte uns in seinen Prozeß verwikkeln, da -er sieht, daß ihm nichts zu seiner verlornen Freiheit verhilft!« - -Kontarino. (sich ermannend) Er war in seinem Leben der größte Bösewicht -und will es nun auch im Tode sein. - -Abaellino. (mit Majestät) Schweigt! ich kenne euer ganzes Komplot, kenne -eure Proscriptionslisten, kenne euern Anhang, und indem wir hier mit -einander sprechen, nimmt man die Herrn mit den _weissen Armbinden_ -gefangen, die in der kommenden Nacht Venedig umdrehn sollten. -- -Vertheidigt euch nicht. - -Gritti. (erstaunend) Was soll das sein? - -Abaellino. Nichts mehr und nichts weniger, gnädigster Herr, als eine -enthüllte Verschwörung wider den Staat und euer Leben. -- Seht, so -erhält euch ein Bandit zur Dankbarkeit euer Leben, weil ihr ihm bald das -seinige rauben werdet. - -Ein Senator. (zu den Angeklagten) Edle Venetianer, ihr schweiget. - -Abaellino. Hier sind alle Vertheidigungen fruchtlos -- ihre Bande ist -auf meinem Befehl jezt desarmirt, und in die Gefängnisse des Staats -vertheilt -- besuchet sie, da werdet ihr mehr erfahren. -- Uebrigens -bildet euch nicht ein, daß ich um und in diesen herzoglichen Pallast die -bewaffneten Soldaten um des fürchterlichen Banditen Abaellinos willen -hinstellte, nein, sondern um jene Helden dort in engere Verwahrung zu -führen. -- - -Und nun, Venetianer, ich habe mit Gefahr meines Lebens den Staat -gerettet, ich habe mich als Bandit in die Versammlungen der Gottlosen -gewagt, habe Sturm und Regen, Frost und Hizze ertragen, habe, wenn ihr -schliefet, für Venedig gewacht, und ich darf noch auf keine Belohnung -Ansprüche, machen? Das alles hab ich für Rosamunde von Korfu gethan, und -ihr wollt sie mir verweigern; ich habe euch euer Leben, euch das Leben -eurer Weiber und Kinder erhalten -- Menschen, Menschen und ihr wollt mir -das meinige rauben. -- - -Seht doch, wie jene Bösewichter dastehn, von Gott verdammt und ihrem -innern Richter. Oeffnet sich wohl ein Mund zur Rechtfertigung? widerlegt -mich einer auch nur mit einem Kopfschütteln? -- Ich will euch von meiner -Ehrlichkeit noch besser überzeugen. (Indem er sich zu den Verschwornen -wendet.) He da, bekennet die Wahrheit -- derjenige, der sie unter euch -zum ersten gesteht, soll Gnade erhalten im Gericht, das versprech ich, -der Bandit Abaellino. - -Die Verschwornen schwiegen. Endlich nahte sich _Memmo_ einem der -Senatoren zitternd. -- »Venetianer!« lallte er: »Abaellino lüget nicht!« --- - -»Er lüget! er lüget!« riefen mit einemmahle _Falieri_, _Grimaldi_, -_Kontarino_ und _Parozzi_. - -Still! schrie Abaellino und fürchterlicher Grimm blizte aus seinen -Gebehrden: »Still! laßt mich sprechen -- oder besser noch, laßt die -Geister der Ermordeten sprechen. Hollah, ho!« schrie der Fürchterliche -und sprengte die Flügelthüren voneinander und siehe die längst -beweinten, längst betrauerten Edeln traten herein, _Sylvio_, _Kanari_ -und _Dandoli_! - -»Verrätherei!« brüllte _Kontarino_ und sties sich einen verborgen -gehabten Dolch ins Herz. - -Welch ein Auftritt! - -Weinend sank _Andreas Gritti_ in den Arm seiner todgewähnten Freunde; -weinend schlang das lebende Kleeblatt großer Männer sich um den Freund -und Waffenbruder und Herzog. -- Erst in den Wohnungen des Himmels -glaubten sich diese schönen Seelen, diese Helden, wieder finden zu -können, und sie fanden sich nun auf Erden wieder zusammen. Sie die -einstens als Jünglinge mit einander aufwuchsen, mit einander für das -Wohl ihres Vaterlandes fochten, hingen jezt als Greise hier umeinander. -Gerührt standen die Zuschauer da, und die alten ehrwürdigen Senatoren -konnten sich bei dieser heiligen Szene der Thränen nicht erwehren. Man -hörte und sah in dieser seeligen Trunkenheit nichts -- hörte und sah -nicht, daß die Verschwornen und der Selbstmörder _Kontarino_ der Wache -überliefert wurden -- hörte und sah nicht Rosamunden, die sich -schluchzend an die Brust des schönen _Abaellino_ warf und überlaut -schrie: Dieser -- _dieser ist kein Mörder_! - -Aber man ermannte sich endlich. Die Besonnenheit kehrte zurük. -- »Heil -dem Erretter der Republik!« schrie man und weinte man laut und umringte -den Abaellino. - -Abaellino, vor einigen Minuten noch von allen verdammt, stand hehr und -gros unter der entzükten Menge da, wie ein Gott, und an ihm hinauf -schlang sich die schöne Rosamunde. - -»Ich bin nicht Abaellino, nicht Flodoard von Florenz,« sprach er sanft -lächelnd: »ich bin der vertriebne Graf Obizzo von Neapel. Ich kam hieher -als ein Bettler; Banditen nahmen mich in ihren Bund auf, und ich ergrif -mit Freuden ihr unseeliges Gewerbe, theils um Venedig von dieser -Menschenklasse selber zu reinigen, theils um auch diejenigen Buben -kennen zu lernen, in deren Solde diese Meuchelmörder standen. Ich -überlieferte euch die Banditen, und ihren Anführer ermordete ich vor -Rosamunden mit eigner Hand. Ich war in Venedig der einzige Bandit; an -mich mußten sich alle Schurken wenden; ich lernte sie und ihre Pläne -kennen und ihr kennt sie jezt auch. _Sylvio_, _Kanari_ und _Dandoli_ -sollten hingerichtet werden -- wollten diese Männer nicht durch die -Dolche andrer fallen: so mußten sie mit mir flüchten. Ich brachte sie -durch Gewalt, Güte und List an einen Ort, wo sie sicher vor jeder -Entdekkung waren, bis zum heutigen Tage. Sie entwarfen mit mir Pläne für -die Zukunft und wie man die Verschwornen fassen müsse -- das alles ist -jezt ausgeführt und nun Venetianer, wollt ihr mich noch verdammen?« - -»_Dich verdammen?_« riefen Doge, Senatoren und Nobili, und jeder ris ihn -an sich, und drükte ihn nassen Auges an sein Herz. - -»O!« rief _Andreas Gritti_, indem er seine Augen trocknete: »ich gebe -meine herzogliche Müzze dahin, wenn ich ein Bandit werden konnte, wie -du! -- _Grosser Bandit_, du hast mich überwunden, du bist größer, als -ich! Nimm hin meine Rosamunde, nimm hin; etwas bessers hab ich nicht, -sie gilt mir theuerer, als ein Kaiserthum -- nimm sie hin!« - -»Abaellino!« jauchzte _Rosamunde_, und küßte den schönen Banditen mit -Glut. - -»Rosamunde!« rief _Abaellino_ und vergas in dieser Umarmung die ganze -Welt. - - - - - Siebentes Kapitel. - Nachschrift. - - -Freilich wär es so unrecht nicht, wenn man sich jezt zwischen den Graf -Obizzo der schönen Rosamunde und dem alten Doge hinsezzen, und Obizzo's -Erzählung von seiner Herkunft und seinen ehmahligen Abentheuern, die ihn -nach Venedig trieben, mit anhören könnte -- allein hier sind vorläufig -nur zwei Fragen zu beantworten, die alles entscheiden. _Erstlich:_ hört -man mir gern zu, wenn ich Märchen erzähle? -- _Zweitens:_ Hab ich auch -Zeit genug übrig Märchen zu erzählen? -- - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im -Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ -gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, -wurden ^so^ markiert. - -Die kräftig variierende Schreibweise, Grammatik und Interpunktion des -Originales wurden unverändert beibehalten. Lediglich offensichtliche -Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 13]: - ... und der Wicht, der da bei der Molda steht, ... - ... und der Wicht, der da bei der Molla steht, ... - - [S. 21]: - ... wird einmal selig, und wenn er verdammt hat, ... - ... wird einmal selig, und wen er verdammt hat, ... - - [S. 22]: - ... der großen Zahl ihrer Andachstübungen; die Weltdame ... - ... der großen Zahl ihrer Andachtsübungen; die Weltdame ... - - [S. 29]: - ... Abbaellino mischte sich unter die Spaziergänger; ... - ... Abaellino mischte sich unter die Spaziergänger; ... - - [S. 34]: - ... den Dolch ins Herz gestossen, meinten die venetiaschen ... - ... den Dolch ins Herz gestossen, meinten die venetianischen ... - - [S. 37]: - ... du den Matteo wider die Nichte des Andreas Griti - ausgeschikt?« ... - ... du den Matteo wider die Nichte des Andreas Gritti - ausgeschikt?« ... - - [S. 38]: - ... Parrozi. Falieri hat Recht. ... - ... Parozzi. Falieri hat Recht. ... - - [S. 50]: - ... und sank kreischend auf den Sessell nieder, ... - ... und sank kreischend auf den Sessel nieder, ... - - [S. 54]: - ... Balluzo. Die Wahl hält nicht schwer. ... - ... Baluzzo. Die Wahl hält nicht schwer. ... - - [S. 55]: - ... Balluzo. Ja, an Matteo's Stelle. ... - ... Baluzzo. Ja, an Matteo's Stelle. ... - - [S. 55]: - ... Abellino. Und ich sage, als ein braver Gesell ... - ... Abaellino. Und ich sage, als ein braver Gesell ... - - [S. 61]: - ... hassen, daß er zum erstenmahl erblikt, da ihm ... - ... hassen, das er zum erstenmahl erblikt, da ihm ... - - [S. 91]: - ... Sieh sah den Bittenden an und schwieg. ... - ... Sie sah den Bittenden an und schwieg. ... - - [S. 117]: - ... Geistes endekt -- darum wag ich die Foderung, ... - ... Geistes entdekt -- darum wag ich die Foderung, ... - - - - - - -End of Project Gutenberg's Abaellino der große Bandit, by Heinrich Zschokke - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ABAELLINO DER GROßE BANDIT *** - -***** This file should be named 52718-8.txt or 52718-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/7/1/52718/ - -Produced by Jens Sadowski. 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