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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre - Aufzeichnungen - -Author: Bohuslav Kokoschka - -Illustrator: Oskar Kokoschka - -Release Date: July 3, 2016 [EBook #52486] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - Bohuslav Kokoschka - - - - - Adelina - oder - Der Abschied - vom neunzehnten Lebensjahr. - - - Aufzeichnungen - - - - - Kurt Wolff Verlag · München - - - - - Bücherei »Der jüngste Tag« Band 76/77 - - Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig - - - - - Mit einer Zeichnung von Oskar Kokoschka - - Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag, München - - - - - Mir selber gewidmet - - - - - Motto: - - Hier liegt begraben ein neunzehntes Lebensjahr. - Was Leben war - Ward zum Kadaver - Unter einem Buchdeckel. - Mit dem versah er - Die Gruft, - Daß in der Weltluft - Seines ferneren Lebens - Dies Leben sich nicht zersetze ... - - - - - »Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten« - - (Goethe) - -Ach, meine Kammer! - -Ich bin jetzt Florestan in deinen Mauern, und Feuchtigkeitsflecken an -den Wänden und von mir behütete zarte Spinnenwebe in den Ecken nehm ich -als Tränen und Zeichen der Trauer, und daß meine gütige Kammer Eins ist -mit mir und meinem Kummer ... - -Odalisk, Plakatschönheit, langer Nagel an der Wand rostet ein in ihrer -weißen Stirne ... Luise, Handelsschülerin, Lukretia, erblüht, groß -geworden und vergiftet im Odem der Kärntnerstraße, Franka H. und -zwölfjährige Dorothea ... Flüchtlinge vor dieser Welt, denen ich ins -Stammbuch schrieb: Wie dies Buch in meiner Hand, voll weißer Blätter, -unbeschrieben ..., _et ceterae_, ihr alle seid mir wie: Aden, Freemande, -Brisbane, Amboina, Yokohama, Mahé, seligstes Hinlallen, Erinnern des -greisen Weltreisenden, Einsamen im Lehnstuhle, bei dem kalten Schein der -Lampe, Junggesellenzimmer -- Museum, vor dem Schlafengehen zu Gott ... - -Ich ziehe den weißen Vorhang vom Fenster weg und ein lichter Einbrecher -kam in die Kammer ... - -An einem Morgen war das, und ich stehe am Fenster und lächle meine -Kammer an. - -Ja, diese Blätter werden davon berichten. -- -- -- - -Lateinischer Himmel über den Telegraphendrähten von einem Dach zum -andern! - -»Wirklich!« - -als er den Saum des Vorhangs in der Hand hält ... Sonntag, und die liebe -Amateurstimme, das ist ein böhmisches Dienstmädchen. Es hat noch keinen -Liebsten und deshalb läßt es sich Zeit. Und zwischen seinem Singsang der -Klang von silbernen Löffeln, die gerade in die Schieblade verwahrt -werden. - -Fenster sind sämtlich offen, und die Stockwerke herunter an Fenster und -Wand brennt die Sonne. Julisonne im März! - - - - -»Ach ja, und von Adelinen ahnen Sie wohl nichts. Ich hätte, ja, -ebensogut hätte ich sagen können: Adelina. - -Adelinen ...« - -»Gehen wir, ich bitte Sie!« Eindringlich sagt es Luise zu ihrem Galan. - -Ja, es war ein Galan mit lila Strümpfen und dem Girardi in der Hand. -Denn seine Haare waren gebrannt. - -Er blies seine Brust auf, schüttelte das Hosenbein zurecht und »erfüllt -ihren Wunsch«. - -»O, guten Tag, Fräulein Emma! Entschuldigen Sie; ich weiß es, ich habe -Sie heute schon mehrere Male gegrüßt, aber ich versichere, für Sie habe -ich immer ein echtes, ja echt -- man nimmt so in die Hand und sagt echt --- echtes Gefühl der Freundschaft gehabt. Sie waren es doch, die sagte, -zu kurzen Hosen paßten gestreifte Strümpfe mit rotem Rand? Sie lachen? -Ja, Sie glauben doch nicht, ich hätte etwas getrunken? Ach, Emma!« - -Aber Emma war schon weg. - -Ja, er hatte plötzlich zu reden begonnen, ohne daß es jemand geahnt -hätte, zu wem. - -Da verhielt sich ein Mensch die halbe Stunde, die er hier war, -vollkommen ruhig, einmal sieht er an seiner linken Achsel herab und an -seinem linken Mundwinkel zieht etwas, dann verhält er sich wieder ganz -wie vorher. - -Plötzlich aber redet er, redet, und ein junges Mädchen steht auf, sagt -etwas zu ihrem Begleiter, und beide gehen fort. - -In diesem Augenblicke kommen Emma und Olga. Sie sind wieder da und haben -etwas Listiges auf dem Herzen. Sie haben etwas ausgeheckt, Emma und -Olga. Ach, man war gespannt, auf ihren Gesichtern stand geschrieben: Man -verspricht sich Erfolg von dieser Unternehmung. - -»Wir fragen Sie, in wen sind Sie eigentlich verliebt?« - -»In wen? Wie?! Was?!« Er springt auf. »Das heißt also ...« - -Plötzlich beruhigt er sich und sagt: »Fräulein Emma und Fräulein Olga, -bitte setzen Sie sich da neben mich, so, links und rechts, ja? - -Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen: - -Da hat jemand ein Schauspiel geschrieben. Gegen Schluß des vierten -Aktes, denken Sie sich -- geben Sie her den Schirm, bitte (es war ein -Riesenschirm), ich werde ihn halten -- gegen Schluß des vierten Aktes, -die erste Persönlichkeit der Stadt im Kreise ihrer Familie. - -Im Hintergrunde ein leuchtendes Transparent: »Es lebe hoch usw., die -usw.«, und Volk. Und jetzt, glauben Sie, Fräulein Emma und Fräulein -Olga, daß ich es jetzt so machen werde, wie der: - -Aufrecht: »Was da auch kommen mag«, bleich, die Hand ausgestreckt. »Das -ist noch nicht alles«, sagt die Hand. Er schüttelt den Kopf. - -Nein, der Kopf weiß noch mehr! - -Und die Augen schließen sich wieder, und der Mund öffnet sich abermals, -dieser widerspenstige Mund, der alles ausplaudert. - -»Was sagt er?« fragen viele Stimmen. »Was fällt diesem Menschen ein?« -liest man auf allen Gesichtern. Ja, ja, in der Tat, alles das hat mit -dem Transparent nichts zu tun ... - -Er blickt zurück in den Kreis der Familie, da steht _die_, leuchtenden -Auges und ihr Auge sagt: »Du herrlicher Mensch, stark sein!« - -Da muß er (ach er muß), er will es, der Dichter; leise muß er zu seiner -Frau sagen: »Betty, fasse dich und ertrage was jetzt kommt.« Und es ist -dies keine Regiebemerkung. Ja, das sagt er. Und Betty faßt sich, die -Gute ..! - -Dann wendet er sich zum Volk, und ein schwarzer Sprung im erbleichenden -Gesicht plaudert alles aus. Alles. - -Wie hübsch sich das ausnahm von der dritten Galerie (dieses einzige Mal, -das ich in einem Theater war). Gleichsam ein Pointejunges, das auf der -Pointe selber saß, die sich vier Akte hindurch geschwollen völlerte. Und -jetzt, jetzt war es ihr endlich gegönnt, durch einen schwarzen Sprung -aus einem bleichen Gesicht zu platzen. Wie ein Donnerschlag! - -Herr Rohrland muß sagen: »Wie ein Donnerschlag!« Und es ist dies keine -Regiebemerkung. Und sie tut es, die Pointe. - -Selbst das Volk auf der Bühne zog ab. - -Das ist die Tat der Pointe!« - -Emma und Olga sehen sich an. Ach, daß sie beide denselben Gedanken -hatten! Ist er verrückt? - -Sie sahen sich an und lachten, Emma und Olga. - -»Ja, in wen Sie eigentlich verliebt sind, wollten wir ja wissen?« - -Er holt tief Atem, lehnt sich zurück und steckt die Hände in die -Hosentaschen. - -Dann fing er wieder an: - -»Sie waren gespannt auf eine Pointe, die der ganzen Sache so -gewissermaßen eine Krone aufzusetzen hätte; sehen Sie, eine Pointe«, und -er wog mit der Hand ... - -»Ich aber würde Wahrheit erzählen, liebes Fräulein Emma und Fräulein -Olga, o Wahrheit,« sagte er glühend. »Und Wahrheit hat keine Pointe. -Nein, sie bedarf ihrer nicht! Holla, sie geht nicht auf dem Schreibtisch -spazieren!« - -Er sprang auf und eilte fort. - - - - -Einmal sah ich sie beisammen sitzen. Sie und ihn. In einer Nische des -Hotelparks. Sie besahen sich gerade ein fadendünnes Goldkettchen, ein -Medaillon war daran. - -Und er mußte sie lehren, wie man das Medaillon öffnet und wieder -zumacht. Und gleich, gleich nimmt sie es ihm aus der Hand. - -Ach, voll Eifer ist sie ...! - -Da entdeckt sie etwas darin, und die Freudenröte breitet sich über ihr -Gesicht. Strahlt sie nicht? _Sicuro_, sie strahlt ... - -Und dann, was tat sie nicht alles mit ihrem Medaillon und in ihrem -Glück! Sie legt das Medaillon auf den Handrücken, läßt es da eine Weile -so liegen und betrachtet es, das gelbe, glatte Gold, auf dem hellen -Handrücken. - -Dann, als sie sich das Medaillon um den Hals hängen will, nimmt er es -ihr aus der Hand, schaut ihr in die Augen, hängt es ihr um. - -Mit eigener Hand ... - -Sie hält sich still und willig. Es leuchtet aus ihren Augen, _frattanto_ -sie vor sich hin auf den Boden blickt .. - -Windstill war es im Garten. - - - - -Dieses Medaillon ist von ihm. - -Wohl, wohl, ihm, dem kahlrasierten Herrn. Aber wartet nur bis die -Jahreszeit kommt, da man die Haare wachsen läßt! Hähä! ... - -Aber wo gerate ich hin!? Elastizität! Elastizität! - -Da sehe ich, wie ein Herr plötzlich in seinen Taschen sucht. Seine -Finger übereilen alle die Gegenden an seinem Leib, wo Taschen sein -könnten; da bin ich bei ihm und lächle: Bitte? - -Er springt auf, nickt, nickt und brennt sich die Zigarette an, und die -Hand in der Rocktasche bleibt darin. Dann verbeugt er sich, ich sehe an -ihm vorbei und auf die Bank, und von da blicken mich zwei graue Augen -an. -- - -Ob man will oder nicht. Es ist nichts auszusetzen an ihm ... Und ich -gehe wieder fort und an der Brustwehr entlang. - -Da bleibe ich stehen, gerade da, und aus der Brusttasche nehme ich die -Karte von Damenhand und lasse sie in das Wasser fallen. - -Fast möchte ich sagen: Mit Elastizität. - -Es macht ein paar Ringe, das Wasser. - -Es ist ihm ganz gleichgültig, dem Wasser. - -Bitte, wäre es vielleicht löblich, von einem Stück alten Papier, Anderer -(des Wassers), glückliche Ruhe zu stören? - -Nein, das nimmermehr. - -Und es ist schon so gut wie es ist, und ich lobe Gott den Herrn: - -O mögest du mir dieses in meiner Einfalt so naseweis geredete, nicht als -Sünde anrechnen ...! - - - - -Der, dieser glattrasierte Herr! - -Wie lange ist es wohl, daß ich mir ein Reklameschild gemerkt habe ...? -O, genau gemerkt ... - -Eine Engelshand streicht über mein Angesicht, wenn ich an dieses -Reklameschild denke ... Und es ist doch nur ein gewöhnliches -Reklameschild, Wind und Wetter haben sich daran gut getan. - -Freilich, es gehört noch ein Stückchen Trottoir dazu und ganz, ganz -wenig von der Straße, _strada_, gerade genug für einen schmalen Fuß ... - -Und meine Sehnsucht ist: - -Wenn ich mich damals, damals an dieses Reklameschild gedrückt hätte, -ganz platt daran ... Und wie mir später einfiel, mit dem Kopf genickt -und mit dem Hut ... - -Vielleicht ... Vielleicht ... - -Aber für diese meine Sehnsucht ist keine Erfüllung mehr, nein. Und das -Datum, das könnte ich noch genauer aufschreiben. O, viel genauer! - -Aber das brauche ich wohl nicht, nein, denn ich habe es ja im Gedächtnis -... - - - - -Auf der Promenade vor dem Hotel Viertelsiebenuhrsonne. - -Der Asphalt ist wie mit rötlichem Goldpapier belegt. Eine Brustwehr ist -da, aus Schmiedeeisen, und ihr entlang eine Reihe wohlsituierter Bäume. -Und da sitzen die Passagiere des Hotels bis spät in die Nacht. In -angenehmen Korbstühlen und die Bäume machen: www ... Und dann reden die -Passagiere nur ganz gedämpft. Oder sie schauen auf das Meer hinaus. Auf -das Meer ... - -Eine kühle Windwoge kommt vom Meer, die Meerbrise, und fältelt den Saum -eines farblosen, spinnewebedünnen Schleiers zwischen Zeige- und -Mittelfinger einer Sechzehnjährigen. - -Und die ist Frau ... Ihre Rechte aber ruht in der Hand ihres Mannes, der -mit ihr logis genommen hat im Hotel. - -Als die Passagiere des Zuges Nr. 54 noch eine halbe Stunde zu ihrem Ziel -hatten, riefen sie: der See, der See! Also war es der See und nicht das -Meer? Aber als sie das riefen, war es ihr Thalatta. Und somit ist es das -Meer. -- Und weit weg von der Brustwehr taucht ein Dampfer auf. -- - -Alles sieht die Lichter und vielleicht auch noch den weißgestrichenen -Schiffskörper. Das nicht mehr, daß auf dem Bug »Himmelsschlüssel« -aufgemalt ist und Blumen dazu, mit Liebe. - -Und aller Augen begleiten das Schiff auf seiner Fahrt. Auf dem einsamen -Meere draußen, Ozean ... - -Sie reden jetzt fast nichts, die Passagiere des Hotels, sie schauen nur -und horchen noch so nebenbei auch auf die (Miniatur-) Wogenkämme, die -sich unter der eisernen Brustwehr brechen. - -Zerschellen Tag und Nacht! - -Rote Feuerpunkte im Dunkel, unter den tiefen Baumkronen, in den -Strandkörben und hinter, d. h. ober den Lehnen der Rohrsessel. Aber das -ist nichts Gefährliches, nein, das sind nur Zigaretten ... Viele von den -Herren haben weiße Strandanzüge und biegsame Stöckchen, und einer ist -unter ihnen (von denen mit weißen Strandanzügen und biegsamen -Stöckchen), der seinen Schädel glatt rasiert hat, ganz glatt. - -Aber ich weiß es, warum er ihn so glatt rasiert hat. -- - -So eine kleine Schwäche ist Schuld daran, eine kleine menschliche -Eitelkeitsschwäche, wie ich in diesem Falle erklären müßte ... - -Hähä! - -Und ich stehe an der schmiedeeisernen Brustwehr und nehme einen Brief -aus der Tasche, den ich gestern geschrieben habe, um ein Uhr nachts, und -jetzt lasse ich ihn ins Wasser fallen, an einer ganz ruhigen Stelle. Das -Wasser macht ein paar Ringe, das ist seine ganze Aufregung ... - - - - -In fünf Minuten Abfahrt. - -Und ach, die Träumer vom Hotel! - -Jeder, der gerade nichts zu sagen hat, seine Gedanken schon weit und -dabei plötzlich tief aufatmet, verspürt den leisen Schauer auf dem -Rücken und er sieht seinen Gefährten an ... - -Sogar die Apparate, ach die Apparate, auf dem Bahnhofe tragen etwas bei -und machen einen Höllenlärm. - -Ich schreite die Waggons ab, in gemessener Ruhe, wie eine Ew. -Herrlichkeit. - -Dann, da bleibe ich stehen, bei dieser Bank mache ich Halt. Es sind ja -so viele Bänke hier auf dem Perron, aber gerade, _accurato_ bei dieser -Bank machte ich Halt ... - -Da sehe ich ja genau in einen Waggon hinein!? Bitte, alle Ehre seinem -Fabrikanten; eine junge Dame darin nimmt einem Herrn eine Hauskappe ab. --- -- - -Hauskappe?! Reisekappe ... - -Nein: Hauskappe, und nichts habe ich gesagt, nein ... - -Jawohl, und sie haben auch faktisch ein kleines Zimmer für sich in -diesem Waggon. Ein Zimmer mit Betten ... - -Aber ich habe noch etwas zu sagen, ich bin noch nicht fertig, noch etwas -sah ich von meiner Bank aus, auf dem Perron ... - -Kusch! - -Die junge Dame streicht mit ihrer Hand über sein Haupthaar ... Und was -war das für ein Haupthaar ...? - -Kusch! - -Sie streicht darüber hin und lächelt und der breite Ring glänzt an ihrer -Hand und ein Medaillon hing an ihrem Hals, das sah ich auch ... - -Und er, was tat er? - -Er, er schaut unter ihrer Hand ... Hand ... auf zu ihr ..., wie man das -so tut. - -Und das Haupthaar, ja das Haupthaar ... weißgefleckt ... weiß-ge-fleckt. -Der Zug rollt davon. - -Und während ich dem Verbot zum Trotz, just über die Schienen steige, sag -ich zu mir: Guten Grund hast du, es zu bedenken, daß noch windig deine -Erfahrungen sind ... - -Da faßt mich ein Uniformmann. - - - - - Der Brief hinter dem Spiegel. - - Paris, den ... - -Mio Signore! - -Ihren kleinen Brief, den Sie mir nach Trouville schrieben, habe ich -heute hier vorgefunden, er wurde mir nachgeschickt. Wir bleiben noch -einige Zeit in der Seinestadt, dann geht's nach Hamburg und von da -schauen wir, daß wir nach Hause kommen, das heißt von nun an Chigago. -Ich bin neugierig, wie ich mich in meiner neuen Heimat fühlen werde. -Jetzt werde ich wohl längere Zeit meine Lieben und mein Goldorangenland -nicht sehen! - -In Trouville war es ganz hübsch. Wir waren die ganze Zeit im Kasino beim -Baccarat, ich habe sogar ein wenig gewonnen. Courmachen ist dort nicht -üblich, die Menschen haben nichts im Kopfe als das Spiel und _le neuf_ -ist ihnen lieber, als die reizendste Frau. - -Hier habe ich sehr viel zu tun. Herbsthüte anschauen, Briefschreiben und -Dummheiten kaufen. Mein Mann ist furchtbar nett zu mir, er hat sich -bereits alle meine Gewohnheiten gemerkt und respektiert sie. -Augenblicklich schreibt er die Adressen auf unzählige Karten, zu denen -ich Grüße dranzuschreiben habe; an Sie ist auch eine darunter. - -Also ich grüße Sie herzlichst und verspreche Ihnen auch eine schöne -Ansichtskarte aus Chigago zu senden. - - Adelina Farweller. - -_P. S._ Grüßen Sie meine Freundin, die Luise, von mir, wenn Sie wieder -einmal bei der Handelsschule warten, Sie Araber! - - - - -Ich will alles aufschreiben, der Reihe nach und wie es vorfiel! - -Am 25. Dezember, am Weihnachtstage, war ich wieder im Hamerlingpark. -Luise war da und alle die anderen. Alle hatten sie Weihnachtsgeschenke -mitgenommen, zeigten sich die und besprachen. Luise brachte einen großen -schwarzen Muff, aus Astrachan in Sibirien. - -Ein Neuling, Hella, war auch da, und ich fragte Lockenberg aus. -Lockenberg, der alle kannte. - -Da promeniert Luise an uns vorbei, sie hat einen breiten, schwarzen -Samthut mit einem Kranz weißer Samtrosen darauf. Die tiefschwarzen -Haare, romantisch um ein ophelienbleiches Antlitz, stark gewellt. Und -laut sage ich: - -Heute ist die Luise schön. - -Zu Lockenberg sage ich das und Luise geht an uns vorbei. - -Sie hatte sich umgedreht und mich angeblickt. -- - -Ich fühlte: An Luise, oder: Ferne Lilie ... _etcetera etcetera_ ... - -Dann, wie sie wieder an uns vorbeikommt, bleibt Luise stehen: »Gute -Nacht, Herr Lockenberg ...« -- und mir bot sie die Hand ... Sie sah weg, -lächeln mußte sie ... - -Zu ihrem Profil sagte ich einmal nächtens: Julia, Desdemona ... - -(Nein, Luisenamen ist für sie der süßeste.) - -»Die schönen, weißen Rosen auf Ihrem Hut« ... sage ich. - -Sie sah noch immer weg. Ach, ich hielt noch immer ihre Hand ...! - -Und die Schönbauer? fragt Luisens Freundin Mary plötzlich. (Ach, jetzt -konnte ich auch schreiben: Luisens ...) - -Luise blickt Mary an. Mary hatte ihr von der Zunge gesprochen. - -»Niemals!« sage ich langsam und dann: eine lange Pause ... - -»Fräulein Luise, ich erkenne Sie heute nicht mehr« ... Lockenberg sagt -es plötzlich und damit schneidet er sich eine lange Gedankenreihe in -seinem Kopfe ab. (Ich hielt noch immer ihre Hand ...) - -»Soll ich euch vielleicht Sessel herbringen!« - -Es war die Schönbauer. Sie war auf einmal da, in einer Entfernung von -fünf Schritten sagte sie dies und machte dabei einen Hofknix. Luise -wandte sich ab. - -»So, jetzt muß ich schon gehen«, sagte sie schnell. Lockenberg bedenkt -laut: Es ist halb sieben!? Er hatte die Uhr in der Hand. »Um halb sieben -muß ich schon zu Hause sein«, antwortet Luise ... - -Luise ging mit den Vöglein schlafen ... - - - - -Werther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung seines noch nicht -zwanzigjährigen Herzens. Da geschah etwas und das kam so: - -Es war der zehnte März, ach, damals war ihr Herz noch der Buchenhain mit -der süßen Melancholie des Vogelliedchens darin, und der kühlen Gruft, -die so lange für ihn bereit stand. In die er sich dann bestatten wollte, -die Hände über der Brust gekreuzt, und nach jener unglücklichen Liebe -... - -Aber Luise rät: »Und Mary?« - -(Von Adelinen ahnte sie nichts.) - -»Die Mary ist mir nichts, Luise ...!« - -Wie ein Pilgrim erschöpft hinsinkt an den Stufen vor der sich -verschließenden Pforte, auf der Fahrt ins gelobte Land. So war dieses -»Luise«. - -Sie schwiegen beide, dann Luise: - -»Nein, ich kann nicht, Bob.« Bob stammte aus dem Roman »Starke Herzen« -im Frauenjournal. - -»... Bob, Sie haben sich nur gespielt.« - -Es hatte sich nur gespielt Bobchen, und da war jetzt alles umsonst. - -Es regnet. - -Er, Bob, sah wie die weiße Taube ohne Ölzweig zurückkam ... Luise blieb -unerschütterlich. - -Aber das merkte Bob, es kam sie hart an, ja. -- Und da gibt er ihr -Bedenkzeit. (Ach, da schon alles verloren war.) - -Zwei Wochen gibt er ihr. - -Und Luise ist noch einmal gut zu Bob und ist es einverstanden. »Also ja« -nickt sie ... - -Er sah, daß sie in der Hand, die die Schultasche trug, Schneerosen -hatte. Eine liebe Schulfreundin hatte ihr die wahrscheinlich geschenkt. -Der Luise ... - - - - -Im März, dem 28., war es, da ging Luise mit zwei Freundinnen, und es war -schon warm. - -Er ging ihnen nach. - -Nach einer Weile entdeckten sie ihn, aber Werther ging nur nach und ging -an ihnen vorbei, als sie zurückblieben. - -Plötzlich kam Luise auf ihn zu, _directement_. - -Sie fragte lieb: »Wünschen Sie etwas von mir?« - -»Luise, warum danken Sie mir nicht, wenn ich Sie grüße?« - -Pause. - -»Wir sind gesehen worden, von jemanden von der Schule, und dann ...« -nach einem Gedankenstrich erklärte sie, »habe ich Ihnen schon gesagt: -Nein.« - -»Warum: Nein?« - -»Ich will nicht.« - -Da regte sich in ihm etwas: - -»Aber Sie hätten doch früher einmal gerne gewollt? ...« Mit den Fingern -streicht er geräuschvoll über Bartstoppel im Werden. - -»Sie werden doch nicht sagen, daß ich Ihnen nachgelaufen bin?« Sie -stützt die linke Hand in die Hüfte. - -»Nein, das nicht«, und seine Hand fällt herab. - -Eine Freundin kam auf Luise zu. Sie wollte sich empfehlen, die Freundin. - -»Also gute Nacht, ich habe keine Zeit,« sagte Luise. Und sie bot ihm die -Hand. - -Werther trat an sie heran: »Luise, liegt Ihnen an Ihrer Freundin mehr -wie an mir?« Und Gesichtsmuskel zucken, die Freundin war schon da. - -»Natürlich«, sah sie ihre Freundin an. »Also gute Nacht«, und daran -ändert niemand etwas. Sie hielt ihm ihre Hand hin. - -25. Dezember, denkt er ... und ihm, ohne ihn anzusehen, bot sie die -Hand. Und das war am 25., Monat: Dezember. - -Er hatte es sich genau gemerkt. Seine Rede zu Lockenberg war: Heute ist -die Luise schön. Es war sechs Uhr, abends. Luise hatte sich nach ihm -umgedreht. - -Und dann bei der nächsten Runde kam das mit der Hand. - -Das im Hamerlingpark. Schnee und darauf Laternenlicht, und Mond um sechs -Uhr ... - -»Luise, ich kann Ihren Entschluß nicht so ruhig hinnehmen«, sagt er -heftig. - -»Sie müssen«, schließt sich ihr Mund. - -Plötzlich war sie ganz anders. Um ihren Mund ein Lächeln und »müssen« -hingesagt, langsam, das war der Genuß. -- - -Luisens Freundin sieht zuerst sie, dann ihn an. - -Die Freundin war ernst und sicher blutarm, und ihre Augen waren, als ob -sie beständig nachsähen. - -»Also gute Nacht«, sagt er kurz. Ihre Hand nahm er nicht. - - - - - 5. Mai. - -Inkognito schreibe ich jetzt an meinem Tagebuch. Mein Glück! - -Ich muß es auf jemanden abwälzen, deshalb schreibe ich inkognito fortan. - -Ach, mein an Leid gewöhntes Herz! - -Das wird gewiß wieder mein längstes Tagebuchblatt. - -Ich werde nicht versäumen, auch das kleinste Unbedeutendste -aufzuschreiben und mich daran freuen. - -Heute, den fünften Mai, ist es bereits der dritte Tag. - -Ich wollte alles schon am ersten Tage aufschreiben, aber es blieb nur -dabei, daß ich die Feder in die Hand nahm. - -Ich sah immer anderswohin, und die Worte fielen mir aus der Hand. Ach, -in welchem Fiebertaumel befand ich mich! - -Jetzt, am dritten Tage, habe ich mich schon mehr gesammelt, kann nun -schreiben. Ach alles, alles! - -Aufschreiben, und nichts vergessen ... - -Diesmal war es im Schönbornpark. Und da ich Schönbornpark schreibe, -denke ich wieder an alles, was im Hamerlingpark geschah. Auf dem Boden -latern- und mondbeglänzt der glatte Schnee, um sechs Uhr ... - -An das mit der Hand ... - -Aber jetzt habe ich schon ein weißes Blatt vollgeschrieben. Also: -Fräulein Kammacher ging mit mir in der Allee und sagte: »Jetzt sollte -ich daheim sitzen und lernen. Mineralogie. Wir haben ja so viel auf,« -fing sie zu klagen an. »Der Schremmer sagte: Besonders die Kammacher -werde ich mir am Freitag ausleihen. So ein ekliger Mensch! - -Aber das gute Fräulein Kammacher geht mit Herrn (pst!) spazieren. Ich -steh halt morgen um sechs auf.« - -Das sagte sie. - -Er sah sie an und lachte und zog die Schultern über die Ohren. In diesem -Augenblick kommt Luise mit ihrer Freundin. - -Ach diese beiden, unzertrennlich waren sie! - -Ich nehme die Gelegenheit wahr und grüße. Sie dankte, aber sie sah ihn -nicht an ... - -Das ganze Stück Weges, das sie ihn sehen mußte, hatte Luise auf den -Boden geblickt und so geht Luise an ihm vorbei ... - -Jetzt sah ich auch, daß sie ein neues Kleid anhatte. Das stand ihr gut -... - -Luise und Freundin kamen an die kleine Parkpforte, da will Luise die -Stufen hinunter und meine Füße bleiben stehen: Er hatte etwas gesehen -..., gleich bedenkt er sich aber und setzt seinen Weg fort. - -Was er zu Fräulein Kammacher sagte? - -Gott mag wissen, was es war, sie lachte hell auf. An was haben _Sie_ -jetzt gedacht, rief sie ... - -Luise aber wird von ihrer Freundin am Arm gezogen und Luise muß wieder -herein in den Park. - - - - -Als Werther einige Stunden später in sein Zimmer trat, begegnete er sich -in dem kleinen Wandspiegel, er sah bleich aus. Sein Blick verweilte -nicht darin; er sah überhaupt nirgends hin, obgleich er die Augen offen -hatte. Der Türschlüssel fällt zu Boden ... - -Er hatte die Tür mit aller Ruh zugedrückt? Werther stand eine Weile und -sah dorthin, wo der Schlüssel fiel, dann geht er ans Fenster, läßt den -Rollvorhang herunter und warf er sich aufs Bett. - -Jetzt war Werther sich gewiß, daß er alles verdorben hatte. Sein -Schuhabsatz bohrt sich in die zarte Rohseidene, die er immer so -schonungsvoll behandelt hatte, aber plötzlich steht er auf, schlägt die -Bettdecke zurück und warf er sich wieder hin, und Messingbett kreischt -auf ... - -Sein Gesicht drückt sich in den Polster, Schultern rissen am Körper. Er -weint: ... - -Luise hatte wieder ihr neues Kleid an, sie war heute allein ... Es war -im Hamerlingpark, um 6 Uhr. - -Als sie sich zum zweitenmal begegneten, kam sie auf ihn zu und machte -einen Scherz, sie sagte lieb: »Soll ich Ihnen aushelfen, heute?« - -Sie lachte und sah ihn von der Seite an. Die linke -Halbschuh(...)schuhspitze stellte sich auf dem Wegsand auf und so blieb -Luise stehen, die linke Hand in den weißen Spitzen am Hals. Und der -kleine emaillierte Amor hing daran und hielt sein Füllhorn ... - -Da wurde in Werther ein böser Gedanke lebendig; er fühlte, wie dieser -seinen ganzen Körper angriff, und mit einer von tausend Gefühlen -gepeinigten Stimme sagt er langsam: Nein, danke ... - -Luise stellte den linken Fuß nieder, fast stampfte er, ihr Kopf machte -eine unvollendete Bewegung, die Finger ließen die Spitzen los, aber die -Hand blieb an der Brust. Selbst der kleine Amor wird konfus und verliert -das Gleichgewicht unter seinem Füllhorn. Luisens Mund öffnet sich, und -schweigt ... - -Plötzlich fixiert sie ihn, einen Schritt zurücktretend, ihre Nasenflügel -beben, etwas Hartes liegt in ihrem Gesicht und sie macht -Kurzsichtigkeitsfältchen bei den Augen ... - -Sie lachte auf, ha, ha! - -Er verharrt auf seinem Platz. - -Pause. - -Luisens Freundin kam gerade die Stufen in den Park herauf. Luise ruft -sie an, und eilt ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen ... - -Er drehte sich langsam auf dem Absatz herum, die Hand auf dem Rücken und -schaut ihr nach, Lächeln im Gesicht ... - - - - - Einst - - -Mai, Firmlingssonntag. - -Warum so traurig, fragte ein fünfzehnjähriges Fräulein mich. Aber ich -wußte es ganz bestimmt, ich war nicht traurig. -- - -Warum höre ich niemand heimlich hinter der Tür flüstern: Heute hat er -wieder seinen melancholischen Tag. - -Jeder geht darüber hinweg, summt sein Liedchen und merkt nichts. - -Ich hörte mich: Ach, das ist nur heute so. Und vielleicht ist es nur -Laune. Aber wie oft tröstete ich mich so? - -Nein, Launen können nur verwöhnte Hündchen haben, oder doch nur -minderwertige Menschen. Und ich möchte doch kein minderwertiger Mensch -sein. Und wollt ihr jetzt noch, es sei Laune, kann ich euch erwidern: -Könnte da ohne jedes Arg sein, was ich sage, tue und denke? Aber alles -und alles habe ich lieb und so kann es wieder nicht Laune sein ... - -In der Adriaausstellung hörte ich, wie die Kalanderlerche leise -trillert. - -Aus einem kleinen, finstergemachten Bauer kam dies Vögleintrillern. - -Aber es fand keine Beachtung, nein, man hörte es ja kaum. - -Wenn sie aber viele Meter hoch oben in der Luft singt, unter dem Himmel, -im Äther ... wer lauscht ihr da, der kleinen Kalanderlerche? - -Der liebe Gott, basta. - -Die Hände gekreuzt über die Brust, den Kopf auf die Seite geneigt, so -ist er ganz Ohr ... Dann sah ich einen Firmling ... - -Blaßgelbe Halbschuhe. Und Strümpfe von blaßgelber Seide. Und ein -blaßgelbes Seidenspitzenkleid, darunter ein rosa ... War es wohl schon -ein sechzehnjähriges Fräulein und das Kleid, schon etwas länger war es -... - -Schmale langsüße Beine, wie die der kaffeeschänkenden Luisen in den -Frühlingsgärten auf den Wandgemälden ... Offenes, kastanienbraunes Haar, -Langlocken, Locken der Jenny Lind. - -Die Kähne glitten unter den Seufzerbrücken weg, und die zahllosen -Wimpel, von einem Mast zum andern, flattern im Maiwind und die Schnüre, -an denen Glühlampen aufgehängt waren, baumelten. - -Ein Boot legt an, und in dieses wird er einsteigen, der Firmling ... der -Gondeliere, Plecha von der Donaulände, graziös reicht er die Hand ihrem -Leben. Und die Augen des Firmlings glänzen, und unter seinen Augen glüht -es heiß ... - -Ach, wie ich diesen Firmling gleich liebte und alles ...! - - - - -Westbahnhof. Im Gewühl der Menschen schreibe ich dieses: - -Wir fahren aufs Land! - - - - -Ich machte die Milchglastür hinter mir zu. Das Milchglas zitterte leise -und die Milchglasgenie, mit dem Fruchtkorb auf dem Kopfe, zitterte mit. - -Es war zwölf Uhr und ich ging schlafen. - -Mein Großvater, der Herr Waldförster, hatte gesagt: Trab, trab, Kinder, -schlafen gehen, und damit meinte er seine vielen Enkel, die alle in -Großvaters und Großmutters Stuben zusammengekommen waren, aus der Stadt -und von dort und von da. - -Großvater und Großmutter hatten diamantene Hochzeit zu halten gehabt und -auch ein wenig getanzt. Und jetzt war es zwölf Uhr nachts und Wein, -Braten und Torten, Birnen und Nüsse lagen verlassen auf der langen -Tafel. - -Und als er das gesagt hatte, der Großvater, sagte ich auch gute Nacht -und fromme Wünsche, war folgsam und ging in das Zimmer, das Großvater -und Großmutter für mich bestimmt hatten. - -Über den Gang ging ich und hier war es schon längst stockfinstere Nacht, -auch als in den Stuben noch heller Sonnenschein brannte und nicht die -vielen Lichter, die Großvater und Großmutter angezündet hatten, zu ihrem -Fest in der Augustnacht ... - -Über den Gang ging ich und machte die Milchglastür hinter mir zu ... - -Welch herrlich feuchter Grasduft, der das Zimmer erfüllt! - -Die Fenster waren offen und weiße Vorhänge schwanken langsam und blähen -sich auf. Jedesmal, wenn ein Windzug draußen an den Baumblättern -herabglitt, der auch die Hirschzungen am Fenster nicht ruhen ließ ... - -Ich gehe einen Augenblick ans Fenster und spreite meine Ellenbogen auf -das weiße Fensterbrett. Ach, alles hier war mir lieb und teuer. - -Die Garten- und die Wiesenvögelchen wollten noch nicht schweigen!? - -Von ganz hinten im Garten hörte ich einen Vogel. Aber es war keine -Nachtigall, nein, ich hätte noch nie eine gehört, antwortete ich einmal -auf eine Frage ... - -Da trillert plötzlich irgendwo eine Lerche empor. Von meines Großvaters, -des Herrn Waldförsters Graswiese! - -Jetzt um zwölf!? - -Was mochte ihr da eingefallen sein? - -Aber ganz oben verstrickte sich ihr Gesang wie eine zarte Spinnwebe im -Buschgezweig und brach ab ... - -Ich gehe vom Fenster weg und die Kommode (liebes altmodisches Wort), ein -Klavier, Stühle, Vasen und Photographien blickten mich freundlich an, -obwohl ich ja hier nur ein Fremdling war ... - -Dann legte ich mich in das Bett. Auf dem Sofa. - -Corra und ich hatten sie ausgeführt, diese eine Improvisation. - -Decken und Leintuch! Es fröstelte einem beim Hineinlegen, so frisch -waren sie und die Zusammenlegefalten konnte man von der Tür aus sehen, -bei aller Dunkelheit -- -- - -Um zwei Uhr früh zündete ich die Kerze an, Adelina, dann las ich deinen -Brief ... - - - - - Der Türpfosten - - -Wenn ich zurückdenke, an den Pfosten der Türe zum Vorhaus mich erinnere! - -Nachtfinsternis, draußen spielt sich ein Gewitter ab. Und Corra geht und -macht den einen Flügel der Vorhaustüre zu. Damit der Regen nicht so -hereinkartätschte. - -Mein Großvater, der Waldförster, hat es aus dem Zimmer heraus -anbefohlen. - -Ach, und was jetzt folgt, hat Corra wahrscheinlich einmal auf einem -Bilde gesehen: ... Corra stellt sich neben mich, faßt meinen Arm und: - -»Schau das Gewitter an ...« - -Die Wolken hingen in dicken Fetzen und romantisch, braune Kupferkessel, -fast bis zur Erde, und die Bäume bogen sich und pfiffen und schüttelten -mit Riesenlaubbüscheln, benahmen sich wie hysterische Weiber. - -Ein reißender Bach fuhr bereits an den Vorhausstufen vorbei, in den der -Regen hineinprickelte. Bei jedem Blitze, mit Siebenmeilenstiefeln über -Land, sah sie mich an ... - -Ach, schaute zu mir auf. Und ich: Jedesmal aufwärtsblickend: Sie -vertraut sich dir an ... Sie vertraut sich dir an ... - -Aber eine dritte Person in der Nachtfinsternis neben uns!? - -Hans!? - -Ach, er hat sogar ein Butterbrot! - -Plötzlich fühle ich etwas an meinem Arm. - -Butter!? - -»Mein neuer Anzug!!« - -Corra zieht mich ins Gewitterlicht. (Sie hüpfen ordentlich vor -Ausgelassenheit, die zwei ...) - -Und sie faßt ihre blaue Schürze, Corra »Komm, komm ...« - -und wischt sorgfältigst Butter von meinem Ärmel ... - -Sie liest dabei in meinen Augensternen. - -Auch das, was ich in meinem Innersten denke: Nie, nie werde ich dir dies -vergessen ... - -(Der Anzug war mir nichts ...) - -Wir gingen wieder auf unseren Platz in der Nachtfinsternis, ihr Arm -schlüpft unter meinen: Ich beschwöre mich: Pst ... Pst ... p.. p.. - -Ein weißes Blatt Papier wirbelt in der Gewitternacht empor!! - -»Das ist das Blatt, das wir im Gartenhaus vergessen haben, das Blatt, -das wir im Gartenhaus vergessen haben!!!« - -Sie gerät in Bewegung, sie klatscht in die Hände, und auf drei Sekunden -ganz an mich gedrückt, wag ich's nicht, mich zu rühren ... - -Ach, es wollte gewiß zu den verlassenen Abendsternen, dieses weiße Blatt -Papier ... Es kämpfte einen gräßlichen Kampf mit der Gewitternacht. - -Liebes, weißes Blatt Papier, diese deine Sehnsuchten nach den -Abendsternen, nie werden sie erfühlt werden ... vielleicht wirst du noch -aufgespießt von einem rechtwinkeligen Blitz. Auf dieser, deiner Irrfahrt -...! - -Morgen finde ich dich in einer Feldlache, zerweicht, zerknittert, -beschmutzt ... - - - - - Sommerfrische - - - 1. - -Der Regen hatte aufgehört, man konnte wieder die Sonnenschirme -ausspannen, und also nahmen sie die, Mutter und Schwester, und gingen -aus. - -Der Herr Sohn bleibt zu Hause? - -Bei diesem schönen Wetter bliebe er zu Hause? - -Er wolle ein wenig üben, sagte er ... - --- Nun so solle er üben. - -Und damit hatten sie ihre Schirme genommen und waren gegangen, Mutter -und Schwester. - -Er trank ein Glas Wasser, dann ging er auf sein Zimmer hinüber. - -Da waren die Fenster offen und er schloß sie. Nein, ein halbes konnte ja -offen bleiben und so ließ er ein halbes offen. - -Draußen liegt die Luft wie stille See. Eine graue Taube läßt sich vom -Schlag herunter, sie hält die Flügel ausgebreitet und bewegt sie nicht. -Dicht über dem Boden beginnt sie mit den Flügeln zu schlagen und in -Blätter, die da liegen, kommt Leben; die Blätter gleiten einen -Menschenschritt an der Erde hin und das ist für sie wie eine Erinnerung -an eine glückliche Zeit ... - -Da sie noch an den Zweigen hingen, an dem schlanken Stengel! - -Ja, die Blätter wollten es mit den Vögeln halten, das stille Leben da -auf dem Baume hatte ihnen nicht mehr behagt und im Winde sich schaukeln -war ihnen nicht genug. Hinflattern, wohin es ihnen beliebte, wollten -sie. - -Da lagen sie nun, irregeführt, im Staub und spürten die Lebenskräfte -schwinden. - -Ja, da mochten sie jetzt sehen, wie es ihnen erging! - -Die Sechsuhrsonne hing an olivengrünen Tapeten, an kastanienrotem alten -Gerümpel. - -An dem wächsernen Christus unter dem Glassturz fließt ein dünner, gelber -Strahl vorbei. - -Der kam durch ein Loch in der Gardine. - -... Er blickt auf die glänzende, weiße Tür; es war ihm so wohl ... Er -nahm seine Noten vor. - --- -- Chopin? ... - -Ja, Chopin würde er spielen. - -Er legt das Heft auf das Pult und stimmt. Ein paar Striche, Griffe übers -Griffbrett herunter, dann faßte er die Geige mit dem Kinn, stieß mit der -linken Hand den Ärmel zurück und: Piano ... - -Das rechte Handgelenk bog sich sanft, ruhig wie ein Schwanenhals und die -süßen Triller flogen wie kleine Kalanderlerchen ans Fenster und setzten -sich dort auf dem Fensterhaken ... - -Wer spielt denn da oben? -- Er hielt inne. - --- Ich! -- - --- »Ich?« wer »ich?« - -Pause. - -... Ein Damenlachen beugt ihn zum Fenster heraus. Mit der Geige unter -dem Arm, da prallt er zurück, die Blonde in Trauer stand unten. - -An der Hand hatte sie ein vierjähriges Mädchen. Das hielt eine Puppe im -Arm und sah dorthin, wo Mama hinsah ... - - - 2. - - Nach vier Tagen. - --- Sie sind der Violinspieler? - --- Ja. - -Er lächelt. Sein rechtes Knie zittert, er habe noch um Entschuldigung zu -bitten, sagt er. - --- Nein, der Herr nimmt dir deine Blumen nicht, sei still, Martha ... -Was war es, was Sie spielten? - --- Chopin. Ein Nocturne. - -Sie überging ganz, was er vom Entschuldigen gesagt hatte. - --- Chopin ..., sie sah an ihm herunter. Ihr Blick hielt bei seinem Knie -und blieb da: - --- Ja, wie komme ich da jetzt aus diesem Wald heraus? - -Er deutet mit der Hand: - --- Dann kommt eine Bank, von da geht ein Weg hinunter, gerade bis hinter -das Haus des Herrn Presoli. - --- Wie, Sie wissen sogar wo ich wohne? die schwarze Glacéhand am Kinn. - --- Sie standen unter dem Tor und redeten mit ihm, Herrn Presoli, er -hielt die Mütze in der Hand. Und dann gingen Sie mit ihm in die Zimmer -hinauf; an einem Freitag war es. - --- An einem Freitag? Ja, ja, da bin ich hiehergekommen. - -Sie heftet die Augen auf einen Punkt und sagt das so hin, dabei klopft -sie mit dem Finger auf die weißen Zähne. - --- Also guten Tag! - --- Gestatten Sie, daß ich Ihnen den Weg bis zur Bank zeige? - --- Ach nein, danke! Jetzt finde ich ihn ja. - -Sie lächelt und nickt, dann ging sie. - -Er verschwand schnell. Hinter einem Baum sah er ihnen nach. Das Jäckchen -des kleinen Mädchens war schwarz, kaum so groß wie ein Bilderbuch und -der kleine Hut war schwarz, nur das Röckchen war weiß und die Strümpfe -und Schuhe waren wieder schwarz ... - -So trippelt es einher neben seiner Mama, die behend und aufrecht -zwischen den Bäumen hinuntersteigt ... - -Er ging hinauf bis zum »Kamm«. - - - 3. - -Der Sonnabend fiel aus den Bäumen. Auf dem Waldboden, in den dürren -Nadeln blitzte es, daß es in den Augen weh tat. - -Plötzlich wandte er sich um: Sie stand unten auf der Fahrstraße ... - -Ein Holzweib sagt etwas zu ihr und die Frau öffnet die kleine Handtasche -... - -Sie stieg langsam herauf. - -Durch das Weggesträuch mit ihren langsamen Schritten. Plötzlich ist sie -zwischen den Bäumen verschwunden. Aber da kam sie schon wieder auf den -Weg heraus und er ist froh ... - -Das Gesicht zurückgewandt, den einen Fuß vorgestellt, verweilt sie und -schaut hinab zu den roten Dächern ... - -Als sie wieder ihren Weg fortsetzt, tut er so, als wäre er wegen der -Aussicht da und stellt sich auf. - -Ein paar Schritte noch und sie war heroben. - -Jetzt sah er auch, was sie in der Hand hatte, ein Babyhut war es, aus -weißem Leinen. Den hält sie sich vor das Gesicht. Wie sie an ihm -vorbeikommt, hat sie ein graugrünes Kleid an und weiße Handschuhe bis -über den Arm hinauf. - -Da setzt sie sich auf eine Bank und legt den Arm auf die Lehne. - -Sein Herz klopft und treibt ihm das Blut ins Gesicht und als er sich der -Bank nähert, werden seine Beine unsicher. Er vermag es nicht, den Arm zu -heben und zu grüßen ... - -Aber zwei Augen gingen mit ihm und um den Mund war ein Lächeln, das -sagte: Ja, ja, ich bin es, mein Lieber. - -Die Schuhspitze klopft auf dem Boden ... Der Arm auf der Banklehne -spielt mit dem weißen Hütchen und der andere liegt wie eine schöne, -weiße Schlange im Schoß ... - -Er atmet auf, als er auf dem Plateau anlangt. Das hieß »der Kamm«, und -es hat der Wind freies Feld da. - -Er lächelt mit sich und blickt zu Boden; in seinem Hirn ging es drunter -und drüber ... - -Er sieht sich nach ihr um, da schaut sie zu ihm herauf: Er geht langsam -zurück. - -Und vorbei ... Nein, er wagte es nicht. - -Sie verzieht den Mund und »du Kipfel« heißt das. - -Nach zehn Minuten taucht er wieder auf. Aber er ging wieder bis zum -Plateau -- - -Sie schaut in den Wald hinein, fächelt mit dem weißen Kinderhut, da -kommt Presoli. - -Wie der auf dem Plateau ist, stützt er sich auf seinen Stock, steht so, -betrachtet sich die zwei und denkt wohl: Ei ja ... Ein Blick nach ihm -hin, er trollt sich und verschwindet. - -Das kleine weiße Hütchen auf dem Knie, spitzt sie den Mund, und sie -pfiff ... - -Er wagt es; aber gerade jetzt stand sie auf und ging hinunter! - -Er eilt ihr nach. Rechts von ihr: Verzeihen Sie, ich möchte Ihnen das -geben ... - --- Was? fragt sie im gröbsten Dialekt. - -Hinter ihrem Festungswall, dem Babyhut, und sie ist brennrot im Gesicht. - -Er hält ihr einen Brief hin mit der rechten Hand. - --- Haha! - -Dasselbe glaubt auch der Wald, denn er wiederholt es. - -Sie nimmt den Brief mit der Linken. Eine feine Hand ist in dem weißen -Handschuh, hinter der weißen Kappe lacht die Frau. - -Nicht ganz so groß ist sie wie er. Ihre Schritte erinnern an die -blendender Stuten vor dem Leichenwagen, denen der Galopp versagt ist. - --- Er läßt sie über den Weg und sie geht hinunter. - -... Nun war er wieder auf dem Plateau. Und viel weiter unten, da stand -sie, ihr graugrünes Kleid nach der neuesten Mode. - -Das Körpergewicht ruht auf dem rechten Bein, so stand sie und las. Vom -Gemeindeplatz tönten die Glocken herauf. Dann geht sie rasch weiter und -ihre rechte Hand mit dem Blatt Papier schwenkt übertrieben stark in der -Luft. - - - 4. - -Mondnächte, wie in dem Tanzmärchen, da das adelige Fräulein Strohlendorf -plötzlich mitten auf dem Märchen-Waldboden stand, hergeweht von den -Cephyren. Auf einem Bein, Kopf hintenüber, erstarrt, in Hingebung ... -Unbekanntem ... - -... Und eine Hoboe die Sterne herabflötet zu ihr ... - --- Auf dem »Kamm« hatte der Wind seine letzten Seufzer ausgehaucht. Kein -Hälmchen rührt sich. Das einzige, was sich regt, das Flimmern der -Sterne. Da raschelt es im Laub und zwischen den Bäumen kommen zwei -daher. Im grünen Mondlicht, das an den Bäumen herabfließt, am Boden -weiterrieselt und irgendwo unter dem modernden Laub in die Erde lautlos -hineinrinnt. Puck, Bohnenblüte, Oberon. - -Langlangsam ... - -Kommen zwei daher, eng aneinander, sie stehen Brust an Brust, dann gehen -sie wieder ... - -Warum hast du mir das nicht gesagt? fragt sie. Keine Spur von Dialekt. -Das Lächeln mit geschlossenen Augen, das zittert in ihre Stimme hinein -... - - - 5. - -Auf dem Fußweg im Lärchenwald kollert ganz plötzlich der Mond. - -Der Junge ging da und taumelte, bald über den Weg, bald zwischen den -Bäumen und hielt die Hand ans Gesicht gedrückt. - -Er setzt sich auf einen Baumstrunk ... - - - 6. - -Die Front des Hauses ist im Dunkeln. Der Mond steht verklärt auf dem -Dachfirst und schaut von da in den Himmel hinauf. - -Ein einziges Fenster ist schwach erleuchtet, ein unschuldiges Lichtchen -brennt hinter den Scheiben. - -Drei weiße Fensterpölster sind da, die schimmern durch die Nacht ... - -Jetzt kämmt sie sich, denkt er, und sitzt auf seinem Holzstoß im -Schupfen. Die Torflügel sind ausgehoben und die halbe Welt liegt vor dem -flügellosen Tor und der Himmel darüber ist angefüllt mit Sternen. - -Ein Fenster ist weit geöffnet und ein Fensterhaken hängt nach. - -Aber er baumelt nicht, nein, nein, die Luft liegt wie Öl. - -Jetzt hast du dein Licht ausgelöscht?! - -... Leise hustet jemand im Zimmer. - -Jetzt kommt sie ans Fenster! denkt er, und seine Hände legen sich -langhin auf den Holzstoß ... - -Vor dem Tor wächst ein Halm, der bewegt ein einziges Mal seine Spitze, -dann steht er wieder kerzengerade ... - -... Da ist sie?! - -Aber es war das nur der Vorhang, der plötzlich vom Mondstrahl getroffen -wurde. - -Eitel Silber rauscht armdick aus der Brunnenröhre und in die Kufe und -das ist das einzige Geräusch auf dem großen Hof. - -Er wartet und wartet, und auf seinem herrlich mit Wasser frisierten -Scheitel glänzt der Mond. - - - 7. - -Die Sonne ist schon fort. Ein hochrotes Wolkenband brückt über den -Himmel weg. Unter ihm fährt der Abendzug weg. Eine weiße Säule, schräg -in den Himmel, über sich ... - -Das Kinn an den Hals gedrückt, stand er da. An seinem Leib konnte man -die Rippen zählen, durch das dünne Sommergewand. - - - - -Ich wandere, beschließe ich. Bleibt ihr alle da, wollt ihr nicht mit -mir! - -Ich habe Mond und Sterne auf meiner Seite, sie gehen mit mir. Das ganze -Firmament! - -Ich laufe auf dem Schienenweg und probiere die Sterne aus. - - - - - Die Reise - - -Ich bin reisefertig. - -Corra ging noch einmal hinauf in ihr Zimmer, um die Jacke; die Abende -werden jetzt schon kühl. Ich stehe an den Pfosten der Türe zum Vorhaus -gelehnt und warte. Und das macht mir Freude, daß ich hier so stehen -darf, gelehnt an den Pfosten und warten ... - -Und sie lassen mir ihn, den Pfosten, die hier heroben sind und hausen. -Menschen voll Güte ...! - -Ich stehe an den Pfosten gelehnt und überschaue von da aus die große -weite Welt. - -Corra kommt. Sie hat ihre Jacke, im Gehen ruft sie dem Küchenmädchen zu, -ob sie die Levkojen hineingenommen habe. Marie? - -... Ja, tönt es zurück. - -Levkojen? frage ich. - -Ja, sagt sie und lächelt. Und so kommt es, daß meine Augen noch einmal -über das Haus gleiten müssen ... Und heimlich verabschiede ich mich von -den großen, weißgetünchten Schornsteinen und von dem Himmel, der gleich -hinter dem Dachfirst anfängt. Die paar Wölkchen, die ganz rot -dahergesegelt kommen, inbegriffen. Und dann vom Dache extra. Das hat -seine helle, ziegelrote Farbe schon ein wenig eingebüßt. - --- Liebe Corra, laß mich deine Jacke tragen. - --- Nein, ich habe meine neue Jacke mitgenommen, du verdrückst sie mir. - -Und ich lasse ab, von diesem meinem Wunsche und denke bei mir: Corra hat -eine neue Jacke mitgenommen und im Geiste lege ich den Finger auf die -Stirne: Die neue Jacke ... - -Jetzt vergesse ich, mich noch einmal umzusehen! Nach dem Pfosten der -Türe zum Vorhaus zu schauen ... Und die weißgetünchten Schornsteine? -Aber alles ist schon untergetaucht und verschwunden ... Ja und das mit -der Jacke war unser ganzes Gespräch. Corra geht zwei Schritte weit neben -mir, dann drei ... Und jetzt geht sie gar lächerlich nahe neben mir ... -Corra? - -Ich werde grob und sage zu mir: Halts Maul! Und jetzt erinnere ich mich, -daß sie tralala machte. - -Wer nun war daran schuld, wie ich, daß sie nun wieder weit von mir in -der Herbstsaat herumstieg! - -Eine ganze Straßenbreite weg stiefelt (...) sie in der Ackererde. - -Corra kommt zu mir herüber, legt ihren Arm auf den meinen, schaut mir -ins Gesicht (...) und sagt: du, du kannst meine Jacke tragen ... - -... Und sie gibt ihre Jacke ... - -Die neue Jacke ... - -Und sie tut das ganz offen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen. - -Meine Arme waren lahm ... Meine Füße gingen mechanisch. Corra hängt sich -sogar in mich ein. - -Und sie gehen fort, eine geschlagene Stunde, miteinander ... Und, du, du -kannst meine Jacke tragen, bleibt unser ganzes Gespräch ... - - - - - Istrianische Kalklandschaft - - - Aus roter Erde, - Sparsam windgestreut in Kalkfelsenspalten, - Hängen Büsche Salzkristalle. - Und in dunkle Meeresfalten - Rollen Steine. - Weit, - Ein einzig Fleckchen Erde, - Gott behielt es sich zu seinem Acker. - Sonst alles tot und leer ... - Wär nicht ein flüchtig Rad - Zweier Delphine, - Enteilt es übers Meer, - Stille stünd' die Zeit ... - - - - - Wien, 30. September 19.. - -Plötzlich waren Sie wieder da, bei Vater, Mutter und Schwester. - -Ein Wagen stand vor dem Tor, unter der Laterne. - -Den Wagenschlag öffnet eine Frau, im Tor hat sie gewartet und lange -dagestanden und die Straße hinauf und hinunter geblickt, ein weißes -Taschentuch an den Mund gedrückt. - -Jetzt war der Wagen da und sie eilt zum Wagenschlag und öffnet ihn. - -Und da ist es eine junge Dame im Reisekleid, die aus dem Wagen steigt, -langsam und bleich. Ihre Hände in grauen Handschuhen ringen sich um den -Hals der Frau und so bleiben sie, Mutter und Tochter ... - -Zugleich schlägt oben in den Stockwerken ein Fenster zu und ein Schrei, -der, an den geschlossenen Fenstern der stillen Gasse noch fortflatternd, -sich zerstört ... Und die den Schrei tat, ein junges Mädchen, Leonarda, -die Schwester der Dame im Reisekleid, kommt aus dem dunklen Tor hervor, -sie weint laut, stürmisch faßt sie die Angekommene unter dem Arm, die -Schwester, die noch immer und wortlos an dem Hals der leise -schluchzenden Mutter hängt. - -Der Kutscher schaut vom Kutschbock herab auf die drei; eine Gruppe vor -einem dunklen Tor in stiller abgelegener Gasse, bei dem gelben Schein -einer Laterne, verweilen drei Frauen, leise schluchzend die eine, -während das junge Mädchen seinen Gefühlen freien Lauf läßt, laut weint, -zu allen Fenstern hinauf, in der stillen Gassennacht ... - -Und das Gesicht der Dritten liegt bleich, auf dem Hals der Mutter, ohne -Träne, unbeweglich, mit zugefallenen Lidern wie ein Marmorgesicht ... - -Und dann in dem dunklen Hausflur, sehe ich, wie sie nun langsam den Fuß -vom Boden abhebt und vor den andern setzt. - -Das Marmorgesicht liegt auf der linken Achsel der Mutter und an -derselben Seite geht Leonarda mit kleinen Schritten und stützt mit -beiden Händen die Schwester. - -Und ich habe sie erkannt, Frau Farweller ... - - * * * * * - -Und Ade sagten Sie, Frau Farweller, und blickten zur Erde hinab, flogen -auf mit zwei Flüglein ins Himmelreich ... Angemeldet, abgemeldet ... - -Und da stand ich, bei dem Tor, drehte mich, stieg vor dem Tor auf dem -Trottoir herum, und ging an der Häuserreihe, an den Wänden, wieder -zurück ... - -Und da fällt es mir ein, wie ich diesen Weg auch oft mit Ihnen gegangen -bin, als Sie noch Schulmädchen waren, damals. - -In respektierter Entfernung natürlich. - -So sagen wir eine Straßenbreite, bis zu Ihrem Hause. ... Sie sprachen -noch eine Weile mit der Freundin, einem Vize-Adelinenwesen. Es war ein -heißer, weißer Sommer, der die Menschen matt macht, und Blässe lag auch -auf Ihrem und Ihrer Freundin Gesicht. Dann gebt Ihr Euch die Hand ... -Sie gehen durch den Hausflur und bei der Stiege bleiben Sie stehen, Ihre -Füße kommen gerade da zusammen und so bleiben Sie stehen ... - -Mit der linken Hand halten Sie die Schultasche und die rechte ist darauf -gelegt ... - -Ihre Gestalt sehe ich im Profil ... Ein weißes Alltagssommerkleid sagten -Sie ... Und Ihr Kopf wendet sich mir zu und nickt. Und ganz allein mir -galt es ... - -_Pronti!_ - -Ich gehe augenblicklich über Felder, springe über Gräben. Einen großen -tiefen Graben habe ich auch zu überschreiten gehabt. Ein _incredibile_ -langes Brett! Es stammte gewiß aus Nordamerika, eine Conifere!? Brett -aus den Felsen-Waldbergen, Grizzlys Heimat ...! - -Friedliche Tiere habe ich aufgescheucht, aus ihrem Schlaf, aber es war -nicht Absicht, junge Frau, Sternennacht ... - -Warum weine ich? - - - - - Oh Cinema ... - - - (Kein Auge blieb trocken). -- - -Da kommt sie, das Unglückswesen, sagt eine weibliche Stimme hinter mir. - -Und wirklich! Immer bist du es, die ich heute zum drittenmal sehe, -Hermia, dieselbe. - -Jedesmal behielt ich dieses Bild im Herzen: - -Das Bukett Rosen mit dem Brieflein: Graf ... In den Handschuhmacherladen -hinein ... - -Nein, der »Graf« war dir nichts. Nur ihn, ihn küßtest du, als du seinen -Brief küßtest, und die Rosen küßtest und an Mund und Augen und Wange -drücktest ... Hermia ..., daheim, in deiner Kammer ... - -Eines Abends, nach Geschäftsschluß: ob ein Wiedersehen möglich wäre ...? -Nein, nein, nein, Hermia schüttelt den Kopf, und wie sie die Rosen lieb -anblickt. (Nein, gewiß, nimmer würde sie von euch ihre Hand lassen ...) - -Dann, hinter dem Haustor blickt sie noch durch das Torfensterchen und -macht mit der Hand Pa... - -Und oben in deinem Kämmerlein, Hermia: - -Gleich Wasser, für die Blumen, o, wenn man all den Duft mit einemmal -einsaugen könnte ...! - -Arme Hermia, dann war es wohl die erste im Reigen der unruhigen Nächte -... - - Nächsten Tages. -- - -... Welche Freude es für ihn wäre, sie Sonntag nachmittag am Jägerweg -erwarten zu dürfen, zu einer Automobilfahrt! -- - -»Vielleicht um vier Uhr, wenn es Ihnen recht ist?« - - Graf Udo Ferdinand N. -- - - * * * * * - -Ein weißer Mädchenschirm, der im Wegsand stochert; Wind, alter Lebemann, -vermag nicht abzulassen von eines jungen Mädchens weißem Kleide! - -Weiß, der Sommer prallt daran ab. - -Das Automobil schwankt heran. - -Hermia kehrt dem plötzlich den Rücken und geht drei Schritte: - -Nein, es kann nicht wahr sein, nicht wahr sein! Hermia, es ist das Glück -... Es lächelt dich an ... - -So denkt Hermia, und neigt den Kopf, denn sie sieht da die Steinchen im -Wegsand nicht mehr. Feuchte Augen trüben den Blick ... - -Eine Stunde später: Die Bank am Waldespfade ... Beide setzen sich ... - -Einstweilen nimmt er das Blatt weg, das auf ihr Knie gefallen war ... - -Auf das himmlische Knie unter dem weißen Kleide ... - -Horch, was ist das? -- - -Nichts, Waldesrauschen. -- - -Das Automobil wartet. Auf der breiten Straße mit den Kilometersteinen. -Der Chauffeur trinkt sein Bier und liest die Zeitung: Die -parlamentarische Kommission der konservativen Rechten ... - - * * * * * - -Er legt die Hand um ihre Taille. Sie erbebt, erhebt sich, wächst empor, -und wie die Lilie im Zauberwald ..., streift langsam seine Hand ab ... -behält ... sie ... in ihrer Hand ... - -Vielleicht strömt ihr bisheriges, stilles Leben an ihr vorbei? - -Vielleicht eine Szene hinter dem Ladentisch? Wie sie gerade mit der -Schere ein widerspenstiges Haarlöckchen abschnitt, sorgenfrei ... - -Sie wendet langsam ihr Gesicht ihm zu: die Augen blicken ernst, der Mund -ist halb offen. - -Er sieht ihre eingefallenen Wangen und wie die Brust atmet. Und Hermiens -Augen werden groß und matt, wie es die Sonne jetzt tut im Westen. - -Hermia steht auf dem Felsgrat. Und in blauen Tiefen sieht sie die -Sphären schwingen. Wird Hermia schwindelfrei sein, und die Tiefe unter -ihr nicht ihren weißen Nacken lähmen? - -Wird sie es vermögen, den blauen Tiefen noch rechtzeitig ihr nicht -weniger tiefes Blauauge zu entreißen, hinter sich zu blicken und einem -schwachen Mädchenfuß alte Kraft und Sicherheit wiedergewinnen zu lassen, -froh und befreit niederzuwandern zwischen Bergblumen? - -Siehe, aber _sie_ vermochte es nicht, Hermia, als sie hinaustrat auf den -Felsgrat ihres Lebens. -- - -Hermia hatte nicht gelernt auf Felsgraten zu tanzen. - -Die schwingenden Sphären nahmen sie an sich, komm zu uns, komm zu uns, -riefen sie und Hermia fühlt, wie sie aufgehoben wird, abgehoben von dem -Fels unter ihren Füßen, und hinabgleitet: -- Sie fällt ihm um den Hals, -Hermia, Graf Udo Ferdinand N., und birgt ihr Gesicht an seiner starken -Brust. - -Sein ist Hermia und die Seele blickt auf ... - - * * * * * - -Harmonium solo. - -Und dann wird es das alte Lied: Hermia liegt zu Bett. Das hat an Kopf -und Fußende ein kaltes, eisernes Gestänge. Und da sind noch viele -Betten, und eines sieht dem anderen ähnlich auf ein Haar ... Neben dem -großen Bett steht ein kleines Bettchen. Es ist nicht die Himmelswiege, -es ist das große Bett aber _en miniature_. - -Darin bewegt sich das Würmchen ... - -Hermia aber liegt stumm, dann und wann tun sich die großen Augen auf und -schauen die Zimmerdecke an ... - -Neben Hermiens Bette sitzt die alte Wärterin, sie stickt. - -Sie hat zeitlebens nur Anna geheißen und Kranke gepflegt, an Peppo -gewürgt, und Peppo ist es in den Geschichtchen der Hermien, die hier im -Spitale liegen und mit großen Augen der Wöchnerin zur leeren weißen -Saaldecke schauen, nach den Bildern ihrer Erinnerung. - -Und jetzt war Peppo sogar Graf, Graf Udo Ferdinand N., erzählt Hermia -... - -Vielleicht könnte sie sich ein wenig im Bette aufsetzen? Anna ist ihr -behilflich. - -Nein, sie kann es nicht, Hermia, sie ist noch zu schwach und sie sinkt -wieder zurück. - -Die schönen schmalen Hände liegen wieder neben dem Körper, bleich auf -der Decke ... - - * * * * * - -In den ersten Nachmittagstunden, das Krankenzimmer liegt an der Sonne. -Ein Sperling singt auf dem Fenstersims Frühlingslieder. Hoch oben unter -der Saaldecke ist das Fenster, und es ist offen. Unter ihm schläft das -Kleine in seinem Bettchen. Es hat sich mit den Ärmchen müde gespielt. - -Hermia erzählt. Sie erzählte so gern ... - -Sie wünscht, daß Anna ihr das Etui mit dem Medaillon herüberreiche. Anna -tut es und mit einem mitleidsvollen Blick (der von Hermia nicht gesehen -werden darf). -- - -Hermia nimmt das Medaillon heraus. Wie sind die Hände so langsam und die -Finger spitz ...! - -Sie schaut das Medaillon an und ihr Hals macht dabei unter dem Kinn eine -Falte. Er muß den Kopf ein wenig heben, der Hals, daß die großen Augen -das Medaillon sehen können und da macht er die Falte. Können denn die -Hände das Medaillon nicht höher halten? Nein, sie sind zu schwach. - -Hermia legt das Medaillon in das Etui, gibt dieses der Anna zurück ... -Sie möge es zu dem kleinen Ferdinand neben ihr ins Bettchen legen. - -Will sie sich denn schon vorbereiten zum Sterben? - -Ja, abends war sie tot. -- - -Sie starb an Schwäche. Ganz still, niemand hörte es ... - -... Die Ärzte breiteten ein weißes Leintuch über sie. - - * * * * * - -Als der junge Graf endlich (zu spät!) auftauchte, geschah es, daß er -sich über das sanfte Bild warf, das das weiße Leintuch behütete, und nur -noch dieser heutige Tag seine Zeit lang von jener frühen Morgenstunde -trennte, da das Zügenglöckchen ertönt -- (Harmonium solo). Er weint. -- -Die Ärzte lassen ihn allein, und geben auch der Wärterin Anna einen -Wink. - -Darin küßt er das Händchen des kleinen Ferdinand. (Nach ihm so benannt -...) - -Die achtzehnjährige Ninette hatte sich den kleinen Ferdinand, süß -schlummert er, auf den Arm genommen. Neben ihm stand sie, dem großen -Ferdinand, und da küßte der große Ferdinand das Händchen des kleinen -Ferdinand. -- - -Sie, Ninette, herzte ihn noch eine Weile und legte ihn wieder in sein -Bettchen zurück, das kein Himmelbett war. Dann bekam er eine andere -Mutter ... - - - - - Waldelfe - - - »Oft wandelt die Liebe in Haß sich! --« - Doch wenn ich dich Blümchen anseh, - Nun schon vergilbt, kein Duft mehr - An dir, zwischen zwei weißen Blättern: - Kannst ärger du wüten, o Schmerz, - So wüte! - Nicht scheint mir begreiflich dein Spruch ... - -Werther schlug die Zeit tot. - -Plötzlich ging er ein Stück Weges zurück und kehrte wieder um ... - -Der Wegsand war feucht vom Regen in letzter Nacht. - -Einer lauen Sprühregennacht, die Schuhe drücken sich leicht im Sande ab. - -Er ging und sah auf den Boden, die Hand plötzlich an der Wange ... Da -war es das zweite Mal, daß er zurückging. - -Die Sonne war im Untergehen und ihr ganzes Dekorationsinventar stellte -sie zwischen den Bäumen auf, und zwischen den Bäumen wandelt plötzlich -jemand daher. - -Luise ... - -Sie hatte wieder ihr neues Kleid an. Und so schön war sie, als er sie so -ruhig dahergehen sah, mutterseelenallein. - -Hinter ihr ging die Sonne unter ... - -Ach, er blieb stehen und hielt den Atem ein. Wenn sie ihn nur noch eine -kleine Minute lang nicht bemerkte! Und er blickte zum Himmel, daß ihm -die Bitte erfüllt werde ... - -In der Hand hatte sie eine einzige, kleine Blume, die mit der Hand hin -und her, langsam durch die Luft strich. Luise neigte den Kopf ein wenig -zur Seite, und wie gewöhnlich, blickte sie auf den Boden hin. - -Sie sang leise ... - -Da stehen sie sich gegenüber. Sie atmet schnell, kneift den Mund -zusammen und heißrot steigt es in ihr Gesicht, und das ist nicht Luisens -Farbe, und über der linken Braue steht eine kleine Falte. - -Einige Minuten vorher konnte sie ein Lied singen ... - -»Fräulein Luise, es war nicht Absicht«, er spricht's in den Wald hinein. - -Lodernde Fackeln stehen auf im Umkreise und das Feuer rauscht und -knistert, und gelbe Flammen gehen nieder und erlöschend im Gleitflug vor -Luisens Füßen. - -Herbstwald ... - -Sie sagt nichts; der Wald rauscht. Sie hält das Gesicht zur Seite -gewendet und blickt weg. Das Weiße in ihren Augen glänzt. - -Jetzt war sie wieder wie damals im Hamerlingpark, um sechs Uhr abends. - -Als er das erste Gespräch mit ihr hatte ... - -Sie legt die Finger ineinander und läßt sie so auf dem Schoße ruhn. - -Nach einer Weile sagt er: »Fräulein Luise, so allein sollte ein junges -Mädchen nicht gehen, im Wald, in der Nähe einer so großen Stadt!« - -Sie blickte ihn an, aber sah wieder weg: - -»Sie haben ja einmal gesagt, alle Mädchen sind Ihnen gleichgültig.« - -Sie schaut auf einen Punkt und drückt die Lider zusammen, und die -Kurzsichtigkeitsfältchen sind wieder da. Sie ging. Langsam setzt sie -einen Fuß vor den andern ... Er ging unschlüssig ihr nach, da sah er die -Spur, die zurückblieb, wenn sie den Fuß vom Boden abhob. - -Er stand bei ihr, er zitterte; »Luise!« er wendet das Gesicht ab. Es -brandet über den Wipfeln und saust fort. - -Werther: Augen schließen und Niagara übers Herz ... Ein leidvolles -Lächeln. - -Ach, wie er sich hielt mit fester Hand. An seinem Mundwinkel zog es. -»Ich weiß nicht, was Ihnen so schwer fällt«, plötzlich sagte sie es, -_mezzavoce_; sie steht wieder, ihre Fingerspitzen berühren seinen Arm -und sie blickt ihn an ... - -Welcher blinde Zufall wollte da unbedingt, daß er ausgeliefert werde?! - -Und sollte sein selbstloser Plan nicht in Erfüllung gehen, nein? Er war -doch hierher gekommen, um zu leiden, still, ohne einen Laut ... - -Da kam sie daher und drohte mit einer Frage, ihm alles zu vernichten. - -»Darf ich mit Ihnen gehen?« fragt er plötzlich ganz ruhig. Es sah -wirklich so aus. - -»Ja, aber weil sie mir schon bange gemacht haben.« - -Über der linken Braue stand wieder die kleine Falte. Sie war wieder -hart. Luise war wieder hart. - -Er ging mit. - -Nein, er konnte es nicht begreifen, sie war es, die er hier traf? Und -sie hatte sich jetzt gerade unter seinen Schutz gestellt. - -Er sah dies Bild: Die Hände vor der Brust, blickt sie ängstlich zurück, -während er dicht vor ihr stand und bei ihr ..., seine Hände über sie -hielt und sie schützte ... - -Ach, wie gern würde er Qualen erdulden! - -Da, _mich_, seid einmal gütig in eurem Leben, würde er ausrufen. Nach -peinvollen Minuten: Meine Wunden lassen mich noch eine halbe Stunde am -Leben? - -»Ja, eine knappe halbe Stunde«, sagen sie darauf. - -So ist es gut, antwortet er. - -Und zu Luise gewendet: Jetzt kann ich dich noch begleiten, und er -lächelt glücklich. Bei der Tür zu dir erst werde ich stürzen, aber ich -kann dann noch nachblicken, du ... Und da wendet er sich noch einmal zu -jenen Männern und winkt ihnen mit der Hand: Ich bin Euch dankbar, gut -waret Ihr, ich bin Euch dankbar ... - -Da merkte er plötzlich, daß sie ihn die ganze Zeit von der Seite -ansieht. Und da er sich zu ihr wendet und dies sieht, sagt sie: »Sie -sehen leidend aus, waren Sie krank?« - -Da wird in ihm all sein Leid wieder wach, lebhafter denn je, eine Garbe -von weichen Gefühlen drängt es nach außen; da preßt er sie an sich, -seine Hand zuckt, so wild reißt er sie an sich. Der linke Arm schlingt -sich um ihren Kopf und die Hand drückt auf die Stirne; ganz sinnlos ist -er und merkt nicht, daß er ihr mit dem Finger am Auge weh tut. Er -bedeckt sie mit heißen Küssen, Mund, Wange, und benetzt sie mit Tränen -... - -Dann läßt er sie los, wendet sich ab, und bedeckt sein Gesicht mit der -Hand. Sie steht da, und in ihrer Ratlosigkeit streicht sie sich mit den -Fingern über das Gesicht. Da eilt sie zu ihm hin, legt die rechte Hand -auf seine Brust und die Linke zieht die seine vom Gesicht weg ... - -»Wein' nicht«, sagt sie. -- -- -- -- -- -- -- -- - -Solchen Phantasien gab er sich hin, die seine Landregenstimmung vollends -herunterbrachten. Das Rosa der durchschimmernden Augenlider war das -Letzte, was ihm von dieser Welt im Bewußtsein zurückblieb, bis auch das -weg war; sein Kopf sank matt zurück, er verfiel in traumlosen Schlaf. - -Da lag er hinter dem Busch, hingefallen wie ein Selbstmörder. - -Er lag so mehrere Stunden ... - - - - - Abend - - -Bauplätze, allerhand Graswuchs, um Tümpel im Lehmboden. - -Eine Allee, ein Geländer lief mit, flog es in die Ferne wie -telegraphiert, auf, ab, auf, ab, längs abschüssiger Wiesengründe. - -Ein kleiner Hügel, der aus dem Tal herauf will, klammert sich an die -Straße. Aber das kostet ihm den Kopf, auf seinem Rumpf stellt Stadtrat -Sch.s Antrag Bänke auf: und alte Alleebäume müssen die Eindringlinge -respektieren, und sie tun es mit einer in langem Leben erworbenen -Gelassenheit, vollführen hinter den Bänken einen Halbkreis und gehen -weiter, schweigend, einen schnurgeraden Trott. - -Und hinter Hügel und Geländer der Brand von Rom! - -Die Uhr ist sieben. - -Zwei Männer stehen da, dem einen hängt die Pfeife aus tabakschwarzen -Zähnen, der andere hält die Hände hinter dem Kopf verschränkt und gähnt, -auf der Straße wird es finster. - -Nach einer Weile sind die Bäume schwarz, das Geländer schwarz und die -Grasspitzen Silhouetten, die in den Himmel stechen. - -Ein Paar lustwandelt. - -Er hat seinen Arm um ihre Taille geschlungen, so gehen sie und haben -keine Eile. - -Vielleicht lese ich in einigen Tagen in der N. F. P.: »Die Anna H. kam -täglich in den Laden, wo Kropetz bedienstet war, um das Fleisch für den -Mittagstisch ihrer Dienstherrschaft zu holen. Die jungen Leute fanden -Gefallen aneinander und bald entwickelte sich zwischen ihnen ein -Liebesverhältnis. Dies sollte aber bald getrübt werden. - -Eines Tages mietete sich Johann W., der aus Mähren zugereist kam, im -Nachbarhause der H. ein. Das Dienstmädchen erkannte in ihm einen -Bekannten aus ihrem Heimatdorfe und sprach nun öfter mit diesem. Auch -ließ sie sich von ihm zu einer Sonntagsunterhaltung führen, da sie ja -Schulkameraden seien, wie er sagte. Kropetz stellte die H. tags darauf -zur Rede. Sie erklärte ihm den Sachverhalt und sagte noch: »Dir bleib -ich ja doch treu, wenn ich auch einmal mit ihm geh ...« Kropetz glaubte -seiner Geliebten. - -Doch es war nur Schein. Als ...« - -Heut Nacht regnet es, sagt sie. Ihre Stimme ist seltsam bewegt ... - -Er blickt sie an mit seinen Rehaugen. - -»Georg ...« sagt sie ... - -Der Polizist steht plötzlich wieder da, er hat den Helm in der Hand und -wischt ihn mit dem Taschentuch trocken; es war tagsüber sehr heiß. - -Es ist der, der vor Gericht dann aussagt: Die zwei wären ihm gleich -nicht ganz richtig vorgekommen ... - -Dann gerate ich auf einen Pfad. Der hat auch sein Geländer, das sich in -die Baugründe hineinekelt, es aber bald aufgibt, wie es einsieht, daß es -hier nichts mehr zu schützen gibt ... - - - - - Der Mond, ein Wachtposten! - - - B. Kokoschka. - - Ach, ich seh dich gu-ten Mond schon wie-der - wan-dern! Mein Freund, war-um so bleich? - Sahst du mit ei-nem an-dern die Ge- - lieb-te? - Reich von dei-nen Wan-gen ihr - ei-nen Strahl ... Und sag': - Sieh, wie mei-ne Wan-gen sind die - sei-nen fahl ... - - - - -Wiedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier Stunden gedauert hat, -sieht er, wie sich graues Morgenlicht auf den Fußboden hinabräkelt, und -er hört die treue Amsel singen ... - -Fort fliegt sie; führt er die Hand an die Stirn, läßt sie daran herunter -und über die Wange gleiten, und die Augen schlagen auf. - -Sie blicken auf den weißen Polster unter der Wange, feucht noch von -Tränen im Schlaf. -- -- -- -- -- -- - -Hat es nur einmal mit diesem elenden Regen sein Ende, ging er auf und ab -im Zimmer. - -Am Fenster stehend sieht er nach des Kaufmanns Markus Vieldbich altem -Haus, es bekommt einen neuen Anstrich. Meergrüner Lack. - -Gestern war erst das oberste Drittel meergrün. Heute standen die -Anstreicher bereits auf dem Pflaster. Die Arbeit ging unaufhaltsam von -statten. Das Gerüste wirkte wie übereinandergestellte Dächer und der -Regen konnte die Arbeit nicht behindern. - -Er wandte sich vom Fenster weg, da erschreckt er im Spiegel: Die Augen -lagen tief in den Höhlen und die Lider waren grau. Und jetzt merkte er -erst, daß es ihm zur Gewohnheit geworden war, sie nicht ganz offen zu -halten, sah er genau hin, waren tausend Fältchen da. Auch war das -Gesicht nicht ganz rein. - -Ja, mit ihm war es abwärts gegangen. Er war wie ein winziges Insekt, das -an dem heißen Lampenzylinder herabfällt. - -Luise? Nein. Seitdem sie von ihm gesagt hatte, mangelnde Galanterie -seinerseits hätte sie beide auseinandergebracht, schien sie ihm ein -gewöhnliches Wesen. Sie hieß auch gar nicht Luise, wie die Gattin -Napoleons, und Mutter des Königs von Rom. Sie hieß Aloisia, nach dem -braven Großvater, und spielte falsch auf dem Klavier. - -Was war es dann, das ihn nicht ruhen, ihn mit zuckenden Nasenflügeln in -tollste Lustigkeit ausarten und plötzlich wieder in heller Verzweiflung -in einen Stuhl zusammenbrechen ließ? - -Abends bei der Lampe, und dem trauten Gespräch im Familienkreis, ihm -Sehnsucht die Brust durchgreift und er aufspringt mit dem heißen Wunsch: -Ach! Laßt mich eine Gewalttat verüben! - - - - - Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahr - - - 22. November 19.. - -Ich richte mich im Bette auf, und denke: 22. November ...! - -Ein zu Tode ermatteter Luftzug streicht zum Fenster herein! Neben meinem -Bette, wo zwei Asternstöcke stehen. ... »Weißaster und Astern in anderen -Farben, ihr seid Totenblumen, und euer ist der einsame Friedhofgarten! - -Euer Hauch ist der der Grüfte, und das Licht der Sonne liebt ihr, kommt -es, getrübt, durch ein Kapellenfensterchen ... - -Wohlan!« - - - - - Kärntnerstraße - - -Lichtreklamebilder, Passanten, Lungerer. - -Laternenträger: Maxim, Süßes Mädel, Moulin rouge, Bajadere, Maison de -danse, Fledermaus ... - -Schöne Frauen, mit ihren in kostbare Pelze gezwängten Dickbauchmännern, -Freunden, Freundinnen ... - -»Auto bitte.« - -Winternacht ... - -Mizzi, Antschi, Viki, Lu-Lukretia ... - -Lukretia wandte plötzlich den Kopf nach mir. »Bubi ...«, sagte sie. - -Eine Goldplombe hatte sie im linken Mundwinkel. - - - - - Lukretia - - - Bei des Himmels Morgenkerzen - Hüll' ich mich in meine Decken, - Von dem vielen Drücken, Herzen - Kann ich kaum die Glieder recken. - Wie der Wind am Sparren zieht - Pfeift zu der Arbeit sich ein Lied. - Ich bin so matt ... - Vorüber geht die Nacht, - Und schlafen will ich jetzt - Eh' noch erwacht - Das Geheul der Stadt! - - - - -»Die Küche wollen Sie auch sehen«, lächelte sie. Vier Uhr, -Winternachmittag. - -»Also dann kommen Sie, Wettl ist nicht da, wir können also ruhig -eindringen in ihr Reich.« - -Sie wendet den Kopf zurück und lacht. - -Durch ein dämmeriges, kleines Zimmer: »das gehört Wettl.« Sie drückt -eine weiße Tür auf und bleibt an ihr stehen: »Das ist die Küche.« - -Weiß in Weiß, ach, wer da ein Fisch sein könnte! - -Unter diesem bis ins Gelbweiß gewaschenen Beil, welche Wonne zu sterben -...! Oder der Hase, dessen Herzblut hier abrinnen durfte ... - -»Kochen Sie auch hie und da, Fanny?« - -(Stefanie! Stefanie!) Ich durfte »Fanny« sagen ... - -»Selten, für meinen Mann des Abends, dann und wann, eine Kleinigkeit. -Wenn Wettl sich fortbettelt.« - -Sie spielt mit den Fingern hinter dem Rücken an der Tür und lächelt. - -Ach, der es sein durfte, für den diese Hand mit dem Kochlöffel in der -Pfanne umrührt! - -»Bitte, Fanny, nehmen sie da diesen Löffel. Diese Pfanne stelle ich auf -den Rechaud.« - -Sie lachte und steht bei dem Rechaud, plötzlich sagt sie: »Ich hab eine -Idee.« - -Sie nimmt meinen Kopf in beide Hände: »Ich hab eine Idee!« - -Sie dreht den Gashahn auf. Ich muß mich setzen. Da setz dich, sagte sie -... - -Sie machte die Kredenztüre auf. - -Butter, Honig und Milchbrot. - -_Sie kocht Kaffee ..._ - -Fanny kocht für mich und sich Kaffee ... Ich darf hier schon »mich« -zuerst sagen; Fanny und ich wissen ja den Grund: Poesie, Poesie ... - -In der Küche Weiß in Weiß. - -Und sie trinken dann beide den Kaffee ... - - - - - Der Seufzer - - - Wind, Waldraser, Wasserschlinger, Abstürzler, Hochtourist, - Und was du noch alles bist, - Möchtest sein; -- -- - Plagst dich viel, - Ich spann einen Seufzer dir vor - Und rascher bist du am Ziel! - - - - - An meine Mutter - - - Mein Herz schlägt warm, - Von deinem Blute, - Mutter, hast du zu viel mir drein getan - Von deines Herzens Gute? - Ich fühl's voll der Unmäßigkeit! - In deine lieb verschlungenen Hände - Möcht ich's legen heut - Und sagen: - Es gellt - Ins Ohr die Welt - Mir, sieh, ich kann nicht leben! - Und möcht mein Leben, leise, daß du's nicht merkst - Zurück dir geben ... - - - - -Heute geh ich an dem Laden des Herrn Markus Vieldbich vorbei. - -Ein Plakat hing an seinem Ladentisch herunter, das habe ich im -Vorbeigehen gesehen. Und ich konnte es dort entdecken, weil ich langsam -vorbei ging. - -Und als ich zum viertenmal vorbeigehe, steht Herr Markus Vieldbich in -der Ladentüre. Da machte ich eine kleine Schwenkung, geradewegs in den -Laden hinein. Herr Markus trat höflich zurück. Und ich kaufe. - -Ja, einmal schickte meine Mutter Mandeln und Rosinen weg in eine andere -Stadt. Es war eine ganze, kleine Kiste. Aber noch andere süße Sachen -waren darin, insgesamt war alles an ein arges Leckermaul. - -Eine Schnur brauchte sie, Nägel und Siegellack, sie meine liebe Mutter. - -Also ich kaufe Mandeln, Rosinen, eine Schnur, Nägel und Siegellack. - -»Bitte, ach, nehmen Sie doch dieses Plakat zum einpacken: ->Marke Odalisk< ist die beste. Zu haben in allen Wein- und -Mineralwasserhandlungen.« - -Und er packt mit Odalisk Mandeln und Rosinen. Ach, keinen Grund hatte -ich, bange zu sein! - -Jetzt wird bezahlt. - -Herr Markus macht eine Reihe Zahlen vom oberen Rand des Papiers bis zum -unteren; dann fährt sein Bleistift vom unteren Rand mit immenser -Schnelligkeit zweimal nach dem oberen, ein Strich, fertig, Punkt. - -»Bitte sehr, bitte schön.« - -Ich lege das Geld auf den Tisch. Ob es seine Richtigkeit habe? - -Herr Markus streicht mit der Hand darüber hinweg. - -»Stimmt, haargenau.« - -»Das Papier, mit dem Sie mein Paket gemacht haben?« O, das koste nichts. -Das wäre ihm noch schöner. -- - -In der Finsternis habe ich das Plakat geglättet. - -An der Wand taste ich nach einem Nagel. - -Jetzt werden die Fenster geschlossen; Gardine herunter! - -Ist auch die Tür abgesperrt? Ja. -- - -(Mein Herz ... Mein Herz ...!) - -Licht!!! - -»Marke Odalisk ist ...« Ich suche nach einen geeigneten An- Anredewort. - -»Od... Odalisk ... hiemit mache ich Sie zur Königin in meinem Reich!« - -_Erschöpft sinke ich auf einen Stuhl._ - -Ja, _sie_ hat die schönsten Augen der Welt ...! - - - Ende - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom -neunzehnten Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED *** - -***** This file should be named 52486-8.txt or 52486-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/4/8/52486/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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