summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
-rw-r--r--.gitattributes4
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
-rw-r--r--old/52486-8.txt2625
-rw-r--r--old/52486-8.zipbin38132 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h.zipbin301624 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/52486-h.htm4634
-rw-r--r--old/52486-h/images/cover-page.jpgbin22796 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/frontispiz.jpgbin26020 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/logo.jpgbin7477 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/music_1.jpgbin44453 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/music_2.jpgbin68251 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/music_3.jpgbin69206 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/52486-h/images/music_4.jpgbin23870 -> 0 bytes
14 files changed, 17 insertions, 7259 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..d7b82bc
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,4 @@
+*.txt text eol=lf
+*.htm text eol=lf
+*.html text eol=lf
+*.md text eol=lf
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..c4ae39e
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #52486 (https://www.gutenberg.org/ebooks/52486)
diff --git a/old/52486-8.txt b/old/52486-8.txt
deleted file mode 100644
index bd14eac..0000000
--- a/old/52486-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2625 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten
-Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre
- Aufzeichnungen
-
-Author: Bohuslav Kokoschka
-
-Illustrator: Oskar Kokoschka
-
-Release Date: July 3, 2016 [EBook #52486]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
- Bohuslav Kokoschka
-
-
-
-
- Adelina
- oder
- Der Abschied
- vom neunzehnten Lebensjahr.
-
-
- Aufzeichnungen
-
-
-
-
- Kurt Wolff Verlag · München
-
-
-
-
- Bücherei »Der jüngste Tag« Band 76/77
-
- Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig
-
-
-
-
- Mit einer Zeichnung von Oskar Kokoschka
-
- Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag, München
-
-
-
-
- Mir selber gewidmet
-
-
-
-
- Motto:
-
- Hier liegt begraben ein neunzehntes Lebensjahr.
- Was Leben war
- Ward zum Kadaver
- Unter einem Buchdeckel.
- Mit dem versah er
- Die Gruft,
- Daß in der Weltluft
- Seines ferneren Lebens
- Dies Leben sich nicht zersetze ...
-
-
-
-
- »Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten«
-
- (Goethe)
-
-Ach, meine Kammer!
-
-Ich bin jetzt Florestan in deinen Mauern, und Feuchtigkeitsflecken an
-den Wänden und von mir behütete zarte Spinnenwebe in den Ecken nehm ich
-als Tränen und Zeichen der Trauer, und daß meine gütige Kammer Eins ist
-mit mir und meinem Kummer ...
-
-Odalisk, Plakatschönheit, langer Nagel an der Wand rostet ein in ihrer
-weißen Stirne ... Luise, Handelsschülerin, Lukretia, erblüht, groß
-geworden und vergiftet im Odem der Kärntnerstraße, Franka H. und
-zwölfjährige Dorothea ... Flüchtlinge vor dieser Welt, denen ich ins
-Stammbuch schrieb: Wie dies Buch in meiner Hand, voll weißer Blätter,
-unbeschrieben ..., _et ceterae_, ihr alle seid mir wie: Aden, Freemande,
-Brisbane, Amboina, Yokohama, Mahé, seligstes Hinlallen, Erinnern des
-greisen Weltreisenden, Einsamen im Lehnstuhle, bei dem kalten Schein der
-Lampe, Junggesellenzimmer -- Museum, vor dem Schlafengehen zu Gott ...
-
-Ich ziehe den weißen Vorhang vom Fenster weg und ein lichter Einbrecher
-kam in die Kammer ...
-
-An einem Morgen war das, und ich stehe am Fenster und lächle meine
-Kammer an.
-
-Ja, diese Blätter werden davon berichten. -- -- --
-
-Lateinischer Himmel über den Telegraphendrähten von einem Dach zum
-andern!
-
-»Wirklich!«
-
-als er den Saum des Vorhangs in der Hand hält ... Sonntag, und die liebe
-Amateurstimme, das ist ein böhmisches Dienstmädchen. Es hat noch keinen
-Liebsten und deshalb läßt es sich Zeit. Und zwischen seinem Singsang der
-Klang von silbernen Löffeln, die gerade in die Schieblade verwahrt
-werden.
-
-Fenster sind sämtlich offen, und die Stockwerke herunter an Fenster und
-Wand brennt die Sonne. Julisonne im März!
-
-
-
-
-»Ach ja, und von Adelinen ahnen Sie wohl nichts. Ich hätte, ja,
-ebensogut hätte ich sagen können: Adelina.
-
-Adelinen ...«
-
-»Gehen wir, ich bitte Sie!« Eindringlich sagt es Luise zu ihrem Galan.
-
-Ja, es war ein Galan mit lila Strümpfen und dem Girardi in der Hand.
-Denn seine Haare waren gebrannt.
-
-Er blies seine Brust auf, schüttelte das Hosenbein zurecht und »erfüllt
-ihren Wunsch«.
-
-»O, guten Tag, Fräulein Emma! Entschuldigen Sie; ich weiß es, ich habe
-Sie heute schon mehrere Male gegrüßt, aber ich versichere, für Sie habe
-ich immer ein echtes, ja echt -- man nimmt so in die Hand und sagt echt
--- echtes Gefühl der Freundschaft gehabt. Sie waren es doch, die sagte,
-zu kurzen Hosen paßten gestreifte Strümpfe mit rotem Rand? Sie lachen?
-Ja, Sie glauben doch nicht, ich hätte etwas getrunken? Ach, Emma!«
-
-Aber Emma war schon weg.
-
-Ja, er hatte plötzlich zu reden begonnen, ohne daß es jemand geahnt
-hätte, zu wem.
-
-Da verhielt sich ein Mensch die halbe Stunde, die er hier war,
-vollkommen ruhig, einmal sieht er an seiner linken Achsel herab und an
-seinem linken Mundwinkel zieht etwas, dann verhält er sich wieder ganz
-wie vorher.
-
-Plötzlich aber redet er, redet, und ein junges Mädchen steht auf, sagt
-etwas zu ihrem Begleiter, und beide gehen fort.
-
-In diesem Augenblicke kommen Emma und Olga. Sie sind wieder da und haben
-etwas Listiges auf dem Herzen. Sie haben etwas ausgeheckt, Emma und
-Olga. Ach, man war gespannt, auf ihren Gesichtern stand geschrieben: Man
-verspricht sich Erfolg von dieser Unternehmung.
-
-»Wir fragen Sie, in wen sind Sie eigentlich verliebt?«
-
-»In wen? Wie?! Was?!« Er springt auf. »Das heißt also ...«
-
-Plötzlich beruhigt er sich und sagt: »Fräulein Emma und Fräulein Olga,
-bitte setzen Sie sich da neben mich, so, links und rechts, ja?
-
-Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen:
-
-Da hat jemand ein Schauspiel geschrieben. Gegen Schluß des vierten
-Aktes, denken Sie sich -- geben Sie her den Schirm, bitte (es war ein
-Riesenschirm), ich werde ihn halten -- gegen Schluß des vierten Aktes,
-die erste Persönlichkeit der Stadt im Kreise ihrer Familie.
-
-Im Hintergrunde ein leuchtendes Transparent: »Es lebe hoch usw., die
-usw.«, und Volk. Und jetzt, glauben Sie, Fräulein Emma und Fräulein
-Olga, daß ich es jetzt so machen werde, wie der:
-
-Aufrecht: »Was da auch kommen mag«, bleich, die Hand ausgestreckt. »Das
-ist noch nicht alles«, sagt die Hand. Er schüttelt den Kopf.
-
-Nein, der Kopf weiß noch mehr!
-
-Und die Augen schließen sich wieder, und der Mund öffnet sich abermals,
-dieser widerspenstige Mund, der alles ausplaudert.
-
-»Was sagt er?« fragen viele Stimmen. »Was fällt diesem Menschen ein?«
-liest man auf allen Gesichtern. Ja, ja, in der Tat, alles das hat mit
-dem Transparent nichts zu tun ...
-
-Er blickt zurück in den Kreis der Familie, da steht _die_, leuchtenden
-Auges und ihr Auge sagt: »Du herrlicher Mensch, stark sein!«
-
-Da muß er (ach er muß), er will es, der Dichter; leise muß er zu seiner
-Frau sagen: »Betty, fasse dich und ertrage was jetzt kommt.« Und es ist
-dies keine Regiebemerkung. Ja, das sagt er. Und Betty faßt sich, die
-Gute ..!
-
-Dann wendet er sich zum Volk, und ein schwarzer Sprung im erbleichenden
-Gesicht plaudert alles aus. Alles.
-
-Wie hübsch sich das ausnahm von der dritten Galerie (dieses einzige Mal,
-das ich in einem Theater war). Gleichsam ein Pointejunges, das auf der
-Pointe selber saß, die sich vier Akte hindurch geschwollen völlerte. Und
-jetzt, jetzt war es ihr endlich gegönnt, durch einen schwarzen Sprung
-aus einem bleichen Gesicht zu platzen. Wie ein Donnerschlag!
-
-Herr Rohrland muß sagen: »Wie ein Donnerschlag!« Und es ist dies keine
-Regiebemerkung. Und sie tut es, die Pointe.
-
-Selbst das Volk auf der Bühne zog ab.
-
-Das ist die Tat der Pointe!«
-
-Emma und Olga sehen sich an. Ach, daß sie beide denselben Gedanken
-hatten! Ist er verrückt?
-
-Sie sahen sich an und lachten, Emma und Olga.
-
-»Ja, in wen Sie eigentlich verliebt sind, wollten wir ja wissen?«
-
-Er holt tief Atem, lehnt sich zurück und steckt die Hände in die
-Hosentaschen.
-
-Dann fing er wieder an:
-
-»Sie waren gespannt auf eine Pointe, die der ganzen Sache so
-gewissermaßen eine Krone aufzusetzen hätte; sehen Sie, eine Pointe«, und
-er wog mit der Hand ...
-
-»Ich aber würde Wahrheit erzählen, liebes Fräulein Emma und Fräulein
-Olga, o Wahrheit,« sagte er glühend. »Und Wahrheit hat keine Pointe.
-Nein, sie bedarf ihrer nicht! Holla, sie geht nicht auf dem Schreibtisch
-spazieren!«
-
-Er sprang auf und eilte fort.
-
-
-
-
-Einmal sah ich sie beisammen sitzen. Sie und ihn. In einer Nische des
-Hotelparks. Sie besahen sich gerade ein fadendünnes Goldkettchen, ein
-Medaillon war daran.
-
-Und er mußte sie lehren, wie man das Medaillon öffnet und wieder
-zumacht. Und gleich, gleich nimmt sie es ihm aus der Hand.
-
-Ach, voll Eifer ist sie ...!
-
-Da entdeckt sie etwas darin, und die Freudenröte breitet sich über ihr
-Gesicht. Strahlt sie nicht? _Sicuro_, sie strahlt ...
-
-Und dann, was tat sie nicht alles mit ihrem Medaillon und in ihrem
-Glück! Sie legt das Medaillon auf den Handrücken, läßt es da eine Weile
-so liegen und betrachtet es, das gelbe, glatte Gold, auf dem hellen
-Handrücken.
-
-Dann, als sie sich das Medaillon um den Hals hängen will, nimmt er es
-ihr aus der Hand, schaut ihr in die Augen, hängt es ihr um.
-
-Mit eigener Hand ...
-
-Sie hält sich still und willig. Es leuchtet aus ihren Augen, _frattanto_
-sie vor sich hin auf den Boden blickt ..
-
-Windstill war es im Garten.
-
-
-
-
-Dieses Medaillon ist von ihm.
-
-Wohl, wohl, ihm, dem kahlrasierten Herrn. Aber wartet nur bis die
-Jahreszeit kommt, da man die Haare wachsen läßt! Hähä! ...
-
-Aber wo gerate ich hin!? Elastizität! Elastizität!
-
-Da sehe ich, wie ein Herr plötzlich in seinen Taschen sucht. Seine
-Finger übereilen alle die Gegenden an seinem Leib, wo Taschen sein
-könnten; da bin ich bei ihm und lächle: Bitte?
-
-Er springt auf, nickt, nickt und brennt sich die Zigarette an, und die
-Hand in der Rocktasche bleibt darin. Dann verbeugt er sich, ich sehe an
-ihm vorbei und auf die Bank, und von da blicken mich zwei graue Augen
-an. --
-
-Ob man will oder nicht. Es ist nichts auszusetzen an ihm ... Und ich
-gehe wieder fort und an der Brustwehr entlang.
-
-Da bleibe ich stehen, gerade da, und aus der Brusttasche nehme ich die
-Karte von Damenhand und lasse sie in das Wasser fallen.
-
-Fast möchte ich sagen: Mit Elastizität.
-
-Es macht ein paar Ringe, das Wasser.
-
-Es ist ihm ganz gleichgültig, dem Wasser.
-
-Bitte, wäre es vielleicht löblich, von einem Stück alten Papier, Anderer
-(des Wassers), glückliche Ruhe zu stören?
-
-Nein, das nimmermehr.
-
-Und es ist schon so gut wie es ist, und ich lobe Gott den Herrn:
-
-O mögest du mir dieses in meiner Einfalt so naseweis geredete, nicht als
-Sünde anrechnen ...!
-
-
-
-
-Der, dieser glattrasierte Herr!
-
-Wie lange ist es wohl, daß ich mir ein Reklameschild gemerkt habe ...?
-O, genau gemerkt ...
-
-Eine Engelshand streicht über mein Angesicht, wenn ich an dieses
-Reklameschild denke ... Und es ist doch nur ein gewöhnliches
-Reklameschild, Wind und Wetter haben sich daran gut getan.
-
-Freilich, es gehört noch ein Stückchen Trottoir dazu und ganz, ganz
-wenig von der Straße, _strada_, gerade genug für einen schmalen Fuß ...
-
-Und meine Sehnsucht ist:
-
-Wenn ich mich damals, damals an dieses Reklameschild gedrückt hätte,
-ganz platt daran ... Und wie mir später einfiel, mit dem Kopf genickt
-und mit dem Hut ...
-
-Vielleicht ... Vielleicht ...
-
-Aber für diese meine Sehnsucht ist keine Erfüllung mehr, nein. Und das
-Datum, das könnte ich noch genauer aufschreiben. O, viel genauer!
-
-Aber das brauche ich wohl nicht, nein, denn ich habe es ja im Gedächtnis
-...
-
-
-
-
-Auf der Promenade vor dem Hotel Viertelsiebenuhrsonne.
-
-Der Asphalt ist wie mit rötlichem Goldpapier belegt. Eine Brustwehr ist
-da, aus Schmiedeeisen, und ihr entlang eine Reihe wohlsituierter Bäume.
-Und da sitzen die Passagiere des Hotels bis spät in die Nacht. In
-angenehmen Korbstühlen und die Bäume machen: www ... Und dann reden die
-Passagiere nur ganz gedämpft. Oder sie schauen auf das Meer hinaus. Auf
-das Meer ...
-
-Eine kühle Windwoge kommt vom Meer, die Meerbrise, und fältelt den Saum
-eines farblosen, spinnewebedünnen Schleiers zwischen Zeige- und
-Mittelfinger einer Sechzehnjährigen.
-
-Und die ist Frau ... Ihre Rechte aber ruht in der Hand ihres Mannes, der
-mit ihr logis genommen hat im Hotel.
-
-Als die Passagiere des Zuges Nr. 54 noch eine halbe Stunde zu ihrem Ziel
-hatten, riefen sie: der See, der See! Also war es der See und nicht das
-Meer? Aber als sie das riefen, war es ihr Thalatta. Und somit ist es das
-Meer. -- Und weit weg von der Brustwehr taucht ein Dampfer auf. --
-
-Alles sieht die Lichter und vielleicht auch noch den weißgestrichenen
-Schiffskörper. Das nicht mehr, daß auf dem Bug »Himmelsschlüssel«
-aufgemalt ist und Blumen dazu, mit Liebe.
-
-Und aller Augen begleiten das Schiff auf seiner Fahrt. Auf dem einsamen
-Meere draußen, Ozean ...
-
-Sie reden jetzt fast nichts, die Passagiere des Hotels, sie schauen nur
-und horchen noch so nebenbei auch auf die (Miniatur-) Wogenkämme, die
-sich unter der eisernen Brustwehr brechen.
-
-Zerschellen Tag und Nacht!
-
-Rote Feuerpunkte im Dunkel, unter den tiefen Baumkronen, in den
-Strandkörben und hinter, d. h. ober den Lehnen der Rohrsessel. Aber das
-ist nichts Gefährliches, nein, das sind nur Zigaretten ... Viele von den
-Herren haben weiße Strandanzüge und biegsame Stöckchen, und einer ist
-unter ihnen (von denen mit weißen Strandanzügen und biegsamen
-Stöckchen), der seinen Schädel glatt rasiert hat, ganz glatt.
-
-Aber ich weiß es, warum er ihn so glatt rasiert hat. --
-
-So eine kleine Schwäche ist Schuld daran, eine kleine menschliche
-Eitelkeitsschwäche, wie ich in diesem Falle erklären müßte ...
-
-Hähä!
-
-Und ich stehe an der schmiedeeisernen Brustwehr und nehme einen Brief
-aus der Tasche, den ich gestern geschrieben habe, um ein Uhr nachts, und
-jetzt lasse ich ihn ins Wasser fallen, an einer ganz ruhigen Stelle. Das
-Wasser macht ein paar Ringe, das ist seine ganze Aufregung ...
-
-
-
-
-In fünf Minuten Abfahrt.
-
-Und ach, die Träumer vom Hotel!
-
-Jeder, der gerade nichts zu sagen hat, seine Gedanken schon weit und
-dabei plötzlich tief aufatmet, verspürt den leisen Schauer auf dem
-Rücken und er sieht seinen Gefährten an ...
-
-Sogar die Apparate, ach die Apparate, auf dem Bahnhofe tragen etwas bei
-und machen einen Höllenlärm.
-
-Ich schreite die Waggons ab, in gemessener Ruhe, wie eine Ew.
-Herrlichkeit.
-
-Dann, da bleibe ich stehen, bei dieser Bank mache ich Halt. Es sind ja
-so viele Bänke hier auf dem Perron, aber gerade, _accurato_ bei dieser
-Bank machte ich Halt ...
-
-Da sehe ich ja genau in einen Waggon hinein!? Bitte, alle Ehre seinem
-Fabrikanten; eine junge Dame darin nimmt einem Herrn eine Hauskappe ab.
--- --
-
-Hauskappe?! Reisekappe ...
-
-Nein: Hauskappe, und nichts habe ich gesagt, nein ...
-
-Jawohl, und sie haben auch faktisch ein kleines Zimmer für sich in
-diesem Waggon. Ein Zimmer mit Betten ...
-
-Aber ich habe noch etwas zu sagen, ich bin noch nicht fertig, noch etwas
-sah ich von meiner Bank aus, auf dem Perron ...
-
-Kusch!
-
-Die junge Dame streicht mit ihrer Hand über sein Haupthaar ... Und was
-war das für ein Haupthaar ...?
-
-Kusch!
-
-Sie streicht darüber hin und lächelt und der breite Ring glänzt an ihrer
-Hand und ein Medaillon hing an ihrem Hals, das sah ich auch ...
-
-Und er, was tat er?
-
-Er, er schaut unter ihrer Hand ... Hand ... auf zu ihr ..., wie man das
-so tut.
-
-Und das Haupthaar, ja das Haupthaar ... weißgefleckt ... weiß-ge-fleckt.
-Der Zug rollt davon.
-
-Und während ich dem Verbot zum Trotz, just über die Schienen steige, sag
-ich zu mir: Guten Grund hast du, es zu bedenken, daß noch windig deine
-Erfahrungen sind ...
-
-Da faßt mich ein Uniformmann.
-
-
-
-
- Der Brief hinter dem Spiegel.
-
- Paris, den ...
-
-Mio Signore!
-
-Ihren kleinen Brief, den Sie mir nach Trouville schrieben, habe ich
-heute hier vorgefunden, er wurde mir nachgeschickt. Wir bleiben noch
-einige Zeit in der Seinestadt, dann geht's nach Hamburg und von da
-schauen wir, daß wir nach Hause kommen, das heißt von nun an Chigago.
-Ich bin neugierig, wie ich mich in meiner neuen Heimat fühlen werde.
-Jetzt werde ich wohl längere Zeit meine Lieben und mein Goldorangenland
-nicht sehen!
-
-In Trouville war es ganz hübsch. Wir waren die ganze Zeit im Kasino beim
-Baccarat, ich habe sogar ein wenig gewonnen. Courmachen ist dort nicht
-üblich, die Menschen haben nichts im Kopfe als das Spiel und _le neuf_
-ist ihnen lieber, als die reizendste Frau.
-
-Hier habe ich sehr viel zu tun. Herbsthüte anschauen, Briefschreiben und
-Dummheiten kaufen. Mein Mann ist furchtbar nett zu mir, er hat sich
-bereits alle meine Gewohnheiten gemerkt und respektiert sie.
-Augenblicklich schreibt er die Adressen auf unzählige Karten, zu denen
-ich Grüße dranzuschreiben habe; an Sie ist auch eine darunter.
-
-Also ich grüße Sie herzlichst und verspreche Ihnen auch eine schöne
-Ansichtskarte aus Chigago zu senden.
-
- Adelina Farweller.
-
-_P. S._ Grüßen Sie meine Freundin, die Luise, von mir, wenn Sie wieder
-einmal bei der Handelsschule warten, Sie Araber!
-
-
-
-
-Ich will alles aufschreiben, der Reihe nach und wie es vorfiel!
-
-Am 25. Dezember, am Weihnachtstage, war ich wieder im Hamerlingpark.
-Luise war da und alle die anderen. Alle hatten sie Weihnachtsgeschenke
-mitgenommen, zeigten sich die und besprachen. Luise brachte einen großen
-schwarzen Muff, aus Astrachan in Sibirien.
-
-Ein Neuling, Hella, war auch da, und ich fragte Lockenberg aus.
-Lockenberg, der alle kannte.
-
-Da promeniert Luise an uns vorbei, sie hat einen breiten, schwarzen
-Samthut mit einem Kranz weißer Samtrosen darauf. Die tiefschwarzen
-Haare, romantisch um ein ophelienbleiches Antlitz, stark gewellt. Und
-laut sage ich:
-
-Heute ist die Luise schön.
-
-Zu Lockenberg sage ich das und Luise geht an uns vorbei.
-
-Sie hatte sich umgedreht und mich angeblickt. --
-
-Ich fühlte: An Luise, oder: Ferne Lilie ... _etcetera etcetera_ ...
-
-Dann, wie sie wieder an uns vorbeikommt, bleibt Luise stehen: »Gute
-Nacht, Herr Lockenberg ...« -- und mir bot sie die Hand ... Sie sah weg,
-lächeln mußte sie ...
-
-Zu ihrem Profil sagte ich einmal nächtens: Julia, Desdemona ...
-
-(Nein, Luisenamen ist für sie der süßeste.)
-
-»Die schönen, weißen Rosen auf Ihrem Hut« ... sage ich.
-
-Sie sah noch immer weg. Ach, ich hielt noch immer ihre Hand ...!
-
-Und die Schönbauer? fragt Luisens Freundin Mary plötzlich. (Ach, jetzt
-konnte ich auch schreiben: Luisens ...)
-
-Luise blickt Mary an. Mary hatte ihr von der Zunge gesprochen.
-
-»Niemals!« sage ich langsam und dann: eine lange Pause ...
-
-»Fräulein Luise, ich erkenne Sie heute nicht mehr« ... Lockenberg sagt
-es plötzlich und damit schneidet er sich eine lange Gedankenreihe in
-seinem Kopfe ab. (Ich hielt noch immer ihre Hand ...)
-
-»Soll ich euch vielleicht Sessel herbringen!«
-
-Es war die Schönbauer. Sie war auf einmal da, in einer Entfernung von
-fünf Schritten sagte sie dies und machte dabei einen Hofknix. Luise
-wandte sich ab.
-
-»So, jetzt muß ich schon gehen«, sagte sie schnell. Lockenberg bedenkt
-laut: Es ist halb sieben!? Er hatte die Uhr in der Hand. »Um halb sieben
-muß ich schon zu Hause sein«, antwortet Luise ...
-
-Luise ging mit den Vöglein schlafen ...
-
-
-
-
-Werther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung seines noch nicht
-zwanzigjährigen Herzens. Da geschah etwas und das kam so:
-
-Es war der zehnte März, ach, damals war ihr Herz noch der Buchenhain mit
-der süßen Melancholie des Vogelliedchens darin, und der kühlen Gruft,
-die so lange für ihn bereit stand. In die er sich dann bestatten wollte,
-die Hände über der Brust gekreuzt, und nach jener unglücklichen Liebe
-...
-
-Aber Luise rät: »Und Mary?«
-
-(Von Adelinen ahnte sie nichts.)
-
-»Die Mary ist mir nichts, Luise ...!«
-
-Wie ein Pilgrim erschöpft hinsinkt an den Stufen vor der sich
-verschließenden Pforte, auf der Fahrt ins gelobte Land. So war dieses
-»Luise«.
-
-Sie schwiegen beide, dann Luise:
-
-»Nein, ich kann nicht, Bob.« Bob stammte aus dem Roman »Starke Herzen«
-im Frauenjournal.
-
-»... Bob, Sie haben sich nur gespielt.«
-
-Es hatte sich nur gespielt Bobchen, und da war jetzt alles umsonst.
-
-Es regnet.
-
-Er, Bob, sah wie die weiße Taube ohne Ölzweig zurückkam ... Luise blieb
-unerschütterlich.
-
-Aber das merkte Bob, es kam sie hart an, ja. -- Und da gibt er ihr
-Bedenkzeit. (Ach, da schon alles verloren war.)
-
-Zwei Wochen gibt er ihr.
-
-Und Luise ist noch einmal gut zu Bob und ist es einverstanden. »Also ja«
-nickt sie ...
-
-Er sah, daß sie in der Hand, die die Schultasche trug, Schneerosen
-hatte. Eine liebe Schulfreundin hatte ihr die wahrscheinlich geschenkt.
-Der Luise ...
-
-
-
-
-Im März, dem 28., war es, da ging Luise mit zwei Freundinnen, und es war
-schon warm.
-
-Er ging ihnen nach.
-
-Nach einer Weile entdeckten sie ihn, aber Werther ging nur nach und ging
-an ihnen vorbei, als sie zurückblieben.
-
-Plötzlich kam Luise auf ihn zu, _directement_.
-
-Sie fragte lieb: »Wünschen Sie etwas von mir?«
-
-»Luise, warum danken Sie mir nicht, wenn ich Sie grüße?«
-
-Pause.
-
-»Wir sind gesehen worden, von jemanden von der Schule, und dann ...«
-nach einem Gedankenstrich erklärte sie, »habe ich Ihnen schon gesagt:
-Nein.«
-
-»Warum: Nein?«
-
-»Ich will nicht.«
-
-Da regte sich in ihm etwas:
-
-»Aber Sie hätten doch früher einmal gerne gewollt? ...« Mit den Fingern
-streicht er geräuschvoll über Bartstoppel im Werden.
-
-»Sie werden doch nicht sagen, daß ich Ihnen nachgelaufen bin?« Sie
-stützt die linke Hand in die Hüfte.
-
-»Nein, das nicht«, und seine Hand fällt herab.
-
-Eine Freundin kam auf Luise zu. Sie wollte sich empfehlen, die Freundin.
-
-»Also gute Nacht, ich habe keine Zeit,« sagte Luise. Und sie bot ihm die
-Hand.
-
-Werther trat an sie heran: »Luise, liegt Ihnen an Ihrer Freundin mehr
-wie an mir?« Und Gesichtsmuskel zucken, die Freundin war schon da.
-
-»Natürlich«, sah sie ihre Freundin an. »Also gute Nacht«, und daran
-ändert niemand etwas. Sie hielt ihm ihre Hand hin.
-
-25. Dezember, denkt er ... und ihm, ohne ihn anzusehen, bot sie die
-Hand. Und das war am 25., Monat: Dezember.
-
-Er hatte es sich genau gemerkt. Seine Rede zu Lockenberg war: Heute ist
-die Luise schön. Es war sechs Uhr, abends. Luise hatte sich nach ihm
-umgedreht.
-
-Und dann bei der nächsten Runde kam das mit der Hand.
-
-Das im Hamerlingpark. Schnee und darauf Laternenlicht, und Mond um sechs
-Uhr ...
-
-»Luise, ich kann Ihren Entschluß nicht so ruhig hinnehmen«, sagt er
-heftig.
-
-»Sie müssen«, schließt sich ihr Mund.
-
-Plötzlich war sie ganz anders. Um ihren Mund ein Lächeln und »müssen«
-hingesagt, langsam, das war der Genuß. --
-
-Luisens Freundin sieht zuerst sie, dann ihn an.
-
-Die Freundin war ernst und sicher blutarm, und ihre Augen waren, als ob
-sie beständig nachsähen.
-
-»Also gute Nacht«, sagt er kurz. Ihre Hand nahm er nicht.
-
-
-
-
- 5. Mai.
-
-Inkognito schreibe ich jetzt an meinem Tagebuch. Mein Glück!
-
-Ich muß es auf jemanden abwälzen, deshalb schreibe ich inkognito fortan.
-
-Ach, mein an Leid gewöhntes Herz!
-
-Das wird gewiß wieder mein längstes Tagebuchblatt.
-
-Ich werde nicht versäumen, auch das kleinste Unbedeutendste
-aufzuschreiben und mich daran freuen.
-
-Heute, den fünften Mai, ist es bereits der dritte Tag.
-
-Ich wollte alles schon am ersten Tage aufschreiben, aber es blieb nur
-dabei, daß ich die Feder in die Hand nahm.
-
-Ich sah immer anderswohin, und die Worte fielen mir aus der Hand. Ach,
-in welchem Fiebertaumel befand ich mich!
-
-Jetzt, am dritten Tage, habe ich mich schon mehr gesammelt, kann nun
-schreiben. Ach alles, alles!
-
-Aufschreiben, und nichts vergessen ...
-
-Diesmal war es im Schönbornpark. Und da ich Schönbornpark schreibe,
-denke ich wieder an alles, was im Hamerlingpark geschah. Auf dem Boden
-latern- und mondbeglänzt der glatte Schnee, um sechs Uhr ...
-
-An das mit der Hand ...
-
-Aber jetzt habe ich schon ein weißes Blatt vollgeschrieben. Also:
-Fräulein Kammacher ging mit mir in der Allee und sagte: »Jetzt sollte
-ich daheim sitzen und lernen. Mineralogie. Wir haben ja so viel auf,«
-fing sie zu klagen an. »Der Schremmer sagte: Besonders die Kammacher
-werde ich mir am Freitag ausleihen. So ein ekliger Mensch!
-
-Aber das gute Fräulein Kammacher geht mit Herrn (pst!) spazieren. Ich
-steh halt morgen um sechs auf.«
-
-Das sagte sie.
-
-Er sah sie an und lachte und zog die Schultern über die Ohren. In diesem
-Augenblick kommt Luise mit ihrer Freundin.
-
-Ach diese beiden, unzertrennlich waren sie!
-
-Ich nehme die Gelegenheit wahr und grüße. Sie dankte, aber sie sah ihn
-nicht an ...
-
-Das ganze Stück Weges, das sie ihn sehen mußte, hatte Luise auf den
-Boden geblickt und so geht Luise an ihm vorbei ...
-
-Jetzt sah ich auch, daß sie ein neues Kleid anhatte. Das stand ihr gut
-...
-
-Luise und Freundin kamen an die kleine Parkpforte, da will Luise die
-Stufen hinunter und meine Füße bleiben stehen: Er hatte etwas gesehen
-..., gleich bedenkt er sich aber und setzt seinen Weg fort.
-
-Was er zu Fräulein Kammacher sagte?
-
-Gott mag wissen, was es war, sie lachte hell auf. An was haben _Sie_
-jetzt gedacht, rief sie ...
-
-Luise aber wird von ihrer Freundin am Arm gezogen und Luise muß wieder
-herein in den Park.
-
-
-
-
-Als Werther einige Stunden später in sein Zimmer trat, begegnete er sich
-in dem kleinen Wandspiegel, er sah bleich aus. Sein Blick verweilte
-nicht darin; er sah überhaupt nirgends hin, obgleich er die Augen offen
-hatte. Der Türschlüssel fällt zu Boden ...
-
-Er hatte die Tür mit aller Ruh zugedrückt? Werther stand eine Weile und
-sah dorthin, wo der Schlüssel fiel, dann geht er ans Fenster, läßt den
-Rollvorhang herunter und warf er sich aufs Bett.
-
-Jetzt war Werther sich gewiß, daß er alles verdorben hatte. Sein
-Schuhabsatz bohrt sich in die zarte Rohseidene, die er immer so
-schonungsvoll behandelt hatte, aber plötzlich steht er auf, schlägt die
-Bettdecke zurück und warf er sich wieder hin, und Messingbett kreischt
-auf ...
-
-Sein Gesicht drückt sich in den Polster, Schultern rissen am Körper. Er
-weint: ...
-
-Luise hatte wieder ihr neues Kleid an, sie war heute allein ... Es war
-im Hamerlingpark, um 6 Uhr.
-
-Als sie sich zum zweitenmal begegneten, kam sie auf ihn zu und machte
-einen Scherz, sie sagte lieb: »Soll ich Ihnen aushelfen, heute?«
-
-Sie lachte und sah ihn von der Seite an. Die linke
-Halbschuh(...)schuhspitze stellte sich auf dem Wegsand auf und so blieb
-Luise stehen, die linke Hand in den weißen Spitzen am Hals. Und der
-kleine emaillierte Amor hing daran und hielt sein Füllhorn ...
-
-Da wurde in Werther ein böser Gedanke lebendig; er fühlte, wie dieser
-seinen ganzen Körper angriff, und mit einer von tausend Gefühlen
-gepeinigten Stimme sagt er langsam: Nein, danke ...
-
-Luise stellte den linken Fuß nieder, fast stampfte er, ihr Kopf machte
-eine unvollendete Bewegung, die Finger ließen die Spitzen los, aber die
-Hand blieb an der Brust. Selbst der kleine Amor wird konfus und verliert
-das Gleichgewicht unter seinem Füllhorn. Luisens Mund öffnet sich, und
-schweigt ...
-
-Plötzlich fixiert sie ihn, einen Schritt zurücktretend, ihre Nasenflügel
-beben, etwas Hartes liegt in ihrem Gesicht und sie macht
-Kurzsichtigkeitsfältchen bei den Augen ...
-
-Sie lachte auf, ha, ha!
-
-Er verharrt auf seinem Platz.
-
-Pause.
-
-Luisens Freundin kam gerade die Stufen in den Park herauf. Luise ruft
-sie an, und eilt ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen ...
-
-Er drehte sich langsam auf dem Absatz herum, die Hand auf dem Rücken und
-schaut ihr nach, Lächeln im Gesicht ...
-
-
-
-
- Einst
-
-
-Mai, Firmlingssonntag.
-
-Warum so traurig, fragte ein fünfzehnjähriges Fräulein mich. Aber ich
-wußte es ganz bestimmt, ich war nicht traurig. --
-
-Warum höre ich niemand heimlich hinter der Tür flüstern: Heute hat er
-wieder seinen melancholischen Tag.
-
-Jeder geht darüber hinweg, summt sein Liedchen und merkt nichts.
-
-Ich hörte mich: Ach, das ist nur heute so. Und vielleicht ist es nur
-Laune. Aber wie oft tröstete ich mich so?
-
-Nein, Launen können nur verwöhnte Hündchen haben, oder doch nur
-minderwertige Menschen. Und ich möchte doch kein minderwertiger Mensch
-sein. Und wollt ihr jetzt noch, es sei Laune, kann ich euch erwidern:
-Könnte da ohne jedes Arg sein, was ich sage, tue und denke? Aber alles
-und alles habe ich lieb und so kann es wieder nicht Laune sein ...
-
-In der Adriaausstellung hörte ich, wie die Kalanderlerche leise
-trillert.
-
-Aus einem kleinen, finstergemachten Bauer kam dies Vögleintrillern.
-
-Aber es fand keine Beachtung, nein, man hörte es ja kaum.
-
-Wenn sie aber viele Meter hoch oben in der Luft singt, unter dem Himmel,
-im Äther ... wer lauscht ihr da, der kleinen Kalanderlerche?
-
-Der liebe Gott, basta.
-
-Die Hände gekreuzt über die Brust, den Kopf auf die Seite geneigt, so
-ist er ganz Ohr ... Dann sah ich einen Firmling ...
-
-Blaßgelbe Halbschuhe. Und Strümpfe von blaßgelber Seide. Und ein
-blaßgelbes Seidenspitzenkleid, darunter ein rosa ... War es wohl schon
-ein sechzehnjähriges Fräulein und das Kleid, schon etwas länger war es
-...
-
-Schmale langsüße Beine, wie die der kaffeeschänkenden Luisen in den
-Frühlingsgärten auf den Wandgemälden ... Offenes, kastanienbraunes Haar,
-Langlocken, Locken der Jenny Lind.
-
-Die Kähne glitten unter den Seufzerbrücken weg, und die zahllosen
-Wimpel, von einem Mast zum andern, flattern im Maiwind und die Schnüre,
-an denen Glühlampen aufgehängt waren, baumelten.
-
-Ein Boot legt an, und in dieses wird er einsteigen, der Firmling ... der
-Gondeliere, Plecha von der Donaulände, graziös reicht er die Hand ihrem
-Leben. Und die Augen des Firmlings glänzen, und unter seinen Augen glüht
-es heiß ...
-
-Ach, wie ich diesen Firmling gleich liebte und alles ...!
-
-
-
-
-Westbahnhof. Im Gewühl der Menschen schreibe ich dieses:
-
-Wir fahren aufs Land!
-
-
-
-
-Ich machte die Milchglastür hinter mir zu. Das Milchglas zitterte leise
-und die Milchglasgenie, mit dem Fruchtkorb auf dem Kopfe, zitterte mit.
-
-Es war zwölf Uhr und ich ging schlafen.
-
-Mein Großvater, der Herr Waldförster, hatte gesagt: Trab, trab, Kinder,
-schlafen gehen, und damit meinte er seine vielen Enkel, die alle in
-Großvaters und Großmutters Stuben zusammengekommen waren, aus der Stadt
-und von dort und von da.
-
-Großvater und Großmutter hatten diamantene Hochzeit zu halten gehabt und
-auch ein wenig getanzt. Und jetzt war es zwölf Uhr nachts und Wein,
-Braten und Torten, Birnen und Nüsse lagen verlassen auf der langen
-Tafel.
-
-Und als er das gesagt hatte, der Großvater, sagte ich auch gute Nacht
-und fromme Wünsche, war folgsam und ging in das Zimmer, das Großvater
-und Großmutter für mich bestimmt hatten.
-
-Über den Gang ging ich und hier war es schon längst stockfinstere Nacht,
-auch als in den Stuben noch heller Sonnenschein brannte und nicht die
-vielen Lichter, die Großvater und Großmutter angezündet hatten, zu ihrem
-Fest in der Augustnacht ...
-
-Über den Gang ging ich und machte die Milchglastür hinter mir zu ...
-
-Welch herrlich feuchter Grasduft, der das Zimmer erfüllt!
-
-Die Fenster waren offen und weiße Vorhänge schwanken langsam und blähen
-sich auf. Jedesmal, wenn ein Windzug draußen an den Baumblättern
-herabglitt, der auch die Hirschzungen am Fenster nicht ruhen ließ ...
-
-Ich gehe einen Augenblick ans Fenster und spreite meine Ellenbogen auf
-das weiße Fensterbrett. Ach, alles hier war mir lieb und teuer.
-
-Die Garten- und die Wiesenvögelchen wollten noch nicht schweigen!?
-
-Von ganz hinten im Garten hörte ich einen Vogel. Aber es war keine
-Nachtigall, nein, ich hätte noch nie eine gehört, antwortete ich einmal
-auf eine Frage ...
-
-Da trillert plötzlich irgendwo eine Lerche empor. Von meines Großvaters,
-des Herrn Waldförsters Graswiese!
-
-Jetzt um zwölf!?
-
-Was mochte ihr da eingefallen sein?
-
-Aber ganz oben verstrickte sich ihr Gesang wie eine zarte Spinnwebe im
-Buschgezweig und brach ab ...
-
-Ich gehe vom Fenster weg und die Kommode (liebes altmodisches Wort), ein
-Klavier, Stühle, Vasen und Photographien blickten mich freundlich an,
-obwohl ich ja hier nur ein Fremdling war ...
-
-Dann legte ich mich in das Bett. Auf dem Sofa.
-
-Corra und ich hatten sie ausgeführt, diese eine Improvisation.
-
-Decken und Leintuch! Es fröstelte einem beim Hineinlegen, so frisch
-waren sie und die Zusammenlegefalten konnte man von der Tür aus sehen,
-bei aller Dunkelheit -- --
-
-Um zwei Uhr früh zündete ich die Kerze an, Adelina, dann las ich deinen
-Brief ...
-
-
-
-
- Der Türpfosten
-
-
-Wenn ich zurückdenke, an den Pfosten der Türe zum Vorhaus mich erinnere!
-
-Nachtfinsternis, draußen spielt sich ein Gewitter ab. Und Corra geht und
-macht den einen Flügel der Vorhaustüre zu. Damit der Regen nicht so
-hereinkartätschte.
-
-Mein Großvater, der Waldförster, hat es aus dem Zimmer heraus
-anbefohlen.
-
-Ach, und was jetzt folgt, hat Corra wahrscheinlich einmal auf einem
-Bilde gesehen: ... Corra stellt sich neben mich, faßt meinen Arm und:
-
-»Schau das Gewitter an ...«
-
-Die Wolken hingen in dicken Fetzen und romantisch, braune Kupferkessel,
-fast bis zur Erde, und die Bäume bogen sich und pfiffen und schüttelten
-mit Riesenlaubbüscheln, benahmen sich wie hysterische Weiber.
-
-Ein reißender Bach fuhr bereits an den Vorhausstufen vorbei, in den der
-Regen hineinprickelte. Bei jedem Blitze, mit Siebenmeilenstiefeln über
-Land, sah sie mich an ...
-
-Ach, schaute zu mir auf. Und ich: Jedesmal aufwärtsblickend: Sie
-vertraut sich dir an ... Sie vertraut sich dir an ...
-
-Aber eine dritte Person in der Nachtfinsternis neben uns!?
-
-Hans!?
-
-Ach, er hat sogar ein Butterbrot!
-
-Plötzlich fühle ich etwas an meinem Arm.
-
-Butter!?
-
-»Mein neuer Anzug!!«
-
-Corra zieht mich ins Gewitterlicht. (Sie hüpfen ordentlich vor
-Ausgelassenheit, die zwei ...)
-
-Und sie faßt ihre blaue Schürze, Corra »Komm, komm ...«
-
-und wischt sorgfältigst Butter von meinem Ärmel ...
-
-Sie liest dabei in meinen Augensternen.
-
-Auch das, was ich in meinem Innersten denke: Nie, nie werde ich dir dies
-vergessen ...
-
-(Der Anzug war mir nichts ...)
-
-Wir gingen wieder auf unseren Platz in der Nachtfinsternis, ihr Arm
-schlüpft unter meinen: Ich beschwöre mich: Pst ... Pst ... p.. p..
-
-Ein weißes Blatt Papier wirbelt in der Gewitternacht empor!!
-
-»Das ist das Blatt, das wir im Gartenhaus vergessen haben, das Blatt,
-das wir im Gartenhaus vergessen haben!!!«
-
-Sie gerät in Bewegung, sie klatscht in die Hände, und auf drei Sekunden
-ganz an mich gedrückt, wag ich's nicht, mich zu rühren ...
-
-Ach, es wollte gewiß zu den verlassenen Abendsternen, dieses weiße Blatt
-Papier ... Es kämpfte einen gräßlichen Kampf mit der Gewitternacht.
-
-Liebes, weißes Blatt Papier, diese deine Sehnsuchten nach den
-Abendsternen, nie werden sie erfühlt werden ... vielleicht wirst du noch
-aufgespießt von einem rechtwinkeligen Blitz. Auf dieser, deiner Irrfahrt
-...!
-
-Morgen finde ich dich in einer Feldlache, zerweicht, zerknittert,
-beschmutzt ...
-
-
-
-
- Sommerfrische
-
-
- 1.
-
-Der Regen hatte aufgehört, man konnte wieder die Sonnenschirme
-ausspannen, und also nahmen sie die, Mutter und Schwester, und gingen
-aus.
-
-Der Herr Sohn bleibt zu Hause?
-
-Bei diesem schönen Wetter bliebe er zu Hause?
-
-Er wolle ein wenig üben, sagte er ...
-
--- Nun so solle er üben.
-
-Und damit hatten sie ihre Schirme genommen und waren gegangen, Mutter
-und Schwester.
-
-Er trank ein Glas Wasser, dann ging er auf sein Zimmer hinüber.
-
-Da waren die Fenster offen und er schloß sie. Nein, ein halbes konnte ja
-offen bleiben und so ließ er ein halbes offen.
-
-Draußen liegt die Luft wie stille See. Eine graue Taube läßt sich vom
-Schlag herunter, sie hält die Flügel ausgebreitet und bewegt sie nicht.
-Dicht über dem Boden beginnt sie mit den Flügeln zu schlagen und in
-Blätter, die da liegen, kommt Leben; die Blätter gleiten einen
-Menschenschritt an der Erde hin und das ist für sie wie eine Erinnerung
-an eine glückliche Zeit ...
-
-Da sie noch an den Zweigen hingen, an dem schlanken Stengel!
-
-Ja, die Blätter wollten es mit den Vögeln halten, das stille Leben da
-auf dem Baume hatte ihnen nicht mehr behagt und im Winde sich schaukeln
-war ihnen nicht genug. Hinflattern, wohin es ihnen beliebte, wollten
-sie.
-
-Da lagen sie nun, irregeführt, im Staub und spürten die Lebenskräfte
-schwinden.
-
-Ja, da mochten sie jetzt sehen, wie es ihnen erging!
-
-Die Sechsuhrsonne hing an olivengrünen Tapeten, an kastanienrotem alten
-Gerümpel.
-
-An dem wächsernen Christus unter dem Glassturz fließt ein dünner, gelber
-Strahl vorbei.
-
-Der kam durch ein Loch in der Gardine.
-
-... Er blickt auf die glänzende, weiße Tür; es war ihm so wohl ... Er
-nahm seine Noten vor.
-
--- -- Chopin? ...
-
-Ja, Chopin würde er spielen.
-
-Er legt das Heft auf das Pult und stimmt. Ein paar Striche, Griffe übers
-Griffbrett herunter, dann faßte er die Geige mit dem Kinn, stieß mit der
-linken Hand den Ärmel zurück und: Piano ...
-
-Das rechte Handgelenk bog sich sanft, ruhig wie ein Schwanenhals und die
-süßen Triller flogen wie kleine Kalanderlerchen ans Fenster und setzten
-sich dort auf dem Fensterhaken ...
-
-Wer spielt denn da oben? -- Er hielt inne.
-
--- Ich! --
-
--- »Ich?« wer »ich?«
-
-Pause.
-
-... Ein Damenlachen beugt ihn zum Fenster heraus. Mit der Geige unter
-dem Arm, da prallt er zurück, die Blonde in Trauer stand unten.
-
-An der Hand hatte sie ein vierjähriges Mädchen. Das hielt eine Puppe im
-Arm und sah dorthin, wo Mama hinsah ...
-
-
- 2.
-
- Nach vier Tagen.
-
--- Sie sind der Violinspieler?
-
--- Ja.
-
-Er lächelt. Sein rechtes Knie zittert, er habe noch um Entschuldigung zu
-bitten, sagt er.
-
--- Nein, der Herr nimmt dir deine Blumen nicht, sei still, Martha ...
-Was war es, was Sie spielten?
-
--- Chopin. Ein Nocturne.
-
-Sie überging ganz, was er vom Entschuldigen gesagt hatte.
-
--- Chopin ..., sie sah an ihm herunter. Ihr Blick hielt bei seinem Knie
-und blieb da:
-
--- Ja, wie komme ich da jetzt aus diesem Wald heraus?
-
-Er deutet mit der Hand:
-
--- Dann kommt eine Bank, von da geht ein Weg hinunter, gerade bis hinter
-das Haus des Herrn Presoli.
-
--- Wie, Sie wissen sogar wo ich wohne? die schwarze Glacéhand am Kinn.
-
--- Sie standen unter dem Tor und redeten mit ihm, Herrn Presoli, er
-hielt die Mütze in der Hand. Und dann gingen Sie mit ihm in die Zimmer
-hinauf; an einem Freitag war es.
-
--- An einem Freitag? Ja, ja, da bin ich hiehergekommen.
-
-Sie heftet die Augen auf einen Punkt und sagt das so hin, dabei klopft
-sie mit dem Finger auf die weißen Zähne.
-
--- Also guten Tag!
-
--- Gestatten Sie, daß ich Ihnen den Weg bis zur Bank zeige?
-
--- Ach nein, danke! Jetzt finde ich ihn ja.
-
-Sie lächelt und nickt, dann ging sie.
-
-Er verschwand schnell. Hinter einem Baum sah er ihnen nach. Das Jäckchen
-des kleinen Mädchens war schwarz, kaum so groß wie ein Bilderbuch und
-der kleine Hut war schwarz, nur das Röckchen war weiß und die Strümpfe
-und Schuhe waren wieder schwarz ...
-
-So trippelt es einher neben seiner Mama, die behend und aufrecht
-zwischen den Bäumen hinuntersteigt ...
-
-Er ging hinauf bis zum »Kamm«.
-
-
- 3.
-
-Der Sonnabend fiel aus den Bäumen. Auf dem Waldboden, in den dürren
-Nadeln blitzte es, daß es in den Augen weh tat.
-
-Plötzlich wandte er sich um: Sie stand unten auf der Fahrstraße ...
-
-Ein Holzweib sagt etwas zu ihr und die Frau öffnet die kleine Handtasche
-...
-
-Sie stieg langsam herauf.
-
-Durch das Weggesträuch mit ihren langsamen Schritten. Plötzlich ist sie
-zwischen den Bäumen verschwunden. Aber da kam sie schon wieder auf den
-Weg heraus und er ist froh ...
-
-Das Gesicht zurückgewandt, den einen Fuß vorgestellt, verweilt sie und
-schaut hinab zu den roten Dächern ...
-
-Als sie wieder ihren Weg fortsetzt, tut er so, als wäre er wegen der
-Aussicht da und stellt sich auf.
-
-Ein paar Schritte noch und sie war heroben.
-
-Jetzt sah er auch, was sie in der Hand hatte, ein Babyhut war es, aus
-weißem Leinen. Den hält sie sich vor das Gesicht. Wie sie an ihm
-vorbeikommt, hat sie ein graugrünes Kleid an und weiße Handschuhe bis
-über den Arm hinauf.
-
-Da setzt sie sich auf eine Bank und legt den Arm auf die Lehne.
-
-Sein Herz klopft und treibt ihm das Blut ins Gesicht und als er sich der
-Bank nähert, werden seine Beine unsicher. Er vermag es nicht, den Arm zu
-heben und zu grüßen ...
-
-Aber zwei Augen gingen mit ihm und um den Mund war ein Lächeln, das
-sagte: Ja, ja, ich bin es, mein Lieber.
-
-Die Schuhspitze klopft auf dem Boden ... Der Arm auf der Banklehne
-spielt mit dem weißen Hütchen und der andere liegt wie eine schöne,
-weiße Schlange im Schoß ...
-
-Er atmet auf, als er auf dem Plateau anlangt. Das hieß »der Kamm«, und
-es hat der Wind freies Feld da.
-
-Er lächelt mit sich und blickt zu Boden; in seinem Hirn ging es drunter
-und drüber ...
-
-Er sieht sich nach ihr um, da schaut sie zu ihm herauf: Er geht langsam
-zurück.
-
-Und vorbei ... Nein, er wagte es nicht.
-
-Sie verzieht den Mund und »du Kipfel« heißt das.
-
-Nach zehn Minuten taucht er wieder auf. Aber er ging wieder bis zum
-Plateau --
-
-Sie schaut in den Wald hinein, fächelt mit dem weißen Kinderhut, da
-kommt Presoli.
-
-Wie der auf dem Plateau ist, stützt er sich auf seinen Stock, steht so,
-betrachtet sich die zwei und denkt wohl: Ei ja ... Ein Blick nach ihm
-hin, er trollt sich und verschwindet.
-
-Das kleine weiße Hütchen auf dem Knie, spitzt sie den Mund, und sie
-pfiff ...
-
-Er wagt es; aber gerade jetzt stand sie auf und ging hinunter!
-
-Er eilt ihr nach. Rechts von ihr: Verzeihen Sie, ich möchte Ihnen das
-geben ...
-
--- Was? fragt sie im gröbsten Dialekt.
-
-Hinter ihrem Festungswall, dem Babyhut, und sie ist brennrot im Gesicht.
-
-Er hält ihr einen Brief hin mit der rechten Hand.
-
--- Haha!
-
-Dasselbe glaubt auch der Wald, denn er wiederholt es.
-
-Sie nimmt den Brief mit der Linken. Eine feine Hand ist in dem weißen
-Handschuh, hinter der weißen Kappe lacht die Frau.
-
-Nicht ganz so groß ist sie wie er. Ihre Schritte erinnern an die
-blendender Stuten vor dem Leichenwagen, denen der Galopp versagt ist.
-
--- Er läßt sie über den Weg und sie geht hinunter.
-
-... Nun war er wieder auf dem Plateau. Und viel weiter unten, da stand
-sie, ihr graugrünes Kleid nach der neuesten Mode.
-
-Das Körpergewicht ruht auf dem rechten Bein, so stand sie und las. Vom
-Gemeindeplatz tönten die Glocken herauf. Dann geht sie rasch weiter und
-ihre rechte Hand mit dem Blatt Papier schwenkt übertrieben stark in der
-Luft.
-
-
- 4.
-
-Mondnächte, wie in dem Tanzmärchen, da das adelige Fräulein Strohlendorf
-plötzlich mitten auf dem Märchen-Waldboden stand, hergeweht von den
-Cephyren. Auf einem Bein, Kopf hintenüber, erstarrt, in Hingebung ...
-Unbekanntem ...
-
-... Und eine Hoboe die Sterne herabflötet zu ihr ...
-
--- Auf dem »Kamm« hatte der Wind seine letzten Seufzer ausgehaucht. Kein
-Hälmchen rührt sich. Das einzige, was sich regt, das Flimmern der
-Sterne. Da raschelt es im Laub und zwischen den Bäumen kommen zwei
-daher. Im grünen Mondlicht, das an den Bäumen herabfließt, am Boden
-weiterrieselt und irgendwo unter dem modernden Laub in die Erde lautlos
-hineinrinnt. Puck, Bohnenblüte, Oberon.
-
-Langlangsam ...
-
-Kommen zwei daher, eng aneinander, sie stehen Brust an Brust, dann gehen
-sie wieder ...
-
-Warum hast du mir das nicht gesagt? fragt sie. Keine Spur von Dialekt.
-Das Lächeln mit geschlossenen Augen, das zittert in ihre Stimme hinein
-...
-
-
- 5.
-
-Auf dem Fußweg im Lärchenwald kollert ganz plötzlich der Mond.
-
-Der Junge ging da und taumelte, bald über den Weg, bald zwischen den
-Bäumen und hielt die Hand ans Gesicht gedrückt.
-
-Er setzt sich auf einen Baumstrunk ...
-
-
- 6.
-
-Die Front des Hauses ist im Dunkeln. Der Mond steht verklärt auf dem
-Dachfirst und schaut von da in den Himmel hinauf.
-
-Ein einziges Fenster ist schwach erleuchtet, ein unschuldiges Lichtchen
-brennt hinter den Scheiben.
-
-Drei weiße Fensterpölster sind da, die schimmern durch die Nacht ...
-
-Jetzt kämmt sie sich, denkt er, und sitzt auf seinem Holzstoß im
-Schupfen. Die Torflügel sind ausgehoben und die halbe Welt liegt vor dem
-flügellosen Tor und der Himmel darüber ist angefüllt mit Sternen.
-
-Ein Fenster ist weit geöffnet und ein Fensterhaken hängt nach.
-
-Aber er baumelt nicht, nein, nein, die Luft liegt wie Öl.
-
-Jetzt hast du dein Licht ausgelöscht?!
-
-... Leise hustet jemand im Zimmer.
-
-Jetzt kommt sie ans Fenster! denkt er, und seine Hände legen sich
-langhin auf den Holzstoß ...
-
-Vor dem Tor wächst ein Halm, der bewegt ein einziges Mal seine Spitze,
-dann steht er wieder kerzengerade ...
-
-... Da ist sie?!
-
-Aber es war das nur der Vorhang, der plötzlich vom Mondstrahl getroffen
-wurde.
-
-Eitel Silber rauscht armdick aus der Brunnenröhre und in die Kufe und
-das ist das einzige Geräusch auf dem großen Hof.
-
-Er wartet und wartet, und auf seinem herrlich mit Wasser frisierten
-Scheitel glänzt der Mond.
-
-
- 7.
-
-Die Sonne ist schon fort. Ein hochrotes Wolkenband brückt über den
-Himmel weg. Unter ihm fährt der Abendzug weg. Eine weiße Säule, schräg
-in den Himmel, über sich ...
-
-Das Kinn an den Hals gedrückt, stand er da. An seinem Leib konnte man
-die Rippen zählen, durch das dünne Sommergewand.
-
-
-
-
-Ich wandere, beschließe ich. Bleibt ihr alle da, wollt ihr nicht mit
-mir!
-
-Ich habe Mond und Sterne auf meiner Seite, sie gehen mit mir. Das ganze
-Firmament!
-
-Ich laufe auf dem Schienenweg und probiere die Sterne aus.
-
-
-
-
- Die Reise
-
-
-Ich bin reisefertig.
-
-Corra ging noch einmal hinauf in ihr Zimmer, um die Jacke; die Abende
-werden jetzt schon kühl. Ich stehe an den Pfosten der Türe zum Vorhaus
-gelehnt und warte. Und das macht mir Freude, daß ich hier so stehen
-darf, gelehnt an den Pfosten und warten ...
-
-Und sie lassen mir ihn, den Pfosten, die hier heroben sind und hausen.
-Menschen voll Güte ...!
-
-Ich stehe an den Pfosten gelehnt und überschaue von da aus die große
-weite Welt.
-
-Corra kommt. Sie hat ihre Jacke, im Gehen ruft sie dem Küchenmädchen zu,
-ob sie die Levkojen hineingenommen habe. Marie?
-
-... Ja, tönt es zurück.
-
-Levkojen? frage ich.
-
-Ja, sagt sie und lächelt. Und so kommt es, daß meine Augen noch einmal
-über das Haus gleiten müssen ... Und heimlich verabschiede ich mich von
-den großen, weißgetünchten Schornsteinen und von dem Himmel, der gleich
-hinter dem Dachfirst anfängt. Die paar Wölkchen, die ganz rot
-dahergesegelt kommen, inbegriffen. Und dann vom Dache extra. Das hat
-seine helle, ziegelrote Farbe schon ein wenig eingebüßt.
-
--- Liebe Corra, laß mich deine Jacke tragen.
-
--- Nein, ich habe meine neue Jacke mitgenommen, du verdrückst sie mir.
-
-Und ich lasse ab, von diesem meinem Wunsche und denke bei mir: Corra hat
-eine neue Jacke mitgenommen und im Geiste lege ich den Finger auf die
-Stirne: Die neue Jacke ...
-
-Jetzt vergesse ich, mich noch einmal umzusehen! Nach dem Pfosten der
-Türe zum Vorhaus zu schauen ... Und die weißgetünchten Schornsteine?
-Aber alles ist schon untergetaucht und verschwunden ... Ja und das mit
-der Jacke war unser ganzes Gespräch. Corra geht zwei Schritte weit neben
-mir, dann drei ... Und jetzt geht sie gar lächerlich nahe neben mir ...
-Corra?
-
-Ich werde grob und sage zu mir: Halts Maul! Und jetzt erinnere ich mich,
-daß sie tralala machte.
-
-Wer nun war daran schuld, wie ich, daß sie nun wieder weit von mir in
-der Herbstsaat herumstieg!
-
-Eine ganze Straßenbreite weg stiefelt (...) sie in der Ackererde.
-
-Corra kommt zu mir herüber, legt ihren Arm auf den meinen, schaut mir
-ins Gesicht (...) und sagt: du, du kannst meine Jacke tragen ...
-
-... Und sie gibt ihre Jacke ...
-
-Die neue Jacke ...
-
-Und sie tut das ganz offen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
-
-Meine Arme waren lahm ... Meine Füße gingen mechanisch. Corra hängt sich
-sogar in mich ein.
-
-Und sie gehen fort, eine geschlagene Stunde, miteinander ... Und, du, du
-kannst meine Jacke tragen, bleibt unser ganzes Gespräch ...
-
-
-
-
- Istrianische Kalklandschaft
-
-
- Aus roter Erde,
- Sparsam windgestreut in Kalkfelsenspalten,
- Hängen Büsche Salzkristalle.
- Und in dunkle Meeresfalten
- Rollen Steine.
- Weit,
- Ein einzig Fleckchen Erde,
- Gott behielt es sich zu seinem Acker.
- Sonst alles tot und leer ...
- Wär nicht ein flüchtig Rad
- Zweier Delphine,
- Enteilt es übers Meer,
- Stille stünd' die Zeit ...
-
-
-
-
- Wien, 30. September 19..
-
-Plötzlich waren Sie wieder da, bei Vater, Mutter und Schwester.
-
-Ein Wagen stand vor dem Tor, unter der Laterne.
-
-Den Wagenschlag öffnet eine Frau, im Tor hat sie gewartet und lange
-dagestanden und die Straße hinauf und hinunter geblickt, ein weißes
-Taschentuch an den Mund gedrückt.
-
-Jetzt war der Wagen da und sie eilt zum Wagenschlag und öffnet ihn.
-
-Und da ist es eine junge Dame im Reisekleid, die aus dem Wagen steigt,
-langsam und bleich. Ihre Hände in grauen Handschuhen ringen sich um den
-Hals der Frau und so bleiben sie, Mutter und Tochter ...
-
-Zugleich schlägt oben in den Stockwerken ein Fenster zu und ein Schrei,
-der, an den geschlossenen Fenstern der stillen Gasse noch fortflatternd,
-sich zerstört ... Und die den Schrei tat, ein junges Mädchen, Leonarda,
-die Schwester der Dame im Reisekleid, kommt aus dem dunklen Tor hervor,
-sie weint laut, stürmisch faßt sie die Angekommene unter dem Arm, die
-Schwester, die noch immer und wortlos an dem Hals der leise
-schluchzenden Mutter hängt.
-
-Der Kutscher schaut vom Kutschbock herab auf die drei; eine Gruppe vor
-einem dunklen Tor in stiller abgelegener Gasse, bei dem gelben Schein
-einer Laterne, verweilen drei Frauen, leise schluchzend die eine,
-während das junge Mädchen seinen Gefühlen freien Lauf läßt, laut weint,
-zu allen Fenstern hinauf, in der stillen Gassennacht ...
-
-Und das Gesicht der Dritten liegt bleich, auf dem Hals der Mutter, ohne
-Träne, unbeweglich, mit zugefallenen Lidern wie ein Marmorgesicht ...
-
-Und dann in dem dunklen Hausflur, sehe ich, wie sie nun langsam den Fuß
-vom Boden abhebt und vor den andern setzt.
-
-Das Marmorgesicht liegt auf der linken Achsel der Mutter und an
-derselben Seite geht Leonarda mit kleinen Schritten und stützt mit
-beiden Händen die Schwester.
-
-Und ich habe sie erkannt, Frau Farweller ...
-
- * * * * *
-
-Und Ade sagten Sie, Frau Farweller, und blickten zur Erde hinab, flogen
-auf mit zwei Flüglein ins Himmelreich ... Angemeldet, abgemeldet ...
-
-Und da stand ich, bei dem Tor, drehte mich, stieg vor dem Tor auf dem
-Trottoir herum, und ging an der Häuserreihe, an den Wänden, wieder
-zurück ...
-
-Und da fällt es mir ein, wie ich diesen Weg auch oft mit Ihnen gegangen
-bin, als Sie noch Schulmädchen waren, damals.
-
-In respektierter Entfernung natürlich.
-
-So sagen wir eine Straßenbreite, bis zu Ihrem Hause. ... Sie sprachen
-noch eine Weile mit der Freundin, einem Vize-Adelinenwesen. Es war ein
-heißer, weißer Sommer, der die Menschen matt macht, und Blässe lag auch
-auf Ihrem und Ihrer Freundin Gesicht. Dann gebt Ihr Euch die Hand ...
-Sie gehen durch den Hausflur und bei der Stiege bleiben Sie stehen, Ihre
-Füße kommen gerade da zusammen und so bleiben Sie stehen ...
-
-Mit der linken Hand halten Sie die Schultasche und die rechte ist darauf
-gelegt ...
-
-Ihre Gestalt sehe ich im Profil ... Ein weißes Alltagssommerkleid sagten
-Sie ... Und Ihr Kopf wendet sich mir zu und nickt. Und ganz allein mir
-galt es ...
-
-_Pronti!_
-
-Ich gehe augenblicklich über Felder, springe über Gräben. Einen großen
-tiefen Graben habe ich auch zu überschreiten gehabt. Ein _incredibile_
-langes Brett! Es stammte gewiß aus Nordamerika, eine Conifere!? Brett
-aus den Felsen-Waldbergen, Grizzlys Heimat ...!
-
-Friedliche Tiere habe ich aufgescheucht, aus ihrem Schlaf, aber es war
-nicht Absicht, junge Frau, Sternennacht ...
-
-Warum weine ich?
-
-
-
-
- Oh Cinema ...
-
-
- (Kein Auge blieb trocken). --
-
-Da kommt sie, das Unglückswesen, sagt eine weibliche Stimme hinter mir.
-
-Und wirklich! Immer bist du es, die ich heute zum drittenmal sehe,
-Hermia, dieselbe.
-
-Jedesmal behielt ich dieses Bild im Herzen:
-
-Das Bukett Rosen mit dem Brieflein: Graf ... In den Handschuhmacherladen
-hinein ...
-
-Nein, der »Graf« war dir nichts. Nur ihn, ihn küßtest du, als du seinen
-Brief küßtest, und die Rosen küßtest und an Mund und Augen und Wange
-drücktest ... Hermia ..., daheim, in deiner Kammer ...
-
-Eines Abends, nach Geschäftsschluß: ob ein Wiedersehen möglich wäre ...?
-Nein, nein, nein, Hermia schüttelt den Kopf, und wie sie die Rosen lieb
-anblickt. (Nein, gewiß, nimmer würde sie von euch ihre Hand lassen ...)
-
-Dann, hinter dem Haustor blickt sie noch durch das Torfensterchen und
-macht mit der Hand Pa...
-
-Und oben in deinem Kämmerlein, Hermia:
-
-Gleich Wasser, für die Blumen, o, wenn man all den Duft mit einemmal
-einsaugen könnte ...!
-
-Arme Hermia, dann war es wohl die erste im Reigen der unruhigen Nächte
-...
-
- Nächsten Tages. --
-
-... Welche Freude es für ihn wäre, sie Sonntag nachmittag am Jägerweg
-erwarten zu dürfen, zu einer Automobilfahrt! --
-
-»Vielleicht um vier Uhr, wenn es Ihnen recht ist?«
-
- Graf Udo Ferdinand N. --
-
- * * * * *
-
-Ein weißer Mädchenschirm, der im Wegsand stochert; Wind, alter Lebemann,
-vermag nicht abzulassen von eines jungen Mädchens weißem Kleide!
-
-Weiß, der Sommer prallt daran ab.
-
-Das Automobil schwankt heran.
-
-Hermia kehrt dem plötzlich den Rücken und geht drei Schritte:
-
-Nein, es kann nicht wahr sein, nicht wahr sein! Hermia, es ist das Glück
-... Es lächelt dich an ...
-
-So denkt Hermia, und neigt den Kopf, denn sie sieht da die Steinchen im
-Wegsand nicht mehr. Feuchte Augen trüben den Blick ...
-
-Eine Stunde später: Die Bank am Waldespfade ... Beide setzen sich ...
-
-Einstweilen nimmt er das Blatt weg, das auf ihr Knie gefallen war ...
-
-Auf das himmlische Knie unter dem weißen Kleide ...
-
-Horch, was ist das? --
-
-Nichts, Waldesrauschen. --
-
-Das Automobil wartet. Auf der breiten Straße mit den Kilometersteinen.
-Der Chauffeur trinkt sein Bier und liest die Zeitung: Die
-parlamentarische Kommission der konservativen Rechten ...
-
- * * * * *
-
-Er legt die Hand um ihre Taille. Sie erbebt, erhebt sich, wächst empor,
-und wie die Lilie im Zauberwald ..., streift langsam seine Hand ab ...
-behält ... sie ... in ihrer Hand ...
-
-Vielleicht strömt ihr bisheriges, stilles Leben an ihr vorbei?
-
-Vielleicht eine Szene hinter dem Ladentisch? Wie sie gerade mit der
-Schere ein widerspenstiges Haarlöckchen abschnitt, sorgenfrei ...
-
-Sie wendet langsam ihr Gesicht ihm zu: die Augen blicken ernst, der Mund
-ist halb offen.
-
-Er sieht ihre eingefallenen Wangen und wie die Brust atmet. Und Hermiens
-Augen werden groß und matt, wie es die Sonne jetzt tut im Westen.
-
-Hermia steht auf dem Felsgrat. Und in blauen Tiefen sieht sie die
-Sphären schwingen. Wird Hermia schwindelfrei sein, und die Tiefe unter
-ihr nicht ihren weißen Nacken lähmen?
-
-Wird sie es vermögen, den blauen Tiefen noch rechtzeitig ihr nicht
-weniger tiefes Blauauge zu entreißen, hinter sich zu blicken und einem
-schwachen Mädchenfuß alte Kraft und Sicherheit wiedergewinnen zu lassen,
-froh und befreit niederzuwandern zwischen Bergblumen?
-
-Siehe, aber _sie_ vermochte es nicht, Hermia, als sie hinaustrat auf den
-Felsgrat ihres Lebens. --
-
-Hermia hatte nicht gelernt auf Felsgraten zu tanzen.
-
-Die schwingenden Sphären nahmen sie an sich, komm zu uns, komm zu uns,
-riefen sie und Hermia fühlt, wie sie aufgehoben wird, abgehoben von dem
-Fels unter ihren Füßen, und hinabgleitet: -- Sie fällt ihm um den Hals,
-Hermia, Graf Udo Ferdinand N., und birgt ihr Gesicht an seiner starken
-Brust.
-
-Sein ist Hermia und die Seele blickt auf ...
-
- * * * * *
-
-Harmonium solo.
-
-Und dann wird es das alte Lied: Hermia liegt zu Bett. Das hat an Kopf
-und Fußende ein kaltes, eisernes Gestänge. Und da sind noch viele
-Betten, und eines sieht dem anderen ähnlich auf ein Haar ... Neben dem
-großen Bett steht ein kleines Bettchen. Es ist nicht die Himmelswiege,
-es ist das große Bett aber _en miniature_.
-
-Darin bewegt sich das Würmchen ...
-
-Hermia aber liegt stumm, dann und wann tun sich die großen Augen auf und
-schauen die Zimmerdecke an ...
-
-Neben Hermiens Bette sitzt die alte Wärterin, sie stickt.
-
-Sie hat zeitlebens nur Anna geheißen und Kranke gepflegt, an Peppo
-gewürgt, und Peppo ist es in den Geschichtchen der Hermien, die hier im
-Spitale liegen und mit großen Augen der Wöchnerin zur leeren weißen
-Saaldecke schauen, nach den Bildern ihrer Erinnerung.
-
-Und jetzt war Peppo sogar Graf, Graf Udo Ferdinand N., erzählt Hermia
-...
-
-Vielleicht könnte sie sich ein wenig im Bette aufsetzen? Anna ist ihr
-behilflich.
-
-Nein, sie kann es nicht, Hermia, sie ist noch zu schwach und sie sinkt
-wieder zurück.
-
-Die schönen schmalen Hände liegen wieder neben dem Körper, bleich auf
-der Decke ...
-
- * * * * *
-
-In den ersten Nachmittagstunden, das Krankenzimmer liegt an der Sonne.
-Ein Sperling singt auf dem Fenstersims Frühlingslieder. Hoch oben unter
-der Saaldecke ist das Fenster, und es ist offen. Unter ihm schläft das
-Kleine in seinem Bettchen. Es hat sich mit den Ärmchen müde gespielt.
-
-Hermia erzählt. Sie erzählte so gern ...
-
-Sie wünscht, daß Anna ihr das Etui mit dem Medaillon herüberreiche. Anna
-tut es und mit einem mitleidsvollen Blick (der von Hermia nicht gesehen
-werden darf). --
-
-Hermia nimmt das Medaillon heraus. Wie sind die Hände so langsam und die
-Finger spitz ...!
-
-Sie schaut das Medaillon an und ihr Hals macht dabei unter dem Kinn eine
-Falte. Er muß den Kopf ein wenig heben, der Hals, daß die großen Augen
-das Medaillon sehen können und da macht er die Falte. Können denn die
-Hände das Medaillon nicht höher halten? Nein, sie sind zu schwach.
-
-Hermia legt das Medaillon in das Etui, gibt dieses der Anna zurück ...
-Sie möge es zu dem kleinen Ferdinand neben ihr ins Bettchen legen.
-
-Will sie sich denn schon vorbereiten zum Sterben?
-
-Ja, abends war sie tot. --
-
-Sie starb an Schwäche. Ganz still, niemand hörte es ...
-
-... Die Ärzte breiteten ein weißes Leintuch über sie.
-
- * * * * *
-
-Als der junge Graf endlich (zu spät!) auftauchte, geschah es, daß er
-sich über das sanfte Bild warf, das das weiße Leintuch behütete, und nur
-noch dieser heutige Tag seine Zeit lang von jener frühen Morgenstunde
-trennte, da das Zügenglöckchen ertönt -- (Harmonium solo). Er weint. --
-Die Ärzte lassen ihn allein, und geben auch der Wärterin Anna einen
-Wink.
-
-Darin küßt er das Händchen des kleinen Ferdinand. (Nach ihm so benannt
-...)
-
-Die achtzehnjährige Ninette hatte sich den kleinen Ferdinand, süß
-schlummert er, auf den Arm genommen. Neben ihm stand sie, dem großen
-Ferdinand, und da küßte der große Ferdinand das Händchen des kleinen
-Ferdinand. --
-
-Sie, Ninette, herzte ihn noch eine Weile und legte ihn wieder in sein
-Bettchen zurück, das kein Himmelbett war. Dann bekam er eine andere
-Mutter ...
-
-
-
-
- Waldelfe
-
-
- »Oft wandelt die Liebe in Haß sich! --«
- Doch wenn ich dich Blümchen anseh,
- Nun schon vergilbt, kein Duft mehr
- An dir, zwischen zwei weißen Blättern:
- Kannst ärger du wüten, o Schmerz,
- So wüte!
- Nicht scheint mir begreiflich dein Spruch ...
-
-Werther schlug die Zeit tot.
-
-Plötzlich ging er ein Stück Weges zurück und kehrte wieder um ...
-
-Der Wegsand war feucht vom Regen in letzter Nacht.
-
-Einer lauen Sprühregennacht, die Schuhe drücken sich leicht im Sande ab.
-
-Er ging und sah auf den Boden, die Hand plötzlich an der Wange ... Da
-war es das zweite Mal, daß er zurückging.
-
-Die Sonne war im Untergehen und ihr ganzes Dekorationsinventar stellte
-sie zwischen den Bäumen auf, und zwischen den Bäumen wandelt plötzlich
-jemand daher.
-
-Luise ...
-
-Sie hatte wieder ihr neues Kleid an. Und so schön war sie, als er sie so
-ruhig dahergehen sah, mutterseelenallein.
-
-Hinter ihr ging die Sonne unter ...
-
-Ach, er blieb stehen und hielt den Atem ein. Wenn sie ihn nur noch eine
-kleine Minute lang nicht bemerkte! Und er blickte zum Himmel, daß ihm
-die Bitte erfüllt werde ...
-
-In der Hand hatte sie eine einzige, kleine Blume, die mit der Hand hin
-und her, langsam durch die Luft strich. Luise neigte den Kopf ein wenig
-zur Seite, und wie gewöhnlich, blickte sie auf den Boden hin.
-
-Sie sang leise ...
-
-Da stehen sie sich gegenüber. Sie atmet schnell, kneift den Mund
-zusammen und heißrot steigt es in ihr Gesicht, und das ist nicht Luisens
-Farbe, und über der linken Braue steht eine kleine Falte.
-
-Einige Minuten vorher konnte sie ein Lied singen ...
-
-»Fräulein Luise, es war nicht Absicht«, er spricht's in den Wald hinein.
-
-Lodernde Fackeln stehen auf im Umkreise und das Feuer rauscht und
-knistert, und gelbe Flammen gehen nieder und erlöschend im Gleitflug vor
-Luisens Füßen.
-
-Herbstwald ...
-
-Sie sagt nichts; der Wald rauscht. Sie hält das Gesicht zur Seite
-gewendet und blickt weg. Das Weiße in ihren Augen glänzt.
-
-Jetzt war sie wieder wie damals im Hamerlingpark, um sechs Uhr abends.
-
-Als er das erste Gespräch mit ihr hatte ...
-
-Sie legt die Finger ineinander und läßt sie so auf dem Schoße ruhn.
-
-Nach einer Weile sagt er: »Fräulein Luise, so allein sollte ein junges
-Mädchen nicht gehen, im Wald, in der Nähe einer so großen Stadt!«
-
-Sie blickte ihn an, aber sah wieder weg:
-
-»Sie haben ja einmal gesagt, alle Mädchen sind Ihnen gleichgültig.«
-
-Sie schaut auf einen Punkt und drückt die Lider zusammen, und die
-Kurzsichtigkeitsfältchen sind wieder da. Sie ging. Langsam setzt sie
-einen Fuß vor den andern ... Er ging unschlüssig ihr nach, da sah er die
-Spur, die zurückblieb, wenn sie den Fuß vom Boden abhob.
-
-Er stand bei ihr, er zitterte; »Luise!« er wendet das Gesicht ab. Es
-brandet über den Wipfeln und saust fort.
-
-Werther: Augen schließen und Niagara übers Herz ... Ein leidvolles
-Lächeln.
-
-Ach, wie er sich hielt mit fester Hand. An seinem Mundwinkel zog es.
-»Ich weiß nicht, was Ihnen so schwer fällt«, plötzlich sagte sie es,
-_mezzavoce_; sie steht wieder, ihre Fingerspitzen berühren seinen Arm
-und sie blickt ihn an ...
-
-Welcher blinde Zufall wollte da unbedingt, daß er ausgeliefert werde?!
-
-Und sollte sein selbstloser Plan nicht in Erfüllung gehen, nein? Er war
-doch hierher gekommen, um zu leiden, still, ohne einen Laut ...
-
-Da kam sie daher und drohte mit einer Frage, ihm alles zu vernichten.
-
-»Darf ich mit Ihnen gehen?« fragt er plötzlich ganz ruhig. Es sah
-wirklich so aus.
-
-»Ja, aber weil sie mir schon bange gemacht haben.«
-
-Über der linken Braue stand wieder die kleine Falte. Sie war wieder
-hart. Luise war wieder hart.
-
-Er ging mit.
-
-Nein, er konnte es nicht begreifen, sie war es, die er hier traf? Und
-sie hatte sich jetzt gerade unter seinen Schutz gestellt.
-
-Er sah dies Bild: Die Hände vor der Brust, blickt sie ängstlich zurück,
-während er dicht vor ihr stand und bei ihr ..., seine Hände über sie
-hielt und sie schützte ...
-
-Ach, wie gern würde er Qualen erdulden!
-
-Da, _mich_, seid einmal gütig in eurem Leben, würde er ausrufen. Nach
-peinvollen Minuten: Meine Wunden lassen mich noch eine halbe Stunde am
-Leben?
-
-»Ja, eine knappe halbe Stunde«, sagen sie darauf.
-
-So ist es gut, antwortet er.
-
-Und zu Luise gewendet: Jetzt kann ich dich noch begleiten, und er
-lächelt glücklich. Bei der Tür zu dir erst werde ich stürzen, aber ich
-kann dann noch nachblicken, du ... Und da wendet er sich noch einmal zu
-jenen Männern und winkt ihnen mit der Hand: Ich bin Euch dankbar, gut
-waret Ihr, ich bin Euch dankbar ...
-
-Da merkte er plötzlich, daß sie ihn die ganze Zeit von der Seite
-ansieht. Und da er sich zu ihr wendet und dies sieht, sagt sie: »Sie
-sehen leidend aus, waren Sie krank?«
-
-Da wird in ihm all sein Leid wieder wach, lebhafter denn je, eine Garbe
-von weichen Gefühlen drängt es nach außen; da preßt er sie an sich,
-seine Hand zuckt, so wild reißt er sie an sich. Der linke Arm schlingt
-sich um ihren Kopf und die Hand drückt auf die Stirne; ganz sinnlos ist
-er und merkt nicht, daß er ihr mit dem Finger am Auge weh tut. Er
-bedeckt sie mit heißen Küssen, Mund, Wange, und benetzt sie mit Tränen
-...
-
-Dann läßt er sie los, wendet sich ab, und bedeckt sein Gesicht mit der
-Hand. Sie steht da, und in ihrer Ratlosigkeit streicht sie sich mit den
-Fingern über das Gesicht. Da eilt sie zu ihm hin, legt die rechte Hand
-auf seine Brust und die Linke zieht die seine vom Gesicht weg ...
-
-»Wein' nicht«, sagt sie. -- -- -- -- -- -- -- --
-
-Solchen Phantasien gab er sich hin, die seine Landregenstimmung vollends
-herunterbrachten. Das Rosa der durchschimmernden Augenlider war das
-Letzte, was ihm von dieser Welt im Bewußtsein zurückblieb, bis auch das
-weg war; sein Kopf sank matt zurück, er verfiel in traumlosen Schlaf.
-
-Da lag er hinter dem Busch, hingefallen wie ein Selbstmörder.
-
-Er lag so mehrere Stunden ...
-
-
-
-
- Abend
-
-
-Bauplätze, allerhand Graswuchs, um Tümpel im Lehmboden.
-
-Eine Allee, ein Geländer lief mit, flog es in die Ferne wie
-telegraphiert, auf, ab, auf, ab, längs abschüssiger Wiesengründe.
-
-Ein kleiner Hügel, der aus dem Tal herauf will, klammert sich an die
-Straße. Aber das kostet ihm den Kopf, auf seinem Rumpf stellt Stadtrat
-Sch.s Antrag Bänke auf: und alte Alleebäume müssen die Eindringlinge
-respektieren, und sie tun es mit einer in langem Leben erworbenen
-Gelassenheit, vollführen hinter den Bänken einen Halbkreis und gehen
-weiter, schweigend, einen schnurgeraden Trott.
-
-Und hinter Hügel und Geländer der Brand von Rom!
-
-Die Uhr ist sieben.
-
-Zwei Männer stehen da, dem einen hängt die Pfeife aus tabakschwarzen
-Zähnen, der andere hält die Hände hinter dem Kopf verschränkt und gähnt,
-auf der Straße wird es finster.
-
-Nach einer Weile sind die Bäume schwarz, das Geländer schwarz und die
-Grasspitzen Silhouetten, die in den Himmel stechen.
-
-Ein Paar lustwandelt.
-
-Er hat seinen Arm um ihre Taille geschlungen, so gehen sie und haben
-keine Eile.
-
-Vielleicht lese ich in einigen Tagen in der N. F. P.: »Die Anna H. kam
-täglich in den Laden, wo Kropetz bedienstet war, um das Fleisch für den
-Mittagstisch ihrer Dienstherrschaft zu holen. Die jungen Leute fanden
-Gefallen aneinander und bald entwickelte sich zwischen ihnen ein
-Liebesverhältnis. Dies sollte aber bald getrübt werden.
-
-Eines Tages mietete sich Johann W., der aus Mähren zugereist kam, im
-Nachbarhause der H. ein. Das Dienstmädchen erkannte in ihm einen
-Bekannten aus ihrem Heimatdorfe und sprach nun öfter mit diesem. Auch
-ließ sie sich von ihm zu einer Sonntagsunterhaltung führen, da sie ja
-Schulkameraden seien, wie er sagte. Kropetz stellte die H. tags darauf
-zur Rede. Sie erklärte ihm den Sachverhalt und sagte noch: »Dir bleib
-ich ja doch treu, wenn ich auch einmal mit ihm geh ...« Kropetz glaubte
-seiner Geliebten.
-
-Doch es war nur Schein. Als ...«
-
-Heut Nacht regnet es, sagt sie. Ihre Stimme ist seltsam bewegt ...
-
-Er blickt sie an mit seinen Rehaugen.
-
-»Georg ...« sagt sie ...
-
-Der Polizist steht plötzlich wieder da, er hat den Helm in der Hand und
-wischt ihn mit dem Taschentuch trocken; es war tagsüber sehr heiß.
-
-Es ist der, der vor Gericht dann aussagt: Die zwei wären ihm gleich
-nicht ganz richtig vorgekommen ...
-
-Dann gerate ich auf einen Pfad. Der hat auch sein Geländer, das sich in
-die Baugründe hineinekelt, es aber bald aufgibt, wie es einsieht, daß es
-hier nichts mehr zu schützen gibt ...
-
-
-
-
- Der Mond, ein Wachtposten!
-
-
- B. Kokoschka.
-
- Ach, ich seh dich gu-ten Mond schon wie-der
- wan-dern! Mein Freund, war-um so bleich?
- Sahst du mit ei-nem an-dern die Ge-
- lieb-te?
- Reich von dei-nen Wan-gen ihr
- ei-nen Strahl ... Und sag':
- Sieh, wie mei-ne Wan-gen sind die
- sei-nen fahl ...
-
-
-
-
-Wiedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier Stunden gedauert hat,
-sieht er, wie sich graues Morgenlicht auf den Fußboden hinabräkelt, und
-er hört die treue Amsel singen ...
-
-Fort fliegt sie; führt er die Hand an die Stirn, läßt sie daran herunter
-und über die Wange gleiten, und die Augen schlagen auf.
-
-Sie blicken auf den weißen Polster unter der Wange, feucht noch von
-Tränen im Schlaf. -- -- -- -- -- --
-
-Hat es nur einmal mit diesem elenden Regen sein Ende, ging er auf und ab
-im Zimmer.
-
-Am Fenster stehend sieht er nach des Kaufmanns Markus Vieldbich altem
-Haus, es bekommt einen neuen Anstrich. Meergrüner Lack.
-
-Gestern war erst das oberste Drittel meergrün. Heute standen die
-Anstreicher bereits auf dem Pflaster. Die Arbeit ging unaufhaltsam von
-statten. Das Gerüste wirkte wie übereinandergestellte Dächer und der
-Regen konnte die Arbeit nicht behindern.
-
-Er wandte sich vom Fenster weg, da erschreckt er im Spiegel: Die Augen
-lagen tief in den Höhlen und die Lider waren grau. Und jetzt merkte er
-erst, daß es ihm zur Gewohnheit geworden war, sie nicht ganz offen zu
-halten, sah er genau hin, waren tausend Fältchen da. Auch war das
-Gesicht nicht ganz rein.
-
-Ja, mit ihm war es abwärts gegangen. Er war wie ein winziges Insekt, das
-an dem heißen Lampenzylinder herabfällt.
-
-Luise? Nein. Seitdem sie von ihm gesagt hatte, mangelnde Galanterie
-seinerseits hätte sie beide auseinandergebracht, schien sie ihm ein
-gewöhnliches Wesen. Sie hieß auch gar nicht Luise, wie die Gattin
-Napoleons, und Mutter des Königs von Rom. Sie hieß Aloisia, nach dem
-braven Großvater, und spielte falsch auf dem Klavier.
-
-Was war es dann, das ihn nicht ruhen, ihn mit zuckenden Nasenflügeln in
-tollste Lustigkeit ausarten und plötzlich wieder in heller Verzweiflung
-in einen Stuhl zusammenbrechen ließ?
-
-Abends bei der Lampe, und dem trauten Gespräch im Familienkreis, ihm
-Sehnsucht die Brust durchgreift und er aufspringt mit dem heißen Wunsch:
-Ach! Laßt mich eine Gewalttat verüben!
-
-
-
-
- Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahr
-
-
- 22. November 19..
-
-Ich richte mich im Bette auf, und denke: 22. November ...!
-
-Ein zu Tode ermatteter Luftzug streicht zum Fenster herein! Neben meinem
-Bette, wo zwei Asternstöcke stehen. ... »Weißaster und Astern in anderen
-Farben, ihr seid Totenblumen, und euer ist der einsame Friedhofgarten!
-
-Euer Hauch ist der der Grüfte, und das Licht der Sonne liebt ihr, kommt
-es, getrübt, durch ein Kapellenfensterchen ...
-
-Wohlan!«
-
-
-
-
- Kärntnerstraße
-
-
-Lichtreklamebilder, Passanten, Lungerer.
-
-Laternenträger: Maxim, Süßes Mädel, Moulin rouge, Bajadere, Maison de
-danse, Fledermaus ...
-
-Schöne Frauen, mit ihren in kostbare Pelze gezwängten Dickbauchmännern,
-Freunden, Freundinnen ...
-
-»Auto bitte.«
-
-Winternacht ...
-
-Mizzi, Antschi, Viki, Lu-Lukretia ...
-
-Lukretia wandte plötzlich den Kopf nach mir. »Bubi ...«, sagte sie.
-
-Eine Goldplombe hatte sie im linken Mundwinkel.
-
-
-
-
- Lukretia
-
-
- Bei des Himmels Morgenkerzen
- Hüll' ich mich in meine Decken,
- Von dem vielen Drücken, Herzen
- Kann ich kaum die Glieder recken.
- Wie der Wind am Sparren zieht
- Pfeift zu der Arbeit sich ein Lied.
- Ich bin so matt ...
- Vorüber geht die Nacht,
- Und schlafen will ich jetzt
- Eh' noch erwacht
- Das Geheul der Stadt!
-
-
-
-
-»Die Küche wollen Sie auch sehen«, lächelte sie. Vier Uhr,
-Winternachmittag.
-
-»Also dann kommen Sie, Wettl ist nicht da, wir können also ruhig
-eindringen in ihr Reich.«
-
-Sie wendet den Kopf zurück und lacht.
-
-Durch ein dämmeriges, kleines Zimmer: »das gehört Wettl.« Sie drückt
-eine weiße Tür auf und bleibt an ihr stehen: »Das ist die Küche.«
-
-Weiß in Weiß, ach, wer da ein Fisch sein könnte!
-
-Unter diesem bis ins Gelbweiß gewaschenen Beil, welche Wonne zu sterben
-...! Oder der Hase, dessen Herzblut hier abrinnen durfte ...
-
-»Kochen Sie auch hie und da, Fanny?«
-
-(Stefanie! Stefanie!) Ich durfte »Fanny« sagen ...
-
-»Selten, für meinen Mann des Abends, dann und wann, eine Kleinigkeit.
-Wenn Wettl sich fortbettelt.«
-
-Sie spielt mit den Fingern hinter dem Rücken an der Tür und lächelt.
-
-Ach, der es sein durfte, für den diese Hand mit dem Kochlöffel in der
-Pfanne umrührt!
-
-»Bitte, Fanny, nehmen sie da diesen Löffel. Diese Pfanne stelle ich auf
-den Rechaud.«
-
-Sie lachte und steht bei dem Rechaud, plötzlich sagt sie: »Ich hab eine
-Idee.«
-
-Sie nimmt meinen Kopf in beide Hände: »Ich hab eine Idee!«
-
-Sie dreht den Gashahn auf. Ich muß mich setzen. Da setz dich, sagte sie
-...
-
-Sie machte die Kredenztüre auf.
-
-Butter, Honig und Milchbrot.
-
-_Sie kocht Kaffee ..._
-
-Fanny kocht für mich und sich Kaffee ... Ich darf hier schon »mich«
-zuerst sagen; Fanny und ich wissen ja den Grund: Poesie, Poesie ...
-
-In der Küche Weiß in Weiß.
-
-Und sie trinken dann beide den Kaffee ...
-
-
-
-
- Der Seufzer
-
-
- Wind, Waldraser, Wasserschlinger, Abstürzler, Hochtourist,
- Und was du noch alles bist,
- Möchtest sein; -- --
- Plagst dich viel,
- Ich spann einen Seufzer dir vor
- Und rascher bist du am Ziel!
-
-
-
-
- An meine Mutter
-
-
- Mein Herz schlägt warm,
- Von deinem Blute,
- Mutter, hast du zu viel mir drein getan
- Von deines Herzens Gute?
- Ich fühl's voll der Unmäßigkeit!
- In deine lieb verschlungenen Hände
- Möcht ich's legen heut
- Und sagen:
- Es gellt
- Ins Ohr die Welt
- Mir, sieh, ich kann nicht leben!
- Und möcht mein Leben, leise, daß du's nicht merkst
- Zurück dir geben ...
-
-
-
-
-Heute geh ich an dem Laden des Herrn Markus Vieldbich vorbei.
-
-Ein Plakat hing an seinem Ladentisch herunter, das habe ich im
-Vorbeigehen gesehen. Und ich konnte es dort entdecken, weil ich langsam
-vorbei ging.
-
-Und als ich zum viertenmal vorbeigehe, steht Herr Markus Vieldbich in
-der Ladentüre. Da machte ich eine kleine Schwenkung, geradewegs in den
-Laden hinein. Herr Markus trat höflich zurück. Und ich kaufe.
-
-Ja, einmal schickte meine Mutter Mandeln und Rosinen weg in eine andere
-Stadt. Es war eine ganze, kleine Kiste. Aber noch andere süße Sachen
-waren darin, insgesamt war alles an ein arges Leckermaul.
-
-Eine Schnur brauchte sie, Nägel und Siegellack, sie meine liebe Mutter.
-
-Also ich kaufe Mandeln, Rosinen, eine Schnur, Nägel und Siegellack.
-
-»Bitte, ach, nehmen Sie doch dieses Plakat zum einpacken:
->Marke Odalisk< ist die beste. Zu haben in allen Wein- und
-Mineralwasserhandlungen.«
-
-Und er packt mit Odalisk Mandeln und Rosinen. Ach, keinen Grund hatte
-ich, bange zu sein!
-
-Jetzt wird bezahlt.
-
-Herr Markus macht eine Reihe Zahlen vom oberen Rand des Papiers bis zum
-unteren; dann fährt sein Bleistift vom unteren Rand mit immenser
-Schnelligkeit zweimal nach dem oberen, ein Strich, fertig, Punkt.
-
-»Bitte sehr, bitte schön.«
-
-Ich lege das Geld auf den Tisch. Ob es seine Richtigkeit habe?
-
-Herr Markus streicht mit der Hand darüber hinweg.
-
-»Stimmt, haargenau.«
-
-»Das Papier, mit dem Sie mein Paket gemacht haben?« O, das koste nichts.
-Das wäre ihm noch schöner. --
-
-In der Finsternis habe ich das Plakat geglättet.
-
-An der Wand taste ich nach einem Nagel.
-
-Jetzt werden die Fenster geschlossen; Gardine herunter!
-
-Ist auch die Tür abgesperrt? Ja. --
-
-(Mein Herz ... Mein Herz ...!)
-
-Licht!!!
-
-»Marke Odalisk ist ...« Ich suche nach einen geeigneten An- Anredewort.
-
-»Od... Odalisk ... hiemit mache ich Sie zur Königin in meinem Reich!«
-
-_Erschöpft sinke ich auf einen Stuhl._
-
-Ja, _sie_ hat die schönsten Augen der Welt ...!
-
-
- Ende
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom
-neunzehnten Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***
-
-***** This file should be named 52486-8.txt or 52486-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/2/4/8/52486/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License (available with this file or online at
-http://gutenberg.org/license).
-
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
-terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
-before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
-distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
-"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
-posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
-you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/old/52486-8.zip b/old/52486-8.zip
deleted file mode 100644
index b882bd7..0000000
--- a/old/52486-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h.zip b/old/52486-h.zip
deleted file mode 100644
index a5ee052..0000000
--- a/old/52486-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/52486-h.htm b/old/52486-h/52486-h.htm
deleted file mode 100644
index 9c21afe..0000000
--- a/old/52486-h/52486-h.htm
+++ /dev/null
@@ -1,4634 +0,0 @@
-<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
-"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
-<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
-<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka</title>
- <link rel="coverpage" href="images/cover-page.jpg" />
- <!-- TITLE="Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre" -->
- <!-- AUTHOR="Bohuslav Kokoschka" -->
- <!-- ILLUSTRATOR="Oskar Kokoschka" -->
- <!-- LANGUAGE="de" -->
- <!-- PUBLISHER="Kurt Wolff, München" -->
- <!-- DATE="1920" -->
- <!-- COVER="images/cover-page.jpg" -->
-
-<style type='text/css'>
-
-body { margin-left:15%; margin-right:15%; }
-
-div.frontmatter { page-break-before:always; }
-div.logo { margin-top:1em; margin-bottom:6em; margin-right:1em; }
-div.frontizpiz img { width:100%; }
-h1.title { text-align:center; font-weight:normal; margin-bottom:1em;
- letter-spacing:0.1em; }
-h1.title .line2 { font-size:0.4em; }
-h1.title .line3 { font-size:0.8em; }
-h1.title .line4 { font-size:0.6em; }
-.aut { text-indent:0; text-align:center; font-size:1.5em;
- margin-top:1em; margin-bottom:1em; letter-spacing:0.2em; }
-.subt { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:6em; letter-spacing:0.2em; }
-.pub { text-indent:0; text-align:center; letter-spacing:0.2em; }
-.ser { text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:0.5em;
- font-size:0.8em; letter-spacing:0.1em; }
-.printer { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:6em; font-size:0.8em; }
-.ill { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:0.5em; font-size:0.8em; }
-.cop { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:2em; font-size:0.8em; }
-.ded { text-indent:0; text-align:center; margin-top:4em; margin-bottom:6em;
- font-size:0.8em; }
-div.motto { margin-top:4em; margin-bottom:4em; font-size:0.8em; }
-
-h2 { text-align:center; margin-top:3em; margin-bottom:1em;
- page-break-before:always; }
-h3 { text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em; }
-
-p { margin:0; text-align:justify; text-indent:1em; }
-p.first { text-indent:0; }
-span.firstchar { font-size:2em; }
-span.prefirstchar { font-size:0.5em; }
-p.tb { text-indent:0; margin:1em; text-align:center; }
-p.center { text-indent:0; text-align:center; margin-top:1em; margin-bottom:1em; }
-p.sign { text-indent:0; text-align:right; margin-right:1em; margin-bottom:1em; }
-p.right { text-indent:0; text-align:right; margin-right:1em; }
-p.date { text-indent:0; text-align:right; margin-top:1em; margin-right:1em; }
-p.attr { text-indent:0; text-align:right; margin-right:1em; }
-p.adr { text-indent:3em; margin-top:1em; }
-p.end { text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:2em; }
-div.epi-container { text-align:right; font-size:0.8em; }
-div.epi-container div.epi { display:inline-block }
-
-/* "emphasis"--used for spaced out text */
-em { letter-spacing:0.2em; font-style:normal; margin-right:-0.2em; }
-span.antiqua { font-style:italic; }
-span.underline { text-decoration: underline; }
-
-/* poetry */
-div.poem-container { text-align:center; }
-div.poem-container div.poem { display:inline-block; }
-div.stanza { text-align:left; text-indent:0; margin-top:1em; margin-bottom:1em; }
-.stanza .verse { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:2em; }
-.stanza .verse2 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:4em; }
-
-a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:hover { text-decoration: underline; }
-a:active { text-decoration: underline; }
-
-/* Transcriber's note */
-.trnote { font-size:0.8em; background-color: #ccc;
- color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em;
- page-break-before:always; }
-.trnote ul { margin-left: 0; padding-left: 0; }
-.trnote li { text-align: left; margin-bottom: 0.5em; margin-left: 1em; }
-.trnote ul li { list-style-type: square; }
-.trnote p { text-indent:0; margin-top:1em; }
-.handheld-only { display:none; }
-
-/* page numbers */
-a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; }
-a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit;
- letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal;
- font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small;
- border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px;
- display: inline; }
-
-.centerpic { text-align:center; margin-left:auto; margin-right:auto; padding:10px; }
-.rightpic { text-align:right; text-indent:0; display:block; margin-left:auto;
- margin-right:auto; }
-
-@media handheld {
- body { margin-left:0; margin-right:0; }
- em { letter-spacing:0; margin-right:0; font-style:italic; }
- a.pagenum { display:none; }
- a.pagenum:after { display:none; }
- .handheld-only { display:block; }
- div.poem-container div.poem { display:block; margin-left:2em; }
- div.epi-container div.epi { display:block; margin-left:2em; }
-}
-
-</style>
-</head>
-
-<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten
-Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Adelina oder Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahre
- Aufzeichnungen
-
-Author: Bohuslav Kokoschka
-
-Illustrator: Oskar Kokoschka
-
-Release Date: July 3, 2016 [EBook #52486]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter">
-<div class="rightpic logo" id="img-logo">
-<img src="images/logo.jpg" alt="" /></div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<div class="centerpic frontispiz" id="img-frontispiz">
-<img src="images/frontispiz.jpg" alt="" /></div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="aut">
-Bohuslav Kokoschka
-</p>
-
-<h1 class="title">
-<span class="line1">Adelina</span><br />
-<span class="line2">oder</span><br />
-<span class="line3">Der Abschied</span><br />
-<span class="line4">vom neunzehnten Lebensjahr.</span>
-</h1>
-
-<p class="subt">
-Aufzeichnungen
-</p>
-
-<p class="pub">
-Kurt Wolff Verlag · München
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="ser">
-Bücherei &bdquo;Der jüngste Tag&ldquo; Band 76/77
-</p>
-
-<p class="printer">
-Gedruckt bei Poeschel &amp; Trepte in Leipzig
-</p>
-
-<p class="ill">
-Mit einer Zeichnung von Oskar Kokoschka
-</p>
-
-<p class="cop">
-Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag, München
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="ded">
-Mir selber gewidmet
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
- <div class="motto">
-<p class="center">
-Motto:
-</p>
-
- <div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hier liegt begraben ein neunzehntes Lebensjahr.</p>
- <p class="verse">Was Leben war</p>
- <p class="verse">Ward zum Kadaver</p>
- <p class="verse">Unter einem Buchdeckel.</p>
- <p class="verse">Mit dem versah er</p>
- <p class="verse">Die Gruft,</p>
- <p class="verse">Daß in der Weltluft</p>
- <p class="verse">Seines ferneren Lebens</p>
- <p class="verse">Dies Leben sich nicht zersetze ...</p>
- </div>
- </div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-1" title="Ach, meine Kammer!">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-</h2>
-
-<div class="epi-container">
- <div class="epi">
- <div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
- </div>
-<p class="attr">
-(Goethe)
-</p>
-
- </div>
-</div>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">A</span>ch, meine Kammer!
-</p>
-
-<p>
-Ich bin jetzt Florestan in deinen Mauern, und Feuchtigkeitsflecken
-an den Wänden und von mir behütete zarte
-Spinnenwebe in den Ecken nehm ich als Tränen und Zeichen
-der Trauer, und daß meine gütige Kammer Eins ist mit
-mir und meinem Kummer ...
-</p>
-
-<p>
-Odalisk, Plakatschönheit, langer Nagel an der Wand
-rostet ein in ihrer weißen Stirne ... Luise, Handelsschülerin,
-Lukretia, erblüht, groß geworden und vergiftet
-im Odem der Kärntnerstraße, Franka H. und zwölfjährige
-Dorothea ... Flüchtlinge vor dieser Welt, denen ich ins
-Stammbuch schrieb: Wie dies Buch in meiner Hand, voll
-weißer Blätter, unbeschrieben ..., <span class="antiqua">et ceterae</span>, ihr alle seid
-mir wie: Aden, Freemande, Brisbane, Amboina, Yokohama,
-Mahé, seligstes Hinlallen, Erinnern des greisen
-Weltreisenden, Einsamen im Lehnstuhle, bei dem kalten
-Schein der Lampe, Junggesellenzimmer &mdash; Museum, vor
-dem Schlafengehen zu Gott ...
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-Ich ziehe den weißen Vorhang vom Fenster weg und
-ein lichter Einbrecher kam in die Kammer ...
-</p>
-
-<p>
-An einem Morgen war das, und ich stehe am Fenster
-und lächle meine Kammer an.
-</p>
-
-<p>
-Ja, diese Blätter werden davon berichten. &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Lateinischer Himmel über den Telegraphendrähten von
-einem Dach zum andern!
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wirklich!&ldquo;
-</p>
-
-<p class="noindent">
-als er den Saum des Vorhangs in der Hand hält ...
-Sonntag, und die liebe Amateurstimme, das ist ein böhmisches
-Dienstmädchen. Es hat noch keinen Liebsten und
-deshalb läßt es sich Zeit. Und zwischen seinem Singsang
-der Klang von silbernen Löffeln, die gerade in die Schieblade
-verwahrt werden.
-</p>
-
-<p>
-Fenster sind sämtlich offen, und die Stockwerke herunter
-an Fenster und Wand brennt die Sonne. Julisonne im
-März!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-2" title="»Ach ja, und von Adelinen ahnen Sie wohl nichts. Ich">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar"><span class="prefirstchar">&bdquo;</span>A</span>ch ja, und von Adelinen ahnen Sie wohl nichts. Ich
-hätte, ja, ebensogut hätte ich sagen können: Adelina.
-</p>
-
-<p>
-Adelinen ...&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Gehen wir, ich bitte Sie!&ldquo; Eindringlich sagt es Luise
-zu ihrem Galan.
-</p>
-
-<p>
-Ja, es war ein Galan mit lila Strümpfen und dem
-Girardi in der Hand. Denn seine Haare waren gebrannt.
-</p>
-
-<p>
-Er blies seine Brust auf, schüttelte das Hosenbein zurecht
-und &bdquo;erfüllt ihren Wunsch&ldquo;.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;O, guten Tag, Fräulein Emma! Entschuldigen Sie;
-ich weiß es, ich habe Sie heute schon mehrere Male gegrüßt,
-aber ich versichere, für Sie habe ich immer ein
-echtes, ja echt &mdash; man nimmt so in die Hand und sagt
-echt &mdash; echtes Gefühl der Freundschaft gehabt. Sie waren
-es doch, die sagte, zu kurzen Hosen paßten gestreifte Strümpfe
-mit rotem Rand? Sie lachen? Ja, Sie glauben doch
-nicht, ich hätte etwas getrunken? Ach, Emma!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Aber Emma war schon weg.
-</p>
-
-<p>
-Ja, er hatte plötzlich zu reden begonnen, ohne daß es
-jemand geahnt hätte, zu wem.
-</p>
-
-<p>
-Da verhielt sich ein Mensch die halbe Stunde, die er
-hier war, vollkommen ruhig, einmal sieht er an seiner
-linken Achsel herab und an seinem linken Mundwinkel
-zieht etwas, dann verhält er sich wieder ganz wie vorher.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich aber redet er, redet, und ein junges Mädchen
-steht auf, sagt etwas zu ihrem Begleiter, und beide gehen
-fort.
-</p>
-
-<p>
-In diesem Augenblicke kommen Emma und Olga. Sie
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-sind wieder da und haben etwas Listiges auf dem Herzen.
-Sie haben etwas ausgeheckt, Emma und Olga. Ach, man
-war gespannt, auf ihren Gesichtern stand geschrieben:
-Man verspricht sich Erfolg von dieser Unternehmung.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir fragen Sie, in wen sind Sie eigentlich verliebt?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;In wen? Wie?! Was?!&ldquo; Er springt auf. &bdquo;Das heißt
-also ...&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich beruhigt er sich und sagt: &bdquo;Fräulein Emma
-und Fräulein Olga, bitte setzen Sie sich da neben mich,
-so, links und rechts, ja?
-</p>
-
-<p>
-Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen:
-</p>
-
-<p>
-Da hat jemand ein Schauspiel geschrieben. Gegen Schluß
-des vierten Aktes, denken Sie sich &mdash; geben Sie her den
-Schirm, bitte (es war ein Riesenschirm), ich werde ihn
-halten &mdash; gegen Schluß des vierten Aktes, die erste Persönlichkeit
-der Stadt im Kreise ihrer Familie.
-</p>
-
-<p>
-Im Hintergrunde ein leuchtendes Transparent: &bdquo;Es lebe
-hoch usw., die usw.&ldquo;, und Volk. Und jetzt, glauben Sie,
-Fräulein Emma und Fräulein Olga, daß ich es jetzt so
-machen werde, wie der:
-</p>
-
-<p>
-Aufrecht: &bdquo;Was da auch kommen mag&ldquo;, bleich, die
-Hand ausgestreckt. &bdquo;Das ist noch nicht alles&ldquo;, sagt die Hand.
-Er schüttelt den Kopf.
-</p>
-
-<p>
-Nein, der Kopf weiß noch mehr!
-</p>
-
-<p>
-Und die Augen schließen sich wieder, und der Mund
-öffnet sich abermals, dieser widerspenstige Mund, der alles
-ausplaudert.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was sagt er?&ldquo; fragen viele Stimmen. &bdquo;Was fällt
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-diesem Menschen ein?&ldquo; liest man auf allen Gesichtern.
-Ja, ja, in der Tat, alles das hat mit dem Transparent
-nichts zu tun ...
-</p>
-
-<p>
-Er blickt zurück in den Kreis der Familie, da steht <em>die</em>,
-leuchtenden Auges und ihr Auge sagt: &bdquo;Du herrlicher
-Mensch, stark sein!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Da muß er (ach er muß), er will es, der Dichter; leise
-muß er zu seiner Frau sagen: &bdquo;Betty, fasse dich und
-ertrage was jetzt kommt.&ldquo; Und es ist dies keine Regiebemerkung.
-Ja, das sagt er. Und Betty faßt sich, die
-Gute ..!
-</p>
-
-<p>
-Dann wendet er sich zum Volk, und ein schwarzer Sprung
-im erbleichenden Gesicht plaudert alles aus. Alles.
-</p>
-
-<p>
-Wie hübsch sich das ausnahm von der dritten Galerie
-(dieses einzige Mal, das ich in einem Theater war).
-Gleichsam ein Pointejunges, das auf der Pointe selber saß,
-die sich vier Akte hindurch geschwollen völlerte. Und jetzt,
-jetzt war es ihr endlich gegönnt, durch einen schwarzen
-Sprung aus einem bleichen Gesicht zu platzen. Wie ein
-Donnerschlag!
-</p>
-
-<p>
-Herr Rohrland muß sagen: &bdquo;Wie ein Donnerschlag!&ldquo;
-Und es ist dies keine Regiebemerkung. Und sie tut es,
-die Pointe.
-</p>
-
-<p>
-Selbst das Volk auf der Bühne zog ab.
-</p>
-
-<p>
-Das ist die Tat der Pointe!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Emma und Olga sehen sich an. Ach, daß sie beide
-denselben Gedanken hatten! Ist er verrückt?
-</p>
-
-<p>
-Sie sahen sich an und lachten, Emma und Olga.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-&bdquo;Ja, in wen Sie eigentlich verliebt sind, wollten wir
-ja wissen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Er holt tief Atem, lehnt sich zurück und steckt die Hände
-in die Hosentaschen.
-</p>
-
-<p>
-Dann fing er wieder an:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie waren gespannt auf eine Pointe, die der ganzen
-Sache so gewissermaßen eine Krone aufzusetzen hätte;
-sehen Sie, eine Pointe&ldquo;, und er wog mit der Hand ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich aber würde Wahrheit erzählen, liebes Fräulein
-Emma und Fräulein Olga, o Wahrheit,&ldquo; sagte er glühend.
-&bdquo;Und Wahrheit hat keine Pointe. Nein, sie bedarf
-ihrer nicht! Holla, sie geht nicht auf dem Schreibtisch
-spazieren!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Er sprang auf und eilte fort.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-3" title="Einmal sah ich sie beisammen sitzen. Sie und ihn. In">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">E</span>inmal sah ich sie beisammen sitzen. Sie und ihn. In
-einer Nische des Hotelparks. Sie besahen sich gerade ein
-fadendünnes Goldkettchen, ein Medaillon war daran.
-</p>
-
-<p>
-Und er mußte sie lehren, wie man das Medaillon öffnet
-und wieder zumacht. Und gleich, gleich nimmt sie es ihm
-aus der Hand.
-</p>
-
-<p>
-Ach, voll Eifer ist sie ...!
-</p>
-
-<p>
-Da entdeckt sie etwas darin, und die Freudenröte breitet
-sich über ihr Gesicht. Strahlt sie nicht? <span class="antiqua">Sicuro</span>, sie strahlt ...
-</p>
-
-<p>
-Und dann, was tat sie nicht alles mit ihrem Medaillon
-und in ihrem Glück! Sie legt das Medaillon auf den
-Handrücken, läßt es da eine Weile so liegen und betrachtet
-es, das gelbe, glatte Gold, auf dem hellen Handrücken.
-</p>
-
-<p>
-Dann, als sie sich das Medaillon um den Hals hängen
-will, nimmt er es ihr aus der Hand, schaut ihr in die
-Augen, hängt es ihr um.
-</p>
-
-<p>
-Mit eigener Hand ...
-</p>
-
-<p>
-Sie hält sich still und willig. Es leuchtet aus ihren
-Augen, <span class="antiqua">frattanto</span> sie vor sich hin auf den Boden blickt ..
-</p>
-
-<p>
-Windstill war es im Garten.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-4" title="Dieses Medaillon ist von ihm">
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">D</span>ieses Medaillon ist von ihm.
-</p>
-
-<p>
-Wohl, wohl, ihm, dem kahlrasierten Herrn. Aber wartet
-nur bis die Jahreszeit kommt, da man die Haare wachsen
-läßt! Hähä! ...
-</p>
-
-<p>
-Aber wo gerate ich hin!? Elastizität! Elastizität!
-</p>
-
-<p>
-Da sehe ich, wie ein Herr plötzlich in seinen Taschen
-sucht. Seine Finger übereilen alle die Gegenden an seinem
-Leib, wo Taschen sein könnten; da bin ich bei ihm und
-lächle: Bitte?
-</p>
-
-<p>
-Er springt auf, nickt, nickt und brennt sich die Zigarette
-an, und die Hand in der Rocktasche bleibt darin. Dann
-verbeugt er sich, ich sehe an ihm vorbei und auf die
-Bank, und von da blicken mich zwei graue Augen an. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Ob man will oder nicht. Es ist nichts auszusetzen an
-ihm ... Und ich gehe wieder fort und an der Brustwehr
-entlang.
-</p>
-
-<p>
-Da bleibe ich stehen, gerade da, und aus der Brusttasche
-nehme ich die Karte von Damenhand und lasse
-sie in das Wasser fallen.
-</p>
-
-<p>
-Fast möchte ich sagen: Mit Elastizität.
-</p>
-
-<p>
-Es macht ein paar Ringe, das Wasser.
-</p>
-
-<p>
-Es ist ihm ganz gleichgültig, dem Wasser.
-</p>
-
-<p>
-Bitte, wäre es vielleicht löblich, von einem Stück alten
-Papier, Anderer (des Wassers), glückliche Ruhe zu stören?
-</p>
-
-<p>
-Nein, das nimmermehr.
-</p>
-
-<p>
-Und es ist schon so gut wie es ist, und ich lobe Gott
-den Herrn:
-</p>
-
-<p>
-O mögest du mir dieses in meiner Einfalt so naseweis
-geredete, nicht als Sünde anrechnen ...!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-5" title="Der, dieser glattrasierte Herr!">
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">D</span>er, dieser glattrasierte Herr!
-</p>
-
-<p>
-Wie lange ist es wohl, daß ich mir ein Reklameschild
-gemerkt habe ...? O, genau gemerkt ...
-</p>
-
-<p>
-Eine Engelshand streicht über mein Angesicht, wenn ich
-an dieses Reklameschild denke ... Und es ist doch nur
-ein gewöhnliches Reklameschild, Wind und Wetter haben
-sich daran gut getan.
-</p>
-
-<p>
-Freilich, es gehört noch ein Stückchen Trottoir dazu
-und ganz, ganz wenig von der Straße, <span class="antiqua">strada</span>, gerade
-genug für einen schmalen Fuß ...
-</p>
-
-<p>
-Und meine Sehnsucht ist:
-</p>
-
-<p>
-Wenn ich mich damals, damals an dieses Reklameschild
-gedrückt hätte, ganz platt daran ... Und wie mir
-später einfiel, mit dem Kopf genickt und mit dem Hut ...
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht ... Vielleicht ...
-</p>
-
-<p>
-Aber für diese meine Sehnsucht ist keine Erfüllung mehr,
-nein. Und das Datum, das könnte ich noch genauer aufschreiben.
-O, viel genauer!
-</p>
-
-<p>
-Aber das brauche ich wohl nicht, nein, denn ich habe
-es ja im Gedächtnis ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-6" title="Auf der Promenade vor dem Hotel Viertelsiebenuhrsonne">
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">A</span>uf der Promenade vor dem Hotel Viertelsiebenuhrsonne.
-</p>
-
-<p>
-Der Asphalt ist wie mit rötlichem Goldpapier belegt. Eine
-Brustwehr ist da, aus Schmiedeeisen, und ihr entlang eine
-Reihe wohlsituierter Bäume. Und da sitzen die Passagiere
-des Hotels bis spät in die Nacht. In angenehmen Korbstühlen
-und die Bäume machen: www ... Und dann reden
-die Passagiere nur ganz gedämpft. Oder sie schauen auf
-das Meer hinaus. Auf das Meer ...
-</p>
-
-<p>
-Eine kühle Windwoge kommt vom Meer, die Meerbrise,
-und fältelt den Saum eines farblosen, spinnewebedünnen
-Schleiers zwischen Zeige- und Mittelfinger einer Sechzehnjährigen.
-</p>
-
-<p>
-Und die ist Frau ... Ihre Rechte aber ruht in der Hand
-ihres Mannes, der mit ihr logis genommen hat im Hotel.
-</p>
-
-<p>
-Als die Passagiere des Zuges Nr. 54 noch eine halbe
-Stunde zu ihrem Ziel hatten, riefen sie: der See, der See!
-Also war es der See und nicht das Meer? Aber als sie
-das riefen, war es ihr Thalatta. Und somit ist es das Meer.
-&mdash; Und weit weg von der Brustwehr taucht ein Dampfer
-auf. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Alles sieht die Lichter und vielleicht auch noch den weißgestrichenen
-Schiffskörper. Das nicht mehr, daß auf dem
-Bug &bdquo;Himmelsschlüssel&ldquo; aufgemalt ist und Blumen dazu,
-mit Liebe.
-</p>
-
-<p>
-Und aller Augen begleiten das Schiff auf seiner Fahrt.
-Auf dem einsamen Meere draußen, Ozean ...
-</p>
-
-<p>
-Sie reden jetzt fast nichts, die Passagiere des Hotels, sie
-schauen nur und horchen noch so nebenbei auch auf die
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-(Miniatur-) Wogenkämme, die sich unter der eisernen Brustwehr
-brechen.
-</p>
-
-<p>
-Zerschellen Tag und Nacht!
-</p>
-
-<p>
-Rote Feuerpunkte im Dunkel, unter den tiefen Baumkronen,
-in den Strandkörben und hinter, d. h. ober den
-Lehnen der Rohrsessel. Aber das ist nichts Gefährliches,
-nein, das sind nur Zigaretten ... Viele von den Herren
-haben weiße Strandanzüge und biegsame Stöckchen, und
-einer ist unter ihnen (von denen mit weißen Strandanzügen
-und biegsamen Stöckchen), der seinen Schädel glatt
-rasiert hat, ganz glatt.
-</p>
-
-<p>
-Aber ich weiß es, warum er ihn so glatt rasiert hat. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-So eine kleine Schwäche ist Schuld daran, eine kleine
-menschliche Eitelkeitsschwäche, wie ich in diesem Falle erklären
-müßte ...
-</p>
-
-<p>
-Hähä!
-</p>
-
-<p>
-Und ich stehe an der schmiedeeisernen Brustwehr und
-nehme einen Brief aus der Tasche, den ich gestern geschrieben
-habe, um ein Uhr nachts, und jetzt lasse ich ihn
-ins Wasser fallen, an einer ganz ruhigen Stelle. Das
-Wasser macht ein paar Ringe, das ist seine ganze Aufregung
-...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-7" title="In fünf Minuten Abfahrt">
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>n fünf Minuten Abfahrt.
-</p>
-
-<p>
-Und ach, die Träumer vom Hotel!
-</p>
-
-<p>
-Jeder, der gerade nichts zu sagen hat, seine Gedanken
-schon weit und dabei plötzlich tief aufatmet, verspürt den
-leisen Schauer auf dem Rücken und er sieht seinen Gefährten
-an ...
-</p>
-
-<p>
-Sogar die Apparate, ach die Apparate, auf dem Bahnhofe
-tragen etwas bei und machen einen Höllenlärm.
-</p>
-
-<p>
-Ich schreite die Waggons ab, in gemessener Ruhe,
-wie eine Ew. Herrlichkeit.
-</p>
-
-<p>
-Dann, da bleibe ich stehen, bei dieser Bank mache ich
-Halt. Es sind ja so viele Bänke hier auf dem Perron,
-aber gerade, <span class="antiqua">accurato</span> bei dieser Bank machte ich Halt ...
-</p>
-
-<p>
-Da sehe ich ja genau in einen Waggon hinein!? Bitte,
-alle Ehre seinem Fabrikanten; eine junge Dame darin
-nimmt einem Herrn eine Hauskappe ab. &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Hauskappe?! Reisekappe ...
-</p>
-
-<p>
-Nein: Hauskappe, und nichts habe ich gesagt, nein ...
-</p>
-
-<p>
-Jawohl, und sie haben auch faktisch ein kleines Zimmer
-für sich in diesem Waggon. Ein Zimmer mit Betten ...
-</p>
-
-<p>
-Aber ich habe noch etwas zu sagen, ich bin noch nicht
-fertig, noch etwas sah ich von meiner Bank aus, auf
-dem Perron ...
-</p>
-
-<p>
-Kusch!
-</p>
-
-<p>
-Die junge Dame streicht mit ihrer Hand über sein
-Haupthaar ... Und was war das für ein Haupthaar ...?
-</p>
-
-<p>
-Kusch!
-</p>
-
-<p>
-Sie streicht darüber hin und lächelt und der breite Ring
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-glänzt an ihrer Hand und ein Medaillon hing an ihrem
-Hals, das sah ich auch ...
-</p>
-
-<p>
-Und er, was tat er?
-</p>
-
-<p>
-Er, er schaut unter ihrer Hand ... Hand ... auf
-zu ihr ..., wie man das so tut.
-</p>
-
-<p>
-Und das Haupthaar, ja das Haupthaar ... weißgefleckt
-... weiß-ge-fleckt. Der Zug rollt davon.
-</p>
-
-<p>
-Und während ich dem Verbot zum Trotz, just über
-die Schienen steige, sag ich zu mir: Guten Grund hast
-du, es zu bedenken, daß noch windig deine Erfahrungen
-sind ...
-</p>
-
-<p>
-Da faßt mich ein Uniformmann.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-8" title="Der Brief hinter dem Spiegel">
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-</h2>
-
-<p class="right">
-Der Brief hinter dem Spiegel.
-</p>
-
-<p class="date">
-Paris, den ...
-</p>
-
-<p class="first adr">
-<span class="firstchar">M</span>io Signore!
-</p>
-
-<p>
-Ihren kleinen Brief, den Sie mir nach Trouville schrieben,
-habe ich heute hier vorgefunden, er wurde mir nachgeschickt.
-Wir bleiben noch einige Zeit in der Seinestadt,
-dann geht&rsquo;s nach Hamburg und von da schauen wir, daß
-wir nach Hause kommen, das heißt von nun an Chigago.
-Ich bin neugierig, wie ich mich in meiner neuen Heimat
-fühlen werde. Jetzt werde ich wohl längere Zeit meine
-Lieben und mein Goldorangenland nicht sehen!
-</p>
-
-<p>
-In Trouville war es ganz hübsch. Wir waren die
-ganze Zeit im Kasino beim Baccarat, ich habe sogar ein
-wenig gewonnen. Courmachen ist dort nicht üblich, die
-Menschen haben nichts im Kopfe als das Spiel und <span class="antiqua">le
-neuf</span> ist ihnen lieber, als die reizendste Frau.
-</p>
-
-<p>
-Hier habe ich sehr viel zu tun. Herbsthüte anschauen,
-Briefschreiben und Dummheiten kaufen. Mein Mann ist
-furchtbar nett zu mir, er hat sich bereits alle meine Gewohnheiten
-gemerkt und respektiert sie. Augenblicklich schreibt
-er die Adressen auf unzählige Karten, zu denen ich Grüße
-dranzuschreiben habe; an Sie ist auch eine darunter.
-</p>
-
-<p>
-Also ich grüße Sie herzlichst und verspreche Ihnen auch
-eine schöne Ansichtskarte aus Chigago zu senden.
-</p>
-
-<p class="sign">
-Adelina Farweller.
-</p>
-
-<p>
-<span class="antiqua">P. S.</span> Grüßen Sie meine Freundin, die Luise, von mir,
-wenn Sie wieder einmal bei der Handelsschule warten,
-Sie Araber!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-9" title="Ich will alles aufschreiben, der Reihe nach und wie">
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>ch will alles aufschreiben, der Reihe nach und wie
-es vorfiel!
-</p>
-
-<p>
-Am 25. Dezember, am Weihnachtstage, war ich wieder
-im Hamerlingpark. Luise war da und alle die anderen.
-Alle hatten sie Weihnachtsgeschenke mitgenommen, zeigten
-sich die und besprachen. Luise brachte einen großen schwarzen
-Muff, aus Astrachan in Sibirien.
-</p>
-
-<p>
-Ein Neuling, Hella, war auch da, und ich fragte Lockenberg
-aus. Lockenberg, der alle kannte.
-</p>
-
-<p>
-Da promeniert Luise an uns vorbei, sie hat einen
-breiten, schwarzen Samthut mit einem Kranz weißer
-Samtrosen darauf. Die tiefschwarzen Haare, romantisch
-um ein ophelienbleiches Antlitz, stark gewellt. Und laut
-sage ich:
-</p>
-
-<p>
-Heute ist die Luise schön.
-</p>
-
-<p>
-Zu Lockenberg sage ich das und Luise geht an uns
-vorbei.
-</p>
-
-<p>
-Sie hatte sich umgedreht und mich angeblickt. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Ich fühlte: An Luise, oder: Ferne Lilie ... <span class="antiqua">etcetera
-etcetera</span> ...
-</p>
-
-<p>
-Dann, wie sie wieder an uns vorbeikommt, bleibt Luise
-stehen: &bdquo;Gute Nacht, Herr Lockenberg ...&ldquo; &mdash; und mir bot
-sie die Hand ... Sie sah weg, lächeln mußte sie ...
-</p>
-
-<p>
-Zu ihrem Profil sagte ich einmal nächtens: Julia,
-Desdemona ...
-</p>
-
-<p>
-(Nein, Luisenamen ist für sie der süßeste.)
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die schönen, weißen Rosen auf Ihrem Hut&ldquo; ...
-sage ich.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
-Sie sah noch immer weg. Ach, ich hielt noch immer
-ihre Hand ...!
-</p>
-
-<p>
-Und die Schönbauer? fragt Luisens Freundin Mary
-plötzlich. (Ach, jetzt konnte ich auch schreiben: Luisens ...)
-</p>
-
-<p>
-Luise blickt Mary an. Mary hatte ihr von der Zunge
-gesprochen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Niemals!&ldquo; sage ich langsam und dann: eine lange
-Pause ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Fräulein Luise, ich erkenne Sie heute nicht mehr&ldquo; ...
-Lockenberg sagt es plötzlich und damit schneidet er sich
-eine lange Gedankenreihe in seinem Kopfe ab. (Ich hielt
-noch immer ihre Hand ...)
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Soll ich euch vielleicht Sessel herbringen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es war die Schönbauer. Sie war auf einmal da, in
-einer Entfernung von fünf Schritten sagte sie dies und
-machte dabei einen Hofknix. Luise wandte sich ab.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So, jetzt muß ich schon gehen&ldquo;, sagte sie schnell. Lockenberg
-bedenkt laut: Es ist halb sieben!? Er hatte die Uhr
-in der Hand. &bdquo;Um halb sieben muß ich schon zu Hause
-sein&ldquo;, antwortet Luise ...
-</p>
-
-<p>
-Luise ging mit den Vöglein schlafen ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-10" title="Werther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung">
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">W</span>erther hatte Luise geliebt, mit der ganzen Hingebung
-seines noch nicht zwanzigjährigen Herzens. Da geschah
-etwas und das kam so:
-</p>
-
-<p>
-Es war der zehnte März, ach, damals war ihr Herz
-noch der Buchenhain mit der süßen Melancholie des Vogelliedchens
-darin, und der kühlen Gruft, die so lange für
-ihn bereit stand. In die er sich dann bestatten wollte,
-die Hände über der Brust gekreuzt, und nach jener unglücklichen
-Liebe ...
-</p>
-
-<p>
-Aber Luise rät: &bdquo;Und Mary?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-(Von Adelinen ahnte sie nichts.)
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die Mary ist mir nichts, Luise ...!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wie ein Pilgrim erschöpft hinsinkt an den Stufen vor
-der sich verschließenden Pforte, auf der Fahrt ins gelobte
-Land. So war dieses &bdquo;Luise&ldquo;.
-</p>
-
-<p>
-Sie schwiegen beide, dann Luise:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, ich kann nicht, Bob.&ldquo; Bob stammte aus dem
-Roman &bdquo;Starke Herzen&ldquo; im Frauenjournal.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;... Bob, Sie haben sich nur gespielt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es hatte sich nur gespielt Bobchen, und da war jetzt
-alles umsonst.
-</p>
-
-<p>
-Es regnet.
-</p>
-
-<p>
-Er, Bob, sah wie die weiße Taube ohne Ölzweig zurückkam
-... Luise blieb unerschütterlich.
-</p>
-
-<p>
-Aber das merkte Bob, es kam sie hart an, ja. &mdash; Und
-da gibt er ihr Bedenkzeit. (Ach, da schon alles verloren
-war.)
-</p>
-
-<p>
-Zwei Wochen gibt er ihr.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
-Und Luise ist noch einmal gut zu Bob und ist es einverstanden.
-&bdquo;Also ja&ldquo; nickt sie ...
-</p>
-
-<p>
-Er sah, daß sie in der Hand, die die Schultasche trug,
-Schneerosen hatte. Eine liebe Schulfreundin hatte ihr die
-wahrscheinlich geschenkt. Der Luise ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-11" title="Im März, dem 28., war es, da ging Luise mit zwei">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>m März, dem 28., war es, da ging Luise mit zwei
-Freundinnen, und es war schon warm.
-</p>
-
-<p>
-Er ging ihnen nach.
-</p>
-
-<p>
-Nach einer Weile entdeckten sie ihn, aber Werther
-ging nur nach und ging an ihnen vorbei, als sie zurückblieben.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich kam Luise auf ihn zu, <span class="antiqua">directement</span>.
-</p>
-
-<p>
-Sie fragte lieb: &bdquo;Wünschen Sie etwas von mir?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Luise, warum danken Sie mir nicht, wenn ich Sie
-grüße?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Pause.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir sind gesehen worden, von jemanden von der
-Schule, und dann ...&ldquo; nach einem Gedankenstrich erklärte
-sie, &bdquo;habe ich Ihnen schon gesagt: Nein.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Warum: Nein?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich will nicht.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Da regte sich in ihm etwas:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Aber Sie hätten doch früher einmal gerne gewollt? ...&ldquo;
-Mit den Fingern streicht er geräuschvoll über Bartstoppel
-im Werden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie werden doch nicht sagen, daß ich Ihnen nachgelaufen
-bin?&ldquo; Sie stützt die linke Hand in die Hüfte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, das nicht&ldquo;, und seine Hand fällt herab.
-</p>
-
-<p>
-Eine Freundin kam auf Luise zu. Sie wollte sich empfehlen,
-die Freundin.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Also gute Nacht, ich habe keine Zeit,&ldquo; sagte Luise.
-Und sie bot ihm die Hand.
-</p>
-
-<p>
-Werther trat an sie heran: &bdquo;Luise, liegt Ihnen an Ihrer
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-Freundin mehr wie an mir?&ldquo; Und Gesichtsmuskel zucken,
-die Freundin war schon da.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Natürlich&ldquo;, sah sie ihre Freundin an. &bdquo;Also gute
-Nacht&ldquo;, und daran ändert niemand etwas. Sie hielt ihm
-ihre Hand hin.
-</p>
-
-<p>
-25. Dezember, denkt er ... und ihm, ohne ihn anzusehen,
-bot sie die Hand. Und das war am 25., Monat:
-Dezember.
-</p>
-
-<p>
-Er hatte es sich genau gemerkt. Seine Rede zu Lockenberg
-war: Heute ist die Luise schön. Es war sechs Uhr,
-abends. Luise hatte sich nach ihm umgedreht.
-</p>
-
-<p>
-Und dann bei der nächsten Runde kam das mit der
-Hand.
-</p>
-
-<p>
-Das im Hamerlingpark. Schnee und darauf Laternenlicht,
-und Mond um sechs Uhr ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Luise, ich kann Ihren Entschluß nicht so ruhig hinnehmen&ldquo;,
-sagt er heftig.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie müssen&ldquo;, schließt sich ihr Mund.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich war sie ganz anders. Um ihren Mund ein
-Lächeln und &bdquo;müssen&ldquo; hingesagt, langsam, das war der
-Genuß. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Luisens Freundin sieht zuerst sie, dann ihn an.
-</p>
-
-<p>
-Die Freundin war ernst und sicher blutarm, und ihre
-Augen waren, als ob sie beständig nachsähen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Also gute Nacht&ldquo;, sagt er kurz. Ihre Hand nahm
-er nicht.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-12" title="5. Mai">
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-</h2>
-
-<p class="date">
-5. Mai.
-</p>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>nkognito schreibe ich jetzt an meinem Tagebuch. Mein
-Glück!
-</p>
-
-<p>
-Ich muß es auf jemanden abwälzen, deshalb schreibe
-ich inkognito fortan.
-</p>
-
-<p>
-Ach, mein an Leid gewöhntes Herz!
-</p>
-
-<p>
-Das wird gewiß wieder mein längstes Tagebuchblatt.
-</p>
-
-<p>
-Ich werde nicht versäumen, auch das kleinste Unbedeutendste
-aufzuschreiben und mich daran freuen.
-</p>
-
-<p>
-Heute, den fünften Mai, ist es bereits der dritte Tag.
-</p>
-
-<p>
-Ich wollte alles schon am ersten Tage aufschreiben,
-aber es blieb nur dabei, daß ich die Feder in die Hand
-nahm.
-</p>
-
-<p>
-Ich sah immer anderswohin, und die Worte fielen mir
-aus der Hand. Ach, in welchem Fiebertaumel befand ich
-mich!
-</p>
-
-<p>
-Jetzt, am dritten Tage, habe ich mich schon mehr gesammelt,
-kann nun schreiben. Ach alles, alles!
-</p>
-
-<p>
-Aufschreiben, und nichts vergessen ...
-</p>
-
-<p>
-Diesmal war es im Schönbornpark. Und da ich Schönbornpark
-schreibe, denke ich wieder an alles, was im Hamerlingpark
-geschah. Auf dem Boden latern- und mondbeglänzt
-der glatte Schnee, um sechs Uhr ...
-</p>
-
-<p>
-An das mit der Hand ...
-</p>
-
-<p>
-Aber jetzt habe ich schon ein weißes Blatt vollgeschrieben.
-Also: Fräulein Kammacher ging mit mir in der Allee
-und sagte: &bdquo;Jetzt sollte ich daheim sitzen und lernen. Mineralogie.
-Wir haben ja so viel auf,&ldquo; fing sie zu klagen
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-an. &bdquo;Der Schremmer sagte: Besonders die Kammacher
-werde ich mir am Freitag ausleihen. So ein ekliger Mensch!
-</p>
-
-<p>
-Aber das gute Fräulein Kammacher geht mit Herrn
-(pst!) spazieren. Ich steh halt morgen um sechs auf.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das sagte sie.
-</p>
-
-<p>
-Er sah sie an und lachte und zog die Schultern über
-die Ohren. In diesem Augenblick kommt Luise mit ihrer
-Freundin.
-</p>
-
-<p>
-Ach diese beiden, unzertrennlich waren sie!
-</p>
-
-<p>
-Ich nehme die Gelegenheit wahr und grüße. Sie dankte,
-aber sie sah ihn nicht an ...
-</p>
-
-<p>
-Das ganze Stück Weges, das sie ihn sehen mußte,
-hatte Luise auf den Boden geblickt und so geht Luise an
-ihm vorbei ...
-</p>
-
-<p>
-Jetzt sah ich auch, daß sie ein neues Kleid anhatte.
-Das stand ihr gut ...
-</p>
-
-<p>
-Luise und Freundin kamen an die kleine Parkpforte, da
-will Luise die Stufen hinunter und meine Füße bleiben
-stehen: Er hatte etwas gesehen ..., gleich bedenkt er sich
-aber und setzt seinen Weg fort.
-</p>
-
-<p>
-Was er zu Fräulein Kammacher sagte?
-</p>
-
-<p>
-Gott mag wissen, was es war, sie lachte hell auf. An
-was haben <em>Sie</em> jetzt gedacht, rief sie ...
-</p>
-
-<p>
-Luise aber wird von ihrer Freundin am Arm gezogen
-und Luise muß wieder herein in den Park.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-13" title="Als Werther einige Stunden später in sein Zimmer">
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">A</span>ls Werther einige Stunden später in sein Zimmer
-trat, begegnete er sich in dem kleinen Wandspiegel, er sah
-bleich aus. Sein Blick verweilte nicht darin; er sah überhaupt
-nirgends hin, obgleich er die Augen offen hatte.
-Der Türschlüssel fällt zu Boden ...
-</p>
-
-<p>
-Er hatte die Tür mit aller Ruh zugedrückt? Werther
-stand eine Weile und sah dorthin, wo der Schlüssel fiel,
-dann geht er ans Fenster, läßt den Rollvorhang herunter
-und warf er sich aufs Bett.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt war Werther sich gewiß, daß er alles verdorben
-hatte. Sein Schuhabsatz bohrt sich in die zarte Rohseidene,
-die er immer so schonungsvoll behandelt hatte, aber plötzlich
-steht er auf, schlägt die Bettdecke zurück und warf
-er sich wieder hin, und Messingbett kreischt auf ...
-</p>
-
-<p>
-Sein Gesicht drückt sich in den Polster, Schultern rissen
-am Körper. Er weint: ...
-</p>
-
-<p>
-Luise hatte wieder ihr neues Kleid an, sie war heute
-allein ... Es war im Hamerlingpark, um 6 Uhr.
-</p>
-
-<p>
-Als sie sich zum zweitenmal begegneten, kam sie auf
-ihn zu und machte einen Scherz, sie sagte lieb: &bdquo;Soll
-ich Ihnen aushelfen, heute?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie lachte und sah ihn von der Seite an. Die linke
-Halbschuh(...)schuhspitze stellte sich auf dem Wegsand auf
-und so blieb Luise stehen, die linke Hand in den weißen
-Spitzen am Hals. Und der kleine emaillierte Amor hing
-daran und hielt sein Füllhorn ...
-</p>
-
-<p>
-Da wurde in Werther ein böser Gedanke lebendig; er
-fühlte, wie dieser seinen ganzen Körper angriff, und mit
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-einer von tausend Gefühlen gepeinigten Stimme sagt er
-langsam: Nein, danke ...
-</p>
-
-<p>
-Luise stellte den linken Fuß nieder, fast stampfte er,
-ihr Kopf machte eine unvollendete Bewegung, die Finger
-ließen die Spitzen los, aber die Hand blieb an der Brust.
-Selbst der kleine Amor wird konfus und verliert das Gleichgewicht
-unter seinem Füllhorn. Luisens Mund öffnet sich,
-und schweigt ...
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich fixiert sie ihn, einen Schritt zurücktretend, ihre
-Nasenflügel beben, etwas Hartes liegt in ihrem Gesicht
-und sie macht Kurzsichtigkeitsfältchen bei den Augen ...
-</p>
-
-<p>
-Sie lachte auf, ha, ha!
-</p>
-
-<p>
-Er verharrt auf seinem Platz.
-</p>
-
-<p>
-Pause.
-</p>
-
-<p>
-Luisens Freundin kam gerade die Stufen in den Park
-herauf. Luise ruft sie an, und eilt ihr mit ausgebreiteten
-Armen entgegen ...
-</p>
-
-<p>
-Er drehte sich langsam auf dem Absatz herum, die Hand
-auf dem Rücken und schaut ihr nach, Lächeln im Gesicht ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-14">
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
-Einst
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">M</span>ai, Firmlingssonntag.
-</p>
-
-<p>
-Warum so traurig, fragte ein fünfzehnjähriges Fräulein
-mich. Aber ich wußte es ganz bestimmt, ich war nicht
-traurig. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Warum höre ich niemand heimlich hinter der Tür flüstern:
-Heute hat er wieder seinen melancholischen Tag.
-</p>
-
-<p>
-Jeder geht darüber hinweg, summt sein Liedchen und
-merkt nichts.
-</p>
-
-<p>
-Ich hörte mich: Ach, das ist nur heute so. Und vielleicht
-ist es nur Laune. Aber wie oft tröstete ich mich so?
-</p>
-
-<p>
-Nein, Launen können nur verwöhnte Hündchen haben,
-oder doch nur minderwertige Menschen. Und ich möchte
-doch kein minderwertiger Mensch sein. Und wollt ihr jetzt
-noch, es sei Laune, kann ich euch erwidern: Könnte da
-ohne jedes Arg sein, was ich sage, tue und denke? Aber
-alles und alles habe ich lieb und so kann es wieder nicht
-Laune sein ...
-</p>
-
-<p>
-In der Adriaausstellung hörte ich, wie die Kalanderlerche
-leise trillert.
-</p>
-
-<p>
-Aus einem kleinen, finstergemachten Bauer kam dies
-Vögleintrillern.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-Aber es fand keine Beachtung, nein, man hörte es ja
-kaum.
-</p>
-
-<p>
-Wenn sie aber viele Meter hoch oben in der Luft singt,
-unter dem Himmel, im Äther ... wer lauscht ihr da, der
-kleinen Kalanderlerche?
-</p>
-
-<p>
-Der liebe Gott, basta.
-</p>
-
-<p>
-Die Hände gekreuzt über die Brust, den Kopf auf die
-Seite geneigt, so ist er ganz Ohr ... Dann sah ich
-einen Firmling ...
-</p>
-
-<p>
-Blaßgelbe Halbschuhe. Und Strümpfe von blaßgelber
-Seide. Und ein blaßgelbes Seidenspitzenkleid, darunter ein
-rosa ... War es wohl schon ein sechzehnjähriges Fräulein
-und das Kleid, schon etwas länger war es ...
-</p>
-
-<p>
-Schmale langsüße Beine, wie die der kaffeeschänkenden
-Luisen in den Frühlingsgärten auf den Wandgemälden ...
-Offenes, kastanienbraunes Haar, Langlocken, Locken der
-Jenny Lind.
-</p>
-
-<p>
-Die Kähne glitten unter den Seufzerbrücken weg, und
-die zahllosen Wimpel, von einem Mast zum andern,
-flattern im Maiwind und die Schnüre, an denen Glühlampen
-aufgehängt waren, baumelten.
-</p>
-
-<p>
-Ein Boot legt an, und in dieses wird er einsteigen, der
-Firmling ... der Gondeliere, Plecha von der Donaulände,
-graziös reicht er die Hand ihrem Leben. Und die Augen
-des Firmlings glänzen, und unter seinen Augen glüht es
-heiß ...
-</p>
-
-<p>
-Ach, wie ich diesen Firmling gleich liebte und alles ...!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-15" title="Westbahnhof. Im Gewühl der Menschen schreibe ich">
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">W</span>estbahnhof. Im Gewühl der Menschen schreibe ich
-dieses:
-</p>
-
-<p>
-Wir fahren aufs Land!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-16" title="Ich machte die Milchglastür hinter mir zu. Das Milchglas">
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>ch machte die Milchglastür hinter mir zu. Das Milchglas
-zitterte leise und die Milchglasgenie, mit dem Fruchtkorb
-auf dem Kopfe, zitterte mit.
-</p>
-
-<p>
-Es war zwölf Uhr und ich ging schlafen.
-</p>
-
-<p>
-Mein Großvater, der Herr Waldförster, hatte gesagt:
-Trab, trab, Kinder, schlafen gehen, und damit meinte er
-seine vielen Enkel, die alle in Großvaters und Großmutters
-Stuben zusammengekommen waren, aus der Stadt und
-von dort und von da.
-</p>
-
-<p>
-Großvater und Großmutter hatten diamantene Hochzeit
-zu halten gehabt und auch ein wenig getanzt. Und jetzt
-war es zwölf Uhr nachts und Wein, Braten und Torten,
-Birnen und Nüsse lagen verlassen auf der langen Tafel.
-</p>
-
-<p>
-Und als er das gesagt hatte, der Großvater, sagte ich
-auch gute Nacht und fromme Wünsche, war folgsam und
-ging in das Zimmer, das Großvater und Großmutter für
-mich bestimmt hatten.
-</p>
-
-<p>
-Über den Gang ging ich und hier war es schon längst
-stockfinstere Nacht, auch als in den Stuben noch heller
-Sonnenschein brannte und nicht die vielen Lichter, die
-Großvater und Großmutter angezündet hatten, zu ihrem
-Fest in der Augustnacht ...
-</p>
-
-<p>
-Über den Gang ging ich und machte die Milchglastür
-hinter mir zu ...
-</p>
-
-<p>
-Welch herrlich feuchter Grasduft, der das Zimmer erfüllt!
-</p>
-
-<p>
-Die Fenster waren offen und weiße Vorhänge schwanken
-langsam und blähen sich auf. Jedesmal, wenn ein Windzug
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-draußen an den Baumblättern herabglitt, der auch
-die Hirschzungen am Fenster nicht ruhen ließ ...
-</p>
-
-<p>
-Ich gehe einen Augenblick ans Fenster und spreite meine
-Ellenbogen auf das weiße Fensterbrett. Ach, alles hier
-war mir lieb und teuer.
-</p>
-
-<p>
-Die Garten- und die Wiesenvögelchen wollten noch nicht
-schweigen!?
-</p>
-
-<p>
-Von ganz hinten im Garten hörte ich einen Vogel.
-Aber es war keine Nachtigall, nein, ich hätte noch nie
-eine gehört, antwortete ich einmal auf eine Frage ...
-</p>
-
-<p>
-Da trillert plötzlich irgendwo eine Lerche empor. Von
-meines Großvaters, des Herrn Waldförsters Graswiese!
-</p>
-
-<p>
-Jetzt um zwölf!?
-</p>
-
-<p>
-Was mochte ihr da eingefallen sein?
-</p>
-
-<p>
-Aber ganz oben verstrickte sich ihr Gesang wie eine
-zarte Spinnwebe im Buschgezweig und brach ab ...
-</p>
-
-<p>
-Ich gehe vom Fenster weg und die Kommode (liebes
-altmodisches Wort), ein Klavier, Stühle, Vasen und Photographien
-blickten mich freundlich an, obwohl ich ja hier
-nur ein Fremdling war ...
-</p>
-
-<p>
-Dann legte ich mich in das Bett. Auf dem Sofa.
-</p>
-
-<p>
-Corra und ich hatten sie ausgeführt, diese eine Improvisation.
-</p>
-
-<p>
-Decken und Leintuch! Es fröstelte einem beim Hineinlegen,
-so frisch waren sie und die Zusammenlegefalten konnte
-man von der Tür aus sehen, bei aller Dunkelheit &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Um zwei Uhr früh zündete ich die Kerze an, Adelina,
-dann las ich deinen Brief ...
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-17">
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-Der Türpfosten
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">W</span>enn ich zurückdenke, an den Pfosten der Türe zum
-Vorhaus mich erinnere!
-</p>
-
-<p>
-Nachtfinsternis, draußen spielt sich ein Gewitter ab.
-Und Corra geht und macht den einen Flügel der Vorhaustüre
-zu. Damit der Regen nicht so hereinkartätschte.
-</p>
-
-<p>
-Mein Großvater, der Waldförster, hat es aus dem
-Zimmer heraus anbefohlen.
-</p>
-
-<p>
-Ach, und was jetzt folgt, hat Corra wahrscheinlich einmal
-auf einem Bilde gesehen: ... Corra stellt sich neben
-mich, faßt meinen Arm und:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Schau das Gewitter an ...&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die Wolken hingen in dicken Fetzen und romantisch,
-braune Kupferkessel, fast bis zur Erde, und die Bäume
-bogen sich und pfiffen und schüttelten mit Riesenlaubbüscheln,
-benahmen sich wie hysterische Weiber.
-</p>
-
-<p>
-Ein reißender Bach fuhr bereits an den Vorhausstufen
-vorbei, in den der Regen hineinprickelte. Bei jedem Blitze,
-mit Siebenmeilenstiefeln über Land, sah sie mich an ...
-</p>
-
-<p>
-Ach, schaute zu mir auf. Und ich: Jedesmal aufwärtsblickend:
-Sie vertraut sich dir an ... Sie vertraut sich
-dir an ...
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-Aber eine dritte Person in der Nachtfinsternis neben
-uns!?
-</p>
-
-<p>
-Hans!?
-</p>
-
-<p>
-Ach, er hat sogar ein Butterbrot!
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich fühle ich etwas an meinem Arm.
-</p>
-
-<p>
-Butter!?
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Mein neuer Anzug!!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Corra zieht mich ins Gewitterlicht. (Sie hüpfen ordentlich
-vor Ausgelassenheit, die zwei ...)
-</p>
-
-<p>
-Und sie faßt ihre blaue Schürze, Corra &bdquo;Komm,
-komm ...&ldquo;
-</p>
-
-<p class="noindent">
-und wischt sorgfältigst Butter von meinem Ärmel ...
-</p>
-
-<p>
-Sie liest dabei in meinen Augensternen.
-</p>
-
-<p>
-Auch das, was ich in meinem Innersten denke: Nie,
-nie werde ich dir dies vergessen ...
-</p>
-
-<p>
-(Der Anzug war mir nichts ...)
-</p>
-
-<p>
-Wir gingen wieder auf unseren Platz in der Nachtfinsternis,
-ihr Arm schlüpft unter meinen: Ich beschwöre
-mich: Pst ... Pst ... p.. p..
-</p>
-
-<p>
-Ein weißes Blatt Papier wirbelt in der Gewitternacht
-empor!!
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist das Blatt, das wir im Gartenhaus vergessen
-haben, das Blatt, das wir im Gartenhaus vergessen
-haben!!!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie gerät in Bewegung, sie klatscht in die Hände, und
-auf drei Sekunden ganz an mich gedrückt, wag ich&rsquo;s nicht,
-mich zu rühren ...
-</p>
-
-<p>
-Ach, es wollte gewiß zu den verlassenen Abendsternen,
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-dieses weiße Blatt Papier ... Es kämpfte einen gräßlichen
-Kampf mit der Gewitternacht.
-</p>
-
-<p>
-Liebes, weißes Blatt Papier, diese deine Sehnsuchten nach
-den Abendsternen, nie werden sie erfühlt werden ... vielleicht
-wirst du noch aufgespießt von einem rechtwinkeligen
-Blitz. Auf dieser, deiner Irrfahrt ...!
-</p>
-
-<p>
-Morgen finde ich dich in einer Feldlache, zerweicht,
-zerknittert, beschmutzt ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-18">
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-Sommerfrische
-</h2>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-1">
-1.
-</h3>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">D</span>er Regen hatte aufgehört, man konnte wieder die
-Sonnenschirme ausspannen, und also nahmen sie die,
-Mutter und Schwester, und gingen aus.
-</p>
-
-<p>
-Der Herr Sohn bleibt zu Hause?
-</p>
-
-<p>
-Bei diesem schönen Wetter bliebe er zu Hause?
-</p>
-
-<p>
-Er wolle ein wenig üben, sagte er ...
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Nun so solle er üben.
-</p>
-
-<p>
-Und damit hatten sie ihre Schirme genommen und
-waren gegangen, Mutter und Schwester.
-</p>
-
-<p>
-Er trank ein Glas Wasser, dann ging er auf sein
-Zimmer hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Da waren die Fenster offen und er schloß sie. Nein,
-ein halbes konnte ja offen bleiben und so ließ er ein
-halbes offen.
-</p>
-
-<p>
-Draußen liegt die Luft wie stille See. Eine graue Taube
-läßt sich vom Schlag herunter, sie hält die Flügel ausgebreitet
-und bewegt sie nicht. Dicht über dem Boden
-beginnt sie mit den Flügeln zu schlagen und in Blätter,
-die da liegen, kommt Leben; die Blätter gleiten einen
-Menschenschritt an der Erde hin und das ist für sie wie
-eine Erinnerung an eine glückliche Zeit ...
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-Da sie noch an den Zweigen hingen, an dem schlanken
-Stengel!
-</p>
-
-<p>
-Ja, die Blätter wollten es mit den Vögeln halten,
-das stille Leben da auf dem Baume hatte ihnen nicht
-mehr behagt und im Winde sich schaukeln war ihnen nicht
-genug. Hinflattern, wohin es ihnen beliebte, wollten sie.
-</p>
-
-<p>
-Da lagen sie nun, irregeführt, im Staub und spürten
-die Lebenskräfte schwinden.
-</p>
-
-<p>
-Ja, da mochten sie jetzt sehen, wie es ihnen erging!
-</p>
-
-<p>
-Die Sechsuhrsonne hing an olivengrünen Tapeten, an
-kastanienrotem alten Gerümpel.
-</p>
-
-<p>
-An dem wächsernen Christus unter dem Glassturz fließt
-ein dünner, gelber Strahl vorbei.
-</p>
-
-<p>
-Der kam durch ein Loch in der Gardine.
-</p>
-
-<p>
-... Er blickt auf die glänzende, weiße Tür; es war
-ihm so wohl ... Er nahm seine Noten vor.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; &mdash; Chopin? ...
-</p>
-
-<p>
-Ja, Chopin würde er spielen.
-</p>
-
-<p>
-Er legt das Heft auf das Pult und stimmt. Ein paar
-Striche, Griffe übers Griffbrett herunter, dann faßte er
-die Geige mit dem Kinn, stieß mit der linken Hand den
-Ärmel zurück und: Piano ...
-</p>
-
-<p>
-Das rechte Handgelenk bog sich sanft, ruhig wie ein
-Schwanenhals und die süßen Triller flogen wie kleine
-Kalanderlerchen ans Fenster und setzten sich dort auf dem
-Fensterhaken ...
-</p>
-
-<p>
-Wer spielt denn da oben? &mdash; Er hielt inne.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Ich! &mdash;
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-&mdash; &bdquo;Ich?&ldquo; wer &bdquo;ich?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Pause.
-</p>
-
-<p>
-... Ein Damenlachen beugt ihn zum Fenster heraus.
-Mit der Geige unter dem Arm, da prallt er zurück, die
-Blonde in Trauer stand unten.
-</p>
-
-<p>
-An der Hand hatte sie ein vierjähriges Mädchen. Das
-hielt eine Puppe im Arm und sah dorthin, wo Mama
-hinsah ...
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-2">
-2.
-</h3>
-
-<p class="date">
-Nach vier Tagen.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Sie sind der Violinspieler?
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Ja.
-</p>
-
-<p>
-Er lächelt. Sein rechtes Knie zittert, er habe noch um
-Entschuldigung zu bitten, sagt er.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Nein, der Herr nimmt dir deine Blumen nicht, sei
-still, Martha ... Was war es, was Sie spielten?
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Chopin. Ein Nocturne.
-</p>
-
-<p>
-Sie überging ganz, was er vom Entschuldigen gesagt
-hatte.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Chopin ..., sie sah an ihm herunter. Ihr Blick
-hielt bei seinem Knie und blieb da:
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Ja, wie komme ich da jetzt aus diesem Wald heraus?
-</p>
-
-<p>
-Er deutet mit der Hand:
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Dann kommt eine Bank, von da geht ein Weg
-hinunter, gerade bis hinter das Haus des Herrn Presoli.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Wie, Sie wissen sogar wo ich wohne? die schwarze
-Glacéhand am Kinn.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-&mdash; Sie standen unter dem Tor und redeten mit ihm,
-Herrn Presoli, er hielt die Mütze in der Hand. Und dann
-gingen Sie mit ihm in die Zimmer hinauf; an einem
-Freitag war es.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; An einem Freitag? Ja, ja, da bin ich hiehergekommen.
-</p>
-
-<p>
-Sie heftet die Augen auf einen Punkt und sagt das
-so hin, dabei klopft sie mit dem Finger auf die weißen
-Zähne.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Also guten Tag!
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Gestatten Sie, daß ich Ihnen den Weg bis zur
-Bank zeige?
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Ach nein, danke! Jetzt finde ich ihn ja.
-</p>
-
-<p>
-Sie lächelt und nickt, dann ging sie.
-</p>
-
-<p>
-Er verschwand schnell. Hinter einem Baum sah er ihnen
-nach. Das Jäckchen des kleinen Mädchens war schwarz,
-kaum so groß wie ein Bilderbuch und der kleine Hut war
-schwarz, nur das Röckchen war weiß und die Strümpfe
-und Schuhe waren wieder schwarz ...
-</p>
-
-<p>
-So trippelt es einher neben seiner Mama, die behend
-und aufrecht zwischen den Bäumen hinuntersteigt ...
-</p>
-
-<p>
-Er ging hinauf bis zum &bdquo;Kamm&ldquo;.
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-3">
-3.
-</h3>
-
-<p>
-Der Sonnabend fiel aus den Bäumen. Auf dem Waldboden,
-in den dürren Nadeln blitzte es, daß es in den
-Augen weh tat.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
-Plötzlich wandte er sich um: Sie stand unten auf der
-Fahrstraße ...
-</p>
-
-<p>
-Ein Holzweib sagt etwas zu ihr und die Frau öffnet
-die kleine Handtasche ...
-</p>
-
-<p>
-Sie stieg langsam herauf.
-</p>
-
-<p>
-Durch das Weggesträuch mit ihren langsamen Schritten.
-Plötzlich ist sie zwischen den Bäumen verschwunden. Aber
-da kam sie schon wieder auf den Weg heraus und er
-ist froh ...
-</p>
-
-<p>
-Das Gesicht zurückgewandt, den einen Fuß vorgestellt,
-verweilt sie und schaut hinab zu den roten Dächern ...
-</p>
-
-<p>
-Als sie wieder ihren Weg fortsetzt, tut er so, als wäre
-er wegen der Aussicht da und stellt sich auf.
-</p>
-
-<p>
-Ein paar Schritte noch und sie war heroben.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt sah er auch, was sie in der Hand hatte, ein
-Babyhut war es, aus weißem Leinen. Den hält sie sich
-vor das Gesicht. Wie sie an ihm vorbeikommt, hat sie
-ein graugrünes Kleid an und weiße Handschuhe bis über
-den Arm hinauf.
-</p>
-
-<p>
-Da setzt sie sich auf eine Bank und legt den Arm auf
-die Lehne.
-</p>
-
-<p>
-Sein Herz klopft und treibt ihm das Blut ins Gesicht
-und als er sich der Bank nähert, werden seine Beine
-unsicher. Er vermag es nicht, den Arm zu heben und zu
-grüßen ...
-</p>
-
-<p>
-Aber zwei Augen gingen mit ihm und um den Mund
-war ein Lächeln, das sagte: Ja, ja, ich bin es, mein
-Lieber.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-Die Schuhspitze klopft auf dem Boden ... Der Arm
-auf der Banklehne spielt mit dem weißen Hütchen und der
-andere liegt wie eine schöne, weiße Schlange im Schoß ...
-</p>
-
-<p>
-Er atmet auf, als er auf dem Plateau anlangt. Das
-hieß &bdquo;der Kamm&ldquo;, und es hat der Wind freies Feld da.
-</p>
-
-<p>
-Er lächelt mit sich und blickt zu Boden; in seinem Hirn
-ging es drunter und drüber ...
-</p>
-
-<p>
-Er sieht sich nach ihr um, da schaut sie zu ihm herauf:
-Er geht langsam zurück.
-</p>
-
-<p>
-Und vorbei ... Nein, er wagte es nicht.
-</p>
-
-<p>
-Sie verzieht den Mund und &bdquo;du Kipfel&ldquo; heißt das.
-</p>
-
-<p>
-Nach zehn Minuten taucht er wieder auf. Aber er
-ging wieder bis zum Plateau &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Sie schaut in den Wald hinein, fächelt mit dem weißen
-Kinderhut, da kommt Presoli.
-</p>
-
-<p>
-Wie der auf dem Plateau ist, stützt er sich auf seinen
-Stock, steht so, betrachtet sich die zwei und denkt wohl:
-Ei ja ... Ein Blick nach ihm hin, er trollt sich und
-verschwindet.
-</p>
-
-<p>
-Das kleine weiße Hütchen auf dem Knie, spitzt sie den
-Mund, und sie pfiff ...
-</p>
-
-<p>
-Er wagt es; aber gerade jetzt stand sie auf und ging
-hinunter!
-</p>
-
-<p>
-Er eilt ihr nach. Rechts von ihr: Verzeihen Sie, ich
-möchte Ihnen das geben ...
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Was? fragt sie im gröbsten Dialekt.
-</p>
-
-<p>
-Hinter ihrem Festungswall, dem Babyhut, und sie ist
-brennrot im Gesicht.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
-Er hält ihr einen Brief hin mit der rechten Hand.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Haha!
-</p>
-
-<p>
-Dasselbe glaubt auch der Wald, denn er wiederholt es.
-</p>
-
-<p>
-Sie nimmt den Brief mit der Linken. Eine feine Hand
-ist in dem weißen Handschuh, hinter der weißen Kappe
-lacht die Frau.
-</p>
-
-<p>
-Nicht ganz so groß ist sie wie er. Ihre Schritte erinnern
-an die blendender Stuten vor dem Leichenwagen,
-denen der Galopp versagt ist.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Er läßt sie über den Weg und sie geht hinunter.
-</p>
-
-<p>
-... Nun war er wieder auf dem Plateau. Und viel
-weiter unten, da stand sie, ihr graugrünes Kleid nach
-der neuesten Mode.
-</p>
-
-<p>
-Das Körpergewicht ruht auf dem rechten Bein, so stand
-sie und las. Vom Gemeindeplatz tönten die Glocken herauf.
-Dann geht sie rasch weiter und ihre rechte Hand
-mit dem Blatt Papier schwenkt übertrieben stark in der
-Luft.
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-4">
-4.
-</h3>
-
-<p>
-Mondnächte, wie in dem Tanzmärchen, da das adelige
-Fräulein Strohlendorf plötzlich mitten auf dem Märchen-Waldboden
-stand, hergeweht von den Cephyren. Auf einem
-Bein, Kopf hintenüber, erstarrt, in Hingebung ... Unbekanntem
-...
-</p>
-
-<p>
-... Und eine Hoboe die Sterne herabflötet zu ihr ...
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Auf dem &bdquo;Kamm&ldquo; hatte der Wind seine letzten
-Seufzer ausgehaucht. Kein Hälmchen rührt sich. Das einzige,
-<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
-was sich regt, das Flimmern der Sterne. Da raschelt
-es im Laub und zwischen den Bäumen kommen zwei
-daher. Im grünen Mondlicht, das an den Bäumen herabfließt,
-am Boden weiterrieselt und irgendwo unter dem
-modernden Laub in die Erde lautlos hineinrinnt. Puck,
-Bohnenblüte, Oberon.
-</p>
-
-<p>
-Langlangsam ...
-</p>
-
-<p>
-Kommen zwei daher, eng aneinander, sie stehen Brust
-an Brust, dann gehen sie wieder ...
-</p>
-
-<p>
-Warum hast du mir das nicht gesagt? fragt sie. Keine
-Spur von Dialekt. Das Lächeln mit geschlossenen Augen,
-das zittert in ihre Stimme hinein ...
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-5">
-5.
-</h3>
-
-<p>
-Auf dem Fußweg im Lärchenwald kollert ganz plötzlich
-der Mond.
-</p>
-
-<p>
-Der Junge ging da und taumelte, bald über den Weg,
-bald zwischen den Bäumen und hielt die Hand ans Gesicht
-gedrückt.
-</p>
-
-<p>
-Er setzt sich auf einen Baumstrunk ...
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-6">
-6.
-</h3>
-
-<p>
-Die Front des Hauses ist im Dunkeln. Der Mond
-steht verklärt auf dem Dachfirst und schaut von da in
-den Himmel hinauf.
-</p>
-
-<p>
-Ein einziges Fenster ist schwach erleuchtet, ein unschuldiges
-Lichtchen brennt hinter den Scheiben.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
-Drei weiße Fensterpölster sind da, die schimmern durch
-die Nacht ...
-</p>
-
-<p>
-Jetzt kämmt sie sich, denkt er, und sitzt auf seinem Holzstoß
-im Schupfen. Die Torflügel sind ausgehoben und
-die halbe Welt liegt vor dem flügellosen Tor und der
-Himmel darüber ist angefüllt mit Sternen.
-</p>
-
-<p>
-Ein Fenster ist weit geöffnet und ein Fensterhaken hängt
-nach.
-</p>
-
-<p>
-Aber er baumelt nicht, nein, nein, die Luft liegt wie Öl.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt hast du dein Licht ausgelöscht?!
-</p>
-
-<p>
-... Leise hustet jemand im Zimmer.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt kommt sie ans Fenster! denkt er, und seine Hände
-legen sich langhin auf den Holzstoß ...
-</p>
-
-<p>
-Vor dem Tor wächst ein Halm, der bewegt ein einziges
-Mal seine Spitze, dann steht er wieder kerzengerade
-...
-</p>
-
-<p>
-... Da ist sie?!
-</p>
-
-<p>
-Aber es war das nur der Vorhang, der plötzlich vom
-Mondstrahl getroffen wurde.
-</p>
-
-<p>
-Eitel Silber rauscht armdick aus der Brunnenröhre und
-in die Kufe und das ist das einzige Geräusch auf dem
-großen Hof.
-</p>
-
-<p>
-Er wartet und wartet, und auf seinem herrlich mit
-Wasser frisierten Scheitel glänzt der Mond.
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-18-7">
-7.
-</h3>
-
-<p>
-Die Sonne ist schon fort. Ein hochrotes Wolkenband
-brückt über den Himmel weg. Unter ihm fährt der Abendzug
-<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
-weg. Eine weiße Säule, schräg in den Himmel, über
-sich ...
-</p>
-
-<p>
-Das Kinn an den Hals gedrückt, stand er da. An seinem
-Leib konnte man die Rippen zählen, durch das dünne
-Sommergewand.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-19" title="Ich wandere, beschließe ich. Bleibt ihr alle da, wollt">
-<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>ch wandere, beschließe ich. Bleibt ihr alle da, wollt
-ihr nicht mit mir!
-</p>
-
-<p>
-Ich habe Mond und Sterne auf meiner Seite, sie
-gehen mit mir. Das ganze Firmament!
-</p>
-
-<p>
-Ich laufe auf dem Schienenweg und probiere die
-Sterne aus.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-20">
-<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
-Die Reise
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>ch bin reisefertig.
-</p>
-
-<p>
-Corra ging noch einmal hinauf in ihr Zimmer, um
-die Jacke; die Abende werden jetzt schon kühl. Ich stehe
-an den Pfosten der Türe zum Vorhaus gelehnt und warte.
-Und das macht mir Freude, daß ich hier so stehen darf,
-gelehnt an den Pfosten und warten ...
-</p>
-
-<p>
-Und sie lassen mir ihn, den Pfosten, die hier heroben
-sind und hausen. Menschen voll Güte ...!
-</p>
-
-<p>
-Ich stehe an den Pfosten gelehnt und überschaue von
-da aus die große weite Welt.
-</p>
-
-<p>
-Corra kommt. Sie hat ihre Jacke, im Gehen ruft sie
-dem Küchenmädchen zu, ob sie die Levkojen hineingenommen
-habe. Marie?
-</p>
-
-<p>
-... Ja, tönt es zurück.
-</p>
-
-<p>
-Levkojen? frage ich.
-</p>
-
-<p>
-Ja, sagt sie und lächelt. Und so kommt es, daß meine
-Augen noch einmal über das Haus gleiten müssen ...
-Und heimlich verabschiede ich mich von den großen, weißgetünchten
-Schornsteinen und von dem Himmel, der gleich
-hinter dem Dachfirst anfängt. Die paar Wölkchen, die
-ganz rot dahergesegelt kommen, inbegriffen. Und dann
-<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a>
-vom Dache extra. Das hat seine helle, ziegelrote Farbe
-schon ein wenig eingebüßt.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Liebe Corra, laß mich deine Jacke tragen.
-</p>
-
-<p>
-&mdash; Nein, ich habe meine neue Jacke mitgenommen,
-du verdrückst sie mir.
-</p>
-
-<p>
-Und ich lasse ab, von diesem meinem Wunsche und denke
-bei mir: Corra hat eine neue Jacke mitgenommen und im
-Geiste lege ich den Finger auf die Stirne: Die neue Jacke ...
-</p>
-
-<p>
-Jetzt vergesse ich, mich noch einmal umzusehen! Nach
-dem Pfosten der Türe zum Vorhaus zu schauen ... Und
-die weißgetünchten Schornsteine? Aber alles ist schon untergetaucht
-und verschwunden ... Ja und das mit der
-Jacke war unser ganzes Gespräch. Corra geht zwei Schritte
-weit neben mir, dann drei ... Und jetzt geht sie gar
-lächerlich nahe neben mir ... Corra?
-</p>
-
-<p>
-Ich werde grob und sage zu mir: Halts Maul! Und
-jetzt erinnere ich mich, daß sie tralala machte.
-</p>
-
-<p>
-Wer nun war daran schuld, wie ich, daß sie nun wieder
-weit von mir in der Herbstsaat herumstieg!
-</p>
-
-<p>
-Eine ganze Straßenbreite weg stiefelt (...) sie in
-der Ackererde.
-</p>
-
-<p>
-Corra kommt zu mir herüber, legt ihren Arm auf den
-meinen, schaut mir ins Gesicht (...) und sagt: du, du
-kannst meine Jacke tragen ...
-</p>
-
-<p>
-... Und sie gibt ihre Jacke ...
-</p>
-
-<p>
-Die neue Jacke ...
-</p>
-
-<p>
-Und sie tut das ganz offen, ohne sich ein Blatt vor
-den Mund zu nehmen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a>
-Meine Arme waren lahm ... Meine Füße gingen
-mechanisch. Corra hängt sich sogar in mich ein.
-</p>
-
-<p>
-Und sie gehen fort, eine geschlagene Stunde, miteinander
-... Und, du, du kannst meine Jacke tragen, bleibt
-unser ganzes Gespräch ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-21">
-<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
-Istrianische Kalklandschaft
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza first">
- <p class="verse"><span class="firstchar">A</span>us roter Erde,</p>
- <p class="verse">Sparsam windgestreut in Kalkfelsenspalten,</p>
- <p class="verse">Hängen Büsche Salzkristalle.</p>
- <p class="verse">Und in dunkle Meeresfalten</p>
- <p class="verse">Rollen Steine.</p>
- <p class="verse">Weit,</p>
- <p class="verse">Ein einzig Fleckchen Erde,</p>
- <p class="verse">Gott behielt es sich zu seinem Acker.</p>
- <p class="verse">Sonst alles tot und leer ...</p>
- <p class="verse">Wär nicht ein flüchtig Rad</p>
- <p class="verse">Zweier Delphine,</p>
- <p class="verse">Enteilt es übers Meer,</p>
- <p class="verse">Stille stünd&rsquo; die Zeit ...</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-22" title="Wien, 30. September 19">
-<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a>
-</h2>
-
-<p class="date">
-Wien, 30. September 19..
-</p>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">P</span>lötzlich waren Sie wieder da, bei Vater, Mutter und
-Schwester.
-</p>
-
-<p>
-Ein Wagen stand vor dem Tor, unter der Laterne.
-</p>
-
-<p>
-Den Wagenschlag öffnet eine Frau, im Tor hat sie
-gewartet und lange dagestanden und die Straße hinauf
-und hinunter geblickt, ein weißes Taschentuch an den
-Mund gedrückt.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt war der Wagen da und sie eilt zum Wagenschlag
-und öffnet ihn.
-</p>
-
-<p>
-Und da ist es eine junge Dame im Reisekleid, die aus
-dem Wagen steigt, langsam und bleich. Ihre Hände in
-grauen Handschuhen ringen sich um den Hals der Frau
-und so bleiben sie, Mutter und Tochter ...
-</p>
-
-<p>
-Zugleich schlägt oben in den Stockwerken ein Fenster
-zu und ein Schrei, der, an den geschlossenen Fenstern der
-stillen Gasse noch fortflatternd, sich zerstört ... Und die
-den Schrei tat, ein junges Mädchen, Leonarda, die Schwester
-der Dame im Reisekleid, kommt aus dem dunklen Tor
-hervor, sie weint laut, stürmisch faßt sie die Angekommene
-unter dem Arm, die Schwester, die noch immer und
-wortlos an dem Hals der leise schluchzenden Mutter
-hängt.
-</p>
-
-<p>
-Der Kutscher schaut vom Kutschbock herab auf die
-drei; eine Gruppe vor einem dunklen Tor in stiller abgelegener
-Gasse, bei dem gelben Schein einer Laterne, verweilen
-drei Frauen, leise schluchzend die eine, während
-das junge Mädchen seinen Gefühlen freien Lauf läßt,
-<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
-laut weint, zu allen Fenstern hinauf, in der stillen Gassennacht
-...
-</p>
-
-<p>
-Und das Gesicht der Dritten liegt bleich, auf dem Hals
-der Mutter, ohne Träne, unbeweglich, mit zugefallenen
-Lidern wie ein Marmorgesicht ...
-</p>
-
-<p>
-Und dann in dem dunklen Hausflur, sehe ich, wie sie
-nun langsam den Fuß vom Boden abhebt und vor den
-andern setzt.
-</p>
-
-<p>
-Das Marmorgesicht liegt auf der linken Achsel der
-Mutter und an derselben Seite geht Leonarda mit kleinen
-Schritten und stützt mit beiden Händen die Schwester.
-</p>
-
-<p>
-Und ich habe sie erkannt, Frau Farweller ...
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-Und Ade sagten Sie, Frau Farweller, und blickten zur
-Erde hinab, flogen auf mit zwei Flüglein ins Himmelreich
-... Angemeldet, abgemeldet ...
-</p>
-
-<p>
-Und da stand ich, bei dem Tor, drehte mich, stieg vor
-dem Tor auf dem Trottoir herum, und ging an der Häuserreihe,
-an den Wänden, wieder zurück ...
-</p>
-
-<p>
-Und da fällt es mir ein, wie ich diesen Weg auch oft
-mit Ihnen gegangen bin, als Sie noch Schulmädchen
-waren, damals.
-</p>
-
-<p>
-In respektierter Entfernung natürlich.
-</p>
-
-<p>
-So sagen wir eine Straßenbreite, bis zu Ihrem Hause.
-... Sie sprachen noch eine Weile mit der Freundin, einem
-Vize-Adelinenwesen. Es war ein heißer, weißer Sommer,
-der die Menschen matt macht, und Blässe lag auch auf
-Ihrem und Ihrer Freundin Gesicht. Dann gebt Ihr Euch
-<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
-die Hand ... Sie gehen durch den Hausflur und bei der
-Stiege bleiben Sie stehen, Ihre Füße kommen gerade da
-zusammen und so bleiben Sie stehen ...
-</p>
-
-<p>
-Mit der linken Hand halten Sie die Schultasche und
-die rechte ist darauf gelegt ...
-</p>
-
-<p>
-Ihre Gestalt sehe ich im Profil ... Ein weißes Alltagssommerkleid
-sagten Sie ... Und Ihr Kopf wendet
-sich mir zu und nickt. Und ganz allein mir galt es ...
-</p>
-
-<p>
-<span class="antiqua">Pronti!</span>
-</p>
-
-<p>
-Ich gehe augenblicklich über Felder, springe über Gräben.
-Einen großen tiefen Graben habe ich auch zu überschreiten
-gehabt. Ein <span class="antiqua">incredibile</span> langes Brett! Es stammte gewiß
-aus Nordamerika, eine Conifere!? Brett aus den Felsen-Waldbergen,
-Grizzlys Heimat ...!
-</p>
-
-<p>
-Friedliche Tiere habe ich aufgescheucht, aus ihrem Schlaf,
-aber es war nicht Absicht, junge Frau, Sternennacht ...
-</p>
-
-<p>
-Warum weine ich?
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-23">
-<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
-Oh Cinema ...
-</h2>
-
-<div class="epi-container">
- <div class="epi">
-<p class="right">
-(Kein Auge blieb trocken). &mdash;
-</p>
-
- </div>
-</div>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">D</span>a kommt sie, das Unglückswesen, sagt eine weibliche
-Stimme hinter mir.
-</p>
-
-<p>
-Und wirklich! Immer bist du es, die ich heute zum
-drittenmal sehe, Hermia, dieselbe.
-</p>
-
-<p>
-Jedesmal behielt ich dieses Bild im Herzen:
-</p>
-
-<p>
-Das Bukett Rosen mit dem Brieflein: Graf ... In
-den Handschuhmacherladen hinein ...
-</p>
-
-<p>
-Nein, der &bdquo;Graf&ldquo; war dir nichts. Nur ihn, ihn küßtest
-du, als du seinen Brief küßtest, und die Rosen küßtest
-und an Mund und Augen und Wange drücktest ...
-Hermia ..., daheim, in deiner Kammer ...
-</p>
-
-<p>
-Eines Abends, nach Geschäftsschluß: ob ein Wiedersehen
-möglich wäre ...? Nein, nein, nein, Hermia schüttelt
-den Kopf, und wie sie die Rosen lieb anblickt. (Nein,
-gewiß, nimmer würde sie von euch ihre Hand lassen ...)
-</p>
-
-<p>
-Dann, hinter dem Haustor blickt sie noch durch das
-Torfensterchen und macht mit der Hand Pa...
-</p>
-
-<p>
-Und oben in deinem Kämmerlein, Hermia:
-</p>
-
-<p>
-Gleich Wasser, für die Blumen, o, wenn man all den
-Duft mit einemmal einsaugen könnte ...!
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
-Arme Hermia, dann war es wohl die erste im Reigen
-der unruhigen Nächte ...
-</p>
-
-<p class="date">
-Nächsten Tages. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-... Welche Freude es für ihn wäre, sie Sonntag nachmittag
-am Jägerweg erwarten zu dürfen, zu einer Automobilfahrt!
-&mdash;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Vielleicht um vier Uhr, wenn es Ihnen recht ist?&ldquo;
-</p>
-
-<p class="sign">
-Graf Udo Ferdinand N. &mdash;
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-Ein weißer Mädchenschirm, der im Wegsand stochert;
-Wind, alter Lebemann, vermag nicht abzulassen von eines
-jungen Mädchens weißem Kleide!
-</p>
-
-<p>
-Weiß, der Sommer prallt daran ab.
-</p>
-
-<p>
-Das Automobil schwankt heran.
-</p>
-
-<p>
-Hermia kehrt dem plötzlich den Rücken und geht drei
-Schritte:
-</p>
-
-<p>
-Nein, es kann nicht wahr sein, nicht wahr sein! Hermia,
-es ist das Glück ... Es lächelt dich an ...
-</p>
-
-<p>
-So denkt Hermia, und neigt den Kopf, denn sie sieht
-da die Steinchen im Wegsand nicht mehr. Feuchte Augen
-trüben den Blick ...
-</p>
-
-<p>
-Eine Stunde später: Die Bank am Waldespfade ...
-Beide setzen sich ...
-</p>
-
-<p>
-Einstweilen nimmt er das Blatt weg, das auf ihr Knie
-gefallen war ...
-</p>
-
-<p>
-Auf das himmlische Knie unter dem weißen Kleide ...
-</p>
-
-<p>
-Horch, was ist das? &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Nichts, Waldesrauschen. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
-Das Automobil wartet. Auf der breiten Straße mit
-den Kilometersteinen. Der Chauffeur trinkt sein Bier und
-liest die Zeitung: Die parlamentarische Kommission der
-konservativen Rechten ...
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-Er legt die Hand um ihre Taille. Sie erbebt, erhebt
-sich, wächst empor, und wie die Lilie im Zauberwald ...,
-streift langsam seine Hand ab ... behält ... sie ...
-in ihrer Hand ...
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht strömt ihr bisheriges, stilles Leben an ihr
-vorbei?
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht eine Szene hinter dem Ladentisch? Wie sie
-gerade mit der Schere ein widerspenstiges Haarlöckchen
-abschnitt, sorgenfrei ...
-</p>
-
-<p>
-Sie wendet langsam ihr Gesicht ihm zu: die Augen
-blicken ernst, der Mund ist halb offen.
-</p>
-
-<p>
-Er sieht ihre eingefallenen Wangen und wie die Brust
-atmet. Und Hermiens Augen werden groß und matt, wie
-es die Sonne jetzt tut im Westen.
-</p>
-
-<p>
-Hermia steht auf dem Felsgrat. Und in blauen Tiefen
-sieht sie die Sphären schwingen. Wird Hermia schwindelfrei
-sein, und die Tiefe unter ihr nicht ihren weißen Nacken
-lähmen?
-</p>
-
-<p>
-Wird sie es vermögen, den blauen Tiefen noch rechtzeitig
-ihr nicht weniger tiefes Blauauge zu entreißen,
-hinter sich zu blicken und einem schwachen Mädchenfuß
-alte Kraft und Sicherheit wiedergewinnen zu lassen, froh
-und befreit niederzuwandern zwischen Bergblumen?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
-Siehe, aber <em>sie</em> vermochte es nicht, Hermia, als sie
-hinaustrat auf den Felsgrat ihres Lebens. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Hermia hatte nicht gelernt auf Felsgraten zu tanzen.
-</p>
-
-<p>
-Die schwingenden Sphären nahmen sie an sich, komm
-zu uns, komm zu uns, riefen sie und Hermia fühlt, wie
-sie aufgehoben wird, abgehoben von dem Fels unter ihren
-Füßen, und hinabgleitet: &mdash; Sie fällt ihm um den Hals,
-Hermia, Graf Udo Ferdinand N., und birgt ihr Gesicht
-an seiner starken Brust.
-</p>
-
-<p>
-Sein ist Hermia und die Seele blickt auf ...
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-Harmonium solo.
-</p>
-
-<p>
-Und dann wird es das alte Lied: Hermia liegt zu
-Bett. Das hat an Kopf und Fußende ein kaltes, eisernes
-Gestänge. Und da sind noch viele Betten, und eines sieht
-dem anderen ähnlich auf ein Haar ... Neben dem großen
-Bett steht ein kleines Bettchen. Es ist nicht die Himmelswiege,
-es ist das große Bett aber <span class="antiqua">en miniature</span>.
-</p>
-
-<p>
-Darin bewegt sich das Würmchen ...
-</p>
-
-<p>
-Hermia aber liegt stumm, dann und wann tun sich
-die großen Augen auf und schauen die Zimmerdecke an ...
-</p>
-
-<p>
-Neben Hermiens Bette sitzt die alte Wärterin, sie stickt.
-</p>
-
-<p>
-Sie hat zeitlebens nur Anna geheißen und Kranke gepflegt,
-an Peppo gewürgt, und Peppo ist es in den Geschichtchen
-der Hermien, die hier im Spitale liegen und
-mit großen Augen der Wöchnerin zur leeren weißen Saaldecke
-schauen, nach den Bildern ihrer Erinnerung.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
-Und jetzt war Peppo sogar Graf, Graf Udo Ferdinand
-N., erzählt Hermia ...
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht könnte sie sich ein wenig im Bette aufsetzen?
-Anna ist ihr behilflich.
-</p>
-
-<p>
-Nein, sie kann es nicht, Hermia, sie ist noch zu schwach
-und sie sinkt wieder zurück.
-</p>
-
-<p>
-Die schönen schmalen Hände liegen wieder neben dem
-Körper, bleich auf der Decke ...
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-In den ersten Nachmittagstunden, das Krankenzimmer
-liegt an der Sonne. Ein Sperling singt auf dem Fenstersims
-Frühlingslieder. Hoch oben unter der Saaldecke ist
-das Fenster, und es ist offen. Unter ihm schläft das Kleine
-in seinem Bettchen. Es hat sich mit den Ärmchen müde
-gespielt.
-</p>
-
-<p>
-Hermia erzählt. Sie erzählte so gern ...
-</p>
-
-<p>
-Sie wünscht, daß Anna ihr das Etui mit dem Medaillon
-herüberreiche. Anna tut es und mit einem mitleidsvollen
-Blick (der von Hermia nicht gesehen werden
-darf). &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Hermia nimmt das Medaillon heraus. Wie sind die
-Hände so langsam und die Finger spitz ...!
-</p>
-
-<p>
-Sie schaut das Medaillon an und ihr Hals macht
-dabei unter dem Kinn eine Falte. Er muß den Kopf ein
-wenig heben, der Hals, daß die großen Augen das Medaillon
-sehen können und da macht er die Falte. Können
-denn die Hände das Medaillon nicht höher halten? Nein,
-sie sind zu schwach.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a>
-Hermia legt das Medaillon in das Etui, gibt dieses
-der Anna zurück ... Sie möge es zu dem kleinen Ferdinand
-neben ihr ins Bettchen legen.
-</p>
-
-<p>
-Will sie sich denn schon vorbereiten zum Sterben?
-</p>
-
-<p>
-Ja, abends war sie tot. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Sie starb an Schwäche. Ganz still, niemand hörte es ...
-</p>
-
-<p>
-... Die Ärzte breiteten ein weißes Leintuch über sie.
-</p>
-
-<p class="tb">
-&nbsp;
-</p>
-
-<p>
-Als der junge Graf endlich (zu spät!) auftauchte, geschah
-es, daß er sich über das sanfte Bild warf, das
-das weiße Leintuch behütete, und nur noch dieser heutige
-Tag seine Zeit lang von jener frühen Morgenstunde trennte,
-da das Zügenglöckchen ertönt &mdash; (Harmonium solo). Er
-weint. &mdash; Die Ärzte lassen ihn allein, und geben auch
-der Wärterin Anna einen Wink.
-</p>
-
-<p>
-Darin küßt er das Händchen des kleinen Ferdinand.
-(Nach ihm so benannt ...)
-</p>
-
-<p>
-Die achtzehnjährige Ninette hatte sich den kleinen Ferdinand,
-süß schlummert er, auf den Arm genommen.
-Neben ihm stand sie, dem großen Ferdinand, und da küßte
-der große Ferdinand das Händchen des kleinen Ferdinand. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Sie, Ninette, herzte ihn noch eine Weile und legte ihn
-wieder in sein Bettchen zurück, das kein Himmelbett war.
-Dann bekam er eine andere Mutter ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-24">
-<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-Waldelfe
-</h2>
-
-<div class="epi-container">
- <div class="epi">
- <div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse2">&bdquo;Oft wandelt die Liebe in Haß sich! &mdash;&ldquo;</p>
- <p class="verse">Doch wenn ich dich Blümchen anseh,</p>
- <p class="verse">Nun schon vergilbt, kein Duft mehr</p>
- <p class="verse">An dir, zwischen zwei weißen Blättern:</p>
- <p class="verse">Kannst ärger du wüten, o Schmerz,</p>
- <p class="verse">So wüte!</p>
- <p class="verse">Nicht scheint mir begreiflich dein Spruch ...</p>
- </div>
- </div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">W</span>erther schlug die Zeit tot.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich ging er ein Stück Weges zurück und kehrte
-wieder um ...
-</p>
-
-<p>
-Der Wegsand war feucht vom Regen in letzter Nacht.
-</p>
-
-<p>
-Einer lauen Sprühregennacht, die Schuhe drücken sich
-leicht im Sande ab.
-</p>
-
-<p>
-Er ging und sah auf den Boden, die Hand plötzlich
-an der Wange ... Da war es das zweite Mal, daß
-er zurückging.
-</p>
-
-<p>
-Die Sonne war im Untergehen und ihr ganzes Dekorationsinventar
-stellte sie zwischen den Bäumen auf, und
-zwischen den Bäumen wandelt plötzlich jemand daher.
-</p>
-
-<p>
-Luise ...
-</p>
-
-<p>
-Sie hatte wieder ihr neues Kleid an. Und so schön
-war sie, als er sie so ruhig dahergehen sah, mutterseelenallein.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a>
-Hinter ihr ging die Sonne unter ...
-</p>
-
-<p>
-Ach, er blieb stehen und hielt den Atem ein. Wenn sie
-ihn nur noch eine kleine Minute lang nicht bemerkte! Und
-er blickte zum Himmel, daß ihm die Bitte erfüllt werde ...
-</p>
-
-<p>
-In der Hand hatte sie eine einzige, kleine Blume, die
-mit der Hand hin und her, langsam durch die Luft strich.
-Luise neigte den Kopf ein wenig zur Seite, und wie gewöhnlich,
-blickte sie auf den Boden hin.
-</p>
-
-<p>
-Sie sang leise ...
-</p>
-
-<p>
-Da stehen sie sich gegenüber. Sie atmet schnell, kneift
-den Mund zusammen und heißrot steigt es in ihr Gesicht,
-und das ist nicht Luisens Farbe, und über der linken Braue
-steht eine kleine Falte.
-</p>
-
-<p>
-Einige Minuten vorher konnte sie ein Lied singen ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Fräulein Luise, es war nicht Absicht&ldquo;, er spricht&rsquo;s
-in den Wald hinein.
-</p>
-
-<p>
-Lodernde Fackeln stehen auf im Umkreise und das Feuer
-rauscht und knistert, und gelbe Flammen gehen nieder
-und erlöschend im Gleitflug vor Luisens Füßen.
-</p>
-
-<p>
-Herbstwald ...
-</p>
-
-<p>
-Sie sagt nichts; der Wald rauscht. Sie hält das Gesicht
-zur Seite gewendet und blickt weg. Das Weiße in
-ihren Augen glänzt.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt war sie wieder wie damals im Hamerlingpark,
-um sechs Uhr abends.
-</p>
-
-<p>
-Als er das erste Gespräch mit ihr hatte ...
-</p>
-
-<p>
-Sie legt die Finger ineinander und läßt sie so auf
-dem Schoße ruhn.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a>
-Nach einer Weile sagt er: &bdquo;Fräulein Luise, so allein
-sollte ein junges Mädchen nicht gehen, im Wald, in der
-Nähe einer so großen Stadt!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie blickte ihn an, aber sah wieder weg:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie haben ja einmal gesagt, alle Mädchen sind Ihnen
-gleichgültig.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie schaut auf einen Punkt und drückt die Lider zusammen,
-und die Kurzsichtigkeitsfältchen sind wieder da. Sie
-ging. Langsam setzt sie einen Fuß vor den andern ...
-Er ging unschlüssig ihr nach, da sah er die Spur, die
-zurückblieb, wenn sie den Fuß vom Boden abhob.
-</p>
-
-<p>
-Er stand bei ihr, er zitterte; &bdquo;Luise!&ldquo; er wendet das
-Gesicht ab. Es brandet über den Wipfeln und saust fort.
-</p>
-
-<p>
-Werther: Augen schließen und Niagara übers Herz ...
-Ein leidvolles Lächeln.
-</p>
-
-<p>
-Ach, wie er sich hielt mit fester Hand. An seinem Mundwinkel
-zog es. &bdquo;Ich weiß nicht, was Ihnen so schwer
-fällt&ldquo;, plötzlich sagte sie es, <span class="antiqua">mezzavoce</span>; sie steht wieder, ihre
-Fingerspitzen berühren seinen Arm und sie blickt ihn an ...
-</p>
-
-<p>
-Welcher blinde Zufall wollte da unbedingt, daß er
-ausgeliefert werde?!
-</p>
-
-<p>
-Und sollte sein selbstloser Plan nicht in Erfüllung gehen,
-nein? Er war doch hierher gekommen, um zu leiden, still,
-ohne einen Laut ...
-</p>
-
-<p>
-Da kam sie daher und drohte mit einer Frage, ihm
-alles zu vernichten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Darf ich mit Ihnen gehen?&ldquo; fragt er plötzlich ganz
-ruhig. Es sah wirklich so aus.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
-&bdquo;Ja, aber weil sie mir schon bange gemacht haben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Über der linken Braue stand wieder die kleine Falte.
-Sie war wieder hart. Luise war wieder hart.
-</p>
-
-<p>
-Er ging mit.
-</p>
-
-<p>
-Nein, er konnte es nicht begreifen, sie war es, die er
-hier traf? Und sie hatte sich jetzt gerade unter seinen Schutz
-gestellt.
-</p>
-
-<p>
-Er sah dies Bild: Die Hände vor der Brust, blickt
-sie ängstlich zurück, während er dicht vor ihr stand und
-bei ihr ..., seine Hände über sie hielt und sie schützte ...
-</p>
-
-<p>
-Ach, wie gern würde er Qualen erdulden!
-</p>
-
-<p>
-Da, <em>mich</em>, seid einmal gütig in eurem Leben, würde
-er ausrufen. Nach peinvollen Minuten: Meine Wunden
-lassen mich noch eine halbe Stunde am Leben?
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, eine knappe halbe Stunde&ldquo;, sagen sie darauf.
-</p>
-
-<p>
-So ist es gut, antwortet er.
-</p>
-
-<p>
-Und zu Luise gewendet: Jetzt kann ich dich noch begleiten,
-und er lächelt glücklich. Bei der Tür zu dir erst
-werde ich stürzen, aber ich kann dann noch nachblicken,
-du ... Und da wendet er sich noch einmal zu jenen
-Männern und winkt ihnen mit der Hand: Ich bin Euch
-dankbar, gut waret Ihr, ich bin Euch dankbar ...
-</p>
-
-<p>
-Da merkte er plötzlich, daß sie ihn die ganze Zeit von
-der Seite ansieht. Und da er sich zu ihr wendet und dies
-sieht, sagt sie: &bdquo;Sie sehen leidend aus, waren Sie krank?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Da wird in ihm all sein Leid wieder wach, lebhafter
-denn je, eine Garbe von weichen Gefühlen drängt es nach
-außen; da preßt er sie an sich, seine Hand zuckt, so wild
-<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
-reißt er sie an sich. Der linke Arm schlingt sich um ihren
-Kopf und die Hand drückt auf die Stirne; ganz sinnlos
-ist er und merkt nicht, daß er ihr mit dem Finger am
-Auge weh tut. Er bedeckt sie mit heißen Küssen, Mund,
-Wange, und benetzt sie mit Tränen ...
-</p>
-
-<p>
-Dann läßt er sie los, wendet sich ab, und bedeckt sein
-Gesicht mit der Hand. Sie steht da, und in ihrer Ratlosigkeit
-streicht sie sich mit den Fingern über das Gesicht.
-Da eilt sie zu ihm hin, legt die rechte Hand auf seine
-Brust und die Linke zieht die seine vom Gesicht weg ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wein&rsquo; nicht&ldquo;, sagt sie. &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Solchen Phantasien gab er sich hin, die seine Landregenstimmung
-vollends herunterbrachten. Das Rosa der
-durchschimmernden Augenlider war das Letzte, was ihm
-von dieser Welt im Bewußtsein zurückblieb, bis auch das
-weg war; sein Kopf sank matt zurück, er verfiel in traumlosen
-Schlaf.
-</p>
-
-<p>
-Da lag er hinter dem Busch, hingefallen wie ein Selbstmörder.
-</p>
-
-<p>
-Er lag so mehrere Stunden ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-25">
-<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
-Abend
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">B</span>auplätze, allerhand Graswuchs, um Tümpel im Lehmboden.
-</p>
-
-<p>
-Eine Allee, ein Geländer lief mit, flog es in die Ferne
-wie telegraphiert, auf, ab, auf, ab, längs abschüssiger
-Wiesengründe.
-</p>
-
-<p>
-Ein kleiner Hügel, der aus dem Tal herauf will, klammert
-sich an die Straße. Aber das kostet ihm den Kopf,
-auf seinem Rumpf stellt Stadtrat Sch.s Antrag Bänke
-auf: und alte Alleebäume müssen die Eindringlinge respektieren,
-und sie tun es mit einer in langem Leben erworbenen
-Gelassenheit, vollführen hinter den Bänken einen
-Halbkreis und gehen weiter, schweigend, einen schnurgeraden
-Trott.
-</p>
-
-<p>
-Und hinter Hügel und Geländer der Brand von Rom!
-</p>
-
-<p>
-Die Uhr ist sieben.
-</p>
-
-<p>
-Zwei Männer stehen da, dem einen hängt die Pfeife
-aus tabakschwarzen Zähnen, der andere hält die Hände
-hinter dem Kopf verschränkt und gähnt, auf der Straße
-wird es finster.
-</p>
-
-<p>
-Nach einer Weile sind die Bäume schwarz, das Geländer
-schwarz und die Grasspitzen Silhouetten, die in
-den Himmel stechen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
-Ein Paar lustwandelt.
-</p>
-
-<p>
-Er hat seinen Arm um ihre Taille geschlungen, so
-gehen sie und haben keine Eile.
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht lese ich in einigen Tagen in der N. F. P.:
-&bdquo;Die Anna H. kam täglich in den Laden, wo Kropetz
-bedienstet war, um das Fleisch für den Mittagstisch ihrer
-Dienstherrschaft zu holen. Die jungen Leute fanden Gefallen
-aneinander und bald entwickelte sich zwischen ihnen
-ein Liebesverhältnis. Dies sollte aber bald getrübt
-werden.
-</p>
-
-<p>
-Eines Tages mietete sich Johann W., der aus Mähren
-zugereist kam, im Nachbarhause der H. ein. Das Dienstmädchen
-erkannte in ihm einen Bekannten aus ihrem
-Heimatdorfe und sprach nun öfter mit diesem. Auch ließ
-sie sich von ihm zu einer Sonntagsunterhaltung führen,
-da sie ja Schulkameraden seien, wie er sagte. Kropetz
-stellte die H. tags darauf zur Rede. Sie erklärte ihm
-den Sachverhalt und sagte noch: &bdquo;Dir bleib ich ja doch
-treu, wenn ich auch einmal mit ihm geh ...&ldquo; Kropetz
-glaubte seiner Geliebten.
-</p>
-
-<p>
-Doch es war nur Schein. Als ...&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Heut Nacht regnet es, sagt sie. Ihre Stimme ist seltsam
-bewegt ...
-</p>
-
-<p>
-Er blickt sie an mit seinen Rehaugen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Georg ...&ldquo; sagt sie ...
-</p>
-
-<p>
-Der Polizist steht plötzlich wieder da, er hat den Helm
-in der Hand und wischt ihn mit dem Taschentuch trocken;
-es war tagsüber sehr heiß.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a>
-Es ist der, der vor Gericht dann aussagt: Die zwei
-wären ihm gleich nicht ganz richtig vorgekommen ...
-</p>
-
-<p>
-Dann gerate ich auf einen Pfad. Der hat auch sein
-Geländer, das sich in die Baugründe hineinekelt, es aber
-bald aufgibt, wie es einsieht, daß es hier nichts mehr zu
-schützen gibt ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-26">
-
-Der Mond, ein Wachtposten!
-</h2>
-
-<p class="center">
-B. Kokoschka.
-</p>
-
-<div class="lyrics">
- <div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, ich seh dich gu-ten Mond schon wie-der</p>
- <p class="verse">wan-dern! Mein Freund, war-um so bleich?</p>
- <p class="verse">Sahst du mit ei-nem an-dern die Ge-</p>
- <p class="verse">lieb-te?</p>
- <p class="verse">Reich von dei-nen Wan-gen ihr</p>
- <p class="verse">ei-nen Strahl ... Und sag&rsquo;:</p>
- <p class="verse">Sieh, wie mei-ne Wan-gen sind die</p>
- <p class="verse">sei-nen fahl ...</p>
- </div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="centerpic" id="img-music_1">
-<img src="images/music_1.jpg" alt="" /></div>
-
-<div class="centerpic" id="img-music_2">
-<img src="images/music_2.jpg" alt="" /></div>
-
-<div class="centerpic" id="img-music_3">
-<img src="images/music_3.jpg" alt="" /></div>
-
-<div class="centerpic" id="img-music_4">
-<img src="images/music_4.jpg" alt="" /></div>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-27" title="Wiedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier">
-<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">W</span>iedererwacht aus einem Halbschlaf, der drei, vier
-Stunden gedauert hat, sieht er, wie sich graues Morgenlicht
-auf den Fußboden hinabräkelt, und er hört die treue
-Amsel singen ...
-</p>
-
-<p>
-Fort fliegt sie; führt er die Hand an die Stirn, läßt
-sie daran herunter und über die Wange gleiten, und die
-Augen schlagen auf.
-</p>
-
-<p>
-Sie blicken auf den weißen Polster unter der Wange,
-feucht noch von Tränen im Schlaf. &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Hat es nur einmal mit diesem elenden Regen sein Ende,
-ging er auf und ab im Zimmer.
-</p>
-
-<p>
-Am Fenster stehend sieht er nach des Kaufmanns Markus
-Vieldbich altem Haus, es bekommt einen neuen Anstrich.
-Meergrüner Lack.
-</p>
-
-<p>
-Gestern war erst das oberste Drittel meergrün. Heute
-standen die Anstreicher bereits auf dem Pflaster. Die Arbeit
-ging unaufhaltsam von statten. Das Gerüste wirkte
-wie übereinandergestellte Dächer und der Regen konnte
-die Arbeit nicht behindern.
-</p>
-
-<p>
-Er wandte sich vom Fenster weg, da erschreckt er im
-Spiegel: Die Augen lagen tief in den Höhlen und die
-Lider waren grau. Und jetzt merkte er erst, daß es ihm
-zur Gewohnheit geworden war, sie nicht ganz offen zu
-halten, sah er genau hin, waren tausend Fältchen da.
-Auch war das Gesicht nicht ganz rein.
-</p>
-
-<p>
-Ja, mit ihm war es abwärts gegangen. Er war wie
-ein winziges Insekt, das an dem heißen Lampenzylinder
-herabfällt.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
-Luise? Nein. Seitdem sie von ihm gesagt hatte, mangelnde
-Galanterie seinerseits hätte sie beide auseinandergebracht,
-schien sie ihm ein gewöhnliches Wesen. Sie hieß
-auch gar nicht Luise, wie die Gattin Napoleons, und
-Mutter des Königs von Rom. Sie hieß Aloisia, nach
-dem braven Großvater, und spielte falsch auf dem Klavier.
-</p>
-
-<p>
-Was war es dann, das ihn nicht ruhen, ihn mit
-zuckenden Nasenflügeln in tollste Lustigkeit ausarten und
-plötzlich wieder in heller Verzweiflung in einen Stuhl zusammenbrechen
-ließ?
-</p>
-
-<p>
-Abends bei der Lampe, und dem trauten Gespräch im
-Familienkreis, ihm Sehnsucht die Brust durchgreift und
-er aufspringt mit dem heißen Wunsch: Ach! Laßt mich
-eine Gewalttat verüben!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-28">
-<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
-Der Abschied vom neunzehnten Lebensjahr
-</h2>
-
-<p class="date">
-22. November 19..
-</p>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">I</span>ch richte mich im Bette auf, und denke: 22. November
-...!
-</p>
-
-<p>
-Ein zu Tode ermatteter Luftzug streicht zum Fenster
-herein! Neben meinem Bette, wo zwei Asternstöcke stehen.
-... &bdquo;Weißaster und Astern in anderen Farben, ihr seid
-Totenblumen, und euer ist der einsame Friedhofgarten!
-</p>
-
-<p>
-Euer Hauch ist der der Grüfte, und das Licht der Sonne
-liebt ihr, kommt es, getrübt, durch ein Kapellenfensterchen ...
-</p>
-
-<p>
-Wohlan!&ldquo;
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-29">
-<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a>
-Kärntnerstraße
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">L</span>ichtreklamebilder, Passanten, Lungerer.
-</p>
-
-<p>
-Laternenträger: Maxim, Süßes Mädel, Moulin rouge,
-Bajadere, Maison de danse, Fledermaus ...
-</p>
-
-<p>
-Schöne Frauen, mit ihren in kostbare Pelze gezwängten
-Dickbauchmännern, Freunden, Freundinnen ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Auto bitte.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Winternacht ...
-</p>
-
-<p>
-Mizzi, Antschi, Viki, Lu-Lukretia ...
-</p>
-
-<p>
-Lukretia wandte plötzlich den Kopf nach mir. &bdquo;Bubi ...&ldquo;,
-sagte sie.
-</p>
-
-<p>
-Eine Goldplombe hatte sie im linken Mundwinkel.
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-30">
-<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a>
-Lukretia
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza first">
- <p class="verse"><span class="firstchar">B</span>ei des Himmels Morgenkerzen</p>
- <p class="verse">Hüll&rsquo; ich mich in meine Decken,</p>
- <p class="verse">Von dem vielen Drücken, Herzen</p>
- <p class="verse">Kann ich kaum die Glieder recken.</p>
- <p class="verse2">Wie der Wind am Sparren zieht</p>
- <p class="verse2">Pfeift zu der Arbeit sich ein Lied.</p>
- <p class="verse">Ich bin so matt ...</p>
- <p class="verse">Vorüber geht die Nacht,</p>
- <p class="verse">Und schlafen will ich jetzt</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; noch erwacht</p>
- <p class="verse">Das Geheul der Stadt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-31" title="»Die Küche wollen Sie auch sehen«, lächelte sie. Vier">
-<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar"><span class="prefirstchar">&bdquo;</span>D</span>ie Küche wollen Sie auch sehen&ldquo;, lächelte sie. Vier
-Uhr, Winternachmittag.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Also dann kommen Sie, Wettl ist nicht da, wir können
-also ruhig eindringen in ihr Reich.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie wendet den Kopf zurück und lacht.
-</p>
-
-<p>
-Durch ein dämmeriges, kleines Zimmer: &bdquo;das gehört
-Wettl.&ldquo; Sie drückt eine weiße Tür auf und bleibt an
-ihr stehen: &bdquo;Das ist die Küche.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Weiß in Weiß, ach, wer da ein Fisch sein könnte!
-</p>
-
-<p>
-Unter diesem bis ins Gelbweiß gewaschenen Beil, welche
-Wonne zu sterben ...! Oder der Hase, dessen Herzblut
-hier abrinnen durfte ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kochen Sie auch hie und da, Fanny?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-(Stefanie! Stefanie!) Ich durfte &bdquo;Fanny&ldquo; sagen ...
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Selten, für meinen Mann des Abends, dann und wann,
-eine Kleinigkeit. Wenn Wettl sich fortbettelt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie spielt mit den Fingern hinter dem Rücken an der
-Tür und lächelt.
-</p>
-
-<p>
-Ach, der es sein durfte, für den diese Hand mit dem
-Kochlöffel in der Pfanne umrührt!
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Bitte, Fanny, nehmen sie da diesen Löffel. Diese
-Pfanne stelle ich auf den Rechaud.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie lachte und steht bei dem Rechaud, plötzlich sagt
-sie: &bdquo;Ich hab eine Idee.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie nimmt meinen Kopf in beide Hände: &bdquo;Ich hab
-eine Idee!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Sie dreht den Gashahn auf. Ich muß mich setzen. Da
-setz dich, sagte sie ...
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a>
-Sie machte die Kredenztüre auf.
-</p>
-
-<p>
-Butter, Honig und Milchbrot.
-</p>
-
-<p>
-<em>Sie kocht Kaffee ...</em>
-</p>
-
-<p>
-Fanny kocht für mich und sich Kaffee ... Ich darf
-hier schon &bdquo;mich&ldquo; zuerst sagen; Fanny und ich wissen
-ja den Grund: Poesie, Poesie ...
-</p>
-
-<p>
-In der Küche Weiß in Weiß.
-</p>
-
-<p>
-Und sie trinken dann beide den Kaffee ...
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-32">
-<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a>
-Der Seufzer
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza first">
- <p class="verse"><span class="firstchar">W</span>ind, Waldraser, Wasserschlinger, Abstürzler, Hochtourist,</p>
- <p class="verse">Und was du noch alles bist,</p>
- <p class="verse">Möchtest sein; &mdash; &mdash;</p>
- <p class="verse2">Plagst dich viel,</p>
- <p class="verse">Ich spann einen Seufzer dir vor</p>
- <p class="verse">Und rascher bist du am Ziel!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-33">
-<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a>
-An meine Mutter
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza first">
- <p class="verse"><span class="firstchar">M</span>ein Herz schlägt warm,</p>
- <p class="verse">Von deinem Blute,</p>
- <p class="verse">Mutter, hast du zu viel mir drein getan</p>
- <p class="verse">Von deines Herzens Gute?</p>
- <p class="verse">Ich fühl&rsquo;s voll der Unmäßigkeit!</p>
- <p class="verse">In deine lieb verschlungenen Hände</p>
- <p class="verse">Möcht ich&rsquo;s legen heut</p>
- <p class="verse">Und sagen:</p>
- <p class="verse2">Es gellt</p>
- <p class="verse">Ins Ohr die Welt</p>
- <p class="verse">Mir, sieh, ich kann nicht leben!</p>
- <p class="verse">Und möcht mein Leben, leise, daß du&rsquo;s nicht merkst</p>
- <p class="verse">Zurück dir geben ...</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<h2 class="blank chapter" id="chapter-0-34" title="Heute geh ich an dem Laden des Herrn Markus Vieldbich">
-<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a>
-</h2>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">H</span>eute geh ich an dem Laden des Herrn Markus Vieldbich
-vorbei.
-</p>
-
-<p>
-Ein Plakat hing an seinem Ladentisch herunter, das
-habe ich im Vorbeigehen gesehen. Und ich konnte es dort
-entdecken, weil ich langsam vorbei ging.
-</p>
-
-<p>
-Und als ich zum viertenmal vorbeigehe, steht Herr
-Markus Vieldbich in der Ladentüre. Da machte ich eine
-kleine Schwenkung, geradewegs in den Laden hinein. Herr
-Markus trat höflich zurück. Und ich kaufe.
-</p>
-
-<p>
-Ja, einmal schickte meine Mutter Mandeln und Rosinen
-weg in eine andere Stadt. Es war eine ganze, kleine Kiste.
-Aber noch andere süße Sachen waren darin, insgesamt
-war alles an ein arges Leckermaul.
-</p>
-
-<p>
-Eine Schnur brauchte sie, Nägel und Siegellack, sie
-meine liebe Mutter.
-</p>
-
-<p>
-Also ich kaufe Mandeln, Rosinen, eine Schnur, Nägel
-und Siegellack.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Bitte, ach, nehmen Sie doch dieses Plakat zum einpacken:
-&sbquo;Marke Odalisk&lsquo; ist die beste. Zu haben in allen
-Wein- und Mineralwasserhandlungen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Und er packt mit Odalisk Mandeln und Rosinen. Ach,
-keinen Grund hatte ich, bange zu sein!
-</p>
-
-<p>
-Jetzt wird bezahlt.
-</p>
-
-<p>
-Herr Markus macht eine Reihe Zahlen vom oberen
-Rand des Papiers bis zum unteren; dann fährt sein
-Bleistift vom unteren Rand mit immenser Schnelligkeit
-zweimal nach dem oberen, ein Strich, fertig, Punkt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Bitte sehr, bitte schön.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a>
-Ich lege das Geld auf den Tisch. Ob es seine Richtigkeit
-habe?
-</p>
-
-<p>
-Herr Markus streicht mit der Hand darüber hinweg.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Stimmt, haargenau.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das Papier, mit dem Sie mein Paket gemacht haben?&ldquo;
-O, das koste nichts. Das wäre ihm noch schöner. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-In der Finsternis habe ich das Plakat geglättet.
-</p>
-
-<p>
-An der Wand taste ich nach einem Nagel.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt werden die Fenster geschlossen; Gardine herunter!
-</p>
-
-<p>
-Ist auch die Tür abgesperrt? Ja. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-(Mein Herz ... Mein Herz ...!)
-</p>
-
-<p>
-Licht!!!
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Marke Odalisk ist ...&ldquo; Ich suche nach einen geeigneten
-An- Anredewort.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Od... Odalisk ... hiemit mache ich Sie zur Königin
-in meinem Reich!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-<em>Erschöpft sinke ich auf einen Stuhl.</em>
-</p>
-
-<p>
-Ja, <em>sie</em> hat die schönsten Augen der Welt ...!
-</p>
-
-<p class="star tb">
-*
-</p>
-
-<p class="end">
-Ende
-</p>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Adelina oder Der Abschied vom
-neunzehnten Lebensjahre, by Bohuslav Kokoschka
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ADELINA ODER DER ABSCHIED ***
-
-***** This file should be named 52486-h.htm or 52486-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/2/4/8/52486/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License (available with this file or online at
-http://gutenberg.org/license).
-
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
-terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
-before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
-distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
-"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
-posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
-you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
-</pre>
-
-</body>
-</html>
diff --git a/old/52486-h/images/cover-page.jpg b/old/52486-h/images/cover-page.jpg
deleted file mode 100644
index d6fcedd..0000000
--- a/old/52486-h/images/cover-page.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/frontispiz.jpg b/old/52486-h/images/frontispiz.jpg
deleted file mode 100644
index b163bc4..0000000
--- a/old/52486-h/images/frontispiz.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/logo.jpg b/old/52486-h/images/logo.jpg
deleted file mode 100644
index c02ac37..0000000
--- a/old/52486-h/images/logo.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/music_1.jpg b/old/52486-h/images/music_1.jpg
deleted file mode 100644
index 4dc4bf9..0000000
--- a/old/52486-h/images/music_1.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/music_2.jpg b/old/52486-h/images/music_2.jpg
deleted file mode 100644
index 43c327b..0000000
--- a/old/52486-h/images/music_2.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/music_3.jpg b/old/52486-h/images/music_3.jpg
deleted file mode 100644
index 76b2d8c..0000000
--- a/old/52486-h/images/music_3.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/52486-h/images/music_4.jpg b/old/52486-h/images/music_4.jpg
deleted file mode 100644
index 3ada765..0000000
--- a/old/52486-h/images/music_4.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ