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-The Project Gutenberg EBook of Dada, by Adolf Knoblauch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
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-
-Title: Dada
- Mit einem Holzschnitt von Lyonel Feininger
-
-Author: Adolf Knoblauch
-
-Illustrator: Lyonel Feininger
-
-Release Date: June 19, 2016 [EBook #52370]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DADA ***
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-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- [Illustration: Holzschnitt von Lyonel Feininger]
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- DADA
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- VON
- ADOLF KNOBLAUCH
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- KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
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- BÜCHEREI »DER JÜNGSTE TAG« BAND 73/74
-
- GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG
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- MIT EINEM HOLZSCHNITT VON LYONEL FEININGER
-
- COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG, 1919
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- LEO FEININGER
- waffenbrüderlich
- zugeeignet
-
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- »Menschen, wie wir beide, verkennen möglicherweise
- unsere besten, echtesten Fähigkeiten und
- Kunstgaben, wenn wir den für uns beide erprobten
- Hang zum Satirischen immer nur unterdrücken. Sie,
- wie ich, befassen sich mit den mystischsten Dingen;
- wir leben in einer Thränenwelt (mit »Th...«)
- und unsere Gedanken sind vollgesättigt von dem
- gottverlassenen Treiben dieser Jahre; und tief in
- uns drin steckt doch auch die explosivste,
- rabiateste Bosheit und verlangt nach
- Betätigung und Befreiung. Wer weiß, ob
- sie nicht gerade _die_ Kraft ist, die uns
- zur sieghaften Gestaltung prädestinierte.«
-
- Feininger.
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- »Denn wir haben Mondungen für die Erde mitgebracht.
-
- Wer zur Welt kommt, sammelt Abfälle seiner
- fehlgeschlagenen Schaffung des Mondes.«
-
- Theodor Däubler.
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- ERSTER TEIL
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- DER KARST.
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-Das sonnergraute Rund des Karst steigt über Dada empor, seine Stirn
-trägt vier Säulen roten Abendlichts, seine Hände ruhen blau: Die Linke
-mit dem Schlüssel Polas, die Rechte mit der goldenen Schale von Triest.
-
-Pola im Klirren der Arsenale, Rauch der Stahlfabriken, der Hafen voll
-grauer Stahlboote. Die zierliche Schnur der zum Hafen einbiegenden
-Panzerkreuzer ist vom Karst ins adriatische Blau herabgerollt.
-
-Triest das goldene Halbrund fraulichen Entzückens, Venezias ärmere
-Schwester, aber gleich hold von Adria geliebt.
-
-Das sind die Götter! und in Dadas schwingenden Nerven dichten seine
-Städte aus der in den kargen Fels geschnittenen und gesprengten Fülle
-eine graue und goldene Hymne, zu den Göttern singen die Städte ihr in
-ihm geborenes Lob, auf daß Er Europas Hauptstädte vor ihrem Bilde beuge.
-
-Dadas dichtender Leib ist auf kargem Karst ein lohender Abendnebel, ein
-Moos auf erhabenem Steine Ostlatiums, ein blauer, dann blasser Pilz. Ein
-etrurischer Silen, ohne Zentaurenzierde der Vorfahren, und von weißer
-Leinfarbe der Haut, hat den Leib im Karst geborgen, ihn werden nie die
-leichtgebogenen Läufe des Hirsches davontragen. Unter dem beschattenden
-Stirnhaar blicken Dadas blaß durchsichtige Augen auf das Meer gegen
-Abend.
-
-In Dadas Blut braut Polas Rauch, duftet die Zärtlichkeit der
-triestinischen Schale. Möge endlich die lateinische Mutter Adrias blaue
-Meerflut zerteilen, mögen das königliche Venedig und das väterliche Rom
-ihre Wimpel senden und das verlorene Istrien befreien und belohnen!
-
-Dadas weiche Hände sind zwei blaue Quallen, die in der Tiefe saugend mit
-den Fluten rollen und wiegen. Zu seinen Häupten stehen die vier roten
-Säulen im feinen telegraphischen Tönen der Arsenale von Pola. Diesem
-Tönen ist Dadas dichtendes Großhirn hingegeben.
-
-In der zehnten Stunde bebt der Karst von großer Woge, tagjung steht eine
-Wolke im Lohgelben gebaut. Adria ruht hochgewölbt, und ein blankes
-junges Weib springt von Adrias Rücken auf die Wolke, die sich bläht und
-nach Osten wandelt. Dada eilt strahlend zur Felswand und breitet die
-Arme nach der Göttin Italia, nach der mächtigen, fruchtbaren Frau, die
-kommt, um den Karst zu segnen!
-
-Die Wolke steigt gen Triest. Italia streckt den vollen weißen Arm aus
-dem wallenden Blau des Kleides und spendet über die glückliche Stadt
-goldene Jubelmünzen. Danach wird die Wolke finster zusammengedrückt und
-rollt überm Karst nach Pola. Dada späht scharf aus dem Eck der
-haarverhangenen Stirn zum Zenith des weltenvollen Himmels, bis er das
-blaue Kleid seiner Träume erschaut. Aber das Kleid rollt auf den grauen
-Berg hernieder, denn die Götter sind nackt, wenn sie einen Sterblichen
-liebenden Glanzes erfreuen. Italia schreitet herab, und der Silen starrt
-zu ihrem holden Jungreiz empor, zu den hohen Beinen, der gewölbten
-Hüfte, auf der d'Annunzio die Harfe schlug, und dem stolz wallenden
-Busen.
-
-Dada kniet trunken weich vor der Gebieterin, mit schwerem, sehr quälend
-schwerem Bauch, zu den Füßen von Rosamilch und bietet den Schlüssel Pola
-und die Schale Triest huldigend der Lateinerin. Die Geliebte uralter
-Waldgötter, der sich einst Stier, Eber, Hirsch brünstig gewälzt hatten,
-die Umworbene teutonischer Könige, sie neigt sich gnädig in Dadas Augen.
-Aus seinen Händen lischt das Blau, die Lichtsäulen verstummen und wenden
-sich ab, den entgöttert Dämmernden küßt die hohe Frau, freigebig
-gelaunt, mit der Koketterie der prächtigen, volkstümlichen Dame. Sie
-spricht: »Dada, werde durch mich berühmt, wandle als mein Bote durch die
-Städte Europas und sage, daß ich ihnen aus meinem Schoße die Freiheit
-schenken will.
-
-Wenn du aufstehst unter ihnen, gebiete als mein Marschall, wenn du
-sitzest und ruhst, laste mit Italias vollen weiblichen Gliedern, massig,
-dick, Leib meiner Demokratie und erlösten Republik.
-
-Dein schöner Silenskopf sei feurig gebräunt, es sei die Blässe vom
-Zeitungspapier aus den lateinischen Zügen getilgt. Dein Haarbusch ruhe
-schmachtend auf der goldenem Mittelmaß nicht entfliehenden Stirn, denn
-die schöneren Hälften künftiger Republiken werden auf deine Locken mit
-Küssen sinken. Deine blassen, durchsichtigen Augen, die meine Brüste
-umspannen mit der zart saugenden Nähe des Neugeborenen, bewahre mein
-Lieber, denn sie künden deinen Charakter.«
-
-Eh sich Dada ermannt, Italias Hüfte ergreift und die Schöne an sich
-reißt, hat die Wolke sich gesenkt. Unter neckenden Glockentönen
-entweicht die Gestalt und schwebt gen Abend.
-
-Triest zählt das Gold im Schlafe, Pola schlägt tolle Hämmer, als wolle
-es in seinen Essen das Meer zu Stahl schmieden. Dada verneigt sich
-morgenländisch und spricht zärtlich das Zauberwort: »Freiheit!«
-
-
-
-
- DEROBEA.
-
-
-Dada hat ein wunderbares Wort, um vor niederbeugenden Hemmnissen sich
-selbst wiederzufinden: elastisch sein! Dieser Zauber hilft ihm durch die
-unwirtlichsten Zeiten.
-
-Nachdem er Frau Italia geschaut, hat er Istriens Karst umkreist, sein
-karges Vaterland, das einst die heimatlichen Wälder rodete, um auf ihren
-Pfählen Venedig zu errichten. In dieser Einöde lebt er von der Ekstase
-jenes Zauberrufes, den die Göttin von den vollen zärtlichen Formen
-Tiepolos ihm schenkte. Aber nur unvollkommen die Bedeutung des
-Zauberrufes in der Wüste ermessend, hat Dada ihn treulich nach Pola und
-Triest getragen, in jene Schenken armseliger Vorstädte und in winzige
-Arbeiterhütten, aus denen der im Reichtum geborene strenge Hauch der
-Freiheit zum schreckensvollen Orkane verwandelt hervorrast.
-
-Eines Nachts, beim Heimgange von der Druckerei des Polaer
-Generalanzeigers wird Dada überfallen, seine ungewöhnliche Körperfülle
-wird in einen Sack gepreßt, er wird auf ein Maultier gebunden, und so
-auf den Karst gebracht. Dort wird er seinem Schicksal überlassen, nicht
-ohne ihm eine Anzahl gut österreichischer Schläge mit dem Knüttel auf
-die weichsten Teile seines Leibes zu zählen, die von der Schwere seines
-Leibes ganz besonders hart geprüft wurden.
-
-Der Morgen erscheint in Adrias erhabenem Glanze und Adria hört aus dem
-Sacke den leisen Seufzer: elastisch sein! Dada trennt die fesselnde
-Leinwand, barhäuptig, gelenkig, schnellfüßig tritt er mit Zorn den
-grauen Schiefer des Felsens. Dann bückt er sich und faßt das nächstbeste
-Stück Glimmerschiefer, zerdrückt es in beiden hohlen Händen zu Staub,
-speit dreimal kräftig drauf und bäckt aus dem Ganzen einen Kloß. Diesen
-Kloß nun schleudert er mit Spottworten Pola zu, das drunten mit seinen
-Türmen und Dächern den Schlaf der Provinz hält. Der Kloß rollt zufällig
-auf das weiße Hemd eines Mädchens, das Wäsche auf dem flachen Dache
-ihres Hauses zum Trocknen aufhängt. Sie ist entsetzt, denn sie glaubt,
-daß ein Stier vom Karst mit seinem Mist ihr Hemd verunreinigt habe. Und
-aus solcher Höhe!
-
-Dada lacht. Er ist frei. Er läuft am Rand der Felsen entlang und schreit
-fünfmal seinen Namen. Diese eine Silbe fünffach gedoppelt wiederholt,
-stellen das erstaunte Aufmerken und Fingerweisen eines Säuglings dar.
-Das fünffach gedoppelte Da! rollt aus Dada zauberhaft lieb und mit der
-Perligkeit eines Säuglingsmundes ö-artig rund und mit den Häkchen des
-zartesten Hammellautes zu Adrias blauen Wohnungen, so daß selbst die
-Göttin erwacht, die von fürstlichen Räubern und Mördern abstammt.
-
-Über die gläsernen Kuppeln ihres Palastes fährt ein schneeweißer
-riesiger Kreuzer und hoch auf allen seinen Stricken, Masten, Stangen und
-Spieren flattern Italias Wimpel.
-
-Dada rast zum Strande. Das mächtige Schiff hat draußen ein schmales Boot
-niedergelassen. Mit zehn Ruderschlägen saust es an Land, während die
-Hymne Emanueles hoch über der Adria zum Gruße Istriens rauscht. Dada
-wird an Bord des Kreuzers geholt.
-
-Ein toskanischer Herzog soll dies Schiff zum Nordpol führen und jene
-Länder der Antarktis entdecken, von denen der Italiener im Namen der
-lateinischen Rassen Besitz ergreifen wird. Dada, dem Sack und den
-Knütteln entronnen, der Patriot, der letzte Italiener Ostlatiums, der
-Redakteur des istrianischen Proletariats, ist auserkoren zum
-Berichterstatter für jenes umworbene Polarland, das seinen silbernen
-Gipfel über dem erstaunten Europa mit der italienischen Flagge schmücken
-wird. Anstelle seiner verlorenen Mütze wird Dada ein mit langen
-Truthahnfedern geschmückter Bersaglieri-Hut auf die starke Stirnlocke
-gedrückt.
-
- * * * * *
-
-Eine gelehrte Aristokratie ist im Saale des Schiffes versammelt, als der
-Istrianer vorgestellt wird. Professoren, Literaten, Politiker und
-vereinzelte Damen gehören dem Unternehmen an, das in Schwung gebracht
-worden ist, um ein Ereignis von ebenso wissenschaftlichem wie
-weltpolitischem Charakter heraufzubeschwören.
-
-Der kühne Dada hat sich nach einer allgemeinen Verbeugung, und nachdem
-die schönsten, ausgezeichnetsten Namen von Rom an ihm vorübergebeugt
-sind, sogleich in den nächsten Ledersessel sinken lassen, danach rutscht
-er ein wenig nach vorn, streckt die Beine lang von sich und spreizt die
-Knie, aber keineswegs, um die Zierde der Stiere unter seinem Kleide der
-Zivilisation zu zeigen, sondern um jenes Wort Frau Italias zu erfüllen:
-»Wenn du sitzt und ruhst, laste mit Italias vollen weiblichen Gliedern,
-massig, dick, Leib meiner Demokratie!«
-
-Dada blinzelt aus dem Eck seiner lockenverhangenen Stirn zu den
-glänzenden Uniformen und den prächtigen Damen. An der Seite des Herzogs
-ruht eine ungewöhnliche korpulente, busengefildete Frau von hochrotem
-Angesichte, die Dada mit Lorgnon in Augenschein nimmt. Einen Augenblick
-lang will Dada sich beleidigt fühlen, er fährt von der Tiefe des Sessels
-auf, und indem er mit seiner gewaltigen Leibesmasse gebieterisch
-aufrecht steht, zieht er die Blicke des ganzen Publikums auf sich.
-
-Er tritt frei vor das herzogliche Paar und bittet ihre gnädige Laune, zu
-gestatten, daß er eine seiner Hymnen auf die nationalen Aspirationen zum
-besten geben dürfe. Die Lorgnons senken sich langsam, wie die Fittiche
-des Albatros, um den Schaum der Welle zu berühren, und Dada rezitiert
-seine istrianischen Hymnen.
-
-Im Mahagonirahmen des mit Gold bedeckten Salons ist dieser eintönig
-leiernde Lateiner eine Wohltat, eine Sanftheit und Trägheit langen
-Verdösens. Die Professoren sind eingenickt und die Damen in tiefste
-Korbsessel geflüchtet zum Schlummer. Nur die unermüdliche Begleiterin
-des Herzogs bleibt wach und bewundert Dada. Sie steht plötzlich auf,
-tritt zum Lesenden und legt den Arm in den seinen. Erst jetzt bemerkt
-der ganz in die Darstellung seiner urgefügten Laute gespannte Dichter
-die überaus vollblütige, starke Weibesgestalt, die ihn mit lustigem
-Zwinkern aus dem Saale und an Deck schiebt. Indem sie auf die rings um
-die herzogliche Hoheit Schlummernden deutet, sagt sie: »Dada, Sie sind
-schon jetzt ein berühmter Mann, der Herzog ist unterrichtet von Ihrer
-politischen Kühnheit und den gegen Sie geplanten Anschlägen. Aber die
-von ihren wissenschaftlichen Vorbereitungen zur Reise überanstrengten
-Häupter dürfen Sie nicht im Sturm für Ihre tiefsymbolischen Dichtungen
-zu gewinnen hoffen. Lieber Freund --! so darf ich Sie wohl schon jetzt
-nennen, denn Sie sind doch auch ein wenig Österreicher, und ich bin eine
-Deutsche -- ich will für Sie werben, junge Dichter sind so
-außerordentlich unbeholfen. Geben Sie sich nur ganz in meine Hände, in
-Freundeshände --!«
-
-Sie lächelt verliebt und ihr hochrotes Angesicht flammt vor ihm auf. Mit
-einem Blick umfaßt der feurige hübsche Silen den mächtigen Leib, den
-wuchtigen Busen dieser germanischen Fruchtbarkeit, und sie, von der
-Karstglut seiner Hymnen versengt, streicht über seine Stirnlocken. Und
-Dada erinnert sich des Augenblicks, in dem die Göttin Italia ihm ihren
-Segen und ihre Sendung gab. Er hat noch kein Weib gefunden, das so sehr
-der Vollendung Italias gemäß gebildet ist, als diese Deutsche neben ihm.
-Ein glühendes Hinneigen zu diesem Weibe bemächtigt sich des Dichters, er
-preßt den vollsten und stärksten aller Weibesarme an seine heroische
-Hüfte, die nicht zu den Beinen flach entflieht, sondern rund auf dem
-Gewölbe seines Bauches ruht. Sein braunes Silensgesicht wird noch
-dunkler von einer stolzen Erobererfreude, und er senkt den unverhüllten
-Blick in das Auge der vollblütigen Aphrodite, die fest an seiner Hüfte
-ruht, denn sie ruhen beide an die Reeling gelehnt, und sie flüstert
-träumend: »Mein Herr von Casanova!« Ihren Augen entschwindet die Küste
-Italiens.
-
-Es ist Dada nicht möglich, den mächtigen Rücken neben sich mit dem Arm
-zu umfangen, schließlich biegt sie langsam seinen Kopf zu dem ihrigen
-und sie geben sich gründlich einen Kuß. Dann lassen sie einander los.
-Die Professoren erscheinen, die Hoheit hat ausgeschlafen, und die beiden
-dicken neuen Freunde bilden den Mittelpunkt für alle Liebenswürdigkeiten
-und Schmeicheleien. Jetzt erfährt Dada auch den Namen seiner Göttin: sie
-wird Derobea genannt und ist die Frau eines königlich sächsischen
-Kommerzienrats, der Konsul in Rom ist. Als Freundin des Herzogs hat sie
-die Erlaubnis, die Nordpolfahrt zu seiner Linken mitzureisen.
-
- * * * * *
-
-Das Schiff verläßt England und steuert zur skandinavischen Küste. Dada
-führt das Tagebuch des Herzogs und hat sich vorgenommen, den Walfischen
-und Seerössern der Polarzone ihre Urlaute abzulauschen und ein Epos von
-den Pinguinen zu verfassen. Er ist begeistert von seiner ersten
-Weltfahrt, die ihn zwar Italias Sendung, Europa die Freiheit aus ihrem
-Schoße zu bringen, abwegig macht, ihn als Freiheitsboten aber jenen
-düsteren Horden der Eskimos zuführt, die in ihren Erdhöhlen die
-holdesten Kulturreize Italiens fühlen sollen. Dada hat Derobea für die
-nationalen Aspirationen in Niemandsland geworben. Wie die Jordaenssche
-Lebensfülle beider die Plötzlichkeit, Offenherzigkeit ihres
-Liebesverständnisses simultan durchsprüht, so sind sie auch für ihre
-künftigen Eroberungen eine Hand, eine Seele.
-
-Sie nähern sich nördlicheren Breitengraden, Bergen, Trondhjem, als Dada
-jene Taktlosigkeit begeht, derzufolge die Hoheit glaubt, Derobea von
-ihrem neuen Freunde befreien zu müssen. Seinem eigenen feurigen Ungestüm
-ist die schuldige Entdeckung zuzuschreiben, die die Hoheit macht, als
-sie zufällig Dada beim Verlassen von Derobeas Schlafzimmer betrifft.
-
-Dada wird bedeutet, sich an einem Küstenorte Norwegens ausschiffen zu
-lassen, und trotz Derobeas entrüsteten Thränen, die für ihren dicken
-Schützling mehr fürchtet als für das Wohl und Wehe der ganzen
-hoheitlichen Expedition, muß sie sich in die ernsten Vorhaltungen der
-Professoren fügen, die nur das Ärgernis entfernt wissen wollen.
-
-Ohne Gepäck, mittellos, wie er vom Karst gekommen, nur mit einigem
-Reisegeld, dem Reisepaß und den hoheitlichen Empfehlungsschreiben
-ausgerüstet, steigt Dada in Hammerfest ans Land. Vom Nordkap schwenkt
-der Verlassene seinen wallenden Bersaglierihut, während Derobea vom
-weißen Schiffe ein zartes Tüchlein weht, und es immer wieder an die
-Augen führt. Das einzige, teure Wort, das ihm geblieben, murmelt Dada
-immerfort vor sich hin: Derobea! »Dada! wo hast du deine Derobea?!«
-
-
-
-
- DAS NORDLICHT.
-
-
-Ewige Feuchtigkeit, graue Wolken, jäh vorbrechende Stürme. Die
-Meereswüste wird nur selten von einigen die kimerische Dämmerung
-durchbrechenden Sonnenstrahlen gefärbt. Den Tagen folgen wunderliche
-Nächte von gleicher Helligkeit.
-
-Eines Abends sitzt Dada wie gewöhnlich am Meere, das ihm Derobea
-genommen hat und erwägt einen Satz aus dem Buche, das seiner Hand
-entglitten ist: »Die Überwindung der unsozialen, richtungslosen Ekstase
-durch die soziale Ziel-Ekstase, das himmlische Jerusalem aus irdischen
-Bausteinen.« Es ist ihm, als unterhielte er sich mit Derobea über den
-Sinn dieses Satzes.
-
-Der Wind schläft ein, die Wolken stehen reglos, und das Meer verändert
-fern hinaus seine Düsternis zur tiefsten Schwärze. Nur der Schall der
-gegen die Blöcke des tiefen Strandes vorbrechenden Flut donnert im
-Gleichmaß fort. Unheimliche Finsternis der Antarktis steht
-undurchdringlich vor Dada. Nur das Land bleibt schattenhaft in seinem
-gespenstigen Eigenlicht sichtbar. In Höhe des Meeres beginnen einzelne
-gelbe Streifen ein zuckendes Spiel hinter einem unermeßlichen Vorhang
-finstrer Geschiebewinde, einzelne ferne Fanfarentöne, dann tiefste
-Stille. Dicht überm Meere wird es in endloser Ausdehnung vom Licht
-lebendig, der Horizont glüht an von geisterhaftem ruhigem Blau und Grün
-und strahlt auf, während ungeheure Fächer, Gardinen, schwere Vorhänge
-sich hell färben und aus durchsichtigem Kristall werden, um ein
-unerhörtes lohgelbes Flammen mit tiefstem Schweigen auszustrahlen.
-Endlich erhebt sich hinter den starren Falten der purpurne Riesenfächer
-eines ungeheuer starken Kernfeuers, das mit blutigem Licht durch die
-flammenden Kristalle hinaus aufs Meer in breiten Strömen rieselt. Ein
-unermeßliches Blutergießen überflutet den geheimnisvollen Polarkreis.
-Die wilde Schönheit purpurner Grotten und Eismeere, ungeheurer Pflanzen
-und Wale und Berge von Eis, vom zartesten Splitter bis zu den
-Kristall-Stalaktiten antarktischer Riesendome in düsteren Gluten
-errötend und elektrisch funkelnd schauert tief in Dadas Herz und tötet
-mit Geisterhänden sein Liebesleid. Das Miramar des Nordpols steht vor
-seiner Seele, und von seinen Zinnen spricht Gott in tiefster Stille das
-Wort des neuen Jahrtausends aus.
-
-Es graut Dada vor dem erhabenen Nordlicht, von schrecklicherer Kälte als
-alle grausamen Kulte Mexikos, Indiens und Karthagos. Das kälteste und
-feurigste Wunder des Erdballs hat der Italiener geschaut. Das grausigste
-der Schöpfungswerke, das der äußersten Finsternis die blendendste Pracht
-des Lichtes beigesellte.
-
- * * * * *
-
-Das blutige Nordlicht, gewaltiger als je eins seit Menschengedenken, ist
-von vielen Lappländern beobachtet worden.
-
-Dada hat das Fieber seit jener Nacht gepackt und liegt im Gasthofe zu
-Bett, wo er von einer Lappländerin gepflegt wird. Und diese erzählt ihm
-eines Tages vom Nordlicht und seiner Prophetie. Es kündigt einen Krieg
-an, in dessen weißglühenden Ring alle Völker der Erde nacheinander ihre
-Söhne hineinschmieden müssen, um sie in seiner unerlöschlichen Glut für
-ewig versinken zu sehen. Ein herrlicher Vorhang flammensprühend verbirgt
-wohltätig die Greuel denen, die warten, aber wenn ein Vorhang verzehrt
-ist, so stellt ein neuer noch herrlicher sich dar. Niemand vermag
-hineinzuspringen, die abscheulichen Gluten auszutreten oder die
-Geopferten ihnen zu entreißen. Hier wird Retter, Henker und Opfer eines
-und gleich. Diese Schrecken verkünden die prophetischen Falten des
-Nordlichts.
-
-
-
-
- DIE URLAUTE.
-
-
-Dada lernt die Sprache der Lappländer, um Zunge und Gehör in der Urform
-des Menschenwortes kindlicher Rassen zu binden.
-
-In den Nächten des nassen, sturmumtobten Hammerfest sieht Dada die
-Grundlage einer Zukunftsdichtung, indem er die Sprachen alter Rassen
-nach Urworten und Lauten durchforscht, die Töne tausendjähriger Kindheit
-blumenhaft öffnen. Wie vordem die Urlaute der Kinder, versucht er jetzt
-die Urklänge der menschlichen Rassen in seinem System von Rhythmen zum
-schwingenden Rausche zu dichten, wie jener Ekstatiker in Là-bas die
-substilsten Sorten des Kognaks zu einer Symphonie des Kognak-Rausches.
-Vom wilden Lappen, Eskimo, Tschungusen nimmt Dada den Urlaut, und läßt
-ihn neu tönen in Dadas Wildheit, Trauer, Glück und Schmerz. Dada hebt
-die logische Sukzession der Worte in den Ursprachen der Fetischanbeter
-auf und sammelt ihre einzelnen Silben oder Laute, sperrt ihren
-beziehungsreichen Sinn in das Gefängnis seines nervös eilenden Rhythmus
-und senkt in ihre traurig gerupften Kelche die bleichen Leidenschaften
-des Urwalddurstigen verkrüppelten Europäers. Der Chinese, der Ägypter,
-der Druide sprachen durch Zeichen, die sie auf Seide, Stein oder Holz
-eingruben. Dada nimmt die gottgeweihten Zeichen, wiederholt sie auf
-mehreren Reihen des nervös fiebernden Rhythmus, um die Empfindung des
-Urlaute-denkenden Dada flüchtig schillernd auszudrücken.
-
-In einem lappländischen Dorfe nahe der russischen Grenze findet Dada
-einen Dorfgötzen, vor dem er sich niederwirft, dann wieder aufrichtet,
-um von neuem niederzufallen. Mit schäumendem Munde betet Dada in den
-drei Urlauten einer Hymne, die zum Gegenstande die komplizierte Idee der
-sozialen Zielekstase hat. Das Dorf um ihn ist nichts weiter als die
-materielle Gestalt seiner Idee, der er in der Hymne den Ausdruck des
-Urlautes verleiht.
-
- * * * * *
-
-Dada spricht: »Ich bin der Orient.«
-
-Er reist durch Finnmarken nach St. Petersburg; er geht durch das
-Geschlinge aller Rassen und Sprachen und er bildet das Gehör zur
-äußersten Feinheit der Wahrnehmung, um die allertiefsten und
-allerfernsten Urklänge der lebenden Völker zu verstehen und zu besitzen.
-
-Er betritt vom ersten Augenblick an jene Bahn, die jedermann wählt, wenn
-er weder Geld noch Beschützer besitzt, um zum Erfolge zu gelangen. Dada
-tritt in die berühmte Organisation der russischen Geheimpolizei. Er wird
-beauftragt, einer Reihe revolutionärer Klubs als ordentliches Mitglied
-anzugehören. Auf Grund gefälschter Zertifikate erlangt er Zutritt zu
-einer Reihe politischer Versammlungen, erwirbt sich Vertrauen und wird
-schnell berühmt auf Grund seiner persönlichen herkulischen Erscheinung,
-die an die Leibesfülle des Begründers russischen Terrors erinnert:
-Michail Bakunin. Dadas Vorname, bei dem ihn jetzt das Proletariat kennt,
-ist: Michail.
-
-Auf einer Werbereise zu den Muschiks eines westlichen Gouvernements
-kommt der erfolgreiche Istrianer in einem Provinzstädtchen mit zwei
-Männern zusammen, die Bauern und Arbeiterschaft ihrer Bezirke in
-Bewegung gesetzt haben, ohne eine Kopeke von den Geldern des
-Zentralkomitees zu brauchen. Der eine ist Klavierlehrer, der andere
-Angestellter der Stadtdruckerei. Mit diesen beiden Männern gerät er in
-ein Gespräch über ein Ereignis, das ganz Rußland erschüttert. Ein junges
-Mädchen aus guter Familie, gut erzogen und von der Jugend der Charlotte
-Corday, hat einen General mit der Bombe getötet, weil er ein grausamer
-Gouverneur war. Dies Mädchen wird in der Untersuchungshaft von den
-überwachenden Offizieren vergewaltigt und am nackten Leibe gemartert.
-Sie löschten z. B. die Zigaretten auf ihrer Haut. Als sie vor ihren
-Richtern steht, erklärt sie, daß sie aus dem Leben wolle.
-
-Eine düstere Tragödie folgt der anderen, diese glühenden Verfinsterungen
-einer Nation, in der die mechanische Cinéma-Kultur Europas sich mit den
-asiatischen Triebkräften zur ungeheuren Selbstzerstörung vermischen.
-
-Dada sieht sich durch die Ochrana unheimlich verstrickt und weiter als
-je von Italias Freiheitssendung entfernt. Er schließt sich gequält den
-beiden Männern an, die eine für ihre Schicht ungewöhnliche politische
-Vernunft und kühne Rücksichtslosigkeit in der Verfolgung ihrer Ziele
-besitzen, außerdem lernt Dada in ihnen zwei Freunde jener Terroristin
-kennen. Mit ihnen geht der Istrianer auf die Straße, sie halten die
-Vorübergehenden an und erklären jedem einzeln ihre Ideen. Sie flüstern,
-versprechen geheimnisvoll, drohen, spotten -- sie werben mit
-unbezwinglicher Überzeugungskraft. Die Polizei ist machtlos gegen sie.
-
-Auch Dada glaubt an die Revolution, die Demokratie und Kindlichkeit der
-Völker. Er glaubt an das Werk der Freiheit. Er bittet seine Freunde, das
-erste große Werk sozial zielvoller Ekstase den Muschiks und Proletariern
-vortragen zu dürfen: »Das Nordlicht!« und begründet: »Die Kindlichkeit
-neuer Demokratien erfordert eine ihr gemäße neue Urform des Ausdrucks
-und des Stils. Erst der kindliche Mensch ist der wahrhaft Freie! ein
-ausgelassener unbändiger Junge ist das Urbild der Freiheit!«
-
-Seine Sätze brauche man nicht durch Kommas und Punkte eingeschachtelt zu
-hören, jedes seiner Worte sei ein Hauptwort, auf dem die Sonne der
-Urlandschaft sprieße. Jede seiner Empfindungen habe nur einen Ausdruck:
-Den o- oder aj-Ausruf, den Schmerz oder die Freude. Sein Wille kenne nur
-eine Wortform von substanziellstem Wert.
-
-Vor dem gleichgültig rauchenden und trinkenden Publikum einer
-Arbeiterversammlung trägt Dada die Hymne des Nordlichts vor. Die Völker
-beider Welthälften erzählen selbst im eintönigen Chore von den
-Grausamkeiten, den Kriegen und den Kulten ihrer kindlichen Zeiten. Die
-Idole der Osterinsel, Perus und der grausamen Mexikaner erzählen ihre
-paradiesischen Feste und ihre schändlichsten Greuel, Madagaskar, Indien,
-und endlich jene untergegangene Atlantis, von der die lateinischen
-Neu-Republiken nur blasse Revenants sind, blühen urwaldblumenhaft in
-ihren wenigen gewaltigen Urlauten aus Dadas Rhythmen auf. Tänze,
-Prozessionen, Orgien, Fratzen, Götzen der alten Naturkulte leben
-magnetisch in einigen gelallten Silben Dadas, obgleich hier bereits die
-Grenzen des im Worte Darstellbaren erreicht werden. Diese Silben
-gleichen Kakteen oder Orchideen, die märchenhafte Systeme von Stacheln
-oder farbigen Blättern entfalten und mit ihren künstlichen Gebilden das
-Entzücken der Sammler oder ästhetischer Salons sind.
-
-Dadas sozial zielvolle Dichtung ist ein archäologisches Museum der
-Seltsamkeiten des Völkerlebens, ein Erotikon und Folklore aller
-Geschlechtskulte. Die Menschheit eilt mit dem eintönigen Summen eines
-vielgeschäftigen Bienenstockes vorbei, ohne sich umzublicken, den Blick
-auf ihre erhabenen Idole geheftet. Immer auf dem Marsche nach Norden,
-immer von neuem ungeheuren Zuchtmitteln unterworfen, die aus Einöden
-entsprangen und die Erschlafften geißeln -- durch die Kriege, Opfer,
-Brände, Seuchen, Untergänge wandeln die gleichmütig gereimten Hymnen
-Dadas, um endlich das Nordlicht anzubeten und aus seinen glühenden
-Falten die kalte Prophetie Europas zu empfangen. Dada verkündet die
-Zertrümmerung dieses Erdteils, und nach Niederlegung all seines
-Menschen- und Pflanzenwuchses den Triumph der Polarwüste über die
-verworfenen Reiche, den Sieg des Nordlichts!
-
-Seine Vorlesung schließt Dada mit dem Ausruf: »Betragt euch _kindlich_,
-so fühlt ihr euch frei und ihr seid es auch!«
-
-Eine drückende Stille liegt auf den Zuhörern. Die beiden Freunde fassen
-Dada an den Armen und zwingen den bequemen herkulischen Italiener
-aufzustehen und mit ihnen die Versammlung zu verlassen.
-
-Seit einiger Zeit ist Dada verdächtig des Einverständnisses mit der
-Polizei, und bei seiner ungewöhnlichen Vorlesung, die mit sämtlichen
-Perversitäten der bürgerlichen Gesellschaft aller Völker spielte, haben
-die Freunde das stärkste Mißtrauen der Versammlung bemerkt. Selbst die
-Freunde haben Dadas Werk nicht verstanden, das auf das Erscheinen
-irgendeines neuen bürgerlichen Ssanin hinaus zu gehen schien, der auf
-Kosten der Arbeiter einem Geschlechtskulte im Zeichen des Nordlichts
-sich hingeben wird. Ein Jahr hat Dada in Rußland verbracht, ohne seine
-Aufgabe, die Freiheit auch diesem gequälten Lande zu bringen, erfüllt zu
-haben, diesem mißtrauischen, bis auf die Wurzeln verdorbenen Volke, das
-in dem Bewußtsein ständiger Gefahr von Umsturz und Empörung sich dem
-Rausche ergeben hat, erregt von einer tief fressenden, stets
-sprungbereiten tierischen Sexualität. Ihre Freiheitsideen verdammt Dada
-im selben Maße wie ihren Fortschritt vom Stumpfsinn des Mir zum Cinéma
-und zum Alkohol.
-
-Die Macht der Idee selbst bei den armen russischen Bauern und Arbeitern
-ist das Wunder, das Dada rührt, und er wünscht ihnen dazu die Vernunft
-des -- Nordlichts!
-
-Dada ahnt nicht, daß er jene beiden Russen kennen gelernt hat, die nach
-dem Sturze des Zaren, nach Ausbruch unerhörtester Ereignisse, die
-günstige Stunde des Weltkrieges benutzten und das Schicksal der
-russischen Republik in ihre Hände nahmen, jene selben Männer, die noch
-eine Zeitspanne weiter dieselbe Terroristin und Freundin füsilieren
-ließen, als sie sich _ihnen_ entgegen stellte.
-
-Der unglückliche Weltreisende muß sich von neuem entschließen zu
-wandern. Dada soll ebenso sanft wie nachdrücklich nach Deutschland
-abgeschoben werden, dem Zion aller Juden und Emporkömmlinge Rußlands und
-Polens.
-
-Mit Hilfe seiner herzoglichen Freibriefe entrinnt er rechtzeitig der
-russischen Polizei und gelangt nach Deutschland.
-
-
-
-
- DRESDEN.
-
-
-Dada wendet sich sogleich nach Dresden, um Derobeas Aufenthalt zu
-erkunden. Siehe da: auch sie ist nach einjähriger Abwesenheit in den
-Polarländern zurückgekehrt, um von Dresden aus zum Gemahl nach Rom
-weiterzureisen. Sie hat die Expedition des Herzogs auf der Heimreise in
-Hamburg verlassen. Es ist ein köstliches Wiedersehen von
-Taubenzärtlichkeit, und sie beschließen, ganz der Kunst und der
-intimsten Gesellschaft geweihte Wochen gemeinsam zu verleben. Die
-reiche, in Künstlerkreisen sehr wohltätige Dame veranstaltet eine Reihe
-großer Empfangsabende und Feste, um die Künstler Dresdens und Berlins
-einzuladen. Die glückliche Derobea versammelt Sänger, Komponisten,
-Dichter, Rezitatoren, Maler, sie ruft Kunstausstellungen hervor, wirbt
-Zeitungen für den Dienst der neuen Kunst, der sie ihre Salons zur
-Verfügung stellt. Zusammen sind Derobea mit Dada die berühmten
-Protektoren. Derobea und ihr Kreis bewundern die Hymnen des großen
-Istrianers aus Lappland und dem Reiche der Sarmaten und Tartaren: »Das
-Nordlicht« sowie die Hymnen und die Philosophie von den Urlauten der
-kindlichen Rassen. Sämtliche Werke Dadas erscheinen im Druck, an ihrer
-Spitze die Hymnen an Derobea, der das Ganze in kindlicher Dankbarkeit zu
-Füßen gelegt wird. Derobea ist glücklich. Dadas Genie ist in Deutschland
-entdeckt, er wird gemalt, wertvolle Liebhaberausgaben seiner Dichtungen
-werden subskribiert, seine Philosophie wird die Grundlage einer neuen
-Richtung der Ausdruckskunst. In kühnen Vorträgen bemächtigen sich
-Doktoren der Kunstwissenschaft der Dadaschen Dichtung. Gestammelte,
-gelallte, gestöhnte, gestaunte und geseufzte Empfindungsurlaute des
-Eskimos in Dadas Rhythmik haben die bisherigen Sprachgrenzen des
-Kulturmenschen überwunden, kein Verbum, kein Objekt fesselt den Strom
-der Dichtung, die wohlanständig logische Frisur des Satzbaus ist
-zerstört, das Subjekt allein bleibt im ewigen Einerlei seiner
-Abwandlungen bestehen: wunderbar entfesselt, ausgebreitet in einer Welt
-freier Leidenschaften, freien Liebens, Tötens und Getötetwerdens. Aus
-den Greueln Europas schreitet Dadas neues Subjekt hervor, um durch die
-Eisstürze des Polarkreises und die kalte Herrlichkeit des Nordlichts das
-Absolutum der Kunst zu finden, die letzte demantharte Kristallisierung,
-die Reinigung der kulturbefleckten Menschheit.
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- * * * * *
-
-In ihren Salons hat Derobea eine Reihe Spielzeuge für Kinder
-aufgestellt: einen Garten mit Arche Noah aus Pappe und bemalten
-Hölzchen, Postkutschen, Lokomotiven, Müllerwagen, Puppen und
-Dreiertieren mit mechanischem Antrieb. Alle Spielzeuge sind mit den
-Urlauten Dadas versehen. Man drückt auf einen rosa Gummipfropfen und die
-Figur stößt den ihrem Charakter angepaßten Urlaut aus, den Dada einem
-Lappländer, Samojeden oder Tartaren abgelauscht hat. Mit diesen
-Spielzeugen erheitert Derobea ihren Kreis, nachdem Dada eine seiner
-leiernden Hymnen vorgetragen hat. Da erschallen die Säle Derobeas von
-wunderlichem Geplärr und Geschrei, die Gäste versuchen selbst die
-Urlaute nachzuahmen, es ist, als ob eine ganze Mädchenschule eingesperrt
-ist und in allen Stimmlagen ihre Lehrer äfft. Durch Passanten aufmerksam
-gemacht, erscheint eines Tages die Polizei in Derobeas Hause, um dem
-revolutionären Lärm nachzuforschen. Alles lacht und der errötende Dada
-verschwindet hinter Derobeas mütterlicher Statue. Denn ein Plastiker hat
-Derobea und Dada in Jordaenscher Fülle aus Marmor gehauen.
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- * * * * *
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-Eine neue furchtbare Stimme hat sich aus Berlin erhoben und droht wie
-einer der sagenhaften Gaskogner der Iliade dem Istrianer mit
-Herausforderung auf Urlaute. Ein Kreis von tyrtäischen Künstlern hat
-sich unter Führung von drei auserwählten Männern auf den Marsch begeben:
-mit dem Programm eines organisierten Orkans der erneuerten Künste und
-einer löffelartigen Fortbildung ihrer Sprechwerkzeuge. Vor ihnen her
-geht die neue furchtbare Dichterstimme Hackhacks aus dem Schall einer
-verstärkten Kindertrompete, neben ihm »denkt« der Philosoph mit Augen
-von Tetraëdern, geschliffen aus gewöhnlichem Kiesel und lacht erotisch
-über den eigenen und Hackhacks Bombast. Der Direktor des Ganzen springt
-über sie, rührt besessen die Hacken und tanzt in dünnster Luft. An jedes
-seiner langen langen Haare ist ein Heft des tyrtäischen »Orkans«
-geknüpft und fliegt rund mit solchem Babygrinsen, solcher
-Dummdreistigkeit, als wäre sein Dasein wichtiger als das der restlichen
-Schöpfungswerke.
-
-Diese drei starken Männer haben die Kunst ethisch gedrillt und unter
-Polizeiaufsicht genommen. Gelenkt von einer Mänade von internationalem
-Blondschein, genügt Berlin keineswegs ihrem teutonischen
-Eroberungsdrange. Sie ziehen eines Abends in Dresden ein und Hackhack
-veranstaltet eine Orgie seiner Dichtungen in Derobeas Salon. Unter
-Chagalls »Bild des Gehörnten« lernt Dada Hackhack kennen. Der
-Vortragende, ein Märtyrer der Kunst Hackhacks, donnert in
-ununterbrochener Ekstase die Berliner Dichtungen, mit der Eintönung der
-heraufgestemmten Urlaute, die seltsam von fern an die Leier Dadas
-erinnert. Es sind Dichtungen in mediumistischem Trance und spiegeln den
-zerwühlten Zustand hindämmernden Weltlebens, zersetzter, geschwächter
-und zur schöpferischen Ohnmacht verdammter Völker.
-
-Gleich Dada hat Hackhack das Objekt und Prädikat ausgerodet. Das Subjekt
-strömt hartnäckig seine unaufhörlichen Interjektionen in einem Niagara
-von Verben, die weder Logik noch Satzgefüge hemmen, und sich in eine
-furchtbare Öde stürzen, die nur einige trübe Berlinismen erquicken. Dada
-würde gern den neuen Mann aus Preußen als seinen Doppelgänger von der
-nördlichen Hälfte Europas begrüßt haben, wenn ihn nicht eine furchtbare
-Anomalie gegen Hackhack eingenommen hätte: das sind die seltsam
-zerhackten Wortreste der deutschen Sprache zum höheren Ruhme des neuen
-Gottes, der Kunst!
-
-Ausgerodeten, bleichenden Wurzelknorren oder Brocken von großen Stämmen
-gleichen diese armseligen sinnberaubten Wortreste, die in einer
-unermüdlich quellenden, gurgelnden, schubbsenden, zappelnden Flutung
-eines furchtbar stöhnenden, schwer Atem ringenden Subjekts kreisen, dem
-Gesetz der Beharrung unterworfen gleich ihrem Schöpfer. Dada ergreift
-eines dieser vergewaltigten Worte, die aktivische Vorsilbe ist ihm
-abgesägt, und der bloße Schwanz als leidenschaftslose Urerscheinung aus
-der Kindheit germanischer Rasse zeigt die Hoheit des Dichters. Der in
-den Urlauten völkischer Säuglingstage tiefbohrende Dada steht entsetzt
-vor diesen Urformen berliner Hackhacks.
-
-Wird Dada auf seine sinnlichen Urlaute verzichten, und jene
-Lautempfindungen aus ihnen hacken, die Dadas teuerstes Gut sind? Wird er
-dies Verbrechen seinen Wörtlein antun, damit sie schnell an der
-Oberfläche mitschwimmen können?
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-Oder wird Hackhack sich seiner Dichtersiege und seiner unzähligen
-Krüppel von Worten freiwillig begeben, die seinen fürchterlichen
-Berserkeranfällen von pedantischer Wortschrauberei und Klügelei
-entsprossen sind? Die Hexerei, Taschenspiegelei aus Berlin und ihre
-dekadente Wüstheit betrübt Dadas katholische Seele und italienisch
-formgebildeten Kunstgeist. Auch er ist begehrlich nach den wildesten
-Urgenüssen, dafür ist er moderner Silen. Aber Hackhack ist auch Hackhack
-in der Seele und das taugt Dada nicht.
-
-Am Morgen nach dieser Berliner Gassenjugend begibt er sich mit Derobea
-zum ersten Male seit Jahren zu einer Messe in die Liebfrauenkirche. Er
-besprengt sich mit geweihtem Wasser, beugt das Knie und betet aufrichtig
-für die Reinheit seiner Seele und seiner der menschlichen Befreiung
-geweihten Kunst.
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- * * * * *
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-Im selben Sommer, der Derobeas und Dadas Märchenglück sieht, bricht der
-Krieg aus, der allen Aspirationen des Istrianers ein Ziel setzt und den
-Konsul aus Rom in die Arme seiner Gattin zurückführt.
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-Dada wird nach Österreich zum Heere eingezogen, macht einige Märsche mit
-und bleibt dann als Badewärter in einem Lausoleum Galiziens hängen.
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- ZWEITER TEIL
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- DIE SERBIN.
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-Dada trägt Tschako, Bluse und Habsburgs Doppeladler. Sein Blick steht
-schräg, und auf die bewaffneten Horden, die gen Osten ziehen, fällt sein
-Schatten dumpfer Härte, mürrischer Unlust; verstaubt, verdorrt, verwest
-in den Wirbeln der Menschenöde, die bis ins ferne Morgenland schäumen.
-Der jüngst weltweite Horizont, den Dada zu erobern ausgezogen war, hat
-sich verkrochen, liegt in der Kriegswildnis im Hinterhalt, bestückt mit
-zehntausend Drohungen. Das Standbild der Freiheit, in den verzehrenden
-Flugsand irgendeiner Wüste Gobi gestürzt, wonneglänzt ihm nimmer zu den
-Mondungen seiner Seele, und das hellste der irdischen Festländer ist
-finster geworden.
-
-Zu einem runden Silbervollmond der Steppe steigt Dada auf dem Damm der
-Bahnlinie, die Wien mit dem goldenen Kiew bindet. Hell, zart leuchtend
-ist die nächtliche Ebene. Dada steht lauschend und sinnt gen Osten.
-
-Auf den im Monde bläulichen Schienen schreitet hoch und anmutsvoll ein
-Weib, den Rock geschürzt, und bleibt vor Dada still, die entblößten Arme
-über dem starken Busen gekreuzt. Das stattliche Weib ist von Angesicht
-und Haltung frei der knechtigen Plumpheit träger Halbslawen. Sie spricht
-leise im Wind der Sommernacht im Sieden der Erde: »Mich trug Istriens
-armer Karst, durch das tote Europa bin ich in alle Länder bis zu den
-letzten aller Slawen gewandert, um sie den Klauen des Doppeladlers zu
-entreißen. Du bist müde und schwer geworden, seit dich Italia zu ihrem
-Geliebten machte und sie dich zu den kraftvollen Spannungen der Freiheit
-erkor. Gib acht, ob du noch taugst zu der Sendung, die dich in die
-Freiheit pflanzte. Du warst geschmückt mit dem Adel Etruriens und
-gebotest mit dem Lockklang Pans über die Horden. Aus Galiziens
-Kriegswildnis schmachtest du nach dem Orient und verhüllst Abtrünnigkeit
-und weibische Zagheit mit dem Lack Chinas und Krischnas Liebesblumen.
-Weil beflissene Knechte die Völker in Kriegsgerät, Panzer und Flugzeug
-schnürten, glaubst du, daß die Freiheit verliegt und fault?
-
-Einst gefürstet von Cäsaren empfing ich Legionen in der Kraft meiner
-kimerischen und dacischen Völker. Ungebeugt, roh, von Bärenkraft und
-Pantheranmut, genoß ich die römische Freiheit und senkte sie meinen
-Jungbürtigen in Hirn und Herz. Gründer neuer Reiche und Pflüger neuer
-Grenzen zogen ihre düstren ergebenen Fahnen nach Norden und zeugten das
-neue Europa.
-
-Dada, ich weiß, dir fehlt Garibaldis Feuerblick, Magnet der Freischar,
-wahrer Gott der armen ruhmbelohnten Kämpfer. Du hast viele Geliebte
-nötig gehabt, und schließlich hat eine Köchin, die einem Deutschen
-gehört, dich um dein entartet lateinisch Blut betrogen. Mit einer braven
-Zweischichtigen, Zweischläfrigen wurdest du bettgewöhnt und hast die
-Freiheit verschlafen. Als es dann zu spät war, als alle um dich aus dem
-Rausch erwachten, und Männerblut und Weibertränen ihnen bis an den Hals
-in roter Sintflut stand, fürchtetest du dich und du verhülltest die
-Seelennot mit deines furchtsamen Verstandes bunter Wortkunst.
-
-Aber es ist keine Schonzeit für die Furchtsamen.
-
-Nimm die Schiene, löse ihre Schrauben und trage die starken Stahlglieder
-beiseite, damit das Gleis zerbrochen sei. Und an das Ende des westlichen
-Schienenkörpers befestige diesen eisernen Topf mit hohen Explosiven.«
-
-Das Weib löst vom Gürtel ein kleines schwarzes Gefäß und Dada nimmt es
-schweigend. Ein Balken starken weißen Lichtes quert den Bauch der
-Geheimnisvollen. Sie lächelt. Dada kniet und birgt den treuen
-Zentaurenkopf in den groben Falten des Bauernrocks. Ein Bäumchen mit
-dicken, grünen Blättern und drei dunklen Granatäpfeln sprießt aus der
-Erde und wölbt um Dadas am Bauch der Serbin ruhendes Haupt betäubende
-Wollust.
-
-Das Weib entfernt sich unmerklich, auf bleichen Schienen entwandelnd.
-Dada liegt quer über die Schienen gestreckt und küßt in blinder Inbrunst
-den schrecklichen Stahl. Dada biegt die Schrauben, lockert sie mit
-Steinschlägen, trägt die Schienen auf dem Rücken beiseite und befestigt,
-gehorsam der Slawin, das Hochexplosiv.
-
-Danach macht er sich fertig und wandert gen Osten in der Tracht
-kroatischer Bauern.
-
-
-
-
- KIEW.
-
-
-Durch die Serbin zu süßerer Qual entzündet als von allen Derobeas eilt
-Dada Rußland zu. Als ukrainischer Bauer kommt er nach Kiew. Entsandt von
-der neuen Einheitsrasse, die Europas blutgedüngter Erde entsproß, seinem
-erstickenden Völkergefängnis entsprungen, entkettet, entbunden, entrollt
-zu Wirrsalen des Staatenumsturzes, fernster Völkersicht, zu Stürmen,
-Himmeln, Bindungen erneuerten Festlandes.
-
-Im Dom zu Kiew kniet Dada vor den Bildern des Weltgerichts. Nachtdunkle
-Augenmale der weltverschlingenden Propheten starren auf das Meer
-Europas, in dessen Abgrunde brünstige Ungeheuer rollen. Jo, die Sklavin
-roher verderblicher Götter, nimmt gepeitscht durch kimerische Länder
-ihren qualvollen Lauf zu den Zinnen des Kaukasus. Über prometheischer
-Zwiesprache zürnt das feurige Antlitz des Stiergottes durch die Wolken
-und beschattet das junge Europa mit endloser Zwietracht und Krieg,
-gleich Blitzen unter Wolken gestreut.
-
-Die furchtbaren Tiere regen sich markzehrend in Europas Tiefen: Plage,
-Seuche, Hunger, Aufruhr, Gewalttat, Verfolgung, Mord. Die Heiligen des
-Pantokrators, erhöht über Verbrechen und Schwächen, gewaffnet mit Jovis
-Blitzen und dem Bannfluch, um jede Seele botmäßig zu machen, starren
-glühend in den unermeßlichen Abgrund, über dem sie ihre Macht errichtet
-haben. Heulende Gewalten werfen sich in den Staub, Zerknirschte tun
-Buße, das Schwert zerschellt, seine Schrecken enden am gläsernen Meere,
-das unwandelbar von Gottes Stuhl über Europa fließt.
-
-Die Gottesmutter nimmt die Gestalt der Serbin an. Sie stiehlt das
-goldene Vlies des Orients. Dada wird in Kolchis seinen Bock den alten
-Göttern schlachten und er wehrt es nicht den neuen, ihr Mahl am frischen
-Lamme zu halten und das Opferblut zu trinken. Dada sieht den
-Transportzug in der hellhörigen, zartleuchtenden Nacht, die Explosion
-und den Zusammenstoß: die Raserei der Verwundeten, die Schreie der
-Getöteten, die Schande des Mordes haben seine Seele erreicht. Das Lamm
-ist zerrissen, das Blut dampft um Rache im strengen Licht von Patmos --
-das die Stufen beglänzt, auf denen die schwarzen Väter thronen.
-
-
-
-
- KAUKASUS.
-
-
-Brücken, Stahlschienen, Wagen tragen den Leib des glücklich dem
-wolhynischen Gemetzel Entronnenen. Bäche, Ströme, Hügel beugen ihre
-breiten Rücken, Wälder setzen ihren schwarzen Fuß zögernd in die endlose
-Steppe und nehmen endlich Abschied von Dada. Russische Dome heben ihre
-Türme mit Zimbeln der goldenen Kuppeln und zärtlichen Kreuzen.
-Rosa-Lämmer mit Glöckchen um den Hals springen auf zum Silbermond in
-grüner Abendaue, und ein Lächeln betaut Dadas Angesicht. Eines der
-Rosalämmer hüpft auf die gewölbte Mondsichel, und Dada faßt hinauf in
-dem zärtlichen Bedürfnis, als der gute Hirte das Tier auf den Arm und an
-seine Brust zu nehmen. Da schwillt die zarte Rosagestalt ungeheuer an
-zum blutroten Mastodon, dessen Wanst langsam über den kleinen Mond sinkt
-und ihn mit blauen Riesenschatten verhüllt.
-
-Die himmlischen Eisdiamanten des Kaukasus erscheinen am Himmelsgewölbe,
-königlich über den Reichen des Lebens. Keine Absolution durch
-Handauflegen, keine Gnade durch Messe und Rosenkranz -- erdwurzelnder
-Glaube, strenge Ordnung, Riesenkreis säulenstarker Offenbarung. Die
-feierlichen Stimmen der Berge dulden keine versteckten Winkel voller
-Trägheit und keine Schlammfelder voll anarchischer Mordtaten.
-
-Die Berge wandeln erhaben, senken sich, ruhen, steigen an und neigen
-schwarze Riesentafeln über Dada. Eisige Windströme stoßen von
-nächtlichen Hängen, reißen und kälten ins Mark. Düster geduckt harrt
-Dada zwischen Bauern gekauert, auf den Ausbruch des roten Wahnsinns,
-wenn vom Riegel des Orients die Trompete schallt und die Nie-Entsühnten
-zum Weltgerichte ladet.
-
- * * * * *
-
-Durch die Städte des Hafis gelangt Dada zum Indischen Ozean. Mit
-englischen Khakis, die zur Front nach Görz eingeschifft werden, geht
-Dada an Bord eines mit Rauten und Rechtecken übermalten Kreuzers. Anders
-als er in Pola über die Adria emporflog zur Eroberung des Poles,
-belastet, verdumpft, zugeschüttet, kehrt er endlich heim von seiner
-Europareise zu Italia: zu ihr, die ihn als ihren Marschall aussandte,
-kehrt er müde und ohne sein schimmerndes Schild heroischer Taten zurück
-und keine Hymne Emanueles rauscht heimatskündend dem vielbewanderten
-Dada.
-
-Krank, zerrüttet verbringt der Flüchtling die Reise im Bette. Im
-Fiebertraum steigt der Kaukasus immer drohender, in schrecklicher
-Schönheit empor. Dada klimmt an düstren Hängen auf und hämmert hilflos
-einsam riesige kubische Glastafeln an die Felswände. Aber sie lockern
-sich schnell und stürzen in die Tiefe, aus der furchtbare Windströme die
-Kräfte seiner Arme saugen. Qualgeblendet steigt Dada zu den
-prometheischen Firnen auf, um ihnen seine antiseptischen Glastafeln
-aufzuhämmern, aber die mächtigen Berge spotten seiner kindischen
-Anstrengungen.
-
-Als das Fieber von Dada weicht, bemächtigt sich des Dichters ein
-dämonischer Glaswahn: mit riesigen Glastafeln will er Berge, Küsten und
-Hochflächen bedecken und sie schützen vor der Fäulnis und Verderbnis des
-kriegführenden Europas durch eine Erdarchitektur des Glases.
-
- * * * * *
-
-In Brindisi betritt Dada das gelobte Land unter den Huldigungen der
-weiblichen Bevölkerung, die einen Helden vermutet. Die gewaltige
-Gestalt, gehüllt in einen schweren Mantel von Kardinalsrot, zieht aller
-Blicke an. Während Dada die Terrassen vom Meere heraufschreitet, wird er
-mit Blumen überschüttet, Körbe mit Früchten Siziliens werden ihm
-nachgetragen.
-
-Dada wölbt die athletische Brust und spricht zu den italienischen
-Frauen: »Der Held träumte unter den Blumen des Orients vom armen Karst
-im Norden, den die lateinische Flagge seit Jahrhunderten nicht mehr
-küßte. Der Held fährt zu der schaurigen Hölle zu Füßen der Alpen, die
-eure lebendigen Söhne frißt.«
-
-Dadas Ruhm beginnt. In Neapel und Rom wird er interviewt und gefilmt,
-Barzini schildert seine antarktische Reise. Jenes dunkle Attentat auf
-die ukrainische Eisenbahnlinie, das vielen Tschakos den Garaus gemacht,
-und das der Dichter der Urlaute in einem molligen Interview zum besten
-gegeben hat, wird in der ganzen Kriegspresse abgedruckt zur Förderung
-einer gesunden Akzentuierung der Heeresberichte. Seine Hymnen werden als
-patriotische Kundgebung für den Sieg Italiens über den Nordpol
-verherrlicht, und die um Bissolati träumen von seinem Denkmal auf dem
-Karst. Nur der Avanti erklärt sich gegen eine öffentliche Geldsammlung
-für die Statue Dadas.
-
-Der Gefeierte im roten Kardinalsmantel aber träumt von höheren Ehren und
-von einem andern Ruhm, der ihm nicht von seinem Nebenbuhler d'Annunzio
-und der Rache der Anarchisten streitig gemacht werden kann.
-
-
-
-
- VENEDIG.
-
-
-Aus dem kriegsrasenden Rom flüchtet Dada nach Toskana und kommt eines
-Nachts in Venedig an. Er legt seinen roten Mantel ab, und in
-Arbeitsbluse, unter angenommenen Namen tritt er in einer der alten
-Glasfabriken von Murano ein.
-
-Er lernt die erste Stufe der Erzeugung reiner Glas- und Kristallflüsse,
-das Schmelzen, Brennen und Schleifen untadliger Gläser, köstlicher
-Spiegel und Sichtgläser, die den Weltraum zu zarten funkelnden
-Brennpunkten verdichten.
-
-Dada träumt davon, ein Glas von Dauer und Härte der Steine herzustellen,
-das gegen alle Erschütterungen gefestigt ist, ohne jedoch den
-natürlichen Verwitterungen ausgesetzt zu sein wie jene. In riesigen
-kubischen Platten soll es geschnitten werden, und es soll lodern von
-feurigen Flüssen oder Bändern in den Spektralfarben. Sonnen,
-Wolkenschlachten und Liebesmahle sollen zum leuchtenden Schmuck der
-Erdringe werden. Er will die Erde panzern mit antiseptischem Glas, indem
-er den Drohungen des Kaukasus trotzt.
-
-Die düstren Kalkhalden und vegetationslosen Hochflächen des istrischen
-Karst sollen geschnitten, geteilt, und durch Glätten und Schleifen in
-drei- und rechteckigen Formen gegeneinander gesetzt werden und die Berge
-als polygonale, pyramidale und kubische Felskörper eine ungeheure
-Raumgestalt in den Himmel türmen. Auf dem geschliffenen Gebirge sollen
-Italiens Arbeiter die Flächen auslegen und vernieten mit den dauerhaften
-und farbigen Glaspanzerplatten seines kaukasischen Traums. Hoch über der
-Adria soll das neue Kap Sunium, das glasgepanzerte Vorgebirge Istriens
-funkeln als der Diamant Europas und die Lateiner in Ravenna und Rimini
-an heiteren Tagen brüderlich grüßen: Denkmal der Freiheit und Verkündung
-und Triumph der Lateiner über den rohen Weltkrieg.
-
-An beweglichen Stahlgestellen sollen riesige Refraktoren bis über die
-letzte terrestrische Luftschichtung hinaufstoßen und mit einsamen,
-stillen Augen das Leben des Himmels, des Festlandes und des Meeres
-beobachten. Von riesigen, sehr schlanken, witterungsbeständigen
-Glastürmen sollen leuchtende Explosionen von Radium über die magnetische
-Sphäre der Erdrinde hinausfahren, und sich zur Selbstbewegung nach
-glänzenderen Brennpunkten des Alls entfalten, um sich zu ergießen oder
-stürmisch mitzureißen und zum Karst zurückzukehren und aus kosmischer
-Vermischung den durch Jahrhunderte zur Dürre verdammten Fels mit
-brennender Erde zu befruchten.
-
-Das aus dieser Befruchtung neu erstehende Vaterland soll mit Venedig
-durch eine Brücke aus sturmhartem Kristall in ungeheuren schneeweißen
-Bögen über die Adria verbunden werden, und die Brücke wird die Statuen
-der Dogen tragen, die durch den Ring der Adria vermählt waren. Dada
-sucht den Kristall zu gewinnen, durch den die kosmische Schönheit der
-Erde verwirklicht wird: Er bereitet eine Metallbindung mit Email vor, um
-die Glassteine zu mörteln. Auf istrischem Karst soll der Klotz von Glas
-wachsen, der die Last der weißen Glasbögen auf ihren hohen Feuertürmen
-übers Meer hebt und ihre letzte sanfte Wölbung vor Venedigs Markusturm
-entladet zur unlöslichen Vereinigung Istriens mit Italien.
-
-Der kristallspannende Blick des Erdarchitekten erhebt sich über Europa
-und mißt das lateinische Reich, von Venedig bis zur Kreidewand von
-Dover, und vom Libanon bis zum schwarzen Felsenhaupte Gibraltars und
-über die Südsee zum lateinischen Amerika.
-
-
-
-
- ENGADIN.
-
-
-In der Fabrik erhält der Arbeiter Dada den Befehl, sich zum
-italienischen Heere zu stellen. Der unglücklich die Freiheit Istriens
-liebende Glaspionier wird unter Emanueles Fahnen gerufen. Er meldet sich
-zum Flugdienst und wird in der Führung eines Äroplanes ausgebildet.
-Eines Tages darf er emporsteigen und in den Wolken gen Triest fahren. Er
-jubelt Miramar zu und der ganzen Küste und wirft tausende Drucke seiner
-Hymnen über die Städte bis Abbazia. In einer späteren Nacht wagt er den
-ersten Flug mit Bombenabwurf auf die Arsenale von Pola. Aus
-Todesschauern der schütteren Erde und Feuerwirbeln, die das Festeste
-zerstören, nimmt Dada das Steuer zum Mittelmeer, und Italia fliegt
-brausend neben ihm als sein göttlicher Albatros.
-
-Dada unternimmt einen Bergflug vom Gardasee über die Tiroler Alpen bis
-ins Herz Bayerns. Er wandert ganz einsam in die blaue Luft gehängt, mit
-unbeflecktem Fuß über Schründe, Spalten, Grate, Zinnen, Firne, Gletscher
-auf der Sonnenbahn nach Norden. Die Firne glänzen: blau, grün,
-scharlach, ocker. Bergtäler öffnen sich zu ungeheuren Blüten des Enzian.
-Klüfte, Spalten, Schründe mit Gletscherstürzen entfalten schmale, nie
-gelesene Buchrollen der Tiefe aus ewigem Kristall. Berggrate sind
-überwölkt von Silberrosen, Edelweiß auf Mammuthrücken.
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-Heftige Windströme saugen um die Klippen, und der Flieger wehrt sich um
-sein Leben. Schüsse prallen rings, von schlagenden Granaten bebt Trafoi.
-Dada biegt nach Westen, um nicht vom Tiroler Feuerringe gefaßt zu
-werden. An der Schweizer Grenze wird er durch erdstürzenden Windstrom
-herabgezwungen. Er landet auf einer Halde über dem Tale von Pontresina,
-sprengt das Flugzeug und flüchtet in die Klüfte des Corwatsch, denn die
-Täler sind voll Soldaten. Von Hirten bekommt er Nahrung und
-Bauernkleider und endlich wagt er sich als deutscher Flüchtling aus
-Zürich in das Engadin.
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- * * * * *
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-Das obere Engadin mit breiten tiefgrünen Bergseen zu Füßen wohlgeformter
-Schneegebirge ist eine ungeheure Enzianblüte. Im Anblick der himmlischen
-Eisdiamanten sucht Dada die Einsamkeit, ewige Frische und Reinheit der
-Luft von Chasté auf. Das ist kein Karst. Gewaltige Lärchen, Bergfichten,
-Eichen steigen bis zur Geröllzone in mächtigen Waldungen auf. So war
-einst Attika von den Hainen des Zeus bedeckt. Nebel und Wolken schweben
-mit Riesenschatten wandernder Legionen feierlich um die Bergzinnen, und
-diese tauchen schneeblitzender in der tiefsten Bläue auf.
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-Dada mietet ein Gehöft am Ufer des grünen Bergsees. »Einsame
-Zärtlichkeit« schreibt er über die Tür seines Hauses. Kein Zaun
-umschränkt es, kein Hofhund stört, und das Gezwitscher der roten
-Schweizer Wäschermädels tief am grünen See erquickt sein Geborgensein.
-Der hölzerne Oberbau mit dem giebeligen Dach ist fortgenommen und auf
-den viereckigen Granitunterbau ein hoher, flächig polygonaler Glasbau
-gesetzt worden. Das ist der Hauswohnraum Dadas zu ebener Erde, und
-drüber die gläserne Allwarte in Gestalt eines spitzen Hutes.
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-Von den Urlauten der Kinder und der Primitiven wendet sich der Dichter
-dem terrestrischen Magnetismus zu. Er arbeitet an der Herstellung eines
-absoluten Kristalls, das Feuer, Sprengung und Wasser widersteht. Er
-schmilzt ein Glas von äußerster Empfindlichkeit für Farben und Schatten
-der Luft. An heiteren Tagen steigt aus dem Glaspilz am stählernen Gelenk
-der große Luftspiegel in die Höhe, mit dem Dada bildtelegraphisch Himmel
-und Firn beobachtet in ihren unerhörten Wandlungen.
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-Glücklich das kleine Stück Felsland, das vor der unreinen Überschwemmung
-des europäischen Reisepublikums durch die schützende Lohe des Weltkriegs
-noch eine Weile bewahrt blieb. Zahnradbahn und Massenwanderungen zum
-Gletscher verfinstern nicht das Eis der Gipfel, das Schweigen und die
-herbe Glut der Felsen. Der mächtige Sturzklang der Quellbäche am Granit
-der Hochwände wird nicht von den Brüllaffen der Mode, des Sports und
-Flirts zertreten. Der Anblick der Gestirne, elektrisch zitternder
-Nachtglanz des Alls, Belauschung des stillen Streits kosmischer
-Todeskräfte, werden nicht roh unterbrochen durch Sprechwerkzeuge, die
-leider nicht die der Grille und Nachtigall sind.
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-Dadas Zärtlichkeit: Das Sausen des Windes, des mitternachtgeborenen, in
-den Seewellen am Hain von Chasté, die heißen Felswände in wechselnden
-Schatten und der Firn. Den mondrunden Spiegel hat Dada über den
-kaiserlichen Firn gehängt, um das hohl geschwollene, weggreifende Ich
-fortzuätzen und die Erde von unreiner tierischer Kruste der fäulenden
-Ichs zu befreien.
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-Dadas Freuden: Versenkung, Innendienst mit Herz und Hirn, Beobachtung,
-freie göttliche Bewegung der schaffenden, messenden, wägenden Hand.
-Diese Freuden dauern, ohne schal zu werden.
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-Das neue Vaterland der Idee ist erschienen, das Engadin der Alliebe, die
-Bergheimat zärtlicher Innquellen, bereit zum Schmuck der Erdrinde mit
-geschliffenem Kristall. Europas Arbeiter sollen nicht mehr Europas
-Kriege führen, sondern Europas Berge meißeln und die rauhsten Werke mit
-Juwelen gottbeseelter Erdheimat schmücken.
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-In den Gerölleinöden des roten Corvatsch läßt Dada durch Arbeiter einen
-Stuhl in die Felsen meißeln. Den obersten Teil des Gipfels mit seinem
-Zinnenriff läßt er in mächtigen kubischen Flächen arbeiten zu einem
-unregelmäßig polygonalen Riesenblock. Und seine Flächen läßt er mit
-Platten geflammten Glases bedecken, so hart und dauerhaft, wie die
-Schweizer Glasfabrik sie nach seiner Vorschrift hat machen können.
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-Den Sitz seines Felsenstuhles läßt Dada aus Glas in der Form einer
-gewölbten Schildkrötenschale befestigen, und die hohe Lehne ist ein
-Mantel starr gefalteten Glases von tiefer Blaustrahlung. Über dem Mantel
-steht der mondrunde Spiegel. Habicht, Falke, Steinadler umkreisen das
-hohe Auge, und vor dem blauen Mantel sinken in die Tiefe mitbürgerlicher
-Argwohn und tödlicher Haß gegen den Eindringling auf uralten Heimatfels.
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-Reiner, tiefer, prächtiger sind die Farben der Erdtiefe. Das mächtige
-Weltherz pulst in den Bildern des Spiegels. Massensterben in Gräben,
-qualenbedecktes Getrümmer, blutiger Tierjammer wutzerrissener
-Millionengesichter, Todesfratzen mit schrecklichem Wundtod. Die
-Katharsis nimmt den bedingten tragischen Lauf ihrer Greuel.
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-Aber wer vermag zu ertragen, wie auch nur _ein_ menschliches Herz bricht
--- und muß ohnmächtig daneben stehen! Dada lenkt seinen Spiegel über den
-Firn, machtlos, die Wut der Menschenschlächterei anzuhalten, und
-diejenigen zur Freiheit zu lenken, die noch immer nur das Opfer vor den
-Göttern des Blutes kennen. Dieselben, die Flugzeuge lenken, Bomben
-werfen und Menschen töten.
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- DER SPIEGEL EUROPAS.
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-Dem Monde ist eine magnetische Kraft zu eigen, deren Strahlung die Meere
-der Erde folgen. Ein Flutberg steigt zu gemessener Zeit empor und
-überrollt den Ozean auf seinem zum Horizont hinangewölbten Rücken.
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-Ein Flutberg menschlicher Seelenkraft erscheint über dem Meer der
-Völker: die Idee für die Omnes ruft die Seelen zur unlöslichen
-Verschmelzung. Der verbindende sanfte Mond der Völker erscheint und
-wandelt hin im Strahlenkleid der menschlichen Ekstasen. Mit seinem
-allgegenwärtigen Licht umfaßt er die Landschaft der Kräfte und
-Bezauberungen. Leidenschaftlich empfunden, stark erlebt ist die Idee nur
-wenigen geistig sichtbar. Ein Haupt denkt diese Idee: der zornige rote
-Christus betritt die Wolken zum Gerichte und stürzt die Gäste der Welt
-in die Tiefe. Auf der Flut von Morgen gen Mitternacht drückt sie ihre
-leuchtende Spur in die Millionen Geistigen. Und aus der Flut erhebt sich
-die Tat, die den Erdball in ungewisse Zukunft schleudert und die
-Freiheit in ihrem blutigen Wirbel beschwört.
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-Ein unsichtbarer Flutberg bricht aus den feindseligen Fronten empor, aus
-Krampf und Leid von Millionen Todbedrohter und Verdammter. Er rollt von
-Osten heran und pflanzt seine schwarzen Wimpel auf Deutschland und
-Frankreich, und bedeckt die Götzenbilder der zerbrochenen Völker mit
-seiner stillen, mächtigen Woge: den russischen Pantokrator, die
-Kriegsgötter Germaniens und den Gladiatorenhelm Frankreichs. Vergeblich
-haben die Götter schrankenlosen Wahnes Kriegsmaschinen in die Finsternis
-eingebaut: Die Idee des einen Hauptes, die Idee im mächtigen Schweigen,
-in dem unauflöslichen Licht von Millionen Geistigen lebt fruchtbar und
-wirkt.
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-Ewige Blutnacht Bartholomäi über Europa! Die Idee steht reinster Sonne
-in dem einen Herzen auf, im gemeinsamen Herzen der tödlich Gelockerten
-und Opfergekrümmten. Weihnacht des künftigen Europa, du beschwörst die
-Schande der Völker, du wehklagst und tötest.
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-Ruhelosigkeit, geheime Furcht, fieberige Schrecken bewältigen die
-Mächtigen. Sie wechseln die nächtliche Schlafstätte, sie verlieren den
-ursprünglichen Stolz der Überzeugung, sie fürchten gewaltsamen Tod, sie
-haben die persönliche Ehre verloren, sie gleichen dem gehetzten
-Napoleon, der den Giftbecher nimmt, ihn aber fortstößt und sich ergibt,
-um Ruhe zu haben. Auch sie, die jetzt Furcht haben, ergeben sich den
-Giftmischern, um Kirchhofsruhe zu haben, um den Qualen zu entrinnen. Der
-Gladiator Frankreichs, der Dilettant des Thrones, der sich selbst als
-Friedensfürst bezeichnete, samt seinen Teutonen, Emanuele, der König der
-heiligen National-Selbstsucht -- vor ihnen erscheint der makellose
-Spiegel Dadas und zeigt ihnen im weißen Rund das Bild des armen Zaren,
-der unter einer Salve von Narren »glücklich« verscheidet.
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-Mit kundiger Macht sendet Dada die Strahlung in die Nächte der
-Machthaber und Ehrsüchtigen. Auf Tribünen, im Auto, inmitten
-öffentlicher Ansprachen, bei der Fahrt durch die Städte, bei
-militärischen Schaustellungen, bei städtischen Prunkaufzügen, inmitten
-von Banketten, Militärs und Deputierten: erscheint die Grimasse des
-glücklich Verschiedenen. Das Scharren eines Stuhles im Saale, das
-Knirschen eines Schuhes oder seidenen Kleides, ein elektrischer Schlag,
-schauernd vom Ganglion des Großhirns bis in die Eingeweide -- das
-Gottesauge schaut auf den Gladiator. Das Fieber des Tigers wird weiß und
-kalt. Die Teutonen tauschen im starren Krampf Puppenbewegung der steifen
-quadratischen Häupter. Allen, die Feinde sind, Feinde sich, dem All,
-allen, allen Soldaten, die dem Schlamm des Krieges entronnen sind,
-selbst den Kindern des neuen Raubtiers aus Atlantis erscheint die
-schreckliche Idee im Spiegel: die Drohung der Selbstzerstörung.
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-Der Flutberg naht. Er überrollt den Ozean, er hat seine Breite, niemand
-ist ausgenommen, wo ist Gang und Richtung zu erkennen! Vor dem Kristall
-am Corvatsch steht der Beschwörer und betrachtet den Gang eines Käfers
-auf seiner Hand. Und der die Tiere in Menschen sieht und die Götter in
-den Tieren, sinkt in die Kniee und betet.
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- DER FIRNDOM.
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-Dada hat kein Vaterland.
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-Er meidet und fürchtet, das trunken und satt vom Blut ist: Patriotismus,
-Nationalniedertracht, Irredenta, Pöbelwahn, Heroismus des stumpfen,
-irrsinnigen Maschinentodes. Schutz und Höhe der Felsen, leichte stille
-Lüfte und reines Blau der Idee Europa -- in ihrer Hut bildet sich das
-Wunder der Freiheit.
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-Die Eisbärenflanken des Berninafirns erglühen im zartesten Gold- und
-Weinrot, und zu seinen Füßen ruhen die Felsen in scharlachner Tiefe:
-eisig rot, lila, blau. Auf diesen Alpenbergen will Dada die erste
-Schöpfung eines erneuerten Europa der Arbeit und wiedergeborener Künste
-errichten. Noch ruhen die Gletscher und Firne in mondlicher Sanftheit
-der Hänge, in Stille von dünnster Klarheit, in der das Herz scharf
-dröhnt, als höbe es sich selbst aus der Brust, um in ungeheurer Höhe zu
-kreisen und sein Blut zu vergießen. Die Erdrinde erhebt die rauhste und
-erhabenste Sprache zur Feier und zum Triumph der Menschheit. Dada sieht
-beglückt seinen höchsten Traum.
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-Er erhält das Recht, auf dem Bernina einen Dom der Schönheit aus Glas zu
-errichten zu Ehren der freien Demokratien Europas. Er wirbt eine
-Arbeiterarmee an. Glasschmelzen und Schleifereien werden gegründet,
-elektrische Motore arbeiten und treiben Bohrmaschinen, um die Fundamente
-des Glasdoms in den Felsgrund zu senken. Gewaltige Stahlhämmer klopfen
-und plätten die Felswände zu geschrägten kubischen oder dreieckigen
-Flächen, die in kühnen Falzen und Winkeln aneinanderstoßen. Das ganze
-Massiv bis zur Schneegrenze wird von Geröll gesäubert, und in einen
-kolossalen, vielflächigen Kunstblock verwandelt, von dem jede Vegetation
-entfernt bleibt. Unwegsame Schluchten werden flächig ausgemeißelt und
-als Hohlwege bis zur Firngrenze ausgebaut. Drahtseilbahnen senden ihre
-Förderwagen zum Firn hinauf. Das Gebirge dröhnt vom Lärm der
-elektrischen Schleifarbeit, dem Hämmern der Arbeitermassen und den
-Sprengungen mit Dynamit.
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-Noch ruhen die sanft gewölbten Hügel des ewigen Firns im makellosen
-Urlicht und im nächtlichen Schmuck der schimmernden, augengroßen
-Sterngehänge. Aber Dadas Heer dringt rastlos aufwärts, baut den
-Firnschnee mit Hilfe der Förderwagen ab, überbrückt die schneetiefen
-Klüfte mit Glasgewölben, bis der Gipfel in eisiger Herrlichkeit erreicht
-ist. Das grüne Firneis wird in riesigen Blöcken abgelöst und talab
-geseilt, und mit ihm werden unten die Dampfkessel gespeist. Die
-Abplattung des gesamten Gipfels ist rasch im Gange und die Zerstörung
-des alpinen Urriesen ist in wenigen Monaten geschehen. Eine ungeheure,
-nackte Hochfläche bleibt als Grundlagerung des vormaligen Firns.
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-Nichts an dem nackten Riesenkegel soll unbewußt bleiben, das Ganze soll
-in Form, Fläche und Farbe gegliedert werden. Dada klettert in jede
-Felsritze, in die engen Betten schäumender Gebirgsbäche, die bald
-versiegen müssen, da ihnen das mütterliche Firn fehlt. Er läßt all diese
-kleinen Schönheitsfehler der Natur mit Glas überwölben und in den
-Klüften sanft ansteigende, überwölbte Treppen anlegen, die wie Tunnels
-elektrisch erleuchtet werden. Dada kämpft unter unerhörten
-Schwierigkeiten vorwärts. Seine Leute stürzen in Abgründe oder gehen an
-raschen Krankheiten zugrunde. Die Bergnebel verdunkeln tagelang jeden
-Schritt seiner Maultiere und Arbeiter. Der Föhn, furchtbare Unwetter,
-gegen die es auf den geplätteten Felswänden keinen Schutz gibt,
-vernichten die Arbeiterhütten, Menschen und Werkzeuge. Der ganze Bernina
-gleicht nur noch einer unermeßlichen Baustelle von Kriegsgewinnlern, ein
-Kegel armseligen Graus inmitten der Eiswildnis.
-
-Die erste farbige Platte von dauerhaftem, sturmhartem Glas wird
-feierlich unter Dadas Händen an den Fels genietet. Überall wird der Berg
-geplättet, poliert, gekantet, heroisiert, um schließlich ganz bekleidet
-zu werden mit grünen, schwefelgelben, scharlachnen, azurnen und
-irisierenden Glasplatten. Die Kunstnatur in Email geistert wunderlich
-ins Gebirge.
-
-Auf der platten Hochfläche läßt Dada einen Wald von riesigen, goldroten
-Säulen errichten und ihre Spitzen durch Glasbögen zur Gestalt einer
-kristallenen Rose verbinden. Das ist der Rosendom, von dem Dada geträumt
-hat. Das ist die Krönung des ungeheuren Werkes, des unerbittlichen
-Glasfirnes, der den Schweiß von Arbeiterheeren und das Vermögen Dadas
-gekostet hat. Als der Dom in kindlichem Geglitzer und in der
-Konfektarchitektur eines Ausstellungspalastes förmlich strahlt, ist Dada
-ärmer als der bronzene Hammelhirt am Roseggletscher.
-
-Er hat die Genugtuung, unter den Schwibbögen des Rosendomes die große
-weiße Glastafel aufgehängt zu sehen, auf der Dadas Aufruf an die
-künftige Brüderschaft freier Architekten Europas geprägt ist. Kein Gerät
-befindet sich in der weiten Halle aus rosenfarbigem Glas, das Licht
-dämmert sanft durch die Wände, und das Blau des Himmels dringt allein
-durch die klaren Glasflächen im Zenith des Domes. In den Wänden sind die
-Glaszeichnungen Dadas eingelassen, er, der sich selbst in diesem Dome
-als Präsidenten der Menschheit bezeichnet, hat hier seinen wunderlichen
-kaukasischen Glastraum niedergelegt. Das ist der Traum von Pyramiden,
-Domen, Olympias und hängenden Gärten aus Glas, vom Schliff des
-Matterhornes, des Monte Cristallo. Alle Bergwände sind geplättet, jede
-Kante ist stilisiert, jeder sanfte Abhang zur Terrasse ausgespreizt,
-Klüfte, Schründe, Höhlen, Abgründe werden von Glasbögen mit Windharfen
-überspannt, darauf der Föhn Urlaute spielt. Die Täler werden zu
-geöffneten Enzian- oder Oleanderblüten oder gespaltenen Granatäpfeln aus
-Glas. Die heroischen Hochalpen zieren Versailler Rosenlauben mit
-Rokokogärten aus Glas, die nachts von elektrischem Innenlicht zu
-feenhaften Girlanden aufstrahlen.
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-Auf die Blöcke und Zacken uralter Wildgletscher sind Glasfelsendome
-gebaut. Über die Seen des Engadins und des Kantons Luzern sind
-Feststädte und Tempel auf Glassäulen bis zu den Berggipfeln erhöht, über
-den Bodensee bis zum Säntis hängende Gärten und Festterrassen mit
-türmenden Söllern und Sälen für Zusammenkünfte ganzer Städte und
-Provinzen. In diesen Tempeln und Festpalästen wird die Musik Mozarts von
-verborgenen mechanischen Instrumenten jederzeit tönen: alles ist leicht,
-spielend, heiter, still. Es gibt nur die Pflicht, zu schweigen und das
-Glas zu verehren.
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-Dada ruft die Architekten zu den Entzückungen des Glases und Europas
-Arbeiterheere zu dem männlichen, rauhen Werke der Erdbezwingung.
-Gemeinsame Opfer, Qualen, Kämpfe, Arbeiten, gemeinsame Werke, Frucht,
-Belohnung, Genuß in den Glasdomen der Alpen.
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-Danach dehnt Dada den Zauberkreis aus. Die Erdrinde erscheint, die
-Südsee, das farbige aber dunkle Asien. Die Nächte dieser kosmischen
-Meere sind durchglüht von riesigen Lingams oder Hörnern. Otaheiti,
-Neuseeland, Guinea sind durch Glasbögen auf Feuertürmen im Meere
-verbunden. Im Meere schweben Glastürme, denen Äroplane sich nähern.
-
-Über den Erdball von Nord nach Süd sind gestaltete, farbige Weltnebel
-gewölkt, um nächtlich diejenigen zu erfreuen, die der Plakate von
-Liebigs Fleischextrakt und Zuntz' Kaffee müde geworden sind.
-Aufschießende Sternkristalle, rote Diskusse, grüne Saturne, gelbe
-Oktoëder aus sphärischem Quarz bindet Dada magnetisch zwischen Pol und
-dem Gleicher und furcht den Tageshimmel mit dem Fluge kubischer
-Projektile, anderer, als die der Zerstörung! Sie streuen aus den Lüften
-farbige Flugblätter zur Verherrlichung gemeinsamer Arbeit, gemeinsamen
-Genusses im Park Europa.
-
-Dada verheißt Wunder dem armen Menschenwurm des Erdsternes, ihm, der von
-härtester Fabrikfron erschöpft ist und sich in Kriegen zerfleischt, die
-seinen Fabriken entspringen. Der Präsident der Menschheit ist an den
-Rand des schäumenden Wahnes gelangt, die Menschen durch Glas zu erlösen.
-Verarmt, unfähig, das Glaswerk fortzusetzen, ohnmächtig vor der
-gepanzerten Gleichgültigkeit demokratischer Regierungen, die schließlich
-nur der abgesonderten vaterländischen Selbstsucht zu leben verstehen.
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-Dada muß den Firndom dem Verfall überlassen. Langsam, aber unbezwinglich
-ist die Rache des kastrierten Bernina. Die Schnee- und Eisgeschiebe
-erneuern sich, die Verankerungen lockern sich, Eisbäche sprengen die
-Glastunnels, der Sturm bricht die Glasbögen, und die Glasplatten werden
-vom Eis bedeckt und stürzen in die Tiefe ab.
-
-Neugierige Fremde aus St. Moritz kommen und starren auf die unermeßliche
-Narrheit aus finstrer Kriegszeit und spotten ihrer. Eines Tages steigen
-Bewohner des Engadin zum Corvatsch auf und verjagen Dada mit Steinwürfen
-von seinem Felsensitz wie einen räudigen Hund und zertrümmern seinen
-Spiegel.
-
-
-
-
- GRAUBÜNDEN.
-
-
-Selbst die republikanische Schweiz mit ihrer zwieschlächtigen Seele und
-ihren innerpolitischen Fehden ist nicht die Stätte jener Freiheit, die
-Dada vergebens sucht. Er hat Hymnen auf ein Vaterland gedichtet, das
-Slowaken und ähnliche Halbslawen unter sich teilen. Er hat Glasdome für
-ein Europa bauen wollen, von dessen Rumpf köstliche Glieder
-abgeschnitten wurden, und dem der Jugendsaft verluderte und giftig
-wurde. Sein Ruf nach einer antiseptischen Glasarchitektur der Alpen
-verhallt ohnmächtig vor dem Empörergeschrei der von Kriegsknechtschaft
-befreiten Völker. Wo wird Dada eine Nation finden, die seine magnetische
-Erleuchtung und Erwärmung der Erdrinde zur Reife bringen würde! Wo soll
-er Helfer werben, um den Plan der Ausgleichung der kosmischen Klimate
-und der Vermondung des Erdkörpers zu verwirklichen.
-
-Aus den wilden Eitelkeiten des Rosendomes mußte er zurückweichen und zu
-spät einsehen, daß für die Erhabenheit eines Gebäudes seine Höhenlage
-unwichtig ist. Der Azursaal des Rosendomes hätte dasselbe Blau des
-Himmels gezeigt, wenn er auf einer geringen Anhöhe am Vierwaldstättersee
-oder am Rhein bei Basel gebaut worden wäre. Das Parthenon brauchte
-keinen alpinen Sockel, und für Paestum genügte das Mittelmeer. Nachdem
-Dada den Bernina zerstört hat mit der Gedankenlosigkeit, die kein
-Bewußtsein hat von dem innigen Zusammenhange des ganzen Naturlebens,
-machte er es sich von neuem bequem auf einer Geröllhalde des
-Steinreichs, inmitten der verkarsteten Riesenalpen Graubündens. Eine
-Herde von Ziegen, Hammeln und Rindern, sowie allerlei nützliches
-Kleinvieh und Hunde nennt er sein eigen, er hütet selbst seine Arche und
-nährt sich von ihr. Er hat eine Almenmatte und ein Felsenhaus aus
-Geröllsteinen, für Hirten hergerichtet, gepachtet und betreibt Viehzucht
-und Milchhandel. Inmitten seiner Tiere führt er täglich das genüßlich
-phallische Dasein eines »Ketzers von Soana«, das ein modischer Dichter
-erotisch-geistlich seiner großstädtischen Lesewelt dargestellt hat.
-
-Dada liegt den ganzen Tag ausgestreckt herkulischen Leibes im saftigen
-Würzgras der Alm. In den Alpenkräutern blüht der tiefäugige Enzian, und
-starke Felsen über ihm halten dichte Kissen von Sonnenglut um die
-regungslose Halde, auf der die Hammel fressen. Der istrische Apoll im
-blauen Leinenkittel liegt träg auf dem Bauche und bestaunt seine eigenen
-vom Sonnenlicht goldgefärbten Beine und Arme. Die Schwingung des tiefen
-Tals ründet sich sanft empor gleich dem Bauch seiner guten
-sattgefressenen Rinder, die nach ihm brüllen, um ihm die Lasten
-anzukündigen, die sie im Leibe für ihn tragen. Dada liebt dankbar und
-zärtlich seine ernährenden Freunde, und stärker als je von Italias und
-Derobeas Gnaden hüllt seine Glieder schwelgerisch mästende Fülle in der
-Sommerfrische Graubündens.
-
-Dada bewundert die Tiere, und ihr Leben wandelt als ein endloses
-Schauspiel an seinem müßigen Gaffen vorbei: Sie fressen, darum müssen
-sie sich regen, spielen, sich vertragen oder sich bekämpfen. Sie lagern
-sich, flüchten, begatten sich, sind grausam und leidenschaftlich,
-ungestüm und feurig boshaft. Dada liebt besonders das unverschämte Glück
-und die sachliche Einfachheit der Begattung seiner Tiere. Er hört das
-schwere Ruhegebrüll der Rinder, die den Schatten in der Mittagsglut und
-das klare Bächlein lieben.
-
-Dada spricht mit den Tieren, gemäß dem verschiedenen Charakter ihrer
-Laute, und folgt mit seiner Erkenntnis den Bahnen ihrer instinktiven
-Bewegungen, um die Rätsel ihrer Sprechzeichen und vielgestaltigen
-Stimmen zu entziffern. Er hat einmal jeder großen Sprache des
-europäischen Menschen wahlverwandt angehört, und er meidet fortan die
-Menschenworte und was ihresgleichen, um in den Tierlauten gleichen Sinn
-und Trieb zu erkennen, nur mütterlich traulicher und treuer. Dada lebt
-entzückt in den hymnisch-orphischen Kräften der Tiere, in der
-strahlenden Energie ihres natürlich Bösen, in der furchtbaren
-Schöpferkraft, die frißt, tötet, zeugt und schweigt. Er lebt ihren
-Alltag, ihre Feiern, ihre herdenhaften Beziehungen, die er mit denen des
-antiken Menschen vergleicht. An kalten oder regnerischen Tagen schließt
-er sich mit den Tieren in dem gemeinsamen großen Wohnraum des
-Felsenhauses ein, und diese in Jahrtausenden familienhafter
-Hausgenossenschaft erzogenen Tiere sind Tag und Nacht sein Trost,
-mitleidsvoll und sorgend lebt er in ihren Augen, ihren Freuden, ihrem
-Kranksein und Sterben.
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-Über die Laute der Felsen und Bäume und Erdtiere werfen Habicht, Geier,
-Adler und Falke ihre Mordschreie empor in die Lüfte bis zum Bereich, wo
-die tierischen Laute verlöschen vor dem freien Genius des Schweigens,
-der im stillsten Glanze der feinsten Bindung ferner Erdkräfte schwebt.
-Die magnetische Rinde hält wohltätig die Sonnenstrahlung in ihrem
-Bereich gesammelt, hüllt sich mit ihr, und läßt sich durchdringen und
-wärmen von ihr zu immer erneuerter Fruchtbarkeit, um das
-Traulich-Wohlbewohnte zu begründen.
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-Erde und Gebirge haben lange auf den Menschen gewartet. Das Tier, das
-zärtlich geliebt wird, hat die Felsen mit warmen Vliesen bedeckt, um
-sich in der Sonne liebkosen zu lassen. Die Felsen träumen gern von den
-guten glücklichen Tieren und beschwören Gemse und Steinbock, Albatros
-und Adler zu ihren Wächtern und Spähern. Vor der Frühe bedecken sie sich
-mit Tau und sie fürchten die eisige Vernichtung und den Haß der
-Menschheit. Dada ist unter den letzten einer sterbenden Erdrasse, die
-Tiere genannt werden, weil die Menschen ihren Haß auf sie abgeladen
-haben.
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-Die Gipfel Graubündens nehmen die Formen riesig ruhender Tierhäupter an.
-Übertierische Gestalten von Kranich, Hund und Widder stehen
-hochaufgerichtet in die Felsen gemeißelt. Über den Felsen erheben sich
-die Göttergestalten der großen Tierrassen, sitzend über dem Erdkreis
-gegründet: Löwe und Stier. Das brummende Moo der Stiere, das erzene
-Geschmetter der Böcke, die Urstimmen aller Geschöpfe, die von den Seen
-bis zu den Schneezinnen Graubündens schweifen, dichtet Dada, und bildet
-in ihren Lauten die Veden und die ägyptischen Gebete, die Stier und
-Widder als Götter anriefen. In die milden Hammellaute übersetzt Dada die
-Brünste, Ängste, Untergänge der Tiere in Urwut und Urklang.
-
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- DER ROTE WIDDER.
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-Der feurige Widder, der trotzende Liebling der Herde, der Gott seiner
-Rasse wird in Dadas Felsenhaus geboren. Zur Kraft erwachsen, tritt er
-eines Morgens rot und stark auf die letzte Felsenstufe und geht auf über
-Dadas Felsgipfel: Sonne der Tierheit, die nicht mit Blut gemästet und
-nicht von den düstren Flecken der Verwesung angefaßt ist. Sein Gehörn
-ist edel geschweift, der Bart feurig und züngelnd, die feinen,
-bergharten Gelenke sind zum Sprung gestrafft.
-
-Sorglich schreitet Dada mit der gewölbten Brust und den milden Armen des
-Vaters der Tiere auf dem Grate und tritt dicht zum Widder. Er legt beide
-breiten Hände auf das honigglänzende Geweih und spricht ruhig und stark
-in den wenigen Urlauten, in denen er das Geheimnis der Tiersprachen
-gefunden hat. Dada bringt langgezogene, wohltönende, weibliche Laute
-hervor, denen der Bock mit gemessen kriegerischem Geschmetter antwortet.
-Die harte Trompete des Bockes beherrscht den Gipfel, marschiert,
-befiehlt, hält Ordnung, während Dada hineinzutönen versucht und mit
-verschämtem Verlangen um Gleichberechtigung wirbt, nicht etwa für den
-Bock, sondern für sein Menschen-Ich. Hier folgt das Gespräch
-übersetzungsweise, das Dada kunstgemäß mit wenigen, aber immer
-verschieden gefalteten Tierlauten durchgeführt hat.
-
-»Lieber Sohn, ich will dir die schöne weiße Zuckerkante schenken, die
-drüben auf den Bergen hängt, und die feinen rosa Wolkenlämmer, die im
-tiefen Blau grasen, verlocken feurige Hammelbeine zu Galopp und Sprung.
-Willst du zu ihnen, mein Widder?«
-
-Der Widder erwidert in Urlauten, feurige Blitze seiner Bosheit fahren
-zum Talgrund:
-
-»Ich sehe viel weiter und will viel weiter, als du willst, lieber Herr.
-Deinen Zuckerkant lecke ich bald mit roter Zunge, und auf die rosa
-Wolkenlämmer setze ich meinen Bockstritt. Versuch mal diesen Galopp.«
-
-Der Bock zieht zehn scharfe Bogen hart um Dada auf dem gefährlichen
-Felsgrat, aber schließlich gesellt er sich wieder neben seinen Gebieter
-und Dada legt von neuem die Hand auf das honigglänzende Gehörn.
-
-»Über hundert Gipfel im Norden setzest du mit harten Läufen und dann
-gelangst du in das tiefe Land, das der Krieg beschattete mit Zerstörung
-und Verwesung. In diesem Lande wurde täglich und jahrelang das
-unzählbare Menschenfleisch von köstlichen Nationen der ganzen Erde mit
-Feuer und Stahl gemahlen, und die eklen Sümpfe wurden mit Blut gedüngt.
-Der Ätna, der Sudan, die Kalahari, keine Wüste der Erde droht vergiftet
-von Greueln wie dies Land. Auch dein armer Vater Dada war in diesem
-Lande gefangen, bis ich entwich!«
-
-Der Widder mit honigglänzendem Gehörn schüttelt Dadas Hände fort,
-springt im Ruck vor Dada und senkt drohend das Horn zum Angriff, seine
-Augen brechen Feuer aus, seine Stimme donnert von Urlauten:
-
-»Du dicker Butterschlegel, hochtrabendes Faß voll Regen, Säusler von
-Zuckerkant, kamst zu Anfang mit deinem Zweifel an dir selbst. Und als
-alles vorbei war, schlugst du an deine stumpfe Brust und schriest »Meine
-Schuld«. Wohlan, Dada, der Widder aus dem Sternenbild, nicht der
-Nachtmahr deiner Verbrechen im Kaukasus, die ewige Jugend der Welt
-empört sich und stößt dich fort, weil du dick, erstickend träg von
-Worten schwillst, weil die Freiheit auf gewölbter Sonnenbahn erglänzt
-und dich verwirft.
-
-Du hast geduldet, daß jene sich zerfleischten, die du trösten und
-vereinigen solltest. Du mitsamt der Helena, um derentwillen du getötet
-hast, habt die Würfel geworfen um des Lebens willen, du bist der antiken
-Hure nachgelaufen, dem lateinischen Popanz und einer dacischen Mänade.
-Mit Mummenschanz von Urlauten, Glasbergen und Ziegensprache hast du
-genüßlich das Leben beklebt und deinen Bastardsinn verraten.
-
-Wenn ich dich mit den Hörnern hinabstieße, was würde es den bösen Tälern
-schaden, denen du entlaufen bist! »Unsere Schuld!« ruft ihr. Ein Chor
-der Unmündigen zeugt von sich selbst. Die sich selbst nicht zu befehlen
-vermögen, treten unter die ratlosen Besserwisser der Völker und
-verwirren die geringe Vernunft, die nach ihren Verbrechen und
-Bluträuschen erwachen will. Hohle Raketen der Wortkunst schleudert ihr
-unter sie und ihr schämt euch nicht und gebt euch preis, die ihr unfähig
-zu einer Welt ohne Blut und Tränen seid. Unschuld, Unverwelklichkeit der
-edlen Seelen habt ihr nicht gekannt!«
-
-Im heftigen Sprung schlägt der Bock mit dem Gehörn den Istrier zu Boden
-und entweicht nach Norden. Dada erhebt sich vom jähen Sturz,
-zerschunden, bleich, gepeitscht von kreisenden Schwänzen der
-aufgerufenen Schrecken. Er erhebt die dicken Arme, um sie auf den
-eigenen Schädel niederwirbeln zu lassen. Stierlaute quälen seine Kehle.
-Die hundert Tschakos seines ukrainischen Attentats zertrümmern seinen
-Verstand. Er bricht in Klagen menschlicher Worte aus.
-
-»Meine Schuld! Wann wird uns Zuchtlose, Gehorsam Entwöhnte die Liebe
-binden. Wann werden wir fähig zur sittlichen Erlösung sein, wir Betrüger
-und Mörder. Wann werden wir im engsten frei sein, im Schaffen beständig!
-
-Du Widder hast mich aus der Schmach meines genüßlichen Zuschauertums
-aufgerissen. Du hast mich schaudern gemacht vor der baren Trägheit und
-der mörderischen Leere. Denn durch die Leere mordete ich das Leben. Ich
-habe noch nie ein Volk geführt, ich habe mich noch nie im Ätna gebadet,
-ich habe noch nie einen Sohn gezeugt, wahnsinnig vor Entzücken und
-Schmerz. Ich habe mich im Abgrund des Todes an den ärmsten aller
-Gedanken geklammert und ich habe gezagt. Ich habe des Menschenwurms
-letzte Furcht und schmählichste Ohnmacht erlitten und ich habe nur nach
-neuen Unterpfändern meines liebelosen, armseligen Daseins gespäht.
-
-Du Widder hast mich niedergeschlagen in dem bescheidenen Stolze meiner
-Tierfreundschaft, darum grolle ich dir nicht. Denn ich will mich
-umwenden zu der niederen Behausung und mich aufrichten zu schaffender
-Arbeit, die mich zu der glücklichen Pforte des Ausganges leiten wird.
-Glücklicher Ausgang, zu dir steige ich empor und ich feiere dich, indem
-ich lebe.
-
-Flüchtig und ruhelos war ich von Europa krank. Von jetzt ab werde ich
-glücklich an dir, Europa, neues Vaterland, das ich gegrüßt habe mit
-früher, heiliger Liebe. Ich werde arbeiten für dein Glück, lichtes
-Europa, mit dem schaffenden Werk, das die Völker versöhnt.«
-
-
-
-
- INHALTSÜBERSICHT
-
-
-
- Erster Teil
- Der Karst 11
- Derobea 15
- Das Nordlicht 22
- Die Urlaute 25
- Dresden 32
-
- Zweiter Teil
- Die Serbin 41
- Kiew 44
- Kaukasus 46
- Venedig 50
- Engadin 53
- Der Spiegel Europas 58
- Der Firndom 61
- Graubünden 67
- Der rote Widder 72
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
-Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet.
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 70]:
- ... Gemse und Steinbock Albatros und Adler ...
- ... Gemse und Steinbock, Albatros und Adler ...
-
- [S. 72]:
- ... Bock mit gemessen kriegerischen Geschmetter antwortet. ...
- ... Bock mit gemessen kriegerischem Geschmetter antwortet. ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Dada, by Adolf Knoblauch
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DADA ***
-
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