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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-05 17:44:52 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. Zweiter Theil. - Ein Roman nach neugriechischen Volkssagen - -Author: Theodor Hildebrand - -Release Date: April 8, 2016 [EBook #51695] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER VAMPYR: ZWEITER THEIL *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project. - - - - - - - - - - Der - Vampyr, - oder: - Die Todtenbraut. - - - Ein Roman - nach neugriechischen Volkssagen. - - Von - Theodor Hildebrand. - - Zweiter Theil. - - Leipzig, 1828. - bei Christian Ernst Kollmann. - - - - - Der - Vampyr, - oder: - Die Todtenbraut. - - - - - - Dreizehntes Kapitel. - - -Der Knall der beiden Pistolenschüsse hallte durch das ganze Schloß -wider, und verbreitete darin sogleich einen unbeschreiblichen Schrecken. -Die Knechte auf der Meierei, von denen einige im Schlosse schliefen, -waren nicht zu Bett gegangen, weil sie am andern Morgen Getraide nach -Prag fahren sollten, und mit den dazu nöthigen Vorbereitungen -beschäftigt waren. Sie verbreiteten sich schnell durch mehrere Zimmer, -während eines der Mädchen die Hausthür öffnete und aus der Nachbarschaft -Hülfe herbeirief. - -Die Oberstin, welche vor Mattigkeit eingeschlafen war, fuhr schon bei -dem ersten Pistolenschusse empor, hielt ihn aber für ein gewöhnliches -Geräusch, das ihr nur im Traume stärker vorgekommen sei. Als jedoch bald -darauf der zweite Schuß erschallte, glaubte sie, daß Räuber im Schlosse -wären, und daß der brave Werner im Kampfe mit ihnen begriffen sei. Nach -diesem ersten Gedanken war der zweite ihr Sohn. Sie hatte so viel Muth, -schnell aufzustehen, und ohne ihre eigene Gefahr zu beachten, eilte sie -in das Zimmer, wo der Gegenstand ihrer zärtlichen Sorgfalt ruhte. - -Welches schreckliche Schauspiel bot sich ihren Augen dar, als sie, beim -Schein des Mondes und einer spärlich brennenden Nachtlampe, zwei -blutende Körper auf dem Fußboden ausgestreckt sahe, und in ihnen Werner -und die Fremde erkannte. Mit einem Schrei des Entsetzens eilte sie dann -nach dem Bette des Kindes, das sie in ihre Arme nahm; aber vergebens -suchte sie den kleinen Wilhelm aus dem Schlafe zu wecken, in den er -versunken zu sein schien: sein Leben war entflohen. Diese schmerzliche -Gewißheit vollendete Helenens Verzweiflung, und ohnmächtig fiel sie -neben den beiden Leichnamen auf den Fußboden nieder. - -Kurze Zeit darauf kamen die Knechte und Dienstmädchen ebenfalls in -dieses Zimmer des Schreckens. Sie sahen ein Fenster offen stehen, und an -demselben eine seidene Strickleiter befestigt; sie fanden Werner und -Lodoiska in ihrem Blute gebadet und ohne ein Zeichen des Lebens; weiter -hin erblickten sie die Oberstin, welche noch athmete, neben dem Leichnam -ihres Kindes. Dieser fürchterliche Anblick mußte alle Anwesenden -natürlich mit Schauder erfüllen. Die Mörder konnten nicht weit sein; -aber vielleicht hatten sie schon mit Hülfe der Strickleiter die Flucht -ergriffen; man beeilte sich eines Theils, der Oberstin beizustehen, -andern Theils, die schon angefangenen Nachsuchungen im Schlosse -fortzusetzen. -- - -Die Anzahl der zur Hülfe herbeieilenden Nachbarn wurde immer größer; -aber auch die strengsten Nachforschungen blieben fruchtlos. Im Schlosse -selbst fand man keine Spur von den Räubern, und bei der Durchsuchung der -ganzen Gegend war man nicht glücklicher. - -Gegen Morgen kam Helene wieder zu sich, und der erste Laut, den sie von -sich gab, war der Name ihres theuren Kindes. Ach, der arme Wilhelm hörte -sie nicht, auch er war ein Opfer dieser schrecklichen Nacht geworden; -gerade da seine Genesung sicher zu sein schien, mußte er seiner -Krankheit erliegen. - -Unter diesen Umständen langten noch zwei neue Personen im Schlosse an: -nämlich ein Arzt, den man zur Untersuchung der Leichname herbeigerufen -hatte, und der Oberst Lobenthal, dem es endlich gelungen war, seinen -Schwager mit seiner Schwester auszusöhnen, und der darauf keine Zeit -mehr verloren hatte, um in den Armen seiner Familie den Lohn für diese -gute That einzuernten. Wie weit war er entfernt, einen solchen Anblick -zu erwarten, wie ihm hier bevorstand. Er hoffte, seine Wiederkehr würde -allgemeine Freude im Schlosse verursachen; statt dessen ward er wie vom -Blitze getroffen, als ihn der Schulze des Dorfes bei Seite nahm, und ihm -die Ereignisse der Nacht auseinandersetzte. - -Lobenthal war ein zärtlicher Vater, und er schämte sich nicht, seinem -tiefen Schmerze freien Lauf zu lassen; dann verlangte er, seine Frau zu -sehen, um seine Thränen mit den ihrigen zu vereinigen. Wir unternehmen -es nicht, die Szene ihres schmerzlichen Wiedersehens zu schildern; man -hatte Mühe, sie beide von dem Leichnam ihres Kindes loszureißen, den sie -durchaus nicht von sich lassen wollten. Der Anblick Juliens, weit -entfernt sie zu trösten und zu beruhigen, vermehrte nur noch ihren -gerechten Schmerz, und man glaubte daher nichts Besseres thun zu können, -als sie sich selbst zu überlassen, und von der Zeit die Milderung ihres -Kummers zu erwarten. - -Mitten in dem Schmerze, den ihm der Verlust seines Sohnes Wilhelm -verursachte, vergaß der Oberst dennoch nicht den Verlust seines treuen -Werner. So viel zusammen verlebte Jahre und mit einander bestandene -Gefahren, gegenseitig erwiesene Dienstleistungen mußten ein höchst -trauriges Andenken im Herzen Alfreds zurücklassen. Er bat den -herbeigekommenen Wundarzt, nichts zu vernachlässigen, wodurch der brave -Unteroffizier wieder in's Leben zurückgerufen werden könnte; aber es war -durchaus keine Hoffnung vorhanden, denn das mörderische Eisen war mitten -durch das Herz gegangen. Bei der jungen Dame fand man zwei Wunden, eine -im Herzen, durch einen Dolchstoß verursacht, und eine andere in der -Brust, wo eine Pistolenkugel hinein und aus dem Rücken wieder -herausgefahren war; auch sie konnte nicht wieder leben, und es blieb -nichts übrig, als sie und den unglücklichen Werner zu beerdigen. - -Lobenthal, in der höchsten Betrübniß, verlangte nicht danach, die -Leichname zu sehen. Er kehrte in das Zimmer seiner Gattin zurück, und -wünschte bloß, daß Wilhelms Leichnam, der keines gewaltsamen Todes -gestorben zu sein schien, bis zum folgenden Tage erhalten würde. Die -beiden andern sollten Nachmittags um 4 Uhr begraben werden, weßhalb -Werner in seinem Zimmer, Lodoiska aber in einem Saale des untern -Geschosses auf eine Bahre gelegt wurde. - -Schon war der Prediger des Dorfes in seinem Ornate, und die Glocken der -Kirche stimmten das Grabgeläute an, als plötzlich finstere -Gewitterwolken den Himmel überzogen. Ein Donnerschlag folgte auf den -andern, in Strömen floß der Regen herab, und fürchterlich kämpften zwei -Sturmwinde in entgegengesetzter Richtung mit einander; ganze Säulen von -Blättern, Korngarben, Staub und selbst von schwereren Gegenständen -wurden durch die Luft mit fortgeführt; ja es schien, als wenn der -Untergang der Welt ganz nahe bevorstände. - -Mitten unter dem Heulen und Brüllen der Elemente glaubten mehrere -Einwohner des Dorfes fürchterlich rauhe Stimmen zu vernehmen, und es -schien ihnen, als wenn die ganze Atmosphäre mit bösen Geistern erfüllt -wäre. Erst spät in der Nacht stillte sich der Aufruhr, in welchem sich -die ganze Natur befand. Bis dahin war es unmöglich gewesen, an die -Bestattung der beiden Leichen zu denken; man mußte dieses Geschäft also -bis auf den folgenden Tag verschieben, und dieß war für die Bewohner des -Schlosses kein geringer Gegenstand der Angst. Nur die Oberstin -bekümmerte sich nicht darum; sie dachte nichts, als ihren Sohn, den sie -nun nicht mehr sehen sollte, und sie schien nur deßhalb noch zu leben, -weil sie hoffte, bald mit dem armen Wilhelm wieder vereinigt zu werden. -Alfred war gezwungen, seinen eigenen Kummer zu vergessen, um zu -versuchen, ob er den ihrigen nicht lindern könne; aber vergebens: sie -hörte ihn, und verstand ihn nicht, vor ihrer Seele stand nur ihr Sohn, -der ihr auf ewig entrissen war. - -Schon seit langer Zeit deckte tiefe, finstere Nacht den Erdball. Mehrere -Bauern aus dem Dorfe, welche bei den Todten wachen sollten, hatten sich -in der Küche des Schlosses versammelt, wo sie bei gutem Essen und -Trinken lustig und guter Dinge waren; Branntwein und Bier ging in -Flaschen und Krügen der Reihe nach herum, und man trank fleißig auf das -Wohl der ehrenwerthen Gesellschaft. Die fröhliche Unterhaltung stockte -niemals; jedoch kam man mehrmals auf die Ereignisse der vergangenen -Nacht zurück. - -»Da sieht man, sagte Lisette, wie leicht es um uns Menschen geschehen -ist! Wie gesund war der arme Werner noch gestern, und heute liegt er -todt im Sarge.« - --- Und von seiner Seele sprichst du nicht? sagte ein altes Weib, dessen -verdächtiger Blick die Knaben und Mädchen des Dorfes in Schrecken -setzte, wenn er auf ihnen ruhte; denkst du denn, daß seine Seele jetzt -in Ruhe ist? Ist er nicht ohne Abendmahl gestorben, und wird uns sein -Geist in Ruhe lassen? -- - -»Daß doch die _Mutter Rieben_, sagte ein Bauerknecht, keine Gelegenheit -vorbeigehen lassen kann, unsere Fröhlichkeit zu stören, und uns in Angst -zu setzen. Warum sollte der brave Werner, der uns im Leben nichts als -Gutes gethan hat, uns jetzt, nach seinem Tode, quälen?« - --- Hat er seine Sünden bereut? -- - -»Wißt ihr es? Hat er euch das Gegentheil anvertraut? Uebrigens hat er -alle seine Pflichten erfüllt, und er war jeden Sonntag in der Kirche.« - --- Aber die junge Dame, Niklas, wie mag es mit der gewesen sein? Haben -wir sie je in der Kirche gesehen? Diese ist gewiß mitten in ihren Sünden -gestorben, gerade als sie vielleicht noch auf ein langes Leben hoffte. --- - -»Wir wollen auf ihre Gesundheit trinken! sagte ein Müllerbursche, dessen -riesenmäßige Größe und außerordentliche Stärke allgemein bewundert -wurden. -- Möge es ihr im Grabe gefallen, damit sie nicht wieder daraus -hervorkomme.« - -Bei diesen Worten hörte Jedermann einen halb erstickten Seufzer. -Ueberrascht stand fast die ganze Gesellschaft auf, und auf den meisten -Gesichtern sahe man alle Zeichen des Schreckens. Auch der Müllerbursche -war eben nicht der Muthigste. Jetzt schlug es zwölf Uhr, und schweigend -hörte man dem Schall der Glocke zu. - -»Wer mag so geseufzt haben?« fragte endlich einer aus der Gesellschaft. - --- Vielleicht die junge Dame, erwiederte die Alte; sie hat dem Mehlwurm -dort ihren Dank für seinen Wunsch abstatten wollen. -- - -»Laßt Eure dummen Scherze, Mutter Rieben, sagte der Müllerbursche. Wir -wollen uns weiter um das, was geschehen ist, nicht bekümmern.« - -Ein zweiter lauterer Seufzer schallte jetzt in die Ohren der ganzen -Gesellschaft, die verwirrt und mit Ausrufungen des Schreckens -durcheinanderstürzte. - -»Heiliger Gott! sagte Lisette, das kommt aus dem Zimmer, wo die junge -Dame liegt. Wer hat nun Muth genug, sich davon zu überzeugen?« - -Keiner der Anwesenden gab eine Antwort, als sich die Stimme zum dritten -Male hören ließ, und zwar so deutlich, daß gar kein Zweifel daran mehr -Statt finden konnte. Jetzt jagte die Furcht die ganze Gesellschaft -auseinander, und Mehrere eilten zum Schlosse hinaus, während Andere den -Wundarzt weckten, der die Oberstin nicht eher hatte verlassen wollen, -bevor sie nicht ruhiger geworden wäre. Als dieser hörte, wovon die Rede -sei, schob er anfangs die Schuld des allgemeinen Schreckens auf ihre -furchtsame Einbildungskraft; bei den wiederholten Versicherungen, daß -man sich nicht getäuscht habe, zögerte er jedoch nicht, in das Zimmer -hinunterzugehen, aus welchem die Stimme hergekommen sein sollte. Der -Oberst, welcher noch nicht schlief und den ungewöhnlichen Lärmen im -Schlosse hörte, kam ebenfalls herbei; er begegnete auf der Treppe dem -Arzt, der ihm unterweges die Ursache des allgemeinen Schreckens -mittheilte. -- - -Beide zweifelten nicht, daß das Pfeifen und Sausen des Windes von den -abergläubischen Dorfleuten für die angeblichen Todtenseufzer gehalten -worden wäre; sie setzten jedoch ihren Weg fort, und von der Menge -gefolgt, gelangten sie in das von mehreren Lampen erleuchtete Zimmer, wo -der Leichnam der Fremden niedergesetzt worden war. - -Indem sie durch die Thür traten, wurde abermals ein Seufzer hörbar, und -man konnte nun nicht mehr zweifeln, daß er von dem Sarge herkäme. Ein -Theil des Gefolges nahm die Flucht, und nur die Muthigsten blieben -zurück, als sie den Obersten und den Arzt zu gleicher Zeit ausrufen -hörten: »Sie lebt noch, die Unglückliche! Ach, retten wir sie aus ihrer -schrecklichen Lage!« - -Sie eilten nun auf den Sarg zu, in welchem Lodoiska ruhte, hoben -Letztere sanft in die Höhe, und trugen sie in das Zimmer, welches sie -früher bewohnt hatte. Als der Arzt seine Hand auf ihr Herz legte, fühlte -er, daß es wieder angefangen hatte, obgleich noch sehr schwach, zu -schlagen, und voll Erstaunen über dieses außerordentliche Wunder, nahm -er sich vor, Alles anzuwenden, um diese von den Todten Auferstandene -wieder völlig herzustellen. Er bat den Obersten, den Theil des -Leichentuches, womit der Kopf der jungen Schönheit verhüllt war, -zurückzuschieben. Lobenthal that es, und betrachtete neugierig die Züge -der Fremden; aber wie erstaunte er, als dieses reizende Gesicht ihn -überzeugte, daß er die unglückliche, leidenschaftlich liebende Lodoiska -in seinen Armen hielt. Ein lauter Schrei entfuhr seinen Lippen. Einem -ruhigen Zuschauer würde dadurch ohne Zweifel die Wahrheit offenbar -geworden sein; aber der Arzt, ganz in seine Gedanken über diese -außerordentliche Wiederbelebung vertieft, merkte kaum darauf, und von -nun an suchte der Oberst seine inneren Gefühle sorgfältig zu -unterdrücken. - -Der Arzt forderte nun die bis hierher gefolgten Landleute auf, das -Zimmer zu verlassen, und wollte mit dem weiblichen Personale, das -allmählich wieder muthiger geworden war, allein bei der jungen Dame -bleiben. Auch der Oberst entfernte sich, forderte aber vorher den Arzt -auf, seine ganze Kunst zur Genesung der Unglücklichen anzuwenden. - -»Fürchten Sie nichts, Herr Oberst, erwiederte der Arzt; mir ist selbst -daran gelegen, diese wunderbare Kur zum gewünschten Ziele zu führen. -Vielleicht kann die Kunst etwas dabei thun; aber glauben Sie mir, das -Meiste dabei wird die Natur thun müssen; nur sie allein kann eine so -wunderbare Wiederbelebung bewirken. Ich würde einen Eid darauf abgelegt -haben, daß die Pistolenkugel diese junge Dame augenblicklich getödtet -hat, und sollte sie wirklich völlig wieder zum Leben zurückkehren, so -muß unsere Kunst verzweifeln, je eine gründliche Ursache dieser -Auferstehung angeben zu können.« - -Langsamen Schritts entfernte sich nun der Oberst, ohne selbst zu wissen, -womit seine Gedanken beschäftigt waren. Er kehrte zu seiner Frau zurück, -die in einen mehr ermattenden als erquickenden Schlummer gefallen war. -Wie schmerzlich sollte ihr Erwachen sein! Welche neue Trauer mußte die -Nachricht von der Wiederbelebung der Fremden in ihrem Herzen -verursachen, da für ihren geliebten Wilhelm nicht ein ähnliches -Wunderwerk geschehen war. - - - - - Vierzehntes Kapitel. - - -Unter allen Begebenheiten, welche je das Leben des Obersten Lobenthal -beunruhigt haben mochten, war ohne Zweifel die Erscheinung der jungen -Lodoiska in Deutschland diejenige, welche ihn am meisten überraschen -mußte. Ihr energischer Charakter, den er so schlecht beurtheilt hatte, -ihre leidenschaftliche Liebe, wovon sie ihm durch ihre Gegenwart den -auffallendsten Beweis gab, mußten in seinem Herzen Gefühle erregen, von -denen er sich selbst noch nicht Rechenschaft zu geben wagte. Nicht -allein, um ihm seine Treulosigkeit vorzuwerfen, konnte sie einen so -weiten Weg aus ihrem Vaterlande her zurückgelegt haben; ohne Zweifel -mußte sie mehr haben wollen, und er zitterte, wenn er an die -bevorstehenden Auftritte dachte. Von der andern Seite, durch einen -seltsamen, aber so gewöhnlichen Widerspruch in dem menschlichen Herzen, -fürchtete er, dem es sehr lieb gewesen sein würde, dieses Mädchen nie -wieder zu sehen, daß er sie jetzt auf immer verlieren könnte, und er -hätte einen großen Theil seines Vermögens hingegeben, wenn er dadurch -die Gewißheit ihrer Wiederherstellung erhalten konnte. Er wünschte, -wenigstens nur ein einziges Mal mit ihr zu sprechen, sagte er zu sich -selbst; er wollte aus ihrem eigenen Munde hören, wie sie es angefangen -habe, um bis nach R.... zu gelangen. So verbarg der Oberst vor sich -selbst das Wiedererwachen einer höchst gefährlichen Empfindung unter dem -Namen einer bloßen Neugierde; aber während er sich mit allen diesen -Dingen beschäftigte, nahm er sich vor, sie tief in seinen Busen zu -begraben, und nie den geringsten Anlaß zu geben, wodurch Helene zur -Eifersucht verleitet werden könnte. Er beschloß, sich gegen Lodoiska wie -gegen eine ihm völlig Unbekannte zu benehmen, wenn sie selbst ihn nicht -durch eine Unvorsichtigkeit zur Entdeckung seines Geheimnisses zwingen -würde. - -Durch die Sorgfalt eines dienstfertigen Nachbars und des gefühlvollen -Pfarrers war die Veranstaltung getroffen worden, daß am andern Morgen -schon ganz frühe, ohne alles Geräusch, die Leichname des jungen Wilhelm -und Werners aus dem Schlosse entfernt und zur Erde bestattet wurden. Als -daher Helene ihren Sohn noch einmal sehen wollte, gerieth sie in neue -Verzweiflung, daß ihr nun von ihrem Wilhelm nichts mehr übrig geblieben -sei, als eine herzzerreißende Erinnerung. Beschäftigt, diesen heftigen -Schmerz seiner Gattin, den er selbst theilte, durch Trostgründe zu -mildern, vergaß der Oberst fast, wie nahe ihm jetzt Lodoiska sei, und -erst gegen Mittag, als _Wildenau_, der Arzt, zu ihm kam, dachte er -daran, sich nach ihrem Zustande zu erkundigen. - -»Ich habe Ihnen schon gesagt, antwortete Wildenau, daß bei dieser jungen -Person etwas Unerklärliches obwaltet, was ich vergebens zu ergründen -suche. Noch nie war die Rückkehr in's Leben so unverhofft, als bei ihr; -doch kann ich noch nicht versichern, ob sie am Leben bleiben wird, oder -nicht. Ihre Wunde war ohne Zweifel tödtlich, und schon vorher mußte eine -andere, die bis in's Herz gegangen zu sein scheint, ihrem Dasein ein -Ende gemacht haben.« - --- Eine andere Wunde, sagen Sie? Lieber Doktor, Sie setzen mich in -Erstaunen, denn mich dünkt, als hörte ich gestern bei meiner Ankunft nur -von einer einzigen, durch einen Pistolenschuß verursachten Wunde -sprechen. -- - -»Ganz richtig, weil nur diese Wunde frisch war, und die andere schon vor -langer Zeit durch ein schneidendes Werkzeug gemacht worden ist. Weit -entfernt, völlig vernarbt zu sein, blutet sie vielmehr noch, und hat -eine ganz eigenthümliche Beschaffenheit, die meine bisherigen Kenntnisse -völlig zu Schanden macht. Bei jedem andern Menschen müßte sie -unmittelbar den Tod nach sich ziehen, und dennoch scheint es, daß diese -Dame schon lange Zeit damit gelebt hat, ohne davon gehindert worden zu -sein. Wahrlich! sie hat sich über die wunderbare Lebenskraft, die ihr -von der Natur zugetheilt ist, nicht zu beklagen. Außerdem habe ich noch -eine andere Sonderbarkeit bei ihr gefunden: ihre linke Hand ist nämlich -mit einem Handschuh bedeckt, der aus einer sehr dicken Haut besteht. Ich -wollte ihn aufschneiden, um der Kranken völlige Freiheit der Bewegung zu -verschaffen; aber als ich ihren Arm berührte, gerieth er in ein -beispielloses krampfhaftes Zittern, und die anfangs offene Hand schloß -sich mit solcher Kraft, daß ich nicht im Stande war, mein Vorhaben -auszuführen.« - --- Wunderbar! Erstaunenswürdig! Aber lassen Sie nicht ab, lieber Doktor, -ich bitte Sie: die Menschlichkeit befiehlt uns, dieser Unglücklichen uns -nach Kräften anzunehmen. Uebrigens kann sie allein uns die Begebenheiten -der gestrigen Schreckensnacht erklären, und vielleicht ertheilt sie uns -Aufschlüsse, die uns in den Stand setzen, jene Bösewichter zu entdecken, -deren Versuch ohne Nutzen für sie, für uns so unglücklich ausgefallen -ist. -- - -»Ihre Ermahnungen sind ganz überflüssig, Herr Oberst. Meiner Pflicht -nicht zu erwähnen, deren Erfüllung mir mein Stand vorschreibt, so kann -ich Ihnen nicht verbergen, daß diese junge Dame mir die lebhafteste -Theilnahme eingeflößt hat. Die seltene Vollkommenheit in allen Theilen -ihres Körpers, die Schönheit ihres Gesichts haben, ich gestehe es Ihnen -erröthend, auf meine Sinne einen außerordentlichen Eindruck gemacht. -Wenn ich sie dem Leben wiedergeben könnte, wünschte ich mehr von ihr zu -erlangen, als bloße Dankbarkeit ..... Aber warum erstaunen Sie so über -dieses Geständniß? Sollte es Ihnen verdammungswürdig erscheinen?« - --- Wem? Mir? Ei, lieber Doktor, mit welchem Rechte könnte ich es tadeln? -Es scheint mir nur, daß Alles, was jetzt hier um uns vorgeht, -außerordentlich ist. Sie, zum Beispiel, lieben heute eine Person, die -Sie gestern noch nicht kannten, und zwar hat sie Ihr Herz in dem -Augenblick erobert, wo sie noch mehr dem Tode als dem Leben angehört. -Wie wird es erst werden, wenn sie mit ihren körperlichen Vorzügen noch -die weit hinreißenderen des Geistes verbindet, die ihr ohne Zweifel -nicht mangeln! -- - -»Verzeihen Sie, Herr Oberst, wenn ich Ihnen gerade heraus sage, daß Sie -ziemlich leicht über einen solchen Punkt sprechen. Ich kannte diese -Lustigkeit an Ihnen noch nicht.« - --- Ach, nehmen Sie es nicht übel, lieber Herr Doktor; in meiner jetzigen -Stimmung weiß ich kaum, was ich thue; so sehr hat mich der Schmerz -übermannt, daß meine Worte der Zerrüttung meines Verstandes entsprechen. -In meiner Lage, deren ganze Qual Sie nicht zu würdigen im Stande sind, -mag es wohl erlaubt sein, gegen die Regeln der Höflichkeit zu fehlen, -wie es wohl sonst bei mir nicht der Fall ist. -- - -Diese Antwort gab dem Arzt die Ueberzeugung, daß der Oberst in der That -durch den Schmerz etwas an dem freien Gebrauch seiner Verstandeskräfte -verloren habe, und er fiel deßhalb nicht auf den Verdacht, daß eine -geheime Ursache, ein Anfall von Eifersucht, großen Theil an des Obersten -Worten gehabt habe. Der Letztere, voller Scham, einen Augenblick lang -seinen Entschluß vergessen, und dem Arzt beinahe ein Recht gegeben zu -haben, in seinem Herzen zu lesen, zog es vor, ihn in der Meinung zu -lassen, daß das Uebermaß des Schmerzes ihm Abbruch in dem folgerechten -Gange seiner Gedanken thue; und erst, als er in den Augen des Doktors -las, daß derselbe wirklich dieser Meinung sei, war er vollkommen -beruhigt. Er suchte darauf dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, -und bat den Arzt, eine Wohnung im Schlosse anzunehmen, so lange der -Zustand der verwundeten Dame sowohl als seiner Gattin seine Gegenwart -nöthig machen würde. - -»Ja, erwiederte Wildenau, ich will dieses Schloß vor der Hand zu meinem -Hauptquartiere machen, und es nur dann auf kurze Zeit verlassen, wenn -meine Gegenwart an andern Orten nicht entbehrt werden kann. Sein Sie -daher in dieser Hinsicht ganz ruhig.« - -Lobenthal fragte nun, ob er nicht Zutritt zu der Fremden erhalten könne, -um ihr dem Anstande gemäß einen Besuch abzustatten. - -»Es hängt ganz von Ihnen ab, Herr Oberst, es zu thun; aber noch lange -Zeit hindurch werden Sie Ihre Komplimente an einen fast leblosen Körper -richten. Die junge Dame wird wenigstens noch vierzehn Tage lang in -völliger Bewußtlosigkeit verharren, wovon ihr starker Blutverlust die -Ursache ist; und wir können uns glücklich schätzen, wenn sie in Zeit von -vier Wochen unsere Fragen beantworten kann.« - --- So müssen wir uns bis dahin gedulden, sagte der Oberst in einem Tone, -dem er den Anschein der Gleichgültigkeit zu geben strebte. -- - -In diesem Augenblicke trat Lisette in's Zimmer, und meldete voller -Angst, daß Helene ohnmächtig geworden sei. Beide Herren eilten nun, -wohin ihre Pflichten und Gefühle sie riefen. Die Oberstin blieb noch -mehrere Tage lang in diesem Zustande der Schwäche, die aus dem Uebermaße -ihres Schmerzes entstand, und nichts konnte sie zerstreuen; nur ein -einziger Gedanke beschäftigte ihre Einbildungskraft. - -Lodoiska schien unterdessen bestimmt zu sein, alle Behauptungen und -Voraussetzungen des Arztes zu widerlegen; ihre Gesundheit war in weit -kürzerer Zeit wieder hergestellt, als es nach seiner Meinung möglich -war, und er genoß nicht einmal das Glück, die schöne Fremde zuerst -sprechen zu hören. Einige Tage nach jener Schreckensnacht trat Alfred, -der schon öfter in das Zimmer der Kranken gekommen war, um sich nach -ihrem Befinden zu erkundigen, abermals hinein, und hörte von der -Wächterin, daß man vergessen habe, ihr das Frühstück zu bringen; er -erlaubte ihr daher, es selbst zu holen, während er bei der Kranken zu -bleiben und ihre Rückkehr abzuwarten versprach. Die Wächterin, voll -Dankbarkeit über diese Gefälligkeit, und vielleicht in der Furcht, daß -es nicht des Obersten Ernst sein möchte, nahm ihn beim Worte, und -entfernte sich augenblicklich. - -In den ersten Minuten blieb Alfred fast unbeweglich vor dem Bett, in -welchem Lodoiska, der Gegenstand seiner ersten Liebe, ruhte; beim -Anblick dieser fest geschlossenen Augen, dieser magern und -leichenblassen Gesichtszüge, verfiel er in ein höchst schmerzliches, -träumerisches Nachdenken. Die Kranke lag völlig unbeweglich, und kaum -merkte man an ihrem schwachen Athemzuge, daß noch Leben in ihr sei. - -»Armes Mädchen! sagte Alfred halb laut; so sollte ich dich also -wiedersehen, nachdem dich deine unglückliche Liebe bis hierher geführt -hat?« - -Ein Seufzer, der von Lodoiska's Lippen erschallte, machte den Obersten -aufmerksam, und er näherte sich dem Bette noch mehr. Bald sahe er, wie -sich die Augenlieder der Kranken fast unmerklich bewegten; endlich -schlug sie die Augen auf, und blickte ihn an, worauf eine plötzliche -Röthe ihr Gesicht überzog, und ihr Mund den Namen Alfred aussprach. - -»Lodoiska, hast du mich erkannt? fragte der Oberst, der Heftigkeit -seiner Gefühle fast unterliegend. Ach, wie sehr mußt du mich -verabscheuen!« - --- Alfred! liebst du mich? -- - -Bei dieser unerwarteten Frage, die nicht leicht zu beantworten war, -fühlte sich der Oberst fast wie versteinert. Seine Zunge war im Begriff -ein zufriedenstellendes Wort auszusprechen; aber seine Vernunft hielt -dasselbe zurück; er konnte nur sein Gesicht mit beiden Händen bedecken, -und schweigen. - -»Alfred, grausamer Geliebter meines Herzens! willst du mir den Tod -geben, dem ich jetzt entrinne?« - -O, wie schrecklich war es für Alfred, die Unglückliche nicht beruhigen -zu dürfen! Sie schien nur in's Leben zurückzukehren, um vom ersten -Augenblicke an allen den Kummer von Neuem mit verdoppelter Heftigkeit zu -fühlen, der schon seit so langer Zeit an ihrem Herzen nagte. Aber konnte -der Oberst einer unglücklichen Leidenschaft noch neue Nahrung geben? War -er nicht Helenens Gatte? Konnte er sie so hintergehen? Die -verschiedensten Gefühle und Gedanken kämpften in seinem Innern mit -einander, und er war noch unentschlossen, als ein abermaliger Seufzer -Lodoiska's seine Aufmerksamkeit auf sich zog, und er mit Schrecken -erkannte, daß sie in tiefe Ohnmacht zurückgesunken sei. - -Da der Oberst fürchtete, der armen Kranken den letzten Stoß gegeben zu -haben, so stürzte er aus dem Zimmer, und rief mit lauter Stimme den Arzt -und die Bedienung herbei. Er erzählte ihnen, daß die Fremde anfangs zu -sich selbst gekommen sei, und einige Worte gesprochen habe, worauf sie -wieder in eine höchst gefährliche Ohnmacht zurückgefallen sei. - -»Sie hat gesprochen, sagen Sie? rief der Arzt. Sind Sie auch Ihrer Sache -ganz gewiß? denn es scheint mir ganz unmöglich. Wenn es aber dennoch -wahr ist, so weiß ich nicht mehr, was ich von diesem unerklärbaren Wesen -denken soll!« - -Der Oberst versicherte, daß die Kranke gesprochen habe, und daß ihre -Worte: Wo bin ich? wer ist bei mir? ganz vernehmlich gewesen seien. -Freilich hatte sie so nicht gesagt, aber Alfred hütete sich wohl, die -Wahrheit zu entdecken. Wildenau fand, daß Lodoiska ein heftiges Fieber -hatte, und verhehlte nicht, daß sie sich in großer Gefahr befände, weil -sie eine große Erschütterung in ihrem Innern erlitten haben müsse. Bei -dieser Erklärung war der Oberst wie vom Blitze getroffen, und aus -Furcht, sich zu verrathen, entfernte er sich. Ueber eine Stunde lang -ging er in dem großen Saale auf und nieder, ohne zu wagen, sich zu -seiner Gattin zurück zu begeben, noch in Lodoiska's Zimmer -zurückzukehren, wo dieselbe vielleicht im Begriff war, ihren letzten -Seufzer auszuhauchen. O, welche Vorwürfe machte er sich jetzt über -seinen vormaligen jugendlichen Leichtsinn, über seinen unverzeihlichen -Fehler, in dem unschuldigen und gefühlvollen Herzen Lodoiska's eine -Flamme entzündet zu haben, deren Folgen so schrecklich waren! Er sahe -jetzt ein, daß die Liebe, welche gewöhnlich so vergänglich ist, bei -gewissen Charakteren ewig währen kann; denn Lodoiska's Beständigkeit gab -ihm den Beweis, weil Nichts ihre Zärtlichkeit zu vermindern im Stande -gewesen war. Die Entfernung und lange Trennung, selbst die schlechte -Behandlung waren an ihrem Herzen vorübergegangen, ohne es zu erkälten, -und er selbst empfand jetzt das ganze Entzücken der Liebe, das ihn -ehemals trunken machte. Welche Qualen, welche Kämpfe hatte der Oberst -nun zu überstehen! Er sahe seine Zukunft wie hinter einer finstern -Wolke, und voller Schrecken ergab er sich seinem Schicksale. Quälte ihn -nicht auch die Art von Nebenbuhlerschaft, die zwischen ihm und dem Arzte -entstehen zu wollen schien? Der Letztere, der noch jung und von sehr -liebenswürdigem Aeußeren war, hatte alle Ansprüche, eine zärtliche -Neigung einzuflößen. Ohne Zweifel würde er jetzt anfangen, Lodoiska mit -seiner Leidenschaft zu verfolgen, ja vielleicht den Obersten selbst zur -Mittelsperson machen wollen, wozu sich Alfred völlig unfähig fühlte! -- - -Wie wir schon gesagt haben, Lodoiska ging, wider alle -Wahrscheinlichkeit, ihrer Genesung mit raschen Schritten entgegen. Kaum -waren vierzehn Tage verflossen, so konnte sie schon aufrecht in ihrem -Bette sitzen, und die an sie gerichteten Fragen beantworten. Helene -entschloß sich nur schwer, ihr einen Besuch abzustatten, weil ihr -Anblick ihr Wilhelms Tod so lebhaft in's Gedächtniß zurückrief, daß sie -beim ersten Besuche ohnmächtig wurde. Jedoch mangelte es der kranken -Lodoiska nicht an Gesellschaft, weil der Arzt, so viel es seine -Geschäfte zuließen, sich bei ihr aufhielt. Auch der Oberst, durch ein -unwiderstehliches Gefühl dazu fortgerissen, wiederholte seinen Besuch -täglich, obgleich er täglich schwur, seine Besuche seltener zu machen. -Indessen suchte er es so einzurichten, daß er nie mit Lodoiska allein -war, weil er eine zweite Erklärung von ihrer Seite fürchtete. - -Vergebens suchte Lodoiska öfters, die lästigen Zeugen zu entfernen, wenn -sich der Oberst bei ihr befand; aber Alfred war so sehr auf seiner Hut, -daß er sich stets entfernte, wenn der Zufall es hätte herbeiführen -können, sich mit dem Opfer einer unglücklichen Liebe allein zu befinden. -In solchen Augenblicken sah man denn in den sonst gleichgültigen -Gesichtszügen Lodoiska's den heftigsten Verdruß vorherrschen, der sich -oft gegen ihre Wärterin, selbst gegen den Arzt, äußerte. Der Letztere, -der sich immer mehr gefesselt fühlte, ertrug mit seltener Geduld eine -Leidenschaftlichkeit, von welcher er die wahre Ursache durchaus nicht -ahnete, sondern die er nur ihrem körperlichen Uebelbefinden zuschrieb. - -Bald darauf erklärte Lodoiska, daß sie aufstehen wolle, wobei der Arzt -fast in Verzweiflung gerieth. Er versicherte, daß sie noch zu schwach -sei, um ihren Wunsch befriedigen zu können, und daß sie sich wenigstens -noch vier Wochen gedulden müsse, weil er sonst nicht dafür stehen könne, -daß sie in die größte Gefahr geriethe, wenn sie ihr Bett verlassen -wollte. Lodoiska antwortete nicht, wie sie es stets gewohnt war, wenn -man ihr einen Vorschlag machte, der ihr nicht gefiel. Aber sobald -Wildenau sich entfernt hatte, bat sie ihre Wächterin, ihr eine Frucht -herbeizuholen, nach deren Genuß sie großes Verlangen fühle, und kaum war -sie allein, so eilte sie, sich anzukleiden. - -Das Erstaunen der Wächterin, als sie in's Zimmer zurückkehrte, war -unbeschreiblich; sie eiferte gegen die Dreistigkeit, mit welcher -Lodoiska alle Vorschriften des Arztes bei Seite setzte, und drohte ihr -mit dem höchsten Zorn des Letzteren, wenn derselbe sie bei seiner -Rückkehr nicht im Bette finden würde. Aber diese Drohung machte nicht -den geringsten Eindruck, und nachdem Lodoiska einige Zeit lang im Zimmer -auf und nieder gegangen war, ließ sie die Oberstin fragen, ob dieselbe -ihren Besuch annehmen könne. - - - - - Funfzehntes Kapitel. - - -Die Oberstin, und noch mehr ihr Gemahl, war weit entfernt von dem -Gedanken, die Fremde vor sich erscheinen zu sehen. Beide fürchteten, daß -sie ihrer Gesundheit Schaden zufügen könnte, und anstatt sie bei sich zu -erwarten, begaben sie sich zu ihr. - -»Mein Gott! sagte Helene eintretend, was beginnen Sie? So wenig -beobachten Sie die Vorschriften unseres Arztes? Er hatte Ihnen doch -empfohlen, sich noch länger im Bette zu halten, und nun sind Sie ohne -seine Erlaubniß aufgestanden!« - --- Ich hege die größte Meinung von den Kenntnissen des Herrn Wildenau, -antwortete Lodoiska; aber ich glaube, daß die Arzneiwissenschaft gewisse -Grenzen hat, über die sie nicht hinausgehen kann. Unser Freund -beurtheilt meinen Zustand nach den ihm sonst vorgekommenen ähnlichen -Fällen; aber bei mir muß er sich in allen seinen Voraussetzungen -getäuscht sehen, weil ich eines außerordentlichen Daseins genieße: ich -kann nicht völlig sterben, und Sie haben schon den Beweis davon. Da ich -mich nun stark genug fühle, warum sollte ich mich noch nach Vorschriften -richten, die meine Genesung nur verzögern würden? -- - -Seitdem Helene die Fremde bei sich aufgenommen, hatte sie schon die -Erfahrung gemacht, daß es vergeblich sei, sich ihrem Willen zu -widersetzen. Sie begnügte sich daher, ihr zu antworten, daß sie besser -als jeder Andere wissen müsse, was sie zu thun habe, und daß sie dabei -ohne Zweifel die Vorsicht nicht aus den Augen setzen würde. Der Oberst -schwieg völlig. Erst heute sahe er eigentlich Lodoiska'n zum ersten Male -wieder, und betrachtete mit stiller Rührung die Zerstörungen, welche -Zeit, Unglücksfälle und Leiden in diesem schönen Körper angerichtet -hatten. Sie besaß nicht mehr die lebhafte Gesichtsfarbe, welche sonst -ihre Reize so sehr erhöheten, und ihre Augen schienen fast erstorben zu -sein; aber dennoch mußte sie Aller Blicke auf sich ziehen, und den -Männern Liebe einflößen. Ihr prächtiger Wuchs, ihre regelmäßigen Züge, -ihr einnehmendes Wesen waren ihr noch geblieben. - -Lodoiska behandelte den Obersten mit jener kalten Höflichkeit, die man -gewöhnlich gegen Unbekannte ausübt, und sie wußte die Gefühle ihres -Innern auf das Strengste zu verbergen. Wenn sie aber gewiß war, von -keinem Zeugen belauscht zu werden, so belebte sich ihr Blick und machte -dem Obersten die bittersten Vorwürfe, oder schien öfters zu sagen: Kehre -zu mir zurück, und Alles ist verziehen. Alfred verstand diese Blicke nur -allzugut, doch glaubte er, ihnen trotzen zu können; er vergaß, daß man, -um Gefahren dieser Art zu überwinden, sie fliehen, nicht aber ihnen die -Spitze bieten muß. Zwei Herzen, die sich einst liebten, und die nach -langer Trennung sich einander wieder finden, vereinigen sich fast immer. - -Während sich unter diesen drei Personen eine Unterhaltung entspann, kam -der Arzt von seinen Geschäften, die er in der Umgegend gehabt hatte, -zurück. Schon bei seinem Eintritte in's Schloß erfuhr er, wie wenig die -Fremde seine Vorschriften befolgt habe; er nahm sich daher vor, ihr -deßhalb Vorwürfe zu machen; allein sein ganzer Zorn verschwand, als er -in's Zimmer trat, und sie in einem Zustande sahe, der ihre völlige -Wiederherstellung bewies. - -»Ich sehe, redete er sie an, daß sie meiner Hülfe nicht mehr bedürfen, -und Sie haben daher vollkommen Recht, sich meiner Autorität zu -entziehen; ich wünsche nur, daß sie es nie bereuen möchten.« - --- Ihren seltenen Kenntnissen, antwortete Lodoiska, habe ich viel zu -verdanken; das Uebrige hat die Natur gethan. Glauben Sie mir, daß ich -mich jetzt vollkommen wohl befinde; aber je freier ich nun athme, desto -mehr ist auch mein Herz von Dankbarkeit gegen Sie erfüllt. Erlauben Sie -mir, Ihnen einen kleinen Beweis davon zu geben, was Sie mir hoffentlich -nicht abschlagen werden. -- - -Mit diesen Worten nahm Lodoiska einen prächtigen Brillantring von sehr -bedeutendem Werthe, von dem Tische, und überreichte ihn dem Arzte, der -vor Ueberraschung nicht wußte, was er thun sollte. Gern hätte er ein -Geschenk von sich gewiesen, das er für zu kostbar für seine Bemühungen -hielt; wie gern hätte er es gesehen, wenn ihm die junge Schönheit ihre -Dankbarkeit auf eine andere Art bewiesen hätte. Aber Lodoiska trat mit -solcher Zuversichtlichkeit auf ihn zu, daß er das ihm dargebotene -Geschenk nicht ausschlagen konnte, und nach einigem schwachen -Widerstande nahm er den Ring seufzend an, steckte ihn an seinen Finger, -und gab dem Obersten durch einen Blick zu erkennen, daß er gewünscht -hätte, Lodoiska möchte ihm auf eine andere Art ihre Dankbarkeit zu -erkennen gegeben haben. - -Die Oberstin brannte vor Ungeduld, zu erfahren, was sich eigentlich in -jener Schreckensnacht zugetragen hatte, deren Andenken nur mit ihr -selbst in ihr untergehen konnte; aber sie fühlte auch zu gleicher Zeit, -daß sie noch nicht stark genug sei, diese Erzählung ruhig mit anzuhören. -Daher stand sie von ihrem Stuhle auf, wiederholte ihre Glückwünsche zur -Wiedergenesung der Fremden, und überließ es dem Obersten und dem Arzte, -die Enthüllung der Geheimnisse jener Nacht von Lodoiska'n entgegen zu -nehmen. - -Diese erbebte unwillkührlich, als man sie über diesen Gegenstand -befragte; man konnte es auf ihrem Gesichte lesen, wie ungern sie es -sehe, daß man sie daran erinnerte; daher schwieg sie auch einige -Augenblicke, sei es nun, um sich zu sammeln, oder um abzuwarten, ob man -die Frage erneuern würde. Allein der Oberst wiederholte dieselbe, und -Lodoiska erzählte nun Folgendes: - -»Die Frau Oberstin war von dem unausgesetzten Nachtwachen schon so sehr -erschöpft, daß sie mich bat, an ihrer Stelle bei dem unglücklichen Kinde -zu wachen, das sie verloren hat.« - -Bei diesen Worten stieß der Oberst einen tiefen Seufzer aus. Verwirrt -hielt Lodoiska inne, und ein krampfhafter Schmerz verzog ihre -Gesichtszüge. Sie zögerte fortzufahren, that dieß aber doch endlich -folgendermaßen. - -»Ich konnte es dieser großmüthigen Dame nicht abschlagen, und ungeachtet -meines Widerwillens, wovon ich mir damals noch keine Rechenschaft geben -konnte, der sich aber durch die Folge gerechtfertigt hat, willigte ich -ein, die Nacht bei dem armen Wilhelm zuzubringen. Gegen Mitternacht -überwältigte mich der Schlaf, der seit mehreren Jahren nur selten meine -Augen schließt, mit solcher Kraft, daß ich ihm vergebens zu widerstehen -suchte; ich legte meinen Kopf gegen den Rücken des Lehnstuhls, in -welchem ich saß, und in wenigen Augenblicken war ich eingeschlummert. -Was von diesem Zeitpunkte an geschehen ist, weiß ich nicht, bis ich -plötzlich durch ein starkes Geräusch geweckt wurde. Kaum schlug ich die -Augen auf, so erblickte ich beim Schein des Mondes vier bewaffnete -Männer, welche auf mich zukamen. Mein Schrecken war so groß, daß ich -nicht im Stande war, zu schreien, um Hülfe herbeizurufen. Der eine von -den Männern faßte mich beim Arme, ein anderer näherte sich dem Bette. In -diesem Augenblicke wurde die Thür mit Ungestüm aufgerissen, und Werner -erschien. Ich hörte zwei Pistolenschüsse fallen, fühlte mich von einer -Kugel getroffen, und stürzte zur Erde. Meine Besinnung verließ mich. -Ohne Zweifel waren die Räuber durch's Fenster eingestiegen; denn ich -hörte nachher von meiner Wächterin, daß man eine Strickleiter am Fenster -gefunden habe. Ich kann diesen Umstand nicht bestätigen, weil ich nichts -gesehen habe, als die Mörder und den Tod, den sie mir ohne Zweifel -bestimmten. Auch weiß ich keine bestimmte Ursache für den Tod Ihres -Kindes anzuführen. War dieß gerade der Augenblick seines Sterbens, oder -wäre es durch die Furcht schneller herbeigeführt worden? Ach, er kann es -Ihnen nicht sagen, und kein Sterblicher wird je von den Geheimnissen des -Todes unterrichtet werden.« -- - -So erzählte Lodoiska ihre Geschichte, und Niemand konnte die Wahrheit -derselben bezeugen oder ihr widersprechen. Sie allein hatte die -Begebenheit überlebt; diejenigen, welche die wahren Umstände derselben -hätten bekannt machen können, waren auf ewig von dieser Erde verbannt, -wo das Verbrechen und die Lüge nur allzuoft über Unschuld und Tugend den -Sieg davon tragen. Eine so unvollständige Erzählung konnte übrigens -nicht die geringste Aufklärung geben. Man hatte ungeachtet der -eifrigsten Nachforschungen nicht die geringste Spur von den Mördern -finden können, und dennoch waren sie da gewesen. Lobenthal und Wildenau -verloren sich in ihren Vermuthungen, während Lodoiska in ihrer -gewöhnlichen Gleichgültigkeit verharrte, und endlich den Wunsch äußerte, -auf einige Zeit allein zu sein, um, wie sie sagte, sich von der -Abspannung zu erholen, in welche ihre Erzählung ihre moralischen Kräfte -gesetzt habe. - -Dieser Wunsch war sowohl für den Obersten als für den Arzt ein Befehl. -Sie entfernten sich augenblicklich, und begaben sich zu Helenen, der sie -die eben angehörte Erzählung mittheilten, die aber davon wenig gerührt -wurde, weil sie keinen Aufschluß über den geheimnißvollen und -unerwarteten Tod ihres Sohns dadurch erhielt. Das Uebrige kümmerte sie -wenig, und sie sah darin nichts weiter, als einen gewöhnlichen Angriff -von Räubern, der für dieselben ohne Erfolg gewesen war, aber blutige -Spuren hinterlassen hatte. - -Lodoiska fing jetzt ihr früheres gewöhnliches Leben wieder an. Fast -immer in ihrem Zimmer eingeschlossen, zeigte sie sich nur zur Zeit der -Mahlzeit, und nur selten willigte sie darein, den Nachmittag mit der -Familie zuzubringen. Ihre Unterhaltung war dann ernsthaft und -schwermüthig; sie schien ihre Leidenschaft für den Obersten völlig -vergessen zu haben, sowohl als die Worte, die sie bei ihrem ersten -Wiedersehen ausgesprochen hatte. Dadurch ward Lobenthal so sicher -gemacht, daß er täglich weniger Vorsicht anwendete, einer Unterredung -unter vier Augen auszuweichen, die Lodoiska nicht mehr zu wünschen -schien. -- - -Man befand sich jetzt mitten im Winter. Bald machte der Regen alle Wege -ungangbar, bald verwandelte der eisige Hauch des Nordwindes die Erde in -Stein, und machte es unmöglich spazieren zu gehen. Bei solchem Wetter -befiel den Obersten seine alte Jagdlust wieder, und oft kehrte er mit -reicher Beute beladen nach Hause zurück. So war er auch eines Morgens in -den Wald gegangen, wo ihm sogleich anfangs ein Reh in den Schuß kam; -allein das arme Thier stürzte nicht sogleich todt zur Erde nieder, -sondern lief mit Anstrengung aller Kräfte pfeilschnell durch das dickste -Gebüsch, von dem bellenden Jagdhunde des Obersten verfolgt. Auch -Lobenthal folgte der blutigen Spur, bis er das Thier verendet fand, aber -sich dabei so weit vom Schlosse entfernt sahe, daß er kaum mehr hoffen -konnte, es zur Mittagszeit wieder zu erreichen. - -Nachdem er seine Beute in Stücke getheilt hatte, um sie desto besser -fortzubringen, machte er sich auf den Rückweg, der ihn so ermüdete, daß -er sich, nicht weit mehr vom Schlosse entfernt, auf einer in einen -Felsen gehauenen Bank, auf einige Augenblicke auszuruhen beschloß. -Tausend verschiedene Gedanken bestürmten seine Einbildungskraft, die ihn -bald in seine Jugendjahre zurückführte; er glaubte, noch in den Gebirgen -der Wallachei zu sein, wo er oft in Gesellschaft eines Mädchens, das ihm -damals ein Engel zu sein schien, die schneebedeckten Gipfel der Felsen -erkletterte. Plötzlich fiel ihm ein Gedicht ein, das er einst in jener -glücklichen Zeit für Lodoiska verfertigt hatte; es konnte nach einer in -ihrem Vaterlande sehr beliebten Weise gesungen werden, und nachdem er -die ersten Verse für sich hergesagt hatte, ging er unvermerklich in jene -Melodie über, bis er, ohne es selbst zu wissen, das Lied mit lauter -Stimme sang. - -Der Gesang war geendigt, und noch befand er sich in seinem träumerischen -Zustande, als er daraus plötzlich durch das Herabfallen einiger Steine -von der neben ihm befindlichen Höhe geweckt wurde. Er richtete den Kopf -nach oben, um die Ursache zu entdecken; aber wie erstaunte er, als er -Lodoiska, die ihn so eben noch so sehr beschäftigt hatte, von der Höhe -herabkommen sahe. Er konnte ihr nicht anders ausweichen, als wenn er -gerade querfeldein lief, was nach den Regeln des Anstandes durchaus -nicht thunlich war; aber er gerieth in die größte Unruhe über die -Unterredung, die nun ohne Zweifel Statt haben mußte. In seiner -Ueberraschung sprang er von seinem Sitze auf, während die junge -Schönheit, vielleicht von ähnlichen Gefühlen, wie die seinigen, -bestürmt, stehen blieb, und sich an die Felsenwand stützte, als wenn sie -fürchtete, ihr Bewußtsein zu verlieren. - -So standen beide einige Zeit lang einander gegenüber, ungewiß, was sie -thun sollten; endlich setzte aber Lodoiska ihren Weg fort, und befand -sich nach einigen Augenblicken dicht bei dem Obersten. - - - - - Sechszehntes Kapitel. - - -»Sollte ich Ihnen, redete sie ihn mit halb erstickter Stimme an, durch -meine Gegenwart lästig werden? Können Sie mich nicht anders mehr als mit -Furcht erblicken? Muß ich zu dem Zufall meine Zuflucht nehmen, um mit -Ihnen zusammen zu treffen?« - -Alfred fühlte die Nothwendigkeit, hierauf etwas zu erwidern; aber er -fürchtete auch, in seinen Worten nicht die richtige Mittelstraße -beobachten zu können, und das Unangenehme seiner Lage setzte ihn in die -größte Verlegenheit. - -»Ach! antwortete er, ist es gut für uns beide, daß wir uns -wiedergefunden haben? Hatte uns nicht das Schicksal auf immer von -einander getrennt? Konnte ich erwarten, Lodoiska, Sie hier in -Deutschland zu sehen, nachdem die Bande, die uns an einander knüpften, -längst aufgelöset sind?« - --- Und wer hat sie zerrissen, Alfred, diese Bande? Verdiene ich oder Sie -diesen Vorwurf? Nur die Zeit war zwischen uns; ich konnte meine -schwachen Reize verlieren, aber mein Herz hat sich nicht geändert, und -Sie sehen den Beweis davon vor sich! -- - -»Ich bedarf Ihrer Gegenwart nicht, Lodoiska, um mir Vorwürfe zu machen, -die ich mir schon seit langer Zeit gemacht habe. Die Verirrungen meiner -Jugend haben sich meinen Blicken schon längst unter den schwärzesten -Farben dargestellt. Aber was kann jetzt noch geschehen? Unsere Lage ist -kummervoll; aber es bleibt uns nichts übrig, als sie mit Fassung und -Muth zu ertragen: so will es das Schicksal.« - --- Sie drücken sich ziemlich dunkel aus, Alfred. Reden Sie offen zu mir, -sagen Sie mir Alles, was Sie denken, und ich werde aufrichtig Ihrem -Beispiele folgen. -- - -»Wie wäre es möglich, selbst zu enträthseln, was jetzt in meinem Herzen -vorgeht? Und dürfte ich es thun, wenn ich es könnte? Bin ich nicht durch -unauflösliche Bande gefesselt? Sein Sie großmüthiger als ich, Lodoiska, -und bringen Sie freiwillig ein nothwendiges Opfer. Vergessen Sie mich, -wenn Sie können ....« - --- Sie haben Recht, wenn Sie daran zweifeln. Ich bin Ihnen völlig -ähnlich, Alfred; auch ich habe meine Schwächen, mein Unrecht vielleicht. -Sie haben nicht gefürchtet, mich zu verlassen, und einer Andern die -Treue zu widmen, die Sie mir gelobt hatten; ich dagegen kann meine -Empfindungen nicht unterdrücken, obgleich ich einsehe, daß sie -vergeblich sind. Ich weiß, daß meine Gegenwart Sie belästigt, und -dennoch fühle ich mich glücklich, daß ich mich mit einer eiteln Hoffnung -täuschen kann. Warum wollen Sie, daß ich Sie an Geistesstärke -übertreffen soll? Sie haben mir Ihr Herz nicht erhalten können, und ich -fühle mich unfähig, Ihnen das meinige zu entreißen. -- - -»Ihre Worte, Lodoiska, verdoppeln noch meine Verzweiflung. Ich würde -mein Leben dafür geben, das Geschehene ungeschehen zu machen, damit Sie -ruhig und glücklich Ihr Leben genießen könnten.« - --- Es giebt Wünsche, antwortete Lodoiska mit einem schauerlichen Tone, -deren Erfüllung nicht mehr möglich ist. Für mich giebt es kein Glück und -keine Ruhe mehr auf der Erde; auch werde ich beides im Grabe nicht -finden, und Sie allein muß ich als die Ursache dieses Unglücks -betrachten. Sie wollen Ihr Leben für mich hingeben, sagen Sie? Dieses -Opfer steht nicht in Ihrer Gewalt. Gehörten Sie mir nicht schon früher -an? Habe ich nicht das heiligste Versprechen darüber, mit Ihrem eigenen -Blute geschrieben? -- - -»Ich läugne es nicht, daß ich Ihnen dieses Andenken meiner Liebe -zurückgelassen habe. Aber wozu kann es Ihnen jetzt noch dienen? Es ist -ein nichtiges Papier, das unsere Gesetze nicht anerkennen.« - --- Ihre Gesetze! Was gehen mich die Förmlichkeiten an, die die Willkühr -der Menschen geheiligt hat? Aber ich werde mich keinesweges so -herabwürdigen, Sie wegen Ihres Meineids vor den Gerichten Ihres Landes -zu belangen, sondern besser thun, mich bei dem unbestechlichen Wesen zu -beklagen, das nicht über Worte richtet, sondern über Thaten. Zittern -Sie, Unglücklicher, vor der Strafe, die Sie erwartet. Kennen Sie alle -Mittel, deren sich der Allmächtige bedienen kann, um Sie in Ihrem -Innersten zu verwunden? -- - -»Unglückliche Lodoiska, sein Sie ruhiger, ereifern Sie sich nicht! Da -ich Ihnen jetzt nicht mehr meine Hand anbieten kann, so erlauben Sie, -daß die reinste Freundschaft eine heftige Leidenschaft ersetze.« - --- Die Freundschaft! nichts als die kalte Freundschaft bietet mir also -Alfred an, für so viele Jahre voll Zärtlichkeit und Schmerz! Ich soll -mich also entweder von ihm entfernen, um von Zeit zu Zeit einen Brief zu -erhalten, dessen Kälte mich zur Verzweiflung bringen würde; oder mit ihm -unter einem Dache bleiben, und dort Zeugin von dem Glücke einer Andern -sein, mich einer beständigen Marter überliefern! Ach, wie unverständig -war ich noch vor wenigen Augenblicken, als ich dort hinter jenen Bäumen -Worte hörte, die mir in's Innerste drangen, und die ich noch nicht -vergessen habe! -- - -»Sie mußten Ihnen einen Beweis geben, daß Sie mir oft im Herzen -gegenwärtig sind, und daß ich mich mit Kummer jener Zeiten erinnere, die -für mich so glücklich waren. Aber ich beschwöre Sie, Lodoiska, retten -Sie mich und sich vor der Verzweiflung; suchen Sie sich zu beherrschen, -und sich nicht zu rächen, wie Sie es mich in Ihrem letzten heftigen -Briefe fürchten ließen.« - --- Sein Sie ruhig Alfred; seit jener Zeit haben meine Gedanken eine -andere Richtung erhalten. Nicht durch menschliche Mittel will ich mich -zu rächen suchen, sondern durch eine höhere Macht, die mich wider meinen -Willen zum Ziele treibt. Gerne wünschte ich den mir vorgeschriebenen -Gang zu ändern, aber es ist unmöglich! -- - -Der feierliche Ton, mit welchem das junge Mädchen diese Worte aussprach, -flößte dem Obersten eine Art von Schrecken ein; doch faßte er sich bald, -und sagte, Lodoiska'n die Hand reichend: - -»Ich hoffe, daß unser Schöpfer mir mein begangenes Unrecht verzeihen -wird, wenn Sie großmüthig genug sind, es zuerst zu vergessen. Weisen Sie -meine Hand nicht so verächtlich von sich. Schließen wir einen -Friedensvertrag, und versprechen Sie mir, daß Sie die Ruhe meiner Frau -nicht stören wollen.« - --- Warum sollte ich großmüthiger sein als Sie? Was geht mich die Ruhe -Ihrer Frau an? Haben Sie nicht die meinige unwiederbringlich -aufgeopfert? Doch ich will suchen, Sie in allen Dingen zu übertreffen; -nur Sie will ich quälen, und wenn ich mich nicht selbst beherrschen -kann, so werde ich ohne Mitleid gegen Sie sein, wie Sie es gegen mich -gewesen sind. -- - -Die Bitterkeit dieser Antwort schlug den Obersten völlig zu Boden. Er -dachte in seiner Verzweiflung nicht daran, daß es Zeit sei, sich zum -Mittagsessen nach Hause zu begeben; aber Lodoiska war vorsichtiger. - -»Es ist Mittagszeit, sagte sie, und Sie können Ihre Jagd nicht noch -länger fortsetzen, ohne diejenige in die größte Angst zu setzen, deren -Ruhe Ihnen so theuer ist. Schlagen Sie jenen Weg dort ein, er führt Sie -gerade nach dem Schlosse; ich werde über diese Anhöhe hier zurückgehen. -Weiter habe ich Ihnen nichts zu sagen, Alfred, aber ich fürchte für Sie -den Zorn des Himmels.« - -Mit diesen Worten wendete sich Lodoiska rasch um, erstieg den Hügel, und -verschwand vor den Augen des Obersten, der noch lange Zeit brauchte, ehe -er sich erholte und auf den Weg begab. Als er in's Schloß zurückkam, -sahe er, wie Lodoiska neben seiner Frau saß, so ruhig, als wenn durchaus -nichts vorgefallen wäre. - -Der Nachmittag verstrich fast unter stetem Schweigen. Die Zeit hatte -noch nichts über den Schmerz der Oberstin vermocht; fast beständig saß -sie unbeweglich, ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, in welchem sie -nicht las, oder an einem Stickrahmen, den sie mit ihren Thränen -benetzte. Eine tiefe Schwermuth hatte sich ihrer bemächtigt, und nur in -seltenen Augenblicken, wo ihr Geist etwas heiterer war, zeigte sie ihrem -Gatten, daß sie ihn noch liebe. Ihrer Tochter erlaubte sie niemals, sich -von ihr zu entfernen, und wenn öfters Julie, durch ihre Lebhaftigkeit -hingerissen, den Befehl ihrer Mutter vergaß, sprang Letztere fast außer -sich aus dem Zimmer, rief sie mit lauter Stimme, und war nicht eher -ruhig, als bis das Kind wieder bei ihr war. Stundenlang betrachtete sie -Juliens lächelndes Gesicht; es schien ihr, als wenn das kleine Mädchen -schon ebenfalls von der Krankheit befallen wäre, die ihren Bruder in's -Grab gebracht hatte; dann kannte ihre Verzweiflung keine Grenzen. -Vergebens versicherte der Arzt, daß ihre Tochter völlig gesund sei; sie -konnte nur unvollkommen ihre Angst unterdrücken, die sich bei der -geringsten Veranlassung erneuerte. - -Als Alfred diese beständige Traurigkeit sahe, welche die seinige noch -verdoppelte, fürchtete er, seine Frau einen Augenblick lang allein zu -lassen. Er bemerkte, daß Helene ihre eigene Gesundheit untergrub, indem -sie so eifrig über die Gesundheit der kleinen Julie wachte; schon waren -ihre Wangen blaß und eingefallen, ihre Augen wurden hohl, und aus ihrer -Brust kamen oft rauhe Töne hervor, als wenn sie von der abzehrenden -Krankheit befallen wäre. - -Am folgenden Tage stattete der alte Herr von Krauthof einen Besuch im -Schlosse ab. Fast mit ihm zugleich kam Wildenau. Der Erstere hatte schon -lange mit großer Ungeduld den Augenblick erwartet, wo er die -geheimnißvolle Fremde zu Gesicht bekommen würde. Oft war er deßhalb -schon vergebens im Schlosse gewesen; aber heute war er glücklicher, und -mit welcher Freude sahe er Lodoiska'n, welche die kleine Julie auf dem -Schooße hatte, am Fenster sitzen. Durch seinen feinen Anstand zeichnete -sich Herr von Krauthof eben nicht aus; an das Leben auf dem Lande -gewöhnt, wo er größtentheils nur mit Bauern zusammenkam, über die er -sich hoch erhaben glaubte, legte er sich in Gesellschaften eben keinen -Zwang an. Sobald er sich daher gesetzt und der Oberstin die gewöhnlichen -Komplimente gemacht hatte, wendete er sich an die junge Lodoiska: - -»Madame, vielleicht kommt Ihnen dieser Titel nicht zu; denn es ist -möglich, daß Sie noch nicht verheirathet sind; aber glauben Sie mir, es -ist nicht meine Schuld, wenn ich Ihnen nicht schon früher meine -Aufwartung gemacht habe. Vor einiger Zeit fand ich mich an Ihrer Thüre -ein; allein Ihr Kammerdiener weigerte sich mit außerordentlicher -Grobheit, der Himmel mag sie ihm verzeihen, mich bei Ihnen vorzulassen. -Wahrhaftig, ich möchte mich beinahe über die Feuersbrunst freuen, die -Ihr Häuschen in Asche gelegt hat, weil ich dieser Begebenheit die Ehre -verdanke, Ihnen meine Aufwartung zu machen.« - -Diese seltsame Art sich auszudrücken mißfiel der ganzen Gesellschaft. -Lodoiska, welche darin nicht geradezu eine Frage sahe, schwieg, während -der Arzt, der sie aus einer Verlegenheit zu ziehen glaubte, sich nach -dem Zustande ihrer Gesundheit erkundigte. Hierauf antwortete sie mit -wenigen Worten. Herr von Krauthof, der sich durch die Unzufriedenheit, -die er auf allen Gesichtern lesen konnte, wenn er gewollt hätte, nicht -irre machen ließ, wendete sich nun an den Arzt. - -»Zum Teufel, mein gelehrter Herr Doktor, Sie sind mit einem Vorrechte -begabt, das ich nicht besitze, nämlich diese schöne Dame zum Sprechen zu -bringen.« - --- Allerdings hat sie mir geantwortet, Herr Ober-Land-Jägermeister; aber -dieß verdanke ich meiner Frage, der einzigen, welche wohlerzogene Leute -an Jemanden richten können, den sie nicht kennen. -- - -»Aha! ich höre es, mein Lieber, wie man mir schon früher gesagt hat, daß -Sie auch zu der Klasse der jetzigen Aufgeklärten gehören. Was können -denn das für wohlerzogene Leute sein, wenn ich nicht dazu gehöre?« - -Ungeachtet der ernsten über Lodoiska's Gesicht verbreiteten Kälte und -ihrer gewöhnlichen Gleichgültigkeit, konnte sie doch nicht ein Lächeln -über diese Worte unterdrücken, während die Oberstin die Achseln zuckte -und Lobenthal aus Klugheit die Antwort unterdrückte, die ihm schon auf -den Lippen schwebte. Indessen suchte er die Unterhaltung auf einen -andern Gegenstand zu bringen, und fragte, ob es wahr sei, daß endlich -das Kirchspiel einen eigenen Pfarrer erhalten würde? - -»Ja, Herr Oberst, so viel ich weiß, ist es wahr, und mir dauert schon -die Zeit lang, ehe wir ihn hier haben; denn ich hoffe, daß er durch -seine Predigten dem Bauervolk mehr Gehorsam und Unterwürfigkeit gegen -uns beibringen, und ihnen beweisen wird, wie sehr unser Einer über sie -erhaben ist. Vorzüglich aber muß er suchen, den Aberglauben zu -verbannen, der unter dem Volke immer mehr Wurzel schlägt, je mehr auf -der anderen Seite seine Ungläubigkeit zunimmt.« - --- Ich erstaune! sagte der Arzt. Wie können Sie so sprechen! Sie, ein -Feind des Aberglaubens! Ich hielt diesen sehr nahe verwandt mit der -großen Masse der Vorurtheile. -- - -»Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen, mein Lieber; aber ich liebe -den Aberglauben nicht, weil er die Bauern von ihrer Pflicht abhält. -Seitdem diese Elenden sich in den Kopf gesetzt haben, daß es _Vampyre_ -im Kirchspiele gebe, wollen sie keinen Schritt mehr aus dem Hause gehen, -sobald es finster ist.« - --- Vampyre! Hier sollen Vampyre sein? rief der Oberst. Wer kann die -scheußlichen Mährchen Ungarns und Griechenlands hierher verbreitet -haben? -- - -Bei diesen Worten konnte der Oberst sich nicht enthalten, seinen Blick -auf Lodoiska zu richten. Er sahe, daß sie außer aller Fassung war. Ihre -Gesichtszüge drückten den höchsten Schrecken aus, ihr Mund stand halb -geöffnet, ihre Augen waren unbeweglich, und mit einer schnellen -Bewegung, die sie aber wieder unterdrückte, schien sie im Begriff -gewesen zu sein, sich zu entfernen. - -Der Oberst erklärte sich mit Leichtigkeit diesen Schrecken Lodoiska's. -Es war fast unmöglich, daß ein Mädchen aus der Wallachei nicht an die -Vampyre glaubte, und sehr häufig hatte sie mit ihm darüber gesprochen, -ihm die seltsamsten Geschichten über diesen Gegenstand erzählt. Konnte -er sich also wundern, daß sie außer sich gerieth, als so unerwartet die -Rede auf die fürchterlichen Vampyre kam? Aus Rücksicht für sie hätte er -gern dem Gespräche abermals eine andere Wendung gegeben; aber es war zu -spät. Herr von Krauthof beantwortete die an ihn gerichtete Frage. - -»Einem Unglücklichen, der nicht mehr am Leben ist, verdanken wir den in -dieser Gegend verbreiteten Schrecken. Ihr Bedienter Werner erzählte -seinen Freunden die Geschichte von diesen Unholden, welche nach dem -menschlichen Blute dürsten, bei Gelegenheit des sonderbaren Todes einer -jungen Bäuerin aus dem Dorfe. Aber mein Gott, fuhr er fort, sich an -Lodoiska wendend, Madame, fürchten Sie sich denn auch vor solchen -Narrheiten? Sie haben ohne Zweifel zu viel Verstand, als daß Sie an -diese Unholde, diese Vampyre glauben könnten, die ohne Zweifel nur in -dem Gehirn desjenigen ihr Dasein hatten, der zuerst von ihnen sprach.« - -Hier warf die Fremde einen so finsteren Blick auf den Herrn von -Krauthof, von einem so scheußlichen Lächeln begleitet, daß er ungeachtet -seiner Zuversichtlichkeit ganz erschrocken in seiner Rede inne hielt, -und mit der Sprache zugleich die Lust zum Plaudern verlor, die ihn sonst -nie verließ. - -Der Arzt glaubte nun gleichfalls über diesen Gegenstand sprechen zu -müssen, und scherzte über diese abscheulichen Mährchen. Er forderte die -Vampyre heraus, den Schlaf eines muthigen Mannes zu stören, und hätte -noch lange so fortgefahren, wenn ihn nicht die wiederholten Winke des -Obersten davon abgehalten hätten. Hierauf folgte ein Augenblick des -Stillschweigens, als plötzlich auch Helene das Wort nahm: - -»Warum, sagte sie, wollen wir so hartnäckig diese Geheimnisse -bestreiten? Wie abscheulich sie auch sein mögen, kennen wir alle Mittel -der Vorsehung, wodurch sie uns zu betrüben im Stande ist? Ich glaube an -die Möglichkeit, daß es Vampyre geben kann, und vielleicht habe ich gar -einem Ungeheuer dieser Art den unerwarteten Tod meines Sohns zu -verdanken .....« - -Die Fremde stößt bei diesen Worten einen lauten durchdringenden Schrei -aus. Sie steht mit Heftigkeit auf, will einen Schritt vorwärts thun, und -fällt ohne Bewußtsein auf den Fußboden nieder. -- - - - - - Siebenzehntes Kapitel. - - -Während der gefühllose Herr von Krauthof sich vergebens in allerhand -Vermuthungen verlor, durch welche Ursache die Ohnmacht der schönen -Fremden hervorgebracht sein könnte, waren Helene, ihr Mann und der Arzt -eifrig beschäftigt, Lodoiska'n in's Leben zurückzurufen. Aber ihre -Bemühungen waren fruchtlos, und der Oberst benutzte diese Augenblicke, -den lächerlichen Edelmann zurechtzuweisen. - -»Ich habe mit den russischen Heeren, sagte er, einen großen Theil von -Europa durchzogen, und dabei Gegenden gesehen, welche sonst von unsern -Reisenden nur selten besucht werden. Ich müßte mich sehr irren, wenn -diese fremde Dame, nach ihrer Aussprache und ihrem ganzen Wesen zu -urtheilen, nicht im östlichen Ungarn oder in der Wallachei geboren ist; -in diesem Falle muß auch sie von den in ihrem Vaterlande herrschenden -abergläubischen Meinungen durchdrungen sein, und da die Unterhaltung auf -einen für ihre Landsleute so furchtbaren Gegenstand kam, so wird dieß, -verbunden mit ihrer noch schwachen Gesundheit, ihren jetzigen Zustand -hervorgebracht haben, dem wir sie mit aller Mühe noch nicht entreißen -können.« - -Diese Erklärung schien allen Anwesenden hinreichend zu sein. Der Herr -von Krauthof bemerkte, daß die Fremde, wenn sie in Ungarn geboren wäre, -gewiß mit der Art bekannt sei, wie man den Tokaier Wein behandeln müsse, -und er nahm sich vor, sie über diesen Gegenstand um Auskunft zu bitten, -da er mehrere Weinstöcke aus jener Gegend in seinem Garten habe. Niemand -antwortete auf diese Lächerlichkeit. Da Lodoiska nicht wieder zu sich -kam, so machte Wildenau den Vorschlag, sie in ihr Zimmer zu tragen, was -auch geschahe; aber sie lag noch lange Zeit auf ihrem Bette völlig kalt -und unbeweglich. Endlich stieß sie einen tiefen Seufzer aus, schlug die -Augen auf, und die Umstehenden der Reihe nach ansehend, fragte sie mit -leiser Stimme, warum sie sich in diesem Zustand befände? - -»Der außerordentliche Blutverlust, welchen Sie erlitten haben, -antwortete Wildenau, wird Ihnen noch häufig dergleichen Zufälle -zuziehen. Sie nehmen Ihre Gesundheit nicht genug in Acht, und rechnen zu -sehr auf Ihre gute Natur, ohne auf meine Warnungen zu hören.« - --- Ist dieß wirklich die Ursache meiner Ohnmacht? Hat man nicht von -Vampyren gesprochen? Wer hat es gewagt, den geheimnißvollen Schleier zu -lüften, mit welchem der Himmel die Erfüllung seines schrecklichen -Willens bedeckt? -- - -»O, denken Sie nicht mehr an diesen traurigen Gegenstand, sagte der -Oberst; das Gespräch kam nur aus Unvorsichtigkeit darauf, und es soll -nicht wieder geschehen. Aber vergessen Sie wo möglich jene Schrecknisse, -vor welchen Sie hier in Deutschland sicher sind.« - -Lodoiska antwortete nicht hierauf, sondern bat nur um Erlaubniß, allein -bleiben zu dürfen, um sich auszuruhen. Man verließ sie also, und begab -sich in das Gesellschaftszimmer zurück, wo der Herr von Krauthof noch -wartete, und eine Menge Fragen that, die man kaum beantwortete. Endlich -entfernte er sich, zufrieden, endlich das Vaterland der Fremden erfahren -zu haben, und mit dem Vorsatze, diese wichtige Entdeckung in der -möglichst kürzesten Zeit allen Nachbarn mitzutheilen. - -Als er fort war, nahm Wildenau das Wort, und machte dem Obersten und -seiner Gemahlin folgende Erklärung: »Ich weiß nicht recht, fing er an, -wie ich es machen soll, Ihnen die Gefühle mitzutheilen, die meine ganze -Seele beherrschen. Aber die Güte, die Sie bisher für mich gezeigt haben, -giebt mir Muth, und ich schmeichele mir mit Ihrer Unterstützung zur -Erreichung meiner Wünsche. Ich bin vier und dreißig Jahre alt, besitze -ein anständiges Vermögen, und habe eine Praxis, die meine Wohlhabenheit -noch vermehrt. Die Ehelosigkeit ist mir noch weit lästiger geworden, -seitdem ich die reizende Person gesehen, der Sie einen Zufluchtsort -gewährt haben. Sie ist eine Fremde; große Unglücksfälle, vielleicht ein -Fehler, den sie durch freiwillige Verbannung büßt, haben sie hierher -geführt. Ich wünschte ihr Schicksal zu verbessern, indem ich ihr meine -Hand anbiete, wenn sie sie annehmen wollte; ehe ich aber das Geringste -zur Erreichung meiner Absicht unternehmen wollte, glaubte ich, mich -Ihnen freimüthig entdecken zu müssen, in der Hoffnung, daß die Frau -Oberstin, um mir einen Korb zu ersparen, die Güte haben würde, die -Gesinnungen dieser schönen Person auszuforschen.« - -Lobenthal war zu sehr bewegt durch das, was er jetzt hörte, als daß er -hätte darauf antworten können, und er überließ daher diese Sorge seiner -Frau. Diese billigte Wildenau's Wahl, nur rieth sie ihm, sich nicht -früher bestimmt zu erklären, ehe er nicht die Geschichte der Fremden -genau erfahren habe, damit späterhin ihm nicht die Reue sein Leben -verbittere. - -»Glauben Sie mir, Frau Oberstin, entgegnete der Arzt, daß ich dieß -ebenfalls schon überlegt habe. Durch den ehemaligen Eigenthümer des -abgebrannten Hauses bin ich unterrichtet worden, daß er dasselbe mit den -dazu gehörigen Ländereien für funfzehntausend Thaler an die Fremde -verkauft hat, welche ihm sogleich ausgezahlt worden sind. Das Haus ist -verloren; aber die Ländereien sind noch da, und Sie wissen, daß man bei -den Güterkäufen hier zu Lande die letzteren für Alles, die Gebäude fast -für nichts rechnet. Sie selbst haben mir auch gesagt, daß diese Dame -reiche Kleinodien besitzt, und man hat eine bedeutende Summe in baarem -Golde aus der Feuersbrunst gerettet, welche Sie einige Zeit lang in -Verwahrung hatten. Diese Reichthümer, die Talente, welche die Fremde -besitzt, ihr edler Anstand, obgleich damit einige Sonderbarkeiten -verknüpft sind, scheinen mir zu beweisen, daß sie nicht zu jener -verworfenen Klasse von Frauenzimmern gehört, die mit ihren Reizen Wucher -treiben. Seitdem sie hier ist, hat sie stets in der größten -Zurückgezogenheit gelebt, was sie gewiß nicht gethan haben würde, wenn -sie auf Abentheuer ausginge. Unsern Vermuthungen bleibt also nur noch -übrig, daß sie vielleicht das Opfer einer unvorsichtigen Leidenschaft -ist, oder vielleicht weit von ihrem Vaterlande einen Jugendfehler in -Vergessenheit bringen will. Dieß kann ich nicht geradezu bestreiten. -Aber die ohne Zweifel seitdem verstrichene Zeit, ihr jetziges Betragen -müssen ihr zur Entschuldigung dienen. Ich will mich durchaus nicht -darauf einlassen, was geschehen ist, und wenn sie Ihnen darüber ein -offenes Geständniß macht, so will ich noch weiter gehen: ich will nicht -ein Wort davon wissen; sobald Sie mich versichern, Frau Oberstin, daß -sie meiner nicht unwürdig ist, so führe ich sie zum Altare.« - -Helene, von Wildenau's Freimüthigkeit und Vertrauen gerührt, versprach -ihm, nichts zu vernachlässigen, um seinen Wünschen nachzukommen. Da der -Oberst die Nothwendigkeit fühlte, daß auch er ein Wort hierzu sagen -müsse, so brachte er mit Mühe einige unzusammenhängende Redensarten -hervor, und schwieg dann wieder. Es war schon ziemlich spät, als diese -Unterhaltung endete, und da der Arzt am andern Morgen in ziemlicher -Entfernung einen Kranken zu besuchen hatte, so trennte man sich. - -Der Oberst war weit entfernt, in dieser Nacht zu schlafen; seine innere -Bewegung war zu heftig. Er glaubte fast gewiß zu sein, daß Lodoiska den -Heirathsantrag von sich weisen würde; aber er fürchtete, daß dieses -junge Mädchen ihrer Heftigkeit freien Lauf lassen, und einige Worte -sagen möchte, die die Ruhe des Hauses stören könnten. - -Während er sich diesen Gedanken überließ, glaubte er in dem Zimmer -seiner Frau, das sich dicht neben dem seinigen befand, ein leises -Geräusch zu hören. Er horchte genau auf, um gewiß zu sein, daß er sich -nicht täuschte; da aber das Geräusch anhielt, so fürchtete er, daß -Helene unwohl sein möchte. Daher stand er rasch auf, und ging leise auf -die Thür des Nebengemaches zu. Er war im Begriff sie zu öffnen, als er -plötzlich von einer Hand, die er nicht sahe, einen so heftigen Schlag -in's Gesicht erhielt, daß er auf sein Bett zurückfiel, und einige -Minuten fast ohne Besinnung darauf liegen blieb. - -Sobald er sich erholt hatte, eilte er zu seinem Degen, zündete mit einem -chemischen Feuerzeuge ein Licht an, und untersuchte nun sorgfältig das -ganze Zimmer, in der Hoffnung, den kühnen Urheber des höchst unsanften -Schlags zu entdecken. Aber alle seine Nachsuchungen waren vergebens. Die -äußere Zimmerthür war sorgfältig von innen verschlossen, eben so -befanden sich alle Riegel vor den unversehrten Fenstern, und als er in -das Zimmer seiner Gattin kam, sahe er, daß sie in einen festen, obgleich -ängstlichen Schlaf versunken lag. Auch hier suchte er Alles genau durch, -und da er nichts entdeckte, so sahe er sich gezwungen zu glauben, daß -seine Phantasie oder die Unruhe seines Blutes ihn getäuscht habe. - -Er kehrte in sein Zimmer zurück, wo die anbrechende Morgenröthe ihn noch -wachend fand. Der Tag schien vortrefflich zu werden, und um nicht Zeuge -der Unterhaltung seiner Frau mit Lodoiska zu sein, entschloß er sich auf -die Jagd zu gehen, ehe noch Jemand im Hause aufgestanden war. - -Erst zur Frühstückszeit erfuhr Helene, daß ihr Gatte nicht erscheinen -würde, und dieß war ihr gewissermaßen lieb, weil sie neugierig war, die -Gesinnungen der Fremden über den ihr zu machenden Antrag zu erfahren. - -Lodoiska trat in's Zimmer, sobald die Frühstücksglocke ertönte. Ueber -ihr Gesicht war finstere Schwermuth verbreitet; allein sie war nicht so -blaß als gewöhnlich; sehr bewegt bedankte sie sich für die Sorgfalt, die -man ihr am vorigen Tage erwiesen hatte. - -Da Helene das beabsichtigte Gespräch nicht in Juliens Gegenwart anfangen -wollte, so wartete sie das Ende der Mahlzeit ab, und befahl dann -Lisetten, die Kleine mit sich zu nehmen, und nicht eher wieder -hereinzukommen, bis sie gerufen würde. Lodoiska setzte sich gleich -darauf an ihren Stickrahmen, und Helene, um nicht in Verlegenheit zu -gerathen, nahm ein Buch, in welchem sie aufmerksam zu lesen schien. Nach -langem Zögern fing sie endlich das Gespräch folgendermaßen an. -- - -»Nun, liebe Lodoiska, werden Sie denn immer das beste, aber auch das -geheimnißvollste Wesen auf der Welt bleiben? Sollen wir denn nie -erfahren, durch welche wichtige Ursachen Sie aus Ihrem Vaterlande -entfernt worden sind? Sie sehen mich voll Erstaunen an; sollten meine -Fragen Sie beleidigen? Glauben Sie mir, nur meine Theilnahme für Sie hat -sie mir eingegeben.« - --- Ich glaube es, Frau Oberstin, und ich entschuldige Sie, weil ich Sie -kenne; da Sie mir aber bis jetzt Ihr Wohlwollen geschenkt haben, ohne -nach meinen näheren Verhältnissen zu forschen, warum sollte ich dieses -Vertrauen von Ihrer Seite nicht noch länger verdienen? Habe ich mich -seit Kurzem vielleicht in einem unvortheilhafteren Lichte gezeigt? -Sollte ich der Verläumdung preisgegeben sein? -- - -»Von allem Diesem ist durchaus nicht die Rede; aber glauben Sie denn, -daß Sie ungestraft so hübsch sein dürfen? Niemand wird sich um die -Verhältnisse eines gewöhnlichen Frauenzimmers bekümmern. Man geht an ihr -vorüber, ohne sie zu bemerken; aber Sie, Lodoiska, fallen zu sehr in die -Augen, als daß man Sie mit Gleichgültigkeit ansehen könnte. Sie setzen -ohne Zweifel mehr als ein Herz in Bewegung, von denen einige sich Ihnen -nähern möchten, um auch das Ihrige zu rühren; und diese haben einiges -Interesse dabei, zu wissen, wer Sie sind, ob Sie noch frei sind, ob -keine frühere Verbindung Ihnen im Wege ist; kurz, ob Sie über Ihre Hand -verfügen können?« - -Ein melancholisches Lächeln ging der Antwort voraus, die Lodoiska -hierauf zu geben im Begriff stand. Sie schien einen Augenblick darüber -nachzudenken, richtete dann ihren Kopf, den sie über den Stickrahmen -gebeugt hatte, in die Höhe, und sagte, Helenen mit einem Blick der -vollkommensten Gleichgültigkeit ansehend: - -»Wenn es bei der Kenntniß meines Schicksals bloß auf meine jetzige Lage -ankommt, so kann ich mich über diese erklären, ohne zu erzählen, was mir -früher begegnete. Ich bin frei, völlig frei, und dennoch gehöre ich mir -selbst nicht an. Ich habe mein Herz verschenkt, und nicht das Recht, es -wieder zurückzufordern; durch ein ganzes Leben bin ich von demjenigen -getrennt, den ich bis zum Uebermaß liebe; meine Seele steht unter der -Abhängigkeit einer höheren Macht, und ich habe kein Vaterland mehr, ich -gehöre der ganzen Erde an. Fragen Sie mich nicht weiter; Sie haben jetzt -Alles gehört, was ich Ihnen sagen kann .... suchen Sie es zu vergessen.« - --- Ich würde mich ohne Zweifel mit einer solchen Erklärung begnügen, so -dunkel sie mir auch ist, aber ich kann Sie versichern, daß Andere nicht -damit zufrieden sein werden. Und nun erlauben Sie, daß ich mit Ihnen ein -Wort der Vernunft spreche. Sie sind hier weit von Ihrem Vaterlande -entfernt, allein und unabhängig; Sie können nicht hoffen, sagen Sie, -demjenigen jemals anzugehören, den Ihr Herz ausgewählt hat: was wollen -Sie aber dann in einem fremden Lande machen? Wird nicht eine Zeit -kommen, wo Sie, unter der Last des Alters gebeugt, das Bedürfniß eines -Freundes fühlen werden? Wollen Sie denn vielleicht in Ihr Vaterland -zurückkehren? Das Schicksal könnte Ihnen unübersteigliche Hindernisse in -den Weg legen. Kurz, Sie werden es dann bereuen, etwas ausgeschlagen zu -haben, was Sie jetzt vielleicht verschmähen. -- - -»Ich fühle es, Frau Oberstin, wie schrecklich meine jetzige Lage für -jedes andere Frauenzimmer sein würde, das sich in einem der gewöhnlichen -Verhältnisse des menschlichen Lebens befindet. Aber meine Verhältnisse -sind ganz besonderer Art! Ich scheine Ihnen verlassen zu sein? Wohl! so -glauben Sie, daß ich nicht Ursach habe, mich über meine Zukunft zu -beunruhigen; sie ist schon seit mehreren Jahren fest bestimmt, und kann -sich nicht mehr ändern. Ich drehe mich um einen Kreis, den ein -allmächtiges Wesen mir vorgeschrieben hat, und von dem ich mich nicht -entfernen kann. Sie glauben, daß mir eine Stütze, ein Freund nöthig -werden möchte? Enttäuschen Sie sich; ich werde nie darein willigen, eine -solche Stütze anzunehmen. Sagen Sie demjenigen, der Ihnen aufgetragen -hat, mit mir hierüber zu sprechen, er möge alle Hoffnung aufgeben, -vorzüglich aber eine Liebe zu unterdrücken suchen, die für ihn -gefährlich werden könnte. Der Unverständige! Er weiß nicht, daß Jeder, -welcher mich liebt, dem Tode verfallen ist! .... Sie erbeben, Frau -Oberstin! Ach, warum ist es mir nicht erlaubt, Ihnen meine traurige -Geschichte zu erzählen! Meine Lage würde Ihnen dann den schrecklichsten -Abscheu einflößen .... und dennoch -- ich nehme Gott zum Zeugen, den ich -fürchte -- habe ich über keine meiner Handlungen zu erröthen. Sie waren -stets übereinstimmend mit der Tugend, und wenn ich mir selbst Böses -anthat, so ist mir wenigstens bis dahin kein Vorwurf zu machen. Hören -Sie auf, ich beschwöre Sie, weiter in mich zu dringen, und lassen Sie -mich in der Hülle meiner Geheimnisse. Ich verlange nichts von den -Menschen; gern wünschte ich mir auf der Erde die Ruhe des Grabes, aber -sie ist mir versagt!« - -Bei diesen Worten drückte Lodoiska ihre ganze Verzweiflung durch einen -sonderbaren, fürchterlichen Blick aus, stand von ihrem Stuhle auf, -beurlaubte sich bei Helenen, und begab sich in ihr Zimmer. - -»Außerordentliches Geschöpf! sagte Helene zu sich selbst, als sie sie -fortgehen sahe; unbegreifliches Wesen! Wer ist sie? Was hat sie gethan? -Warum kam sie hierher? Ihre Geschichte muß äußerst anziehend sein, und -gewiß hat sie den Becher des Unglücks mit vollen Zügen geleert.« - -Sie blieb bis zur Rückkehr des Obersten und des Arztes, welche beide -zugleich kamen, in das tiefste Nachdenken versunken. »Armer Freund! rief -sie dem Letztern entgegen; man giebt Ihnen den Korb, ohne Ihnen die -geringste Hoffnung zu lassen. Erlassen Sie mir aber, ich bitte, die -weitere Auseinandersetzung meiner Unterhaltung mit der Fremden, und -begnügen Sie sich damit, zu wissen, daß sie mir nichts von ihren -Schicksalen erzählt hat, und daß Sie nicht glücklich sind.« - -Weit entfernt, sich mit diesen Worten zu befriedigen, verlangte Wildenau -eine ausführlichere Erklärung, und Helene sträubte sich vergebens: sie -mußte Alles genau wieder erzählen, was gesprochen worden war. Es läßt -sich denken, mit welcher geheimen Theilnahme der Oberst zuhörte. - -»Meine Eigenliebe, sagte endlich der Arzt, ist bei dieser Gelegenheit -durchaus unverletzt geblieben; ich sehe ein, daß die Grausame eine Liebe -fühlt, welcher nicht Genüge geleistet werden kann. Ohne Zweifel hat sie -ihr Vaterland aus beleidigter Liebe verlassen; dieß ist eine zu heftige -Maßregel, die ich nicht nachahmen will, und da sie sich weigert, meine -Frau zu werden, so bleibe ich wenigstens ihr treuer Freund.« - --- Das heißt vernünftig gesprochen! sagte der Oberst, sein langes -Stillschweigen brechend. Nur keine Seufzer, glauben Sie mir; stellen Sie -sich völlig gleichgültig, und vielleicht gerade, wenn Sie am wenigsten -daran denken, werden Sie dieses stolze Herz sich geöffnet sehen. -- - -Obgleich Wildenau innerlich tief bekümmert war, so wußte er doch sehr -gut seinen wahren Zustand zu verbergen; aber er gab seine Liebe noch -nicht auf, denn auch er kannte den Werth und Einfluß der Zeit, welche -allen Dingen nach und nach eine veränderte Gestalt giebt. - -Lodoiska erschien heute nicht zum Mittagessen, indem sie sagen ließ, daß -sie unpäßlich sei, und in ihrem Zimmer essen würde. Man glaubte anfangs, -daß sie bloß nicht mit dem Arzte zusammentreffen wolle; aber Lisette -berichtete, daß sie außerordentlich blaß sei, und in der heftigsten -Unruhe zu sein scheine. - - - - - Achtzehntes Kapitel. - - -Am folgenden Tage, wo Lodoiska sich wieder blicken ließ, schien sie gar -nicht mehr an die mit der Oberstin gehabte Unterhaltung zu denken. -Wildenau befand sich noch im Schlosse. Sie behandelte ihn wie -gewöhnlich, und war vollkommen gleichgültig gegen ihn; allein gegen den -Obersten hatte sich ihr Betragen völlig geändert. Sie richtete häufig -ihre Blicke auf ihn, mit einem Ausdruck von Unzufriedenheit und selbst -Zorn, der ihn beinahe in Schrecken setzte; sie war gegen ihn so trotzend -und zu gleicher Zeit vertraulich, daß man leicht ihre frühere -Bekanntschaft mit einander errathen haben würde, wenn man nicht -überzeugt gewesen wäre, daß der Verstand der Fremden in manchen -Augenblicken völlig zerrüttet sei. - -Der Oberst, dem die Wahrheit wohl bekannt war, bebte über die Folgen, -welche diese üble Laune Lodoiska's haben könnte. Jemehr sie ihm nach und -nach wieder theuer wurde, je lieber hätte er es gesehen, daß man es -nicht bemerkte, und vorzüglich fürchtete er, daß eine Unvorsichtigkeit -die Eifersucht seiner Frau wecken möchte. Er suchte sich Lodoiska'n -verständlich zu machen, indem er sie durch Blicke bat, ihn zu schonen, -und ihres Versprechens eingedenk zu sein; aber seine Bemühungen waren -vergeblich, und sie fuhr in ihrem Betragen fort. Unterdessen kam ein -Eilbote, der den Arzt zu einem Nachbar holte, welchen ein Schlagfluß -befallen hatte; zu gleicher Zeit wollte Helene ein Geschäft in ihrem -Zimmer besorgen, und die beiden Feinde befanden sich nun allein einander -gegenüber. - -»Sie erinnern sich also nicht mehr an Ihr mir gegebenes Versprechen?« -sagte Alfred schnell. - --- Sie haben ja auch vergessen, daß Sie mir Ihr Herz versprochen hatten! -Noch einmal sage ich es Ihnen, betrügerischer Mann, können Sie mir -vorwerfen, daß ich meine Schwüre gebrochen? Ich betrage mich gegen Sie, -wie es mich gut dünkt; aber dieß ist hier nicht der Ort, uns einander -Vorwürfe zu machen. Ich muß Sie sprechen, durchaus allein sprechen. -- - -»Wann?« - --- Heute um Mitternacht. -- - -»Wo?« - --- Im großen Saale; dort wird uns Niemand stören. -- - -»Was wollen Sie von mir?« - --- Sie werden es erfahren. -- - -»Aber wenn man uns überrascht?« - --- Sein Sie ohne Sorgen. -- - -»Es wird einen üblen Ausgang nehmen.« - --- Werden Sie kommen? -- - -»Ich fürchte ....« - --- Zittern Sie, wenn ich vergebens auf Sie warten muß. -- - -Helenens Rückkehr in's Zimmer machte dieser Unterhaltung ein Ende, die -nur halb laut geführt worden war. Sie kam so plötzlich, daß ihr Gatte in -Verlegenheit gerieth, und sie überraschte ihn bei einer Bewegung, die -ihr so manche Dinge hätte erklären können, wenn sie nicht in -vollkommener Sicherheit gewesen wäre. Lodoiska war seit der Zeit ihres -Aufenthalts im Schlosse noch nie so guter Laune gewesen, als heute. Sie -vergaß ihre gewöhnliche Schwermuth, ja sie wurde sogar lustig, und es -gelang ihr, Helenen ein Lächeln abzugewinnen, das erste seit dem -Verluste ihres Sohnes. - -Alfred, weit entfernt, Lodoiska's Frohsinn zu theilen, wurde immer -tiefsinniger und trauriger, jemehr sich der Abend näherte. Kaum öffnete -er den Mund zum Sprechen; eine ihm unerklärbare Unruhe bewegte sein -Inneres, und er wagte es nicht, weder Lodoiska'n noch seine Frau -anzublicken. Vorzüglich fürchtete er, bei der bevorstehenden -Zusammenkunft mit der Erstern, mitten in der Nacht überrascht zu werden, -da hiervon seine ganze häusliche Ruhe abhing. - -Endlich begab sich ein Jeder in sein Zimmer. Die Oberstin, die sich seit -einiger Zeit über eine allgemeine Schwäche in allen Gliedern beklagte, -legte sich zuerst zu Bett, und schickte bald darauf auch Lisetten fort. -Der Oberst setzte sich in seinem Zimmer auf einen Lehnstuhl, und -erwartete so, völlig angezogen, aber ohne Ungeduld, sondern zitternd, -die Mitternachtszeit. Als endlich der letzte Schlag der zwölften Stunde -erschallte, stand er seufzend auf, und ging mit leisen Tritten nach dem -großen Saale, ohne ein Licht mit sich zu nehmen. - -Die undurchdringliche Finsterniß in diesem weiten Saale, die schneidende -Kälte, welche durch die schlecht geschlossenen Fensterscheiben eindrang, -die Furcht, überrascht zu werden: alles dieß vereinigte sich, um dem -Obersten ein solches Beben zu verursachen, wie er noch nie empfunden -hatte, selbst als er früher, hundert Feuerschlünden gegenüber, den Tod -in der ihm angewiesenen Position erwarten mußte. Aber damals lebte er -mit seinem Herzen in Frieden, und sein Gewissen war ruhig; jetzt befand -er sich mit sich selbst im Widerspruch. Er war auf den Befehl eines -Frauenzimmers hierhergekommen, das zu seinem Glücke nichts mehr -beitragen, wohl aber es zerstören konnte. Aber konnte er ihr ungehorsam -sein? Mußte er nicht fürchten, daß sie, bei ihrem heftigen Charakter, -seine ehemaligen Verhältnisse zu ihr öffentlich bekannt machte? Alfred -glaubte, Alles thun zu müssen, um eine fast wahnsinnige Liebende in -Schranken zu halten. - -Sie ließ nicht lange auf sich warten. Sie trat durch die Thür ein, -welche von der Haupttreppe in den Saal führte, mit einem weißen Kleide -angethan, und halb in einen großen schwarzen Schleier verhüllt, der ihr -das furchtbare Ansehen eines Gespenstes gab, das sie auch durch ihren -leblosen Blick, durch die Leichenblässe ihres Gesichts nicht -verläugnete. In der Hand trug sie ein Licht, das sie schnell auf den -Fußboden setzte, als sie den Obersten erblickte; dann trat sie auf ihn -zu, und gab ihm ihre Zufriedenheit über sein pünktliches Erscheinen zu -erkennen. - -»Ich werde stets gern erscheinen, wenn Lodoiska mich sehen will, -vorzüglich seitdem sie mich versichert hat ....« - --- Alfred, ich bitte Sie, rufen Sie mir ein Versprechen nicht mehr in's -Gedächtniß zurück, dessen Erfüllung mir zu viel kostet. Wie! soll ich -mich denn unaufhörlich verstellen? Soll ich es ruhig mit ansehen, daß -Sie alle Mittel aufsuchen, mich von hier zu entfernen, und daß Sie -dergleichen Anträge unterstützen, wie man mir gestern mitgetheilt hat? --- - -»Glauben Sie mir, Lodoiska, daß ich dabei so viel gelitten habe, als Sie -selbst, sobald man mich davon in Kenntniß setzte? Ja, es war mir schon -unerträglich, es nur zu vermuthen; aber was konnte ich dagegen thun? -Schweigen und das Weitere Ihnen überlassen. Ich hoffte .... ich wußte, -wollte ich sagen, daß Ihre Antwort verneinend sei, und daß man Sie dann -nicht weiter verfolgen würde.« - -Ein Strahl von Freude blitzte bei diesen Worten in Lodoiska's Augen auf. - -»Sie hofften, sagen Sie. Ach, warum kann ich meinerseits nicht mehr -hoffen! Ich bin die Zeugin eines Glücks, das mir über Alles verhaßt ist, -und das ich niemals selbst schmecken werde. Jetzt muß ich mich einem -Orte entreißen, der mir unerträglich wird. Ich habe Sie wiedergesehen; -mein Unglück ist vollendet, und es bleibt mir nichts mehr übrig, als -mich zu entfernen.« - --- Sie wollen fort? Lodoiska, bedenken Sie unsere Freundschaft! -- - -»Unsere Freundschaft! Alfred, ich mache mir nichts daraus, und wenn Sie -mir dieselbe auch ganz aufrichtig anbieten, ich nehme sie nicht an. Mein -Loos ist gefallen, und ich weiß mich dabei zu erhalten! setzte sie mit -einem boshaften Lächeln hinzu. Indem ich Sie durch meine Abreise von -meiner Gegenwart befreie, gebe ich Ihnen zugleich Ihre Ruhe zurück. Sie -werden nicht mehr zittern, wenn ich mich Ihnen zeige oder mit Ihnen -spreche, und von der Liebe zu derjenigen, die Sie mir vorziehen, nicht -mehr zerstreut werden.« - --- Es steht Ihnen frei, zu bleiben oder abzureisen; ja ich weiß nicht, -ob ich selbst Sie nicht zum Letzteren auffordern sollte. Aber sein Sie -überzeugt, daß mein Herz Ihre Entfernung nicht wünscht; es würde -zufrieden in Ihrer Nähe sein, wenn es Sie nicht mehr zu fürchten hätte, -und es fühlt mehr als je, wie verführerisch Sie sind. -- - -»Nun? Und welchen Platz wollten Sie mir denn neben sich anweisen? Sie -antworten nicht; was soll ich daraus schließen?« - --- Daß ich höchst verlegen bin; denn was soll ich Ihnen antworten, um -Sie zu befriedigen? Die Bande, welche mich an Helenen fesseln sind -unauflöslich. -- - -»Ja unauflöslich, wie alles Uebrige bei den Menschen, bis zum Tode -.....« - -In dem Tone, mit welchem diese Worte ausgesprochen wurden, lag ein so -geheimnißvoller Sinn und ein so boshafter Ausdruck, daß der Oberst -schaudernd einen Schritt zurücktrat, und Lodoiska'n erstaunt ansah; -allein er bemerkte, daß ihre Augen von der gewöhnlichen -außerordentlichen Gleichgültigkeit erfüllt waren, und ihr unbefangenes -Wesen stand so sehr in Widerspruch mit dem, was schon der bloße Ton -ihrer Stimme ausgedrückt hatte, daß Alfred glauben mußte, er habe sich -geirrt. Es folgte ein langes Stillschweigen, wobei der Oberst in's -tiefste Nachdenken versunken war, bis endlich Lodoiska wieder das Wort -nahm. - -»Sie denken sehr ernsthaft nach, Alfred; beschäftigen Sie sich mit der -Vergangenheit oder mit der Zukunft?« - --- Nein, nur mit der Gegenwart, die mich in die unbeschreiblichste -Verwirrung setzt. -- - -»Sein Sie nicht böse, wenn ich Ihnen sage, daß ich Ihre Schwäche kenne. -Sie sind nicht im Stande, einen bestimmten Entschluß zu fassen, und Sie -wissen selbst kaum, was Sie wollen.« - --- Ach, Lodoiska, könnten Sie in mein Herz sehen! Aber ich möchte wohl -wissen, wie Sie sich benehmen würden, wenn Sie sich in meiner Lage -befänden. -- - -»Nach reiflicher Ueberlegung aller Gründe würde mein Entschluß sehr bald -gefaßt sein, und den einmal eingeschlagenen Weg würde ich dann mit Muth -und Dreistigkeit betreten.« - --- Wenn aber dieser Weg Sie zum Irrthume, oder gar zum Verbrechen -führte? -- - -»Auch dann würde ich ihn verfolgen, denn von allen Uebeln ist das -schlimmste die Unschlüssigkeit. Aber haben Sie sich auch recht davon -überzeugt, worin eigentlich die Verlegenheit in Ihrer Lage besteht? -Wissen Sie denn bestimmt, wo das Böse und wo das Gute anzutreffen ist? -Und seit wann ist es Sitte, daß neuere Rechte die ältern verdrängen -können?« - --- Lodoiska, was würden Sie also von mir fordern? -- - -»Alles oder Nichts, Alfred! Sie schaudern? O, dann sind Sie nicht würdig -mich weiter anzuhören.« - --- Wie könnte ich eine Gattin verlassen, der ich durchaus keinen Vorwurf -zu machen habe! mich von einem Kinde trennen ..... -- - -»Alles oder Nichts, ich wiederhole es Ihnen. Worüber können Sie sich -beklagen, da Sie völlig freie Wahl haben, und ich Ihnen deutlich zwei -Wege zeige, aus Ihrer Verlegenheit zu kommen?« - --- Wohl, Lodoiska! Aber so groß auch meine Anhänglichkeit an meine erste -Liebe sein mag, so werde ich doch nie meinen Ruf so beflecken, eine -tugendhafte Gattin, die ich freiwillig gewählt habe, wieder zu -verlassen. -- - -»Allerdings! das können Sie auch nicht, ohne Ihrem Rufe, Ihrer Ehre zu -schaden, die mir theuer sind. Aber wenn man Sie sprechen hört, sollte -man glauben, daß diese Gattin unsterblich ist, oder einen Bund mit der -Ewigkeit geschlossen hat.« - --- Sie flößen mir Entsetzen ein, Lodoiska, und ich will Sie nicht -verstanden haben; ja vielleicht verstehen Sie sich selbst nicht. -- - -Ein schauerliches Lächeln war die Antwort der Fremden, und in ihren -Augen las der Oberst völlig klar ihre Gedanken, so daß ihm kein Zweifel -mehr übrig bleiben konnte. - -»Nein, nein, tausend Mal nein! Nie werde ich mich mit einem Verbrechen -besudeln! Grausames Weib, ich verabscheue Sie!« - --- Ja, ich weiß es, Sie waren ein geringerer Verbrecher, als Sie mein -Herz zerfleischten, als Ihr Betragen, Ihre Briefe meinem Dolche den Weg -zeigten. -- Bei diesen Worten schlug sie ihren Schleier zurück, und -zeigte dem erstarrenden Alfred die offene, noch blutende Wunde, welche -mitten in's Herz ging. -- Auch mein Vater, meine Mutter, fuhr sie fort, -fanden ihre letzte Zuflucht nur durch den Tod! Nein, damals war Alfred -kein Verbrecher, und noch jetzt ist er der unschuldigste, der -tugendhafteste der Männer! -- - -»O, Lodoiska! welche Verzweiflung! Welche schreckliche That haben Sie -vollbracht! Wie, Ihr Blut ist geflossen, und Sie legten Hand an sich -selbst? Und dadurch haben Sie auch Ihren ehrwürdigen Aeltern das Leben -geraubt?« - --- Nicht ich, Alfred! Nicht ich, sondern Sie, Sie allein sind an Allem -Schuld. Ich war nur das Werkzeug, dessen Sie sich bedienten, eine ganze -Familie von der Erde zu vertilgen. Und dennoch werden Sie ruhig -schlafen, oder Ihr Schlaf wird bloß durch den Schrecken beunruhigt -werden, den ich Ihnen verursache. Auf Wiedersehen! Urheber alles meines -Elendes, der Sie meine ewige Verbannung aus dem Himmel verursacht haben! --- - -»Sie vernichten mich durch Ihre Vorwürfe! Aber wozu wollen Sie -verzweifeln? Mein Vergehen war groß; doch ich hoffe Gnade vor Gott zu -finden, und Sie, glauben Sie mir, daß Sie noch durch aufrichtige Reue -.....« - --- Reue! rief die Fremde mit einem lauten schrecklichen Lachen, daß der -Saal davon erschallte; Reue giebt es nicht mehr für mich; ich habe sie -sammt meinen übrigen menschlichen Empfindungen in meiner Hütte -zurückgelassen. Mein Weg ist mir vorgeschrieben, ich kann nichts mehr -thun, als ihn genau befolgen! -- - -Der Oberst erstarrte über diese Worte; aber als er bedachte, welche -Vorurtheile Lodoiska in ihrem Vaterlande seit ihrer frühen Jugend -eingesogen haben müsse, und daß ihr Unglück ohne Zweifel einen -nachtheiligen Einfluß auf ihren Verstand gehabt habe, ward er von -zärtlichem Mitleiden ergriffen; er suchte sie zu trösten und zu -beruhigen, indem er sich ihr näherte, um die Hand Lodoiska's zu -ergreifen, über welche sie stets einen Handschuh trug. Allein sie -errieth den Zweck seiner Bewegung, und trat erschrocken einen Schritt -zurück. - -»Nein, nein, Alfred! Geben Sie Ihre Versuche auf, mich anderes Sinnes zu -machen. Ich wiederhole Ihnen nochmals, daß ich nicht länger hier bleiben -kann, und das Schloß mit dem morgenden Tage verlassen muß. Ich habe mein -abgebranntes Haus wieder aufbauen lassen, und vorgestern die Nachricht -erhalten, daß es zu meiner Aufnahme bereit ist. Fürchten Sie nun nicht -mehr, daß ich Ihnen durch meinen Anblick lästig fallen werde.« - --- Ich kann die Ausführung Ihres Entschlusses nicht zugeben, Lodoiska. -Warten Sie noch einige Zeit, ehe Sie uns verlassen; denn wie können Sie -mitten im Winter in ein neu erbautes Haus einziehen? Wissen Sie nicht, -wie schädlich die Feuchtigkeit der Mauern auf die Gesundheit wirkt? -- - -»O, mir schadet sie nichts; denn in einer andern Wohnung fand ich eine -weit größere Feuchtigkeit, und doch sehen Sie mich noch hier. Mein -Entschluß ist unabänderlich, und Niemand wird mehr an mich denken, wenn -ich mich entfernt habe.« - -Nach diesen Worten eilte Lodoiska auf ihr Licht zu, nahm es in die Höhe, -und ging fort, ohne auf Alfred's wiederholte und dringende Bitten zu -hören. Da er sie verschwunden sahe, kehrte er in sein Zimmer zurück, wo -er die Nacht unter den peinlichsten Gedanken schlaflos zubrachte. - - - - - Neunzehntes Kapitel. - - -Zur Frühstückszeit erschien Lodoiska am folgenden Tage wie gewöhnlich. -Ihre ruhige Haltung und die Gleichgültigkeit in ihren Blicken verriethen -Helenen im Geringsten nicht, welchen Entschluß sie gefaßt habe, und -selbst der Oberst wurde einigermaßen irre an ihr. Nach dem Frühstück -setzte sie sich an ihren Stickrahmen, wie sie es immer gethan hatte, und -arbeitete mit ungetheilter Aufmerksamkeit. Als der Oberst sich aber aus -dem Zimmer entfernte, weil ein Bauer ihn einiger Geschäfte halber zu -sprechen verlangte, stand Lodoiska auf, und ging zur Thür hinaus, als -wenn sie sich bloß in ihr Zimmer begeben wollte. Da Helene wußte, wie -sehr ihr oft die geringsten Fragen lästig waren, so fragte sie auch -nicht nach der Ursache ihrer plötzlichen Entfernung, die überdieß nur -auf einige Minuten zu geschehen schien. - -Eine Stunde ging vorüber, und die Fremde ließ sich noch nicht blicken. -Der Oberst bemerkte bei seiner Rückkehr sogleich ihre Abwesenheit, und -fragte seine Frau nach ihr. - -»Sie hat sich, kurz nachdem du das Zimmer verlassen hast, entfernt, und -ich glaubte bloß, daß sie sich Wolle zum Sticken holen wollte; allein -jetzt sehe ich ein, daß sie wohl eine andere Absicht haben mußte.« - -Der Oberst vermuthete sogleich die Wahrheit, suchte jedoch seine innere -Bewegung zu verbergen, und stellte sich völlig gleichgültig. Bald darauf -trat der neue Bediente ein, welcher Werners Stelle ersetzte, und übergab -der Oberstin einen Brief von Lodoiska. - - »Ich muß mich, schrieb dieses unglückliche Mädchen, bei Ihnen - über die Art entschuldigen, wie ich mich von ihnen trenne. Ich - bin in meine frühere Wohnung zurückgekehrt, und bedaure, Ihnen so - viel Last verursacht zu haben; aber die innigste Dankbarkeit - erfüllt mich für Ihre mir erwiesene Güte. Warum darf ich Ihnen - keinen Beweis von dieser Gesinnung geben! Ein schreckliches - Schicksal zwingt mich, stets gegen meinen eigenen Willen zu - handeln! Ich habe bei Ihnen die größte Zuvorkommenheit - gefunden, und dennoch werde ich ... Verzeihen Sie meinen Wahnsinn - .... Ich weiß selbst nicht, was ich will, aber ich traure - darüber, daß ich weiß, was ich kann. Gern wäre ich in Ihrem - Schlosse geblieben; aber dann hätte ich mich entschließen - müssen, öfters einen Mann zu sehen, dessen Zuneigung zu mir mich - zwingt, ihn zu meiden. Sie seiner Besuche zu berauben, wäre - ungerecht gewesen, und es war also nothwendig, daß ich mich - entfernte. Ich befinde mich jetzt wieder in meinem Hause, und - habe meinen ganzen Geschmack für die ungestörteste Einsamkeit - dahin zurückgebracht; diese werde ich nur dann auf einige - Augenblicke verlassen, wenn ich Ihnen, ohne Furcht vor einem - unangenehmen Zusammentreffen, persönlich Alles das versichern - kann, was ich jetzt nur mit schwachen Worten ausdrücke.« - -Unter der Unterschrift, welche bloß aus dem Namen Lodoiska bestand, -befanden sich noch einige Höflichkeitsformeln für den Obersten. - -»Wahrhaftig, sagte Helene, nachdem sie den Brief mit lauter Stimme -vorgelesen, eine sonderbare Art uns zu verlassen. Und wie ist es -möglich, daß sie mitten im Winter in ein neu erbautes Haus einziehen -kann, bloß um einen Mann zu fliehen, den ein einziges Wort von ihr -zurückgehalten haben würde! Wir wollen ihr aber sogleich ihre Sachen -schicken, von denen sie ohne Zweifel nichts mitgenommen hat.« - -Der Oberst suchte eine Antwort hervorzubringen, welche gleichgültig sein -sollte; zu seinem Glücke achtete aber Helene nicht auf ihn, sondern -ging, um Lisetten zu klingeln, welche mit der Nachricht eintrat, daß -zugleich mit dem Briefe auch ein Wagen angekommen sei, der die Sachen -der Fremden abholen sollte. Dadurch fand der Oberst einen Vorwand, sich -aus dem Zimmer zu entfernen, um Befehl zum Aufladen dieser Sachen zu -geben, in der That aber, um wieder freien Athem zu schöpfen; und während -sein Körper sich im Schlosse befand, irrten seine Gedanken in ungeheuren -Räumen umher. - -Das plötzliche Verschwinden Lodoiska's aus dem Schlosse gab der -Neugierde der Nachbarn neue Nahrung. Herr von Krauthof, der diesem -schönen Frauenzimmer nicht gewogen war, verbreitete zuerst die -boshaftesten Gerüchte über die Nothwendigkeit dieser schnellen -Veränderung der Wohnung, und bald erzählte man sich allgemein in der -Umgegend, daß die Eifersucht der Oberstin sie verursacht habe. -Glücklicherweise kamen diese Gerüchte den betheiligten Personen nicht -selbst zu Ohren; aber der Arzt erfuhr sie ebenfalls, und nahm sie nicht -mit völliger Gleichgültigkeit auf. Er erinnerte sich einer Menge -Umstände, die er in dem Augenblicke selbst nicht beachtet hatte, die ihm -aber jetzt als ein Lichtstrahl zu sein schienen; doch hütete er sich, -von seinen Entdeckungen irgend Jemanden etwas mitzutheilen, und zog es -vor, sich mit dem Obersten selbst darüber freimüthig zu erklären, sobald -er die Gelegenheit dazu finden würde. - -Zu dieser Zeit wurden Helenens Gesundheitsumstände immer bedenklicher. -Vorzüglich empfand sie eine große Schwierigkeit, Athem zu holen; sie -verlor ihre Kräfte, und verfiel allmählich in eine Abzehrung, die sie -zum Grabe führen konnte. - -Wildenau, der wirklich ein Arzt von großen Verdiensten war, studirte mit -der größten Genauigkeit alle Symptome dieser Krankheit, welche dieselbe -zu sein schien, wodurch der kleine Wilhelm dem Leben entrissen worden -war. Eine außerordentliche Abspannung und Schwäche, ein beständiges -Bedürfniß zu essen, ein anhaltender Schweiß; alle Zeichen waren -dieselben. Helene ward still und schwermüthig, ohne die Gefahr zu -kennen, die ihr drohte; ihren Gatten schien sie mehr als je zu lieben, -und dieser war weit entfernt, an ihren nahen Tod zu glauben. - -Seit der Flucht Lodoiska's bemerkte der Oberst mit Schrecken, daß dieses -junge Mädchen immer mehr die Oberhand in seinem Herzen gewann, und aus -Furcht vor den Folgen dieser zunehmenden Neigung hätte er vor sich -selbst fliehen mögen. Bald war er froh darüber, daß Lodoiska sich aus -dem Schlosse entfernt hatte, indem er sich schmeichelte, daß dadurch die -Ruhe seines Lebens gesichert worden sei; bald seufzte er nach der -Rückkehr der Fremden, und es schien ihm, daß das Schloß jetzt nichts als -eine große Einöde sei. Oft ging er in das Zimmer, welches sie bewohnt -hatte, und bildete sich ein, sie dort wiederzusehen; er setzte sich in -ihren Lehnstuhl, oder auf ihr Bett, und wer ihm zugesehen hätte, würde -geglaubt haben, daß er wahnsinnig geworden sei. - -Oefters führte ihn ein edles Gefühl zu seiner Pflicht zurück, und voller -Scham über seine Schwäche, über den ihn entehrenden Wahnsinn, suchte er -in Gesellschaft seiner Frau, seiner Tochter, reinere Gedanken zu -sammeln. In diesen Augenblicken verschwand das Bild Lodoiska's -allmählich aus seinem Herzen, und die tugendhafte Helene nahm alle ihre -Rechte wieder ein; aber leider dauerten diese Augenblicke nicht lange: -Lodoiska, mit dem mächtigen Reiz eines Gegenstandes, in dessen Besitz -man noch nicht gewesen ist, kehrte siegreich in sein Herz zurück. - -Mehrere Tage vergingen, während der Oberst fast beständig unter diesen -Kämpfen mit seinem Innern zubrachte, seine Gattin aber immer schwächer -wurde. Sie war nicht im Stande, wie sie es wünschte, Lodoiska'n in ihrer -neuen Wohnung einen Besuch abzustatten, und diese ließ sich vor -Niemandem blicken. Sie begnügte sich damit, sich von Zeit zu Zeit durch -einen Bauer nach dem Gesundheitszustande Helenens erkundigen zu lassen. - -Wildenau fand sich täglich im Schlosse ein, um der Oberstin seine ganze -Kunst zu widmen. Er vervielfältigte seine Fragen, um die erste Ursache -ihrer Krankheit kennen zu lernen, aber die Antworten, die er erhielt, -waren weit entfernt, ihn zu befriedigen. - -»Ich erinnere mich durchaus keines Umstandes, sagte sie, der meinen -jetzigen Zustand verursacht haben könnte, und Sie werden sehen, daß ich -eben so wie mein Sohn, unter gleichen Umständen, sterben werde.« - --- Um Gottes willen! unterbrach sie der Arzt, glauben Sie so etwas -nicht! Schon dieser Gedanke allein ist im Stande, Ihren Zustand zu -verschlimmern, und überdieß sind Sie weit entfernt von der Krankheit -ihres Kindes. -- - -Helene erwiederte mit einem schwermüthigen Lächeln: »Ich weiß, daß man -mich in dieser Hinsicht täuschen will; wenn ich alle meine Gedanken -offenbaren wollte, so würde man mich für kindisch halten; allein ich bin -überzeugt, daß ich mich nicht irre, und ich weiß am besten, welches -Uebel mich peinigt.« - --- Diese Worte, erwiederte Wildenau, beweisen, daß Sie uns irgend Etwas -verschweigen wollen. Aber das ist nicht gut, es könnte die -gefährlichsten Folgen haben. Scheuen Sie sich nicht, uns Ihr Geheimniß -zu entdecken, was es auch sei; Sie leiten mich dadurch vielleicht auf -die richtige Spur, Ihnen Ihre Gesundheit wiederzugeben. -- - -Helene weigerte sich lange hartnäckig, die Meinung, welche sie von ihrem -Zustande hatte, zu entdecken, bis sich der Oberst mit dem Arzte -vereinigte, und sie so dringend bat, daß sie endlich erklärte: sie wolle -ihr Geheimniß ihrem Manne mittheilen, aber unter der ausdrücklichen -Bedingung, daß dieser es gänzlich für sich behalten wolle. Dieß war zwar -nicht das, was Wildenau wünschte, allein er mußte sich darein fügen, und -entfernte sich augenblicklich, mit dem Versprechen, morgen -wiederzukommen. - -Als Helene sich mit ihrem Manne allein befand, verbarg sie ihr Gesicht -in ihren Händen, gleichsam aus Furcht, befragt zu werden. Auch Alfred -fürchtete, sie zu fragen, weil er glaubte, daß seine Frau vielleicht von -seinen früheren Verhältnissen zu Lodoiska Kenntniß erhalten habe, und -daß der Kummer darüber die Ursache ihres langsamen Dahinschmachtens sei. -Indessen mußte er sich doch endlich entschließen, das Wort zu nehmen, -und er fragte daher Helenen, ob sie ihm nun ihr Geheimniß anvertrauen -wolle. - -»Ach Alfred! wie kann ich mich entschließen, dir meine Gedanken -mitzutheilen? Was wirst du von mir denken, wenn du erst meinen Wahnsinn -kennst?« - --- Wie so, liebe Helene? Ich hoffe doch nicht, daß du an meiner Liebe zu -dir zweifelst? -- - -»Nein, Alfred, warum sollte ich dieß thun? Es ist keinesweges bei meinen -Träumereien von ähnlichen Gegenständen die Rede, sondern ich werde von -einer schrecklichen Erscheinung verfolgt ..... O, wie lächerlich werde -ich dir vorkommen!« - --- Nein, nein, Helene! fürchte nichts, sagte der Oberst mit der -äußersten Zufriedenheit, da er gewiß war, daß sie gegen ihn keinen -Verdacht geschöpft habe. -- - -»Nun wohlan! Sei es nun Schwäche, oder Aberglauben, oder irgend eine -andere Ursache, genug, es scheint mir, als wenn ich alle Nächte von -einem schrecklichen Ungeheuer verfolgt werde, das sich über mich -hinlegt, mit seinem häßlichen stinkenden Munde den meinigen berührt, und -mir so das Blut aus den Adern saugt. Kurz, ich werde von einem _Vampyre_ -gequält. Glaube es mir sicher, derselbe Dämon hat schon den Tod unseres -Sohnes, so wie einer jungen Bäuerin aus dem Dorfe verursacht, obgleich -bei der letztern auf eine plötzliche und gewaltsame Weise.« - --- Sprichst du wirklich im Ernst, Helene? Suchst du nicht vielleicht mit -mir durch eine solche Entdeckung zu scherzen? -- - -»Ich wußte es wohl, daß du über mich spotten würdest; allein dem sei, -wie ihm wolle, ich habe die schreckliche Gewißheit von meinen -nächtlichen Qualen. Es ist nicht eben ein bloßer Traum, der alle Nächte -wiederkehrt; nein, der Schmerz, den ich empfinde, das Gewicht des -Wesens, das mich fast erdrückt, entreißt mich meinem Schlafe. Aber eine -höhere Macht hemmt alle meine Bewegungen, schließt mir die Augenlieder, -und überwältigt meine Anstrengungen, mich von meinem Verfolger -loszumachen. Vergebens suche ich zu schreien, die Töne ersterben in -meiner Brust; ich fühle die auf mir liegende Last und das Verschwinden -meines Blutes aus den Adern.« - --- Du setzest mich in Erstaunen, Helene, und ich weiß nicht mehr, was -ich dir antworten soll. Fühlst du nicht, daß du bloß das Spiel einer -traurigen Täuschung bist, die nur durch deine Krankheit verursacht wird, -die sie verschlimmert, aber nicht hervorbringt? Ich will nicht -versuchen, dir die Unmöglichkeit zu beweisen, daß ein solches Wesen, wie -du es fürchtest, existiren kann; nie wird die Vorsehung erlauben, daß -die Gesetze der Natur auf eine so schreckliche Weise verletzt werden. -Aber du hast Zerstreuung nöthig; unser jetziger Aufenthalt taugt nicht -mehr für uns, und mit dem morgenden Tage wollen wir nach Prag reisen, um -dort deine völlige Genesung abzuwarten. -- - -»Nein, Alfred, ich kann nicht einwilligen, dieses Schloß zu verlassen. -Ich bitte dich, hier zu bleiben, weil eine allzutheure Ursache mich hier -fesselt.« - --- Diese Ursache kann dir nur traurige Erinnerungen bringen. Wenn du -willst, so wollen wir nach Dresden, deiner Vaterstadt, reisen, oder -wohin du sonst wünschest. Aber der Anblick neuer Gegenstände muß dich -diejenigen vergessen machen, die deine Schwermuth verursacht haben. -- - -»Ich will mich nicht von hier entfernen, weil ich sonst nicht neben dem -Grabe meines armen Wilhelm würde ruhen können.« - -Diese rührende Antwort, mit einem Strom von Thränen begleitet, drohte -Alfreds Herz zu brechen. Er vermischte seine Thränen mit denen seiner -Frau, aber gab dessenungeachtet ihren Wünschen nicht nach, sondern -stellte ihr die wichtigsten Gründe vor, um sie zur Veränderung ihres -Aufenthalts zu überreden. Nach vielen Bitten mußte sie endlich -nachgeben, und sie ertheilte ihre Einwilligung zu einem vierzehntägigen -Aufenthalte in Prag. - - - - - Zwanzigstes Kapitel. - - -Als Helene am andern Morgen die Anstalten zur Abreise sahe, schien ihr -Versprechen ihr wieder leid zu werden, und sie bat ihren Mann, seinen -Entschluß aufzugeben. Allein ihre Bitten waren vergebens; der Oberst -blieb fest bei seinem Willen. Vor der Abreise schrieb Helene noch einige -Zeilen an Lodoiska, um sie zu benachrichtigen, daß sie auf vierzehn Tage -mit ihrem Gatten und ihrer Tochter nach Prag reisen würde; zugleich -sprach sie den Wunsch aus, wie angenehm es ihr sein würde, einen Besuch -von ihr in dieser Stadt zu erhalten, weßhalb auch ein Zimmer für sie in -der Wohnung, die man wählen würde, bereit gehalten werden sollte. - -Wildenau, der durch einen Boten herbeigeholt worden war, kam in dem -Augenblicke an, wo die Familie sich in den Wagen setzen wollte. Kaum -hatte der Oberst, ihn bei Seite nehmend, noch Zeit genug, ihm im -Allgemeinen zu sagen, daß die Einbildungskraft seiner Frau durch -schreckliche Vorstellungen angegriffen werde, weßhalb er es für nöthig -gehalten habe, sie zu zerstreuen, und sie zu diesem Zwecke mitten in den -Tumult einer großen Stadt zu führen. Der Arzt konnte diesen Plan nur -billigen, und er versprach, die Familie in der Stadt öfters zu besuchen. - -Der Wagen, mit vier raschen Pferden bespannt, eilte pfeilschnell auf der -Landstraße, die nach der Stadt führte, fort, und nach zwei Stunden -befand sich die Familie bereits in Prag, im Gasthofe zum Kaiser. Sie -trat hier so lange ab, bis gegen Abend der Oberst, welcher die ganze -Stadt durchlaufen hatte, zurückkehrte, mit der Nachricht, eine sehr -bequeme Wohnung, ganz wie er sie wünschte, gefunden zu haben. Noch in -dieser Nacht schlief die Familie in ihrer neuen Behausung, wo der Oberst -sein Bett in das Schlafzimmer seiner Frau hatte setzen lassen. - -»Du siehst nun, sagte er lächelnd zu ihr, was ich für Anstalten zu -deiner Beschützung gemacht habe; ich bin hier mit Degen und Pistolen, um -den Dämon mit Vortheil zu bekämpfen. Doch hoffe ich, nicht wirklich mit -ihm ins Handgemenge zu gerathen, weil er uns wahrscheinlich nicht bis -hierher folgen wird; denn die Gespenster und bösen Geister haben nur -selten Erlaubniß in großen Städten umherzuwandeln; nur in den alten -Schlössern vermögen sie zu spuken.« - -Es war Alles vergebens, Helenen aufzuheitern; sie blieb stets schweigend -und tiefsinnig, denn das Uebel, von welchem sie befallen war, hatte -schon zu große Fortschritte gemacht. Sie legte sich zeitig schlafen, -während ihr Mann noch lange wachte; aber als auch er endlich das Bett -suchte, erstaunte er über die außerordentliche Müdigkeit, die ihn -befiel, und kaum hatte er sich niedergelegt, so schloß der Schlummer -seine Augen. Mit anbrechendem Tage erwachte er wieder, und da er hörte, -daß seine Frau sich im Bette umwendete, um eine andere Lage zu suchen, -fragte er sie, wie sie die Nacht zugebracht habe? - -»Ganz so wie gewöhnlich, antwortete sie; meinen Aufenthalt habe ich -verändert, aber meine Marter ist geblieben. Fahre immer fort zu lächeln; -der Vampyr hat mich dessen ungeachtet nicht verlassen, ja er hat sich -heute schrecklicher und blutgieriger als sonst gezeigt.« - -Diese Antwort war für Alfred äußerst niederschlagend; denn da er an die -Wirklichkeit ihrer Träume nicht glauben konnte, so mußte er annehmen, -daß wohl gar ihr Verstand angefangen habe zu leiden. Er beschloß daher, -sie auf alle Weise zu zerstreuen, sie in Gesellschaften, in's Theater zu -führen, und noch an demselben Morgen beredete er sie, sich mit ihm in -den Wagen zu setzen, um in der Stadt umher zu fahren, und die -Merkwürdigkeiten derselben zu besehen. - -Helene ward wider ihren Willen durch die Menge und Verschiedenheit der -Dinge, die sie zu sehen bekam, belustigt, und schien beim Mittagessen, -wo sie mit vielem Appetit aß, sich sehr wohl zu befinden. Der Oberst sah -sogar auf ihren blassen Wangen einen Anschein von Farbe, und fühlte sich -von neuer Hoffnung erfüllt. Ganz seiner Pflicht lebend, entfernte er -jeden Gedanken von sich, der ihm verbrecherisch scheinen konnte, und -suchte die Erinnerung an Lodoiska völlig aus seinem Herzen zu verbannen. - -Die Nacht kam heran. Um einen Versuch zu machen, ob seine Frau dadurch -mehr ermuthigt werden könnte, bat er sie um Erlaubniß, sich neben ihr -ins Bett zu legen, und Helene willigte ein. Er versprach ihr, so lange -als möglich wach zu bleiben, um durch seine Gegenwart das gefürchtete -Ungeheuer abzuhalten; aber er hatte sein Wort allzuverwegen gegeben. Es -dauerte nicht lange, so befiel ihn der Schlaf mit solcher Gewalt, daß er -vergebens dagegen kämpfte, und wider seinen Willen die Augen schloß. - -Als er wieder erwachte, fühlte er auf der Stelle seines Herzens einen -lebhaften Schmerz, und als er mit der Hand dahin tastete, wurde derselbe -noch stärker. Er wendete sich gegen die neben dem Bett stehende -Nachtlampe, und sein Erstaunen übertraf jede Vorstellung, als er auf -seiner Haut den Abdruck von fünf Fingern, in gelben und schwärzlichen -Flecken, erblickte! Er urtheilte sogleich, daß Helenens Hand diesen -Druck hervorgebracht habe, aber schloß auch daraus, daß sein Schlaf -außerordentlich fest gewesen sein müsse, weil er nichts davon gefühlt -hatte. - -Helene erwachte bald darauf ebenfalls; ihr Stillschweigen sagte -hinreichend, daß ihr Zustand in dieser Nacht nicht besser gewesen sei, -als sonst, und es war also dringender als je, ernstlich an ihrer -Genesung zu arbeiten. Der Oberst fuhr heute wieder vor Tische mit -Helenen spazieren, und benutzte diese Gelegenheit, zugleich dem -berühmtesten Arzte in der Stadt seine Aufwartung zu machen. Er bat -denselben dringend, Alles zur Herstellung seiner Frau anzuwenden, was -der Arzt auch versprach; aber indem er diesen Trost gab, hatte er schon -gesehen, daß Helenens Lebenskräfte auf dem Punkt waren, zu erlöschen. - -Am folgenden Morgen war die Oberstin so schwach, daß sie nicht im Stande -war, das Zimmer zu verlassen; sie empfing den Besuch Wildenau's, der -bloß nach Prag gekommen war, um einen Tag mit der Familie zu verleben; -aber der erste Blick überzeugte ihn schon, daß die Kranke von einem -Augenblicke zum andern in ein anderes Leben hinüberschlummern könne. - -Bald darauf trat sein geschickter Amtsbruder ein, und beide beobachteten -nun lange Zeit die Symptome des Uebels, das mit so fürchterlicher -Schnelle wuchs; ihr Urtheil fiel völlig gleich aus. Sie sahen, daß die -Oberstin höchstens noch eine Woche lang leben konnte, und hielten es für -angemessen, ihren Gatten von dem ihm bevorstehenden Verluste in Kenntniß -zu setzen. - -Dieser unangenehme Auftrag mußte natürlich auf Wildenau fallen, weil -derselbe mit dem Obersten schon länger in freundschaftlichen -Verhältnissen stand; er bat ihn also einige Augenblicke mit ihm allein -sein zu dürfen, und machte ihn nun mit der schrecklichen Wahrheit -bekannt. Der Oberst überließ sich seinem aufrichtigen Schmerze; er -wollte anfangs an der Wahrscheinlichkeit der ärztlichen Behauptung -zweifeln, und auf dem Punkt, von seiner Gattin getrennt zu werden, -fühlte er seine frühere Liebe zu ihr sich in ihrer ganzen Kraft erneuen. -Es schien ihm grausam, Helenen von ihrem bevorstehenden Ende in Kenntniß -zu setzen, und da er nicht wußte, wozu er sich entschließen sollte, -kehrte er mit dem Arzte in Helenens Zimmer zurück, wo er sich dergestalt -setzte, daß seine Frau ihn und seinen Kummer nicht sehen konnte. - -Die Oberstin fragte den Arzt mit schwacher Stimme, ob er Lodoiska -gesehen, oder Nachricht von ihr habe? - -»Sie zu sehen, Frau Oberstin, antwortete Wildenau, ist unmöglich, denn -sie kommt nie aus ihrem Hause, das beständig verschlossen ist. Können -Sie wohl glauben, daß Herr von Krauthof den Muth gehabt hat, sich -abermals bei ihr zu zeigen, ungeachtet der früher gemachten üblen -Erfahrung?« - --- Er ist also bei seinem zweiten Versuche nicht glücklicher gewesen? -- - -»Der Ausgang war ganz derselbe, wie das erste Mal, und er ist nun so -entmuthigt, daß er geschworen hat, nie wieder einen Fuß in die Nähe des -Hauses zu setzen.« - --- So sind wir doch glücklicher gewesen, fuhr Helene fort, denn sie hat -sich öfters sehr artig nach uns erkundigt. Das sonderbare Wesen! Was -führt sie bei ihrer Jugend und Schönheit für eine Lebensart! Dabei -bleibt sie stets kalt und gleichgültig, und erscheint mehr als eine -Maschine, deren Räderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, als wie ein -menschliches Geschöpf. Indessen kann ich mir nicht erklären, welche -Gewalt sie über mich erlangt hat. Seitdem wir von einander getrennt -sind, vermisse ich sie beständig, und es scheint mir, als wenn ich sie -in den letzten Stunden meines Lebens bei mir haben müßte; auch wünschte -ich ihr nach meinem Tode die Aufsicht über meine Tochter anzuvertrauen. --- - -Diese mit schwacher Stimme ausgesprochenen Worte setzten die beiden -Zuhörer in Schrecken. Der Oberst sprang heftig vom Stuhle auf, ergriff -Helenens Hand, und stammelte einige Worte des Trostes und der Hoffnung. -Wildenau, der mehr an dergleichen Szenen gewöhnt war, benutzte diese -Gelegenheit, um die Oberstin aufzufordern, einen Geistlichen kommen zu -lassen. - -»Sie thun sich großen Schaden, Frau Oberstin, sagte er, daß Sie sich mit -so düsteren Gedanken quälen. Ich wünschte, daß Sie Zutrauen genug in -mich setzten, um mir die Mittel zu erleichtern, Ihren Gesundheitszustand -zu verbessern; da Sie mir dieß aber verweigern, warum fragen Sie nicht -einen jener frommen Geistlichen um Rath, die gewohnt sind, an dem Bette -der Leidenden Trost zu ertheilen? Vielleicht würde dieß Ihrem Zustande -am zuträglichsten sein.« - -Ein schmerzliches Lächeln ging der Antwort Helenens vorher. »Sie kommen -meinen Wünschen zuvor, sagte sie; ich war schon im Begriff, meinen Mann -zu bitten, daß er einen Geistlichen kommen ließe. Zugleich komme ich -aber auf meinen vorher erwähnten Wunsch zurück: ich sehne mich, die -junge Fremde wiederzusehen, und sie einige Zeit bei mir zu haben.« - -Der Ton, womit dieser Wunsch ausgedrückt wurde, bewies, wie sehr Helene -an dessen Erfüllung hing, und die beiden Zuhörer wurden davon -überrascht, am meisten aber der Oberst, der die Gefahr fühlte, welche -für ihn aus Lodoiska's Gegenwart entstehen mußte. Allein er wußte nicht, -wie er diesem Wunsche seiner sterbenden Frau ausweichen sollte, und -seine Verlegenheit hinderte ihn anfangs, eine Antwort zu geben. Helene, -über sein Stillschweigen verwundert, fragte ihn daher, ob ihr Verlangen -tadelnswürdig sei, und ob der Erfüllung desselben große Hindernisse -entgegenständen? - -Diese Frage weckte den Obersten aus seinen Träumereien, und er -antwortete, daß er sich nur deßhalb nicht gleich erklärt habe, weil er -fürchtete, daß die seltsame Fremde die Bitte abschlagen würde. »Da du -aber auf ihrer Gegenwart bestehst, fuhr er fort, so versuche, ihr einige -Zeilen zu schreiben, denen ich meine Bitten noch hinzufügen werde, und -unser Bediente soll augenblicklich mit unserm Wagen nach R**** fahren. -Ich hoffe dann, daß er sie mitbringen wird.« - -Helene versuchte, den verlangten Brief zu schreiben, wozu sie fast eine -Stunde gebrauchte. Der Oberst setzte dann folgende Worte hinzu: - - »Ja, Madame, wir bitten Sie um die gütige Erfüllung unserer - Wünsche. Wie strenge auch Ihre früheren Entschlüsse sein - mögen, Sie dürfen sich jetzt dem Verlangen meiner Frau nicht - weigern, die Ihre Gegenwart so sehnlich wünscht. Kehren Sie - daher in unsere Gesellschaft zurück, ich wiederhole Ihnen - nochmals meine Bitte; geben Sie uns diesen Beweis Ihres - Wohlwollens.« - -Während der Oberst schrieb, war Wildenau, der Prag genau kannte, -fortgegangen, um einen Geistlichen herbeizuholen, der die Oberstin auf -dem ihr noch übrigen kurzen Lebenswege geleiten und trösten möchte. Es -gelang ihm, einen der würdigsten ausfindig zu machen, der ihm versprach, -am folgenden Morgen sich einzufinden, worauf der Arzt zu seinen Freunden -zurückkehrte. Da seine Geschäfte ihn auf das Land zurückriefen, so nahm -er bald darauf von dem Obersten und dessen Frau den rührendsten -Abschied. - - - - - Ein und zwanzigstes Kapitel. - - -Es war acht Uhr des Abends, als der Wagen, welcher um Mittag abgefahren -war, vor dem Hause still hielt. Bei dem dadurch verursachten Geräusch -erbebte der Oberst; er nahm rasch ein Licht, und eilte die Treppe hinab, -weniger um der Fremden entgegenzugehen, wenn sie wirklich angekommen -wäre, als um seine innere heftige Bewegung vor seiner Frau zu verbergen. - -Als er auf den Hausflur gelangte, sahe er eine weibliche Gestalt, in -einen großen schwarzen Shawl verhüllt, ernsten, langsamen Schrittes auf -sich zukommen, so daß er sich über ihren Anblick überrascht fühlte, als -wenn er eine übernatürliche Erscheinung gesehen hätte. Aber wie sehr -vermehrte sich seine Verwirrung, sobald er beim Scheine des Lichts die -Leichenblässe auf Lodoiska's Gesichte wahrnahm. Sie schien ein Gespenst -zu sein, so stier waren ihre Augen, so eingefallen ihre Wangen; man -mußte glauben, daß sie dem Grabe hundert Mal näher sei, als die -Oberstin, welche stündlich ihrem Ende entgegen sahe. - -Der Oberst, voll Entsetzen über diesen Anblick, konnte kein Wort -hervorbringen, um die Forderungen, welche Höflichkeit und Anstand an ihn -machten, zu erfüllen. Unbeweglich stand er da, und betrachtete die -Zerstörungen, welche ein so kurzer Zeitraum in den Gesichtszügen -Lodoiska's hervorgebracht hatte. Diese bemerkte sein Erstaunen, und mit -einem wilden Lachen hob sie an: - -»Hier bin ich! Sie haben mich gerufen. Schmeicheln Sie sich aber nicht, -mich nun wieder zur Entfernung zu zwingen, wenn Sie es wünschen werden.« - -Glücklicherweise wurden diese lebhaft ausgesprochenen Worte von -Niemanden weiter gehört. Er erschrak über den Sinn derselben, suchte -sich jedoch zu fassen, und antwortete ihr mit einem Anschein von -Galanterie, wofür sie ihm einen fürchterlichen Blick zuwarf. -- - -Als Beide in das Zimmer der Oberstin traten, brach diese beim Anblick -der Fremden, die so krank zu sein schien, wie sie selbst, in Thränen -aus, und reichte ihr freundschaftlich die Hand entgegen. - -»Ach, wie gut sind Sie, meine Bitte erfüllt zu haben! Aber Sie selbst -scheinen der Hülfe eines Arztes zu bedürfen. Warum kamen Sie nicht -früher nach der Stadt?« - --- Mein äußeres Ansehen, erwiederte die Fremde, setzt Sie in Irrthum. -Meine Gesundheitsumstände sind dieselben, wie vor einem oder zwei -Monaten, und es ist schwer, mich besser oder schlechter zu befinden. -Wenn Ihnen meine Züge entstellt erscheinen, die Blässe meines Gesichts -Sie erschreckt, so setzen Sie dieß auf Rechnung der Verwirrung, in die -ich durch Ihren Brief und den darin enthaltenen Befehl gerathen bin. Sie -wissen, wie nothwendig mir die Einsamkeit ist, und ich habe mich nur -schwer ihr entreißen können; aber, wenn man mich auf eine gewisse Art -bittet, so habe ich nicht das Recht, mich zu weigern. Sie wollen mich -haben, und ich bin hier; glauben Sie, durch mich den nöthigen Beistand -zu finden? -- - -Diese eben nicht höfliche Rede machte einen unangenehmen Eindruck auf -Helenen, die den wahren Sinn derselben nicht errathen konnte. Nach -einigem Nachdenken fiel ihr indessen der seltsame Charakter der Fremden -ein, und daß man bei ihr nichts beleidigend finden müsse, weil ihr -Betragen ganz abweichend von allen übrigen Menschen war. Helene bedurfte -der Gesellschaft, und hatte sich an Lodoiska gewöhnt; konnte sie sich -also über deren Sonderbarkeit beklagen? - -Ungeachtet ihrer anscheinend übeln Laune liebkosete Lodoiska doch die -kleine Julie, welche kam, um ihr gute Nacht zu wünschen. Sie nahm das -Kind mit so vieler Zärtlichkeit in ihre Arme, daß sie sich dadurch die -Gewogenheit der Mutter in einem Augenblicke wieder erwarb. Der Oberst -stand dabei, in Träumereien versunken, unfähig ein Wort hervorzubringen; -er wagte es nicht, weder seine Frau noch Lodoiska anzusehen, und die -Zukunft stellte sich ihm in einem schauerlichen Dunkel dar. - -Am andern Morgen erklärte die Oberstin, daß sie heute eine -schrecklichere Nacht als je gehabt habe. Dieß war auch leicht an dem -matten und schmerzhaften Ausdrucke ihres abgemagerten Gesichts zu sehen; -es war augenscheinlich, daß ihre Schwäche mit jeder Minute zunahm, und -daß ihr Leben vielleicht bald entfliehen würde. Da der erwartete -Geistliche sich noch immer nicht blicken ließ, obgleich es schon nach -neun Uhr des Morgens war, so gerieth Helene darüber in Unruhe; bald -darauf meldete indessen Lisette seine Ankunft an. Der Oberst ging ins -Nebenzimmer, um ihn zu empfangen; aber Lodoiska stieß einen Schrei des -Entsetzens aus, und floh eilig in das ihr angewiesene Zimmer. - -Die tröstende Ueberredungskraft des würdigen Geistlichen, der Helenen -neben der Aussicht auf ein künftiges, besseres Leben auch die Hoffnung -zu ihrer Genesung zeigte, machte einen so guten Eindruck auf sie, daß -sie sich ruhiger fühlte, als der Prediger sie verließ; er versprach ihr, -am Abend und, wenn sie es wünsche, auch am folgenden Morgen -wiederzukommen. - -Nach seiner Entfernung kehrte der Oberst ins Zimmer seiner Frau zurück, -wo auch bald darauf der Arzt erschien, welchen man in Prag angenommen -hatte. Dieser fand sie nicht schwächer, als bei seinem letzten Besuche, -und verschrieb ihr einen stärkenden Trank, wovon er sich die beste -Wirkung versprach. Da der Oberst bemerkte, daß Lodoiska noch nicht -wieder gegenwärtig war, begab er sich nach ihrem Zimmer, und klopfte -leise an die Thür. - -»Wer ist da? sagte Lodoiska; was soll ich?« - --- Ich wollte Sie bitten, zu meiner Frau zurückzukehren. -- - -»Ist sie allein? Ist er nicht mehr da, der furchtbare Mann, dessen -Anblick ich nicht mehr ertragen kann?« - -Mit diesen Worten öffnete sie die Thür. - -»Aber von wem sprechen Sie denn?« fragte der Oberst. - --- Von wem ich spreche? Von dem Geistlichen! Seitdem ich mein Vaterland -verlassen habe, ist es mir unmöglich, in der Gegenwart von seines -Gleichen auszuhalten; denn ich bin auf ewig von ihnen geschieden. -- - -Gerührt von dem Aberglauben dieser Unglücklichen, den er ihrem Versuche -zuschrieb, sich das Leben zu nehmen, setzte der Oberst dieses Gespräch -nicht fort, und sagte nur noch, daß kein Fremder im Zimmer sei. - -»Dann will ich Ihnen folgen, fuhr Lodoiska fort; aber versprechen Sie -mir, Alfred, wenn Sie nicht Zeuge des schrecklichsten Auftritts sein -wollen, mich vor jedem Zusammentreffen mit einem Geistlichen zu -bewahren. Ach, dieß ist wahrlich das Geringste, was Sie für mich thun -können!« - -Voller Mitleiden versprach der Oberst, was sie wünschte, und kehrte dann -mit ihr zu Helenen zurück, die schon nach ihrem Anblick verlangte. - -»Der Arzt, sagte sie, hat mir so eben neue Hoffnung zu meiner Genesung -gemacht, und ich würde mich selbst über meinen Zustand täuschen, so -lange es Tag ist; aber die schreckliche Nacht ist die gewisse Ursache -meines Todes. (Lodoiska bebte unwillkührlich zusammen). Ich weiß am -besten, daß es mit meinem Leben bald zu Ende sein wird; vorher aber habe -ich noch einige Bitten, deren Erfüllung allein mich mit Ruhe sterben -lassen kann.« - --- Ach, theure Helene! rief der Oberst lebhaft, ohne sich durch -Lodoiska's Gegenwart stören zu lassen; gieb dich doch nicht so schwarzen -Gedanken hin. Du wirst noch lange zum Glück deiner Familie leben, und -deine Wünsche selbst erfüllen können. -- - -»Der eine meiner Wünsche, lieber Alfred, kann nicht durch mich selbst -erfüllt werden, weil er mein Begräbniß betrifft. Ich will nach meinem -Tode neben meinem Sohne, auf dem Kirchhofe zu R...., ruhen; jede andere -Erde würde mir fremd sein, und nur dort soll man mich begraben.« - -Seufzer und aufrichtige Thränen verhinderten den Obersten, zu antworten; -aber er drückte die Hand seiner Frau in die seinigen, und gab ihr durch -dieses stumme Zeugniß die Versicherung, daß er sich in ihren Willen -füge. Sie bestand also nicht weiter darauf, und wandte sich nun an -Lodoiska, die leichenblaß und mit stierem Blicke schweigend da saß. - --- Was Sie betrifft, meine Freundin, fuhr die Oberstin fort, so bitte -ich Sie, auf einige Zeit die Obhut über meine Tochter zu übernehmen. Sie -haben sie bisher immer mit Zuneigung behandelt, und ich nehme daher die -süße Ueberzeugung mit ins Grab, daß Sie ihr eine zweite Mutter sein -werden, bis Ihre Angelegenheiten Sie aus dieser Gegend abrufen. -- - -Lodoiska stieß bei diesen Worten ein lautes, unbeschreibliches -Angstgeschrei aus. Ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckend, sank sie in -den Lehnstuhl zurück, auf welchem sie saß, und schien einem lebhaften -Schmerze zu erliegen, ohne eine Antwort ertheilen zu können. Auch der -Oberst erstarrte, als er hörte, daß seine Frau ihrer heimlichen -Nebenbuhlerin empfahl, ihre Stelle zu vertreten; und er wagte es nicht, -Lodoiska'n zu Hülfe zu eilen, aus Furcht, seine Gefühle zu verrathen. - -Da die Fremde immer noch schwieg, so glaubte Helene, ihre Bitte -wiederholen zu müssen. Jetzt stand Lodoiska schnell auf, richtete ihre -dunkelflammenden Augen gen Himmel, und rief: »Du willst es, allmächtige -Vorsehung! Wie könnte ich mich gegen deinen Willen sträuben! Ja, ich -nehme es an, was du mir durch diese Unglückliche befiehlst; ja, ich will -die Wärterin ihrer Tochter sein bis an ihren Tod!« - -Der bittere Ton, mit welchem Lodoiska diese Worte aussprach, war für die -arme Helene gleichsam ein Dolchstoß in's Herz; doch wagte sie nicht, -ihre Gefühle zu erkennen zu geben, und sagte nur: »Verlassen Sie -wenigstens meine Tochter nicht eher, als bis Sie sie dem Gatten -überliefern können, den ihr Vater für sie wählen wird.« - -Ein verächtliches Lächeln war der Fremden ganze Antwort, und bald darauf -entfernte sie sich aus dem Zimmer. - -Fünf oder sechs Tage vergingen, während welcher Helene immer schwächer -wurde. Vergebens verschwendete man an ihr alle Mittel der Arzneikunst: -sie vermochten nichts gegen die fürchterliche, geheime Ursache, welche -allmählich ihren Tod herbeiführte. Jede Nacht wachte der Oberst bei ihr -in Gesellschaft einer an dergleichen Dienst gewöhnten Frau; aber durch -ein seltsames Zusammentreffen verfielen Beide in jeder Nacht zu -derselben Zeit in einen festen, todtenähnlichen Schlaf. Jeden Morgen -beklagte sich Helene über ihre außerordentliche Erschöpfung, und im -Geheimen bei ihrem Gatten über den unersättlichen Dämon, der ihr das -Blut tropfenweis aussaugte. Alfred wußte am Ende hierauf nichts zu -antworten, weil er glaubte, daß ihr Verstand immer mehr durch nächtliche -Phantasien zerrüttet würde. - -Während dieser ganzen Zeit gab Lodoiska ihrem ehemaligen Liebhaber weder -durch ein Wort noch durch einen Blick ihre geheimen Empfindungen zu -erkennen; sie betrug sich gegen ihn, als wenn sie ihn nie gekannt hätte. -Für Helenen zeigte sie jetzt während des Tages die größte Sorgfalt; aber -mit Anbruch der Nacht begab sie sich in ihr Zimmer, das sie des Morgens -erst spät wieder verließ. - -Wildenau, der Freund der Familie, kam von Zeit zu Zeit nach Prag; er -belästigte die spröde Lodoiska durchaus nicht mit seinen Seufzern, -sondern schenkte seine ganze Aufmerksamkeit der Krankheit Helenens, -deren Tod er bei seinem Besuche in der nächsten Nacht vorhersagte. -Wirklich wurde auch sein Urtheil bestätigt; denn mit dem Anbruch des -Tages war der letzte Hauch ihres Lebens aus ihrem Körper entflohen. - -Wir versuchen es nicht, den Schmerz zu beschreiben, welchem der Oberst -sich ergab; zu verschiedenen Malen mußte ihn Wildenau mit Gewalt von dem -Leichname Helenens fortführen. Lodoiska ließ sich den ganzen Tag über -nirgends blicken, so daß endlich der Arzt das Recht zu haben glaubte, -sich gegen Abend nach ihrem Zimmer zu begeben, weil er fürchtete, daß -auch sie der Hülfe bedürftig sein könnte. Nachdem er an die Thür -geklopft hatte, erhielt er die Einladung einzutreten. - -Lodoiska, den Kopf auf einen Tisch gestützt, saß in ihrem Lehnstuhle, -ganz in ihren schwarzen Schleier verhüllt. Sie hörte den Worten -Wildenau's zu, ohne ihn anzusehen, und antwortete ihm mit schwachem, -aber ruhigem Tone, daß sie keiner Hülfe bedürfe, daß sie aber nach dem -Tode ihrer Freundin ihre Einsamkeit nicht verlassen wolle. Uebrigens -würde sie ihr gegebenes Versprechen erfüllen, und sich daher morgen ganz -allein nach dem Schlosse R.... begeben, wo sie die Ankunft des ihrer -Obhut anvertrauten Kindes erwarte. - -Wildenau, der auf eine ganz andere Antwort gefaßt war, indem er glaubte, -daß Lodoiska doch wenigstens dem Leichenbegängniß der Oberstin beiwohnen -werde, behielt seine Gedanken hierüber bei sich, und fragte nur, ob man -ihr einen Wagen zur Reise bestellen solle? - -»Ich danke Ihnen, erwiederte Lodoiska, immer noch ohne ihn anzusehen; -ich selbst habe schon deßhalb die nöthigen Maßregeln getroffen. Ich -werde ganz früh abreisen, weil es mir unmöglich ist, dem traurigen -Leichenbegängniß beizuwohnen.« - -Sie schwieg. Ihre fortwährende Unbeweglichkeit veranlaßte endlich den -Arzt, sich voll Verwunderung über die Seltsamkeit dieser jungen Person -zu entfernen. Er benachrichtigte den Obersten von ihrem Entschlusse, und -dieser war insgeheim entzückt, daß Lodoiska ihn durch ihre Gegenwart -nicht in der vollkommenen Erfüllung seiner Pflichten stören würde. Am -folgenden Tage brachte man den Leichnam Helenens nach dem Schlosse -R...., wo diese unglückliche Mutter neben dem Grabe ihres Sohnes ihre -Ruhestätte fand. - - - - - Zwei und zwanzigstes Kapitel. - - -Ein Monat war verflossen, und Lodoiska beobachtete immer noch im -Schlosse die völlige Zurückgezogenheit, wie sie es schon früher gewohnt -gewesen war, als sie sich in ihrem Hause im Walde aufhielt. Ihr Zimmer -war jedem Andern als ihrer Bedienung unzugänglich, und nur Julie hatte -darin Zutritt, obgleich dieses Kind weit lieber im Garten unter -Lisettens Aufsicht umherlief. - -Der Oberst, welcher anfangs den Augenblick gefürchtet hatte, wo er nach -dem Tode seiner Gattin zum ersten Male wieder mit seiner ehemaligen -Geliebten zusammentreffen würde, fing jetzt nach und nach an, sich über -Lodoiska's hartnäckige Einsamkeit insgeheim zu ärgern, und jemehr sie -ihn zu vermeiden schien, desto ungeduldiger wurde er am Ende, sie zu -sehen. Doch wagte er noch nicht, seinen Wunsch laut werden zu lassen; er -verlebte seine Tage traurig und einförmig, theils sich mit Lesen -beschäftigend, theils Wald und Feld in der Umgegend durchstreichend. - -Wildenau, der Arzt, war ebenfalls ungeduldig, daß er die Fremde nicht -mehr zu sehen bekam, und nahm sich nun fest vor, sich freimüthig mit dem -Obersten zu erklären, dessen Empfindungen für den Gegenstand seiner -Zärtlichkeit er schon seit längerer Zeit in Verdacht hatte. Er wollte -sich von den Verhältnissen beider zu einander genau überzeugen, um -danach sein Betragen für die Zukunft einzurichten. Aber verschiedene -Male ward er durch besondere Umstände von der Ausführung seines -Entschlusses abgehalten, indem er theils nicht nach dem Schlosse kommen -konnte, wenn er es sich vorgenommen hatte, theils daselbst mit -besuchenden Nachbarn zusammentraf, in deren Gegenwart er die -beabsichtigte Unterredung mit dem Obersten nicht anfangen konnte. - -Lobenthal, ohne diesen Entschluß des Arztes zu ahnen, fand sich dennoch -in dem Umgange mit seinem Freunde nicht mehr so ungezwungen, seitdem -sein Verhältniß zu Lodoiska durch den Tod seiner Gattin verändert worden -war. Wildenau war nun sein Nebenbuhler -- -- was er selbst sich nur -erröthend gestanden haben würde; und dennoch beschäftigte sich sein Herz -wider seinen Willen mit diesem Gedanken. Sehr häufig floh ihn der Schlaf -bis spät in die Nacht hinein, und wenn die übrigen Bewohner des -Schlosses schon längst sich der süßen Ruhe überlassen hatten, war Alfred -noch in seinem Zimmer wach, wo er durch Lesen seine mancherlei ihn -peinigenden Gedanken zu verscheuchen suchte. Aber dieses Mittel blieb -gewöhnlich vergeblich; Lodoiska's Bild, das Andenken an Helenen zogen -seine Aufmerksamkeit von dem Buche ab, und maschinenmäßig überflogen -seine Augen die Buchstaben, ohne ihren Sinn zu erfassen. - -In einer Nacht, als der Oberst sich unruhiger fühlte als je, wollte er -durch Auf- und Niedergehen in dem großen Saale des Schlosses seinen -Unmuth zu verscheuchen suchen; er nahm daher sein Licht, und ging mit -demselben durch mehrere Zimmer, bis er in den erwähnten Saal gelangte. -Hier setzte er das Licht auf das Gesimse eines alterthümlichen Kamins, -und bei dem schwachen Scheine, der nicht im Stande war, den weiten Raum -zu erleuchten, ging er mit großen Schritten durch die wenig geminderte -Finsterniß. - -Ungefähr seit einer Viertelstunde setzte er diese Bewegung fort, als er -die Flügelthür, welche nach der Haupttreppe des Schlosses führte, -knarren hörte .... der Oberst stand still .... die Thür öffnete sich, -und Lodoiska trat herein ..... Kaum konnte er sie erkennen, so sehr -verschwand sie durch die Einhüllung in ihren schwarzen Shawl in der -Finsterniß, die das Licht nicht verscheuchen konnte; doch bemerkte er -bei dem schwachen Schimmer desto besser die Leichenblässe ihres -Gesichts. Sie schien kein menschliches Wesen zu sein, und gleich einer -überirdischen Erscheinung durch den dunkeln Raum einherzuschweben; ja -die Einbildungskraft Alfred's stellte sie ihm auf einen Augenblick -beflügelt und von Blute triefend vor; aber dieser Anblick ging mit der -Schnelligkeit des Blitzes vorüber, obgleich der Oberst darüber fast -erstarrte. Lodoiska, ohne das geringste Erstaunen über den Anblick ihres -Geliebten zu zeigen, den sie sogleich erkannte, stand still, und stützte -sich auf einen alten Lehnstuhl, als wenn sie sich von einer langen -Anstrengung einen Augenblick lang hätte erholen wollen. - -Jetzt näherte sich Alfred, obgleich nicht ohne heftige innere Bewegung, -der jungen Fremden. - -»Endlich, sagte er, sehe ich Sie wieder, und zwar an demselben Orte, und -in derselben Stunde, wo Sie mir vor einiger Zeit Ihre Entfernung von -hier ankündigten. Wie seltsam ist dieses Zusammentreffen! Ich mußte es -also dem bloßen Zufalle verdanken?« - --- Es ist möglich, antwortete Lodoiska mit ihrem gewöhnlichen -schwermüthigen Tone, daß in Absicht auf Sie der Zufall hier sein Spiel -treibt; was aber mich betrifft, da ich in jeder Nacht mich in diesem -Saale zu erholen pflege, so sehe ich in diesem Zusammentreffen nur -Etwas, das auf jeden Fall früher oder später Statt finden mußte. -- - -»Wie! Lodoiska, in jeder Nacht, sagen Sie, kommen Sie hier her? Welchen -Reiz kann dieser weite und verfallene Saal für Sie haben, wo man nur -unangenehmen Vorstellungen ausgesetzt ist, sobald das Licht des Tages -nicht mehr leuchtet?« - --- Ich mache mir wenig aus dem Glanz der Sonne oder aus dem -schauerlichen Anblick der Finsterniß. Ich lache über Alles, was Andere -meines Geschlechts in Furcht setzt; ich verspotte das Schrecklichste, -und durch ein trauriges Schicksal gefalle ich mir am besten in der Mitte -des Fürchterlichsten und Verabscheuungswürdigsten für alle übrige -Menschen. -- - -»Ach, werden Sie denn nie Ihre Gesinnungen ändern? Werden Sie nie zu -fröhlichen Vorstellungen zurückkehren? Die Vergangenheit, deren Andenken -anfangs so peinlich ist, verliert durch die Länge der Zeit den -unangenehmen Eindruck auf uns, ja öfters verwandelt der Lauf der Dinge -das heftigste Leid in Freude. Sollte Ihr Herz dieser Wirkungen nicht -empfänglich sein?« - --- Nein! sie gleiten eindruckslos an mir vorüber. Sie sprechen von der -Vergangenheit; ich kenne sie nicht mehr; für mich ist die Gegenwart -Alles, da ich weder rückwärts noch vorwärts gehen kann. Ich bin nur an -_einen_ festen Punkt gebannt, und die Hoffnung, welche selbst der -Elendeste der Menschen noch in seinem Herzen nährt, sie ist mir völlig -fremd. Was wollen Sie dagegen thun, Alfred? Sie selbst haben Lodoiska's -Schicksal bestimmt; wundern Sie sich also nicht, wenn es unveränderlich -bleibt. -- - -»Je mehr ich Sie reden höre, grausame Freundin, desto mehr zerreißen mir -Ihre unerklärbaren Worte das Herz. Was ist es für eine grenzenlose -Verzweiflung, der Sie sich überlassen? Sind Sie die Einzige, die nicht -mehr auf die Zukunft hoffen darf? Ach, kehren Sie zu sich selbst zurück, -überzeugen Sie sich, daß Ihre Lage sich noch ändern kann; das Glück wird -Ihnen nicht stets entgegen sein.« - --- Kann es machen, Alfred, erwiederte Lodoiska lebhaft, daß Ihr -Versprechen wieder aus dem Grabe ersteht, wo ich es auf ewig verborgen -habe? -- - -»Mein Versprechen, sagen Sie?« - --- Ja, Ihr Versprechen, das Sie mit Ihrem Blute unterzeichneten, und das -Sie unwiderruflich an mich fesselt. -- - -»Ist dieß der Augenblick, mich daran zu erinnern? Und wie auch meine -geheimen Empfindungen sein mögen, sehen Sie nicht, daß ich Trauerkleider -trage? Denken Sie nicht an die schmerzliche Begebenheit, die vor Kurzem -Statt fand?« - --- Ich weiß, daß Sie, obgleich Sie behaupten, nichts als mein Glück zu -wünschen, noch nie angestanden haben, meinem Herzen eine neue Wunde zu -schlagen. Ich weiß, daß Sie mich schändlich betrogen haben; dieß ist der -einzige Umstand aus der Vergangenheit, dessen ich mich noch erinnere, -der Sie vernichten muß, und über den Sie auf ewig seufzen werden! -- - -»Ich wünschte, Sie wieder zu sehen, Lodoiska; aber ich wußte nicht -vorher, daß dieß nur geschehen würde, um Ihre Vorwürfe anzuhören. Wie -ungerecht sind Sie, und wie wenig kennen Sie mich!« - -Ein Strahl von Freude glänzte in den Augen der Fremden, und ihre Lippen -verschlangen einige Worte, die sie auszusprechen im Begriff war. Es -folgte ein Augenblick des Schweigens, der nicht ohne Süßigkeit für sie -war, und schon erschien eine gewisse Heiterkeit auf ihrer Stirn, die -seit langer Zeit davon verscheucht gewesen war, als ein bitterer Gedanke -Alles wieder zerstörte. Lodoiska's Blick wurde wilder, und sie legte -ihre Hand auf ihr Herz, gleichsam um dessen schmerzliches Klopfen zu -unterdrücken. - -»Auch ich wünschte Sie wiederzusehen, Alfred, sagte sie, weil es mir -schien, als wenn Sie noch derselbe sein könnten, wie früher; aber ich -besitze jetzt keinen von den Reizen mehr, die Sie vormals entzückten.« - --- Ich liebte damals die vortrefflichen Eigenschaften Ihres Herzens eben -so sehr, als Ihre Reize. Die Zeit konnte Ihnen einen kleinen Theil der -letzteren rauben; aber vermochte sie etwas gegen die inneren Vorzüge -Ihrer Seele? -- - -»Ich kann Ihnen nichts darauf antworten, Alfred. Unsere Unterhaltung, -die uns nur Kummer verursacht, hat schon viel zu lange gedauert. Leben -Sie wohl, ich muß mich entfernen. Erwarten Sie, was die Vorsehung -entscheiden wird. Ach, wie schrecklich ist das Schicksal, womit mich ihr -Zorn belastet hat!« - --- Ja, lassen wir die Zeit ruhig verstreichen; wir werden uns einst -wieder vereinigen, und dann .... -- - -»Und dann gehen wir beide gerade dem Grabe zu, das uns als Hochzeitbett -dienen wird!« - --- Welche schreckliche Vorhersagung! Lodoiska, wie können Sie so grausam -sein? Sehen Sie denn nichts als einen Sarg in der Zukunft? -- - -Lodoiska antwortete nicht, sondern entfernte sich mit größter Eile. Als -sie sich auf der Treppe befand, ließ sie ein lautes Gelächter -erschallen, welches einen so schrecklichen Eindruck auf den Obersten -machte, daß er wie erstarrt dastand, und das Hohngelächter eines -höllischen Wesens gehört zu haben glaubte. - -»Armes Mädchen, sagte er endlich, dein Unglück hat dich eines Theils -deiner Verstandeskräfte beraubt und deinen liebenswürdigen Charakter -völlig entartet. Aber dennoch bleibt sie immer höchst interessant, und -vielleicht kehrt sie zu andern Vorstellungen zurück, wenn die Ursache -ihres Unglücks aufgehört hat.« - -Während er diese Worte ziemlich lebhaft und laut aussprach, glaubte er -hinter sich einen tiefen Seufzer zu hören. Er drehte sich schnell um, -und erblickte nun in dem finsteren Theile des Saales eine weiße Gestalt, -die ein Kind an der Hand führte, und mit ihm aus dem Saale in das -anstoßende Zimmer ging. Ungeachtet seines Muthes erbebte der Oberst bei -diesem Anblicke. Seine Einbildungskraft gab der Gestalt Gesichtszüge, -die ihm ein theures Andenken hervorriefen. Anfangs wußte er nicht, was -er thun sollte; dann aber ergriff er das Licht, und folgte den -Erscheinungen in's anstoßende Zimmer. Er fand es einsam und leer; nur -seine eigenen Schritte unterbrachen das tiefe Schweigen der Nacht .... -und doch hatte er mit eigenen Augen gesehen. Von Angst gefoltert und mit -großen Schweißtropfen bedeckt, kehrte er endlich in sein Schlafzimmer -zurück. - - - - - Drei und zwanzigstes Kapitel. - - -Der Oberst fand in dieser Nacht keine Ruhe. In angstvollen Gedanken -versunken ging er mit heftigen Schritten auf und nieder, bis endlich die -Morgenröthe anbrach, und mit ihr die Ruhe in seine stürmisch bewegten -Adern zurückkehrte. - -Die kleine Julie pflegte jeden Morgen in das Zimmer ihres Vaters zu -kommen, um ihm einen Kuß zu bringen; auch heute erschien sie zur -gewöhnlichen Zeit, aber ihre sonst immer lachende Physiognomie war -traurig, und man bemerkte eine auffallende Blässe in ihren -Gesichtszügen. - -»Bist du krank, mein Kind?« fragte ihr Vater sie beunruhigt. - --- Nein, lieber Vater; aber ich habe schlecht geschlafen. - -»Wer hat dich denn daran verhindert? Lisette sagt ja, daß du sonst ganz -vortrefflich schläfst.« - --- O, lieber Vater, ich wollte es dir wohl sagen, wenn es mir Lisette -nicht verboten hätte. -- - -»So muß ich wohl alle weitere Fragen einstellen? Dennoch bin ich sehr -neugierig, die Ursache deiner Schlaflosigkeit zu wissen; sie muß sehr -böse sein, da du plötzlich deine frische Gesichtsfarbe dadurch verloren -hast.« - --- Weinst du auch nicht, Väterchen, wenn ich dir die Wahrheit sage? -- - -»Ich hoffe so viel Gewalt über mich zu besitzen, daß ich meine ersten -Gefühle überwinde, wenn deine Erzählung traurig ist.« Der Oberst sagte -dieß, sich zum Lächeln zwingend, obgleich eine böse Ahnung sein Inneres -schon mit Schrecken erfüllte. - --- Nun, so will ich dir Alles erzählen. Wilhelm und meine gute Mutter -haben mich heute Nacht besucht. Sie blieben fast die ganze Nacht zu -beiden Seiten meines Bettes sitzen, um, wie sie sagten, mich gegen den -Dämon zu vertheidigen, der ihnen den Tod gegeben hat, und der sich auch -an meinem Blute sättigen will. Anfangs fürchtete ich mich sehr, ward -aber nachher vollkommen beruhigt. Wilhelm sahe so glücklich und selig -aus! Meine Mutter blickte mich mit so großer Zärtlichkeit an! Sie haben -mir versprochen, mich nicht mehr aus den Augen zu verlieren, und mit -Anbruch des Morgens verließen sie mich erst, indem sie versicherten, daß -ich bei Tage nichts zu fürchten hätte. Sie sprachen mit mir von vielen -Dingen; aber glaubst du wohl, lieber Vater, daß sie dich mit keiner -Silbe erwähnten? Ich sagte ihnen, wie sehr du über ihren Verlust -weintest; aber sie schüttelten den Kopf, und lächelten, ohne mir zu -antworten. -- - -Das Kind hätte noch lange in seiner Erzählung fortfahren können, ohne -daß sein Vater daran dachte, es zu unterbrechen. Stumm vor Verwirrung, -durch Schrecken und Verzweiflung im Innersten seines Herzens ergriffen, -saß er unbeweglich in seinem Lehnstuhle da. Die unbegreifliche -Uebereinstimmung zwischen dem, was er selbst gesehen hatte und was seine -Tochter ihm jetzt erzählte, versetzte ihn in einen Wirrwarr von -Gedanken, aus welchem er sich nicht wieder herausfinden konnte. Zum -ersten Male unterlag er einem abergläubischen Schrecken. Indessen stand -Julie noch immer vor ihm, seine Antwort erwartend, und er brach endlich -das Stillschweigen, indem er mit bewegter Stimme ihr für die Mittheilung -der nächtlichen Scene dankte. - -»Du mußt, sagte er, diesen Traum als eine Wohlthat Gottes betrachten. Er -hat dich dadurch belehren wollen, daß deine Mutter und dein Bruder vom -Himmel herab dich vor dem Dämon beschützen werden, das heißt, vor der -Sünde; dieß ist der Sinn der Worte, die du gehört hast.« - --- O, lieber Vater, ich schlief nicht, als sie in mein Zimmer kamen. Von -der Sünde haben sie mir nichts gesagt, sondern bloß von einem -abscheulichen Wesen, das uns alle verderben will, und das sie einen -_Vampyr_ nannten. Ich weiß recht gut, was dieß ist; denn der arme Werner -hat uns von diesen bösen Geistern erzählt. Ich habe noch jedes Wort -behalten, denn die Vampyre ... -- - -»Mein Kind, ich kenne ihre Geschichte besser als du; aber man hätte sie -dir ersparen sollen, weil dadurch deine Einbildungskraft erhitzt wurde, -und dieß vielleicht die Ursache deines Traumes ist. Glaube mir, Julchen, -vergiß ihn gänzlich; denn man würde dich auslachen, wenn du davon -erzähltest; man würde dich für ein kleines furchtsames Mädchen halten, -oder dich wohl gar der Lüge beschuldigen, wenn du behauptest, nicht -geschlafen zu haben. Was mich betrifft, so zweifle ich nicht an deiner -Wahrheitsliebe; du glaubtest wirklich zu sehen, was doch nur Täuschung -war; vor allen Dingen aber bitte ich, gegen Lodoiska darüber das tiefste -Stillschweigen zu beobachten.« - --- O, sei unbesorgt, lieber Vater, ich weiß es schon, daß ich ihr nichts -davon sagen darf. Wilhelm hat es mir sehr dringend anempfohlen; denn er -behauptet, sie sei meine ärgste Todfeindin. -- - -Dieser neue Schlag verwundete den Obersten mitten im Herzen. Er sprang -heftig auf und entließ seine Tochter, um sich wieder zu sammeln. -Unerklärlich war es ihm, wie so viel Seltsames so genau übereinstimmen, -wie es möglich sei, daß ein Traum eines Kindes so viel Wahres enthalten -könne. Ach, er selbst hatte die Erfahrung gemacht, daß eine Stiefmutter -fast immer die Feindin der Kinder ist, die sie nicht selbst geboren hat. -Sein eigener Vater hatte sich zum zweiten Male verheirathet, und seine -ganze Jugend wurde deßhalb durch täglichen Zank, ungerechte -Beschuldigungen, und Versuche, ihn mit seinem Vater zu entzweien oder -ihm den größten Theil seines Vermögens zu entziehen, vergiftet. Zum -ersten Male dachte er jetzt an das Unrecht, was er seiner Tochter -zufügen würde, wenn er sich jemals wieder vermählte, und die väterliche -Zärtlichkeit erhob einen neuen Kampf in seinem Herzen. - -Nicht ohne das größte Erstaunen sahe er zur Frühstückszeit Lodoiska in's -Speisezimmer treten. Sie schien zeigen zu wollen, daß sie jetzt völlig -zufrieden sei, aber dennoch blickte ein tiefer Verdruß durch ihre -verstellte Freude. Die kleine Julie sahe sie mit dem finsteren Ausdruck -des heftigsten Zornes an, aber nur, wenn Alfred's Blicke nicht auf sie -gerichtet waren. Sie scherzte über ihre lange Zurückgezogenheit, und -sagte, daß sie von nun an ihren Schmerz zwar nicht vergessen, aber doch -zerstreuen wolle. Sie ließ ihren Verstand mit so vielem Vortheile -glänzen, und betrug sich so liebenswürdig, daß der Oberst, anfangs auf -seiner Hut, dennoch bald dem Einflusse nachgab, den sie über ihn ausüben -wollte. Die Vergangenheit stellte sich gänzlich in den Hintergrund. -Alfred sah in Lodoiska nur das Mädchen seiner ersten heftigsten Liebe, -und sein Entzücken stieg auf's Höchste, als sie ihre Harfe nahm, und -durch ihre hinreißende Stimme ihn gleichsam aus den Grenzen des -irdischen Daseins hinauszauberte. - -In diesem Augenblicke war Wildenau, den man übrigens gar nicht -erwartete, im Schlosse angekommen. Voll Erstaunen, harmonische Töne an -einem Orte zu hören, wo die äußern Zeichen der Trauer noch nicht -verschwunden waren, stand er in dem Vorzimmer still, und ein der offenen -Thür gegenüberhängender Spiegel zeigte ihm, was vorging. Der Arzt kam in -der Absicht, sich mit dem Obersten in Betreff Lodoiska's eine Erklärung -zu verschaffen; was er aber jetzt sahe, überhob ihn jeder weiteren -Unterhaltung über diesen Gegenstand. Das Entzücken des Obersten, die -Blicke Lodoiska's, die so leicht zu erkennende Uebereinstimmung zweier -gleichfühlenden Herzen, Alles gab ihm den Beweis, daß beide schon durch -eine frühere Liebe vereinigt gewesen. Bei diesem Gedanken entstand der -fürchterlichste Verdacht in seinem Herzen; doch unterdrückte er ihn -wieder voller Scham vor sich selbst. An der Rechtschaffenheit des -Obersten konnte er nicht zweifeln; aber die finstere, wilde Lodoiska -flößte ihm nicht ein gleiches Vertrauen ein, und mancherlei Geheimnisse -erklärten sich ihm jetzt so deutlich, daß er davor schauderte. - -Lodoiska hörte jetzt auf zu singen, und nun hielt es Wildenau für -passend, sich zu zeigen. Seine Gegenwart schien der Fremden höchst -ungelegen zu sein, daher sie bald darauf die Gesellschaft verließ, und -der Oberst, dadurch gewissermaßen dem Arzte Preis gegeben, fühlte sich -in großer Verlegenheit, so daß er sogleich wünschte, ein neuer Besuch -möchte ihm zu Hülfe kommen. Aber es geschah nicht, und der Arzt, der -seinen Zustand sehr genau beobachtete, fühlte Mitleiden mit ihm, so daß -er seiner Verwirrung ein Ende machen wollte, und ohne weitere Umschweife -seinen Angriff begann: - -»Sie sind ein Mann von Ehre, Herr Oberst, und ich glaube einiges Recht -auf Ihre Achtung zu haben. Haben Sie daher die Güte, mir nur eine -einzige Frage zu beantworten; sie enthält nichts Feindseliges, sondern -soll nur dazu dienen, mein künftiges Betragen zu bestimmen. Haben Sie -die schöne Fremde schon gekannt, ehe sie zum ersten Male in dieser -Gegend erschien?« - --- Herr Doktor, antwortete der Oberst sehr bewegt, wenn jeder Andere -mich so fragte, so würde ich gegen ihn ein vollkommenes Stillschweigen -beobachten. Aber ich weiß, wie sehr ich mich gegen Sie vergangen habe, -und ich kann mein Unrecht nur durch meine Aufrichtigkeit wieder gut -machen. Lodoiska war das erste weibliche Wesen, das mir Liebe einflößte. -Ich befand mich damals in ihrem Vaterlande; ich konnte über ihre Tugend -nicht siegen, und dennoch vergaß ich sie, nachdem ich ihr das -feierlichste Versprechen gegeben hatte, sie zur Gattin zu nehmen. Aber -sie leistete nicht auf mich Verzicht, sondern hat mich bis hierher nach -Deutschland verfolgt; so lange indessen meine unglückliche Frau gelebt -hat, ermuthigte ich ihre Leidenschaft auf keine Weise. Dieß, schwöre ich -Ihnen, ist reine Wahrheit. -- - -»Es ist genug, Herr Oberst, mehr verlange ich nicht; nur hätten Sie -vielleicht mit diesem Geständniß gegen mich nicht so lange zögern -sollen.« - --- Konnte ich anders? Ist das Geheimniß anderer Menschen auch das -unsrige, und konnte ich daher das Geheimniß Lodoiska's wider ihren -Willen entdecken? Jetzt habe ich es nur für Sie allein entschleiert, und -ich hoffe, Sie werden es Niemanden anvertrauen. -- - -»Leben Sie wohl, Herr Oberst; möchten Sie glücklich sein! Möge die -Zukunft Sie die Vergangenheit nicht vermissen lassen.« - -Nach diesen Worten entfernte sich Wildenau, ungeachtet der dringenden -Bitten des Obersten, zum Mittagsessen da zu bleiben. - -»Nein! sagte er; erlauben Sie, daß ich mich entferne; denn ich darf -durch meine Gegenwart der Fremden keine unangenehmen Empfindungen -verursachen. Sie würde in meiner Gesellschaft nur verlegen, ich aber -keinesweges bei ihr in guter Laune sein. Nochmals, leben Sie wohl! -Empfangen Sie meine aufrichtigsten Wünsche für Ihr Glück.« - -Diese Worte des Arztes waren ohne Zweifel sehr natürlich und der Sache -völlig angemessen; aber dennoch glaubte der Oberst darin eine Art von -Vorwurf zu erblicken, der ihn in Unmuth setzte. Er unterdrückte ihn -indessen, indem er das vermeintliche Bittere in dem Betragen seines -Freundes auf Rechnung seiner verschmäheten Liebe verzeihen zu müssen -glaubte. - -Mehrere Wochen vergingen nach dieser Unterhaltung, und Lobenthal, der -sich immer mehr seiner Neigung hingab, machte die jungfräuliche Lodoiska -zum zweiten Male zur Gebieterin seines Herzens. Diese schien bald -überaus glücklich zu sein, bald sich wieder ihrer wilden Schwermuth zu -überlassen; je mehr Gewalt sie über ihren alten Liebhaber erhielt, desto -mehr überließ sie sich den eigensinnigsten Launen. Vorzüglich zeigte sie -eine außerordentliche Abneigung gegen die kleine Julie, so daß schon ihr -bloßer Anblick ihr einen geheimen Unmuth verursachte, den sie vergebens -zu verbergen oder zu unterdrücken suchte. Dem Obersten konnte dieser Haß -nicht lange unbekannt bleiben, und er machte ihr darüber sein Erstaunen, -selbst sein Mißvergnügen bemerklich. - -»Ach Alfred, antwortete die Fremde, ich mache mir selbst mehr Vorwürfe -darüber, als du dir vorstellen kannst; ich fühle, wie ungerecht mein Haß -gegen dieses liebenswürdige Geschöpf ist; aber kann man den Empfindungen -seines Herzens befehlen? Ich will allein in dem deinigen herrschen, und -Alles, was dich an eine Andere erinnert, ist mir daher unerträglich. Mit -der Zeit werde ich ohne Zweifel vernünftiger werden, aber jetzt kann ich -den Sieg über mich selbst noch nicht erringen. Indem ich dich mehr liebe -als je, habe ich alle menschliche Schwachheiten wieder angenommen. Habe -Mitleiden mit mir und mit meinem Kummer, der mich schon seit so langer -Zeit, seitdem du mich verlassen, gequält hat.« - -Diese Worte und die dazu reichlich vergossenen Thränen beruhigten den -Obersten; er glaubte den Augen der Gebieterin seines Herzens einen -Gegenstand unwillkührlichen Widerwillens entziehen zu müssen, und ohne -Lodoiska vorher davon zu benachrichtigen, fuhr er eines Morgens mit -Julien nach Prag, wo er sie in eine der besten Erziehungsanstalten that. - -Die unerklärbare Lodoiska zeigte den größten Kummer, als sie Juliens -Abreise erfuhr. »Wenn Sie Ihre Tochter aus dem Hause schaffen, sagte sie -zum Obersten, so zwingen Sie mich dadurch, mich ebenfalls daraus zu -entfernen. Ihretwegen allein war ich hier: sie ist fort, unter welchem -Titel kann ich nun noch hier verweilen?« - --- Unter dem Titel, der mir der theuerste sein würde, liebe Lodoiska, -erwiederte Alfred voller Zärtlichkeit, und den ich Ihnen schon angeboten -hätte, wenn der äußere Anstand mich nicht abhielte. Es hat der Vorsehung -gefallen, die früheren Hindernisse unserer Vereinigung hinwegzuräumen; -werden Sie mir jetzt abschlagen, was Sie früher vielleicht glücklich -gemacht hätte? -- - -Lodoiska mußte ohne Zweifel schon lange auf eine solche Erklärung gefaßt -sein; aber dennoch stand sie wie erstarrt, als Lobenthal so zu ihr -sprach. Ihr Inneres ward von verschiedenen Empfindungen bewegt, und sie -fühlte zu gleicher Zeit die höchste Glückseligkeit und die tiefste -Verzweiflung. Sie sahe den entscheidenden Augenblick sich nähern; sie -wußte, welche Grausamkeit ihr noch auszuüben oblag; sie hätte eigentlich -nichts als Rache in ihrem Busen tragen sollen; aber die Alles besiegende -Liebe hatte auch sie unterjocht. Durch ihre Sinne gehörte sie noch der -Erde an, und sie kämpfte daher hartnäckig, obgleich vergebens, gegen die -höhere Macht, die ihre Handlungen gebieterisch leitete. Endlich faßte -sie sich, und rief: - -»Nein, Alfred, nein! Reden Sie mir nicht mehr von einer Feierlichkeit, -an welcher ehemals meine ganze Glückseligkeit hing! Kann ich Ihnen jetzt -noch angehören, da ich mir selbst nicht mehr angehöre? Und habe ich -Ihnen nicht schon gesagt, daß ich durch einen fürchterlichen Fluch von -den Tempeln und Dienern des Herrn entfernt bin? Sie lieben mich, sagen -Sie? Wohl, so geben Sie mir den Beweis davon, indem Sie mich nicht -länger mit ihren Wünschen bestürmen.« - --- Grausame! hören Sie doch endlich auf, sich und mich durch nichtige -Truggestalten Ihrer Einbildungskraft zu quälen. Zwar ist schon der -Versuch zum Selbstmorde ohne Zweifel vor dem Angesichte Gottes ein -Verbrechen; aber es giebt ja keine Sünde, welche nicht durch die Reue -getilgt wird, und warum sollten Sie allein mit so unerbittlicher Strenge -verfolgt werden? -- - -»Armer Sterblicher! Sie wissen nicht, was Sie wünschen! Wenn nun der -Augenblick, wo Sie unsere Glückseligkeit zu befestigen glauben, gerade -der unserer ewigen Trennung würde? Hier können wir noch beisammen -bleiben .... aber dort unten (fuhr sie mit leiser Stimme fort) gehen wir -beide unseren eigenen Gang. Und was würde der Geistliche sagen, dem ich -mich zur Trauung vorstellen wollte!« - --- Kann er allwissend sein? Kann er hier von dem Vergehen wissen, zu -welchem Ihre Liebe Sie in Ihrem entfernten Vaterlande trieb? -- - -»Alfred! Gott zeichnete die Stirn des Brudermörders Kain mit einem -fürchterlichen Zeichen; auch ich trage ein solches auf der meinigen; -obgleich Sie es nicht sehen, so würde es doch der Geistliche sogleich -erblicken.« - --- Armes Mädchen! Wie sehr muß ich Sie beklagen! So weit können die -Vorurtheile Ihrer Erziehung Sie irre führen! Doch ich will für jetzt -nicht weiter in Sie dringen, und ich hoffe, daß Sie später meinen -Wünschen nachgeben werden. -- - -Ein schwermüthiges Lächeln, ein leichtes Kopfschütteln waren die ganze -Antwort der Fremden; Alfred schien nicht darauf zu achten, er hoffte -Alles von der Zeit und von der Macht seiner Zärtlichkeit. - - - - - Vier und zwanzigstes Kapitel. - - -Mehrere Monate vergingen, ehe der Oberst weitere Schritte zur Erreichung -seiner Wünsche that, bis er endlich beschloß, Lodoiska'n durch -Ueberraschung dahin zu vermögen, daß sie seine Gattin würde. Ohne ihr -also das Geringste zu sagen, besprach er sich mit dem Pfarrer darüber, -und vertraute ihm freimüthig alle Umstände an, welche seiner Braut eine -so große Furcht vor dem Anblick eines Geistlichen verursachten. Der -Pfarrer war ein vernünftiger Mann, und bedachte, daß er sich leicht von -der strenge vorgeschriebenen Ordnung ein wenig entfernen könne, wenn -dadurch ein unangenehmer Auftritt vermieden würde. Er versprach also, um -Mitternacht, in Gegenwart dreier Zeugen, in der Schloßkapelle, die Ehe -des Obersten mit Lodoiska einzusegnen. - -Zufrieden, so weit mit seinen Vorbereitungen gekommen zu sein, sandte er -eiligst seinen Bedienten nach der Stadt, um sogleich einen Notarius -nebst einigen Zeugen mitzubringen. Hierauf begab er sich zu seiner -Geliebten, und sagte ihr, daß er den heutigen Abend dazu festgesetzt -habe, vorläufig einen Ehevertrag mit ihr abzuschließen, und daß schon -alle nöthigen Anstalten dazu getroffen seien. - -Eine plötzliche Röthe überflog bei dieser unvermutheten Ankündigung die -Wangen der schönen Fremden; zu gleicher Zeit verbreitete sich aber auch -in ihren Augen eine düstere Traurigkeit; sie zitterte am ganzen Körper, -und war gezwungen, sich an dem neben ihr stehenden Tische zu stützen. - -»Schon heute, Alfred? sagte sie; warum eilen Sie so? Können Sie es nicht -länger mit ansehen, daß unser Glück noch einige Zeit dauert?« - --- Zerstören wir es denn, wenn wir es auf immer an uns fesseln? Kann -unsere Vereinigung dadurch an ihrer Süßigkeit verlieren, wenn sie -unauflöslich wird? -- - -»Sie glauben es, weil Sie nur an die Gegenwart denken, und nicht an die -Zukunft.« - --- O gewiß denke ich an die Zukunft, und male sie mir mit den -freundlichsten Farben aus. Aber warum wollen Sie noch immer bei Ihrer -Schwermuth beharren? Was führte Sie denn anders hierher, als die -Hoffnung, sich mit mir zu vereinigen? Forderten Sie nicht meine Person -als Ihr Eigenthum zurück, und jetzt, da ich Ihre Rechte anerkenne, -wollen Sie mich von sich stoßen? -- - -»Daß Sie mir angehören, kann mir nicht bestritten werden, denn Ihr mit -Ihrem Blut geschriebenes Versprechen ist mir ein sichreres Unterpfand, -als alle diese Ceremonien, die mir gleichgültig sind. Aber ich bin -zufrieden, Sie nur zu sehen, und ich fürchte den Augenblick, der mir ein -schreckliches Recht über Sie geben wird. Ach, Alfred, glaube mir, ändere -deinen Entschluß, denn du ahnest nicht, welches Unglück dir bevorsteht, -wenn du dich unwiderruflich an mich fesselst.« - -Nach diesen Worten eilte sie pfeilschnell aus dem Zimmer, und begab sich -in das ihrige, wo der Oberst sie nicht zu stören wagte. Er erstaunte -über ihre Rede, schob aber Alles auf ihre abergläubische Furcht vor der -Gegenwart eines Geistlichen, und beharrte bei seinem Entschlusse, diese -Furcht mit Gewalt zu überwinden. Zu Zeugen bei der Trauung hatte er -seinen Bedienten und den Verwalter der zum Schlosse gehörigen Ländereien -gewählt, weil ihm beide zu jeder Zeit zu Gebote standen; unmittelbar -nach dieser Ceremonie wollte er sich mit seiner neuen Gemahlin in einen -Wagen setzen, und sich erst nach Prag, dann aber nach Berlin begeben, um -daselbst seinen festen Wohnsitz wieder aufzuschlagen. Der Aufenthalt im -Schlosse R.... schien ihm jetzt unerträglich zu sein, weil er in ihm zu -traurige Erinnerungen hervorrief. - -Endlich wurde es Abend. Lodoiska, die noch immer in ihrem Zimmer blieb, -äußerte den Wunsch, dasselbe nicht eher, als bis im letzten Augenblick -zu verlassen. Während dieser Zeit irrte der Oberst in der größten Unruhe -hier und dort umher, und fand nirgends seines Bleibens. Es hatte sich -ein fürchterlicher Sturmwind erhoben, der bis in das Innere des -Schlosses drang, und durch sein Pfeifen bald die Klagen eines Leidenden, -bald ein höllisches Gelächter nachzuahmen schien. Er setzte die -Fensterscheiben in Bewegung, daß sie klirrten, erschütterte selbst die -inneren Thüren in ihren Angeln; kurz, die Wuth dieses Sturmes war so -groß, daß der Oberst sich eines unwillkührlichen Schreckens nicht -erwehren konnte. - -Bei seinem Umherirren im Schlosse kam Lobenthal auch zufällig in die -Nähe der Gesindestube, wo die Knechte und Mägde von der Meierei beim -Abendessen versammelt waren. Sie sprachen unter einander von dem -Befehle, den er gegeben hatte, den Reisewagen um Mitternacht fertig zu -halten, und suchten die Absicht dieser plötzlichen Reise zu errathen. - -»Ich wundere mich gar nicht darüber, sagte einer der Knechte; denn wir -wissen ja schon seit langer Zeit, daß der Oberst keine ruhigen Nächte -haben kann, und es muß ihm daher angenehmer sein, um diese Zeit zu -reisen, als in seinem Bette den schrecklichen Besuch abzuwarten, den er -dort empfängt.« - --- Was sagst du da, Peter? rief eins der Mädchen mit einer Stimme, die -schon ihr Entsetzen bezeichnete; von was für Besuchen sprichst du denn? --- - -»Nun, von den Besuchen, die ihm die verstorbene Oberstin alle Nächte -abstattet! Der Schulze, der Küster und auch die alte Mutter Rieben, die -eben kein Geheimniß daraus macht, haben es ja schon öfters gesehen, wie -unsere verstorbene gnädige Frau aus ihrem Grabe emporsteigt, ihren -kleinen Sohn beim Namen ruft, der dann ebenfalls aufsteht, und mit ihm -nach dem Schlosse geht.« - -»Das ist eine abscheuliche Lüge,« sagte Johann, der Bediente des -Obersten, der in einer großen Stadt erzogen war, und daher weniger -Aberglauben besaß. - --- Nun, sei nur nicht böse, Johann, es könnte dir Schaden thun, -erwiderte Peter. Auch du wirst noch zu sehen bekommen, was Andere schon -gesehen haben, und es scheint mir, als wenn das Wunder heute Nacht noch -etwas früher als sonst geschehen werde. Als ich vom Felde hereinkam, -begegnete ich der alten Mutter Rieben. »Höre, Peter, sagte sie zu mir, -du gehst nach dem Schlosse; aber bete vorher ein Vaterunser, wenn du mir -glauben willst; denn es werden sich heute dort seltsame Dinge zutragen. -Die nächtlichen Geister haben sich heute früher als sonst aus ihren -Gräbern erhoben, woran wahrscheinlich der wüthende Sturmwind Schuld ist, -der sie gerufen hat, und ich habe sie so eben vorbeigehen sehen.« - -Als der Oberst diese außerordentliche Erzählung mit anhörte, schauderte -er unwillkührlich, und um nicht noch mehr zu erfahren, entfernte er sich -mit langsamen Schritten, und stieg die Treppe hinauf. Eben befand er -sich an der Thür des großen Saales, als er hinter sich ein Geräusch -hörte. Er stand still und blickte sich um .... zwei weiße Gestalten -schwebten schnell bei ihm vorüber und verloren sich dann in der -Finsterniß. Er glaubte, sie zu erkennen .... seine Kniee wankten unter -ihm; es war ihm unmöglich, seines Schreckens Herr zu werden, und an -einen Wandpfeiler hinsinkend, blieb er lange Zeit in einem fast -sinnlosen Zustande. - -Mehrere Stimmen, die er unten an der Treppe hörte, weckten ihn aus -seiner Betäubung. Er raffte sich schnell empor, und sahe nun den -Notarius und dessen Zeugen, die von seinem Bedienten mit einem Lichte -begleitet, die Treppe heraufkamen. Kaum hatte er noch so viel Zeit, sich -einigermaßen wieder zu sammeln. Die erste Frage, die der Notarius an ihn -that, war nach seinem Gesundheitszustande, so sehr zerstört sahen seine -Gesichtszüge noch aus. Der Oberst antwortete ihm ausweichend, und führte -ihn in das Gesellschaftszimmer, wo er ihn auf einige Augenblicke -verließ, um Lodoiska'n seine Ankunft anzukündigen. - -Lodoiska fuhr zusammen, als sie ihn eintreten sahe, und erbebte, sobald -er sich erklärt hatte. Sie warf einen Blick auf ihn, in welchem sich so -viel verschiedene Empfindungen malten, daß es unmöglich gewesen wäre, -sie zu beschreiben. Ihre Trauerkleidung hatte sie abgelegt; ein weißes, -einfaches Gewand umhüllte ihren prächtigen Wuchs; ein Halsband von -Perlen und ein Kranz in ihrem Haar war der ganze Schmuck, den sie sich -erlaubt hatte. - -Der Oberst mußte seine Bitte mehrere Male wiederholen, ehe sie sich -entschloß, ihm zu folgen; man sahe, wie gern sie den Augenblick noch -verzögern wollte, den er so sehnlich herbeiwünschte. Endlich schien sie -alle ihre Kräfte zusammenzunehmen, erhob ihre Arme und Augen gen Himmel, -und schien ihn als Zeugen anzurufen, daß sie gezwungen würde, oder ihn -um Gnade zu bitten, die sie gleichwohl nicht zu erhalten hoffte. - -Beim Eintritt in das Gesellschaftszimmer und beim Anblick des Notarius -und der Zeugen gerieth Lodoiska einigermaßen in Verwirrung; doch erholte -sie sich bald wieder, und antwortete mit Bescheidenheit auf die -Komplimente, die der Notarius an sie richtete. Sein Geschäft war bald -abgemacht, worauf er sich wieder entfernte, ungeachtet der Oberst ihn -dringend bat, bis zum andern Tage auf dem Schlosse zu bleiben. - -Unterdessen beschäftigte sich Johann, der Bediente des Obersten, mit den -nöthigen Vorbereitungen zu der feierlichen Ceremonie, die nun noch Statt -finden sollte. Er hatte den Auftrag, den Pfarrer in die Schloßkapelle zu -führen, den Verwalter herbeizuholen, und sich dann zu dem Obersten zu -verfügen, unter dem Vorwande, seine etwanigen Befehle zu vernehmen, ehe -er sich niederlegte, in der That aber, um ihm durch seine Gegenwart -anzukündigen, daß Alles bereit sei. - -Lodoiska, die nun mit Alfred allein geblieben war, zeigte immer noch die -größte Unruhe. Ihr Busen wogte mit Ungestüm, ihre Blicke irrten unstät -umher, und jedes Mal, wenn ihr Bräutigam sich ihr näherte, ergriff sie -ein krampfartiges Zittern, und sie streckte die Hände vor sich hin, -gleichsam um ihn von sich abzuhalten. Alfred bemerkte den -außerordentlichen Kampf, der in ihrem Innern vorging, und versuchte sie -zu beruhigen; aber vergebens. Sie sprach nichts, als unzusammenhängende -Worte, welche bald die Heftigkeit ihrer Liebe ausdrückten, bald eine -schauerliche Zukunft vorhersagten; sie riefen den Himmel um Mitleiden an -gegen die bevorstehenden Qualen der Hölle. - -Es schlug zwölf Uhr, und Johann erschien im Zimmer. Bei seinem Anblick -wandte sich der Oberst an Lodoiska: - -»Nur noch ein wenig Muth, Geliebte, sagte er; in einigen Augenblicken -wird Alles vorbei sein. Folge mir jetzt; in Zeit von einer Stunde sitzen -wir schon im Wagen; vorher haben wir aber noch eine Pflicht zu erfüllen, -und wir müssen uns jetzt in ein anderes Zimmer begeben.« - --- Giebt es einen Ort, antwortete Lodoiska mit dumpfem Tone, wo ich Ruhe -finden kann, wo ich von der rachsüchtigen Frau nicht verfolgt werde? -- - -»Von welcher Frau?« fragte Alfred lebhaft. - --- Wissen Sie es denn nicht? Haben Sie sie denn nicht gesehen, wie sie -mit ihrem Kinde umherstreicht? Es ist nicht meine Schuld, wenn sie nicht -ihrer drei sind; warum hat sie mich verhindert, mein Geschäft gänzlich -zu vollenden! -- - -»Lodoiska, ich beschwöre Sie bei meiner Liebe, erholen Sie sich; Sie -machen mich zum unglücklichsten aller Männer. Was fehlt Ihnen? Was -wollen Sie?« - --- Ich habe Durst, großen Durst! -- - -»Er ist ja leicht zu befriedigen.« - --- Oh, nicht so leicht! Blut muß ich haben! Blut! und zwar das deinige, -Alfred! -- - -»Ach, Unglückliche, wie kann Ihr Verstand Sie so gänzlich verlassen! -Beruhigen Sie sich; vergessen Sie, was geschehen ist, und bedenken Sie, -daß wir für einander bestimmt sind.« - --- Ja, ja! im kühlen Grabe, wo ich schon einmal geruht habe. -- - -»Ich höre nicht weiter auf Sie; kommen Sie jetzt, um das Letzte zu -erfüllen.« - -Mit diesen Worten schlang er seinen Arm um Lodoiska, und zog sie schnell -zur Kapelle hin, während sie ein lautes Geschrei ausstieß, das sich in -das Heulen des Sturmwindes mischte. - -»Alfred! mein Alfred! so bald willst du sterben? .... Ja, ja, du gehörst -mir an, und mein schreckliches Geschäft wird nun erfüllt werden!« - -Unter so unerklärbaren Ausrufungen der halb bewußtlosen Lodoiska -gelangte der Oberst endlich in die Kapelle, sie mehr tragend als -führend. Ein fürchterliches Angstgeschrei war die erste Wirkung, die der -Anblick des erleuchteten Altars und des Geistlichen auf sie machte. - -»O, grausames Schicksal! rief sie aus; so ist es denn wahr, daß du -erfüllt werden mußt?« - -Fast mit Gewalt zog Alfred sie bis vor den Altar. Jetzt leistete sie -keinen Widerstand mehr, sondern schluchzte nur und zerfloß in Thränen; -dann schienen ihre Gesichtszüge sich zu verzerren, und der Kreislauf -ihres Blutes sich zu hemmen. Nur an einem dünnen Faden schien das Leben -Lodoiska's noch zu hängen, während der Pfarrer die Trauungsceremonie -anfing. Jetzt sollten die Ringe gewechselt werden; aber Lodoiska's Hand -war mit dem Handschuh versehen, dessen wir schon mehrmals erwähnten. -Voll heftiger Ungeduld riß der Oberst diesen Handschuh herunter, ehe es -Lodoiska verhindern konnte .... und die Abscheu erregenden knöchernen -Gebeine eines Skelets fielen ihm und dem erstaunten Geistlichen in die -Augen! -- - -Ein Schrei des Entsetzens entfuhr allen Zeugen dieses schrecklichen -Schauspiels. Lodoiska fiel leblos auf den Fußboden nieder, und aus drei -geöffneten Wunden quoll ein unreines, stinkendes Blut hervor. -- - -Am dritten Tage ward der Leichnam der Fremden zur Erde bestattet. Aber -mit den ersten Strahlen des Mondes, die ihr Grab beschienen, erhob sie -sich abermals aus ihrer Ruhestätte, und .... am andern Morgen fand man -den Obersten todt in seinem Bette ..... An drei verschiedenen Orten -waren ihm die Adern geöffnet, und in seinem ganzen Körper war auch kein -Blutstropfen mehr vorhanden, der von seinem ehemaligen Dasein zeugte. -- - - Ende. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im -Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ -gekennzeichnet. - -Die variierende Schreibweise, Grammatik und Interpunktion des Originales -wurden unverändert beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler -wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 71]: - ... könnnen Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ... - ... können Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ... - - [S. 88]: - ... »Von allem Diesen ist durchaus nicht ... - ... »Von allem Diesem ist durchaus nicht ... - - [S. 101]: - ... Obersten ein solches Beben zn verursachen, ... - ... Obersten ein solches Beben zu verursachen, ... - - [S. 122]: - ... und diese ließ sich vor Niemanden ... - ... und diese ließ sich vor Niemandem ... - - [S. 138]: - ... »Sie zu sehen, Frau Oberstin, antworwortete ... - ... »Sie zu sehen, Frau Oberstin, antwortete ... - - [S. 139]: - ... Ruderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, ... - ... Räderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, ... - - [S. 176]: - ... dich vor dem Dämon beschützen werden, der ... - ... dich vor dem Dämon beschützen werden, das ... - - [S. 183]: - ... ich nicht; nur hätten sie vielleicht mit ... - ... ich nicht; nur hätten Sie vielleicht mit ... - - [S. 188]: - ... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch auszuüden ... - ... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch auszuüben ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. -Zweiter Theil., by Theodor Hildebrand - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER VAMPYR: ZWEITER THEIL *** - -***** This file should be named 51695-8.txt or 51695-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/6/9/51695/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. 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Zweiter Theil, by Theodor Hildebrand</title> - <link rel="coverpage" href="images/cover-page.jpg" /> - <!-- TITLE="Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. Zweiter Theil" --> - <!-- AUTHOR="Theodor Hildebrand" --> - <!-- LANGUAGE="de" --> - <!-- PUBLISHER="Christian Ernst Kollmann, Leipzig" --> - <!-- DATE="1828" --> - <!-- COVER="images/cover-page.jpg" --> - -<style type='text/css'> - -body { margin-left:15%; margin-right:15%; } - -div.frontmatter { page-break-before:always; } - -h1.title { margin-top:0.5em; margin-bottom:1em; text-align:center; letter-spacing:0.2em; } -h1.title .line1 { font-size:0.8em; } -h1.title .line3 { font-size:0.5em; } -h1.title .line4 { font-size:0.8em; } -p.subt { text-indent:0; text-align:center; line-height:2em; margin-bottom:2em; - letter-spacing:0.2em; } -p.aut { text-indent:0; text-align:center; line-height:2em; margin-bottom:2em; } -p.aut .line1 { font-size:0.8em; } -p.vol { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:2em; font-size:0.8em; } -p.pub { text-indent:0; text-align:center; line-height:1.5em; } -p.pub .line2 { border-top:2px solid black; padding-top:2.5em; font-size:0.8em; - letter-spacing:0.15em; } -p.tit { text-indent:0; text-align:center; margin-top:4em; margin-bottom:6em; - letter-spacing:0.2em; font-size:2em; font-weight:bold; } -.tit .line1 { font-size:0.8em; } -.tit .line3 { font-size:0.5em; } -.tit .line4 { font-size:0.8em; } - -h2.chapter { text-align:center; margin-top:4em; margin-bottom:2em; - page-break-before:always; } - -p { margin:0; text-align:justify; text-indent:1em; } -p.first { text-indent:0; } -span.firstchar { font-size:2em; } -span.prefirstchar { font-size:0.5em; } -div.letter { margin:1em; } -p.end { text-indent:0; text-align:center; margin-top:4em; letter-spacing:0.2em; } - -/* "emphasis"--used for spaced out text */ -em { letter-spacing:.2em; margin-right:-0.2em; font-style:normal; } - -.underline { text-decoration: underline; } - -a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); } -a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); } -a:hover { text-decoration: underline; } -a:active { text-decoration: underline; } - -/* Transcriber's note */ -.trnote { font-family:sans-serif; font-size:0.8em; background-color: #ccc; - color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em; - page-break-before:always; margin-top:3em; } -.trnote p { text-indent:0; margin-bottom:1em; } -.trnote ul { margin-left: 0; padding-left: 0; } -.trnote li { text-align: left; margin-bottom: 0.5em; margin-left: 1em; } -.trnote ul li { list-style-type: square; } -p.handheld-only { display:none; } - -/* page numbers */ -a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; } -a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit; - letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal; - font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small; - border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px; - display: inline; } - -@media handheld { - body { margin-left:0; margin-right:0; } - em { letter-spacing:0; margin-right:0; font-style:italic; } - a.pagenum { display:none; } - a.pagenum:after { display:none; } - p.handheld-only { display:block; } -} - -</style> -</head> - -<body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. Zweiter -Theil., by Theodor Hildebrand - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. Zweiter Theil. - Ein Roman nach neugriechischen Volkssagen - -Author: Theodor Hildebrand - -Release Date: April 8, 2016 [EBook #51695] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER VAMPYR: ZWEITER THEIL *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project. - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<h1 class="title"> -<span class="line1">Der</span><br /> -<span class="line2">Vampyr,</span><br /> -<span class="line3">oder:</span><br /> -<span class="line4">Die Todtenbraut.</span> -</h1> - -<p class="subt"> -<span class="line1">Ein Roman</span><br /> -<span class="line2">nach neugriechischen Volkssagen.</span> -</p> - -<p class="aut"> -<span class="line1">Von</span><br /> -<span class="line2">Theodor Hildebrand.</span> -</p> - -<p class="vol"> -Zweiter Theil. -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Leipzig, 1828.</span><br /> -<span class="line2">bei Christian Ernst Kollmann.</span> -</p> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="tit"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> -<span class="line1">Der</span><br /> -<span class="line2">Vampyr,</span><br /> -<span class="line3">oder:</span><br /> -<span class="line4">Die Todtenbraut.</span> -</p> - -</div> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -Dreizehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">D</span>er Knall der beiden Pistolenschüsse hallte -durch das ganze Schloß wider, und verbreitete -darin sogleich einen unbeschreiblichen -Schrecken. Die Knechte auf der Meierei, -von denen einige im Schlosse schliefen, waren -nicht zu Bett gegangen, weil sie am andern -Morgen Getraide nach Prag fahren -sollten, und mit den dazu nöthigen Vorbereitungen -beschäftigt waren. Sie verbreiteten -sich schnell durch mehrere Zimmer, während -eines der Mädchen die Hausthür öffnete -und aus der Nachbarschaft Hülfe herbeirief. -</p> - -<p> -<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -Die Oberstin, welche vor Mattigkeit eingeschlafen -war, fuhr schon bei dem ersten Pistolenschusse -empor, hielt ihn aber für ein -gewöhnliches Geräusch, das ihr nur im Traume -stärker vorgekommen sei. Als jedoch bald -darauf der zweite Schuß erschallte, glaubte -sie, daß Räuber im Schlosse wären, und daß -der brave Werner im Kampfe mit ihnen begriffen -sei. Nach diesem ersten Gedanken -war der zweite ihr Sohn. Sie hatte so viel -Muth, schnell aufzustehen, und ohne ihre eigene -Gefahr zu beachten, eilte sie in das -Zimmer, wo der Gegenstand ihrer zärtlichen -Sorgfalt ruhte. -</p> - -<p> -Welches schreckliche Schauspiel bot sich -ihren Augen dar, als sie, beim Schein des -Mondes und einer spärlich brennenden Nachtlampe, -zwei blutende Körper auf dem Fußboden -ausgestreckt sahe, und in ihnen Werner -und die Fremde erkannte. Mit einem -Schrei des Entsetzens eilte sie dann nach dem -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Bette des Kindes, das sie in ihre Arme -nahm; aber vergebens suchte sie den kleinen -Wilhelm aus dem Schlafe zu wecken, in den -er versunken zu sein schien: sein Leben war -entflohen. Diese schmerzliche Gewißheit vollendete -Helenens Verzweiflung, und ohnmächtig -fiel sie neben den beiden Leichnamen auf -den Fußboden nieder. -</p> - -<p> -Kurze Zeit darauf kamen die Knechte -und Dienstmädchen ebenfalls in dieses Zimmer -des Schreckens. Sie sahen ein Fenster -offen stehen, und an demselben eine seidene -Strickleiter befestigt; sie fanden Werner und -Lodoiska in ihrem Blute gebadet und ohne -ein Zeichen des Lebens; weiter hin erblickten -sie die Oberstin, welche noch athmete, neben -dem Leichnam ihres Kindes. Dieser fürchterliche -Anblick mußte alle Anwesenden natürlich -mit Schauder erfüllen. Die Mörder konnten -nicht weit sein; aber vielleicht hatten sie -schon mit Hülfe der Strickleiter die Flucht -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -ergriffen; man beeilte sich eines Theils, der -Oberstin beizustehen, andern Theils, die schon -angefangenen Nachsuchungen im Schlosse fortzusetzen. -— -</p> - -<p> -Die Anzahl der zur Hülfe herbeieilenden -Nachbarn wurde immer größer; aber auch -die strengsten Nachforschungen blieben fruchtlos. -Im Schlosse selbst fand man keine -Spur von den Räubern, und bei der Durchsuchung -der ganzen Gegend war man nicht -glücklicher. -</p> - -<p> -Gegen Morgen kam Helene wieder zu -sich, und der erste Laut, den sie von sich gab, -war der Name ihres theuren Kindes. Ach, -der arme Wilhelm hörte sie nicht, auch er -war ein Opfer dieser schrecklichen Nacht geworden; -gerade da seine Genesung sicher zu -sein schien, mußte er seiner Krankheit erliegen. -</p> - -<p> -Unter diesen Umständen langten noch -zwei neue Personen im Schlosse an: nämlich -ein Arzt, den man zur Untersuchung der -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -Leichname herbeigerufen hatte, und der Oberst -Lobenthal, dem es endlich gelungen war, seinen -Schwager mit seiner Schwester auszusöhnen, -und der darauf keine Zeit mehr verloren -hatte, um in den Armen seiner Familie den -Lohn für diese gute That einzuernten. Wie -weit war er entfernt, einen solchen Anblick -zu erwarten, wie ihm hier bevorstand. Er -hoffte, seine Wiederkehr würde allgemeine -Freude im Schlosse verursachen; statt dessen -ward er wie vom Blitze getroffen, als ihn -der Schulze des Dorfes bei Seite nahm, und -ihm die Ereignisse der Nacht auseinandersetzte. -</p> - -<p> -Lobenthal war ein zärtlicher Vater, und -er schämte sich nicht, seinem tiefen Schmerze -freien Lauf zu lassen; dann verlangte er, -seine Frau zu sehen, um seine Thränen mit -den ihrigen zu vereinigen. Wir unternehmen -es nicht, die Szene ihres schmerzlichen Wiedersehens -zu schildern; man hatte Mühe, sie -beide von dem Leichnam ihres Kindes loszureißen, -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -den sie durchaus nicht von sich lassen -wollten. Der Anblick Juliens, weit entfernt -sie zu trösten und zu beruhigen, vermehrte -nur noch ihren gerechten Schmerz, und man -glaubte daher nichts Besseres thun zu können, -als sie sich selbst zu überlassen, und von der -Zeit die Milderung ihres Kummers zu erwarten. -</p> - -<p> -Mitten in dem Schmerze, den ihm der -Verlust seines Sohnes Wilhelm verursachte, -vergaß der Oberst dennoch nicht den Verlust -seines treuen Werner. So viel zusammen -verlebte Jahre und mit einander bestandene -Gefahren, gegenseitig erwiesene Dienstleistungen -mußten ein höchst trauriges Andenken -im Herzen Alfreds zurücklassen. Er bat den -herbeigekommenen Wundarzt, nichts zu vernachlässigen, -wodurch der brave Unteroffizier -wieder in’s Leben zurückgerufen werden könnte; -aber es war durchaus keine Hoffnung vorhanden, -denn das mörderische Eisen war mitten -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -durch das Herz gegangen. Bei der jungen -Dame fand man zwei Wunden, eine -im Herzen, durch einen Dolchstoß verursacht, -und eine andere in der Brust, wo eine Pistolenkugel -hinein und aus dem Rücken wieder -herausgefahren war; auch sie konnte nicht -wieder leben, und es blieb nichts übrig, als -sie und den unglücklichen Werner zu beerdigen. -</p> - -<p> -Lobenthal, in der höchsten Betrübniß, -verlangte nicht danach, die Leichname zu sehen. -Er kehrte in das Zimmer seiner Gattin -zurück, und wünschte bloß, daß Wilhelms -Leichnam, der keines gewaltsamen Todes gestorben -zu sein schien, bis zum folgenden -Tage erhalten würde. Die beiden andern -sollten Nachmittags um 4 Uhr begraben werden, -weßhalb Werner in seinem Zimmer, -Lodoiska aber in einem Saale des untern -Geschosses auf eine Bahre gelegt wurde. -</p> - -<p> -Schon war der Prediger des Dorfes in -seinem Ornate, und die Glocken der Kirche -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -stimmten das Grabgeläute an, als plötzlich -finstere Gewitterwolken den Himmel überzogen. -Ein Donnerschlag folgte auf den andern, -in Strömen floß der Regen herab, und -fürchterlich kämpften zwei Sturmwinde in entgegengesetzter -Richtung mit einander; ganze -Säulen von Blättern, Korngarben, Staub -und selbst von schwereren Gegenständen wurden -durch die Luft mit fortgeführt; ja es -schien, als wenn der Untergang der Welt -ganz nahe bevorstände. -</p> - -<p> -Mitten unter dem Heulen und Brüllen -der Elemente glaubten mehrere Einwohner -des Dorfes fürchterlich rauhe Stimmen zu -vernehmen, und es schien ihnen, als wenn -die ganze Atmosphäre mit bösen Geistern -erfüllt wäre. Erst spät in der Nacht stillte -sich der Aufruhr, in welchem sich die ganze -Natur befand. Bis dahin war es unmöglich -gewesen, an die Bestattung der beiden Leichen -zu denken; man mußte dieses Geschäft -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -also bis auf den folgenden Tag verschieben, -und dieß war für die Bewohner des Schlosses -kein geringer Gegenstand der Angst. Nur -die Oberstin bekümmerte sich nicht darum; -sie dachte nichts, als ihren Sohn, den sie -nun nicht mehr sehen sollte, und sie schien -nur deßhalb noch zu leben, weil sie hoffte, -bald mit dem armen Wilhelm wieder vereinigt -zu werden. Alfred war gezwungen, seinen -eigenen Kummer zu vergessen, um zu -versuchen, ob er den ihrigen nicht lindern -könne; aber vergebens: sie hörte ihn, und -verstand ihn nicht, vor ihrer Seele stand nur -ihr Sohn, der ihr auf ewig entrissen war. -</p> - -<p> -Schon seit langer Zeit deckte tiefe, finstere -Nacht den Erdball. Mehrere Bauern -aus dem Dorfe, welche bei den Todten wachen -sollten, hatten sich in der Küche des -Schlosses versammelt, wo sie bei gutem Essen -und Trinken lustig und guter Dinge waren; -Branntwein und Bier ging in Flaschen -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -und Krügen der Reihe nach herum, und man -trank fleißig auf das Wohl der ehrenwerthen -Gesellschaft. Die fröhliche Unterhaltung stockte -niemals; jedoch kam man mehrmals auf die -Ereignisse der vergangenen Nacht zurück. -</p> - -<p> -„Da sieht man, sagte Lisette, wie leicht -es um uns Menschen geschehen ist! Wie gesund -war der arme Werner noch gestern, und -heute liegt er todt im Sarge.“ -</p> - -<p> -— Und von seiner Seele sprichst du -nicht? sagte ein altes Weib, dessen verdächtiger -Blick die Knaben und Mädchen des -Dorfes in Schrecken setzte, wenn er auf ihnen -ruhte; denkst du denn, daß seine Seele -jetzt in Ruhe ist? Ist er nicht ohne Abendmahl -gestorben, und wird uns sein Geist in -Ruhe lassen? — -</p> - -<p> -„Daß doch die <em>Mutter Rieben</em>, -sagte ein Bauerknecht, keine Gelegenheit vorbeigehen -lassen kann, unsere Fröhlichkeit zu -stören, und uns in Angst zu setzen. Warum -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -sollte der brave Werner, der uns im Leben -nichts als Gutes gethan hat, uns jetzt, nach -seinem Tode, quälen?“ -</p> - -<p> -— Hat er seine Sünden bereut? — -</p> - -<p> -„Wißt ihr es? Hat er euch das Gegentheil -anvertraut? Uebrigens hat er alle seine -Pflichten erfüllt, und er war jeden Sonntag -in der Kirche.“ -</p> - -<p> -— Aber die junge Dame, Niklas, wie -mag es mit der gewesen sein? Haben wir sie -je in der Kirche gesehen? Diese ist gewiß -mitten in ihren Sünden gestorben, gerade -als sie vielleicht noch auf ein langes Leben -hoffte. — -</p> - -<p> -„Wir wollen auf ihre Gesundheit trinken! -sagte ein Müllerbursche, dessen riesenmäßige -Größe und außerordentliche Stärke -allgemein bewundert wurden. — Möge es -ihr im Grabe gefallen, damit sie nicht wieder -daraus hervorkomme.“ -</p> - -<p> -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -Bei diesen Worten hörte Jedermann -einen halb erstickten Seufzer. Ueberrascht -stand fast die ganze Gesellschaft auf, und auf -den meisten Gesichtern sahe man alle Zeichen -des Schreckens. Auch der Müllerbursche war -eben nicht der Muthigste. Jetzt schlug es -zwölf Uhr, und schweigend hörte man dem -Schall der Glocke zu. -</p> - -<p> -„Wer mag so geseufzt haben?“ fragte -endlich einer aus der Gesellschaft. -</p> - -<p> -— Vielleicht die junge Dame, erwiederte -die Alte; sie hat dem Mehlwurm dort ihren -Dank für seinen Wunsch abstatten wollen. — -</p> - -<p> -„Laßt Eure dummen Scherze, Mutter -Rieben, sagte der Müllerbursche. Wir wollen -uns weiter um das, was geschehen ist, nicht -bekümmern.“ -</p> - -<p> -Ein zweiter lauterer Seufzer schallte -jetzt in die Ohren der ganzen Gesellschaft, -die verwirrt und mit Ausrufungen des -Schreckens durcheinanderstürzte. -</p> - -<p> -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -„Heiliger Gott! sagte Lisette, das kommt -aus dem Zimmer, wo die junge Dame liegt. -Wer hat nun Muth genug, sich davon zu -überzeugen?“ -</p> - -<p> -Keiner der Anwesenden gab eine Antwort, -als sich die Stimme zum dritten Male -hören ließ, und zwar so deutlich, daß gar -kein Zweifel daran mehr Statt finden konnte. -Jetzt jagte die Furcht die ganze Gesellschaft -auseinander, und Mehrere eilten zum Schlosse -hinaus, während Andere den Wundarzt weckten, -der die Oberstin nicht eher hatte verlassen -wollen, bevor sie nicht ruhiger geworden -wäre. Als dieser hörte, wovon die Rede sei, -schob er anfangs die Schuld des allgemeinen -Schreckens auf ihre furchtsame Einbildungskraft; -bei den wiederholten Versicherungen, -daß man sich nicht getäuscht habe, zögerte er -jedoch nicht, in das Zimmer hinunterzugehen, -aus welchem die Stimme hergekommen sein -sollte. Der Oberst, welcher noch nicht schlief -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> -und den ungewöhnlichen Lärmen im Schlosse -hörte, kam ebenfalls herbei; er begegnete auf -der Treppe dem Arzt, der ihm unterweges -die Ursache des allgemeinen Schreckens mittheilte. -— -</p> - -<p> -Beide zweifelten nicht, daß das Pfeifen -und Sausen des Windes von den abergläubischen -Dorfleuten für die angeblichen Todtenseufzer -gehalten worden wäre; sie setzten -jedoch ihren Weg fort, und von der Menge -gefolgt, gelangten sie in das von mehreren -Lampen erleuchtete Zimmer, wo der Leichnam -der Fremden niedergesetzt worden war. -</p> - -<p> -Indem sie durch die Thür traten, wurde -abermals ein Seufzer hörbar, und man konnte -nun nicht mehr zweifeln, daß er von dem -Sarge herkäme. Ein Theil des Gefolges -nahm die Flucht, und nur die Muthigsten -blieben zurück, als sie den Obersten und den -Arzt zu gleicher Zeit ausrufen hörten: „Sie -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -lebt noch, die Unglückliche! Ach, retten wir -sie aus ihrer schrecklichen Lage!“ -</p> - -<p> -Sie eilten nun auf den Sarg zu, in -welchem Lodoiska ruhte, hoben Letztere sanft -in die Höhe, und trugen sie in das Zimmer, -welches sie früher bewohnt hatte. Als der -Arzt seine Hand auf ihr Herz legte, fühlte -er, daß es wieder angefangen hatte, obgleich -noch sehr schwach, zu schlagen, und voll Erstaunen -über dieses außerordentliche Wunder, -nahm er sich vor, Alles anzuwenden, um diese -von den Todten Auferstandene wieder völlig -herzustellen. Er bat den Obersten, den Theil -des Leichentuches, womit der Kopf der jungen -Schönheit verhüllt war, zurückzuschieben. -Lobenthal that es, und betrachtete neugierig -die Züge der Fremden; aber wie erstaunte er, -als dieses reizende Gesicht ihn überzeugte, daß -er die unglückliche, leidenschaftlich liebende -Lodoiska in seinen Armen hielt. Ein lauter -Schrei entfuhr seinen Lippen. Einem ruhigen -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -Zuschauer würde dadurch ohne Zweifel -die Wahrheit offenbar geworden sein; aber -der Arzt, ganz in seine Gedanken über diese außerordentliche -Wiederbelebung vertieft, merkte -kaum darauf, und von nun an suchte der -Oberst seine inneren Gefühle sorgfältig zu -unterdrücken. -</p> - -<p> -Der Arzt forderte nun die bis hierher -gefolgten Landleute auf, das Zimmer zu verlassen, -und wollte mit dem weiblichen Personale, -das allmählich wieder muthiger geworden -war, allein bei der jungen Dame bleiben. -Auch der Oberst entfernte sich, forderte aber -vorher den Arzt auf, seine ganze Kunst zur -Genesung der Unglücklichen anzuwenden. -</p> - -<p> -„Fürchten Sie nichts, Herr Oberst, erwiederte -der Arzt; mir ist selbst daran gelegen, -diese wunderbare Kur zum gewünschten -Ziele zu führen. Vielleicht kann die -Kunst etwas dabei thun; aber glauben Sie -mir, das Meiste dabei wird die Natur thun -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -müssen; nur sie allein kann eine so wunderbare -Wiederbelebung bewirken. Ich würde -einen Eid darauf abgelegt haben, daß die -Pistolenkugel diese junge Dame augenblicklich -getödtet hat, und sollte sie wirklich völlig -wieder zum Leben zurückkehren, so muß unsere -Kunst verzweifeln, je eine gründliche Ursache -dieser Auferstehung angeben zu können.“ -</p> - -<p> -Langsamen Schritts entfernte sich nun -der Oberst, ohne selbst zu wissen, womit seine -Gedanken beschäftigt waren. Er kehrte zu -seiner Frau zurück, die in einen mehr ermattenden -als erquickenden Schlummer gefallen -war. Wie schmerzlich sollte ihr Erwachen -sein! Welche neue Trauer mußte die Nachricht -von der Wiederbelebung der Fremden -in ihrem Herzen verursachen, da für ihren -geliebten Wilhelm nicht ein ähnliches Wunderwerk -geschehen war. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -Vierzehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">U</span>nter allen Begebenheiten, welche je das -Leben des Obersten Lobenthal beunruhigt -haben mochten, war ohne Zweifel die Erscheinung -der jungen Lodoiska in Deutschland -diejenige, welche ihn am meisten überraschen -mußte. Ihr energischer Charakter, den -er so schlecht beurtheilt hatte, ihre leidenschaftliche -Liebe, wovon sie ihm durch ihre -Gegenwart den auffallendsten Beweis gab, -mußten in seinem Herzen Gefühle erregen, -von denen er sich selbst noch nicht Rechenschaft -zu geben wagte. Nicht allein, um ihm -seine Treulosigkeit vorzuwerfen, konnte sie -einen so weiten Weg aus ihrem Vaterlande -her zurückgelegt haben; ohne Zweifel mußte -sie mehr haben wollen, und er zitterte, wenn -er an die bevorstehenden Auftritte dachte. -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -Von der andern Seite, durch einen seltsamen, -aber so gewöhnlichen Widerspruch in dem -menschlichen Herzen, fürchtete er, dem es sehr -lieb gewesen sein würde, dieses Mädchen nie -wieder zu sehen, daß er sie jetzt auf immer -verlieren könnte, und er hätte einen großen -Theil seines Vermögens hingegeben, wenn er -dadurch die Gewißheit ihrer Wiederherstellung -erhalten konnte. Er wünschte, wenigstens -nur ein einziges Mal mit ihr zu sprechen, -sagte er zu sich selbst; er wollte aus ihrem -eigenen Munde hören, wie sie es angefangen -habe, um bis nach R.... zu gelangen. So -verbarg der Oberst vor sich selbst das Wiedererwachen -einer höchst gefährlichen Empfindung -unter dem Namen einer bloßen Neugierde; -aber während er sich mit allen diesen Dingen -beschäftigte, nahm er sich vor, sie tief in -seinen Busen zu begraben, und nie den geringsten -Anlaß zu geben, wodurch Helene zur -Eifersucht verleitet werden könnte. Er beschloß, -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -sich gegen Lodoiska wie gegen eine -ihm völlig Unbekannte zu benehmen, wenn -sie selbst ihn nicht durch eine Unvorsichtigkeit -zur Entdeckung seines Geheimnisses zwingen -würde. -</p> - -<p> -Durch die Sorgfalt eines dienstfertigen -Nachbars und des gefühlvollen Pfarrers war -die Veranstaltung getroffen worden, daß am -andern Morgen schon ganz frühe, ohne alles -Geräusch, die Leichname des jungen Wilhelm -und Werners aus dem Schlosse entfernt und -zur Erde bestattet wurden. Als daher Helene -ihren Sohn noch einmal sehen wollte, gerieth -sie in neue Verzweiflung, daß ihr nun von -ihrem Wilhelm nichts mehr übrig geblieben -sei, als eine herzzerreißende Erinnerung. Beschäftigt, -diesen heftigen Schmerz seiner Gattin, -den er selbst theilte, durch Trostgründe -zu mildern, vergaß der Oberst fast, wie nahe -ihm jetzt Lodoiska sei, und erst gegen Mittag, -als <em>Wildenau</em>, der Arzt, zu ihm kam, -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -dachte er daran, sich nach ihrem Zustande zu -erkundigen. -</p> - -<p> -„Ich habe Ihnen schon gesagt, antwortete -Wildenau, daß bei dieser jungen Person -etwas Unerklärliches obwaltet, was ich vergebens -zu ergründen suche. Noch nie war -die Rückkehr in’s Leben so unverhofft, als bei -ihr; doch kann ich noch nicht versichern, ob -sie am Leben bleiben wird, oder nicht. Ihre -Wunde war ohne Zweifel tödtlich, und schon -vorher mußte eine andere, die bis in’s Herz -gegangen zu sein scheint, ihrem Dasein ein -Ende gemacht haben.“ -</p> - -<p> -— Eine andere Wunde, sagen Sie? -Lieber Doktor, Sie setzen mich in Erstaunen, -denn mich dünkt, als hörte ich gestern -bei meiner Ankunft nur von einer einzigen, -durch einen Pistolenschuß verursachten Wunde -sprechen. — -</p> - -<p> -„Ganz richtig, weil nur diese Wunde -frisch war, und die andere schon vor langer -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -Zeit durch ein schneidendes Werkzeug gemacht -worden ist. Weit entfernt, völlig vernarbt -zu sein, blutet sie vielmehr noch, und hat -eine ganz eigenthümliche Beschaffenheit, die -meine bisherigen Kenntnisse völlig zu Schanden -macht. Bei jedem andern Menschen -müßte sie unmittelbar den Tod nach sich ziehen, -und dennoch scheint es, daß diese Dame -schon lange Zeit damit gelebt hat, ohne davon -gehindert worden zu sein. Wahrlich! sie -hat sich über die wunderbare Lebenskraft, die -ihr von der Natur zugetheilt ist, nicht zu beklagen. -Außerdem habe ich noch eine andere -Sonderbarkeit bei ihr gefunden: ihre linke -Hand ist nämlich mit einem Handschuh bedeckt, -der aus einer sehr dicken Haut besteht. -Ich wollte ihn aufschneiden, um der Kranken -völlige Freiheit der Bewegung zu verschaffen; -aber als ich ihren Arm berührte, gerieth er -in ein beispielloses krampfhaftes Zittern, und -die anfangs offene Hand schloß sich mit solcher -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -Kraft, daß ich nicht im Stande war, -mein Vorhaben auszuführen.“ -</p> - -<p> -— Wunderbar! Erstaunenswürdig! Aber -lassen Sie nicht ab, lieber Doktor, ich bitte -Sie: die Menschlichkeit befiehlt uns, dieser -Unglücklichen uns nach Kräften anzunehmen. -Uebrigens kann sie allein uns die Begebenheiten -der gestrigen Schreckensnacht erklären, -und vielleicht ertheilt sie uns Aufschlüsse, die -uns in den Stand setzen, jene Bösewichter zu -entdecken, deren Versuch ohne Nutzen für sie, -für uns so unglücklich ausgefallen ist. — -</p> - -<p> -„Ihre Ermahnungen sind ganz überflüssig, -Herr Oberst. Meiner Pflicht nicht zu -erwähnen, deren Erfüllung mir mein Stand -vorschreibt, so kann ich Ihnen nicht verbergen, -daß diese junge Dame mir die lebhafteste -Theilnahme eingeflößt hat. Die seltene Vollkommenheit -in allen Theilen ihres Körpers, -die Schönheit ihres Gesichts haben, ich gestehe -es Ihnen erröthend, auf meine Sinne -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -einen außerordentlichen Eindruck gemacht. -Wenn ich sie dem Leben wiedergeben könnte, -wünschte ich mehr von ihr zu erlangen, als -bloße Dankbarkeit ..... Aber warum erstaunen -Sie so über dieses Geständniß? Sollte -es Ihnen verdammungswürdig erscheinen?“ -</p> - -<p> -— Wem? Mir? Ei, lieber Doktor, mit -welchem Rechte könnte ich es tadeln? Es -scheint mir nur, daß Alles, was jetzt hier -um uns vorgeht, außerordentlich ist. Sie, -zum Beispiel, lieben heute eine Person, die -Sie gestern noch nicht kannten, und zwar -hat sie Ihr Herz in dem Augenblick erobert, -wo sie noch mehr dem Tode als dem Leben -angehört. Wie wird es erst werden, wenn -sie mit ihren körperlichen Vorzügen noch die -weit hinreißenderen des Geistes verbindet, die -ihr ohne Zweifel nicht mangeln! — -</p> - -<p> -„Verzeihen Sie, Herr Oberst, wenn ich -Ihnen gerade heraus sage, daß Sie ziemlich -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -leicht über einen solchen Punkt sprechen. Ich -kannte diese Lustigkeit an Ihnen noch nicht.“ -</p> - -<p> -— Ach, nehmen Sie es nicht übel, lieber -Herr Doktor; in meiner jetzigen Stimmung -weiß ich kaum, was ich thue; so sehr hat -mich der Schmerz übermannt, daß meine -Worte der Zerrüttung meines Verstandes -entsprechen. In meiner Lage, deren ganze -Qual Sie nicht zu würdigen im Stande -sind, mag es wohl erlaubt sein, gegen die -Regeln der Höflichkeit zu fehlen, wie es wohl -sonst bei mir nicht der Fall ist. — -</p> - -<p> -Diese Antwort gab dem Arzt die Ueberzeugung, -daß der Oberst in der That durch -den Schmerz etwas an dem freien Gebrauch -seiner Verstandeskräfte verloren habe, und er -fiel deßhalb nicht auf den Verdacht, daß eine -geheime Ursache, ein Anfall von Eifersucht, -großen Theil an des Obersten Worten gehabt -habe. Der Letztere, voller Scham, einen -Augenblick lang seinen Entschluß vergessen, -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -und dem Arzt beinahe ein Recht gegeben zu -haben, in seinem Herzen zu lesen, zog es vor, -ihn in der Meinung zu lassen, daß das Uebermaß -des Schmerzes ihm Abbruch in dem -folgerechten Gange seiner Gedanken thue; -und erst, als er in den Augen des Doktors -las, daß derselbe wirklich dieser Meinung -sei, war er vollkommen beruhigt. Er suchte -darauf dem Gespräch eine andere Wendung -zu geben, und bat den Arzt, eine Wohnung -im Schlosse anzunehmen, so lange der Zustand -der verwundeten Dame sowohl als seiner Gattin -seine Gegenwart nöthig machen würde. -</p> - -<p> -„Ja, erwiederte Wildenau, ich will dieses -Schloß vor der Hand zu meinem Hauptquartiere -machen, und es nur dann auf kurze -Zeit verlassen, wenn meine Gegenwart an -andern Orten nicht entbehrt werden kann. -Sein Sie daher in dieser Hinsicht ganz -ruhig.“ -</p> - -<p> -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -Lobenthal fragte nun, ob er nicht Zutritt -zu der Fremden erhalten könne, um ihr -dem Anstande gemäß einen Besuch abzustatten. -</p> - -<p> -„Es hängt ganz von Ihnen ab, Herr -Oberst, es zu thun; aber noch lange Zeit -hindurch werden Sie Ihre Komplimente an -einen fast leblosen Körper richten. Die junge -Dame wird wenigstens noch vierzehn Tage -lang in völliger Bewußtlosigkeit verharren, -wovon ihr starker Blutverlust die Ursache ist; -und wir können uns glücklich schätzen, wenn -sie in Zeit von vier Wochen unsere Fragen -beantworten kann.“ -</p> - -<p> -— So müssen wir uns bis dahin gedulden, -sagte der Oberst in einem Tone, dem er -den Anschein der Gleichgültigkeit zu geben -strebte. — -</p> - -<p> -In diesem Augenblicke trat Lisette in’s -Zimmer, und meldete voller Angst, daß Helene -ohnmächtig geworden sei. Beide Herren -eilten nun, wohin ihre Pflichten und Gefühle -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -sie riefen. Die Oberstin blieb noch mehrere -Tage lang in diesem Zustande der Schwäche, -die aus dem Uebermaße ihres Schmerzes entstand, -und nichts konnte sie zerstreuen; nur -ein einziger Gedanke beschäftigte ihre Einbildungskraft. -</p> - -<p> -Lodoiska schien unterdessen bestimmt zu -sein, alle Behauptungen und Voraussetzungen -des Arztes zu widerlegen; ihre Gesundheit -war in weit kürzerer Zeit wieder hergestellt, -als es nach seiner Meinung möglich war, -und er genoß nicht einmal das Glück, die -schöne Fremde zuerst sprechen zu hören. Einige -Tage nach jener Schreckensnacht trat -Alfred, der schon öfter in das Zimmer der -Kranken gekommen war, um sich nach ihrem -Befinden zu erkundigen, abermals hinein, und -hörte von der Wächterin, daß man vergessen -habe, ihr das Frühstück zu bringen; er erlaubte -ihr daher, es selbst zu holen, während -er bei der Kranken zu bleiben und ihre Rückkehr -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -abzuwarten versprach. Die Wächterin, -voll Dankbarkeit über diese Gefälligkeit, und -vielleicht in der Furcht, daß es nicht des -Obersten Ernst sein möchte, nahm ihn beim -Worte, und entfernte sich augenblicklich. -</p> - -<p> -In den ersten Minuten blieb Alfred fast -unbeweglich vor dem Bett, in welchem Lodoiska, -der Gegenstand seiner ersten Liebe, ruhte; -beim Anblick dieser fest geschlossenen Augen, -dieser magern und leichenblassen Gesichtszüge, -verfiel er in ein höchst schmerzliches, träumerisches -Nachdenken. Die Kranke lag völlig -unbeweglich, und kaum merkte man an ihrem -schwachen Athemzuge, daß noch Leben in -ihr sei. -</p> - -<p> -„Armes Mädchen! sagte Alfred halb -laut; so sollte ich dich also wiedersehen, nachdem -dich deine unglückliche Liebe bis hierher -geführt hat?“ -</p> - -<p> -Ein Seufzer, der von Lodoiska’s Lippen -erschallte, machte den Obersten aufmerksam, -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -und er näherte sich dem Bette noch -mehr. Bald sahe er, wie sich die Augenlieder der -Kranken fast unmerklich bewegten; endlich schlug -sie die Augen auf, und blickte ihn an, worauf -eine plötzliche Röthe ihr Gesicht überzog, und -ihr Mund den Namen Alfred aussprach. -</p> - -<p> -„Lodoiska, hast du mich erkannt? fragte -der Oberst, der Heftigkeit seiner Gefühle fast -unterliegend. Ach, wie sehr mußt du mich -verabscheuen!“ -</p> - -<p> -— Alfred! liebst du mich? — -</p> - -<p> -Bei dieser unerwarteten Frage, die nicht -leicht zu beantworten war, fühlte sich der -Oberst fast wie versteinert. Seine Zunge -war im Begriff ein zufriedenstellendes Wort -auszusprechen; aber seine Vernunft hielt dasselbe -zurück; er konnte nur sein Gesicht mit -beiden Händen bedecken, und schweigen. -</p> - -<p> -„Alfred, grausamer Geliebter meines Herzens! -willst du mir den Tod geben, dem ich -jetzt entrinne?“ -</p> - -<p> -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -O, wie schrecklich war es für Alfred, -die Unglückliche nicht beruhigen zu dürfen! -Sie schien nur in’s Leben zurückzukehren, um -vom ersten Augenblicke an allen den Kummer -von Neuem mit verdoppelter Heftigkeit -zu fühlen, der schon seit so langer Zeit -an ihrem Herzen nagte. Aber konnte der -Oberst einer unglücklichen Leidenschaft noch -neue Nahrung geben? War er nicht Helenens -Gatte? Konnte er sie so hintergehen? -Die verschiedensten Gefühle und Gedanken -kämpften in seinem Innern mit einander, -und er war noch unentschlossen, als -ein abermaliger Seufzer Lodoiska’s seine -Aufmerksamkeit auf sich zog, und er mit -Schrecken erkannte, daß sie in tiefe Ohnmacht -zurückgesunken sei. -</p> - -<p> -Da der Oberst fürchtete, der armen -Kranken den letzten Stoß gegeben zu haben, -so stürzte er aus dem Zimmer, und rief mit -lauter Stimme den Arzt und die Bedienung -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -herbei. Er erzählte ihnen, daß die Fremde -anfangs zu sich selbst gekommen sei, und einige -Worte gesprochen habe, worauf sie wieder -in eine höchst gefährliche Ohnmacht zurückgefallen -sei. -</p> - -<p> -„Sie hat gesprochen, sagen Sie? rief -der Arzt. Sind Sie auch Ihrer Sache ganz -gewiß? denn es scheint mir ganz unmöglich. -Wenn es aber dennoch wahr ist, so weiß ich -nicht mehr, was ich von diesem unerklärbaren -Wesen denken soll!“ -</p> - -<p> -Der Oberst versicherte, daß die Kranke -gesprochen habe, und daß ihre Worte: Wo -bin ich? wer ist bei mir? ganz vernehmlich -gewesen seien. Freilich hatte sie so nicht gesagt, -aber Alfred hütete sich wohl, die Wahrheit -zu entdecken. Wildenau fand, daß Lodoiska -ein heftiges Fieber hatte, und verhehlte -nicht, daß sie sich in großer Gefahr -befände, weil sie eine große Erschütterung in -ihrem Innern erlitten haben müsse. Bei -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -dieser Erklärung war der Oberst wie vom -Blitze getroffen, und aus Furcht, sich zu verrathen, -entfernte er sich. Ueber eine Stunde -lang ging er in dem großen Saale auf und -nieder, ohne zu wagen, sich zu seiner Gattin -zurück zu begeben, noch in Lodoiska’s Zimmer -zurückzukehren, wo dieselbe vielleicht im Begriff -war, ihren letzten Seufzer auszuhauchen. -O, welche Vorwürfe machte er sich jetzt über -seinen vormaligen jugendlichen Leichtsinn, über -seinen unverzeihlichen Fehler, in dem unschuldigen -und gefühlvollen Herzen Lodoiska’s eine -Flamme entzündet zu haben, deren Folgen so -schrecklich waren! Er sahe jetzt ein, daß die -Liebe, welche gewöhnlich so vergänglich ist, -bei gewissen Charakteren ewig währen kann; -denn Lodoiska’s Beständigkeit gab ihm den -Beweis, weil Nichts ihre Zärtlichkeit zu vermindern -im Stande gewesen war. Die Entfernung -und lange Trennung, selbst die -schlechte Behandlung waren an ihrem Herzen -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -vorübergegangen, ohne es zu erkälten, und er -selbst empfand jetzt das ganze Entzücken der -Liebe, das ihn ehemals trunken machte. Welche -Qualen, welche Kämpfe hatte der Oberst nun -zu überstehen! Er sahe seine Zukunft wie hinter -einer finstern Wolke, und voller Schrecken -ergab er sich seinem Schicksale. Quälte -ihn nicht auch die Art von Nebenbuhlerschaft, -die zwischen ihm und dem Arzte entstehen -zu wollen schien? Der Letztere, der -noch jung und von sehr liebenswürdigem Aeußeren -war, hatte alle Ansprüche, eine zärtliche -Neigung einzuflößen. Ohne Zweifel würde -er jetzt anfangen, Lodoiska mit seiner Leidenschaft -zu verfolgen, ja vielleicht den Obersten -selbst zur Mittelsperson machen wollen, -wozu sich Alfred völlig unfähig fühlte! — -</p> - -<p> -Wie wir schon gesagt haben, Lodoiska -ging, wider alle Wahrscheinlichkeit, ihrer Genesung -mit raschen Schritten entgegen. Kaum -waren vierzehn Tage verflossen, so konnte sie -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -schon aufrecht in ihrem Bette sitzen, und die an -sie gerichteten Fragen beantworten. Helene entschloß -sich nur schwer, ihr einen Besuch abzustatten, -weil ihr Anblick ihr Wilhelms Tod -so lebhaft in’s Gedächtniß zurückrief, daß sie -beim ersten Besuche ohnmächtig wurde. Jedoch -mangelte es der kranken Lodoiska nicht -an Gesellschaft, weil der Arzt, so viel es seine -Geschäfte zuließen, sich bei ihr aufhielt. Auch -der Oberst, durch ein unwiderstehliches Gefühl -dazu fortgerissen, wiederholte seinen Besuch -täglich, obgleich er täglich schwur, seine Besuche -seltener zu machen. Indessen suchte er -es so einzurichten, daß er nie mit Lodoiska -allein war, weil er eine zweite Erklärung von -ihrer Seite fürchtete. -</p> - -<p> -Vergebens suchte Lodoiska öfters, die -lästigen Zeugen zu entfernen, wenn sich der -Oberst bei ihr befand; aber Alfred war so sehr -auf seiner Hut, daß er sich stets entfernte, -wenn der Zufall es hätte herbeiführen können, -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -sich mit dem Opfer einer unglücklichen Liebe -allein zu befinden. In solchen Augenblicken -sah man denn in den sonst gleichgültigen -Gesichtszügen Lodoiska’s den heftigsten Verdruß -vorherrschen, der sich oft gegen ihre -Wärterin, selbst gegen den Arzt, äußerte. -Der Letztere, der sich immer mehr gefesselt -fühlte, ertrug mit seltener Geduld eine Leidenschaftlichkeit, -von welcher er die wahre -Ursache durchaus nicht ahnete, sondern die er -nur ihrem körperlichen Uebelbefinden zuschrieb. -</p> - -<p> -Bald darauf erklärte Lodoiska, daß sie -aufstehen wolle, wobei der Arzt fast in Verzweiflung -gerieth. Er versicherte, daß sie -noch zu schwach sei, um ihren Wunsch befriedigen -zu können, und daß sie sich wenigstens -noch vier Wochen gedulden müsse, weil er -sonst nicht dafür stehen könne, daß sie in die -größte Gefahr geriethe, wenn sie ihr Bett -verlassen wollte. Lodoiska antwortete nicht, -wie sie es stets gewohnt war, wenn man ihr -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -einen Vorschlag machte, der ihr nicht gefiel. -Aber sobald Wildenau sich entfernt hatte, -bat sie ihre Wächterin, ihr eine Frucht herbeizuholen, -nach deren Genuß sie großes Verlangen -fühle, und kaum war sie allein, so -eilte sie, sich anzukleiden. -</p> - -<p> -Das Erstaunen der Wächterin, als sie -in’s Zimmer zurückkehrte, war unbeschreiblich; -sie eiferte gegen die Dreistigkeit, mit welcher -Lodoiska alle Vorschriften des Arztes bei -Seite setzte, und drohte ihr mit dem höchsten -Zorn des Letzteren, wenn derselbe sie bei seiner -Rückkehr nicht im Bette finden würde. Aber -diese Drohung machte nicht den geringsten -Eindruck, und nachdem Lodoiska einige Zeit -lang im Zimmer auf und nieder gegangen -war, ließ sie die Oberstin fragen, ob dieselbe -ihren Besuch annehmen könne. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> -Funfzehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">D</span>ie Oberstin, und noch mehr ihr Gemahl, -war weit entfernt von dem Gedanken, die -Fremde vor sich erscheinen zu sehen. Beide -fürchteten, daß sie ihrer Gesundheit Schaden -zufügen könnte, und anstatt sie bei sich zu -erwarten, begaben sie sich zu ihr. -</p> - -<p> -„Mein Gott! sagte Helene eintretend, -was beginnen Sie? So wenig beobachten -Sie die Vorschriften unseres Arztes? Er -hatte Ihnen doch empfohlen, sich noch länger -im Bette zu halten, und nun sind Sie ohne -seine Erlaubniß aufgestanden!“ -</p> - -<p> -— Ich hege die größte Meinung von -den Kenntnissen des Herrn Wildenau, antwortete -Lodoiska; aber ich glaube, daß die -Arzneiwissenschaft gewisse Grenzen hat, über -die sie nicht hinausgehen kann. Unser Freund -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -beurtheilt meinen Zustand nach den ihm sonst -vorgekommenen ähnlichen Fällen; aber bei -mir muß er sich in allen seinen Voraussetzungen -getäuscht sehen, weil ich eines außerordentlichen -Daseins genieße: ich kann nicht -völlig sterben, und Sie haben schon den Beweis -davon. Da ich mich nun stark genug -fühle, warum sollte ich mich noch nach Vorschriften -richten, die meine Genesung nur -verzögern würden? — -</p> - -<p> -Seitdem Helene die Fremde bei sich aufgenommen, -hatte sie schon die Erfahrung gemacht, -daß es vergeblich sei, sich ihrem Willen -zu widersetzen. Sie begnügte sich daher, -ihr zu antworten, daß sie besser als jeder -Andere wissen müsse, was sie zu thun habe, -und daß sie dabei ohne Zweifel die Vorsicht -nicht aus den Augen setzen würde. Der -Oberst schwieg völlig. Erst heute sahe er -eigentlich Lodoiska’n zum ersten Male wieder, -und betrachtete mit stiller Rührung die -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -Zerstörungen, welche Zeit, Unglücksfälle und -Leiden in diesem schönen Körper angerichtet -hatten. Sie besaß nicht mehr die lebhafte -Gesichtsfarbe, welche sonst ihre Reize so sehr -erhöheten, und ihre Augen schienen fast erstorben -zu sein; aber dennoch mußte sie Aller -Blicke auf sich ziehen, und den Männern -Liebe einflößen. Ihr prächtiger Wuchs, ihre -regelmäßigen Züge, ihr einnehmendes Wesen -waren ihr noch geblieben. -</p> - -<p> -Lodoiska behandelte den Obersten mit -jener kalten Höflichkeit, die man gewöhnlich -gegen Unbekannte ausübt, und sie wußte die -Gefühle ihres Innern auf das Strengste zu -verbergen. Wenn sie aber gewiß war, von -keinem Zeugen belauscht zu werden, so belebte -sich ihr Blick und machte dem Obersten die -bittersten Vorwürfe, oder schien öfters zu sagen: -Kehre zu mir zurück, und Alles ist verziehen. -Alfred verstand diese Blicke nur allzugut, -doch glaubte er, ihnen trotzen zu können; -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -er vergaß, daß man, um Gefahren dieser -Art zu überwinden, sie fliehen, nicht aber -ihnen die Spitze bieten muß. Zwei Herzen, -die sich einst liebten, und die nach langer -Trennung sich einander wieder finden, vereinigen -sich fast immer. -</p> - -<p> -Während sich unter diesen drei Personen -eine Unterhaltung entspann, kam der Arzt -von seinen Geschäften, die er in der Umgegend -gehabt hatte, zurück. Schon bei seinem -Eintritte in’s Schloß erfuhr er, wie wenig -die Fremde seine Vorschriften befolgt habe; -er nahm sich daher vor, ihr deßhalb Vorwürfe -zu machen; allein sein ganzer Zorn -verschwand, als er in’s Zimmer trat, und sie -in einem Zustande sahe, der ihre völlige Wiederherstellung -bewies. -</p> - -<p> -„Ich sehe, redete er sie an, daß sie meiner -Hülfe nicht mehr bedürfen, und Sie haben -daher vollkommen Recht, sich meiner Autorität -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -zu entziehen; ich wünsche nur, daß -sie es nie bereuen möchten.“ -</p> - -<p> -— Ihren seltenen Kenntnissen, antwortete -Lodoiska, habe ich viel zu verdanken; das -Uebrige hat die Natur gethan. Glauben Sie -mir, daß ich mich jetzt vollkommen wohl befinde; -aber je freier ich nun athme, desto -mehr ist auch mein Herz von Dankbarkeit -gegen Sie erfüllt. Erlauben Sie mir, Ihnen -einen kleinen Beweis davon zu geben, -was Sie mir hoffentlich nicht abschlagen -werden. — -</p> - -<p> -Mit diesen Worten nahm Lodoiska einen -prächtigen Brillantring von sehr bedeutendem -Werthe, von dem Tische, und überreichte -ihn dem Arzte, der vor Ueberraschung -nicht wußte, was er thun sollte. Gern hätte -er ein Geschenk von sich gewiesen, das er für -zu kostbar für seine Bemühungen hielt; wie -gern hätte er es gesehen, wenn ihm die junge -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -Schönheit ihre Dankbarkeit auf eine andere -Art bewiesen hätte. Aber Lodoiska trat mit -solcher Zuversichtlichkeit auf ihn zu, daß er -das ihm dargebotene Geschenk nicht ausschlagen -konnte, und nach einigem schwachen Widerstande -nahm er den Ring seufzend an, -steckte ihn an seinen Finger, und gab dem -Obersten durch einen Blick zu erkennen, daß -er gewünscht hätte, Lodoiska möchte ihm auf -eine andere Art ihre Dankbarkeit zu erkennen -gegeben haben. -</p> - -<p> -Die Oberstin brannte vor Ungeduld, zu -erfahren, was sich eigentlich in jener Schreckensnacht -zugetragen hatte, deren Andenken -nur mit ihr selbst in ihr untergehen konnte; -aber sie fühlte auch zu gleicher Zeit, daß sie -noch nicht stark genug sei, diese Erzählung -ruhig mit anzuhören. Daher stand sie von -ihrem Stuhle auf, wiederholte ihre Glückwünsche -zur Wiedergenesung der Fremden, -und überließ es dem Obersten und dem Arzte, -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -die Enthüllung der Geheimnisse jener Nacht -von Lodoiska’n entgegen zu nehmen. -</p> - -<p> -Diese erbebte unwillkührlich, als man -sie über diesen Gegenstand befragte; man -konnte es auf ihrem Gesichte lesen, wie ungern -sie es sehe, daß man sie daran erinnerte; -daher schwieg sie auch einige Augenblicke, sei -es nun, um sich zu sammeln, oder um abzuwarten, -ob man die Frage erneuern würde. -Allein der Oberst wiederholte dieselbe, und -Lodoiska erzählte nun Folgendes: -</p> - -<p> -„Die Frau Oberstin war von dem unausgesetzten -Nachtwachen schon so sehr erschöpft, -daß sie mich bat, an ihrer Stelle bei -dem unglücklichen Kinde zu wachen, das sie -verloren hat.“ -</p> - -<p> -Bei diesen Worten stieß der Oberst einen -tiefen Seufzer aus. Verwirrt hielt Lodoiska -inne, und ein krampfhafter Schmerz -verzog ihre Gesichtszüge. Sie zögerte fortzufahren, -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> -that dieß aber doch endlich folgendermaßen. -</p> - -<p> -„Ich konnte es dieser großmüthigen -Dame nicht abschlagen, und ungeachtet meines -Widerwillens, wovon ich mir damals -noch keine Rechenschaft geben konnte, der sich -aber durch die Folge gerechtfertigt hat, willigte -ich ein, die Nacht bei dem armen Wilhelm -zuzubringen. Gegen Mitternacht überwältigte -mich der Schlaf, der seit mehreren Jahren -nur selten meine Augen schließt, mit solcher -Kraft, daß ich ihm vergebens zu widerstehen -suchte; ich legte meinen Kopf gegen den Rücken -des Lehnstuhls, in welchem ich saß, und -in wenigen Augenblicken war ich eingeschlummert. -Was von diesem Zeitpunkte an geschehen -ist, weiß ich nicht, bis ich plötzlich -durch ein starkes Geräusch geweckt wurde. -Kaum schlug ich die Augen auf, so erblickte -ich beim Schein des Mondes vier bewaffnete -Männer, welche auf mich zukamen. Mein -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> -Schrecken war so groß, daß ich nicht im -Stande war, zu schreien, um Hülfe herbeizurufen. -Der eine von den Männern faßte mich -beim Arme, ein anderer näherte sich dem -Bette. In diesem Augenblicke wurde die Thür -mit Ungestüm aufgerissen, und Werner erschien. -Ich hörte zwei Pistolenschüsse fallen, -fühlte mich von einer Kugel getroffen, und -stürzte zur Erde. Meine Besinnung verließ -mich. Ohne Zweifel waren die Räuber -durch’s Fenster eingestiegen; denn ich hörte -nachher von meiner Wächterin, daß man eine -Strickleiter am Fenster gefunden habe. Ich -kann diesen Umstand nicht bestätigen, weil -ich nichts gesehen habe, als die Mörder und -den Tod, den sie mir ohne Zweifel bestimmten. -Auch weiß ich keine bestimmte Ursache -für den Tod Ihres Kindes anzuführen. War -dieß gerade der Augenblick seines Sterbens, -oder wäre es durch die Furcht schneller herbeigeführt -worden? Ach, er kann es Ihnen -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -nicht sagen, und kein Sterblicher wird je -von den Geheimnissen des Todes unterrichtet -werden.“ — -</p> - -<p> -So erzählte Lodoiska ihre Geschichte, -und Niemand konnte die Wahrheit derselben -bezeugen oder ihr widersprechen. Sie allein -hatte die Begebenheit überlebt; diejenigen, -welche die wahren Umstände derselben hätten -bekannt machen können, waren auf ewig -von dieser Erde verbannt, wo das Verbrechen -und die Lüge nur allzuoft über Unschuld -und Tugend den Sieg davon tragen. Eine -so unvollständige Erzählung konnte übrigens -nicht die geringste Aufklärung geben. Man -hatte ungeachtet der eifrigsten Nachforschungen -nicht die geringste Spur von den Mördern -finden können, und dennoch waren sie -da gewesen. Lobenthal und Wildenau verloren -sich in ihren Vermuthungen, während -Lodoiska in ihrer gewöhnlichen Gleichgültigkeit -verharrte, und endlich den Wunsch äußerte, -<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> -auf einige Zeit allein zu sein, um, wie -sie sagte, sich von der Abspannung zu erholen, -in welche ihre Erzählung ihre moralischen -Kräfte gesetzt habe. -</p> - -<p> -Dieser Wunsch war sowohl für den -Obersten als für den Arzt ein Befehl. Sie -entfernten sich augenblicklich, und begaben -sich zu Helenen, der sie die eben angehörte -Erzählung mittheilten, die aber davon wenig -gerührt wurde, weil sie keinen Aufschluß über -den geheimnißvollen und unerwarteten Tod -ihres Sohns dadurch erhielt. Das Uebrige -kümmerte sie wenig, und sie sah darin nichts -weiter, als einen gewöhnlichen Angriff von -Räubern, der für dieselben ohne Erfolg gewesen -war, aber blutige Spuren hinterlassen -hatte. -</p> - -<p> -Lodoiska fing jetzt ihr früheres gewöhnliches -Leben wieder an. Fast immer in ihrem -Zimmer eingeschlossen, zeigte sie sich nur -zur Zeit der Mahlzeit, und nur selten willigte -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -sie darein, den Nachmittag mit der Familie -zuzubringen. Ihre Unterhaltung war -dann ernsthaft und schwermüthig; sie schien -ihre Leidenschaft für den Obersten völlig vergessen -zu haben, sowohl als die Worte, die -sie bei ihrem ersten Wiedersehen ausgesprochen -hatte. Dadurch ward Lobenthal so sicher -gemacht, daß er täglich weniger Vorsicht anwendete, -einer Unterredung unter vier Augen -auszuweichen, die Lodoiska nicht mehr zu -wünschen schien. — -</p> - -<p> -Man befand sich jetzt mitten im Winter. -Bald machte der Regen alle Wege ungangbar, -bald verwandelte der eisige Hauch -des Nordwindes die Erde in Stein, und -machte es unmöglich spazieren zu gehen. Bei -solchem Wetter befiel den Obersten seine alte -Jagdlust wieder, und oft kehrte er mit reicher -Beute beladen nach Hause zurück. So war -er auch eines Morgens in den Wald gegangen, -wo ihm sogleich anfangs ein Reh in -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -den Schuß kam; allein das arme Thier stürzte -nicht sogleich todt zur Erde nieder, sondern -lief mit Anstrengung aller Kräfte pfeilschnell -durch das dickste Gebüsch, von dem bellenden -Jagdhunde des Obersten verfolgt. Auch Lobenthal -folgte der blutigen Spur, bis er das -Thier verendet fand, aber sich dabei so weit -vom Schlosse entfernt sahe, daß er kaum -mehr hoffen konnte, es zur Mittagszeit wieder -zu erreichen. -</p> - -<p> -Nachdem er seine Beute in Stücke getheilt -hatte, um sie desto besser fortzubringen, -machte er sich auf den Rückweg, der ihn so -ermüdete, daß er sich, nicht weit mehr vom -Schlosse entfernt, auf einer in einen Felsen -gehauenen Bank, auf einige Augenblicke auszuruhen -beschloß. Tausend verschiedene Gedanken -bestürmten seine Einbildungskraft, -die ihn bald in seine Jugendjahre zurückführte; -er glaubte, noch in den Gebirgen -der Wallachei zu sein, wo er oft in Gesellschaft -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -eines Mädchens, das ihm damals -ein Engel zu sein schien, die schneebedeckten Gipfel -der Felsen erkletterte. Plötzlich fiel ihm ein -Gedicht ein, das er einst in jener glücklichen -Zeit für Lodoiska verfertigt hatte; es konnte -nach einer in ihrem Vaterlande sehr beliebten -Weise gesungen werden, und nachdem er die -ersten Verse für sich hergesagt hatte, ging -er unvermerklich in jene Melodie über, bis -er, ohne es selbst zu wissen, das Lied mit -lauter Stimme sang. -</p> - -<p> -Der Gesang war geendigt, und noch befand -er sich in seinem träumerischen Zustande, -als er daraus plötzlich durch das Herabfallen -einiger Steine von der neben ihm befindlichen -Höhe geweckt wurde. Er richtete den Kopf -nach oben, um die Ursache zu entdecken; aber -wie erstaunte er, als er Lodoiska, die ihn so -eben noch so sehr beschäftigt hatte, von der -Höhe herabkommen sahe. Er konnte ihr nicht -anders ausweichen, als wenn er gerade querfeldein -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -lief, was nach den Regeln des Anstandes -durchaus nicht thunlich war; aber er -gerieth in die größte Unruhe über die Unterredung, -die nun ohne Zweifel Statt haben -mußte. In seiner Ueberraschung sprang er -von seinem Sitze auf, während die junge -Schönheit, vielleicht von ähnlichen Gefühlen, -wie die seinigen, bestürmt, stehen blieb, und -sich an die Felsenwand stützte, als wenn sie -fürchtete, ihr Bewußtsein zu verlieren. -</p> - -<p> -So standen beide einige Zeit lang einander -gegenüber, ungewiß, was sie thun sollten; -endlich setzte aber Lodoiska ihren Weg -fort, und befand sich nach einigen Augenblicken -dicht bei dem Obersten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> -Sechszehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar"><span class="prefirstchar">„</span>S</span>ollte ich Ihnen, redete sie ihn mit halb -erstickter Stimme an, durch meine Gegenwart -lästig werden? Können Sie mich nicht anders -mehr als mit Furcht erblicken? Muß -ich zu dem Zufall meine Zuflucht nehmen, um -mit Ihnen zusammen zu treffen?“ -</p> - -<p> -Alfred fühlte die Nothwendigkeit, hierauf -etwas zu erwidern; aber er fürchtete -auch, in seinen Worten nicht die richtige -Mittelstraße beobachten zu können, und das -Unangenehme seiner Lage setzte ihn in die -größte Verlegenheit. -</p> - -<p> -„Ach! antwortete er, ist es gut für uns -beide, daß wir uns wiedergefunden haben? -Hatte uns nicht das Schicksal auf immer von -einander getrennt? Konnte ich erwarten, Lodoiska, -Sie hier in Deutschland zu sehen, -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> -nachdem die Bande, die uns an einander -knüpften, längst aufgelöset sind?“ -</p> - -<p> -— Und wer hat sie zerrissen, Alfred, -diese Bande? Verdiene ich oder Sie diesen -Vorwurf? Nur die Zeit war zwischen uns; -ich konnte meine schwachen Reize verlieren, -aber mein Herz hat sich nicht geändert, und -Sie sehen den Beweis davon vor sich! — -</p> - -<p> -„Ich bedarf Ihrer Gegenwart nicht, -Lodoiska, um mir Vorwürfe zu machen, die -ich mir schon seit langer Zeit gemacht habe. -Die Verirrungen meiner Jugend haben sich -meinen Blicken schon längst unter den schwärzesten -Farben dargestellt. Aber was kann -jetzt noch geschehen? Unsere Lage ist kummervoll; -aber es bleibt uns nichts übrig, als sie -mit Fassung und Muth zu ertragen: so will -es das Schicksal.“ -</p> - -<p> -— Sie drücken sich ziemlich dunkel aus, -Alfred. Reden Sie offen zu mir, sagen Sie -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -mir Alles, was Sie denken, und ich werde -aufrichtig Ihrem Beispiele folgen. — -</p> - -<p> -„Wie wäre es möglich, selbst zu enträthseln, -was jetzt in meinem Herzen vorgeht? -Und dürfte ich es thun, wenn ich es -könnte? Bin ich nicht durch unauflösliche -Bande gefesselt? Sein Sie großmüthiger -als ich, Lodoiska, und bringen Sie freiwillig -ein nothwendiges Opfer. Vergessen Sie -mich, wenn Sie können ....“ -</p> - -<p> -— Sie haben Recht, wenn Sie daran -zweifeln. Ich bin Ihnen völlig ähnlich, Alfred; -auch ich habe meine Schwächen, mein -Unrecht vielleicht. Sie haben nicht gefürchtet, -mich zu verlassen, und einer Andern die -Treue zu widmen, die Sie mir gelobt hatten; -ich dagegen kann meine Empfindungen -nicht unterdrücken, obgleich ich einsehe, daß -sie vergeblich sind. Ich weiß, daß meine Gegenwart -Sie belästigt, und dennoch fühle ich -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> -mich glücklich, daß ich mich mit einer eiteln -Hoffnung täuschen kann. Warum wollen -Sie, daß ich Sie an Geistesstärke übertreffen -soll? Sie haben mir Ihr Herz nicht erhalten -können, und ich fühle mich unfähig, -Ihnen das meinige zu entreißen. — -</p> - -<p> -„Ihre Worte, Lodoiska, verdoppeln noch -meine Verzweiflung. Ich würde mein Leben -dafür geben, das Geschehene ungeschehen zu -machen, damit Sie ruhig und glücklich Ihr -Leben genießen könnten.“ -</p> - -<p> -— Es giebt Wünsche, antwortete Lodoiska -mit einem schauerlichen Tone, deren -Erfüllung nicht mehr möglich ist. Für mich -giebt es kein Glück und keine Ruhe mehr auf -der Erde; auch werde ich beides im Grabe -nicht finden, und Sie allein muß ich als -die Ursache dieses Unglücks betrachten. Sie -wollen Ihr Leben für mich hingeben, sagen -Sie? Dieses Opfer steht nicht in Ihrer Gewalt. -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> -Gehörten Sie mir nicht schon früher -an? Habe ich nicht das heiligste Versprechen -darüber, mit Ihrem eigenen Blute geschrieben? -— -</p> - -<p> -„Ich läugne es nicht, daß ich Ihnen -dieses Andenken meiner Liebe zurückgelassen -habe. Aber wozu kann es Ihnen jetzt noch -dienen? Es ist ein nichtiges Papier, das unsere -Gesetze nicht anerkennen.“ -</p> - -<p> -— Ihre Gesetze! Was gehen mich die -Förmlichkeiten an, die die Willkühr der Menschen -geheiligt hat? Aber ich werde mich keinesweges -so herabwürdigen, Sie wegen Ihres -Meineids vor den Gerichten Ihres Landes -zu belangen, sondern besser thun, mich -bei dem unbestechlichen Wesen zu beklagen, -das nicht über Worte richtet, sondern über -Thaten. Zittern Sie, Unglücklicher, vor der -Strafe, die Sie erwartet. Kennen Sie alle -Mittel, deren sich der Allmächtige bedienen -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> -kann, um Sie in Ihrem Innersten zu verwunden? -— -</p> - -<p> -„Unglückliche Lodoiska, sein Sie ruhiger, -ereifern Sie sich nicht! Da ich Ihnen -jetzt nicht mehr meine Hand anbieten kann, -so erlauben Sie, daß die reinste Freundschaft -eine heftige Leidenschaft ersetze.“ -</p> - -<p> -— Die Freundschaft! nichts als die kalte -Freundschaft bietet mir also Alfred an, für -so viele Jahre voll Zärtlichkeit und Schmerz! -Ich soll mich also entweder von ihm entfernen, -um von Zeit zu Zeit einen Brief zu -erhalten, dessen Kälte mich zur Verzweiflung -bringen würde; oder mit ihm unter einem -Dache bleiben, und dort Zeugin von dem -Glücke einer Andern sein, mich einer beständigen -Marter überliefern! Ach, wie unverständig -war ich noch vor wenigen Augenblicken, -als ich dort hinter jenen Bäumen Worte -hörte, die mir in’s Innerste drangen, und -die ich noch nicht vergessen habe! — -</p> - -<p> -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -„Sie mußten Ihnen einen Beweis geben, -daß Sie mir oft im Herzen gegenwärtig -sind, und daß ich mich mit Kummer jener -Zeiten erinnere, die für mich so glücklich -waren. Aber ich beschwöre Sie, Lodoiska, -retten Sie mich und sich vor der Verzweiflung; -suchen Sie sich zu beherrschen, und -sich nicht zu rächen, wie Sie es mich in Ihrem -letzten heftigen Briefe fürchten ließen.“ -</p> - -<p> -— Sein Sie ruhig Alfred; seit jener -Zeit haben meine Gedanken eine andere Richtung -erhalten. Nicht durch menschliche Mittel -will ich mich zu rächen suchen, sondern -durch eine höhere Macht, die mich wider meinen -Willen zum Ziele treibt. Gerne wünschte -ich den mir vorgeschriebenen Gang zu ändern, -aber es ist unmöglich! — -</p> - -<p> -Der feierliche Ton, mit welchem das -junge Mädchen diese Worte aussprach, flößte -dem Obersten eine Art von Schrecken ein; -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> -doch faßte er sich bald, und sagte, Lodoiska’n -die Hand reichend: -</p> - -<p> -„Ich hoffe, daß unser Schöpfer mir mein -begangenes Unrecht verzeihen wird, wenn -Sie großmüthig genug sind, es zuerst zu vergessen. -Weisen Sie meine Hand nicht so -verächtlich von sich. Schließen wir einen -Friedensvertrag, und versprechen Sie mir, -daß Sie die Ruhe meiner Frau nicht stören -wollen.“ -</p> - -<p> -— Warum sollte ich großmüthiger sein -als Sie? Was geht mich die Ruhe Ihrer -Frau an? Haben Sie nicht die meinige unwiederbringlich -aufgeopfert? Doch ich will -suchen, Sie in allen Dingen zu übertreffen; -nur Sie will ich quälen, und wenn ich mich -nicht selbst beherrschen kann, so werde ich -ohne Mitleid gegen Sie sein, wie Sie es -gegen mich gewesen sind. — -</p> - -<p> -Die Bitterkeit dieser Antwort schlug den -Obersten völlig zu Boden. Er dachte in -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -seiner Verzweiflung nicht daran, daß es Zeit -sei, sich zum Mittagsessen nach Hause zu begeben; -aber Lodoiska war vorsichtiger. -</p> - -<p> -„Es ist Mittagszeit, sagte sie, und Sie -können Ihre Jagd nicht noch länger fortsetzen, -ohne diejenige in die größte Angst zu -setzen, deren Ruhe Ihnen so theuer ist. -Schlagen Sie jenen Weg dort ein, er führt -Sie gerade nach dem Schlosse; ich werde -über diese Anhöhe hier zurückgehen. Weiter -habe ich Ihnen nichts zu sagen, Alfred, -aber ich fürchte für Sie den Zorn des -Himmels.“ -</p> - -<p> -Mit diesen Worten wendete sich Lodoiska -rasch um, erstieg den Hügel, und verschwand -vor den Augen des Obersten, der noch lange -Zeit brauchte, ehe er sich erholte und auf -den Weg begab. Als er in’s Schloß zurückkam, -sahe er, wie Lodoiska neben seiner Frau -saß, so ruhig, als wenn durchaus nichts vorgefallen -wäre. -</p> - -<p> -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> -Der Nachmittag verstrich fast unter stetem -Schweigen. Die Zeit hatte noch nichts -über den Schmerz der Oberstin vermocht; -fast beständig saß sie unbeweglich, ein aufgeschlagenes -Buch in der Hand, in welchem -sie nicht las, oder an einem Stickrahmen, -den sie mit ihren Thränen benetzte. Eine -tiefe Schwermuth hatte sich ihrer bemächtigt, -und nur in seltenen Augenblicken, wo ihr -Geist etwas heiterer war, zeigte sie ihrem -Gatten, daß sie ihn noch liebe. Ihrer Tochter -erlaubte sie niemals, sich von ihr zu entfernen, -und wenn öfters Julie, durch ihre -Lebhaftigkeit hingerissen, den Befehl ihrer -Mutter vergaß, sprang Letztere fast außer sich -aus dem Zimmer, rief sie mit lauter Stimme, -und war nicht eher ruhig, als bis das Kind -wieder bei ihr war. Stundenlang betrachtete -sie Juliens lächelndes Gesicht; es schien ihr, -als wenn das kleine Mädchen schon ebenfalls -von der Krankheit befallen wäre, die ihren -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -Bruder in’s Grab gebracht hatte; dann kannte -ihre Verzweiflung keine Grenzen. Vergebens -versicherte der Arzt, daß ihre Tochter völlig -gesund sei; sie konnte nur unvollkommen ihre -Angst unterdrücken, die sich bei der geringsten -Veranlassung erneuerte. -</p> - -<p> -Als Alfred diese beständige Traurigkeit -sahe, welche die seinige noch verdoppelte, -fürchtete er, seine Frau einen Augenblick lang -allein zu lassen. Er bemerkte, daß Helene -ihre eigene Gesundheit untergrub, indem sie -so eifrig über die Gesundheit der kleinen -Julie wachte; schon waren ihre Wangen -blaß und eingefallen, ihre Augen wurden -hohl, und aus ihrer Brust kamen oft rauhe -Töne hervor, als wenn sie von der abzehrenden -Krankheit befallen wäre. -</p> - -<p> -Am folgenden Tage stattete der alte -Herr von Krauthof einen Besuch im Schlosse -ab. Fast mit ihm zugleich kam Wildenau. -Der Erstere hatte schon lange mit großer Ungeduld -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> -den Augenblick erwartet, wo er die -geheimnißvolle Fremde zu Gesicht bekommen -würde. Oft war er deßhalb schon vergebens -im Schlosse gewesen; aber heute war er glücklicher, -und mit welcher Freude sahe er Lodoiska’n, -welche die kleine Julie auf dem -Schooße hatte, am Fenster sitzen. Durch seinen -feinen Anstand zeichnete sich Herr von -Krauthof eben nicht aus; an das Leben auf -dem Lande gewöhnt, wo er größtentheils nur -mit Bauern zusammenkam, über die er sich -hoch erhaben glaubte, legte er sich in Gesellschaften -eben keinen Zwang an. Sobald er -sich daher gesetzt und der Oberstin die gewöhnlichen -Komplimente gemacht hatte, wendete -er sich an die junge Lodoiska: -</p> - -<p> -„Madame, vielleicht kommt Ihnen dieser -Titel nicht zu; denn es ist möglich, daß -Sie noch nicht verheirathet sind; aber glauben -Sie mir, es ist nicht meine Schuld, wenn -ich Ihnen nicht schon früher meine Aufwartung -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -gemacht habe. Vor einiger Zeit fand -ich mich an Ihrer Thüre ein; allein Ihr -Kammerdiener weigerte sich mit außerordentlicher -Grobheit, der Himmel mag sie ihm -verzeihen, mich bei Ihnen vorzulassen. Wahrhaftig, -ich möchte mich beinahe über die Feuersbrunst -freuen, die Ihr Häuschen in Asche -gelegt hat, weil ich dieser Begebenheit die -Ehre verdanke, Ihnen meine Aufwartung zu -machen.“ -</p> - -<p> -Diese seltsame Art sich auszudrücken -mißfiel der ganzen Gesellschaft. Lodoiska, -welche darin nicht geradezu eine Frage sahe, -schwieg, während der Arzt, der sie aus einer -Verlegenheit zu ziehen glaubte, sich nach dem -Zustande ihrer Gesundheit erkundigte. Hierauf -antwortete sie mit wenigen Worten. -Herr von Krauthof, der sich durch die Unzufriedenheit, -die er auf allen Gesichtern lesen -konnte, wenn er gewollt hätte, nicht irre -machen ließ, wendete sich nun an den Arzt. -</p> - -<p> -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> -„Zum Teufel, mein gelehrter Herr Doktor, -Sie sind mit einem Vorrechte begabt, -das ich nicht besitze, nämlich diese schöne Dame -zum Sprechen zu bringen.“ -</p> - -<p> -— Allerdings hat sie mir geantwortet, -Herr Ober-Land-Jägermeister; aber dieß -verdanke ich meiner Frage, der einzigen, -welche wohlerzogene Leute an Jemanden richten -können, den sie nicht kennen. — -</p> - -<p> -„Aha! ich höre es, mein Lieber, wie -man mir schon früher gesagt hat, daß Sie -auch zu der Klasse der jetzigen Aufgeklärten -gehören. Was können denn das für wohlerzogene -Leute sein, wenn ich nicht dazu -gehöre?“ -</p> - -<p> -Ungeachtet der ernsten über Lodoiska’s -Gesicht verbreiteten Kälte und ihrer gewöhnlichen -Gleichgültigkeit, konnte sie doch nicht -ein Lächeln über diese Worte unterdrücken, -während die Oberstin die Achseln zuckte und -Lobenthal aus Klugheit die Antwort unterdrückte, -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -die ihm schon auf den Lippen -schwebte. Indessen suchte er die Unterhaltung -auf einen andern Gegenstand zu bringen, -und fragte, ob es wahr sei, daß endlich -das Kirchspiel einen eigenen Pfarrer erhalten -würde? -</p> - -<p> -„Ja, Herr Oberst, so viel ich weiß, ist -es wahr, und mir dauert schon die Zeit -lang, ehe wir ihn hier haben; denn ich hoffe, -daß er durch seine Predigten dem Bauervolk -mehr Gehorsam und Unterwürfigkeit gegen -uns beibringen, und ihnen beweisen wird, -wie sehr unser Einer über sie erhaben ist. -Vorzüglich aber muß er suchen, den Aberglauben -zu verbannen, der unter dem Volke -immer mehr Wurzel schlägt, je mehr auf -der anderen Seite seine Ungläubigkeit zunimmt.“ -</p> - -<p> -— Ich erstaune! sagte der Arzt. Wie -<a id="corr-0"></a>können Sie so sprechen! Sie, ein Feind des -Aberglaubens! Ich hielt diesen sehr nahe -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> -verwandt mit der großen Masse der Vorurtheile. -— -</p> - -<p> -„Ich weiß nicht, was Sie damit sagen -wollen, mein Lieber; aber ich liebe den Aberglauben -nicht, weil er die Bauern von ihrer -Pflicht abhält. Seitdem diese Elenden sich -in den Kopf gesetzt haben, daß es <em>Vampyre</em> -im Kirchspiele gebe, wollen sie keinen -Schritt mehr aus dem Hause gehen, sobald -es finster ist.“ -</p> - -<p> -— Vampyre! Hier sollen Vampyre -sein? rief der Oberst. Wer kann die scheußlichen -Mährchen Ungarns und Griechenlands -hierher verbreitet haben? — -</p> - -<p> -Bei diesen Worten konnte der Oberst -sich nicht enthalten, seinen Blick auf Lodoiska -zu richten. Er sahe, daß sie außer aller -Fassung war. Ihre Gesichtszüge drückten -den höchsten Schrecken aus, ihr Mund stand -halb geöffnet, ihre Augen waren unbeweglich, -und mit einer schnellen Bewegung, die sie -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -aber wieder unterdrückte, schien sie im Begriff -gewesen zu sein, sich zu entfernen. -</p> - -<p> -Der Oberst erklärte sich mit Leichtigkeit -diesen Schrecken Lodoiska’s. Es war fast -unmöglich, daß ein Mädchen aus der Wallachei -nicht an die Vampyre glaubte, und sehr -häufig hatte sie mit ihm darüber gesprochen, -ihm die seltsamsten Geschichten über diesen -Gegenstand erzählt. Konnte er sich also wundern, -daß sie außer sich gerieth, als so unerwartet -die Rede auf die fürchterlichen Vampyre -kam? Aus Rücksicht für sie hätte er -gern dem Gespräche abermals eine andere -Wendung gegeben; aber es war zu spät. -Herr von Krauthof beantwortete die an ihn -gerichtete Frage. -</p> - -<p> -„Einem Unglücklichen, der nicht mehr -am Leben ist, verdanken wir den in dieser -Gegend verbreiteten Schrecken. Ihr Bedienter -Werner erzählte seinen Freunden die Geschichte -von diesen Unholden, welche nach dem -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -menschlichen Blute dürsten, bei Gelegenheit -des sonderbaren Todes einer jungen Bäuerin -aus dem Dorfe. Aber mein Gott, fuhr er -fort, sich an Lodoiska wendend, Madame, -fürchten Sie sich denn auch vor solchen Narrheiten? -Sie haben ohne Zweifel zu viel Verstand, -als daß Sie an diese Unholde, diese -Vampyre glauben könnten, die ohne Zweifel -nur in dem Gehirn desjenigen ihr Dasein -hatten, der zuerst von ihnen sprach.“ -</p> - -<p> -Hier warf die Fremde einen so finsteren -Blick auf den Herrn von Krauthof, von einem -so scheußlichen Lächeln begleitet, daß er -ungeachtet seiner Zuversichtlichkeit ganz erschrocken -in seiner Rede inne hielt, und mit -der Sprache zugleich die Lust zum Plaudern -verlor, die ihn sonst nie verließ. -</p> - -<p> -Der Arzt glaubte nun gleichfalls über -diesen Gegenstand sprechen zu müssen, und -scherzte über diese abscheulichen Mährchen. Er -forderte die Vampyre heraus, den Schlaf eines -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> -muthigen Mannes zu stören, und hätte -noch lange so fortgefahren, wenn ihn nicht -die wiederholten Winke des Obersten davon -abgehalten hätten. Hierauf folgte ein Augenblick -des Stillschweigens, als plötzlich auch -Helene das Wort nahm: -</p> - -<p> -„Warum, sagte sie, wollen wir so hartnäckig -diese Geheimnisse bestreiten? Wie abscheulich -sie auch sein mögen, kennen wir alle -Mittel der Vorsehung, wodurch sie uns zu -betrüben im Stande ist? Ich glaube an die -Möglichkeit, daß es Vampyre geben kann, -und vielleicht habe ich gar einem Ungeheuer -dieser Art den unerwarteten Tod meines -Sohns zu verdanken .....“ -</p> - -<p> -Die Fremde stößt bei diesen Worten einen -lauten durchdringenden Schrei aus. Sie steht -mit Heftigkeit auf, will einen Schritt vorwärts -thun, und fällt ohne Bewußtsein auf -den Fußboden nieder. — -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -Siebenzehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">W</span>ährend der gefühllose Herr von Krauthof -sich vergebens in allerhand Vermuthungen -verlor, durch welche Ursache die Ohnmacht der -schönen Fremden hervorgebracht sein könnte, -waren Helene, ihr Mann und der Arzt eifrig -beschäftigt, Lodoiska’n in’s Leben zurückzurufen. -Aber ihre Bemühungen waren fruchtlos, -und der Oberst benutzte diese Augenblicke, -den lächerlichen Edelmann zurechtzuweisen. -</p> - -<p> -„Ich habe mit den russischen Heeren, -sagte er, einen großen Theil von Europa -durchzogen, und dabei Gegenden gesehen, -welche sonst von unsern Reisenden nur selten -besucht werden. Ich müßte mich sehr irren, -wenn diese fremde Dame, nach ihrer Aussprache -und ihrem ganzen Wesen zu urtheilen, -nicht im östlichen Ungarn oder in der Wallachei -geboren ist; in diesem Falle muß auch -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> -sie von den in ihrem Vaterlande herrschenden -abergläubischen Meinungen durchdrungen sein, -und da die Unterhaltung auf einen für ihre -Landsleute so furchtbaren Gegenstand kam, so -wird dieß, verbunden mit ihrer noch schwachen -Gesundheit, ihren jetzigen Zustand hervorgebracht -haben, dem wir sie mit aller Mühe -noch nicht entreißen können.“ -</p> - -<p> -Diese Erklärung schien allen Anwesenden -hinreichend zu sein. Der Herr von Krauthof -bemerkte, daß die Fremde, wenn sie in -Ungarn geboren wäre, gewiß mit der Art -bekannt sei, wie man den Tokaier Wein behandeln -müsse, und er nahm sich vor, sie -über diesen Gegenstand um Auskunft zu bitten, -da er mehrere Weinstöcke aus jener Gegend -in seinem Garten habe. Niemand antwortete -auf diese Lächerlichkeit. Da Lodoiska -nicht wieder zu sich kam, so machte Wildenau -den Vorschlag, sie in ihr Zimmer zu tragen, -was auch geschahe; aber sie lag noch lange -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Zeit auf ihrem Bette völlig kalt und unbeweglich. -Endlich stieß sie einen tiefen Seufzer -aus, schlug die Augen auf, und die Umstehenden -der Reihe nach ansehend, fragte sie -mit leiser Stimme, warum sie sich in diesem -Zustand befände? -</p> - -<p> -„Der außerordentliche Blutverlust, welchen -Sie erlitten haben, antwortete Wildenau, -wird Ihnen noch häufig dergleichen Zufälle -zuziehen. Sie nehmen Ihre Gesundheit -nicht genug in Acht, und rechnen zu sehr auf -Ihre gute Natur, ohne auf meine Warnungen -zu hören.“ -</p> - -<p> -— Ist dieß wirklich die Ursache meiner -Ohnmacht? Hat man nicht von Vampyren -gesprochen? Wer hat es gewagt, den geheimnißvollen -Schleier zu lüften, mit welchem -der Himmel die Erfüllung seines schrecklichen -Willens bedeckt? — -</p> - -<p> -„O, denken Sie nicht mehr an diesen -traurigen Gegenstand, sagte der Oberst; das -<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a> -Gespräch kam nur aus Unvorsichtigkeit darauf, -und es soll nicht wieder geschehen. Aber -vergessen Sie wo möglich jene Schrecknisse, -vor welchen Sie hier in Deutschland sicher -sind.“ -</p> - -<p> -Lodoiska antwortete nicht hierauf, sondern -bat nur um Erlaubniß, allein bleiben -zu dürfen, um sich auszuruhen. Man verließ -sie also, und begab sich in das Gesellschaftszimmer -zurück, wo der Herr von Krauthof -noch wartete, und eine Menge Fragen that, -die man kaum beantwortete. Endlich entfernte -er sich, zufrieden, endlich das Vaterland -der Fremden erfahren zu haben, und -mit dem Vorsatze, diese wichtige Entdeckung -in der möglichst kürzesten Zeit allen Nachbarn -mitzutheilen. -</p> - -<p> -Als er fort war, nahm Wildenau das -Wort, und machte dem Obersten und seiner -Gemahlin folgende Erklärung: „Ich weiß -nicht recht, fing er an, wie ich es machen -<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a> -soll, Ihnen die Gefühle mitzutheilen, die -meine ganze Seele beherrschen. Aber die -Güte, die Sie bisher für mich gezeigt haben, -giebt mir Muth, und ich schmeichele mir -mit Ihrer Unterstützung zur Erreichung meiner -Wünsche. Ich bin vier und dreißig Jahre -alt, besitze ein anständiges Vermögen, und -habe eine Praxis, die meine Wohlhabenheit -noch vermehrt. Die Ehelosigkeit ist mir noch -weit lästiger geworden, seitdem ich die reizende -Person gesehen, der Sie einen Zufluchtsort -gewährt haben. Sie ist eine Fremde; -große Unglücksfälle, vielleicht ein Fehler, den -sie durch freiwillige Verbannung büßt, haben -sie hierher geführt. Ich wünschte ihr Schicksal -zu verbessern, indem ich ihr meine Hand -anbiete, wenn sie sie annehmen wollte; ehe -ich aber das Geringste zur Erreichung meiner -Absicht unternehmen wollte, glaubte ich, -mich Ihnen freimüthig entdecken zu müssen, -in der Hoffnung, daß die Frau Oberstin, um -<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a> -mir einen Korb zu ersparen, die Güte haben -würde, die Gesinnungen dieser schönen Person -auszuforschen.“ -</p> - -<p> -Lobenthal war zu sehr bewegt durch das, -was er jetzt hörte, als daß er hätte darauf -antworten können, und er überließ daher diese -Sorge seiner Frau. Diese billigte Wildenau’s -Wahl, nur rieth sie ihm, sich nicht früher -bestimmt zu erklären, ehe er nicht die -Geschichte der Fremden genau erfahren habe, -damit späterhin ihm nicht die Reue sein Leben -verbittere. -</p> - -<p> -„Glauben Sie mir, Frau Oberstin, entgegnete -der Arzt, daß ich dieß ebenfalls schon -überlegt habe. Durch den ehemaligen Eigenthümer -des abgebrannten Hauses bin ich unterrichtet -worden, daß er dasselbe mit den -dazu gehörigen Ländereien für funfzehntausend -Thaler an die Fremde verkauft hat, -welche ihm sogleich ausgezahlt worden sind. -Das Haus ist verloren; aber die Ländereien -<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a> -sind noch da, und Sie wissen, daß man bei -den Güterkäufen hier zu Lande die letzteren -für Alles, die Gebäude fast für nichts rechnet. -Sie selbst haben mir auch gesagt, daß -diese Dame reiche Kleinodien besitzt, und -man hat eine bedeutende Summe in baarem -Golde aus der Feuersbrunst gerettet, welche -Sie einige Zeit lang in Verwahrung hatten. -Diese Reichthümer, die Talente, welche die -Fremde besitzt, ihr edler Anstand, obgleich -damit einige Sonderbarkeiten verknüpft sind, -scheinen mir zu beweisen, daß sie nicht zu jener -verworfenen Klasse von Frauenzimmern -gehört, die mit ihren Reizen Wucher treiben. -Seitdem sie hier ist, hat sie stets in der -größten Zurückgezogenheit gelebt, was sie gewiß -nicht gethan haben würde, wenn sie auf -Abentheuer ausginge. Unsern Vermuthungen -bleibt also nur noch übrig, daß sie vielleicht -das Opfer einer unvorsichtigen Leidenschaft -ist, oder vielleicht weit von ihrem Vaterlande -<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a> -einen Jugendfehler in Vergessenheit -bringen will. Dieß kann ich nicht geradezu -bestreiten. Aber die ohne Zweifel seitdem -verstrichene Zeit, ihr jetziges Betragen müssen -ihr zur Entschuldigung dienen. Ich will -mich durchaus nicht darauf einlassen, was geschehen -ist, und wenn sie Ihnen darüber ein -offenes Geständniß macht, so will ich noch -weiter gehen: ich will nicht ein Wort davon -wissen; sobald Sie mich versichern, Frau -Oberstin, daß sie meiner nicht unwürdig ist, -so führe ich sie zum Altare.“ -</p> - -<p> -Helene, von Wildenau’s Freimüthigkeit -und Vertrauen gerührt, versprach ihm, nichts -zu vernachlässigen, um seinen Wünschen nachzukommen. -Da der Oberst die Nothwendigkeit -fühlte, daß auch er ein Wort hierzu sagen -müsse, so brachte er mit Mühe einige unzusammenhängende -Redensarten hervor, und -schwieg dann wieder. Es war schon ziemlich -spät, als diese Unterhaltung endete, und da -<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a> -der Arzt am andern Morgen in ziemlicher -Entfernung einen Kranken zu besuchen hatte, -so trennte man sich. -</p> - -<p> -Der Oberst war weit entfernt, in dieser -Nacht zu schlafen; seine innere Bewegung -war zu heftig. Er glaubte fast gewiß zu -sein, daß Lodoiska den Heirathsantrag von -sich weisen würde; aber er fürchtete, daß dieses -junge Mädchen ihrer Heftigkeit freien -Lauf lassen, und einige Worte sagen möchte, -die die Ruhe des Hauses stören könnten. -</p> - -<p> -Während er sich diesen Gedanken überließ, -glaubte er in dem Zimmer seiner Frau, -das sich dicht neben dem seinigen befand, ein -leises Geräusch zu hören. Er horchte genau -auf, um gewiß zu sein, daß er sich nicht -täuschte; da aber das Geräusch anhielt, so -fürchtete er, daß Helene unwohl sein möchte. -Daher stand er rasch auf, und ging leise auf -die Thür des Nebengemaches zu. Er war -im Begriff sie zu öffnen, als er plötzlich von -<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a> -einer Hand, die er nicht sahe, einen so heftigen -Schlag in’s Gesicht erhielt, daß er auf -sein Bett zurückfiel, und einige Minuten fast -ohne Besinnung darauf liegen blieb. -</p> - -<p> -Sobald er sich erholt hatte, eilte er zu -seinem Degen, zündete mit einem chemischen -Feuerzeuge ein Licht an, und untersuchte nun -sorgfältig das ganze Zimmer, in der Hoffnung, -den kühnen Urheber des höchst unsanften -Schlags zu entdecken. Aber alle seine Nachsuchungen -waren vergebens. Die äußere -Zimmerthür war sorgfältig von innen verschlossen, -eben so befanden sich alle Riegel -vor den unversehrten Fenstern, und als er in -das Zimmer seiner Gattin kam, sahe er, daß -sie in einen festen, obgleich ängstlichen Schlaf -versunken lag. Auch hier suchte er Alles genau -durch, und da er nichts entdeckte, so sahe -er sich gezwungen zu glauben, daß seine -Phantasie oder die Unruhe seines Blutes -ihn getäuscht habe. -</p> - -<p> -<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a> -Er kehrte in sein Zimmer zurück, wo die -anbrechende Morgenröthe ihn noch wachend -fand. Der Tag schien vortrefflich zu werden, -und um nicht Zeuge der Unterhaltung seiner -Frau mit Lodoiska zu sein, entschloß er sich -auf die Jagd zu gehen, ehe noch Jemand im -Hause aufgestanden war. -</p> - -<p> -Erst zur Frühstückszeit erfuhr Helene, daß -ihr Gatte nicht erscheinen würde, und dieß -war ihr gewissermaßen lieb, weil sie neugierig -war, die Gesinnungen der Fremden über -den ihr zu machenden Antrag zu erfahren. -</p> - -<p> -Lodoiska trat in’s Zimmer, sobald die -Frühstücksglocke ertönte. Ueber ihr Gesicht -war finstere Schwermuth verbreitet; allein -sie war nicht so blaß als gewöhnlich; sehr -bewegt bedankte sie sich für die Sorgfalt, die -man ihr am vorigen Tage erwiesen hatte. -</p> - -<p> -Da Helene das beabsichtigte Gespräch -nicht in Juliens Gegenwart anfangen wollte, -so wartete sie das Ende der Mahlzeit ab, -<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a> -und befahl dann Lisetten, die Kleine mit sich -zu nehmen, und nicht eher wieder hereinzukommen, -bis sie gerufen würde. Lodoiska -setzte sich gleich darauf an ihren Stickrahmen, -und Helene, um nicht in Verlegenheit -zu gerathen, nahm ein Buch, in welchem sie -aufmerksam zu lesen schien. Nach langem -Zögern fing sie endlich das Gespräch folgendermaßen -an. — -</p> - -<p> -„Nun, liebe Lodoiska, werden Sie denn -immer das beste, aber auch das geheimnißvollste -Wesen auf der Welt bleiben? Sollen -wir denn nie erfahren, durch welche wichtige -Ursachen Sie aus Ihrem Vaterlande entfernt -worden sind? Sie sehen mich voll Erstaunen -an; sollten meine Fragen Sie beleidigen? -Glauben Sie mir, nur meine Theilnahme -für Sie hat sie mir eingegeben.“ -</p> - -<p> -— Ich glaube es, Frau Oberstin, und -ich entschuldige Sie, weil ich Sie kenne; da -Sie mir aber bis jetzt Ihr Wohlwollen geschenkt -<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a> -haben, ohne nach meinen näheren -Verhältnissen zu forschen, warum sollte ich -dieses Vertrauen von Ihrer Seite nicht noch -länger verdienen? Habe ich mich seit Kurzem -vielleicht in einem unvortheilhafteren -Lichte gezeigt? Sollte ich der Verläumdung -preisgegeben sein? — -</p> - -<p> -„Von allem <a id="corr-1"></a>Diesem ist durchaus nicht -die Rede; aber glauben Sie denn, daß Sie -ungestraft so hübsch sein dürfen? Niemand -wird sich um die Verhältnisse eines gewöhnlichen -Frauenzimmers bekümmern. Man geht -an ihr vorüber, ohne sie zu bemerken; aber -Sie, Lodoiska, fallen zu sehr in die Augen, -als daß man Sie mit Gleichgültigkeit ansehen -könnte. Sie setzen ohne Zweifel mehr -als ein Herz in Bewegung, von denen einige -sich Ihnen nähern möchten, um auch das -Ihrige zu rühren; und diese haben einiges -Interesse dabei, zu wissen, wer Sie sind, ob -Sie noch frei sind, ob keine frühere Verbindung -<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a> -Ihnen im Wege ist; kurz, ob Sie über -Ihre Hand verfügen können?“ -</p> - -<p> -Ein melancholisches Lächeln ging der -Antwort voraus, die Lodoiska hierauf zu geben -im Begriff stand. Sie schien einen Augenblick -darüber nachzudenken, richtete dann -ihren Kopf, den sie über den Stickrahmen -gebeugt hatte, in die Höhe, und sagte, Helenen -mit einem Blick der vollkommensten -Gleichgültigkeit ansehend: -</p> - -<p> -„Wenn es bei der Kenntniß meines -Schicksals bloß auf meine jetzige Lage ankommt, -so kann ich mich über diese erklären, -ohne zu erzählen, was mir früher begegnete. -Ich bin frei, völlig frei, und dennoch gehöre -ich mir selbst nicht an. Ich habe mein Herz -verschenkt, und nicht das Recht, es wieder -zurückzufordern; durch ein ganzes Leben bin -ich von demjenigen getrennt, den ich bis zum -Uebermaß liebe; meine Seele steht unter der -Abhängigkeit einer höheren Macht, und ich -<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a> -habe kein Vaterland mehr, ich gehöre der -ganzen Erde an. Fragen Sie mich nicht -weiter; Sie haben jetzt Alles gehört, was ich -Ihnen sagen kann .... suchen Sie es zu vergessen.“ -</p> - -<p> -— Ich würde mich ohne Zweifel mit -einer solchen Erklärung begnügen, so dunkel -sie mir auch ist, aber ich kann Sie versichern, -daß Andere nicht damit zufrieden sein werden. -Und nun erlauben Sie, daß ich mit -Ihnen ein Wort der Vernunft spreche. Sie -sind hier weit von Ihrem Vaterlande entfernt, -allein und unabhängig; Sie können -nicht hoffen, sagen Sie, demjenigen jemals -anzugehören, den Ihr Herz ausgewählt hat: -was wollen Sie aber dann in einem fremden -Lande machen? Wird nicht eine Zeit kommen, -wo Sie, unter der Last des Alters gebeugt, -das Bedürfniß eines Freundes fühlen werden? -Wollen Sie denn vielleicht in Ihr Vaterland -zurückkehren? Das Schicksal könnte -<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a> -Ihnen unübersteigliche Hindernisse in den -Weg legen. Kurz, Sie werden es dann bereuen, -etwas ausgeschlagen zu haben, was -Sie jetzt vielleicht verschmähen. — -</p> - -<p> -„Ich fühle es, Frau Oberstin, wie schrecklich -meine jetzige Lage für jedes andere -Frauenzimmer sein würde, das sich in einem -der gewöhnlichen Verhältnisse des menschlichen -Lebens befindet. Aber meine Verhältnisse -sind ganz besonderer Art! Ich scheine Ihnen -verlassen zu sein? Wohl! so glauben Sie, -daß ich nicht Ursach habe, mich über meine -Zukunft zu beunruhigen; sie ist schon seit -mehreren Jahren fest bestimmt, und kann sich -nicht mehr ändern. Ich drehe mich um einen -Kreis, den ein allmächtiges Wesen mir -vorgeschrieben hat, und von dem ich mich -nicht entfernen kann. Sie glauben, daß -mir eine Stütze, ein Freund nöthig werden -möchte? Enttäuschen Sie sich; ich werde nie -darein willigen, eine solche Stütze anzunehmen. -<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a> -Sagen Sie demjenigen, der Ihnen aufgetragen -hat, mit mir hierüber zu sprechen, er -möge alle Hoffnung aufgeben, vorzüglich aber -eine Liebe zu unterdrücken suchen, die für ihn -gefährlich werden könnte. Der Unverständige! -Er weiß nicht, daß Jeder, welcher mich -liebt, dem Tode verfallen ist! .... Sie erbeben, -Frau Oberstin! Ach, warum ist es -mir nicht erlaubt, Ihnen meine traurige -Geschichte zu erzählen! Meine Lage würde -Ihnen dann den schrecklichsten Abscheu einflößen -.... und dennoch — ich nehme Gott zum -Zeugen, den ich fürchte — habe ich über keine -meiner Handlungen zu erröthen. Sie waren -stets übereinstimmend mit der Tugend, und -wenn ich mir selbst Böses anthat, so ist mir -wenigstens bis dahin kein Vorwurf zu machen. -Hören Sie auf, ich beschwöre Sie, weiter in -mich zu dringen, und lassen Sie mich in der -Hülle meiner Geheimnisse. Ich verlange -nichts von den Menschen; gern wünschte ich -<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a> -mir auf der Erde die Ruhe des Grabes, aber -sie ist mir versagt!“ -</p> - -<p> -Bei diesen Worten drückte Lodoiska ihre -ganze Verzweiflung durch einen sonderbaren, -fürchterlichen Blick aus, stand von ihrem -Stuhle auf, beurlaubte sich bei Helenen, und -begab sich in ihr Zimmer. -</p> - -<p> -„Außerordentliches Geschöpf! sagte Helene -zu sich selbst, als sie sie fortgehen sahe; -unbegreifliches Wesen! Wer ist sie? Was -hat sie gethan? Warum kam sie hierher? -Ihre Geschichte muß äußerst anziehend sein, -und gewiß hat sie den Becher des Unglücks -mit vollen Zügen geleert.“ -</p> - -<p> -Sie blieb bis zur Rückkehr des Obersten -und des Arztes, welche beide zugleich kamen, -in das tiefste Nachdenken versunken. „Armer -Freund! rief sie dem Letztern entgegen; man -giebt Ihnen den Korb, ohne Ihnen die geringste -Hoffnung zu lassen. Erlassen Sie -mir aber, ich bitte, die weitere Auseinandersetzung -<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a> -meiner Unterhaltung mit der Fremden, -und begnügen Sie sich damit, zu wissen, -daß sie mir nichts von ihren Schicksalen erzählt -hat, und daß Sie nicht glücklich sind.“ -</p> - -<p> -Weit entfernt, sich mit diesen Worten zu -befriedigen, verlangte Wildenau eine ausführlichere -Erklärung, und Helene sträubte -sich vergebens: sie mußte Alles genau wieder -erzählen, was gesprochen worden war. Es -läßt sich denken, mit welcher geheimen Theilnahme -der Oberst zuhörte. -</p> - -<p> -„Meine Eigenliebe, sagte endlich der -Arzt, ist bei dieser Gelegenheit durchaus unverletzt -geblieben; ich sehe ein, daß die Grausame -eine Liebe fühlt, welcher nicht Genüge -geleistet werden kann. Ohne Zweifel hat sie -ihr Vaterland aus beleidigter Liebe verlassen; -dieß ist eine zu heftige Maßregel, die ich nicht -nachahmen will, und da sie sich weigert, meine -Frau zu werden, so bleibe ich wenigstens ihr -treuer Freund.“ -</p> - -<p> -<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a> -— Das heißt vernünftig gesprochen! -sagte der Oberst, sein langes Stillschweigen -brechend. Nur keine Seufzer, glauben Sie -mir; stellen Sie sich völlig gleichgültig, und -vielleicht gerade, wenn Sie am wenigsten -daran denken, werden Sie dieses stolze Herz -sich geöffnet sehen. — -</p> - -<p> -Obgleich Wildenau innerlich tief bekümmert -war, so wußte er doch sehr gut seinen -wahren Zustand zu verbergen; aber er gab -seine Liebe noch nicht auf, denn auch er -kannte den Werth und Einfluß der Zeit, -welche allen Dingen nach und nach eine veränderte -Gestalt giebt. -</p> - -<p> -Lodoiska erschien heute nicht zum Mittagessen, -indem sie sagen ließ, daß sie unpäßlich -sei, und in ihrem Zimmer essen würde. -Man glaubte anfangs, daß sie bloß nicht mit -dem Arzte zusammentreffen wolle; aber Lisette -berichtete, daß sie außerordentlich blaß sei, -und in der heftigsten Unruhe zu sein scheine. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a> -Achtzehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">A</span>m folgenden Tage, wo Lodoiska sich wieder -blicken ließ, schien sie gar nicht mehr an die -mit der Oberstin gehabte Unterhaltung zu -denken. Wildenau befand sich noch im Schlosse. -Sie behandelte ihn wie gewöhnlich, und war -vollkommen gleichgültig gegen ihn; allein gegen -den Obersten hatte sich ihr Betragen -völlig geändert. Sie richtete häufig ihre -Blicke auf ihn, mit einem Ausdruck von Unzufriedenheit -und selbst Zorn, der ihn beinahe -in Schrecken setzte; sie war gegen ihn -so trotzend und zu gleicher Zeit vertraulich, -daß man leicht ihre frühere Bekanntschaft -mit einander errathen haben würde, wenn -man nicht überzeugt gewesen wäre, daß der -Verstand der Fremden in manchen Augenblicken -völlig zerrüttet sei. -</p> - -<p> -<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a> -Der Oberst, dem die Wahrheit wohl bekannt -war, bebte über die Folgen, welche -diese üble Laune Lodoiska’s haben könnte. -Jemehr sie ihm nach und nach wieder theuer -wurde, je lieber hätte er es gesehen, daß man -es nicht bemerkte, und vorzüglich fürchtete -er, daß eine Unvorsichtigkeit die Eifersucht -seiner Frau wecken möchte. Er suchte sich -Lodoiska’n verständlich zu machen, indem er -sie durch Blicke bat, ihn zu schonen, und ihres -Versprechens eingedenk zu sein; aber seine -Bemühungen waren vergeblich, und sie fuhr -in ihrem Betragen fort. Unterdessen kam -ein Eilbote, der den Arzt zu einem Nachbar -holte, welchen ein Schlagfluß befallen hatte; -zu gleicher Zeit wollte Helene ein Geschäft in -ihrem Zimmer besorgen, und die beiden Feinde -befanden sich nun allein einander gegenüber. -</p> - -<p> -„Sie erinnern sich also nicht mehr an -Ihr mir gegebenes Versprechen?“ sagte -Alfred schnell. -</p> - -<p> -<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a> -— Sie haben ja auch vergessen, daß -Sie mir Ihr Herz versprochen hatten! -Noch einmal sage ich es Ihnen, betrügerischer -Mann, können Sie mir vorwerfen, -daß ich meine Schwüre gebrochen? Ich betrage -mich gegen Sie, wie es mich gut -dünkt; aber dieß ist hier nicht der Ort, uns -einander Vorwürfe zu machen. Ich muß Sie -sprechen, durchaus allein sprechen. — -</p> - -<p> -„Wann?“ -</p> - -<p> -— Heute um Mitternacht. — -</p> - -<p> -„Wo?“ -</p> - -<p> -— Im großen Saale; dort wird uns -Niemand stören. — -</p> - -<p> -„Was wollen Sie von mir?“ -</p> - -<p> -— Sie werden es erfahren. — -</p> - -<p> -„Aber wenn man uns überrascht?“ -</p> - -<p> -— Sein Sie ohne Sorgen. — -</p> - -<p> -<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a> -„Es wird einen üblen Ausgang nehmen.“ -</p> - -<p> -— Werden Sie kommen? — -</p> - -<p> -„Ich fürchte ....“ -</p> - -<p> -— Zittern Sie, wenn ich vergebens -auf Sie warten muß. — -</p> - -<p> -Helenens Rückkehr in’s Zimmer machte -dieser Unterhaltung ein Ende, die nur halb -laut geführt worden war. Sie kam so plötzlich, -daß ihr Gatte in Verlegenheit gerieth, -und sie überraschte ihn bei einer Bewegung, -die ihr so manche Dinge hätte erklären können, -wenn sie nicht in vollkommener Sicherheit -gewesen wäre. Lodoiska war seit der -Zeit ihres Aufenthalts im Schlosse noch nie -so guter Laune gewesen, als heute. Sie -vergaß ihre gewöhnliche Schwermuth, ja sie -wurde sogar lustig, und es gelang ihr, Helenen -ein Lächeln abzugewinnen, das erste seit -dem Verluste ihres Sohnes. -</p> - -<p> -<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a> -Alfred, weit entfernt, Lodoiska’s Frohsinn -zu theilen, wurde immer tiefsinniger und -trauriger, jemehr sich der Abend näherte. -Kaum öffnete er den Mund zum Sprechen; -eine ihm unerklärbare Unruhe bewegte sein -Inneres, und er wagte es nicht, weder Lodoiska’n -noch seine Frau anzublicken. Vorzüglich -fürchtete er, bei der bevorstehenden -Zusammenkunft mit der Erstern, mitten in -der Nacht überrascht zu werden, da hiervon -seine ganze häusliche Ruhe abhing. -</p> - -<p> -Endlich begab sich ein Jeder in sein -Zimmer. Die Oberstin, die sich seit einiger -Zeit über eine allgemeine Schwäche in allen -Gliedern beklagte, legte sich zuerst zu Bett, -und schickte bald darauf auch Lisetten fort. -Der Oberst setzte sich in seinem Zimmer auf -einen Lehnstuhl, und erwartete so, völlig angezogen, -aber ohne Ungeduld, sondern zitternd, -die Mitternachtszeit. Als endlich der letzte -Schlag der zwölften Stunde erschallte, stand -<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a> -er seufzend auf, und ging mit leisen Tritten -nach dem großen Saale, ohne ein Licht mit -sich zu nehmen. -</p> - -<p> -Die undurchdringliche Finsterniß in diesem -weiten Saale, die schneidende Kälte, -welche durch die schlecht geschlossenen Fensterscheiben -eindrang, die Furcht, überrascht zu -werden: alles dieß vereinigte sich, um dem -Obersten ein solches Beben <a id="corr-5"></a>zu verursachen, -wie er noch nie empfunden hatte, selbst als -er früher, hundert Feuerschlünden gegenüber, -den Tod in der ihm angewiesenen Position -erwarten mußte. Aber damals lebte er mit -seinem Herzen in Frieden, und sein Gewissen -war ruhig; jetzt befand er sich mit sich selbst -im Widerspruch. Er war auf den Befehl -eines Frauenzimmers hierhergekommen, das -zu seinem Glücke nichts mehr beitragen, wohl -aber es zerstören konnte. Aber konnte er ihr -ungehorsam sein? Mußte er nicht fürchten, -daß sie, bei ihrem heftigen Charakter, seine -<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a> -ehemaligen Verhältnisse zu ihr öffentlich bekannt -machte? Alfred glaubte, Alles thun zu -müssen, um eine fast wahnsinnige Liebende in -Schranken zu halten. -</p> - -<p> -Sie ließ nicht lange auf sich warten. -Sie trat durch die Thür ein, welche von der -Haupttreppe in den Saal führte, mit einem -weißen Kleide angethan, und halb in einen -großen schwarzen Schleier verhüllt, der ihr -das furchtbare Ansehen eines Gespenstes gab, -das sie auch durch ihren leblosen Blick, durch -die Leichenblässe ihres Gesichts nicht verläugnete. -In der Hand trug sie ein Licht, das -sie schnell auf den Fußboden setzte, als sie den -Obersten erblickte; dann trat sie auf ihn zu, -und gab ihm ihre Zufriedenheit über sein -pünktliches Erscheinen zu erkennen. -</p> - -<p> -„Ich werde stets gern erscheinen, wenn -Lodoiska mich sehen will, vorzüglich seitdem -sie mich versichert hat ....“ -</p> - -<p> -<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a> -— Alfred, ich bitte Sie, rufen Sie mir -ein Versprechen nicht mehr in’s Gedächtniß -zurück, dessen Erfüllung mir zu viel kostet. -Wie! soll ich mich denn unaufhörlich verstellen? -Soll ich es ruhig mit ansehen, daß Sie -alle Mittel aufsuchen, mich von hier zu entfernen, -und daß Sie dergleichen Anträge -unterstützen, wie man mir gestern mitgetheilt -hat? — -</p> - -<p> -„Glauben Sie mir, Lodoiska, daß ich dabei -so viel gelitten habe, als Sie selbst, sobald -man mich davon in Kenntniß setzte? -Ja, es war mir schon unerträglich, es nur -zu vermuthen; aber was konnte ich dagegen -thun? Schweigen und das Weitere Ihnen -überlassen. Ich hoffte .... ich wußte, wollte -ich sagen, daß Ihre Antwort verneinend sei, -und daß man Sie dann nicht weiter verfolgen -würde.“ -</p> - -<p> -Ein Strahl von Freude blitzte bei diesen -Worten in Lodoiska’s Augen auf. -</p> - -<p> -<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a> -„Sie hofften, sagen Sie. Ach, warum -kann ich meinerseits nicht mehr hoffen! Ich -bin die Zeugin eines Glücks, das mir über -Alles verhaßt ist, und das ich niemals selbst -schmecken werde. Jetzt muß ich mich einem -Orte entreißen, der mir unerträglich wird. -Ich habe Sie wiedergesehen; mein Unglück -ist vollendet, und es bleibt mir nichts mehr -übrig, als mich zu entfernen.“ -</p> - -<p> -— Sie wollen fort? Lodoiska, bedenken -Sie unsere Freundschaft! — -</p> - -<p> -„Unsere Freundschaft! Alfred, ich mache -mir nichts daraus, und wenn Sie mir dieselbe -auch ganz aufrichtig anbieten, ich nehme -sie nicht an. Mein Loos ist gefallen, und ich -weiß mich dabei zu erhalten! setzte sie mit -einem boshaften Lächeln hinzu. Indem ich -Sie durch meine Abreise von meiner Gegenwart -befreie, gebe ich Ihnen zugleich Ihre -Ruhe zurück. Sie werden nicht mehr zittern, -wenn ich mich Ihnen zeige oder mit Ihnen -<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a> -spreche, und von der Liebe zu derjenigen, -die Sie mir vorziehen, nicht mehr zerstreut -werden.“ -</p> - -<p> -— Es steht Ihnen frei, zu bleiben oder -abzureisen; ja ich weiß nicht, ob ich selbst -Sie nicht zum Letzteren auffordern sollte. -Aber sein Sie überzeugt, daß mein Herz -Ihre Entfernung nicht wünscht; es würde -zufrieden in Ihrer Nähe sein, wenn es Sie -nicht mehr zu fürchten hätte, und es fühlt -mehr als je, wie verführerisch Sie sind. — -</p> - -<p> -„Nun? Und welchen Platz wollten Sie -mir denn neben sich anweisen? Sie antworten -nicht; was soll ich daraus schließen?“ -</p> - -<p> -— Daß ich höchst verlegen bin; denn -was soll ich Ihnen antworten, um Sie zu -befriedigen? Die Bande, welche mich an Helenen -fesseln sind unauflöslich. — -</p> - -<p> -„Ja unauflöslich, wie alles Uebrige bei -den Menschen, bis zum Tode .....“ -</p> - -<p> -<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a> -In dem Tone, mit welchem diese Worte -ausgesprochen wurden, lag ein so geheimnißvoller -Sinn und ein so boshafter Ausdruck, -daß der Oberst schaudernd einen Schritt zurücktrat, -und Lodoiska’n erstaunt ansah; allein -er bemerkte, daß ihre Augen von der gewöhnlichen -außerordentlichen Gleichgültigkeit erfüllt -waren, und ihr unbefangenes Wesen -stand so sehr in Widerspruch mit dem, was -schon der bloße Ton ihrer Stimme ausgedrückt -hatte, daß Alfred glauben mußte, er -habe sich geirrt. Es folgte ein langes Stillschweigen, -wobei der Oberst in’s tiefste Nachdenken -versunken war, bis endlich Lodoiska -wieder das Wort nahm. -</p> - -<p> -„Sie denken sehr ernsthaft nach, Alfred; -beschäftigen Sie sich mit der Vergangenheit -oder mit der Zukunft?“ -</p> - -<p> -— Nein, nur mit der Gegenwart, die -mich in die unbeschreiblichste Verwirrung -setzt. — -</p> - -<p> -<a id="page-107" class="pagenum" title="107"></a> -„Sein Sie nicht böse, wenn ich Ihnen -sage, daß ich Ihre Schwäche kenne. Sie sind -nicht im Stande, einen bestimmten Entschluß -zu fassen, und Sie wissen selbst kaum, was -Sie wollen.“ -</p> - -<p> -— Ach, Lodoiska, könnten Sie in mein -Herz sehen! Aber ich möchte wohl wissen, wie -Sie sich benehmen würden, wenn Sie sich in -meiner Lage befänden. — -</p> - -<p> -„Nach reiflicher Ueberlegung aller Gründe -würde mein Entschluß sehr bald gefaßt sein, -und den einmal eingeschlagenen Weg würde -ich dann mit Muth und Dreistigkeit betreten.“ -</p> - -<p> -— Wenn aber dieser Weg Sie zum Irrthume, -oder gar zum Verbrechen führte? — -</p> - -<p> -„Auch dann würde ich ihn verfolgen, -denn von allen Uebeln ist das schlimmste die -Unschlüssigkeit. Aber haben Sie sich auch -recht davon überzeugt, worin eigentlich die -Verlegenheit in Ihrer Lage besteht? Wissen -Sie denn bestimmt, wo das Böse und wo -<a id="page-108" class="pagenum" title="108"></a> -das Gute anzutreffen ist? Und seit wann ist -es Sitte, daß neuere Rechte die ältern verdrängen -können?“ -</p> - -<p> -— Lodoiska, was würden Sie also von -mir fordern? — -</p> - -<p> -„Alles oder Nichts, Alfred! Sie schaudern? -O, dann sind Sie nicht würdig mich -weiter anzuhören.“ -</p> - -<p> -— Wie könnte ich eine Gattin verlassen, -der ich durchaus keinen Vorwurf zu -machen habe! mich von einem Kinde trennen -..... — -</p> - -<p> -„Alles oder Nichts, ich wiederhole es -Ihnen. Worüber können Sie sich beklagen, -da Sie völlig freie Wahl haben, und ich -Ihnen deutlich zwei Wege zeige, aus Ihrer -Verlegenheit zu kommen?“ -</p> - -<p> -— Wohl, Lodoiska! Aber so groß auch -meine Anhänglichkeit an meine erste Liebe -sein mag, so werde ich doch nie meinen -Ruf so beflecken, eine tugendhafte Gattin, -<a id="page-109" class="pagenum" title="109"></a> -die ich freiwillig gewählt habe, wieder zu -verlassen. — -</p> - -<p> -„Allerdings! das können Sie auch nicht, -ohne Ihrem Rufe, Ihrer Ehre zu schaden, -die mir theuer sind. Aber wenn man Sie -sprechen hört, sollte man glauben, daß diese -Gattin unsterblich ist, oder einen Bund mit -der Ewigkeit geschlossen hat.“ -</p> - -<p> -— Sie flößen mir Entsetzen ein, Lodoiska, -und ich will Sie nicht verstanden haben; -ja vielleicht verstehen Sie sich selbst nicht. — -</p> - -<p> -Ein schauerliches Lächeln war die Antwort -der Fremden, und in ihren Augen las -der Oberst völlig klar ihre Gedanken, so daß -ihm kein Zweifel mehr übrig bleiben konnte. -</p> - -<p> -„Nein, nein, tausend Mal nein! Nie -werde ich mich mit einem Verbrechen besudeln! -Grausames Weib, ich verabscheue Sie!“ -</p> - -<p> -— Ja, ich weiß es, Sie waren ein geringerer -Verbrecher, als Sie mein Herz zerfleischten, -als Ihr Betragen, Ihre Briefe -<a id="page-110" class="pagenum" title="110"></a> -meinem Dolche den Weg zeigten. — Bei diesen -Worten schlug sie ihren Schleier zurück, -und zeigte dem erstarrenden Alfred die offene, -noch blutende Wunde, welche mitten in’s Herz -ging. — Auch mein Vater, meine Mutter, -fuhr sie fort, fanden ihre letzte Zuflucht nur -durch den Tod! Nein, damals war Alfred kein -Verbrecher, und noch jetzt ist er der unschuldigste, -der tugendhafteste der Männer! — -</p> - -<p> -„O, Lodoiska! welche Verzweiflung! -Welche schreckliche That haben Sie vollbracht! -Wie, Ihr Blut ist geflossen, und Sie legten -Hand an sich selbst? Und dadurch haben Sie -auch Ihren ehrwürdigen Aeltern das Leben -geraubt?“ -</p> - -<p> -— Nicht ich, Alfred! Nicht ich, sondern -Sie, Sie allein sind an Allem Schuld. Ich -war nur das Werkzeug, dessen Sie sich bedienten, -eine ganze Familie von der Erde zu -vertilgen. Und dennoch werden Sie ruhig -schlafen, oder Ihr Schlaf wird bloß durch -<a id="page-111" class="pagenum" title="111"></a> -den Schrecken beunruhigt werden, den ich -Ihnen verursache. Auf Wiedersehen! Urheber -alles meines Elendes, der Sie meine -ewige Verbannung aus dem Himmel verursacht -haben! — -</p> - -<p> -„Sie vernichten mich durch Ihre Vorwürfe! -Aber wozu wollen Sie verzweifeln? -Mein Vergehen war groß; doch ich hoffe -Gnade vor Gott zu finden, und Sie, glauben -Sie mir, daß Sie noch durch aufrichtige -Reue .....“ -</p> - -<p> -— Reue! rief die Fremde mit einem -lauten schrecklichen Lachen, daß der Saal -davon erschallte; Reue giebt es nicht mehr -für mich; ich habe sie sammt meinen übrigen -menschlichen Empfindungen in meiner Hütte -zurückgelassen. Mein Weg ist mir vorgeschrieben, -ich kann nichts mehr thun, als -ihn genau befolgen! — -</p> - -<p> -Der Oberst erstarrte über diese Worte; -aber als er bedachte, welche Vorurtheile Lodoiska -<a id="page-112" class="pagenum" title="112"></a> -in ihrem Vaterlande seit ihrer frühen -Jugend eingesogen haben müsse, und daß ihr -Unglück ohne Zweifel einen nachtheiligen Einfluß -auf ihren Verstand gehabt habe, ward -er von zärtlichem Mitleiden ergriffen; er -suchte sie zu trösten und zu beruhigen, indem -er sich ihr näherte, um die Hand Lodoiska’s zu -ergreifen, über welche sie stets einen Handschuh -trug. Allein sie errieth den Zweck seiner Bewegung, -und trat erschrocken einen Schritt zurück. -</p> - -<p> -„Nein, nein, Alfred! Geben Sie Ihre -Versuche auf, mich anderes Sinnes zu machen. -Ich wiederhole Ihnen nochmals, daß -ich nicht länger hier bleiben kann, und das -Schloß mit dem morgenden Tage verlassen -muß. Ich habe mein abgebranntes Haus -wieder aufbauen lassen, und vorgestern die -Nachricht erhalten, daß es zu meiner Aufnahme -bereit ist. Fürchten Sie nun nicht -mehr, daß ich Ihnen durch meinen Anblick -lästig fallen werde.“ -</p> - -<p> -<a id="page-113" class="pagenum" title="113"></a> -— Ich kann die Ausführung Ihres -Entschlusses nicht zugeben, Lodoiska. Warten -Sie noch einige Zeit, ehe Sie uns verlassen; -denn wie können Sie mitten im Winter -in ein neu erbautes Haus einziehen? Wissen -Sie nicht, wie schädlich die Feuchtigkeit -der Mauern auf die Gesundheit wirkt? — -</p> - -<p> -„O, mir schadet sie nichts; denn in einer -andern Wohnung fand ich eine weit größere -Feuchtigkeit, und doch sehen Sie mich -noch hier. Mein Entschluß ist unabänderlich, -und Niemand wird mehr an mich denken, -wenn ich mich entfernt habe.“ -</p> - -<p> -Nach diesen Worten eilte Lodoiska auf -ihr Licht zu, nahm es in die Höhe, und -ging fort, ohne auf Alfred’s wiederholte und -dringende Bitten zu hören. Da er sie verschwunden -sahe, kehrte er in sein Zimmer -zurück, wo er die Nacht unter den peinlichsten -Gedanken schlaflos zubrachte. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-7"> -<a id="page-114" class="pagenum" title="114"></a> -Neunzehntes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">Z</span>ur Frühstückszeit erschien Lodoiska am folgenden -Tage wie gewöhnlich. Ihre ruhige -Haltung und die Gleichgültigkeit in ihren -Blicken verriethen Helenen im Geringsten -nicht, welchen Entschluß sie gefaßt habe, und -selbst der Oberst wurde einigermaßen irre an -ihr. Nach dem Frühstück setzte sie sich an -ihren Stickrahmen, wie sie es immer gethan -hatte, und arbeitete mit ungetheilter Aufmerksamkeit. -Als der Oberst sich aber aus -dem Zimmer entfernte, weil ein Bauer ihn -einiger Geschäfte halber zu sprechen verlangte, -stand Lodoiska auf, und ging zur Thür hinaus, -als wenn sie sich bloß in ihr Zimmer -begeben wollte. Da Helene wußte, wie sehr -ihr oft die geringsten Fragen lästig waren, -so fragte sie auch nicht nach der Ursache ihrer -<a id="page-115" class="pagenum" title="115"></a> -plötzlichen Entfernung, die überdieß nur auf -einige Minuten zu geschehen schien. -</p> - -<p> -Eine Stunde ging vorüber, und die -Fremde ließ sich noch nicht blicken. Der -Oberst bemerkte bei seiner Rückkehr sogleich -ihre Abwesenheit, und fragte seine Frau -nach ihr. -</p> - -<p> -„Sie hat sich, kurz nachdem du das Zimmer -verlassen hast, entfernt, und ich glaubte -bloß, daß sie sich Wolle zum Sticken holen -wollte; allein jetzt sehe ich ein, daß sie wohl -eine andere Absicht haben mußte.“ -</p> - -<p> -Der Oberst vermuthete sogleich die -Wahrheit, suchte jedoch seine innere Bewegung -zu verbergen, und stellte sich völlig -gleichgültig. Bald darauf trat der neue Bediente -ein, welcher Werners Stelle ersetzte, -und übergab der Oberstin einen Brief von -Lodoiska. -</p> - -<div class="letter"> -<p> -„Ich muß mich, schrieb dieses unglückliche -Mädchen, bei Ihnen über die Art entschuldigen, -<a id="page-116" class="pagenum" title="116"></a> -wie ich mich von ihnen trenne. -Ich bin in meine frühere Wohnung zurückgekehrt, -und bedaure, Ihnen so viel Last -verursacht zu haben; aber die innigste Dankbarkeit -erfüllt mich für Ihre mir erwiesene -Güte. Warum darf ich Ihnen keinen Beweis -von dieser Gesinnung geben! Ein -schreckliches Schicksal zwingt mich, stets gegen -meinen eigenen Willen zu handeln! -Ich habe bei Ihnen die größte Zuvorkommenheit -gefunden, und dennoch werde ich ... -Verzeihen Sie meinen Wahnsinn .... Ich -weiß selbst nicht, was ich will, aber ich -traure darüber, daß ich weiß, was ich kann. -Gern wäre ich in Ihrem Schlosse geblieben; -aber dann hätte ich mich entschließen -müssen, öfters einen Mann zu sehen, dessen -Zuneigung zu mir mich zwingt, ihn zu meiden. -Sie seiner Besuche zu berauben, wäre -ungerecht gewesen, und es war also nothwendig, -daß ich mich entfernte. Ich befinde -<a id="page-117" class="pagenum" title="117"></a> -mich jetzt wieder in meinem Hause, und -habe meinen ganzen Geschmack für die ungestörteste -Einsamkeit dahin zurückgebracht; -diese werde ich nur dann auf einige Augenblicke -verlassen, wenn ich Ihnen, ohne Furcht -vor einem unangenehmen Zusammentreffen, -persönlich Alles das versichern kann, was ich -jetzt nur mit schwachen Worten ausdrücke.“ -</p> - -</div> - -<p> -Unter der Unterschrift, welche bloß aus dem -Namen Lodoiska bestand, befanden sich noch -einige Höflichkeitsformeln für den Obersten. -</p> - -<p> -„Wahrhaftig, sagte Helene, nachdem sie -den Brief mit lauter Stimme vorgelesen, -eine sonderbare Art uns zu verlassen. Und -wie ist es möglich, daß sie mitten im Winter -in ein neu erbautes Haus einziehen kann, -bloß um einen Mann zu fliehen, den ein -einziges Wort von ihr zurückgehalten haben -würde! Wir wollen ihr aber sogleich ihre -Sachen schicken, von denen sie ohne Zweifel -nichts mitgenommen hat.“ -</p> - -<p> -<a id="page-118" class="pagenum" title="118"></a> -Der Oberst suchte eine Antwort hervorzubringen, -welche gleichgültig sein sollte; zu -seinem Glücke achtete aber Helene nicht auf -ihn, sondern ging, um Lisetten zu klingeln, -welche mit der Nachricht eintrat, daß zugleich -mit dem Briefe auch ein Wagen angekommen -sei, der die Sachen der Fremden -abholen sollte. Dadurch fand der Oberst einen -Vorwand, sich aus dem Zimmer zu entfernen, -um Befehl zum Aufladen dieser Sachen -zu geben, in der That aber, um wieder -freien Athem zu schöpfen; und während sein -Körper sich im Schlosse befand, irrten seine -Gedanken in ungeheuren Räumen umher. -</p> - -<p> -Das plötzliche Verschwinden Lodoiska’s -aus dem Schlosse gab der Neugierde der -Nachbarn neue Nahrung. Herr von Krauthof, -der diesem schönen Frauenzimmer nicht -gewogen war, verbreitete zuerst die boshaftesten -Gerüchte über die Nothwendigkeit dieser -schnellen Veränderung der Wohnung, und -<a id="page-119" class="pagenum" title="119"></a> -bald erzählte man sich allgemein in der Umgegend, -daß die Eifersucht der Oberstin sie -verursacht habe. Glücklicherweise kamen diese -Gerüchte den betheiligten Personen nicht selbst -zu Ohren; aber der Arzt erfuhr sie ebenfalls, -und nahm sie nicht mit völliger Gleichgültigkeit -auf. Er erinnerte sich einer Menge -Umstände, die er in dem Augenblicke selbst -nicht beachtet hatte, die ihm aber jetzt als -ein Lichtstrahl zu sein schienen; doch hütete -er sich, von seinen Entdeckungen irgend Jemanden -etwas mitzutheilen, und zog es vor, -sich mit dem Obersten selbst darüber freimüthig -zu erklären, sobald er die Gelegenheit -dazu finden würde. -</p> - -<p> -Zu dieser Zeit wurden Helenens Gesundheitsumstände -immer bedenklicher. Vorzüglich -empfand sie eine große Schwierigkeit, -Athem zu holen; sie verlor ihre Kräfte, und -verfiel allmählich in eine Abzehrung, die sie -zum Grabe führen konnte. -</p> - -<p> -<a id="page-120" class="pagenum" title="120"></a> -Wildenau, der wirklich ein Arzt von -großen Verdiensten war, studirte mit der -größten Genauigkeit alle Symptome dieser -Krankheit, welche dieselbe zu sein schien, wodurch -der kleine Wilhelm dem Leben entrissen -worden war. Eine außerordentliche Abspannung -und Schwäche, ein beständiges Bedürfniß -zu essen, ein anhaltender Schweiß; -alle Zeichen waren dieselben. Helene ward -still und schwermüthig, ohne die Gefahr zu -kennen, die ihr drohte; ihren Gatten schien -sie mehr als je zu lieben, und dieser war -weit entfernt, an ihren nahen Tod zu glauben. -</p> - -<p> -Seit der Flucht Lodoiska’s bemerkte der -Oberst mit Schrecken, daß dieses junge Mädchen -immer mehr die Oberhand in seinem -Herzen gewann, und aus Furcht vor den -Folgen dieser zunehmenden Neigung hätte er -vor sich selbst fliehen mögen. Bald war er -froh darüber, daß Lodoiska sich aus dem -Schlosse entfernt hatte, indem er sich schmeichelte, -<a id="page-121" class="pagenum" title="121"></a> -daß dadurch die Ruhe seines Lebens -gesichert worden sei; bald seufzte er nach der -Rückkehr der Fremden, und es schien ihm, -daß das Schloß jetzt nichts als eine große -Einöde sei. Oft ging er in das Zimmer, -welches sie bewohnt hatte, und bildete sich -ein, sie dort wiederzusehen; er setzte sich in -ihren Lehnstuhl, oder auf ihr Bett, und wer -ihm zugesehen hätte, würde geglaubt haben, -daß er wahnsinnig geworden sei. -</p> - -<p> -Oefters führte ihn ein edles Gefühl zu -seiner Pflicht zurück, und voller Scham über -seine Schwäche, über den ihn entehrenden -Wahnsinn, suchte er in Gesellschaft seiner -Frau, seiner Tochter, reinere Gedanken zu -sammeln. In diesen Augenblicken verschwand -das Bild Lodoiska’s allmählich aus seinem -Herzen, und die tugendhafte Helene nahm -alle ihre Rechte wieder ein; aber leider dauerten -diese Augenblicke nicht lange: Lodoiska, -mit dem mächtigen Reiz eines Gegenstandes, -<a id="page-122" class="pagenum" title="122"></a> -in dessen Besitz man noch nicht gewesen ist, -kehrte siegreich in sein Herz zurück. -</p> - -<p> -Mehrere Tage vergingen, während der -Oberst fast beständig unter diesen Kämpfen -mit seinem Innern zubrachte, seine Gattin -aber immer schwächer wurde. Sie war nicht -im Stande, wie sie es wünschte, Lodoiska’n -in ihrer neuen Wohnung einen Besuch abzustatten, -und diese ließ sich vor <a id="corr-7"></a>Niemandem -blicken. Sie begnügte sich damit, sich von -Zeit zu Zeit durch einen Bauer nach dem -Gesundheitszustande Helenens erkundigen zu -lassen. -</p> - -<p> -Wildenau fand sich täglich im Schlosse -ein, um der Oberstin seine ganze Kunst zu -widmen. Er vervielfältigte seine Fragen, um -die erste Ursache ihrer Krankheit kennen zu -lernen, aber die Antworten, die er erhielt, -waren weit entfernt, ihn zu befriedigen. -</p> - -<p> -„Ich erinnere mich durchaus keines Umstandes, -sagte sie, der meinen jetzigen Zustand -<a id="page-123" class="pagenum" title="123"></a> -verursacht haben könnte, und Sie werden -sehen, daß ich eben so wie mein Sohn, unter -gleichen Umständen, sterben werde.“ -</p> - -<p> -— Um Gottes willen! unterbrach sie -der Arzt, glauben Sie so etwas nicht! Schon -dieser Gedanke allein ist im Stande, Ihren -Zustand zu verschlimmern, und überdieß sind -Sie weit entfernt von der Krankheit ihres -Kindes. — -</p> - -<p> -Helene erwiederte mit einem schwermüthigen -Lächeln: „Ich weiß, daß man mich -in dieser Hinsicht täuschen will; wenn ich -alle meine Gedanken offenbaren wollte, so -würde man mich für kindisch halten; allein -ich bin überzeugt, daß ich mich nicht irre, -und ich weiß am besten, welches Uebel mich -peinigt.“ -</p> - -<p> -— Diese Worte, erwiederte Wildenau, -beweisen, daß Sie uns irgend Etwas verschweigen -wollen. Aber das ist nicht gut, -es könnte die gefährlichsten Folgen haben. -<a id="page-124" class="pagenum" title="124"></a> -Scheuen Sie sich nicht, uns Ihr Geheimniß -zu entdecken, was es auch sei; Sie leiten -mich dadurch vielleicht auf die richtige Spur, -Ihnen Ihre Gesundheit wiederzugeben. — -</p> - -<p> -Helene weigerte sich lange hartnäckig, -die Meinung, welche sie von ihrem Zustande -hatte, zu entdecken, bis sich der Oberst mit -dem Arzte vereinigte, und sie so dringend -bat, daß sie endlich erklärte: sie wolle ihr -Geheimniß ihrem Manne mittheilen, aber -unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieser -es gänzlich für sich behalten wolle. Dieß -war zwar nicht das, was Wildenau wünschte, -allein er mußte sich darein fügen, und entfernte -sich augenblicklich, mit dem Versprechen, -morgen wiederzukommen. -</p> - -<p> -Als Helene sich mit ihrem Manne allein -befand, verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen, -gleichsam aus Furcht, befragt zu werden. -Auch Alfred fürchtete, sie zu fragen, weil er -glaubte, daß seine Frau vielleicht von seinen -<a id="page-125" class="pagenum" title="125"></a> -früheren Verhältnissen zu Lodoiska Kenntniß -erhalten habe, und daß der Kummer darüber -die Ursache ihres langsamen Dahinschmachtens -sei. Indessen mußte er sich doch endlich entschließen, -das Wort zu nehmen, und er -fragte daher Helenen, ob sie ihm nun ihr -Geheimniß anvertrauen wolle. -</p> - -<p> -„Ach Alfred! wie kann ich mich entschließen, -dir meine Gedanken mitzutheilen? -Was wirst du von mir denken, wenn du erst -meinen Wahnsinn kennst?“ -</p> - -<p> -— Wie so, liebe Helene? Ich hoffe doch -nicht, daß du an meiner Liebe zu dir zweifelst? — -</p> - -<p> -„Nein, Alfred, warum sollte ich dieß -thun? Es ist keinesweges bei meinen Träumereien -von ähnlichen Gegenständen die Rede, -sondern ich werde von einer schrecklichen Erscheinung -verfolgt ..... O, wie lächerlich -werde ich dir vorkommen!“ -</p> - -<p> -— Nein, nein, Helene! fürchte nichts, -sagte der Oberst mit der äußersten Zufriedenheit, -<a id="page-126" class="pagenum" title="126"></a> -da er gewiß war, daß sie gegen ihn -keinen Verdacht geschöpft habe. — -</p> - -<p> -„Nun wohlan! Sei es nun Schwäche, -oder Aberglauben, oder irgend eine andere -Ursache, genug, es scheint mir, als wenn ich -alle Nächte von einem schrecklichen Ungeheuer -verfolgt werde, das sich über mich hinlegt, -mit seinem häßlichen stinkenden Munde den -meinigen berührt, und mir so das Blut aus -den Adern saugt. Kurz, ich werde von einem -<em>Vampyre</em> gequält. Glaube es mir sicher, -derselbe Dämon hat schon den Tod unseres -Sohnes, so wie einer jungen Bäuerin aus -dem Dorfe verursacht, obgleich bei der letztern -auf eine plötzliche und gewaltsame Weise.“ -</p> - -<p> -— Sprichst du wirklich im Ernst, Helene? -Suchst du nicht vielleicht mit mir durch -eine solche Entdeckung zu scherzen? — -</p> - -<p> -„Ich wußte es wohl, daß du über mich -spotten würdest; allein dem sei, wie ihm wolle, -ich habe die schreckliche Gewißheit von meinen -<a id="page-127" class="pagenum" title="127"></a> -nächtlichen Qualen. Es ist nicht eben ein -bloßer Traum, der alle Nächte wiederkehrt; -nein, der Schmerz, den ich empfinde, das Gewicht -des Wesens, das mich fast erdrückt, -entreißt mich meinem Schlafe. Aber eine -höhere Macht hemmt alle meine Bewegungen, -schließt mir die Augenlieder, und überwältigt -meine Anstrengungen, mich von meinem Verfolger -loszumachen. Vergebens suche ich zu -schreien, die Töne ersterben in meiner Brust; -ich fühle die auf mir liegende Last und das -Verschwinden meines Blutes aus den Adern.“ -</p> - -<p> -— Du setzest mich in Erstaunen, Helene, -und ich weiß nicht mehr, was ich dir -antworten soll. Fühlst du nicht, daß du bloß -das Spiel einer traurigen Täuschung bist, -die nur durch deine Krankheit verursacht -wird, die sie verschlimmert, aber nicht hervorbringt? -Ich will nicht versuchen, dir die -Unmöglichkeit zu beweisen, daß ein solches -Wesen, wie du es fürchtest, existiren kann; -<a id="page-128" class="pagenum" title="128"></a> -nie wird die Vorsehung erlauben, daß die -Gesetze der Natur auf eine so schreckliche -Weise verletzt werden. Aber du hast Zerstreuung -nöthig; unser jetziger Aufenthalt -taugt nicht mehr für uns, und mit dem -morgenden Tage wollen wir nach Prag reisen, -um dort deine völlige Genesung abzuwarten. — -</p> - -<p> -„Nein, Alfred, ich kann nicht einwilligen, -dieses Schloß zu verlassen. Ich bitte -dich, hier zu bleiben, weil eine allzutheure -Ursache mich hier fesselt.“ -</p> - -<p> -— Diese Ursache kann dir nur traurige -Erinnerungen bringen. Wenn du willst, so -wollen wir nach Dresden, deiner Vaterstadt, -reisen, oder wohin du sonst wünschest. Aber -der Anblick neuer Gegenstände muß dich diejenigen -vergessen machen, die deine Schwermuth -verursacht haben. — -</p> - -<p> -„Ich will mich nicht von hier entfernen, -weil ich sonst nicht neben dem -<a id="page-129" class="pagenum" title="129"></a> -Grabe meines armen Wilhelm würde ruhen -können.“ -</p> - -<p> -Diese rührende Antwort, mit einem -Strom von Thränen begleitet, drohte Alfreds -Herz zu brechen. Er vermischte seine Thränen -mit denen seiner Frau, aber gab dessenungeachtet -ihren Wünschen nicht nach, sondern -stellte ihr die wichtigsten Gründe vor, -um sie zur Veränderung ihres Aufenthalts -zu überreden. Nach vielen Bitten mußte -sie endlich nachgeben, und sie ertheilte ihre -Einwilligung zu einem vierzehntägigen Aufenthalte -in Prag. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-8"> -<a id="page-130" class="pagenum" title="130"></a> -Zwanzigstes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">A</span>ls Helene am andern Morgen die Anstalten -zur Abreise sahe, schien ihr Versprechen -ihr wieder leid zu werden, und sie bat ihren -Mann, seinen Entschluß aufzugeben. Allein -ihre Bitten waren vergebens; der Oberst -blieb fest bei seinem Willen. Vor der Abreise -schrieb Helene noch einige Zeilen an -Lodoiska, um sie zu benachrichtigen, daß -sie auf vierzehn Tage mit ihrem Gatten und -ihrer Tochter nach Prag reisen würde; zugleich -sprach sie den Wunsch aus, wie angenehm -es ihr sein würde, einen Besuch von -ihr in dieser Stadt zu erhalten, weßhalb auch -ein Zimmer für sie in der Wohnung, die man -wählen würde, bereit gehalten werden sollte. -</p> - -<p> -Wildenau, der durch einen Boten herbeigeholt -worden war, kam in dem Augenblicke -<a id="page-131" class="pagenum" title="131"></a> -an, wo die Familie sich in den Wagen setzen -wollte. Kaum hatte der Oberst, ihn bei -Seite nehmend, noch Zeit genug, ihm im -Allgemeinen zu sagen, daß die Einbildungskraft -seiner Frau durch schreckliche Vorstellungen -angegriffen werde, weßhalb er es für -nöthig gehalten habe, sie zu zerstreuen, und -sie zu diesem Zwecke mitten in den Tumult -einer großen Stadt zu führen. Der Arzt -konnte diesen Plan nur billigen, und er versprach, -die Familie in der Stadt öfters zu -besuchen. -</p> - -<p> -Der Wagen, mit vier raschen Pferden -bespannt, eilte pfeilschnell auf der Landstraße, -die nach der Stadt führte, fort, und nach -zwei Stunden befand sich die Familie bereits -in Prag, im Gasthofe zum Kaiser. Sie -trat hier so lange ab, bis gegen Abend der -Oberst, welcher die ganze Stadt durchlaufen -hatte, zurückkehrte, mit der Nachricht, eine -sehr bequeme Wohnung, ganz wie er sie -<a id="page-132" class="pagenum" title="132"></a> -wünschte, gefunden zu haben. Noch in dieser -Nacht schlief die Familie in ihrer neuen Behausung, -wo der Oberst sein Bett in das -Schlafzimmer seiner Frau hatte setzen lassen. -</p> - -<p> -„Du siehst nun, sagte er lächelnd zu ihr, -was ich für Anstalten zu deiner Beschützung -gemacht habe; ich bin hier mit Degen und -Pistolen, um den Dämon mit Vortheil zu -bekämpfen. Doch hoffe ich, nicht wirklich -mit ihm ins Handgemenge zu gerathen, weil -er uns wahrscheinlich nicht bis hierher folgen -wird; denn die Gespenster und bösen Geister -haben nur selten Erlaubniß in großen Städten -umherzuwandeln; nur in den alten Schlössern -vermögen sie zu spuken.“ -</p> - -<p> -Es war Alles vergebens, Helenen aufzuheitern; -sie blieb stets schweigend und tiefsinnig, -denn das Uebel, von welchem sie befallen -war, hatte schon zu große Fortschritte -gemacht. Sie legte sich zeitig schlafen, während -ihr Mann noch lange wachte; aber als -<a id="page-133" class="pagenum" title="133"></a> -auch er endlich das Bett suchte, erstaunte er -über die außerordentliche Müdigkeit, die ihn -befiel, und kaum hatte er sich niedergelegt, so -schloß der Schlummer seine Augen. Mit anbrechendem -Tage erwachte er wieder, und da -er hörte, daß seine Frau sich im Bette umwendete, -um eine andere Lage zu suchen, fragte -er sie, wie sie die Nacht zugebracht habe? -</p> - -<p> -„Ganz so wie gewöhnlich, antwortete -sie; meinen Aufenthalt habe ich verändert, -aber meine Marter ist geblieben. Fahre -immer fort zu lächeln; der Vampyr hat mich -dessen ungeachtet nicht verlassen, ja er hat -sich heute schrecklicher und blutgieriger als -sonst gezeigt.“ -</p> - -<p> -Diese Antwort war für Alfred äußerst -niederschlagend; denn da er an die Wirklichkeit -ihrer Träume nicht glauben konnte, so -mußte er annehmen, daß wohl gar ihr Verstand -angefangen habe zu leiden. Er beschloß -daher, sie auf alle Weise zu zerstreuen, sie in -<a id="page-134" class="pagenum" title="134"></a> -Gesellschaften, in’s Theater zu führen, und -noch an demselben Morgen beredete er sie, -sich mit ihm in den Wagen zu setzen, um in -der Stadt umher zu fahren, und die Merkwürdigkeiten -derselben zu besehen. -</p> - -<p> -Helene ward wider ihren Willen durch -die Menge und Verschiedenheit der Dinge, -die sie zu sehen bekam, belustigt, und schien -beim Mittagessen, wo sie mit vielem Appetit -aß, sich sehr wohl zu befinden. Der -Oberst sah sogar auf ihren blassen Wangen -einen Anschein von Farbe, und fühlte sich -von neuer Hoffnung erfüllt. Ganz seiner -Pflicht lebend, entfernte er jeden Gedanken -von sich, der ihm verbrecherisch scheinen konnte, -und suchte die Erinnerung an Lodoiska -völlig aus seinem Herzen zu verbannen. -</p> - -<p> -Die Nacht kam heran. Um einen Versuch -zu machen, ob seine Frau dadurch mehr -ermuthigt werden könnte, bat er sie um Erlaubniß, -sich neben ihr ins Bett zu legen, -<a id="page-135" class="pagenum" title="135"></a> -und Helene willigte ein. Er versprach ihr, -so lange als möglich wach zu bleiben, um -durch seine Gegenwart das gefürchtete Ungeheuer -abzuhalten; aber er hatte sein Wort allzuverwegen -gegeben. Es dauerte nicht lange, -so befiel ihn der Schlaf mit solcher Gewalt, -daß er vergebens dagegen kämpfte, -und wider seinen Willen die Augen schloß. -</p> - -<p> -Als er wieder erwachte, fühlte er auf -der Stelle seines Herzens einen lebhaften -Schmerz, und als er mit der Hand dahin -tastete, wurde derselbe noch stärker. Er wendete -sich gegen die neben dem Bett stehende -Nachtlampe, und sein Erstaunen übertraf -jede Vorstellung, als er auf seiner Haut den -Abdruck von fünf Fingern, in gelben und -schwärzlichen Flecken, erblickte! Er urtheilte -sogleich, daß Helenens Hand diesen Druck -hervorgebracht habe, aber schloß auch daraus, -daß sein Schlaf außerordentlich fest gewesen -sein müsse, weil er nichts davon gefühlt hatte. -</p> - -<p> -<a id="page-136" class="pagenum" title="136"></a> -Helene erwachte bald darauf ebenfalls; -ihr Stillschweigen sagte hinreichend, daß ihr -Zustand in dieser Nacht nicht besser gewesen -sei, als sonst, und es war also dringender -als je, ernstlich an ihrer Genesung zu arbeiten. -Der Oberst fuhr heute wieder vor -Tische mit Helenen spazieren, und benutzte -diese Gelegenheit, zugleich dem berühmtesten -Arzte in der Stadt seine Aufwartung zu machen. -Er bat denselben dringend, Alles zur Herstellung -seiner Frau anzuwenden, was der Arzt -auch versprach; aber indem er diesen Trost gab, -hatte er schon gesehen, daß Helenens Lebenskräfte -auf dem Punkt waren, zu erlöschen. -</p> - -<p> -Am folgenden Morgen war die Oberstin -so schwach, daß sie nicht im Stande war, -das Zimmer zu verlassen; sie empfing den -Besuch Wildenau’s, der bloß nach Prag gekommen -war, um einen Tag mit der Familie -zu verleben; aber der erste Blick überzeugte -ihn schon, daß die Kranke von einem Augenblicke -<a id="page-137" class="pagenum" title="137"></a> -zum andern in ein anderes Leben hinüberschlummern -könne. -</p> - -<p> -Bald darauf trat sein geschickter Amtsbruder -ein, und beide beobachteten nun lange -Zeit die Symptome des Uebels, das mit so -fürchterlicher Schnelle wuchs; ihr Urtheil fiel -völlig gleich aus. Sie sahen, daß die Oberstin -höchstens noch eine Woche lang leben -konnte, und hielten es für angemessen, ihren -Gatten von dem ihm bevorstehenden Verluste -in Kenntniß zu setzen. -</p> - -<p> -Dieser unangenehme Auftrag mußte natürlich -auf Wildenau fallen, weil derselbe -mit dem Obersten schon länger in freundschaftlichen -Verhältnissen stand; er bat ihn -also einige Augenblicke mit ihm allein sein -zu dürfen, und machte ihn nun mit der -schrecklichen Wahrheit bekannt. Der Oberst -überließ sich seinem aufrichtigen Schmerze; -er wollte anfangs an der Wahrscheinlichkeit -der ärztlichen Behauptung zweifeln, und auf -<a id="page-138" class="pagenum" title="138"></a> -dem Punkt, von seiner Gattin getrennt zu werden, -fühlte er seine frühere Liebe zu ihr sich in -ihrer ganzen Kraft erneuen. Es schien ihm -grausam, Helenen von ihrem bevorstehenden -Ende in Kenntniß zu setzen, und da er nicht -wußte, wozu er sich entschließen sollte, kehrte -er mit dem Arzte in Helenens Zimmer zurück, -wo er sich dergestalt setzte, daß seine Frau ihn -und seinen Kummer nicht sehen konnte. -</p> - -<p> -Die Oberstin fragte den Arzt mit schwacher -Stimme, ob er Lodoiska gesehen, oder -Nachricht von ihr habe? -</p> - -<p> -„Sie zu sehen, Frau Oberstin, <a id="corr-9"></a>antwortete -Wildenau, ist unmöglich, denn sie -kommt nie aus ihrem Hause, das beständig -verschlossen ist. Können Sie wohl glauben, -daß Herr von Krauthof den Muth gehabt hat, -sich abermals bei ihr zu zeigen, ungeachtet -der früher gemachten üblen Erfahrung?“ -</p> - -<p> -— Er ist also bei seinem zweiten Versuche -nicht glücklicher gewesen? — -</p> - -<p> -<a id="page-139" class="pagenum" title="139"></a> -„Der Ausgang war ganz derselbe, wie -das erste Mal, und er ist nun so entmuthigt, -daß er geschworen hat, nie wieder einen -Fuß in die Nähe des Hauses zu setzen.“ -</p> - -<p> -— So sind wir doch glücklicher gewesen, -fuhr Helene fort, denn sie hat sich öfters -sehr artig nach uns erkundigt. Das -sonderbare Wesen! Was führt sie bei ihrer -Jugend und Schönheit für eine Lebensart! -Dabei bleibt sie stets kalt und gleichgültig, -und erscheint mehr als eine Maschine, deren -<a id="corr-10"></a>Räderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, -als wie ein menschliches Geschöpf. Indessen -kann ich mir nicht erklären, welche Gewalt -sie über mich erlangt hat. Seitdem wir -von einander getrennt sind, vermisse ich sie -beständig, und es scheint mir, als wenn ich -sie in den letzten Stunden meines Lebens -bei mir haben müßte; auch wünschte ich ihr -nach meinem Tode die Aufsicht über meine -Tochter anzuvertrauen. — -</p> - -<p> -<a id="page-140" class="pagenum" title="140"></a> -Diese mit schwacher Stimme ausgesprochenen -Worte setzten die beiden Zuhörer in -Schrecken. Der Oberst sprang heftig vom -Stuhle auf, ergriff Helenens Hand, und stammelte -einige Worte des Trostes und der -Hoffnung. Wildenau, der mehr an dergleichen -Szenen gewöhnt war, benutzte diese Gelegenheit, -um die Oberstin aufzufordern, einen -Geistlichen kommen zu lassen. -</p> - -<p> -„Sie thun sich großen Schaden, Frau -Oberstin, sagte er, daß Sie sich mit so -düsteren Gedanken quälen. Ich wünschte, daß -Sie Zutrauen genug in mich setzten, um -mir die Mittel zu erleichtern, Ihren Gesundheitszustand -zu verbessern; da Sie mir -dieß aber verweigern, warum fragen Sie -nicht einen jener frommen Geistlichen um -Rath, die gewohnt sind, an dem Bette der -Leidenden Trost zu ertheilen? Vielleicht würde -dieß Ihrem Zustande am zuträglichsten -sein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-141" class="pagenum" title="141"></a> -Ein schmerzliches Lächeln ging der Antwort -Helenens vorher. „Sie kommen meinen -Wünschen zuvor, sagte sie; ich war schon -im Begriff, meinen Mann zu bitten, daß -er einen Geistlichen kommen ließe. Zugleich -komme ich aber auf meinen vorher erwähnten -Wunsch zurück: ich sehne mich, die junge -Fremde wiederzusehen, und sie einige Zeit -bei mir zu haben.“ -</p> - -<p> -Der Ton, womit dieser Wunsch ausgedrückt -wurde, bewies, wie sehr Helene an -dessen Erfüllung hing, und die beiden Zuhörer -wurden davon überrascht, am meisten -aber der Oberst, der die Gefahr fühlte, welche -für ihn aus Lodoiska’s Gegenwart entstehen -mußte. Allein er wußte nicht, wie er diesem -Wunsche seiner sterbenden Frau ausweichen -sollte, und seine Verlegenheit hinderte ihn -anfangs, eine Antwort zu geben. Helene, -über sein Stillschweigen verwundert, fragte -ihn daher, ob ihr Verlangen tadelnswürdig -<a id="page-142" class="pagenum" title="142"></a> -sei, und ob der Erfüllung desselben große -Hindernisse entgegenständen? -</p> - -<p> -Diese Frage weckte den Obersten aus seinen -Träumereien, und er antwortete, daß -er sich nur deßhalb nicht gleich erklärt habe, -weil er fürchtete, daß die seltsame Fremde -die Bitte abschlagen würde. „Da du aber -auf ihrer Gegenwart bestehst, fuhr er fort, -so versuche, ihr einige Zeilen zu schreiben, -denen ich meine Bitten noch hinzufügen werde, -und unser Bediente soll augenblicklich -mit unserm Wagen nach R**** fahren. -Ich hoffe dann, daß er sie mitbringen wird.“ -</p> - -<p> -Helene versuchte, den verlangten Brief -zu schreiben, wozu sie fast eine Stunde gebrauchte. -Der Oberst setzte dann folgende -Worte hinzu: -</p> - -<div class="letter"> -<p> -„Ja, Madame, wir bitten Sie um die -gütige Erfüllung unserer Wünsche. Wie -strenge auch Ihre früheren Entschlüsse sein -mögen, Sie dürfen sich jetzt dem Verlangen -<a id="page-143" class="pagenum" title="143"></a> -meiner Frau nicht weigern, die Ihre -Gegenwart so sehnlich wünscht. Kehren Sie -daher in unsere Gesellschaft zurück, ich wiederhole -Ihnen nochmals meine Bitte; geben -Sie uns diesen Beweis Ihres Wohlwollens.“ -</p> - -</div> - -<p> -Während der Oberst schrieb, war Wildenau, -der Prag genau kannte, fortgegangen, -um einen Geistlichen herbeizuholen, der -die Oberstin auf dem ihr noch übrigen kurzen -Lebenswege geleiten und trösten möchte. -Es gelang ihm, einen der würdigsten ausfindig -zu machen, der ihm versprach, am -folgenden Morgen sich einzufinden, worauf -der Arzt zu seinen Freunden zurückkehrte. Da -seine Geschäfte ihn auf das Land zurückriefen, -so nahm er bald darauf von dem Obersten -und dessen Frau den rührendsten Abschied. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-9"> -<a id="page-144" class="pagenum" title="144"></a> -Ein und zwanzigstes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">E</span>s war acht Uhr des Abends, als der Wagen, -welcher um Mittag abgefahren war, -vor dem Hause still hielt. Bei dem dadurch -verursachten Geräusch erbebte der Oberst; -er nahm rasch ein Licht, und eilte die Treppe -hinab, weniger um der Fremden entgegenzugehen, -wenn sie wirklich angekommen wäre, -als um seine innere heftige Bewegung vor -seiner Frau zu verbergen. -</p> - -<p> -Als er auf den Hausflur gelangte, sahe -er eine weibliche Gestalt, in einen großen -schwarzen Shawl verhüllt, ernsten, langsamen -Schrittes auf sich zukommen, so daß er sich -über ihren Anblick überrascht fühlte, als -wenn er eine übernatürliche Erscheinung gesehen -hätte. Aber wie sehr vermehrte sich -seine Verwirrung, sobald er beim Scheine -<a id="page-145" class="pagenum" title="145"></a> -des Lichts die Leichenblässe auf Lodoiska’s -Gesichte wahrnahm. Sie schien ein Gespenst -zu sein, so stier waren ihre Augen, so eingefallen -ihre Wangen; man mußte glauben, -daß sie dem Grabe hundert Mal näher sei, -als die Oberstin, welche stündlich ihrem Ende -entgegen sahe. -</p> - -<p> -Der Oberst, voll Entsetzen über diesen -Anblick, konnte kein Wort hervorbringen, um -die Forderungen, welche Höflichkeit und Anstand -an ihn machten, zu erfüllen. Unbeweglich -stand er da, und betrachtete die Zerstörungen, -welche ein so kurzer Zeitraum in den -Gesichtszügen Lodoiska’s hervorgebracht hatte. -Diese bemerkte sein Erstaunen, und mit einem -wilden Lachen hob sie an: -</p> - -<p> -„Hier bin ich! Sie haben mich gerufen. -Schmeicheln Sie sich aber nicht, mich nun -wieder zur Entfernung zu zwingen, wenn -Sie es wünschen werden.“ -</p> - -<p> -<a id="page-146" class="pagenum" title="146"></a> -Glücklicherweise wurden diese lebhaft ausgesprochenen -Worte von Niemanden weiter -gehört. Er erschrak über den Sinn derselben, -suchte sich jedoch zu fassen, und antwortete -ihr mit einem Anschein von Galanterie, -wofür sie ihm einen fürchterlichen Blick zuwarf. -— -</p> - -<p> -Als Beide in das Zimmer der Oberstin -traten, brach diese beim Anblick der Fremden, -die so krank zu sein schien, wie sie selbst, in -Thränen aus, und reichte ihr freundschaftlich -die Hand entgegen. -</p> - -<p> -„Ach, wie gut sind Sie, meine Bitte erfüllt -zu haben! Aber Sie selbst scheinen der -Hülfe eines Arztes zu bedürfen. Warum kamen -Sie nicht früher nach der Stadt?“ -</p> - -<p> -— Mein äußeres Ansehen, erwiederte -die Fremde, setzt Sie in Irrthum. Meine -Gesundheitsumstände sind dieselben, wie vor -einem oder zwei Monaten, und es ist schwer, -mich besser oder schlechter zu befinden. Wenn -<a id="page-147" class="pagenum" title="147"></a> -Ihnen meine Züge entstellt erscheinen, die -Blässe meines Gesichts Sie erschreckt, so setzen -Sie dieß auf Rechnung der Verwirrung, in -die ich durch Ihren Brief und den darin enthaltenen -Befehl gerathen bin. Sie wissen, -wie nothwendig mir die Einsamkeit ist, und -ich habe mich nur schwer ihr entreißen können; -aber, wenn man mich auf eine gewisse -Art bittet, so habe ich nicht das Recht, mich -zu weigern. Sie wollen mich haben, und ich -bin hier; glauben Sie, durch mich den nöthigen -Beistand zu finden? — -</p> - -<p> -Diese eben nicht höfliche Rede machte -einen unangenehmen Eindruck auf Helenen, -die den wahren Sinn derselben nicht errathen -konnte. Nach einigem Nachdenken fiel -ihr indessen der seltsame Charakter der Fremden -ein, und daß man bei ihr nichts beleidigend -finden müsse, weil ihr Betragen ganz -abweichend von allen übrigen Menschen war. -Helene bedurfte der Gesellschaft, und hatte -<a id="page-148" class="pagenum" title="148"></a> -sich an Lodoiska gewöhnt; konnte sie sich also -über deren Sonderbarkeit beklagen? -</p> - -<p> -Ungeachtet ihrer anscheinend übeln Laune -liebkosete Lodoiska doch die kleine Julie, -welche kam, um ihr gute Nacht zu wünschen. -Sie nahm das Kind mit so vieler Zärtlichkeit -in ihre Arme, daß sie sich dadurch die -Gewogenheit der Mutter in einem Augenblicke -wieder erwarb. Der Oberst stand dabei, -in Träumereien versunken, unfähig ein -Wort hervorzubringen; er wagte es nicht, -weder seine Frau noch Lodoiska anzusehen, -und die Zukunft stellte sich ihm in einem -schauerlichen Dunkel dar. -</p> - -<p> -Am andern Morgen erklärte die Oberstin, -daß sie heute eine schrecklichere Nacht -als je gehabt habe. Dieß war auch leicht an -dem matten und schmerzhaften Ausdrucke ihres -abgemagerten Gesichts zu sehen; es war -augenscheinlich, daß ihre Schwäche mit jeder -Minute zunahm, und daß ihr Leben vielleicht -<a id="page-149" class="pagenum" title="149"></a> -bald entfliehen würde. Da der erwartete -Geistliche sich noch immer nicht blicken ließ, -obgleich es schon nach neun Uhr des Morgens -war, so gerieth Helene darüber in Unruhe; -bald darauf meldete indessen Lisette seine -Ankunft an. Der Oberst ging ins Nebenzimmer, -um ihn zu empfangen; aber Lodoiska -stieß einen Schrei des Entsetzens aus, und -floh eilig in das ihr angewiesene Zimmer. -</p> - -<p> -Die tröstende Ueberredungskraft des würdigen -Geistlichen, der Helenen neben der Aussicht -auf ein künftiges, besseres Leben auch die -Hoffnung zu ihrer Genesung zeigte, machte -einen so guten Eindruck auf sie, daß sie sich -ruhiger fühlte, als der Prediger sie verließ; -er versprach ihr, am Abend und, wenn sie es -wünsche, auch am folgenden Morgen wiederzukommen. -</p> - -<p> -Nach seiner Entfernung kehrte der Oberst -ins Zimmer seiner Frau zurück, wo auch bald -darauf der Arzt erschien, welchen man in -<a id="page-150" class="pagenum" title="150"></a> -Prag angenommen hatte. Dieser fand sie -nicht schwächer, als bei seinem letzten Besuche, -und verschrieb ihr einen stärkenden -Trank, wovon er sich die beste Wirkung versprach. -Da der Oberst bemerkte, daß Lodoiska -noch nicht wieder gegenwärtig war, -begab er sich nach ihrem Zimmer, und klopfte -leise an die Thür. -</p> - -<p> -„Wer ist da? sagte Lodoiska; was -soll ich?“ -</p> - -<p> -— Ich wollte Sie bitten, zu meiner -Frau zurückzukehren. — -</p> - -<p> -„Ist sie allein? Ist er nicht mehr da, -der furchtbare Mann, dessen Anblick ich nicht -mehr ertragen kann?“ -</p> - -<p> -Mit diesen Worten öffnete sie die Thür. -</p> - -<p> -„Aber von wem sprechen Sie denn?“ -fragte der Oberst. -</p> - -<p> -— Von wem ich spreche? Von dem -Geistlichen! Seitdem ich mein Vaterland verlassen -habe, ist es mir unmöglich, in der Gegenwart -<a id="page-151" class="pagenum" title="151"></a> -von seines Gleichen auszuhalten; denn -ich bin auf ewig von ihnen geschieden. — -</p> - -<p> -Gerührt von dem Aberglauben dieser -Unglücklichen, den er ihrem Versuche zuschrieb, -sich das Leben zu nehmen, setzte -der Oberst dieses Gespräch nicht fort, und -sagte nur noch, daß kein Fremder im Zimmer -sei. -</p> - -<p> -„Dann will ich Ihnen folgen, fuhr Lodoiska -fort; aber versprechen Sie mir, Alfred, -wenn Sie nicht Zeuge des schrecklichsten -Auftritts sein wollen, mich vor jedem Zusammentreffen -mit einem Geistlichen zu bewahren. -Ach, dieß ist wahrlich das Geringste, -was Sie für mich thun können!“ -</p> - -<p> -Voller Mitleiden versprach der Oberst, -was sie wünschte, und kehrte dann mit ihr -zu Helenen zurück, die schon nach ihrem Anblick -verlangte. -</p> - -<p> -„Der Arzt, sagte sie, hat mir so eben -neue Hoffnung zu meiner Genesung gemacht, -<a id="page-152" class="pagenum" title="152"></a> -und ich würde mich selbst über meinen Zustand -täuschen, so lange es Tag ist; aber -die schreckliche Nacht ist die gewisse Ursache -meines Todes. (Lodoiska bebte unwillkührlich -zusammen). Ich weiß am besten, daß -es mit meinem Leben bald zu Ende sein -wird; vorher aber habe ich noch einige Bitten, -deren Erfüllung allein mich mit Ruhe -sterben lassen kann.“ -</p> - -<p> -— Ach, theure Helene! rief der Oberst -lebhaft, ohne sich durch Lodoiska’s Gegenwart -stören zu lassen; gieb dich doch nicht -so schwarzen Gedanken hin. Du wirst noch -lange zum Glück deiner Familie leben, und -deine Wünsche selbst erfüllen können. — -</p> - -<p> -„Der eine meiner Wünsche, lieber Alfred, -kann nicht durch mich selbst erfüllt werden, -weil er mein Begräbniß betrifft. Ich -will nach meinem Tode neben meinem Sohne, -auf dem Kirchhofe zu R...., ruhen; jede -<a id="page-153" class="pagenum" title="153"></a> -andere Erde würde mir fremd sein, und nur -dort soll man mich begraben.“ -</p> - -<p> -Seufzer und aufrichtige Thränen verhinderten -den Obersten, zu antworten; aber er -drückte die Hand seiner Frau in die seinigen, -und gab ihr durch dieses stumme Zeugniß -die Versicherung, daß er sich in ihren Willen -füge. Sie bestand also nicht weiter -darauf, und wandte sich nun an Lodoiska, -die leichenblaß und mit stierem Blicke schweigend -da saß. -</p> - -<p> -— Was Sie betrifft, meine Freundin, -fuhr die Oberstin fort, so bitte ich Sie, -auf einige Zeit die Obhut über meine Tochter -zu übernehmen. Sie haben sie bisher -immer mit Zuneigung behandelt, und ich -nehme daher die süße Ueberzeugung mit ins -Grab, daß Sie ihr eine zweite Mutter sein -werden, bis Ihre Angelegenheiten Sie aus -dieser Gegend abrufen. — -</p> - -<p> -<a id="page-154" class="pagenum" title="154"></a> -Lodoiska stieß bei diesen Worten ein -lautes, unbeschreibliches Angstgeschrei aus. -Ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckend, -sank sie in den Lehnstuhl zurück, auf welchem -sie saß, und schien einem lebhaften Schmerze -zu erliegen, ohne eine Antwort ertheilen zu -können. Auch der Oberst erstarrte, als er -hörte, daß seine Frau ihrer heimlichen Nebenbuhlerin -empfahl, ihre Stelle zu vertreten; und -er wagte es nicht, Lodoiska’n zu Hülfe zu eilen, -aus Furcht, seine Gefühle zu verrathen. -</p> - -<p> -Da die Fremde immer noch schwieg, so -glaubte Helene, ihre Bitte wiederholen zu müssen. -Jetzt stand Lodoiska schnell auf, richtete -ihre dunkelflammenden Augen gen Himmel, -und rief: „Du willst es, allmächtige Vorsehung! -Wie könnte ich mich gegen deinen -Willen sträuben! Ja, ich nehme es an, was -du mir durch diese Unglückliche befiehlst; ja, -ich will die Wärterin ihrer Tochter sein bis -an ihren Tod!“ -</p> - -<p> -<a id="page-155" class="pagenum" title="155"></a> -Der bittere Ton, mit welchem Lodoiska -diese Worte aussprach, war für die arme -Helene gleichsam ein Dolchstoß in’s Herz; -doch wagte sie nicht, ihre Gefühle zu erkennen -zu geben, und sagte nur: „Verlassen -Sie wenigstens meine Tochter nicht -eher, als bis Sie sie dem Gatten überliefern -können, den ihr Vater für sie wählen -wird.“ -</p> - -<p> -Ein verächtliches Lächeln war der Fremden -ganze Antwort, und bald darauf entfernte -sie sich aus dem Zimmer. -</p> - -<p> -Fünf oder sechs Tage vergingen, während -welcher Helene immer schwächer wurde. -Vergebens verschwendete man an ihr alle -Mittel der Arzneikunst: sie vermochten nichts -gegen die fürchterliche, geheime Ursache, welche -allmählich ihren Tod herbeiführte. Jede Nacht -wachte der Oberst bei ihr in Gesellschaft einer -an dergleichen Dienst gewöhnten Frau; -<a id="page-156" class="pagenum" title="156"></a> -aber durch ein seltsames Zusammentreffen -verfielen Beide in jeder Nacht zu derselben -Zeit in einen festen, todtenähnlichen Schlaf. -Jeden Morgen beklagte sich Helene über ihre -außerordentliche Erschöpfung, und im Geheimen -bei ihrem Gatten über den unersättlichen -Dämon, der ihr das Blut tropfenweis -aussaugte. Alfred wußte am Ende hierauf -nichts zu antworten, weil er glaubte, daß ihr -Verstand immer mehr durch nächtliche Phantasien -zerrüttet würde. -</p> - -<p> -Während dieser ganzen Zeit gab Lodoiska -ihrem ehemaligen Liebhaber weder -durch ein Wort noch durch einen Blick ihre -geheimen Empfindungen zu erkennen; sie betrug -sich gegen ihn, als wenn sie ihn nie gekannt -hätte. Für Helenen zeigte sie jetzt -während des Tages die größte Sorgfalt; -aber mit Anbruch der Nacht begab sie sich -in ihr Zimmer, das sie des Morgens erst -spät wieder verließ. -</p> - -<p> -<a id="page-157" class="pagenum" title="157"></a> -Wildenau, der Freund der Familie, kam -von Zeit zu Zeit nach Prag; er belästigte -die spröde Lodoiska durchaus nicht mit seinen -Seufzern, sondern schenkte seine ganze Aufmerksamkeit -der Krankheit Helenens, deren -Tod er bei seinem Besuche in der nächsten -Nacht vorhersagte. Wirklich wurde auch sein -Urtheil bestätigt; denn mit dem Anbruch des -Tages war der letzte Hauch ihres Lebens aus -ihrem Körper entflohen. -</p> - -<p> -Wir versuchen es nicht, den Schmerz zu -beschreiben, welchem der Oberst sich ergab; -zu verschiedenen Malen mußte ihn Wildenau -mit Gewalt von dem Leichname Helenens -fortführen. Lodoiska ließ sich den ganzen -Tag über nirgends blicken, so daß endlich der -Arzt das Recht zu haben glaubte, sich gegen -Abend nach ihrem Zimmer zu begeben, weil -er fürchtete, daß auch sie der Hülfe bedürftig -sein könnte. Nachdem er an die Thür geklopft -hatte, erhielt er die Einladung einzutreten. -</p> - -<p> -<a id="page-158" class="pagenum" title="158"></a> -Lodoiska, den Kopf auf einen Tisch gestützt, -saß in ihrem Lehnstuhle, ganz in ihren -schwarzen Schleier verhüllt. Sie hörte den -Worten Wildenau’s zu, ohne ihn anzusehen, -und antwortete ihm mit schwachem, aber -ruhigem Tone, daß sie keiner Hülfe bedürfe, -daß sie aber nach dem Tode ihrer Freundin -ihre Einsamkeit nicht verlassen wolle. Uebrigens -würde sie ihr gegebenes Versprechen erfüllen, -und sich daher morgen ganz allein -nach dem Schlosse R.... begeben, wo sie die -Ankunft des ihrer Obhut anvertrauten Kindes -erwarte. -</p> - -<p> -Wildenau, der auf eine ganz andere Antwort -gefaßt war, indem er glaubte, daß Lodoiska -doch wenigstens dem Leichenbegängniß -der Oberstin beiwohnen werde, behielt seine -Gedanken hierüber bei sich, und fragte nur, ob -man ihr einen Wagen zur Reise bestellen solle? -</p> - -<p> -„Ich danke Ihnen, erwiederte Lodoiska, -immer noch ohne ihn anzusehen; ich selbst -<a id="page-159" class="pagenum" title="159"></a> -habe schon deßhalb die nöthigen Maßregeln -getroffen. Ich werde ganz früh abreisen, -weil es mir unmöglich ist, dem traurigen Leichenbegängniß -beizuwohnen.“ -</p> - -<p> -Sie schwieg. Ihre fortwährende Unbeweglichkeit -veranlaßte endlich den Arzt, sich -voll Verwunderung über die Seltsamkeit dieser -jungen Person zu entfernen. Er benachrichtigte -den Obersten von ihrem Entschlusse, -und dieser war insgeheim entzückt, daß Lodoiska -ihn durch ihre Gegenwart nicht in -der vollkommenen Erfüllung seiner Pflichten -stören würde. Am folgenden Tage brachte -man den Leichnam Helenens nach dem -Schlosse R...., wo diese unglückliche Mutter -neben dem Grabe ihres Sohnes ihre -Ruhestätte fand. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-10"> -<a id="page-160" class="pagenum" title="160"></a> -Zwei und zwanzigstes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">E</span>in Monat war verflossen, und Lodoiska -beobachtete immer noch im Schlosse die völlige -Zurückgezogenheit, wie sie es schon früher -gewohnt gewesen war, als sie sich in -ihrem Hause im Walde aufhielt. Ihr Zimmer -war jedem Andern als ihrer Bedienung -unzugänglich, und nur Julie hatte darin Zutritt, -obgleich dieses Kind weit lieber im -Garten unter Lisettens Aufsicht umherlief. -</p> - -<p> -Der Oberst, welcher anfangs den Augenblick -gefürchtet hatte, wo er nach dem Tode -seiner Gattin zum ersten Male wieder mit -seiner ehemaligen Geliebten zusammentreffen -würde, fing jetzt nach und nach an, sich über -Lodoiska’s hartnäckige Einsamkeit insgeheim -zu ärgern, und jemehr sie ihn zu vermeiden -schien, desto ungeduldiger wurde er am Ende, -<a id="page-161" class="pagenum" title="161"></a> -sie zu sehen. Doch wagte er noch nicht, -seinen Wunsch laut werden zu lassen; er -verlebte seine Tage traurig und einförmig, theils -sich mit Lesen beschäftigend, theils -Wald und Feld in der Umgegend durchstreichend. -</p> - -<p> -Wildenau, der Arzt, war ebenfalls ungeduldig, -daß er die Fremde nicht mehr zu -sehen bekam, und nahm sich nun fest vor, -sich freimüthig mit dem Obersten zu erklären, -dessen Empfindungen für den Gegenstand -seiner Zärtlichkeit er schon seit längerer Zeit -in Verdacht hatte. Er wollte sich von den -Verhältnissen beider zu einander genau überzeugen, -um danach sein Betragen für die Zukunft -einzurichten. Aber verschiedene Male -ward er durch besondere Umstände von der -Ausführung seines Entschlusses abgehalten, -indem er theils nicht nach dem Schlosse kommen -konnte, wenn er es sich vorgenommen -hatte, theils daselbst mit besuchenden Nachbarn -<a id="page-162" class="pagenum" title="162"></a> -zusammentraf, in deren Gegenwart er -die beabsichtigte Unterredung mit dem Obersten -nicht anfangen konnte. -</p> - -<p> -Lobenthal, ohne diesen Entschluß des -Arztes zu ahnen, fand sich dennoch in dem -Umgange mit seinem Freunde nicht mehr so -ungezwungen, seitdem sein Verhältniß zu Lodoiska -durch den Tod seiner Gattin verändert -worden war. Wildenau war nun sein -Nebenbuhler — — was er selbst sich nur erröthend -gestanden haben würde; und dennoch -beschäftigte sich sein Herz wider seinen Willen -mit diesem Gedanken. Sehr häufig floh -ihn der Schlaf bis spät in die Nacht hinein, -und wenn die übrigen Bewohner des Schlosses -schon längst sich der süßen Ruhe überlassen -hatten, war Alfred noch in seinem Zimmer -wach, wo er durch Lesen seine mancherlei -ihn peinigenden Gedanken zu verscheuchen -suchte. Aber dieses Mittel blieb gewöhnlich -vergeblich; Lodoiska’s Bild, das Andenken -<a id="page-163" class="pagenum" title="163"></a> -an Helenen zogen seine Aufmerksamkeit von -dem Buche ab, und maschinenmäßig überflogen -seine Augen die Buchstaben, ohne ihren -Sinn zu erfassen. -</p> - -<p> -In einer Nacht, als der Oberst sich unruhiger -fühlte als je, wollte er durch Auf- -und Niedergehen in dem großen Saale des -Schlosses seinen Unmuth zu verscheuchen suchen; -er nahm daher sein Licht, und ging -mit demselben durch mehrere Zimmer, bis -er in den erwähnten Saal gelangte. Hier -setzte er das Licht auf das Gesimse eines alterthümlichen -Kamins, und bei dem schwachen -Scheine, der nicht im Stande war, den -weiten Raum zu erleuchten, ging er mit -großen Schritten durch die wenig geminderte -Finsterniß. -</p> - -<p> -Ungefähr seit einer Viertelstunde setzte -er diese Bewegung fort, als er die Flügelthür, -welche nach der Haupttreppe des Schlosses -führte, knarren hörte .... der Oberst -<a id="page-164" class="pagenum" title="164"></a> -stand still .... die Thür öffnete sich, und -Lodoiska trat herein ..... Kaum konnte er -sie erkennen, so sehr verschwand sie durch die -Einhüllung in ihren schwarzen Shawl in der -Finsterniß, die das Licht nicht verscheuchen -konnte; doch bemerkte er bei dem schwachen -Schimmer desto besser die Leichenblässe ihres -Gesichts. Sie schien kein menschliches Wesen -zu sein, und gleich einer überirdischen -Erscheinung durch den dunkeln Raum einherzuschweben; -ja die Einbildungskraft Alfred’s -stellte sie ihm auf einen Augenblick beflügelt -und von Blute triefend vor; aber dieser Anblick -ging mit der Schnelligkeit des Blitzes -vorüber, obgleich der Oberst darüber fast erstarrte. -Lodoiska, ohne das geringste Erstaunen -über den Anblick ihres Geliebten zu zeigen, -den sie sogleich erkannte, stand still, und -stützte sich auf einen alten Lehnstuhl, als -wenn sie sich von einer langen Anstrengung -einen Augenblick lang hätte erholen wollen. -</p> - -<p> -<a id="page-165" class="pagenum" title="165"></a> -Jetzt näherte sich Alfred, obgleich nicht -ohne heftige innere Bewegung, der jungen -Fremden. -</p> - -<p> -„Endlich, sagte er, sehe ich Sie wieder, -und zwar an demselben Orte, und in derselben -Stunde, wo Sie mir vor einiger Zeit -Ihre Entfernung von hier ankündigten. Wie -seltsam ist dieses Zusammentreffen! Ich mußte -es also dem bloßen Zufalle verdanken?“ -</p> - -<p> -— Es ist möglich, antwortete Lodoiska -mit ihrem gewöhnlichen schwermüthigen Tone, -daß in Absicht auf Sie der Zufall hier sein -Spiel treibt; was aber mich betrifft, da ich -in jeder Nacht mich in diesem Saale zu erholen -pflege, so sehe ich in diesem Zusammentreffen -nur Etwas, das auf jeden Fall früher -oder später Statt finden mußte. — -</p> - -<p> -„Wie! Lodoiska, in jeder Nacht, sagen -Sie, kommen Sie hier her? Welchen Reiz -kann dieser weite und verfallene Saal für -<a id="page-166" class="pagenum" title="166"></a> -Sie haben, wo man nur unangenehmen Vorstellungen -ausgesetzt ist, sobald das Licht des -Tages nicht mehr leuchtet?“ -</p> - -<p> -— Ich mache mir wenig aus dem Glanz -der Sonne oder aus dem schauerlichen Anblick -der Finsterniß. Ich lache über Alles, was -Andere meines Geschlechts in Furcht setzt; -ich verspotte das Schrecklichste, und durch ein -trauriges Schicksal gefalle ich mir am besten -in der Mitte des Fürchterlichsten und Verabscheuungswürdigsten -für alle übrige Menschen. -— -</p> - -<p> -„Ach, werden Sie denn nie Ihre Gesinnungen -ändern? Werden Sie nie zu fröhlichen -Vorstellungen zurückkehren? Die Vergangenheit, -deren Andenken anfangs so peinlich -ist, verliert durch die Länge der Zeit den -unangenehmen Eindruck auf uns, ja öfters -verwandelt der Lauf der Dinge das heftigste -Leid in Freude. Sollte Ihr Herz dieser -Wirkungen nicht empfänglich sein?“ -</p> - -<p> -<a id="page-167" class="pagenum" title="167"></a> -— Nein! sie gleiten eindruckslos an -mir vorüber. Sie sprechen von der Vergangenheit; -ich kenne sie nicht mehr; für mich -ist die Gegenwart Alles, da ich weder rückwärts -noch vorwärts gehen kann. Ich bin -nur an <em>einen</em> festen Punkt gebannt, und -die Hoffnung, welche selbst der Elendeste der -Menschen noch in seinem Herzen nährt, sie -ist mir völlig fremd. Was wollen Sie -dagegen thun, Alfred? Sie selbst haben -Lodoiska’s Schicksal bestimmt; wundern -Sie sich also nicht, wenn es unveränderlich -bleibt. — -</p> - -<p> -„Je mehr ich Sie reden höre, grausame -Freundin, desto mehr zerreißen mir Ihre unerklärbaren -Worte das Herz. Was ist es -für eine grenzenlose Verzweiflung, der Sie -sich überlassen? Sind Sie die Einzige, die -nicht mehr auf die Zukunft hoffen darf? -Ach, kehren Sie zu sich selbst zurück, überzeugen -Sie sich, daß Ihre Lage sich noch ändern -<a id="page-168" class="pagenum" title="168"></a> -kann; das Glück wird Ihnen nicht stets -entgegen sein.“ -</p> - -<p> -— Kann es machen, Alfred, erwiederte -Lodoiska lebhaft, daß Ihr Versprechen wieder -aus dem Grabe ersteht, wo ich es auf -ewig verborgen habe? — -</p> - -<p> -„Mein Versprechen, sagen Sie?“ -</p> - -<p> -— Ja, Ihr Versprechen, das Sie mit -Ihrem Blute unterzeichneten, und das Sie -unwiderruflich an mich fesselt. — -</p> - -<p> -„Ist dieß der Augenblick, mich daran -zu erinnern? Und wie auch meine geheimen -Empfindungen sein mögen, sehen Sie nicht, -daß ich Trauerkleider trage? Denken Sie -nicht an die schmerzliche Begebenheit, die vor -Kurzem Statt fand?“ -</p> - -<p> -— Ich weiß, daß Sie, obgleich Sie behaupten, -nichts als mein Glück zu wünschen, -noch nie angestanden haben, meinem Herzen -eine neue Wunde zu schlagen. Ich weiß, -daß Sie mich schändlich betrogen haben; -<a id="page-169" class="pagenum" title="169"></a> -dieß ist der einzige Umstand aus der Vergangenheit, -dessen ich mich noch erinnere, der -Sie vernichten muß, und über den Sie auf -ewig seufzen werden! — -</p> - -<p> -„Ich wünschte, Sie wieder zu sehen, Lodoiska; -aber ich wußte nicht vorher, daß -dieß nur geschehen würde, um Ihre Vorwürfe -anzuhören. Wie ungerecht sind Sie, und -wie wenig kennen Sie mich!“ -</p> - -<p> -Ein Strahl von Freude glänzte in den -Augen der Fremden, und ihre Lippen verschlangen -einige Worte, die sie auszusprechen -im Begriff war. Es folgte ein Augenblick -des Schweigens, der nicht ohne Süßigkeit -für sie war, und schon erschien eine gewisse -Heiterkeit auf ihrer Stirn, die seit langer -Zeit davon verscheucht gewesen war, als ein -bitterer Gedanke Alles wieder zerstörte. Lodoiska’s -Blick wurde wilder, und sie legte -ihre Hand auf ihr Herz, gleichsam um dessen -schmerzliches Klopfen zu unterdrücken. -</p> - -<p> -<a id="page-170" class="pagenum" title="170"></a> -„Auch ich wünschte Sie wiederzusehen, -Alfred, sagte sie, weil es mir schien, als -wenn Sie noch derselbe sein könnten, wie -früher; aber ich besitze jetzt keinen von den -Reizen mehr, die Sie vormals entzückten.“ -</p> - -<p> -— Ich liebte damals die vortrefflichen -Eigenschaften Ihres Herzens eben so sehr, -als Ihre Reize. Die Zeit konnte Ihnen -einen kleinen Theil der letzteren rauben; -aber vermochte sie etwas gegen die inneren -Vorzüge Ihrer Seele? — -</p> - -<p> -„Ich kann Ihnen nichts darauf antworten, -Alfred. Unsere Unterhaltung, die uns nur -Kummer verursacht, hat schon viel zu lange -gedauert. Leben Sie wohl, ich muß mich entfernen. -Erwarten Sie, was die Vorsehung -entscheiden wird. Ach, wie schrecklich ist das -Schicksal, womit mich ihr Zorn belastet hat!“ -</p> - -<p> -— Ja, lassen wir die Zeit ruhig verstreichen; -wir werden uns einst wieder vereinigen, -und dann .... — -</p> - -<p> -<a id="page-171" class="pagenum" title="171"></a> -„Und dann gehen wir beide gerade dem Grabe -zu, das uns als Hochzeitbett dienen wird!“ -</p> - -<p> -— Welche schreckliche Vorhersagung! Lodoiska, -wie können Sie so grausam sein? -Sehen Sie denn nichts als einen Sarg in -der Zukunft? — -</p> - -<p> -Lodoiska antwortete nicht, sondern entfernte -sich mit größter Eile. Als sie sich -auf der Treppe befand, ließ sie ein lautes -Gelächter erschallen, welches einen so schrecklichen -Eindruck auf den Obersten machte, -daß er wie erstarrt dastand, und das Hohngelächter -eines höllischen Wesens gehört zu -haben glaubte. -</p> - -<p> -„Armes Mädchen, sagte er endlich, dein -Unglück hat dich eines Theils deiner Verstandeskräfte -beraubt und deinen liebenswürdigen -Charakter völlig entartet. Aber dennoch -bleibt sie immer höchst interessant, und vielleicht -kehrt sie zu andern Vorstellungen zurück, -wenn die Ursache ihres Unglücks aufgehört hat.“ -</p> - -<p> -<a id="page-172" class="pagenum" title="172"></a> -Während er diese Worte ziemlich lebhaft -und laut aussprach, glaubte er hinter sich -einen tiefen Seufzer zu hören. Er drehte sich -schnell um, und erblickte nun in dem finsteren -Theile des Saales eine weiße Gestalt, die -ein Kind an der Hand führte, und mit ihm -aus dem Saale in das anstoßende Zimmer ging. -Ungeachtet seines Muthes erbebte der Oberst -bei diesem Anblicke. Seine Einbildungskraft -gab der Gestalt Gesichtszüge, die ihm ein theures -Andenken hervorriefen. Anfangs wußte er -nicht, was er thun sollte; dann aber ergriff -er das Licht, und folgte den Erscheinungen -in’s anstoßende Zimmer. Er fand es einsam -und leer; nur seine eigenen Schritte unterbrachen -das tiefe Schweigen der Nacht .... -und doch hatte er mit eigenen Augen gesehen. -Von Angst gefoltert und mit großen Schweißtropfen -bedeckt, kehrte er endlich in sein Schlafzimmer -zurück. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-11"> -<a id="page-173" class="pagenum" title="173"></a> -Drei und zwanzigstes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">D</span>er Oberst fand in dieser Nacht keine Ruhe. -In angstvollen Gedanken versunken ging er -mit heftigen Schritten auf und nieder, bis -endlich die Morgenröthe anbrach, und mit -ihr die Ruhe in seine stürmisch bewegten -Adern zurückkehrte. -</p> - -<p> -Die kleine Julie pflegte jeden Morgen -in das Zimmer ihres Vaters zu kommen, um -ihm einen Kuß zu bringen; auch heute erschien -sie zur gewöhnlichen Zeit, aber ihre -sonst immer lachende Physiognomie war traurig, -und man bemerkte eine auffallende Blässe -in ihren Gesichtszügen. -</p> - -<p> -„Bist du krank, mein Kind?“ fragte ihr -Vater sie beunruhigt. -</p> - -<p> -— Nein, lieber Vater; aber ich habe -schlecht geschlafen. -</p> - -<p> -<a id="page-174" class="pagenum" title="174"></a> -„Wer hat dich denn daran verhindert? Lisette -sagt ja, daß du sonst ganz vortrefflich schläfst.“ -</p> - -<p> -— O, lieber Vater, ich wollte es dir -wohl sagen, wenn es mir Lisette nicht verboten -hätte. — -</p> - -<p> -„So muß ich wohl alle weitere Fragen -einstellen? Dennoch bin ich sehr neugierig, -die Ursache deiner Schlaflosigkeit zu wissen; -sie muß sehr böse sein, da du plötzlich deine -frische Gesichtsfarbe dadurch verloren hast.“ -</p> - -<p> -— Weinst du auch nicht, Väterchen, -wenn ich dir die Wahrheit sage? — -</p> - -<p> -„Ich hoffe so viel Gewalt über mich zu -besitzen, daß ich meine ersten Gefühle überwinde, -wenn deine Erzählung traurig ist.“ -Der Oberst sagte dieß, sich zum Lächeln -zwingend, obgleich eine böse Ahnung sein Inneres -schon mit Schrecken erfüllte. -</p> - -<p> -— Nun, so will ich dir Alles erzählen. -Wilhelm und meine gute Mutter haben mich -heute Nacht besucht. Sie blieben fast die -<a id="page-175" class="pagenum" title="175"></a> -ganze Nacht zu beiden Seiten meines Bettes -sitzen, um, wie sie sagten, mich gegen den -Dämon zu vertheidigen, der ihnen den Tod -gegeben hat, und der sich auch an meinem -Blute sättigen will. Anfangs fürchtete ich -mich sehr, ward aber nachher vollkommen -beruhigt. Wilhelm sahe so glücklich und -selig aus! Meine Mutter blickte mich mit -so großer Zärtlichkeit an! Sie haben mir -versprochen, mich nicht mehr aus den Augen -zu verlieren, und mit Anbruch des Morgens -verließen sie mich erst, indem sie versicherten, -daß ich bei Tage nichts zu fürchten hätte. -Sie sprachen mit mir von vielen Dingen; -aber glaubst du wohl, lieber Vater, daß sie -dich mit keiner Silbe erwähnten? Ich sagte -ihnen, wie sehr du über ihren Verlust weintest; -aber sie schüttelten den Kopf, und lächelten, -ohne mir zu antworten. — -</p> - -<p> -Das Kind hätte noch lange in seiner -Erzählung fortfahren können, ohne daß sein -<a id="page-176" class="pagenum" title="176"></a> -Vater daran dachte, es zu unterbrechen. -Stumm vor Verwirrung, durch Schrecken -und Verzweiflung im Innersten seines Herzens -ergriffen, saß er unbeweglich in seinem -Lehnstuhle da. Die unbegreifliche Uebereinstimmung -zwischen dem, was er selbst gesehen -hatte und was seine Tochter ihm jetzt erzählte, -versetzte ihn in einen Wirrwarr von Gedanken, -aus welchem er sich nicht wieder herausfinden -konnte. Zum ersten Male unterlag -er einem abergläubischen Schrecken. Indessen -stand Julie noch immer vor ihm, seine -Antwort erwartend, und er brach endlich das -Stillschweigen, indem er mit bewegter Stimme -ihr für die Mittheilung der nächtlichen -Scene dankte. -</p> - -<p> -„Du mußt, sagte er, diesen Traum als -eine Wohlthat Gottes betrachten. Er hat -dich dadurch belehren wollen, daß deine Mutter -und dein Bruder vom Himmel herab -dich vor dem Dämon beschützen werden, <a id="corr-13"></a>das -<a id="page-177" class="pagenum" title="177"></a> -heißt, vor der Sünde; dieß ist der Sinn der -Worte, die du gehört hast.“ -</p> - -<p> -— O, lieber Vater, ich schlief nicht, -als sie in mein Zimmer kamen. Von der -Sünde haben sie mir nichts gesagt, sondern -bloß von einem abscheulichen Wesen, das uns -alle verderben will, und das sie einen <em>Vampyr</em> -nannten. Ich weiß recht gut, was -dieß ist; denn der arme Werner hat uns von -diesen bösen Geistern erzählt. Ich habe noch -jedes Wort behalten, denn die Vampyre ... — -</p> - -<p> -„Mein Kind, ich kenne ihre Geschichte -besser als du; aber man hätte sie dir ersparen -sollen, weil dadurch deine Einbildungskraft -erhitzt wurde, und dieß vielleicht die -Ursache deines Traumes ist. Glaube mir, -Julchen, vergiß ihn gänzlich; denn man -würde dich auslachen, wenn du davon erzähltest; -man würde dich für ein kleines furchtsames -Mädchen halten, oder dich wohl gar der -Lüge beschuldigen, wenn du behauptest, nicht -<a id="page-178" class="pagenum" title="178"></a> -geschlafen zu haben. Was mich betrifft, so -zweifle ich nicht an deiner Wahrheitsliebe; -du glaubtest wirklich zu sehen, was doch nur -Täuschung war; vor allen Dingen aber bitte -ich, gegen Lodoiska darüber das tiefste Stillschweigen -zu beobachten.“ -</p> - -<p> -— O, sei unbesorgt, lieber Vater, ich -weiß es schon, daß ich ihr nichts davon sagen -darf. Wilhelm hat es mir sehr dringend -anempfohlen; denn er behauptet, sie -sei meine ärgste Todfeindin. — -</p> - -<p> -Dieser neue Schlag verwundete den Obersten -mitten im Herzen. Er sprang heftig -auf und entließ seine Tochter, um sich wieder -zu sammeln. Unerklärlich war es ihm, -wie so viel Seltsames so genau übereinstimmen, -wie es möglich sei, daß ein Traum eines -Kindes so viel Wahres enthalten könne. -Ach, er selbst hatte die Erfahrung gemacht, -daß eine Stiefmutter fast immer die Feindin -der Kinder ist, die sie nicht selbst geboren -<a id="page-179" class="pagenum" title="179"></a> -hat. Sein eigener Vater hatte sich zum -zweiten Male verheirathet, und seine ganze -Jugend wurde deßhalb durch täglichen Zank, -ungerechte Beschuldigungen, und Versuche, -ihn mit seinem Vater zu entzweien oder ihm -den größten Theil seines Vermögens zu entziehen, -vergiftet. Zum ersten Male dachte -er jetzt an das Unrecht, was er seiner Tochter -zufügen würde, wenn er sich jemals wieder -vermählte, und die väterliche Zärtlichkeit -erhob einen neuen Kampf in seinem Herzen. -</p> - -<p> -Nicht ohne das größte Erstaunen sahe -er zur Frühstückszeit Lodoiska in’s Speisezimmer -treten. Sie schien zeigen zu wollen, -daß sie jetzt völlig zufrieden sei, aber dennoch -blickte ein tiefer Verdruß durch ihre verstellte -Freude. Die kleine Julie sahe sie mit dem -finsteren Ausdruck des heftigsten Zornes an, -aber nur, wenn Alfred’s Blicke nicht auf sie -gerichtet waren. Sie scherzte über ihre lange -Zurückgezogenheit, und sagte, daß sie von nun -<a id="page-180" class="pagenum" title="180"></a> -an ihren Schmerz zwar nicht vergessen, aber -doch zerstreuen wolle. Sie ließ ihren Verstand -mit so vielem Vortheile glänzen, und -betrug sich so liebenswürdig, daß der Oberst, -anfangs auf seiner Hut, dennoch bald dem -Einflusse nachgab, den sie über ihn ausüben -wollte. Die Vergangenheit stellte sich gänzlich -in den Hintergrund. Alfred sah in Lodoiska -nur das Mädchen seiner ersten heftigsten -Liebe, und sein Entzücken stieg auf’s -Höchste, als sie ihre Harfe nahm, und durch -ihre hinreißende Stimme ihn gleichsam aus den -Grenzen des irdischen Daseins hinauszauberte. -</p> - -<p> -In diesem Augenblicke war Wildenau, -den man übrigens gar nicht erwartete, im -Schlosse angekommen. Voll Erstaunen, harmonische -Töne an einem Orte zu hören, wo -die äußern Zeichen der Trauer noch nicht -verschwunden waren, stand er in dem Vorzimmer -still, und ein der offenen Thür gegenüberhängender -Spiegel zeigte ihm, was -<a id="page-181" class="pagenum" title="181"></a> -vorging. Der Arzt kam in der Absicht, sich -mit dem Obersten in Betreff Lodoiska’s eine -Erklärung zu verschaffen; was er aber jetzt -sahe, überhob ihn jeder weiteren Unterhaltung -über diesen Gegenstand. Das Entzücken -des Obersten, die Blicke Lodoiska’s, die -so leicht zu erkennende Uebereinstimmung -zweier gleichfühlenden Herzen, Alles gab ihm -den Beweis, daß beide schon durch eine frühere -Liebe vereinigt gewesen. Bei diesem -Gedanken entstand der fürchterlichste Verdacht -in seinem Herzen; doch unterdrückte -er ihn wieder voller Scham vor sich selbst. -An der Rechtschaffenheit des Obersten konnte -er nicht zweifeln; aber die finstere, wilde Lodoiska -flößte ihm nicht ein gleiches Vertrauen -ein, und mancherlei Geheimnisse erklärten -sich ihm jetzt so deutlich, daß er davor -schauderte. -</p> - -<p> -Lodoiska hörte jetzt auf zu singen, und -nun hielt es Wildenau für passend, sich zu -<a id="page-182" class="pagenum" title="182"></a> -zeigen. Seine Gegenwart schien der Fremden -höchst ungelegen zu sein, daher sie bald -darauf die Gesellschaft verließ, und der Oberst, -dadurch gewissermaßen dem Arzte Preis gegeben, -fühlte sich in großer Verlegenheit, so -daß er sogleich wünschte, ein neuer Besuch -möchte ihm zu Hülfe kommen. Aber es geschah -nicht, und der Arzt, der seinen Zustand -sehr genau beobachtete, fühlte Mitleiden mit -ihm, so daß er seiner Verwirrung ein Ende -machen wollte, und ohne weitere Umschweife -seinen Angriff begann: -</p> - -<p> -„Sie sind ein Mann von Ehre, Herr -Oberst, und ich glaube einiges Recht auf -Ihre Achtung zu haben. Haben Sie daher -die Güte, mir nur eine einzige Frage zu beantworten; -sie enthält nichts Feindseliges, -sondern soll nur dazu dienen, mein künftiges -Betragen zu bestimmen. Haben Sie die -schöne Fremde schon gekannt, ehe sie zum -ersten Male in dieser Gegend erschien?“ -</p> - -<p> -<a id="page-183" class="pagenum" title="183"></a> -— Herr Doktor, antwortete der Oberst -sehr bewegt, wenn jeder Andere mich so -fragte, so würde ich gegen ihn ein vollkommenes -Stillschweigen beobachten. Aber ich -weiß, wie sehr ich mich gegen Sie vergangen -habe, und ich kann mein Unrecht nur durch -meine Aufrichtigkeit wieder gut machen. Lodoiska -war das erste weibliche Wesen, das -mir Liebe einflößte. Ich befand mich damals -in ihrem Vaterlande; ich konnte über -ihre Tugend nicht siegen, und dennoch vergaß -ich sie, nachdem ich ihr das feierlichste -Versprechen gegeben hatte, sie zur Gattin -zu nehmen. Aber sie leistete nicht auf mich -Verzicht, sondern hat mich bis hierher nach -Deutschland verfolgt; so lange indessen meine -unglückliche Frau gelebt hat, ermuthigte ich -ihre Leidenschaft auf keine Weise. Dieß, -schwöre ich Ihnen, ist reine Wahrheit. — -</p> - -<p> -„Es ist genug, Herr Oberst, mehr verlange -ich nicht; nur hätten <a id="corr-14"></a>Sie vielleicht mit -<a id="page-184" class="pagenum" title="184"></a> -diesem Geständniß gegen mich nicht so lange -zögern sollen.“ -</p> - -<p> -— Konnte ich anders? Ist das Geheimniß -anderer Menschen auch das unsrige, -und konnte ich daher das Geheimniß Lodoiska’s -wider ihren Willen entdecken? Jetzt -habe ich es nur für Sie allein entschleiert, -und ich hoffe, Sie werden es Niemanden anvertrauen. -— -</p> - -<p> -„Leben Sie wohl, Herr Oberst; möchten -Sie glücklich sein! Möge die Zukunft Sie -die Vergangenheit nicht vermissen lassen.“ -</p> - -<p> -Nach diesen Worten entfernte sich Wildenau, -ungeachtet der dringenden Bitten des -Obersten, zum Mittagsessen da zu bleiben. -</p> - -<p> -„Nein! sagte er; erlauben Sie, daß ich -mich entferne; denn ich darf durch meine Gegenwart -der Fremden keine unangenehmen -Empfindungen verursachen. Sie würde in -meiner Gesellschaft nur verlegen, ich aber -keinesweges bei ihr in guter Laune sein. -<a id="page-185" class="pagenum" title="185"></a> -Nochmals, leben Sie wohl! Empfangen -Sie meine aufrichtigsten Wünsche für Ihr -Glück.“ -</p> - -<p> -Diese Worte des Arztes waren ohne -Zweifel sehr natürlich und der Sache völlig -angemessen; aber dennoch glaubte der Oberst -darin eine Art von Vorwurf zu erblicken, -der ihn in Unmuth setzte. Er unterdrückte -ihn indessen, indem er das vermeintliche -Bittere in dem Betragen seines Freundes -auf Rechnung seiner verschmäheten Liebe verzeihen -zu müssen glaubte. -</p> - -<p> -Mehrere Wochen vergingen nach dieser -Unterhaltung, und Lobenthal, der sich immer -mehr seiner Neigung hingab, machte die -jungfräuliche Lodoiska zum zweiten Male zur -Gebieterin seines Herzens. Diese schien bald -überaus glücklich zu sein, bald sich wieder -ihrer wilden Schwermuth zu überlassen; je -mehr Gewalt sie über ihren alten Liebhaber -erhielt, desto mehr überließ sie sich den eigensinnigsten -<a id="page-186" class="pagenum" title="186"></a> -Launen. Vorzüglich zeigte sie -eine außerordentliche Abneigung gegen die -kleine Julie, so daß schon ihr bloßer Anblick -ihr einen geheimen Unmuth verursachte, den -sie vergebens zu verbergen oder zu unterdrücken -suchte. Dem Obersten konnte dieser -Haß nicht lange unbekannt bleiben, und er -machte ihr darüber sein Erstaunen, selbst sein -Mißvergnügen bemerklich. -</p> - -<p> -„Ach Alfred, antwortete die Fremde, ich -mache mir selbst mehr Vorwürfe darüber, als -du dir vorstellen kannst; ich fühle, wie ungerecht -mein Haß gegen dieses liebenswürdige -Geschöpf ist; aber kann man den Empfindungen -seines Herzens befehlen? Ich will -allein in dem deinigen herrschen, und Alles, -was dich an eine Andere erinnert, ist mir -daher unerträglich. Mit der Zeit werde ich -ohne Zweifel vernünftiger werden, aber jetzt -kann ich den Sieg über mich selbst noch nicht -erringen. Indem ich dich mehr liebe als je, -<a id="page-187" class="pagenum" title="187"></a> -habe ich alle menschliche Schwachheiten wieder -angenommen. Habe Mitleiden mit mir -und mit meinem Kummer, der mich schon -seit so langer Zeit, seitdem du mich verlassen, -gequält hat.“ -</p> - -<p> -Diese Worte und die dazu reichlich vergossenen -Thränen beruhigten den Obersten; -er glaubte den Augen der Gebieterin seines -Herzens einen Gegenstand unwillkührlichen -Widerwillens entziehen zu müssen, und ohne -Lodoiska vorher davon zu benachrichtigen, -fuhr er eines Morgens mit Julien nach -Prag, wo er sie in eine der besten Erziehungsanstalten -that. -</p> - -<p> -Die unerklärbare Lodoiska zeigte den -größten Kummer, als sie Juliens Abreise -erfuhr. „Wenn Sie Ihre Tochter aus dem -Hause schaffen, sagte sie zum Obersten, so -zwingen Sie mich dadurch, mich ebenfalls -daraus zu entfernen. Ihretwegen allein war -<a id="page-188" class="pagenum" title="188"></a> -ich hier: sie ist fort, unter welchem Titel -kann ich nun noch hier verweilen?“ -</p> - -<p> -— Unter dem Titel, der mir der theuerste -sein würde, liebe Lodoiska, erwiederte -Alfred voller Zärtlichkeit, und den ich Ihnen -schon angeboten hätte, wenn der äußere Anstand -mich nicht abhielte. Es hat der Vorsehung -gefallen, die früheren Hindernisse unserer -Vereinigung hinwegzuräumen; werden -Sie mir jetzt abschlagen, was Sie früher -vielleicht glücklich gemacht hätte? — -</p> - -<p> -Lodoiska mußte ohne Zweifel schon lange -auf eine solche Erklärung gefaßt sein; aber -dennoch stand sie wie erstarrt, als Lobenthal -so zu ihr sprach. Ihr Inneres ward von -verschiedenen Empfindungen bewegt, und sie -fühlte zu gleicher Zeit die höchste Glückseligkeit -und die tiefste Verzweiflung. Sie sahe -den entscheidenden Augenblick sich nähern; -sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch <a id="corr-15"></a>auszuüben -oblag; sie hätte eigentlich nichts als -<a id="page-189" class="pagenum" title="189"></a> -Rache in ihrem Busen tragen sollen; aber -die Alles besiegende Liebe hatte auch sie unterjocht. -Durch ihre Sinne gehörte sie noch -der Erde an, und sie kämpfte daher hartnäckig, -obgleich vergebens, gegen die höhere -Macht, die ihre Handlungen gebieterisch leitete. -Endlich faßte sie sich, und rief: -</p> - -<p> -„Nein, Alfred, nein! Reden Sie mir -nicht mehr von einer Feierlichkeit, an welcher -ehemals meine ganze Glückseligkeit hing! -Kann ich Ihnen jetzt noch angehören, da ich -mir selbst nicht mehr angehöre? Und habe -ich Ihnen nicht schon gesagt, daß ich durch -einen fürchterlichen Fluch von den Tempeln -und Dienern des Herrn entfernt bin? Sie -lieben mich, sagen Sie? Wohl, so geben -Sie mir den Beweis davon, indem Sie mich -nicht länger mit ihren Wünschen bestürmen.“ -</p> - -<p> -— Grausame! hören Sie doch endlich -auf, sich und mich durch nichtige Truggestalten -Ihrer Einbildungskraft zu quälen. -<a id="page-190" class="pagenum" title="190"></a> -Zwar ist schon der Versuch zum Selbstmorde -ohne Zweifel vor dem Angesichte Gottes ein -Verbrechen; aber es giebt ja keine Sünde, -welche nicht durch die Reue getilgt wird, -und warum sollten Sie allein mit so unerbittlicher -Strenge verfolgt werden? — -</p> - -<p> -„Armer Sterblicher! Sie wissen nicht, -was Sie wünschen! Wenn nun der Augenblick, -wo Sie unsere Glückseligkeit zu befestigen -glauben, gerade der unserer ewigen -Trennung würde? Hier können wir noch -beisammen bleiben .... aber dort unten -(fuhr sie mit leiser Stimme fort) gehen -wir beide unseren eigenen Gang. Und was -würde der Geistliche sagen, dem ich mich zur -Trauung vorstellen wollte!“ -</p> - -<p> -— Kann er allwissend sein? Kann er -hier von dem Vergehen wissen, zu welchem -Ihre Liebe Sie in Ihrem entfernten Vaterlande -trieb? — -</p> - -<p> -<a id="page-191" class="pagenum" title="191"></a> -„Alfred! Gott zeichnete die Stirn des -Brudermörders Kain mit einem fürchterlichen -Zeichen; auch ich trage ein solches auf -der meinigen; obgleich Sie es nicht sehen, -so würde es doch der Geistliche sogleich erblicken.“ -</p> - -<p> -— Armes Mädchen! Wie sehr muß ich -Sie beklagen! So weit können die Vorurtheile -Ihrer Erziehung Sie irre führen! -Doch ich will für jetzt nicht weiter in Sie -dringen, und ich hoffe, daß Sie später meinen -Wünschen nachgeben werden. — -</p> - -<p> -Ein schwermüthiges Lächeln, ein leichtes -Kopfschütteln waren die ganze Antwort der -Fremden; Alfred schien nicht darauf zu achten, -er hoffte Alles von der Zeit und von -der Macht seiner Zärtlichkeit. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-12"> -<a id="page-192" class="pagenum" title="192"></a> -Vier und zwanzigstes Kapitel. -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">M</span>ehrere Monate vergingen, ehe der Oberst -weitere Schritte zur Erreichung seiner Wünsche -that, bis er endlich beschloß, Lodoiska’n -durch Ueberraschung dahin zu vermögen, daß -sie seine Gattin würde. Ohne ihr also das -Geringste zu sagen, besprach er sich mit dem -Pfarrer darüber, und vertraute ihm freimüthig -alle Umstände an, welche seiner Braut -eine so große Furcht vor dem Anblick eines -Geistlichen verursachten. Der Pfarrer war -ein vernünftiger Mann, und bedachte, daß -er sich leicht von der strenge vorgeschriebenen -Ordnung ein wenig entfernen könne, wenn -dadurch ein unangenehmer Auftritt vermieden -würde. Er versprach also, um Mitternacht, -in Gegenwart dreier Zeugen, in der Schloßkapelle, -<a id="page-193" class="pagenum" title="193"></a> -die Ehe des Obersten mit Lodoiska -einzusegnen. -</p> - -<p> -Zufrieden, so weit mit seinen Vorbereitungen -gekommen zu sein, sandte er eiligst -seinen Bedienten nach der Stadt, um sogleich -einen Notarius nebst einigen Zeugen mitzubringen. -Hierauf begab er sich zu seiner -Geliebten, und sagte ihr, daß er den heutigen -Abend dazu festgesetzt habe, vorläufig -einen Ehevertrag mit ihr abzuschließen, und -daß schon alle nöthigen Anstalten dazu getroffen -seien. -</p> - -<p> -Eine plötzliche Röthe überflog bei dieser -unvermutheten Ankündigung die Wangen -der schönen Fremden; zu gleicher Zeit verbreitete -sich aber auch in ihren Augen eine -düstere Traurigkeit; sie zitterte am ganzen -Körper, und war gezwungen, sich an dem -neben ihr stehenden Tische zu stützen. -</p> - -<p> -„Schon heute, Alfred? sagte sie; warum -eilen Sie so? Können Sie es nicht länger -<a id="page-194" class="pagenum" title="194"></a> -mit ansehen, daß unser Glück noch einige -Zeit dauert?“ -</p> - -<p> -— Zerstören wir es denn, wenn wir es -auf immer an uns fesseln? Kann unsere -Vereinigung dadurch an ihrer Süßigkeit verlieren, -wenn sie unauflöslich wird? — -</p> - -<p> -„Sie glauben es, weil Sie nur an die -Gegenwart denken, und nicht an die Zukunft.“ -</p> - -<p> -— O gewiß denke ich an die Zukunft, -und male sie mir mit den freundlichsten Farben -aus. Aber warum wollen Sie noch immer -bei Ihrer Schwermuth beharren? Was -führte Sie denn anders hierher, als die -Hoffnung, sich mit mir zu vereinigen? Forderten -Sie nicht meine Person als Ihr -Eigenthum zurück, und jetzt, da ich Ihre -Rechte anerkenne, wollen Sie mich von sich -stoßen? — -</p> - -<p> -„Daß Sie mir angehören, kann mir -nicht bestritten werden, denn Ihr mit Ihrem -<a id="page-195" class="pagenum" title="195"></a> -Blut geschriebenes Versprechen ist mir -ein sichreres Unterpfand, als alle diese Ceremonien, -die mir gleichgültig sind. Aber ich -bin zufrieden, Sie nur zu sehen, und ich -fürchte den Augenblick, der mir ein schreckliches -Recht über Sie geben wird. Ach, -Alfred, glaube mir, ändere deinen Entschluß, -denn du ahnest nicht, welches Unglück dir bevorsteht, -wenn du dich unwiderruflich an -mich fesselst.“ -</p> - -<p> -Nach diesen Worten eilte sie pfeilschnell -aus dem Zimmer, und begab sich in das -ihrige, wo der Oberst sie nicht zu stören -wagte. Er erstaunte über ihre Rede, schob -aber Alles auf ihre abergläubische Furcht -vor der Gegenwart eines Geistlichen, und -beharrte bei seinem Entschlusse, diese Furcht -mit Gewalt zu überwinden. Zu Zeugen bei -der Trauung hatte er seinen Bedienten und -den Verwalter der zum Schlosse gehörigen -Ländereien gewählt, weil ihm beide zu jeder -<a id="page-196" class="pagenum" title="196"></a> -Zeit zu Gebote standen; unmittelbar nach -dieser Ceremonie wollte er sich mit seiner -neuen Gemahlin in einen Wagen setzen, -und sich erst nach Prag, dann aber nach -Berlin begeben, um daselbst seinen festen -Wohnsitz wieder aufzuschlagen. Der -Aufenthalt im Schlosse R.... schien ihm -jetzt unerträglich zu sein, weil er in ihm -zu traurige Erinnerungen hervorrief. -</p> - -<p> -Endlich wurde es Abend. Lodoiska, -die noch immer in ihrem Zimmer blieb, -äußerte den Wunsch, dasselbe nicht eher, -als bis im letzten Augenblick zu verlassen. -Während dieser Zeit irrte der Oberst in -der größten Unruhe hier und dort umher, -und fand nirgends seines Bleibens. Es -hatte sich ein fürchterlicher Sturmwind erhoben, -der bis in das Innere des Schlosses -drang, und durch sein Pfeifen bald -die Klagen eines Leidenden, bald ein höllisches -<a id="page-197" class="pagenum" title="197"></a> -Gelächter nachzuahmen schien. Er -setzte die Fensterscheiben in Bewegung, daß -sie klirrten, erschütterte selbst die inneren -Thüren in ihren Angeln; kurz, die Wuth -dieses Sturmes war so groß, daß der -Oberst sich eines unwillkührlichen Schreckens -nicht erwehren konnte. -</p> - -<p> -Bei seinem Umherirren im Schlosse -kam Lobenthal auch zufällig in die Nähe -der Gesindestube, wo die Knechte und -Mägde von der Meierei beim Abendessen -versammelt waren. Sie sprachen unter einander -von dem Befehle, den er gegeben -hatte, den Reisewagen um Mitternacht fertig -zu halten, und suchten die Absicht dieser -plötzlichen Reise zu errathen. -</p> - -<p> -„Ich wundere mich gar nicht darüber, -sagte einer der Knechte; denn wir wissen -ja schon seit langer Zeit, daß der Oberst -keine ruhigen Nächte haben kann, und es -<a id="page-198" class="pagenum" title="198"></a> -muß ihm daher angenehmer sein, um diese -Zeit zu reisen, als in seinem Bette den -schrecklichen Besuch abzuwarten, den er -dort empfängt.“ -</p> - -<p> -— Was sagst du da, Peter? rief -eins der Mädchen mit einer Stimme, die -schon ihr Entsetzen bezeichnete; von was -für Besuchen sprichst du denn? — -</p> - -<p> -„Nun, von den Besuchen, die ihm -die verstorbene Oberstin alle Nächte abstattet! -Der Schulze, der Küster und auch -die alte Mutter Rieben, die eben kein -Geheimniß daraus macht, haben es ja -schon öfters gesehen, wie unsere verstorbene -gnädige Frau aus ihrem Grabe emporsteigt, -ihren kleinen Sohn beim Namen -ruft, der dann ebenfalls aufsteht, -und mit ihm nach dem Schlosse geht.“ -</p> - -<p> -„Das ist eine abscheuliche Lüge,“ sagte -Johann, der Bediente des Obersten, -<a id="page-199" class="pagenum" title="199"></a> -der in einer großen Stadt erzogen war, -und daher weniger Aberglauben besaß. -</p> - -<p> -— Nun, sei nur nicht böse, Johann, -es könnte dir Schaden thun, erwiderte Peter. -Auch du wirst noch zu sehen bekommen, -was Andere schon gesehen haben, und -es scheint mir, als wenn das Wunder heute -Nacht noch etwas früher als sonst geschehen -werde. Als ich vom Felde hereinkam, -begegnete ich der alten Mutter Rieben. -„Höre, Peter, sagte sie zu mir, du gehst -nach dem Schlosse; aber bete vorher ein -Vaterunser, wenn du mir glauben willst; -denn es werden sich heute dort seltsame -Dinge zutragen. Die nächtlichen Geister -haben sich heute früher als sonst aus ihren -Gräbern erhoben, woran wahrscheinlich -der wüthende Sturmwind Schuld ist, -der sie gerufen hat, und ich habe sie so -eben vorbeigehen sehen.“ -</p> - -<p> -<a id="page-200" class="pagenum" title="200"></a> -Als der Oberst diese außerordentliche -Erzählung mit anhörte, schauderte er unwillkührlich, -und um nicht noch mehr zu -erfahren, entfernte er sich mit langsamen -Schritten, und stieg die Treppe hinauf. -Eben befand er sich an der Thür des großen -Saales, als er hinter sich ein Geräusch -hörte. Er stand still und blickte -sich um .... zwei weiße Gestalten schwebten -schnell bei ihm vorüber und verloren -sich dann in der Finsterniß. Er glaubte, sie -zu erkennen .... seine Kniee wankten unter -ihm; es war ihm unmöglich, seines -Schreckens Herr zu werden, und an einen -Wandpfeiler hinsinkend, blieb er lange -Zeit in einem fast sinnlosen Zustande. -</p> - -<p> -Mehrere Stimmen, die er unten an der -Treppe hörte, weckten ihn aus seiner Betäubung. -Er raffte sich schnell empor, und sahe -nun den Notarius und dessen Zeugen, die -von seinem Bedienten mit einem Lichte begleitet, -<a id="page-201" class="pagenum" title="201"></a> -die Treppe heraufkamen. Kaum hatte -er noch so viel Zeit, sich einigermaßen wieder -zu sammeln. Die erste Frage, die der -Notarius an ihn that, war nach seinem -Gesundheitszustande, so sehr zerstört sahen -seine Gesichtszüge noch aus. Der Oberst -antwortete ihm ausweichend, und führte ihn -in das Gesellschaftszimmer, wo er ihn auf -einige Augenblicke verließ, um Lodoiska’n -seine Ankunft anzukündigen. -</p> - -<p> -Lodoiska fuhr zusammen, als sie ihn -eintreten sahe, und erbebte, sobald er sich -erklärt hatte. Sie warf einen Blick auf -ihn, in welchem sich so viel verschiedene -Empfindungen malten, daß es unmöglich -gewesen wäre, sie zu beschreiben. Ihre -Trauerkleidung hatte sie abgelegt; ein weißes, -einfaches Gewand umhüllte ihren prächtigen -Wuchs; ein Halsband von Perlen -und ein Kranz in ihrem Haar war der -ganze Schmuck, den sie sich erlaubt hatte. -</p> - -<p> -<a id="page-202" class="pagenum" title="202"></a> -Der Oberst mußte seine Bitte mehrere -Male wiederholen, ehe sie sich entschloß, -ihm zu folgen; man sahe, wie gern sie den -Augenblick noch verzögern wollte, den er so -sehnlich herbeiwünschte. Endlich schien sie -alle ihre Kräfte zusammenzunehmen, erhob -ihre Arme und Augen gen Himmel, und -schien ihn als Zeugen anzurufen, daß sie -gezwungen würde, oder ihn um Gnade zu -bitten, die sie gleichwohl nicht zu erhalten -hoffte. -</p> - -<p> -Beim Eintritt in das Gesellschaftszimmer -und beim Anblick des Notarius und -der Zeugen gerieth Lodoiska einigermaßen -in Verwirrung; doch erholte sie sich bald -wieder, und antwortete mit Bescheidenheit -auf die Komplimente, die der Notarius an -sie richtete. Sein Geschäft war bald abgemacht, -worauf er sich wieder entfernte, ungeachtet -der Oberst ihn dringend bat, bis zum -andern Tage auf dem Schlosse zu bleiben. -</p> - -<p> -<a id="page-203" class="pagenum" title="203"></a> -Unterdessen beschäftigte sich Johann, -der Bediente des Obersten, mit den nöthigen -Vorbereitungen zu der feierlichen Ceremonie, -die nun noch Statt finden sollte. -Er hatte den Auftrag, den Pfarrer in die -Schloßkapelle zu führen, den Verwalter herbeizuholen, -und sich dann zu dem Obersten -zu verfügen, unter dem Vorwande, seine -etwanigen Befehle zu vernehmen, ehe er -sich niederlegte, in der That aber, um ihm -durch seine Gegenwart anzukündigen, daß -Alles bereit sei. -</p> - -<p> -Lodoiska, die nun mit Alfred allein -geblieben war, zeigte immer noch die größte -Unruhe. Ihr Busen wogte mit Ungestüm, -ihre Blicke irrten unstät umher, und jedes -Mal, wenn ihr Bräutigam sich ihr näherte, -ergriff sie ein krampfartiges Zittern, und -sie streckte die Hände vor sich hin, gleichsam -um ihn von sich abzuhalten. Alfred -bemerkte den außerordentlichen Kampf, der -<a id="page-204" class="pagenum" title="204"></a> -in ihrem Innern vorging, und versuchte sie -zu beruhigen; aber vergebens. Sie sprach -nichts, als unzusammenhängende Worte, welche -bald die Heftigkeit ihrer Liebe ausdrückten, -bald eine schauerliche Zukunft vorhersagten; -sie riefen den Himmel um Mitleiden -an gegen die bevorstehenden Qualen der -Hölle. -</p> - -<p> -Es schlug zwölf Uhr, und Johann erschien -im Zimmer. Bei seinem Anblick wandte -sich der Oberst an Lodoiska: -</p> - -<p> -„Nur noch ein wenig Muth, Geliebte, -sagte er; in einigen Augenblicken wird Alles -vorbei sein. Folge mir jetzt; in Zeit von -einer Stunde sitzen wir schon im Wagen; -vorher haben wir aber noch eine Pflicht zu -erfüllen, und wir müssen uns jetzt in ein -anderes Zimmer begeben.“ -</p> - -<p> -— Giebt es einen Ort, antwortete Lodoiska -mit dumpfem Tone, wo ich Ruhe -<a id="page-205" class="pagenum" title="205"></a> -finden kann, wo ich von der rachsüchtigen -Frau nicht verfolgt werde? — -</p> - -<p> -„Von welcher Frau?“ fragte Alfred -lebhaft. -</p> - -<p> -— Wissen Sie es denn nicht? Haben -Sie sie denn nicht gesehen, wie sie mit ihrem -Kinde umherstreicht? Es ist nicht meine -Schuld, wenn sie nicht ihrer drei sind; warum -hat sie mich verhindert, mein Geschäft -gänzlich zu vollenden! — -</p> - -<p> -„Lodoiska, ich beschwöre Sie bei meiner -Liebe, erholen Sie sich; Sie machen mich zum -unglücklichsten aller Männer. Was fehlt -Ihnen? Was wollen Sie?“ -</p> - -<p> -— Ich habe Durst, großen Durst! — -</p> - -<p> -„Er ist ja leicht zu befriedigen.“ -</p> - -<p> -— Oh, nicht so leicht! Blut muß ich -haben! Blut! und zwar das deinige, Alfred! — -</p> - -<p> -„Ach, Unglückliche, wie kann Ihr Verstand -Sie so gänzlich verlassen! Beruhigen -Sie sich; vergessen Sie, was geschehen ist, -<a id="page-206" class="pagenum" title="206"></a> -und bedenken Sie, daß wir für einander bestimmt -sind.“ -</p> - -<p> -— Ja, ja! im kühlen Grabe, wo ich -schon einmal geruht habe. — -</p> - -<p> -„Ich höre nicht weiter auf Sie; kommen -Sie jetzt, um das Letzte zu erfüllen.“ -</p> - -<p> -Mit diesen Worten schlang er seinen -Arm um Lodoiska, und zog sie schnell zur -Kapelle hin, während sie ein lautes Geschrei -ausstieß, das sich in das Heulen des Sturmwindes -mischte. -</p> - -<p> -„Alfred! mein Alfred! so bald willst du -sterben? .... Ja, ja, du gehörst mir an, -und mein schreckliches Geschäft wird nun erfüllt -werden!“ -</p> - -<p> -Unter so unerklärbaren Ausrufungen der -halb bewußtlosen Lodoiska gelangte der Oberst -endlich in die Kapelle, sie mehr tragend als -führend. Ein fürchterliches Angstgeschrei war -die erste Wirkung, die der Anblick des erleuchteten -Altars und des Geistlichen auf sie machte. -</p> - -<p> -<a id="page-207" class="pagenum" title="207"></a> -„O, grausames Schicksal! rief sie aus; so -ist es denn wahr, daß du erfüllt werden mußt?“ -</p> - -<p> -Fast mit Gewalt zog Alfred sie bis vor -den Altar. Jetzt leistete sie keinen Widerstand -mehr, sondern schluchzte nur und zerfloß -in Thränen; dann schienen ihre Gesichtszüge -sich zu verzerren, und der Kreislauf ihres Blutes -sich zu hemmen. Nur an einem dünnen -Faden schien das Leben Lodoiska’s noch zu -hängen, während der Pfarrer die Trauungsceremonie -anfing. Jetzt sollten die Ringe gewechselt -werden; aber Lodoiska’s Hand war -mit dem Handschuh versehen, dessen wir schon -mehrmals erwähnten. Voll heftiger Ungeduld -riß der Oberst diesen Handschuh herunter, ehe -es Lodoiska verhindern konnte .... und die -Abscheu erregenden knöchernen Gebeine eines -Skelets fielen ihm und dem erstaunten Geistlichen -in die Augen! — -</p> - -<p> -Ein Schrei des Entsetzens entfuhr allen -Zeugen dieses schrecklichen Schauspiels. Lodoiska -<a id="page-208" class="pagenum" title="208"></a> -fiel leblos auf den Fußboden nieder, -und aus drei geöffneten Wunden quoll ein -unreines, stinkendes Blut hervor. — -</p> - -<p> -Am dritten Tage ward der Leichnam -der Fremden zur Erde bestattet. Aber mit -den ersten Strahlen des Mondes, die ihr -Grab beschienen, erhob sie sich abermals aus -ihrer Ruhestätte, und .... am andern Morgen -fand man den Obersten todt in seinem -Bette ..... An drei verschiedenen Orten -waren ihm die Adern geöffnet, und in seinem -ganzen Körper war auch kein Blutstropfen -mehr vorhanden, der von seinem ehemaligen -Dasein zeugte. — -</p> - -<p class="end"> -Ende. -</p> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="part"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="handheld-only"> -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original -g e s p e r r t -hervorgehobener Text wurde in einem <em>anderen Schriftstil</em> markiert. -</p> - -<p> -Die variierende Schreibweise, Grammatik und Interpunktion des Originales -wurden unverändert beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden -korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): -</p> - -<ul> - -<li> -... <span class="underline">könnnen</span> Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ...<br /> -... <a href="#corr-0"><span class="underline">können</span></a> Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ...<br /> -</li> - -<li> -... „Von allem <span class="underline">Diesen</span> ist durchaus nicht ...<br /> -... „Von allem <a href="#corr-1"><span class="underline">Diesem</span></a> ist durchaus nicht ...<br /> -</li> - -<li> -... Obersten ein solches Beben <span class="underline">zn</span> verursachen, ...<br /> -... Obersten ein solches Beben <a href="#corr-5"><span class="underline">zu</span></a> verursachen, ...<br /> -</li> - -<li> -... und diese ließ sich vor <span class="underline">Niemanden</span> ...<br /> -... und diese ließ sich vor <a href="#corr-7"><span class="underline">Niemandem</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... „Sie zu sehen, Frau Oberstin, <span class="underline">antworwortete</span> ...<br /> -... „Sie zu sehen, Frau Oberstin, <a href="#corr-9"><span class="underline">antwortete</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... <span class="underline">Ruderwerk</span> in Bewegung gesetzt worden ist, ...<br /> -... <a href="#corr-10"><span class="underline">Räderwerk</span></a> in Bewegung gesetzt worden ist, ...<br /> -</li> - -<li> -... dich vor dem Dämon beschützen werden, <span class="underline">der</span> ...<br /> -... dich vor dem Dämon beschützen werden, <a href="#corr-13"><span class="underline">das</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... ich nicht; nur hätten <span class="underline">sie</span> vielleicht mit ...<br /> -... ich nicht; nur hätten <a href="#corr-14"><span class="underline">Sie</span></a> vielleicht mit ...<br /> -</li> - -<li> -... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch <span class="underline">auszuüden</span> ...<br /> -... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch <a href="#corr-15"><span class="underline">auszuüben</span></a> ...<br /> -</li> -</ul> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Vampyr, oder: Die Todtenbraut. -Zweiter Theil., by Theodor Hildebrand - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER VAMPYR: ZWEITER THEIL *** - -***** This file should be named 51695-h.htm or 51695-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/6/9/51695/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. 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