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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Gedancken von Schertzen - -Author: Georg Friedrich Meier - -Release Date: March 23, 2016 [EBook #51535] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANCKEN VON SCHERTZEN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This transcription was produced from -images generously made available by Bayerische -Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription: - - Der vorliegende Text wurde anhand des 1744 erschienenen Buchausgabe - nahezu originalgetreu wiedergegeben. Lediglich die Zeichensetzung - sowie offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend - korrigiert. Altertümliche und inkonsistente Schreibweisen, wie - z.B. 'Wirckung' bzw. 'Würckung' wurden dagegen beibehalten; auch - die Schreibweise von Namen ist zum Teil inkonsistent, wurde aber - hier nicht vereinheitlicht. Fremdsprachliche Zitate sowie deren - Quellenangaben wurden der gedruckten Ausgabe gemäß wiedergegeben; - eine Korrektur wurde nicht vorgenommen. Wiederholt werden Begriffe - mit der Vorsilbe 'Uber' anstatt 'Über' verwendet, was hier - ebenfalls beibehalten wurde. Einzelne in der gedruckten Version - nicht oder nur unklar erkennbare Buchstaben wurden sinngemäß - hinzugefügt. - - Der Hauptteil des Textes wurde im Original in Fraktur gesetzt, - fremdsprachige Zitate (meist in Latein) dagegen in Antiqua, was - hier durch ~Tilden~ hervorgehoben wird; deren Quellenangaben - erscheinen kursiver Antiquaschrift, die hier durch _Unterstriche_ - repräsentiert wird. Einige Namen wurden in einer anderen - Frakturschrift gesetzt, was hier durch +Pluszeichen+ wiedergegeben - wird. - - #################################################################### - - - - - M. Georg Friedrich Meiers - - Gedancken - von - Schertzen. - - -------- -------- -------- -------- -------- -------- - - _Cic. de Orat. L. II._ - - ~Ego in his praeceptis hanc vim, & hanc vtilitatem esse arbitror, - non vt, ad reperiendum quid dicamus, arte ducamur, sed vt ea quae - natura quae studio, quae exercitatione consequimur; aut recta - esse confidamus aut praua intelligamus, quum quo refenda sint, - didicerimus.~ - - -------- -------- -------- -------- -------- -------- - - +H A L L E+, - - Verlegts Carl Herrmann Hemmerede. - - 1744. - - - - -[Illustration] - - - - -Vorrede. - - -[Illustration] - -Die Verbesserung des Geschmacks ist eine so edle Beschäftigung, daß -sich jederzeit, die erhabensten Geister eines Volcks, derselben -unterzogen haben. Dadurch unterscheiden sich, unter andern, die -Patrioten eines Landes, von dem übrigen Hauffen ihrer Mitbürger, daß -sie entweder selbst an der Reinigung des Geschmacks, es sey nun in -was für Stücken es wolle, arbeiten; oder doch dieses lobenswürdige -Unternehmen gerne sehen, wünschen, und befördern helfen. Ich habe -mich daher, auf eine lebendige Art, zu überzeugen gesucht, daß es -die Pflicht eines redlich gesinten Deutschen mit sich bringe, sich -zur Parthey dieser Patrioten zu schlagen, und so viel sein Vermögen -ihm erlaubt, auf alle mögliche Art, den Geschmack seiner Landsleute -feiner zu machen. Unser Vaterland kan sich in unsern Tagen glücklich -schätzen, daß es seinen Nachbarn, auch in diesem Stücke, die Wage zu -halten anfängt, und das rühmliche Beyspiel so vieler schönen Geister, -die sich um den deutschen Geschmack so sehr verdient machen, ist so -reizend, daß es nothwendig Nachahmungs Begierde verursachen muß. - -Ich bin so eitel oder so dreist, zu bekennen, daß ich seit geraumer -Zeit einen heftigen Trieb in mir empfunden, diesen erwehnten Vorgängern -zu folgen. Ich habe aber denselben bisher nur durch einem blossen -Wunsch stillen, oder vielmehr unterhalten und verstärcken können. Und -jetzo wage ichs in diesen Blättern, meiner Begierde den Ausbruch zu -verstatten. Ich kan nicht läugnen, daß ichs mit einiger Bangigkeit -thue. Der Geschmack unserer deutschen Kunstrichter ist schon so zart -und edel, daß ich zu sehr mit meiner eigenen Arbeit zufrieden seyn -müste, wenn ich diese Bogen, ohne alle Furchtsamkeit, ans Licht treten -liesse. Ich unterstütze mich, durch das Vertrauen auf die Gütigkeit -meiner +Geehrtesten Leser+, daß sie wenigstens meinen guten Willen -nicht mißbilligen werden, wenn auch meine Kräfte zu matt gewesen seyn -solten, eine Arbeit zu liefern, die des Beyfalls der Kunstrichter -völlig werth wäre. - -Ich habe verschiedene Gründe gehabt, warum ich eben von Schertzen -meine Gedancken habe drucken lassen. Ich stehe in der Meinung, daß -der verdorbene und pöbelhafte Geschmack am häuffigsten noch in den -Schertzen herrsche. Man mag nun die Schertze verstehen, die in dem -täglichen Umgange vorkommen; oder diejenigen, die unter den Vortrag, -es sey derselbe ein mündlicher oder schriftlicher, gemengt werden; -oder diejenigen Spasse, die auf der Schaubühne vorgetragen werden. Ich -glaube, daß der gantze vernünftige Theil meiner Landesleute überzeugt -ist, daß es zu wünschen wäre, daß die Deutschen, auch im spassen, den -feinen Geschmack herrschen liessen. Und ich kan mich nicht besinnen, -daß eine ausführliche Abhandlung der Schertze in unserer Muttersprache -schon vorhanden wäre. Das letzte kan ein Irrthum seyn, und so ists -eine Unwissenheits-Sünde, die mir also um so viel eher vergeben werden -wird. Dazu kömmt noch, daß eine jede andere Materie, die in das Reich -des Geschmacks gehört, und die ich hätte ausführen können, mir jetzo -entweder zu schwer oder zu weitläuftig gewesen, und ich halte es für -eine vernünftige Maxime eines Schriftstellers, wenn er eine Materie -erwehlt, durch die er sich völlig ausdehnen kan. - -Ich habe hin und wieder, in diesen Blättern, meine Betrachtungen, -eine Critik der Schertze, genennt. Ich weiß nicht, ob alle meine -+Leser+ diese Benennung werden genehm halten. Sie haben vielleicht -einen andern Begriff von der Critik, als ich mir gemacht habe, und ich -kan mich zwar in diesem engen Raume einer Vorrede, nicht weitläuftig -in die Untersuchung des Begriffs der Critik einlassen, doch fodert -die Rechtfertigung meines Gebrauchs dieses Worts, daß ich meine -Begriffe von der Critik überhaupt mit wenigen vortrage. Die Critik, im -allerweitesten Umfange, ist die Wissenschaft von den Vollkommenheiten -und Unvollkommenheiten zu urtheilen. Sie erstreckt sich über alle -mögliche Dinge, und alle Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -derselben. Diese Critik theilt sich in zwey Hauptäste. Der erste ist -die Kunst, den Geschmack zu bilden, und lehrt von den Vollkommenheiten -und Unvollkommenheiten, auf eine sinnliche Art, urtheilen. Diese -Kunst erstreckt sich über alle sinnliche Vorstellungen, aller -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten, aller Dinge. Sie fängt von -den Heldengedichten an und geht bis auf die Haarlocken der Stutzer, -und Schminckpflästerchen auf den Wangen der Schönen herunter. In -hunderttausend Dingen, von dieser Art, kan ein edler und pöbelhafter, -ein feiner und grober, ein reiner und verdorbener Geschmack herschen, -und man darf sich also nicht wundern, daß diese Kunst ihre Grenzen -so weit ausdehnt. Der andere Haupttheil der Critik, lehrt die -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten aus deutlichen Begriffen -beurtheilen, und bekommt so viele besondere Theile, als es Arten der -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten gibt. Andere schrencken -den Begriff der Critik enger ein, und verstehen darunter, die -Wissenschaft historische und vermischte Schriften zu beurtheilen. -Im engsten Verstande versteht man darunter die Wissenschaft, die -alten Schriftsteller zu beurtheilen, ob sie bis auf unsere Zeiten -unverfälscht gekommen, und die eingeschlichenen Fehler zu entdecken -und zu verbessern. Diese beyden letzten Begriffe, verhalten sich zu -dem meinigen, wie ein Theil zum gantzen. Ich unterscheide von meiner -Critik einmal, die Anwendung derselben auf einzelne Fälle, wenn man -gewisse Gegenstände, nach den critischen Regeln, würcklich untersucht; -und hernach die Wissenschaft der Regeln, von dem Verhalten eines -Kunstrichters. Diese letzte würde die Logik der Critik seyn. Die -allgemeine Critik könnte man die Metaphysik der Critik nennen. Sie -wäre eine Wissenschaft von den Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -überhaupt und den allerhöchsten Gattungen derselben zu urtheilen. Ich -kan meine Begriffe nicht rechtfertigen, ich habe nichts weiter im -Sinne gehabt, als den Grund zu zeigen, warum ich meine Gedancken von -Schertzen, in diesen Blättern, zur Critik gerechnet habe. - -Ich schmeichele mir nicht, daß meine Abhandlung so gut, noch -vielweniger so schön gerathen, daß sie untadelhaft. Solche Abhandlungen -sind Unternehmungen, dazu gerade ein grösserer Geist erfodert wird, als -der meinige ist. Ich mercke es selbst, daß diese Blätter viele Stellen -enthalten, die meinen Wunsch nicht zu erfüllen vermögend sind. Und ich -sehe es von selbst ein, daß sie in hundert Stellen verbessert werden -könnten. Man könnte mir daher, vielleicht nicht ohne allen Grund, -einwenden, daß man vernünftiger handele, wenn man eine Schrift von -dieser Art, die nicht überwiegend schön und in ihrer Art vortrefflich -ist, lieber ungedruckt liesse, als die Anzahl solcher Schriften zu -vermehren, die voller Mängel sind. Ich habe aber irgendswo gelesen, -daß es Leute gegeben, die niemals Schriftsteller geworden sind, -weil sie gar zu gute Schriftsteller haben werden wollen; und, die -Wahrheit zu bekennen, ich bin viel zu starck gewesen als daß ich unter -dieser Versuchung hätte erliegen sollen. Wenn meine geneigten Leser -das schwache dieser Beantwortung übersehen werden, so habe ich das -wichtigste erlangt, was ich mir von ihnen, in dieser Vorrede, ausbitten -kan. - - - - -[Illustration] - - -§. 1. - -Ich begreiffe mit leichter Mühe, daß die mehresten meiner +geneigten -Leser+ in den Gedancken stehen, als wenn ein Schriftsteller, der seine -Betrachtungen über das Schertzen ihnen vorträgt, ein schöner Geist, -und selbst ein spaßhafter Kopf seyn müsse. Ich bin weder das eine, -noch das andere, und unterstehe mich dem ohnerachtet von Schertzen -zu schreiben. Ich bin der Meinung, daß ein witziger Kopf von dem -witzigen, sinreichen, scharfsinnigen, schertzhaften, und wie es sonst -heissen mag, nicht deswegen urtheilen könne, weil er vielen Witz -besitzt; sondern weil er ausserdem ein Weltweiser ist, der seinen -Geschmack nach den Regeln der gesunden Critik ausgebessert hat. Diese -Eigenschaften können jemanden zukommen, der auf einen feurigen Witz -sehr wenige Ansprüche hat. Man kan von der Schönheit eines Gemähldes, -von den erhabenen Zügen eines Gedichts, und der Vollkommenheit einer -Rede urtheilen, und Regeln geben, ohne selbst ein Mahler, Dichter, -und Redner zu seyn. Es kan jemand ein geistreicher und belebter Kopf -seyn, er kan sich in seinen Gedancken mit der kühnsten und angenehmsten -Stärcke heben, und sein Feur durch Proben an den Tag legen, die -den Beyfall aller Kunstrichter verdienen. Weil er aber zu wenig -Wissenschaft von seinen eigenen Kräften, und den Vollkommenheiten -derselben besitzt, so ist er nicht im Stande, aus deutlichen Gründen -die Regeln herzuleiten, durch deren Beobachtung seine sinnreichen -Einfälle so viel Geist und Leben bekommen. Er fühlt und schmeckt die -Schönheit seiner Gedancken, er begreift aber selbst nicht, warum -sie so reitzend sind. Man thue hinzu, daß derjenige, der selbst ein -aufgeweckter Kopf ist, mehrentheils viel zu ohnmächtig ist, als daß -er alle Partheilichkeit in seinen Urtheilen über das sinnreiche zu -vermeiden im Stande seyn solte. So wenig von einem Frauenzimmer, so -sichs einmahl in den Kopf gesetzt hat, schön zu seyn, zu erwarten ist, -etwas anders für reizend zu halten, als was sie selber besitzt; so -wenig ists von manchen witzigen Köpfen zu hoffen, daß sie die Einfälle -für schön halten solten, die der Art ihres Witzes nicht gemäß zu -seyn scheinen. Der Witz vieler feurigen Köpfe bekommt einen gewissen -Schwung, der über ihre Beurtheilungskraft zum Tyrannen wird. Ihnen -eckelt vor alle dem, so ihrem Geschmacke, der nun einmal an gewisse -Speisen gewöhnt ist, nicht gemäß ist. Diese Köpfe müsten sich zu viel -Gewalt anthun, unpartheiisch von einem Schertze zu urtheilen, bey dem -sie nicht absehen können, wie sie selbst denselben hätten vortragen -können. Man lasse den +Cicero+, der nach +Quintilians+ Zeugniß keine -Maß im schertzen halten können, von einem Spasse, der auf einer blossen -Anspielung der Worte beruht, urtheilen. Ich will verlohren haben, -wenn er ihn nicht bewundern wird. Das befremdet mich im geringsten -nicht. +Cicero+ selbst bediente sich mehr, als einem so grossen -Geiste anständig war, dieser Schertze. Ich habe das Vertrauen zu der -Billigkeit meiner +Leser+, daß sie aus dem, was ich bisher gesagt, -nicht schliessen werden, als wenn ich glaubte, daß kein witziger Kopf -von Schertzen gesunde Urtheile fällen könne. Noch vielweniger, daß -ein Mensch ohne allen Witz sich dergleichen unterfangen dürfe. Ich -behaupte nur, daß es nicht unumgänglich nothwendig sey, daß derjenige, -der von Schertzen vernünftige Gedancken haben will, selbst glücklich im -spassen seyn müsse. Ein Mensch der einen gereinigten Geschmack besitzt, -aber nicht schertzen kan oder will, besitzt eine Gleichgültigkeit -gegen die Schertze, die ihn unpartheiisch macht. Er tadelt und lobt -das schertzhafte, ohne daß sich eine schmeichelnde oder empfindliche -Eigenliebe unter die Gründe seiner Urtheile mengt. - - ~Ergo fungar vice cotis, acutum - Reddere quæ ferrum valet, exsors ipsa secandi.~ - - _Horat. de art. poet._ - - -§. 2. - -Es gibt eine Art ernsthafter Leute, welche es überhaupt zur Sünde -machen will, wenn man schertzet und lachet. Solten diese Blätter das -Schicksal haben, in die Hände dieser Leute zu gerathen, so kan ich mir -schon zum voraus einbilden, was sie, bey der Erblickung derselben, -vor saure Minen machen werden. Sie werden mirs als ein sittliches -Verbrechen anrechnen, daß ich von einer Materie schreibe, die sich mit -der Tugend nicht reimen will. Ich gebe diesen Gegenfüssern muntrer und -aufgeweckter Köpfe zu, daß viele Schertze unmöglich mit der Tugend -bestehen können. Nur werden sie mir auch im Gegentheil zugestehen, daß -nicht eine jede Ernsthaftigkeit zum Character der wahren Tugend gehört. - - ~Multum ringitur otiosa virtus.~ - - _Sidon._ - -Es kan manchmal ein tugendhafter zugleich ein schläffriger und -niedergeschlagener Kopf seyn, der noch dazu von einem schwartzen -Geblüthe durchschwämt wird. Der würde sich augenscheinlich betrügen, -wenn er seine natürlich nothwendige Traurigkeit für eine Wirckung der -Tugend halten wolte. Aergert er sich nun, wenn andere frölich sind und -schertzen, weil er selbst nicht anders als immer misvergnügt zu seyn -das Unglück hat, so muß er so viel Menschenliebe in seinen Urtheilen -blicken lassen, diejenigen nicht gleich für lasterhaft zu halten, die -nicht so ernsthaft seyn können, wie er selbst ist. Ich werde keine -sündliche Schertze billigen, ich will mich bemühen zu zeigen, daß ein -vollkommener Schertz, der ohne allen Fehler ist, einen sehr grossen -Witz und Scharfsinnigkeit, zwey grosse Vollkommenheiten der Seele, zum -Grunde habe, und also unmöglich Sünde seyn könne. - - -§. 3. - -Eine wohlgerathene Untersuchung der Schertze kan nicht ohne Nutzen -seyn, und man hat keine Ursach sich die Zeit gereuen zu lassen, die -man entweder auf die Ausarbeitung, oder aufs Durchlesen derselben -verwendet. Ich bin nicht willens alle Nutzen, die eine solche Schrift -haben kan, in ihrer völligen Ausdehnung auszuführen. Ich begnüge mich -mit zweyen oder dreyen, die ich für die grösten halte. Den ersten haben -die witzigen Köpfe davon zu erwarten. Ein feuriger Witz ist eine zu -unruhige Kraft der Seele. Sie läßt ihrem Besitzer nicht beständig Zeit -genug, seine spaßhaften Einfälle gehörig zu prüfen und zu beurtheilen. -Alles was ihm einfält, hält er für witzig und sinnreich, und wer wolte -ihm auch wohl das Recht dazu streitig machen? Seine Zunge ist viel zu -dienstfertig, als daß sie schweigen solte. Nein, ein witziger Kopf -nimt sich die Freyheit zu schertzen, wenn, wo, mit wem, und womit er -will. Er thut das mit so vielen Vertrauen auf sich selbst, daß er -sich unmöglich mit den verdrießlichen Gedancken herumschlagen kan, -als wenn es ihm an Bewundern seiner Schertze fehlen würde. Ich gebe -einem jedweden zu bedencken, ob ein solcher plauderhafter Verschwender -seines Witzes wo nicht den Frost seines Gehirns mehr als zu oft -verrathen, doch wenigstens in den mehresten Fällen ein unerträglicher -Gesellschafter werden müsse. Wie kan man diesem Uebel wohl anders -abhelfen, als durch eine gründliche Ueberzeugung, daß zu einem guten -Schertze mehr erfodert werde, als man gemeiniglich denckt, und daß -der sinnreichste und witzigste Kopf öfters sehr schläffrige Einfälle -haben könne. +Cicero+ beweißt das zur genüge, so ein schöner -Geist er auch gewesen ist, so ist sein Witz doch sehr oft gesuncken -und ohnmächtig geworden. Solte meine Abhandlung gerathen, so rathe ich -einem jeden witzigen Kopfe dieselbe zu lesen. Er wird dadurch auf eine -heilsame Art furchtsam gemacht werden, so oft als er schertzen will. Er -wird dadurch seinen Geschmack verbessern, und viele Schertze in ihrer -Geburth ersticken, die ihm wo nicht Schande, doch wenig Ehre zuwege -bringen würden. - - -§. 4. - -Man kan den armseeligen Vorrath seines Witzes nicht nur verrathen, wenn -man selbst auf eine erbärmliche Art schertzet, sondern auch wenn man -elende Schertze bewundert. Man gibt dadurch einen pöbelhaften Geschmack -zu erkennen, der jederzeit von einem matten Witze begleitet wird. So -wenig ein vortreflicher Schertz bey einem kriechenden Witze einen -Eindruck verursachen kan, so sehr wird der elendeste Spaß von denselben -bewundert. Ein elender Kopf schertzet nicht nur auf eine elende Art, -sondern er wird auch bey den schlechtesten Einfällen vor Freuden ausser -sich gesetzt. In den Versamlungen des Pöbels, macht der frostigste -Einfall seinen Erfinder zum angenehmsten und lustigsten Gesellschafter. -Das wissen die kleinen witzigen Köpfe, auf eine listige Art, zu ihrem -grossen Troste anzuwenden. Wollen sie grosse Geister nicht bewundern, -so thun sie ihnen den Possen, und theilen ihre sinnreichen Einfälle -Leuten mit, die sie gütiger, und auf eine ihnen gefälligere Art, -aufzunehmen wissen. So furchtsam ich bin selber zu schertzen, so sehr -nehme ich mich in acht über einen schlechten Schertz zu lachen, ich -müste es denn aus Höflichkeit oder Gefälligkeit thun müssen. Dieses -halte ich vor einen ansehnlichen Nutzen, den man, von einer gründlichen -Critik der Schertze, erwarten kan. Man lernt dadurch einen feurigen -Schertz, von einem frostigen unterscheiden, man lacht über den ersten, -und bleibt bey dem letzten unempfindlich, und beweißt sich dadurch als -einen Menschen von gereinigten und feinen Geschmacke. - - -§. 5. - -Ein gut gerathener Schertz bringt uns die Gewogenheit und Bewunderung -der Zuhörer zuwege. Wir werden für scharfsinnig, aufgeweckt, höflich -gehalten, und für geschmeidige Köpfe. Durch einen wohlangebrachten -Spaß, kan man seinen Gegner in Verwirrung setzen, ihn zaghaft machen -und wiederlegen. Man mäßiget dadurch die gar zu grosse und traurige -Ernsthaftigkeit, das Gemüth wird aufgeheitert, und man setzt seine -Zuhörer in den Zustand, die verdrießlichsten Dinge, die man ihnen -zu sagen hat, gelassen, und nicht ohne Vergnügen anzuhören. Das sind -Stücke die einem Redner unentbehrlich sind. Ich könnte noch mehr hinzu -thun, wenn das angeführte nicht schon hinreichend wäre, zu beweisen, -daß ein Redner zu seinem grossen Vortheile bisweilen schertzen müsse. -Mit weniger Veränderung, kan man eben das von einem Dichter sagen. -Dieser muß fast noch öfter schertzen als der erste. Wie oft hat ein -Dichter nicht nöthig seiner Muse zuzuruffen? - - ~Sed ne relictis musa procax iocis - Ceæ retractes munera næniæ: - Mecum Dionæo sub antro - Quære modos leviore plectro.~ - - _Hor. Carm. L. II. od. 1._ - -Man kan daher die Untersuchung der Schertze als eine Materie ansehen, -die zur Rede und Dichtkunst gehört. +Cicero+ und +Quintilian+ -sind mit mir einig. Sie haben beyde in ihren Schriften, darinn sie die -Redekunst abgehandelt haben, auch eine Betrachtung über die Schertze -angestellt. Dieser Nutzen allein wäre hinreichend, meine gegenwärtige -Bemühung nicht für unnütz zu halten. - - -§. 6. - -Die Untersuchung der Schertze ist eine Materie, die als ein Stück -der so genannten Aesthetik anzusehen ist. Die Aesthetik ist eine -Wissenschaft der sinnlichen Erkenntniß und dem Vortrage derselben. Sie -untersucht die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten ihres Vorwurfs. -Sie gibt Regeln jene zu erlangen, und diese zu vermeiden. Keine untere -Erkenntniß Kraft der Seele ist von dem Gegenstande der Aesthetik -ausgeschlossen. Man besehe die Psychologie des Herrn Professor -+Baumgartens+, so wird man daselbst hin und wieder den gantzen -Grundriß dieser Wissenschaft antreffen. Ich werde in dem folgenden -darthun, daß ein Schertz durch den sinnlichen Witz und Scharfsinnigkeit -gewürckt werde. Folglich ist der Schertz eine sinnliche Vorstellung -und Rede, und gehört in das Feld der Aesthetik, dieses merckwürdigen -Theils, ja ich will sagen, dieses gantzen Inbegriffs der schönen -Wissenschaften. - - -§. 7. - -Die sinnliche Beurtheilungskraft, oder der Geschmack, ist das Vermögen -von den Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten zu urtheilen, doch -so, daß man weder die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten selbst -deutlich erkennt, noch auch seine Urtheile von ihnen philosophisch -aus deutlich erkannten Gründen, auf eine deutliche Art herleitet. -Vollkommenheiten, in so fern sie undeutlich und auf eine sinnliche Art -erkannt werden, sind Schönheiten und die Unvollkommenheiten werden in -eben dieser Absicht Häßlichkeiten genennet. Der Geschmack ist demnach -das Vermögen von den Schönheiten und Häßlichkeiten zu urtheilen, und -dieselben gewahr zu werden. Ein Schertz ist eine sinnliche Vorstellung -und Rede, und seine Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten sind -Schönheiten und Häßlichkeiten. Man ist also genöthiget die Beurtheilung -eines Schertzes, vor den Richterstuhl des Geschmacks zu verweisen. -Wenn ein Kunstrichter überhaupt derjenige genennet wird, der von -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten urtheilen kan, so muß derjenige -der einen Spaß beurtheilen will ein Kunstrichter seyn. Die Untersuchung -der Schertze gehört demnach auch in denjenigen Theil der Aesthetik, den -man den critischen nennt. - - -§. 8. - -Man hat es bey nahe als eine Regel angenommen, daß man über den -Geschmack mit niemanden streiten dürfe. Diese Regel ist gegründet, -so lange man nicht weiter gehen will, als auf den Geschmack. Alsdenn -beruhiget man sich in einer bloß sinnlichen und undeutlichen -Erkenntniß, davon man die Gründe einem andern weder angeben noch -erklären kan. O elendes disputiren! wo die streitenden Partheien nicht -durch Schlüsse wider einander zu Felde gehen! So lange man also mit -dem Geschmacke nicht die höhere Beurtheilungskraft, das Vermögen aus -deutlicher Erkenntniß eine Sache zu beurtheilen, verknüpft, so lange -ists eine vergebliche Arbeit, über Schönheiten und deren Gegentheil, -sich mit jemanden in einen Streit einzulassen. - - ~Trahit sua quemque voluptas.~ - - _Virgil._ - -Weil aber alle Schönheiten und Häßlichkeiten, Vollkommenheiten und -Unvollkommenheiten sind, und diese, an sich betrachtet, insgesamt -deutlich können vorgestellet werden, so bleibt es zwar ausgemacht, -daß man von dem Geschmacke, in so fern er ein Geschmack ist, wenig -sagen könne, aber man muß ihn, wenn ich so reden darf, entwickeln. -Man muß die Gegenstände des Geschmacks, auch nach der höhern -Beurtheilungskraft, untersuchen, und da erkennt man ob der Geschmack -gegründet sey oder nicht. Die verworrenen Vorstellungen können nicht -anders richtig seyn, als wenn sie uns dasjenige, was in den deutlichen -unterschieden wird, mit einemmal, und unter einander geworffen, -vorstellen. Folglich kan man den Geschmack selbst beurtheilen, und -gewisse Regeln geben wonach sich derselbe, auf eine ihm selbst -unbekante Art, zu richten hat. Wenn das alle Kunstrichter beobachteten, -so würden sie nicht Geschmack dem Geschmack entgegen setzen, und -dadurch Streitigkeiten verewigen, die vielleicht kürzer ausgemacht -werden könnten. Ob nun gleich die Beurtheilung der Schertze ein Werck -des Geschmacks ist (§. 7.) so kan man doch Regeln geben, wonach die -Schönheiten und Häßlichkeiten eines Schertzes beurtheilet werden können. - - -§. 9. - -Es gibt Regeln wonach die Schertze beurtheilt und eingerichtet werden -können. Man würde also ohne Ursach zweiffeln, ob auch Gründe vorhanden -wären, woher diese Regeln fliessen. Nein, alles hat seinen Grund, -sollten wohl die Regeln des Geschmacks eine Ausnahme von dieser Regel -machen, welcher das gantze Reich der Möglichkeiten und Würcklichkeiten, -nach seinem gantzen Umfange, unterworffen ist? Ich rechne zu diesen -Gründen, die Beschaffenheit der Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -überhaupt. Insbesondere die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -unserer Erkenntniß, und des Vortrages derselben. Und endlich die -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten der sinnlichen Erkenntnißkräfte -der Seele, insonderheit des sinnlichen Witzes und Scharfsinnigkeit. -Aus diesen Quellen müssen die Regeln, der Beurtheilung und Einrichtung -eines Spasses, erwiesen werden. Ich begnüge mich mit der blossen -Benennung und Anführung dieser Gründe. Ich müste meinen +Lesern+ -zu wenig Einsicht zutrauen, wenn ich sie beweisen wolte, da mein Zweck -nicht darinn besteht, den Geschmack überhaupt in diesen Blättern zu -bilden und einzurichten. - - -§. 10. - -Wenn es Regeln zu schertzen gibt, wenn diese Regeln aus Gründen -können bewiesen werden, so müste man ohne Grund an der Möglichkeit -einer Wissenschaft der Schertze zweiffeln. Ich bin überzeugt, daß -eine Wissenschaft möglich sey, in welcher gezeigt wird, wie man einen -Schertz erfinden, und bis zur Grentze seiner Vollkommenheit erheben -kan. +Cicero+ und +Quintilian+ scheinen mir zu widersprechen. -Allein ihre Gründe beweisen nicht, daß diese Wissenschaft unmöglich -sey, und daß man nicht auf eine Kunstmäßige Art ein spaßhafter Mensch -werden könne. Beyde glauben, daß die Natur und Gelegenheit das meiste -zu einem glücklichen Schertze beytragen müssen. Ich glaube es auch. -Aber so wenig man sagen kan, daß es keine künstliche Vernunftlehre -gebe, weil zur Ausübung derselben ein guter Mutterwitz erfodert wird; -eben so wenig wird die Wissenschaft der Schertze, und die Theorie -derselben, geläugnet werden können, weil man mit allen Regeln keinen -Menschen zu einen schertzhaften Kopfe machen kan, der keine natürliche -Geschicklichkeit zu schertzen empfangen hat. Ein anders ist die Regeln -zu schertzen verstehen, und dieselben geschickt ausüben können. Ich -behaupte nur, daß ein Mensch der ein gutes Naturell zu schertzen -besitzt, durch die Kunst, leichter, eher und besser, eine Fertigkeit -zu schertzen bekommen könne, wenn sich überdies gute Gelegenheiten -dazu an die Hand geben, als ein anderer, der sich mit der blossen -Natur behelfen will. Die Natur arbeitet ihre Wercke nur aus den groben -heraus, sie überliefert uns ihre Kunststücke roh, und überläßt unserer -Geschicklichkeit den Ausputz. Der letzte wird vielmehr frostige -Schertze erzeugen, als der erste, er mag sich auch noch so sehr in acht -nehmen wollen. - - ~In vitium ducit culpæ fuga, si caret arte.~ - - _Horat. de art. poet._ - -Ich gebe noch mehr zu. Ich behaupte daß derjenige, der schertzen will, -wenn er bey einem jeden Schertze sich erst auf die Regeln besinnen, -und seinen Schertz mit Fleiß kunstmäßig einrichten will, besser thut -wenn er gar stille schweigt. Ein Schertz muß unvermuthet vorgetragen -werden, und ein Schertz, auf den man sich vorbereitet, muß unglücklich -gerathen, wie ich das in dem folgenden darthun will. Nichts desto -weniger hat die Wissenschaft zu schertzen ihren Nutzen. Es verhält sich -hier eben so, wie bey der künstlichen Vernunftlehre. Das würde ein -erbärmlicher Philosoph seyn, der bey einer jeden Erklärung, bey einem -jeden Schlusse, sich der Regeln der Vernunftlehre deutlich erinnern -wolte. Man muß eine Fertigkeit in der Vernunftlehre erlangen, man muß -seine Vernunft und Verstand gewöhnen, die Regeln der Vernunftlehre zu -beobachten, ohne unser Wissen. Eben das sage ich von der Wissenschaft -der Schertze. Sie muß unserm Witze und Scharfsinnigkeit den gehörigen -Schwung und Einrichtung geben, daß wir nach ihren Regeln schertzen -können ohne uns derselben bewust zu seyn. - - ~Simul ac durauerit ætas - Membra animumque tuum, nabis sine cortice.~ - - _Horat._ - -Wer demnach von Natur ein feuriger und aufgeweckter Kopf ist, wer -die Gelegenheit gut in acht nehmen, und zu seiner Absicht geschickt -anwenden kan, und die Wissenschaft zu schertzen versteht, dem bin ich -gut davor, daß er glücklich im schertzen seyn wird. - - -§. 11. - -Ich will nicht mehr versprechen, als ich zu halten mir getraue. Ich -will nicht sagen, daß ich willens sey, eine Wissenschaft der Schertze -zu schreiben. Sondern meine Absicht ist hauptsächlich, Regeln fest -zu setzen, wonach die Schönheit und Häßlichkeit eines Schertzes -beurtheilet werden kan. Diese Regeln machen entweder die Wissenschaft -der Schertze aus, oder die letzte wird doch mit geringer Mühe, und -einigen kleinen Veränderungen und Zusätzen, daraus fliessen. Meiner -Einsicht nach glaube ich, daß die Regeln, wonach die Vollkommenheit -einer Sache beurtheilt werden muß, einerley sind mit den Regeln, die -beobachtet werden müssen, wenn eine Sache zu ihrer Vollkommenheit soll -erhoben werden. - - -§. 12. - -Weil ich zu furchtsam bin selbst zu schertzen, so werde ich mich sehr -hüten, wenn ich ein Exempel anführen soll, welches doch selten genug -geschehen wird, selbst zu spassen. Ich könnte zwar aus dem gemeinem -Leben dergleichen erwählen, da man mehr als zu viel antrift, die -fast zu einer allgemeinen Gewohnheit geworden. Allein da dieselben -gröstentheils zu frostig und abgeschmackt sind, so würde ich meinen -+Lesern+ Verdruß erwecken, wenn ich sie ausdrücklich anführen -wolte. Ich werde mich begnügen, meinen Eckel vor solchen ungeschickten -Schertzen von weiten zu bezeugen. Noch eins habe ich zu erinnern. Wenn -ich an einem Schertze was loben werde, so werden meine +Leser+ -die Gütigkeit haben, und nicht glauben, daß ich den gantzen Schertz -billigte. Ein Schertz kan viele Vollkommenheiten haben. Die eine kan -er besitzen, eine andere kan ihm fehlen. Ja ein Spaß kan mehr gut als -böse seyn, und mehr böse als gut, jene können gebilliget werden, weil -man doch in dem Reiche der Natur nichts findet das durch und durch gut -wäre. - - ~Vbi plura nitent - - non ego paucis - Offendar maculis, quas non incuria fudit, - Aut humana parum cauit natura.~ - - _Horat. de art. poet._ - - -§. 13. - -Ich könnte mich noch länger bey solchen allgemeinen Betrachtungen, -diesen angenehmen Materien, aufhalten, wenn ich überhaupt von dem -Geschmacke handeln wolte. Ich habe aber meinen jetzigen Gedancken -überaus enge Schrancken gesetzt. Ich will nur von Schertzen handeln, -und gewisse Regeln fest setzen, wonach sie beurtheilt werden können. -Ich muß, meine Beurtheilungsgründe ungezweifelt zu erweisen, ein -paar Erklärungen zum voraus untersuchen. Es sollen das nicht alle -diejenigen seyn, die in meine Betrachtung einen nähern Einfluß haben, -sondern ich will mich begnügen, den Witz, die Scharfsinnigkeit und -den scharfsinnigen Witz, nur in so fern zu untersuchen, als es zur -Beurtheilung der Schönheiten eines Schertzes nöthig seyn wird. Ich -würde sonst meinen +Lesern+ beschwerlich fallen, und mich des -Fehlers eines Schriftstellers theilhaftig machen, der zu weit ausholt -und von dem man sagen kan - - ~Gemino bellum troianum orditur ab ovo.~ - - _Hor. de art. poet._ - - -§. 14. - -Wir haben ein Vermögen die Uebereinstimmung der Dinge gewahr zu -werden. Die Fertigkeit in diesem Vermögen nennet man den Witz. Zu den -Uebereinstimmungen der Dinge, muß man die Aehnlichkeit, die Gleichheit -und die Proportionen rechnen. Der Witz ist demnach die Fertigkeit die -Aehnlichkeit, Gleichheit und Proportion der Dinge zu erkennen. Ist -diese Erkenntniß deutlich, so kan man den Witz einen höhern, obern oder -vernünftigen Witz nennen. Ist sie aber undeutlich, so heißt es der -sinnliche und untere Witz. Die Vorstellungen und Reden, die durch den -Witz gewürckt werden, sind sinnreiche oder witzige Vorstellungen und -Reden. - - -§. 15. - -Wir besitzen ein Vermögen die Verschiedenheit der Dinge zu erkennen. -Wer eine Fertigkeit in demselben hat, wird scharfsinnig genennt. -Man muß zu der Verschiedenheit nicht nur die Unähnlichkeit rechnen, -sondern auch die Ungleichheit, und das Gegentheil der Proportion. Die -Scharfsinnigkeit besteht also in der Fertigkeit, die Unähnlichkeit -und Ungleichheit, nebst der Verschiedenheit der Grössen-Verhältnisse -zu erkennen. Diese Erkenntniß ist entweder deutlich, oder undeutlich. -Die erste ist ein Werck der höhern und vernünftigen Scharfsinnigkeit, -und die andere gehört für die untere und sinnliche Scharfsinnigkeit. -Vorstellungen und Reden die durch die Scharfsinnigkeit gewürckt -werden heissen scharfsinnig. Die Fertigkeit die aus dem Witze und der -Scharfsinnigkeit zusammengesetzt ist, will ich den scharfsinnigen Witz -nennen, welcher demnach entweder ein sinnlicher oder vernünftiger ist. -Ich thue nicht ein Wort zu diesen Erklärungen mehr hinzu. Ich hätte sie -bey nahe gantz ausgelassen, wenn ich nur gewust, ob die Eintheilung -des scharfsinnigen Witzes in den sinnlichen und vernünftigen so -sehr bekannt wäre, als ich sie bey meiner Abhandlung werde nöthig -haben. Es kan zwar scheinen, als wenn ich ein freyer Schöpffer dieser -Erklärungen sey. Allein man wird sich der Mühe überheben können, von -meinen künftigen Beweisen viel abzuziehen, wenn man bedenckt, daß meine -Erklärungen, der Sache nach und im Grunde, verschieden sind, man mag -nun die erklärten Sachen mit einem Namen ausdrucken, mit welchem man es -vor gut befindet. - - -§. 16. - -Eine Vorstellung ist um so viel vollkommener, je mehr das Vermögen, -wodurch sie gewürckt worden, bey ihrer Hervorbringung, seine -Vollkommenheit bewiesen hat. Die Stärcke und Vortreflichkeit der -würckenden Ursach, breitet sich bis in die Würckung aus; und wie -die Ursach beschaffen ist, in so fern sie würckt, so ist auch die -Würckung beschaffen, in so fern sie von ihrer Ursach abhänget. Die -Vollkommenheiten der Vorstellungen, haben also ihren Grund in den -Vollkommenheiten des Vermögens, die es zu ihrer Hervorbringung -angewendet hat. Ich will die Vollkommenheiten der Schertze fest setzen. -Diese sind Vorstellungen, die durch den scharfsinnigen Witz gewürckt -werden. Es ist demnach nöthig, daß ich die Vollkommenheiten des -scharfsinnigen Witzes bestimme. Die Vollkommenheiten eines Vermögens -sind von zweyfacher Art. Die ersten entstehen aus dem Vorwurffe des -Vermögens, und die letzten befinden sich in der Einrichtung des -Vermögens selbst. Ich habe es jetzo bloß mit der letzten Art zu thun. -Wenn ich von der Vollkommenheit des scharfsinnigen Witzes rede, so -verstehe ich dieselbe, wie man zu reden pflegt, ~formaliter~ -betrachtet. Und in dieser Absicht besteht sie in der Grösse und Stärcke -desselben. Je grösser ein Vermögen ist, desto mehr verschiedenes ist -in demselben befindlich, folglich ist die Anzahl der übereinstimmigen -Stücke in dem Vermögen um so viel grösser. Die Vollkommenheit wächst -aber, durch die Vermehrung der übereinstimmigen Stücke. Wenn ich also -die formelle Vollkommenheit des scharfsinnigen Witzes den Stuffen -nach bestimmen will, so darf ich nur die Grade des Witzes und der -Scharfsinnigkeit ausmachen. - - -§. 17. - -Die Grösse eines Vermögens wird bestimmt 1) durch die Grösse der -Würckungen 2) durch die Menge derselben. Je grössere und mehrere -Würckungen ein Vermögen hervorbringt, desto grösser ist es. 3) -durch die Schwierigkeit der Würckungen. Je leichter die Würckung -hervorgebracht werden kan, desto kleiner ist das Vermögen. Je schwerer -aber die Würckung ist, je mehr Hindernisse in den Weg gelegt werden, -desto mehr Kraft muß angewendet werden, und um so viel grösser muß das -Vermögen seyn, welches dem ohnerachtet die Würckung geleistet hat. -Diese Sätze entlehne ich aus der Dynamik, in welcher man bemüht ist, -die Kräfte überhaupt auszumessen. - - -§. 18. - -Der sinnliche Witz ist um so viel grösser und vollkommener 1) je mehr -Dinge mit einander verglichen werden. Wenn Dinge in eine Vergleichung -gesetzt werden, so müssen sie vorgestellt werden. Ein Witz, der -demnach nur zwey Dinge mit einander vergleicht, stelt sich nicht -so viel vor, als derjenige so mehrere in Vergleichung setzt. Die -Anzahl der Würckungen des letztern ist also grösser, mithin muß der -Witz selber grösser seyn §. 17. ~n.~ 2. 2) Je unbekannter die -Dinge sind, die mit einander verglichen werden. Dinge die man sich -unzählige mahl schon vorgestellet hat, und die uns dadurch überaus -bekannt geworden, stellen wir uns mit leichter Mühe vor, weil wir eine -Fertigkeit dieselben vorzustellen erlangt haben. Sind sie uns aber -noch nicht sehr bekannt, so ist ihre Vorstellung schwerer, und ihre -Vergleichung erfodert also einen grössern Witz §. 17. ~n.~ 3. -3) Je verschiedener die Dinge sind, deren Uebereinstimmung der Witz -erkennet. Denn alsdenn ist die Uebereinstimmung schwerer zu entdecken, -weil sie nicht nur sehr versteckt und geringe ist, sondern weil durch -die augenscheinliche Verschiedenheit unsere Aufmercksamkeit stärcker -auf das verschiedene gezogen wird, dadurch unserm Witze eine Hinderniß -bey der Entdeckung der Uebereinstimmung in den Weg gelegt wird. §. -17. ~n.~ 3. 4) Je mehr Uebereinstimmungsstücke erkannt werden. -In diesem Falle, ist die Menge der Würckungen des Witzes grösser, und -folglich muß der Witz selber grösser seyn §. 17. ~n.~ 2. 5) Je -grössere Uebereinstimmungen entdeckt werden. Alsdenn ist die Grösse der -Würckungen des Witzes ansehnlicher, welche eben deswegen seine eigene -Grösse vermehrt §. 17. ~n.~ 1. 6) Je stärcker die Vorstellungen -gewesen, die vor der Uebung des Witzes vorhergegangen, ja je stärcker -die Vorstellungen sind, welche bey seiner Uebung zugleich in der Seele -angetroffen werden, wenn diese Vorstellungen von anderer Art, als die -Vorstellungen des Witzes, sind. Aus der Lehre von unserer Seele ist -bekannt, daß eine sehr starcke Vorstellung uns verhindert, gleich -nachher, auf etwas anders zu dencken; und wenn wir den Kopf sonst -voller starcken Vorstellungen haben, so ist es ungemein schwer, zu -gleicher Zeit auf etwas anders zu dencken. Ein Witz der mitten unter -diesen grossen Hindernissen dennoch würcksam seyn kan, muß grosse -Hindernisse übersteigen, und demnach groß seyn §. 17. ~n.~ 3. -7) Je klärer, richtiger, gewisser und lebendiger, doch aber auf eine -undeutliche Art, die Uebereinstimmung vorgestelt wird. Denn der Grad -der Deutlichkeit gehört für den vernünftigen Witz, davon ich nicht -rede. Eine klare, richtige, gewisse und lebendige Vorstellung ist -allezeit grösser, als eine dunckele, unrichtige, ungewisse, matte und -todte Vorstellung, wenn man die übrigen Stücke derselben als gleich -annimmt. Ein Witz der klärere, richtigere, gewissere und lebendigere -Vorstellungen würckt, bringt also grössere Wirckungen hervor, als -derjenige, dessen Vorstellungen nach allen diesen Stücken kleiner sind. -Jener ist demnach grösser und vollkommener. §. 17. ~n.~ 1. - - -§. 19. - -Ich will mich bey den Graden der Vollkommenheit, in der -Scharfsinnigkeit nicht aufhalten. Die Scharfsinnigkeit ist von dem -Witze nicht unterschieden, als nur dem Gegenstande nach. Man nehme den -vorhergehenden Absatz. Wo das Wort Uebereinstimmung steht, da setze -man Verschiedenheit, und an statt dieses setze man jenes, so hat man -die Regeln wodurch die Grösse der Scharfsinnigkeit bestimmt wird. Da -nun der scharfsinnige Witz eine Fertigkeit ist, die aus dem Witze und -der Scharfsinnigkeit zusammengesetzt ist, so versteht sich von selbst, -daß, je grösser und vollkommener diese beyden Fertigkeiten sind, desto -grösser und vollkommener der scharfsinnige Witz seyn müsse. - - -§. 20. - -+Quintilian+ versichert uns, in dem +sechsten Buche seiner -Redekunst+, daß die Natur das meiste zu einem guten Schertze -beytrage, weil sie einen Menschen, unter andern, scharfsinniger -und fertiger in der Erfindung der Spasse mache. Ja, er erklärt -einen Schertz ausdrücklich durch: ~sermonem cum risu aliquos -incessentem~. +Cicero+ stimmt mit dem letzten überein. Er -setzt jederzeit voraus, daß ein Schertz geschickt sey, ein lachen zu -verursachen, und daß ein Spaß deßwegen vorgetragen werde, damit ein -Gelächter möge erweckt werden. Betrachtet man alle die Exempel, die -beyde anführen, nebst den Quellen, woraus sie die Schertze hergeleitet -haben; so muß man augenblicklich auf die Gedancken gerathen, daß zu -einem Schertze, eine Uebereinstimmung verschiedener Dinge, und die -Einsicht derselben, erfodert werde. Dieses zum voraus gesetzt, werde -ich nicht irren, wenn ich sage: daß ein Schertz eine Rede sey, wodurch -wir Vorstellungen, die von den scharfsinnigen Witze gewürckt worden, -vortragen, und welche zum nächsten Zwecke hat, andere zum lachen zu -reizen. Ich sage ein Schertz sey eine Rede. Ich will deßwegen nicht -in Abrede seyn, daß ein schertzhafter Kopf mit sich selbst spassen -könne. Ich will sagen, daß ich zugebe, daß ein Mensch Vorstellungen -haben kan, denen alle Eigenschaften eines Schertzes zukommen, und -denen nichts weiter fehlt, als der Ausdruck und Vortrag. Ich will -niemanden einen Streit erregen, wer diesen Vorstellungen schon den -Namen der Schertze beylegen will. Ich habe aber doch geglaubt, daß ich -berechtiget sey, einen Schertz eine Rede zu nennen. Ich habe nicht -nur den häuffigsten Gebrauch zu reden auf meiner Seite; sondern wenn -es auch ein Irthum ist, so irre ich zum ummercklichen Nachtheil der -Critik über die Schertze. Alles was ich von den Schertzen, nach meiner -Erklärung, beweisen werde, wenn man das ausnimmt, was von dem Vortrage -derselben wird gesagt werden, gilt auch von einem Schertze, wenn man -ihn als eine blosse Vorstellung betrachten will. Ich sage nicht, daß -ein Schertz allezeit ein Lachen erwecke. Es kan jemand sehr starck zum -Lachen gereitzt werden, und doch durch tausenderley Ursachen genöthiget -werden, die Stirne mit Runzeln zu bedecken. Ich leugne nicht, daß man -bey einem Schertze ausser dem Lachen noch andere entferntere Zwecke -haben könne. Ich sage nur daß der Schertzende zunächst, durch seinen -Schertz ein Lachen zu erwecken, gesinnet seyn müsse. - - -§. 21. - -Ich unterscheide einen Schertz von einer sinnreichen Rede und Einfalle -überhaupt. Es kan jemand sehr vielen Witz in seinen Reden blicken -lassen, er kan die artigsten Einfälle vortragen, darüber sich seine -Zuhörer in einem hohen Grade belustigen, und man wird deswegen nicht -sagen können, daß er schertze. Man müste denn alle Allegorien, -Metaphern, und alle Würckungen des Witzes, Schertze nennen wollen, -welches gewiß nur aus Spaß geschehen würde. Desgleichen, wird auch -nicht eine jede scharfsinnige Rede ein Schertz seyn. Wer das im Ernst -behaupten wolte, der müste alle Subtilitäten für Spaß halten. Gewiß, -ein schöner Einfall! auf die Art würde der ernsthafteste Metaphysicus -und Mathematicus, in seinem Vortrage nichts thun, als spassen. Endlich -so muß man das nicht gleich für einen Schertz halten, wodurch man zum -lachen bewegt wird. Es kan jemand sich aus dem Athem lachen, wenn er -einen andern fallen sieht, der Hals und Bein zerbricht, welcher aber -doch gewiß nicht aus Spaß gefallen ist. Das Lachen kan aus unzähligen -Ursachen entstehen, die keinen Schertz zum Grunde haben. Doch davon -werde ich weiter handeln, wenn ich die Vollkommenheit eines Schertzes, -in Absicht aufs lachen, untersuchen werde. - - -§. 22. - -Die Vollkommenheit und Unvollkommenheit eines Schertzes ist, entweder -eine materielle oder formelle. Die erste entsteht aus den Dingen, -die man zum Schertze braucht, und worüber man schertzet. Ich bin -nicht willens alle Eintheilungen der Schertze, die daher erwachsen, -anzuführen. Sie sind nicht nur leicht, sondern auch bey nahe unzählig. -Ich brauche sie auch zu meiner Abhandlung sehr wenig, weil es -nicht hieher gehört, die Sittlichkeit der Schertze, und die daher -entstehenden Pflichten zu untersuchen. Ich werde nur überhaupt zum -Beschlusse meiner Abhandlung einige Anmerckungen darüber machen. Doch -kan ich mich nicht enthalten, mit wenigen einige Arten dieser Schertze -anzuführen. Ich nenne einen Schertz unschuldig, wenn er keine Sünde -ist, oder wenn dabey keine Pflicht übertreten wird. Die Schertze die -nicht unschuldig sind, bekommen ihren Namen von den Pflichten, welche -dabey übertreten werden. Ein Schertz ist gottloß, wenn er den Pflichten -gegen GOtt zuwieder; grob, unhöflich, bäurisch, wenn er die Pflichten -der Höflichkeit übertrit; unanständig wenn er den Pflichten der -Wohlanständigkeit widerspricht u. s. w. Man erkennt von selbst was ein -höflicher, anständiger, keuscher Schertz u. s. w. sagen wolle. Hieher -kan man auch die verschiedenen Arten der Schertze rechnen, welche auf -den Zwecken, die man ausser dem Lachen bey einem Spasse haben kan, -beruhen. Man wird ohne mein Erinnern gewahr werden, daß ich dahin, -unter andern, die beissenden oder satyrischen Schertze rechne. - - -§. 23. - -Die formellen Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten der Schertze, -gehören wesentlich in meine Abhandlung. Sie beruhen auf der Einrichtung -derselben, und Geschicklichkeit zu ihrem Zweck, in so fern sie von -einem scharfsinnigen Witze abhangen, ohne daß man dabey auf ihren -Gegenstand sieht. Ich theile sie in dieser Absicht in zwey Arten. Die -erste begreift die glücklichen oder geschickten Schertze, wenn sie -formaliter vollkommen sind. Sind sie in einem höhern Grade glücklich, -so werden sie feurige Schertze genennt. Zu der zweyten Art gehören -diejenigen, denen eine formelle Unvollkommenheit zukommt, sie werden -unglückliche, ungeschickte, abgeschmackte Schertze genennt. Ein Schertz -der in höhern Grade abgeschmackt ist, heißt frostig. Ich hätte bey nahe -vergessen zu erinnern, daß ein feuriger Schertz gottloß unhöflich seyn -könne, und ein abgeschmackter unschuldig. Folglich kan ein Schertz eine -grosse formelle Vollkommenheit besitzen, der aber in der Sache selbst -höchst unvollkommen ist, und umgekehrt. - - -§. 24. - -Da eine Vorstellung um so viel vollkommener oder unvollkommener ist, -formaliter betrachtet, je vortreflicher oder schlechter sich die -Vorstellungskraft, wodurch sie gewürckt wird, bey ihrer Hervorbringung -bewiesen; so muß auch ein Schertz um so viel glücklicher oder -unglücklicher seyn, je stärcker oder matter und schwächer der -scharfsinnige Witz ist, wodurch er gewürckt wird, und je geschickter -er selbst ist ein Lachen zu erwecken. Das Feuer und die Kälte eines -Schertzes, haben also ihren Grund, eines theils, in der Stärcke und -Mattigkeit des scharfsinnigen Witzes; andern theils aber, in der -Geschicklichkeit desselben einen andern zum lachen zu reitzen. Man -thue hinzu, daß auch ein geschickter Vortrag des Schertzes sehr -viel beytragen kan, das Feuer desselben zu vermehren, gleichwie der -feurigste Spaß durch einen ungeschickten Vortrag kan ausgedämpft werden. - - -§. 25. - -Wenn man den 24. Absatz mit dem 28. vergleicht, so können daher die -Hauptregeln mit geringer Mühe erwiesen werden, wonach ein Schertz -eingerichtet werden muß, wenn er glücklich und feurig seyn soll. Ein -Spaß wird glücklich 1) wenn viele Dinge verglichen werden. 2) Wenn die -Vorstellungen, die den Schertz ausmachen, unbekannt sind. 3) Wenn die -verglichenen Sachen sehr verschieden sind. 4) Wenn er viele und grosse -Uebereinstimmungsstücke entdeckt. 5) Wenn kurtz vor dem Schertze, sehr -starcke Vorstellungen von anderer Art, vorhergegangen. 6) Wenn er -mitten unter solchen Vorstellungen vorgetragen wird, die sehr starck -und von anderer Art sind. 7) Wenn er selbst eine sehr starcke und -grosse sinnliche Vorstellung ist. 8) Wenn er sehr geschickt ist ein -Lachen hervorzubringen, oder wenigstens dazu sehr lebhaft zu reitzen. -9) Wenn er auf eine geschickte Art vorgetragen wird. Nach diesen -Regeln will ich meine Beurtheilung der Schertze einrichten. Und ich -glaube, es wird aus denselben, durch ein geringes Nachdencken, können -erkannt werden, daß ein feuriger Schertz unter die vollkommensten und -vortreflichsten sinnlichen Vorstellungen gehöre; und daß ein spaßhafter -Kopf, der in seinen Schertzen glücklich ist, eine wahre Hochachtung und -Bewunderung verdiene. - - -§. 26. - -Das Feuer eines Schertzes, und die unterschiedenen Grade desselben, -entstehen 1) durch die Menge der Regeln die dabey beobachtet werden. Je -mehr von den kurtz vorher angeführten Regeln beobachtet werden, desto -glücklicher und feuriger wird der Schertz; je wenigern Regeln er aber -gemäß ist, desto unglücklicher und frostiger muß er seyn. 2) Durch die -genauere Beobachtung einer jeden Regel. Je mehr und besser eine jede -beobachtet wird, desto glücklicher ist der Spaß; je schlechter und -kleiner aber die Beobachtung einer jeden Regel ist, desto unglücklicher -und frostiger muß der Schertz gerathen. Ich will mich nicht unterstehen -zu versichern, daß ich mir getrauete, den Grad der Güte eines Schertzes -in einem gegebenen Falle genau zu bestimmen. So weit habe ich es noch -nicht in der mathematischen Erkenntniß solcher Dinge gebracht, die -nicht nach Ruthen und Schuhen können abgemessen werden. Ich begreiffe -auch leicht, daß ich einen zu strengen Kunstrichter abgeben würde, -wenn ich keinen andern Schertz loben wolte, als solche die im höchsten -Grade feurig sind. Mir deucht, daß ich das von einem spaßhaften Kopfe -sagen könne, was +Horatz+ von den Dichtern behauptet: - - ~mediocribus esse poetis - Non homines, non di, non concessere columnae.~ - -Ich bin also der Meinung, daß man einem Schertze seinen Beyfall nicht -versagen könne, wenn er nur mehr als mittelmäßig glücklich ist. Doch -ich muß nun weiter gehen, und eine jede der gegebenen Regeln genauer -untersuchen. - - -§. 27. - -Die erste Vollkommenheit eines glücklichen Schertzes entsteht, -vermöge der ersten Regel §. 25. aus der Anzal der Dinge, die mit -einander verglichen werden. Ich rede nicht von der Vollkommenheit -und Stärcke eines schertzhaften Menschen, die man ihm zugestehen -muß, wenn er geschickt ist oft und viel zu schertzen, mit allem was -ihm vorkommt. Ein Mensch dessen Fertigkeit zu schertzen sich über -unzälige Gegenstände erstreckt, hat ein sehr weites Feld, darin sich -sein Witz und Scharfsinnigkeit würcksam beweißt, und man muß ihm einen -grossen Reichthum an schertzhaften Einfällen zugestehen. Darin besteht -aber nicht die Vollkommenheit, die ich hier meine. Diese Schönheit -eines Schertzes muß in einem einzigen Schertze enthalten seyn. Der -Schertz der dieselbe haben soll, muß uns sehr viele Dinge auf einmal -vorstellen. Ich gebe zu, daß ein Schertz, der auch nur zwey Dinge mit -einander vergleicht, im übrigen sehr feurig seyn könne. Man wird aber -doch zugestehen müssen, daß ihm eine Schönheit fehlt, die nicht anders -möglich ist, als durch die Menge der Gegenstände, die man in einem -einzigen Schertze zusammen faßt. Zwey Schertze, die im übrigen gleich -schön sind, deren einer nur zwey Dinge vergleicht, der andere aber -mehrere, sind ohne Streit dergestalt von einander unterschieden, daß -der letztere vor den erstern den Vorzug erhalten muß. - - -§. 28. - -Ein Schertz bekommt durch die in dem vorhergehenden Absatze angemerckte -Vollkommenheit, eine Schönheit, die eine ungemeine Belustigung zu -verursachen vermögend ist. Nichts belustiget die Einbildungskraft -stärcker, als die Verschiedenheit. Das Auge irret mit dem grösten -Vergnügen in einer Gegend herum, von der es kein Ende erblickt, -und welche durch eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gegenstände -ausgefüllt ist. Alles was groß und unendlich ist, erweckt in der -Seele eine angenehme Empfindung. Es sey nun, daß unser Geist sich -über seine eigene Stärcke, wodurch er vermögend ist so vieles auf -einmal zu fassen, ergötzt. Oder, daß selbst eine jede Vorstellung -eine Vollkommenheit ist, die die Seele fühlt, und welche durch die -Vervielfältigung der Vorstellungen selbst vervielfältiget wird. Oder -daß die Menge der Vorstellungen, die die Seele mit einemmal begreift, -eine Uebereinstimmung des mannigfaltigen in der Seele selbst entsteht, -welche sie fühlt, und woher, als aus einem Gefühl der Vollkommenheit, -eine Lust entstehen muß. Dem sey wie ihm wolle, das mannigfaltige, und -die Abwechselung in demselben, führt jederzeit etwas belustigendes mit -sich. - - ~Jucundum nihil est nisi quod reficit varietas.~ - - _Publ. mimogr._ - -Wenn also ein Schertz eine solche Mannigfaltigkeit in sich faßt, so muß -er angenehm seyn. Und ich halte mich vor überzeugt, daß ein angenehmer -Schertz besser sey, als ein unangenehmer. Jener erweckt ein lachen -wodurch das Gemüth aufgeheitert wird, und wer lacht nicht gerne zu dem -Ende? Und wer geht nicht gerne mit solchen Leuten um die auf eine so -angenehme Art schertzen? - - ~Nil ego contulerim iucundo sanus amico.~ - - _Hor. Satt. L. I. Sat. V._ - - -§. 29. - -Zu den Schertzen, welche diese erste Vollkommenheit haben, können -diejenigen gerechnet werden, welche durch die Anführung eines Verses -aus einem berühmten Poeten gemacht werden. Wenn die Wahl glücklich -ist, so wird der Schertz ohnfehlbar gerathen. Man kan entweder die -unveränderten Worte des Dichters behalten, oder dieselben etwas -verändern. Wem nun der Dichter bekannt ist, dem wird durch die -Anführung, auch nur einiger Worte, der Zusammenhang der gantzen Stelle -ins Gemüth gebracht, woher man den Vers entlehnt hat. Und man wird -mir ohne Beweiß zugestehen, daß dadurch der Einbildungskraft eine -gantze Menge mannigfaltiger Dinge vorgestellt wird. Ich setze voraus, -daß sonst keine nothwendige Eigenschaft eines Schertzes fehlt. Dieses -Kunstgriffes wissen sich die Satyrenschreiber, mit grossen Vortheile, -zu bedienen, und ich halte es daher für unnöthig Exempel anzuführen. -Von gleicher Art sind die Sprüchwörter. Einige derselben beziehen -sich nicht nur, vermöge ihres wesentlichen Inhalts, auf viele Dinge -zugleich, sondern weil sie in unendlich vielen Fällen im gemeinen -Leben gebraucht werden, so stellt uns die Einbildungskraft, so bald -wir das Sprüchwort hören, unzälige solcher Fälle vor. Wenn man demnach -schertzen will, und man führt zu dem Ende, ein bekanntes Sprüchwort -an, das sich sonst zu den Umständen schickt, und die Sache lächerlich -macht, so bekommt der Schertz eine Mannigfaltigkeit die angenehm seyn -muß. - - -§. 30. - -Diese Vollkommenheit der Schertze, von der ich bisher geredet habe, -entsteht auch aus der Erzehlung einer gantzen Begebenheit. Man kan sie -entweder selbst erdichten, oder aus der Geschichtskunde entlehnen. -Das erste erfodert eine grosse Geschicklichkeit. Ich unterstehe mich -nicht, Regeln davon zu geben, da es überdies mein Zweck nicht ist -dergleichen vorzutragen. Ich mercke nur an, daß durch eine solche -Erzehlung, ein Schertz diejenige Schönheit bekommt, von der ich jetzo -rede. Eine Erzehlung faßt sehr vieles in sich, es kan demnach einem -solchen Spasse an Mannigfaltigkeit nicht fehlen. Ein Exempel gibt mir -des Herrn +Liskov+ Satyre, auf den bekannten +Philippi+, -in welcher er seinen Tod erzehlt. Entlehnt man die Erzehlung aus der -Geschichtskunde, so kan es auf verschiedene Art geschehen. Man kan eine -berühmte Person nennen, oder sonst eine berühmte Sache und Begebenheit. -Man kan durch einen kurzen Ausspruch, eine bekante Sache ins Gedächtnis -bringen, und dem Schertze diejenige Lebhaftigkeit geben, welche durch -die Anzahl der verglichenen Dinge entsteht. Meine +Leser+ werden -nicht dencken, als wenn ich glaubte, daß die Verse, Sprüchwörter, -und Erzehlungen, dem Schertze keine andere Schönheiten, als die -Mannigfaltigkeit zu geben vermögend wären. Ich habe diese Quellen der -Schertze nur deswegen angeführt, damit man überzeugt werde, daß meine -erste Regel der Schönheit eines Schertzes, von der ich bisher geredet, -gegründet sey. - - -§. 31. - -Ich gehe zur andern Hauptvollkommenheit der Schertze fort. Ich habe §. -25. erwiesen, daß ein glücklicher Schertz unbekannt seyn müsse. Man muß -diese Vollkommenheit nicht so verstehen, als wenn das Materielle des -Schertzes, die Sachen worüber man schertzet, und woher man den Schertz -nimmt, unbekannt seyn müsten. Nein, das wäre eine Unvollkommenheit die -den gantzen Schertz verderben würde. Ein solcher Spaß wäre viel zu -dunckel, als daß er solte verstanden werden können, und ein Schertz -der nicht eingesehen wird, ist in Absicht auf den, der ihn nicht -einsieht, kein Schertz. Der allerfeurigste Spaß thut keine Würckung, -bey denen die ihn nicht verstehen. Ich glaube daß uns viele Schertze im -+Cicero+, und andern alten Schriftstellern besser gefallen würden, -wenn wir sie nur gantz verstünden. Warum kan niemand über die ~pyxis -Coeliana~ im +Quintilian+ und +Cicero+ lachen? Die Sache -ist uns unbekannt. Man begreift also, wovon ich unten ausführlicher -handeln werde, daß die Sachen womit man schertzet, demjenigen bekannt -seyn müssen, bey dem ein Schertz seine Würckung thun soll. Was ist -aber denn nun das unbekannte, das zur Schönheit eines Schertzes -erfodert wird? Es besteht, mit einem Worte, in dem schertzhaften eines -Spasses. Das was einen Schertz zum Schertz macht, die Form desselben, -der Schwung der Gedancken, die Vergleichung verschiedener Stücke, und -hundert andere Dinge die das Wesen eines Schertzes ausmachen, müssen -noch unbekannt seyn. Oder, will man es anders ausdrucken, so sage man, -daß ein glücklicher Schertz neu seyn müsse. - - -§. 32. - -Wenn ich sage, daß ein glücklicher Schertz noch neu und unbekannt -seyn müsse, so verstehe ich das nicht nur von den Personen, denen der -Schertz vorgetragen wird, sondern auch von der schertzenden Person -selbst. Ein Mensch der einen ihm schon bekannten Schertz vorträgt, -beweißt alsdenn keine Stärcke seines scharfsinnigen Witzes. Er braucht -nichts weiter als sein Gedächtniß, und er verhält sich dabey nicht -anders als ein Geschichtschreiber, der die Schertze eines andern -erzehlen kan, ohne selbst ein spaßhafter Kopf zu seyn. Es ist wahr, -wenn ein solcher Schertz nur den Zuhörern noch unbekannt ist, so kan -er bey ihnen alle Würckungen eines feurigen Schertzes hervorbringen. -Derjenige, der den Schertz erzehlt, darf sichs nur nicht mercken -lassen, daß ihm derselbe schon längst bekannt gewesen ist. Dem -ohnerachtet behält ein solcher Spaß einen Fehler, der von andern nur -darinn unterschieden ist, daß er nicht so mercklich ist. Noch viel -nöthiger aber ist es, daß ein Schertz der glücklich gerathen soll, den -Zuhörern noch neu und unbekannt sey. Haben sie ihm schon unzählige mal -gehört, so ist er was altes, und er verliehrt alles das Feur, welches -ihm nichts anders als die Neuigkeit geben kan. - - -§. 33. - -Das neue hat jederzeit eine Schönheit, die alle dem fehlen muß, was -alt ist. Das alte wird uns zur Gewohnheit, man gibt nicht mehr drauf -achtung, die Vorstellung desselben verdunckelt sich nach und nach, und -wir werden natürlicher Weise verdrießlich, ein und eben dasselbe so oft -zu dencken, weil die Seele keinen Zuwachs der Erkenntniß, so ein Mangel -einer Vollkommenheit ist, dabey fühlt. Was uns aber noch neu ist, -beschäftiget unsere gantze Aufmercksamkeit, es entsteht darüber eine -Art einer angenehmen Verwunderung, unsere Seele freuet sich heimlich -über den Anwachs ihrer Erkenntniß, welcher überhaupt betrachtet eine -Vollkommenheit ist. Kurtz, eine Vorstellung die bey uns gantz neu -ist, hat ein Licht welches viel zu angenehm ist, als daß wir es nicht -mit Vergnügen sehen solten. Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, welchen -vor dem was neu ist eckelt, und die sich in das Alterthum dermassen -verliebt haben, daß sie mit einem innigern Vergnügen die Schrift auf -einer verrosteten Müntze lesen, als den Beweis einer neuen Wahrheit -durchdencken. Allein ich weiß auch, daß diese Bewunderer des Alterthums -meinen Satz bestätigen. Nimmermehr würden sie ein verschimmeltes -Manuscript mit Vergnügen ansehen, wenn es in ihrer Vorstellung nicht -etwas neues wäre. Nein, es bleibt dabey, die Natur bleibt sich überall -ähnlich, das alte in so fern es alt ist kan niemals uns das Vergnügen -geben, welches Neuigkeiten verursachen, als in so fern unsere Gedancken -davon neu sind. Die Neuigkeit ist also eine Schönheit des Schertzes, -welche reitzt. Man kan hinzu thun, daß die Neuigkeit eines Schertzes -ein untrüglicher Beweiß sey, daß ihn der schertzende selbst gemacht -hat. Die Stärcke und Geschicklichkeit seines scharfsinnigen Witzes -leuchtet darinn unleugbar hervor, und gibt dem Schertze eine Anmuth, -die eine Bewunderung des Urhebers verursacht. Ein Schertz der feurig -seyn soll, muß wenigstens einen gantz neuen Gedancken enthalten, der -zu dem schertzhaften in demselben gehört. - - -§. 34. - -Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt und frostig seyn, der von -Vater auf Sohn fortgepflanzt worden. Man solte, bey manchen Spassen, -womit sich verfrorne Köpfe breit machen, fast auf die Gedancken -gerathen, daß es Familien-Spasse gebe; und daß man, wenn die dunckeln -Zeiten diese wichtige Nachricht nicht entrissen hätten, den Ursprung -mancher Schertze vor den Hunnen Kriege finden könnte. Es ist nichts -natürlicher, als daß ein Sohn die Schertze seines spaßhaften Vaters -bewundert und sich mercket. Kan man wohl anders dencken, als ein -Vater werde sich über sein kluges Kind hertzlich freuen müssen, wenn -es so gelehrig ist, und die Schertze seines Vaters wieder an Mann zu -bringen weiß? Ich betrüge mich entweder, oder die mehresten Spasse, -die man im gemeinen Leben hört, sind geerbte Spasse, nur daß sie, -wie bey allen mündlichen Ueberliefferungen zu geschehen pflegt, denn -und wenn eine kleine Veränderung auszustehen haben. Ein Schertz der -scharfsinnigen Köpfen, und einem gereinigten Geschmacke gefallen soll, -muß unsern Vätern unbekannt gewesen seyn. Man hat sich dabey nicht -nach den Beyfall des grösten Hauffens zu richten. Ich weiß wohl, daß -unter denselben ein verdorbener Geschmack herrscht, dem solche ererbte -Schertze dennoch zu gefallen pflegen. Allein, das ist ein Beweis der -abgeschmackten Beschaffenheit eines Spasses, wenn er einem frostigen -Kopfe gefällt, und es bleibt wahr was +Horatz+ gesagt: - - ~Nec, si quid fricti ciceris probat & nucis emtor, - Aequis accipiunt animis, donantue corona.~ - - -§. 35. - -Ein Schertz der feurig seyn soll, muß nicht zur Mode geworden seyn. -Ein Mode Schertz ist viel zu bekannt, und alt, als daß er einiges Feur -behalten solte. Man kan leicht dencken, was ein feuriger Witz vor -Vergnügen finden wird, in den gewöhnlichen artigen Zusammenkünften, -da sich ein jeder bemüht die Gesellschaft, mit spaßhaften Einfällen -nach der Mode, zu unterhalten. Will man Exempel solcher abgeschmackten -Schertze hören, so darf man nur mit einem kleinen Herrn umgehen. Ein -kleiner Herre ist eine Archiv aller Dinge die zur Mode gehören. Sein -Kopf start vor Menge der artigen Einfälle, welche im Schwange gehen. -Er bringt mit inniger Zufriedenheit hundert lustige Einfälle vor, die -tausend andere ebenfals sagen. Es müste jemand sehr wenigen Umgang -haben, dem nicht hundert Schertze von solcher Art beyfallen solten. -Doch kan ich mich nicht enthalten derjenigen zu erwehnen, die man durch -eine Anspielung auf solche Dinge macht, die mir die Schamhaftigkeit zu -nennen verbiethet. Ich will nicht sagen, daß diese abgeschmackten Zoten -viel zu schmutzig sind, als daß sie einem ehrbaren Menschen solten -anständig seyn. Ich sage nur, daß derjenige einen sehr armseeligen -Witz blicken läßt, der mit Schertzen aufgezogen kommt die unter den -Pöbel im Schwange gehen, und davon man Millionen ähnliche und gantz -gleiche Schertze antrift. Muß das nicht ein allerliebster Umgang mit -Frauenzimmer seyn, wo man seiner Schönen mit dergleichen witzigen -Einfällen zu schmeicheln sucht? Die Kützelung, die durch einen solchen -frostigen Schertz entsteht, rührt gewiß nicht aus dem sinnreichen -desselben her, sondern aus dem Inhalte desselben, der allein im Stande -ist, die Lebens Geister eines schmutzigen Gehirns, zu reitzen. Es sey -also ferne, daß ich solche Mode Schertze billigen solte, sie gehören -unter die Zahl derjenigen, die ein guter Geschmack für abgeschmackt -hält. Doch was kan man wohl hoffen? Kan man wohl glauben, daß die -Liebhaber dieser Schertze sich bessern werden, wenn man ihnen auch -die Wahrheit noch so deutlich sagt? Ich zweiffele sehr daran. Sie -wollen mit aller Gewalt spaßhafte Köpfe seyn, sie selbst können -nicht schertzen, ist es wohl anders möglich, als daß sie zur Mode -ihre Zuflucht nehmen? Uberdem finden solche frostige Köpfe jederzeit -Bewunderer ihres Witzes: - - ~vn sot trouve touiours un plus sot qui l’admire~ - - _Boileau._ - -So lange es demnach Leute gibt die ihrer Natur zum Possen schertzen -wollen; So lange es Leute gibt, die einen Mode Schertz bewundern, so -lange werden auch die Mode Schertze ihr altes Recht behaupten. - - -§. 36. - -Der vorhergehende Absatz veranlaßt mich zu einer Critik, über eine -Stelle im +3. Buch der Odyssee+. +Homer+ läßt den +Demodocus+ die -Rache des +Vulcans+ besingen, die ihm die Eifersucht über seine -Frau eingeblasen. +Vulcan+ war von der Untreue seiner +Venus+ -benachrichtiget worden, und weil er sich auf seine Füsse zu verlassen -keine Ursach fand, so hatte er Grund zu zweiffeln die +Venus+ auf -frischer That einmal zu ertappen. Er ersan eine List, die man von einem -Schmidt, der eine Gottheit ist, vermuthen kan. Er verfertigte eine -unsichtbare Schlinge, die unzerbrechlich war, und die er nur selbst -aufzulösen vermochte. +Venus+ und +Mars+ werden gefangen. +Vulcan+ -erblickt seinen Fang, und hebt ein so erbärmliches Geschrey an, wozu -Rache, Eifersucht, Zorn und Verspottung einen Ehemann in ähnlichen -Umständen nur immer zu vermögen im Stande sind. Alle Gottheiten -männlichen Geschlechts, denn das Frauenzimmer des +Olympus+ war viel zu -schamhaftig, als daß es bey dieser schmutzigen Begebenheit erscheinen -solte, kommen zu Hauffe, und bewundern die List des +Vulcans+. Wer -+Homers+ Götter kennt wird mit leichter Mühe errathen können, was ein -jeder von ihnen, bey diesem Anblicke, wird gedacht haben. +Apollo+ -ist unverstellter als die übrigen, er fragt den +Mercur+, ob er wohl -wünschte sich jetzt in den Umständen zu befinden, in welchen +Mars+ -betroffen worden? +Mercur+ antwortet mit aller der Schalckhaftigkeit, -wozu eine so lustige Gottheit im Stande war. O, sagt er, wenn es nur -wahr wäre, und wenn ich noch dreymal stärcker gefesselt wäre, und -alle Götter und Göttinnen mich sehen solten, so wolte ich doch bey -der unvergleichlichen +Venus+ gerne liegen. Diß war nun der Spaß, -darüber alle Götter anfingen zu lachen. Ich will nicht sagen, daß -dieser Schertz einer Gottheit unanständig sey, und daß +Mercur+, wenn -er ein Philosoph gewesen wäre, ohnfehlbar zur +Cynischen+ Secte gehört -hätte. Der läppische Character den +Homers+ Gottheiten haben kan -damit völlig bestehen. +Homer+ hat auch sehr gut gethan, daß er das -Frauenzimmer zu Hause bleiben lassen, weil er selbst scheint gesehen zu -haben, daß sonst die gantze Begebenheit, und der Spaß den er anbringt, -unerträglicher würde geworden seyn. Ich will auch zugeben daß dieser -Schertz einiges Feuer in anderen Absichten haben könne. Ob er aber neu -genug sey, daran habe ich grosse Ursach zu zweiffeln. Es ist mir sehr -wahrscheinlich, daß +Apollo+, wo nicht eben die Gedancken gehabt, doch -schon die Antwort des +Mercurs+ vorhergesehen. Und ich zweiffele gar -nicht, daß die übrigen Götter eben das gedacht. War also dieser Schertz -in der Versammlung der Götter etwas neues? +Homers+ Fabel macht also -den Schertz des +Mercurs+ auf dieser Seite frostig. Doch ich tadle auch -diesen Schertz aus einem ernsthafteren Grunde. Soll er feurig seyn, so -muß er den Lesern des +Homers+ neu und unbekannt seyn. Kan man dieses -wohl von diesem lustigen Einfalle des +Mercurs+ sagen? Ich habe Ursach -dran zu zweiffeln. Dieser Schertz gehört unter die Alltages Schertze, -deren man mehr, als gut ist, antrift. War dieser Schertz also wohl -werth, daß bey nahe der gantze Himmel drüber lacht? - - -§. 37. - -Wenn ein feuriger Schertz neu seyn soll, so muß ihn der Schertzende -auch keinem andern abborgen. Er muß sich nicht für den Erfinder eines -Spasses ausgeben, den ein anderer erdacht hat. Es gibt auch hier -eine Art eines gelehrten Diebstahls, wird er entdeckt, so verliehrt -der Schertz ein grosses Stück seines Feuers; bleibt er aber auch -verborgen, so fehlt ihm nichts destoweniger eine Schönheit, ob man -gleich diesen Mangel nicht merckt. Wer einen Schertz stiehlt, muß, wenn -er anders nicht ausserordentlich unverschämt ist, mit tausend Aengsten -befürchten, daß es seine Zuhörer mercken werden, denn alsdenn ist ihnen -der Schertz entweder schon bekannt, oder der schertzende wird von ihnen -nicht anders als ein Sprachrohr betrachtet, durch welches, der von -ihnen entfernte Urheber des Scherzes, ihnen seinen lustigen Einfall -mittheilt. Wenn man eines andern Schertze erzehlt, kan man sehr selten -diejenige anständige Dreistigkeit behalten, die zu einem glücklichen -Spasse nöthig ist. Ja was noch mehr. Der Schertz kan in dem Munde -seines Erfinders ein grosses Feur besessen haben, welches verlöscht, -wenn ein anderer eben denselben vortragen will, weil sich beyde in -verschiedenen Umständen befinden, die doch allezeit sich aufs genaueste -passen müssen, wenn der Spaß gerathen soll. Ich will zugeben daß -niemand den Diebstahl merckt, daß derjenige, der den Spaß von andern -entlehnt, die anständigste Dreistigkeit blicken lasse, und daß alle -Umstände sich aufs genaueste schicken. Dem ohnerachtet behaupte ich, -daß der Schertz eine Häßlichkeit behält, weil zwar der Fehler verborgen -ist, aber doch würcklich vorhanden ist. Denn der Schertz ist doch alt, -und der ihn vorträgt ist ein blosser Erzähler desselben. Ich könnte -dergleichen Schertze +Thrasonische+ Spasse nennen. +Thraso+ -beym +Terenz+ im ~Eunuch.~ macht es eben so: - - ~Tuumne, obsecro te, hoc dictum erat? vetus credidi. - Audieras? saepe; & fertur in primis. - Meum est.~ - -Ich rathe demnach einem jeden spaßhaften Kopfe, ja niemals die Schertze -anderer Leute nachzubeten. Sind sie selbst nicht im Stande Erfinder -der Schertze zu seyn, so thun sie viel besser gar nicht zu spassen, -als so verwegen zu seyn, und sich in die Gefahr zu begeben, die Armut -ihres Witzes zu verrathen. Eben das gilt auch von allen denjenigen, die -durch das lesen artiger und sinreicher Schriftsteller, einen Vorrath -artiger Gedancken sich gesamlet haben, die sie bey aller Gelegenheit, -durch eine männliche Nachahmung, wiederum an Mann zu bringen suchen. -Man kan ihnen den Ruhm geschickter und glücklicher Nachahmer manchmal -nicht absprechen. Ein +Bayle+ und +Fontenelle+, kan der Vater unzäliger -kleiner +Bayle+ und +Fontenelle+ seyn. Nur müssen sich diese -kunstmäßigen Abschreiber bescheiden, so lange keinen Anspruch auf einen -witzigen Kopf vom ersten Range zu machen, bis sie Erfinder artiger -Einfälle geworden. - - -§. 38. - -Eine Sache die noch so neu ist wird mit der Zeit alt. Alle Dinge in -der Welt sind der Vergänglichkeit unterworffen, und ein Schertz mag -noch so feurig seyn, so wird er mit der Zeit frostig. Folglich muß ein -Spaß nicht zu oft aufgewärmt werden. Wenn ein Schertz das erstemal -noch so schön gerathen, so wird er das andre mal schon viel von seiner -Lebhaftigkeit verlohren haben, und noch mehr wenn man ihn zum dritten -mal hört. Man kan einen Schertz mit der Zeit ohne Bewegung anhören, -über welchen man sich das erstemal aus dem Othem gelacht hat, und man -verwandelt endlich sein Wohlgefallen über den Spaß, in eine Verachtung -desjenigen, der sich erkühnt uns mit einerley so oft zu unterhalten. - - ~Ridetur chorda qui semper oberrat eadem.~ - - _Hor. art. poet._ - -Ein solcher Schertz wird mit der Zeit gar zu bekant, und man hat grosse -Ursach zu glauben, daß ein scharfsinniger Witz nicht eben gar zu groß -und fruchtbar seyn müsse, der sich durch einen einzigen glücklichen -Schertz erschöpft zu haben scheint, weil er immer denselben und keinen -neuen vorträgt. Ja der, so diesen Fehler in Schertzen begeht, bezeigt -gar zu wenig Hochachtung gegen seine Zuhörer. Er glaubt entweder, daß -sie kein gutes Gedächtniß haben, und daß ihnen also einerley Sache -immer neu bleiben müsse; oder daß sie nicht witzig genug gewesen, -seinen Spaß schon hinlänglich zu verstehen; oder daß sie gar zu -flatterhaft sind, und die schlechteste Ursach zum lachen ergreiffen, -sich lustig zu machen. Alles dieses wird dem Schertzenden sehr wenig -Hochachtung bey seinen Zuhörern zu wege bringen. Nein, ein Schertz der -einmal geglückt, muß Zeitlebens nicht wieder vorgetragen werden. Oder, -will man mehr Gelindigkeit von mir fodern, so kan ich zwar die Zahl der -Wiederholung nicht bestimmen; doch, nach meinem Geschmacke, gefält mir -ein Schertz noch ziemlich, den ich zum zweyten oder dritten mal höre, -wird er mir aber zum vierten oder fünften mal gesagt, so erweckt er in -mir entweder Gleichgültigkeit, oder Verdruß. Das, was ich jetzo von -Schertzen gesagt habe, kan man auch von einem jeden artigen Gedancken -und Einfalle sagen. Ein Schriftsteller, der eine gewisse Anzal artiger -Einfälle zu haben scheint, die er so oft vorbringt, als er redet oder -schreibt, scheinet mir einen sehr eingeschränckten Vorrath davon zu -besitzen, und macht seine Schrift, bey vernünftigen Lesern eckelhaft. - - -§. 39. - -Ich kan mich hier nicht enthalten einen Fehler anzumercken den manche, -die mit Gewalt, es koste was es wolle, lustige Gesellschafter seyn -wollen, begehen. Sie samlen sich einen ziemlichen Vorrath kleiner -poßirlichen Histörchen, die sie in allen Gesellschaften mit einer -kützelnden Zufriedenheit erzehlen. Sie haben ihren eigenen Witz -dergestalt verwöhnt, daß sie nicht lustig seyn können wenn sie diese -Lappalien nicht vortragen. Und wer solche Leute kennt der pflegt, so -bald sie den Faden ihrer Geschichte anfangen, zu sagen, ja ja! nun -kommen die Historien, nun werden sie aufgeräumt. Ich will nicht sagen, -daß es unverschämt gehandelt sey, eine gantze Gesellschaft mit Dingen -zu unterhalten, die man ihnen wohl tausendmal gesagt hat. Ich sage nur, -daß dis ein Zeichen eines sehr matten und frostigen Witzes sey, wenn -man einerley schertzhafte Einfälle, so oft wiederholt. Wollen diese -lebendigen Chronicken etwa einwenden, daß die Gesellschaft gleichwol -lache, so bitte ich sie achtung zu geben, ob ein solches lachen nicht -vielmehr eine erzwungene Höflichkeit sey, die man ihnen beweißt, weil -man sich doch genöthiget sieht, mit ihnen umzugehen. Wenn sie sich die -Mühe nehmen wollen diese Beobachtung zu machen, so werden sie gewahr -werden, daß mancher über ihre Erzehlungen lacht, indem er mitten im -Gähnen begriffen war. Doch kan es seyn daß sie sich in Gesellschaft mit -Leuten von frostigen Witze und üblen Geschmack befinden, und alsdenn -versichere ich ihnen, daß diese lachen werden, und wenn sie ihre -Historien ihnen noch tausendmal vortragen solten. - - -§. 40. - -Noch ein Fehler ist zu bemercken, welcher der Schönheit eines -Schertzes, so aus der Neuigkeit desselben entspringt, zu wieder ist. Es -besteht derselbe darin, wenn man gar zu aufgeräumt ist, und in kurtzer -Zeit gar zu viel Schertze hinter einander vorträgt. +Cicero+ hat -denselben auch bemerckt, im +andern Buche vom Redner+: ~Hoc -opinor primum, ne, quotiescunque potuerit dictum dici, necesse habeamus -dicere~. Ein jeder dieser Schertze kan an sich sehr schön seyn, -und, wenn er allein vorgetragen wird, alles das Feur besitzen, so zu -einem angenehmen Schertze erfodert wird. Allein weil er unter einer gar -zu grossen Menge anderer Schertze vorgetragen wird, so erkaltet er. -Man wird des lachens auch müde. Unsere Seele liebt die Veränderungen, -eine Belustigung die gar zu lange einträchtig bleibt, wird matt und -verliehrt ihre Anmuth. Alle glückliche Schertze erwecken in der Seele -ein ähnliches Vergnügen, ist es also nicht natürlich, daß, wenn in -kurzer Zeit, gar zu viele Schertze auf einander folgen, die folgenden -immer frostiger werden müssen, je weiter sie von dem ersten entfernt -sind? Alle sinnliche Lust wenn sie aufs höchste getrieben worden, -nimt von selbst natürlicher Weise wieder ab. ~Omnibus in rebus -voluptatibus maximis fastidium est finitimum.~ +Cicero+ im -+dritten Buch vom Redner+. Es streitet wider die Natur der Seele, -viele feurigen Schertze hinter einander, mit gleicher Lebhaftigkeit, zu -fühlen, die letztern haben keine völlige Neuigkeit mehr, weil sie das -Vergnügen, das die vorhergehenden erweckt haben, nur durch einen etwas -veränderten Grund verursachen, oder vielmehr nur fortsetzen. Es ist -demnach natürlich, daß uns das Schertzen endlich verdrießlich werden -muß, wenn es in einem, durch eine geraume Zeit, fortgeht. - - ~Quem bis terque bonum cum risu miror, & idem - Indignor.~ - - _Hor. de art. poet._ - -Sollen alle unsere Schertze glücklich seyn, so muß man nicht zu viel -auf einmal, und kurtz hinter einander spassen. Es ist demnach eine -Maxim die der Vollkommenheit der Schertze nachtheilig ist, wenn -man annimt, daß ein Schertz, der an sich feurig ist, auch könne -vorgetragen werden, ohne weitere Betrachtungen dabey anzustellen. -Ein schertzhafter Kopf muß kein Verschwender, sondern ein sparsamer -Haußhalter seyn, der für das künftige sorgt. Hat er in manchen -Stunden einen gar zu starcken Zufluß von Schertzen, so bedencke er, -daß theure Zeiten kommen können, da bey ihm die Schertze sehr rar -seyn möchten. Die Leute, die manchmal gar zu lustige und aufgeräumte -Stunden bekommen, besitzen einen Witz, der mir einem gewaltigen -Strohme gleich zu seyn scheint, bey welchen, wenn er einmal seinen Dam -durchbrochen, kein aufhalten ist. Es ist wahr, wir sind, wenn wir auch -noch so feurige Köpfe wären, nicht immer zum spassen aufgelegt; aber -man kan doch sagen, daß es möglich sey sich vor den Fehler zu hüten, -den +Horatz+ an den Sängern bemerckt hat. _Satt. L. I. Sat. -III._ - - ~Omnibus hoc vitium est cantoribus, inter amicos - Vt nunquam inducant animum cantare rogati. - Iniussi nunquam desistant.~ - - -§. 41. - -Ich will durch alle die bisherigen Regeln nicht fodern, daß der gantze -Schertz von dem schertzenden erst müsse erfunden werden, ob ich gleich -behaupte, daß das die schönsten Schertze dieser Art sind, welche der -schertzende erschaffen hat, und das erstemal vorträgt. Man kan einen -von andern gehörten Spaß vortragen, ja man kan seine eigene Spasse -wieder aufwärmen, wenn nur etwas neues dabey vorkommt. Folglich muß -wenigstens der schertzende mit Wahrheit behaupten können, daß er etwas -an dem Schertze, den Augenblick erst, erfunden habe. Solche Schertze -sind auch schön, ob gleich nicht in dem Grade, als die ganz neuen. Es -kan hier eben so gehalten werden, als in den Wissenschaften. Man kan -daselbst Wahrheiten von andern entlehnen, wenn man sie mit einiger -Veränderung und Zusatz vorträgt, oder auch nur auf eine andere Art -beweißt, und andere Folgen daraus herleitet, so kan man sich für -den Erfinder einiger Theile dieser Wahrheit mit Recht ausgeben. Man -kan daher andern ihre Spasse abborgen, ein kleiner Umstand, den wir -hinzu oder wegthun, gibt uns ein Recht denselben eines theils für -den unsrigen auszugeben. Wenn wir ihn auch nur in andern Umständen -vortragen, und ihn so geschickt vorzubringen wissen, daß es natürlich -zu seyn scheint, auf einen solchen schertzhaften Einfall zu kommen, so -fehlts demselben doch nicht an aller Neuigkeit. - - -§. 42. - -Ich habe zur dritten Schönheit der Schertze, die Verschiedenheit der -Dinge, die man mit einander vergleicht, angenommen. §. 28. Wenn die -Dinge gar nicht mercklich, oder doch in einem sehr geringen Grade -verschieden sind, so verursacht die Entdeckung ihrer Ubereinstimmung, -entweder gar keinen, oder doch einen sehr frostigen Spaß. Ich will -nicht wieder sagen, daß ein solcher Spaß frostig sey, weil er von -einem sehr matten Witze seinen Ursprung hat, denn das habe ich schon -§. 20. angemerckt. Sondern ich habe noch andere Ursachen, warum ich -behaupte, daß ein feuriger Schertz von Dingen, die in einem hohen -Grade verschieden sind, müsse entlehnt werden. Ich werde unten -darthun, daß wir lachen, wenn wir einen Wiederspruch in Kleinigkeiten -gewahr werden. Soll nun der Spaß zum lachen reitzen, so muß er einen -solchen Wiederspruch entdecken. Das wird gewiß nicht geschehen, wenn -man Dinge, deren Uebereinstimmung groß, und augenscheinlich ist, mit -einander vergleicht. Nimt man aber Dinge, die sehr verschieden sind, -und deren Verschiedenheit offenbar, und in die Augen fält, und entdeckt -in ihnen eine Uebereinstimmung, so scheint das ein Wiederspruch zu -seyn, und wir erhalten unsern Zweck. Man kan hinzu thun, daß sonst -der Spaß nicht neu und unerwartet genug seyn würde. Dinge die gar zu -mercklich mit einander übereinkommen, sind sehr leicht zu vergleichen, -ein jeder der sie betrachtet, kan mit einer geringen Aufmercksamkeit -die Uebereinstimmung gewahr werden. Wird man jemanden also wohl viel -neues sagen, wenn man sich die Mühe macht, ihm in solchen kleinen -Entdeckungen zu helfen? Nein, Dinge worüber man glücklich schertzen -will, müssen eine sehr unmerckliche Uebereinstimmung haben. Ihre -Verschiedenheit muß so mercklich und groß seyn, daß sie dem Ansehen -nach nichts mit einander gemein zu haben scheinen. Oder, wenn sie -auch mit einander in manchen Stücken übereinkommen, so muß doch die -Ubereinstimmung, die wir durch unsern Schertz in ihnen entdecken -wollen, dergestalt beschaffen seyn, daß sie der Verschiedenheit -derselben zu wiedersprechen scheint, und daß man daher Ursach zu -glauben hat, daß keiner von unsern Zuhörern, ohne unsern Schertz, diese -Entdeckung würde gemacht haben. - - -§. 43. - -Wenn ein Schertz nicht die gemeldete Eigenschaft besitzt, so ist er ein -so stumpfer Einfall, daß er für keine Geburth der Scharfsinnigkeit kan -angesehen werden. Ein feuriger Schertz muß nicht nur durch den Witz -gewürckt werden, sondern es muß auch darin eine grosse Scharfsinnigkeit -hervorleuchten. Kan dieses wohl möglich seyn, wenn die verglichenen -Dinge mit einander sehr übereinkommen? Nein, wenn ein Schertz nicht ein -Schertz seyn soll, - - ~ quem praecepit - Rusticus, abnormis sapiens, crassaque Minerua.~ - - _Hor. Sat. L. II. Sat. II._ - -so muß man nicht, wenn man schertzen will, handgreifliche -Uebereinstimmungen vorbringen. Ein feuriger Schertz muß so fein und -scharfsinnig seyn, daß er von einem plumpen Kopfe nicht eingesehen -werden kan. Das kan nicht anders erhalten werden, als wenn man den -Schertz dergestalt einrichtet, daß derjenige, der ihn begreiffen -will, erst vorläufig einen grossen Unterschied gewahr werden muß. Das -gemeine Leben könnte mir hier wieder eine ansehnliche Menge solcher -stumpfen Spasse an die Hand geben, wenn ich glaubte daß der Versuch, -den Geschmack des Pöbels zu verbessern, einen mercklichen Nutzen haben -könnte. - - -§. 44. - -Zur Verschiedenheit der Dinge wird ihre Unähnlichkeit, die -Verschiedenheit ihrer Beschaffenheiten, gerechnet. Soll demnach ein -Schertz gerathen, so müssen die Dinge, womit man schertzet, eine -augenscheinliche Unähnlichkeit haben, die so groß und mercklich ist, -daß man keine Aehnlichkeit in ihnen gewahr wird, wenn man sie nicht mit -der äussersten Aufmercksamkeit betrachtet. Wenn man die mercklichen und -augenscheinlichen Aehnlichkeiten der Dinge entdeckt, so kan man zwar -sagen, daß man eine gute Allegorie, oder andere witzige Vergleichungen, -gemacht habe, aber ein Schertz kan eine solche Entdeckung nicht genennt -werden. So wenig man darüber lachen würde, wenn ein Maler sein Bild dem -Originale so ähnlich macht als möglich, so wenig wird man durch die -Anzeige der offenbaren Aehnlichkeit zweyer Dinge zum lachen gereitzt -werden. Der König in Franckreich, +Ludewig der eilfte+, gibt -mir ein Exempel von einem Schertze, der diese Schönheit an sich hat. -Man erzehlt daß er, da ihm die Nachricht überbracht worden, daß ein -gewisser ungelehrter Mensch, einen sehr schönen Büchervorrath besitze, -geantwortet habe: dieser Mensch sey wie ein bucklichter, der eine Last -auf den Rücken trage, die er nicht sehen könne. Man wird ohne mein -Erinnern mir zugestehen, daß ein ungelehrter Besitzer einer schönen -Bibliothek, und ein ausgewachsener Mensch, zwey Dinge sind, deren -Unähnlichkeit groß und handgreiflich genug ist. - - -§. 45. - -Die andere Art der Verschiedenheit ist die Ungleichheit, die -Verschiedenheit der Grösse. Ich bin überzeugt daß nichts lächerlicher -und thörichter könne gedacht werden, als wenn sich kleine Dinge grossen -gleichschätzen wollen. Die belachenswürdige Thorheit eitler und -hochmüthiger Menschen, besteht ja eben darin, daß sie sich über sich -selbst ausdehnen wollen, und dem Frosche in der Fabel ähnlich sind, -der gerne so groß seyn wolte als ein Ochse. Meines Erachtens kan also -kein Schertz stärcker zum lachen reitzen, als derjenige, welcher Dinge -vergleicht, die der Grösse nach unendlich verschieden sind. Ich sage -nicht, daß man die grossen Dinge denen kleinen gleich schätzen solle, -das könnte nicht nur manchmal eine Frucht der Dumheit, Unwissenheit, -Grobheit und Unverschämtheit seyn, sondern es würde auch in vielen -Fällen nicht lächerlich seyn, weil alle grossen Dinge, der Wahrheit -gemäß, den kleinen gleich sind, wenn man von ihnen dasjenige absondert, -wodurch sie die kleinen übertreffen. Meinem Bedüncken nach, ist das -eigentlich lächerlich, wenn man kleine Dinge denen grossen gleich -schätzt. Das Grosse bleibt dabey in seinen Würden und Vorzuge, und man -hütet sich vor den Verdacht der Leichtsinnigkeit. Der Wiederspruch ist -dabey so mercklich, daß es nothwendig lächerlich seyn muß. Wird man -nicht starck zum Lachen gereitzt wenn man beym +Ausonius+, ~Epigr. -XCV.~ die Begebenheit des +Faustulus+ ließt? +Faustulus+ ritte auf -einer Ameise. Da diese den Koller bekam, warf sie den unglückseeligen -+Faustulus+ herunter, schlug hinten aus, und versetzte ihm einen -dergestalt tödtlichen Stoß, daß er in seiner Todesstunde nur noch zu -seinem Troste sagen konnte: Er habe eben so einen schweren Fall gethan -als +Phaeton+. - - ~Faustulus insidens formicae, vt magno elephanto - Decidit, & terrae terga supina dedit. - Moxque idem est ad mortem multatus calcibus eius - Perditus vt posset vix retinere animam. - Vix tamen est fatus: quid rides improbe livor? - Quod cecidi? cecidit non aliter Phaëton.~ - -Ein feuriger Spaß muß also unter Dingen, die der Grösse nach fast -unendlich verschieden sind, eine Verhältniß, eine Gleichheit entdecken. -Ich will eben nicht sagen, daß dis zu allen feurigen Schertzen -nöthig sey. Manchmal kan man zwey Dinge der Grösse nach nicht mit -einander vergleichen, weil man nur auf ihre Aehnlichkeit sieht. Doch -ist unleugbar, daß ein Schertz um so viel feuriger seyn müsse, je -ungleicher die Dinge sind, die mit einander verglichen werden. - - -§. 46. - -Keine Dinge sind so verschieden als die einander entgegen gesetzt sind. -In so fern sie entgegen gesetzt sind, haben sie gar nichts mit einander -gemein. Man begreift also mit leichter Mühe, daß die Vollkommenheit -eines Schertzes, von der ich bisher rede, nicht besser erhalten werden -kan, als durch die Verbindung und Vergleichung wiederwärtiger Dinge. -Und o! was entdeckt sich hier für eine fruchtbare Quelle der Schertze! -Ich begnüge mich dieselbe bloß angezeigt zu haben. Exempel trift man -in grosser Menge in den Satirischen Schriften an, welchen die Ironie -die Stacheln gibt. Die Quelle der Ironie ist eben das entgegengesetzte -desjenigen, worüber man spotten will. Und wenn sonst alles seine -Richtigkeit hat, so müssen die Schertze, die daher genommen werden -nothwendig gerathen. Es sind demnach alle sinnreichen Einfälle matte -Schertze, wenn sie keine grosse Verschiedenheit der Dinge, womit man -schertzet, zum Grunde haben. Sie können sonst alle Schönheiten eines -sinreichen Einfals haben, und in dieser Absicht angenehm seyn, nur muß -man ihnen den Namen der Schertze nicht beylegen, denn zu diesen wird -auch Scharfsinnigkeit erfodert. - - -§. 47. - -Aus dem, was bisher gesagt worden, erhellet von selbst, warum manche -Leute mit ihren spaßhaften Einfällen, einem zur Last werden. Es sind -das alle diejenigen die einen gar zu lebhaften Witz besitzen, der -von einer schlechten Beurtheilungskraft regiert wird. Der Mangel -der Beurtheilungskraft erhält seinen Ursprung aus dem Mangel der -Scharfsinnigkeit. Es ist also klar, daß solche spaßhafte Köpfe -einen viel zu lebhaften Witz besitzen, mit Ausschliessung der -Scharfsinnigkeit, als daß sie glücklich in Schertzen seyn sollen. -Muß das nicht verdrießlich seyn, wenn man mit lauter Anspielungen, -Allegorien, tropischen Redensarten, und dergleichen unterhalten -wird, wenn man diese Dinge für artige Schertze halten soll? Ich -rathe daher einem jedweden witzigen Kopfe, nicht gleich einen jeden -sinnreichen Einfall für einen Schertz zu halten und auszugeben, sondern -jederzeit zu bedencken, ob der Witz durch die nöthige Scharfsinnigkeit -unterstützt worden. Wenn man diese Behutsamkeit verabsäumt, so kan es -leicht geschehen, daß uns unser Witz ein Blendwerck vormacht, und wir -dadurch genöthiget werden, Dinge in solchen Stücken zu vergleichen, -worin sie doch von einander unterschieden werden. Ein solcher Irrthum -macht unsern sinreichen Einfall abgeschmackt, und um so viel unwürdiger -ein guter Schertz zu heissen. - - -§. 48. - -Ich komme zur vierten Schönheit der Schertze §. 25. Ein feuriger -Schertz, muß sehr viele und grosse Uebereinstimmungsstücke, der -verglichenen Dinge, entdecken. Dadurch wird ausser der Stärcke -des Witzes, die alsdenn in dem Schertze mercklich wird, eine -Vollkommenheit in demselben hervorgebracht, welche in Verwunderung -setzt, die Sache lächerlich macht, und ungemein belustiget. Wenn -die Sachen, wie die vorhergehende Schönheit der Schertze erfodert, -ungemein unterschieden sind, und doch eine vielfältige und grosse -Uebereinstimmung unter ihnen entdeckt wird, so ist das so etwas -unerwartetes, welches ein angenehmes Erstaunen und Verwunderung -verursacht. Man bewundert ja alle diejenigen Dinge, die man als -etwas ansieht, so man vorher gar nicht gedacht hat. Es scheint -wiedersinnisch zu seyn, daß so sehr verschiedene Dinge, doch eine so -grosse Uebereinstimmung haben, und das ist eine kräftige Reitzung zu -lachen. Wolte man wohl zweiffeln, daß diese Verwunderung und dieses -lachen etwas unangenehmes sey? Es kan nicht anders seyn, als daß aus -dem Gewahrwerden dieser Uebereinstimmung, eine Belustigung entsteht, -weil die Uebereinstimmung der Dinge überhaupt eine Schönheit und -Vollkommenheit ist. - - -§. 49. - -Wenn ich sage, daß ein Schertz viele und grosse Vergleichungsstücke -entdecken müsse, so will ich nicht behaupten, daß man durch eine -weitläuftige Erzehlung dieser Stücke, den Schertz vortragen -solle. Nein, dadurch würde der Schertz frostig werden. Man kan -auch mit wenigen Worten sehr viel sagen. Genug, wenn man es nur -sagt. Man muß seinem Zuhörer nur ein weites Feld eröfnen, die -Uebereinstimmungsstücke selbst zu errathen, man muß ihn aber auch -selbst gleichsam, zu dieser Untersuchung, zwingen. Ich sage jetzt -nichts weiter, als daß durch einen Schertz dem Zuhörer mit einem mal, -eine sehr grosse und mannigfaltige Ubereinstimmung der verglichenen -Dinge vorgestelt werden müsse. Unser Schertz muß ein sehr kurzer -Inbegriff sehr vieler Vergleichungsstücke seyn. Er muß einem Abgrunde -ähnlich seyn, in welchem man immer mehr erblickt, je länger man in -denselben hinein sieht. Es versteht sich von selbst, daß es wahre -Vergleichungsstücke seyn müssen. Ein Blendwerck des Witzes, wodurch uns -eine Verschiedenheit als eine Ubereinstimmung vorgestelt wird, kan nur -so lange eine ungegründete Lust verursachen, so lange wir in Verwirrung -und Irrthum bleiben. So bald der Nebel und das Blendwerck verschwunden, -schämen wir uns, daß wir über einen Gedancken gelacht haben, der ein -Hirngespinst gewesen. Doch davon werde ich weiter reden wenn ich die -Wahrheit der Schertze untersuchen werde. - - -§. 50. - -Durch diese Eigenschaft bekommt ein Schertz eine Schönheit, die ihm -nichts anders zu geben vermag. Ein Schertz, der diese Beschaffenheit -hat, gefält uns, so oft wir uns dessen wieder erinnern. So oft wir -ihn von neuen überdencken, erblicken wir mehrere Vergleichungsstücke. -Dadurch entsteht nicht nur ein neues Vergnügen, sondern wir sind auch -mit uns selbst zufrieden, weil wir überzeugt werden, daß wir einen -Schertz gebilliget, und darüber gelacht haben, der es vollkommen werth -gewesen. Wir freuen uns heimlich über unsern guten Geschmack, und sind -versichert, daß wir uns, durch das belachen dieses Spasses, keiner -flüchtigen Leichtsinnigkeit verdächtig gemacht haben. Mit einem Wort, -ein Schertz der diese Eigenschaft besitzt, hat diejenige Schönheit die -+Ovidius+, ~Epist. ex pont. L. III. ep. V.~ an einer andern -Sache rühmt. - - ~Cumque nihil, toties lecta, e dulcedine perdant. - Viribus illa suis, non nouitate placent.~ - -Ich widerspreche mir nicht. Ich habe zwar erwiesen, daß ein alter -Schertz mat und frostig werde, das ist aber meinem jetzigen Gedancken -nicht zu wieder. Es ist gantz ein anders, wenn man einen Schertz, -als einen Schertz, sich oft muß vorsagen lassen, und wenn man eines -Schertzes, den man von andern nur einmal gehört hat, sich oft wieder -erinnert. Ich rede auch hier von einer andern Art des Vergnügens, so -von dem gantz unterschieden ist, so aus der Neuigkeit entsteht. Ja -man füge hinzu, wie ich niemals behauptet, daß die Neuigkeit eines -Scherzes die einzige Schönheit desselben sey, und noch weniger, daß -alles Vergnügen über einen Spaß, gantz allein aus dem neuen desselben -entstehe. Noch einmal, ein guter Schertz muß ein Thema seyn, darüber -ein witziger Kopf, einen sehr langen allegorischen und Emblematischen -Vortrag halten könnte. - - -§. 51. - -Die Ubereinstimmungsstücke sind entweder Aehnlichkeiten, oder -Gleichheiten, oder beydes zusammen. Ein glücklicher Spaß muß demnach, -viele und grosse Aehnlichkeiten und Gleichheiten entdecken. Es -ist wahr, die blosse Aehnlichkeit kan manchmal zureichen, allein -ich glaube doch, daß die Gleichheiten und Proportionen derselben, -erst dem Schertze die rechte Schönheit auf dieser Seite geben. Die -Aehnlichkeiten fallen eher in die Augen, können leichter entdeckt -werden, und es ist weniger Scharfsinnigkeit zu ihrer Entdeckung nöthig. -Allein die Vergleichungen der Grössen erfodern mehr durchdringenden -Verstand. Man muß die Grössen ausmessen, und sie mit einander -vergleichen. Kan nun das unsere Seele gleichsam im Augenblicke -verrichten, so beweißt sie dadurch ihre Stärcke in ausnehmenden -Grade. Die Entdeckungen der Aehnlichkeiten können viel unrichtige -Gedancken verursachen, wenn sie nicht durch eine genaue Beobachtung der -Proportion in ihren gehörigen Schrancken erhalten werden. Alle einzelne -Theile eines Gesichts können schön seyn, haben sie aber nicht die -gehörige Proportion, so wolte ich nicht sagen, daß das Gesicht reitzend -sey. Man kan sagen, daß die Proportion der Grundriß der Schönheit -überhaupt sey. Kan wohl die Schönheit eine Schönheit seyn, wenn der -Plan, nach welchen sie aufgeführt worden, nichts taugt? Ich sage also, -daß ein Schertz abgeschmackt werden müsse, ob er gleich viele und -grosse Aehnlichkeiten vorstelt, wenn in denselben gar keine Proportion -ist. Doch wird niemals erfodert, daß die Proportion, die ich zu einem -Schertze erfodere, nach der strengsten Mathematik richtig sey. Ein -wenig mehr oder weniger, thut hier nichts zur Sache. Die Schertze sind -ja ohne dem undeutliche Vorstellungen. Wenn nur die Proportion, dem -Ansehen nach, beobachtet wird, so entsteht die Schönheit, von der ich -rede. Ist doch in der Baukunst nicht einmal diese Strenge nöthig. Die -Proportion kan fehlerhaft seyn, wenn der Fehler nur nicht in die Sinne -fält. - - -§. 52. - -Ich erachte es unnöthig zu seyn hier die Quellen anzuführen, woher -diese Schönheit der Schertze entsteht. Sie sind viel zu bekannt, als -daß ich meine +Leser+ damit aufhalten solte. Alle Metaphern, -Allegorien, und wie sie Namen haben mögen, sind die Gründe zu dieser -Schönheit der Schertze, wenn sonst dabey kein Fehler begangen wird, der -den Spaß frostig macht. - - -§. 53. - -Da die Namen womit gewisse Dinge bezeichnet werden, und überhaupt -die Worte, nicht als innere Bestimmungen der bezeichneten Sachen -selbst anzusehen sind, so macht die Ubereinstimmung der Namen nicht -die geringste Aehnlichkeit und Gleichheit der Sachen selbst aus. -Es sind das demnach sehr frostige Schertze, welche auf der blossen -Ubereinstimmung der Namen und der Worte, beruhen. Die Namen der Dinge -sind viel zu weit, wenn ich so reden soll, von dem Rande der Dinge -selbst entfernt, als daß sie auch nur die geringste Ubereinstimmung -ausmachen könnten, die den Dingen selbst eigenthümlich zugehörten. -Ein spaßhafter Kopf, der seine Schertze bloß in der Uebereinstimmung -der Worte sucht, verräth einen Witz der viel zu mat ist, als daß er -bis in die Sache selbst dringen solle. Die Sachen stehen weiter von -seinem Gesichtspuncte weg, als ihre Namen, und er ist zu kurtzsichtig, -er kan sie nicht erreichen. Nein, solche Spasse sind zu abgeschmackt, -sie können nicht gebilliget werden. Sie können keinen anderm Witze -gefallen, als der weniger Feuer besitzt, als zu einem feinem Geschmacke -erfodert wird. +Cicero+, +im andern Buche vom Redner+, billiget diese -Schertze überhaupt. +Quintilian+ verwirft diese Wort-Schertze auch -nicht gantz in seinen +6ten Buche+, doch gibt er den Schertzen, die aus -der Sache selbst genommen werden, einen grossen Vorzug. - - -§. 54. - -Ich verwerffe in einem feurigen Schertze nicht alle Anspielungen und -Aehnlichkeiten der Worte; sondern nur diejenigen Spasse, die in der -blossen Aehnlichkeit der Worte bestehen. Man kan es daher leicht gewahr -werden, ob ein Spaß diesen Fehler habe. Man darf ihn nur in anderen -Worten ausdrucken, oder in eine fremde Sprache übersetzen, verliehrt -er alsdenn alle sein Feur, so ist er gewiß abgeschmackt. Ein feuriger -Spaß muß in allen möglichen Sprachen ein Schertz bleiben, obgleich -nicht immer in einerley Grade. Man kan sagen, daß ein feuriger Spaß die -Schönheit eines Gedichts haben müsse. Dasselbe muß ein Gedicht bleiben, -man mag die Ordnung der Worte ändern, oder auch andere gleichgültige -Worte an die Stelle der vorigen setzen, - - ~Inuenias etiam disiecti membra poetae.~ - - _Hor. Sat. L. I. Sat. IIII._ - -Folglich muß ein Schertz, aus der Uebereinstimmung der Gedancken und -Sachen selbst, hergenommen werden. Weil aber die Worte, womit man -ähnliche Dinge ausdruckt, ungezwungen ähnlich seyn können, so würde -es beym Schertzen ein unnöthiger Zwang seyn, den ich niemanden rathen -wolte, wenn man die Uebereinstimmung der Worte mit Gewalt vermeiden -wolte. Wenn sie nur nicht die Hauptsache beym spassen ist, und als eine -ungezwungene Folge der Vergleichung der Begriffe anzusehen ist, so -kan die Aehnlichkeit der Worte die Schönheit eines Schertzes wohl gar -etwas vermehren, wenigstens in ein grösseres Licht setzen, indem sie -die Einsicht des Spasses selbst erleichtert. Wenn man dem +Cicero+ -und +Quintilian+ diese Meinung zuschreiben will, so kan man sie -entschuldigen, daß sie die Wort-Schertze gebilliget haben. - - -§. 55. - -Zu diesem Klapperwerck in Schertzen rechne ich alle Zweydeutigkeiten, -Anspielungen auf Nahmen, Versetzungen der Buchstaben, Veränderungen -derselben, Verstimmelungen und Verlängerungen der Namen, und wie -diese Kindereyen alle heissen mögen. Des +Cicero+ ~Jus verrinum~ ist -ein zu oft gepeitschter Spaß, als daß ich nöthig hätte denselben zu -tadeln. Man findet mehr dergleichen in eben diesem Schriftsteller, -insonderheit in seinen Briefen, und in den Reden wieder den +Verres+. -Ich rechne diese abgeschmackten Schertze mit zu den Mode-Spassen und -Jedermans-Einfällen. Die kleinen Herrn wissen sich sonderlich derselben -fleißig in den Umgange mit Frauenzimmer zu bedienen. In allen artigen -Zusammenkünften nach der Mode, sind diese Läppereyen die gewöhnlichsten -Belustigungen. Und man darf sich mit der Hofnung im geringsten nicht -schmeicheln, daß diese Anzahl der Schertze mercklich werde verringert -werden. Es verhält sich hier eben so wie in der Dichtkunst. Grosse -Dichter mögen noch so sehr wider die Wortspiele, und andere Läppereyen -in der Dichtkunst, eiffern, so finden sich doch immer schläfrige -Köpfe genug, welche dem ohnerachtet die Musen durch Wortkrämereyen -mißhandeln. So lange es noch Leute von pöbelhaften Geschmacke und -frostigen Witze gibt, die doch gleichwohl spassen wollen, so lange -werden auch die Wortschertze nicht aufhören. Ein matter und schläfriger -Kopf hat ein viel zu grosses Vergnügen an solchen Wortspielen, als daß -er sie für was elendes ansehen solte. Vor Armseligkeit seines Witzes, -kan er nichts feiners und edlers schmecken, man würde ihm demnach alles -Vergnügen dieser Art rauben, wenn man ihm untersagen wolte, mit blossen -Worten zu spielen. Nein, ein leerer Kopf vergnügt sich selbst über -diese seine Einfälle, er bewundert sich selbst, und er ist der Person -völlig ähnlich die +Boileau+ in folgenden Worten abschildert: - - ~Un sot en ecrivant fait tout avec plaisir, - Il n’a point dans ses vers l’embarras de choisir, - Et toujours amoureux de ce qu’il vient d’ecrire, - Ravi d’etonnement en soi meme il s’admire.~ - -Diese Unsinnigkeit im Schertzen ist manchmal nicht ohne alle Würckung, -bey Leuten die etwas zu furchtsam und zärtlich zu seyn pflegen. Sie -haben, ich weiß selbst nicht ob ich es so nennen soll, das Unglück -einen Namen von ihren Vorfahren zu erben, der abgeschmackten Köpfen, -einen unermeslichen Vorrath zu erbärmlichen Spassen, an die Hand gibt. -Sie sind zu empfindlich ihr Erbgut ohne Veränderung zu behalten. -Allein ist es wohl werth, einem Narren zu gefallen, die Genealogie zu -verwirren? Daß diese letzte Anmerckung eine historische Wahrheit, zum -Grunde habe, kan ich beweisen. Die Gemahlin des +Wilhelm Bautru+, -Grafen von Serrant, der, unter andern, als ein aufgeweckter Kopf -das ~XVII.~ Jahrhunderts, berühmt ist, wolte lieber Frau von -+Nogent+, als von +Bautrou+ heissen, weil sie sich nach der -italienischen Aussprache dieses Namens, unzähligen Stichen, durch ein -Wortspiel auf ~trou~, ausgesetzt hatte. - - -§. 56. - -Ich habe die fünfte Schönheit der Schertze §. 25. darin gesetzt, daß -vor dem Schertze starcke Vorstellungen, von gantz anderer Art, müssen -vorhergegangen seyn. Ich verstehe das nicht nur von dem schertzenden -selbst, sondern auch von seinen Zuhörern. Der Schertzende und seine -Zuhörer müssen, vor dem Spasse, einen sehr grossen Eindruck, von -gantz andern Vorstellungen, gehabt haben, die mit dem Schertze, in so -fern er ein Schertz ist, nichts gemein haben. Sie müssen ihre ganze -Aufmercksamkeit, mit ganz andern Dingen beschäftiget haben, als daß sie -den Schertz hätten vorhersehen sollen. Dadurch bekommt der Spaß ein -Licht das in Verwunderung setzt. Der Schertz wird so neu und unerwartet -seyn, daß man sagen kan, er könne sonst nicht recht neu seyn. Diese -schleunige Veränderung der Scene in unsern Vorstellungen, macht eine -so angenehme Verwandelung und Verwirrung, daß sie ohne Vergnügen und -Bewunderung nicht geschehen kan. Der schertzende beweißt dadurch, wie -leicht es ihm sey einen Schertz zu machen, und zeigt die Stärcke seines -Witzes, die den Spaß selbst groß und feurig macht. Ich glaube, das -sey der Grund, warum die Schertze, die ein Lehrer, mitten unter dem -Vortrage der scharfsinnigsten Wahrheiten vorbringet, so angenehm sind; -weil die Gemüther vorher mit viel zu ernsthaften Dingen beschäftiget -gewesen, als daß sie hätten den Spaß vorhersehen können. - - -§. 57. - -Wenn man sich auf etwas lange besinnen muß, so will man eine -Vorstellung klar machen, vermittelst solcher Vorstellungen, die vieles -mit ihr gemein haben, und die also mit ihr zu gleicher Art können -gerechnet werden. Ein Schertz auf den man sich lange besint, muß -demnach unglücklich gerathen. Er beweißt, daß unser Witz lange nicht -diejenige Munterkeit besitzt, die erfodert wird, wenn ein feuriger -Schertz, unmittelbar auf solche Vorstellungen folgen soll, die von -gantz anderer Art sind. Nein, ein glücklicher Schertz muß die Frucht -eines Witzes seyn, der so hurtig aufgeweckt, und schnell ist, daß -er nicht genöthiget ist sich lange zu besinnen. Wer sich auf seine -Schertze lange besinnen muß, wird sich sehr schwer, vor den Ausbruch -seines Zauderns, und der Anstalten die sein Witz vorkehrt, hüten -können. Dem Zuhörer wird die Zeit unterdessen lang werden. Komt endlich -der Schertz zur Welt, so wird er entweder nicht neu genug seyn, oder -die Hofnung des Zuhörers betrogen haben. Einem langsamen Witze geräth -sehr selten ein Schertz. Der Schertz der glücklich seyn soll, muß so -schleunig in der Seele des schertzenden klar werden, daß er selbst -dadurch in eine Art der Verwunderung gesetzt wird. Diese Verwunderung -wird dem schertzenden eine Lebhaftigkeit, und Dreistigkeit geben, ohne -welche der Vortrag des Schertzes elend werden muß. - - -§. 58. - -Wer glücklich im Schertzen seyn will, der hüte sich seine Spasse -nicht vorher auszudencken. Wer den Spaß vorher erdenckt, und sich auf -denselben vorbereitet, der geht so lange damit schwanger, bis er ihn -vorgetragen hat. Die gantze Reihe der Vorstellungen, von der Zeit an, -da er den Schertz erdacht, bis auf den Zeitpunct da er vorgetragen -werden soll, ist entweder mit dem Schertze ausgefüllt, oder doch mit -sehr ähnlichen Vorstellungen. Es ist demnach nothwendig daß der Spaß -mißlingen muß. §. 57. +Cicero+ merckt diesen Fehler auch an, er -sagt +im andern Buche vom Redner+: ~quia meditata videntur minus -ridentur~. +Quintilian im sechsten Buche+, fodert gleichfals, -daß man sich auf den Schertz nicht vorbereiten müsse. Er sagt: ~ne -praeparatum & domo allatum videatur, quod dicimus~. Wer sich auf -den Schertz vorbereitet, kan unmöglich die anständige Dreistigkeit -behalten, die zum Vortrage eines Schertzes nothwendig ist. Man wirds -ihm an den Augen ansehen, daß er einen Spaß auf den Hertzen hat, -den er gern an Mann bringen möchte. Er wird mit einer ängstlichen -Sehnsucht, die er nicht verbergen kan, die Zeit erwarten, da er seinen -Schertz vortragen will. Kan also der Schertz wohl neu genug seyn, in -Absicht auf den schertzenden und den Zuhörer? Und das ist doch ein so -nöthiges Stück zu einem feurigen Schertze. Uberdem, kan ja derjenige -der sich auf einen Schertz vorbereitet, nicht jederzeit vorhersehen, -ob er sich zu den Umständen, in welchen er sich befinden wird, genau -schicken wird. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß ein vorbereiteter -Schertz zur Unzeit angebracht wird, und das werde ich als einen grossen -Fehler im folgenden vorstellen. - - -§. 59. - -Soll man sich auf einen Schertz gar nicht vorbereiten, so muß man -auch die Umstände nicht mit Fleiß so einrichten, damit man den Spaß -anbringen könne. Die Gelegenheit zu schertzen, muß sich selbst -darbiethen, und wir müssen nichts weiter thun als sie ergreiffen. Es -verrathen also alle diejenigen die Mattigkeit ihres Witzes, welche, -wenn sie einen Vortrag thun sollen, oder in eine Gesellschaft sich -begeben, ihre Rolle, in so fern sie die schertzhafte Person seyn -wollen, vorher auswendig lernen. Sind sie nun überdies zu ungeduldig, -die Zeit zu erwarten in welcher sie ihren Spaß anbringen können und -bereiten sie sich selbst die Gelegenheit zu ihrem Schertze, so wird -dieser Fehler noch mercklicher, und ihr Schertz wird matt und frostig -seyn. Ich leugne nicht daß es nicht manchmal solte möglich seyn zu -verhindern, daß der Zuhörer die Vorbereitung zum Spasse mercke. Ich -sage nur, daß dieses sehr schwer sey, und in den mehresten Fällen -mislingen müsse. Der Spaß behält überdies doch einen Fehler, der nur -von andern darin verschieden ist, daß er bisweilen nicht gesehen wird. - - -§. 60. - -Aus dem was ich bisher gesagt erhellet, warum die Schertze die man in -den Antworten auf vorgelegte Fragen vorträgt so sehr gefallen. Weil wir -nicht haben vorher sehen können, was uns ein anderer fragen werde, so -ist nicht die geringste Vermuthung vorhanden, daß wir unsern Schertz -vorher ausgedacht haben. Ein solcher Schertz, wenn er sonst nicht zu -frostig ist, muß also feuriger seyn, als alle diejenigen, die man -ohne gefragt zu werden vorträgt, weil wir in den wenigsten Fällen den -Verdacht der Vorbereitung von uns ablehnen können. +Cicero+ hat -eben diese Schönheit angemerckt, er setzt, an oft gedachten Orte, den -Grund hinzu: ~nam & ingenii celeritas maior est quae apparet in -respondendo, & humanitatis est responsio.~ - - -§. 61. - -Die sechste Schönheit der Schertze §. 25. entsteht daher, wenn er von -vielen Vorstellungen anderer Art, die in den Gemüthern einen grossen -Eindruck haben, begleitet wird. Man verstehe dieses nicht nur von -den schertzenden selbst, sondern auch von seinen Zuhörern. Jener muß -seinen Kopf sonst voller Gedancken haben, die bey nahe seine gantze -Aufmercksamkeit beschäftigen, und die mit dem Schertze nichts, oder -doch sehr wenig gemein haben. Er muß mitten unter diesen Vorstellungen -seinen Schertz erdencken. Die Zuhörer müssen in gleichen Umständen -ihres Gemüths stehen. Die Seele der Zuhörer muß einer Schaubühne gleich -seyn, und der Schertz einer Zwischenfabel in einen theatralischen -Stücke. Bey so gestalten Sachen, ist es sehr wahrscheinlich, daß kein -anderer den schertzhaften Einfall haben wird, den der schertzende hat. -Der Schertz wird also vollkommen neu, und unerwartet seyn. Er wird eine -Lebhaftigkeit besitzen, die ihm unter ähnlichen Gedancken fehlen würde, -und die Verschiedenheit der übrigen Gedancken wird seinen Glantz um -ein merckliches erhöhen. Diese Schönheit wird noch mehr erhalten, wenn -man schertzt zu der Zeit, da wir und unsere Zuhörer mit vielen andern -Gedancken beschäftiget sind, die den schertzhaften Gedancken entgegen -gesetzt sind. ~Opposita iuxta se posita magis elucescunt~, ist -eine viel zu bekannte Regel, als daß ich den vorhergehenden Gedancken -zu beweisen für nöthig halte. - - -§. 62. - -Ein feuriger Schertz muß demnach gantz unvermuthet und unerwartet -seyn. Es muß weder in unsern vorhergehenden Gedancken §. 56. noch in -denjenigen, die wir zu gleicher Zeit haben, eine merckliche Vermuthung -des Schertzes vorhanden seyn. Eine Sache die wir vermuthen und -erwarten, sehen wir vorher; wird sie würcklich, so kan sie unmöglich -gantz neu seyn. Ein erwarteter Schertz kan demnach unmöglich so feurig -seyn, als ein unerwarteter, weil jener nicht so neu ist als dieser. -Wenn man gantz unerwartete Schertze vorträgt, so überfällt man den -Zuhörer, man läßt ihm nicht viel Zeit nachzudencken, und es muß ihm ein -Schertz gefallen, der sonst nicht eben zu viel Feur besitzt. Man kan -sagen, daß das unerwartete in einem Schertze, ein Mittel sey, viele -andere Fehler des Schertzes zu verbergen. Wenn der Zuhörer unsern -Schertz erwartet, so macht er eine Zurüstung die uns gefährlich ist. -Er samlet die gantze Macht seiner Beurtheilungskraft, und er hat ein -Recht was ausnehmendes zu erwarten. Er stellt sich schon zum voraus -manches artige von unsern Schertze vor. Und da müssen wir ihm entweder -einen ausnehmend feurigen Schertz vortragen, oder wir betrügen seine -Hofnung, und er verwandelt sein Vergnügen, so er uns zugedacht, in eine -Verachtung und hönisches Lachen. Man hüte sich also andern auf unsere -Schertze Hofnung zu machen. Wir können sonst nicht verhüten daß unsere -Zuhörer dencken - - ~Quid dignum tanto feret hic promissor hiatu? - Parturient montes, nascetur ridiculus mus.~ - - _Hor. art. poet._ - -Es gilt hier eine Art eines gewissen Betrugs. Man hintergehe seine -Zuhörer. Man mache ihnen zu gantz andern Dingen Hofnung, und ehe -sie sichs versehen betrüge man sie. Man sage ihnen das nicht worauf -sie gewartet, sondern vielmehr den Schertz, den sie nicht erwartet. -+Cicero+ steht in den Gedancken, als wenn das Vergnügen, so aus -einem solchen Betruge bey dem Zuhörer entsteht, daher rühre, weil uns -unser eigener Irrthum belustiget. Ich bin gantz anderer Meinung. Ein -Irthum bleibt eine Unvollkommenheit, die uns nicht belustigen kan, in -so fern sie ein Irthum ist. Der Irthum macht nur, daß uns der Spaß -gantz unerwartet und unvermuthet vorgetragen wird, und das ists was -uns bey demselben gefält. - - -§. 63. - -Wer also im Schertzen glücklich seyn will, muß sichs durchaus vorher -nicht mercken lassen, daß er spassen will. Ich rede nicht von einem -Fehler, den man ohnedem selten antrift. Ich meine, wenn es jemand -vorher sagen wolte, daß er schertzen wolte. Wer seinen Schertz mit -ausdrücklichen Worten ankündiget, kan nicht schertzen, und begeht -einen abgeschmackten Fehler. Sondern ich bemercke hier einen Fehler -der häufiger ist. Man kan es manchem spaßhaften Kopfe schon zum voraus -ansehen, daß er spassen will. Er gewöhnt sich gewisse Gesichtszüge -an, die jederzeit vor seinem Schertze vorhergehen. Er kan nicht -eher spassen, ehe er nicht sein Gesicht in gewisse dazu ausgesuchte -Falten gelegt hat. Sie mögen beschaffen seyn wie sie wollen, so wird -der Schertz dadurch verdorben, wenn der Zuhörer daher den Schertz -prophezeyen kan. Ich rechne dahin den Fehler, wenn ein schertzhafter -Kopf sich erst vorher selbst satt lacht, ehe er andere zu lachen machen -will. Ein solcher Mensch verdirbt seinen gantzen Spaß, wenn er die -Früchte desselben selbst vorher einerntet, und die Zuhörer haben keine -Ursach seinen Spaß zu belohnen, weil er sich die Bezahlung für seine -Mühe selbst genommen hat. Vorher muß niemand lachen. Ob man aber -bey dem Schertze, oder nachher, auch lachen dürffe, will ich unten -beurtheilen. Genug, daß ich erwiesen habe, ein schertzhafter Kopf müsse -sichs vorher durch nichts, was es auch sey, mercken lassen, daß er -schertzen wolle. - - -§. 64. - -Aus dem vorhergehenden ist klar, daß die Schertze, wenn sonst das -übrige seine Richtigkeit hat, gerathen müssen, welche Zuhörern -vorgetragen werden, die mit vielen ernsthaften Gedancken beschäftiget -sind. Das ernsthafte ist ja dem schertzhaften entgegen gesetzt, und ein -schertzhafter Kopf der diese Gelegenheit ergreift, folgt der Regel des -+Horatz+ - - ~Misce stultitiam consiliis breuem.~ - - _Carm. L. III. od. XII._ - -und bringt seinen Spaß mitten unter Vorstellungen vor, die von gantz -verschiedener Art sind. Geht seine Geschicklichkeit noch weiter, und -kan er mitten unter betrübten und traurigen Gedancken schertzen, so -erhält sein Spaß noch eine grössere Schönheit von dieser Seite. Die -Verminderung der Traurigkeit ist immer was angenehmes, und die Lust -die eine Betrübniß verdrengt, oder mindert, ist durchdringender. Ein -Schertz der dergestalt vorgetragen wird daß er - - ~ - - - - amara laeto - temperet risu - - ~ - - _Hor. Carm. L. II. od. XVI._ - -muß viel angenehmer seyn, als ein anderer, wenn er anders nicht aus -einem leichtsinnigen und fladderhaften Gemüth entsprungen. Ein Mensch -der alsdenn schertzen kan, wenn ihm ein Glied abgelößt wird, muß gewiß -einen sehr lebhaften und starcken Witz besitzen. Das, deucht mich, -ist der Grund, warum diejenigen Köpfe, die in ihrer Todes Stunde noch -gespaßt haben, als witzige Köpfe bewundert werden. +Socrates+, +Adrian+ -der Kayser, +Margaretha von Oesterreich+, und andere, geben hier, wenn -man den Erzählungen von ihnen glaubt, Exempel an die Hand. - - -§. 65. - -Wenn ernsthafte Gedancken in der Seele die Oberhand haben, so muß das -Gesicht natürlicher Weise ernsthafte Züge behalten. Herrschen aber die -schertzhaften Gedancken, so muß man sich mit Gewalt zwingen, das Lachen -zu verbeissen. Ein Mensch, der bey dem Vortrage seines Schertzes, -gar keine Ernsthaftigkeit behält, beweißt also, daß der Schertz in -seiner Seele herrsche. Folglich hat er nicht diejenige Vollkommenheit -seines Witzes, vermöge welcher er, mitten unter starcken Gedancken von -anderer Art, schertzen kan, und er macht dadurch seinen Schertz matter. -Wer recht glücklich schertzen will, bey dem muß mitten im schertzen -die Ernsthaftigkeit in der Seele, und in dem Gesichte, die Oberhand -behalten. Ich sage nicht daß er finstere und saure Minen machen soll, -das ist ein Fehler von dem ich unten reden werde. Die Ernsthaftigkeit -muß nur stärcker bleiben, als das Gegentheil. Man muß von ihm sagen -können - - ~Incolumi grauitate iocum tentauit.~ - - _Hor. art. poet._ - -Kurtz, derjenige der schertzt, muß im Schertzen bey nahe ein +Crassus+ -seyn, ~qui cum omnium esset venustissimus & vrbanissimus, omnium -grauissimus & seuerissimus & erat & videbatur~, nach dem Zeugniß des -+Cicero im andern Buch vom Redner+. - - -§. 66. - -Hieraus läßt sich ein Fehler beurtheilen, den man bey manchen -spaßhaften Köpfen antrift. Ihr scharfsinniger Witz ist den Körpern -ähnlich, die nicht eher in Bewegung gerathen, bis sie von andern -angestossen worden. Ihr Witz schläft so lange, bis ein anderer anfängt -zu schertzen, und alsdenn werden sie auch rege. Sie leiten aus einem -Schertze, den sie gehört, andere her. Und man kan sagen, daß ein -feuriger Witz viele andere erwärmen und erhitzen könne. Man darf sich -nicht wundern, daß demjenigen, der den herrschenden Witz in solchen -Fällen hat, seine Schertze gelingen, denn er bringt sie mitten unter -verschiedenen Gedancken vor. Seine Affen aber haben das Glück nicht. -Sie tragen ihre Schertze alsdenn erst vor, wenn die Gesellschaft -schon aufgeräumt worden, und sie kommen mit ihren Einfällen zu spät. -Ein anderer hat schon die besten Früchte eines Schertzes genossen, -und ihnen bleibt nur die Nachlese übrig, die bisweilen mager genug -ist. Dahin können auch die Schertze gerechnet werden, die in den -stillen Gesellschaften vorgetragen werden. Es scheint, daß manche -Zusammenkünfte nur gehalten werden, um einander anzusehen, und von -Gedancken auszuruhen. Eine solche Gesellschaft von Seulen, kan sehr -leicht durch den frostigsten Einfall ergötzt werden. Sie dencken wenig -oder nichts, und eine Kleinigkeit kan ihre gantze Seele einnehmen. Ein -Schertz aber, der alsdenn belacht wird, ist auf dieser Seite sehr mat. -Der schertzende und die Zuhörer dencken ausser dem Schertze weiter -nichts, und also mangelt ihm die Schönheit die ich bisher ausgeführet -habe. - - -§. 67. - -Ich komme nunmehr auf die siebende Vollkommenheit der Schertze §. 25. -Ein feuriger Schertz muß eine sehr grosse und vollkommene sinliche -Vorstellung seyn. Oder, er muß alle Vollkommenheiten einer sinlichen -Vorstellung, in einem mercklichen Grade, besitzen. Ich bin nicht -willens, alle einzelne Vollkommenheiten eines sinlichen Gedanckens -durchzugehen. Das würde für meine jetzige Absicht zu weitläuftig seyn. -Ich will mich begnügen, die vornehmsten, und wenn ich so reden soll -die Grund-Vollkommenheiten der sinnlichen Erkenntniß durchzugehen. -Die übrigen sind entweder in diesen schon mit begriffen, oder -können doch mit leichter Mühe daraus hergeleitet werden. Zu diesen -Hauptvollkommenheiten rechne ich, die Klarheit, die Wahrheit, und das -Leben. Ich könnte auch die Gewißheit noch hinzuthun. Allein da sie der -Inbegriff der Klarheit und der Wahrheit ist, so übergehe ich sie ohne -Schaden. Kurtz, ein feuriger Schertz muß in hohem Grade klar, richtig, -und lebendig seyn. - - -§. 68. - -Die Klarheit einer sinlichen Vorstellung wird entweder vermehrt durch -die geringere Dunckelheit ihrer Theile, oder durch die Menge der Theile -und Merckmaale, die in ihr enthalten sind. Beyde Vollkommenheiten -müssen bey einem feurigen Schertze verbunden werden. Die letzte wird -insonderheit die Lebhaftigkeit genennt. Ein feuriger Schertz muß uns -sehr vieles auf einmal vorstellen. Er muß unserm Auge die Aussicht -in ein Feld eröfnen, dessen Ende es vor Menge der Gegenstände nicht -gewahr werden kan. Wir müssen durch den Schertz von einem Chaos der -Begriffe überhäuft werden dessen Entwickelung wir entweder vorzunehmen -nicht Zeit haben, oder in der Geschwindigkeit nicht anzufangen wissen. -Eine jede dieser Vorstellungen muß zwar nicht völlig klar, aber auch -nicht vollkommen dunckel seyn. Ich habe nicht nöthig zu zeigen, wie -diese Schönheit der Schertze könne hervorgebracht werden. Das ist nicht -nur von meinem jetzigen Zweck entfernet, sondern ich glaube auch, -daß es nicht eben nöthig sey. Wer nur die Schönheiten der Schertze, -die ich bisher abgehandelt habe, zu erhalten sucht, sonderlich die -erste bis zur vierten, der wird in seinem Schertze eine unendliche -Mannigfaltigkeit hervorbringen. Weiß er sie nun dem Zuhörer dergestalt -vorzustellen, daß dieser sie gewahr wird, so bekommt sein Schertz die -nöthige Lebhaftigkeit. - - -§. 69. - -Die Lebhaftigkeit eines Schertzes muß vermindert werden, oder wohl gar -verlohren gehen, wenn er zu weitläuftig und zu lang ist. Die Kürtze -desselben ist mit seiner Lebhaftigkeit nothwendig verbunden. Wenn der -Schertz zu lang ist, so wird er entwickelt und deutlich, er bleibt also -keine sinliche Vorstellung mehr. Die Theile des Schertzes werden der -Aufmercksamkeit nach und nach vorgestelt, und man hat Zeit ein Stück -nach dem andern zu überdencken. Folglich empfinden wir nicht dasjenige -Licht, und die angenehme Verwirrung, welche durch nichts anders möglich -ist, als wenn man auf einmal mit Begriffen überhäuft wird. Es verhält -sich wie mit den Lichtstrahlen. So lange dieselben zerstreut bleiben, -bringen sie zwar ein Licht hervor, welches aber lange nicht so starck -und durchdringend ist, als wenn sie durch einen Brenspiegel gesamlet, -und in einen Punct gedrengt werden. Folglich muß ein Schertz zwar sehr -vieles in sich fassen, aber dasselbe nicht durch eine weitläuftige -Vorstellung zerstreuen, sondern mit einemmal dem Gemüth vorstellen. -Man kan auch mit wenig Worten sehr viel sagen. Wenige Vorstellungen -sind oft ein Inbegriff unendlich vieler andern. Bey einem Schertze -muß ungleich mehr gedacht als gesagt werden. Man muß dem Zuhörer nur -Gelegenheit geben, und dabey zwingen selbst nachzudencken. - - ~Est breuitate opus, vt currat sententia, neu se - Impediat verbis lassas onerantibus aures.~ - - _Hor. Satt. L. I. Sat. X._ - - -§. 70. - -Wenn man die nöthige Klarheit und Kürtze in einem Spasse zu gleicher -Zeit erhalten will, so muß er sich zu den Umständen, in welchen wir -uns eben befinden, vollkommen schicken. Zu diesen Umständen rechne ich -die Personen mit denen wir umgehen nebst allen ihren Umständen, die -Zeit, den Ort, die Reden und Erzählungen, mit denen die Gesellschaft -unterhalten wird. Mit einem Wort, den gantzen Zustand in welchen wir -uns mit unsern Zuhörern befinden. Alle diese Umstände müssen die -Vignette seyn, und unser Schertz die Devise. Diese Umstände müssen -also den völligen Grund, die Veranlassung, und die ganze Erklärung -unseres Scherzes enthalten. Dadurch erhalten wir die Klarheit unseres -Schertzes. Ein jeder versteht ihn, und unser Schertz kommt so zu -gelegener Zeit, und er paßt sich so genau, daß wir nicht nur beweisen, -daß wir den Schertz erst selbst erfunden, sondern wir brauchen auch -sehr wenig zu sagen, und wir werden doch verstanden. Ueberdies so -entsteht aus dieser Eigenschaft des Schertzes ein Vergnügen, weil diese -Uebereinstimmung mit allen Umständen eine Vollkommenheit ist, die den -Schertz angenehm machen muß. - - ~Dulce est desipere in loco.~ - - _Hor. Carm. L. III. od. XII._ - -Die schönsten Schertze in dieser Art sind ohnfehlbar diejenigen, -welche sich so genau zu den Umständen schicken, daß sie in keinem -andern Zustande unverändert können angebracht werden. Denn, da in -der Welt nicht zwey Zeiten möglich sind die völlig einerley wären, -so ist es ein Beweiß, daß ein Schertz nicht den höchsten Grad dieser -Vollkommenheit besitzt, oder daß er nicht allen Umständen völlig gemäß -ist, wenn er mehr als einmal angebracht werden kan. Ein vollkommen -glücklicher Spaß kan also nur ein einziges mal angebracht werden, -wenn er gar nichts von seinem Feuer verliehren soll. Durch diese -Eigenschaft erhält man auch die Lebhaftigkeit eines Schertzes noch -auf eine andere Art. Wenn der Schertz so genau mit allen Umständen -übereinstimmt, so muß der so den Spaß einsieht, den ganzen Umfang -seines Zustandes sich auf einmal vorstellen. Wie viel, ja unendlich -viel, enthält nicht unser Zustand in einem jeden Augenblicke? Muß also -der Schertz dadurch nicht eine unendliche Mannigfaltigkeit erhalten? -Wider diese Regel versündigen sich alle spaßhafte Köpfe, die zu -phlegmatisch sind, auf eine lächerliche Art. Sie haben das Unglück, -von einer gewissen Langsamkeit beherrscht zu werden, vermöge welcher -sie zur Auswickelung ihrer Gedancken zu viel Zeit brauchen. Der Fluß -ihrer Umstände ist für sie zu schnell, sie können der Geschwindigkeit -desselben in ihren Gedancken nicht folgen, und sie sind gezwungen sich -bey manchen Umständen zu verweilen, die alsdann längst vorbey sind, -wenn sie sie erst recht gewahr werden. Diese Köpfe kommen mit ihren -spaßhaften Einfällen immer zu spät. Die Gesellschaft hat das schon -wieder vergessen, worauf sie ihren Schertz gründen, und sie machen -sich lächerlich, wenn sie die Gesellschaft nöthigen wollen, ihnen -zu gefallen sich wieder auf das vorhergehende zu besinnen. Wem erst -nachher ein Schertz einfält, wenn die Gelegenheit vergangen ist, der -unterdrücke ihn ja, wenn er anders nicht die Trägheit seines Witzes auf -eine lächerliche Art verrathen will. - - -§. 71. - -Ein Schertz verliehrt nothwendig seine Schönheit wenn er deutlich ist, -und in so fern er deutlich ist. Ein jeder deutlicher Begriff führt -eine Ueberlegung mit sich, durch welche man sich den gantzen Begriff, -nicht auf einmal, sondern Stückweise, und nach und nach, vorstelt. Ein -deutlicher Schertz verliehrt die Lebhaftigkeit, die ihn so schön macht. -Man kan das von allen Schönheiten sagen. So bald wir einen deutlichen -Begriff von einer Schönheit erlangen, so bald verschwindet das schöne, -als welches nur in der Verwirrung des Begriffs liegt. Man lasse einen -Meßkünstler das schönste Gesicht ausmessen, und die Proportionen aller -Theile und Züge desselben in Zahlen ausdrucken, man lasse ihn die -Lage aller Theile und Züge nach geometrischen Gründen bestimmen. Ich -glaube nicht, daß sich jemand in ein solches abgeschriebenes Gesicht -verlieben würde. Man lasse aber eben dieses Gesicht von einem Mahler -abmahlen, so wird es in seinem völligen Glantze erscheinen. Soll -also ein Schertz eine schöne sinliche Vorstellung bleiben, so muß er -nicht durch den Verstand betrachtet werden, so lange er diese seine -Schönheit behalten soll. Ein Schertz muß nothwendig frostig werden, den -der schertzende mit einem weitläuftigen Commentarius begleitet. Das -muß man den Zuhörer selbst überlassen, der mag den Schertz in seinem -Gemüth so weitläuftig zergliedern, wie er es selbst für gut befindet. -Es ist auch eine Art der Unverschämtheit, die ein spaßhafter Kopf gegen -seine Zuhörer blicken läßt, wenn er ihnen seinen Schertz erklärt. Er -gibt zu verstehen, daß er ihnen nicht Einsicht genug zutraue, die -Stärcke seines Schertzes zu begreiffen. Es ist eine sehr beschwerliche -Mode mancher schertzhaften Köpfe, daß sie so gefällig sind, und ihrem -Zuhörer die Mühe des Nachdenckens überheben wollen. Es schmeckt dieß -Verhalten zu sehr nach Eigenliebe, und Einbildung, als daß es gefallen -solte. Ein Schertz der einen Commentarius nöthig hat, oder gleich damit -versehen wird, ist in beyden Fällen frostig. Noch viel abgeschmackter -ist ein anderer Fehler, den ich nur beyläufig berühre. Es sind manche, -die selbst zu schertzen ungeschickt sind, so gefällig gegen die -Gesellschaft, daß sie die Schertze, die andere in derselben vortragen, -mit Noten erläutern. Man könnte diese Leute die Scholiasten spaßhafter -Köpfe nennen. Sie begehen einen doppelten Fehler. Sie beweisen sich -nicht nur unbescheiden gegen die Gesellschaft, indem sie in der Meinung -zu stehen den Schein geben, daß sie allein die Stärcke des Schertzes -begriffen, sondern sie machen auch die Schertze eines andern, so viel -an ihnen ist, frostig. - - -§. 72. - -Ein Schertz der lebhaft seyn soll muß in einem hohen Grade klar seyn. -Wenn er demnach dunckel ist, und gar nicht eingesehen wird, so hört -er auf, ein Schertz zu seyn. Man kan also sagen, daß ein Schertz in -so fern er dunckel ist, gar kein Schertz sey. Es ist ein Fehler eines -Schertzes wenn er dunckel ist, und ohne Noten und Commentarius nicht -verstanden werden kan. Ich sage nicht, daß ein Schertz von allen Leuten -müsse verstanden werden, denn so müste er gewiß sehr frostig und -abgeschmackt seyn, weil dieser allgemeine Begriff das Unglück hat, sehr -abgeschmackte Köpfe unter sich zu begreiffen. Sondern ich behaupte, daß -ein feuriger Schertz keinem witzigen Kopfe, der die Umstände weiß, in -welchen er vorgetragen worden, dunckel seyn müsse. Es können dahin alle -die Schertze gerechnet werden, die gar zu weit hergeholt sind, die gar -zu sehr erzwungen werden, und bey denen man gar zu viel nachdencken -muß, ehe man sie einsehen kan. Dieser Fehler hat mannigfaltige -Ursachen. Wenn ein schertzhafter Kopf seine Schertze nicht nach der -Gelegenheit einrichtet; wenn in den Umständen gar keiner, oder doch -ein sehr unmercklicher, Grund zum Schertze vorhanden ist; wenn die -Gedancken bey dem Schertze, aus welchen die übrigen leicht fliessen, -verschwiegen werden, und diejenigen vorgetragen werden, aus welchen -sehr schwer das übrige erkannt werden kan; wenn die Vergleichungsstücke -sehr klein und unmercklich sind u. s. w. so wird er ausser dem -Gesichtskreyse der allermehresten Zuhörer angetroffen werden. Ein -glücklicher Schertz muß ungezwungen seyn, leicht eingesehen werden -können, und das schertzhafte dergestalt entdecken, daß man dem Zuhörer, -als der sich gerne belustigen will, nicht die Mühe macht, den Kopf zu -sehr zu zerbrechen. Es sind manche Köpfe, die mitten in Gesellschaften -doch allein sind. Sie haben ihre eigenen Reihen der Vorstellungen, -und wenn ihnen alsdenn was schertzhaftes einfält, so tragen sie es -ohne Bedencken vor, und wundern sich, wenn andere nicht mitlachen. Sie -solten erst die Gütigkeit haben, und ihre vorhergehenden Vorstellungen -vortragen, oder die Gefälligkeit gegen die Gesellschaft beweisen, und -mit Leib und Seel unter ihr gegenwärtig seyn. - - -§. 73. - -Die Wahrheit eines Schertzes ist eine so nothwendige Eigenschaft -desselben, daß man sagen kan, ein falscher Schertz sey gar kein -Schertz. Ein Schertz, der in einem gantz unrichtigen und falschen -Gedancken besteht, kan zwar so lange einen Schein und Glantz haben, -so lange wir in Irrthum stecken. Allein sein Feuer gleicht dem Feuer -eines Irlichts. So lange man dasselbe von ferne sieht, hält man es -für ein Feuer dem Scheine nach, betrachtet man es aber in der Nähe, -so werden wir den Betrug gewahr. Man kan also sagen, daß ein Schertz, -der in einem falschen Gedancken besteht, kein dauerhaftes Feuer habe. -Sein Feuer verschwindet, so bald wir unsern Irthum gewahr werden. -Ein falscher Gedancke ist ja eigentlich kein Gedancke, er ist ein -Blendwerck, ein Hirngespinst, das man nicht zu genau und zu nahe -betrachten muß, wenn man es lange besitzen will. Könnte also wol ein -Schertz in der That ein Schertz, oder wol gar ein feuriger Schertz -seyn, der in einem falschen Gedancken besteht? Nichts weniger als -das, er ist ein Scheinschertz, der keinen Grund keine Dauer bey der -Probe behalten kan. Ich sage also, daß ein feuriger Schertz in einem -wahren und richtigen Gedancken bestehen müsse. Da nun der Gedancke, -der den Schertz unmittelbar und zunächst ausmacht, die Vorstellung -der Uebereinstimmung verschiedener Dinge ist, so wird zur Wahrheit -des Schertzes nicht nur erfodert, daß die Dinge, die wir uns als -verschieden vorstellen, in der That diese Verschiedenheit haben, -sondern, daß sie auch in den Stücken mit einander übereinkommen, nach -welchen wir sie vergleichen. Ein Schertz muß also im Grunde frostig -seyn, wenn er uns Dinge als verschieden vorstelt, in so ferne sie -entweder gar nicht, oder doch nicht so wie wir sie uns vorstellen -verschieden sind; und wenn er uns Dinge als übereinstimmig vorstelt, -in so ferne sie entweder gar nicht, oder doch nicht so wie wir sie uns -vorstellen, übereinkommen. Kurtz, ein feuriger Schertz muß uns solche -Uebereinstimmungen und Verschiedenheiten vorstellen, die den Dingen -würcklich zukommen. - - -§. 74. - -Meine Meinung von der Wahrheit der Schertze, die ich in dem -vorhergehenden Absatze vorgetragen, widerspricht den Kunstrichtern -nicht, welche den Unwahrheiten in den Schertzen einen Platz verstatten. -+Cicero+ gehört dahin, welcher +im andern Buch vom Redner+ -sagt: ~Perspicitis hoc genus quam sit facetum, quam elegans, quam -oratorium, siue habeas vere quod narrare possis, quod tamen est -mendaciunculis aspergendum, siue fingas.~ Diese Kunstrichter -betrachten den Schertz auf eine gantz andere Art. Wenn man von -Schertzen redet, so versteht man entweder die Dinge die man vergleicht, -worüber man schertzet, und von denen man den Schertz entlehnt; oder -man versteht den Gedancken selbst in welchen das schertzhafte besteht, -die Vergleichung verschiedener Dinge. In der letzten Absicht muß, -meines Erachtens, kein unrichtiger Gedancke, und wenn er auch ein -~mendaciunculum~ wäre, in dem Schertze vorkommen. In der ersten -Absicht muß man anders urtheilen. Da können also die Dinge womit man -schertzet, auch wahr seyn, oder sie sind falsch und erdichtet. Wenn -diese Dinge auch wahr sind, so ist der Schertz durch und durch wahr, -und enthält nicht den geringsten unrichtigen Gedancken, und diese -Wahrheit nennet man die unbedingte Wahrheit eines Schertzes. - - -§. 75. - -Die bedingte Wahrheit eines Schertzes besteht darin, wenn die Dinge, -womit man schertzet, falsch, erdichtet und unrichtig sind, wenn aber -dem ohnerachtet der Schertz die §. 73. erfoderte Wahrheit hat. Der -schertzende und seine Zuhörer, können entweder durch einen Irrthum -diese Dinge auch für wahr halten, oder sie könnens wissen, daß sie -falsch sind, und diese Dinge erdichten. Zu jenen gehören die Schertze -welche die Heyden von ihren Gottheiten und andern Fabeln entlehnt -haben. Dahin man den berühmten Spaß mit der +Diana+ rechnen kan, den -man bey den alten antrift. In der Nacht, da der Tempel der +Diane+ -zu +Ephesus+ verbrante, wurde +Alexander der grosse+ gebohren. Man -fragte warum +Diane+ ihren Tempel nicht gerettet, und man bekam zur -Antwort, weil sie nicht zu Hause gewesen, sondern der +Olympias+ -bey der Geburt beystehen müssen. Diese Schertze die eine bedingte -Wahrheit haben, kan man durchaus nicht verwerffen, man müste denn -allen Fabeln und Erdichtungen alle Schönheiten absprechen. Nein, wenn -ein solcher Schertz nur die §. 73. angeführte Wahrheit hat, so kan er -überaus feurig seyn. Nur müssen dabey die Regeln einer guten Fabel und -Erdichtung beobachtet werden. Ein Schertz, der eine bedingte Wahrheit -hat, muß den Regeln völlig gemäß seyn, die man in der Dichtkunst von -der Wahrscheinlichkeit der Fabeln gibt. Ich habe demnach nicht nöthig -Regeln davon zu geben. Man beobachte nur die Vorschrift des +Horatz+: - - ~Ficta voluptatis causa sint proxima veris.~ - - _Art. poet._ - - -§. 76. - -Meinem Urtheil nach, gebe ich doch einem Schertze der unbedingt wahr -ist, den Vorzug vor denjenigen, die nur unter gewissen Bedingungen -wahr sind. Ich habe darzu verschiedene Ursachen. Eine jede Unwahrheit -ist doch ein unvollkommener Gedancke als eine Wahrheit. Ein Schertz -mag so feurig seyn wie er will, wenn er nur unter Bedingungen wahr -ist, so hat er keine wahren und richtigen Gründe, worauf er beruht. -Ueberdem so scheint mir der Witz nicht so starck zu seyn, der sich -den Stoff zu spassen erdichtet. Er kan nach seinem Gefallen dichten, -weglassen, und hinzuthun was ihm gefält, folglich ist es kein Wunder, -daß ihm sein Schertz gelingen muß. Es scheint überdies, als wenn ein -solcher spaßhafter Kopf seinen Schertz vorher ausdenckt, und alsdenn -erst die Materialien dazu erfindet. Er scheint einem Menschen ähnlich -zu seyn, der seinen Vortrag erst ausarbeitet, und hernach den Text -dazu aussucht. Gantz anders verhält sichs im entgegen gesetzten Falle. -Unser Witz ist alsdenn schlechterdings an die Sachen gebunden, er muß -in der Geschwindigkeit sich so zu biegen wissen, daß er auf die Dinge -paßt, denn es wird nichts seinem Willkühr überlassen. Ich gebe gerne -zu, daß ein Schertz der eine bedingte Wahrheit hat, bisweilen unendlich -feuriger seyn kan, als ein anderer, sonderlich wenn der schertzende -die Dinge nicht selbst erdichtet, sondern schon längst bekannte Fabeln -braucht. In diesem letzten Falle, gibt er einem schlechterdings -richtigen Schertze sehr wenig nach. Ich sage nur, wenn zwey Schertze -sonst vollkommen gleich sind, und der eine ist unbedingt wahr, der -andere aber nur unter gewissen Bedingungen, so ist der erste feuriger -als der andere. Ein Witz, der in dem Reiche der Wahrheiten keinen -Stoff zum Schertze finden kan, scheint mir nicht durchdringend und -scharfsichtig genug zu seyn, als zu einem recht feurigen Witze nöthig -ist. - - -§. 77. - -Das Leben der Erkenntniß besteht in dem Vergnügen oder Verdrusse, so -damit verbunden ist. Soll also ein Schertz lebendig genug seyn, so muß -er entweder Vergnügen, oder Verdruß bey den Zuhörern erwecken. Das -letzte wolte ich eben nicht sagen. Ich will balde erweisen, daß das -Lachen über einen feurigen Schertz aus Vergnügen entstehen müsse. Ich -gebe zu, daß die Personen über die man schertzt verdrieslich werden -können, wenn sie lächerlich gemacht werden. Es kan auch seyn, daß durch -unsern Schertz, mittelbar ein Verdruß verursacht wird, wenn wir zu dem -Ende etwas durch unsern Schertz lächerlich gemacht haben, damit es -unsere Zuhörer verabscheuen sollen. Dem sey wie ihm wolle, so nehme -ich an, daß das Lachen, welches wir zunächst durch unsern Schertz -hervorzubringen suchen, mit Vergnügen verbunden seyn müsse. - - ~Non satis est pulcra esse poemata: dulcia sunto - Et quocunque volent, animum auditoris agunto.~ - - _Hor. art. poet._ - -Ich sage eben das von einem feurigen Schertze. Erweckt er in unsern -Zuhörern Vergnügen und Lust, so hören sie uns gerne zu, wir machen -sie uns geneigt, und sie sind uns Danck schuldig, daß wir ihnen so -was vergnügtes vorgesagt haben. Je mehr Vergnügen ein Schertz also -verursacht, je mehr angenehme Gemüthsbewegungen dadurch erregt werden, -desto feuriger ist er. - - -§. 78. - -Das Vergnügen entsteht aus der anschauenden Erkenntniß einer -Vollkommenheit. Das Vergnügen, so durch einen Schertz verursacht wird, -entsteht demnach entweder aus dem Gefühl seiner formellen Schönheit, -oder seiner Materiellen. Von dem ersten rede ich jetzo, und das -scheint eine natürliche Frucht und Würckung eines feurigen Schertzes -zu seyn. Wenn ein Schertz einen hohen Grad der Schönheit besitzt, -wenn wir denselben dergestalt vortragen, daß der Zuhörer die gantze -Schönheit des Schertzes begreift und fühlt, so muß er ihm gefallen -und ein Vergnügen in ihm verursachen. Ein Schertz der kein Vergnügen -verursacht, muß entweder nicht feurig genug seyn, oder von dem -Zuhörer, aus seiner eigenen Schuld, nicht begriffen werden, oder der -Zuhörer muß ein Klotz seyn. In dem ersten Falle ist die Mattigkeit des -Schertzes eine Häßlichkeit desselben, und es ist daraus klar, daß ich -mit Grunde fodere, daß ein feuriger Schertz nicht nur lebendig seyn, -sondern auch keinen Verdruß zunächst verursachen müsse. Zu gleicher -Zeit erhellet, daß ich nicht nöthig habe, besondere Regeln von dem -Leben eines Schertzes zu geben, weil ein Schertz der sehr feurig ist -und den Regeln, die ich bisher ausgeführt habe, gemäß ist, nothwendig -reizend seyn muß. Ein Schertz der von einem lebhaften feurigen und -muntern Kopfe, mit kaltem Blute kan angehöret werden, oder wol gar mit -Widerwillen, muß sehr frostig seyn, wenn anders keine andere Ursach zum -Verdrusse kan angegeben werden. - - ~male si - - loqueris - Aut dormitabo, aut ridebo.~ - - _Hor. art. poet._ - - -§. 79. - -Ich habe zur achten Vollkommenheit eines feurigen Schertzes, die -Geschicklichkeit desselben, ein Lachen zu verursachen, angenommen. -§. 25. Ich habe schon einmal erinnert, daß meine Meinung nicht darin -besteht, als wenn ein Spaß würcklich müsse mit einem lachen begleitet -werden, noch viel weniger werde ich die Grösse des Lachens bey einem -Zuhörer, zum Merckmal der Grösse und Stärcke eines feurigen Schertzes, -annehmen. Es kan jemand eine so ernsthafte Gemüthsfassung besitzen, -daß er entweder gar nicht, oder doch sehr selten lacht; dieser wird -auch über den feurigsten Schertz nicht lachen, ob er gleich noch so -sehr dazu gereitzt wird. Mancher kan einen sehr heftigen Trieb zum -lachen fühlen, und doch aus überwiegenden Gründen sich zwingen nicht zu -lachen. Jener lacht über Kleinigkeiten, über ein Nichts, daß ihm der -Othem vergeht, dieser lächelt nur bey den allerlächerlichsten Dingen. -Ich sehe mich also genöthiget, die Schönheit eines Schertzes, die aus -dem Verhältniß desselben zum lachen entspringt, nur darin zu setzen, -daß er etwas belachenswürdiges enthalte, und dergestalt eingerichtet -sey, daß ein Mensch der gerne und leicht, doch nicht ohne Grund, lacht, -durch denselben zu einen starcken lachen sehr starck bewegt werde. - - -§. 80. - -Man kan aus und mit Verdruß lachen, man kan aber auch aus Vergnügen -lachen, und das Lachen kan unser Gemüth dergestalt aufheitern, daß -dadurch alle bange Ernsthaftigkeit aus der Seele vertrieben wird. -Man kan sagen, daß ein solches Lachen den Winden ähnlich sey, die -die Wolcken zertheilen, vertreiben, und den Himmel aufheitern. Ein -solches lachen ist eine so starcke Bewegung des Gemüths, die fähig -ist, der Seele eine Munterkeit und aufgeräumtes Wesen zu geben, so -der Betrübniß entgegengesetzt ist. Man wird mir ohne Schwierigkeit -einräumen, daß die letzte Art des lachens diejenige sey, die durch -einen Schertz muß gesucht werden. Der Schertz muß das Gemüth auf eine -angenehme Art erschüttern, und die verwirrte Bewegung verursachen, die -wir das Lachen nennen. Wenn man jemand zu einem verdrieslichen Lachen -zwingt, so werden wir wenig Danck verdienen. Er wird sich wider uns -rüsten, und alle seine Kräfte samlen uns zu widerstehen. Er wird unserm -Schertze den Eingang verwehren, und wir werden ihm mit unsern Schertzen -zur Last werden. Ueberdem müste es ein elender Spaß seyn, der wenig -Schönheit haben würde, wenn er dem Zuhörer nicht zugleich vergnügen -könnte. Es scheint überdies das Vergnügen eine nothwendige Verbindung -mit dem Schertze zu haben, weil wir alsdenn am wenigsten zu schertzen -im Stande sind, wenn wir nicht aufgeräumt, sondern mißvergnügt sind. -Noch einmal, ein feuriger Schertz muß geschickt seyn, ein lachen zu -verursachen, das von einem starcken sinlichen Vergnügen begleitet wird. -Ich erinnere nur noch das einzige, daß ich nicht behaupte, als wenn ein -Lachen möglich wäre mit welchem gar kein Vergnügen verbunden ist, ich -behaupte nur, daß manchmal mit dem Lachen ein Verdruß verbunden seyn -kan, der grösser und stärcker ist, als das Vergnügen so zugleich dabey -angetroffen wird. - - -§. 81. - -Man kan sagen, daß es eine schwere Untersuchung sey, den Ursprung -des Lachens, nach allen seinen Stücken, auseinander zu setzen. Das -Lachen ist eine so verworrene und, aus unendlich vielen andern, -zusammengesetzte Veränderung, daß man Ursach zu zweiffeln hat, ob man -dieselbe so deutlich erklären könne, als andere Veränderungen die -bey uns vorgehen. Ich übergehe die Bewegung des Körpers, die mit dem -Lachen verbunden ist. Ich will nur bestimmen, woher die Veränderung -der Seele entsteht, wenn sie über etwas lächerliches lacht, denn das -ist dasjenige lachen, so durch einen Schertz verursacht werden soll. -Lächerlich sind alle Ungereimtheiten die man in Kleinigkeiten bemerckt. -Das Lachen entsteht also aus der Beobachtung einer Ungereimtheit in -Kleinigkeiten. +Cicero+ sagt +im andern Buche vom Redner+: -~Locus autem & regio quasi ridiculi turpitudine & deformitate quadam -continetur, haec enim ridentur vel sola, vel maxime, quae notant -& designant turpitudinem aliquam non turpiter~. Es wird leicht -zu erweisen seyn, daß eine jede Häßlichkeit etwas ungereimtes oder -wiedersprechendes enthalte, indem die Natur alsdenn von den Regeln der -Vollkommenheit abweicht, worin ihre Maximen bestehen, wenn sie etwas -häßliches in ihren Wercken hervorbringt. +Cicero+ bemerckt an -eben dem Orte, daß man weder über eine gar zu grosse Häßlichkeit noch -Schandthat lache. Die erste bewegt zum Mitleiden, die andere zum Zorn -und Abscheu. Folglich würde ein solches Lachen mit einem überwiegenden -Verdrusse verbunden seyn. Man thue hinzu, daß man, wenn man grosse -Dinge lächerlich macht, sein leichtsinniges Gemüth verräth, eine -Beschaffenheit die abermals einem guten Geschmacke Verdruß erwecken -muß. Ich habe demnach mit Grunde annehmen können, daß, wenn man -andre mit Vergnügen zu lachen machen will, man in Kleinigkeiten eine -Ungereimtheit oder Widerspruch entdecken müsse. - - -§. 82. - -Wenn ein Schertz also kräftig zum Lachen reizen soll, so muß er einmal, -von Kleinigkeiten handeln, es mögen nun sittliche Dinge seyn oder bloß -natürliche. Man nennt sie Kleinigkeiten aus verschiedenen Gründen, die -ich nicht nöthig habe anzuführen. Ich bemercke nur daß es Dinge seyn -müssen, die weder an sich betrachtet, noch in Absicht auf ihre Folgen, -von grosser Wichtigkeit sind. Die Ungereimtheit die man entdeckt, kan -überhaupt die Abweichung einer Sache von ihren Regeln seyn. Diese -Regeln mögen nun moralisch oder nicht moralisch seyn, genug, wenn die -Sache nur als regelloß, widersinnisch und häßlich vorgestelt wird. Je -mehr solcher Unrichtigkeiten entdeckt werden, desto lächerlicher wird -die Sache. Ich thue nicht ein Wort mehr hinzu, weil ich schon mehr als -einmal erinnert habe, daß ich keine Wissenschaft der Schertze schreibe. -Genug, daß ich nunmehr die Gründe habe, woraus ich verschiedene -Unvollkommenheiten bey den Schertzen entdecken kan. - - -§. 83. - -Ein jeder feuriger Schertz ist werth, daß er mit lachen angehört wird. -Man hüte sich aber daß man nicht alles, was lächerlich und belachens -werth ist, für einen Schertz halte. Noch viel weniger kan alles -das was ein lachen verursacht ein Schertz seyn. ~Non sunt omnia -ridicula faceta. _Cic. de Orat. L. II._ In einem Schertze, wenn -er feurig seyn soll, muß das formelle, die Vergleichung verschiedener -Dinge, der sinreiche und scharfsinnige Gedancke, den Grund zum lachen -enthalten. Liegt dieser Grund in etwas anders, so kan es entweder gar -kein Schertz genennt werden, oder er muß überaus frostig seyn. Alle -diejenigen lustigen Herrn, die einen armseeligen Witz besitzen, mögen -sich also ja in acht nehmen, sich einzubilden, daß sie spaßhafte Köpfe -sind, wenn sie keinen andern Grund dazu anzugeben wissen, als weil -sie geschickt sind andere zum lachen zu bestimmen. Es gehört mehr zu -einem schertzhaften Kopfe, als die Geschicklichkeit ein lachen zu -verursachen, ob ich gleich derselben ihren völligen Werth lasse, der -ihr in anderer Absicht zukommen kan. - - -§. 84. - -Wenn eine Person, Sache, Begebenheit, Handlung, oder wie es Namen -haben mag, an sich schon lächerlich ist, ohne daß wir nöthig haben -einen sinreichen Einfall hinzuzuthun, so wird die blosse Erzählung und -Vorstellung dieser Stücke schon ein Lachen verursachen. Man würde sich -aber gewaltig irren, wenn man dergleichen Erzählungen für Schertze -halten wolte, und die Person die sie vorträgt für einen schertzhaften -Kopf. Es ist wahr, wenn die Materialien unseres Schertzes schon an sich -lächerlich sind, so wird es uns leichter werden, damit zu schertzen, -und unser Schertz kan dadurch feuriger werden. Allein wenn über weiter -nichts, als über die Sachen gelacht wird, so ist ein lustigmacher zu -eilfertig, sich deswegen für einen Meister in Schertzen zu halten. Das -haben sich alle Liebhaber poßierlicher Historien zu mercken. Sie können -sich in anderer Absicht die Gesellschaft verbindlich machen, wenn ihre -Histörchen alle diejenige Artigkeit haben, die einen vernünftigen -Menschen nicht verunzieren, wenn er sie erzählt oder belacht. Aber, -daß sie deswegen für witzige und feurige Köpfe wollen gehalten seyn, -ist eine Hofnung, die sie sich so lange müssen vergehen lassen, bis sie -wichtigere Gründe dazu anzugeben wissen. - - -§. 85. - -Ich weiß selbst nicht woher es kommt, daß manche Dinge, bey den meisten -Leuten, ein ungemeines lachen verursachen, und wenn sie auch ohne allen -Witz und Scharfsinnigkeit vorgetragen werden, die doch nicht lächerlich -sind. Man nenne nur gewisse Dinge, bey denen schamhafte Gemüther roth -werden, oder man nenne auch Dinge die zur Religion gehören, ich bin -gut dafür, daß es unzählige Leute gibt die hertzlich darüber lachen -werden, obgleich nicht das geringste spaßhafte dabey angetroffen wird. -Der Grund dieses lachens liegt in der schmutzigen und leichtsinnigen -Beschaffenheit des Zuhörers, und ich bin zufrieden angemerckt zu -haben, daß dergleichen Zoten und Mißbrauch der Dinge, die mit der -Religion eine Verwandschaft haben, wenn sie mit keinem sinreichen -Einfalle begleitet werden, keine Schertze können genannt werden, und -ob sie noch so hertzlich belacht würden. Oben habe ich gezeigt, daß -man schandbare Zoten, und ob sie gleich mit Witz und Scharfsinnigkeit -vorgetragen würden, demohnerachtet für frostige Spasse halten müsse. -Und ich werde mich also nicht betrügen, wenn ich überhaupt sage, daß -alle Unflätereyen, sie mögen Namen haben wie sie wollen, entweder gar -keine Schertze, oder doch ein viel zu elender Stoff sind, als daß ein -reinliches Gemüth sich die Mühe nehmen solte, sie zu durchwürcken, und -einen Schertz daraus zu machen. - - -§. 86. - -Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt seyn, der auf keine andere Art -zum lachen reitzen kan, als wenn man den schertzenden ansieht, und auf -seine Geberden dabey achtung gibt. Ein feuriger Schertz muß auch ein -Schertz bleiben, wenn man den Urheber desselben auch nicht sehen solte, -ob ich gleich nicht in Abrede seyn will, daß die Art des Vortrages -ein vieles, zur Vermehrung der Schönheit eines Schertzes, beytragen -könne. Dem sey wie ihm wolle. Ein Schertz der sonst gar kein Feuer hat, -als wenn man das Bezeugen des schertzenden beym Vortrage desselben -mit zu Hülfe nimt, ist ein sehr frostiger Schertz. Der schertzende -macht sich alsdenn zu einen Narren und Harlekin. Man lacht nicht über -seinen sinreichen Einfall, sondern über sein ungereimtes Betragen. -Kurtz, Reden die nicht eher zum lachen bewegen, bis sie mit tausend -närrischen Verzuckungen der Glieder des Körpers begleitet werden, -sind Narrenspossen. Und man kan sagen, daß ihr Feuer nicht geistig, -sondern bloß körperlich sey, weil sie alle ihre Lebhaftigkeit durch die -Mißhandlungen des Körpers bekommen. - - -§. 87. - -Man solte fast auf die Gedancken gerathen, daß die Natur bey der -Bildung gewisser Menschen gespaßt habe. Man sagt von diesen Leuten, -daß sie zu Narren geboren sind. Wenigstens scheints, daß die Natur bey -ihnen nicht so regelmäßig verfahren sey, als sie ordentlicher Weise zu -thun gewohnt ist. Tausend Kleinigkeiten befinden sich in der Gestalt, -und gantzen Bildung solcher Leute, welche regelloß sind, und diese -Leute so unglückseelig machen, daß man sie ohne lachen nicht ansehen -kan. Diese verunglückten Wercke der Natur, dürfen nur den frostigsten -Einfall vorbringen, so wird überlaut gelacht; und Leute von weniger -Beurtheilungskraft glauben, daß denselben das schertzen überaus wohl -anstehe. Ich darf diesen lächerlichen Irthum nicht wiederlegen. Es -ist von selbst klar, daß man nicht über den Einfall, sondern über die -Person lache. Und, meiner Einsicht nach, schicken sich solche Leute am -allerwenigsten, schön und feurig zu schertzen. Ihre Einfälle können -Schertze für die Augen, und nicht für die Ohren genennt werden. - - -§. 88. - -Wenn die lächerliche Gestalt eines Menschen ein blosser Naturfehler -ist, so verdient er Mitleiden und Vergebung. Wer aber seinen Körper -durch Fleiß und Uebung zu einen poßirlichen Werckzeuge, andere Leute -zu belustigen, macht, verdient ohnfehlbar die Verachtung vernünftiger -Leute. Schertze, die mit ungereimten und ausserordentlichen -Verzuckungen der Gesichtszüge, und unmenschlichen Verdrehungen der -Theile desselben, vorgetragen werden, gehören auf die Schaubühne, und -auch da hat man sie schon weg gepeitscht. Eine Rede, die mit einem -Fratzen-Gesichte vorgetragen wird, ist ein Schertz der für einen groben -und pöbelhaften Geschmack gehört. Es ist zu bedauren, daß manche -witzige Köpfe auf diese Ausschweiffung gerathen. Sie würden sonst -nicht gantz unglücklich im Schertzen seyn. Weil sie aber die Narrheit -begehen, und sich befleißigen, ihre Gesichter dergestalt zu verzucken, - - ~Possent vt iuuenes visere fervidi - Multo non sine risu - Dilapsam in cineres faciem~ - - _Hor. Carm. L. IV. od. XV._ - -so sind sie nicht werth, daß man sie schertzhafte Leute nennt. Wer sich -so weit erniedrigen kan, sich selbst mit Fleiß lächerlich zu machen, -verdient nicht, ein vernünftiges Wesen zu heissen. - - -§. 89. - -Es ist unmöglich und unnöthig alle die Thorheiten beym schertzen zu -züchtigen, die mit der vorhergehenden eine Verwandschaft haben. Viele -lassen es nicht bey den Verdrehungen ihres Gesichts bewenden, sie -brauchen ihren ganzen Körper zu einem Gauckelwerck, und befleißigen -sich, wider die ordentlichen mechanischen Regeln, ihre Gliedmassen zu -bewegen. Viele geben, durch ihre poßirliche Kleidung, ihren Worten den -Schein eines Schertzes. - - ~ - tunicis - - est qui - Inguen ad obscoenum subductis vsque facetus.~ - - _Hor. art. poet._ - -Andere befleißigen sich, durch kindische Nachäffungen anderer Leute in -Worten und Geberden, ein Lachen zu verursachen. Noch andere beweisen -ihre Kunst in dummen, unförmlichen, unverständlichen Worten und Tönen. -Kurtz, ich rechne alle diejenigen dahin, die sich selbst bey einem -Schertze lächerlich machen, es sey nun auf die eine, oder die andere -Weise. Derjenige der einen feurigen Schertz machen will, muß auf alle -mögliche Art bemüht seyn, sich selbst nicht zum Narren zu machen. Er -muß sein Ansehen und Hochachtung bey seinen Zuhörern erhalten, und -jederzeit der Regel des +Cicero+ folgen: ~ne aut scurrilis iocus -sit aut mimicus~. - - -§. 90. - -Wenn ein schertzhafter Kopf in den Gedancken steht, daß es sehr leicht -sey, ein anständiges lachen zu verursachen; und daß man bey einem -Spasse entweder allein, oder zuerst darauf zu sehen habe, wie man -seine Zuhörer zu lachen machen wolle, so hegt er zwey sehr schädliche -Vorurtheile. - - ~- Non satis est risu diducere rictum - Auditoris, & est quaedam tamen hic quoque virtus.~ - - _Hor. Sat. L. I. Sat. X._ - -Aus dem vorhergehenden erhellet eines theils, daß derjenige viele -Scharfsinnigkeit und Witz besitzen müsse, der, ohne sich selbst -lächerlich zu machen, andere Leute von feinem Geschmacke zum lachen -bestimmen will. Andern theils ist ausgemacht, daß man hauptsächlich -davor sorgen müsse, dem Schertze das gehörige Feuer zu verschaffen, -so wird derselbe ohne dem werth seyn, mit lachen von andern angehört -zu werden. Wer aber demohnerachtet die angeführten unrichtigen Sätze -zu Maximen beym Spassen annimmt, der wird wo nicht beständig, doch -mehrentheils, ein Harlekin seyn. Er wird alles zusammen samlen, was -lächerlich ist, und er wird sich kein Bedencken machen, auch seine -eigene Person als ein Mittel zu diesem seinen Zwecke zu brauchen. Das -Lachen muß bey einem jeden Spasse zum Zwecke angenommen werden, und -folglich in der Ausübung das letzte seyn, die übrigen Schönheiten -müssen zuerst in dem Schertze hervorgebracht werden, hernach ist es -erst Zeit auf die Hervorbringung des Lachens zu dencken. - - -§. 91. - -Die letzte Schönheit eines glücklichen Schertzes besteht in einem -geschickten Vortrage desselben. Man mag nun den Vortrag zu den -wesentlichen Stücken eines Spasses rechnen, oder ihn nur als die -Einkleidung desselben ansehen, so wird doch jederzeit auf den Vortrag -des Schertzes viel ankommen, wenn er glücklich gerathen soll. Der -Vortrag verhält sich wie die Einfassung eines Diamants, wodurch der -Glantz desselben innerlich zwar weder vermehrt noch vermindert werden -kan, wohl aber äusserlich; sie befördert und erhöhet den Glantz, oder -erstickt ihn. Ein Schertz kan im höchsten Grade feurig seyn, wenn -man ihn als einen Gedancken betrachtet, durch einen ungeschickten -Vortrag aber dergestalt verunstaltet werden, daß sein Feuer umhült und -unsichtbar wird. Im Gegentheil kan das Feuer eines sehr mittelmässigen -Schertzes, vielmehr gläntzen, wenn es durch einen gehörigen Vortrag -unterstützt wird. - - -§. 92. - -Bey dem Vortrage unserer Gedancken muß man auf zwey Stücke sehen. Auf -die Worte, und auf das Betragen des gantzen Körpers, nebst andern -Veränderungen, die mit dem Vortrage eine nothwendige Verbindung haben. -Ich bin nicht willens alle die Regeln auszuführen, die zu einem -geschickten Vortrage eines Schertzes erfodert werden. Sie sind mit -den Regeln der Redekunst den wesentlichen Stücken nach einerley. Ich -werde mich begnügen, einige Fehler im Vortrage der Spasse zu bemercken -wodurch das Feuer derselben verdunckelt wird. Die Worte wodurch der -Schertz vorgetragen wird sollen die Zeichen desselben seyn. Wenn sie -demnach dergestalt beschaffen sind, daß der Zuhörer aus denselben den -gantzen Schertz, nebst allen Schönheiten desselben, erkennen kan, so -sind sie ohne Tadel. Der Schertzende muß seinen Vortrag dergestalt -einrichten, daß keine Schönheit verborgen bleibt oder verdunckelt wird. -Hat er einen feurigen Spaß erdacht, kan er reden, ist er der Sprache -mächtig, und weiß er was vor Töne, Erhöhungen und Erniedrigungen der -Stimme, zu einem jedem Gedancken sich schicken, so kan es ihm an einem -geschickten Vortrage nicht fehlen. - - ~Verbaque provisam rem non invita sequentur.~ - - _Hor. art. poet._ - -Der Vortrag eines Schertzes ist ohne Tadel, in welchen sich der -Schertz in seiner ganzen Pracht und vollem Lichte zeigt. Ich thue -noch das einige hinzu, daß der Vortrag des Schertzes geschwind seyn -müsse. Ist man gar zu langsam, zählt man gleichsam die Worte, so kan -man den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, und es wird der -Schertz nicht lebhaft genug werden. Dem Zuhörer wird die Zeit lang, -und man läßt ihm gar zu viel Raum zur Ueberlegung und zum Nachdencken. -Ueberdies würde ein gar zu langsamer Vortrag, ein untrügliches Zeichen -der Langsamkeit unseres Witzes seyn. Nein, die bedachtsame Munterkeit -und Hitze des Geistes, belebt auch den Körper, und zwingt ihn, in allen -seinen Handlungen und Worten, eine Hurtigkeit zu beobachten, die nicht -übereilt und schläfrig ist. - - -§. 93. - -So gewiß es ist, daß zu einem geschickten Vortrage, auch die -Uebereinstimmung aller Minen und Züge des Gesichts mit dem Vortrage, -erfodert werde, so schwer ists, die Regeln zu entdecken, durch welche -diese Einrichtung des Gesichts bestimmt wird. Zum guten Glück, pflegt -die Natur in solchen Kleinigkeiten den Mangel unseres Fleisses zu -ersetzen. ~Itaque imbuendus est is, qui iocose volet dicere, quasi -natura quadam apta ad haec genera, & moribus, vt ad cuiusque modi genus -ridiculi vultus etiam accommodetur. _Cic. de Orat. L. II._ Wer in -seinem Vortrage ungezwungen ist, und nicht gar zu sehr künstelt, wer -selbst einen lebhaften Eindruck von den Sachen hat, die er vorträgt, -dessen Gesichtszüge werden um der natürlichen Uebereinstimmung des -Körpers mit der Seele willen, seinem Vortrage am gemässesten seyn, -wenn er am wenigsten drauf denckt. Man kan eben dieses von einem -schertzenden sagen. Kan man ihm gleich nicht ausführlich vorschreiben, -wie ers machen soll, daß er seinem Gesichte die gehörige Einrichtung -beym spassen gebe, so kan man doch gar zu leicht die Regellosigkeit in -diesem Stücke gewahr werden. Ich werde nur ein paar Fehler dieser Art -berühren, weil sie der Schönheit eines Schertzes gar zu nachtheilig zu -seyn scheinen. Der erste ist die Finsterniß des Gesichts. Ich habe zwar -erwiesen, daß der schertzende ernsthaft seyn müsse, ein ernsthaftes -Gesicht aber ist nicht saur und finster. Es ist wahr, der Schertz -wird ungemein belacht, der mit einer runzlichten Stirne vorgetragen -wird. Allein ich bin mit dem +Cicero+ eines Sinnes: ~In moroso -non sal sed natura ridetur~. Man schließt aus der Finsterniß des -Gesichts, auf einen murrischen Kopf, und es scheint uns wiedersprechend -und ungereimt zu seyn, daß ein so murrischer und unaufgeräumter -Kopf, so lustige und aufgeräumte Einfälle haben könne. Ueberdies -hat es das Ansehen, als wenn die Natur bey einem solchen Menschen -ihre Maximen vergessen. Sie pflegt gewöhnlicher Weise, die genaueste -Uebereinstimmung zwischen Leib und Seele, zu erhalten. Ist es also -nicht wiedersinnisch, daß sie die Seele eines +Democritus+ in -den Körper eines +Cato+ gesteckt hat? der schertzende macht sich -selbst lächerlich, wenn er nicht eine heitere, freudige und muntere -Ernsthaftigkeit annimt, und ich habe oben erwiesen, daß ein Schertz -viel von seinem Feuer verliehre, wenn sich der schertzende selbst -lächerlich macht. - - -§. 94. - -Der andere Fehler des Gesichts, der dem schertzenden nachtheilig ist, -besteht darin, wenn er eine gar zu grosse Zufriedenheit über seinen -Spaß mercken läßt. Man sieht es manchem spaßhaften Kopfe an den Augen -an, daß er ein inniges Vergnügen über seinen Einfall empfindet, und -seine Artigkeit gar zu lebhaft selbst fühlt. Die Augen funckeln -ihm im Kopfe, und gehen von einem Zuhörer zu den andern fort, sie -scheinen ein Verlangen nach dem Beyfalle der Zuhörer zu entdecken, und -eine Verwunderung und Zorn an den Tag zu legen, im Fall der Beyfall -der Zuhörer nicht so, und in eben der Stärcke, gleich erfolgt, als -der schertzende sich würdig zu seyn glaubt. Ein solches Bezeugen -verursacht eine kleine Rache bey den Zuhörern, die in Absicht auf den -schertzenden grausam ist. Ein vernünftiger Mensch verachtet überhaupt -alle Personen, die mit sich selbst gar zu sehr zufrieden sind. Er -glaubt, daß sein Beyfall unnöthig sey, weil der scherzende, durch seine -Zufriedenheit mit sich selbst, ihm zuvorgekommen. Er schließt nach -einen Vorurtheil, so in den mehresten Fällen eintrift, daß ein Kind, -welches von seinen Eltern affenmäßig geliebt wird, viele Fehler habe. -Er wird aufmercksam gemacht, Fehler zu entdecken, die er sonst nicht -würde sonderlich bemerckt haben; und man pflegt einem Menschen, der mit -sich selbst gar zu sehr zufrieden ist, Fehler anzurechnen, die man bey -andern wo nicht ganz übersehen, doch nicht so sehr ahnden würde. Ein -Mensch der glücklich im Schertzen seyn, und Beyfall erlangen will, muß -gegen seinen eigenen Einfall gleichgültig zu seyn scheinen. Er darf die -Augen eben nicht niederschlagen und auf seinen Schertz fluchen. Allein -er muß sich sehr in acht nehmen, kein gar zu lebhaftes Vergnügen, über -seine eigene Schertze, von sich blicken zu lassen. - - -§. 95. - -Ein Mensch der mitten in seinem Schertze lacht, und denselben mit -lachen vorträgt handelt poßirlich. Er verliehrt die angenehme -Ernsthaftigkeit, die einen Schertz so schön macht. Er wird durch das -lachen gehindert, seinen Schertz geschwind und hurtig vorzutragen, -und dadurch die Zuhörer unvermuthet zu überfallen. Ehe noch der -Schertz völlig vorgetragen wird, mercken es schon die Zuhörer, daß -ein Schertz vorgetragen werden soll; er kan ihnen also unmöglich -gantz neu seyn, wenn sie ihn hernach in seinem Umfange und völligen -Ausdehnung erkennen. Der Schertz bekommt dadurch alle Häßlichkeiten -eines vorhergesehenen Spasses. Der schertzende kan dadurch gehindert -werden, seinen Schertz ordentlich und verständlich vorzutragen, und -er kan wohl gar in den kindischen Fehler fallen, daß er den Vortrag -unterbrechen muß, und die läppische Entschuldigung hinzu thun, daß er -es vor lachen nicht sagen könne. Ja man kan sagen, daß das lachen in -manchen Gesellschaften eine Sympathetische Kraft habe. Es darf nur -einer lachen, so lacht die gantze Gesellschaft, ohne zu wissen warum. -Es ist also vermuthlich, daß, wenn der schertzende seinen Schertz mit -lachen vorträgt, seine Zuhörer ihm Gesellschaft leisten werden, und -sie haben nicht nöthig über den Schertz selbst hernach zu lachen. Es -kommt einem überhaupt poßirlich vor, wenn man einen Menschen lachen -sieht, und man weiß nicht warum. Der schertzende macht sich also selbst -lächerlich, wenn er mitten im schertzen lacht. Soll der Schertz nicht -frostig werden so muß der schertzende weder vorher, noch mitten im -Schertze lachen. - - -§. 96. - -Wenn man dem spaßhaften Kopfe ja erlauben will, über seinen Einfall -zu lachen, so muß er es nicht eher thun als nachher, doch hüte er -sich vor einer gar zu grossen Eilfertigkeit. Ist er der erste im -lachen, so kommt mir dieses lachen vor, wie das ~plaudite~ bey -einem Lustspiel. Man scheint die Zuhörer zum lachen aufzumuntern, -man scheint zu befürchten, das lachen werde nicht erfolgen. Es ist -überhaupt der nöthigen Ernsthaftigkeit beym schertzen zu wieder, und -man erweckt den Verdacht, daß man selbst gar zu sehr für seinen Einfall -eingenommen sey. Wenn aber der Schertz sehr feurig ist, und alles um -uns herum lacht, so muß ein Mensch sehr viele Herrschaft über sich -selbst besitzen, wenn er sich des lachens enthalten will. Ein lachen -das alsdenn entsteht, kan als eine Schwachheits-Sünde entschuldiget -werden. Ich nenne es eine Schwachheits-Sünde weil ich glaube, daß ein -vollkommener Schertz eine freudige Ernsthaftigkeit vorher und nachher -erfodert. Der schertzende beweißt die Stärcke seines Witzes auf eine -ausnehmende Art, wenn er mitten unter vorhergehenden, begleitenden und -nachfolgenden ernsthaften Gedancken schertzen kan. Und da wird er gewiß -auch nachher nicht lachen. Der schertzende muß gleichsam im Vorbeygehen -den Schertz anbringen. Er muß den Schein geben, daß es ihm selbst nicht -viel darum zu thun sey, so beweißt er dadurch wie leicht es ihm sey, -auf eine feurige Art zu schertzen. Ich will nicht einmal den Fehler -berühren, wenn ein frostiger Kopf über seine eigene bejammernswürdige -Einfälle lacht. Ich bin zweiffelhaft, ob ein solcher Mensch Mitleiden, -oder Verachtung und Verspottung verdiene. Ein solcher alberner -Possenreißer ist vernünftigen Leuten dergestalt entgegen gesetzt, daß -er auch gantz verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworffen ist, - - Und wenn er +selber+ lacht so möchten andre weinen - - +Canitz.+ - - -§. 97. - -Ich halte es nicht eben für einen der geringsten Fehler, wenn -der schertzende eine gar zu ängstliche Furchtsamkeit, bey dem -Vortrage des Spasses, von sich blicken läßt. Wenn der Schertz recht -gelingen soll, so muß er mit einer anständigen Dreistigkeit, und -Unerschrockenheit vorgetragen werden. Ich verstehe dadurch kein -freches und unverschämtes Wesen, sondern eine kühne Munterkeit, -welche aus dem Uebergewicht des bewustseyns, daß der Schertz werth sey -vorgetragen zu werden, entsteht, und welche das Mittel ist zwischen -einer zaghaften Blödigkeit und einer lermenden Tollkühnheit. Mancher -Kopf hat sehr feurige Einfälle, allein so bald sie ihm auf die Zunge -kommen, überfält ihn eine Bangigkeit, die ihn blaß macht, den Othem -versetzt, und durch eine zitternde und unterbrochene Stimme die -Angst seines Hertzens verräth. Solche Gemüther sind zu zärtlich und -empfindlich, sie sind übertriebene Richter ihrer eigenen Gedancken, und -haben eine zu schlechte Hofnung der guten Aufnahm ihres Schertzes. Sie -verderben dadurch ihre Schertze, die im übrigen glücklich genug sind. -Sie sind nicht im Stande, ihren Schertz munter genug vorzutragen, sie -können den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, sie erwecken -selbst eine Art der Angst in den Gemüthern der Zuhörer, welche -nothwendig mit einiger Unlust den Schertz erwarten müssen, der so viele -Geburtsschmertzen verursacht. Ja sie verrathen eine gewisse Schwäche -ihres Witzes, die den Schertz selber matt machen muß. Ein hitziger Kopf -hat viel zu feurige Einfälle, als daß sie ihm Zeit, zu ängstlichen -Beurtheilungen, lassen solten. Er wird von seinen eigenen Einfällen -so unvermuthet und plötzlich überfallen, und so nachdrücklich gerührt, -daß er in eine Art der Verwirrung geräth, die ihm natürlicher Weise -eine Kühnheit geben muß. Die Lebhaftigkeit und Stärcke seiner Schertze, -breitet sich bis in seinen Körper aus, und geben ihm alles das Feuer, -das zu einem unerschrockenen und dreisten Vortrage derselben nöthig -ist. Kan man wohl diese Stärcke des Witzes, bey demjenigen annehmen, -der mit Zittern und Zagen, und einer stotternden Stimme spaßt? Wer -sich nicht getrauet, mit einem männlichen und unverzagten Muthe, zu -schertzen, der überhebe sich gar dieser Mühe. Seine Furchtsamkeit kan -ihn überdies manchmal in eine solche Verwirrung setzen, daß er nicht -mehr weiß was er sagt, und er wird sich der Gefahr, ausgelacht zu -werden, aussetzen. - - -§. 98. - -Ich habe bisher die Schönheiten eines Schertzes ausgeführt, welche -meinen Bedüncken nach nöthig sind, wenn er glücklich gerathen soll. -Ich will nicht sagen, daß ich keine einzige übergangen hätte. Ich will -auch nicht zum andern, oder gar zum dritten mal, sagen, daß ich nicht -in den Gedancken stehe, als wenn ein jeder glücklicher Schertz, alle -diese Schönheiten besitzen müsse. Sondern ich werde meine Erinnerungen -die ich noch zu machen habe, in ein paar allgemeine Anmerckungen -einschrencken. Zuerst gebe ich zu, daß es manche Schertze gibt, bey -welchen unmöglich alle diese Schönheiten zusammen stat finden können. -Es kan geschehen, daß bey gewissen Spassen, nach allen ihren Umständen -betrachtet, einige dieser Schönheiten einander wiedersprechen. Daraus -wird aber meines Erachtens nichts weiter folgen, als daß manche -Schertze unmöglich den grösten Grad der Schönheit erreichen können, -der bey einem Schertze, überhaupt betrachtet, möglich ist. Hernach ist -mit leichter Mühe zu begreiffen, daß eine Schönheit eines Schertzes so -groß, starck und einnehmend seyn könne, daß viele andere Fehler dadurch -bedeckt werden. Was einem Schertze an der einen Schönheit abgeht, kan -durch die andre ersetzt werden. Und es gibt Fehler der Schertze die mit -leichter Mühe können versteckt werden. Ja, man kan sich in Gesellschaft -befinden, da man hundert Fehler in Schertzen begehen kan, die die -Gesellschaft nicht merckt. - - ~Non quiuis videt immodulata poemata iudex.~ - - _Hor. art. poet._ - -Es gehört ein wenig Verschlagenheit und List dazu, wenn man in allen -Gesellschaften, die aus keinen grossen Geistern bestehen, im spassen -glücklich seyn will. Man kundschafte den Geschmack der Gesellschaft -aus, man verstecke die Fehler seiner Schertze, so bin ich gut davor, -daß man für einen schertzhaften Kopf wird gehalten werden. Nur hüte -man sich vor der Eitelkeit, deswegen zu glauben, daß man auch vor dem -Richterstuhle der gesunden Critik, eines guten Ausspruchs, bloß um -dieser Ursach willen, sich zu getrösten habe. - - -§. 99. - -Die Gründe der Beurtheilung eines Schertzes, die ich bisher ausgeführet -habe, können innere Gründe genennet werden, weil sie in den Schönheiten -bestehen, die einem glücklichen Schertze eigenthümlich zugehören. Es -gibt aber auch äusserliche Gründe, die überhaupt aus dem Urtheile -anderer von unsern Schertzen hergenommen werden, und aus dem Eindrucke -den unser Schertz in den Gemüthern unserer Zuhörer macht. Doch ist -dabey viel Behutsamkeit nöthig. Ich will erst untersuchen, ob man einen -Schertz für feurig zu halten Ursache habe, wenn er von andern gelobt, -belacht, und gebilliget wird. Es würde ein übereiltes Urtheil seyn, -wenn man diese Frage schlechterdings bejahen wolte. Unser Zuhörer, dem -wir den Schertz vortragen, kan aus grosser Höflichkeit und Freundschaft -unsere frostigsten Schertze loben und belachen, weil er uns einen -Gefallen dadurch zu erweisen glaubt. Hat man also nicht nöthig der -Warnung des +Horatz+ Gehör zu geben? - - ~Nunquam te fallant animi sub vulpe latentes.~ - - _Art. poet._ - -Oder er kan uns wohl gar so viel Ehrfurcht und Unterwürfigkeit von -Rechts wegen schuldig seyn, daß es ein unbesonnenes Verbrechen -seyn würde, wenn er sich nicht verstellen wolte. Oder er kan ein -+Gnatho+ seyn, welcher denckt: - - ~Est genus hominum, qui esse primos se omnium rerum volunt, - Nec sunt. Hos consector. Hisce ego non paro me vt rideant, - Sed eis vltro arrideo, & eorum ingenia admiror simul. - Quicquid dicunt laudo, id rursum si negant, laudo id quoque, - Negat quis, nego; ait, aio; postremo imperaui egomet mihi - Omnia assentari.~ - - _Terent. in Eunuch._ - -Oder, welches vor allen Dingen anzumercken, unser Zuhörer kan ein -einfältiger, stumpfer, frostiger Kopf seyn. Man sage ihm die feurigsten -Schertze, die sind ihm zu hoch, er kan sie nicht begreiffen, er bleibt -ungerührt. Hört er aber den frostigsten und abgeschmacktesten Spaß, -der wird für seinen groben Geschmack sich schicken. Sein eißkaltes -Gehirne wird den kleinsten Grad des Feuers fühlen, welches in einem -ohnedem feurigen Kopfe unmercklich ist. Man sieht demnach, daß der -Beyfall, der unsern Schertzen gegeben wird, ein sehr zweiffelhaftes -Merckmaal der Schönheit derselben ist. Wollen wir daraus einen -wahrscheinlichen Schluß machen, so müssen wir wissen, daß derjenige, -der unsern Schertz lobt, ein feuriger Kopf von gereinigtem Geschmacke -sey, und daß er weder aus Freundschaft, noch Höflichkeit, noch -Unterwürfigkeit, noch Schmeicheley über unsern Einfall lache. - - -§. 100. - -Eben so wenig kan man daher, wenn unser Schertz getadelt wird, und -keinen Eindruck bey andern verursacht, auf den Frost desselben -einen unbetrüglichen Schluß machen. Ich habe schon bemerckt, daß -ein frostiger und ungeschliffener Kopf, den schönsten Schertz ohne -Rührung, anhören und ihn tadeln wird. Aus diesem Tadel darf man sich -so wenig machen, daß man ihn vielmehr als ein Zeichen der Schönheit -unsers Schertzes anzusehen hat. Es kan jemand aus Feindschaft, -Verachtung unserer Person, Neid, und Tadelsucht unsere Einfälle -tadeln, und sich mit Gewalt zwingen nicht zu lachen, sondern sein -Vergnügen über den Schertz zu verheelen und zu ersticken. Ich weiß -selbst nicht woher es kommt, daß der Neid fast eine Erbsünde vieler -feurigen Köpfe zu seyn scheint. Ein witziger Kopf wird viel Mühe -nöthig haben, einen sinnreichen Einfall an andern zu loben. Ich rede -nur von solchen aufgeweckten Köpfen, die ausserdem nicht eben gar zu -grosse Vollkommenheiten besitzen. Ja es kan auch ein geistreicher -Kopf, der in keinem dieser angeführten Fehler steckt, manchmal viel zu -ernsthafte und verdriesliche Gedancken haben, als daß er die Schönheit -eines feurigen Schertzes zu mercken vermögend seyn solte. So wenig -man beständig zu schertzen aufgelegt ist, so wenig ist man zu allen -Zeiten im Stande, durch einen glücklichen Schertz gerührt zu werden. -Ja endlich kan die Verschiedenheit des Geschmacks Ursach seyn, warum -andere unsere Schertze nicht für schön halten. - - ~Laudatur ab his culpatur ab illis.~ - - _Hor. Sat. L. I. Sat. II._ - -Mich dünckt, ich habe überflüßig dargethan, daß ein Schertz sehr -feurig seyn könne ob er gleich von andern getadelt wird, und keinen -mercklichen Eindruck bey andern macht. Wenn aber ein Mensch von -grossem Witze, Scharfsinnigkeit, und Beurtheilungskraft, der gantz -unpartheiisch ist, unsern Schertz ohne Rührung anhört und ihn -verachtet, so ist der Schluß überaus wahrscheinlich, daß der Schertz -mat, unglücklich und frostig sey. Noch viel behutsamer muß man seyn, -wenn man von seinem eigenen Urtheile, über seine eigene Einfälle, einen -Schluß auf ihre Häßlichkeit oder Schönheit machen will. Eitelkeit -und Eigenliebe verblenden uns, daß wir unsere eigene Fehler nicht -mercken, und unsere Vollkommenheiten durch ein Vergrösserungsglas -betrachten. Niederträchtigkeit stelt uns häßlicher, in unsern eigenen -Augen, dar, als wir in der That sind. Es sind demnach Uebereilungen, -wenn man gerade zu schliessen wolte: Mein Spaß der mir gefält ist -feurig, und der mir mißfält ist frostig. Wer aber seinen Geist über die -Schwachheiten der Eitelkeit und Niederträchtigkeit erhoben hat, wer -ein feuriger Kopf ist, und einen feinen Geschmack hat, der kan diese -Schlüsse mit vieler Wahrscheinlichkeit machen. Nur muß er sich hüten, -daß das auch keine Frucht einer schmeichelnden Eigenliebe sey, wenn er -sich selbst für einen erhabenen, feurigen und feinen Geist hält. - - -§. 101. - -Ich könnte meine Betrachtung hier beschliessen. Das hundert der Absätze -ist ohne dem wieder mein Vermuthen voll geworden. Ich habe aber -angemerckt, und zwar, wie ich mir schmeichle, nicht ohne Grund, daß die -formelle Vollkommenheit eines Schertzes in verschiedenen Stücken, von -der materiellen Vollkommenheit derselben abhänget. Ich werde daher von -dieser noch handeln müssen. Ich bin nicht willens mich dabey so weit -auszudehnen, als ich zu thun im Stande wäre. Ich werde die materielle -Vollkommenheit der Schertze, nur in so weit in Betrachtung ziehen, -als sie das Feuer eines Schertzes entweder glänzender machen, oder -verdunckeln kan. Ich werde alle Weitläuftigkeit vermeiden, und diese -gantze Betrachtung in drey oder vier Regeln einschliessen. - - -§. 102. - -So lange die materielle Unvollkommenheit eines Schertzes kleiner -ist, als die formelle Schönheit desselben, so wird jene dem Feuer -desselben keinen mercklichen Abbruch thun. So bald aber die materielle -Unvollkommenheit mit der formellen Vollkommenheit die Wage hält, oder -diese wohl gar übertrift, so bekommt die Schönheit eines Schertzes -einen Schandfleck, der wenigstens die formellen Schönheiten verdeckt. -Ein solcher Schertz gleicht einem Feuer, das vielen Dampf und Rauch -verursacht. Wenn gleich der Rauch dem Feuer selbst keine Kraft nimt, -so verdeckt er doch dasselbe, und verhindert den Glantz desselben, -der sonst sich weiter ausbreiten, und durchdringender seyn würde. Ein -Mensch, der an einem Dinge Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -gewahr wird, beurtheilt die Sache nach dem Uebergewicht der einen -oder der andern. Wenn die letzten die ersten weit übertreffen, so -kan es natürlicher Weise nicht anders seyn, als daß man sich die -häßliche Seite eines solchen Dinges aufmercksamer, klärer, gewisser -und lebendiger vorstelt. Darüber vergißt man nach und nach die -Vollkommenheiten, sie scheinen nicht hinreichend zu seyn eine Sache, -die überwiegend fehlerhaft ist, nach ihrem schwächern Theile zu -beurtheilen. Mit einem Wort, eine Sache die mehr häßlich als schön -ist, wird nach ihrer schönen Seite nicht vornemlich beurtheilt. Die -Schönheiten werden durch die stärckern Häßlichkeiten verdunckelt, und -man ist nicht gewohnt, wenige Vollkommenheiten, mit einem so elenden -Anhange mehrerer Unvollkommenheiten, besonders zu schätzen. Soll also -der Schertz sein völliges Feuer behalten, und darin unterstützt werden, -so muß die materielle Unvollkommenheit, wo nicht gantz fehlen, welches -allerdings besser ist, doch mercklich kleiner seyn. Mir deucht alle -Religions-Spöttereien haben diesen Fehler. Die Schertze die über -Religionssachen getrieben werden, können bisweilen sehr gut geraten, -weil aber die Gottlosigkeit und Leichtsinnigkeit derselben, zwey Sünden -sind, die bey nahe den höchsten Grad in diesem Falle erreichen, so -können solche Schertze bey niemanden ihre Würckung thun, als die eben -so gottloß und leichtsinnig sind, wie der schertzende selbst. - - -§. 103. - -Wenn der Verdruß und der Eckel des Zuhörers über die materielle -Unvollkommenheit unseres Schertzes, grösser ist, als sein Vergnügen -über die formelle Schönheit desselben, so verliehrt unser Schertz -seinen Glantz und Feuer, wenigstens in dem Gemüthe unsers Zuhörers. -Niemand ist so thöricht, eine kleine Lust durch einen stärckern Verdruß -zu erkauffen; und es ist sehr wahrscheinlich, daß der Verdruß über -unsern Schertz das Vergnügen über eben demselben verdunckeln werde, -folglich auch den Grund desselben, oder die Anschauung der Schönheiten -desselben. Diese werden sich gleichsam hinter der Häßlichkeit des -Schertzes verliehren, und so gut seyn als wenn sie gar nicht da wären. -Wenn ja ein feuriger Schertz eine materielle Unvollkommenheit hat, so -muß doch der Verdruß darüber mercklich schwächer und dunckeler seyn, -als das Vergnügen über eben denselben. Alsdenn wird sichs umgekehrt -verhalten. Die häßliche Seite wird sich immer weiter hinter die schöne -drehen, und es kan wohl gar kommen daß der Zuhörer, über den Vergnügen, -an die Unvollkommenheiten zu gedencken vergißt. Wenigstens ists einem -oftermals nicht zuwieder, einen kleinen Verdruß auszustehen, wenn er -nur durch ein grösser Vergnügen belohnt und ersetzt wird. Es ist nicht -zu leugnen, daß die Ausübung dieser Regel viele Kunst erfodert. Es kan -jemand einen sehr grossen Verdruß worüber empfinden, so dem andern -gar keine, oder doch eine sehr kleine Unlust erweckt, und so verhält -es sich auch mit dem Vergnügen. Dem sey nun wie ihm wolle, so muß der -schertzende sich durchaus nach den Zuhörern bequemen, wenn er bey -ihnen seinen Zweck erreichen will. Ich rechne dahin die Schertze, die -von unzüchtigen, unflätigen, und gar zu gemeinen Dingen hergenommen -werden. Kurtz, alle diejenigen Schertze die in der Einbildungskraft ein -schändliches und eckelhaftes Bild verursachen. Ich lasse einen jeden -urtheilen, ob die feurigsten Schertze nicht ihren Glantz verliehren, -wenn sie eine so schmutzige und säuische Einfassung bekommen? Ein -spaßhafter Kopf, der bey seinen Schertzen gar zu oft ins Dicke trit, -kan zwar in einer Zeche Mistträger ohne Eckel gehört werden, aber -nicht von Leuten, die sehr selten Empfindungen von gewissen Dingen zu -haben pflegen. Es gibt eine gewisse Art Leute, die, ich weiß nicht -was für ein ehrwürdiges etwas, darin zu suchen pflegen, wenn sie ohne -Eckel gewisse Dinge ansehen, und befühlen, und wohl gar mit noch einem -andern Sinne empfinden können. Diese Leute schreiben sich deswegen eine -heldenmäßige Hertzhaftigkeit zu, und verlachen alle diejenigen, die -kein solches +Cyclopen+-Hertz besitzen als sie selbst. Und diese -sinds die mehrentheils in Gesellschaften, und was noch das ärgste ist, -alsdenn wenn gegessen wird, solche Spasse machen, die gar zu natürlich -sind, und wodurch sie andern einen Eckel verursachen, der ihnen die -Materie zu ihrem Triumphe darbietet. Meinem Urtheile nach, verdunckeln -solche spaßhafte Köpfe, durch ihre eigene Schuld, das schöne ihrer -Schertze, durch das schmutzige womit sie schertzen. Ich will nicht -einmal von den bejammernswürdigen Köpfen reden, deren Zoten nicht -einmal eine formelle Schönheit besitzen. Denn alsdenn ist der Zeug des -Spasses säuisch, und der Spaß selbst häßlich, und kan auf keinerley Art -gerechtfertiget werden. - - -§. 104. - -Wenn man mit Dingen scherzt, die man mit der äussersten -Ernsthaftigkeit, zu betrachten verbunden ist, so ist auch das -kleinste lachen bey solchen Dingen eine Sünde. Ein feuriger Schertz -verursacht ein grosses lachen. Folglich muß ein solcher Schertz, der -mit und über dergleichen Dinge geführt wird, eine grössere materielle -Unvollkommenheit haben, und folglich viel von seinem Feuer verliehren. -Ich rechne dahin, nicht nur diejenigen Scherze, in welchen solche -wichtige Dinge selbst lächerlich gemacht werden, als welches überdies -eine strafbare Leichtsinnigkeit ist; sondern auch diejenigen, die etwas -anders durch Vergleichung mit dergleichen Dingen lächerlich machen. -Es ist wahr, diese wichtigen Dinge bleiben alsdenn in ihrem völligen -Werthe. Allein die Einbildungskraft pflegt hernach den Schertz uns -wieder ins Gemüth zu bringen, so bald wir an solche ernsthafte Dinge -dencken, und da ist es nothwendig, daß wir unsere Pflicht übertreten -müssen. Ich tadle alle Schertze, in welchen solcher wichtigen Dinge -Erwehnung geschieht, es sey nun auf die eine, oder die andere Art. -Meines Erachtens gehören dahin, alle Schertze die mit der Religion -getrieben werden, es sey nun, daß man über Religionssachen schertze, -welches freylich das ärgste ist, oder daß man durch Religionssachen -etwas anders lächerlich mache. ~Nimium enim risus pretium est, si -probitatis impendio constat. _Quint._ _de inst. Orat._ Ich weiß -wohl, daß man vieles zur Entschuldigung der letztern anzuführen pflegt. -Ich weiß aber auch, daß ich sie nicht verwerffe, weil ich glaube, -daß sie Religions-Spöttereyen wären. Wenn man weiter nichts thut, -als daß man die Religionssachen braucht, etwas anders lächerlich zu -machen, so spottet man nicht der Religion, die bleibt in ihrer Hoheit. -Allein unsere Einbildungskraft vergesellschaftet die Religion mit den -Schertzen, wir erinnern uns der Schertze, wenn wir an die Religion -dencken, und man ist alsdenn nicht im Stande, gantz ernsthaft zu -bleiben, wozu man doch bey der Religion jederzeit verbunden ist. Alle -vernünftige Kenner der Schaubühne, stimmen mit mir in diesem Stücke -überein. Sie sehen es als einen groben Fehler an, wenn man wichtige -Dinge, und insonderheit Dinge, die mit der Religion eine Verwandschaft -haben, in die Comödie bringt. Sie tadeln insgesamt, den berühmten -Nürnbergischen Dichter +Hans Sachsen+, der so artig zu dichten -gewust, daß er +Adam+ und +Eva+ aufgeführt, wie sie ihre -Kinder in Gegenwart GOttes, der ihnen erschienen, aus +Luthers+ -Catechismus examiret, da denn +Abel+ recht gut bestanden, -+Cain+ aber sehr schlecht antworten können. Man begreift ohne -Mühe, daß der Grund dieses Tadels, darin zu suchen sey, weil die -Comödie der Ort ist, wo geschertzt werden soll, und da die Thorheiten -der Menschen lächerlich gemacht werden sollen. Verbannt man nun die -Religion aus der Comödie, so gibt man zu verstehen, daß es häßlich -sey, wenn man die Religion zu schertzen braucht, und ob man gleich sie -selbst nicht lächerlich mache, und die Schertze noch so feurig seyn -solten. Was ich von der Religion gesagt habe, das gilt auch von allen -wichtigen Wahrheiten, die man durchaus nicht zum Schertzen brauchen -muß. Ich hätte hier die schönste Gelegenheit, denen Herrn den Text -zu lesen, die mit der Philosophie ihren Schertz treiben, und wunder -dencken, wie spitzfindig sie sind, wenn sie z. E. über die beste Welt -ein lachen verursachen. Doch ich begnüge mich anzumercken daß man -weder über, noch mit dergleichen Dingen schertzen müsse, bey denen wir -verbunden sind, so oft wir uns damit beschäftigen, eine genaue und -strenge Ernsthaftigkeit zu beobachten. - - ~Non haec iocosae conueniunt lyrae~ - - _Hor. Carm. L. III. Od. III._ - - -§. 105. - -Wenn wir uns in solchen Umständen befinden, in welchen wir verbunden -sind, die strengste Ernsthaftigkeit zu beobachten, so ist das -geringste lachen eine Sünde, und die materielle Unvollkommenheit -unsers Schertzes fält alsdenn mehr, und stärcker in die Augen, als -die formelle Schönheit, und unser Schertz wird verdorben. Es gibt -gewisse Personen, in deren Gegenwart wir die strengste Ernsthaftigkeit -beobachten müssen, wenn sie uns selbst nicht einigermassen von diesem -Zwange loßzumachen für gut befinden. Es gibt Orte und Zeiten, die von -uns fodern, alsdenn gar nicht zu lachen, wenn wir uns in denselben -befinden. Alle Schertze die in Gegenwart solcher Personen, an solchen -Orten und in solchen Zeiten vorgetragen werden, wenn sie auch noch -so feurig sind, verliehren ein vieles von ihrer Schönheit, weil sie -aus einer Leichtsinnigkeit entstehen, die gar zu sehr in die Augen -fält. Ich hätte hier Gelegenheit eine weitläuftige Critik, über -viele Arten der Schertze anzustellen. Ich will mich aber begnügen, -nur einige derselben anzuführen, mehr, um meine Anmerckung dadurch -zu bestätigen, als sie selbst ausführlich zu untersuchen. Ich rechne -dahin zuerst alle Schertze, die in der Todesstunde getrieben werden. -Es ist wahr, solche Schertze haben ein ungemeines Feuer, wenn sie -sonst nicht überwiegend häßlich sind. Ich habe dieses schon oben -angemerckt. Allein die Todesstunde ist die wichtigste Zeit unsers -Lebens. Wir sollen in derselben einen Schrit thun, bey dem die -gröste Aufmercksamkeit und Bedachtsamkeit nöthig ist, und wir sind -verbunden alle unsere Verstandeskräfte zusammenzufassen, um mit der -strengsten Aufmercksamkeit die Veränderung zu erwarten, die uns aus -der Zeit in die Ewigkeit versetzt. Mich deucht, daß alles dieses ohne -Ernsthaftigkeit unmöglich sey. Und wer in seiner Todesstunde spaßt, -ist viel zu leichtsinnig, als daß er den Tod regelmäßig ausstehen -solte. Diese Leichtsinnigkeit verdunckelt auch den feurigsten Spaß. -Nein, in der Todesstunde kan kein Spaß recht glücklich gerathen. Zum -andern gehören hieher die Schertze in der Kirche, und insonderheit -auf der Canzel. Ein P. ~Abraham von Sancta Clara~ mag noch so -ein lustiger Kopf seyn, er mag noch so feurig seyn, so wird ihm doch -kein Schertz gelingen, wenn er ihn auf den Stuhle vorträgt welcher -den wichtigsten Wahrheiten gewidmet ist. Daher darf kein Prediger die -Laster auf der Canzel lächerlich machen, er muß sie aus wichtigern -Gründen mit dem grösten Ernste bestürmen. Endlich rechne ich dahin die -Heldengedichte und grossen Lobreden. Ein Dichter und Lobredner verhält -sich unanständig gegen seinen Helden, wenn er schertzt. Das hohe, -das erhabene, das ehrwürdige wird durch das lächerliche verdunckelt. -In solchen Reden und Gedichten muß gar nicht geschertzt werden. -+Günther+ wird daher mit Recht getadelt, daß er in der Helden-Ode -auf den +Eugen+ einen Soldaten nach dem pöbelhaftesten Character -aufführt. - - -§. 106. - -Ich muß nunmehr den Beschluß meiner Betrachtung machen. Ich solte -glauben, daß diese Blätter nicht gantz ungeschickt wären, den guten -Geschmack zu befördern, in einer Sache die sehr häufig zu seyn pflegt. -Ich habe mich wenigstens bemüht, diese Critik der Schertze auf Gründe -zu bauen, die aus der Natur der Seele, und der Schönheiten überhaupt -hergenommen sind, und ich habe nichts weiter mehr nöthig, als mich der -Gewogenheit meiner +geneigten Leser+ zu empfehlen. - - ~Viue, vale! si quid nouisti rectius istis, - Candidus imperti; si non, his vtere mecum.~ - - - +E N D E.+ - - -[Illustration] - - - - - -End of Project Gutenberg's Gedancken von Schertzen, by Georg Friedrich Meier - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANCKEN VON SCHERTZEN *** - -***** This file should be named 51535-0.txt or 51535-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/5/3/51535/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This transcription was produced from -images generously made available by Bayerische -Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Gedancken von Schertzen - -Author: Georg Friedrich Meier - -Release Date: March 23, 2016 [EBook #51535] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANCKEN VON SCHERTZEN *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This transcription was produced from -images generously made available by Bayerische -Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - - - - - - -</pre> - - -<h1><span class="s6">M. Georg Friedrich Meiers</span><br /> - -<span class="s5">Gedancken</span><br /> -<span class="s7">von</span><br /> -Schertzen.</h1> - -<div class="quot"> - -<hr class="quot" /> - -<p class="center"><span class="antiqua"><i>Cic. de Orat. L. II.</i></span></p> - -<p class="p_1"> -<span class="antiqua">Ego in his praeceptis hanc vim, & hanc -vtilitatem esse arbitror, non vt, ad -reperiendum quid dicamus, arte -ducamur, sed vt ea quae natura -quae studio, quae exercitatione consequimur; -aut recta esse confidamus -aut praua intelligamus, quum -quo refenda sint, didicerimus.</span></p> - -<hr class="quot" /> - -</div> - -<p class="s3 center"><b>HALLE</b>,</p> - -<p class="s3 center">Verlegts Carl Herrmann Hemmerede.</p> - -<p class="s3 center">1744.</p> - -<hr class="full" /> - -<div class="chapter"> - -<div class="figcenter"> - <a id="a003_1" name="a003_1"> - <img class="mtop1" src="images/a003_1.jpg" - alt="Kopfstück zur Vorrede" /></a> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="Vorrede">Vorrede.</h2> - -</div> - -<div class="figleft mtop-3_3"> - <a id="a003_2" name="a003_2"> - <img src="images/a003_2.jpg" - alt="D" /></a> -</div> - -<p class="p1st"><span class="hidden">D</span>ie Verbesserung des Geschmacks ist eine so edle Beschäftigung, daß -sich jederzeit, die erhabensten Geister eines Volcks, derselben -unterzogen haben. Dadurch unterscheiden sich, unter andern, die -Patrioten eines Landes, von dem übrigen Hauffen ihrer Mitbürger, daß -sie entweder selbst an der Reinigung des Geschmacks, es sey nun in -was für Stücken es wolle, arbeiten; oder doch dieses lobenswürdige -Unternehmen gerne sehen, wünschen, und befördern helfen. Ich habe -mich daher, auf eine lebendige Art, zu überzeugen gesucht, daß es -die Pflicht eines redlich gesinten Deutschen mit sich bringe, sich -zur Parthey dieser Patrioten zu schlagen, und so viel sein Vermögen -ihm erlaubt, auf alle mögliche Art, den Geschmack seiner Landsleute -feiner zu machen. Unser Vaterland kan sich in unsern Tagen glücklich -schätzen, daß es seinen Nachbarn, auch in diesem Stücke, die Wage zu -halten anfängt, und das rühmliche Beyspiel so vieler schönen Geister, -die sich um den deutschen Geschmack so sehr verdient machen, ist so -reizend, daß es nothwendig Nachahmungs Begierde verursachen muß.</p> - -<p>Ich bin so eitel oder so dreist, zu bekennen, daß ich seit geraumer -Zeit einen heftigen Trieb in mir empfunden, diesen erwehnten Vorgängern -zu folgen. Ich habe aber denselben bisher nur durch einem blossen -Wunsch stillen, oder vielmehr unterhalten und verstärcken können. Und -jetzo wage ichs in diesen Blättern, meiner Begierde den Ausbruch zu -verstatten. Ich kan nicht läugnen, daß ichs mit einiger Bangigkeit -thue. Der Geschmack unserer deutschen Kunstrichter ist schon so zart -und edel, daß ich zu sehr mit meiner eigenen Arbeit zufrieden seyn -müste, wenn ich diese Bogen, ohne alle Furchtsamkeit, ans Licht treten -liesse. Ich unterstütze mich, durch das Vertrauen auf die Gütigkeit -meiner <b>Geehrtesten Leser</b>, daß sie wenigstens meinen guten Willen -nicht mißbilligen werden, wenn auch meine Kräfte zu matt gewesen seyn -solten, eine Arbeit zu liefern, die des Beyfalls der Kunstrichter -völlig werth wäre.</p> - -<p>Ich habe verschiedene Gründe gehabt, warum ich eben von Schertzen -meine Gedancken habe drucken lassen. Ich stehe in der Meinung, daß -der verdorbene und pöbelhafte Geschmack am häuffigsten noch in den -Schertzen herrsche. Man mag nun die Schertze verstehen, die in dem -täglichen Umgange vorkommen; oder diejenigen, die unter den Vortrag, -es sey derselbe ein mündlicher oder schriftlicher, gemengt werden; -oder diejenigen Spasse, die auf der Schaubühne vorgetragen werden. Ich -glaube, daß der gantze vernünftige Theil meiner Landesleute überzeugt -ist, daß es zu wünschen wäre, daß die Deutschen, auch im spassen, den -feinen Geschmack herrschen liessen. Und ich kan mich nicht besinnen, -daß eine ausführliche Abhandlung der Schertze in unserer Muttersprache -schon vorhanden wäre. Das letzte kan ein Irrthum seyn, und so ists -eine Unwissenheits-Sünde, die mir also um so viel eher vergeben werden -wird. Dazu kömmt noch, daß eine jede andere Materie, die in das Reich -des Geschmacks gehört, und die ich hätte ausführen können, mir jetzo -entweder zu schwer oder zu weitläuftig gewesen, und ich halte es für -eine vernünftige Maxime eines Schriftstellers, wenn er eine Materie -erwehlt, durch die er sich völlig ausdehnen kan.</p> - -<p>Ich habe hin und wieder, in diesen Blättern, meine Betrachtungen, -eine Critik der Schertze, genennt. Ich weiß nicht, ob alle meine -<b>Leser</b> diese Benennung werden genehm halten. Sie haben vielleicht -einen andern Begriff von der Critik, als ich mir gemacht habe, und ich -kan mich zwar in diesem engen Raume einer Vorrede, nicht weitläuftig -in die Untersuchung des Begriffs der Critik einlassen, doch fodert -die Rechtfertigung meines Gebrauchs dieses Worts, daß ich meine -Begriffe von der Critik überhaupt mit wenigen vortrage. Die Critik, im -allerweitesten Umfange, ist die Wissenschaft von den Vollkommenheiten -und Unvollkommenheiten zu urtheilen. Sie erstreckt sich über alle -mögliche Dinge, und alle Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -derselben. Diese Critik theilt sich in zwey Hauptäste. Der erste ist -die Kunst, den Geschmack zu bilden, und lehrt von den Vollkommenheiten -und Unvollkommenheiten, auf eine sinnliche Art, urtheilen. Diese -Kunst erstreckt sich über alle sinnliche Vorstellungen, aller -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten, aller Dinge. Sie fängt von -den Heldengedichten an und geht bis auf die Haarlocken der Stutzer, -und Schminckpflästerchen auf den Wangen der Schönen herunter. In -hunderttausend Dingen, von dieser Art, kan ein edler und pöbelhafter, -ein feiner und grober, ein reiner und verdorbener Geschmack herschen, -und man darf sich also nicht wundern, daß diese Kunst ihre Grenzen -so weit ausdehnt. Der andere Haupttheil der Critik, lehrt die -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten aus deutlichen Begriffen -beurtheilen, und bekommt so viele besondere Theile, als es Arten der -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten gibt. Andere schrencken -den Begriff der Critik enger ein, und verstehen darunter, die -Wissenschaft historische und vermischte Schriften zu beurtheilen. -Im engsten Verstande versteht man darunter die Wissenschaft, die -alten Schriftsteller zu beurtheilen, ob sie bis auf unsere Zeiten -unverfälscht gekommen, und die eingeschlichenen Fehler zu entdecken -und zu verbessern. Diese beyden letzten Begriffe, verhalten sich zu -dem meinigen, wie ein Theil zum gantzen. Ich unterscheide von meiner -Critik einmal, die Anwendung derselben auf einzelne Fälle, wenn man -gewisse Gegenstände, nach den critischen Regeln, würcklich untersucht; -und hernach die Wissenschaft der Regeln, von dem Verhalten eines -Kunstrichters. Diese letzte würde die Logik der Critik seyn. Die -allgemeine Critik könnte man die Metaphysik der Critik nennen. Sie -wäre eine Wissenschaft von den Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -überhaupt und den allerhöchsten Gattungen derselben zu urtheilen. Ich -kan meine Begriffe nicht rechtfertigen, ich habe nichts weiter im -Sinne gehabt, als den Grund zu zeigen, warum ich meine Gedancken von -Schertzen, in diesen Blättern, zur Critik gerechnet habe.</p> - -<p>Ich schmeichele mir nicht, daß meine Abhandlung so gut, noch -vielweniger so schön gerathen, daß sie untadelhaft. Solche Abhandlungen -sind Unternehmungen, dazu gerade ein grösserer Geist erfodert wird, als -der meinige ist. Ich mercke es selbst, daß diese Blätter viele Stellen -enthalten, die meinen Wunsch nicht zu erfüllen vermögend sind. Und ich -sehe es von selbst ein, daß sie in hundert Stellen verbessert werden -könnten. Man könnte mir daher, vielleicht nicht ohne allen Grund, -einwenden, daß man vernünftiger handele, wenn man eine Schrift von -dieser Art, die nicht überwiegend schön und in ihrer Art vortrefflich -ist, lieber ungedruckt liesse, als die Anzahl solcher Schriften zu -vermehren, die voller Mängel sind. Ich habe aber irgendswo gelesen, -daß es Leute gegeben, die niemals Schriftsteller geworden sind, -weil sie gar zu gute Schriftsteller haben werden wollen; und, die -Wahrheit zu bekennen, ich bin viel zu starck gewesen als daß ich unter -dieser Versuchung hätte erliegen sollen. Wenn meine geneigten Leser -das schwache dieser Beantwortung übersehen werden, so habe ich das -wichtigste erlangt, was ich mir von ihnen, in dieser Vorrede, ausbitten -kan.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="a003_1a" name="a003_1a"> - <img class="mtop1 mbot3" src="images/a003_1.jpg" - alt="Kopfstück zum Haupttext" /></a> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="Par_1">§. 1.</h2> - -</div> - -<div class="figleft mtop-4"> - <a id="p001" name="p001"> - <img src="images/p001.jpg" - alt="I" /></a> -</div> - -<p class="p2nd"><span class="hidden">I</span>ch begreiffe mit leichter Mühe, daß die mehresten meiner <b>geneigten -Leser</b> in den Gedancken stehen, als wenn ein Schriftsteller, der -seine Betrachtungen über das Schertzen ihnen vorträgt, ein schöner -Geist, und selbst ein spaßhafter Kopf seyn müsse. Ich bin weder -das eine, noch das andere, und unterstehe mich dem ohnerachtet von -Schertzen zu schreiben. Ich bin der Meinung, daß ein witziger Kopf von -dem witzigen, sinreichen, scharfsinnigen, schertzhaften, und wie es -sonst heissen mag, nicht deswegen urtheilen könne, weil er vielen Witz -besitzt; sondern weil er<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2"><span class="pagenum2">[S. 2]</span></a></span> ausserdem ein Weltweiser ist, der seinen -Geschmack nach den Regeln der gesunden Critik ausgebessert hat. Diese -Eigenschaften können jemanden zukommen, der auf einen feurigen Witz -sehr wenige Ansprüche hat. Man kan von der Schönheit eines Gemähldes, -von den erhabenen Zügen eines Gedichts, und der Vollkommenheit einer -Rede urtheilen, und Regeln geben, ohne selbst ein Mahler, Dichter, -und Redner zu seyn. Es kan jemand ein geistreicher und belebter Kopf -seyn, er kan sich in seinen Gedancken mit der kühnsten und angenehmsten -Stärcke heben, und sein Feur durch Proben an den Tag legen, die -den Beyfall aller Kunstrichter verdienen. Weil er aber zu wenig -Wissenschaft von seinen eigenen Kräften, und den Vollkommenheiten -derselben besitzt, so ist er nicht im Stande, aus deutlichen Gründen -die Regeln herzuleiten, durch deren Beobachtung seine sinnreichen -Einfälle so viel Geist und Leben bekommen. Er fühlt und schmeckt die -Schönheit seiner Gedancken, er begreift aber selbst nicht, warum -sie so reitzend sind. Man thue hinzu, daß derjenige, der selbst ein -aufgeweckter Kopf ist, mehrentheils viel zu ohnmächtig ist, als daß -er alle Partheilichkeit in seinen Urtheilen über das sinnreiche zu -vermeiden im Stande seyn solte. So wenig von einem Frauenzimmer, so -sichs einmahl in den Kopf gesetzt hat, schön zu<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3"><span class="pagenum2">[S. 3]</span></a></span> seyn, zu erwarten ist, -etwas anders für reizend zu halten, als was sie selber besitzt; so -wenig ists von manchen witzigen Köpfen zu hoffen, daß sie die Einfälle -für schön halten solten, die der Art ihres Witzes nicht gemäß zu -seyn scheinen. Der Witz vieler feurigen Köpfe bekommt einen gewissen -Schwung, der über ihre Beurtheilungskraft zum Tyrannen wird. Ihnen -eckelt vor alle dem, so ihrem Geschmacke, der nun einmal an gewisse -Speisen gewöhnt ist, nicht gemäß ist. Diese Köpfe müsten sich zu viel -Gewalt anthun, unpartheiisch von einem Schertze zu urtheilen, bey dem -sie nicht absehen können, wie sie selbst denselben hätten vortragen -können. Man lasse den <b>Cicero</b>, der nach <b>Quintilians</b> -Zeugniß keine Maß im schertzen halten können, von einem Spasse, der -auf einer blossen Anspielung der Worte beruht, urtheilen. Ich will -verlohren haben, wenn er ihn nicht bewundern wird. Das befremdet mich -im geringsten nicht. <b>Cicero</b> selbst bediente sich mehr, als -einem so grossen Geiste anständig war, dieser Schertze. Ich habe das -Vertrauen zu der Billigkeit meiner <b>Leser</b>, daß sie aus dem, was -ich bisher gesagt, nicht schliessen werden, als wenn ich glaubte, -daß kein witziger Kopf von Schertzen gesunde Urtheile fällen könne. -Noch vielweniger, daß ein Mensch ohne allen Witz sich dergleichen -unterfangen dürfe. Ich<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4"><span class="pagenum2">[S. 4]</span></a></span> behaupte nur, daß es nicht unumgänglich -nothwendig sey, daß derjenige, der von Schertzen vernünftige Gedancken -haben will, selbst glücklich im spassen seyn müsse. Ein Mensch der -einen gereinigten Geschmack besitzt, aber nicht schertzen kan oder -will, besitzt eine Gleichgültigkeit gegen die Schertze, die ihn -unpartheiisch macht. Er tadelt und lobt das schertzhafte, ohne daß sich -eine schmeichelnde oder empfindliche Eigenliebe unter die Gründe seiner -Urtheile mengt.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft2">Ergo fungar vice cotis, acutum</div> - <div class="verse">Reddere quæ ferrum valet, exsors ipsa secandi.</div> - <div class="verse vright"><i>Horat. de art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_2">§. 2.</h2> - -</div> - -<p>Es gibt eine Art ernsthafter Leute, welche es überhaupt zur Sünde -machen will, wenn man schertzet und lachet. Solten diese Blätter das -Schicksal haben, in die Hände dieser Leute zu gerathen, so kan ich mir -schon zum voraus einbilden, was sie, bey der Erblickung derselben, -vor saure Minen machen werden. Sie werden mirs als ein sittliches -Verbrechen anrechnen, daß ich von einer Materie schreibe, die sich mit -der Tugend nicht reimen will. Ich gebe diesen Gegenfüssern muntrer und -aufgeweckter Köpfe zu, daß viele Schertze unmöglich mit der Tugend -bestehen können. Nur werden sie mir auch im Gegentheil zugestehen, daß -nicht ei<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span>ne jede Ernsthaftigkeit zum Character der wahren Tugend gehört.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Multum ringitur otiosa virtus.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Sidon.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Es kan manchmal ein tugendhafter zugleich ein schläffriger und -niedergeschlagener Kopf seyn, der noch dazu von einem schwartzen -Geblüthe durchschwämt wird. Der würde sich augenscheinlich betrügen, -wenn er seine natürlich nothwendige Traurigkeit für eine Wirckung der -Tugend halten wolte. Aergert er sich nun, wenn andere frölich sind und -schertzen, weil er selbst nicht anders als immer misvergnügt zu seyn -das Unglück hat, so muß er so viel Menschenliebe in seinen Urtheilen -blicken lassen, diejenigen nicht gleich für lasterhaft zu halten, die -nicht so ernsthaft seyn können, wie er selbst ist. Ich werde keine -sündliche Schertze billigen, ich will mich bemühen zu zeigen, daß ein -vollkommener Schertz, der ohne allen Fehler ist, einen sehr grossen -Witz und Scharfsinnigkeit, zwey grosse Vollkommenheiten der Seele, zum -Grunde habe, und also unmöglich Sünde seyn könne.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_3">§. 3.</h2> - -</div> - -<p>Eine wohlgerathene Untersuchung der Schertze kan nicht ohne Nutzen -seyn, und man hat keine Ursach sich die Zeit gereuen zu lassen, die -man entweder auf die Ausarbeitung, oder aufs Durchlesen derselben -ver<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span>wendet. Ich bin nicht willens alle Nutzen, die eine solche Schrift -haben kan, in ihrer völligen Ausdehnung auszuführen. Ich begnüge mich -mit zweyen oder dreyen, die ich für die grösten halte. Den ersten haben -die witzigen Köpfe davon zu erwarten. Ein feuriger Witz ist eine zu -unruhige Kraft der Seele. Sie läßt ihrem Besitzer nicht beständig Zeit -genug, seine spaßhaften Einfälle gehörig zu prüfen und zu beurtheilen. -Alles was ihm einfält, hält er für witzig und sinnreich, und wer wolte -ihm auch wohl das Recht dazu streitig machen? Seine Zunge ist viel zu -dienstfertig, als daß sie schweigen solte. Nein, ein witziger Kopf -nimt sich die Freyheit zu schertzen, wenn, wo, mit wem, und womit er -will. Er thut das mit so vielen Vertrauen auf sich selbst, daß er -sich unmöglich mit den verdrießlichen Gedancken herumschlagen kan, -als wenn es ihm an Bewundern seiner Schertze fehlen würde. Ich gebe -einem jedweden zu bedencken, ob ein solcher plauderhafter Verschwender -seines Witzes wo nicht den Frost seines Gehirns mehr als zu oft -verrathen, doch wenigstens in den mehresten Fällen ein unerträglicher -Gesellschafter werden müsse. Wie kan man diesem Uebel wohl anders -abhelfen, als durch eine gründliche Ueberzeugung, daß zu einem guten -Schertze mehr erfodert werde, als man gemeiniglich denckt, und daß -der sinnreichste<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span> und witzigste Kopf öfters sehr schläffrige Einfälle -haben könne. <b>Cicero</b> beweißt das zur genüge, so ein schöner -Geist er auch gewesen ist, so ist sein Witz doch sehr oft gesuncken -und ohnmächtig geworden. Solte meine Abhandlung gerathen, so rathe ich -einem jeden witzigen Kopfe dieselbe zu lesen. Er wird dadurch auf eine -heilsame Art furchtsam gemacht werden, so oft als er schertzen will. Er -wird dadurch seinen Geschmack verbessern, und viele Schertze in ihrer -Geburth ersticken, die ihm wo nicht Schande, doch wenig Ehre zuwege -bringen würden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_4">§. 4.</h2> - -</div> - -<p>Man kan den armseeligen Vorrath seines Witzes nicht nur verrathen, wenn -man selbst auf eine erbärmliche Art schertzet, sondern auch wenn man -elende Schertze bewundert. Man gibt dadurch einen pöbelhaften Geschmack -zu erkennen, der jederzeit von einem matten Witze begleitet wird. So -wenig ein vortreflicher Schertz bey einem kriechenden Witze einen -Eindruck verursachen kan, so sehr wird der elendeste Spaß von denselben -bewundert. Ein elender Kopf schertzet nicht nur auf eine elende Art, -sondern er wird auch bey den schlechtesten Einfällen vor Freuden ausser -sich gesetzt. In den Versamlungen des Pöbels, macht der frostigste -Einfall seinen Erfinder zum angenehmsten und lustigsten Gesellschafter. -Das<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> wissen die kleinen witzigen Köpfe, auf eine listige Art, zu ihrem -grossen Troste anzuwenden. Wollen sie grosse Geister nicht bewundern, -so thun sie ihnen den Possen, und theilen ihre sinnreichen Einfälle -Leuten mit, die sie gütiger, und auf eine ihnen gefälligere Art, -aufzunehmen wissen. So furchtsam ich bin selber zu schertzen, so sehr -nehme ich mich in acht über einen schlechten Schertz zu lachen, ich -müste es denn aus Höflichkeit oder Gefälligkeit thun müssen. Dieses -halte ich vor einen ansehnlichen Nutzen, den man, von einer gründlichen -Critik der Schertze, erwarten kan. Man lernt dadurch einen feurigen -Schertz, von einem frostigen unterscheiden, man lacht über den ersten, -und bleibt bey dem letzten unempfindlich, und beweißt sich dadurch als -einen Menschen von gereinigten und feinen Geschmacke.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_5">§. 5.</h2> - -</div> - -<p>Ein gut gerathener Schertz bringt uns die Gewogenheit und Bewunderung -der Zuhörer zuwege. Wir werden für scharfsinnig, aufgeweckt, höflich -gehalten, und für geschmeidige Köpfe. Durch einen wohlangebrachten -Spaß, kan man seinen Gegner in Verwirrung setzen, ihn zaghaft machen -und wiederlegen. Man mäßiget dadurch die gar zu grosse und traurige -Ernsthaftigkeit, das Gemüth wird aufgeheitert, und man setzt seine -Zuhörer in den Zustand, die verdrießlichsten<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> Dinge, die man ihnen -zu sagen hat, gelassen, und nicht ohne Vergnügen anzuhören. Das sind -Stücke die einem Redner unentbehrlich sind. Ich könnte noch mehr hinzu -thun, wenn das angeführte nicht schon hinreichend wäre, zu beweisen, -daß ein Redner zu seinem grossen Vortheile bisweilen schertzen müsse. -Mit weniger Veränderung, kan man eben das von einem Dichter sagen. -Dieser muß fast noch öfter schertzen als der erste. Wie oft hat ein -Dichter nicht nöthig seiner Muse zuzuruffen?</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft1">Sed ne relictis musa procax iocis</div> - <div class="verse">Ceæ retractes munera næniæ:</div> - <div class="verse">Mecum Dionæo sub antro</div> - <div class="verse">Quære modos leviore plectro.</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Carm. L. II. od. 1.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Man kan daher die Untersuchung der Schertze als eine Materie ansehen, -die zur Rede und Dichtkunst gehört. <b>Cicero</b> und <b>Quintilian</b> -sind mit mir einig. Sie haben beyde in ihren Schriften, darinn sie die -Redekunst abgehandelt haben, auch eine Betrachtung über die Schertze -angestellt. Dieser Nutzen allein wäre hinreichend, meine gegenwärtige -Bemühung nicht für unnütz zu halten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_6">§. 6.</h2> - -</div> - -<p>Die Untersuchung der Schertze ist eine Materie, die als ein Stück -der so genannten Aesthetik anzusehen ist. Die Aesthetik ist eine -Wissenschaft der sinnlichen Er<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span>kenntniß und dem Vortrage derselben. Sie -untersucht die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten ihres Vorwurfs. -Sie gibt Regeln jene zu erlangen, und diese zu vermeiden. Keine untere -Erkenntniß Kraft der Seele ist von dem Gegenstande der Aesthetik -ausgeschlossen. Man besehe die Psychologie des Herrn Professor -<b>Baumgartens</b>, so wird man daselbst hin und wieder den gantzen -Grundriß dieser Wissenschaft antreffen. Ich werde in dem folgenden -darthun, daß ein Schertz durch den sinnlichen Witz und Scharfsinnigkeit -gewürckt werde. Folglich ist der Schertz eine sinnliche Vorstellung -und Rede, und gehört in das Feld der Aesthetik, dieses merckwürdigen -Theils, ja ich will sagen, dieses gantzen Inbegriffs der schönen -Wissenschaften.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_7">§. 7.</h2> - -</div> - -<p>Die sinnliche Beurtheilungskraft, oder der Geschmack, ist das Vermögen -von den Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten zu urtheilen, doch -so, daß man weder die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten selbst -deutlich erkennt, noch auch seine Urtheile von ihnen philosophisch -aus deutlich erkannten Gründen, auf eine deutliche Art herleitet. -Vollkommenheiten, in so fern sie undeutlich und auf eine sinnliche Art -erkannt werden, sind Schönheiten und die Unvollkommenheiten werden in -eben dieser Absicht<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> Häßlichkeiten genennet. Der Geschmack ist demnach -das Vermögen von den Schönheiten und Häßlichkeiten zu urtheilen, und -dieselben gewahr zu werden. Ein Schertz ist eine sinnliche Vorstellung -und Rede, und seine Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten sind -Schönheiten und Häßlichkeiten. Man ist also genöthiget die Beurtheilung -eines Schertzes, vor den Richterstuhl des Geschmacks zu verweisen. -Wenn ein Kunstrichter überhaupt derjenige genennet wird, der von -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten urtheilen kan, so muß derjenige -der einen Spaß beurtheilen will ein Kunstrichter seyn. Die Untersuchung -der Schertze gehört demnach auch in denjenigen Theil der Aesthetik, den -man den critischen nennt.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_8">§. 8.</h2> - -</div> - -<p>Man hat es bey nahe als eine Regel angenommen, daß man über den -Geschmack mit niemanden streiten dürfe. Diese Regel ist gegründet, -so lange man nicht weiter gehen will, als auf den Geschmack. Alsdenn -beruhiget man sich in einer bloß sinnlichen und undeutlichen -Erkenntniß, davon man die Gründe einem andern weder angeben noch -erklären kan. O elendes disputiren! wo die streitenden Partheien nicht -durch Schlüsse wider einander zu Felde gehen! So lange man also mit -dem Geschmacke nicht die höhere Beurtheilungskraft, das Vermögen aus<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> -deutlicher Erkenntniß eine Sache zu beurtheilen, verknüpft, so lange -ists eine vergebliche Arbeit, über Schönheiten und deren Gegentheil, -sich mit jemanden in einen Streit einzulassen.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Trahit sua quemque voluptas.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Virgil.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Weil aber alle Schönheiten und Häßlichkeiten, Vollkommenheiten und -Unvollkommenheiten sind, und diese, an sich betrachtet, insgesamt -deutlich können vorgestellet werden, so bleibt es zwar ausgemacht, -daß man von dem Geschmacke, in so fern er ein Geschmack ist, wenig -sagen könne, aber man muß ihn, wenn ich so reden darf, entwickeln. -Man muß die Gegenstände des Geschmacks, auch nach der höhern -Beurtheilungskraft, untersuchen, und da erkennt man ob der Geschmack -gegründet sey oder nicht. Die verworrenen Vorstellungen können nicht -anders richtig seyn, als wenn sie uns dasjenige, was in den deutlichen -unterschieden wird, mit einemmal, und unter einander geworffen, -vorstellen. Folglich kan man den Geschmack selbst beurtheilen, und -gewisse Regeln geben wonach sich derselbe, auf eine ihm selbst -unbekante Art, zu richten hat. Wenn das alle Kunstrichter beobachteten, -so würden sie nicht Geschmack dem Geschmack entgegen setzen, und -dadurch Streitigkeiten verewigen, die vielleicht kürzer ausgemacht -werden<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> könnten. Ob nun gleich die Beurtheilung der Schertze ein Werck -des Geschmacks ist (<a href="#Par_7">§. 7.</a>) so kan man doch Regeln geben, wonach die -Schönheiten und Häßlichkeiten eines Schertzes beurtheilet werden können.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_9">§. 9.</h2> - -</div> - -<p>Es gibt Regeln wonach die Schertze beurtheilt und eingerichtet werden -können. Man würde also ohne Ursach zweiffeln, ob auch Gründe vorhanden -wären, woher diese Regeln fliessen. Nein, alles hat seinen Grund, -sollten wohl die Regeln des Geschmacks eine Ausnahme von dieser Regel -machen, welcher das gantze Reich der Möglichkeiten und Würcklichkeiten, -nach seinem gantzen Umfange, unterworffen ist? Ich rechne zu diesen -Gründen, die Beschaffenheit der Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -überhaupt. Insbesondere die Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -unserer Erkenntniß, und des Vortrages derselben. Und endlich die -Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten der sinnlichen Erkenntnißkräfte -der Seele, insonderheit des sinnlichen Witzes und Scharfsinnigkeit. -Aus diesen Quellen müssen die Regeln, der Beurtheilung und Einrichtung -eines Spasses, erwiesen werden. Ich begnüge mich mit der blossen -Benennung und Anführung dieser Gründe. Ich müste meinen <b>Lesern</b> -zu wenig Einsicht zutrauen, wenn ich sie beweisen wolte,<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> da mein Zweck -nicht darinn besteht, den Geschmack überhaupt in diesen Blättern zu -bilden und einzurichten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_10">§. 10.</h2> - -</div> - -<p>Wenn es Regeln zu schertzen gibt, wenn diese Regeln aus Gründen -können bewiesen werden, so müste man ohne Grund an der Möglichkeit -einer Wissenschaft der Schertze zweiffeln. Ich bin überzeugt, daß -eine Wissenschaft möglich sey, in welcher gezeigt wird, wie man einen -Schertz erfinden, und bis zur Grentze seiner Vollkommenheit erheben -kan. <b>Cicero</b> und <b>Quintilian</b> scheinen mir zu widersprechen. -Allein ihre Gründe beweisen nicht, daß diese Wissenschaft unmöglich -sey, und daß man nicht auf eine Kunstmäßige Art ein spaßhafter Mensch -werden könne. Beyde glauben, daß die Natur und Gelegenheit das meiste -zu einem glücklichen Schertze beytragen müssen. Ich glaube es auch. -Aber so wenig man sagen kan, daß es keine künstliche Vernunftlehre -gebe, weil zur Ausübung derselben ein guter Mutterwitz erfodert wird; -eben so wenig wird die Wissenschaft der Schertze, und die Theorie -derselben, geläugnet werden können, weil man mit allen Regeln keinen -Menschen zu einen schertzhaften Kopfe machen kan, der keine natürliche -Geschicklichkeit zu schertzen empfangen hat. Ein anders ist die Regeln -zu schertzen verstehen, und dieselben geschickt ausüben können. Ich<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span> -behaupte nur, daß ein Mensch der ein gutes Naturell zu schertzen -besitzt, durch die Kunst, leichter, eher und besser, eine Fertigkeit -zu schertzen bekommen könne, wenn sich überdies gute Gelegenheiten -dazu an die Hand geben, als ein anderer, der sich mit der blossen -Natur behelfen will. Die Natur arbeitet ihre Wercke nur aus den groben -heraus, sie überliefert uns ihre Kunststücke roh, und überläßt unserer -Geschicklichkeit den Ausputz. Der letzte wird vielmehr frostige -Schertze erzeugen, als der erste, er mag sich auch noch so sehr in acht -nehmen wollen.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">In vitium ducit culpæ fuga, si caret arte.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Horat. de art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ich gebe noch mehr zu. Ich behaupte daß derjenige, der schertzen will, -wenn er bey einem jeden Schertze sich erst auf die Regeln besinnen, -und seinen Schertz mit Fleiß kunstmäßig einrichten will, besser thut -wenn er gar stille schweigt. Ein Schertz muß unvermuthet vorgetragen -werden, und ein Schertz, auf den man sich vorbereitet, muß unglücklich -gerathen, wie ich das in dem folgenden darthun will. Nichts desto -weniger hat die Wissenschaft zu schertzen ihren Nutzen. Es verhält sich -hier eben so, wie bey der künstlichen Vernunftlehre. Das würde ein -erbärmlicher Philosoph seyn, der bey einer jeden Erklärung, bey einem -jeden Schlusse, sich der Regeln der Vernunftlehre deutlich<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span> erinnern -wolte. Man muß eine Fertigkeit in der Vernunftlehre erlangen, man muß -seine Vernunft und Verstand gewöhnen, die Regeln der Vernunftlehre zu -beobachten, ohne unser Wissen. Eben das sage ich von der Wissenschaft -der Schertze. Sie muß unserm Witze und Scharfsinnigkeit den gehörigen -Schwung und Einrichtung geben, daß wir nach ihren Regeln schertzen -können ohne uns derselben bewust zu seyn.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft3">Simul ac durauerit ætas</div> - <div class="verse">Membra animumque tuum, nabis sine cortice.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Horat.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Wer demnach von Natur ein feuriger und aufgeweckter Kopf ist, wer -die Gelegenheit gut in acht nehmen, und zu seiner Absicht geschickt -anwenden kan, und die Wissenschaft zu schertzen versteht, dem bin ich -gut davor, daß er glücklich im schertzen seyn wird.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_11">§. 11.</h2> - -</div> - -<p>Ich will nicht mehr versprechen, als ich zu halten mir getraue. Ich -will nicht sagen, daß ich willens sey, eine Wissenschaft der Schertze -zu schreiben. Sondern meine Absicht ist hauptsächlich, Regeln fest -zu setzen, wonach die Schönheit und Häßlichkeit eines Schertzes -beurtheilet werden kan. Diese Regeln machen entweder die Wissenschaft -der Schertze aus, oder die letzte wird doch mit geringer Mühe, und -einigen klei<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span>nen Veränderungen und Zusätzen, daraus fliessen. Meiner -Einsicht nach glaube ich, daß die Regeln, wonach die Vollkommenheit -einer Sache beurtheilt werden muß, einerley sind mit den Regeln, die -beobachtet werden müssen, wenn eine Sache zu ihrer Vollkommenheit soll -erhoben werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_12">§. 12.</h2> - -</div> - -<p>Weil ich zu furchtsam bin selbst zu schertzen, so werde ich mich sehr -hüten, wenn ich ein Exempel anführen soll, welches doch selten genug -geschehen wird, selbst zu spassen. Ich könnte zwar aus dem gemeinem -Leben dergleichen erwählen, da man mehr als zu viel antrift, die -fast zu einer allgemeinen Gewohnheit geworden. Allein da dieselben -gröstentheils zu frostig und abgeschmackt sind, so würde ich meinen -<b>Lesern</b> Verdruß erwecken, wenn ich sie ausdrücklich anführen -wolte. Ich werde mich begnügen, meinen Eckel vor solchen ungeschickten -Schertzen von weiten zu bezeugen. Noch eins habe ich zu erinnern. Wenn -ich an einem Schertze was loben werde, so werden meine <b>Leser</b> -die Gütigkeit haben, und nicht glauben, daß ich den gantzen Schertz -billigte. Ein Schertz kan viele Vollkommenheiten haben. Die eine kan -er besitzen, eine andere kan ihm fehlen. Ja ein Spaß kan mehr gut als -böse seyn, und mehr böse als gut, jene können gebilliget werden, weil -man doch in dem<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span> Reiche der Natur nichts findet das durch und durch gut -wäre.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft1">Vbi plura nitent - - non ego paucis</div> - <div class="verse">Offendar maculis, quas non incuria fudit,</div> - <div class="verse">Aut humana parum cauit natura.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Horat. de art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_13">§. 13.</h2> - -</div> - -<p>Ich könnte mich noch länger bey solchen allgemeinen Betrachtungen, -diesen angenehmen Materien, aufhalten, wenn ich überhaupt von dem -Geschmacke handeln wolte. Ich habe aber meinen jetzigen Gedancken -überaus enge Schrancken gesetzt. Ich will nur von Schertzen handeln, -und gewisse Regeln fest setzen, wonach sie beurtheilt werden können. -Ich muß, meine Beurtheilungsgründe ungezweifelt zu erweisen, ein -paar Erklärungen zum voraus untersuchen. Es sollen das nicht alle -diejenigen seyn, die in meine Betrachtung einen nähern Einfluß haben, -sondern ich will mich begnügen, den Witz, die Scharfsinnigkeit und -den scharfsinnigen Witz, nur in so fern zu untersuchen, als es zur -Beurtheilung der Schönheiten eines Schertzes nöthig seyn wird. Ich -würde sonst meinen <b>Lesern</b> beschwerlich fallen, und mich des -Fehlers eines Schriftstellers theilhaftig machen, der zu weit ausholt -und von dem man sagen kan</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Gemino bellum troianum orditur ab ovo.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Hor. de art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Par_14">§. 14.</h2> - -</div> - -<p>Wir haben ein Vermögen die Uebereinstimmung der Dinge gewahr zu -werden. Die Fertigkeit in diesem Vermögen nennet man den Witz. Zu den -Uebereinstimmungen der Dinge, muß man die Aehnlichkeit, die Gleichheit -und die Proportionen rechnen. Der Witz ist demnach die Fertigkeit die -Aehnlichkeit, Gleichheit und Proportion der Dinge zu erkennen. Ist -diese Erkenntniß deutlich, so kan man den Witz einen höhern, obern oder -vernünftigen Witz nennen. Ist sie aber undeutlich, so heißt es der -sinnliche und untere Witz. Die Vorstellungen und Reden, die durch den -Witz gewürckt werden, sind sinnreiche oder witzige Vorstellungen und -Reden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_15">§. 15.</h2> - -</div> - -<p>Wir besitzen ein Vermögen die Verschiedenheit der Dinge zu erkennen. -Wer eine Fertigkeit in demselben hat, wird scharfsinnig genennt. -Man muß zu der Verschiedenheit nicht nur die Unähnlichkeit rechnen, -sondern auch die Ungleichheit, und das Gegentheil der Proportion. Die -Scharfsinnigkeit besteht also in der Fertigkeit, die Unähnlichkeit -und Ungleichheit, nebst der Verschiedenheit der Grössen-Verhältnisse -zu erkennen. Diese Erkenntniß ist entweder deutlich, oder undeutlich. -Die erste ist ein Werck der höhern und vernünftigen Scharf<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span>sinnigkeit, -und die andere gehört für die untere und sinnliche Scharfsinnigkeit. -Vorstellungen und Reden die durch die Scharfsinnigkeit gewürckt -werden heissen scharfsinnig. Die Fertigkeit die aus dem Witze und der -Scharfsinnigkeit zusammengesetzt ist, will ich den scharfsinnigen Witz -nennen, welcher demnach entweder ein sinnlicher oder vernünftiger ist. -Ich thue nicht ein Wort zu diesen Erklärungen mehr hinzu. Ich hätte sie -bey nahe gantz ausgelassen, wenn ich nur gewust, ob die Eintheilung -des scharfsinnigen Witzes in den sinnlichen und vernünftigen so -sehr bekannt wäre, als ich sie bey meiner Abhandlung werde nöthig -haben. Es kan zwar scheinen, als wenn ich ein freyer Schöpffer dieser -Erklärungen sey. Allein man wird sich der Mühe überheben können, von -meinen künftigen Beweisen viel abzuziehen, wenn man bedenckt, daß meine -Erklärungen, der Sache nach und im Grunde, verschieden sind, man mag -nun die erklärten Sachen mit einem Namen ausdrucken, mit welchem man es -vor gut befindet.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_16">§. 16.</h2> - -</div> - -<p>Eine Vorstellung ist um so viel vollkommener, je mehr das Vermögen, -wodurch sie gewürckt worden, bey ihrer Hervorbringung, seine -Vollkommenheit bewiesen hat. Die Stärcke und Vortreflichkeit der -würckenden Ursach, breitet sich bis in die Wür<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span>ckung aus; und wie -die Ursach beschaffen ist, in so fern sie würckt, so ist auch die -Würckung beschaffen, in so fern sie von ihrer Ursach abhänget. Die -Vollkommenheiten der Vorstellungen, haben also ihren Grund in den -Vollkommenheiten des Vermögens, die es zu ihrer Hervorbringung -angewendet hat. Ich will die Vollkommenheiten der Schertze fest setzen. -Diese sind Vorstellungen, die durch den scharfsinnigen Witz gewürckt -werden. Es ist demnach nöthig, daß ich die Vollkommenheiten des -scharfsinnigen Witzes bestimme. Die Vollkommenheiten eines Vermögens -sind von zweyfacher Art. Die ersten entstehen aus dem Vorwurffe des -Vermögens, und die letzten befinden sich in der Einrichtung des -Vermögens selbst. Ich habe es jetzo bloß mit der letzten Art zu thun. -Wenn ich von der Vollkommenheit des scharfsinnigen Witzes rede, so -verstehe ich dieselbe, wie man zu reden pflegt, <span class="antiqua">formaliter</span> -betrachtet. Und in dieser Absicht besteht sie in der Grösse und Stärcke -desselben. Je grösser ein Vermögen ist, desto mehr verschiedenes ist -in demselben befindlich, folglich ist die Anzahl der übereinstimmigen -Stücke in dem Vermögen um so viel grösser. Die Vollkommenheit wächst -aber, durch die Vermehrung der übereinstimmigen Stücke. Wenn ich also -die formelle Vollkommenheit des scharfsinnigen Witzes den Stuffen<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span> -nach bestimmen will, so darf ich nur die Grade des Witzes und der -Scharfsinnigkeit ausmachen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_17">§. 17.</h2> - -</div> - -<p>Die Grösse eines Vermögens wird bestimmt 1) durch die Grösse der -Würckungen 2) durch die Menge derselben. Je grössere und mehrere -Würckungen ein Vermögen hervorbringt, desto grösser ist es. 3) -durch die Schwierigkeit der Würckungen. Je leichter die Würckung -hervorgebracht werden kan, desto kleiner ist das Vermögen. Je schwerer -aber die Würckung ist, je mehr Hindernisse in den Weg gelegt werden, -desto mehr Kraft muß angewendet werden, und um so viel grösser muß das -Vermögen seyn, welches dem ohnerachtet die Würckung geleistet hat. -Diese Sätze entlehne ich aus der Dynamik, in welcher man bemüht ist, -die Kräfte überhaupt auszumessen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_18">§. 18.</h2> - -</div> - -<p>Der sinnliche Witz ist um so viel grösser und vollkommener 1) je mehr -Dinge mit einander verglichen werden. Wenn Dinge in eine Vergleichung -gesetzt werden, so müssen sie vorgestellt werden. Ein Witz, der -demnach nur zwey Dinge mit einander vergleicht, stelt sich nicht -so viel vor, als derjenige so mehrere in Vergleichung setzt. Die -Anzahl der Würckungen des letztern ist also grösser, mithin muß der -Witz selber grösser seyn <span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span><a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 2. 2) Je unbekannter die -Dinge sind, die mit einander verglichen werden. Dinge die man sich -unzählige mahl schon vorgestellet hat, und die uns dadurch überaus -bekannt geworden, stellen wir uns mit leichter Mühe vor, weil wir eine -Fertigkeit dieselben vorzustellen erlangt haben. Sind sie uns aber -noch nicht sehr bekannt, so ist ihre Vorstellung schwerer, und ihre -Vergleichung erfodert also einen grössern Witz <a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 3. -3) Je verschiedener die Dinge sind, deren Uebereinstimmung der Witz -erkennet. Denn alsdenn ist die Uebereinstimmung schwerer zu entdecken, -weil sie nicht nur sehr versteckt und geringe ist, sondern weil durch -die augenscheinliche Verschiedenheit unsere Aufmercksamkeit stärcker -auf das verschiedene gezogen wird, dadurch unserm Witze eine Hinderniß -bey der Entdeckung der Uebereinstimmung in den Weg gelegt wird. <a href="#Par_17">§. 17.</a> -<span class="antiqua">n.</span> 3. 4) Je mehr Uebereinstimmungsstücke erkannt werden. -In diesem Falle, ist die Menge der Würckungen des Witzes grösser, und -folglich muß der Witz selber grösser seyn <a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 2. 5) Je -grössere Uebereinstimmungen entdeckt werden. Alsdenn ist die Grösse der -Würckungen des Witzes ansehnlicher, welche eben deswegen seine eigene -Grösse vermehrt <a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 1. 6) Je stärcker die Vorstellungen -gewesen, die vor der Uebung des Witzes vorhergegangen, ja je stärcker -die Vorstel<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span>lungen sind, welche bey seiner Uebung zugleich in der Seele -angetroffen werden, wenn diese Vorstellungen von anderer Art, als die -Vorstellungen des Witzes, sind. Aus der Lehre von unserer Seele ist -bekannt, daß eine sehr starcke Vorstellung uns verhindert, gleich -nachher, auf etwas anders zu dencken; und wenn wir den Kopf sonst -voller starcken Vorstellungen haben, so ist es ungemein schwer, zu -gleicher Zeit auf etwas anders zu dencken. Ein Witz der mitten unter -diesen grossen Hindernissen dennoch würcksam seyn kan, muß grosse -Hindernisse übersteigen, und demnach groß seyn <a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 3. -7) Je klärer, richtiger, gewisser und lebendiger, doch aber auf eine -undeutliche Art, die Uebereinstimmung vorgestelt wird. Denn der Grad -der Deutlichkeit gehört für den vernünftigen Witz, davon ich nicht -rede. Eine klare, richtige, gewisse und lebendige Vorstellung ist -allezeit grösser, als eine dunckele, unrichtige, ungewisse, matte und -todte Vorstellung, wenn man die übrigen Stücke derselben als gleich -annimmt. Ein Witz der klärere, richtigere, gewissere und lebendigere -Vorstellungen würckt, bringt also grössere Wirckungen hervor, als -derjenige, dessen Vorstellungen nach allen diesen Stücken kleiner sind. -Jener ist demnach grösser und vollkommener. <a href="#Par_17">§. 17.</a> <span class="antiqua">n.</span> 1.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Par_19">§. 19.</h2> - -</div> - -<p>Ich will mich bey den Graden der Vollkommenheit, in der -Scharfsinnigkeit nicht aufhalten. Die Scharfsinnigkeit ist von dem -Witze nicht unterschieden, als nur dem Gegenstande nach. Man nehme den -vorhergehenden Absatz. Wo das Wort Uebereinstimmung steht, da setze -man Verschiedenheit, und an statt dieses setze man jenes, so hat man -die Regeln wodurch die Grösse der Scharfsinnigkeit bestimmt wird. Da -nun der scharfsinnige Witz eine Fertigkeit ist, die aus dem Witze und -der Scharfsinnigkeit zusammengesetzt ist, so versteht sich von selbst, -daß, je grösser und vollkommener diese beyden Fertigkeiten sind, desto -grösser und vollkommener der scharfsinnige Witz seyn müsse.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_20">§. 20.</h2> - -</div> - -<p><b>Quintilian</b> versichert uns, in dem <b>sechsten Buche seiner -Redekunst</b>, daß die Natur das meiste zu einem guten Schertze -beytrage, weil sie einen Menschen, unter andern, scharfsinniger -und fertiger in der Erfindung der Spasse mache. Ja, er erklärt -einen Schertz ausdrücklich durch: <span class="antiqua">sermonem cum risu aliquos -incessentem</span>. <b>Cicero</b> stimmt mit dem letzten überein. Er -setzt jederzeit voraus, daß ein Schertz geschickt sey, ein lachen zu -verursachen, und daß ein Spaß deßwegen vorgetragen werde,<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span> damit ein -Gelächter möge erweckt werden. Betrachtet man alle die Exempel, die -beyde anführen, nebst den Quellen, woraus sie die Schertze hergeleitet -haben; so muß man augenblicklich auf die Gedancken gerathen, daß zu -einem Schertze, eine Uebereinstimmung verschiedener Dinge, und die -Einsicht derselben, erfodert werde. Dieses zum voraus gesetzt, werde -ich nicht irren, wenn ich sage: daß ein Schertz eine Rede sey, wodurch -wir Vorstellungen, die von den scharfsinnigen Witze gewürckt worden, -vortragen, und welche zum nächsten Zwecke hat, andere zum lachen zu -reizen. Ich sage ein Schertz sey eine Rede. Ich will deßwegen nicht -in Abrede seyn, daß ein schertzhafter Kopf mit sich selbst spassen -könne. Ich will sagen, daß ich zugebe, daß ein Mensch Vorstellungen -haben kan, denen alle Eigenschaften eines Schertzes zukommen, und -denen nichts weiter fehlt, als der Ausdruck und Vortrag. Ich will -niemanden einen Streit erregen, wer diesen Vorstellungen schon den -Namen der Schertze beylegen will. Ich habe aber doch geglaubt, daß ich -berechtiget sey, einen Schertz eine Rede zu nennen. Ich habe nicht -nur den häuffigsten Gebrauch zu reden auf meiner Seite; sondern wenn -es auch ein Irthum ist, so irre ich zum ummercklichen Nachtheil der -Critik über die Schertze. Alles was ich von den Schertzen, nach mei<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span>ner -Erklärung, beweisen werde, wenn man das ausnimmt, was von dem Vortrage -derselben wird gesagt werden, gilt auch von einem Schertze, wenn man -ihn als eine blosse Vorstellung betrachten will. Ich sage nicht, daß -ein Schertz allezeit ein Lachen erwecke. Es kan jemand sehr starck zum -Lachen gereitzt werden, und doch durch tausenderley Ursachen genöthiget -werden, die Stirne mit Runzeln zu bedecken. Ich leugne nicht, daß man -bey einem Schertze ausser dem Lachen noch andere entferntere Zwecke -haben könne. Ich sage nur daß der Schertzende zunächst, durch seinen -Schertz ein Lachen zu erwecken, gesinnet seyn müsse.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_21">§. 21.</h2> - -</div> - -<p>Ich unterscheide einen Schertz von einer sinnreichen Rede und Einfalle -überhaupt. Es kan jemand sehr vielen Witz in seinen Reden blicken -lassen, er kan die artigsten Einfälle vortragen, darüber sich seine -Zuhörer in einem hohen Grade belustigen, und man wird deswegen nicht -sagen können, daß er schertze. Man müste denn alle Allegorien, -Metaphern, und alle Würckungen des Witzes, Schertze nennen wollen, -welches gewiß nur aus Spaß geschehen würde. Desgleichen, wird auch -nicht eine jede scharfsinnige Rede ein Schertz seyn. Wer das im Ernst -behaupten wolte, der müste alle Subtilitäten für Spaß halten. Gewiß, -ein schöner<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span> Einfall! auf die Art würde der ernsthafteste Metaphysicus -und Mathematicus, in seinem Vortrage nichts thun, als spassen. Endlich -so muß man das nicht gleich für einen Schertz halten, wodurch man zum -lachen bewegt wird. Es kan jemand sich aus dem Athem lachen, wenn er -einen andern fallen sieht, der Hals und Bein zerbricht, welcher aber -doch gewiß nicht aus Spaß gefallen ist. Das Lachen kan aus unzähligen -Ursachen entstehen, die keinen Schertz zum Grunde haben. Doch davon -werde ich weiter handeln, wenn ich die Vollkommenheit eines Schertzes, -in Absicht aufs lachen, untersuchen werde.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_22">§. 22.</h2> - -</div> - -<p>Die Vollkommenheit und Unvollkommenheit eines Schertzes ist, entweder -eine materielle oder formelle. Die erste entsteht aus den Dingen, -die man zum Schertze braucht, und worüber man schertzet. Ich bin -nicht willens alle Eintheilungen der Schertze, die daher erwachsen, -anzuführen. Sie sind nicht nur leicht, sondern auch bey nahe unzählig. -Ich brauche sie auch zu meiner Abhandlung sehr wenig, weil es -nicht hieher gehört, die Sittlichkeit der Schertze, und die daher -entstehenden Pflichten zu untersuchen. Ich werde nur überhaupt zum -Beschlusse meiner Abhandlung einige Anmerckungen darüber machen. Doch -kan ich<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> mich nicht enthalten, mit wenigen einige Arten dieser Schertze -anzuführen. Ich nenne einen Schertz unschuldig, wenn er keine Sünde -ist, oder wenn dabey keine Pflicht übertreten wird. Die Schertze die -nicht unschuldig sind, bekommen ihren Namen von den Pflichten, welche -dabey übertreten werden. Ein Schertz ist gottloß, wenn er den Pflichten -gegen GOtt zuwieder; grob, unhöflich, bäurisch, wenn er die Pflichten -der Höflichkeit übertrit; unanständig wenn er den Pflichten der -Wohlanständigkeit widerspricht u. s. w. Man erkennt von selbst was ein -höflicher, anständiger, keuscher Schertz u. s. w. sagen wolle. Hieher -kan man auch die verschiedenen Arten der Schertze rechnen, welche auf -den Zwecken, die man ausser dem Lachen bey einem Spasse haben kan, -beruhen. Man wird ohne mein Erinnern gewahr werden, daß ich dahin, -unter andern, die beissenden oder satyrischen Schertze rechne.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_23">§. 23.</h2> - -</div> - -<p>Die formellen Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten der Schertze, -gehören wesentlich in meine Abhandlung. Sie beruhen auf der Einrichtung -derselben, und Geschicklichkeit zu ihrem Zweck, in so fern sie von -einem scharfsinnigen Witze abhangen, ohne daß man dabey auf ihren -Gegenstand sieht. Ich theile sie in dieser Absicht in zwey Arten. Die -erste begreift die glücklichen oder<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span> geschickten Schertze, wenn sie -formaliter vollkommen sind. Sind sie in einem höhern Grade glücklich, -so werden sie feurige Schertze genennt. Zu der zweyten Art gehören -diejenigen, denen eine formelle Unvollkommenheit zukommt, sie werden -unglückliche, ungeschickte, abgeschmackte Schertze genennt. Ein Schertz -der in höhern Grade abgeschmackt ist, heißt frostig. Ich hätte bey nahe -vergessen zu erinnern, daß ein feuriger Schertz gottloß unhöflich seyn -könne, und ein abgeschmackter unschuldig. Folglich kan ein Schertz eine -grosse formelle Vollkommenheit besitzen, der aber in der Sache selbst -höchst unvollkommen ist, und umgekehrt.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_24">§. 24.</h2> - -</div> - -<p>Da eine Vorstellung um so viel vollkommener oder unvollkommener ist, -formaliter betrachtet, je vortreflicher oder schlechter sich die -Vorstellungskraft, wodurch sie gewürckt wird, bey ihrer Hervorbringung -bewiesen; so muß auch ein Schertz um so viel glücklicher oder -unglücklicher seyn, je stärcker oder matter und schwächer der -scharfsinnige Witz ist, wodurch er gewürckt wird, und je geschickter -er selbst ist ein Lachen zu erwecken. Das Feuer und die Kälte eines -Schertzes, haben also ihren Grund, eines theils, in der Stärcke und -Mattigkeit des scharfsinnigen Witzes; andern theils aber, in der -Geschicklichkeit desselben einen andern zum lachen zu<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span> reitzen. Man -thue hinzu, daß auch ein geschickter Vortrag des Schertzes sehr -viel beytragen kan, das Feuer desselben zu vermehren, gleichwie der -feurigste Spaß durch einen ungeschickten Vortrag kan ausgedämpft werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_25">§. 25.</h2> - -</div> - -<p>Wenn man den 24. Absatz mit dem 28. vergleicht, so können daher die -Hauptregeln mit geringer Mühe erwiesen werden, wonach ein Schertz -eingerichtet werden muß, wenn er glücklich und feurig seyn soll. Ein -Spaß wird glücklich 1) wenn viele Dinge verglichen werden. 2) Wenn die -Vorstellungen, die den Schertz ausmachen, unbekannt sind. 3) Wenn die -verglichenen Sachen sehr verschieden sind. 4) Wenn er viele und grosse -Uebereinstimmungsstücke entdeckt. 5) Wenn kurtz vor dem Schertze, sehr -starcke Vorstellungen von anderer Art, vorhergegangen. 6) Wenn er -mitten unter solchen Vorstellungen vorgetragen wird, die sehr starck -und von anderer Art sind. 7) Wenn er selbst eine sehr starcke und -grosse sinnliche Vorstellung ist. 8) Wenn er sehr geschickt ist ein -Lachen hervorzubringen, oder wenigstens dazu sehr lebhaft zu reitzen. -9) Wenn er auf eine geschickte Art vorgetragen wird. Nach diesen -Regeln will ich meine Beurtheilung der Schertze einrichten. Und ich -glaube, es wird aus denselben, durch ein<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> geringes Nachdencken, können -erkannt werden, daß ein feuriger Schertz unter die vollkommensten und -vortreflichsten sinnlichen Vorstellungen gehöre; und daß ein spaßhafter -Kopf, der in seinen Schertzen glücklich ist, eine wahre Hochachtung und -Bewunderung verdiene.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_26">§. 26.</h2> - -</div> - -<p>Das Feuer eines Schertzes, und die unterschiedenen Grade desselben, -entstehen 1) durch die Menge der Regeln die dabey beobachtet werden. Je -mehr von den kurtz vorher angeführten Regeln beobachtet werden, desto -glücklicher und feuriger wird der Schertz; je wenigern Regeln er aber -gemäß ist, desto unglücklicher und frostiger muß er seyn. 2) Durch die -genauere Beobachtung einer jeden Regel. Je mehr und besser eine jede -beobachtet wird, desto glücklicher ist der Spaß; je schlechter und -kleiner aber die Beobachtung einer jeden Regel ist, desto unglücklicher -und frostiger muß der Schertz gerathen. Ich will mich nicht unterstehen -zu versichern, daß ich mir getrauete, den Grad der Güte eines Schertzes -in einem gegebenen Falle genau zu bestimmen. So weit habe ich es noch -nicht in der mathematischen Erkenntniß solcher Dinge gebracht, die -nicht nach Ruthen und Schuhen können abgemessen werden. Ich begreiffe -auch leicht, daß<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span> ich einen zu strengen Kunstrichter abgeben würde, -wenn ich keinen andern Schertz loben wolte, als solche die im höchsten -Grade feurig sind. Mir deucht, daß ich das von einem spaßhaften Kopfe -sagen könne, was <b>Horatz</b> von den Dichtern behauptet:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft3">mediocribus esse poetis</div> - <div class="verse">Non homines, non di, non concessere columnae.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ich bin also der Meinung, daß man einem Schertze seinen Beyfall nicht -versagen könne, wenn er nur mehr als mittelmäßig glücklich ist. Doch -ich muß nun weiter gehen, und eine jede der gegebenen Regeln genauer -untersuchen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_27">§. 27.</h2> - -</div> - -<p>Die erste Vollkommenheit eines glücklichen Schertzes entsteht, -vermöge der ersten Regel <a href="#Par_25">§. 25.</a> aus der Anzal der Dinge, die mit -einander verglichen werden. Ich rede nicht von der Vollkommenheit -und Stärcke eines schertzhaften Menschen, die man ihm zugestehen -muß, wenn er geschickt ist oft und viel zu schertzen, mit allem was -ihm vorkommt. Ein Mensch dessen Fertigkeit zu schertzen sich über -unzälige Gegenstände erstreckt, hat ein sehr weites Feld, darin sich -sein Witz und Scharfsinnigkeit würcksam beweißt, und man muß ihm einen -grossen Reichthum an schertzhaften Einfällen zugestehen. Darin besteht -aber nicht die Voll<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span>kommenheit, die ich hier meine. Diese Schönheit -eines Schertzes muß in einem einzigen Schertze enthalten seyn. Der -Schertz der dieselbe haben soll, muß uns sehr viele Dinge auf einmal -vorstellen. Ich gebe zu, daß ein Schertz, der auch nur zwey Dinge mit -einander vergleicht, im übrigen sehr feurig seyn könne. Man wird aber -doch zugestehen müssen, daß ihm eine Schönheit fehlt, die nicht anders -möglich ist, als durch die Menge der Gegenstände, die man in einem -einzigen Schertze zusammen faßt. Zwey Schertze, die im übrigen gleich -schön sind, deren einer nur zwey Dinge vergleicht, der andere aber -mehrere, sind ohne Streit dergestalt von einander unterschieden, daß -der letztere vor den erstern den Vorzug erhalten muß.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_28">§. 28.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz bekommt durch die in dem vorhergehenden Absatze angemerckte -Vollkommenheit, eine Schönheit, die eine ungemeine Belustigung zu -verursachen vermögend ist. Nichts belustiget die Einbildungskraft -stärcker, als die Verschiedenheit. Das Auge irret mit dem grösten -Vergnügen in einer Gegend herum, von der es kein Ende erblickt, -und welche durch eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gegenstände -ausgefüllt ist. Alles was groß und unendlich ist, erweckt in der -Seele eine angenehme Empfindung. Es sey nun, daß unser Geist sich -über<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> seine eigene Stärcke, wodurch er vermögend ist so vieles auf -einmal zu fassen, ergötzt. Oder, daß selbst eine jede Vorstellung -eine Vollkommenheit ist, die die Seele fühlt, und welche durch die -Vervielfältigung der Vorstellungen selbst vervielfältiget wird. Oder -daß die Menge der Vorstellungen, die die Seele mit einemmal begreift, -eine Uebereinstimmung des mannigfaltigen in der Seele selbst entsteht, -welche sie fühlt, und woher, als aus einem Gefühl der Vollkommenheit, -eine Lust entstehen muß. Dem sey wie ihm wolle, das mannigfaltige, und -die Abwechselung in demselben, führt jederzeit etwas belustigendes mit -sich.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Jucundum nihil est nisi quod reficit varietas.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Publ. mimogr.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Wenn also ein Schertz eine solche Mannigfaltigkeit in sich faßt, so muß -er angenehm seyn. Und ich halte mich vor überzeugt, daß ein angenehmer -Schertz besser sey, als ein unangenehmer. Jener erweckt ein lachen -wodurch das Gemüth aufgeheitert wird, und wer lacht nicht gerne zu dem -Ende? Und wer geht nicht gerne mit solchen Leuten um die auf eine so -angenehme Art schertzen?</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Nil ego contulerim iucundo sanus amico.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. Satt. L. I. Sat. V.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Par_29">§. 29.</h2> - -</div> - -<p>Zu den Schertzen, welche diese erste Vollkommenheit haben, können -diejenigen gerechnet werden, welche durch die Anführung eines Verses -aus einem berühmten Poeten gemacht werden. Wenn die Wahl glücklich -ist, so wird der Schertz ohnfehlbar gerathen. Man kan entweder die -unveränderten Worte des Dichters behalten, oder dieselben etwas -verändern. Wem nun der Dichter bekannt ist, dem wird durch die -Anführung, auch nur einiger Worte, der Zusammenhang der gantzen Stelle -ins Gemüth gebracht, woher man den Vers entlehnt hat. Und man wird -mir ohne Beweiß zugestehen, daß dadurch der Einbildungskraft eine -gantze Menge mannigfaltiger Dinge vorgestellt wird. Ich setze voraus, -daß sonst keine nothwendige Eigenschaft eines Schertzes fehlt. Dieses -Kunstgriffes wissen sich die Satyrenschreiber, mit grossen Vortheile, -zu bedienen, und ich halte es daher für unnöthig Exempel anzuführen. -Von gleicher Art sind die Sprüchwörter. Einige derselben beziehen -sich nicht nur, vermöge ihres wesentlichen Inhalts, auf viele Dinge -zugleich, sondern weil sie in unendlich vielen Fällen im gemeinen -Leben gebraucht werden, so stellt uns die Einbildungskraft, so bald -wir das Sprüchwort hören, unzälige solcher Fälle vor. Wenn man demnach -schertzen will, und man<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> führt zu dem Ende, ein bekanntes Sprüchwort -an, das sich sonst zu den Umständen schickt, und die Sache lächerlich -macht, so bekommt der Schertz eine Mannigfaltigkeit die angenehm seyn -muß.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_30">§. 30.</h2> - -</div> - -<p>Diese Vollkommenheit der Schertze, von der ich bisher geredet habe, -entsteht auch aus der Erzehlung einer gantzen Begebenheit. Man kan sie -entweder selbst erdichten, oder aus der Geschichtskunde entlehnen. -Das erste erfodert eine grosse Geschicklichkeit. Ich unterstehe mich -nicht, Regeln davon zu geben, da es überdies mein Zweck nicht ist -dergleichen vorzutragen. Ich mercke nur an, daß durch eine solche -Erzehlung, ein Schertz diejenige Schönheit bekommt, von der ich jetzo -rede. Eine Erzehlung faßt sehr vieles in sich, es kan demnach einem -solchen Spasse an Mannigfaltigkeit nicht fehlen. Ein Exempel gibt mir -des Herrn <b>Liskov</b> Satyre, auf den bekannten <b>Philippi</b>, -in welcher er seinen Tod erzehlt. Entlehnt man die Erzehlung aus der -Geschichtskunde, so kan es auf verschiedene Art geschehen. Man kan eine -berühmte Person nennen, oder sonst eine berühmte Sache und Begebenheit. -Man kan durch einen kurzen Ausspruch, eine bekante Sache ins Gedächtnis -bringen, und dem Schertze diejenige Lebhaftigkeit geben, welche durch -die Anzahl der<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> verglichenen Dinge entsteht. Meine <b>Leser</b> werden -nicht dencken, als wenn ich glaubte, daß die Verse, Sprüchwörter, -und Erzehlungen, dem Schertze keine andere Schönheiten, als die -Mannigfaltigkeit zu geben vermögend wären. Ich habe diese Quellen der -Schertze nur deswegen angeführt, damit man überzeugt werde, daß meine -erste Regel der Schönheit eines Schertzes, von der ich bisher geredet, -gegründet sey.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_31">§. 31.</h2> - -</div> - -<p>Ich gehe zur andern Hauptvollkommenheit der Schertze fort. Ich habe <a href="#Par_25">§. 25.</a> -erwiesen, daß ein glücklicher Schertz unbekannt seyn müsse. Man muß -diese Vollkommenheit nicht so verstehen, als wenn das Materielle des -Schertzes, die Sachen worüber man schertzet, und woher man den Schertz -nimmt, unbekannt seyn müsten. Nein, das wäre eine Unvollkommenheit die -den gantzen Schertz verderben würde. Ein solcher Spaß wäre viel zu -dunckel, als daß er solte verstanden werden können, und ein Schertz -der nicht eingesehen wird, ist in Absicht auf den, der ihn nicht -einsieht, kein Schertz. Der allerfeurigste Spaß thut keine Würckung, -bey denen die ihn nicht verstehen. Ich glaube daß uns viele Schertze im -<b>Cicero</b>, und andern alten Schriftstellern besser gefallen würden, -wenn wir sie nur gantz verstünden. Warum kan niemand<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span> über die <span class="antiqua">pyxis -Coeliana</span> im <b>Quintilian</b> und <b>Cicero</b> lachen? Die Sache -ist uns unbekannt. Man begreift also, wovon ich unten ausführlicher -handeln werde, daß die Sachen womit man schertzet, demjenigen bekannt -seyn müssen, bey dem ein Schertz seine Würckung thun soll. Was ist -aber denn nun das unbekannte, das zur Schönheit eines Schertzes -erfodert wird? Es besteht, mit einem Worte, in dem schertzhaften eines -Spasses. Das was einen Schertz zum Schertz macht, die Form desselben, -der Schwung der Gedancken, die Vergleichung verschiedener Stücke, und -hundert andere Dinge die das Wesen eines Schertzes ausmachen, müssen -noch unbekannt seyn. Oder, will man es anders ausdrucken, so sage man, -daß ein glücklicher Schertz neu seyn müsse.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_32">§. 32.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ich sage, daß ein glücklicher Schertz noch neu und unbekannt -seyn müsse, so verstehe ich das nicht nur von den Personen, denen der -Schertz vorgetragen wird, sondern auch von der schertzenden Person -selbst. Ein Mensch der einen ihm schon bekannten Schertz vorträgt, -beweißt alsdenn keine Stärcke seines scharfsinnigen Witzes. Er braucht -nichts weiter als sein Gedächtniß, und er verhält sich dabey nicht -anders als ein Geschichtschreiber, der die Schertze eines andern -erzehlen kan, ohne selbst ein spaßhafter<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> Kopf zu seyn. Es ist wahr, -wenn ein solcher Schertz nur den Zuhörern noch unbekannt ist, so kan -er bey ihnen alle Würckungen eines feurigen Schertzes hervorbringen. -Derjenige, der den Schertz erzehlt, darf sichs nur nicht mercken -lassen, daß ihm derselbe schon längst bekannt gewesen ist. Dem -ohnerachtet behält ein solcher Spaß einen Fehler, der von andern nur -darinn unterschieden ist, daß er nicht so mercklich ist. Noch viel -nöthiger aber ist es, daß ein Schertz der glücklich gerathen soll, den -Zuhörern noch neu und unbekannt sey. Haben sie ihm schon unzählige mal -gehört, so ist er was altes, und er verliehrt alles das Feur, welches -ihm nichts anders als die Neuigkeit geben kan.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_33">§. 33.</h2> - -</div> - -<p>Das neue hat jederzeit eine Schönheit, die alle dem fehlen muß, was -alt ist. Das alte wird uns zur Gewohnheit, man gibt nicht mehr drauf -achtung, die Vorstellung desselben verdunckelt sich nach und nach, und -wir werden natürlicher Weise verdrießlich, ein und eben dasselbe so oft -zu dencken, weil die Seele keinen Zuwachs der Erkenntniß, so ein Mangel -einer Vollkommenheit ist, dabey fühlt. Was uns aber noch neu ist, -beschäftiget unsere gantze Aufmercksamkeit, es entsteht darüber eine -Art einer angenehmen Verwunderung, unsere Seele freuet sich heimlich -über den Anwachs ihrer Er<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span>kenntniß, welcher überhaupt betrachtet eine -Vollkommenheit ist. Kurtz, eine Vorstellung die bey uns gantz neu -ist, hat ein Licht welches viel zu angenehm ist, als daß wir es nicht -mit Vergnügen sehen solten. Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, welchen -vor dem was neu ist eckelt, und die sich in das Alterthum dermassen -verliebt haben, daß sie mit einem innigern Vergnügen die Schrift auf -einer verrosteten Müntze lesen, als den Beweis einer neuen Wahrheit -durchdencken. Allein ich weiß auch, daß diese Bewunderer des Alterthums -meinen Satz bestätigen. Nimmermehr würden sie ein verschimmeltes -Manuscript mit Vergnügen ansehen, wenn es in ihrer Vorstellung nicht -etwas neues wäre. Nein, es bleibt dabey, die Natur bleibt sich überall -ähnlich, das alte in so fern es alt ist kan niemals uns das Vergnügen -geben, welches Neuigkeiten verursachen, als in so fern unsere Gedancken -davon neu sind. Die Neuigkeit ist also eine Schönheit des Schertzes, -welche reitzt. Man kan hinzu thun, daß die Neuigkeit eines Schertzes -ein untrüglicher Beweiß sey, daß ihn der schertzende selbst gemacht -hat. Die Stärcke und Geschicklichkeit seines scharfsinnigen Witzes -leuchtet darinn unleugbar hervor, und gibt dem Schertze eine Anmuth, -die eine Bewunderung des Urhebers verursacht. Ein Schertz der feurig -seyn soll, muß wenigstens<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span> einen gantz neuen Gedancken enthalten, der -zu dem schertzhaften in demselben gehört.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_34">§. 34.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt und frostig seyn, der von -Vater auf Sohn fortgepflanzt worden. Man solte, bey manchen Spassen, -womit sich verfrorne Köpfe breit machen, fast auf die Gedancken -gerathen, daß es Familien-Spasse gebe; und daß man, wenn die dunckeln -Zeiten diese wichtige Nachricht nicht entrissen hätten, den Ursprung -mancher Schertze vor den Hunnen Kriege finden könnte. Es ist nichts -natürlicher, als daß ein Sohn die Schertze seines spaßhaften Vaters -bewundert und sich mercket. Kan man wohl anders dencken, als ein -Vater werde sich über sein kluges Kind hertzlich freuen müssen, wenn -es so gelehrig ist, und die Schertze seines Vaters wieder an Mann zu -bringen weiß? Ich betrüge mich entweder, oder die mehresten Spasse, -die man im gemeinen Leben hört, sind geerbte Spasse, nur daß sie, -wie bey allen mündlichen Ueberliefferungen zu geschehen pflegt, denn -und wenn eine kleine Veränderung auszustehen haben. Ein Schertz der -scharfsinnigen Köpfen, und einem gereinigten Geschmacke gefallen soll, -muß unsern Vätern unbekannt gewesen seyn. Man hat sich dabey nicht -nach den Beyfall des grösten Hauffens zu richten. Ich weiß wohl, daß<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span> -unter denselben ein verdorbener Geschmack herrscht, dem solche ererbte -Schertze dennoch zu gefallen pflegen. Allein, das ist ein Beweis der -abgeschmackten Beschaffenheit eines Spasses, wenn er einem frostigen -Kopfe gefällt, und es bleibt wahr was <b>Horatz</b> gesagt:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Nec, si quid fricti ciceris probat & nucis emtor,</div> - <div class="verse">Aequis accipiunt animis, donantue corona.</div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_35">§. 35.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz der feurig seyn soll, muß nicht zur Mode geworden seyn. -Ein Mode Schertz ist viel zu bekannt, und alt, als daß er einiges Feur -behalten solte. Man kan leicht dencken, was ein feuriger Witz vor -Vergnügen finden wird, in den gewöhnlichen artigen Zusammenkünften, -da sich ein jeder bemüht die Gesellschaft, mit spaßhaften Einfällen -nach der Mode, zu unterhalten. Will man Exempel solcher abgeschmackten -Schertze hören, so darf man nur mit einem kleinen Herrn umgehen. Ein -kleiner Herre ist eine Archiv aller Dinge die zur Mode gehören. Sein -Kopf start vor Menge der artigen Einfälle, welche im Schwange gehen. -Er bringt mit inniger Zufriedenheit hundert lustige Einfälle vor, die -tausend andere ebenfals sagen. Es müste jemand sehr wenigen Umgang -haben, dem nicht hundert Schertze<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span> von solcher Art beyfallen solten. -Doch kan ich mich nicht enthalten derjenigen zu erwehnen, die man durch -eine Anspielung auf solche Dinge macht, die mir die Schamhaftigkeit zu -nennen verbiethet. Ich will nicht sagen, daß diese abgeschmackten Zoten -viel zu schmutzig sind, als daß sie einem ehrbaren Menschen solten -anständig seyn. Ich sage nur, daß derjenige einen sehr armseeligen -Witz blicken läßt, der mit Schertzen aufgezogen kommt die unter den -Pöbel im Schwange gehen, und davon man Millionen ähnliche und gantz -gleiche Schertze antrift. Muß das nicht ein allerliebster Umgang mit -Frauenzimmer seyn, wo man seiner Schönen mit dergleichen witzigen -Einfällen zu schmeicheln sucht? Die Kützelung, die durch einen solchen -frostigen Schertz entsteht, rührt gewiß nicht aus dem sinnreichen -desselben her, sondern aus dem Inhalte desselben, der allein im Stande -ist, die Lebens Geister eines schmutzigen Gehirns, zu reitzen. Es sey -also ferne, daß ich solche Mode Schertze billigen solte, sie gehören -unter die Zahl derjenigen, die ein guter Geschmack für abgeschmackt -hält. Doch was kan man wohl hoffen? Kan man wohl glauben, daß die -Liebhaber dieser Schertze sich bessern werden, wenn man ihnen auch -die Wahrheit noch so deutlich sagt? Ich zweiffele sehr daran. Sie -wollen mit aller Gewalt spaßhafte Köpfe<span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span> seyn, sie selbst können -nicht schertzen, ist es wohl anders möglich, als daß sie zur Mode -ihre Zuflucht nehmen? Uberdem finden solche frostige Köpfe jederzeit -Bewunderer ihres Witzes:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">vn sot trouve touiours un plus sot qui l’admire</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Boileau.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">So lange es demnach Leute gibt die ihrer Natur zum Possen schertzen -wollen; So lange es Leute gibt, die einen Mode Schertz bewundern, so -lange werden auch die Mode Schertze ihr altes Recht behaupten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_36">§. 36.</h2> - -</div> - -<p>Der vorhergehende Absatz veranlaßt mich zu einer Critik, über -eine Stelle im <b>3. Buch der Odyssee</b>. <b>Homer</b> läßt den -<b>Demodocus</b> die Rache des <b>Vulcans</b> besingen, die ihm die -Eifersucht über seine Frau eingeblasen. <b>Vulcan</b> war von der -Untreue seiner <b>Venus</b> benachrichtiget worden, und weil er sich -auf seine Füsse zu verlassen keine Ursach fand, so hatte er Grund -zu zweiffeln die <b>Venus</b> auf frischer That einmal zu ertappen. -Er ersan eine List, die man von einem Schmidt, der eine Gottheit -ist, vermuthen kan. Er verfertigte eine unsichtbare Schlinge, die -unzerbrechlich war, und die er nur selbst aufzulösen vermochte. -<b>Venus</b> und <b>Mars</b> werden gefangen. <b>Vulcan</b> erblickt -seinen Fang, und hebt ein so erbärmliches<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span> Geschrey an, wozu Rache, -Eifersucht, Zorn und Verspottung einen Ehemann in ähnlichen Umständen -nur immer zu vermögen im Stande sind. Alle Gottheiten männlichen -Geschlechts, denn das Frauenzimmer des <b>Olympus</b> war viel zu -schamhaftig, als daß es bey dieser schmutzigen Begebenheit erscheinen -solte, kommen zu Hauffe, und bewundern die List des <b>Vulcans</b>. -Wer <b>Homers</b> Götter kennt wird mit leichter Mühe errathen -können, was ein jeder von ihnen, bey diesem Anblicke, wird gedacht -haben. <b>Apollo</b> ist unverstellter als die übrigen, er fragt -den <b>Mercur</b>, ob er wohl wünschte sich jetzt in den Umständen -zu befinden, in welchen <b>Mars</b> betroffen worden? <b>Mercur</b> -antwortet mit aller der Schalckhaftigkeit, wozu eine so lustige -Gottheit im Stande war. O, sagt er, wenn es nur wahr wäre, und wenn ich -noch dreymal stärcker gefesselt wäre, und alle Götter und Göttinnen -mich sehen solten, so wolte ich doch bey der unvergleichlichen -<b>Venus</b> gerne liegen. Diß war nun der Spaß, darüber alle Götter -anfingen zu lachen. Ich will nicht sagen, daß dieser Schertz einer -Gottheit unanständig sey, und daß <b>Mercur</b>, wenn er ein Philosoph -gewesen wäre, ohnfehlbar zur <b>Cynischen</b> Secte gehört hätte. -Der läppische Character den <b>Homers</b> Gottheiten haben kan damit -völlig bestehen. <b>Homer</b> hat auch sehr gut gethan,<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span> daß er das -Frauenzimmer zu Hause bleiben lassen, weil er selbst scheint gesehen zu -haben, daß sonst die gantze Begebenheit, und der Spaß den er anbringt, -unerträglicher würde geworden seyn. Ich will auch zugeben daß dieser -Schertz einiges Feuer in anderen Absichten haben könne. Ob er aber neu -genug sey, daran habe ich grosse Ursach zu zweiffeln. Es ist mir sehr -wahrscheinlich, daß <b>Apollo</b>, wo nicht eben die Gedancken gehabt, -doch schon die Antwort des <b>Mercurs</b> vorhergesehen. Und ich -zweiffele gar nicht, daß die übrigen Götter eben das gedacht. War also -dieser Schertz in der Versammlung der Götter etwas neues? <b>Homers</b> -Fabel macht also den Schertz des <b>Mercurs</b> auf dieser Seite -frostig. Doch ich tadle auch diesen Schertz aus einem ernsthafteren -Grunde. Soll er feurig seyn, so muß er den Lesern des <b>Homers</b> neu -und unbekannt seyn. Kan man dieses wohl von diesem lustigen Einfalle -des <b>Mercurs</b> sagen? Ich habe Ursach dran zu zweiffeln. Dieser -Schertz gehört unter die Alltages Schertze, deren man mehr, als gut -ist, antrift. War dieser Schertz also wohl werth, daß bey nahe der -gantze Himmel drüber lacht?</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_37">§. 37.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ein feuriger Schertz neu seyn soll, so muß ihn der Schertzende -auch keinem andern abborgen. Er muß sich nicht für den<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span> Erfinder eines -Spasses ausgeben, den ein anderer erdacht hat. Es gibt auch hier -eine Art eines gelehrten Diebstahls, wird er entdeckt, so verliehrt -der Schertz ein grosses Stück seines Feuers; bleibt er aber auch -verborgen, so fehlt ihm nichts destoweniger eine Schönheit, ob man -gleich diesen Mangel nicht merckt. Wer einen Schertz stiehlt, muß, wenn -er anders nicht ausserordentlich unverschämt ist, mit tausend Aengsten -befürchten, daß es seine Zuhörer mercken werden, denn alsdenn ist ihnen -der Schertz entweder schon bekannt, oder der schertzende wird von ihnen -nicht anders als ein Sprachrohr betrachtet, durch welches, der von -ihnen entfernte Urheber des Scherzes, ihnen seinen lustigen Einfall -mittheilt. Wenn man eines andern Schertze erzehlt, kan man sehr selten -diejenige anständige Dreistigkeit behalten, die zu einem glücklichen -Spasse nöthig ist. Ja was noch mehr. Der Schertz kan in dem Munde -seines Erfinders ein grosses Feur besessen haben, welches verlöscht, -wenn ein anderer eben denselben vortragen will, weil sich beyde in -verschiedenen Umständen befinden, die doch allezeit sich aufs genaueste -passen müssen, wenn der Spaß gerathen soll. Ich will zugeben daß -niemand den Diebstahl merckt, daß derjenige, der den Spaß von andern -entlehnt, die anständigste Dreistigkeit blicken lasse, und daß alle -Umstände sich aufs<span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span> genaueste schicken. Dem ohnerachtet behaupte ich, -daß der Schertz eine Häßlichkeit behält, weil zwar der Fehler verborgen -ist, aber doch würcklich vorhanden ist. Denn der Schertz ist doch alt, -und der ihn vorträgt ist ein blosser Erzähler desselben. Ich könnte -dergleichen Schertze <b>Thrasonische</b> Spasse nennen. <b>Thraso</b> -beym <b>Terenz</b> im <span class="antiqua">Eunuch.</span> macht es eben so:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Tuumne, obsecro te, hoc dictum erat? vetus credidi.</div> - <div class="verse">Audieras? saepe; & fertur in primis.</div> - <div class="verse">Meum est.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ich rathe demnach einem jeden spaßhaften Kopfe, ja niemals die Schertze -anderer Leute nachzubeten. Sind sie selbst nicht im Stande Erfinder -der Schertze zu seyn, so thun sie viel besser gar nicht zu spassen, -als so verwegen zu seyn, und sich in die Gefahr zu begeben, die Armut -ihres Witzes zu verrathen. Eben das gilt auch von allen denjenigen, die -durch das lesen artiger und sinreicher Schriftsteller, einen Vorrath -artiger Gedancken sich gesamlet haben, die sie bey aller Gelegenheit, -durch eine männliche Nachahmung, wiederum an Mann zu bringen suchen. -Man kan ihnen den Ruhm geschickter und glücklicher Nachahmer manchmal -nicht absprechen. Ein <b>Bayle</b> und <b>Fontenelle</b>, kan der -Vater unzäliger kleiner <b>Bayle</b> und <b>Fontenelle</b> seyn. Nur -müssen sich<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span> diese kunstmäßigen Abschreiber bescheiden, so lange keinen -Anspruch auf einen witzigen Kopf vom ersten Range zu machen, bis sie -Erfinder artiger Einfälle geworden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_38">§. 38.</h2> - -</div> - -<p>Eine Sache die noch so neu ist wird mit der Zeit alt. Alle Dinge in -der Welt sind der Vergänglichkeit unterworffen, und ein Schertz mag -noch so feurig seyn, so wird er mit der Zeit frostig. Folglich muß ein -Spaß nicht zu oft aufgewärmt werden. Wenn ein Schertz das erstemal -noch so schön gerathen, so wird er das andre mal schon viel von seiner -Lebhaftigkeit verlohren haben, und noch mehr wenn man ihn zum dritten -mal hört. Man kan einen Schertz mit der Zeit ohne Bewegung anhören, -über welchen man sich das erstemal aus dem Othem gelacht hat, und man -verwandelt endlich sein Wohlgefallen über den Spaß, in eine Verachtung -desjenigen, der sich erkühnt uns mit einerley so oft zu unterhalten.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Ridetur chorda qui semper oberrat eadem.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ein solcher Schertz wird mit der Zeit gar zu bekant, und man hat grosse -Ursach zu glauben, daß ein scharfsinniger Witz nicht eben gar zu groß -und fruchtbar seyn müsse, der sich durch einen einzigen glücklichen -Schertz erschöpft zu haben scheint, weil er immer<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span> denselben und keinen -neuen vorträgt. Ja der, so diesen Fehler in Schertzen begeht, bezeigt -gar zu wenig Hochachtung gegen seine Zuhörer. Er glaubt entweder, daß -sie kein gutes Gedächtniß haben, und daß ihnen also einerley Sache -immer neu bleiben müsse; oder daß sie nicht witzig genug gewesen, -seinen Spaß schon hinlänglich zu verstehen; oder daß sie gar zu -flatterhaft sind, und die schlechteste Ursach zum lachen ergreiffen, -sich lustig zu machen. Alles dieses wird dem Schertzenden sehr wenig -Hochachtung bey seinen Zuhörern zu wege bringen. Nein, ein Schertz der -einmal geglückt, muß Zeitlebens nicht wieder vorgetragen werden. Oder, -will man mehr Gelindigkeit von mir fodern, so kan ich zwar die Zahl der -Wiederholung nicht bestimmen; doch, nach meinem Geschmacke, gefält mir -ein Schertz noch ziemlich, den ich zum zweyten oder dritten mal höre, -wird er mir aber zum vierten oder fünften mal gesagt, so erweckt er in -mir entweder Gleichgültigkeit, oder Verdruß. Das, was ich jetzo von -Schertzen gesagt habe, kan man auch von einem jeden artigen Gedancken -und Einfalle sagen. Ein Schriftsteller, der eine gewisse Anzal artiger -Einfälle zu haben scheint, die er so oft vorbringt, als er redet oder -schreibt, scheinet mir einen sehr eingeschränckten Vorrath davon zu -besitzen, und<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span> macht seine Schrift, bey vernünftigen Lesern eckelhaft.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_39">§. 39.</h2> - -</div> - -<p>Ich kan mich hier nicht enthalten einen Fehler anzumercken den manche, -die mit Gewalt, es koste was es wolle, lustige Gesellschafter seyn -wollen, begehen. Sie samlen sich einen ziemlichen Vorrath kleiner -poßirlichen Histörchen, die sie in allen Gesellschaften mit einer -kützelnden Zufriedenheit erzehlen. Sie haben ihren eigenen Witz -dergestalt verwöhnt, daß sie nicht lustig seyn können wenn sie diese -Lappalien nicht vortragen. Und wer solche Leute kennt der pflegt, so -bald sie den Faden ihrer Geschichte anfangen, zu sagen, ja ja! nun -kommen die Historien, nun werden sie aufgeräumt. Ich will nicht sagen, -daß es unverschämt gehandelt sey, eine gantze Gesellschaft mit Dingen -zu unterhalten, die man ihnen wohl tausendmal gesagt hat. Ich sage nur, -daß dis ein Zeichen eines sehr matten und frostigen Witzes sey, wenn -man einerley schertzhafte Einfälle, so oft wiederholt. Wollen diese -lebendigen Chronicken etwa einwenden, daß die Gesellschaft gleichwol -lache, so bitte ich sie achtung zu geben, ob ein solches lachen nicht -vielmehr eine erzwungene Höflichkeit sey, die man ihnen beweißt, weil -man sich doch genöthiget sieht, mit ihnen umzugehen. Wenn sie sich die -Mühe nehmen wol<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span>len diese Beobachtung zu machen, so werden sie gewahr -werden, daß mancher über ihre Erzehlungen lacht, indem er mitten im -Gähnen begriffen war. Doch kan es seyn daß sie sich in Gesellschaft mit -Leuten von frostigen Witze und üblen Geschmack befinden, und alsdenn -versichere ich ihnen, daß diese lachen werden, und wenn sie ihre -Historien ihnen noch tausendmal vortragen solten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_40">§. 40.</h2> - -</div> - -<p>Noch ein Fehler ist zu bemercken, welcher der Schönheit eines -Schertzes, so aus der Neuigkeit desselben entspringt, zu wieder ist. Es -besteht derselbe darin, wenn man gar zu aufgeräumt ist, und in kurtzer -Zeit gar zu viel Schertze hinter einander vorträgt. <b>Cicero</b> hat -denselben auch bemerckt, im <b>andern Buche vom Redner</b>: <span class="antiqua">Hoc -opinor primum, ne, quotiescunque potuerit dictum dici, necesse habeamus -dicere</span>. Ein jeder dieser Schertze kan an sich sehr schön seyn, -und, wenn er allein vorgetragen wird, alles das Feur besitzen, so zu -einem angenehmen Schertze erfodert wird. Allein weil er unter einer gar -zu grossen Menge anderer Schertze vorgetragen wird, so erkaltet er. -Man wird des lachens auch müde. Unsere Seele liebt die Veränderungen, -eine Belustigung die gar zu lange einträchtig bleibt, wird matt und -verliehrt ihre Anmuth. Alle glückliche Schertze erwecken in der Seele -ein<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span> ähnliches Vergnügen, ist es also nicht natürlich, daß, wenn in -kurzer Zeit, gar zu viele Schertze auf einander folgen, die folgenden -immer frostiger werden müssen, je weiter sie von dem ersten entfernt -sind? Alle sinnliche Lust wenn sie aufs höchste getrieben worden, -nimt von selbst natürlicher Weise wieder ab. <span class="antiqua">Omnibus in rebus -voluptatibus maximis fastidium est finitimum.</span> <b>Cicero</b> im -<b>dritten Buch vom Redner</b>. Es streitet wider die Natur der Seele, -viele feurigen Schertze hinter einander, mit gleicher Lebhaftigkeit, zu -fühlen, die letztern haben keine völlige Neuigkeit mehr, weil sie das -Vergnügen, das die vorhergehenden erweckt haben, nur durch einen etwas -veränderten Grund verursachen, oder vielmehr nur fortsetzen. Es ist -demnach natürlich, daß uns das Schertzen endlich verdrießlich werden -muß, wenn es in einem, durch eine geraume Zeit, fortgeht.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Quem bis terque bonum cum risu miror, & idem</div> - <div class="verse">Indignor.</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. de art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Sollen alle unsere Schertze glücklich seyn, so muß man nicht zu viel -auf einmal, und kurtz hinter einander spassen. Es ist demnach eine -Maxim die der Vollkommenheit der Schertze nachtheilig ist, wenn -man annimt, daß ein Schertz, der an sich feurig ist, auch kön<span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span>ne -vorgetragen werden, ohne weitere Betrachtungen dabey anzustellen. -Ein schertzhafter Kopf muß kein Verschwender, sondern ein sparsamer -Haußhalter seyn, der für das künftige sorgt. Hat er in manchen -Stunden einen gar zu starcken Zufluß von Schertzen, so bedencke er, -daß theure Zeiten kommen können, da bey ihm die Schertze sehr rar -seyn möchten. Die Leute, die manchmal gar zu lustige und aufgeräumte -Stunden bekommen, besitzen einen Witz, der mir einem gewaltigen -Strohme gleich zu seyn scheint, bey welchen, wenn er einmal seinen Dam -durchbrochen, kein aufhalten ist. Es ist wahr, wir sind, wenn wir auch -noch so feurige Köpfe wären, nicht immer zum spassen aufgelegt; aber -man kan doch sagen, daß es möglich sey sich vor den Fehler zu hüten, -den <b>Horatz</b> an den Sängern bemerckt hat. <span class="antiqua"><i>Satt. L. I. Sat. -III.</i></span></p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Omnibus hoc vitium est cantoribus, inter amicos</div> - <div class="verse">Vt nunquam inducant animum cantare rogati.</div> - <div class="verse">Iniussi nunquam desistant.</div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_41">§. 41.</h2> - -</div> - -<p>Ich will durch alle die bisherigen Regeln nicht fodern, daß der gantze -Schertz von dem schertzenden erst müsse erfunden werden, ob ich gleich -behaupte, daß das die schönsten Schertze dieser Art sind, welche der -scher<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span>tzende erschaffen hat, und das erstemal vorträgt. Man kan einen -von andern gehörten Spaß vortragen, ja man kan seine eigene Spasse -wieder aufwärmen, wenn nur etwas neues dabey vorkommt. Folglich muß -wenigstens der schertzende mit Wahrheit behaupten können, daß er etwas -an dem Schertze, den Augenblick erst, erfunden habe. Solche Schertze -sind auch schön, ob gleich nicht in dem Grade, als die ganz neuen. Es -kan hier eben so gehalten werden, als in den Wissenschaften. Man kan -daselbst Wahrheiten von andern entlehnen, wenn man sie mit einiger -Veränderung und Zusatz vorträgt, oder auch nur auf eine andere Art -beweißt, und andere Folgen daraus herleitet, so kan man sich für -den Erfinder einiger Theile dieser Wahrheit mit Recht ausgeben. Man -kan daher andern ihre Spasse abborgen, ein kleiner Umstand, den wir -hinzu oder wegthun, gibt uns ein Recht denselben eines theils für -den unsrigen auszugeben. Wenn wir ihn auch nur in andern Umständen -vortragen, und ihn so geschickt vorzubringen wissen, daß es natürlich -zu seyn scheint, auf einen solchen schertzhaften Einfall zu kommen, so -fehlts demselben doch nicht an aller Neuigkeit.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_42">§. 42.</h2> - -</div> - -<p>Ich habe zur dritten Schönheit der Schertze, die Verschiedenheit der -Dinge, die man mit einander vergleicht, angenommen.<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span> -<a href="#Par_28">§. 28.</a> Wenn die -Dinge gar nicht mercklich, oder doch in einem sehr geringen Grade -verschieden sind, so verursacht die Entdeckung ihrer Ubereinstimmung, -entweder gar keinen, oder doch einen sehr frostigen Spaß. Ich will -nicht wieder sagen, daß ein solcher Spaß frostig sey, weil er von -einem sehr matten Witze seinen Ursprung hat, denn das habe ich schon -<a href="#Par_20">§. 20.</a> angemerckt. Sondern ich habe noch andere Ursachen, warum ich -behaupte, daß ein feuriger Schertz von Dingen, die in einem hohen -Grade verschieden sind, müsse entlehnt werden. Ich werde unten -darthun, daß wir lachen, wenn wir einen Wiederspruch in Kleinigkeiten -gewahr werden. Soll nun der Spaß zum lachen reitzen, so muß er einen -solchen Wiederspruch entdecken. Das wird gewiß nicht geschehen, wenn -man Dinge, deren Uebereinstimmung groß, und augenscheinlich ist, mit -einander vergleicht. Nimt man aber Dinge, die sehr verschieden sind, -und deren Verschiedenheit offenbar, und in die Augen fält, und entdeckt -in ihnen eine Uebereinstimmung, so scheint das ein Wiederspruch zu -seyn, und wir erhalten unsern Zweck. Man kan hinzu thun, daß sonst -der Spaß nicht neu und unerwartet genug seyn würde. Dinge die gar zu -mercklich mit einander übereinkommen, sind sehr leicht zu vergleichen, -ein jeder der sie betrachtet, kan mit einer geringen Auf<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span>mercksamkeit -die Uebereinstimmung gewahr werden. Wird man jemanden also wohl viel -neues sagen, wenn man sich die Mühe macht, ihm in solchen kleinen -Entdeckungen zu helfen? Nein, Dinge worüber man glücklich schertzen -will, müssen eine sehr unmerckliche Uebereinstimmung haben. Ihre -Verschiedenheit muß so mercklich und groß seyn, daß sie dem Ansehen -nach nichts mit einander gemein zu haben scheinen. Oder, wenn sie -auch mit einander in manchen Stücken übereinkommen, so muß doch die -Ubereinstimmung, die wir durch unsern Schertz in ihnen entdecken -wollen, dergestalt beschaffen seyn, daß sie der Verschiedenheit -derselben zu wiedersprechen scheint, und daß man daher Ursach zu -glauben hat, daß keiner von unsern Zuhörern, ohne unsern Schertz, diese -Entdeckung würde gemacht haben.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_43">§. 43.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ein Schertz nicht die gemeldete Eigenschaft besitzt, so ist er ein -so stumpfer Einfall, daß er für keine Geburth der Scharfsinnigkeit kan -angesehen werden. Ein feuriger Schertz muß nicht nur durch den Witz -gewürckt werden, sondern es muß auch darin eine grosse Scharfsinnigkeit -hervorleuchten. Kan dieses wohl möglich seyn, wenn die verglichenen -Dinge mit einander sehr übereinkommen? Nein, wenn ein Schertz nicht ein -Schertz seyn soll,</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span></p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft6">quem praecepit</div> - <div class="verse">Rusticus, abnormis sapiens, crassaque Minerua.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. Sat. L. II. Sat. II.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">so muß man nicht, wenn man schertzen will, handgreifliche -Uebereinstimmungen vorbringen. Ein feuriger Schertz muß so fein und -scharfsinnig seyn, daß er von einem plumpen Kopfe nicht eingesehen -werden kan. Das kan nicht anders erhalten werden, als wenn man den -Schertz dergestalt einrichtet, daß derjenige, der ihn begreiffen -will, erst vorläufig einen grossen Unterschied gewahr werden muß. Das -gemeine Leben könnte mir hier wieder eine ansehnliche Menge solcher -stumpfen Spasse an die Hand geben, wenn ich glaubte daß der Versuch, -den Geschmack des Pöbels zu verbessern, einen mercklichen Nutzen haben -könnte.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_44">§. 44.</h2> - -</div> - -<p>Zur Verschiedenheit der Dinge wird ihre Unähnlichkeit, die -Verschiedenheit ihrer Beschaffenheiten, gerechnet. Soll demnach ein -Schertz gerathen, so müssen die Dinge, womit man schertzet, eine -augenscheinliche Unähnlichkeit haben, die so groß und mercklich ist, -daß man keine Aehnlichkeit in ihnen gewahr wird, wenn man sie nicht mit -der äussersten Aufmercksamkeit betrachtet. Wenn man die mercklichen und -augenscheinlichen Aehnlichkeiten der Dinge entdeckt, so kan man<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span> zwar -sagen, daß man eine gute Allegorie, oder andere witzige Vergleichungen, -gemacht habe, aber ein Schertz kan eine solche Entdeckung nicht genennt -werden. So wenig man darüber lachen würde, wenn ein Maler sein Bild dem -Originale so ähnlich macht als möglich, so wenig wird man durch die -Anzeige der offenbaren Aehnlichkeit zweyer Dinge zum lachen gereitzt -werden. Der König in Franckreich, <b>Ludewig der eilfte</b>, gibt -mir ein Exempel von einem Schertze, der diese Schönheit an sich hat. -Man erzehlt daß er, da ihm die Nachricht überbracht worden, daß ein -gewisser ungelehrter Mensch, einen sehr schönen Büchervorrath besitze, -geantwortet habe: dieser Mensch sey wie ein bucklichter, der eine Last -auf den Rücken trage, die er nicht sehen könne. Man wird ohne mein -Erinnern mir zugestehen, daß ein ungelehrter Besitzer einer schönen -Bibliothek, und ein ausgewachsener Mensch, zwey Dinge sind, deren -Unähnlichkeit groß und handgreiflich genug ist.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_45">§. 45.</h2> - -</div> - -<p>Die andere Art der Verschiedenheit ist die Ungleichheit, die -Verschiedenheit der Grösse. Ich bin überzeugt daß nichts lächerlicher -und thörichter könne gedacht werden, als wenn sich kleine Dinge grossen -gleichschätzen wollen. Die belachenswürdige Thorheit eitler und -hochmüthiger Men<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span>schen, besteht ja eben darin, daß sie sich über sich -selbst ausdehnen wollen, und dem Frosche in der Fabel ähnlich sind, -der gerne so groß seyn wolte als ein Ochse. Meines Erachtens kan also -kein Schertz stärcker zum lachen reitzen, als derjenige, welcher Dinge -vergleicht, die der Grösse nach unendlich verschieden sind. Ich sage -nicht, daß man die grossen Dinge denen kleinen gleich schätzen solle, -das könnte nicht nur manchmal eine Frucht der Dumheit, Unwissenheit, -Grobheit und Unverschämtheit seyn, sondern es würde auch in vielen -Fällen nicht lächerlich seyn, weil alle grossen Dinge, der Wahrheit -gemäß, den kleinen gleich sind, wenn man von ihnen dasjenige absondert, -wodurch sie die kleinen übertreffen. Meinem Bedüncken nach, ist das -eigentlich lächerlich, wenn man kleine Dinge denen grossen gleich -schätzt. Das Grosse bleibt dabey in seinen Würden und Vorzuge, und man -hütet sich vor den Verdacht der Leichtsinnigkeit. Der Wiederspruch -ist dabey so mercklich, daß es nothwendig lächerlich seyn muß. Wird -man nicht starck zum Lachen gereitzt wenn man beym <b>Ausonius</b>, -<span class="antiqua">Epigr. XCV.</span> die Begebenheit des <b>Faustulus</b> ließt? -<b>Faustulus</b> ritte auf einer Ameise. Da diese den Koller bekam, -warf sie den unglückseeligen <b>Faustulus</b> herunter, schlug hinten -aus, und versetzte ihm einen dergestalt tödtlichen Stoß,<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span> daß er in -seiner Todesstunde nur noch zu seinem Troste sagen konnte: Er habe eben -so einen schweren Fall gethan als <b>Phaeton</b>.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Faustulus insidens formicae, vt magno elephanto</div> - <div class="verse">Decidit, & terrae terga supina dedit.</div> - <div class="verse">Moxque idem est ad mortem multatus calcibus eius</div> - <div class="verse">Perditus vt posset vix retinere animam.</div> - <div class="verse">Vix tamen est fatus: quid rides improbe livor?</div> - <div class="verse">Quod cecidi? cecidit non aliter Phaëton.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ein feuriger Spaß muß also unter Dingen, die der Grösse nach fast -unendlich verschieden sind, eine Verhältniß, eine Gleichheit entdecken. -Ich will eben nicht sagen, daß dis zu allen feurigen Schertzen -nöthig sey. Manchmal kan man zwey Dinge der Grösse nach nicht mit -einander vergleichen, weil man nur auf ihre Aehnlichkeit sieht. Doch -ist unleugbar, daß ein Schertz um so viel feuriger seyn müsse, je -ungleicher die Dinge sind, die mit einander verglichen werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_46">§. 46.</h2> - -</div> - -<p>Keine Dinge sind so verschieden als die einander entgegen gesetzt sind. -In so fern sie entgegen gesetzt sind, haben sie gar nichts mit einander -gemein. Man begreift also mit leichter Mühe, daß die Vollkommen<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span>heit -eines Schertzes, von der ich bisher rede, nicht besser erhalten werden -kan, als durch die Verbindung und Vergleichung wiederwärtiger Dinge. -Und o! was entdeckt sich hier für eine fruchtbare Quelle der Schertze! -Ich begnüge mich dieselbe bloß angezeigt zu haben. Exempel trift man -in grosser Menge in den Satirischen Schriften an, welchen die Ironie -die Stacheln gibt. Die Quelle der Ironie ist eben das entgegengesetzte -desjenigen, worüber man spotten will. Und wenn sonst alles seine -Richtigkeit hat, so müssen die Schertze, die daher genommen werden -nothwendig gerathen. Es sind demnach alle sinnreichen Einfälle matte -Schertze, wenn sie keine grosse Verschiedenheit der Dinge, womit man -schertzet, zum Grunde haben. Sie können sonst alle Schönheiten eines -sinreichen Einfals haben, und in dieser Absicht angenehm seyn, nur muß -man ihnen den Namen der Schertze nicht beylegen, denn zu diesen wird -auch Scharfsinnigkeit erfodert.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_47">§. 47.</h2> - -</div> - -<p>Aus dem, was bisher gesagt worden, erhellet von selbst, warum manche -Leute mit ihren spaßhaften Einfällen, einem zur Last werden. Es sind -das alle diejenigen die einen gar zu lebhaften Witz besitzen, der -von einer schlechten Beurtheilungskraft regiert wird. Der Mangel -der Beurtheilungskraft<span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span> erhält seinen Ursprung aus dem Mangel der -Scharfsinnigkeit. Es ist also klar, daß solche spaßhafte Köpfe -einen viel zu lebhaften Witz besitzen, mit Ausschliessung der -Scharfsinnigkeit, als daß sie glücklich in Schertzen seyn sollen. -Muß das nicht verdrießlich seyn, wenn man mit lauter Anspielungen, -Allegorien, tropischen Redensarten, und dergleichen unterhalten -wird, wenn man diese Dinge für artige Schertze halten soll? Ich -rathe daher einem jedweden witzigen Kopfe, nicht gleich einen jeden -sinnreichen Einfall für einen Schertz zu halten und auszugeben, sondern -jederzeit zu bedencken, ob der Witz durch die nöthige Scharfsinnigkeit -unterstützt worden. Wenn man diese Behutsamkeit verabsäumt, so kan es -leicht geschehen, daß uns unser Witz ein Blendwerck vormacht, und wir -dadurch genöthiget werden, Dinge in solchen Stücken zu vergleichen, -worin sie doch von einander unterschieden werden. Ein solcher Irrthum -macht unsern sinreichen Einfall abgeschmackt, und um so viel unwürdiger -ein guter Schertz zu heissen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_48">§. 48.</h2> - -</div> - -<p>Ich komme zur vierten Schönheit der Schertze <a href="#Par_25">§. 25.</a> Ein feuriger -Schertz, muß sehr viele und grosse Uebereinstimmungsstücke, der -verglichenen Dinge, entdecken. Dadurch wird ausser der Stärcke -des Witzes, die alsdenn in dem Schertze mercklich wird,<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> eine -Vollkommenheit in demselben hervorgebracht, welche in Verwunderung -setzt, die Sache lächerlich macht, und ungemein belustiget. Wenn -die Sachen, wie die vorhergehende Schönheit der Schertze erfodert, -ungemein unterschieden sind, und doch eine vielfältige und grosse -Uebereinstimmung unter ihnen entdeckt wird, so ist das so etwas -unerwartetes, welches ein angenehmes Erstaunen und Verwunderung -verursacht. Man bewundert ja alle diejenigen Dinge, die man als -etwas ansieht, so man vorher gar nicht gedacht hat. Es scheint -wiedersinnisch zu seyn, daß so sehr verschiedene Dinge, doch eine so -grosse Uebereinstimmung haben, und das ist eine kräftige Reitzung zu -lachen. Wolte man wohl zweiffeln, daß diese Verwunderung und dieses -lachen etwas unangenehmes sey? Es kan nicht anders seyn, als daß aus -dem Gewahrwerden dieser Uebereinstimmung, eine Belustigung entsteht, -weil die Uebereinstimmung der Dinge überhaupt eine Schönheit und -Vollkommenheit ist.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_49">§. 49.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ich sage, daß ein Schertz viele und grosse Vergleichungsstücke -entdecken müsse, so will ich nicht behaupten, daß man durch eine -weitläuftige Erzehlung dieser Stücke, den Schertz vortragen -solle. Nein, dadurch würde der Schertz frostig werden. Man kan -auch mit wenigen Worten sehr<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> viel sagen. Genug, wenn man es nur -sagt. Man muß seinem Zuhörer nur ein weites Feld eröfnen, die -Uebereinstimmungsstücke selbst zu errathen, man muß ihn aber auch -selbst gleichsam, zu dieser Untersuchung, zwingen. Ich sage jetzt -nichts weiter, als daß durch einen Schertz dem Zuhörer mit einem mal, -eine sehr grosse und mannigfaltige Ubereinstimmung der verglichenen -Dinge vorgestelt werden müsse. Unser Schertz muß ein sehr kurzer -Inbegriff sehr vieler Vergleichungsstücke seyn. Er muß einem Abgrunde -ähnlich seyn, in welchem man immer mehr erblickt, je länger man in -denselben hinein sieht. Es versteht sich von selbst, daß es wahre -Vergleichungsstücke seyn müssen. Ein Blendwerck des Witzes, wodurch uns -eine Verschiedenheit als eine Ubereinstimmung vorgestelt wird, kan nur -so lange eine ungegründete Lust verursachen, so lange wir in Verwirrung -und Irrthum bleiben. So bald der Nebel und das Blendwerck verschwunden, -schämen wir uns, daß wir über einen Gedancken gelacht haben, der ein -Hirngespinst gewesen. Doch davon werde ich weiter reden wenn ich die -Wahrheit der Schertze untersuchen werde.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_50">§. 50.</h2> - -</div> - -<p>Durch diese Eigenschaft bekommt ein Schertz eine Schönheit, die ihm -nichts anders zu geben vermag. Ein Schertz, der<span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span> diese Beschaffenheit -hat, gefält uns, so oft wir uns dessen wieder erinnern. So oft wir -ihn von neuen überdencken, erblicken wir mehrere Vergleichungsstücke. -Dadurch entsteht nicht nur ein neues Vergnügen, sondern wir sind auch -mit uns selbst zufrieden, weil wir überzeugt werden, daß wir einen -Schertz gebilliget, und darüber gelacht haben, der es vollkommen werth -gewesen. Wir freuen uns heimlich über unsern guten Geschmack, und sind -versichert, daß wir uns, durch das belachen dieses Spasses, keiner -flüchtigen Leichtsinnigkeit verdächtig gemacht haben. Mit einem Wort, -ein Schertz der diese Eigenschaft besitzt, hat diejenige Schönheit die -<b>Ovidius</b>, <span class="antiqua">Epist. ex pont. L. III. ep. V.</span> an einer andern -Sache rühmt.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Cumque nihil, toties lecta, e dulcedine perdant.</div> - <div class="verse">Viribus illa suis, non nouitate placent.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ich widerspreche mir nicht. Ich habe zwar erwiesen, daß ein alter -Schertz mat und frostig werde, das ist aber meinem jetzigen Gedancken -nicht zu wieder. Es ist gantz ein anders, wenn man einen Schertz, -als einen Schertz, sich oft muß vorsagen lassen, und wenn man eines -Schertzes, den man von andern nur einmal gehört hat, sich oft wieder -erinnert. Ich rede auch hier von einer andern Art des Vergnügens, so -von dem gantz<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span> unterschieden ist, so aus der Neuigkeit entsteht. Ja -man füge hinzu, wie ich niemals behauptet, daß die Neuigkeit eines -Scherzes die einzige Schönheit desselben sey, und noch weniger, daß -alles Vergnügen über einen Spaß, gantz allein aus dem neuen desselben -entstehe. Noch einmal, ein guter Schertz muß ein Thema seyn, darüber -ein witziger Kopf, einen sehr langen allegorischen und Emblematischen -Vortrag halten könnte.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_51">§. 51.</h2> - -</div> - -<p>Die Ubereinstimmungsstücke sind entweder Aehnlichkeiten, oder -Gleichheiten, oder beydes zusammen. Ein glücklicher Spaß muß demnach, -viele und grosse Aehnlichkeiten und Gleichheiten entdecken. Es -ist wahr, die blosse Aehnlichkeit kan manchmal zureichen, allein -ich glaube doch, daß die Gleichheiten und Proportionen derselben, -erst dem Schertze die rechte Schönheit auf dieser Seite geben. Die -Aehnlichkeiten fallen eher in die Augen, können leichter entdeckt -werden, und es ist weniger Scharfsinnigkeit zu ihrer Entdeckung nöthig. -Allein die Vergleichungen der Grössen erfodern mehr durchdringenden -Verstand. Man muß die Grössen ausmessen, und sie mit einander -vergleichen. Kan nun das unsere Seele gleichsam im Augenblicke -verrichten, so beweißt sie dadurch ihre Stärcke in ausnehmenden -Grade. Die Entdeckungen der Aehnlichkeiten können viel un<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span>richtige -Gedancken verursachen, wenn sie nicht durch eine genaue Beobachtung der -Proportion in ihren gehörigen Schrancken erhalten werden. Alle einzelne -Theile eines Gesichts können schön seyn, haben sie aber nicht die -gehörige Proportion, so wolte ich nicht sagen, daß das Gesicht reitzend -sey. Man kan sagen, daß die Proportion der Grundriß der Schönheit -überhaupt sey. Kan wohl die Schönheit eine Schönheit seyn, wenn der -Plan, nach welchen sie aufgeführt worden, nichts taugt? Ich sage also, -daß ein Schertz abgeschmackt werden müsse, ob er gleich viele und -grosse Aehnlichkeiten vorstelt, wenn in denselben gar keine Proportion -ist. Doch wird niemals erfodert, daß die Proportion, die ich zu einem -Schertze erfodere, nach der strengsten Mathematik richtig sey. Ein -wenig mehr oder weniger, thut hier nichts zur Sache. Die Schertze sind -ja ohne dem undeutliche Vorstellungen. Wenn nur die Proportion, dem -Ansehen nach, beobachtet wird, so entsteht die Schönheit, von der ich -rede. Ist doch in der Baukunst nicht einmal diese Strenge nöthig. Die -Proportion kan fehlerhaft seyn, wenn der Fehler nur nicht in die Sinne -fält.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_52">§. 52.</h2> - -</div> - -<p>Ich erachte es unnöthig zu seyn hier die Quellen anzuführen, woher -diese Schönheit der Schertze entsteht. Sie sind viel zu<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span> bekannt, als -daß ich meine <b>Leser</b> damit aufhalten solte. Alle Metaphern, -Allegorien, und wie sie Namen haben mögen, sind die Gründe zu dieser -Schönheit der Schertze, wenn sonst dabey kein Fehler begangen wird, der -den Spaß frostig macht.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_53">§. 53.</h2> - -</div> - -<p>Da die Namen womit gewisse Dinge bezeichnet werden, und überhaupt -die Worte, nicht als innere Bestimmungen der bezeichneten Sachen -selbst anzusehen sind, so macht die Ubereinstimmung der Namen nicht -die geringste Aehnlichkeit und Gleichheit der Sachen selbst aus. -Es sind das demnach sehr frostige Schertze, welche auf der blossen -Ubereinstimmung der Namen und der Worte, beruhen. Die Namen der Dinge -sind viel zu weit, wenn ich so reden soll, von dem Rande der Dinge -selbst entfernt, als daß sie auch nur die geringste Ubereinstimmung -ausmachen könnten, die den Dingen selbst eigenthümlich zugehörten. -Ein spaßhafter Kopf, der seine Schertze bloß in der Uebereinstimmung -der Worte sucht, verräth einen Witz der viel zu mat ist, als daß er -bis in die Sache selbst dringen solle. Die Sachen stehen weiter von -seinem Gesichtspuncte weg, als ihre Namen, und er ist zu kurtzsichtig, -er kan sie nicht erreichen. Nein, solche Spasse sind zu abgeschmackt, -sie können nicht gebilliget werden. Sie können keinen an<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span>derm Witze -gefallen, als der weniger Feuer besitzt, als zu einem feinem Geschmacke -erfodert wird. <b>Cicero</b>, <b>im andern Buche vom Redner</b>, -billiget diese Schertze überhaupt. <b>Quintilian</b> verwirft diese -Wort-Schertze auch nicht gantz in seinen <b>6ten Buche</b>, doch gibt -er den Schertzen, die aus der Sache selbst genommen werden, einen -grossen Vorzug.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_54">§. 54.</h2> - -</div> - -<p>Ich verwerffe in einem feurigen Schertze nicht alle Anspielungen und -Aehnlichkeiten der Worte; sondern nur diejenigen Spasse, die in der -blossen Aehnlichkeit der Worte bestehen. Man kan es daher leicht gewahr -werden, ob ein Spaß diesen Fehler habe. Man darf ihn nur in anderen -Worten ausdrucken, oder in eine fremde Sprache übersetzen, verliehrt -er alsdenn alle sein Feur, so ist er gewiß abgeschmackt. Ein feuriger -Spaß muß in allen möglichen Sprachen ein Schertz bleiben, obgleich -nicht immer in einerley Grade. Man kan sagen, daß ein feuriger Spaß die -Schönheit eines Gedichts haben müsse. Dasselbe muß ein Gedicht bleiben, -man mag die Ordnung der Worte ändern, oder auch andere gleichgültige -Worte an die Stelle der vorigen setzen,</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Inuenias etiam disiecti membra poetae.</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Sat. L. I. Sat. IIII.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span></p> - -<p class="p0">Folglich muß ein Schertz, aus der Uebereinstimmung der Gedancken und -Sachen selbst, hergenommen werden. Weil aber die Worte, womit man -ähnliche Dinge ausdruckt, ungezwungen ähnlich seyn können, so würde -es beym Schertzen ein unnöthiger Zwang seyn, den ich niemanden rathen -wolte, wenn man die Uebereinstimmung der Worte mit Gewalt vermeiden -wolte. Wenn sie nur nicht die Hauptsache beym spassen ist, und als eine -ungezwungene Folge der Vergleichung der Begriffe anzusehen ist, so -kan die Aehnlichkeit der Worte die Schönheit eines Schertzes wohl gar -etwas vermehren, wenigstens in ein grösseres Licht setzen, indem sie -die Einsicht des Spasses selbst erleichtert. Wenn man dem <b>Cicero</b> -und <b>Quintilian</b> diese Meinung zuschreiben will, so kan man sie -entschuldigen, daß sie die Wort-Schertze gebilliget haben.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_55">§. 55.</h2> - -</div> - -<p>Zu diesem Klapperwerck in Schertzen rechne ich alle Zweydeutigkeiten, -Anspielungen auf Nahmen, Versetzungen der Buchstaben, Veränderungen -derselben, Verstimmelungen und Verlängerungen der Namen, und wie -diese Kindereyen alle heissen mögen. Des <b>Cicero</b> <span class="antiqua">Jus -verrinum</span> ist ein zu oft gepeitschter Spaß, als daß ich nöthig -hätte denselben zu tadeln. Man findet mehr dergleichen in eben diesem -Schriftsteller, insonder<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span>heit in seinen Briefen, und in den Reden -wieder den <b>Verres</b>. Ich rechne diese abgeschmackten Schertze mit -zu den Mode-Spassen und Jedermans-Einfällen. Die kleinen Herrn wissen -sich sonderlich derselben fleißig in den Umgange mit Frauenzimmer zu -bedienen. In allen artigen Zusammenkünften nach der Mode, sind diese -Läppereyen die gewöhnlichsten Belustigungen. Und man darf sich mit -der Hofnung im geringsten nicht schmeicheln, daß diese Anzahl der -Schertze mercklich werde verringert werden. Es verhält sich hier eben -so wie in der Dichtkunst. Grosse Dichter mögen noch so sehr wider -die Wortspiele, und andere Läppereyen in der Dichtkunst, eiffern, so -finden sich doch immer schläfrige Köpfe genug, welche dem ohnerachtet -die Musen durch Wortkrämereyen mißhandeln. So lange es noch Leute von -pöbelhaften Geschmacke und frostigen Witze gibt, die doch gleichwohl -spassen wollen, so lange werden auch die Wortschertze nicht aufhören. -Ein matter und schläfriger Kopf hat ein viel zu grosses Vergnügen an -solchen Wortspielen, als daß er sie für was elendes ansehen solte. Vor -Armseligkeit seines Witzes, kan er nichts feiners und edlers schmecken, -man würde ihm demnach alles Vergnügen dieser Art rauben, wenn man ihm -untersagen wolte, mit blossen Worten zu spielen. Nein, ein leerer Kopf -vergnügt sich<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span> selbst über diese seine Einfälle, er bewundert sich -selbst, und er ist der Person völlig ähnlich die <b>Boileau</b> in -folgenden Worten abschildert:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Un sot en ecrivant fait tout avec plaisir,</div> - <div class="verse">Il n’a point dans ses vers l’embarras de choisir,</div> - <div class="verse">Et toujours amoureux de ce qu’il vient d’ecrire,</div> - <div class="verse">Ravi d’etonnement en soi meme il s’admire.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Diese Unsinnigkeit im Schertzen ist manchmal nicht ohne alle Würckung, -bey Leuten die etwas zu furchtsam und zärtlich zu seyn pflegen. Sie -haben, ich weiß selbst nicht ob ich es so nennen soll, das Unglück -einen Namen von ihren Vorfahren zu erben, der abgeschmackten Köpfen, -einen unermeslichen Vorrath zu erbärmlichen Spassen, an die Hand gibt. -Sie sind zu empfindlich ihr Erbgut ohne Veränderung zu behalten. -Allein ist es wohl werth, einem Narren zu gefallen, die Genealogie zu -verwirren? Daß diese letzte Anmerckung eine historische Wahrheit, zum -Grunde habe, kan ich beweisen. Die Gemahlin des <b>Wilhelm Bautru</b>, -Grafen von Serrant, der, unter andern, als ein aufgeweckter Kopf -das <span class="antiqua">XVII.</span> Jahrhunderts, berühmt ist, wolte lieber Frau von -<b>Nogent</b>, als von <b>Bautrou</b> heissen, weil sie sich nach der -italienischen Aussprache dieses Namens,<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span> unzähligen Stichen, durch ein -Wortspiel auf <span class="antiqua">trou</span>, ausgesetzt hatte.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_56">§. 56.</h2> - -</div> - -<p>Ich habe die fünfte Schönheit der Schertze <a href="#Par_25">§. 25.</a> darin gesetzt, daß -vor dem Schertze starcke Vorstellungen, von gantz anderer Art, müssen -vorhergegangen seyn. Ich verstehe das nicht nur von dem schertzenden -selbst, sondern auch von seinen Zuhörern. Der Schertzende und seine -Zuhörer müssen, vor dem Spasse, einen sehr grossen Eindruck, von -gantz andern Vorstellungen, gehabt haben, die mit dem Schertze, in so -fern er ein Schertz ist, nichts gemein haben. Sie müssen ihre ganze -Aufmercksamkeit, mit ganz andern Dingen beschäftiget haben, als daß sie -den Schertz hätten vorhersehen sollen. Dadurch bekommt der Spaß ein -Licht das in Verwunderung setzt. Der Schertz wird so neu und unerwartet -seyn, daß man sagen kan, er könne sonst nicht recht neu seyn. Diese -schleunige Veränderung der Scene in unsern Vorstellungen, macht eine -so angenehme Verwandelung und Verwirrung, daß sie ohne Vergnügen und -Bewunderung nicht geschehen kan. Der schertzende beweißt dadurch, wie -leicht es ihm sey einen Schertz zu machen, und zeigt die Stärcke seines -Witzes, die den Spaß selbst groß und feurig macht. Ich glaube, das -sey der Grund, warum die Schertze, die ein Lehrer, mitten<span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span> unter dem -Vortrage der scharfsinnigsten Wahrheiten vorbringet, so angenehm sind; -weil die Gemüther vorher mit viel zu ernsthaften Dingen beschäftiget -gewesen, als daß sie hätten den Spaß vorhersehen können.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_57">§. 57.</h2> - -</div> - -<p>Wenn man sich auf etwas lange besinnen muß, so will man eine -Vorstellung klar machen, vermittelst solcher Vorstellungen, die vieles -mit ihr gemein haben, und die also mit ihr zu gleicher Art können -gerechnet werden. Ein Schertz auf den man sich lange besint, muß -demnach unglücklich gerathen. Er beweißt, daß unser Witz lange nicht -diejenige Munterkeit besitzt, die erfodert wird, wenn ein feuriger -Schertz, unmittelbar auf solche Vorstellungen folgen soll, die von -gantz anderer Art sind. Nein, ein glücklicher Schertz muß die Frucht -eines Witzes seyn, der so hurtig aufgeweckt, und schnell ist, daß -er nicht genöthiget ist sich lange zu besinnen. Wer sich auf seine -Schertze lange besinnen muß, wird sich sehr schwer, vor den Ausbruch -seines Zauderns, und der Anstalten die sein Witz vorkehrt, hüten -können. Dem Zuhörer wird die Zeit unterdessen lang werden. Komt endlich -der Schertz zur Welt, so wird er entweder nicht neu genug seyn, oder -die Hofnung des Zuhörers betrogen haben. Einem langsamen Witze geräth -sehr selten ein Schertz. Der Schertz der glück<span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span>lich seyn soll, muß so -schleunig in der Seele des schertzenden klar werden, daß er selbst -dadurch in eine Art der Verwunderung gesetzt wird. Diese Verwunderung -wird dem schertzenden eine Lebhaftigkeit, und Dreistigkeit geben, ohne -welche der Vortrag des Schertzes elend werden muß.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_58">§. 58.</h2> - -</div> - -<p>Wer glücklich im Schertzen seyn will, der hüte sich seine Spasse -nicht vorher auszudencken. Wer den Spaß vorher erdenckt, und sich auf -denselben vorbereitet, der geht so lange damit schwanger, bis er ihn -vorgetragen hat. Die gantze Reihe der Vorstellungen, von der Zeit an, -da er den Schertz erdacht, bis auf den Zeitpunct da er vorgetragen -werden soll, ist entweder mit dem Schertze ausgefüllt, oder doch mit -sehr ähnlichen Vorstellungen. Es ist demnach nothwendig daß der Spaß -mißlingen muß. <a href="#Par_57">§. 57.</a> <b>Cicero</b> merckt diesen Fehler auch an, er -sagt <b>im andern Buche vom Redner</b>: <span class="antiqua">quia meditata videntur minus -ridentur</span>. <b>Quintilian im sechsten Buche</b>, fodert gleichfals, -daß man sich auf den Schertz nicht vorbereiten müsse. Er sagt: <span class="antiqua">ne -praeparatum & domo allatum videatur, quod dicimus</span>. Wer sich auf -den Schertz vorbereitet, kan unmöglich die anständige Dreistigkeit -behalten, die zum Vortrage eines Schertzes nothwendig ist. Man wirds -ihm<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span> an den Augen ansehen, daß er einen Spaß auf den Hertzen hat, -den er gern an Mann bringen möchte. Er wird mit einer ängstlichen -Sehnsucht, die er nicht verbergen kan, die Zeit erwarten, da er seinen -Schertz vortragen will. Kan also der Schertz wohl neu genug seyn, in -Absicht auf den schertzenden und den Zuhörer? Und das ist doch ein so -nöthiges Stück zu einem feurigen Schertze. Uberdem, kan ja derjenige -der sich auf einen Schertz vorbereitet, nicht jederzeit vorhersehen, -ob er sich zu den Umständen, in welchen er sich befinden wird, genau -schicken wird. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß ein vorbereiteter -Schertz zur Unzeit angebracht wird, und das werde ich als einen grossen -Fehler im folgenden vorstellen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_59">§. 59.</h2> - -</div> - -<p>Soll man sich auf einen Schertz gar nicht vorbereiten, so muß man -auch die Umstände nicht mit Fleiß so einrichten, damit man den Spaß -anbringen könne. Die Gelegenheit zu schertzen, muß sich selbst -darbiethen, und wir müssen nichts weiter thun als sie ergreiffen. Es -verrathen also alle diejenigen die Mattigkeit ihres Witzes, welche, -wenn sie einen Vortrag thun sollen, oder in eine Gesellschaft sich -begeben, ihre Rolle, in so fern sie die schertzhafte Person seyn -wollen, vorher auswendig lernen. Sind sie nun überdies zu ungeduldig, -die Zeit zu erwarten<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> in welcher sie ihren Spaß anbringen können und -bereiten sie sich selbst die Gelegenheit zu ihrem Schertze, so wird -dieser Fehler noch mercklicher, und ihr Schertz wird matt und frostig -seyn. Ich leugne nicht daß es nicht manchmal solte möglich seyn zu -verhindern, daß der Zuhörer die Vorbereitung zum Spasse mercke. Ich -sage nur, daß dieses sehr schwer sey, und in den mehresten Fällen -mislingen müsse. Der Spaß behält überdies doch einen Fehler, der nur -von andern darin verschieden ist, daß er bisweilen nicht gesehen wird.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_60">§. 60.</h2> - -</div> - -<p>Aus dem was ich bisher gesagt erhellet, warum die Schertze die man in -den Antworten auf vorgelegte Fragen vorträgt so sehr gefallen. Weil wir -nicht haben vorher sehen können, was uns ein anderer fragen werde, so -ist nicht die geringste Vermuthung vorhanden, daß wir unsern Schertz -vorher ausgedacht haben. Ein solcher Schertz, wenn er sonst nicht zu -frostig ist, muß also feuriger seyn, als alle diejenigen, die man -ohne gefragt zu werden vorträgt, weil wir in den wenigsten Fällen den -Verdacht der Vorbereitung von uns ablehnen können. <b>Cicero</b> hat -eben diese Schönheit angemerckt, er setzt, an oft gedachten Orte, den -Grund hinzu: <span class="antiqua">nam & ingenii celeritas maior<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span> est quae apparet in -respondendo, & humanitatis est responsio.</span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_61">§. 61.</h2> - -</div> - -<p>Die sechste Schönheit der Schertze <a href="#Par_25">§. 25.</a> entsteht daher, wenn er von -vielen Vorstellungen anderer Art, die in den Gemüthern einen grossen -Eindruck haben, begleitet wird. Man verstehe dieses nicht nur von -den schertzenden selbst, sondern auch von seinen Zuhörern. Jener muß -seinen Kopf sonst voller Gedancken haben, die bey nahe seine gantze -Aufmercksamkeit beschäftigen, und die mit dem Schertze nichts, oder -doch sehr wenig gemein haben. Er muß mitten unter diesen Vorstellungen -seinen Schertz erdencken. Die Zuhörer müssen in gleichen Umständen -ihres Gemüths stehen. Die Seele der Zuhörer muß einer Schaubühne gleich -seyn, und der Schertz einer Zwischenfabel in einen theatralischen -Stücke. Bey so gestalten Sachen, ist es sehr wahrscheinlich, daß kein -anderer den schertzhaften Einfall haben wird, den der schertzende hat. -Der Schertz wird also vollkommen neu, und unerwartet seyn. Er wird eine -Lebhaftigkeit besitzen, die ihm unter ähnlichen Gedancken fehlen würde, -und die Verschiedenheit der übrigen Gedancken wird seinen Glantz um -ein merckliches erhöhen. Diese Schönheit wird noch mehr erhalten, wenn -man schertzt zu der Zeit, da wir und unsere Zuhörer mit vielen andern -Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span>dancken beschäftiget sind, die den schertzhaften Gedancken entgegen -gesetzt sind. <span class="antiqua">Opposita iuxta se posita magis elucescunt</span>, ist -eine viel zu bekannte Regel, als daß ich den vorhergehenden Gedancken -zu beweisen für nöthig halte.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_62">§. 62.</h2> - -</div> - -<p>Ein feuriger Schertz muß demnach gantz unvermuthet und unerwartet -seyn. Es muß weder in unsern vorhergehenden Gedancken <a href="#Par_56">§. 56.</a> noch in -denjenigen, die wir zu gleicher Zeit haben, eine merckliche Vermuthung -des Schertzes vorhanden seyn. Eine Sache die wir vermuthen und -erwarten, sehen wir vorher; wird sie würcklich, so kan sie unmöglich -gantz neu seyn. Ein erwarteter Schertz kan demnach unmöglich so feurig -seyn, als ein unerwarteter, weil jener nicht so neu ist als dieser. -Wenn man gantz unerwartete Schertze vorträgt, so überfällt man den -Zuhörer, man läßt ihm nicht viel Zeit nachzudencken, und es muß ihm ein -Schertz gefallen, der sonst nicht eben zu viel Feur besitzt. Man kan -sagen, daß das unerwartete in einem Schertze, ein Mittel sey, viele -andere Fehler des Schertzes zu verbergen. Wenn der Zuhörer unsern -Schertz erwartet, so macht er eine Zurüstung die uns gefährlich ist. -Er samlet die gantze Macht seiner Beurtheilungskraft, und er hat ein -Recht was ausnehmendes zu erwarten. Er stellt sich schon zum<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span> voraus -manches artige von unsern Schertze vor. Und da müssen wir ihm entweder -einen ausnehmend feurigen Schertz vortragen, oder wir betrügen seine -Hofnung, und er verwandelt sein Vergnügen, so er uns zugedacht, in eine -Verachtung und hönisches Lachen. Man hüte sich also andern auf unsere -Schertze Hofnung zu machen. Wir können sonst nicht verhüten daß unsere -Zuhörer dencken</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Quid dignum tanto feret hic promissor hiatu?</div> - <div class="verse">Parturient montes, nascetur ridiculus mus.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Es gilt hier eine Art eines gewissen Betrugs. Man hintergehe seine -Zuhörer. Man mache ihnen zu gantz andern Dingen Hofnung, und ehe -sie sichs versehen betrüge man sie. Man sage ihnen das nicht worauf -sie gewartet, sondern vielmehr den Schertz, den sie nicht erwartet. -<b>Cicero</b> steht in den Gedancken, als wenn das Vergnügen, so aus -einem solchen Betruge bey dem Zuhörer entsteht, daher rühre, weil uns -unser eigener Irrthum belustiget. Ich bin gantz anderer Meinung. Ein -Irthum bleibt eine Unvollkommenheit, die uns nicht belustigen kan, in -so fern sie ein Irthum ist. Der Irthum macht nur, daß uns der Spaß -gantz unerwartet und unvermuthet vor<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span>getragen wird, und das ists was -uns bey demselben gefält.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_63">§. 63.</h2> - -</div> - -<p>Wer also im Schertzen glücklich seyn will, muß sichs durchaus vorher -nicht mercken lassen, daß er spassen will. Ich rede nicht von einem -Fehler, den man ohnedem selten antrift. Ich meine, wenn es jemand -vorher sagen wolte, daß er schertzen wolte. Wer seinen Schertz mit -ausdrücklichen Worten ankündiget, kan nicht schertzen, und begeht -einen abgeschmackten Fehler. Sondern ich bemercke hier einen Fehler -der häufiger ist. Man kan es manchem spaßhaften Kopfe schon zum voraus -ansehen, daß er spassen will. Er gewöhnt sich gewisse Gesichtszüge -an, die jederzeit vor seinem Schertze vorhergehen. Er kan nicht -eher spassen, ehe er nicht sein Gesicht in gewisse dazu ausgesuchte -Falten gelegt hat. Sie mögen beschaffen seyn wie sie wollen, so wird -der Schertz dadurch verdorben, wenn der Zuhörer daher den Schertz -prophezeyen kan. Ich rechne dahin den Fehler, wenn ein schertzhafter -Kopf sich erst vorher selbst satt lacht, ehe er andere zu lachen machen -will. Ein solcher Mensch verdirbt seinen gantzen Spaß, wenn er die -Früchte desselben selbst vorher einerntet, und die Zuhörer haben keine -Ursach seinen Spaß zu belohnen, weil er sich die Bezahlung für seine -Mühe selbst genommen hat.<span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span> Vorher muß niemand lachen. Ob man aber -bey dem Schertze, oder nachher, auch lachen dürffe, will ich unten -beurtheilen. Genug, daß ich erwiesen habe, ein schertzhafter Kopf müsse -sichs vorher durch nichts, was es auch sey, mercken lassen, daß er -schertzen wolle.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_64">§. 64.</h2> - -</div> - -<p>Aus dem vorhergehenden ist klar, daß die Schertze, wenn sonst das -übrige seine Richtigkeit hat, gerathen müssen, welche Zuhörern -vorgetragen werden, die mit vielen ernsthaften Gedancken beschäftiget -sind. Das ernsthafte ist ja dem schertzhaften entgegen gesetzt, und ein -schertzhafter Kopf der diese Gelegenheit ergreift, folgt der Regel des -<b>Horatz</b></p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Misce stultitiam consiliis breuem.</div> - <div class="verse vright"><i>Carm. L. III. od. XII.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">und bringt seinen Spaß mitten unter Vorstellungen vor, die von gantz -verschiedener Art sind. Geht seine Geschicklichkeit noch weiter, und -kan er mitten unter betrübten und traurigen Gedancken schertzen, so -erhält sein Spaß noch eine grössere Schönheit von dieser Seite. Die -Verminderung der Traurigkeit ist immer was angenehmes, und die Lust -die eine Betrübniß verdrengt, oder mindert, ist durchdringender. Ein -Schertz der dergestalt vorgetragen wird daß er</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span></p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse"> -   -   -   -   amara laeto</div> - <div class="verse">temperet risu   -   -</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Carm. L. II. od. XVI.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">muß viel angenehmer seyn, als ein anderer, wenn er anders nicht aus -einem leichtsinnigen und fladderhaften Gemüth entsprungen. Ein Mensch -der alsdenn schertzen kan, wenn ihm ein Glied abgelößt wird, muß gewiß -einen sehr lebhaften und starcken Witz besitzen. Das, deucht mich, -ist der Grund, warum diejenigen Köpfe, die in ihrer Todes Stunde noch -gespaßt haben, als witzige Köpfe bewundert werden. <b>Socrates</b>, -<b>Adrian</b> der Kayser, <b>Margaretha von Oesterreich</b>, und -andere, geben hier, wenn man den Erzählungen von ihnen glaubt, Exempel -an die Hand.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_65">§. 65.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ernsthafte Gedancken in der Seele die Oberhand haben, so muß das -Gesicht natürlicher Weise ernsthafte Züge behalten. Herrschen aber die -schertzhaften Gedancken, so muß man sich mit Gewalt zwingen, das Lachen -zu verbeissen. Ein Mensch, der bey dem Vortrage seines Schertzes, -gar keine Ernsthaftigkeit behält, beweißt also, daß der Schertz in -seiner Seele herrsche. Folglich hat er nicht diejenige Vollkommenheit -seines Witzes, vermöge welcher er, mitten unter starcken Gedancken von -anderer Art, schertzen kan, und er macht dadurch seinen Schertz matter. -Wer recht glücklich scher<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span>tzen will, bey dem muß mitten im schertzen -die Ernsthaftigkeit in der Seele, und in dem Gesichte, die Oberhand -behalten. Ich sage nicht daß er finstere und saure Minen machen soll, -das ist ein Fehler von dem ich unten reden werde. Die Ernsthaftigkeit -muß nur stärcker bleiben, als das Gegentheil. Man muß von ihm sagen -können</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Incolumi grauitate iocum tentauit.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Kurtz, derjenige der schertzt, muß im Schertzen bey nahe ein -<b>Crassus</b> seyn, <span class="antiqua">qui cum omnium esset venustissimus & -vrbanissimus, omnium grauissimus & seuerissimus & erat & videbatur</span>, -nach dem Zeugniß des <b>Cicero im andern Buch vom Redner</b>.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_66">§. 66.</h2> - -</div> - -<p>Hieraus läßt sich ein Fehler beurtheilen, den man bey manchen -spaßhaften Köpfen antrift. Ihr scharfsinniger Witz ist den Körpern -ähnlich, die nicht eher in Bewegung gerathen, bis sie von andern -angestossen worden. Ihr Witz schläft so lange, bis ein anderer anfängt -zu schertzen, und alsdenn werden sie auch rege. Sie leiten aus einem -Schertze, den sie gehört, andere her. Und man kan sagen, daß ein -feuriger Witz viele andere erwärmen und erhitzen könne. Man darf sich -nicht wundern, daß demjenigen, der den herrschenden Witz in solchen -Fällen<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span> hat, seine Schertze gelingen, denn er bringt sie mitten unter -verschiedenen Gedancken vor. Seine Affen aber haben das Glück nicht. -Sie tragen ihre Schertze alsdenn erst vor, wenn die Gesellschaft -schon aufgeräumt worden, und sie kommen mit ihren Einfällen zu spät. -Ein anderer hat schon die besten Früchte eines Schertzes genossen, -und ihnen bleibt nur die Nachlese übrig, die bisweilen mager genug -ist. Dahin können auch die Schertze gerechnet werden, die in den -stillen Gesellschaften vorgetragen werden. Es scheint, daß manche -Zusammenkünfte nur gehalten werden, um einander anzusehen, und von -Gedancken auszuruhen. Eine solche Gesellschaft von Seulen, kan sehr -leicht durch den frostigsten Einfall ergötzt werden. Sie dencken wenig -oder nichts, und eine Kleinigkeit kan ihre gantze Seele einnehmen. Ein -Schertz aber, der alsdenn belacht wird, ist auf dieser Seite sehr mat. -Der schertzende und die Zuhörer dencken ausser dem Schertze weiter -nichts, und also mangelt ihm die Schönheit die ich bisher ausgeführet -habe.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_67">§. 67.</h2> - -</div> - -<p>Ich komme nunmehr auf die siebende Vollkommenheit der Schertze <a href="#Par_25">§. 25.</a> -Ein feuriger Schertz muß eine sehr grosse und vollkommene sinliche -Vorstellung seyn. Oder, er muß alle Vollkommenheiten einer sinlichen -Vorstellung, in einem mercklichen<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span> Grade, besitzen. Ich bin nicht -willens, alle einzelne Vollkommenheiten eines sinlichen Gedanckens -durchzugehen. Das würde für meine jetzige Absicht zu weitläuftig seyn. -Ich will mich begnügen, die vornehmsten, und wenn ich so reden soll -die Grund-Vollkommenheiten der sinnlichen Erkenntniß durchzugehen. -Die übrigen sind entweder in diesen schon mit begriffen, oder -können doch mit leichter Mühe daraus hergeleitet werden. Zu diesen -Hauptvollkommenheiten rechne ich, die Klarheit, die Wahrheit, und das -Leben. Ich könnte auch die Gewißheit noch hinzuthun. Allein da sie der -Inbegriff der Klarheit und der Wahrheit ist, so übergehe ich sie ohne -Schaden. Kurtz, ein feuriger Schertz muß in hohem Grade klar, richtig, -und lebendig seyn.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_68">§. 68.</h2> - -</div> - -<p>Die Klarheit einer sinlichen Vorstellung wird entweder vermehrt durch -die geringere Dunckelheit ihrer Theile, oder durch die Menge der Theile -und Merckmaale, die in ihr enthalten sind. Beyde Vollkommenheiten -müssen bey einem feurigen Schertze verbunden werden. Die letzte wird -insonderheit die Lebhaftigkeit genennt. Ein feuriger Schertz muß uns -sehr vieles auf einmal vorstellen. Er muß unserm Auge die Aussicht -in ein Feld eröfnen, dessen Ende es vor Menge der Gegenstände nicht -gewahr werden kan. Wir<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span> müssen durch den Schertz von einem Chaos der -Begriffe überhäuft werden dessen Entwickelung wir entweder vorzunehmen -nicht Zeit haben, oder in der Geschwindigkeit nicht anzufangen wissen. -Eine jede dieser Vorstellungen muß zwar nicht völlig klar, aber auch -nicht vollkommen dunckel seyn. Ich habe nicht nöthig zu zeigen, wie -diese Schönheit der Schertze könne hervorgebracht werden. Das ist nicht -nur von meinem jetzigen Zweck entfernet, sondern ich glaube auch, -daß es nicht eben nöthig sey. Wer nur die Schönheiten der Schertze, -die ich bisher abgehandelt habe, zu erhalten sucht, sonderlich die -erste bis zur vierten, der wird in seinem Schertze eine unendliche -Mannigfaltigkeit hervorbringen. Weiß er sie nun dem Zuhörer dergestalt -vorzustellen, daß dieser sie gewahr wird, so bekommt sein Schertz die -nöthige Lebhaftigkeit.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_69">§. 69.</h2> - -</div> - -<p>Die Lebhaftigkeit eines Schertzes muß vermindert werden, oder wohl gar -verlohren gehen, wenn er zu weitläuftig und zu lang ist. Die Kürtze -desselben ist mit seiner Lebhaftigkeit nothwendig verbunden. Wenn der -Schertz zu lang ist, so wird er entwickelt und deutlich, er bleibt also -keine sinliche Vorstellung mehr. Die Theile des Schertzes werden der -Aufmercksamkeit nach und nach vorgestelt, und man hat Zeit ein Stück -nach<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span> dem andern zu überdencken. Folglich empfinden wir nicht dasjenige -Licht, und die angenehme Verwirrung, welche durch nichts anders möglich -ist, als wenn man auf einmal mit Begriffen überhäuft wird. Es verhält -sich wie mit den Lichtstrahlen. So lange dieselben zerstreut bleiben, -bringen sie zwar ein Licht hervor, welches aber lange nicht so starck -und durchdringend ist, als wenn sie durch einen Brenspiegel gesamlet, -und in einen Punct gedrengt werden. Folglich muß ein Schertz zwar sehr -vieles in sich fassen, aber dasselbe nicht durch eine weitläuftige -Vorstellung zerstreuen, sondern mit einemmal dem Gemüth vorstellen. -Man kan auch mit wenig Worten sehr viel sagen. Wenige Vorstellungen -sind oft ein Inbegriff unendlich vieler andern. Bey einem Schertze -muß ungleich mehr gedacht als gesagt werden. Man muß dem Zuhörer nur -Gelegenheit geben, und dabey zwingen selbst nachzudencken.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Est breuitate opus, vt currat sententia, neu se</div> - <div class="verse">Impediat verbis lassas onerantibus aures.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. Satt. L. I. Sat. X.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_70">§. 70.</h2> - -</div> - -<p>Wenn man die nöthige Klarheit und Kürtze in einem Spasse zu gleicher -Zeit erhalten will, so muß er sich zu den Umständen,<span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">[S. 91]</a></span> in welchen wir -uns eben befinden, vollkommen schicken. Zu diesen Umständen rechne ich -die Personen mit denen wir umgehen nebst allen ihren Umständen, die -Zeit, den Ort, die Reden und Erzählungen, mit denen die Gesellschaft -unterhalten wird. Mit einem Wort, den gantzen Zustand in welchen wir -uns mit unsern Zuhörern befinden. Alle diese Umstände müssen die -Vignette seyn, und unser Schertz die Devise. Diese Umstände müssen -also den völligen Grund, die Veranlassung, und die ganze Erklärung -unseres Scherzes enthalten. Dadurch erhalten wir die Klarheit unseres -Schertzes. Ein jeder versteht ihn, und unser Schertz kommt so zu -gelegener Zeit, und er paßt sich so genau, daß wir nicht nur beweisen, -daß wir den Schertz erst selbst erfunden, sondern wir brauchen auch -sehr wenig zu sagen, und wir werden doch verstanden. Ueberdies so -entsteht aus dieser Eigenschaft des Schertzes ein Vergnügen, weil diese -Uebereinstimmung mit allen Umständen eine Vollkommenheit ist, die den -Schertz angenehm machen muß.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Dulce est desipere in loco.</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Carm. L. III. od. XII.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Die schönsten Schertze in dieser Art sind ohnfehlbar diejenigen, -welche sich so genau zu den Umständen schicken, daß sie in keinem -andern Zustande unverändert können angebracht werden. Denn, da in -der Welt nicht zwey<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span> Zeiten möglich sind die völlig einerley wären, -so ist es ein Beweiß, daß ein Schertz nicht den höchsten Grad dieser -Vollkommenheit besitzt, oder daß er nicht allen Umständen völlig gemäß -ist, wenn er mehr als einmal angebracht werden kan. Ein vollkommen -glücklicher Spaß kan also nur ein einziges mal angebracht werden, -wenn er gar nichts von seinem Feuer verliehren soll. Durch diese -Eigenschaft erhält man auch die Lebhaftigkeit eines Schertzes noch -auf eine andere Art. Wenn der Schertz so genau mit allen Umständen -übereinstimmt, so muß der so den Spaß einsieht, den ganzen Umfang -seines Zustandes sich auf einmal vorstellen. Wie viel, ja unendlich -viel, enthält nicht unser Zustand in einem jeden Augenblicke? Muß also -der Schertz dadurch nicht eine unendliche Mannigfaltigkeit erhalten? -Wider diese Regel versündigen sich alle spaßhafte Köpfe, die zu -phlegmatisch sind, auf eine lächerliche Art. Sie haben das Unglück, -von einer gewissen Langsamkeit beherrscht zu werden, vermöge welcher -sie zur Auswickelung ihrer Gedancken zu viel Zeit brauchen. Der Fluß -ihrer Umstände ist für sie zu schnell, sie können der Geschwindigkeit -desselben in ihren Gedancken nicht folgen, und sie sind gezwungen sich -bey manchen Umständen zu verweilen, die alsdann längst vorbey sind, -wenn sie sie erst recht gewahr werden. Diese Köpfe kommen mit<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span> ihren -spaßhaften Einfällen immer zu spät. Die Gesellschaft hat das schon -wieder vergessen, worauf sie ihren Schertz gründen, und sie machen -sich lächerlich, wenn sie die Gesellschaft nöthigen wollen, ihnen -zu gefallen sich wieder auf das vorhergehende zu besinnen. Wem erst -nachher ein Schertz einfält, wenn die Gelegenheit vergangen ist, der -unterdrücke ihn ja, wenn er anders nicht die Trägheit seines Witzes auf -eine lächerliche Art verrathen will.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_71">§. 71.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz verliehrt nothwendig seine Schönheit wenn er deutlich ist, -und in so fern er deutlich ist. Ein jeder deutlicher Begriff führt -eine Ueberlegung mit sich, durch welche man sich den gantzen Begriff, -nicht auf einmal, sondern Stückweise, und nach und nach, vorstelt. Ein -deutlicher Schertz verliehrt die Lebhaftigkeit, die ihn so schön macht. -Man kan das von allen Schönheiten sagen. So bald wir einen deutlichen -Begriff von einer Schönheit erlangen, so bald verschwindet das schöne, -als welches nur in der Verwirrung des Begriffs liegt. Man lasse einen -Meßkünstler das schönste Gesicht ausmessen, und die Proportionen aller -Theile und Züge desselben in Zahlen ausdrucken, man lasse ihn die -Lage aller Theile und Züge nach geometrischen Gründen bestimmen. Ich -glaube nicht, daß sich jemand in ein solches abge<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span>schriebenes Gesicht -verlieben würde. Man lasse aber eben dieses Gesicht von einem Mahler -abmahlen, so wird es in seinem völligen Glantze erscheinen. Soll -also ein Schertz eine schöne sinliche Vorstellung bleiben, so muß er -nicht durch den Verstand betrachtet werden, so lange er diese seine -Schönheit behalten soll. Ein Schertz muß nothwendig frostig werden, den -der schertzende mit einem weitläuftigen Commentarius begleitet. Das -muß man den Zuhörer selbst überlassen, der mag den Schertz in seinem -Gemüth so weitläuftig zergliedern, wie er es selbst für gut befindet. -Es ist auch eine Art der Unverschämtheit, die ein spaßhafter Kopf gegen -seine Zuhörer blicken läßt, wenn er ihnen seinen Schertz erklärt. Er -gibt zu verstehen, daß er ihnen nicht Einsicht genug zutraue, die -Stärcke seines Schertzes zu begreiffen. Es ist eine sehr beschwerliche -Mode mancher schertzhaften Köpfe, daß sie so gefällig sind, und ihrem -Zuhörer die Mühe des Nachdenckens überheben wollen. Es schmeckt dieß -Verhalten zu sehr nach Eigenliebe, und Einbildung, als daß es gefallen -solte. Ein Schertz der einen Commentarius nöthig hat, oder gleich damit -versehen wird, ist in beyden Fällen frostig. Noch viel abgeschmackter -ist ein anderer Fehler, den ich nur beyläufig berühre. Es sind manche, -die selbst zu schertzen ungeschickt sind, so gefällig gegen<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span> die -Gesellschaft, daß sie die Schertze, die andere in derselben vortragen, -mit Noten erläutern. Man könnte diese Leute die Scholiasten spaßhafter -Köpfe nennen. Sie begehen einen doppelten Fehler. Sie beweisen sich -nicht nur unbescheiden gegen die Gesellschaft, indem sie in der Meinung -zu stehen den Schein geben, daß sie allein die Stärcke des Schertzes -begriffen, sondern sie machen auch die Schertze eines andern, so viel -an ihnen ist, frostig.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_72">§. 72.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz der lebhaft seyn soll muß in einem hohen Grade klar seyn. -Wenn er demnach dunckel ist, und gar nicht eingesehen wird, so hört -er auf, ein Schertz zu seyn. Man kan also sagen, daß ein Schertz in -so fern er dunckel ist, gar kein Schertz sey. Es ist ein Fehler eines -Schertzes wenn er dunckel ist, und ohne Noten und Commentarius nicht -verstanden werden kan. Ich sage nicht, daß ein Schertz von allen Leuten -müsse verstanden werden, denn so müste er gewiß sehr frostig und -abgeschmackt seyn, weil dieser allgemeine Begriff das Unglück hat, sehr -abgeschmackte Köpfe unter sich zu begreiffen. Sondern ich behaupte, daß -ein feuriger Schertz keinem witzigen Kopfe, der die Umstände weiß, in -welchen er vorgetragen worden, dunckel seyn müsse. Es können dahin alle -die Schertze gerechnet werden, die gar<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span> zu weit hergeholt sind, die gar -zu sehr erzwungen werden, und bey denen man gar zu viel nachdencken -muß, ehe man sie einsehen kan. Dieser Fehler hat mannigfaltige -Ursachen. Wenn ein schertzhafter Kopf seine Schertze nicht nach der -Gelegenheit einrichtet; wenn in den Umständen gar keiner, oder doch -ein sehr unmercklicher, Grund zum Schertze vorhanden ist; wenn die -Gedancken bey dem Schertze, aus welchen die übrigen leicht fliessen, -verschwiegen werden, und diejenigen vorgetragen werden, aus welchen -sehr schwer das übrige erkannt werden kan; wenn die Vergleichungsstücke -sehr klein und unmercklich sind u. s. w. so wird er ausser dem -Gesichtskreyse der allermehresten Zuhörer angetroffen werden. Ein -glücklicher Schertz muß ungezwungen seyn, leicht eingesehen werden -können, und das schertzhafte dergestalt entdecken, daß man dem Zuhörer, -als der sich gerne belustigen will, nicht die Mühe macht, den Kopf zu -sehr zu zerbrechen. Es sind manche Köpfe, die mitten in Gesellschaften -doch allein sind. Sie haben ihre eigenen Reihen der Vorstellungen, -und wenn ihnen alsdenn was schertzhaftes einfält, so tragen sie es -ohne Bedencken vor, und wundern sich, wenn andere nicht mitlachen. Sie -solten erst die Gütigkeit haben, und ihre vorhergehenden Vorstellungen -vortragen, oder die Gefälligkeit gegen die Gesellschaft be<span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span>weisen, und -mit Leib und Seel unter ihr gegenwärtig seyn.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_73">§. 73.</h2> - -</div> - -<p>Die Wahrheit eines Schertzes ist eine so nothwendige Eigenschaft -desselben, daß man sagen kan, ein falscher Schertz sey gar kein -Schertz. Ein Schertz, der in einem gantz unrichtigen und falschen -Gedancken besteht, kan zwar so lange einen Schein und Glantz haben, -so lange wir in Irrthum stecken. Allein sein Feuer gleicht dem Feuer -eines Irlichts. So lange man dasselbe von ferne sieht, hält man es -für ein Feuer dem Scheine nach, betrachtet man es aber in der Nähe, -so werden wir den Betrug gewahr. Man kan also sagen, daß ein Schertz, -der in einem falschen Gedancken besteht, kein dauerhaftes Feuer habe. -Sein Feuer verschwindet, so bald wir unsern Irthum gewahr werden. -Ein falscher Gedancke ist ja eigentlich kein Gedancke, er ist ein -Blendwerck, ein Hirngespinst, das man nicht zu genau und zu nahe -betrachten muß, wenn man es lange besitzen will. Könnte also wol ein -Schertz in der That ein Schertz, oder wol gar ein feuriger Schertz -seyn, der in einem falschen Gedancken besteht? Nichts weniger als -das, er ist ein Scheinschertz, der keinen Grund keine Dauer bey der -Probe behalten kan. Ich sage also, daß ein feuriger Schertz in einem -wahren und richtigen Gedancken bestehen müsse. Da nun der Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span>dancke, -der den Schertz unmittelbar und zunächst ausmacht, die Vorstellung -der Uebereinstimmung verschiedener Dinge ist, so wird zur Wahrheit -des Schertzes nicht nur erfodert, daß die Dinge, die wir uns als -verschieden vorstellen, in der That diese Verschiedenheit haben, -sondern, daß sie auch in den Stücken mit einander übereinkommen, nach -welchen wir sie vergleichen. Ein Schertz muß also im Grunde frostig -seyn, wenn er uns Dinge als verschieden vorstelt, in so ferne sie -entweder gar nicht, oder doch nicht so wie wir sie uns vorstellen -verschieden sind; und wenn er uns Dinge als übereinstimmig vorstelt, -in so ferne sie entweder gar nicht, oder doch nicht so wie wir sie uns -vorstellen, übereinkommen. Kurtz, ein feuriger Schertz muß uns solche -Uebereinstimmungen und Verschiedenheiten vorstellen, die den Dingen -würcklich zukommen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_74">§. 74.</h2> - -</div> - -<p>Meine Meinung von der Wahrheit der Schertze, die ich in dem -vorhergehenden Absatze vorgetragen, widerspricht den Kunstrichtern -nicht, welche den Unwahrheiten in den Schertzen einen Platz verstatten. -<b>Cicero</b> gehört dahin, welcher <b>im andern Buch vom Redner</b> -sagt: <span class="antiqua">Perspicitis hoc genus quam sit facetum, quam elegans, quam -oratorium, siue habeas vere quod narrare possis, quod tamen est -mendaciunculis asper<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span>gendum, siue fingas.</span> Diese Kunstrichter -betrachten den Schertz auf eine gantz andere Art. Wenn man von -Schertzen redet, so versteht man entweder die Dinge die man vergleicht, -worüber man schertzet, und von denen man den Schertz entlehnt; oder -man versteht den Gedancken selbst in welchen das schertzhafte besteht, -die Vergleichung verschiedener Dinge. In der letzten Absicht muß, -meines Erachtens, kein unrichtiger Gedancke, und wenn er auch ein -<span class="antiqua">mendaciunculum</span> wäre, in dem Schertze vorkommen. In der ersten -Absicht muß man anders urtheilen. Da können also die Dinge womit man -schertzet, auch wahr seyn, oder sie sind falsch und erdichtet. Wenn -diese Dinge auch wahr sind, so ist der Schertz durch und durch wahr, -und enthält nicht den geringsten unrichtigen Gedancken, und diese -Wahrheit nennet man die unbedingte Wahrheit eines Schertzes.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_75">§. 75.</h2> - -</div> - -<p>Die bedingte Wahrheit eines Schertzes besteht darin, wenn die Dinge, -womit man schertzet, falsch, erdichtet und unrichtig sind, wenn aber -dem ohnerachtet der Schertz die <a href="#Par_73">§. 73.</a> erfoderte Wahrheit hat. Der -schertzende und seine Zuhörer, können entweder durch einen Irrthum -diese Dinge auch für wahr halten, oder sie könnens wissen, daß sie -falsch sind, und diese Dinge erdichten. Zu jenen gehören die Schertze -welche die Heyden von<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span> ihren Gottheiten und andern Fabeln entlehnt -haben. Dahin man den berühmten Spaß mit der <b>Diana</b> rechnen -kan, den man bey den alten antrift. In der Nacht, da der Tempel der -<b>Diane</b> zu <b>Ephesus</b> verbrante, wurde <b>Alexander der -grosse</b> gebohren. Man fragte warum <b>Diane</b> ihren Tempel -nicht gerettet, und man bekam zur Antwort, weil sie nicht zu Hause -gewesen, sondern der <b>Olympias</b> bey der Geburt beystehen müssen. -Diese Schertze die eine bedingte Wahrheit haben, kan man durchaus -nicht verwerffen, man müste denn allen Fabeln und Erdichtungen alle -Schönheiten absprechen. Nein, wenn ein solcher Schertz nur die <a href="#Par_73">§. 73.</a> -angeführte Wahrheit hat, so kan er überaus feurig seyn. Nur müssen -dabey die Regeln einer guten Fabel und Erdichtung beobachtet werden. -Ein Schertz, der eine bedingte Wahrheit hat, muß den Regeln völlig -gemäß seyn, die man in der Dichtkunst von der Wahrscheinlichkeit der -Fabeln gibt. Ich habe demnach nicht nöthig Regeln davon zu geben. Man -beobachte nur die Vorschrift des <b>Horatz</b>:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Ficta voluptatis causa sint proxima veris.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_76">§. 76.</h2> - -</div> - -<p>Meinem Urtheil nach, gebe ich doch einem Schertze der unbedingt wahr -ist, den Vorzug vor denjenigen, die nur unter ge<span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span>wissen Bedingungen -wahr sind. Ich habe darzu verschiedene Ursachen. Eine jede Unwahrheit -ist doch ein unvollkommener Gedancke als eine Wahrheit. Ein Schertz -mag so feurig seyn wie er will, wenn er nur unter Bedingungen wahr -ist, so hat er keine wahren und richtigen Gründe, worauf er beruht. -Ueberdem so scheint mir der Witz nicht so starck zu seyn, der sich -den Stoff zu spassen erdichtet. Er kan nach seinem Gefallen dichten, -weglassen, und hinzuthun was ihm gefält, folglich ist es kein Wunder, -daß ihm sein Schertz gelingen muß. Es scheint überdies, als wenn ein -solcher spaßhafter Kopf seinen Schertz vorher ausdenckt, und alsdenn -erst die Materialien dazu erfindet. Er scheint einem Menschen ähnlich -zu seyn, der seinen Vortrag erst ausarbeitet, und hernach den Text -dazu aussucht. Gantz anders verhält sichs im entgegen gesetzten Falle. -Unser Witz ist alsdenn schlechterdings an die Sachen gebunden, er muß -in der Geschwindigkeit sich so zu biegen wissen, daß er auf die Dinge -paßt, denn es wird nichts seinem Willkühr überlassen. Ich gebe gerne -zu, daß ein Schertz der eine bedingte Wahrheit hat, bisweilen unendlich -feuriger seyn kan, als ein anderer, sonderlich wenn der schertzende -die Dinge nicht selbst erdichtet, sondern schon längst bekannte Fabeln -braucht. In diesem letzten Falle, gibt er einem schlechterdings -richtigen<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span> Schertze sehr wenig nach. Ich sage nur, wenn zwey Schertze -sonst vollkommen gleich sind, und der eine ist unbedingt wahr, der -andere aber nur unter gewissen Bedingungen, so ist der erste feuriger -als der andere. Ein Witz, der in dem Reiche der Wahrheiten keinen -Stoff zum Schertze finden kan, scheint mir nicht durchdringend und -scharfsichtig genug zu seyn, als zu einem recht feurigen Witze nöthig -ist.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_77">§. 77.</h2> - -</div> - -<p>Das Leben der Erkenntniß besteht in dem Vergnügen oder Verdrusse, so -damit verbunden ist. Soll also ein Schertz lebendig genug seyn, so muß -er entweder Vergnügen, oder Verdruß bey den Zuhörern erwecken. Das -letzte wolte ich eben nicht sagen. Ich will balde erweisen, daß das -Lachen über einen feurigen Schertz aus Vergnügen entstehen müsse. Ich -gebe zu, daß die Personen über die man schertzt verdrieslich werden -können, wenn sie lächerlich gemacht werden. Es kan auch seyn, daß durch -unsern Schertz, mittelbar ein Verdruß verursacht wird, wenn wir zu dem -Ende etwas durch unsern Schertz lächerlich gemacht haben, damit es -unsere Zuhörer verabscheuen sollen. Dem sey wie ihm wolle, so nehme -ich an, daß das Lachen, welches wir zunächst durch unsern Schertz -hervorzubringen suchen, mit Vergnügen verbunden seyn müsse.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span></p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Non satis est pulcra esse poemata: dulcia sunto</div> - <div class="verse">Et quocunque volent, animum auditoris agunto.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Ich sage eben das von einem feurigen Schertze. Erweckt er in unsern -Zuhörern Vergnügen und Lust, so hören sie uns gerne zu, wir machen -sie uns geneigt, und sie sind uns Danck schuldig, daß wir ihnen so -was vergnügtes vorgesagt haben. Je mehr Vergnügen ein Schertz also -verursacht, je mehr angenehme Gemüthsbewegungen dadurch erregt werden, -desto feuriger ist er.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_78">§. 78.</h2> - -</div> - -<p>Das Vergnügen entsteht aus der anschauenden Erkenntniß einer -Vollkommenheit. Das Vergnügen, so durch einen Schertz verursacht wird, -entsteht demnach entweder aus dem Gefühl seiner formellen Schönheit, -oder seiner Materiellen. Von dem ersten rede ich jetzo, und das -scheint eine natürliche Frucht und Würckung eines feurigen Schertzes -zu seyn. Wenn ein Schertz einen hohen Grad der Schönheit besitzt, -wenn wir denselben dergestalt vortragen, daß der Zuhörer die gantze -Schönheit des Schertzes begreift und fühlt, so muß er ihm gefallen -und ein Vergnügen in ihm verursachen. Ein Schertz der kein Vergnügen -verursacht, muß entweder nicht feurig genug seyn, oder von<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span> dem -Zuhörer, aus seiner eigenen Schuld, nicht begriffen werden, oder der -Zuhörer muß ein Klotz seyn. In dem ersten Falle ist die Mattigkeit des -Schertzes eine Häßlichkeit desselben, und es ist daraus klar, daß ich -mit Grunde fodere, daß ein feuriger Schertz nicht nur lebendig seyn, -sondern auch keinen Verdruß zunächst verursachen müsse. Zu gleicher -Zeit erhellet, daß ich nicht nöthig habe, besondere Regeln von dem -Leben eines Schertzes zu geben, weil ein Schertz der sehr feurig ist -und den Regeln, die ich bisher ausgeführt habe, gemäß ist, nothwendig -reizend seyn muß. Ein Schertz der von einem lebhaften feurigen und -muntern Kopfe, mit kaltem Blute kan angehöret werden, oder wol gar mit -Widerwillen, muß sehr frostig seyn, wenn anders keine andere Ursach zum -Verdrusse kan angegeben werden.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft3">male si - - loqueris</div> - <div class="verse">Aut dormitabo, aut ridebo.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_79">§. 79.</h2> - -</div> - -<p>Ich habe zur achten Vollkommenheit eines feurigen Schertzes, die -Geschicklichkeit desselben, ein Lachen zu verursachen, angenommen. -<a href="#Par_25">§. 25.</a> Ich habe schon einmal erinnert, daß meine Meinung nicht darin -besteht, als wenn ein Spaß würcklich müsse mit einem lachen begleitet -werden, noch viel weniger werde ich die Grösse des Lachens bey einem -Zuhö<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span>rer, zum Merckmal der Grösse und Stärcke eines feurigen Schertzes, -annehmen. Es kan jemand eine so ernsthafte Gemüthsfassung besitzen, -daß er entweder gar nicht, oder doch sehr selten lacht; dieser wird -auch über den feurigsten Schertz nicht lachen, ob er gleich noch so -sehr dazu gereitzt wird. Mancher kan einen sehr heftigen Trieb zum -lachen fühlen, und doch aus überwiegenden Gründen sich zwingen nicht zu -lachen. Jener lacht über Kleinigkeiten, über ein Nichts, daß ihm der -Othem vergeht, dieser lächelt nur bey den allerlächerlichsten Dingen. -Ich sehe mich also genöthiget, die Schönheit eines Schertzes, die aus -dem Verhältniß desselben zum lachen entspringt, nur darin zu setzen, -daß er etwas belachenswürdiges enthalte, und dergestalt eingerichtet -sey, daß ein Mensch der gerne und leicht, doch nicht ohne Grund, lacht, -durch denselben zu einen starcken lachen sehr starck bewegt werde.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_80">§. 80.</h2> - -</div> - -<p>Man kan aus und mit Verdruß lachen, man kan aber auch aus Vergnügen -lachen, und das Lachen kan unser Gemüth dergestalt aufheitern, daß -dadurch alle bange Ernsthaftigkeit aus der Seele vertrieben wird. -Man kan sagen, daß ein solches Lachen den Winden ähnlich sey, die -die Wolcken zertheilen, vertreiben, und den Himmel aufheitern. Ein -solches lachen ist eine so starcke Bewegung<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span> des Gemüths, die fähig -ist, der Seele eine Munterkeit und aufgeräumtes Wesen zu geben, so -der Betrübniß entgegengesetzt ist. Man wird mir ohne Schwierigkeit -einräumen, daß die letzte Art des lachens diejenige sey, die durch -einen Schertz muß gesucht werden. Der Schertz muß das Gemüth auf eine -angenehme Art erschüttern, und die verwirrte Bewegung verursachen, die -wir das Lachen nennen. Wenn man jemand zu einem verdrieslichen Lachen -zwingt, so werden wir wenig Danck verdienen. Er wird sich wider uns -rüsten, und alle seine Kräfte samlen uns zu widerstehen. Er wird unserm -Schertze den Eingang verwehren, und wir werden ihm mit unsern Schertzen -zur Last werden. Ueberdem müste es ein elender Spaß seyn, der wenig -Schönheit haben würde, wenn er dem Zuhörer nicht zugleich vergnügen -könnte. Es scheint überdies das Vergnügen eine nothwendige Verbindung -mit dem Schertze zu haben, weil wir alsdenn am wenigsten zu schertzen -im Stande sind, wenn wir nicht aufgeräumt, sondern mißvergnügt sind. -Noch einmal, ein feuriger Schertz muß geschickt seyn, ein lachen zu -verursachen, das von einem starcken sinlichen Vergnügen begleitet wird. -Ich erinnere nur noch das einzige, daß ich nicht behaupte, als wenn ein -Lachen möglich wäre mit welchem gar kein Vergnügen verbunden ist, ich -behaupte nur, daß manch<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span>mal mit dem Lachen ein Verdruß verbunden seyn -kan, der grösser und stärcker ist, als das Vergnügen so zugleich dabey -angetroffen wird.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_81">§. 81.</h2> - -</div> - -<p>Man kan sagen, daß es eine schwere Untersuchung sey, den Ursprung -des Lachens, nach allen seinen Stücken, auseinander zu setzen. Das -Lachen ist eine so verworrene und, aus unendlich vielen andern, -zusammengesetzte Veränderung, daß man Ursach zu zweiffeln hat, ob man -dieselbe so deutlich erklären könne, als andere Veränderungen die -bey uns vorgehen. Ich übergehe die Bewegung des Körpers, die mit dem -Lachen verbunden ist. Ich will nur bestimmen, woher die Veränderung -der Seele entsteht, wenn sie über etwas lächerliches lacht, denn das -ist dasjenige lachen, so durch einen Schertz verursacht werden soll. -Lächerlich sind alle Ungereimtheiten die man in Kleinigkeiten bemerckt. -Das Lachen entsteht also aus der Beobachtung einer Ungereimtheit in -Kleinigkeiten. <b>Cicero</b> sagt <b>im andern Buche vom Redner</b>: -<span class="antiqua">Locus autem & regio quasi ridiculi turpitudine & deformitate quadam -continetur, haec enim ridentur vel sola, vel maxime, quae notant -& designant turpitudinem aliquam non turpiter</span>. Es wird leicht -zu erweisen seyn, daß eine jede Häßlichkeit etwas ungereimtes oder -wieder<span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">[S. 108]</a></span>sprechendes enthalte, indem die Natur alsdenn von den Regeln der -Vollkommenheit abweicht, worin ihre Maximen bestehen, wenn sie etwas -häßliches in ihren Wercken hervorbringt. <b>Cicero</b> bemerckt an -eben dem Orte, daß man weder über eine gar zu grosse Häßlichkeit noch -Schandthat lache. Die erste bewegt zum Mitleiden, die andere zum Zorn -und Abscheu. Folglich würde ein solches Lachen mit einem überwiegenden -Verdrusse verbunden seyn. Man thue hinzu, daß man, wenn man grosse -Dinge lächerlich macht, sein leichtsinniges Gemüth verräth, eine -Beschaffenheit die abermals einem guten Geschmacke Verdruß erwecken -muß. Ich habe demnach mit Grunde annehmen können, daß, wenn man -andre mit Vergnügen zu lachen machen will, man in Kleinigkeiten eine -Ungereimtheit oder Widerspruch entdecken müsse.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_82">§. 82.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ein Schertz also kräftig zum Lachen reizen soll, so muß er einmal, -von Kleinigkeiten handeln, es mögen nun sittliche Dinge seyn oder bloß -natürliche. Man nennt sie Kleinigkeiten aus verschiedenen Gründen, die -ich nicht nöthig habe anzuführen. Ich bemercke nur daß es Dinge seyn -müssen, die weder an sich betrachtet, noch in Absicht auf ihre Folgen, -von grosser Wichtigkeit sind. Die Ungereimtheit die man entdeckt, kan -überhaupt die Abweichung einer Sache von ihren<span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span> Regeln seyn. Diese -Regeln mögen nun moralisch oder nicht moralisch seyn, genug, wenn die -Sache nur als regelloß, widersinnisch und häßlich vorgestelt wird. Je -mehr solcher Unrichtigkeiten entdeckt werden, desto lächerlicher wird -die Sache. Ich thue nicht ein Wort mehr hinzu, weil ich schon mehr als -einmal erinnert habe, daß ich keine Wissenschaft der Schertze schreibe. -Genug, daß ich nunmehr die Gründe habe, woraus ich verschiedene -Unvollkommenheiten bey den Schertzen entdecken kan.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_83">§. 83.</h2> - -</div> - -<p>Ein jeder feuriger Schertz ist werth, daß er mit lachen angehört wird. -Man hüte sich aber daß man nicht alles, was lächerlich und belachens -werth ist, für einen Schertz halte. Noch viel weniger kan alles -das was ein lachen verursacht ein Schertz seyn. <span class="antiqua">Non sunt omnia -ridicula faceta. <i>Cic. de Orat. L. II.</i></span> In einem Schertze, wenn -er feurig seyn soll, muß das formelle, die Vergleichung verschiedener -Dinge, der sinreiche und scharfsinnige Gedancke, den Grund zum lachen -enthalten. Liegt dieser Grund in etwas anders, so kan es entweder gar -kein Schertz genennt werden, oder er muß überaus frostig seyn. Alle -diejenigen lustigen Herrn, die einen armseeligen Witz besitzen, mögen -sich also ja in acht nehmen, sich einzubilden, daß sie spaßhafte Köpfe -sind, wenn sie keinen andern<span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span> Grund dazu anzugeben wissen, als weil -sie geschickt sind andere zum lachen zu bestimmen. Es gehört mehr zu -einem schertzhaften Kopfe, als die Geschicklichkeit ein lachen zu -verursachen, ob ich gleich derselben ihren völligen Werth lasse, der -ihr in anderer Absicht zukommen kan.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_84">§. 84.</h2> - -</div> - -<p>Wenn eine Person, Sache, Begebenheit, Handlung, oder wie es Namen -haben mag, an sich schon lächerlich ist, ohne daß wir nöthig haben -einen sinreichen Einfall hinzuzuthun, so wird die blosse Erzählung und -Vorstellung dieser Stücke schon ein Lachen verursachen. Man würde sich -aber gewaltig irren, wenn man dergleichen Erzählungen für Schertze -halten wolte, und die Person die sie vorträgt für einen schertzhaften -Kopf. Es ist wahr, wenn die Materialien unseres Schertzes schon an sich -lächerlich sind, so wird es uns leichter werden, damit zu schertzen, -und unser Schertz kan dadurch feuriger werden. Allein wenn über weiter -nichts, als über die Sachen gelacht wird, so ist ein lustigmacher zu -eilfertig, sich deswegen für einen Meister in Schertzen zu halten. Das -haben sich alle Liebhaber poßierlicher Historien zu mercken. Sie können -sich in anderer Absicht die Gesellschaft verbindlich machen, wenn ihre -Histörchen alle diejenige Artigkeit haben, die einen vernünftigen -Menschen nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span> verunzieren, wenn er sie erzählt oder belacht. Aber, -daß sie deswegen für witzige und feurige Köpfe wollen gehalten seyn, -ist eine Hofnung, die sie sich so lange müssen vergehen lassen, bis sie -wichtigere Gründe dazu anzugeben wissen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_85">§. 85.</h2> - -</div> - -<p>Ich weiß selbst nicht woher es kommt, daß manche Dinge, bey den meisten -Leuten, ein ungemeines lachen verursachen, und wenn sie auch ohne allen -Witz und Scharfsinnigkeit vorgetragen werden, die doch nicht lächerlich -sind. Man nenne nur gewisse Dinge, bey denen schamhafte Gemüther roth -werden, oder man nenne auch Dinge die zur Religion gehören, ich bin -gut dafür, daß es unzählige Leute gibt die hertzlich darüber lachen -werden, obgleich nicht das geringste spaßhafte dabey angetroffen wird. -Der Grund dieses lachens liegt in der schmutzigen und leichtsinnigen -Beschaffenheit des Zuhörers, und ich bin zufrieden angemerckt zu -haben, daß dergleichen Zoten und Mißbrauch der Dinge, die mit der -Religion eine Verwandschaft haben, wenn sie mit keinem sinreichen -Einfalle begleitet werden, keine Schertze können genannt werden, und -ob sie noch so hertzlich belacht würden. Oben habe ich gezeigt, daß -man schandbare Zoten, und ob sie gleich mit Witz und Scharfsinnigkeit -vorgetragen würden, demohnerachtet für frostige Spasse halten<span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span> müsse. -Und ich werde mich also nicht betrügen, wenn ich überhaupt sage, daß -alle Unflätereyen, sie mögen Namen haben wie sie wollen, entweder gar -keine Schertze, oder doch ein viel zu elender Stoff sind, als daß ein -reinliches Gemüth sich die Mühe nehmen solte, sie zu durchwürcken, und -einen Schertz daraus zu machen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_86">§. 86.</h2> - -</div> - -<p>Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt seyn, der auf keine andere Art -zum lachen reitzen kan, als wenn man den schertzenden ansieht, und auf -seine Geberden dabey achtung gibt. Ein feuriger Schertz muß auch ein -Schertz bleiben, wenn man den Urheber desselben auch nicht sehen solte, -ob ich gleich nicht in Abrede seyn will, daß die Art des Vortrages -ein vieles, zur Vermehrung der Schönheit eines Schertzes, beytragen -könne. Dem sey wie ihm wolle. Ein Schertz der sonst gar kein Feuer hat, -als wenn man das Bezeugen des schertzenden beym Vortrage desselben -mit zu Hülfe nimt, ist ein sehr frostiger Schertz. Der schertzende -macht sich alsdenn zu einen Narren und Harlekin. Man lacht nicht über -seinen sinreichen Einfall, sondern über sein ungereimtes Betragen. -Kurtz, Reden die nicht eher zum lachen bewegen, bis sie mit tausend -närrischen Verzuckungen der Glieder des Körpers begleitet werden, -sind Narrenspossen. Und man kan sagen, daß<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span> ihr Feuer nicht geistig, -sondern bloß körperlich sey, weil sie alle ihre Lebhaftigkeit durch die -Mißhandlungen des Körpers bekommen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_87">§. 87.</h2> - -</div> - -<p>Man solte fast auf die Gedancken gerathen, daß die Natur bey der -Bildung gewisser Menschen gespaßt habe. Man sagt von diesen Leuten, -daß sie zu Narren geboren sind. Wenigstens scheints, daß die Natur bey -ihnen nicht so regelmäßig verfahren sey, als sie ordentlicher Weise zu -thun gewohnt ist. Tausend Kleinigkeiten befinden sich in der Gestalt, -und gantzen Bildung solcher Leute, welche regelloß sind, und diese -Leute so unglückseelig machen, daß man sie ohne lachen nicht ansehen -kan. Diese verunglückten Wercke der Natur, dürfen nur den frostigsten -Einfall vorbringen, so wird überlaut gelacht; und Leute von weniger -Beurtheilungskraft glauben, daß denselben das schertzen überaus wohl -anstehe. Ich darf diesen lächerlichen Irthum nicht wiederlegen. Es -ist von selbst klar, daß man nicht über den Einfall, sondern über die -Person lache. Und, meiner Einsicht nach, schicken sich solche Leute am -allerwenigsten, schön und feurig zu schertzen. Ihre Einfälle können -Schertze für die Augen, und nicht für die Ohren genennt werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_88">§. 88.</h2> - -</div> - -<p>Wenn die lächerliche Gestalt eines Menschen ein blosser Naturfehler -ist, so verdient er<span class="pagenum"><a name="Seite_114" id="Seite_114">[S. 114]</a></span> Mitleiden und Vergebung. Wer aber seinen Körper -durch Fleiß und Uebung zu einen poßirlichen Werckzeuge, andere Leute -zu belustigen, macht, verdient ohnfehlbar die Verachtung vernünftiger -Leute. Schertze, die mit ungereimten und ausserordentlichen -Verzuckungen der Gesichtszüge, und unmenschlichen Verdrehungen der -Theile desselben, vorgetragen werden, gehören auf die Schaubühne, und -auch da hat man sie schon weg gepeitscht. Eine Rede, die mit einem -Fratzen-Gesichte vorgetragen wird, ist ein Schertz der für einen groben -und pöbelhaften Geschmack gehört. Es ist zu bedauren, daß manche -witzige Köpfe auf diese Ausschweiffung gerathen. Sie würden sonst -nicht gantz unglücklich im Schertzen seyn. Weil sie aber die Narrheit -begehen, und sich befleißigen, ihre Gesichter dergestalt zu verzucken,</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Possent vt iuuenes visere fervidi</div> - <div class="verse">Multo non sine risu</div> - <div class="verse">Dilapsam in cineres faciem</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Carm. L. IV. od. XV.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">so sind sie nicht werth, daß man sie schertzhafte Leute nennt. Wer sich -so weit erniedrigen kan, sich selbst mit Fleiß lächerlich zu machen, -verdient nicht, ein vernünftiges Wesen zu heissen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_89">§. 89.</h2> - -</div> - -<p>Es ist unmöglich und unnöthig alle die Thorheiten beym schertzen zu -züchtigen, die mit der vorhergehenden eine Verwandschaft<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span> haben. Viele -lassen es nicht bey den Verdrehungen ihres Gesichts bewenden, sie -brauchen ihren ganzen Körper zu einem Gauckelwerck, und befleißigen -sich, wider die ordentlichen mechanischen Regeln, ihre Gliedmassen zu -bewegen. Viele geben, durch ihre poßirliche Kleidung, ihren Worten den -Schein eines Schertzes.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse"> -   tunicis   -   -   est qui</div> - <div class="verse">Inguen ad obscoenum subductis vsque facetus.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Andere befleißigen sich, durch kindische Nachäffungen anderer Leute in -Worten und Geberden, ein Lachen zu verursachen. Noch andere beweisen -ihre Kunst in dummen, unförmlichen, unverständlichen Worten und Tönen. -Kurtz, ich rechne alle diejenigen dahin, die sich selbst bey einem -Schertze lächerlich machen, es sey nun auf die eine, oder die andere -Weise. Derjenige der einen feurigen Schertz machen will, muß auf alle -mögliche Art bemüht seyn, sich selbst nicht zum Narren zu machen. Er -muß sein Ansehen und Hochachtung bey seinen Zuhörern erhalten, und -jederzeit der Regel des <b>Cicero</b> folgen: <span class="antiqua">ne aut scurrilis iocus -sit aut mimicus</span>.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_90">§. 90.</h2> - -</div> - -<p>Wenn ein schertzhafter Kopf in den Gedancken steht, daß es sehr leicht -sey, ein anständiges lachen zu verursachen; und daß man bey einem -Spasse entweder allein, oder zuerst<span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span> darauf zu sehen habe, wie man -seine Zuhörer zu lachen machen wolle, so hegt er zwey sehr schädliche -Vorurtheile.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">-   Non satis est risu diducere rictum</div> - <div class="verse">Auditoris, & est quaedam tamen hic quoque virtus.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. Sat. L. I. Sat. X.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Aus dem vorhergehenden erhellet eines theils, daß derjenige viele -Scharfsinnigkeit und Witz besitzen müsse, der, ohne sich selbst -lächerlich zu machen, andere Leute von feinem Geschmacke zum lachen -bestimmen will. Andern theils ist ausgemacht, daß man hauptsächlich -davor sorgen müsse, dem Schertze das gehörige Feuer zu verschaffen, -so wird derselbe ohne dem werth seyn, mit lachen von andern angehört -zu werden. Wer aber demohnerachtet die angeführten unrichtigen Sätze -zu Maximen beym Spassen annimmt, der wird wo nicht beständig, doch -mehrentheils, ein Harlekin seyn. Er wird alles zusammen samlen, was -lächerlich ist, und er wird sich kein Bedencken machen, auch seine -eigene Person als ein Mittel zu diesem seinen Zwecke zu brauchen. Das -Lachen muß bey einem jeden Spasse zum Zwecke angenommen werden, und -folglich in der Ausübung das letzte seyn, die übrigen Schönheiten -müssen zuerst in dem Schertze hervorgebracht werden, hernach ist es -erst Zeit auf die Hervorbringung des Lachens zu dencken.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_91">§. 91.</h2> - -</div> - -<p>Die letzte Schönheit eines glücklichen Schertzes besteht in einem -geschickten Vortrage desselben. Man mag nun den Vortrag zu den -wesentlichen Stücken eines Spasses rechnen, oder ihn nur als die -Einkleidung desselben ansehen, so wird doch jederzeit auf den Vortrag -des Schertzes viel ankommen, wenn er glücklich gerathen soll. Der -Vortrag verhält sich wie die Einfassung eines Diamants, wodurch der -Glantz desselben innerlich zwar weder vermehrt noch vermindert werden -kan, wohl aber äusserlich; sie befördert und erhöhet den Glantz, oder -erstickt ihn. Ein Schertz kan im höchsten Grade feurig seyn, wenn -man ihn als einen Gedancken betrachtet, durch einen ungeschickten -Vortrag aber dergestalt verunstaltet werden, daß sein Feuer umhült und -unsichtbar wird. Im Gegentheil kan das Feuer eines sehr mittelmässigen -Schertzes, vielmehr gläntzen, wenn es durch einen gehörigen Vortrag -unterstützt wird.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_92">§. 92.</h2> - -</div> - -<p>Bey dem Vortrage unserer Gedancken muß man auf zwey Stücke sehen. Auf -die Worte, und auf das Betragen des gantzen Körpers, nebst andern -Veränderungen, die mit dem Vortrage eine nothwendige Verbindung haben. -Ich bin nicht willens alle die Regeln auszuführen, die zu einem -geschickten<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118">[S. 118]</a></span> Vortrage eines Schertzes erfodert werden. Sie sind mit -den Regeln der Redekunst den wesentlichen Stücken nach einerley. Ich -werde mich begnügen, einige Fehler im Vortrage der Spasse zu bemercken -wodurch das Feuer derselben verdunckelt wird. Die Worte wodurch der -Schertz vorgetragen wird sollen die Zeichen desselben seyn. Wenn sie -demnach dergestalt beschaffen sind, daß der Zuhörer aus denselben den -gantzen Schertz, nebst allen Schönheiten desselben, erkennen kan, so -sind sie ohne Tadel. Der Schertzende muß seinen Vortrag dergestalt -einrichten, daß keine Schönheit verborgen bleibt oder verdunckelt wird. -Hat er einen feurigen Spaß erdacht, kan er reden, ist er der Sprache -mächtig, und weiß er was vor Töne, Erhöhungen und Erniedrigungen der -Stimme, zu einem jedem Gedancken sich schicken, so kan es ihm an einem -geschickten Vortrage nicht fehlen.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Verbaque provisam rem non invita sequentur.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Der Vortrag eines Schertzes ist ohne Tadel, in welchen sich der -Schertz in seiner ganzen Pracht und vollem Lichte zeigt. Ich thue -noch das einige hinzu, daß der Vortrag des Schertzes geschwind seyn -müsse. Ist man gar zu langsam, zählt man gleichsam die Worte, so kan -man den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, und es wird der<span class="pagenum"><a name="Seite_119" id="Seite_119">[S. 119]</a></span> -Schertz nicht lebhaft genug werden. Dem Zuhörer wird die Zeit lang, -und man läßt ihm gar zu viel Raum zur Ueberlegung und zum Nachdencken. -Ueberdies würde ein gar zu langsamer Vortrag, ein untrügliches Zeichen -der Langsamkeit unseres Witzes seyn. Nein, die bedachtsame Munterkeit -und Hitze des Geistes, belebt auch den Körper, und zwingt ihn, in allen -seinen Handlungen und Worten, eine Hurtigkeit zu beobachten, die nicht -übereilt und schläfrig ist.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_93">§. 93.</h2> - -</div> - -<p>So gewiß es ist, daß zu einem geschickten Vortrage, auch die -Uebereinstimmung aller Minen und Züge des Gesichts mit dem Vortrage, -erfodert werde, so schwer ists, die Regeln zu entdecken, durch welche -diese Einrichtung des Gesichts bestimmt wird. Zum guten Glück, pflegt -die Natur in solchen Kleinigkeiten den Mangel unseres Fleisses zu -ersetzen. <span class="antiqua">Itaque imbuendus est is, qui iocose volet dicere, quasi -natura quadam apta ad haec genera, & moribus, vt ad cuiusque modi genus -ridiculi vultus etiam accommodetur. <i>Cic. de Orat. L. II.</i></span> Wer in -seinem Vortrage ungezwungen ist, und nicht gar zu sehr künstelt, wer -selbst einen lebhaften Eindruck von den Sachen hat, die er vorträgt, -dessen Gesichtszüge werden um der<span class="pagenum"><a name="Seite_120" id="Seite_120">[S. 120]</a></span> natürlichen Uebereinstimmung des -Körpers mit der Seele willen, seinem Vortrage am gemässesten seyn, -wenn er am wenigsten drauf denckt. Man kan eben dieses von einem -schertzenden sagen. Kan man ihm gleich nicht ausführlich vorschreiben, -wie ers machen soll, daß er seinem Gesichte die gehörige Einrichtung -beym spassen gebe, so kan man doch gar zu leicht die Regellosigkeit in -diesem Stücke gewahr werden. Ich werde nur ein paar Fehler dieser Art -berühren, weil sie der Schönheit eines Schertzes gar zu nachtheilig zu -seyn scheinen. Der erste ist die Finsterniß des Gesichts. Ich habe zwar -erwiesen, daß der schertzende ernsthaft seyn müsse, ein ernsthaftes -Gesicht aber ist nicht saur und finster. Es ist wahr, der Schertz -wird ungemein belacht, der mit einer runzlichten Stirne vorgetragen -wird. Allein ich bin mit dem <b>Cicero</b> eines Sinnes: <span class="antiqua">In moroso -non sal sed natura ridetur</span>. Man schließt aus der Finsterniß des -Gesichts, auf einen murrischen Kopf, und es scheint uns wiedersprechend -und ungereimt zu seyn, daß ein so murrischer und unaufgeräumter -Kopf, so lustige und aufgeräumte Einfälle haben könne. Ueberdies -hat es das Ansehen, als wenn die Natur bey einem solchen Menschen -ihre Maximen vergessen. Sie pflegt gewöhnlicher Weise, die genaueste -Uebereinstimmung zwischen Leib und<span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span> Seele, zu erhalten. Ist es also -nicht wiedersinnisch, daß sie die Seele eines <b>Democritus</b> in -den Körper eines <b>Cato</b> gesteckt hat? der schertzende macht sich -selbst lächerlich, wenn er nicht eine heitere, freudige und muntere -Ernsthaftigkeit annimt, und ich habe oben erwiesen, daß ein Schertz -viel von seinem Feuer verliehre, wenn sich der schertzende selbst -lächerlich macht.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_94">§. 94.</h2> - -</div> - -<p>Der andere Fehler des Gesichts, der dem schertzenden nachtheilig ist, -besteht darin, wenn er eine gar zu grosse Zufriedenheit über seinen -Spaß mercken läßt. Man sieht es manchem spaßhaften Kopfe an den Augen -an, daß er ein inniges Vergnügen über seinen Einfall empfindet, und -seine Artigkeit gar zu lebhaft selbst fühlt. Die Augen funckeln -ihm im Kopfe, und gehen von einem Zuhörer zu den andern fort, sie -scheinen ein Verlangen nach dem Beyfalle der Zuhörer zu entdecken, und -eine Verwunderung und Zorn an den Tag zu legen, im Fall der Beyfall -der Zuhörer nicht so, und in eben der Stärcke, gleich erfolgt, als -der schertzende sich würdig zu seyn glaubt. Ein solches Bezeugen -verursacht eine kleine Rache bey den Zuhörern, die in Absicht auf den -schertzenden grausam ist. Ein vernünftiger Mensch ver<span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span>achtet überhaupt -alle Personen, die mit sich selbst gar zu sehr zufrieden sind. Er -glaubt, daß sein Beyfall unnöthig sey, weil der scherzende, durch seine -Zufriedenheit mit sich selbst, ihm zuvorgekommen. Er schließt nach -einen Vorurtheil, so in den mehresten Fällen eintrift, daß ein Kind, -welches von seinen Eltern affenmäßig geliebt wird, viele Fehler habe. -Er wird aufmercksam gemacht, Fehler zu entdecken, die er sonst nicht -würde sonderlich bemerckt haben; und man pflegt einem Menschen, der mit -sich selbst gar zu sehr zufrieden ist, Fehler anzurechnen, die man bey -andern wo nicht ganz übersehen, doch nicht so sehr ahnden würde. Ein -Mensch der glücklich im Schertzen seyn, und Beyfall erlangen will, muß -gegen seinen eigenen Einfall gleichgültig zu seyn scheinen. Er darf die -Augen eben nicht niederschlagen und auf seinen Schertz fluchen. Allein -er muß sich sehr in acht nehmen, kein gar zu lebhaftes Vergnügen, über -seine eigene Schertze, von sich blicken zu lassen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_95">§. 95.</h2> - -</div> - -<p>Ein Mensch der mitten in seinem Schertze lacht, und denselben mit -lachen vorträgt handelt poßirlich. Er verliehrt die angenehme -Ernsthaftigkeit, die einen Schertz so schön macht. Er wird durch das -lachen gehindert,<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span> seinen Schertz geschwind und hurtig vorzutragen, -und dadurch die Zuhörer unvermuthet zu überfallen. Ehe noch der -Schertz völlig vorgetragen wird, mercken es schon die Zuhörer, daß -ein Schertz vorgetragen werden soll; er kan ihnen also unmöglich -gantz neu seyn, wenn sie ihn hernach in seinem Umfange und völligen -Ausdehnung erkennen. Der Schertz bekommt dadurch alle Häßlichkeiten -eines vorhergesehenen Spasses. Der schertzende kan dadurch gehindert -werden, seinen Schertz ordentlich und verständlich vorzutragen, und -er kan wohl gar in den kindischen Fehler fallen, daß er den Vortrag -unterbrechen muß, und die läppische Entschuldigung hinzu thun, daß er -es vor lachen nicht sagen könne. Ja man kan sagen, daß das lachen in -manchen Gesellschaften eine Sympathetische Kraft habe. Es darf nur -einer lachen, so lacht die gantze Gesellschaft, ohne zu wissen warum. -Es ist also vermuthlich, daß, wenn der schertzende seinen Schertz mit -lachen vorträgt, seine Zuhörer ihm Gesellschaft leisten werden, und -sie haben nicht nöthig über den Schertz selbst hernach zu lachen. Es -kommt einem überhaupt poßirlich vor, wenn man einen Menschen lachen -sieht, und man weiß nicht warum. Der schertzende macht sich also selbst -lächerlich, wenn er mitten im schertzen lacht. Soll der Schertz<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span> nicht -frostig werden so muß der schertzende weder vorher, noch mitten im -Schertze lachen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_96">§. 96.</h2> - -</div> - -<p>Wenn man dem spaßhaften Kopfe ja erlauben will, über seinen Einfall -zu lachen, so muß er es nicht eher thun als nachher, doch hüte er -sich vor einer gar zu grossen Eilfertigkeit. Ist er der erste im -lachen, so kommt mir dieses lachen vor, wie das <span class="antiqua">plaudite</span> bey -einem Lustspiel. Man scheint die Zuhörer zum lachen aufzumuntern, -man scheint zu befürchten, das lachen werde nicht erfolgen. Es ist -überhaupt der nöthigen Ernsthaftigkeit beym schertzen zu wieder, und -man erweckt den Verdacht, daß man selbst gar zu sehr für seinen Einfall -eingenommen sey. Wenn aber der Schertz sehr feurig ist, und alles um -uns herum lacht, so muß ein Mensch sehr viele Herrschaft über sich -selbst besitzen, wenn er sich des lachens enthalten will. Ein lachen -das alsdenn entsteht, kan als eine Schwachheits-Sünde entschuldiget -werden. Ich nenne es eine Schwachheits-Sünde weil ich glaube, daß ein -vollkommener Schertz eine freudige Ernsthaftigkeit vorher und nachher -erfodert. Der schertzende beweißt die Stärcke seines Witzes auf eine -ausnehmende Art, wenn er mitten unter vor<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span>hergehenden, begleitenden und -nachfolgenden ernsthaften Gedancken schertzen kan. Und da wird er gewiß -auch nachher nicht lachen. Der schertzende muß gleichsam im Vorbeygehen -den Schertz anbringen. Er muß den Schein geben, daß es ihm selbst nicht -viel darum zu thun sey, so beweißt er dadurch wie leicht es ihm sey, -auf eine feurige Art zu schertzen. Ich will nicht einmal den Fehler -berühren, wenn ein frostiger Kopf über seine eigene bejammernswürdige -Einfälle lacht. Ich bin zweiffelhaft, ob ein solcher Mensch Mitleiden, -oder Verachtung und Verspottung verdiene. Ein solcher alberner -Possenreißer ist vernünftigen Leuten dergestalt entgegen gesetzt, daß -er auch gantz verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworffen ist,</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Und wenn er <b>selber</b> lacht so möchten andre weinen.</div> - <div class="verse vright mright2"><b>Canitz.</b></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_97">§. 97.</h2> - -</div> - -<p>Ich halte es nicht eben für einen der geringsten Fehler, wenn -der schertzende eine gar zu ängstliche Furchtsamkeit, bey dem -Vortrage des Spasses, von sich blicken läßt. Wenn der Schertz recht -gelingen soll, so muß er mit einer anständigen Dreistigkeit, und -Unerschrockenheit vorgetragen werden. Ich verstehe dadurch kein -freches und unver<span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span>schämtes Wesen, sondern eine kühne Munterkeit, -welche aus dem Uebergewicht des bewustseyns, daß der Schertz werth sey -vorgetragen zu werden, entsteht, und welche das Mittel ist zwischen -einer zaghaften Blödigkeit und einer lermenden Tollkühnheit. Mancher -Kopf hat sehr feurige Einfälle, allein so bald sie ihm auf die Zunge -kommen, überfält ihn eine Bangigkeit, die ihn blaß macht, den Othem -versetzt, und durch eine zitternde und unterbrochene Stimme die -Angst seines Hertzens verräth. Solche Gemüther sind zu zärtlich und -empfindlich, sie sind übertriebene Richter ihrer eigenen Gedancken, und -haben eine zu schlechte Hofnung der guten Aufnahm ihres Schertzes. Sie -verderben dadurch ihre Schertze, die im übrigen glücklich genug sind. -Sie sind nicht im Stande, ihren Schertz munter genug vorzutragen, sie -können den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, sie erwecken -selbst eine Art der Angst in den Gemüthern der Zuhörer, welche -nothwendig mit einiger Unlust den Schertz erwarten müssen, der so viele -Geburtsschmertzen verursacht. Ja sie verrathen eine gewisse Schwäche -ihres Witzes, die den Schertz selber matt machen muß. Ein hitziger Kopf -hat viel zu feurige Einfälle, als daß sie ihm Zeit, zu ängstlichen -Beurtheilungen, lassen solten. Er wird<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span> von seinen eigenen Einfällen -so unvermuthet und plötzlich überfallen, und so nachdrücklich gerührt, -daß er in eine Art der Verwirrung geräth, die ihm natürlicher Weise -eine Kühnheit geben muß. Die Lebhaftigkeit und Stärcke seiner Schertze, -breitet sich bis in seinen Körper aus, und geben ihm alles das Feuer, -das zu einem unerschrockenen und dreisten Vortrage derselben nöthig -ist. Kan man wohl diese Stärcke des Witzes, bey demjenigen annehmen, -der mit Zittern und Zagen, und einer stotternden Stimme spaßt? Wer -sich nicht getrauet, mit einem männlichen und unverzagten Muthe, zu -schertzen, der überhebe sich gar dieser Mühe. Seine Furchtsamkeit kan -ihn überdies manchmal in eine solche Verwirrung setzen, daß er nicht -mehr weiß was er sagt, und er wird sich der Gefahr, ausgelacht zu -werden, aussetzen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_98">§. 98.</h2> - -</div> - -<p>Ich habe bisher die Schönheiten eines Schertzes ausgeführt, welche -meinen Bedüncken nach nöthig sind, wenn er glücklich gerathen soll. -Ich will nicht sagen, daß ich keine einzige übergangen hätte. Ich will -auch nicht zum andern, oder gar zum dritten mal, sagen, daß ich nicht -in den Gedancken stehe, als wenn ein jeder glücklicher Schertz, alle -diese Schönheiten besitzen müsse. Sondern<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span> ich werde meine Erinnerungen -die ich noch zu machen habe, in ein paar allgemeine Anmerckungen -einschrencken. Zuerst gebe ich zu, daß es manche Schertze gibt, bey -welchen unmöglich alle diese Schönheiten zusammen stat finden können. -Es kan geschehen, daß bey gewissen Spassen, nach allen ihren Umständen -betrachtet, einige dieser Schönheiten einander wiedersprechen. Daraus -wird aber meines Erachtens nichts weiter folgen, als daß manche -Schertze unmöglich den grösten Grad der Schönheit erreichen können, -der bey einem Schertze, überhaupt betrachtet, möglich ist. Hernach ist -mit leichter Mühe zu begreiffen, daß eine Schönheit eines Schertzes so -groß, starck und einnehmend seyn könne, daß viele andere Fehler dadurch -bedeckt werden. Was einem Schertze an der einen Schönheit abgeht, kan -durch die andre ersetzt werden. Und es gibt Fehler der Schertze die mit -leichter Mühe können versteckt werden. Ja, man kan sich in Gesellschaft -befinden, da man hundert Fehler in Schertzen begehen kan, die die -Gesellschaft nicht merckt.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Non quiuis videt immodulata poemata iudex.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Hor. art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Es gehört ein wenig Verschlagenheit und List dazu, wenn man in allen -Gesellschaften, die aus keinen grossen Geistern bestehen, im<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span> spassen -glücklich seyn will. Man kundschafte den Geschmack der Gesellschaft -aus, man verstecke die Fehler seiner Schertze, so bin ich gut davor, -daß man für einen schertzhaften Kopf wird gehalten werden. Nur hüte -man sich vor der Eitelkeit, deswegen zu glauben, daß man auch vor dem -Richterstuhle der gesunden Critik, eines guten Ausspruchs, bloß um -dieser Ursach willen, sich zu getrösten habe.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_99">§. 99.</h2> - -</div> - -<p>Die Gründe der Beurtheilung eines Schertzes, die ich bisher ausgeführet -habe, können innere Gründe genennet werden, weil sie in den Schönheiten -bestehen, die einem glücklichen Schertze eigenthümlich zugehören. Es -gibt aber auch äusserliche Gründe, die überhaupt aus dem Urtheile -anderer von unsern Schertzen hergenommen werden, und aus dem Eindrucke -den unser Schertz in den Gemüthern unserer Zuhörer macht. Doch ist -dabey viel Behutsamkeit nöthig. Ich will erst untersuchen, ob man einen -Schertz für feurig zu halten Ursache habe, wenn er von andern gelobt, -belacht, und gebilliget wird. Es würde ein übereiltes Urtheil seyn, -wenn man diese Frage schlechterdings bejahen wolte. Unser Zuhörer, dem -wir den Schertz vortragen, kan aus grosser Höflichkeit und Freundschaft -unsere frostigsten Schertze loben und be<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span>lachen, weil er uns einen -Gefallen dadurch zu erweisen glaubt. Hat man also nicht nöthig der -Warnung des <b>Horatz</b> Gehör zu geben?</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Nunquam te fallant animi sub vulpe latentes.</div> - <div class="verse vright mright1"><i>Art. poet.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Oder er kan uns wohl gar so viel Ehrfurcht und Unterwürfigkeit von -Rechts wegen schuldig seyn, daß es ein unbesonnenes Verbrechen -seyn würde, wenn er sich nicht verstellen wolte. Oder er kan ein -<b>Gnatho</b> seyn, welcher denckt:</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Est genus hominum, qui esse primos se omnium rerum volunt,</div> - <div class="verse">Nec sunt. Hos consector. Hisce ego non paro me vt rideant,</div> - <div class="verse">Sed eis vltro arrideo, & eorum ingenia admiror simul.</div> - <div class="verse">Quicquid dicunt laudo, id rursum si negant, laudo id quoque,</div> - <div class="verse">Negat quis, nego; ait, aio; postremo imperaui egomet mihi</div> - <div class="verse">Omnia assentari.</div> - <div class="verse vright mright2"><i>Terent. in Eunuch.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Oder, welches vor allen Dingen anzumercken, unser Zuhörer kan ein -einfältiger, stumpfer, frostiger Kopf seyn. Man sage ihm die feurigsten -Schertze, die sind ihm zu hoch, er kan sie nicht begreiffen, er bleibt -ungerührt.<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span> Hört er aber den frostigsten und abgeschmacktesten Spaß, -der wird für seinen groben Geschmack sich schicken. Sein eißkaltes -Gehirne wird den kleinsten Grad des Feuers fühlen, welches in einem -ohnedem feurigen Kopfe unmercklich ist. Man sieht demnach, daß der -Beyfall, der unsern Schertzen gegeben wird, ein sehr zweiffelhaftes -Merckmaal der Schönheit derselben ist. Wollen wir daraus einen -wahrscheinlichen Schluß machen, so müssen wir wissen, daß derjenige, -der unsern Schertz lobt, ein feuriger Kopf von gereinigtem Geschmacke -sey, und daß er weder aus Freundschaft, noch Höflichkeit, noch -Unterwürfigkeit, noch Schmeicheley über unsern Einfall lache.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_100">§. 100.</h2> - -</div> - -<p>Eben so wenig kan man daher, wenn unser Schertz getadelt wird, und -keinen Eindruck bey andern verursacht, auf den Frost desselben -einen unbetrüglichen Schluß machen. Ich habe schon bemerckt, daß -ein frostiger und ungeschliffener Kopf, den schönsten Schertz ohne -Rührung, anhören und ihn tadeln wird. Aus diesem Tadel darf man sich -so wenig machen, daß man ihn vielmehr als ein Zeichen der Schönheit -unsers Schertzes anzusehen hat. Es kan jemand aus Feindschaft, -Verachtung unserer Person, Neid, und Tadelsucht unsere Einfälle -tadeln, und sich<span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span> mit Gewalt zwingen nicht zu lachen, sondern sein -Vergnügen über den Schertz zu verheelen und zu ersticken. Ich weiß -selbst nicht woher es kommt, daß der Neid fast eine Erbsünde vieler -feurigen Köpfe zu seyn scheint. Ein witziger Kopf wird viel Mühe -nöthig haben, einen sinnreichen Einfall an andern zu loben. Ich rede -nur von solchen aufgeweckten Köpfen, die ausserdem nicht eben gar zu -grosse Vollkommenheiten besitzen. Ja es kan auch ein geistreicher -Kopf, der in keinem dieser angeführten Fehler steckt, manchmal viel zu -ernsthafte und verdriesliche Gedancken haben, als daß er die Schönheit -eines feurigen Schertzes zu mercken vermögend seyn solte. So wenig -man beständig zu schertzen aufgelegt ist, so wenig ist man zu allen -Zeiten im Stande, durch einen glücklichen Schertz gerührt zu werden. -Ja endlich kan die Verschiedenheit des Geschmacks Ursach seyn, warum -andere unsere Schertze nicht für schön halten.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Laudatur ab his culpatur ab illis.</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Sat. L. I. Sat. II.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">Mich dünckt, ich habe überflüßig dargethan, daß ein Schertz sehr -feurig seyn könne ob er gleich von andern getadelt wird, und keinen -mercklichen Eindruck bey andern macht. Wenn aber ein Mensch von -grossem Witze, Scharfsinnigkeit, und Beurtheilungskraft, der gantz<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span> -unpartheiisch ist, unsern Schertz ohne Rührung anhört und ihn -verachtet, so ist der Schluß überaus wahrscheinlich, daß der Schertz -mat, unglücklich und frostig sey. Noch viel behutsamer muß man seyn, -wenn man von seinem eigenen Urtheile, über seine eigene Einfälle, einen -Schluß auf ihre Häßlichkeit oder Schönheit machen will. Eitelkeit -und Eigenliebe verblenden uns, daß wir unsere eigene Fehler nicht -mercken, und unsere Vollkommenheiten durch ein Vergrösserungsglas -betrachten. Niederträchtigkeit stelt uns häßlicher, in unsern eigenen -Augen, dar, als wir in der That sind. Es sind demnach Uebereilungen, -wenn man gerade zu schliessen wolte: Mein Spaß der mir gefält ist -feurig, und der mir mißfält ist frostig. Wer aber seinen Geist über die -Schwachheiten der Eitelkeit und Niederträchtigkeit erhoben hat, wer -ein feuriger Kopf ist, und einen feinen Geschmack hat, der kan diese -Schlüsse mit vieler Wahrscheinlichkeit machen. Nur muß er sich hüten, -daß das auch keine Frucht einer schmeichelnden Eigenliebe sey, wenn er -sich selbst für einen erhabenen, feurigen und feinen Geist hält.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_101">§. 101.</h2> - -</div> - -<p>Ich könnte meine Betrachtung hier beschliessen. Das hundert der Absätze -ist ohne dem wieder mein Vermuthen voll geworden.<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span> Ich habe aber -angemerckt, und zwar, wie ich mir schmeichle, nicht ohne Grund, daß die -formelle Vollkommenheit eines Schertzes in verschiedenen Stücken, von -der materiellen Vollkommenheit derselben abhänget. Ich werde daher von -dieser noch handeln müssen. Ich bin nicht willens mich dabey so weit -auszudehnen, als ich zu thun im Stande wäre. Ich werde die materielle -Vollkommenheit der Schertze, nur in so weit in Betrachtung ziehen, -als sie das Feuer eines Schertzes entweder glänzender machen, oder -verdunckeln kan. Ich werde alle Weitläuftigkeit vermeiden, und diese -gantze Betrachtung in drey oder vier Regeln einschliessen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_102">§. 102.</h2> - -</div> - -<p>So lange die materielle Unvollkommenheit eines Schertzes kleiner -ist, als die formelle Schönheit desselben, so wird jene dem Feuer -desselben keinen mercklichen Abbruch thun. So bald aber die materielle -Unvollkommenheit mit der formellen Vollkommenheit die Wage hält, oder -diese wohl gar übertrift, so bekommt die Schönheit eines Schertzes -einen Schandfleck, der wenigstens die formellen Schönheiten verdeckt. -Ein solcher Schertz gleicht einem Feuer, das vielen Dampf und Rauch -verursacht. Wenn gleich der<span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span> Rauch dem Feuer selbst keine Kraft nimt, -so verdeckt er doch dasselbe, und verhindert den Glantz desselben, -der sonst sich weiter ausbreiten, und durchdringender seyn würde. Ein -Mensch, der an einem Dinge Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten -gewahr wird, beurtheilt die Sache nach dem Uebergewicht der einen -oder der andern. Wenn die letzten die ersten weit übertreffen, so -kan es natürlicher Weise nicht anders seyn, als daß man sich die -häßliche Seite eines solchen Dinges aufmercksamer, klärer, gewisser -und lebendiger vorstelt. Darüber vergißt man nach und nach die -Vollkommenheiten, sie scheinen nicht hinreichend zu seyn eine Sache, -die überwiegend fehlerhaft ist, nach ihrem schwächern Theile zu -beurtheilen. Mit einem Wort, eine Sache die mehr häßlich als schön -ist, wird nach ihrer schönen Seite nicht vornemlich beurtheilt. Die -Schönheiten werden durch die stärckern Häßlichkeiten verdunckelt, und -man ist nicht gewohnt, wenige Vollkommenheiten, mit einem so elenden -Anhange mehrerer Unvollkommenheiten, besonders zu schätzen. Soll also -der Schertz sein völliges Feuer behalten, und darin unterstützt werden, -so muß die materielle Unvollkommenheit, wo nicht gantz fehlen, welches -allerdings besser ist, doch mercklich kleiner seyn. Mir deucht alle -Religions-Spöttereien haben diesen Feh<span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span>ler. Die Schertze die über -Religionssachen getrieben werden, können bisweilen sehr gut geraten, -weil aber die Gottlosigkeit und Leichtsinnigkeit derselben, zwey Sünden -sind, die bey nahe den höchsten Grad in diesem Falle erreichen, so -können solche Schertze bey niemanden ihre Würckung thun, als die eben -so gottloß und leichtsinnig sind, wie der schertzende selbst.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_103">§. 103.</h2> - -</div> - -<p>Wenn der Verdruß und der Eckel des Zuhörers über die materielle -Unvollkommenheit unseres Schertzes, grösser ist, als sein Vergnügen -über die formelle Schönheit desselben, so verliehrt unser Schertz -seinen Glantz und Feuer, wenigstens in dem Gemüthe unsers Zuhörers. -Niemand ist so thöricht, eine kleine Lust durch einen stärckern Verdruß -zu erkauffen; und es ist sehr wahrscheinlich, daß der Verdruß über -unsern Schertz das Vergnügen über eben demselben verdunckeln werde, -folglich auch den Grund desselben, oder die Anschauung der Schönheiten -desselben. Diese werden sich gleichsam hinter der Häßlichkeit des -Schertzes verliehren, und so gut seyn als wenn sie gar nicht da wären. -Wenn ja ein feuriger Schertz eine materielle Unvollkommenheit hat, so -muß doch der Verdruß darüber mercklich schwächer und dunckeler seyn, -als das Vergnügen über eben densel<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span>ben. Alsdenn wird sichs umgekehrt -verhalten. Die häßliche Seite wird sich immer weiter hinter die schöne -drehen, und es kan wohl gar kommen daß der Zuhörer, über den Vergnügen, -an die Unvollkommenheiten zu gedencken vergißt. Wenigstens ists einem -oftermals nicht zuwieder, einen kleinen Verdruß auszustehen, wenn er -nur durch ein grösser Vergnügen belohnt und ersetzt wird. Es ist nicht -zu leugnen, daß die Ausübung dieser Regel viele Kunst erfodert. Es kan -jemand einen sehr grossen Verdruß worüber empfinden, so dem andern -gar keine, oder doch eine sehr kleine Unlust erweckt, und so verhält -es sich auch mit dem Vergnügen. Dem sey nun wie ihm wolle, so muß der -schertzende sich durchaus nach den Zuhörern bequemen, wenn er bey -ihnen seinen Zweck erreichen will. Ich rechne dahin die Schertze, die -von unzüchtigen, unflätigen, und gar zu gemeinen Dingen hergenommen -werden. Kurtz, alle diejenigen Schertze die in der Einbildungskraft ein -schändliches und eckelhaftes Bild verursachen. Ich lasse einen jeden -urtheilen, ob die feurigsten Schertze nicht ihren Glantz verliehren, -wenn sie eine so schmutzige und säuische Einfassung bekommen? Ein -spaßhafter Kopf, der bey seinen Schertzen gar zu oft ins Dicke trit, -kan zwar in einer Zeche Mistträger ohne Eckel gehört werden,<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span> aber -nicht von Leuten, die sehr selten Empfindungen von gewissen Dingen zu -haben pflegen. Es gibt eine gewisse Art Leute, die, ich weiß nicht -was für ein ehrwürdiges etwas, darin zu suchen pflegen, wenn sie ohne -Eckel gewisse Dinge ansehen, und befühlen, und wohl gar mit noch einem -andern Sinne empfinden können. Diese Leute schreiben sich deswegen eine -heldenmäßige Hertzhaftigkeit zu, und verlachen alle diejenigen, die -kein solches <b>Cyclopen</b>-Hertz besitzen als sie selbst. Und diese -sinds die mehrentheils in Gesellschaften, und was noch das ärgste ist, -alsdenn wenn gegessen wird, solche Spasse machen, die gar zu natürlich -sind, und wodurch sie andern einen Eckel verursachen, der ihnen die -Materie zu ihrem Triumphe darbietet. Meinem Urtheile nach, verdunckeln -solche spaßhafte Köpfe, durch ihre eigene Schuld, das schöne ihrer -Schertze, durch das schmutzige womit sie schertzen. Ich will nicht -einmal von den bejammernswürdigen Köpfen reden, deren Zoten nicht -einmal eine formelle Schönheit besitzen. Denn alsdenn ist der Zeug des -Spasses säuisch, und der Spaß selbst häßlich, und kan auf keinerley Art -gerechtfertiget werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_104">§. 104.</h2> - -</div> - -<p>Wenn man mit Dingen scherzt, die man mit der äussersten -Ernsthaftigkeit, zu betrach<span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span>ten verbunden ist, so ist auch das -kleinste lachen bey solchen Dingen eine Sünde. Ein feuriger Schertz -verursacht ein grosses lachen. Folglich muß ein solcher Schertz, der -mit und über dergleichen Dinge geführt wird, eine grössere materielle -Unvollkommenheit haben, und folglich viel von seinem Feuer verliehren. -Ich rechne dahin, nicht nur diejenigen Scherze, in welchen solche -wichtige Dinge selbst lächerlich gemacht werden, als welches überdies -eine strafbare Leichtsinnigkeit ist; sondern auch diejenigen, die etwas -anders durch Vergleichung mit dergleichen Dingen lächerlich machen. -Es ist wahr, diese wichtigen Dinge bleiben alsdenn in ihrem völligen -Werthe. Allein die Einbildungskraft pflegt hernach den Schertz uns -wieder ins Gemüth zu bringen, so bald wir an solche ernsthafte Dinge -dencken, und da ist es nothwendig, daß wir unsere Pflicht übertreten -müssen. Ich tadle alle Schertze, in welchen solcher wichtigen Dinge -Erwehnung geschieht, es sey nun auf die eine, oder die andere Art. -Meines Erachtens gehören dahin, alle Schertze die mit der Religion -getrieben werden, es sey nun, daß man über Religionssachen schertze, -welches freylich das ärgste ist, oder daß man durch Religionssachen -etwas anders lächerlich mache. <span class="antiqua">Nimium enim risus pretium est, si -probitatis impendio constat. <i>Quint.</i><span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span> <i>de inst. Orat.</i></span> Ich weiß -wohl, daß man vieles zur Entschuldigung der letztern anzuführen pflegt. -Ich weiß aber auch, daß ich sie nicht verwerffe, weil ich glaube, -daß sie Religions-Spöttereyen wären. Wenn man weiter nichts thut, -als daß man die Religionssachen braucht, etwas anders lächerlich zu -machen, so spottet man nicht der Religion, die bleibt in ihrer Hoheit. -Allein unsere Einbildungskraft vergesellschaftet die Religion mit den -Schertzen, wir erinnern uns der Schertze, wenn wir an die Religion -dencken, und man ist alsdenn nicht im Stande, gantz ernsthaft zu -bleiben, wozu man doch bey der Religion jederzeit verbunden ist. Alle -vernünftige Kenner der Schaubühne, stimmen mit mir in diesem Stücke -überein. Sie sehen es als einen groben Fehler an, wenn man wichtige -Dinge, und insonderheit Dinge, die mit der Religion eine Verwandschaft -haben, in die Comödie bringt. Sie tadeln insgesamt, den berühmten -Nürnbergischen Dichter <b>Hans Sachsen</b>, der so artig zu dichten -gewust, daß er <b>Adam</b> und <b>Eva</b> aufgeführt, wie sie ihre -Kinder in Gegenwart GOttes, der ihnen erschienen, aus <b>Luthers</b> -Catechismus examiret, da denn <b>Abel</b> recht gut bestanden, -<b>Cain</b> aber sehr schlecht antworten können. Man begreift ohne -Mühe, daß der Grund dieses Tadels, darin zu suchen sey, weil die -Comö<span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141">[S. 141]</a></span>die der Ort ist, wo geschertzt werden soll, und da die Thorheiten -der Menschen lächerlich gemacht werden sollen. Verbannt man nun die -Religion aus der Comödie, so gibt man zu verstehen, daß es häßlich -sey, wenn man die Religion zu schertzen braucht, und ob man gleich sie -selbst nicht lächerlich mache, und die Schertze noch so feurig seyn -solten. Was ich von der Religion gesagt habe, das gilt auch von allen -wichtigen Wahrheiten, die man durchaus nicht zum Schertzen brauchen -muß. Ich hätte hier die schönste Gelegenheit, denen Herrn den Text -zu lesen, die mit der Philosophie ihren Schertz treiben, und wunder -dencken, wie spitzfindig sie sind, wenn sie z. E. über die beste Welt -ein lachen verursachen. Doch ich begnüge mich anzumercken daß man -weder über, noch mit dergleichen Dingen schertzen müsse, bey denen wir -verbunden sind, so oft wir uns damit beschäftigen, eine genaue und -strenge Ernsthaftigkeit zu beobachten.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Non haec iocosae conueniunt lyrae</div> - <div class="verse vright"><i>Hor. Carm. L. III. Od. III.</i></div> - </div> - </div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_105">§. 105.</h2> - -</div> - -<p>Wenn wir uns in solchen Umständen befinden, in welchen wir verbunden -sind, die strengste Ernsthaftigkeit zu beobachten, so ist<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span> das -geringste lachen eine Sünde, und die materielle Unvollkommenheit -unsers Schertzes fält alsdenn mehr, und stärcker in die Augen, als -die formelle Schönheit, und unser Schertz wird verdorben. Es gibt -gewisse Personen, in deren Gegenwart wir die strengste Ernsthaftigkeit -beobachten müssen, wenn sie uns selbst nicht einigermassen von diesem -Zwange loßzumachen für gut befinden. Es gibt Orte und Zeiten, die von -uns fodern, alsdenn gar nicht zu lachen, wenn wir uns in denselben -befinden. Alle Schertze die in Gegenwart solcher Personen, an solchen -Orten und in solchen Zeiten vorgetragen werden, wenn sie auch noch -so feurig sind, verliehren ein vieles von ihrer Schönheit, weil sie -aus einer Leichtsinnigkeit entstehen, die gar zu sehr in die Augen -fält. Ich hätte hier Gelegenheit eine weitläuftige Critik, über -viele Arten der Schertze anzustellen. Ich will mich aber begnügen, -nur einige derselben anzuführen, mehr, um meine Anmerckung dadurch -zu bestätigen, als sie selbst ausführlich zu untersuchen. Ich rechne -dahin zuerst alle Schertze, die in der Todesstunde getrieben werden. -Es ist wahr, solche Schertze haben ein ungemeines Feuer, wenn sie -sonst nicht überwiegend häßlich sind. Ich habe dieses schon oben -angemerckt. Allein die Todesstunde ist die wichtigste Zeit unsers -Lebens. Wir sol<span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span>len in derselben einen Schrit thun, bey dem die -gröste Aufmercksamkeit und Bedachtsamkeit nöthig ist, und wir sind -verbunden alle unsere Verstandeskräfte zusammenzufassen, um mit der -strengsten Aufmercksamkeit die Veränderung zu erwarten, die uns aus -der Zeit in die Ewigkeit versetzt. Mich deucht, daß alles dieses ohne -Ernsthaftigkeit unmöglich sey. Und wer in seiner Todesstunde spaßt, -ist viel zu leichtsinnig, als daß er den Tod regelmäßig ausstehen -solte. Diese Leichtsinnigkeit verdunckelt auch den feurigsten Spaß. -Nein, in der Todesstunde kan kein Spaß recht glücklich gerathen. Zum -andern gehören hieher die Schertze in der Kirche, und insonderheit -auf der Canzel. Ein P. <span class="antiqua">Abraham von Sancta Clara</span> mag noch so -ein lustiger Kopf seyn, er mag noch so feurig seyn, so wird ihm doch -kein Schertz gelingen, wenn er ihn auf den Stuhle vorträgt welcher -den wichtigsten Wahrheiten gewidmet ist. Daher darf kein Prediger die -Laster auf der Canzel lächerlich machen, er muß sie aus wichtigern -Gründen mit dem grösten Ernste bestürmen. Endlich rechne ich dahin die -Heldengedichte und grossen Lobreden. Ein Dichter und Lobredner verhält -sich unanständig gegen seinen Helden, wenn er schertzt. Das hohe, -das erhabene, das ehrwürdige wird durch das lächerliche verdunckelt. -In solchen Reden<span class="pagenum"><a name="Seite_144" id="Seite_144">[S. 144]</a></span> und Gedichten muß gar nicht geschertzt werden. -<b>Günther</b> wird daher mit Recht getadelt, daß er in der Helden-Ode -auf den <b>Eugen</b> einen Soldaten nach dem pöbelhaftesten Character -aufführt.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="nobreak" id="Par_106">§. 106.</h2> - -</div> - -<p>Ich muß nunmehr den Beschluß meiner Betrachtung machen. Ich solte -glauben, daß diese Blätter nicht gantz ungeschickt wären, den guten -Geschmack zu befördern, in einer Sache die sehr häufig zu seyn pflegt. -Ich habe mich wenigstens bemüht, diese Critik der Schertze auf Gründe -zu bauen, die aus der Natur der Seele, und der Schönheiten überhaupt -hergenommen sind, und ich habe nichts weiter mehr nöthig, als mich der -Gewogenheit meiner <b>geneigten Leser</b> zu empfehlen.</p> - -<div class="poetry-container antiqua"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Viue, vale! si quid nouisti rectius istis,</div> - <div class="verse">Candidus imperti; si non, his vtere mecum.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="s3 center mtop1"><b>E<span class="mleft1">N</span><span class="mleft1">D</span><span class="mleft1">E</span>.</b></p> - -<div class="figcenter"> - <a id="p144" name="p144"> - <img class="mtop1 mbot1" src="images/p144.jpg" - alt="Zierbild zum Ende" /></a> -</div> - -<hr class="full" /> - -<div class="transnote mtop3"> - -<h2 class="s5 nobreak"><span class="s3"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></span></h2> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand des 1744 erschienenen -Buchausgabe nahezu originalgetreu wiedergegeben. Lediglich die -Zeichensetzung sowie offensichtliche typographische Fehler wurden -stillschweigend korrigiert. Altertümliche und inkonsistente -Schreibweisen, wie z.B. ‚Wirckung‘ bzw. ‚Würckung‘ wurden dagegen -beibehalten; auch die Schreibweise von Namen ist zum Teil inkonsistent, -wurde aber hier nicht vereinheitlicht. Fremdsprachliche Zitate sowie -deren Quellenangaben wurden der Buchausgabe gemäß wiedergegeben; -eine Korrektur wurde nicht vorgenommen. Wiederholt werden Begriffe -mit der Vorsilbe ‚Uber‘ anstatt ‚Über‘ verwendet, was hier ebenfalls -beibehalten wurde. Einzelne in der gedruckten Version nicht oder nur -unklar erkennbare Buchstaben wurden sinngemäß hinzugefügt.</p> - -<p class="p0">Der Hauptteil des Textes wurde im Original in Fraktur -gesetzt, fremdsprachige Zitate (meist in Latein) dagegen in Antiqua, -was hier durch <span class="antiqua">serifenlose Schrift</span> -hervorgehoben wird; deren Quellenangaben erscheinen in -<i>kursiver Antiquaschrift</i>. Einige Namen wurden in einer anderen Frakturschrift -gesetzt, was hier durch <b>Fettdruck</b> wiedergegeben wird.</p> - -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of Project Gutenberg's Gedancken von Schertzen, by Georg Friedrich Meier - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANCKEN VON SCHERTZEN *** - -***** This file should be named 51535-h.htm or 51535-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/5/3/51535/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This transcription was produced from -images generously made available by Bayerische -Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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