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Jahrgang 1896 - -Author: Various - -Release Date: January 14, 2016 [EBook #50917] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MITTEILUNGEN AUS DEM *** - - - - -Produced by Constanze Hofmann, Karl Eichwalder, Chuck -Greif, Jens Sadowski, and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive. - - - - - - - - - - Mitteilungen - aus dem germanischen Nationalmuseum. - - - Jahrgang 1896. - - [Illustration] - - Nürnberg, 1896. - Verlagseigentum des germanischen Museums. - - Mitteilungen - aus dem - Germanischen Nationalmuseum - herausgegeben - vom Directorium. - - JAHRGANG 1896. - - MIT ABBILDUNGEN. - - NÜRNBERG, 1896. - VERLAGSEIGENTUM DES GERMANISCHEN MUSEUMS. - - - - - Register zum Jahrgang 1896 - der - Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. - - - Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers, von Dr. Alfred 3 - Bauch - Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums, 15 u. 97 - von Dr. F. Fuhse. I. II. - Oswald und Kaspar Krell, von Dr. Th. Hampe 23 - Zu Baldungs Madonna mit der Meerkatze, von Dr. Edm. Braun 28 - Der Meister der Nürnberger Madonna, von Gustav von Bezold 29 - Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu 32 - Wildenthierbach im Rothenburgischen, von Dr. Th. Hampe - Die letzten Tage des Malers Georg Pentz, von Dr. Alfred 43 - Bauch - Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank 49 - (um 1600), von Dr. Th. Hampe - Albrecht Dürer und der Rahmen des Allerheiligenbildes, von 53 - Karl Schaefer - Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das 61 - Reisetagebuch des Sebald Oertel (1521-22), von Dr. Th. - Hampe - Über ein Prosatraktätlein des Hans Folzens von der 83 - Pestilenz, v. Dr. Th. Hampe - Eine Nürnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 91 - 16. Jahrhunderts, von Dr. Edmund Braun. I. - Notiz über Dürer aus den Nürnberger Ratsprotokollen, von 96 - Dr. Th. Hampe - Das Nürnberger Münzkabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. 108 - von Kreß, von Dr. K. Schaefer - Friesische Häuser auf den Halligen, von Dr. Eugen Traeger 112 - Dürer. Kleine Mitteilungen, von Dr. F. Fuhse 120 - Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen 121 - Museum, von Gustav Brandt - Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum, von 130 - Dr. Eugen Traeger - Das Bildnis des Hans Perckmeister, von Dr. Hans Stegmann 134 - - - - - Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers[1]. - - -In der Gemäldegallerie des Germanischen Nationalmuseums befindet sich -unter Nr. 273 ein Bildnisdiptychon, das, wie aus dem rückseits -angebrachten Familienwappen zu entnehmen ist, den Nürnberger Bürger Hans -Straub und seine Gattin Barbara Pirkheimer darstellt[2]. - - [Illustration] - -Die Straube waren eine Kaufmannsfamilie, deren Ahnherr Bernhard Straub -im Jahre 1495 in Nürnberg das Bürgerrecht erwarb[3] und später Genannter -des größeren Rats wurde[4], womit seine Familie in den Kreis der -Nürnberger ehrbaren Geschlechter eintrat. Einer seiner Söhne, der -obengenannte Hans Straub vermählte sich am 8. Februar 1518 mit Barbara, -der jüngsten Tochter des Nürnberger Staatsmanns und Gelehrten Wilibald -Pirkheimer und dessen Gemahlin Crescentia Rieter[5]. Die Pirkheimer -führten eine Birke, die Rieter ein Meerweib im Wappenschilde. In der -goldenen Halskette, mit der Barbara auf dem Bildnis geschmückt ist, -wechseln diese Wappenfiguren mit einander ab; die Kette war also sicher -ein Familienerbstück, das Barbara aus dem Nachlasse ihrer (1504) -verstorbenen Mutter zugefallen war. - -[Fußnote 1: _Anm. der Redaktion._ Die Urheberschaft des Georg Schlenk an -dem Bilde Germ. Mus. Nr. 273 ist zwar mit den folgenden Ausführungen -nicht zweifellos erwiesen, wir glaubten aber, eine weitere Untersuchung -der Frage durch Aufnahme des Artikels ermöglichen zu sollen, der neben -dem im engeren Sinne kunstgeschichtlichen, auch manichfaches -kulturgeschichtliches Interesse bietet.] - -[Fußnote 2: Vorzüglich entworfene Wappen der Familien Straub und -Pirkheimer im Wappenbuch der Nürnberger Geschlechter vom Jahre 1583. M. -S. 144/159 im k. Kreisarchiv Nürnberg.] - -[Fußnote 3: Bürgerbuch M. S. 230, Fol. 13r] - -[Fußnote 4: Ratsgang M. S. 105, Fol. 64b] - -Wie die Aufschriften des Diptychons besagen, wurde es im Jahre 1525 -gemalt. Das Monogramm des Künstlers fehlt. Die Porträts rühren aber -zweifellos von einem Maler her, der sich an Dürer gebildet hatte; sie -wurden daher der Schule Dürers und insbesonders dem Maler Georg Pentz -zugewiesen[6]. - -Von bekannten Nürnberger Malern aus Dürers Schule kämen außer Pentz noch -die beiden Brüder Hans Sebald und Barthel Beham in Frage; allein im -Jahre 1525, wo die Bildnisse entstanden sind, können die drei Maler -überhaupt nur verschwindend kurze Zeit in Nürnberg thätig gewesen sein. -Im Winter 1524 auf 1525 hatte es der Nürnberger Rat mit einer -gefahrdrohenden Bewegung religiöser und sozialistischer Natur zu thun. -Unter den Aufwieglern befanden sich auch Pentz und die beiden Beham, die -sogenannten »drei gottlosen Maler«. Sie wurden Anfang Januar 1525 -gefänglich eingezogen und dann zur Strafe aus der Stadt gewiesen[7]. Die -Verbannung wurde wahrscheinlich in der üblichen Weise gegen sie -ausgesprochen, daß sie nur in einer Entfernung von einer bestimmten -Anzahl Meilen sich niederlassen durften. Nachdem die drei Maler hierauf -wiederholt vergebens um Erlaß der Strafe gebeten hatten, wurde zunächst -dem Maler Pentz vom Nürnberger Rate gestattet, in der Stadt Windsheim, -die von Nürnberg zwölf Stunden entfernt ist, seinen Wohnsitz zu -nehmen[8]. Schließlich aber erhielten alle drei Maler auf Fürbitte -Melchior Pfinzings, des Probstes von St. Sebald, Verzeihung: es wurde -ihnen durch Ratsbeschluß vom 16. November 1525 erlaubt, wieder -zurückzukehren[9]. Hiernach können also die Maler kaum vor dem 19. oder -20. November nach Nürnberg zurückgekommen sein; und da nach damaliger -Rechnung das Kalenderjahr mit dem 24. Dezember abschloß[10] so ist es an -sich schon wenig wahrscheinlich, daß gerade in dieser kurzen Zeit am -Ende des Jahres 1525 beide Porträts von der Hand eines dieser Maler -geschaffen sind. - -[Fußnote 5: Ratsbuch 11, Fol. 121a: Item herrn Wilbolten Birkhaimer sind -vergonnt zu seiner tochter junkfrauen Barbara vorhabenden hochzeit mit -Hans Strauben, Ber(n)hardin Strauben sun, auf montag nach Dorothee -schirst der stat pfeiffer, auch das rathaus zum tantz und schenk. Actum -secunda post Anthonii XVIII (1518). -- Nürnberger Geschlechterbuch M. S. -164, II. Band. Fol. 75a.] - -[Fußnote 6: Gemäldekatalog des Germanischen Nationalmuseums vom Jahre -1887 unter Nr. 255 und vom Jahre 1893 unter Nr. 273.] - -[Fußnote 7: Die Prozeßakten sind veröffentlicht von Theoder Kolde, -Beiträge zur Reformationsgeschichte. Leipzig 1888. Separatabdruck aus -den Kirchengeschichtlichen Studien, S. 228-250. Vgl. auch Friedrich -Roth, die Einführung der Reformation in Nürnberg, Würzburg 1885, S. 250 -ff. -- Die Ausweisung der »drei gottlosen Maler« erfolgte Ende Januar -1525: Der Prozeß begann am 10. Januar 1525, am 12. Januar saßen bereits -alle drei Maler im Gefängnis und blieben darin fünfzehn Tage, wie dies -aus einem Beleg zur Stadtrechnung 1524/25 hervorgeht: »Lochhueter quarta -Brigite (1. Februar) 1525. Barthel Beham hat 15 tag ... 6 [Pfund]. -Sebold Peham hat 15 tag ... 6 [Pfund], Jorg Pencz hat 15 tag ... 6 -[Pfund].« -- Das Pfund wurde gleich 30 Pfennigen gerechnet.] - -[Fußnote 8: Briefbuch Nr. 39, Fol. 239r und 240a. Der Brief ist datiert -von sontags 28. may 1525.] - -[Fußnote 9: Über die Zeit, wann es den drei gottlosen Malern gestattet -wurde, wieder nach Nürnberg zurückzukehren, finden sich in der -kunstgeschichtlichen Litteratur nur vage Vermutungen. Vgl. Adolf -Rosenberg, Sebald und Barthel Beham, zwei Maler der deutschen -Renaissance, Leipzig 1875, S. 11, und S. K. Wilhelm Seibt, Hans Sebald -Beham, Maler und Kupferstecher und seine Zeit, Frankfurt a. M. 1882, S. -13. -- Bestimmte Nachricht gibt ein Ratsverlaß: »Quinta Ottmari 16. -novembris 1525. Auf herrn Melchior Pfintzings, brobst, furpeth Sebolt -und Bartholmes den Behaim und Jörg Benntz, maler, ir straf von der stat -begeben mit dem beding, das man ein sonder achtung und aufsehen haben -woll, wie sy sich halten werden; und sover sy sich voriger weis -unschicklich halten werden, woll man sy wider von hinnen weysen. -- -Burgermeister.« -- Ratsmanuale 1525/26, Heft 8 Fol. 11a. -- Vgl. hierzu -Th. Kolde, Andreas Althamer der Humanist und Reformator in -Brandenburg-Ansbach, Erlangen 1895, S. 17, Anm. 3.] - -Doch noch ein weiterer Umstand spricht gegen die Autorschaft eines der -genannten drei Maler: weder bei Pentz, noch den beiden Beham lassen sich -irgendwelche Beziehungen zu der Familie Straub oder Pirkheimer -feststellen. - -Wohl aber ist dies der Fall bei einem anderen Maler, der nicht bloß wie -Pentz und die Brüder Beham wegen der Malweise der Schule Dürers -beizuzählen ist, sondern auch _dokumentarisch_ sich als Schüler Dürers -nachweisen läßt[11]. Wir meinen den Maler, dessen in einem Verlaß des -Nürnberger Rats vom 8. Oktober (sabbato post Francisci) 1524 mit den -Worten Erwähnung geschieht: - - »Albrecht Durers Knecht Jergen, der sein Mayd zur Ehe genommen, - um 2 Guldin Werung zu Burger auffnemen. - - H. Volkamer.« - -Unter diesem Knechte wurde bisher Georg Pentz verstanden[12]. Pentz aber -hatte bereits am 8. August 1523 und zwar gegen eine Aufnahmegebühr von -vier Gulden in Nürnberg das Bürgerrecht erworben[13], und seine Frau -hieß Margareta, während doch Dürers Magd, wie bekannt, den Vornamen -Susanna führte[14]. Demnach kann Pentz unmöglich mit diesem Knecht Georg -identisch sein. - -[Fußnote 10: Dies ist aus den Daten der Ratsverlässe in den Nürnberger -Ratsmanualen zu entnehmen. Erst vom Jahre 1558 ab wurde in Nürnberg das -neue Jahr vom 1. Januar an gerechnet. Vgl. auch Edmund Goetze, Hans -Sachsens Gemerkbüchlein in der Festschrift zur Hans Sachs-Feier, -gewidmet vom Herausgeber und Verleger der Zeitschrift für vergleichende -Literaturgeschichte, Weimar 1894, S. 49 und 50.] - -[Fußnote 11: Sonst gibt es nur noch einen dokumentarisch beglaubigten -Schüler Albrecht Dürers, den Malerjungen Friedrich, den der Kurfürst -Friedrich von Sachsen zu Dürer in die Lehre gab. Er war bei Dürer in den -Jahren 1501/2. C. Gurlitt, zur Lebensgeschichte Albrecht Dürers, in dem -von H. Thode und H. von Tschudi redigierten Repertorium für -Kunstgeschichte, 1895, Hand XVIII, Heft 2, S. 112.] - -[Fußnote 12: Moritz Thausing, Dürer, Leipzig 1884. II. Band, S. 262. -Anton Springer, Albrecht Dürer, Berlin 1892, S. 143, spricht von näheren -Beziehungen, die Georg Pentz mit dem Dürerschen Hause unterhielt. -- Das -kann nur auf diesen Knecht Georg zielen. Friedrich Leitschuh, Albrecht -Dürers Tagebuch der Reise in die Niederlande, Leipzig 1884, S. 125 Anm. -zu S. 60, Z. 9. -- K. Lange und F. Fuhse, Dürers schriftlicher Nachlaß, -Halle a. S. 1893, S. 126. Anm. 2.] - -[Fußnote 13: Bürgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol. 122a.] - -Den Familiennamen des Knechtes Georg erfahren wir aus dem Bürgerbuche, -wo unter anderen neu aufgenommenen und vereideten Bürgern zum selben -Tage, sabbato post Francisci 1524, aufgeführt ist[15]: - - »Gorg Schlenck, Maler, dedit ... 2 fl. werung.« - -_Wir haben es also hier mit einem bisher völlig unbekannten Schüler -Albrecht Dürers zu thun_; und wenn er auch als Künstler keinen Ruhm -erlangt hat, so sind doch seine Schicksale deshalb von ganz besonderem -Interesse, weil sie, im Zusammenhang mit anderen Erscheinungen aus -Nürnbergs Kunstwelt betrachtet, es erst erklärlich machen, warum in -Nürnberg der Malerei nur eine so kurze Blütezeit beschieden war. - -Es dürfte sich daher wohl verlohnen, eine biographische Skizze dieses -Mannes zu entwerfen. - -Wir begegnen ihm zum ersten Male gelegentlich seiner Verheiratung mit -Susanna. Sie hatte schon längere Zeit in Dürers Hause als Magd gedient, -muß aber bei der Eheschließung noch jung gewesen sein, weil sie im Jahre -1520 noch als Mägdlein bezeichnet wird[16]. Bei dem Ehepaar Dürer, das -sich keiner Nachkommenschaft erfreute[17], wurde sie wie zur Familie -gehörig behandelt; sie machte 1520 und 1521 mit Dürer und seiner Frau -Agnes die Reise in die Niederlande mit und wurde dort sogar zu -Festlichkeiten mit eingeladen, die man zu Ehren ihres Herrn -veranstaltete. - -Als Schlenk das Bürgerrecht erwarb, gewährte ihm der Rat einen Nachlaß -an der Aufnahmegebühr[18]; er hatte nur zwei Gulden zu zahlen, während -sonst die Mindestgebühr vier Gulden betrug. Vier Gulden wurden von denen -gefordert, deren Gesamtvermögen nicht über 100 Gulden an Wert geschätzt -wurde. Er war also von Haus aus arm, und seine Dürftigkeit wird ihn -daher bewogen haben, noch weiterhin bei Dürer zu arbeiten; wenigstens -wird noch im Jahre 1526 ein »Diener« Albrecht Dürers erwähnt[19]. - -[Fußnote 14: Dürer nennt ihren Namen in seinem Tagebuch der Reise in die -Niederlande. Leitschuh a. a. O. S. 204. -- Lange und Fuhse, S. 416.] - -[Fußnote 15: Bürgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol 126b: Sabbato post -Francisci 1524 ... Hans Renner, plattner, Friedrich Pruckner, -schwertfeger, dedit, quilibet 4 fl. werung, _Georg Schlenck, maler_, -Hans Wolleben, peckschlagerjunger ... dedit quilibet 2 fl. werung, -juraverunt.] - -[Fußnote 16: Lange und Fuhse, a. a. O. S. 116.] - -[Fußnote 17: Springer, S. 124 hält die Magd Susanne irrtümlich für -Dürers Tochter. -- Albrecht Dürer hatte von seiner Frau überhaupt keine -Kinder, und auch sein Bruder, der Goldschmied Endres Dürer, hinterließ -keine Nachkommenschaft, denn Constantia, die angebliche Tochter Endres -Dürers, war kein leiblicher Sprößling, sondern eine Stieftochter Endres -Dürers, wie sich dies aus dem I. Ehebuch von St. Sebald ergibt: Gilg -Prager von Dresen, Constantia Hirnhoferin, 14. Februarii 1531. Auch -bezüglich dieses Gilg (Kilian) Prager herrschen Irrtümer. Er stammte -nicht, wie Lochner (Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1863, S. -231) aus seinem Namen geschlossen, aus Prag, sondern aus Dresden. Prager -war unbemittelt aus Nürnberg eingewandert. Der Rat gewährte ihm einen -Nachlaß an der Bürgeraufnahmegebühr. Ratsmanuale 1531/32, Heft 3, Fol -6b: Samstag 17. juny 1531. Gilg Preger (!), goldschmid, 2 fl. am -burgerrecht nachlassen. Herr B. Baumgartner. Bürgerbuch M. S. 237, Fol. -162a: Gilg Kilian Prager, goldschmidt, dedit 2 fl. werung, juravit. -Secunda post Viti 1531. Meisterbuch de 1456-1534 Fol. 39b: Gilg Kilian -Prager, goltschmid, juravit et dedit x fl. werung sabbato Magdalena -1531.] - -[Fußnote 18: Den Nachlaß hatte er vermutlich einer Fürsprache Albrecht -Dürers zu verdanken, wie ja auch einmal ein anderer Maler Hans Hofmann -auf Dürers Verwendung unentgeltlich in Nürnberg als Bürger aufgenommen -worden war. Ratsmanuale 1520/21, Heft 7, Fol. 4r: Quarto post Michaelis -(3. Oktober) 1520. Einen frembden berumbten maler Albrecht Durer zu eren -umbsunst zu burger aufnemen. Burgermeister. Am selben Tage fand keine -Vereidigung von Neubürgern statt; er wurde daher erst ein paar Tage -später vereidet. Bürgerbuch M. S. 237, Fol. 112r: Sabbato post Francisci -(6. Oktober) 1520. _Hans Hofmann, maler_, dedit o, Hans Kraft von Ulm -dedit 4 fl. werung, juraverunt.] - -Über Schlenks Thätigkeit als Maler ist wenig zu sagen. Mit einiger -Gewißheit wird man ihm nur die bereits oben besprochenen Porträts des -Nürnberger Kaufmanns Hans Straub und dessen Gattin Barbara, der jüngsten -Tochter Willibald Pirkheimers, zuweisen können. - -Zwischen den Familien Pirkheimer und Dürer herrschten die -freundschaftlichsten Beziehungen. Auch Barbara stand bei Dürer in -besonderer Gunst: er gedachte ihrer auch auf seiner Reise in die -Niederlande und brachte ihr von dort Geschenke mit[20]. Dann war Dürer -aber auch der Berater seines Freundes Pirkheimer in Kunstsachen und -lieferte ihm im Jahre 1525, also gerade in der Zeit, wo die oben -erwähnten Bildnisse entstanden sind, mehrere Zeichnungen zu einer -Ausgabe des Ptolomaeus[21]. So waren also bei diesem intimen Verkehr -viele Anknüpfungspunkte zwischen den Gliedern der Familie Pirkheimer und -Dürers Hausgenossen, d. h. seinem Gehilfen Georg Schlenk und dessen Frau -Susanna, vorhanden. - -Ebenso sicher ist, daß die Porträts von einem Maler aus Dürers Schule -herrühren. Da aber, wie schon dargethan wurde, Pentz und die beiden -Beham nicht wohl in Frage kommen können, so wird man sein Augenmerk auf -einen andern Schüler Dürers richten müssen. - -Schlenk hatte im Herbst 1524, also kurze Zeit, bevor die Porträts gemalt -wurden, sich einen eigenen Hausstand gegründet. Er war von Haus aus -unbemittelt; um so eher werden ihm seine Gönner einen Verdienst -zugewendet haben. - -Daß es Schlenk außerdem nicht an Talent gefehlt hat, um die Porträts zur -Zufriedenheit auszuführen, dafür ist Beweis, daß ihn ein Dürer in seiner -Werkstätte heranbildete. Ein Meister wie Dürer würde sicher keinen -Stümper um sich geduldet haben. - -Nach alledem wird man kaum fehlgehen, in Georg Schlenk den Maler des -Bildnisdiptychons zu suchen. - -Der Tod Dürers beraubte Schlenk seiner Stütze. Dürer starb am 6. April -1528. Nicht lange darauf finden wir Schlenk in einer ganz unerwarteten -Lage: er bewarb sich im März 1529 um eine Anstellung als städtischer -Aufdinger[22]. Die Aufdinger waren die Auf- und Ablader der -Kaufmannsgüter, die in Nürnberg zur Verzollung kamen. Sie wurden nach -den Haupthandelsstraßen bezeichnet: es gab Aufdinger auf der polnischen -Straße, dann Aufdinger auf den Straßen nach Sachsen, Franken, Schwaben, -Bayern und Ungarn[23]. Das Ämtchen als Aufdinger muß, allerdings wohl -zumeist wegen der Trinkgelder, ein recht einträgliches gewesen sein; -denn es war immer ein großer Zudrang dazu, und wiederholt mußte der Rat -einschreiten und fremden Eindringlingen, die keine Bestallung hierzu -hatten, das Aufdingen bei Strafe verbieten[24]. Als Schlenk um einen -Aufdingerposten anhielt, ließ der Rat Erkundigungen einziehen, ob er -sich dazu eigne. Sei es nun, daß er für so eine schwere Arbeit -körperlich zu schwach war, oder daß keine Vakanz bestand, er erreichte -seinen Wunsch nicht und versuchte es das Jahr darauf, wenn auch wiederum -vergebens, als Nürnberger Landbote eine Stelle zu erlangen[25]. Endlich -aber glückte es ihm doch, in städtische Dienste zu kommen: er wurde im -April 1532 zum Zöllner am Vestnerthor ernannt und noch im selben Jahre -ans Tiergärtnerthor versetzt. Vorher aber hatte er zusammen mit seiner -Frau Susanna sich eine Zeitlang seinen Unterhalt als Inhaber einer -Garküche erworben[26]. Das Geschäft, dessen Seele jedenfalls seine in -der Kochkunst bewanderte Ehegattin gewesen sein wird, muß aber doch wohl -ihren Erwartungen nicht entsprochen haben, und der Posten eines -städtischen Thorzöllners muß Schlenk erwünschter gewesen sein. - -[Fußnote 19: J. Baader, Beiträge zur Kunstgeschichte Nürnbergs, -Nördlingen 1890, S. 10] - -[Fußnote 20: Leitschuh, S. 77 mit Anm. auf S.163. Lange, und Fuhse, S. -153, Anm. 7.] - -[Fußnote 21: Thausing II., S. 223.] - -[Fußnote 22: Ratsverlässe vom 13. und 15. März 1529.] - -[Fußnote 23: Manuscript Nr. 184, Fol. 717, im k. Kreisarchiv Nürnberg.] - -[Fußnote 24: Ratsverlässe vom 29. April und 4. Mai 1531.] - -[Fußnote 25: Ratsverlaß vom 8. August 1530: Zu erkundigen, ob das -landpotenambt mit Jorg Schenken (!), maler, versehen und ime dann -dasselbig verlassen. Wo mangel herunderbringen. -- »Schenken« ist hier -offenbar ein Schreibfehler für »Schlenken«; denn ein Maler Georg Schenk -ist gleichzeitig weder durch Archivalien, noch durch Kirchenbücher -nachzuweisen.] - -[Fußnote 26: »Amtbuchlein allerlay geschwornen Amt und Handwerk, so vor -den Herrn, zu des Pfendtners Rug verordent, Gehorsam thun vom Jahre -1532: _Koch allhie_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... _Zoller auf -der vesten_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... [Zollner am] -_Thyergartnerthor_: Jorg Schlenk, N. uxor. -- Ein Amtbüchlein, in dem -auch, wie hier, die Köche (-- gemeint sind Garköche -- man denke ans -heutige »Bratwurstglöcklein«, das damals bereits als Garküche unter der -Bezeichnung »Glöcklein« bestand --) aufgeführt sind, ist aus der Zeit -vor 1532 im k. Kreisarchiv Nürnberg nicht vorhanden. Die Ämterbüchlein -wurden bald vor Beginn jeden Jahres neu gefertigt, da jedes Jahr die -darin Eingetragenen, wenigstens war dies bei den Buchdruckern und -Formenschneidern der Fall, von neuem Gehorsam oder Pflicht thun mußten, -also von neuem auf die Vorschriften und Gesetze verpflichtet wurden. Der -Bestand des vorhergehenden Jahres wurde dann immer in das neu angelegte -Amtbüchlein des folgenden Jahres, in das Amtbüchlein zum _neuen_ Rat, -wie sonst diese Amtbüchlein betitelt sind, übertragen. Die im Laufe des -neuen Jahres neu Hinzukommenden wurden am Schlusse der betreffenden -Gruppe nachgetragen, wie man das an den Schriftzügen und der -abweichenden Tinte erkennen kann. Schlenk ist nicht unter den Köchen, -die erst im Laufe des Jahres 1532 nachgetragen worden sind, _er muß also -schon mindestens im Jahre vorher, 1531, Koch gewesen sein_. -- Die im -Laufe des Jahres Abgehenden wurden in dem Ämterbüchlein gestrichen. -Schlenk ist im Jahre 1532 im Amtbüchlein unter den Köchen gestrichen, er -schied also im Laufe des Jahres 1532 als Koch aus; und nunmehr findet -sich sein Name wie auch der seiner Frau unter den Thorzöllnern -- -zunächst am Vestnerthor -- nachgetragen, wann er zum Zöllner am -Vestnerthor ernannt wurde, erfahren wir aus einem Ratsverlaß vom 17. -April 1532: Zu einem zollner undter das spitaler thor ist der zollner -undter dem vestenthor ertailt, und zu ainem zollner des vestenthors ist -ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der Protokollirende hat hier -irrtümlich »Schlenck, _zollner_« geschrieben: denn Schlenk war, wie aus -den Amtbüchlein zum neuen Rat aus den vorhergehenden Jahren zu entnehmen -ist, noch nicht vorher Zöllner gewesen. Wahrscheinlich hat der -Protokollirende das Wort »moler« hier schreiben sollen. -- Im -Amtsbüchlein von 1532 ist dann Schlenk wieder als Zöllner am Vestnerthor -gestrichen, und ist als Zöllner am Tiergärtnerthor nachgetragen worden. -Vom Tiergärtnerthor wurde er durch Ratsverlaß vom 4. Oktober 1533 ans -Frauenthor versetzt.] - -Im ersten Augenblick will es kaum glaublich erscheinen, daß ein Schüler -Albrecht Dürers als Zöllner sein Fortkommen suchte. Allein es war nichts -Ungewöhnliches, daß Handwerker, denen ihr Gewerbe keinen genügenden -Unterhalt gewährte, sich nach einem Nebenverdienst umschauten; so finden -sich gleichzeitig ein Rotschmied und ein Nadler unter den Zöllnern. Zu -den Handwerkern zählten aber damals auch noch die Maler: es war noch -keine Scheidung eingetreten zwischen Kunst- und handwerksmäßiger -Malerei. Ja, nach damaliger sozialer Auffassung wurde ein Maler noch -nicht einmal einem Handwerker gleich geachtet; denn die Malerei war noch -eine freie Kunst, die jeder ausüben konnte, der den Beruf dazu in sich -fühlte. Die freie Kunst aber galt erst als Vorstufe des Handwerks, -hatten ja doch die meisten freien Künste sich erst allmälich zu -organisierten Handwerken mit vorgeschriebenen Lehr- und Gesellenjahren, -mit Meisterstücken und festen Gesetzen und Ordnungen entwickelt. Es ist -daher erklärlich, daß die Nürnberger Maler immer und immer wiederum, -auch zu Dürers Zeit, und zwar nicht bloß, um unliebsame Konkurrenz fern -zu halten, sondern auch um ihren Stand sozial zu heben, an den Rat die -Bitte stellten, aus ihrer freien Kunst ein Handwerk zu machen. - -Das Bestreben durch ein städtisches Ämtlein sich ein gesichertes -Nebeneinkommen und so eine bessere Existenz zu verschaffen, muß einen -großen Umfang angenommen haben: so beschwerten sich einmal die Tüncher, -daß Handwerksgenossen, die ein Amt von der Stadt hatten, auch noch das -Meisterrecht ausübten; doch der Rat wies sie barsch ab und drohte ihnen: -falls sie bei ihrem Anliegen beharrten, werde er ihre Gesetze wieder -aufheben und ihr Gewerbe wieder zu einer freien Kunst erklären[27]. Doch -gehen wir zu Beispielen aus der Malerwelt über. Im Jahre 1510 erhielt -Sebald Baumhauer, der nach dem Zeugnisse Neudörfers selbst von Dürer als -Maler hochgeschätzt wurde, den Posten eines Kirchners bei St. -Sebald[28]. Ferner wurde im Jahre 1531 der Maler Lienhard Schürstab -Knecht in der Wage[29], und doch kann er als Maler nicht ganz -unbedeutend gewesen sein, da ihm einmal für ein Tafelbild 53 Gulden -ausgezahlt wurden[30]. Endlich rückte im Jahre 1532 der Maler Sebald in -die Stelle eines Stadtpfeifers ein[31]. Nürnberg war überhaupt kein -günstiger Nährboden für die Malerei. Kein Geringerer als Albrecht Dürer, -der noch dazu nicht bloß von seiner Kunst, sondern auch vom Kunsthandel -lebte, ist hierfür ein klassischer Zeuge. In einem Briefe an den -Nürnberger Rat vom Jahre 1524 äußert er sich mit Bitterkeit[32]: »Hab -auch, wie ich mit Wahrheit schreiben mag, die dreißig Jahr, so ich zu -Haus gesessen bin, in dieser Stadt nit um fünfhundert Gulden Arbeit, das -ja ein Geringes und Schimpfliches und dannacht von demselben nit ein -Fünfteil Gewinnung ist, gemacht, sunder alle mein Armut, die mir, weiß -Gott, sauer ist worden, um Fürschten, Herrn und ander frembde Personen -verdient und erarnt, also daß ich allein dieselben mein Gewinnung von -den Fremden in dieser Stadt verzehr.« Und Georg Pentz, der zweitgrößte -Maler, den Nürnberg in seiner Blütezeit hervorgebracht, kam nie aus -Geldnöten heraus und nahm ein unrühmliches Ende. Auch die beiden hoch -begabten Maler Hans Sebald und Barthel Beham, die gleich groß als Maler, -Zeichner und Kupferstecher waren, fanden in Nürnberg kein lohnendes Feld -für ihre Thätigkeit. Hans Sebald Beham wanderte nach Frankfurt aus, und -sein Bruder Barthel, der einst wegen seines religiösen Radikalismus von -sich hatte reden gemacht, zog an den kunstliebenden Hof der streng -katholischen Herzoge von Bayern in München. Vermochten also schon so -bedeutende und vielseitige Maler in Nürnberg keine ausreichende Existenz -zu erringen, so wird man sich nicht mehr wundern, daß Schlenk, der -ohnehin von Haus aus unbemittelt war und also in verdienstloser Zeit -nichts zuzusetzen hatte, nach dem Beispiele anderer seine Hand nach -einem kleinen Ämtlein ausstreckte, um sich und seine anwachsende Familie -vor Not zu schützen.[33] - -[Fußnote 27: Ratsverlaß vom 27. September 1544 (Ratsmanuale 1544/45, -Heft 6, fol. 30r).] - -[Fußnote 28: G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- und -Rechenmeisters zu Nürnberg, Nachrichten von Künstlern und Werkleuten -daselbst aus dem Jahre 1547. Wien, 1875, S. 180. -- Ratsbuch 9, Fol. -184r zum Datum: Actum secunda post omnium sanctorum 1510.] - -[Fußnote 29: Ratsbuch 15, Fol. 189a, zum Datum: Actum mitwoch 10. Julii -1531.] - -Aber er scheint auch nicht den Mut besessen zu haben, als Maler den -Kampf ums Dasein aufzunehmen; es fehlte ihm an festem Charakter: wir -finden etwas Unstätes und Haltloses bei ihm wie bei seinen Kindern. - -Ueber seinen gleichnamigen Sohn Georg[34] ist nur Ungünstiges zu -berichten. Er heiratete 1546 in erster Ehe eine Tochter des Nürnberger -Gerichtsprokurators Georg Selnecker, mit der er vorher unerlaubten -Umgang gepflogen. Nach der Geburt des achten Kindes mißhandelte er sie -derart im Wochenbett, daß man ihren Tod ihm zur Last legte[35]. Sein -Lebtag brachte er es zu keiner ruhigen und sicheren Existenz. Bald -finden wir ihn als Hilfsschreiber bei den Amtleuten des Sebalder und -Lorenzer Waldes, bald als Profoßschreiber in der Kriegsstube, bald als -Schreiber des Heuwägers. Seine Bitte aber um eine feste Anstellung wird -abgelehnt, und der Rat giebt den Auftrag, nach einem andern geschickten -Schreiber zu trachten, »daraus kunftig ein Canzleyschreiber zu machen -und zu Mererm zuprauchen sein möcht.« Nunmehr verschwindet er eine -Zeitlang vor seinen zahlreichen Gläubigern aus der Stadt. Nach seiner -Rückkehr bittet er um Zulassung als Prokurator vor Gericht, erhält aber -eine kategorische Abweisung. Gleichwohl muß er nachher doch -vorübergehend als Prokurator aufgetreten sein; denn der Rat ließ die -Verfügung ergehen: »Jörgen Schlenken seiner Leichtfertigkeit halben -hinfuro zu kainer Curation, noch dergleichen Sachen mehr am Gericht -zuzulassen.« Was er aber offen nicht thun konnte und durfte, trieb er im -Geheimen: er wurde Winkeladvokat, befaßte sich aber mit so unsauberen -Sachen, daß ihm 1565, weil er »sich solcher bosen Hendel vielfeltig -beflissen«, die Stadt Nürnberg und ihr Gebiet »10 Meil hinden« sein -Lebenlang verboten wurde; doch gewährte ihm der Rat einen Strafaufschub -von vier Wochen, und in dieser Zwischenzeit wußte er sich einflußreiche -Fürsprache zu verschaffen: er wurde auf Bitten des Grafen Konrad von -Castell und dessen Gemahlin wieder begnadigt. Er besserte sich aber -nicht. Zwei Jahre darauf forderte er von neuem den Zorn des Rats gegen -sich heraus durch eine jedenfalls sehr unziemlich abgefaßte -Supplikation, die er für einen Petzensteiner, »der sich Jakob Neunburger -genannt«, aufgesetzt hatte. Nunmehr wurde er auf fünf Jahre aus der -Stadt Nürnberg verbannt und richtete von Neuenmarkt aus Bettelbriefe an -den obersten Landpflegschreiber der Stadt Nürnberg Bonifatius Nöttele -und die beiden Landpflegschreiber Johann Leikauf und Lorenz Nützel[36] -mit dem Anliegen, ihm mit einem Zehrpfennig zu helfen, um sein und -seiner Kinderlein Notdurft anderswo zu suchen. Sie spendeten ihm zwei -Gulden, aber mit dem Vermerken, das Geld nicht seiner alten Gewohnheit -nach unnützlich zu verschwenden. Durch den Erfolg ermutigt, ersuchte er -sie dann noch um ein »Fürlehen von einem Thaler zu einer Zehrung nach -Würzburg«, da ihm mitleidige Personen »im Lande zu Franken Conditiones -fürgeschlagen«[37]. Doch schon im Jahre 1569 ist er wieder in Nürnberg -zu finden und hat die Kühnheit, den Rat nochmals um eine Anstellung in -städtischen Diensten zu bitten, erhält aber zur Antwort: »meine Herren -wüßten kein Ampt, das für ihn wehr ledig, darumb möcht er sich an andern -Orten umthun«. Seit dieser Zeit läßt er sich nicht mehr nachweisen und -ist jedenfalls auswärts gestorben und verdorben. - -[Fußnote 30: Conservatorien, Band 29, Fol. 17b, im Stadtarchiv Nürnberg, -zum Datum: Actumia judicio quarta post Remigii. 2. octobris 1521.] - -[Fußnote 31: Zu gemeiner stat pfeifer anzunehmen ist erteilt Sebald, -maler. Actum 13. novembris 1532 per herrn Math. Loffelholz. Ratsbuch 16, -Fol. 45a -- Es ist aber hier nicht etwa der Maler Sebald Beham gemeint, -sondern wie aus dem Jahresregister von 1533 zu entnehmen, Sebald Greyff, -der dort bei den Besoldungen als »Trummelschlager und Pfeiffer« -aufgeführt ist.] - -[Fußnote 32: Lange und Fuhse, S. 63.] - -[Fußnote 33: Quellen hierfür, wo nicht anderes angegeben, die -Ratsmanuale.] - -[Fußnote 34: Daß dieser Georg Schlenk ein Sohn des Malers und Zöllners -Georg Schlenk war, ergibt sich daraus, daß der Zöllner öfter als Georg -Schlenk der ältere bezeichnet wird, so in einem Ratsverlaß vom 28. März -1556 und bei der Erwähnung seines Begräbnisses im 1. Totenbuch von St. -Lorenz.] - -[Fußnote 35: I. Ehebuch von St. Lorenz: Jorg Schlenk, Magdalena -Selneckerin, 16. novembris 1546. Kinder aus dieser ersten Ehe nach den -Taufbüchern von St. Lorenz und St. Sebald: Georg (getauft im November -1546), Jorg (März 1548), Magdalena (Dezember 1549), Hans (August 1551), -Gabriel (Mai 1553), Julianna (November 1554), Hans (Mai 1556), Michel -(August 1557). Seine erste Frau wurde nach dem Totenbuch von St. Lorenz -am 14. September 1557 beerdigt. Über ihren Tod meldet ein Ratsverlaß vom -18. September 1557: Item zu erfarn, welcher gestalt Jorg Schlengk sein -weib im kindpeth geschlagen, das sie hernach tods verschieden und -widerpringen. -- »Gabriel Schlenck, Georgen Schlenken teutschen -schreibers und burgers hie eeleiblicher sohn« hatte von seinem »Ahnherrn -Georgen Selnecker« einen Eigenzins von jährlich elf Gulden auf Hansen -Sörgels Haus geerbt. Dieser Eigenzins wurde von Sörgel abgelöst, worüber -am 7. Januar 1578 Gabriel Schlenk »seiner vollkommenen Jahre« Quittung -leistete. Conservatorien 130. Fol. 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre -1523 (Ratsbuch 12. Fol. 166a) noch Stadtschreiber in Hersbruck, wurde -später Gerichtsprocurator in Nürnberg. -- In zweiter Ehe verheiratete -sich Georg Schlenk (der jüngere) mit Magdalena Kolnerin am 29. November -1557 und zeugte mit ihr auch noch mehrere Kinder: Martha (getauft 1558), -Hester (Mai 1561), Hans (Februar 1563), Michel (26. September 1564).] - -[Fußnote 36: Akt des k. Kreisarchivs mit der Signatur: S 1, L. 598, Nr. -183. In diesem Schreiben nennt er sich »Georgius Schlenk der elter«; -denn er hatte einen gleichnamigen Sohn, und sein Vater, der Zöllner und -Maler Georg Schlenk, der früher diese Bezeichnung »der ältere« geführt -hatte, war inzwischen im Jahre 1557 gestorben.] - -Georg Schlenk des älteren anderer Sohn Michel widmete sich wie sein -Vater erst der Malerei und wurde hierauf ebenfalls städtischer -Thorzöllner[38]. Im Jahre 1549, wo er sich -- in erster Ehe -- -verheiratete[39], finden wir ihn zunächst als Zöllner am Vestnerthor[40] -und dann seit August 1557 am Spittlerthor[41]. Hier gab er später (1565) -aus unbekannten Gründen den Zöllnerposten ganz auf[42] und zog -schließlich, Weib und Kind verlassend, als Soldat nach Italien, wo er -(1576) unter den Besatztruppen der Stadt Genua erwähnt wird[43]. Von -dort ist er nicht zurückgekehrt, und seine Frau, die außer für ihre -eigenen Kinder auch noch für Stiefkinder zu sorgen hatte[44], mußte -schlecht und recht bis an ihr Lebensende sich als Hebamme durch die Welt -bringen[45]. - -[Fußnote 37: In diesem Schreiben bedient er sich bei der Versiegelung -eines Petschafts mit einer Hausmarke und den Initialen G. S. -- Da -dieses Petschaft vielleicht aus der Hinterlassenschaft seines Vaters, -des Malers Georg Schlenk, herrührte, und also die Möglichkeit nicht -ausgeschlossen ist, daß der Maler Georg Schlenk sich dieser Hausmarke -als Künstlerzeichen bedient hat, so geben wir hiervon eine Abbildung. - - [Illustration] - -[Fußnote 38: Daß Michel Schlenk ein Sohn des Malers und Zöllners Georg -Schlenk gewesen, läßt sich daraus entnehmen, daß er wie dieser den Beruf -eines Malers wählte und dann ebenfalls Zöllner wurde. In den Nürnberger -Bürgerbüchern ist er unter den neu aufgenommenen Bürgern nicht vermerkt; -Michel Schlenk muß also in Nürnberg geboren sein. Zu jener Zeit gab es -aber in Nürnberg nur einen Bürger Namens Schlenk, dem er seinem Alter -nach als Sprößling zugewiesen werden kann, nämlich den Maler Georg -Schlenk. -- Über weitere Nachkommen des Malers Georg Schlenk melden die -Nürnberger Kirchenbücher Folgendes: I. Taufbuch von St. Sebald: Georg -Schlenk ein tochter: _Susanna_ 12. Februarii 1533. -- I. Taufbuch von -St. Lorenz: Jorg Schlenck, Susanna: _Sixt_ (getauft in der Woche des) -dominica pasce 1534. Jorg Schlenck, Susanna: _Elizabeth_, dominica -palmarum 1536.] - -[Fußnote 39: Michel Schlenck, Anna Linckin, 16. July 1549. II. Ehebuch -von St. Sebald. -- Kinder aus dieser ersten Ehe: _Johannes_ (getauft im -April 1556). _Hieronymus_ (Mai 1557), _Sebald_ (Oktober 1558), _Michel_ -(Februar 1560), _Purkhart_ (Oktober 1561), _Anna_ (Oktober 1562), -_Michel_ (September 1564). -- Nach dem Totenbuch von St. Sebald (im -Kreisarchiv Nürnberg) wurde »Anna Michel Schlenkin, Malerin und -Zollnerin under dem Spitlerthor«, am 8. November 1564 beerdigt.] - -[Fußnote 40: Amtbuch zum neuen Rat de 1549. Ratsverlaß vom 9. Januar -1550 (Ratsmanuale de 1549/50, Heft 10, Fol. 11a).] - -[Fußnote 41: Ratsverlaß vom 6. August 1557 (Ratsmanuale 1556/57, Heft 4, -Fol. 32a.)] - -[Fußnote 42: Im Amtbuch zum neuen Rat de 1565 ist er als Zöllner am -Spittlerthor gestrichen.] - -Doch kehren wir nunmehr zu Georg Schlenk dem älteren zurück. Vom -Tiergärtnerthor wurde er 1533 ans Frauenthor versetzt[46]. Hier führte -er bis zu seinem Tode das Leben eines Zöllners. Die Thorzöllner standen -unter dem obersten Zöllner, dem höchsten Zollbeamten der Reichsstadt -Nürnberg. Soweit die Zölle, insbesondere für feinere Waren, nicht vom -obersten Zöllner oder dessen Gegenschreiber eingenommen wurden, geschah -dies durch die Thorzöllner, die außerdem auch noch den Wegzoll zu -erheben hatten. Unter den Gegenständen, die bei den Thorzöllnern nach -einem festen Tarif, den jeder Zöllner, auf Pergament geschrieben, bei -sich hatte, zu verzollen waren, finden sich z. B. Tierfelle, Werkholz, -Eisen, Kupfer, Blei, Zinn, Salz, Pech, Harz, Hopfen, Wein, Rüben, Kraut, -Heu, Knoblauch, Zwiebeln, dann aber auch Gläser, Teller, irdene Gefäße -(Häfen) und Krausen. Der Zoll wurde teils in Geld, teils in natura -erhoben: so von einem Sack Zwiebeln vier Stück Zwiebeln und von einem -Wagen oder Karren, der mit Gläsern oder Tellern das Thor passierte, je -zwei oder eins von diesen Gegenständen. Von den in natura eingehenden -Zöllen erhielt der Thorzöllner den dritten Teil und von den in Geld -anfallenden den achten Teil oder, wie es heißt, den achten Pfennig. -Neben diesen wechselnden und mehr zufälligen Einkünften bezogen die -Thorzöllner noch eine feststehende Besoldung, die jedoch nur sehr mäßig -war[47]. Außerdem gab es aber auch noch einigen Nebenerwerb: so war -ihnen gestattet, an Vorübergehende, aber nicht an sitzende Gäste -Branntwein auszuschenken[48]; und daß sie manches auch auf unerlaubte -Weise sich zu verschaffen wußten, das beweist das immer und immer wieder -ihnen eingeschärfte Verbot, den hereinfahrenden Holzbauern keine -Holzscheite wegzunehmen oder abzunötigen[49]. - -[Fußnote 43: In einer von seiner zweiten Frau »Anna Michel Schlenkens, -malers, burgers hie eewirtin« ausgestellten Urkunde heißt es von ihrem -abwesenden Manne, »welcher diser Zeit zu Genua in der besatzung lege«. -Datiert ist die Urkunde: Actum 5, 1. martij 1576. Conservatorien 125, -Fol. 58b -- Aus dieser Urkunde geht zugleich hervor, daß damals aus -erster Ehe des Michel Schlenk nur noch zwei Söhne vorhanden waren.] - -[Fußnote 44: Michel Schlenk hatte seine zweite Frau Anna Pognerin am 13. -Mai 1565 geheiratet. III. Ehebuch von St. Lorenz. -- Kinder aus dieser -zweiten Ehe: _Hans_ (Februar 1566), _Valentinus_ (April 1567), _Walpurg_ -(März 1570), _Kunigund_ (Februar 1572), _Margareta_ (November 1573), -_Johannes_ (März 1576). Siehe auch die Anmerkung vorher.] - -[Fußnote 45: Anna, Michel Schlenken verlassne wittib, hebam in der -weißgerbergassen, wurde am 3. Oktober 1585 beerdigt. Ihr Schwager war -der Schlosser Melchior Gaismann, der laut Ehebuch von St. Lorenz am 12. -Oktober 1564 ihre Schwester Barbara Pognerin geheiratet hatte. Daher -erklärt es sich, daß die Melchior Gaismannsche Begräbnisstätte auf dem -Rochuskirchhofe in Nürnberg (Nr. 522) zugleich auch das Grab dreier -hinterlassenen Kinder des »Michel Schlenken, Malers, und Anna seiner -Hausfrau seel.« ist. Norischer Christen Freydhöfe Gedächtnis, Nürnberg -1682, S. 15. St. Rochus Kirchhof. -- Michel Schlenk kehrte aus Italien -nicht mehr zurück; denn in den Nürnberger Totenbüchern ist sein Name -nicht verzeichnet. -- Der erwähnte Schlosser Melchior Gaismann ist -bemerkenswert als Verfertiger von Weckeruhren. Ratsmanuale 1578/79, Heft -1, Fol. 29b und 30a.] - -[Fußnote 46: Ratsverlaß vom 4. Oktober 1533 (Ratsmanuale 1533/34, Heft -7, Fol. 1b) und Amtbüchlein zum neuen Rath 1533.] - -[Fußnote 47: Quelle hierfür das Zollbuch de 1517-1580. M. S. 991 im k. -Kreisarchiv Nürnberg.] - -Bei dieser Art der Besoldung war also der einzelne Zöllner umso besser -gestellt, je lebhafter der Verkehr war. Zu den verkehrsreichsten Thoren -gehörte aber schon damals das Frauenthor; daher war der Zöllnerposten an -diesem Thor, wie das die Bewerbungen bei Vakanzen erkennen lassen, wegen -seiner höheren Einnahmen auch immer viel begehrter als z. B. der Posten -am Tiergärtner- oder Spittlerthor. - -Georg Schlenk, der innerhalb zweier Jahre vom verkehrsarmen Vestnerthor -über das Tiergärtnerthor ans Frauenthor gekommen war, hatte also sein -rasches Aufsteigen einem glücklichen Zufall oder, was wahrscheinlicher -ist, einer besonderen Vergünstigung zu verdanken. - -Allein die Gunst hatte keinen Bestand. Zum ersten Male (1538) forderte -er die Unzufriedenheit des Rats heraus durch eine Überschreitung beim -Branntweinausschank und wurde gestraft[50]. Weiterhin (1546) wurde er -zur Rede gestellt wegen Unschicklichkeiten, die er sich gegen Bauern des -Patriziers Grundherr erlaubt hatte. Dann (1547) nahm er, was streng -verboten war, Juden bei sich in Herberge und erhielt deshalb vom Rat -einen sehr scharfen Verweis: man werde ihn vom Amte urlauben, wo er -dergleichen mehr übe. Endlich (1554) fiel er nochmals wegen einer -Ungehörigkeit in Strafe. So hatte er also schon öfter den Unwillen des -Rats sich zugezogen, da traf ihn ein weiteres Mißgeschick. In der Nacht -vom 14. zum 15. Februar 1556 kam die äußere Mauer beim Frauenthor ins -Wanken; sie stürzte in den Stadtgraben mitsamt dem Zollhäuslein und -»allem dem, das im Zollhäuslein gewest außerhalb den Menschen, die Gott -genediklich und wunderbarlich daraus pracht und errett hat«. Schlenk -erhielt als Schadenersatz 40 Gulden vom Rat geschenkt, und das -Zollhäuslein wurde rasch wieder aufgebaut; aber verschiedene Wünsche, -die er hierbei aussprach, fanden kein Gehör. Seine Bitte, ihm einen -Keller einzurichten und ein Höflein zum Zollhäuslein zu erbauen, wurde -barsch abgeschlagen: wenn er der Fliegen halber nicht bleiben könne, und -wenn ihm das Haus zu eng sei, werde man nach einem andern Zöllner -trachten. - -Nicht lange mehr sollte er im neuen Zollhäuslein wohnen: er starb Ende -September 1557[51]. Um seine Stelle bewarb sich sein Sohn Michel; sie -wurde aber nicht ihm, sondern der Ordnung nach dem bisherigen Zöllner am -Spittlerthor, Hans Eschenbach, als dem ältesten Zöllner, -zugesprochen[52]. - -[Fußnote 48: Ratsverlaß vom 29. September 1533 (Ratsmanuale 1533/34, -Heft 6, Fol. 12a).] - -[Fußnote 49: Dieses Verbot findet sich fast Jahr für Jahr in den -Ämterbüchlein, manchmal in sehr scharfer Form.] - -[Fußnote 50: Quelle für das Folgende die Ratsverlässe.] - -[Fußnote 51: I. Totenbuch von St. Lorenz: Georg Schlenk der elter, -zolner unterm frauenthor 1. augusti 1557 (beerdigt).] - -Es ist nunmehr noch die Frage aufzuwerfen, ob keine Anzeichen dafür -sprechen, daß Georg Schlenk auch in der Zeit, wo er Garkoch oder Zöllner -war, noch nebenbei sich mit der Malkunst beschäftigt habe. Zieht man in -Betracht, daß das Geschäft eines Garkochs nur wenig Muße übrig ließ, daß -ihm als Zöllner bei dem überaus starken Verkehr, wie er sich durch das -Stadtthor bewegte, noch viel weniger freie Zeit blieb, auch wenn er ab -und zu von seiner Ehefrau vertreten wurde, daß ferner die -Lichtverhältnisse in den kleinen niedrigen Zollhäuslein nicht günstig -und die Räumlichkeiten zumal bei anwachsender Familie überaus beengt -waren, so hätte unter solchen Umständen schon ein sehr energischer und -strebsamer Charakter, wie ihn allem Anschein nach Schlenk nicht besaß, -dazu gehört, um nebenbei noch hervorragende Kunstwerke zu schaffen. Man -kann sich daher nicht wundern, daß von Georg Schlenk, obwohl er ein -Schüler und Gehilfe Albrecht Dürers gewesen, nichts weiter als Künstler -hervorgebracht wurde, das seinen Namen ruhmgekrönt auf die Nachwelt -gebracht hätte. Immerhin scheint er aber der Malerei nicht ganz untreu -geworden zu sein, da seine Witwe Susanna, die ihn noch fünf Jahre -überlebte, bei ihrem Tode ausdrücklich als »_Malerin_, gewesene -Zollnerin am Frauenthor« bezeichnet wird[53]. - -[Fußnote 52: Ratsverlässe vom 4. und 6. August 1557 (Ratsmanuale -1557/58, Heft 4, Fol. 26 und 32.)] - -[Fußnote 53: I. Totenbuch von St. Lorenz: Susanna Jorg Schlenkin, -malerin, gewesne zolnerin am frauenthor, pey dem pösen prunnen -verschieden, (beerdigt) 31. Julii 1562. -- Die Beerdigung fand damals in -Nürnberg am zweiten Tage nach dem Ableben statt. Susanna starb also am -29. Juli 1562. Vgl. hierzu Alfred Bauch, Barbara Harscherin, Hanns -Sachsens zweite Frau, Nürnberg, 1896, S. 13, Anm. 1.] - -_Nürnberg._ - - _Dr. Alfred Bauch._ - - - - - Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums. - - -Unter dem Namen »Plaketten« faßt man die kleineren, meist gegossenen -Metallreliefs zusammen, die entweder als Schmuckgegenstände oder als -Teile kunstgewerblicher Arbeiten direkte Verwendung fanden, oder aber -den Goldschmieden vornehmlich, den Hafnern, Bildhauern und Erzgießern -als Modelle dienten. Bisweilen benutzte man sie auch, unverändert oder -vergoldet, mit Holz- oder Metallrahmen versehen, als willkommenen -Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten ist Italien, von dort -fanden sie, in ausgedehnterem Maße wohl erst gegen Ende des 15. -Jahrhunderts, Eingang in Deutschland. -- - -Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Plaketten stellt sich als -Bleiguß dar, und diese Thatsache erklärt sich vielleicht, abgesehen von -der größeren Billigkeit, aus dem Umstande, daß sie besonders als -Vorbilder für Treibarbeit dienten. Denn für den Guß bietet ein Modell -aus härterem Metall, das die einzelnen Linien, die Details, schärfer und -deutlicher hält und wiedergibt, weit größeren Vorteil, während bei einem -zum Treiben dienenden Vorbilde die Hand des nachschaffenden Künstlers -selbständig ergänzt, was bei einem mechanischen Reproduktionsverfahren -verloren gehen würde. - -Die Plaketten des germanischen Museums stammen zum größeren Teile aus -der Sammlung der Freiherrn C. J. W. C. J. Haller von Hallerstein, die im -Jahre 1840 vom Handelsgerichtsassessor Joh. Jak. Hertel zu Nürnberg -ersteigert wurde und später in den Besitz des Kaufmanns Arnold daselbst -überging. Von diesem, der die Sammlung noch bedeutend vermehrt hatte, -erwarb sie das germanische Museum. Eine andere Kollektion ging dem -Museum als Geschenk von der mittelalterlichen Sammlung zu Basel zu. Sie -entstammt indessen nicht, wie im Katalog der Originalskulpturen S. 57 -irrtümlich angegeben ist, einer Modellsammlung, die »1881 in Basel -gefunden wurde«. Herr Professor Heyne hatte die Güte, über ihre -Provenienz folgende Mitteilung zu machen: »Es ist gar kein Fund einer -Goldschmiedewerkstatt zu Basel 1881 gemacht worden; sondern das wird -verwechselt mit einem Fund, der gegen diese Zeit in der Seine zu Paris -unter der alten Goldschmiedebrücke zu Tage kam, der an Händler -verzettelt wurde und von dem Bossard in Luzern manches erwarb; von -diesem kam wieder einiges an die mittelalterliche Sammlung in Basel. Den -Hauptbestandteil der dortigen Kollektion, von dem ich, so viel ich mich -erinnere, auch Doubletten an Essenwein für das germanische Museum -abgegeben habe, bildet aber nicht dieser Fund, sondern Stücke, die ich -sonst, namentlich auch von Bossard erworben habe, und über deren -Provenienz nichts ermittelt werden konnte.« - -Unsre Sammlung ist besonders reich an deutschen Plaketten, unter denen -die Arbeiten Flötners den hervorragendsten Platz behaupten. Auf einen -Teil derselben hat Domanig im Jahrbuch des allerh. Kaiserhauses Bd. XVI, -S. 1 ff. bereits hingewiesen, vollständige Veröffentlichung werden sie -demnächst erfahren durch eine umfassende Arbeit über Flötner von Lange. -Daneben aber hebt sich noch eine große Reihe künstlerischer Arbeiten -heraus, die der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angehören und mehr -oder minder stark durch die flötnersche Art beeinflußt sind. Besondere -Gruppen lassen sich mit Sicherheit ausscheiden, wenn es auch kaum -gelingen dürfte, die Namen der einzelnen Meister, die hauptsächlich -Nürnberger gewesen zu sein scheinen, zu ermitteln. Eine dieser Gruppen -bietet uns wenigstens die Anfangsbuchstaben, das Monogramm des -Künstlers: H. G. mit den Jahreszahlen 1569 und 1570. Aus der Bemerkung -Naglers, Monogramm. III, Nr. 974 geht hervor, daß er ein Goldschmied -gewesen sei. Die starke Beeinflussung seiner Technik durch Flötner, die -Verwandtschaft seiner Kompositionen mit Virgil Solis, der Umstand -endlich, daß gerade Nürnberg im 16. Jahrhundert die meisten und -vorzüglichsten Goldschmiede in Deutschland aufzuweisen hatte, berechtigt -zu der Vermutung, H. G. sei Nürnberger Künstler gewesen. Stockbauer -führt Bayerische Gewerbe-Zeitung 1893 Nr. 12, Beilage S. 6 in der Liste -der Goldschmiede unter dem Jahre 1560 einen Heinrich Garn auf, der also -eventuell in Frage kommen könnte. Mir ist indessen in Nürnberger -Urkunden niemals eine Goldschmiedsfamilie Garn, sehr häufig dagegen die -der Gar begegnet, die bei Stockbauer sich überhaupt nicht findet. Da die -von ihm abgedruckte Liste erst 1652 zusammengestellt wurde, so ist es -möglich, daß ein Irrtum vorliegt, daß aus H. Gar -- Heinrich Garn -gemacht wurde. Die Gar waren verwandt mit Veit Stoß. Sebald Gar, -Goldschmied, war vermählt mit Ursula, der Enkelin Stoß' (Nürnb. -Stadtarchiv. Cons. 47 fol. 108). Er ist mir begegnet 1534 (a. a. O. -Cons. 46 fol. 91 u. fol. 67) 1536 (Cons. 47 fol. 108), 1546 (Cons. 62 -fol. 1486), 1549 (Cons. 69 fol. 87). Unter dem letzten Jahre werden -seine Kinder aufgeführt (cf. auch Cons. 57 fol. 125): Jorg, Barbara, -Kungund, Cunrad, Hanns und Steffan. Letzterer ist damals noch unmündig. -Conrad Gar wird als Goldschmied genannt in einer Urkunde vom 16. Juli -1573 (Cons. 118 fol. 109b). Es wäre also nicht unmöglich, daß der von -Stockbauer aufgeführte Heinrich Garn identisch ist mit Hans Gar, dem -Urenkel Veit Stoß', dem jüngeren Bruder Conrad Gars, daß wir in diesem -Hans Gar den Monogrammisten H. G. zu erkennen hätten. - -Wir finden in den Werken des H. G. alle jene Stoffe behandelt, die die -Kleinmeister in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bevorzugten: -Darstellungen aus der klassischen Götter- und Sagenwelt, biblische -Scenen, symbolische Vorwürfe und Jagdstücke. Die mit kurzem -verständlichem Text begleiteten Emblemata, die Neuwen Figuren, -Biblische, Ovidische, Livische etc. »allen Künstlern, als Malern, -Goldschmieden, Bildhauwern, Steinmetzen, Schreinern etc. fast dienstlich -vnd nützlich«, gaben neben den größeren illustrierten Werken und den -zahllosen Einzelblättern auch dem weniger Gebildeten reichlich -Gelegenheit und Anregung zur Behandlung derartiger Stoffe. Das Gewissen -der Kleinmeister, selbst der vermögendsten, war nach modernen Begriffen -sehr weit: wenn sie sich auch meist eine gewisse Originalität in der Art -der Behandlung des Stoffes wahren, den Gedanken, einzelne Teile des -Ganzen eignen sie sich ohne Bedenken an[54]. Auch bei dem Meister H. G., -der sicherlich den besten seiner Zeit zuzugesellen ist, können wir diese -Erfahrung machen. Die Art und Weise, wie er seine figürlichen Scenen in -tiefe, abwechslungsreiche Landschaften hineinkomponiert, die Behandlung -der Bäume, besonders auch der Baumstämme, der blumen- und grasbedeckte -Untergrund, die fadenartige Wiedergabe des Rauches, weisen unbedingt auf -Flötner als sein Vorbild hin, nur daß uns Alles überladener, manirierter -entgegentritt. In dem Wasser, das selten seinen Landschaften fehlt, -schlagen Delphine, Schiffe und Kähne schwimmen darauf, Inseln und -Gestade sind bedeckt mit teilweise phantastischen Gebäuden. Von den -Blumen, mit denen der Boden übersät ist, bevorzugt er eine stilisierte -Tulpenart mit weit hervortretendem Stempel oder große Anemonen. Die -Baumstämme sind häufig stark gebogen, wie vom Sturme gepeitscht. -Besonders charakteristisch aber sind seine Wolken, die, in der Weise des -Moderno, aus einzelnen Teilchen bestehen, deren jedes aussieht, wie ein -auf einen Spieß gesteckter Darm. Das Relief seiner Figuren ist -durchschnittlich höher, als bei Flötner. Die Personen, in antiker -Gewandung, die Männer meist bärtig, sind schlank und muskulös, elegant -in Haltung und Bewegung, die Gestikulation der Hände von dramatischer -Bewegtheit, ohne daß ein störend unruhiger Eindruck hervorgerufen würde. -Die Tiere, die meist gallopierend dargestellt werden, sind ebenmäßig und -natürlich gebaut. Bei dem Anblicke der Werke des H. G., die sich -ausnahmslos durch vorzügliche Komposition und Perspektive auszeichnen, -wird man sich des Eindruckes nicht erwehren können, daß man es mit einem -hervorragenden Künstler zu thun hat. - - [Illustration] - -[Illustration: Taf. I. - -Aus der Plakettensammlung (I.).] - -[Fußnote 54: Ein interessantes Beispiel einer Compilation aus -verschiedenen Vorlagen zu einem Gesamtbilde bietet eine Plakette im -Goethemuseum (Schuchardt, Goethes Kunstsamml. II, S. 23. Nr. 34) zu -Weimar, die von einem Meister herrührt, der sich in seinen sämtlichen -Arbeiten eng an Jost Amman anschließt und von dem auch unser Museum eine -Reihe von Plaketten besitzt. Dargestellt ist die Erbauung Carthagos -durch Dido. Fast sämtliche Vorbilder halten die Neuwen Liuischen Figuren -des Jost Amman, Frankfurt 1573, geliefert. Dido und König Jarbas, zwei -mit dem Zerschneiden der Kuhhaut beschäftigte Männer und die beiden, die -mit den Lederstreifen das gekaufte Land umziehen, sind Tafel XL -entnommen. Die Begleitung Didos ist nach Tafel XLIIII »Amilcar wirt von -den Carthaginensern beschickt« gearbeitet, der Krieger links hinter Dido -findet sich Taf. VII »Numa Pompilius der andere König in Rom«, während -uns der barhäuptige Mann mit hohem Stehkragen und Schnürenrock auf Seite -J 2b (Psalmo I) der Neuwen Biblischen Figuren von Amman, Frankfurt 1569, -begegnet. Und obgleich die einzelnen Teile auf diese Weise -zusammengesucht sind, sind sie doch in einer Art zusammengestellt, die -uns vor dem Kompositionstalente des Künstlers die größte Hochachtung -abnötigte.] - -Unsere Sammlung besitzt von H. G. nachfolgende Stücke vgl. Taf. I: - -1) Scylla und Minos. K. P. 203. Katal. 528 (dort irrtümlich Aeneas und -Dido bezeichnet). Rund. Durchm. 0,182 m. Bleiguß. - -In der Mitte der Platte Minos, nach links gallopierend, mit Helm -bedeckt, in der Linken den Feldherrnstab haltend, den er auf die Hüfte -stützt. Links von ihm ein barhäuptiger Mann in begrüßender Stellung, -rechts ein Krieger mit Helm und Lanze. Im Vordergrunde zwei sitzende -Krieger, den Rücken dem Beschauer zugewandt. Weiter im Hintergründe -sieht man rechts die Krieger des Minos, links drei Frauen der Scylla. -Letztere ist zweimal vertreten: wie sie von einem Turme aus Minos -zuwinkt und wie sie, von einer Frau begleitet, ihrem Geliebten das -Lebenshaar ihres Vaters Nisos zuträgt. Sämtliche Personen in antiker -Gewandung. Im Hintergrunde Meer mit Delphinen und Schiffen, Architektur -etc. Vorn unten auf der Platte befindet sich ein Baumstumpf mit der -Inschrift: 1569 H G. Geflechtartige Umrahmung. - -Das Vorbild zu dieser Darstellung finden wir in Johan. Posthii -Germershemii tetrasticha in Ovidii metamor. lib. XV. quibus accesserunt -Vergilii Solis figurae elegantiss. & iam primum in lucem editae. -Frankfurt, Feyerabent. 1563. 8. S. 91. Die Scenerie ist hier allerdings -bedeutend einfacher, da Solis den Gegenstand in zwei Holzschnitten -behandelt. Solis ist aber auch nicht der Erfinder, sondern er hat fast -sämtliche Abbildungen zu den Metamorphosen aus La vita et metamorfoseo -d'Ovidio, Figurato & abbreuiato in forma d'epigrammi da M. Gabriello -Symeoni. A Lione per Giouanni di Tornes, 1559. 8. übernommen[55]. - - [Illustration] - -[Fußnote 55: Die Holzschnitte in der Ausgabe des Posthius sind -dieselben, wie die in der gleichfalls 1563 bei Feyerabent erschienenen -Ausgabe der Metamorphosen, die Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 citiert. -Die Abbildungen des Virgil Solis sind im Vergleich zu der Lioner Ausgabe -von 1559 gegenseitig, vergrößert und nur vereinzelt mit geringen -Änderungen versehen. (Über die Offizin des Jean de Tournes in Lion cf. -J. Reimers, Peter Flötner. 1890. S. 33 ff.). Solis hat aus der Lioner -Ausgabe die Abbildungen S. 36, 43, 57, 67, 77, 80, 84, 85, 88, 101, 118, -127, 176, 181, 182, 186, 187 nicht übernommen. Entweder sind die -betreffenden Scenen gar nicht, oder selbständig von Solis bearbeitet. Zu -den letzteren, die also nicht auf die Lioner Ausgabe zurückzuführen -sind, gehören in der Ausgabe des Posthius die Holzschnitte: S. 71, 72, -74, 83, 101, 109, 113, 117. Holzschnitt S. 27 (bei Posthius) hat unten -in der Mitte das Monogramm des Holzschneiders -BV- mit dem Schnitzmesser -links, was bei Nagler, Monogr. I. N. 2096 nachzutragen ist. Ebenso gibt -Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 nur 6 Holzschnitte an mit dem Zeichen des -Holzschneiders [Zeichen: b]. Dieses Zeichen findet sich indessen, in -verschiedenen Größen, auch auf den Schnitten: Met. IV, 9 Perseus befreit -Andromeda. V. 4 Pyreneus von den Musen gestraft. V, 7 Ceres verwandelt -einen Knaben in eine Eidechse. IX, 7 Byblis verfolgt ihren Bruder. XII, -1 Opferung der Iphigenie. XIII., 10 Aeneas trägt seinen Vater aus dem -brennenden Troia.] - -Für die weitere Verbreitung und Benutzung der Plakette stehen mir zwei -Beispiele zu Gebote. Erstens besitzt unsere Kupferstichsammlung unter -Nr. 4015 eine Punzenarbeit (siehe die verkleinerte Abbild, im Text), die -von einer nicht sehr geschickten Hand nach der Plakette gearbeitet -wurde. Der Stich erscheint natürlich gegenseitig, die Perspektive -mangelhaft, auffallend schlecht besonders in der Gruppe der Krieger, an -die Stelle von Gräsern und Büschen hat der Copist häufig einfach Steine -treten lassen. Monogramm und Jahreszahl auf dem Baumstumpf fehlen. -Solcher Punzenarbeiten sind uns eine große Anzahl erhalten. Sie -entstammen den Goldschmiedewerkstätten und dienten als Vorlagen für -Treibarbeiten. Die Zeichnung wird auf die Kupferplatte übertragen und -die Umrißlinien mit Punzen eingeschlagen. Die Linien bestehen daher aus -einzelnen Punkten, und, um dem Treiber anzugeben, welche Partien höher -und welche flacher im Relief gehalten worden sollen, werden die Punkte -je nachdem tiefer oder flacher, dichter an einander, oder weiter von -einander abstehend eingetrieben. Schattengebung ist für die Zwecke der -Punzenarbeiten überflüssig, und erst, als auch diese Gattung in der -zweiten Hälfte des 16. Jahrh. sich zu selbständigen Kunstwerken -ausgestaltete, finden wir auch den Schatten beigefügt. Bei unserem -Stich, der nach der Art seiner Behandlung lediglich den Zweck einer -Vorlage gehabt hat, ist auffallend die Ursache seines Entstehens. Wozu -war ein Stich nötig, nachdem das Vorbild in Form einer Plakette, also -eines brauchbareren und praktischeren Modells schon gegeben war? Es mag -wohl der Grund darin zu suchen sein, daß mit der Vervielfältigung einer -Plakette immerhin manche Umständlichkeiten verknüpft waren, daß ihre -Aufbewahrung größere Sorgfalt verlangte, wenn die Einzelheiten, -Baumschlag, Gesichtszüge etc., nicht, wie wir es an vielen Beispielen in -unsern modernen Sammlungen noch sehen können, gedrückt, abgerieben und -unkenntlich gemacht werden sollten. Wir müssen annehmen, daß die -Goldschmiede der damaligen Zeit ausnahmslos gewandte Zeichner und -geschickte Techniker waren, die Umsetzung einer Plakette in eine -Zeichnung ging ihnen leicht von der Hand und das Arbeiten nach einem -Stich bereitete ihnen keine Schwierigkeit. Es tritt uns häufig die -Erscheinung entgegen, daß plastische Arbeiten nach einer Plakette im -Gegensinne erscheinen. Ich glaube, daß wir in solchem Falle stets einen -Stich als Zwischenglied anzunehmen haben. Auch nach unserer Plakette -existiert eine Goldschmiedearbeit im Gegensinne, zu der aber nicht die -angeführte Punzenarbeit unserer Kupferstichsammlung die Vermittelung -gewesen sein kann, sondern zu der wir einen anderen Stich als Vorlage -voraussetzen müssen. Die Arbeit, eine silber-vergoldete Schale, befand -sich im Besitze Spitzers, und ist abgebildet in »La collection Spitzer« -III, orfèvrerie civile Pl. VIII. Die Beschreibung lautet dort (S. 25 Nr. -66): «A I'intérieur de la coupe est figurée la légende de Scylla. Nisus -(?), vêtu en guerrier antique, monté sur un cheval au galop, occupe le -centre de la composition. A droite et à gauche, des groupes de guerriers -(!). Au fond, on aperçoit Scylla tenant à la main la mèche de cheveux -qu'elle a coupée a son père; on la voit encore sur le haut d'une tour -qui fait partie de l'enceinte d'une ville, au dernier plan: fond de -paysage et de fabriques. Sur le bord de la coupe, à l'intérieur, est -gravée l'inscription suivante qui explique le sujet: Quid non cogit amor -testis Niseia virgo | ausa in purpurea regna pater[56] coma | fatali -tondere manu quid moenibus hostem | arces, hoste magis nata timenda tibi -est. Heu quanto stetit unius tonsura capilli Scylla tibi en tecum patria -versa tua est nil agis at vobis male sit nox somne cupido quorum opera -tantum suscipere ausa scelus. (?) - -Sur le bord de la coupe, à l'intérieur, un poinçon: un écusson chargé -d'un V. - -In Bezug auf die Landschaft ist der Meister dieser Arbeit sehr -selbstständig vorgegangen, sie hat durch seine vereinfachende -Behandlungsweise eher gewonnen, als verloren. Die manirierten Wolken -sind verschwunden, die Architekturteile aber sind sehr mäßig -ausgefallen. Der linke Eckturm der Stadt im Vordergrunde ist völlig -mißraten. Scylla hat, in näherer Anlehnung an Solis, einen großen Busch -Haare in der Rechten, damit an der Bedeutung ihrer Person kein Zweifel -sein kann. Der Baumstumpf mit dem Monogramm und der Jahreszahl fehlt. - -[Fußnote 56: Auf der Platte steht deutlich und richtig paterna.] - -2) Verkleinerter Ausschnitt aus der unter 1) angeführten Darstellung von -Scylla und Ninos. Copie. K. P. 888. Kat. 531. 0,05 × 0,45 m. Bleiguß. - -3) Eberjagd. K. P. 461. Kat. 530. Rund. Durchm. 0,17 m. Arabeskenartige -Umrahmung. Bleiguß. - -Ein nach links gallopierender Reiter in antiker Gewandung, mit Federhut, -in der Linken einen Jagdspeer schwingend und ein Jäger mit der Saufeder -dringen auf einen von 4 Hunden angefallenen Eber ein. Im Vordergrunde -rechts auf einem Baumstumpf 1570 H. G. - -4) Tod des Adonis. Von Jagdscenen umgeben. K. P. 204. Kat. 605. Rund. -Durchm. 0,159 m. Bleiguß. - -Adonis, nackt, liegt nach rechts im Schoße der bekleideten Venus, von -links beugt sich Amor zu ihm nieder, im Vordergrunde Schild, Horn, -Jagdspeer und Mantel. Im Hintergrunde sieht man nach rechts den Eber -enteilen. Durchm. des Mittelstücks incl. des umrahmenden Kranzes 0,065 -m. Der Rand ist in einer Breite von 0,042 m von Jagdscenen bedeckt, -unter denen sich die bei 3) aufgeführte mit geringen Änderungen rechts -oberhalb der Venus wiederholt. Der Jäger steht nicht links, sondern -rechts vom Eber und hat die Saufeder bereits dem Wild in die Seite -gestoßen. Den Reiter sehen wir, etwas verändert, links von der Gruppe. - -5) Der Angler. K. P. 205. Kat. 529. Durchm. 0,17 m. Umrahmung wie bei -1). Bleiguß. - -Im Vordergrunde links sitzt ein nach rechts gewandter Mann am Ufer eines -Flusses und angelt. Ein Korb hängt über einem Zweige im Wasser, ein -zweiter steht am Ufer. Der Fluß ist belebt durch Vögel, Fische und -Kähne. In der reichausgestatteten Landschaft bemerkt man rechts eine -Mühle, links antike Gebäudeteile. Rechts dem Angler gegenüber befindet -sich auf einem Baumstumpf die Inschrift: 1570. H. G. - -6) Vulcan und 3 Cyclopen mit schmieden beschäftigt. K. P. 202. Kat. 602. -Rund. Durchm. 0,17 m. Kranzartige Umrahmung. Bleiguß. - -Vulcan, vor einem Ambos in offener Landschaft sitzend, und 3 stehende -Cyclopen schmieden. Links die Feueresse, rechts Venus, die ihre rechte -Hand auf Amors Haupt gelegt hat. Sämtliche Personen sind nackt. - -7) Das Urteil Salomonis. K. P. 208. Kat. 603. Rund. Durchm. 0,17 m. -Umrahmung ähnlich wie bei 3). Bleiguß. - -Salomo, bartlos, sitzend in freier Landschaft, mit Scepter in der -Rechten, vor ihm ein Scherge, der in der linken Hand das lebende Kind am -Bein, in der Rechten das Schwert hält. Im Vordergrunde die beiden -klagenden Weiber, zwischen ihnen noch einmal das Kind, liegend. Im -Hintergrunde zwei bärtige Männer, deren einer das Liktorenbeil trägt. -Rechts turmartiges Gebäude, von dessen Brüstung, ähnlich wie bei 1), ein -Weib herunterschaut. Aus der Thüre, von der eine Treppe zum Erdboden -führt, tritt eine Person mit einem Korbe in der Hand. - - Schuchardt. Goethes Kunsts. II. S. 26 Nr. 74. - -8) u. 9) Hirsch- und Eberjagd in der Art des H. G. K. P. 254 u. 253. -Kat. 548. 549. 0,022 × 0,093 m. Bleiguß. - -Ein Hirsch, nach links entfliehend, wird von Jägern und Hunden verfolgt. -Ein Reiter mit Jagdhorn. Im Vordergrunde links ein Kreuz. - -In der Mitte ein Reiter mit Jagdspeer, rechts ein von Hunden -angefallener Eber, links laufender Mann mit zwei Hunden. - -Nagler, Monogr. III. Nr. 974 erwähnt: »In der fürstlichen Sammlung zu -Wallerstein befindet sich ein Pulverhorn mit einer runden getriebenen -und vergoldeten Platte, welche den Saturnus vorstellt, wie er die nackte -Wahrheit der aufgehenden Sonne entgegenführt. Ein düsterer Dämon sucht -sie vergebens wieder niederzuhalten, denn schon schwebt die -Friedenstaube über dem Lande. Die Umschrift besagt: Abstrusum Tenebris -Tempus Me Educit In Auras. -- H. G. 1570.« - -Leider konnte mir eine Abbildung oder nähere Beschreibung dieses -Pulverhorns nach gütiger Mitteilung des Herrn Bibliothekar Dr. Grupp -augenblicklich nicht zur Verfügung gestellt werden, wohl aber ist mir -durch die Liebenswürdigkeit der Verwaltung der archaeologischen -Abteilung des Darmstädter Museums der Abguß einer Plakette zugegangen, -die zweifellos das Modell zu der Platte des Pulverhorns darstellt. Die -Plakette, rund, hat einen Durchmesser von 0,083 m., ohne den mit der -Inschrift versehenen Rand 0,063 m. Die Darstellung entspricht genau der -Beschreibung Naglers. Aber das erste Wort der Umschrift lautet nicht -Abstrusum, sondern ABSTRVSAM, außerdem steht noch in der inneren -Plakette mit kleineren Buchstaben: VERITAS· FILIA· TEMPORIS· Wenn Nagler -also richtig zitiert, so hätten wir hier einen Beweis dafür, daß die -Plakette nicht als Andenken von einer ausgeführten Treibarbeit -abgegossen ist, sondern daß der Meister zunächst die Plakette -herstellte, um nach ihr zu arbeiten, dann aber bei der Platte für das -Pulverhorn den Fehler des Modells nicht nachahmte, sondern korrigierte. -Ein zweites Exemplar dieser Plakette, weit besser erhalten als das -Darmstädter, aber ohne Rand, also auch ohne das Monogramm, befindet sich -in Kassel. Eine Photographie davon verdanke ich Herrn Prof. Dr. K. -Lange. Es gehört dieses Stück zu den besten Arbeiten des Meisters H. G. - -Von den Nachfolgern Flötners steht unserem Plakettisten in der -Behandlung von figürlichen Darstellungen der durch eine große Reihe von -Punzenarbeiten bekannte Meister J. S. am nächsten. Was A. Winkler im -Jahrbuch der kgl. preuß. Kunstsammlungen Bd. XIII, S. 100 von diesem -schreibt: - -Besonders charakteristisch ist die Behandlung der Landschaft, zumeist -eine Verbindung deutscher Fluß-, Dorf- und Städtelandschaft mit -antik-römischen Reminiscenzen paßt ebenso auf Flötner und H. G. Auch die -Wassermühle, die übrigens auch Jost Amman gern verwendet, ist ein -bevorzugtes Motiv beider. Endlich erinnere ich noch an die Ähnlichkeit -der Wolkenbehandlung zwischen H. G. und I. S. Lauter _ähnliche_ Motive, -die doch von jedem einzelnen Meister in origineller Weise wieder -durchgebildet sind, die aber auf eine gemeinsame Schule schließen -lassen, welche von Flötner ausgegangen ist. - -_Nürnberg._ - - Dr. _F. Fuhse_. - - - - - Oswald und Kaspar Krell. - (Vergl. Dürers Porträt Oswalds in der Münchener Alten - Pinakothek.) - - -Wie bei jedem Kunstwerk das Verständnis des Gegenstandes, des Inhalts, -dessen, was der Künstler hat ausdrücken wollen, eine der -Hauptbedingungen des künstlerischen Genusses ist, so auch beim Porträt: -richtig beurteilen und voll würdigen können wir eine Leistung auf diesem -Gebiete erst, wenn wir mit dem Gegenstande -- hier also der -Persönlichkeit des Dargestellten -- bekannt gemacht sind. Aus diesem -Grunde werden auch einige Aufschlüsse über Oswald Krell, die sich mir -bei Gelegenheit anderer Studien in den hiesigen Archiven ergeben haben, -vielleicht um so mehr willkommen sein, als bisher über diesen Mann -nichts weiter bekannt war, als daß Dürer im Jahre 1499 sein Bildnis -gemalt hat[57]. Wohl mit Recht vermutet Thausing (Dürer I, 193), daß es -das erste Porträt war, das von dem jugendlichen Meister auf -ausdrückliche Bestellung gemalt wurde, denn schon das Aussehen des -Mannes ist nicht der Art, daß man sich dadurch hätte angezogen fühlen -können. »Es ist keine einnehmende Persönlichkeit«, sagt Thausing, »die -hier in aller Herbigkeit ihrer Erscheinung dargestellt ist. Der -knochige, bartlose Kopf des jungen Mannes ist etwas nach links gewandt, -und ernst, fast mürrisch, blicken die Augen aus den äußersten Winkeln -heraus.« Diese von dem in der königl. Pinakothek zu München befindlichen -Bilde abgelesene kurze Charakteristik wird durch einen Blick auf die -Thatsachen, die wir aus dem Leben Oswald Krells und über seine -Familienverhältnisse beibringen können, im wesentlichen bestätigt -- -gewiß ein Zeichen für die hohe Kunststufe, welche Dürer als Porträtist -bereits zu Ausgang des 15. Jahrhunderts erreicht hatte. - -Das Geschlecht der Krell oder Kreel gehört zu den Nürnberger Ehrbaren -Familien. In einer Urkunde vom 16. August 1490 kommt ein Franz Krell mit -dem Zusatz der «Erbar» als Mitglied des größeren Rates vor[58]. Oswald -erscheint in den im Kreisarchiv Nürnberg verwahrten Ratsprotokollen -zuerst im Jahre 1497, wo über ihn und Wolf Ketzel vom Rat eine Strafe -verhängt wird, weil sie einen ehrsamen Bürger[59], den Hans Zamasser, in -einem Fastnachtsspiel als Narren verhöhnt haben. Sie sollen dafür einen -Monat »auf einen versperrten Turm« wandern, es wird ihnen aber -freigestellt, sich von der Hälfte dieser Strafe mit Geld loszukaufen. -Alles bittliche Ansuchen hilft dagegen nichts, nur ein Aufschub der -Strafe, d. h. ihrer Abbüßung, wird den beiden Übelthätern endlich -gewährt[60]. Freilich kommt in den Notizen, die sich auf diesen Fall -beziehen, der Name Krell überhaupt nicht vor. Es heißt nur »Oswald, der -Gesellschaft von Ravensburg Diener«; da aber nach einer ziemlich -gleichzeitigen Urkunde im Nürnberger Stadtarchiv Oswald Krell damals in -der That »ein diener vnd handler (an anderer Stelle heißt es: »factor -vnd handler«) der gesellschafft zu Rauenspurg« war, so ist an seiner -Identität mit jenem losen Spötter nicht zu zweifeln[61]. - -[Fußnote 57: Vgl. T. de Wyzewa in der Gazette des Beaux-Arts 1890, 1. -August: »Oswald Krell réalise l'idéal de l'obscurité et du peu -d'importance; on n'a pu découvrir ni d'où il venait, ni qui il était, et -rien ne nous est resté de lui, à part son nom et son image.«] - -[Fußnote 58: Freiherrl. von Holzschuhersches Archiv (im Germanischen -Museum) Perg.-Urk. vom 16. Aug. 1490.] - -[Fußnote 59: Nach Aufzeichnungen Lochners im Nürnberger Stadtarchiv, -deren genauere Bezeichnung -- es handelt sich um eine Randbemerkung in -den sogenannten Selekten -- ich mir leider nicht gemerkt habe, besaß ein -Zamasser ein Haus am Markt in der Nähe der Fleischbrücke.] - -Viele Jahre hören wir nichts mehr von ihm. Dann taucht sein Name -plötzlich wieder auf; aber inzwischen ist aus dem Handlungsdiener, der -die Interessen einer fremden kaufmännischen Gesellschaft[62] -wahrzunehmen hatte, ein selbständiger Mann, wie es scheint ein -angesehener Kaufherr zu Lindau im Bodensee[63] geworden, dessen -Bürgschaft in einer Kriminalsache von dem Rat zu Nürnberg gewünscht -wird. Wiederum ist es keineswegs ein sauberer und für seine Familie -ehrenvoller Handel, in den Oswald hineingezogen wird, wenn diesmal auch -nicht er, sondern sein Bruder Kaspar Krell der Schuldige war. Der -ziemlich abenteuerliche Hergang dieser Angelegenheit bietet manches -sittengeschichtlich Interessante, und so will ich ihn hier in Kürze -erzählen, obgleich dabei für das Verständnis des Dürerschen Gemäldes, -von dem unsere Betrachtung ausging, nicht mehr viel zu gewinnen ist. - -[Fußnote 60: [R(ats)-P(rotokolle) 1497 (Heft) II, (Blatt) 15b] Tercia -post domini oculi (_28. Febr._) _1497_: - -Es ist bey einem erbern Rat erteylt wolff ketzel vnnd den oßwalt der -geselschafft von Rafenspurg diener, yr yden ein monat vff ein versperten -thurn, zu straffen, den halben teyl mit dem leyb zuuerpringen aber den -anndern halben teyl mag Ir yder mit dem geltt darauff gesetzt ablosen, -Darumb das sie Hannsen Zamasser, mit einem faßnacht Spil als ein narren -gehondt haben. - -[R.-P. 1497, II, 17a] Quinta post domini Oculi (_2. März_) _1497_. - -Es ist erteylt, In der sachen Zwischen dem Zamesser, vnd wolffen ketzel -auch dem oßwalt, das es ein erber Rat bej der straff die In vormalen Im -Rat erteylt ist entlich sol pleyben, vnd kein enndrung dar Innen thun -lassen. - -[R.-P. 1497, III, 9b] Tercia post domini palmarum (_21. März_) _1497_: - -Es ist abermalen Im Rat erteylt das es bej der straff die [man] dem -ketzell vnnd dem Oßwallt von wegen des Zamasserß auffgelegt hat, -nochmalen sol pleyben. - -[R.-P. 1497, IV, 13b] Quinta post misericordiae dominj (_13. April_) -_1497_: - -Oßwallten der gesellschafft von Rafenspurg diener ist frist zu seiner -straff geben bis vff pfingsten. - -[R.-P. 1497, VI, 16b] Tercia post Viti (_20. Juni_) _1497_: - -Wo der oßwalt sein straf itzo halbe wil verpringen sol [man] Im zu dem -anndern Halben teyl biß vff Jacobj frist geben. - -[R.-P. 1497, VII, 4a] Tercia post Johannis Baptiste (_27. Juni_) _1497_: - -Es ist abermalen erteylt das Oßwalt sein straff verpringen sol wie am -nachsten im Rat erteylt ist.] - -[Fußnote 61: Stadtarchiv. Libri litterarum. Bd. X. Fol. 82b, leider ohne -Datum, aber ohne Zweifel in die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts -gehörend. Es handelt sich um Summen, welche Hieronymus Behaim, Bürger zu -Nürnberg und Blasius Krieg zu Breslau verschiedenen Leuten für -gelieferte Kaufmannswaren schuldig sind. Unter den Gläubigern erscheint -auch Oswald Krell, der 248 Gulden zu fordern hat.] - -[Fußnote 62: Ohne Zweifel jene große patrizische Handelsgesellschaft zu -Ravensburg, an deren Spitze im 15. Jahrhundert die uralte Familie -Hundbiß stand. Vgl. darüber F. Hafner, Geschichte von Ravensburg (1887) -S. 94, 269, 441 u. ö.] - -Im Februar des Jahres 1511 wurde Kaspar Krell von Lindau wegen -mancherlei Diebereien plötzlich festgenommen und unter Androhung der -Folter verhört. Welcher Art seine Diebstähle gewesen sind, geht aus den -Ratsprotokollen nicht mit Sicherheit hervor. Er gestand sie aber ein und -würde auf dem für ihn angesetzten »ernstlichen Rechtstag« vermutlich zum -Tode durch den Strang verurteilt worden sein, wenn sich nicht -hochgestellte Persönlichkeiten: der Bischof von Regensburg, Kurfürst -Friedrich von Sachsen, die kaiserliche Majestät selbst für ihn verwendet -hätten. Die Wichtigkeit, welche der Sache beigelegt worden zu sein -scheint, dann der Umstand, daß wir Kaspar Krell einmal im Verein mit -einer ganzen Anzahl anderer Häftlinge erwähnt finden, läßt vermuten, daß -wir es in ihm mit keinem gewöhnlichen Diebe, sondern eher mit einem -Strauchritter, sogenanntem Placker, oder etwas Ähnlichem zu thun haben, -der sich vielleicht guter Beziehungen zu den verschiedenen fürstlichen -Höfen erfreute. Kaiser Maximilian befürwortete sogar seine Freilassung. -Darauf aber konnte sich der Rat nicht einlassen. Er sicherte ihm zwar -auf das Drängen der Fürsten das Leben zu, ließ aber Kaspar Krell bis auf -Weiteres im Loch liegen. Der Probst von St. Sebald wurde beauftragt, der -kaiserlichen Majestät die Gründe für dieses Verhalten des Rates -auseinander zu setzen und sein Schreiben gleich so einzurichten, daß »Ir -Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit außgeen lass, denselben -Caspar frey ledig zu geben, in ansehung was sich ain Rate bey Ime -besorgen müß.« Aber im Grunde wäre man doch -- gegen die nötige -Sicherheit -- des gefährlichen Menschen gern ledig gewesen, zumal man -nicht recht wußte, was man nun mit ihm anfangen sollte. Man ließ ihn -Urfehde schwören, glaubte sich aber dadurch noch keineswegs genügend -gegen neue Schädigung und Anfeindung von seiner Seite gedeckt und trat -daher gleichzeitig in Unterhandlungen mit den von Kaspar Krell selbst -vorgeschlagenen Bürgen. Seiner »Freundschaft«, die sich wohl -gleichzeitig für ihn verwendet hatte, ward angesagt, man sei geneigt, -falls außer ihnen noch Kaspars Eltern, sowie sein Bruder Oswald Krell in -Lindau zur Stellung der nötigen Sicherheit zu bewegen sein würden, -solche Bürgschaft gelten zu lassen. Das aber machte Schwierigkeiten. Die -Krellen in Lindau konnten sich mit dem Rat nicht so bald über die als -Bürgschaft zu zahlende Summe einigen, und während die Verhandlungen noch -schwebten, geschah etwas, das eine wesentliche Verschlechterung der Lage -Kaspars im Gefolge haben sollte. Die Maid des alten Lochhüters -- -gemeint ist wohl seine Tochter -- hatte sich in den Gefangenen verliebt, -und mit ihrer Hilfe machte Kaspar einen Fluchtversuch, der aber mißlang. -Gebunden ward er in das Loch zurückgeschafft, dort in Ketten gelegt und -aufs Neue mit der Folter bedroht. Vielleicht hat man sie ihm auch zu -kosten gegeben, doch reichte wahrscheinlich die Beschaffenheit des -Lochgefängnisses allein hin, auch einen starken Mann mürbe und den -gesundesten krank zu machen; das können wir aus einigen Andeutungen -schließen. - -[Fußnote 63: Wenn zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Lindau ohne -weiteren Zusatz die Rede ist, ist wohl immer Lindau i. B. gemeint. Über -dessen Bedeutung für den damaligen Handelsverkehr s. L. v. Ranke, Zur -deutschen Geschichte (Sämtliche Werke. 3. Aufl. 1888. VII. Bd.) S. 34.] - -Inzwischen war es wieder Winter geworden. Zu Anfang des neuen Jahres -1512 bat der Gefangene, beichten und das heilige Sakrament empfangen zu -dürfen. Beides wurde ihm gewährt und außerdem zugelassen, daß er alle -Samstag ein Licht in seinem Kerker brennen möge, ein Gnadengesuch seiner -Geliebten jedoch, von der es hieß, daß Kaspar sie im Loch zur Ehe -genommen habe, abschlägig beschieden. Zugleich ließ der Rat unter der -Hand und durch allerlei Mittelspersonen erneute Versuche machen, -namentlich Oswald Krell zu den gewünschten, volle Sicherheit -verbürgenden Zugeständnissen zu bewegen. Sogar dem Lochhüter ward einmal -ein Wink gegeben, Gelegenheit zu bieten und zu verstatten, daß Kaspar -Krell wieder an seine Freundschaft schreibe. Aber Oswald blieb hart. Im -September erkrankte Kaspar; so dürfen wir wohl aus der Mitteilung -schließen, daß ihm eine Hauptwaschung und Aderlaß erlaubt wurde. Ein -Schermesser, besagte die Verordnung, dürfe aber nicht an ihn kommen. -Vermutlich wollte man ihn in recht verwahrlostem, bejammernswürdigem -Zustand seinen Verwandten gegenübertreten lassen, deren Ankunft man -erwartete. Aber noch bis zum November blieben diese aus. Dann erst, als -die Brüder Kaspars -- ob Oswald darunter war, wird nicht gesagt -- -eingetroffen waren und im Beisein Nikolaus Hallers eine Unterredung mit -ihrem elenden Bruder gehabt hatten, kamen endlich die Unterhandlungen -über die zu leistende Bürgschaft in rascheren Fluß. Die nächste Folge -davon war, daß Kaspar aus dem Loch in »das obere Stübchen« umquartiert -wurde; doch blieb er auch hier noch mit einer Kette an die Wand -geschlossen. Immerhin fehlte nicht viel und es wäre unter vergeblichen -Hin- und Herschreibereien zwischen Nürnberg und Lindau auch dieses Jahr -zu Ende gegangen. Da kam kurz vor Jahresschluß die Befreiung. Auf Grund -welcher Vereinbarung sich der Rat dazu verstand, ist uns nicht -überliefert. Wir hören nur, daß am 29. Dezember dem Kaspar Krell sein -Geld und seine Kleider, die ihm bei seiner Einlieferung ins Gefängnis -abgenommen worden waren, wieder ausgehändigt wurden. Nur ein Becher, der -vermutlich zu den ehemals geraubten Gegenständen gehörte, verblieb -zunächst in den Händen des Rats, »ob sich vielleicht jemand finde, dem -er zustehe.« Das ist die letzte Notiz über Kaspar Krell, und auch -Oswalds Name kommt seitdem in den Nürnberger Ratsprotokollen nicht -wieder vor[64]. - -[Fußnote 64: Ich gebe hier im Zusammenhang diejenigen Ratsverlässe, -welche der vorstehenden Darstellung des Falles Kaspar Krell, zu Grunde -liegen: - -[R.-P. 1510, XII, 4a] Secunda Scolastice (_10. Febr._) _1511_: - -Casper Krell vmb weitter dieberey zu red hallten, wo er gutlich nit -sagen will weethun. - -[ebenda, 5a] Tercia post Scolastice (_11. Febr._) _1511_: - -Caspar Krellen von Lindaw ist vmb sein geubter vnd bekandte dieberey -auff nachsten Pfincztag ein ernstlicher recht tag gesatzt. - -[ebenda 7b] Quinta post Scolastice (_13. Febr._) _1511_: - -Herzog Friedrichen von Sachsen Churfursten anzaigen das vff sein und deß -Bischoffs von Regenspurgs Furbitt Caspar kreel deß lebens gesichert sey. - -[ebenda 10b] Tercia post Juliane (_18. Febr._) _1511_: - -Die vrfehd vnd purgschafft Caspar krells soll man allso seiner -freuntschafft, wie die gelesen Ist, furhallten, vnd Inen ain abschrifft -dauon geben. - -[ebenda 13b] Sabato Petrj ad kathedram (_22. Febr._) _1511_: - -Vff furbitt Herczog Friedrichs von Sachsen Churfürsten sind diese -hernach geschribne personen begeben vnd Ihnen Ir uffgelegte straff -nachgelassen vnd gesichert nemlich Steffan Fellnstain desgleichen Hans -banntzer wo er sich mit deß entleibten freuntschafft vertregt, -deßgleichen Bernhardin Mewes wo er sich mit der widerparthey vnd ainem -Rate verträgt. - -[14a] Aber diser Person halben Ist deß Herczogen furbitt gelaint nemlich -Hanns Schrecken Leonhardten werner Margrethe wegerheim Hansen -Krafftshofer, Mathes Henlin Kungund Gollnerin Hannsen Widmann zue -klainrewt Conntzen Schmid Fritzen gast Hannsen Ennter Fritzen kolben. - -Vnd Caspar Krell soll Im loch bis vff vollziehung der purgschafft ligen -bleiben. - -[R.-P. 1510, XIII, 18a] Sabato post Oculj (_29. März_) _1511_: - -Caspar Krellen freundschafft Soll man ansagen, wo Sy irn Freund Oßwald -Krellen zu Lindaw vermugen, so woll man den zusampt Inen vnd des Caspars -vater und mutter zu pürgen annemen. - -[R.-P. 1511, II, 4b] Secunda post vocem Jocunditatis (_26. Mai_) _1511_: - -Caspar krellen bruder sagen Soll morgen wider vmb antwt manen. - -[ebenda 5a] Tercia post Vrbanj (_27. Mai_) _1511_: - -Caspar Krellen soll man noch (vnentschlossen was enndtlich mit Ime zu -handeln sey) allso ligen lassen, vnd dem Brobst Sebaldj schreiben ainen -Rate vff der k. Mt schrifft seiner halben zuuerantworten vnd zufurkomen -das Ir Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit außgeen lass -denselben Caspar frey ledig zu geben In ansehung was sich ain Rate bey -Ime besorgen müß. - -Vnd Casparlins freunden Anntwt zu geben ain Rate wöll vff Ir schrifft -selber anntwurt geben, vnd dann der angepotten purgschafft halben hab -ain Erber Rate Inen vor lawttern beschaid vnd anntwt geben dabey lass es -ain Rate bleiben. - -[R.-P. 1511, III, 1b] Sabato post corporis Christi (_21. Juni_) _1511_: - -Den krellen zu Lynndaw so ytzo Irs Sons vnd brvders halben Caspar krelln -geschriben haben antwt zu geben ain Rate hab denselben Caspar deß lebens -vff furbitt der fursten vnd gnugsam purgschafft so man ainem Rate -verwendt hab gesichert vnd darumb sey ainem Rate Ir angepottne -purgschafft alls vngnugsam nit annemlich. - -[ebenda 8b] Secunda post pet. & paulj (_30. Juni_) _1511_: - -Caspar Krellen weitter der maid halben Im Loch die Ime zu seiner -erledigung hanndtreich gethan haben soll zu red hallten, pynnden vnd -bedroen. - -[ebenda 7 u. 9] 2 Notizen ziemlich des gleichen Inhalts. - -[R.-P. 1511, X, 11a] Secunda post Erhardj (_11. Jan._) _1512_: - -Caspar Krellen soll man vergonnen zu peichten vnd das heylig Sacrament -zu empfahen. - -Deßgleichen Ist Ime zuglassen das er alle Samstag ain liecht Im loch -geprauchen mag doch das Ime allweg ain ketten an das pain gelegt werde. - -Vnd soll bey dem Blarer haimlich angregt werden damit ain Rate seiner -erledigung halb durch oßwald Krellen stattlich angesucht werde vnd das -soll thun Caspar Nützel. - -[R.-P. 1511. XII, 22a] Quarta post Oculj (_17. März_) _1512_: - -Des alten Lochhüters maid ir begern vmb entledigung Caspar Krellen der -Sy im loch zu der Ehe genomen haben soll ablainen. - -[R.-P. 1512, III, 23a] Secunda post Visitacionis (_5. Juli_) _1512_: - -Dem Lochhüter soll man wincken das er Caspar Krell zulaß an sein -freundschafft zu schreiben. - -[R.-P. 1512, V, 15b] Quinta post crucis Exaltacionis (_17. Sept._) -_1512_: - -Dem Casperla Krell Soll man vergonnen daß habt waschen ader lassen aber -Ime mit keim messer nit Scheren Mit güter gwarsam. - -[R.-P. 1512, VIII, 14 a] Tercia Othmari (_16. Nov._) _1512_: - -Des Casperlas Crellen brüder gestatten mit Im zu reden doch In beywesen -N. Hallers. - -[ebenda 14 b]: - -Casparn Krell soll man In das ober stublin an ainer Ketten verwarn so -lang die Verschreibung wider von Lynndaw kompt. - -[1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (_29. Dez._) _1512_: - -Caspar Krellen soll man sein gelt vnd claider so in seinem fenglichen -annemen Zuuerwarung genommen sind wider zustellen Aber den Pecher -derweil er den nicht geuordert lennger behalten, ob sich ymand finden -wollt, dem er Zustund.] - -_Nürnberg._ - - _Th. Hampe._ - - - - - Zu Baldungs »Madonna mit der Meerkatze«. - - -Herr Dr. Stiassny hatte die Liebenswürdigkeit mich darauf aufmerksam zu -machen, daß das neue Bild des germanischen Museums, welches ich im -letzten Hefte des vorigen Jahrgangs Hans Baldung zuwies, bereits in der -Litteratur erwähnt ist. Es ist dies von Seiten Scheiblers (Repertorium -X, 28) und Stiassnys (Wiener Kunstchronik XI. Nr. 28, S. 721) geschehen, -aber allerdings in so wenig detaillierenden Ausdrücken, daß eine -Identifikation unmöglich war, zumal in Anbetracht der unzähligen Bilder -einer »Madonna mit Kind aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts«. Ich -hatte mir allerdings schon längere Zeit diese »Madonna bei Postrat -Beisch in Stuttgart« auf Grund dieser Zitate notiert, aber da von Seiten -des Verkäufers s. Zt. keine Angaben gemacht wurden, so war die Identität -der Beisch'schen Madonna mit unserem Bilde in der That absolut -unersichtlich. Ich habe nun unser Bild vor ganz kurzer Zeit nochmals mit -Hauptwerken des Meisters in Freiburg und Frankfurt verglichen, ferner -mit den Handzeichnungen, Stichen und Holzschnitten und muß auf meiner -Ansicht beharren: das Bild ist meines Erachtens sicher in Baldungs -Atelier entstanden und höchstwahrscheinlich ein Werk seiner eigenen -Hand. - -_Nürnberg._ - - _Dr. Edmund Braun._ - - - - - Der Meister der nürnberger Madonna[65]. - - -Treten wir vor ein bedeutendes Kunstwerk, so ist eine der ersten Fragen, -die sich uns aufdrängen, wer hat es gemacht. Die Frage ist begreiflich -und gerechtfertigt, nicht nur vom Standpunkte des Historikers aus, -sondern für jeden verständnisvollen Beschauer. Was uns interessiert, was -uns anzieht oder abstößt, ist nicht nur das Kunstwerk als solches, -sondern auch die Individualität des Künstlers, welche aus ihm spricht. -So viele Irrtümer unvermeidlich unterlaufen, wenn Künstlernamen einzig -aus stilistischen Kriterien bestimmt werden, man wird da, wo -schriftliche Nachrichten oder gute Traditionen fehlen, immer wieder auf -diese Bestimmungsweise geführt werden. - -Unter den plastischen Werken der beginnenden deutschen Renaissance wird -die nürnberger Madonna (G. M. 314, Städtische Kunstsammlung Plastik 5) -stets in erster Linie genannt. Vielfach wird sie als das bedeutendste -Werk der deutschen Plastik des frühen 16. Jahrhunderts bezeichnet, oft -ist sie besprochen, in Abgüssen und Abbildungen ist sie allgemein -verbreitet und bewundert. - -Die Bezeichnung eines Kunstwerkes als bedeutendstes ist stets eine -relative, insbesondere besteht zwischen Kunstwerken, bei welchen in -erster Linie der intensive Ausdruck der Empfindung angestrebt wird und -solchen, welche mehr die formal harmonische Schönheit der Erscheinung -betonen, eine ästhetische Antinomie. Erstere haben eine höhere -individuelle, letztere eine mehr typische Bedeutung, und unvermeidlich -muss bei ihnen der Ausdruck der Gemütsbewegungen um einige Grade -herabgestimmt werden. Und doch können zwei Werke dieser beiden Gattungen -die gleiche Vollendung besitzen und bezüglich der Gattungen selbst sind -wir nicht berechtigt, die eine der anderen überzuordnen. Wohl aber sind -wir darüber klar, daß erstere mehr dem malerischen, letztere mehr dem -plastischen Ideal entspricht. Die nürnberger Madonna, welche wohl mit -Recht als Teil einer Kreuzigungsgruppe betrachtet wird, gehört zu -letzterer Gattung. Die Figur ist das Werk eines großen Künstlers, -welcher an formaler Begabung, an reinem Schönheitssinn alle seine -Zeitgenossen überragt. Eine so ungewöhnliche Sicherheit des plastischen -Könnens ist Niemanden angeboren, sie wird nur allmählig in ernster -Arbeit erworben. Es ist ganz ausgeschlossen, daß der Meister nur diese -eine oder nur wenige Arbeiten geschaffen habe. Solche sind aber bis -jetzt nicht bekannt geworden. Ob ihm die Pietà in der S. Jakobskirche in -Nürnberg zugewiesen werden darf, ist zum mindesten fraglich. - -Daß aber das ganze Werk eines so großen Meisters bis auf eine Figur zu -Grunde gegangen sei, ist höchst unwahrscheinlich. - - [Illustration: Nürnberger Madonna.] - -Halten wir daran fest, daß die Figur eine nürnberger Arbeit ist, und es -ist kein ausreichender Grund vorhanden, sie einer anderen oberdeutschen -Schule zuzuweisen, so ist längst erkannt, daß sie weder von Veit Stoß, -noch von Adam Kraft sein kann. Beide Künstler halten an dem -spätgotischen, plastisch malerischen Stile des 15. Jahrhunderts fest, -ihre Arbeiten sind von starker und tiefer Empfindung durchweht, welche -selbst vor gewaltsamen Stellungen nicht zurückschreckt. Von einer -Zuweisung der Madonna an einen von ihnen kann keine Rede sein. Anders -stellt sich ein Vergleich mit den Arbeiten Peter Vischers, ein -Vergleich, der bis jetzt nicht angestellt wurde. Peter Vischer ist seit -den großen Meistern des 13. Jahrhunderts der erste deutsche Bildhauer, -in dem die strengsten Stilgesetze der Plastik lebendig sind. Es ist -etwas Objektives in seiner Kunst, seine Figuren haben gattungsmäßige, -typische Bedeutung. Gegenüber den scharf individualisierten -Persönlichkeiten Krafts oder gar Dürers haben seine Menschen etwas -Allgemeines. Er individualisiert nicht mehr, als sich mit der harmonisch -linearen Schönheit der Gesamterscheinung vereinigen läßt, auf welche -sein Absehen in erster Linie gerichtet ist. Demgemäß sind auch die -Bewegungen maßvoll und die Gewandung ist von klassischer Einfachheit, -die Körperform mehr hebend als verhüllend. Von den untersetzten -Verhältnissen der Apostelfiguren am Grabmale des Erzbischofs Ernst von -Magdeburg geht er später zu schlanken Proportionen über. Die Apostel am -Sebaldusgrab haben sieben und mehr Kopflängen. - -[Fußnote 65: Auf die stilistischen Eigentümlichkeiten der Figur, welche -dieselbe mehr der Metall- als der Holzplastik zuweisen, hat Dr. H. -Stegmann schon früher aufmerksam gemacht.] - -Die charakteristischen Merkmale von Peter Vischers statuarischen -Arbeiten, namentlich von den Aposteln des Sebaldusgrabes finden sich -wieder an der Nürnberger Madonna. Die plastischen Motive und der Fluß -der Linien sind von einer Harmonie und Klarheit, wie sie die deutsche -Schnitzkunst vorher nie erreicht hatte. Das Bewegungsmotiv ist von oben -bis unten einheitlich durchgeführt, hier stören keine Verrenkungen und -Härten wie bei anderen Schnitzwerken der gleichen Zeit. Eine milde -Stimmung beherrscht das ganze Werk. - -Nun sind diese übereinstimmenden Momente an und für sich noch kein -Beweis für Vischers Autorschaft, sie gewinnen aber dadurch erheblich an -Gewicht, daß Vischer mit seiner plastischen Auffassung in seiner Zeit -ganz allein steht. Beobachtungen von Einzelheiten kommen hinzu. Vischer -liebt in der Gewandbehandlung lang gezogene Falten, der Fall der -Obergewänder ist breit, zuweilen etwas schwer. Auch an der Madonna ist -der Faltenwurf ähnlich behandelt. Man vergleiche den Fall des Mantels in -beistehender Skizze mit dem der Schwester des Lazarus vom Epithaph der -Margareta Tucher. Von der Knitterigkeit, von den barock gebauschten -Rändern der Gewänder, wie sie noch Veit Stoß liebt, ist hier keine Spur -mehr zu sehen. Auch die Behandlung der Hände und das rund vorspringende -Kinn hat in anderen Werken Vischers seine Analoga. - - [Illustration: Tucher'sches Epitaph.] - - [Illustration: Nürnberger Madonna.] - -Endlich aber ist die Figur -- worauf schon Dr. Stegmann aufmerksam -gemacht hat -- überhaupt nicht im Holzstil, sondern im Metallstil -gedacht und ausgeführt. - -Die unruhigen, knitterigen und gebauschten Falten der Holzfiguren zielen -auf eine malerische Wirkung ab, welche Polychromie und Vergoldung zur -Voraussetzung hat; bei unserer Figur ist eine Steigerung der Wirkung -durch farbige Behandlung kaum denkbar. Schon die Verteilung von Ober- -und Unterkleid ist eine solche, daß durch ein Auseinanderhalten mittels -Farbe nur eckige und unschöne Überschneidungen entstünden, welche der -plastischen Erscheinung nicht zum Vorteil gereichen würden. Die großen -Flächen des Mantels würden in anderer als der dermaligen grünlichen -Farbe eben auch nicht viel anders erscheinen als jetzt. - -Wohl aber würde die ganze Gewandung bei einer Ausführung in Bronze durch -die Glanzlichter auf den Höhen und die dunkeln Schatten in den Tiefen -der Falten sehr wesentlich belebt werden. - -Es sei noch darauf hingewiesen, daß der grünliche Anstrich der Figur -nicht modern, sondern alt und mehrmals erneuert ist. - -Mit dem Gesagten ist eine ziemliche Wahrscheinlichkeit für Peter -Vischers Autorschaft gewonnen. Es darf indes nicht verschwiegen werden, -daß zur Gewißheit manches fehlt. - -Wenn auch Vischer von den kurzen Verhältnissen der magdeburger Figuren -später zu schlankern übergeht, so überschlanke Figuren, wie die -nürnberger Madonna sind von ihm doch nicht bekannt. Und die Ausführung -ist sorgfältiger, als wir es sonst von Vischer gewöhnt sind. - -Man möchte vielleicht, wenn man die Autorschaft Peter Vischers -bezweifelt, an einen seiner Söhne denken, allein solange wir deren -künstlerische Individualität nicht genauer kennen, wird sich auch nicht -entscheiden lassen, ob etwa statt des Vaters, einer der Söhne, als -Meister der Figur in Frage kommt. - -_Nürnberg._ - - _Gustav von Bezold._ - - - - - Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu - Wildenthierbach im Rothenburgischen. - - -Durch Schenkung seitens des Herrn Direktors von Bezold ist das -germanische Museum letzthin in den Besitz einer Handschrift gelangt, -die, wie eine kurze Charakterisierung des Inhalts zeigen wird, manchen -willkommenen Beitrag zur Kenntnis insbesondere der Kulturgeschichte des -18. Jahrhunderts liefert. Viele Eintragungen freilich können nur ein -beschränktes, lokalgeschichtliches Interesse erwecken, andere dagegen -verdienen auch in weiteren Kreisen ohne Zweifel Beachtung. Diese -Doppelnatur unseres (mit Ausschluß des Registers und eines später -hinzugebundenen Heftes von 41 Seiten mit allerlei biblischen Zitaten und -Nachweisen) 658 nummerierte Quartseiten zählenden Manuskripts erklärt -sich leicht aus der Lebensstellung und Sinnesart des Sammlers und -Schreibers. - -Es ist der reichsstädtisch rothenburgische Pfarrer Georg Friedrich -Bezold, welcher den Codex um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, aber -gewiß im Laufe mancher Jahre zusammengeschrieben hat. Seine Familie, die -seit dem 15. Jahrhundert in Rothenburg nachweisbar ist, gehörte zu den -ratsfähigen Geschlechtern und sein Oheim Georg Christoph Bezold stand -noch zu Ende des 17. Jahrhunderts dem Rate der freien Reichsstadt als -Consul d. h. Bürgermeister vor. Er selbst aber (geb. 1710) hatte, wie -sein Vater Johann Albert, der Pfarrer an der Kirche zum heiligen Geist -gewesen war, die Theologie zum Lebensberuf erwählt und die Tochter des -Pfarrers Johann Michael Stock zur Frau genommen, dessen Geschlecht -bereits seit mehreren Menschenaltern der kleinen evangelischen Gemeinde -von Wildenthierbach -- auch einfach Thierbach genannt -- ihre Seelsorger -gegeben hatte. 1734 starb der alte Pfarrherr, wie es in den -genealogischen Notizen auf S. 67 des Gedenkbuches, aus denen wir unsere -Kenntnis schöpfen, heißt: »ex improviso bombardae ictu militis -Würzburgensis«, und im Amte folgte ihm sein Schwiegersohn, der die -Pfarrei bis zu seinem im Jahre 1771 erfolgten Tode bekleidet zu haben -scheint. Wenigstens folgte ihm, wie eine spätere Eintragung a. a. O. -ergibt, in diesem Jahre als Pfarrer von Wildenthierbach sein Sohn Ernst -Albert Bezold. - -Von seinem stillen Erdenwinkel aus hat der Schreiber unserer Handschrift -Jahrzehnte lang dem Treiben der Welt zugesehen. An beschaulicher Muße -wird es ihm wohl nicht gefehlt haben, sonst würde er schwerlich große -Abschnitte seines Gedenkbuches in zierlicher Druckschrift ausgeführt -und, wo etwa seine Vorlagen größere oder kleinere Vignetten und -Zierleisten aufwiesen, auch diese mit sorgfältiger Feder wiedergegeben -haben. Bewunderungswürdig ist in der That die Ausdauer und Hingabe, mit -der er selbst umfänglichere Flugschriften bis auf die Form der -Buchstaben getreu kopiert hat. - -Von ihm selbst rührt in dem Codex nur wenig her. Es sind da vor Allem -Aufzeichnungen über Wind und Wetter, Beobachtungen, wie sie dem -Landgeistlichen besonders nahe liegen mußten, zu nennen. Die Einkleidung -ist zuweilen originell genug und verrät uns bereits die ausgesprochene -Vorliebe des Pfarrers für absonderliche, »curieuse« Gegenstände und -Geschichten. So zählt er auf Seite 85 in seinen »Anmerkungen über das -1766ste Jahr« »der Nachwelt zum unvergeßlichen Angedenken« acht -»Merkwürdigkeiten« des Winters 1766 auf 67, die sich alle lediglich auf -die Witterung beziehen, auf. Daß er aber zugleich mit feinem Sinn für -Witz und Humor begabt war, zeigen sogar seine »Dicta quaedam breviter -explicata« (S. 377 ff.), teils eigene teils fremde Auslegungen von -Bibelstellen, in welchen ein schalkhafter Humor nicht selten das -theologische Element überwiegt. Da notiert er sich beispielsweise: - - »1. Tim. VI, 9: Denn die da reich werden wollen, die fallen in - Versuchung und Stricke und in Viele thörigte und Schädliche - Begierden, welche die Menschen Versenken ins Verderben und - Verdammniß; den der Geitz sey eine Wurtzel alles Übels, und - durchstechen sich selbst mit Vielen todes Schmertzen« - -und bemerkt dazu: - - »Aus diesem Dicto hat eine nachsinnende Feder, Von denen See-Würmern - in Holland und deren Vermuthender ursach folgende courieuxe - Observation gezogen: .... Der heil. Geist Brauche durch den - Apostel das Wort »Schädliche«, und dieses Wort heiße nach dem - Grund Text [Griechisch: blaberos], deßen derivation von - [Griechisch: bliptô] oder [Griechisch: eaptô] und [Griechisch: - iptô], noceo, ich schade, DaVon dan herkomme [Griechisch: ips, - ipos] vermis cornua corrodens, ein Wurm der Hörner durchnaget, - mit Hörnern armiret. -- Weilen nun in Holland in sonderheit die - Geldgierigkeit und Begierde reich zu werden durch die Handlung zu - waßer und zu land, wie bekandt herschet, so hat Gott zur straffe, - wie sie selbst bekennen, .... diese schädliche Würmer ... - gesandt, welche ihre hornharte Pfähle an den Teichen - durch-Brechen und das Land in äußerste Gefahr der überschwemmung - und des Verderbens setzen.« - -Man hört förmlich bei dieser an den Haaren herbeigezogenen, -umständlichen Erklärung den wackeren Pfarrherrn von Wildenthierbach -hinter seinem Buche leise lachen. - -Im Übrigen besteht der Inhalt so gut wie ausschließlich in Abschriften, -deren Vorlagen nicht immer leicht festzustellen sind. Es wurde bereits -erwähnt, daß ihm mehrfach Flugblätter und Flugschriften als solche -gedient haben, die heute teilweise zu den Seltenheiten zählen. Vieles -auch entnahm er der »Frankfurter gelehrten Zeitung«, die er sich -gehalten zu haben scheint, oder der »Erlanger Realzeitung«, der -»Berliner Zeitung« etc., anderes ist aus Chroniken zusammengetragen, aus -den Werken gleichzeitiger Dichter, wie Gellert, Gleim, Gottsched u. -a. abgeschrieben. Es verrät keinen besonders entwickelten -historisch-wissenschaftlichen Sinn, daß Angaben über das Woher den -einzelnen Abschnitten und Gedichten nur selten hinzugefügt sind. - -Gleich der erste umfängliche Eintrag in sein Gedenkbuch (S. 1 ff.) zeigt -ihn zwar als guten Rothenburger Patrioten und überzeugten, -glaubenseifrigen Protestanten, aber als schlechten Historiker, denn zu -einer Sammlung von Nachrichten »von der geseegneten Reformation allhier -in Rotenburg hätten ihm wohl bessere Quellen zu Gebote gestanden als die -ziemlich wertlose Kompilation Albrechts[66] aus der er seine Weisheit -geschöpft hat. In einer anderen ähnlichen »Sammlung allerhand -merkwürdiger Sachen«, die sich auf Franken, insbesondere aber wieder auf -Rothenburg beziehen (S. 397 ff.), wird ein Lobgedicht auf Rothenburg -angeführt, welches folgendermaßen beginnt: - - »Rotenburg die Edel Berühmte Stadt - Von Schloß und Burg den Nahmen hat.« - -Ich kenne dies Gedicht auch aus einem dem 16. und 17. Jahrhundert -angehörenden Sammelbande, Ms. 153 fol. der großherzogl. Hofbibliothek zu -Darmstadt, wo es auf Bl. 39 f. jedoch in sehr veränderter und bedeutend -erweiterter Fassung erscheint und sich für ein Werk Hans Sachsens -ausgibt, der in den Schlußversen als Dichter genannt wird. (»Dz wunscht -von Nurmberg Hans Sachs, Gott geb dz sein kirch darinnen wachs«). Wenn -nun auch das Gedicht in der Form, wie es uns heute vorliegt, alle -Zeichen des Apokryphen an sich trägt und keine Spur von dem Geist des -Nürnberger Dichters erkennen läßt, so wäre doch immerhin möglich, daß es -in Erinnerung und unter Zugrundelegung eines verloren gegangenen Hans -Sachsischen Poems entstanden wäre. Und selbst wenn dies nicht der Fall -sein sollte, wäre das in der Darmstädter Handschrift enthaltene Gedicht -als eine frühe Unterschiebung -- die Hand, welche es schrieb, gehört der -zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an -- nicht uninteressant und ein -Gegenstück zu dem bekannteren Lobspruch auf die Stadt Rostock, der -gleichfalls Hans Sachs fälschlicherweise zugeschrieben ist[67]. - -[Fußnote 66: Vgl. _Bensen_, _Historische Untersuchungen über die -ehemalige Reichsstadt Rotenburg_ (Nürnberg 1837), S. 19.] - -Doch zurück zu dem Gedenkbuch des G. F. Bezold! Was dasselbe sonst über -Ereignisse und Verhältnisse im Rothenburger Ländchen enthält, ist von -keinem besonderen Belang. Allenfalls dürfte die Aufzählung sämtlicher -Landpfarrer der Rothenburger Diöcese von den Zeiten der Reformation bis -zu Lebzeiten des Schreibers (S. 45 ff.) für die Rothenburger -Lokalgeschichte hin und wieder als Quelle benutzt werden können. -Zuweilen wird auch ein Gelegenheitsgedicht oder ein Spottlied, wie das -auf den bestraften Nachtigallenfänger und deutschen Schulmeister Vester -in Rothenburg (S. 35 f.) wiedergegeben, aber von dem eigentlichen Leben -und Treiben in und um Rothenburg oder von der Politik der freien -Reichsstadt während des 18. Jahrhunderts erfahren wir nichts. Wir wissen -freilich zur Genüge aus Bensens vortrefflicher Schilderung (a. a. O. S. -383 ff.), wie traurig es in dieser Beziehung seit lange, ja eigentlich -seit dem Ausgang des Mittelalters, um das Rothenburger Gemeinwesen -bestellt war, wo sich im Kleinen wiederholt, was zur selben Zeit auch -größere Reichsstädte allmählich in eine ganz unhaltbare Lage geraten -ließ: rücksichtslose Interessenpolitik, Protektionswesen und -finanzieller Verfall im Innern, kraftlose, feige Nachgiebigkeit nach -außen. Man erinnere sich nur an die Geschichte von dem preußischen -Lieutenant Stirzenbecher aus dem Jahre 1762, die Bensen erzählt, oder an -jene andere Episode von 1800. Siebzehn französische Soldaten waren -damals auf einem Beutezuge in die Stadt eingedrungen und verlangten eine -Brandschatzung von 40,000 fl. Bereits saßen die geängstigten Räte -beieinander, um über die Aufbringung der Summe zu beraten, als eine -kleine Anzahl beherzter Bürger, über solche Schmach erbittert, sich -erhob und die Franzosen mit Heugabeln aus der Stadt hinaustrieb[68]. -Zwei Jahre später wurde bekanntlich die Stadt vom Reichstage dem -Kurfürsten von Bayern übergeben. - -Es ist kein Wunder, wenn unter solchen Umständen die Blicke der -Nachdenklicheren, tiefer Angelegten über die engen Grenzen ihres kleinen -in Verfall geratenen Freistaates hinüberschweiften, die großen -Weltereignisse mit Spannung und lebhaftestem Anteil verfolgend, als -könne fremde Größe ihnen einen Ersatz bieten für die Ärmlichkeit der -kleinlichen Verhältnisse, welche sie umgaben. - -Zu starkem eigenen Denken freilich oder auch nur zu überlegtem, -verstandesmäßigem Politisieren konnte man sich schwer erheben, und so -ist es denn auch hier wieder in erster Linie der Treppenwitz der -Weltgeschichte, das Anekdotenhafte und Absonderliche an den großen -Ereignissen und Persönlichkeiten der Zeit, das den Schreiber unseres -Codex interessiert. Kleine Charakterzüge, satirische und witzige Exkurse -aller Art finden sich in Menge in sein Gedenkbuch eingezeichnet, und da -es sich dabei großenteils um Dinge von allgemeinerem Interesse handelt, -so mögen einige Proben solcher Eintragungen hier folgen: - -[Fußnote 67: Vgl. _Giske_ in _Schnorrs Archiv für Litteraturgeschichte -X_ (1881) S. 13 ff.] - -[Fußnote 68: _Bensen_ S. 397.] - -S. 506 notiert er sich: - - »Alß der König von Preußen Zu Ende des 1756sten Jahrs an einem - Sonntag in Dreßden den Herrn D. am Ende in der Evangelische Kirche - mit Vergnügen predigen hören, auch in der Catholische Schloß Capelle - der Music bey einer halben Stunde zugehört und darauf in die - Reformirte Kirche gieng, wo H. Dietrich prediger war, und - besagter Dietrich Bey dem Königl. Eintritt, mitten unter Rede - anfieng: »_Halber Gott! großer Friedrich!_« sprach der König von - Verdruß über diese übertriebene Rede aus dem Steg Reif Zu ihm, - laut: »_Gantzer Narr, kleiner Dietrich!_« und gieng sogleich mit - seinem Gefolge wieder aus der Kirche. - -S. 507 liest man: - - »_Teutschland als ein kranckes Frauenzimmer Vorgestellt_ - in einem Gemählde, von P:P. aus dem Englischen 1757. - - _Teutschland_ sitzet unter der Gestalt eines prächtig gekleideten, - und mit allerhand Kleinodien ausgezierten Frauenzimmers, auf - einem Stuhl, in der rechten Hand hält sie den Scepter, in der - Lincken den Reichsapffel. Sie gleichet einer krancken Person, die - in eine ohnmacht zu sincken beginnt, und den Kopff über den Stuhl - hangen läßt, aus ihrem Mund gehen die worte: »_Ihr Kinder helfft - mich doch!_« - - Eine Menge umstehender Personen Zeigen sich in geschäftiger Stellung - - 1) _der Kayser_, in steiffer Kleidung, nimmt ihr mit beeden Händen - den Scepter und den Reichsapffel aus den Ihrigen, mit diesen worten: - _Ich will dich leichter machen!_ - - 2) _der König von Franckreich_ trennt mit einer Hand die breiten - Treßen von ihrem Rock und läßt mit der andern ihre Armbänder Von - den Händen und spricht: _wozu dienet der viele Schmuck an einer - krancken Person, er Beschweret sie nur._ - - 3) _der König von Preußen_ in einem fürchterlichen Harnisch dringet - hiezu, reißet ihr das Halsband vom Hals, hält ihr den Säbel an die - Kehle, mit denen Worten: _Machet Platz, ihr Herren! Ihr müßet - Lufft machen wann es angehen will._ - - 4) _der Churfürst von der Pfaltz und der Landgraf von Hessen - Caßel_ stehen dem Kayser zur Seiten, und schüttet ein jeder ein - Brech-Pulver in den Löffel mit den Worten: _wir wollen ihr was zu - brechen geben._ - - 5) _der König Von Engelland_ hält ein Gläßgen Gold Tinctur in - Händen und zeiget sie der krancken Person von weitem, und spricht - mit den worten: _das wäre wohl die beste Panace!_ - - 6 _die Republic Holland_ als ein Apotheker Gesell gekleidet, stehet - hinter der Krancken ihren Stuhl, hält in der Hand einen großen - bündel Recepte, und in der andern Hand eine Clistir Spritze, aus - seinem Mund gehen die Worte: _Ich kan nicht darzu kommen, und wer - weiß ob meine Artzney bezahlet wird?_ - - 7) _Der Churfürst von Sachsen_ langet mit der Hand über die - Vorstehende hinweg, und reibet dem Patienten Balsan unter die - Nase, mit den worten: _Ich helffe so gut ich kan, ich kan mir - selber nicht helffen._ - - 8) _die Kayserin von Rußland_ stehet von ferne u. siehet mit einem - Perspectiv oder fern Glaß auf die krancke Person und spricht: _Sie - erholt sich wieder!_ - - 9) _der Türckische Kayser_ stehet in der Thür des Zimmers, und - schüttet einen Löffel Voll Magentropffen in den Hals, über ihm - stehen die worte: _ich brauche meine Medicin selber!_ - - 10) _Ein österreicher_ läßt ihr am lincken Fuß, _Ein Ungar_ aber am - rechten Fuß Zur ader, über ihm stehen die Worte: _in desparaten - Kranckheiten muß man desparate Mittel brauchen._ - - Auf der andern Seite siehet man _Teutschland_ mit Vielen Wunden - getödet, auf der Erde in seinem eigenen blute liegen, mit der - überschrifft: _also muß man heutzutag die Patienten curiren!_« - -Ob es sich bei vorstehender Beschreibung in der That um einen -Kupferstich, bezw. ein Flugblatt mit einem solchen, oder ob es sich nur -um eine Fiktion handelt, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen[69]. -Freuen wir uns vor Allem, daß unser Vaterland die lange zum Spott und -zum Vorteil der Nachbarn gespielte Rolle der »kranken Person« seit dem -Anbruch des neuen deutschen Reiches und hoffentlich für immer -ausgespielt hat. - -S. 277 bietet eine satirische Kleinigkeit von ähnlicher Tendenz, die -sich in erweiterter Fassung auch auf S. 588 f. wiederfindet: - - »_Friedens-Congreß - d. 15ten Jan. 1761_ - - Die letztern Briefe von Pariß verkündigen einen nahen allgemeinen - Frieden, und daß der Congreß wird hier gehalten werden. - - Man hat Quartiere gemietet, nemlich - - 1) Vor den Kayser .... zur Gnade, in der Gaße von Bourbon. - - 2) vor die Kayserin .... zur bösen Allianz, in der Invaliden Gaße. - - 3) vor den König von Engelland .... zum Glück, auf dem Sieges-Platz. - - 4) vor den König von Preussen .... zu den 4 Winden, in der - Fuchs-Gasse. - - 5) vor den König in Pohlen .... zum Opfer Abrahams, nahe bey den - Unschuldigen. - - 6) vor den König in Schweden .... zur Chimäre, nahe bey der Strasse - der lebendigen Bären-Häute(r). - - 7) Vor die Kayserin von Rußland .... zum Berg Vesuvius, in der - Höllen-Gaßen. - - 8) vor die Fürsten des H. R. Reichs .... zur Brille, nahe bey den - Unheilbaren. - - 9) Vor die Holländer .... zur Waage, nahe bey der Stern-Warte. - - 10) Vor den Marschall de Broglio .... zum hölzernen Degen, in der - Gaße, Hochmuths-Berg. - - 11) Vor die Madame de Pompadour .... zur Magdalene, in der - Salpeter-Sieders-Gaße, welche nach Rochelle gehet.« - -[Fußnote 69: Flugblätter aus der Zeit des siebenjährigen Krieges sind -nicht eben häufig. Für jede Ergänzung seiner reichen Sammlung -historischer Blätter nach dieser Richtung hin würde das germanische -Museum den gütigen Spendern zu großem Danke verpflichtet sein.] - -Es ist bei der Abfassungszeit des Codex fast selbstverständlich und -ergibt sich auch schon aus den mitgeteilten Proben, daß der -siebenjährige Krieg durchaus im Vordergrunde des Interesses steht. Bald -sind es mehr oder minder witzige Auslassungen der angedeuteten Art, -nicht selten auch Chronogramme, etwa eine Friedensweissagung enthaltend -(z. B. S. 270), am häufigsten aber politische Gedichte, vornehmlich -Kriegs- und Siegeslieder, die wir mit bekannter Sorgfalt in das Buch -eingetragen finden. Eben diese politischen Dichtungen -- auch die -meisten der oben erwähnten Flugschriften gehören hierher -- scheinen mir -den eigentlichen Wert der merkwürdigen Sammlung auszumachen und ihr eine -allgemeinere Bedeutung zu gewährleisten. Wenig bekannte Volkslieder, die -in neueren Sammlungen solcher Gedichte nicht zu finden sind, wechseln -hier mit den Oden und Gesängen gefeierter Poeten, und deutsches Wesen, -deutsches Fühlen durchdringt sie fast ohne Ausnahme und läßt auch einen -verklärenden Schimmer auf die Persönlichkeit des Schreibers, auf den -schlichten Pfarrer in jenem kleinen Dorf im Rothenburgischen fallen. In -der Brust Georg Friedrich Bezolds fanden alle großen Ereignisse den -lebhaftesten Wiederhall, in dem stillen Pfarrhause zu Wildenthierbach -wurden alle Schlachten und Siege noch einmal geschlagen und gesiegt, -wenn auch nur auf dem Papier und in den zierlichsten geschriebenen -Lettern von der Welt. Ganz unverkennbar ist seine hohe Bewunderung für -den großen Preußenkönig, die er mit den meisten seiner süddeutschen -Amtsbrüder teilte. Es geht aus zahlreichen Eintragungen deutlich hervor, -daß man Friedrich in diesen Kreisen als den Verfechter der -protestantischen Sache ansah, seine Siege als Triumphe des -Protestantismus über den Katholizismus feierte. Aber der Pfarrer von -Wildenthierbach ist doch nicht so sehr Politiker oder Fanatiker, daß er -nicht auch in den Reihen der Gegnerpartei entstandene Lieder in sein -Gedenkbuch aufgenommen hätte, wenn sie sich auch freilich in der -Minderzahl befinden. Aus der großen Masse des vorhandenen Materials -können wieder nur einige wenige Stücke probeweise hervorgehoben werden: - -S. 264: - - _Herr Pfarr M...r - in H--ch - auf - den König in Preußen_ - - Sinn't, Zeiten, auf ein Wort, daran man _Friedrich_ kennt; - Nicht _Groß_, nicht _Menschen Lust_, nicht _Sieger_ nicht den - _Weisen_, - So mag ein Theil von Ihm, in kleinen Fürsten heißen - Nennt Ihn den _Einzigen_, dann ist er gantz genennt. - -S. 233: - - _Helden-Lob - Friedrichs des Großen - Königs von Preussen._ - - Vor diesem war, wann ein Poëte sang, - Ihm jeder Held gedoppelt groß und lang, - Und sicherlich, je größer und je länger, - Dem Held er log, je besser war der Sänger; - Offt war der Held, mit samt des Helds Verrichtung, - Im Grunde nichts, als seines Dichters Dichtung. - Der brave Hector, Ajax und Achill, - Sind nicht so brav, als der Poët es will. - Æneas hätt an keine Schlacht gedacht, - Wann nicht Virgil ein Buch davon gemacht - Printz Satan selbst ist nur ein Funffzen huth [?], - Mahlt Milton ihn gleich voller Trotz und Wuth; - Ja mancher spricht die Existenz ihm ab, - Und die mit Recht, wie sie ihm Milton gab. - Doch posito: es wären alle Gaben, - Die in dem Reim, auch ohn ihn, Beyfall haben, - Vereint in ein und nemlicher Person, - Sagt, welche wohl fehlt Preußens großen Sohn? - Solch Treffen hat, wie Er aufs neu gewonnen, - Kein Alter nicht, kein Neuer nicht ersonnen! - Drum folgt mir nur, packt euren Kram hier ein, - Poëten Volck! Laßt Friedrich, Friedrich seyn! - Ihm wird, Trotz Epico, Trotz Lyrico, - Die Wahrheit selbst zum Panegyrico. - -S. 443: - - _Harte Ausdrücke - Wieder - Friederich, den König von Preußen_ - communic. von Mons. Böttcher, Fourier, unter dem Platz. Regim. - d. 18t Aug. 1758. - - Als Feldherr, Rechts-Gelehrt, und Zierde der Poëten, - Gab Dich, O Friederich! die Fama anzubeten; - Allein, o Wunder Ding! da Coccejus gestorben, - So war zugleich an Dir der Doctor schon verdorben. - Du bist auch kein Poët, seit dem Voltair entwichen; - Kein Feldherr von der Stund, als Dein Schwerin erblichen. - - Wilst Du, o Friederich! durch das, was Du gethan, - Der Alten Helden-Lob in diesem Krieg erreichen? - Der Alten Helden Lob? Diß geht so leicht nicht an. - Doch bistu ihnen noch in etwas zu vergleichen. - Denn als Du den August aus seinem Land gejagt, - Da warstu Pharao, der Israël geplagt. - - Als Broun das vor'ge Jahr die Völcker commandirte, - Da warstu Hannibal, und Broun war Fabius. - Und als letzthin nächst Prag der Daun das Kriegs-Heer führte, - Da warstu Attila, und Daun war Ætius. - Und endlich wirstu auch (stimmt Gott mei'm Wünschen ein) - Der durch die Tamyris besiegte Cyrus seyn. - -S. 263: - - _Auf - Die Bataille bey Hoch-Kirchen - d. 14. Oct. 1758._ - - In finstrer Nacht zu überfallen, - Wo nicht einmahl Trompeten schallen, - Das ist für Dich kein Ruhm, o Daun! - Im Finstern sich den Sieg zu stehlen, - Und doch den Zweck noch zu verfehlen, - Das wird Dir kein Trophaeum bau'n. - - Wann Friedrich kommt, kommt Er am Tage, - Wann Friedrich schlägt, kommt mit dem Schlage - Zugleich die Sonne und der Sieg. - - Die _NachtEul_ [Randbemerkung: »Graff Daun führt eine NachtEule«] - sucht nur Finsternißen; - Der Adler [Randbemerkung: »Preußen führt einen schwartzen Adler«] - will die Sonne wißen; - Und dieser ist der Friederich. - - Mein Friedrich kommt der Tag bricht an, - Merck doch, o Schlesien! die Stunden, - Was jüngst die dunckle Nacht gethan, - Das hastu nun beym Licht empfunden. - - Was denckt wohl Daun von Tag und Nacht? - Er denckt, das hätt ich nicht gedacht, - Daß Zeit und Stunden also wandern! - - Ja wohl, das zeiget eben euch, - Er sey dem größten Helden gleich, - Pompejen, Caesarn, Alexandern. - -[Randbemerkung am Schluß: »Der Verfaßer davon ist Herr Wolzhofer, -Pro-Decanus und brandenburgischer Pfarr zu Roßstall.«] - -S. 265: - - _Probe - vom Catholischen Witz! - GeneraLIs DaVn CoepIt FrIngILLaM!_ - - Der Finck, auf seiner Locke, gieng, Lerchen aufzufangen, - Und wolt' auf RebenTisch mit diesen Braten prangen, - Doch Wunsch gieng nicht Wunsch, die Lerchen hielten Stich, - Und nahmen Rebentisch, Wunsch und den Lock mit sich. - - Nun sitzt im Garn der Finck, und muß den Lerchen singen, - Er pfeiffet: stinck, stinck, stinck! weils ihm nicht wolt gelingen. - Hingegen schwingen sich die Lerchen mit _Gesanger_: - Es lebe unser Nest! Es leb der _Finken Fanger_! - - _Gerechter Eyfer - über - das elende Cathol. Deutsch._ - - Wer mit solchem tollen G'sanger - Sich des Feindes Unglück freyt, - Der gehört mit Recht an Pranger, - Der wird billig angespeyt. - - _Antwort eines Preußen - auf die Spöttereyen eines Oestreichers - über - Finckens Gefangen Nehmung_ - - Der Preusich Adler wird noch manchen Lerchen fangen, - Obwohl es dißmahl schlecht und nicht nach Wunsch gegangen. - Gold Fincken haben wir unzählig große Hauffen, - Wofür sich Lerchen gnug und Hahnen lassen kauffen. - - Um einen Fincken will man so viel Lermen machen, - Und soll die gantze Welt hierum mit Oestreich lachen! - Das Lerchen-Nest wird doch von Hahnen noch besch...n; - Der einfach Adler wird dem Dopplen helffen müßen, - Daß dieser Federloß nicht endlich gar verfriere, - Und sich der stolze Hahn mit seinen Federn ziere. - - _Schaden-Freude - über - den Preusichen Verlust._ - - Der schönste Vogel-Heerd im gantzen Lande Sachsen, - Ist auf dem Marmor Berg, ohnweit vom Dorffe Maxen. - Da fieng auf einen Zug, Graf Daun zum Spott der Preußen, - 8 Gimpel und ein' Finck, nebst 15m Meisen. - - _Parodie._ - - Gedult, mein lieber Freund, man fängt noch länger Vögel, - Und Friedrich lauert nur auf die gelegne Zeit. - Was gilts! Er fängt vielleicht noch manchen solchen Flegel, - Der so, wie Ihr, mein Herr, sich seines Unglücks freut. - -S. 276 - - _Auf - Den König in Preußen._ - - Fritze! schämstu dich nicht deiner? - Alle Tage wirstu kleiner; - Aendre deinen stolzen Sinn, - Wirf die stolzen Waffen hin. - - Deine große Enacks-Kinder - Stehen hier wie arme Sünder; - Schaaren-weise fängt man sie, - Das vergißest du dahie? - - Laß dich nicht den Großen nennen, - Lerne dich und and're kennen; - Sieh! nach Maxen und Landshuth! - Sieh! was Daun und Laudon thut! - - _Antwort:_ - - Schämt euch fünffmal größre Mächte, - Ihr habt Gottes kleinen Knechte - Längst zerstöhrt in eurem Sinn, - Werfft die schlechten Waffen hin. - - Meine große Enacks-Kinder - Bleiben eure Überwinder; - Allzu theuer fangt ihr sie! - Gott und Fritze steht noch hie! - - Durch Den bin ich Groß zu nennen, - Lernet Ihn und andre kennen! - Schweigt von Maxen und Landshuth! - Merkt, was Fritz bey Liegnitz thut! - -S. 270: - - _Post Pugnam ad Torgaviam_ - d. 3. Nov. 1760. - - Vivat Rex Borußiae! - Tutor hic Ecclesiae, - Et Defensor Patriae! - Victor sit Theresiae, - Atque Regis Galliae, - Copiarum Sueciae - Barbarorum Rußiae - Corporis Germaniae, - Nec non Regis Sueviae - Vivat Rex Borußiae! - -Auch unter den zahlreichen Gedichten und sonstigen Eintragungen nicht -politischer Art findet sich noch manches Stück, das kulturgeschichtlich -nicht ohne Interesse und zugleich -- infolge der ausgesprochenen Neigung -des Sammlers zu Scherz und Satire -- recht unterhaltend und belustigend -ist, wie etwa (S. 473): - - _Schwäbischen Bauren ihr Gebet, als viele durch ansteckende - Kranckheit schnell hingerißen worden._ - - Ach! du liaba Heara Gott! was hab'n wir Dia gethaun? - Daß Du uns arma Schwöabla wilt gar nimma leben laun? - Wir wolla nimma betha, wolla nimma in Kircha gaun, - Wir wolla Di scho nöatha, daß d' uns must lebe laun! - -oder eine prächtige Satire -- es ist noch nicht einmal ausgemacht, ob -der Brief, um den es sich handelt, nicht auch wirklich in ähnlicher -Weise geschrieben worden ist -- auf den Mißbrauch und Mißverstand der -Fremdwörter (S. 464) u.a.m. Doch ein weiteres Eingehen auf den Inhalt -des interessanten Codex scheint hier um so weniger erforderlich, als -diese Blätter lediglich den Zweck haben sollten, den Leser unserer -Mitteilungen mit der willkommenen Bereicherung, welche die Bibliothek -des germanischen Museums erfahren hat, bekannt zu machen, insbesondere -auch den Spezialforscher darauf hinzuweisen und zum Studium des Buches -und genauerer Prüfung seines Inhalts einzuladen. - -_Nürnberg._ - - _Th. H._ - - - - - Die letzten Tage des Malers Georg Pentz. - - -Die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums besitzt eine für die -Lebensgeschichte der Nürnberger Künstler des 16. Jahrhunderts ungemein -wichtige Quelle, das handschriftliche Totengeläutbuch von St. Sebald in -Nürnberg aus den Jahren 1517 bis 1572. Darin findet sich auch eine -Nachricht über das Ableben des Malers Georg Pentz, die in diesen -Mitteilungen (Jahrg. 1893, S. 39 u. 40) bereits zum Gegenstande einer -längeren Erörterung gemacht wurde[70]. - -Den dort gegebenen Ausführungen läßt sich zur Ergänzung noch einiges -hinzufügen. - -Nach dem Totengeläutbuch von St. Sebald ist Georg Pentz im Jahre 1550 in -_Breslau_ verschieden[71]. Nachforschungen, die in Breslau gepflogen -wurden, bestätigten jedoch diese Nachricht nicht oder, genauer gesagt, -sie führten zu keinem Ergebnis: Die Breslauer Totenbücher gehen nämlich -nicht bis zum Jahre 1550 zurück, und auch in den Breslauer Archiven, dem -königlichen Staatsarchiv und dem Stadtarchiv, ließ sich keine auf Pentz -bezügliche Notiz ermitteln. - -[Fußnote 70: Eine Biographie des Malers Georg Pentz gedenkt in nicht -ferner Zeit Albrecht Kurzwelly zu veröffentlichen. In seiner zu Leipzig -1895 erschienenen Inaugural-Dissertation »Forschungen zu Georg Pencz« -kommt Kurzwelly noch nicht auf den Tod des Malers zu sprechen.] - -[Fußnote 71: Die Einträge in diesem Totengeläutbuche sind nach Quartalen -gruppiert, weil die Abrechnung über die gezahlten Läutgelder quartalweis -erfolgte. Der Eintrag über das Totengeläut, das zu Ehren des Malers -Georg Pentz von den Thürmen der Sebaldskirche erklang, ist im Quartal -»von Crucis bis Lucie« des Jahres 1550, also zwischen dem 15. September -und 13. Dezember und zwar an 16. Stelle mit den Worten verzeichnet: -»Jörg Penntz, moler, zu Pressla verschieden«.] - -Wären die Totengeläutbücher eine durchaus zuverlässige Quelle, so wäre -es unangebracht, die Angabe des Nürnberger Totengeläutbuches von St. -Sebald, Pentz sei _in Breslau_ gestorben, in Zweifel zu ziehen. Allein -die Totengeläutbücher hatten nicht den Zweck, über die Personalien der -Verstorbenen genaue und sichere Ausweise zu bieten, sondern sie waren -lediglich dazu bestimmt, _als Rechnungsbücher_ über die bezahlten oder -nicht bezahlten Totengeläutgelder zu dienen. Außerdem mögen aber auch -öfter die Anmeldungen nicht von den Hinterbliebenen selbst, sondern von -ferner Stehenden, von Seelfrauen u.s.w., hinterbracht worden sein. -Hieraus erklärt es sich zur Genüge, daß in den Totengeläutbüchern nicht -gar selten irrige Einträge namentlich bezüglich der Vornamen sich -finden. Die Personalangaben der Totengeläutbücher wird man daher immer -mit einer gewissen Vorsicht aufnehmen und, wo es geht, andere -gleichzeitige Quellen zur Kontrolle heranziehen müssen. - -Nagler hat als Pentz' Todesort Breslau verworfen und dafür -- jedoch -ohne Quellenzitat -- Königsberg (in Preußen) eingesetzt[72]. Aus einer -gleichzeitigen Königsberger Quelle kann er jedoch nicht geschöpft haben; -denn auch die Königsberger Totenbücher reichen nicht bis zum Jahre 1550 -zurück, und die Königsberger Archivalien enthalten zwar einzelnes über -Pentz aus dem Jahre 1550, berichten aber nicht, daß er dort gestorben -sei. Immerhin aber ist Naglers Angabe wegen der Beziehungen, die Pentz -gerade in seinen letzten Lebenstagen zu Königsberg hatte, nicht ganz aus -der Luft gegriffen. - -Bei meinen Studien über Nürnberger Künstler stieß ich nun auf bisher -unbeachtete Nachrichten, die über Pentz' letzte Lebenszeit völlig neue -Aufschlüsse geben. Hiernach ist Pentz weder in Breslau, noch in -Königsberg gestorben. - -Ehe ich jedoch hierauf weiter eingehe, muß ich noch etwas zurückgreifen. -Georg Pentz war als Fremder in Nürnberg eingewandert und dort am 8. -August 1523 gegen Zahlung von vier Gulden Währung als Bürger aufgenommen -worden[73]; er war also nicht begütert, da vier Gulden als -Aufnahmegebühr von denen gezahlt wurden, deren Gesamtvermögen nicht über -100 Gulden an Wert ausmachte. Nach der Sitte der Zeit wird er damals -sich verheiratet haben. Seiner Ehe entsproß eine sehr zahlreiche -Nachkommenschaft: zwar erfahren wir nichts über seinen Nachwuchs aus den -ersten neun Jahren seiner Ehe, da die Nürnberger Taufbücher erst mit dem -Jahre 1533 einsetzen, daß aber seine Ehe auch anfangs eine sehr -fruchtbare gewesen sein muß, läßt sich daraus schließen, daß ihm später -nach 1532 laut der Nürnberger Taufbücher noch neun Kinder geboren -wurden[74]. Er hatte also für eine sehr große Familie zu sorgen, und es -ist daher kein Wunder, daß er bei seiner Vermögenslosigkeit und bei dem -geringen Verdienste, wie ihn zu seiner Zeit die Maler in Nürnberg -hatten, sich oft in sehr mißlichen Verhältnissen befand. Am 31. Mai 1532 -erhielt er eine Bestallung als Nürnberger Stadtmaler, dem Rate mit -seiner Kunst zum Reißen, Malen und Visiermachen gewärtig zu sein, und -dazu ein festes jährliches Wartgeld von 10 Gulden[75]; aber schon nach -vier Tagen wurde ihm dieses Wartgeld, »so über ein Jar fellig, aus -angezeigter Not« im Voraus gezahlt[76]. Und das Jahr darauf verfügte der -Rat am 1. September: »Jorgen Benntzen soll man seine jährliche Pension -vor heraus geben alle Jar, so lange ime die zuraichen einem Rate -gefellig ist«, und gleichzeitig wurden ihm für eine Visierung vier -Gulden ausgezahlt[77]. Im Jahre 1542 muß er sich wieder in sehr großer -Not befunden haben; denn am 7. März verkaufte er zusammen mit seiner -Frau Margareta, die damals ihrer Entbindung entgegensah[78], an den -Maler Michel Graff um fünfunddreißig Gulden »Hausrat, Kleider und andere -Fahrnuß«[79]. Weiterhin im Jahre 1548 verehrte er nach damaliger Sitte, -um sich Geld zu verschaffen, dem Nürnberger Rate ein »künstliches« -Gemälde »Sant Jeronimus Pild« und erhielt dafür 80 Gulden als -Gegengabe[80]. So sehen wir ihn also immerwährend mit einem widrigen -Geschick kämpfen. Zuletzt wußte er sich nur noch durch Schuldenmachen zu -helfen. In diese üble Lage war er aber nicht ohne eigenen Fehl geraten; -denn er besaß ein unruhiges Temperament und eine ausschweifende -Phantasie, wie dies schon seine Beteiligung an der radikal-religiösen -und sozialistischen Bewegung im Jahre 1525 beweist, und dazu hatte er -eine Frau, die durch ihre Trunksucht ihn noch mehr ins Verderben -brachte. - -[Fußnote 72: Nagler, Monogrammisten, München 1863, III. Band. S. 69.] - -[Fußnote 73: Bürgerbuch de 1496-1534, M. S. 237, Fol. 12a: Sabbato post -Sixti 1523 .... Herman Unfug, gertner. _Jorg Pentz, maler_, juraverunt -et dedit quibibet 4 fl. werung.] - -[Fußnote 74: Ein Kind aus den ersten Jahren seiner Ehe dürfte jenes -»Söhnlein« gewesen sein, durch welches Pentz am 24. März 1543 ein von -sich gemaltes Porträt des Kardinals Granvella in die Losungsstube -schickte, um es den Losungherren zu zeigen. Nürnberger Jahresregister -1543, 1. Frage, im k. Kreisarchiv Nürnberg. J. Baader, Beiträge zur -Kunstgeschichte Nürnbergs, Nördlingen 1860, I, S. 40, bringt hier die -unrichtige Jahresangabe 1544. -- Der von Campe erwähnte Sohn Egidius ist -sonst nicht nachzuweisen. Vgl. hierzu G. W. K. Lochner, des Johann -Neudörfer, Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg, Nachrichten von -Künstlern und Werkleuten daselbst, Wien 1875, S. 137. -- Über Kinder, -die dem Maler Georg Pentz nach 1532 geboren wurden, melden die -Nürnberger Kirchenbücher Folgendes. I. Taufbuch von St. Sebald: Georg -Pentz ein Sohn: _Gedeon_, (getauft) 12. Septembris 1533. Georg Pentz ein -Tochter: _Rachel_, 22. Octobris 1534. Georgius Pentz ein Tochter: -_Hester_, 29. July 1538. Georgius Bentz ein Son: _Georgius_, septimo -decembris 1539. -- I. Taufbuch von St. Lorenz: Jorg Penz, Margaretha: -_Martha_, (getauft in der Woche des) dominica exaudi 1542. Jorg Pentz, -Margaretha: _Vergilius_, dominica decima post trinitatis 1543. -- II. -Taufbuch von St. Sebald: Georgius Pentz ein Son: _Walterus_, tertio July -1546. Georgius Pentz ein Son: _Albertus_, 17. Juny 1547. Georg Pentz ein -Son: _Longinus_, 30. Augusti 1548. -- Es möge hiebei noch bemerkt -werden, daß der Täufling den Namen in der Regel nach seinem Paten -erhielt. Der Maler Vergilius Solis, die einzige Persönlichkeit, bei der -sich in dieser Zeit der Vorname Vergilius in Nürnberg nachweisen läßt, -hat also wahrscheinlich bei Pentz' Sohne Vergilius Paten gestanden.] - -[Fußnote 75: Ratsmanuale 1532/33, Heft 3, Fol. 1r. Ratsbuch 16, Fol. -13a. Der über diese Bestallung von »Jorg Benntz, Maler, Burger zu -Nurmberg« unterm 31. Mai 1532 gefertigte Revers befindet sich im k. -Kreisarchiv Nürnberg. Signatur: S 5 44/1r Nr. 532, Bd. 6. Seinem -Wortlaut nach ist er veröffentlicht von E. Mummenhoff in den -Mitteilungen des Vereins f. Gesch. d. Stadt Nürnberg, 8. Heft, 1889, S. -246.] - -[Fußnote 76: Ratsbuch 15, Fol. 13r.] - -[Fußnote 77: Ratsmanuale 1533/34, Heft 5, Fol. 20r und Ratsbuch 16, Fol. -103.] - -[Fußnote 78: Wenige Wochen darauf wurde ihm seine Tochter Martha -geboren, die in der Woche des Sonntags Exaudi (21. Mai) ihre Taufe -empfing. S. Anm. 5.] - -[Fußnote 79: Conservatorien, Band 55, Fol. 106b im Nürnberger -Stadtarchiv. Lochner a. a. O. S. 138.] - -[Fußnote 80: Nürnberger Jahresregister 1548, fünfte Frage, zum 9. Juli. --- J. Baader a. a. O. zweite Reihe, S. 54.] - -Unter diesen Umständen wird es ihm wie eine Erlösung vorgekommen sein, -als er eine Bestallung zum Hofmaler des als Freund der Künste und -Wissenschaften bekannten Herzogs Albrecht von Preußen erhielt. Die -Bestallung, in Königsberg ausgefertigt, datiert vom 6. September -1550[81]. - -Es liegt auf der Hand, daß Pentz sich sogleich auf den Weg gemacht haben -wird. Die Nachricht von seiner Ernennung zum preußischen Hofmaler traf -aber sicher selbst bei schneller Beförderung nicht vor Ende September in -Nürnberg ein. Pentz kann daher erst um diese Zeit die Reise nach -Königsberg angetreten haben. Da er jedoch, wie dies bereits von anderer -Seite auf Grund des Totengeläutbuchs von St. Sebald festgestellt -wurde[82], schon vor Mitte Oktober seinen Tod gefunden hat, so muß er -noch vor Erreichung seines Zieles unterwegs gestorben sein. Der Ort, wo -er verschied, kann aber demnach nicht Breslau gewesen sein, da es viel -zu abseits von der Hauptstraße liegt, die von Nürnberg nach Norden -führt. - -Nun ließe sich allerdings einwenden: es ist doch wohl möglich und -denkbar, daß Pentz schon vor Oktober oder September nach Breslau gezogen -war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwidern: wenn es -Pentz in Nürnberg, das an Reichtum, Bedeutung und Verkehr die Stadt an -der Oder damals noch weit überragte, schon recht sauer geworden war, für -sich und seine zahlreiche Familie das tägliche Brot zu erringen, so -hätte er sich schwerlich in Breslau eine bessere Existenz versprechen -können. In Nürnberg hatte er ja zudem auch noch durch seine Stellung als -Stadtmaler einen Rückhalt. - -Nach dem Vorhergesagten wird man also mit größerer Berechtigung als -Pentz' Todesstätte einen Ort zu vermuten haben, der mit Pentz' Ernennung -zum Hofmaler des Herzogs Albrecht von Preußen und mit einer Reise des -Künstlers nach Königsberg sich in Beziehung bringen läßt, einen Ort, der -an der von Nürnberg nach Norden gehenden Hauptverkehrsstraße zu suchen -und nicht gar zu entfernt von Nürnberg anzunehmen ist, weil Pentz, nach -der Zeit seines Ablebens zu schließen, nicht allzuweit auf seiner Reise -gekommen sein kann. - -Diese Vermutungen finden ihre Bestätigung durch einen Eintrag der -Nürnberger Ratsmanuale. Hiernach brachte am 17. Oktober 1550 Hans Zeser, -der zusammen mit Pentz die Vormundschaft über die Kinder des Hans -Wolf[83] führte, bei dem Nürnberger Rate zur Anzeige, daß in Abwesenheit -des Georg Pentz, »_so yetzo zu Leiptzigk mit Tod abgangen_«, eine Truhe, -die den bevormundeten Wolf'schen Kindern gehörte, in Pentz' Behausung -aufgesperrt, und daß daraus etliche Ding' entwendet worden seien. - -[Fußnote 81: Mitteilung des k. Staatsarchivs zu Königsberg i. Pr.] - -[Fußnote 82: Hans Bösch, der Todestag des Malers Georg Penz, im Jahrgang -1893 dieser Mitteilungen, S. 40.] - -Die Angaben Zesers verdienen vollen Glauben, weil er als einer der -Nächstbeteiligten gute Kenntnis hatte, und weil er dem Rate gegenüber -sich nur auf zuverlässige Nachrichten gestützt haben kann. - -Die Kunde von Pentz' Tode brauchte bei dem schnellen Postverkehr, der -damals zwischen Nürnberg und Leipzig durch reitende Boten geschah, kaum -fünf Tage um zu den Hinterbliebenen zu gelangen. - -Nach all dem wird man also kaum fehl gehen, wenn man den zu Leipzig -erfolgten Tod des Malers Georg Pentz in die Tage vom 11.-13. Oktober -1550 verlegt. - -Der Nürnberger Rat verfügte auf die Anzeige Zesers eine Untersuchung, -die den Verstorbenen schwer belastete. Die Haltung aber, die der Rat und -alle Beteiligten in dieser Sache zeigten, läßt deutlich erkennen, daß -Pentz trotz seiner menschlichen Schwächen bei seinen Mitbürgern beliebt -und als Künstler hoch geachtet war. - -Doch lassen wir nunmehr die Quellen selbst sprechen: - - Freitags, 17. octobris 1550. Dieweil nach anzaig Hansen Zesers, als - vormund Hansen Wolfs kinder, in abwesen Jörg Pentzen, seines - gewesnen mitvormunds seligen, so yetzo zu Leiptzigk mit tod - abgangen, ain truhen, in soliche vormundschaft gehörig, in sein, - des Pentzen behausung geöffent und etlich ding daraus entwendt - sol worden sein, sol des Pentzen wittib beschickt und derhalb zu - red gehalten, ir antwurt wider pracht und ir eingepunden werden, - weiter nichts aus dieser truhen entwenden zulassen, weil die nit - ir oder irs manns gewest, sonder in berurte vormundschaft gehörig - sey. -- C. Grolandt. - - [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 34a.] - - Sambstags, 18. octobris 1550. Auf Jörgen Pentzen seligen verlassener - wittib verantwurtung, das nit sy, sonder ir verstorbner hauswirt - seliger die truhen vor seinem hynnen raysen aufgespert, etliche - pecher heraus gethan, versetzt und die schlüssel mitsampt den - hausschlüsseln mit ime hinwegk genomen hab etc., sol dieselb - truhen von gerichts und ampts wegen in beysein der wittib und - Hansen Zesers geöffent, was darinn, inventirt und beschryben, - auch volgends wider darinn verspert und verpetschirt, dem Zeser - und der wittib yedem ain abschryft gegeben und solichs alles ime dem - Zeser angesagt, auch auf ine gestelt werden, sein clag und vorderung - gegen der wittib und des Pentzen kinder vormundern, die in aufs - fürderlichst von oberkait gesetzt werden sollen, zuthun, und - fürzunemen, wie das sein gelegenhait und notturft ervordern oder - in rathe befynden werde. -- C. Grolandt. - - [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 36r.] - - Donerstag, 13. novembris 1550. Margareten (Jörg) Pentzin ir - supplicirn ableinen und sagen, das meine herren ir eingangs - halben nit wilfarn könden. -- Joch. Haller. - - [Ratsmanuale 1550/51, Heft 8, Fol. 29a.] - - Freytag, 30. january 1551. Margretha Jörg Pentzen wittib auf ir - suppliciren in ansehung irer vyl kinder und grossen armut, das - auch ir man ain feyner künstner, mit dem meine herren wol - zufriden gewesen, zu bezalung irer übrigen schulden, die man ir, - weils unmündige kinder betryfft, nit nachlassen kan, aus ainem - guten willen mit den begerten 66 fl. zustatten kumen und - dargeben[84], doch den zwayen vordersten fürbittern, als dem abt - Egidi und dem prediger zu sandt Sebaldt, sagen, das solichs nit ir - der frauen, weil man wol wiss, das sy iren man seligen redlich - zum verderben geholfen und alles, das sy überkumen, vertrunken - hab, sonder iren armen kindern zu gutem und irem man seligen, als - ainem künstner undter der erden, zu eeren geschehe, mit beger, ir - und den andern fürbittern solichs also anzuzaigen und dabey, wan - sy wider mit dergleichen begern kumen, wurd man in weiter nit - wilfaren, sonder sy die frauen zum almusen weysen, das zaichen - zutragen, wie andere burger auch thun. -- J. Schürstab. - - [Ratsmanuale 1550/51, Heft 11, Fol. 30r.] - - Zwischen Petern Eppenbach und Hansen Marschalck, beden als - vormundern weiland Jorgen Petzen, molers, seligen verlassner - kinder, an ainem und Margarethen, seiner verlassnen wittibin, am - andern thailn ist darumb, ob die vormundere sich umb der kinder - vatterlichen erbthail von der frauen an einer gemainen caution - uff allen iren hab und gutern settigen zulassen schuldig seien - oder nicht, uf der frauen furbringen, das sie niemand hie hab, - den sy zur burgschafft zuvermögen wesst, und das gemein irs mans - seligen glaubiger ir alle schulden nachgelassen haben, auch nach - besichtigung des aufgerichten inventarii und allerlei gelegenheit - diser sachen erkannt, das di vormundere sich an der frauen - erbieten der gemeinen caution halb uf allen iren hab und guetern - settigen zulassen schuldig sein sollen. Actum in judicio (feria) - quarta 22. aprilis 1551ten jar. - - [Conservatorien, Band 71, Fol. 219r.] - -[Fußnote 83: Die Persönlichkeit dieses Hans Wolf konnte ich dem Stande -nach nicht feststellen, da es gleichzeitig vier Bürger Namens Hans Wolf -in Nürnberg gab.] - -[Fußnote 84: Die Angabe Baaders, Beiträge II, S. 54: der Rat habe im -Jahre 1550 sechszig Gulden bezahlt, die Pentz einer Vormundschaft -schuldig war, ist vor allem, was Jahr und Geldsumme betrifft, unrichtig. -Sie entstammt nicht den Ratsmanualen, sondern den Jahresregistern und -lautet: Item LXVI gulden den Georgen Pentzen seligen vormundt, nemlich -Peter Eppenbach und Hans Marschalk, die Pentzs seliger in ein -vormundtschafft schuldig worden und seine glaubiger in kein vertrag geen -wollen, solich schult sei dan bezalt. Solichs dan (!) weib und kindt in -ansehung der armutt propter deum beschehen. Actum sabbato adi ultimo -january 1551.] - -_Nürnberg._ - - Dr. _Alfred Bauch_. - - - - - Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank (um - 1600). - - -Herr Geheimrat Dr. von Hefner-Alteneck in München hat dem germanischen -Museum vor einigen Wochen eine Sammlung von 46 Blatt Initialen in -Holzschnitt aus der Wende des 16. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht, die -in der That, was Schwung und Bravour der Ausführung betrifft, ihres -Gleichen suchen und von einem hoch entwickelten Sinn für ornamentale -Schönheit zeugen, wenn auch die Deutlichkeit der Buchstaben hin und -wieder zu wünschen übrig läßt. Die Initialen gehören im ganzen fünf -verschiedenen Alphabeten an. Eines derselben ist jedoch nur durch einen -Buchstaben, ein W, vertreten, welches offenbar aus der Schule Neudörfers -stammt und im Folgendem unberücksichtigt bleibt. Von den vier anderen -Alphabeten sind die prachtvollen Initialen des einen fast in kl. -2°-Format ausgeführt, die Buchstaben des zweiten nur etwa halb so groß -und diejenigen des dritten und vierten wiederum halb so groß als die -Buchstaben der zweiten Folge. Das dritte Alphabet unterscheidet sich von -dem vierten wesentlich dadurch, daß die Initialen des einen in -gewöhnlichem kl. 8°-Format, die des andern in kl. qu. 8°-Format -angeordnet sind. - - [Illustration: Fig. 1.] - -Alle diese vier Alphabete rühren, wie schon die oberflächlichste -Betrachtung mit vollkommener Deutlichkeit lehrt, von einem und demselben -Meister her, der auch seinen Namen auf allen Holzschnitten der großen -Folge mit nur einer Ausnahme und auf den meisten Blättern des mittleren -Alphabets durch ein verschlungenes ·PF· in gotischen Lettern -- nur -einmal stehen beide Buchstaben gesondert -- angedeutet hat. - -Wer war dieser Meister ·PF·? Diese Frage beantwortet uns ein zu Nürnberg -bei Christoff Gerhard im Jahre 1655 gedrucktes Buch, welches den Titel -trägt: »Kunstrichtige Schreibart Allerhand Versalien oder Anfangs -Buchstaben Der Teütschen Lateinischen und Italianischen Schrifften, aus -unterschiedlichen Meistern der Edlen Schreibkunst zusammen getragen. -Nürnberg Bey Paulus Fürsten Kunsthändlern daselbst«, und welches in -seiner zweiten Hälfte die vier Alphabete vollständig enthält. Auch die -beiden Holzschnittfolgen des kleinsten Formates, die in unserer Sammlung -nur durch ein, bezw. zwei Blätter vertreten waren, weisen hier meistens -das Monogramm ·PF· auf. - -Man würde nun aber sehr irren, wollte man dasselbe etwa auf Paul Fürst -beziehen und aus dem Buchhändler zugleich den Formschneider oder -Zeichner für den Holzschnitt konstruieren. Die Übereinstimmung der -Anfangsbuchstaben des Namens ist nur zufällig. Den wahren Verfertiger -dieser Alphabete lernen wir vielmehr erst aus der Vorrede zu dem -genannten Buche kennen, in der es auf S. 14 zu Anfang des V. Abschnittes -(»Von diesem Wercke«) heißt: - - [Illustration: Fig. 2.] - -»FErners ist zu wissen, daß dieses Wercke von Paulo Francken, weiland -Modisten und Rechenmeistern zu Memmingen angefangen, und 1601 in Druck -gegeben worden, nachmals hat solches jetziger Verleger an sich erkaufft, -und es nun der lehrgierigen Jugend zu guten, mit etlicher Autoren Hand -vermehret, wider aufflegen lassen, nicht zweifflend, es werde allen -Liebhabern der zierlichen Schreibkunst, damit bedient seyn; sonderlich -aber den Schulhaltern, welche sich durch diese Vorschrifften vieler Mühe -entheben können.« - -Damit wären wir nun bei Paulus Frank als dem Autor unserer Sammlung von -Initialen angelangt. Daß an dieser Autorschaft in der That nicht zu -zweifeln ist, ergiebt sich noch aus einer Reihe weiterer Umstände, die -zugleich einiges Licht über die Persönlichkeit des kunstreichen -»Modisten und Rechenmeisters« verbreiten. - -Das »R«, welches er bei dem L der mittleren Folge seinem Monogramm -hinzugefügt hat, bedeutet ohne Zweifel »Rechenmeister«. Eine weitere -Hinzufügung findet sich auf dem X der mittleren Folge (s. Fig. 1)[85], -nämlich die Zahl 97, welche wohl nichts anderes als die Jahreszahl 1597 -bedeuten kann. Es ist also anzunehmen, daß Paul Frank die Zeichnungen zu -diesen Holzschnitten um das Jahr 1597 angefertigt hat. Ob sich -vollständige Exemplare des von ihm dann 1601 in Druck gegebenen Werkes, -dem, wie die trefflichere Erhaltung, die klarere und schärfere -Ausführung zu verraten scheint, auch unsere Blätter angehören mögen, -noch erhalten haben, vermag ich nicht zu sagen. Es kann jedoch als -wahrscheinlich gelten. - -[Fußnote 85: Die Abbildungen sind in ½ der Originalgröße gegeben.] - -Zeitlich noch weiter zurück führt uns eine in Leder gebundene -Handschrift in kl.-qu.-fol., welche der im germanischen Museum -deponierten Merkelschen Sammlung angehört[86] und auf 16 -Pergamentblättern die köstlichsten kaligraphischen Schreibvorlagen von -Paul Franks Hand enthält[87]. Das Titelblatt lautet: »Anweißung -Kunnstlichs vnnd artlichs schreibens Daraus dann ein Jeder Junger die -Fundament der gebreuchligisten Lateinischen Teutschen Fractur Cantzley -vnd Currentschrifften begreiffen vnd lernnen kan Durch Paulum Franckh -von Gfreß Allen liebhabern dieser Kunst zum besten verordnet. Im Jar -Jhesu Christi Anno 1587.« - - [Illustration: Fig. 3.] - -Jedenfalls ist auch diese »Anweißung« auf den Druck berechnet gewesen, -mit dem Buch von 1601 hat sie aber wohl nichts zu thun, da sie mit -unseren Holzschnitten keine direkten Berührungspunkte bietet, -beispielsweise auch das Monogramm Paul Franks auf keiner der -handschriftlichen Schreibvorlagen erscheint, von ihm also wohl erst um -etwa zehn Jahre später in seine zur Reproduktion bestimmten Arbeiten -aufgenommen wurde. Ein gedrucktes Exemplar ist mir von der »Anweißung« -ebenfalls nicht bekannt. Wie sehr sich dieselbe aber im Stil unseren -Holzschnittfolgen nähert, wird am besten durch die Gegenüberstellung -eines F der Handschrift (Fig. 2) mit einem Holzschnitt-F (Fig. 3), -welches zu dem Alphabete mittlerer Größe gehört, veranschaulicht werden. -Hier wie dort der gleiche prächtige Schwung der Linien und Schnörkel, -die gleiche Vorliebe für schön verlaufende Spiralen, für allerlei -Vergitterungen und für die wie kräftige gotische m-Striche aussehenden -Quer-Einschiebsel, die für Paul Franks Art besonders charakteristisch -sind. Nur ist, wie zu erwarten, die ganze Ausführung in den -Handzeichnungen auf Pergament noch eine ungleich sorgfältigere, feinere -und reichere, als die Holzschnitte aufweisen. Auch das ergiebt sich -bereits aus einem Vergleich der beiden hier reproduzierten F. - -[Fußnote 86: Hs. Nr. 301 der Merkel'schen Sammlung.] - -[Fußnote 87: Außerdem ist ein Doppelblatt (Papier) mit einem -prachtvollen, zum Teil mit metallisch glänzenden Farben ausgezierten J, -ebenfalls von Paul Frank, mit eingeheftet.] - -Zur Biographie des Paul Frank erfahren wir aus der Pergamenthandschrift -der Merkelschen Sammlung vor Allem, daß er aus Gefrees in Oberfranken -gebürtig gewesen ist. Als er seine »Anweißung« schrieb, im Jahre -1587[88], war er aber wahrscheinlich bereits in Memmingen ansässig. Es -wäre sonst wenigstens auffallend, daß der Inhalt seiner Schreibvorlagen -mehrmals[89] gerade auf Memminger Verhältnisse Bezug nimmt. Acht Jahre -später (1595) ereignete sich mit Paul Frank in Memmingen ein tragischer -Fall: er wurde zum Mörder. Christoph Schorer berichtet darüber in seiner -Memminger Chronik: »Den 3. October hat Paulus Franck, Modist vnd -Teutscher Schulmeister allhier, so mit andern Teutschen Schulmeistern -auff dem Stadt Weyher (welcher den vorigen Tag gefischet worden) -gewesen, im herein gehen zwischen den Gärten den David Lochbichler, -sonst Girtler genand, Schulhaltern mit einem Faust-Hammer am Haupt also -verletzet, daß er den 13. October hernach gestorben«[90]. Welches die -Veranlassung zu dieser That gewesen, ob überhaupt eine vorsätzliche -Verwundung vorgelegen oder nur ein unglücklicher Zufall obgewaltet hat, -hören wir nicht. Möglich, daß Konkurrenzneid oder verletzte Eitelkeit -dabei im Spiel gewesen sind, denn -- um schließlich auch noch ein Wort -über den mutmaßlichen Charakter unseres Mannes zu sagen -- ein etwas -übertriebenes Selbstgefühl scheint Paul Frank eigen gewesen zu sein und -verrät sich auch in seinen Arbeiten. Ist es schon ein seltenes -Vorkommnis, daß ein Rechenmeister fast jedes seiner für den Holzschnitt -gefertigten Blätter mit seinem Monogramm signiert, so kennzeichnen ihn -auch mehrere der für seine »Anweißung Kunnstlichs vnnd artlichs -schreibens« gewählten Vorlagen oder Beispiele durch ihren Inhalt als -eitel und von unverhältnismäßigem Stolze auf seinen Künstlerberuf -erfüllt. Verschiedentlich ist darin von den Rechenmeistern oder -Schreibkünstlern die Rede, namentlich von dem durch seine »Ehrbarkeit, -Redlichkeit, gute Sitten, Tugend und Vernunft berühmten« kaiserlichen -Kammer-Kanzleischreiber Veit Stoß aus Schweinfurt, von dem weiterhin -einmal[91] in der »sehr gemainen vngebrochenen Canntzleyschrifft«, -nebenher, aber wohl sehr geflissentlich mitgeteilt wird, daß ihm Konrad -Lang von Überlingen »Ein Schloß Hummelburg gnant widerkaufflichen -verkaufft habe«[92] u. s. f. - -[Fußnote 88: Der braune Ledereinband des Manuskripts ist auf der Vorder- -und Rückseite mit sehr geschmackvoller Goldpressung verziert. Die -Vorderseite weist u. a. die Inschrift P·F·V·G (Paul Frank von Gefrees) -und die Jahreszahl 1585 auf. In letzterer haben wir vielleicht den -Zeitpunkt für die erste Anlage, für den Beginn des Buches zu erblicken.] - -[Fußnote 89: Blatt 9b, 12a und 13b.] - -[Fußnote 90: Chr. Schorer, Memminger Chronick. Ulm 1660. S. 114.] - -Über den späteren Lebensgang des Paul Frank habe ich bisher nichts -weiter ermitteln können, als was sich aus seinen Holzschnitten und der -Vorrede zu der »Kunstrichtigen Schreibart« des Paulus Fürst ergab und -oben mitgeteilt worden ist. - -[Fußnote 91: Blatt 10a.] - -[Fußnote 92: Der Sinn der Urkunde, die hier zu Grunde liegt, kann -schwerlich ein anderer gewesen sein, wenn auch in der Abschrift das -Satzgefüge nicht ganz in Ordnung ist.] - -_Nürnberg._ - - _Th. Hampe._ - - - - - Albrecht Dürer und der Rahmen des Allerheiligenbildes. - - -Vom Lauferschlagturm bis hinauf gegen den Egidienberg erstreckte sich um -das Jahr 1500 noch ein Rest des alten Nürnberger Befestigungsgürtels mit -Stadtgraben und Zwinger. Davon erwarb ein Stück der wohlhabende Rot- und -Bildgießer in der Beckschlagergasse, Mathäus Landauer; er ließ daselbst -ein stattlich Bruderhaus mit einer Kapelle, mit Hof und Garten anlegen, -dem er den Namen zu Allerheiligen gab. Ein Alchimist Erasmus Schildkrot, -ein geborner Engländer, der sich von Königsberg in Preußen nach Nürnberg -gewendet, hatte in Landauers Werkstätte ein Plätzchen für sein -Laboratorium gefunden; und da ihm seine Kunst Segen brachte, konnte er -durch ein großes Vermächtnis den Grund zu der wohlthätigen Stiftung -Mathäus Landauers legen; so etwa berichtet Andreas Würfel in seiner -ausführlichen Beschreibung aller und jeder Kirchen, Klöster, Kapellen -und der annoch in denenselben befindlichen merkwürdigen Monumenten vom -Jahre 1766. - -Das Haus steht, manchmal umgebaut und seit Mitte unsres Jahrhunderts als -Kunstgewerbeschule benützt, noch heute; die Kapelle, ein hohes Gelaß von -fast quadratem Grundriß, hat als einzigen Schmuck ein sechsteiliges -Netzgewölbe von mannigfach abwechselnder Rippenführung. Zwischen den -beiden spiralig kannelirten knauflosen Pfeilern, die das Gewölbe tragen, -und der Ostwand, senken sich die Rippen von der Decke zu einem -eigenartigen Hängewerk, an dessen unterem Ende das Wappenschild der -Landauer hängt[93]; es mag wohl sein, daß die ganze, eigenartige -Anordnung nach den Angaben des damaligem Meisters auf der Peunt, des -hochbegabten Hans Beheim getroffen wurde. - -[Fußnote 93: Das Wappenschild der Landauer, wie es noch mehrmals an dem -Bruderhaus wie an der Predella des Altars angebracht wurde, enthält in -rotem Feld eine geschweifte silberne Spitze, darin in verwechselten -Farben [...] gestellt drei Lindenblätter.] - -Hier an der Ostwand, gegenüber der Eingangsthür, war der Platz für den -Altar, vor dessen Stufen in der Mitte seines Kirchleins Mathäus Landauer -sich die letzte Ruhestätte bestimmt hatte. Albrecht Dürer sollte die -Altartafel ausführen. Die Bestellung muß schon bald nach der Rückkehr -des Meisters aus Venedig erfolgt sein; denn schon im Jahre 1508 ward dem -Besteller ein sorgfältig mit der Feder ausgeführter, mit Wasserfarben -leicht getönter Entwurf vorgelegt, der offenbar Landauers volle -Billigung fand[94]: über einer flachen anmutigen Seelandschaft umgibt -die Schaar der Heiligen in anbetender Verehrung den dreieinigen Gott, -der in den Wolken schwebt; nur dies eine große Fest aller Heiligen, -denen das Bruderhaus ja geweiht sein sollte, keine Flügelbilder, kein -Gemälde in der Predella sollte dazu kommen. Dagegen wollte Dürer die -ganze Kraft seiner Dekorationsgabe an die Fassung des Gemäldes wenden: -ein reich geschnitzter Rahmen mit Säulen in antikischer Art und statt -der aufstrebenden gotischen Fialen und Türmchen ein kräftiges Gesims mit -einer Rundbogennische darüber, sollte die Tafel umschließen. Und hier -ließ sich auch wie eine Ergänzung der Hauptdarstellung eine zweite große -Scene aus der heiligen Geschichte anbringen, eine Andeutung des jüngsten -Gerichts. Das Ganze dieser Komposition ist außerordentlich feinsinnig -erdacht und künstlerisch abgewogen. - -Drei Jahre dauerte es noch, bis der fertige Altar aufgestellt werden -konnte. Dürer hatte damals das Gemälde für Jakob Heller in Frankfurt -auszuführen, an das er so lange Monate seinen besten Fleiß wandte, und -aus seinen eigenen Worten dürfen wir wohl schließen, daß ihm damals -seine kleine Kunstware, seine Stiche und Holzschnitte mehr Freude -machten als die großen Gemälde. 1511 wurde das Werk vollendet, und schon -1515 starb der Stifter und ward in seiner Kapelle beigesetzt, nachdem er -sich schon früher mit dem Probst von S. Sebald, Erasmus Toppler, -auseinandergesetzt wegen der an der Sebalduskirche erst erworbenen -Begräbnisstätte[95]. - -[Fußnote 94: Die Handzeichnung befindet sich in der Sammlung des Herzogs -von Aumale, und ist bisher noch nicht in Farben wiedergegeben worden. -Abb. siehe bei _Ephrussi_, Albert Durer et ses Dessins zu Seite 172 und -danach in Hirths _Formenschatz_ 1889 Nr. 136. Abbildungen des Rahmens -und einiger Einzelheiten seiner Ornamentik enthält _Thausing_ Albrecht -Dürers Leben und Werke II/27. Ferner _Bucher & Gnauth_ Das Kunsthandwerk -I. S. 32 und danach der Katalog der Originalskulpturen des germanischen -Museums S. 43. Sie haben alle den Mangel, daß sie vor der -Wiedervereinigung des Frieses mit dem Rahmen gezeichnet, jenen nur -andeutungsweise und ungenau wiedergeben. Eine gewissenhafte Kopie des -Gemäldes samt Rahmen hat die Familie von Tucher der Gemäldegalerie des -germ. Museums geschenkt. Die alte Bemalung des Rahmens ist nur noch an -den köstlichen Friesfiguren erhalten, dadurch daß diese zur Zeit der -Restauration durch Keim vom Hauptstück entfernt waren, und erst später -unter Heideloffs Nachlaß sich wiederfanden. Unter dem heutigen -Ölfarbanstrich lassen sich Reste der Bemalung noch überall feststellen. -Demnach gibt die nach Angaben des Dr. von Essenwein angefertigte Kopie -des Rahmens im ganzen die richtige Vorstellung von dem ehemaligen -Farbenglanz des Ganzen. Daß Gold zusammen mit einem matten Blau die -indifferentesten Farbtöne sind, die am wenigsten die aus kräftigen -Lokaltönen zusammengesetzte Farbenwirkung des Gemäldes zu -beeinträchtigen vermögen, das wußten die Italiener schon lange; und auch -diesseits der Alpen übte man schon im 15. Jahrhundert diese Technik der -Gemäldefassung: vergoldetes Laubwerk auf blauem Grunde, die abgefasten -Ecken und Hohlkehlen gelegentlich auch dunkelrot, bei den Figuren -goldene Gewänder mit blauen umgeschlagenen Säumen, das war z. B. in -Wohlgemuts Werkstatt Regel. Wenn uns heute an der erst vor wenigen -Jahren angefertigten Kopie des Allerheiligenbildes die Vergoldung zu -aufdringlich erscheint, so mag man dagegen erwägen, daß für das -gedämpfte Licht eines Kirchenraumes stärkere Effekte nötig waren, als -sie ein moderner Oberlichtsaal zuläßt; und überdies that der -ausgleichende Einfluß der Natur bald das Seine, um die übergroße -Leuchtkraft der Farben zu dämpfen.] - -Das Gemälde kam an Rudolph II. und befindet sich nun in den k. k. -Kunstsammlungen in Wien, der Rahmen ist seltsamer Weise leer stehen -geblieben und als eines der wichtigsten Stücke der städtischen -Sammlungen ins germanische Museum gekommen, nachdem er zuletzt in der -Zeit Heideloffs ausgebessert und mit graugelber Ölfarbe überstrichen -worden war. - -Von der ersten dem Besteller vorgelegten Skizze bis zur Vollendung des -Altars war ein weiter Weg, und manches kam anders zur Ausführung als es -entworfen war. Rechnen wir zunächst das ab, was ungeschickte -Restauration dem Werke anthat -- das leere Maßwerk an Stelle des -prachtvollen Bildfrieses, der sich merkwürdiger Weise später erst in -Heideloffs Nachlaß wiederfand, und das Stabwerk am untern Sturz des -Architravs, so können wir vom Gesamteindruck sagen, der Rahmen ist -entschieden gotischer geworden als er im Entwurf gedacht war. Nicht im -Gerüst, in der Grundidee des Aufbaus, sondern in den Zierformen: Die -Säulen, die in der Zeichnung ungegliedert als kräftige Masse vor dem -ebenfalls glatten Grund stehen, sind im oberen Dritteil des Schaftes mit -kräftigen, blau in gold gefaßten Kanneluren versehen und darunter -umsponnen von üppigen Reblaubranken in halb gotischer, halb dürerischer -Stilisirung; das beliebte gerollte Distelblattband füllt die Rückleisten -und die Hohlkehle nach dem Gemälde hin. Dagegen fehlen in der Ausführung -die echt dürerisch gezeichneten Rankenleisten am unteren Rande des -Bildes und oben an der Schmiege des Hauptgesimses. Am auffallendsten -tritt die Umgestaltung an der Umrahmung des Rundbogenaufsatzes zu Tage: -an Stelle des mageren gotischen Maßwerks und der Zinnenleiste hatte -Dürer eine dreifach gegliederte Archivolte vorgesehen: außen ein -schmales Gesimsprofil mit einer Art Perlstab, dann ein Ornamentband mit -Ranken, wie sie etwa auf dem Rahmen einiger Blätter vom Marienleben sich -finden, und innerhalb davon ein Band mit radialen Einschnitten, die den -Eindruck der Rundnische betonen sollen, genau so wie sie Dürer in der -Thronlehne auf dem Mittelbilde des Lorenz Tucher'schen Triptychon -anbrachte, das 1511 Hans von Kulmbach nach seines Meisters Zeichnung für -den Chor von S. Sebald ausführte, vgl. Lippmann Handzeichnungen Albr. -Dürers. - -Aus diesen an sich geringfügigen Änderungen lassen sich, wie ich meine, -Schlüsse ziehen: Wenn Dürer den Rahmen für das Allerheiligenbild in -dieser neuen, von den landesüblichen Formen so stark abweichenden -Fassung entworfen hatte, wird man annehmen müssen, daß er auch die -Ausarbeitung in seiner Werkstatt überwachte und leitete; dabei -verfertigte der Bildschnitzer die Ornamentstücke offenbar meist ohne -weitere Detailzeichnungen seines Meisters in den ihm geläufigen -gotischen Mustern. Nur daß sie so dem Schnitzer handgerechter waren, -erklärt dies Abgehen vom Entwurf. Für andere Stücke wieder, wie für das -Füllornament am Sockel der Säulen oder für die Säulenknäufe, hat -zweifellos Dürer ausführliche Zeichnungen angefertigt, wie wenig diese -letzteren auch mit irgend welchen italienischen Kapitellformen -übereinstimmen. Gerade ihm und nur ihm eigentümlich ist diese ganz -persönliche Zierkunst, die wir gerade in diesen Jahren seiner -Künstlerentwicklung in den Blättern des Marienlebens[96] in den -Randzeichnungen zum Gebetbuch des Kaisers Max am schönsten ausgesprochen -finden. - -[Fußnote 95: Vgl. _Würfel_ a. a. O. In der Zeit, da Landauer vor der -Gründung des Bruderhauses noch Pfleger von S. Sebald war, hatte er sich -zusammen mit seinem Amtsgenossen Sebolt Schreyer am Chor der -Sebalduskirche ein Familienbegräbnis bestellt, dessen berühmte -Reliefplatte Adam Kraft zur Ausführung übertragen worden war.] - -Es wäre wirklich vergebene Mühe, zu erforschen, bei welchem Italiener -Dürer eine Anleihe gemacht haben könnte, denn er ist nie Kopist, er ist -immer Dürer. Aber eine andere folgenreiche Neuerung hat der -Allerheiligen-Altar der deutschen Kunst gebracht, die unmittelbar auf -italienische Eindrücke zurückgeführt werden muß; es war der erste -Angriff auf den in seinem weitläufigen Aufbau entschieden -unkünstlerischen nordischen Flügelaltar. In Deutschland war man bis -dahin gewöhnt den Hauptaltarschrein, das Mittelfeld, dem Bildschnitzer -zu überlassen; eine Reihe von Heiligengestalten unter zierlichen -Baldachinen oder eine Scene des biblischen Dramas unter einem flachen -Korbbogen voll wilden gotischen Rankenwerks war das Übliche; zwei- -und dreifache Flügel jederseits mit einer bilderbogenartig -nebeneinandergestellten Reihe von Darstellungen der Legende des -Kirchenpatrons fügte der Maler dann an die Seiten des Schreins, über dem -eine ganze Architektur von Türmchen und Fialen in die Höhe strebte. -- -In Italien war das anders: die monumentale Überlieferung, in der dort -die Malerei groß geworden war, zwang schon, das Wandgemälde mit der -umgebenden Architektur als ein Ganzes zu behandeln; den Ausblick in das -Blau des Himmels, in dem eine Schaar von Putten sich tummelt, an eine -Gewölbdecke malen, heißt doch die Architektur der Halle zum Rahmen des -Gemäldes machen. Und wo man solche Aufgaben mit so viel Geschick zu -lösen vermochte, da lag es auch nahe, das freistehende Altarbild durch -einen Rahmen von Sockel, Pfeilerstellung und Gesimsstücke als eine -Architektur im kleinen zu behandeln. Der streng symmetrische Aufbau der -Gruppen, dem die späteren Quadrocentisten huldigen, mag diese Neigung zu -einer so knappen Fassung in strenggegliedertem Architekturrahmen -begünstigt haben. Und gerade derjenige Meister, von dem wir aus Dürers -eignem Munde wissen, daß er ihn unter den Venezianern am höchsten -schätzte, dessen glänzende Werke damals die Dogenstadt in Staunen -versetzten -- Giovanni Bellini -- zeigt uns, wie sehr er gewohnt war, -Bild und Rahmen als ein künstlerisches Ganzes zu denken und zu -komponieren. - -In S. Maria dei Frari zu Venedig steht eines der Hauptwerke Bellinis, -der 1488 entstandene Marienaltar[97]: Die Madonna mit dem Knaben und -zwei musizierenden Engeln in der Mitte und auf den feststehenden -Seitenflügeln zwei Paare ehrwürdiger Heiliger in ruhiger Haltung. Die -drei Gemälde werden durch vier breite Pilaster umrahmt, die in der Mitte -mit einem hohen Rundbogen, zu beiden Seiten mit geradem Gesims -überdeckt, den ganzen prächtigen Aufbau wie eine Vorwegnahme Palladios -erscheinen lassen. - -[Fußnote 96: Vgl. das gotische Portal aus der Scene der Beschneidung.] - -Und der architektonische Eindruck dieses mit reichem Reliefschmuck -gezierten Rahmens wird erhöht bis zur Täuschung, indem der Maler den -Hintergrund des Mittelbildes eine in ihren Formen dem Rahmen ganz -angepaßte Nische um den Thron der Maria bilden läßt und anderseits auf -den beiden Flügeln Gebälk und Pfeiler einer Halle in sorgfältig -festgehaltener Perspektive darstellt, als hingen sie mit dem Pilaster -des Rahmens zusammen. Dieser höchst eigenartige künstlerische Gedanke, -den Hans Holbein für seine Fassadenentwürfe aufnahm, und den die -Dekorateure des 18. Jahrhunderts in ihrer Weise so vorzüglich -auszubeuten verstanden, ist für Bellinis Auffassung von Bild und -Bilderrahmen höchst bezeichnend: In dem Kreise von Künstlern, in dem -Dürer in Venedig verkehrte, legte man Gewicht auf derartige -künstlerische Fassung der Gemälde; Dürer sah ihre Werke, hörte den -Gedanken aussprechen, und als er wieder nach Nürnberg kam, verarbeitete -er ihn in seiner Weise zu dem Landauer Altar. - -Man hat bisher auf diese innere Verwandtschaft zwischen Dürers -Neuschöpfung und der in Italien schon lange geübten Art nicht geachtet; -dagegen hat Thausing auf eine andere Gattung von Denkmälern dekorativer -Bildhauerkunst hingewiesen, unter denen Dürers Vorbild zu suchen sei, -auf die Grabmonumente Venedigs. Es ist wahr, der oberitalienische -Grabmaltypus, wie er am Ende des Quattrocento sich ausgereift hat, diese -Nischenarchitektur mit Pilastern und Rundbogen, die den Sarkophag des -Entschlafenen dekorativ umschließt, baut sich aus denselben Elementen -auf, und kleine Verschiedenheiten ließen sich unschwer aus Material und -Bestimmung erklären. Thausing hat sogar das unmittelbare Vorbild Dürers -zu finden geglaubt, ein Werk, das allerdings dein Meister ebensowohl -bekannt sein mußte als Bellinis Marienaltar -- das Grabmal des Dogen -Pasquale Malipiero in SS. Giovanni e Paolo, das bald nach 1462 -entstanden sein dürfte. Auch abgesehen von der typischen Ähnlichkeit des -ganzen besticht dieser Vergleich wirklich durch die übereinstimmende -Anordnung eines dreifigurigen Reliefs -- Christus als Schmerzensmann, -gestützt von zwei Engeln -- im Bogenfeld und der akroterartigen -Anbringung dreier Freifiguren am Scheitel und an den Seiten der -Archivolte. Weiter geht aber die Ähnlichkeit nicht, und die -akroterartigen Aufsätze hatte Bellinis Marienaltar ebenfalls; beiden ist -die ungemein geschickte Art, wie Dürer die überdies feinsinnig in die -Komposition hineingezogenen drei Engelchen anbrachte, weit überlegen. - -[Fußnote 97: Neuerdings veröffentlicht im _klassischen Bilderschatz_ -Bruckmann 1896, Nr. 1102. Ich wähle unter manchen verwandten -italienischen Altarwerken dieser Zeit gerade Bellinis Gemälde, weil -Dürer dieses zweifellos in Venedig gesehen hat.] - -Wenn Dürer in diesem Altarwerk zum ersten Male die epische Breite der -bisherigen deutschen Wandelaltäre vermied, wenn er statt der bisher -üblichen zahlreichen Heiligenlegenden und dramatischen Bibelscenen hier -eine einzige knappe aber erschöpfende Komposition vorzog, so konnte er -sich doch nicht versagen, das angeschlagene Thema, da wo der Rahmen -Platz zu figürlichen Darstellungen bot, weiter auszuspinnen durch den -Hinweis auf das jüngste Gericht. Es ist nun höchst lehrreich zu sehen, -wie er den Stoff verarbeitet: - -Wie oft war seit dem Wandgemälde in der S. Georgskirche auf der -Reichenau oder seit der ersten großen plastischen Darstellung des -Weltgerichts in der Vorhalle des Freiburger Münsters der Stoff im Lauf -der Jahrhunderte auf deutschem Boden zur Darstellung gekommen, und wie -wenig war der einmal eingelebte Typus abgewandelt worden. Die Reihe der -aus den Gräbern auferstehenden, die Reihe der Seligen und Verdammten, -darüber die Schaar der Apostel und endlich Christus als Weltenrichter, -umgeben von den Engeln, die durch Posaunenstöße den Tag des Gerichts -verkündigen -- so wiederholte sich gut und recht in lehrhaftem Schema -der Bilderzyklus, und wer etwa davon abzuweichen versuchte wie in seiner -Rosenkranztafel Veit Stoß -- sonst ein Meister der Beschränkung in der -Komposition -- scheiterte, weil er die große Figurenzahl nicht zu -bemeistern, auf das plastisch Darstellbare zu beschränken wußte. Dürer -griff nun die beiden wesentlichen Gruppen heraus: Im Bogenfeld sitzt -Christus auf dem Regenbogen, seine Füße ruhen auf der Weltkugel, die -rechte hat er segnend erhoben, die linke weist hinab zu den Verdammten; -anbetend knien zur Seite Maria und Johannes in den Wolken. Zwei -Posaunenengel, echt dürerische Putten, sitzen an den Seiten des -Rundbogens und geben zusammen mit dem im Original verloren gegangenen -Engelsfigürchen, das ehemals die Bekrönung des ganzen bildete, eine -anmutige Belebung des sonst streng architektonischen Aufbaus. - -Unter dem Hauptgesims folgt dann im Fries der in flachem Relief -ausgeführte Zug der Seligen, die Petrus in die Himmelspforte -- eine -Strahlensonne -- einführt, und die von grotesken Teufelsfratzen an einer -Kette in den Höllenrachen gezogenen Verdammten. Noch nie war in der -deutschen Kunst eine Komposition so plastisch gedacht, so im Sinne des -antiken Reliefstils erfunden worden. Am dichtesten gruppieren sich die -Gestalten an den beiden Enden des Frieses, wo unter den vordersten der -Reihe der Verdammten ebensowohl wie der Seligen dem demokratischen Geist -der Zeit gemäß Papst und Kaiser, Bischof und Kardinal, an ihrer -Kopfbedeckung kenntlich ihrem Bestimmungsorte zugeführt werden. Nach der -Mitte werden die Reihen lockerer, die einzelnen Gestalten stehen fast -ohne Überschneidung nebeneinander; dafür ist aber hier die stärkste -dramatische Bewegung ausgedrückt in der großartigen Kampfgruppe: der -letzte in der Reihe der Seligen, der sich eilt, dem Zuge nachzukommen, -hat einen am Boden liegenden Freund am Arme gefaßt, um ihn mit sich zu -ziehen; von der andern Seite faßt ein Teufel nach den Beinen des Mannes, -den er herüberreißen möchte, indem er zugleich um Hilfe schreiend den -Kopf zurückwirft. Wie die Bewegungsmotive in all diesen Figuren variiert -und jedes einzelne durchgebildet ist, wie das sanfte Geleiten auf der -einen Seite in Haltung und Geberde der beiden Engel, im Faltenwurfe -sogar zum Ausdruck kommt, alles das sind Feinheiten in formaler Natur -sowohl wie in Bezug auf den Gedankeninhalt des ganzen, wie sie kein -deutsches Bildwerk bis dahin aufweisen konnte. - -Wer war aber der Künstler, dessen Schnitzmesser sich so ganz Dürers -Zeichnung anzupassen vermochte, daß wir keine andere als Dürers Hand -noch heute darin erkennen? Manches, wie die auffallende Flachheit der -Reliefbilder im Tympanon, läßt fast einen Dilettanten vermuten; ich -meine, überhaupt kann es kein im Beruf des Bildhauers gereifter Mann -gewesen sein, da ein solcher Spuren seines eigenen Stils in seinem Werke -hätte hinterlassen müssen. Im Katalog der Originalskulpturen des -germanischen Museums steht der Rahmen des Allerheiligenbilds als Nr. 318 -neben dem Reliefbild der Krönung Mariae und der großen Rosenkranztafel -an dritter Stelle unter den Werken des Veit Stoß. Daß man dem -berühmtesten, oder richtiger gesagt, dem einzig bekannten Nürnberger -Bildschnitzer dieser Zeit dies zweifellos zu den hervorragendsten Werken -deutscher Plastik gehörige Stück zuweisen wollte, ist begreiflich; -jedenfalls verdient diese Annahme mehr Beachtung als die seltsame -Meinung des sonst so feinsinnigen Thausing, der sich an die Art Albert -(sic!) Krafts erinnert fühlt. Adam Kraft muß um Weihnachten 1508 im -Spital zu Schwabach gestorben sein[98]; und daß er oder einer seiner -Gehilfen, die doch Steinmetzen von Beruf waren, in Holz gearbeitet und -unbekleidete Figuren von ähnlich klassischer Bildung wie die des -jüngsten Gerichts geschaffen habe, müßte doch erst nachgewiesen werden. - -Aber auch Veit Stoß, für den sich Bergau und Lübke entschieden haben, -hat mit der Ausführung von Dürers Skizze nichts zu thun. Denn gerade er -hatte seinen außerordentlich ausgeprägten persönlichen Stil nach seiner -Rückkehr von Krakau in keinem seiner Werke verleugnet und würde es als -Mann von weit über 50 Jahren, wie er damals war, auch nicht mehr -vermocht haben. - -Übrigens besitzen wir ja ungefähr aus den gleichen Jahren und im -gleichen Größenverhältnis ausgeführt in der Rosenkranztafel eine -Darstellung des jüngsten Gerichts und einige Gruppen aus der -Schöpfungsgeschichte, die uns von der ungelenken derben Durchbildung des -nackten Körpers bei Veit Stoß eine Vorstellung geben[99]. Es klingt -etwas befremdlich wenn wir in Neudörffers Nachrichten hören, Stoß habe -für den König von Portugal zwei vielbewunderte Statuetten von Adam und -Eva gefertigt; denn die Behandlung des Nackten war nie seine Stärke. Die -in ihrer Eckigkeit sehr übertriebene, oft überflüssig erregte Bewegtheit -seiner Figuren, die eingeschnürten Leiber und verrenkten Hüften, die -flachen typischen Gesichter stehen ganz gewiß der hohen Formenschönheit -im Fries des Altarrahmens konträr entgegen. Und die drei Figuren des -Tympanons geben Falte um Falte die Gewandanordnung von Dürers Zeichnung -wieder, ohne daß man irgendwo eine Spur des sonst doch leicht wieder zu -kennenden stoßischen Faltenschwungs wahrnehmen könnte. - -[Fußnote 98: Vgl. _Alfr. Bauch_ im Repertorium für Kunstwissenschaft. -Bd. IXX. Heft 1.] - -[Fußnote 99: Vgl. die Werke des Veit Stoß in Photographien mit -begleitendem Text von _Bergau_, Nürnberg Soldan, und K. _Schaefer_, -Meisterwerke deutscher Bildschnitzerkunst im germanischen Museum, wo -auch eine vollständige Wiedergabe des Frieses vom jüngsten Gericht.] - -Ein einziges Denkmal deutscher Bildhauerkunst ist uns bekannt geworden, -das mit den Figuren des Altarfrieses aufs engste verbunden werden muß, -das nicht nur durch die ganze eminent plastische Auffassung und die -Durchbildung des nackten Körpers, sondern auch durch Einzelheiten, wie -die originell behandelte Haartracht mit den beiden übers Ohr gelegten -Zöpfen dieselbe Hand verrät, wie die Seligen des jüngsten Gerichts -- -das ist die Plakette mit dem Flachrelief einer nackten Frau mit Dürers -Monogramm und der Jahreszahl 1509. Es gibt davon zwei Platten in -Kelheimer Stein, von denen eine wohl das größte Recht hat, als Original -angesehen zu werden; denn daß Metallabgüsse nach diesen gefertigt worden -seien, ist jedenfalls wahrscheinlicher als das umgekehrte. Nach welchem -der Originale Thausing seine Abbildung der Plakette herstellen ließ, ist -fraglich, da er das Imhofsche Relief nicht gesehen hat. Auch mir ist es -nicht gelungen, das Kästchen, zu dessen Schmuck das Silberrelief -gefertigt sein soll, zu sehen, da der Familienälteste Major Frhr. von -Imhof versichert, daß er trotz wiederholter Bemühungen nicht habe -feststellen können, ob und wo das Kunstwerk existiere. Das Relief im -Nationalmuseum zu München ist in zahlreichen Gipsabgüssen, das zweite -durch eine Lichtdrucktafel XVII im Katalog der Sammlung Felix bekannt. -Das Relief ist der Technik entsprechend flacher als der holzgeschnitzte -Fries, die Modellirung hier der Fernwirkung wegen kräftiger[100]. - -Thausing suchte bekanntlich gerade dieses Relief als Zeugen und zwar als -einzig übrigen Zeugen von Dürers Versuchen in der Bildhauerkunst -festzuhalten; mir scheinen seine Schlüsse nicht unglaubhaft, und -jedenfalls hat sich noch niemand gefunden, der sie widerlegte. Die ganze -Frage nach Dürers etwaigem Anteil an der Plastik seiner Zeit hier wieder -aufzugreifen, ist müßig, da wesentlich neue Beweisgründe seit Thausings -kritischer Enquete auf diesem Gebiet nicht herbeigebracht wurden. Nun -liegt es mir gewiß fern, zu behaupten, Albrecht Dürer müsse mit eigener -Hand das figürliche Schnitzwerk zum Rahmen des Landauer Altars -angefertigt haben; wir bedenken überhaupt viel zu wenig, welche große -Anzahl namhafter und namenloser Künstler noch zwischen einem Adam Kraft, -Veit Stoß und Albrecht Dürer stand, von denen wir nur deshalb nichts -wissen, weil sie Neudörffers Aufmerksamkeit entgangen sind; aber das -steht wohl fest: ebensowohl wie an der Imhofischen Silberplakette ist an -dem Fries der Seligen und Verdammten das Beste, das stilistisch Große, -den gleichzeitigen Werken z. B. Veit Stoß' weit überlegene, Dürers -geistiges Eigentum, und wenn eine Gehilfenhand dabei beteiligt war, die -sich von des Meisters Geist führen ließ, so fällt ihr nichts weiter zu, -als die handwerkliche Arbeit, nichts von dem Stil, der hohen Schönheit -des Werkes. - -[Fußnote 100: Einige, vielleicht allerdings nur äußerliche Ähnlichkeit -mit den Figürchen des Frieses zeigt eine kleine kreisrunde Komposition -einer thronenden Maria, die unterstützt von zwei über ihr schwebenden -Engeln an die versammelten Vertreter der Christenheit Rosenkränze -austeilt. Das bemalte und vergoldete Relief, das 31 cm Durchmesser hat, -ist irrtümlicher Weise in den Katalog der Originalskulpturen des -germanischen Museums als Nr. 156 aufgenommen. Es ist keine Terrakotta, -sondern ein Abguß in einer Thonmasse, die des besseren Anhaftens der -Farben wegen, wie es scheint, ein wenig gebrannt wurde. Das nicht -uninteressante Original dazu im Besitz der Kunsthandlung Fleischmann in -Nürnberg ist ein Ölgemälde auf Holz, in dessen Mitte umrahmt von einem -Kranze gemalter Rosen das Relief eingelassen ist. Das ungefähr 1515 -entstandene Werk soll aus einer Kirche im bayerischen Schwaben stammen.] - -[Illustration: Taf. II. - -Fragment vom Rahmen des Allerheiligenbildes von Albrecht Dürer.] - -Bis auf die einfachen gotischen Distelblattleisten ist das ganze -Altarwerk, der Aufbau, der figürliche Schmuck und das Zierwerk ganz und -echt Dürer. - -_Nürnberg._ - - _Karl Schaefer._ - - - - - Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das - Reisetagebuch des Sebald Örtel (1521-22). - - - I. - -Während die deutschen Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande in den -letzten Jahren vielfache Behandlung erfahren haben, ist den Reisen -deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem »Jerusalem des -Occidents«, bisher nicht die gleiche Beachtung zu Teil geworden. Über -jene sind wir durch die Schriften von Röhricht, Meisner, Kamann u. a. -gut unterrichtet, für diese fehlt zur Zeit noch eine zusammenfassende -Monographie und ist auch das Material bisher nur ungenügend bekannt -geworden. Und doch lassen sich aus diesen Reisen nicht minder -willkommene Aufschlüsse nicht allein über geographische und kulturelle -Verhältnisse, sondern hin und wieder auch in kunstgeschichtlicher -Hinsicht gewinnen. Als eine der für ein so umfassendes Thema -unerläßlichen Vorarbeiten zu dienen, ist der Zweck der folgenden -Blätter. Die Reisebeschreibung, um deren Veröffentlichung es sich dabei -vornehmlich handelt, stammt allerdings bereits aus der Periode des -Übergangs vom Mittelalter zur neuen Zeit, steht aber der Sinnesart ihres -Verfassers Sebald Örtel nach noch ganz auf dem Boden der alten Zeit und -bietet überdies so mancherlei Interessantes von der oben angedeuteten -Art, daß ein diplomatisch getreuer Abdruck des bisher ganz unbekannt -gebliebenen Diariums nicht ungerechtfertigt erschien, zumal es aus jener -Zeit nur wenige gleich ausführliche und genaue deutsche -Reisebeschreibungen durch die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal -geben wird. - -Bevor ich indessen zur Mitteilung dieses Tagebuches selbst übergehe, sei -es gestattet, einige Bemerkungen über deutsche Heiligtumsfahrten nach -Santiago de Compostella im Mittelalter überhaupt vorauszuschicken. - -Obgleich schon früh von solchen berichtet wird[101], sind uns doch -ausführlichere Reisebeschreibungen erst aus dem 15. Jahrhundert -erhalten. Es hängt das ohne Zweifel zusammen mit dem größeren Gewicht, -das seit dieser Zeit dem Sammeln von Reliquien der Heiligen beigelegt -wurde und dem regen Interesse, das sich noch bis tief ins 16. -Jahrhundert hinein überall dafür kund that. Zu der religiösen Verehrung -gesellte sich die eben in jener Zeit erwachende Lust am Sammeln als -solchem. Die Menschen von damals empfanden diesen Überresten gegenüber -etwa die gleiche Pietät, wie sie heutzutage noch bei den -Autographensammlern gegenüber ihren Schriftstücken besteht, oder von den -Museen der verschiedensten Art durch sorgsame Aufbewahrung von Andenken -an historische Persönlichkeiten, an Helden des Schwertes oder des -Geistes, mit Recht genährt wird. Ja, man wird sogar behaupten dürfen, -daß man die großen Sammlungen von »Heiligtümern«, wie sie zu Anfang des -16. Jahrhunderts bestanden und auch in Abbildungen ihrer bedeutendsten -Stücke publiziert wurden[102], in gewissem Sinne geradezu als Vorläufer -unserer heutigen Museen betrachten kann. Daß sich das Interesse eben der -Gebildeten seitdem auch in katholischen Ländern in solchem Maße von den -Gegenständen der Sakralgeschichte auf die der Profangeschichte -zurückgezogen hat, dafür können wir eine Erklärung nur in dem so sehr -veränderten Zeitgeiste finden. - -Die Aufzählung von Reliquien, die man zu sehen bekam, spielt denn auch -in allen diesen Reisebeschreibungen des 15. Jahrhunderts, soweit sie -sich überhaupt auf Einzelheiten einlassen, eine große Rolle. - -1428 pilgerte der Nürnberger Peter Rieter nach Santiago, um von dort aus -über Monteserrato nach Rom zu reisen. Er hat darüber eine kurze -Aufzeichnung hinterlassen, die uns in Abschriften erhalten ist[103]. - -1436 folgte ihm ein anderer Nürnberger Patrizier, Georg Pfintzing. Wie -Peter Rieter hat auch er außerdem eine Pilgerfahrt ins heilige Land -unternommen. Diese wurde von ihm ausführlich beschrieben; der Reise nach -»Sant Jobs« dagegen, auf der er sieben Wochen abwesend war, erwähnt er -nur mit wenigen Worten[104]. Weit ausführlicher ist ohne Zweifel die -Reisebeschreibung eines Augsburgers, von 1439-40, die sich in einer -Handschrift des Brittischen Museums erhalten hat, über die aber meines -Wissens nähere Angaben bisher nicht gemacht worden sind[105]. - -[Fußnote 101: In Rossels Urkundenbuch von Eberbach 1, 114. 141 werden -Wallfahrten aus dem Rheingau nach St. Jakob schon aus dem Jahre 1203 -erwähnt (vgl. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XVI, 1864, -S. 490); nach dem Lübecker Urkundenbuch III, 199 ff. wurde 1354 -bestimmt, daß die Mörder des Knappen Marquard von Westensee zur Buße je -einen Pilger nach Aachen, Rom, Santiago und Jerusalem schicken sollten. -(Vergl. Röhricht und Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen -Lande, Berlin 1880, S. 486).] - -[Fußnote 102: Das Haller Heiligtumsbuch, das Wittenberger -Heiligtumsbuch, Einzelblatt mit den Abbildungen der Heiligtümer, die in -St. Ulrich und Afra zu Augsburg aufbewahrt wurden, etc. Auch von den -Heiligtümern in St. Sernin zu Toulouse muß es solche Abbildungen gegeben -haben, wie aus der Reisebeschreibung Örtels (»_.. vnd sonst viel -Heilthumbs, als ich auff ein Zettel gedruckt hab_«) hervorgeht. Ob noch -Exemplare davon existieren, vermag ich nicht zu sagen.] - -[Fußnote 103: Vgl. Röhricht und Meisner, a. a. O. S. 476. Eine Abschrift -auch in dem sogen. schwarzen Rieterbuch der Nürnberger Stadtbibliothek -Bl. 393a. Die Aufzeichnung umfaßt nur wenige Sätze. Der Schluß lautet -nach der Nürnberger Handschrift: »_vnd thet das In einer gutten maynung -mein Nachkommen Andacht zu haben dy heylige stett zu besuchen ob sie -gott ermant er hett es aber gelobt zw thun._« --] - -Peter Rieter hatte am Schluß seiner kurzen Aufzeichnung betont, daß er -seine Pilgerreisen nach den heiligen Stätten auch zur Nacheiferung für -seine Nachkommen unternommen habe[106]. Seine Mahnung fiel in dem Herzen -seines Sohnes Sebald Rieter auf fruchtbaren Boden. Er ist nach Rom, St. -Jakob und zum heiligen Grab gepilgert. Die Wallfahrt nach Santiago und -zum Cap Finisterre unternahm er in Gemeinschaft mit einigen andern -Pilgern im Todesjahre seines Vaters (1462), reich mit Empfehlungsbriefen -(»fuderprieff«) ausgestattet, die den Wallfahrern eine freundliche, ja -ehrenvolle Aufnahme bei den Königen von Spanien und Frankreich und der -Herzogin von Savoyen sicherten. Herolde geleiteten sie durch die von -Kriegsunruhen aufgeregten Gebiete. Im Ganzen bietet auch Sebald Rieters -Reisebeschreibung[107] obgleich erheblich ausführlicher als die des -Vaters, nicht eben viel des Interessanten und auch die Reiseroute ist -nur in großen Zügen angegeben, nicht im Einzelnen beschrieben. - -Von ungleich größerer Bedeutung sind die Beschreibungen, die uns von der -Ritter-, Hof- und Pilgerreise des böhmischen Herrn Leo von Rozmital -(1465-1467) erhalten geblieben sind, eine lateinische von einem -unbekannten Verfasser und eine deutsche von dem Nürnberger Patrizier -Gabriel Tetzel, der im Gefolge Leos an dessen Fahrt durch die Abendlande -teilgenommen hatte[108]. Die Genauigkeit in der Angabe der Stationen -läßt freilich auch hier hin und wieder zu wünschen übrig. Die Reiseroute -stimmt auf große Strecken mit derjenigen Sebald Örtels überein[109]. - -Mit Übergehung der Reisen des St. Galler Bürgers Daniel Kauffmann (vor -1491)[110] und des Dominikaners Felix Fabri (vor 1492)[111] ist dann -weiterhin vor allem zu nennen die Pilgerfahrt des niederrheinischen -Ritters Arnold von Harff (1496-1499), die von ihm selbst ausführlich -beschrieben und uns in mehreren Handschriften erhalten ist[112]. Sie hat -in der Anlage und in der genauen Angabe der Meilen von Station zu -Station so manche Ähnlichkeit mit dem hier zu veröffentlichenden -Reisetagebuch des Sebald Örtel, daß man wohl der Ansicht zuneigen -könnte, Örtel habe eine Handschrift der Reisebeschreibung des Ritters -von Harff gekannt. Inhaltlich jedoch bieten beide Beschreibungen nur -geringe Berührungspunkte, wie sich denn auch die von Arnold von Harff -eingehaltene Reiseroute nur für wenige größere Strecken annähernd mit -derjenigen Sebald Örtels deckt[113]. - -[Fußnote 104: Röhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95.] - -[Fußnote 105: Papierhandschrift 14326, wahrscheinlich Autograph; vgl. G. -Waitz im Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche -Geschichtskunde IV (1879) S. 350.] - -[Fußnote 106: S. oben Anm. 3.] - -[Fußnote 107: Ebenfalls im sogen. schwarzen Rieterbuch der Nürnberger -Stadtbibliothek 395 ff. Vgl. auch Röhricht und Meisner, a. a. O. S. 484 -f.] - -[Fußnote 108: Herausgegeben von J. A. Schmeller im 7. Bande der -Bibliothek des Stuttgarter litterarischen Vereins (1844).] - -[Fußnote 109: Sie deckt sich damit ziemlich genau in folgenden -Abschnitten: Dax bis Tolosa; Santiago bis Ponte de Lima; -Porto--Coimbra--Thomar; Evora--Badajoz--Guadalupe--Talavera de la Reina; -Madrid--Zaragoza--Fraga; Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne; -Avignon.] - -[Fußnote 110: Erwähnt von Dietrich von Schachten, bei Röhricht und -Meisner S. 224.] - -[Fußnote 111: Vgl. Röhricht und Meisner S. 279 ff.] - -1506 unternahm der Breslauer Peter Rindfleisch, der schon zehn Jahre -zuvor nach Jerusalem gepilgert und dort zum Ritter des heiligen Grabes -geschlagen worden war, von Antwerpen aus eine neue Wallfahrt nach -Santiago, wo er den Herzog Heinrich von Sachsen mit seinen Begleitern, -von Colditz und Hans Roch, antraf[114]. Seine Beschreibung dieser -Reise[115] kann sich an Bedeutung weder mit der des Ritters Arnold von -Harff, noch mit der Sebald Örtels messen. Mit der letzteren deckt sie -sich, was die innegehaltene Route betrifft, für die Strecke von Bayonne -bis Santiago. - -Wir wissen noch von manchen anderen Fahrten deutscher Pilger nach St. -Jacob de Compostella aus dem Mittelalter und dem beginnenden 16. -Jahrhundert[116], können es aber für unseren Zweck bei den oben -angeführten wichtigsten derselben, von denen zumeist noch eine -Beschreibung vorhanden ist, bewenden lassen. - - * * * * * - -Wie an den Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande sind auch, wie wir -gesehen haben, an den Reisen nach Santiago de Compostella Nürnberger in -hervorragender Weise beteiligt gewesen, und einer alten Nürnberger -Familie, die zu den Ehrbaren gerechnet wird, gehörte auch der Schreiber -unseres Reisetagebuches an. Sebald Örtel, dessen Bildnis wir dieser -Abhandlung beigeben[117], war als dritter von sieben Söhnen Sigmund -Örtels und seiner Frau Margaretha, einer Tochter des Philipp Groß, 1494 -geboren. Außer den Brüdern, unter denen ihm der im Diarium mehrfach -genannte Florentius im Alter am nächsten stand, hatte er, wie aus einem -Örtelschen Geschlechterbuch[118] hervorgeht, noch acht Schwestern. Die -Örtel sollen namentlich einen »starken Handel mit Berkwercken getrieben« -haben[119] und müssen früh zu ansehnlichem Reichtum gelangt sein. Auch -Sebalds Vater, Sigmund (+ 1525), war sehr vermögend, er besaß zu Ausgang -des 15. Jahrhunderts ein Haus in der Kotgasse, je ein weiteres in der -Derrergasse, Bindergasse und unteren Schmiedgasse, sowie ein Gut zu -Galgenhof, das er eben im Geburtsjahr Sebalds, 1494, von der Gerhaus -Kohler gekauft hatte[120]. Über Sebald Örtel selbst erfahren wir nicht -eben viel. Während einige seiner Brüder (Andreas, Florentius, Sigmund) -in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschiedene städtische Ämter -bekleidet haben[121], wird ein Gleiches von ihm nicht berichtet. -Unmittelbar nach der Rückkehr von seiner weiten Reise hat er sich am 11. -Februar 1522 mit der Tochter des Hans von Ploben und der Barbara -Hallerin, Anna von Ploben, vermählt, die ihm drei Söhne gebar, -Christoff, Abraham und Paulus[122]. 1552 ist Sebald Örtel 58 Jahre alt -gestorben. - -[Fußnote 112: Herausgegeben von Dr. E. von Groote. Köln, 1860.] - -[Fußnote 113: Toulouse. Von Burgos über Leon nach Santiago; und von -Burgos bis Bayonne.] - -[Fußnote 114: Vgl. Röhricht und Meisner, S. 316 und 345 ff.] - -[Fußnote 115: s. ebenda.] - -[Fußnote 116: So von der des Thomas Voglin 1503 (vgl. Zeitschrift für -die Geschichte des Oberrheins XVI. 1864, S. 490), Heinrich und Hans -Peters aus Ilsenburg, zwischen 1481 und 1516 (vgl. Urkundenbuch des -Klosters Ilsenburg, bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, Nr. 452) u. a. -m.] - -[Fußnote 117: Nach einer Radierung (P. 947 der Porträtsammlung des -Germanischen Museums), die allerdings nicht gleichzeitig ist, sondern -etwa aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts stammt, aber, wie man -aus der Tracht, insbesondere aus der Kopfbedeckung schließen darf, auf -ein gleichzeitiges Bildnis zurückgeht und daher wohl auf -Porträtähnlichkeit Anspruch machen kann.] - -[Fußnote 118: Hs. 7057 der Bibliothek des Germanischen Museums, Bl. 13 -u. 16.] - - [Illustration] - -Was nun sein Reisetagbuch betrifft, so liegen uns in der Handschrift 420 -(kl. 8) der im Germanischen Museum deponierten Merkelschen Sammlung, -zwar kaum die Notizen vor, die er sich auf der Reise selbst gemacht -haben mag -- dem widerspricht die Gleichmäßigkeit und Sauberkeit der -Schrift -- ohne Zweifel aber haben wir es mit einer fast gleichzeitigen, -wahrscheinlich von Sebald Örtel selbst bald nach seiner Rückkehr -unternommenen Abschrift oder Bearbeitung seiner Reiseaufzeichnungen zu -thun. Das so entstandene Werkchen umfaßt 2¾ Bogen oder 22 Blätter und -ist auf starkem, nur leider etwas schlecht geleimtem und daher die Tinte -durchlassendem Papier geschrieben. - -[Fußnote 119: Nach der Topographia Reipublicae norimbergensis, Hs. 7178 -der Bibliothek des Museums, S. 706.] - -[Fußnote 120: Nach dem sog. Libri litterarum der Nürnberger -Stadtbibliothek Bd. 3. fol. 51 (1484); 9, 101 (1492); 11, 133 (1496); -13, 152 (1496) und 12, 40 (1494).] - -[Fußnote 121: Topographia S. 707.] - -[Fußnote 122: Nach dem Örtelschen Geschlechterbuch S. 16.] - -Interessant ist es, zu beobachten, was den Nürnberger Kaufmannssohn auf -seiner Reise vor Allem interessiert. Unternommen wurde sie, wie aus den -Eingangsworten hervorgeht, in erster Linie als eine Pilgerfahrt nach -Santiago und die Aufzählung kirchlich bedeutsamer Stätten, die besucht, -die Beschreibung der Reliquien, die besehen und fromm verehrt wurden, -nimmt einen breiten Raum in der Erzählung ein. Auch unterläßt Sebald -Örtel es nie, getreulich zu berichten, wo er Messe hat lesen lassen, ein -Almosen »in den Stock« gelegt hat u. s. f. Daneben aber verrät sich der -Zeitgenosse und nähere Landsmann so vieler großer Künstler, eines Dürer -und Peter Vischer, deutlich in dem Eindruck, den hervorragende -Kunstwerke auf ihn machen, in der ausführlichen Schilderung, die er -beispielsweise der berühmten Chorbühne in der nicht minder berühmten -Kathedrale der heiligen Cäcilia in Albi widmet. Aus seinen Notizen wird -vielleicht Manches für die lokale Kunstgeschichte zu entnehmen sein, -doch muß ich die Verwertung des Tagebuchs nach dieser Richtung hin -besseren Kennern der mittelalterlichen Kunst in Frankreich und Spanien -überlassen. - -Auch sonst bekundet Örtel in seinem Tagebuch einen offenen Blick -namentlich auf praktischem Gebiete und ein vielseitiges Interesse. Wie -von vornherein ein Nebenzweck seiner Reise der gewesen war, seinen in -Lyon weilenden Bruder Florentius zu besuchen und später die Rückreise -von Lyon aus mit ihm gemeinsam zu machen -- dieser Plan hat auch seine -Marschroute wesentlich beeinflußt -- so verkehrt er außer zu Lyon, auch -in Lissabon, Saragossa und anderen Orten mit den dort anwesenden -Deutschen und läßt es sich manchen Dukaten kosten, was alles -gewissenhaft verzeichnet wird. Ebenso genau wird über die bezahlten -Zollgebühren Buch geführt. In Zürich zeigen ihm die Züricher Herren ihr -Zeughaus, ebenso besieht er sich das königliche, reich ausgestattete -Zeughaus in Lissabon; in St. Juan de Luz, Lissabon und Marseille werden -die großen Schiffe, in letzterer Stadt auch die Docks in Augenschein -genommen -- Dinge, die den künftigen Handelsherrn, den vornehmen -Städter, besonders interessieren mußten. Daneben aber versäumt er auch -nicht bei St. Galmier des dort aus der Erde quellenden, »wie Wein -schmeckenden« doppeltkohlensauren Wassers, oder der heißen Quellen von -Dax Erwähnung zu thun, oder für die kleine spanische Stadt Tolosa sich -voll Verwunderung anzumerken, daß alle Straßen mit Steinen gepflastert -seien. Derartige kleine Bemerkungen, die zum Teil ein willkommenes -Streiflicht auf die damaligen Verhältnisse fallen lassen, finden sich in -dem Tagebuch noch manche, wie man aus der Lektüre desselben entnehmen -mag. - -Nur von der Natur und ihren Schönheiten, die ihm doch im südlichen -Frankreich, in Spanien und Portugal auf Schritt und Tritt entgegen -getreten sein müssen, findet sich in dem ganzen Büchlein auch nicht ein -Sterbenswort. Als die Reisenden, d. h. Örtel und sein Diener, im -herrlichen Barcelona ankommen, heißt es nur: »Da ließen wir unsere Pferd -beschlagen und unsere Stiefel flicken, kostet mich 6 Real, und blieben -den Christabend und den Tag auch da und besahen viele Ding«. Auch in -dieser Teilnahmlosigkeit gegen die ihn umgebende Natur zeigt sich der -Verfasser noch durchaus als ein Kind des Mittelalters. Weiteren Kreisen -das lange nach innen gekehrte oder nur auf die Bedürfnisse des täglichen -Lebens gerichtete Auge auch wieder für die Reize der Natur geöffnet und -empfänglich gemacht zu haben, ist wesentlich ein Verdienst der Kunst, -insbesondere der Renaissancekunst, und gewiß keines ihrer geringsten. -Aber freilich: diese Entwicklung vollzog sich nur ganz allmälich und bei -dem Einen später als bei dem Andern. Unser Sebald Örtel scheint 1521 von -ihr noch so gut wie unberührt gewesen zu sein. - -Bei dem Abdruck des Diariums, das ich nunmehr buchstabengetreu folgen -lasse, glaubte ich auch die nach Schluß des eigentlichen Tagebuches noch -hinzugefügten verschiedenen Marschrouten in gleicher Weise unverkürzt -wiedergeben zu sollen; einmal weil unser Abdruck auch für den Forscher -die Handschrift völlig zu ersetzen bezweckt, dann weil gerade auch diese -Verzeichnisse noch manches Wissenswerte enthalten und die in denselben -erscheinenden Ortsnamen nicht selten die oft sehr korrupte Schreibung -des Tagebuches zu erklären geeignet sind.[123] Die heutigen Namen der -Orte sind, soweit es nötig schien und soweit sie aus den mir zur -Verfügung stehenden Landkarten und Reisebüchern zu ermitteln waren, in -den Anmerkungen hinzugefügt; Abkürzungen wurden in der Regel aufgelöst. - - - II. - Das Reisetagebuch des Sebald Örtel. - - In nomine domini Jesu Christi 1521 - -Item ich Sebolt Orttel reit zu Nürnperg aus gen sant Jacob an sant -Bartelmes abent d. 23 august. Da nam ich mit mir ein palbirers gesellen, -was bey Maister Nicklas Kun am pladenmarck, hies Christoff Melper. Sein -vatter sas zu München, den verzert ich mit mir aus vnd ein, vnd gab jhm -sonst nichts denn ein Rock in mein farb, vnd ich reit hie aus ein rots -fuchslein, was meines bruders Florentij [per] 20 fl. vnd ich gab meinem -diener ein clain schimle zu raiten, das kostet 14 fl. Kaufft ich es vom -Endres Rechen, der was bey dem Sebastian Melpar in gesellschalft. Item -so reit ich den ersten tag von Nurnperg aus mit meinem knecht gen -Guntzenhaussen an sant Bartolomeus abent, do lagen wir vber nacht was 6 -meil da verzert ich 4½ h. gelts, darnach gen Ötting[124] was 3 meil, -[1b] verzert ich 2 h. 20 [Pfennig], von dann gen Nörling[125] was 2 -meil, verzerten 28 kreutzer, von dann gen Genge[126] was 4 meil, -verzerten 16 +er, von dann gen New [?] was 2 meil, verzerten 24 +er. Von -dann gen Ulm was 2 meil verzerten 16 +er. Darnach rait ich gen -Waltringen[127] was 3 meil, do verzert ich vber nacht 25 +er. Von dann -Rait ich gen Pibrach[128] was 1 meil da regnets als sehr, daß ich den -halben tag dar belieb, da verzert ich 14 +er. Von dann gen waingarten -was 3½ meil, verzerten 30 +er, von dann gen Mersperg[129] was 3½ meil, -verzert 16 +er. Darnach fuhr ich vber den see, gab darvon 13 +er, da -lagen wir zu nacht zu Koßtznitz[130] verzert 24 +er, Darnach blieb ich -den andern tag zu Koschnitz, dann wir kunten vor wasser nit auskummen, -verzert 1 fl., darnach rait ich mit ietzlichen von Zürch gen sant Anna, -die thutt auch große Zaichen, vnd hatt gar hübsch geschnitten [2a] altar -taffel was 2 gros meil, da assen wir zu mittag, verzert ich 14 +er, von -dann gen Winterdurren[131] was 2 gros meil verzert 24 +er. Von dann gen -Zürch was auch 2 groß meil, verzert ich für 6 mal, vnd für 2 tag für die -pferd, die ich stehn hat lassen 1 fl. vnd 3 patzen, vnd so fuhr ich mit -dem Christoff den see ab piß gen [_Lücke_][132] verzert ich 12 +er. -Darnach morgens frü an sant Egidijtag giengen wir gen einsidel was 1 -meil vber ein hohen berg, da beichten wir, vnd namen da das heilig -hochwirdig Sacrament, vnd befahlen vns vnsern lieben herrn, vnd assen, -daselbst verzert ich 15 +er. Darnach giengen wir wider an See, vnd -fuhren wider gen Zürch, da gab ich den schiffleuten ein S[avoyer] fl. zu -lon. -- - -[Fußnote 123: Den »Bädeker für die Santiagopilger aus Deutschland«, -welchen Röhricht (Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande, Gotha -1889, S. 36, Anm. 11) erwähnt, mit dem Titel: »De overen vnde meddelen -Straten van Brunswygk tho Sünte Jacob in Galicien, Brunswygk 1518« 8. -konnte ich leider bisher nicht zur Hand bekommen. Vielleicht würden sich -aus demselben mancherlei Aufschlüsse insbesondere auch über die dem -eigentlichen Tagebuche angehängten Marschrouten gewinnen lassen.] - -[2b] Da schenckten vns die Herrn von Zürch den wein, vnd liessen vns jhr -Zeughaus sehen vnd jhr geschos, beweisten vns viel ehr vnd -freundschafft, darnach reit ich zu mittag aus gen Lentzspurg[133] was 2 -gros meil, verzert ich 24 +er: von dann gen Arburg[134] sind 2 groß -meil, verzert ich 4 batzen, von dann gen Doringen [?] 2 meil verzert ich -7 batzen. Von dann gen Purtdolf[135] sind zwei gros meil verzert 4 -batzen. Item von Purtdolff gen Bern 2 meil, da verzerten wir 10 batzen, -von dann gen Freyburg ist 3 groß meil, da verzerten wir sieben Safoir g: -von dann gen Remund[136] ist 3 meil, da verzerten wir 16 Saffoir g. Von -dann gen Losanna[137] ist 5 meil, da verzerten wir 8 g., von dann gen -Niß[138] 4 meil, verzerten 7 g. Von dann gen Jenft[139], ist 3 meil, an -vnser lieben frawen abent. Da blieb ich den Sambstag, vnd vnser lieben -frawen [3a] tag zu Jenff, da verzerten wir bey dem Ulrich Embler 2 fl. -Item so ritten wir den montag zu Jenff wider aus, vnd ritten gen -Kolunge[140], das ist 4 meil, da verzerten wir 7 g. Von dann gen -Senpermann[141] ist 3 meil, verzerten wir 15 g. mit sambt den 2 -Teutschen, die lud ich zu gast, von dann gen Scherdung[142] ist 4 meil, -do verzerten wir 6 g, von dann gen Samony[143] ist 3 meil, da verzerten -wir 14 g. Von dann gen Mulla[144] ist 3 meil, verzerten wir 7 g., von -dann gen Lion ist 3 meil verzerten wir nichts. Lagen bey meinem bruder -Florentius in seiner Herbrich bey 14 tagen, da zalt er für mich. -- - -[Fußnote 124: Öttingen.] - -[Fußnote 125: Nördlingen.] - -[Fußnote 126: Giengen.] - -[Fußnote 127: Baltringen.] - -[Fußnote 128: Biberach.] - -[Fußnote 129: Meersburg.] - -[Fußnote 130: Konstanz.] - -[Fußnote 131: Winterthur.] - -[Fußnote 132: Vielleicht Pfäffikon?] - -[Fußnote 133: Lenzburg.] - -[Fußnote 134: Aarburg.] - -[Fußnote 135: Burgdorf.] - -[Fußnote 136: Romont.] - -[Fußnote 137: Lausanne.] - -[Fußnote 138: Nyon (Neuss).] - -[Fußnote 139: Genf.] - -[Fußnote 140: Collonges.] - -[Fußnote 141: Saint Germain de Joux.] - -[3b] Item so luden mich die Teutschen zu Lion zu gast, nemlich der -Sebolt Schurstab, Schlisselberger, vnd der Hans Scheiffelein, der Hans -Schwab, vnd des Dürrer diener, vnd der alt Hans jr. So lud der -Florentius mir zu lieb zu 2 tisch Teutsche in des Marx Rauschen Hauß. So -sahen wir zu Sangust[145] 2 vnschuldige kindlein vnd ein stuck von der -seulen, da vnser Herr daran gegeisselt ist worden, vnd sonst viel -Heilthumbs von sant Anna. - -Item so ritt ich zu Lion wider aus Adj 24 september, mit des Hans -Schwaben Sun, vnd sunst mit 2 Wallon, vnd ritten von Lion aus gen -Jfarung[146] ist 3 meil, da verzerten wir 7 ß, van dan gen -Sangervay[147] was 4 meil, da verzerten wir 14 ß, da selbens da hats ein -brunnen gehabt der hat geschmeckt als wein. Darnach ritten wir gen sant -bunet deschada[148], was 5 meil, da verzerten wir 7 ß, von dann gen pung -[4a] deperat[149] was 3 meil, verzerten wir 14 ß, von dann gen -Sassangen[150] was 5 meil, da verzerten wir 6 ß. Von dann gen allabantha -[?] was 3 meil, da verzerten wir 14 ß, von dann gen sant flor[151], da -verzerten wir 6 ß, was 5 meil, darnach blieben wir denselben tag dar, -vnd besahen ein grosse glocken, vnd ein stuck vom heiligen +, vnd ein -dorn von vnsers herrn kron, vnd 2 ohr von sant Johann vnd sunst viel -Hailthumbs. Im prediger closter da verzerten wir 14 ß, von dann gen -Schadesloy[152], was 4 meil, da verzerten wir 7 ß, von dann alla -giola[153] was 4 meil, da verzerten wir 7 ß, darnach ritten wir gen -Rodes[154] was 4 meil, da verzerten wir 22 ß. Da sahen wir in eins -pfaffenhaus, das hübschst selzamst ding von bildern vnd gemelden: vnd -hangen, niemands kan nit sehen war an. Darnach giengen wir, vnd besahen -vnsser lieben frawen schue, [4b] vnd ein seiden das sie selber gespunnen -hat, vnd 3 st. vom heiligen + vnd ein dorn von vnsers Herrn kron, vnd -mehr ein gar guldene Jungfraw Maria vnd sonst viel löblichs Hailthumbs, -von Rodes raiten wir alla motda [?] was 5 meil, verzerten 5 ß, von dann -gen Allerung[155] was 5 meil. Item do verzerten wir 12 ß. Von dann gen -Albis[156] was 3 meil verzerten wir 7 ß, da hats ein Hübsche kirchen, -vnd alle gemalt vnd vergult, vnd der kohr mit hübschen gehaunen steinen, -vnd man weisset vns den hohen altar, darinnen was vnssers herrn gepurt, -vnd die beschneidung, vnd die vnschuldigen kindlein, vnd die flucht in -Egypten, als von silbern bildern, vnd oben von sant Jorgen, von sant -Nicklas von sant Marta, von sant Barbara, von sant Steffan, von sant -Paul als in silber eingefast, vnd sonst 9 kopff von den 11 tausent -Jungfrawen, vnd sunst viel heilthumbs. Darnach wieß man vns [5a] im -Sagra viel hübsche guldene, perlene vnd sammete vnd damaskatine -Meßgewant vnd 2 silberne meßbücher, vnd ein guldes + mit viel hübschen -edelen steinen, vnd sunst viel silbernes gefeß, das alssams hat ein -Bischoff lassen machen. Von dann ritten wir gen Gelieck[157] was 4 meil, -verzerten wir 4 ß, von dann gen Bausset[158] was 4 meil, verzerten wir 7 -ß, von dann gen Tolosa[159] was 4 meil, da blieben wir ij tag vnd -verzerten 1 Ducaten, vnd wir besahen viel löblichs Heilthumbs, als -nemlich 6 Zwelffbotten, vnd der hailig Ritter Sant Jörg, vnd sonst viel -Hailthumbs, als ich auff eim Zettel getruckt hab. Mehr das buch -Apocalipsis vnd ein Zan von sant Christoff, vnd ein perlemutter, darein -ist gar hübsch ding geschnitten[160], vnd wir ritten Zu Tolosa wider aus -am Donnerstag an sant Franciscitag [4. Oktober] Zu mittag gen -Lillagordung[161] was 4 meil, verzerten wir 12 ß darnach gen Lysignan -[?] was 3 meil verzerten [5b] wir 6 ß, von dann gen Asch[162] was 4 meil -verzerten wir 12 ß, von dann gen Wick[163], was 4 meil verzerten wir 7 ß -von dann gen naxaro[164] was 4 gr. meil, verzerten wir 18 ß von dann gen -Kasaras[165] was 3 gr. meil verzerten wir 6 ß. Von dann gen Garnada[166] -was ij meil, da ritten wir vber ein bruck, da must man 6 ß Zu Zol geben. -Darnach ritten wir noch gen sant Sotber[167] was ij meil, verzerten wir -12 ß, von dann gen Munfort[168] was 3 meil, verzerten wir 7 ß. Von dan a -Dax was 3 meil verzerten wir 14 ß, da ist ein Heiß wasser, das quilt von -der erden, als sunst ein quellender prun. Von dan gen sant Winssang[169] -was 3 gros meil verzerten wir 7 ß. Von dan gen Wayana[170] was 4 meil. -Da blieben wir ein gantzen tag stil liegent, vnd besahen die -befestigung, die der König von Franckreich lies machen mit pastey vnd -groß graben vmb das schloß, mehr besahen wir wie man die grossen ancker -macht, da einer 40 bis in 50 c. wigt, braucht man der fünff in ein groß -schiff, vnd die Jungfrawen sind alle beschoren, daselbsten verzerten wir -40 ß. Von dann ritten wir gen sant Jangdelus[171] [6a] was 3 meil, -verzerten wir 6 ß, ist ein port des Meers. Da besahen wir die grossen -schiff, vnd alle Zugehörung. Darnach ritten wir vber ein bruck vber das -Meer, da musten wir 6 [Pfennig] zu Zol Zalen. Darnach ritten wir noch 2 -meil zu eim schloß, das ist des Königs von Spania; vnd sein Herrschafft -hebt sich her genseit des wassers an, vnd man lest kain Kauffmann heraus -raiten, man besucht ihn vor, daß er kein gelt mit ihm hraus fürt. -Darnach ritten wir noch ein halbe meil in ein stetlein hies -Dirrong[172], da verzerten wir 12 ß, von dann gen Armany[173] was 3 -meil, verzerten wir 8 ß, von dann gen Dolosada[174] was 3 meil. Die -Statt ist mit eitel clein steinlein gepflastert, da verzerten wir 16 ß, -von dann gen Sigura[175] was 4 meil, da verzerten wir 8 ß. Ist daselbs -der weg 8 meil aneinander gepflastert. Darnach ritten wir gen -Sagama[176], was 1 meil. Da namen wir 2 essel oder meyler. Und ritten -den berg auff der ist fast hoch, vnd heißt der berg sant Atrion[177]. -Ist der weg durch ein fels gehauen wunderbarlich, da must [6b] ich 1 -Real von eim Esel geben. Und lagen darnach vnten am berg in eim dorff -das hies Galareda[178]. Was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall. Darnach -ritten wir gen Odygany [?] am suntag. Do hörten wir meß, was 2 meil, da -verzerten wir 2 Real vnd 2 Darges, gilt ein Darges 8 Spanisch [Pfennig]. -Von dann ritten wir gen Witdoria[179], was 3 meil, da beschreibt man die -Roß vnd die esel, die man hinein reit, da verzerten wir 4 Real. Von dann -alla punda Dormurug [?] was 4 meil, da verzerten wir 8 Dargeß, von dann -gen Mermiste[180] was 4 meil, verzerten wir l Real vnd 2 Dargeß. Von -dann gen Mestir Derodilla[181] was 3 meil, verzerten wir 2 Real vnd 2 -Dargeß. Von dann ritten wir gen Wurges[182] was 5 meil. Do besahen wir -im Augustiner Closter ein Crucifix, [7a] das Nicodemus hat gemacht, das -thutt grosse Zaichen, vnd wenn man Ihm ein finger oder Zween beugt: So -richt es sich wider auff; Und niemand waiß nit warvon es gemacht ist. -Darnach besahen wir die grossen kirch: Und bey 3 hundert st. Heilthumb -in eim altar. Und in der kirch ein fast hoch durchsichtig gewelb, vnd -fast hübsch ausgehauen. Mehr besahen wir des Königs Spitall, vnd sonst -viel dings. Und wir blieben iij tag dar. Verzerten wir 15 Real. Darnach -ritten wir am sambstag wider aus, vnd ritten gen Hörvilles[183] was 3 -meil, da verzerten wir 1 Real, von dan gen Casterseris[184], was 4 meil, -da verzerten wir 2 Reall 2 dargeß, von dan gen Formestein[185] was 5 -meil, verzerten wir 2 Realen [7b] Von dann gen Carion[186] was 4 meil, -verzerten wir 3 Reall, von dann gen Kassadilla[187] was 4 meil, -verzerten wir 6 darges, von dann gen Sagona[188], was 3 meil, verzerten -wir 9 Darges. Von dann gen Gurgada [?] was 3 meil, verzerten wir 9 -Darges. Von dann gen Mansille[189] was 4 meil, verzerten wir 10 Darges, -von dann gen Lion[190] in Spania, was 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Da -namb ich 2 essel bis gen sant Jacob, gab ich darvon 24 Real, vnd dem -Knecht 11 Real, der die essel widerholet, dann das schimela was sehr -getruckt, von dann raiten wir noch gen noderdama daschaschinung [?] was -1 meil, verzerten wir 10 darges, von dan alla puntdy dorby[191] was 5 -meil verzerten wir 7 darges. Von dan gen Sturges[192] was 3 meil, da -besahen wir ij Zan von sant Christoff sollen wegen 10 h ¾, vnd ein st. -vom heiligen +, vnd ein rören von sant Blasius, vnd ein rören von sant -Barbara. Und man weist vns wie der teuffel einen verstorbnen reichen man -het aus dem grab geholet [8a] Und wir besahen die ringmauren, ist fast -die best in Castillia. Von dannen ritten wir gen Spidall dowasch[193] -was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall: von dann an den berg Rafanell[194] -was 4 meil. Darnach vber den halben berg gen Lassebo[195] was 3 meil, -verzerten wir 2 Real, von dann gen Pungferade[196] was 3 meil, verzerten -wir 4 Real, von dann a Willa franca[197] was 5 meil, verzerten wir 2 -Real. Von dann auff den berg Malafaber[198] gen santa Maria[199] was 7 -meil, verzerten wir 4½ Real, von dann gen Troi Castell[200] was 5 meil, -verzerten wir 2 Real, von dan gen Sorge[201] was 4 meil verzerten wir 3½ -Real, von dann gen Legunda[202] was 8 meil, verzerten wir 2 Real. Von -dann gen Millisse[203] was 5 meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen -troy Cassa[204], was 4 meil verzerten wir ij Real. Von dan gen -Compostell gen sant Jacob[205] was 3 meil, da lagen wir iij tag still, -vnd am aller Hailigen [8b] tag da liessen wir vns bewaren, vnd verzerten -wir 2 Ducaten. Und ich lies für 1 Ducaten meß lessen, vnd gab eim armen -Teutschen Weber 1 Ducaten, daß er aus der gefengnus kem. Und ich lies -des Zillers sohn, vnd den 2 Distlerren 1 Ducaten vnd gab den armen -leuten in dem Spital 1 Ducaten, vnd wir besahen den gantzen Spital, ich -habe kein hübschern nit gesehen. Darnach an aller seelen tag zu mittag, -Zugen wir zu St. Jacob wider aus, vnd ritten gen pattron[206], was 4 -meil. Da ist St. Jacobs brun, vnd sein bett, vnd der felß da Sant Jacob -3 mal durch ist krochen, da jhn die baurn gejagt haben. Da verzerten wir -3½ Real. Von dan gen Goldaß[207] was 3 meil, verzerten wir 7 Dargeß. Von -dan gen Pundafedar[208] was 3 meil verzerten wir 4 Real. Von dan gen -Rodinidella[209] 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Von dann gen Duya[210] -was 5 meil, verzerten wir 3 Reall. Darnach am morgens früh fuhren wir -vber ein wasser haist Muga[211] do ligt ein statt [9a] zunechst darbey, -heist Valentie[212], vnd wir ritten gen Egalunga [?] was 3 meil, -verzerten wir 2 Real 2 Darges. Von dan gen punda do limy[213] was 3 -meill, da ist ein hübsche lange bruck, ist iij Hundert roßschritt lang, -da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Warsselles[214] was 5 meil, -verzerten wir 60 portugal. Real, von dan in ein dorff heist gassy [?], -was 3 meil, verzerten wir 80 Real, von dan gen parda portugal[215] was 4 -meil, da wolten wir auf das meer sein gesessen, da war kein schiff -vorhanden, das gen Lisabona gieng. Da verzerten wir 128 Real oder K. d. -Und am Donnerstag ritten wir gen Riffano[216], was 5 meil, da verzerten -wir 90 Real. Von dann gen Walantz [?] was 4 meil, verzerten wir 44 Real. -Von dann gen Albagaria[217], was 4 meil, verzerten wir 90 Real. Von dann -gen Quimer[218] was 5 meil, da verzerten wir 56 Real, da ist ein hubsch -Parfusser closter mit hübschen außgehawen steinen. [9b] Von dann gen -Sarnoschka[219] was 2 meil, verzerten wir 66 Real. Von dann gen -Warges[220] was 4 meil verzerten wir 42 Real. Von dann in ein eintzlich -Hauß was 3 meil, da verzerten wir 68 Real. Von dann gen Domner[221] was -3 meil, verzerten wir 42 Real. Von dann gen Woligany [?] was 4 meil, da -verzerten wir 70 Real, da machen die bauren gar eine hübsche kirchen. -Von dan gen Sant Darring[222] was 4 meil, da verzerten wir 48 Real. Von -dann gen Willa longa [?], was 4 meil, verzerten wir 90 Real, von dann -gen Willa noggra[?], was 5 meil, verzerten wir 48 Real. Von dann gen -Lissabona[223] was 5 meil, da blieben wir 6 tag dar stilligent, vnd -besahen die grossen schiff, die von Calecut kummen, vnd das ganze Haus -von India, vnd des Königs Zeughauß, gar viel hübsche büchssen, vnd die -Harnisch sollen sein für 40 tausent [10a] man zu fus, vnd für 10 -taussent zu Roß, Und viel glocher zu den pferden, vnd ein Kalakudisch -Harnisch, vnd viel seltzamer waar, vnd fuhren zu dem newen schloß, vnd -zu dem newen Closter, das der König bawen lest, vnd besahen die gantz -statt, was darinnen zu besehen was. Da luden vns der Hirschvogd diener, -vnd der Welsser diener zu gast, vnd theten mir viel ehr vnd -freundschafft, Und ich lud die andern Teutschen auch all zu gast, kostet -mich das mal vnd Zerung was ich verzert hett 5 Ducaten. Darnach am -Erichtag vor sant Katharina tag [19. November] 7 stund nach mittag -sassen wir auff das meer, vnd fuhren vber 3 meil gen Aldegaloga[224], -[10b] Da assen wir zu nacht, vnd verzerten wir da 90 Real, von dann gen -Landera [?] was 5 meil verzerten wir 90 Real, von dann gen Schabarida -[?] in ein eintzlich Haus, was 3 meil, verzerten wir 125 Real, von dann -gen Munda mortnoua[225] was 4 meil, verzerten wir 38 Real, von dann gen -Ebrach[226] wz 5 meil, was die Küng. Mt. von Portugal dar, vnd namen ein -passaport vom König durch sein leut, kostet mich 1 Ducaten, vnd wir -sahen den König essen, vnd die Kunigin, vnd ich redet mit der Kunigin, -die fraget mich von wannen wir kemen, vnd sunst fraget sie mich von -jhres bruders vnsers H. Kaysser Karols wegen. Und wir besahen des Königs -seine pferd, vnd seine gärten, darinn was ein balsambaum, vnd besahen -sunst viel dings, da verzerten wir 2 Ducaten. Darnach ritten wir an sant -Catharina abent gen Estramos[227] was 6 [11a] meil, verzerten wir 126 -Real, vnd an sant Catharina tag lies ich ein meß lessen, vnd ritten -darnach gen Elssis[228] was 6 meil, verzerten wir 76 [Pfennig], vnd wir -antworten den brieff vom König, vnd sie gaben mir ein andern, darfür gab -ich 4 [Pfennig] oder Real, vnd dem auff der wart gab ich ein -Wintden[229], von dann ritten wir gen Wagadoß[230], Hebt sich da -Castillia an, da lies ich vnsere pferd, vnd das golt, vnd die ring -beschreiben, wie daß ichs am Heraus raiten wolt verzollen. Darvon gab -ich 16 Marfadiß, darnach macht mir einer ein Zaichen darauf, darvon gab -ich 12 [Pfennig], da verzerten wir 38 [Pfennig]. Von dann gen -Dallabarela[231] was 3 meil, verzerten wir 94 [Pfennig], von dann gen -alarua[232] was 4 meil, verzerten wir 42 [Pfennig], von dann gen -mereyda[233] was 2 meil, da ist ein heidnische bruck ist bey 60 joch -lang, von dann gen Dorsilon [?] was 1 meil, verzerten wir 96 [Pfennig]. -Von [11b] dann gen Myasogada[234] was 6 meil, verzerten wir 87 -[Pfennig]. Von dann gen Grusan[235], was 7 meil, verzerten wir 53 -[Pfennig]. Von dann gen Kananero[236] was 2 meil, verzerten wir 86 -[Pfennig]. Von dann ritten wir gen Gardalub[237]. Da blieben wir ij tag, -was 2 meil. Da besahen wir das gantz Gotzhauß, vnd alle jhren vorrath, -den sie haben, gleich als wers in einer grossen Statt. Sie haben jhr -aigen Spital, vnd hohe schul, vnd schier die gantz statt gehört zum -closter. Da legt ich 2 Real in stock vnd gab ein Real, vnd lies meß -lessen. Darfür do verzerten wir 6 Real, von dann gen aspidal dekardedial -[?], was 3 meil. Da verzerten wir 78 d. Von dann gen Willa -petroysy[238], was 4 meil, verzerten wir 44 [Pfennig]. Von dann gen -alapunta arsabaschko[239], was 2 meil verzerten wir 65 [Pfennig]. Von -dann gen Dallabero[240], was 6 meil, verzerten wir 40 [Pfennig]. Von -dann gen Grussel[241], was 2 meil, verzerten wir 70 [Pfennig]. Von dann -den sant Silvester [?], was 5 meil [12a] verzerten wir 45 [Pfennig], von -dan gen Kassia Roy [?], was 4 meil, da verzerten wir 80 [Pfennig]. Von -dann gen Mulynes[242], was 3 meil, verzerten wir 50 [Pfennig], von dann -gen Matrill[243] was 4 meil, da verzerten wir 37 [Pfennig], von dann gen -Kallasfenodß[244], was 6 meil verzerten wir 28 [Pfennig]. Von dann gen -wott de lagerra[245] was 4 meil, verzerten wir 86 [Pfennig], Von dann -gen Hytda[246], was ein hohes schloß, was 4 meil, verzerten wir 40 -[Pfennig]. Von dann gen Wurgesherres [?] was 2 meil, verzerten wir 52 -[Pfennig]. Von dann gen Weydes[247], was 2 meil. Da hörten wir meß an -vnser lieben frawen tag [8. Dezember], verzerten wir 32 [Pfennig]. Von -dann gen Siganssa[248], was 2 meil, da ist ein fast hübsche kirchen, mit -eitel weis Merbelsteinen altar. Von dann gen Ißgossa [?] was 1 meil, -verzerten wir 63 [Pfennig], Von dann Modine delamunde[249] was 3 meil. -Da blieben wir den halben tag, vnd fragten darnach, wie wir vns halten -solten mit dem Zoll. Da verzerten wir hundert v siebentzig [Pfennig]. -[12b] Von dann gen Arkiß[250] was 3 meil, da ist das endt des Castillia. -Da muß man die Roß, vnd gelt vnd ring verzollen. Gab ich von den 2 -pferden 3 Ducaten, vnd von Ringen, vnd vom gelt 1 Ducaten, Da wurd mir -mein ring gestolen, Da verzerten wir 40 [Pfennig]. Von dann gen -Arrissa[251], do hebt sich Arrgon an, was dahin 4 meil verzerten wir 60 -Arragonisch [Pfennig], von dan gen Wurbicka[252] was 4 meil, verzerten -wir 34 [Pfennig]. Von dan gen Kaladiff[253] was 3 meil, verzerten wir 80 -[Pfennig]. Da liessen wir 10 Duckaten einschreiben, vnd 2 ringlein, -darvon must ich 1 Ducaten Zol geben, durch gantz Arragon. Von dann -ritten wir gen Rigla[254], was 5 meil, verzerten wir 32 [Pfennig]. Von -dann gen Molla[255], was 5 meil, da verzerten wir 68 d. Da regnets an -sant Luccia abent [12. Dezember] 5 stunt nach mittag. Von dan gen -Sarragossa was 4 meil, da blieben wir ij tag, vnd besahen die statt, vnd -die mutter Gotts de pillerin thutt auch grosse Zeichen. Und daselbst -macht man gar ein hübschen altar [13a] von eitel Allawassara, vnd der -Sebastian Scheperlein lud vns zu gast vnd leih mir 12 Ducaten, als ich -jhm ein schuldbrief gab, Zu Lion wider auszurichten. Da verzerten wir 8 -Real. Von dan gen Otschery[256] was 3 meil, verzerten wir 28 [Pfennig] -Von dan gen Anfeda, was 3 meill. Verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann -gen Sandalusa [?] was 3 meil, verzerten wir 2 Real. Von dan gen -Pinalba[257], was 3 meil, verzerten wir 3 Real. Von dann gen fraga was 5 -meil, verzerten wir 54 d. Von dann gen Durres[258] was 2 meil, verzerten -wir 64 [Pfennig]. Da namen wir ein brieff, daß wir durch kein sterben -waren geritten, darfür gaben wir 10 [Pfennig]. Von dann gen Gunada[259] -was 3 meil groß. Da verzerten wir 34 [Pfennig]. Von dann gen Malta [?] -was 2 meil, da verzerten wir 53. Da wolt man vns weder durch Gotts -willen, noch von gelts wegen nit beherbrigen. Da giengen wir zu dem -herrn ins schloß, vnd batten jhn daß er [13b] vns vnterhülff, da lies er -dem Richter gebieten, daß er vns einhülff. Von dann gen Gumara[260], was -3 meil verzerten wir 42 [Pfennig], da namen wir wider ein brief, daß wir -durch kein sterben waren geritten, kostet 10 [Pfennig]. Von dann gen -santa Kalana[261] was 2 meil, da verzerten wir 90 [Pfennig]. Von dann -gen Anguleda[262], was 3 meil, verzerten wir 60 [Pfennig]. Von dann gen -Munserat[263] was 3 meil, da blieben wir ij tag, vnd wir besahen auff -dem berg wol 10 armittes oder einsiedel, die wonen in den felssen, gar -wunderparlich ding, vnd wir besahen gar viel ding im Closter. Und die -Mutter Gotts thut gar grosse Zaichen, vnd sind da viel grosse wächsine -Kärtzen, die einer kaum vmbgreiffen kan, vnd wol 43 silberne lampen, die -tag vnd nacht brennen, vnd sonst wol bey 100 silberne lampen, die nit -brennen. Da leget ich 5 Real in den stock. Da gibt man einem jeglichen -Reich oder armen brot wein [14a] öll vnd essig bevor. Aber was man für -die Roß vnd essel bedarff, mus man bezallen. Da verzerten wir 8 Reall, -vnd lies mess lessen für 1 Real. Und daselbst wurd mir mein 2 pferdten -die schwentz abgeschnitten. Von dann ritten wir gen Sant Endres[264], -was 4 meil, verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann gen Spidelat [?] was 2 -meil, verzerten wir 74 [Pfennig]. Von dann gen Warsalona[265], was 1 -meil. Da liessen wir vnsere pferd beschlagen, vnd vnsere stiffel -flicken, kostet mich 6 Real, vnd blieben den Christabent vnd den tag -auch dar, vnd besahen viel ding. Da verzerten wir die 3 tag dar 2 -Ducaten. - -[Fußnote 142: Cerdon.] - -[Fußnote 143: S. Denis.] - -[Fußnote 144: Montluel.] - -[Fußnote 145: Saint Just.] - -[Fußnote 146: Yzeron.] - -[Fußnote 147: Saint-Galmier.] - -[Fußnote 148: Saint Bonnet-le-Château.] - -[Fußnote 149: Pont Tempera.] - -[Fußnote 150: Chavagnac.] - -[Fußnote 151: St Flour.] - -[Fußnote 152: Chaudesaigues.] - -[Fußnote 153: Laguiole.] - -[Fußnote 154: Rodez.] - -[Fußnote 155: Almeirac.] - -[Fußnote 156: Albi.] - -[Fußnote 157: Gaillac.] - -[Fußnote 158: Buzet.] - -[Fußnote 159: Toulouse.] - -[Fußnote 160: Sebald Rieter berichtet von Toulouse (Nürnberger -Stadtbibliothek, schwarzes Rieterbuch Bl. 395b): »... darnach fugt wyr -vns genn dolosa In langendöcken gelegen ist ein grose stat grösser dann -zwey Nürmberg vnd liegen Alda In der kirchen vntter dem köre dy lieben -Zwelffpotten sant philipp vnd sant Jacob In einem grab Sant Symon vnd -Judas auch In einem grab Sant barnabas Heroben In einer Mawr Sant Jorgen -des lieben Ritters Maysters leichnam Sant Seuerinus vnd ander vil -Heyligen vnd Heyltums Auch dy vber geschrifft von dem Heyligen Creucz.« - -Noch ausführlicher ist Arnold von Harff (ed. Groote S. 223), der u. a. -auch, ähnlich wie Örtel, eines Evangelienbuches Erwähnung thut. »dat -gantz mit gulden litteren geschreuen was, dat man sait sent Johann -ewangelist mit sijner eygener hant greschreuen hatte.«] - -[Fußnote 161: l'Isle-Jourdain.] - -[Fußnote 162: Auch.] - -[Fußnote 163: Vie-Fézensac.] - -[Fußnote 164: Nogaro.] - -[Fußnote 165: Cazères.] - -[Fußnote 166: Grenade.] - -[Fußnote 167: St. Sever.] - -[Fußnote 168: Montfort.] - -[Fußnote 169: St. Vincent-de-Tyrosse.] - -[Fußnote 170: Bayonne.] - -[Fußnote 171: St. Juan-de-Luz.] - -[Fußnote 172: Irún.] - -[Fußnote 173: Hernani.] - -[Fußnote 174: Tolosa.] - -[Fußnote 175: Segura.] - -[Fußnote 176: Segoma.] - -[Fußnote 177: P. de Arlaban.] - -[Fußnote 178: Galerota.] - -[Fußnote 179: Vitoria.] - -[Fußnote 180: Bribiesca, älter Birbusca; bei Peter Rindfleisch (Röhricht -und Meisner S. 346): Vermeseck.] - -[Fußnote 181: Monast. de Rodillas.] - -[Fußnote 182: Burgos.] - -[Fußnote 183: Bei Arnold von Harff (ed. Groote S. 230): Hornilus.] - -[Fußnote 184: Castrogeriz.] - -[Fußnote 185: Fromista.] - -[Fußnote 186: Carrion d. I. Condes.] - -[Fußnote 187: Calcadilla.] - -[Fußnote 188: Sahagun.] - -[Fußnote 189: Mansilla de las Mulas.] - -[Fußnote 190: Leon.] - -[Fußnote 191: Harff (ed. Groote S. 231): »... Ponte de orfigo eyn dorff, -lijcht zo beyden sijden vff deme wasser Ortigo oeuer eyn steynen -bruck.«] - -[Fußnote 192: Astorga.] - -[Fußnote 193: Harff (ed. Groote S. 231): »Item van Storgis zo Hospitale -eyn dorff ij lijge.«] - -[Fußnote 194: Ravanella.] - -[Fußnote 195: Luceno.] - -[Fußnote 196: Pon-ferrada.] - -[Fußnote 197: Villafranca.] - -[Fußnote 198: Peter Rindfleisch: »Malefaber«. Nördlich von Sa del Oribio -[Röhricht u. Meisner S. 347 Anm. 6.]] - -[Fußnote 199: Harff S. 232: »Item van Ala faba zo Marie de sebreo eyn -klein dorffgen vff deme berge Malefaber.«] - -[Fußnote 200: Harff S. 232: »Trecastelle«, auf älteren Karten: »Tria -Castella«.] - -[Fußnote 201: Sárria.] - -[Fußnote 202: Harff, S. 232: »Ligundi eyn dorffgen.«] - -[Fußnote 203: Mellid.] - -[Fußnote 204: Harff S. 232: »Trykasa eyn dorff«: das »Dos Casas« der -älteren Karten (16.- 17. Jahrh.)?] - -[Fußnote 205: Santiago de Compostella.] - -[Fußnote 206: Padron.] - -[Fußnote 207: Caldas d. Reyes.] - -[Fußnote 208: Pontevedra.] - -[Fußnote 209: Redondela.] - -[Fußnote 210: Tuy.] - -[Fußnote 211: Minho.] - -[Fußnote 212: Valenca do Minho.] - -[Fußnote 213: Ponte de Lima.] - -[Fußnote 214: Barcellos.] - -[Fußnote 215: Porto.] - -[Fußnote 216: Leo von Rozmital (ed. Schmeller S. 93): »Portu Rifanam -quinque milliarium itinere pervenimus«.] - -[Fußnote 217: Albergaria.] - -[Fußnote 218: Coimbra.] - -[Fußnote 219: Sernache.] - -[Fußnote 220: Alvorge.] - -[Fußnote 221: Thomar.] - -[Fußnote 222: Santarem.] - -[Fußnote 223: Lissabon.] - -[Fußnote 224: Aldéa Gallega.] - -[Fußnote 225: Montemor Novo.] - -[Fußnote 226: Evora.] - -[Fußnote 227: Estremoz.] - -[Fußnote 228: Elvas.] - -[Fußnote 229: So viel wie: eine Kleinigkeit.] - -[Fußnote 230: Badajoz.] - -[Fußnote 231: Talavera.] - -[Fußnote 232: Arroyo.] - -[Fußnote 233: Mérida.] - -[Fußnote 234: Miajadas.] - -[Fußnote 235: Logroson.] - -[Fußnote 236: Cañamero.] - -[Fußnote 237: Guadalupe.] - -[Fußnote 238: Villar del pedroso.] - -[Fußnote 239: Puente del Arzobispo.] - -[Fußnote 240: Talavera de la Reina.] - -[Fußnote 241: Sta. Cruz del Retamar?] - -[Fußnote 242: Mostoles.] - -[Fußnote 243: Madrid.] - -[Fußnote 244: Alcaláde Henares?] - -[Fußnote 245: Guadalajara.] - -[Fußnote 246: Hita.] - -[Fußnote 247: Baydes.] - -[Fußnote 248: Sigüenza.] - -[Fußnote 249: Medinaceli.] - -[Fußnote 250: Arcos.] - -[Fußnote 251: Ariza.] - -[Fußnote 252: Leo von Rozmital (S. 102): »Monrealo Bubieream venimus -quatuor milliarium itinere. Is pagus, arci impendenti subjectus, inter -eosdem montes jacet, quem praeterfluit torrens nomine Schalun, primus ab -eo Aragoniae latere.«] - -[Fußnote 253: Calatayud.] - -[14b] Und an Sant Steffanstag [26. Dezember] ritten wir wider aus mit 4 -Frantzosen, vnd ritten gen alla Rocka[266] was 4 meil, da verzerten wir -3 Real. Da wurd mir mein pferd das fuchslein kranck, da lies ich jhm die -feuffel reissen[267]. Von dann ritten wir gen Fanssaloner[268] was 3 -meil, vnd da wolt mein fuchslein nimmer gehn. Ligt ein halbe meil vor -der statt Und alsbald ichs in stall zug, da fiel es nider vnd starb von -stund an. Da verzerten wir 5 Real. Darnach luden wir vnsere stiffel vnd -claider auff das Schimelein, vnd luffen neben jhm her gen Vecacopy[269] -was 3 meil. Da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Girona[270] was 4 -meil, verzerten wir 5 Real. Da namen wir 2 essel, biß gen Parpion[271], -darvon gab ich 2 Ducaten. Von dem ritten wir gen Sigires[272], was 3 -meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen Wollang[273] was 4 meil, da -verzerten wir 2 Real. Von dann gen Parpion was 3 meil, da kaufft ich ein -Schimele [15a] pferd vmb 7 Ducaten, vnd verzerten 16 ß. Und ich namb 2 -essel bis gen Narbona[274], darvon gab ich 1 Ducaten. Von dann ritten -wir gen Palma[275], was 5 meil, da must ich von 2 pferden vnd 2 Esselen -4 ß Zol geben, vnd verzerten dar 12 ß. Von dann gen Willa falssa[276], -was 2 meil, da must ich von 1 pferdt 1 ß Zollen, vnd von eim Esel 8 -[Pfennig]. Darnach ritten wir noch folgent gen Narbona, was 2 meil. Da -verzerten wir mit sambt den 2 esell 24 ß. Von dann gen sant Dobery[277] -was 3 meil, verzerten wir 14 ß. Von dann gen Lopia [?], was 3 meil, -verzerten wir 7 ß. Von dann gen Willa noffa[278] was 4 meil, da blieben -wir 1 tag, vnd giengen alla Magalona[279] an das meer, vnd fuhren -hinvber, vnd besahen das hailthumb, vnd die kirchen. Da waschen sie alle -tag den Jüngern, vnd den Jacobsbrüdern jhre füß. Da fuhren wir wider -vber, vnd verzerten dar 45 ß, vnd wir hatten einen man mit vns lauffen -von Pardalupa[280] biß [15b] gen Willa noffa, da wurd er mir krank, gab -ich jhm 2 Ducaten. Von dann gen Sanbegs[281] was 4 meil, da verzerten -wir 8 ß, von dann gen Wafer[282] was 4 meil, da verzerten wir 12 ß. Von -dann gen sant Gilg[283] was 4 meil da verzerten wir 8 ß. Und wir sahen -ein arm vnd das Haubt von sant Gilgen, vnd das ander Heilig gebain ligt -in eim sarch. Mer ein arm von sant Jorgen, vnd ein Finger von sant -Johans Wathisse [Johannis Baptista], vnd sunst viel Hailthumbs. Von dann -ritten wir gen sant Anthony Darles[284], was 3 meil, verzerten wir 12 ß, -vnd sahen den kopff vnd das gebain als von Sant Anthony biß ohn ein arm, -der ist A wino[285]. Von dann bis gen sant Marding de kraub[286] was 3 -meil verzerten wir 8 ß. Von dann gen sallung[287], was 4 meil, verzerten -wir 12 ß, von dann gen Laspena [?], was 5 meil, verzerten [16a] wir 19 -ß. Von dann gen Marsilia[288], was 3 meil. Da lagen wir ein tag still, -vnd besahen das hailthumb zu Predigern, Sant Endres bart. Und in der -Pfarr St. Lasarus Haubt, vnd ein gantze Hand, vnd ein arm von sant -Atrion[289], Und ein rören von Sant Victor, vnd sunst viel Hailthumbs, -vnd zu sant Victor im closter sant Endres ×, vnd sant Victors Haubt, vnd -sein gebain gar hübsch in silber eingefaßt. Und dann Pabst Urbanus, der -ligt noch vnerhaben, vnd sonst viel hübsch Hailthumbs als in silber -eingefast, Und ist mehr ein Capellen, da rast die Mutter Gotts innen, -vnd brint sunst nichts nit darvor dann wax. [16b] Und darff auch kein -fraw darein gehn sie sturbe von stund an. Darnach besahen wir die -grossen schiff vnd gallern, die erst vom Türcken waren kummen. Sie -hatten nicht viel ehr eingelegt, waren wol bey 460 all erschlagen. Und -wir sahen auch das Haus, wie man sie hinnein zeucht, da verzerten wir 35 -ß. Und von dann gen Rißla [?] was 3 meil, verzerten wir 7 ß. Von dann -gen alla bama[290] da Maria Magdalena gebüst hat bey 34 Jar. Was da hin -4 meil, vnd wir sahen den felß, vnd die wonung, vnd das bett, darauff -sie gelegen ist ein felsstein, da haut man ein stain darvon, vnd wir -besahen auch jhren brunn, vnd tropfft dz wasser vber all Hindan In jhr -bett nit. Da habens die Engel alle tag zu 7 mal auff gefürt auff die -Höhe des bergs. Da sang sie allweg eine der sieben freud. Und wir -verzerten alla bama bey den München 14 ß, von dann ritten wir gen sant -Melymy[291] was 3 meil. Da blieben wir ein tag, vnd besahen Maria -Magdalena haubt, das Gott der Herr hatt angerürt im garten [17a] da er -sprach: Noli me tangere. Das ist 13 Hundert Jar vnter dem ertrich -gelegen, vnd ist noch vnversehrt, was die finger angerürt haben, vnd -mehr das Haar, damit sie vnserm Herrn Jesu Christo die heiligen füß mit -getrucknet hat, das ist als vnversehrt blieben. Vnd mehr ein arm, vnd -das grab, da Maria Magdalena innen gelegen ist, vnd mehr ein gläßlein, -darinnen ist ein blutstropff, den vnser Herr am stammen des Heiligen -Creutz hat lassen fallen, das hatt sie mit sand vnd stein aufgehaben, -das Zeugt man am Carfreytag, so wirds eben vol mit blut, bis man vnsern -Herrn in das grab legt, so verbürgt es sich wider. Das Zaigt man -jederman, vnd sonst fast viel Hailthumbs. Da gaben wir zu Hailhumb 6 ß, -vnd wir verzerten 25 ß. Von dann gen Rossat [?], was 3 meil, verzerten -wir 6 ß. Von dann gen Seyb [?] was 3 meil, Da besahen wir in einem -frawen closter König Scharlamany von Franckreich seinen leib vnverwesen, -vnd vnser frawen gürtel, ein [17b] fus von sant Endres, vnd ein fus von -sant Dobort[292], vnd ein spindel aus dem arm Maria Magdalena, vnd 3 Zan -von sant Johans, vnd sunst viel Hailthumb in silber eingefast. Da gab -ich 4 ß zum Heilthumb, da verzerten wir 12 ß. Von dann gen Kasiles[293], -was 3 meil, da verzerten wir 7 ß. Von dann gen Durgung[294] was 4 meil. -Da verzerten wir 12 ß, von dann gen Avinung[295] was 5 meil. Da wolt man -mich nit einlassen, da musten wir raiten gen pung de sorg[296], was 1 -meil, verzerten wir 7 ß, von dann gen schatdea nofa de papa [?] was 1 -meil, verzerten wir 2 ß. Vonn dann gen noderdame de plang [?] was 5 -meil, da verzerten wir 9 ß. Thutt auch große Zaichen. Von dann gen Doßes -orres[297] was 3 meil, verzerten wir 12 ß. Von dann gen Munda -Linnart[298] was 2 meil verzerten wir 18 ß. Von dann gen Lonnion[299] -was 4 meil verzerten wir 7 ß. Von dann gen den Gwaß[300], 3 meil [18a] -verzerten wir 14 ß. Von dann gen sant Rambert[301], was 4 meil, -verzerten wir 14 ß. Von dann gen Wine[302], was 2 meil, da verzerten wir -8 ß. Da wurd mir mein pferd kranck. Da nam ich ein anders bis gen Lion. -Darvon gab ich ihm 12 ß, Und ritten gen Lion an sant Anthony tag [17. -Januar 1522] was 5 meil. Da kam mein bruder Florentius vnd der Marx von -Nurnperg. Und ich vnd mein knecht kamen all vnter der thur Zusammen vor -der Herbrig, vnd begerten als zu wissen. Gott hab Lob vnd Ehr. - -[Fußnote 254: Ricla.] - -[Fußnote 255: la Muela.] - -[Fußnote 256: Osera.] - -[Fußnote 257: Penalba.] - -[Fußnote 258: Torres de Segre.] - -[Fußnote 259: Juneda.] - -[Fußnote 260: Guimera.] - -[Fußnote 261: Sta. Coloma de Queralt.] - -[Fußnote 262: Ignalada.] - -[Fußnote 263: Olesa de Monserrat.] - -[Fußnote 264: St. Andrés del Palomar.] - -[Fußnote 265: Barcelona.] - -[Fußnote 266: la Roca.] - -[Fußnote 267: Die Speicheldrüsen ausschneiden oder zerquetschen. Grimms -Wb. III. Bd. Sp. 1433 unter Feibel, Feifel.] - -[Fußnote 268: San Cetoni.] - -[Fußnote 269: Bei Leo von Rozmital (S. 112) steht an dieser Stelle -»Castelricum« (heute: Hostalrich).] - -[Fußnote 270: Gerona.] - -[Fußnote 271: Perpignan.] - -[Fußnote 272: Figueras.] - -[Fußnote 273: Boulon.] - -[Fußnote 274: Narbonne.] - -[Fußnote 275: la Palme.] - -[Fußnote 276: Auf älteren Karten: »Ville Falce«.] - -[Fußnote 277: Leo von Rozmital (S. 113): »Narbona Santyberium septem -milliaribus distat«.] - -[Fußnote 278: Villeneuve.] - -[Fußnote 279: Maguelonne.] - -[Fußnote 280: Guadalupe.] - -[Fußnote 281: St. Brès.] - -[Fußnote 282: Vauvert.] - -[Fußnote 283: St. Gilles.] - -[Fußnote 284: Arles.] - -[Fußnote 285: Vienne.] - -[Fußnote 286: St. Martin de Crau.] - -[Fußnote 287: Salon.] - -[Fußnote 288: Marseille.] - -[Fußnote 289: St. Hadrian.] - -[Fußnote 290: la Ste. Baume.] - -[Fußnote 291: St. Maximin?] - -[Fußnote 292: Dagobert oder St. Aubert?] - -[Fußnote 293: Cadenet?] - -[Fußnote 294: Orgon.] - -[Fußnote 295: Avignon.] - -[Fußnote 296: Sorgues.] - -[Fußnote 297: Donzère.] - -[Fußnote 298: Montélimar.] - -[Fußnote 299: Loriol.] - -[Fußnote 300: So anstatt »deng waß«; Tain ist gemeint.] - -Item so blieb ich 14 tag zu Lion, vnd wartet auff mein bruder -Florentius. Und darnach ritten wir auff Sant Glado[303] zu. -- - -[18b] Und zu Genff kam mein Bruder wider zu mir, vnd ritten miteinander -gen Nurnperg, so verzerten wir bißher 15 fl., vnd wir kamen all beed -frisch vnd gesund aus vnd ein. - - Gott hab lob vnd ehr. - Und behut uns vor aller schwerer kranckheit, Amen, Amen, Amen. - -Item hernach steht der Weg kürtzlich aufgezaichnet wie ich geritten bin, -von einem halben Tag zu dem andern, wie viel meil von einander. - -Item von Nürnperg aus gen[304]. - - Guntzenhaussen 6 M. - Ötting 3 - Henerling 2 - Genge 4 - Aio 2 - Ulm 2 - Waltringen 3 - Pibrach 1 - Weingarten 4 - Martdorff [Markdorf] 2gr.[305] - Merspurg 1 - Uber den see 2 - Von Koschnitz gen St. Anna 2 g. - Winterdurren 1 g. - Zürch 2 g. - Von Zürch fuhren wir den See ab 2 meil vber den berg gen 2 gr. - Einsiedel, Darnach fuhren wir wider gen Zürch, was - eben als weit, vnd darnach ritten wir von Zürch gen - Lentzspurg - Arburg 2 gr. - Dorringe 2 gr. - Purtdolff 2 gr. - [19a] - Pern 3 gr. - Lossana 4 - Morssa [Morges] 2 - Nyß 4 - Jenff 4 - Kolunge 4 - Sengerman 3 - Schardung 4 - Sanmony 3 - Mula 4 - Lion 3 - Isarung 3 - Sengermy 4 - Santbunet de Schadea 5 - Pungdeperat 3 - Saffangne 5 - Alba bautha 3 - Sant flor 5 - Schades Egy 4 - Alla giola 4 - Spalion [Espalion] 3 - Rodeß 4 - Alla motda 5 - Alleros 3 - Albis 3 - Galliack 4 - Baussett 4 - Dolosa 4 - Lilla gordung 4 - Lysigmen 3 - Asch 4 - Wick 4 - Nagaro 4 - Koseras 3 - Garnada ij - Sant Seber ij - Munfort 3 - Adax 3 - Sant Winssang 3 g. - Weyana 4 - Sant Jongdeluß 3 - Dirreng 3 - a Arnaby 3 - Dolosada 3 - Segura 4 - Sagona 1 - Vber den berg S. Atrian gen Galareda 2 - Odikany 2 - Witdoria 3 - Alla punda Dorumeng ij - Panckarbo [Pancorbo] 2½ - Mermiste 4 - Mestir de Rodille 3 - Wurgeß 5 - Hornilles 3 - Kasterferis 4 - Formestein 5 - Carion 4 - Kalssadilla 4 - Sagona 3 - Gurgada 3 - Lion in Spania 3 - Moder dama de scheschinge 1 - Alla punda dorby 5 - Stergeß 3 - Aspidal de wasche 2 - [19b] - An den berg Rafanell 4 - Uber den ben berg gen Lasebo 3 - Apungferada 3 - a Willafrancka 5 - Uber den berg Malafab. gen sant Maria 7 M. - Troy Castell 5 - Seyrge 4 - Legunda 8 - Nullisse 5 - Cassa 4 - Compostell gen St. Jacob auff Lissabona zu gen Patron 4 - Goldaß 3 - Pundafeder 3 - A Rodundella 3 - Duya 5 - Egalunga 3 - Punda de liny 3 - Marselles 5 - Passy 3 - a Portu Portugall 4 - Riffano 5 - Wallans 4 - Albagaria 4 - Quimir 5 - Sarnescka 2 - Warges 4 - Einzlich Haus 3 - Von dann gen Domar 3 - Walligany 4 - St. Dorring 4 - a Willa longa 4 - a willa negra 5 - a Lissabona 5 - Uber das meer gen Aldega Lega 3 - Landera 5 - Schabarida 3 - Munda mortnova 4 - Ebrach 5 - Estrames 6 - Elssis 6 - Abagadoß 4 - Dalla barrla 3 - [20 a] - Alarua 4 - Mereyda 2 - Derssiltung 1 - Myasgada 6 - Grusam 7 - Kannanero 2 - Gardaluba 2 - gen spidal de kardenal 3 - a willa petroasy 4 - a la punda arsabisko 2 - Dallaberos 6 - Grussel 2 - Silfester 5 - Kasyo Royg 4 - Mulmes 3 - Mattrill 4 - Kalasofanadaß 6 - Wat de la gerra 4 - Hitda 4 - Wurgeß herreß 2 - Waydeß 2 - Siganssa 2 - Isogossa 1 - Modine de celis 3 - Arckes 3 - Arrissa 4 - Wur wicka 4 - Kaladiff 3 - Rigla 5 - Molla 5 - Sergossa 4 - Otschany 3 - Anseda 3 - Santelusa 3 - a Pinn alba 3 - Fraga 5 - Durraß 2 - Guneda 3 g. - Malda 2 - Gunara 3 - Santa kalona 2 - Angulada 3 - Muserat 3 - Sant Endreß 4 - Spidellat 2 - Bersalone 1 - Alla Rocka 4 - [20 b] - Sanssalonie 3 - Verraropy 3 - Girona 4 - Sigires 5 - Wollang 4 - Parpion 3 - Willa falssa 2 - Arbona 2 - Wosir [Béziers] 4 - Sant Dobery 3 - Lopia 3 - Willa noffa 4 - Sanbreß 4 - Waffer 4 - Sant Gilg 4 - Sant Anthoni darleß 3 - Sant Martding de kraub 3 - Sallung 4 - Laspena 5 - Marsillia 3 - Risola 3 - Alla boma 4 - Sant Mapymy 3 - Rosset 3 - Seyß 3 - Kasiles 3 - Durgung 4 - Avinung 4 - Pung de sorg 1 - Schatdea nova de papa 1 - Moder dama de plang 5 - Dosses orres 3 - Mudalimart 2 - Lorrior 4 - Walansse [Valence] 4 - Deng 3 - Sant Rambert 4 - Wine 2 - Lion 5 - [21 a] - Item der weg von Dolosa auß gen Sargossa zu zum ersten gen 2 - Plasansse - Sant Veit 2 - St. Matay 3 - Punoy 3 - Mangack [Magnoac] 4 - Pondons ½ - Petringß 1 - Jarba [Tarbes] 4 - Nag [Nay] 4 - Ollerung [Oloron] 5 - Sarrasansa 3 - Zantt 3 - Canfrang [Canfranc] 5 - Jacke [Jaca] 3 - Cansa 5 - Juba 3 - Gorrea [Gurrea] 5 - Surra [Zuera] 4 - Willanofa [Villanueva de Gallego] 2 - Sargosse 3 - Item den andern weg von Dolosa auf Sergosse zu vber den 4 - portt da bonast [Benasque] zu von dann gen Barnossa - Alla fitte [Laffitte] 3 - Matter [Martres] 2 - à sant martire [St. Martory] 2 - à Wallantine [Valentin] 3 - à Wandire [Bagnères] 4 - Uber den berg hat kein Herbrig biß gen Bonnast [Benasque] 6 - Castellong 2 - Silles 4 - Para Roga 2 - Grans [Graus] 2 - Popla [la Puebla] 2 - Barbasta [Barbastro] 2 - Peratta [Peralta de Alfocéa] 4 - Conbre [Alcubierre] 4 - Perdigre [Perdiguera] 4 - Cergosse [Zaragoza] 2 - Der weg von Sargossa auff Wurges zu. Von dann gen Lugarda 5 - [21 b] - Canryne 1 - Lorsing 2 - Gallore [Gallur] 2 - Corttes [Córtes] 2 - Riffa horrade [Ribaforada] 2 - Dodella [Tudela] 2 - Alfara [Alfaro] do man die roß verzollt 4 - Hora [Calahorra] 4 - alla Gronna [Logroño] 8 - Nasyra [Najera] 5 - Sant Dominico [Sto. Domingo] 4 - Grang Jang [Grannon] 1 - Ballorare [Belorade] 3 - Willa francka 2 - Waldafanies 5 - Wurges 3 - Item von Lion vber den Monssenir von dan gen - Sant Lorentz [St. Laurent de Mure] - Serpellire - Bergeng - da da pung - a pung da boana wesung [Le Pont-de-Beauvoisin] - Schanberie [Chambéry] - Egebelletta [Aiguebelle] - Monsenir - Der weg von Lion gen Mumpelgart zu Schallemang [Chalamont] 6 - Crusaw 4 - Chawane 4 - Sant Jullian [St. Julien] 4 - orgellot [Orgelet] 5 - a Schattellung [Châtillon sur Lison] Schrittene [?] 5 - a Werb 4 - alla Wick 6 - a anno 5 - a Werst 3 - a Landers 3 - a Collombiek 4 - a Mumpelgart [Mömpelgard, Monbeillard] 2 - [22a] - Der Weg aus Nörnperg gen Lion, als hiemit verzeichnet - steht die tagreiß zu stunden. - Erstlich von Schwobach [Schwabach] stund 2 - Wasser Monnau 3 - No 1 Guntzenhaussen 14[306] 3 - Knotza 1 - Westa 1½ - Osta ½ - Ottingen 1 - 2 Nordlïngen d 2 - Khessingen [Essingen] 13 1½ - No 2 Walperßhoffen 1½ - Genga d 3 - Langenaw [Langenau] 1½ - 3 -- Ulm 12 3 - Stetten 2½ - Wadttringen d 2 - Bibrach 1½ - No 4 Esendorff 11 3 - Walssee [Waldsee] 1½ - Weingarten 2 - Raffelsburg d - Buchhorn 10 3 - No 5 Mersburg 3 - Ubern See 1½ - Costnitz d 1 - Steckhparan [Steckborn] 3 - Stain 9 2 - No 6 Schaffhaußen d 3 - Lottstetten [Lestetten] 1½ - Raifitzerfeldt 1½ - Kaisserstull 8 1 - Zum Newnhaus 1½ - No 7 Pada d 1½ - Mollienga 1 - Lentzburg 7 2 - Aran 2 - Arburg d 2 - No 8 Morgental 2 - Langendorff - Rittweil 6 - Weiningran 1 - Burttolff 1½ - No 9 Bernd 2 - An die Senssa 2 - Freyburg 5 2½ - [22 b] - No 10 Remandtt d 4 - Lossanna 4 5½ - Morsa 2½ - No 11 Roll 2½ - Nieß d 3 - No 12 Jenff 3 4 - Collonnge d 4 - Seingermon 2 4 - No 13 Manttua [Nantua] 3 - Scherdung d 2 - Sainct Jehan le vitu [St. Jean le vieux] 2 - Sammoris [St. Denis] 1 2½ - No 14 Mulluard [Montluel] d 4½ - No 15 Lion 4 - Sindt 15 Tag 130 stundt. - -[Fußnote 301: St. Rambert.] - -[Fußnote 302: Vienne.] - -[Fußnote 303: St. Claude.] - -[Fußnote 304: Im Folgenden sind nur bei den Hauptstationen, soweit sie -nicht schon in der vorstehenden Reisebeschreibung vorgekommen sind, die -heutigen Namen in [] hinzugefügt.] - -[Fußnote 305: Bedeutet wohl »große Meilen«, wie g »gute Meilen« bezw. -»Meile«.] - -[Fußnote 306: Die Zahlen 14, 13 u. s. w. sollen die Tagesstrecken des -Rückweges andeuten. Was die mehrfach hinzugefügten d bedeuten sollen, -ist nicht recht klar.] - -_Nürnberg._ - - Dr. _Th. Hampe_. - - - - - Über ein Prosatraktätlein Hans Folzens von der Pestilenz. - - -Aus den Zeiten des ausgehenden Mittelalters ist uns eine ganze Reihe in -Deutschland entstandener Werkchen über die Pestilenz und die Art, wie -man sich in Pestzeiten zu verhalten habe, erhalten geblieben, von denen -bisher nur sehr Weniges neugedruckt oder sonst allgemeiner bekannt -geworden ist. So besitzen wir aus dem Jahre 1483 einen zu Augsburg -gedruckten »köstlichen und gründlichen Spruch von der pestilentz, wie -man sich mit allen sachen zu derselben zeyt halten sölle ... In reymen -weiß gesetzt«, aus Straßburg vom Jahre 1500 einen »tractat contra pestem -Preservative vnd regiment«, der 1519 zu Oppenheim in neuer Bearbeitung -erschien[307], u. s. f. - -Andere Gedichte oder Schriften dieser Art weisen auf Nürnberg. So -zunächst ein 88 Verse umfassendes Spruchgedicht, das sich in der -Münchener Handschrift cod. germ. 714 auf Blatt 274a-276a findet und wohl -dem Kreise Rosenplüts angehört, zwischen dessen Gedichten es steht. -Jedenfalls dürfte es noch im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts -entstanden sein, denn weiter gegen das Ende des Jahrhunderts zu möchte -ich den Codex seiner Schrift nach nicht rücken. Es kann also als eines -der frühesten Gedichte über die Pestilenz aus dem gedachten Zeitraum -betrachtet werden. Das Gedicht ist überschrieben: »Dy Beßtilentz«, und -der Anfang lautet[308]: - - »ICh hab mich des wol vermessen: - Ich wil meiner geselln nit vergessen, - Ich wil sy auß den püchern lern, - Wie sy sich vor der pestilenntz schüln ernern. - Darümb hör was ich dir sagen wil, - Wann sterben ist ain claines zil. - Des ersten hallt den rat, den ich main, - Wann der dünckt mich sicher clain, - Das man in der sach Ernstlich schol - Got an rüffen, das hilfft wol; - Das mainen all Mayster weis, - Dye da sein in der schul zu Pareis.« - -Nachdem dann eine Reihe von Verhaltungsmaßregeln gegeben und allerlei -Mittel empfohlen worden sind, unter denen natürlich auch der allheilende -Theriak nicht fehlt -- ich kann darauf hier nicht näher eingehen -- -folgt noch der wohlgemeinte, aber etwas naive Rat, bei Zeiten weit davon -zu zu fliehen; das sei das Sicherste: - -[Fußnote 307: Vgl. Goedeke, Grundriß I, 393 Nr. IV, 3 und 4.] - -[Fußnote 308: Ich benutzte eine Abschrift des Gedichtes, die mir Herr -Apotheker Peters in Nürnberg freundlichst zur Verfügung stellte und die -ich durch das liebenswürdige Entgegenkommen der königl. Hof- und -Staatsbibliothek in München selbst noch einmal mit dem Original -vergleichen konnte. Der Abdruck geschieht hier, wie bei den folgenden -Zitaten, buchstabengetreu, doch sind etwaige Abkürzungen überall -aufgelöst, die Interpunktion von mir hinzugefügt.] - - »Noch einen rat dir ain Mayster geyt: - Fleuh verr dauon vnd auch pey zeyt, - Fliehen ist gar ain sicher ding.« - -Endlich schließt der Verfasser, wie folgt: - - »Das hat Maister Hanns Thomauro gelert, - Der manchs mit seiner kunst hat ernert, - Vnd Junger Bernhart Jordanus genant, - Des kunst yetzund laufft durch alle lant, - Vnd auch anderr Mayster vil, - Der ich yetzund nit nennen will. - Nu Helff vns got auß der not, - Der durch vns hat geliden den tot.« - -[Illustration: Fig. 1. - -Titelholzschnitt von dem »fast köstlichen spruch von der pestilencz« von -Hans Folz nach dem Münchener Exemplar.] - -1482 verfaßte dann Hans Folz seinen in der Litteratur mehrfach zitierten -»fast köstlichen spruch von der pestilencz,« der uns in ein paar -gleichzeitigen Drucken, die zu Colmar und München bewahrt werden, -erhalten ist[309]. Das ganze Schriftchen umfaßt 12 Quartblätter. Bl. 1a -ist leer; Bl. 1b wird von einem prächtigen, alten Holzschnitt -eingenommen, auf dem in sehr realistischer Weise ein Arzt dargestellt -ist, wie er eben einen von der Beulenpest Befallenen kuriert. Wir geben -dieses interessante Blatt vorstehend in 2/3 der Originalgröße wieder -(Fig. 1). - -[Fußnote 309: Hain, Repertorium Bibliographicum Nr. 7220. Vgl. Keller, -Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrhundert III. Bd. (Bibliothek des -litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. XXX) S. 1272.] - -Bl. 2a folgt sodann ein kurzes Inhaltsverzeichnis, zugleich eine Art -Vorwort, in welchem es u. a. ähnlich wie am Schlusse des Gedichtes -heißt, daß der Autor seine Lehren deswegen »in reimen weis auf das alles -kurczest begriffen« habe, damit »sein dest leychter gedacht vnd -auswendig gelernt werd, dar durch die, welch nit erczt sint, yn vnd -andern tröstlich sein mügen«[310]. - -Die Einleitung auf Bl. 2b lautet: - - »IN lob der heiligen trinitat, - zu er got jhesu, den vns hat - gepert die küngin aller trön, - von der man schreypt, sie sey gancz schön, - der sey besunder das ein eer - vnd allem himelischen heer, - die pit wir vns zu pey gestan[311], - auch well der heilg sebastian[312] - vns hilfflich sein mit seiner gunst, - ob zu vns neht der gifftig dunst - oder die pestilenczisch plag, - das wir vor sülcher nieder lag - durch sein gepet versünet werden, - alls er erworben hat auff erden, - wer in heilgt, fast feyert vnd ert, - das der werd vor der plag ernert. - des heb ich an in seinem namen - zu tröstung aller christen, amen.« - -Im Verlauf der nun folgenden Unterweisungen kann er zwar auch nicht -umhin, der Ansicht, daß Fliehen das beste und sicherste Mittel gegen die -Pest sei, Ausdruck zu geben: - - »fleuch pald, fleuch ferr, kum wider spot [_komm wieder spät_] - das sint drey krewter in der not, - für all apptecken vnd doctor«, - -indessen mit der Überlegung »doch mag yder nit flihen zwor« geht er dann -alsbald dazu über, ausführlich und augenscheinlich mit nicht geringer -Sachkenntnis darzulegen, welche Verhütungsmaßregeln man anwenden müsse -und welche Mittel bei Ausbruch der Krankheit die wirksamsten seien. Eben -darin unterscheidet er sich sehr wesentlich von dem Verfasser des vorhin -behandelten, nur handschriftlich erhaltenen Gedichts, der, ohne Zweifel -selbst nur wenig oder gar nicht pharmazeutisch geschult, sich zumeist -damit begnügt, unter Berufung auf verschiedene »Meister« allgemeine -Verhaltungsmaßregeln zu geben und einige Hausmittel anzuführen, während -sich bei Hans Folz, dem Barbierer und Wundarzt, ganze Rezepte in Reime -gebracht finden. Aus diesem Grunde wäre gerade diesem Gedichte gegenüber -auch eine Würdigung vom pharmazeutischen Standpunkte aus wohl am Platze -und würde gewiß der Mühe verlohnen, da sich aus einem eingehenderen -Studium ohne Zweifel Manches ergeben würde, was unsere Kenntnis von dem -damaligen Stande der medizinischen Wissenschaft zu fördern geeignet und -insbesondere für die historische Heilmittelkunde von Interesse wäre. Mir -muß eine Ausdehnung auf dies Gebiet selbstverständlich ganz fern liegen; -ich werde bei dieser Arbeit lediglich von litteraturgeschichtlichen und -bibliographischen Gesichtspunkten geleitet, und vor Allem kommt es mir -darauf an, dem gleich zu besprechenden Büchlein seinen Platz in unserer -Litteratur anzuweisen. Zuvor aber will ich noch den Schluß des Gedichtes -mitteilen, wo sich Hans Folz bekanntlich[313] als Verfasser nennt. Er -lautet: - -[Fußnote 310: Dieses und die folgenden Zitate nach dem Münchener -Exemplar.] - -[Fußnote 311: Fehler im Satzgefüge, wie dieser, und andere -Nachlässigkeiten, die zum Teil auf Setzerversehen zu beruhen scheinen, -lassen vermuten, daß Hans Folz, wie verschiedene andere seiner Werke, so -auch diesen Spruch von der Pestilenz selbst gedruckt habe.] - -[Fußnote 312: Der Schutzpatron der Schützen und Pestkranken.] - -[Bl. 11b] - - »also der siech geheylet wirt - vnd auch erledigt von der swer. - hie hat hans folcz barwirer - aus der capitel samenung - gesucht mit end vnd vrsprung - von diser plag vnd ir erczney, - vnd hat das durch sein fantasey - gedicht gar in ein kurczes werck - zu eren der stat nürmberck, - vnd das dar vmb zu vers gemacht, - das sein destleichter werd gedacht, - vnd das die ding equaliter - zu fassen seyen taliter, - das yder doch ein stücklein merck, - dar mit ein mensch das ander sterck. - vnd wem die ler zu hilffe kum, - den hofft der dichter also frum, - das er got auch pit für seyn sel. - got frey vns all vor helle quell - A · M · E · N ·« - -Bl. 12a bietet dann wiederum zwei Holzschnitte, die offenbar aus -Wolgemuts Werkstatt stammen, mit dem oben mitgeteilten aber an -Genialität der Ausführung und Unmittelbarkeit der Wirkung nicht entfernt -verglichen werden können. Sie stellen, als Gegenstücke gedacht und -dementsprechend neben einander gestellt, die berühmten Ärzte Hypokrates -und Galenus in ganzer Figur, jeden in einfachster architektonischer -Umgebung und mit einer unbeschriebenen Bandrolle in den Händen, dar. -Über Hypokrates steht: - -[Fußnote 313: Vgl. Hain a. a. O. Hain scheint aber die betreffende -Stelle mißverstanden zu haben, da er unrichtigerweise eine -Satzverbindung herstellt, aus der man schließen könnte, daß Hans Folz -selbst von der Pest befallen gewesen, aber mit dem Leben davon gekommen -sei. Das geht aus unserem Gedichte nicht hervor.] - - »Es werden fil me leüt versert - von vbriger füll dan durch - das schwert. Ipocras« - -über dem Bilde des Galenus liest man: - - »Sich hüten vor der fülerei - ist die aller höchst ercznei. - Galienus Mcccclxxxjj«, - -woraus wir also das Erscheinungsjahr des Gedichtes (1482) kennen lernen. - -Bl. 12b ist leer. -- - -Wenn Hans Folz in seinem Spruchgedicht von der Pestilenz, wie wir -gesehen haben, mehrfach hervorhebt, daß er die gereimte Form absichtlich -gewählt habe, damit sich seine Lehren und Rezepte leichter dem -Gedächtnisse einprägen möchten, so hatte er ohne Zweifel Recht mit dem -Glauben, daß nur auf diese Weise der großen Masse des Volkes mit seinem -Büchlein wirklich gedient sein könne. Hat doch das frühere Mittelalter, -von demselben Gedanken geleitet, gelegentlich noch ganz andere Dinge in -Reime gebracht, und verdanken wir doch noch heutzutage die schönen -Schmalzischen Genusregeln, den kürzlich erschienenen ersten Teil einer -gereimten Übertragung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches für das -Deutsche Reich und so manches Andere der gleichen menschenfreundlichen -Absicht. Aber Gefühl und Verstand der Gebildeten wird sich doch in der -Regel gegen eine solche mechanische Lernweise sträuben, und gerade in -der Zeit des erwachenden Humanismus und bei einem so schrecklichen -Gegenstande, wie es die Beulenpest war, konnten Folzens Reime dem -Geschmack der höheren Stände nicht entsprechen. Andererseits aber mußte -man sich doch sagen, daß Folz mit seinem tüchtigen ärztlichen Wissen und -der großen Popularität, deren er sich als Poet erfreute, der rechte Mann -zur Abfassung verständiger und wirksamer Unterweisungen über die Natur, -Verhütung und Behandlung der verheerenden Seuche sei. So ward denn der -Dichter, kurz nachdem er sein Gedicht von der Pestilenz hatte in Druck -ausgehen lassen, von Anton Haller, offenbar einem Angehörigen der -bekannten Nürnberger Patrizierfamilie, aufgefordert, noch einmal und -zwar in Prosa ein Traktätlein darüber abzufassen »von etlicher wegen, -den das vngereimt pas gewon ist«; und dieser Bitte ist Hans Folz noch im -selben Jahre in der That nachgekommen. Ein Exemplar seines Prosatraktats -von der Pestilenz hat nun letzthin für die Bibliothek des -historisch-pharmazeutischen Zentralmuseums erworben werden können, -und da ich dieses Schriftchen weder in den einschlägigen -litteraturgeschichtlichen Werken noch in den typographischen und -bibliographischen Handbüchern irgendwo erwähnt gefunden habe, so -verlohnt es sich wohl, über die neue Erwerbung an dieser Stelle etwas -ausführlicher zu berichten. - -Es ist ein Heftchen von 16 Blatt in kl. 8o, mit genau denselben Typen -und auf dem gleichen, vortrefflichen Papier (Wasserzeichen: Ochsenkopf -mit Stande und Kreuz) wie das vorbesprochene Gedicht, und noch -augenscheinlicher als dieses von einem Dilettanten, d. h. von Hans Folz -selbst gedruckt. Bl. 1a enthält in vier kurzen Zeilen den Titel: - - »Item von der pestilencz ein hübsch - nüczlich vnd kurcz begriffes trac - tetlin getrukt im mcccc vnd in - dem lxxxii iare hans folcz« - - [Illustration: Fig. 2.] - -Bl. 1b ist beifolgend in der Größe des Originals wiedergegeben (Fig. 2). -Anstatt der Anrufung des heiligen Sebastian als des Schutzpatrons der -Pestkranken, die sich in dem Spruchgedicht gleich zu Anfang findet, -sehen wir hier einen ziemlich rohen Holzschnitt, das Martyrium des -Heiligen darstellend dem Texte vorgedruckt. Dieser selbst ist in -mehrfacher Beziehung von nicht geringem Interesse. Zunächst müssen wir -noch einige Augenblicke bei dem Eingang verweilen, nach welchem oben -bereits die kurze Entstehungsgeschichte des Werkes mitgeteilt worden -ist. Folz nennt hier den Antonius Haller seinen »besundern guten -freunt,« was uns, da an der Zugehörigkeit Hallers zum Patriziat der -Stadt doch wohl nicht zu zweifeln ist[314], einen willkommenen Einblick -in die gesellschaftliche Stellung Folzens, die eine recht angesehene -gewesen zu sein scheint, gewährt. Nur nebenbei sei bemerkt, daß jener -»Anthoni Haller« wahrscheinlich identisch ist mit einem anderen Haller, -an den sich einmal der Schreiber eines Teils der Weimarer -Fastnachtpielhandschrift Q 566, -- es handelt sich um eine Version von -Folzens »Pharetra contra iudeos« -- in ein paar Zeilen wendet[315], -woraus dann wohl die Identität jenes Schreibers mit Hans Folz gefolgert -werden könnte[316]. Weiter aber ergiebt sich aus den Eingangsworten -auch, wie bereits angedeutet wurde, ein Rückschluß auf das Ansehen, -welches Folz als Arzt genoß. Und fürwahr, wer diese kernige Prosa liest, -der wird sich der Einsicht, es mit einem bedeutenden Menschen, mit einem -tüchtigen Charakter zu thun zu haben, nicht verschließen können. - -Zunächst wendet er sich -- vom Gedankengang des Gedichtes weicht der des -Traktätleins erheblich ab -- gegen die, welche auch aus religiösen -Gründen meinen, daß niemand durch menschliche Kunst der Seuche -widerstehen, der Krankheit vorbeugen könne. Dann also, sagt Folz - - »hette got erczney vm sunst erschaffen, vnd also würden die erczt - verlossen, vnd so hette auch salamon vergebes geret: ere den arczt - vm deiner notturfft willen.« »Dar vmb«, heißt es später weiter, - »so sech ein yder auff, wan sich selbs sol niemant verkürczen, so - er doch nit weys, ob die erczney hilflich sein möcht oder nit, - vnd ob er sie verliesse vnd müste sterben, möcht er in sich - schlaen, sich selbs verkürczt haben. - - hie mit ich bewert will haben, fil peßer den arczat gesucht vnd die - dötlich gifft geflohen, dan im selber des sterbes vrsach geben, so - doch der mensch nicht dester minder got seinen willen heim - seczt.« - -Nun folgen die Verhaltungsmaßregeln und Rezepte, die einer genaueren -Prüfung und Würdigung zu unterziehen, ich wieder Anderen, solcher Sache -Kundigen überlassen muß. Dabei geht es gelegentlich kräftig über die -schlechten Ärzte und Quacksalber her, die nicht jeden einzelnen Kranken -nach seiner besonderen Individualität behandelten: - -[Fußnote 314: Namentlich wegen des Zusatzes »eines regiments behütung -vnd beschirmung halben«. In Biedermanns »Geschlechtsregister des -Hochadelichen Patriciats zu Nürnberg« habe ich ihn allerdings nicht -gefunden und neben der patrizischen existierte in Nürnberg auch eine -bürgerliche Familie Haller.] - -[Fußnote 315: Diese Zeilen lauten nach Victor Michels, Studien über die -ältesten deutschen Fastnachtspiele (QF. 77. Heft), Straßburg 1896 S. -235: _Lieber haller jch habe fast geeilt vnd ser poeß geschriben pittue -mir daz nit verunclimpfen vnd wo ir eß nit lessen konet So schickt nach -mir oppffere mich euch vnd all den euren zw allen wolgefallen wegenn vnd -potten allezeit vnvertrossen._] - -[Fußnote 316: Der Beweis dafür würde sich allerdings nur durch eine -Vergleichung der Schrift des betreffenden Abschnittes in Q 566, die -übrigens sehr verblaßt sein soll, mit der von Hans Folz geschriebenen -ehemals Habelschen jetzt Conradyschen Sammlung seiner Gedichte erbringen -lassen.] - - »wan sie weder die complex des krancken noch der kranckheit gancz - kein vnter scheyt haben. - - vnd also leyt ein plinter den andern vnd fallen peid in die gruben, - wen ich selbs einen gesehen hab, der mit einer purgaczen, die er - yder man gab, sich selber schnel hin richtet. - - Sülch erczt dürfften eins eigen spitals oder kirchofs in einer stat. - Aber ein weyser, fürsichtiger rot solt ob einem sülch sein vnd - keinem rohen leyen fraw oder man besunder in der kunst vngeüpt - des nit zu sehen, so es den wissende vnd lang erfaren schwer ist - -- ich sweig, das von sülchen erczten mancher gichtig, vnsinig, - contract, lam, auseczig oder in die hin faleden sucht felt oder - an einer sülchen purgaczen pald erstickt. aber als man den - schuster vm hosen flickens willn suchen wolt, also sucht man nun - erczney pey pecken, plattnern, rotschmiden, goldsmiden vnd alten - weybern vnd fil andern lant bescheissern, die ir ercznei mit - dörechter zeignus der prif besteten weln, vnd das fil mer ist: so - sucht man auch erczney pey den iüden, der es keinem erlaupt ist - pei verwerffung aus irer sinagog, dan allweg den zehenden zu - erdöten oder auf das minst erlemen oder eim ein gift ein zu - füren, die sich über ein iar zwey, drew erst fint; do claupt auf - die puczpirn«[317]. - -Sodann werden 14 Präservativmittel angeführt und besprochen, hierauf -noch die Symptome der Krankheit und endlich das Sterben des von der Pest -Befallenen beschrieben: - - »Item die zeichen des dots sint: differ atem, begerung des kuln - luffts, vmsleglung mit henden vnd füssen, groß angst, steti vnru, - truckner munt, swercz der zungen, dürrer hust, endrung der - vernunfft, kalter sweis, zeherung der augen, grosser graw, fil - vndewung, scheissen vnd prunczen an das pet, schaumig stul, - feucht oder schwarcz, heilstet suchen, kerung zu der wend, geher - hunger, verswindung der aposten[318], vnsetiger durst, zitern dez - pulß, swarczer prun -- dan gnad im got - - _A M E N_« - -Dieser Schluß des Tractats steht auf Blatt 16a. Bl. 16b ist leer, nur -hat in unserem Exemplar eine gleichzeitige Hand noch einen frommen -Spruch darauf geschrieben: - - »O angele meus - Angelus dei - plenus misericordie - Miserere mei.« - -Auf Hans Folzens sonstiges Leben und Wirken werde ich demnächst an -anderer Stelle Gelegenheit haben ausführlicher einzugehen. - -[Fußnote 317: »_do claupt auf die puczpirn_« augenscheinlich eine -sprichwörtliche Redensart, deren Sinn indessen nicht ganz klar ist. Das -Wort »Butzbirne«, eigentlich »Birne mit dem Butzen«, kommt gerade in -derartigen Redensarten mehrfach in der Bedeutung von Prügel, Ohrfeige -vor; vgl. Grimms Wörterbuch II, 588 unter Butzbirne, VII, 2282 unter -Putzbirne. Also etwa: da hebt denn die Prügel auf, da bedankt euch denn -für die Prügel.] - -[Fußnote 318: »_aposten_« eine Pluralbildung von apostema. apostem -- -Geschwulst.] - -_Nürnberg._ - - _Th. Hampe._ - - - - - Eine Nürnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 16. - Jahrhunderts. - - - I. - -Das germanische Museum erwarb für sein Kupferstichkabinet auf der -Auktion der großen Bibliothek[319], die zum größten Teil aus der -stattlichen Bücherei des gräflichen Schlosses Lobris in Schlesien -stammte, ein fliegendes Blatt aus den ersten Jahren des 16. -Jahrhunderts, das sowohl seines Inhalts als seiner Herkunft wegen einer -eingehenden Publikation würdig ist. - - [Illustration: Fig. 1.] - -Der doppelseitig bedruckte Bogen in Folio enthält auf drei Seiten über -je einer Labyrinthdarstellung, die verschiedene Form, nämlich die eines -Quadrates, eines Dreieckes und eines Kreises (vgl. die Abbildungen, die -in der Hälfte der Originalgröße hier wieder gegeben sind) mit -figürlichen Zuthaten zeigen, einen zweispaltigen lateinischen -Distichentext; die vierte Seite ist mit zweispaltigem lateinischem -Prosatexte bedruckt. Sowohl äußere Gründe, die Typen, die -Holzschnittmanier und dessen Stil, als auch andere positive Fingerzeige, -wie Namen von nachweisbaren Persönlichkeiten, weisen auf Nürnberg als -den Entstehungsort des meines Wissens bisher unbeschriebenen und -unbekannten Blattes hin. Es entstammt den dortigen Humanistenkreisen und -bietet den Anlaß zu interessanten Beobachtungen aus denselben. - -[Fußnote 319: Auktionskatalog von Ludwig Rosenthals Antiquariat in -München. Auktion 22. April 1895, Nr. 1182. Der Preis betrug 86 M. Herr -Ludwig Rosenthal hatte die Liebenswürdigkeit, dem Museum die hier -folgenden Abbildungen aus dem Katalog geschenkweise zu überlassen.] - -Zuerst folge eine genaue Reproduktion des Textes. - - [Illustration: Fig. 2.] - - _Figura Labyrinthi._ - Sebastianus Calcidius at lectorem. - - Ut varios flexus Labyrinthique ianua cernis - Tensas multiplici tramite late vias - Cernis et anfractus fallaci ambage recuruos - Qui faciles gressus explicitosque negant - Sic iaculis feriet blandus quem forte cupido - Ducit in errores innumerosque dolos - - Que si vitassent multorum corda virorum - Mars non strauisset sanguinolenta manu - Non tot prodissent armate ex Aulide classes - Non viribus danaum diruta Troia foret - Sic qui tranquillam gestis traducere vitam - Inceste veneris noxia tela fuge. - Uive memor leti. - - (Hierunter steht im Originale Fig. 1.) - - Figura Labyrinthi - Sebastianus Calcidius des Basilisco - - Debilis heu nimium subtili pendula filo - Mortalis vita est / vndique pressa malis - Mille habet hec postes: quibus est seuicia leti - - Usque adeo variis tradita plena modis - Sybilo adest testis rauco terrens basiliscus - Uiroso afflatu statim queque necans - Uive memores leti. - - (Hierunter steht Fig. 2.) - - _Figura Labyrinthi._ - - Joannes Stabius Austriacus - ad labyrinthi inspectores. - Dum varios flexus dum multiplices labyrinthi - Conspicis errores / innumerasque vias - Te vite humane cursum / seriemque / laborem / - Et tristes curas / cernere cuncta puta - Sic cum leticia / metu / spe / cumque dolore - Optima queque dies / et mala queque fugit - Flexibus ex illis queris / qui euadere possit - Silua Achademie / quem fouet / ille potest - Comite virtute / duce sapientia. - - Andreas Kunhofer Nurmbergensis ad eundam. - - Qui vacuus monstris / labyrinthi tutus in omnes - Se recipit flexus / multiplicesque dolos / - Egressu facili superat quia lumina cuncta / - Omnia virtuti peruia namque patent - Ast amor inuisus / thaurus / prolesque biformis - Cui quatiunt mentem / cui quoque monstra prenunt - Incidot errores varios / variosque rotatio - Uoluitur in preceps / et mala multa subit - Patere et sustine. - - (Hierunter steht Fig. 3.) - -Die vierte Seite nimmt ein Brief des bekannten Humanisten Johannes -Stabius ein, den derselbe ans Ingolstadt »diuersorio nostro litterario«, -wo er lehrte, »dem doctissimo ac integerrimo viro domino Conrado -Hainfogel, Nurembergen, arcium et philosophie magistro«, sandte. Er -bezieht sich zuerst auf die während seines Nürnberger Aufenthaltes -gepflogenen humanistischen Studien und Interessen und führt dann sein -Vorhaben aus, die Ansichten der hervorragendsten Autoren über das -zwischen ihnen öfters besprochene Labyrinth dem Freunde mitzuteilen und -dies kurze Blatt, dem Illustrationen beigegeben seien, zu widmen. Auf -diese Einleitung folgt die Aufzählung der vier Labyrinthe, die Plinius -in der historia naturalis kennt, nämlich das ägyptische, das kretische, -das leonische und das italienische, in dem König Porsenna beigesetzt -sein soll. - - [Illustration: Fig. 3.] - -Eine historisch-antiquarische Zusammenstellung der Notizen des Plinius, -Herodot, Strabo, Diodorus Siculus und Virgilius bildet den Beschluß des -Briefes, der in »Florentissima Achademia Ingelstadiensi« geschrieben -wurde. - -»Andreas Kunhofer Nurmbergensis« ist uns sonst nur noch aus den Briefen -Dürers aus Venedig bekannt. Er ist offenbar ein Nürnberger, wohl ein -Verwandter des Konrad Kunhofer[320], der 1424 zu Rom war, 1426 zu -Nürnberg dem Herzog Johann von Bayern, Graf Ludwig von Oettingen und den -Priestern auf dem Heilthumsstuhle die Reliquien zeigen half. In einem -Verzeichnis der alten Nürnberger Juristen wird er aufgeführt als: »a -1427. Meister Cunrad Kunhofer unser Jurist«. Ferner war er Pfarrer zu -St. Lorenz, Dr. dreier Fakultäten und Stifter des ältesten bekannten -Stipendiums (1445) für je einen Theologen, Juristen und Mediziner. 1452 -stiftete er ein Fenster im Chor von St. Sebald (das fünfte rechts), -dessen Zeichnung nach Thode (S. 117) vielleicht auf eine Zeichnung von -H. Pleydenwurff zurückgeht. Andreas Kunhofer, der »Endres Kunhoffer« -Dürers in seinen venezianischen Briefen, wird in denselben, verschiedene -Male genannt. So schreibt Dürer unter dem 28. Februar 1506 an Wilibald -Pirkheimer (Lange-Fuhse S. 24, 19): »Lieber Herr, Euch läßt Endres -Kunhoffer sein Dienst sagen. Er wird Euch itzt bei dem nächsten Boten -schreiben«. Dasselbe schreibt er unter dem 8. März 1506 (Lange-Fuhse 26, -25). Er erwähnt da einen Brief Kunhofers an Pirkheimer, der letztern -bitten will, »ihn gegen die Herren (d. h. den Rath) verantworten, so er -nit zu Badow (Padua) wil beleiben. Er spricht, es sei der Lehr halben -ganz nix für ihn.« Am 25. April meldet er dem Freunde, daß »Kunhofer -todtlich krank ist« (Lange-Fuhse 30, 32). Die Hauptstelle aber enthält -das Postscriptum des Briefes vom 18. August 1506 (Lange-Fuhse 33, 10 -ff.) die hier folgt: »Item Endres ist hie, läßt Euch sein willig Dienst -sagen, ist noch nit am schtärksten, hat Mangel an Geld. Warn sein lange -Krankheit und Verschuld hat ihms alls gfressen. Ich hab ihm selbs acht -Dukaten geliehen. Aber saget Niemands davon, daß es ihm nit fürkomm. Er -mecht sunst gedenken, ich thäts aus Mistreu: Ihr sollt auch wissen, daß -er sich also eins ehrberen weisen Wesens hält, daß ihm Jdermann wol -will.« - -[Fußnote 320: Roth. Verzeichniß aller Genannten d. größeren Raths. 1802. -S. 32. Dipt. Laurent. in der Beschrbg. der Lorenzer Kirche S. 35 f. -Waldau, Nürnberger Zion S. 21 f. Siebenkees Mat. Bd. II. 661. Literar. -Blätter II. 304. Lochner, Die Personennamen in Albrecht Dürers Briefen -aus Venedig. S. 37. Die im Nürnberger Stadtarchiv aufbewahrten Libri -litterarum bringen ebenfalls verschiedene Male den Namen, so einen -Cunhofer 1492, so einen Fritz Künhofer von Unterrüsselbach in den Jahren -1492 und 1493.] - -Ob Andreas Kunhofer thatsächlich auf dem Rosenkranzbilde mit abgebildet -ist, wie Neuwirth in seiner Studie angibt, kann nicht entschieden -werden. Aber soviel geht aus den Briefen und aus den Distichen des -Labyrinthflugblattes hervor, daß Kunhofer kein Handwerker war, wie -Thausing (L 377.) annahm, sondern offenbar ein junger Gelehrter und -wahrscheinlich ein Jurist war, der aus dem Nürnberger Humanistenkreise -stammte und seine Studien in Padua fortsetzte, offenbar allerdings nicht -zu seiner Zufriedenheit. Seine wahrscheinliche Verwandtschaft mit dem -gelehrten obenerwähnten Konrad Kunhofer ließe ebenfalls eher auf einen -Akademiker als einen Handwerker schließen. - -Über Sebastianus Calcidius war nichts, über Konrad Hainfogel nichts -bestimmtes zu eruiren. Daß Hainfogel Nürnberger war, geht aus der -Apostrophe des Johannes Stabius hervor. Außerdem treffen wir den Namen -verschiedene Male in den Geschichtsbüchern der Stadt, den libri -litterarum, welche das städtische Archiv aufbewahrt. So verkauft der -Priester Konrad Haynfogel, der also offenbar mit dem unsrigen identisch -ist, im Jahre 1492 aus einer am Markte liegenden Behausung 2 fl. -Eigenzins (L 8. 22b). Derselbe verkauft 1493 eine Badestube am weißen -Thurm mit Nebenhaus an Gerhaus Fuchs (L 9. 241b); diese Badestube hatte -er in demselben Jahre dem Erhart Wagner abgekauft (L 9. 172). Wir können -also annehmen, daß dieser offenbar begüterte Priester Hainfogel, ebenso -wie Kunhofer, dem Nürnberger Humanistenkreise angehört hat, der in den -letzten Jahren des 15. Jahrhunderts blühte und die glänzendsten Namen zu -den seinen zählen durfte, so einen Conrad Celtes und einen Johannes -Stabius[321], der als Mitglied der von Celtes begründeten Sodalitas -Renana und Danubiana sicher öfters zu Nürnberg war. Einen direkten -Beweis dafür enthält ja auch sein Brief an Hainfogel. Seit dem Jahre -1498 höchstwahrscheinlich lehrte er in dem nicht zu entfernten -Ingolstadt, das er im Jahre 1503 mit dem Lehrstuhl an der Wiener -Hochschule vertauschte. Später als kaiserlicher Historiographus schrieb -er ja den lateinischen Text zur »Ehrenpforte« des Kaiser Maximilian und -im Jahre 1515 gab er, wieder im Verein mit Albrecht Dürer, eine -Weltkarte heraus. Seine Beziehungen zu Nürnberg, sowohl die -litterarischen, als die künstlerischen, haben lange bestanden und waren -immer rege geblieben, denn sowohl der Druck als die Illustrationen des -in die Jahre 1500-1502 fallenden Labyrinthflugblattes sind Nürnberger -Ursprungs, wie die folgende Untersuchung erweisen wird. - -Eine kurze Entwicklungsgeschichte der Ikonographie der -Labyrinthdarstellungen aus der Antike durch das Mittelalter bis zur -Neuzeit wird sich in Artikel II anschließen. Sie soll einen Überblick -geben über die verschiedenen Deutungen und Darstellungen und wird eine -Lücke ausfüllen, da sie in dieser Fassung bisher fehlte. - -[Fußnote 321: Vgl. Krones in der Allgemeinen Deutschen Biographie XXXV -S. 337, wie weitere Literatur, ferner Prantl, Geschichte der -Ludwig-Maximiliansuniversität in Ingolstadt, Landshut etc. I. S. 137; -vgl. auch II. 486 Nr. 16.] - -_Nürnberg._ - - Dr. _Edmund Braun._ - - - - - Notiz über Dürer aus den Nürnberger Ratsprotokollen. - - -Für Dürers Verhältnis zu dem Rate seiner Vaterstadt ist ein Ratsverlaß -aus dem letzten Lebensjahre des Meisters recht bezeichnend, der hier, -ohne der Waschzettellitteratur der Goetheforschung oder Allers' Bismarck -im Schlafrock und ähnlichen Unternehmungen, deren Ziel es ist, uns die -großen, siegenden Geister unserer Nation »menschlich näher zu bringen«, -irgendwie Konkurrenz machen zu wollen, wiedergegeben sei: - -[Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] _Tercia 18. Junj 1527:_ - -Albrecht Durern sagen man sey Ime mit guetem willen geneigt, aber seyns -heymlichen gemachs halb konn man es nit anders gegen Ime halten dann -andern. - -Aber so pald er die straff entricht sol man Ime dj widergeben. - -_Nürnberg._ - - Burgermeister Junior - _Th. H._ - - - - - Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums. - - - II. - -Im ersten Artikel habe ich bereits beiläufig die in Weimar befindliche -Plakette eines Meisters erwähnt, der seine Vorbilder bei Jost Amman -sucht, die Selbständigkeit der Composition aber sich zu wahren bestrebt -ist. Das germanische Museum besitzt 7 Plaketten dieses Meisters, den ich -den »Meister der Jagdscenen« nennen möchte, da der weitaus größte Teil -seiner Darstellungen eben Jagdscenen sind und es mir nicht gelungen ist, -irgend einen Anhalt für die Person des Künstlers zu gewinnen. Nur so -viel kann man wohl vermuten, daß er Nürnberger war. Sein Stil ist ganz -flötnerisch, jedoch bereits ausgestattet mit den Übertreibungen, die wir -bei H. G. kennen gelernt haben, dessen Zeitgenosse er (eine Plakette -trägt die Jahreszahl 1580) war. Indessen ist weder seine technische -Fertigkeit, noch seine künstlerische Bedeutung mit der des H. G. zu -vergleichen. Er ist in jeder Beziehung abhängiger und unbeholfener. -Seine Hintergründe ähneln denen des H. G., das Wasser stellt er dar -durch zarte, ziselierte Wellenlinien, der Boden ist in maßvoller Weise -mit Gräsern bedeckt. Auch er hat eine Vorliebe für Weiden mit -herabhängendem Laubwerke, die in gleicher Weise, wie bei Flötner und H. -G. behandelt sind; seine übrigen Bäume aber, besonders diejenigen, die -weiter im Vordergrunde stehen, zeigen eine so eigenartige Technik, daß -sie allein schon auf den ersten Blick unsern Meister verraten. Das -Laubwerk wird dargestellt durch einzelne wagerechte, parallel laufende -Schuppenreihen, die dem Baume ein mosaikartiges Aussehen verleihen. -Diese Schuppenreihen werden zu einzelnen Gruppen vereinigt, die, meist -durch kurze Zweige mit einander verbunden, den Baum in verschiedene -Etagen einteilen. Künstlerisch betrachtet macht natürlich eine in der -Weise zusammengestellte Baumkrone einen höchst primitiven, -handwerksmäßigen Eindruck. -- Die Personen tragen meist das Kostüm der -zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die schlanken, hohen, bisweilen -etwas steifen Gestalten gleichen denen des Jost Amman. - -Von den 6 Jagdscenen gehören je drei zu einer Gruppe. Die Plaketten der -ersten verjüngen sich nach unten und sind mit einer kartuschenartig -verzierten Umrahmung versehen. Beide haben offenbar als Vorlagen zur -Verzierung von kleinen truhenartigen Kästchen gedient. - - _Jagdscenen._ I. _Gruppe_. Br. 0,094-0,089 m., H. 0,057 m. - Bleigüsse. - - 1) Hasenjagd. K. P. 901. Katal. 537. - - Links eine von rückwärts gesehene Frau, nach rechts reitend. Vor - ihr steht ein Jäger, der einen erlegten Hasen an den Hinterläufen - emporhält. Zu seinen Füßen; ein Hund. Rechts ein Jäger, der in - der Linken Barett und Speer hält. Tracht der zweiten Hälfte des - 16. Jahrhunderts. Oben in der Mitte der Umrahmung Engelskopf. - - Dieselbe Plakette in Bronze: Collektion Spitzer Bd. IV, S. 151, - Nr. 93. Die Verjüngung ist nicht erwähnt, geringe Größenabweichungen - sind auf das Beschneiden der Bleiplakette zurückzuführen. (Ich - will an dieser Stelle bemerken, daß ich bei den Messungen den - überstehenden unornamentierten Rand der Plakette nicht mitmesse. - Bei jedem einzelnen Nachguß ergeben sich ganz naturgemäß schon - durch das Bestreichen der nassen Form kleine Abweichungen). Bleiguß - in Kassel. - - 2) Hirschjagd. K. P. 1913. Katal. 538. Tafel II. - - Ein Hirsch, eine Hindin und ein Hase eilen von links her gegen - ein in Schlangenlinien die Mitte der Plakette durchziehendes - Fangnetz, das im Vordergrunde von einem Baume begrenzt wird. - Rechts zwei Jäger, deren einer auf einem Baumstumpf sitzt und in - der Rechten einen Jagdspeer hält. Neben ihm sitzt ein Hund. Oben - in der Mitte der Umrahmung gekrönter bärtiger Kopf. Bleiguß in - Kassel. - - 3) Jagd. K. P. 471. Katal. 540. - - Ein Reiter, der in der vorgestreckten Rechten eine Pistole hält, - galoppiert nach rechts, von zwei Hunden begleitet. Weiter im - Hintergrunde eilt ein Jäger mit Horn und Speer, ebenfalls in - Begleitung von zwei Hunden, nach rechts. Oben in der Mitte der - Umrahmung Frauenkopf. - - II. _Gruppe_. Br. 0,09 m. H. 0,043 m. Bleigüsse. - - 1) Kyparissus. K. P. 898. Katal. 534. - - Kyparissus erlegt durch einen Pfeilschuß den am Boden liegenden, - mit einem Perlenhalsband geschmückten Hirsch, in dessen Geweih - ein Tuch geknüpft ist (Ovid, Metam. 10, 111 ff.). Im Hintergrunde - links eine von der Hüfte abwärts bekleidete Gestalt mit - emporgehobenem rechtem Arm (Apoll?) und ein nach rechts - galoppierender Jäger mit geschwungenem Jagdspeer, von zwei Hunden - begleitet. Rechts ein Mann, der pflügt, und einer, der säet. - - 2) Bärenjagd. K. P. 899. Katal. 535. - - Von links galoppiert in Begleitung eines Hundes ein Reiter heran - mit dem Schwert in der Rechten. Dem Hintergrunde zu ein Jäger mit - Netz über der Schulter. Rechts greifen drei Jäger mit Speer, - Säbel und Bogen einen Bären an, der bereits gegen vier Hunde, - deren einer überwunden am Boden liegt, kämpft. Im Hintergrunde - rechts sucht ein junger Bär (?) einen Baum zu erklimmen. - - 3) Falkenbeize. K. P. 900. Katal. 536. - - Links im Vordergrunde steht ein von rückwärts gesehener Jäger, - der auf seiner linken Hand einen Falken trägt: neben ihm zwei Hunde. - Rechts ein Reiter, der einen Falken steigen läßt, außerdem zwei - Jäger, deren einer einen Hasen in der Linken trägt. In der Mitte - ein Falke, der einen Hasen ergriffen hat. Dahinter ein nach rechts - galoppierender Reiter mit Schwert in der Rechten. Drei fliegende - Falken. Kornfeld. - - III. Susanna. K. P. 462. Katal. 611. Oval, H. 0,045 m., Br. 0,039 m. - Bleiguß. Tafel II. - - Die nackte Susanna sitzt unter einem Baume in einem Bassin, die - Füße im Wasser. Sie hat den Kopf nach rechts gewandt, den gekrümmten - linken Arm zur Abwehr erhoben. Von rechts und links wird sie von - den beiden Alten angegriffen. Links im Vordergrunde ein kleiner - Hund. An dem Bassinsteine rechts die Jahreszahl 1580. Gezahnter - Rand. - -Während der Meister der Jagdscenen wenigstens in Bezug auf Komposition -Selbständigkeit sich wahrt, begibt sich der Monogrammist L+D in -sklavische Abhängigkeit von seinem Vorbilde. Auch er gehört der jüngeren -Nürnberger Richtung an. Nagler (Monogr. Bd. IV, S. 332, Nr. 1015) deutet -das Monogramm auf Leonhard Danner, einen Nürnberger Mechaniker, der von -1497-1585 lebte, und die Art der bei den Plaketten von L+D angewandten -Technik scheint diese Deutung zu unterstützen. Das übertrieben hohe -Relief, die kräftige harte, aber außerordentlich sichere Formengebung -weist entschieden auf eine schwere Hand, die in sprödem Material zu -arbeiten gewohnt ist. Zur Sicherheit würde diese Vermutung, wenn es sich -bestätigt hätte, daß eine im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche Uhr -(cf. R. Fischer, historisch-kritische Beschreibung der Kunstkammer in -dem Neuen Museum zu Berlin. 1859. S. 15, Nr. 1440), die mit Plaketten -von L+D geziert ist, auch wirklich von L. D. angefertigt wäre. Das -scheint indessen nicht der Fall zu sein, denn nach brieflicher -Mitteilung des Herrn Geheimrat Lessing sind die Plaketten auf der -Tafeluhr nicht völlig identisch mit den Bleigüssen. »Sie sind sehr -energisch ziseliert und hierbei können die an sich kleinen Abweichungen -entstanden sein. Sie sind viel gröber als die Bleigüsse und haben keine -Marke.« - -Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein, der große -technische Probleme in seinem Hirne wälzte, ohne es zu verstehen, seine -Fähigkeiten zur Verbesserung seiner äußeren Lage zu verwenden. Erst im -letzten Drittel seines Lebens wurde er bekannt und berühmt durch seine -Maschinen. So wenigstens ist wohl der Vers, der auf seinem Grabe sich -fand, zu verstehen (s. Neudörffer, ed. Lochner S. 54): - - »Seht an die einfältig Gestalt, - Doch sinnreichs Verstand und ward alt - Acht und achtzig Jahr hatt sein Alter, - Seine Bekannten hießen ihn Bettler, - War allzeit dienstwillig Jedermann - Durch sein Werk ward bekannt der Mann, - Darnach verlangt ihn zu sterben, - In Hoffnung das ewig Leben zu erben.« - -Gulden, Neudörffers Fortsetzer (s. Ausg. Lochner S. 213, Nr. 14) -berichtet über ihn: »Hat das Schraubwerk, wie auch den Druckzeug in -Holz, allerlei Figuren künstlich zu drucken, erfunden,« Doppelmayr S. -294: »Ein Mechanicus, war ebener massen, wie sein Bruder Hanns Danner, -wegen geschickter Zubereitung groser Hebzeuge und starcker -Schrauben-Wercke, wozu ihme seine ordentliche Profession des -Schrauben-machens Anlaß gabe, wohl bekandt und berühmt. Er erfande um A. -1550 eine Maschine, die er die Brech-Schraube (davon die 4. und 5. Figur -in der XIII. Kupffer-Tabellen zweyerley Gattungen, und zwar die letzte -eine geringere, zeiget) benennte, und zur Ausübung übermässigen Forcen -brauchte, da er mit Beyhülffe derselben die dicksten Mauren von Thürnen -und andern Gebäuen zu brechen und über einen Hauffen zu werffen vermögt, -gleichwie er so wohl in Nürnberg A. 1558 an einer starcken Thurn-Mauren, -als ausserwärts an denen dicksten Mauren alter Gebäue, seine Proben -rühmlichst erwiesen. Erst bemeldte Invention gabe ihm auch Anlaß, daß er -die messinge Spindeln zu mehrerer Beförderung der Buchdruckerey, dabey -ein Drucker alsdann nur seine halbe Stärke anzuwenden hatte, am ersten -bey dergleichen Pressen gantz glücklich angebracht. Starb A. 1585 in dem -88. Jahr seines Alters.« - -Eine auf ihn geprägte Medaille ist bei Doppelmayr Taf. XIV abgebildet. -Sie zeigt ein kurzes breites Gesicht mit starker Nase, in dem nur die -großen Augen den sinnenden Geist verraten. Die Umschrift: »Leonhart -Danner. Æ. S. 54. A. 1561« enthält einen Irrtum, der wahrscheinlich auf -den Stecher zurückzuführen ist. Statt 54 muß es heißen 64, wie auch in -der darunter befindlichen Abbildung der Jamnitzer-Medaille aus 1563 1503 -gemacht wurde. Daß der Mechaniker und Maschinenbauer auch Plaketten -gearbeitet habe, kann bei der außerordentlichen Vielseitigkeit, durch -die die meisten Nürnberger Künstler sich auszeichnen, nicht auffallen. -Vielleicht gehört diese Art der Thätigkeit vor die Zeit, die ihn mit -großen Maschinenplänen beschäftigte. Ob unser L. D. identisch ist mit -dem Künstler, dessen Monogramm auf dem Holzmodell zu der Medaille eines -Anthonius Sanftl vom Jahre 1545 (s. Erman, Deutsche Medaill. S. 48) in -der k. Sammlung zu Berlin sich befindet, muß ich dahingestellt sein -lassen, da ich das Stück nicht gesehen habe. - - [Illustration] - -Das germanische Museum besitzt von L+D 4 Plaketten, die nach -Kupferstichen H. S. Behams, und 3, die nach Stichen Aldegrevers -gearbeitet sind. Charakteristisch sind die kräftig hervortretenden, -stark verästeten Bäume deren Stämme meist eine wagerechte Riefelung -zeigen. Die Arbeiten nach Beham weichen nur in geringen Kleinigkeiten -von dem Stiche ab, die nach Aldegrever sind stark verkleinert und rund; -der Hintergrund ist bei den letzteren selbständig behandelt: er ist mit -der bekannten Phantasielandschaft ausgestattet. Das Monogramm des -Stechers fehlt auf den Plaketten stets. Da die Stiche sämtlich dem Jahre -1540 angehören, so haben wir in diesem Jahre den terminus a quo für die -Entstehungszeit der Plaketten. - -[Illustration: Taf. III. - -Aus der Plakettensammlung (II).] - -I. Der verlorene Sohn. K. P. 452. 225-227. Katal. 443-446. H. -0,051-0,054 m. Br. 0,087-0,09 m. Bleigüsse. Nach den Stichen H. S. -Behams. B. 31-34. - - 1) Abschied. Aufschrift in erhabenen großen lateinischen Lettern: - Pater da mihi porcionem substancia quæ ad me redit. - - 2) Das Gastmahl. Bezeichnet: L+D. Aufschrift: Dissipavit substanciam - suam vivendo luxuriose. Luce. XV. - - 3) Der Sauhirt. Aufschrift: Cupiebat implere ventrem suum de - siliquis. Luce. XV. (Tafel II). - - 4) Rückkehr. Aufschrift: Filius meus mortuus erat, et revixit, - perierat, et inventus est. Luce. XV. - -Abschied (1) und Rückkehr (4) Collektion Spitzer Bd. IV, S. 149 Nr. 34 -und 83, Bronze, mit Rand, ohne Aufschriften. -- Gastmahl (2) und -Rückkehr (4) Kunstgewerbemuseum in Berlin, Bleigüsse. Nagler, Monogr. -IV, S. 332 Nr. 1015 ist (nach Mitteilung des Herrn Geheimrats Lessing) -dahin zu berichtigen, daß »Die Rückkehr« das Monogramm L+D nicht hat. -- -Ein Gipsabguß der »Rückkehr«, der auf keine der genannten Plaketten -zurückgeht, befindet sich im germanischen Museum, es läßt sich aber -leider nicht feststellen, von welchem Original er genommen ist. Es -scheint ein Buchsrelief zu sein. - - [Illustration] - -II. Evas Schöpfung. K. P. 447. Katal. 451. Durchm. 0,043 m. Bleiguß. -Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 1. - -III. Sündenfall. K. P. 854. Katal. 452. Durchm. 0,043 m. Bleiguß. -Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 2. - -IV. Adam und Eva. K. P. 448. Katalog 453. Durchm. 0,043 m. Bleiguß. -Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 6. (Tafel II.) - -Die Darstellungen II-IV sind wahrscheinlich auf Brettsteine -zurückzuführen. Während der Korrektur des vorliegenden Aufsatzes hatte -Herr Direktor Bösch die Güte, mich auf einen, soeben von ihm für das -Museum angekauften Brettstein von Leonhard Danner aufmerksam zu machen. -Der Stein (Durchm. O,045 m.) bietet sich dar als »Empfehlungskarte« in -modernstem Sinne. Die Vorderseite zeigt in der Mitte eine Tanne -(Anspielung auf den Namen Danner), umrahmt von einem Blätterkranze. Die -Umschrift (in großen, erhabenen lateinischen Buchstaben) lautet: -»Leinhart Daner zv Nvrenberg.« Auf der Rückseite befindet sich, -ebenfalls von einem Blätterkranze eingefaßt, ein Hobel und unter ihm -zwei kreuzweis übereinander liegende Schrauben. Umschrift: »Schreiner -vnd Schravfenmacher.« Der Brettstein ist gepreßt, wir haben es also mit -einem fabrikmäßig hergestellten Gegenstande zu thun, der wahrscheinlich -dutzendweise gefertigt und auf den Markt gebracht wurde, so daß er für -das künstlerische Können Danners keinen Beweis liefern, die Hypothese -also, daß das Monogramm L. D. auf der Plakette mit »Leonhard Danner« -aufzulösen sei, nicht unterstützen kann. - -Zeigten die Werke der Meister, die wir bisher betrachtet haben, eine -bestimmte technische und stilistische Verwandtschaft, die man als Schule -Flötners bezeichnen könnte, so mögen jetzt zwei Plakettenserien folgern, -deren Schöpfer eine selbständigere, originellere Stellung einnehmen. - -Die Plaketten des einen Meisters, der den besten deutschen aus der -zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die Seite gestellt werden muß, -sind mit Ausnahme einiger Körperteile der Hauptfiguren in ziemlich -flachem Relief gehalten, sodaß schon aus diesem Grunde der Hintergrund -weniger energisch hervortritt und das Augenmerk ungeteilt an die im -Vordergrunde zur Darstellung gebrachte Scene gefesselt bleibt. Die Bäume -zeigen eine völlig andere Technik, als die Flötnerschen. Sie sind -weniger plastisch, sondern breit, malerisch behandelt. Die Wolken werden -nur schwach, oft durch Spiralen, angedeutet. Vorzüglich aber ist die -Darstellung der schlanken, eleganten Personen mit ihren lebhaften und -graziösen Bewegungen. Die nackten Körper sind ausgezeichnet modelliert, -bei den bekleideten liegt die antike Tracht so eng an, daß man ebenfalls -jede Muskel und jede Linie des Fleisches erkennen kann. Die Arbeiten -erinnern an die besseren Schnitte Virgil Solis. Diesem Meister weise ich -folgende Plaketten unserer Sammlung zu: - - 1) Hirschjagd. K. P. 897. Katal. 532. Br. 0,113 m., H. 0,05 m. - Bleiguß. Tafel II. - - Links Hirsch von drei Hunden angefallen, deren einen er aufspießt. - Von rechts reitet ein Jäger an in antikem Kostüme, in der Linken - den Jagdspeer schwingend. Rechts im Hintergrunde enteilt nach - rechts eine Hindin, in der Mitte ein Jäger mit Horn und Lanze, - nach links laufend. Der Schwanz des einen Hundes links ragt über - den Rand hinaus. - - 2) Löwenjagd. K. P. 896. Katal. 533. Br. 0,118 m., H. 0,051 m. - Bleiguß. - - Rechts wird ein Löwe von vier Hunden angegriffen. Einer liegt - bereits überwunden unter ihm. In seinem Genick sitzt ein Pfeil. - Von links kommt ein mit antikem Helm bedeckter, sonst nackter - Reiter angesprengt, von einem Tuche umwallt, in der Rechten einen - Säbel haltend. Neben dem Gaul läuft ein Hund. Mitten im Hintergrunde - nach rechts eilend ein Jäger mit gespanntem Bogen. - - 3) Vulkan, Amor Pfeile schmiedend. K. P. 864. Katal. 592. Oval. - Br. 0,085 m., H. 0,107 m. Bleiguß. - - Links, vor der Esse, sitzt Vulkan, hält in der Rechten in Lendenhöhe - den Hammer, in der Linken einen Pfeil, der auf dem Ambos - aufliegt. Rechts Venus, stehend, nackt, mit der Linken ein Tuch - auf der Brust haltend, die Rechte gegen Vulkan vorgestreckt. An - ihr rechtes Bein lehnt sich der nackte Amor, der in der Rechten - den Bogen trägt. Links im Vordergrunde am Boden ein Helm, rechts - am Ambos ein Hammer. Hintergrund: Flußlandschaft, Brücke, Berge, - Bäume, antike und ruinenhafte Architektur. - - Die Plakette ist beschnitten. Das Original, Bronze, ist viereckig. - S. »Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche.« Berlin - 1888. (Königl. Museen zu Berlin) S. 238, Nr. 1071. Abb. Taf. - XLVIII. Molinier, Les Plaqu. No. 599. - - 4) Aktäon. K. P. 869. Katal. 578. Oval. Br. 0,107 m., H. 0,077 m. - Bleiguß. Tafel II. - - Diana, die sich mit drei Nymphen links im grottenartigen Bade - befindet, besprengt mit ihrer Rechten, während die Linke ein Laken - vor die Scham hält, Aktäon mit Wasser. Sein Haupt ist bereits in - einen Hirschkopf verwandelt. Er sucht nach rechts zu enteilen. In - der Linken trägt er einen Jagdspeer, rechts und links von ihm je - ein Jagdhund. Den linken führt er an der Leine. - - 5) Umarmung. K. P. 865. Katal. 591. Oval. Br. 0,09 m., H. 0,12 m - Bleiguß. - - Auf den Knieen eines nackten, nach rechts gewandten, sitzenden, - vollbärtigen Mannes sitzt ein ebenfalls nacktes Weib mit - emporgezogenem rechtem Knie, das er küßt und umarmt. Sie stützt - ihre Linke auf sein linkes Knie. Über beiden schwebt der - Liebesgott, der sie mit Blumen bestreut. Links im Vordergrunde - zwei Gefäße. - -Ich habe bereits auf den erhöhten Einfluß der Litteratur auf die -bildende Kunst im 16. Jahrhundert hingewiesen. Waren es im Mittelalter -vornehmlich biblische Geschichten und Heiligenlegenden, welche die -Phantasie des Künstlers beschäftigten, so wagen sich seit dem Ende des -15. Jahrhunderts auch die weltlichen Darstellungen immer dreister -hervor, bis sie innerhalb weniger Jahrzehnte die ersteren an Zahl weit -überflügeln. Andererseits werden auch viele der biblischen Stoffe in -einer Weise profaniert, daß man sie von den weltlichen Dingen nicht mehr -scheiden darf. Es ist unnötig, auf die allgemein bekannten Gründe dieser -Erscheinung nochmals hinzuweisen. Die Emblemata, die ovidischen und -livischen Figuren etc., die bewußt für den Künstler und besonders den -Kunsthandwerker geschaffen waren, hatte ich angeführt. Daneben aber -existiert noch eine außerordentlich reichhaltige Anekdoten- und -Schwanklitteratur, die sich der weitesten Verbreitung erfreute und -häufig dem Künstler als Born diente, aus dem er schöpfte. Dazu gehören -beispielsweise die Erzählungen, die, bereits im Mittelalter -handschriftlich in den sogenannten »Gesta Romanorum« niedergelegt, im -15. Jahrhundert in lateinischer und deutscher Ausgabe erschienen, dann -»Buch der Beispiele der alten Weisen«, Boccaccios Decamerone, Pauli, -Schimpf und Ernst, Kirchhoff, Wendunmuth etc. etc. bis auf Samuel -Meiger, der in seinem »Nucleus Historiarum« 1598 eine systematisch -geordnete Zusammenstellung dieser »Geschichten« anstrebte. Manche dieser -Anekdoten, die früher sicherlich zum größten Teil ganz allgemein bekannt -waren, die also jeder Künstler auch, ohne befürchten zu müssen, daß er -nicht verstanden werde, benutzen konnte, haben sich bis heute im -Bewußtsein des Volkes erhalten, die große Mehrzahl aber ist ihm im Laufe -der Zeit entschwunden. Daß man auch in Gelehrtenkreisen nicht immer -diesem Anekdotenschatze die nötige Aufmerksamkeit schenkt, davon legen -die oft sehr wunderlichen Erklärungen von Bildwerken der Renaissance -Zeugnis ab. Als typisches Beispiel in dieser Beziehung kann die -Collektion Spitzer gelten. Es ist ja allerdings nicht immer leicht, -selbst wenn man die Geschichten kennt, die richtige Deutung zu finden, -da der Stoff ein sehr umfangreicher ist, die Überlieferungen oft von -einander abweichen und der Künstler bisweilen sich nicht streng an die -schriftliche Überlieferung hält. Umsomehr wäre es eine verdienstliche -Arbeit, das ganze Material einmal zu ordnen, eine Art Realencyklopädie -auf diesem Gebiete anzulegen, zumal dieselbe auch einen wesentlichen -Beitrag zur Erkenntnis der geistigen Interessen jener Zeit liefern -würde. Ich berühre hier diesen Gegenstand, weil eine Anzahl von -Plaketten eines Meisters mir vorliegen, deren einzelne völlig falsche -Erklärung gefunden haben. - - 1) Der ungerechte Richter. K. P. 250. Katal. 574. Br. 0,065 m., H. - 0,024 m. Bleiguß. - - Links über einem Stuhle, hinter dem ein nackter Krieger mit Helm - und Lanze steht, liegt die Haut des ungerechten Richters. Rechts - davon der König in antiker Tracht, auf die Haut deutend. Neben - ihm der Sohn des Geschundenen. Des weiteren vier Personen, von - denen drei bewaffnet sind. Rechts ein rundbogiger Eingang. - - Die Darstellung ist im Katalog der Originalskulpturen irrtümlich - erklärt als: »der des Kopfes beraubte Sohn vor dem Schatzhause.« - In »Collektion Spitzer« Bd. III, S. 15, Nr. 29 aber findet sich - folgende treffliche Deutung: »Plusieurs personnages vêtus à - l'antique regardant une sorte d'armure complète, composée d'une - peau de lion posée sur un trône.« In Wirklichkeit haben wir es - mit einer Erzählung zu thun, die sich in »Gesta Romanorum« ed. - Österley S. 324, cap. 29, findet: »Erat quidam imperator, qui - statuit pro lege, quod sub pena gravi quilibet judex recte - judicaret, et si contrarium faceret nullo modo misericordiam - inveniret. Accidit casus, quod quidam judex muneribus corruptus - falsum judicium dedit. Imperator cum hoc andisset, servis suis - precepit, ut eum excoriarent. Et sic factum est. Pellem ejus in - loco, ubi judex sedere deberet, posuit ad significandum, quod - ille judex cogitaret, quod amplius falsum judicium non daret. Rex - vero filium judicis defuncti judicem constituit dicens ei: - Sedebris super pellem patris tui, ut judices populum meum. Si - vero aliquis affert tibi donum ut declines a via recta, ad pellem - patris tui respicias, ne tibi hoc idem contingat«. - - 2) Blendung (Zaleucus). K. P. 252. Katal. 576. Br. 0,065 m., H. - 0,024 m. Bleiguß. - - [Illustration] - - Links sitzt ein bärtiger Mann, rechts ein bartloser, beide - nackt. Jedem wird von einem nackten Schergen ein Auge - ausgestochen. In der Mitte vier Personen in antikem - Kostüme. - - Der Darstellung liegt folgende Erzählung (Gesta Roman., ed. - Österley, S. 347, Cap. 50) zu Grunde: »Refert Valerius, quod - Zelongus consul edidit pro lege, quod, si quis virginem - defloraret, utrumque oculum amitteret. Accidit, quod filius ejus - filiam unicam cujusdam vidue defloravit. Mater hec audiens - imperatori occurrens ait: O domine, legem quam fecisti, impleri - faciatis. Ecce unicus filius vester unicam filiam meam rapuit et - vi oppressit. Rex hoc audiens commota sunt omnia viscera ejus et - precepit, ut duo oculi filii sui eruerentur. Dixerunt Satrape - domino: Tantum unicum filium habes, qui est heres tuus. Toto - imperio esset dampnum, si filius tuus oculos amittat. At ille: - Nonne vobis constat, quod ego legem edidi? Obprobrium esset michi - frangere, quod semel firmiter statui. Sed quia filius meus est - primus, qui contra legem fecit, primus erit, qui penitencie - subjacebit. Sapientes dixerunt: Domine, propter deum rogamus vos, - ut filio vestro parcatis. Ille vero precibus devictus ait: - Carissimi, ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii - mei et e converso. Dextrum oculum meum eruatis et sinistrum - oculum fillii mei! Tunc lex est impleta. Et sic factum est, unde - omnes prudenciam regis et justiciam laudabunt«. - - 3) Der Richter tödtet seinen Neffen. (Graf Archambeau). K. P. 251. - Katal. 575. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleiguß. - - [Illustration] - - Links auf einem Bette sitzt ein nackten bärtiger Mann, der in - der emporgehobenen Rechten den gezückten Dolch hält. Mit - der Linken zieht er eine nackte, von rückwärts gesehene - Gestalt über sein Lager. Rechts vier Männer. - - Derselbe Gegenstand in andrer Behandlung bei Aldegrever, B. 73. - - Pauli, Schimpf und Ernst, ed. Österley, S. 93 (CXXIX): »Man liszt - von einem Edelman, der was ein amptman ein richter in einer stat, - der niemans vbersah, vnd was nach gottes gerechtikeit hiesch, dem - gieng er nach. Vnd vff ein zeit ward er kranck, da er also an dem - bet lag, da hert er ein dochter ein junckfraw schreien. Er fragt - seinen diener einen, der da für gieng warumb die dochter also - geschruwen hat, er wolt es wissen. Der knecht sprach, euwer - veder, euwers bruders sun hat mit ir geschimpfft. Tc. Der edelman - verstunt es wol, vnd nam ein brotmesser, vnd legt es vnter das - Küssen, vf ein mal erblickt er in, da er für die kamer anhin - gieng, er rufft im vnd hiesz in zu im kumen, vnd er kam zu im, - vnd er truckt in an sein brust vnd stach im das messer zu dem - rucken hinyn in das herz, vnd stach in zudot, vnd stiesz in von - im, vnd hiesz in vergraben«. - - 4) Söhne, die auf die Leiche des Vaters schießen. K. P. 248. Katal. - 572. Br. 0,065 m., II. 0,024 m. Bleiguß. - - Links an einen Baum gebunden die von einem Laken verhüllte Leiche - eines bärtigen Mannes. Ein Pfeil steckt in der Gegend des - Herzens. Neben ihm, dem Hintergrunde zu, eine Tragbahre. In der - Mitte die drei Söhne. Zwei, bärtig, stehen, mit Bögen bewehrt. Der - dritte, bartlos, kniet vor dem rechts sitzenden Richter, der in der - Rechten ein Scepter trägt. Im Hintergrunde die Ruinen einer Burg. - - Die Darstellung ist so bekannt und künstlerisch so oft verwertet - (cf. z. B. Weltmann, Holbein S. 140, Mummenhoff, Das Rathaus in - Nürnberg S. 336, v. Térey, die Handzeichnungen des Hans Baldung - I, 45), daß der Hinweis auf die Gesta Romanorum in der - angeführten Ausgabe S. 342 f. und S. 719, 45 genügen mag. In - Collect. Spitzer, Bd. III, S. 15, Nr. 29 ist allerdings die Deutung - trotzdem falsch. - - 5) Ein Vater verurteilt seine Tochter. (S. Barbara?) K. P. 249. - Katal. 573. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleiguß. - - Links sitzt ein nackter bärtiger Mann mit abgewandtem Haupte, in - der vorgestreckten Linken das Scepter haltend. Rechts von ihm - eine bekleidete Frau und ein bärtiger Mann in antikem Kostüm, der - mit der Rechten auf den Richter zeigt. Ein anderer Mann in antiker - Kleidung hat seine Linke auf die Schulter der Frau gelegt und hält - in der emporgehobenen Rechten das gezückte Schwert. Weiter rechts - drei Krieger, die aus einem Thore kommen. - - Ob wir es wirklich mit der Geschichte der h. Barbara (vergl. den - Holzschnitt von Aldegrever, Nagler, Monogr. I, S. 293, Nr. 32) zu - thun haben, mag dahin gestellt bleiben. Die Auswahl ist in diesem - Falle eine zu große, um eine sichere Entscheidung zu erlauben. - - 6) Mucius Scävola. K. P. 247. Katal. 571. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. - Bleiguß. - - Links auf dem Throne sitzt Porsenna, in der Rechten das Scepter - haltend. Vor ihm auf rundem Postament das Kohlenbecken, aus dem - die Flamme schlägt, und in das Scävola seine rechte Hand hält. - Hinter ihm ein, rechts von ihm drei bewaffnete Krieger. Alle - Personen in antiker Tracht. - - Bleiguß in Kassel. - -Drei der zuletzt beschriebenen Plaketten (1, 2 u. 4) befinden sich auf -einem Pokale, der im Besitze Spitzers war und »Collektion Spitzer« Bd. -III, S. 15, Nr. 29, folgendermaßen beschrieben ist: »(Argent doré) Le -vase se compose d'une partie cylindrique reposant sur deux disques -aplatis ornés de mascarons d'hommes et de femmes, entourés de -cartouches, séparés par des godrons sur l'un desquels est gravé un -dragon héraldique levant une épée, accompagné des lettres B. L. Sur la -partie cylindrique sont représentées en bas-reliefs fondus et ciselés, -séparés par des termes, trois scènes appartenant à une même suite (folgt -die Beschreibung der Plaketten). Le pied, en balustre, est orné de -mascarons en forme de termes. Sur la platte, deux figures de fleuves et -deux sources couchées, appuyées sur des urnes; sur le bord, des -arabesques gravées. - -Le couvercle est orné sur le bord d'un rang d'oves au-dessus duquel est -gravée l'inscription suivante: CAVETE AVTEM VOBIS § NE GRAVENTVR CORDA § -VESTRA CRAPVLA. Au-dessus de cette inscription se déroule une frise -représentant de petits génies jouant sur les flots et des monstres -marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois répété: un -homme et une femme s'embrassant, accompagnés de deux amours. Une -figurine d'enfant nu, tenant un écusson, termine le couvercle et forme -le bouton. Sur l'écusson, sommé d'une mitre, d'une crosse et d'une épée, -on voit un trèfle accompagné de deux étoiles en chef (Wappen des Bistums -Sitten). Enfin à l'interieur du couvercle est rapportée une plaquette -repoussée, représentant la Trinité. Sur le bord sont gravées les -initiales L+L. Hauteur: 0,260 m.« - -Der Pokal trägt zwei Marken, deren eine einen senkrecht in zwei Felder -geteilten Schild zeigt, von denen das linke zwei Sterne übereinander -hat. Die andere Marke bildet ein schlüsselartiger, nach unten -halbmondförmig auslaufender Gegenstand. In dem halbmondförmigen Teile -befindet sich ein Stern. Der außerordentlichen Liebenswürdigkeit des -Herrn Professor Dr. Marc Rosenberg verdanke ich die Erklärung der ersten -Marke: sie ist das Beschauzeichen von Sitten. Gleichzeitig aber -übersandte mir Herr Professor R., wofür ich auch an dieser Stelle ihm -meinen verbindlichsten Dank sage, Beschreibung und Abbildung eines -anderen Pokales desselben Sittener Meisters, der, in Genf zur -Ausstellung gebracht, eine feste Datierung giebt und im Verein mit dem -Spitzerschen das hervorragende Können des Meisters darthut. (Ich erfülle -gern die Pflicht, das liberale Entgegenkommen der Genfer -Ausstellungskommission in dieser Sache dankend hervorzuheben.) R. -urteilt über den Pokal: »Auf der Ausstellung in Genf das beste -Renaissance-Becherchen«. - -Die Beschreibung aus dem Katalog Nr. 2130 lautet: »Coupe sur pied à -couvercle, en argent repoussé, ciselé et doré; sur la coupe le massacre -des Innocents, des mascarons et des amours; sur le couvercle, surmonté -d'un amour tenant un écu aux armes de la famille de Graffenried, -l'insription HOC SECVLVM EST IOCANTIS FORTVNÆ LVDVS. M. D. LXII., à -l'interieur du couvercle les armes accolées et émaillées des familles de -Graffenried et Michel dite Schwertschwendi. Poinçon de Sion, marque -indéterminée. 1562. - -»Cette coupe appartenait à Nicolas de Graffenried, Gouverneur d'Aigle et -banneret de la ville de Berne (1530-1580)«. - -Beide Pokale zeigen in ihrem Aufbau große Ähnlichkeit, nur daß der -senkrechte, cylindrische Teil der cupa bei dem Graffenried'schen im -Verhältnis zum Gesamtmaß höher ist, während bei dem Spitzer'schen der -Schaft freier und schlanker emporstrebt. Der den Deckel abschließende -Putto ist bei beiden Stücken derselbe. Die Darstellung des -Bethlehemitischen Kindermordes zeigt in der einfachen, äußerst -geschickten Komposition, in den muskulösen, beweglichen Figuren eine so -augenscheinliche innere Verwandtschaft mit den Plakettendarstellungen, -daß ich in weiterer Berücksichtigung der in jeder Beziehung künstlerisch -vollendeten Durchführung der beiden Pokale nicht im Zweifel bin, daß wir -in dem Sittener Meister auch den Urheber der Plaketten zu sehen haben, -daß er nicht etwa nach fremden Mustern gearbeitet hat. Hoffentlich -gelingt es der Lokalforschung, auch den Namen dieses bedeutenden -Künstlers festzustellen, der, 1560 in Sitten arbeitend, von Italien -stark beeinflußt ist, seine Ausbildung aber zweifellos deutschen, -vielleicht Straßburger Meistern, verdankt. - -Über den Vorbesitzer unsrer Plaketten giebt Nr. 2, »Blendung« -interessanten Aufschluß. Auf der Rückseite nämlich hat Kinderhand Linien -zum »Rechnen auf der Linie« gezogen und in die Spacien Rechenpfennige -mit Hilfe des Zirkels eingetragen. Außerdem aber sind Schreibversuche -gemacht, die uns den Namen des jugendlichen Autors verraten. Oben lesen -wir die Buchstaben des Alphabets von h--m, unten »all mechtiger«, in der -Mitte aber »carollus perckmann«. Die Schrift gehört der ersten Hälfte -des 17. Jahrhunderts an. Dieser Karl Perckmann ist, da die Plaketten -später in den Hallerschen Besitz kamen, also wohl auch vorher -in Nürnberg waren, sicherlich ein Mitglied der Nürnberger -Goldschmiedefamilie gleichen Namens, aus der zwei Meister bekannt sind: -Andreas Berckmann 1651, und Johann B. 1691. - -_Nürnberg._ - - Dr. _F. Fuhse_. - - - - - Das Nürnberger Münz-Kabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. von - Kress. - - -Zu der Zeit, als Hubert Goltzius der Kupferstecher und Antiquar aus -Amsterdam seine Reisen in Europa machte, um für seine merkwürdige -Veröffentlichung der alten Kaiserbildnisse nach den Münzbildern Stoff zu -sammeln, gab es bereits -- wenn wir wenigstens Goltzens Angaben -vertrauen dürfen -- über 900 Münz- und Medaillenkabinete, die den Besuch -lohnten. Allerdings handelte es sich bei den meisten vornehmlich um -Antikes, um römische Kaisermünzen, wie sie der Niederländer ja auch -hauptsächlich für seine Kupfer verwendete. In Deutschland war es -Kaiser Max, von dessen persönlichen Verhandlungen mit seinen -Münzstempelschneidern uns noch manches erhalten ist, der das erste -Münzkabinet, das zu Wien, begründete. - -In Nürnberg war der Sammeleifer schon zu Dürers Zeit in dessen -Freundeskreis erwacht: Wilibald Pirkheimers Stolz war zwar in erster -Linie seine Büchersammlung, für die ihm befreundete Humanisten aus allen -Städten Europas die neuen Erscheinungen besorgten; aber seine Münzen und -Kunstschätze wurden nicht minder bewundert und in den Briefen seiner -Freunde mit großem Lob genannt. Da der Gelehrte ohne männliche -Nachkommenschaft starb, kamen seine Schätze in den Besitz der Familie -Imhof und bildeten für seinen Enkel, den berühmtesten Kunstsammler des -16. Jahrh. in Nürnberg, für Wilibald Imhof, den Grundstock zu seiner -reichen Kunstkammer. Aber Wilibalds Freund und Günstling war Hans -Hofmann, der erste und auch der begabteste unter jenen berüchtigten -Malern, die es sich zum Berufe machten, Dürers Gemälde und Zeichnungen -zu fälschen. Aus der Freude am Sammeln ward ein immer mehr bedenklicher -und gewissenloser Kunsthandel, den die Familie Imhof mehrere -Menschenalter hindurch weiterbetrieb und über den ihr »Geheimbüchlein« -auf der Nürnberger Stadtbibliothek recht merkwürdige Aufschlüsse giebt. -Wirklich gute Stücke enthielt die Kunstkammer damals gewiß keine mehr; -denn als anno 1630 dem feinsinnigen Verehrer Albrecht Dürers, dem -Kurfürsten Maximilian »auf sein inständiges Anhalten die Hauptstücke der -Sammlung präsentiert worden waren, hat er dazu gar keine Lust getragen, -auch viel unter denselben nicht für Originalien erkennen wollen, sondern -sie alle zurückgegeben und gar kein Gebot darauf legen lassen«. Daß die -Imhofsche Kunstkammer, die bald darauf in ihren unberühmten Resten nach -Wien und Amsterdam verkauft ward, außer den antiken römischen auch eine -größere Sammlung von mittelalterlichen Münzen enthalten habe, ist -nirgends gesagt und auch wenig wahrscheinlich[322]. - -Daß es dagegen im Beginn des folgenden, des 18. Jahrhunderts, an -Interesse für die mittelalterliche Münzkunde in der alten Reichsstadt -nicht fehlte, das beweist das Erscheinen der ersten numismatischen -Zeitschrift der historischen Münzbelustigungen, die sich 35 Jahre lang -am Leben erhielten und erst anno 1764 eingingen. Am Ende des -Jahrhunderts ist es wieder einer aus der alten ehrbaren Familie der -Imhof, den wir als hervorragenden Münzkenner und Besitzer einer -außerordentlich reichhaltigen Sammlung von Nürnberger Münz- und -Medaillenprägungen finden: Es war sein eigenes Kabinet, das Christoph -Andreas IV. Imhof in den Jahren 1780-1782 in zwei starken Quartbänden -»mit vieler Mühe so vollständig als möglich in wenig jahren -zusammengetragen und sodann auf das Genaueste beschrieben herausgab. -Eine Sammlung von dieser Vollständigkeit und dieser systematischen -Anlage in wenigen Jahren zusammenzubringen, war damals gewiß weit mehr -noch als heute ein Ding der Unmöglichkeit; aber da der Besitzer in -seiner Veröffentlichung selbst keine Angaben über die Geschichte seiner -einzigartigen Sammlung macht, so müssen wir uns bescheiden bei der -Thatsache, daß wenigstens von der alten Imhofischen Kunstkammer nichts -mehr bis auf diese Zeit im Besitz der Familie geblieben sein kann. - -[Fußnote 322: Über die Geschichte der Imhofschen Kunstkammer haben in -ihren Dürerbiographien Haller u. Thausing eingehend gehandelt.] - -Der Sammler hatte sich weise beschränkt, nicht mit dem grauen Altertum -begonnen und die entlegensten Länder mit herangezogen in sein -Sammelgebiet; so gab er seinem Münzkabinet einen für die Wissenschaft um -so höheren Wert, je näher er der systematischen Vollständigkeit in -seinem immer noch weiten, alle Nürnberger Reichsstädtischen -Münzprägungen umfassenden Rahmen kam. Zum Glück ist uns der größte Teil -dieses unvergleichlichen Schatzes von Sammler- und Forscherfleiß -erhalten geblieben und nunmehr nach jahrzehntelangen Verhandlungen und -Erwägungen so wohl verwahrt und doch so leicht zugänglich untergebracht -worden, daß man wohl annehmen darf, die Sammlung habe den Abschluß ihrer -merkwürdigen Geschichte erreicht und werde für alle Zukunft da -verbleiben, wo sie jetzt sich befindet, im germanischen Museum. - -Der anno 1818 im 89. Lebensjahre verschiedene Staatsrat Johann Christoph -Sigmund von Kreß hatte das Imhofsche Kabinet, soweit es noch beisammen -war, an sich gebracht und hinterließ es seinen Erben als eine -unveräußerliche Familienstiftung zum Studium der nürnbergischen -Münzkunde. Der Erblasser, der übrigens in seinen späteren Jahren -ziemlich vereinsamt lebte, hatte den Wert seiner Sammlung auf 2600 fl. -geschätzt und dazu noch 200 fl. gestiftet, aus deren Zinsen -gelegentliche Ergänzungen vorgenommen werden sollten. Nun fand sich aber -unter seinen Erben niemand, der die nötigen Geldmittel und die nötige -Mühe aufwenden wollte, welche eine Aufstellung und Versicherung des -Kabinets im Sinne des Verstorbenen verlangt hätten; so kam es nach -vielen Mahnbriefen der Ansbachischen Regierung endlich 1821 dazu, daß -der Senator Joachim Freiherr von Haller im Namen der Erben die ganze -Stiftung selbst an Stelle der Kaution der Stadt übergab mit einer -weitschweifigen und umständlichen Begründung, daß ein Privatmann nie so -viel Zeit, Geld und mühsames Studium an die Sammlung wenden könnte, als -nötig wäre, um sie wirklich nutzbar zu machen. »Will er nicht in der -nächsten besten Reisebeschreibung andern zum Abscheu und Exempel als ein -ungefälliger Mann aufgestellt werden, so heißt es da, so darf er wie -einer vor dem Guckkasten vor seinem Münzkasten sitzen, um jeden Fremden, -der vielleicht kaum 24 Stunden in der Stadt verweilt, in solchen -hineinsehen zu lassen.« - -Am 27. August 1823 erfolgte denn auch endlich die Übergabe des in dessen -von Haller selbst neu geordneten Kabinets an die Stadt. Aber dieser war -mit dem Geschenk auch wenig gedient: weder der Bibliothekar noch sonst -einer von den Beamten mochte die Verantwortung und die Sorge für den -gefährlichen Schatz übernehmen, für dessen Aufstellung überdies nirgends -ein geeigneter Raum vorhanden war. Man wandte sich daher bald wiederum -an die Kreßischen Erben, bald an die mittelfränkische Kreisregierung in -Ansbach, um von dem lästigen Geschenk befreit zu werden; aber ohne allen -Erfolg zogen sich die Verhandlungen hin, bis im Dezember 1857 aus dem -Kreise des Gemeinde-Kollegiums dem Magistrat der Antrag vorgelegt wurde, -die ganze Sammlung dem wenige Jahre zuvor gegründeten germanischen -Museum zur Aufstellung zu übergeben. Aber erst nach langen Verhandlungen -und nach dem der Magistrat, »um endlich einmal von diesem Kabinet -befreit zu werden« auch auf die Kaution verzichtet hatte, geschah im -März 1866 die Übergabe der ganzen Sammlung von 2547 Stücken nach -damaliger Schätzung im Werte von 3190 fl. an das Museum[323]. - -Aber auch hier hat das Kreßische Münz-Kabinet noch manche Sorge gemacht, -bis endlich nach 30 Jahren auch der letzte Wunsch des Stifters erfüllt -und die Sammlung allgemein zugänglich gemacht werden konnte. -Münzsammlungen dem Publikum zugänglich zu machen, ist eine schwierige -Aufgabe; meist hält man sie wohl verschlossen in einem Kassenschrank, -der sich sehr selten nur für einen Fremden öffnet, und legt einige -Beispiele, denn mehr erlaubt in der Regel der Raum nicht, in Glaskästen -auf; so ist aber ein Betrachten der ganzen Münze samt der Rückseite für -den Sachverständigen unmöglich. Deshalb kam der als Nürnberger -Numismatiker bekannte Großhändler Joh. Chr. Stahl vor wenigen Jahren auf -die Idee einer neuen Aufstellungsweise, welche die Münze aus nächster -Nähe und von beiden Seiten sehen läßt, ohne sie doch dem Beschauer in -die Hände zu geben. Die Kassenschrankfabrik von Hermann hat den Schrank -mit seinem scharfsinnig erdachten Mechanismus ausgeführt, der es -gestattet, die nahezu 1600 Münzen des Kreßischen Kabinets mit einem -Raumaufwand von wenig mehr als zwei Kubikmeter zur Aufstellung zu -bringen. Auf 48 ungefähr quadratischen Holztafeln liegen die Münzen in -chronologischer Folge nach der Regierungszeit der Kaiser, mit deren -Bilde die Reichsstadt so oft prägte, angeordnet so, daß in die 5 mm. -starke Holztafel ein Ausschnitt entsprechend der Größe jeder Münze -gemacht und in diesem die Münze durch drei Klammern aus Zelluloid -sozusagen à jour gefaßt wurde. Die einzelnen Tafeln sind durch eine -Kette so verbunden, daß sie der Reihe nach mittels Kurbeldrehung -heraufgehoben werden können bis dicht unter die Glasscheibe, welche in -der Tischplatte des Kastens eingelassen ist; ein eigener Mechanismus -bewirkt dazu noch, daß jede Tablette beim Weiterdrehen der Kurbel sich -wendet und von der Rückseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für -eine in sich so gut wie abgeschlossene Sammlung wie das Kreßische -Münz-Kabinet, die keiner namhaften Ergänzungen mehr bedarf, eine -derartige Aufstellung die best mögliche Lösung gewährt. Die Münzen -erscheinen dem Beschauer in wohlgeordneter unveränderlicher Folge, in -nächster Nähe zu sehen, und bedürfen anderseits doch nicht beständiger -Überwachung. - -[Fußnote 323: Die hier mitgeteilten Thatsachen verdanke ich der Güte des -Herrn Joh. Ch. Stahl, der sie aus dem weitschichtigen Aktenmaterial -auszog.] - -Über die Bestände der Sammlung, die nun endlich dem Wunsche des Stifters -gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist hier unmöglich. Es -sei nur auf eine gerade dem heutigen Stande der numismatischen Forschung -besonders empfindliche Lücke hingewiesen, die der im übrigen, namentlich -an Prägungen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts erstaunlichen -Vollständigkeit wenig entspricht. Einmal hat Andreas Imhof in seiner -Sammelthätigkeit bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts die Scheidemünze zu -gunsten der prachtvollen Goldprägungen dieser Zeit sehr vernachläßigt -und dann hat er alle diejenigen Stücke unberücksichtigt gelassen, die zu -der höchst interessanten Entstehungsgeschichte der städtischen Münze aus -der alten Reichsmünzstätte, zu dem Wechsel des Münzrechts und zu den -Münzkonventionen des XIV. Jahrhunderts aufklärende Beiträge bilden -könnten. Immerhin sind das Lücken, welche durch die Hauptsammlung des -Museums ausgeglichen werden können, und zum Teil schon ausgeglichen -sind, so daß in absehbarer Zeit die Prägungen der Nürnberger Münze von -ihren ersten Anfängen bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1806 in -möglichster Vollständigkeit dem Forscher zur Benützung stehen werden. - -_Nürnberg._ - - _K. Sch._ - - - - - Friesische Häuser auf den Halligen. - - -Es war einer der Lieblingspläne des verstorbenen Direktors v. Essenwein, -nach Analogie der sogen. altdeutschen Zimmer unseres Museums auch ein -friesisches Wohngemach nebst Küche in unseren Sammlungen einzurichten, -wobei er wahrscheinlich an Muster aus West- oder Ostfriesland gedacht -hat. Ein allzufrüher Tod hat ihn an der Ausführung dieses Vorsatzes -gehindert, aber sein Gedanke wirkte wie ein Vermächtnis fort und wird -unter der gegenwärtigen Direktion seine Vollendung finden, wenn auch -nunmehr infolge mannigfacher Umstände den Besuchern des Museums das -interessante Innere eines nordfriesischen, speziell eines Hallighauses -vorzuführen beabsichtigt ist. Wertvolle und charakteristische -Ausstattungsstücke dafür wurden bereits vor 3 Jahren von dem -Unterzeichneten, in diesem Jahre von Herrn Direktor Bösch an Ort und -Stelle erworben. Es dürfte daher an der Zeit sein, den Lesern unserer -»Mitteilungen« die Beschreibung eines Hallighauses zu gewähren, wie sie -im Wesentlichen bereits in meiner Monographie »die Halligen der -Nordsee«, Stuttgart 1892, und im Maiheft der illustrierten -naturwissensch. Monatsschrift »Himmel und Erde«, Berlin Jahrg. 1895, in -meinem Aufsatz »Halligbilder« enthalten ist. - - [Illustration: Fig. 1.] - - 1) Diele. - 2) Wohnräume. - 3) Wandbetten. - 4) Durchgänge. - 5) Küche. - 6) Herd mit Backofen. - 7) Speisekammer. - 8) Kellertreppe. - 9) Dittenschacht. - 10) Bodentreppe. - 11) Stallräume. - 12) Schornstein. - 13) Gerätkammer. - 14) Einlegeröfen. - 15) Wandschrank. - -Die wissenschaftliche Fachlitteratur über das friesische Haus ist -einerseits nicht sehr umfangreich, andrerseits auch lückenhaft, indem -sie die Gebäude auf den schleswig'schen Utlanden und speziell auf den -ganz eigentümlichen Halligen nur dürftig behandelt. Lasius in seiner -kleinen Monographie »das friesische Bauernhaus«, Straßburg 1885, und -Allmers in seinem Marschenbuch beschäftigen sich nur mit dem -ost-westfriesischen Bauernhaus der _Marschen_, wie auch die von Henning -in seiner bekannten Arbeit »das deutsche Haus«, Straßburg 1882, benutzte -Litteratur erkennen läßt, daß selbst diesem Autor nach seinen Quellen -und nach eigener Kenntnis das Hallighaus unbekannt geblieben war, was -bei der früheren Abgeschlossenheit dieser Inseln vom allgemeinen Verkehr -nicht zu verwundern ist. 1891 erschien dann zwar das Buch von -Hansen-Jensen über die nordfriesischen Inseln, doch ist darin der kurze -Abschnitt über die Halligen ohne jeden Wert. Henning weist übrigens die -Gebäude der Inseln im 5. Kapitel der anglo-dänischen Bauart zu und -meint, man finde auf den Werften der Inseln und der Halligen Gebäude, -die in quadratischer Form unter einem gemeinsamen Dache mehrere -Wirtschaftsgebäude umfassen, ähnlich dem Eiderstetter Heuberge. Da diese -Auffassung geeignet ist, eine irrige Vorstellung von den Ansiedlungen -auf den Halligen zu erwecken, so habe ich sie bereits in dem Aufsatz -»Halligbilder« zu widerlegen versucht, wie ich auch hier bei der -Bedeutung des Henning'schen Buches nicht versäumen will, sie als -unzutreffend zu bezeichnen. Nur die kleine Hallig Süderoog besitzt ein -quadratisches, sehr großes Haus (das einzige auf der Insel), dessen 4 -Flügel einen kleinen, offenen Hof umschließen, so daß also auch in -diesem Ausnahmefalle die Gebäude nicht unter einem Dache vereinigt sind. -Die wenigen Angaben, die Haupt in Bd. I seiner »Bau- und Kunstdenkmäler -der Provinz Schleswig-Holstein« pg. 436 bringt, beruhen zwar auf -persönlicher Kenntnisnahme, sind aber gar zu knapp bemessen und bedürfen -deshalb der Erweiterung. Lütgens behandelt in seinem Werk »Kurzgefaßte -Charakteristik der Bauernwirtschaften in den Herzogtümern Schleswig und -Holstein«, 1847, pg. 16 und Tafel 36 und 37 die westfriesischen Inseln, -aber mit Ausschluß der Halligen, und nur bei R. Mejborg, »nordiske -Böndergaarde« finde ich in Band 1, Slesvig, 1892, eine zutreffende -Schilderung der Halligen, der ich auch bezüglich der Häuser beizustimmen -vermag; erhöht wird der Wert dieses Werkes durch gute Illustrationen. - - [Illustration: Fig. 2.] - - 1) Diele. - 2) Wohnräume. - 3) Wandbetten. - 4) Wandschrank. - 5) Küche. - 6) Kellertreppe. - 7) Speisekammer. - 8) Bodentreppe. - 9 u. 11) Stallräume. - 10) Brunnenraum. - 12) Düngerrinne. - 13) Herd. - 14) Schornstein. - 15) Einlegeröfen. - 16) Dittenschacht. - -Die Halligen und die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm sind die -Überbleibsel der alten Strandinger Marschlandschaft nördlich vom -Heverstrom. Nachdem von Zeit zu Zeit durch verheerende Sturmfluten -einzelne Teile von ihr losgelöst waren und als Halligen weiter -existierten, vollendete sich das Schicksal des Nordstrandes in der -schrecklichen Katastrophe des Jahres 1634. Nur die beiden großen -Fragmente Nordstrand und Pellworm erhielten nach derselben neue -Seedeiche, die übrigen blieben abermals als niedrige Halligen den -weiteren Verwüstungen preisgegeben, die mit elementarer Gewalt -wiederholt im 18. Jahrhundert und zum letzten Male im Jahre 1825 über -sie hereinbrachen. Die Folge davon war, daß eine Anzahl von ihnen -überhaupt spurlos verschwunden, auf den übrigen aber alte Häuser nicht -mehr erhalten sind. Man wird mit Sicherheit annehmen dürfen, daß sie vor -ihrer Isolierung dieselben Gebäude trugen, wie die benachbarten -Festlandsmarschen und wie die genannten beiden Inseln, dann aber -bedingte die Veränderung des Wirtschaftssystems und die Notwendigkeit -des engen Zusammenbauens auf mühsam errichteten Werften eine andere -Bauart, die im allgemeinen wohl an der alten Überlieferung festhielt, -aber den Bedürfnissen einer Hirten- und Schifferbevölkerung und den -physischen Bedingungen einer oft grandios furchtbaren Natur angepaßt -werden mußte. Neuere wie ältere Hallighäuser -- und kaum eins ist hinter -das Jahr 1717 mit seiner Sturmflut unseligen Andenkens zurückzudatieren --- weisen daher einen übereinstimmenden Typus auf[324]. Sie sind -sämtlich mit ihrer Front nach der Südseite gerichtet, woselbst sich auch -der Eingang manchmal unter einem aus dem Rohrdache hervorspringenden -Giebel befindet. Durch die horizontal zweiflüglige Thür betritt man die -mäßig breite Diele, von der rechts und links Thüren in die meist -niedrigen Wohnzimmer führen. Daß die bestausgestattete Stube Pesel und -das gewöhnliche Wohngemach Dönse genannt wird, ist hinlänglich bekannt, -eine bestimmte Norm aber für die Lage dieser Räumlichkeiten, ob links -oder rechts von der Diele, ist nicht befolgt worden, sie richtete sich -in jedem Falle nach dem Gutdünken des Erbauers. Stets ist das Hallighaus -gleich dem fränkischen in erster Linie Wohnhaus; wie dort nimmt die -darin untergebrachte Viehstallung nur etwa einen Vierteil des -Gesamtraumes ein, selten eine Hälfte, vielmehr wird bei reichem -Viehstande lieber ein Flügel angebaut, mitunter vertritt den Flügel -sogar ein selbständiges Stallgebäude. Vergleicht man die hier und meiner -erwähnten Monographie beigegebenen Grundrisse von Hallighäusern mit -demjenigen des fränkischen Hauses bei Meitzen, »das deutsche Haus«, -Berlin 1882, auf Tafel I, Fig. 2, in welchem i und k die Lage der Ställe -bezeichnen, so ergiebt sich unzweifelhaft eine Ähnlichkeit im Prinzip -der inneren Raumausnützung, andrerseits aber auch mit der -Wohnungsabteilung des friesischen Hauses bei Lasius, Fig. 6, wie ja das -friesische Haus in den Wohnräumen dem fränkischen, in den -Wirtschaftsräumen dem sächsischen Hause näher steht. Die Halligfriesen, -die nach der Einbuße des Deichschutzes ihrer Ländereien lediglich auf -Viehzucht und Schiffahrt angewiesen waren, mithin keiner Scheunen, -Pferdeställe und Gerätschuppen bedurften, scheinen von jeher doppelten -Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt zu haben, denn nur in sehr -kleinen Häusern, welche die Minderzahl bilden, begnügt man sich mit -Pesel und Dönse, in den größeren Häusern findet man außer dem Pesel zwei -Wohnzimmer nach der Südseite, ja in den wohlhabendsten sogar zwei -Staats- und zwei Wohnstuben. Die Wände zwischen ihnen und der Diele sind -fast ausnahmslos gemauert, 1½ Stein stark, die Trennung der Zimmer unter -sich erfolgt dagegen häufig durch Bretterwände, wo aber Mauern diesen -Dienst verrichten, sind Wandnischen in ihnen angebracht mit Glasthüren, -hinter denen allerhand Ziergerät aus Messing, Porzellan und Silber sowie -Andenken an ferne Länder und Meere aufbewahrt werden. Die festen Wände -sind mit kleinen quadratischen Kacheln belegt, in den Häusern aus der -guten alten Zeit von Delfter Fayence, in den neueren aus minderwertigem -Material, das aus Hamburg bezogen wird. Auf weißem Grunde enthalten die -Kacheln blaue eingebrannte Bildchen mit den mannigfaltigsten -Darstellungen: Schiffe, Brunnen, Vögel und andere Thiere, Jagdbilder, -Landschaften und Stoffe aus der heiligen Schrift in reicher Abwechslung; -daß die modernen Wandkacheln häufig weiß und braun gehalten sind, sei -nebenbei erwähnt, jedenfalls übertreffen die echten alten die neueren an -Schönheit der Farbe und Glasur. In vielen Zimmern, besonders auf Hooge -und Langeneß-Nordmarsch, heben sich aus diesem bunten Wechsel -aneinandergereihter Einzelbildchen Kompositionen von Schiffen heraus, -zusammengesetzt aus 5 × 5 Kacheln, die nach einer Originalvorlage auf -besondere Bestellung gebrannt wurden; sie bilden Andenken für Kapitäne -an die Schiffe, welche sie im Dienste fremder Rheder geführt haben. Eine -solche Inschrift lautet beispielsweise: - - Ao. 1750 - Handelaar - gefoerd doer Skipper - Barend Frederik Hansen - voor - De Heer John Notemann. - -Um die Kompositionen herum läuft gleichfalls aus Kacheln zusammengesetzt -eine Art Rahmen von Putten- und Rankenarabesken, wie auch zuweilen die -Thürrahmen von Bordüren gleicher Art oder von zusammengesetzten Säulen -und Tieren eingefaßt sind. Bestehen die Scheidewände aus Brettern, so -fehlen natürlich die Kacheln und an ihre Stelle tritt wie bei Thüren und -Fenstern der Anstrich von weißer Ölfarbe, in den ältesten Häusern eine -Bemalung der Wände mit Pflanzenornamenten in blauer, weißer und roter -Farbe. - - [Illustration: Fig. 3.] - - 1) Diele. - 2) Wohnräume. - 3) Wandbetten. - 4) Brunnen. - 5) Küche. - 6) Kellertreppe. - 7) Herd. - 8) Einlegeröfen. - 9) Speisekammer. - 10) Bodentreppe. - 11 u. 12) Viehverschläge. - 13) Schafstall. - 14) Düngerrinne. - 15) Futterkrippen. - 16) Deckenstützen. - -[Fußnote 324: Derselben Ansicht ist Mejborg, der den Gebäuden -holländischen Charakter zuspricht: De gamle og de ny er omtrent ens; -Indretningen er naesten overalt den samme, og saavel det indre som det -ydre Udseende retter sig efter den hollandske Mode, der gör sig -gaeldende fra Fanö til Helgoland (pg. 71).] - -Wo die Art der Wände und die Größe der Zimmer es erforderlich macht, -ruht die Decke auf Balkendurchzügen; darüber liegen die dicht gefugten -Bretter, auf denen unmittelbar zugleich die Vorräte des Bodens -aufgestapelt sind. In älteren Häusern sind Decken und Durchzüge farbig -gestrichen[325], in den späteren wieder weiß. Es scheint, daß in der -Glanzzeit des Halligwohlstandes etwa in der ersten Hälfte des 18. -Jahrhunderts, wo die männliche Bevölkerung im Dienste von Hamburger, -Bremer, Flensburger u. a. Rhederfirmen dem noch sehr einträglichen -Walfisch- und Robbenfang im Polarmeer nachging, die Freude an Farben -lebhaft gewesen sei; sie hat sich auch auf den Schmuck des Hausgerätes -erstreckt, wie wir in einer späteren Mitteilung sehen werden. Mit dem -langsamen Versiegen dieser Quelle sehr reichen Verdienstes und der -rapiden Abnahme des Halliglandes, der Wirtschaftsstellen und der -Einwohner trat Nüchternheit an die Stelle frohen Lebensgenusses, und -heut schwinden rasch die letzten Reste des schmuckreichen alten -Besitzes, um für den Erlös dringendere Bedürfnisse befriedigen zu -helfen. - -In Häusern des Festlandes und auf größeren Inseln, die bei gleichen -wirtschaftlichen Bedingungen auch eine den Hallighäusern ganz ähnliche -Einrichtung zeigen, fand ich wiederholt in der Wohnstube die große -Eckbank des fränkischen Hauses von ganz derselben Art, wie sie Henning -auf S. 10 durchaus zutreffend beschreibt; sie kommt auch auf den -Halligen vor, wo man indessen die zum Sitzen bequemeren Stühle -bevorzugt. Praktisch für gewöhnlich nicht sehr große Zimmer sind die -Tische am Wandpfeiler zwischen den Fenstern: in unbenutztem Zustande -haben sie eine sehr schmale, etwa 1 m lange Platte, von der nach beiden -Seiten Klappen bis nahe an die Diele herabhängen. Zur Stütze der -letzteren dienen im Bedarfsfalle entweder aus dem Tischkasten -herausziehbare Arme oder eine sinnreiche Vorkehrung: jedes Brett der -Langwand des Tischkastens ist vertikal bis zur Mitte seiner ganzen Länge -durchgeschnitten, so daß es also bis dorthin aus 2 Brettchen von der -halben Stärke der übrigen Kastenwände besteht. Das äußere Brettchen läßt -sich in Scharnieren vom Mittelpunkt des ganzen Brettes aus drehen und -mit ihm die Hälfte eines ebenfalls vertikal durchschnittenen -Tischbeines, in welches das drehbare Brettchen am oberen Ende -eingelassen ist. Werden also beide Klappen aufgeschlagen, so ruht der -Tisch auf 2 vollen und 4 geteilten Beinen und seine frühere Länge -entspricht nun seiner Breite. - -[Fußnote 325: Vergl. die Abbildung der Deckenmalerei des »Königshauses« -auf Hooge bei Mejborg, pg. 75.] - -Vielbeschrieben sind die den Schiffskojen ganz ähnlichen Wandbetten in -tiefen Nischen mit Raum für 2 Personen. Am Tage sind sie durch Vorhänge -geschlossen, von denen das germanische Museum ein altes Muster mit der -Opferung Isaaks besitzt, oder durch Bretterthüren, die früher bemalt zu -werden pflegten. Über den Thüren fehlen jetzt die alten sinnigen -Sprüche, die noch das vorige Jahrhundert anzubringen liebte in der -Weise, wie Jessen das bei Haupt, Bd. I pg. 435 dargestellt hat. Wie das -Kojenbett kein bewegliches Gestell bildet, sondern organisch mit den -Schiffswänden verwachsen ist, so auch das friesische Wandbett, dessen -Kasten sich nahezu in Tischhöhe über der Stubendiele befindet. Da -während des Tages die Thüren oder die Vorhänge geschlossen sind, so -übersieht zwar der Besucher, daß er eigentlich in einem Schlafzimmer -empfangen wird, dafür aber ist die Lüftung der Nischen eine sehr -mangelhafte. Wandbetten findet man sowohl im Pesel wie in der Dönse, in -größeren Häusern jedoch bleibt eins oder das andere Zimmer frei davon, -weil die nach Norden gelegenen Hinterstuben und Kammern genügende -Lokalitäten dafür bieten. Wie übrigens der Friese im allgemeinen sehr -überlegt und genau ist im Ausdruck, so entspricht es ganz besonders der -Ausdrucksweise einer Schiffer- und Inselbevölkerung, nicht von Vorder- -und Hinterzimmern zu sprechen, sondern die Lage der Räume geographisch -zu bezeichnen; man hat also Norder- und Süder-Stuben oder andere »bi -Osten« und »bi Westen«. - -Bemerkenswerth sind sodann die eisernen Einlegeröfen. Sie bestehen aus -eisernen Kästen in der Form eines Parallelepipedons, dessen eine -Schmalseite in die Wand nach dem Inneren des Hauses eingelassen ist. Die -drei freien Seitenwände weisen in Flachrelief vorzugsweise Scenen aus -der biblischen Geschichte auf, sehr oft mit der Jahreszahl, von denen -die älteste, welche ich auf den Halligen las, 1593 lautete. Diese Zahl -entspricht natürlich nicht mehr zugleich dem Alter des betreffenden -Hauses, denn Sturmfluten vermögen wohl Gebäude zu zertrümmern und ihre -schwimmbaren Bestandteile fortzuführen, die schweren Eisenöfen dagegen -blieben auf den Werften zurück und fanden im Neubau wieder Verwendung. -Nicht ganz 1 m. in das Zimmer hineinragend, ruht hier der Ofenkasten auf -2 eisernen Füßen, und auf den Ecken darüber zieren ihn blankgeputzte -Messingkugeln. Geheizt werden die Öfen vom Herd aus, indem durch eine -Öffnung in der Wand glimmende Ditten hineingelegt werden, andere Öfen, -die vom Herd aus nicht erreichbar sind, haben ihre eigene -Heizvorrichtung mit eigenem Schornstein. Unter dem Ofen bemerkt man in -jedem Hause Blechbüchsen mit wohlschmeckendem Buttergebäck, womit man -Gäste zu bewirten pflegt. Verschwunden dagegen ist aus den meisten -Häusern der messingne »Stülp«, der in der Form einer mitten -durchgeschnittenen länglichen Wanne bestimmt war, unter ihm Speisen auf -der Oberplatte des Ofens warm zu halten. Von ganz einfachen, glatten -Exemplaren fortschreitend gab es solche mit mannigfach wechselnden ein- -bis mehrreihigen Bandornamenten, von welchen letzteren wir ein -treffliches Muster erworben haben. - -Am Ende der Diele, also der gewöhnlichen Orientierung entsprechend nach -Norden liegt die Küche mit großem, gemauertem, offenem Herde unter einem -mächtigen Rauchfang. An der rechten und linken Seite der Plattform sind -Züge für die beiden Feuerungsstellen eingemauert, darüber feste Roste -für das Brennmaterial und bewegliche Roste, auf denen die Töpfe stehen. -Zwischen den Zügen liegt im Herdbau der Backofen, nur mit einem -Holzdeckel an seiner Zugangsöffnung verschlossen, und vor ihm in dem -gepflasterten Küchenboden bemerkt man einen zweiten Holzdeckel über -einer Vertiefung, in welcher die Hausfrau die Füße einstellt, während -sie beim Backen vor dem niedrigen Ofen auf der Diele sitzt. Oft ragt -neben dem Herd ein viereckiger Schacht durch die Decke nach dem Boden -empor, wo das Brennmaterial aufbewahrt wird, die Ditten; durch denselben -werden sie herabgeworfen und vermittelst eines Thürchens daraus -hervorgeholt. Neben der Küche finden wir eine Speisekammer und die -Norderstube oder eine Kammer mit Wandbett, unter einem dieser Räume den -Keller, nach der anderen Seite der nördlichen Hälfte die Ställe, soweit -sie nicht wie in Figur 8 und 9 der »Halligen der Nordsee« in besonderen -Anbauten untergebracht sind. In unserem Grundriß 2 überrascht in der -Stallabteilung ein besonderer Brunnenraum mit einer Erdsoodencisterne -zum Auffangen des Regenwassers für das Vieh. Das sind vereinzelte -Anlagen, sowohl die aus Ziegeln gemauerten wie die Soodencisternen -liegen sonst außerhalb des Hauses, diese mit dem Trinkwasser für die -Menschen »in vestibulo domus«, wie schon Plinius berichtet, d. h. in dem -gehegten Raume vor dem Hause, der jetzt von wohlgepflegten Gärtchen -eingenommen zu werden pflegt, jene mit dem Trinkwasser für das Vieh auf -der Nordseite. - -Über dem ganzen Hause ruht das mächtige Dach, das einen einzigen, -ungeteilten Bodenraum umschließt. Die Balkenlage stützt sich teils auf -das Gemäuer des Wohngeschosses, teils auf die starken eichenen Ständer, -die tief in den Werfthügel eingelassen und an den 4 Ecken in die -Hausmauer eingeschlossen sind. Die Ständer haben den oft genug -thatsächlich erfüllten Zweck, den Dachboden als den wichtigsten Teil des -Hauses in Zeiten der Gefahr zu tragen, wenn die Mauern und Wände durch -die Wucht hochgespannter Sturmfluten eingedrückt waren; denn in solchen -Zeiten retten sich die Bewohner mit ihren Schafen auf den Boden als -ihren einzigen Zufluchtsort. Das kräftige Gespärr wird gestützt durch -einen Firstrahmen mit Kehlbalken und Firstsäulen, denn das auf -dichtgereihten Latten ruhende Rohrschaubendach hat den Druck von häufig -genug orkanartigen Stürmen auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an -Nachbarhäuser stößt, ist es mit einem einfachen Satteldach gedeckt, wo -es freisteht, mit einem Walmdach, dessen Walme entweder ganze oder -Krüppelwalme sind. Nicht mehr so regelmäßig wie früher ragt auf den -Halligen ein Giebel aus dem Dache über der Eingangsthür hervor, wie er -sonst charakteristisch ist für das friesische Haus auch auf den -Utlanden. - -Den größten Teil des Bodens nehmen festgestopft bis unter die -Rohrschauben die Heuvorräte ein, der einzige Ernteertrag, den die -Halligen bei ihren zu jeder Jahreszeit vorkommenden Überschwemmungen -liefern können. Das Heu wird so fest eingelegt, daß es das Dachgerüst -stützen hilft und zum Gebrauch mit scharfen Spaten abgestochen wird. Der -übrige Theil des Bodens beherbergt Kisten und Kasten und vor allem -Wintervorräte für den Haushalt, die im Herbst von Husum und Wyk auf Föhr -für mehrere Monate beschafft werden müssen, weil mit Beginn der -Eisbildung auf den Watten die Halligen so gut wie von jedem Außenverkehr -abgeschnitten sind. - -Das Innere eines Hallighauses in seiner ganzen Behaglichkeit hat in -letzter Zeit Jacob Alberts in mehreren Ölgemälden dargestellt; seine -Studien und ausgeführten Bilder waren 1894 der Gegenstand einer -besonderen Ausstellung in Kiel, seit welcher sich sein bekanntestes -Bild, der Königspesel auf Hooge, im Museum daselbst befindet. Das erste -Heft des Jahrganges 1895 der »Graphischen Künste«, hat vortreffliche -Reproduktionen seiner Arbeiten gebracht, auf die hiermit hingewiesen -sein möge. In einem späteren Aufsatz sollen die wichtigsten Stücke der -bisher erworbenen inneren Ausstattung besprochen und in Abbildungen -vorgeführt werden. Vielleicht tragen diese Anregungen dazu bei, dem -Museum in seinen Bemühungen um die Aufstellung eines friesischen Zimmers -nebst Küche materielle Unterstützung zu verschaffen, deren es bei der -raschen Verschleppung der letzten alten Ausstattungsstücke in die Häuser -vermögender Sammler und bei der Kostspieligkeit des Erwerbes wie des -Transportes dringend bedarf. Was im Privatbesitz sich ziemlich zwecklos -verbirgt, würde im germanischen Museum den Tausenden von Besuchern aus -allen Teilen Deutschlands zur Freude und Belehrung zugänglich sein. - -_Nürnberg._ - - Dr. _Eugen Traeger_. - - - - - Dürer. - - - Kleine Mitteilungen. - -Nach Lochner's Darlegungen im Korrespondenten von und für Deutschland, -1858, Nr. 421, nimmt man allgemein an, daß der Schwiegervater des -älteren Albrecht Dürer Hieronymus Holper geheißen habe, und nicht -Haller, obgleich alle uns erhaltenen Abschriften der Familienchronik die -letztere Lesart aufweisen. Es ist nicht zu leugnen, daß Lochners -Hypothese große Wahrscheinlichkeit für sich hat, andererseits aber nicht -zu vergessen, daß zwingende Beweiskraft dem von ihm beigebrachten -Material nicht innewohnt, daß sehr wohl ein tückischer Zufall hier sein -Spiel getrieben haben kann. Es liegt mir fern, diese an sich -nebensächliche Frage zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung zu -machen, sondern ich möchte nur einiges Material über die -Verwandtschaftsverhältnisse von Dürers Schwiegereltern beibringen, die -zu allerhand Vermutungen Anlaß geben. Hans Frey, Dürers Schwiegervater, -war vermählt mit Anna, Tochter Wilhelm Rumels und dessen Ehefrau -Kunigund, geb. Hallerin oder Münzmeisterin von Bamberg, Schwester von -Anton Haller, Genannten und Richter zu Wöhrd. Die Familie Frey war also -zweifellos mit einer Nebenlinie der Haller verwandt. Ist das gleiche -auch mit Dürer der Fall, dann erscheint die immerhin auffallende -Thatsache, daß der begüterte und angesehene Hans Frey sich für seine -Tochter um den jungen Malergesellen bewirbt, in ganz anderem Lichte: die -Familien waren bereits durch verwandtschaftliche Bande mit einander -verknüpft und es herrschte demgemäß ein vertrautes Verhältnis zwischen -ihnen, das einen solchen Schritt erklärt. -- Gehörte auch Johann Haller -aus Rothenburg o. d. T., der Schüler Kobergers, der 1491 das Bürgerrecht -in Krakau erwarb und dort eine Druckerei gründete, zu dieser -Verwandtschaft? Hat er vielleicht Dürers, des jungen Verwandten, -Wanderschaft beeinflußt, so daß Burckhardt mit seiner Annahme von Dürers -Aufenthalt in Krakau Recht hätte? - - * * * * * - -Der Entwurf zur Widmung der Befestigungslehre (Dürers schriftlicher -Nachlaß S. 201) befindet sich noch auf dem städtischen Archiv zu -Nürnberg (D. 394-397) und stammt, wie Campe richtig angibt, von -Pirkheimer. - - * * * * * - -Die Abschriften der Heller-Briefe, die sich zur Zeit der Herausgabe von -Dürer's schriftlichen Nachlaß (S. 43) nicht auffinden ließen, befinden -sich nicht mehr auf der Hof- und Staatsbibliothek in München, sondern -nach Mitteilung des Herrn Konservators Bayersdorffer im kgl. -Kupferstichkabinett daselbst. - - F. - - - Leonhard Danner. - -Zu dem Artikel »Aus der Plakettensammlung II« sei nachträglich erwähnt, -daß der unter Danner angeführte Brettstein nebst einer Reihe anderer, -sicher auf diesen Künstler zurückzuführender, von Stockbauer, Bayer. -Gewerbe-Zeitung 1888, Nr. 1, beschrieben wurde. - - F. - - - - - Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen Museum. - - -Zu den wertvollsten Schätzen des germanischen Museums zählt ein in der -Kirche aufgestelltes Frontale. Es dürfte nicht überflüssig sein, das -Interesse der Besucher der Sammlung auf dieses schon durch seine -Seltenheit und sein Alter kostbare Stück zu lenken. - -Die Seitenwände, vornehmlich aber die Vorderwand des Altares zu -schmücken, sei es durch Vorhänge, sei es durch eine Vorsatztafel -(antependium, frontale, antemensale) ist jedenfalls eine sehr alte -Sitte, welche bis in die frühchristliche Zeit zurückreicht. Auf dem bis -etwa zum Jahre 1000 gewöhnlich vom Ciborium überdachten Altar durften -nur die notwendigsten Geräte aufgestellt werden, das Kruzifix, die -Leuchter, das Meßbuch und außerdem Reliquienbehälter. Für figurale -Darstellungen bot sich also kein geeigneterer Platz, als die Seitenwände -und die Vorderseite des Altares. Letztere wählte man naturgemäß -vorwiegend zur Anbringung bildlichen Schmuckes. Meistens scheint man -sich dabei einer metallenen Tafel bedient zu haben, sehr häufig auch des -Holzes, oder in Rahmen gespannter Gewebe. In einzelnen Fällen wurde -Stein verwandt. Diese Altarvorsätze waren beweglich und konnten nach -Bedarf entfernt oder gewechselt werden. Für die weitere Entwicklung des -Altarschmuckes wurde die Neigung zur Aufstellung einer immer größeren -Anzahl prächtiger Reliquienbehälter auf der Altarplatte (mensa) von -Bedeutung. Diese Gegenstände beengten den Raum der Mensa. Um nun diesen -wieder für ungehinderte Ausübung der heiligen Handlung zu gewinnen, ohne -doch den prächtigen Schmuck der goldenen und silbernen Reliquienbehälter -entbehren zu müssen, errichtete man hinter der Mensa eine sie -überragende Steinwand (retabulum) die zur Aufstellung kirchlicher -Prunkgefäße diente. Das Retabulum selbst bot eine neue Fläche für -Anbringung figuraler Darstellungen, die man nicht unbenutzt ließ. In -derselben Weise, wie beim Schmuck der Stirnwand des Altares verfuhr man -auch hier und so entwickelte sich über dem Frontale ein -Superfrontale[326]. Aus dem Retabulum mit dem Superfrontale ging unter -der Herrschaft der Gotik der reichgeschnitzte und bemalte, in die Höhe -und Breite wachsende Flügelaltar hervor, während gleichzeitig das -Frontale mehr und mehr seinen bildlichen Schmuck verlor und sich in eine -ornamental verzierte Altarbekleidung umwandelte. Das metallene -Antemensale verschwindet im Laufe der ersten Hälfte des XIII. -Jahrhunderts, an seine Stelle tritt die zuweilen geschnitzte, meist -bemalte Holztafel und vor allem gewebte Antependien. - -[Fußnote 326: Außerordentlich interessant ist ein Altar aus dem XII. -Jahrhundert in Lisbjerg (Dänemark). Er besitzt bei einem reich -figuralgeschmückten Frontale ein Superfrontale, das in einreihiger -Darstellung den thronenden Christus, zu seinen Seiten je sechs Apostel -in Bogenstellung zeigt. Darüber wölbt sich auf medaillonverzierten -Untersätzen ein mächtiger Halbbogen, in dem der Kruzifixus mit Maria und -Johannes unter dem Kreuz sich befindet. Das Ganze wird gekrönt durch -einen Aufsatz, der unter einem mittleren größeren Bogen den thronenden -Heiland enthält, während in den nach beiden Seiten niedriger werdenden -drei Bögen anbetende Gestalten dargestellt sind.] - -Aus der hier kurz gegebenen Entwicklung der Altarbekleidung ergibt sich, -daß sich das metallene Frontale mit figuralem Schmuck allgemein nur bis -zum Beginn der Gotik findet[327]. Die erhaltenen romanischen -Antemensalien sind in ihrer größeren Zahl gewebte, bemalte oder -gestickte Antependien, ferner bemalte, sehr selten geschnitzte -Holztafeln. Metallene Frontalien sind nur in geringer Anzahl überkommen. -Doch darf man daraus nicht den Schluß ziehen, sie wären seltener -angewandt worden, denn der Not und dem Kampfe der Zeiten mußten solche -Stücke leichter als weniger kostbare zum Opfer fallen. Dieses Schicksal -hatte z. B. eine am Ende des XII. Jahrhunderts aus Gold und Silber -gefertigte Altartafel des Klosters Petershausen. So wurde auch im XVI. -Jahrhundert der mit Edelsteinen gezierte Altar aus dem Dom zu Merseburg, -ein Geschenk Kaiser Heinrich II., Kriegsbeute. - -Doch sind einige metallene Altarvorsätze in Deutschland erhalten -geblieben: Im Schatze des Münsters zu Aachen 17 getriebene Goldplatten -aus dem X. Jahrhundert[328], ein goldenes Frontale, das Kaiser Heinrich -II. 1019 dem Münster zu Basel gestiftet hat[329]. Jetzt befindet es sich -im Hotel Cluny zu Paris. In der Stiftskirche zu Komburg in Württemberg -ist ein kupfernes, vergoldetes, mit Emailarbeit und Edelsteinschmuck -versehenes Frontale aus dem XII. Jahrhundert[330]; ferner ist das -Antemensale der Ursulakirche in Köln zu nennen, von gleicher Arbeit und -aus gleicher Zeit wie das vorige[331]. Ein hervorragendes Werk deutscher -Emailarbeit ist das Frontale in Kloster-Neuburg, das in drei Reihen die -Heilsgeschichte zur Anschauung bringt[332]. - -Das zuletzt entdeckte unter der geringen Anzahl in Deutschland -erhaltener Frontale ist das im germanischen Museum aufgestellte, aus -Quern in Angeln (Kreis Flensburg, Schleswig-Holstein) stammende. - -Erwähnt wird das Querner Frontale von Haupt in seinen Bau- und -Kunstdenkmälern der Provinz Schleswig-Holstein Bd. I. S. 321; ferner in -der schleswig-holsteinischen Kirchengeschichte, nach hinterlassenen -Handschriften von H. N. A. Jensen, herausgegeben von A. L. J. Michelsen -Bd. II. S. 267. Auch in Ottes Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie -des deutschen Mittelalters Bd. I. S. 136 findet es eine kurze Erwähnung. -Eine ausführlichere Beschreibung widmet ihm J. P. Trap in seiner -Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertug-demmet Slesvig Bd. II. S. -500 und 501. Endlich darf wohl angenommen werden, daß das von J. von -Schröder in seiner Topographie des Herzogtums Schleswig S. 414 erwähnte -kupferne Altarblatt mit dem Brustbild Christi und den vier -Evangelistenzeichen unser, hier allerdings ungenau beschriebenes -Frontale sein soll. Wenigstens haben meine Nachforschungen am Orte -selbst keinen Anhalt ergeben für die Annahme, daß noch ein zweites -kupfernes Altarblatt in Quern sich befunden habe. - -[Fußnote 327: Von einem metallenen gotischen Antemensale mit figuraler -Darstellung spricht Bouillart in seiner Geschichte der Abtei von St. -Germain. Er berichtet von einem Frontale (1404) mit Säulenbündeln und -Fialen, in dessen Nischen die Bilder des Johannes, des Philippus, des -Germanus und der heiligen Catharina stehen. Laib und Schwarz, Studien -über die Geschichte des christlichen Altars S. 19.] - -[Fußnote 328: Abbildung aus'm Weerth. Tafel XXXIV. 1.] - -[Fußnote 329: Abbildung Laib und Schwarz, Studien über die Geschichte -des christlich. Altars. Tafel IV. Fleury, La messe Pl. LXXXVI. Anton -Springer, Handbuch der Kunstgeschichte Bd. II. S. 198 u. s. w.] - -[Fußnote 330: s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und -Schwarz, Studien über die Geschichte des christlichen Altars. Tafel V. -Boisserée Denkmäler Tafel XXVII.] - -[Fußnote 331: Abbildung Bock, das heilige Köln. Tafel XVIII. 69.] - -[Fußnote 332: siehe darüber: Der Altaraufsatz im regul. Chorherrenstift -zu Kloster-Neuburg, von Dr. Gustav Heider. Karl Drexsler. Das Stift -Kloster-Neuburg.] - -Das Frontale im germanischen Museum stammt aus der St. Nicolaikirche in -Quern, einem romanischen Quader- und Feldsteinbau, der in seiner -ursprünglichen Form dem XII. Jahrhundert angehören mag. Die Altartafel -wurde, wie Haupt mutmaßt, am Ende des XVII. Jahrhunderts mit Flügeln -versehen, die eine schlecht gemalte Darstellung des Abendmahls und der -Kreuzigung enthalten. In dieser Form diente sie als Altaraufsatz. Unter -dem 31. Oktober 1881 beschloß das Kirchenkollegium, das Antependium, -welches seit 1869 hinter dem Altar gehangen hatte, und dessen -Altertumswert niemand ahnte, nebst zwei messingenen Altarleuchtern für -300 Mk. zu verkaufen[333]. Eine Zeit lang war das Antemensale im -Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt und wurde schließlich -vom germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erworben. - -Die Querner Altartafel ist zwei Meter lang und ein Meter hoch, von stark -vergoldetem Kupferblech, aus einzelnen unregelmäßig geschnittenen -Platten zusammengesetzt. Die Aureole in der Mitte der Tafel ist 580 mm. -hoch, 432 breit, der obere Rand hat 30, die innere Abschrägung 32 mm. -Die Bogennischen haben eine Höhe von 340 und eine Breite von 60 mm. Der -mittlere Ornamentstreifen ist 40 mm. breit. Die Figuren haben folgende -Maaße: Die Christusfigur mit der Gloriole 400 mm., der geflügelte Mensch -290 mm., die übrigen Figuren messen 270-280 mm. von der Hake bis zum -Scheitel. Die unbärtigen Köpfe haben ein Maaß von 45-50 mm., die -bärtigen von 60-70 mm. - -Inhalt und Einteilung der Tafel sind die für das Frontale um 1200 -allgemein üblichen. In kräftig getriebenem Relief, das die Köpfe und -oberen Körperpartien besonders stark hervortreten läßt, zeigt sie in -einer von den vier Evangelistensymbolen in der Reihenfolge Matthäus, -Johannes oben, Marcus, Lucas unten, umgebenen, zugespitzten elliptischen -Aureole den Salvator auf tuchbehangenem Thron, die rechte Hand segnend -erhoben, die linke auf das Buch des Lebens gestützt. Die Füße stehen auf -einem Schemel. Der bärtige Kopf des Heilands ist von einer Gloriole -umgeben, welche die Kreuzform in bekannter Weise enthält. Das Bild hebt -sich von schuppenartig gemustertem Grund ab. Über der Aureole ist die -Taube, unter der Aureole das Lamm mit Heiligenschein und Fahne in -typischer Darstellung gegeben. Zu beiden Seiten des großen Mittelfeldes -sind je sechs Apostel zu drei und drei über einander in romanischer -Rundbogenstellung angeordnet. Petrus ist durch den Schlüssel -ausgezeichnet, die übrigen Apostel tragen das Buch. Die obere und untere -Bogenstellung werden durch einen Ornamentstreifen getrennt; ebenso ist -die Aureole durch Ornamentstreifen gebildet. Ein Rundstab scheidet die -Tafel von dem nach innen abgeschrägten Rand. Auf letzterem findet sich -in Beziehung auf das Salvatorbild die mit Gold gemalte Inschrift: Sum -lux eterna residens in sede superna. -- Lux ego sum vite per me sup -astra venite. - -[Fußnote 333: Eine Mitteilung, die ich dem Herrn Pastor H. Flor in -Groß-Quern verdanke.] - -Mit Bezug auf die Bestimmung des Altares heißt es weiter: Est deus hic -regnans hic sacratur et ebibitur roseus cruor agni per quem sulphurei -tepuit violentia stagni. -- Die erste Umschrift beginnt über der letzten -Bogennische links von der Aureole und endigt unter Petrus. Dort setzt -die zweite Umschrift ein. - -Der Querner Tafel fast gleich nach Inhalt und Einteilung ist das dem -XII. Jahrhundert angehörende Antemensale aus der Stiftskirche zu Komburg -in Württenberg. In der Mitte zeigt es gleichfalls die Aureole in Gestalt -einer zugespitzten Ellipse mit der hier allerdings stehenden und auch -sonst abweichenden Heilandfigur. Durch gerade verlaufende -Ornamentstreifen wird das Mittelfeld von den Seitenfeldern abgetrennt. -In den so um die Aureole entstehenden vier Zwickeln sind die -Evangelistensymbole angebracht in derselben Reihenfolge wie auf der -Querner Tafel. Die Seitenfelder gleichfalls durch gerade verlaufende -Ornamentstreifen abgeteilt und darin von der Querner Tafel abweichend, -enthalten in gleicher Anordnung, zu drei und drei über einander -beiderseits je 6 Apostel. Die Reihenfolge unter den Aposteln selbst ist -allerdings insofern eine andere, als in dem Komberger Antemensale -Petrus, der hier noch nicht mit dem Schlüssel dargestellt ist, in der -oberen Reihe rechts zu nächst dem Mittelfelde steht, während er in dem -Querner Frontale an der entsprechenden Stelle in der unteren Reihe -rechts seinen Platz gefunden hat. - -Dem Komburger Antemensale nahe verwandt ist die Altartafel in St. Ursula -in Köln. Die übrigen von mir angeführten metallenen Frontalien aus -Deutschland weichen völlig ab von dem Typus, den die Querner Tafel -zeigt. So stellt der berühmte goldene Altarvorsatz aus dem Münster zu -Basel unter 5 hohen schmalen säulengetragenen Rundbögen Christus mit den -3 Erzengeln und dem heiligen Benedictus dar. Die Tafel aus -Klosterneuburg entbehrt ganz des plastischen Schmuckes, sie giebt in -vortrefflicher Emailarbeit die Heilsgeschichte wieder. - -In Schleswig-Holstein selbst finden sich einige hölzerne Altarvorsätze, -die bezüglich ihrer Einteilung und des Inhalts ihrer Darstellung -bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Querner Tafel zeigen. Zunächst ist in -der alten Kirche zu Ekwadt (Kreis Apenrade) vor der Mensa ein -spätromanischer, um 1200 gefertigter Vorsatz[334], der genau dieselbe -Einteilung hat. Die Mitte nimmt die Aureole ein in Form einer -zugespitzten Ellipse, die hier freilich keinen Raum mehr für eine -Darstellung der Taube und des Lammes (über und unter sich) freiläßt. -Dagegen sind für die Anbringung der 4 Evangelistenzeichen an gleicher -Stelle wie bei der Querner Tafel Teile von der Ellipse durchschnittener -Bögen ausgespart. Zu beiden Seiten des Mittelfeldes finden wir auch hier -in 2 Reihen je 3 Bögen. Leider sind die Figuren aus dem Frontale -verloren gegangen. Man darf jedoch bei der völligen Gleichheit der -Einteilung des Rahmens auch annehmen, daß der von ihr umschlossene -figürliche Inhalt derselbe war, wie ihn das Querner Antemensale besitzt. -Wir dürfen das um so unbedenklicher thun, als sich in Hellewadt[335], in -der Nähe Ekwadts, ein dem Ekwadter gleiches Frontale befand, welches -zwar 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein thronender Christus und 8 -Apostel erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch deswegen, -weil Bögen, Säulen und Figuren nicht nur gemalt, sondern in -Holz geschnitzt sind. Ein ähnliches Stück soll sich in der -Universitätssammlung zu Christiania befinden. - -[Fußnote 334: Haupt Bau- und Kunstdenkmäler der Prinz -Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 24.] - -[Illustration: Taf. IV. - -Frontale aus der Kirche zu Quern in Holstein.] - -Die Frontalien des XII. Jahrhunderts geben sehr oft Vorgänge aus der -Heilsgeschichte, meist in 3 Reihen von Bildern, wieder, so das -Antemensale aus Stroddetorp im Museum zu Stockholm[336] ferner die Reste -eines norwegischen kupfernen Frontale, das Bendixen in den Bergens -Museums Aarsberetning for 1890 bespricht. Um 1200 scheinen die früher -beliebteren scenischen Darstellungen der Anbringung einzelner Figuren in -umgrenztem Felde zu weichen und für Letztere wurde Einteilung und Inhalt -der Darstellung, wie sie die Querner Tafel zeigt, typisch. Bis in die -Zeit der Gothik hinein hat sich diese Tradition, ohne freilich zur -ausschließlichen Herrschaft zu gelangen, erhalten. So finden wir in -einem hölzernen gotischen Antemensale in Riseby (Kreis Eckernförde) das -Haupt in den Anfang des XII. Jahrhunderts setzt[337] bei gleicher -Einteilung Christus mit den Aposteln in gleicher Anordnung wieder. -Dasselbe ist in einem ungefähr gleichzeitigen norwegischen Frontale aus -der Kirche von Ulvik in Hardanger[338] der Fall, nur ist hier die -Aureole abweichend gestaltet. - -Die Darstellung des Heilandes in der Aureole, umgeben von den -Evangelistensymbolen, ist in romanischer und frühgotischer Zeit eine -überaus häufige. Seit dem XII. und XIII. Jahrhundert scheint man meist -die, auch in unserer Tafel angewandte Reihenfolge der Symbole -(geflügelter Mensch und Adler oben, Löwe und Ochse unten) bevorzugt zu -haben. - -Es würde aber doch nicht unbedenklich erscheinen, die Reihenfolge der -Evangelistensymbole als weiteren Anhaltspunkt zur Datierung der Querner -Tafel zu benützen. Ebensowenig dürfte die Darstellung der Symbole in -ganzer Figur (wie in dem Querner Altarvorsatz) oder in halber Figur (wie -im Komburger Frontale) auf einen zu verschiedenen Zeiten allgemein -üblichen Gebrauch zurückzuführen sein. Auch ist es mir zweifelhaft, ob -die anthropomorphe oder nichtanthropomorphe Gestaltung der Symbole ein -für die Datierung zu benutzendes sicheres Merkmal bildet. Dagegen darf -zur Bestimmung der Entstehungszeit darauf hingewiesen werden, daß Petrus -in dem uns vorliegenden Antemensale als Attribut den Schlüssel in den -Händen hält. Das XII. Jahrhundert stellt die Apostel entweder mit einer -Schriftrolle oder mit einem Buch versehen dar. Die Gotik charakterisiert -die einzelnen Apostel durch bestimmte Attribute. Das XIII. Jahrhundert -beginnt damit, Petrus mit einem solchen zu versehen und zwar wird ihm -entweder das Schwert gegeben, wie die aus dem Frontale zu Hellewadt -erhaltene Figur des Apostels zeigt, oder man stellt ihn den Schlüssel -tragend dar. Ich möchte glauben, daß die letztere Art der -Charakterisierung des Petrus die jüngere ist. Jedenfalls scheint die -Petrusfigur aus dem Hellewadter Frontale, die neben dem Schwert auch -noch die ursprüngliche Schriftrolle trägt, älter zu sein, sie stammt, -wie oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale würde danach -in den Anfang des XIII. Jahrhunderts zu setzen sein.[339] - -[Fußnote 335: Haupt Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz -Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 34.] - -[Fußnote 336: Fleury, la mes pl. LXXXVIII.] - -[Fußnote 337: Haupt. Bd. I, S. 185.] - -[Fußnote 338: Bendixen, Bergens Museums Aarsberetning for 1893.] - -Dafür spricht auch der Stil der Figuren selbst. Auf den ersten Blick -erinnern die in lange Gewänder gehüllten, wenig proportionierten -Gestalten, mit den schmalen, schräg abfallenden Schultern, den stark -herausgetriebenen Köpfen und den mehr in die Fläche zurücktretenden -nackten Füßen an die Plastik des beginnenden XI. Jahrhunderts, etwa an -die Erzthür im Dom zu Hildesheim. Bei aufmerksamerer Betrachtung -entgehen uns aber in dieser unbeholfenen und zum Teil rohen Arbeit nicht -die Züge, welche die Kunstblüte im Anfang des XIII. Jahrhunderts -auszeichnen. Der Trieb nach treffenderer Wiedergabe des Wirklichen, nach -freierer Bewegung der Gestalten und die nicht ungeschickte Behandlung -des Stofflichen. Die rechte, segnend erhobene Hand des Heilandes ist -noch völlig konventionell. Sie steht fast in rechtem Winkel zum Arm, -eine Haltung, die in Wirklichkeit außerordentlich schwierig, wenn nicht -unmöglich sein würde. Die Stellung der Finger der segnenden Hand (der -kleine Finger und der Ringfinger sind eingeschlagen, während die übrigen -3 Finger gestreckt sind) findet sich schon sehr früh, z. B. auf dem -erwähnten Buchdeckel des heiligen Bernward im Domschatz zu Hildesheim -und vielen anderen Stücken; ebenso noch in der spätromanischen Zeit, u. -a. in einer Miniatur in einem Evangelienbuch aus der ersten Hälfte -des XIII. Jahrhunderts in der Königl. Schloßbibliothek zu -Aschaffenburg.[340] -- Gut beobachtet dagegen ist die Stellung des -linken Beines; es ist stark angezogen, um dem Buche als Stütze zu -dienen. Bekleidet ist der Heiland mit einem langen, weitärmlichen -Gewand, das am Halse mit einem breiten, gemusterten Kragen abschließt -und in der Mitte des Körpers von einem breiten etwas nach oben -verschobenen Gürtel gehalten wird. Nur über die linke Schulter geworfen -ist ein Mantel, welcher das linke angezogene Bein bis übers Knie deckt. -In ganz derselben Weise finden wir den Salvator aus dem Antemensale zu -Hellewadt bekleidet, auch dort liegt der Mantel nur auf der linken -Schulter, ist dann freilich über beide Beine geschlagen und rechts im -Gürtel befestigt. Große Ähnlichkeit mit dem Salvator in der Querner -Tafel zeigt der thronende Heiland in dem norwegischen Antemensale im -Museum zu Bergen, nur thront er dort auf dem Bogen und hat zu beiden -Seiten der Gloriole das Alfa und Omega. Leider ist in dem Querner -Frontale der Kopf des Heilandes eingedrückt, doch kann man deutlich -erkennen, daß bei der Behandlung des Bartes und Haares zu feinerer -Ausarbeitung der Stichel angewandt ist. Seine Anwendung finden wir nur -noch einmal bei dem Apostel in der vom Mittelfeld aus ersten Bogennische -oben rechts im Frontale wieder. Die Figuren lassen ein gewisses Streben -nach natürlicherer und freierer Gestaltung nicht verkennen. Bei -Einzelnen wird der oft nicht ganz geglückte Versuch gemacht, durch die -Kleidung die Körperformen sehen zu lassen, so bei dem geflügelten -Menschen, dem Symbol des Matthäus. Hier ist auch die Behandlung des -Faltenwurfes eine recht gute. Beim Petrus zeigen sich die Knie deutlich -durch das Gewand. Einer der Apostel (im Frontale rechts unten der -äußerste), ist ganz in Profilansicht gegeben. Er schreitet eilend -vorwärts und die Kontouren seines Beines heben sich deutlich im Stoff -ab. Überhaupt ist die Absicht unverkennbar, möglichsten Wechsel in -Haltung und Gebärden der Figuren eintreten zu lassen. Wenn dennoch -einmal 2 Gestalten große Ähnlichkeit mit einander zeigen, wie die beiden -unbärtigen Apostel (in der oberen Reihe die äußersten), so muß man zur -Erklärung in Betracht ziehen, daß es gar nicht leicht ist, 12 Figuren, -die durch gleiche Bedeutung und gleiche Raumbeschränkung gebunden sind, -überall in abweichender Stellung zu zeigen. Dazu kommt, daß die Figuren -durch Säulen getrennt, keine Beziehungen zu einander haben. Allerdings -könnte es scheinen, als ständen die 3 Apostel oben rechts in einem -gewissen inneren Zusammenhang. Die beiden äußeren Figuren wenden sich -der mittleren zu. Auch die Fußstellung würde mit solcher Annahme im -Einklang sein. Doch ist das wohl nicht mehr als ein zufälliges -Zusammentreffen, denn unter den übrigen Aposteln ist irgend eine -Beziehung nicht zu konstatieren. -- Die meist bärtigen Köpfe der Apostel -haben entschieden eine in die Augen fallende Ähnlichkeit, dennoch -besteht das Streben zu individualisieren wie in der Haltung und Bewegung -so auch hier; man betrachte z. B. den Kopf des Petrus, ferner den des -über Petrus stehenden Apostels mit dem zugespitzten Vollbart. Hier ist, -wie bereits erwähnt, zur feineren Behandlung des Haares auch der Stichel -angewandt. -- Ein bemerkenswerter realistischer Zug zeigt sich in der -Wiedergabe der Tierleiber. So ist der geflügelte Ochse, wenn auch nicht -völlig richtig wiedergegeben, doch gut beobachtet in Bezug auf seine -Bewegung und nicht ungeschickt modelliert. Die Wendung des Kopfes mit -der herabhängenden Wampe findet sich freilich auch öfter in romanischen -Werken früherer Zeit, ebenso das Hervortreten der großen und kleinen -Rippen. Beim Löwen, wo der Anfertiger auf Vorbilder oder seine Phantasie -angewiesen war, finden wir eine ganz typische Wiedergabe, die Füße sind -sogar stilisiert. Einen naturalistischen Zug bekundet dagegen wieder die -Bildung des Halses bei dem geflügelten Menschen. Hier zeigen sich -deutlich die Knorpelringe des Kehlkopfes. -- Nach Allem dürfen wir wohl -im Stil der Figuren trotz ihrer augenfälligen Mängel Züge der Kunst des -beginnenden XIII. Jahrhunderts als festgestellt annehmen. - -[Fußnote 339: Abbild. u. a. Anton Springer, Handbuch der -Kunstgeschichte. Bd. II, S. 145.] - -[Fußnote 340: Abbild. Knackfuß deutsche Kunstgeschichte. Bd. I, S. 251.] - -Der Mittelstreifen und der obere Rand der Aureole zeigen 2 einander -verwandte spätromanische Ornamente, die, zierlich in Zeichnung und -Ausführung, viel Verständnis für die Füllung des Raumes beweisen und in -ihrer Arbeit einen merkwürdigen Kontrast zu dem übrigen groben -ornamentalen Schmuck des Frontales bilden. Von Letzterem fallen -besonders die urnenartigen Gebilde in den Bogenzwickeln auf. Sie -bestehen aus einem oberen, von einem Knopfe gekrönten, überquellenden -und einem sich nach unten, unter Anschluß an die Linien des -Bogenzwickels verengenden Teil. Dieser ist durch eine horizontale Linie -geteilt und läßt unter ihr deutlich eine quadratische Vertiefung -erkennen. Der obere Teil zeigt vom krönenden Knopf abwärts verlaufende -Striche, mehr oder weniger deutlich unter der Farbe erkennbar. Ferner -läuft eine Horizontale von einem Knopf zum anderen, nicht überall in -gleicher Höhe über den Bögen. Unter ihr zu beiden Seiten der -vortretenden Bogenwölbung ist wieder je eine quadratische Vertiefung zu -bemerken. -- Die deutschen Frontalien geben uns keinerlei Analogien für -diese eigenartige Dekoration. Wohl aber zeigen nordische Arbeiten -Ähnliches. In dem Superfrontale des Altares zu Lisbjerg (Dänemark) -findet sich eine sehr ähnliche Bogenstellung, die in den Zwickeln klar -erkennbare Architektur zeigt. Bei mangelhafterer Ausführung könnte sie -recht wohl zu Formen führen, wie sie die Querner Tafel über den Bögen -hat. In dem norwegischen kupfernen Frontale im Museum zu Bergen läßt -sich auch hierin eine nahe Verwandtschaft mit der Querner Tafel -konstatieren. Die Platten der zweiten und dritten Reihe haben dort -nämlich in den Bogenzwickeln fast völlig gleiche Gebilde, nur kann man -dort etwas deutlicher als hier erkennen, daß Türme mit Fenstern -dargestellt werden sollten. So darf wohl angenommen werden, auch die -Dekoration über den Bögen der Querner Tafel sollte Architektur -darstellen. Die Verwendung von Architekturformen, Kuppeln und Türmen, -über der Bogenstellung ist ja eine keineswegs seltene, sie will in -naiver Weise gleichzeitig die Außen- und Innenansicht eines Domes geben. -Sehr oft findet sie sich in Miniaturmalereien, aber auch in der kleinen -und großen Plastik. Als Beleg für letztere erinnere ich z. B. an die -Chorschranke der Michaelskirche in Hildesheim. - -Die Kapitäle und Basen der Säulen in dem Querner Frontale sind, wo sie -nicht verloren gingen, teils ornamentiert, teils glatt. Ein -systematischer Wechsel bei der Anwendung beider Formen läßt sich nicht -feststellen. Die glatten Stücke bilden einfach einen von 2 Rundstäben -eingefaßten Wulst. Die ornamentierten Kapitäle und Basen tragen -entschieden das Gepräge der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Auf -dem gleichfalls von Rundstäben eingefaßten Mittelstück wechseln -langgestielte Dreipaßblätter mit kurz gestielten, über denen sich zur -Ausfüllung des Raumes kugelartige Gebilde befinden, die unter der -Übergoldung nicht deutlich zu erkennen sind. Besonders beachtenswert -ist, daß in dem Südportal der Querner Kirche selbst ein ganz ähnliches -Kapitäl vorkommt[341]. Das auch dort von 2 Rundstäben eingefaßte -Mittelstück hat ebenfalls, allerdings etwas abweichend gestaltete -Dreipaßblätter. Das Südportal gehört offenbar dem Anfang des XIII. -Jahrhunderts an. Es ist spitzbogig, wechselt mit roten und schwarzen -Backsteinen, der innere Stab trägt das eben beschriebene Kapitäl, seinen -Sockel bilden noch roh glasierte, schwarze, backsteinere Basen mit den -romanischen Eckblättern. - -[Fußnote 341: Abbild. Haupt. Bd. I, S. 321, Fig. 458.] - -Es haben in der Querner Kirche im Anfang des XIII. Jahrhunderts also -Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die Annahme, daß bei -dieser Gelegenheit auch das Frontale, welches, wie wir gesehen haben, -gleichfalls den Beginn des XIII. Jahrhunderts entstammt, zum Schmucke -des Altares angeschafft wurde. - -Nach Stil und Technik gehört die Querner Tafel dem Norden an. Und da -sich, wie wir sehen, ähnliche, wenn auch nicht in Metall gearbeitete -Altarvorsätze in Schleswig-Holstein gefunden haben (die Antemensale aus -Ekwadt und Hellewadt), dürfen wir annehmen, daß auch das Querner -Frontale im Lande selbst entstanden ist[342]. - -Leider ist das Querner Frontale mit Farbe dick überstrichen. Der Grund -der Aureole, sowie der Bogennischen ist blau. Die Figuren sind nochmals -übergoldet. Die Flächen über den Bögen zeigen ein Braunrot, darin sind -die architektonischen Gebilde in den Zwickeln von hellerem Braun, unter -dem ein grüner Anstrich liegt, mit vergoldetem oberen Teil. Die -Ornamentstreifen sind dunkelgrün mit Ausnahme eines links von der -Aureole durch ein glückliches Geschick dem Anstrich entgangenen Stückes -und des durchbrochenen vergoldeten Ornamentsstreifens in der inneren -Abschrägung der Aureole. Die Säulen sind rot und weiß marmoriert und, -wie die Innenfläche der Aureole, durch einen schwarzen Streifen -eingefaßt. Kapitäle und Basen sind übergoldet. In den Bogennischen hat -man ohne Verständnis für die Bedeutung der Bogenstellung den Boden mit -gemaltem Pflanzenwuchs bedeckt. -- Die wenig schöne Bemalung könnte etwa -aus der Zeit stammen, in der man das Antemensale mit den schlecht -gemalten Flügeln versah und zum Schreinaltar umbildete. -- Eine weitere -gewaltsame Umbildung muß der Altarvorsatz auch insofern erlitten haben, -als man ihm eine neue Unterlage, entschieden vor der Zeit seiner letzten -Bemalung gab. Die einzelnen unregelmäßig geformten Platten sind offenbar -nicht mehr auf der ursprünglichen Holzunterlage; sie sind nicht, wie es -in der Entstehungszeit der Querner Tafel geschah, mit Kupfernieten, -sondern mit groben geschmiedeten Nägeln befestigt. -- Jede Figur ist aus -einer Platte für sich gearbeitet, die ausgetriebenen Formen wurden, um -dem durch die Bearbeitung dünn gewordenen Kupfer Halt zu geben, mit -einer Art Harz ausgegossen. Diese Füllungsmasse scheint stellenweise -verloren gegangen zu sein, wie der eingedrückte Kopf des Salvators -vermuten läßt. Die die Figur umrahmenden Platten sind einfach -übergenagelt und zwar zum Teil so unachtsam, daß ein Stück der Figuren -verdeckt wird, so der obere Rand des Nimbus bei dem geflügelten Menschen -und dem Apostel im erstem Bogen links. Die Platten, aus denen die Taube -und das Lamm gearbeitet sind, zeigen deutlich die schräg abgeschnittenen -Ränder. An einigen Stellen lassen die nicht ganz zureichenden -Metallstücke den Holzuntergrund sehen. -- Die Säulenkapitäle und Basen -sind auf die über einen runden Holzstab geschlagenen Säulen mit -geschmiedeten Nägeln leicht befestigt. Die verschiedene und nicht im -regelmäßigen Wechsel angewandte Form derselben legt den Gedanken nahe, -man habe die glatten Kapitäle und Basen später, als man das romanische -Ornament der Erhaltenen nicht mehr verstand, zur Ergänzung der etwa -verloren gegangenen Kapitäle und Basen hinzugethan. Doch zeigen auch -andere nordische Frontale, so das norwegische im Museum zu Bergen, -denselben unregelmäßigen Wechsel zwischen glatten und ornamentierten -Stücken. -- Spätere Zuthat dagegen ist unzweifelhaft der -Ornamentstreifen der inneren Abschrägung der Aureole. Er zeigt in -durchbrochener Arbeit ein romanischen Stil imitierendes, von der -Feinheit der Ornamente auf den anderen Streifen weit entferntes, -übergoldetes Ornament auf schwarzem Grund. -- Alles übrige ist -ursprünglich und echt. Ein Zweifel könnte höchstens bezüglich des nicht -gestrichenen in seinem alten Glanze erhaltenen Ornamentsstreifens links -von der Aureole entstehen. Doch ergab die Untersuchung, daß das Metall -dem bei den echten Teilen des Frontale verwandten Material gleich sei. - -[Fußnote 342: Ob auch die von Haupt Bd. II, S. 320 erwähnten kupfernen, -stark vergoldeten Altäre, die im Hl. Geisthaus in Schleswig gewesen sein -sollen, derselben oder einer späteren Zeit angehören, ist mir -unbekannt.] - -_Nürnberg._ - - _Gustav Brandt._ - - - - - Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum. - (Mit 1 Lichtdrucktafel). - - -Im letzten Heft 5 unserer »Mitteilungen« hatten wir das speziell auf den -Halligen übliche nordfriesische Haus kennen gelernt, woran wir nunmehr -die Schilderung einiger in unserem Besitze befindlichen -Einrichtungsstücke schließen, die im gegebenen Zeitpunkt bei der -Ausstattung eines friesischen Zimmers Verwendung finden sollen. Das -Glanzstück derselben bilden zwei geschnitzte eichene Stubenthüren, das -bedeutendste Profanaltertum, welches die Halligen bargen und welches -sich eines nicht geringen Rufes erfreute. Die Thüren stammen von -Nordmarsch, der Schwestergemeinde der Hallig Langeneß-Nordmarsch, einer -Insel, die lange Zeit durch einen mächtigen Schlot (Graben, der mit der -See in Verbindung stehend an Ebbe und Flut teilnimmt) in zwei annähernd -gleiche Hälften getrennt war. Das Haus, welches sie schmückten, war -eines der ältesten Halliggebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts, in -welchem sich vortreffliche Wandkacheln und manches wertvolle Möbelstück -befanden, woraus insgesamt geschlossen werden darf, daß es sich von -Anfang an eines behaglichen Wohlstandes erfreut habe. Die in die Thüren -eingeschnitzten Inschriften bilden den Beweis, daß sie in die Blütezeit -des Halligwohlstandes zurückzudatieren sind, von dem ich in meinem -vorigen Aufsatze sprach. Das Haus sah ich bei meinem Halligbesuch im -Jahre 1893 noch vollständig eingerichtet, aber rettungslos dem Untergang -geweiht, weil die Werft, auf der es stand, die Peterswerft, schon damals -in gefahrdrohender Weise vom Wasser zerstört war, so daß sie in den -heftigen, andauernden Orkanen der beiden folgenden Jahre demselben -Schicksal verfiel, wie schon so viele Halligwerften: dem völligen -Zusammenbruch und Hinabgleiten in die tobende Brandung schwerer -Sturmfluten. - -Die beiden Thüren, die wir mit A und B bezeichnen wollen, befanden sich -als Pendants in einem ziemlich kleinen Wohnzimmer von ungefähr 3-3½ m. -Tiefe und Breite und kaum 2½ m. Höhe. Vom Flur aus betrat man es durch -die Thür A, während B in eine Kammer führte. Das Haus war feucht, -weshalb die Flächen der vier größeren Thürfüllungen in der Mitte, die -geschnitzten Rahmen an den oberen Ecken auseinandergeborsten sind, die -Bretter der anschließenden Holzwände aber Spuren von Vermoderung -erkennen lassen, während das Eichenholz der Thüren selbst der Fäulnis -Widerstand zu leisten vermochte. Sie sind ein Produkt der in ganz -Friesland geübten Liebhaberkunst des Holzschnitzens, zu deren Ausübung -auf unseren Inseln der sehr geringe Verkehr mit dem Festlande -beigetragen haben mag, wodurch die Bewohner darauf angewiesen waren, -viele Gebrauchsgegenstände selbst zu verfertigen, und die -Vertrautheit mit der Holzbearbeitung, wie sie bei der Ausübung des -Schiffzimmermanns-Gewerbes erforderlich ist. An Holz selbst aber gebrach -es trotz des mangelnden Baumwuchses auf den Inseln nicht, man fand es an -allen Sandplatten und Inselgestaden als Strandgut, das früher noch -häufiger gewesen sein muß als jetzt, wo Leuchttürme und ein -ausgebildetes Warnungssystem die Schiffe von den gefährlichen Untiefen -fernhalten. Daß kein Berufsschreiner sie angefertigt habe, scheint mir -schon aus den nicht ganz übereinstimmenden Maßen hervorzugehen, denn der -Thürflügel A hat eine Höhe von 187.5, B von 189 cm., die geschnitzten -Rahmenleisten der letzteren außerdem auf der Angelseite 200, auf der -Schloßseite 202 cm. Höhe, wie auch sonst noch kleine Unregelmäßigkeiten -festgestellt werden können, z. B. in der Breite der geschnitzten -Rahmenflächen, die bei A 10, bei B 9-9,3 cm. beträgt, u. s. w. - -Jede Thür hat eine Breite von 82 cm. und ist durch eine doppelt -überschobene obere und untere und eine schmale einfach überschobene -Mittelfüllung gegliedert, die also auf der Rückseite aus der übrigen -Fläche hervortreten. Die eigentlichen Bilder der oberen und unteren -Paneele von A und B haben je eine dreifach zusammengesetzte Umrahmung, -bestehend aus einem immer wiederkehrenden, überaus steif stilisierten -Pflanzenornament mit phantastischen großen roten Blumen in Breite von 8 -cm. zwischen zwei Kehlstoßleisten, die der doppelten Ueberschiebung -entsprechen. Das obere Paneel von A zeigt in 34,2:34,6 cm. zwei ganz -symmetrische Säulenhallen mit roter Stoffdraperie. Unter der linken -Halle sitzt der Evangelist Matthäus auf einem hochlehnigen Polsterstuhl; -vor ihm kniet ein Engel und hält ihm das Evangelienbuch, in welches er -schreibt, ihm zur Linken steht ein Tisch mit blumenerfüllter, schlanker -Amphora. Unter der rechten Halle sitzt Markus hinter einem gotischen -gedeckten Tisch auf einem Bänkchen mit schwellendem Polsterkissen. Auf -dem Tische steht ein kleines Schreibpult mit dem Evangelienbuch, vor -welchem der Apostel, in tiefes Nachdenken versunken, sitzt, die Feder in -der Hand. Vor dem Tisch steht der Löwe und blickt zu seinem Herrn empor. -Oben mitten zwischen beiden Säulenhallen erblicken wir die Taube des -heil. Geistes in einem Strahlenkranze, wie auch die Häupter der -Evangelisten von einem goldenen Heiligenschein umgeben sind. - -Die Mittelfüllung besteht aus einer oblongen, glatten Kartusche mit dem -in Oelfarbe aufgemalten Namen Ebeneser; umrahmt ist letztere von einem -horizontal 4, vertikal 8,5 cm. breiten geschnitzten Pflanzenornament von -nicht ungefälligem Schwung in zierlicher Spätrenaissance, das sich in -seiner freieren Anmut vorteilhaft abhebt von den übrigen -steifstilisierten Ornamentschnitzereien. Die Dimensionen des so -bearbeiteten Paneels sind 18:56 cm. - -In der unteren Füllung tritt aus seiner Umrahmung ein Vollschiff heraus, -das mit geschwellten Segeln, wehender Flagge und Wimpeln durch die -Wellen streicht, wahrscheinlich der Walfischfänger, dessen glücklichen -Reisen der Verfertiger der Thüren als eifriger Teilnehmer seinen -Wohlstand verdankte. Möven umflattern das stolze Fahrzeug, dessen -gedrungener, fester Bau sehr wohl geeignet erscheint, den Gefahren des -Eismeeres zu trotzen. Die Friesen lieben es noch heut, Bildnisse von den -Schiffen zu besitzen, auf denen sie gefahren sind, man findet sie als -Zeichnungen, Gemälde, Reliefschnitzereien und zierlich gearbeitete -Modelle in allen Häusern, sogar als Kachelkompositionen, wie wir früher -gesehen haben. Daß wir es hier mit einem Walfischfänger zu thun haben, -dessen blau-weiß-rote Flagge auf Schleswig-Holstein hinweist, ersehen -wir aus den Inschriften, die in die oberen Querleisten des äußeren -Thürrahmens eingeschnitten sind, und zwar auf jedem die Hälfte eines -mißlungenen Verses: - - DURCH GLUCK UND -- WALFISCHFANGST (A) - GIBT GOT MIR -- HAUS UND LAND (B) - -Größenverhältnisse des Schiffsbildes: 33,5 × 43 cm. - -Die geschnitzten Umrahmungen der Paneelbilder der zweiten Thür B -gleichen ganz denjenigen von A. Die obere Füllung behandelt hier die -Apostel Lucas und Johannes in unverkennbarer Uebereinstimmung der -Auffassung und des Arrangements, wie in dem entsprechenden Paneel von A, -so daß der Schnitzer nach Vorlagen desselben Künstlers gearbeitet zu -haben scheint. Wem diese Vorlagen aber zuzuschreiben sind, vermag ich -nicht zu entscheiden, vielleicht haben wir dabei an einen -Bibelillustrator zu denken. Links von dem Beschauer sehen wir, abermals -unter einer Säulenhalle, geschmückt durch eine schöngeschwungene -Purpurdraperie mit goldener Franse, den Apostel Lucas auf einer mit -schwellenden Polstern belegten Bank vor einem Schreibtisch sitzen, -beschäftigt mit der Niederschrift seines Evangeliums. Ihm zur Linken -ragt ein Crucifix bis zum Dache der Halle, zur Rechten liegt am Boden -sein Attribut, der Ochse, neben dem Tisch ebenfalls auf dem Boden steht -eine blumengefüllte Amphora, doch niedriger als die auf dem Tische des -Matthäus. Gegenüber sitzt Johannes, sein Evangelienbuch auf den Knieen -haltend und ebenfalls eifrig mit Schreiben beschäftigt. Den Hintergrund -erfüllt hier eine von Bäumen umgebene, hochragende Stadt mit spitzen -Türmen (wohl Jerusalem), links neben ihm steht sein Adler und über ihm -in einer Wolke thront Christus, eine Hindeutung auf seine Eigenschaft -als Lieblingsjünger des Herrn. Zwischen beiden Evangelisten schwebt -wieder die Taube in goldenem Strahlenkranze, und goldene Nimben -verklären die Häupter der beiden Evangelisten, auf diesem Bilde sogar -die symbolischen Tiere, was bei A nicht der Fall ist. - -[Illustration: Taf. V. - -Thüre von der Hallig Nordmarsch.] - -Die Verhältniszahlen des Bildes sind 34,5:35 cm. - -Die Mittelfüllung ist ausgezeichnet durch ein ähnlich zierliches -Rankenornament wie bei A, nur läuft es in gleichbleibender Breite von -4,5 cm. um eine Schrifttafel, die in Schnitzerei die gotische Inschrift -enthält: - - Der Ein Und Aus Gang Mein - Laß Dier O herr Befohlen Sein. - -Die Größenverhältnisse des Schnitzwerkes sind hier 17,5:66,5 cm. - -Die untere Füllung von B ist einigermaßen überraschend, denn der gelbe -Blumenkorb mit steifem, streng symmetrisch geordnetem Bouquet, mit -welchem sie geschmückt ist, erscheint mehr als ein Lückenbüßer, denn als -charakteristische, der ganzen Veranlassung zu den beiden Pendants -entsprechende Verzierung. Da wie um alle übrigen Paneelbilder auch um -dieses eine Umrahmung von Pflanzenornament läuft, so ist hier des -vegetabilischen Motivs etwas zu viel gethan, und man würde an Stelle des -Blumenkorbes lieber irgend eine Scene aus dem Seemannsleben dargestellt -sehen. - -Um wieder die Verhältniszahlen anzuführen -- sie betragen 34,5:43,4 cm. - -Jeden Thürflügel umschließt ein 17-18 cm. breiter Rahmen mit 10 cm. -breiter Schnitzerei, die sich wesentlich von den übrigen umrahmenden -Ornamenten unterscheidet. In Wellenlinien läuft hier von oben nach unten -eine scharf hervortretende Lianenranke, deren Wellenhöhe bei B -beträchtlicher ist, als bei A, wodurch dann natürlich die Wellenlängen -in umgekehrtem Verhältnis stehen. An die Ranke setzen sich Blätter, -Blüten und Früchte in naturalistischer Ausführung der exotischen Formen, -doch unterscheiden sich beide Rahmen noch dadurch, daß bei A zahlreiche -buntgefiederte Vögel, die bei B ganz fehlen, einen Teil der Blüten und -Früchte ersetzen. - -Die Spruchbänder in den oberen Querleisten sind in der Mitte abgeteilt, -bei A durch eine Blüte, aus der ein geflügeltes Engelsköpfchen -herauswächst, bei B durch ein ganzes Figürchen, das mit erhobenen Armen -ein wehendes Band etwa in der Form eines Schiffswimpels hält. Deutlich -hervortretend zieht sich die Lianenranke in organischem Zusammenhange -mit denjenigen der Seitenrahmen bei B auch durch die Querleiste, bei A -verschwindet sie mehr unter üppigerem Blattwerk. Durch das -Auseinanderbersten des Holzwerkes haben sich spätere Besitzer der Thüren -veranlaßt gesehen, geschnitzte Keile in die breit klaffenden Fugen -zwischen Quer- und Seitenleisten einzusetzen, welche der Harmonie des -Ganzen leider in unschöner Weise Abbruch thun. - -Die Thürverschlüsse bestehen aus ovalen Messingschilden mit -Bogenausschnitten an den Kanten und mit rechtwinkligen Griffbügeln. Von -wenig geübter Hand sind Anfangsbuchstaben von Namen in der Mitte -eingraviert und die Jahreszahlen 1774. Sie sind ganz augenscheinlich -erst nachträglich aufgenagelt worden, denn die Farbe der Thür war hier -bereits merklich abgegriffen und die Schilde selbst passen der Breite -nach nicht auf die ungeschnitzte Leiste, so daß sie bis auf die -Kehlstöße der Mittelfüllung überragen. - -Zu den Thüren gehören Bretterwände, die horizontal mit weißen -akanthusartigen Arabesken auf blauem Grunde bemalt sind. Breite, reich -profilierte Leisten mit buntem Oelfarbenanstrich verbinden je zwei -Bretter und bilden auch oben und unten den Abschluß der Wände. - -Die Thüren mit ihrem tiefen, ruhigen Farbenschmuck und die Wandbretter -harmonierten aufs Schönste mit den dunkelblau-weißen Kacheln der übrigen -Wandteile, so daß im Verein mit dem über das gewöhnliche Maß -hervorragenden Mobiliar, das mit den Thüren im Hause alt geworden war, -mit dem reliefgeschmückten Einlegerofen und der Bettnische das ganze -Zimmer ein ungewöhnlich charakteristisches Ensemble bot, dessen -Zerstörung, ehe es ganz in unseren Besitz gelangen konnte, sehr zu -bedauern bleibt. - -_Nürnberg._ - - Dr. _Eugen Traeger_. - - - - - Das Bildnis des Hans Perckmeister. - - -Gegen das Ende des Jahres 1894 gelangte durch Ankauf ein interessantes -Porträt, in Öl auf Holz gemalt, h. 51 cm, br. 41,5 cm in die -Gemäldesammlung des germanischen Museums. Am obern Rande trägt das Bild, -dessen nähere Beschreibung unten folgt, auf dem olivgrünen Grund in -gelben lateinischen Majuskeln die Inschrift: ALS · MAN · M · CCCC · -LXXXXVI · IAR · ZALT · WAS PERCKMEISTER · LX · IAR · IN · DER · GE · -STALT · Am Rande der linken Seite in der Mitte das Monogramm W aus zwei -sich überschreitenden V gebildet. Der Dargestellte (Brustbild) blickt -dem Beschauer dreiviertel en face etwas nach rechts gewandt entgegen, -die beiden nicht mehr ganz sichtbaren Hände sind gekreuzt, in der -Rechten hält er einen Rosenkranz mit roten Perlen. Er trägt schwarze -Schaube und schwarze Mütze mit hinten herabhängendem Ende. Das Gesicht -ist schmal, mit kräftiger, ein wenig gebogener Nase, vielfach von Falten -durchfurcht, das Haar graumeliert, der Ausdruck der eines klugen, dabei -etwas gutmütigen Mannes. - -Über die Persönlichkeit des Dargestellten hat Hermann Peters in seinen -geschichtlichen Notizen über die Mohrenapotheke das Wissenswerte -zusammengestellt. Darnach war er der Sohn des Meisters Conrad -Berkmeister, Besitzers der an Stelle des jetzigen Rathauses an der Ecke -der heutigen Theresienstraße dem seinerzeitigen Predigerkloster -gegenüberliegenden Apotheke. Nach der mitgeteilten Inschrift ist Hanns -1436 geboren; 1470-1512 in welchem Jahre er starb, war er Genannter des -größeren Rates. Die Apotheke am Predigerkloster, die er jedenfalls nach -seinem Vater übernommen, befand sich schon vor seinem Tode in andern -Händen (1511) und es ist wahrscheinlich, daß er, der mit seiner Frau -eine Stiftung für die neue Spitalapotheke gemacht hatte, diese selbst in -seinen letzten Lebensjahren geleitet habe. - -Das Bild ist gewiß kein hochbedeutendes Kunstwerk, aber nach mehr als -einer Richtung von kunstgeschichtlichem Interesse. In der reichen -Litteratur über Wolgemut ist es bisher nicht erwähnt, insbesondere auch -Thode unbekannt geblieben. Gehört es wirklich Wolgemut an, so wäre es -dessen bisher einzig existierendes bezeichnetes Gemälde. Daß das -Monogramm W alt und echt ist, unterliegt nach Angabe von Geheimrat v. -Reber und Professor Hauser, die gelegentlich der Restauration -Gelegenheit hatten genau zu prüfen, keinem Zweifel. Fraglich bleibt -zunächst nur, ob es Wolgemut bedeutet. Sind die verschiedenen W auf -Illustrationen des Schatzbehalters Hinweise auf den Künstler Michael -Wolgemut, so ist es das W auf dem vorliegenden Bilde sicher auch. Noch -mehr aber dürfte für Wolgemut die künstlerische Art und Weise sprechen. -Zum Vergleich heranzuziehen ist zunächst das in Größe und Ausführungsart -dem des Hans Perckmeister ganz gleiche Brustbild des Martin Rosenthaler -(Kat. d. Gem. d. Germ. Mus. Nr. 119). Leider ist das Bild schlecht -erhalten, mit Ausnahme des Gesichtes ist alles übermalt. Die -Persönlichkeit des Dargestellten geht aus einer fast verwischten -Inschrift der Rückseite, die bisher nicht beachtet wurde, hervor, und -heißt: MERTEN ROSSENTAHLER IN DIESER GESTALT 72 IAR ALT. Sie ist nach -der Schrift (Weiß auf schwarzem Grund) wohl im sechzehnten Jahrhundert, -vielleicht als das Bild eine Übermalung erhielt, erneuert worden. Die -freie, kecke, an eine schnell gemachte Skizze erinnernde Art des -Porträts Perckmeisters wohnt ihm nicht inne, es ist sorgfältiger -behandelt, wie das Perckmeisters zeigt es aber dieselbe Auffassung und -dieselbe Art den Dargestellten gegen den Hintergrund zu setzen. Der -Dargestellte war nach urkundlichen Nachrichten 1493 gestorben, 1492 von -einer Reise in das gelobte Land zurückgekehrt. Vermutlich ist das Bild -kurz nach 1490 oder 1492-93 entstanden. Von diesem Martin Rosenthaler -existiert ein auch in der Porträtsammlung des Museums vorhandener -Kupferstich von J. F. Leonhardt (Ende des 17. Jahrhunderts). Dieser -enthält auch die Notiz über Rosenthalers Wallfahrt zum heiligen Grab, -welche in der betreffenden Litteratur bis heute nicht Erwähnung gefunden -hat. Es ist eine ebenfalls nach links gewandte Halbfigur in schwarzer -Schaube mit Rosenkranz in der Rechten. Das Haupt deckt ein -pelzverbrämtes Barett. Der Dargestellte trägt hier einen Bart und ist -jugendlicher, etwa als Fünfziger, wiedergegeben, so daß die beiden auf -die Pilgerfahrt bezüglichen Zeichen, Muschel und Stern wohl spätere -Zuthat sind. Die Gesichtszüge sind trotz des Bartes unverkennbar -dieselben wie auf dem Ölgemälde und offenbar liegt dem Stich ein -gleichzeitiges Gemälde zu Grunde. Nicht so groß, aber doch leicht -erkenntlich ist die Verwandtschaft zu den neuerdings Albr. Dürer -zugeschriebenen Tucherbildnissen der Casseler Galerie und des Weimeraner -Museums. In Auffassung und Technik stehen diese 1499 datierten Bilder -entschieden bedeutend höher als das vorliegende Porträt. -Nichtdestoweniger ist die zeichnende, die Konturen hervorhebende Art -beiden gemeinsam, auch die Art die Augen zu behandeln zeigt Verwandtes. -Daß das Bildnis in die der Werkstatt Wolgemuts angehörende Gruppe zu -verweisen ist, wurde auch ohne Monogramm des Weiteren ein Vergleich mit -der Vorderseite der Predella des Peringsdorfferischen Altars -(Brustbilder Cosmas, Damian, Magdalena und Lucia, Kat. Nr. 113 und 114) -ergeben; die technische Behandlung des Haares und des Fleisches, der -Modellierung stimmt genau überein. - -Ein erhöhtes Interesse gewinnt das Bild durch den Umstand, daß wir von -einem zweiten und zwar plastischen Bildnis desselben Mannes Kunde haben. -Wäre nicht die ganz ausdrückliche Bemerkung dabei, daß es -Bildhauerarbeit und zwar vermutungsweise eine solche von Veit Stoß sei, -so würde die Annahme, daß wir es mit dem eben besprochenen Gemälde zu -thun haben, wohl kaum fehlgreifen. Joh. Christoph von Murr berichtet -nämlich in seiner Beschreibung der Marienkirche zu Nürnberg (v. J. 1804, -auf S. 15) bei Gelegenheit der Besprechung der Kunstweise von Veit Stoß: -»Ich habe von Veit Stoß eine sehr schöne Büste. Sie ist 12½ Zoll hoch -(das entspricht auch ungefähr der Größe des gemalten Bildnisses), und -hat diese Aufschrift in goldenen Buchstaben: - - »ALS MAN M · CCCC · LXXXVI IAR ZALT - WAR HANS PERCKMEISTER IX IAR IN DER GESTALT.« - -Das in der Bibliothek des germanischen Museums befindliche Exemplar der -Schrift, stammt aus der Colmarischen Bibliothek und trägt von der Hand -dieses Sammlers wie so viele andere, auch die Bemerkung: Jetzt hat sie -(die Büste) Hr. Fürst Reiß-Lobenstein. Leider waren die Bemühungen den -weiteren Verbleib dieser Skulptur, die als deutsche Porträtbüste des XV. -Jahrh. von größter kunstgeschichtlicher Wichtigkeit wäre, festzustellen, -bis jetzt ohne Erfolg. Eine handschriftliche Bemerkung auf der Rückseite -des Ölgemäldes, der Schrift nach aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, -weist auf die »alhier« befindliche Praunsche Kunstkammer hin, und -beweist damit, daß das Gemälde sich bis auf unser Jahrhundert in -Nürnberg befand. In den Besitz des Museums gelangte es aus der -nachgelassenen Sammlung des Appellationsgerichtsrates Lippart in -Sulzfeld a. M., wo es wohl wenigstens seit der Mitte des Jahrhunderts -war. Merkwürdig ist immerhin, daß weder Murr, der doch die -Nürnbergischen Kunstbestände sehr genau kannte, noch der Autor der -handschriftlichen Bemerkung von dem Vorhandensein des Bildes etwas -wußten. Vielleicht trägt diese Notiz dazu bei, der Büste des weiteren -nachzuforschen; dann kann auch entschieden werden, ob, wie zu vermuten -ist, beide Arbeiten zusammenhängen, resp. das eine nach dem Vorbild des -andern geschaffen wurde. Die lebenswahre, jedem Beschauer auffallende -Behandlung des Gemäldes spricht vorläufig für die Arbeit desselben nach -dem Leben. - -_Nürnberg._ - - _Hans Stegmann._ - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende an den Anfang des Buches -verschoben. - -Fehlende Fußnotenreferenzen im Text wurden dem Kontext entsprechend -hinzugefügt ([33] und [339]). Eine Referenz verwies auf keine Fußnote -und wurde entfernt (vor [38]). - -Hervorhebungen wurden mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet. - -In der Vorlage wurde ß als Kombination von langem und rundem s gesetzt. -Das hat offenbar zu Verwechslungen von ß und ss geführt. In allen -unzweideutigen Fällen wurde dies stillschweigend entsprechend den -damaligen Schreibregeln korrigiert. - -Weiter Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 9]: - ... vestenthors ist ertailt Jorg Scklenk, zollner (!). -- Der - Protokollirende hat hier irrtümlich ... - ... vestenthors ist ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der - Protokollirende hat hier irrtümlich ... - - [S. 10]: - ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- uud - Rechenmeisters zu ... - ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- und - Rechenmeisters zu ... - - [S. 12]: - ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbbch 12. Fol. - 166a) noch Stadtschreiber in ... - ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbuch 12. Fol. - 166a) noch Stadtschreiber in ... - - [S. 15]: - ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten - ist Italien ... - ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten - ist Italien, ... - - [S. 23]: - ... Porträt: richtig beurteilen und voll würdigen hönnen wir eine - Leistung ... - ... Porträt: richtig beurteilen und voll würdigen können wir eine - Leistung ... - - [S. 26]: - ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dsz.) 1512: ... - ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dez.) 1512: ... - - [S. 44]: - ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrole - heranziehen ... - ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrolle - heranziehen ... - - [S. 46]: - ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwiedern: - wenn es ... - ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwidern: - wenn es ... - - [S. 48]: - ... Solichs dan (!) weib und kindt in ausehung der armutt propter - deum beschehen. Actum ... - ... Solichs dan (!) weib und kindt in ansehung der armutt propter - deum beschehen. Actum ... - - [S. 52]: - ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, dals er aus Gefrees in - Oberfranken ... - ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, daß er aus Gefrees in - Oberfranken ... - - [S. 55]: - ... Thausing Albrecht Dürers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher - & Gnauth das ... - ... Thausing Albrecht Dürers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher - & Gnauth Das ... - - [S. 55]: - ... wußten die Italiener schon lange; und auch dieseits der Alpen - übte man schon im ... - ... wußten die Italiener schon lange; und auch diesseits der - Alpen übte man schon im ... - - [S. 56]: - ... daß er ihn unter den Venezianern am höchten schätzte, dessen - glänzende ... - ... daß er ihn unter den Venezianern am höchsten schätzte, dessen - glänzende ... - - [S. 56]: - ... Ganze zu denken und zu komponieren. ... - ... Ganzes zu denken und zu komponieren. ... - - [S. 59]: - ... Reliefbilder im Tympanon, läßt faßt einen Dilettanten - vermuten; ich meine, ... - ... Reliefbilder im Tympanon, läßt fast einen Dilettanten - vermuten; ich meine, ... - - [S. 61]: - ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem - »Jerusasalem ... - ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem - »Jerusalem ... - - [S. 64]: - ... Röhricht und Meissner a. a. O., S. 66 u. 95. ... - ... Röhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95. ... - - [S. 64]: - ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga; - Igualada--Barcelona--Pergignan--Narbonne; ... - ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga; - Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne; ... - - [S. 65]: - ... und 1516 (vgl. Urkundenbbuch des Klosters Ilsenburg, - beabeitet von Jacobs, Halle 1877, ... - ... und 1516 (vgl. Urkundenbuch des Klosters Ilsenburg, - bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, ... - - [S. 96]: - ... [Ratsprotolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ... - ... [Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ... - - [S. 99]: - ... Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kupf gewesen zu sein, - der ... - ... Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein, - der ... - - [S. 100]: - ... die dicksten Mauren von Thürnen nnd andern Gebäuen zu brechen ... - ... die dicksten Mauren von Thürnen und andern Gebäuen zu brechen ... - - [S. 104]: - ... dann »Buch der Beispiele der alteu Weisen«, Boccaccios - Decamerone, Pauli, ... - ... dann »Buch der Beispiele der alten Weisen«, Boccaccios - Decamerone, Pauli, ... - - [S. 105]: - ... ex quo ita est, andite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et - e converso. ... - ... ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et - e converso. ... - - [S. 107]: - ... à une mème suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le - pied, en balustre, ... - ... à une même suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le - pied, en balustre, ... - - [S. 107]: - ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est nn sujet deux fois - répété: un ... - ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois - répété: un ... - - [S. 111]: - ... von der Rüchseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für - eine in sich so ... - ... von der Rückseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für - eine in sich so ... - - [S. 112]: - ... Stifters gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichren, ist - hier unmöglich. ... - ... Stifters gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist - hier unmöglich. ... - - [S. 115]: - ... jeher doppelten Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt - zn haben, ... - ... jeher doppelten Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt - zu haben, ... - - [S. 119]: - ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhäußer - stößt, ist es ... - ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhäuser - stößt, ist es ... - - [S. 121]: - ... den prächtigen Schmuk der goldenen und silbernen - Reliquienbehälter entbehren ... - ... den prächtigen Schmuck der goldenen und silbernen - Reliquienbehälter entbehren ... - - [S. 123]: - ... s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und Schwatz, - Studien über ... - ... s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und Schwarz, - Studien über ... - - [S. 125]: - ... 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein tronender Christus - und 8 Apostel ... - ... 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein thronender Christus - und 8 Apostel ... - - [S. 125]: - ... erhatten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch - deswegen, weil Bögen, ... - ... erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch - deswegen, weil Bögen, ... - - [S. 126]: - ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querener Frontale - würde danach ... - ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale würde - danach ... - - [S. 129]: - ... Umhauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die - Annahme, daß bei ... - ... Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die - Annahme, daß bei ... - - [S. 130]: - ... den Halligen übliche nordfrisische Haus kennen gelernt, woran ... - ... den Halligen übliche nordfriesische Haus kennen gelernt, - woran ... - - [S. 132]: - ... umflattern das stolze Fahrzeung, dessen gedrungener, fester - Bau sehr wohl geeignet ... - ... umflattern das stolze Fahrzeug, dessen gedrungener, fester - Bau sehr wohl geeignet ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Mitteilungen aus dem germanischen -Nationalmuseum. Jahrgang 1896, by Various - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MITTEILUNGEN AUS DEM *** - -***** This file should be named 50917-8.txt or 50917-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/9/1/50917/ - -Produced by Constanze Hofmann, Karl Eichwalder, Chuck -Greif, Jens Sadowski, and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive. - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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