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-The Project Gutenberg EBook of Mitteilungen aus dem germanischen
-Nationalmuseum. Jahrgang 1896, by Various
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896
-
-Author: Various
-
-Release Date: January 14, 2016 [EBook #50917]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MITTEILUNGEN AUS DEM ***
-
-
-
-
-Produced by Constanze Hofmann, Karl Eichwalder, Chuck
-Greif, Jens Sadowski, and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was
-produced from images generously made available by The
-Internet Archive.
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-
-
- Mitteilungen
- aus dem germanischen Nationalmuseum.
-
-
- Jahrgang 1896.
-
- [Illustration]
-
- Nürnberg, 1896.
- Verlagseigentum des germanischen Museums.
-
- Mitteilungen
- aus dem
- Germanischen Nationalmuseum
- herausgegeben
- vom Directorium.
-
- JAHRGANG 1896.
-
- MIT ABBILDUNGEN.
-
- NÜRNBERG, 1896.
- VERLAGSEIGENTUM DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
-
-
-
-
- Register zum Jahrgang 1896
- der
- Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum.
-
-
- Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers, von Dr. Alfred 3
- Bauch
- Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums, 15 u. 97
- von Dr. F. Fuhse. I. II.
- Oswald und Kaspar Krell, von Dr. Th. Hampe 23
- Zu Baldungs Madonna mit der Meerkatze, von Dr. Edm. Braun 28
- Der Meister der Nürnberger Madonna, von Gustav von Bezold 29
- Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu 32
- Wildenthierbach im Rothenburgischen, von Dr. Th. Hampe
- Die letzten Tage des Malers Georg Pentz, von Dr. Alfred 43
- Bauch
- Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank 49
- (um 1600), von Dr. Th. Hampe
- Albrecht Dürer und der Rahmen des Allerheiligenbildes, von 53
- Karl Schaefer
- Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das 61
- Reisetagebuch des Sebald Oertel (1521-22), von Dr. Th.
- Hampe
- Über ein Prosatraktätlein des Hans Folzens von der 83
- Pestilenz, v. Dr. Th. Hampe
- Eine Nürnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 91
- 16. Jahrhunderts, von Dr. Edmund Braun. I.
- Notiz über Dürer aus den Nürnberger Ratsprotokollen, von 96
- Dr. Th. Hampe
- Das Nürnberger Münzkabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. 108
- von Kreß, von Dr. K. Schaefer
- Friesische Häuser auf den Halligen, von Dr. Eugen Traeger 112
- Dürer. Kleine Mitteilungen, von Dr. F. Fuhse 120
- Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen 121
- Museum, von Gustav Brandt
- Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum, von 130
- Dr. Eugen Traeger
- Das Bildnis des Hans Perckmeister, von Dr. Hans Stegmann 134
-
-
-
-
- Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers[1].
-
-
-In der Gemäldegallerie des Germanischen Nationalmuseums befindet sich
-unter Nr. 273 ein Bildnisdiptychon, das, wie aus dem rückseits
-angebrachten Familienwappen zu entnehmen ist, den Nürnberger Bürger Hans
-Straub und seine Gattin Barbara Pirkheimer darstellt[2].
-
- [Illustration]
-
-Die Straube waren eine Kaufmannsfamilie, deren Ahnherr Bernhard Straub
-im Jahre 1495 in Nürnberg das Bürgerrecht erwarb[3] und später Genannter
-des größeren Rats wurde[4], womit seine Familie in den Kreis der
-Nürnberger ehrbaren Geschlechter eintrat. Einer seiner Söhne, der
-obengenannte Hans Straub vermählte sich am 8. Februar 1518 mit Barbara,
-der jüngsten Tochter des Nürnberger Staatsmanns und Gelehrten Wilibald
-Pirkheimer und dessen Gemahlin Crescentia Rieter[5]. Die Pirkheimer
-führten eine Birke, die Rieter ein Meerweib im Wappenschilde. In der
-goldenen Halskette, mit der Barbara auf dem Bildnis geschmückt ist,
-wechseln diese Wappenfiguren mit einander ab; die Kette war also sicher
-ein Familienerbstück, das Barbara aus dem Nachlasse ihrer (1504)
-verstorbenen Mutter zugefallen war.
-
-[Fußnote 1: _Anm. der Redaktion._ Die Urheberschaft des Georg Schlenk an
-dem Bilde Germ. Mus. Nr. 273 ist zwar mit den folgenden Ausführungen
-nicht zweifellos erwiesen, wir glaubten aber, eine weitere Untersuchung
-der Frage durch Aufnahme des Artikels ermöglichen zu sollen, der neben
-dem im engeren Sinne kunstgeschichtlichen, auch manichfaches
-kulturgeschichtliches Interesse bietet.]
-
-[Fußnote 2: Vorzüglich entworfene Wappen der Familien Straub und
-Pirkheimer im Wappenbuch der Nürnberger Geschlechter vom Jahre 1583. M.
-S. 144/159 im k. Kreisarchiv Nürnberg.]
-
-[Fußnote 3: Bürgerbuch M. S. 230, Fol. 13r]
-
-[Fußnote 4: Ratsgang M. S. 105, Fol. 64b]
-
-Wie die Aufschriften des Diptychons besagen, wurde es im Jahre 1525
-gemalt. Das Monogramm des Künstlers fehlt. Die Porträts rühren aber
-zweifellos von einem Maler her, der sich an Dürer gebildet hatte; sie
-wurden daher der Schule Dürers und insbesonders dem Maler Georg Pentz
-zugewiesen[6].
-
-Von bekannten Nürnberger Malern aus Dürers Schule kämen außer Pentz noch
-die beiden Brüder Hans Sebald und Barthel Beham in Frage; allein im
-Jahre 1525, wo die Bildnisse entstanden sind, können die drei Maler
-überhaupt nur verschwindend kurze Zeit in Nürnberg thätig gewesen sein.
-Im Winter 1524 auf 1525 hatte es der Nürnberger Rat mit einer
-gefahrdrohenden Bewegung religiöser und sozialistischer Natur zu thun.
-Unter den Aufwieglern befanden sich auch Pentz und die beiden Beham, die
-sogenannten »drei gottlosen Maler«. Sie wurden Anfang Januar 1525
-gefänglich eingezogen und dann zur Strafe aus der Stadt gewiesen[7]. Die
-Verbannung wurde wahrscheinlich in der üblichen Weise gegen sie
-ausgesprochen, daß sie nur in einer Entfernung von einer bestimmten
-Anzahl Meilen sich niederlassen durften. Nachdem die drei Maler hierauf
-wiederholt vergebens um Erlaß der Strafe gebeten hatten, wurde zunächst
-dem Maler Pentz vom Nürnberger Rate gestattet, in der Stadt Windsheim,
-die von Nürnberg zwölf Stunden entfernt ist, seinen Wohnsitz zu
-nehmen[8]. Schließlich aber erhielten alle drei Maler auf Fürbitte
-Melchior Pfinzings, des Probstes von St. Sebald, Verzeihung: es wurde
-ihnen durch Ratsbeschluß vom 16. November 1525 erlaubt, wieder
-zurückzukehren[9]. Hiernach können also die Maler kaum vor dem 19. oder
-20. November nach Nürnberg zurückgekommen sein; und da nach damaliger
-Rechnung das Kalenderjahr mit dem 24. Dezember abschloß[10] so ist es an
-sich schon wenig wahrscheinlich, daß gerade in dieser kurzen Zeit am
-Ende des Jahres 1525 beide Porträts von der Hand eines dieser Maler
-geschaffen sind.
-
-[Fußnote 5: Ratsbuch 11, Fol. 121a: Item herrn Wilbolten Birkhaimer sind
-vergonnt zu seiner tochter junkfrauen Barbara vorhabenden hochzeit mit
-Hans Strauben, Ber(n)hardin Strauben sun, auf montag nach Dorothee
-schirst der stat pfeiffer, auch das rathaus zum tantz und schenk. Actum
-secunda post Anthonii XVIII (1518). -- Nürnberger Geschlechterbuch M. S.
-164, II. Band. Fol. 75a.]
-
-[Fußnote 6: Gemäldekatalog des Germanischen Nationalmuseums vom Jahre
-1887 unter Nr. 255 und vom Jahre 1893 unter Nr. 273.]
-
-[Fußnote 7: Die Prozeßakten sind veröffentlicht von Theoder Kolde,
-Beiträge zur Reformationsgeschichte. Leipzig 1888. Separatabdruck aus
-den Kirchengeschichtlichen Studien, S. 228-250. Vgl. auch Friedrich
-Roth, die Einführung der Reformation in Nürnberg, Würzburg 1885, S. 250
-ff. -- Die Ausweisung der »drei gottlosen Maler« erfolgte Ende Januar
-1525: Der Prozeß begann am 10. Januar 1525, am 12. Januar saßen bereits
-alle drei Maler im Gefängnis und blieben darin fünfzehn Tage, wie dies
-aus einem Beleg zur Stadtrechnung 1524/25 hervorgeht: »Lochhueter quarta
-Brigite (1. Februar) 1525. Barthel Beham hat 15 tag ... 6 [Pfund].
-Sebold Peham hat 15 tag ... 6 [Pfund], Jorg Pencz hat 15 tag ... 6
-[Pfund].« -- Das Pfund wurde gleich 30 Pfennigen gerechnet.]
-
-[Fußnote 8: Briefbuch Nr. 39, Fol. 239r und 240a. Der Brief ist datiert
-von sontags 28. may 1525.]
-
-[Fußnote 9: Über die Zeit, wann es den drei gottlosen Malern gestattet
-wurde, wieder nach Nürnberg zurückzukehren, finden sich in der
-kunstgeschichtlichen Litteratur nur vage Vermutungen. Vgl. Adolf
-Rosenberg, Sebald und Barthel Beham, zwei Maler der deutschen
-Renaissance, Leipzig 1875, S. 11, und S. K. Wilhelm Seibt, Hans Sebald
-Beham, Maler und Kupferstecher und seine Zeit, Frankfurt a. M. 1882, S.
-13. -- Bestimmte Nachricht gibt ein Ratsverlaß: »Quinta Ottmari 16.
-novembris 1525. Auf herrn Melchior Pfintzings, brobst, furpeth Sebolt
-und Bartholmes den Behaim und Jörg Benntz, maler, ir straf von der stat
-begeben mit dem beding, das man ein sonder achtung und aufsehen haben
-woll, wie sy sich halten werden; und sover sy sich voriger weis
-unschicklich halten werden, woll man sy wider von hinnen weysen. --
-Burgermeister.« -- Ratsmanuale 1525/26, Heft 8 Fol. 11a. -- Vgl. hierzu
-Th. Kolde, Andreas Althamer der Humanist und Reformator in
-Brandenburg-Ansbach, Erlangen 1895, S. 17, Anm. 3.]
-
-Doch noch ein weiterer Umstand spricht gegen die Autorschaft eines der
-genannten drei Maler: weder bei Pentz, noch den beiden Beham lassen sich
-irgendwelche Beziehungen zu der Familie Straub oder Pirkheimer
-feststellen.
-
-Wohl aber ist dies der Fall bei einem anderen Maler, der nicht bloß wie
-Pentz und die Brüder Beham wegen der Malweise der Schule Dürers
-beizuzählen ist, sondern auch _dokumentarisch_ sich als Schüler Dürers
-nachweisen läßt[11]. Wir meinen den Maler, dessen in einem Verlaß des
-Nürnberger Rats vom 8. Oktober (sabbato post Francisci) 1524 mit den
-Worten Erwähnung geschieht:
-
- »Albrecht Durers Knecht Jergen, der sein Mayd zur Ehe genommen,
- um 2 Guldin Werung zu Burger auffnemen.
-
- H. Volkamer.«
-
-Unter diesem Knechte wurde bisher Georg Pentz verstanden[12]. Pentz aber
-hatte bereits am 8. August 1523 und zwar gegen eine Aufnahmegebühr von
-vier Gulden in Nürnberg das Bürgerrecht erworben[13], und seine Frau
-hieß Margareta, während doch Dürers Magd, wie bekannt, den Vornamen
-Susanna führte[14]. Demnach kann Pentz unmöglich mit diesem Knecht Georg
-identisch sein.
-
-[Fußnote 10: Dies ist aus den Daten der Ratsverlässe in den Nürnberger
-Ratsmanualen zu entnehmen. Erst vom Jahre 1558 ab wurde in Nürnberg das
-neue Jahr vom 1. Januar an gerechnet. Vgl. auch Edmund Goetze, Hans
-Sachsens Gemerkbüchlein in der Festschrift zur Hans Sachs-Feier,
-gewidmet vom Herausgeber und Verleger der Zeitschrift für vergleichende
-Literaturgeschichte, Weimar 1894, S. 49 und 50.]
-
-[Fußnote 11: Sonst gibt es nur noch einen dokumentarisch beglaubigten
-Schüler Albrecht Dürers, den Malerjungen Friedrich, den der Kurfürst
-Friedrich von Sachsen zu Dürer in die Lehre gab. Er war bei Dürer in den
-Jahren 1501/2. C. Gurlitt, zur Lebensgeschichte Albrecht Dürers, in dem
-von H. Thode und H. von Tschudi redigierten Repertorium für
-Kunstgeschichte, 1895, Hand XVIII, Heft 2, S. 112.]
-
-[Fußnote 12: Moritz Thausing, Dürer, Leipzig 1884. II. Band, S. 262.
-Anton Springer, Albrecht Dürer, Berlin 1892, S. 143, spricht von näheren
-Beziehungen, die Georg Pentz mit dem Dürerschen Hause unterhielt. -- Das
-kann nur auf diesen Knecht Georg zielen. Friedrich Leitschuh, Albrecht
-Dürers Tagebuch der Reise in die Niederlande, Leipzig 1884, S. 125 Anm.
-zu S. 60, Z. 9. -- K. Lange und F. Fuhse, Dürers schriftlicher Nachlaß,
-Halle a. S. 1893, S. 126. Anm. 2.]
-
-[Fußnote 13: Bürgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol. 122a.]
-
-Den Familiennamen des Knechtes Georg erfahren wir aus dem Bürgerbuche,
-wo unter anderen neu aufgenommenen und vereideten Bürgern zum selben
-Tage, sabbato post Francisci 1524, aufgeführt ist[15]:
-
- »Gorg Schlenck, Maler, dedit ... 2 fl. werung.«
-
-_Wir haben es also hier mit einem bisher völlig unbekannten Schüler
-Albrecht Dürers zu thun_; und wenn er auch als Künstler keinen Ruhm
-erlangt hat, so sind doch seine Schicksale deshalb von ganz besonderem
-Interesse, weil sie, im Zusammenhang mit anderen Erscheinungen aus
-Nürnbergs Kunstwelt betrachtet, es erst erklärlich machen, warum in
-Nürnberg der Malerei nur eine so kurze Blütezeit beschieden war.
-
-Es dürfte sich daher wohl verlohnen, eine biographische Skizze dieses
-Mannes zu entwerfen.
-
-Wir begegnen ihm zum ersten Male gelegentlich seiner Verheiratung mit
-Susanna. Sie hatte schon längere Zeit in Dürers Hause als Magd gedient,
-muß aber bei der Eheschließung noch jung gewesen sein, weil sie im Jahre
-1520 noch als Mägdlein bezeichnet wird[16]. Bei dem Ehepaar Dürer, das
-sich keiner Nachkommenschaft erfreute[17], wurde sie wie zur Familie
-gehörig behandelt; sie machte 1520 und 1521 mit Dürer und seiner Frau
-Agnes die Reise in die Niederlande mit und wurde dort sogar zu
-Festlichkeiten mit eingeladen, die man zu Ehren ihres Herrn
-veranstaltete.
-
-Als Schlenk das Bürgerrecht erwarb, gewährte ihm der Rat einen Nachlaß
-an der Aufnahmegebühr[18]; er hatte nur zwei Gulden zu zahlen, während
-sonst die Mindestgebühr vier Gulden betrug. Vier Gulden wurden von denen
-gefordert, deren Gesamtvermögen nicht über 100 Gulden an Wert geschätzt
-wurde. Er war also von Haus aus arm, und seine Dürftigkeit wird ihn
-daher bewogen haben, noch weiterhin bei Dürer zu arbeiten; wenigstens
-wird noch im Jahre 1526 ein »Diener« Albrecht Dürers erwähnt[19].
-
-[Fußnote 14: Dürer nennt ihren Namen in seinem Tagebuch der Reise in die
-Niederlande. Leitschuh a. a. O. S. 204. -- Lange und Fuhse, S. 416.]
-
-[Fußnote 15: Bürgerbuch de 1456-1534, M. S. 237, Fol 126b: Sabbato post
-Francisci 1524 ... Hans Renner, plattner, Friedrich Pruckner,
-schwertfeger, dedit, quilibet 4 fl. werung, _Georg Schlenck, maler_,
-Hans Wolleben, peckschlagerjunger ... dedit quilibet 2 fl. werung,
-juraverunt.]
-
-[Fußnote 16: Lange und Fuhse, a. a. O. S. 116.]
-
-[Fußnote 17: Springer, S. 124 hält die Magd Susanne irrtümlich für
-Dürers Tochter. -- Albrecht Dürer hatte von seiner Frau überhaupt keine
-Kinder, und auch sein Bruder, der Goldschmied Endres Dürer, hinterließ
-keine Nachkommenschaft, denn Constantia, die angebliche Tochter Endres
-Dürers, war kein leiblicher Sprößling, sondern eine Stieftochter Endres
-Dürers, wie sich dies aus dem I. Ehebuch von St. Sebald ergibt: Gilg
-Prager von Dresen, Constantia Hirnhoferin, 14. Februarii 1531. Auch
-bezüglich dieses Gilg (Kilian) Prager herrschen Irrtümer. Er stammte
-nicht, wie Lochner (Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1863, S.
-231) aus seinem Namen geschlossen, aus Prag, sondern aus Dresden. Prager
-war unbemittelt aus Nürnberg eingewandert. Der Rat gewährte ihm einen
-Nachlaß an der Bürgeraufnahmegebühr. Ratsmanuale 1531/32, Heft 3, Fol
-6b: Samstag 17. juny 1531. Gilg Preger (!), goldschmid, 2 fl. am
-burgerrecht nachlassen. Herr B. Baumgartner. Bürgerbuch M. S. 237, Fol.
-162a: Gilg Kilian Prager, goldschmidt, dedit 2 fl. werung, juravit.
-Secunda post Viti 1531. Meisterbuch de 1456-1534 Fol. 39b: Gilg Kilian
-Prager, goltschmid, juravit et dedit x fl. werung sabbato Magdalena
-1531.]
-
-[Fußnote 18: Den Nachlaß hatte er vermutlich einer Fürsprache Albrecht
-Dürers zu verdanken, wie ja auch einmal ein anderer Maler Hans Hofmann
-auf Dürers Verwendung unentgeltlich in Nürnberg als Bürger aufgenommen
-worden war. Ratsmanuale 1520/21, Heft 7, Fol. 4r: Quarto post Michaelis
-(3. Oktober) 1520. Einen frembden berumbten maler Albrecht Durer zu eren
-umbsunst zu burger aufnemen. Burgermeister. Am selben Tage fand keine
-Vereidigung von Neubürgern statt; er wurde daher erst ein paar Tage
-später vereidet. Bürgerbuch M. S. 237, Fol. 112r: Sabbato post Francisci
-(6. Oktober) 1520. _Hans Hofmann, maler_, dedit o, Hans Kraft von Ulm
-dedit 4 fl. werung, juraverunt.]
-
-Über Schlenks Thätigkeit als Maler ist wenig zu sagen. Mit einiger
-Gewißheit wird man ihm nur die bereits oben besprochenen Porträts des
-Nürnberger Kaufmanns Hans Straub und dessen Gattin Barbara, der jüngsten
-Tochter Willibald Pirkheimers, zuweisen können.
-
-Zwischen den Familien Pirkheimer und Dürer herrschten die
-freundschaftlichsten Beziehungen. Auch Barbara stand bei Dürer in
-besonderer Gunst: er gedachte ihrer auch auf seiner Reise in die
-Niederlande und brachte ihr von dort Geschenke mit[20]. Dann war Dürer
-aber auch der Berater seines Freundes Pirkheimer in Kunstsachen und
-lieferte ihm im Jahre 1525, also gerade in der Zeit, wo die oben
-erwähnten Bildnisse entstanden sind, mehrere Zeichnungen zu einer
-Ausgabe des Ptolomaeus[21]. So waren also bei diesem intimen Verkehr
-viele Anknüpfungspunkte zwischen den Gliedern der Familie Pirkheimer und
-Dürers Hausgenossen, d. h. seinem Gehilfen Georg Schlenk und dessen Frau
-Susanna, vorhanden.
-
-Ebenso sicher ist, daß die Porträts von einem Maler aus Dürers Schule
-herrühren. Da aber, wie schon dargethan wurde, Pentz und die beiden
-Beham nicht wohl in Frage kommen können, so wird man sein Augenmerk auf
-einen andern Schüler Dürers richten müssen.
-
-Schlenk hatte im Herbst 1524, also kurze Zeit, bevor die Porträts gemalt
-wurden, sich einen eigenen Hausstand gegründet. Er war von Haus aus
-unbemittelt; um so eher werden ihm seine Gönner einen Verdienst
-zugewendet haben.
-
-Daß es Schlenk außerdem nicht an Talent gefehlt hat, um die Porträts zur
-Zufriedenheit auszuführen, dafür ist Beweis, daß ihn ein Dürer in seiner
-Werkstätte heranbildete. Ein Meister wie Dürer würde sicher keinen
-Stümper um sich geduldet haben.
-
-Nach alledem wird man kaum fehlgehen, in Georg Schlenk den Maler des
-Bildnisdiptychons zu suchen.
-
-Der Tod Dürers beraubte Schlenk seiner Stütze. Dürer starb am 6. April
-1528. Nicht lange darauf finden wir Schlenk in einer ganz unerwarteten
-Lage: er bewarb sich im März 1529 um eine Anstellung als städtischer
-Aufdinger[22]. Die Aufdinger waren die Auf- und Ablader der
-Kaufmannsgüter, die in Nürnberg zur Verzollung kamen. Sie wurden nach
-den Haupthandelsstraßen bezeichnet: es gab Aufdinger auf der polnischen
-Straße, dann Aufdinger auf den Straßen nach Sachsen, Franken, Schwaben,
-Bayern und Ungarn[23]. Das Ämtchen als Aufdinger muß, allerdings wohl
-zumeist wegen der Trinkgelder, ein recht einträgliches gewesen sein;
-denn es war immer ein großer Zudrang dazu, und wiederholt mußte der Rat
-einschreiten und fremden Eindringlingen, die keine Bestallung hierzu
-hatten, das Aufdingen bei Strafe verbieten[24]. Als Schlenk um einen
-Aufdingerposten anhielt, ließ der Rat Erkundigungen einziehen, ob er
-sich dazu eigne. Sei es nun, daß er für so eine schwere Arbeit
-körperlich zu schwach war, oder daß keine Vakanz bestand, er erreichte
-seinen Wunsch nicht und versuchte es das Jahr darauf, wenn auch wiederum
-vergebens, als Nürnberger Landbote eine Stelle zu erlangen[25]. Endlich
-aber glückte es ihm doch, in städtische Dienste zu kommen: er wurde im
-April 1532 zum Zöllner am Vestnerthor ernannt und noch im selben Jahre
-ans Tiergärtnerthor versetzt. Vorher aber hatte er zusammen mit seiner
-Frau Susanna sich eine Zeitlang seinen Unterhalt als Inhaber einer
-Garküche erworben[26]. Das Geschäft, dessen Seele jedenfalls seine in
-der Kochkunst bewanderte Ehegattin gewesen sein wird, muß aber doch wohl
-ihren Erwartungen nicht entsprochen haben, und der Posten eines
-städtischen Thorzöllners muß Schlenk erwünschter gewesen sein.
-
-[Fußnote 19: J. Baader, Beiträge zur Kunstgeschichte Nürnbergs,
-Nördlingen 1890, S. 10]
-
-[Fußnote 20: Leitschuh, S. 77 mit Anm. auf S.163. Lange, und Fuhse, S.
-153, Anm. 7.]
-
-[Fußnote 21: Thausing II., S. 223.]
-
-[Fußnote 22: Ratsverlässe vom 13. und 15. März 1529.]
-
-[Fußnote 23: Manuscript Nr. 184, Fol. 717, im k. Kreisarchiv Nürnberg.]
-
-[Fußnote 24: Ratsverlässe vom 29. April und 4. Mai 1531.]
-
-[Fußnote 25: Ratsverlaß vom 8. August 1530: Zu erkundigen, ob das
-landpotenambt mit Jorg Schenken (!), maler, versehen und ime dann
-dasselbig verlassen. Wo mangel herunderbringen. -- »Schenken« ist hier
-offenbar ein Schreibfehler für »Schlenken«; denn ein Maler Georg Schenk
-ist gleichzeitig weder durch Archivalien, noch durch Kirchenbücher
-nachzuweisen.]
-
-[Fußnote 26: »Amtbuchlein allerlay geschwornen Amt und Handwerk, so vor
-den Herrn, zu des Pfendtners Rug verordent, Gehorsam thun vom Jahre
-1532: _Koch allhie_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... _Zoller auf
-der vesten_: Jorg Schlenck, Susanna uxor ... [Zollner am]
-_Thyergartnerthor_: Jorg Schlenk, N. uxor. -- Ein Amtbüchlein, in dem
-auch, wie hier, die Köche (-- gemeint sind Garköche -- man denke ans
-heutige »Bratwurstglöcklein«, das damals bereits als Garküche unter der
-Bezeichnung »Glöcklein« bestand --) aufgeführt sind, ist aus der Zeit
-vor 1532 im k. Kreisarchiv Nürnberg nicht vorhanden. Die Ämterbüchlein
-wurden bald vor Beginn jeden Jahres neu gefertigt, da jedes Jahr die
-darin Eingetragenen, wenigstens war dies bei den Buchdruckern und
-Formenschneidern der Fall, von neuem Gehorsam oder Pflicht thun mußten,
-also von neuem auf die Vorschriften und Gesetze verpflichtet wurden. Der
-Bestand des vorhergehenden Jahres wurde dann immer in das neu angelegte
-Amtbüchlein des folgenden Jahres, in das Amtbüchlein zum _neuen_ Rat,
-wie sonst diese Amtbüchlein betitelt sind, übertragen. Die im Laufe des
-neuen Jahres neu Hinzukommenden wurden am Schlusse der betreffenden
-Gruppe nachgetragen, wie man das an den Schriftzügen und der
-abweichenden Tinte erkennen kann. Schlenk ist nicht unter den Köchen,
-die erst im Laufe des Jahres 1532 nachgetragen worden sind, _er muß also
-schon mindestens im Jahre vorher, 1531, Koch gewesen sein_. -- Die im
-Laufe des Jahres Abgehenden wurden in dem Ämterbüchlein gestrichen.
-Schlenk ist im Jahre 1532 im Amtbüchlein unter den Köchen gestrichen, er
-schied also im Laufe des Jahres 1532 als Koch aus; und nunmehr findet
-sich sein Name wie auch der seiner Frau unter den Thorzöllnern --
-zunächst am Vestnerthor -- nachgetragen, wann er zum Zöllner am
-Vestnerthor ernannt wurde, erfahren wir aus einem Ratsverlaß vom 17.
-April 1532: Zu einem zollner undter das spitaler thor ist der zollner
-undter dem vestenthor ertailt, und zu ainem zollner des vestenthors ist
-ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der Protokollirende hat hier
-irrtümlich »Schlenck, _zollner_« geschrieben: denn Schlenk war, wie aus
-den Amtbüchlein zum neuen Rat aus den vorhergehenden Jahren zu entnehmen
-ist, noch nicht vorher Zöllner gewesen. Wahrscheinlich hat der
-Protokollirende das Wort »moler« hier schreiben sollen. -- Im
-Amtsbüchlein von 1532 ist dann Schlenk wieder als Zöllner am Vestnerthor
-gestrichen, und ist als Zöllner am Tiergärtnerthor nachgetragen worden.
-Vom Tiergärtnerthor wurde er durch Ratsverlaß vom 4. Oktober 1533 ans
-Frauenthor versetzt.]
-
-Im ersten Augenblick will es kaum glaublich erscheinen, daß ein Schüler
-Albrecht Dürers als Zöllner sein Fortkommen suchte. Allein es war nichts
-Ungewöhnliches, daß Handwerker, denen ihr Gewerbe keinen genügenden
-Unterhalt gewährte, sich nach einem Nebenverdienst umschauten; so finden
-sich gleichzeitig ein Rotschmied und ein Nadler unter den Zöllnern. Zu
-den Handwerkern zählten aber damals auch noch die Maler: es war noch
-keine Scheidung eingetreten zwischen Kunst- und handwerksmäßiger
-Malerei. Ja, nach damaliger sozialer Auffassung wurde ein Maler noch
-nicht einmal einem Handwerker gleich geachtet; denn die Malerei war noch
-eine freie Kunst, die jeder ausüben konnte, der den Beruf dazu in sich
-fühlte. Die freie Kunst aber galt erst als Vorstufe des Handwerks,
-hatten ja doch die meisten freien Künste sich erst allmälich zu
-organisierten Handwerken mit vorgeschriebenen Lehr- und Gesellenjahren,
-mit Meisterstücken und festen Gesetzen und Ordnungen entwickelt. Es ist
-daher erklärlich, daß die Nürnberger Maler immer und immer wiederum,
-auch zu Dürers Zeit, und zwar nicht bloß, um unliebsame Konkurrenz fern
-zu halten, sondern auch um ihren Stand sozial zu heben, an den Rat die
-Bitte stellten, aus ihrer freien Kunst ein Handwerk zu machen.
-
-Das Bestreben durch ein städtisches Ämtlein sich ein gesichertes
-Nebeneinkommen und so eine bessere Existenz zu verschaffen, muß einen
-großen Umfang angenommen haben: so beschwerten sich einmal die Tüncher,
-daß Handwerksgenossen, die ein Amt von der Stadt hatten, auch noch das
-Meisterrecht ausübten; doch der Rat wies sie barsch ab und drohte ihnen:
-falls sie bei ihrem Anliegen beharrten, werde er ihre Gesetze wieder
-aufheben und ihr Gewerbe wieder zu einer freien Kunst erklären[27]. Doch
-gehen wir zu Beispielen aus der Malerwelt über. Im Jahre 1510 erhielt
-Sebald Baumhauer, der nach dem Zeugnisse Neudörfers selbst von Dürer als
-Maler hochgeschätzt wurde, den Posten eines Kirchners bei St.
-Sebald[28]. Ferner wurde im Jahre 1531 der Maler Lienhard Schürstab
-Knecht in der Wage[29], und doch kann er als Maler nicht ganz
-unbedeutend gewesen sein, da ihm einmal für ein Tafelbild 53 Gulden
-ausgezahlt wurden[30]. Endlich rückte im Jahre 1532 der Maler Sebald in
-die Stelle eines Stadtpfeifers ein[31]. Nürnberg war überhaupt kein
-günstiger Nährboden für die Malerei. Kein Geringerer als Albrecht Dürer,
-der noch dazu nicht bloß von seiner Kunst, sondern auch vom Kunsthandel
-lebte, ist hierfür ein klassischer Zeuge. In einem Briefe an den
-Nürnberger Rat vom Jahre 1524 äußert er sich mit Bitterkeit[32]: »Hab
-auch, wie ich mit Wahrheit schreiben mag, die dreißig Jahr, so ich zu
-Haus gesessen bin, in dieser Stadt nit um fünfhundert Gulden Arbeit, das
-ja ein Geringes und Schimpfliches und dannacht von demselben nit ein
-Fünfteil Gewinnung ist, gemacht, sunder alle mein Armut, die mir, weiß
-Gott, sauer ist worden, um Fürschten, Herrn und ander frembde Personen
-verdient und erarnt, also daß ich allein dieselben mein Gewinnung von
-den Fremden in dieser Stadt verzehr.« Und Georg Pentz, der zweitgrößte
-Maler, den Nürnberg in seiner Blütezeit hervorgebracht, kam nie aus
-Geldnöten heraus und nahm ein unrühmliches Ende. Auch die beiden hoch
-begabten Maler Hans Sebald und Barthel Beham, die gleich groß als Maler,
-Zeichner und Kupferstecher waren, fanden in Nürnberg kein lohnendes Feld
-für ihre Thätigkeit. Hans Sebald Beham wanderte nach Frankfurt aus, und
-sein Bruder Barthel, der einst wegen seines religiösen Radikalismus von
-sich hatte reden gemacht, zog an den kunstliebenden Hof der streng
-katholischen Herzoge von Bayern in München. Vermochten also schon so
-bedeutende und vielseitige Maler in Nürnberg keine ausreichende Existenz
-zu erringen, so wird man sich nicht mehr wundern, daß Schlenk, der
-ohnehin von Haus aus unbemittelt war und also in verdienstloser Zeit
-nichts zuzusetzen hatte, nach dem Beispiele anderer seine Hand nach
-einem kleinen Ämtlein ausstreckte, um sich und seine anwachsende Familie
-vor Not zu schützen.[33]
-
-[Fußnote 27: Ratsverlaß vom 27. September 1544 (Ratsmanuale 1544/45,
-Heft 6, fol. 30r).]
-
-[Fußnote 28: G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- und
-Rechenmeisters zu Nürnberg, Nachrichten von Künstlern und Werkleuten
-daselbst aus dem Jahre 1547. Wien, 1875, S. 180. -- Ratsbuch 9, Fol.
-184r zum Datum: Actum secunda post omnium sanctorum 1510.]
-
-[Fußnote 29: Ratsbuch 15, Fol. 189a, zum Datum: Actum mitwoch 10. Julii
-1531.]
-
-Aber er scheint auch nicht den Mut besessen zu haben, als Maler den
-Kampf ums Dasein aufzunehmen; es fehlte ihm an festem Charakter: wir
-finden etwas Unstätes und Haltloses bei ihm wie bei seinen Kindern.
-
-Ueber seinen gleichnamigen Sohn Georg[34] ist nur Ungünstiges zu
-berichten. Er heiratete 1546 in erster Ehe eine Tochter des Nürnberger
-Gerichtsprokurators Georg Selnecker, mit der er vorher unerlaubten
-Umgang gepflogen. Nach der Geburt des achten Kindes mißhandelte er sie
-derart im Wochenbett, daß man ihren Tod ihm zur Last legte[35]. Sein
-Lebtag brachte er es zu keiner ruhigen und sicheren Existenz. Bald
-finden wir ihn als Hilfsschreiber bei den Amtleuten des Sebalder und
-Lorenzer Waldes, bald als Profoßschreiber in der Kriegsstube, bald als
-Schreiber des Heuwägers. Seine Bitte aber um eine feste Anstellung wird
-abgelehnt, und der Rat giebt den Auftrag, nach einem andern geschickten
-Schreiber zu trachten, »daraus kunftig ein Canzleyschreiber zu machen
-und zu Mererm zuprauchen sein möcht.« Nunmehr verschwindet er eine
-Zeitlang vor seinen zahlreichen Gläubigern aus der Stadt. Nach seiner
-Rückkehr bittet er um Zulassung als Prokurator vor Gericht, erhält aber
-eine kategorische Abweisung. Gleichwohl muß er nachher doch
-vorübergehend als Prokurator aufgetreten sein; denn der Rat ließ die
-Verfügung ergehen: »Jörgen Schlenken seiner Leichtfertigkeit halben
-hinfuro zu kainer Curation, noch dergleichen Sachen mehr am Gericht
-zuzulassen.« Was er aber offen nicht thun konnte und durfte, trieb er im
-Geheimen: er wurde Winkeladvokat, befaßte sich aber mit so unsauberen
-Sachen, daß ihm 1565, weil er »sich solcher bosen Hendel vielfeltig
-beflissen«, die Stadt Nürnberg und ihr Gebiet »10 Meil hinden« sein
-Lebenlang verboten wurde; doch gewährte ihm der Rat einen Strafaufschub
-von vier Wochen, und in dieser Zwischenzeit wußte er sich einflußreiche
-Fürsprache zu verschaffen: er wurde auf Bitten des Grafen Konrad von
-Castell und dessen Gemahlin wieder begnadigt. Er besserte sich aber
-nicht. Zwei Jahre darauf forderte er von neuem den Zorn des Rats gegen
-sich heraus durch eine jedenfalls sehr unziemlich abgefaßte
-Supplikation, die er für einen Petzensteiner, »der sich Jakob Neunburger
-genannt«, aufgesetzt hatte. Nunmehr wurde er auf fünf Jahre aus der
-Stadt Nürnberg verbannt und richtete von Neuenmarkt aus Bettelbriefe an
-den obersten Landpflegschreiber der Stadt Nürnberg Bonifatius Nöttele
-und die beiden Landpflegschreiber Johann Leikauf und Lorenz Nützel[36]
-mit dem Anliegen, ihm mit einem Zehrpfennig zu helfen, um sein und
-seiner Kinderlein Notdurft anderswo zu suchen. Sie spendeten ihm zwei
-Gulden, aber mit dem Vermerken, das Geld nicht seiner alten Gewohnheit
-nach unnützlich zu verschwenden. Durch den Erfolg ermutigt, ersuchte er
-sie dann noch um ein »Fürlehen von einem Thaler zu einer Zehrung nach
-Würzburg«, da ihm mitleidige Personen »im Lande zu Franken Conditiones
-fürgeschlagen«[37]. Doch schon im Jahre 1569 ist er wieder in Nürnberg
-zu finden und hat die Kühnheit, den Rat nochmals um eine Anstellung in
-städtischen Diensten zu bitten, erhält aber zur Antwort: »meine Herren
-wüßten kein Ampt, das für ihn wehr ledig, darumb möcht er sich an andern
-Orten umthun«. Seit dieser Zeit läßt er sich nicht mehr nachweisen und
-ist jedenfalls auswärts gestorben und verdorben.
-
-[Fußnote 30: Conservatorien, Band 29, Fol. 17b, im Stadtarchiv Nürnberg,
-zum Datum: Actumia judicio quarta post Remigii. 2. octobris 1521.]
-
-[Fußnote 31: Zu gemeiner stat pfeifer anzunehmen ist erteilt Sebald,
-maler. Actum 13. novembris 1532 per herrn Math. Loffelholz. Ratsbuch 16,
-Fol. 45a -- Es ist aber hier nicht etwa der Maler Sebald Beham gemeint,
-sondern wie aus dem Jahresregister von 1533 zu entnehmen, Sebald Greyff,
-der dort bei den Besoldungen als »Trummelschlager und Pfeiffer«
-aufgeführt ist.]
-
-[Fußnote 32: Lange und Fuhse, S. 63.]
-
-[Fußnote 33: Quellen hierfür, wo nicht anderes angegeben, die
-Ratsmanuale.]
-
-[Fußnote 34: Daß dieser Georg Schlenk ein Sohn des Malers und Zöllners
-Georg Schlenk war, ergibt sich daraus, daß der Zöllner öfter als Georg
-Schlenk der ältere bezeichnet wird, so in einem Ratsverlaß vom 28. März
-1556 und bei der Erwähnung seines Begräbnisses im 1. Totenbuch von St.
-Lorenz.]
-
-[Fußnote 35: I. Ehebuch von St. Lorenz: Jorg Schlenk, Magdalena
-Selneckerin, 16. novembris 1546. Kinder aus dieser ersten Ehe nach den
-Taufbüchern von St. Lorenz und St. Sebald: Georg (getauft im November
-1546), Jorg (März 1548), Magdalena (Dezember 1549), Hans (August 1551),
-Gabriel (Mai 1553), Julianna (November 1554), Hans (Mai 1556), Michel
-(August 1557). Seine erste Frau wurde nach dem Totenbuch von St. Lorenz
-am 14. September 1557 beerdigt. Über ihren Tod meldet ein Ratsverlaß vom
-18. September 1557: Item zu erfarn, welcher gestalt Jorg Schlengk sein
-weib im kindpeth geschlagen, das sie hernach tods verschieden und
-widerpringen. -- »Gabriel Schlenck, Georgen Schlenken teutschen
-schreibers und burgers hie eeleiblicher sohn« hatte von seinem »Ahnherrn
-Georgen Selnecker« einen Eigenzins von jährlich elf Gulden auf Hansen
-Sörgels Haus geerbt. Dieser Eigenzins wurde von Sörgel abgelöst, worüber
-am 7. Januar 1578 Gabriel Schlenk »seiner vollkommenen Jahre« Quittung
-leistete. Conservatorien 130. Fol. 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre
-1523 (Ratsbuch 12. Fol. 166a) noch Stadtschreiber in Hersbruck, wurde
-später Gerichtsprocurator in Nürnberg. -- In zweiter Ehe verheiratete
-sich Georg Schlenk (der jüngere) mit Magdalena Kolnerin am 29. November
-1557 und zeugte mit ihr auch noch mehrere Kinder: Martha (getauft 1558),
-Hester (Mai 1561), Hans (Februar 1563), Michel (26. September 1564).]
-
-[Fußnote 36: Akt des k. Kreisarchivs mit der Signatur: S 1, L. 598, Nr.
-183. In diesem Schreiben nennt er sich »Georgius Schlenk der elter«;
-denn er hatte einen gleichnamigen Sohn, und sein Vater, der Zöllner und
-Maler Georg Schlenk, der früher diese Bezeichnung »der ältere« geführt
-hatte, war inzwischen im Jahre 1557 gestorben.]
-
-Georg Schlenk des älteren anderer Sohn Michel widmete sich wie sein
-Vater erst der Malerei und wurde hierauf ebenfalls städtischer
-Thorzöllner[38]. Im Jahre 1549, wo er sich -- in erster Ehe --
-verheiratete[39], finden wir ihn zunächst als Zöllner am Vestnerthor[40]
-und dann seit August 1557 am Spittlerthor[41]. Hier gab er später (1565)
-aus unbekannten Gründen den Zöllnerposten ganz auf[42] und zog
-schließlich, Weib und Kind verlassend, als Soldat nach Italien, wo er
-(1576) unter den Besatztruppen der Stadt Genua erwähnt wird[43]. Von
-dort ist er nicht zurückgekehrt, und seine Frau, die außer für ihre
-eigenen Kinder auch noch für Stiefkinder zu sorgen hatte[44], mußte
-schlecht und recht bis an ihr Lebensende sich als Hebamme durch die Welt
-bringen[45].
-
-[Fußnote 37: In diesem Schreiben bedient er sich bei der Versiegelung
-eines Petschafts mit einer Hausmarke und den Initialen G. S. -- Da
-dieses Petschaft vielleicht aus der Hinterlassenschaft seines Vaters,
-des Malers Georg Schlenk, herrührte, und also die Möglichkeit nicht
-ausgeschlossen ist, daß der Maler Georg Schlenk sich dieser Hausmarke
-als Künstlerzeichen bedient hat, so geben wir hiervon eine Abbildung.
-
- [Illustration]
-
-[Fußnote 38: Daß Michel Schlenk ein Sohn des Malers und Zöllners Georg
-Schlenk gewesen, läßt sich daraus entnehmen, daß er wie dieser den Beruf
-eines Malers wählte und dann ebenfalls Zöllner wurde. In den Nürnberger
-Bürgerbüchern ist er unter den neu aufgenommenen Bürgern nicht vermerkt;
-Michel Schlenk muß also in Nürnberg geboren sein. Zu jener Zeit gab es
-aber in Nürnberg nur einen Bürger Namens Schlenk, dem er seinem Alter
-nach als Sprößling zugewiesen werden kann, nämlich den Maler Georg
-Schlenk. -- Über weitere Nachkommen des Malers Georg Schlenk melden die
-Nürnberger Kirchenbücher Folgendes: I. Taufbuch von St. Sebald: Georg
-Schlenk ein tochter: _Susanna_ 12. Februarii 1533. -- I. Taufbuch von
-St. Lorenz: Jorg Schlenck, Susanna: _Sixt_ (getauft in der Woche des)
-dominica pasce 1534. Jorg Schlenck, Susanna: _Elizabeth_, dominica
-palmarum 1536.]
-
-[Fußnote 39: Michel Schlenck, Anna Linckin, 16. July 1549. II. Ehebuch
-von St. Sebald. -- Kinder aus dieser ersten Ehe: _Johannes_ (getauft im
-April 1556). _Hieronymus_ (Mai 1557), _Sebald_ (Oktober 1558), _Michel_
-(Februar 1560), _Purkhart_ (Oktober 1561), _Anna_ (Oktober 1562),
-_Michel_ (September 1564). -- Nach dem Totenbuch von St. Sebald (im
-Kreisarchiv Nürnberg) wurde »Anna Michel Schlenkin, Malerin und
-Zollnerin under dem Spitlerthor«, am 8. November 1564 beerdigt.]
-
-[Fußnote 40: Amtbuch zum neuen Rat de 1549. Ratsverlaß vom 9. Januar
-1550 (Ratsmanuale de 1549/50, Heft 10, Fol. 11a).]
-
-[Fußnote 41: Ratsverlaß vom 6. August 1557 (Ratsmanuale 1556/57, Heft 4,
-Fol. 32a.)]
-
-[Fußnote 42: Im Amtbuch zum neuen Rat de 1565 ist er als Zöllner am
-Spittlerthor gestrichen.]
-
-Doch kehren wir nunmehr zu Georg Schlenk dem älteren zurück. Vom
-Tiergärtnerthor wurde er 1533 ans Frauenthor versetzt[46]. Hier führte
-er bis zu seinem Tode das Leben eines Zöllners. Die Thorzöllner standen
-unter dem obersten Zöllner, dem höchsten Zollbeamten der Reichsstadt
-Nürnberg. Soweit die Zölle, insbesondere für feinere Waren, nicht vom
-obersten Zöllner oder dessen Gegenschreiber eingenommen wurden, geschah
-dies durch die Thorzöllner, die außerdem auch noch den Wegzoll zu
-erheben hatten. Unter den Gegenständen, die bei den Thorzöllnern nach
-einem festen Tarif, den jeder Zöllner, auf Pergament geschrieben, bei
-sich hatte, zu verzollen waren, finden sich z. B. Tierfelle, Werkholz,
-Eisen, Kupfer, Blei, Zinn, Salz, Pech, Harz, Hopfen, Wein, Rüben, Kraut,
-Heu, Knoblauch, Zwiebeln, dann aber auch Gläser, Teller, irdene Gefäße
-(Häfen) und Krausen. Der Zoll wurde teils in Geld, teils in natura
-erhoben: so von einem Sack Zwiebeln vier Stück Zwiebeln und von einem
-Wagen oder Karren, der mit Gläsern oder Tellern das Thor passierte, je
-zwei oder eins von diesen Gegenständen. Von den in natura eingehenden
-Zöllen erhielt der Thorzöllner den dritten Teil und von den in Geld
-anfallenden den achten Teil oder, wie es heißt, den achten Pfennig.
-Neben diesen wechselnden und mehr zufälligen Einkünften bezogen die
-Thorzöllner noch eine feststehende Besoldung, die jedoch nur sehr mäßig
-war[47]. Außerdem gab es aber auch noch einigen Nebenerwerb: so war
-ihnen gestattet, an Vorübergehende, aber nicht an sitzende Gäste
-Branntwein auszuschenken[48]; und daß sie manches auch auf unerlaubte
-Weise sich zu verschaffen wußten, das beweist das immer und immer wieder
-ihnen eingeschärfte Verbot, den hereinfahrenden Holzbauern keine
-Holzscheite wegzunehmen oder abzunötigen[49].
-
-[Fußnote 43: In einer von seiner zweiten Frau »Anna Michel Schlenkens,
-malers, burgers hie eewirtin« ausgestellten Urkunde heißt es von ihrem
-abwesenden Manne, »welcher diser Zeit zu Genua in der besatzung lege«.
-Datiert ist die Urkunde: Actum 5, 1. martij 1576. Conservatorien 125,
-Fol. 58b -- Aus dieser Urkunde geht zugleich hervor, daß damals aus
-erster Ehe des Michel Schlenk nur noch zwei Söhne vorhanden waren.]
-
-[Fußnote 44: Michel Schlenk hatte seine zweite Frau Anna Pognerin am 13.
-Mai 1565 geheiratet. III. Ehebuch von St. Lorenz. -- Kinder aus dieser
-zweiten Ehe: _Hans_ (Februar 1566), _Valentinus_ (April 1567), _Walpurg_
-(März 1570), _Kunigund_ (Februar 1572), _Margareta_ (November 1573),
-_Johannes_ (März 1576). Siehe auch die Anmerkung vorher.]
-
-[Fußnote 45: Anna, Michel Schlenken verlassne wittib, hebam in der
-weißgerbergassen, wurde am 3. Oktober 1585 beerdigt. Ihr Schwager war
-der Schlosser Melchior Gaismann, der laut Ehebuch von St. Lorenz am 12.
-Oktober 1564 ihre Schwester Barbara Pognerin geheiratet hatte. Daher
-erklärt es sich, daß die Melchior Gaismannsche Begräbnisstätte auf dem
-Rochuskirchhofe in Nürnberg (Nr. 522) zugleich auch das Grab dreier
-hinterlassenen Kinder des »Michel Schlenken, Malers, und Anna seiner
-Hausfrau seel.« ist. Norischer Christen Freydhöfe Gedächtnis, Nürnberg
-1682, S. 15. St. Rochus Kirchhof. -- Michel Schlenk kehrte aus Italien
-nicht mehr zurück; denn in den Nürnberger Totenbüchern ist sein Name
-nicht verzeichnet. -- Der erwähnte Schlosser Melchior Gaismann ist
-bemerkenswert als Verfertiger von Weckeruhren. Ratsmanuale 1578/79, Heft
-1, Fol. 29b und 30a.]
-
-[Fußnote 46: Ratsverlaß vom 4. Oktober 1533 (Ratsmanuale 1533/34, Heft
-7, Fol. 1b) und Amtbüchlein zum neuen Rath 1533.]
-
-[Fußnote 47: Quelle hierfür das Zollbuch de 1517-1580. M. S. 991 im k.
-Kreisarchiv Nürnberg.]
-
-Bei dieser Art der Besoldung war also der einzelne Zöllner umso besser
-gestellt, je lebhafter der Verkehr war. Zu den verkehrsreichsten Thoren
-gehörte aber schon damals das Frauenthor; daher war der Zöllnerposten an
-diesem Thor, wie das die Bewerbungen bei Vakanzen erkennen lassen, wegen
-seiner höheren Einnahmen auch immer viel begehrter als z. B. der Posten
-am Tiergärtner- oder Spittlerthor.
-
-Georg Schlenk, der innerhalb zweier Jahre vom verkehrsarmen Vestnerthor
-über das Tiergärtnerthor ans Frauenthor gekommen war, hatte also sein
-rasches Aufsteigen einem glücklichen Zufall oder, was wahrscheinlicher
-ist, einer besonderen Vergünstigung zu verdanken.
-
-Allein die Gunst hatte keinen Bestand. Zum ersten Male (1538) forderte
-er die Unzufriedenheit des Rats heraus durch eine Überschreitung beim
-Branntweinausschank und wurde gestraft[50]. Weiterhin (1546) wurde er
-zur Rede gestellt wegen Unschicklichkeiten, die er sich gegen Bauern des
-Patriziers Grundherr erlaubt hatte. Dann (1547) nahm er, was streng
-verboten war, Juden bei sich in Herberge und erhielt deshalb vom Rat
-einen sehr scharfen Verweis: man werde ihn vom Amte urlauben, wo er
-dergleichen mehr übe. Endlich (1554) fiel er nochmals wegen einer
-Ungehörigkeit in Strafe. So hatte er also schon öfter den Unwillen des
-Rats sich zugezogen, da traf ihn ein weiteres Mißgeschick. In der Nacht
-vom 14. zum 15. Februar 1556 kam die äußere Mauer beim Frauenthor ins
-Wanken; sie stürzte in den Stadtgraben mitsamt dem Zollhäuslein und
-»allem dem, das im Zollhäuslein gewest außerhalb den Menschen, die Gott
-genediklich und wunderbarlich daraus pracht und errett hat«. Schlenk
-erhielt als Schadenersatz 40 Gulden vom Rat geschenkt, und das
-Zollhäuslein wurde rasch wieder aufgebaut; aber verschiedene Wünsche,
-die er hierbei aussprach, fanden kein Gehör. Seine Bitte, ihm einen
-Keller einzurichten und ein Höflein zum Zollhäuslein zu erbauen, wurde
-barsch abgeschlagen: wenn er der Fliegen halber nicht bleiben könne, und
-wenn ihm das Haus zu eng sei, werde man nach einem andern Zöllner
-trachten.
-
-Nicht lange mehr sollte er im neuen Zollhäuslein wohnen: er starb Ende
-September 1557[51]. Um seine Stelle bewarb sich sein Sohn Michel; sie
-wurde aber nicht ihm, sondern der Ordnung nach dem bisherigen Zöllner am
-Spittlerthor, Hans Eschenbach, als dem ältesten Zöllner,
-zugesprochen[52].
-
-[Fußnote 48: Ratsverlaß vom 29. September 1533 (Ratsmanuale 1533/34,
-Heft 6, Fol. 12a).]
-
-[Fußnote 49: Dieses Verbot findet sich fast Jahr für Jahr in den
-Ämterbüchlein, manchmal in sehr scharfer Form.]
-
-[Fußnote 50: Quelle für das Folgende die Ratsverlässe.]
-
-[Fußnote 51: I. Totenbuch von St. Lorenz: Georg Schlenk der elter,
-zolner unterm frauenthor 1. augusti 1557 (beerdigt).]
-
-Es ist nunmehr noch die Frage aufzuwerfen, ob keine Anzeichen dafür
-sprechen, daß Georg Schlenk auch in der Zeit, wo er Garkoch oder Zöllner
-war, noch nebenbei sich mit der Malkunst beschäftigt habe. Zieht man in
-Betracht, daß das Geschäft eines Garkochs nur wenig Muße übrig ließ, daß
-ihm als Zöllner bei dem überaus starken Verkehr, wie er sich durch das
-Stadtthor bewegte, noch viel weniger freie Zeit blieb, auch wenn er ab
-und zu von seiner Ehefrau vertreten wurde, daß ferner die
-Lichtverhältnisse in den kleinen niedrigen Zollhäuslein nicht günstig
-und die Räumlichkeiten zumal bei anwachsender Familie überaus beengt
-waren, so hätte unter solchen Umständen schon ein sehr energischer und
-strebsamer Charakter, wie ihn allem Anschein nach Schlenk nicht besaß,
-dazu gehört, um nebenbei noch hervorragende Kunstwerke zu schaffen. Man
-kann sich daher nicht wundern, daß von Georg Schlenk, obwohl er ein
-Schüler und Gehilfe Albrecht Dürers gewesen, nichts weiter als Künstler
-hervorgebracht wurde, das seinen Namen ruhmgekrönt auf die Nachwelt
-gebracht hätte. Immerhin scheint er aber der Malerei nicht ganz untreu
-geworden zu sein, da seine Witwe Susanna, die ihn noch fünf Jahre
-überlebte, bei ihrem Tode ausdrücklich als »_Malerin_, gewesene
-Zollnerin am Frauenthor« bezeichnet wird[53].
-
-[Fußnote 52: Ratsverlässe vom 4. und 6. August 1557 (Ratsmanuale
-1557/58, Heft 4, Fol. 26 und 32.)]
-
-[Fußnote 53: I. Totenbuch von St. Lorenz: Susanna Jorg Schlenkin,
-malerin, gewesne zolnerin am frauenthor, pey dem pösen prunnen
-verschieden, (beerdigt) 31. Julii 1562. -- Die Beerdigung fand damals in
-Nürnberg am zweiten Tage nach dem Ableben statt. Susanna starb also am
-29. Juli 1562. Vgl. hierzu Alfred Bauch, Barbara Harscherin, Hanns
-Sachsens zweite Frau, Nürnberg, 1896, S. 13, Anm. 1.]
-
-_Nürnberg._
-
- _Dr. Alfred Bauch._
-
-
-
-
- Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums.
-
-
-Unter dem Namen »Plaketten« faßt man die kleineren, meist gegossenen
-Metallreliefs zusammen, die entweder als Schmuckgegenstände oder als
-Teile kunstgewerblicher Arbeiten direkte Verwendung fanden, oder aber
-den Goldschmieden vornehmlich, den Hafnern, Bildhauern und Erzgießern
-als Modelle dienten. Bisweilen benutzte man sie auch, unverändert oder
-vergoldet, mit Holz- oder Metallrahmen versehen, als willkommenen
-Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten ist Italien, von dort
-fanden sie, in ausgedehnterem Maße wohl erst gegen Ende des 15.
-Jahrhunderts, Eingang in Deutschland. --
-
-Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Plaketten stellt sich als
-Bleiguß dar, und diese Thatsache erklärt sich vielleicht, abgesehen von
-der größeren Billigkeit, aus dem Umstande, daß sie besonders als
-Vorbilder für Treibarbeit dienten. Denn für den Guß bietet ein Modell
-aus härterem Metall, das die einzelnen Linien, die Details, schärfer und
-deutlicher hält und wiedergibt, weit größeren Vorteil, während bei einem
-zum Treiben dienenden Vorbilde die Hand des nachschaffenden Künstlers
-selbständig ergänzt, was bei einem mechanischen Reproduktionsverfahren
-verloren gehen würde.
-
-Die Plaketten des germanischen Museums stammen zum größeren Teile aus
-der Sammlung der Freiherrn C. J. W. C. J. Haller von Hallerstein, die im
-Jahre 1840 vom Handelsgerichtsassessor Joh. Jak. Hertel zu Nürnberg
-ersteigert wurde und später in den Besitz des Kaufmanns Arnold daselbst
-überging. Von diesem, der die Sammlung noch bedeutend vermehrt hatte,
-erwarb sie das germanische Museum. Eine andere Kollektion ging dem
-Museum als Geschenk von der mittelalterlichen Sammlung zu Basel zu. Sie
-entstammt indessen nicht, wie im Katalog der Originalskulpturen S. 57
-irrtümlich angegeben ist, einer Modellsammlung, die »1881 in Basel
-gefunden wurde«. Herr Professor Heyne hatte die Güte, über ihre
-Provenienz folgende Mitteilung zu machen: »Es ist gar kein Fund einer
-Goldschmiedewerkstatt zu Basel 1881 gemacht worden; sondern das wird
-verwechselt mit einem Fund, der gegen diese Zeit in der Seine zu Paris
-unter der alten Goldschmiedebrücke zu Tage kam, der an Händler
-verzettelt wurde und von dem Bossard in Luzern manches erwarb; von
-diesem kam wieder einiges an die mittelalterliche Sammlung in Basel. Den
-Hauptbestandteil der dortigen Kollektion, von dem ich, so viel ich mich
-erinnere, auch Doubletten an Essenwein für das germanische Museum
-abgegeben habe, bildet aber nicht dieser Fund, sondern Stücke, die ich
-sonst, namentlich auch von Bossard erworben habe, und über deren
-Provenienz nichts ermittelt werden konnte.«
-
-Unsre Sammlung ist besonders reich an deutschen Plaketten, unter denen
-die Arbeiten Flötners den hervorragendsten Platz behaupten. Auf einen
-Teil derselben hat Domanig im Jahrbuch des allerh. Kaiserhauses Bd. XVI,
-S. 1 ff. bereits hingewiesen, vollständige Veröffentlichung werden sie
-demnächst erfahren durch eine umfassende Arbeit über Flötner von Lange.
-Daneben aber hebt sich noch eine große Reihe künstlerischer Arbeiten
-heraus, die der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angehören und mehr
-oder minder stark durch die flötnersche Art beeinflußt sind. Besondere
-Gruppen lassen sich mit Sicherheit ausscheiden, wenn es auch kaum
-gelingen dürfte, die Namen der einzelnen Meister, die hauptsächlich
-Nürnberger gewesen zu sein scheinen, zu ermitteln. Eine dieser Gruppen
-bietet uns wenigstens die Anfangsbuchstaben, das Monogramm des
-Künstlers: H. G. mit den Jahreszahlen 1569 und 1570. Aus der Bemerkung
-Naglers, Monogramm. III, Nr. 974 geht hervor, daß er ein Goldschmied
-gewesen sei. Die starke Beeinflussung seiner Technik durch Flötner, die
-Verwandtschaft seiner Kompositionen mit Virgil Solis, der Umstand
-endlich, daß gerade Nürnberg im 16. Jahrhundert die meisten und
-vorzüglichsten Goldschmiede in Deutschland aufzuweisen hatte, berechtigt
-zu der Vermutung, H. G. sei Nürnberger Künstler gewesen. Stockbauer
-führt Bayerische Gewerbe-Zeitung 1893 Nr. 12, Beilage S. 6 in der Liste
-der Goldschmiede unter dem Jahre 1560 einen Heinrich Garn auf, der also
-eventuell in Frage kommen könnte. Mir ist indessen in Nürnberger
-Urkunden niemals eine Goldschmiedsfamilie Garn, sehr häufig dagegen die
-der Gar begegnet, die bei Stockbauer sich überhaupt nicht findet. Da die
-von ihm abgedruckte Liste erst 1652 zusammengestellt wurde, so ist es
-möglich, daß ein Irrtum vorliegt, daß aus H. Gar -- Heinrich Garn
-gemacht wurde. Die Gar waren verwandt mit Veit Stoß. Sebald Gar,
-Goldschmied, war vermählt mit Ursula, der Enkelin Stoß' (Nürnb.
-Stadtarchiv. Cons. 47 fol. 108). Er ist mir begegnet 1534 (a. a. O.
-Cons. 46 fol. 91 u. fol. 67) 1536 (Cons. 47 fol. 108), 1546 (Cons. 62
-fol. 1486), 1549 (Cons. 69 fol. 87). Unter dem letzten Jahre werden
-seine Kinder aufgeführt (cf. auch Cons. 57 fol. 125): Jorg, Barbara,
-Kungund, Cunrad, Hanns und Steffan. Letzterer ist damals noch unmündig.
-Conrad Gar wird als Goldschmied genannt in einer Urkunde vom 16. Juli
-1573 (Cons. 118 fol. 109b). Es wäre also nicht unmöglich, daß der von
-Stockbauer aufgeführte Heinrich Garn identisch ist mit Hans Gar, dem
-Urenkel Veit Stoß', dem jüngeren Bruder Conrad Gars, daß wir in diesem
-Hans Gar den Monogrammisten H. G. zu erkennen hätten.
-
-Wir finden in den Werken des H. G. alle jene Stoffe behandelt, die die
-Kleinmeister in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bevorzugten:
-Darstellungen aus der klassischen Götter- und Sagenwelt, biblische
-Scenen, symbolische Vorwürfe und Jagdstücke. Die mit kurzem
-verständlichem Text begleiteten Emblemata, die Neuwen Figuren,
-Biblische, Ovidische, Livische etc. »allen Künstlern, als Malern,
-Goldschmieden, Bildhauwern, Steinmetzen, Schreinern etc. fast dienstlich
-vnd nützlich«, gaben neben den größeren illustrierten Werken und den
-zahllosen Einzelblättern auch dem weniger Gebildeten reichlich
-Gelegenheit und Anregung zur Behandlung derartiger Stoffe. Das Gewissen
-der Kleinmeister, selbst der vermögendsten, war nach modernen Begriffen
-sehr weit: wenn sie sich auch meist eine gewisse Originalität in der Art
-der Behandlung des Stoffes wahren, den Gedanken, einzelne Teile des
-Ganzen eignen sie sich ohne Bedenken an[54]. Auch bei dem Meister H. G.,
-der sicherlich den besten seiner Zeit zuzugesellen ist, können wir diese
-Erfahrung machen. Die Art und Weise, wie er seine figürlichen Scenen in
-tiefe, abwechslungsreiche Landschaften hineinkomponiert, die Behandlung
-der Bäume, besonders auch der Baumstämme, der blumen- und grasbedeckte
-Untergrund, die fadenartige Wiedergabe des Rauches, weisen unbedingt auf
-Flötner als sein Vorbild hin, nur daß uns Alles überladener, manirierter
-entgegentritt. In dem Wasser, das selten seinen Landschaften fehlt,
-schlagen Delphine, Schiffe und Kähne schwimmen darauf, Inseln und
-Gestade sind bedeckt mit teilweise phantastischen Gebäuden. Von den
-Blumen, mit denen der Boden übersät ist, bevorzugt er eine stilisierte
-Tulpenart mit weit hervortretendem Stempel oder große Anemonen. Die
-Baumstämme sind häufig stark gebogen, wie vom Sturme gepeitscht.
-Besonders charakteristisch aber sind seine Wolken, die, in der Weise des
-Moderno, aus einzelnen Teilchen bestehen, deren jedes aussieht, wie ein
-auf einen Spieß gesteckter Darm. Das Relief seiner Figuren ist
-durchschnittlich höher, als bei Flötner. Die Personen, in antiker
-Gewandung, die Männer meist bärtig, sind schlank und muskulös, elegant
-in Haltung und Bewegung, die Gestikulation der Hände von dramatischer
-Bewegtheit, ohne daß ein störend unruhiger Eindruck hervorgerufen würde.
-Die Tiere, die meist gallopierend dargestellt werden, sind ebenmäßig und
-natürlich gebaut. Bei dem Anblicke der Werke des H. G., die sich
-ausnahmslos durch vorzügliche Komposition und Perspektive auszeichnen,
-wird man sich des Eindruckes nicht erwehren können, daß man es mit einem
-hervorragenden Künstler zu thun hat.
-
- [Illustration]
-
-[Illustration: Taf. I.
-
-Aus der Plakettensammlung (I.).]
-
-[Fußnote 54: Ein interessantes Beispiel einer Compilation aus
-verschiedenen Vorlagen zu einem Gesamtbilde bietet eine Plakette im
-Goethemuseum (Schuchardt, Goethes Kunstsamml. II, S. 23. Nr. 34) zu
-Weimar, die von einem Meister herrührt, der sich in seinen sämtlichen
-Arbeiten eng an Jost Amman anschließt und von dem auch unser Museum eine
-Reihe von Plaketten besitzt. Dargestellt ist die Erbauung Carthagos
-durch Dido. Fast sämtliche Vorbilder halten die Neuwen Liuischen Figuren
-des Jost Amman, Frankfurt 1573, geliefert. Dido und König Jarbas, zwei
-mit dem Zerschneiden der Kuhhaut beschäftigte Männer und die beiden, die
-mit den Lederstreifen das gekaufte Land umziehen, sind Tafel XL
-entnommen. Die Begleitung Didos ist nach Tafel XLIIII »Amilcar wirt von
-den Carthaginensern beschickt« gearbeitet, der Krieger links hinter Dido
-findet sich Taf. VII »Numa Pompilius der andere König in Rom«, während
-uns der barhäuptige Mann mit hohem Stehkragen und Schnürenrock auf Seite
-J 2b (Psalmo I) der Neuwen Biblischen Figuren von Amman, Frankfurt 1569,
-begegnet. Und obgleich die einzelnen Teile auf diese Weise
-zusammengesucht sind, sind sie doch in einer Art zusammengestellt, die
-uns vor dem Kompositionstalente des Künstlers die größte Hochachtung
-abnötigte.]
-
-Unsere Sammlung besitzt von H. G. nachfolgende Stücke vgl. Taf. I:
-
-1) Scylla und Minos. K. P. 203. Katal. 528 (dort irrtümlich Aeneas und
-Dido bezeichnet). Rund. Durchm. 0,182 m. Bleiguß.
-
-In der Mitte der Platte Minos, nach links gallopierend, mit Helm
-bedeckt, in der Linken den Feldherrnstab haltend, den er auf die Hüfte
-stützt. Links von ihm ein barhäuptiger Mann in begrüßender Stellung,
-rechts ein Krieger mit Helm und Lanze. Im Vordergrunde zwei sitzende
-Krieger, den Rücken dem Beschauer zugewandt. Weiter im Hintergründe
-sieht man rechts die Krieger des Minos, links drei Frauen der Scylla.
-Letztere ist zweimal vertreten: wie sie von einem Turme aus Minos
-zuwinkt und wie sie, von einer Frau begleitet, ihrem Geliebten das
-Lebenshaar ihres Vaters Nisos zuträgt. Sämtliche Personen in antiker
-Gewandung. Im Hintergrunde Meer mit Delphinen und Schiffen, Architektur
-etc. Vorn unten auf der Platte befindet sich ein Baumstumpf mit der
-Inschrift: 1569 H G. Geflechtartige Umrahmung.
-
-Das Vorbild zu dieser Darstellung finden wir in Johan. Posthii
-Germershemii tetrasticha in Ovidii metamor. lib. XV. quibus accesserunt
-Vergilii Solis figurae elegantiss. & iam primum in lucem editae.
-Frankfurt, Feyerabent. 1563. 8. S. 91. Die Scenerie ist hier allerdings
-bedeutend einfacher, da Solis den Gegenstand in zwei Holzschnitten
-behandelt. Solis ist aber auch nicht der Erfinder, sondern er hat fast
-sämtliche Abbildungen zu den Metamorphosen aus La vita et metamorfoseo
-d'Ovidio, Figurato & abbreuiato in forma d'epigrammi da M. Gabriello
-Symeoni. A Lione per Giouanni di Tornes, 1559. 8. übernommen[55].
-
- [Illustration]
-
-[Fußnote 55: Die Holzschnitte in der Ausgabe des Posthius sind
-dieselben, wie die in der gleichfalls 1563 bei Feyerabent erschienenen
-Ausgabe der Metamorphosen, die Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 citiert.
-Die Abbildungen des Virgil Solis sind im Vergleich zu der Lioner Ausgabe
-von 1559 gegenseitig, vergrößert und nur vereinzelt mit geringen
-Änderungen versehen. (Über die Offizin des Jean de Tournes in Lion cf.
-J. Reimers, Peter Flötner. 1890. S. 33 ff.). Solis hat aus der Lioner
-Ausgabe die Abbildungen S. 36, 43, 57, 67, 77, 80, 84, 85, 88, 101, 118,
-127, 176, 181, 182, 186, 187 nicht übernommen. Entweder sind die
-betreffenden Scenen gar nicht, oder selbständig von Solis bearbeitet. Zu
-den letzteren, die also nicht auf die Lioner Ausgabe zurückzuführen
-sind, gehören in der Ausgabe des Posthius die Holzschnitte: S. 71, 72,
-74, 83, 101, 109, 113, 117. Holzschnitt S. 27 (bei Posthius) hat unten
-in der Mitte das Monogramm des Holzschneiders -BV- mit dem Schnitzmesser
-links, was bei Nagler, Monogr. I. N. 2096 nachzutragen ist. Ebenso gibt
-Nagler, Monogr. III, N. 570, 5 nur 6 Holzschnitte an mit dem Zeichen des
-Holzschneiders [Zeichen: b]. Dieses Zeichen findet sich indessen, in
-verschiedenen Größen, auch auf den Schnitten: Met. IV, 9 Perseus befreit
-Andromeda. V. 4 Pyreneus von den Musen gestraft. V, 7 Ceres verwandelt
-einen Knaben in eine Eidechse. IX, 7 Byblis verfolgt ihren Bruder. XII,
-1 Opferung der Iphigenie. XIII., 10 Aeneas trägt seinen Vater aus dem
-brennenden Troia.]
-
-Für die weitere Verbreitung und Benutzung der Plakette stehen mir zwei
-Beispiele zu Gebote. Erstens besitzt unsere Kupferstichsammlung unter
-Nr. 4015 eine Punzenarbeit (siehe die verkleinerte Abbild, im Text), die
-von einer nicht sehr geschickten Hand nach der Plakette gearbeitet
-wurde. Der Stich erscheint natürlich gegenseitig, die Perspektive
-mangelhaft, auffallend schlecht besonders in der Gruppe der Krieger, an
-die Stelle von Gräsern und Büschen hat der Copist häufig einfach Steine
-treten lassen. Monogramm und Jahreszahl auf dem Baumstumpf fehlen.
-Solcher Punzenarbeiten sind uns eine große Anzahl erhalten. Sie
-entstammen den Goldschmiedewerkstätten und dienten als Vorlagen für
-Treibarbeiten. Die Zeichnung wird auf die Kupferplatte übertragen und
-die Umrißlinien mit Punzen eingeschlagen. Die Linien bestehen daher aus
-einzelnen Punkten, und, um dem Treiber anzugeben, welche Partien höher
-und welche flacher im Relief gehalten worden sollen, werden die Punkte
-je nachdem tiefer oder flacher, dichter an einander, oder weiter von
-einander abstehend eingetrieben. Schattengebung ist für die Zwecke der
-Punzenarbeiten überflüssig, und erst, als auch diese Gattung in der
-zweiten Hälfte des 16. Jahrh. sich zu selbständigen Kunstwerken
-ausgestaltete, finden wir auch den Schatten beigefügt. Bei unserem
-Stich, der nach der Art seiner Behandlung lediglich den Zweck einer
-Vorlage gehabt hat, ist auffallend die Ursache seines Entstehens. Wozu
-war ein Stich nötig, nachdem das Vorbild in Form einer Plakette, also
-eines brauchbareren und praktischeren Modells schon gegeben war? Es mag
-wohl der Grund darin zu suchen sein, daß mit der Vervielfältigung einer
-Plakette immerhin manche Umständlichkeiten verknüpft waren, daß ihre
-Aufbewahrung größere Sorgfalt verlangte, wenn die Einzelheiten,
-Baumschlag, Gesichtszüge etc., nicht, wie wir es an vielen Beispielen in
-unsern modernen Sammlungen noch sehen können, gedrückt, abgerieben und
-unkenntlich gemacht werden sollten. Wir müssen annehmen, daß die
-Goldschmiede der damaligen Zeit ausnahmslos gewandte Zeichner und
-geschickte Techniker waren, die Umsetzung einer Plakette in eine
-Zeichnung ging ihnen leicht von der Hand und das Arbeiten nach einem
-Stich bereitete ihnen keine Schwierigkeit. Es tritt uns häufig die
-Erscheinung entgegen, daß plastische Arbeiten nach einer Plakette im
-Gegensinne erscheinen. Ich glaube, daß wir in solchem Falle stets einen
-Stich als Zwischenglied anzunehmen haben. Auch nach unserer Plakette
-existiert eine Goldschmiedearbeit im Gegensinne, zu der aber nicht die
-angeführte Punzenarbeit unserer Kupferstichsammlung die Vermittelung
-gewesen sein kann, sondern zu der wir einen anderen Stich als Vorlage
-voraussetzen müssen. Die Arbeit, eine silber-vergoldete Schale, befand
-sich im Besitze Spitzers, und ist abgebildet in »La collection Spitzer«
-III, orfèvrerie civile Pl. VIII. Die Beschreibung lautet dort (S. 25 Nr.
-66): «A I'intérieur de la coupe est figurée la légende de Scylla. Nisus
-(?), vêtu en guerrier antique, monté sur un cheval au galop, occupe le
-centre de la composition. A droite et à gauche, des groupes de guerriers
-(!). Au fond, on aperçoit Scylla tenant à la main la mèche de cheveux
-qu'elle a coupée a son père; on la voit encore sur le haut d'une tour
-qui fait partie de l'enceinte d'une ville, au dernier plan: fond de
-paysage et de fabriques. Sur le bord de la coupe, à l'intérieur, est
-gravée l'inscription suivante qui explique le sujet: Quid non cogit amor
-testis Niseia virgo | ausa in purpurea regna pater[56] coma | fatali
-tondere manu quid moenibus hostem | arces, hoste magis nata timenda tibi
-est. Heu quanto stetit unius tonsura capilli Scylla tibi en tecum patria
-versa tua est nil agis at vobis male sit nox somne cupido quorum opera
-tantum suscipere ausa scelus. (?)
-
-Sur le bord de la coupe, à l'intérieur, un poinçon: un écusson chargé
-d'un V.
-
-In Bezug auf die Landschaft ist der Meister dieser Arbeit sehr
-selbstständig vorgegangen, sie hat durch seine vereinfachende
-Behandlungsweise eher gewonnen, als verloren. Die manirierten Wolken
-sind verschwunden, die Architekturteile aber sind sehr mäßig
-ausgefallen. Der linke Eckturm der Stadt im Vordergrunde ist völlig
-mißraten. Scylla hat, in näherer Anlehnung an Solis, einen großen Busch
-Haare in der Rechten, damit an der Bedeutung ihrer Person kein Zweifel
-sein kann. Der Baumstumpf mit dem Monogramm und der Jahreszahl fehlt.
-
-[Fußnote 56: Auf der Platte steht deutlich und richtig paterna.]
-
-2) Verkleinerter Ausschnitt aus der unter 1) angeführten Darstellung von
-Scylla und Ninos. Copie. K. P. 888. Kat. 531. 0,05 × 0,45 m. Bleiguß.
-
-3) Eberjagd. K. P. 461. Kat. 530. Rund. Durchm. 0,17 m. Arabeskenartige
-Umrahmung. Bleiguß.
-
-Ein nach links gallopierender Reiter in antiker Gewandung, mit Federhut,
-in der Linken einen Jagdspeer schwingend und ein Jäger mit der Saufeder
-dringen auf einen von 4 Hunden angefallenen Eber ein. Im Vordergrunde
-rechts auf einem Baumstumpf 1570 H. G.
-
-4) Tod des Adonis. Von Jagdscenen umgeben. K. P. 204. Kat. 605. Rund.
-Durchm. 0,159 m. Bleiguß.
-
-Adonis, nackt, liegt nach rechts im Schoße der bekleideten Venus, von
-links beugt sich Amor zu ihm nieder, im Vordergrunde Schild, Horn,
-Jagdspeer und Mantel. Im Hintergrunde sieht man nach rechts den Eber
-enteilen. Durchm. des Mittelstücks incl. des umrahmenden Kranzes 0,065
-m. Der Rand ist in einer Breite von 0,042 m von Jagdscenen bedeckt,
-unter denen sich die bei 3) aufgeführte mit geringen Änderungen rechts
-oberhalb der Venus wiederholt. Der Jäger steht nicht links, sondern
-rechts vom Eber und hat die Saufeder bereits dem Wild in die Seite
-gestoßen. Den Reiter sehen wir, etwas verändert, links von der Gruppe.
-
-5) Der Angler. K. P. 205. Kat. 529. Durchm. 0,17 m. Umrahmung wie bei
-1). Bleiguß.
-
-Im Vordergrunde links sitzt ein nach rechts gewandter Mann am Ufer eines
-Flusses und angelt. Ein Korb hängt über einem Zweige im Wasser, ein
-zweiter steht am Ufer. Der Fluß ist belebt durch Vögel, Fische und
-Kähne. In der reichausgestatteten Landschaft bemerkt man rechts eine
-Mühle, links antike Gebäudeteile. Rechts dem Angler gegenüber befindet
-sich auf einem Baumstumpf die Inschrift: 1570. H. G.
-
-6) Vulcan und 3 Cyclopen mit schmieden beschäftigt. K. P. 202. Kat. 602.
-Rund. Durchm. 0,17 m. Kranzartige Umrahmung. Bleiguß.
-
-Vulcan, vor einem Ambos in offener Landschaft sitzend, und 3 stehende
-Cyclopen schmieden. Links die Feueresse, rechts Venus, die ihre rechte
-Hand auf Amors Haupt gelegt hat. Sämtliche Personen sind nackt.
-
-7) Das Urteil Salomonis. K. P. 208. Kat. 603. Rund. Durchm. 0,17 m.
-Umrahmung ähnlich wie bei 3). Bleiguß.
-
-Salomo, bartlos, sitzend in freier Landschaft, mit Scepter in der
-Rechten, vor ihm ein Scherge, der in der linken Hand das lebende Kind am
-Bein, in der Rechten das Schwert hält. Im Vordergrunde die beiden
-klagenden Weiber, zwischen ihnen noch einmal das Kind, liegend. Im
-Hintergrunde zwei bärtige Männer, deren einer das Liktorenbeil trägt.
-Rechts turmartiges Gebäude, von dessen Brüstung, ähnlich wie bei 1), ein
-Weib herunterschaut. Aus der Thüre, von der eine Treppe zum Erdboden
-führt, tritt eine Person mit einem Korbe in der Hand.
-
- Schuchardt. Goethes Kunsts. II. S. 26 Nr. 74.
-
-8) u. 9) Hirsch- und Eberjagd in der Art des H. G. K. P. 254 u. 253.
-Kat. 548. 549. 0,022 × 0,093 m. Bleiguß.
-
-Ein Hirsch, nach links entfliehend, wird von Jägern und Hunden verfolgt.
-Ein Reiter mit Jagdhorn. Im Vordergrunde links ein Kreuz.
-
-In der Mitte ein Reiter mit Jagdspeer, rechts ein von Hunden
-angefallener Eber, links laufender Mann mit zwei Hunden.
-
-Nagler, Monogr. III. Nr. 974 erwähnt: »In der fürstlichen Sammlung zu
-Wallerstein befindet sich ein Pulverhorn mit einer runden getriebenen
-und vergoldeten Platte, welche den Saturnus vorstellt, wie er die nackte
-Wahrheit der aufgehenden Sonne entgegenführt. Ein düsterer Dämon sucht
-sie vergebens wieder niederzuhalten, denn schon schwebt die
-Friedenstaube über dem Lande. Die Umschrift besagt: Abstrusum Tenebris
-Tempus Me Educit In Auras. -- H. G. 1570.«
-
-Leider konnte mir eine Abbildung oder nähere Beschreibung dieses
-Pulverhorns nach gütiger Mitteilung des Herrn Bibliothekar Dr. Grupp
-augenblicklich nicht zur Verfügung gestellt werden, wohl aber ist mir
-durch die Liebenswürdigkeit der Verwaltung der archaeologischen
-Abteilung des Darmstädter Museums der Abguß einer Plakette zugegangen,
-die zweifellos das Modell zu der Platte des Pulverhorns darstellt. Die
-Plakette, rund, hat einen Durchmesser von 0,083 m., ohne den mit der
-Inschrift versehenen Rand 0,063 m. Die Darstellung entspricht genau der
-Beschreibung Naglers. Aber das erste Wort der Umschrift lautet nicht
-Abstrusum, sondern ABSTRVSAM, außerdem steht noch in der inneren
-Plakette mit kleineren Buchstaben: VERITAS· FILIA· TEMPORIS· Wenn Nagler
-also richtig zitiert, so hätten wir hier einen Beweis dafür, daß die
-Plakette nicht als Andenken von einer ausgeführten Treibarbeit
-abgegossen ist, sondern daß der Meister zunächst die Plakette
-herstellte, um nach ihr zu arbeiten, dann aber bei der Platte für das
-Pulverhorn den Fehler des Modells nicht nachahmte, sondern korrigierte.
-Ein zweites Exemplar dieser Plakette, weit besser erhalten als das
-Darmstädter, aber ohne Rand, also auch ohne das Monogramm, befindet sich
-in Kassel. Eine Photographie davon verdanke ich Herrn Prof. Dr. K.
-Lange. Es gehört dieses Stück zu den besten Arbeiten des Meisters H. G.
-
-Von den Nachfolgern Flötners steht unserem Plakettisten in der
-Behandlung von figürlichen Darstellungen der durch eine große Reihe von
-Punzenarbeiten bekannte Meister J. S. am nächsten. Was A. Winkler im
-Jahrbuch der kgl. preuß. Kunstsammlungen Bd. XIII, S. 100 von diesem
-schreibt:
-
-Besonders charakteristisch ist die Behandlung der Landschaft, zumeist
-eine Verbindung deutscher Fluß-, Dorf- und Städtelandschaft mit
-antik-römischen Reminiscenzen paßt ebenso auf Flötner und H. G. Auch die
-Wassermühle, die übrigens auch Jost Amman gern verwendet, ist ein
-bevorzugtes Motiv beider. Endlich erinnere ich noch an die Ähnlichkeit
-der Wolkenbehandlung zwischen H. G. und I. S. Lauter _ähnliche_ Motive,
-die doch von jedem einzelnen Meister in origineller Weise wieder
-durchgebildet sind, die aber auf eine gemeinsame Schule schließen
-lassen, welche von Flötner ausgegangen ist.
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _F. Fuhse_.
-
-
-
-
- Oswald und Kaspar Krell.
- (Vergl. Dürers Porträt Oswalds in der Münchener Alten
- Pinakothek.)
-
-
-Wie bei jedem Kunstwerk das Verständnis des Gegenstandes, des Inhalts,
-dessen, was der Künstler hat ausdrücken wollen, eine der
-Hauptbedingungen des künstlerischen Genusses ist, so auch beim Porträt:
-richtig beurteilen und voll würdigen können wir eine Leistung auf diesem
-Gebiete erst, wenn wir mit dem Gegenstande -- hier also der
-Persönlichkeit des Dargestellten -- bekannt gemacht sind. Aus diesem
-Grunde werden auch einige Aufschlüsse über Oswald Krell, die sich mir
-bei Gelegenheit anderer Studien in den hiesigen Archiven ergeben haben,
-vielleicht um so mehr willkommen sein, als bisher über diesen Mann
-nichts weiter bekannt war, als daß Dürer im Jahre 1499 sein Bildnis
-gemalt hat[57]. Wohl mit Recht vermutet Thausing (Dürer I, 193), daß es
-das erste Porträt war, das von dem jugendlichen Meister auf
-ausdrückliche Bestellung gemalt wurde, denn schon das Aussehen des
-Mannes ist nicht der Art, daß man sich dadurch hätte angezogen fühlen
-können. »Es ist keine einnehmende Persönlichkeit«, sagt Thausing, »die
-hier in aller Herbigkeit ihrer Erscheinung dargestellt ist. Der
-knochige, bartlose Kopf des jungen Mannes ist etwas nach links gewandt,
-und ernst, fast mürrisch, blicken die Augen aus den äußersten Winkeln
-heraus.« Diese von dem in der königl. Pinakothek zu München befindlichen
-Bilde abgelesene kurze Charakteristik wird durch einen Blick auf die
-Thatsachen, die wir aus dem Leben Oswald Krells und über seine
-Familienverhältnisse beibringen können, im wesentlichen bestätigt --
-gewiß ein Zeichen für die hohe Kunststufe, welche Dürer als Porträtist
-bereits zu Ausgang des 15. Jahrhunderts erreicht hatte.
-
-Das Geschlecht der Krell oder Kreel gehört zu den Nürnberger Ehrbaren
-Familien. In einer Urkunde vom 16. August 1490 kommt ein Franz Krell mit
-dem Zusatz der «Erbar» als Mitglied des größeren Rates vor[58]. Oswald
-erscheint in den im Kreisarchiv Nürnberg verwahrten Ratsprotokollen
-zuerst im Jahre 1497, wo über ihn und Wolf Ketzel vom Rat eine Strafe
-verhängt wird, weil sie einen ehrsamen Bürger[59], den Hans Zamasser, in
-einem Fastnachtsspiel als Narren verhöhnt haben. Sie sollen dafür einen
-Monat »auf einen versperrten Turm« wandern, es wird ihnen aber
-freigestellt, sich von der Hälfte dieser Strafe mit Geld loszukaufen.
-Alles bittliche Ansuchen hilft dagegen nichts, nur ein Aufschub der
-Strafe, d. h. ihrer Abbüßung, wird den beiden Übelthätern endlich
-gewährt[60]. Freilich kommt in den Notizen, die sich auf diesen Fall
-beziehen, der Name Krell überhaupt nicht vor. Es heißt nur »Oswald, der
-Gesellschaft von Ravensburg Diener«; da aber nach einer ziemlich
-gleichzeitigen Urkunde im Nürnberger Stadtarchiv Oswald Krell damals in
-der That »ein diener vnd handler (an anderer Stelle heißt es: »factor
-vnd handler«) der gesellschafft zu Rauenspurg« war, so ist an seiner
-Identität mit jenem losen Spötter nicht zu zweifeln[61].
-
-[Fußnote 57: Vgl. T. de Wyzewa in der Gazette des Beaux-Arts 1890, 1.
-August: »Oswald Krell réalise l'idéal de l'obscurité et du peu
-d'importance; on n'a pu découvrir ni d'où il venait, ni qui il était, et
-rien ne nous est resté de lui, à part son nom et son image.«]
-
-[Fußnote 58: Freiherrl. von Holzschuhersches Archiv (im Germanischen
-Museum) Perg.-Urk. vom 16. Aug. 1490.]
-
-[Fußnote 59: Nach Aufzeichnungen Lochners im Nürnberger Stadtarchiv,
-deren genauere Bezeichnung -- es handelt sich um eine Randbemerkung in
-den sogenannten Selekten -- ich mir leider nicht gemerkt habe, besaß ein
-Zamasser ein Haus am Markt in der Nähe der Fleischbrücke.]
-
-Viele Jahre hören wir nichts mehr von ihm. Dann taucht sein Name
-plötzlich wieder auf; aber inzwischen ist aus dem Handlungsdiener, der
-die Interessen einer fremden kaufmännischen Gesellschaft[62]
-wahrzunehmen hatte, ein selbständiger Mann, wie es scheint ein
-angesehener Kaufherr zu Lindau im Bodensee[63] geworden, dessen
-Bürgschaft in einer Kriminalsache von dem Rat zu Nürnberg gewünscht
-wird. Wiederum ist es keineswegs ein sauberer und für seine Familie
-ehrenvoller Handel, in den Oswald hineingezogen wird, wenn diesmal auch
-nicht er, sondern sein Bruder Kaspar Krell der Schuldige war. Der
-ziemlich abenteuerliche Hergang dieser Angelegenheit bietet manches
-sittengeschichtlich Interessante, und so will ich ihn hier in Kürze
-erzählen, obgleich dabei für das Verständnis des Dürerschen Gemäldes,
-von dem unsere Betrachtung ausging, nicht mehr viel zu gewinnen ist.
-
-[Fußnote 60: [R(ats)-P(rotokolle) 1497 (Heft) II, (Blatt) 15b] Tercia
-post domini oculi (_28. Febr._) _1497_:
-
-Es ist bey einem erbern Rat erteylt wolff ketzel vnnd den oßwalt der
-geselschafft von Rafenspurg diener, yr yden ein monat vff ein versperten
-thurn, zu straffen, den halben teyl mit dem leyb zuuerpringen aber den
-anndern halben teyl mag Ir yder mit dem geltt darauff gesetzt ablosen,
-Darumb das sie Hannsen Zamasser, mit einem faßnacht Spil als ein narren
-gehondt haben.
-
-[R.-P. 1497, II, 17a] Quinta post domini Oculi (_2. März_) _1497_.
-
-Es ist erteylt, In der sachen Zwischen dem Zamesser, vnd wolffen ketzel
-auch dem oßwalt, das es ein erber Rat bej der straff die In vormalen Im
-Rat erteylt ist entlich sol pleyben, vnd kein enndrung dar Innen thun
-lassen.
-
-[R.-P. 1497, III, 9b] Tercia post domini palmarum (_21. März_) _1497_:
-
-Es ist abermalen Im Rat erteylt das es bej der straff die [man] dem
-ketzell vnnd dem Oßwallt von wegen des Zamasserß auffgelegt hat,
-nochmalen sol pleyben.
-
-[R.-P. 1497, IV, 13b] Quinta post misericordiae dominj (_13. April_)
-_1497_:
-
-Oßwallten der gesellschafft von Rafenspurg diener ist frist zu seiner
-straff geben bis vff pfingsten.
-
-[R.-P. 1497, VI, 16b] Tercia post Viti (_20. Juni_) _1497_:
-
-Wo der oßwalt sein straf itzo halbe wil verpringen sol [man] Im zu dem
-anndern Halben teyl biß vff Jacobj frist geben.
-
-[R.-P. 1497, VII, 4a] Tercia post Johannis Baptiste (_27. Juni_) _1497_:
-
-Es ist abermalen erteylt das Oßwalt sein straff verpringen sol wie am
-nachsten im Rat erteylt ist.]
-
-[Fußnote 61: Stadtarchiv. Libri litterarum. Bd. X. Fol. 82b, leider ohne
-Datum, aber ohne Zweifel in die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts
-gehörend. Es handelt sich um Summen, welche Hieronymus Behaim, Bürger zu
-Nürnberg und Blasius Krieg zu Breslau verschiedenen Leuten für
-gelieferte Kaufmannswaren schuldig sind. Unter den Gläubigern erscheint
-auch Oswald Krell, der 248 Gulden zu fordern hat.]
-
-[Fußnote 62: Ohne Zweifel jene große patrizische Handelsgesellschaft zu
-Ravensburg, an deren Spitze im 15. Jahrhundert die uralte Familie
-Hundbiß stand. Vgl. darüber F. Hafner, Geschichte von Ravensburg (1887)
-S. 94, 269, 441 u. ö.]
-
-Im Februar des Jahres 1511 wurde Kaspar Krell von Lindau wegen
-mancherlei Diebereien plötzlich festgenommen und unter Androhung der
-Folter verhört. Welcher Art seine Diebstähle gewesen sind, geht aus den
-Ratsprotokollen nicht mit Sicherheit hervor. Er gestand sie aber ein und
-würde auf dem für ihn angesetzten »ernstlichen Rechtstag« vermutlich zum
-Tode durch den Strang verurteilt worden sein, wenn sich nicht
-hochgestellte Persönlichkeiten: der Bischof von Regensburg, Kurfürst
-Friedrich von Sachsen, die kaiserliche Majestät selbst für ihn verwendet
-hätten. Die Wichtigkeit, welche der Sache beigelegt worden zu sein
-scheint, dann der Umstand, daß wir Kaspar Krell einmal im Verein mit
-einer ganzen Anzahl anderer Häftlinge erwähnt finden, läßt vermuten, daß
-wir es in ihm mit keinem gewöhnlichen Diebe, sondern eher mit einem
-Strauchritter, sogenanntem Placker, oder etwas Ähnlichem zu thun haben,
-der sich vielleicht guter Beziehungen zu den verschiedenen fürstlichen
-Höfen erfreute. Kaiser Maximilian befürwortete sogar seine Freilassung.
-Darauf aber konnte sich der Rat nicht einlassen. Er sicherte ihm zwar
-auf das Drängen der Fürsten das Leben zu, ließ aber Kaspar Krell bis auf
-Weiteres im Loch liegen. Der Probst von St. Sebald wurde beauftragt, der
-kaiserlichen Majestät die Gründe für dieses Verhalten des Rates
-auseinander zu setzen und sein Schreiben gleich so einzurichten, daß »Ir
-Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit außgeen lass, denselben
-Caspar frey ledig zu geben, in ansehung was sich ain Rate bey Ime
-besorgen müß.« Aber im Grunde wäre man doch -- gegen die nötige
-Sicherheit -- des gefährlichen Menschen gern ledig gewesen, zumal man
-nicht recht wußte, was man nun mit ihm anfangen sollte. Man ließ ihn
-Urfehde schwören, glaubte sich aber dadurch noch keineswegs genügend
-gegen neue Schädigung und Anfeindung von seiner Seite gedeckt und trat
-daher gleichzeitig in Unterhandlungen mit den von Kaspar Krell selbst
-vorgeschlagenen Bürgen. Seiner »Freundschaft«, die sich wohl
-gleichzeitig für ihn verwendet hatte, ward angesagt, man sei geneigt,
-falls außer ihnen noch Kaspars Eltern, sowie sein Bruder Oswald Krell in
-Lindau zur Stellung der nötigen Sicherheit zu bewegen sein würden,
-solche Bürgschaft gelten zu lassen. Das aber machte Schwierigkeiten. Die
-Krellen in Lindau konnten sich mit dem Rat nicht so bald über die als
-Bürgschaft zu zahlende Summe einigen, und während die Verhandlungen noch
-schwebten, geschah etwas, das eine wesentliche Verschlechterung der Lage
-Kaspars im Gefolge haben sollte. Die Maid des alten Lochhüters --
-gemeint ist wohl seine Tochter -- hatte sich in den Gefangenen verliebt,
-und mit ihrer Hilfe machte Kaspar einen Fluchtversuch, der aber mißlang.
-Gebunden ward er in das Loch zurückgeschafft, dort in Ketten gelegt und
-aufs Neue mit der Folter bedroht. Vielleicht hat man sie ihm auch zu
-kosten gegeben, doch reichte wahrscheinlich die Beschaffenheit des
-Lochgefängnisses allein hin, auch einen starken Mann mürbe und den
-gesundesten krank zu machen; das können wir aus einigen Andeutungen
-schließen.
-
-[Fußnote 63: Wenn zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Lindau ohne
-weiteren Zusatz die Rede ist, ist wohl immer Lindau i. B. gemeint. Über
-dessen Bedeutung für den damaligen Handelsverkehr s. L. v. Ranke, Zur
-deutschen Geschichte (Sämtliche Werke. 3. Aufl. 1888. VII. Bd.) S. 34.]
-
-Inzwischen war es wieder Winter geworden. Zu Anfang des neuen Jahres
-1512 bat der Gefangene, beichten und das heilige Sakrament empfangen zu
-dürfen. Beides wurde ihm gewährt und außerdem zugelassen, daß er alle
-Samstag ein Licht in seinem Kerker brennen möge, ein Gnadengesuch seiner
-Geliebten jedoch, von der es hieß, daß Kaspar sie im Loch zur Ehe
-genommen habe, abschlägig beschieden. Zugleich ließ der Rat unter der
-Hand und durch allerlei Mittelspersonen erneute Versuche machen,
-namentlich Oswald Krell zu den gewünschten, volle Sicherheit
-verbürgenden Zugeständnissen zu bewegen. Sogar dem Lochhüter ward einmal
-ein Wink gegeben, Gelegenheit zu bieten und zu verstatten, daß Kaspar
-Krell wieder an seine Freundschaft schreibe. Aber Oswald blieb hart. Im
-September erkrankte Kaspar; so dürfen wir wohl aus der Mitteilung
-schließen, daß ihm eine Hauptwaschung und Aderlaß erlaubt wurde. Ein
-Schermesser, besagte die Verordnung, dürfe aber nicht an ihn kommen.
-Vermutlich wollte man ihn in recht verwahrlostem, bejammernswürdigem
-Zustand seinen Verwandten gegenübertreten lassen, deren Ankunft man
-erwartete. Aber noch bis zum November blieben diese aus. Dann erst, als
-die Brüder Kaspars -- ob Oswald darunter war, wird nicht gesagt --
-eingetroffen waren und im Beisein Nikolaus Hallers eine Unterredung mit
-ihrem elenden Bruder gehabt hatten, kamen endlich die Unterhandlungen
-über die zu leistende Bürgschaft in rascheren Fluß. Die nächste Folge
-davon war, daß Kaspar aus dem Loch in »das obere Stübchen« umquartiert
-wurde; doch blieb er auch hier noch mit einer Kette an die Wand
-geschlossen. Immerhin fehlte nicht viel und es wäre unter vergeblichen
-Hin- und Herschreibereien zwischen Nürnberg und Lindau auch dieses Jahr
-zu Ende gegangen. Da kam kurz vor Jahresschluß die Befreiung. Auf Grund
-welcher Vereinbarung sich der Rat dazu verstand, ist uns nicht
-überliefert. Wir hören nur, daß am 29. Dezember dem Kaspar Krell sein
-Geld und seine Kleider, die ihm bei seiner Einlieferung ins Gefängnis
-abgenommen worden waren, wieder ausgehändigt wurden. Nur ein Becher, der
-vermutlich zu den ehemals geraubten Gegenständen gehörte, verblieb
-zunächst in den Händen des Rats, »ob sich vielleicht jemand finde, dem
-er zustehe.« Das ist die letzte Notiz über Kaspar Krell, und auch
-Oswalds Name kommt seitdem in den Nürnberger Ratsprotokollen nicht
-wieder vor[64].
-
-[Fußnote 64: Ich gebe hier im Zusammenhang diejenigen Ratsverlässe,
-welche der vorstehenden Darstellung des Falles Kaspar Krell, zu Grunde
-liegen:
-
-[R.-P. 1510, XII, 4a] Secunda Scolastice (_10. Febr._) _1511_:
-
-Casper Krell vmb weitter dieberey zu red hallten, wo er gutlich nit
-sagen will weethun.
-
-[ebenda, 5a] Tercia post Scolastice (_11. Febr._) _1511_:
-
-Caspar Krellen von Lindaw ist vmb sein geubter vnd bekandte dieberey
-auff nachsten Pfincztag ein ernstlicher recht tag gesatzt.
-
-[ebenda 7b] Quinta post Scolastice (_13. Febr._) _1511_:
-
-Herzog Friedrichen von Sachsen Churfursten anzaigen das vff sein und deß
-Bischoffs von Regenspurgs Furbitt Caspar kreel deß lebens gesichert sey.
-
-[ebenda 10b] Tercia post Juliane (_18. Febr._) _1511_:
-
-Die vrfehd vnd purgschafft Caspar krells soll man allso seiner
-freuntschafft, wie die gelesen Ist, furhallten, vnd Inen ain abschrifft
-dauon geben.
-
-[ebenda 13b] Sabato Petrj ad kathedram (_22. Febr._) _1511_:
-
-Vff furbitt Herczog Friedrichs von Sachsen Churfürsten sind diese
-hernach geschribne personen begeben vnd Ihnen Ir uffgelegte straff
-nachgelassen vnd gesichert nemlich Steffan Fellnstain desgleichen Hans
-banntzer wo er sich mit deß entleibten freuntschafft vertregt,
-deßgleichen Bernhardin Mewes wo er sich mit der widerparthey vnd ainem
-Rate verträgt.
-
-[14a] Aber diser Person halben Ist deß Herczogen furbitt gelaint nemlich
-Hanns Schrecken Leonhardten werner Margrethe wegerheim Hansen
-Krafftshofer, Mathes Henlin Kungund Gollnerin Hannsen Widmann zue
-klainrewt Conntzen Schmid Fritzen gast Hannsen Ennter Fritzen kolben.
-
-Vnd Caspar Krell soll Im loch bis vff vollziehung der purgschafft ligen
-bleiben.
-
-[R.-P. 1510, XIII, 18a] Sabato post Oculj (_29. März_) _1511_:
-
-Caspar Krellen freundschafft Soll man ansagen, wo Sy irn Freund Oßwald
-Krellen zu Lindaw vermugen, so woll man den zusampt Inen vnd des Caspars
-vater und mutter zu pürgen annemen.
-
-[R.-P. 1511, II, 4b] Secunda post vocem Jocunditatis (_26. Mai_) _1511_:
-
-Caspar krellen bruder sagen Soll morgen wider vmb antwt manen.
-
-[ebenda 5a] Tercia post Vrbanj (_27. Mai_) _1511_:
-
-Caspar Krellen soll man noch (vnentschlossen was enndtlich mit Ime zu
-handeln sey) allso ligen lassen, vnd dem Brobst Sebaldj schreiben ainen
-Rate vff der k. Mt schrifft seiner halben zuuerantworten vnd zufurkomen
-das Ir Mt an ainen Rate ainich weitter Mandata nit außgeen lass
-denselben Caspar frey ledig zu geben In ansehung was sich ain Rate bey
-Ime besorgen müß.
-
-Vnd Casparlins freunden Anntwt zu geben ain Rate wöll vff Ir schrifft
-selber anntwurt geben, vnd dann der angepotten purgschafft halben hab
-ain Erber Rate Inen vor lawttern beschaid vnd anntwt geben dabey lass es
-ain Rate bleiben.
-
-[R.-P. 1511, III, 1b] Sabato post corporis Christi (_21. Juni_) _1511_:
-
-Den krellen zu Lynndaw so ytzo Irs Sons vnd brvders halben Caspar krelln
-geschriben haben antwt zu geben ain Rate hab denselben Caspar deß lebens
-vff furbitt der fursten vnd gnugsam purgschafft so man ainem Rate
-verwendt hab gesichert vnd darumb sey ainem Rate Ir angepottne
-purgschafft alls vngnugsam nit annemlich.
-
-[ebenda 8b] Secunda post pet. & paulj (_30. Juni_) _1511_:
-
-Caspar Krellen weitter der maid halben Im Loch die Ime zu seiner
-erledigung hanndtreich gethan haben soll zu red hallten, pynnden vnd
-bedroen.
-
-[ebenda 7 u. 9] 2 Notizen ziemlich des gleichen Inhalts.
-
-[R.-P. 1511, X, 11a] Secunda post Erhardj (_11. Jan._) _1512_:
-
-Caspar Krellen soll man vergonnen zu peichten vnd das heylig Sacrament
-zu empfahen.
-
-Deßgleichen Ist Ime zuglassen das er alle Samstag ain liecht Im loch
-geprauchen mag doch das Ime allweg ain ketten an das pain gelegt werde.
-
-Vnd soll bey dem Blarer haimlich angregt werden damit ain Rate seiner
-erledigung halb durch oßwald Krellen stattlich angesucht werde vnd das
-soll thun Caspar Nützel.
-
-[R.-P. 1511. XII, 22a] Quarta post Oculj (_17. März_) _1512_:
-
-Des alten Lochhüters maid ir begern vmb entledigung Caspar Krellen der
-Sy im loch zu der Ehe genomen haben soll ablainen.
-
-[R.-P. 1512, III, 23a] Secunda post Visitacionis (_5. Juli_) _1512_:
-
-Dem Lochhüter soll man wincken das er Caspar Krell zulaß an sein
-freundschafft zu schreiben.
-
-[R.-P. 1512, V, 15b] Quinta post crucis Exaltacionis (_17. Sept._)
-_1512_:
-
-Dem Casperla Krell Soll man vergonnen daß habt waschen ader lassen aber
-Ime mit keim messer nit Scheren Mit güter gwarsam.
-
-[R.-P. 1512, VIII, 14 a] Tercia Othmari (_16. Nov._) _1512_:
-
-Des Casperlas Crellen brüder gestatten mit Im zu reden doch In beywesen
-N. Hallers.
-
-[ebenda 14 b]:
-
-Casparn Krell soll man In das ober stublin an ainer Ketten verwarn so
-lang die Verschreibung wider von Lynndaw kompt.
-
-[1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (_29. Dez._) _1512_:
-
-Caspar Krellen soll man sein gelt vnd claider so in seinem fenglichen
-annemen Zuuerwarung genommen sind wider zustellen Aber den Pecher
-derweil er den nicht geuordert lennger behalten, ob sich ymand finden
-wollt, dem er Zustund.]
-
-_Nürnberg._
-
- _Th. Hampe._
-
-
-
-
- Zu Baldungs »Madonna mit der Meerkatze«.
-
-
-Herr Dr. Stiassny hatte die Liebenswürdigkeit mich darauf aufmerksam zu
-machen, daß das neue Bild des germanischen Museums, welches ich im
-letzten Hefte des vorigen Jahrgangs Hans Baldung zuwies, bereits in der
-Litteratur erwähnt ist. Es ist dies von Seiten Scheiblers (Repertorium
-X, 28) und Stiassnys (Wiener Kunstchronik XI. Nr. 28, S. 721) geschehen,
-aber allerdings in so wenig detaillierenden Ausdrücken, daß eine
-Identifikation unmöglich war, zumal in Anbetracht der unzähligen Bilder
-einer »Madonna mit Kind aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts«. Ich
-hatte mir allerdings schon längere Zeit diese »Madonna bei Postrat
-Beisch in Stuttgart« auf Grund dieser Zitate notiert, aber da von Seiten
-des Verkäufers s. Zt. keine Angaben gemacht wurden, so war die Identität
-der Beisch'schen Madonna mit unserem Bilde in der That absolut
-unersichtlich. Ich habe nun unser Bild vor ganz kurzer Zeit nochmals mit
-Hauptwerken des Meisters in Freiburg und Frankfurt verglichen, ferner
-mit den Handzeichnungen, Stichen und Holzschnitten und muß auf meiner
-Ansicht beharren: das Bild ist meines Erachtens sicher in Baldungs
-Atelier entstanden und höchstwahrscheinlich ein Werk seiner eigenen
-Hand.
-
-_Nürnberg._
-
- _Dr. Edmund Braun._
-
-
-
-
- Der Meister der nürnberger Madonna[65].
-
-
-Treten wir vor ein bedeutendes Kunstwerk, so ist eine der ersten Fragen,
-die sich uns aufdrängen, wer hat es gemacht. Die Frage ist begreiflich
-und gerechtfertigt, nicht nur vom Standpunkte des Historikers aus,
-sondern für jeden verständnisvollen Beschauer. Was uns interessiert, was
-uns anzieht oder abstößt, ist nicht nur das Kunstwerk als solches,
-sondern auch die Individualität des Künstlers, welche aus ihm spricht.
-So viele Irrtümer unvermeidlich unterlaufen, wenn Künstlernamen einzig
-aus stilistischen Kriterien bestimmt werden, man wird da, wo
-schriftliche Nachrichten oder gute Traditionen fehlen, immer wieder auf
-diese Bestimmungsweise geführt werden.
-
-Unter den plastischen Werken der beginnenden deutschen Renaissance wird
-die nürnberger Madonna (G. M. 314, Städtische Kunstsammlung Plastik 5)
-stets in erster Linie genannt. Vielfach wird sie als das bedeutendste
-Werk der deutschen Plastik des frühen 16. Jahrhunderts bezeichnet, oft
-ist sie besprochen, in Abgüssen und Abbildungen ist sie allgemein
-verbreitet und bewundert.
-
-Die Bezeichnung eines Kunstwerkes als bedeutendstes ist stets eine
-relative, insbesondere besteht zwischen Kunstwerken, bei welchen in
-erster Linie der intensive Ausdruck der Empfindung angestrebt wird und
-solchen, welche mehr die formal harmonische Schönheit der Erscheinung
-betonen, eine ästhetische Antinomie. Erstere haben eine höhere
-individuelle, letztere eine mehr typische Bedeutung, und unvermeidlich
-muss bei ihnen der Ausdruck der Gemütsbewegungen um einige Grade
-herabgestimmt werden. Und doch können zwei Werke dieser beiden Gattungen
-die gleiche Vollendung besitzen und bezüglich der Gattungen selbst sind
-wir nicht berechtigt, die eine der anderen überzuordnen. Wohl aber sind
-wir darüber klar, daß erstere mehr dem malerischen, letztere mehr dem
-plastischen Ideal entspricht. Die nürnberger Madonna, welche wohl mit
-Recht als Teil einer Kreuzigungsgruppe betrachtet wird, gehört zu
-letzterer Gattung. Die Figur ist das Werk eines großen Künstlers,
-welcher an formaler Begabung, an reinem Schönheitssinn alle seine
-Zeitgenossen überragt. Eine so ungewöhnliche Sicherheit des plastischen
-Könnens ist Niemanden angeboren, sie wird nur allmählig in ernster
-Arbeit erworben. Es ist ganz ausgeschlossen, daß der Meister nur diese
-eine oder nur wenige Arbeiten geschaffen habe. Solche sind aber bis
-jetzt nicht bekannt geworden. Ob ihm die Pietà in der S. Jakobskirche in
-Nürnberg zugewiesen werden darf, ist zum mindesten fraglich.
-
-Daß aber das ganze Werk eines so großen Meisters bis auf eine Figur zu
-Grunde gegangen sei, ist höchst unwahrscheinlich.
-
- [Illustration: Nürnberger Madonna.]
-
-Halten wir daran fest, daß die Figur eine nürnberger Arbeit ist, und es
-ist kein ausreichender Grund vorhanden, sie einer anderen oberdeutschen
-Schule zuzuweisen, so ist längst erkannt, daß sie weder von Veit Stoß,
-noch von Adam Kraft sein kann. Beide Künstler halten an dem
-spätgotischen, plastisch malerischen Stile des 15. Jahrhunderts fest,
-ihre Arbeiten sind von starker und tiefer Empfindung durchweht, welche
-selbst vor gewaltsamen Stellungen nicht zurückschreckt. Von einer
-Zuweisung der Madonna an einen von ihnen kann keine Rede sein. Anders
-stellt sich ein Vergleich mit den Arbeiten Peter Vischers, ein
-Vergleich, der bis jetzt nicht angestellt wurde. Peter Vischer ist seit
-den großen Meistern des 13. Jahrhunderts der erste deutsche Bildhauer,
-in dem die strengsten Stilgesetze der Plastik lebendig sind. Es ist
-etwas Objektives in seiner Kunst, seine Figuren haben gattungsmäßige,
-typische Bedeutung. Gegenüber den scharf individualisierten
-Persönlichkeiten Krafts oder gar Dürers haben seine Menschen etwas
-Allgemeines. Er individualisiert nicht mehr, als sich mit der harmonisch
-linearen Schönheit der Gesamterscheinung vereinigen läßt, auf welche
-sein Absehen in erster Linie gerichtet ist. Demgemäß sind auch die
-Bewegungen maßvoll und die Gewandung ist von klassischer Einfachheit,
-die Körperform mehr hebend als verhüllend. Von den untersetzten
-Verhältnissen der Apostelfiguren am Grabmale des Erzbischofs Ernst von
-Magdeburg geht er später zu schlanken Proportionen über. Die Apostel am
-Sebaldusgrab haben sieben und mehr Kopflängen.
-
-[Fußnote 65: Auf die stilistischen Eigentümlichkeiten der Figur, welche
-dieselbe mehr der Metall- als der Holzplastik zuweisen, hat Dr. H.
-Stegmann schon früher aufmerksam gemacht.]
-
-Die charakteristischen Merkmale von Peter Vischers statuarischen
-Arbeiten, namentlich von den Aposteln des Sebaldusgrabes finden sich
-wieder an der Nürnberger Madonna. Die plastischen Motive und der Fluß
-der Linien sind von einer Harmonie und Klarheit, wie sie die deutsche
-Schnitzkunst vorher nie erreicht hatte. Das Bewegungsmotiv ist von oben
-bis unten einheitlich durchgeführt, hier stören keine Verrenkungen und
-Härten wie bei anderen Schnitzwerken der gleichen Zeit. Eine milde
-Stimmung beherrscht das ganze Werk.
-
-Nun sind diese übereinstimmenden Momente an und für sich noch kein
-Beweis für Vischers Autorschaft, sie gewinnen aber dadurch erheblich an
-Gewicht, daß Vischer mit seiner plastischen Auffassung in seiner Zeit
-ganz allein steht. Beobachtungen von Einzelheiten kommen hinzu. Vischer
-liebt in der Gewandbehandlung lang gezogene Falten, der Fall der
-Obergewänder ist breit, zuweilen etwas schwer. Auch an der Madonna ist
-der Faltenwurf ähnlich behandelt. Man vergleiche den Fall des Mantels in
-beistehender Skizze mit dem der Schwester des Lazarus vom Epithaph der
-Margareta Tucher. Von der Knitterigkeit, von den barock gebauschten
-Rändern der Gewänder, wie sie noch Veit Stoß liebt, ist hier keine Spur
-mehr zu sehen. Auch die Behandlung der Hände und das rund vorspringende
-Kinn hat in anderen Werken Vischers seine Analoga.
-
- [Illustration: Tucher'sches Epitaph.]
-
- [Illustration: Nürnberger Madonna.]
-
-Endlich aber ist die Figur -- worauf schon Dr. Stegmann aufmerksam
-gemacht hat -- überhaupt nicht im Holzstil, sondern im Metallstil
-gedacht und ausgeführt.
-
-Die unruhigen, knitterigen und gebauschten Falten der Holzfiguren zielen
-auf eine malerische Wirkung ab, welche Polychromie und Vergoldung zur
-Voraussetzung hat; bei unserer Figur ist eine Steigerung der Wirkung
-durch farbige Behandlung kaum denkbar. Schon die Verteilung von Ober-
-und Unterkleid ist eine solche, daß durch ein Auseinanderhalten mittels
-Farbe nur eckige und unschöne Überschneidungen entstünden, welche der
-plastischen Erscheinung nicht zum Vorteil gereichen würden. Die großen
-Flächen des Mantels würden in anderer als der dermaligen grünlichen
-Farbe eben auch nicht viel anders erscheinen als jetzt.
-
-Wohl aber würde die ganze Gewandung bei einer Ausführung in Bronze durch
-die Glanzlichter auf den Höhen und die dunkeln Schatten in den Tiefen
-der Falten sehr wesentlich belebt werden.
-
-Es sei noch darauf hingewiesen, daß der grünliche Anstrich der Figur
-nicht modern, sondern alt und mehrmals erneuert ist.
-
-Mit dem Gesagten ist eine ziemliche Wahrscheinlichkeit für Peter
-Vischers Autorschaft gewonnen. Es darf indes nicht verschwiegen werden,
-daß zur Gewißheit manches fehlt.
-
-Wenn auch Vischer von den kurzen Verhältnissen der magdeburger Figuren
-später zu schlankern übergeht, so überschlanke Figuren, wie die
-nürnberger Madonna sind von ihm doch nicht bekannt. Und die Ausführung
-ist sorgfältiger, als wir es sonst von Vischer gewöhnt sind.
-
-Man möchte vielleicht, wenn man die Autorschaft Peter Vischers
-bezweifelt, an einen seiner Söhne denken, allein solange wir deren
-künstlerische Individualität nicht genauer kennen, wird sich auch nicht
-entscheiden lassen, ob etwa statt des Vaters, einer der Söhne, als
-Meister der Figur in Frage kommt.
-
-_Nürnberg._
-
- _Gustav von Bezold._
-
-
-
-
- Das Gedenkbuch des Georg Friedrich Bezold, Pfarrers zu
- Wildenthierbach im Rothenburgischen.
-
-
-Durch Schenkung seitens des Herrn Direktors von Bezold ist das
-germanische Museum letzthin in den Besitz einer Handschrift gelangt,
-die, wie eine kurze Charakterisierung des Inhalts zeigen wird, manchen
-willkommenen Beitrag zur Kenntnis insbesondere der Kulturgeschichte des
-18. Jahrhunderts liefert. Viele Eintragungen freilich können nur ein
-beschränktes, lokalgeschichtliches Interesse erwecken, andere dagegen
-verdienen auch in weiteren Kreisen ohne Zweifel Beachtung. Diese
-Doppelnatur unseres (mit Ausschluß des Registers und eines später
-hinzugebundenen Heftes von 41 Seiten mit allerlei biblischen Zitaten und
-Nachweisen) 658 nummerierte Quartseiten zählenden Manuskripts erklärt
-sich leicht aus der Lebensstellung und Sinnesart des Sammlers und
-Schreibers.
-
-Es ist der reichsstädtisch rothenburgische Pfarrer Georg Friedrich
-Bezold, welcher den Codex um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, aber
-gewiß im Laufe mancher Jahre zusammengeschrieben hat. Seine Familie, die
-seit dem 15. Jahrhundert in Rothenburg nachweisbar ist, gehörte zu den
-ratsfähigen Geschlechtern und sein Oheim Georg Christoph Bezold stand
-noch zu Ende des 17. Jahrhunderts dem Rate der freien Reichsstadt als
-Consul d. h. Bürgermeister vor. Er selbst aber (geb. 1710) hatte, wie
-sein Vater Johann Albert, der Pfarrer an der Kirche zum heiligen Geist
-gewesen war, die Theologie zum Lebensberuf erwählt und die Tochter des
-Pfarrers Johann Michael Stock zur Frau genommen, dessen Geschlecht
-bereits seit mehreren Menschenaltern der kleinen evangelischen Gemeinde
-von Wildenthierbach -- auch einfach Thierbach genannt -- ihre Seelsorger
-gegeben hatte. 1734 starb der alte Pfarrherr, wie es in den
-genealogischen Notizen auf S. 67 des Gedenkbuches, aus denen wir unsere
-Kenntnis schöpfen, heißt: »ex improviso bombardae ictu militis
-Würzburgensis«, und im Amte folgte ihm sein Schwiegersohn, der die
-Pfarrei bis zu seinem im Jahre 1771 erfolgten Tode bekleidet zu haben
-scheint. Wenigstens folgte ihm, wie eine spätere Eintragung a. a. O.
-ergibt, in diesem Jahre als Pfarrer von Wildenthierbach sein Sohn Ernst
-Albert Bezold.
-
-Von seinem stillen Erdenwinkel aus hat der Schreiber unserer Handschrift
-Jahrzehnte lang dem Treiben der Welt zugesehen. An beschaulicher Muße
-wird es ihm wohl nicht gefehlt haben, sonst würde er schwerlich große
-Abschnitte seines Gedenkbuches in zierlicher Druckschrift ausgeführt
-und, wo etwa seine Vorlagen größere oder kleinere Vignetten und
-Zierleisten aufwiesen, auch diese mit sorgfältiger Feder wiedergegeben
-haben. Bewunderungswürdig ist in der That die Ausdauer und Hingabe, mit
-der er selbst umfänglichere Flugschriften bis auf die Form der
-Buchstaben getreu kopiert hat.
-
-Von ihm selbst rührt in dem Codex nur wenig her. Es sind da vor Allem
-Aufzeichnungen über Wind und Wetter, Beobachtungen, wie sie dem
-Landgeistlichen besonders nahe liegen mußten, zu nennen. Die Einkleidung
-ist zuweilen originell genug und verrät uns bereits die ausgesprochene
-Vorliebe des Pfarrers für absonderliche, »curieuse« Gegenstände und
-Geschichten. So zählt er auf Seite 85 in seinen »Anmerkungen über das
-1766ste Jahr« »der Nachwelt zum unvergeßlichen Angedenken« acht
-»Merkwürdigkeiten« des Winters 1766 auf 67, die sich alle lediglich auf
-die Witterung beziehen, auf. Daß er aber zugleich mit feinem Sinn für
-Witz und Humor begabt war, zeigen sogar seine »Dicta quaedam breviter
-explicata« (S. 377 ff.), teils eigene teils fremde Auslegungen von
-Bibelstellen, in welchen ein schalkhafter Humor nicht selten das
-theologische Element überwiegt. Da notiert er sich beispielsweise:
-
- »1. Tim. VI, 9: Denn die da reich werden wollen, die fallen in
- Versuchung und Stricke und in Viele thörigte und Schädliche
- Begierden, welche die Menschen Versenken ins Verderben und
- Verdammniß; den der Geitz sey eine Wurtzel alles Übels, und
- durchstechen sich selbst mit Vielen todes Schmertzen«
-
-und bemerkt dazu:
-
- »Aus diesem Dicto hat eine nachsinnende Feder, Von denen See-Würmern
- in Holland und deren Vermuthender ursach folgende courieuxe
- Observation gezogen: .... Der heil. Geist Brauche durch den
- Apostel das Wort »Schädliche«, und dieses Wort heiße nach dem
- Grund Text [Griechisch: blaberos], deßen derivation von
- [Griechisch: bliptô] oder [Griechisch: eaptô] und [Griechisch:
- iptô], noceo, ich schade, DaVon dan herkomme [Griechisch: ips,
- ipos] vermis cornua corrodens, ein Wurm der Hörner durchnaget,
- mit Hörnern armiret. -- Weilen nun in Holland in sonderheit die
- Geldgierigkeit und Begierde reich zu werden durch die Handlung zu
- waßer und zu land, wie bekandt herschet, so hat Gott zur straffe,
- wie sie selbst bekennen, .... diese schädliche Würmer ...
- gesandt, welche ihre hornharte Pfähle an den Teichen
- durch-Brechen und das Land in äußerste Gefahr der überschwemmung
- und des Verderbens setzen.«
-
-Man hört förmlich bei dieser an den Haaren herbeigezogenen,
-umständlichen Erklärung den wackeren Pfarrherrn von Wildenthierbach
-hinter seinem Buche leise lachen.
-
-Im Übrigen besteht der Inhalt so gut wie ausschließlich in Abschriften,
-deren Vorlagen nicht immer leicht festzustellen sind. Es wurde bereits
-erwähnt, daß ihm mehrfach Flugblätter und Flugschriften als solche
-gedient haben, die heute teilweise zu den Seltenheiten zählen. Vieles
-auch entnahm er der »Frankfurter gelehrten Zeitung«, die er sich
-gehalten zu haben scheint, oder der »Erlanger Realzeitung«, der
-»Berliner Zeitung« etc., anderes ist aus Chroniken zusammengetragen, aus
-den Werken gleichzeitiger Dichter, wie Gellert, Gleim, Gottsched u.
-a. abgeschrieben. Es verrät keinen besonders entwickelten
-historisch-wissenschaftlichen Sinn, daß Angaben über das Woher den
-einzelnen Abschnitten und Gedichten nur selten hinzugefügt sind.
-
-Gleich der erste umfängliche Eintrag in sein Gedenkbuch (S. 1 ff.) zeigt
-ihn zwar als guten Rothenburger Patrioten und überzeugten,
-glaubenseifrigen Protestanten, aber als schlechten Historiker, denn zu
-einer Sammlung von Nachrichten »von der geseegneten Reformation allhier
-in Rotenburg hätten ihm wohl bessere Quellen zu Gebote gestanden als die
-ziemlich wertlose Kompilation Albrechts[66] aus der er seine Weisheit
-geschöpft hat. In einer anderen ähnlichen »Sammlung allerhand
-merkwürdiger Sachen«, die sich auf Franken, insbesondere aber wieder auf
-Rothenburg beziehen (S. 397 ff.), wird ein Lobgedicht auf Rothenburg
-angeführt, welches folgendermaßen beginnt:
-
- »Rotenburg die Edel Berühmte Stadt
- Von Schloß und Burg den Nahmen hat.«
-
-Ich kenne dies Gedicht auch aus einem dem 16. und 17. Jahrhundert
-angehörenden Sammelbande, Ms. 153 fol. der großherzogl. Hofbibliothek zu
-Darmstadt, wo es auf Bl. 39 f. jedoch in sehr veränderter und bedeutend
-erweiterter Fassung erscheint und sich für ein Werk Hans Sachsens
-ausgibt, der in den Schlußversen als Dichter genannt wird. (»Dz wunscht
-von Nurmberg Hans Sachs, Gott geb dz sein kirch darinnen wachs«). Wenn
-nun auch das Gedicht in der Form, wie es uns heute vorliegt, alle
-Zeichen des Apokryphen an sich trägt und keine Spur von dem Geist des
-Nürnberger Dichters erkennen läßt, so wäre doch immerhin möglich, daß es
-in Erinnerung und unter Zugrundelegung eines verloren gegangenen Hans
-Sachsischen Poems entstanden wäre. Und selbst wenn dies nicht der Fall
-sein sollte, wäre das in der Darmstädter Handschrift enthaltene Gedicht
-als eine frühe Unterschiebung -- die Hand, welche es schrieb, gehört der
-zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an -- nicht uninteressant und ein
-Gegenstück zu dem bekannteren Lobspruch auf die Stadt Rostock, der
-gleichfalls Hans Sachs fälschlicherweise zugeschrieben ist[67].
-
-[Fußnote 66: Vgl. _Bensen_, _Historische Untersuchungen über die
-ehemalige Reichsstadt Rotenburg_ (Nürnberg 1837), S. 19.]
-
-Doch zurück zu dem Gedenkbuch des G. F. Bezold! Was dasselbe sonst über
-Ereignisse und Verhältnisse im Rothenburger Ländchen enthält, ist von
-keinem besonderen Belang. Allenfalls dürfte die Aufzählung sämtlicher
-Landpfarrer der Rothenburger Diöcese von den Zeiten der Reformation bis
-zu Lebzeiten des Schreibers (S. 45 ff.) für die Rothenburger
-Lokalgeschichte hin und wieder als Quelle benutzt werden können.
-Zuweilen wird auch ein Gelegenheitsgedicht oder ein Spottlied, wie das
-auf den bestraften Nachtigallenfänger und deutschen Schulmeister Vester
-in Rothenburg (S. 35 f.) wiedergegeben, aber von dem eigentlichen Leben
-und Treiben in und um Rothenburg oder von der Politik der freien
-Reichsstadt während des 18. Jahrhunderts erfahren wir nichts. Wir wissen
-freilich zur Genüge aus Bensens vortrefflicher Schilderung (a. a. O. S.
-383 ff.), wie traurig es in dieser Beziehung seit lange, ja eigentlich
-seit dem Ausgang des Mittelalters, um das Rothenburger Gemeinwesen
-bestellt war, wo sich im Kleinen wiederholt, was zur selben Zeit auch
-größere Reichsstädte allmählich in eine ganz unhaltbare Lage geraten
-ließ: rücksichtslose Interessenpolitik, Protektionswesen und
-finanzieller Verfall im Innern, kraftlose, feige Nachgiebigkeit nach
-außen. Man erinnere sich nur an die Geschichte von dem preußischen
-Lieutenant Stirzenbecher aus dem Jahre 1762, die Bensen erzählt, oder an
-jene andere Episode von 1800. Siebzehn französische Soldaten waren
-damals auf einem Beutezuge in die Stadt eingedrungen und verlangten eine
-Brandschatzung von 40,000 fl. Bereits saßen die geängstigten Räte
-beieinander, um über die Aufbringung der Summe zu beraten, als eine
-kleine Anzahl beherzter Bürger, über solche Schmach erbittert, sich
-erhob und die Franzosen mit Heugabeln aus der Stadt hinaustrieb[68].
-Zwei Jahre später wurde bekanntlich die Stadt vom Reichstage dem
-Kurfürsten von Bayern übergeben.
-
-Es ist kein Wunder, wenn unter solchen Umständen die Blicke der
-Nachdenklicheren, tiefer Angelegten über die engen Grenzen ihres kleinen
-in Verfall geratenen Freistaates hinüberschweiften, die großen
-Weltereignisse mit Spannung und lebhaftestem Anteil verfolgend, als
-könne fremde Größe ihnen einen Ersatz bieten für die Ärmlichkeit der
-kleinlichen Verhältnisse, welche sie umgaben.
-
-Zu starkem eigenen Denken freilich oder auch nur zu überlegtem,
-verstandesmäßigem Politisieren konnte man sich schwer erheben, und so
-ist es denn auch hier wieder in erster Linie der Treppenwitz der
-Weltgeschichte, das Anekdotenhafte und Absonderliche an den großen
-Ereignissen und Persönlichkeiten der Zeit, das den Schreiber unseres
-Codex interessiert. Kleine Charakterzüge, satirische und witzige Exkurse
-aller Art finden sich in Menge in sein Gedenkbuch eingezeichnet, und da
-es sich dabei großenteils um Dinge von allgemeinerem Interesse handelt,
-so mögen einige Proben solcher Eintragungen hier folgen:
-
-[Fußnote 67: Vgl. _Giske_ in _Schnorrs Archiv für Litteraturgeschichte
-X_ (1881) S. 13 ff.]
-
-[Fußnote 68: _Bensen_ S. 397.]
-
-S. 506 notiert er sich:
-
- »Alß der König von Preußen Zu Ende des 1756sten Jahrs an einem
- Sonntag in Dreßden den Herrn D. am Ende in der Evangelische Kirche
- mit Vergnügen predigen hören, auch in der Catholische Schloß Capelle
- der Music bey einer halben Stunde zugehört und darauf in die
- Reformirte Kirche gieng, wo H. Dietrich prediger war, und
- besagter Dietrich Bey dem Königl. Eintritt, mitten unter Rede
- anfieng: »_Halber Gott! großer Friedrich!_« sprach der König von
- Verdruß über diese übertriebene Rede aus dem Steg Reif Zu ihm,
- laut: »_Gantzer Narr, kleiner Dietrich!_« und gieng sogleich mit
- seinem Gefolge wieder aus der Kirche.
-
-S. 507 liest man:
-
- »_Teutschland als ein kranckes Frauenzimmer Vorgestellt_
- in einem Gemählde, von P:P. aus dem Englischen 1757.
-
- _Teutschland_ sitzet unter der Gestalt eines prächtig gekleideten,
- und mit allerhand Kleinodien ausgezierten Frauenzimmers, auf
- einem Stuhl, in der rechten Hand hält sie den Scepter, in der
- Lincken den Reichsapffel. Sie gleichet einer krancken Person, die
- in eine ohnmacht zu sincken beginnt, und den Kopff über den Stuhl
- hangen läßt, aus ihrem Mund gehen die worte: »_Ihr Kinder helfft
- mich doch!_«
-
- Eine Menge umstehender Personen Zeigen sich in geschäftiger Stellung
-
- 1) _der Kayser_, in steiffer Kleidung, nimmt ihr mit beeden Händen
- den Scepter und den Reichsapffel aus den Ihrigen, mit diesen worten:
- _Ich will dich leichter machen!_
-
- 2) _der König von Franckreich_ trennt mit einer Hand die breiten
- Treßen von ihrem Rock und läßt mit der andern ihre Armbänder Von
- den Händen und spricht: _wozu dienet der viele Schmuck an einer
- krancken Person, er Beschweret sie nur._
-
- 3) _der König von Preußen_ in einem fürchterlichen Harnisch dringet
- hiezu, reißet ihr das Halsband vom Hals, hält ihr den Säbel an die
- Kehle, mit denen Worten: _Machet Platz, ihr Herren! Ihr müßet
- Lufft machen wann es angehen will._
-
- 4) _der Churfürst von der Pfaltz und der Landgraf von Hessen
- Caßel_ stehen dem Kayser zur Seiten, und schüttet ein jeder ein
- Brech-Pulver in den Löffel mit den Worten: _wir wollen ihr was zu
- brechen geben._
-
- 5) _der König Von Engelland_ hält ein Gläßgen Gold Tinctur in
- Händen und zeiget sie der krancken Person von weitem, und spricht
- mit den worten: _das wäre wohl die beste Panace!_
-
- 6 _die Republic Holland_ als ein Apotheker Gesell gekleidet, stehet
- hinter der Krancken ihren Stuhl, hält in der Hand einen großen
- bündel Recepte, und in der andern Hand eine Clistir Spritze, aus
- seinem Mund gehen die Worte: _Ich kan nicht darzu kommen, und wer
- weiß ob meine Artzney bezahlet wird?_
-
- 7) _Der Churfürst von Sachsen_ langet mit der Hand über die
- Vorstehende hinweg, und reibet dem Patienten Balsan unter die
- Nase, mit den worten: _Ich helffe so gut ich kan, ich kan mir
- selber nicht helffen._
-
- 8) _die Kayserin von Rußland_ stehet von ferne u. siehet mit einem
- Perspectiv oder fern Glaß auf die krancke Person und spricht: _Sie
- erholt sich wieder!_
-
- 9) _der Türckische Kayser_ stehet in der Thür des Zimmers, und
- schüttet einen Löffel Voll Magentropffen in den Hals, über ihm
- stehen die worte: _ich brauche meine Medicin selber!_
-
- 10) _Ein österreicher_ läßt ihr am lincken Fuß, _Ein Ungar_ aber am
- rechten Fuß Zur ader, über ihm stehen die Worte: _in desparaten
- Kranckheiten muß man desparate Mittel brauchen._
-
- Auf der andern Seite siehet man _Teutschland_ mit Vielen Wunden
- getödet, auf der Erde in seinem eigenen blute liegen, mit der
- überschrifft: _also muß man heutzutag die Patienten curiren!_«
-
-Ob es sich bei vorstehender Beschreibung in der That um einen
-Kupferstich, bezw. ein Flugblatt mit einem solchen, oder ob es sich nur
-um eine Fiktion handelt, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen[69].
-Freuen wir uns vor Allem, daß unser Vaterland die lange zum Spott und
-zum Vorteil der Nachbarn gespielte Rolle der »kranken Person« seit dem
-Anbruch des neuen deutschen Reiches und hoffentlich für immer
-ausgespielt hat.
-
-S. 277 bietet eine satirische Kleinigkeit von ähnlicher Tendenz, die
-sich in erweiterter Fassung auch auf S. 588 f. wiederfindet:
-
- »_Friedens-Congreß
- d. 15ten Jan. 1761_
-
- Die letztern Briefe von Pariß verkündigen einen nahen allgemeinen
- Frieden, und daß der Congreß wird hier gehalten werden.
-
- Man hat Quartiere gemietet, nemlich
-
- 1) Vor den Kayser .... zur Gnade, in der Gaße von Bourbon.
-
- 2) vor die Kayserin .... zur bösen Allianz, in der Invaliden Gaße.
-
- 3) vor den König von Engelland .... zum Glück, auf dem Sieges-Platz.
-
- 4) vor den König von Preussen .... zu den 4 Winden, in der
- Fuchs-Gasse.
-
- 5) vor den König in Pohlen .... zum Opfer Abrahams, nahe bey den
- Unschuldigen.
-
- 6) vor den König in Schweden .... zur Chimäre, nahe bey der Strasse
- der lebendigen Bären-Häute(r).
-
- 7) Vor die Kayserin von Rußland .... zum Berg Vesuvius, in der
- Höllen-Gaßen.
-
- 8) vor die Fürsten des H. R. Reichs .... zur Brille, nahe bey den
- Unheilbaren.
-
- 9) Vor die Holländer .... zur Waage, nahe bey der Stern-Warte.
-
- 10) Vor den Marschall de Broglio .... zum hölzernen Degen, in der
- Gaße, Hochmuths-Berg.
-
- 11) Vor die Madame de Pompadour .... zur Magdalene, in der
- Salpeter-Sieders-Gaße, welche nach Rochelle gehet.«
-
-[Fußnote 69: Flugblätter aus der Zeit des siebenjährigen Krieges sind
-nicht eben häufig. Für jede Ergänzung seiner reichen Sammlung
-historischer Blätter nach dieser Richtung hin würde das germanische
-Museum den gütigen Spendern zu großem Danke verpflichtet sein.]
-
-Es ist bei der Abfassungszeit des Codex fast selbstverständlich und
-ergibt sich auch schon aus den mitgeteilten Proben, daß der
-siebenjährige Krieg durchaus im Vordergrunde des Interesses steht. Bald
-sind es mehr oder minder witzige Auslassungen der angedeuteten Art,
-nicht selten auch Chronogramme, etwa eine Friedensweissagung enthaltend
-(z. B. S. 270), am häufigsten aber politische Gedichte, vornehmlich
-Kriegs- und Siegeslieder, die wir mit bekannter Sorgfalt in das Buch
-eingetragen finden. Eben diese politischen Dichtungen -- auch die
-meisten der oben erwähnten Flugschriften gehören hierher -- scheinen mir
-den eigentlichen Wert der merkwürdigen Sammlung auszumachen und ihr eine
-allgemeinere Bedeutung zu gewährleisten. Wenig bekannte Volkslieder, die
-in neueren Sammlungen solcher Gedichte nicht zu finden sind, wechseln
-hier mit den Oden und Gesängen gefeierter Poeten, und deutsches Wesen,
-deutsches Fühlen durchdringt sie fast ohne Ausnahme und läßt auch einen
-verklärenden Schimmer auf die Persönlichkeit des Schreibers, auf den
-schlichten Pfarrer in jenem kleinen Dorf im Rothenburgischen fallen. In
-der Brust Georg Friedrich Bezolds fanden alle großen Ereignisse den
-lebhaftesten Wiederhall, in dem stillen Pfarrhause zu Wildenthierbach
-wurden alle Schlachten und Siege noch einmal geschlagen und gesiegt,
-wenn auch nur auf dem Papier und in den zierlichsten geschriebenen
-Lettern von der Welt. Ganz unverkennbar ist seine hohe Bewunderung für
-den großen Preußenkönig, die er mit den meisten seiner süddeutschen
-Amtsbrüder teilte. Es geht aus zahlreichen Eintragungen deutlich hervor,
-daß man Friedrich in diesen Kreisen als den Verfechter der
-protestantischen Sache ansah, seine Siege als Triumphe des
-Protestantismus über den Katholizismus feierte. Aber der Pfarrer von
-Wildenthierbach ist doch nicht so sehr Politiker oder Fanatiker, daß er
-nicht auch in den Reihen der Gegnerpartei entstandene Lieder in sein
-Gedenkbuch aufgenommen hätte, wenn sie sich auch freilich in der
-Minderzahl befinden. Aus der großen Masse des vorhandenen Materials
-können wieder nur einige wenige Stücke probeweise hervorgehoben werden:
-
-S. 264:
-
- _Herr Pfarr M...r
- in H--ch
- auf
- den König in Preußen_
-
- Sinn't, Zeiten, auf ein Wort, daran man _Friedrich_ kennt;
- Nicht _Groß_, nicht _Menschen Lust_, nicht _Sieger_ nicht den
- _Weisen_,
- So mag ein Theil von Ihm, in kleinen Fürsten heißen
- Nennt Ihn den _Einzigen_, dann ist er gantz genennt.
-
-S. 233:
-
- _Helden-Lob
- Friedrichs des Großen
- Königs von Preussen._
-
- Vor diesem war, wann ein Poëte sang,
- Ihm jeder Held gedoppelt groß und lang,
- Und sicherlich, je größer und je länger,
- Dem Held er log, je besser war der Sänger;
- Offt war der Held, mit samt des Helds Verrichtung,
- Im Grunde nichts, als seines Dichters Dichtung.
- Der brave Hector, Ajax und Achill,
- Sind nicht so brav, als der Poët es will.
- Æneas hätt an keine Schlacht gedacht,
- Wann nicht Virgil ein Buch davon gemacht
- Printz Satan selbst ist nur ein Funffzen huth [?],
- Mahlt Milton ihn gleich voller Trotz und Wuth;
- Ja mancher spricht die Existenz ihm ab,
- Und die mit Recht, wie sie ihm Milton gab.
- Doch posito: es wären alle Gaben,
- Die in dem Reim, auch ohn ihn, Beyfall haben,
- Vereint in ein und nemlicher Person,
- Sagt, welche wohl fehlt Preußens großen Sohn?
- Solch Treffen hat, wie Er aufs neu gewonnen,
- Kein Alter nicht, kein Neuer nicht ersonnen!
- Drum folgt mir nur, packt euren Kram hier ein,
- Poëten Volck! Laßt Friedrich, Friedrich seyn!
- Ihm wird, Trotz Epico, Trotz Lyrico,
- Die Wahrheit selbst zum Panegyrico.
-
-S. 443:
-
- _Harte Ausdrücke
- Wieder
- Friederich, den König von Preußen_
- communic. von Mons. Böttcher, Fourier, unter dem Platz. Regim.
- d. 18t Aug. 1758.
-
- Als Feldherr, Rechts-Gelehrt, und Zierde der Poëten,
- Gab Dich, O Friederich! die Fama anzubeten;
- Allein, o Wunder Ding! da Coccejus gestorben,
- So war zugleich an Dir der Doctor schon verdorben.
- Du bist auch kein Poët, seit dem Voltair entwichen;
- Kein Feldherr von der Stund, als Dein Schwerin erblichen.
-
- Wilst Du, o Friederich! durch das, was Du gethan,
- Der Alten Helden-Lob in diesem Krieg erreichen?
- Der Alten Helden Lob? Diß geht so leicht nicht an.
- Doch bistu ihnen noch in etwas zu vergleichen.
- Denn als Du den August aus seinem Land gejagt,
- Da warstu Pharao, der Israël geplagt.
-
- Als Broun das vor'ge Jahr die Völcker commandirte,
- Da warstu Hannibal, und Broun war Fabius.
- Und als letzthin nächst Prag der Daun das Kriegs-Heer führte,
- Da warstu Attila, und Daun war Ætius.
- Und endlich wirstu auch (stimmt Gott mei'm Wünschen ein)
- Der durch die Tamyris besiegte Cyrus seyn.
-
-S. 263:
-
- _Auf
- Die Bataille bey Hoch-Kirchen
- d. 14. Oct. 1758._
-
- In finstrer Nacht zu überfallen,
- Wo nicht einmahl Trompeten schallen,
- Das ist für Dich kein Ruhm, o Daun!
- Im Finstern sich den Sieg zu stehlen,
- Und doch den Zweck noch zu verfehlen,
- Das wird Dir kein Trophaeum bau'n.
-
- Wann Friedrich kommt, kommt Er am Tage,
- Wann Friedrich schlägt, kommt mit dem Schlage
- Zugleich die Sonne und der Sieg.
-
- Die _NachtEul_ [Randbemerkung: »Graff Daun führt eine NachtEule«]
- sucht nur Finsternißen;
- Der Adler [Randbemerkung: »Preußen führt einen schwartzen Adler«]
- will die Sonne wißen;
- Und dieser ist der Friederich.
-
- Mein Friedrich kommt der Tag bricht an,
- Merck doch, o Schlesien! die Stunden,
- Was jüngst die dunckle Nacht gethan,
- Das hastu nun beym Licht empfunden.
-
- Was denckt wohl Daun von Tag und Nacht?
- Er denckt, das hätt ich nicht gedacht,
- Daß Zeit und Stunden also wandern!
-
- Ja wohl, das zeiget eben euch,
- Er sey dem größten Helden gleich,
- Pompejen, Caesarn, Alexandern.
-
-[Randbemerkung am Schluß: »Der Verfaßer davon ist Herr Wolzhofer,
-Pro-Decanus und brandenburgischer Pfarr zu Roßstall.«]
-
-S. 265:
-
- _Probe
- vom Catholischen Witz!
- GeneraLIs DaVn CoepIt FrIngILLaM!_
-
- Der Finck, auf seiner Locke, gieng, Lerchen aufzufangen,
- Und wolt' auf RebenTisch mit diesen Braten prangen,
- Doch Wunsch gieng nicht Wunsch, die Lerchen hielten Stich,
- Und nahmen Rebentisch, Wunsch und den Lock mit sich.
-
- Nun sitzt im Garn der Finck, und muß den Lerchen singen,
- Er pfeiffet: stinck, stinck, stinck! weils ihm nicht wolt gelingen.
- Hingegen schwingen sich die Lerchen mit _Gesanger_:
- Es lebe unser Nest! Es leb der _Finken Fanger_!
-
- _Gerechter Eyfer
- über
- das elende Cathol. Deutsch._
-
- Wer mit solchem tollen G'sanger
- Sich des Feindes Unglück freyt,
- Der gehört mit Recht an Pranger,
- Der wird billig angespeyt.
-
- _Antwort eines Preußen
- auf die Spöttereyen eines Oestreichers
- über
- Finckens Gefangen Nehmung_
-
- Der Preusich Adler wird noch manchen Lerchen fangen,
- Obwohl es dißmahl schlecht und nicht nach Wunsch gegangen.
- Gold Fincken haben wir unzählig große Hauffen,
- Wofür sich Lerchen gnug und Hahnen lassen kauffen.
-
- Um einen Fincken will man so viel Lermen machen,
- Und soll die gantze Welt hierum mit Oestreich lachen!
- Das Lerchen-Nest wird doch von Hahnen noch besch...n;
- Der einfach Adler wird dem Dopplen helffen müßen,
- Daß dieser Federloß nicht endlich gar verfriere,
- Und sich der stolze Hahn mit seinen Federn ziere.
-
- _Schaden-Freude
- über
- den Preusichen Verlust._
-
- Der schönste Vogel-Heerd im gantzen Lande Sachsen,
- Ist auf dem Marmor Berg, ohnweit vom Dorffe Maxen.
- Da fieng auf einen Zug, Graf Daun zum Spott der Preußen,
- 8 Gimpel und ein' Finck, nebst 15m Meisen.
-
- _Parodie._
-
- Gedult, mein lieber Freund, man fängt noch länger Vögel,
- Und Friedrich lauert nur auf die gelegne Zeit.
- Was gilts! Er fängt vielleicht noch manchen solchen Flegel,
- Der so, wie Ihr, mein Herr, sich seines Unglücks freut.
-
-S. 276
-
- _Auf
- Den König in Preußen._
-
- Fritze! schämstu dich nicht deiner?
- Alle Tage wirstu kleiner;
- Aendre deinen stolzen Sinn,
- Wirf die stolzen Waffen hin.
-
- Deine große Enacks-Kinder
- Stehen hier wie arme Sünder;
- Schaaren-weise fängt man sie,
- Das vergißest du dahie?
-
- Laß dich nicht den Großen nennen,
- Lerne dich und and're kennen;
- Sieh! nach Maxen und Landshuth!
- Sieh! was Daun und Laudon thut!
-
- _Antwort:_
-
- Schämt euch fünffmal größre Mächte,
- Ihr habt Gottes kleinen Knechte
- Längst zerstöhrt in eurem Sinn,
- Werfft die schlechten Waffen hin.
-
- Meine große Enacks-Kinder
- Bleiben eure Überwinder;
- Allzu theuer fangt ihr sie!
- Gott und Fritze steht noch hie!
-
- Durch Den bin ich Groß zu nennen,
- Lernet Ihn und andre kennen!
- Schweigt von Maxen und Landshuth!
- Merkt, was Fritz bey Liegnitz thut!
-
-S. 270:
-
- _Post Pugnam ad Torgaviam_
- d. 3. Nov. 1760.
-
- Vivat Rex Borußiae!
- Tutor hic Ecclesiae,
- Et Defensor Patriae!
- Victor sit Theresiae,
- Atque Regis Galliae,
- Copiarum Sueciae
- Barbarorum Rußiae
- Corporis Germaniae,
- Nec non Regis Sueviae
- Vivat Rex Borußiae!
-
-Auch unter den zahlreichen Gedichten und sonstigen Eintragungen nicht
-politischer Art findet sich noch manches Stück, das kulturgeschichtlich
-nicht ohne Interesse und zugleich -- infolge der ausgesprochenen Neigung
-des Sammlers zu Scherz und Satire -- recht unterhaltend und belustigend
-ist, wie etwa (S. 473):
-
- _Schwäbischen Bauren ihr Gebet, als viele durch ansteckende
- Kranckheit schnell hingerißen worden._
-
- Ach! du liaba Heara Gott! was hab'n wir Dia gethaun?
- Daß Du uns arma Schwöabla wilt gar nimma leben laun?
- Wir wolla nimma betha, wolla nimma in Kircha gaun,
- Wir wolla Di scho nöatha, daß d' uns must lebe laun!
-
-oder eine prächtige Satire -- es ist noch nicht einmal ausgemacht, ob
-der Brief, um den es sich handelt, nicht auch wirklich in ähnlicher
-Weise geschrieben worden ist -- auf den Mißbrauch und Mißverstand der
-Fremdwörter (S. 464) u.a.m. Doch ein weiteres Eingehen auf den Inhalt
-des interessanten Codex scheint hier um so weniger erforderlich, als
-diese Blätter lediglich den Zweck haben sollten, den Leser unserer
-Mitteilungen mit der willkommenen Bereicherung, welche die Bibliothek
-des germanischen Museums erfahren hat, bekannt zu machen, insbesondere
-auch den Spezialforscher darauf hinzuweisen und zum Studium des Buches
-und genauerer Prüfung seines Inhalts einzuladen.
-
-_Nürnberg._
-
- _Th. H._
-
-
-
-
- Die letzten Tage des Malers Georg Pentz.
-
-
-Die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums besitzt eine für die
-Lebensgeschichte der Nürnberger Künstler des 16. Jahrhunderts ungemein
-wichtige Quelle, das handschriftliche Totengeläutbuch von St. Sebald in
-Nürnberg aus den Jahren 1517 bis 1572. Darin findet sich auch eine
-Nachricht über das Ableben des Malers Georg Pentz, die in diesen
-Mitteilungen (Jahrg. 1893, S. 39 u. 40) bereits zum Gegenstande einer
-längeren Erörterung gemacht wurde[70].
-
-Den dort gegebenen Ausführungen läßt sich zur Ergänzung noch einiges
-hinzufügen.
-
-Nach dem Totengeläutbuch von St. Sebald ist Georg Pentz im Jahre 1550 in
-_Breslau_ verschieden[71]. Nachforschungen, die in Breslau gepflogen
-wurden, bestätigten jedoch diese Nachricht nicht oder, genauer gesagt,
-sie führten zu keinem Ergebnis: Die Breslauer Totenbücher gehen nämlich
-nicht bis zum Jahre 1550 zurück, und auch in den Breslauer Archiven, dem
-königlichen Staatsarchiv und dem Stadtarchiv, ließ sich keine auf Pentz
-bezügliche Notiz ermitteln.
-
-[Fußnote 70: Eine Biographie des Malers Georg Pentz gedenkt in nicht
-ferner Zeit Albrecht Kurzwelly zu veröffentlichen. In seiner zu Leipzig
-1895 erschienenen Inaugural-Dissertation »Forschungen zu Georg Pencz«
-kommt Kurzwelly noch nicht auf den Tod des Malers zu sprechen.]
-
-[Fußnote 71: Die Einträge in diesem Totengeläutbuche sind nach Quartalen
-gruppiert, weil die Abrechnung über die gezahlten Läutgelder quartalweis
-erfolgte. Der Eintrag über das Totengeläut, das zu Ehren des Malers
-Georg Pentz von den Thürmen der Sebaldskirche erklang, ist im Quartal
-»von Crucis bis Lucie« des Jahres 1550, also zwischen dem 15. September
-und 13. Dezember und zwar an 16. Stelle mit den Worten verzeichnet:
-»Jörg Penntz, moler, zu Pressla verschieden«.]
-
-Wären die Totengeläutbücher eine durchaus zuverlässige Quelle, so wäre
-es unangebracht, die Angabe des Nürnberger Totengeläutbuches von St.
-Sebald, Pentz sei _in Breslau_ gestorben, in Zweifel zu ziehen. Allein
-die Totengeläutbücher hatten nicht den Zweck, über die Personalien der
-Verstorbenen genaue und sichere Ausweise zu bieten, sondern sie waren
-lediglich dazu bestimmt, _als Rechnungsbücher_ über die bezahlten oder
-nicht bezahlten Totengeläutgelder zu dienen. Außerdem mögen aber auch
-öfter die Anmeldungen nicht von den Hinterbliebenen selbst, sondern von
-ferner Stehenden, von Seelfrauen u.s.w., hinterbracht worden sein.
-Hieraus erklärt es sich zur Genüge, daß in den Totengeläutbüchern nicht
-gar selten irrige Einträge namentlich bezüglich der Vornamen sich
-finden. Die Personalangaben der Totengeläutbücher wird man daher immer
-mit einer gewissen Vorsicht aufnehmen und, wo es geht, andere
-gleichzeitige Quellen zur Kontrolle heranziehen müssen.
-
-Nagler hat als Pentz' Todesort Breslau verworfen und dafür -- jedoch
-ohne Quellenzitat -- Königsberg (in Preußen) eingesetzt[72]. Aus einer
-gleichzeitigen Königsberger Quelle kann er jedoch nicht geschöpft haben;
-denn auch die Königsberger Totenbücher reichen nicht bis zum Jahre 1550
-zurück, und die Königsberger Archivalien enthalten zwar einzelnes über
-Pentz aus dem Jahre 1550, berichten aber nicht, daß er dort gestorben
-sei. Immerhin aber ist Naglers Angabe wegen der Beziehungen, die Pentz
-gerade in seinen letzten Lebenstagen zu Königsberg hatte, nicht ganz aus
-der Luft gegriffen.
-
-Bei meinen Studien über Nürnberger Künstler stieß ich nun auf bisher
-unbeachtete Nachrichten, die über Pentz' letzte Lebenszeit völlig neue
-Aufschlüsse geben. Hiernach ist Pentz weder in Breslau, noch in
-Königsberg gestorben.
-
-Ehe ich jedoch hierauf weiter eingehe, muß ich noch etwas zurückgreifen.
-Georg Pentz war als Fremder in Nürnberg eingewandert und dort am 8.
-August 1523 gegen Zahlung von vier Gulden Währung als Bürger aufgenommen
-worden[73]; er war also nicht begütert, da vier Gulden als
-Aufnahmegebühr von denen gezahlt wurden, deren Gesamtvermögen nicht über
-100 Gulden an Wert ausmachte. Nach der Sitte der Zeit wird er damals
-sich verheiratet haben. Seiner Ehe entsproß eine sehr zahlreiche
-Nachkommenschaft: zwar erfahren wir nichts über seinen Nachwuchs aus den
-ersten neun Jahren seiner Ehe, da die Nürnberger Taufbücher erst mit dem
-Jahre 1533 einsetzen, daß aber seine Ehe auch anfangs eine sehr
-fruchtbare gewesen sein muß, läßt sich daraus schließen, daß ihm später
-nach 1532 laut der Nürnberger Taufbücher noch neun Kinder geboren
-wurden[74]. Er hatte also für eine sehr große Familie zu sorgen, und es
-ist daher kein Wunder, daß er bei seiner Vermögenslosigkeit und bei dem
-geringen Verdienste, wie ihn zu seiner Zeit die Maler in Nürnberg
-hatten, sich oft in sehr mißlichen Verhältnissen befand. Am 31. Mai 1532
-erhielt er eine Bestallung als Nürnberger Stadtmaler, dem Rate mit
-seiner Kunst zum Reißen, Malen und Visiermachen gewärtig zu sein, und
-dazu ein festes jährliches Wartgeld von 10 Gulden[75]; aber schon nach
-vier Tagen wurde ihm dieses Wartgeld, »so über ein Jar fellig, aus
-angezeigter Not« im Voraus gezahlt[76]. Und das Jahr darauf verfügte der
-Rat am 1. September: »Jorgen Benntzen soll man seine jährliche Pension
-vor heraus geben alle Jar, so lange ime die zuraichen einem Rate
-gefellig ist«, und gleichzeitig wurden ihm für eine Visierung vier
-Gulden ausgezahlt[77]. Im Jahre 1542 muß er sich wieder in sehr großer
-Not befunden haben; denn am 7. März verkaufte er zusammen mit seiner
-Frau Margareta, die damals ihrer Entbindung entgegensah[78], an den
-Maler Michel Graff um fünfunddreißig Gulden »Hausrat, Kleider und andere
-Fahrnuß«[79]. Weiterhin im Jahre 1548 verehrte er nach damaliger Sitte,
-um sich Geld zu verschaffen, dem Nürnberger Rate ein »künstliches«
-Gemälde »Sant Jeronimus Pild« und erhielt dafür 80 Gulden als
-Gegengabe[80]. So sehen wir ihn also immerwährend mit einem widrigen
-Geschick kämpfen. Zuletzt wußte er sich nur noch durch Schuldenmachen zu
-helfen. In diese üble Lage war er aber nicht ohne eigenen Fehl geraten;
-denn er besaß ein unruhiges Temperament und eine ausschweifende
-Phantasie, wie dies schon seine Beteiligung an der radikal-religiösen
-und sozialistischen Bewegung im Jahre 1525 beweist, und dazu hatte er
-eine Frau, die durch ihre Trunksucht ihn noch mehr ins Verderben
-brachte.
-
-[Fußnote 72: Nagler, Monogrammisten, München 1863, III. Band. S. 69.]
-
-[Fußnote 73: Bürgerbuch de 1496-1534, M. S. 237, Fol. 12a: Sabbato post
-Sixti 1523 .... Herman Unfug, gertner. _Jorg Pentz, maler_, juraverunt
-et dedit quibibet 4 fl. werung.]
-
-[Fußnote 74: Ein Kind aus den ersten Jahren seiner Ehe dürfte jenes
-»Söhnlein« gewesen sein, durch welches Pentz am 24. März 1543 ein von
-sich gemaltes Porträt des Kardinals Granvella in die Losungsstube
-schickte, um es den Losungherren zu zeigen. Nürnberger Jahresregister
-1543, 1. Frage, im k. Kreisarchiv Nürnberg. J. Baader, Beiträge zur
-Kunstgeschichte Nürnbergs, Nördlingen 1860, I, S. 40, bringt hier die
-unrichtige Jahresangabe 1544. -- Der von Campe erwähnte Sohn Egidius ist
-sonst nicht nachzuweisen. Vgl. hierzu G. W. K. Lochner, des Johann
-Neudörfer, Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg, Nachrichten von
-Künstlern und Werkleuten daselbst, Wien 1875, S. 137. -- Über Kinder,
-die dem Maler Georg Pentz nach 1532 geboren wurden, melden die
-Nürnberger Kirchenbücher Folgendes. I. Taufbuch von St. Sebald: Georg
-Pentz ein Sohn: _Gedeon_, (getauft) 12. Septembris 1533. Georg Pentz ein
-Tochter: _Rachel_, 22. Octobris 1534. Georgius Pentz ein Tochter:
-_Hester_, 29. July 1538. Georgius Bentz ein Son: _Georgius_, septimo
-decembris 1539. -- I. Taufbuch von St. Lorenz: Jorg Penz, Margaretha:
-_Martha_, (getauft in der Woche des) dominica exaudi 1542. Jorg Pentz,
-Margaretha: _Vergilius_, dominica decima post trinitatis 1543. -- II.
-Taufbuch von St. Sebald: Georgius Pentz ein Son: _Walterus_, tertio July
-1546. Georgius Pentz ein Son: _Albertus_, 17. Juny 1547. Georg Pentz ein
-Son: _Longinus_, 30. Augusti 1548. -- Es möge hiebei noch bemerkt
-werden, daß der Täufling den Namen in der Regel nach seinem Paten
-erhielt. Der Maler Vergilius Solis, die einzige Persönlichkeit, bei der
-sich in dieser Zeit der Vorname Vergilius in Nürnberg nachweisen läßt,
-hat also wahrscheinlich bei Pentz' Sohne Vergilius Paten gestanden.]
-
-[Fußnote 75: Ratsmanuale 1532/33, Heft 3, Fol. 1r. Ratsbuch 16, Fol.
-13a. Der über diese Bestallung von »Jorg Benntz, Maler, Burger zu
-Nurmberg« unterm 31. Mai 1532 gefertigte Revers befindet sich im k.
-Kreisarchiv Nürnberg. Signatur: S 5 44/1r Nr. 532, Bd. 6. Seinem
-Wortlaut nach ist er veröffentlicht von E. Mummenhoff in den
-Mitteilungen des Vereins f. Gesch. d. Stadt Nürnberg, 8. Heft, 1889, S.
-246.]
-
-[Fußnote 76: Ratsbuch 15, Fol. 13r.]
-
-[Fußnote 77: Ratsmanuale 1533/34, Heft 5, Fol. 20r und Ratsbuch 16, Fol.
-103.]
-
-[Fußnote 78: Wenige Wochen darauf wurde ihm seine Tochter Martha
-geboren, die in der Woche des Sonntags Exaudi (21. Mai) ihre Taufe
-empfing. S. Anm. 5.]
-
-[Fußnote 79: Conservatorien, Band 55, Fol. 106b im Nürnberger
-Stadtarchiv. Lochner a. a. O. S. 138.]
-
-[Fußnote 80: Nürnberger Jahresregister 1548, fünfte Frage, zum 9. Juli.
--- J. Baader a. a. O. zweite Reihe, S. 54.]
-
-Unter diesen Umständen wird es ihm wie eine Erlösung vorgekommen sein,
-als er eine Bestallung zum Hofmaler des als Freund der Künste und
-Wissenschaften bekannten Herzogs Albrecht von Preußen erhielt. Die
-Bestallung, in Königsberg ausgefertigt, datiert vom 6. September
-1550[81].
-
-Es liegt auf der Hand, daß Pentz sich sogleich auf den Weg gemacht haben
-wird. Die Nachricht von seiner Ernennung zum preußischen Hofmaler traf
-aber sicher selbst bei schneller Beförderung nicht vor Ende September in
-Nürnberg ein. Pentz kann daher erst um diese Zeit die Reise nach
-Königsberg angetreten haben. Da er jedoch, wie dies bereits von anderer
-Seite auf Grund des Totengeläutbuchs von St. Sebald festgestellt
-wurde[82], schon vor Mitte Oktober seinen Tod gefunden hat, so muß er
-noch vor Erreichung seines Zieles unterwegs gestorben sein. Der Ort, wo
-er verschied, kann aber demnach nicht Breslau gewesen sein, da es viel
-zu abseits von der Hauptstraße liegt, die von Nürnberg nach Norden
-führt.
-
-Nun ließe sich allerdings einwenden: es ist doch wohl möglich und
-denkbar, daß Pentz schon vor Oktober oder September nach Breslau gezogen
-war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwidern: wenn es
-Pentz in Nürnberg, das an Reichtum, Bedeutung und Verkehr die Stadt an
-der Oder damals noch weit überragte, schon recht sauer geworden war, für
-sich und seine zahlreiche Familie das tägliche Brot zu erringen, so
-hätte er sich schwerlich in Breslau eine bessere Existenz versprechen
-können. In Nürnberg hatte er ja zudem auch noch durch seine Stellung als
-Stadtmaler einen Rückhalt.
-
-Nach dem Vorhergesagten wird man also mit größerer Berechtigung als
-Pentz' Todesstätte einen Ort zu vermuten haben, der mit Pentz' Ernennung
-zum Hofmaler des Herzogs Albrecht von Preußen und mit einer Reise des
-Künstlers nach Königsberg sich in Beziehung bringen läßt, einen Ort, der
-an der von Nürnberg nach Norden gehenden Hauptverkehrsstraße zu suchen
-und nicht gar zu entfernt von Nürnberg anzunehmen ist, weil Pentz, nach
-der Zeit seines Ablebens zu schließen, nicht allzuweit auf seiner Reise
-gekommen sein kann.
-
-Diese Vermutungen finden ihre Bestätigung durch einen Eintrag der
-Nürnberger Ratsmanuale. Hiernach brachte am 17. Oktober 1550 Hans Zeser,
-der zusammen mit Pentz die Vormundschaft über die Kinder des Hans
-Wolf[83] führte, bei dem Nürnberger Rate zur Anzeige, daß in Abwesenheit
-des Georg Pentz, »_so yetzo zu Leiptzigk mit Tod abgangen_«, eine Truhe,
-die den bevormundeten Wolf'schen Kindern gehörte, in Pentz' Behausung
-aufgesperrt, und daß daraus etliche Ding' entwendet worden seien.
-
-[Fußnote 81: Mitteilung des k. Staatsarchivs zu Königsberg i. Pr.]
-
-[Fußnote 82: Hans Bösch, der Todestag des Malers Georg Penz, im Jahrgang
-1893 dieser Mitteilungen, S. 40.]
-
-Die Angaben Zesers verdienen vollen Glauben, weil er als einer der
-Nächstbeteiligten gute Kenntnis hatte, und weil er dem Rate gegenüber
-sich nur auf zuverlässige Nachrichten gestützt haben kann.
-
-Die Kunde von Pentz' Tode brauchte bei dem schnellen Postverkehr, der
-damals zwischen Nürnberg und Leipzig durch reitende Boten geschah, kaum
-fünf Tage um zu den Hinterbliebenen zu gelangen.
-
-Nach all dem wird man also kaum fehl gehen, wenn man den zu Leipzig
-erfolgten Tod des Malers Georg Pentz in die Tage vom 11.-13. Oktober
-1550 verlegt.
-
-Der Nürnberger Rat verfügte auf die Anzeige Zesers eine Untersuchung,
-die den Verstorbenen schwer belastete. Die Haltung aber, die der Rat und
-alle Beteiligten in dieser Sache zeigten, läßt deutlich erkennen, daß
-Pentz trotz seiner menschlichen Schwächen bei seinen Mitbürgern beliebt
-und als Künstler hoch geachtet war.
-
-Doch lassen wir nunmehr die Quellen selbst sprechen:
-
- Freitags, 17. octobris 1550. Dieweil nach anzaig Hansen Zesers, als
- vormund Hansen Wolfs kinder, in abwesen Jörg Pentzen, seines
- gewesnen mitvormunds seligen, so yetzo zu Leiptzigk mit tod
- abgangen, ain truhen, in soliche vormundschaft gehörig, in sein,
- des Pentzen behausung geöffent und etlich ding daraus entwendt
- sol worden sein, sol des Pentzen wittib beschickt und derhalb zu
- red gehalten, ir antwurt wider pracht und ir eingepunden werden,
- weiter nichts aus dieser truhen entwenden zulassen, weil die nit
- ir oder irs manns gewest, sonder in berurte vormundschaft gehörig
- sey. -- C. Grolandt.
-
- [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 34a.]
-
- Sambstags, 18. octobris 1550. Auf Jörgen Pentzen seligen verlassener
- wittib verantwurtung, das nit sy, sonder ir verstorbner hauswirt
- seliger die truhen vor seinem hynnen raysen aufgespert, etliche
- pecher heraus gethan, versetzt und die schlüssel mitsampt den
- hausschlüsseln mit ime hinwegk genomen hab etc., sol dieselb
- truhen von gerichts und ampts wegen in beysein der wittib und
- Hansen Zesers geöffent, was darinn, inventirt und beschryben,
- auch volgends wider darinn verspert und verpetschirt, dem Zeser
- und der wittib yedem ain abschryft gegeben und solichs alles ime dem
- Zeser angesagt, auch auf ine gestelt werden, sein clag und vorderung
- gegen der wittib und des Pentzen kinder vormundern, die in aufs
- fürderlichst von oberkait gesetzt werden sollen, zuthun, und
- fürzunemen, wie das sein gelegenhait und notturft ervordern oder
- in rathe befynden werde. -- C. Grolandt.
-
- [Ratsmanuale 1550/51, Heft 7, Fol. 36r.]
-
- Donerstag, 13. novembris 1550. Margareten (Jörg) Pentzin ir
- supplicirn ableinen und sagen, das meine herren ir eingangs
- halben nit wilfarn könden. -- Joch. Haller.
-
- [Ratsmanuale 1550/51, Heft 8, Fol. 29a.]
-
- Freytag, 30. january 1551. Margretha Jörg Pentzen wittib auf ir
- suppliciren in ansehung irer vyl kinder und grossen armut, das
- auch ir man ain feyner künstner, mit dem meine herren wol
- zufriden gewesen, zu bezalung irer übrigen schulden, die man ir,
- weils unmündige kinder betryfft, nit nachlassen kan, aus ainem
- guten willen mit den begerten 66 fl. zustatten kumen und
- dargeben[84], doch den zwayen vordersten fürbittern, als dem abt
- Egidi und dem prediger zu sandt Sebaldt, sagen, das solichs nit ir
- der frauen, weil man wol wiss, das sy iren man seligen redlich
- zum verderben geholfen und alles, das sy überkumen, vertrunken
- hab, sonder iren armen kindern zu gutem und irem man seligen, als
- ainem künstner undter der erden, zu eeren geschehe, mit beger, ir
- und den andern fürbittern solichs also anzuzaigen und dabey, wan
- sy wider mit dergleichen begern kumen, wurd man in weiter nit
- wilfaren, sonder sy die frauen zum almusen weysen, das zaichen
- zutragen, wie andere burger auch thun. -- J. Schürstab.
-
- [Ratsmanuale 1550/51, Heft 11, Fol. 30r.]
-
- Zwischen Petern Eppenbach und Hansen Marschalck, beden als
- vormundern weiland Jorgen Petzen, molers, seligen verlassner
- kinder, an ainem und Margarethen, seiner verlassnen wittibin, am
- andern thailn ist darumb, ob die vormundere sich umb der kinder
- vatterlichen erbthail von der frauen an einer gemainen caution
- uff allen iren hab und gutern settigen zulassen schuldig seien
- oder nicht, uf der frauen furbringen, das sie niemand hie hab,
- den sy zur burgschafft zuvermögen wesst, und das gemein irs mans
- seligen glaubiger ir alle schulden nachgelassen haben, auch nach
- besichtigung des aufgerichten inventarii und allerlei gelegenheit
- diser sachen erkannt, das di vormundere sich an der frauen
- erbieten der gemeinen caution halb uf allen iren hab und guetern
- settigen zulassen schuldig sein sollen. Actum in judicio (feria)
- quarta 22. aprilis 1551ten jar.
-
- [Conservatorien, Band 71, Fol. 219r.]
-
-[Fußnote 83: Die Persönlichkeit dieses Hans Wolf konnte ich dem Stande
-nach nicht feststellen, da es gleichzeitig vier Bürger Namens Hans Wolf
-in Nürnberg gab.]
-
-[Fußnote 84: Die Angabe Baaders, Beiträge II, S. 54: der Rat habe im
-Jahre 1550 sechszig Gulden bezahlt, die Pentz einer Vormundschaft
-schuldig war, ist vor allem, was Jahr und Geldsumme betrifft, unrichtig.
-Sie entstammt nicht den Ratsmanualen, sondern den Jahresregistern und
-lautet: Item LXVI gulden den Georgen Pentzen seligen vormundt, nemlich
-Peter Eppenbach und Hans Marschalk, die Pentzs seliger in ein
-vormundtschafft schuldig worden und seine glaubiger in kein vertrag geen
-wollen, solich schult sei dan bezalt. Solichs dan (!) weib und kindt in
-ansehung der armutt propter deum beschehen. Actum sabbato adi ultimo
-january 1551.]
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _Alfred Bauch_.
-
-
-
-
- Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank (um
- 1600).
-
-
-Herr Geheimrat Dr. von Hefner-Alteneck in München hat dem germanischen
-Museum vor einigen Wochen eine Sammlung von 46 Blatt Initialen in
-Holzschnitt aus der Wende des 16. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht, die
-in der That, was Schwung und Bravour der Ausführung betrifft, ihres
-Gleichen suchen und von einem hoch entwickelten Sinn für ornamentale
-Schönheit zeugen, wenn auch die Deutlichkeit der Buchstaben hin und
-wieder zu wünschen übrig läßt. Die Initialen gehören im ganzen fünf
-verschiedenen Alphabeten an. Eines derselben ist jedoch nur durch einen
-Buchstaben, ein W, vertreten, welches offenbar aus der Schule Neudörfers
-stammt und im Folgendem unberücksichtigt bleibt. Von den vier anderen
-Alphabeten sind die prachtvollen Initialen des einen fast in kl.
-2°-Format ausgeführt, die Buchstaben des zweiten nur etwa halb so groß
-und diejenigen des dritten und vierten wiederum halb so groß als die
-Buchstaben der zweiten Folge. Das dritte Alphabet unterscheidet sich von
-dem vierten wesentlich dadurch, daß die Initialen des einen in
-gewöhnlichem kl. 8°-Format, die des andern in kl. qu. 8°-Format
-angeordnet sind.
-
- [Illustration: Fig. 1.]
-
-Alle diese vier Alphabete rühren, wie schon die oberflächlichste
-Betrachtung mit vollkommener Deutlichkeit lehrt, von einem und demselben
-Meister her, der auch seinen Namen auf allen Holzschnitten der großen
-Folge mit nur einer Ausnahme und auf den meisten Blättern des mittleren
-Alphabets durch ein verschlungenes ·PF· in gotischen Lettern -- nur
-einmal stehen beide Buchstaben gesondert -- angedeutet hat.
-
-Wer war dieser Meister ·PF·? Diese Frage beantwortet uns ein zu Nürnberg
-bei Christoff Gerhard im Jahre 1655 gedrucktes Buch, welches den Titel
-trägt: »Kunstrichtige Schreibart Allerhand Versalien oder Anfangs
-Buchstaben Der Teütschen Lateinischen und Italianischen Schrifften, aus
-unterschiedlichen Meistern der Edlen Schreibkunst zusammen getragen.
-Nürnberg Bey Paulus Fürsten Kunsthändlern daselbst«, und welches in
-seiner zweiten Hälfte die vier Alphabete vollständig enthält. Auch die
-beiden Holzschnittfolgen des kleinsten Formates, die in unserer Sammlung
-nur durch ein, bezw. zwei Blätter vertreten waren, weisen hier meistens
-das Monogramm ·PF· auf.
-
-Man würde nun aber sehr irren, wollte man dasselbe etwa auf Paul Fürst
-beziehen und aus dem Buchhändler zugleich den Formschneider oder
-Zeichner für den Holzschnitt konstruieren. Die Übereinstimmung der
-Anfangsbuchstaben des Namens ist nur zufällig. Den wahren Verfertiger
-dieser Alphabete lernen wir vielmehr erst aus der Vorrede zu dem
-genannten Buche kennen, in der es auf S. 14 zu Anfang des V. Abschnittes
-(»Von diesem Wercke«) heißt:
-
- [Illustration: Fig. 2.]
-
-»FErners ist zu wissen, daß dieses Wercke von Paulo Francken, weiland
-Modisten und Rechenmeistern zu Memmingen angefangen, und 1601 in Druck
-gegeben worden, nachmals hat solches jetziger Verleger an sich erkaufft,
-und es nun der lehrgierigen Jugend zu guten, mit etlicher Autoren Hand
-vermehret, wider aufflegen lassen, nicht zweifflend, es werde allen
-Liebhabern der zierlichen Schreibkunst, damit bedient seyn; sonderlich
-aber den Schulhaltern, welche sich durch diese Vorschrifften vieler Mühe
-entheben können.«
-
-Damit wären wir nun bei Paulus Frank als dem Autor unserer Sammlung von
-Initialen angelangt. Daß an dieser Autorschaft in der That nicht zu
-zweifeln ist, ergiebt sich noch aus einer Reihe weiterer Umstände, die
-zugleich einiges Licht über die Persönlichkeit des kunstreichen
-»Modisten und Rechenmeisters« verbreiten.
-
-Das »R«, welches er bei dem L der mittleren Folge seinem Monogramm
-hinzugefügt hat, bedeutet ohne Zweifel »Rechenmeister«. Eine weitere
-Hinzufügung findet sich auf dem X der mittleren Folge (s. Fig. 1)[85],
-nämlich die Zahl 97, welche wohl nichts anderes als die Jahreszahl 1597
-bedeuten kann. Es ist also anzunehmen, daß Paul Frank die Zeichnungen zu
-diesen Holzschnitten um das Jahr 1597 angefertigt hat. Ob sich
-vollständige Exemplare des von ihm dann 1601 in Druck gegebenen Werkes,
-dem, wie die trefflichere Erhaltung, die klarere und schärfere
-Ausführung zu verraten scheint, auch unsere Blätter angehören mögen,
-noch erhalten haben, vermag ich nicht zu sagen. Es kann jedoch als
-wahrscheinlich gelten.
-
-[Fußnote 85: Die Abbildungen sind in ½ der Originalgröße gegeben.]
-
-Zeitlich noch weiter zurück führt uns eine in Leder gebundene
-Handschrift in kl.-qu.-fol., welche der im germanischen Museum
-deponierten Merkelschen Sammlung angehört[86] und auf 16
-Pergamentblättern die köstlichsten kaligraphischen Schreibvorlagen von
-Paul Franks Hand enthält[87]. Das Titelblatt lautet: »Anweißung
-Kunnstlichs vnnd artlichs schreibens Daraus dann ein Jeder Junger die
-Fundament der gebreuchligisten Lateinischen Teutschen Fractur Cantzley
-vnd Currentschrifften begreiffen vnd lernnen kan Durch Paulum Franckh
-von Gfreß Allen liebhabern dieser Kunst zum besten verordnet. Im Jar
-Jhesu Christi Anno 1587.«
-
- [Illustration: Fig. 3.]
-
-Jedenfalls ist auch diese »Anweißung« auf den Druck berechnet gewesen,
-mit dem Buch von 1601 hat sie aber wohl nichts zu thun, da sie mit
-unseren Holzschnitten keine direkten Berührungspunkte bietet,
-beispielsweise auch das Monogramm Paul Franks auf keiner der
-handschriftlichen Schreibvorlagen erscheint, von ihm also wohl erst um
-etwa zehn Jahre später in seine zur Reproduktion bestimmten Arbeiten
-aufgenommen wurde. Ein gedrucktes Exemplar ist mir von der »Anweißung«
-ebenfalls nicht bekannt. Wie sehr sich dieselbe aber im Stil unseren
-Holzschnittfolgen nähert, wird am besten durch die Gegenüberstellung
-eines F der Handschrift (Fig. 2) mit einem Holzschnitt-F (Fig. 3),
-welches zu dem Alphabete mittlerer Größe gehört, veranschaulicht werden.
-Hier wie dort der gleiche prächtige Schwung der Linien und Schnörkel,
-die gleiche Vorliebe für schön verlaufende Spiralen, für allerlei
-Vergitterungen und für die wie kräftige gotische m-Striche aussehenden
-Quer-Einschiebsel, die für Paul Franks Art besonders charakteristisch
-sind. Nur ist, wie zu erwarten, die ganze Ausführung in den
-Handzeichnungen auf Pergament noch eine ungleich sorgfältigere, feinere
-und reichere, als die Holzschnitte aufweisen. Auch das ergiebt sich
-bereits aus einem Vergleich der beiden hier reproduzierten F.
-
-[Fußnote 86: Hs. Nr. 301 der Merkel'schen Sammlung.]
-
-[Fußnote 87: Außerdem ist ein Doppelblatt (Papier) mit einem
-prachtvollen, zum Teil mit metallisch glänzenden Farben ausgezierten J,
-ebenfalls von Paul Frank, mit eingeheftet.]
-
-Zur Biographie des Paul Frank erfahren wir aus der Pergamenthandschrift
-der Merkelschen Sammlung vor Allem, daß er aus Gefrees in Oberfranken
-gebürtig gewesen ist. Als er seine »Anweißung« schrieb, im Jahre
-1587[88], war er aber wahrscheinlich bereits in Memmingen ansässig. Es
-wäre sonst wenigstens auffallend, daß der Inhalt seiner Schreibvorlagen
-mehrmals[89] gerade auf Memminger Verhältnisse Bezug nimmt. Acht Jahre
-später (1595) ereignete sich mit Paul Frank in Memmingen ein tragischer
-Fall: er wurde zum Mörder. Christoph Schorer berichtet darüber in seiner
-Memminger Chronik: »Den 3. October hat Paulus Franck, Modist vnd
-Teutscher Schulmeister allhier, so mit andern Teutschen Schulmeistern
-auff dem Stadt Weyher (welcher den vorigen Tag gefischet worden)
-gewesen, im herein gehen zwischen den Gärten den David Lochbichler,
-sonst Girtler genand, Schulhaltern mit einem Faust-Hammer am Haupt also
-verletzet, daß er den 13. October hernach gestorben«[90]. Welches die
-Veranlassung zu dieser That gewesen, ob überhaupt eine vorsätzliche
-Verwundung vorgelegen oder nur ein unglücklicher Zufall obgewaltet hat,
-hören wir nicht. Möglich, daß Konkurrenzneid oder verletzte Eitelkeit
-dabei im Spiel gewesen sind, denn -- um schließlich auch noch ein Wort
-über den mutmaßlichen Charakter unseres Mannes zu sagen -- ein etwas
-übertriebenes Selbstgefühl scheint Paul Frank eigen gewesen zu sein und
-verrät sich auch in seinen Arbeiten. Ist es schon ein seltenes
-Vorkommnis, daß ein Rechenmeister fast jedes seiner für den Holzschnitt
-gefertigten Blätter mit seinem Monogramm signiert, so kennzeichnen ihn
-auch mehrere der für seine »Anweißung Kunnstlichs vnnd artlichs
-schreibens« gewählten Vorlagen oder Beispiele durch ihren Inhalt als
-eitel und von unverhältnismäßigem Stolze auf seinen Künstlerberuf
-erfüllt. Verschiedentlich ist darin von den Rechenmeistern oder
-Schreibkünstlern die Rede, namentlich von dem durch seine »Ehrbarkeit,
-Redlichkeit, gute Sitten, Tugend und Vernunft berühmten« kaiserlichen
-Kammer-Kanzleischreiber Veit Stoß aus Schweinfurt, von dem weiterhin
-einmal[91] in der »sehr gemainen vngebrochenen Canntzleyschrifft«,
-nebenher, aber wohl sehr geflissentlich mitgeteilt wird, daß ihm Konrad
-Lang von Überlingen »Ein Schloß Hummelburg gnant widerkaufflichen
-verkaufft habe«[92] u. s. f.
-
-[Fußnote 88: Der braune Ledereinband des Manuskripts ist auf der Vorder-
-und Rückseite mit sehr geschmackvoller Goldpressung verziert. Die
-Vorderseite weist u. a. die Inschrift P·F·V·G (Paul Frank von Gefrees)
-und die Jahreszahl 1585 auf. In letzterer haben wir vielleicht den
-Zeitpunkt für die erste Anlage, für den Beginn des Buches zu erblicken.]
-
-[Fußnote 89: Blatt 9b, 12a und 13b.]
-
-[Fußnote 90: Chr. Schorer, Memminger Chronick. Ulm 1660. S. 114.]
-
-Über den späteren Lebensgang des Paul Frank habe ich bisher nichts
-weiter ermitteln können, als was sich aus seinen Holzschnitten und der
-Vorrede zu der »Kunstrichtigen Schreibart« des Paulus Fürst ergab und
-oben mitgeteilt worden ist.
-
-[Fußnote 91: Blatt 10a.]
-
-[Fußnote 92: Der Sinn der Urkunde, die hier zu Grunde liegt, kann
-schwerlich ein anderer gewesen sein, wenn auch in der Abschrift das
-Satzgefüge nicht ganz in Ordnung ist.]
-
-_Nürnberg._
-
- _Th. Hampe._
-
-
-
-
- Albrecht Dürer und der Rahmen des Allerheiligenbildes.
-
-
-Vom Lauferschlagturm bis hinauf gegen den Egidienberg erstreckte sich um
-das Jahr 1500 noch ein Rest des alten Nürnberger Befestigungsgürtels mit
-Stadtgraben und Zwinger. Davon erwarb ein Stück der wohlhabende Rot- und
-Bildgießer in der Beckschlagergasse, Mathäus Landauer; er ließ daselbst
-ein stattlich Bruderhaus mit einer Kapelle, mit Hof und Garten anlegen,
-dem er den Namen zu Allerheiligen gab. Ein Alchimist Erasmus Schildkrot,
-ein geborner Engländer, der sich von Königsberg in Preußen nach Nürnberg
-gewendet, hatte in Landauers Werkstätte ein Plätzchen für sein
-Laboratorium gefunden; und da ihm seine Kunst Segen brachte, konnte er
-durch ein großes Vermächtnis den Grund zu der wohlthätigen Stiftung
-Mathäus Landauers legen; so etwa berichtet Andreas Würfel in seiner
-ausführlichen Beschreibung aller und jeder Kirchen, Klöster, Kapellen
-und der annoch in denenselben befindlichen merkwürdigen Monumenten vom
-Jahre 1766.
-
-Das Haus steht, manchmal umgebaut und seit Mitte unsres Jahrhunderts als
-Kunstgewerbeschule benützt, noch heute; die Kapelle, ein hohes Gelaß von
-fast quadratem Grundriß, hat als einzigen Schmuck ein sechsteiliges
-Netzgewölbe von mannigfach abwechselnder Rippenführung. Zwischen den
-beiden spiralig kannelirten knauflosen Pfeilern, die das Gewölbe tragen,
-und der Ostwand, senken sich die Rippen von der Decke zu einem
-eigenartigen Hängewerk, an dessen unterem Ende das Wappenschild der
-Landauer hängt[93]; es mag wohl sein, daß die ganze, eigenartige
-Anordnung nach den Angaben des damaligem Meisters auf der Peunt, des
-hochbegabten Hans Beheim getroffen wurde.
-
-[Fußnote 93: Das Wappenschild der Landauer, wie es noch mehrmals an dem
-Bruderhaus wie an der Predella des Altars angebracht wurde, enthält in
-rotem Feld eine geschweifte silberne Spitze, darin in verwechselten
-Farben [...] gestellt drei Lindenblätter.]
-
-Hier an der Ostwand, gegenüber der Eingangsthür, war der Platz für den
-Altar, vor dessen Stufen in der Mitte seines Kirchleins Mathäus Landauer
-sich die letzte Ruhestätte bestimmt hatte. Albrecht Dürer sollte die
-Altartafel ausführen. Die Bestellung muß schon bald nach der Rückkehr
-des Meisters aus Venedig erfolgt sein; denn schon im Jahre 1508 ward dem
-Besteller ein sorgfältig mit der Feder ausgeführter, mit Wasserfarben
-leicht getönter Entwurf vorgelegt, der offenbar Landauers volle
-Billigung fand[94]: über einer flachen anmutigen Seelandschaft umgibt
-die Schaar der Heiligen in anbetender Verehrung den dreieinigen Gott,
-der in den Wolken schwebt; nur dies eine große Fest aller Heiligen,
-denen das Bruderhaus ja geweiht sein sollte, keine Flügelbilder, kein
-Gemälde in der Predella sollte dazu kommen. Dagegen wollte Dürer die
-ganze Kraft seiner Dekorationsgabe an die Fassung des Gemäldes wenden:
-ein reich geschnitzter Rahmen mit Säulen in antikischer Art und statt
-der aufstrebenden gotischen Fialen und Türmchen ein kräftiges Gesims mit
-einer Rundbogennische darüber, sollte die Tafel umschließen. Und hier
-ließ sich auch wie eine Ergänzung der Hauptdarstellung eine zweite große
-Scene aus der heiligen Geschichte anbringen, eine Andeutung des jüngsten
-Gerichts. Das Ganze dieser Komposition ist außerordentlich feinsinnig
-erdacht und künstlerisch abgewogen.
-
-Drei Jahre dauerte es noch, bis der fertige Altar aufgestellt werden
-konnte. Dürer hatte damals das Gemälde für Jakob Heller in Frankfurt
-auszuführen, an das er so lange Monate seinen besten Fleiß wandte, und
-aus seinen eigenen Worten dürfen wir wohl schließen, daß ihm damals
-seine kleine Kunstware, seine Stiche und Holzschnitte mehr Freude
-machten als die großen Gemälde. 1511 wurde das Werk vollendet, und schon
-1515 starb der Stifter und ward in seiner Kapelle beigesetzt, nachdem er
-sich schon früher mit dem Probst von S. Sebald, Erasmus Toppler,
-auseinandergesetzt wegen der an der Sebalduskirche erst erworbenen
-Begräbnisstätte[95].
-
-[Fußnote 94: Die Handzeichnung befindet sich in der Sammlung des Herzogs
-von Aumale, und ist bisher noch nicht in Farben wiedergegeben worden.
-Abb. siehe bei _Ephrussi_, Albert Durer et ses Dessins zu Seite 172 und
-danach in Hirths _Formenschatz_ 1889 Nr. 136. Abbildungen des Rahmens
-und einiger Einzelheiten seiner Ornamentik enthält _Thausing_ Albrecht
-Dürers Leben und Werke II/27. Ferner _Bucher & Gnauth_ Das Kunsthandwerk
-I. S. 32 und danach der Katalog der Originalskulpturen des germanischen
-Museums S. 43. Sie haben alle den Mangel, daß sie vor der
-Wiedervereinigung des Frieses mit dem Rahmen gezeichnet, jenen nur
-andeutungsweise und ungenau wiedergeben. Eine gewissenhafte Kopie des
-Gemäldes samt Rahmen hat die Familie von Tucher der Gemäldegalerie des
-germ. Museums geschenkt. Die alte Bemalung des Rahmens ist nur noch an
-den köstlichen Friesfiguren erhalten, dadurch daß diese zur Zeit der
-Restauration durch Keim vom Hauptstück entfernt waren, und erst später
-unter Heideloffs Nachlaß sich wiederfanden. Unter dem heutigen
-Ölfarbanstrich lassen sich Reste der Bemalung noch überall feststellen.
-Demnach gibt die nach Angaben des Dr. von Essenwein angefertigte Kopie
-des Rahmens im ganzen die richtige Vorstellung von dem ehemaligen
-Farbenglanz des Ganzen. Daß Gold zusammen mit einem matten Blau die
-indifferentesten Farbtöne sind, die am wenigsten die aus kräftigen
-Lokaltönen zusammengesetzte Farbenwirkung des Gemäldes zu
-beeinträchtigen vermögen, das wußten die Italiener schon lange; und auch
-diesseits der Alpen übte man schon im 15. Jahrhundert diese Technik der
-Gemäldefassung: vergoldetes Laubwerk auf blauem Grunde, die abgefasten
-Ecken und Hohlkehlen gelegentlich auch dunkelrot, bei den Figuren
-goldene Gewänder mit blauen umgeschlagenen Säumen, das war z. B. in
-Wohlgemuts Werkstatt Regel. Wenn uns heute an der erst vor wenigen
-Jahren angefertigten Kopie des Allerheiligenbildes die Vergoldung zu
-aufdringlich erscheint, so mag man dagegen erwägen, daß für das
-gedämpfte Licht eines Kirchenraumes stärkere Effekte nötig waren, als
-sie ein moderner Oberlichtsaal zuläßt; und überdies that der
-ausgleichende Einfluß der Natur bald das Seine, um die übergroße
-Leuchtkraft der Farben zu dämpfen.]
-
-Das Gemälde kam an Rudolph II. und befindet sich nun in den k. k.
-Kunstsammlungen in Wien, der Rahmen ist seltsamer Weise leer stehen
-geblieben und als eines der wichtigsten Stücke der städtischen
-Sammlungen ins germanische Museum gekommen, nachdem er zuletzt in der
-Zeit Heideloffs ausgebessert und mit graugelber Ölfarbe überstrichen
-worden war.
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-Von der ersten dem Besteller vorgelegten Skizze bis zur Vollendung des
-Altars war ein weiter Weg, und manches kam anders zur Ausführung als es
-entworfen war. Rechnen wir zunächst das ab, was ungeschickte
-Restauration dem Werke anthat -- das leere Maßwerk an Stelle des
-prachtvollen Bildfrieses, der sich merkwürdiger Weise später erst in
-Heideloffs Nachlaß wiederfand, und das Stabwerk am untern Sturz des
-Architravs, so können wir vom Gesamteindruck sagen, der Rahmen ist
-entschieden gotischer geworden als er im Entwurf gedacht war. Nicht im
-Gerüst, in der Grundidee des Aufbaus, sondern in den Zierformen: Die
-Säulen, die in der Zeichnung ungegliedert als kräftige Masse vor dem
-ebenfalls glatten Grund stehen, sind im oberen Dritteil des Schaftes mit
-kräftigen, blau in gold gefaßten Kanneluren versehen und darunter
-umsponnen von üppigen Reblaubranken in halb gotischer, halb dürerischer
-Stilisirung; das beliebte gerollte Distelblattband füllt die Rückleisten
-und die Hohlkehle nach dem Gemälde hin. Dagegen fehlen in der Ausführung
-die echt dürerisch gezeichneten Rankenleisten am unteren Rande des
-Bildes und oben an der Schmiege des Hauptgesimses. Am auffallendsten
-tritt die Umgestaltung an der Umrahmung des Rundbogenaufsatzes zu Tage:
-an Stelle des mageren gotischen Maßwerks und der Zinnenleiste hatte
-Dürer eine dreifach gegliederte Archivolte vorgesehen: außen ein
-schmales Gesimsprofil mit einer Art Perlstab, dann ein Ornamentband mit
-Ranken, wie sie etwa auf dem Rahmen einiger Blätter vom Marienleben sich
-finden, und innerhalb davon ein Band mit radialen Einschnitten, die den
-Eindruck der Rundnische betonen sollen, genau so wie sie Dürer in der
-Thronlehne auf dem Mittelbilde des Lorenz Tucher'schen Triptychon
-anbrachte, das 1511 Hans von Kulmbach nach seines Meisters Zeichnung für
-den Chor von S. Sebald ausführte, vgl. Lippmann Handzeichnungen Albr.
-Dürers.
-
-Aus diesen an sich geringfügigen Änderungen lassen sich, wie ich meine,
-Schlüsse ziehen: Wenn Dürer den Rahmen für das Allerheiligenbild in
-dieser neuen, von den landesüblichen Formen so stark abweichenden
-Fassung entworfen hatte, wird man annehmen müssen, daß er auch die
-Ausarbeitung in seiner Werkstatt überwachte und leitete; dabei
-verfertigte der Bildschnitzer die Ornamentstücke offenbar meist ohne
-weitere Detailzeichnungen seines Meisters in den ihm geläufigen
-gotischen Mustern. Nur daß sie so dem Schnitzer handgerechter waren,
-erklärt dies Abgehen vom Entwurf. Für andere Stücke wieder, wie für das
-Füllornament am Sockel der Säulen oder für die Säulenknäufe, hat
-zweifellos Dürer ausführliche Zeichnungen angefertigt, wie wenig diese
-letzteren auch mit irgend welchen italienischen Kapitellformen
-übereinstimmen. Gerade ihm und nur ihm eigentümlich ist diese ganz
-persönliche Zierkunst, die wir gerade in diesen Jahren seiner
-Künstlerentwicklung in den Blättern des Marienlebens[96] in den
-Randzeichnungen zum Gebetbuch des Kaisers Max am schönsten ausgesprochen
-finden.
-
-[Fußnote 95: Vgl. _Würfel_ a. a. O. In der Zeit, da Landauer vor der
-Gründung des Bruderhauses noch Pfleger von S. Sebald war, hatte er sich
-zusammen mit seinem Amtsgenossen Sebolt Schreyer am Chor der
-Sebalduskirche ein Familienbegräbnis bestellt, dessen berühmte
-Reliefplatte Adam Kraft zur Ausführung übertragen worden war.]
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-Es wäre wirklich vergebene Mühe, zu erforschen, bei welchem Italiener
-Dürer eine Anleihe gemacht haben könnte, denn er ist nie Kopist, er ist
-immer Dürer. Aber eine andere folgenreiche Neuerung hat der
-Allerheiligen-Altar der deutschen Kunst gebracht, die unmittelbar auf
-italienische Eindrücke zurückgeführt werden muß; es war der erste
-Angriff auf den in seinem weitläufigen Aufbau entschieden
-unkünstlerischen nordischen Flügelaltar. In Deutschland war man bis
-dahin gewöhnt den Hauptaltarschrein, das Mittelfeld, dem Bildschnitzer
-zu überlassen; eine Reihe von Heiligengestalten unter zierlichen
-Baldachinen oder eine Scene des biblischen Dramas unter einem flachen
-Korbbogen voll wilden gotischen Rankenwerks war das Übliche; zwei-
-und dreifache Flügel jederseits mit einer bilderbogenartig
-nebeneinandergestellten Reihe von Darstellungen der Legende des
-Kirchenpatrons fügte der Maler dann an die Seiten des Schreins, über dem
-eine ganze Architektur von Türmchen und Fialen in die Höhe strebte. --
-In Italien war das anders: die monumentale Überlieferung, in der dort
-die Malerei groß geworden war, zwang schon, das Wandgemälde mit der
-umgebenden Architektur als ein Ganzes zu behandeln; den Ausblick in das
-Blau des Himmels, in dem eine Schaar von Putten sich tummelt, an eine
-Gewölbdecke malen, heißt doch die Architektur der Halle zum Rahmen des
-Gemäldes machen. Und wo man solche Aufgaben mit so viel Geschick zu
-lösen vermochte, da lag es auch nahe, das freistehende Altarbild durch
-einen Rahmen von Sockel, Pfeilerstellung und Gesimsstücke als eine
-Architektur im kleinen zu behandeln. Der streng symmetrische Aufbau der
-Gruppen, dem die späteren Quadrocentisten huldigen, mag diese Neigung zu
-einer so knappen Fassung in strenggegliedertem Architekturrahmen
-begünstigt haben. Und gerade derjenige Meister, von dem wir aus Dürers
-eignem Munde wissen, daß er ihn unter den Venezianern am höchsten
-schätzte, dessen glänzende Werke damals die Dogenstadt in Staunen
-versetzten -- Giovanni Bellini -- zeigt uns, wie sehr er gewohnt war,
-Bild und Rahmen als ein künstlerisches Ganzes zu denken und zu
-komponieren.
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-In S. Maria dei Frari zu Venedig steht eines der Hauptwerke Bellinis,
-der 1488 entstandene Marienaltar[97]: Die Madonna mit dem Knaben und
-zwei musizierenden Engeln in der Mitte und auf den feststehenden
-Seitenflügeln zwei Paare ehrwürdiger Heiliger in ruhiger Haltung. Die
-drei Gemälde werden durch vier breite Pilaster umrahmt, die in der Mitte
-mit einem hohen Rundbogen, zu beiden Seiten mit geradem Gesims
-überdeckt, den ganzen prächtigen Aufbau wie eine Vorwegnahme Palladios
-erscheinen lassen.
-
-[Fußnote 96: Vgl. das gotische Portal aus der Scene der Beschneidung.]
-
-Und der architektonische Eindruck dieses mit reichem Reliefschmuck
-gezierten Rahmens wird erhöht bis zur Täuschung, indem der Maler den
-Hintergrund des Mittelbildes eine in ihren Formen dem Rahmen ganz
-angepaßte Nische um den Thron der Maria bilden läßt und anderseits auf
-den beiden Flügeln Gebälk und Pfeiler einer Halle in sorgfältig
-festgehaltener Perspektive darstellt, als hingen sie mit dem Pilaster
-des Rahmens zusammen. Dieser höchst eigenartige künstlerische Gedanke,
-den Hans Holbein für seine Fassadenentwürfe aufnahm, und den die
-Dekorateure des 18. Jahrhunderts in ihrer Weise so vorzüglich
-auszubeuten verstanden, ist für Bellinis Auffassung von Bild und
-Bilderrahmen höchst bezeichnend: In dem Kreise von Künstlern, in dem
-Dürer in Venedig verkehrte, legte man Gewicht auf derartige
-künstlerische Fassung der Gemälde; Dürer sah ihre Werke, hörte den
-Gedanken aussprechen, und als er wieder nach Nürnberg kam, verarbeitete
-er ihn in seiner Weise zu dem Landauer Altar.
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-Man hat bisher auf diese innere Verwandtschaft zwischen Dürers
-Neuschöpfung und der in Italien schon lange geübten Art nicht geachtet;
-dagegen hat Thausing auf eine andere Gattung von Denkmälern dekorativer
-Bildhauerkunst hingewiesen, unter denen Dürers Vorbild zu suchen sei,
-auf die Grabmonumente Venedigs. Es ist wahr, der oberitalienische
-Grabmaltypus, wie er am Ende des Quattrocento sich ausgereift hat, diese
-Nischenarchitektur mit Pilastern und Rundbogen, die den Sarkophag des
-Entschlafenen dekorativ umschließt, baut sich aus denselben Elementen
-auf, und kleine Verschiedenheiten ließen sich unschwer aus Material und
-Bestimmung erklären. Thausing hat sogar das unmittelbare Vorbild Dürers
-zu finden geglaubt, ein Werk, das allerdings dein Meister ebensowohl
-bekannt sein mußte als Bellinis Marienaltar -- das Grabmal des Dogen
-Pasquale Malipiero in SS. Giovanni e Paolo, das bald nach 1462
-entstanden sein dürfte. Auch abgesehen von der typischen Ähnlichkeit des
-ganzen besticht dieser Vergleich wirklich durch die übereinstimmende
-Anordnung eines dreifigurigen Reliefs -- Christus als Schmerzensmann,
-gestützt von zwei Engeln -- im Bogenfeld und der akroterartigen
-Anbringung dreier Freifiguren am Scheitel und an den Seiten der
-Archivolte. Weiter geht aber die Ähnlichkeit nicht, und die
-akroterartigen Aufsätze hatte Bellinis Marienaltar ebenfalls; beiden ist
-die ungemein geschickte Art, wie Dürer die überdies feinsinnig in die
-Komposition hineingezogenen drei Engelchen anbrachte, weit überlegen.
-
-[Fußnote 97: Neuerdings veröffentlicht im _klassischen Bilderschatz_
-Bruckmann 1896, Nr. 1102. Ich wähle unter manchen verwandten
-italienischen Altarwerken dieser Zeit gerade Bellinis Gemälde, weil
-Dürer dieses zweifellos in Venedig gesehen hat.]
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-Wenn Dürer in diesem Altarwerk zum ersten Male die epische Breite der
-bisherigen deutschen Wandelaltäre vermied, wenn er statt der bisher
-üblichen zahlreichen Heiligenlegenden und dramatischen Bibelscenen hier
-eine einzige knappe aber erschöpfende Komposition vorzog, so konnte er
-sich doch nicht versagen, das angeschlagene Thema, da wo der Rahmen
-Platz zu figürlichen Darstellungen bot, weiter auszuspinnen durch den
-Hinweis auf das jüngste Gericht. Es ist nun höchst lehrreich zu sehen,
-wie er den Stoff verarbeitet:
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-Wie oft war seit dem Wandgemälde in der S. Georgskirche auf der
-Reichenau oder seit der ersten großen plastischen Darstellung des
-Weltgerichts in der Vorhalle des Freiburger Münsters der Stoff im Lauf
-der Jahrhunderte auf deutschem Boden zur Darstellung gekommen, und wie
-wenig war der einmal eingelebte Typus abgewandelt worden. Die Reihe der
-aus den Gräbern auferstehenden, die Reihe der Seligen und Verdammten,
-darüber die Schaar der Apostel und endlich Christus als Weltenrichter,
-umgeben von den Engeln, die durch Posaunenstöße den Tag des Gerichts
-verkündigen -- so wiederholte sich gut und recht in lehrhaftem Schema
-der Bilderzyklus, und wer etwa davon abzuweichen versuchte wie in seiner
-Rosenkranztafel Veit Stoß -- sonst ein Meister der Beschränkung in der
-Komposition -- scheiterte, weil er die große Figurenzahl nicht zu
-bemeistern, auf das plastisch Darstellbare zu beschränken wußte. Dürer
-griff nun die beiden wesentlichen Gruppen heraus: Im Bogenfeld sitzt
-Christus auf dem Regenbogen, seine Füße ruhen auf der Weltkugel, die
-rechte hat er segnend erhoben, die linke weist hinab zu den Verdammten;
-anbetend knien zur Seite Maria und Johannes in den Wolken. Zwei
-Posaunenengel, echt dürerische Putten, sitzen an den Seiten des
-Rundbogens und geben zusammen mit dem im Original verloren gegangenen
-Engelsfigürchen, das ehemals die Bekrönung des ganzen bildete, eine
-anmutige Belebung des sonst streng architektonischen Aufbaus.
-
-Unter dem Hauptgesims folgt dann im Fries der in flachem Relief
-ausgeführte Zug der Seligen, die Petrus in die Himmelspforte -- eine
-Strahlensonne -- einführt, und die von grotesken Teufelsfratzen an einer
-Kette in den Höllenrachen gezogenen Verdammten. Noch nie war in der
-deutschen Kunst eine Komposition so plastisch gedacht, so im Sinne des
-antiken Reliefstils erfunden worden. Am dichtesten gruppieren sich die
-Gestalten an den beiden Enden des Frieses, wo unter den vordersten der
-Reihe der Verdammten ebensowohl wie der Seligen dem demokratischen Geist
-der Zeit gemäß Papst und Kaiser, Bischof und Kardinal, an ihrer
-Kopfbedeckung kenntlich ihrem Bestimmungsorte zugeführt werden. Nach der
-Mitte werden die Reihen lockerer, die einzelnen Gestalten stehen fast
-ohne Überschneidung nebeneinander; dafür ist aber hier die stärkste
-dramatische Bewegung ausgedrückt in der großartigen Kampfgruppe: der
-letzte in der Reihe der Seligen, der sich eilt, dem Zuge nachzukommen,
-hat einen am Boden liegenden Freund am Arme gefaßt, um ihn mit sich zu
-ziehen; von der andern Seite faßt ein Teufel nach den Beinen des Mannes,
-den er herüberreißen möchte, indem er zugleich um Hilfe schreiend den
-Kopf zurückwirft. Wie die Bewegungsmotive in all diesen Figuren variiert
-und jedes einzelne durchgebildet ist, wie das sanfte Geleiten auf der
-einen Seite in Haltung und Geberde der beiden Engel, im Faltenwurfe
-sogar zum Ausdruck kommt, alles das sind Feinheiten in formaler Natur
-sowohl wie in Bezug auf den Gedankeninhalt des ganzen, wie sie kein
-deutsches Bildwerk bis dahin aufweisen konnte.
-
-Wer war aber der Künstler, dessen Schnitzmesser sich so ganz Dürers
-Zeichnung anzupassen vermochte, daß wir keine andere als Dürers Hand
-noch heute darin erkennen? Manches, wie die auffallende Flachheit der
-Reliefbilder im Tympanon, läßt fast einen Dilettanten vermuten; ich
-meine, überhaupt kann es kein im Beruf des Bildhauers gereifter Mann
-gewesen sein, da ein solcher Spuren seines eigenen Stils in seinem Werke
-hätte hinterlassen müssen. Im Katalog der Originalskulpturen des
-germanischen Museums steht der Rahmen des Allerheiligenbilds als Nr. 318
-neben dem Reliefbild der Krönung Mariae und der großen Rosenkranztafel
-an dritter Stelle unter den Werken des Veit Stoß. Daß man dem
-berühmtesten, oder richtiger gesagt, dem einzig bekannten Nürnberger
-Bildschnitzer dieser Zeit dies zweifellos zu den hervorragendsten Werken
-deutscher Plastik gehörige Stück zuweisen wollte, ist begreiflich;
-jedenfalls verdient diese Annahme mehr Beachtung als die seltsame
-Meinung des sonst so feinsinnigen Thausing, der sich an die Art Albert
-(sic!) Krafts erinnert fühlt. Adam Kraft muß um Weihnachten 1508 im
-Spital zu Schwabach gestorben sein[98]; und daß er oder einer seiner
-Gehilfen, die doch Steinmetzen von Beruf waren, in Holz gearbeitet und
-unbekleidete Figuren von ähnlich klassischer Bildung wie die des
-jüngsten Gerichts geschaffen habe, müßte doch erst nachgewiesen werden.
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-Aber auch Veit Stoß, für den sich Bergau und Lübke entschieden haben,
-hat mit der Ausführung von Dürers Skizze nichts zu thun. Denn gerade er
-hatte seinen außerordentlich ausgeprägten persönlichen Stil nach seiner
-Rückkehr von Krakau in keinem seiner Werke verleugnet und würde es als
-Mann von weit über 50 Jahren, wie er damals war, auch nicht mehr
-vermocht haben.
-
-Übrigens besitzen wir ja ungefähr aus den gleichen Jahren und im
-gleichen Größenverhältnis ausgeführt in der Rosenkranztafel eine
-Darstellung des jüngsten Gerichts und einige Gruppen aus der
-Schöpfungsgeschichte, die uns von der ungelenken derben Durchbildung des
-nackten Körpers bei Veit Stoß eine Vorstellung geben[99]. Es klingt
-etwas befremdlich wenn wir in Neudörffers Nachrichten hören, Stoß habe
-für den König von Portugal zwei vielbewunderte Statuetten von Adam und
-Eva gefertigt; denn die Behandlung des Nackten war nie seine Stärke. Die
-in ihrer Eckigkeit sehr übertriebene, oft überflüssig erregte Bewegtheit
-seiner Figuren, die eingeschnürten Leiber und verrenkten Hüften, die
-flachen typischen Gesichter stehen ganz gewiß der hohen Formenschönheit
-im Fries des Altarrahmens konträr entgegen. Und die drei Figuren des
-Tympanons geben Falte um Falte die Gewandanordnung von Dürers Zeichnung
-wieder, ohne daß man irgendwo eine Spur des sonst doch leicht wieder zu
-kennenden stoßischen Faltenschwungs wahrnehmen könnte.
-
-[Fußnote 98: Vgl. _Alfr. Bauch_ im Repertorium für Kunstwissenschaft.
-Bd. IXX. Heft 1.]
-
-[Fußnote 99: Vgl. die Werke des Veit Stoß in Photographien mit
-begleitendem Text von _Bergau_, Nürnberg Soldan, und K. _Schaefer_,
-Meisterwerke deutscher Bildschnitzerkunst im germanischen Museum, wo
-auch eine vollständige Wiedergabe des Frieses vom jüngsten Gericht.]
-
-Ein einziges Denkmal deutscher Bildhauerkunst ist uns bekannt geworden,
-das mit den Figuren des Altarfrieses aufs engste verbunden werden muß,
-das nicht nur durch die ganze eminent plastische Auffassung und die
-Durchbildung des nackten Körpers, sondern auch durch Einzelheiten, wie
-die originell behandelte Haartracht mit den beiden übers Ohr gelegten
-Zöpfen dieselbe Hand verrät, wie die Seligen des jüngsten Gerichts --
-das ist die Plakette mit dem Flachrelief einer nackten Frau mit Dürers
-Monogramm und der Jahreszahl 1509. Es gibt davon zwei Platten in
-Kelheimer Stein, von denen eine wohl das größte Recht hat, als Original
-angesehen zu werden; denn daß Metallabgüsse nach diesen gefertigt worden
-seien, ist jedenfalls wahrscheinlicher als das umgekehrte. Nach welchem
-der Originale Thausing seine Abbildung der Plakette herstellen ließ, ist
-fraglich, da er das Imhofsche Relief nicht gesehen hat. Auch mir ist es
-nicht gelungen, das Kästchen, zu dessen Schmuck das Silberrelief
-gefertigt sein soll, zu sehen, da der Familienälteste Major Frhr. von
-Imhof versichert, daß er trotz wiederholter Bemühungen nicht habe
-feststellen können, ob und wo das Kunstwerk existiere. Das Relief im
-Nationalmuseum zu München ist in zahlreichen Gipsabgüssen, das zweite
-durch eine Lichtdrucktafel XVII im Katalog der Sammlung Felix bekannt.
-Das Relief ist der Technik entsprechend flacher als der holzgeschnitzte
-Fries, die Modellirung hier der Fernwirkung wegen kräftiger[100].
-
-Thausing suchte bekanntlich gerade dieses Relief als Zeugen und zwar als
-einzig übrigen Zeugen von Dürers Versuchen in der Bildhauerkunst
-festzuhalten; mir scheinen seine Schlüsse nicht unglaubhaft, und
-jedenfalls hat sich noch niemand gefunden, der sie widerlegte. Die ganze
-Frage nach Dürers etwaigem Anteil an der Plastik seiner Zeit hier wieder
-aufzugreifen, ist müßig, da wesentlich neue Beweisgründe seit Thausings
-kritischer Enquete auf diesem Gebiet nicht herbeigebracht wurden. Nun
-liegt es mir gewiß fern, zu behaupten, Albrecht Dürer müsse mit eigener
-Hand das figürliche Schnitzwerk zum Rahmen des Landauer Altars
-angefertigt haben; wir bedenken überhaupt viel zu wenig, welche große
-Anzahl namhafter und namenloser Künstler noch zwischen einem Adam Kraft,
-Veit Stoß und Albrecht Dürer stand, von denen wir nur deshalb nichts
-wissen, weil sie Neudörffers Aufmerksamkeit entgangen sind; aber das
-steht wohl fest: ebensowohl wie an der Imhofischen Silberplakette ist an
-dem Fries der Seligen und Verdammten das Beste, das stilistisch Große,
-den gleichzeitigen Werken z. B. Veit Stoß' weit überlegene, Dürers
-geistiges Eigentum, und wenn eine Gehilfenhand dabei beteiligt war, die
-sich von des Meisters Geist führen ließ, so fällt ihr nichts weiter zu,
-als die handwerkliche Arbeit, nichts von dem Stil, der hohen Schönheit
-des Werkes.
-
-[Fußnote 100: Einige, vielleicht allerdings nur äußerliche Ähnlichkeit
-mit den Figürchen des Frieses zeigt eine kleine kreisrunde Komposition
-einer thronenden Maria, die unterstützt von zwei über ihr schwebenden
-Engeln an die versammelten Vertreter der Christenheit Rosenkränze
-austeilt. Das bemalte und vergoldete Relief, das 31 cm Durchmesser hat,
-ist irrtümlicher Weise in den Katalog der Originalskulpturen des
-germanischen Museums als Nr. 156 aufgenommen. Es ist keine Terrakotta,
-sondern ein Abguß in einer Thonmasse, die des besseren Anhaftens der
-Farben wegen, wie es scheint, ein wenig gebrannt wurde. Das nicht
-uninteressante Original dazu im Besitz der Kunsthandlung Fleischmann in
-Nürnberg ist ein Ölgemälde auf Holz, in dessen Mitte umrahmt von einem
-Kranze gemalter Rosen das Relief eingelassen ist. Das ungefähr 1515
-entstandene Werk soll aus einer Kirche im bayerischen Schwaben stammen.]
-
-[Illustration: Taf. II.
-
-Fragment vom Rahmen des Allerheiligenbildes von Albrecht Dürer.]
-
-Bis auf die einfachen gotischen Distelblattleisten ist das ganze
-Altarwerk, der Aufbau, der figürliche Schmuck und das Zierwerk ganz und
-echt Dürer.
-
-_Nürnberg._
-
- _Karl Schaefer._
-
-
-
-
- Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das
- Reisetagebuch des Sebald Örtel (1521-22).
-
-
- I.
-
-Während die deutschen Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande in den
-letzten Jahren vielfache Behandlung erfahren haben, ist den Reisen
-deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem »Jerusalem des
-Occidents«, bisher nicht die gleiche Beachtung zu Teil geworden. Über
-jene sind wir durch die Schriften von Röhricht, Meisner, Kamann u. a.
-gut unterrichtet, für diese fehlt zur Zeit noch eine zusammenfassende
-Monographie und ist auch das Material bisher nur ungenügend bekannt
-geworden. Und doch lassen sich aus diesen Reisen nicht minder
-willkommene Aufschlüsse nicht allein über geographische und kulturelle
-Verhältnisse, sondern hin und wieder auch in kunstgeschichtlicher
-Hinsicht gewinnen. Als eine der für ein so umfassendes Thema
-unerläßlichen Vorarbeiten zu dienen, ist der Zweck der folgenden
-Blätter. Die Reisebeschreibung, um deren Veröffentlichung es sich dabei
-vornehmlich handelt, stammt allerdings bereits aus der Periode des
-Übergangs vom Mittelalter zur neuen Zeit, steht aber der Sinnesart ihres
-Verfassers Sebald Örtel nach noch ganz auf dem Boden der alten Zeit und
-bietet überdies so mancherlei Interessantes von der oben angedeuteten
-Art, daß ein diplomatisch getreuer Abdruck des bisher ganz unbekannt
-gebliebenen Diariums nicht ungerechtfertigt erschien, zumal es aus jener
-Zeit nur wenige gleich ausführliche und genaue deutsche
-Reisebeschreibungen durch die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal
-geben wird.
-
-Bevor ich indessen zur Mitteilung dieses Tagebuches selbst übergehe, sei
-es gestattet, einige Bemerkungen über deutsche Heiligtumsfahrten nach
-Santiago de Compostella im Mittelalter überhaupt vorauszuschicken.
-
-Obgleich schon früh von solchen berichtet wird[101], sind uns doch
-ausführlichere Reisebeschreibungen erst aus dem 15. Jahrhundert
-erhalten. Es hängt das ohne Zweifel zusammen mit dem größeren Gewicht,
-das seit dieser Zeit dem Sammeln von Reliquien der Heiligen beigelegt
-wurde und dem regen Interesse, das sich noch bis tief ins 16.
-Jahrhundert hinein überall dafür kund that. Zu der religiösen Verehrung
-gesellte sich die eben in jener Zeit erwachende Lust am Sammeln als
-solchem. Die Menschen von damals empfanden diesen Überresten gegenüber
-etwa die gleiche Pietät, wie sie heutzutage noch bei den
-Autographensammlern gegenüber ihren Schriftstücken besteht, oder von den
-Museen der verschiedensten Art durch sorgsame Aufbewahrung von Andenken
-an historische Persönlichkeiten, an Helden des Schwertes oder des
-Geistes, mit Recht genährt wird. Ja, man wird sogar behaupten dürfen,
-daß man die großen Sammlungen von »Heiligtümern«, wie sie zu Anfang des
-16. Jahrhunderts bestanden und auch in Abbildungen ihrer bedeutendsten
-Stücke publiziert wurden[102], in gewissem Sinne geradezu als Vorläufer
-unserer heutigen Museen betrachten kann. Daß sich das Interesse eben der
-Gebildeten seitdem auch in katholischen Ländern in solchem Maße von den
-Gegenständen der Sakralgeschichte auf die der Profangeschichte
-zurückgezogen hat, dafür können wir eine Erklärung nur in dem so sehr
-veränderten Zeitgeiste finden.
-
-Die Aufzählung von Reliquien, die man zu sehen bekam, spielt denn auch
-in allen diesen Reisebeschreibungen des 15. Jahrhunderts, soweit sie
-sich überhaupt auf Einzelheiten einlassen, eine große Rolle.
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-1428 pilgerte der Nürnberger Peter Rieter nach Santiago, um von dort aus
-über Monteserrato nach Rom zu reisen. Er hat darüber eine kurze
-Aufzeichnung hinterlassen, die uns in Abschriften erhalten ist[103].
-
-1436 folgte ihm ein anderer Nürnberger Patrizier, Georg Pfintzing. Wie
-Peter Rieter hat auch er außerdem eine Pilgerfahrt ins heilige Land
-unternommen. Diese wurde von ihm ausführlich beschrieben; der Reise nach
-»Sant Jobs« dagegen, auf der er sieben Wochen abwesend war, erwähnt er
-nur mit wenigen Worten[104]. Weit ausführlicher ist ohne Zweifel die
-Reisebeschreibung eines Augsburgers, von 1439-40, die sich in einer
-Handschrift des Brittischen Museums erhalten hat, über die aber meines
-Wissens nähere Angaben bisher nicht gemacht worden sind[105].
-
-[Fußnote 101: In Rossels Urkundenbuch von Eberbach 1, 114. 141 werden
-Wallfahrten aus dem Rheingau nach St. Jakob schon aus dem Jahre 1203
-erwähnt (vgl. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XVI, 1864,
-S. 490); nach dem Lübecker Urkundenbuch III, 199 ff. wurde 1354
-bestimmt, daß die Mörder des Knappen Marquard von Westensee zur Buße je
-einen Pilger nach Aachen, Rom, Santiago und Jerusalem schicken sollten.
-(Vergl. Röhricht und Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen
-Lande, Berlin 1880, S. 486).]
-
-[Fußnote 102: Das Haller Heiligtumsbuch, das Wittenberger
-Heiligtumsbuch, Einzelblatt mit den Abbildungen der Heiligtümer, die in
-St. Ulrich und Afra zu Augsburg aufbewahrt wurden, etc. Auch von den
-Heiligtümern in St. Sernin zu Toulouse muß es solche Abbildungen gegeben
-haben, wie aus der Reisebeschreibung Örtels (»_.. vnd sonst viel
-Heilthumbs, als ich auff ein Zettel gedruckt hab_«) hervorgeht. Ob noch
-Exemplare davon existieren, vermag ich nicht zu sagen.]
-
-[Fußnote 103: Vgl. Röhricht und Meisner, a. a. O. S. 476. Eine Abschrift
-auch in dem sogen. schwarzen Rieterbuch der Nürnberger Stadtbibliothek
-Bl. 393a. Die Aufzeichnung umfaßt nur wenige Sätze. Der Schluß lautet
-nach der Nürnberger Handschrift: »_vnd thet das In einer gutten maynung
-mein Nachkommen Andacht zu haben dy heylige stett zu besuchen ob sie
-gott ermant er hett es aber gelobt zw thun._« --]
-
-Peter Rieter hatte am Schluß seiner kurzen Aufzeichnung betont, daß er
-seine Pilgerreisen nach den heiligen Stätten auch zur Nacheiferung für
-seine Nachkommen unternommen habe[106]. Seine Mahnung fiel in dem Herzen
-seines Sohnes Sebald Rieter auf fruchtbaren Boden. Er ist nach Rom, St.
-Jakob und zum heiligen Grab gepilgert. Die Wallfahrt nach Santiago und
-zum Cap Finisterre unternahm er in Gemeinschaft mit einigen andern
-Pilgern im Todesjahre seines Vaters (1462), reich mit Empfehlungsbriefen
-(»fuderprieff«) ausgestattet, die den Wallfahrern eine freundliche, ja
-ehrenvolle Aufnahme bei den Königen von Spanien und Frankreich und der
-Herzogin von Savoyen sicherten. Herolde geleiteten sie durch die von
-Kriegsunruhen aufgeregten Gebiete. Im Ganzen bietet auch Sebald Rieters
-Reisebeschreibung[107] obgleich erheblich ausführlicher als die des
-Vaters, nicht eben viel des Interessanten und auch die Reiseroute ist
-nur in großen Zügen angegeben, nicht im Einzelnen beschrieben.
-
-Von ungleich größerer Bedeutung sind die Beschreibungen, die uns von der
-Ritter-, Hof- und Pilgerreise des böhmischen Herrn Leo von Rozmital
-(1465-1467) erhalten geblieben sind, eine lateinische von einem
-unbekannten Verfasser und eine deutsche von dem Nürnberger Patrizier
-Gabriel Tetzel, der im Gefolge Leos an dessen Fahrt durch die Abendlande
-teilgenommen hatte[108]. Die Genauigkeit in der Angabe der Stationen
-läßt freilich auch hier hin und wieder zu wünschen übrig. Die Reiseroute
-stimmt auf große Strecken mit derjenigen Sebald Örtels überein[109].
-
-Mit Übergehung der Reisen des St. Galler Bürgers Daniel Kauffmann (vor
-1491)[110] und des Dominikaners Felix Fabri (vor 1492)[111] ist dann
-weiterhin vor allem zu nennen die Pilgerfahrt des niederrheinischen
-Ritters Arnold von Harff (1496-1499), die von ihm selbst ausführlich
-beschrieben und uns in mehreren Handschriften erhalten ist[112]. Sie hat
-in der Anlage und in der genauen Angabe der Meilen von Station zu
-Station so manche Ähnlichkeit mit dem hier zu veröffentlichenden
-Reisetagebuch des Sebald Örtel, daß man wohl der Ansicht zuneigen
-könnte, Örtel habe eine Handschrift der Reisebeschreibung des Ritters
-von Harff gekannt. Inhaltlich jedoch bieten beide Beschreibungen nur
-geringe Berührungspunkte, wie sich denn auch die von Arnold von Harff
-eingehaltene Reiseroute nur für wenige größere Strecken annähernd mit
-derjenigen Sebald Örtels deckt[113].
-
-[Fußnote 104: Röhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95.]
-
-[Fußnote 105: Papierhandschrift 14326, wahrscheinlich Autograph; vgl. G.
-Waitz im Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
-Geschichtskunde IV (1879) S. 350.]
-
-[Fußnote 106: S. oben Anm. 3.]
-
-[Fußnote 107: Ebenfalls im sogen. schwarzen Rieterbuch der Nürnberger
-Stadtbibliothek 395 ff. Vgl. auch Röhricht und Meisner, a. a. O. S. 484
-f.]
-
-[Fußnote 108: Herausgegeben von J. A. Schmeller im 7. Bande der
-Bibliothek des Stuttgarter litterarischen Vereins (1844).]
-
-[Fußnote 109: Sie deckt sich damit ziemlich genau in folgenden
-Abschnitten: Dax bis Tolosa; Santiago bis Ponte de Lima;
-Porto--Coimbra--Thomar; Evora--Badajoz--Guadalupe--Talavera de la Reina;
-Madrid--Zaragoza--Fraga; Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne;
-Avignon.]
-
-[Fußnote 110: Erwähnt von Dietrich von Schachten, bei Röhricht und
-Meisner S. 224.]
-
-[Fußnote 111: Vgl. Röhricht und Meisner S. 279 ff.]
-
-1506 unternahm der Breslauer Peter Rindfleisch, der schon zehn Jahre
-zuvor nach Jerusalem gepilgert und dort zum Ritter des heiligen Grabes
-geschlagen worden war, von Antwerpen aus eine neue Wallfahrt nach
-Santiago, wo er den Herzog Heinrich von Sachsen mit seinen Begleitern,
-von Colditz und Hans Roch, antraf[114]. Seine Beschreibung dieser
-Reise[115] kann sich an Bedeutung weder mit der des Ritters Arnold von
-Harff, noch mit der Sebald Örtels messen. Mit der letzteren deckt sie
-sich, was die innegehaltene Route betrifft, für die Strecke von Bayonne
-bis Santiago.
-
-Wir wissen noch von manchen anderen Fahrten deutscher Pilger nach St.
-Jacob de Compostella aus dem Mittelalter und dem beginnenden 16.
-Jahrhundert[116], können es aber für unseren Zweck bei den oben
-angeführten wichtigsten derselben, von denen zumeist noch eine
-Beschreibung vorhanden ist, bewenden lassen.
-
- * * * * *
-
-Wie an den Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande sind auch, wie wir
-gesehen haben, an den Reisen nach Santiago de Compostella Nürnberger in
-hervorragender Weise beteiligt gewesen, und einer alten Nürnberger
-Familie, die zu den Ehrbaren gerechnet wird, gehörte auch der Schreiber
-unseres Reisetagebuches an. Sebald Örtel, dessen Bildnis wir dieser
-Abhandlung beigeben[117], war als dritter von sieben Söhnen Sigmund
-Örtels und seiner Frau Margaretha, einer Tochter des Philipp Groß, 1494
-geboren. Außer den Brüdern, unter denen ihm der im Diarium mehrfach
-genannte Florentius im Alter am nächsten stand, hatte er, wie aus einem
-Örtelschen Geschlechterbuch[118] hervorgeht, noch acht Schwestern. Die
-Örtel sollen namentlich einen »starken Handel mit Berkwercken getrieben«
-haben[119] und müssen früh zu ansehnlichem Reichtum gelangt sein. Auch
-Sebalds Vater, Sigmund (+ 1525), war sehr vermögend, er besaß zu Ausgang
-des 15. Jahrhunderts ein Haus in der Kotgasse, je ein weiteres in der
-Derrergasse, Bindergasse und unteren Schmiedgasse, sowie ein Gut zu
-Galgenhof, das er eben im Geburtsjahr Sebalds, 1494, von der Gerhaus
-Kohler gekauft hatte[120]. Über Sebald Örtel selbst erfahren wir nicht
-eben viel. Während einige seiner Brüder (Andreas, Florentius, Sigmund)
-in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschiedene städtische Ämter
-bekleidet haben[121], wird ein Gleiches von ihm nicht berichtet.
-Unmittelbar nach der Rückkehr von seiner weiten Reise hat er sich am 11.
-Februar 1522 mit der Tochter des Hans von Ploben und der Barbara
-Hallerin, Anna von Ploben, vermählt, die ihm drei Söhne gebar,
-Christoff, Abraham und Paulus[122]. 1552 ist Sebald Örtel 58 Jahre alt
-gestorben.
-
-[Fußnote 112: Herausgegeben von Dr. E. von Groote. Köln, 1860.]
-
-[Fußnote 113: Toulouse. Von Burgos über Leon nach Santiago; und von
-Burgos bis Bayonne.]
-
-[Fußnote 114: Vgl. Röhricht und Meisner, S. 316 und 345 ff.]
-
-[Fußnote 115: s. ebenda.]
-
-[Fußnote 116: So von der des Thomas Voglin 1503 (vgl. Zeitschrift für
-die Geschichte des Oberrheins XVI. 1864, S. 490), Heinrich und Hans
-Peters aus Ilsenburg, zwischen 1481 und 1516 (vgl. Urkundenbuch des
-Klosters Ilsenburg, bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, Nr. 452) u. a.
-m.]
-
-[Fußnote 117: Nach einer Radierung (P. 947 der Porträtsammlung des
-Germanischen Museums), die allerdings nicht gleichzeitig ist, sondern
-etwa aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts stammt, aber, wie man
-aus der Tracht, insbesondere aus der Kopfbedeckung schließen darf, auf
-ein gleichzeitiges Bildnis zurückgeht und daher wohl auf
-Porträtähnlichkeit Anspruch machen kann.]
-
-[Fußnote 118: Hs. 7057 der Bibliothek des Germanischen Museums, Bl. 13
-u. 16.]
-
- [Illustration]
-
-Was nun sein Reisetagbuch betrifft, so liegen uns in der Handschrift 420
-(kl. 8) der im Germanischen Museum deponierten Merkelschen Sammlung,
-zwar kaum die Notizen vor, die er sich auf der Reise selbst gemacht
-haben mag -- dem widerspricht die Gleichmäßigkeit und Sauberkeit der
-Schrift -- ohne Zweifel aber haben wir es mit einer fast gleichzeitigen,
-wahrscheinlich von Sebald Örtel selbst bald nach seiner Rückkehr
-unternommenen Abschrift oder Bearbeitung seiner Reiseaufzeichnungen zu
-thun. Das so entstandene Werkchen umfaßt 2¾ Bogen oder 22 Blätter und
-ist auf starkem, nur leider etwas schlecht geleimtem und daher die Tinte
-durchlassendem Papier geschrieben.
-
-[Fußnote 119: Nach der Topographia Reipublicae norimbergensis, Hs. 7178
-der Bibliothek des Museums, S. 706.]
-
-[Fußnote 120: Nach dem sog. Libri litterarum der Nürnberger
-Stadtbibliothek Bd. 3. fol. 51 (1484); 9, 101 (1492); 11, 133 (1496);
-13, 152 (1496) und 12, 40 (1494).]
-
-[Fußnote 121: Topographia S. 707.]
-
-[Fußnote 122: Nach dem Örtelschen Geschlechterbuch S. 16.]
-
-Interessant ist es, zu beobachten, was den Nürnberger Kaufmannssohn auf
-seiner Reise vor Allem interessiert. Unternommen wurde sie, wie aus den
-Eingangsworten hervorgeht, in erster Linie als eine Pilgerfahrt nach
-Santiago und die Aufzählung kirchlich bedeutsamer Stätten, die besucht,
-die Beschreibung der Reliquien, die besehen und fromm verehrt wurden,
-nimmt einen breiten Raum in der Erzählung ein. Auch unterläßt Sebald
-Örtel es nie, getreulich zu berichten, wo er Messe hat lesen lassen, ein
-Almosen »in den Stock« gelegt hat u. s. f. Daneben aber verrät sich der
-Zeitgenosse und nähere Landsmann so vieler großer Künstler, eines Dürer
-und Peter Vischer, deutlich in dem Eindruck, den hervorragende
-Kunstwerke auf ihn machen, in der ausführlichen Schilderung, die er
-beispielsweise der berühmten Chorbühne in der nicht minder berühmten
-Kathedrale der heiligen Cäcilia in Albi widmet. Aus seinen Notizen wird
-vielleicht Manches für die lokale Kunstgeschichte zu entnehmen sein,
-doch muß ich die Verwertung des Tagebuchs nach dieser Richtung hin
-besseren Kennern der mittelalterlichen Kunst in Frankreich und Spanien
-überlassen.
-
-Auch sonst bekundet Örtel in seinem Tagebuch einen offenen Blick
-namentlich auf praktischem Gebiete und ein vielseitiges Interesse. Wie
-von vornherein ein Nebenzweck seiner Reise der gewesen war, seinen in
-Lyon weilenden Bruder Florentius zu besuchen und später die Rückreise
-von Lyon aus mit ihm gemeinsam zu machen -- dieser Plan hat auch seine
-Marschroute wesentlich beeinflußt -- so verkehrt er außer zu Lyon, auch
-in Lissabon, Saragossa und anderen Orten mit den dort anwesenden
-Deutschen und läßt es sich manchen Dukaten kosten, was alles
-gewissenhaft verzeichnet wird. Ebenso genau wird über die bezahlten
-Zollgebühren Buch geführt. In Zürich zeigen ihm die Züricher Herren ihr
-Zeughaus, ebenso besieht er sich das königliche, reich ausgestattete
-Zeughaus in Lissabon; in St. Juan de Luz, Lissabon und Marseille werden
-die großen Schiffe, in letzterer Stadt auch die Docks in Augenschein
-genommen -- Dinge, die den künftigen Handelsherrn, den vornehmen
-Städter, besonders interessieren mußten. Daneben aber versäumt er auch
-nicht bei St. Galmier des dort aus der Erde quellenden, »wie Wein
-schmeckenden« doppeltkohlensauren Wassers, oder der heißen Quellen von
-Dax Erwähnung zu thun, oder für die kleine spanische Stadt Tolosa sich
-voll Verwunderung anzumerken, daß alle Straßen mit Steinen gepflastert
-seien. Derartige kleine Bemerkungen, die zum Teil ein willkommenes
-Streiflicht auf die damaligen Verhältnisse fallen lassen, finden sich in
-dem Tagebuch noch manche, wie man aus der Lektüre desselben entnehmen
-mag.
-
-Nur von der Natur und ihren Schönheiten, die ihm doch im südlichen
-Frankreich, in Spanien und Portugal auf Schritt und Tritt entgegen
-getreten sein müssen, findet sich in dem ganzen Büchlein auch nicht ein
-Sterbenswort. Als die Reisenden, d. h. Örtel und sein Diener, im
-herrlichen Barcelona ankommen, heißt es nur: »Da ließen wir unsere Pferd
-beschlagen und unsere Stiefel flicken, kostet mich 6 Real, und blieben
-den Christabend und den Tag auch da und besahen viele Ding«. Auch in
-dieser Teilnahmlosigkeit gegen die ihn umgebende Natur zeigt sich der
-Verfasser noch durchaus als ein Kind des Mittelalters. Weiteren Kreisen
-das lange nach innen gekehrte oder nur auf die Bedürfnisse des täglichen
-Lebens gerichtete Auge auch wieder für die Reize der Natur geöffnet und
-empfänglich gemacht zu haben, ist wesentlich ein Verdienst der Kunst,
-insbesondere der Renaissancekunst, und gewiß keines ihrer geringsten.
-Aber freilich: diese Entwicklung vollzog sich nur ganz allmälich und bei
-dem Einen später als bei dem Andern. Unser Sebald Örtel scheint 1521 von
-ihr noch so gut wie unberührt gewesen zu sein.
-
-Bei dem Abdruck des Diariums, das ich nunmehr buchstabengetreu folgen
-lasse, glaubte ich auch die nach Schluß des eigentlichen Tagebuches noch
-hinzugefügten verschiedenen Marschrouten in gleicher Weise unverkürzt
-wiedergeben zu sollen; einmal weil unser Abdruck auch für den Forscher
-die Handschrift völlig zu ersetzen bezweckt, dann weil gerade auch diese
-Verzeichnisse noch manches Wissenswerte enthalten und die in denselben
-erscheinenden Ortsnamen nicht selten die oft sehr korrupte Schreibung
-des Tagebuches zu erklären geeignet sind.[123] Die heutigen Namen der
-Orte sind, soweit es nötig schien und soweit sie aus den mir zur
-Verfügung stehenden Landkarten und Reisebüchern zu ermitteln waren, in
-den Anmerkungen hinzugefügt; Abkürzungen wurden in der Regel aufgelöst.
-
-
- II.
- Das Reisetagebuch des Sebald Örtel.
-
- In nomine domini Jesu Christi 1521
-
-Item ich Sebolt Orttel reit zu Nürnperg aus gen sant Jacob an sant
-Bartelmes abent d. 23 august. Da nam ich mit mir ein palbirers gesellen,
-was bey Maister Nicklas Kun am pladenmarck, hies Christoff Melper. Sein
-vatter sas zu München, den verzert ich mit mir aus vnd ein, vnd gab jhm
-sonst nichts denn ein Rock in mein farb, vnd ich reit hie aus ein rots
-fuchslein, was meines bruders Florentij [per] 20 fl. vnd ich gab meinem
-diener ein clain schimle zu raiten, das kostet 14 fl. Kaufft ich es vom
-Endres Rechen, der was bey dem Sebastian Melpar in gesellschalft. Item
-so reit ich den ersten tag von Nurnperg aus mit meinem knecht gen
-Guntzenhaussen an sant Bartolomeus abent, do lagen wir vber nacht was 6
-meil da verzert ich 4½ h. gelts, darnach gen Ötting[124] was 3 meil,
-[1b] verzert ich 2 h. 20 [Pfennig], von dann gen Nörling[125] was 2
-meil, verzerten 28 kreutzer, von dann gen Genge[126] was 4 meil,
-verzerten 16 +er, von dann gen New [?] was 2 meil, verzerten 24 +er. Von
-dann gen Ulm was 2 meil verzerten 16 +er. Darnach rait ich gen
-Waltringen[127] was 3 meil, do verzert ich vber nacht 25 +er. Von dann
-Rait ich gen Pibrach[128] was 1 meil da regnets als sehr, daß ich den
-halben tag dar belieb, da verzert ich 14 +er. Von dann gen waingarten
-was 3½ meil, verzerten 30 +er, von dann gen Mersperg[129] was 3½ meil,
-verzert 16 +er. Darnach fuhr ich vber den see, gab darvon 13 +er, da
-lagen wir zu nacht zu Koßtznitz[130] verzert 24 +er, Darnach blieb ich
-den andern tag zu Koschnitz, dann wir kunten vor wasser nit auskummen,
-verzert 1 fl., darnach rait ich mit ietzlichen von Zürch gen sant Anna,
-die thutt auch große Zaichen, vnd hatt gar hübsch geschnitten [2a] altar
-taffel was 2 gros meil, da assen wir zu mittag, verzert ich 14 +er, von
-dann gen Winterdurren[131] was 2 gros meil verzert 24 +er. Von dann gen
-Zürch was auch 2 groß meil, verzert ich für 6 mal, vnd für 2 tag für die
-pferd, die ich stehn hat lassen 1 fl. vnd 3 patzen, vnd so fuhr ich mit
-dem Christoff den see ab piß gen [_Lücke_][132] verzert ich 12 +er.
-Darnach morgens frü an sant Egidijtag giengen wir gen einsidel was 1
-meil vber ein hohen berg, da beichten wir, vnd namen da das heilig
-hochwirdig Sacrament, vnd befahlen vns vnsern lieben herrn, vnd assen,
-daselbst verzert ich 15 +er. Darnach giengen wir wider an See, vnd
-fuhren wider gen Zürch, da gab ich den schiffleuten ein S[avoyer] fl. zu
-lon. --
-
-[Fußnote 123: Den »Bädeker für die Santiagopilger aus Deutschland«,
-welchen Röhricht (Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande, Gotha
-1889, S. 36, Anm. 11) erwähnt, mit dem Titel: »De overen vnde meddelen
-Straten van Brunswygk tho Sünte Jacob in Galicien, Brunswygk 1518« 8.
-konnte ich leider bisher nicht zur Hand bekommen. Vielleicht würden sich
-aus demselben mancherlei Aufschlüsse insbesondere auch über die dem
-eigentlichen Tagebuche angehängten Marschrouten gewinnen lassen.]
-
-[2b] Da schenckten vns die Herrn von Zürch den wein, vnd liessen vns jhr
-Zeughaus sehen vnd jhr geschos, beweisten vns viel ehr vnd
-freundschafft, darnach reit ich zu mittag aus gen Lentzspurg[133] was 2
-gros meil, verzert ich 24 +er: von dann gen Arburg[134] sind 2 groß
-meil, verzert ich 4 batzen, von dann gen Doringen [?] 2 meil verzert ich
-7 batzen. Von dann gen Purtdolf[135] sind zwei gros meil verzert 4
-batzen. Item von Purtdolff gen Bern 2 meil, da verzerten wir 10 batzen,
-von dann gen Freyburg ist 3 groß meil, da verzerten wir sieben Safoir g:
-von dann gen Remund[136] ist 3 meil, da verzerten wir 16 Saffoir g. Von
-dann gen Losanna[137] ist 5 meil, da verzerten wir 8 g., von dann gen
-Niß[138] 4 meil, verzerten 7 g. Von dann gen Jenft[139], ist 3 meil, an
-vnser lieben frawen abent. Da blieb ich den Sambstag, vnd vnser lieben
-frawen [3a] tag zu Jenff, da verzerten wir bey dem Ulrich Embler 2 fl.
-Item so ritten wir den montag zu Jenff wider aus, vnd ritten gen
-Kolunge[140], das ist 4 meil, da verzerten wir 7 g. Von dann gen
-Senpermann[141] ist 3 meil, verzerten wir 15 g. mit sambt den 2
-Teutschen, die lud ich zu gast, von dann gen Scherdung[142] ist 4 meil,
-do verzerten wir 6 g, von dann gen Samony[143] ist 3 meil, da verzerten
-wir 14 g. Von dann gen Mulla[144] ist 3 meil, verzerten wir 7 g., von
-dann gen Lion ist 3 meil verzerten wir nichts. Lagen bey meinem bruder
-Florentius in seiner Herbrich bey 14 tagen, da zalt er für mich. --
-
-[Fußnote 124: Öttingen.]
-
-[Fußnote 125: Nördlingen.]
-
-[Fußnote 126: Giengen.]
-
-[Fußnote 127: Baltringen.]
-
-[Fußnote 128: Biberach.]
-
-[Fußnote 129: Meersburg.]
-
-[Fußnote 130: Konstanz.]
-
-[Fußnote 131: Winterthur.]
-
-[Fußnote 132: Vielleicht Pfäffikon?]
-
-[Fußnote 133: Lenzburg.]
-
-[Fußnote 134: Aarburg.]
-
-[Fußnote 135: Burgdorf.]
-
-[Fußnote 136: Romont.]
-
-[Fußnote 137: Lausanne.]
-
-[Fußnote 138: Nyon (Neuss).]
-
-[Fußnote 139: Genf.]
-
-[Fußnote 140: Collonges.]
-
-[Fußnote 141: Saint Germain de Joux.]
-
-[3b] Item so luden mich die Teutschen zu Lion zu gast, nemlich der
-Sebolt Schurstab, Schlisselberger, vnd der Hans Scheiffelein, der Hans
-Schwab, vnd des Dürrer diener, vnd der alt Hans jr. So lud der
-Florentius mir zu lieb zu 2 tisch Teutsche in des Marx Rauschen Hauß. So
-sahen wir zu Sangust[145] 2 vnschuldige kindlein vnd ein stuck von der
-seulen, da vnser Herr daran gegeisselt ist worden, vnd sonst viel
-Heilthumbs von sant Anna.
-
-Item so ritt ich zu Lion wider aus Adj 24 september, mit des Hans
-Schwaben Sun, vnd sunst mit 2 Wallon, vnd ritten von Lion aus gen
-Jfarung[146] ist 3 meil, da verzerten wir 7 ß, van dan gen
-Sangervay[147] was 4 meil, da verzerten wir 14 ß, da selbens da hats ein
-brunnen gehabt der hat geschmeckt als wein. Darnach ritten wir gen sant
-bunet deschada[148], was 5 meil, da verzerten wir 7 ß, von dann gen pung
-[4a] deperat[149] was 3 meil, verzerten wir 14 ß, von dann gen
-Sassangen[150] was 5 meil, da verzerten wir 6 ß. Von dann gen allabantha
-[?] was 3 meil, da verzerten wir 14 ß, von dann gen sant flor[151], da
-verzerten wir 6 ß, was 5 meil, darnach blieben wir denselben tag dar,
-vnd besahen ein grosse glocken, vnd ein stuck vom heiligen +, vnd ein
-dorn von vnsers herrn kron, vnd 2 ohr von sant Johann vnd sunst viel
-Hailthumbs. Im prediger closter da verzerten wir 14 ß, von dann gen
-Schadesloy[152], was 4 meil, da verzerten wir 7 ß, von dann alla
-giola[153] was 4 meil, da verzerten wir 7 ß, darnach ritten wir gen
-Rodes[154] was 4 meil, da verzerten wir 22 ß. Da sahen wir in eins
-pfaffenhaus, das hübschst selzamst ding von bildern vnd gemelden: vnd
-hangen, niemands kan nit sehen war an. Darnach giengen wir, vnd besahen
-vnsser lieben frawen schue, [4b] vnd ein seiden das sie selber gespunnen
-hat, vnd 3 st. vom heiligen + vnd ein dorn von vnsers Herrn kron, vnd
-mehr ein gar guldene Jungfraw Maria vnd sonst viel löblichs Hailthumbs,
-von Rodes raiten wir alla motda [?] was 5 meil, verzerten 5 ß, von dann
-gen Allerung[155] was 5 meil. Item do verzerten wir 12 ß. Von dann gen
-Albis[156] was 3 meil verzerten wir 7 ß, da hats ein Hübsche kirchen,
-vnd alle gemalt vnd vergult, vnd der kohr mit hübschen gehaunen steinen,
-vnd man weisset vns den hohen altar, darinnen was vnssers herrn gepurt,
-vnd die beschneidung, vnd die vnschuldigen kindlein, vnd die flucht in
-Egypten, als von silbern bildern, vnd oben von sant Jorgen, von sant
-Nicklas von sant Marta, von sant Barbara, von sant Steffan, von sant
-Paul als in silber eingefast, vnd sonst 9 kopff von den 11 tausent
-Jungfrawen, vnd sunst viel heilthumbs. Darnach wieß man vns [5a] im
-Sagra viel hübsche guldene, perlene vnd sammete vnd damaskatine
-Meßgewant vnd 2 silberne meßbücher, vnd ein guldes + mit viel hübschen
-edelen steinen, vnd sunst viel silbernes gefeß, das alssams hat ein
-Bischoff lassen machen. Von dann ritten wir gen Gelieck[157] was 4 meil,
-verzerten wir 4 ß, von dann gen Bausset[158] was 4 meil, verzerten wir 7
-ß, von dann gen Tolosa[159] was 4 meil, da blieben wir ij tag vnd
-verzerten 1 Ducaten, vnd wir besahen viel löblichs Heilthumbs, als
-nemlich 6 Zwelffbotten, vnd der hailig Ritter Sant Jörg, vnd sonst viel
-Hailthumbs, als ich auff eim Zettel getruckt hab. Mehr das buch
-Apocalipsis vnd ein Zan von sant Christoff, vnd ein perlemutter, darein
-ist gar hübsch ding geschnitten[160], vnd wir ritten Zu Tolosa wider aus
-am Donnerstag an sant Franciscitag [4. Oktober] Zu mittag gen
-Lillagordung[161] was 4 meil, verzerten wir 12 ß darnach gen Lysignan
-[?] was 3 meil verzerten [5b] wir 6 ß, von dann gen Asch[162] was 4 meil
-verzerten wir 12 ß, von dann gen Wick[163], was 4 meil verzerten wir 7 ß
-von dann gen naxaro[164] was 4 gr. meil, verzerten wir 18 ß von dann gen
-Kasaras[165] was 3 gr. meil verzerten wir 6 ß. Von dann gen Garnada[166]
-was ij meil, da ritten wir vber ein bruck, da must man 6 ß Zu Zol geben.
-Darnach ritten wir noch gen sant Sotber[167] was ij meil, verzerten wir
-12 ß, von dann gen Munfort[168] was 3 meil, verzerten wir 7 ß. Von dan a
-Dax was 3 meil verzerten wir 14 ß, da ist ein Heiß wasser, das quilt von
-der erden, als sunst ein quellender prun. Von dan gen sant Winssang[169]
-was 3 gros meil verzerten wir 7 ß. Von dan gen Wayana[170] was 4 meil.
-Da blieben wir ein gantzen tag stil liegent, vnd besahen die
-befestigung, die der König von Franckreich lies machen mit pastey vnd
-groß graben vmb das schloß, mehr besahen wir wie man die grossen ancker
-macht, da einer 40 bis in 50 c. wigt, braucht man der fünff in ein groß
-schiff, vnd die Jungfrawen sind alle beschoren, daselbsten verzerten wir
-40 ß. Von dann ritten wir gen sant Jangdelus[171] [6a] was 3 meil,
-verzerten wir 6 ß, ist ein port des Meers. Da besahen wir die grossen
-schiff, vnd alle Zugehörung. Darnach ritten wir vber ein bruck vber das
-Meer, da musten wir 6 [Pfennig] zu Zol Zalen. Darnach ritten wir noch 2
-meil zu eim schloß, das ist des Königs von Spania; vnd sein Herrschafft
-hebt sich her genseit des wassers an, vnd man lest kain Kauffmann heraus
-raiten, man besucht ihn vor, daß er kein gelt mit ihm hraus fürt.
-Darnach ritten wir noch ein halbe meil in ein stetlein hies
-Dirrong[172], da verzerten wir 12 ß, von dann gen Armany[173] was 3
-meil, verzerten wir 8 ß, von dann gen Dolosada[174] was 3 meil. Die
-Statt ist mit eitel clein steinlein gepflastert, da verzerten wir 16 ß,
-von dann gen Sigura[175] was 4 meil, da verzerten wir 8 ß. Ist daselbs
-der weg 8 meil aneinander gepflastert. Darnach ritten wir gen
-Sagama[176], was 1 meil. Da namen wir 2 essel oder meyler. Und ritten
-den berg auff der ist fast hoch, vnd heißt der berg sant Atrion[177].
-Ist der weg durch ein fels gehauen wunderbarlich, da must [6b] ich 1
-Real von eim Esel geben. Und lagen darnach vnten am berg in eim dorff
-das hies Galareda[178]. Was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall. Darnach
-ritten wir gen Odygany [?] am suntag. Do hörten wir meß, was 2 meil, da
-verzerten wir 2 Real vnd 2 Darges, gilt ein Darges 8 Spanisch [Pfennig].
-Von dann ritten wir gen Witdoria[179], was 3 meil, da beschreibt man die
-Roß vnd die esel, die man hinein reit, da verzerten wir 4 Real. Von dann
-alla punda Dormurug [?] was 4 meil, da verzerten wir 8 Dargeß, von dann
-gen Mermiste[180] was 4 meil, verzerten wir l Real vnd 2 Dargeß. Von
-dann gen Mestir Derodilla[181] was 3 meil, verzerten wir 2 Real vnd 2
-Dargeß. Von dann ritten wir gen Wurges[182] was 5 meil. Do besahen wir
-im Augustiner Closter ein Crucifix, [7a] das Nicodemus hat gemacht, das
-thutt grosse Zaichen, vnd wenn man Ihm ein finger oder Zween beugt: So
-richt es sich wider auff; Und niemand waiß nit warvon es gemacht ist.
-Darnach besahen wir die grossen kirch: Und bey 3 hundert st. Heilthumb
-in eim altar. Und in der kirch ein fast hoch durchsichtig gewelb, vnd
-fast hübsch ausgehauen. Mehr besahen wir des Königs Spitall, vnd sonst
-viel dings. Und wir blieben iij tag dar. Verzerten wir 15 Real. Darnach
-ritten wir am sambstag wider aus, vnd ritten gen Hörvilles[183] was 3
-meil, da verzerten wir 1 Real, von dan gen Casterseris[184], was 4 meil,
-da verzerten wir 2 Reall 2 dargeß, von dan gen Formestein[185] was 5
-meil, verzerten wir 2 Realen [7b] Von dann gen Carion[186] was 4 meil,
-verzerten wir 3 Reall, von dann gen Kassadilla[187] was 4 meil,
-verzerten wir 6 darges, von dann gen Sagona[188], was 3 meil, verzerten
-wir 9 Darges. Von dann gen Gurgada [?] was 3 meil, verzerten wir 9
-Darges. Von dann gen Mansille[189] was 4 meil, verzerten wir 10 Darges,
-von dann gen Lion[190] in Spania, was 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Da
-namb ich 2 essel bis gen sant Jacob, gab ich darvon 24 Real, vnd dem
-Knecht 11 Real, der die essel widerholet, dann das schimela was sehr
-getruckt, von dann raiten wir noch gen noderdama daschaschinung [?] was
-1 meil, verzerten wir 10 darges, von dan alla puntdy dorby[191] was 5
-meil verzerten wir 7 darges. Von dan gen Sturges[192] was 3 meil, da
-besahen wir ij Zan von sant Christoff sollen wegen 10 h ¾, vnd ein st.
-vom heiligen +, vnd ein rören von sant Blasius, vnd ein rören von sant
-Barbara. Und man weist vns wie der teuffel einen verstorbnen reichen man
-het aus dem grab geholet [8a] Und wir besahen die ringmauren, ist fast
-die best in Castillia. Von dannen ritten wir gen Spidall dowasch[193]
-was 2 meil, da verzerten wir 4 Reall: von dann an den berg Rafanell[194]
-was 4 meil. Darnach vber den halben berg gen Lassebo[195] was 3 meil,
-verzerten wir 2 Real, von dann gen Pungferade[196] was 3 meil, verzerten
-wir 4 Real, von dann a Willa franca[197] was 5 meil, verzerten wir 2
-Real. Von dann auff den berg Malafaber[198] gen santa Maria[199] was 7
-meil, verzerten wir 4½ Real, von dann gen Troi Castell[200] was 5 meil,
-verzerten wir 2 Real, von dan gen Sorge[201] was 4 meil verzerten wir 3½
-Real, von dann gen Legunda[202] was 8 meil, verzerten wir 2 Real. Von
-dann gen Millisse[203] was 5 meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen
-troy Cassa[204], was 4 meil verzerten wir ij Real. Von dan gen
-Compostell gen sant Jacob[205] was 3 meil, da lagen wir iij tag still,
-vnd am aller Hailigen [8b] tag da liessen wir vns bewaren, vnd verzerten
-wir 2 Ducaten. Und ich lies für 1 Ducaten meß lessen, vnd gab eim armen
-Teutschen Weber 1 Ducaten, daß er aus der gefengnus kem. Und ich lies
-des Zillers sohn, vnd den 2 Distlerren 1 Ducaten vnd gab den armen
-leuten in dem Spital 1 Ducaten, vnd wir besahen den gantzen Spital, ich
-habe kein hübschern nit gesehen. Darnach an aller seelen tag zu mittag,
-Zugen wir zu St. Jacob wider aus, vnd ritten gen pattron[206], was 4
-meil. Da ist St. Jacobs brun, vnd sein bett, vnd der felß da Sant Jacob
-3 mal durch ist krochen, da jhn die baurn gejagt haben. Da verzerten wir
-3½ Real. Von dan gen Goldaß[207] was 3 meil, verzerten wir 7 Dargeß. Von
-dan gen Pundafedar[208] was 3 meil verzerten wir 4 Real. Von dan gen
-Rodinidella[209] 3 meil, verzerten wir 6 Darges. Von dann gen Duya[210]
-was 5 meil, verzerten wir 3 Reall. Darnach am morgens früh fuhren wir
-vber ein wasser haist Muga[211] do ligt ein statt [9a] zunechst darbey,
-heist Valentie[212], vnd wir ritten gen Egalunga [?] was 3 meil,
-verzerten wir 2 Real 2 Darges. Von dan gen punda do limy[213] was 3
-meill, da ist ein hübsche lange bruck, ist iij Hundert roßschritt lang,
-da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Warsselles[214] was 5 meil,
-verzerten wir 60 portugal. Real, von dan in ein dorff heist gassy [?],
-was 3 meil, verzerten wir 80 Real, von dan gen parda portugal[215] was 4
-meil, da wolten wir auf das meer sein gesessen, da war kein schiff
-vorhanden, das gen Lisabona gieng. Da verzerten wir 128 Real oder K. d.
-Und am Donnerstag ritten wir gen Riffano[216], was 5 meil, da verzerten
-wir 90 Real. Von dann gen Walantz [?] was 4 meil, verzerten wir 44 Real.
-Von dann gen Albagaria[217], was 4 meil, verzerten wir 90 Real. Von dann
-gen Quimer[218] was 5 meil, da verzerten wir 56 Real, da ist ein hubsch
-Parfusser closter mit hübschen außgehawen steinen. [9b] Von dann gen
-Sarnoschka[219] was 2 meil, verzerten wir 66 Real. Von dann gen
-Warges[220] was 4 meil verzerten wir 42 Real. Von dann in ein eintzlich
-Hauß was 3 meil, da verzerten wir 68 Real. Von dann gen Domner[221] was
-3 meil, verzerten wir 42 Real. Von dann gen Woligany [?] was 4 meil, da
-verzerten wir 70 Real, da machen die bauren gar eine hübsche kirchen.
-Von dan gen Sant Darring[222] was 4 meil, da verzerten wir 48 Real. Von
-dann gen Willa longa [?], was 4 meil, verzerten wir 90 Real, von dann
-gen Willa noggra[?], was 5 meil, verzerten wir 48 Real. Von dann gen
-Lissabona[223] was 5 meil, da blieben wir 6 tag dar stilligent, vnd
-besahen die grossen schiff, die von Calecut kummen, vnd das ganze Haus
-von India, vnd des Königs Zeughauß, gar viel hübsche büchssen, vnd die
-Harnisch sollen sein für 40 tausent [10a] man zu fus, vnd für 10
-taussent zu Roß, Und viel glocher zu den pferden, vnd ein Kalakudisch
-Harnisch, vnd viel seltzamer waar, vnd fuhren zu dem newen schloß, vnd
-zu dem newen Closter, das der König bawen lest, vnd besahen die gantz
-statt, was darinnen zu besehen was. Da luden vns der Hirschvogd diener,
-vnd der Welsser diener zu gast, vnd theten mir viel ehr vnd
-freundschafft, Und ich lud die andern Teutschen auch all zu gast, kostet
-mich das mal vnd Zerung was ich verzert hett 5 Ducaten. Darnach am
-Erichtag vor sant Katharina tag [19. November] 7 stund nach mittag
-sassen wir auff das meer, vnd fuhren vber 3 meil gen Aldegaloga[224],
-[10b] Da assen wir zu nacht, vnd verzerten wir da 90 Real, von dann gen
-Landera [?] was 5 meil verzerten wir 90 Real, von dann gen Schabarida
-[?] in ein eintzlich Haus, was 3 meil, verzerten wir 125 Real, von dann
-gen Munda mortnoua[225] was 4 meil, verzerten wir 38 Real, von dann gen
-Ebrach[226] wz 5 meil, was die Küng. Mt. von Portugal dar, vnd namen ein
-passaport vom König durch sein leut, kostet mich 1 Ducaten, vnd wir
-sahen den König essen, vnd die Kunigin, vnd ich redet mit der Kunigin,
-die fraget mich von wannen wir kemen, vnd sunst fraget sie mich von
-jhres bruders vnsers H. Kaysser Karols wegen. Und wir besahen des Königs
-seine pferd, vnd seine gärten, darinn was ein balsambaum, vnd besahen
-sunst viel dings, da verzerten wir 2 Ducaten. Darnach ritten wir an sant
-Catharina abent gen Estramos[227] was 6 [11a] meil, verzerten wir 126
-Real, vnd an sant Catharina tag lies ich ein meß lessen, vnd ritten
-darnach gen Elssis[228] was 6 meil, verzerten wir 76 [Pfennig], vnd wir
-antworten den brieff vom König, vnd sie gaben mir ein andern, darfür gab
-ich 4 [Pfennig] oder Real, vnd dem auff der wart gab ich ein
-Wintden[229], von dann ritten wir gen Wagadoß[230], Hebt sich da
-Castillia an, da lies ich vnsere pferd, vnd das golt, vnd die ring
-beschreiben, wie daß ichs am Heraus raiten wolt verzollen. Darvon gab
-ich 16 Marfadiß, darnach macht mir einer ein Zaichen darauf, darvon gab
-ich 12 [Pfennig], da verzerten wir 38 [Pfennig]. Von dann gen
-Dallabarela[231] was 3 meil, verzerten wir 94 [Pfennig], von dann gen
-alarua[232] was 4 meil, verzerten wir 42 [Pfennig], von dann gen
-mereyda[233] was 2 meil, da ist ein heidnische bruck ist bey 60 joch
-lang, von dann gen Dorsilon [?] was 1 meil, verzerten wir 96 [Pfennig].
-Von [11b] dann gen Myasogada[234] was 6 meil, verzerten wir 87
-[Pfennig]. Von dann gen Grusan[235], was 7 meil, verzerten wir 53
-[Pfennig]. Von dann gen Kananero[236] was 2 meil, verzerten wir 86
-[Pfennig]. Von dann ritten wir gen Gardalub[237]. Da blieben wir ij tag,
-was 2 meil. Da besahen wir das gantz Gotzhauß, vnd alle jhren vorrath,
-den sie haben, gleich als wers in einer grossen Statt. Sie haben jhr
-aigen Spital, vnd hohe schul, vnd schier die gantz statt gehört zum
-closter. Da legt ich 2 Real in stock vnd gab ein Real, vnd lies meß
-lessen. Darfür do verzerten wir 6 Real, von dann gen aspidal dekardedial
-[?], was 3 meil. Da verzerten wir 78 d. Von dann gen Willa
-petroysy[238], was 4 meil, verzerten wir 44 [Pfennig]. Von dann gen
-alapunta arsabaschko[239], was 2 meil verzerten wir 65 [Pfennig]. Von
-dann gen Dallabero[240], was 6 meil, verzerten wir 40 [Pfennig]. Von
-dann gen Grussel[241], was 2 meil, verzerten wir 70 [Pfennig]. Von dann
-den sant Silvester [?], was 5 meil [12a] verzerten wir 45 [Pfennig], von
-dan gen Kassia Roy [?], was 4 meil, da verzerten wir 80 [Pfennig]. Von
-dann gen Mulynes[242], was 3 meil, verzerten wir 50 [Pfennig], von dann
-gen Matrill[243] was 4 meil, da verzerten wir 37 [Pfennig], von dann gen
-Kallasfenodß[244], was 6 meil verzerten wir 28 [Pfennig]. Von dann gen
-wott de lagerra[245] was 4 meil, verzerten wir 86 [Pfennig], Von dann
-gen Hytda[246], was ein hohes schloß, was 4 meil, verzerten wir 40
-[Pfennig]. Von dann gen Wurgesherres [?] was 2 meil, verzerten wir 52
-[Pfennig]. Von dann gen Weydes[247], was 2 meil. Da hörten wir meß an
-vnser lieben frawen tag [8. Dezember], verzerten wir 32 [Pfennig]. Von
-dann gen Siganssa[248], was 2 meil, da ist ein fast hübsche kirchen, mit
-eitel weis Merbelsteinen altar. Von dann gen Ißgossa [?] was 1 meil,
-verzerten wir 63 [Pfennig], Von dann Modine delamunde[249] was 3 meil.
-Da blieben wir den halben tag, vnd fragten darnach, wie wir vns halten
-solten mit dem Zoll. Da verzerten wir hundert v siebentzig [Pfennig].
-[12b] Von dann gen Arkiß[250] was 3 meil, da ist das endt des Castillia.
-Da muß man die Roß, vnd gelt vnd ring verzollen. Gab ich von den 2
-pferden 3 Ducaten, vnd von Ringen, vnd vom gelt 1 Ducaten, Da wurd mir
-mein ring gestolen, Da verzerten wir 40 [Pfennig]. Von dann gen
-Arrissa[251], do hebt sich Arrgon an, was dahin 4 meil verzerten wir 60
-Arragonisch [Pfennig], von dan gen Wurbicka[252] was 4 meil, verzerten
-wir 34 [Pfennig]. Von dan gen Kaladiff[253] was 3 meil, verzerten wir 80
-[Pfennig]. Da liessen wir 10 Duckaten einschreiben, vnd 2 ringlein,
-darvon must ich 1 Ducaten Zol geben, durch gantz Arragon. Von dann
-ritten wir gen Rigla[254], was 5 meil, verzerten wir 32 [Pfennig]. Von
-dann gen Molla[255], was 5 meil, da verzerten wir 68 d. Da regnets an
-sant Luccia abent [12. Dezember] 5 stunt nach mittag. Von dan gen
-Sarragossa was 4 meil, da blieben wir ij tag, vnd besahen die statt, vnd
-die mutter Gotts de pillerin thutt auch grosse Zeichen. Und daselbst
-macht man gar ein hübschen altar [13a] von eitel Allawassara, vnd der
-Sebastian Scheperlein lud vns zu gast vnd leih mir 12 Ducaten, als ich
-jhm ein schuldbrief gab, Zu Lion wider auszurichten. Da verzerten wir 8
-Real. Von dan gen Otschery[256] was 3 meil, verzerten wir 28 [Pfennig]
-Von dan gen Anfeda, was 3 meill. Verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann
-gen Sandalusa [?] was 3 meil, verzerten wir 2 Real. Von dan gen
-Pinalba[257], was 3 meil, verzerten wir 3 Real. Von dann gen fraga was 5
-meil, verzerten wir 54 d. Von dann gen Durres[258] was 2 meil, verzerten
-wir 64 [Pfennig]. Da namen wir ein brieff, daß wir durch kein sterben
-waren geritten, darfür gaben wir 10 [Pfennig]. Von dann gen Gunada[259]
-was 3 meil groß. Da verzerten wir 34 [Pfennig]. Von dann gen Malta [?]
-was 2 meil, da verzerten wir 53. Da wolt man vns weder durch Gotts
-willen, noch von gelts wegen nit beherbrigen. Da giengen wir zu dem
-herrn ins schloß, vnd batten jhn daß er [13b] vns vnterhülff, da lies er
-dem Richter gebieten, daß er vns einhülff. Von dann gen Gumara[260], was
-3 meil verzerten wir 42 [Pfennig], da namen wir wider ein brief, daß wir
-durch kein sterben waren geritten, kostet 10 [Pfennig]. Von dann gen
-santa Kalana[261] was 2 meil, da verzerten wir 90 [Pfennig]. Von dann
-gen Anguleda[262], was 3 meil, verzerten wir 60 [Pfennig]. Von dann gen
-Munserat[263] was 3 meil, da blieben wir ij tag, vnd wir besahen auff
-dem berg wol 10 armittes oder einsiedel, die wonen in den felssen, gar
-wunderparlich ding, vnd wir besahen gar viel ding im Closter. Und die
-Mutter Gotts thut gar grosse Zaichen, vnd sind da viel grosse wächsine
-Kärtzen, die einer kaum vmbgreiffen kan, vnd wol 43 silberne lampen, die
-tag vnd nacht brennen, vnd sonst wol bey 100 silberne lampen, die nit
-brennen. Da leget ich 5 Real in den stock. Da gibt man einem jeglichen
-Reich oder armen brot wein [14a] öll vnd essig bevor. Aber was man für
-die Roß vnd essel bedarff, mus man bezallen. Da verzerten wir 8 Reall,
-vnd lies mess lessen für 1 Real. Und daselbst wurd mir mein 2 pferdten
-die schwentz abgeschnitten. Von dann ritten wir gen Sant Endres[264],
-was 4 meil, verzerten wir 54 [Pfennig]. Von dann gen Spidelat [?] was 2
-meil, verzerten wir 74 [Pfennig]. Von dann gen Warsalona[265], was 1
-meil. Da liessen wir vnsere pferd beschlagen, vnd vnsere stiffel
-flicken, kostet mich 6 Real, vnd blieben den Christabent vnd den tag
-auch dar, vnd besahen viel ding. Da verzerten wir die 3 tag dar 2
-Ducaten.
-
-[Fußnote 142: Cerdon.]
-
-[Fußnote 143: S. Denis.]
-
-[Fußnote 144: Montluel.]
-
-[Fußnote 145: Saint Just.]
-
-[Fußnote 146: Yzeron.]
-
-[Fußnote 147: Saint-Galmier.]
-
-[Fußnote 148: Saint Bonnet-le-Château.]
-
-[Fußnote 149: Pont Tempera.]
-
-[Fußnote 150: Chavagnac.]
-
-[Fußnote 151: St Flour.]
-
-[Fußnote 152: Chaudesaigues.]
-
-[Fußnote 153: Laguiole.]
-
-[Fußnote 154: Rodez.]
-
-[Fußnote 155: Almeirac.]
-
-[Fußnote 156: Albi.]
-
-[Fußnote 157: Gaillac.]
-
-[Fußnote 158: Buzet.]
-
-[Fußnote 159: Toulouse.]
-
-[Fußnote 160: Sebald Rieter berichtet von Toulouse (Nürnberger
-Stadtbibliothek, schwarzes Rieterbuch Bl. 395b): »... darnach fugt wyr
-vns genn dolosa In langendöcken gelegen ist ein grose stat grösser dann
-zwey Nürmberg vnd liegen Alda In der kirchen vntter dem köre dy lieben
-Zwelffpotten sant philipp vnd sant Jacob In einem grab Sant Symon vnd
-Judas auch In einem grab Sant barnabas Heroben In einer Mawr Sant Jorgen
-des lieben Ritters Maysters leichnam Sant Seuerinus vnd ander vil
-Heyligen vnd Heyltums Auch dy vber geschrifft von dem Heyligen Creucz.«
-
-Noch ausführlicher ist Arnold von Harff (ed. Groote S. 223), der u. a.
-auch, ähnlich wie Örtel, eines Evangelienbuches Erwähnung thut. »dat
-gantz mit gulden litteren geschreuen was, dat man sait sent Johann
-ewangelist mit sijner eygener hant greschreuen hatte.«]
-
-[Fußnote 161: l'Isle-Jourdain.]
-
-[Fußnote 162: Auch.]
-
-[Fußnote 163: Vie-Fézensac.]
-
-[Fußnote 164: Nogaro.]
-
-[Fußnote 165: Cazères.]
-
-[Fußnote 166: Grenade.]
-
-[Fußnote 167: St. Sever.]
-
-[Fußnote 168: Montfort.]
-
-[Fußnote 169: St. Vincent-de-Tyrosse.]
-
-[Fußnote 170: Bayonne.]
-
-[Fußnote 171: St. Juan-de-Luz.]
-
-[Fußnote 172: Irún.]
-
-[Fußnote 173: Hernani.]
-
-[Fußnote 174: Tolosa.]
-
-[Fußnote 175: Segura.]
-
-[Fußnote 176: Segoma.]
-
-[Fußnote 177: P. de Arlaban.]
-
-[Fußnote 178: Galerota.]
-
-[Fußnote 179: Vitoria.]
-
-[Fußnote 180: Bribiesca, älter Birbusca; bei Peter Rindfleisch (Röhricht
-und Meisner S. 346): Vermeseck.]
-
-[Fußnote 181: Monast. de Rodillas.]
-
-[Fußnote 182: Burgos.]
-
-[Fußnote 183: Bei Arnold von Harff (ed. Groote S. 230): Hornilus.]
-
-[Fußnote 184: Castrogeriz.]
-
-[Fußnote 185: Fromista.]
-
-[Fußnote 186: Carrion d. I. Condes.]
-
-[Fußnote 187: Calcadilla.]
-
-[Fußnote 188: Sahagun.]
-
-[Fußnote 189: Mansilla de las Mulas.]
-
-[Fußnote 190: Leon.]
-
-[Fußnote 191: Harff (ed. Groote S. 231): »... Ponte de orfigo eyn dorff,
-lijcht zo beyden sijden vff deme wasser Ortigo oeuer eyn steynen
-bruck.«]
-
-[Fußnote 192: Astorga.]
-
-[Fußnote 193: Harff (ed. Groote S. 231): »Item van Storgis zo Hospitale
-eyn dorff ij lijge.«]
-
-[Fußnote 194: Ravanella.]
-
-[Fußnote 195: Luceno.]
-
-[Fußnote 196: Pon-ferrada.]
-
-[Fußnote 197: Villafranca.]
-
-[Fußnote 198: Peter Rindfleisch: »Malefaber«. Nördlich von Sa del Oribio
-[Röhricht u. Meisner S. 347 Anm. 6.]]
-
-[Fußnote 199: Harff S. 232: »Item van Ala faba zo Marie de sebreo eyn
-klein dorffgen vff deme berge Malefaber.«]
-
-[Fußnote 200: Harff S. 232: »Trecastelle«, auf älteren Karten: »Tria
-Castella«.]
-
-[Fußnote 201: Sárria.]
-
-[Fußnote 202: Harff, S. 232: »Ligundi eyn dorffgen.«]
-
-[Fußnote 203: Mellid.]
-
-[Fußnote 204: Harff S. 232: »Trykasa eyn dorff«: das »Dos Casas« der
-älteren Karten (16.- 17. Jahrh.)?]
-
-[Fußnote 205: Santiago de Compostella.]
-
-[Fußnote 206: Padron.]
-
-[Fußnote 207: Caldas d. Reyes.]
-
-[Fußnote 208: Pontevedra.]
-
-[Fußnote 209: Redondela.]
-
-[Fußnote 210: Tuy.]
-
-[Fußnote 211: Minho.]
-
-[Fußnote 212: Valenca do Minho.]
-
-[Fußnote 213: Ponte de Lima.]
-
-[Fußnote 214: Barcellos.]
-
-[Fußnote 215: Porto.]
-
-[Fußnote 216: Leo von Rozmital (ed. Schmeller S. 93): »Portu Rifanam
-quinque milliarium itinere pervenimus«.]
-
-[Fußnote 217: Albergaria.]
-
-[Fußnote 218: Coimbra.]
-
-[Fußnote 219: Sernache.]
-
-[Fußnote 220: Alvorge.]
-
-[Fußnote 221: Thomar.]
-
-[Fußnote 222: Santarem.]
-
-[Fußnote 223: Lissabon.]
-
-[Fußnote 224: Aldéa Gallega.]
-
-[Fußnote 225: Montemor Novo.]
-
-[Fußnote 226: Evora.]
-
-[Fußnote 227: Estremoz.]
-
-[Fußnote 228: Elvas.]
-
-[Fußnote 229: So viel wie: eine Kleinigkeit.]
-
-[Fußnote 230: Badajoz.]
-
-[Fußnote 231: Talavera.]
-
-[Fußnote 232: Arroyo.]
-
-[Fußnote 233: Mérida.]
-
-[Fußnote 234: Miajadas.]
-
-[Fußnote 235: Logroson.]
-
-[Fußnote 236: Cañamero.]
-
-[Fußnote 237: Guadalupe.]
-
-[Fußnote 238: Villar del pedroso.]
-
-[Fußnote 239: Puente del Arzobispo.]
-
-[Fußnote 240: Talavera de la Reina.]
-
-[Fußnote 241: Sta. Cruz del Retamar?]
-
-[Fußnote 242: Mostoles.]
-
-[Fußnote 243: Madrid.]
-
-[Fußnote 244: Alcaláde Henares?]
-
-[Fußnote 245: Guadalajara.]
-
-[Fußnote 246: Hita.]
-
-[Fußnote 247: Baydes.]
-
-[Fußnote 248: Sigüenza.]
-
-[Fußnote 249: Medinaceli.]
-
-[Fußnote 250: Arcos.]
-
-[Fußnote 251: Ariza.]
-
-[Fußnote 252: Leo von Rozmital (S. 102): »Monrealo Bubieream venimus
-quatuor milliarium itinere. Is pagus, arci impendenti subjectus, inter
-eosdem montes jacet, quem praeterfluit torrens nomine Schalun, primus ab
-eo Aragoniae latere.«]
-
-[Fußnote 253: Calatayud.]
-
-[14b] Und an Sant Steffanstag [26. Dezember] ritten wir wider aus mit 4
-Frantzosen, vnd ritten gen alla Rocka[266] was 4 meil, da verzerten wir
-3 Real. Da wurd mir mein pferd das fuchslein kranck, da lies ich jhm die
-feuffel reissen[267]. Von dann ritten wir gen Fanssaloner[268] was 3
-meil, vnd da wolt mein fuchslein nimmer gehn. Ligt ein halbe meil vor
-der statt Und alsbald ichs in stall zug, da fiel es nider vnd starb von
-stund an. Da verzerten wir 5 Real. Darnach luden wir vnsere stiffel vnd
-claider auff das Schimelein, vnd luffen neben jhm her gen Vecacopy[269]
-was 3 meil. Da verzerten wir 3 Real. Von dann gen Girona[270] was 4
-meil, verzerten wir 5 Real. Da namen wir 2 essel, biß gen Parpion[271],
-darvon gab ich 2 Ducaten. Von dem ritten wir gen Sigires[272], was 3
-meil, verzerten wir 4 Real, von dann gen Wollang[273] was 4 meil, da
-verzerten wir 2 Real. Von dann gen Parpion was 3 meil, da kaufft ich ein
-Schimele [15a] pferd vmb 7 Ducaten, vnd verzerten 16 ß. Und ich namb 2
-essel bis gen Narbona[274], darvon gab ich 1 Ducaten. Von dann ritten
-wir gen Palma[275], was 5 meil, da must ich von 2 pferden vnd 2 Esselen
-4 ß Zol geben, vnd verzerten dar 12 ß. Von dann gen Willa falssa[276],
-was 2 meil, da must ich von 1 pferdt 1 ß Zollen, vnd von eim Esel 8
-[Pfennig]. Darnach ritten wir noch folgent gen Narbona, was 2 meil. Da
-verzerten wir mit sambt den 2 esell 24 ß. Von dann gen sant Dobery[277]
-was 3 meil, verzerten wir 14 ß. Von dann gen Lopia [?], was 3 meil,
-verzerten wir 7 ß. Von dann gen Willa noffa[278] was 4 meil, da blieben
-wir 1 tag, vnd giengen alla Magalona[279] an das meer, vnd fuhren
-hinvber, vnd besahen das hailthumb, vnd die kirchen. Da waschen sie alle
-tag den Jüngern, vnd den Jacobsbrüdern jhre füß. Da fuhren wir wider
-vber, vnd verzerten dar 45 ß, vnd wir hatten einen man mit vns lauffen
-von Pardalupa[280] biß [15b] gen Willa noffa, da wurd er mir krank, gab
-ich jhm 2 Ducaten. Von dann gen Sanbegs[281] was 4 meil, da verzerten
-wir 8 ß, von dann gen Wafer[282] was 4 meil, da verzerten wir 12 ß. Von
-dann gen sant Gilg[283] was 4 meil da verzerten wir 8 ß. Und wir sahen
-ein arm vnd das Haubt von sant Gilgen, vnd das ander Heilig gebain ligt
-in eim sarch. Mer ein arm von sant Jorgen, vnd ein Finger von sant
-Johans Wathisse [Johannis Baptista], vnd sunst viel Hailthumbs. Von dann
-ritten wir gen sant Anthony Darles[284], was 3 meil, verzerten wir 12 ß,
-vnd sahen den kopff vnd das gebain als von Sant Anthony biß ohn ein arm,
-der ist A wino[285]. Von dann bis gen sant Marding de kraub[286] was 3
-meil verzerten wir 8 ß. Von dann gen sallung[287], was 4 meil, verzerten
-wir 12 ß, von dann gen Laspena [?], was 5 meil, verzerten [16a] wir 19
-ß. Von dann gen Marsilia[288], was 3 meil. Da lagen wir ein tag still,
-vnd besahen das hailthumb zu Predigern, Sant Endres bart. Und in der
-Pfarr St. Lasarus Haubt, vnd ein gantze Hand, vnd ein arm von sant
-Atrion[289], Und ein rören von Sant Victor, vnd sunst viel Hailthumbs,
-vnd zu sant Victor im closter sant Endres ×, vnd sant Victors Haubt, vnd
-sein gebain gar hübsch in silber eingefaßt. Und dann Pabst Urbanus, der
-ligt noch vnerhaben, vnd sonst viel hübsch Hailthumbs als in silber
-eingefast, Und ist mehr ein Capellen, da rast die Mutter Gotts innen,
-vnd brint sunst nichts nit darvor dann wax. [16b] Und darff auch kein
-fraw darein gehn sie sturbe von stund an. Darnach besahen wir die
-grossen schiff vnd gallern, die erst vom Türcken waren kummen. Sie
-hatten nicht viel ehr eingelegt, waren wol bey 460 all erschlagen. Und
-wir sahen auch das Haus, wie man sie hinnein zeucht, da verzerten wir 35
-ß. Und von dann gen Rißla [?] was 3 meil, verzerten wir 7 ß. Von dann
-gen alla bama[290] da Maria Magdalena gebüst hat bey 34 Jar. Was da hin
-4 meil, vnd wir sahen den felß, vnd die wonung, vnd das bett, darauff
-sie gelegen ist ein felsstein, da haut man ein stain darvon, vnd wir
-besahen auch jhren brunn, vnd tropfft dz wasser vber all Hindan In jhr
-bett nit. Da habens die Engel alle tag zu 7 mal auff gefürt auff die
-Höhe des bergs. Da sang sie allweg eine der sieben freud. Und wir
-verzerten alla bama bey den München 14 ß, von dann ritten wir gen sant
-Melymy[291] was 3 meil. Da blieben wir ein tag, vnd besahen Maria
-Magdalena haubt, das Gott der Herr hatt angerürt im garten [17a] da er
-sprach: Noli me tangere. Das ist 13 Hundert Jar vnter dem ertrich
-gelegen, vnd ist noch vnversehrt, was die finger angerürt haben, vnd
-mehr das Haar, damit sie vnserm Herrn Jesu Christo die heiligen füß mit
-getrucknet hat, das ist als vnversehrt blieben. Vnd mehr ein arm, vnd
-das grab, da Maria Magdalena innen gelegen ist, vnd mehr ein gläßlein,
-darinnen ist ein blutstropff, den vnser Herr am stammen des Heiligen
-Creutz hat lassen fallen, das hatt sie mit sand vnd stein aufgehaben,
-das Zeugt man am Carfreytag, so wirds eben vol mit blut, bis man vnsern
-Herrn in das grab legt, so verbürgt es sich wider. Das Zaigt man
-jederman, vnd sonst fast viel Hailthumbs. Da gaben wir zu Hailhumb 6 ß,
-vnd wir verzerten 25 ß. Von dann gen Rossat [?], was 3 meil, verzerten
-wir 6 ß. Von dann gen Seyb [?] was 3 meil, Da besahen wir in einem
-frawen closter König Scharlamany von Franckreich seinen leib vnverwesen,
-vnd vnser frawen gürtel, ein [17b] fus von sant Endres, vnd ein fus von
-sant Dobort[292], vnd ein spindel aus dem arm Maria Magdalena, vnd 3 Zan
-von sant Johans, vnd sunst viel Hailthumb in silber eingefast. Da gab
-ich 4 ß zum Heilthumb, da verzerten wir 12 ß. Von dann gen Kasiles[293],
-was 3 meil, da verzerten wir 7 ß. Von dann gen Durgung[294] was 4 meil.
-Da verzerten wir 12 ß, von dann gen Avinung[295] was 5 meil. Da wolt man
-mich nit einlassen, da musten wir raiten gen pung de sorg[296], was 1
-meil, verzerten wir 7 ß, von dann gen schatdea nofa de papa [?] was 1
-meil, verzerten wir 2 ß. Vonn dann gen noderdame de plang [?] was 5
-meil, da verzerten wir 9 ß. Thutt auch große Zaichen. Von dann gen Doßes
-orres[297] was 3 meil, verzerten wir 12 ß. Von dann gen Munda
-Linnart[298] was 2 meil verzerten wir 18 ß. Von dann gen Lonnion[299]
-was 4 meil verzerten wir 7 ß. Von dann gen den Gwaß[300], 3 meil [18a]
-verzerten wir 14 ß. Von dann gen sant Rambert[301], was 4 meil,
-verzerten wir 14 ß. Von dann gen Wine[302], was 2 meil, da verzerten wir
-8 ß. Da wurd mir mein pferd kranck. Da nam ich ein anders bis gen Lion.
-Darvon gab ich ihm 12 ß, Und ritten gen Lion an sant Anthony tag [17.
-Januar 1522] was 5 meil. Da kam mein bruder Florentius vnd der Marx von
-Nurnperg. Und ich vnd mein knecht kamen all vnter der thur Zusammen vor
-der Herbrig, vnd begerten als zu wissen. Gott hab Lob vnd Ehr.
-
-[Fußnote 254: Ricla.]
-
-[Fußnote 255: la Muela.]
-
-[Fußnote 256: Osera.]
-
-[Fußnote 257: Penalba.]
-
-[Fußnote 258: Torres de Segre.]
-
-[Fußnote 259: Juneda.]
-
-[Fußnote 260: Guimera.]
-
-[Fußnote 261: Sta. Coloma de Queralt.]
-
-[Fußnote 262: Ignalada.]
-
-[Fußnote 263: Olesa de Monserrat.]
-
-[Fußnote 264: St. Andrés del Palomar.]
-
-[Fußnote 265: Barcelona.]
-
-[Fußnote 266: la Roca.]
-
-[Fußnote 267: Die Speicheldrüsen ausschneiden oder zerquetschen. Grimms
-Wb. III. Bd. Sp. 1433 unter Feibel, Feifel.]
-
-[Fußnote 268: San Cetoni.]
-
-[Fußnote 269: Bei Leo von Rozmital (S. 112) steht an dieser Stelle
-»Castelricum« (heute: Hostalrich).]
-
-[Fußnote 270: Gerona.]
-
-[Fußnote 271: Perpignan.]
-
-[Fußnote 272: Figueras.]
-
-[Fußnote 273: Boulon.]
-
-[Fußnote 274: Narbonne.]
-
-[Fußnote 275: la Palme.]
-
-[Fußnote 276: Auf älteren Karten: »Ville Falce«.]
-
-[Fußnote 277: Leo von Rozmital (S. 113): »Narbona Santyberium septem
-milliaribus distat«.]
-
-[Fußnote 278: Villeneuve.]
-
-[Fußnote 279: Maguelonne.]
-
-[Fußnote 280: Guadalupe.]
-
-[Fußnote 281: St. Brès.]
-
-[Fußnote 282: Vauvert.]
-
-[Fußnote 283: St. Gilles.]
-
-[Fußnote 284: Arles.]
-
-[Fußnote 285: Vienne.]
-
-[Fußnote 286: St. Martin de Crau.]
-
-[Fußnote 287: Salon.]
-
-[Fußnote 288: Marseille.]
-
-[Fußnote 289: St. Hadrian.]
-
-[Fußnote 290: la Ste. Baume.]
-
-[Fußnote 291: St. Maximin?]
-
-[Fußnote 292: Dagobert oder St. Aubert?]
-
-[Fußnote 293: Cadenet?]
-
-[Fußnote 294: Orgon.]
-
-[Fußnote 295: Avignon.]
-
-[Fußnote 296: Sorgues.]
-
-[Fußnote 297: Donzère.]
-
-[Fußnote 298: Montélimar.]
-
-[Fußnote 299: Loriol.]
-
-[Fußnote 300: So anstatt »deng waß«; Tain ist gemeint.]
-
-Item so blieb ich 14 tag zu Lion, vnd wartet auff mein bruder
-Florentius. Und darnach ritten wir auff Sant Glado[303] zu. --
-
-[18b] Und zu Genff kam mein Bruder wider zu mir, vnd ritten miteinander
-gen Nurnperg, so verzerten wir bißher 15 fl., vnd wir kamen all beed
-frisch vnd gesund aus vnd ein.
-
- Gott hab lob vnd ehr.
- Und behut uns vor aller schwerer kranckheit, Amen, Amen, Amen.
-
-Item hernach steht der Weg kürtzlich aufgezaichnet wie ich geritten bin,
-von einem halben Tag zu dem andern, wie viel meil von einander.
-
-Item von Nürnperg aus gen[304].
-
- Guntzenhaussen 6 M.
- Ötting 3
- Henerling 2
- Genge 4
- Aio 2
- Ulm 2
- Waltringen 3
- Pibrach 1
- Weingarten 4
- Martdorff [Markdorf] 2gr.[305]
- Merspurg 1
- Uber den see 2
- Von Koschnitz gen St. Anna 2 g.
- Winterdurren 1 g.
- Zürch 2 g.
- Von Zürch fuhren wir den See ab 2 meil vber den berg gen 2 gr.
- Einsiedel, Darnach fuhren wir wider gen Zürch, was
- eben als weit, vnd darnach ritten wir von Zürch gen
- Lentzspurg
- Arburg 2 gr.
- Dorringe 2 gr.
- Purtdolff 2 gr.
- [19a]
- Pern 3 gr.
- Lossana 4
- Morssa [Morges] 2
- Nyß 4
- Jenff 4
- Kolunge 4
- Sengerman 3
- Schardung 4
- Sanmony 3
- Mula 4
- Lion 3
- Isarung 3
- Sengermy 4
- Santbunet de Schadea 5
- Pungdeperat 3
- Saffangne 5
- Alba bautha 3
- Sant flor 5
- Schades Egy 4
- Alla giola 4
- Spalion [Espalion] 3
- Rodeß 4
- Alla motda 5
- Alleros 3
- Albis 3
- Galliack 4
- Baussett 4
- Dolosa 4
- Lilla gordung 4
- Lysigmen 3
- Asch 4
- Wick 4
- Nagaro 4
- Koseras 3
- Garnada ij
- Sant Seber ij
- Munfort 3
- Adax 3
- Sant Winssang 3 g.
- Weyana 4
- Sant Jongdeluß 3
- Dirreng 3
- a Arnaby 3
- Dolosada 3
- Segura 4
- Sagona 1
- Vber den berg S. Atrian gen Galareda 2
- Odikany 2
- Witdoria 3
- Alla punda Dorumeng ij
- Panckarbo [Pancorbo] 2½
- Mermiste 4
- Mestir de Rodille 3
- Wurgeß 5
- Hornilles 3
- Kasterferis 4
- Formestein 5
- Carion 4
- Kalssadilla 4
- Sagona 3
- Gurgada 3
- Lion in Spania 3
- Moder dama de scheschinge 1
- Alla punda dorby 5
- Stergeß 3
- Aspidal de wasche 2
- [19b]
- An den berg Rafanell 4
- Uber den ben berg gen Lasebo 3
- Apungferada 3
- a Willafrancka 5
- Uber den berg Malafab. gen sant Maria 7 M.
- Troy Castell 5
- Seyrge 4
- Legunda 8
- Nullisse 5
- Cassa 4
- Compostell gen St. Jacob auff Lissabona zu gen Patron 4
- Goldaß 3
- Pundafeder 3
- A Rodundella 3
- Duya 5
- Egalunga 3
- Punda de liny 3
- Marselles 5
- Passy 3
- a Portu Portugall 4
- Riffano 5
- Wallans 4
- Albagaria 4
- Quimir 5
- Sarnescka 2
- Warges 4
- Einzlich Haus 3
- Von dann gen Domar 3
- Walligany 4
- St. Dorring 4
- a Willa longa 4
- a willa negra 5
- a Lissabona 5
- Uber das meer gen Aldega Lega 3
- Landera 5
- Schabarida 3
- Munda mortnova 4
- Ebrach 5
- Estrames 6
- Elssis 6
- Abagadoß 4
- Dalla barrla 3
- [20 a]
- Alarua 4
- Mereyda 2
- Derssiltung 1
- Myasgada 6
- Grusam 7
- Kannanero 2
- Gardaluba 2
- gen spidal de kardenal 3
- a willa petroasy 4
- a la punda arsabisko 2
- Dallaberos 6
- Grussel 2
- Silfester 5
- Kasyo Royg 4
- Mulmes 3
- Mattrill 4
- Kalasofanadaß 6
- Wat de la gerra 4
- Hitda 4
- Wurgeß herreß 2
- Waydeß 2
- Siganssa 2
- Isogossa 1
- Modine de celis 3
- Arckes 3
- Arrissa 4
- Wur wicka 4
- Kaladiff 3
- Rigla 5
- Molla 5
- Sergossa 4
- Otschany 3
- Anseda 3
- Santelusa 3
- a Pinn alba 3
- Fraga 5
- Durraß 2
- Guneda 3 g.
- Malda 2
- Gunara 3
- Santa kalona 2
- Angulada 3
- Muserat 3
- Sant Endreß 4
- Spidellat 2
- Bersalone 1
- Alla Rocka 4
- [20 b]
- Sanssalonie 3
- Verraropy 3
- Girona 4
- Sigires 5
- Wollang 4
- Parpion 3
- Willa falssa 2
- Arbona 2
- Wosir [Béziers] 4
- Sant Dobery 3
- Lopia 3
- Willa noffa 4
- Sanbreß 4
- Waffer 4
- Sant Gilg 4
- Sant Anthoni darleß 3
- Sant Martding de kraub 3
- Sallung 4
- Laspena 5
- Marsillia 3
- Risola 3
- Alla boma 4
- Sant Mapymy 3
- Rosset 3
- Seyß 3
- Kasiles 3
- Durgung 4
- Avinung 4
- Pung de sorg 1
- Schatdea nova de papa 1
- Moder dama de plang 5
- Dosses orres 3
- Mudalimart 2
- Lorrior 4
- Walansse [Valence] 4
- Deng 3
- Sant Rambert 4
- Wine 2
- Lion 5
- [21 a]
- Item der weg von Dolosa auß gen Sargossa zu zum ersten gen 2
- Plasansse
- Sant Veit 2
- St. Matay 3
- Punoy 3
- Mangack [Magnoac] 4
- Pondons ½
- Petringß 1
- Jarba [Tarbes] 4
- Nag [Nay] 4
- Ollerung [Oloron] 5
- Sarrasansa 3
- Zantt 3
- Canfrang [Canfranc] 5
- Jacke [Jaca] 3
- Cansa 5
- Juba 3
- Gorrea [Gurrea] 5
- Surra [Zuera] 4
- Willanofa [Villanueva de Gallego] 2
- Sargosse 3
- Item den andern weg von Dolosa auf Sergosse zu vber den 4
- portt da bonast [Benasque] zu von dann gen Barnossa
- Alla fitte [Laffitte] 3
- Matter [Martres] 2
- à sant martire [St. Martory] 2
- à Wallantine [Valentin] 3
- à Wandire [Bagnères] 4
- Uber den berg hat kein Herbrig biß gen Bonnast [Benasque] 6
- Castellong 2
- Silles 4
- Para Roga 2
- Grans [Graus] 2
- Popla [la Puebla] 2
- Barbasta [Barbastro] 2
- Peratta [Peralta de Alfocéa] 4
- Conbre [Alcubierre] 4
- Perdigre [Perdiguera] 4
- Cergosse [Zaragoza] 2
- Der weg von Sargossa auff Wurges zu. Von dann gen Lugarda 5
- [21 b]
- Canryne 1
- Lorsing 2
- Gallore [Gallur] 2
- Corttes [Córtes] 2
- Riffa horrade [Ribaforada] 2
- Dodella [Tudela] 2
- Alfara [Alfaro] do man die roß verzollt 4
- Hora [Calahorra] 4
- alla Gronna [Logroño] 8
- Nasyra [Najera] 5
- Sant Dominico [Sto. Domingo] 4
- Grang Jang [Grannon] 1
- Ballorare [Belorade] 3
- Willa francka 2
- Waldafanies 5
- Wurges 3
- Item von Lion vber den Monssenir von dan gen
- Sant Lorentz [St. Laurent de Mure]
- Serpellire
- Bergeng
- da da pung
- a pung da boana wesung [Le Pont-de-Beauvoisin]
- Schanberie [Chambéry]
- Egebelletta [Aiguebelle]
- Monsenir
- Der weg von Lion gen Mumpelgart zu Schallemang [Chalamont] 6
- Crusaw 4
- Chawane 4
- Sant Jullian [St. Julien] 4
- orgellot [Orgelet] 5
- a Schattellung [Châtillon sur Lison] Schrittene [?] 5
- a Werb 4
- alla Wick 6
- a anno 5
- a Werst 3
- a Landers 3
- a Collombiek 4
- a Mumpelgart [Mömpelgard, Monbeillard] 2
- [22a]
- Der Weg aus Nörnperg gen Lion, als hiemit verzeichnet
- steht die tagreiß zu stunden.
- Erstlich von Schwobach [Schwabach] stund 2
- Wasser Monnau 3
- No 1 Guntzenhaussen 14[306] 3
- Knotza 1
- Westa 1½
- Osta ½
- Ottingen 1
- 2 Nordlïngen d 2
- Khessingen [Essingen] 13 1½
- No 2 Walperßhoffen 1½
- Genga d 3
- Langenaw [Langenau] 1½
- 3 -- Ulm 12 3
- Stetten 2½
- Wadttringen d 2
- Bibrach 1½
- No 4 Esendorff 11 3
- Walssee [Waldsee] 1½
- Weingarten 2
- Raffelsburg d
- Buchhorn 10 3
- No 5 Mersburg 3
- Ubern See 1½
- Costnitz d 1
- Steckhparan [Steckborn] 3
- Stain 9 2
- No 6 Schaffhaußen d 3
- Lottstetten [Lestetten] 1½
- Raifitzerfeldt 1½
- Kaisserstull 8 1
- Zum Newnhaus 1½
- No 7 Pada d 1½
- Mollienga 1
- Lentzburg 7 2
- Aran 2
- Arburg d 2
- No 8 Morgental 2
- Langendorff
- Rittweil 6
- Weiningran 1
- Burttolff 1½
- No 9 Bernd 2
- An die Senssa 2
- Freyburg 5 2½
- [22 b]
- No 10 Remandtt d 4
- Lossanna 4 5½
- Morsa 2½
- No 11 Roll 2½
- Nieß d 3
- No 12 Jenff 3 4
- Collonnge d 4
- Seingermon 2 4
- No 13 Manttua [Nantua] 3
- Scherdung d 2
- Sainct Jehan le vitu [St. Jean le vieux] 2
- Sammoris [St. Denis] 1 2½
- No 14 Mulluard [Montluel] d 4½
- No 15 Lion 4
- Sindt 15 Tag 130 stundt.
-
-[Fußnote 301: St. Rambert.]
-
-[Fußnote 302: Vienne.]
-
-[Fußnote 303: St. Claude.]
-
-[Fußnote 304: Im Folgenden sind nur bei den Hauptstationen, soweit sie
-nicht schon in der vorstehenden Reisebeschreibung vorgekommen sind, die
-heutigen Namen in [] hinzugefügt.]
-
-[Fußnote 305: Bedeutet wohl »große Meilen«, wie g »gute Meilen« bezw.
-»Meile«.]
-
-[Fußnote 306: Die Zahlen 14, 13 u. s. w. sollen die Tagesstrecken des
-Rückweges andeuten. Was die mehrfach hinzugefügten d bedeuten sollen,
-ist nicht recht klar.]
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _Th. Hampe_.
-
-
-
-
- Über ein Prosatraktätlein Hans Folzens von der Pestilenz.
-
-
-Aus den Zeiten des ausgehenden Mittelalters ist uns eine ganze Reihe in
-Deutschland entstandener Werkchen über die Pestilenz und die Art, wie
-man sich in Pestzeiten zu verhalten habe, erhalten geblieben, von denen
-bisher nur sehr Weniges neugedruckt oder sonst allgemeiner bekannt
-geworden ist. So besitzen wir aus dem Jahre 1483 einen zu Augsburg
-gedruckten »köstlichen und gründlichen Spruch von der pestilentz, wie
-man sich mit allen sachen zu derselben zeyt halten sölle ... In reymen
-weiß gesetzt«, aus Straßburg vom Jahre 1500 einen »tractat contra pestem
-Preservative vnd regiment«, der 1519 zu Oppenheim in neuer Bearbeitung
-erschien[307], u. s. f.
-
-Andere Gedichte oder Schriften dieser Art weisen auf Nürnberg. So
-zunächst ein 88 Verse umfassendes Spruchgedicht, das sich in der
-Münchener Handschrift cod. germ. 714 auf Blatt 274a-276a findet und wohl
-dem Kreise Rosenplüts angehört, zwischen dessen Gedichten es steht.
-Jedenfalls dürfte es noch im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts
-entstanden sein, denn weiter gegen das Ende des Jahrhunderts zu möchte
-ich den Codex seiner Schrift nach nicht rücken. Es kann also als eines
-der frühesten Gedichte über die Pestilenz aus dem gedachten Zeitraum
-betrachtet werden. Das Gedicht ist überschrieben: »Dy Beßtilentz«, und
-der Anfang lautet[308]:
-
- »ICh hab mich des wol vermessen:
- Ich wil meiner geselln nit vergessen,
- Ich wil sy auß den püchern lern,
- Wie sy sich vor der pestilenntz schüln ernern.
- Darümb hör was ich dir sagen wil,
- Wann sterben ist ain claines zil.
- Des ersten hallt den rat, den ich main,
- Wann der dünckt mich sicher clain,
- Das man in der sach Ernstlich schol
- Got an rüffen, das hilfft wol;
- Das mainen all Mayster weis,
- Dye da sein in der schul zu Pareis.«
-
-Nachdem dann eine Reihe von Verhaltungsmaßregeln gegeben und allerlei
-Mittel empfohlen worden sind, unter denen natürlich auch der allheilende
-Theriak nicht fehlt -- ich kann darauf hier nicht näher eingehen --
-folgt noch der wohlgemeinte, aber etwas naive Rat, bei Zeiten weit davon
-zu zu fliehen; das sei das Sicherste:
-
-[Fußnote 307: Vgl. Goedeke, Grundriß I, 393 Nr. IV, 3 und 4.]
-
-[Fußnote 308: Ich benutzte eine Abschrift des Gedichtes, die mir Herr
-Apotheker Peters in Nürnberg freundlichst zur Verfügung stellte und die
-ich durch das liebenswürdige Entgegenkommen der königl. Hof- und
-Staatsbibliothek in München selbst noch einmal mit dem Original
-vergleichen konnte. Der Abdruck geschieht hier, wie bei den folgenden
-Zitaten, buchstabengetreu, doch sind etwaige Abkürzungen überall
-aufgelöst, die Interpunktion von mir hinzugefügt.]
-
- »Noch einen rat dir ain Mayster geyt:
- Fleuh verr dauon vnd auch pey zeyt,
- Fliehen ist gar ain sicher ding.«
-
-Endlich schließt der Verfasser, wie folgt:
-
- »Das hat Maister Hanns Thomauro gelert,
- Der manchs mit seiner kunst hat ernert,
- Vnd Junger Bernhart Jordanus genant,
- Des kunst yetzund laufft durch alle lant,
- Vnd auch anderr Mayster vil,
- Der ich yetzund nit nennen will.
- Nu Helff vns got auß der not,
- Der durch vns hat geliden den tot.«
-
-[Illustration: Fig. 1.
-
-Titelholzschnitt von dem »fast köstlichen spruch von der pestilencz« von
-Hans Folz nach dem Münchener Exemplar.]
-
-1482 verfaßte dann Hans Folz seinen in der Litteratur mehrfach zitierten
-»fast köstlichen spruch von der pestilencz,« der uns in ein paar
-gleichzeitigen Drucken, die zu Colmar und München bewahrt werden,
-erhalten ist[309]. Das ganze Schriftchen umfaßt 12 Quartblätter. Bl. 1a
-ist leer; Bl. 1b wird von einem prächtigen, alten Holzschnitt
-eingenommen, auf dem in sehr realistischer Weise ein Arzt dargestellt
-ist, wie er eben einen von der Beulenpest Befallenen kuriert. Wir geben
-dieses interessante Blatt vorstehend in 2/3 der Originalgröße wieder
-(Fig. 1).
-
-[Fußnote 309: Hain, Repertorium Bibliographicum Nr. 7220. Vgl. Keller,
-Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrhundert III. Bd. (Bibliothek des
-litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. XXX) S. 1272.]
-
-Bl. 2a folgt sodann ein kurzes Inhaltsverzeichnis, zugleich eine Art
-Vorwort, in welchem es u. a. ähnlich wie am Schlusse des Gedichtes
-heißt, daß der Autor seine Lehren deswegen »in reimen weis auf das alles
-kurczest begriffen« habe, damit »sein dest leychter gedacht vnd
-auswendig gelernt werd, dar durch die, welch nit erczt sint, yn vnd
-andern tröstlich sein mügen«[310].
-
-Die Einleitung auf Bl. 2b lautet:
-
- »IN lob der heiligen trinitat,
- zu er got jhesu, den vns hat
- gepert die küngin aller trön,
- von der man schreypt, sie sey gancz schön,
- der sey besunder das ein eer
- vnd allem himelischen heer,
- die pit wir vns zu pey gestan[311],
- auch well der heilg sebastian[312]
- vns hilfflich sein mit seiner gunst,
- ob zu vns neht der gifftig dunst
- oder die pestilenczisch plag,
- das wir vor sülcher nieder lag
- durch sein gepet versünet werden,
- alls er erworben hat auff erden,
- wer in heilgt, fast feyert vnd ert,
- das der werd vor der plag ernert.
- des heb ich an in seinem namen
- zu tröstung aller christen, amen.«
-
-Im Verlauf der nun folgenden Unterweisungen kann er zwar auch nicht
-umhin, der Ansicht, daß Fliehen das beste und sicherste Mittel gegen die
-Pest sei, Ausdruck zu geben:
-
- »fleuch pald, fleuch ferr, kum wider spot [_komm wieder spät_]
- das sint drey krewter in der not,
- für all apptecken vnd doctor«,
-
-indessen mit der Überlegung »doch mag yder nit flihen zwor« geht er dann
-alsbald dazu über, ausführlich und augenscheinlich mit nicht geringer
-Sachkenntnis darzulegen, welche Verhütungsmaßregeln man anwenden müsse
-und welche Mittel bei Ausbruch der Krankheit die wirksamsten seien. Eben
-darin unterscheidet er sich sehr wesentlich von dem Verfasser des vorhin
-behandelten, nur handschriftlich erhaltenen Gedichts, der, ohne Zweifel
-selbst nur wenig oder gar nicht pharmazeutisch geschult, sich zumeist
-damit begnügt, unter Berufung auf verschiedene »Meister« allgemeine
-Verhaltungsmaßregeln zu geben und einige Hausmittel anzuführen, während
-sich bei Hans Folz, dem Barbierer und Wundarzt, ganze Rezepte in Reime
-gebracht finden. Aus diesem Grunde wäre gerade diesem Gedichte gegenüber
-auch eine Würdigung vom pharmazeutischen Standpunkte aus wohl am Platze
-und würde gewiß der Mühe verlohnen, da sich aus einem eingehenderen
-Studium ohne Zweifel Manches ergeben würde, was unsere Kenntnis von dem
-damaligen Stande der medizinischen Wissenschaft zu fördern geeignet und
-insbesondere für die historische Heilmittelkunde von Interesse wäre. Mir
-muß eine Ausdehnung auf dies Gebiet selbstverständlich ganz fern liegen;
-ich werde bei dieser Arbeit lediglich von litteraturgeschichtlichen und
-bibliographischen Gesichtspunkten geleitet, und vor Allem kommt es mir
-darauf an, dem gleich zu besprechenden Büchlein seinen Platz in unserer
-Litteratur anzuweisen. Zuvor aber will ich noch den Schluß des Gedichtes
-mitteilen, wo sich Hans Folz bekanntlich[313] als Verfasser nennt. Er
-lautet:
-
-[Fußnote 310: Dieses und die folgenden Zitate nach dem Münchener
-Exemplar.]
-
-[Fußnote 311: Fehler im Satzgefüge, wie dieser, und andere
-Nachlässigkeiten, die zum Teil auf Setzerversehen zu beruhen scheinen,
-lassen vermuten, daß Hans Folz, wie verschiedene andere seiner Werke, so
-auch diesen Spruch von der Pestilenz selbst gedruckt habe.]
-
-[Fußnote 312: Der Schutzpatron der Schützen und Pestkranken.]
-
-[Bl. 11b]
-
- »also der siech geheylet wirt
- vnd auch erledigt von der swer.
- hie hat hans folcz barwirer
- aus der capitel samenung
- gesucht mit end vnd vrsprung
- von diser plag vnd ir erczney,
- vnd hat das durch sein fantasey
- gedicht gar in ein kurczes werck
- zu eren der stat nürmberck,
- vnd das dar vmb zu vers gemacht,
- das sein destleichter werd gedacht,
- vnd das die ding equaliter
- zu fassen seyen taliter,
- das yder doch ein stücklein merck,
- dar mit ein mensch das ander sterck.
- vnd wem die ler zu hilffe kum,
- den hofft der dichter also frum,
- das er got auch pit für seyn sel.
- got frey vns all vor helle quell
- A · M · E · N ·«
-
-Bl. 12a bietet dann wiederum zwei Holzschnitte, die offenbar aus
-Wolgemuts Werkstatt stammen, mit dem oben mitgeteilten aber an
-Genialität der Ausführung und Unmittelbarkeit der Wirkung nicht entfernt
-verglichen werden können. Sie stellen, als Gegenstücke gedacht und
-dementsprechend neben einander gestellt, die berühmten Ärzte Hypokrates
-und Galenus in ganzer Figur, jeden in einfachster architektonischer
-Umgebung und mit einer unbeschriebenen Bandrolle in den Händen, dar.
-Über Hypokrates steht:
-
-[Fußnote 313: Vgl. Hain a. a. O. Hain scheint aber die betreffende
-Stelle mißverstanden zu haben, da er unrichtigerweise eine
-Satzverbindung herstellt, aus der man schließen könnte, daß Hans Folz
-selbst von der Pest befallen gewesen, aber mit dem Leben davon gekommen
-sei. Das geht aus unserem Gedichte nicht hervor.]
-
- »Es werden fil me leüt versert
- von vbriger füll dan durch
- das schwert. Ipocras«
-
-über dem Bilde des Galenus liest man:
-
- »Sich hüten vor der fülerei
- ist die aller höchst ercznei.
- Galienus Mcccclxxxjj«,
-
-woraus wir also das Erscheinungsjahr des Gedichtes (1482) kennen lernen.
-
-Bl. 12b ist leer. --
-
-Wenn Hans Folz in seinem Spruchgedicht von der Pestilenz, wie wir
-gesehen haben, mehrfach hervorhebt, daß er die gereimte Form absichtlich
-gewählt habe, damit sich seine Lehren und Rezepte leichter dem
-Gedächtnisse einprägen möchten, so hatte er ohne Zweifel Recht mit dem
-Glauben, daß nur auf diese Weise der großen Masse des Volkes mit seinem
-Büchlein wirklich gedient sein könne. Hat doch das frühere Mittelalter,
-von demselben Gedanken geleitet, gelegentlich noch ganz andere Dinge in
-Reime gebracht, und verdanken wir doch noch heutzutage die schönen
-Schmalzischen Genusregeln, den kürzlich erschienenen ersten Teil einer
-gereimten Übertragung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches für das
-Deutsche Reich und so manches Andere der gleichen menschenfreundlichen
-Absicht. Aber Gefühl und Verstand der Gebildeten wird sich doch in der
-Regel gegen eine solche mechanische Lernweise sträuben, und gerade in
-der Zeit des erwachenden Humanismus und bei einem so schrecklichen
-Gegenstande, wie es die Beulenpest war, konnten Folzens Reime dem
-Geschmack der höheren Stände nicht entsprechen. Andererseits aber mußte
-man sich doch sagen, daß Folz mit seinem tüchtigen ärztlichen Wissen und
-der großen Popularität, deren er sich als Poet erfreute, der rechte Mann
-zur Abfassung verständiger und wirksamer Unterweisungen über die Natur,
-Verhütung und Behandlung der verheerenden Seuche sei. So ward denn der
-Dichter, kurz nachdem er sein Gedicht von der Pestilenz hatte in Druck
-ausgehen lassen, von Anton Haller, offenbar einem Angehörigen der
-bekannten Nürnberger Patrizierfamilie, aufgefordert, noch einmal und
-zwar in Prosa ein Traktätlein darüber abzufassen »von etlicher wegen,
-den das vngereimt pas gewon ist«; und dieser Bitte ist Hans Folz noch im
-selben Jahre in der That nachgekommen. Ein Exemplar seines Prosatraktats
-von der Pestilenz hat nun letzthin für die Bibliothek des
-historisch-pharmazeutischen Zentralmuseums erworben werden können,
-und da ich dieses Schriftchen weder in den einschlägigen
-litteraturgeschichtlichen Werken noch in den typographischen und
-bibliographischen Handbüchern irgendwo erwähnt gefunden habe, so
-verlohnt es sich wohl, über die neue Erwerbung an dieser Stelle etwas
-ausführlicher zu berichten.
-
-Es ist ein Heftchen von 16 Blatt in kl. 8o, mit genau denselben Typen
-und auf dem gleichen, vortrefflichen Papier (Wasserzeichen: Ochsenkopf
-mit Stande und Kreuz) wie das vorbesprochene Gedicht, und noch
-augenscheinlicher als dieses von einem Dilettanten, d. h. von Hans Folz
-selbst gedruckt. Bl. 1a enthält in vier kurzen Zeilen den Titel:
-
- »Item von der pestilencz ein hübsch
- nüczlich vnd kurcz begriffes trac
- tetlin getrukt im mcccc vnd in
- dem lxxxii iare hans folcz«
-
- [Illustration: Fig. 2.]
-
-Bl. 1b ist beifolgend in der Größe des Originals wiedergegeben (Fig. 2).
-Anstatt der Anrufung des heiligen Sebastian als des Schutzpatrons der
-Pestkranken, die sich in dem Spruchgedicht gleich zu Anfang findet,
-sehen wir hier einen ziemlich rohen Holzschnitt, das Martyrium des
-Heiligen darstellend dem Texte vorgedruckt. Dieser selbst ist in
-mehrfacher Beziehung von nicht geringem Interesse. Zunächst müssen wir
-noch einige Augenblicke bei dem Eingang verweilen, nach welchem oben
-bereits die kurze Entstehungsgeschichte des Werkes mitgeteilt worden
-ist. Folz nennt hier den Antonius Haller seinen »besundern guten
-freunt,« was uns, da an der Zugehörigkeit Hallers zum Patriziat der
-Stadt doch wohl nicht zu zweifeln ist[314], einen willkommenen Einblick
-in die gesellschaftliche Stellung Folzens, die eine recht angesehene
-gewesen zu sein scheint, gewährt. Nur nebenbei sei bemerkt, daß jener
-»Anthoni Haller« wahrscheinlich identisch ist mit einem anderen Haller,
-an den sich einmal der Schreiber eines Teils der Weimarer
-Fastnachtpielhandschrift Q 566, -- es handelt sich um eine Version von
-Folzens »Pharetra contra iudeos« -- in ein paar Zeilen wendet[315],
-woraus dann wohl die Identität jenes Schreibers mit Hans Folz gefolgert
-werden könnte[316]. Weiter aber ergiebt sich aus den Eingangsworten
-auch, wie bereits angedeutet wurde, ein Rückschluß auf das Ansehen,
-welches Folz als Arzt genoß. Und fürwahr, wer diese kernige Prosa liest,
-der wird sich der Einsicht, es mit einem bedeutenden Menschen, mit einem
-tüchtigen Charakter zu thun zu haben, nicht verschließen können.
-
-Zunächst wendet er sich -- vom Gedankengang des Gedichtes weicht der des
-Traktätleins erheblich ab -- gegen die, welche auch aus religiösen
-Gründen meinen, daß niemand durch menschliche Kunst der Seuche
-widerstehen, der Krankheit vorbeugen könne. Dann also, sagt Folz
-
- »hette got erczney vm sunst erschaffen, vnd also würden die erczt
- verlossen, vnd so hette auch salamon vergebes geret: ere den arczt
- vm deiner notturfft willen.« »Dar vmb«, heißt es später weiter,
- »so sech ein yder auff, wan sich selbs sol niemant verkürczen, so
- er doch nit weys, ob die erczney hilflich sein möcht oder nit,
- vnd ob er sie verliesse vnd müste sterben, möcht er in sich
- schlaen, sich selbs verkürczt haben.
-
- hie mit ich bewert will haben, fil peßer den arczat gesucht vnd die
- dötlich gifft geflohen, dan im selber des sterbes vrsach geben, so
- doch der mensch nicht dester minder got seinen willen heim
- seczt.«
-
-Nun folgen die Verhaltungsmaßregeln und Rezepte, die einer genaueren
-Prüfung und Würdigung zu unterziehen, ich wieder Anderen, solcher Sache
-Kundigen überlassen muß. Dabei geht es gelegentlich kräftig über die
-schlechten Ärzte und Quacksalber her, die nicht jeden einzelnen Kranken
-nach seiner besonderen Individualität behandelten:
-
-[Fußnote 314: Namentlich wegen des Zusatzes »eines regiments behütung
-vnd beschirmung halben«. In Biedermanns »Geschlechtsregister des
-Hochadelichen Patriciats zu Nürnberg« habe ich ihn allerdings nicht
-gefunden und neben der patrizischen existierte in Nürnberg auch eine
-bürgerliche Familie Haller.]
-
-[Fußnote 315: Diese Zeilen lauten nach Victor Michels, Studien über die
-ältesten deutschen Fastnachtspiele (QF. 77. Heft), Straßburg 1896 S.
-235: _Lieber haller jch habe fast geeilt vnd ser poeß geschriben pittue
-mir daz nit verunclimpfen vnd wo ir eß nit lessen konet So schickt nach
-mir oppffere mich euch vnd all den euren zw allen wolgefallen wegenn vnd
-potten allezeit vnvertrossen._]
-
-[Fußnote 316: Der Beweis dafür würde sich allerdings nur durch eine
-Vergleichung der Schrift des betreffenden Abschnittes in Q 566, die
-übrigens sehr verblaßt sein soll, mit der von Hans Folz geschriebenen
-ehemals Habelschen jetzt Conradyschen Sammlung seiner Gedichte erbringen
-lassen.]
-
- »wan sie weder die complex des krancken noch der kranckheit gancz
- kein vnter scheyt haben.
-
- vnd also leyt ein plinter den andern vnd fallen peid in die gruben,
- wen ich selbs einen gesehen hab, der mit einer purgaczen, die er
- yder man gab, sich selber schnel hin richtet.
-
- Sülch erczt dürfften eins eigen spitals oder kirchofs in einer stat.
- Aber ein weyser, fürsichtiger rot solt ob einem sülch sein vnd
- keinem rohen leyen fraw oder man besunder in der kunst vngeüpt
- des nit zu sehen, so es den wissende vnd lang erfaren schwer ist
- -- ich sweig, das von sülchen erczten mancher gichtig, vnsinig,
- contract, lam, auseczig oder in die hin faleden sucht felt oder
- an einer sülchen purgaczen pald erstickt. aber als man den
- schuster vm hosen flickens willn suchen wolt, also sucht man nun
- erczney pey pecken, plattnern, rotschmiden, goldsmiden vnd alten
- weybern vnd fil andern lant bescheissern, die ir ercznei mit
- dörechter zeignus der prif besteten weln, vnd das fil mer ist: so
- sucht man auch erczney pey den iüden, der es keinem erlaupt ist
- pei verwerffung aus irer sinagog, dan allweg den zehenden zu
- erdöten oder auf das minst erlemen oder eim ein gift ein zu
- füren, die sich über ein iar zwey, drew erst fint; do claupt auf
- die puczpirn«[317].
-
-Sodann werden 14 Präservativmittel angeführt und besprochen, hierauf
-noch die Symptome der Krankheit und endlich das Sterben des von der Pest
-Befallenen beschrieben:
-
- »Item die zeichen des dots sint: differ atem, begerung des kuln
- luffts, vmsleglung mit henden vnd füssen, groß angst, steti vnru,
- truckner munt, swercz der zungen, dürrer hust, endrung der
- vernunfft, kalter sweis, zeherung der augen, grosser graw, fil
- vndewung, scheissen vnd prunczen an das pet, schaumig stul,
- feucht oder schwarcz, heilstet suchen, kerung zu der wend, geher
- hunger, verswindung der aposten[318], vnsetiger durst, zitern dez
- pulß, swarczer prun -- dan gnad im got
-
- _A M E N_«
-
-Dieser Schluß des Tractats steht auf Blatt 16a. Bl. 16b ist leer, nur
-hat in unserem Exemplar eine gleichzeitige Hand noch einen frommen
-Spruch darauf geschrieben:
-
- »O angele meus
- Angelus dei
- plenus misericordie
- Miserere mei.«
-
-Auf Hans Folzens sonstiges Leben und Wirken werde ich demnächst an
-anderer Stelle Gelegenheit haben ausführlicher einzugehen.
-
-[Fußnote 317: »_do claupt auf die puczpirn_« augenscheinlich eine
-sprichwörtliche Redensart, deren Sinn indessen nicht ganz klar ist. Das
-Wort »Butzbirne«, eigentlich »Birne mit dem Butzen«, kommt gerade in
-derartigen Redensarten mehrfach in der Bedeutung von Prügel, Ohrfeige
-vor; vgl. Grimms Wörterbuch II, 588 unter Butzbirne, VII, 2282 unter
-Putzbirne. Also etwa: da hebt denn die Prügel auf, da bedankt euch denn
-für die Prügel.]
-
-[Fußnote 318: »_aposten_« eine Pluralbildung von apostema. apostem --
-Geschwulst.]
-
-_Nürnberg._
-
- _Th. Hampe._
-
-
-
-
- Eine Nürnberger Labyrinthdarstellung aus dem Anfange des 16.
- Jahrhunderts.
-
-
- I.
-
-Das germanische Museum erwarb für sein Kupferstichkabinet auf der
-Auktion der großen Bibliothek[319], die zum größten Teil aus der
-stattlichen Bücherei des gräflichen Schlosses Lobris in Schlesien
-stammte, ein fliegendes Blatt aus den ersten Jahren des 16.
-Jahrhunderts, das sowohl seines Inhalts als seiner Herkunft wegen einer
-eingehenden Publikation würdig ist.
-
- [Illustration: Fig. 1.]
-
-Der doppelseitig bedruckte Bogen in Folio enthält auf drei Seiten über
-je einer Labyrinthdarstellung, die verschiedene Form, nämlich die eines
-Quadrates, eines Dreieckes und eines Kreises (vgl. die Abbildungen, die
-in der Hälfte der Originalgröße hier wieder gegeben sind) mit
-figürlichen Zuthaten zeigen, einen zweispaltigen lateinischen
-Distichentext; die vierte Seite ist mit zweispaltigem lateinischem
-Prosatexte bedruckt. Sowohl äußere Gründe, die Typen, die
-Holzschnittmanier und dessen Stil, als auch andere positive Fingerzeige,
-wie Namen von nachweisbaren Persönlichkeiten, weisen auf Nürnberg als
-den Entstehungsort des meines Wissens bisher unbeschriebenen und
-unbekannten Blattes hin. Es entstammt den dortigen Humanistenkreisen und
-bietet den Anlaß zu interessanten Beobachtungen aus denselben.
-
-[Fußnote 319: Auktionskatalog von Ludwig Rosenthals Antiquariat in
-München. Auktion 22. April 1895, Nr. 1182. Der Preis betrug 86 M. Herr
-Ludwig Rosenthal hatte die Liebenswürdigkeit, dem Museum die hier
-folgenden Abbildungen aus dem Katalog geschenkweise zu überlassen.]
-
-Zuerst folge eine genaue Reproduktion des Textes.
-
- [Illustration: Fig. 2.]
-
- _Figura Labyrinthi._
- Sebastianus Calcidius at lectorem.
-
- Ut varios flexus Labyrinthique ianua cernis
- Tensas multiplici tramite late vias
- Cernis et anfractus fallaci ambage recuruos
- Qui faciles gressus explicitosque negant
- Sic iaculis feriet blandus quem forte cupido
- Ducit in errores innumerosque dolos
-
- Que si vitassent multorum corda virorum
- Mars non strauisset sanguinolenta manu
- Non tot prodissent armate ex Aulide classes
- Non viribus danaum diruta Troia foret
- Sic qui tranquillam gestis traducere vitam
- Inceste veneris noxia tela fuge.
- Uive memor leti.
-
- (Hierunter steht im Originale Fig. 1.)
-
- Figura Labyrinthi
- Sebastianus Calcidius des Basilisco
-
- Debilis heu nimium subtili pendula filo
- Mortalis vita est / vndique pressa malis
- Mille habet hec postes: quibus est seuicia leti
-
- Usque adeo variis tradita plena modis
- Sybilo adest testis rauco terrens basiliscus
- Uiroso afflatu statim queque necans
- Uive memores leti.
-
- (Hierunter steht Fig. 2.)
-
- _Figura Labyrinthi._
-
- Joannes Stabius Austriacus
- ad labyrinthi inspectores.
- Dum varios flexus dum multiplices labyrinthi
- Conspicis errores / innumerasque vias
- Te vite humane cursum / seriemque / laborem /
- Et tristes curas / cernere cuncta puta
- Sic cum leticia / metu / spe / cumque dolore
- Optima queque dies / et mala queque fugit
- Flexibus ex illis queris / qui euadere possit
- Silua Achademie / quem fouet / ille potest
- Comite virtute / duce sapientia.
-
- Andreas Kunhofer Nurmbergensis ad eundam.
-
- Qui vacuus monstris / labyrinthi tutus in omnes
- Se recipit flexus / multiplicesque dolos /
- Egressu facili superat quia lumina cuncta /
- Omnia virtuti peruia namque patent
- Ast amor inuisus / thaurus / prolesque biformis
- Cui quatiunt mentem / cui quoque monstra prenunt
- Incidot errores varios / variosque rotatio
- Uoluitur in preceps / et mala multa subit
- Patere et sustine.
-
- (Hierunter steht Fig. 3.)
-
-Die vierte Seite nimmt ein Brief des bekannten Humanisten Johannes
-Stabius ein, den derselbe ans Ingolstadt »diuersorio nostro litterario«,
-wo er lehrte, »dem doctissimo ac integerrimo viro domino Conrado
-Hainfogel, Nurembergen, arcium et philosophie magistro«, sandte. Er
-bezieht sich zuerst auf die während seines Nürnberger Aufenthaltes
-gepflogenen humanistischen Studien und Interessen und führt dann sein
-Vorhaben aus, die Ansichten der hervorragendsten Autoren über das
-zwischen ihnen öfters besprochene Labyrinth dem Freunde mitzuteilen und
-dies kurze Blatt, dem Illustrationen beigegeben seien, zu widmen. Auf
-diese Einleitung folgt die Aufzählung der vier Labyrinthe, die Plinius
-in der historia naturalis kennt, nämlich das ägyptische, das kretische,
-das leonische und das italienische, in dem König Porsenna beigesetzt
-sein soll.
-
- [Illustration: Fig. 3.]
-
-Eine historisch-antiquarische Zusammenstellung der Notizen des Plinius,
-Herodot, Strabo, Diodorus Siculus und Virgilius bildet den Beschluß des
-Briefes, der in »Florentissima Achademia Ingelstadiensi« geschrieben
-wurde.
-
-»Andreas Kunhofer Nurmbergensis« ist uns sonst nur noch aus den Briefen
-Dürers aus Venedig bekannt. Er ist offenbar ein Nürnberger, wohl ein
-Verwandter des Konrad Kunhofer[320], der 1424 zu Rom war, 1426 zu
-Nürnberg dem Herzog Johann von Bayern, Graf Ludwig von Oettingen und den
-Priestern auf dem Heilthumsstuhle die Reliquien zeigen half. In einem
-Verzeichnis der alten Nürnberger Juristen wird er aufgeführt als: »a
-1427. Meister Cunrad Kunhofer unser Jurist«. Ferner war er Pfarrer zu
-St. Lorenz, Dr. dreier Fakultäten und Stifter des ältesten bekannten
-Stipendiums (1445) für je einen Theologen, Juristen und Mediziner. 1452
-stiftete er ein Fenster im Chor von St. Sebald (das fünfte rechts),
-dessen Zeichnung nach Thode (S. 117) vielleicht auf eine Zeichnung von
-H. Pleydenwurff zurückgeht. Andreas Kunhofer, der »Endres Kunhoffer«
-Dürers in seinen venezianischen Briefen, wird in denselben, verschiedene
-Male genannt. So schreibt Dürer unter dem 28. Februar 1506 an Wilibald
-Pirkheimer (Lange-Fuhse S. 24, 19): »Lieber Herr, Euch läßt Endres
-Kunhoffer sein Dienst sagen. Er wird Euch itzt bei dem nächsten Boten
-schreiben«. Dasselbe schreibt er unter dem 8. März 1506 (Lange-Fuhse 26,
-25). Er erwähnt da einen Brief Kunhofers an Pirkheimer, der letztern
-bitten will, »ihn gegen die Herren (d. h. den Rath) verantworten, so er
-nit zu Badow (Padua) wil beleiben. Er spricht, es sei der Lehr halben
-ganz nix für ihn.« Am 25. April meldet er dem Freunde, daß »Kunhofer
-todtlich krank ist« (Lange-Fuhse 30, 32). Die Hauptstelle aber enthält
-das Postscriptum des Briefes vom 18. August 1506 (Lange-Fuhse 33, 10
-ff.) die hier folgt: »Item Endres ist hie, läßt Euch sein willig Dienst
-sagen, ist noch nit am schtärksten, hat Mangel an Geld. Warn sein lange
-Krankheit und Verschuld hat ihms alls gfressen. Ich hab ihm selbs acht
-Dukaten geliehen. Aber saget Niemands davon, daß es ihm nit fürkomm. Er
-mecht sunst gedenken, ich thäts aus Mistreu: Ihr sollt auch wissen, daß
-er sich also eins ehrberen weisen Wesens hält, daß ihm Jdermann wol
-will.«
-
-[Fußnote 320: Roth. Verzeichniß aller Genannten d. größeren Raths. 1802.
-S. 32. Dipt. Laurent. in der Beschrbg. der Lorenzer Kirche S. 35 f.
-Waldau, Nürnberger Zion S. 21 f. Siebenkees Mat. Bd. II. 661. Literar.
-Blätter II. 304. Lochner, Die Personennamen in Albrecht Dürers Briefen
-aus Venedig. S. 37. Die im Nürnberger Stadtarchiv aufbewahrten Libri
-litterarum bringen ebenfalls verschiedene Male den Namen, so einen
-Cunhofer 1492, so einen Fritz Künhofer von Unterrüsselbach in den Jahren
-1492 und 1493.]
-
-Ob Andreas Kunhofer thatsächlich auf dem Rosenkranzbilde mit abgebildet
-ist, wie Neuwirth in seiner Studie angibt, kann nicht entschieden
-werden. Aber soviel geht aus den Briefen und aus den Distichen des
-Labyrinthflugblattes hervor, daß Kunhofer kein Handwerker war, wie
-Thausing (L 377.) annahm, sondern offenbar ein junger Gelehrter und
-wahrscheinlich ein Jurist war, der aus dem Nürnberger Humanistenkreise
-stammte und seine Studien in Padua fortsetzte, offenbar allerdings nicht
-zu seiner Zufriedenheit. Seine wahrscheinliche Verwandtschaft mit dem
-gelehrten obenerwähnten Konrad Kunhofer ließe ebenfalls eher auf einen
-Akademiker als einen Handwerker schließen.
-
-Über Sebastianus Calcidius war nichts, über Konrad Hainfogel nichts
-bestimmtes zu eruiren. Daß Hainfogel Nürnberger war, geht aus der
-Apostrophe des Johannes Stabius hervor. Außerdem treffen wir den Namen
-verschiedene Male in den Geschichtsbüchern der Stadt, den libri
-litterarum, welche das städtische Archiv aufbewahrt. So verkauft der
-Priester Konrad Haynfogel, der also offenbar mit dem unsrigen identisch
-ist, im Jahre 1492 aus einer am Markte liegenden Behausung 2 fl.
-Eigenzins (L 8. 22b). Derselbe verkauft 1493 eine Badestube am weißen
-Thurm mit Nebenhaus an Gerhaus Fuchs (L 9. 241b); diese Badestube hatte
-er in demselben Jahre dem Erhart Wagner abgekauft (L 9. 172). Wir können
-also annehmen, daß dieser offenbar begüterte Priester Hainfogel, ebenso
-wie Kunhofer, dem Nürnberger Humanistenkreise angehört hat, der in den
-letzten Jahren des 15. Jahrhunderts blühte und die glänzendsten Namen zu
-den seinen zählen durfte, so einen Conrad Celtes und einen Johannes
-Stabius[321], der als Mitglied der von Celtes begründeten Sodalitas
-Renana und Danubiana sicher öfters zu Nürnberg war. Einen direkten
-Beweis dafür enthält ja auch sein Brief an Hainfogel. Seit dem Jahre
-1498 höchstwahrscheinlich lehrte er in dem nicht zu entfernten
-Ingolstadt, das er im Jahre 1503 mit dem Lehrstuhl an der Wiener
-Hochschule vertauschte. Später als kaiserlicher Historiographus schrieb
-er ja den lateinischen Text zur »Ehrenpforte« des Kaiser Maximilian und
-im Jahre 1515 gab er, wieder im Verein mit Albrecht Dürer, eine
-Weltkarte heraus. Seine Beziehungen zu Nürnberg, sowohl die
-litterarischen, als die künstlerischen, haben lange bestanden und waren
-immer rege geblieben, denn sowohl der Druck als die Illustrationen des
-in die Jahre 1500-1502 fallenden Labyrinthflugblattes sind Nürnberger
-Ursprungs, wie die folgende Untersuchung erweisen wird.
-
-Eine kurze Entwicklungsgeschichte der Ikonographie der
-Labyrinthdarstellungen aus der Antike durch das Mittelalter bis zur
-Neuzeit wird sich in Artikel II anschließen. Sie soll einen Überblick
-geben über die verschiedenen Deutungen und Darstellungen und wird eine
-Lücke ausfüllen, da sie in dieser Fassung bisher fehlte.
-
-[Fußnote 321: Vgl. Krones in der Allgemeinen Deutschen Biographie XXXV
-S. 337, wie weitere Literatur, ferner Prantl, Geschichte der
-Ludwig-Maximiliansuniversität in Ingolstadt, Landshut etc. I. S. 137;
-vgl. auch II. 486 Nr. 16.]
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _Edmund Braun._
-
-
-
-
- Notiz über Dürer aus den Nürnberger Ratsprotokollen.
-
-
-Für Dürers Verhältnis zu dem Rate seiner Vaterstadt ist ein Ratsverlaß
-aus dem letzten Lebensjahre des Meisters recht bezeichnend, der hier,
-ohne der Waschzettellitteratur der Goetheforschung oder Allers' Bismarck
-im Schlafrock und ähnlichen Unternehmungen, deren Ziel es ist, uns die
-großen, siegenden Geister unserer Nation »menschlich näher zu bringen«,
-irgendwie Konkurrenz machen zu wollen, wiedergegeben sei:
-
-[Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] _Tercia 18. Junj 1527:_
-
-Albrecht Durern sagen man sey Ime mit guetem willen geneigt, aber seyns
-heymlichen gemachs halb konn man es nit anders gegen Ime halten dann
-andern.
-
-Aber so pald er die straff entricht sol man Ime dj widergeben.
-
-_Nürnberg._
-
- Burgermeister Junior
- _Th. H._
-
-
-
-
- Aus der Plakettensammlung des germanischen Nationalmuseums.
-
-
- II.
-
-Im ersten Artikel habe ich bereits beiläufig die in Weimar befindliche
-Plakette eines Meisters erwähnt, der seine Vorbilder bei Jost Amman
-sucht, die Selbständigkeit der Composition aber sich zu wahren bestrebt
-ist. Das germanische Museum besitzt 7 Plaketten dieses Meisters, den ich
-den »Meister der Jagdscenen« nennen möchte, da der weitaus größte Teil
-seiner Darstellungen eben Jagdscenen sind und es mir nicht gelungen ist,
-irgend einen Anhalt für die Person des Künstlers zu gewinnen. Nur so
-viel kann man wohl vermuten, daß er Nürnberger war. Sein Stil ist ganz
-flötnerisch, jedoch bereits ausgestattet mit den Übertreibungen, die wir
-bei H. G. kennen gelernt haben, dessen Zeitgenosse er (eine Plakette
-trägt die Jahreszahl 1580) war. Indessen ist weder seine technische
-Fertigkeit, noch seine künstlerische Bedeutung mit der des H. G. zu
-vergleichen. Er ist in jeder Beziehung abhängiger und unbeholfener.
-Seine Hintergründe ähneln denen des H. G., das Wasser stellt er dar
-durch zarte, ziselierte Wellenlinien, der Boden ist in maßvoller Weise
-mit Gräsern bedeckt. Auch er hat eine Vorliebe für Weiden mit
-herabhängendem Laubwerke, die in gleicher Weise, wie bei Flötner und H.
-G. behandelt sind; seine übrigen Bäume aber, besonders diejenigen, die
-weiter im Vordergrunde stehen, zeigen eine so eigenartige Technik, daß
-sie allein schon auf den ersten Blick unsern Meister verraten. Das
-Laubwerk wird dargestellt durch einzelne wagerechte, parallel laufende
-Schuppenreihen, die dem Baume ein mosaikartiges Aussehen verleihen.
-Diese Schuppenreihen werden zu einzelnen Gruppen vereinigt, die, meist
-durch kurze Zweige mit einander verbunden, den Baum in verschiedene
-Etagen einteilen. Künstlerisch betrachtet macht natürlich eine in der
-Weise zusammengestellte Baumkrone einen höchst primitiven,
-handwerksmäßigen Eindruck. -- Die Personen tragen meist das Kostüm der
-zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die schlanken, hohen, bisweilen
-etwas steifen Gestalten gleichen denen des Jost Amman.
-
-Von den 6 Jagdscenen gehören je drei zu einer Gruppe. Die Plaketten der
-ersten verjüngen sich nach unten und sind mit einer kartuschenartig
-verzierten Umrahmung versehen. Beide haben offenbar als Vorlagen zur
-Verzierung von kleinen truhenartigen Kästchen gedient.
-
- _Jagdscenen._ I. _Gruppe_. Br. 0,094-0,089 m., H. 0,057 m.
- Bleigüsse.
-
- 1) Hasenjagd. K. P. 901. Katal. 537.
-
- Links eine von rückwärts gesehene Frau, nach rechts reitend. Vor
- ihr steht ein Jäger, der einen erlegten Hasen an den Hinterläufen
- emporhält. Zu seinen Füßen; ein Hund. Rechts ein Jäger, der in
- der Linken Barett und Speer hält. Tracht der zweiten Hälfte des
- 16. Jahrhunderts. Oben in der Mitte der Umrahmung Engelskopf.
-
- Dieselbe Plakette in Bronze: Collektion Spitzer Bd. IV, S. 151,
- Nr. 93. Die Verjüngung ist nicht erwähnt, geringe Größenabweichungen
- sind auf das Beschneiden der Bleiplakette zurückzuführen. (Ich
- will an dieser Stelle bemerken, daß ich bei den Messungen den
- überstehenden unornamentierten Rand der Plakette nicht mitmesse.
- Bei jedem einzelnen Nachguß ergeben sich ganz naturgemäß schon
- durch das Bestreichen der nassen Form kleine Abweichungen). Bleiguß
- in Kassel.
-
- 2) Hirschjagd. K. P. 1913. Katal. 538. Tafel II.
-
- Ein Hirsch, eine Hindin und ein Hase eilen von links her gegen
- ein in Schlangenlinien die Mitte der Plakette durchziehendes
- Fangnetz, das im Vordergrunde von einem Baume begrenzt wird.
- Rechts zwei Jäger, deren einer auf einem Baumstumpf sitzt und in
- der Rechten einen Jagdspeer hält. Neben ihm sitzt ein Hund. Oben
- in der Mitte der Umrahmung gekrönter bärtiger Kopf. Bleiguß in
- Kassel.
-
- 3) Jagd. K. P. 471. Katal. 540.
-
- Ein Reiter, der in der vorgestreckten Rechten eine Pistole hält,
- galoppiert nach rechts, von zwei Hunden begleitet. Weiter im
- Hintergrunde eilt ein Jäger mit Horn und Speer, ebenfalls in
- Begleitung von zwei Hunden, nach rechts. Oben in der Mitte der
- Umrahmung Frauenkopf.
-
- II. _Gruppe_. Br. 0,09 m. H. 0,043 m. Bleigüsse.
-
- 1) Kyparissus. K. P. 898. Katal. 534.
-
- Kyparissus erlegt durch einen Pfeilschuß den am Boden liegenden,
- mit einem Perlenhalsband geschmückten Hirsch, in dessen Geweih
- ein Tuch geknüpft ist (Ovid, Metam. 10, 111 ff.). Im Hintergrunde
- links eine von der Hüfte abwärts bekleidete Gestalt mit
- emporgehobenem rechtem Arm (Apoll?) und ein nach rechts
- galoppierender Jäger mit geschwungenem Jagdspeer, von zwei Hunden
- begleitet. Rechts ein Mann, der pflügt, und einer, der säet.
-
- 2) Bärenjagd. K. P. 899. Katal. 535.
-
- Von links galoppiert in Begleitung eines Hundes ein Reiter heran
- mit dem Schwert in der Rechten. Dem Hintergrunde zu ein Jäger mit
- Netz über der Schulter. Rechts greifen drei Jäger mit Speer,
- Säbel und Bogen einen Bären an, der bereits gegen vier Hunde,
- deren einer überwunden am Boden liegt, kämpft. Im Hintergrunde
- rechts sucht ein junger Bär (?) einen Baum zu erklimmen.
-
- 3) Falkenbeize. K. P. 900. Katal. 536.
-
- Links im Vordergrunde steht ein von rückwärts gesehener Jäger,
- der auf seiner linken Hand einen Falken trägt: neben ihm zwei Hunde.
- Rechts ein Reiter, der einen Falken steigen läßt, außerdem zwei
- Jäger, deren einer einen Hasen in der Linken trägt. In der Mitte
- ein Falke, der einen Hasen ergriffen hat. Dahinter ein nach rechts
- galoppierender Reiter mit Schwert in der Rechten. Drei fliegende
- Falken. Kornfeld.
-
- III. Susanna. K. P. 462. Katal. 611. Oval, H. 0,045 m., Br. 0,039 m.
- Bleiguß. Tafel II.
-
- Die nackte Susanna sitzt unter einem Baume in einem Bassin, die
- Füße im Wasser. Sie hat den Kopf nach rechts gewandt, den gekrümmten
- linken Arm zur Abwehr erhoben. Von rechts und links wird sie von
- den beiden Alten angegriffen. Links im Vordergrunde ein kleiner
- Hund. An dem Bassinsteine rechts die Jahreszahl 1580. Gezahnter
- Rand.
-
-Während der Meister der Jagdscenen wenigstens in Bezug auf Komposition
-Selbständigkeit sich wahrt, begibt sich der Monogrammist L+D in
-sklavische Abhängigkeit von seinem Vorbilde. Auch er gehört der jüngeren
-Nürnberger Richtung an. Nagler (Monogr. Bd. IV, S. 332, Nr. 1015) deutet
-das Monogramm auf Leonhard Danner, einen Nürnberger Mechaniker, der von
-1497-1585 lebte, und die Art der bei den Plaketten von L+D angewandten
-Technik scheint diese Deutung zu unterstützen. Das übertrieben hohe
-Relief, die kräftige harte, aber außerordentlich sichere Formengebung
-weist entschieden auf eine schwere Hand, die in sprödem Material zu
-arbeiten gewohnt ist. Zur Sicherheit würde diese Vermutung, wenn es sich
-bestätigt hätte, daß eine im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche Uhr
-(cf. R. Fischer, historisch-kritische Beschreibung der Kunstkammer in
-dem Neuen Museum zu Berlin. 1859. S. 15, Nr. 1440), die mit Plaketten
-von L+D geziert ist, auch wirklich von L. D. angefertigt wäre. Das
-scheint indessen nicht der Fall zu sein, denn nach brieflicher
-Mitteilung des Herrn Geheimrat Lessing sind die Plaketten auf der
-Tafeluhr nicht völlig identisch mit den Bleigüssen. »Sie sind sehr
-energisch ziseliert und hierbei können die an sich kleinen Abweichungen
-entstanden sein. Sie sind viel gröber als die Bleigüsse und haben keine
-Marke.«
-
-Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein, der große
-technische Probleme in seinem Hirne wälzte, ohne es zu verstehen, seine
-Fähigkeiten zur Verbesserung seiner äußeren Lage zu verwenden. Erst im
-letzten Drittel seines Lebens wurde er bekannt und berühmt durch seine
-Maschinen. So wenigstens ist wohl der Vers, der auf seinem Grabe sich
-fand, zu verstehen (s. Neudörffer, ed. Lochner S. 54):
-
- »Seht an die einfältig Gestalt,
- Doch sinnreichs Verstand und ward alt
- Acht und achtzig Jahr hatt sein Alter,
- Seine Bekannten hießen ihn Bettler,
- War allzeit dienstwillig Jedermann
- Durch sein Werk ward bekannt der Mann,
- Darnach verlangt ihn zu sterben,
- In Hoffnung das ewig Leben zu erben.«
-
-Gulden, Neudörffers Fortsetzer (s. Ausg. Lochner S. 213, Nr. 14)
-berichtet über ihn: »Hat das Schraubwerk, wie auch den Druckzeug in
-Holz, allerlei Figuren künstlich zu drucken, erfunden,« Doppelmayr S.
-294: »Ein Mechanicus, war ebener massen, wie sein Bruder Hanns Danner,
-wegen geschickter Zubereitung groser Hebzeuge und starcker
-Schrauben-Wercke, wozu ihme seine ordentliche Profession des
-Schrauben-machens Anlaß gabe, wohl bekandt und berühmt. Er erfande um A.
-1550 eine Maschine, die er die Brech-Schraube (davon die 4. und 5. Figur
-in der XIII. Kupffer-Tabellen zweyerley Gattungen, und zwar die letzte
-eine geringere, zeiget) benennte, und zur Ausübung übermässigen Forcen
-brauchte, da er mit Beyhülffe derselben die dicksten Mauren von Thürnen
-und andern Gebäuen zu brechen und über einen Hauffen zu werffen vermögt,
-gleichwie er so wohl in Nürnberg A. 1558 an einer starcken Thurn-Mauren,
-als ausserwärts an denen dicksten Mauren alter Gebäue, seine Proben
-rühmlichst erwiesen. Erst bemeldte Invention gabe ihm auch Anlaß, daß er
-die messinge Spindeln zu mehrerer Beförderung der Buchdruckerey, dabey
-ein Drucker alsdann nur seine halbe Stärke anzuwenden hatte, am ersten
-bey dergleichen Pressen gantz glücklich angebracht. Starb A. 1585 in dem
-88. Jahr seines Alters.«
-
-Eine auf ihn geprägte Medaille ist bei Doppelmayr Taf. XIV abgebildet.
-Sie zeigt ein kurzes breites Gesicht mit starker Nase, in dem nur die
-großen Augen den sinnenden Geist verraten. Die Umschrift: »Leonhart
-Danner. Æ. S. 54. A. 1561« enthält einen Irrtum, der wahrscheinlich auf
-den Stecher zurückzuführen ist. Statt 54 muß es heißen 64, wie auch in
-der darunter befindlichen Abbildung der Jamnitzer-Medaille aus 1563 1503
-gemacht wurde. Daß der Mechaniker und Maschinenbauer auch Plaketten
-gearbeitet habe, kann bei der außerordentlichen Vielseitigkeit, durch
-die die meisten Nürnberger Künstler sich auszeichnen, nicht auffallen.
-Vielleicht gehört diese Art der Thätigkeit vor die Zeit, die ihn mit
-großen Maschinenplänen beschäftigte. Ob unser L. D. identisch ist mit
-dem Künstler, dessen Monogramm auf dem Holzmodell zu der Medaille eines
-Anthonius Sanftl vom Jahre 1545 (s. Erman, Deutsche Medaill. S. 48) in
-der k. Sammlung zu Berlin sich befindet, muß ich dahingestellt sein
-lassen, da ich das Stück nicht gesehen habe.
-
- [Illustration]
-
-Das germanische Museum besitzt von L+D 4 Plaketten, die nach
-Kupferstichen H. S. Behams, und 3, die nach Stichen Aldegrevers
-gearbeitet sind. Charakteristisch sind die kräftig hervortretenden,
-stark verästeten Bäume deren Stämme meist eine wagerechte Riefelung
-zeigen. Die Arbeiten nach Beham weichen nur in geringen Kleinigkeiten
-von dem Stiche ab, die nach Aldegrever sind stark verkleinert und rund;
-der Hintergrund ist bei den letzteren selbständig behandelt: er ist mit
-der bekannten Phantasielandschaft ausgestattet. Das Monogramm des
-Stechers fehlt auf den Plaketten stets. Da die Stiche sämtlich dem Jahre
-1540 angehören, so haben wir in diesem Jahre den terminus a quo für die
-Entstehungszeit der Plaketten.
-
-[Illustration: Taf. III.
-
-Aus der Plakettensammlung (II).]
-
-I. Der verlorene Sohn. K. P. 452. 225-227. Katal. 443-446. H.
-0,051-0,054 m. Br. 0,087-0,09 m. Bleigüsse. Nach den Stichen H. S.
-Behams. B. 31-34.
-
- 1) Abschied. Aufschrift in erhabenen großen lateinischen Lettern:
- Pater da mihi porcionem substancia quæ ad me redit.
-
- 2) Das Gastmahl. Bezeichnet: L+D. Aufschrift: Dissipavit substanciam
- suam vivendo luxuriose. Luce. XV.
-
- 3) Der Sauhirt. Aufschrift: Cupiebat implere ventrem suum de
- siliquis. Luce. XV. (Tafel II).
-
- 4) Rückkehr. Aufschrift: Filius meus mortuus erat, et revixit,
- perierat, et inventus est. Luce. XV.
-
-Abschied (1) und Rückkehr (4) Collektion Spitzer Bd. IV, S. 149 Nr. 34
-und 83, Bronze, mit Rand, ohne Aufschriften. -- Gastmahl (2) und
-Rückkehr (4) Kunstgewerbemuseum in Berlin, Bleigüsse. Nagler, Monogr.
-IV, S. 332 Nr. 1015 ist (nach Mitteilung des Herrn Geheimrats Lessing)
-dahin zu berichtigen, daß »Die Rückkehr« das Monogramm L+D nicht hat. --
-Ein Gipsabguß der »Rückkehr«, der auf keine der genannten Plaketten
-zurückgeht, befindet sich im germanischen Museum, es läßt sich aber
-leider nicht feststellen, von welchem Original er genommen ist. Es
-scheint ein Buchsrelief zu sein.
-
- [Illustration]
-
-II. Evas Schöpfung. K. P. 447. Katal. 451. Durchm. 0,043 m. Bleiguß.
-Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 1.
-
-III. Sündenfall. K. P. 854. Katal. 452. Durchm. 0,043 m. Bleiguß.
-Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 2.
-
-IV. Adam und Eva. K. P. 448. Katalog 453. Durchm. 0,043 m. Bleiguß.
-Verkleinerte Nachbildung des Stiches von Aldegrever B. 6. (Tafel II.)
-
-Die Darstellungen II-IV sind wahrscheinlich auf Brettsteine
-zurückzuführen. Während der Korrektur des vorliegenden Aufsatzes hatte
-Herr Direktor Bösch die Güte, mich auf einen, soeben von ihm für das
-Museum angekauften Brettstein von Leonhard Danner aufmerksam zu machen.
-Der Stein (Durchm. O,045 m.) bietet sich dar als »Empfehlungskarte« in
-modernstem Sinne. Die Vorderseite zeigt in der Mitte eine Tanne
-(Anspielung auf den Namen Danner), umrahmt von einem Blätterkranze. Die
-Umschrift (in großen, erhabenen lateinischen Buchstaben) lautet:
-»Leinhart Daner zv Nvrenberg.« Auf der Rückseite befindet sich,
-ebenfalls von einem Blätterkranze eingefaßt, ein Hobel und unter ihm
-zwei kreuzweis übereinander liegende Schrauben. Umschrift: »Schreiner
-vnd Schravfenmacher.« Der Brettstein ist gepreßt, wir haben es also mit
-einem fabrikmäßig hergestellten Gegenstande zu thun, der wahrscheinlich
-dutzendweise gefertigt und auf den Markt gebracht wurde, so daß er für
-das künstlerische Können Danners keinen Beweis liefern, die Hypothese
-also, daß das Monogramm L. D. auf der Plakette mit »Leonhard Danner«
-aufzulösen sei, nicht unterstützen kann.
-
-Zeigten die Werke der Meister, die wir bisher betrachtet haben, eine
-bestimmte technische und stilistische Verwandtschaft, die man als Schule
-Flötners bezeichnen könnte, so mögen jetzt zwei Plakettenserien folgern,
-deren Schöpfer eine selbständigere, originellere Stellung einnehmen.
-
-Die Plaketten des einen Meisters, der den besten deutschen aus der
-zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die Seite gestellt werden muß,
-sind mit Ausnahme einiger Körperteile der Hauptfiguren in ziemlich
-flachem Relief gehalten, sodaß schon aus diesem Grunde der Hintergrund
-weniger energisch hervortritt und das Augenmerk ungeteilt an die im
-Vordergrunde zur Darstellung gebrachte Scene gefesselt bleibt. Die Bäume
-zeigen eine völlig andere Technik, als die Flötnerschen. Sie sind
-weniger plastisch, sondern breit, malerisch behandelt. Die Wolken werden
-nur schwach, oft durch Spiralen, angedeutet. Vorzüglich aber ist die
-Darstellung der schlanken, eleganten Personen mit ihren lebhaften und
-graziösen Bewegungen. Die nackten Körper sind ausgezeichnet modelliert,
-bei den bekleideten liegt die antike Tracht so eng an, daß man ebenfalls
-jede Muskel und jede Linie des Fleisches erkennen kann. Die Arbeiten
-erinnern an die besseren Schnitte Virgil Solis. Diesem Meister weise ich
-folgende Plaketten unserer Sammlung zu:
-
- 1) Hirschjagd. K. P. 897. Katal. 532. Br. 0,113 m., H. 0,05 m.
- Bleiguß. Tafel II.
-
- Links Hirsch von drei Hunden angefallen, deren einen er aufspießt.
- Von rechts reitet ein Jäger an in antikem Kostüme, in der Linken
- den Jagdspeer schwingend. Rechts im Hintergrunde enteilt nach
- rechts eine Hindin, in der Mitte ein Jäger mit Horn und Lanze,
- nach links laufend. Der Schwanz des einen Hundes links ragt über
- den Rand hinaus.
-
- 2) Löwenjagd. K. P. 896. Katal. 533. Br. 0,118 m., H. 0,051 m.
- Bleiguß.
-
- Rechts wird ein Löwe von vier Hunden angegriffen. Einer liegt
- bereits überwunden unter ihm. In seinem Genick sitzt ein Pfeil.
- Von links kommt ein mit antikem Helm bedeckter, sonst nackter
- Reiter angesprengt, von einem Tuche umwallt, in der Rechten einen
- Säbel haltend. Neben dem Gaul läuft ein Hund. Mitten im Hintergrunde
- nach rechts eilend ein Jäger mit gespanntem Bogen.
-
- 3) Vulkan, Amor Pfeile schmiedend. K. P. 864. Katal. 592. Oval.
- Br. 0,085 m., H. 0,107 m. Bleiguß.
-
- Links, vor der Esse, sitzt Vulkan, hält in der Rechten in Lendenhöhe
- den Hammer, in der Linken einen Pfeil, der auf dem Ambos
- aufliegt. Rechts Venus, stehend, nackt, mit der Linken ein Tuch
- auf der Brust haltend, die Rechte gegen Vulkan vorgestreckt. An
- ihr rechtes Bein lehnt sich der nackte Amor, der in der Rechten
- den Bogen trägt. Links im Vordergrunde am Boden ein Helm, rechts
- am Ambos ein Hammer. Hintergrund: Flußlandschaft, Brücke, Berge,
- Bäume, antike und ruinenhafte Architektur.
-
- Die Plakette ist beschnitten. Das Original, Bronze, ist viereckig.
- S. »Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche.« Berlin
- 1888. (Königl. Museen zu Berlin) S. 238, Nr. 1071. Abb. Taf.
- XLVIII. Molinier, Les Plaqu. No. 599.
-
- 4) Aktäon. K. P. 869. Katal. 578. Oval. Br. 0,107 m., H. 0,077 m.
- Bleiguß. Tafel II.
-
- Diana, die sich mit drei Nymphen links im grottenartigen Bade
- befindet, besprengt mit ihrer Rechten, während die Linke ein Laken
- vor die Scham hält, Aktäon mit Wasser. Sein Haupt ist bereits in
- einen Hirschkopf verwandelt. Er sucht nach rechts zu enteilen. In
- der Linken trägt er einen Jagdspeer, rechts und links von ihm je
- ein Jagdhund. Den linken führt er an der Leine.
-
- 5) Umarmung. K. P. 865. Katal. 591. Oval. Br. 0,09 m., H. 0,12 m
- Bleiguß.
-
- Auf den Knieen eines nackten, nach rechts gewandten, sitzenden,
- vollbärtigen Mannes sitzt ein ebenfalls nacktes Weib mit
- emporgezogenem rechtem Knie, das er küßt und umarmt. Sie stützt
- ihre Linke auf sein linkes Knie. Über beiden schwebt der
- Liebesgott, der sie mit Blumen bestreut. Links im Vordergrunde
- zwei Gefäße.
-
-Ich habe bereits auf den erhöhten Einfluß der Litteratur auf die
-bildende Kunst im 16. Jahrhundert hingewiesen. Waren es im Mittelalter
-vornehmlich biblische Geschichten und Heiligenlegenden, welche die
-Phantasie des Künstlers beschäftigten, so wagen sich seit dem Ende des
-15. Jahrhunderts auch die weltlichen Darstellungen immer dreister
-hervor, bis sie innerhalb weniger Jahrzehnte die ersteren an Zahl weit
-überflügeln. Andererseits werden auch viele der biblischen Stoffe in
-einer Weise profaniert, daß man sie von den weltlichen Dingen nicht mehr
-scheiden darf. Es ist unnötig, auf die allgemein bekannten Gründe dieser
-Erscheinung nochmals hinzuweisen. Die Emblemata, die ovidischen und
-livischen Figuren etc., die bewußt für den Künstler und besonders den
-Kunsthandwerker geschaffen waren, hatte ich angeführt. Daneben aber
-existiert noch eine außerordentlich reichhaltige Anekdoten- und
-Schwanklitteratur, die sich der weitesten Verbreitung erfreute und
-häufig dem Künstler als Born diente, aus dem er schöpfte. Dazu gehören
-beispielsweise die Erzählungen, die, bereits im Mittelalter
-handschriftlich in den sogenannten »Gesta Romanorum« niedergelegt, im
-15. Jahrhundert in lateinischer und deutscher Ausgabe erschienen, dann
-»Buch der Beispiele der alten Weisen«, Boccaccios Decamerone, Pauli,
-Schimpf und Ernst, Kirchhoff, Wendunmuth etc. etc. bis auf Samuel
-Meiger, der in seinem »Nucleus Historiarum« 1598 eine systematisch
-geordnete Zusammenstellung dieser »Geschichten« anstrebte. Manche dieser
-Anekdoten, die früher sicherlich zum größten Teil ganz allgemein bekannt
-waren, die also jeder Künstler auch, ohne befürchten zu müssen, daß er
-nicht verstanden werde, benutzen konnte, haben sich bis heute im
-Bewußtsein des Volkes erhalten, die große Mehrzahl aber ist ihm im Laufe
-der Zeit entschwunden. Daß man auch in Gelehrtenkreisen nicht immer
-diesem Anekdotenschatze die nötige Aufmerksamkeit schenkt, davon legen
-die oft sehr wunderlichen Erklärungen von Bildwerken der Renaissance
-Zeugnis ab. Als typisches Beispiel in dieser Beziehung kann die
-Collektion Spitzer gelten. Es ist ja allerdings nicht immer leicht,
-selbst wenn man die Geschichten kennt, die richtige Deutung zu finden,
-da der Stoff ein sehr umfangreicher ist, die Überlieferungen oft von
-einander abweichen und der Künstler bisweilen sich nicht streng an die
-schriftliche Überlieferung hält. Umsomehr wäre es eine verdienstliche
-Arbeit, das ganze Material einmal zu ordnen, eine Art Realencyklopädie
-auf diesem Gebiete anzulegen, zumal dieselbe auch einen wesentlichen
-Beitrag zur Erkenntnis der geistigen Interessen jener Zeit liefern
-würde. Ich berühre hier diesen Gegenstand, weil eine Anzahl von
-Plaketten eines Meisters mir vorliegen, deren einzelne völlig falsche
-Erklärung gefunden haben.
-
- 1) Der ungerechte Richter. K. P. 250. Katal. 574. Br. 0,065 m., H.
- 0,024 m. Bleiguß.
-
- Links über einem Stuhle, hinter dem ein nackter Krieger mit Helm
- und Lanze steht, liegt die Haut des ungerechten Richters. Rechts
- davon der König in antiker Tracht, auf die Haut deutend. Neben
- ihm der Sohn des Geschundenen. Des weiteren vier Personen, von
- denen drei bewaffnet sind. Rechts ein rundbogiger Eingang.
-
- Die Darstellung ist im Katalog der Originalskulpturen irrtümlich
- erklärt als: »der des Kopfes beraubte Sohn vor dem Schatzhause.«
- In »Collektion Spitzer« Bd. III, S. 15, Nr. 29 aber findet sich
- folgende treffliche Deutung: »Plusieurs personnages vêtus à
- l'antique regardant une sorte d'armure complète, composée d'une
- peau de lion posée sur un trône.« In Wirklichkeit haben wir es
- mit einer Erzählung zu thun, die sich in »Gesta Romanorum« ed.
- Österley S. 324, cap. 29, findet: »Erat quidam imperator, qui
- statuit pro lege, quod sub pena gravi quilibet judex recte
- judicaret, et si contrarium faceret nullo modo misericordiam
- inveniret. Accidit casus, quod quidam judex muneribus corruptus
- falsum judicium dedit. Imperator cum hoc andisset, servis suis
- precepit, ut eum excoriarent. Et sic factum est. Pellem ejus in
- loco, ubi judex sedere deberet, posuit ad significandum, quod
- ille judex cogitaret, quod amplius falsum judicium non daret. Rex
- vero filium judicis defuncti judicem constituit dicens ei:
- Sedebris super pellem patris tui, ut judices populum meum. Si
- vero aliquis affert tibi donum ut declines a via recta, ad pellem
- patris tui respicias, ne tibi hoc idem contingat«.
-
- 2) Blendung (Zaleucus). K. P. 252. Katal. 576. Br. 0,065 m., H.
- 0,024 m. Bleiguß.
-
- [Illustration]
-
- Links sitzt ein bärtiger Mann, rechts ein bartloser, beide
- nackt. Jedem wird von einem nackten Schergen ein Auge
- ausgestochen. In der Mitte vier Personen in antikem
- Kostüme.
-
- Der Darstellung liegt folgende Erzählung (Gesta Roman., ed.
- Österley, S. 347, Cap. 50) zu Grunde: »Refert Valerius, quod
- Zelongus consul edidit pro lege, quod, si quis virginem
- defloraret, utrumque oculum amitteret. Accidit, quod filius ejus
- filiam unicam cujusdam vidue defloravit. Mater hec audiens
- imperatori occurrens ait: O domine, legem quam fecisti, impleri
- faciatis. Ecce unicus filius vester unicam filiam meam rapuit et
- vi oppressit. Rex hoc audiens commota sunt omnia viscera ejus et
- precepit, ut duo oculi filii sui eruerentur. Dixerunt Satrape
- domino: Tantum unicum filium habes, qui est heres tuus. Toto
- imperio esset dampnum, si filius tuus oculos amittat. At ille:
- Nonne vobis constat, quod ego legem edidi? Obprobrium esset michi
- frangere, quod semel firmiter statui. Sed quia filius meus est
- primus, qui contra legem fecit, primus erit, qui penitencie
- subjacebit. Sapientes dixerunt: Domine, propter deum rogamus vos,
- ut filio vestro parcatis. Ille vero precibus devictus ait:
- Carissimi, ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii
- mei et e converso. Dextrum oculum meum eruatis et sinistrum
- oculum fillii mei! Tunc lex est impleta. Et sic factum est, unde
- omnes prudenciam regis et justiciam laudabunt«.
-
- 3) Der Richter tödtet seinen Neffen. (Graf Archambeau). K. P. 251.
- Katal. 575. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleiguß.
-
- [Illustration]
-
- Links auf einem Bette sitzt ein nackten bärtiger Mann, der in
- der emporgehobenen Rechten den gezückten Dolch hält. Mit
- der Linken zieht er eine nackte, von rückwärts gesehene
- Gestalt über sein Lager. Rechts vier Männer.
-
- Derselbe Gegenstand in andrer Behandlung bei Aldegrever, B. 73.
-
- Pauli, Schimpf und Ernst, ed. Österley, S. 93 (CXXIX): »Man liszt
- von einem Edelman, der was ein amptman ein richter in einer stat,
- der niemans vbersah, vnd was nach gottes gerechtikeit hiesch, dem
- gieng er nach. Vnd vff ein zeit ward er kranck, da er also an dem
- bet lag, da hert er ein dochter ein junckfraw schreien. Er fragt
- seinen diener einen, der da für gieng warumb die dochter also
- geschruwen hat, er wolt es wissen. Der knecht sprach, euwer
- veder, euwers bruders sun hat mit ir geschimpfft. Tc. Der edelman
- verstunt es wol, vnd nam ein brotmesser, vnd legt es vnter das
- Küssen, vf ein mal erblickt er in, da er für die kamer anhin
- gieng, er rufft im vnd hiesz in zu im kumen, vnd er kam zu im,
- vnd er truckt in an sein brust vnd stach im das messer zu dem
- rucken hinyn in das herz, vnd stach in zudot, vnd stiesz in von
- im, vnd hiesz in vergraben«.
-
- 4) Söhne, die auf die Leiche des Vaters schießen. K. P. 248. Katal.
- 572. Br. 0,065 m., II. 0,024 m. Bleiguß.
-
- Links an einen Baum gebunden die von einem Laken verhüllte Leiche
- eines bärtigen Mannes. Ein Pfeil steckt in der Gegend des
- Herzens. Neben ihm, dem Hintergrunde zu, eine Tragbahre. In der
- Mitte die drei Söhne. Zwei, bärtig, stehen, mit Bögen bewehrt. Der
- dritte, bartlos, kniet vor dem rechts sitzenden Richter, der in der
- Rechten ein Scepter trägt. Im Hintergrunde die Ruinen einer Burg.
-
- Die Darstellung ist so bekannt und künstlerisch so oft verwertet
- (cf. z. B. Weltmann, Holbein S. 140, Mummenhoff, Das Rathaus in
- Nürnberg S. 336, v. Térey, die Handzeichnungen des Hans Baldung
- I, 45), daß der Hinweis auf die Gesta Romanorum in der
- angeführten Ausgabe S. 342 f. und S. 719, 45 genügen mag. In
- Collect. Spitzer, Bd. III, S. 15, Nr. 29 ist allerdings die Deutung
- trotzdem falsch.
-
- 5) Ein Vater verurteilt seine Tochter. (S. Barbara?) K. P. 249.
- Katal. 573. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleiguß.
-
- Links sitzt ein nackter bärtiger Mann mit abgewandtem Haupte, in
- der vorgestreckten Linken das Scepter haltend. Rechts von ihm
- eine bekleidete Frau und ein bärtiger Mann in antikem Kostüm, der
- mit der Rechten auf den Richter zeigt. Ein anderer Mann in antiker
- Kleidung hat seine Linke auf die Schulter der Frau gelegt und hält
- in der emporgehobenen Rechten das gezückte Schwert. Weiter rechts
- drei Krieger, die aus einem Thore kommen.
-
- Ob wir es wirklich mit der Geschichte der h. Barbara (vergl. den
- Holzschnitt von Aldegrever, Nagler, Monogr. I, S. 293, Nr. 32) zu
- thun haben, mag dahin gestellt bleiben. Die Auswahl ist in diesem
- Falle eine zu große, um eine sichere Entscheidung zu erlauben.
-
- 6) Mucius Scävola. K. P. 247. Katal. 571. Br. 0,065 m., H. 0,024 m.
- Bleiguß.
-
- Links auf dem Throne sitzt Porsenna, in der Rechten das Scepter
- haltend. Vor ihm auf rundem Postament das Kohlenbecken, aus dem
- die Flamme schlägt, und in das Scävola seine rechte Hand hält.
- Hinter ihm ein, rechts von ihm drei bewaffnete Krieger. Alle
- Personen in antiker Tracht.
-
- Bleiguß in Kassel.
-
-Drei der zuletzt beschriebenen Plaketten (1, 2 u. 4) befinden sich auf
-einem Pokale, der im Besitze Spitzers war und »Collektion Spitzer« Bd.
-III, S. 15, Nr. 29, folgendermaßen beschrieben ist: »(Argent doré) Le
-vase se compose d'une partie cylindrique reposant sur deux disques
-aplatis ornés de mascarons d'hommes et de femmes, entourés de
-cartouches, séparés par des godrons sur l'un desquels est gravé un
-dragon héraldique levant une épée, accompagné des lettres B. L. Sur la
-partie cylindrique sont représentées en bas-reliefs fondus et ciselés,
-séparés par des termes, trois scènes appartenant à une même suite (folgt
-die Beschreibung der Plaketten). Le pied, en balustre, est orné de
-mascarons en forme de termes. Sur la platte, deux figures de fleuves et
-deux sources couchées, appuyées sur des urnes; sur le bord, des
-arabesques gravées.
-
-Le couvercle est orné sur le bord d'un rang d'oves au-dessus duquel est
-gravée l'inscription suivante: CAVETE AVTEM VOBIS § NE GRAVENTVR CORDA §
-VESTRA CRAPVLA. Au-dessus de cette inscription se déroule une frise
-représentant de petits génies jouant sur les flots et des monstres
-marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois répété: un
-homme et une femme s'embrassant, accompagnés de deux amours. Une
-figurine d'enfant nu, tenant un écusson, termine le couvercle et forme
-le bouton. Sur l'écusson, sommé d'une mitre, d'une crosse et d'une épée,
-on voit un trèfle accompagné de deux étoiles en chef (Wappen des Bistums
-Sitten). Enfin à l'interieur du couvercle est rapportée une plaquette
-repoussée, représentant la Trinité. Sur le bord sont gravées les
-initiales L+L. Hauteur: 0,260 m.«
-
-Der Pokal trägt zwei Marken, deren eine einen senkrecht in zwei Felder
-geteilten Schild zeigt, von denen das linke zwei Sterne übereinander
-hat. Die andere Marke bildet ein schlüsselartiger, nach unten
-halbmondförmig auslaufender Gegenstand. In dem halbmondförmigen Teile
-befindet sich ein Stern. Der außerordentlichen Liebenswürdigkeit des
-Herrn Professor Dr. Marc Rosenberg verdanke ich die Erklärung der ersten
-Marke: sie ist das Beschauzeichen von Sitten. Gleichzeitig aber
-übersandte mir Herr Professor R., wofür ich auch an dieser Stelle ihm
-meinen verbindlichsten Dank sage, Beschreibung und Abbildung eines
-anderen Pokales desselben Sittener Meisters, der, in Genf zur
-Ausstellung gebracht, eine feste Datierung giebt und im Verein mit dem
-Spitzerschen das hervorragende Können des Meisters darthut. (Ich erfülle
-gern die Pflicht, das liberale Entgegenkommen der Genfer
-Ausstellungskommission in dieser Sache dankend hervorzuheben.) R.
-urteilt über den Pokal: »Auf der Ausstellung in Genf das beste
-Renaissance-Becherchen«.
-
-Die Beschreibung aus dem Katalog Nr. 2130 lautet: »Coupe sur pied à
-couvercle, en argent repoussé, ciselé et doré; sur la coupe le massacre
-des Innocents, des mascarons et des amours; sur le couvercle, surmonté
-d'un amour tenant un écu aux armes de la famille de Graffenried,
-l'insription HOC SECVLVM EST IOCANTIS FORTVNÆ LVDVS. M. D. LXII., à
-l'interieur du couvercle les armes accolées et émaillées des familles de
-Graffenried et Michel dite Schwertschwendi. Poinçon de Sion, marque
-indéterminée. 1562.
-
-»Cette coupe appartenait à Nicolas de Graffenried, Gouverneur d'Aigle et
-banneret de la ville de Berne (1530-1580)«.
-
-Beide Pokale zeigen in ihrem Aufbau große Ähnlichkeit, nur daß der
-senkrechte, cylindrische Teil der cupa bei dem Graffenried'schen im
-Verhältnis zum Gesamtmaß höher ist, während bei dem Spitzer'schen der
-Schaft freier und schlanker emporstrebt. Der den Deckel abschließende
-Putto ist bei beiden Stücken derselbe. Die Darstellung des
-Bethlehemitischen Kindermordes zeigt in der einfachen, äußerst
-geschickten Komposition, in den muskulösen, beweglichen Figuren eine so
-augenscheinliche innere Verwandtschaft mit den Plakettendarstellungen,
-daß ich in weiterer Berücksichtigung der in jeder Beziehung künstlerisch
-vollendeten Durchführung der beiden Pokale nicht im Zweifel bin, daß wir
-in dem Sittener Meister auch den Urheber der Plaketten zu sehen haben,
-daß er nicht etwa nach fremden Mustern gearbeitet hat. Hoffentlich
-gelingt es der Lokalforschung, auch den Namen dieses bedeutenden
-Künstlers festzustellen, der, 1560 in Sitten arbeitend, von Italien
-stark beeinflußt ist, seine Ausbildung aber zweifellos deutschen,
-vielleicht Straßburger Meistern, verdankt.
-
-Über den Vorbesitzer unsrer Plaketten giebt Nr. 2, »Blendung«
-interessanten Aufschluß. Auf der Rückseite nämlich hat Kinderhand Linien
-zum »Rechnen auf der Linie« gezogen und in die Spacien Rechenpfennige
-mit Hilfe des Zirkels eingetragen. Außerdem aber sind Schreibversuche
-gemacht, die uns den Namen des jugendlichen Autors verraten. Oben lesen
-wir die Buchstaben des Alphabets von h--m, unten »all mechtiger«, in der
-Mitte aber »carollus perckmann«. Die Schrift gehört der ersten Hälfte
-des 17. Jahrhunderts an. Dieser Karl Perckmann ist, da die Plaketten
-später in den Hallerschen Besitz kamen, also wohl auch vorher
-in Nürnberg waren, sicherlich ein Mitglied der Nürnberger
-Goldschmiedefamilie gleichen Namens, aus der zwei Meister bekannt sind:
-Andreas Berckmann 1651, und Johann B. 1691.
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _F. Fuhse_.
-
-
-
-
- Das Nürnberger Münz-Kabinet des Freiherrn Joh. Christ. Sigm. von
- Kress.
-
-
-Zu der Zeit, als Hubert Goltzius der Kupferstecher und Antiquar aus
-Amsterdam seine Reisen in Europa machte, um für seine merkwürdige
-Veröffentlichung der alten Kaiserbildnisse nach den Münzbildern Stoff zu
-sammeln, gab es bereits -- wenn wir wenigstens Goltzens Angaben
-vertrauen dürfen -- über 900 Münz- und Medaillenkabinete, die den Besuch
-lohnten. Allerdings handelte es sich bei den meisten vornehmlich um
-Antikes, um römische Kaisermünzen, wie sie der Niederländer ja auch
-hauptsächlich für seine Kupfer verwendete. In Deutschland war es
-Kaiser Max, von dessen persönlichen Verhandlungen mit seinen
-Münzstempelschneidern uns noch manches erhalten ist, der das erste
-Münzkabinet, das zu Wien, begründete.
-
-In Nürnberg war der Sammeleifer schon zu Dürers Zeit in dessen
-Freundeskreis erwacht: Wilibald Pirkheimers Stolz war zwar in erster
-Linie seine Büchersammlung, für die ihm befreundete Humanisten aus allen
-Städten Europas die neuen Erscheinungen besorgten; aber seine Münzen und
-Kunstschätze wurden nicht minder bewundert und in den Briefen seiner
-Freunde mit großem Lob genannt. Da der Gelehrte ohne männliche
-Nachkommenschaft starb, kamen seine Schätze in den Besitz der Familie
-Imhof und bildeten für seinen Enkel, den berühmtesten Kunstsammler des
-16. Jahrh. in Nürnberg, für Wilibald Imhof, den Grundstock zu seiner
-reichen Kunstkammer. Aber Wilibalds Freund und Günstling war Hans
-Hofmann, der erste und auch der begabteste unter jenen berüchtigten
-Malern, die es sich zum Berufe machten, Dürers Gemälde und Zeichnungen
-zu fälschen. Aus der Freude am Sammeln ward ein immer mehr bedenklicher
-und gewissenloser Kunsthandel, den die Familie Imhof mehrere
-Menschenalter hindurch weiterbetrieb und über den ihr »Geheimbüchlein«
-auf der Nürnberger Stadtbibliothek recht merkwürdige Aufschlüsse giebt.
-Wirklich gute Stücke enthielt die Kunstkammer damals gewiß keine mehr;
-denn als anno 1630 dem feinsinnigen Verehrer Albrecht Dürers, dem
-Kurfürsten Maximilian »auf sein inständiges Anhalten die Hauptstücke der
-Sammlung präsentiert worden waren, hat er dazu gar keine Lust getragen,
-auch viel unter denselben nicht für Originalien erkennen wollen, sondern
-sie alle zurückgegeben und gar kein Gebot darauf legen lassen«. Daß die
-Imhofsche Kunstkammer, die bald darauf in ihren unberühmten Resten nach
-Wien und Amsterdam verkauft ward, außer den antiken römischen auch eine
-größere Sammlung von mittelalterlichen Münzen enthalten habe, ist
-nirgends gesagt und auch wenig wahrscheinlich[322].
-
-Daß es dagegen im Beginn des folgenden, des 18. Jahrhunderts, an
-Interesse für die mittelalterliche Münzkunde in der alten Reichsstadt
-nicht fehlte, das beweist das Erscheinen der ersten numismatischen
-Zeitschrift der historischen Münzbelustigungen, die sich 35 Jahre lang
-am Leben erhielten und erst anno 1764 eingingen. Am Ende des
-Jahrhunderts ist es wieder einer aus der alten ehrbaren Familie der
-Imhof, den wir als hervorragenden Münzkenner und Besitzer einer
-außerordentlich reichhaltigen Sammlung von Nürnberger Münz- und
-Medaillenprägungen finden: Es war sein eigenes Kabinet, das Christoph
-Andreas IV. Imhof in den Jahren 1780-1782 in zwei starken Quartbänden
-»mit vieler Mühe so vollständig als möglich in wenig jahren
-zusammengetragen und sodann auf das Genaueste beschrieben herausgab.
-Eine Sammlung von dieser Vollständigkeit und dieser systematischen
-Anlage in wenigen Jahren zusammenzubringen, war damals gewiß weit mehr
-noch als heute ein Ding der Unmöglichkeit; aber da der Besitzer in
-seiner Veröffentlichung selbst keine Angaben über die Geschichte seiner
-einzigartigen Sammlung macht, so müssen wir uns bescheiden bei der
-Thatsache, daß wenigstens von der alten Imhofischen Kunstkammer nichts
-mehr bis auf diese Zeit im Besitz der Familie geblieben sein kann.
-
-[Fußnote 322: Über die Geschichte der Imhofschen Kunstkammer haben in
-ihren Dürerbiographien Haller u. Thausing eingehend gehandelt.]
-
-Der Sammler hatte sich weise beschränkt, nicht mit dem grauen Altertum
-begonnen und die entlegensten Länder mit herangezogen in sein
-Sammelgebiet; so gab er seinem Münzkabinet einen für die Wissenschaft um
-so höheren Wert, je näher er der systematischen Vollständigkeit in
-seinem immer noch weiten, alle Nürnberger Reichsstädtischen
-Münzprägungen umfassenden Rahmen kam. Zum Glück ist uns der größte Teil
-dieses unvergleichlichen Schatzes von Sammler- und Forscherfleiß
-erhalten geblieben und nunmehr nach jahrzehntelangen Verhandlungen und
-Erwägungen so wohl verwahrt und doch so leicht zugänglich untergebracht
-worden, daß man wohl annehmen darf, die Sammlung habe den Abschluß ihrer
-merkwürdigen Geschichte erreicht und werde für alle Zukunft da
-verbleiben, wo sie jetzt sich befindet, im germanischen Museum.
-
-Der anno 1818 im 89. Lebensjahre verschiedene Staatsrat Johann Christoph
-Sigmund von Kreß hatte das Imhofsche Kabinet, soweit es noch beisammen
-war, an sich gebracht und hinterließ es seinen Erben als eine
-unveräußerliche Familienstiftung zum Studium der nürnbergischen
-Münzkunde. Der Erblasser, der übrigens in seinen späteren Jahren
-ziemlich vereinsamt lebte, hatte den Wert seiner Sammlung auf 2600 fl.
-geschätzt und dazu noch 200 fl. gestiftet, aus deren Zinsen
-gelegentliche Ergänzungen vorgenommen werden sollten. Nun fand sich aber
-unter seinen Erben niemand, der die nötigen Geldmittel und die nötige
-Mühe aufwenden wollte, welche eine Aufstellung und Versicherung des
-Kabinets im Sinne des Verstorbenen verlangt hätten; so kam es nach
-vielen Mahnbriefen der Ansbachischen Regierung endlich 1821 dazu, daß
-der Senator Joachim Freiherr von Haller im Namen der Erben die ganze
-Stiftung selbst an Stelle der Kaution der Stadt übergab mit einer
-weitschweifigen und umständlichen Begründung, daß ein Privatmann nie so
-viel Zeit, Geld und mühsames Studium an die Sammlung wenden könnte, als
-nötig wäre, um sie wirklich nutzbar zu machen. »Will er nicht in der
-nächsten besten Reisebeschreibung andern zum Abscheu und Exempel als ein
-ungefälliger Mann aufgestellt werden, so heißt es da, so darf er wie
-einer vor dem Guckkasten vor seinem Münzkasten sitzen, um jeden Fremden,
-der vielleicht kaum 24 Stunden in der Stadt verweilt, in solchen
-hineinsehen zu lassen.«
-
-Am 27. August 1823 erfolgte denn auch endlich die Übergabe des in dessen
-von Haller selbst neu geordneten Kabinets an die Stadt. Aber dieser war
-mit dem Geschenk auch wenig gedient: weder der Bibliothekar noch sonst
-einer von den Beamten mochte die Verantwortung und die Sorge für den
-gefährlichen Schatz übernehmen, für dessen Aufstellung überdies nirgends
-ein geeigneter Raum vorhanden war. Man wandte sich daher bald wiederum
-an die Kreßischen Erben, bald an die mittelfränkische Kreisregierung in
-Ansbach, um von dem lästigen Geschenk befreit zu werden; aber ohne allen
-Erfolg zogen sich die Verhandlungen hin, bis im Dezember 1857 aus dem
-Kreise des Gemeinde-Kollegiums dem Magistrat der Antrag vorgelegt wurde,
-die ganze Sammlung dem wenige Jahre zuvor gegründeten germanischen
-Museum zur Aufstellung zu übergeben. Aber erst nach langen Verhandlungen
-und nach dem der Magistrat, »um endlich einmal von diesem Kabinet
-befreit zu werden« auch auf die Kaution verzichtet hatte, geschah im
-März 1866 die Übergabe der ganzen Sammlung von 2547 Stücken nach
-damaliger Schätzung im Werte von 3190 fl. an das Museum[323].
-
-Aber auch hier hat das Kreßische Münz-Kabinet noch manche Sorge gemacht,
-bis endlich nach 30 Jahren auch der letzte Wunsch des Stifters erfüllt
-und die Sammlung allgemein zugänglich gemacht werden konnte.
-Münzsammlungen dem Publikum zugänglich zu machen, ist eine schwierige
-Aufgabe; meist hält man sie wohl verschlossen in einem Kassenschrank,
-der sich sehr selten nur für einen Fremden öffnet, und legt einige
-Beispiele, denn mehr erlaubt in der Regel der Raum nicht, in Glaskästen
-auf; so ist aber ein Betrachten der ganzen Münze samt der Rückseite für
-den Sachverständigen unmöglich. Deshalb kam der als Nürnberger
-Numismatiker bekannte Großhändler Joh. Chr. Stahl vor wenigen Jahren auf
-die Idee einer neuen Aufstellungsweise, welche die Münze aus nächster
-Nähe und von beiden Seiten sehen läßt, ohne sie doch dem Beschauer in
-die Hände zu geben. Die Kassenschrankfabrik von Hermann hat den Schrank
-mit seinem scharfsinnig erdachten Mechanismus ausgeführt, der es
-gestattet, die nahezu 1600 Münzen des Kreßischen Kabinets mit einem
-Raumaufwand von wenig mehr als zwei Kubikmeter zur Aufstellung zu
-bringen. Auf 48 ungefähr quadratischen Holztafeln liegen die Münzen in
-chronologischer Folge nach der Regierungszeit der Kaiser, mit deren
-Bilde die Reichsstadt so oft prägte, angeordnet so, daß in die 5 mm.
-starke Holztafel ein Ausschnitt entsprechend der Größe jeder Münze
-gemacht und in diesem die Münze durch drei Klammern aus Zelluloid
-sozusagen à jour gefaßt wurde. Die einzelnen Tafeln sind durch eine
-Kette so verbunden, daß sie der Reihe nach mittels Kurbeldrehung
-heraufgehoben werden können bis dicht unter die Glasscheibe, welche in
-der Tischplatte des Kastens eingelassen ist; ein eigener Mechanismus
-bewirkt dazu noch, daß jede Tablette beim Weiterdrehen der Kurbel sich
-wendet und von der Rückseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für
-eine in sich so gut wie abgeschlossene Sammlung wie das Kreßische
-Münz-Kabinet, die keiner namhaften Ergänzungen mehr bedarf, eine
-derartige Aufstellung die best mögliche Lösung gewährt. Die Münzen
-erscheinen dem Beschauer in wohlgeordneter unveränderlicher Folge, in
-nächster Nähe zu sehen, und bedürfen anderseits doch nicht beständiger
-Überwachung.
-
-[Fußnote 323: Die hier mitgeteilten Thatsachen verdanke ich der Güte des
-Herrn Joh. Ch. Stahl, der sie aus dem weitschichtigen Aktenmaterial
-auszog.]
-
-Über die Bestände der Sammlung, die nun endlich dem Wunsche des Stifters
-gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist hier unmöglich. Es
-sei nur auf eine gerade dem heutigen Stande der numismatischen Forschung
-besonders empfindliche Lücke hingewiesen, die der im übrigen, namentlich
-an Prägungen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts erstaunlichen
-Vollständigkeit wenig entspricht. Einmal hat Andreas Imhof in seiner
-Sammelthätigkeit bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts die Scheidemünze zu
-gunsten der prachtvollen Goldprägungen dieser Zeit sehr vernachläßigt
-und dann hat er alle diejenigen Stücke unberücksichtigt gelassen, die zu
-der höchst interessanten Entstehungsgeschichte der städtischen Münze aus
-der alten Reichsmünzstätte, zu dem Wechsel des Münzrechts und zu den
-Münzkonventionen des XIV. Jahrhunderts aufklärende Beiträge bilden
-könnten. Immerhin sind das Lücken, welche durch die Hauptsammlung des
-Museums ausgeglichen werden können, und zum Teil schon ausgeglichen
-sind, so daß in absehbarer Zeit die Prägungen der Nürnberger Münze von
-ihren ersten Anfängen bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1806 in
-möglichster Vollständigkeit dem Forscher zur Benützung stehen werden.
-
-_Nürnberg._
-
- _K. Sch._
-
-
-
-
- Friesische Häuser auf den Halligen.
-
-
-Es war einer der Lieblingspläne des verstorbenen Direktors v. Essenwein,
-nach Analogie der sogen. altdeutschen Zimmer unseres Museums auch ein
-friesisches Wohngemach nebst Küche in unseren Sammlungen einzurichten,
-wobei er wahrscheinlich an Muster aus West- oder Ostfriesland gedacht
-hat. Ein allzufrüher Tod hat ihn an der Ausführung dieses Vorsatzes
-gehindert, aber sein Gedanke wirkte wie ein Vermächtnis fort und wird
-unter der gegenwärtigen Direktion seine Vollendung finden, wenn auch
-nunmehr infolge mannigfacher Umstände den Besuchern des Museums das
-interessante Innere eines nordfriesischen, speziell eines Hallighauses
-vorzuführen beabsichtigt ist. Wertvolle und charakteristische
-Ausstattungsstücke dafür wurden bereits vor 3 Jahren von dem
-Unterzeichneten, in diesem Jahre von Herrn Direktor Bösch an Ort und
-Stelle erworben. Es dürfte daher an der Zeit sein, den Lesern unserer
-»Mitteilungen« die Beschreibung eines Hallighauses zu gewähren, wie sie
-im Wesentlichen bereits in meiner Monographie »die Halligen der
-Nordsee«, Stuttgart 1892, und im Maiheft der illustrierten
-naturwissensch. Monatsschrift »Himmel und Erde«, Berlin Jahrg. 1895, in
-meinem Aufsatz »Halligbilder« enthalten ist.
-
- [Illustration: Fig. 1.]
-
- 1) Diele.
- 2) Wohnräume.
- 3) Wandbetten.
- 4) Durchgänge.
- 5) Küche.
- 6) Herd mit Backofen.
- 7) Speisekammer.
- 8) Kellertreppe.
- 9) Dittenschacht.
- 10) Bodentreppe.
- 11) Stallräume.
- 12) Schornstein.
- 13) Gerätkammer.
- 14) Einlegeröfen.
- 15) Wandschrank.
-
-Die wissenschaftliche Fachlitteratur über das friesische Haus ist
-einerseits nicht sehr umfangreich, andrerseits auch lückenhaft, indem
-sie die Gebäude auf den schleswig'schen Utlanden und speziell auf den
-ganz eigentümlichen Halligen nur dürftig behandelt. Lasius in seiner
-kleinen Monographie »das friesische Bauernhaus«, Straßburg 1885, und
-Allmers in seinem Marschenbuch beschäftigen sich nur mit dem
-ost-westfriesischen Bauernhaus der _Marschen_, wie auch die von Henning
-in seiner bekannten Arbeit »das deutsche Haus«, Straßburg 1882, benutzte
-Litteratur erkennen läßt, daß selbst diesem Autor nach seinen Quellen
-und nach eigener Kenntnis das Hallighaus unbekannt geblieben war, was
-bei der früheren Abgeschlossenheit dieser Inseln vom allgemeinen Verkehr
-nicht zu verwundern ist. 1891 erschien dann zwar das Buch von
-Hansen-Jensen über die nordfriesischen Inseln, doch ist darin der kurze
-Abschnitt über die Halligen ohne jeden Wert. Henning weist übrigens die
-Gebäude der Inseln im 5. Kapitel der anglo-dänischen Bauart zu und
-meint, man finde auf den Werften der Inseln und der Halligen Gebäude,
-die in quadratischer Form unter einem gemeinsamen Dache mehrere
-Wirtschaftsgebäude umfassen, ähnlich dem Eiderstetter Heuberge. Da diese
-Auffassung geeignet ist, eine irrige Vorstellung von den Ansiedlungen
-auf den Halligen zu erwecken, so habe ich sie bereits in dem Aufsatz
-»Halligbilder« zu widerlegen versucht, wie ich auch hier bei der
-Bedeutung des Henning'schen Buches nicht versäumen will, sie als
-unzutreffend zu bezeichnen. Nur die kleine Hallig Süderoog besitzt ein
-quadratisches, sehr großes Haus (das einzige auf der Insel), dessen 4
-Flügel einen kleinen, offenen Hof umschließen, so daß also auch in
-diesem Ausnahmefalle die Gebäude nicht unter einem Dache vereinigt sind.
-Die wenigen Angaben, die Haupt in Bd. I seiner »Bau- und Kunstdenkmäler
-der Provinz Schleswig-Holstein« pg. 436 bringt, beruhen zwar auf
-persönlicher Kenntnisnahme, sind aber gar zu knapp bemessen und bedürfen
-deshalb der Erweiterung. Lütgens behandelt in seinem Werk »Kurzgefaßte
-Charakteristik der Bauernwirtschaften in den Herzogtümern Schleswig und
-Holstein«, 1847, pg. 16 und Tafel 36 und 37 die westfriesischen Inseln,
-aber mit Ausschluß der Halligen, und nur bei R. Mejborg, »nordiske
-Böndergaarde« finde ich in Band 1, Slesvig, 1892, eine zutreffende
-Schilderung der Halligen, der ich auch bezüglich der Häuser beizustimmen
-vermag; erhöht wird der Wert dieses Werkes durch gute Illustrationen.
-
- [Illustration: Fig. 2.]
-
- 1) Diele.
- 2) Wohnräume.
- 3) Wandbetten.
- 4) Wandschrank.
- 5) Küche.
- 6) Kellertreppe.
- 7) Speisekammer.
- 8) Bodentreppe.
- 9 u. 11) Stallräume.
- 10) Brunnenraum.
- 12) Düngerrinne.
- 13) Herd.
- 14) Schornstein.
- 15) Einlegeröfen.
- 16) Dittenschacht.
-
-Die Halligen und die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm sind die
-Überbleibsel der alten Strandinger Marschlandschaft nördlich vom
-Heverstrom. Nachdem von Zeit zu Zeit durch verheerende Sturmfluten
-einzelne Teile von ihr losgelöst waren und als Halligen weiter
-existierten, vollendete sich das Schicksal des Nordstrandes in der
-schrecklichen Katastrophe des Jahres 1634. Nur die beiden großen
-Fragmente Nordstrand und Pellworm erhielten nach derselben neue
-Seedeiche, die übrigen blieben abermals als niedrige Halligen den
-weiteren Verwüstungen preisgegeben, die mit elementarer Gewalt
-wiederholt im 18. Jahrhundert und zum letzten Male im Jahre 1825 über
-sie hereinbrachen. Die Folge davon war, daß eine Anzahl von ihnen
-überhaupt spurlos verschwunden, auf den übrigen aber alte Häuser nicht
-mehr erhalten sind. Man wird mit Sicherheit annehmen dürfen, daß sie vor
-ihrer Isolierung dieselben Gebäude trugen, wie die benachbarten
-Festlandsmarschen und wie die genannten beiden Inseln, dann aber
-bedingte die Veränderung des Wirtschaftssystems und die Notwendigkeit
-des engen Zusammenbauens auf mühsam errichteten Werften eine andere
-Bauart, die im allgemeinen wohl an der alten Überlieferung festhielt,
-aber den Bedürfnissen einer Hirten- und Schifferbevölkerung und den
-physischen Bedingungen einer oft grandios furchtbaren Natur angepaßt
-werden mußte. Neuere wie ältere Hallighäuser -- und kaum eins ist hinter
-das Jahr 1717 mit seiner Sturmflut unseligen Andenkens zurückzudatieren
--- weisen daher einen übereinstimmenden Typus auf[324]. Sie sind
-sämtlich mit ihrer Front nach der Südseite gerichtet, woselbst sich auch
-der Eingang manchmal unter einem aus dem Rohrdache hervorspringenden
-Giebel befindet. Durch die horizontal zweiflüglige Thür betritt man die
-mäßig breite Diele, von der rechts und links Thüren in die meist
-niedrigen Wohnzimmer führen. Daß die bestausgestattete Stube Pesel und
-das gewöhnliche Wohngemach Dönse genannt wird, ist hinlänglich bekannt,
-eine bestimmte Norm aber für die Lage dieser Räumlichkeiten, ob links
-oder rechts von der Diele, ist nicht befolgt worden, sie richtete sich
-in jedem Falle nach dem Gutdünken des Erbauers. Stets ist das Hallighaus
-gleich dem fränkischen in erster Linie Wohnhaus; wie dort nimmt die
-darin untergebrachte Viehstallung nur etwa einen Vierteil des
-Gesamtraumes ein, selten eine Hälfte, vielmehr wird bei reichem
-Viehstande lieber ein Flügel angebaut, mitunter vertritt den Flügel
-sogar ein selbständiges Stallgebäude. Vergleicht man die hier und meiner
-erwähnten Monographie beigegebenen Grundrisse von Hallighäusern mit
-demjenigen des fränkischen Hauses bei Meitzen, »das deutsche Haus«,
-Berlin 1882, auf Tafel I, Fig. 2, in welchem i und k die Lage der Ställe
-bezeichnen, so ergiebt sich unzweifelhaft eine Ähnlichkeit im Prinzip
-der inneren Raumausnützung, andrerseits aber auch mit der
-Wohnungsabteilung des friesischen Hauses bei Lasius, Fig. 6, wie ja das
-friesische Haus in den Wohnräumen dem fränkischen, in den
-Wirtschaftsräumen dem sächsischen Hause näher steht. Die Halligfriesen,
-die nach der Einbuße des Deichschutzes ihrer Ländereien lediglich auf
-Viehzucht und Schiffahrt angewiesen waren, mithin keiner Scheunen,
-Pferdeställe und Gerätschuppen bedurften, scheinen von jeher doppelten
-Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt zu haben, denn nur in sehr
-kleinen Häusern, welche die Minderzahl bilden, begnügt man sich mit
-Pesel und Dönse, in den größeren Häusern findet man außer dem Pesel zwei
-Wohnzimmer nach der Südseite, ja in den wohlhabendsten sogar zwei
-Staats- und zwei Wohnstuben. Die Wände zwischen ihnen und der Diele sind
-fast ausnahmslos gemauert, 1½ Stein stark, die Trennung der Zimmer unter
-sich erfolgt dagegen häufig durch Bretterwände, wo aber Mauern diesen
-Dienst verrichten, sind Wandnischen in ihnen angebracht mit Glasthüren,
-hinter denen allerhand Ziergerät aus Messing, Porzellan und Silber sowie
-Andenken an ferne Länder und Meere aufbewahrt werden. Die festen Wände
-sind mit kleinen quadratischen Kacheln belegt, in den Häusern aus der
-guten alten Zeit von Delfter Fayence, in den neueren aus minderwertigem
-Material, das aus Hamburg bezogen wird. Auf weißem Grunde enthalten die
-Kacheln blaue eingebrannte Bildchen mit den mannigfaltigsten
-Darstellungen: Schiffe, Brunnen, Vögel und andere Thiere, Jagdbilder,
-Landschaften und Stoffe aus der heiligen Schrift in reicher Abwechslung;
-daß die modernen Wandkacheln häufig weiß und braun gehalten sind, sei
-nebenbei erwähnt, jedenfalls übertreffen die echten alten die neueren an
-Schönheit der Farbe und Glasur. In vielen Zimmern, besonders auf Hooge
-und Langeneß-Nordmarsch, heben sich aus diesem bunten Wechsel
-aneinandergereihter Einzelbildchen Kompositionen von Schiffen heraus,
-zusammengesetzt aus 5 × 5 Kacheln, die nach einer Originalvorlage auf
-besondere Bestellung gebrannt wurden; sie bilden Andenken für Kapitäne
-an die Schiffe, welche sie im Dienste fremder Rheder geführt haben. Eine
-solche Inschrift lautet beispielsweise:
-
- Ao. 1750
- Handelaar
- gefoerd doer Skipper
- Barend Frederik Hansen
- voor
- De Heer John Notemann.
-
-Um die Kompositionen herum läuft gleichfalls aus Kacheln zusammengesetzt
-eine Art Rahmen von Putten- und Rankenarabesken, wie auch zuweilen die
-Thürrahmen von Bordüren gleicher Art oder von zusammengesetzten Säulen
-und Tieren eingefaßt sind. Bestehen die Scheidewände aus Brettern, so
-fehlen natürlich die Kacheln und an ihre Stelle tritt wie bei Thüren und
-Fenstern der Anstrich von weißer Ölfarbe, in den ältesten Häusern eine
-Bemalung der Wände mit Pflanzenornamenten in blauer, weißer und roter
-Farbe.
-
- [Illustration: Fig. 3.]
-
- 1) Diele.
- 2) Wohnräume.
- 3) Wandbetten.
- 4) Brunnen.
- 5) Küche.
- 6) Kellertreppe.
- 7) Herd.
- 8) Einlegeröfen.
- 9) Speisekammer.
- 10) Bodentreppe.
- 11 u. 12) Viehverschläge.
- 13) Schafstall.
- 14) Düngerrinne.
- 15) Futterkrippen.
- 16) Deckenstützen.
-
-[Fußnote 324: Derselben Ansicht ist Mejborg, der den Gebäuden
-holländischen Charakter zuspricht: De gamle og de ny er omtrent ens;
-Indretningen er naesten overalt den samme, og saavel det indre som det
-ydre Udseende retter sig efter den hollandske Mode, der gör sig
-gaeldende fra Fanö til Helgoland (pg. 71).]
-
-Wo die Art der Wände und die Größe der Zimmer es erforderlich macht,
-ruht die Decke auf Balkendurchzügen; darüber liegen die dicht gefugten
-Bretter, auf denen unmittelbar zugleich die Vorräte des Bodens
-aufgestapelt sind. In älteren Häusern sind Decken und Durchzüge farbig
-gestrichen[325], in den späteren wieder weiß. Es scheint, daß in der
-Glanzzeit des Halligwohlstandes etwa in der ersten Hälfte des 18.
-Jahrhunderts, wo die männliche Bevölkerung im Dienste von Hamburger,
-Bremer, Flensburger u. a. Rhederfirmen dem noch sehr einträglichen
-Walfisch- und Robbenfang im Polarmeer nachging, die Freude an Farben
-lebhaft gewesen sei; sie hat sich auch auf den Schmuck des Hausgerätes
-erstreckt, wie wir in einer späteren Mitteilung sehen werden. Mit dem
-langsamen Versiegen dieser Quelle sehr reichen Verdienstes und der
-rapiden Abnahme des Halliglandes, der Wirtschaftsstellen und der
-Einwohner trat Nüchternheit an die Stelle frohen Lebensgenusses, und
-heut schwinden rasch die letzten Reste des schmuckreichen alten
-Besitzes, um für den Erlös dringendere Bedürfnisse befriedigen zu
-helfen.
-
-In Häusern des Festlandes und auf größeren Inseln, die bei gleichen
-wirtschaftlichen Bedingungen auch eine den Hallighäusern ganz ähnliche
-Einrichtung zeigen, fand ich wiederholt in der Wohnstube die große
-Eckbank des fränkischen Hauses von ganz derselben Art, wie sie Henning
-auf S. 10 durchaus zutreffend beschreibt; sie kommt auch auf den
-Halligen vor, wo man indessen die zum Sitzen bequemeren Stühle
-bevorzugt. Praktisch für gewöhnlich nicht sehr große Zimmer sind die
-Tische am Wandpfeiler zwischen den Fenstern: in unbenutztem Zustande
-haben sie eine sehr schmale, etwa 1 m lange Platte, von der nach beiden
-Seiten Klappen bis nahe an die Diele herabhängen. Zur Stütze der
-letzteren dienen im Bedarfsfalle entweder aus dem Tischkasten
-herausziehbare Arme oder eine sinnreiche Vorkehrung: jedes Brett der
-Langwand des Tischkastens ist vertikal bis zur Mitte seiner ganzen Länge
-durchgeschnitten, so daß es also bis dorthin aus 2 Brettchen von der
-halben Stärke der übrigen Kastenwände besteht. Das äußere Brettchen läßt
-sich in Scharnieren vom Mittelpunkt des ganzen Brettes aus drehen und
-mit ihm die Hälfte eines ebenfalls vertikal durchschnittenen
-Tischbeines, in welches das drehbare Brettchen am oberen Ende
-eingelassen ist. Werden also beide Klappen aufgeschlagen, so ruht der
-Tisch auf 2 vollen und 4 geteilten Beinen und seine frühere Länge
-entspricht nun seiner Breite.
-
-[Fußnote 325: Vergl. die Abbildung der Deckenmalerei des »Königshauses«
-auf Hooge bei Mejborg, pg. 75.]
-
-Vielbeschrieben sind die den Schiffskojen ganz ähnlichen Wandbetten in
-tiefen Nischen mit Raum für 2 Personen. Am Tage sind sie durch Vorhänge
-geschlossen, von denen das germanische Museum ein altes Muster mit der
-Opferung Isaaks besitzt, oder durch Bretterthüren, die früher bemalt zu
-werden pflegten. Über den Thüren fehlen jetzt die alten sinnigen
-Sprüche, die noch das vorige Jahrhundert anzubringen liebte in der
-Weise, wie Jessen das bei Haupt, Bd. I pg. 435 dargestellt hat. Wie das
-Kojenbett kein bewegliches Gestell bildet, sondern organisch mit den
-Schiffswänden verwachsen ist, so auch das friesische Wandbett, dessen
-Kasten sich nahezu in Tischhöhe über der Stubendiele befindet. Da
-während des Tages die Thüren oder die Vorhänge geschlossen sind, so
-übersieht zwar der Besucher, daß er eigentlich in einem Schlafzimmer
-empfangen wird, dafür aber ist die Lüftung der Nischen eine sehr
-mangelhafte. Wandbetten findet man sowohl im Pesel wie in der Dönse, in
-größeren Häusern jedoch bleibt eins oder das andere Zimmer frei davon,
-weil die nach Norden gelegenen Hinterstuben und Kammern genügende
-Lokalitäten dafür bieten. Wie übrigens der Friese im allgemeinen sehr
-überlegt und genau ist im Ausdruck, so entspricht es ganz besonders der
-Ausdrucksweise einer Schiffer- und Inselbevölkerung, nicht von Vorder-
-und Hinterzimmern zu sprechen, sondern die Lage der Räume geographisch
-zu bezeichnen; man hat also Norder- und Süder-Stuben oder andere »bi
-Osten« und »bi Westen«.
-
-Bemerkenswerth sind sodann die eisernen Einlegeröfen. Sie bestehen aus
-eisernen Kästen in der Form eines Parallelepipedons, dessen eine
-Schmalseite in die Wand nach dem Inneren des Hauses eingelassen ist. Die
-drei freien Seitenwände weisen in Flachrelief vorzugsweise Scenen aus
-der biblischen Geschichte auf, sehr oft mit der Jahreszahl, von denen
-die älteste, welche ich auf den Halligen las, 1593 lautete. Diese Zahl
-entspricht natürlich nicht mehr zugleich dem Alter des betreffenden
-Hauses, denn Sturmfluten vermögen wohl Gebäude zu zertrümmern und ihre
-schwimmbaren Bestandteile fortzuführen, die schweren Eisenöfen dagegen
-blieben auf den Werften zurück und fanden im Neubau wieder Verwendung.
-Nicht ganz 1 m. in das Zimmer hineinragend, ruht hier der Ofenkasten auf
-2 eisernen Füßen, und auf den Ecken darüber zieren ihn blankgeputzte
-Messingkugeln. Geheizt werden die Öfen vom Herd aus, indem durch eine
-Öffnung in der Wand glimmende Ditten hineingelegt werden, andere Öfen,
-die vom Herd aus nicht erreichbar sind, haben ihre eigene
-Heizvorrichtung mit eigenem Schornstein. Unter dem Ofen bemerkt man in
-jedem Hause Blechbüchsen mit wohlschmeckendem Buttergebäck, womit man
-Gäste zu bewirten pflegt. Verschwunden dagegen ist aus den meisten
-Häusern der messingne »Stülp«, der in der Form einer mitten
-durchgeschnittenen länglichen Wanne bestimmt war, unter ihm Speisen auf
-der Oberplatte des Ofens warm zu halten. Von ganz einfachen, glatten
-Exemplaren fortschreitend gab es solche mit mannigfach wechselnden ein-
-bis mehrreihigen Bandornamenten, von welchen letzteren wir ein
-treffliches Muster erworben haben.
-
-Am Ende der Diele, also der gewöhnlichen Orientierung entsprechend nach
-Norden liegt die Küche mit großem, gemauertem, offenem Herde unter einem
-mächtigen Rauchfang. An der rechten und linken Seite der Plattform sind
-Züge für die beiden Feuerungsstellen eingemauert, darüber feste Roste
-für das Brennmaterial und bewegliche Roste, auf denen die Töpfe stehen.
-Zwischen den Zügen liegt im Herdbau der Backofen, nur mit einem
-Holzdeckel an seiner Zugangsöffnung verschlossen, und vor ihm in dem
-gepflasterten Küchenboden bemerkt man einen zweiten Holzdeckel über
-einer Vertiefung, in welcher die Hausfrau die Füße einstellt, während
-sie beim Backen vor dem niedrigen Ofen auf der Diele sitzt. Oft ragt
-neben dem Herd ein viereckiger Schacht durch die Decke nach dem Boden
-empor, wo das Brennmaterial aufbewahrt wird, die Ditten; durch denselben
-werden sie herabgeworfen und vermittelst eines Thürchens daraus
-hervorgeholt. Neben der Küche finden wir eine Speisekammer und die
-Norderstube oder eine Kammer mit Wandbett, unter einem dieser Räume den
-Keller, nach der anderen Seite der nördlichen Hälfte die Ställe, soweit
-sie nicht wie in Figur 8 und 9 der »Halligen der Nordsee« in besonderen
-Anbauten untergebracht sind. In unserem Grundriß 2 überrascht in der
-Stallabteilung ein besonderer Brunnenraum mit einer Erdsoodencisterne
-zum Auffangen des Regenwassers für das Vieh. Das sind vereinzelte
-Anlagen, sowohl die aus Ziegeln gemauerten wie die Soodencisternen
-liegen sonst außerhalb des Hauses, diese mit dem Trinkwasser für die
-Menschen »in vestibulo domus«, wie schon Plinius berichtet, d. h. in dem
-gehegten Raume vor dem Hause, der jetzt von wohlgepflegten Gärtchen
-eingenommen zu werden pflegt, jene mit dem Trinkwasser für das Vieh auf
-der Nordseite.
-
-Über dem ganzen Hause ruht das mächtige Dach, das einen einzigen,
-ungeteilten Bodenraum umschließt. Die Balkenlage stützt sich teils auf
-das Gemäuer des Wohngeschosses, teils auf die starken eichenen Ständer,
-die tief in den Werfthügel eingelassen und an den 4 Ecken in die
-Hausmauer eingeschlossen sind. Die Ständer haben den oft genug
-thatsächlich erfüllten Zweck, den Dachboden als den wichtigsten Teil des
-Hauses in Zeiten der Gefahr zu tragen, wenn die Mauern und Wände durch
-die Wucht hochgespannter Sturmfluten eingedrückt waren; denn in solchen
-Zeiten retten sich die Bewohner mit ihren Schafen auf den Boden als
-ihren einzigen Zufluchtsort. Das kräftige Gespärr wird gestützt durch
-einen Firstrahmen mit Kehlbalken und Firstsäulen, denn das auf
-dichtgereihten Latten ruhende Rohrschaubendach hat den Druck von häufig
-genug orkanartigen Stürmen auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an
-Nachbarhäuser stößt, ist es mit einem einfachen Satteldach gedeckt, wo
-es freisteht, mit einem Walmdach, dessen Walme entweder ganze oder
-Krüppelwalme sind. Nicht mehr so regelmäßig wie früher ragt auf den
-Halligen ein Giebel aus dem Dache über der Eingangsthür hervor, wie er
-sonst charakteristisch ist für das friesische Haus auch auf den
-Utlanden.
-
-Den größten Teil des Bodens nehmen festgestopft bis unter die
-Rohrschauben die Heuvorräte ein, der einzige Ernteertrag, den die
-Halligen bei ihren zu jeder Jahreszeit vorkommenden Überschwemmungen
-liefern können. Das Heu wird so fest eingelegt, daß es das Dachgerüst
-stützen hilft und zum Gebrauch mit scharfen Spaten abgestochen wird. Der
-übrige Theil des Bodens beherbergt Kisten und Kasten und vor allem
-Wintervorräte für den Haushalt, die im Herbst von Husum und Wyk auf Föhr
-für mehrere Monate beschafft werden müssen, weil mit Beginn der
-Eisbildung auf den Watten die Halligen so gut wie von jedem Außenverkehr
-abgeschnitten sind.
-
-Das Innere eines Hallighauses in seiner ganzen Behaglichkeit hat in
-letzter Zeit Jacob Alberts in mehreren Ölgemälden dargestellt; seine
-Studien und ausgeführten Bilder waren 1894 der Gegenstand einer
-besonderen Ausstellung in Kiel, seit welcher sich sein bekanntestes
-Bild, der Königspesel auf Hooge, im Museum daselbst befindet. Das erste
-Heft des Jahrganges 1895 der »Graphischen Künste«, hat vortreffliche
-Reproduktionen seiner Arbeiten gebracht, auf die hiermit hingewiesen
-sein möge. In einem späteren Aufsatz sollen die wichtigsten Stücke der
-bisher erworbenen inneren Ausstattung besprochen und in Abbildungen
-vorgeführt werden. Vielleicht tragen diese Anregungen dazu bei, dem
-Museum in seinen Bemühungen um die Aufstellung eines friesischen Zimmers
-nebst Küche materielle Unterstützung zu verschaffen, deren es bei der
-raschen Verschleppung der letzten alten Ausstattungsstücke in die Häuser
-vermögender Sammler und bei der Kostspieligkeit des Erwerbes wie des
-Transportes dringend bedarf. Was im Privatbesitz sich ziemlich zwecklos
-verbirgt, würde im germanischen Museum den Tausenden von Besuchern aus
-allen Teilen Deutschlands zur Freude und Belehrung zugänglich sein.
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _Eugen Traeger_.
-
-
-
-
- Dürer.
-
-
- Kleine Mitteilungen.
-
-Nach Lochner's Darlegungen im Korrespondenten von und für Deutschland,
-1858, Nr. 421, nimmt man allgemein an, daß der Schwiegervater des
-älteren Albrecht Dürer Hieronymus Holper geheißen habe, und nicht
-Haller, obgleich alle uns erhaltenen Abschriften der Familienchronik die
-letztere Lesart aufweisen. Es ist nicht zu leugnen, daß Lochners
-Hypothese große Wahrscheinlichkeit für sich hat, andererseits aber nicht
-zu vergessen, daß zwingende Beweiskraft dem von ihm beigebrachten
-Material nicht innewohnt, daß sehr wohl ein tückischer Zufall hier sein
-Spiel getrieben haben kann. Es liegt mir fern, diese an sich
-nebensächliche Frage zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung zu
-machen, sondern ich möchte nur einiges Material über die
-Verwandtschaftsverhältnisse von Dürers Schwiegereltern beibringen, die
-zu allerhand Vermutungen Anlaß geben. Hans Frey, Dürers Schwiegervater,
-war vermählt mit Anna, Tochter Wilhelm Rumels und dessen Ehefrau
-Kunigund, geb. Hallerin oder Münzmeisterin von Bamberg, Schwester von
-Anton Haller, Genannten und Richter zu Wöhrd. Die Familie Frey war also
-zweifellos mit einer Nebenlinie der Haller verwandt. Ist das gleiche
-auch mit Dürer der Fall, dann erscheint die immerhin auffallende
-Thatsache, daß der begüterte und angesehene Hans Frey sich für seine
-Tochter um den jungen Malergesellen bewirbt, in ganz anderem Lichte: die
-Familien waren bereits durch verwandtschaftliche Bande mit einander
-verknüpft und es herrschte demgemäß ein vertrautes Verhältnis zwischen
-ihnen, das einen solchen Schritt erklärt. -- Gehörte auch Johann Haller
-aus Rothenburg o. d. T., der Schüler Kobergers, der 1491 das Bürgerrecht
-in Krakau erwarb und dort eine Druckerei gründete, zu dieser
-Verwandtschaft? Hat er vielleicht Dürers, des jungen Verwandten,
-Wanderschaft beeinflußt, so daß Burckhardt mit seiner Annahme von Dürers
-Aufenthalt in Krakau Recht hätte?
-
- * * * * *
-
-Der Entwurf zur Widmung der Befestigungslehre (Dürers schriftlicher
-Nachlaß S. 201) befindet sich noch auf dem städtischen Archiv zu
-Nürnberg (D. 394-397) und stammt, wie Campe richtig angibt, von
-Pirkheimer.
-
- * * * * *
-
-Die Abschriften der Heller-Briefe, die sich zur Zeit der Herausgabe von
-Dürer's schriftlichen Nachlaß (S. 43) nicht auffinden ließen, befinden
-sich nicht mehr auf der Hof- und Staatsbibliothek in München, sondern
-nach Mitteilung des Herrn Konservators Bayersdorffer im kgl.
-Kupferstichkabinett daselbst.
-
- F.
-
-
- Leonhard Danner.
-
-Zu dem Artikel »Aus der Plakettensammlung II« sei nachträglich erwähnt,
-daß der unter Danner angeführte Brettstein nebst einer Reihe anderer,
-sicher auf diesen Künstler zurückzuführender, von Stockbauer, Bayer.
-Gewerbe-Zeitung 1888, Nr. 1, beschrieben wurde.
-
- F.
-
-
-
-
- Das schleswig-holsteinische Frontale im germanischen Museum.
-
-
-Zu den wertvollsten Schätzen des germanischen Museums zählt ein in der
-Kirche aufgestelltes Frontale. Es dürfte nicht überflüssig sein, das
-Interesse der Besucher der Sammlung auf dieses schon durch seine
-Seltenheit und sein Alter kostbare Stück zu lenken.
-
-Die Seitenwände, vornehmlich aber die Vorderwand des Altares zu
-schmücken, sei es durch Vorhänge, sei es durch eine Vorsatztafel
-(antependium, frontale, antemensale) ist jedenfalls eine sehr alte
-Sitte, welche bis in die frühchristliche Zeit zurückreicht. Auf dem bis
-etwa zum Jahre 1000 gewöhnlich vom Ciborium überdachten Altar durften
-nur die notwendigsten Geräte aufgestellt werden, das Kruzifix, die
-Leuchter, das Meßbuch und außerdem Reliquienbehälter. Für figurale
-Darstellungen bot sich also kein geeigneterer Platz, als die Seitenwände
-und die Vorderseite des Altares. Letztere wählte man naturgemäß
-vorwiegend zur Anbringung bildlichen Schmuckes. Meistens scheint man
-sich dabei einer metallenen Tafel bedient zu haben, sehr häufig auch des
-Holzes, oder in Rahmen gespannter Gewebe. In einzelnen Fällen wurde
-Stein verwandt. Diese Altarvorsätze waren beweglich und konnten nach
-Bedarf entfernt oder gewechselt werden. Für die weitere Entwicklung des
-Altarschmuckes wurde die Neigung zur Aufstellung einer immer größeren
-Anzahl prächtiger Reliquienbehälter auf der Altarplatte (mensa) von
-Bedeutung. Diese Gegenstände beengten den Raum der Mensa. Um nun diesen
-wieder für ungehinderte Ausübung der heiligen Handlung zu gewinnen, ohne
-doch den prächtigen Schmuck der goldenen und silbernen Reliquienbehälter
-entbehren zu müssen, errichtete man hinter der Mensa eine sie
-überragende Steinwand (retabulum) die zur Aufstellung kirchlicher
-Prunkgefäße diente. Das Retabulum selbst bot eine neue Fläche für
-Anbringung figuraler Darstellungen, die man nicht unbenutzt ließ. In
-derselben Weise, wie beim Schmuck der Stirnwand des Altares verfuhr man
-auch hier und so entwickelte sich über dem Frontale ein
-Superfrontale[326]. Aus dem Retabulum mit dem Superfrontale ging unter
-der Herrschaft der Gotik der reichgeschnitzte und bemalte, in die Höhe
-und Breite wachsende Flügelaltar hervor, während gleichzeitig das
-Frontale mehr und mehr seinen bildlichen Schmuck verlor und sich in eine
-ornamental verzierte Altarbekleidung umwandelte. Das metallene
-Antemensale verschwindet im Laufe der ersten Hälfte des XIII.
-Jahrhunderts, an seine Stelle tritt die zuweilen geschnitzte, meist
-bemalte Holztafel und vor allem gewebte Antependien.
-
-[Fußnote 326: Außerordentlich interessant ist ein Altar aus dem XII.
-Jahrhundert in Lisbjerg (Dänemark). Er besitzt bei einem reich
-figuralgeschmückten Frontale ein Superfrontale, das in einreihiger
-Darstellung den thronenden Christus, zu seinen Seiten je sechs Apostel
-in Bogenstellung zeigt. Darüber wölbt sich auf medaillonverzierten
-Untersätzen ein mächtiger Halbbogen, in dem der Kruzifixus mit Maria und
-Johannes unter dem Kreuz sich befindet. Das Ganze wird gekrönt durch
-einen Aufsatz, der unter einem mittleren größeren Bogen den thronenden
-Heiland enthält, während in den nach beiden Seiten niedriger werdenden
-drei Bögen anbetende Gestalten dargestellt sind.]
-
-Aus der hier kurz gegebenen Entwicklung der Altarbekleidung ergibt sich,
-daß sich das metallene Frontale mit figuralem Schmuck allgemein nur bis
-zum Beginn der Gotik findet[327]. Die erhaltenen romanischen
-Antemensalien sind in ihrer größeren Zahl gewebte, bemalte oder
-gestickte Antependien, ferner bemalte, sehr selten geschnitzte
-Holztafeln. Metallene Frontalien sind nur in geringer Anzahl überkommen.
-Doch darf man daraus nicht den Schluß ziehen, sie wären seltener
-angewandt worden, denn der Not und dem Kampfe der Zeiten mußten solche
-Stücke leichter als weniger kostbare zum Opfer fallen. Dieses Schicksal
-hatte z. B. eine am Ende des XII. Jahrhunderts aus Gold und Silber
-gefertigte Altartafel des Klosters Petershausen. So wurde auch im XVI.
-Jahrhundert der mit Edelsteinen gezierte Altar aus dem Dom zu Merseburg,
-ein Geschenk Kaiser Heinrich II., Kriegsbeute.
-
-Doch sind einige metallene Altarvorsätze in Deutschland erhalten
-geblieben: Im Schatze des Münsters zu Aachen 17 getriebene Goldplatten
-aus dem X. Jahrhundert[328], ein goldenes Frontale, das Kaiser Heinrich
-II. 1019 dem Münster zu Basel gestiftet hat[329]. Jetzt befindet es sich
-im Hotel Cluny zu Paris. In der Stiftskirche zu Komburg in Württemberg
-ist ein kupfernes, vergoldetes, mit Emailarbeit und Edelsteinschmuck
-versehenes Frontale aus dem XII. Jahrhundert[330]; ferner ist das
-Antemensale der Ursulakirche in Köln zu nennen, von gleicher Arbeit und
-aus gleicher Zeit wie das vorige[331]. Ein hervorragendes Werk deutscher
-Emailarbeit ist das Frontale in Kloster-Neuburg, das in drei Reihen die
-Heilsgeschichte zur Anschauung bringt[332].
-
-Das zuletzt entdeckte unter der geringen Anzahl in Deutschland
-erhaltener Frontale ist das im germanischen Museum aufgestellte, aus
-Quern in Angeln (Kreis Flensburg, Schleswig-Holstein) stammende.
-
-Erwähnt wird das Querner Frontale von Haupt in seinen Bau- und
-Kunstdenkmälern der Provinz Schleswig-Holstein Bd. I. S. 321; ferner in
-der schleswig-holsteinischen Kirchengeschichte, nach hinterlassenen
-Handschriften von H. N. A. Jensen, herausgegeben von A. L. J. Michelsen
-Bd. II. S. 267. Auch in Ottes Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie
-des deutschen Mittelalters Bd. I. S. 136 findet es eine kurze Erwähnung.
-Eine ausführlichere Beschreibung widmet ihm J. P. Trap in seiner
-Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertug-demmet Slesvig Bd. II. S.
-500 und 501. Endlich darf wohl angenommen werden, daß das von J. von
-Schröder in seiner Topographie des Herzogtums Schleswig S. 414 erwähnte
-kupferne Altarblatt mit dem Brustbild Christi und den vier
-Evangelistenzeichen unser, hier allerdings ungenau beschriebenes
-Frontale sein soll. Wenigstens haben meine Nachforschungen am Orte
-selbst keinen Anhalt ergeben für die Annahme, daß noch ein zweites
-kupfernes Altarblatt in Quern sich befunden habe.
-
-[Fußnote 327: Von einem metallenen gotischen Antemensale mit figuraler
-Darstellung spricht Bouillart in seiner Geschichte der Abtei von St.
-Germain. Er berichtet von einem Frontale (1404) mit Säulenbündeln und
-Fialen, in dessen Nischen die Bilder des Johannes, des Philippus, des
-Germanus und der heiligen Catharina stehen. Laib und Schwarz, Studien
-über die Geschichte des christlichen Altars S. 19.]
-
-[Fußnote 328: Abbildung aus'm Weerth. Tafel XXXIV. 1.]
-
-[Fußnote 329: Abbildung Laib und Schwarz, Studien über die Geschichte
-des christlich. Altars. Tafel IV. Fleury, La messe Pl. LXXXVI. Anton
-Springer, Handbuch der Kunstgeschichte Bd. II. S. 198 u. s. w.]
-
-[Fußnote 330: s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und
-Schwarz, Studien über die Geschichte des christlichen Altars. Tafel V.
-Boisserée Denkmäler Tafel XXVII.]
-
-[Fußnote 331: Abbildung Bock, das heilige Köln. Tafel XVIII. 69.]
-
-[Fußnote 332: siehe darüber: Der Altaraufsatz im regul. Chorherrenstift
-zu Kloster-Neuburg, von Dr. Gustav Heider. Karl Drexsler. Das Stift
-Kloster-Neuburg.]
-
-Das Frontale im germanischen Museum stammt aus der St. Nicolaikirche in
-Quern, einem romanischen Quader- und Feldsteinbau, der in seiner
-ursprünglichen Form dem XII. Jahrhundert angehören mag. Die Altartafel
-wurde, wie Haupt mutmaßt, am Ende des XVII. Jahrhunderts mit Flügeln
-versehen, die eine schlecht gemalte Darstellung des Abendmahls und der
-Kreuzigung enthalten. In dieser Form diente sie als Altaraufsatz. Unter
-dem 31. Oktober 1881 beschloß das Kirchenkollegium, das Antependium,
-welches seit 1869 hinter dem Altar gehangen hatte, und dessen
-Altertumswert niemand ahnte, nebst zwei messingenen Altarleuchtern für
-300 Mk. zu verkaufen[333]. Eine Zeit lang war das Antemensale im
-Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt und wurde schließlich
-vom germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erworben.
-
-Die Querner Altartafel ist zwei Meter lang und ein Meter hoch, von stark
-vergoldetem Kupferblech, aus einzelnen unregelmäßig geschnittenen
-Platten zusammengesetzt. Die Aureole in der Mitte der Tafel ist 580 mm.
-hoch, 432 breit, der obere Rand hat 30, die innere Abschrägung 32 mm.
-Die Bogennischen haben eine Höhe von 340 und eine Breite von 60 mm. Der
-mittlere Ornamentstreifen ist 40 mm. breit. Die Figuren haben folgende
-Maaße: Die Christusfigur mit der Gloriole 400 mm., der geflügelte Mensch
-290 mm., die übrigen Figuren messen 270-280 mm. von der Hake bis zum
-Scheitel. Die unbärtigen Köpfe haben ein Maaß von 45-50 mm., die
-bärtigen von 60-70 mm.
-
-Inhalt und Einteilung der Tafel sind die für das Frontale um 1200
-allgemein üblichen. In kräftig getriebenem Relief, das die Köpfe und
-oberen Körperpartien besonders stark hervortreten läßt, zeigt sie in
-einer von den vier Evangelistensymbolen in der Reihenfolge Matthäus,
-Johannes oben, Marcus, Lucas unten, umgebenen, zugespitzten elliptischen
-Aureole den Salvator auf tuchbehangenem Thron, die rechte Hand segnend
-erhoben, die linke auf das Buch des Lebens gestützt. Die Füße stehen auf
-einem Schemel. Der bärtige Kopf des Heilands ist von einer Gloriole
-umgeben, welche die Kreuzform in bekannter Weise enthält. Das Bild hebt
-sich von schuppenartig gemustertem Grund ab. Über der Aureole ist die
-Taube, unter der Aureole das Lamm mit Heiligenschein und Fahne in
-typischer Darstellung gegeben. Zu beiden Seiten des großen Mittelfeldes
-sind je sechs Apostel zu drei und drei über einander in romanischer
-Rundbogenstellung angeordnet. Petrus ist durch den Schlüssel
-ausgezeichnet, die übrigen Apostel tragen das Buch. Die obere und untere
-Bogenstellung werden durch einen Ornamentstreifen getrennt; ebenso ist
-die Aureole durch Ornamentstreifen gebildet. Ein Rundstab scheidet die
-Tafel von dem nach innen abgeschrägten Rand. Auf letzterem findet sich
-in Beziehung auf das Salvatorbild die mit Gold gemalte Inschrift: Sum
-lux eterna residens in sede superna. -- Lux ego sum vite per me sup
-astra venite.
-
-[Fußnote 333: Eine Mitteilung, die ich dem Herrn Pastor H. Flor in
-Groß-Quern verdanke.]
-
-Mit Bezug auf die Bestimmung des Altares heißt es weiter: Est deus hic
-regnans hic sacratur et ebibitur roseus cruor agni per quem sulphurei
-tepuit violentia stagni. -- Die erste Umschrift beginnt über der letzten
-Bogennische links von der Aureole und endigt unter Petrus. Dort setzt
-die zweite Umschrift ein.
-
-Der Querner Tafel fast gleich nach Inhalt und Einteilung ist das dem
-XII. Jahrhundert angehörende Antemensale aus der Stiftskirche zu Komburg
-in Württenberg. In der Mitte zeigt es gleichfalls die Aureole in Gestalt
-einer zugespitzten Ellipse mit der hier allerdings stehenden und auch
-sonst abweichenden Heilandfigur. Durch gerade verlaufende
-Ornamentstreifen wird das Mittelfeld von den Seitenfeldern abgetrennt.
-In den so um die Aureole entstehenden vier Zwickeln sind die
-Evangelistensymbole angebracht in derselben Reihenfolge wie auf der
-Querner Tafel. Die Seitenfelder gleichfalls durch gerade verlaufende
-Ornamentstreifen abgeteilt und darin von der Querner Tafel abweichend,
-enthalten in gleicher Anordnung, zu drei und drei über einander
-beiderseits je 6 Apostel. Die Reihenfolge unter den Aposteln selbst ist
-allerdings insofern eine andere, als in dem Komberger Antemensale
-Petrus, der hier noch nicht mit dem Schlüssel dargestellt ist, in der
-oberen Reihe rechts zu nächst dem Mittelfelde steht, während er in dem
-Querner Frontale an der entsprechenden Stelle in der unteren Reihe
-rechts seinen Platz gefunden hat.
-
-Dem Komburger Antemensale nahe verwandt ist die Altartafel in St. Ursula
-in Köln. Die übrigen von mir angeführten metallenen Frontalien aus
-Deutschland weichen völlig ab von dem Typus, den die Querner Tafel
-zeigt. So stellt der berühmte goldene Altarvorsatz aus dem Münster zu
-Basel unter 5 hohen schmalen säulengetragenen Rundbögen Christus mit den
-3 Erzengeln und dem heiligen Benedictus dar. Die Tafel aus
-Klosterneuburg entbehrt ganz des plastischen Schmuckes, sie giebt in
-vortrefflicher Emailarbeit die Heilsgeschichte wieder.
-
-In Schleswig-Holstein selbst finden sich einige hölzerne Altarvorsätze,
-die bezüglich ihrer Einteilung und des Inhalts ihrer Darstellung
-bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Querner Tafel zeigen. Zunächst ist in
-der alten Kirche zu Ekwadt (Kreis Apenrade) vor der Mensa ein
-spätromanischer, um 1200 gefertigter Vorsatz[334], der genau dieselbe
-Einteilung hat. Die Mitte nimmt die Aureole ein in Form einer
-zugespitzten Ellipse, die hier freilich keinen Raum mehr für eine
-Darstellung der Taube und des Lammes (über und unter sich) freiläßt.
-Dagegen sind für die Anbringung der 4 Evangelistenzeichen an gleicher
-Stelle wie bei der Querner Tafel Teile von der Ellipse durchschnittener
-Bögen ausgespart. Zu beiden Seiten des Mittelfeldes finden wir auch hier
-in 2 Reihen je 3 Bögen. Leider sind die Figuren aus dem Frontale
-verloren gegangen. Man darf jedoch bei der völligen Gleichheit der
-Einteilung des Rahmens auch annehmen, daß der von ihr umschlossene
-figürliche Inhalt derselbe war, wie ihn das Querner Antemensale besitzt.
-Wir dürfen das um so unbedenklicher thun, als sich in Hellewadt[335], in
-der Nähe Ekwadts, ein dem Ekwadter gleiches Frontale befand, welches
-zwar 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein thronender Christus und 8
-Apostel erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch deswegen,
-weil Bögen, Säulen und Figuren nicht nur gemalt, sondern in
-Holz geschnitzt sind. Ein ähnliches Stück soll sich in der
-Universitätssammlung zu Christiania befinden.
-
-[Fußnote 334: Haupt Bau- und Kunstdenkmäler der Prinz
-Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 24.]
-
-[Illustration: Taf. IV.
-
-Frontale aus der Kirche zu Quern in Holstein.]
-
-Die Frontalien des XII. Jahrhunderts geben sehr oft Vorgänge aus der
-Heilsgeschichte, meist in 3 Reihen von Bildern, wieder, so das
-Antemensale aus Stroddetorp im Museum zu Stockholm[336] ferner die Reste
-eines norwegischen kupfernen Frontale, das Bendixen in den Bergens
-Museums Aarsberetning for 1890 bespricht. Um 1200 scheinen die früher
-beliebteren scenischen Darstellungen der Anbringung einzelner Figuren in
-umgrenztem Felde zu weichen und für Letztere wurde Einteilung und Inhalt
-der Darstellung, wie sie die Querner Tafel zeigt, typisch. Bis in die
-Zeit der Gothik hinein hat sich diese Tradition, ohne freilich zur
-ausschließlichen Herrschaft zu gelangen, erhalten. So finden wir in
-einem hölzernen gotischen Antemensale in Riseby (Kreis Eckernförde) das
-Haupt in den Anfang des XII. Jahrhunderts setzt[337] bei gleicher
-Einteilung Christus mit den Aposteln in gleicher Anordnung wieder.
-Dasselbe ist in einem ungefähr gleichzeitigen norwegischen Frontale aus
-der Kirche von Ulvik in Hardanger[338] der Fall, nur ist hier die
-Aureole abweichend gestaltet.
-
-Die Darstellung des Heilandes in der Aureole, umgeben von den
-Evangelistensymbolen, ist in romanischer und frühgotischer Zeit eine
-überaus häufige. Seit dem XII. und XIII. Jahrhundert scheint man meist
-die, auch in unserer Tafel angewandte Reihenfolge der Symbole
-(geflügelter Mensch und Adler oben, Löwe und Ochse unten) bevorzugt zu
-haben.
-
-Es würde aber doch nicht unbedenklich erscheinen, die Reihenfolge der
-Evangelistensymbole als weiteren Anhaltspunkt zur Datierung der Querner
-Tafel zu benützen. Ebensowenig dürfte die Darstellung der Symbole in
-ganzer Figur (wie in dem Querner Altarvorsatz) oder in halber Figur (wie
-im Komburger Frontale) auf einen zu verschiedenen Zeiten allgemein
-üblichen Gebrauch zurückzuführen sein. Auch ist es mir zweifelhaft, ob
-die anthropomorphe oder nichtanthropomorphe Gestaltung der Symbole ein
-für die Datierung zu benutzendes sicheres Merkmal bildet. Dagegen darf
-zur Bestimmung der Entstehungszeit darauf hingewiesen werden, daß Petrus
-in dem uns vorliegenden Antemensale als Attribut den Schlüssel in den
-Händen hält. Das XII. Jahrhundert stellt die Apostel entweder mit einer
-Schriftrolle oder mit einem Buch versehen dar. Die Gotik charakterisiert
-die einzelnen Apostel durch bestimmte Attribute. Das XIII. Jahrhundert
-beginnt damit, Petrus mit einem solchen zu versehen und zwar wird ihm
-entweder das Schwert gegeben, wie die aus dem Frontale zu Hellewadt
-erhaltene Figur des Apostels zeigt, oder man stellt ihn den Schlüssel
-tragend dar. Ich möchte glauben, daß die letztere Art der
-Charakterisierung des Petrus die jüngere ist. Jedenfalls scheint die
-Petrusfigur aus dem Hellewadter Frontale, die neben dem Schwert auch
-noch die ursprüngliche Schriftrolle trägt, älter zu sein, sie stammt,
-wie oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale würde danach
-in den Anfang des XIII. Jahrhunderts zu setzen sein.[339]
-
-[Fußnote 335: Haupt Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz
-Schleswig-Holstein. Bd. I, S. 34.]
-
-[Fußnote 336: Fleury, la mes pl. LXXXVIII.]
-
-[Fußnote 337: Haupt. Bd. I, S. 185.]
-
-[Fußnote 338: Bendixen, Bergens Museums Aarsberetning for 1893.]
-
-Dafür spricht auch der Stil der Figuren selbst. Auf den ersten Blick
-erinnern die in lange Gewänder gehüllten, wenig proportionierten
-Gestalten, mit den schmalen, schräg abfallenden Schultern, den stark
-herausgetriebenen Köpfen und den mehr in die Fläche zurücktretenden
-nackten Füßen an die Plastik des beginnenden XI. Jahrhunderts, etwa an
-die Erzthür im Dom zu Hildesheim. Bei aufmerksamerer Betrachtung
-entgehen uns aber in dieser unbeholfenen und zum Teil rohen Arbeit nicht
-die Züge, welche die Kunstblüte im Anfang des XIII. Jahrhunderts
-auszeichnen. Der Trieb nach treffenderer Wiedergabe des Wirklichen, nach
-freierer Bewegung der Gestalten und die nicht ungeschickte Behandlung
-des Stofflichen. Die rechte, segnend erhobene Hand des Heilandes ist
-noch völlig konventionell. Sie steht fast in rechtem Winkel zum Arm,
-eine Haltung, die in Wirklichkeit außerordentlich schwierig, wenn nicht
-unmöglich sein würde. Die Stellung der Finger der segnenden Hand (der
-kleine Finger und der Ringfinger sind eingeschlagen, während die übrigen
-3 Finger gestreckt sind) findet sich schon sehr früh, z. B. auf dem
-erwähnten Buchdeckel des heiligen Bernward im Domschatz zu Hildesheim
-und vielen anderen Stücken; ebenso noch in der spätromanischen Zeit, u.
-a. in einer Miniatur in einem Evangelienbuch aus der ersten Hälfte
-des XIII. Jahrhunderts in der Königl. Schloßbibliothek zu
-Aschaffenburg.[340] -- Gut beobachtet dagegen ist die Stellung des
-linken Beines; es ist stark angezogen, um dem Buche als Stütze zu
-dienen. Bekleidet ist der Heiland mit einem langen, weitärmlichen
-Gewand, das am Halse mit einem breiten, gemusterten Kragen abschließt
-und in der Mitte des Körpers von einem breiten etwas nach oben
-verschobenen Gürtel gehalten wird. Nur über die linke Schulter geworfen
-ist ein Mantel, welcher das linke angezogene Bein bis übers Knie deckt.
-In ganz derselben Weise finden wir den Salvator aus dem Antemensale zu
-Hellewadt bekleidet, auch dort liegt der Mantel nur auf der linken
-Schulter, ist dann freilich über beide Beine geschlagen und rechts im
-Gürtel befestigt. Große Ähnlichkeit mit dem Salvator in der Querner
-Tafel zeigt der thronende Heiland in dem norwegischen Antemensale im
-Museum zu Bergen, nur thront er dort auf dem Bogen und hat zu beiden
-Seiten der Gloriole das Alfa und Omega. Leider ist in dem Querner
-Frontale der Kopf des Heilandes eingedrückt, doch kann man deutlich
-erkennen, daß bei der Behandlung des Bartes und Haares zu feinerer
-Ausarbeitung der Stichel angewandt ist. Seine Anwendung finden wir nur
-noch einmal bei dem Apostel in der vom Mittelfeld aus ersten Bogennische
-oben rechts im Frontale wieder. Die Figuren lassen ein gewisses Streben
-nach natürlicherer und freierer Gestaltung nicht verkennen. Bei
-Einzelnen wird der oft nicht ganz geglückte Versuch gemacht, durch die
-Kleidung die Körperformen sehen zu lassen, so bei dem geflügelten
-Menschen, dem Symbol des Matthäus. Hier ist auch die Behandlung des
-Faltenwurfes eine recht gute. Beim Petrus zeigen sich die Knie deutlich
-durch das Gewand. Einer der Apostel (im Frontale rechts unten der
-äußerste), ist ganz in Profilansicht gegeben. Er schreitet eilend
-vorwärts und die Kontouren seines Beines heben sich deutlich im Stoff
-ab. Überhaupt ist die Absicht unverkennbar, möglichsten Wechsel in
-Haltung und Gebärden der Figuren eintreten zu lassen. Wenn dennoch
-einmal 2 Gestalten große Ähnlichkeit mit einander zeigen, wie die beiden
-unbärtigen Apostel (in der oberen Reihe die äußersten), so muß man zur
-Erklärung in Betracht ziehen, daß es gar nicht leicht ist, 12 Figuren,
-die durch gleiche Bedeutung und gleiche Raumbeschränkung gebunden sind,
-überall in abweichender Stellung zu zeigen. Dazu kommt, daß die Figuren
-durch Säulen getrennt, keine Beziehungen zu einander haben. Allerdings
-könnte es scheinen, als ständen die 3 Apostel oben rechts in einem
-gewissen inneren Zusammenhang. Die beiden äußeren Figuren wenden sich
-der mittleren zu. Auch die Fußstellung würde mit solcher Annahme im
-Einklang sein. Doch ist das wohl nicht mehr als ein zufälliges
-Zusammentreffen, denn unter den übrigen Aposteln ist irgend eine
-Beziehung nicht zu konstatieren. -- Die meist bärtigen Köpfe der Apostel
-haben entschieden eine in die Augen fallende Ähnlichkeit, dennoch
-besteht das Streben zu individualisieren wie in der Haltung und Bewegung
-so auch hier; man betrachte z. B. den Kopf des Petrus, ferner den des
-über Petrus stehenden Apostels mit dem zugespitzten Vollbart. Hier ist,
-wie bereits erwähnt, zur feineren Behandlung des Haares auch der Stichel
-angewandt. -- Ein bemerkenswerter realistischer Zug zeigt sich in der
-Wiedergabe der Tierleiber. So ist der geflügelte Ochse, wenn auch nicht
-völlig richtig wiedergegeben, doch gut beobachtet in Bezug auf seine
-Bewegung und nicht ungeschickt modelliert. Die Wendung des Kopfes mit
-der herabhängenden Wampe findet sich freilich auch öfter in romanischen
-Werken früherer Zeit, ebenso das Hervortreten der großen und kleinen
-Rippen. Beim Löwen, wo der Anfertiger auf Vorbilder oder seine Phantasie
-angewiesen war, finden wir eine ganz typische Wiedergabe, die Füße sind
-sogar stilisiert. Einen naturalistischen Zug bekundet dagegen wieder die
-Bildung des Halses bei dem geflügelten Menschen. Hier zeigen sich
-deutlich die Knorpelringe des Kehlkopfes. -- Nach Allem dürfen wir wohl
-im Stil der Figuren trotz ihrer augenfälligen Mängel Züge der Kunst des
-beginnenden XIII. Jahrhunderts als festgestellt annehmen.
-
-[Fußnote 339: Abbild. u. a. Anton Springer, Handbuch der
-Kunstgeschichte. Bd. II, S. 145.]
-
-[Fußnote 340: Abbild. Knackfuß deutsche Kunstgeschichte. Bd. I, S. 251.]
-
-Der Mittelstreifen und der obere Rand der Aureole zeigen 2 einander
-verwandte spätromanische Ornamente, die, zierlich in Zeichnung und
-Ausführung, viel Verständnis für die Füllung des Raumes beweisen und in
-ihrer Arbeit einen merkwürdigen Kontrast zu dem übrigen groben
-ornamentalen Schmuck des Frontales bilden. Von Letzterem fallen
-besonders die urnenartigen Gebilde in den Bogenzwickeln auf. Sie
-bestehen aus einem oberen, von einem Knopfe gekrönten, überquellenden
-und einem sich nach unten, unter Anschluß an die Linien des
-Bogenzwickels verengenden Teil. Dieser ist durch eine horizontale Linie
-geteilt und läßt unter ihr deutlich eine quadratische Vertiefung
-erkennen. Der obere Teil zeigt vom krönenden Knopf abwärts verlaufende
-Striche, mehr oder weniger deutlich unter der Farbe erkennbar. Ferner
-läuft eine Horizontale von einem Knopf zum anderen, nicht überall in
-gleicher Höhe über den Bögen. Unter ihr zu beiden Seiten der
-vortretenden Bogenwölbung ist wieder je eine quadratische Vertiefung zu
-bemerken. -- Die deutschen Frontalien geben uns keinerlei Analogien für
-diese eigenartige Dekoration. Wohl aber zeigen nordische Arbeiten
-Ähnliches. In dem Superfrontale des Altares zu Lisbjerg (Dänemark)
-findet sich eine sehr ähnliche Bogenstellung, die in den Zwickeln klar
-erkennbare Architektur zeigt. Bei mangelhafterer Ausführung könnte sie
-recht wohl zu Formen führen, wie sie die Querner Tafel über den Bögen
-hat. In dem norwegischen kupfernen Frontale im Museum zu Bergen läßt
-sich auch hierin eine nahe Verwandtschaft mit der Querner Tafel
-konstatieren. Die Platten der zweiten und dritten Reihe haben dort
-nämlich in den Bogenzwickeln fast völlig gleiche Gebilde, nur kann man
-dort etwas deutlicher als hier erkennen, daß Türme mit Fenstern
-dargestellt werden sollten. So darf wohl angenommen werden, auch die
-Dekoration über den Bögen der Querner Tafel sollte Architektur
-darstellen. Die Verwendung von Architekturformen, Kuppeln und Türmen,
-über der Bogenstellung ist ja eine keineswegs seltene, sie will in
-naiver Weise gleichzeitig die Außen- und Innenansicht eines Domes geben.
-Sehr oft findet sie sich in Miniaturmalereien, aber auch in der kleinen
-und großen Plastik. Als Beleg für letztere erinnere ich z. B. an die
-Chorschranke der Michaelskirche in Hildesheim.
-
-Die Kapitäle und Basen der Säulen in dem Querner Frontale sind, wo sie
-nicht verloren gingen, teils ornamentiert, teils glatt. Ein
-systematischer Wechsel bei der Anwendung beider Formen läßt sich nicht
-feststellen. Die glatten Stücke bilden einfach einen von 2 Rundstäben
-eingefaßten Wulst. Die ornamentierten Kapitäle und Basen tragen
-entschieden das Gepräge der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Auf
-dem gleichfalls von Rundstäben eingefaßten Mittelstück wechseln
-langgestielte Dreipaßblätter mit kurz gestielten, über denen sich zur
-Ausfüllung des Raumes kugelartige Gebilde befinden, die unter der
-Übergoldung nicht deutlich zu erkennen sind. Besonders beachtenswert
-ist, daß in dem Südportal der Querner Kirche selbst ein ganz ähnliches
-Kapitäl vorkommt[341]. Das auch dort von 2 Rundstäben eingefaßte
-Mittelstück hat ebenfalls, allerdings etwas abweichend gestaltete
-Dreipaßblätter. Das Südportal gehört offenbar dem Anfang des XIII.
-Jahrhunderts an. Es ist spitzbogig, wechselt mit roten und schwarzen
-Backsteinen, der innere Stab trägt das eben beschriebene Kapitäl, seinen
-Sockel bilden noch roh glasierte, schwarze, backsteinere Basen mit den
-romanischen Eckblättern.
-
-[Fußnote 341: Abbild. Haupt. Bd. I, S. 321, Fig. 458.]
-
-Es haben in der Querner Kirche im Anfang des XIII. Jahrhunderts also
-Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die Annahme, daß bei
-dieser Gelegenheit auch das Frontale, welches, wie wir gesehen haben,
-gleichfalls den Beginn des XIII. Jahrhunderts entstammt, zum Schmucke
-des Altares angeschafft wurde.
-
-Nach Stil und Technik gehört die Querner Tafel dem Norden an. Und da
-sich, wie wir sehen, ähnliche, wenn auch nicht in Metall gearbeitete
-Altarvorsätze in Schleswig-Holstein gefunden haben (die Antemensale aus
-Ekwadt und Hellewadt), dürfen wir annehmen, daß auch das Querner
-Frontale im Lande selbst entstanden ist[342].
-
-Leider ist das Querner Frontale mit Farbe dick überstrichen. Der Grund
-der Aureole, sowie der Bogennischen ist blau. Die Figuren sind nochmals
-übergoldet. Die Flächen über den Bögen zeigen ein Braunrot, darin sind
-die architektonischen Gebilde in den Zwickeln von hellerem Braun, unter
-dem ein grüner Anstrich liegt, mit vergoldetem oberen Teil. Die
-Ornamentstreifen sind dunkelgrün mit Ausnahme eines links von der
-Aureole durch ein glückliches Geschick dem Anstrich entgangenen Stückes
-und des durchbrochenen vergoldeten Ornamentsstreifens in der inneren
-Abschrägung der Aureole. Die Säulen sind rot und weiß marmoriert und,
-wie die Innenfläche der Aureole, durch einen schwarzen Streifen
-eingefaßt. Kapitäle und Basen sind übergoldet. In den Bogennischen hat
-man ohne Verständnis für die Bedeutung der Bogenstellung den Boden mit
-gemaltem Pflanzenwuchs bedeckt. -- Die wenig schöne Bemalung könnte etwa
-aus der Zeit stammen, in der man das Antemensale mit den schlecht
-gemalten Flügeln versah und zum Schreinaltar umbildete. -- Eine weitere
-gewaltsame Umbildung muß der Altarvorsatz auch insofern erlitten haben,
-als man ihm eine neue Unterlage, entschieden vor der Zeit seiner letzten
-Bemalung gab. Die einzelnen unregelmäßig geformten Platten sind offenbar
-nicht mehr auf der ursprünglichen Holzunterlage; sie sind nicht, wie es
-in der Entstehungszeit der Querner Tafel geschah, mit Kupfernieten,
-sondern mit groben geschmiedeten Nägeln befestigt. -- Jede Figur ist aus
-einer Platte für sich gearbeitet, die ausgetriebenen Formen wurden, um
-dem durch die Bearbeitung dünn gewordenen Kupfer Halt zu geben, mit
-einer Art Harz ausgegossen. Diese Füllungsmasse scheint stellenweise
-verloren gegangen zu sein, wie der eingedrückte Kopf des Salvators
-vermuten läßt. Die die Figur umrahmenden Platten sind einfach
-übergenagelt und zwar zum Teil so unachtsam, daß ein Stück der Figuren
-verdeckt wird, so der obere Rand des Nimbus bei dem geflügelten Menschen
-und dem Apostel im erstem Bogen links. Die Platten, aus denen die Taube
-und das Lamm gearbeitet sind, zeigen deutlich die schräg abgeschnittenen
-Ränder. An einigen Stellen lassen die nicht ganz zureichenden
-Metallstücke den Holzuntergrund sehen. -- Die Säulenkapitäle und Basen
-sind auf die über einen runden Holzstab geschlagenen Säulen mit
-geschmiedeten Nägeln leicht befestigt. Die verschiedene und nicht im
-regelmäßigen Wechsel angewandte Form derselben legt den Gedanken nahe,
-man habe die glatten Kapitäle und Basen später, als man das romanische
-Ornament der Erhaltenen nicht mehr verstand, zur Ergänzung der etwa
-verloren gegangenen Kapitäle und Basen hinzugethan. Doch zeigen auch
-andere nordische Frontale, so das norwegische im Museum zu Bergen,
-denselben unregelmäßigen Wechsel zwischen glatten und ornamentierten
-Stücken. -- Spätere Zuthat dagegen ist unzweifelhaft der
-Ornamentstreifen der inneren Abschrägung der Aureole. Er zeigt in
-durchbrochener Arbeit ein romanischen Stil imitierendes, von der
-Feinheit der Ornamente auf den anderen Streifen weit entferntes,
-übergoldetes Ornament auf schwarzem Grund. -- Alles übrige ist
-ursprünglich und echt. Ein Zweifel könnte höchstens bezüglich des nicht
-gestrichenen in seinem alten Glanze erhaltenen Ornamentsstreifens links
-von der Aureole entstehen. Doch ergab die Untersuchung, daß das Metall
-dem bei den echten Teilen des Frontale verwandten Material gleich sei.
-
-[Fußnote 342: Ob auch die von Haupt Bd. II, S. 320 erwähnten kupfernen,
-stark vergoldeten Altäre, die im Hl. Geisthaus in Schleswig gewesen sein
-sollen, derselben oder einer späteren Zeit angehören, ist mir
-unbekannt.]
-
-_Nürnberg._
-
- _Gustav Brandt._
-
-
-
-
- Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum.
- (Mit 1 Lichtdrucktafel).
-
-
-Im letzten Heft 5 unserer »Mitteilungen« hatten wir das speziell auf den
-Halligen übliche nordfriesische Haus kennen gelernt, woran wir nunmehr
-die Schilderung einiger in unserem Besitze befindlichen
-Einrichtungsstücke schließen, die im gegebenen Zeitpunkt bei der
-Ausstattung eines friesischen Zimmers Verwendung finden sollen. Das
-Glanzstück derselben bilden zwei geschnitzte eichene Stubenthüren, das
-bedeutendste Profanaltertum, welches die Halligen bargen und welches
-sich eines nicht geringen Rufes erfreute. Die Thüren stammen von
-Nordmarsch, der Schwestergemeinde der Hallig Langeneß-Nordmarsch, einer
-Insel, die lange Zeit durch einen mächtigen Schlot (Graben, der mit der
-See in Verbindung stehend an Ebbe und Flut teilnimmt) in zwei annähernd
-gleiche Hälften getrennt war. Das Haus, welches sie schmückten, war
-eines der ältesten Halliggebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts, in
-welchem sich vortreffliche Wandkacheln und manches wertvolle Möbelstück
-befanden, woraus insgesamt geschlossen werden darf, daß es sich von
-Anfang an eines behaglichen Wohlstandes erfreut habe. Die in die Thüren
-eingeschnitzten Inschriften bilden den Beweis, daß sie in die Blütezeit
-des Halligwohlstandes zurückzudatieren sind, von dem ich in meinem
-vorigen Aufsatze sprach. Das Haus sah ich bei meinem Halligbesuch im
-Jahre 1893 noch vollständig eingerichtet, aber rettungslos dem Untergang
-geweiht, weil die Werft, auf der es stand, die Peterswerft, schon damals
-in gefahrdrohender Weise vom Wasser zerstört war, so daß sie in den
-heftigen, andauernden Orkanen der beiden folgenden Jahre demselben
-Schicksal verfiel, wie schon so viele Halligwerften: dem völligen
-Zusammenbruch und Hinabgleiten in die tobende Brandung schwerer
-Sturmfluten.
-
-Die beiden Thüren, die wir mit A und B bezeichnen wollen, befanden sich
-als Pendants in einem ziemlich kleinen Wohnzimmer von ungefähr 3-3½ m.
-Tiefe und Breite und kaum 2½ m. Höhe. Vom Flur aus betrat man es durch
-die Thür A, während B in eine Kammer führte. Das Haus war feucht,
-weshalb die Flächen der vier größeren Thürfüllungen in der Mitte, die
-geschnitzten Rahmen an den oberen Ecken auseinandergeborsten sind, die
-Bretter der anschließenden Holzwände aber Spuren von Vermoderung
-erkennen lassen, während das Eichenholz der Thüren selbst der Fäulnis
-Widerstand zu leisten vermochte. Sie sind ein Produkt der in ganz
-Friesland geübten Liebhaberkunst des Holzschnitzens, zu deren Ausübung
-auf unseren Inseln der sehr geringe Verkehr mit dem Festlande
-beigetragen haben mag, wodurch die Bewohner darauf angewiesen waren,
-viele Gebrauchsgegenstände selbst zu verfertigen, und die
-Vertrautheit mit der Holzbearbeitung, wie sie bei der Ausübung des
-Schiffzimmermanns-Gewerbes erforderlich ist. An Holz selbst aber gebrach
-es trotz des mangelnden Baumwuchses auf den Inseln nicht, man fand es an
-allen Sandplatten und Inselgestaden als Strandgut, das früher noch
-häufiger gewesen sein muß als jetzt, wo Leuchttürme und ein
-ausgebildetes Warnungssystem die Schiffe von den gefährlichen Untiefen
-fernhalten. Daß kein Berufsschreiner sie angefertigt habe, scheint mir
-schon aus den nicht ganz übereinstimmenden Maßen hervorzugehen, denn der
-Thürflügel A hat eine Höhe von 187.5, B von 189 cm., die geschnitzten
-Rahmenleisten der letzteren außerdem auf der Angelseite 200, auf der
-Schloßseite 202 cm. Höhe, wie auch sonst noch kleine Unregelmäßigkeiten
-festgestellt werden können, z. B. in der Breite der geschnitzten
-Rahmenflächen, die bei A 10, bei B 9-9,3 cm. beträgt, u. s. w.
-
-Jede Thür hat eine Breite von 82 cm. und ist durch eine doppelt
-überschobene obere und untere und eine schmale einfach überschobene
-Mittelfüllung gegliedert, die also auf der Rückseite aus der übrigen
-Fläche hervortreten. Die eigentlichen Bilder der oberen und unteren
-Paneele von A und B haben je eine dreifach zusammengesetzte Umrahmung,
-bestehend aus einem immer wiederkehrenden, überaus steif stilisierten
-Pflanzenornament mit phantastischen großen roten Blumen in Breite von 8
-cm. zwischen zwei Kehlstoßleisten, die der doppelten Ueberschiebung
-entsprechen. Das obere Paneel von A zeigt in 34,2:34,6 cm. zwei ganz
-symmetrische Säulenhallen mit roter Stoffdraperie. Unter der linken
-Halle sitzt der Evangelist Matthäus auf einem hochlehnigen Polsterstuhl;
-vor ihm kniet ein Engel und hält ihm das Evangelienbuch, in welches er
-schreibt, ihm zur Linken steht ein Tisch mit blumenerfüllter, schlanker
-Amphora. Unter der rechten Halle sitzt Markus hinter einem gotischen
-gedeckten Tisch auf einem Bänkchen mit schwellendem Polsterkissen. Auf
-dem Tische steht ein kleines Schreibpult mit dem Evangelienbuch, vor
-welchem der Apostel, in tiefes Nachdenken versunken, sitzt, die Feder in
-der Hand. Vor dem Tisch steht der Löwe und blickt zu seinem Herrn empor.
-Oben mitten zwischen beiden Säulenhallen erblicken wir die Taube des
-heil. Geistes in einem Strahlenkranze, wie auch die Häupter der
-Evangelisten von einem goldenen Heiligenschein umgeben sind.
-
-Die Mittelfüllung besteht aus einer oblongen, glatten Kartusche mit dem
-in Oelfarbe aufgemalten Namen Ebeneser; umrahmt ist letztere von einem
-horizontal 4, vertikal 8,5 cm. breiten geschnitzten Pflanzenornament von
-nicht ungefälligem Schwung in zierlicher Spätrenaissance, das sich in
-seiner freieren Anmut vorteilhaft abhebt von den übrigen
-steifstilisierten Ornamentschnitzereien. Die Dimensionen des so
-bearbeiteten Paneels sind 18:56 cm.
-
-In der unteren Füllung tritt aus seiner Umrahmung ein Vollschiff heraus,
-das mit geschwellten Segeln, wehender Flagge und Wimpeln durch die
-Wellen streicht, wahrscheinlich der Walfischfänger, dessen glücklichen
-Reisen der Verfertiger der Thüren als eifriger Teilnehmer seinen
-Wohlstand verdankte. Möven umflattern das stolze Fahrzeug, dessen
-gedrungener, fester Bau sehr wohl geeignet erscheint, den Gefahren des
-Eismeeres zu trotzen. Die Friesen lieben es noch heut, Bildnisse von den
-Schiffen zu besitzen, auf denen sie gefahren sind, man findet sie als
-Zeichnungen, Gemälde, Reliefschnitzereien und zierlich gearbeitete
-Modelle in allen Häusern, sogar als Kachelkompositionen, wie wir früher
-gesehen haben. Daß wir es hier mit einem Walfischfänger zu thun haben,
-dessen blau-weiß-rote Flagge auf Schleswig-Holstein hinweist, ersehen
-wir aus den Inschriften, die in die oberen Querleisten des äußeren
-Thürrahmens eingeschnitten sind, und zwar auf jedem die Hälfte eines
-mißlungenen Verses:
-
- DURCH GLUCK UND -- WALFISCHFANGST (A)
- GIBT GOT MIR -- HAUS UND LAND (B)
-
-Größenverhältnisse des Schiffsbildes: 33,5 × 43 cm.
-
-Die geschnitzten Umrahmungen der Paneelbilder der zweiten Thür B
-gleichen ganz denjenigen von A. Die obere Füllung behandelt hier die
-Apostel Lucas und Johannes in unverkennbarer Uebereinstimmung der
-Auffassung und des Arrangements, wie in dem entsprechenden Paneel von A,
-so daß der Schnitzer nach Vorlagen desselben Künstlers gearbeitet zu
-haben scheint. Wem diese Vorlagen aber zuzuschreiben sind, vermag ich
-nicht zu entscheiden, vielleicht haben wir dabei an einen
-Bibelillustrator zu denken. Links von dem Beschauer sehen wir, abermals
-unter einer Säulenhalle, geschmückt durch eine schöngeschwungene
-Purpurdraperie mit goldener Franse, den Apostel Lucas auf einer mit
-schwellenden Polstern belegten Bank vor einem Schreibtisch sitzen,
-beschäftigt mit der Niederschrift seines Evangeliums. Ihm zur Linken
-ragt ein Crucifix bis zum Dache der Halle, zur Rechten liegt am Boden
-sein Attribut, der Ochse, neben dem Tisch ebenfalls auf dem Boden steht
-eine blumengefüllte Amphora, doch niedriger als die auf dem Tische des
-Matthäus. Gegenüber sitzt Johannes, sein Evangelienbuch auf den Knieen
-haltend und ebenfalls eifrig mit Schreiben beschäftigt. Den Hintergrund
-erfüllt hier eine von Bäumen umgebene, hochragende Stadt mit spitzen
-Türmen (wohl Jerusalem), links neben ihm steht sein Adler und über ihm
-in einer Wolke thront Christus, eine Hindeutung auf seine Eigenschaft
-als Lieblingsjünger des Herrn. Zwischen beiden Evangelisten schwebt
-wieder die Taube in goldenem Strahlenkranze, und goldene Nimben
-verklären die Häupter der beiden Evangelisten, auf diesem Bilde sogar
-die symbolischen Tiere, was bei A nicht der Fall ist.
-
-[Illustration: Taf. V.
-
-Thüre von der Hallig Nordmarsch.]
-
-Die Verhältniszahlen des Bildes sind 34,5:35 cm.
-
-Die Mittelfüllung ist ausgezeichnet durch ein ähnlich zierliches
-Rankenornament wie bei A, nur läuft es in gleichbleibender Breite von
-4,5 cm. um eine Schrifttafel, die in Schnitzerei die gotische Inschrift
-enthält:
-
- Der Ein Und Aus Gang Mein
- Laß Dier O herr Befohlen Sein.
-
-Die Größenverhältnisse des Schnitzwerkes sind hier 17,5:66,5 cm.
-
-Die untere Füllung von B ist einigermaßen überraschend, denn der gelbe
-Blumenkorb mit steifem, streng symmetrisch geordnetem Bouquet, mit
-welchem sie geschmückt ist, erscheint mehr als ein Lückenbüßer, denn als
-charakteristische, der ganzen Veranlassung zu den beiden Pendants
-entsprechende Verzierung. Da wie um alle übrigen Paneelbilder auch um
-dieses eine Umrahmung von Pflanzenornament läuft, so ist hier des
-vegetabilischen Motivs etwas zu viel gethan, und man würde an Stelle des
-Blumenkorbes lieber irgend eine Scene aus dem Seemannsleben dargestellt
-sehen.
-
-Um wieder die Verhältniszahlen anzuführen -- sie betragen 34,5:43,4 cm.
-
-Jeden Thürflügel umschließt ein 17-18 cm. breiter Rahmen mit 10 cm.
-breiter Schnitzerei, die sich wesentlich von den übrigen umrahmenden
-Ornamenten unterscheidet. In Wellenlinien läuft hier von oben nach unten
-eine scharf hervortretende Lianenranke, deren Wellenhöhe bei B
-beträchtlicher ist, als bei A, wodurch dann natürlich die Wellenlängen
-in umgekehrtem Verhältnis stehen. An die Ranke setzen sich Blätter,
-Blüten und Früchte in naturalistischer Ausführung der exotischen Formen,
-doch unterscheiden sich beide Rahmen noch dadurch, daß bei A zahlreiche
-buntgefiederte Vögel, die bei B ganz fehlen, einen Teil der Blüten und
-Früchte ersetzen.
-
-Die Spruchbänder in den oberen Querleisten sind in der Mitte abgeteilt,
-bei A durch eine Blüte, aus der ein geflügeltes Engelsköpfchen
-herauswächst, bei B durch ein ganzes Figürchen, das mit erhobenen Armen
-ein wehendes Band etwa in der Form eines Schiffswimpels hält. Deutlich
-hervortretend zieht sich die Lianenranke in organischem Zusammenhange
-mit denjenigen der Seitenrahmen bei B auch durch die Querleiste, bei A
-verschwindet sie mehr unter üppigerem Blattwerk. Durch das
-Auseinanderbersten des Holzwerkes haben sich spätere Besitzer der Thüren
-veranlaßt gesehen, geschnitzte Keile in die breit klaffenden Fugen
-zwischen Quer- und Seitenleisten einzusetzen, welche der Harmonie des
-Ganzen leider in unschöner Weise Abbruch thun.
-
-Die Thürverschlüsse bestehen aus ovalen Messingschilden mit
-Bogenausschnitten an den Kanten und mit rechtwinkligen Griffbügeln. Von
-wenig geübter Hand sind Anfangsbuchstaben von Namen in der Mitte
-eingraviert und die Jahreszahlen 1774. Sie sind ganz augenscheinlich
-erst nachträglich aufgenagelt worden, denn die Farbe der Thür war hier
-bereits merklich abgegriffen und die Schilde selbst passen der Breite
-nach nicht auf die ungeschnitzte Leiste, so daß sie bis auf die
-Kehlstöße der Mittelfüllung überragen.
-
-Zu den Thüren gehören Bretterwände, die horizontal mit weißen
-akanthusartigen Arabesken auf blauem Grunde bemalt sind. Breite, reich
-profilierte Leisten mit buntem Oelfarbenanstrich verbinden je zwei
-Bretter und bilden auch oben und unten den Abschluß der Wände.
-
-Die Thüren mit ihrem tiefen, ruhigen Farbenschmuck und die Wandbretter
-harmonierten aufs Schönste mit den dunkelblau-weißen Kacheln der übrigen
-Wandteile, so daß im Verein mit dem über das gewöhnliche Maß
-hervorragenden Mobiliar, das mit den Thüren im Hause alt geworden war,
-mit dem reliefgeschmückten Einlegerofen und der Bettnische das ganze
-Zimmer ein ungewöhnlich charakteristisches Ensemble bot, dessen
-Zerstörung, ehe es ganz in unseren Besitz gelangen konnte, sehr zu
-bedauern bleibt.
-
-_Nürnberg._
-
- Dr. _Eugen Traeger_.
-
-
-
-
- Das Bildnis des Hans Perckmeister.
-
-
-Gegen das Ende des Jahres 1894 gelangte durch Ankauf ein interessantes
-Porträt, in Öl auf Holz gemalt, h. 51 cm, br. 41,5 cm in die
-Gemäldesammlung des germanischen Museums. Am obern Rande trägt das Bild,
-dessen nähere Beschreibung unten folgt, auf dem olivgrünen Grund in
-gelben lateinischen Majuskeln die Inschrift: ALS · MAN · M · CCCC ·
-LXXXXVI · IAR · ZALT · WAS PERCKMEISTER · LX · IAR · IN · DER · GE ·
-STALT · Am Rande der linken Seite in der Mitte das Monogramm W aus zwei
-sich überschreitenden V gebildet. Der Dargestellte (Brustbild) blickt
-dem Beschauer dreiviertel en face etwas nach rechts gewandt entgegen,
-die beiden nicht mehr ganz sichtbaren Hände sind gekreuzt, in der
-Rechten hält er einen Rosenkranz mit roten Perlen. Er trägt schwarze
-Schaube und schwarze Mütze mit hinten herabhängendem Ende. Das Gesicht
-ist schmal, mit kräftiger, ein wenig gebogener Nase, vielfach von Falten
-durchfurcht, das Haar graumeliert, der Ausdruck der eines klugen, dabei
-etwas gutmütigen Mannes.
-
-Über die Persönlichkeit des Dargestellten hat Hermann Peters in seinen
-geschichtlichen Notizen über die Mohrenapotheke das Wissenswerte
-zusammengestellt. Darnach war er der Sohn des Meisters Conrad
-Berkmeister, Besitzers der an Stelle des jetzigen Rathauses an der Ecke
-der heutigen Theresienstraße dem seinerzeitigen Predigerkloster
-gegenüberliegenden Apotheke. Nach der mitgeteilten Inschrift ist Hanns
-1436 geboren; 1470-1512 in welchem Jahre er starb, war er Genannter des
-größeren Rates. Die Apotheke am Predigerkloster, die er jedenfalls nach
-seinem Vater übernommen, befand sich schon vor seinem Tode in andern
-Händen (1511) und es ist wahrscheinlich, daß er, der mit seiner Frau
-eine Stiftung für die neue Spitalapotheke gemacht hatte, diese selbst in
-seinen letzten Lebensjahren geleitet habe.
-
-Das Bild ist gewiß kein hochbedeutendes Kunstwerk, aber nach mehr als
-einer Richtung von kunstgeschichtlichem Interesse. In der reichen
-Litteratur über Wolgemut ist es bisher nicht erwähnt, insbesondere auch
-Thode unbekannt geblieben. Gehört es wirklich Wolgemut an, so wäre es
-dessen bisher einzig existierendes bezeichnetes Gemälde. Daß das
-Monogramm W alt und echt ist, unterliegt nach Angabe von Geheimrat v.
-Reber und Professor Hauser, die gelegentlich der Restauration
-Gelegenheit hatten genau zu prüfen, keinem Zweifel. Fraglich bleibt
-zunächst nur, ob es Wolgemut bedeutet. Sind die verschiedenen W auf
-Illustrationen des Schatzbehalters Hinweise auf den Künstler Michael
-Wolgemut, so ist es das W auf dem vorliegenden Bilde sicher auch. Noch
-mehr aber dürfte für Wolgemut die künstlerische Art und Weise sprechen.
-Zum Vergleich heranzuziehen ist zunächst das in Größe und Ausführungsart
-dem des Hans Perckmeister ganz gleiche Brustbild des Martin Rosenthaler
-(Kat. d. Gem. d. Germ. Mus. Nr. 119). Leider ist das Bild schlecht
-erhalten, mit Ausnahme des Gesichtes ist alles übermalt. Die
-Persönlichkeit des Dargestellten geht aus einer fast verwischten
-Inschrift der Rückseite, die bisher nicht beachtet wurde, hervor, und
-heißt: MERTEN ROSSENTAHLER IN DIESER GESTALT 72 IAR ALT. Sie ist nach
-der Schrift (Weiß auf schwarzem Grund) wohl im sechzehnten Jahrhundert,
-vielleicht als das Bild eine Übermalung erhielt, erneuert worden. Die
-freie, kecke, an eine schnell gemachte Skizze erinnernde Art des
-Porträts Perckmeisters wohnt ihm nicht inne, es ist sorgfältiger
-behandelt, wie das Perckmeisters zeigt es aber dieselbe Auffassung und
-dieselbe Art den Dargestellten gegen den Hintergrund zu setzen. Der
-Dargestellte war nach urkundlichen Nachrichten 1493 gestorben, 1492 von
-einer Reise in das gelobte Land zurückgekehrt. Vermutlich ist das Bild
-kurz nach 1490 oder 1492-93 entstanden. Von diesem Martin Rosenthaler
-existiert ein auch in der Porträtsammlung des Museums vorhandener
-Kupferstich von J. F. Leonhardt (Ende des 17. Jahrhunderts). Dieser
-enthält auch die Notiz über Rosenthalers Wallfahrt zum heiligen Grab,
-welche in der betreffenden Litteratur bis heute nicht Erwähnung gefunden
-hat. Es ist eine ebenfalls nach links gewandte Halbfigur in schwarzer
-Schaube mit Rosenkranz in der Rechten. Das Haupt deckt ein
-pelzverbrämtes Barett. Der Dargestellte trägt hier einen Bart und ist
-jugendlicher, etwa als Fünfziger, wiedergegeben, so daß die beiden auf
-die Pilgerfahrt bezüglichen Zeichen, Muschel und Stern wohl spätere
-Zuthat sind. Die Gesichtszüge sind trotz des Bartes unverkennbar
-dieselben wie auf dem Ölgemälde und offenbar liegt dem Stich ein
-gleichzeitiges Gemälde zu Grunde. Nicht so groß, aber doch leicht
-erkenntlich ist die Verwandtschaft zu den neuerdings Albr. Dürer
-zugeschriebenen Tucherbildnissen der Casseler Galerie und des Weimeraner
-Museums. In Auffassung und Technik stehen diese 1499 datierten Bilder
-entschieden bedeutend höher als das vorliegende Porträt.
-Nichtdestoweniger ist die zeichnende, die Konturen hervorhebende Art
-beiden gemeinsam, auch die Art die Augen zu behandeln zeigt Verwandtes.
-Daß das Bildnis in die der Werkstatt Wolgemuts angehörende Gruppe zu
-verweisen ist, wurde auch ohne Monogramm des Weiteren ein Vergleich mit
-der Vorderseite der Predella des Peringsdorfferischen Altars
-(Brustbilder Cosmas, Damian, Magdalena und Lucia, Kat. Nr. 113 und 114)
-ergeben; die technische Behandlung des Haares und des Fleisches, der
-Modellierung stimmt genau überein.
-
-Ein erhöhtes Interesse gewinnt das Bild durch den Umstand, daß wir von
-einem zweiten und zwar plastischen Bildnis desselben Mannes Kunde haben.
-Wäre nicht die ganz ausdrückliche Bemerkung dabei, daß es
-Bildhauerarbeit und zwar vermutungsweise eine solche von Veit Stoß sei,
-so würde die Annahme, daß wir es mit dem eben besprochenen Gemälde zu
-thun haben, wohl kaum fehlgreifen. Joh. Christoph von Murr berichtet
-nämlich in seiner Beschreibung der Marienkirche zu Nürnberg (v. J. 1804,
-auf S. 15) bei Gelegenheit der Besprechung der Kunstweise von Veit Stoß:
-»Ich habe von Veit Stoß eine sehr schöne Büste. Sie ist 12½ Zoll hoch
-(das entspricht auch ungefähr der Größe des gemalten Bildnisses), und
-hat diese Aufschrift in goldenen Buchstaben:
-
- »ALS MAN M · CCCC · LXXXVI IAR ZALT
- WAR HANS PERCKMEISTER IX IAR IN DER GESTALT.«
-
-Das in der Bibliothek des germanischen Museums befindliche Exemplar der
-Schrift, stammt aus der Colmarischen Bibliothek und trägt von der Hand
-dieses Sammlers wie so viele andere, auch die Bemerkung: Jetzt hat sie
-(die Büste) Hr. Fürst Reiß-Lobenstein. Leider waren die Bemühungen den
-weiteren Verbleib dieser Skulptur, die als deutsche Porträtbüste des XV.
-Jahrh. von größter kunstgeschichtlicher Wichtigkeit wäre, festzustellen,
-bis jetzt ohne Erfolg. Eine handschriftliche Bemerkung auf der Rückseite
-des Ölgemäldes, der Schrift nach aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts,
-weist auf die »alhier« befindliche Praunsche Kunstkammer hin, und
-beweist damit, daß das Gemälde sich bis auf unser Jahrhundert in
-Nürnberg befand. In den Besitz des Museums gelangte es aus der
-nachgelassenen Sammlung des Appellationsgerichtsrates Lippart in
-Sulzfeld a. M., wo es wohl wenigstens seit der Mitte des Jahrhunderts
-war. Merkwürdig ist immerhin, daß weder Murr, der doch die
-Nürnbergischen Kunstbestände sehr genau kannte, noch der Autor der
-handschriftlichen Bemerkung von dem Vorhandensein des Bildes etwas
-wußten. Vielleicht trägt diese Notiz dazu bei, der Büste des weiteren
-nachzuforschen; dann kann auch entschieden werden, ob, wie zu vermuten
-ist, beide Arbeiten zusammenhängen, resp. das eine nach dem Vorbild des
-andern geschaffen wurde. Die lebenswahre, jedem Beschauer auffallende
-Behandlung des Gemäldes spricht vorläufig für die Arbeit desselben nach
-dem Leben.
-
-_Nürnberg._
-
- _Hans Stegmann._
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende an den Anfang des Buches
-verschoben.
-
-Fehlende Fußnotenreferenzen im Text wurden dem Kontext entsprechend
-hinzugefügt ([33] und [339]). Eine Referenz verwies auf keine Fußnote
-und wurde entfernt (vor [38]).
-
-Hervorhebungen wurden mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet.
-
-In der Vorlage wurde ß als Kombination von langem und rundem s gesetzt.
-Das hat offenbar zu Verwechslungen von ß und ss geführt. In allen
-unzweideutigen Fällen wurde dies stillschweigend entsprechend den
-damaligen Schreibregeln korrigiert.
-
-Weiter Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 9]:
- ... vestenthors ist ertailt Jorg Scklenk, zollner (!). -- Der
- Protokollirende hat hier irrtümlich ...
- ... vestenthors ist ertailt Jorg Schlenk, zollner (!). -- Der
- Protokollirende hat hier irrtümlich ...
-
- [S. 10]:
- ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- uud
- Rechenmeisters zu ...
- ... G. W. K. Lochner, des Johann Neundörfer, Schreib- und
- Rechenmeisters zu ...
-
- [S. 12]:
- ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbbch 12. Fol.
- 166a) noch Stadtschreiber in ...
- ... 69b. -- Georg Selnecker, im Jahre 1523 (Ratsbuch 12. Fol.
- 166a) noch Stadtschreiber in ...
-
- [S. 15]:
- ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten
- ist Italien ...
- ... willkommenen Wandschmuck. -- Das Geburtsland der Plaketten
- ist Italien, ...
-
- [S. 23]:
- ... Porträt: richtig beurteilen und voll würdigen hönnen wir eine
- Leistung ...
- ... Porträt: richtig beurteilen und voll würdigen können wir eine
- Leistung ...
-
- [S. 26]:
- ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dsz.) 1512: ...
- ... [1512. X, 4a] Quarta thome Canthuariensis (29. Dez.) 1512: ...
-
- [S. 44]:
- ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrole
- heranziehen ...
- ... und, wo es geht, andere gleichzeitige Quellen zur Kontrolle
- heranziehen ...
-
- [S. 46]:
- ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwiedern:
- wenn es ...
- ... war, um dort Verdienst zu suchen. Hiegegen wäre zu erwidern:
- wenn es ...
-
- [S. 48]:
- ... Solichs dan (!) weib und kindt in ausehung der armutt propter
- deum beschehen. Actum ...
- ... Solichs dan (!) weib und kindt in ansehung der armutt propter
- deum beschehen. Actum ...
-
- [S. 52]:
- ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, dals er aus Gefrees in
- Oberfranken ...
- ... der Merkelschen Sammlung vor Allem, daß er aus Gefrees in
- Oberfranken ...
-
- [S. 55]:
- ... Thausing Albrecht Dürers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher
- & Gnauth das ...
- ... Thausing Albrecht Dürers Leben und Werke II/27. Ferner Bucher
- & Gnauth Das ...
-
- [S. 55]:
- ... wußten die Italiener schon lange; und auch dieseits der Alpen
- übte man schon im ...
- ... wußten die Italiener schon lange; und auch diesseits der
- Alpen übte man schon im ...
-
- [S. 56]:
- ... daß er ihn unter den Venezianern am höchten schätzte, dessen
- glänzende ...
- ... daß er ihn unter den Venezianern am höchsten schätzte, dessen
- glänzende ...
-
- [S. 56]:
- ... Ganze zu denken und zu komponieren. ...
- ... Ganzes zu denken und zu komponieren. ...
-
- [S. 59]:
- ... Reliefbilder im Tympanon, läßt faßt einen Dilettanten
- vermuten; ich meine, ...
- ... Reliefbilder im Tympanon, läßt fast einen Dilettanten
- vermuten; ich meine, ...
-
- [S. 61]:
- ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem
- »Jerusasalem ...
- ... deutscher Wallfahrer nach Santiago de Compostella, dem
- »Jerusalem ...
-
- [S. 64]:
- ... Röhricht und Meissner a. a. O., S. 66 u. 95. ...
- ... Röhricht und Meisner a. a. O., S. 66 u. 95. ...
-
- [S. 64]:
- ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga;
- Igualada--Barcelona--Pergignan--Narbonne; ...
- ... de la Reina; Madrid--Zaragoza--Fraga;
- Igualada--Barcelona--Perpignan--Narbonne; ...
-
- [S. 65]:
- ... und 1516 (vgl. Urkundenbbuch des Klosters Ilsenburg,
- beabeitet von Jacobs, Halle 1877, ...
- ... und 1516 (vgl. Urkundenbuch des Klosters Ilsenburg,
- bearbeitet von Jacobs, Halle 1877, ...
-
- [S. 96]:
- ... [Ratsprotolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ...
- ... [Ratsprotokolle 1527, Heft II, Bl. 33b] Tercia 18. Junj 1527: ...
-
- [S. 99]:
- ... Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kupf gewesen zu sein,
- der ...
- ... Leonhard Danner scheint ein grübelnder Kopf gewesen zu sein,
- der ...
-
- [S. 100]:
- ... die dicksten Mauren von Thürnen nnd andern Gebäuen zu brechen ...
- ... die dicksten Mauren von Thürnen und andern Gebäuen zu brechen ...
-
- [S. 104]:
- ... dann »Buch der Beispiele der alteu Weisen«, Boccaccios
- Decamerone, Pauli, ...
- ... dann »Buch der Beispiele der alten Weisen«, Boccaccios
- Decamerone, Pauli, ...
-
- [S. 105]:
- ... ex quo ita est, andite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et
- e converso. ...
- ... ex quo ita est, audite me! Oculi mei sunt oculi filii mei et
- e converso. ...
-
- [S. 107]:
- ... à une mème suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le
- pied, en balustre, ...
- ... à une même suite (folgt die Beschreibung der Plaketten). Le
- pied, en balustre, ...
-
- [S. 107]:
- ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est nn sujet deux fois
- répété: un ...
- ... marins. Au-dessus d'une seconde frise est un sujet deux fois
- répété: un ...
-
- [S. 111]:
- ... von der Rüchseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für
- eine in sich so ...
- ... von der Rückseite zu sehen ist. Es ist begreiflich, daß für
- eine in sich so ...
-
- [S. 112]:
- ... Stifters gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichren, ist
- hier unmöglich. ...
- ... Stifters gemäß aufgestellt sind, eingehend zu berichten, ist
- hier unmöglich. ...
-
- [S. 115]:
- ... jeher doppelten Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt
- zn haben, ...
- ... jeher doppelten Werth auf bequeme, geräumige Wohnungen gelegt
- zu haben, ...
-
- [S. 119]:
- ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhäußer
- stößt, ist es ...
- ... auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhäuser
- stößt, ist es ...
-
- [S. 121]:
- ... den prächtigen Schmuk der goldenen und silbernen
- Reliquienbehälter entbehren ...
- ... den prächtigen Schmuck der goldenen und silbernen
- Reliquienbehälter entbehren ...
-
- [S. 123]:
- ... s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und Schwatz,
- Studien über ...
- ... s. Paulus. Kunstdenkmäler von Würtenberg. Laib und Schwarz,
- Studien über ...
-
- [S. 125]:
- ... 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein tronender Christus
- und 8 Apostel ...
- ... 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein thronender Christus
- und 8 Apostel ...
-
- [S. 125]:
- ... erhatten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch
- deswegen, weil Bögen, ...
- ... erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch
- deswegen, weil Bögen, ...
-
- [S. 126]:
- ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querener Frontale
- würde danach ...
- ... oben gesagt, aus der Zeit um 1200. Das Querner Frontale würde
- danach ...
-
- [S. 129]:
- ... Umhauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die
- Annahme, daß bei ...
- ... Umbauten stattgefunden. Nicht unwahrscheinlich ist die
- Annahme, daß bei ...
-
- [S. 130]:
- ... den Halligen übliche nordfrisische Haus kennen gelernt, woran ...
- ... den Halligen übliche nordfriesische Haus kennen gelernt,
- woran ...
-
- [S. 132]:
- ... umflattern das stolze Fahrzeung, dessen gedrungener, fester
- Bau sehr wohl geeignet ...
- ... umflattern das stolze Fahrzeug, dessen gedrungener, fester
- Bau sehr wohl geeignet ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Mitteilungen aus dem germanischen
-Nationalmuseum. Jahrgang 1896, by Various
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MITTEILUNGEN AUS DEM ***
-
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