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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Die Cellularpathologie - in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre - -Author: Rudolf Virchow - -Release Date: February 15, 2014 [EBook #44921] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE CELLULARPATHOLOGIE *** - - - - -Produced by Constanze Hofmann, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (BioLib -(www.biolib.de)) - - - - - - - - - - Vorlesungen - - über - - PATHOLOGIE - - von - - RUDOLF VIRCHOW. - - $Erster Band:$ - - Die Cellular-Pathologie in ihrer Begründung auf physiologische - und pathologische Gewebelehre. - - Vierte Auflage. - - Berlin, 1871. - - =Verlag von August Hirschwald=. - - Unter den Linden No. 68. - - * * * * * - - - - - Die - - CELLULARPATHOLOGIE - - in ihrer Begründung auf - - physiologische und pathologische Gewebelehre, - - dargestellt - - von - - RUDOLF VIRCHOW, - - ord. öff. Professor der pathologischen Anatomie, der allgemeinen - Pathologie und Therapie an der Universität, Director des pathologischen - Instituts und dirigirendem Arzte an der Charité zu Berlin. - - $Vierte, neu bearbeitete und stark vermehrte Auflage.$ - - Mit 157 Holzschnitten. - - Berlin, 1871. - - =Verlag von August Hirschwald=. - - Unter den Linden No. 68. - - Der Verfasser behält sich das Recht der Uebersetzung in fremde Sprachen, - besonders in's Englische und Französische vor. - - * * * * * - - - - - Vorrede zur ersten Auflage. - - -Die Vorlesungen, welche ich hiermit dem weiteren ärztlichen Publikum -vorlege, wurden im Anfange dieses Jahres vor einem grösseren Kreise von -Collegen, zumeist praktischen Aerzten Berlin's, in dem neuen -pathologischen Institute der Universität gehalten. Sie verfolgten -hauptsächlich den Zweck, im Anschlusse an eine möglichst ausgedehnte -Reihe von mikroskopischen Demonstrationen eine zusammenhängende -Erläuterung derjenigen Erfahrungen zu geben, auf welchen gegenwärtig -nach meiner Auffassung die biologische Doctrin zu begründen und aus -welchen auch die pathologische Theorie zu gestalten ist. Sie sollten -insbesondere in einer mehr geordneten Weise, als dies bisher geschehen -war, eine Anschauung von der cellularen Natur aller Lebensvorgänge, der -physiologischen und pathologischen, der thierischen und pflanzlichen zu -liefern versuchen, um gegenüber den einseitigen humoralen und -neuristischen (solidaren) Neigungen, welche sich aus den Mythen des -Alterthums bis in unsere Zeit fortgepflanzt haben, die Einheit des -Lebens in allem Organischen wieder dem Bewusstsein näher zu bringen, und -zugleich den ebenso einseitigen Deutungen einer grob mechanischen und -chemischen Richtung die feinere Mechanik und Chemie der Zelle entgegen -zu halten. - -Bei den grossen Fortschritten des Einzelwissens ist es für die Mehrzahl -der praktischen Aerzte immer schwieriger geworden, sich dasjenige Maass -der eigenen Anschauung zu gewinnen, welches allein eine gewisse -Sicherheit des Urtheils verbürgt. Täglich entschwindet die Möglichkeit -nicht bloss einer Prüfung, sondern selbst eines Verständnisses der -neueren Schriften denjenigen mehr, welche in den oft so mühseligen und -erschöpfenden Wegen der Praxis ihre beste Kraft verbrauchen müssen. Denn -selbst die Sprache der Medicin nimmt nach und nach ein anderes Aussehen -an. Bekannte Vorgänge, welche das herrschende System seinem -Gedankenkreise an einem bestimmten Orte eingereiht hatte, wechseln mit -der Auflösung des Systems die Stellung und die Bezeichnung. Indem eine -gewisse Thätigkeit von dem Nerven, dem Blute oder dem Gefässe auf das -Gewebe verlegt, ein passiver Vorgang als ein activer, ein Exsudat als -eine Wucherung erkannt wird, ist auch die Sprache genöthigt, andere -Ausdrücke für diese Thätigkeiten, Vorgänge und Erzeugnisse zu wählen, -und je vollkommener die Kenntniss des feineren Geschehens der -Lebensvorgänge wird, um so mehr müssen sich auch die neueren -Bezeichnungen an diese feineren Grundlagen der Erkenntniss anschliessen. - -Nicht leicht kann Jemand mit mehr Schonung des Ueberlieferten die -nothwendige Reform der Anschauungen durchzuführen versuchen, als ich es -mir zur Aufgabe gestellt habe. Allein die eigene Erfahrung hat mich -gelehrt, dass es hier eine gewisse Grenze gibt. Zu grosse Schonung ist -ein wirklicher Fehler, denn sie begünstigt die Verwirrung: ein neuer, -zweckmässig gewählter Ausdruck macht dem allgemeinen Verständnisse etwas -sofort zugänglich, was ohne ihn jahrelange Bemühungen höchstens für -Einzelne aufzuklären vermochten. Ich erinnere an die parenchymatöse -Entzündung, an Thrombose und Embolie, an Leukämie und Ichorrhämie, an -osteoides und Schleimgewebe, an käsige und amyloide Metamorphose, an die -Substitution der Gewebe. Neue Namen sind nicht zu vermeiden, wo es sich -um thatsächliche Bereicherungen des erfahrungsmässigen Wissens handelt. - -Auf der anderen Seite hat man es mir schon öfters zum Vorwurfe gemacht, -dass ich die moderne Anschauung auf veraltete Standpunkte -zurückzuschrauben bemüht sei. Hier kann ich wohl mit gutem Gewissen -sagen, dass ich eben so wenig die Tendenz habe, den =Galen= oder den -=Paracelsus= zu rehabilitiren, als ich mich davor scheue, das, was in -ihren Anschauungen und Erfahrungen wahr ist, offen anzuerkennen. In der -That finde ich nicht bloss, dass im Alterthum und im Mittelalter die -Sinne der Aerzte nicht überall durch überlieferte Vorurtheile gefesselt -wurden, sondern noch mehr, dass der gesunde Menschenverstand im Volke an -gewissen Wahrheiten festgehalten hat, trotzdem dass die gelehrte Kritik -sie für überwunden erklärte. Was sollte mich abhalten, zu gestehen, dass -die gelehrte Kritik nicht immer wahr, das System nicht immer Natur -gewesen ist, dass die falsche Deutung nicht die Richtigkeit der -Beobachtung beeinträchtigt? Warum sollte ich nicht gute Ausdrücke -erhalten oder wiederherstellen, trotzdem dass man falsche Vorstellungen -daran geknüpft hat? Meine Erfahrungen nöthigen mich, die Bezeichnung der -Wallung (Fluxion) für besser zu halten, als die der Congestion; ich kann -nicht umhin, die Entzündung als eine bestimmte Erscheinungsform -pathologischer Vorgänge zuzulassen, obwohl ich sie als ontologischen -Begriff auflöse; ich muss trotz des entschiedenen Widerspruchs vieler -Forscher den Tuberkel als miliares Korn, das Epitheliom als -heteroplastische, maligne Neubildung (Cancroid) festhalten. - -Vielleicht ist es in heutiger Zeit ein Verdienst, das historische Recht -anzuerkennen, denn es ist in der That erstaunlich, mit welchem -Leichtsinn gerade diejenigen, welche jede Kleinigkeit, die sie gefunden -haben, als eine Entdeckung preisen, über die Vorfahren aburtheilen. Ich -halte auf mein Recht, und darum erkenne ich auch das Recht der Anderen -an. Das ist mein Standpunkt im Leben, in der Politik, in der -Wissenschaft. Wir sind es uns schuldig, unser Recht zu vertheidigen, -denn es ist die einzige Bürgschaft unserer individuellen Entwickelung -und unseres Einflusses auf das Allgemeine. Eine solche Vertheidigung ist -keine That eitlen Ehrgeizes, kein Aufgeben des rein wissenschaftlichen -Strebens. Denn wenn wir der Wissenschaft dienen wollen, so müssen wir -sie auch ausbreiten, nicht bloss in unserem eigenen Wissen, sondern auch -in der Schätzung der Anderen. Diese Schätzung aber beruht zum grossen -Theile auf der Anerkennung, die unser Recht, auf dem Vertrauen, das -unsere Forschung bei den Anderen findet, und das ist der Grund, warum -ich auf mein Recht halte. - -In einer so unmittelbar praktischen Wissenschaft, wie die Medicin, in -einer Zeit so schnellen Wachsens der Erfahrungen, wie die unsrige, haben -wir doppelt die Verpflichtung, unsere Kenntniss der Gesammtheit der -Fachgenossen zugänglich zu machen. Wir wollen die Reform, und nicht die -Revolution. Wir wollen das Alte conserviren und das Neue hinzufügen. -Aber den Zeitgenossen trübt sich das Bild dieser Thätigkeit. Denn nur zu -leicht gewinnt es den Anschein, als würde eben nur ein buntes -Durcheinander von Altem und Neuem gewonnen, und die Nothwendigkeit, die -falschen oder ausschliessenden Lehren der Neueren mehr als die der Alten -zu bekämpfen, erzeugt den Eindruck einer mehr revolutionären, als -reformatorischen Einwirkung. Es ist freilich bequemer, sich auf die -Forschung und die Wiedergabe des Gefundenen zu beschränken und Anderen -die »Verwerthung« zu überlassen, aber die Erfahrung lehrt, dass dies -überaus gefährlich ist und zuletzt nur denjenigen zum Vortheil -ausschlägt, deren Gewissen am wenigsten zartfühlend ist. Uebernehmen wir -daher jeder selbst die Vermittelung zwischen der Erfahrung und der -Lehre. - -Die Vorlesungen, welche ich hier mit der Absicht einer solchen -Vermittelung veröffentliche, haben so ausdauernde Zuhörer gefunden, dass -sie vielleicht auch nachsichtige Leser erwarten dürfen. Wie sehr sie der -Nachsicht bedürfen, fühle ich selbst sehr lebhaft. Jede Art von freiem -Vortrage kann nur dem wirklichen Zuhörer genügen. Zumal dann, wenn der -Vortrag wesentlich darauf berechnet ist, als Erläuterung für -Tafel-Zeichnungen und Demonstrationen zu dienen, muss er nothwendig dem -Leser ungleichmässig und lückenhaft erscheinen. Die Absicht, eine -gedrängte Uebersicht zu liefern, schliesst an sich eine speciellere, -durch ausreichende Citate unterstützte Beweisführung mehr oder weniger -aus und die Person des Vortragenden wird mehr in den Vordergrund treten, -da er die Aufgabe hat, gerade seinen Standpunkt deutlich zu machen. - -Möge man daher das Gegebene für nicht mehr nehmen, als es sein soll. -Diejenigen, welche Musse genug gefunden haben, sich in der laufenden -Kenntniss der neueren Arbeiten zu erhalten, werden wenig Neues darin -finden. Die Anderen werden durch das Lesen nicht der Mühe überhoben -sein, in den histologischen, physiologischen und pathologischen -Specialwerken die hier nur ganz kurz behandelten Gegenstände genauer -studiren zu müssen. Aber sie werden wenigstens eine Uebersicht der für -die cellulare Theorie wichtigsten Entdeckungen gewinnen und mit -Leichtigkeit das genauere Studium des Einzelnen an die hier im -Zusammenhange gegebene Darstellung anknüpfen können. Vielleicht wird -gerade diese Darstellung einen unmittelbaren Anreiz für ein solches -genaueres Studium abgeben, und schon dann wird sie genug geleistet -haben. - -Meine Zeit reicht nicht aus, um mir die schriftliche Ausarbeitung eines -solchen Werkes möglich zu machen. Ich habe mich deshalb genöthigt -gesehen, die Vorlesungen, wie sie gehalten wurden, stenographiren zu -lassen und mit leichten Aenderungen zu redigiren. Herr Cand. med. -=Langenhaun= hat mit grosser Sorgfalt die stenographische Arbeit -besorgt. Soweit es sich bei der Kürze der Zeit thun liess, und soweit -der Text ohne dieselben für Ungeübte nicht verständlich sein würde, habe -ich nach den Tafel-Zeichnungen und besonders nach den vorgelegten -Präparaten Holzschnitte anfertigen lassen. Vollständigkeit liess sich in -dieser Beziehung nicht erreichen, da schon so die Veröffentlichung durch -die Anfertigung der Holzschnitte um Monate verzögert worden ist. - - =Misdroy=, am 20. August 1858. - - - - - Vorrede zur zweiten Auflage. - - -Der vorliegende Versuch, meine von den hergebrachten abweichenden -Erfahrungen dem grösseren Kreise der Aerzte im Zusammenhange -vorzuführen, hat einen unerwarteten Erfolg gehabt: er hat viele Freunde -und lebhafte Gegner gefunden. Beides ist gewiss sehr erwünscht, denn die -Freunde werden in diesem Buche keinen Abschluss, kein System, kein Dogma -finden, und die Gegner werden genöthigt sein, endlich einmal die Phrasen -aufzugeben und sich an die Sachen selbst zu machen. Beides kann nur zur -Bewegung, zum Fortschritt der Wissenschaft beitragen. - -Allein Beides hat doch auch seine niederschlagende Seite. Wenn man ein -Decennium hindurch mit allem Eifer gearbeitet und die Ergebnisse seiner -Forschungen dem Urtheile der Mitwelt vorgelegt hat, so stellt man sich -nur zu leicht vor, dass mehr davon, dass vielleicht der grössere und -wesentliche Theil allgemeiner bekannt sein könne. Dies war, wie die -Erfahrung gelehrt hat, bei meinen Arbeiten nicht der Fall. Einer meiner -Kritiker erklärt es aus der Breite meiner Beweisführungen. Mag es sein, -allein dann hätte ich vielleicht erwarten dürfen, dass andere Kritiker -die Beweise, welche sie hier nicht in ausreichender Weise fanden, in den -Originalarbeiten aufgesucht hätten. Denn ausdrücklich hatte ich schon -das erste Mal hervorgehoben, dass diejenigen, welche sich in der -laufenden Kenntniss der neueren Arbeiten erhalten hätten, hier wenig -Neues finden würden. - -In der neuen Ausgabe habe ich mich darauf beschränkt, den Ausdruck zu -verbessern, Missverständliches schärfer zu fassen, Wiederholungen zu -unterdrücken. Gewiss bleibt auch so noch sehr Vieles der Verbesserung -bedürftig, aber es schien mir, dass dem Ganzen der frischere Eindruck -der mündlichen Rede und des freien Gedankenganges möglichst erhalten -bleiben müsse, wenn es noch weiterhin als ein wirksames Ferment für die -an sich so verschiedenartigen Richtungen des medicinischen Lebens und -Wirkens dienen sollte. Denn das Buch wird seinen Zweck erfüllt haben, -wenn es Propaganda, nicht für die Cellular-Pathologie, sondern nur -überhaupt für unabhängiges Denken und Forschen in grossen Kreisen machen -hilft. - - =Berlin=, am 7. Juni 1859. - - - - - Vorrede zur dritten Auflage. - - -Die neue Auflage, welche hiermit vor das Publikum tritt, hat wesentliche -Umgestaltungen erfahren müssen. Der Verfasser hat sich genöthigt -gesehen, die Form der Vorlesungen ganz aufzugeben, weil sie ihn -hinderte, wesentliche Veränderungen, insbesondere Neuerungen in den Text -zu bringen. Solche Aenderungen waren aber vielfach nothwendig. Denn die -Wissenschaft, insbesondere die deutsche, ist in den drei Jahren seit dem -Erscheinen der ersten Auflage rüstig vorwärts geschritten, und wenn sie -auch an den Grundanschauungen und Hauptlehrsätzen, welche hier dargelegt -wurden, nichts geändert hat, so gestattete sie doch an vielen Punkten -ein ungleich tieferes Eingehen. - -Aber die weitere Entfernung von dem Ausgangspunkte gestattet auch eine -freiere Uebersicht. Vieles hatte, wie es bei freien Vorträgen nur zu -leicht geschieht, nur losen Zusammenhang; Anderes war, wie es die -Demonstration bestimmter Präparate mit sich brachte, geradezu zerrissen. -Dies ist dem Verfasser insbesondere bei der Durchsicht der inzwischen -erschienenen englischen und französischen Uebersetzungen entgegen -getreten, und er hat sich daher bemüht, durch schärferen Ausdruck, durch -Umstellung des alten und Hinzufügung neuen Stoffes das Verständniss zu -sichern. Deswegen sind auch noch einige neue Holzschnitte beigegeben. - -Freilich war es nicht möglich, überall das Einzelne der Beweisführung zu -liefern. Früher hatte der Verfasser darauf hingewiesen, dass diese -Beweisführung in seinen Specialarbeiten zu suchen sei, aber Wenige haben -darauf gehört, im Gegentheil haben Manche Prioritäts-Anklagen gegen den -Verfasser erhoben, gleich als ob er seine Lehrsätze in diesem Werke zum -ersten Male aufgestellt hätte. Es ist daher nöthig geworden, an den -betreffenden Stellen die Citate der früheren Arbeiten anzugeben. Wenn -der Verfasser sich dabei darauf beschränkt hat, fast nur seine eigenen -Arbeiten zu citiren, so glaubt er sich damit verantworten zu können, -dass es ganz unmöglich gewesen sein würde, alle Belegstellen oder Werke -zu citiren, auf welche sich seine Anschauungen stützen, dass aber -diejenigen Leser, welche die citirten Stellen nachsehen wollen, an -denselben in der Regel die einschlagenden Leistungen auch der anderen -Untersucher gewissenhaft vorgetragen finden werden. - -Bei dem Zusammenstellen dieser Citate ist der Verfasser noch mehr, als -er dies schon früher hervorhob, von der Thatsache durchdrungen worden, -dass der grosse Erfolg des vorliegenden Werkes nur der leichten Form und -nicht dem Inhalte zu danken ist. Denn in der That findet sich alles -Wesentliche schon in seinen früheren Arbeiten ausgesprochen, ja es ist -dort zum Theil weit klarer und schärfer ausgedrückt. Aber nur Wenige -haben davon Kenntniss genommen, und Mancher nur zu dem Zweck, um es als -sein Eigenthum zu verwerthen. Das kurzgefasste Büchlein aber ist in der -kürzesten Frist in fünf Sprachen übersetzt worden; es hat einer grossen -Zahl von Lesern, wie ich aus dem Munde Vieler weiss, eine dauernde -Anregung gegeben, und so möge in der Freude darüber der Schmerz -vergessen sein, dass eine strengere Form der Darstellung noch jetzt eine -so geringe Theilnahme findet. Hoffentlich wird dieser Mangel durch die -jetzige Auflage nicht befördert werden. - - =Dürkheim=, am 26. September 1861. - - $Rud. Virchow.$ - - - - - Uebersicht der Holzschnitte. - - - Seite - - Fig. 1. Pflanzenzellen aus einem jungen Triebe von Solanum - tuberosum 5 - " 2. Rindenschicht eines Knollens von Solanum tuberosum 7 - " 3. Knorpelzellen vom Ossificationsrande wachsender - Knorpel 8 - " 4. Verschiedene Arten von Zellen und Zellgebilden. _a_ - Leberzellen, _b_ Bindegewebskörperchen, _c_ - Capillargefäss, _d_ Sternzelle aus einer Lymphdrüse, - _e_ Ganglienzellen aus dem Kleinhirn 10 - " 5. Freie Pflanzenzellenbildung nach =Schleiden= 11 - " 6. Pigmentzelle (Auge), glatte Muskelzelle (Darm), Stück - einer doppeltcontourirten Nervenfaser 14 - " 7. Junge Eierstockseier vom Frosch 15 - " 8. Zellen aus katarrhalischem Sputum (Eiter- und - Schleimkörperchen, Pigmentzelle) 15 - " 9. Epiphysenknorpel vom Oberarm eines Kindes 18 - " 10. Zellenterritorien 19 - " 11. Schema der Globulartheorie 23 - " 12. Schema der Umhüllungs- (Klümpchen-) Theorie 23 - " 13. Längsschnitt durch einen jungen Trieb von Syringa 25 - " 14. Pathologische Knorpelwucherung aus Rippenknorpel 26 - " 15. Cylinderepithel der Gallenblase 30 - " 16. Uebergangsepithel der Harnblase 30 - " 17. Senkrechter Schnitt durch die Oberfläche der Haut der - Zehe (Epidermis, Rete Malpighii, Papillen) 32 - " 18. Schematische Darstellung eines Längsdurchschnittes - vom Nagel unter normalen und pathologischen - Verhältnissen 35 - " 19. _A_ Entwickelung der Schweissdrüsen. _B_ Stück eines - Schweissdrüsenkanals 38 - " 20. _A_ Bündel des gewöhnlichen Bindegewebes, _B_ - Bindegewebs-Entwickelung nach dem Schema von - =Schwann=. _C_ Bindegewebs-Entwickelung nach dem - Schema von =Henle= 40 - " 21. Junges Bindegewebe vom Schweinsembryo 42 - " 22. Schema der Bindegewebs-Entwickelung 43 - " 23. Durchschnitt durch den wachsenden Knorpel der Patella 45 - " 24. Knochenkörperchen aus einem pathologischen Knochen - der Dura mater cerebralis 48 - " 25. Muskelprimitivbündel unter verschiedenen - Verhältnissen 51 - " 26. Muskelelemente aus dem Herzfleische einer Puerpera 54 - " 27. Glatte Muskeln aus der Harnblase 56 - " 28. Kleinere Arterie aus der Basis des Grosshirns 60 - " 29. Schematische Darstellung von Leberzellen. _A_ - Physiologische Anordnung. _B_ Hypertrophie. _C_ - Hyperplasie. 90 - " 30. Grosse Spindelzellen (fibroplastische Körper) aus - einem Sarcoma fusocellulare der Rückenmarkshäute 94 - " 31. Durchschnitt aus einer Epulis sarcomatosa des - Unterkiefers 95 - " 32. Stück von der Peripherie der Leber eines Kaninchens, - die Gefässe injicirt 103 - " 33. Injection der Capillaren der Rinde der Niere nach - =Beer= 105 - " 34. Injection der Gefässe der Rinde des Kleinhirns 106 - " 35. Natürliche Injection der Gefässe des Corpus striatum - eines Geisteskranken 107 - " 36. Injectionspräparat von der Muskelhaut des Magens 108 - " 37. Gefässe des Calcaneus-Knorpels vom Neugebornen 109 - " 38. Knochenschliff aus der compacten Substanz des Femur 110 - " 39. Knochenschliff (Querschnitt) 111 - " 40. Knochenschliff (Längsschnitt) aus der Rinde einer - sklerotischen Tibia 113 - " 41. Schliff aus einem neugebildeten Knochen (Osteom) der - Arachnoides cerebralis 116 - " 42. Zahnschliff mit Dentin und Schmelz 117 - " 43. Längs- und Querschnitt aus der halbmondförmigen - Bandscheibe des Kniegelenkes vom Kinde 119 - " 44. Querschnitt aus der Achillessehne des Erwachsenen 121 - " 45. Querschnitt aus dem Innern der Achillessehne eines - Neugebornen 122 - " 46. Längsschnitt aus dem Innern der Achillessehne eines - Neugebornen 123 - " 47. Senkrechter Durchschnitt der Hornhaut des Ochsen nach - =His= 126 - " 48. Flächenschnitt der Hornhaut parallel der Oberfläche - nach =His= 127 - " 49. Das abdominale Ende des Nabelstranges eines fast - ausgetragenen Kindes, injicirt 128 - " 50. Querdurchschnitt durch einen Theil des Nabelstranges 129 - " 51. Querdurchschnitt vom Schleimgewebe des Nabelstranges 131 - " 52. Elastische Netze und Fasern aus dem Unterhautgewebe - des Bauches 133 - " 53. Injection der Hautgefässe, senkrechter Durchschnitt 137 - " 54. Schnitt aus der Tunica dartos 138 - " 55. _A_ Epithel von der Cruralarterie. _B_ Epithel von - grösseren Venen 144 - " 56. Kleinere Arterie aus der Sehnenscheide der Extensoren 145 - " 57. Epithel der Nierengefässe. _A_ Flache Spindelzellen - vom Neugebornen. _B_ Bandartige Epithelplatte vom - Erwachsenen 148 - " 58. Ungleichmässige Zusammenziehung kleiner Gefässe aus - der Schwimmhaut des Frosches nach Reizung (Copie nach - =Wharton Jones=) 152 - " 59. Geronnenes Fibrin aus menschlichem Blute 168 - " 60. Kernhaltige rothe Blutkörperchen von einem sechs - Wochen alten menschlichen Fötus 171 - " 61. Rothe Blutkörperchen des Erwachsenen 172 - " 62. Hämatoidin-Krystalle 177 - " 63. Pigment aus einer apoplectischen Narbe des Gehirns 178 - " 64. Häminkrystalle aus menschlichem Blute 179 - " 65. Farblose Blutkörperchen 182 - " 66. Farblose Blutkörperchen bei variolöser Leukocytose 183 - " 67. Fibringerinnsel aus der Lungenarterie und ein Korn, - aus dichtgedrängten farblosen Blutkörperchen - bestehend, bei Leukocytose 184 - " 68. Capillarstrom in der Froschschwimmhaut 185 - " 69. Schema eines Aderlassgefässes mit geronnenem - hyperinotischem Blute 187 - " 70. Durchschnitte durch die Rinde menschlicher - Gekrösdrüsen 208 - " 71. Lymphkörperchen aus dem Innern der - Lymphdrüsen-Follikel 211 - " 72. Eiterkörperchen und Kerne derselben bei Gonorrhoe 219 - " 73. Eingedickter käsiger Eiter 220 - " 74. Eingedickter, zum Theil in Auflösung begriffener, - hämorrhagischer Eiter aus Empyem 221 - " 75. In der Fettmetamorphose begriffener Eiter 222 - " 76. Durchschnitt durch die Rinde einer Axillardrüse bei - Tättowirung der Haut des Arms 224 - " 77. Das mit Zinnober, nach Tättowirung des Arms, gefüllte - Reticulum aus einer Axillardrüse 225 - " 78. Valvuläre Thrombose der Vena saphena 236 - " 79. Puriforme Detritusmassen aus erweichten Thromben. - _A_ Körner des zerfallenden Fibrins. _B_ Die - freiwerdenden, zum Theil in der Rückbildung - begriffenen Blutkörperchen. _C_ In der Entfärbung - begriffene und zerfallende Blutkörperchen 238 - " 80. Autochthone und fortgesetzte Thromben der - Cruralvenen-Aeste 243 - " 81. Embolie der Lungenarterie 245 - " 82. Ulceröse Endocarditis mitralis von einer Puerpera 246 - " 83-84. Capillarembolie in den Penicilli der Milzarterie - nach Endocarditis 247 - " 85. Melanämie. Blut aus dem rechten Herzen 264 - " 86. Querschnitt durch einen Nervenstamm des Plexus - brachialis 273 - " 87. Graue und weisse Nervenfasern 274 - " 88. Markige Hypertrophie des Opticus innerhalb des Auges 276 - " 89. Tropfen von Markstoff: _A_ aus der Markscheide von - Hirnnerven nach Aufquellung durch Wasser, _B_ aus - zerfallendem Epithel der Gallenblase 277 - " 90. Breite und schmale Nervenfasern mit unregelmässiger - Aufquellung des Markstoffes 279 - " 91. Vater'sches oder Pacini'sches Körperchen aus dem - Unterhautgewebe der Fingerspitze 281 - " 92. Nerven- und Gefässpapillen der Haut der Fingerspitze. - Tastkörperchen 283 - " 93. Grundstock eines spitzen Condyloms vom Penis mit - Papillarwucherung 287 - " 94. _A_ Verticaldurchschnitt durch die ganze Dicke der - Retina. _B_, _C_ (nach H. =Müller=) Isolirte - Radiärfasern 290 - " 95. Theilung einer Primitiv-Nervenfaser 295 - " 96. Nervenplexus aus der Submucosa des Darmes vom Kinde 297 - " 97. Elemente (Ganglienzellen und Nervenfasern) aus dem - Ganglion Gasseri 301 - " 98. Ganglienzellen aus den Centralorganen. _A_, _B_, _C_ - Aus dem Rückenmarke. _D_ Aus der Gehirnrinde 304 - " 99. Die Hälfte eines Querschnittes aus dem Halstheile des - Rückenmarkes 310 - " 100. Schematische Darstellung des Nervenverhaltens in der - Rinde des Kleinhirns nach =Gerlach= 312 - " 101. Querdurchschnitt durch das Rückenmark von Petromyzon - fluviatilis 314 - " 102. Blasse Fasern aus dem Rückenmarke des Petromyzon - fluviatilis 315 - " 103. Ependyma ventriculorum mit Neuroglia. _ca_ Corpora - amylacea. 318 - " 104. Zellige Elemente der Neuroglia 321 - " 105. Schematischer Durchschnitt des Rückenmarkes bei - partieller grauer Atrophie 324 - " 106. Schema des Zustandes der Nerven-Molekeln, _A_ im - ruhenden, _B_ im elektrotonischen Zustande nach - =Ludwig= 339 - " 107, I. Automatische Zellen aus der Flüssigkeit einer - Hydrocele lymphatica 354 - " 107, II. Automatische Zellen aus Enchondrom 355 - " 107, III. Dieselben Zellen mit stärkerer Verästelung der - Fortsätze 356 - " 107, IV. Bewegliche Eiterkörperchen des Frosches nach - v. =Recklinghausen= 357 - " 107. Gewundenes Harnkanälchen aus der Rinde der Niere bei - Morbus Brightii 372 - " 108. Parenchymatöse Keratitis 377 - " 109. Parenchymatöse Keratitis 379 - " 110. Kerntheilung in den Elementen einer melanotischen - Geschwulst der Parotis 382 - " 111. Markzellen des Knochens nach =Kölliker= 383 - " 112. Kerntheilung in Muskelprimitivbündeln im Umfange - einer Krebsgeschwulst 385 - " 113, I. Wucherung (Proliferation) des wachsenden - Diaphysenknorpels von der Tibia eines Kindes - (Längsschnitt) 387 - " 113, II. Proliferation eines Myxosarkoms des Oberkiefers 389 - " 114. Fettzellgewebe aus dem Panniculus. _A_ Das - gewöhnliche Unterhautgewebe mit Fettzellen, _B_ - Atrophisches Fett 406 - " 115. Interstitielle Fettwucherung der Muskeln 407 - " 116. Darmzotten und Fettresorption. _A_ Normale - Darmzotten, _B_ Zotten im Zustande der Contraction. - _C_ Menschliche Darmzotten während der - Chylusresorption, _D_ bei Chylusretention 410 - " 117. Die aneinanderstossenden Hälften zweier Leberacini - (Zonen der Fett-, Amyloid- und Pigmentinfiltration) 415 - " 118. Haarbalg mit Talgdrüsen von der äusseren Haut 418 - " 119. Milchdrüse in der Lactation, Milch, Colostrum 419 - " 120. Corpus luteum aus dem menschlichen Eierstock 424 - " 121. Fettmetamorphose des Herzfleisches in verschiedenen - Stadien 427 - " 122. Fettige Degeneration an Hirnarterien. _A_ - Fettmetamorphose der Muskelzellen in der - Ringfaserhaut. _B_ Bildung von Fettkörnchenzellen - in den Bindegewebskörperchen der Intima 429 - " 123. Geschichtete amylacische Körper der Prostata - (Concretionen) 436 - " 124. Amyloide Degeneration einer kleinen Arterie aus der - Submucosa des Dünndarms 441 - " 125. Amyloide Degeneration einer Lymphdrüse 448 - " 126. Corpora amyloidea aus einer erkrankten Lymphdrüse 448 - " 127. Verkalkung der Gelenkknorpel alter Leute 454 - " 128. Verticalschnitt durch die Aortenwand an einer - sklerotischen, zur Bildung eines Atheroms - fortschreitenden Stelle 464 - " 129. Der atheromatöse Brei aus einem Aortenheerde. _aa_' - Flüssiges Fett, _b_ Amorphe körnig-faltige Schollen, - _cc_' Cholestearinkrystalle 466 - " 130. Verticaler Durchschnitt aus einer sklerotischen, sich - fettig metamorphosirenden Platte der Aorta (innere - Haut) 467 - " 131. Condylomatöse Excrescenzen der Valvula mitralis 471 - " 132. Intracapsuläre Zellenvermehrung in der mittleren - Substanz der Intervertebralknorpel 487 - " 133. Endogene Neubildung, blasentragende Zellen - (Physaliphoren). _A_ Aus der Thymusdrüse eines - Neugebornen. _B C_ Krebszellen 489 - " 134. Verticalschnitt durch den Ossificationsrand eines - wachsenden Astragalus (pathologische Reizung) 501 - " 135-36. Horizontalschnitte durch den wachsenden - Diaphysenknorpel der Tibia, menschlicher Fötus von - 7 Monaten 504 - " 137-38. Rachitische Diaphysenknorpel: markige und osteoide - Umbildung, Verkalkung und Verknöcherung 507-9 - " 139. Periostwachsthum der Schädelknochen (Os parietale, - Kind) 513 - " 140-41. Osteoidchondrom vom Kiefer einer Ziege 515-16 - " 142. In der Heilung begriffene Fractur des Oberarms, - Callusbildung 519 - " 143. Demarkationsrand eines nekrotischen Knochenstückes - bei Paedarthrocace, Knochenterritorien 521 - " 144. Interstitielle Eiterbildung bei puerperaler - Muskelentzündung 530 - " 145. Eiterige Granulation aus dem Unterhautgewebe des - Kaninchens, im Umfange eines Ligaturfadens 536 - " 146. Entwickelung von Krebs aus Bindegewebe bei Carcinoma - mammae 539 - " 147. Beginnendes Blumenkohlgewächs (Cancroid) des Collum - uteri 554 - " 148. Entwickelung von Tuberkel aus Bindegewebe in der - Pleura 559 - " 149. Krebszellen 566 - " 150. Cancroidzapfen aus einer Geschwulst der Unterlippe - mit Epidermis-Perlen 568 - " 151. Cancroid der Orbita 569 - " 152. Sarcoma mammae 572 - - - - - Erstes Capitel. - - Die Zelle und die cellulare Theorie. - - - Einleitung und Aufgabe. Bedeutung der anatomischen Entdeckungen in - der Geschichte der Medicin. Geringer Einfluss der Zellentheorie auf - die Pathologie. - - Die Zelle als letztes wirkendes Element des lebenden Körpers. - Genauere Bestimmung der Zelle. Die Pflanzenzelle: Membran, Inhalt - (Protoplasma), Kern. Die thierische Zelle: die eingekapselte - (Knorpel) und die einfache. Der Zellenkern (Nucleus). Das - Kernkörperchen (Nucleolus). Die Theorie der Zellenbildung aus - freiem Cytoblastem. Constanz des Kerns und Bedeutung desselben für - die Erhaltung der lebenden Elemente. Der Zellkörper und das - Protoplasma. Verschiedenartigkeit des Zelleninhalts und Bedeutung - desselben für die Function der Theile. Die Zellen als vitale - Einheiten (Elementarorganismen). Der Körper als sociale - Einrichtung. Die Intercellularsubstanz und die Zellenterritorien. - - Die Cellularpathologie im Gegensatze zur Humoral- und - Solidarpathologie. - - Falsche Elementartheile: Fasern, Kügelchen (Elementarkörnchen). - Entstehung der Zellen. Umhüllungstheorie. Generatio aequivoca der - Zellen. Das Gesetz von der continuirlichen Entwickelung (Omnis - cellula e cellula). Pflanzen- und Knorpelwachsthum. - -Wir befinden uns inmitten einer grossen Reform der Medicin. Zum ersten -Male seit Jahrtausenden ist in unserer Zeit das gesammte Gebiet dieser -so umfangreichen Wissenschaft der naturwissenschaftlichen Forschung -unterworfen worden. Lehrsätze, welche zu den ältesten Ueberlieferungen -der Menschheit gehören, werden der Feuerprobe nicht bloss der Erfahrung, -sondern noch mehr des Versuches ausgesetzt. Für die Erfahrung werden -Beweise, für den Versuch zuverlässige Methoden gefordert. Ueberall -dringt die Forschung auf die feinsten, den menschlichen Sinnen -zugänglichen Verhältnisse; die Erkenntniss geht in zahllose Einzelheiten -aus einander, welche das Bewusstsein von der einheitlichen Natur des -menschlichen Wesens stören und welche Vielen mehr geeignet zu sein -scheinen, einen Schmuck des Wissens, als eine Handhabe des Handelns -darzustellen. Am meisten wird der ausübende Arzt bedrängt. Er, dem die -Praxis kaum die Musse des Lesens vergönnt, dem sowohl die ausreichenden -literarischen Hülfsmittel, als die Anschauung der neueren Erfahrungen -nur zu oft abgehen, er findet sich verwirrt in einem Chaos, in welchem -die Trümmer des Alten mit den Bausteinen des Neuen bunt durch einander -geworfen zu sein scheinen. - -Und doch ist das Chaos nur scheinbar. Es besteht nur für den, welcher -die Thatsachen nicht beherrscht, auf welchen die neue Anschauung sich -begründet. Für den Eingeweihten lässt sich wohl eine Ordnung herstellen, -welche sowohl dem praktischen, als dem wissenschaftlichen Bedürfnisse -genügt, eine Ordnung, welche freilich weit davon entfernt ist, ein in -sich abgeschlossenes System zu bilden, welche aber von einem allgemeinen -biologischen Principe aus die Einzelerfahrungen nach ihrem besonderen -Werthe und nach ihren Beziehungen unter einander in einen -wissenschaftlichen Zusammenhang zu setzen vermag. Diess ist das -=cellulare Princip=, welches in seiner Anwendung auf den -zusammengesetzten, lebenden Körper uns zu einer =Cellular-Physiologie= -und zu einer =Cellular-Pathologie= führt, welches aber in jeder dieser -beiden Richtungen zunächst auf einer Anatomie des feinsten Einzelnen, -auf der Histologie beruht. - -In der That ist die gegenwärtige Reform wesentlich ausgegangen von neuen -anatomischen Erfahrungen. Freilich waren es zumeist Erfahrungen der -pathologischen Anatomie, welche die alten Lehrgebäude erschütterten, und -noch jetzt scheint es Vielen, als sei damit genug gethan und als habe -die Histologie nur die Bedeutung einer Luxuswissenschaft. Jeder Blick in -die Vergangenheit zeigt uns aber, wie unrichtig es ist, wenn man glauben -kann, der Einfluss der Anatomie auf die Medicin sei nur ein äußerlicher, -ihr Werth ein mehr relativer. Die Geschichte der Medicin lehrt uns ja, -wenn wir nur einen einigermaassen grösseren Ueberblick nehmen, dass zu -allen Zeiten die bleibenden Fortschritte bezeichnet worden sind durch -anatomische Neuerungen, dass jede grössere Epoche zunächst eingeleitet -wurde durch eine Reihe bedeutender Entdeckungen über den Bau und die -Einrichtung des Körpers. So ist es in der alten Zeit gewesen, als die -Erfahrungen der Alexandriner, zum ersten Male von der Anatomie des -Menschen ausgehend, das galenische System vorbereiteten; so im -Mittelalter, als =Vesal= die moderne Anatomie begründete und damit die -Reform der Medicin begann; so endlich im Anfange unseres Jahrhunderts, -als =Bichat= die Grundsätze der allgemeinen Anatomie entwickelte. - -Wenn man den ausserordentlichen Einfluss erwägt, welchen seiner Zeit -=Bichat= auf die Gestaltung der ärztlichen Anschauungen ausgeübt hat, so -ist es in der That erstaunlich zu sehen, dass eine verhältnissmässig so -lange Zeit vergangen ist, seitdem =Schwann= seine grossen Entdeckungen -in der Histologie machte, ohne dass man die eigentliche Breite der neuen -Thatsachen würdigte. Es hat dies allerdings zum Theil trotz dieser -Entdeckungen daran gelegen, dass immer noch eine grosse Unsicherheit -unserer Kenntnisse über die feinere Einrichtung vieler Gewebe -fortbestanden hat, ja, wie wir leider zugestehen müssen, in manchen -Theilen der Histologie selbst jetzt noch in solchem Maasse herrscht, -dass Mancher kaum weiss, für welche Ansicht er sich entscheiden soll. -Jeder Tag bringt neue Aufschlüsse, aber auch neue Zweifel über die -Zuverlässigkeit eben erst veröffentlichter Entdeckungen. Ist denn -überhaupt, fragt Mancher, in der Histologie etwas sicher? Giebt es einen -Punkt, in dem Alle übereinstimmen? Vielleicht nicht. Aber gerade um -deswegen habe ich in den Vorträgen im Anfange des Jahres 1858, welche -vor einem grossen Kreise von Collegen, zunächst als Erläuterung -unmittelbarer Demonstrationen, als Erklärung bestimmter, für die -Ueberzeugung der Einzelnen durch eigene Anschauung und Prüfung -eingerichteter Beweisstücke gehalten wurden und welche der gegenwärtigen -Darstellung zu Grunde liegen, mich für verpflichtet erachtet, eine kurze -und leicht fassliche Uebersicht desjenigen, was ich durch langjährige, -gewissenhafte Untersuchung für wahr zu halten mich berechtigt glaubte, -auch dem weiteren Kreise der Aerzte zugänglich zu machen. Manches -Einzelne ist seitdem berichtigt, manches Andere neu entdeckt worden; die -gegenwärtige Bearbeitung wird davon Zeugniss ablegen. Aber das Princip -der Anschauung, welches ich für das gesammte Gebiet der Physiologie und -Pathologie zu benutzen gelehrt habe und dessen erste schüchterne -Ausführung in einer Arbeit des Jahres 1852[1] niedergelegt ist, darf -gegenwärtig als gesichert angesehen werden, und für denjenigen, welcher -daran festhält, wird es auch künftig nicht schwer werden, neue -Ergebnisse des Forschens an der richtigen Stelle aufzunehmen, ohne dass -er deshalb genöthigt wäre, die obersten Sätze aufzugeben, welche hier -über die allgemeinen Grundlagen der Lebensthätigkeiten aufgestellt -werden. - - [1] Ernährungseinheiten und Krankheitsheerde. Archiv für pathol. - Anatomie, Phys. u. klin. Med. Bd. IV. S. 375. - -Alle Versuche der früheren Zeit, ein solches einheitliches Princip zu -finden, sind daran gescheitert, dass man zu keiner Klarheit darüber zu -gelangen wusste, von welchen Theilen des lebenden Körpers eigentlich die -Action ausgehe und was das Thätige sei. Dieses ist die Cardinalfrage -aller Physiologie und Pathologie. Ich habe sie beantwortet durch den -Hinweis auf =die Zelle als auf die wahrhafte organische Einheit=. Indem -ich daher die Histologie, als die Lehre von der Zelle und den daraus -hervorgehenden Geweben, in eine unauflösliche Verbindung mit der -Physiologie und Pathologie setzte, forderte ich vor Allem die -Anerkennung, dass =die Zelle wirklich das letzte Form-Element aller -lebendigen Erscheinung sowohl im Gesunden, als im Kranken sei, von -welcher alle Thätigkeit des Lebens ausgehe=. Manchem erscheint es -vielleicht nicht gerechtfertigt, wenn in dieser Weise das Leben als -etwas ganz Besonderes anerkannt wird, ja, es wird vielleicht Vielen wie -eine Art biologischer Mystik vorkommen, wenn das Leben überhaupt aus dem -grossen Ganzen der Naturvorgänge getrennt und nicht sofort ganz und gar -in Chemie und Physik aufgelöst wird. In der Folge dieser Vorträge wird -sich jedermann davon überzeugen, dass man kaum mehr mechanisch denken -kann, als ich es zu thun pflege, wo es sich darum handelt, die Vorgänge -innerhalb der letzten Formelemente zu deuten. Aber wie viel auch von dem -Stoffverkehr, der innerhalb der Zelle geschieht, nur an einzelne -Bestandtheile derselben geknüpft sein mag, immerhin ist die Zelle =der -Sitz der Thätigkeit=, das Elementargebiet, von welchem die Art der -Thätigkeit abhängt, und sie behält nur so lange ihre Bedeutung als -lebendes Element, als sie wirklich ein unversehrtes Ganzes darstellt. - -Nicht am seltensten ist gegen diese Auffassung der Einwand erhoben -worden, man sei nicht einmal einig darüber, was eigentlich unter einer -Zelle zu verstehen sei. Dieser Einwand ist insofern unerheblich, als der -Streit nicht um die Existenz der Zellen, sondern nur um ihre Deutung -geführt wird. Im Wesentlichen weiss jedermann, welche thatsächlich -existirenden Körper gemeint sind; ob der Eine sie so, der Andere sie -anders interpretirt, ist eine Frage zweiter Ordnung, deren Beantwortung -den Werth des Princips nicht berührt. Um so grössere Bedeutung hat sie -für die Erörterung der Einzelvorgänge, und es ist gewiss zu bedauern, -dass nicht schon lange eine Einigung erzielt ist. Die Schwierigkeiten, -auf welche wir hier stossen, datiren unmittelbar von der ersten -Begründung der Zellenlehre. =Schwann=, der auf den Schultern des -Botanikers =Schleiden= stand, deutete seine Beobachtungen nach -botanischen Mustern, und so kam es, dass alle Lehrsätze der -Pflanzen-Physiologie mehr oder weniger entscheidend wurden für die -Physiologie der thierischen Körper. Die Pflanzenzelle in dem Sinne, wie -man sie zu jener Zeit ganz allgemein fasste und wie sie auch gegenwärtig -häufig noch gefasst wird, ist aber ein Gebilde, dessen Identität mit -dem, was wir thierische Zelle nennen, nicht ohne weiteres zugestanden -werden kann. - -[Illustration: =Fig=. 1. Pflanzenzellen aus dem Centrum des jungen -Triebes eines Knollens von Solanum tuberosum. _a_. Die gewöhnliche -Erscheinung des regelmässig polygonalen, dickwandigen Zellengewebes. -_b_. Eine isolirte Zelle mit feinkörnigem Aussehen der Höhlung, in der -ein Kern mit Kernkörperchen zu sehen ist. _c_. Dieselbe Zelle, nach -Einwirkung von Wasser; der Inhalt (Protoplasma) hat sich von der Wand -(Membran, Capsel) zurückgezogen. An seinem Umfange ist eine besondere -feine Haut (Primordialschlauch) zum Vorschein gekommen. _d_. Dieselbe -Zelle bei längerer Einwirkung von Wasser; die innere Zelle (Protoplasma -mit Primordialschlauch und Kern) hat sich ganz zusammengezogen und ist -nur durch feine, zum Theil ästige Fäden mit der Zellhaut (Capsel) in -Verbindung geblieben.] - -Wenn man von gewöhnlichem Pflanzenzellgewebe spricht, so meint man in -der Regel damit ein Gewebe, das in seiner einfachsten und -regelmässigsten Form auf einem Durchschnitt aus lauter vier- oder -sechseckigen, wenn es etwas loser ist, aus rundlichen oder polygonalen -Körpern zusammengesetzt erscheint. An jedem dieser Körper (Fig. 1, _a_.) -unterscheidet man eine ziemlich dicke und derbe Wand (=Membran=) und -eine innere Höhlung. In der Höhlung können je nach Umständen, -insbesondere je nach der Natur der einzelnen Zellen, sehr verschiedene -Stoffe abgelagert sein, z. B. Fett, Stärke, Pigment, Eiweiss -(=Zelleninhalt=). Aber auch ganz abgesehen von diesen örtlichen -Verschiedenheiten des Inhaltes, ist die chemische Untersuchung im -Stande, an jeder Pflanzenzelle mehrere verschiedene Stoffe nachzuweisen. - -Die Substanz, welche die äussere Membran bildet, die sogenannte -=Cellulose=, ist stickstofflos, und characterisirt sich durch die -eigenthümliche, schön blaue Färbung, welche sie bei Einwirkung von Jod -und Schwefelsäure annimmt. (Jod allein giebt keine Färbung, -Schwefelsäure für sich verkohlt.) Dasjenige, was in der von der -Cellulose-Haut umschlossenen Höhle liegt, wird nicht blau, es müsste -denn zufällig Stärke (Amylon) vorhanden sein, welche schon durch Jod -allein blau gefärbt wird. Ist die Pflanzenzelle recht einfach, so -erscheint vielmehr nach der Einwirkung von Jod und Schwefelsäure eine -bräunliche oder gelbliche Masse, die sich als besonderer Körper im -Innern des Zellenraumes isolirt und an der sich häufig eine besondere -faltige, häufig geschrumpfte Umhüllungs-Haut erkennen lässt (Fig. 1, -_c_.). =Hugo= v. =Mohl=, der zuerst (1844-46) diese innere Einrichtung -genauer beschrieben hat, nannte jene Masse das =Protoplasma=, die -Umhüllungs-Haut den =Primordialschlauch= (Utriculus primordialis). Auch -die gröbere chemische Analyse zeigt an den einfachsten Zellen neben der -stickstofflosen äusseren Substanz eine stickstoffhaltige innere Masse, -und es lag daher nahe, zu schliessen, dass das eigentliche Wesen einer -Pflanzenzelle darin beruhe, dass innerhalb einer stickstofflosen Membran -ein von ihr differenter stickstoffhaltiger Inhalt vorhanden sei. - -Man wusste freilich schon seit längerer Zeit, dass noch andere Dinge -sich im Innern der Zellen befinden. Insbesondere war es eine der am -meisten folgenreichen Entdeckungen, als =Rob=. =Brown= den =Kern= -(Nucleus) innerhalb der Pflanzenzelle entdeckte (Fig. 1, _b_ u. _c_.). -Unglücklicherweise legte man diesem Gebilde eine grössere Bedeutung für -die Bildung, als für die Erhaltung der Zellen bei, weil in sehr vielen -älteren Pflanzenzellen der Kern äusserst undeutlich wird, in vielen ganz -verschwindet, während die Form der Zelle doch erhalten bleibt. - -Objecte zu gewinnen, welche das vollkommene Bild der Pflanzenzelle -darbieten, ist nicht schwierig. Man nehme z. B. einen Kartoffelknollen -und untersuche ihn da, wo er anfängt, einen neuen Schoss zu treiben, wo -also die Wahrscheinlichkeit besteht, dass man junge Zellen finden wird, -vorausgesetzt, dass Knospung überhaupt in der Bildung neuer Zellen -besteht. Im Innern des Knollens sind alle Zellen mit Amylonkörnern -vollgestopft; an dem jungen Schoss dagegen wird in dem Maasse, als er -wächst, das Amylon aufgelöst und verbraucht, und die Zelle zeigt sich -wieder in ihrer einfacheren Gestalt. Auf einem Querschnitte durch einen -jungen Schössling nahe an seinem Austritte aus dem Knollen unterscheidet -man etwa vier verschiedene Lagen: die Rindenschicht, dann eine Schicht -grösserer Zellen, dann eine Schicht kleinerer Zellen, und zu innerst -wieder eine Lage von grösseren. In dieser letzteren sieht man lauter -regelmässige Gebilde; dicke Kapseln von sechseckiger Gestalt und im -Innern derselben einen oder ein Paar Kerne (Fig. 1). Gegen die Rinde -(Korkschicht) und ihre Matrix (Cambium) hin sind die Zellen viereckig -und je weiter nach aussen, um so platter, aber auch in ihnen erkennt man -bestimmt Kerne (Fig. 2, _a_.). Ueberall, wo die sogenannten Zellen -zusammenstossen, ist zwischen ihnen eine Grenze zu erkennen; dann kommt -die dicke Celluloseschicht, in welcher häufig feine Streifen -(Ablagerungsschichten) zu bemerken sind, und im Innern der Höhle eine -zusammengesetzte Masse, in welcher leicht ein Kern mit Kernkörperchen zu -unterscheiden ist, und an der nach Anwendung von Reagentien auch der -Primordialschlauch (Utriculus) als eine gefaltete, runzlige Haut zum -Vorschein kommt. Es ist dies die vollendete, aber einfache Form der -Pflanzenzelle. In den benachbarten Zellen liegen einzelne grössere, matt -glänzende, geschichtete Körper: die Reste von Stärkemehl (Fig. 2, _c_.). - -[Illustration: =Fig=. 2. Aus der Rindenschicht eines Knollens von -Solanum tuberosum nach Behandlung mit Jod und Schwefelsäure. _a_. Platte -Rindenzellen, umgeben von der Kapsel (Zellhaut, Membran). _b_. Grössere, -viereckige Zellen derselben Art aus dem Cambium; die geschrumpfte und -gerunzelte eigentliche Zelle mit dem Primordialschlauch innerhalb der -Kapsel. _c_. Zelle mit Amylonkörnern, welche innerhalb des -Primordialschlauches liegen.] - -Mit solchen Erfahrungen kam man an die thierischen Gewebe, deren -Uebereinstimmung mit den pflanzlichen =Schwann= nachzuweisen suchte. Die -eben besprochene Deutung der gewöhnlichen pflanzlichen Zellenformen, -wobei man jedoch den von Vielen geleugneten Primordialschlauch ganz -unberücksichtigt zu lassen pflegte, diente als Ausgangspunkt. Dies ist -aber, wie die Erfahrung gezeigt hat, in gewissem Sinne irrig gewesen. -Man kann die pflanzliche Zelle in ihrer Totalität nicht mit jeder -thierischen zusammenstellen. Wir kennen an thierischen Zellen keine -solchen Unterschiede zwischen stickstoffhaltigen und stickstofflosen -Schichten; in allen wesentlichen, die Zelle constituirenden Theilen -kommen auch stickstoffhaltige Stoffe vor. Aber es giebt allerdings -gewisse Formelemente im thierischen Leibe, welche an diese pflanzlichen -Zellen unmittelbar erinnern; die am meisten charakteristischen unter -ihnen sind die Zellen im =Knorpel=, der seiner ganzen Erscheinung nach -von den übrigen Geweben des thierischen Leibes so sehr abweicht, und der -schon durch seine Gefässlosigkeit eine ganz besondere Stellung einnimmt. -Der Knorpel schliesst sich in jeder Beziehung am nächsten an die Gewebe -der Pflanze an. An einer recht entwickelten Knorpelzelle erkennen wir -eine verhältnissmässig dicke äussere Schicht, innerhalb welcher, wenn -wir recht genau zusehen, wiederum eine zarte Haut, ein Inhalt und ein -Kern zu finden sind. Hier haben wir also ein Gebilde, das der -Pflanzenzelle durchaus entspricht. - -[Illustration: =Fig=. 3. Knorpelzellen, wie sie am Ossificationsrande -wachsender Knorpel vorkommen, ganz den Pflanzenzellen analog (vgl. die -Erklärung zu Fig. 1). _a_-_c_. entwickeltere, _d_. jüngere Form.] - -Man hat daher auch lange Zeit hindurch, wenn man den Knorpel schilderte, -das ganze eben beschriebene Gebilde (Fig. 3, _a_-_d_.) ein -Knorpelkörperchen genannt. Indem man dasselbe aber den Zellen anderer -thierischer Theile coordinirte, stiess man auf Schwierigkeiten, welche -die Kenntniss des wahren Sachverhältnisses ungemein störten. Das -Knorpelkörperchen ist nehmlich nicht als Ganzes eine Zelle, sondern die -äussere Schicht, die von mir sogenannte =Capsel=[2], ist das Produkt -einer späteren Entwickelung (Absonderung, Ausscheidung). Im jungen oder -wenig entwickelten Knorpel ist sie sehr dünn, während auch die Zelle -kleiner zu sein pflegt. Gehen wir noch weiter in der Entwickelung -zurück, so treffen wir auch im Knorpel nichts als eine einfache Zelle, -welche jene äussere Absonderungsschicht noch nicht besitzt, dasselbe -Gebilde, welches auch sonst in thierischen Geweben vorkommt. - - [2] Archiv f. path. Anat. u. Physiol. 1853. Bd. V. S. 419, Note. - -Die Vergleichung zwischen thierischen und pflanzlichen Zellen, die wir -allerdings machen müssen, ist demnach insofern zu beschränken, als in -den meisten thierischen Geweben keine Formelemente gefunden werden, die -als Aequivalente der Pflanzenzelle in der alten Bedeutung dieses Wortes -betrachtet werden können. Insbesondere entspricht die Cellulose-Membran -der Pflanzenzelle nicht der thierischen Zellhaut. Aber bei einer anderen -Deutung der Pflanzenzelle trifft die Vergleichung allerdings zu, nur -muss man sofort davon abgehen, dass die thierische Zellhaut als -stickstoffhaltig eine typische Verschiedenheit von der pflanzlichen als -stickstoffloser darbiete. Vielmehr treffen wir in beiden Fällen eine -stickstoffhaltige Bildung von im Grossen übereinstimmender -Zusammensetzung. Wenn auch die sogenannte Membran (Capsel) der -Pflanzenzelle in der Capsel der Knorpelzellen ein Analogon findet, so -=entspricht doch vielmehr die gewöhnliche Membran der Thierzelle dem -Primordialschlauch der (inneren) Pflanzenzelle=, wie ich schon 1847 -hervorgehoben habe[3]. Erst wenn man diesen Standpunkt festhält, wenn -man von der Zelle Alles ablöst, was durch eine spätere Entwickelung -äusserlich hinzugekommen ist, so gewinnt man das einfache, gleichartige, -scheinbar monotone Gebilde, welches sich in allen lebendigen Organismen -wiederholt. Aber gerade diese Constanz ist das beste Kriterium dafür, -das wir in ihm das wirklich Elementare haben, dasjenige Gebilde, welches -alles Lebendige charakterisirt, ohne dessen Präexistenz keine neuen -lebendigen Formen entstehen und an welches Fortgang und Erhaltung des -Lebens gebunden sind. Erst seitdem der Begriff der Zelle diese strenge -Form bekommen hat, und ich bilde mir etwas darauf ein, trotz des -Vorwurfes der Pedanterie stets daran festgehalten zu haben, erst seit -dieser Zeit kann man sagen, dass eine einfache Form gewonnen ist, die -wir überall wieder aufsuchen können, und die, wenn auch in Grösse, -Gestalt und Ausstattung verschieden, doch in ihren wesentlichen -Bestandtheilen immer gleichartig angelegt ist. - - [3] Archiv 1847. Bd. I. S. 218. - -Es liegt auf der Hand, dass der Ausdruck »Zelle«, welcher von den -Cellulose-Capseln der Pflanzenzellen hergenommen ist, ein beträchtliches -Stück seiner wirklichen Bedeutung verloren hat, seitdem er auf die mit -zarten Primordialschläuchen oder Membranen umkleideten =Körper= -übertragen ist, welche die neue Wissenschaft im Auge hat. Denn hier -handelt es sich nicht sowohl um hohle Bläschen, bei denen die Membran -gewissermassen die Hauptsache ist, sondern um, wenn auch weiche, so doch -solide Körper, deren äussere Begrenzungsschicht eine grössere -Dichtigkeit besitzt, als das Innere, ja bei denen es fraglich ist, ob -überhaupt diese Begrenzungsschicht ein notwendiges Zubehör ist. Bevor -wir jedoch diese Frage erörtern, wird es zweckmässig sein, die anderen -Bestandtheile der Zelle zu betrachten. - -Zuerst erwarten wir, dass innerhalb der Zelle ein =Kern= sei. Von diesem -Kerne, der in der Regel eine ovale oder runde Gestalt hat, wissen wir, -dass er, zumal in jungen Elementen, eine grössere Resistenz gegen -chemische Einwirkungen besitzt, als die äussereren Theile der Zelle, und -dass er trotz der grössten Variabilität in der äusseren Gestalt der -Zelle seine Gestalt im Allgemeinen behauptet. Der Kern ist demnach -derjenige Theil der Zelle, der mit grösster Constanz in allen Formen -fast unverändert wiederkehrt. Freilich giebt es einzelne Fälle, sowohl -in der vergleichenden, als auch in der pathologischen Anatomie, wo auch -der Kern zackig oder eckig erscheint, aber dies sind ganz seltene -Ausnahmen, gebunden an besondere Veränderungen, welche das Element -eingegangen ist. Im Allgemeinen kann man sagen, dass, so lange es noch -zu keinem Abschlusse des Zellenlebens gekommen ist, so lange die Zellen -sich als lebenskräftige Elemente verhalten, die Kerne eine nahezu -constante Form besitzen. Nur in den niedersten Pflanzen z. B. in den -niedersten Pilzformen, ist es nicht möglich, einen Kern nachzuweisen. - -[Illustration: =Fig=. 4. _a_. Leberzelle. _b_. Spindelzelle des -Bindegewebes. _c_. Capillargefäss. _d_. Grössere Sternzelle aus einer -Lymphdrüse. _e_. Ganglienzelle aus dem Kleinhirn. Die Kerne überall -gleichartig.] - -Der Kern seinerseits enthält bei entwickelten Elementen wiederum mit -grosser Beständigkeit ein anderes Gebilde in sich, das sogenannte -=Kernkörperchen= (Nucleolus). Man kann jedoch von demselben nicht sagen, -dass es als ein notwendiges Desiderat der vitalen Form erscheine; in -einer erheblichen Zahl von jungen Elementen ist es noch nicht gelungen, -es zu sehen. Dagegen treffen wir es bei gut entwickelten, älteren Formen -regelmässig, und es scheint daher eine höhere Ausbildung des Elementes -anzuzeigen. - -Nach der Aufstellung, welche ursprünglich von =Schleiden= gemacht und -von =Schwann= acceptirt wurde, dachte man sich lange Zeit das -Verhältniss der drei genannten Zellentheile (Membran, Kern und -Kernkörperchen) so, dass der Nucleolus bei der Bildung der Gewebe als -das Erste aufträte, indem er sich aus einer Bildungsflüssigkeit -(=Blastem=, =Cytoblastem=) ausscheide, dass er schnell eine gewisse -Grösse erreiche, und dass sich dann um ihn kleine Körnchen aus dem -Blastem niederschlügen, um die sich wiederum eine Membran verdichte. -Damit wäre ein Nucleus fertig, um den sich allmählich wiederum neue -Masse ansammele und, zuerst an einer Seite des Nucleus, eine feine -Membran erzeuge (die berühmte Uhrglasform der Zellenmembran. -Fig. 5, _d_'). Diese Darstellung der Bildung von Zellen aus freiem -Blastem, wonach der Kern der Zelle voraufgehen und als eigentlicher -Zellenbildner (=Cytoblast=) auftreten sollte, ist es, welche man -gewöhnlich unter dem Namen der =Zellentheorie= (genauer Theorie der -=freien= Zellenbildung) zusammenzufassen pflegte, -- eine Theorie, -welche gegenwärtig vollständig verlassen ist, und für deren Richtigkeit -keine Thatsache beigebracht werden kann. - -[Illustration: =Fig=. 5. Freie Zellenbildung nach =Schleiden=, Grundzüge -der wiss. Botanik. I. Fig. 1. »Inhalt des Embryosackes von Vicia faba -bald nach der Befruchtung. In der hellen, aus Gummi und Zucker -bestehenden Flüssigkeit schwimmen Körnchen von Proteinverbindungen -(_a_.), unter denen sich einzelne grössere auffallend auszeichnen. Um -diese letzteren sieht man dann die ersteren zu einer kleinen Scheibe -zusammengeballt (_b_. _c_.) Um andere Scheiben erkennt man einen hellen, -scharf begrenzten Saum, der sich allmählich weiter von der Scheibe (dem -Cytoblasten) entfernt und endlich deutlich als junge Zelle (_d_. _e_.) -erkannt wird.«] - -Wir werden späterhin eine Reihe von Thatsachen der physiologischen und -pathologischen Entwickelungsgeschichte besprechen, welche es in hohem -Grade wahrscheinlich machen, dass der Kern allerdings eine -außerordentlich wichtige Rolle innerhalb der Zelle spielt, eine Rolle, -die, wie ich gleich hervorheben will, weniger auf die Function, die -specifische Leistung der Elemente sich bezieht, als vielmehr auf die -Erhaltung und Vermehrung der Elemente als lebendiger Theile. Die -specifische (im engeren Sinne animalische) Function zeigt sich am -deutlichsten am Muskel, am Nerven, an der Drüsenzelle, aber die -besonderen Thätigkeiten der Contraction, der Sensation, der Secretion -scheinen in keiner Weise unmittelbar mit den Kernen etwas zu thun zu -haben. Dass dagegen inmitten aller Function das Element ein Element -bleibt, dass es nicht vernichtet wird und zu Grunde geht unter der -fortdauernden Thätigkeit, dies scheint wesentlich an die Existenz des -Kerns gebunden zu sein. Alle diejenigen zelligen Bildungen, welche ihren -Kern verlieren, sind hinfällig, sie gehen zu Grunde, sie verschwinden, -sterben ab, lösen sich auf. Ein menschliches Blutkörperchen z. B. ist -eine Zelle ohne Kern; es besitzt höchstens eine äussere Membran und -einen rothen Inhalt, aber damit ist seine Zusammensetzung, soweit man -sie erkennen kann, erschöpft, und was man vom Blutkörperchen-Kern beim -Menschen erzählt hat, bezieht sich auf Täuschungen, welche allerdings -sehr leicht und häufig hervorgebracht werden dadurch, dass kleine -Unebenheiten an der Oberfläche entstehen (Fig. 61). Man würde daher -nicht einmal behaupten können, dass Blutkörperchen Zellen seien, wenn -man nicht wüsste, dass eine gewisse Zeit existirt, wo auch die -menschlichen Blutkörperchen Kerne haben, nehmlich die Zeit innerhalb der -ersten Monate des intrauterinen Lebens. Hier circuliren auch beim -Menschen kernhaltige Blutkörperchen, wie man sie bei Fröschen, Vögeln, -Fischen das ganze Leben hindurch sieht. Das ist bei Säugethieren auf -eine gewisse Zeit der Entwickelung beschränkt; in der späteren Zeit -besitzen die rothen Blutkörperchen nicht mehr die volle Zellennatur, -vielmehr haben sie einen wichtigen Bestandtheil ihrer Zusammensetzung -eingebüsst. Aber Alle sind auch darüber einig, dass gerade das Blut -einer von jenen wechselnden Bestandtheilen des Körpers ist, deren -Elemente keine Dauerhaftigkeit besitzen, vielmehr fort und fort zu -Grunde gehen und ersetzt werden durch neue, die wiederum der Vernichtung -bestimmt sind. Wie die obersten Epidermiszellen, in welchen wir auch -keine Kerne finden, sobald sie sich abschilfern, haben die ersten -Blutkörperchen schon ein Stadium ihrer Entwickelung erreicht, wo sie -nicht mehr jener Dauerhaftigkeit der inneren Zusammensetzung bedürfen, -als deren Bürgen wir den Kern betrachten müssen. - -Dagegen kennen wir, so vielfach auch gegenwärtig die Gewebe untersucht -sind, keinen Theil, der wächst, der sich vermehrt, sei es physiologisch, -sei es pathologisch, wo nicht kernhaltige Elemente als die -Ausgangspunkte der inneren Veränderung nachweisbar wären, und wo nicht -die ersten erkennbaren Veränderungen, welche auftreten, den Kern selbst -betreffen, so dass wir aus seinem Verhalten oft bestimmen können, was -möglicher Weise aus den Elementen geworden sein würde, wenn der Vorgang -weiter fortgeschritten wäre. - -[Illustration: =Fig=. 6. _a_. Pigmentzelle aus der Chorioides -oculi. _b_. Glatte Muskelzelle aus dem Darm. _c_. Stück einer -doppeltcontourirten Nervenfaser mit Axencylinder, Markscheide und -wandständigem, nucleolirtem Kern in der äusseren Scheide.] - -Längere Zeit hindurch verlangte man für die Definition einer Zelle nicht -viel mehr, als die Membran, mochte sie nun rund oder zackig oder -sternförmig sein, und den Kern, welcher von vorn herein eine andere -chemische Beschaffenheit besitzt, als die Membran. Es ist indess damit -lange nicht alles Wesentliche erschöpft. Denn die Zelle ist ausser dem -Kern gefüllt mit einer verhältnissmässig grösseren oder kleineren Menge -von =Inhaltsmasse=, und ebenso in der Regel der Kern seinerseits, in der -Art, dass der Inhalt des Kerns wieder verschieden zu sein pflegt von dem -Inhalte der Zelle. Innerhalb mancher Zellen sehen wir Pigment, ohne dass -der Kern davon etwas enthielte (Fig. 6, _a_.). Innerhalb einer -Muskelzelle wird contractile Substanz abgelagert, die Trägerin der -Contractions-Kraft; der Kern bleibt Kern (Fig. 6, _b_.). Eine -Nervenfaser kann um den Axencylinder Mark ausscheiden, aber der Kern -bleibt ausserhalb, der Axencylinder innerhalb des Markes unversehrt -(Fig. 6, _c_.). In der Mehrzahl der thierischen Zellen nimmt der -sogenannte Inhalt den verhältnissmässig grössten Raum ein; er ist -wenigstens quantitativ unzweifelhaft der Hauptbestandtheil dessen, was -ich den =Zellkörper= nenne. Allein schon =Mohl= schrieb dem Inhalte der -Pflanzenzellen auch qualitativ eine bedeutende Rolle zu, indem er darin -eine besondere, eiweisshaltige Flüssigkeit von grossem functionellen -Werthe, das von ihm sogenannte =Protoplasma=, annahm. In neuerer Zeit -hat diese Auffassung auch bei den Untersuchern der thierischen Zellen -immer mehr Anklang gefunden, so dass gegenwärtig von Vielen das -Protoplasma oder was man früher allgemein den Zelleninhalt nannte, als -der wichtigste und gewissermaassen essentielle Theil des ganzen Gebietes -angesehen wird. Es stellt nach dieser Auffassung eine in allen Zellen, -wenigstens allen noch lebenskräftigen, vorkommende Grundsubstanz dar, in -welcher ausser dem Kern je nach besonderen Entwickelungsverhältnissen -noch eine grössere Menge meist in körniger Form abgeschiedener Stoffe -(Fett, Pigment, Glykogen u. s. w.) eingeschlossen sein können. - -Sieht man davon ab, dass nicht wenige Zellen um sich herum allerlei -äussere Stoffe (=Intercellular=- oder =Extracellularsubstanz=) anhäufen, -beziehungsweise abscheiden, so wird man nicht bezweifeln können, dass -die besonderen (=specifischen=) Eigenthümlichkeiten, welche einzelne -Zellen oder Zellengruppen an bestimmten Orten und unter besonderen -Bedingungen erreichen, zu einem grossen Theile gebunden sind an -wechselnde Eigenschaften des Zelleninhalts (=Intracellularsubstanz=) und -dass hauptsächlich von diesen die functionelle (physiologische) -Verschiedenheit der Gewebe abhängig ist. Diess darf uns jedoch nicht -abhalten, daran festzuhalten, dass innerhalb der verschiedensten Gewebe -jene Bestandtheile, welche die Zelle gewissermaassen in ihrer abstracten -Form darstellen, Kern und Zellkörper, mit grosser Regelmässigkeit -wiederkehren, und dass durch ihre Zusammenfügung ein einfaches Element -gewonnen wird, welches durch die grosse Reihe der lebendigen -pflanzlichen und thierischen Gestaltungen, so äusserlich verschieden sie -auch sein mögen, so sehr die innere Zusammensetzung dem Wechsel -unterworfen sein mag, eine ganz besondere Formbildung als bestimmte -Grundlage der Lebenserscheinungen erkennen lässt. - -Betrachtet man z. B. die jüngsten Eierstockseier des Frosches, bevor die -Abscheidung der Dotterkörner begonnen hat, so wird man nicht daran -zweifeln können, dass man es mit wirklichen Zellen zu thun hat, -wenngleich sie durch allmähliches Wachsthum eine colossale Grösse zu -erreichen vermögen. - -[Illustration: =Fig=. 7. Junge Eierstockseier vom Frosch. _A_. Eine ganz -junge Eizelle. _B_. Eine grössere. _C_. Eine noch grössere mit -beginnender Abscheidung brauner Körnchen an dem einen Pol (_e_.) und mit -äusserer Einfaltung der Zellmembran durch Eindringen von Wasser. _a_. -Membran des Graaf'schen Follikels. _b_. Zellmembran. _c_. Kernmembran. -_d_. Kernkörperchen. _S_. Eierstock. Vergröss. 150.] - -[Illustration: =Fig=. 8. Zellen aus frischem katarrhalischem Sputum. _A_. -Eiterkörperchen. _a_. ganz frisch. _b_. nach Behandlung mit Essigsäure: -innerhalb der Membran ist der Inhalt aufgeklärt und man sieht drei -kleine Kerne. _B_. Schleimkörperchen. _a_. einfaches. _b_. mit -Pigmentkörnchen. Vergr. 300.] - -Im Gegensatze dazu nehme man ein gewöhnliches klinisches Object: Zellen -von einem frischen katarrhalischen Sputum. Es sind hier im Verhältniss -sehr kleine Elemente, die sich bei stärkerer Vergrösserung als -vollkommen kugelige Gebilde darstellen, und an denen man erst nach -Einwirkung von Wasser und anderen Reagentien deutlich eine Membran, -Kerne und einen im frischen Zustande trüben Inhalt unterscheidet. Die -meisten von den kleinen Elementen gehören nach der gebräuchlichen -Terminologie in die Reihe der Eiterkörperchen; die grösseren, als -Schleimkörperchen oder katarrhalische Zellen zu bezeichnen, enthalten -zum Theil Fett oder grauschwarzes Pigment in Form von Körnern. -Aber so klein sie sind, so besitzen sie doch die ganze typische -Eigenthümlichkeit der grossen Zellen; alle wesentlichen Charaktere der -grossen finden sich an ihnen wieder. Das ist aber meines Erachtens das -Entscheidende, dass, wir mögen nun die grossen oder die kleinen, die -pathologischen oder die physiologischen Zellen zusammenhalten, dies -Uebereinstimmende sich immer wiederfindet. - -Es darf nicht überraschen, dass der Werth der einzelnen, die vollendete -Zelle zusammensetzenden Theile vielfacher Deutung ausgesetzt ist und -dass die Definition der Zelle immer neue Formulirungen erhält, trotzdem -dass man immer dasselbe Gebilde oder wenigstens denselben Körper meint. -Seitdem die sogenannte Membran der Pflanzenzelle als ein secundäres -Abscheidungsproduct, als blosse Capsel erkannt ist, hat natürlich der -frühere Zelleninhalt, das Protoplasma, eine grössere Bedeutung erlangt. -Der Kern ist mehr in den Hintergrund getreten, nachdem man ihm nicht -mehr die Präexistenz und die Rolle des Cytoblasten beilegt. Noch -ungünstiger liegt die Frage, ob die Membran ein notwendiges Erforderniss -der Zelle ist, und nicht bloss unter den Botanikern, sondern auch unter -den Zoologen (=Max Schultze=) giebt es nicht wenige und ausgezeichnete -Forscher, welche die Zelle als vollkommen constituirt betrachten, sobald -ein Kern mit dem dazu gehörigen Protoplasma vorhanden ist. Erst auf -einer gewissen Entwickelungshöhe würde sich dieses Protoplasma mit einer -Membran bekleiden und zum Zelleninhalt werden, wie man es bei der -Furchung des Eies und der Bildung der Primordialzellen so lange -angenommen hat. Glücklicherweise hat diese schwierige Frage für die -Pathologie keine principielle Bedeutung. Abgesehen davon, dass bei fast -allen physiologischen und pathologischen Zellen von einiger Bedeutung -Membranen isolirbar sind, wird doch auch vom Standpunkte derjenigen, -welche die Membranlosigkeit vieler Zellen behaupten, weder die Existenz, -noch der entscheidende Werth der Zellen in Frage gestellt. Ob eine Zelle -im alten Sinne des Wortes ein Bläschen oder im neuen ein solides -Körperchen ist, ist daher eine Detailfrage, welche das cellulare Princip -nicht berührt. - -Dieses Princip aber ist meiner Auffassung nach der einzigmögliche -Ausgangspunkt aller biologischen Doctrin. Wenn eine wirkliche -Uebereinstimmung der elementaren Formen durch die ganze Reihe alles -Lebendigen hindurchgeht, wenn man vergeblich in dieser grossen Reihe -nach irgend etwas Anderem sucht, was als =organisches Element= an die -Stelle der Zelle gesetzt werden könnte, so muss man nothwendig auch jede -höhere Ausbildung, sei es einer Pflanze, sei es eines Thieres, -betrachten als eine fortschreitende Summirung grösserer oder kleinerer -Zahlen von Zellen. Wie ein Baum eine in einer bestimmten Weise -zusammengeordnete Masse darstellt, in welcher als letzte Elemente an -jedem einzelnen Theile, am Blatt wie an der Wurzel, am Stamm wie an der -Blüthe, zellige Elemente erscheinen, so ist es auch mit den thierischen -Gestalten. =Jedes Thier erscheint als eine Summe vitaler Einheiten=, von -denen jede den vollen Charakter des Lebens an sich trägt. Der Charakter -und die Einheit des Lebens kann nicht an einem bestimmten einzelnen -Punkte einer höheren Organisation gefunden werden, z. B. im Gehirn des -Menschen, sondern nur in der bestimmten, constant wiederkehrenden -Einrichtung, welche jedes einzelne Element an sich trägt. Daraus geht -hervor, dass die Zusammensetzung eines grösseren Körpers, des -sogenannten Individuums, immer auf eine Art von gesellschaftlicher -Einrichtung herauskommt, =einen Organismus socialer Art= darstellt, wo -eine Masse von einzelnen Existenzen auf einander angewiesen ist, jedoch -so, dass jedes Element (Zelle oder, wie =Brücke= sehr gut sagt, -=Elementar-Organismus=) für sich eine besondere Thätigkeit hat, und dass -jedes, wenn es auch die Anregung zu seiner Thätigkeit von anderen -Theilen her empfängt, doch die eigentliche Leistung von sich selbst -ausgehen lässt. - -Ich habe es deshalb für nothwendig erachtet, den Gesammt-Organismus oder -das Individuum nicht bloss in seine Organe und diese in ihre Gewebe, -sondern auch noch die Gewebe zu zerlegen in =Zellenterritorien=. Ich -habe gesagt Territorien, weil wir in der thierischen Organisation eine -Eigenthümlichkeit finden, welche in der Pflanze fast gar nicht oder doch -nur in sehr unvollkommener Weise zur Anschauung kommt, nehmlich die -Entwickelung grosser Massen sogenannten =intercellularen Stoffes=. -Während die Pflanzenzellen in der Regel mit ihren äusseren -Absonderungsschichten, den vorher erwähnten Capseln, unmittelbar -aneinander stossen, so jedoch, dass man immer noch die alten Grenzen -unterscheiden kann, so finden wir bei den thierischen Geweben, dass -diese Art der Anordnung die seltnere ist. In der oft sehr reichlichen -Masse, welche zwischen den Zellen liegt (=Zwischen=- oder -=Grundsubstanz=, =Intercellularsubstanz=), können wir selten von -vornherein übersehen, inwieweit ein bestimmter Theil davon der einen, -ein anderer der anderen Zelle angehöre; sie erscheint als ein -gleichmässiger Zwischenstoff. - -[Illustration: =Fig=. 9. Epiphysenknorpel vom Oberarme eines Kindes, -an der Ellenbeuge. Das Object war zuerst mit chromsaurem Kali und -dann mit Essigsäure behandelt. In der homogenen Grundsubstanz -(Intercellularsubstanz) sieht man bei _a_. Knorpelhöhlen mit noch dünner -Wand (Capsel), in welchen die Knorpelzellen, mit Kern und Kernkörperchen -versehen, sich deutlich abgrenzen. _b_. Capseln (Höhlen) mit zwei, durch -Theilung der früher einfachen entstandenen Zellen. _c_. Theilung der -Capseln nach Theilung der Zellen. _d_. Auseinanderrücken der getheilten -Capseln durch Zwischenlagerung von Intercellularsubstanz. -- -Knorpelwachsthum.] - -Nach der Ansicht =Schwann='s war die Intercellularsubstanz Cytoblastem, -für die Entwickelung neuer Zellen bestimmt. Dies halte ich nicht für -richtig, vielmehr bin ich durch eine Reihe von Erfahrungen zu dem -Schlusse gekommen, dass die Intercellularsubstanz, wie sie von den -Zellen gebildet (abgeschieden) wird, so auch in einer bestimmten -Abhängigkeit von ihnen bleibt, in der Art, dass man auch in ihr Grenzen -ziehen kann, und das gewisse Bezirke von ihr der einen, gewisse der -anderen Zelle angehören. Durch pathologische Vorgänge werden diese -Grenzen scharf bezeichnet, und es lässt sich direct zeigen, wie jedesmal -ein bestimmtes Gebiet von Zwischensubstanz beherrscht wird von dem -zelligen Elemente, welches in seiner Mitte gelegen ist. - -Es wird jetzt deutlich sein, wie ich mir die Zellen-Territorien denke: -Es gibt einfache Gewebe, welche ganz aus Zellen bestehen, Zelle an Zelle -gelagert (Fig. 10, _A_.). Hier kann über die Grenze der einzelnen Zelle -keine Meinungsverschiedenheit bestehen, aber es ist nöthig, -hervorzuheben, dass auch in diesem Falle jede einzelne Zelle ihre -besonderen Wege gehen, ihre besonderen Veränderungen erfahren kann, ohne -dass mit Nothwendigkeit das Geschick der zunächst liegenden Zellen daran -geknüpft ist. In andern Geweben dagegen, wo wir Zwischenmassen haben -(Fig. 10, _B_.), versorgt die Zelle ausser ihrem eigenen Inhalt noch -eine gewisse Menge von äusserer Substanz, die an ihren Veränderungen -Theil nimmt, ja sogar häufig frühzeitiger afficirt wird, als das Innere -der Zelle, welches durch seine Lagerung mehr gesichert ist, als die -äussere Zwischenmasse. Endlich gibt es eine dritte Reihe von Geweben -(Fig. 10, _C_.), deren Elemente unter einander in engeren Verbindungen -stehen. Es kann z. B. eine Zelle mit anderen zusammenhängen und dadurch -eine reihen- oder flächenförmige Anordnung entstehen, ähnlich der bei -den Capillaren und anderen analogen Gebilden. In diesem Falle könnte man -glauben, dass die ganze Reihe beherrscht werde von irgend Etwas, was wer -weiss wie weit entfernt liegt, indessen bei genauerem Studium ergibt -sich, dass selbst in diesen ketten- oder hautartigen Einrichtungen eine -gewisse Unabhängigkeit der einzelnen Glieder besteht, und dass diese -Unabhängigkeit sich äussert, indem unter gewissen äusseren oder inneren -Einwirkungen das Element nur innerhalb seiner Grenzen gewisse -Veränderungen erfährt, ohne dass die nächsten Elemente dabei betheiligt -sind.[4] - - [4] Lange, nachdem dieses geschrieben war, haben die Untersuchungen - von =Heidenhain= für die Knorpel, von =Auerbach= und =Eberth= für die - Capillaren auch die physiologische Realität der Zellenterritorien - erwiesen. - -[Illustration: =Fig=. 10. Schematische Darstellung der -Zellenterritorien. _A_. Einfaches Zellengewebe (Epidermis). _B_. Gewebe -mit Intercellularsubstanz (Knorpel), in welchem nach unten hin die -Zellenterritorien abgegrenzt sind. _C_. Kernhaltiges, scheinbar -homogenes Gewebe (Capillargefäss), in welchem die Territorien durch -punktirte Linien angedeutet sind.] - -Das Angeführte wird zunächst genügen, um zu zeigen, in welcher Weise ich -es für nothwendig erachte, die pathologischen Vorgänge zu localisiren, -sie auf bekannte histologische Elemente zurückzuführen, warum es mir -z. B. nicht genügt, von einer Thätigkeit der Gefässe oder von einer -Thätigkeit der Nerven zu sprechen, sondern warum ich es für nothwendig -erachte, neben Gefässen und Nerven die grosse Zahl von kleinen Theilen -ins Auge zu fassen, welche thatsächlich die Hauptmasse der -Körpersubstanz ausmachen. Es ist nicht genug, dass man, wie es seit -langer Zeit geschieht, die Muskeln als thätige Elemente daraus ablöst; -innerhalb des grossen Restes, der gewöhnlich als =träge Masse= -betrachtet wird, findet sich noch eine ungeheure Zahl wirksamer Theile. - -In der Entwickelung, welche die Medicin bis in die letzten Tage genommen -hat, finden wir den Streit zwischen den humoralen und solidaren Schulen -der alten Zeit immer noch erhalten. Die humoralen Schulen haben im -Allgemeinen das meiste Glück gehabt, weil sie die bequemste Erklärung -und in der That die plausibelste Deutung der Krankheitsvorgänge gebracht -haben. Man kann sagen, dass fast alle glücklichen Praktiker und -bedeutenden Kliniker mehr oder weniger humoralpathologische Tendenzen -gehabt haben; ja diese sind so populär geworden, dass es jedem -Arzte äusserst schwer wird, sich aus ihnen zu befreien. Die -solidarpathologischen Ansichten sind mehr eine Liebhaberei speculativer -Forscher gewesen; sie sind nicht sowohl aus dem unmittelbaren -pathologischen Bedürfnisse, als vielmehr aus physiologischen und -philosophischen, selbst aus religiösen Erwägungen hervorgegangen. Sie -haben den Thatsachen Gewalt anthun müssen, sowohl in der Anatomie, als -in der Physiologie, und haben daher niemals eine ausgedehnte Verbreitung -gefunden. Meiner Auffassung nach ist der Standpunkt beider ein -unvollständiger; ich sage nicht ein falscher, weil er eben nur falsch -ist in seiner Exclusivität; er muss zurückgeführt werden auf gewisse -Grenzen, und man muss sich erinnern, dass neben Gefässen und Blut, neben -Nerven und Centralapparaten noch andere Dinge existiren, die nicht ein -blosses Substrat der Einwirkung von Nerven und Blut sind, auf welchem -diese ihr Wesen treiben. - -Wenn man nun fordert, dass die medicinischen Anschauungen auch auf -dieses Gebiet sich übertragen sollen, wenn man andererseits verlangt, -dass auch innerhalb der humoral- und neuropathologischen Vorstellungen -man sich schliesslich erinnern soll, dass das Blut aus vielen einzelnen -für sich bestehenden und wirkenden Theilen besteht, dass das -Nervensystem aus vielen thätigen Sonder-Bestandtheilen zusammengesetzt -ist, so ist dies eine Forderung, die freilich auf den ersten Blick -manche Schwierigkeiten bietet. Aber wenn man sich erinnert, dass man -Jahre lang nicht bloss in den Vorlesungen, sondern auch am Krankenbette -von der Thätigkeit der Capillaren gesprochen hat, einer Thätigkeit, die -Niemand gesehen hat, die eben nur auf bestimmte Doctrinen hin angenommen -worden ist, so wird man es nicht unbillig finden, dass Dinge, die -wirklich zu sehen sind, ja die, wenn man sich übt, selbst dem -unbewaffneten Auge nicht selten zugängig sind, gleichfalls in den Kreis -des ärztlichen Wissens und Denkens aufgenommen werden. Von Nerven hat -man nicht nur gesprochen, wo sie nicht dargestellt waren; man hat sie -einfach supponirt, selbst in Theilen, wo bei den sorgfältigsten -Untersuchungen sich nichts von ihnen hat nachweisen lassen; man hat sie -wirksam sein lassen an Punkten, wohin sie überhaupt gar nicht -vordringen. So ist es denn gewiss keine unbillige Forderung, dass dem -grösseren, wirklich existirenden Theile des Körpers, dem »dritten -Stande«, auch eine gewisse Anerkennung werde, und wenn diese Anerkennung -zugestanden wird, dass man sich nicht mehr mit der blossen Ansicht der -Nerven als ganzer Theile, als eines zusammenhängenden einfachen -Apparates, oder des Blutes als eines bloss flüssigen Stoffes begnüge, -sondern dass man auch innerhalb des Blutes und des Nervenapparates die -ungeheure Masse kleiner wirksamer Centren zulasse. Dann wird sich nicht -nur ein neues, grosses Gebiet, das der zelligen Gewebselemente, in die -ärztliche Betrachtung einfügen, sondern es wird möglich sein, auch Blut -und Nerven von dem Standpunkte der Cellularphysiologie aus zu würdigen, -und so den alten Streit der Humoral- und Solidarpathologie in einer -einigen Cellularpathologie zu versöhnen. - -Die wesentlichen Hindernisse, welche bis in die letzte Zeit in dieser -Richtung bestanden, waren nicht so sehr pathologische. Ich bin -überzeugt, man würde mit den pathologischen Verhältnissen ungleich -leichter fertig geworden sein, wenn es nicht bis vor Kurzem unter die -Unmöglichkeiten gehört hätte, die wirklichen =Elementartheile= des -thierischen Leibes zu ermitteln und eine einfache Uebersicht der -physiologischen Gewebe zu liefern. Die alten Anschauungen, welche zum -Theil noch aus dem vorigen Jahrhundert überkommen waren, haben gerade in -demjenigen Gebiete, welches pathologisch am häufigsten in Betracht -kommt, nämlich in dem des Bindegewebes, so sehr vorgewaltet, dass noch -jetzt eine allgemeine Einigung nicht gewonnen ist, und dass jedermann -genöthigt ist, sich durch die Anschauung der Objecte selbst ein Urtheil -darüber zu bilden. - -Noch in den Elementa physiologiae von =Haller= findet man an die Spitze -des ganzen Werkes, wo von den Elementen des Körpers gehandelt wird, die -=Faser= gestellt. =Haller= gebraucht dabei den sehr characteristischen -Ausdruck, dass die Faser (fibra) für den Physiologen sei, was die Linie -für den Geometer. - -Diese Auffassung ist bald weiter ausgedehnt worden, und die Lehre, dass -für fast alle Theile des Körpers die Faser als Grundlage diene, dass die -Zusammensetzung der allermannichfachsten Gewebe in letzter Instanz auf -die Faser zurückführe, ist namentlich bei dem Gewebe, welches, wie sich -ergeben hat, pathologisch die grösste Wichtigkeit hat, bei dem -sogenannten Zellgewebe am längsten festgehalten worden. - -Im Laufe des letzten Jahrzehnts vom vorigen Jahrhundert begann indess -schon eine gewisse Reaction gegen diese Faserlehre, und in der Schule -der Naturphilosophen kam frühzeitig ein anderes Element zu Ehren, das -aber in einer viel mehr speculativen Weise begründet wurde, nämlich das -=Kügelchen=. Während die Einen immer noch an der Faser festhielten, so -glaubten Andere, wie in der späteren Zeit noch =Milne Edwards=, so weit -gehen zu dürfen, auch die Faser wieder aus linear aufgereihten Kügelchen -zusammengesetzt zu denken. Diese Auffassung ist zum Theil hervorgegangen -aus optischen Täuschungen bei der mikroskopischen Beobachtung. Die -schlechte Methode, welche während des ganzen vorigen Jahrhunderts und -eines Theiles des gegenwärtigen bestand, dass man mit mässigen -Instrumenten im vollen Sonnenlicht beobachtete, brachte fast in alle -mikroskopischen Objecte eine gewisse Dispersion des Lichtes, und der -Beobachter bekam den Eindruck, als sähe er weiter nichts, als -Kügelchen. Andererseits entsprach aber auch diese Anschauung den -naturphilosophischen Vorstellungen von der ersten Entstehung alles -Geformten. - -Diese Kügelchen (Körnchen, Granula, Moleküle) haben sich sonderbarer -Weise bis in die moderne Histologie hinein erhalten, und es gab -bis vor Kurzem wenige histologische Werke, welche nicht mit den -Elementarkörnchen anfingen. Hier und da sind noch vor nicht langer Zeit -diese Ansichten von der Kugelnatur der Elementartheile so überwiegend -gewesen, dass auf sie die Zusammensetzung, sowohl der ersten Gewebe im -Embryo, als auch der späteren begründet wurde. Man dachte sich, dass -eine Zelle in der Weise entstände, dass die Kügelchen sich sphärisch zur -Membran ordneten, innerhalb deren sich andere Kügelchen als Inhalt -erhielten. Noch von =Baumgärtner= und =Arnold= ist in diesem Sinne gegen -die Zellentheorie gekämpft worden. - -[Illustration: =Fig=. 11. Schema der Globulartheorie. _a_. Faser aus -linear aufgereihten Elementarkörnchen (Molekularkörnchen). _b_. Zelle -mit Kern und sphärisch geordneten Körnchen.] - -In einer gewissen Weise hat diese Auffassung in der -Entwickelungsgeschichte eine Stütze gefunden; in der sogenannten -=Umhüllungstheorie=, -- einer Lehre, die eine Zeit lang stark in den -Vordergrund getreten war (=Henle=). Danach dachte man sich, dass, -während ursprünglich eine Menge von Elementarkügelchen zerstreut -vorhanden wäre, diese sich unter bestimmten Verhältnissen -zusammenlagerten, nicht in Form sphärischer Membranen, sondern zu einem -compacten Haufen, einer Kugel (Klümpchen), und dass diese Kugel der -Ausgangspunkt der weiteren Bildung werde, indem durch Differenzirung der -Masse, durch Apposition oder Intussusception aussen eine Membran, innen -ein Kern entstehe. - -[Illustration: =Fig=. 12. Schema der Umhüllungs- (Klümpchen-) Theorie. -_a_. Getrennte Elementarkörnchen. _b_. Körnchenhaufen (Klümpchen). _c_. -Körnchenzelle mit Membran und Kern.] - -Gegenwärtig kann man weder die Faser noch das Kügelchen oder das -Elementarkörnchen als einen histologischen Ausgangspunkt betrachten. So -lange als man sich die Entstehung von lebendigen Elementen aus vorher -nicht geformten Theilen, also aus Bildungsflüssigkeiten oder -Bildungsstoffen (=plastischer Materie=, =Blastem=, =Cytoblastem=) -hervorgehend dachte, so lange konnte irgend eine dieser Auffassungen -allerdings Platz finden, aber gerade hier ist der Umschwung, welchen die -allerletzten Jahre gebracht haben, am meisten durchgreifend gewesen. Die -Bildungsstoffe finden sich wesentlich innerhalb der Zellen -(=Endoblastem=). Auch in der Pathologie können wir gegenwärtig so weit -gehen, als allgemeines Princip hinzustellen, =dass überhaupt keine -Entwickelung de novo beginnt, dass wir also auch in der -Entwickelungsgeschichte der einzelnen Theile, gerade wie in der -Entwickelung ganzer Organismen, die Generatio aequivoca -zurückweisen=[5]. So wenig wir noch annehmen, dass aus saburralem -Schleim ein Spulwurm entsteht, dass aus den Resten einer thierischen -oder pflanzlichen Zersetzung ein Infusorium oder ein Pilz oder eine Alge -sich bilde, so wenig lassen wir in der physiologischen oder -pathologischen Gewebelehre es zu, dass sich aus irgend einer unzelligen -Substanz eine neue Zelle aufbauen könne. Wo eine Zelle entsteht, da muss -eine Zelle vorausgegangen sein (=Omnis cellula e cellula=), ebenso wie -das Thier nur aus dem Thiere, die Pflanze nur aus der Pflanze entstehen -kann. Auf diese Weise ist, wenngleich es einzelne Punkte im Körper -giebt, wo der strenge Nachweis noch nicht geliefert ist, doch das -Princip gesichert, dass in der ganzen Reihen alles Lebendigen, dies -mögen nun ganze Pflanzen oder ganze thierische Organismen oder -integrirende Theile derselben sein, ein ewiges Gesetz der -=continuirlichen Entwickelung= besteht. Die Erfahrung lehrt keine -Discontinuität der Entwickelung in der Art, dass eine neue Generation -von sich aus eine neue Reihe von Entwickelungen begründete. Alle -entwickelten Gewebe können weder auf ein kleines noch auf ein grosses -einfaches Element zurückgeführt werden, es sei denn auf die Zelle -selbst. In welcher Weise diese continuirliche =Zellenwucherung= -(=Proliferation=), denn so kann man den Vorgang bezeichnen, in der Regel -vor sich geht, das lässt sich an wachsenden Theilen sowohl von -Pflanzen, als von Thieren sehr leicht sehen. - - [5] Der neueste Versuch von =Pouchet=, die Lehre von der Urzeugung - wenigstens für Pilze und Infusorien wieder einzusetzen, darf wohl - durch die vortrefflichen Experimente von =Pasteur= als - zurückgeschlagen angesehen werden. Trotzdem wird das theoretische - Bedürfniss, eine natürliche Schöpfungsgeschichte zu construiren, - begreiflicherweise immer von Neuem zu der Annahme einer Urzeugung - führen, wenn man sie auch allmählich auf die allerkleinsten - Micrococci oder auf gestaltlose Protisten beschränkt. Das Bedürfniss - erkenne ich an, aber die Thatsachen streiten dagegen, und am - allerwenigsten gestatten sie für die Pathologie eine Ausnahme. - -[Illustration: =Fig=. 13. Längsschnitt durch ein junges Februar-Blatt -vom Aste einer Syringa. _A_. Die Rinden- und Cambium-Schicht: unter -einer sehr platten Zellenlage sieht man grössere, viereckige, -kernhaltige Zellen, aus denen durch fortgehende Quertheilung kleine -Haare (_a_) hervorwachsen, die immer länger werden (_b_) und durch -Längstheilung sich verdicken (_c_). _B_. Die Gefässschicht mit -Spiralfasern. _C_. Einfache, viereckige, längliche Rinden-Zellen. -- -Pflanzenwachsthum.] - -Betrachten wir z. B. einen Längsschnitt aus der jungen Knospe eines -Flieder-Strauches, wie sie die warmen Tage des Februar entwickelt haben. -In der Knospe ist schon eine Menge von jungen Blättern angelegt, jedes -aus zahlreichen Zellen zusammengesetzt. In diesen jüngsten Theilen -bestehen die äusseren Schichten aus ziemlich regelmässigen Zellenlagen, -die mehr platt viereckig erscheinen, während in den inneren Lagen die -Zellen mehr gestreckt sind, und in einzelnen Abschnitten die -Spiralfasern auftreten. Kleine Auswüchse (Blatthaare) treten überall am -Rande hervor, ganz ähnlich gewissen thierischen Excrescenzen, z. B. an -den Zotten des Chorions, wo sie die Orte bezeichnen, an welchen junge -Zotten hervorwachsen werden. An unserem Objecte (Fig. 13) sehen wir die -kleinen kolbigen Zapfen, die sich in gewissen Abständen wiederholen, -nach Innen mit den Zellenreihen des Cambiums zusammenhängend. An diesen -zarten Bildungen kann man am besten die feineren Formen der Zelle -unterscheiden und zugleich die eigenthümliche Art ihres Wachsthums -entdecken. Das Wachsthum geht so vor sich, dass an einzelnen zelligen -Elementen eine Theilung eintritt und sich eine quere Scheidewand bildet; -die Hälften wachsen als selbständige Elemente fort und vergrössern sich -nach und nach. Nicht selten treten auch Längstheilungen ein, wodurch das -ganze Gebilde dicker wird (Fig. 13, _c_). Jeder Zapfen, jedes -Pflanzenhaar ist also ursprünglich eine einzige Zelle; indem sie sich -quertheilt und immer wieder quertheilt (Fig. 13, _a_, _b_), schiebt sie -ihre Glieder vorwärts und breitet sich dann bei Gelegenheit auch -seitlich durch Längstheilung aus. In dieser Weise wachsen die Haare -hervor, und dies ist im Allgemeinen der Modus des Wachsthums nicht nur -in der Pflanze, sondern auch in den physiologischen und pathologischen -Bildungen des thierischen Leibes. - -[Illustration: =Fig=. 14. Knorpelwucherung aus dem Rippenknorpel eines -Erwachsenen. Grössere Gruppen von Knorpelzellen innerhalb einer -gemeinschaftlichen Umgrenzung (fälschlich sogenannte Mutterzellen), -durch successive Theilungen aus einzelnen Zellen hervorgegangen. Am -Rande oben ist eine solche Gruppe durchschnitten, in der man eine -Knorpelzelle mit mehrfacher Umlagerung von Kapselschichten (äusserer -Absonderungsmasse) sieht. Vergröss. 300.] - -Nimmt man ein Stück Rippenknorpel im Stadium des pathologischen -Wachsthums, so erscheinen schon für das blosse Auge Veränderungen: man -sieht kleine Buckel der Oberfläche des Knorpels. Dem entsprechend zeigt -das Mikroskop Wucherungen der Knorpelzellen. Hier finden sich dieselben -Formen wie bei den Pflanzenzellen: grössere Gruppen von zelligen -Elementen, welche je aus einer früheren Zelle hervorgegangen sind, in -mehrfachen Reihen angeordnet, mit dem einzigen Unterschiede von den -wuchernden Pflanzenzellen, dass zwischen den einzelnen Gruppen -Intercellularsubstanz vorhanden ist. An den Zellen unterscheidet man -wieder die äussere Kapsel, die sogar an einzelnen Zellen mehrfach -geschichtet ist, in zwei-, drei- und mehrfacher Lage, und darin erst -kommt die eigentliche Zelle mit Körper, Kern und Kernkörperchen. -Nirgends gibt es hier eine andere Art der Neubildung, als die -=fissipare=; ein Element nach dem andern theilt sich: Generation geht -aus Generation hervor. - - - - - Zweites Capitel. - - Die physiologischen Gewebe. - - - Anatomische Classification der Gewebe. Die drei - allgemein-histologischen Kategorien. Die speciellen Gewebe. Die - Organe und Systeme oder Apparate. - - Die =Epithelialgewebe=. Platten-, Cylinder- und Uebergangsepithel. - Epidermis und Rete Malpighii. Nagel und Nagelkrankheiten. Haare. - Linse. Pigment. Drüsenzellen. - - Die =Gewebe der Bindesubstanz=. Das Binde- oder Zellgewebe. Die - Theorien von =Schwann=, =Henle= und =Reichert=. Meine Theorie. Die - Bindegewebskörperchen. Die Fibrillen des Bindegewebes als - Intercellularsubstanz. Secretion derselben. Der Knorpel (hyaliner, - Faser- und Netzknorpel). Incapsulirte und freie Knorpelkörperchen - (Knochenknorpel). Schleimgewebe. Pigmentirtes Bindegewebe. - Fettgewebe. Anastomose der Elemente: saftführendes Röhren- oder - Kanalsystem. - - Die =höheren Thiergewebe=: Muskeln, Nerven, Gefässe, Blut, - Lymphdrüsen. Vorkommen dieser Gewebe in Verbindung mit - Interstitialgewebe. - Muskeln. Quergestreifte. Faserzellen. Herzmuskulatur. - Muskelkörperchen. Fibrillen. Disdiaklasten. Glatte Muskelfasern. - Muskelatrophie. Die contractile Substanz (Syntonin) und die - Contractilität überhaupt. Cutis anserina und Arrectores pilorum. - Gefässe. Capillaren. Contractile Gefässe. - -Die normalen Gewebe lassen sich ohne Zwang in drei Kategorien -eintheilen: Entweder man hat Gewebe, welche einzig und allein aus Zellen -bestehen, in welchen Zelle an Zelle liegt, also =in dem modernen Sinne -Zellengewebe=. Oder es sind Gewebe, in welchen regelmässig eine Zelle -von der andern getrennt ist durch eine gewisse Zwischenmasse -(Intercellularsubstanz), in welchen also eine Art von Bindemittel -existirt, das die einzelnen Elemente in sichtbarer Weise aneinander, -aber auch auseinander hält. Hierher gehören die Gewebe, welche man heut -zu Tage gewöhnlich unter dem Namen der =Gewebe der Bindesubstanz= -zusammenfasst, und in welche als Hauptmasse dasjenige eintritt, was man -früherhin allgemein Zellgewebe nannte. Endlich gibt es eine dritte -Gruppe von Geweben, in welchen specifische Ausbildungen der Zellen -Statt gefunden haben, vermöge deren sie eine ganz eigenthümliche -Einrichtung erlangt haben, zum Theil so eigenthümlich, wie sie einzig -und allein der thierischen Oekonomie zukommt. Diese Gewebe höherer -Ordnung sind es, welche =eigentlich den Character des Thieres -ausmachen=, wenngleich einzelne unter ihnen Uebergänge zu Pflanzenformen -darbieten. Hierher gehören die Nerven- und Muskelapparate, die Gefässe -und das Blut. Damit ist die Reihe der Gewebe abgeschlossen. - -Eine solche Gruppirung der histologischen Erfahrungen unterscheidet sich -sehr wesentlich von derjenigen, welche nach dem Vorgange von =Bichat= so -lange die allgemeine Anatomie beherrscht hat. Die Gewebe der älteren -Schule stellten zu einem grossen Theile nicht so sehr dasjenige dar, was -wir heute als die Gegenstände der allgemeinen Histologie betrachten, -sondern vielmehr das, was wir als den Inhalt der speciellen Histologie -bezeichnen müssen. Wenn man die Sehnen, die Knochen, die Fascien als -besondere Gewebe nimmt, so giebt dies eine ausserordentliche -Mannichfaltigkeit von Kategorien (=Bichat= hatte deren 21), aber es -entsprechen ihnen nicht eben so viele einfache Gewebsformen. - -In unserem Sinne lässt das ganze anatomische Gebiet sich zunächst -zerlegen nach allgemein-histologischen Kategorien (eigentliche -=Gewebe=). Die specielle Histologie beschäftigt sich sodann mit dem -Falle, wo eine Zusammenfügung von zum Theil sehr verschiedenartigen -Geweben zu einem einzigen Ganzen (=Organ=) Statt findet. Wir sprechen -z. B. mit Recht von Knochengewebe, allein dieses Gewebe, die Tela ossea -im allgemein-histologischen Sinne, bildet für sich keinen Knochen, denn -kein Knochen besteht durch und durch, einzig und allein aus Tela ossea, -sondern es gehören dazu mit einer gewissen Nothwendigkeit mindestens -Periost und Gefässe. Ja, von dieser einfachen Vorstellung eines Knochens -unterscheidet sich die jedes grösseren, z. B. eines Röhrenknochens: dies -ist ein wirkliches Organ, in dem wir wenigstens vier verschiedene Gewebe -unterscheiden. Wir haben da die eigentliche Tela ossea, die Knorpellage -am Gelenk, die Bindegewebsschicht des Periosts, das eigenthümliche -Mark. Jeder dieser einzelnen Theile kann wieder eine innere -Verschiedenartigkeit der zusammensetzenden Bestandtheile darbieten; es -gehen z. B. Gefässe und Nerven mit in die Zusammensetzung des Markes, -der Beinhaut u. s. f. ein. Alles dies zusammengenommen, giebt erst den -vollen Organismus eines Knochens. Bevor man also zu den eigentlichen -=Systemen= oder =Apparaten=, dem speciellen Vorwurfe der descriptiven -Anatomie kommt, hat man eine ganze Stufenfolge zu durchlaufen. Man muss -sich daher bei Diskussionen mit Anderen immer erst klar werden, was in -Frage ist. Wenn man Knochen und Knochengewebe zusammenwirft, so gibt -dies eine eben so grosse Verwirrung, als wenn man Nerven- und -Gehirnmasse einfach identificiren wollte. Das Gehirn enthält viele -Dinge, die nicht nervös sind, und seine physiologischen und -pathologischen Zustände lassen sich nicht begreifen, wenn man sie auf -eine Zusammenordnung rein nervöser Theile bezieht, wenn man nicht neben -den Nerven auf die Häute, das Zwischengewebe, die Gefässe Rücksicht -nimmt. - -Betrachten wir nun die erste allgemein-histologische Gruppe etwas -genauer, nämlich die einfachen Zellengewebe, so ist unzweifelhaft am -leichtesten übersichtlich die =Horn=- oder =Epithelialformation=, wie -wir sie in der Epidermis und dem Rete Malpighii an der äussern -Oberfläche, im Cylinder- und Plattenepithelium auf den Schleim- und -serösen Häuten antreffen. Der Name Epithelium stammt von =Ruysch=, der -zuerst an der Brustwarze ([Griechisch: thêlê]) ein ablösbares Häutchen -auffand, welches er weiterhin in ähnlicher Weise auch an Schleimhäuten -nachwies. =Heusinger= hat das Verdienst, den Zusammenhang aller -Horngebilde dargelegt zu haben, indem er die chemische und physikalische -Uebereinstimmung derselben lehrte. Das allgemeine Schema ist hier, dass -Zelle an Zelle stösst, so dass in dem günstigsten Falle, wie bei der -Pflanze, vier- oder sechseckige Zellen unmittelbar sich an einander -schliessen und zwischen ihnen nichts Anderes weiter, als höchstens eine -geringe Kittsubstanz, gefunden wird. So ist es an manchen Orten mit dem -Platten- oder Pflasterepithel (Fig. 17). Die besonderen Formen der -Epithelialzellen sind offenbar grossentheils Druckwirkungen. Wenn alle -Elemente eines Zellengewebes eine vollkommene Regelmässigkeit haben -sollen, so setzt dies voraus, dass sich alle Elemente völlig -gleichmässig entwickeln und gleichzeitig vergrössern. Geschieht ihre -Entwickelung dagegen unter Verhältnissen, wo nach einer Seite hin ein -geringerer Widerstand besteht, so kann es sein, dass die Elemente, wie -bei den Säulen- oder Cylinderepithelien, nur in einer Richtung -auswachsen und sehr lang werden, während sie in den andern Richtungen -sehr dünn bleiben. Aber auch ein solches Element wird, auf einem -Querschnitt angesehen, sich als ein sechseckiges darstellen: wenn wir -Cylinder-Epithel von der freien Fläche her betrachten, so sehen wir auch -bei ihm ganz regelmässig polygonale Formen (Fig. 15, _b_). - -[Illustration: =Fig=. 15. Säulen- oder Cylinderepithel der Gallenblase. -_a_. Vier zusammenhängende Zellen, von der Seite gesehen, mit Kern und -Kernkörperchen, der Inhalt leicht längs gestreift, am freien Rande -(oben) ein dickerer, fein radiär gestreifter Saum. _b_. Aehnliche -Zellen, halb von der freien Fläche (oben, aussen) gesehen, um die -sechseckige Gestalt des Querschnittes und den dicken Randsaum zu zeigen. -_c_. Durch Imbibition veränderte, etwas aufgequollene und am oberen Saum -aufgefaserte Zellen.] - -[Illustration: =Fig=. 16. Uebergangsepithel der Harnblase. _a_. Eine -grössere, am Rande ausgebuchtete Zelle mit keulen- und spindelförmigen, -feineren Zellen besetzt, _b_. dasselbe: die grössere Zelle mit zwei -Kernen. _c_. Eine grössere, unregelmässig eckige Zelle mit vier Kernen. -_d_. Eine ähnliche mit zwei Kernen und 9 von der Fläche aus gesehenen -Gruben, den Randausbuchtungen entsprechend (vgl. Archiv f. path. Anat. -u. Phys. Bd. III. Taf. I. Fig 8.)] - -Im Gegensatze dazu finden sich ausserordentlich unregelmässige Formen an -solchen Orten, wo die Zellen in unregelmässiger Weise hervorwachsen, so -besonders constant an der Oberfläche der Harnwege (Fig. 16), in der -ganzen Ausdehnung der Schleimhaut von den Nierenkelchen bis zur Urethra. -An allen diesen Stellen trifft man sehr gewöhnlich Anordnungen, wo -einzelne Zellen an dem einen Ende rund sind, während sie an dem anderen -in eine Spitze auslaufen, andere Zellen ziemlich grobe Spindeln -darstellen, andere wieder an einer Seite platt abgerundet, an der -anderen ausgebuchtet sind, oder wo eine Zelle sich so zwischen andere -einschiebt, dass sie eine kolbige oder zackige Form annimmt. Immer -entspricht hier die eine Zelle der Form der Lücke zwischen den anderen, -und es ist nicht die Eigenthümlichkeit der Zelle, welche die Form -bedingt, sondern die Art ihrer Lagerung, das Nachbarverhältniss, die -Abhängigkeit von der Anordnung der nächsten Theile. In der Richtung des -geringeren Widerstandes bekommen die Zellen Spitzen, Zacken und -Fortsätze der mannichfaltigsten Art. Diese Art von Epithel nannte man, -da sie sich nicht recht unterbringen liess, mit =Henle= -Uebergangs-Epithel, weil sie schliesslich gewöhnlich in deutliches -Platten- oder Cylinderepithel übergeht. Zuweilen ist dies aber nicht der -Fall und man könnte ebenso gut einen anderen Namen dafür einführen. Sie -stellt das Vorbild zu der vielbesprochenen =Polymorphie= gewisser -pathologischer Epithelialzellen, z. B. der Krebszellen dar. - -An der Oberhaut (Epidermis) haben wir den günstigen Fall, dass eine -Reihe von Zellenlagen über einander liegt, was an vielen Schleimhäuten -nicht der Fall ist. Es lassen sich daher die jungen Lagen (das =Rete -Malpighii= oder die =Schleimschicht= der früheren Autoren) von den -älteren (der =eigentlichen Epidermis=) bequem trennen. - -Wenn man einen senkrechten Durchschnitt der Hautoberfläche betrachtet, -so erblickt man zumeist nach aussen ein sehr dichtes, verschieden dickes -Stratum, welches aus lauter platten Elementen besteht, die von der Seite -her wie einfache Linien aussehen. Man könnte sie bei dieser Betrachtung -für Fasern halten, welche übereinander geschichtet mit leichten -Niveau-Verschiedenheiten die ganze Oberhaut zusammensetzen. Von der -Fläche aus gesehen, erweisen sie sich jedoch als rundlich-ovale -Plättchen, die bei Einwirkung von Alkalien sich zu dickeren, -linsenförmigen Körpern aufblähen. Unterhalb dieser Lagen folgt in -verschiedener Mächtigkeit das sogenannte Rete Malpighii, welches -unmittelbar bis an die Papillen der Haut (Lederhaut, Cutis, Corium) -reicht. Untersuchen wir nun die Grenze zwischen Epidermis und Rete, so -ergibt sich fast bei allen Arten der Betrachtung, dass fast plötzlich an -die innerste Lage der Epidermis sich Elemente anschliessen, die zunächst -noch immer platt sind, aber doch schon einen grösseren Dickendurchmesser -haben, innerhalb deren man sehr deutlich Kerne erkennt, welche in den -Plättchen der Epidermis fehlen. Diese ziemlich grossen Elemente stellen -den Uebergang dar von den ältesten Schichten des Rete Malpighii zu den -jüngsten der Epidermis. Hier ist der Punkt, von wo aus sich die -Epidermis regenerirt, welche ihrerseits eine träge Masse darstellt die -an der Oberfläche durch Reibung und Abblätterung allmählich entfernt -wird. Und hier ist im Allgemeinen auch die Grenze, wo die pathologischen -Processe einsetzen. Je weiter wir gegen die Tiefe hin untersuchen, um so -kleiner werden die Elemente; die letzten stehen als kleine Cylinder auf -der Oberfläche der Hautpapillen (Fig. 17, _r_, _r_). - -[Illustration: =Fig=. 17. Senkrechter Schnitt durch die Oberfläche der -Haut von der Zehe, mit Essigsäure behandelt. _P_. _P_. Spitzen -durchschnittener Papillen, in denen man je eine Gefässschlinge und -daneben kleine spindelförmige und an der Basis netzförmige -Bindegewebselemente bemerkt: links eine Ausbiegung der Papille, -entsprechend einem nicht mehr dargestellten, tiefer gelegenen -Tastkörperchen. _R_. _R_. Das Rete Malpighii, zunächst an der Papille eine -sehr dichte Lage kleiner cylinderförmiger Zellen (_r_, _r_), nach aussen -immer grösser werdende polygonale Zellen. _E_. Epidermis, aus platten, -dichteren Zellenlagen bestehend. _S_. _S_. Ein durchtretender -Schweisskanal. -- Vergröss. 300.] - -Im Grossen ist das Verhältniss der verschiedenen Schichten an der ganzen -Hautoberfläche überall dasselbe, so mannichfaltig auch im Einzelnen die -Besonderheiten sein mögen, welche sie in Beziehung auf Dicke, Lagerung, -Festigkeit und Zusammenfügung darbieten. Ein Durchschnitt z. B. des -Nagels, der seiner äusseren Erscheinung nach gewiss weit von der -gewöhnlichen Oberhaut abweicht, zeigt doch im Allgemeinen dasselbe Bild, -wie diese; er unterscheidet sich nur in einem Punkte wesentlich, -nehmlich dadurch, dass sich an ihm zwei verschiedene epidermoidale -Gebilde übereinanderschieben. Dadurch entsteht eine Complication, die, -wenn man sie nicht erkennt, zu der Annahme gewisser specifischer -Verschiedenheiten des Nagels von anderen Theilen der Epidermis führen -kann, während sie doch nur durch eine eigenthümliche Verschiebung -gewisser Epidermislagen gegen andere bedingt ist. Die äusserst dichten -und festen Plättchen, welche den frei zu Tage liegenden Theil, das -sogenannte =Nagelblatt=, zusammensetzen, lassen sich auf verschiedene -Weise wieder in Formen zurückführen, in denen sie das gewöhnliche Bild -von Zellen darbieten; am deutlichsten durch Behandlung mit einem Alkali, -wo ein jedes Plättchen zu einer grossen, rundlich-ovalen Blase -anschwillt. - -In den oberen Schichten der Oberhaut werden die Zellen überall platter, -und in den äussersten findet man, wie gesagt, gar keine Kerne mehr. -Trotzdem besteht kein ursprünglicher Unterschied zwischen der Epidermis -und dem Rete Malpighii; das letztere ist vielmehr die Bildungsstätte -(Matrix) der Epidermis oder die jüngste Epidermislage selbst, insofern -von hieraus immer neue Theile sich ansetzen, sich abplatten und in die -Höhe rücken, in dem Maasse, als aussen durch Waschen, Reiben u. s. w. -Theile verloren gehen. Auch zwischen der untersten Schicht des Rete und -der Oberfläche der Cutis gibt es keine weitere Zwischenlage mehr, keine -amorphe Flüssigkeit, kein Blastem, das in sich Zellen bilden könnte; die -Zellen sitzen direct auf der Bindegewebspapille der Cutis auf. Es ist -hier nirgends ein Raum, wie man noch vor Kurzem dachte, in welchen aus -den Papillen und den in ihnen enthaltenen Gefässen Flüssigkeit -transsudirte, damit aus und in derselben neue Elemente durch freie -Urzeugung entständen und hervorwüchsen. Eine blosse Schleimschicht, -welche als Cytoblastem für die neuen Zellen diente, ist absolut nicht -wahrnehmbar. Durch die ganze Reihe der Zellenlagen des Rete und der -Epidermis besteht dasselbe Continuitätsverhältniss, wie man es an der -Rinde eines Baumes kennt. Die Rindenschicht einer Kartoffel (Fig. 2) -zeigt in gleicher Weise aussen korkhaltige epidermoidale Elemente und -darunter, wie im Rete Malpighii, eine Lage kernhaltiger Zellen, das -Cambium, welches die Matrix des Nachwuchses für die Rinde darstellt. - -Sehr ähnlich verhält es sich am Nagel. Betrachtet man den Durchschnitt -eines Nagels, quer auf die Längsrichtung des Fingers, so sieht man -dieselbe Anordnung, wie an der gewöhnlichen Haut, nur entspricht jede -einzelne Ausbuchtung der unteren Fläche nicht einer zapfenförmigen -Verlängerung der Cutis, einer Papille, sondern einer Leiste, welche über -die ganze Länge des Nagelbettes hinläuft und welche mit den Leisten zu -vergleichen ist, die an der Volarseite der Finger zu sehen sind. Auf -diesen Leisten des Nagelbettes befinden sich sehr niedrige und -verkommene Papillen, an deren Oberfläche das mehr cylindrisch gestaltete -jüngste Lager des Rete Malpighii aufsitzt; daran schliessen sich immer -grössere Elemente an, und endlich folgt eine hornig-blätterige Schicht, -welche der Epidermis entspricht. - -Es ist jedoch, um dies gleich vorweg zu nehmen, da wir auf den Nagel -nicht wieder zu sprechen kommen werden, seine Zusammensetzung deshalb -schwierig zu ermitteln gewesen, weil man sich ihn als einheitliches -Gebilde gedacht hat. Daher hat sich der Streit hauptsächlich um die -Frage gedreht, wo die Matrix des Nagels sei, ob er von der ganzen Fläche -wachse, oder nur von dem kleinen Falz, in welchem er hinten steckt. Die -eigentliche feste Masse, das compacte =Nagelblatt=, wächst allerdings -nur von hinten her und schiebt sich über die Fläche des sogenannten -=Nagelbettes= hinweg, aber das Nagelbett erzeugt seinerseits eine -bestimmte Masse von Zellen, die als Aequivalente einer Epidermislage zu -betrachten sind. Macht man einen Durchschnitt durch die Mitte eines -Nagels, so kommt man zu äusserst auf das von hinten gewachsene -Nagelblatt, dann auf die losere Substanz, welche von dem Nagelbett -abgesondert ist, dann auf das Rete Malpighii, und endlich auf die -Leisten, auf welchen der Nagel ruht[6]. Es combiniren sich also in der -Nagelbildung zwei Epidermoidalstrata: ein äusseres oder oberes, dessen -Matrix das Rete im Falz ist, und ein inneres oder unteres, dessen Matrix -das Rete des Bettes ist. - - [6] Vgl. meine Abhandlung zur normalen und pathologischen Anatomie der - Nagel und der Oberhaut, insbesondere über hornige Entartung und - Pilzbildung an den Nägeln. Vgl. Würzb. Verhandl. 1854. V. 83. - -So begreift man, dass das Nagelblatt bis zu einem gewissen Maasse locker -liegt und sich leicht vorwärts bewegen kann, indem es sich auf einer -beweglichen Unterlage vorschiebt. Aber es ist auch sofort zu verstehen, -wie leicht man sich in der Deutung des Bildes, welches senkrechte -Durchschnitte durch den Nagel gewähren, täuschen kann, und wie nahe es -liegt, anzunehmen, auch das Nagelblatt beziehe seine Elemente wenigstens -zum Theil aus der Matrix des Bettes. Es fügen sich jedoch die von -letzterer gelieferten Elemente nur lose der unteren Fläche des -Nagelblattes an. Diese Fläche besitzt daher, entsprechend den erwähnten -Leisten, seichte Ausbuchtungen, so dass der wachsende Nagel, indem er -über die Leisten fortgleitet, seitliche Bewegungen nur innerhalb -beschränkter Grenzen machen kann. Man kann daher sagen: es bewegt sich -das von hinten wachsende Nagelblatt über ein =Polster= von lockerer -Epidermismasse nach vorn (Fig. 18, _a_) in Rinnen, welche zwischen den -längslaufenden Leisten oder Falten des Nagelbettes gelegen sind. Das -Nagelblatt selbst, frisch untersucht, besteht dagegen aus einer so -dichten Masse, dass man einzelne Zellen daran kaum zu unterscheiden im -Stande ist, ja, dass man ein Bild bekommt, wie an manchen Stellen im -Knorpel. Aber durch Behandlung mit Kali, welches die Zellen aufquellen -macht und von einander trennt, kann man sich überzeugen, dass er überall -nur aus Epidermiszellen besteht. - -[Illustration: =Fig=. 18. Schematische Darstellung des -Längsdurchschnittes vom Nagel. _a_. Das normale Verhältniss: leicht -gekrümmtes, horizontales Nagelblatt, in seinem Falze steckend und durch -ein schwaches Polster von dem Nagelbette getrennt. _b_. Stärker -gekrümmtes und etwas dickeres Nagelblatt mit stark verdicktem Polster -und stärker gewölbtem Nagelbette, der Falz kürzer und weiter. _c_. -Onychogryphosis: das kurze und dicke Nagelblatt steil aufgerichtet, der -Falz kurz und weit, das Nagelbett auf der Fläche eingebogen, das Polster -sehr dick und aus übereinander geschichteten Lagen von lockeren Zellen -bestehend.] - -Kennt man diese Entwickelung, so lassen sich die Krankheiten des Nagels -in leicht fasslicher Weise von einander scheiden. Es gibt nehmlich -Krankheiten des Nagelbettes, welche das Wachsthum des Nagelblattes -nicht ändern, aber Dislocationen desselben bedingen. Wenn auf dem -Nagelbette eine sehr reichliche Entwickelung von Polstermasse -stattfindet, so kann das Nagelblatt in die Höhe gehoben werden (Fig. 18, -_b_), ja es kommt, namentlich an den Zehen, nicht selten vor, dass es, -statt horizontal, senkrecht in die Höhe wächst und der Raum unter ihm -von dicken Anhäufungen des blätterigen Polsters erfüllt wird (Fig. 18, -_c_). Selbst Eiterungen können auf dem Nagelbette stattfinden, ohne dass -die Entwickelung des Nagelblattes dadurch gehindert wird. Die -sonderbarsten Veränderungen zeigen sich bei den Pocken. Wenn eine -Blatter auf dem Nagelbett sich bildet, so bekommt der Nagel nur eine -gelbliche, etwas unebene Stelle; entwickelt sich dagegen die Pocke im -Nagelfalze, so sieht man Wochen nachher das Bild der Pocke in einer -kreisförmig vertieften, wie ausgeschnittenen Stelle des sich allmählich -vorschiebenden Nagelblattes, als einen Beweis des Ausfalls von -Elementen, gerade wie auf der Epidermis. Denn jede Krankheit, welche den -Nagelfalz (die Matrix) trifft, ändert auch das Nagelblatt, und wenn der -Falz zerstört wird, so kann ein wirkliches Blatt nicht mehr nachgebildet -werden; das Bett bedeckt sich dann nur mit einer hornigen, unregelmässig -geschichteten Masse, wie sie sich zuweilen auch auf grossen Narben -anderer Hautstellen, namentlich nach partiellen Amputationen des Fusses, -erzeugt. -- - -Wie am Nagel, so erfahren auch an anderen Orten unter besonderen -Verhältnissen die epidermoidalen Elemente besondere Umwandlungen, -wodurch sie ihrem ursprünglichen Habitus ausserordentlich unähnlich -werden und allmählich Erscheinungsformen annehmen, die es jedem, welcher -die Entwickelungsgeschichte nicht kennt, unmöglich machen, ihre -ursprüngliche Epidermis-Natur auch nur zu ahnen. So ist es mit den -=Haaren=. Die am meisten abweichende Entwickelung findet sich jedoch an -der =Krystallinse= des Auges, welche ursprünglich eine reine -Epidermis-Anhäufung ist. Sie entsteht bekanntlich dadurch, dass sich ein -Theil der Haut von aussen sackförmig einstülpt. Anfangs bleibt durch -eine leichte Membran die Verbindung mit den äusseren Theilen erhalten, -durch die Membrana capsulo-pupillaris; später atrophirt diese und lässt -die abgeschlossene Linse im Innern des Auges liegen. Die sogenannten -Linsenfasern sind also weiter nichts, wie schon =Carl Vogt= zeigte, als -epidermoidale Elemente mit eigenthümlicher Entwickelung, und die -Regeneration derselben z. B. nach Extraction der Cataract, ist nur so -lange möglich, als noch Epithel an der Capsel vorhanden ist, welches den -Neubau übernimmt und gleichsam ein dünnes Lager von Rete Malpighii -darstellt. Dieses reproducirt in derselben Weise die Linse, wie das -gewöhnliche Rete Malpighii der Haut die Epidermis; nur ist die -Regeneration der Linse gewöhnlich unvollständig, da die sich -vermehrenden Rete-Zellen hauptsächlich am Umfange der Linsenkapsel -liegen. Die neu gebildete Linse ist daher in der Regel ein Ring, der in -der Mitte nicht ausgefüllt ist. - -Unter den sonstigen Modificationen epithelialer Gebilde werden wir noch -gelegentlich die eigenthümlichen =Pigmentzellen= zu erwähnen haben, die -an den verschiedensten Punkten aus der Umwandlung von Rete- oder -Epithelial-Elementen hervorgehen, indem sich der Inhalt der Zellen -entweder durch Imbibition färbt oder in sich durch (metabolische) -Umsetzung des Inhalts Pigment erzeugt. So entstehen Pigmentzellen in dem -Rete gefärbter Hautstellen oder gefärbter Racen, bei Naevi und -Bronzekrankheit; so bilden sich die dunkle Zellenschicht der Chorioides -oculi (Fig. 6), gewisse pigmentirte Zellen in den Alveolen der Lunge -(Fig. 8). -- - -[Illustration: =Fig=. 19. _A_. Entwickelung der Schweissdrüsen durch -Wucherung der Zellen des Rete Malpighii nach innen. _e_. Epidermis, _r_. -Rete Malpighii, _g g_ solider Zapfen, der ersten Drüsenanlage -entsprechend. Nach =Kölliker=. - -_B_. Stück eines Schweissdrüsenkanals im entwickelten Zustande, _t t_ -Tunica propria. _e e_ Epithellagen.] - -Zu den Epithelien gehört noch eine andere, ganz besondere Art von -Elementen, die bei dem Zustandekommen gewisser höherer Functionen des -Thiers eine sehr bedeutende Rolle spielen, nehmlich die =Drüsenzellen=. -Die eigentlich activen Elemente der gewöhnlichen, mit Ausführungsgängen -versehenen Drüsen sind wesentlich epitheliale. Es ist eines der grössten -Verdienste von =Remak=, gezeigt zu haben, dass in der normalen -Entwickelung des Embryo von den bekannten drei Keimblättern das äussere -und innere hauptsächlich epitheliale Gebilde hervorbringen, von denen -unter Anderem durch allmähliche Wucherung die Drüsengestaltung ausgeht. -Schon andere Forscher hatten ähnliche Beobachtungen gemacht, -insbesondere =Kölliker=. Gegenwärtig kann man es als allgemeine Doctrin -hinstellen, dass die Drüsenbildung überhaupt als ein directer -Wucherungsprocess von Epithelial-Gebilden zu betrachten ist. Früher -dachte man sich Cytoblastem-Haufen, in denen unabhängig Drüsenmasse -entstände; allein mit Ausnahme der Lymphdrüsen, welche in ein ganz -anderes Gebiet gehören, entstehen sämmtliche Drüsen in der Weise, dass -an einem gewissen Punkte in ähnlicher Art, wie ich von den Auswüchsen -der Pflanzen angegeben habe (S. 25), epitheliale Zellen anfangen sich zu -theilen, sich wieder und wieder theilen, bis allmählich ein kleiner -Zapfen von zelligen Elementen entstanden ist (Fig. 19, _A_). Dieser -wächst nach innen und bildet, indem er sich seitlich ausbreitet und im -Innern aushöhlt, einen Drüsengang (Fig. 19, _B_), welcher demnach sofort -ein Continuum mit äusseren Zellenlagen darstellt. So entstehen die -Drüsen der Oberfläche (die Schweiss- und Talgdrüsen der Haut, die -Milchdrüse), so entstehen aber auch die inneren Drüsen des -Digestionstractus (Magendrüsen, Lieberkühnsche Darmdrüsen, Leber), der -Eierstock u. s. w. Die einfachsten Formen, welche eine Drüse darbieten -kann, kommen beim Menschen nicht vor. Es sind dies =einzellige Drüsen=, -wie sie in neuerer Zeit bei niederen Thieren vielfach gefunden sind. Die -menschlichen Drüsen sind stets Anhäufungen von vielen Elementen, die -jedoch genetisch auf ziemlich einfache Anlagen zurückführen. Freilich -gehen ausser den epithelialen Elementen in unsern zusammengesetzten -Drüsen noch andere nothwendige Bestandtheile (Bindegewebe, Gefässe, -Nerven) in die Zusammensetzung ein, und man kann nicht sagen, dass die -Drüse, als Organ betrachtet, bloss aus Drüsenzellen bestehe. Jedoch ist -man darüber gegenwärtig ziemlich einig, dass das bestimmende Element in -der Zusammensetzung die Drüsenzelle ist, ebenso wie bei den Muskeln das -Muskelprimitivbündel, und dass die specifische Thätigkeit der Drüse -hauptsächlich in der Natur und eigenthümlichen Einrichtung dieser -Elemente begründet ist. - -Im Allgemeinen bestehen also die Drüsen aus Anhäufungen von Zellen, -welche in der Regel offene Kanäle bilden. Wenn man von den Drüsen mit -zweifelhafter Function (Schilddrüse, Nebennieren) absieht, so gibt es -beim Menschen nur die Eierstöcke, welche eine Ausnahme machen, indem -ihre Follikel nur zu Zeiten offen sind; aber auch sie müssen offen sein, -wenn die specifische Secretion der Eier stattfinden soll. Bei den -meisten Drüsen kommt freilich bei der Secretion noch eine gewisse Menge -transsudirter Flüssigkeit hinzu, allein diese Flüssigkeit stellt nur das -Vehikel dar, welches die Elemente selbst oder ihre specifischen Produkte -wegschwemmt. Wenn sich in den Hodenkanälen eine Zelle ablöst, in welcher -Samenfäden entstehen, so transsudirt zugleich eine gewisse Menge von -Flüssigkeit, welche dieselben fortträgt, aber das, was den Samen zum -Samen macht, was das Specifische der Thätigkeit gibt, ist die -Zellenfunction. Die blosse Transsudation von den Gefässen aus ist wohl -ein Mittel zur Fortbewegung, gibt aber nicht das specifische Produkt der -Drüse, das Secret im engeren Sinne des Worts. Wie am Hoden, so geht im -Wesentlichen an allen Drüsen, an denen wir mit Bestimmtheit das Einzelne -ihrer Thätigkeit übersehen können, die wesentliche Eigenthümlichkeit -ihrer Energie von der Entwickelung, Umgestaltung und Thätigkeit -epithelialer Elemente aus. -- - - * * * * * - -Die zweite histologische Gruppe bilden die Gewebe der =Bindesubstanz=. -Es ist dies diejenige Gruppe, welche gerade für mich das meiste -Interesse hat, weil von hier aus meine allgemein-physiologischen -Anschauungen zu dem Abschlusse gekommen sind, den ich im Eingange kurz -darstellte. Die Aenderungen, welche es mir gelungen ist, in der -histologischen Auffassung der ganzen Gruppe herbeizuführen, haben mir -zugleich die Möglichkeit gegeben, die Cellulardoctrin zu einer gewissen -Abrundung zu bringen. - -Die Hauptglieder dieser Gruppe sind das =Bindegewebe=, das -=Schleimgewebe=, der =Knorpel=, das =Knochengewebe=, das =Zahnbein=, die -=Neuroglia= und das =Fettgewebe=. Betrachten wir zuerst das Bindegewebe -als das für die Auffassung der übrigen mehr oder weniger bestimmende. -Bis in die neueste Zeit hiess es fast allgemein Zellgewebe (tela -cellulosa), weil man annahm, dass es regelmässig kleinere Räume -(cellulae, areolae) enthalte. Erst =Johannes Müller= führte den Ausdruck -Bindegewebe (tela conjunctoria s. connectiva), freilich nur für eine -gewisse Art, ein; er meinte damit, was wir gegenwärtig =interstitielles -Gewebe= zu nennen pflegen, nehmlich dasjenige »Zellgewebe«, welches -Organe oder Organtheile mit einander verbindet. Sehr langsam, zum Theil -aus blossem Widerwillen gegen den schlechten Namen Zellgewebe, ist die -Bezeichnung Bindegewebe auf alles Zellgewebe und auf alle daraus -zusammengesetzten Theile (Lederhaut, Sehnen, Fascien) ausgedehnt worden. -Gegenwärtig muss man sich fast in Acht nehmen, nicht noch weiterzugehen -und auch die übrigen Glieder dieser Gruppe dem Bindegewebe zuzurechnen. -»Bindesubstanz« soll diesem weiteren Klassenbegriff entsprechen. - -[Illustration: =Fig=. 20. _A_. Bündel von gewöhnlichem lockigem -Bindegewebe (Intercellularsubstanz), am Ende in feine Fibrillen -zersplitternd. - -_B_. Schema der Bindegewebs-Entwickelung nach =Schwann=. _a_. -Spindelzelle (geschwänztes Körperchen, fibroplastisches Körperchen -=Lebert=) mit Kern und Kernkörperchen. _b_. Zerklüftung des Zellkörpers -in Fibrillen. - -_C_. Schema der Bindegewebs-Entwickelung nach =Henle=. _a_. Hyaline -Grundsubstanz (Blastem) mit regelmässig eingestreuten, nucleolirten -Kernen. _b_. Zerfaserung des Blastems (directe Fibrillenbildung) und -Umwandlung der Kerne in Kernfasern.] - -Seit =Haller= betrachtete man das Zellgewebe oder, wie man auch wohl -sagte, das =Fasergewebe= (tela fibrosa) als wesentlich aus Fasern -(fibrae, fibrillae) zusammengesetzt und sah in diesen Fasern, wie im -ersten Capitel (S. 22.) hervorgehoben ist, die eigentlich elementare -Form des Organischen. In der That, wenn man Bindegewebe an verschiedenen -Regionen, z. B. an den Sehnen und Bändern, der Pia mater, dem subserösen -und submucösen Zellgewebe untersucht, so findet man überall wellige -Faserbündel (Fascikel), sogenanntes =lockiges Bindegewebe= (Fig. 20, -_A_). Die Zusammensetzung dieser Bündel glaubte man um so bestimmter auf -einzelne Fasern zurückführen zu können, als wirklich nicht selten an dem -Ende der Bündel isolirte Fädchen herausstehen. Trotzdem ist gerade auf -diesen Punkt vor etwa 25 Jahren ein ernsthafter Angriff gemacht worden, -der, wenngleich in einer anderen, als der beabsichtigten Richtung, eine -sehr grosse Bedeutung gewonnen hat. =Reichert= suchte nehmlich zu -zeigen, dass die Fasern nur der optische Ausdruck von Falten seien, und -dass das Bindegewebe vielmehr an allen Orten eine homogene, jedoch mit -grosser Neigung zur Faltenbildung versehene Masse darstelle. - -=Schwann= hatte die Bildung des Bindegewebes so dargestellt, dass -ursprünglich zellige Elemente von spindelförmiger Gestalt vorhanden -wären, die nachher so berühmt gewordenen =geschwänzten Körperchen, -Spindel- oder Faserzellen= (fibroplastischen Körper =Lebert='s, Fig. 4, -_b_), und dass aus solchen Zellen unmittelbar Fascikel von Bindegewebe -in der Weise hervorgingen, dass der Körper der Zelle in einzelne -Fibrillen sich zerspalte, während der Kern als solcher liegen bliebe -(Fig. 20, _B_). Jede Spindelzelle würde also für sich oder in Verbindung -mit anderen, an sie anstossenden und mit ihr verschmelzenden -Spindelzellen ein Bündel von Fasern liefern. =Henle= dagegen glaubte aus -der Entwickelungsgeschichte schliessen zu müssen, dass ursprünglich gar -keine Zellen vorhanden seien, sondern nur einfaches Blastem, in welchem -Kerne in gewissen Abständen sich bildeten; die späteren Fasern sollten -durch eine directe Zerklüftung des Blastems entstehen. Während so die -Zwischenmasse sich differenzire zu Fasern, sollten die Kerne sich -allmählich verlängern und endlich zusammenwachsen, so dass daraus -eigenthümliche feine Längsfasern entständen, die sogenannten -=Kernfasern= (Fig. 20, _C_, _b_). =Reichert= hat gegenüber diesen -Ansichten einen ausserordentlich wichtigen Schritt gethan. Er bewies -nehmlich, dass ursprünglich nur Zellen in grosser Masse vorhanden sind, -zwischen welche erst später homogene Intercellularmasse abgelagert wird. -Zu einer gewissen Zeit verschmölzen dann, wie er glaubte, die Membranen -der Zellen mit der Intercellularsubstanz, und es komme nun ein Stadium, -dem von =Henle= beschriebenen analog, wo keine Grenze zwischen den alten -Zellen und der Zwischenmasse mehr existire. Endlich sollten auch die -Kerne in einigen Formen gänzlich verschwinden, während sie in anderen -sich erhielten. Dagegen leugnete =Reichert= entschieden, dass die -spindelförmigen Elemente von =Schwann= überhaupt vorkämen. Alle -spindelförmigen, geschwänzten oder gezackten Elemente wären -Kunstproducte, gleich wie die Fasern, welche man in der Zwischenmasse -sähe und welche nur scheinbar etwas für sich Existirendes darstellten, -da sie in Wahrheit eine falsche Deutung des optischen Bildes, der -Ausdruck blosser Falten und Streifungen einer an sich durchaus -gleichmässigen Substanz seien. - -[Illustration: =Fig=. 21. Bindegewebe vom Schweinsembryo nach längerem -Kochen. Grosse zum Theil isolierte, zum Theil noch in der -Grundsubstanz eingeschlossene und anastomisirende Spindelzellen -(Bindegewebskörperchen). Grosse Kerne mit abgelöster Membran; zum Theil -geschrumpfter Zelleninhalt. Vergr. 350.] - -Meine Untersuchungen haben gelehrt, dass die Auffassung sowohl von -=Schwann=, als von =Reichert= bis zu einem gewissen Grade auf richtigen -Anschauungen beruht. Erstlich mit =Schwann= und gegen =Reichert=, dass -in der That spindelförmige (Fig. 21) und sternförmige Elemente mit -vollkommener Sicherheit existiren, dann aber gegen =Schwann= und mit -=Henle= und =Reichert=, dass eine directe Zerklüftung der Zellen zu -Fasern nicht geschieht, dass vielmehr dasjenige, was wir nachher als -Bindegewebe vor uns sehen, an die Stelle der früher gleichmässigen -Intercellular-Substanz tritt. Ich fand ferner, dass =Reichert= sowohl, -als =Schwann= und =Henle= darin Unrecht hatten, wenn sie zuletzt im -besten Falle Kerne oder Kernfasern bestehen liessen; dass vielmehr in -den meisten Fällen auch die Zellen selbst sich erhalten. Das Bindegewebe -der späteren Zeit unterscheidet sich der allgemeinen Structur und Anlage -nach in gar nichts von dem Bindegewebe der früheren Zeit. Es gibt nicht -ein embryonales oder unreifes Bindegewebe mit Spindeln und ein -ausgebildetes oder reifes ohne diese, sondern die Elemente bleiben -dieselben, wenngleich sie oft nicht sofort zu sehen sind[7]. - - [7] Vergl. meine Abhandlung über das Bindegewebe in den Würzburger - Verhandl. 1851. II. 150. - -[Illustration: =Fig=. 22. Schema der Bindegewebs-Entwickelung nach -meinen Untersuchungen. _A_. Jüngstes Stadium. Hyaline Grundsubstanz -(Intercellularsubstanz) mit grösseren Zellen (Bindegewebskörperchen); -letztere in regelmässigen Abständen, reihenweise gestellt, Anfangs -getrennt, spindelförmig und einfach, späterhin anastomosirend und -verästelt. _B_. Aelteres Stadium: bei _a_. streifig gewordene -(fibrilläre) Grundsubstanz, durch die reihenweise Einlagerung von Zellen -fasciculär erscheinend; die Zellen schmäler und feiner werdend; bei _b_. -nach Einwirkung von Essigsäure ist das streifige Aussehen der -Grundsubstanz wieder verschwunden, und man sieht die noch kernhaltigen, -feinen und langen anastomosirenden Faserzellen (Bindegewebskörperchen).] - -Mit dem Nachweise von der Persistenz der Zellen im Bindegewebe gelangte -ich zu einer gänzlich verschiedenen Betrachtungsweise der -physiologischen und pathologischen Bedeutung der einzelnen -Bestandtheile. Während bis dahin die Fasern als die eigentlich -constituirenden Elemente des Bindegewebes angesehen waren, wie es -=Robin= und die französische Schule noch heute thun, so rückten sie in -meiner Vorstellung als Bestandtheile der Intercellularsubstanz in eine -durchaus untergeordnete Stellung. Sie verhalten sich zu den -Bindegewebszellen, oder, wie ich sie gewöhnlich nenne, den -=Bindegewebskörperchen=, wie die Fasern des Fibrins in einem -Blutgerinnsel zu den Blutkörperchen. Sie geben dem Gewebe Consistenz, -Dehnbarkeit, Widerstandsfähigkeit, Ausdehnungsfähigkeit, Farbe und -Aussehen, aber sie sind nicht die Sitze der Lebensthätigkeit, nicht die -lebenden Mittelpunkte des Gewebes. - -Da die Substanz, welche sich zwischen den Bindegewebskörperchen -befindet, ursprünglich homogen ist und erst später fibrillär wird, so -muss man sich vorstellen, dass die Fibrillation in ähnlicher Weise vor -sich geht, wie in dem Fibringerinnsel, welches zuerst auch homogen und -gallertartig ist. Und da ferner die Substanz zwischen den Zellen später -auftritt, als die Zellen, so kann man sie nicht im Sinne =Henle='s als -Cytoblastem betrachten, sondern sie lässt sich nur als ein von den -Zellen geliefertes =Secret= ansehen. In der letzten Zeit haben Manche -mit =Max Schultze= Werth darauf gelegt, die Intercellularsubstanz nicht -als ein Secret aufzufassen, sondern als die äussere, metamorphosirte -Schicht der Zellen oder, um in der Schulsprache zu reden, als das -veränderte Protoplasma selbst. Dieser Streit ist ein rein doctrinärer. -Denn auch die Vorstellung von der Secretion der Intercellularsubstanz -geht davon aus, dass das Secret einmal innerhalb der Zellen befindlich -gewesen sei, und es versteht sich von selbst, dass eine Zelle nach -geschehener Secretion der Intercellularsubstanz um so viel kleiner sein -muss, als Secret aus ihr hervorgetreten ist (vorausgesetzt, dass sie -nicht wieder neue Substanz von aussen her in sich aufgenommen hat). Dass -aber wirklich die Corticalschicht der Bindegewebskörperchen in -Intercellularsubstanz verwandelt werde, hat noch Niemand dargethan. - -Demnach ist das Bindegewebe aufzufassen als zusammengesetzt aus -Zellenterritorien (S. 17), von denen jedes eine Zelle mit dem ihr -zugehörigen Antheil von Intercellularsubstanz enthält, und deren Grenzen -gänzlich verschmolzen sind. Man kann diess auch so ausdrücken, dass man -sagt: das Bindegewebe besteht aus einer im Wesentlichen faserigen -Intercellularsubstanz und Zellen, welche in regelmässigen Abständen in -dieselbe eingeschlossen sind. Diese Formel gilt übrigens für sämmtliche -Gewebe der Bindesubstanz, nur dass die Beschaffenheit der -Intercellularsubstanz verschieden und keineswegs überall faserig ist. Im -ausgebildeten Zustande besteht wenigstens scheinbar fast überall der -grösste Theil des Gewebes aus Intercellularsubstanz, und deshalb ist -diese letztere in hohem Maasse für die äussere Erscheinung des Gewebes -bestimmend. Die Zellen sind der Masse nach meist unbedeutend und sie -können die mannichfachsten Formen haben. Daher lassen die Gewebe sich -nicht darnach unterscheiden, dass das eine nur runde, das andere dagegen -geschwänzte oder sternförmige Zellen enthält; vielmehr können in allen -Geweben der Bindesubstanz runde, lange, eckige oder verästelte Elemente -vorkommen. - -[Illustration: =Fig=. 23. Senkrechter Durchschnitt durch den wachsenden -Knorpel der Patella. _a_. Die Gelenkfläche mit parallel gelagerten -Spindelzellen (Knorpelkörperchen). _b_. Beginnende Wucherung der Zellen. -_c_. Vorgeschrittene Wucherung; grosse, rundliche Gruppen; innerhalb der -ausgedehnten Capseln immer zahlreichere runde Zellen. -- Vergröss. 50.] - -Der einfachste Fall ist der, dass runde Zellen in gewissen Abständen -liegen, durch Intercellularsubstanz getrennt. Das ist diejenige Form, -welche wir am schönsten in den =Knorpeln= finden, z. B. in den -Gelenküberzügen, wo die Zwischenmasse vollkommen homogen und an ihr -nichts zu sehen ist, als eine vielleicht hier und da schwach gekörnte, -im Ganzen jedoch völlig wasserklare Substanz, so homogen, dass, wenn man -nicht die Grenze des Objectes vor sich hat, man in Zweifel sein kann, ob -überhaupt etwas zwischen den Zellen vorhanden ist. Diese Substanz -characterisirt den =hyalinen Knorpel=. - -Unter gewissen Verhältnissen wandeln aber die runden Elemente sich auch -im Knorpel in längliche, spindelförmige um, z. B. ganz regelmässig gegen -die Gelenkoberflächen hin. Je näher man bei der Durchforschung des -Gelenkknorpels der freien Oberfläche kommt (Fig. 23, _a_), um so platter -werden die Zellen; zuletzt sieht man nur kleine, flach linsenförmige, -auf einem Längsdurchschnitt spindelförmig erscheinende Körper, zwischen -denen die Intercellularsubstanz zuweilen ein leicht streifiges Aussehen -zeigt. Hier tritt also, ohne dass das Gewebe aufhört, Knorpel zu sein, -ein Typus auf, den wir viel regelmässiger im Bindegewebe antreffen, und -es kann leicht daraus die Vorstellung erwachsen, als sei der -Gelenkknorpel noch mit einer besonderen Membran überzogen. Dies ist -jedoch nicht der Fall. Es legt sich keine Synovialhaut über den Knorpel; -die Grenze des Knorpels gegen das Gelenk hin ist überall vom Knorpel -selbst gebildet. Die Synovialhaut fängt erst da an, wo der Knorpel -aufhört, am Knochenrande. - -An anderen Stellen geht der Knorpel über in ein Gewebe, wo die Zellen -nach mehreren Richtungen Fortsätze aussenden, dadurch sternförmig -werden, und wo die endliche Anastamose der Elemente sich vorbereitet; -endlich trifft man Stellen, wo man nicht mehr sagen kann, wo das eine -Element aufhört und das andere anfängt: sie hängen durch ihre Fortsätze -direct mit einander zusammen, sie anastomosiren, ohne dass eine Grenze -zwischen ihnen zu erkennen wäre. Wenn ein solcher Fall eintritt, so wird -die bis dahin gleichmässige hyaline Intercellularsubstanz -ungleichmässig, streifig, faserig. Solchen Knorpel hat man schon seit -langer Zeit =Faserknorpel= genannt. - -Von diesen beiden Arten unterscheidet man eine dritte, den sogenannten -=Netzknorpel=, so an Ohr und Nase, wo die Elemente rund sind, aber eine -eigenthümliche Art von dicken, steifen Fasern um sie herum liegt, deren -Entstehung noch nicht ganz erforscht ist, die aber offenbar durch eine -Metamorphose der Intercellularsubstanz entstehen. - -Wir haben schon früher (S. 8) gesehen, dass der ausgebildete Knorpel -=incapsulirte= Zellen hat. Hier ist also die Zelle von der -Intercellularsubstanz noch durch eine besondere, oft sehr dicke Wand -getrennt. Wenn nun nicht bezweifelt werden kann, dass auch diese Wand -ein Secretionsproduct der Zelle ist, so folgt, dass, genau genommen, die -=Capsel der Intercellularsubstanz angehört, deren jüngster Theil sie -ist=. In allen Rippenknorpeln ist es gewöhnlich, um einzelne Zellen -sogar zwei und mehr Capselschichten zu sehen (Fig. 14), unter deren -Ausbildung die Zelle immer kleiner und kleiner wird, so dass sie -manchmal nur noch als ein granulirtes Kügelchen im Innern der -Capselhöhle erscheint. Durch Jodzusatz lässt sie sich jedoch leicht -erkennen, indem sie sich roth färbt, während Capsel- und -Intercellularsubstanz nur gelb werden. Die Existenz der Capsel ist in -hohem Maasse characteristisch für den Knorpel. Aber sie ist nicht -entscheidend, denn in jungem und unentwickeltem Knorpel, sowie in dem -von mir als =Knochenknorpel= (osteoidem Gewebe) benannten Gewebe fehlt -sie und die Intercellularsubstanz stösst unmittelbar an die Oberfläche -der Zelle. - -Mit diesen verschiedenen Typen, welche der Knorpel an verschiedenen -Orten und zu verschiedenen Zeiten seiner Entwickelung darbietet, sind -auch alle die Verschiedenheiten gegeben, welche die übrigen Gewebe der -Bindesubstanz darbieten. Es gibt auch wahres Bindegewebe mit runden, mit -langen und sternförmigen Zellen. Ebenso finden sich innerhalb des -eigenthümlichen Gewebes, welches ich =Schleimgewebe= genannt habe, runde -Zellen in einer hyalinen, spindelförmige in einer streifigen, -netzförmige in einer maschigen Grundsubstanz. Das Haupt-Kriterium für -die Scheidung der Gewebe beruht daher auf der Bestimmung der chemischen -Qualität der Intercellularsubstanz. Bindegewebe wird ein Gewebe genannt, -dessen Grundsubstanz beim Kochen Leim (Colla, Gluten) gibt; Knorpel -liefert aus seiner Zwischenmasse Chondrin, Schleimgewebe einen durch -Alkohol in Fäden fällbaren und in Wasser wieder aufquellenden, durch -Essigsäure fällbaren und im Ueberschuss sich nicht lösenden, dagegen in -Salz- und Salpetersäure löslichen Stoff, das Mucin (Schleimstoff). - -Weitere Verschiedenheiten des Gewebes können sich späterhin einstellen -durch die besondere Gestaltung und Füllung der einzelnen Zellen. Auch -die Knorpel- und Bindegewebszellen führen zuweilen =Farbstoffe=, wie die -epithelialen: es gibt also auch pigmentirte Bindesubstanz. Was wir -kurzweg =Fett= nennen, ist ein Gewebe, welches sich hier unmittelbar -anschliesst und welches sich wesentlich dadurch unterscheidet, dass die -einzelnen Zellen sich haufenweise vermehren, vergrössern und mit Fett -vollstopfen, wobei der Kern zur Seite gedrängt wird. An sich ist die -Structur des Fettgewebes aber dieselbe wie die des Bindegewebes, und -unter Umständen kann das Fett so vollständig schwinden, dass das -Fettgewebe wieder auf einfaches gallertartiges Bindegewebe oder -Schleimgewebe zurückgeführt wird[8]. Und umgekehrt kann nicht bloss -Schleim- und Bindegewebe sich direct in Fettgewebe umwandeln, sondern es -kann auch ganz direct fetthaltiges Mark aus Knorpel- oder Knochengewebe -entstehen. - - [8] Archiv f. path. Anatomie und Physiol. 1859. XVI. 15. - -[Illustration: =Fig=. 24. Knochenkörperchen aus einem pathologischen -Knochen von der Dura mater cerebralis. Man sieht die verästelten und -anastomosirenden Fortsätze derselben (Knochenkanälchen) und innerhalb -der Knochenkörperchen kleine Punkte, welche den trichterförmigen Anfang -der Kanälchen bezeichnen. Vergröss. 600.] - -Unter den Geweben der Bindesubstanz besitzen diejenigen für die -pathologische Anschauung die grösste Wichtigkeit, in welchen eine -netzförmige Anordnung der Elemente besteht, oder anders ausgedrückt, in -welchen die Elemente durch Ausläufer oder Fortsätze untereinander -anastomosiren (Fig. 21; 22, _A_; 24). Ueberall, wo solche Anastomosen -Statt finden, wo ein Element mit dem anderen zusammenhängt, da lässt -sich mit einer gewissen Sicherheit darthun, dass diese Anastomosen eine -Art von Röhren- oder Kanalsystem darstellen, welches den grossen -Kanalsystemen des Körpers angereiht, welches namentlich neben den Blut- -und Lymphkanälen als eine neue Erwerbung unserer Anschauungen betrachtet -werden muss, also eine Art von Ersatz für die alten Vasa serosa bietet, -die in der früher angenommenen Weise nicht existiren. Eine solche -Einrichtung kommt vor im Faserknorpel, Bindegewebe, Knochen, -Schleimgewebe an den verschiedensten Theilen und jedesmal unterscheiden -sich die Gewebe, welche solche Anastomosen besitzen, von denen mit -isolirten Elementen durch ihre grössere Fähigkeit, krankhafte Processe -zu leiten. -- - - * * * * * - -Nachdem wir die Gruppe der Epithelial- oder Epidermoidalformation und -die der Bindesubstanzen betrachtet haben, so bleibt uns noch eine ebenso -grosse, als wichtige Gruppe, deren einzelne Glieder freilich nicht in -der Weise, wie dies bei der Epithelial-und Bindegewebs-Formation der -Fall ist, eine wirkliche Verwandtschaft untereinander haben. Ihre -Uebereinstimmung ist vielmehr eine physiologische, indem sie =die -höheren animalischen Gebilde= darstellen, welche sich durch die -specifische Art ihrer Einrichtung und Leistung von den mehr -indifferenten Epithelial- und Bindegeweben unterscheiden. Hierhin zähle -ich das =Muskelgewebe=, das =Nervengewebe=, die =feineren Gefässe mit -Blut=, =Lymphe= und =Lymphdrüsen=. Allerdings sind diese Gewebe unter -sich so verschieden, dass man aus jedem derselben eine besondere Gruppe -bilden könnte. Ich will darüber nicht streiten. Indess spricht die -praktische Bequemlichkeit, sämmtliche Gewebe höherer Dignität in eine -einzige Gruppe zusammenzufassen, für meinen Vorschlag. - -Ein anderer Umstand scheint auf den ersten Anblick die Nothwendigkeit -einer solchen Vereinigung darzuthun. Gerade die Elemente der -Hauptglieder dieser Gruppe stellen sich uns dar in der Form von -zusammenhängenden, weithin durch den Körper verbreiteten, mehr oder -weniger röhrenartigen Gebilden. Wenn man Muskeln, Nerven und Capillaren -mit einander vergleicht, so kann man sehr leicht zu der Vorstellung -kommen, es handle sich bei allen dreien um wirkliche Röhren, welche mit -einem bald mehr, bald weniger beweglichen Inhalt gefüllt seien. Diese -Vorstellung, so bequem sie für eine oberflächliche Anschauung ist, -genügt jedoch deshalb nicht, weil wir den Inhalt der verschiedenen -Röhren nicht einfach vergleichen können. Das Blut, welches in den -Gefässen enthalten ist, lässt sich nicht als ein Analogen des -Axencylinders oder des Markes einer Nervenröhre, oder der contractilen -Substanz eines Muskelprimitivbündels betrachten. Allerdings ist die -Entwickelung mancher Gebilde, welche ich in dieser Gruppe zusammenfasse, -noch ein Gegenstand grosser Differenzen, und die Ansicht über die -zellige Natur vieler der hier einschlagenden Elemente findet noch -Widersacher. So viel ist indess sicher, wenn wir die fötale Entwickelung -ins Auge fassen, dass die Blutkörperchen ebenso gut Zellen sind, wie die -einzelnen Elemente der Gefässwand, innerhalb deren das Blut strömt, und -dass man das Gefäss nicht als eine einfache Röhre bezeichnen kann, -welche die Blutkörperchen umfasst, wie eine Zellmembran ihren Inhalt. -Deshalb ist es nothwendig, dass man bei den Gefässen den Inhalt von der -Wand, dem eigentlichen Gefässe trennt und dass man die Aehnlichkeit der -Gefässe mit den Nervenröhren und Muskelbündeln nicht zu stark -hervorhebt. Von entschiedener Bedeutung ist auch hier die -Entwickelungsgeschichte. Nur was genetisch zusammengehört, muss -zusammengehalten werden. Es ist aus diesem Grunde berechtigt, zum Blute -die Lymphdrüsen hinzuzunehmen, insofern das Verhältniss beider zu -einander ein gleiches ist, wie wir es bei den Epithelialformationen -zwischen Epidermis und Rete angetroffen haben. Die Lymphdrüsen -unterscheiden sich von den eigentlichen Drüsen nicht allein dadurch, -dass sie keinen Ausführungsgang im gewöhnlichen Sinne des Wortes -besitzen, sondern sie stehen auch ihrer Entwickelung nach keineswegs den -gewöhnlichen Drüsen gleich; in ihrer ganzen Geschichte schliessen sie -sich so eng an die Gewebe der Bindesubstanz, dass man eher versucht sein -kann, anzunehmen, dass sie aus einer Umwandlung von Bindegewebe -hervorgehen. - -Bei der Mehrzahl der höheren Gewebe tritt noch eine eigenthümliche -Schwierigkeit hervor, welche wir schon bei den Drüsen (S. 38) kennen -gelernt haben. Manche dieser Gewebe kommen überhaupt nirgends ganz rein -vor. Sie sind vielmehr gemischt und zusammengehalten durch -=interstitielles Gewebe=, welches von den specifischen Elementen ganz -verschieden ist und ausnahmslos irgend einer Art von Bindesubstanz -angehört. Es entsteht daher in der Regel ein zusammengesetzter, -organartiger Bau, dessen Erforschung grosse Vorsicht erfordert, da sehr -leicht die mehr indifferenten Elemente des interstitiellen =Gewebes= -(welches wohl von Intercellular=substanz= zu unterscheiden ist) mit den -eigentlich functionellen Elementen verwechselt werden können. Ein Muskel -besteht aus wirklich muskulösen Elementen und Interstitialgewebe mit -Bindegewebskörperchen, zu welchen noch Gefässe und Nerven hinzukommen. -Das Gehirn enthält Nervenzellen, Nervenfasern und Interstitialgewebe mit -einfachen Zellen, Gefässe u. s. w. Gehirnzellen im strengen Sinne des -Wortes sind Nerven- oder Ganglienzellen, im weiteren können auch -Gliazellen ebenso genannt werden. - -[Illustration: =Fig=. 25. Eine Gruppe von Muskelprimitivbündeln -(Muskelfasern). _a_. Die natürliche Erscheinung eines frischen -Primitivbündels mit seinen Querstreifen (Bändern oder Scheiben). _b_. -Ein Bündel nach leichter Einwirkung von Essigsäure; die Kerne treten -deutlich hervor und man sieht in dem einen zwei Kernkörperchen, den -anderen völlig getheilt. _c_. Stärkere Einwirkung der Essigsäure: der -Inhalt quillt am Ende aus der Scheide (Sarcolemm) hervor. _d_. Fettige -Atrophie. Vergröss. 300.] - -Unter den Gliedern der hier in Rede stehenden Gruppe hat man gewöhnlich -die =muskulösen Elemente= als die einfachsten betrachtet. Untersucht man -einen gewöhnlichen rothen Muskel, so findet man ihn wesentlich -zusammengesetzt aus einer Menge von meistentheils gleich dicken -Cylindern (den =Primitivbündeln= oder =Muskelfasern=), die auf einem -Querschnitte sich als runde Körper darstellen. An ihnen nimmt man -alsbald die bekannten Querstreifen wahr, das heisst breite Linien, -welche sich gewöhnlich etwas zackig über die Oberfläche des Bündels -erstrecken, und welche nahezu so breit sind, wie die Zwischenräume, -welche sie trennen (Fig. 25, _a_). Neben dieser Querstreifung sieht man -weiterhin, namentlich nach gewissen Präparationsmethoden, eine der Länge -nach verlaufende Streifung, die sogar in manchen Präparaten so -überwiegend wird, dass das Muskelbündel fast nur längsgestreift -erscheint. Wendet man nun Essigsäure an, so zeigen sich, während die -Streifen erblassen, an der Wand, hier und da auch mehr gegen die Mitte -des Cylinders hin, in gewissen Abständen grosse, rundlich-ovale Kerne -mit glänzenden, ziemlich grossen Kernkörperchen, bald in grösserer, bald -in kleinerer Zahl. Auf diese Weise gewinnen wir, nachdem wir durch die -Einwirkung der Essigsäure die innere Substanz geklärt haben, ein Bild, -welches an Zellenformen erinnert, und man ist daher um so mehr geneigt -gewesen, das ganze Primitivbündel als aus einer einzigen Zelle -hervorgegangen anzusehen, als nach der älteren Ansicht innerhalb eines -jeden Muskels die einzelnen Primitivbündel von dem einen -Insertionspunkte bis zu dem andern reichen sollten, also so lang gedacht -wurden, als der Muskel selbst. Letztere Annahme ist freilich durch -Untersuchungen, welche unter =Brücke='s Leitung in Wien durch =Rollett= -angestellt wurden, erschüttert worden, indem dieser nachwies, dass im -Verlaufe vieler Muskeln sich Enden der Primitivbündel mit zulaufenden -Spitzen finden. Diese Enden schieben sich ineinander, und es entspricht -demnach keineswegs die Länge aller Primitivbündel der ganzen Ausdehnung -des Muskels. Allein diese Entdeckung, statt die Ansicht von der zelligen -Natur der Primitivbündel zu erschüttern, hat sie vielmehr befestigt; sie -zeigt, dass auch das fertige Muskelprimitivbündel sich verhält, wie eine -Faserzelle (Fig. 105, _A_). - -Die einzige bekannte Ausnahme von dieser Einrichtung findet sich, wie -=Eberth= gefunden hat, an der Herzmuskulatur, welche durch das Bestehen -verzweigter und anastomosirender Bündel schon seit =Leeuwenhoek= die -Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, und welche auch durch den Mangel -eines ausgebildeten Sarcolemma eine so eigenthümliche Stellung einnimmt. -Hier gibt es statt der Faserzellen kürzere, mit platten Enden oder -eckigen Grenzen aneinanderstossende und so mit einander verschmelzende -Abtheilungen, von denen jede für sich einer Zelle entspricht. - -Auf der anderen Seite sind gerade in der letzten Zeit von verschiedenen -Seiten Beobachtungen gemacht worden, welche eher geeignet schienen, die -einzellige Natur der Primitivbündel in Zweifel zu ziehen. =Leydig= hat -zuerst die Ansicht aufgestellt, dass in jedem Cylinder (Primitivbündel) -eine Reihe von zelligen Elementen kleinerer Art enthalten sei. In der -That liegt jeder Kern in einer besonderen, langgestreckten Lücke, welche -durch das Auseinanderrücken der quergestreiften (contractilen) Substanz -des Bündels gebildet wird. Die Lücke ist nach =Leydig= von einer -besondern Membran umschlossen und sie stellt nach seiner Ansicht eine -intramusculäre Zelle vor. Es handelt sich, sobald diese letzte -Zusammensetzung discutirt wird, um äusserst schwierige Verhältnisse, und -ich bekenne, dass, so sehr ich von der ursprünglich einzelligen Natur -der Primitivbündel überzeugt bin, ich doch die sonderbaren Erscheinungen -im Innern derselben zu gut kenne, als dass ich nicht zugestehen müsste, -dass eine andere Ansicht aufgestellt werden könne. - -An jedem Cylinder (Primitivbündel) kann man leicht eine membranöse -äussere Hülle (=Sarcolemma=) und einen Inhalt unterscheiden. In -letzterem liegen die Kerne und an ihm kann man im natürlichen Zustande -die eigenthümliche Quer- und Längsstreifung erkennen. Diese Streifung -ist durchaus eine innere und nicht eine äussere. Die Membran an sich ist -vollkommen glatt und eben; die Querstreifung gehört dem Inhalt an, -welcher im Grossen die eigentliche rothe Muskelmasse, das Fleisch -darstellt. Jedes Primitivbündel ist daher ein nach beiden Seiten hin -zugespitzt endigender, meist sehr langer Cylinder, der eine Membran, -einen Inhalt und Kerne besitzt, also die Eigenschaften einer sehr -verlängerten Zelle darbietet. Damit stimmt die Entwickelungsgeschichte -überein, insofern jedes Primitivbündel in der That durch doppelseitiges -Wachsthum aus einer einzigen, ursprünglich ganz einfachen Bildungszelle -hervorgeht, in welcher sich erst allmählich der specifische Inhalt, die -Fleischsubstanz ablagert. Nun sieht man aber von Anfang an, dass die -Ablagerung dieses specifischen Inhalts nicht an allen Punkten der Zellen -erfolgt, sondern dass die nächste Umgebung des Kerns frei davon bleibt. -Auch für pathologisch neugebildete Muskelzellen habe ich dies -nachgewiesen[9]. Je grösser die Muskelzellen werden, um so mehr tritt -diese von specifischem Inhalt freie Lücke um den Kern hervor, und zwar -so, dass sie, wenn man den Cylinder von der Fläche aus betrachtet, als -ein spindelförmiger Raum erscheint, während er auf einem -Querdurchschnitt meist eckig oder sternförmig aussieht und nicht selten -sich in verästelte und anastomosirende Fortsätze verfolgen lässt. -Letztere nimmt man zuweilen, namentlich am Herzmuskel des Menschen, auch -bei der Betrachtung von der Fläche her als feine interfibrilläre Linien -oder Striche wahr (Fig. 26, _C_). Wie mir scheint, erstrecken sich diese -Fortsätze ununterbrochen in das von =Cohnheim= entdeckte intermusculäre -Gitterwerk, welches die Fleischsubstanz durchsetzt. Aber die Ansichten -über die Natur der um die Kerne gelegenen Zeichnungen gehen noch weit -auseinander. Während =Leydig=, wie erwähnt, sie als eine Art von -Bindegewebskörperchen und die specifische Inhaltsmasse des -Primitivbündels als ein Analogon der Bindegewebs-Intercellularsubstanz -betrachtet, nimmt =Rollett= sie mit den dazu gehörigen Fortsätzen als -ein intramusculäres Lacunensystem. =Max Schultze= endlich denkt sich -diese von ihm als =Muskelkörperchen= bezeichneten Gebilde als -membranlose Körper, nur aus Kern und Protoplasma bestehend, so jedoch, -dass das Protoplasma derselben mit dem in der übrigen Fleischsubstanz -vorhandenen und hier durch die Einlagerung anderer Bestandtheile zum -Theil verdeckten Protoplasma continuirlich zusammenhänge. - - - [9] Würzb. Verhandl. 1850. I. 189. Archiv f. path. Anat. 1854. VII. - 137. Taf. II. Fig. 4. - -[Illustration: =Fig=. 26. Muskelelemente aus dem Herzfleische einer -Puerpera. _A_. Eigenthümliche, den Faserzellen der Milzpulpe ganz -ähnliche Spindelzellen, vielleicht dem Sarcolemma angehörig, bei dem -Zerzupfen des Präparates frei geworden. _a_. halbmondförmig gekrümmte, -an einem Ende etwas platte Zelle, von der Fläche gesehen, _b_. eine -ähnliche, von der Seite gesehen, der Kern platt, _c_. _d_. Zellen, deren -Kerne in einer herniösen Ausbuchtung der Membran liegen; _e_. eine -ähnliche Zelle, von der Fläche gesehen, der Kern wie aufgelagert. _B_. -Ein Primitivbündel ohne Hülle (Sarcolemma) mit deutlichen Längsfibrillen -und grossen rundlichen Kernen, von denen einer zwei Kernkörperchen -enthält (beginnende Theilung). _C_. Ein Primitivbündel, zerzupft und -leicht durch Essigsäure gelichtet; ausser einem getheilten Kerne sieht -man zwischen den Längsfibrillen feine pfriemenförmige Striche, die -Andeutung von Ausläufern der intramuskulären Körper (Lücken, Zellen). -- -Vergröss. 300.] - -Zunächst fragt es sich hier also, ob die Gebilde von Membranen begrenzt -sind, wie vollständige Zellen, oder nicht; sodann, ob sie nur Lacunen -und feinste Kanäle darstellen, oder Körper mit Fortsätzen. Beides ist -sehr schwer zu entscheiden, und es ist mir nicht gelungen, constante -Resultate zu erlangen. An Froschmuskeln, wie es =Sczelkow= ganz richtig -dargelegt hat[10], findet sich eine so deutlich durch scharfe, dunkle -Contouren begrenzte Zeichnung, dass man an der Existenz von Membranen -kaum zweifeln möchte; am Herzmuskel des Menschen habe ich häufig, jedoch -nicht in der Mehrzahl der Fälle, dasselbe gesehen. Unter pathologischen -Verhältnissen, wie von A. =Böttcher=, namentlich aber von C. O. =Weber= -gezeigt ist, und wie ich bestätigen kann, findet man um die Kerne -blasige, durchaus zellenähnliche Gebilde, oder doch sehr deutliche, -differente Absätze, z. B. Pigmentkörnchen (in der braunen Atrophie). In -der grossen Mehrzahl der Muskeln kann ich von Membranen nichts erkennen -und noch weniger Körper oder Fortsätze isoliren. Es ist daher wohl -möglich, dass die Beschaffenheit dieser Gebilde eine wechselnde ist; -jedenfalls können wir von der Entscheidung dieser Frage unser Urtheil -nicht abhängig machen, da wir aus der Entwickelungsgeschichte ganz -bestimmt wissen, dass die fraglichen Gebilde im Innern von Zellen -entstehen. - - [10] Archiv f. path. Anat. 1860. XIX. 215. Taf. V. - -Wir müssen daher das Primitivbündel (die Muskelfaser) als eine -ursprünglich einfache, jedoch späterhin zusammengesetzte Zelle -betrachten, welche im entwickelten Zustande sowohl kernhaltige -Muskelkörperchen, als eine specifische Inhaltsmasse umschliesst. -Letztere ist es, an der unzweifelhaft die Eigenschaft der Contractilität -haftet, und die je nach dem Zustande der Contraction selbst in ihren -Erscheinungen variirt, indem sie bei der Contraction kürzer und breiter -wird, während die Zwischenräume zwischen den einzelnen Querbändern oder -Streifen sich etwas verschmälern. Es erfolgt also bei der Contraction -eine Umordnung der kleinsten Bestandtheile, und zwar, wie aus den -Untersuchungen von =Brücke= hervorgeht, nicht bloss der physikalischen -Molecüle, sondern auch der sichtbaren anatomischen Bestandtheile. -=Brücke= hat nehmlich, indem er den Muskel im polarisirten Lichte -untersuchte, verschiedene optische Eigenschaften der einzelnen -Substanzlagen gefunden, derer, welche die Querstreifen und derer, welche -die Zwischenmasse darstellen. Jene bestehen aus Theilchen, welche das -Licht doppelt brechen (Disdiaklasten), diese nicht. - -Bei gewissen Methoden der Präparation kann man den Inhalt eines jeden -Muskel-Primitivbündels in Platten oder Scheiben (=Bowman='s discs) -zerlegen, welche ihrerseits wieder aus lauter kleinen Körnchen -(=Bowman='s sarcous elements) zusammengesetzt sind. In Wirklichkeit -besteht jedoch der Inhalt des Primitivbündels aus einer grossen Menge -feiner Längsfibrillen, von denen jede, entsprechend der Lage der -Querstreifen oder scheinbaren Scheiben des Primitivbündels, kleine -Körner enthält, welche durch eine blasse Zwischenmasse zusammengehalten -werden. Indem nun viele Primitivfibrillen zusammenliegen, so entsteht -durch die symmetrische Lage der kleinen Körnchen eben der Anschein von -Scheiben, die eigentlich nicht vorhanden sind. Je nach der Thätigkeit -des Muskels nehmen diese Theile eine veränderte Stellung zu einander an: -bei der Contraction nähern sich die Körner einander, während die -Zwischensubstanz kürzer und zugleich breiter wird. - -[Illustration: =Fig=. 27. Glatte Muskeln aus der Wand der Harnblase. -_A_. Zusammenhängendes Bündel, aus dem bei _a_, _a_ einzelne, isolirte -Faserzellen hervortreten, während bei _b_ die einfachen Durchschnitte -derselben erscheinen. _B_. Ein solches Bündel nach Behandlung mit -Essigsäure, wo die langen und schmalen Kerne deutlich werden; _a_ und -_b_ wie oben. -- Vergr. 300.] - -Verhältnissmässig sehr viel einfacher erscheint die Zusammensetzung der -=glatten, organischen= oder, obgleich weniger bezeichnend, -=unwillkürlichen Muskelfasern=. Wenn man irgend einen Theil derjenigen -Organe, worin glatte Muskelfasern enthalten sind, untersucht, so findet -man in der Mehrzahl der Fälle zunächst in ähnlicher Weise, wie bei den -quergestreiften Muskeln, kleine Bündel, z. B. in der Muskelhaut der -Harnblase. Innerhalb dieser Fascikel unterscheidet man bei weiterer -Untersuchung eine Reihe von einzelnen Elementen, von denen eine gewisse -Zahl, 6, 10, 20 und mehr durch eine gemeinschaftliche Bindemasse -zusammengehalten wird. Nach der Vorstellung, welche bis in die letzten -Tage allgemein gültig war, würde jedes einzelne dieser Elemente ein -Analogon des Primitivbündels der quergestreiften Muskeln darstellen. -Denn sobald es gelingt, diese Fascikel in ihre feineren Bestandtheile zu -zerlegen, so bekommt man als letzte Elemente lange spindelförmige -Zellen, die in der Regel in der Mitte einen Kern besitzen (Fig. 6, _b_). -Nach derjenigen Anschauung dagegen, welche in den letzten Tagen von -verschiedenen Seiten anfängt bewegt zu werden, namentlich angeregt durch -=Leydig='s Untersuchungen, würde man vielmehr ein Fascikel, worin eine -ganze Reihe von Faserzellen enthalten ist, als Analogon eines -quergestreiften Primitivbündels betrachten müssen. Berücksichtige ich -jedoch die Entwickelungsgeschichte, so erscheint es mir zweckmässig und -den bekannten Thatsachen am meisten entsprechend, die einzelne -Faserzelle als Aequivalent des Primitivbündels festzuhalten. - -An einer solchen spindelförmigen oder Faser-Zelle ist es schwer, ausser -dem Kern und dem Zellkörper etwas Besonderes zu unterscheiden. Bei recht -grossen Zellen und bei starker Vergrösserung unterscheidet man -allerdings häufig eine feine Längsstreifung (Fig. 6, _b_), so dass es -aussieht, als ob auch hier im Innern eine Art von Fibrillen der Länge -nach geordnet wäre, während von einer Querstreifung nur bei der -Contraction (=Meissner=) etwas wahrzunehmen ist. Trotzdem haben die -blassen, glatten Muskeln chemisch eine ziemlich grosse Uebereinstimmung -mit den quergestreiften, indem man eine ähnliche Substanz (das -sogenannte Syntonin =Lehmann='s) aus beiden ausziehen kann durch -verdünnte Salzsäure, und indem gerade einer der am meisten -characteristischen Bestandtheile, das Kreatin, welches in dem -Muskelfleisch der rothen Theile gefunden wird, nach der Untersuchung von -G. =Siegmund= auch in den glatten Muskeln des Uterus vorkommt. =Brücke= -hat neuerlich auch in glatten Muskeln eine doppeltbrechende Substanz -nachgewiesen. - -Ausserordentlich häufig findet man bei der Untersuchung von rothen -Muskeln pathologisch interessante Stellen, insbesondere Bündel, welche -das Bild des Muskels in der sogenannten =progressiven= (fettigen) -=Atrophie= darbieten. Ein solches degenerirtes Bündel ist meist kleiner -und schmäler, und zugleich zeigen sich zwischen den Längsfibrillen -kleine Fettkörnchen aufgereiht (Fig. 25, _d_). Was an den Muskeln die -Atrophie überhaupt macht, ist die Verkleinerung des Durchmessers der -Primitivbündel, also die Abnahme der Fleischsubstanz; bei der fettigen -Atrophie kommt dazu noch die gröbere Veränderung, dass im Innern des -Primitivbündels kleine Reihen von Fettkörnchen auftreten, unter deren -Vermehrung die eigentliche contractile Substanz an Masse abnimmt. Je -mehr Fett, desto weniger contractile Substanz, oder mit anderen Worten: -der Muskel wird weniger leistungsfähig, je geringer der normale Inhalt -seiner Primitivbündel wird. Auch die pathologische Erfahrung bezeichnet -daher als die Trägerin der Contractilität eine bestimmte Substanz. - -Sehen wir hier zunächst ab von der Contractilität kleiner Zellen, welche -für die Beurtheilung der sogenannten motorischen Vorgänge ohne Bedeutung -sind, und halten wir uns an jene Erscheinungen, welche Ortsveränderungen -zusammengesetzter Theile bedingen, so finden wir als Grund derselben -überall muskulöse Elemente. Während man früher neben der Muskelsubstanz -noch manche andere Dinge, z. B. das Bindegewebe (als Ganzes, nicht bloss -in seinen Zellen) als contractil annahm, so hat sich, namentlich seit -den wichtigen Entdeckungen von =Kölliker=, die Lehre von den Bewegungen -im menschlichen Körper eigentlich auf jene Substanz zurückgezogen, und -es ist gelungen, fast alle die so mannichfaltigen und zum Theil so -sonderbaren motorischen Phänomene auf die Existenz von grösseren oder -kleineren Theilen wirklich muskulöser Natur zurückzuführen. So liegen in -der Haut des Menschen kleine Muskeln, ungefähr so gross, wie die -kleinsten Fascikel von der Harnblasenwand, aus ganz kleinen Faserzellen -bestehende Bündel, welche vom Grunde der Haarfollikel gegen die Haut -verlaufen, und welche, wenn sie sich zusammenziehen, die Oberfläche der -Haut gegen die Wurzel des Haarbalges nähern. Das Resultat davon ist -natürlich, dass die Haut uneben wird und man, wie man sagt, eine -Gänsehaut bekommt. Dies sonderbare Phänomen, welches nach den früheren -Anschauungen unerklärlich war, wurde sofort und einfach erklärt durch -den Nachweis jener rein mikroskopischen Muskeln, der =Arrectores -pilorum=. - -[Illustration: =Fig=. 28. Kleine Arterie aus der Basis des Grosshirns -nach Behandlung mit Essigsäure. _A_ kleiner Stamm, _B_ und _C_ gröbere -Aeste, _D_ und _D_ feinste Aeste (capillare Arterien). _a_, _a_ Adventitia -mit Kernen, welche, der Längenausdehnung entsprechend, anfangs in -doppelter, später in einfacher Lage sich finden, mit streifiger -Grundsubstanz, bei _D_ und _E_ einfache Lage mit Längskernen, hier und -da durch Fettkörnchenhaufen ersetzt (fettige Degeneration). _b_, _b_ Media -(Ringfaser-oder Muskelhaut) mit langen, walzenförmigen Kernen, welche -quer um das Gefäss verlaufen und am Rande (auf dem scheinbaren -Querschnitt) als runde Körper erscheinen; bei _D_ und _E_ immer seltener -werdende Querkerne der Media. _c_, _c_ Intima, bei _D_ und _E_ mit -Längskernen. Vergr. 300.] - -So wissen wir gegenwärtig, dass die mittlere Haut grösserer Gefässe -grossentheils aus Elementen dieser Art besteht, und dass die -Contractionsphänomene der Gefässe einzig und allein auf die Wirkung von -Muskeln zurückbezogen werden müssen, welche in ihnen in Form von Ring- -oder Längsmuskeln enthalten sind. Eine kleine Vene oder eine kleine -Arterie kann sich nur soweit zusammenziehen, als sie mit Muskeln -versehen ist; sie unterscheiden sich hauptsächlich durch den Umstand, -dass entweder mehr die Längs- oder mehr die Quermuskulatur entwickelt -ist. - -Diese Beispiele sind besonders geeignet zu zeigen, wie eine einfache -anatomische Entdeckung die wichtigsten Aufschlüsse über zum Theil ganz -weit auseinanderliegende physiologische Erfahrungen gibt, und wie an -den Nachweis bestimmter morphologischer Elemente sofort die wichtigsten -Verdeutlichungen von Funktionen geknüpft werden können, die ohne eine -solche thatsächliche Voraussetzung ganz unbegreiflich sein würden oder -eine ganz willkürliche Erklärung finden müssten. - -Ich übergehe es hier, über die feineren Einrichtungen des -Nervenapparates zu sprechen, weil ich später im Zusammenhange darauf -zurückkommen werde; sonst würde dies der Gegenstand sein, welcher hier -zunächst anzuschliessen wäre, weil zwischen Muskel- und Nervenfasern in -der Einrichtung vielfache Aehnlichkeiten bestehen. Zu den Nerven gehören -aber nothwendig die Ganglienzellen, welche die einzelnen Fasern -untereinander verbinden, und welche als die wichtigsten Sammelpunkte des -ganzen Nervenlebens betrachtet werden müssen, und ich verspare mir daher -die Betrachtung dieser Gebilde für spätere Capitel. - -Auch über die Einrichtung des Gefässapparates will ich hier nicht im -Zusammenhange handeln, und nur so viel sagen, als nöthig ist, um eine -vorläufige Anschauung zu geben. - -Das Capillar-Gefäss ist eine einfache Röhre (Fig. 4, _c_.), welche bei -der mikroskopischen Betrachtung aus einer einfachen Haut zu bestehen -scheint, an welcher nichts wahrzunehmen ist, als von Strecke zu Strecke -platte Kernen, welche, wenn das Gefäss von der Fläche angesehen wird, -dasselbe Bild darbieten, wie an den Muskelelementen, welche aber -gewöhnlich mehr am Rande bemerkbar werden und hier pfriemenförmig oder -oval erscheinen, indem man nur ihre scharfe Kante oder einen kleineren -Theil ihrer Fläche wahrnimmt. In der Nähe ihres Ursprunges aus den -Arterien schliesst sich äusserlich noch eine feine, aus Bindegewebe -bestehende Adventitia an. Bis vor Kurzem war man allgemein der Meinung, -dass die Capillar-Membran ganz continuirlich sei und nur aus -pathologischen Erscheinungen schloss ich (S. 19. Fig. 10, _c_.), dass -sie in einzelne Zellenterritorien zu zerlegen sei. Mein damaliges Schema -ist durch Untersuchungen von =Auerbach=, =Eberth= und =Hoyer= im Jahre -1865 als der Ausdruck einer thatsächlichen Zusammensetzung aus platten -Zellen bestätigt worden, deren Grenzen sich durch Anwendung von -Reagentien, namentlich von Silbernitrat deutlich nachweisen lassen. Ob -man diese Zellen als blosse Epithelien und die Capillaren dem -entsprechend als blosse Intercellulargänge zu betrachten habe, ist mir -jedoch zweifelhaft, da die Entwickelungsgeschichte der Capillaren mit -der sonst bekannten Entstehung der epithelialen Gebilde nicht ganz -übereinstimmt. - -Diese einfachsten Gefässe sind es, welche wir heut zu Tage einzig und -allein Capillaren nennen. Von ihnen können wir nicht sagen, dass sie -sich durch eigene Thätigkeit erweitern oder verengern, höchstens dass -ihre Elasticität eine Verengung möglich macht. Mit Ausnahme von -=Stricker= hat niemand in neuerer Zeit an ihnen eigentliche Vorgänge der -Contraction oder des Nachlasses derselben bemerkt. Die früheren -Discussionen über die Contractilität der Capillaren sind wesentlich auf -kleine Arterien und Venen zu beziehen, deren Lumen sich durch -Contraction ihrer Muskelwand verengt oder sich bei Nachlass der -Contraction unter dem Blutdrucke erweitert. Es war dies eine überaus -wichtige Thatsache, welche sofort aus der genaueren histologischen -Kenntniss der feineren und grösseren Gefässe hervorging; sie lehrte, -dass man überhaupt nicht von allgemeinen Eigenschaften, am wenigsten von -einer überall in gleicher Weise vorhandenen Thätigkeit der Gefässe -sprechen kann, insofern der capillare Theil wesentlich anders gebaut -ist, als die kleinen Arterien und Venen. Diese sind höchst -zusammengesetzte Organe, während das Capillargefäss eine einfache Röhre -von fest elementarem Bau darstellt. - - - - - Drittes Capitel. - - Physiologische Eintheilung der Gewebe. - - - Ungenügende Ausbildung der anatomischen Kenntniss der Gewebe. - Verschiedenartige Lebenserscheinungen an scheinbar gleichartigen - Elementen. Praktisches Bedürfniss einer physiologischen Gruppirung: - - 1) Nach der Function. Motorische Elemente: muskulöse, epitheliale - (Flimmerzellen, Samenfäden), bindegewebige (Pigment). - Schleimabsonderung: Schleimhäute, Schleimdrüsen, Schleimgewebe. - - 2) Nach der Lebensdauer der Elemente. Dauer- und Zeitgewebe. - Pathologische Aenderung der natürlichen Verhältnisse - (Heterochronie). Lehre von der Allveränderlichkeit des Körpers - durch Stoffwechsel (Mauserung). Unterscheidung von Dauer- und - Verbrauchsstoffen in den Elementen. Wechselgewebe (Metaplasie). - Abfällige Gewebe: Epidermis (Desquamation), Decidua uterina. - Einfache Zeitgewebe. Oertliche Verschiedenheit der Lebensdauer - desselben Gewebes. Nothwendigkeit einer Localgeschichte der Gewebe. - - 3) Nach der Zeit der Entstehung und des Absterbens der Gewebe - (genetische Eintheilung). Jugendliche und senescirende Gewebe. - Allgemeine und locale Chronologie der Gewebe. Embryonale Gewebe; - unfertige oder unreife: Matricular- und Uebergangsgewebe. Chorda - dorsualis. Schleimgewebe. Bildungsgewebe und Vorgewebe (Anlagen, - Keimgewebe). Bildungs- oder Primordialzellen. Allgemeine Gültigkeit - der Entwickelungsgesetze. - - 4) Nach der Verwandtschaft und Abstammung. Continuitäts-Gesetz. - Heterologe Verbindungen von Gewebselementen. Die histologische - Substitution und die histologischen Aequivalente. Abstammung der - Elemente (Descendenz). - -Die anatomische Eintheilung der Gewebe ist eine wichtige und -unerlässliche Vorbedingung für die physiologische Betrachtung derselben, -und es ergeben sich, wie wir gesehen haben, aus der Kenntniss des Baus -der Theile ohne Weiteres sehr wichtige Aufschlüsse über ihre Thätigkeit. -Allein damit allein ist es nicht gethan. Vielmehr ist eine selbständige -physiologische Untersuchung nothwendig, um die besondere Bedeutung der -einzelnen Gewebe zu ermitteln und für jeden Ort im Körper festzustellen, -welche Thätigkeiten von seinen Elementen ausgehen. - -Ganglienzellen finden sich an den verschiedensten Orten des Körpers. -Niemand zweifelt daran, dass sie im Gehirn eine andere Bedeutung haben, -als am Sympathicus, an der Hirnrinde eine andere als im Streifenhügel. -Manche Verschiedenheiten der Grösse und Gestalt, der Verbindung und -inneren Einrichtung derselben lassen sich an diesen verschiedenen Orten -wahrnehmen. Nichtsdestoweniger genügen diese anatomischen -Verschiedenheiten nicht, um die physiologisch so verschiedene Energie -der einzelnen Gruppen zu erklären. - -Epitheliale Zellen kommen unter den mannichfaltigsten Verhältnissen vor. -Höchst auffallende Verschiedenheiten ihres Baues finden sich an den -einzelnen Orten. Wir begreifen, dass eine Flimmerzelle andere Wirkungen -hervorbringt, als ein Epidermisplättchen. Aber wir sind nicht im Stande -zu erkennen, warum die Epithelien der Milchdrüse so wesentlich andere -Leistungen hervorbringen, als die Epithelien der Speicheldrüsen, oder -warum die Flimmerzellen der Hirnventrikel nicht dieselbe physiologische -Stellung einnehmen, wie die Flimmerzellen des Uterus. - -Wenn wir aus der physiologischen Forschung Verschiedenheiten scheinbar -gleichartiger Elemente erkennen, so gelangen wir damit allerdings sofort -zu neuen Fragestellungen und Vermuthungen in Beziehung auf die weitere -anatomische Untersuchung, und es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass -man auf dem Wege einer derartigen Untersuchung allmählich zu einer -ungleich grösseren Erkenntniss =der localen Verschiedenheiten in dem Bau -und der Einrichtung histologisch gleichwerthiger Elemente= kommen wird, -als wir sie gegenwärtig besitzen. Nur darf man bei einer solchen -Hoffnung nicht übersehen, dass diese Histologie der Zukunft noch nicht -existirt und dass man sich daher vorläufig mindestens noch damit -begnügen muss, neben einer anatomischen Ordnung der Gewebe auch noch -eine physiologische oder genauer gesagt, mehrere physiologische -zuzulassen. - -In der That gibt es mehr als ein Principium dividendi für die -physiologische Gruppirung der Gewebe. Je nach der Richtung, in welcher -die Fragestellung geschieht, fällt auch die Antwort verschieden aus. Der -specifische Physiolog wird zuerst immer nach der =Function= fragen. -Welche Thätigkeit übt ein Gewebe aus? Diese Richtung der Untersuchung -führt zu einer Eintheilung der Gewebe nach ihrer Function. Eine kurze -Umschau ergibt sofort, dass Gewebe, welche ganz verschiedenen -anatomischen Gruppen angehören, bei dieser Art der Betrachtung einander -genähert werden. Frage ich nach den Geweben, deren Function Bewegung -ist, so werde ich zunächst an die Muskeln gewiesen. Aber unzweifelhaft -ist auch die Flimmerbewegung Bewegung, unzweifelhaft haben die -Samenfäden Bewegung. Und doch knüpft sich hier die Bewegung an -epitheliale Erzeugnisse, welche von den eigentlichen Muskeln anatomisch -weit entfernt sind. Sollen wir desswegen die Samenfäden zu den -muskulösen Elementen oder die letzteren zu den epithelialen rechnen? -Gewiss liegt hier ebenso wenig ein Grund zu einer solchen Vereinigung -vor, als wenn wir Schwärmsporen und Infusorien vereinigen wollten. -Allerdings hat es eine Zeit gegeben, wo man sämmtliche Schwärmsporen zu -den Infusorien rechnete, wo sogar die Mehrzahl der beweglichen Algen -eben dahin gezählt wurde, aber mit Recht betrachtet man diesen -Standpunkt als einen überwundenen. - -Die Bewegung »sitzt« jedoch nicht bloss in muskulösen und epithelialen -Elementen; sie findet sich auch an bindegewebigen. Nehmen wir ein -zugleich pathologisch interessantes Beispiel. =Axmann= hatte bei -Fröschen gesehen, dass nach Durchschneidung der gangliospinalen Nerven -die in der Haut zahlreich verbreiteten Pigmentzellen ihre Strahlen -verlieren. Er nannte dies eine Atrophie und schloss daraus auf einen -nutritiven Einfluss der gangliospinalen Nerven. Die in Frage stehenden -Pigmentzellen sind grosse, sternförmige Bindegewebskörperchen. Bei der -Wichtigkeit dieser Angabe beschloss ich eine experimentelle Prüfung -derselben und veranlasste Herrn =Lothar Meyer= zu einer solchen. Alsbald -ergab sich, dass es sich um keine Atrophie, sondern um eine Contraction -handelte[11]. Die Zellen ziehen ihre Fortsätze ein, ihr Körper -vergrössert sich in demselben Maasse, und das früher über eine grössere -Fläche vertheilte Pigment häuft sich an einzelnen Stellen an. Das grobe -Ergebniss dieser unzweifelhaften Bewegung ist eine Farbenveränderung der -Froschhaut. - - [11] Mein Archiv 1854. Bd. VI. S. 266. - -Wir finden also, dass in allen drei Gruppen der Gewebe motorische -Thätigkeit nachweisbar ist, und jeder Denkende wird daher auch -veranlasst werden, seine etwaigen Betrachtungen über =motorische -Elemente= oder noch allgemeiner über motorische Gewebe auf alle drei -Gruppen auszudehnen. Von diesem Gesichtspunkte aus ergibt sich eine -Eintheilung aller Gewebe in zwei Abtheilungen: motorische und nicht -motorische. Dagegen lässt sich nicht das Mindeste sagen. Aber man darf -auch nicht übersehen, dass diese Eintheilung eine wesentlich -=praktische= ist. Sie mag durchaus wissenschaftlich durchgeführt werden, -aber sie greift eine einzige Seite der Betrachtung auf, sie wählt ein -einziges Merkmal, eine einzige Eigenschaft aus der ganzen Summe der -Merkmale und Eigenschaften dieser Gewebe oder Elemente. Sie kann daher -keinesweges als eine eigentlich wissenschaftliche Eintheilung gelten, -wenngleich sie für die wissenschaftliche Betrachtung und Untersuchung -von dem grössten =Nutzen= ist. - -Unter den Absonderungen hat seit den ältesten Zeiten eine das Interesse -der Aerzte ganz besonders auf sich gezogen, die des =Schleims=. Schon in -der koischen Priesterschule wird das Phlegma als einer der vier -Cardinalsäfte des Körpers aufgeführt, und noch heute hat sich eine -freilich sehr verwischte Erinnerung daran in der Bezeichnung des -phlegmatischen Temperamentes erhalten. In der That war die glasige, -gallertartige, gequollene Beschaffenheit des Schleims wohl geeignet, die -Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und die Häufigkeit seines -Hervortretens unter krankhaften Verhältnissen, die nicht selten -bedenkliche Heftigkeit der dadurch bedingten Zufälle berechtigte dazu, -den phlegmatischen Krankheiten eine hervorragende Stelle in dem Systeme -anzuweisen. Mehr und mehr knüpfte sich jedoch die Forschung über die -Schleimabsonderung an die =Schleimhäute=, und als =Bichat= sein System -der allgemeinen Anatomie aufstellte, hatte er nur eine allseitig -anerkannte Ueberzeugung zu fixiren, indem er aus den Schleimhäuten eine -besondere Gewebsgruppe machte. Es hat ziemlich lange gedauert, ehe man -erkannte, dass glasige Schleimabsonderungen nicht an allen Schleimhäuten -vorkommen. Man weiss jetzt, dass wohl die Schleimhaut des Collum uteri -ein solches Secret liefert, aber dass dies keineswegs an der -»Schleimhaut« der Vagina oder an der des Corpus uteri der Fall ist. Das -Ileum und die Speiseröhre sondern keine zähen Schleimmassen ab, wie sie -so reichlich an der Schleimhaut der Luftröhre zu Tage treten. - -Man ist so von den Schleimhäuten zu den =Schleimdrüsen= gekommen, und -Mancher hilft sich damit, dass er alle Schleimabsonderung auf diese -zurückführt. Aber sonderbarerweise sind gerade manche Schleimhäute, an -deren Oberfläche wir die zähesten und klebrigsten Schleimbeschläge -finden, wie die der Harnblase und des Collum uteri, ungemein arm an -Drüsen, und diese an sich ziemlich unvollkommenen Drüsen sind durchaus -nicht als die Specialsitze der Secretion zu erkennen. Wären sie es -jedoch, so würde man auf ihre Epithelien als auf die activen Factoren -der Absonderung zurückkommen müssen, da bekanntlich der Schleim nicht im -Blute präexistirt, also nicht einfach transsudiren kann. Muss man, wie -es meiner Meinung nach nothwendig ist, auch eine Schleimabsonderung von -der Fläche =gewisser= Schleimhäute anerkennen, so gelangt man zu -demselben Gedanken, dass die Epithelien die Schleimabsonderer seien. - -Darf man nun sagen, die Schleimabsonderung sei überall die Function -gewisser Epithelialzellen, die man =Schleimzellen= nennen kann? Die -Erfahrung hat gelehrt, dass diese Auffassung irrthümlich ist. Ich habe -für eine grosse Reihe physiologischer und pathologischer Gewebe den -Nachweis geliefert, dass der Schleim in derselben glasigen, -gallertartigen, gequollenen Weise, wie er frei an der Oberfläche der -Schleimhäute erscheint, auch im Innern von Geweben und zwar wesentlich -als ein =intercellularer= Stoff vorkommt. Ich sah mich deshalb -veranlasst, ein Schleimgewebe aufzustellen, welches weder mit dem -Schleimhautgewebe =Bichat='s, noch mit dem Schleimdrüsengewebe identisch -ist. Es ist kein epitheliales Gewebe, sondern ein Glied in der Gruppe -der Bindesubstanz. Nichts desto weniger wird man auch an ihm nicht umhin -können, den intercellularen Schleim als ein Absonderungsprodukt der -Zellen zu betrachten. Nur handelt es sich hier um eine =parenchymatöse= -(innere) und nicht um eine oberflächliche (äusserliche) Absonderung. -Aeusserlich kann sie erst werden, wenn an dem Schleimgewebe eine -Ulceration eintritt, wie es bei dem Carcinoma mucosum (colloides) -vorkommt. - -Es finden sich demnach Schleimzellen in zwei verschiedenen Gruppen vor: -epitheliale und bindegewebige. Für eine Untersuchung über -Schleimentstehung und Schleimabsonderung ist es gewiss nützlich, sich an -die Gruppen nicht zu kehren und nur die besonderen Gewebe -zusammenzustellen und zu vergleichen, in welchen dieser Vorgang -vorkommt. So ist der physiologische Botaniker berechtigt, alle -diejenigen Pflanzengewebe zusammenzustellen, in welchen Pflanzenschleim -oder Gummi oder Amylon vorkommen, und eine solche Zusammenstellung ist -von hohem praktischen Werthe für den Landwirth, den Kaufmann, die -Hausfrau. Aber nichts berechtigt, eine solche praktische Eintheilung -als die erste Aufgabe des wissenschaftlichen Forschers hinzustellen. - -Wenn der physiologische Specialist zuerst nach der Function fragt, so -fragt der Patholog, auch wenn er ganz physiologisch zu Werke geht, -zuerst nach der =Existenz= der Theile. Es erklärt sich diese Differenz -aus dem Umstande, dass der Physiolog gesunde Verhältnisse voraussetzt -und den Bestand des Körpers an Geweben unter solchen Verhältnissen als -einen gegebenen und constanten betrachtet, der Patholog dagegen, durch -traurige Erfahrungen belehrt, das Zugrundegehen und den Verlust von -Theilen als ein nur zu häufiges Ergebniss des kranken Lebens kennt. Für -den Arzt handelt es sich vor Allem um die =Erhaltung= der Theile. -Wissenschaftlich analysirt, ist dies die Frage von der =Lebensdauer= und -der =Ernährung= der Theile. - -Nun ist es bekannt, dass die verschiedenen Elemente des Körpers auch im -gesunden Leibe eine sehr verschieden lange Lebensdauer besitzen und aus -diesem Grunde auch manche Gewebe, ja selbst manche Organe nicht die -gleiche Lebensdauer haben, wie der gesammte Körper. Die Pupillarmembran -schwindet schon vor der Geburt, die Eihüllen werden mit der Geburt -abgeworfen, der Nabelstrang folgt alsbald, das Wollhaar, die -Thymusdrüse, die männliche Brustdrüse, die Milchzähne kommen nach und -nach an die Reihe, die Eifollikel, die weibliche Brust, die Zähne und -das Kopfhaar schwinden bald früher, bald später. Man kommt so ganz -natürlich zu einer grossen Zweitheilung in =bleibende= (=permanente=) -und =nicht bleibende= (=temporäre=) Gewebe, oder, wie man kurz sagen -kann, in =Dauergewebe= und =Zeitgewebe=. Unter letzteren bilden die -=abfälligen= (telae caducae s. deciduae) eine besondere Unterabtheilung. -Zwischen den Dauer- und Zeitgeweben stehen in einer höchst -eigenthümlichen Stellung die =Wechselgewebe= (telae mutabiles s. -mutantes). - -Man muss jedoch sehr vorsichtig sein in der Anwendung dieser Ausdrücke. -Unter pathologischen Verhältnissen kann ein Zeitgewebe =persistiren= und -ein Dauergewebe =hinfällig= werden. Die Thymusdrüse kann sich bis nach -der Pubertät erhalten, während sie sonst bald nach der Geburt schwindet. -Die männliche Brust kann nicht bloss persistiren, sondern sich auch -stärker entwickeln. Und umgekehrt kann bald dieses, bald jenes Gewebe -oder Organ schwinden, »phthisisch« werden, das sonst zu den permanenten -gehört. Ein Kind kann ohne Arme und Beine, ohne Herz und Gehirn geboren -werden, weil schon die Anlagen im Mutterleibe verkümmerten. Ein ganzer -Muskel, eine ganze Niere kann bis auf einen kümmerlichen Rest von -Interstitialgewebe »atrophiren«. Ein Fuss kann durch Brand absterben -und, wie der Nabelstrang, abgeworfen werden. - -An dieser Stelle, wo es sich um physiologische Verhältnisse handelt, -berühren uns diese, der Lehre von der =Heterochronie= angehörigen Fragen -nicht. Wir haben es hier nur mit der =natürlichen= Verschiedenheit der -Lebensdauer einzelner Körpertheile, welche der typischen Entwickelung -angehören, zu thun. Ein einziges, freilich sehr verbreitetes Vorurtheil -tritt uns jedoch entgegen: ich möchte es das Vorurtheil von der -=Allveränderlichkeit= der Körpertheile nennen. In einer bedauerlichen -Uebertreibung wohlberechtigter Erfahrungssätze über den Stoffwechsel ist -man dahin gekommen, zu berechnen, wie viele Jahre gewisse Theile, wie -viele der ganze Körper gebrauche, um gänzlich erneuert zu sein. Die in -ihrer Ausschliesslichkeit unannehmbare Lehre von der Mauserung -(C. H. =Schultz=) hatte ein grosses Stück ihrer Popularität dieser -Auffassung zu verdanken. - -Wie es möglich gewesen ist, die auffälligsten Thatsachen so sehr zu -übersehen, ist schwer zu begreifen. Selbst ausgezeichnet hinfällige -Theile lassen doch deutlich erkennen, dass, so lange sie existiren, ihre -Substanz dauerhaft ist. Man mag den Zahnwechsel, wie den Haarwechsel, -eine Mauser nennen, aber nichts berechtigt, die =Elemente= des Zahns -oder des Haares als in fortdauernder Erneuerung begriffen anzusehen. Der -Zahnschmelz besteht aus verkalkten Epithelien, welche, soweit wir -wahrnehmen können, weder in ihrem Kalk, noch in ihrer organischen -Grundsubstanz einer Erneuerung unterliegen. Das Zahnbein kann durch -Ersatz aus der Pulpe neuen Zuwachs bekommen, aber weder seine Röhrchen, -noch seine Intercellularsubstanz lassen erkennen, dass ihre Molekeln -durch neue Molekeln ersetzt werden. Das Bindegewebe, diese so weit -verbreitete und so massenhaft im Körper vorhandene Substanz, ist gewiss -in allen seinen wesentlichen Bestandtheilen in hohem Maasse dauerhaft. -Die Elemente der Linse, trotz ihrer Zartheit, bestehen häufig ohne -Veränderung bis zum höchsten Alter. - -Diese Beständigkeit der =wesentlichen= Bestandtheile der Gewebselemente -schliesst den Wechsel unwesentlicher nicht aus. Eine Drüsenzelle kann -immerfort Stoffe in sich aufnehmen, sie umsetzen und die -Umsetzungsprodukte als Secrete wieder ausscheiden, ohne dass ihr -histologischer Bestand dadurch unmittelbar betroffen wird. Eine -Leberzelle zeigt in der auffälligsten Weise, wie durch die Nahrung -allerlei Stoffe in sie eingeführt und eine Zeitlang in ihr abgelagert -werden: Fett und Glykogen sind Stoffe, die eine Zeit lang vorhanden -sind, um später wieder zu verschwinden. Aber niemand hat dargethan, dass -der Kern oder die Körpersubstanz der Leberzellen einem gleichen Wechsel -unterliegt. Wir haben vielmehr allen Grund anzunehmen, dass eine -Leberzelle von der Zeit der vollendeten Ausbildung des Organs bis zum -höchsten Alter persistiren kann, ohne dass sie in allen ihren -Bestandtheilen einer Erneuerung unterlegen hat. Auch in dem einzelnen -Gewebs-Element (wenngleich keineswegs in jedem) muss man daher -=Dauerstoffe= und =Wechselstoffe= (=Verbrauchsstoffe=) unterscheiden. - -Das Verhältniss dieser Stoffe zu einander kann zu verschiedenen Zeiten -in demselben Elemente sehr verschieden sein. Die grossen glatten -Muskelfasern des schwangeren Uterus enthalten offenbar ungleich mehr -Verbrauchsstoffe, als die überaus kleinen und gleichsam verkümmerten des -ruhenden Uterus. Eine prall gefüllte Fettzelle besteht dem Volumen nach -fast ganz aus Wechselstoff; eine atrophische kann beinahe vollständig -auf ihre Dauerstoffe zurückgeführt sein. Was wir Stoffwechsel nennen, -ist eben keine einfache Umschreibung für Ernährung, wenigstens nicht für -Ernährung im strengeren Sinne des Wortes, wo es die auf =Erhaltung des -Elementes gerichtete Thätigkeit= bezeichnet. Mit dieser letzteren haben -wir es im Augenblicke allein zu thun. Denn Dauergewebe in unserem Sinne -sind solche Gewebe, welche der Regel nach während des ganzen -entwickelten Lebens sich erhalten; Zeitgewebe solche, welche sich nur -für eine gewisse Zeit erhalten und dann »auf natürliche Weise sterben«. - -Auch hier müssen wir vor einer Verwechselung warnen. Ein Gewebe kann -aufhören zu existiren, ohne dass es stirbt oder hinfällig wird. Das -subcutane Schleimgewebe des Fötus findet sich nicht mehr im Erwachsenen -und doch ist es weder geschwunden, noch gestorben. Im Gegentheil, es -lebt fort in einer anderen Gestalt, nehmlich als Fettgewebe. Seine -Zellen existiren noch, sie erhalten sich durch fortdauernde Ernährung, -obwohl sie mit Fett gefüllt sind. Hier handelt es sich also um eine -=Gewebsumwandelung= (Metamorphose, Metaplasie). So hört der Zeitknorpel -auf zu existiren, aber seine Elemente bestehen fort, obwohl sie nicht -mehr Knorpel-, sondern Mark- oder Knochenkörperchen sind. Der -Zeitknorpel verknöchert und wenngleich keineswegs, wie man früher -annahm, seine organische Grundlage ganz und gar in dem Knochen als -sogenannter Knochenknorpel fortbesteht, so sind doch seine Zellen in die -neue Bildung eingegangen. In diesen =Wechselgeweben= finden wir also -=Persistenz der Zellen bei Veränderung des Gewebscharakters=. - -Manche abfälligen Gewebe (telae caducae) bieten gerade das umgekehrte -Bild dar. Die Zellen fallen ab, ohne dass der Charakter des Gewebes -überhaupt aufhört zu existiren. Das beste Beispiel dafür bietet uns die -Epidermis. Die obersten Schichten derselben bestehen eigentlich nicht -mehr aus lebenden Elementen. Es sind kernlose, verhornte, -zusammengetrocknete Schüppchen, welche noch eine Zeit lang der Unterlage -einen Schutz gewähren, aber welche ausser Stande sind, selbst die -niederste Leistung des Lebens, die Selbsterhaltung, auszuführen. Sie -werden endlich lose und blättern ab, wie die Rinde eines Baumes. Aber -schon ist neuer =Nachwuchs= da, der an ihre Stelle tritt. Immer neue -epidermoidale Theile gehen aus dem Rete hervor und trotz aller Verluste -an der Oberfläche erhält sich die Oberhaut als Gewebe. Aehnlich ist es -mit den Epithelien mancher Drüsen (Milchdrüse), mit dem Blute und der -Lymphe. - -Unter pathologischen Verhältnissen erreichen die hier erwähnten -Verhältnisse ein ungleich höheres Maass und sie werden in demselben -Grade auffälliger. An der Oberhaut sind es die =desquamativen= Prozesse, -welche in der allergröbsten Form die allmähliche Abblätterung der -oberflächlichen Epidermisschichten erkennen lassen. Eine ähnliche -Abblätterung zeigt der Nagel, während die Haare zerklüften und -»zerfasern«. Aber auch an Schleimhäuten geschieht Aehnliches: die -desquamativen Katarrhe des Darms, der Niere und Harnblase, der Scheide -(Fluor albus) bringen die abgelösten Epithelien bald in Form -zusammenhängender Lamellen und Fetzen, bald als isolirte Zellen zu Tage. - -Aber wir würden das Hauptbeispiel übergehen, wenn wir nicht jener -eigenthümlichen Erscheinung gedächten, von welcher ich den Namen für -diese Gruppe hergenommen habe: ich meine die Ablösung der =Decidua -uterina= bei der Geburt und während des Wochenbettes, sowie in den -selteneren Fällen des Abortus und der Dysmenorrhoea membranacea. Auch -diese Haut galt bis in die neuere Zeit als eine Exsudathaut, als eine -Pseudomembran von mehr oder weniger strukturloser Beschaffenheit -(membrane anhiste =Robin=). Erst das genauere Studium ihrer Entwickelung -hat gelehrt, dass die Decidua keine Pseudomembran, kein Exsudat ist, -sondern ein durch Wucherung vergrösserter Theil der Uterinschleimhaut -selbst[12]. Sie ist dem entsprechend auch nichts weniger als -strukturlos, sondern sie besteht durch und durch aus deutlich geformten -Geweben. Aber zum Unterschiede von den bloss desquamativen Prozessen, -welche nur das Epithel betreffen, greift die Decidua-Bildung tief in das -eigentliche Gewebe der Uterinschleimhaut, denn dasjenige, was sich als -puerperale Decidua löst, besteht zum grösseren Theile aus stark -vergrösserten Zellen des Bindegewebes. Selbst Gefässe sind durchaus -keine Seltenheit in der Decidua, wie sie sich von den Eihäuten des -Neugebornen ablösen lässt. Aber, wie bei der Desquamation, so bleibt -auch hier ein Theil des Gewebes sitzen, und dieser dient später als -Matrix für die regenerative Neubildung. - - [12] =Froriep='s Neue Notizen 1847. März. No. 20. Gesammelte - Abhandlungen zur wissenschaftl. Medicin Frankf. 1856. S. 775. - -Sowohl von den Wechselgeweben, als von den hinfälligen Geweben -unterscheiden sich die =einfachen Zeitgewebe= (telae temporariae) -dadurch, dass ihre Elemente zu Grunde gehen (absterben), aber nicht -durch neue ersetzt werden. Der =Meckel='sche Knorpel, ein langer und -starker Faden, der sich beim Fötus von dem mittleren Ohr aus an der -inneren Seite des Unterkiefers bis zur Symphyse des Kinns erstreckt, -schwindet schon mit dem 8. Fötalmonat bis auf die daraus gebildeten -Hammer und Ambos. Die Thymusdrüse, eine der grössten Lymphdrüsen des -Körpers, »atrophirt« nach der Geburt gänzlich; alle ihre unzähligen -Zellen (Lymphkörperchen) verschwinden; jede Erinnerung ihres -lymphatischen Baus geht verloren; an ihrer Stelle findet sich später nur -ein kümmerlicher Rest losen Fett- und Bindegewebes. Unter der Ausbildung -der Keilbeinhöhlen verschwindet fast alles vorhandene Knochengewebe und -Mark aus den sphenoidalen Wirbelkörpern, ohne auch nur eine Spur zu -hinterlassen. Die Nabelarterien obliteriren nach der Geburt, d. h. sie -verstreichen, ohne dass in den Ligamenta vesicae lateralia, welche an -ihre Stelle treten, ein erkennbarer Rest ihrer meist so mächtigen -Muscularis übrig bleibt. - -Unter Umständen kann das grosse Endergebniss bei den abfälligen Geweben -demjenigen bei den einfachen Zeitgeweben sehr ähnlich sein. Wenn -epidermoidale Theile immerfort abfallen, so ist die Persistenz des -Gewebes, wie wir gesehen haben, nur durch Nachwuchs möglich. Hört jedoch -der Nachwuchs gänzlich auf, so wird auch der Defect ein vollständiger -und dauernder. Dies kommt allerdings bei der eigentlichen Epidermis nur -unter erschwerenden pathologischen Verhältnissen vor, z. B. bei gewissen -nässenden Exanthemen; auch beim Nagel nur bei wirklichen Krankheiten des -Falzes. Aber es ist ein sehr gewöhnliches Ereigniss bei den Haaren, wenn -ihre Matrix, die Haarzwiebel verödet. Es tritt dann dauernde Alopecie -ein. - -Die Dauerhaftigkeit eines Gewebes ist in keiner Weise abhängig von -seiner Festigkeit. Im Gegentheil zeigt sich bei genauerer Untersuchung, -dass gerade die Weichtheile (Gehirn und Nerven, Muskeln, manche Drüsen) -sich einer grossen Beständigkeit ihrer Elemente erfreuen, während das -Knochengewebe, nächst dem elastischen das festeste des ganzen Körpers, -durchaus nicht jene Starrheit und Unveränderlichkeit zeigt, welche -sprüchwörtlich geworden ist. Die Verknöcherung schützt nicht vor dem -Wechsel. Mit verhältnissmässiger Leichtigkeit wird das Knochengewebe -wieder weich und verwandelt sich durch Metaplasie in Mark. - -Wir stossen hier auf eine neue und nicht wenig verwirrende Eigenschaft -der thierischen Gewebe. =Dasselbe Gewebe kann je nach dem Orte, an dem -es vorkommt, ein Dauer-, ein Wechsel- und ein Zeitgewebe sein=. -Unzweifelhaft bestehen gewisse Theile der Knochen mindestens von der -Pubertät an, manche schon länger, bis zum Tode, sind also -ausgezeichnetes Dauergewebe. Andere dagegen tragen in ebenso -ausgezeichnetem Sinne den Charakter des Wechselgewebes, indem sie mit -fortschreitendem Alter sich in Mark verwandeln. Andere endlich, wie das -Keilbein, gewisse Theile des Felsenbeins schwinden schon bald nach der -Pubertät und an ihre Stellen treten, wie bei den Vögeln, luftführende -Räume. Es gibt also eine tela ossea permanens, eine t. o. mutans und -eine t. o. temporaria s. transitoria. Von den Knorpeln ist es längst -anerkannt, dass es Dauerknorpel (cartilagines permanentes) und -Zeitknorpel (cartilagines temporariae) gibt. Man kann demnach auf Grund -der Lebensstatistik der Gewebe keine allgemeingültige Eintheilung -derselben machen, sondern man kann nur für =die einzelnen Orte= im -Körper statistisch feststellen, ob ein bestimmtes Gewebe an =dieser= -Stelle permanent oder nur temporär vorkommt. - -Eine solche Kenntniss ist aber unentbehrlich für die Uebersicht der -Lebensvorgänge. Indem wir ersehen, dass die Thymusdrüse im ersten -Lebensjahre schon hinschwindet, während die übrigen Lymphdrüsen bis zum -Greisenalter und zum Tode aushalten, indem wir lernen, dass die Gefässe -des Glaskörpers schon vor der Geburt obliteriren, während die der Retina -fortbestehen, indem wir erkennen, dass der =Müller='sche Faden beim -Manne früh obliterirt, während der =Wolff='sche Gang sich zum Vas -deferens entwickelt, so erschliesst sich uns sofort der Einblick in eine -Reihe bemerkenswerter Eigenthümlichkeiten der Entwickelung. Dass die -Schädel-Synchondrosen früh verknöchern, während die Wirbel-Synchondrosen -knorpelig blieben, dass das Schleimgewebe um die Niere in Fettgewebe -übergeht, während dasjenige im Glaskörper seine Beschaffenheit bewahrt, -ist auf den ersten Blick schwer verständlich, aber nothwendig zu wissen, -um die Local-Geschichte und örtliche Bedeutung der Gewebe zu würdigen. - -Die Local-Geschichte der Gewebe erhält jedoch ihre Vervollständigung -erst durch eine genaue =Zeitbestimmung=, bei der sowohl Anfang, als Ende -des Gewebes festzustellen ist. Wir kommen damit auf die ebenso -schwierige, als wichtige =genetische= Untersuchung, deren Einführung in -die moderne Pathologie ich seit einer langen Reihe von Jahren mit -besonderem Eifer zu fördern bestrebt gewesen bin. Nicht alle Gewebe des -Körpers entstehen zu derselben Zeit und nicht alle sterben zu gleicher -Zeit. Auch in dieser Beziehung stellt der Organismus keine Einheit dar, -sondern nur eine Gemeinschaft, und die Bezeichnungen, welche wir für die -Entwickelungsperioden des Gesammt-Organismus mit Recht wählen, passen -keineswegs für die einzelnen Theile und Gewebe. =Es gibt jugendliche -Gewebe im hohen Greisenalter und senescirende[13] Gewebe im Fötus=. -Selbst der Bulbus des ergrauten Haares erzeugt doch immer noch neue -Elemente und bis zum Tode hin strömen immer wieder junge Blutkörperchen -in die Gefässe ein. Andererseits sieht schon das fötale Leben zahlreiche -Elemente zu Grunde gehen. Der =Meckel=sche Knorpel und der =Wolff='sche -Körper sind grösstentheils verschwunden, wenn das Kind zur Welt kommt; -die Pupillarmembran, die Vasa omphalomesaraica haben um dieselbe Zeit -aufgehört zu existiren. Manche Gewebe lassen sich in eine -=allgemein-chronologische Reihenfolge= bringen. Schleimgewebe ist im -Allgemeinen früher da, als Fettgewebe; Knorpel früher, als Knochen. -Rothe Blutkörperchen sind jünger, als farblose. Aber dies gilt nicht -allgemein. Denn die Bildung des Schleimgewebes ist nicht überhaupt -abgeschlossen, wenn die des Fettgewebes beginnt; sie ist nur -abgeschlossen an der Stelle, wo Schleimgewebe in Fettgewebe übergeht. An -anderen Orten kann neues Schleimgewebe entstehen, während das früher -vorhanden gewesene seine Metaplasie längst gemacht hat. Farblose -Blutkörperchen bilden sich von Neuem, nachdem unzählige rothe zu Grunde -gegangen sind. =Dieselbe Art von Gewebe kann also an einem Orte jünger, -an einem anderen Orte älter sein=. An der Epiphyse eines Röhrenknochens -beginnt die Knochenbildung zu einer Zeit, wo die Diaphyse schon seit -Monaten zum grossen Theil verknöchert ist. An den Lippen erreicht die -Haarbildung zur Zeit der Pubertät die Stärke, welche sie an der -Schädelhaube schon in dem ersten Lebensjahre zu zeigen pflegt. - - [13] Mein Handbuch der spec. Path. u. Ther. 1854. Bd. I. S. 310. - -Manche sonst verdiente Forscher haben den Sinn solcher Erscheinungen -gänzlich verkannt. Sie sprechen z. B. von =embryonalen= oder =fötalen= -Geweben im Erwachsenen. Dies ist ein blosses Spiel mit Worten. Ein -Gewebe, welches schon im Embryo vorhanden ist und sich als solches -extrauterin erhält, ist darum kein embryonales. Permanenter Knorpel, -permanentes Schleimgewebe sind eben so wenig embryonal, als die -Krystalllinse oder die Hornhaut. Wenn jedes Gewebe, das sich im -Erwachsenen so vorfindet, wie es im Fötus besteht, fötal genannt werden -sollte, so könnte man auch die Epidermis des inneren Präputialblattes -fötal nennen, weil sie feucht zu sein pflegt und eine Vernix caseosa -liefert. Embryonal im strengeren Sinne des Wortes (d. h. dem Embryo -angehörig) ist nur ein =unfertiges=, =unreifes= oder =Uebergangs=-Gewebe -aus der früheren Zeit des intrauterinen Lebens. Embryonale Muskeln sind -schmale und verhältnissmässig kurze Cylinder oder Faserzellen mit -schmalen Lagen von Fleischsubstanz im Innern. Embryonale Nerven haben -noch keine Markscheide. Embryonales Bindegewebe hat noch runde Zellen -und eine nicht-faserige Zwischensubstanz. Aber nicht jedes unfertige -Gewebe ist darum embryonal. Das Rete Malpighii, die Haarzwiebel, die -Zahnpulpe sind und bleiben unfertige Gewebe, denn es soll aus ihnen -Epidermis, Haar, Zahnbein entstehen. Sie werden überhaupt niemals -fertig, denn sie sind eben zum Nachwuchs bestimmt, sie sind -=Matricular-Gewebe=, welche nicht bloss den Mutterboden für die -=Ersatzzellen= darstellen, sondern welche aus sich selbst durch -=Proliferation= diese Ersatzzellen hervorbringen. Die Mehrzahl der -gewöhnlichen Matricular-Gewebe findet sich daher in Verbindung mit -abfälligen Geweben; eine kleinere Zahl besorgt gelegentlich das -Ersatz-Geschäft für die Wechselgewebe, z. B. Knorpel und Beinhaut für -den Knochen. Zwischen der Matrix und dem daraus hervorgegangenen -Tochtergewebe ist die Stelle, wo man das =Uebergangsgewebe= (tela -transitoria) zu suchen hat, und nur in dem Falle, dass die ganze Matrix -durch die Proliferation aufgezehrt wird, wie es im Ovulum geschieht, -welches in seiner Totalität in Bildungszellen aufgeht, tritt das -Uebergangsgewebe als eigentlich embryonales für eine gewisse Zeit -hindurch scheinbar ganz selbständig auf. - -Wirklich embryonal sind eben nur Gewebe des Embryo. Der Nabelstrang -z. B. besteht seinem grössten Theile nach aus embryonalem Schleimgewebe; -der Glaskörper des Embryo desgleichen. Aber man hat kein Recht, auch den -Glaskörper des Erwachsenen aus embryonalem Schleimgewebe bestehen zu -lassen, bloss deshalb, weil das Schleimgewebe in ihm persistirt. Hier -liegt vielmehr ein Dauergewebe vor, welches mit dem Augenblicke der -Geburt aufgehört hat, embryonal zu sein. - -Es giebt vielleicht kein Gewebe, welches in einem so hohen Maasse den -Charakter eines embryonalen Zeitgewebes an sich trägt, als die =Chorda -dorsualis= (Notochorde R. =Owen=). Es ist dies ein aus grossen, blasigen -Zellen zusammengesetzter Strang, welcher ursprünglich durch die -ganze Ausdehnung der später von den Wirbelkörpern und den -Zwischenwirbelscheiben eingenommenen Region vom Keilbein bis zum -Steissbein hindurchläuft. Er stellt ein fast reines Zellengewebe dar, -welches man versucht sein könnte, den Epithelialformationen anzureihen, -wenn er nicht seiner ganzen Stellung nach den Geweben der Bindesubstanz -angehörte. Indes bleibt die Intercellular-Secretion an ihm auf ein -Minimum beschränkt. Früher nahm man allgemein an, dass nur bei den -niedrigsten Fischen die Chorda persistire, dass sie dagegen bei allen -höheren Wirbelthieren und namentlich beim Menschen ein rein embryonales -oder fötales Gewebe sei, welches schon vor der Geburt gänzlich -verkümmere. Erst =Heinrich Müller= hat dargethan, dass ein Theil der -Chorda sich noch nach der Geburt erhält. Daraus folgt, dass genau -genommen selbst dieses Gewebe den Namen eines embryonalen nur während -einer gewissen Zeitdauer verdient; der laxere Gebrauch, auch die nach -der Geburt noch fortbestehenden Theile fötal zu nennen, rechtfertigt -sich nur dadurch, dass dieselben in der That nur einen für das spätere -Leben bedeutungslosen Rückstand einer fötalen Bildung darstellen. - -Eine derartige Concession darf jedoch nicht zu immer weiteren -Forderungen gemissbraucht werden. Was soll man davon sagen, wenn im -Ernst von einigen Schriftstellern erklärt wird, das Schleimgewebe sei -embryonales oder fötales Bindegewebe? Sieht man nicht, dass man mit -gleichem Rechte das Knorpelgewebe aus der Reihe der selbständigen Gewebe -streichen und dasselbe einfach als embryonales Knochengewebe bezeichnen -könnte? Ich will gar nicht davon sprechen, dass nicht einmal die -vorausgesetzte Thatsache richtig ist, indem das Schleimgewebe gewöhnlich -in Fettgewebe, aber nicht in eigentliches Bindegewebe übergeht. Aber -gesetzt, es wäre richtig, dass Schleimgewebe das Bildungsgewebe für -Bindegewebe sei, so muss man sich doch darüber klar werden, dass nicht -jedes =Bildungsgewebe= (tela formativa s. formans) embryonal genannt -werden kann, gleichviel zu welcher Zeit des Lebens es sich findet. Es -gibt dreierlei Arten von Bildungsgewebe: =Matriculargewebe= (Matrices) -im engeren Sinne des Wortes, welche durch Proliferation, also durch -Hervorbringung neuer Elemente, ein Tochtergewebe erzeugen, neben welchem -sie fortbestehen, =blosse Vorgewebe= (telae praecursoriae), welche durch -die Proliferation verzehrt werden und nach der Erzeugung der neuen -Gewebe nicht mehr vorhanden sind, und endlich =Uebergangsgewebe= (telae -transitoriae), welche sich durch Metaplasie, ohne wesentliche -Veränderung in der Zahl ihrer Elemente, in andere Gewebe umbilden. Im -Embryo kommen alle drei Arten vor, und man fasst sie gelegentlich wohl -unter dem Sammtnamen der =Anlagen= oder =Keimgewebe= (telae -germinativae) zusammen. - -Die Eizelle ist gewissermaassen der Prototyp eines Vorgewebes, denn -obwohl durch fortschreitende Proliferation aus ihr die späteren Gewebe -des Embryo hervorgehen, so hört sie selbst doch auf zu existiren. Sie -verhält sich in dieser Beziehung, wie jene Epithelialzellen, aus deren -Wucherung die von ihnen selbst ganz verschiedenen Drüsenzellen -hervorgehen. So erklärt es sich, dass auch die Drüsenbildung eine -einmalige ist, die sich nicht fortsetzt oder wiederholt, wie die Bildung -der Haare oder des Nagels oder der Epidermis, bei denen ein gewisser -Theil der germinativen Zellen als Matrix persistirt. Die Haarzwiebel, -die Falzzellen des Nagels, das Rete Malpighii wuchern ebenfalls, aber -nicht alle ihre Elemente gehen gleichzeitig oder kurz nach einander in -das neue Gewebe auf. So ist der Knorpel eine wahre Matrix, die trotz -reichlichster Wucherung an den meisten Orten noch einen gewissen Rest -unversehrter Substanz übrig behält, aus welcher immer wieder von Neuem -Mark und Knochengewebe erzeugt werden können. Allerdings besteht, wie -leicht ersichtlich, zwischen den Vorgeweben und den Matriculargeweben -keine scharfe Grenze. Die Bildung der Krystallinse wird frühzeitig -abgeschlossen, und, wie wir gesehen haben, niemals später wird nach dem -Verlust derselben eine neue vollständige Linse regenerirt. -Nichtsdestoweniger persistirt ein gewisser Theil der germinativen Zellen -und eine unvollständige Reproduction der Linse ist daher allerdings -möglich. Das Kapsel-Epithel ist demnach mehr als Matrix und nicht als -blosses Vorgewebe aufzufassen. - -Manche embryonale Gewebe erscheinen unter Verhältnissen, wo man versucht -wird, sie entweder für Matriculargewebe oder wenigstens für Vorgewebe zu -halten. Die Chorda dorsualis liegt inmitten der späteren Wirbelkörper -und ihr knorpelartiger Charakter legte es nahe, in ihr die erste Anlage -der späteren Wirbelkörper und zwar namentlich der knorpeligen Matrices -derselben zu sehen. In der That hat man geglaubt, dass aus ihr oder doch -aus ihrer Scheide die Vertebralknorpel hervorgingen. Erst die neuere -Forschung hat gelehrt, dass dies ein Irrthum war, indem die Knorpel -ausserhalb der Chorda und ihrer Scheide entstehen. Aehnlich war es mit -dem sogenannten Meckel'schen Knorpel, dessen Lage in unmittelbarer -Verbindung mit dem Unterkiefer es wahrscheinlich machte, dass er -wirklich die Matrix des Unterkiefers sei. Aber auch hier erweist sich -der Knochen als eine äussere Belagsmasse des Knorpels. Während der -letztere daher sich hier als ein rein fötales Zeitgewebe darstellt, so -gehen aus seinem hinteren Ende allerdings der Hammer und Ambos, -namentlich in sehr deutlicher Weise der Hammerfortsatz hervor, und es -erweist sich daher dasselbe Gebilde, welches an seinem vorderen Ende -eine bloss temporäre Bedeutung hat, in seinem hintersten Abschnitte als -ein wirkliches Vorgewebe. - -Was die Uebergangsgewebe betrifft, so entstehen sie entweder aus den -Vorgeweben oder aus Matriculargeweben. Die aus der Furchung der Eizelle -entstehenden Ur- oder Bildungszellen (cellulae primordiales s. -formativae) bieten ein schönes Beispiel dafür. Die farblosen -Blutkörperchen stehen ihnen nahe. Manche Uebergangselemente zeichnen -sich durch ganz besondere, sonst fast gar nicht normal vorkommende -Formen aus. Ich erinnere in dieser Beziehung an die vielkernigen -Riesenzellen des Knochenmarks. Andere Uebergangselemente wiederum haben -so indifferente und gleichmässige Formen, sie stellen so sehr die -einfachste Erscheinung =nicht differenzirter= Zellen dar, dass man -gerade deshalb vielfach geneigt ist, sie sämmtlich zu identificiren, -und, wie früher unter dem Namen von =Primordial=- oder =Exsudatzellen=, -so jetzt unter dem der farblosen Blutkörperchen zusammenzufassen. Gerade -im Knochenmark, wie in der Milz, kommen neben grossen und vielkernigen -Elementen solche kleine, runde, einfache Zellen sehr häufig vor. - -Der entwickelte Organismus zeigt in allen diesen Beziehungen keine -durchgreifenden Verschiedenheiten von dem fötalen. Die blosse Form der -Elemente oder Gewebe genügt daher keineswegs, dieselben für fötal oder -embryonal auszugeben. =Die Gesetze der Entwickelung gelten für alle -Zeiten des Lebens=, und wenn dieselben nicht zu allen Zeiten in gleicher -Ausdehnung und Häufigkeit zur Geltung kommen, so darf man darüber nicht -vergessen, dass die Bedingungen nicht zu allen Zeiten gleiche sind. Eine -correcte Terminologie ist aber nur zu gewinnen, wenn wir jedem -Lebensalter seine besondere Beziehung lassen. Gerade die Pathologie muss -in dieser Beziehung besonders streng sein, da ihr Erfahrungsgebiet eine -grosse Reihe von Erscheinungen umfasst, welche im gewöhnlichen Leben auf -gewisse Zeiten der Entwickelung, z. B. auf das embryonale Leben -beschränkt sind, welche aber unter krankhaften Verhältnissen zu ganz -ungehörigen Zeiten auftreten. Muskel- und Nervenfasern von ganz -embryonalem Charakter können im Zeitalter der Pubertät oder noch später -entstehen, aber wenn man sie ihres Charakters wegen embryonal nennen -wollte, so würde man Gefahr laufen, die grösste Verwirrung -hervorzurufen. - -Es erhellt aus diesen Erörterungen, dass wir trotz der Wichtigkeit der -physiologischen Gesichtspunkte doch einer rein anatomischen -Classification der Gewebe nicht entbehren können. Sie bildet für die -Physiologie und Pathologie eine ebenso nothwendige Grundlage, wie die -anatomische Classifikation der Pflanzen und Thiere für die Botanik und -die Zoologie. Gleichwie jedoch der Botaniker und der Zoolog jede -einzelne Species und Varietät, ja wie der Gärtner und der Viehzüchter -jedes Individuum von Baum und Thier besonders in seinen Eigenschaften -und Eigenthümlichkeiten studiren muss, so wird auch der Physiolog und -noch mehr der Patholog auf eine gleiche Individualisirung und -Localisirung seiner Forschungen hingewiesen. - -Bevor ich jedoch diese Betrachtungen schliesse, muss ich noch ein Paar -Augenblicke bei der Erörterung einiger wichtiger principieller Punkte -verweilen, welche die thierischen Gewebe in ihrer Verwandtschaft unter -einander und Abstammung von einander betreffen, und welche wiederholt zu -allgemeinen, mehr physiologischen Formulirungen Veranlassung gegeben -haben. - -Als =Reichert= es unternahm, die Gewebe der Bindesubstanz zu einer -grösseren Gruppe zusammenzufassen, ging er hauptsächlich von dem -philosophischen Satze aus, dass der Nachweis =der Continuität der -Gewebe= über ihre innere Verwandtschaft entscheiden müsse. Sobald man -erkennen könne, dass irgend ein Theil mit einem andern continuirlich -(durch inneren Zusammenhang, nicht durch blosses Zusammenstossen) -verbunden sei, so müsse man auch beide als Theile eines -gemeinschaftlichen Ganzen betrachten. Auf diese Weise suchte er zu -beweisen, dass Knorpel, Beinhaut, Knochen, Sehnen u. s. f. wirklich ein -Continuum, eine Art von Grundgewebe des Körpers bildeten, die -=Bindesubstanz=, welche an den verschiedenen Orten gewisse -Differenzirungen erfahre, ohne dass jedoch der Charakter des -Gewebes als solchen dadurch aufgehoben würde. Dieses sogenannte -=Continuitäts-Gesetz= hat bald die grössten Erschütterungen erfahren, -und gerade in der jüngsten Zeit sind so gefährliche Einbrüche in -dasselbe geschehen, dass es kaum noch möglich sein dürfte, daraus ein -allgemeines Kriterium für die Bestimmung der Art eines Gewebes -herzunehmen. Man hat immer neue Thatsachen für die Continuität solcher -Gewebs-Elemente beigebracht, welche nach =Reichert= toto coelo -auseinander gehalten werden müssten, z. B. von Epithelial- und -Bindegewebe; insbesondere haben sich die Angaben gehäuft, dass -cylindrische Epithelzellen in fadenförmige Fasern auslaufen, welche -direct in Zusammenhang treten mit Bindegewebs-Elementen, z. B. am Darm. -Ja, man hat sogar in der neuesten Zeit eine Reihe von Angaben gemacht, -nach denen solche Zellen der Oberfläche nach Innen fortgehen und dort -mit Nervenfasern in unmittelbarem Zusammenhang stehen sollten, z. B. am -Gehirn. Was das letztere betrifft, so muss ich bekennen, dass ich noch -nicht von der Richtigkeit der Darstellung überzeugt bin, allein -was den ersteren Fall anbelangt, so besteht ein wirkliches -Continuitäts-Verhältniss der Elemente. Man ist also nicht mehr im -Stande, scharfe Grenzen zwischen jeder Art von Epithel und jeder Art von -Bindegewebe zu ziehen; es ist dies nur da möglich, wo Plattenepithel -sich findet, und auch hier nicht überall, während die Grenzen -zweifelhaft sind überall, wo Cylinder-Epithel existirt. - -Ebenso verwischen sich die Grenzen auch anderswo. Während man früher -zwischen Muskel- und Sehnen-Elementen eine scharfe Grenze annahm, so hat -sich auch hier, zuerst durch =Hyde Salter= und =Huxley=, ergeben, dass -an die Elemente des Bindegewebes direct Faserzellen sich anschliessen, -welche nach und nach den Charakter quergestreifter Muskeln annehmen. Auf -diese Art ergeben sich in dem Bindegewebe sowohl mit den Elementen der -Oberfläche, als mit den edleren Elementen der Tiefe continuirliche -Verbindungen. Erwägt man nun andererseits, dass die Elemente des -Bindegewebes aller Wahrscheinlichkeit nach bestimmte Beziehungen zu dem -Gefässapparat, insbesondere zu den Lymphgefässen haben, so liegt es sehr -nahe, in dem Bindegewebe eine Art von =indifferentem Sammelpunkt=, eine -eigenthümliche Einrichtung für die innere Verbindung der Theile zu -sehen, eine Einrichtung, die allerdings nicht für die höheren Funktionen -des Thieres, aber wohl für die Ernährung und Entwickelung von der -allergrössten Bedeutung ist. - -Noch viel auffälliger sind die Beziehungen zwischen den letzten -Verzweigungen der peripherischen Nerven und den Elementen anderer -Gewebe. Seit =Doyère= hat sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich der -Verbindung zwischen den letzten Ausläufern der motorischen Nerven und -den Muskelprimitivbündeln zugewendet, und es ist nicht mehr zweifelhaft, -dass die ersteren das Sarkolemm durchbohren und in direkten Contakt mit -der Fleischsubstanz treten. Noch weiter gehen die Verbindungen zwischen -den terminalen Nerven und den Epithelien. =Hensen= hat in Froschlarven -die Nervenfädchen bis zu den Kernkörperchen der Hautepithelien verfolgt; -=Lipmann= hat Aehnliches an dem hinteren Epithel der Hornhaut und selbst -an den Körperchen der Hornhaut wahrgenommen. =Pflüger= sah die letzten -Nervenausläufer an die Zellen der Speicheldrüsen treten. - -An die Stelle des Continuitätsgesetzes muss man daher nothwendig etwas -Anderes setzen. Nicht der Zusammenhang zwischen den Theilen, welcher -möglicherweise erst einer späteren Entwickelungszeit angehört, und -welcher Verbindungen zwischen Theilen sehr verschiedener Natur -herbeiführen kann, sondern die Entstehung ist entscheidend. Die -Verwandtschaft der Gewebe führt zurück auf eine =gemeinsame Abstammung= -(Descendenz). Allerdings lehrt die Geschichte des befruchteten Ei's, -dass in letzter Abstammung die verschiedenartigsten Gewebe von einem -gemeinschaftlichen Anfange ausgehen, aber in dem Fortgange der -Proliferation kommen wir an gewisse Stadien, wo die einzelnen Zellen -oder Zellengruppen ihre Differenzirung beginnen, und von hier aus kehrt -jede Zelle oder Zellengruppe ihre besondere Eigenthümlichkeit heraus. -Eine gewisse Familienähnlichkeit kann ihnen allen anhaften; -nichtsdestoweniger geht eine jede Gruppe ihren eigenen Weg, der von dem -der anderen verschieden ist. Bei Menschen einer bestimmten Race finden -sich gewisse Eigenschaften der Haare und der Haut, des Schädel- und -Zahnbaus, der Grösse und des Umfanges der verschiedensten Skelettheile -mit so grosser Beständigkeit wieder, dass wir aus einzelnen Merkmalen -auf die Anwesenheit der anderen schliessen können. Der gemeinsame -Ursprung aller Gewebe von dem einen befruchteten Ei gibt die allerdings -nur grobe Erklärung dieser Erfahrung. Von Zelle zu Zelle pflanzt sich -wenigstens etwas aus dem ursprünglichen Vorgewebe fort. Je mehr sich die -Matriculargewebe ausbilden, um so sichtbarer wird die Verwandtschaft -ihrer Derivate unter einander. Wenn aus dem Rete Malpighii des Embryo -einerseits Haarzwiebeln, andererseits Schweiss- und Talgdrüsen -entstehen, so lässt sich vermuthen, dass eine gewisse Beziehung zwischen -Haarbildung und Absonderung von Schweiss und Talg bestehen muss, und es -begreift sich, dass Beides bei einem Neger anders ist, als bei einem -Weissen. - -Eine genauere Kenntniss der =Stammbäume= der Gewebe wird manches noch -jetzt bestehende Räthsel lösen. Leider sind die embryologischen -Erfahrungen noch keineswegs sicher genug, um auch nur eine Uebersicht zu -geben. Hat doch erst in neuerer Zeit =His= alle früheren Vorstellungen -angegriffen, indem er das embryonale Bindegewebe gar nicht von der -Eizelle, sondern von dem Dotter ausgehen lässt, der sich ausserhalb -derselben befindet. Schon die früheren Embryologen waren darin einig, -dass eine andere Quelle für das Bindegewebe, als für die -Epithelialformation besteht, dass besondere Heerde für Muskel- und -Nervenbildung existiren. Je weiter die Forschung schreitet, um so -sicherer wird sich von diesem Felde aus die =genetische Topographie= des -Körpers gestalten lassen. - -Für den erwachsenen Körper, ja schon für die späteren Zeiten der fötalen -Entwickelung ist von entscheidender Wichtigkeit das Gesetz der -=histologischen Substitution=. Bei allen Geweben derselben Gruppe -besteht die Möglichkeit, dass sie gegenseitig für einander eintreten. Zu -verschiedenen Zeiten des Lebens finden sich an derselben Stelle -verschiedene Glieder einer Gewebsgruppe. Bei verschiedenen Thierklassen -wird an einem bestimmten Orte des Körpers das eine Gewebe ersetzt durch -ein analoges Gewebe derselben Gruppe, mit anderen Worten, durch ein -=histologisches Aequivalent=. - -Eine Stelle, welche Cylinderepithel trägt, kann Plattenepithel bekommen; -eine Fläche, die anfänglich flimmerte, kann später gewöhnliches Epithel -haben. So treffen wir an der Oberfläche der Hirnventrikel zuerst -Flimmer-, späterhin einfaches Plattenepithel. Die Schleimhaut des Uterus -flimmert für gewöhnlich, aber in der Gravidität wird die Schicht der -Flimmercylinder an der Decidua ersetzt durch eine Lage von -Plattenepithel. An Stellen, wo weiches Epithel vorkommt, entsteht unter -Umständen Epidermis, z. B. an der vorgefallenen Scheide, an den -Stimmbändern. In der Sclerotica der Fische findet sich Knorpel, während -sie beim Menschen aus dichtem Bindegewebe besteht; bei manchen Thieren -kommen an Stellen der Haut Knochen vor, wo beim Menschen nur Bindegewebe -liegt, aber auch beim Menschen wird an vielen Stellen, wo gewöhnlich -Knorpel liegt, zuweilen Knochengewebe gefunden, z. B. an den -Rippenknorpeln. Knorpel kann sich in Schleimgewebe, dieses in Fettgewebe -oder in Knochengewebe umwandeln, wie es bei der gewöhnlichen -Knochen-Entwickelung der Fall ist. Am auffälligsten sind diese -Substitutionen im Gebiete der Muskeln. Der Oesophagus besitzt in seinem -oberen Abschnitte quergestreifte, im unteren glatte Muskelfasern. Bei -einigen Fischen findet sich quergestreifte Muskulatur an Theilen des -Nahrungskanals, wo die anderen glatte haben, z. B. am Magen des -Schlammpeitzgers (Cobitis) und am Darm der Schleie (Tinca). - -Nicht alle diese Substitutionen sind gleichwerthig. Ein Theil derselben -führt direkt auf Metaplasie (S. 70) zurück, indem die Elemente -persistiren und entweder ihren Charakter ändern, oder eine andere Art -von Intercellularsubstanz abscheiden. Wenn Knorpel in Schleimgewebe -übergeht, so bleiben seine Zellen bestehen und die Intercellularsubstanz -wird weich. Ein anderer Theil der Substitutionen, nehmlich alle -diejenigen, bei welchen es sich um verschiedene Arten von Thieren -handelt, also alle diejenigen, welche der vergleichenden Anatomie -angehören, zeigt uns =parallele=, aber nicht continuirliche Reihen. -Haare und Federn sind parallele, Knorpel und Knochen continuirliche -Aequivalente. - - - - - Viertes Capitel. - - Die pathologischen Gewebe. - - - Die pathologischen Gewebe (Neoplasmen) und ihre Classification. - Bedeutung der Vascularisation. Die Doctrin von den specifischen - Elementen: Krebs, Tuberkel. Die physiologischen Vorbilder - (Reproduction). Einfache (histioide) und zusammengesetzte - (organoide und teratoide) Neubildungen. Homologie und Heterologie - (Heterotopie, Heterochronie, Heterometrie). Malignität. - Hypertrophie und Hyperplasie. Kriterien der Homologie. - Degeneration. Prognostische Gesichtspunkte. - - Ungewöhnliche Analogien der pathologischen Gewebe: Krebs, Sarkom - (Spindelzellen, Riesenzellen). Abstammung der pathologischen - Gewebe: Continuität der Entwickelung, Discontinuität des Typus. - Pathologische Substitutionen und Aequivalente. Homologe und - heterologe Substitution. Bildung per primam aut secundam - intentionem. Verschiedenartige Entstehung derselben Gewebe unter - verschiedenen Bedingungen: Knochen, Bindegewebe. Organisation - fibrinöser Blasteme. Metaplasie. Verschiedenartige Abstammung - derselben Gewebsart. - -Wenn man von pathologischen Geweben spricht, so kann man natürlich damit -nur die pathologisch neu entstandenen meinen, und nicht etwa die durch -irgend eine pathologische Störung veränderten physiologischen Theile. Es -handelt sich also hier um eigentliche Neubildungen, =Neoplasmen=, um -das, was im Laufe pathologischer Processe an neuen Geweben zuwächst, und -es fragt sich: lässt sich das, was wir physiologisch als allgemeine -Typen der Gewebe hingestellt haben, auch pathologisch festhalten? Darauf -antworte ich ohne Rückhalt: ja, und so sehr ich auch darin abweiche von -vielen der lebenden Zeitgenossen, so bestimmt man auch noch in den -letzten Jahren die ganz besondere (=specifische=) Natur der Elemente -vieler pathologischen Gewebe hervorgehoben hat, so bin ich doch -überzeugt, dass jedes pathologische Gebilde ein physiologisches Vorbild -hat, und dass keine pathologische Form entsteht, deren Elemente nicht -zurückgeführt werden könnten auf ein in der thierischen Oekonomie -gegebenes Vorbild. - -Die Classification der pathologischen Neubildungen ist früherhin -meistentheils versucht worden vom Standpunkte der =Vascularisation= aus. -Bis zur Zeit der Zellentheorie hat man die Frage von der Organisation -bestimmter Theile entschieden durch den Nachweis ihrer Vascularisation -oder Nicht-Vascularisation. Man nahm jeden Theil als organisirt, der -Gefässe enthielt, jeden als nicht organisirt, der keine Gefässe führte. -Dies ist für den heutigen Standpunkt an sich schon eine Unrichtigkeit, -insofern wir auch physiologische Gewebe ohne Gefässe, wie die Knorpel, -das Epithel haben. - -So lange als man, entsprechend dem niedrigen Stande der mikroskopischen -Technik, die zelligen Elemente höchstens als Kügelchen kannte und diesen -Kügelchen sehr verschiedene Bedeutung beilegte, war es zu verzeihen, -dass man sich an die Gefässe hielt, insbesondere seit =John Hunter= die -Vergleichung der pathologischen Neubildung mit der Entwickelung des -Hühnchens im Ei in die allgemeine Vorstellung eingeführt und zu zeigen -versucht hatte, dass ähnlich, wie das Punctum saliens im Hühnerei die -erste Lebenserscheinung darstelle, so auch in pathologischen Bildungen -Blut und Gefäss das Erste sei. Nach diesem Vorbilde beschrieben noch -=Rust= und =Kluge= manche »parasitischen« Neubildungen als versehen mit -einem unabhängigen Gefässsystem, welches, ohne Wurzel in den alten -Gefässen, sich, wie im Hühnchen, ganz selbständig bilden sollte. -Freilich hatte man schon vor dieser Zeit vielfach versucht, die -scheinbar so abweichenden Formen der Neubildungen auf physiologische -Paradigmen zurückzuführen; namentlich ist dies ein wesentliches -Verdienst der Naturphilosophen gewesen. In jener Zeit, wo die -Theromorphie eine grosse Rolle spielte und man in den pathologischen -Dingen vielfache Analogien mit den Zuständen niederer Thiere fand, hat -man auch angefangen, Vergleichungen zwischen den krankhaften -Neubildungen und bekannten Theilen des gesunden Körpers zu machen. So -sprach der alte J. F. =Meckel= von dem brustdrüsenartigen, dem -pancreasartigen Sarkom. Die Heteradenie, die heterologe Bildung von -Drüsensubstanz, welche in der neuesten Zeit von Paris aus als -eine Neuigkeit beschrieben worden ist, war in der deutschen -naturphilosophischen Schule vor einem halben Jahrhundert eine ziemlich -allgemein angenommene Thatsache. - -Erst seitdem man die histologische Seite der Entwickelungsgeschichte zu -bebauen begonnen hat, hat man sich mehr und mehr davon überzeugt, dass -die meisten Neubildungen Theile enthalten, welche irgend einem -physiologischen Gewebe entsprechen. Selbst in den mikrographischen -Schulen des Westens hat man sich theilweise begnügt anzunehmen, dass es -in der ganzen Reihe der Neubildungen nur ein besonderes Gebilde gäbe, -welches specifisch abweichend sei von allen natürlichen Bildungen, -nämlich den Krebs. Von ihm nahm man an, dass er ganz und gar von den -physiologischen Geweben abweiche, Elemente sui generis enthalte, während -man eigenthümlicher Weise das zweite Gebilde, das die Aelteren dem -Krebsgewebe anzunähern pflegten, nämlich den Tuberkel, vielfach bei -Seite liess, obwohl man doch auch für ihn kein Analogon fand. Aber man -deutete ihn als ein unvollständiges, mehr rohes (=crudes=) Product, als -ein nicht recht zur Organisation gekommenes, gewissermaassen unfertiges -Gebilde, und glaubte ihn daher mehr den blossen Exsudationen anreihen zu -dürfen. - -Wenn man jedoch den Krebs oder den Tuberkel sorgfältiger betrachtet, so -kommt es auch bei ihnen nur darauf an, dasjenige Stadium ihrer -Entwickelung aufzusuchen, in welchem sie die Höhe ihrer Gestaltung -erreicht haben. Man darf weder zu früh untersuchen, wo die Entwickelung -unvollendet, noch zu spät, wo sie über ihr Höhenstadium hinausgerückt -ist. Hält man sich an die Zeit der Entwickelungshöhe (Acme, Florescenz), -so lässt sich für jedes pathologische Gewebe auch ein physiologisches -Vorbild finden, und es ist eben so gut möglich, für die Elemente des -Krebses solche Vorbilder zu entdecken, wie es möglich ist, dieselben für -den Eiter zu finden, der, wenn man einmal specifische Gesichtspunkte -festhalten will, ebenso im Rechte ist, als etwas Besonderes betrachtet -zu werden, wie der Krebs. Beide stehen sich darin vollkommen parallel, -und wenn die Alten von Krebseiter gesprochen haben, so haben sie in -gewissem Sinne Recht gehabt, da der Eiter vom Krebssafte sich nur durch -die Entwickelungshöhe der einzelnen Elemente unterscheidet. - -Eine Classification auch der pathologischen Gebilde lässt sich ganz in -der Weise aufstellen, die wir vorher für die physiologischen Gewebe -versucht haben. Zunächst gibt es auch hier Gebilde, welche, wie die -epithelialen, wesentlich aus zelligen Theilen zusammengesetzt sind, ohne -dass zu diesen etwas Erhebliches hinzukommt (=epitheliale -Neubildungen=). In zweiter Linie treffen wir Gewebe, welche sich denen -der Bindesubstanz anschliessen, indem regelmässig neben zelligen -Theilen eine gewisse Menge von Zwischensubstanz vorhanden ist -(=bindegewebige Neubildungen=). Endlich in dritter Linie kommen -diejenigen Bildungen, welche sich den höher organisirten Theilen, Blut, -Muskeln, Nerven u. s. w. anschliessen. Es ist jedoch von vorn herein -hervorzuheben, dass in den pathologischen Bildungen diejenigen Elemente -häufiger vorhanden sind, ja entschieden vorwalten, welche nur den -niederen Graden der eigentlich thierischen Entwickelung entsprechen, -dass dagegen im Ganzen diejenigen Elemente am seltensten nachgebildet -werden, welche den höher organisirten, namentlich den Muskel- und -Nervenapparaten angehören. Ausgeschlossen sind jedoch auch diese -Bildungen keineswegs; vielmehr kennen wir jede Art von pathologischer -Neubildung, sie mag auf ein Gewebe bezüglich sein, auf welches sie will, -wenn es nur überhaupt einen erkennbaren Habitus hat. Nur in Beziehung -auf die Häufigkeit und die Wichtigkeit der einzelnen neu gebildeten -Gewebe besteht eine Verschiedenheit in der Art, dass die grösste -Mehrzahl der pathologischen Producte überwiegend epitheliale oder -Elemente der Bindesubstanz führen, und dass von denjenigen Gebilden, -welche wir in der letzten Klasse der normalen Gewebe zusammenfassten, am -häufigsten Gefässe und Theile, welche mit der Lymphe und den Lymphdrüsen -verglichen werden können, neu entstehen, am seltensten aber wirkliches -Blut, Muskeln und Nerven. - -Dass man diesen so einfachen Standpunkt noch jetzt vielfach leugnet, -erklärt sich nicht bloss daraus, dass das Verständniss der -pathologischen Histologie überall die genaueste Kenntniss der -physiologischen voraussetzt und ohne diese ganz und gar in die Irre -geht, sondern vielleicht noch mehr daraus, dass es sich hier nicht bloss -um einfache Gewebe, sondern häufig um besondere und grössere -Zusammenordnungen von Geweben handelt, welche sich zu einer =Art von -pathologischen Organen= zusammenfügen. Ein Dermoid besteht nicht bloss -aus Epidermis oder aus Bindegewebe, sondern es stellt eine pathologische -Reproduction des Derma in seiner ganzen Zusammensetzung als =Hautorgan= -dar, in welche Zusammensetzung Epidermis und Bindegewebe, Haare, Talg- -und Schweissdrüsen, Fettgewebe und glatte Muskeln, Gefässe und Nerven -eintreten können. Ein Osteom besteht nicht bloss aus Knochengewebe (tela -ossea), sondern es kann ausserdem Mark, Knorpel und Bindegewebe -enthalten. Und so entspricht auch der Krebs nicht einem einzigen -physiologischen Gewebe, sondern er enthält, ähnlich wie eine Drüse, -zellige Elemente in besonderen Hohlräumen oder Kanälen, welche getragen -werden durch ein Stroma von Bindegewebe mit Gefässen. Alle diese Arten -von Neubildungen entsprechen also den Gegenständen der speciellen -Histologie, der Organenlehre, und ihre gesammte Lebensgeschichte, ihre -Entwickelung und Rückbildung lässt sich nicht nach dem Maassstabe -einfacher Gewebe beurtheilen, sondern nur nach dem Vorbilde -zusammengesetzter Organe des Körpers, grösserer anatomischer Gruppen von -Theilen des Organismus, welche bekanntlich gerade durch ihre -Zusammenlegung aus verschiedenen Geweben eine weit grössere -Mannichfaltigkeit des Lebens und Erkrankens darbieten, als dies an -einfachen Geweben möglich ist. - -Es zerfällt daher die ganze Reihe der Neoplasmen in zwei grössere -Kategorien; einfache (=histioide=) und =zusammengesetzte (organoide)=. -Die einfachen finden sich in den zusammengesetzten wieder. Epithel und -Bindegewebe können jedes für sich eine Neubildung aufbauen: sie können -aber auch zusammentreten und eine Art von pathologischem Organ erzeugen. -Kommen dazu immer mehr und mehr Gewebe, so kann endlich ein so -complicirtes Gefüge entstehen, dass es nur mit grösseren =Systemen= des -Körpers zu vergleichen ist. Indess ist dies selten und auch dann -gewöhnlich so unordentlich, dass man diese Kategorie als einen blossen -Anhang zu der Lehre der Neubildungen zu betrachten hat. Manche dieser -systematoiden Neubildungen gleichen so sehr gewissen Monstrositäten, ja -ihre Grenze gegen die eigentlich fötalen Missbildungen ist so schwer zu -ziehen, dass ich sie mit dem allgemeinen Namen der =teratoiden= belegt -habe[14]. - - [14] Geschwülste. Bd. I. S. 96. - -Wenn man diesen rein physiologischen Gesichtspunkt festhält, so wirft -sich sofort die Frage auf, was aus der Lehre von der =Heterologie= der -krankhaften Producte wird, einer Lehre, welche aufrecht zu erhalten man -sich seit langer Zeit bemüht hat, und auf welche die natürliche -Anschauung scheinbar mit einer gewissen Nothwendigkeit hinführt. Hierauf -kann ich nicht anders antworten, als dass es keine andere Art von -Heterologie in den krankhaften Gebilden gibt, als die =ungehörige Art -ihrer Entstehung oder ihres Vorkommens=, und dass diese Ungehörigkeit -sich entweder darauf bezieht, dass ein Gebilde erzeugt wird an einem -Punkte, wo es nicht hingehört, oder zu einer Zeit, wo es nicht erzeugt -werden soll, oder in einem Grade, welcher von der typischen Norm des -Körpers abweicht. Jede Heterologie ist also, genauer bezeichnet, -entweder eine =Heterotopie=, eine Aberratio loci, oder eine Aberratio -temporis, eine =Heterochronie=, oder endlich eine bloss quantitative -Abweichung, =Heterometrie=. Schleimgewebe, welches im Gehirn entsteht, -findet sich am unrechten Orte; eine Schleimgewebsgeschwulst, welche am -Nabel eines Erwachsenen wächst, zeigt eine Gewebsbildung zur unrechten -Zeit; die Mola hydatidosa stellt eine excessive Neubildung von -Schleimgewebe an den Zotten des Chorion dar, also eine Neubildung in -ungehöriger Menge. - -Man muss sich aber wohl in Acht nehmen, diese Heterologie im weiteren -Sinne des Wortes nicht zu verwechseln mit der =Malignität=. Die -Heterologie im histologischen Sinne bezieht sich auf einen grossen Theil -von pathologischen Neubildungen, die von dem Standpunkte der Prognose -durchaus gutartig genannt werden müssen. Nicht selten geschieht eine -Neubildung an einem Punkte, wo sie freilich durchaus nicht hingehört, wo -sie aber auch keinen erheblichen Schaden anrichtet, oder wo der Schaden, -den sie anrichtet, nicht aus dem Wesen, der Art der Geschwulst als -solcher, sondern aus ihrer Lage, ihren Nachbarverhältnissen zu anderen -Theilen, also aus den Zufälligkeiten des Sitzes und der Entwickelung zu -erklären ist. Es kann ein Fettklumpen sich sehr wohl an einem Orte -erzeugen, wo wir kein Fett erwarten, z. B. in der Submucosa des -Dünndarms, aber im besten Falle entsteht dadurch ein Polyp, der auf der -inneren Fläche des Darms hervorhängt und der ziemlich gross werden kann, -ehe er Krankheitserscheinungen hervorruft. Tritt dieser Fall aber ein, -so folgen daraus Erscheinungen der Zerrung, des Druckes, der Hemmung, -also Erscheinungen mechanischer Art, aber keine einzige Erscheinung -wirklich maligner Art. Denn wir können nur das bösartig nennen, was -seiner Natur nach schädlich ist, nicht das, was nur durch besondere -Verhältnisse, per accidens, schädlich wirkt. - -[Illustration: =Fig=. 29. Schematische Darstellungen von Leberzellen. -_A_. Einfache physiologische Anordnung derselben. _B_. Hypertrophie, _a_ -einfache, _b_ mit Fettaufnahme (fettige Degeneration, Fettleber). _C_. -Hyperplasie (numerische oder adjunctive Hypertrophie), _a_ Zelle mit -Kern und getheiltem Kernkörperchen. _b_ getheilte Kerne. _c_, _c_ -getheilte und daher kleinere Zellen.] - -Betrachtet man die im engeren Sinne heterolog zu nennenden Gebilde in -Beziehung zu den Orten, wo sie entstehen, so ergibt sich ihre Trennung -von den homologen durch den Nachweis, dass sie von dem Typus desjenigen -Theils, in welchem sie entstehen, abweichen. Wenn im Fettgewebe eine -Fettgeschwulst oder im Bindegewebe eine Bindegewebs-Geschwulst sich -bildet, so ist der Typus der Bildung des Neuen homolog dem Typus der -Bildung des Alten. Alle solche Bildungen fallen der gewöhnlichen -Bezeichnung nach unter den Begriff der Hypertrophie, oder, wie ich zur -genaueren Unterscheidung vorgeschlagen habe zu sagen, der -=Hyperplasie=[15]. Hypertrophie in meinem Sinne bezeichnet den Fall, wo -die einzelnen Elemente eine beträchtliche Masse von Stoff in sich -aufnehmen und dadurch grösser werden, und wo durch die gleichzeitige -Vergrösserung vieler Elemente endlich ein ganzes Organ anschwillt. Bei -einem dicker werdenden Muskel werden alle Primitivbündel dicker. Eine -Leber kann einfach dadurch hypertrophisch werden, dass die einzelnen -Leberzellen sich bedeutend vergrössern. In diesem Falle gibt es eine -wirkliche Hypertrophie ohne eigentliche Neubildung. Von diesem Vorgange -ist wesentlich verschieden der Fall, wo eine Vergrösserung erfolgt durch -eine =Vermehrung der Zahl der Elemente=. Eine Leber kann nehmlich auch -grösser werden dadurch, dass an der Stelle der gewöhnlichen Zellen sich -eine Reihe von kleineren entwickelt. Ebenso sehen wir durch einfache -Hypertrophie das Fettpolster der Haut anschwellen, indem jede einzelne -Fettzelle eine grössere Masse von Fett aufnimmt; wenn dies an Tausenden -und aber Tausenden, ja man kann sagen, an Hunderttausenden und Millionen -von Zellen geschieht, so ist das Resultat ein sehr grobes und -augenfälliges (Polysarcie). Allein es kann eben so gut sein, dass sich -im Fettgewebe neben den alten Zellen neue hinzubilden und eine -Vergrösserung der Gewebsmasse erfolgt, ohne dass die Elemente für sich -eine Vergrösserung erfahren. Es handelt sich hier um wesentlich -verschiedene Processe: =um einfache und um numerische Hypertrophie=. - - [15] Handbuch der spec. Pathol. u. Therapie. 1854. I. 327-28. - -Hyperplastische Processe (numerische oder adjunctive Hypertrophie) -bringen in allen Fällen Gewebe hervor, welche dem Gewebe des alten -Theiles gleichartig sind. Eine Hyperplasie der Leber bringt wieder -Leberzellen, die des Nerven wieder Nerven, die der Haut wieder die -Elemente der Haut hervor. Ein heteroplastischer Process dagegen erzeugt -Gewebselemente, welche freilich natürlichen Formen entsprechen, z. B. -Elemente von drüsenartiger Natur, Nervenmasse, Theile von Bindegewebs- -oder epithelialer Structur, aber diese Elemente entstehen nicht durch -einfache Zunahme der vorher vorhanden gewesenen, sondern durch eine -Neubildung mit Umwandlung des ursprünglichen Typus des Muttergewebes. -Wenn sich Gehirnmasse im Eierstock bildet, so entsteht dieselbe nicht -aus präexistirender Gehirnmasse, nicht durch irgend einen Akt einfacher -Vermehrung; wenn Epidermis im Muskelfleische des Herzens entsteht, so -mag sie noch so sehr übereinstimmen mit der auf der äusseren Haut, sie -ist doch ein heteroplastisches Gebilde. Wenn sich Haare von ganz -natürlichem Bau in der Hirnsubstanz finden, so mag man die grösste -Uebereinstimmung finden zwischen ihnen und Haaren der Körper-Oberfläche; -es werden dies immer heteroplastische Haare sein. So sehen wir -Knorpelsubstanz entstehen, ohne dass ein wesentlicher Unterschied -zwischen ihr und der gewöhnlichen, bekannten Knorpelsubstanz besteht, -z. B. in Enchondromen. Dennoch erscheint das eigentliche Enchondrom als -eine heteroplastische Geschwulst, selbst am Knochen. Denn der fertige -Knochen hat an den Theilen, wo das Enchondrom sich bildet, keinen -Knorpel mehr, und die Phrase von dem Knochenknorpel, als der organischen -Grundlage des Knochens, ist eben nur eine Phrase. Es ist entweder die -Tela ossea oder die Tela medullaris, in welcher das Enchondrom sitzt, -und gerade da, wo eigentlicher Knorpel liegt, z. B. am Gelenkende, -entstehen keine Enchondrome in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes. -Dagegen finden wir sehr ausgezeichnete Enchondrome in Drüsen, z. B. in -den Speicheldrüsen, im Hoden. Es handelt sich hier also nicht um eine -Hypertrophie oder Hyperplasie, die ein normaler Knorpel eingeht, sondern -es ist eine vollständige Neubildung, welche eine Veränderung des localen -Gewebstypus darstellt. In meinem Sinne kann daher =dasselbe Gewebe das -eine Mal homolog, das andere Mal heterolog sein=. Fettgewebe in der -Nierenkapsel ist homolog, in der Nierensubstanz heterolog. Epithel in -Drüsenkanälen ist homolog, im Knochen heterolog. Dieselbe Geschwulst -kann an einer Stelle homolog, an einer anderen heterolog sein. Eine -Knochengeschwulst (Osteom) am Knochen ist hyperplastisch, im Gehirn -heteroplastisch. - -Diese Auffassung ist wesentlich verschieden von der früher gangbaren, -wie sie z. B. =Lobstein= vertrat, als er die Neubildungen in -homöoplastische und heteroplastische eintheilte. Denn bei ihm, wie noch -in der neuesten französischen Schule, gilt als homöoplastisch jede -Neubildung, welche eine den physiologischen Geweben oder Organen des -Körpers entsprechende Zusammensetzung zeigt; eine jede solche wurde -zugleich als gutartig angesehen. Ich dagegen nehme in Beziehung auf die -Frage von der Heterologie und Homologie keine Rücksicht auf die -Zusammensetzung des Neugebildes als solchen, sondern nur auf das -Verhältniss desselben zu dem Mutterboden, aus dem es hervorgeht. -Heterologie in diesem Sinne bezeichnet die Verschiedenartigkeit in dem -Typus der Entwickelung des Neuen gegenüber dem Alten, oder, wie man -gewöhnlich zu sagen pflegt, die =Entartung= (=Degeneration=), die -Abweichung von der =Eigenart= des typischen Gewebes. - -Hiermit ist zugleich der entscheidende prognostische Anhaltspunkt -gegeben. Wir kennen Geschwülste, welche den allergrössten Einklang ihrer -Elemente darbieten mit den bekanntesten physiologischen Geweben. Eine -Epidermis-Geschwulst kann, wie ich schon hervorgehoben habe, in ihren -Elementen vollständig übereinstimmen mit gewöhnlicher Oberhaut, aber sie -ist trotzdem nicht immer eine gutartige Geschwulst von bloss localer -Bedeutung, welche abgeleitet werden dürfte von einer einfach -hyperplastischen Vermehrung präexistirender Gewebe, denn sie entsteht -zuweilen mitten in Theilen, welche fern davon sind, Epidermis oder -Epithel zu besitzen, z. B. beim Kankroid im Innern von Lymphdrüsen, in -dicken Bindegewebslagen, welche von allen Oberflächen entfernt liegen, -ja sogar im Knochen. In diesen Fällen ist gewiss die Bildung von -Epidermis so heterolog, als sich überhaupt etwas heterolog denken lässt. -Auch hat die praktische Erfahrung gelehrt, dass es durchaus unrichtig -war, aus der blossen Uebereinstimmung der pathologischen Epidermis mit -physiologischer auf den gutartigen Verlauf des Falles zu schliessen. -Vielmehr zeigt uns die Beobachtung der Kranken, dass jeder Fall -verdächtig ist und uns zur Vorsicht mahnen muss, wo wir eine heterologe -Neubildung antreffen. - -Gerade das ist, wie ich mit besonderer Betonung bemerken muss, nahezu -der schwerste und am meisten begründete Vorwurf gewesen, welcher den -mikrographischen Schilderungen der jüngst verflossenen Zeit gemacht -wurde, dass sie, in dem Sinne =Lobstein='s von dem allerdings -verzeihlichen Gesichtspunkte der histologischen Uebereinstimmung mancher -normalen und abnormen Bildungen ausgehend, jedes pathologische -Neugebilde für unschädlich ausgaben, welches eine Reproduction von -präexistirenden und bekannten Körpergeweben darstellte. Wenn meine -Ansicht richtig ist, dass überhaupt innerhalb der pathologischen -Entwickelung keine absolut neuen Formen gefunden werden, dass es überall -nur Bildungen gibt, die in der einen oder anderen Weise als -=Reproductionen physiologischer Gewebe= betrachtet werden müssen, so -fällt jener Gesichtspunkt in sich selbst zusammen. Für die Richtigkeit -meiner Ansicht kann ich aber die Thatsache beibringen, dass ich bis -jetzt in den Streitigkeiten über die Gut- oder Bösartigkeit bestimmter -Geschwulstformen bis auf einen Fall immer noch Recht behalten habe, und -dass ich in diesem Falle, wo ich der Erfahrung mehr Recht einräumte, als -meiner Theorie, gerade durch eine neue Erfahrung von der Zuverlässigkeit -dieser Theorie überzeugt wurde. Es handelte sich dabei um die Malignität -einer Art des Dermoids. -- - -[Illustration: =Fig=. 30. Grosse Spindelzellen (fibroplastische Körper) -in ihrer natürlichen Anordnung aus einem Sarcoma fusocellulare der -Rückenmarkshäute. Vergröss. 350. (Geschwülste II. S. 197. Fig. 136).] - -Dass es einer so langen Zeit bedurft hat, diese so einfachen -Gesichtspunkte zu gewinnen, erklärt sich zum grossen Theile aus der -ungenauen Kenntniss der selteneren histologischen Formen, zum kleineren -aus der allerdings ungewöhnlichen Entwickelung mancher pathologischen -Elemente. Die Krebszelle entspricht, wie ich gezeigt habe[16], ihrer -ganzen Erscheinung nach den Zellen der Epithelialformation. Aber in der -Mehrzahl der Krebse haben die Zellen eine Grösse, Gestalt, -Kernentwickelung, wie sie an dem gewöhnlichen Epithel selten vorkommt. -Dagegen zeigt das früher (S. 30, Fig. 16.) erwähnte Epithel der Harnwege -die grösste Uebereinstimmung damit, und man würde gewiss viel früher auf -die richtige Deutung gekommen sein, wenn man dieses eigenthümliche -Epithel früher richtig gewürdigt hätte. In den sogenannten -Epidermiskrebsen oder Kankroiden dagegen finden sich so entschieden -epidermoidale Formen, dass man glaubte, diese Geschwulstart ganz von -den Krebsen trennen und zu den einfach hypertrophischen und daher -gutartigen Bildungen stellen zu müssen. In den Spindelsarkomen finden -sich so grosse und eigenthümliche Zellen, dass noch jetzt Mancher sich -weigert, sie den gewöhnlich so kleinen Spindelzellen des Bindegewebes -(Fig. 4, _b_; 21.) parallel zu stellen; hat man sich von der kolossalen -Entwickelung dieser Spindelzellen in der Decidua uterina überzeugt, so -verschwindet das Auffällige. In den Riesenzellensarkomen wiederum trifft -man überaus grosse, stellenweise fast ungeheuerliche Zellen mit -zahlreichen Kernen, für die jede Analogie zu fehlen scheint. Allein das -Studium des jungen Knochenmarkes oder der Rindenschicht der Nebennieren -lehrt uns analoge Formen auch im normalen Entwickelungsgange kennen. - - [16] Archiv 1847. Bd. I. S. 105. - -[Illustration: =Fig=. 31. Durchschnitt aus einer Epulis sarcomatosa des -Unterkiefers. Zahlreiche, dicht gedrängte Spindelzellen (fibroplastische -Körper) bilden eine Art von maschigem Gerüst, in dessen Räumen -vielkernige, mit feineren und gröberen Fortsätzen versehene Riesenzellen -(myeloide Zellen, Myeloplaxen) liegen. Vergr. 300. (Geschwülste II. S. -317. Fig. 158).] - -Auf dieser Stufe der Erkenntniss angelangt, stossen wir auf eine neue -Schwierigkeit. Jedesmal, wo eine pathologische Bildung auf -physiologische Vorbilder zurückgeführt wird, erhebt sich die Frage, ob -sie nicht direct von einem solchen physiologischen Gebilde abstamme. In -der That liegt es nahe, an eine =continuirliche= Entwickelung zu denken, -und wir haben die ernstliche Verpflichtung, in jedem solchen Falle zu -prüfen, ob nicht wirklich ein entsprechend zusammengesetzter oder -gebauter Theil Matrix des pathologischen sei. Wenn man weiss, dass -vielkernige Riesenzellen im Knochenmark vorkommen, so wird man geneigt -sein, mit =Nélaton= jedes Riesenzellensarcom (tumeur à myéloplaxes) vom -Knochenmark abzuleiten. Sieht man, dass das Kankroid in der Regel aus -Epidermiszellen besteht, so liegt nichts näher, als dasselbe auf eine -örtliche Wucherung präexistirender Epidermis zurückzuführen. Allein die -Erfahrung mahnt hier zu grosser Vorsicht. Sonst kommt man leicht zu -Schlüssen, wie sie früher oft genug gemacht sind, dass z. B. ein Teratom -des Eierstocks, weil es Knochen und Zähne, Haut und Haare, ja selbst -Muskeln und Hirnmasse enthält, ein degenerirter Fötus sei oder aus einer -aberrirten Embryobildung herstamme. Man darf den blossen -Wahrscheinlichkeiten nicht zu sehr nachgeben, sonst macht man blosse -Conjectural-Pathologie. - -Eine unbefangene Prüfung lehrt allerdings, dass alle pathologischen -Gewebe continuirlich aus physiologischen hervorgehen, aber keinesweges -so, dass ihr Typus immer unverändert der ihrer physiologischen Matrix -bleibt. =Die Entwickelung selbst ist stets continuirlich, der Typus aber -kann discontinuirlich sein=, und gerade diese Aenderung des Typus ergibt -für mich das entscheidende Kriterium der Heterologie. Wenn die Neuroglia -des Gehirns gewöhnliches Bindegewebe oder ausgezeichnetes Schleimgewebe -hervorbringt, so geschieht dies durch continuirliche Vorgänge, aber der -Typus der Neuroglia geht dabei verloren. Ein Enchondrom des Hodens -entsteht continuirlich aus dem schwachen Interstitialgewebe der Drüse, -aber ein bis dahin ganz unerhörtes Gewebe tritt im Hoden auf. Das eine -Gewebe wird hier durch ein anderes, das aus ihm hervorgegangen, aber von -ihm verschieden ist, substituirt. - -Wir finden demnach auch hier, wie im physiologischen Leben, gewisse -=Substitutionen und Aequivalente von Geweben=, und gleichwie im -Physiologischen die Grenze dieser Substitionen durch das ein für -allemal gegebene Entwickelungsgeschäft der Species bezeichnet ist, so -geschieht auch pathologische Substitution stets durch Gewebe, deren -Vorkommen in der Species physiologisch nachweisbar ist. - -In krankhaften Zuständen gibt es =heterologe Substitutionen=, wo ein -bestimmtes Gewebe ersetzt wird durch ein Gewebe anderer Art, aber nie -durch ein der menschlichen Organisation fremdes Gewebe. Selbst dann, -wenn der Ersatz von dem alten Gewebe des Ortes ausgeht, kann die -Neubildung mehr oder weniger abweichen von dem ursprünglichen Typus der -Matrix. So tritt an die Stelle der Haut, welche durch Verschwärung -verloren gegangen ist, eine Narbe, die nicht bloss Bindewebe, sondern -auch Epidermis enthält, obwohl die Matrix dieser Epidermis das -Bindegewebe der Cutis und nicht das (verloren gegangene) Rete Malpighii -sein kann. - -Es geschieht also die Substitution entweder durch Ersetzung vermittelst -eines Gewebes aus derselben Gruppe (=Homologie=) oder durch ein Gewebe -aus einer anderen Gruppe (=Heterologie=). Auf letztere muss die ganze -Doctrin von den specifischen Elementen der Pathologie zurückgeführt -werden, welche in den letzten Decennien eine so grosse Rolle gespielt -haben. Denn diese Gewebe sui generis sind nicht insofern specifisch, als -sie im natürlichen Entwickelungsgange des Körpers kein Analogon finden, -sondern nur insofern, als sie unter gewöhnlichen Umständen nicht zu den -constituirenden Theilen derjenigen Organe gehören, in welchen sie unter -krankhaften Verhältnissen erzeugt werden. Deshalb erscheinen sie nicht -sowohl als Bestandtheile des Organs, welches sie erzeugt, als vielmehr -als Bestandtheile der Neubildung (gewissermaassen des pathologischen -Organs), welches aus ihnen zusammengesetzt ist, und wir vergessen nur zu -leicht, dass auch diese Neubildung, wenngleich kein an sich -nothwendiger, doch ein continuirlich zusammenhängender Theil jenes -physiologischen Organs, und somit des ganzen Organismus ist. - -Diese Erkenntniss ist um so schwieriger, als in der Regel die heterologe -Substitution nicht direct, sondern auf einem Umwege erfolgt. Denn nicht -immer entsprechen sofort die ersten Anlagen der Neubildung dem endlichen -Producte; selbst die Hyperplasie geschieht nicht immer durch sofortige -Erzeugung homologer Elemente (=per primam intentionem=). Sehr häufig -schiebt sich zuerst ein Stadium indifferenter Bildungen ein, aus denen -sich erst langsam die besonderen Formen der späteren Zeit differenziren -(=per secundam intentionem=). =Dasselbe Gewebe kann auf die eine und auf -die andere Weise entstehen=. Aus dieser Erfahrung, die ich nicht genug -betonen kann, erklären sich zahlreiche Widersprüche der Mikrographen, -welche das Meiste dazu beigetragen haben, die Mikrographie überhaupt in -Misskredit zu bringen. Jeder Forscher betrachtet seine Beobachtungen als -die maassgebenden, und statt zu fragen, ob nicht vielleicht auch der -andere Forscher richtig gesehen habe, erklärt er die fremden Angaben, -welche mit den seinigen nicht übereinstimmen, sofort für falsch. Wie -immer, führt die Exclusivität zur Einseitigkeit und damit zum Irrthum. -So hat lange der Streit darüber geschwebt, ob Knochen immer aus Knorpel -entstehe. Schon die älteren Beobachter behaupteten, er könne auch aus -Membranen entstehen. Ich habe dargethan, dass er aus Bindegewebe und aus -Mark hervorgehen kann[17]. Spätere Beobachter haben dann geradezu -geleugnet, dass Knorpel direct in Knochengewebe übergehe, und in diesem -Augenblicke hat diese Meinung das Uebergewicht. Meiner Ueberzeugung nach -ist dieselbe einseitig und daher irrthümlich. Vielmehr entsteht -Knochengewebe aus Knorpel in doppelter Weise: gewöhnlich per secundam -intentionem aus Mark, welches aus Knorpel durch Metaplasie -hervorgegangen ist, aber in geringerem Umfange auch per primam -intentionem aus Knorpel. In ähnlicher Weise verhält es sich mit dem -Bindegewebe. Lange Zeit liess man alles pathologisch neugebildete -Bindegewebe aus fibrinösem Blastem (plastischer Lymphe) entstehen, -welches auf dem Wege der Exsudation aus dem Blute austreten sollte. Von -diesem ganz exclusiven Standpunkte aus bestritt man sogar die -Möglichkeit einer Organisation des Thrombus innerhalb der Gefässe, -obwohl doch in demselben derselbe Faserstoff vorhanden ist, der die -eigentlich plastische Substanz des Exsudates darstellen sollte. Ich habe -nicht bloss die Entstehung von Bindegewebe aus dem Thrombus, sogar die -Vascularisation des letzteren nachgewiesen[18], sondern auch die -Entstehung von Bindegewebe an Orten, wo niemals ein fibrinöses Blastem -erkennbar ist. Bindegewebe entsteht direct aus Knorpel, aus -Knochengewebe, aus Neuroglia. =Die eine Art der Entstehung schliesst die -andere nicht aus=. Sogar an derselben Stelle kann Bindegewebe auf -verschiedene Art sich bilden, z. B. an der inneren Oberfläche einer -Arterie kann es entstehen durch Wucherung der Intima und durch -Organisation von Thrombusmasse. Zuweilen verwandelt sich ein anderes -Gewebe, wie wir sahen, durch Metaplasie unmittelbar in Bindegewebe; -andermal erzeugt präexistirendes Bindegewebe neues durch directe -Hyperplasie, ohne dass der Charakter des Gewebes sich während dieser -Zeit im Wesentlichen ändert; andermal wiederum entsteht aus -präexistirendem Bindegewebe zuerst ein indifferentes Granulationsgewebe -und erst dieses geht durch Metaplasie wieder in Bindegewebe über. Es -entsteht also nicht nur dasselbe Gewebe unter verschiedenen Bedingungen -auf verschiedene Weise, sondern es kann sogar =dieselbe Matrix dasselbe -Gewebe auf verschiedene Weise hervorbringen=. Ich bemerke jedoch -ausdrücklich, dass, soweit unsere bisherigen Erfahrungen reichen, dieser -Satz nicht auf alle pathologischen Gewebe und nicht auf alle Matrices -Anwendung findet. - - [17] Mein Archiv 1847. I. 135. 1853. V. 438, 444, 455. - - [18] Gesammelte Abhandl. 1856. S. 323. - - - - - Fünftes Capitel. - - Die Ernährung und ihre Wege. - - - Selbsterhaltung als Grundlage der Lehre vom Leben. Ernährung und - Stoffwechsel. Ernährung im Sinne des Gesammt-Organismus: - Nahrungsstoffe, Verdauung, Circulation. Ernährung im cellularen - Sinne. Endosmose und Exosmose, todter Stoffwechsel. Intermediärer - Stoffwechsel (Transito-Verkehr). Eigentlich nutritiver - Stoffwechsel. Ernährungseinheiten und Krankheitsheerde. - - Thätigkeit der Gefässe bei der Ernährung. Verhältniss von Gefäss - und Gewebe. Leber. Niere. Gehirn. Muskelhaut des Magens. Knorpel. - Knochen. - - Abhängigkeit der Gewebe von den Gefässen. Metastasen. - Gefässterritorien (vasculäre Einheiten). Die Ernährungsleitung in - den Saftkanälen der Gewebe. Knochen. Zahn. Faserknorpel. Hornhaut. - Bandscheiben. - -Die Grundlage aller Vorstellungen über das Leben bildet die Erfahrung -von der allem Lebendigen zukommenden Fähigkeit der =Selbsterhaltung=. -Sowohl das organische Gesammt-Individuum, als die einzelne Zelle sind -vermöge ihrer inneren Einrichtung (Organisation) befähigt, sich unter -den mannichfaltigsten äusseren Verhältnissen zu erhalten, Störungen, die -sie erlitten haben, auszugleichen (zu reguliren), und eine Reihe von -Thätigkeiten zu äussern, deren einfachstes Ergebniss die Erhaltung des -Status quo ist. Die Gesammtheit der Vorgänge, durch welche dieses -Ergebniss erzielt wird, pflegt man mit einem allerdings sehr dehnbaren -und daher auch häufig nur wenig zutreffenden Ausdrucke =Ernährung= -(=Nutrition=) zu nennen[19]. Als das eigentliche Wesen der Ernährung -gilt wiederum sehr allgemein der =Stoffwechsel=, d. h. die Aufnahme, -Assimilation, Zersetzung (Desintegration) und Wiederausscheidung -gewisser Stoffe, welche dieser Anschauung entsprechend =Nahrungsstoffe= -genannt werden. - - [19] Vgl. meinen Vortrag über Nahrungs- und Genussmittel. Berlin 1868. - S. 23. - -Es ist leicht verständlich, dass in der Meinung vieler Physiologen und -Pathologen, namentlich vieler praktischen Aerzte die Lehre von der -Ernährung als der Ausgangspunkt aller weiteren Erörterungen erscheint, -und wir wollen daher diesen Punkt sofort besprechen, um so mehr, als ich -die überlieferten Vorstellungen in mehrfacher Beziehung nicht als -berechtigt anerkenne. Selbst die Physiologie hat erst in den letzten -Jahren angefangen, sich derjenigen Betrachtungsweise anzunähern, welche -ich seit langer Zeit als die entscheidende vertheidigt habe. Zwei -Umstände namentlich sind es gewesen, welche die Vereinbarung erschwert -haben. Einerseits die hervorragende Stellung, welche den =Vorgängen der -Ernährung im Gesammt-Organismus= angewiesen wurde. Die Folge davon war, -dass man die Forschung wesentlich auf die Geschichte der Nahrungsstoffe -in den »ersten Wegen«, d. h. die Verdauung, und im Blute beschränkte, -dass man also gewissermaassen da Halt machte, wo in der cellularen -Anschauung die Ernährung im engeren Sinne eigentlich erst beginnt, -nehmlich an den Geweben. Denn begreiflicherweise sind für denjenigen, -welcher die Ernährung der einzelnen Theile als das Wesentliche ansieht, -alle anderen Vorgänge nur =Vorbereitungen=, und so wichtig Verdauung und -Circulation auch sein mögen, so können sie doch nur als Akte gelten, -welche die Bestimmung haben, den Elementartheilen geeignetes Material -für ihre Ernährung zu liefern. -- Andererseits war der Umstand für die -Einigung der verschiedenen Forscher hinderlich, dass man glaubte, mit -dem blossen =äusserlichen= Stoffwechsel, der sogenannten Endosmose und -Exosmose, das Hauptsächliche der Ernährung abgethan zu haben. Man -übersah dabei, dass es auch im Todten einen Stoffwechsel gibt, wie die -Geschichte der im menschlichen Körper selbst eingeschlossenen -mortificirten Theile deutlich erkennen lässt[20], und dass es viel mehr -auf den =inneren= Stoffwechsel ankommt, der sich durch blosse Endosmose -und Exosmose nur unvollständig erkennen lässt. Aufnahme und Abgabe von -Stoffen können erfolgen, ohne dass damit eine Ernährung bewirkt wird. -Gleichwie ein Infusorium ein Indigokorn oder den Kieselpanzer einer -Diatomee »frisst«, möglicherweise ohne Mund und Magen in sein Inneres -aufnimmt, und diese Körper nachher wieder, möglicherweise ohne After, -auswirft, so »fressen« viele Zellen Fett, ohne es zu assimiliren oder zu -verbrauchen, und sie werfen es später wieder aus, ohne es »verdaut« zu -haben. Dieser, wie ich ihn genannt habe[21], nur =intermediäre= -Stoffwechsel (Transito-Verkehr) ist von dem eigentlich nutritiven wohl -zu trennen. - - [20] Verhandlungen der Berliner medic. Gesellschaft 1867. S. 254. - - [21] Archiv 1857. XI. 574. - -Ich bin von Anfang an[22] davon ausgegangen, dass die Zellen die -eigentlichen =Ernährungseinheiten= seien und dass sie gerade aus -diesem Grunde auch als die eigentlichen =Krankheitseinheiten= -(=Krankheitsheerde=) aufgefasst werden müssten. Meine eigenen -Vorstellungen haben sich insofern erweitert, als ich später in -schärferer Weise, als es mir ursprünglich erschien, die formativen und -functionellen Vorgänge von den nutritiven getrennt habe. Trotzdem muss -ich noch gegenwärtig daran festhalten, dass die =cellulare Nutrition= in -der That die erste Grundlage für die Betrachtung der vitalen Vorgänge -bildet. In diesem Sinne wollen wir uns auch zunächst mit ihr -beschäftigen. - - [22] Ebendas. 1852. IV. 387. 1855. VIII. 15. 1856. XI. 40. Gesammelte - Abhandl. 1856. S. 50. - -Gewöhnlich betrachtet man in der Lehre von der Ernährung =die Gefässe= -als diejenigen Kanäle, welche nicht nur den Stoffverkehr vermitteln, -sondern auch durch bald active, bald passive Hülfe den einzelnen Theil -in seinem Stoffverkehr überwachen. Seit lange hat man daher das -Bestimmende bei dem Ernährungsvorgange mit einem Ausdrucke, der sich -auch in die heutige Sprache hinübergeschlichen hat, in der Thätigkeit -der Gefässe gesucht, wie wenn die Gefässe ein unmittelbares Regiment -über die ihnen benachbarten oder von ihnen versorgten Gewebstheile -ausübten. - -Wie ich schon früher bei Gelegenheit der Muskelfasern hervorhob (S. 61), -so können wir heut zu Tage von einer Action der Gefässe nur in so weit -sprechen, als Muskelfasern in denselben vorhanden sind, und als sich -demnach die Gefässe durch Zusammenziehung ihrer Muskeln verengern oder -verkürzen können. Die Verengerung hat das Resultat, dass der Durchtritt -der Flüssigkeiten gehemmt wird, während umgekehrt bei Erschlaffung oder -Lähmung der Muskeln das durch den Blutdruck erweiterte Gefäss den -Durchtritt der Flüssigkeiten begünstigen kann. Gestehen wir dies zu, -aber vergessen wir auch nicht, die Gewebsmasse, welche neben den -Gefässen liegt, und welche man sich gewöhnlich als eine sehr einfache -und träge Masse vorstellt, mit in Betracht zu ziehen. - -[Illustration: =Fig=. 32. Stück von der Peripherie der Leber eines -Kaninchens; die Gefässe vollkommen injicirt. Vergr. 11.] - -Wenn wir Theile wählen, in welchen die Gefässe recht dicht liegen, in -welchen vielleicht fast eben so viel an Gefässen vorhanden ist, als an -Gewebe, so sehen wir, dass jedes einzelne Spatium, welches zwischen den -Gefässen übrig bleibt, durch eine ganz kleine Zahl von Elementen erfüllt -wird. Ein solches Organ ist die Leber, bei der in der That dieses -Verhältniss ganz zutrifft. Denn eine Leber im gefüllten Zustande der -Gefässe hat nahezu so viel Volumen Gefäss, als eigentliche -Lebersubstanz. Betrachten wir einen einzelnen Acinus der Leber für sich, -so finden wir in dem glücklichsten Falle des Querschnittes in seiner -Mitte die Vena centralis oder intralobularis, die zur Lebervene geht, im -Umfange Aeste der Pfortader, welche in das Innere des Acinus capillare -Zweige senden. Letztere bilden sofort ein Anfangs langmaschiges, später -kürzeres Netz, welches sich in der Richtung gegen die Vena centralis -(hepatica) fortsetzt und zuletzt in dieselbe einmündet. Das Blut strömt -also, indem es von der V. interlobularis (portalis) eintritt, durch das -Capillarnetz hindurch zur Vena intralobularis, von wo es durch die Venae -hepaticae wieder zum Herzen zurückgeführt wird. Hat man nun eine -injicirte Leber vor sich, so sieht man dieses Netz so dicht, dass -dasjenige Gewebe, welches die Maschen des Netzes erfüllt, fast geringer -an Masse erscheint, als der Raum, welcher von den Gefässen eingenommen -wird. So kann man sich leicht vorstellen, wie die älteren Autoren, vor -Allen =Ruysch=, durch ihre Injectionen auf die Vermuthung kommen -konnten, dass fast Alles im Körper aus Gefässen bestände und dass die -verschiedenen Organe nur durch Differenzen in der Anordnung ihrer -Gefässe sich unterschieden. Gerade umgekehrt, wie an einem -Injectionspräparat, erscheint jedoch das Verhältniss an einem -gewöhnlichen Präparat aus einer blutleeren Leber. Hier nimmt man die -Gefässe fast gar nicht wahr. Man sieht wohl ein ähnliches Netz, aber -dies ist das Netz der Leberzellen (Fig. 29), welche, dicht an einander -gedrängt, allein vorhanden zu sein scheinen. Es ergiebt sich also, dass -Gefässnetz und Zellennetz sich auf das Innigste durchflechten, so dass -überall fast unmittelbar an der Gefässwand Zellen des Leberparenchyms -liegen. Zwischen den Zellen und der Gefässwand bemerkt man nur sehr -schwer noch eine feine Lage, von der es unter den Histologen immer noch -streitig ist, ob sie einer besonderen und continuirlichen Wand -zuzuschreiben ist, welche die feinsten Gallengänge zusammensetzt, oder -ob nur eine minimale Menge von Bindegewebszellen die Zellennetze -umgreift. - -In diesem Falle kann man allerdings ein sehr einfaches Verhältniss -zwischen den Gefässen und den Zellen annehmen; man kann sich vorstellen, -dass das Blut, welches in den Gefässen strömt, je nach den -Erweiterungszuständen der letzteren und je nach seiner Menge -unmittelbar auf die anstossenden Elemente einwirkt und unmittelbar -Ernährungsstoffe an sie abgiebt, sowie Zersetzungsstoffe aus ihnen -aufnimmt. Freilich kann man in Beziehung auf die Ernährungsverhältnisse -entgegenhalten, dass es sich hier um eine ganz eigenthümliche -Gefäss-Einrichtung handelt, die wesentlich venöser Natur ist, -zusammengesetzt aus Pfortader- und Lebervenenästen, allein in dasselbe -Capillarnetz geht auch die Arteria hepatica hinein, und das Blut lässt -sich in dem Netz nicht mehr in seine einzelnen arteriellen und venösen -Theile zerlegen. Die Injectionen gelangen von jedem der Gefässe zuletzt -in dasselbe Capillarnetz hinein. Nichts desto weniger halte ich es für -berechtigt, gerade bei einem Organe, wie die Leber, welches einen so -ausgezeichnet intermediären Stoffverkehr hat, die grosse Nähe der -Capillaren für wichtiger in Beziehung auf diesen Stoffverkehr, als in -Beziehung auf die eigentliche Ernährung zu halten. Jedenfalls begreift -man leicht, dass alle Produkte des Transito-Verkehrs zuerst und am -stärksten in denjenigen Zellen erscheinen, welche von dem einströmenden -Blute zuerst berührt werden. Es sind dies die peripherischen Zellen der -einzelnen Acini. - -Etwas anders ist das Verhältniss schon in der =Niere=. Macht man einen -feinen Durchschnitt durch die Rindensubstanz, nachdem man vorher die -Gefässe sorgfältig injicirt hat, so bemerkt man, dass letztere die -Harnkanälchen ziemlich dicht umspinnen (Fig. 33, _c_, _e_). Diese sind -ihrerseits zusammengesetzt aus einer strukturlosen Haut, der sogenannten -Tunica propria (Fig. 33, _b_), und einem zusammenhängenden Epithel, -welches das freie Kanallumen (_d_) umgiebt. Hier bleibt zwischen den -Gefässen und der Tunica propria noch ein kleiner Raum, in welchem bei -genauester Untersuchung ein fast strukturloses, feinstreifiges -Bindegewebe mit Zellen, Bindegewebskörperchen (_a_), gelagert ist. Die -Epithelialzellen sind demnach von den Capillaren getrennt durch die -Tunica propria und diese Bindegewebslage, und die Blutflüssigkeit muss, -um zu den Epithelzellen Säfte abgeben zu können, nicht nur die -Capillarwand, sondern auch die genannten zwei Septa durchdringen, deren -Zustände natürlich nicht ohne Bedeutung für die Möglichkeit dieser -Durchdringung sein können. Ueberdies bemerkt man leicht, dass eine -grössere Zahl von Zellen stets einer einzigen Capillarschlinge anliegt, -und es bedarf wohl nur dieser Erinnerung, um darauf aufmerksam zu -machen, dass es schwer erklärlich sein würde, wie, was zuweilen -vorkommt, nur einzelne Zellen besondere nutritive Abweichungen zeigen, -wenn in der That die Gefässe das allein Bestimmende bei der Ernährung -wären. - -[Illustration: =Fig=. 33. Durchschnitt durch die Rindensubstanz einer -künstlich injicirten menschlichen Niere. _a_. Bindegewebskörperchen des -Stromas oder des interstitiellen Gewebes, dessen Masse in der Zeichnung -etwas zu gross ausgefallen ist. _b_. Tunica propria des Harnkanälchens. -_c_, _c_ Capillargefässe. _d_. Das Harnkanälchen mit seinem Epithellager. -Vergr. 300. (Nach A. =Beer=, Die Bindesubstanz der menschlichen Niere. -Berlin 1859. Fig. 3.)] - -So einfach, wie in der Leber und in der Niere, gestalten sich aber die -Verhältnisse in den meisten anderen Theilen nicht; gewöhnlich liegen -ziemlich bedeutende Zwischenräume zwischen den einzelnen Gefässen, und -nicht unbeträchtliche Mengen von Elementen sind in jeder einzelnen -Capillar-Masche enthalten. Ja, in demselben Organe sind diese -Verhältnisse sehr verschieden, je nachdem die Function der einzelnen -Theile einen rascheren Wechsel der Stoffe erfordert. Nirgends tritt dies -so auffällig hervor, als im =Gehirn=. Hier ist die Gefässverbreitung in -der weissen Substanz, die hauptsächlich Nervenfasern enthält, ziemlich -spärlich, während sie in der grauen Substanz, welche die Ganglienzellen -führt, überaus reichlich ist. Das eine hier abgebildete Object (Fig. 34) -zeigt eine künstliche Injection der Rinde des Kleinhirns, das zweite -(Fig. 35) die natürliche Gefässfülle in dem sehr rothen Corpus striatum -eines Geisteskranken, der unter einer starken Hyperämie des Gehirns -gestorben war. Der Schnitt ist quer durch das Corpus striatum gelegt, -und man erkennt von Strecke zu Strecke grössere, bei durchfallendem -Lichte dunkel erscheinende Stellen, rundliche Flecke (Fig. 35, _a_, _a_, -_a_), die bei auffallendem Lichte und für das blosse Auge weiss aussehen -und Querdurchschnitte jener Bündel von Nervenfasern darstellen, welche -in langen Zügen gegen das Rückenmark hinziehen. Gefässe treten in diese -Bündel fast gar nicht ein. Die übrige Masse dagegen besteht aus der -eigentlichen grauen Substanz des Corpus striatum; innerhalb derselben -verbreitet sich ein sehr feinmaschiges Gefässnetz, wie denn überhaupt -die graue Substanz der Nervencentren sich sowohl im Innern, als an der -Rinde durch ihren grossen Gefässreichthum vor der weissen Substanz -auszeichnet. In dem Object sieht man einzelne grössere Gefässe, von -welchen Aeste ausgehen, die sich immer feiner verzweigen, bis sie -endlich in ganz feinmaschige Capillarnetze übergehen. Allein so eng -dieses Netz in der grauen Substanz auch sein mag, so stösst doch -keinesweges jedes einzelne Element der Hirnsubstanz unmittelbar an ein -Capillargefäss. - -[Illustration: =Fig=. 34. Künstliche Injection der Rinde des -menschlichen Kleinhirns, _a a_. Weisse Substanz der Arbor vitae, _g g_. -graue Substanz, _s s_. Sulci zwischen den Gyri, in welche die Arterien -mit der Pia mater eintreten und von da Aeste in die Hirnsubstanz senden, -welche in der grauen Substanz ein ganz feines Netz bilden, zum Theil -aber in grösseren Stämmen zur weissen Substanz durchtreten, wo sie sehr -spärliche Netze bilden. Nach einer Injection des Herrn =Gerlach=. Ganz -schwache Vergrösserung.] - -[Illustration: =Fig=. 35. Natürliche Injection des Corpus striatum eines -Geisteskranken. _a a_. Gefässlose Lücken, entsprechend den Zügen von -Nervenfasern, welche das Ganglion durchsetzen. Vergröss. 80.] - -Gleichmässiger ist die Gefässvertheilung an der =Muskelhaut des Magens=: -hier bilden die Gefässe ziemlich regelmässige, unter einander durch -Queranastomosen in Verbindung stehende Netze, von denen aus sich immer -kleinere Gefässe verästeln, die zuletzt feinste Netze bilden, so dass -dadurch das Ganze in eine Reihe von unregelmässig viereckigen -Abtheilungen zerlegt wird. Auf jeden letzten Zwischenraum fällt eine -grössere Zahl von Muskelelementen, so dass die Gefässe an einigen -Stellen die Muskelfasern berühren, an anderen Stellen entfernter davon -liegen. - -[Illustration: =Fig=. 36. Injectionspräparat von der Muskelhaut des -Magens eines Kaninchens, 11 mal vergrössert.] - -[Illustration: =Fig=. 37. Durchschnitt des Calcaneus-Knorpels vom -Neugebornen. _C_. der Knorpel, dessen Zellen durch feine Punkte -angedeutet sind. _P_. Perichondrium und anstossendes Fasergewebe. _a_. -die Ansatzzelle am Knochen, mit den von der Arteria nutritia -aufsteigenden Gefässschlingen. _b b_. Gefässe, die durch das -Perichondrium gegen den Knorpel andringen. Vergröss. 11.] - -Verfolgt man in dieser Weise die Einrichtung der verschiedenen Organe -und Gewebe, so kommt man von solchen, welche nach der Injection fast nur -aus Gefässen zu bestehen scheinen, mit der Zeit zu denjenigen, welche -fast gar keine Gefässe enthalten und endlich zu solchen, welche wirklich -keine mehr führen. Dieses Verhältniss trifft man am meisten -ausgesprochen in den Epithelialformationen, welche auch da, wo sie am -mächtigsten ausgebildet sind, keine Gefässe besitzen; nächstdem in den -Geweben der Bindesubstanz, und hier wieder am reinsten am Knorpel, -weniger rein am Knochengewebe. Der entwickelte normale Knorpel hat -überhaupt gar keine Gefässe; der entwickelte Knochen enthält allerdings -Gefässe, aber in einem sehr wechselnden Maasse und zum Theil recht -spärlich. Dass der entwickelte =Knorpel= keine Gefässe enthält, davon -gibt fast jedes Knorpelpräparat Zeugniss (Fig. 9, 14, 23). Eine fast -beständige Ausnahme davon macht der wachsende Knorpel, der sich zur -Verknöcherung anschickt, gleichviel ob im physiologischen oder -pathologischen Wege. Besonders interessant ist das Verhältniss an -jungem, wachsendem Knorpel. Fig. 37 zeigt einen Schnitt aus dem -Caleaneus eines neugebornen Kindes, wo von der schon gebildeten -centralen Knochenmasse, dem sogenannten Knochenkern aus Gefässe in den -noch sehr reichlichen peripherischen Knorpel hineingehen. Das Präparat -zeigt an seiner äussersten Oberfläche die Uebergänge zu dem -Perichondrium, während der untere Theil des Schnittes bis nahe an die -Grenze des schon gebildeten Knochenkerns reicht. Von hier aus steigen -grosse Gefässe auf, welche von der Arteria nutritia herstammen; sie -endigen mitten im Knorpel, indem sie Schlingen und Netze bilden und -gleichsam Zottenbäume inmitten des Knorpels darstellen, welche sehr -ähnlich sind den Chorion-Zotten am Ei. In der That wachsen von der -Arteria nutritia her die Gefässe in den Knorpel hinein, aber nur bis zu -einer gewissen Höhe. Hier lösen sie sich in wirkliche Schlingen oder in -ein feines Netzwerk von Capillaren auf, aus dem sich Venen -zusammensetzen, die in derselben Richtung, in welcher die Arterien -herkamen, zurückgehen. Die ganze übrige Masse besteht aus gefässlosem -Knorpel, dessen Körperchen bei schwacher Vergrösserung als feine Punkte -erscheinen. Es liegt also ein ganzes Heer von Knorpelkörperchen zwischen -den letzten Schlingen und der äusseren Oberfläche, die meisten sehr -entfernt von den äussersten Gefässenden. Diese ganze Lage ist in ihrer -Ernährung allerdings abhängig von dem Safte, der aus den Endschlingen -austritt, zum Theil auch von den Stoffen, welche die spärlichen Gefässe -des Perichondriums zuführen, jedoch nicht so, dass jedes Körperchen eine -besondere Beziehung zu einzelnen Gefässen oder Gefässtheilen hätte. Die -von der Arteria nutritia stammenden Gefässe bezeichnen an allen Knorpeln -schon ziemlich frühzeitig ungefähr die Grenze, bis zu welcher späterhin -die Ossification fortschreiten wird, während derjenige Theil, welcher -als Knorpelrest am Gelenk liegen bleibt, niemals Gefässe enthält. - -[Illustration: =Fig=. 38. Knochenschliff aus der compacten -Rindensubstanz eines Os femoris. _P P_. die dem Periost zugewendete -Oberfläche, an welcher parallele Züge von Knochenkörperchen liegen, _v -v_. grössere Gefässe, die aus dem Periost in den Knochen eindringen und -sich bald verästeln, _v_' _v_' kleinere Gefässe derselben Art. Alle -dunklen Züge und Flecke bezeichnen angeschliffene Gefässkanäle. Sie sind -von parallelen und concentrischen Lagen von Knochenkörperchen begleitet. -Vergröss. 120.] - -Was die =Knochen= selbst anbetrifft, so ist bei ihnen das -Gefäss-Verhältniss ein ziemlich einfaches, aber auch zugleich ein sehr -charakteristisches. Wenn man die äussere Oberfläche der Knochenrinde -betrachtet, so sieht man schon mit dem blossen Auge kleine Löcher -(Poren). Es sind dies die Oeffnungen von Kanälen, durch welche Gefässe -aus dem Periost in die Knochenrinde eintreten. Bei einer mässigen -Vergrösserung erkennt man, dass diese Kanäle (Fig. 38, _v_, _v_') alsbald -unter der Oberfläche sich verästeln. So entsteht ein System unter -einander anastomosirender Röhren, die zuweilen mehr schräg nach Innen -gehen, aber im Wesentlichen eine Längsrichtung einhalten. Zwischen -diesen Maschen bleiben verhältnissmässig breite Zwischenräume, welche -von dem eigentlichen Knochengewebe erfüllt sind. In dem letzteren liegen -die Knochenkörperchen, grade so, wie in dem vorigen Beispiele die -Knorpelkörperchen, und zwar im Allgemeinen in Reihen parallel den -Gefässen. Nur die am meisten peripherischen Lagen der Rinde zeigen -Knochenkörperchen, welche der Oberfläche parallel sind und deren -Längsrichtung an langen Knochen (Röhrenknochen) der Längsaxe entspricht. -Untersucht man dagegen Querschnitte, so bekommt man natürlich an den -Stellen, wo vorher Längskanäle zu sehen waren, einfache runde Löcher, -Durchschnitte (Fig. 39, _a_) zu Gesicht, hier und da durch eine schräge -Verbindung vereinigt. Zwischen ihnen befindet sich die eigentliche Tela -ossea mit den Knochenkörperchen, in lamellösen Schichten gelagert, und -zwar concentrisch um die Gefässe. Im Allgemeinen kann man daher sagen, -dass die compakte Substanz der Knochen durchweg aus einer -Zusammenordnung paralleler Lagen von Knochengewebe besteht, welche zu -mehreren die einzelnen Gefässe umgeben. Nur da, wo diese Systeme von -concentrischen Lamellen endigen, gewissermaassen in den Räumen, welche -zwischen diesen Systemen übrig bleiben, findet sich eine geringe Masse -von Knochengewebe (Fig. 39, _i_), welche nicht dieselbe Anordnung zeigt, -sondern sich mehr unabhängig verhält; bei genauer Analyse zeigt sich, -dass sie aus kleinen Säulen gebildet ist, welche meist senkrecht auf der -Längsaxe des Knochens stehen und in eine Art von Bogen übergehen, die -der Längsaxe parallel sind. Dies sind die Ueberreste der bei dem -Dickenwachsthum des Knochens zuerst gebildeten, also ältesten Balken der -Tela ossea. - -[Illustration: =Fig=. 39. Knochenschliff, _a_ querdurchschnittener Mark- -(Gefäss-) Kanal, um welchen die concentrischen Lamellen _l_ mit -Knochenkörperchen und anastomosirenden Knochenkanälchen liegen. _r_ -längsdurchschnittene, parallele Lamellen. _i_ unregelmässige Lagerung in -den ältesten Knochenschichten, _v_ Gefässkanal. Vergröss. 280.] - -Da man meistentheils in den Kanal-Durchschnitten, die man in Schliffen -des Knochens gewinnt, die Gefässe selbst nicht mehr erkennt, so nannte -man die Höhlungen (Fig. 38, _v_, _v_'; 39, _a_, _v_), in denen die Gefässe -verlaufen, Markkanäle, insofern uneigentlich, als in diesen engen -Kanälen meist kein Mark enthalten ist; man sollte eigentlich sagen: -Gefässkanäle, doch ist jener Ausdruck so allgemein angenommen, dass man -ihn auch da gebraucht, wo die Gefässwand sich unmittelbar an die innere -Oberfläche der Höhlung anlegt. Häufig bezeichnet man die Kanäle auch -nach ihrem Entdecker =Havers=. Im nächsten Umfange dieser Kanäle liegt -stets eine Reihe von eigenthümlichen Gebilden: längliche oder rundliche, -bei durchfallendem Lichte gewöhnlich schwarz erscheinende Körper, die -mit Zacken oder Ausläufern versehen sind. Man nannte sie -Knochenkörperchen (Fig. 24) und ihre Ausläufer Knochenkanälchen -(Canaliculi ossei). =Johannes Müller=, welcher die Ansicht hegte, dass -die Kalksubstanz in ihnen abgelagert sei und das dunklere Aussehen, -welches sie bei durchfallendem Lichte darzubieten pflegen, eben von -ihrem Kalkgehalte herrühre, bezeichnete die Kanälchen als Canaliculi -chalicophori, ein Name, der heut zu Tage ganz gestrichen ist, weil man -sich überzeugt hat, dass der Kalk gerade in ihnen nicht, sondern überall -in der homogenen Grundsubstanz enthalten ist, welche zwischen ihnen -liegt. - -[Illustration: =Fig=. 40. Knochenschliff (Längsschnitt) aus der Rinde -einer sklerotischen Tibia. _a a_ Mark- (Gefäss-) Kanäle, zwischen ihnen -die grossentheils parallel, bei _b_ concentrisch (Querschnitt) -geordneten Knochenkörperchen. Vergr. 80.] - -Als man erkannte, dass der Absatz des Kalkes in dem Knochengewebe -gerade umgekehrt, wie man geglaubt hatte, stattfindet, so ging man -alsbald in das andere Extrem über, indem man den Namen der -Knochenkörperchen durch den der Knochenlücken (Lacunen) ersetzte und -annahm, der Knochen enthalte nur eine Reihe von leeren Höhlen und -Kanälen, in welche allenfalls Flüssigkeit oder Gas gelange, welche aber -eigentlich doch nur Spalten des Knochens darstellten. Einzelne nannten -sie auch geradezu Knochenspältchen (=Bruch=). Ich habe mich bemüht, auf -verschiedene Weise den Nachweis zu führen, dass es wirkliche Körperchen -sind und nicht bloss Höhlen in einem Grundgewebe, mit einem Wort, dass -es Gebilde sind, mit besonderen Wandungen und eigenen Grenzen versehen, -welche sich aus der Grundsubstanz auslösen lassen. Durch chemische -Einwirkung, insbesondere durch Maceration in concentrirter Salz- oder -Salpetersäure, kann man es dahin bringen, dass die Grundsubstanz sich -auflöst und die Körperchen frei werden. Dadurch ist wohl am sichersten -der Nachweis geliefert, dass es körperliche, wirklich für sich -bestehende Gebilde sind. Ueberdies erkennt man in ihnen Kerne, und, -auch ohne auf die Entwickelungsgeschichte einzugehen, findet man, dass -man es auch hier wieder mit zelligen Elementen sternförmiger Art zu thun -hat. Die Zusammensetzung des Knochens ergiebt demnach ein Gewebe, -welches in einer scheinbar ganz homogenen, verkalkten Grundmasse -(Intercellularsubstanz) sehr regelmässig vertheilt die eigentlichen, -sternförmigen Knochenzellen enthält. - -Die Entfernung zwischen je zwei Knochengefässen ist oft sehr bedeutend; -ganze Lamellensysteme schieben sich zwischen die Markkanäle ein, mit -zahlreichen Knochenkörperchen durchsetzt. Hier ist es gewiss schwierig, -sich die Ernährung eines so complicirten Apparates als abhängig von der -Thätigkeit der zum Theil so weit entfernten Gefässe zu denken, -namentlich sich vorzustellen, wie jedes einzelne Körperchen in dieser -grossen Zusammensetzung immer noch in einem Specialverhältniss der -Ernährung zu den Gefässen stehen soll. Ueberdies lehrt die Erfahrung, -dass wirklich jedes einzelne Knochenkörperchen für sich ein besonderes -Ernährungs-Verhältniss besitzt. -- - -Ich habe diese Einzelheiten vorgeführt, um die lange Stufenleiter zu -zeigen, die von =den gefässreichen und den gefässhaltigen zu den -gefässarmen und den gefässlosen= Theilen stattfindet. Will -man eine einfache und zugleich befriedigende Anschauung der -Ernährungs-Verhältnisse haben, so glaube ich es als logische Forderung -aufstellen zu müssen, dass Alles, was von der Ernährung der -gefässreichen Theile ausgesagt wird, auch für die gefässarmen und für -die gefässlosen Gültigkeit haben muss, und dass, wenn man die Ernährung -der einzelnen Theile in eine direkte Abhängigkeit von den Gefässen oder -dem Blute stellt, man wenigstens darthun muss, dass alle Elemente, -welche in nächster Beziehung zu einem und demselben Gefässe stehen, -welche also in ihrer Ernährung auf ein einziges Gefäss angewiesen sind, -auch wesentlich gleichartige Lebensverhältnisse darbieten. In dem Falle -vom Knochen müsste jedes System von Lamellen, welches nur ein Gefäss für -seine Ernährung hat, auch immer gleichartige Zustände der Ernährung -darbieten. Denn wenn das Gefäss oder das Blut, welches in demselben -circulirt, das Thätige bei der Ernährung ist, so könnte man höchstens -zulassen, dass ein Theil der Elemente, nehmlich der zunächst an den -Gefässkanal anstossende, ihrer Einwirkung mehr, ein anderer, nehmlich -der entferntere, weniger ausgesetzt sei; im Wesentlichen müssten sie -aber doch eine gemeinschaftliche und gleichartige, höchstens quantitativ -verschiedene Einwirkung erfahren. Dass dies keine unbillige Anforderung -ist, dass man eine gewisse Abhängigkeit bestimmter Gewebs-Territorien -von bestimmten Gefässen allerdings zugestehen muss, davon haben wir die -schönsten Beispiele in der Lehre von den Metastasen, namentlich in dem -Studium der Veränderungen, welche durch die Verschliessung einzelner -Capillargefässe zu Stande kommen, wie wir sie aus der Geschichte der -Capillar-Embolie kennen. In solchen Fällen sehen wir in der That, dass -ein ganzes Gewebsstück, so weit es in einer unmittelbaren Beziehung zu -einem Gefässe steht, auch in seinen pathologischen Verhältnissen ein -Ganzes vorstellt, =ein vasculäres Territorium, eine Gefässeinheit=. -Allein diese Gefässeinheit erscheint vor einer feineren Auffassung immer -noch als ein Vielfaches, als eine mehr oder weniger grosse Summe von -Ernährungseinheiten (Zellenterritorien) und es genügt nicht, den Körper -etwa in lauter Gefässterritorien zu zerlegen, sondern man muss noch -innerhalb derselben weiter auf die Zellenterritorien zurückgehen. - -In dieser Auffassung ist es, wie ich glaube, ein wesentlicher -Fortschritt gewesen, dass durch meine Untersuchungen innerhalb der -Gewebe der Bindesubstanz, wie ich früher hervorgehoben habe (S. 48), ein -besonderes System anastomosirender Elemente nachgewiesen ist, und dass -wir auf diese Weise anstatt der Vasa serosa, welche sich die Früheren -für diese nächsten Zwecke der Ernährung zu den Capillaren hinzudachten, -eine thatsächliche Ergänzung bekommen haben, durch welche die -Möglichkeit von Saftströmungen an Orten gegeben ist, die an sich arm an -Gefässen sind. Wenn wir beim =Knochen= stehen bleiben, so wären Vasa -serosa eine nicht zu rechtfertigende Annahme. Die harte Grundsubstanz -ist durch und durch ganz gleichmässig mit Kalksalzen erfüllt, so -gleichmässig, dass man gar keine Grenze zwischen den einzelnen -Kalktheilchen wahrnimmt. Wenn Einzelne angenommen haben, dass man kleine -Körner daran unterscheiden könne, so ist dies ein Irrthum. Das Einzige, -was man in der Grundsubstanz sieht, sind die Canaliculi, welche zuletzt -alle zurückführen auf die Körper der Knochenzellen (Knochenkörperchen), -und welche ihrerseits wieder verästelt sind. Die inneren Enden dieser -Aeste, dieser kleinen Fortsätze reichen unmittelbar bis an die -Oberfläche des Gefässkanals (Markkanals). Sie setzen also unmittelbar -da ein, wo die Gefässmembran anliegt (Fig. 41), denn man kann sie -deutlich auf der Wand des Kanals als kleine Löcherchen wahrnehmen. Da -nun die verschiedenen Knochenkörperchen wieder unter sich in offener -Verbindung stehen, so ist dadurch die Möglichkeit gegeben, dass eine -gewisse Quantität von Saft, welcher an der inneren Fläche des -Gefässkanals aufgenommen ist, durch die ganze Gewebsmasse hindurch -dringt, nicht diffus, sondern innerhalb dieser feinen prädestinirten und -continuirlichen Wege, welche der Injection vom Gefässe aus nicht mehr -zugänglich sind. Eine Zeitlang hat man geglaubt dass die Kanälchen vom -Gefässe aus zu injiciren seien, allein dies ist nur vom leeren -(macerirten) Gefäss- oder Markkanal aus möglich. - -[Illustration: =Fig=. 41. Schliff aus einem neugebildeten Knochen der -Arachnoides cerebralis, der übrigens ganz normale Verhältnisse des Baues -zeigt. Man sieht einen verästelten Gefäss- (Mark-) Kanal mit den in ihn -einmündenden und zu den Knochenkörperchen führenden Knochenkanälchen. -Vergröss. 350.] - -Es ist dies ein ganz ähnliches Verhältniss, wie am =Zahn=, wo man von -der leeren Zahnhöhle aus die Zahnkanälchen oder Zahnröhrchen (Fig. 42) -injiciren kann. Spritzt man Carminlösung in eine leere Zahnhöhle, so -sieht man die Zahnkanälchen zahlreich neben einander als nahezu -parallel, nur wenig strahlig auseinander gehende Röhren zu der -Oberfläche aufsteigen. Die Zahnsubstanz bildet eben auch eine breite -Lage von gefässloser Substanz. Gefässe finden sich nur in der Markhöhle -des Zahns; von da nach aussen haben wir weiter nichts, als die -eigentliche Zahnsubstauz (Dentin) mit ihrem Röhrensystem, welches an der -Krone bis nahe an den Schmelz (Fig. 42, _S_) reicht, an der Zahnwurzel -dagegen unmittelbar übergeht in eine Lage von wirklicher Knochensubstanz -(Cement). Hier sitzen die Knochenkörperchen am Ende dieser Röhren auf. -Eine ähnliche Einrichtung für die Saftströmung, wie vom Marke der -Knochen, geht hier von der Zahnpulpe aus; der Ernährungssaft kann durch -Röhren bis zum Schmelz und zum Cement geleitet werden. - -[Illustration: =Fig=. 42. Zahnschliff von der Krone. _a_ äussere -Oberfläche des Zahns, _i_ innere Grenze gegen die Markhöhle hin. _S_ -Schmelz, _D_ Dentin. Vergr. 150.] - -Diese Art von Röhrensystemen, die im Knochen und Zahn in einer so -ausgesprochenen Weise sich findet, ist in den weichen Gebilden mit einer -ungleich geringeren Klarheit zu erkennen. Das ist wohl der -hauptsächliche Grund gewesen, weshalb die Analogie, welche zwischen den -weichen Geweben der Bindesubstanz und den harten der Knochen besteht, -nicht recht zur Anschauung gelangt ist. Am deutlichsten sieht man solche -Einrichtungen an Punkten, die eine mehr knorpelige Beschaffenheit haben, -namentlich im Faserknorpel. Aber es ist noch viel mehr bezeichnend, dass -wir von dem Knorpel eine Reihe von Uebergängen zu anderen Geweben der -Bindesubstanz finden, in welchen sich stets dasselbe Verhältniss -wiederholt. Zuerst Theile, die chemisch noch zum Knorpel gehören, z. B. -die Hornhaut, welche beim Kochen Chondrin gibt, obgleich sie Niemand als -wirklichen Knorpel ansieht. Viel auffälliger ist die Einrichtung bei -solchen Theilen, bei denen die äussere Erscheinung für Knorpel spricht, -ohne dass die chemischen Eigenschaften übereinstimmen, z. B. bei den -Cartilagines semilunares im Kniegelenk, jenen Bandscheiben zwischen -Femur und Tibia, welche die Gelenkknorpel vor zu starken Berührungen -schützen. Diese Theile, welche bis vor Kurzem allgemein als Knorpel -beschrieben wurden, geben beim Kochen nicht Chondrin, sondern Leim. In -diesem harten Bindegewebe treffen wir, wie in der Hornhaut und dem -Faserknorpel, dasselbe System von anastomosirenden Elementen mit einer -ungewöhnlichen Schärfe und Klarheit. Gefässe fehlen darin fast gänzlich; -dagegen enthalten diese Bandscheiben ein Röhrensystem von seltener -Schönheit. Auf dem Durchschnitte sieht man, dass das Ganze sich zunächst -zerlegt in grosse Abschnitte, ganz ähnlich wie eine Sehne; diese -zerfallen wieder in kleinere, und die kleinen endlich sind durchsetzt -von einem feinen, sternförmigen System von Röhren, oder wenn man will, -von Zellen, insofern der Begriff einer Röhre und der einer Zelle hier -zusammenfallen. Die Zellennetze, welche das Röhrensystem bilden, gehen -nach aussen hin in die Grenzlager der einzelnen Abschnitte über, und -hier sehen wir nebeneinander beträchtliche Anhäufungen von -Spindelzellen. Auch in den Bandscheiben hängt dieses Netz von Röhrchen -nur äusserlich zusammen mit dem Circulationsapparat: Alles, was in das -Innere des Gewebes gelangen soll, muss auf grossen Umwegen ein -Kanalsystem mit zahlreichen Anastomosen passiren, und die innere -Ernährung ist ganz und gar abhängig von dieser Art der Leitung. Die -Bandscheiben sind Gebilde von beträchtlichem Umfange und grosser -Dichtigkeit; und da hier alle Ernährung auf das letzte feine System von -Zellen zurückzuführen ist, so haben wir es noch viel mehr, als beim -Knorpel, mit einer Art der Saftzufuhr zu thun, welche nicht mehr direkt -von den Gefässen bestimmt werden kann. - -[Illustration: =Fig=. 43. Durchschnitt aus der halbmondförmigen -Bandscheibe (Cartilago semilunaris) des Kniegelenks vom Kinde. _a_. -Faserzüge mit spindelförmigen, parallel liegenden und anastomosirenden -Zellen (Längsschnitt). _b_. Netzzellen mit breiten verzweigten und -anastomosirenden Kanälchen (Querschnitt). Mit Essigsäure behandelt. -Vergr. 350.] - -Für das Verständniss der Abbildung (Fig. 43) füge ich noch hinzu, dass -die letzten Elemente der Bandscheiben als sehr kleine Zellkörper -erscheinen, die in lange, feine Fäden ausgehen, welche sich verästeln. -Durchschnitte dieser Fäden stellen sich als kleine Punkte mit einem -hellen Centrum dar. Alle Fäden lassen sich mit grosser Bestimmtheit bis -an gemeinschaftliche Zellkörper verfolgen, ganz wie im Knochen. Es sind -feinste Röhren, die in innigem Zusammenhang unter einander stehen, nur -dass sie sich an gewissen Punkten zu grösseren Haufen sammeln, durch -welche die Hauptleitung erfolgt, und dass die Zwischensubstanz in keinem -Falle Kalk aufnimmt, sondern stets ihre Bindegewebsnatur beibehält. - - - - - Sechstes Capitel. - - Weiteres über Ernährung und Saftleitung. - - - Sehnen, Hornhaut, Nabelstrang. - - Weiches Bindegewebe (Zellgewebe). Elastisches Gewebe. Strukturlose - Häute: Tunicae propriae, Cuticula. Elastische Membranen: Sarkolemm. - - Lederhaut (Derma). Papillarkörper: vasculäre Bezirke. Unterhaut - (subcutanes, subseröses, submucöses Gewebe). Tunica dartos. - - Das feinere Kanalsystem des Bindegewebes: Körperchen, Lacunen. - Bedeutung der Zellen für die Specialvertheilung der Ernährungssäfte - innerhalb der Gewebe. Vegetativer Charakter der Ernährung. Elective - Eigenschaften der Zellen. - -Die Bandscheiben, wie wir sie in der am meisten ausgesprochenen Form im -Kniegelenke an den sogenannten Semilunar-Knorpeln, die eben keine -Knorpel sind, kennen gelernt haben, besitzen eigentlich die -Eigenschaften platter Sehnen. Die einzelnen Structurverhältnisse, die -wir in ihnen gefunden haben, wiederholen sich im Querschnitte der -=Sehnen=. Betrachten wir daher zunächst diese oft so vernachlässigten -Gebilde. Ich wähle dazu eine Reihe von Objecten aus der Achilles-Sehne -sowohl des Erwachsenen, als des Kindes, welche verschiedene -Entwickelungs-Stadien zeigen. Es ist dies überdem eine Sehne, die manche -Bedeutung für operative Zwecke hat, die also schon aus praktischen -Gründen wohl einen kleinen Aufenthalt entschuldigt. - -An der Oberfläche einer Sehne sieht man bekanntlich mit blossem Auge -eine Reihe von parallelen weisslichen Streifen ziemlich dicht der Länge -nach verlaufen, welche das atlasglänzende Aussehen bedingen. Bei -mikroskopischer Betrachtung erscheinen die Streifen natürlich mehr -getrennt: die Sehne sieht deutlich fasciculirt aus. Noch viel -deutlicher ist dies auf einem Querschnitte, wo man schon mit blossem -Auge eine Reihe von kleineren und grösseren Abtheilungen (Bündeln, -Fascikeln) wahrnimmt. Vergrössert man das Object, so zeigt sich eine -innere Einrichtung, welche fast ganz derjenigen entspricht, welche bei -den Semilunar-Knorpeln geschildert ist. Am äusseren Umfange der Sehne -liegt ringsumher eine faserige Masse, eine Art von lockerer =Scheide=, -in der die Gefässe enthalten sind, welche die Sehne ernähren. Die -grösseren Gefässe bilden in der Scheide ein Geflecht, welches die Sehne -äusserlich umspinnt. Aus diesem Geflechte treten an einzelnen Stellen -mit Fortsetzungen der Scheide Gefässe in das Innere, indem sie sich in -den Zwischenlagen oder Scheiden der Fascikel (Fig. 44 _a_, _b_) -verästeln. In das Innere der Fascikel selbst geht dagegen ebensowenig -etwas von Gefässen hinein, als in das Innere der Bandscheiben; hier -finden wir vielmehr wieder das mehrfach besprochene Zellennetz, oder -anders ausgedrückt, das eigenthümliche saftführende Kanalsystem, dessen -Bedeutung wir beim Knochen kennen gelernt haben. - -[Illustration: =Fig=. 44. Querschnitt aus der Achilles-Sehne eines -Erwachsenen. Von der Sehnenscheide aus sieht man bei _a_, _b_ und _c_ -Scheidewände nach innen laufen, welche maschenförmig zusammenhängen und -die primären und secundären Fascikel abgrenzen. Die grösseren (_a_ und -_b_) pflegen Gefässe zu führen die kleineren (_c_) nicht mehr. Innerhalb -der secundären Fascikel sieht man das feine Maschennetz der -Sehnenkörperchen (Netzzellen) oder das intermediäre Saftkanalsystem. --- Vergröss. 80.] - -[Illustration: =Fig=. 45. Querschnitt aus dem Innern der Achilles-Sehne -eines Neugebornen. _a_ die Zwischenmasse, welche die secundären Fascikel -scheidet (entsprechend Fig. 44, _c_), ganz und gar aus dichtgedrängten -Spindelzellen bestehend. Mit diesen in direkter Anastomose sieht man -seitlich bei _b_, _b_ netz- und spindelförmige Zellen in das Innere der -Fascikel verlaufen. Die Zellen sind deutlich kernhaltig. Vergröss. 300.] - -Man kann demnach die Sehne zunächst in eine Reihe von grösseren -(primären) Bündeln zerlegen, diese aber wieder in eine gewisse Summe von -kleineren (secundären) Fascikeln theilen. Sowohl jene, als diese sind -durch Züge einer faserigen, Gefässe und Faserzellen enthaltenden -Bindesubstanz getrennt, so dass der Querschnitt der Sehne ein maschiges -Aussehen darbietet. Von diesem interstitiellen oder interfasciculären -Gewebe, das sich von der eigenthümlichen Sehnensubstanz nur durch seine -Lockerheit, sowie durch die dichtere Anhäufung zelliger Elemente und -durch die Anwesenheit der Gefässe unterscheidet, beginnt ein -zusammenhängendes Netz sternförmiger Elemente (=Sehnenkörperchen=), -welche in das Innere der Fascikel hineingehen, unter sich anastomosiren -und die Verbindung zwischen den äusseren gefässhaltigen und den inneren -gefässlosen Theilen der Fascikel herstellen. Dies Verhältniss ist in -einer kindlichen Sehne sehr viel deutlicher, als in einer erwachsenen. -Je älter nehmlich die Theile werden, um so länger und feiner werden im -Allgemeinen die Ausläufer der Zellen, so dass man an vielen Schnitten -die eigentlichen Zellenkörper gar nicht trifft, sondern nur feine, in -Fäden zu verfolgende Punkte oder punktförmige Oeffnungen erblickt. Die -einzelnen Zellkörper rücken also mit fortschreitendem Wachsthum weiter -auseinander und es wird immer schwieriger, die Zellen in ihrer ganzen -Ausdehnung mit ihren Fortsätzen auf einmal zu übersehen. Auch muss man -sich erst über das Verhältniss von Längs- und Querschnitt in's Klare -setzen, um die vorkommenden Bilder richtig zu verstehen. Wo nehmlich auf -einem Längsschnitte spindelförmige Elemente liegen, da treffen wir auf -einem Querschnitte sternförmige, und umgekehrt entspricht dem -Zellennetze des Querschnittes die regelmässige Abwechselung von -reihenweise gestellten spindelförmigen Elementen des Längsschnittes ganz -nach dem Schema, wie wir es für das Bindegewebe überhaupt aufgestellt -haben. Die Elemente sind also auch hier nur scheinbar einfach -spindelförmig, wenn man einen reinen Längsschnitt betrachtet: ist dieser -etwas schräg gefallen, so sieht man die seitlichen Ausläufer, durch -welche die Zellen einer Reihe mit denen der anderen communiciren. - -[Illustration: =Fig=. 46. Längsschnitt aus dem Innern der Achilles-Sehne -eines Neugebornen. _a_, _a_, _a_ Scheiden (interstitielles Gewebe). _b_, -_b_ Fascikel. In beiden sieht man spindelförmige Kernzellen, zum Theil -anastomosirend mit leicht längsstreifiger Grundsubstanz, die Zellen in -den Scheiden dichter, in den Fascikeln spärlicher, bei _c_ der -Durchschnitt eines interstitiellen Blut-Gefässes. Vergr. 250.] - -Bis jetzt hat man das fortgehende Wachsthum der Sehnen nach der Geburt -noch nicht zum Gegenstande einer regelmässigen Untersuchung gemacht, und -es ist nicht bekannt, ob dabei noch eine weitere Vermehrung der Zellen -stattfindet; so viel ist jedoch sicher, dass die Zellen später sehr lang -und die Abstände zwischen den einzelnen Kernstellen ausserordentlich -gross werden. Das Structurverhältniss an sich erleidet dadurch jedoch -keine Veränderung; die ursprünglichen Zellen erhalten sich, ohne in -ihrer Form und ihren Lagerungs-Verhältnissen wesentliche Veränderungen -zu erfahren, auch in dem grossen Röhrensystem, welches in der -ausgewachsenen Sehne das ganze Gewebe durchzieht. Daraus erklärt sich -die Möglichkeit, dass, obwohl die Sehne in ihren innersten Theilen keine -Gefässe enthält und, wie man bei jeder Tenotomie sehen kann, nur wenig -Blut in den äusseren Gefässen der Sehnenscheide und den inneren Gefässen -der Interstitien der grösseren Bündel empfängt, doch eine gleichmässige -Ernährung der Theile stattfinden kann. Diese lässt sich in der That nur -so denken, dass auf besonderen, von den Gefässen unterscheidbaren Wegen -Säfte durch die ganze Substanz der Sehne in regelmässiger Weise -vertheilt werden. Nun sind aber die natürlichen Abtheilungen der Sehne -fast ganz regelmässig, so dass ungefähr auf jedes einzelne zellige -Element eine gleich grosse Menge von Zwischensubstanz kommt, und da die -Zellenmaschen des Innern sich direkt in die dichten Zellenbündel der -Interstitien und diese bis an die Gefässe verfolgen lassen (Fig. 44, -45), so darf man wohl unzweifelhaft in diesen Zellen die Wege einer -intermediären Saftströmung sehen, welche nicht mehr durch freie Ostien -mit den Wegen der allgemeinen Blutströmung zusammenhängen. - -Es ist dies ein neues Beispiel für meine Ansicht von den -Zellenterritorien. Ich zerlege die ganze Sehne, abgesehen von primären -und secundären Fascikeln, in eine gewisse Zahl von Reihen linear und -maschenförmig verbundener Zellen; jeder Reihe rechne ich ein gewisses -Gewebsgebiet zu, so dass z. B. auf einem Längsschnitte etwa die Hälfte -der Zwischenmasse der einen, die andere Hälfte derselben der anderen -Zellenreihe zugehören würde. Das, was man als die eigentlichen Bündel -der Sehne betrachtet, wird hier also noch weiter zerspalten, indem die -Sehne in eine grosse Zahl von besonderen Ernährungs-Territorien -auseinander gelegt wird. - -Ein solches Verhältniss finden wir überall bei den Geweben dieser Gruppe -wieder. Aus ihm leitet sich, wie man sich durch direkte Anschauung -überzeugen kann, zugleich die Grösse der Krankheitsgebiete ab: =jede -Krankheit, welche wesentlich auf einer nutritiven Störung der inneren -Gewebs-Einrichtung beruht, stellt immer eine Summe aus den -Einzelveränderungen solcher Territorien dar=. Die Bilder, welche man bei -diesen Untersuchungen gewinnt, gewähren durch die Zierlichkeit der -inneren Anordnung zugleich einen wirklich ästhetischen Genuss, und ich -kann nicht leugnen, dass, so oft ich einen Sehnenschnitt ansehe, ich mit -immer erneutem Wohlgefallen diese netzförmigen Einrichtungen betrachte, -welche in so zweckmässiger Weise die Verbindung des Aeusseren mit dem -Inneren herstellen, und welche, ausser in dem Knochen, kaum in irgend -einem anderen Gebilde mit so grosser Schärfe und Klarheit sich darlegen -lassen, wie in der Sehne. -- - -Dem Bau und den Einrichtungen nach schliesst sich hier am leichtesten -die =Hornhaut= an. Denn in ähnlicher Weise, wie die Sehne ihr -peripherisches Gefässsystem hat und ihre inneren Theile durch das feine -saftführende Röhrensystem ernährt werden, so reichen auch an der -Hornhaut nur die feinsten Gefässe, und auch diese kaum eine Linie weit, -über den Rand herüber, so dass nicht bloss der centrale Abschnitt, -sondern der grösste Theil der Cornea vollkommen gefässlos ist, was schon -wegen der Durchsichtigkeit des Gewebes sich als nothwendig ergibt. Der -grösste Theil der Hornhaut ist daher in seinen Ernährungs-Einrichtungen -so gestellt, dass er vom Umfange und von den Flächen her Stoffe -aufnehmen und leiten kann, ohne dass es dazu direkter Gefässverbindung -bedürfte. - -Die Substanz der Hornhaut besteht nach der älteren Ansicht aus über -einander geschichteten Lamellen (Platten oder Blättern), welche mehr -oder weniger parallel durch die ganze Ausdehnung der Hornhaut gehen. -Eine genauere Untersuchung zeigt jedoch, dass die Lamellen, wie beim -Knochen, nicht vollkommen getrennt sind, dass vielmehr die einzelnen -Gewebs-Schichten, welche allerdings im Grossen lamellös über einander -gelagert sind, unter einander vielfach zusammenhängen; sie liegen nicht -in irgend welcher Art lose oder fest auf einander, sondern sie haben -unter sich direkte Verbindungen. Es ist daher die Cornea vielmehr als -eine überall zusammenhängende Masse anzusehen, deren fast homogene -Grundsubstanz in gewissen Richtungen oder Zügen unterbrochen wird durch -zellige Elemente (=Hornhautkörperchen=), ganz in derselben Weise, wie -dies bei den anderen verwandten Geweben, welche wir schon besprochen -haben, gesehen wird. Ein Verticalschnitt zeigt uns spindelförmige -Elemente, welche unter einander anastomosiren, zugleich aber auch -seitliche Ausläufer haben. Betrachtet man sie von der Fläche, im -Horizontalschnitte, so erweisen sie sich als vielstrahlige, -sternförmige, aber sehr platte Zellen, den Knochenkörperchen -vergleichbar. - -[Illustration: =Fig=. 47. Senkrechter Durchschnitt der Hornhaut des -Ochsen, um die Gestalt und Anastomose der Hornhautzellen (Körperchen) zu -zeigen. Hie und da sieht man durchschnittene, als Fasern oder Punkte -erscheinende Zellenfortsätze. Vergr. 500. Nach His Würzb. Verhandl. IV. -Taf. IV. Fig. I.] - -Indem nun diese Zellen in regelmässiger Weise, nehmlich in mehrfachen, -parallelen Ebenen, in die Grundsubstanz eingelagert sind, so entsteht -eben jene lamellöse, blätterige oder plattenartige Beschaffenheit des -ganzen Gewebes. Die Blätter der Hornhaut sind die Analoga der Bündel der -Sehne. -- - -[Illustration: =Fig=. 48. Flächenschnitt der Hornhaut, parallel der -Oberfläche; die sternförmigen, platten Körperchen mit ihren -anastomosirenden Fortsätzen. Nach =His=, ebendas. Fig. II.] - -Ich schliesse ein anderes Gewebe hier an, das sonst in der Histologie -nicht besonders bevorzugt ist, das aber gewiss kein geringes Interesse -hat, nehmlich das =Schleimgewebe=. Wir finden dasselbe in besonders -reichlicher Anhäufung in dem Nabelstrang, wo es die sogenannte -=Wharton='sche Sulze darstellt[23]. Diese gehört auch zu den Geweben, -welche allerdings Gefässe führen, aber doch eigentlich keine Gefässe -besitzen. Denn die Gefässe, welche durch den Nabelstrang -hindurchgeleitet werden, sind nicht Ernährungsgefässe für die -Nabelstrangsubstanz, wenigstens nicht in dem Sinne, wie wir von -Ernährungsgefässen an anderen Theilen sprechen. - - [23] =Thom=. =Wharton= (Adenographia. Amstelod. 1659. pag. 233) sagt - sehr charakteristisch: Lymphaeductus vel gelatina, quae eorum vices - gerit, alterum succum albumini ovorum similiorem abducit - (a placenta) ad funiculum umbilicalem. - -=Wenn man nehmlich von nutritiven Gefässen spricht, so meint man damit -stets solche Gefässe, welche in die Theile, die ernährt werden sollen, -Capillaren senden=. Die Aorta thoracica ist nicht das nutritive Gefäss -des Thorax, eben so wenig als die Aorta abdominalis oder die Vena cava -das für den Bauch. Man sollte also, wenn es sich um den Nabelstrang -handelt, erwarten, dass ausser den beiden Nabel-Arterien und der -Nabel-Vene noch Nabelstrang-Capillaren existiren. Allein Arterien und -Vene verlaufen, ohne auch nur das Mindeste von Aesten abzugeben, vom -Nabel bis zur Placenta hin; erst hier beginnen die Verästelungen. Die -einzigen capillaren Gefässe, die überhaupt in dem Nabelstrange eines -etwas entwickelten Fötus gefunden werden, reichen nur etwa 4-5 Linien, -selten ein wenig mehr von der Bauchhaut aus in denjenigen Theil des -Nabelstranges hinein, welcher nach der Geburt persistirt. Je nachdem -dieser gefässhaltige Theil höher oder niedriger heraufreicht, wird auch -der spätere Nabel verschieden entwickelt. Bei sehr niedriger -Gefässschicht wird der Nabel sehr tief, bei sehr grosser gibt es einen -prominirenden Nabel. Die Capillaren bezeichnen die Grenze, bis zu -welcher das permanente Gewebe reicht; die Portio caduca des -Nabelstranges hat keine eigenen Gefässe mehr. - -[Illustration: =Fig=. 49. Das abdominale Ende des Nabelstranges eines -fast ausgetragenen Kindes, injicirt. _A_ die Bauchwand. _B_ der -persistirende Theil mit dichter Gefäss-Injection am Rande. _C_ Portio -caduca mit den Windungen der Nabelgefässe. _v_ die Capillargrenze.] - -Dieses Verhältniss, welches mir für die Theorie der Ernährung sehr -wichtig zu sein scheint, übersieht man sehr leicht mit blossem Auge an -injicirten Früchten vom fünften Monate an, sowie an Neugebornen. Die -gefässhaltige Schicht setzt sich zuweilen fast geradlinig ab. - -Freilich ist ein solches Object nicht absolut beweisend, denn es könnten -immerhin einzelne feine Gefässe noch weiter gehen, welche nicht mit -blossem Auge erkennbar wären. Aber ich habe gerade diesen Punkt zum -Gegenstande einer speziellen Untersuchung gemacht[24], und obwohl ich -eine Reihe von menschlichen Nabelsträngen bald von den Arterien, bald -von den Venen aus injicirt habe, so ist es mir doch nie gelungen, auch -nur das kleinste collaterale Gefäss zu sehen, welches über die Grenze -der Portio persistens hinausging. Der ganze hinfällige Theil des -Nabelstranges, das lange Stück, welches zwischen dem cutanen Ansatz und -der Placentar-Auflösung liegt, ist vollständig capillarlos, und es ist -in ihm nichts weiter von Gefässen vorhanden, als die drei grossen -Stämme. Diese zeichnen sich aber sämmtlich durch sehr dicke Wandungen -aus, welche, wie wir erst durch =Kölliker='s Untersuchung wissen, -ausserordentlich reich an glatten Muskelfasern sind. - - [24] Archiv f. path. Anatomie und Physiol. 1851. III. 459. - -[Illustration: =Fig=. 50. Querdurchschnitt durch einen Theil des -Nabelstranges. Links sieht man den Durchschnitt einer Nabelarterie mit -sehr starker Muskelhaut, daran schliesst sich das allmählich immer -weiter werdende Zellennetz des Schleimgewebes. Vergr. 80.] - -Auf einem Querschnitte durch den Nabelstrang bemerkt man, wie die dicke -mittlere Haut der Gefässe ganz und gar aus diesen Muskelfasern besteht, -eine unmittelbar an der anderen, so reichlich, wie es sonst kaum an -irgend einem vollständig entwickelten Gefässe gefunden wird. Diese -Eigenthümlichkeit erklärt die auffallend grosse Contractilität der -Nabelgefässe, welche bei Einwirkung mechanischer Reize, beim Abschneiden -mit der Scheere, beim Kneifen oder auf elektrische Reize im Grossen so -leicht in Wirkung tritt. Zuweilen verengern sich die Gefässe auf äussere -Reize selbst bis zum Verschlusse ihres Lumens, so dass nach der Geburt -auch ohne Ligatur, z. B. nach Abreissen des Nabelstranges, die Blutung -von selbst stehen kann. Die Dicke der Wandungen dieser Gefässe ist daher -leicht begreiflich, denn zu der an sich so dicken Muscularis kommt noch -eine innere und eine, wenn auch nicht gerade sehr stark entwickelte, -äussere Haut; daran erst schliesst sich das sulzige Gallert-Gewebe -(=Schleimgewebe=). Durch diese Lagen hindurch würde also die Ernährung -geschehen müssen. Ich kann nun allerdings nicht mit Sicherheit sagen, -von wo aus das Gewebe des Nabelstranges sich ernährt; vielleicht nimmt -es aus dem Liquor Amnios Ernährungsstoffe auf; auch will ich nicht in -Abrede stellen, dass durch die Wand der Gefässe Ernährungsstoffe -hindurchtreten mögen, oder dass sich von den kleinen Capillaren des -persistirenden Theils aus nutritives Material fortbewegt. Aber in jedem -Falle liegt eine grosse Masse des Gewebes fern von allen Gefässen und -von der Oberfläche; sie ernährt und erhält sich, ohne dass eine feinere -Circulation von Blut in ihr vorhanden ist. Man hat nun allerdings lange -Zeit hindurch sich mit diesem Gewebe nicht weiter beschäftigt, weil man -es mit dem Namen der Sulze (Gallerte) belegte und es damit überhaupt aus -der Reihe der Gewebe in die vieldeutige Gruppe der blossen Anhäufungen -oder Ausschwitzungen von organischer Masse warf. Ich habe erst -gezeigt[25], dass es wirklich ein gut gebildetes Gewebe von typischer -Einrichtung ist, und dass dasjenige, was im engeren Sinne die Sulze -darstellt, der ausdrückbare Theil der Intercellularsubstanz ist, nach -dessen Entfernung ein leicht faseriges Gewebe zurück bleibt, welches ein -feines, anastomotisches Netz von zelligen Elementen in derselben Weise -enthält, wie wir es eben an der Sehne und an anderen Theilen kennen -gelernt haben. Ein Durchschnitt durch die äusseren Schichten des -Nabelstranges zeigt eine Bildung, welche viel Aehnlichkeit mit dem -Habitus der äusseren Haut hat: ein Epidermoidal-Stratum, darunter eine -etwas dichtere cutisartige Lage, dann die =Wharton=sche Sulze, welche -der Textur nach dem Unterhautgewebe entspricht und eine Art von Tela -subcutanea darstellt. Dies hat insofern für die Deutung einiger Gewebe -der späteren Zeit ein besonderes Interesse, als die Sulze des -Nabelstranges dadurch ihre nächste Verwandtschaft documentirt mit dem -Panniculus adiposus, der aus ursprünglichem Schleimgewebe hervorgeht, -sowie mit dem =Glaskörper=, welcher der einzige Gewebs-Rest ist, der, -soweit ich bis jetzt ermitteln konnte[26], beim Menschen während des -ganzen Lebens in dem Zustande einer zitternden Gallerte oder Sulze -verharrt. Er ist der letzte Rest des embryonalen Unterhautgewebes, -welches bei der Entwickelung des Auges mit der Linse (der früheren -Epidermis, S. 36) von aussen eingestülpt wird. - - [25] Würzb. Verhandl. 1851. II. 160. - - [26] Würzb. Verhandl. II. 317. Archiv f. path. Anat. IV. 486. V. 278. - -Die Haupt-Masse des Nabelstranges besteht aus einem maschigen Gewebe, -dessen Maschenräume Schleim (Mucin) und einzelne rundliche Zellen -enthalten und dessen Balken aus einer streifig-faserigen Substanz -bestehen. Innerhalb dieser letzteren liegen sternförmige Elemente. -Stellt man durch Behandlung mit Essigsäure ein gutes Präparat her, so -bekommt man ein regelrechtes Netz von Zellen zu Gesicht, welches die -Masse in so regelmässige Abtheilungen zerlegt, dass durch die -Anastomosen, welche diese Zellen durch den ganzen Nabelstrang haben, -eben auch eine gleichmässige Vertheilung der Säfte durch die ganze -Substanz möglich wird. -- - -[Illustration: =Fig=. 51. Querdurchschnitt vom Schleimgewebe des -Nabelstranges, das Maschennetz der sternförmigen Körper nach Behandlung -mit Essigsäure und Glycerin darstellend. Vergr. 300.] - -Ich habe bis jetzt eine Reihe von Geweben vorgeführt, die alle darin -übereinkamen, dass sie entweder sehr wenig Capillargefässe oder gar -keine besitzen. In allen diesen Fällen erscheint der Schluss sehr -einfach, dass die besondere zellige Kanal-Einrichtung, welche sie -besitzen, für die Saftströmung diene. Man könnte aber, zumal wenn man -das Schleimgewebe nicht anerkennt, meinen, es sei dies eine -Ausnahms-Eigenschaft, die nur den gefässlosen oder gefässarmen, im -Allgemeinen harten Theilen zukäme, und ich muss daher noch ein Paar -Worte über die Weichtheile hinzufügen, welche einen ähnlichen Bau haben. -Alle Gewebe, welche wir bisher betrachtet haben, gehören nach der -Classification, welche ich im Eingange gegeben habe, in die Reihe der -Bindesubstanzen: der Faser-Knorpel, das fibröse oder Sehnengewebe, das -Schleim-, Knochen- und Zahngewebe müssen sämmtlich derselben Klasse -zugerechnet werden. In dieselbe Kategorie gehört aber auch die -ganze Masse dessen, was man gewöhnlich unter dem Namen des -eigentlichen =Zellgewebes= begriffen hat und worauf zumeist der von -=Joh=. =Müller=[27] vorgeschlagene Name des =Bindegewebes= passt; jene -Substanz, welche die Zwischenräume der verschiedenen Organe in bald -mehr, bald weniger grosser Menge erfüllt, welche die Verschiebung der -Theile gegen einander ermöglicht, und von der man sich früher dachte, -dass sie grössere oder kleinere, mit einem gasförmigen Dunst (Halitus -serosus) oder Feuchtigkeit gefüllte Räume (Zellen im groben Sinne, -Areolen) enthielte (S. 40). - - [27] =Müller=, Handb. der Physiol. I. 2. 1834. S. 410: »Das - Zellgewebe, welches durch seine Eigenschaft, andere Gewebe mit - einander zu vereinigen, auch Bindegewebe genannt werden könnte.« - -An den meisten Orten liegen darin zahlreiche Arterien, Venen und -Capillaren, und die Einrichtung für die Ernährung ist die -allergünstigste von der Welt. Trotzdem besteht auch hier neben den -Blutgefässen überall eine feinere Einrichtung der Ernährungswege genau -in derselben Art, wie wir sie eben kennen gelernt haben, nur dass, je -nach dem besonderen Bedürfnisse, an einzelnen Theilen eine -eigenthümliche Veränderung der Zellen stattfindet, indem nach und nach -an die Stelle der einfachen Zellennetze und Zellenfasern eine compactere -Bildung tritt, welche durch eine direkte Umwandlung daraus hervorgeht, -das sogenannte =elastische Gewebe=. - -[Illustration: =Fig=. 52. Elastische Netze und Fasern aus dem -Unterhautgewebe vom Bauche einer Frau. _a_, _a_ grosse, elastische Körper -(Zellkörper) mit zahlreichen anastomosirenden Ausläufern. _b_, _b_ dichte -elastische Faserzüge, an der Grenze grösserer Maschenräume. _c_, _c_ -mittelstarke Fasern, am Ende spiralig retrahirt. _d_, _d_ feinere -elastische Fasern, bei _e_ feinspiralig zurückgezogen. Vergr. 300.] - -Wenige Monate, nachdem ich meine ersten Beobachtungen über die Zellen -und Röhrensysteme der Bindesubstanzen mitgetheilt hatte, -veröffentlichte =Donders= seine Beobachtungen über die Umbildung der -Bindegewebszellen in elastische Elemente, -- eine Erfahrung, welche für -die Vervollständigung der Geschichte des Bindegewebes von grosser -Bedeutung geworden ist. Wenn man nehmlich an solchen Punkten untersucht, -wo das Bindegewebe grossen Dehnungen ausgesetzt ist, wo es also eine -grosse Widerstandsfähigkeit besitzen muss, so findet man in derselben -Anordnung und Verbreitung, welche sonst die Zellen und Zellenröhren des -Bindegewebes darbieten, elastische Fasern, und man kann nach und nach -die Umbildung der einen in die anderen so verfolgen, dass es nicht -zweifelhaft bleibt, dass nicht bloss die feineren (=Henle='s sogenannte -Kernfasern, Fig. 20 und 22), sondern auch die gröberen elastischen -Fasern direkt durch eine chemische Veränderung und Verdichtung der Wand -von Bindegewebskörperchen hervorgehen. Da, wo ursprünglich eine -einfache, mit langen Fortsätzen versehene Zelle lag, da sehen wir nach -und nach die Membran nach innen hin an Dicke zunehmen und das Licht -stärker brechen, während der eigentliche Zelleninhalt sich immer mehr -reducirt und endlich verschwindet. Das ganze Gebilde wird dabei -gleichmässiger, gewissermaassen sklerotisch und erlangt gegen Reagentien -eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit, so dass nur die stärksten -Caustica nach längerer Einwirkung dasselbe zu zerstören im Stande sind, -während es den kaustischen Alkalien und Säuren in der bei -mikroskopischen Untersuchungen gebräuchlichen Concentration vollkommen -widersteht. Je weiter diese Umwandlung fortschreitet, um so mehr nimmt -die Elasticität der Theile zu, und wir finden in den Schnitten diese -Fasern gewöhnlich nicht gerade oder gestreckt, sondern gewunden, -aufgerollt, spiralig gedreht oder kleine Zikzaks bildend (Fig. 52, _c_, -_e_). Dies sind die Elemente, welche vermöge ihrer grossen Elasticität -Retractionen derjenigen Theile bedingen, an welchen sie in grösserer -Masse vorkommen, z. B. der Arterien, der elastischen Bänder. Man -unterscheidet gewöhnlich feine elastische Fasern, welche eben die grosse -Verschiebbarkeit besitzen, von den breiteren, welche keine gewundenen -Formen annehmen. Der Entstehung nach scheint indess zwischen beiden -Arten kein Unterschied zu sein; meiner Meinung nach gehen beide aus -Bindegewebszellen hervor und die spätere Anordnung wiederholt die -ursprüngliche Anlage. An die Stelle eines Gewebes, welches aus -Grundsubstanz und einem maschigen, anastomosirenden Zellengewebe -besteht, tritt nachher ein Gewebe, dessen Grundsubstanz durch grosse -elastische Maschennetze mit höchst compacten und derben Fasern -abgetheilt wird. - -Ich will damit jedoch keineswegs behauptet haben, dass alle Dinge, -welche man gelegentlich elastische Fasern nennt, auf dieselbe Weise -entstehen. Im Netzknorpel wird die Intercellularsubstanz von sehr -starken, rauhen Fasern durchsetzt, welche die gewöhnlich runden Zellen -umziehen, aber weder einen Zusammenhang mit ihnen haben, noch aus ihnen -hervorgehen. Manche neuere Beobachter sind der Meinung, dass in -ähnlicher Weise auch die elastischen Fasern des Bindegewebes Producte -der Intercellularsubstanz seien. Dieses scheint mir unrichtig zu sein. -Allerdings verdichtet sich auch die Intercellularsubstanz des -Bindegewebes an gewissen Orten zu einer homogenen, glasartigen, -=strukturlosen Membran= von ganz ähnlichem Aussehen, wie die elastischen -Fasern. Dahin gehören namentlich die sogenannten =Tunicae propriae= der -Drüsenkanäle, z. B. der Niere, der Schweissdrüsen, für welche die -englische Terminologie den Namen der Basement membranes eingeführt hat. -Dahin scheint auch das Sarkolemm der Muskelprimitivbündel zu zählen zu -sein, welches allerdings den Eindruck einer Zellmembran macht, welches -aber erst im Laufe der späteren Entwickelung mehr hervortritt und -gelegentlich z. B. in den Trichinen-Kapseln eine kolossale Dicke -erreicht. Manche dieser Bildungen hat man, nach Analogie der Chitinhäute -niederer Thiere, als eine Ausscheidung der Zellen, als sogenannte -=Cuticulae= aufgefasst, indess passt diese Bezeichnung nur für solche -Häute, welche nach aussen von den Zellen liegen, nicht für solche, -welche, wie die Tunicae propriae der Drüsenkanäle, nach innen von -denselben sich befinden. Wenn ich daher für die elastischen Membranen -eine Ableitung derselben aus der Intercellularsubstanz zulasse, so halte -ich doch daran fest, dass die eigentlichen elastischen Fasern aus den -Zellkörpern des Bindegewebes entstehen. - -Bis jetzt ist nicht mit Sicherheit ermittelt, ob die Verdichtung -(Sklerose) der Zellen bei dieser Umwandlung so weit fortgeht, dass ihre -Leitungsfähigkeit völlig aufgehoben, ihr Lumen ganz beseitigt wird, oder -ob im Innern eine kleine Höhlung übrig bleibt. Auf Querschnitten feiner -elastischer Fasern sieht es so aus, als ob das Letztere der Fall sei, -und man könnte sich daher vorstellen, dass bei der Umbildung der -Bindegewebskörperchen in elastische Fasern eben nur eine Verdichtung und -Verdickung mit gleichzeitiger chemischer Umwandlung an ihren äusseren -Theilen stattfände, schliesslich jedoch ein Minimum des Zellenraumes -übrig bliebe. Was für eine Substanz es ist, welche die elastischen -Theile bildet, ist nicht ermittelt, weil sie absolut unlöslich ist; man -kennt von der chemischen Natur dieses Gewebes nichts, als einen Theil -seiner Zersetzungs-Produkte. Daraus lässt sich aber weder seine -Zusammensetzung, noch seine chemische Stellung zu den übrigen Geweben -beurtheilen. - -Elastische Fasern finden sich überaus verbreitet in der äusseren Haut -(=Cutis=), namentlich in den tieferen Schichten der eigentlichen -Lederhaut; sie bedingen hauptsächlich die ausserordentliche Resistenz -dieses Theiles, die sich auch nach dem Tode erhält und von der die Güte -der Schuhsohlen und anderer, starker Abnutzung ausgesetzter, aus Leder -gefertigter Geräthe abhängt. Die verschiedene Festigkeit der einzelnen -Schichten der Haut beruht wesentlich auf ihrem grösseren oder geringeren -Gehalt an elastischen Fasern. Den oberflächlichsten Theil der Cutis -dicht unter dem Rete Malpighii bildet der Papillarkörper, worunter man -nicht nur die Papillen selbst, sondern auch eine Lage von flach -fortlaufender Cutissubstanz mit kleinen Bindegewebskörperchen zu -verstehen hat. In die Papillen selbst steigen nur feine elastische -Fasern und zwar in Bündelform auf. In der Basis der Papillen erscheinen -dann zuerst feine und enge Maschennetze (Fig. 17, _P_, _P_), welche nach -der Tiefe zu mit dem sehr dicken und groben elastischen Netz -zusammenhängen, welches den mittleren, am meisten festen Theil der Haut, -die eigentliche =Lederhaut= (Derma) durchsetzt. Darunter folgt endlich -ein noch gröberes Maschennetz innerhalb der weniger dichten, aber -immerhin noch sehr soliden, unteren Schicht der Cutis, welche endlich in -das Fett- oder Unterhautgewebe (die =Unterhaut=) übergeht. - -Wo eine solche Umwandlung der Bindegewebskörperchen in elastisches -Gewebe stattgefunden hat, da trifft man manchmal fast gar keine -deutlichen Zellen mehr. So ist es nicht bloss an der Cutis, sondern auch -namentlich an gewissen Stellen der mittleren Arterienhaut, namentlich -der Aorta. Hier wird das Netz von elastischen Fasern so überwiegend, -dass es nur bei grosser Sorgfalt möglich ist, hier und da feine zellige -Elemente dazwischen zu entdecken. In der Cutis dagegen findet man neben -den elastischen Fasern eine etwas grössere Menge von kleinen Elementen, -die ihre zellige Natur noch erhalten haben, allerdings in äusserst -minutiöser Grösse, so dass man danach besonders suchen muss. Sie liegen -gewöhnlich in den Räumen, welche von den grossmaschigen Netzen der -elastischen Fasern umgrenzt werden; sie bilden hier entweder ein -vollkommen anastomotisches, kleinmaschiges System, oder sie erscheinen -auch wohl als mehr gesonderte, rundlich-ovale Gebilde, indem die -einzelnen Zellen nicht deutlich mit einander in Verbindung stehen. Dies -ist namentlich in dem Papillarkörper der Haut der Fall, der sowohl in -seiner ebenen Schicht, als in den Papillen zahlreiche kernhaltige Zellen -führt, im geraden Gegensatze zu der zugleich mehr gefässarmen -eigentlichen Lederhaut. Es bedarf der Papillarkörper einer ungleich -zahlreicheren Menge von Gefässen, da diese zugleich das -Ernährungsmaterial für das ganze, über der Papille liegende und für sich -gefässlose Oberhautstratum liefern müssen. Trotz der verhältnissmässigen -Grösse dieser Gefässe bleibt doch nur eine kleine Menge Ernährungssaft -der Papille als solcher zur Disposition. Jeder Papille entspricht daher -ein gewisser Abschnitt der darüber liegenden Oberhaut, welcher mit der -Papille zusammen einen einzigen =vasculären oder Ernährungsbezirk= -darstellt. Innerhalb dieses Bezirkes zerfällt sowohl die Oberhaut, als -auch die Papille als solche wieder in so viele Elementar- -(histologische) Territorien, als überhaupt Elemente (Zellen) darin -vorhanden sind. - -[Illustration: =Fig=. 53. Injectionspräparat von der Haut, senkrechter -Durchschnitt. _E_ Epidermis, _R_ Rete Malpighii, _P_ die Hautpapillen -mit den auf- und absteigenden Gefässen (Schlingen). _C_ Cutis. Vergr. -11.] - -Die =Unterhaut= (tela subcutanea) besteht an den meisten Stellen des -Körpers keineswegs, wie man noch jetzt so häufig hört, aus Zellgewebe, -sondern aus Fettgewebe (panniculus adiposus). Sie verhält sich in dieser -Beziehung ganz ähnlich, wie an sehr vielen Orten das =subseröse= Gewebe, -welches gleichfalls eine vorwiegende Neigung zur Fettabsetzung erkennen -lässt. Die subpericardialen, subpleuralen, subperitonäalen, -subsynovialen Schichten sind bei gut genährten Personen mehr oder -weniger vollständig aus Fettgewebe gebildet. Wesentlich verschieden -verhält sich das =submucöse= Gewebe, welches wohl gelegentlich wahres -Fettgewebe ist, jedoch meist aus loserem Bindegewebe, seltener aus -Schleimgewebe besteht. Ihnen am nächsten steht unter den subcutanen -Lagern die Unterhaut des Scrotum (=Tunica dartos=), welche überdies noch -dadurch ein besonderes Interesse darbietet, dass sie ausnehmend reich an -Gefässen und Nerven ist, ganz entsprechend der besonderen Bedeutung -dieses Theiles, und dass sie ausserdem eine grosse Masse von organischen -Muskeln und zwar von jenen kleinen Hautmuskeln besitzt, die ich früher -erwähnt habe (S. 58). Letztere sind die eigentlich wirksamen Elemente -der contractilen Tunica dartos. Gerade hier, wo man früher auf -contractiles Zellgewebe zurückgegangen war, ist die Menge der kleinen -Hautmuskeln überaus reichlich; die kräftigen Runzelungen des -Hodensackes entstehen einzig und allein durch die Contraction dieser -feinen Bündel, welche man namentlich nach Carminfärbung sehr leicht von -dem Bindegewebe unterscheiden kann. Es sind Fascikel von ziemlich -gleicher Breite, meist breiter, als die Bindegewebsbündel; die einzelnen -Elemente sind in ihnen in Form von langen glatten Faserzellen -zusammengeordnet. Jedes Muskel-Fascikel zeigt, wenn man es mit -Essigsäure behandelt, in regelmässigen Abständen jene eigenthümlichen, -langen, häufig stäbchenartigen Kerne der glatten Muskulatur, und -zwischen denselben eine streifige Abtheilung nach den einzelnen Zellen, -deren Inhalt ein leicht körniges Aussehen hat. Das sind die Runzler des -Hodensackes (=Corrugatores scroti=). Daneben finden sich in der überaus -weichen Haut auch noch eine gewisse Zahl von feinen elastischen -Elementen und in grösserer Menge das gewöhnliche weiche, lockige -Bindegewebe mit einer grossen Zahl verhältnissmässig umfangreicher, -spindel- und netzförmiger, schwach granulirter Kernzellen. - -[Illustration: =Fig=. 54. Schnitt aus der Tunica dartos des Scrotums. -Man sieht nebeneinander parallel eine Arterie (_a_), eine Vene (_v_) und -einen Nerven (_n_); erstere beide mit kleinen Aesten. Rechts und links -davon organische Muskelbündel (_m_, _m_) und dazwischen weiches -Bindegewebe (_c_, _c_) mit grossen anastomosirenden Zellen und feinen -elastischen Fasern. Vergr. 300.] - -Das weiche Bindegewebe verhält sich daher, abgesehen von den in dasselbe -eingelagerten, dem Bindegewebe als solchem nicht angehörigen Theilen -(Gefässen, Nerven, Muskeln, Drüsen), wie das harte: überall ein Netz -verzweigter und unter einander anastomosirender Zellen in einer, grossen -Schwankungen der Consistenz und der inneren Zusammensetzung -unterworfenen Grundsubstanz. Um jedoch die grosse Verschiedenheit der -Ansichten, die noch immer über diesen schwierigen Gegenstand besteht, -nicht zu verschweigen, so wollen wir hier erwähnen, dass eine grosse -Zahl auch der neuesten Beobachter nicht bloss die zellige, sondern sogar -die körperliche Natur der von mir beschriebenen Bindegewebszellen oder -Bindegewebskörperchen, sowie aller der ihnen aequivalenten Gebilde -(Knochen-, Hornhaut-, Sehnen-Körperchen) geradezu in Abrede stellt, und -an die Stelle derselben blosse Zwischenräume, Aushöhlungen oder Lücken -(Lacunen) setzt, welche sich zwischen den Bündeln oder Lamellen des -Gewebes an den Punkten finden sollen, wo die Bündel oder Lamellen nicht -vollständig mit einander in Berührung kommen. Die Erfahrung, dass die -Bindegewebsmassen, welche an die Oberfläche treten, an verschiedenen -Orten mit einer derberen, mehr homogenen, zuweilen elastischen oder -glasartigen Haut oder Schicht (Tunica propria S. 134) bedeckt sind, ist -zu Hülfe genommen worden, um zu erklären, dass auch jene Zwischenräume, -Aushöhlungen oder Lücken von wirklichen Membranen umgrenzt sein könnten, -ohne dass diese Membranen einem Zellkörper zugehörten. Selbst der -Umstand, dass ich auf verschiedene Weise sowohl aus dem Binde- und -Schleimgewebe, als auch aus Knochen und anderen Hartgebilden verästelte -Körper isolirt habe, eine Erfahrung, welche durch zahlreiche andere -Untersucher, wie =Fel=. =Hoppe=, =His=, =Kölliker=, H. =Müller=, -=Leydig=, v. =Hessling=, A. =Förster= bestätigt ist, hat den Kritikern -nicht genügt; man hat dagegen erklärt, dass auch eine blosse Lücke, die -von Membranen umgrenzt sei, sich durch Auflösen der umliegenden Substanz -isoliren lasse. Man übersah dabei, dass aus frischen Geweben die -Isolations-Methode nicht bloss Membranen, sondern wirkliche Körper mit -solidem Inhalt liefert. Solche Widersprüche lassen sich durch blosse -Debatten und Reden überhaupt nicht zum Schweigen bringen. Hier kann nur -die eigene Erfahrung genügen, sobald sie mit philosophischem Sinne, mit -genauer Berücksichtigung der Histogenie und in möglich grösster -Ausdehnung über das gesammte Gebiet der thierischen Organisation -ausgeführt wird. Sicherlich gibt es Bindegewebslager und -Bindegewebsbündel, deren oberflächlichste Schicht durch spätere -Differenzirung eine hautartige Verdichtung erfahren hat, und welche also -eine Art von Hülle oder Scheide besitzen, aber eben so sicher ist es, -dass dies keine allgemein-gültige Erfahrung ist, und dass, selbst wenn -sie allgemein wäre und wenn sie auch für die inneren Einrichtungen des -weichen und harten Bindegewebes, der Knochen und Sehnen Gültigkeit -hätte, daraus doch weiter nichts folgen würde, als dass auch die -Bindegewebs-, Knochen- und Sehnenkörperchen sich, wie die -Knorpelkörperchen, mit einer besondern =Kapselmembran= umgeben könnten. -Nachdem selbst so hartnäckige Opponenten, wie =Henle=, zugestanden -haben, dass im Innern jener sogenannten Lücken sehr häufig Kerne, Inhalt -(Protoplasma), ja wirkliche Zellen zu finden seien, so bewegt sich der -Streit nur noch um die Formel, nicht mehr um die Thatsachen. Meiner -Anschauung genügt das Zugeständniss, dass in diesen Geweben, namentlich -im Bindegewebe, verzweigte und zusammenhängende Röhrchen und Canälchen -existiren, welche sich an gewissen Knotenpunkten zu grösseren Lacunen -sammeln, und dass diese Röhrchen, Canälchen und Lacunen von zelligen -Theilen erfüllt sind, welche sowohl bei der ersten Anlage des Gewebes -vorhanden sind, als sich durch das ganze Leben des Individuums erhalten -können[28]. - - [28] Archiv f. path. Anat. u. Phys. XVI. 1. - -Diese persistirenden Zellen des Bindegewebes hat man früher völlig -übersehen, indem man als die eigentlichen Elemente des Bindegewebes die -Fibrillen desselben betrachtete. Wie wir schon früher (S. 41) gesehen -haben, so liegen diese Fibrillen in der Regel in Bündeln zusammen. -Trennt man die einzelnen Theile des Bindegewebes von einander, so -erscheinen kleine Bündel von welliger Form und streifigem, fibrillärem -Aussehen. Die Vorstellung von =Reichert=, dass dieses Aussehen nur -durch Faltenbildung bedingt würde, darf in der Ausdehnung, wie sie -aufgestellt wurde, nicht angenommen werden; man muss vielmehr neben den -Fibrillen eine gleichmässige Grundmasse, eine Art von Kittsubstanz -zulassen, welche die Fibrillen innerhalb des Bündels zusammenhält. Nach -den Untersuchungen von =Rollett= scheint dies nicht selten auch im -wahren Bindegewebe Mucin zu sein. Indess ist dies eine Frage von -untergeordneter Bedeutung, in so fern es ganz und gar unzulässig ist, -die der Intercellularsubstanz angehörenden Fibrillen des Bindegewebes -als eigentliche organische Elemente zu betrachten. Dagegen ist es -äusserst wichtig, zu wissen, dass überall, wo lockeres Bindegewebe sich -findet, in der Unterhaut, im Zwischenmuskel-Gewebe, in den serösen -Häuten, dasselbe durchzogen ist von meist anastomosirenden Zellen, -welche auf Längsschnitten parallele Reihen, auf Querschnitten Netze -bilden und welche in ähnlicher Weise die Bündel des Bindegewebes von -einander scheiden, wie die Knochenkörperchen die Lamellen der Knochen, -oder wie die Hornhautkörperchen die Blätter der Hornhaut. - -Neben ihnen finden sich überall die mannichfachsten Gefässverästelungen, -und zwar namentlich so viele Capillaren, dass eine besondere -Leitungs-Einrichtung des Gewebes selbst geradezu unnöthig erscheinen -könnte. Allein dieser Schluss ist nur bei oberflächlicher Betrachtung -richtig. Eine genauere Erwägung ergiebt, dass auch diese Gewebe, so -günstig ihre Capillarbahnen liegen, einer Einrichtung bedürfen, welche -die Möglichkeit darbietet, dass =eine Special-Vertheilung der -ernährenden Säfte auf die einzelnen zelligen Bezirke in gleichmässiger -und dem jeweiligen Bedürfnisse entsprechender Weise stattfinde=. Erst -wenn man die Aufnahme des Ernährungsmaterials als eine Folge der -Thätigkeit (Anziehung) der Gewebs-Elemente selbst auffasst, begreift -man, dass die einzelnen Bezirke nicht jeden Augenblick der -Ueberschwemmung vom Blute aus preisgegeben sind, dass vielmehr das in -dem Blute dargebotene Material nur nach dem wirklichen Bedarf in die -Theile aufgenommen und den einzelnen Bezirken in verschiedenem Maasse -zugeführt wird. So erklärt es sich auch, dass unter normalen -Verhältnissen der eine Theil nicht durch die anderen in seinem Bestande -wesentlich benachtheiligt wird. - -Auf diese Weise erscheint die Ernährung in einer unmittelbaren Beziehung -zu dem Leben der einzelnen Theile, dessen Fortdauer trotz der durch die -Thätigkeit und die Verrichtungen des Theiles eintretenden Veränderungen -ja eben nur möglich ist durch eine mit Wechsel der Stoffe verbundene -Erhaltung und Ernährung der natürlichen Zusammensetzung. Diese Erhaltung -setzt aber ihrerseits bleibende regulatorische Einrichtungen in jedem -einzelnen Theile voraus, in der Art, dass der Theil für sich eine -bestimmende Einwirkung auf Abgabe und Aufnahme von Stoffen ausübt, in -ähnlicher Weise, wie dies auch bei den Theilen der Pflanze stattfindet. -Denn der Begriff der =Vegetation= beherrscht dieses ganze Gebiet des -thierischen Lebens. Schon die erste Darstellung, welche ich von den -Ernährungseinheiten und Krankheitsheerden des menschlichen Körpers -gegeben habe[29], stützte sich wesentlich auf den Parallelismus, der -durch das ganze Gebiet des Organischen geht, und jede weitere Forschung -hat diese Anschauung nur bestärkt. Die einzelne Zelle innerhalb eines -Gewebes wird nicht ernährt, sondern =sie ernährt sich=, d. h. sie -entnimmt den Ernährungsflüssigkeiten, welche sich in ihrer Umgebung -befinden, den für sie erforderlichen Theil. Sowohl quantitativ, als -qualitativ ist die Ernährung daher ein Ergebniss der Thätigkeit der -Zelle, wobei sie natürlich abhängig ist von Quantität und Qualität des -ihr erreichbaren Ernährungsmaterials, aber keineswegs in der Art, dass -sie genöthigt wäre, aufzunehmen, was und wie viel ihr zufliesst. -Gleichwie die einzelne Zelle eines Pilzes oder einer Alge aus der -Flüssigkeit, in der sie lebt, sich so viel und so beschaffenes Material -nimmt, als sie für ihre Lebenszwecke braucht, so hat auch die -Gewebszelle inmitten eines zusammengesetzten Organismus =elective= -Fähigkeiten, vermöge welcher sie gewisse Stoffe verschmäht, andere -aufnimmt und in sich verwendet. Das ist die eigentliche Nutrition im -cellularen Sinne. - - [29] Archiv f. path. Anat. u. Physiol. 1852. IV. 375. - - - - - Siebentes Capitel. - - Circulation und Blutmischung. - - - Arterien. Ihre Zusammensetzung: Epithel, Intima, Media - (Muscularis), Adventitia. Capillaren. Capillare Arterien und Venen. - Continuität der Gefässwand. Porosität derselben. Hæmorrhagia per - diapedesin. Venen. Gefässe in der Schwangerschaft. - - Eigenschaften der Gefässwand: - - 1) Contractilität. Rhythmische Bewegung. Active oder - Reizungs-Hyperämie. Ischämie. Gegenreize. Collaterale Fluxion. - - 2) Elasticität und Bedeutung derselben für die Schnelligkeit und - Gleichmässigkeit des Blutstromes. Erweiterung der Gefässe. - - 3) Permeabilität. Diffusion. Specifische Affinitäten. Verhältniss - von Blutzufuhr und Ernährung. Die Drüsensecretion (Leber). - Specifische Thätigkeit der Gewebselemente. - - Dyskrasie. Transitorischer Charakter und localer Ursprung - derselben. Säuferdyskrasie. Hämorrhagische Diathese. Syphilis. - -In den letzten Capiteln habe ich in eingehender Weise versucht, ein Bild -von den feineren Einrichtungen für die Saftströmungen innerhalb der -Gewebe zu liefern, und zwar namentlich von denjenigen, wo die Säfte -selbst sich der Beobachtung mehr entziehen. Wenden wir uns nunmehr zu -den gröberen Wegen und den edleren Säften, welche in der gangbaren -Anschauung bis jetzt eigentlich allein Berücksichtigung fanden. - -[Illustration: =Fig=. 55. _A_. Epithel von der Cruralarterie (Archiv f. -path. Anat. Bd. III. Fig. 9 und 12. S. 569). _a_ Kerntheilung. - -_B_. Epithel von grösseren Venen. _a_, _a_ Grössere, granulirte, runde, -einkernige Zellen (farblose Blutkörperchen?). _b_, _b_ Längliche und -spindelförmige Zellen mit getheiltem Kern und Kernkörperchen. _c_ -Grosse, platte Zellen mit zwei Kernen, von denen jeder drei -Kernkörperchen besitzt und in Theilung begriffen ist. _d_ -Zusammenhängendes Epithel, die Kerne in progressiver Theilung, eine -Zelle mit sechs Kernen. Vergr. 320.] - -Die Vertheilung des Blutes im Körper ist zunächst abhängig von der -Vertheilung der Gefässe innerhalb der einzelnen Organe. Indem die -Arterien sich in immer feinere Aeste auflösen, ändert sich allmählich -auch der Habitus ihrer Wandungen, so dass endlich feine Kanäle mit einer -scheinbar so einfachen Wand, wie sie überhaupt im Körper angetroffen -wird, sogenannte Haarröhrchen (Capillaren), daraus hervorgehen. -Histologisch ist dabei Folgendes zu bemerken: - -Jede =Arterie= hat verhältnissmässig dicke Wandungen, und selbst an -denjenigen Arterien, die man mit blossem Auge eben noch als feinste -Fädchen verfolgen kann, unterscheidet man mit Hülfe des Mikroskopes -nicht bloss die bekannten drei Häute, sondern noch ausser diesen eine -feine Epithelialschicht, welche die innere Oberfläche bekleidet; sie -pflegt gewöhnlich nicht als eine besondere Haut bezeichnet zu werden. -Die innere und äussere Haut (Intima und Adventitia) sind wesentlich -Bindegewebsbildungen, welche in grösseren Arterien einen zunehmenden -Gehalt an elastischen Fasern erkennen lassen; zwischen ihnen liegt die -verhältnissmässig dicke, mittlere oder Ringfaserhaut, welche als Sitz -der Muskulatur fast den wichtigsten Bestandtheil der Arterienwand -ausmacht. Die Muskulatur findet sich am reichlichsten in den mittleren -und kleineren Arterien, während in den ganz grossen, namentlich in der -Aorta, elastische Blätter den überwiegenden Bestandtheil auch der -Ringfaserhaut ausmachen. An kleinen Arterien bemerkt man bei -mikroskopischer Untersuchung leicht innerhalb dieser mittleren Haut -(vergl. Fig. 28 _b_, _b_. Fig. 54 _a_) kleine Quer-Abtheilungen, -entsprechend den einzelnen musculösen Faserzellen, welche so dicht um -das Gefäss herumliegen, dass wir Faserzelle neben Faserzelle fast ohne -irgend eine Unterbrechung finden. Die Dicke dieser Schicht kann man -durch die Begrenzung, welche sie nach innen und aussen durch -Längsfaserhäute erfährt, bequem erkennen; das einzige Täuschende sind -runde Zeichnungen, welche man hie und da in der Dicke der Ringfaserhaut, -aber nur am Rande der Gefässe (Fig. 28 _b_, _b_. Fig. 56 _m_, _m_) -erblickt, und welche wie eingestreute runde Zellen oder Kerne aussehen. -Dies sind die im scheinbaren Querschnitte gesehenen Faserzellen oder -deren Kerne. Am deutlichsten aber erkennt man die Lage der Media nach -Behandlung mit Essigsäure, welche in der Flächenansicht des Gefässes -längliche, quergelagerte Kerne in grosser Zahl hervortreten lässt. - -[Illustration: =Fig=. 56. Kleinere Arterie aus der Sehnenscheide der -Extensoren einer frisch amputirten Hand. _a_, _a_ Adventitia. _m_, _m_ -Media mit starker Muskelhaut, _i_, _i_ Intima, theils mit Längsfalten, -theils mit Längskernen, an dem Seitenaste aus den durchrissenen äusseren -Häuten hervorstehend. Vergr. 300.] - -Diese Schicht ist es, welche im Allgemeinen der Arterie ihre -Besonderheit gibt, und welche sie am deutlichsten unterscheidet von den -Venen. Freilich gibt es zahlreiche Venen im Körper, die bedeutende -Muskelschichten besitzen, z. B. die oberflächlichen Hautvenen, besonders -an den Extremitäten, indess tritt doch bei keiner derselben die -Muskelschicht als eine so deutlich abgegrenzte, gleichsam selbständige -Haut hervor, wie die Media der Arterien. Bei den kleineren Gefässen -beschränkt sich dieses Vorkommen einer deutlich ausgesprochenen -Ringfaserhaut wesentlich auf arterielle Gefässe, so dass man sofort -geneigt ist, wo man mikroskopisch einen solchen Bau findet, auch die -arterielle Natur des Gefässes anzunehmen. - -Diese auch bei mikroskopischer Betrachtung immer noch grösseren -Arterien, die freilich selbst im gefüllten Zustande für das blosse Auge -nur als rothe Fäden erscheinen, gehen nach und nach in kleinere über. -Bei dreihundertmaliger Vergrösserung sehen wir sie sich in Aeste -auflösen, und auch auf diese setzen sich, selbst wenn sie sehr klein (im -vulgären Sinne schon capillar) sind, zunächst die drei Häute noch fort, -Erst an den kleinsten Aesten verschwindet endlich die Muskelhaut, indem -die Abstände zwischen den einzelnen Querfasern immer grösser werden und -zugleich immer deutlicher die innere Haut durch sie hindurchscheint, -deren längsliegende Kerne sich mit denen der mittleren unter einem -rechten Winkel kreuzen (Fig. 28 _D_, _E_). Auch die Adventitia oder -äussere Haut lässt sich noch eine Strecke weit verfolgen (an manchen -Stellen, wie am Gehirn, häufig durch Einstreuung von Fett oder Pigment -deutlicher bezeichnet, Fig. 28 _D_, _E_), bis endlich auch sie sich -verliert und nur die einfache Haar-Röhre übrig bleibt (Fig. 4, _c_). Die -Vermuthung würde also dafür sprechen, dass die eigentlichen -Capillar-Membranen mit der Intima der grösseren Gefässe zu vergleichen -wären, indess haben die neueren Erfahrungen (S. 60) vielmehr die -Anschauung genährt, dass auch die Intima der Arterien in den Capillaren -verschwinde und dass die Epithelialschicht zuletzt allein übrig bleibe. - -Ich bemerke dabei ausdrücklich, dass die gewöhnliche Sprache der -Pathologen und noch mehr die der Aerzte den Ausdruck der Capillaren in -einer sehr willkürlichen Weise verwendet, und dass namentlich sehr -häufig Gefässe, die mit blossem Auge noch als Linien, Striche oder Netze -erkannt werden, Capillaren genannt werden. Dies sind jedoch in der Regel -wirkliche Arterien oder Venen: Capillaren im strengen Sinne des Wortes -sind makroskopisch unsichtbar. Man mag nun immerhin auch von =capillaren -Arterien= und =capillaren Venen= sprechen, indess folgen aus einem -solchen Sprachgebrauch leicht grosse Irrthümer, und derselbe ist daher -keineswegs empfehlenswerth. Man muss aber wissen, dass selbst in der -mikrographischen Sprache bis in die neueste Zeit hinein ähnliche -Verwechselungen sehr gewöhnlich waren und dass daraus manche -Missverständnisse sich erklären, welche bei einer strengeren -Terminologie leicht hätten vermieden werden können. - -Innerhalb der eigentlich =capillären= Auflösung ist an den Gefässen -weiter nichts bemerkbar, als die früher schon erwähnten Kerne, deren -Längsausdehnung der Längsaxe des Gefässes entspricht, und welche so in -die Gefässwand eingesetzt sind, dass man eine zellige Abtheilung um sie -herum ohne besondere chemische Hülfsmittel nicht weiter zu erkennen -vermag. Die Gefässhaut erscheint hier ganz gleichmässig, absolut homogen -und absolut continuirlich (Fig. 4, _c_). Während man noch vor 20 Jahren -darüber discutirte, ob es nicht Gefässe gäbe, welche keine eigentlichen -Wandungen hätten und nur Aushöhlungen, Ausgrabungen des Parenchyms[30] -der Organe seien, sowie darüber, ob Gefässe dadurch entstehen könnten, -dass von den alten Lichtungen aus sich neue Bahnen durch -Auseinanderdrängen des benachbarten Parenchyms eröffneten, so ist heut -zu Tage kein Zweifel mehr, dass das menschliche Gefässsystem, mit -Ausnahme der Milz und der mütterlichen Placenta, überall continuirlich -durch Membranen geschlossen ist. An diesen Membranen ist es nicht mehr -möglich, eine Porosität zu sehen. Selbst die feinen Poren, welche man in -der letzten Zeit an verschiedenen anderen Theilen wahrgenommen, haben -bis jetzt an der Gefässhaut kein Analogon gefunden; wenn man von der -Porosität der Gefässwand spricht, so kann dies nur in physikalischem -Sinne von unsichtbaren, eigentlich molekularen Interstitien oder in grob -mechanischem Sinne von wirklichen Continuitätstrennungen geschehen. Eine -Collodiumhaut erscheint nicht homogener, nicht continuirlicher, als die -Capillarhaut. Eine Reihe von Möglichkeiten, die man früher zuliess, -z. B. dass an gewissen Punkten die Continuität der Capillarmembran nicht -bestände, fallen einfach weg. Von einer »Transsudation« oder Diapedese -des Blutes durch die Gefässhaut, ohne Ruptur oder Hiatus derselben, kann -gar nicht weiter die Rede sein. Denn obwohl wir die Rupturstelle oder -Spalte nicht in jedem einzelnen Falle anatomisch nachweisen können, so -ist es doch ganz undenkbar, dass das Blut mit seinen Körperchen anders, -als durch ein Loch in der Gefässwand austreten könne. Dies versteht sich -nach histologischen Erfahrungen so sehr von selbst, dass darüber keine -Discussion zulässig ist. - - [30] Um vielfachen, an mich ergangenen Anfragen über die Bedeutung des - Wortes Parenchym zu genügen, verweise ich auf =Galenus= de - temperamentis Lib. II. cap. 3. viscerum propriam substantiam - Erasistratus parenchyma vocat. - -Nachdem die Capillaren eine Zeit lang fortgegangen sind, so setzen sich -nach und nach aus ihnen kleine =Venen= zusammen, welche gewöhnlich in -nächster Nähe der Arterien zurücklaufen (Fig. 54, _v_). Nicht ganz -selten wird eine Arterie von zwei Venen begleitet, die zu beiden Seiten -derselben liegen. An den Venen fehlt im Allgemeinen die -charakteristische Ringfaserhaut der Arterien, oder sie ist wenigstens -sehr viel weniger ausgebildet. Dafür trifft man in der Media der -stärkeren Venen derbere Lagen, die sich nicht so sehr durch die -Abwesenheit von Muskel-Elementen, als durch das reichlichere Vorkommen -longitudinell verlaufender elastischer Fasern charakterisiren; je nach -den verschiedenen Localitäten zeigen sie verschiedene Mächtigkeit. Nach -innen folgen dann die weicheren und feineren Bindegewebslagen der -Intima, und auf dieser findet sich wieder zuletzt ein plattes, -ausserordentlich durchscheinendes Epitheliallager, das am Schnittende -sehr leicht aus dem Gefässe hervortritt und oft den Eindruck von -Spindelzellen macht, so dass es leicht verwechselt werden kann mit -spindelförmigen Muskelzellen (Fig. 57). Die kleinsten Venen besitzen ein -ähnliches Epithel, bestehen aber ausserdem eigentlich ganz aus einem mit -Längskernen versehenen Bindegewebe (Fig. 54, _v_). - -[Illustration: =Fig=. 57. Epithel der Nierengefässe. _A_. Flache, längs -gefaltete Spindelzellen mit grossen Kernen vom Neugebornen. _B_. -Bandartige, fast homogene Epithelplatte mit Längskernen vom Erwachsenen. -Vergr. 350.] - -Diese Verhältnisse erleiden keine wesentliche Aenderung, wenn auch die -einzelnen Theile des Gefässapparates die äusserste Vergrösserung -erfahren. Am besten sieht man dies bei der =Schwangerschaft=, wo nicht -bloss am Uterus, sondern auch an der Scheide, an den Tuben und -Eierstöcken, sowie an den Mutterbändern sowohl die grossen und kleinen -Arterien und Venen, als auch die Capillaren eine so beträchtliche -Erweiterung zeigen, dass das übrige Gewebe, trotzdem dass es sich -gleichfalls nicht unerheblich vergrössert, dadurch wesentlich in den -Hintergrund gedrängt wird. Indess eignen sich doch gerade Theile des -puerperalen Geschlechtsapparates vortrefflich dazu, das Verhältniss der -Gewebs-Elemente zu den Gefässbezirken zu übersehen. An den Fimbrien der -Tuben sieht man innerhalb der Schlingennetze, welche die sehr weiten -Capillaren gegen den Rand hin bilden, immer noch eine grössere Zahl von -grossen Bindegewebszellen zerstreut, von denen nur einzelne den Gefässen -unmittelbar anliegen. In den Eierstöcken, besonders aber an den Alae -vespertilionum findet man ausserdem sehr schön ein Verhältniss, welches -sich an den Anhängen des Generations-Apparates öfter wiederholt, ähnlich -dem, wie wir es beim Scrotum betrachtet haben (S. 137); die Gefässe -werden nehmlich von ziemlich beträchtlichen Zügen glatter Muskeln -begleitet, welche nicht ihnen angehören, sondern nur dem Gefässverlaufe -folgen und zum Theil die Gefässe in sich aufnehmen. Es ist dies ein -äusserst wichtiges Element, insofern die Contractionsverhältnisse jener -Ligamente, welche man gewöhnlich nicht als muskulös betrachtet, -keinesweges bloss den Blutgefässen zuzuschreiben sind, wie erst -neuerlich =James Traer= nachzuweisen gesucht hat; vielmehr gehen -reichliche Züge von Muskeln mitten durch die Ligamente fort, welche in -Folge davon bei der menstrualen Erregung in gleicher Weise die -Möglichkeit zu Zusammenziehungen darbieten, wie wir sie an den äusseren -Abschnitten der Geschlechtswege mit so grosser Deutlichkeit wahrnehmen -können. An der weiblichen Scheide habe ich im Prolapsus auf mechanische -oder psychische Erregungen eben so starke Querrunzelungen auftreten und -bei Nachlass derselben wieder verschwinden sehen, wie es am männlichen -Scrotum bekannt ist. -- - -Wenn man nun die Frage aufwirft, welche Bedeutung die einzelnen Elemente -der Gefässe in dem Körper haben, so versteht es sich von selbst, dass -für die gröberen Vorgänge der Circulation die contractilen Elemente die -grösste Bedeutung haben, dass aber auch die elastischen Theile und die -einfach permeablen homogenen Häute auf viele Vorgänge einen bestimmenden -Einfluss ausüben[31]. Betrachten wir zunächst die Bedeutung der -=muskulösen Elemente= und zwar an denjenigen Gefässen, welche -hauptsächlich damit versehen sind, an den Arterien. - - [31] Man vergleiche für die Special-Behandlung der hierher gehörigen - Fragen den Abschnitt über die örtlichen Störungen des Kreislaufes in - dem von mir herausgegebenen Handbuche der speciellen Pathologie und - Therapie. Erlangen, 1854. I. 95 ff. - -Wenn eine Arterie irgend eine Einwirkung erfährt, welche eine -Zusammenziehung ihrer Muskeln hervorruft, so wird natürlich das Gefäss -sich verengern müssen, da die contractilen Zellen der Media ringförmig -um das Gefäss herumliegen; die Verengerung kann erfahrungsgemäss unter -Umständen bis fast zum Verschwinden des Lumens gehen. Die natürliche -Folge wird dann sein, dass in den betreffenden Körpertheil weniger Blut -gelangt. Wenn also eine Arterie auf irgend eine Weise einem -pathologischen Irritans zugänglich, oder wenn sie auf physiologischem -Wege excitirt und zur Thätigkeit angeregt wird, so kann diese Thätigkeit -nur darin bestehen, dass ihre Lichtung enger und die Blutzufuhr -erschwert wird. Man könnte freilich, nachdem man die Muskel-Elemente der -Gefässwandungen erkannt hat, den alten Satz wieder aufnehmen, dass die -Gefässe, wie das Herz, eine Art von rhythmischer, pulsirender, oder gar -peristaltischer Bewegung erzeugten, welche im Stande wäre, die -Fortbewegung des Blutes direct zu fördern, so dass eine arterielle -Hyperämie durch eine vermehrte selbständige Pulsation (Propulsion) der -Gefässe hervorgebracht würde. - -Es ist allerdings eine einzige Thatsache bekannt, welche eine wirkliche -rhythmische Bewegung der Arterienwandungen beweist; =Schiff= hat -dieselbe zuerst an dem Ohre der Kaninchen beobachtet. Allein sie -entspricht keineswegs dem Rhythmus der bekannten Arterien-Pulsation; ihr -einziges Analogen findet sich in den Bewegungen, welche schon früher von -=Wharton Jones= an den Venen der Flughäute von Fledermäusen entdeckt -worden waren, aber diese gehen in einer äusserst langsamen und ruhigen -Weise vor sich. Ich habe diese Erscheinung an Fledermäusen studirt und -mich überzeugt, dass der Rhythmus weder mit der Herzbewegung, noch mit -der respiratorischen Bewegung zusammenfällt; es ist eine ganz -eigenthümliche, verhältnissmässig nicht sehr ausgiebige Contraction, -welche in ziemlich langen Pausen, in längeren als die Circulation, in -kürzeren als die Respiration, erfolgt[32]. Auch die Zusammenziehungen -der Arterien am Kaninchenohr sind ungleich langsamer, als die Herz- und -Respirations-Bewegungen. - - [32] Mein Archiv XXVII. S. 224. - -Unzweifelhaft sind dies selbständige Pulsationen der Gefässe, aber sie -lassen sich nicht in der Weise verwerthen, dass die frühere Ansicht von -dem localen Zustandekommen der mit den Herzbewegungen isochronischen -Pulsation dadurch gestützt werden könnte. Die Beobachtung ergiebt -vielmehr, dass die Muskulatur eines Gefässes auf jeden Reiz, der sie in -Action setzt, sich zusammenzieht, dass aber diese Zusammenziehung sich -nicht in peristaltischer Weise fortpflanzt, sondern sich auf die -gereizte Stelle beschränkt, höchstens sich ein wenig nach beiden Seiten -darüber hinaus erstreckt, und an dieser Stelle eine gewisse Zeit lang -anhält. Je muskulöser das Gefäss und je direkter der Reiz ist, um so -dauerhafter und ergiebiger wird die Contraction, um so stärker die -Hemmung, welche die Strömung des Blutes dadurch erfährt. Je kleiner die -Gefässe sind, je mehr vorübergehend der Reiz war, um so schneller sieht -man dagegen auf die Contraction eine Erweiterung folgen, welche aber -nicht wiederum von einer Contraction gefolgt ist, wie es für das -Zustandekommen einer Pulsation nothwendig wäre, sondern welche mehr oder -weniger lange fortbesteht. Diese Erweiterung ist nicht eine active, -sondern eine passive, hervorgebracht durch den Druck des Blutes auf die -(durch die erste Contraction) ermüdete, weniger Widerstand leistende -Gefässwand. - -Untersucht man nun die Erscheinungen, welche man gewöhnlich unter dem -Namen der =activen Hyperämien oder Congestionen= zusammenfasst[33], so -kann kein Zweifel darüber sein, dass die Muskulatur der Arterien -wesentlich dabei betheiligt ist. Sehr gewöhnlich handelt es sich dabei -um Vorgänge, wo die Gefässmuskeln gereizt wurden, wo aber der -Contraction alsbald ein Zustand der Relaxation folgt, wie er in gleich -ausgesprochener Weise sich an den übrigen Muskeln selten vorfindet, ein -Zustand, der offenbar eine Art von Ermüdung oder Erschöpfung ausdrückt, -und der um so anhaltender zu sein pflegt, je energischer der Reiz war, -welcher einwirkte. An kleinen Gefässen mit wenig Muskelfasern sieht es -daher öfters so aus, als ob die Reize keine eigentliche Verengerung -hervorriefen, da man überaus schnell eine Erschlaffung und Erweiterung -eintreten sieht, welche längere Zeit andauert und ein vermehrtes -Einströmen des Blutes möglich macht. - - [33] Handbuch der spec. Path. I. 141. - -Diese selben Vorgänge der Relaxation können wir experimentell am -leichtesten herstellen dadurch, dass wir die Gefässnerven eines Theiles -durchschneiden, während wir die Verengerung (abgesehen von den Methoden -der direkten Reizung) in sehr grosser Ausdehnung erzeugen, indem wir die -Gefässnerven einem sehr energischen Reiz unterwerfen. Dass man diese Art -von Verengerung so spät kennen gelernt hat, erklärt sich daraus, dass -die Nervenreize sehr gross sein müssen, indem, wie =Claude Bernard= -gezeigt hat, nur starke elektrische Ströme dazu ausreichen. Andererseits -sind die Verhältnisse nach Durchschneidung der Nerven an den meisten -Theilen so complicirt, dass die Erweiterung und Durchschneidung der -Gefässnerven der Beobachtung sich entzogen hat, bis gleichfalls durch -=Bernard= der glückliche Punkt entdeckt und in der Durchschneidung der -sympathischen Nerven am Halse der Experimentation ein zuverlässiger und -bequemer Beobachtungsort erschlossen wurde. - -[Illustration: =Fig=. 58. Ungleichmässige Zusammenziehung kleiner -Gefässe aus der Schwimmhaut des Frosches. Copie nach =Wharton Jones=.] - -Mag die Erweiterung des Gefässes, oder, mit anderen Worten, die -Relaxation der Gefässmuskeln unmittelbar durch eine Lähmung der Nerven, -durch eine Unterbrechung oder Hemmung des Nerveneinflusses -hervorgebracht sein, oder mag sie die mittelbare Folge einer -vorausgegangenen Reizung sein, welche eine Ermüdung setzte, in jedem -Falle ist sie bedingt durch eine Art von Paralyse der Gefässwand. Active -Hyperämie ist daher insofern eine falsche Bezeichnung, als der Zustand -der Gefässe dabei ein vollständig passiver ist. Alles, was man auf die -dabei vorausgesetzte Activität der Gefässe gebaut hat, ist, wenn nicht -gerade auf Sand gebaut, doch äusserst unsicher; alle weiteren Schlüsse, -die man daraus gezogen hat in Beziehung auf die Bedeutung, welche die -Thätigkeit der Gefässe für die Ernährungs-Verhältnisse der Theile selbst -haben sollte, fallen in sich selbst zusammen. - -Wenn eine Arterie wirklich in Action ist, so macht sie keine Hyperämie; -im Gegentheil, je kräftiger sie agirt, um so mehr bedingt sie Anämie des -Theils, oder, wie ich es bezeichnet habe, Ischämie[34]. Die geringere -oder grössere Thätigkeit der Arterie bestimmt das Mehr oder Weniger von -Blut, welches in der Zeiteinheit in einen gegebenen Theil einströmen -kann. =Je thätiger das Gefäss, um so geringer die Zufuhr=. Haben wir -aber eine Reizungs-Hyperämie, d. h. eine vermehrte Zufuhr durch ermüdete -und daher passiv erweiterte Arterien, so kommt es therapeutisch gerade -darauf an, die Gefässe in einen Zustand von Thätigkeit zu versetzen, in -welchem sie im Stande sind, dem andrängenden Blutstrome Widerstand -entgegenzusetzen. Das leistet uns der sogenannte =Gegenreiz=, ein -höherer Reiz an einem schon gereizten Theile, welcher die erschlaffte -Gefässmuskulatur zu dauernder Verengerung anregt, dadurch die Blutzufuhr -verkleinert und die Regulation der Störung vorbereitet. Gerade da, wo am -meisten die Reaction, d. h. die regulatorische Thätigkeit in Anspruch -genommen wird, da handelt es sich darum, jene Passivität zu überwinden, -welche die (sogenannte active) Hyperämie unterhält. - - [34] Handbuch der spec. Pathol. u. Therapie. I. 122. - -Längere Zeit hindurch betrachtete man es als unmöglich, dass die -Strömung in erweiterten Gefässen eine beschleunigte sei. Man bezog sich -auf die bekannte hydraulische Erfahrung, dass die Stromschnelligkeit in -einer erweiterten Röhre ab-, in einer verengerten zunehme. Allein man -übersah dabei, dass es sich am Gefässapparat nicht um einfache Röhren, -sondern um ein System communicirender Röhren handelt, und dass -keineswegs gleiche Mengen von Blut in der Zeiteinheit in jeden einzelnen -Theil dieses Systems einströmen. Die hydraulischen Verhältnisse sind -ganz verschieden, je nachdem wir den Stamm sei es der Aorta, sei es der -Lungenarterie oder irgend einen mehr peripherischen Arterienast ins Auge -fassen. Eine Verengerung des Stammes der Aorta oder der Lungenarterie -wird sicherlich die Beschleunigung des Blutstroms an der verengten -Stelle, eine Erweiterung die Verlangsamung desselben zur Folge haben. -Wenn aber ein arterieller Ast im Bein oder in der Lunge sich verengert, -so wird das an der Verengerungsstelle in seiner Fortbewegung -beeinträchtigte Blut mit grösserer Kraft den collateralen Aesten -zuströmen und hier sich einen leichteren Abfluss eröffnen. Wir finden -dann neben der Ischämie das, was ich die =collaterale Fluxion= genannt -habe[35]. -- - - [35] Handb. der spec. Pathol. u. Ther. I. 122, 129, 142, 173. - - * * * * * - -Gehen wir nun von den muskulösen Theilen der Gefässe über auf die -=elastischen=, so treffen wir da eine Eigenschaft, welche eine sehr -grosse Bedeutung hat, einerseits für die Venen, deren Thätigkeit an -vielen Stellen nur auf elastische Elemente beschränkt ist, andererseits -für die Arterien, insbesondere die Aorta und ihre grösseren Aeste. Bei -diesen hat die Elasticität der Wandungen den Effect, die Verluste, -welche der Blutdruck durch die systolische Erweiterung der Gefässe -erfährt, auszugleichen und den ungleichmässigen Strom, welchen die -stossweisen Bewegungen des Herzens erzeugen, in einen gleichmässigen -umzuwandeln. Wäre die Gefässhaut nicht elastisch, so würde unzweifelhaft -der Blutstrom sehr verlangsamt werden und zugleich durch die ganze -Ausdehnung des Gefässapparates bis in die Capillaren Pulsation bestehen; -es würde dieselbe stossweise Bewegung, welche im Anfange des -Aortensystems dem Blute mitgetheilt wird, sich bis in die kleinsten -Verästelungen erhalten. Allein jede Beobachtung, welche wir am lebenden -Thiere machen, lehrt uns, dass innerhalb der Capillaren der Strom ein -continuirlicher ist. Diese gleichmässige Fortbewegung wird dadurch -hervorgebracht, dass die Arterien in Folge der Elasticität ihrer -Wandungen den Stoss, welchen sie durch das eindringende Blut empfangen, -mit derselben Gewalt dem Blute zurückgeben, sonach während der Zeit der -folgenden Herz-Diastole einen regelmässigen Fortschritt des Blutes in -der Richtung zur Peripherie hin unterhalten. - -Lässt die Elasticität des Gefässes erheblich nach, ohne dass zugleich -das Gefäss starr und unbeweglich wird (Verkalkung, Amyloidentartung), so -wird die Erweiterung, welche das Gefäss unter dem Drange des Blutes -empfängt, nicht wieder ausgeglichen; das Gefäss bleibt im Zustande der -Erweiterung, und es entstehen allmählich die bekannten Formen der -=Ektasie=, wie wir sie an den Arterien als Aneurysmen, an den Venen als -Varicen kennen. Es handelt sich bei diesen Zuständen nicht so sehr, wie -man in neuerer Zeit geschildert hat, um primäre Erkrankungen der innern -Haut, sondern um Veränderungen, welche in der elastischen und muskulären -mittleren Haut vor sich gehen. -- - - * * * * * - -Wenn demnach die muskulösen Elemente der Arterien den gewichtigsten -Einfluss auf das Maass und die Art der Blutvertheilung in den einzelnen -Organen, die elastischen Elemente die grösste Bedeutung für die -Herstellung eines schnellen und gleichmässigen Stromes haben, so üben -sie doch nur eine mittelbare Wirkung auf die Ernährung der ausserhalb -der Gefässe selbst liegenden Theile aus, und wir werden für diese Frage -in letzter Instanz hingewiesen auf die mit =einfacher Membran versehenen -Capillaren=, ohne welche ja nicht einmal die Wandbestandtheile der -grösseren, mit Vasa vasorum versehenen Gefässe sich auf die Dauer zu -ernähren und zu erhalten vermöchten. In den letzten Decennien hat man -sich meist damit beholfen, dass man zwischen dem flüssigen Inhalte des -Gefässes und dem Safte (Parenchymflüssigkeit) der Gewebe -=Diffusionsströmungen= annahm: Endosmose und Exosmose. Die Gefässhaut -galt dabei als eine mehr oder weniger indifferente Membran, welche eben -nur eine Scheidewand zwischen zwei Flüssigkeiten bilde, die mit einander -in ein Wechselverhältniss treten. In diesem Verhältnisse aber würden die -zwei Flüssigkeiten wesentlich bestimmt durch ihre Concentration und ihre -chemische Mischung, so dass, je nachdem die innere oder äussere -Flüssigkeit concentrirter wäre, der Strom der Diffusion bald nach -aussen, bald nach innen ginge, und dass ausserdem je nach den chemischen -Eigenthümlichkeiten der einzelnen Säfte gewisse Modificationen in diesen -Strömen entständen. Im Allgemeinen ist jedoch gerade diese letztere, -mehr chemische Seite der Frage wenig berücksichtigt worden. - -Nun lässt sieh nicht in Abrede stellen, dass es gewisse Thatsachen -giebt, welche auf eine andere Weise nicht wohl erklärt werden können, -namentlich wo es sich um sehr grobe Abänderungen in den -Concentrationszuständen der Säfte handelt. Dahin gehört jene Form von -Cataract, welche =Kunde= bei Fröschen künstlich durch Einbringung von -Salz in den Darmkanal oder in das Unterhautgewebe erzeugt hat. Dahin -gehören insbesondere jene Stasen im Gefässapparat, welche =Schuler=[36] -an amputirten Froschschenkeln durch Einwirkung von Salzlösungen -hervorbrachte. Allein in dem Maasse, als man sich beim physikalischen -Studium der Diffusions-Phänomene überzeugt hat, dass die Membran, welche -die Flüssigkeiten trennt, kein gleichgültiges Ding ist, sondern dass die -Natur derselben unmittelbar bestimmend wirkt auf die Fähigkeit des -Durchtritts der Flüssigkeiten, so wird man auch bei der Gefässhaut einen -solchen Einfluss nicht leugnen können. Indess darf man deshalb nicht so -weit gehen, dass man etwa der Gefässhaut die ganze Eigenthümlichkeit des -vasculären Stoffwechsels zuschriebe; am wenigsten darf man daraus -erklären wollen, warum gewisse Stoffe, welche in der Blutflüssigkeit -vertheilt sind, nicht allen Theilen gleichmässig zukommen, sondern an -einzelnen Stellen in grösserer, an anderen in kleinerer Masse, an -anderen gar nicht austreten. Diese Eigenthümlichkeiten hängen offenbar -ab einerseits von den Verschiedenheiten des Druckes, welcher auf der -Blutsäule einzelner Theile lastet, andererseits von den Besonderheiten -der Gewebe; namentlich wird man sowohl durch das Studium der -pathologischen, als besonders durch das Studium der pharmakodynamischen -Erscheinungen mit Nothwendigkeit dazu getrieben, gewisse =Affinitäten= -zuzulassen, welche zwischen bestimmten Geweben und bestimmten Stoffen -existiren, Beziehungen, welche auf chemische Eigenthümlichkeiten -zurückgeführt werden müssen, in Folge deren gewisse Theile mehr befähigt -sind, aus der Nachbarschaft und somit auch aus dem Blute gewisse -Substanzen anzuziehen, als andere. - - [36] Würzburger Verhandl. 1854. IV. 248. - -Betrachten wir die Möglichkeit solcher Anziehungen etwas genauer, so ist -es von einem besonderen Interesse, zu sehen, wie sich solche Theile -verhalten, die sich in einer gewissen Entfernung vom Gefässe befinden. -Lassen wir auf irgend einen Theil direkt einen bestimmten Reiz -einwirken, z. B. eine chemische Substanz, ich will annehmen, eine kleine -Quantität eines Alkali, so bemerken wir, dass kurze Zeit nachher der -Theil mehr »Ernährungsmaterial« aufnimmt, dass er schon in einigen -Stunden um ein Beträchtliches grösser wird, anschwillt und trübe wird. -Eine feinere Untersuchung ergiebt, dass die Elemente selbst solcher -Gewebe, welche in hohem Grade durchsichtig sind, wie die Hornhaut, -reichlich eine körnige, verhältnissmässig trübe Substanz enthalten, die -nicht etwa aus eingedrungenem Alkali, sondern ihrem wesentlichen Theile -nach aus Stoffen besteht, welche den Eiweisskörpern verwandt sind. Die -Beobachtung ergiebt, dass ein solcher Vorgang in allen gefässhaltigen -Theilen mit einer Hyperämie beginnt, so dass der Gedanke nahe liegt, die -Hyperämie oder Congestion sei das Wesentliche und Bestimmende. Wenn wir -aber die feineren Verhältnisse studiren, so ist es schwer zu verstehen, -wie das Blut, welches in den hyperämischen Gefässen ist, es machen soll, -um gerade nur auf den gereizten Theil einzuwirken, während andere -Theile, welche in viel grösserer Nähe an denselben Gefässen liegen, -nicht in derselben Weise getroffen werden. In allen Fällen, in welchen -die Gefässe der Ausgangspunkt von Störungen sind, welche im Gewebe -eintreten, finden sich auch die Störungen am meisten ausgesprochen in -der nächsten Umgebung der Gefässe und in dem Gebiete, welches diese -Gefässe versorgen (=Gefässterritorium=). Wenn wir einen reizenden, z. B. -einen faulenden Körper in ein Blutgefäss stecken, wie dies von mir in -der Geschichte der Embolie in grösserer Ausdehnung festgestellt ist, so -werden nicht etwa die vom Gefässe entfernten Theile der Hauptsitz der -activen Veränderung, sondern diese zeigt sich zunächst an der Wand des -Gefässes selbst und dann an den anstossenden Gewebs-Elementen[37]. -Wenden wir aber den Reiz direkt auf das Gewebe an, so bleibt der -Mittelpunkt der Störung auch immer da, wo der Angriffspunkt des Reizes -liegt, gleichviel, ob Gefässe in der Nähe sind oder nicht. - - [37] Gesammelte Abhandlungen zur wissenschaftlichen Medicin. 1856. - S. 294, 337, 456. - -Wir werden darauf später noch zurückkommen; hier war es mir nur darum zu -thun, die Thatsache in ihrer Allgemeinheit vorzuführen, um den -gewöhnlichen, eben so bequemen als trügerischen Schluss zurückzuweisen, -dass die (an sich passive) Hyperämie bestimmend sei für die Ernährung -des Gewebes. - -Bedürfte es noch eines weiteren Beweises, um diesen, vom anatomischen -Standpunkte aus vollständig unhaltbaren Schluss zu widerlegen, so haben -wir in dem vorher erwähnten Experiment mit der Durchschneidung des -Sympathicus die allerbequemste Handhabe. Wenn man bei einem Thiere den -Sympathicus am Halse durchschneidet, so bildet sich eine Hyperämie in -der ganzen entsprechenden Kopfhälfte aus: die Gefässe sind stark -erweitert, das Ohr wird dunkelroth und heiss, die Conjunctiva und -Nasenschleimhaut strotzend injicirt. Diese Hyperämie kann Tage, Wochen, -Monate lang bestehen, ohne dass auch nur die mindeste gröbere nutritive -Störung daraus folgt; die Theile sind, obwohl mit Blut überfüllt, so -weit wir dies wenigstens bis jetzt übersehen können, in demselben -Ernährungs-Zustande wie vorher. Wenn wir Entzündungsreize auf diese -Theile appliciren, so ist das Einzige, was wir feststellen können, dass -die Entzündung schneller verläuft, ohne dass sie jedoch an sich oder in -der Art ihrer Producte wesentlich anders wäre als sonst[38]. - - [38] Handbuch der speciellen Pathologie. I. 151, 247. Gesammelte - Abhandl. S. 319. - -Die grössere oder geringere Masse von Blut, welche einen Theil -durchströmt, ist also nicht als die einfache Ursache der Veränderung -seiner Ernährung zu betrachten. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, -dass ein Theil, der sich in Reizung befindet und gleichzeitig mehr Blut -empfängt als sonst, auch mit grösserer Leichtigkeit mehr Material aus -dem Blute anziehen kann, als er sonst gekonnt haben würde oder als er -können würde, wenn sich die Gefässe in einem Zustande von Verengerung -und verminderter Blutfülle befänden. Wollte man gegen meine Auffassung -einwenden, dass bei hyperämischen Zuständen locale Blutentziehungen oft -die günstigsten Effecte hervorbringen, so ist das kein Gegenbeweis. Denn -es versteht sich von selbst, dass wir es einem Theile, dem wir das -Ernährungsmaterial abschneiden oder verringern, schwerer machen, -Material aufzunehmen, aber wir können ihn nicht umgekehrt dadurch, dass -wir ihm mehr Ernährungsmaterial darbieten, sofort veranlassen, mehr in -sich aufzunehmen; das sind zwei ganz verschiedene und auseinander zu -haltende Dinge. So nahe es auch liegt, und so gerne ich auch zugestehe, -dass es auf den ersten Blick etwas sehr Ueberzeugendes hat, aus der -günstigen Wirkung, welche die Abschneidung der Blutzufuhr auf die -Hemmung eines Vorganges hat, der unter einer Steigerung derselben -entsteht, auf die Abhängigkeit jenes Vorganges von dieser Steigerung der -Zufuhr zu schliessen, so meine ich doch, dass die praktische Erfahrung -nicht in dieser Weise gedeutet werden darf. Es kommt nicht so sehr -darauf an, dass, sei es in dem Blute als Ganzem, sei es in dem -Blutgehalte des einzelnen Theiles, eine quantitative Zunahme erfolgt, um -ohne Weiteres in der Ernährung des Theiles eine gleiche Zunahme zu -setzen, sondern es kommt meines Erachtens darauf an, dass entweder -besondere Zustände des Gewebes (Reizung) bestehen, welche die -Anziehungsverhältnisse desselben zu bestimmten Stoffen ändern, oder dass -besondere Stoffe (=specifische Substanzen=) in das Blut gelangen, auf -welche bestimmte Gewebe oder Theile von Geweben eine besondere Anziehung -ausüben. - -Prüft man diesen Satz in Beziehung auf die humoralpathologische -Auffassung der Krankheiten, so ergiebt sich sofort, wie weit ich davon -entfernt bin, die Richtigkeit der humoralen Deutungen im Allgemeinen zu -bestreiten. Vielmehr hege ich die feste Ueberzeugung, dass besondere -Stoffe, welche in das Blut gelangen, einzelne Theile des Körpers zu -besonderen Veränderungen induciren können, indem sie in dieselben -aufgenommen werden vermöge der =specifischen Anziehung der einzelnen -Gewebe zu einzelnen Stoffen=[39]. Wir wissen, dass eine Reihe von -Substanzen existirt, welche, wenn sie in den Körper gebracht werden, -ganz besondere Anziehungen zum Nervenapparate darbieten, ja dass es -innerhalb dieser Reihe wieder Substanzen gibt, welche zu ganz bestimmten -Theilen des Nervenapparates nähere Beziehungen haben, einige zum Gehirn, -andere zum Rückenmark, zu den sympathischen Ganglien, einzelne wieder zu -besonderen Theilen des Gehirns, Rückenmarks u. s. w. Ich erinnere hier -an Morphium, Atropin, Worara, Strychnin, Digitalin. Andererseits nehmen -wir wahr, dass gewisse Stoffe eine nähere Beziehung haben zu bestimmten -Secretionsorganen, dass sie diese Secretionsorgane mit einer gewissen -Wahlverwandtschaft durchdringen, dass sie in ihnen abgeschieden werden, -und dass bei einer reichlicheren Zufuhr solcher Stoffe ein Zustand der -Reizung in diesen Organen stattfindet. Dahin gehören Harnstoff, -Kochsalz, Canthariden, Cubeben. Allein nothwendig setzt diese Annahme -voraus, dass die Gewebe, welche eine besondere Wahlverwandtschaft zu -besonderen Stoffen haben sollen, überhaupt existiren: eine Niere, die -ihr Epithel verliert, büsst damit auch ihre Secretionsfähigkeit für die -specifischen Stoffe ein. Jene Annahme setzt ferner voraus, dass die -Gewebe sich in ihrem natürlichen Zustande befinden: weder die kranke, -noch die todte Niere hat mehr die Affinität zu besonderen Stoffen, -welche die lebende und gesunde Drüse besass. Die Fähigkeit, bestimmte -Stoffe anzuziehen und umzusetzen, kann höchstens für eine kurze Zeit in -einem Organe erhalten, welches nicht mehr in einer eigentlich lebenden -Verfassung bleibt. Wir werden daher am Ende immer genöthigt, die -einzelnen Elemente als die wirksamen Factoren bei diesen Anziehungen zu -betrachten. Eine Leberzelle kann aus dem Blute, welches durch das -nächste Capillargefäss strömt, bestimmte Substanzen anziehen, aber sie -muss eben zunächst vorhanden und sodann ihrer ganz besonderen -Eigenthümlichkeit mächtig sein, um diese Anziehung ausüben zu können. -Wird das vitale Element verändert, tritt eine Krankheit ein, welche in -der molekularen, physikalischen oder chemischen Eigenthümlichkeit -desselben Veränderungen setzt, so wird damit auch seine Fähigkeit -geändert, diese besonderen Anziehungen auszuüben. - - [39] Handb. der spec. Path. und Ther. I. 276. - -Betrachten wir dies Beispiel noch genauer. Die Leberzellen stossen fast -unmittelbar an die Wand der Capillaren, nur geschieden durch eine dünne -und vielleicht nicht einmal continuirliche Schicht einer feinen -Bindegewebslage. Wollten wir uns nun denken, dass die Eigenthümlichkeit -der Leber, Galle abzusondern, bloss darin beruhte, dass hier eine -besondere Art der Gefäss-Einrichtung wäre, so würde dies in der That -nicht zu rechtfertigen sein. Aehnliche Netze von Gefässen, welche zu -einem grossen Theile venöser Natur sind, finden sich an manchen anderen -Orten z. B. an den Lungen. Die Eigenthümlichkeit der Gallenabsonderung -hängt offenbar ab von den Leberzellen, und nur so lange als das Blut in -nächster Nähe an Leberzellen vorüberströmt, besteht die besondere -Stoffanziehung, welche die Thätigkeit der Leber charakterisirt. - -Enthält das Blut freies Fett, so nehmen nach einiger Zeit die -Leberzellen Fett in kleinen Partikelchen auf; wenn der Zufluss fortgeht, -so wird auch das Fett in den Zellen reichlicher und es scheidet sich -nach und nach in grösseren Tropfen innerhalb derselben ab (Fig. 29, _B_, -_b_). Was wir beim Fett wirklich sehen, das müssen wir uns bei vielen -anderen Substanzen, die sich in gelöstem Zustande befinden, denken, -z. B. bei vielen metallischen Giften, die wir auf chemischem Wege aus -dem Gewebe darstellen können. Immer aber wird es für die Aufnahme -solcher Stoffe wesentlich sein, dass in der Leber Zellen in einem ganz -bestimmten Zustande vorhanden sind; werden sie krank, entwickelt sich in -ihnen ein Zustand, welcher mit einer wesentlichen Veränderung ihres -Inhaltes verbunden ist, z. B. eine Atrophie, welche endlich das -Zugrundegehen der Theile bedingt, dann wird damit auch die Fähigkeit des -Organs, Stoffe aufzunehmen und abzuscheiden, insbesondere Galle zu -bilden, immer mehr beschränkt werden. Wir können uns keine Leber denken -ohne Leberzellen; diese sind, soviel wir wissen, das eigentlich -Wirksame, da selbst in Fällen, wo der Blutzufluss durch Verstopfung der -Pfortader beschränkt ist[40], Galle, wenn auch vielleicht nicht in -derselben Menge, abgesondert wird. - - [40] Würzb. Verhandl. (1855). VII. 21. - -Diese Erfahrung hat gerade an der Leber einen besonderen Werth, weil die -Stoffe, welche die Galle zusammensetzen, bekanntlich nicht im Blute -präformirt sind, wir also nicht einen Vorgang der einfachen Abscheidung, -sondern einen Vorgang der wirklichen Bildung für die Bestandtheile der -Galle in der Leber voraussetzen müssen. Diese Frage hat noch an -Interesse gewonnen durch die bekannte Beobachtung von =Bernard=, dass an -dieselben zelligen Elemente auch die Eigenschaft der Zuckerbildung -gebunden ist, welche in so colossalem Maassstabe dem Blute einen Stoff -zuführt, der auf die inneren Umsetzungs-Prozesse und auf die -Wärmebildung den entschiedensten Einfluss hat. Sprechen wir also von -Leberthätigkeit, so kann man in Beziehung sowohl auf die Zucker-, als -auf die Gallenbildung darunter nichts anderes meinen, als die Thätigkeit -der einzelnen Elemente (Zellen), und zwar eine Thätigkeit, die darin -besteht, dass sie aus dem vorüberströmenden Blute Stoffe anziehen, diese -Stoffe in sich umsetzen und dieselben in dieser umgesetzten Form -entweder an das Blut wieder zurückgeben, oder in Form von Galle den -Gallengängen überliefern. - -Ich verlange nun für die Cellularpathologie nichts weiter, als dass -diese Auffassung, welche für die grossen Secretions-Organe nicht -vermieden werden kann, auch auf die kleineren Organe und auf die -Elemente angewendet werde, dass also einer Epithelzelle, einer -Linsenfaser, einer Knorpelzelle bis zu einem gewissen Maasse gleichfalls -die Möglichkeit zugestanden werde, aus den nächsten Gefässen, wenn auch -nicht immer direkt, sondern oft durch eine weite Transmission, je nach -ihrem besonderen Bedürfnisse, gewisse Quantitäten von Material zu -beziehen, und nachdem sie dasselbe in sich aufgenommen haben, es in sich -weiter umzusetzen, so zwar, dass entweder die Zelle für ihre eigene -Entwickelung daraus neues Material schöpft (=Assimilation=), oder dass -die Substanzen im Innern sich aufhäufen, ohne dass die Zelle davon -unmittelbar Nutzen hat (=Retention=), oder endlich, dass nach der -Aufnahme selbst ein Zerfallen der Zelleneinrichtung geschehen, ein -Untergang der Zelle eintreten kann (=Necrobiose=). Auf alle Fälle -scheint es mir nothwendig zu sein, dieser =specifischen Action der -Elemente=, gegenüber der specifischen Action der Gefässe, eine -überwiegende Bedeutung beizulegen, und das Studium der localen Prozesse -seinem wesentlichen Theile nach auf die Erforschung dieser Art von -Vorgängen zu richten. -- - - * * * * * - -Mit diesen Ergebnissen können wir uns zu einer Kritik der -humoralpathologischen Systeme wenden, welche seit langer Zeit auf das -Studium der sogenannten =edleren Säfte=, gewissermaassen auf die Lehre -von der Ernährung im Grossen begründet wurden. Fasst man zunächst das -Blut in seiner normalen Wirkung auf die Ernährung ins Auge, so handelt -es sich dabei nicht so wesentlich um seine Bewegung, um das Mehr oder -Weniger von Zuströmen, sondern um seine innere Zusammensetzung. Bei -einer grossen Masse von Blut kann die Ernährung leiden, wenn die -Zusammensetzung desselben nicht dem natürlichen Bedürfnisse der Theile -entspricht; bei einer kleinen Masse von Blut kann die Ernährung -verhältnissmässig sehr günstig vor sich gehen, wenn jedes einzelne -Partikelchen des Blutes das günstigste Verhältniss der Mischung -besitzt. - -Betrachtet man das Blut als Ganzes gegenüber den anderen Theilen, so ist -es das Gefährlichste, was man thun kann, das, was zu allen Zeiten die -meiste Verwirrung geschaffen hat, anzunehmen, dass man es hier mit einem -constanten, in sich unabhängigen Fluidum zu thun habe, von dem die -grosse Masse der übrigen Gewebe mehr oder weniger direkt abhängig sei. -Die meisten humoralpathologischen Sätze stützen sich auf die -Voraussetzung, dass gewisse Veränderungen, welche im Blute eingetreten -sind, mehr oder weniger dauerhaft seien, und gerade da, wo diese Sätze -praktisch am einflussreichsten gewesen sind, in der Lehre von den -=chronischen Dyscrasien=, pflegt man sich vorzustellen, dass die -Veränderung des Blutes eine continuirliche sei, ja, dass durch Vererbung -von Generation zu Generation eigenthümliche Veränderungen in dem Blute -übertragen werden und sich erhalten können. - -Das ist meiner Meinung nach der Grundfehler, der eigentliche Angelpunkt -der Irrthümer. Nicht etwa, dass ich bezweifelte, dass eine veränderte -Mischung des Blutes anhaltend bestehen, oder dass sie sich von -Generation zu Generation fortpflanzen könnte, aber es scheint mir -unlogisch, zu glauben, dass sie sich =im Blute selbst= fortpflanzen und -dort erhalten kann, dass das Blut als solches der Träger der Dyscrasie -ist. - -Meine cellularpathologischen Anschauungen unterscheiden sich darin von -den humoralpathologischen wesentlich, dass ich das Blut nicht als einen -dauerhaften und in sich unabhängigen, aus sich selbst sich -regenerirenden und sich fortpflanzenden Saft, sondern als ein in einer -constanten Abhängigkeit von anderen Theilen befindliches flüssiges -Gewebe betrachte. Man braucht nur dieselben Schlüsse, die man für die -Abhängigkeit des Blutes von der Aufnahme neuer Ernährungsstoffe vom -Magen her allgemein zulässt, auch auf die Untersuchung der Abhängigkeit -desselben von den Geweben des Körpers selbst anzuwenden. Wenn man von -einer Säuferdyscrasie spricht, so wird Niemand die Vorstellung haben, -dass Jeder, der einmal betrunken gewesen ist, eine permanente -Alkoholdyscrasie besitzt, sondern man denkt sich, dass, wenn immer neue -Mengen von Alkohol eingeführt werden, auch immer neue Veränderungen des -Blutes eintreten, so dass die Veränderung am Blute so lange bestehen -muss, als die Zufuhr von neuen schädlichen Stoffen geschieht, oder als -in Folge früherer Zufuhr einzelne Organe in einem krankhaften Zustande -verharren. Wird kein Alkohol mehr zugeführt, werden die Organe, welche -durch den früheren Alkoholgenuss beschädigt waren, zu einem normalen -Verhalten zurückgeführt, so ist kein Zweifel, dass damit die -Säuferdyscrasie zu Ende ist. Dieses Beispiel, angewendet auf die -Geschichte der übrigen Dyscrasien, erläutert ganz einfach den Satz, -=dass jede dauernde Dyscrasie abhängig ist von einer dauerhaften Zufuhr -schädlicher Bestandtheile von gewissen Punkten (Atrien oder Heerden) -her=. Wie eine fortwährende Zufuhr von schädlichen Nahrungsstoffen eine -dauerhafte Entmischung des Blutes setzen kann, eben so vermag die -dauerhafte Erkrankung eines bestimmten Organs dem Blute fort und fort -kranke Stoffe zuzuführen. - -Es handelt sich dann also wesentlich darum, für die einzelnen Dyscrasien -Ausgangspunkte, =Localisationen= zu suchen, die bestimmten Gewebe oder -Organe zu finden, von denen aus das Blut die besondere Störung erfährt. -Ich will gern gestehen, dass es in vielen Dyscrasien bis jetzt nicht -möglich gewesen ist, diese Gewebe oder Organe aufzufinden. In vielen -anderen ist es aber gelungen, wenn man auch nicht bei jedem derselben -erklären kann, in welcher Weise das Blut dabei verändert wird. Jedermann -kennt jenen merkwürdigen Zustand, welchen man ungezwungen auf eine -Dyscrasie beziehen kann, den scorbutischen Zustand, die Purpura, die -Petechial-Dyscrasie. Vergeblich sieht man sich jedoch nach -entscheidenden Erfahrungen darüber um, welcher Art die Dyscrasie, die -Blutveränderung ist, wenn Scorbut oder Purpura sich zeigt. Das, was der -Eine gefunden hat, hat der Andere widerlegt, ja es hat sich ergeben, -dass zuweilen in der Mischung der gröberen Bestandtheile des Blutes gar -keine Veränderung eingetreten war. Es bleibt hier also ein Quid ignotum, -und man wird es gewiss verzeihlich finden, wenn wir nicht sagen können, -woher eine Dyscrasie kommt, deren Wesen wir überhaupt nicht kennen. Auch -schliesst die Erkenntniss der Art der Blutveränderung nicht die Einsicht -in die Bedingungen der Dyscrasie in sich, und eben so wenig findet das -Umgekehrte Statt. Bei der hämorrhagischen Diathese wird man es immerhin -als einen wesentlichen Vortheil betrachten müssen, dass wir in einer -Reihe von Fällen auf ihren Ausgangspunkt in einem bestimmten Organe -hinweisen können, z. B. auf die Milz oder die Leber[41]. Es handelt sich -jetzt zunächst darum, zu ermitteln, welchen Einfluss die Milz oder die -Leber auf die besondere Mischung des Blutes ausüben. Wüssten wir genau, -wie das Blut durch die Einwirkung dieser Organe verändert wird, so wäre -es vielleicht nicht schwer, aus der Kenntniss des kranken Organs auch -sofort abzuleiten, wie das Blut beschaffen sein wird. Aber es ist doch -schon wesentlich, dass wir über das blosse Studium der Blutveränderungen -hinausgekommen und auf bestimmte Organe geführt worden sind, in welchen -die Dyscrasie wurzelt. - - [41] Handb. der spec. Path. und Ther. I. 246. - -So muss man consequent schliessen, dass, wenn es eine syphilitische -Dyscrasie gibt, in welcher das Blut eine virulente Substanz führt, diese -Substanz nicht dauerhaft in dem Blute enthalten sein kann, sondern dass -ihre Existenz im Blute gebunden sein muss an das Bestehen localer -Heerde, von wo aus immer wieder neue Massen von schädlicher Substanz -eingeführt werden in das Blut[42]. Folgt man dieser Bahn, so gelangt man -zu dem schon erwähnten und gerade für die praktische Medicin äusserst -wichtigen Gesichtspunkte, dass jede dauerhafte Veränderung in dem -Zustande der circulirenden Säfte, welche nicht unmittelbar durch -äussere, von bestimmten Atrien aus in den Körper eindringende -Schädlichkeiten bedingt wird, von einzelnen Organen oder Geweben -abgeleitet werden muss; es ergibt sich weiter die Thatsache, dass -gewisse Gewebe und Organe eine grössere Bedeutung für die Blutmischung -haben, als andere, dass einzelne eine nothwendige Beziehung zu dem Blute -besitzen, andere nur eine zufällige. - - [42] Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie. 1858. XV. 217. - Geschwülste II. 476. - -Ich komme also mit den Alten darin überein, dass ich eine Verunreinigung -(=Infection=) des Blutes durch verschiedene Substanzen (=Miasmen=) -zulasse, und dass ich einem grossen Theile dieser Substanzen -(=Schärfen=, =Acrimonien=) eine reizende Einwirkung auf einzelne Gewebe -zuschreibe. Ich gestehe auch zu, dass bei acuten Dyscrasien diese Stoffe -im Blute selbst eine fortschreitende Zersetzung (=Fermentation=, -=Zymosis=) erzeugen können, obwohl ich nicht weiss, ob dies in allen -Fällen, die man so deutet, richtig ist. Aber sicher ist es, dass diese -Zymosis ohne neue Zufuhr sich nicht =dauerhaft= erhält, und dass jede -anhaltende Dyscrasie eine erneuerte Zufuhr schädlicher Stoffe in das -Blut voraussetzt. - - - - - Achtes Capitel. - - Das Blut. - - - Morphologische (anatomische) und chemische Veränderungen des Blutes - (Dyscrasien). - - Faserstoff. Fibrillen desselben. Vergleich mit Schleim und - Bindegewebe. Homogener gallertiger Zustand. - - Rothe Blutkörperchen. Kern, Membran und Inhalt derselben. Gestalt - bei den verschiedenen Wirbelthieren: diagnostische Schwierigkeiten. - Zusammensetzung des Zellkörpers: Hämatin, Hämoglobin. Stroma. - Veränderungen der Farbe und der Gestalt. Blutkrystalle (Hämatoidin, - Hämin, Hämatokrystallin). - - Farblose Blutkörperchen. Numerisches Verhältniss. Struktur. - Vergleich mit Eiterkörperchen. Klebrigkeit und Agglutination - derselben. Specifisches Gewicht. Crusta granulosa. Diagnose von - Eiter- und farblosen Blutkörperchen. Die Lehren von der - Eiterresorption und von der Lymphexsudation. Lebenseigenschaften - der farblosen Körperchen: Bewegung, Aufnahme anderer Körper, - Auswanderung. Bedeutung dieser Erfahrungen für die cellulare - Doctrin. - -Wenn man die verschiedenen krankhaften Veränderungen des Blutes -(=Dyscrasien=) in Beziehung auf Werth und Quelle ansieht, so lassen sich -von vornherein zwei grosse Kategorien von dyscrasischen Zuständen -unterscheiden, je nachdem nehmlich abweichende morphologische -Bestandtheile im Blute enthalten sind, oder die Abweichung eine mehr -chemische ist und an den flüssigen Bestandtheilen sich findet. Dabei -versteht es sich aber wohl von selbst, dass in der Regel die -morphologischen (anatomischen) Dyscrasien nicht ohne chemische Dyscrasie -verlaufen und umgekehrt: unsere Methoden der Blutuntersuchung sind aber -noch so unvollkommen, dass wir uns in der Regel an die eine oder andere -Möglichkeit halten müssen. Ebenso ist es klar, dass die morphologischen -Veränderungen der Blutmischung entweder durch Veränderungen der -natürlichen Elemente (Blutkörperchen) oder durch Hinzufügung fremder, -der Blutmischung normal nicht zukommender Theile bedingt sein können. - -Einer der flüssigen Stoffe des Blutes, der Faserstoff (=Fibrin=), hat -häufig als ein morphologischer oder doch als ein fester Bestandtheil des -Blutes gegolten, weil er vermöge seiner Gerinnbarkeit sehr bald, nachdem -das Blut aus dem lebenden Körper entfernt ist, eine sichtbare Form -annimmt. Diese Auffassung ist auch in der neueren Zeit noch vielfach in -der Praxis festgehalten worden, wie sie denn traditionell in der Medicin -seit langer Zeit bestanden hat, insofern man fibrinarmes Blut als -=dissolutes= zu bezeichnen und die Qualität des Blutes viel weniger nach -den Blutkörperchen, als nach dem Fibringehalt zu schätzen pflegte. Eine -solche Trennung des Faserstoffes von den flüssigen Bestandtheilen des -Blutes hat insofern einen wirklichen Werth, als derselbe eben so, wie -die Blutkörperchen, eine ganz eigenthümliche Erscheinung ist, so einzig -und allein in dem Blute und den ihm zunächst stehenden Säften sich -findet, dass man ihn in der That mehr mit den Blutkörperchen in -Zusammenhang bringen kann, als mit dem Blutwasser (Serum). Betrachtet -man das Blut in Beziehung auf seine eigentlich specifischen Theile, -durch welche es Blut ist und durch welche es sich von anderen -Flüssigkeiten unterscheidet, so kann man nicht umhin anzuerkennen, dass -auf der einen Seite die rothen, hämatinhaltigen Körperchen, auf der -anderen Seite das Fibrin der Intercellular-Flüssigkeit (Liquor -sanguinis, Plasma) es sind, in welchen die Unterschiede am meisten -hervortreten. - -[Illustration: =Fig=. 59. Geronnenes Fibrin aus menschlichem Blute. _a_ -Feine, _b_ gröbere und breitere Fibrillen; _c_ in das Gerinnsel -eingeschlossene rothe und farblose Blutkörperchen. Vergr. 280.] - -Betrachten wir daher zunächst diese specifischen Bestandtheile etwas -näher. Die morphologische Schilderung des Faserstoffes ist -verhältnissmässig schnell gemacht. Untersuchen wir ihn, wie er im -Blutgerinnsel vorkommt, so finden wir ihn fast immer in der Form, wie -ihn =Malpighi= beschrieben hat und von welcher er den Namen trägt, der -fibrillären. Die geronnene Substanz zeigt wirkliche Fasern von etwas -zackiger Gestalt, welche sich vielfach durchsetzen und dadurch äusserst -feine Geflechte, zarte Maschennetze bilden. Die Fasern sind in den -einzelnen Fällen von sehr verschiedener Breite. Gewöhnlich sind sie -sehr fein; zuweilen finden sich aber ungleich breitere, fast bandartige, -welche viel glatter sind, sich aber im Uebrigen ziemlich auf dieselbe -Weise durchsetzen und verschlingen. Es sind dies Eigenthümlichkeiten, -über deren Bedeutung bis jetzt ein sicheres Urtheil noch nicht gewonnen -ist. Ich finde solche Verschiedenheiten ziemlich häufig, bin jedoch -nicht im Stande, die Bedingungen dafür anzugeben. Betrachtet man einen -Blutstropfen während der Gerinnung, so sieht man überall, wie zwischen -den Blutkörperchen feine Fibrin-Fäden anschiessen. In dem Coagulum -finden sich daher die morphologischen Elemente in den Maschenräumen des -entstandenen Netzwerkes (Fig. 59, _c_), rings umschlossen und zuweilen -nicht wenig verdrückt durch die Fasern desselben. - -In Beziehung auf die Natur dieser Fasern können wir hervorheben, dass es -histologisch nur noch zweierlei Arten von Fasern gibt, welche mit ihnen -eine nähere Aehnlichkeit darbieten[43]. Die eine Art kommt in einer -Substanz vor, welche sonderbarer Weise eine gewisse Verbindung zwischen -den ältesten kraseologischen Vorstellungen und den modernen bildet, -nehmlich im Schleim (S. 65). In der hippokratischen Medicin fällt der -Blutfaserstoff noch unter den Begriff des =Phlegma= (=Mucus=), und die -antike Lehre von dem phlegmatischen Temperament würde in moderner Formel -ganz wohl als fibrinöse Krase übersetzt werden können. In der That, wenn -wir den Schleim mit dem Faserstoff vergleichen, so müssen wir -zugestehen, dass eine grosse formelle Uebereinstimmung in ihrer -Gerinnung besteht. Wie das Fibrin, bildet auch der Schleim, zumal bei -Zusatz von Wasser oder organischen Säuren, Fasern und Häute, welche -unter einander zu oft sehr sonderbaren Figuren zusammentreten. Dass auch -in der Absonderung von Schleim und Faserstoff gewisse Beziehungen -bestehen, werden wir später darlegen. -- Die andere Substanz, welche -hierher gehört, ist die Intercellularsubstauz des Bindegewebes, der -leimgebende Stoff, das Collagen (Gluten der Früheren), und es ist gewiss -interessant, sich daran zu erinnern, dass noch im vorigen Jahrhundert, -ja hier und da noch in dem gegenwärtigen, die Speckhaut des Blutes als -Gluten bezeichnet wurde. Die Fibrillen des Bindegewebes verhalten sich -nur insofern anders, als die des Faserstoffes, als sie in der Regel -nicht netzförmig, sondern parallel verlaufen; im Uebrigen sind sie den -Fibrin-Fasern in hohem Maasse ähnlich. Die Intercellularsubstanz des -Bindegewebes stimmt auch darin mit dem Faserstoff überein, dass ihr -Verhalten gegen Reagentien sehr analog ist. Wenn wir diluirte Säuren, -namentlich die gewöhnlichen Pflanzensäuren oder auch schwache -Mineralsäuren darauf einwirken lassen, so quellen sie auf und unter den -Augen verschwinden die Fasern, so dass wir nicht mehr sagen können, wo -sie bleiben. Die Masse schwillt auf, es verschwindet jeder Zwischenraum, -und es sieht aus, als ob die ganze Masse ein continuirliches, vollkommen -homogenes Gewebsstück bildete. Waschen wir dasselbe langsam aus, -entfernen wir die Säure wieder, so lässt sich, wenn die Einwirkung keine -zu concentrirte war, wieder der faserige Zustand herstellen. Es ist dies -Verhalten bis jetzt noch unerklärt, und gerade deshalb hatte die Ansicht -=Reichert='s, welche ich früher (S. 41, 141) erwähnte, etwas -Bestechendes, dass die Substanz des Bindegewebes eigentlich homogen und -die Fasern nur eine künstliche Bildung oder eine optische Täuschung -seien, indessen isoliren sich beim Faserstoff noch viel deutlicher als -beim Bindegewebe die einzelnen Fibrillen so vollständig, dass ich nicht -umhin kann, zu sagen, dass ich die Trennung in einzelne Fäserchen für -wirklich bestehend und nicht bloss für künstlich und eben so wenig für -eine Täuschung des Beobachters halte. - - [43] Gesammelte Abhandl. S. 137. - -Eine fernere Uebereinstimmung ist die, dass sowohl beim Fibrin, als beim -Bindegewebe jedesmal vor dem Stadium des Fibrillären ein Stadium des -Homogenen oder Gallertigen liegt. Betrachtet man die Gerinnung -fibrinöser Flüssigkeiten, so sieht man nicht etwa von vornherein Fasern -entstehen, sondern die ganze Flüssigkeit »gesteht« zuerst zu einer ganz -gleichmässigen Masse, welche zuweilen so fest ist, dass man sie in einem -Stücke aufheben kann. Erst aus dieser homogenen Gallerte scheiden sich -die Fasern aus, mit deren Bildung die Zusammenziehung des Gerinnsels, -die eigentliche Coagulation auftritt[44]. In ähnlicher Weise erscheint -auch die Intercellularsubstanz des Bindegewebes zuerst bei ihrer Bildung -als homogene Intercellularsubstanz (Schleim); erst nach und nach sieht -man sich Fibrillen, wenn ich mich so ausdrücken darf, ausscheiden oder, -wie man gewöhnlich sagt, differenziren. Die Bildung der Fasern, die -=Fibrillation= lässt sich daher recht wohl mit der Krystallisation -vergleichen, und in der That gibt es auch unter den anorganischen -Stoffen gewisse Analogien. Manche Niederschläge von Kalksalzen oder -Kieselsäure sind ursprünglich vollkommen gelatinös und amorph; nach und -nach scheiden sich aus ihnen solide Körner und Krystalle aus. - - [44] =Froriep='s Neue Notizen 1845. Sept. No. 769. Gesammelte - Abhandlungen. S. 59, 65. - -Man kann also immerhin den Namen der Fibrillen für die gewöhnliche -Erscheinungsform des Faserstoffes beibehalten, aber man muss sich dabei -erinnern, dass diese Substanz ursprünglich in einem homogenen, amorphen, -gallertartigen Zustande existirte, und wieder in denselben übergeführt -werden kann. Diese Ueberführung geschieht nicht nur künstlich, sondern -sie macht sich auch auf natürlichem Wege im Körper selbst, so dass an -Stellen, wo vorher Fibrillen vorhanden waren, später der Faserstoff -wieder homogen angetroffen wird. Die Coagula der Aneurysmen, manche -Thromben der Venen werden allmählich in homogene, knorpelartig dichte -Massen verwandelt. -- - -[Illustration: =Fig=. 60. Kernhaltige Blutkörperchen von einem -menschlichen, sechs Wochen alten Fötus. _a_ Verschieden grosse, homogene -Zellen mit einfachen, relativ grossen Kernen, von denen einzelne leicht -granulirt, die meisten mehr gleichmässig sind, bei * ein farbloses -Körperchen. _b_ Zellen mit äusserst kleinen, aber scharfen Kernen und -deutlich rothem Inhalte. _c_ Nach Behandlung mit Essigsäure sieht man -die Kerne zum Theil geschrumpft und zackig, bei mehreren doppelt; bei * -ein granulirtes Körperchen. Vergr. 280.] - - * * * * * - -Was nun den zweiten specifischen Antheil des Blutes betrifft, die -=Blutkörperchen=, so habe ich schon hervorgehoben (S. 12), dass -gegenwärtig ziemlich alle Histologen darüber einig sind, dass die -farbigen Blutkörperchen des Menschen und der Säugethiere im erwachsenen -Zustande keine Kerne besitzen. Ihre zellige Natur könnte daher in -Zweifel gezogen werden, wenn wir nicht wüssten, dass sie zu gewissen -Zeiten der embryonalen Entwickelung (Fig. 60) je einen Kern besitzen. -Mehrere neuere Beobachter, namentlich =Brücke=, leugnen jedoch auch die -Existenz einer Membran an ihnen, so dass man versucht ist, auf jene -ältere Bezeichnung der Blutkörner zurückzukommen, welche auch auf -blosse Concretionen chemischer oder mechanischer Art anwendbar ist. -Indess erscheint im Bewusstsein der heutigen Zeit, wie wir sahen (S. -16), die Membranlosigkeit an sich als kein Grund, die zellige Natur -eines organischen Elements in Abrede zu stellen, und da in den früheren -Monaten des Embryolebens die rothen Blutkörperchen nicht nur genetisch -aus unzweifelhaften Bildungszellen durch fortschreitende Umbildung -hervorgehen, sondern auch unter Umständen eben solche Membranen zeigen -(Fig. 60, _a_ u. _c_), wie sie an anderen Zellen nachweisbar sind, so -wird man unbedenklich aussagen können, dass die rothen Blutkörperchen -des Menschen sowohl in der späteren Zeit der fötalen Entwickelung, als -namentlich in der Zeit nach der Geburt einfache kernlose Zellen sind. - -[Illustration: =Fig=. 61. Menschliche Blutkörperchen vom Erwachsenen. -_a_ das gewöhnliche, scheibenförmige rothe, _b_ das farblose -Blutkörperchen, _c_ rothe Körperchen, von der Seite und auf dem Rande -stehend gesehen. _d_ rothe Körperchen in Geldrollenform -zusammengeordnet. _e_ zackige, durch Wasserverlust (Exosmose) -geschrumpfte rothe Körper. _f_ geschrumpfte rothe Körper mit hügeligem -Rand und einer kernartigen Erhebung auf der Fläche der Scheibe. _g_ noch -dichtere Schrumpfung. _h_ höchster Grad der Schrumpfung (melanöse -Körperchen). Vergr. 280.] - -Ganz abweichend von allen anderen Zellen ist die Gestalt derselben beim -Menschen und den Säugethieren. Sie stellen nehmlich platte, scheiben- -oder tellerförmige Bildungen mit zweiseitiger centraler Depression dar. -Der dickere Rand erscheint daher als ein dunkler gefärbter Ring, die -dünnere Mitte als eine ganz schwach gefärbte Fläche. Bei Vögeln, -Amphibien und Fischen, bei welchen sich der kernhaltige Zustand während -des ganzen Lebens erhält, findet sich zugleich eine ovale Gestalt, die -übrigens merkwürdigerweise auch bei dem Lama und Kameel vorkommt. Der -allerniederste Fisch, der Amphioxus, hat überhaupt keine Blutkörperchen -und beim Leptocephalus bleiben sie ungefärbt. Bei keinem anderen Gewebe -sind die Verschiedenheiten der Elemente bei verschiedenen Thieren so -gross, wie gerade bei den rothen Blutkörperchen, und man sollte daher -ungemein vorsichtig sein, aus Erfahrungen, welche nur für die -Blutkörperchen einer Gattung Gültigkeit haben, allgemeine Formeln -abzuleiten. Andererseits sind nur ausnahmsweise die Blutkörperchen einer -Gattung mit so charakteristischen Eigenthümlichkeiten ausgestattet, -dass man daraus diagnostische Unterschiede abzuleiten vermöchte. -Namentlich vom gerichtsärztlichen Standpunkte aus wäre es im höchsten -Grade erwünscht, wenn ein sicheres Merkmal nachgewiesen würde, wodurch -die Blutkörperchen des Menschen von denen der Säugethiere unterschieden -werden könnten. Allein alle Versuche, ein solches zu finden, sind bis -jetzt fruchtlos gewesen. Das einzige, an sich nicht einmal -durchgreifende Merkmal, dass die Blutkörperchen des Menschen etwas -grösser sind, als die der meisten Säugethiere, ist in der Regel nicht -verwerthbar, da man es in forensischen Fällen meist mit altem und häufig -sogar mit getrocknetem Blute zu thun hat. - -Der eigentliche Zellkörper der rothen Blutkörperchen besteht aus einer -ziemlich zähen Masse, an welcher die Farbe haftet. Letztere erscheint -unter dem Mikroskope bei den einzelnen Körperchen als eine mehr -gelbliche, sogar leicht ins Grünliche spielende. Gewöhnlich bezeichnet -man in der Kürze die gefärbte Substanz als =Hämatin=, Blutfarbstoff. -Allein der rothe Zellkörper ist keine einfache chemische Substanz, und -das, was man Hämatin nennt, bildet eben nur einen Theil davon; einen wie -grossen Theil, lässt sich bis jetzt noch gar nicht ermitteln. Was sonst -noch innerhalb des Blutkörperchens enthalten ist, das gehört wesentlich -der chemischen Untersuchung an, und diese ergiebt in den verschiedenen -Wirbelthierklassen und Gattungen ebenso gut chemische, wie -morphologische Verschiedenheiten. Beim Menschen nahm man früher neben -dem Hämatin gewöhnlich noch eine besondere Substanz, das Globulin an; -gegenwärtig betrachtet man als die Hauptmasse des rothen Zellkörpers das -=Hämoglobin=, aus welchem erst durch Zersetzung das Hämatin selbst und -verschiedene andere, namentlich eiweissartige Stoffe entstehen. Dieses -Hämoglobin ist nach der Annahme =Rollett='s in einem schwammigen -=Stroma= enthalten, welches möglicherweise noch wieder aus verschiedenen -stickstoffhaltigen Stoffen besteht. Man beobachtet dasselbe an -gefrorenem Blute, bei welchem das Hämoglobin die Blutkörperchen verlässt -und an das Serum tritt. Ob wirkliches Protoplasma und damit eine wahre -Contraktilität an den rothen Körperchen vorhanden ist, lässt sich nach -den heutigen Erfahrungen noch nicht mit Sicherheit aussagen. - -Was wir direkt beobachten können, sind gewisse =Veränderungen der Farbe -und Gestalt=, welche durch äussere Agentien hervorgerufen werden. Da -das Hämoglobin Sauerstoff, Kohlenoxyd und Stickoxyd absorbirt, -wahrscheinlich auch Kohlensäure aufnimmt, so ist es leicht begreiflich, -dass dadurch die Farbe der Blutkörperchen und damit die des Blutes im -Ganzen geändert wird. Noch viel auffälliger ist die Farbenveränderung -durch stärkere chemische Körper, namentlich die intensiv grüne durch -Schwefelwasserstoff und die schwärzliche oder bräunliche (atrabiläre) -durch organische und mineralische Säuren und Alkalien. Manche dieser -Farbenveränderungen erfolgen ohne erhebliche Gestaltveränderungen; -andere, wie die der stärkeren chemischen Körper, unter schneller -Zerstörung der Blutkörperchen. Dabei ist es jedoch, namentlich auch für -forensische Untersuchungen, von grosser Wichtigkeit, dass gerade -kaustische Alkalien (Natron, Kali), =concentrirt= angewendet, die -Blutkörperchen erhalten, während, diluirt angewendet, sie dieselben -schnell zerstören. -- Die meisten Gestaltveränderungen erfolgen unter -der Einwirkung von chemischen Lösungen, welche den Blutkörperchen Wasser -entziehen; in Folge davon schrumpfen sie und erleiden sie eigenthümliche -Gestaltsveränderungen, die sehr leicht Irrthümer herbeiführen können. -Dies sind nicht unwichtige Verhältnisse, auf die ich deshalb noch mit -ein paar Worten eingehen will. - -Wenn ein rothes Blutkörperchen dadurch einem Wasserverluste ausgesetzt -ist, dass eine stärker concentrirte Flüssigkeit auf dasselbe einwirkt, -so bemerkt man zuerst, dass in dem Maasse, als Flüssigkeit exosmotisch -austritt, an der Oberfläche des Körperchens kleine Hervorragungen -entstehen, welche anfangs sehr zerstreut liegen, sich bald an dem Rande, -bald auf der Fläche finden und im letzteren Falle zuweilen täuschend -einem Kerne ähnlich sehen (Fig. 61, _e_, _f_). Dies ist die Quelle für die -irrthümliche Annahme von Kernen, welche man so viel beschrieben hat. -Beobachtet man ein Blutkörperchen unter Einwirkung concentrirter Medien -längere Zeit, so treten immer mehr Höcker hervor und das Körperchen wird -in seinem Flächendurchmesser kleiner. Dabei bilden sich immer deutlicher -kleine Falten und Höcker an der Oberfläche: das Körperchen wird zackig, -sternförmig, eckig (Fig. 61, _g_). Solche zackigen Körper sieht man -jeden Augenblick, wenn man Blut untersucht, welches eine Zeit lang an -der Luft gewesen ist. Denn schon die blosse Verdunstung erzeugt diese -Veränderung. Sehr schnell können wir sie hervorbringen, wenn wir die -Mischung des Serums durch Zusatz von Salz oder Zucker ändern. Dauert die -Wasser-Entziehung fort, so verkleinert sich das Körperchen noch mehr; -endlich wird es wieder rund und glatt (Fig. 61, _h_), vollkommen -sphärisch, und zugleich erscheint seine Farbe viel saturirter; der -Inhalt sieht ganz dunkel schwarzroth aus. Es lässt sich daraus eine -nicht uninteressante Thatsache erschliessen, nehmlich die, dass die -Exosmose wesentlich eine Wasser-Entziehung ist, wobei vielleicht dieser -oder jener andere Stoff, z. B. Salz, mit austritt, wobei aber die -wesentlichen Bestandtheile zurückbleiben können. Das Hämoglobin -insbesondere folgt dem Wasser nicht; das Blutkörperchen hält dasselbe -zurück, so dass in dem Maasse, als viel Flüssigkeit verloren geht, -natürlich das Hämoglobin im Innern dichter werden muss. - -Umgekehrt verhält es sich, wenn wir diluirte Flüssigkeiten anwenden. Je -mehr die Flüssigkeit verdünnt wird, um so mehr vergrössert sich das -Blutkörperchen: es quillt auf und wird blasser. Behandeln wir die unter -der Einwirkung concentrirter Flüssigkeiten verkleinerten Blutkörperchen -mit gewöhnlichem Wasser, so sehen wir, wie die kuglige Form wieder in -die eckige und diese in die scheibenförmige zurückgeht, wie das -Blutkörperchen sich sodann immer mehr wölbt, sich oft ganz sonderbar -gestaltet, und wieder blasser wird. Diese Einwirkung kann man, wenn man -die Verdünnung des Blutes recht vorsichtig eintreten lässt, so weit -treiben, dass die Blutkörperchen kaum noch gefärbt erscheinen, während -sie doch noch sichtbar bleiben. In den gewöhnlichen Fällen, wo man viel -Flüssigkeit auf einmal zusetzt, wird in der Einrichtung des -Blutkörperchens eine so grosse Revolution hervorgebracht, dass alsbald -ein Entweichen des Hämoglobins aus dem Körperchen stattfindet. Wir -bekommen dann ausserhalb der Blutkörperchen eine rothe Lösung, in -welcher die Farbe frei an der Flüssigkeit haftet. Ich hebe diese -Eigenthümlichkeit deshalb hervor, weil sie bei mikroskopischen -Untersuchungen immerfort vorkommt, und weil sie eine der merkwürdigsten -Erscheinungen bei der Bildung pathologischer Pigmentirungen erklärt, wo -wir ein ganz ähnliches Entweichen des gefärbten Inhaltes aus den -Blutkörperchen antreffen (Fig. 63, _a_). Gewöhnlich drückt man sich so -aus, das Blutkörperchen werde aufgelöst, allein es ist eine schon längst -bekannte Thatsache, welche zuerst von =Carl Heinrich Schultz= erkannt -wurde, dass, wenn auch scheinbar gar keine Blutkörperchen mehr in der -Flüssigkeit vorhanden sind, man durch Zufügen von Jodwasser die -Membranen wieder deutlich machen kann. Aus dieser Erfahrung geht hervor, -dass nur der Grad der Aufblähung und die ausserordentliche Verdünnung -der Häute das Sichtbarwerden der Blutkörperchen gehindert hat. Es bedarf -schon sehr stürmischer Einwirkungen durch chemisch differente Stoffe, um -ein wirkliches Zugrundegehen der Blutkörperchen zu Stande zu bringen. -Setzt man unmittelbar, nachdem man die Blutkörperchen mit ganz -concentrirter Salzlösung behandelt hat, Wasser in grosser Menge hinzu, -so kann man es dahin bringen, dass man den Blutkörperchen, ohne dass sie -aufquellen, den Inhalt entzieht, und dass die Membranen oder die -Stromata sichtbar zurückbleiben. Dies ist der Grund gewesen, weshalb -=Denis= und =Lecanu= davon gesprochen haben, dass die Blutkörper Fibrin -enthielten; sie haben geglaubt, indem sie die Körper erst mit Salz und -dann mit Wasser behandelten, Fibrin aus ihnen darstellen zu können. -Dieses sogenannte Fibrin ist aber, wie ich gezeigt habe[45], nichts -Anderes, als eine Zusammenhäufung von Membranen oder, wie man jetzt -sagen würde, von Stromata der Blutkörperchen, aber allerdings bestehen -dieselben aus einer Substanz, die den eiweissartigen Stoffen verwandt -ist und daher, wenn sie in grossen Haufen gewonnen wird, Erscheinungen -darbieten kann, die an Fibrin erinnern. Ob im Uebrigen die rothen -Blutkörperchen, wie neuerlich wieder =Heynsius= gefunden zu haben -glaubt, wirkliches coagulables Fibrin enthalten, ist eine andere Frage, -da sie sich nicht an die Rückstände zersetzter Blutkörperchen anknüpft. - - [45] Zeitschrift für rationelle Medicin. 1846. Bd. IV. S. 281. - Gesammelte Abhandl. S. 88. - -Was nun die Inhaltssubstanzen der Blutkörperchen anbetrifft, so haben -gerade sie in der neueren Zeit ein erhöhtes Interesse gewonnen durch die -mehr morphologischen Produkte, welche aus ihnen hervorgehen, und welche -in die ganze Anschauung von der Natur der organischen Stoffe eine Art -von Umwälzung gebracht haben. Es handelt sich hier namentlich um -eigenthümliche gefärbte Krystalle, die unter gewissen Verhältnissen aus -dem Blutfarbstoffe entstehen, und durch deren Beobachtung zuerst die -Ansicht von der Nichtkrystallisirbarkeit der eiweissartigen Stoffe -widerlegt worden ist. Sie besitzen übrigens nicht bloss ein grosses -chemisches, sondern auch ein sehr erhebliches praktisches Interesse. Wir -kennen bis jetzt schon drei verschiedene Arten von gefärbten -=Krystallen=, für welche das Hämoglobin gemeinschaftliche Quelle ist. - -[Illustration: =Fig=. 62. Hämatoidin-Krystalle in verschiedenen Formen -(Archiv f. path. Anat. Bd. I. Taf. III. Fig. 11). Vergr. 300.] - -Der ersten Form, welche ich zuerst genauer kennen lehrte, habe ich den -Namen =Hämatoidin= gegeben[46]. Es ist dies eins der häufigsten -Umwandlungs-Produkte, welches innerhalb des Körpers spontan aus Hämatin -entsteht, und zwar oft so massenhaft, dass man es mit blossem Auge -wahrnehmen kann. Seine Krystalle erscheinen in ihrer ausgebildeten Form -als schiefe rhombische Säulen von schön gelbrother, bei dickeren Stücken -von intensiv rubinrother Farbe; sie stellen eine der schönsten -Krystallformen dar, die wir überhaupt kennen. Auch in kleinen Tafeln -finden sie sich nicht selten, manchmal ziemlich ähnlich den Formen der -Harnsäure. In der Mehrzahl der Fälle sind die Krystalle sehr klein, -nicht bloss makroskopisch unerkennbar, sondern selbst für die -mikroskopische Betrachtung etwas difficil. Man muss ein scharfer -Beobachter oder speciell darauf vorbereitet sein, sonst bemerkt man -häufig nichts weiter an den Stellen, wo dieses feine Hämatoidin liegt, -als eckige Körner oder kleine Striche oder scheinbar gestaltlose -Klümpchen. Erst wenn man genauer zusieht, lösen sich die Körner oder -Striche in kurze rhombische Säulen, die Klümpchen in Aggregate von -Krystallen auf. - - [46] Archiv f. path. Anatomie und Physiol. 1847. I. 391. - -Das Hämatoidin kann als das regelmässige typische Endglied der -Umbildungen des Hämatins an Stellen des Körpers betrachtet werden, wo -grössere Mengen von Blut liegen bleiben (stagniren). Ein apoplectischer -Heerd des Gehirns heilt in der Regel so, dass ein grosser Theil des -Blutes in diese Krystallisation übergeht, und wenn wir vielleicht 10 -Jahre nachher bei der Autopsie eine gefärbte Narbe an dieser Stelle -finden, so können wir fast mit Gewissheit darauf rechnen, dass die Farbe -von Hämatoidin abhängt. Wenn eine junge Dame menstruirt und die Höhle -des Graafschen Follikels, aus welchem das Ei ausgetreten ist, sich mit -coagulirtem Blute füllt, so geht das Hämatin allmählich in Hämatoidin -über, und wir treffen später an der Stelle, wo das Ei gelegen war, einen -mennig- oder zinnoberfarbenen Fleck, als letztes Denkmal des -Ereignisses. Auf diese Weise können wir rückwärts die Zahl der -apoplectischen Anfälle zählen, oder berechnen, wie oft ein junges -Mädchen menstruirt war. Jede Extravasation kann ihr kleines Contingent -von Hämatoidin-Krystallen zurücklassen, und diese, wenn sie einmal -gebildet sind, bleiben als vollständig widerstandsfähige, compacte -Körper im Innern der Organe beliebig lange Zeit liegen. - -[Illustration: =Fig=. 63. Pigment aus einer apoplectischen Narbe des -Gehirns (Archiv Bd. I. S. 401. 454. Taf. III. Fig. 7). _a_ in der -Entfärbung begriffene, körnig gewordene Blutkörperchen. _b_ Zellen der -Neuroglia, zum Theil mit körnigem und krystallinischem Pigment versehen. -_c_ Pigmentkörner. _d_ Hämatoidin-Krystalle. _f_ verödetes Gefäss, sein -altes Lumen mit körnigem und krystallinischem rothen Pigment erfüllt. -Vergr. 300.] - -Theoretisch besitzt das Hämatoidin noch ein besonderes Interesse -dadurch, dass es eine Reihe von Eigenschaften darbietet, welche es als -den einzigen, bis jetzt bekannten, mit dem Gallenfarbstoffe -(Cholepyrrhin, Bilirubin) verwandten Stoff im Körper erscheinen lassen. -Durch direkte Behandlung mit Mineralsäuren oder nach vorherigem -Behandeln und Aufschliessen desselben vermittelst Alkalien -bekommt man dieselbe oder eine ganz ähnliche Reihe der schönsten -Farben-Veränderungen, wie man sie durch Behandlung mit Salpetersäure an -dem Gallenfarbstoff erzielt. Andererseits lässt sich durch Chloroform -aus der Galle ein krystallisirbarer Farbstoff extrahiren, welcher die -grösste Uebereinstimmung mit dem Hämatoidin darbietet. Man kann daher -nicht zweifeln, dass das letztere mit Gallenfarbstoff sehr nahe verwandt -ist. Da man auch aus anderen Gründen vermuthen muss, dass die gefärbten -Theile der Galle Umsetzungsprodukte des Blutroths sind, so ist mit dem -von mir nachgewiesenen pathologischen Vorgange zugleich eine wichtige -Aufklärung für einen der bedeutendsten Secretionsvorgänge des Körpers -geliefert, und manche dunkle Beobachtung der Vorzeit in ein neues Licht -gestellt. Wenn im Innern von Extravasaten eine gelblich-rothe Substanz -entsteht, welche man wirklich als eine neugebildete Art von -Gallenfarbstoff bezeichnen kann, so versteht man leicht jene sonderbaren -Farbenhöfe um gequetschte und ekchymotische Stellen, jene -eigenthümlichen gelblichen und bräunlichen Färbungen alter Blutmassen, -welche den Grund zu der antiken Lehre von der =Atra bilis= und den -=melancholischen= Processen abgegeben haben. - -[Illustration: =Fig=. 64. Hämin-Krystalle, künstlich aus menschlichem -Blute dargestellt. Vergr. 300.] - -Die zweite Art von Krystallen, welche aus Hämoglobin hervorgehen, wurde -später entdeckt; sie sind denen des Hämatoidins sehr ähnlich, -unterscheiden sich aber dadurch, dass sie nicht als spontanes Produkt im -Körper vorkommen, sondern künstlich dargestellt werden müssen. Sie haben -eine mehr dunkel bräunliche Farbe, stellen gewöhnlich platte rhombische -Tafeln mit spitzeren Winkeln dar, sind gegen Reagentien ausserordentlich -widerstandsfähig und zeigen bei der Einwirkung der Mineralsäuren den -eigenthümlichen Farbenwechsel nicht, welcher das Hämatoidin -charakterisirt. Sie haben von ihrem Entdecker, =Teichmann=, den Namen -des =Hämin='s bekommen, doch ist er in der neuesten Zeit selbst darüber -zweifelhaft geworden, ob es nicht eine Art von Hämatin selbst -(salzsaures Hämatin) sei. Pathologisch hat das Hämin bis jetzt gar kein -Interesse, dagegen hat es eine sehr grosse Bedeutung gewonnen für die -gerichtliche Medicin dadurch, dass die Herstellung seiner Krystalle in -der letzten Zeit als eines der sichersten Mittel für die Erkennung von -Blutflecken angewendet worden ist. Ich selbst bin in forensischen Fällen -in der Lage gewesen, solche Proben mit sehr entscheidendem Erfolge zu -machen. Zu diesem Zwecke mengt man am besten getrocknetes Blut in -möglichst dichtem Zustande mit trockenem, krystallisirtem und -gepulvertem Kochsalz, bringt dann auf diese trockene Mischung Eisessig -(Acetum glaciale) und dampft bei Kochhitze ab. Ist dies geschehen, so -findet man da, wo vorher die Blutreste oder die zweifelhafte -hämatinhaltige Substanz waren, die Häminkrystalle. Es ist dies eine -Reaction, die mit zu den sichersten und zuverlässigsten gehört, die wir -überhaupt kennen. Denn es ist keine andere Substanz bekannt, welche eine -solche Umbildung erleidet, als das Hämatin. Diese Probe ist ferner -deshalb ausserordentlich wichtig, weil sie auch auf ganz minimale Mengen -anwendbar ist; nur darf die Menge nicht über eine zu grosse Fläche -verbreitet sein. Die Probe würde also nur schwer anwendbar sein, wenn es -sich um ein Tuch handelte, welches in eine dünne, wässerige, mit Blut -gefärbte Flüssigkeit getaucht war. Aber ich habe an dem Rocke eines -Ermordeten, an dessen Aermel Blut gespritzt war, und wo einzelne -Blutstropfen nur eine Linie im Durchmesser hatten, aus solchen Flecken -noch zahllose Häminkrystalle darstellen können, natürlich -mikroskopische[47]. In Fällen, wo die gewöhnliche chemische Probe wegen -der geringen Menge absolut fehlschlagen müsste, sind wir noch im Stande, -Hämin zu gewinnen. Bei so wenig Masse ist die Grösse der Krystalle -freilich auch nur sehr geringfügig; wir finden dann, wie beim -Hämatoidin, kleine, mit spitzen Winkeln versehene, intensiv braun -gefärbte Nadeln. - - [47] Archiv f. path. Anat. u. Physiol. 1857. XII. 337. - -Die dritte Substanz, welche in diese Reihe hineingehört, ist das früher -sogenannte =Hämatokrystallin=, über dessen Entdeckung die Gelehrten -streiten, weil es eben stückweis gefunden worden ist. Die erste -Beobachtung darüber ist von =Reichert= an Extravasaten im Uterus des -Meerschweinchens gemacht, in einem Präparate, das, wie ich denke, schon -in Spiritus gelegen hatte. Seine Beobachtung wurde besonders dadurch -bedeutungsvoll, dass er an diesen Krystallen nachwies, dass sie sich in -gewisser Beziehung wie gewöhnliche eiweissartige Substanzen verhielten, -indem sie unter der Wirkung gewisser Agentien grösser, unter der anderer -kleiner würden, ohne dabei ihre Form zu verändern, -- eine Erscheinung, -welche man bis dahin an Krystallen noch nicht kannte. Später sind diese -Krystalle wieder entdeckt worden von =Kölliker=; =Funke=, =Kunde= und -namentlich =Lehmann= haben sie genauer untersucht. Es hat sich -herausgestellt, dass bei verschiedenen Thierklassen dieselben sehr -verschieden sind, indessen hat sich bis jetzt ein bestimmter Grund dafür -und eine Ansicht über die Constanz ihrer Zusammensetzung nicht gewinnen -lassen. Beim Menschen sind es ziemlich grosse Krystalle. Man hat anfangs -geglaubt, sie kämen nur an dem Blute gewisser Organe, namentlich der -Milz, vor, allein es hat sich ergeben, dass sie aus jedem Blute, nur in -gewissen Krankheits-Prozessen leichter, gewonnen werden können. In -einzelnen sehr seltenen Fällen kommt es vor, dass man sie im Blut von -Thier-Leichen schon gebildet findet. Diese Krystalle sind sehr leicht -zerstörbar; sowohl wenn sie eintrocknen, als wenn sie feucht oder durch -irgend ein flüssiges Medium berührt werden, gehen sie zu Grunde; man -beobachtet sie daher nur in gewissen Uebergangsstadien, welche gerade -getroffen werden müssen, bei der Zerstörung von Blutkörperchen. Die gut -ausgebildeten Formen beim Menschen bilden vollkommen rechtwinklige -Tafeln oder Säulen; aber sehr oft sind sie äusserst klein und man sieht -nur einfache Spiesse, welche in grossen Massen an gewissen Stellen in -das Object hineinschiessen. Dabei haben sie die Eigenthümlichkeit, dass -sie sich immer noch verhalten, wie das Hämatin selbst, indem sie durch -Sauerstoff hellroth, durch Kohlensäure dunkelroth werden. Lange stritt -man darüber, ob die ganze Masse der Krystalle aus Farbstoff bestehe, -oder ob der Farbstoff nur eine Tränkung an sich farbloser Krystalle -bilde; gegenwärtig ist man darin übereingekommen, das Hämatokrystallin -als identisch mit dem Hämoglobin anzuerkennen. Es versteht sich demnach -für die Beurtheilung der Krystalle von selbst, dass die Farbe durchaus -charakteristisch ist, und dass sie mit der gewöhnlichen Blutfarbe -unmittelbar zusammenfällt. - -[Illustration: =Fig=. 65. Farblose Blutkörperchen aus einer Vena -arachnoidealis eines Geisteskranken. _A_. Frisch, _a_ in ihrer -natürlichen Flüssigkeit, _b_ in Wasser untersucht. _B_. Nach Behandlung -mit Essigsäure: _a_-_c_ einkernige, mit immer grösserem, granulirtem und -schliesslich nucleolirtem Kern. _d_ einfache Kerntheilung. _e_ weitere -Kerntheilung. _f_-_h_ Dreitheilung des Kerns in allmähligem Fortschreiten. -_i_-_k_ vier und mehr Kerne. Vergr. 280.] - -Kehren wir jetzt zu den natürlichen morphologischen Elementen des -Blutes zurück, so treffen wir als ferneren Bestandtheil die =farblosen -Körperchen= [Lymphkörperchen des Blutes, Leukocyten =Robin='s][48]. Sie -kommen im Blute des gesunden Menschen in verhältnissmässig kleiner Zahl -vor. Man rechnet ungefähr auf 300 rothe Körperchen 1 farbloses. Wie sie -sich gewöhnlich im Blute finden, stellen sie sphärische Körperchen dar, -welche in der Regel etwas grösser, zuweilen etwas kleiner oder auch eben -so gross, wie die rothen Blutkörperchen sind, von denen sie sich aber -auffallend durch den Mangel jeder Färbung und durch ihre vollkommen -kugelige Gestalt unterscheiden. In einem Blutstropfen, der zur Ruhe -gelangt, pflegen sich die rothen Körperchen in Reihen von der bekannten -Form der Geldrollen, mit ihren flachen Scheiben an einander, -zusammenzulegen (Fig. 61, _d_); in den Zwischenräumen derselben bemerkt -man hier und da ein blasses sphärisches Gebilde, an dem man zunächst, -wenn das Blut ganz frisch ist, nichts weiter erkennen kann, als eine -leicht höckerig oder uneben aussehende Oberfläche. Lässt man Wasser -hinzutreten, so sieht man, dass das Körperchen aufquillt; in dem Maasse, -als es mehr Wasser aufnimmt, erscheint zuerst deutlich eine Membran, -dann sieht man einen allmählich klarer hervortretenden körnigen Inhalt -und zuletzt einen oder mehrere Kerne. Die scheinbar homogene Kugel -verwandelt sich auf diese Art nach und nach in ein zartwandiges, oft so -brüchiges Gebilde, dass bei unvorsichtiger Einwirkung des Wassers die -äusseren Theile anfangen zu zerfallen oder geradezu bersten und im -Innern ein leicht körniger Inhalt erkennbar wird, welcher sich mehr und -mehr lockert und innerhalb dessen ein einziger, gewöhnlich in der -Theilung begriffener oder mehrere Kerne erscheinen. Das Sichtbarwerden -der letzteren ist viel schneller zu erlangen, wenn man das Object mit -Essigsäure behandelt, welche die Membran durchscheinend macht, den -trüben Inhalt klärt und den Kern gerinnen und schrumpfen lässt. Die -Kerne erscheinen dann als scharf und dunkel contourirte Körper, seltener -einfach, meist mehrfach, je nach den Umständen. Kurz, wir bekommen in -der Mehrzahl der Fälle auf diese Weise ein Object zu sehen, wie es -=Güterbock= zuerst als die gewöhnliche Erscheinung der Eiterkörperchen -kennen gelehrt hat. - - [48] Gesammelte Abhandlungen. S. 212. - -Die Frage von der Aehnlichkeit oder Unähnlichkeit der farblosen -Blutkörperchen mit den Eiterkörperchen beschäftigt noch immerfort die -Beobachter, und die Ansichten über die Beziehung der farblosen -Blutkörperchen zu der Pyämie und zu der Pyogenesis werden wahrscheinlich -noch eine Reihe von Jahren gebrauchen, ehe sie so weit geklärt sind, -dass nicht immer wieder einseitige Rückfälle eintreten. Es ist nehmlich -allerdings sehr trügerisch, dass man in manchem Blut Körperchen findet, -welche nur einen einzigen, und zwar grossen, nicht selten mit einem -Kernkörperchen versehenen Kern haben, während man in anderem Blut nur -mehrkernige Körperchen antrifft. Da nun diese letzteren die grösste -Aehnlichkeit mit Eiterkörperchen haben, so ist es solchen Beobachtern, -welche durch Zufall früher im normalen Blut nur einkernige Körperchen -getroffen hatten, nicht zu verdenken, wenn sie in einem neuen Falle, wo -sie mehrkernige sehen, glauben, sie hätten etwas wesentlich Anderes vor -sich, nehmlich Eiterkörperchen im Blute, und es handle sich um Pyämie. -Allein sonderbarer Weise bilden die einkernigen die Ausnahme und man -kann lange suchen, ehe man ein Blut findet, wo alle Körperchen nur einen -Kern besitzen. Das nebenstehende Object (Fig. 66) ist von einem Blute, -in welchem fast lauter einkernige Elemente und zwar in überaus grosser -Menge existirten; es fand sich bei einem Manne, welcher an den Blattern -gestorben war, und bei welchem zugleich eine höchst auffällige acute -Hyperplasie der Bronchialdrüsen bestand. - -[Illustration: =Fig=. 66. Farblose Blutkörperchen bei variolöser -Leukocytose. _a_ freie oder nackte Kerne. _b_, _b_ farblose Zellen mit -kleinen, einfachen Kernen. _c_ grössere, farblose Zellen mit grossen -Kernen und Kernkörperchen. Vergr. 300.] - -Nun könnte man glauben, dass dies wesentlich verschiedene Qualitäten von -Blut seien. Dagegen muss bemerkt werden, dass allerdings in den Fällen, -wo die eine oder andere Art von farblosen Zellen massenhaft existirt, -man eine pathologische Erscheinung vor sich hat, während bei geringer -Zahl derselben nur ein früheres oder späteres Entwickelungsstadium der -Elemente vorliegt. Denn ein und dasselbe Blutkörperchen kann im Verlaufe -seiner Lebensgeschichte einen und mehrere Kerne haben, indem der -einfache in ein früheres, die mehrfachen in ein späteres Lebensstadium -fallen. Bei demselben Individuum sieht man in kurzer Zeit, oft schon in -Stunden den Wechsel eintreten, so dass in einem Blute, welches vorher -nur einkernige Körperchen hatte, sich später mehrkernige finden, -- ein -Beweis von der raschen Veränderung, welcher diese Gebilde unterworfen -sind[49]. -- - - [49] Med. Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preussen. 1846. No. 35. - Gesammelte Abhandl. S. 162, sowie 650. - -[Illustration: =Fig=. 67. _A_. Fibringerinnsel aus der Lungenarterie, -den Endästen derselben entsprechend, bei _a_, _a_ mit grösseren Platten -von leukocytotischen Haufen besetzt, bei _b_, _b_, _b_ mit analogen -Körnern. Natürliche Grösse. - -_B_. Ein Stück eines solchen Korns oder Haufens, aus dichtgedrängten -farblosen Blutkörperchen bestehend. Vergr. 280.] - -Nachdem wir so die verschiedenen festen Bestandtheile kurz gemustert -haben, welche sich in dem geronnenen Blute finden, haben wir noch einige -Worte hinzuzufügen in Beziehung auf die gröberen Verhältnisse, welche -sie unter einander darbieten. Gewöhnlich nimmt man an, dass von den -morphotischen Bestandtheilen nur zwei der groben Beobachtung mit blossem -Auge zugänglich werden, nehmlich die rothen Blutkörperchen, als -Hauptbestandtheil des Cruors, und das Fibrin, welches bei Gelegenheit -eine Speckhaut bilden kann, dass dagegen die farblosen Elemente ohne -besondere Hülfsmittel in keiner Weise wahrzunehmen seien. Dies ist eine -Vorstellung, welche nothwendig berichtigt werden muss. Die farblosen -Körper machen sich, wo sie in grösserer Menge vorhanden sind, für das -geübtere Auge bei der Trennung der Blutbestandtheile, namentlich wenn -während der Gerinnung Bewegung vorhanden ist, sehr deutlich geltend; sie -zeigen eine Eigenthümlichkeit, die man insbesondere kennen muss, wenn es -sich um die Kritik des Leichenbefundes handelt, und deren -Nichtkenntniss zu grossen Irrthümern geführt hat. Sie besitzen nehmlich, -wie dies schon in den älteren Discussionen zu Tage getreten ist, welche -=Ascherson= mit E. H. =Weber= gehabt hat, eine besondere Klebrigkeit -(Viscosität), so dass sie mit Leichtigkeit an einander haften, sich auch -unter Umständen an anderen Theilen festsetzen, wo die rothen Körperchen -diese Erscheinung nicht darbieten. Die Neigung, an anderen Theilen -anzukleben, ist besonders dann sehr deutlich, wenn zugleich ihrer -mehrere unter einander in die Lage kommen, gegenseitig mit einander zu -verkleben. So geschieht es ausserordentlich leicht, dass in einem Blute, -in welchem an sich eine Vermehrung an farblosen Körpern besteht, -Agglutinationen derselben vor sich gehen, sobald der Druck, unter -welchem das Blut fliesst, nachlässt; in jedem Gefässe, wo sich die -Strömung verlangsamt, wo eine Abschwächung des Druckes stattfindet, kann -eine solche Agglutination der Körperchen geschehen[50]. - - [50] Med. Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preussen. 1847. No. 4. - Gesammelte Abhandl. S. 183. - -[Illustration: =Fig=. 68. Capillargefäss aus der Froschschwimmhaut. _r_ -der centrale Strom der rothen Körperchen. _l_, _l_, _l_ die träge, -peripherische Schicht des Blutstromes mit den farblosen Blutkörperchen. -Vergr. 300.] - -Die Klebrigkeit der farblosen Blutkörperchen hat überdies den Effect, -dass, wie =Ascherson= dargethan hat, bei der gewöhnlichen Strömung des -Blutes durch die Capillargefässe die farblosen Körperchen sich -gewöhnlich etwas langsamer fortbewegen, als die rothen, und dass, -während die rothen mehr im Centrum des Capillargefässes in einem -continuirlichen Strome schwimmen, am Umfange ein verhältnissmässig -grosser Raum bleibt, innerhalb dessen sich die farblosen Körperchen, und -zwar oft so ausschliesslich, bewegen, dass =Weber= zu dem Schlusse kam, -es stecke jedes Capillargefäss in einem Lymphgefässe, innerhalb dessen -die farblosen Blut- oder Lymphkörperchen schwömmen. Allein es kann -darüber gar kein Zweifel sein, dass es sich meist um einfache Kanäle -handelt, in welchen die farblosen Körperchen den Wandungen näher liegen, -als die rothen. Hier ist es, wo man, während die Hauptmasse der -Körperchen sich fortbewegt, einzelne für einen Augenblick festsitzen, -dann sich losreissen und wieder langsam fortgehen sieht, so dass der -Name der =trägen Schicht= für diesen Theil des Blutstromes ein -vollkommen recipirter geworden ist. - -Diese beiden Eigenthümlichkeiten, dass bei einer Abschwächung des -Blutstromes die Körperchen an den Wandungen des Gefässes stellenweise -haften bleiben, gewissermaassen an ihnen ankleben, und dass sie unter -einander zu grösseren Klumpen sich zusammenballen, haben zusammen die -Wirkung, dass, wenn im Blute viele farblose Körper vorhanden sind und -der Tod, wie in den gewöhnlichen Fällen, unter einer allmählichen -Abschwächung der Triebkraft erfolgt, in den verschiedensten Gefässen die -farblosen Körper sich zu kleinen Haufen zusammenballen und in der Regel -am Umfange des späteren Blutgerinnsels liegen bleiben. - -Ziehen wir z. B. aus der Lungenarterie den gewöhnlich sehr derben -Blutstrang heraus, welcher ihr Anfangsstück erfüllt, so kann es sein, -dass an seiner Oberfläche kleine Körner (Fig. 67, _A_) sitzen, Knöpfchen -von weisser Farbe, welche aussehen, wie einzelne Eiterpunkte, oder -welche gar zu mehreren perlschnurartig zusammenhängen. Dieses Vorkommen -ist am häufigsten an denjenigen Orten des Gefässsystems, wo die Zahl der -Körper an sich am grössten ist, daher insbesondere in der Strecke -zwischen der Einmündung des Ductus thoracicus und den Lungencapillaren. -Ziemlich leicht vermag das blosse Auge an dem Abscheiden dieser Massen -das mehr oder weniger reichliche Vorkommen der farblosen Körperchen zu -erkennen. Unter Umständen, wo die Zahl derselben sehr gross wird, sieht -man auch wohl ganze Häufchen, die wie eine Scheide einzelne Abschnitte -des Gerinnsels umlagern. Bringt man ein solches Häufchen unter das -Mikroskop, so sieht man viele Tausende von farblosen Körpern zusammen. - -Erfolgt die Gerinnung des Blutes, während dasselbe in Ruhe ist, so tritt -eine andere Erscheinung sehr deutlich hervor, wie man sie in -Aderlass-Gefässen sehen kann. Gerinnt der Faserstoff nicht sehr schnell -oder geradezu langsam, wie bei entzündlichem Blute, so fangen innerhalb -der ruhenden Blutflüssigkeit die Blutkörperchen an, sich vermöge ihrer -Schwere zu senken. Diese Sedimentirung geht bekanntlich so weit, dass, -wenn man frisch gelassenes Blut durch Quirlen seines Faserstoffes -beraubt (defibrinirt), oder durch Zusatz von Mittelsalzen die Gerinnung -hindert oder wenigstens sehr verlangsamt, die Flüssigkeit nach und nach -vollkommen klar wird, indem die Körperchen zu Boden fallen. Wenn wir ein -an farblosen Blutkörperchen reiches Blut defibriniren und stehen lassen, -so bildet sich ein doppeltes Sediment, ein rothes und ein weisses. Das -rothe bildet das tiefste, das weisse das höhere Stratum; letzteres sieht -vollständig so aus, wie wenn eine Lage von Eiter über dem Blute läge. -Wird das Blut nicht defibrinirt, gerinnt es aber langsam, dann kommt die -Senkung nicht vollständig zu Stande, sondern es wird nur der höchste -Theil der Blutflüssigkeit von Körperchen frei; wenn dann späterhin der -Faserstoff gerinnt, so zeigt sich die bekannte Crusta phlogistica, die -=Speckhaut=, und wenn wir nach den farblosen Blutkörperchen suchen, so -finden wir sie als eine besondere Schicht an der unteren Grenze der -Speckhaut. Diese Besonderheit erklärt sich einfach aus dem verschiedenen -specifischen Gewichte, welches die beiden Arten von Blutkörperchen -haben. Die farblosen sind immer leichte, an fester Substanz arme, sehr -zarte Gebilde, während die rothen ein relativ bleiernes Gewicht haben -durch ihren grossen Gehalt an Hämoglobin. Sie erreichen daher -verhältnissmässig sehr schnell den Boden, während die farblosen noch im -Fallen begriffen sind. Wenn man zwei verschieden schwere Substanzen frei -in der Luft herunterfallen lässt, so kommen ja auch bei genügender Höhe -wegen des Widerstandes der Luft die leichteren Körper später am Boden -an. - -[Illustration: =Fig=. 69. Schema eines Aderlassgefässes mit geronnenem -hyperinotischem Blute. _a_ das Niveau der Blutflüssigkeit; _c_ die -becherförmige Speckhaut, _l_ die Lymphschicht (Cruor lymphaticus, Crusta -granulosa) mit den körnigen und maulbeerartigen Anhäufungen der -farblosen Körperchen, _r_ der rothe Cruor.] - -In der Regel bildet bei der Gerinnung im Aderlassblute der weisse Cruor -nicht eine continuirliche, sondern eine unterbrochene Lage, in der -Weise, dass an der unteren Seite der Speckhaut kleine Häufchen oder -Knötchen haften[51]. Daher hat =Piorry=, welcher zuerst diese -Beobachtung machte, aber sie ganz falsch deutete, indem er sie auf eine -Entzündung des Blutes selbst (Haemitis) bezog und darauf die Doctrin der -Pyämie begründete, diese Form von Speckhaut als =Crusta granulosa s. -tuberculosa= bezeichnet. Sie bedeutet nichts weiter, als eine -massenhafte und gruppenweise Anhäufung der farblosen Blutkörperchen -(=Crusta lymphatica=). - - [51] Gesammelte Abhandlungen S. 183. - -Unter allen Verhältnissen gleicht diese Schicht dem Aussehen nach dem -Eiter, und da nun, wie wir vorher gesehen haben, auch die einzelnen -farblosen Blutkörperchen die Beschaffenheit von Eiterkörperchen -haben[52], so ist es leicht begreiflich, dass man nicht bloss bei einem -gesunden Menschen in die Lage kommen kann, seine farblosen -Blutkörperchen für Eiterkörperchen zu halten, sondern noch mehr bei -Kranken, wo das Blut oder andere Theile voll von diesen Elementen sind. -Die Frage, wie sie wiederholt aufgeworfen ist, liegt sehr nahe, ob die -Eiterkörperchen nicht einfach extravasirte farblose Blutkörperchen -seien, oder umgekehrt, ob die innerhalb der Gefässe gefundenen farblosen -Blutkörperchen nicht von aussen her aufgenommene Eiterkörperchen seien. -Bejaht man diese letztere Frage, so gelangt man auf dem hauptsächlich -durch die französischen Autoren (=Ribes=, =Velpeau=, =Maréchal=) -verfolgten Wege zu der Lehre von der =Eiterresorption=[53]. Nimmt man -dagegen die erstere Auffassung an, so kommt man auf eine Anschauung, wie -sie schon seit Hewson in der englischen Literatur sehr verbreitet ist: -mit der »plastischen Lymphe« treten auch »Lymphkörperchen« aus. Diese -Lehre von der =Lymphexsudation= ist namentlich durch W. =Addison= und -=Paget= vertreten worden, und sie hat neuerlich in Beziehung auf die -farblosen Körperchen sichere thatsächliche Unterlagen erhalten. So sehr -schwanken die herrschenden Lehrsätze. Während vor kaum zwei Decennien -jede auffällige Vermehrung der farblosen Blutkörperchen im Blute den -Verdacht, ja die zuversichtliche Annahme einer purulenten Infection -erregte, so gilt jetzt jede ungewöhnliche Rundzelle an beliebiger Stelle -des Körpers für ein farbloses Blutkörperchen, und wie es damals nöthig -war, der unberechtigten Ausdehnung der Pyämie-Lehre entgegen zu treten, -so muss man jetzt der ungemessenen Erweiterung der Lehre von der -Lymphexsudation Schranken setzen. - - [52] Gesammelte Abhandlungen S. 653. - - [53] Ebendas. S. 462, 640, 645. - -Allein die neuere Forschung hat auf diesem Felde überaus glückliche -Erfolge gehabt, indem sie zu einer genaueren Beobachtung der -=Lebenserscheinungen der farblosen Blutkörperchen= geführt hat. Schon -=Wharton Jones= hatte spontane Gestaltveränderungen dieser Gebilde -beschrieben, wobei sie nach Art gewisser niederer pflanzlicher und -thierischer Organismen Fortsätze aus sich hervortreiben und wieder -zurückziehen. Weitere Untersuchungen haben bestätigt, dass in der That -sehr lebhafte =Bewegungen= an den Körpersubstanz der farblosen -Blutkörperchen vorkommen, die man in gewissem Sinne als Contractionen -bezeichnen kann, wenngleich dieser Ausdruck, den wir bisher gewohnt -waren, nur auf die in ganz bestimmter Richtung geschehende -Zusammenziehung muskulöser Theile zu beziehen, leicht zu -Missverständnissen Veranlassung geben kann. =Häckel= sah sodann die -farblosen Blutkörperchen niederer Thiere Farbstoffkörperchen in sich -aufnehmen; v. =Recklinghausen= wies dasselbe für die Wirbelthiere nach -und lehrte damit ein wichtiges Mittel kennen, die Zellen durch Aufnahme -von gefärbten Theilen gleichsam zu markiren. Endlich beobachteten -=Waller= und =Cohnheim= die =Auswanderung= der farblosen Blutkörperchen -aus den Gefässen lebender Thiere auf die Oberflächen und in die Gewebe -der Umgebung bei anhaltender Fixirung bestimmter Stellen unter dem -Mikroskope. - -Auf diese Weise ist gerade an einer Art von Elementen, welche früher -kaum der Aufmerksamkeit des Arztes werth erschienen, eine Fülle der -wichtigsten Lebensthätigkeiten, ja eine Freiheit und Selbständigkeit -dieser Thätigkeiten dargethan worden, welche die farblosen -Blutkörperchen zu einem der günstigsten Objecte für die Demonstration -vitaler Vorgänge und zugleich zu einem der bedeutungsvollsten -Ausgangspunkte pathologischer Studien erheben. Als ich vor nunmehr 25 -Jahren den Satz aussprach: »Ich vindicire für die farblosen -Blutkörperchen eine Stelle in der Pathologie«[54], da hatte ich freilich -noch keine Ahnung von den weitaussehenden Consequenzen, welche sich an -diesen Versuch geknüpft haben. Denn man kann schon jetzt sagen, dass die -cellulare Doctrin nirgends eine so unzweifelhafte Bedeutung erlangt hat, -als durch die immer zahlreicheren Erfahrungen über diese früher so -vernachlässigten Gebilde. - - [54] Med. Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preussen. 1846. - September. No. 36. - - - - - Neuntes Capitel. - - Blutbildung und Lymphe. - - - Wechsel und Ersatz der Blutbestandtheile. =Die rothen Körperchen=. - Hinfälligkeit derselben. Theilung derselben bei Embryonen. - Zerbröckelung bei ungünstigen Einwirkungen. Ersatz aus der Lymphe. - - Das =Fibrin=. Die Lymphe und ihre Gerinnung. Nichtgerinnung des - Capillarblutes in der Leiche. Das lymphatische Exsudat. Fibrinogene - Substanz. Speckhautbildung. Lymphatisches Blut, Hyperinose, - phlogistische Krase. Locale Fibrinbildung. Fibrintranssudation. - Fibrinbildung im Blute. - - Die =farblosen Blutkörperchen= (Lymphkörperchen). Ihre Vermehrung - bei Hyperinose und Hypinose (Erysipel, Pseudoerysipel, Typhus). - Leukocytose und Leukämie. Die lienale und lymphatische Leukämie. - - =Milz=- =und Lymphdrüsen= als hämatopoëtische Organe. Structur der - Lymphdrüsen. Rinden- und Marksubstanz. Das eigentliche Parenchym - derselben: Follikel (Markstränge), Reticulum, Lymphsinus. - Parenchymzellen (Lymphdrüsenkörperchen) und ihr Verhältniss zu - Lymph- und farblosen Blutkörperchen. Diagnose und Abstammung der - letzteren. -- Bau der Milz. Siebförmige Einrichtung der Gefässwände - in der Pulpa. -- Umbildung farbloser Blutkörperchen in farbige. Ort - derselben. Das rothe Knochenmark. - - =Lymphgefässe=. Zusammenhang mit dem Röhrensystem des Bindegewebes. - Bau der grösseren Lymphgefässe: Contraktilität und Klappen - derselben. Lymphcapillaren (Lymphgefäss-Wurzeln): einfache - Epithel-Wand. Bedeutung der Bindegewebskörperchen und der Lymphe - überhaupt. Recrementitielle und plastische Natur der Lymphe. - -Hat man sich mit den einzelnen morphologischen Elementen des Blutes und -den besonderen Eigenthümlichkeiten derselben bekannt gemacht, so ist das -Nächste die Frage nach der Entstehung derselben. - -Aus den Erfahrungen über die erste Entwickelung der Blutelemente lassen -sich wesentliche Rückschlüsse machen auf die Natur der Veränderungen, -welche unter krankhaften Verhältnissen in der Blutmasse stattfinden. -Früher betrachtete man das Blut mehr als einen in sich abgeschlossenen -Saft, welcher allerdings gewisse Beziehungen nach aussen habe, aber doch -in sich selbst eine wirkliche Dauer besitze; man nahm deshalb an, dass -sich auch besondere Eigenschaften dauerhaft daran erhalten, ja viele -Jahre hindurch fortbestehen könnten. Natürlich durfte man dabei den -Gedanken nicht zulassen, dass die Bestandtheile des Blutes vergänglicher -Natur seien, und dass neue Elemente hinzukämen, welche alte, verloren -gegangene ersetzten. Denn die Dauerhaftigkeit eines Theiles als solchen -setzt entweder voraus, dass er in seinen Elementen dauerhaft ist, oder -dass die Elemente innerhalb des Theiles immerfort neue erzeugen, welche -alle Eigenthümlichkeiten der alten erben. Für das Blut müsste man also -entweder annehmen, seine Bestandtheile wären wirklich durch Jahre -fortbestehend und könnten Jahre lang dieselben Veränderungen bewahren, -oder man müsste sich denken, dass das Blut von einem Theilchen auf das -andere etwas übertrüge, in der Art, dass von einem mütterlichen -Bluttheilchen auf ein töchterliches etwas Hereditäres fortgepflanzt -würde. Von diesen Möglichkeiten ist die erstere gegenwärtig gänzlich -unhaltbar. Es denkt im Augenblick wohl Niemand daran, dass die einzelnen -Bestandtheile des Blutes eine Dauer von vielen Jahren haben. Dagegen -lässt sich die Möglichkeit nicht von vorn herein zurückweisen, dass -innerhalb des Blutes die Elemente eine Fortpflanzung erfahren, und dass -sich von Element zu Element gewisse erbliche Eigenthümlichkeiten -übertragen, welche zu einer gewissen Zeit im Blute eingeleitet sind. -Allein mit einer gewissen Zuverlässigkeit kennen wir solche -Erscheinungen der Fortpflanzung des Blutes nur aus einer früheren Zeit -des embryonalen Lebens. Hier scheint es nach Beobachtungen, die erst in -der neuesten Zeit von =Remak= und =Metschnikow= wiederum bestätigt sind, -dass die vorhandenen Blutkörperchen sich direkt theilen, in der Art, -dass in einem Körperchen, welches in der ersten Zeit der Entwickelung -sich als kernhaltige Zelle darstellt, zuerst eine Theilung des Kernes -eintritt (Fig. 60, _c_), dass dann die ganze Zelle sich einkerbt und -nach und nach wirkliche Uebergänge zu einer vollständigen Theilung -erkennen lässt. In dieser frühen Zeit ist es daher allerdings zulässig, -das Blutkörperchen als den Träger von Eigenschaften zu betrachten, -welche sich von der ersten Reihe von Zellen auf die zweite, von dieser -auf die dritte u. s. f. fortpflanzen. - -Allein in dem Blute des entwickelten Menschen, ja selbst im Blute -des Fötus der späteren Schwangerschaftsmonate sind solche -Theilungs-Erscheinungen nicht mehr bekannt, und keine einzige von den -Thatsachen, welche man aus der Entwickelungsgeschichte beizubringen -vermag, spricht dafür, dass in dem entwickelten Blute eine Vermehrung -der zelligen Elemente durch direkte Theilung oder irgend eine andere im -Blute selbst gelegene Neubildung stattfinde. Man weiss wohl, dass unter -gewissen Verhältnissen, z. B. bei Einwirkung von Harnstoff und manchen -Salzen, die rothen Blutkörperchen sich einschnüren und endlich in Stücke -zerfallen oder einzelne, meist rundliche Stückchen (Körnchen) von sich -abschnüren, allein diese Stückchen, welche noch G. =Zimmermann= als die -ersten Anfänge neuer Blutkörperchen betrachtete, sind nichts anderes, -als Trümmer. So lange man die Möglichkeit als erwiesen betrachtete, dass -aus einem einfachen Cytoblastem durch direkte Ausscheidung differenter -Materien Zellen entständen, so lange konnte man auch in der -Blutflüssigkeit sich neue Niederschläge bilden lassen, aus denen Zellen -hervorgingen. Allein auch davon ist man zurückgekommen. Alle -morphologischen Elemente des Blutes, wie sie auch beschaffen sein mögen, -leitet man gegenwärtig von Orten ab, welche ausserhalb des Blutes -liegen. Ueberall geht man zurück auf Organe, welche mit dem Blute nicht -direkt, sondern vielmehr durch Zwischenbahnen in Verbindung stehen. Die -Hauptorgane, welche in dieser Beziehung in Frage kommen, sind die -lymphatischen. Die =Lymphe= ist die Flüssigkeit, welche, während sie dem -Blute gewisse Stoffe zuführt, die von den Geweben kommen, zugleich die -körperlichen Elemente mit sich bringt, aus welchen die Zellen des Blutes -sich fort und fort ergänzen. - -In Beziehung auf zwei Bestandtheile des Blutes dürfte es kaum -zweifelhaft sein, dass diese Anschauung eine vollkommen berechtigte ist, -nehmlich in Beziehung auf den Faserstoff und die farblosen -Blutkörperchen. Was den =Faserstoff= anbetrifft, dessen morphologische -Eigenschaften ich im vorigen Capitel besprach, so ist es eine sehr -wesentliche und wichtige Thatsache, dass derjenige Faserstoff, welcher -in der Lymphe circulirt[55], gewisse Verschiedenheiten darbietet von dem -Faserstoffe des Blutes, welchen wir zu Gesicht bekommen, wenn wir -Extravasate oder aus der Ader gelassenes Blut betrachten. Der Faserstoff -der Lymphe hat die besondere Eigenthümlichkeit, dass er unter den -gewöhnlichen Verhältnissen innerhalb der Lymphgefässe weder im Leben -noch nach dem Tode gerinnt, während das Blut in manchen Fällen schon -während des Lebens, regelmässig aber nach dem Tode gerinnt, so dass die -Gerinnungsfähigkeit dem Blute als eine regelmässige Eigenschaft -zugeschrieben wird. In den Lymphgefässen eines todten Thieres oder einer -menschlichen Leiche findet man keine geronnene Lymphe, dagegen tritt die -Gerinnung alsbald ein, sobald die Lymphe mit der äusseren Luft in -Contact gebracht oder von einem erkrankten Organe her verändert wird. - - [55] Gesammelte Abhandl. S. 105. - -Allerdings zeigt sich auch innerhalb der Gefässe einer Leiche am Blute -eine sehr auffällige und schwer zu erklärende Verschiedenheit. Während -das Blut des Herzens und der grösseren Gefässe nach dem Tode gerinnt, so -=bleibt das Capillarblut flüssig=. Sonderbarerweise übersieht man diese -wichtige Erscheinung fast immer, so wichtig sie auch für die Deutung des -örtlichen Verhaltens der Färbung der Gefässe, insbesondere der -postmortalen Ortsveränderungen, Senkungen u. s. w. des Blutes ist. Aber -das Capillarblut der Leiche unterscheidet sich dadurch von der Lymphe, -dass es auch nicht mehr gerinnt, wenn es aus den Capillaren entleert und -der Luft ausgesetzt wird. - -Was nun die Lymphe anbetrifft, so muss ich noch immer an der Anschauung -festhalten, dass in derselben kein fertiges Fibrin enthalten ist, -sondern dass dies erst fertig wird, sei es durch den Contact mit der -atmosphärischen Luft, sei es unter abnormen Verhältnissen durch die -Zuführung veränderter Stoffe, oder durch den Contact mit besonderen -Substanzen. Die normale Lymphe führt eine Substanz, welche sehr leicht -in Fibrin übergeht, und, wenn sie geronnen ist, sich vom Fibrin kaum -unterscheidet, welche aber, so lange sie im gewöhnlichen Laufe des -Lymphstromes sich befindet, nicht als eigentlich fertiges Fibrin -betrachtet werden kann. Es ist dies eine Substanz, welche ich lange, -bevor ich auf ihr Vorkommen in der Lymphe aufmerksam geworden war, in -verschiedenen Exsudaten constatirt hatte, namentlich in pleuritischen -Flüssigkeiten[56]. - - [56] Archiv 1847. I. 572. Gesammelte Abhandl. 104, 516. - -In manchen Formen der Pleuritis bleibt das Exsudat lange flüssig, und da -kam mir vor einer Reihe von Jahren der besondere Fall vor, dass durch -eine Punction des Thorax eine Flüssigkeit entleert wurde, welche -vollkommen klar und flüssig war, aber kurze Zeit, nachdem sie entleert -war, in ihrer ganzen Masse mit einem Coagulum sich durchsetzte, wie es -oft genug in Flüssigkeiten aus der Bauchhöhle gesehen wird. Nachdem ich -dieses Gerinnsel durch Quirlen aus der Flüssigkeit entfernt und mich von -der Identität desselben mit dem gewöhnlichen Faserstoff überzeugt hatte, -zeigte sich am nächsten Tage ein neues Coagulum, und so auch in den -folgenden Tagen. Diese Gerinnungsfähigkeit dauerte 14 Tage lang, obwohl -die Entleerung mitten im heissen Sommer stattgefunden hatte. Es war dies -also eine von der gewöhnlichen Gerinnung des Blutes wesentlich -abweichende Erscheinung, welche sich nicht wohl begreifen liess, wenn -wirkliches Fibrin als fertige Substanz darin enthalten war, und welche -darauf hinzuweisen schien, dass erst unter Einwirkung der -atmosphärischen Luft Fibrin entstünde aus einer Substanz, welche dem -Fibrin allerdings nahe verwandt sein musste, aber doch nicht wirkliches -Fibrin sei. Ich schlug darum vor, dieselbe als =fibrinogene= Substanz zu -trennen, und nachdem ich später darauf gekommen war, dass es dieselbe -Substanz ist, welche wir in der Lymphe finden, so konnte ich meine -Ansicht dahin erweitern, dass auch in der Lymphe der Faserstoff nicht -fertig enthalten sei. - -Dieselbe Substanz, welche sich von dem gewöhnlichen Fibrin dadurch -unterscheidet, dass sie eines mehr oder weniger langen Contactes mit der -atmosphärischen Luft bedarf, um coagulabel zu werden, findet sich unter -gewissen Verhältnissen auch im Blute der peripherischen Venen vor, so -dass man auch durch eine gewöhnliche Venaesection am Arme Blut bekommen -kann, welches sich vom gewöhnlichen Blute durch die Langsamkeit seiner -Gerinnung unterscheidet. =Polli= hat die so gerinnende Substanz -=Bradyfibrin= (langsames Fibrin) genannt. Solche Fälle kommen besonders -vor bei entzündlichen Erkrankungen der Respirationsorgane und geben am -Häufigsten Veranlassung zur Bildung einer =Speckhaut= (Crusta -phlogistica). Es ist bekannt, dass die gewöhnliche Crusta phlogistica -bei pneumonischem oder pleuritischem Blut um so leichter eintritt, je -wässeriger die Blutflüssigkeit ist, je mehr die Blutmasse an festen -Bestandtheilen verarmt ist, aber es ist wesentlich dabei, dass auch das -Fibrin langsam gerinnt. Wenn man mit der Uhr in der Hand den Vorgang -controlirt, so überzeugt man sich, dass bei der Crustenbildung eine sehr -viel längere Zeit vergeht, als bei der gewöhnlichen Gerinnung. Von -dieser häufigen Erscheinung, wie sie sich bei der gewöhnlichen -Crustenbildung der entzündlichen Blutmasse findet, zeigen sich nun -allmähliche Uebergänge zu einer immer längeren Dauer des -Flüssigbleibens. - -Das Aeusserste dieser Art, was bis jetzt bekannt ist, geschah in einem -Falle, den =Polli= beobachtete. Bei einem an Pneumonie leidenden, -rüstigen Manne, welcher im Sommer, zu einer Zeit, welche gerade nicht -die äusseren Bedingungen für die Verlangsamung der Gerinnung darbietet, -in die Behandlung kam, gebrauchte das Blut, welches aus der geöffneten -Ader floss, acht Tage, ehe es anfing zu gerinnen, und erst nach 14 Tagen -war die Coagulation vollständig. Es fand sich dabei auch die andere, von -mir am pleuritischen Exsudat beobachtete Erscheinung, dass im -Verhältniss zu dieser späten Gerinnung eine ungewöhnlich späte -Zersetzung (Fäulniss) des Blutes stattfand. - -Da nun Erscheinungen dieser Art überwiegend häufig bei Brustaffectionen -beobachtet werden, so überwiegend, dass man seit langer Zeit die -Speckhaut als Corium pleuriticum bezeichnet hat, so scheint daraus mit -einer gewissen Wahrscheinlichkeit hervorzugehen, dass das -Respirationsgeschäft einen bestimmenden Einfluss hat auf das Vorkommen -oder Nichtvorkommen der fibrinogenen Substanz im Blute. Jedenfalls setzt -sich die Eigenthümlichkeit, welche die Lymphe besitzt, unter Umständen -auf das Blut fort, so dass entweder das ganze Blut daran Antheil nimmt, -und zwar um so mehr, je grössere Störungen die Respiration erleidet, -oder dass neben dem gewöhnlichen, schnell gerinnenden Stoffe ein -langsamer gerinnender gefunden wird. Oft bestehen nehmlich zwei Arten -von Gerinnung in demselben Blute neben einander, eine frühe und eine -späte, namentlich in den Fällen, wo die direkte Analyse eine Vermehrung -des Faserstoffes, eine =Hyperinose= (=Franz Simon=) ergibt. Diese -hyperinotischen Zustände führen also darauf hin, dass bei ihnen eine -vermehrte Zufuhr von Lymphflüssigkeit zum Blute stattfindet, und dass -die Stoffe, welche sich nachher im Blute finden, nicht ein Product -innerer Umsetzung desselben sind, dass also die letzte Quelle des -Fibrins nicht im Blute selbst gesucht werden darf, sondern an jenen -Punkten, von welchen die Lymphgefässe die vermehrte Fibrinmasse -zuführen. - -Zur Erklärung dieser Erscheinungen habe ich eine etwas kühne Hypothese -gewagt, welche ich jedoch für vollkommen discussionsfähig erachte, -nehmlich die, =dass das Fibrin, wenn es im Körper ausserhalb des Blutes -vorkommt, nicht immer als eine Abscheidung aus dem Blute zu betrachten -ist, sondern häufig als ein Local-Erzeugniss=, und ich habe versucht, -eine wesentliche Veränderung in der Auffassung der sogenannten -phlogistischen Krase in Beziehung auf die Localisation derselben -einzuführen[57]. Während man früher gewöhnt war, die veränderte Mischung -des Blutes bei der Entzündung als ein von vorn herein bestehendes und -namentlich durch primäre Vermehrung des Faserstoffes bezeichnetes Moment -zu betrachten, so habe ich vielmehr die Krase als ein von der localen -Entzündung abhängiges Ereigniss entwickelt. Gewisse Organe und Gewebe -besitzen an sich in höherem Grade die Eigenschaft, Fibrin zu erzeugen -und das Vorkommen von grossen Massen von Fibrin im Blute zu begünstigen, -während andere Organe ungleich weniger dazu geeignet sind. - - [57] Handbuch der spec. Pathologie u. Therapie. 1854. I. 75. - Gesammelte Abhandlungen. 135. - -Ich habe ferner darauf hingewiesen, dass diejenigen Organe, welche -diesen eigenthümlichen Zusammenhang eines sogenannten phlogistischen -Blutes mit einer localen Entzündung besonders häufig darbieten, im -Allgemeinen mit Lymphgefässen reichlich versehen sind und mit grossen -Massen von Lymphdrüsen in Verbindung stehen, während alle diejenigen -Organe, welche entweder sehr wenige Lymphgefässe enthalten, oder in -welchen wir kaum Lymphgefässe kennen, auch einen nicht nennenswerthen -Einfluss auf die fibrinöse Mischung des Blutes ausüben. Es haben schon -frühere Beobachter bemerkt, dass es Entzündungen sehr wichtiger Organe -gibt, z. B. des Gehirns, bei denen man die phlogistische Krase -eigentlich gar nicht findet. Aber gerade im Gehirn kennen wir nur wenige -Lymphgefässe. Wo dagegen die Mischung des Blutes am frühesten verändert -wird, bei den Erkrankungen der Respirationsorgane, da findet sich auch -ein ungewöhnlich reichliches Lymphnetz. Nicht bloss die Lungen sind -davon durchsetzt und überzogen, sondern auch die Pleura hat -ausserordentlich reiche Verbindungen mit dem Lymphsystem, und die -Bronchialdrüsen stellen fast die grössten Anhäufungen von -Lymphdrüsen-Masse dar, die irgend ein Organ des Körpers überhaupt -besitzt. - -Andererseits kennen wir keine Thatsache, welche die Möglichkeit zeigte, -dass unter einfacher Steigerung des Blutdruckes, oder unter einfacher -Veränderung der Bedingungen, unter denen das Blut strömt, in diesen -Organen ein Durchtreten spontan gerinnender Flüssigkeiten von den -Capillaren her in das Parenchym oder auf die Oberfläche derselben -erfolgen könnte. Man denkt sich allerdings in der Regel, dass im -Verhältniss zur Stromstärke des Blutes auch eine fibrinöse Zumischung -zum Exsudate stattfinde, aber dies ist nie durch ein Experiment bewiesen -worden. Niemals ist Jemand im Stande gewesen, durch blosse Veränderung -in der Strömung des Blutes im lebenden Körper das Fibrin zu einer -direkten Transsudation aus den Capillaren in Form eines entzündlichen -Processes zu vermögen; dazu bedürfen wir immer eines Reizes. Man kann -die beträchtlichsten Hemmungen im Circulationsgeschäft herbeiführen, die -colossalsten Austretungen von serösen Flüssigkeiten experimentell -erzeugen, aber nie erfolgt dabei jene eigenthümliche fibrinöse -Exsudation, welche die Reizung gewisser Gewebe mit so grosser -Leichtigkeit hervorruft. - -Dass das Fibrin in der Blutflüssigkeit selbst durch eine Umsetzung des -Eiweisses entstünde, ist eine chemische Theorie, die weiter keine Stütze -für sich hat, als die, dass Eiweiss und Fibrin grosse chemische -Aehnlichkeit haben, und dass man sich, wenn man die zweifelhafte -chemische Formel des Fibrins mit der ebenso zweifelhaften Formel des -Eiweisses vergleicht, durch das Ausscheiden von ein paar Atomen den -Uebergang von Albumin in Fibrin sehr leicht denken kann. Allein diese -Möglichkeit der Formelüberführung beweist nicht das Geringste dafür, -dass eine analoge Umsetzung in der Blutmasse geschehe. Sie kann -möglicherweise im Körper erfolgen, aber auch dann ist es jedenfalls -wahrscheinlicher, dass sie in den Geweben erfolgt, und dass erst von da -aus eine Fortführung durch die Lymphe geschieht. Indess ist dies um so -mehr zweifelhaft, als die rationelle Formel für die chemische -Zusammensetzung des Eiweisses und des Faserstoffes bis jetzt noch nicht -ermittelt ist, und die unglaublich hohen Atomzahlen der empirischen -Formel auf eine sehr zusammengesetzte Gruppirung der Atome hindeuten. - -Halten wir daher an der Erfahrung fest, dass das Fibrin nur dadurch zum -Austritt auf irgend eine Oberfläche gebracht werden kann, dass wir -ausser der Störung der Circulation auch noch einen Reiz, d. h. eine -locale Veränderung des Gewebes setzen. Diese locale Veränderung genügt -aber erfahrungsgemäss für sich, um den Austritt von Fibrin zu bedingen, -wenn auch keine Hemmung der Circulation eintritt. Es bedarf dieser -Hemmung gar nicht, um die Erzeugung von Fibrin an einem bestimmten -Punkte einzuleiten. Im Gegentheil sehen wir, dass in der besonderen -Beschaffenheit der gereizten Theile die Ursache der grössten -Verschiedenheiten gegeben ist. Wenn wir einfach eine reizende Substanz -auf die Hautoberfläche bringen, so gibt es bei geringeren Graden der -Reizung, mag sie nun chemischer oder mechanischer Natur sein, eine -Blase, ein seröses Exsudat. Ist die Reizung stärker, so tritt eine -Flüssigkeit aus, welche in der Blase vollkommen flüssig erscheint, aber -nach ihrer Entleerung coagulirt. Fängt man die Flüssigkeit einer -Vesicatorblase in einem Uhrschälchen auf und lässt sie an der Luft -stehen, so bildet sich ein Coagulum; es ist also fibrinogene Substanz in -der Flüssigkeit. Nun gibt es aber zuweilen Zustände des Körpers, wo ein -äusserlicher Reiz genügt, um Blasen mit direkt coagulirender Flüssigkeit -hervorzurufen. Im Winter von 1857-58 hatte ich einen Kranken auf meiner -Abtheilung, welcher von einer Erfrierung der Füsse eine Anästhesie -zurückbehielt, wogegen ich unter Anderem locale Bäder mit Königswasser -anwendete. Nach einer gewissen Zahl solcher Bäder bildeten sich jedesmal -an den anästhetischen Stellen der Fusssohle Blasen bis zu einem -Durchmesser von zwei Zoll, welche bei ihrer Eröffnung sich mit grossen -gallertigen Massen von fibrinösem Coagulum (nicht etwa mit -Eiweiss-Niederschlägen) erfüllt zeigten. Bei anderen Menschen hätten -sich wahrscheinlich einfache Blasen gebildet, mit einer Flüssigkeit, die -erst nach dem Herauslassen erstarrt wäre. Diese Verschiedenheit liegt -offenbar in der Verschiedenheit nicht der Blutmischung, sondern der -örtlichen Disposition. Die Differenz zwischen der Form von Pleuritis, -welche von Anfang an coagulable und spontan coagulirende Substanzen -abscheidet, und derjenigen, wo coagulable, aber nicht spontan -coagulirende Flüssigkeiten austreten, weist gewiss auf Besonderheiten -der localen Reizung hin. - -Ich glaube also nicht, dass man berechtigt ist zu schliessen, dass -Jemand, der mehr Fibrin im Blute hat, damit auch eine grössere Neigung -zu fibrinöser Transsudation besitze; vielmehr erwarte ich, dass bei -einem Kranken, der an einem bestimmten Orte sehr viel fibrinbildende -Substanz producirt, von diesem Orte aus viel von dieser Substanz in die -Lymphe und endlich in das Blut übergehen wird. Man kann also das Exsudat -in solchen Fällen betrachten als den Ueberschuss des in loco gebildeten -Fibrins, für dessen Entfernung die Lymphcirculation nicht genügte. So -lange der Lymphstrom ausreicht, wird Alles, was in dem gereizten Theile -an Stoffen gebildet wird, auch dem Blute zugeführt; sobald die örtliche -Production über dieses Maass hinausschreitet, häufen sich die Producte -an, und neben der Hyperinose wird auch eine örtliche Ansammlung oder -Ausscheidung von fibrinösem Exsudat stattfinden. Ist diese Deutung -richtig, und ich denke, dass sie es ist, so würde sich auch hier wieder -jene Abhängigkeit der Dyscrasie von der örtlichen Krankheit ergeben, -welche ich schon früher als den wesentlichsten Gewinn aller unserer -Untersuchungen über das Blut hingestellt habe. - -Es ist nun eine sehr bemerkenswerthe Thatsache, welche gerade für diese -Auffassung von Bedeutung ist, dass =sehr selten eine erhebliche -Vermehrung des Fibrins Statt findet ohne gleichzeitige Vermehrung der -farblosen Blutkörperchen=, dass also die beiden wesentlichen -Bestandtheile, welche wir in der Lymphflüssigkeit finden, auch im Blute -wiederkehren. In jedem Falle einer Hyperinose kann man auf eine -Vermehrung der farblosen Körperchen rechnen, oder, anders ausgedrückt, -jede Reizung eines Theiles, welcher mit Lymphgefässen reichlich versehen -ist und mit Lymphdrüsen in einer ausgiebigen Verbindung steht, bedingt -auch die Einfuhr grosser Massen farbloser Zellen (Lymphkörperchen) ins -Blut. - -Diese Thatsache ist besonders interessant insofern, als man daraus -begreifen kann, wie nicht bloss gewisse Organe, welche reich versehen -sind mit Lymphgefässen, eine solche Vermehrung bedingen können, sondern -wie auch gewisse Processe eine grössere Fähigkeit besitzen, -beträchtliche Mengen von diesen Elementen in das Blut zu führen. Es sind -dies alle diejenigen, welche früh mit bedeutender Erkrankung des -Lymphgefäss-Systems verbunden sind. Vergleicht man eine erysipelatöse -oder eine diffuse phlegmonöse (nach =Rust= pseudoerysipelatöse) -Entzündung in ihrer Wirkung auf das Blut mit einer einfachen -oberflächlichen Hautentzündung, wie sie im Verlauf der gewöhnlichen -acuten Exantheme, nach traumatischen oder chemischen Einwirkungen -auftritt, so ersieht man alsbald, wie gross die Differenz ist. Jede -erysipelatöse oder diffuse phlegmonöse Entzündung hat die -Eigenthümlichkeit, frühzeitig die Lymphgefässe zu afficiren und -Schwellungen der lymphatischen Drüsen hervorzubringen. In jedem solchen -Falle aber kann man darauf rechnen, dass eine Zunahme in der Zahl der -farblosen Blutkörperchen stattfindet. - -Weiterhin ergibt sich die bezeichnende Thatsache, dass es gewisse -Processe gibt, welche gleichzeitig Fibrin und farblose Blutkörperchen -vermehren, andere dagegen, welche nur die Zunahme der letzteren -bewirken. In diese Kategorie gehört gerade die ganze Reihe der einfachen -diffusen Hautentzündungen, wo auch an den Erkrankungsorten keine -erhebliche Fibrinbildung erfolgt. Andererseits gehört dahin eine Menge -von Zuständen, welche vom Gesichtspunkt der Faserstoff-Menge als -=hypinotische= (=Franz Simon=) bezeichnet werden, alle die Processe, -welche in die Reihe der typhösen zählen, und die darin übereinkommen, -dass sie bald diese, bald jene Art von bedeutender Anschwellung der -Lymphdrüsen, aber keine locale Faserstoff-Exsudation hervorbringen. So -setzt der Typhus diese Veränderungen nicht nur an der Milz, sondern auch -an den Mesenterial-Drüsen. - -Den einfachen Zustand von Vermehrung der farblosen Körperchen im Blute, -welcher abhängig erscheint von einer Reizung der Blutbereitenden Drüsen, -habe ich mit dem Namen der =Leukocytose= belegt[58]. Nun weiss man, dass -eine andere Angelegenheit lange der Gegenstand meiner Studien gewesen -ist, die von mir[59] sogenannte =Leukämie=, und es handelt sich zunächst -darum, festzustellen, wie weit sich die eigentliche Leukämie von den -leukocytotischen Zuständen unterscheidet. - - [58] Gesammelte Abhandlungen 1856. S. 703. - - [59] Archiv. 1847. I. 563. - -Schon in den ersten Fällen der Leukämie, welche mir vorkamen, stellte -sich eine sehr wesentliche Eigenschaft heraus, nehmlich die, dass in dem -Gehalt des Faserstoffes im Blute keine wesentliche Abweichung -bestand[60]. Späterhin hat sich gezeigt, dass der Faserstoff-Gehalt je -nach der Besonderheit des Falles vermehrt oder vermindert oder -unverändert sein kann, dass aber constant eine immerfort steigende -Zunahme der farblosen Blutkörperchen stattfindet, und dass diese -Zunahme immer deutlicher zusammenfällt mit einer Verminderung der Zahl -der gefärbten (rothen) Blutkörperchen, so dass als endliches Resultat -ein Zustand herauskommt, in welchem die Zahl der farblosen -Blutkörperchen der Zahl der rothen beinahe gleichkommt, und selbst für -die gröbere Betrachtung auffallende Phänomene hervortreten. Während wir -im gewöhnlichen Blute immer nur auf etwa 300 gefärbte ein farbloses -Körperchen rechnen können, so gibt es Fälle von Leukämie, wo die -Vermehrung der farblosen in der Weise steigt, dass auf 3 rothe -Körperchen schon ein farbloses oder gar 3 rothe auf 2 farblose kommen, -ja wo die Zahlen für die farblosen Körperchen die grösseren werden[61]. - - [60] =Froriep='s Neue Notizen. 1845. No. 780. Gesammelte Abhandl. 149. - - [61] Archiv 1853. IV. 43 ff. - -In Leichen erscheint die Vermehrung der farblosen Körperchen meist -beträchtlicher, als sie wirklich ist, aus Gründen, die ich schon früher -hervorhob (S. 185); diese Körperchen sind ausserordentlich klebrig und -häufen sich bei Verlangsamung des Blutstromes in grösseren Massen an, so -dass in Leichen die grösste Menge stets im rechten Herzen gefunden wird. -Es ist mir einmal, ehe ich Berlin verliess, der besondere Fall passirt, -dass ich das rechte Atrium anstach, und der Arzt, welcher den Fall -behandelt hatte, überrascht ausrief: »Ah, da ist ein Abscess!« So -eiterähnlich sah das Blut aus. Diese eiterartige Beschaffenheit des -Blutes ist allerdings nicht in dem ganzen Circulationsstrome vorhanden; -nie sieht das Blut im Ganzen wie Eiter aus, weil immer noch eine -verhältnissmässig grosse Zahl von rothen Elementen existirt; aber es -kommt doch vor, dass das aus der Ader fliessende Blut schon bei -Lebzeiten weissliche Streifen zeigt, und dass, wenn man den Faserstoff -durch Quirlen entfernt und das defibrinirte Blut stehen lässt, sich -alsbald eine freiwillige Scheidung macht, in der Art, dass sich -sämmtliche Blutkörperchen, rothe und farblose, allmählich auf den Boden -des Gefässes senken, und hier ein doppeltes Sediment entsteht: ein -unteres rothes, das von einem oberen, weissen, puriformen überlagert -wird. Es erklärt sich dies aus dem ungleichen specifischen Gewicht und -den verschiedenen Fallzeiten beider Arten von Körperchen (S. 187). -Zugleich giebt dies eine sehr leichte Scheidung des leukämischen Blutes -von dem chylösen (lipämischen), wo ein milchiges Aussehen des Serums -durch Fettbeimischung entsteht; defibrinirt man solches Blut, so bildet -sich nach einiger Zeit nicht ein weisses Sediment, sondern eine -rahmartige Schicht an der Oberfläche[62]. - - [62] Würzburger Verhandl. 1856. VII. 119. Gesammelte Abhandl. S. 138. - -Es existiren bis jetzt in der Literatur nur vereinzelte Fälle von -Leukämie, wo die Kranken, nachdem sie eine Zeit lang Gegenstand -ärztlicher Behandlung gewesen waren, als wesentlich gebessert das -Hospital verliessen. In der Regel erfolgt der Tod. Ich will daraus -keineswegs den Schluss ziehen, dass es sich um eine absolut unheilbare -Krankheit handle; ich hoffe im Gegentheil, dass man endlich auch hier -wirksame Heilmittel finden wird, aber es ist gewiss eine sehr wichtige -Thatsache, dass es sich dabei, ähnlich wie bei der progressiven -Muskelatrophie, um Zustände handelt, welche in einem gewissen Stadium, -sich selbst überlassen, oder wenn sie unter einer der bis jetzt -bekannten Behandlungen stehen, sich fortwährend verschlimmern und -endlich zum Tode führen. Es haben diese Fälle noch ausserdem die -besondere Merkwürdigkeit, dass sich gewöhnlich in der letzten Zeit des -Lebens eine eigentliche =hämorrhagische Diathese= ausbildet und -Blutungen entstehen, die besonders häufig in der Nasenhöhle stattfinden -(unter der Form von erschöpfender Epistaxis), die aber unter Umständen -auch an anderen Punkten auftreten können, so in colossaler Weise als -apoplectische Formen im Gehirn oder als melänaartige in der Darmhöhle. - -Wenn man nun untersucht, von woher diese sonderbare Veränderung des -Blutes stammt, so zeigt sich, dass in der grossen Mehrzahl der Fälle ein -bestimmtes Organ als das wesentlich erkrankte erscheint, und häufig -schon im Anfange der Krankheit den Hauptgegenstand der Klagen und -Beschwerden der Kranken bildet, nehmlich die =Milz=. Daneben leidet sehr -häufig auch ein Bezirk von =Lymphdrüsen=, aber das Milzleiden steht in -der Regel im Vordergrunde. Nur in einer kleinen Zahl von Fällen fand ich -die Milz wenig oder gar nicht, die Lymphdrüsen überwiegend verändert, -und zwar in solchem Grade, dass Lymphdrüsen, die man sonst kaum bemerkt, -zu wallnussgrossen Knoten sich entwickelt hatten, ja, dass an einzelnen -Stellen fast nichts weiter als Lymphdrüsen-Substanz zu bestehen -schien[63]. Von den Drüsen, welche zwischen den Inguinal- und -Lumbal-Drüsen gelegen sind, pflegt man nicht viel zu sprechen; sie haben -nicht einmal einen bequemen Namen. Einzelne von ihnen liegen längs der -Vasa iliaca, einzelne im kleinen Becken. Im Laufe solcher Leukämien traf -ich sie zweimal so vergrössert, dass der ganze Raum des kleinen Beckens -wie ausgestopft war mit Drüsenmasse, in welche Rectum und Blase nur eben -hineintauchten. - - [63] Archiv 1847. I. 567. - -Ich habe deshalb zwei Formen der Leukämie unterschieden, die gewöhnliche -=lienale= und die seltenere =lymphatische=. Beide combiniren sich -allerdings nicht selten mit einander, jedoch herrscht auch in diesem -Falle die eine von beiden so sehr vor, dass man über die Wahl des Namens -kaum in Verlegenheit kommen wird. Die Unterscheidung stützt sich nicht -allein darauf, dass in dem einen Falle die Milz, im anderen die -Lymphdrüsen als Ausgangspunkt der Erkrankung erscheinen, sondern noch -mehr darauf, dass die farblosen Elemente, welche im Blute vorkommen, in -beiden Fällen verschieden sind. Während nehmlich bei der lienalen Form -in der Regel verhältnissmässig grosse, entwickelte Zellen mit -mehrfachen, seltener einfachen Kernen im Blute circuliren, die in -manchen Fällen überwiegend viel Aehnlichkeit mit Milzzellen haben, so -sieht man bei der ausgemacht lymphatischen Form die Zellen klein, die -Kerne im Verhältniss zu den Zellen gross und einfach, in der Regel -scharf begrenzt, sehr dunkel contourirt und etwas körnig, die Membran -häufig so eng anliegend, dass man kaum den Zwischenraum constatiren -kann. Oefter sieht es aus, als ob vollkommen freie Kerne im Blute -enthalten wären. In jenen gemischten Fällen, wo sowohl die Milz, als die -Lymphdrüsen leiden, bieten auch die im Blute vorkommenden Gebilde -beiderlei Gestalt dar. Nimmt man die Erfahrungen zusammen, so wird man -zu der Schlussfolgerung geführt, dass die Vergrösserung der -lymphatischen Drüsen, die in einer wirklichen Vermehrung ihrer Elemente -(Hyperplasie) beruht, auch eine grössere Zahl zelliger Theile in die -Lymphe und durch diese in das Blut führt, und dass in dem Maasse, als -diese Elemente überwiegen, die Bildung der rothen Elemente Hemmungen -erfährt. =Die Leukämie ist demnach eine Art von dauerhafter, -progressiver Leukocytose; diese dagegen in ihren einfachen Formen stellt -einen vorübergehenden, an zeitweilige Zustände gewisser Organe -geknüpften Vorgang dar=[64]. - - [64] Geschwülste. II. 566. - -Ob damit der ganze Unterschied zwischen Leukämie und Leukocytose -erschöpft ist, steht dahin. Ich möchte jedoch darauf aufmerksam machen, -dass bei der Leukocytose neben den rothen Körperchen eine vorübergehende -Zumischung von zahlreichen farblosen Körperchen stattfindet, ohne dass -wir deshalb berechtigt wären, jedesmal eine Abnahme der ersteren zu -statuiren. Bei der Leukämie dagegen findet sich eine wirkliche -Verminderung der rothen Körperchen; sie stellt, wie ich früher sagte, -einen wirklichen =Albinismus= des Blutes dar. Offenbar erleidet also die -Bildung der rothen Körperchen eine Hemmung, und es ist gewiss sehr -charakteristisch, dass in einem Falle von lienaler Leukämie, der bei uns -vorkam, =Klebs= die embryonale Form der kernhaltigen rothen Körperchen -bei einem Kinde von 1-1/4 Jahr antraf. - -Es ist ersichtlich, dass die drei von uns besprochenen dyscrasischen -Zustände, welche in einer näheren Beziehung zu der Lymphflüssigkeit -stehen, nehmlich die Hyperinose, die Leukocytose und die Leukämie sich -mehrfach berühren. Der erstere, der durch Vermehrung des Fibrins -ausgezeichnet ist (Hyperinose), bezieht sich mehr auf die veränderte -Beschaffenheit der Organe, von wo die Lymphflüssigkeit herkommt, während -die durch Vermehrung der farblosen Zellen bedingten Zustände -(Leukocytose und Leukämie) mehr von der Beschaffenheit der Drüsen, durch -welche die Lymphflüssigkeit strömte, abhängig sind. Diese Thatsachen -lassen sich nun wohl nicht anders deuten, als dass man in der That die -Milz und die Lymphdrüsen in eine nähere Beziehung zur Entwickelung des -Blutes bringt. Dies ist noch wahrscheinlicher geworden, seitdem es -gelungen ist, auch chemische Anhaltspunkte zu gewinnen. =Scherer= hat -zweimal leukämisches Blut untersucht, das ich ihm übergeben hatte, um -dasselbe mit den von ihm gefundenen Milzstoffen zu vergleichen; es ergab -sich, dass darin Hypoxanthin, Leucin, Harnsäure, Milch- und Ameisensäure -vorkamen. In einem Falle überzog sich eine Leber, die ich einige Tage -liegen liess, ganz mit Tyrosinkörnern; in einem anderen krystallisirte -aus dem Darminhalte Leucin und Tyrosin in grossen Massen aus. Die grosse -Häufigkeit harnsaurer Sedimente im Harn und harnsaurer Concretionen in -den Nieren der Leukämischen habe ich wiederholt erwähnt[65]. Kurz, Alles -deutet auf eine vermehrte Thätigkeit der Milz, welche normal diese -Stoffe in grösserer Menge enthält. - - [65] Mein Archiv 1853. Bd. V. S. 408. vgl. 1849. Bd. II. S. 590. - -Es ist eine ziemlich lange Reihe von Jahren (seit 1845) vergangen, -während deren ich mich mit meiner Auffassung ziemlich vereinsamt fand. -Erst nach und nach ist man, und zwar, wie ich leider gestehen muss, -zuerst mehr von physiologischer, als von pathologischer Seite auf diese -Gedanken eingegangen, und erst spät hat man sich der Vorstellung -zugänglich erwiesen, dass im gewöhnlichen Gange der Dinge die -Lymphdrüsen und die Milz in der That eine unmittelbare Bedeutung für die -Formelemente des Blutes haben, dass im Besonderen die körperlichen -Bestandtheile des letzteren wirkliche Abkömmlinge sind von den Zellen -der Lymphdrüsen und der Milz, welche in denselben entstehen, aus ihrem -Innern losgelöst und dem Blutstrom zugeführt werden. Kommen wir damit -auf die Frage von der Herkunft der Blutkörperchen selbst. - -Seit dem vorigen Jahrhundert war man gewöhnt, die Lymphdrüsen als blosse -Convolute von Lymphgefässen zu betrachten. Bekanntlich sieht man schon -vom blossen Auge die zuführenden Lymphgefässe sich in Aeste auflösen, -welche in die Lymphdrüse eintreten, innerhalb derselben verschwinden und -am Ende aus derselben wieder hervorkommen. Aus den Resultaten der -Quecksilber-Injectionen, welche man schon vor einem Jahrhundert mit -grosser Sorgfalt unternommen hat, glaubte man schliessen zu müssen, dass -das eingetretene Lymphgefäss vielfache Windungen mache, welche sich -durchschlängen und endlich in das ausführende Gefäss fortgingen, so dass -die Drüse nichts weiter als eine Zusammendrängung von Windungen der -einführenden Gefässe, eine Art von Wundernetz, darstelle. Die ganze -Sorgfalt der modernen Histologie hat sich daher darauf gerichtet, ein -solches einfaches Durchtreten von Lymphgefässen durch die Drüse zu -constatiren; nachdem man sich Jahre lang vergebens darum bemüht hatte, -hat man es endlich aufgegeben. - -Im Augenblick dürfte es kaum einen Histologen geben, welcher an eine -vollkommene Continuität der Lymphgefässe innerhalb einer Lymphdrüse -dächte; meist ist die Anschauung von =Kölliker= acceptirt, dass die -Lymphdrüsen den Strom der Lymphe unterbrechen, indem das Lymphgefäss, -während es seine Wandungen verliert, sich in das Parenchym der Drüse -auflöst und erst aus demselben sich wieder zusammensetzt. Man kann -dieses Verhältniss nicht wohl anders vergleichen, als mit einer Art von -Filtrirapparat, etwa wie wir ihn im Kohlen- oder Sandfiltrum besitzen. - -Wenn man eine menschliche Lymphdrüse durchschneidet, so bekommt man -häufig eine Bildung zu Gesicht, wie von einer Niere. Da, wo die -zuführenden Lymphgefässe sich auflösen und in die Drüse eintauchen, also -an dem der Peripherie des Körpers oder des betreffenden Organs -zugewendeten Umfange liegt eine derbere Substanz; halb umschlossen von -derselben findet sich auf der inneren oder centralen Seite der Drüse -eine Art von Hilus, an dem die Lymphgefässe die Drüse wieder verlassen. -Derselbe ist erfüllt durch ein maschiges Gewebe von oft deutlich -areolärem oder cavernösem Bau, in welches neben den Vasa lymphatica -efferentia Blutgefässe eingehen, um von da weiter in die eigentliche -Substanz einzudringen. =Kölliker= hat darnach eine Rinden- und -Marksubstanz unterschieden; indess ist die sogenannte Marksubstanz -häufig kaum noch drüsiger Natur. Letztere findet sich wesentlich an der -Rinde, welche bald mehr, bald weniger dick ist. Man thut daher am -besten, wenn man jenen Theil einfach den Hilus nennt, da aus- und -einführende Gefässe dicht zusammenliegen, gerade so, wie im Hilus der -Niere einerseits die Ureteren und Venen abführen, die Arterien zuleiten. -Das eigentliche Parenchym der Drüse, die Substantia propria derselben -(adenoide Substanz =His=) ist hauptsächlich in dem peripherischen Theile -(der Rindensubstanz) enthalten. - -An diesem unterscheidet man, falls die Drüse einigermaassen gut -entwickelt ist (und in einzelnen Fällen pathologischer Vergrösserung -wird dies besonders deutlich), schon mit blossem Auge kleine, neben -einander gelegene, rundliche, weisse oder graue Körner (Fig. 70, _A_, _F -F_). Ist eine mässige Blutfülle vorhanden, so erkennt man ziemlich -regelmässig um jedes Korn einen rothen Kranz von Gefässen. Diese Körner -hat man seit langer Zeit =Follikel= genannt, aber es war zweifelhaft, ob -es besondere Bildungen seien, oder blosse Windungen des Lymphgefässes, -welche an die Oberfläche treten. Bei einer feineren mikroskopischen -Untersuchung unterscheidet man leicht die eigentliche (drüsige) Substanz -der Follikel von dem faserigen Maschen- oder Balkenwerk (Stroma, -Trabekeln), welches dieselben umgrenzt und welches nach aussen -continuirlich mit dem Bindegewebe der Capsel zusammenhängt. Die innere -Substanz besteht überwiegend aus Haufen kleiner Rundzellen -(=Lymphdrüsenkörperchen=), die ziemlich lose liegen, eingeschlossen in -ein feines Netzwerk von sternförmigen, oft kernhaltigen Balken -(=Reticulum=). Letzteres ist zuerst von =Kölliker= nachgewiesen und -unter meiner Leitung von G. =Eckard=[66] genauer verfolgt worden, der -den Anschluss desselben an die Blutcapillaren dargelegt hat. Von den -Lymphgefässen kommt innerhalb des Stroma's nur wenig zu Tage; injicirt -man eine Drüse, so geht die Injectionsmasse in die sogenannten Follikel -selbst hinein. Untersucht man eine Gekrösdrüse während der -Chylification, also vielleicht 4-5 Stunden nach einer fettreichen -Mahlzeit, so erscheint ihre ganze Substanz weiss, vollständig milchig; -das Mikroskop zeigt feinkörniges Chylusfett überall zwischen den -zelligen Elementen der Follikel. Der Strom der Lymphe muss sich also -zwischen den Drüsenzellen durchdrängen; eine freie offene Bahn existirt -eigentlich gar nicht. Die Drüsenzellen sind in den Maschenräumen -zusammengedrängt, im Umfange loser, im Innern dichter, wie die Theilchen -in einem Kohlenfiltrum, so dass die Lymphe gleichsam filtrirt und -gereinigt auf der anderen Seite wieder hervorquillt. Die Follikel sind -demnach als Räume zu betrachten, die mit zelligen Elementen erfüllt, -aber von einem vielbalkigen Reticulum durchsetzt sind. Sie können nicht -als Windungen oder Erweiterungen der Lymphgefässe gelten; im Gegentheil, -sie unterbrechen die offenen Lymphbahnen, und zwar um so vollständiger, -je stärker sie entwickelt sind. Aber sie haben keineswegs, wie der -äussere Anschein vermuthen lässt, eine kugelige Gestalt, sondern sie -bilden längere, strangartige, unter einander zusammenhängende Züge, -welche gegen die Rinde hin dicker werden und rundlich endigen. Das sind -die sogenannten =Markschläuche= (=His=), =Markstränge= (=Kölliker=) oder -=Follicularstränge= (v. =Recklinghausen=). - - [66] G. =Eckard=: De glandularum lymphaticarum structura. Diss. inaug. - Berol. 1858 p. 12. Fig. I-III. - -[Illustration: =Fig=. 70. Durchschnitte durch die Rinde menschlicher -Gekrös-Drüsen. _A_. Schwache Vergrösserung der ganzen Rinde: _P_ -Umgebendes Fettgewebe und Capsel, durch welche Blutgefässe _v_, _v_, _v_ -eintreten. _F_, _F_, _F_ Follikel der Drüse, in welche sich die Blutgefässe -zum Theil einsenken, bei _i_, _i_ das die Follikel trennende -Zwischengewebe (Stroma). - -_B_. Stärkere Vergrösserung (280 mal). _C_ das parallel-fibrilläre -Gewebe der Capsel. _a_, _a_ das Reticulum, zum Theil leer, zum Theil mit -dem kernigen Inhalt erfüllt. Das Ganze stellt den äusseren Abschnitt -eines Follikels dar.] - -Durch die sorgfältigen Untersuchungen von =His= und =Frey= ist neuerlich -der Nachweis geführt, dass die eintretenden Lymphgefässe sich nicht ganz -und gar in die Follikel auflösen, sondern dass sie, indem sie ihre -besonderen Wandungen einbüssen, sich in sinuöse oder lacunäre Räume -(Spalten) verlieren, welche im Umfange der Follikel gelegen, aber gegen -das Innere derselben nicht abgeschlossen sind. Auch besteht nach =Frey= -durch Vermittelung dieser Sinus oder Lacunen eine offene Verbindung -zwischen eintretenden und austretenden Lymphgefässen. Indess -muss man gerade bei den Lymphdrüsen sehr vorsichtig sein, die -comparativ-anatomischen Erfahrungen ohne Weiteres in die menschliche -Anatomie zu übertragen. Bei manchen Säugethieren, namentlich beim Rind, -sind die Randsinus allerdings ziemlich gross, und obwohl auch sie durch -ein Reticulum durchzogen und keineswegs frei von Zellen sind, so mag -immerhin ein freierer Durchgang durch die Drüse bestehen. Beim Menschen -dagegen sind die Randsinus viel enger und nicht einmal constant -vorhanden, so dass eine so scharfe Grenze zwischen den sogenannten -Marksträngen und den Lymphbahnen, wie bei manchen Säugethieren, nicht zu -erkennen ist. - -Jedenfalls kann darüber kein Zweifel bestehen, dass die Lymphe, indem -sie sich durch die engen Spalten des Drüsengewebes hindurchzwängt, aus -demselben einen Theil der Parenchymzellen ablöst und mit sich -fortschwemmt. Die eintretende Lymphe ist verhältnissmässig arm an -Zellen[67], die austretende dagegen sehr reich. Diese Zellen erscheinen -zunächst in der Lymphe als =Lymphkörperchen=, im Chylus als -=Chyluskörperchen=, später im Blute als =farblose Blutkörperchen=. Ueber -diesen Zusammenhang besteht kaum noch ein Streit. Aber man darf die -Identificirung nicht übertreiben, wie es jetzt so häufig geschieht. Auch -die einzelne Epidermiszelle war einmal eine Zelle des Rete Malpighii; -nichtsdestoweniger ist sie so sehr verändert, dass man sie nicht mehr -eine Rete-Zelle nennen darf. Genau so verhält es sich auch hier. Wenn -eine Lymphdrüsenzelle (Parenchymzelle) zu einem Lymphkörperchen -(Flüssigkeitszelle) wird, so verändert sie sich, und wenn ein -Lymphkörperchen zu einem farblosen Blutkörperchen wird, so verändert es -sich wiederum, so dass ein Lymphdrüsenkörperchen von einem -Lymphkörperchen und beide von einem farblosen Blutkörperchen regelmässig -verschieden sind. - - [67] Gesammelte Abhandl. S. 214. - -Freilich gibt es Fälle, wo die Körperchen fast unverändert bleiben, -trotzdem dass sie die Drüsen verlassen und in Lymphe und Blut übergehen. -Schon bei einfacheren Reizungsvorgängen finden sich zuweilen Elemente in -grosser Zahl im Blute (Fig. 66), welche viel mehr den Lymphkörperchen -oder den Lymphdrüsenzellen gleichen, als den gewöhnlichen farblosen -Blutkörperchen. Noch viel auffälliger ist dies bei der lymphatischen -Leukämie (=Lymphämie=), und gerade deshalb ist diese so ausserordentlich -lehrreich. Aber aus diesen Ausnahmefällen darf man nicht die Regel -machen. Regel ist vielmehr, dass die Drüsenzelle, welche fortgeführt -wird (auswandert?), ihre Eigenschaften ändert, und zwar um so mehr, je -weiter sie im Strome der Lymphe und des Blutes fortgeführt wird. Daher -ist es höchst bedenklich, die farblosen Blutkörperchen einfach -Lymphkörperchen zu nennen; mit eben so viel Recht könnte man die -Lymphdrüsenzellen farblose Blutkörperchen heissen. - -Die Parenchymzellen der Lymphdrüsen sind unter sich ziemlich -verschieden. Sie kommen jedoch sämmtlich darin überein, dass sie -verhältnissmässig grosse, granulirte, mit einem oder mehreren -Kernkörperchen versehene Kerne haben. Diese Kerne sind ganz überwiegend -einfach. Man sieht sie in den Zellen schon ohne besondere Zusätze, doch -macht Essigsäure sie noch deutlicher. Ueberaus häufig findet man sie -»nackt« (Fig. 71, _A_, _a_), ohne Zellkörper, denn der letztere ist sehr -gebrechlicher Natur und wird bei der Präparation leicht zerdrückt oder -aufgelöst. Bei vorsichtiger Behandlung findet man die Kerne von -Zellkörpern umhüllt, doch sind diese oft so klein, dass sie nur schmale -Säume um die Kerne darstellen (Fig. 71, _A_, _b_). Der Kern, wenngleich -klein, erscheint dann =unverhältnissmässig gross= in der kleinen Zelle. --- Diese Art von Elementen ist die vorherrschende. Daneben finden sich -jedoch in allen Lymphdrüsen auch grössere, mit stärker entwickeltem -Leibe, aber immer bleibt der Kern verhältnissmässig gross: =er wächst -mit der Zelle= (Fig. 71, _B_, _c_). - -[Illustration: =Fig=. 71. Lymphkörperchen aus dem Innern der -Lymphdrüsen-Follikel. _A_. Die gewöhnlichen Elemente: _a_ nackte Kerne, -mit und ohne Kernkörperchen, einfach und getheilt. _b_ Zellen mit -kleineren und grösseren Kernen, die Membran dem Kern sehr eng anliegend. -_B_. Vergrösserte Elemente aus einer hyperplastischen Bronchialdrüse bei -variolöser Pneumonie (vgl. bei Fig. 64. die zugehörigen farblosen -Blutkörperchen). _a_ grössere Zellen mit Körnern und einfachen Kernen. -_b_ keulenförmige Zellen. _c_ grössere Zellen mit grösserem Kern und -Kernkörperchen. _d_ Kerntheilung. _e_ keulenförmige Zellen in dichter -Aneinanderlagerung (Zellentheilung?). _C_ Zellen mit endogener Brut. -Vergr. 300.] - -Nur diese letztere Form stimmt einigermaassen mit den Zellen der Lymphe -überein. Denn auch diese sind verhältnissmässig grosse, überwiegend -einkernige Zellen, deren grosser körniger Kern einen oder mehrere -Nucleoli zeigt. Aber der Zellkörper ist meist umfangreicher, und er hat -so sehr an Dichtigkeit gewonnen, dass die Kerne undeutlicher werden. -Noch viel mehr ist dies der Fall bei den farblosen Blutkörperchen, deren -dichter, stark granulirter Körper die Kerne ganz verhüllt, so dass erst -durch Reagentien oder durch Wasserimbibition dieselben sichtbar gemacht -werden müssen. Werden sie aber sichtbar, so sind sie =mehrfach=, in der -Regel 3-7 an der Zahl, =glatt= und =gänzlich ohne Kernkörperchen=. Was -nach Einwirkung von Essigsäure zuweilen als ein Kernkörperchen -erscheint, das erweist sich bei stärkerer Vergrösserung als eine =kleine -Delle an der Kernoberfläche= (Fig. 72, _A c_ u. _e_, _B b_ u. _c_). - -Ich verstehe daher in der That nicht, wie selbst sehr geübte Beobachter -in der neueren Zeit alle diese Zellen einfach »identificiren«. Wie -sollte man denn Eiter in einer Lymphdrüse erkennen, wenn die -Parenchymzellen derselben mit farblosen Blutkörperchen identisch wären? -Das farblose Blutkörperchen war einmal eine Lymphdrüsenzelle, aber es -hat vollständig aufgehört, dies zu sein, nachdem es sich eben zu einem -Blutkörperchen =entwickelt= hat, nachdem sein Kern sich getheilt und -wesentlich verändert, sein Körper sich vergrössert und verdichtet hat. -Ja, ich finde es so sehr verändert, dass ich leichter begreife, wenn -jemand seine Abstammung aus der Drüse bezweifelt. Wenn ich trotzdem -daran festhalte, dass das Drüsenparenchym die Matrix der farblosen -Blutkörperchen ist, so geschieht es im Hinblick auf die Erscheinungen, -welche eine gereizte Drüse darbietet. Hier zeigen sich auch im -Drüsenparenchym nicht nur vergrösserte Zellen, sondern man sieht auch -fortschreitende Kern- und Zellentheilungen (Fig. 71, _B_, _d_, _e_). -Zuweilen kommen vielkernige Zellen vor und einzelne Erscheinungen -scheinen für endogene Neubildung (Fig. 71, _C_) zu sprechen. Mit -zunehmender Reizung werden diese Vorgänge immer deutlicher. Je mehr die -Drüsen sich vergrössern, um so zahlreicher werden die zelligen Elemente, -welche in das Blut übergehen, um so grösser und um so mehr entwickelt -pflegen auch die einzelnen farblosen Zellen des Blutes selbst zu sein. - -Dasselbe Verhältniss scheint bei der =Milz= obzuwalten. Ursprünglich -haben wir uns Alle gedacht, dass die Venen die Wege darstellten, auf -welchen die farblosen Körper die Milz verlassen, allein die Verhältnisse -sind hier so schwierig, dass eine bestimmte Aussage kaum gemacht werden -kann. Nach den Untersuchungen von =Wilhelm Müller= scheint es, dass -ähnliche Unterbrechungen, wie man sie von der Wand der Milzvenen mancher -Säugethiere schon länger kennt, auch in den Milzcapillaren vorkommen, -und dass die Wand der letzteren ebenfalls eine siebförmige -Beschaffenheit annimmt, welche den Zugang zu einem wandungslosen Systeme -von Capillarspalten innerhalb der Pulpa gestattet. Hier würde demnach -das Blut in einen unmittelbaren Contakt mit den Zellen der Pulpa kommen, -und erst, nachdem es dieses »intermediäre« Kanalnetz passirt hat, in die -gleichfalls siebförmigen Anfänge der Venen übertreten. Unter solchen -Verhältnissen, wie ich sie schon vor Jahren eingehend erörtert habe[68], -würde allerdings auch der Uebergang von Pulpazellen in den Blutstrom -keine Schwierigkeit haben. Andererseits kennt man sowohl an der Capsel -der Milz, als an den Gefässscheiden im Innern derselben Lymphgefässe, -und es ist daher die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass auch auf -diesem Wege Milzelemente den circulirenden Säften zugeführt werden. -Indess lässt sich nicht verkennen, dass die Beschaffenheit der Zellen in -der lienalen Leukämie (=Splenämie=) mehr für die Abstammung derselben -aus der Pulpa und demnach für ihre Einwanderung in die Blutgefässe -spricht. Denn in der Pulpa selbst sind überhaupt keine Lymphgefässe -bekannt. - - [68] Archiv 1848. II. 595. 1853. V. 122. - -Dabei ist jedoch eine erhebliche Schwierigkeit nicht zu verschweigen. -Die Pulpazellen sind überwiegend grössere, mit einem einfachen, -granulirten Kern und Kernkörperchen versehene Elemente, wie sie selbst -in der Milzvene nicht die Mehrheit bilden. Wenngleich diese Zellen den -Lymphkörperchen näher stehen, so fehlt ihnen doch die Zeit, sich in -farblose Blutkörperchen umzubilden, da sie direkt in das Blut übergehen -müssten, während die Lymphkörperchen einen verhältnissmässig langen Weg -bis zum Blute zu durchlaufen haben. Es müsste also die Umbildung schon -in der Milz selbst geschehen. Vorläufig lässt sich darüber ebenso wenig -ein sicheres Urtheil abgeben, wie über die Frage, =wo für gewöhnlich die -Umbildung der farblosen Körperchen in rothe geschehe=? - -Dass eine solche geschieht, wissen wir aus der Geschichte des Blutes bei -niederen Wirbelthieren und beim menschlichen Embryo, sowie aus einzelnen -Beobachtungen beim erwachsenen Menschen. Der Zellkörper (Zelleninhalt) -farbloser Kernzellen wandelt sich nach und nach in die rothe -Hämoglobinsubstanz um, und der Kern verschwindet. Aber dies geschieht -regelmässig an einkernigen Elementen, und daher habe ich von Anfang an -den Satz vertheidigt, dass die mehrkernigen farblosen Blutkörperchen zu -einer solchen Umwandlung nicht bestimmt seien, dass sie vielmehr -indifferente Gebilde darstellen, welche zum Untergange bestimmt -sind[69]. In der That habe ich schon in meinem ersten Falle von Leukämie -an ihnen Fettmetamorphose deutlich beobachtet[70], und =Reinhardt= hat -diesen Vorgang bestätigt[71]. Die eigenthümlich rothe Farbe der -Milzpulpa und die Eigenschaft des Lymphdrüsenparenchyms, an der Luft -eine bräunlichrothe Farbe anzunehmen, sind mir als Anzeichen dafür -erschienen, dass diese Organe auch zu der Erzeugung des Blutfarbstoffes -in einem näheren Verhältnisse stehen müssten. - - [69] Gesammelte Abhandlungen. S. 217. - - [70] =Froriep='s Neue Notizen. 1845. Nov. No. 780. - - [71] Archiv 1847. I. 65. - -Durch die neueren Untersuchungen von =Neumann=, =Bizzozero= und -=Waldeyer= ist die Aufmerksamkeit noch auf einen dritten Ort, das -=Knochenmark=, gelenkt worden, welchem ähnliche Beziehungen zur -Blutbildung zugeschrieben wurden. In der That zeigt das rothe -Knochenmark neben ungewöhnlich grossen venösen Gefässen zahlreiche -Rundzellen, unter denen neben überwiegend einkernigen auch nicht selten -mehrkernige gesehen werden. Dass unter gewissen Umständen auch von hier -aus eine Zufuhr zum Blute geschehen mag, ist nicht unwahrscheinlich. -Indess scheint mir eine regelmässige Beziehung um so weniger -wahrscheinlich, als beim Erwachsenen, wo gerade am meisten ein -Bedürfniss zu solcher Einfuhr vorliegt, das Mark der meisten Knochen in -Fettgewebe übergeht, und nur gewisse Abschnitte der Spongiosa sich in -dem früheren, kleinzelligen Zustande erhalten. - -Ungleich bedeutungsvoller dagegen könnte das Verhältniss der -=Lymphgefässe= zu den Geweben auch für diese Frage werden. Bei manchen -Thieren, und gerade bei unserem gewöhnlichen Versuchsthiere, dem -Frosche, fehlen Lymphdrüsen eigentlich gänzlich, und wenn man forscht, -woher hier die farblosen Blutkörperchen stammen, so kommt man leicht auf -dieselbe Antwort, die wir für das Fibrin gegeben haben, nehmlich dass -das Gewebe selbst und zwar vorwiegend das Bindegewebe und seine -Aequivalente die Quelle enthalte. Alsbald, nachdem ich die -Bindegewebskörperchen nachgewiesen hatte, sprach ich die Meinung aus, -dass dieselben mit den Anfängen der Lymphgefässe in ähnlicher Weise -zusammenhängen, wie die Lymphdrüsen[72], und bald nachher wies ich in -einem Falle von congenitaler Makroglossie[73] unmittelbare Uebergänge -von Wucherungsheerden der Bindegewebskörperchen zu grossen Lymphgefässen -nach. Die schönen Untersuchungen v. =Recklinghausen='s haben diesen -Zusammenhang für zahlreiche Orte des Körpers dargethan, nur dass nach -der Ansicht dieses Forschers nicht die Bindegewebskörperchen selbst, -sondern nur die von ihnen eingenommenen Räume und Kanälchen in offener -Verbindung mit den Lymphgefässen stehen, -- eine Differenz, welche mit -der früher erörterten Frage zusammenhängt, ob die Wandungen der Höhlen, -in welchen sich die Bindegewebskörperchen befinden, zu den in ihnen -enthaltenen Zellen gehören, oder nicht (S. 139). Die Beobachtungen -=Chrzonszczewski='s über die Füllung der Bindegewebskörperchen und der -Lymphgefässe von Hühnern, denen die Ureteren unterbunden sind, mit -harnsauren Salzen, selbst die Erfahrungen von =Köster= über den -Nabelstrang sprechen sehr zu Gunsten meiner Auffassung, indess will ich -dieselbe hier nicht betonen, da es für die Untersuchung über den -Ursprung der Lymphe nicht von entscheidender Bedeutung ist, zu welcher -von beiden Meinungen man sich bekennt. Besteht überhaupt ein -unmittelbarer Zusammenhang, so ist auch eine Ueberwanderung der -Bindegewebskörperchen oder ihrer Tochterzellen in den Lymphstrom -zulässig. - - [72] Würzb. Verhandl. 1855. II. 150, 314. Gesammelte Abhandl. S. 136. - - [73] Archiv VII. 132. - -Die grösseren Lymphgefässe, welche eigentlich so genannt werden, -bestehen, wie die Blutgefässe, aus mehreren Häuten, einer -bindegewebigen, mit elastischen Theilen stark durchsetzten Intima, einer -muskulösen Media und einer gleichfalls bindegewebigen Adventitia. Die -innere Oberfläche ist von einem feinen Plattenepithel überzogen. Die -Lymphgefässe sind daher in hohem Maasse contraktil. Bei Versuchen an dem -Körper eines Hingerichteten, die ich mit =Kölliker= anstellte[74], -fanden wir, dass sich auf elektrische Reizung peripherische Lymphgefässe -bis zum Verschwinden ihres Lumens, und zwar auf lange Zeit -zusammenzogen. Bei dem Reichthum dieser Lymphgefässe an Klappen kann -solchen Contractionen, wie denen gewisser Venen, allerdings ein -propulsorischer Einfluss auf den Flüssigkeitsstrom zugesprochen werden. - - [74] Zeitschrift für wiss. Zoologie. 1851. III. 40. - -Verfolgt man die Lymphgefässe gegen die Peripherie, so kommt man zu -Verästelungen, welche immer enger werden und schliesslich nur noch -mikroskopisch erkannt werden können. Von ihnen sind am längsten das -centrale Chylusgefäss der Darmzotten und die kleinen Lymphwurzeln im -Schwanze der Froschlarve bekannt. Erst durch v. =Recklinghausen= ist in -zahlreichen Theilen ein reiches Netz von Lymphbahnen entdeckt worden, -welches gar keine andere Wand mehr hat, als ein überaus dünnes und -durchsichtiges Plattenepithel, das nur durch künstliche Färbungen, am -besten durch Silbernitrat, sichtbar gemacht werden kann. Gerade in -bindegewebigen Theilen, und zwar sowohl im weichen, namentlich -interstitiellen Bindegewebe, als auch in harten, sehnigen und -aponeurotischen Theilen bildet dasselbe zum Theil sehr weite und -zahlreiche Canäle von grosser Unregelmässigkeit und Veränderlichkeit der -Wandungen. Diese =lymphatischen Capillaren= sind es, welche mit dem -Röhrensystem des Bindegewebes und seiner Aequivalente in offener -Verbindung stehen und daher für die Abfuhr der Produkte des Bindegewebes -die natürlichen Wege darstellen. - -Gewiss ist es daher unrichtig, wenn man in der Lymphe nur den für die -Ernährung der Gewebe unbrauchbaren oder wenigstens unbenutzten Rest der -aus den Blutcapillaren transsudirenden Ernährungssäfte sieht. -Lymphgefässe sind an manchen Theilen, welche sehr arm an Blutgefässen -sind, überaus reichlich, und umgekehrt an manchen Theilen, welche dicht -voll von Blutgefässen stecken, sehr spärlich. Ist die Lymphe, wie der -Chylus, der ja doch nur eine modificirte Lymphe darstellt, eine zur -Bildung und zur Regeneration des Blutes dienende Flüssigkeit, so lässt -sich auch erwarten, dass gerade das Bindegewebe, welches überwiegend die -Wurzeln der Lymphgefässe und daher die Quellen der Lymphe enthält, einen -entscheidenden Einfluss darauf ausübt, und man darf in dem Bestreben, -das blosse Communications-Verhältniss der verschiedenen Röhrensysteme -festzustellen, nicht übersehen, dass ohne die in demselben befindlichen -Zellen diese Röhrensysteme keine Bedeutung mehr haben würden. In den -letzten Jahren hat man in der Lymphe immer mehr eine =recrementitielle= -Flüssigkeit gesehen, welche die verbrauchten Stoffe in die allgemeine -Blutbahn überführt, damit sie von da durch die Secretionsorgane -ausgeschieden werden; es ist Zeit, dass wir wenigstens zum Theil zu der -Auffassung =Hewson='s von der =plastischen= Natur der Lymphe -zurückkehren. - - - - - Zehntes Capitel. - - Pyämie und Leukocytose. - - - Vergleich der farblosen Blut- und Eiterkörperchen. Die - physiologische Eiterresorption: die unvollständige (Inspissation, - käsige Umwandlung) und die vollständige (Fettmetamorphose, milchige - Umwandlung). Intravasation von Eiter. - - Eiter in Lymphgefässen. Die Hemmung der Stoffe in den Lymphdrüsen. - Mechanische Trennung (Filtration): Tättowirungsfarben. Mögliches - Durchkriechen der Eiterkörperchen. Chemische Trennung (Attraction): - Krebs, Syphilis. Die Heizung der Lymphdrüsen und ihre Bedeutung für - die Leukocytose. - - Die (physiologische) digestive und puerperale Leukocytose. Die - pathologische Leukocytose (Scrofulose, Typhus, Krebs, Erysipel). - - Die lymphoiden Apparate: solitäre und Peyersche Follikel des Darms. - Tonsillen und Zungenfollikel. Thymus. Milz. - - Völlige Zurückweisung der Pyämie als morphologisch nachweisbarer - Dyscrasie. - -An die Erwägungen des vorigen Capitels schliesst sich mit eindringlicher -Nothwendigkeit die Frage von der =Pyämie= an, und da dies nicht bloss -ein Gegenstand von der grössten praktischen Bedeutung ist, sondern -derselbe auch zu den wissenschaftlich am meisten streitigen zu rechnen -ist, so dürfte es wohl gerechtfertigt sein, näher auf seine Besprechung -einzugehen. - -Was soll man unter Pyämie verstehen? In der Regel hat man sich gedacht, -es sei dies ein Zustand, wo das Blut Eiter enthalte. Man hat ihn daher -auch geradezu =purulente Infection= oder =Eitervergiftung= genannt. Da -aber der Eiter wesentlich durch seine morphologischen Bestandtheile -charakterisirt wird, so handelte es sich natürlich darum, im Blute die -Eiterkörperchen zu zeigen. Das hat man denn auch redlich versucht, und -mancher Beobachter glaubte es geleistet zu haben. Nachdem wir jedoch -erfahren haben, dass die farblosen Blutkörperchen in ihrer gewöhnlichen -Erscheinung, bei Leuten im besten Gesundheitszustande, den -Eiterkörperchen ganz ähnlich sind (S. 183), so fällt damit von -vornherein eine wesentliche Voraussetzung dieser Nachweise weg. Um -indess einigermaassen Klarheit in den Gegenstand zu bringen, ist es -nothwendig, auf die verschiedenen Gesichtspunkte, welche hierbei in -Betracht kommen, im Einzelnen einzugehen. - -Die farblosen Blutkörperchen sind zum Verwechseln den Eiterkörperchen -ähnlich, so dass, wenn man in einem mikroskopischen Objecte solche -Elemente antrifft, man nie ohne Weiteres mit Sicherheit angeben kann, ob -man es mit farblosen Blutkörperchen oder mit Eiterkörperchen zu thun -hat[75]. Früherhin hatte man vielfach die Ansicht, dass die -Bestandtheile des Eiters im Blute präexistirten, dass der Eiter nur eine -Art von Secret aus dem Blute sei, wie etwa der Harn, und dass er auch, -wie eine einfache Flüssigkeit, in das Blut zurückkehren könne. Diese -Ansicht erklärt die Auffassung, welche in der Lehre von der sogenannten -=physiologischen Eiterresorption=, d. h. der Resorption von Eiter zum -Zwecke der Heilung, sich so lange erhalten hat. - - [75] Archiv I. 242. Gesammelte Abhandl. 161, 223, 645. - -Man stellte sich vor, dass der Eiter von einzelnen Punkten her, an -welchen er abgelagert war, wieder in das Blut aufgenommen werden könne, -und dass dadurch eine günstige Wendung in der Krankheit eintrete, -insofern der aufgenommene Eiter endlich aus dem Körper entfernt werde. -Man erzählte, dass bei Kranken mit Eiter im Pleurasacke die Krankheit -sich durch eiterigen Harn oder eiterigen Stuhlgang entscheiden könne, -ohne dass ein Durchbruch des Eiters von der Pleura her in den Darm oder -die Harnwege vorhergegangen sei. Man liess also die Möglichkeit zu, dass -durch die circulirenden Flüssigkeiten Eiter in Substanz aufgenommen und -weggeführt werden könnte. Späterhin, als die Lehre von der purulenten -Infection mehr und mehr aufkam, hat man diesen (vorausgesetzten) Fall -unter dem Namen der physiologischen Eiterresorption von der -pathologischen unterschieden, und es blieb nur fraglich, wie man die -erstere in ihrem günstigen und die letztere in ihrem malignen Verlaufe -sich erklären sollte. Diese Angelegenheit erledigt sich einfach dadurch, -dass =Eiter als Eiter nie resorbirt wird=. Es gibt keine Form, in der -Eiter in Substanz auf dem Wege der Resorption verschwinden könnte; -immer sind es die flüssigen Theile des Eiters, welche aufgenommen -werden, und daher lässt sich dasjenige, was man Eiterresorption nennt, -auf folgende zwei Möglichkeiten zurückführen: - -Im einen Falle ist der Eiter mit seinen Körperchen zur Zeit der -Resorption mehr oder weniger intact vorhanden. Dann wird natürlich in -dem Maasse, als Flüssigkeit verschwindet, der Eiter dicker werden. Es -ist dies die allbekannte =Eindickung= (=Inspissation=) des Eiters, -wodurch dasjenige erzeugt wird, was die Franzosen »pus concret« -nennen[76]. Dieses stellt eine dicke Masse dar, welche die -Eiterkörperchen in einem geschrumpften Zustande enthält, nachdem nicht -bloss die Flüssigkeit zwischen den Eiterkörperchen (das Eiterserum), -sondern auch ein Theil der Flüssigkeit, die sich in den Eiterkörperchen -befand, verschwunden ist. - - [76] Archiv I. 175, 181. - -[Illustration: =Fig=. 72. Eiter. _A_. Eiterkörperchen, _a_ frisch, _b_ -mit etwas Wasserzusatz, _c_-_e_ nach Essigsäure-Behandlung, der Inhalt -klar geworden, die in der Theilung begriffenen oder schon getheilten -Kerne sichtbar, bei _e_ mit leichter Depression der Oberfläche. _B_. -Kerne der Eiterkörperchen bei Gonorrhoe: _a_ einfacher Kern mit -Kernkörperchen, _b_ beginnende Theilung, Depression des Kerns, _c_ -fortschreitende Zweitheilung, _d_ Dreitheilung. _C_. Eiterkörperchen in -dem natürlichen Lagerungsverhältniss zu einander. Vergr. 500.] - -Der Eiter besteht seinem Haupttheile nach aus kleinen, farblosen -Rundzellen, welche im gewöhnlichen Zustande eine dicht an der anderen -liegen (Fig. 72, _C_.) und zwischen welchen sich eine geringe Masse von -Intercellularflüssigkeit (=Eiterserum=) befindet. Die Eiterkörperchen -selbst enthalten gleichfalls eine grosse Menge von Wasser und sind -deshalb von sehr geringem, specifischem Gewichte; fast jeder Eiter, mag -er auch im frischen Zustande sehr dick aussehen, hat doch einen so -grossen Antheil von Wasser, dass er bei der Eindampfung viel mehr -verliert, als eine entsprechende Quantität von Blut. Letzteres macht nur -deshalb den Eindruck der grösseren Wässrigkeit, weil es sehr viel freie -intercellulare, aber relativ wenig intracellulare Flüssigkeit besitzt, -während umgekehrt beim Eiter mehr Wasser innerhalb der Zellen, weniger -ausserhalb derselben befindlich ist. Wenn nun eine Resorption -stattfindet, so verschwindet zunächst der grösste Theil der -intercellularen Flüssigkeit und die Eiterkörperchen rücken näher -aneinander; bald verschwindet aber auch ein Theil der Flüssigkeit aus -den Zellen selbst, und in demselben Maasse werden diese kleiner, -unregelmässiger, eckiger, höckriger, bekommen die allersonderbarsten -Formen, liegen dicht aneinander gedrängt, brechen das Licht stärker, -weil sie mehr feste Substanz enthalten, und sehen gleichmässiger aus -(Fig. 73). - -[Illustration: =Fig=. 73. Eingedickter, käsiger Eiter. _a_ die -geschrumpften, verkleinerten, etwas verzerrten und mehr homogen und -solid aussehenden Körperchen. _b_ ähnliche mit Fettkörnchen. _c_ -natürliches Lagerungsverhältniss zu einander. Vergröss. 300.] - -Diese Art der Eindickung ist keineswegs ein so seltener Vorgang, wie man -oft annimmt, sondern im Gegentheil ausserordentlich häufig, und fast -noch mehr wichtig als häufig. Es ist dies nehmlich einer von den -Vorgängen, die man in der neueren Zeit alle unter den Begriff des -Tuberkels subsumirt hat, und von denen namentlich durch =Reinhardt= -gezeigt ist, dass sie zu einem sehr beträchtlichen Theile wirklich auf -Eiter, also auf Entzündungsproduct zurückzuführen sind. Späterhin werden -wir sehen, dass diese Erfahrungen zu falschen Schlüssen über den -Tuberkel selbst verwerthet worden sind; aber dass durch Inspissation -Entzündungsproducte in Dinge, die man, wenn auch fälschlich, Tuberkel -nennt, umgewandelt werden können, ist unzweifelhaft. Gerade in der -Geschichte der Lungentuberculose spielt dieser Act eine sehr grosse -Rolle. Man denke sich die Lungenalveolen mit Eiter vollgestopft und -lasse nun Alveole für Alveole die Inspissation ihres Inhaltes eingehen, -so bekommt man jene käsigen Hepatisationen, welche man gewöhnlich unter -dem Namen der =Tuberkel-Infiltration= schildert. - -Diese unvollständige Resorption, wo nur die flüssigen Bestandtheile -resorbirt werden, lässt die Masse der festen Bestandtheile als Caput -mortuum, als abgestorbene, nicht mehr lebensfähige Masse in dem Theile -liegen[77]. Ich habe daher dem Vorgange den Namen der =käsigen -Metamorphose= (Tyrosis) beigelegt. Eine solche Art von Eindickung ist -es, welche in grossem Maassstabe bei der unvollständigen Resorption -pleuritischer Exsudate eintritt, wo sehr grosse Lager von bröckliger -Substanz im Pleurasacke zurückbleiben; ebenso im Umfange der Wirbelsäule -bei Spondylarthrocace, in kalten, zumal parostealen Abscessen u. s. w. -In allen diesen Fällen ist die Resorption, sobald die Flüssigkeit -verschwunden ist, zu Ende. Darin beruht die schlimme Bedeutung dieser -Vorgänge. Die festen Theile, welche nicht resorbirt werden, bleiben -entweder als solche liegen, oder sie können später erweichen, werden -aber dann gewöhnlich nicht mehr Object der Resorption, sondern es geht -meist aus ihnen eine Ulceration hervor. Auf alle Fälle ist das, was -resorbirt wurde, kein Eiter, sondern eine einfache Flüssigkeit, welche -überwiegend viel Wasser, etwas Salze und sehr wenig eiweissartige -Bestandtheile enthalten mag, und es kann kein Zweifel sein, dass hier -eine der unvollständigsten Formen der Resorption vorliegt. - - [77] Handb. der spec. Pathol. u. Ther. I. 282-284. Archiv XXXIV. 69. - Geschwülste II. 593. - -[Illustration: =Fig=. 74. Eingedickter, zum Theil in der Auflösung -begriffener, hämorrhagischer Eiter aus Empyem. _a_ die natürliche Masse, -körnigen Detritus, geschrumpfte Eiter- und Blutkörperchen enthaltend. -_b_ dieselbe Masse, mit Wasser behandelt; einzelne körnige, entfärbte -Blutkörperchen sind deutlich geworden. _c_ und _d_ nach Zusatz von -Essigsäure. Vergr. 300, bei _d_ 520.] - -Die zweite Form von Eiterresorption ist diejenige, welche den -günstigsten Fall constituirt, wo der Eiter wirklich verschwindet und -nichts Wesentliches von ihm übrig bleibt. Aber auch hier wird der Eiter -nicht als Eiter resorbirt, sondern er macht vorher eine fettige -Metamorphose durch; jede einzelne Zelle lässt fettige Theile in sich -frei werden, zerfällt, und zuletzt bleibt nichts weiter übrig, als die -Fettkörner und die Zwischenflüssigkeit. Dann ist also überhaupt keine -Zelle und kein Eiter mehr vorhanden; an ihre Stelle ist eine emulsive -Masse, eine Art von Milch getreten, welche aus Wasser, etwas -eiweissartigen Stoffen und Fett besteht, und in welcher man sogar -mehrfach Zucker nachgewiesen hat, so dass dadurch eine noch grössere -Analogie mit wirklicher Milch entsteht. Diese =pathologische Milch= ist -es, welche nachher zur Resorption gelangt, also wieder kein Eiter, -sondern Fett, Wasser oder Salze[78]. - - [78] Archiv I. 182. - -[Illustration: =Fig=. 75. In der fettigen Rückbildung (Fettmetamorphose) -begriffener Eiter. _a_ beginnende Metamorphose. _b_ Fettkörnchenzellen -mit noch deutlichen Kernen. _c_ Körnchenkugel (Entzündungskugel). _d_ -Zerfall der Kugel. _e_ Emulsion, milchiger Detritus. Vergr. 350.] - -Das sind die Vorgänge, welche man »physiologische Eiterresorption« -nennen kann, eine Resorption, wo nicht Eiter als solcher resorbirt wird, -sondern entweder nur seine flüssigen Bestandtheile, oder die durch eine -innere Umwandlung bedeutend veränderte Substanz. - -Es gibt nun allerdings einen Fall, wo Eiter in Substanz das Object nicht -gerade einer Resorption, aber wenigstens einer =Intravasation= werden -und wo dieser intravasirte Eiter innerhalb der Gefässe fortbewegt werden -kann, der nehmlich, wo ein Blutgefäss verletzt oder durchbrochen wird, -und durch die Oeffnung Eiter in sein Inneres gelangt. Es kann ein -Abscess an einer Vene liegen, die Wand derselben durchbrechen, und -seinen Inhalt in ihre Lichtung entleeren[79]. Noch leichter geschieht -ein solcher Uebergang an Lymphgefässen, welche in offene Abscesse -münden. Es fragt sich also nur, in wieweit man berechtigt ist, diesen -Fall als einen häufigen zu setzen. Für die Venen hat man seit Decennien -diese Möglichkeit ziemlich beschränkt; von einer Resorption des Eiters -in Substanz durch dieselben ist man mehr und mehr zurückgekommen, aber -von der Resorption durch Lymphgefässe spricht man noch ziemlich häufig, -und man hat in der That manche Veranlassung dazu. - - [79] Gesammelte Abhandl. 666. - -Es ist dabei ziemlich gleichgültig, ob der Eiter in Lymphgefässe -wirklich von aussen hereinkommt, oder, was Andere annehmen, ob er durch -Entzündung in den Lymphgefässen entsteht; schliesslich ist die Frage -immer die, in wie weit ein mit Eiter gefülltes Lymphgefäss im Stande -ist, eine Entleerung seines Inhaltes in den circulirenden Blutstrom zu -Stande zu bringen und die eigentliche Pyämie zu setzen. Eine solche -Möglichkeit muss in der Regel geleugnet werden, und zwar aus einem sehr -einfachen Grunde. Alle Lymphgefässe, welche in der Lage sind, eine -solche Aufnahme zu erfahren, sind peripherische, mögen sie von -äusserlichen oder innerlichen Theilen entspringen, und sie gelangen erst -nach einem längeren Laufe allmählich zu den Blutgefässen. Bei allen -finden sich Unterbrechungen durch Lymphdrüsen; und seitdem man weiss, -dass die Lymphgefässe durch die Drüsen nicht als weite, gewundene und -verschlungene Kanäle hindurchgehen (S. 208), sondern, nachdem sie sich -in feine Aeste aufgelöst haben, in Räume eintreten, welche zum grossen -Theil mit zelligen Elementen gefüllt sind, so ist es an sich fraglich, -ob Eiterkörperchen eine Lymphdrüse passiren können. - -Es ist dies ein sehr wesentlicher Punkt, und doch übersieht man ihn -sonderbarer Weise gewöhnlich, obwohl die tägliche Erfahrung des -praktischen Arztes Material genug zu seiner Erledigung bietet. =Frey= -glaubt neuerlichst nach den Resultaten künstlicher Injectionen -schliessen zu können, dass auch Zellen durch die Lymphdrüsen hindurch -fliessen könnten. Indess stimmt dies wenig mit der Erfahrung am -Lebenden, welche vielmehr eine Hemmung körperlicher Partikeln in den -Lymphdrüsen lehrt. Wir haben ein sehr hübsches Experiment in der Sitte -unserer niederen Bevölkerung, sich die Arme oder auch wohl andere Theile -tättowiren zu lassen. Wenn ein Handwerker oder ein Soldat auf seinen Arm -eine Reihe von Einstichen machen lässt, die zu Buchstaben, Zeichen oder -Figuren geordnet werden, so wird fast jedesmal bei der grossen Zahl der -Stiche ein Theil der oberflächlichen Lymphgefässe verletzt. Es ist ja -gar nicht anders möglich, als dass, wenn man durch Nadelstiche ganze -Hautbezirke umgrenzt, wenigstens einzelne Lymphgefässe getroffen werden. -Darauf wird eine Substanz eingeschmiert, welche in der Körperflüssigkeit -unlöslich ist, Zinnober, Kohlenpulver oder dergl., und welche, indem sie -in den Theilen liegen bleibt, eine dauerhafte Färbung derselben bedingt. -Allein bei dem Einstreichen gelangt ein gewisser Theil der Partikelchen -in Lymphgefässe, wird trotz seiner Schwere vom Lymphstrome fortbewegt -und gelangt bis zu den nächsten Lymphdrüsen wo er abfiltrirt wird. Man -sieht nie, dass sich Partikeln bis über die Lymphdrüsen hinaus bewegen -und an entferntere Punkte gelangen, dass sie sich etwa im Parenchym -innerer Organe ablagern. Immer in der nächsten Drüsenreihe und zwar in -der den eintretenden Lymphgefässen zugewendeten Rindenschicht derselben -bleibt die Masse stecken. Untersucht man die infiltrirten Drüsen, so -überzeugt man sich leicht, dass die Grösse vieler der abgelagerten -Partikelchen geringer ist, als die Grösse auch des kleinsten -Eiterkörperchens. - -[Illustration: =Fig=. 76. Durchschnitt durch die Rinde einer -Axillardrüse bei Tättowirung der Haut des Arms. Man sieht von der Rinde -her ein grosses eintretendes Gefäss, das sich leicht schlängelt und in -feine Aeste auflöst. Ringsumher Follikel, die grossentheils mit -Bindegewebe gefüllt sind. Die dunkle feinkörnige Masse stellt den -abgelagerten Zinnober dar. Vergr. 80.] - -In dem Object, nach welchem die beigegebene Zeichnung (Fig. 76) -angefertigt wurde, ist zufälliger Weise der Punkt getroffen, wo das -Lymphgefäss in die Drüse eintritt, und von wo es zunächst innerhalb der -Bindegewebsbalken, welche sich von der Capsel aus zwischen die Follikel -erstrecken, schraubenförmig fortgeht, um sich in seine Aeste aufzulösen. -Da, wo diese in die benachbarten, hier freilich zum grossen Theile mit -Bindegewebe erfüllten (indurirten) Follikel übergehen, haben sie die -ganze Masse des Zinnobers ausgeschüttet, so dass dieser noch zum Theil -innerhalb der Zwischenbalken (Trabekel) liegt, zum Theil jedoch in die -Follikel selbst eingedrungen ist. Das Präparat stammt von dem Arme eines -Soldaten, der sich 1809 die Figuren hatte einreiben lassen, und dessen -Tod fast 50 Jahre später erfolgt ist. Weiter als bis in die äussersten -Rindenschichten ist nichts gekommen; schon die nächste Follikelreihe -enthält nichts mehr. Die Partikelchen sind aber so klein und der -Mehrzahl nach im Verhältnisse zu den Zellen der Drüse so fein, dass sie -mit Eiterkörperchen gar nicht verglichen werden können. Wo solche -Körnchen nicht durchgehen, wo so minimale Partikelchen eine Verstopfung -machen, da würde es etwas kühn sein, zu denken, dass die relativ grossen -Eiterkörperchen durchkommen könnten. - -[Illustration: =Fig=. 77. Das mit Zinnober, nach Tättowirung des Armes, -gefüllte Reticulum aus einer Axillardrüse (Fig. 76). _a_ ein Theil eines -interfolliculären Balkens mit einem Lymphgefässe; _b_, ein in den -Follikel tretender stärkerer Ast; _c_, _c_ die anastomosirenden, -kernhaltigen Netze; die dunklen Körner sind Zinnoberpartikelchen. Vergr. -300.] - -Allerdings kann man sich noch auf eine Eigenschaft der Eiterkörperchen -berufen, auf welche zuerst v. =Recklinghausen= die allgemeine -Aufmerksamkeit gerichtet hat; ich meine ihre Fähigkeit zu Gestalt- und -Ortsveränderungen. Man kann die Möglichkeit nicht bestreiten, dass eine -Zelle, welche feine Fortsätze aussenden und allmählich ihren ganzen -Körper in diese Fortsätze nachziehen kann, sich durch so feine -Oeffnungen hindurchzwängen mag, dass sie in ihrer gewöhnlichen Gestalt, -bei ihrem gewöhnlichen Durchmesser immer von denselben angehalten werden -würde. Und so könnte ein »contraktiles« Eiterkörperchen aus dem Gewebe -in ein Lymphgefäss kriechen, mit der Lymphe in eine Lymphdrüse geflösst -werden und hier durch die engen Spalten hindurchkriechen, um in dem -austretenden Lymphgefässe wieder zum Vorschein zu kommen. Das ist -denkbar, aber die Erfahrung spricht dagegen. Die Lymphdrüsen filtriren -die Eiterkörperchen ab. - -Eine Einrichtung dieser Art, wodurch in den Lymphdrüsen der offene Strom -der Flüssigkeit unterbrochen und die gröberen Partikelchen in einer ganz -mechanischen Weise zurückgehalten werden, lässt begreiflicher Weise -nicht leicht eine andere Form der Lymphresorption von der Peripherie her -zu, als die von einfachen Flüssigkeiten. Freilich würde man falsch -gehen, wenn man die Thätigkeit der Lymphdrüsen darauf beschränken -wollte, dass sie, wie Filtren, zwischen die Abschnitte der Lymphgefässe -eingeschoben sind. Offenbar haben sie noch eine andere Bedeutung, indem -die Drüsensubstanz unzweifelhaft von der flüssigen Masse der Lymphe -gewisse Bestandtheile anzieht, in sich aufnimmt, zurückhält und dadurch -auch die chemische Beschaffenheit der Flüssigkeit alterirt, so dass -diese um so mehr verändert aus der Drüse hervortritt, als zugleich -angenommen werden muss, dass die Drüse gewisse Bestandtheile an die -Lymphe abgibt, welche vorher in derselben nicht vorhanden waren. - -Ich will hier nicht auf minutiöse Verhältnisse eingehen, da die -Geschichte jeder =bösartigen Geschwulst= die besten Beispiele für diesen -Satz liefert. Wenn eine Achseldrüse krebsig wird, nachdem die Milchdrüse -vorher krebsig erkrankt war, und wenn längere Zeit hindurch bloss die -Achseldrüse krank bleibt, ohne dass die folgende Drüsenreihe oder irgend -ein anderes Organ vom Krebs befallen wird, so können wir uns dies nicht -anders vorstellen, als dass die Achseldrüse die schädlichen, von der -Milchdrüse her aufgenommenen Bestandtheile sammelt, dadurch eine Zeit -lang dem Körper einen Schutz gewährt, am Ende aber insufficient wird, ja -vielleicht späterhin selbst eine neue Quelle selbständiger Infection für -den Körper darstellt, indem von den kranken Theilen der Drüse aus die -weitere Verbreitung des giftigen Stoffes stattfinden kann. Ebenso -lehrreiche Beispiele liefert die Geschichte der =Syphilis=, wo der Bubo -eine Zeit lang eine Ablagerungsstätte des Giftes werden kann, so dass -die übrige Oekonomie in einer verhältnissmässig geringen Weise afficirt -wird. Wie =Ricord= zeigte, findet sich die virulente Substanz gerade im -Innern der eigentlichen Drüsensubstanz, während der Eiter im Umfange des -Bubo frei davon ist; nur so weit als die Theile mit der zugeführten -Lymphe in Contact kommen, nehmen sie den virulenten Stoff in sich auf. - -Wenden wir diese Erfahrungen auf die Eiterresorption an, so kann man -selbst in dem Falle, dass wirklich Eiter in Lymphgefässe gelangt, -durchaus nicht als nächste und nothwendige Folge davon eine Inficirung -des Blutes durch eiterige Bestandtheile erschliessen; vielmehr wird -wahrscheinlich innerhalb der Drüse eine Retention der Eiterkörperchen -stattfinden, und auch die Flüssigkeiten, welche durch die Drüse hindurch -gelangen, werden während des Durchganges einen grossen Theil ihrer -schädlichen Eigenschaften verlieren. Secundäre Drüsen-Anschwellungen -treten in verschiedenen Formen nach peripherischen Infectionen auf. Wie -will man sie anders erklären, als dadurch, dass jede inficirende -(miasmatische) Substanz, welche als eine wesentlich fremdartige oder, -wenn ich mich so ausdrücken soll, feindselige für den Körper zu -betrachten ist, indem sie in die Substanz der Drüse eindringt, von den -Zellen der Drüse angesogen wird und daran jenen Zustand von mehr oder -weniger ausgesprochener Reizung hervorbringt, der sehr häufig bis zur -wirklichen Entzündung der Drüse sich steigert? Wir werden noch später -auf den Begriff der Reizung etwas genauer zurückkommen, und ich will -hier nur so viel hervorheben, dass nach meinen Untersuchungen =die -Reizung der Lymphdrüsen darin besteht, dass dieselben in eine vermehrte -Zellenbildung gerathen, dass ihre Follikel sich vergrössern und nach -einiger Zeit viel mehr Zellen enthalten als vorher=. - -Im Verhältnisse zu diesen Vorgängen geschieht dann auch eine Vermehrung -der farblosen Elemente im Blute. Jede bedeutende acute Drüsenreizung hat -eine schnelle Zunahme der Lymphkörperchen im Blute zur Folge; jede -Krankheit, welche Drüsenreizung mit sich bringt, wird daher auch den -Effect haben, das Blut mit grösseren Mengen von farblosen Blutkörperchen -zu versehen, mit anderen Worten, einen leukocytotischen Zustand zu -setzen. Hat man nun schon im Voraus die Ansicht, es sei Eiter resorbirt -worden, und der Eiter sei die Ursache der eingetretenen Störungen, so -ist nichts leichter, als Zellen im Blute nachzuweisen, welche wie -Eiterkörperchen aussehen, oft in so grosser Menge, dass man ihre -Zusammenhäufungen (Fig. 67) in der Leiche wie kleine Eiterpunkte mit -blossem Auge sehen kann, oder dass sie grosse, zusammenhängende oder -körnige Lager an der unteren Seite der Speckhaut des Aderlassblutes -bilden (Fig. 69). Scheinbar ist dieser Beweis so überzeugend als -möglich. Man hat die Voraussetzung, dass Eiter in's Blut gelangt sei; -man untersucht das Blut und findet wirklich Elemente, die vollkommen -aussehen wie Eiterkörperchen, und zwar in sehr grosser Zahl. Selbst wenn -man zugesteht, dass farblose Blutkörperchen wie Eiterkörperchen aussehen -können, ist doch der Schluss sehr verführerisch, wie man ihn zu -wiederholten Malen in der Geschichte der Pyämie gemacht hat, dass die im -Blute aufgefundenen Zellen ihrer grossen Menge wegen doch nicht als -farblose Blutkörperchen angesehen werden könnten, sondern -Eiterkörperchen sein müssten. Diesen Schluss machte vor Jahren =Bouchut= -bei Gelegenheit einer Pariser Epidemie von Puerperal-Fieber, welches er -damals für eine Pyämie hielt, neuerlichst aber auf Grund derselben -Beobachtung für eine acute Leukämie erklärte. Das ist ferner derselbe -Schluss, den =Bennett= in der zwischen uns viel discutirten -Prioritätssache gemacht hat, da er einen Fall von unzweifelhafter -Leukämie einige Monate früher beobachtete, ehe ich meinen ersten Fall -sah, und da er aus der »unerhört« grossen Zahl der farblosen Körperchen -den Schluss zog, es handele sich um eine »Suppuration des Blutes«[80]. -Freilich war dieser Schluss nicht originell, sondern basirte sich auf -die früher (S. 188) erwähnte Hämitis von =Piorry=, der sich dachte, dass -das Blut selbst sich entzünde und in sich Eiter erzeuge, was man nachher -in der Wiener Schule =spontane= Pyämie oder =Eitergährung= genannt hat. - - [80] Vergl. über die Prioritätsfrage mein Archiv V. 45, 77. VII. 174, - 565. - -Alle diese Irrthümer sind hervorgegangen aus dem Umstande, dass man eine -so ungeheuer grosse Zahl von farblosen Blutkörperchen fand. Heutzutage -ist dieser Befund eben so einfach vom Standpunkte der Hämatopoëse aus zu -erklären, wie er früher allein erklärlich schien vom Standpunkte der -Pyämie aus. Die Reizung der Lymphdrüsen erklärt ohne alle Schwierigkeit -die Vermehrung der farblosen, eiterähnlichen Zellen im Blute, und zwar -in allen Fällen, nicht bloss in denen, wo man eine Pyämie erwartete, -sondern auch in denen, wo man sie nicht erwartete, wo jedoch das Blut -dieselbe Masse von farblosen Körperchen zeigt, wie in der eigentlichen, -dem klinischen Begriffe entsprechenden Pyämie. - -So ergibt sich, dass jede Mahlzeit einen gewissen Reizungszustand in den -Gekrösdrüsen setzt, indem die Chylus-Bestandtheile, die denselben -zugeführt werden, einen physiologischen Reiz für dieselben darstellen. -Die Milch, welche wir trinken, das Fett unserer Suppen, die -verschiedenen, feiner vertheilten Fette und Oele in unseren festeren -Speisen gelangen als kleinste Kügelchen in die Chylusgefässe und -verbreiten sich eben so, wie der Zinnober, in den Drüsen; aber die -kleinsten Fettkörnchen dringen nach einiger Zeit durch die Drüse -hindurch. Für solche Körper besteht also noch eine wirkliche -Permeabilität der Drüsengänge, aber auch sie werden eine Zeit lang -zurückgehalten. Immer dauert es lange, ehe nach einer Mahlzeit die -Gekrösdrüsen das Fett wieder völlig los werden, und es geschieht das -Hindurchschieben der Massen offenbar unter einem verhältnissmässig -grossen Drucke. Dabei beobachtet man zugleich eine Vergrösserung der -Lymphdrüse, und ebenso nach jeder Mahlzeit eine Zunahme in der Zahl der -farblosen Körperchen im Blute, eine =physiologische Leukocytose=, aber -keine Pyämie. - -In dem Maasse, als eine =Schwangerschaft= vorrückt, als die Lymphgefässe -am Uterus sich erweitern, als der Stoffwechsel in der Gebärmutter mit -der Entwickelung des Fötus zunimmt, vergrössern sich die Lymphdrüsen der -Inguinal- und Lumbalgegend erheblich, zuweilen so beträchtlich, dass, -wenn wir sie zu einer anderen Zeit fänden, wir sie als entzündet -betrachten würden. Diese Vergrösserung führt dem Blute auch mehr neue -Partikelchen zelliger Art zu, und so steigt von Monat zu Monat die Zahl -der farblosen Körperchen. Zur Zeit der Geburt kann man fast bei jeder -Puerpera, mag sie pyämisch sein oder nicht, in dem defibrinirten Blute -die farblosen Körperchen ein eiterartiges Sediment bilden sehen. Auch -dies ist eine physiologische Form, welche fern davon ist, eine pyämische -zu sein. Wenn man sich aber gerade eine Puerpera aussucht, welche -Krankheits-Erscheinungen darbietet, die mit dem Bilde der Pyämie -übereinstimmen, dann ist nichts leichter, als diese vielen farblosen, -mehrkernigen Zellen zu finden, und sie für jene Eiterkörperchen -auszugeben, welche nach der Voraussetzung gerade die Pyämie constatiren -sollen. Dies sind Trugschlüsse, welche aus unvollständiger Kenntniss des -normalen Lebens und der Entwickelung resultiren. So lange man sich bloss -an die pyämischen Erfahrungen hält, so lange kann dies Alles erscheinen -wie ein grosses und neues Ereigniss, und man kann sich berechtigt -halten, wenn man das Blut einer Wöchnerin untersucht, zu schliessen, -sie habe schon die Pyämie, bevor die pyämischen Symptome auftreten. Aber -man mag untersuchen, wann man will, so wird man stets etwas von -Leukocytose finden, gerade so, wie es schon seit langer Zeit bekannt -ist, dass sich bei Schwangeren sehr gewöhnlich eine Speckhaut bildet, -weil das Blut gewöhnlich mehr von einem langsamer gerinnenden Fibrin -zugeführt bekommt (Hyperinose). Es erklärt sich dies durch den -vermehrten Stoffwechsel und die, entzündlichen Vorgängen so nahe -stehenden Veränderungen im Uterinsystem, welche mit einer gewissen -Reizung der zunächst damit in Verbindung stehenden Lymphdrüsen -vergesellschaftet sind[81]. - - [81] Verhandl. der Gesellschaft für Geburtshülfe in Berlin. 1848. III. - 174. Gesammelte Abhandl. 760, 777. - -Gehen wir einen kleinen Schritt weiter in dies pathologische Gebiet -hinein, so treffen wir leukocytotische Zustände in der ganzen Reihe -aller der Erkrankungen, welche mit Drüsenreizung complicirt sind, und -bei welchen die Reizung nicht zu einer Zerstörung der Drüsensubstanz -führt. Im Verlaufe einer Scrofulosis, bei deren einigermaassen -ungünstigem Verlaufe die Drüsen zu Grunde gehen, sei es durch -Ulceration, sei es durch käsige Eindickung, Verkalkung u. s. f., kann -eine vermehrte Aufnahme von Elementen in das Blut nur so lange -stattfinden, als die gereizte Drüse überhaupt noch leistungsfähig ist -oder existirt; sobald aber die Drüse abgestorben, käsig geworden oder -zerstört ist, so hört auch die Bildung von Lymphzellen und damit die -Leukocytose auf. Jedesmal dagegen, wo eine mehr acute Form von Störung -besteht, welche mit entzündlicher Schwellung der Drüsen verbunden ist, -findet eine Vermehrung der farblosen Körperchen im Blute Statt. So im -Typhus, wo so ausgedehnte markige Schwellungen der Unterleibsdrüsen -auftreten, so bei Krebskranken, wenn Reizung der Lymphdrüsen eintritt, -so im Verlaufe jener Prozesse, welche man als Eruptionen des malignen -Erysipels bezeichnet, und welche so frühzeitig schon mit -Drüsenanschwellung verbunden zu sein pflegen. Das ist der Sinn dieser -Vermehrung der farblosen Elemente, die zuletzt immer zurückführt auf die -vermehrte Entwickelung lymphatischer Gebilde innerhalb der gereizten -Drüsen. - -Es ist nun von Wichtigkeit, darauf hinzuweisen, dass man gegenwärtig den -Begriff der Lymphdrüsen ungleich weiter ausdehnt, als es bis vor Kurzem -geschehen ist. Erst die neueren histologischen Untersuchungen haben -gezeigt, dass ausser den gewöhnlichen bekannten Lymphdrüsen, die eine -gewisse Grösse und Selbständigkeit haben, eine grosse Menge von -kleineren Einrichtungen im Körper vorhanden ist, welche ganz denselben -Bau besitzen, welche aber nicht so massenhafte Zusammenordnungen von -lymphatischen Theilen darstellen, wie wir sie in einer Lymphdrüse -finden. Dahin gehören im Besonderen die =Follikel des Darms=, sowohl die -solitären, als die Peyerschen. Ein Peyerscher Haufen ist nichts weiter, -als die flächenartige Ausbreitung einer Lymphdrüse; die einzelnen -Follikel des Haufens entsprechen, ebenso wie die Solitärfollikel des -Digestionstractus, den einzelnen Follikeln einer Lymphdrüse, nur dass -die Darmfollikel, wenigstens beim Menschen, in einfacher, die -Lymphdrüsenfollikel in mehrfacher Lage über einander angeordnet sind. -Die solitären und Peyerschen Drüsen haben also gar nichts gemein mit den -gewöhnlichen (Lieberkühnschen) Drüsen, welche durch offene Mündungen -nach dem Darm hin secerniren; sie haben vielmehr die Stellung und -offenbar auch die Funktion der Lymphdrüsen. Gegen die Darmhöhle hin sind -sie völlig geschlossen, und wenn sie secerniren, so thun sie es nur in -der Richtung der Lymphgefässe, welche aus ihnen hervorgehen. Diese sind -ihre Ausführungsgänge. - -In dieselbe Kategorie gehören die analogen Apparate, die wir im oberen -Theile des Digestionstractus in so grossen Haufen zusammengeordnet -finden, wo sie die =Tonsillen=, die =Follikel der Zungenwurzel= und die -grosse =Pharynxdrüse= bilden. Während im Darm die Follikel in einer -ebenen Fläche liegen, findet sich hier die Fläche eingefaltet und die -einzelnen Follikel um die Einfaltung oder Einstülpung herumliegend. -Früher nannte man gerade die Einfaltungen oder Taschen, wie sie an den -meisten Zungenfollikeln einfach, an den Tonsillen mehrfach und verästelt -vorkommen, Follikel (Bälge), und sah dem entsprechend die Oeffnungen der -Taschen als Drüsenmündungen an. Allein die Taschen sind von einer -Fortsetzung der benachbarten Schleimhaut und deren Epithel continuirlich -ausgekleidet; auch hier haben die eigentlichen, lymphatischen Follikel -keine nach aussen mündenden Ausführungsgänge. Sie liegen unter der -geschlossenen Oberfläche. - -In dieselbe Kategorie gehört weiterhin die =Thymusdrüse=, bei welcher -die Anhäufung der Follikel einen noch höheren Grad erreicht, als in den -Lymphdrüsen. Während viele Lymphdrüsen noch einen Hilus haben, wo keine -Follikel liegen, so hört dies in der Thymusdrüse auf. Mit diesem Mangel -eines Hilus hängt zusammen, dass man an der Brustdrüse keine erheblichen -Verbindungen mit Lymphgefässen kennt. - -Dahin gehört endlich ein sehr wesentlicher Bestandtheil der Milz, -nehmlich die =Malpighischen oder weissen Körper= (=Follikel=), die bei -verschiedenen Leuten in ebenso verschiedener Menge durch das -Milzparenchym zerstreut sind, wie die solitären und Peyerschen Follikel -im Darm. Auf einem Durchschnitte durch die Milz sehen wir vom Hilus her -die Trabekeln mit den Gefässen gegen die Capsel ausstrahlen, in langen -Zügen von der rothen Milzpulpe umlagert, welche hier und da unterbrochen -wird durch bald mehr bald weniger zahlreiche weisse Körper von grösserem -oder kleinerem Umfange, einzeln oder zusammengesetzt, zuweilen fast -traubenförmig. Der Bau dieser Milzfollikel, welche an den Scheiden -der Arterien sitzen, stimmt in der Hauptsache mit dem der -Lymphdrüsen-Follikel. - -Wir können daher diese ganze Reihe von Apparaten als mehr oder weniger -gleichwerthig mit den eigentlichen Lymphdrüsen betrachten; eine -Anschwellung der Milz oder der Darmfollikel wird unter Umständen eine -ebenso reichliche Zufuhr von farblosen Blutkörperchen liefern können, -wie dies bei einer Anschwellung einer Lymphdrüse der Fall ist. Diese -Möglichkeit erklärt es, dass in der Cholera, wo die Veränderung der -solitären und Peyerschen Follikel im Darm besonders hervortritt, während -die Schwellung der übrigen Lymphdrüsen viel weniger ausgebildet ist, -ausserordentlich frühzeitig eine bedeutende Vermehrung der farblosen -Blutkörperchen eintritt[82]. Dies erklärt es ferner, warum bei solchen -Pneumonien, die mit grossen Schwellungen der Bronchialdrüsen verbunden -sind, gleichfalls eine Vermehrung der farblosen Blutkörperchen -stattfindet, welche in anderen Formen der Pneumonie, die nicht mit einer -solchen Schwellung verbunden sind, fehlt. Je mehr die Reizung von der -Lunge auf die Lymphdrüsen übergreift, je reichlicher von der Lunge -schädliche Flüssigkeiten den Drüsen zugeführt werden, um so deutlicher -erleidet das Blut diese besondere Veränderung. - - [82] Medic. Reform. 1848. No. 12. u. 15. Gaz. méd. de Paris. 1849. - No. 3. - -Wenn man auf diese Weise die verschiedenen Krankheiten durchmustert, so -lässt sich in der That vom morphologischen Standpunkte aus gar nichts -auffinden, was auch nur entfernt die Annahme eines Zustandes, der Pyämie -zu nennen wäre, rechtfertigte. In den überaus seltenen Fällen, wo Eiter -in Venen durchbricht, können unzweifelhaft dem Blute eiterige -Bestandtheile zugeführt werden, allein hier ist die Einfuhr von Eiter -meist eine einmalige. Der Abscess entleert sich, und ist er gross, so -geschieht eher eine Extravasation von Blut, als dass eine anhaltende -Pyämie zu Stande käme. Vielleicht wird es einmal gelingen, im Verlaufe -eines solchen Vorganges Eiterkörperchen mit bestimmten Charakteren im -Blute aufzufinden; bis jetzt steht aber die Sache so, dass man mit -grösster Bestimmtheit behaupten kann, es sei Niemandem gelungen, mit -Gründen, die auch nur einer milden Beurtheilung genügen könnten, die -Anwesenheit einer morphologischen Pyämie darzuthun. Es muss daher dieser -Name als Bezeichnung für eine durch die Beimischung bestimmter -sichtbarer Gebilde hervorgebrachte Blutveränderung gänzlich aufgegeben -werden. - - - - - Eilftes Capitel. - - Infection und Metastase. - - - Pyämie und Phlebitis. Capillar-Phlebitis und Stase. Thrombosis: - parietale und obstruirende; adhäsive und suppurative. Puriforme - Erweichung der Thromben: Detritus des Fibrins, Auflösung der rothen - Körperchen. Die wahre und falsche Phlebitis. Eitercysten des - Herzens. - - Embolie. Bedeutung der fortgesetzten Thromben. Lungenmetastasen. - Zertrümmerung der Emboli. Verschiedener Charakter der Metastasen. - Endocarditis und capilläre Embolie. Latente Pyämie. - - Inficirende Flüssigkeiten. Infectiöse Erkrankung der lymphatischen - Apparate und der Milz, der Secretionsorgane und der Muskeln. - Chemische Substanzen im Blute: Silbersalze, Arthritis, - Kalkmetastasen. Ichorrhämie. Fremde Körperchen in der Blutmischung: - Zellen, Hämatozoen, Pilze, Körner. Pyämie als Sammelname. - -Ich habe in dem vorangehenden Capitel die Lehre von der Pyämie in -Beziehung auf die im Blute vorkommenden zelligen Gebilde einer genaueren -Betrachtung unterworfen, weil sich gerade daran die Quelle mancher, auch -für andere Gebiete der Pathologie lehrreicher Irrthümer und eine -richtigere Methode der Beobachtung und Beurtheilung besonders gut -darlegen lässt. Wenn ich nochmals darauf zurückkomme, um die -geschichtliche Entwickelung dieser Lehre und ihre thatsächlichen -Grundlagen zu erörtern, so geschieht es nicht bloss der entscheidenden -Wichtigkeit wegen, welche diese Lehre für die Auffassung der Metastasen -und aller metastasirenden Dyscrasien hat, sondern auch, weil ich mich -berechtigt erachte, gerade in einem Gebiete, in welchem ich viele Jahre -lang mit eigenen Untersuchungen beschäftigt war, ein beglaubigtes -Urtheil aussprechen zu können. - -Bis in die neueste Zeit hat man ganz besondere Beziehungen der Pyämie zu -Gefässaffectionen und namentlich zu Gefässentzündungen[83] angenommen. -Namentlich seitdem man sich genöthigt sah, die Ansicht aufzugeben, -wonach die Eitermasse, welche man in der Vene zu sehen glaubte, durch -eine Oeffnung der Wand oder eine klaffende Lichtung in dieselbe -eingedrungen (absorbirt) sein sollte, kehrte man zu der von =John -Hunter= begründeten Lehre von der Phlebitis[84] zurück. Viele -betrachteten dem entsprechend den Eiter als ein Absonderungsproduct der -Gefässwand. Die Beweise für diese Ansicht waren aber schwer zu liefern, -nachdem man durch die Erfahrung belehrt war, dass eine primär eiterige -Venenentzündung nicht vorkomme, sondern dass, wie zuerst von -=Cruveilhier= mit Bestimmtheit nachgewiesen ist, im Anfange jeder -sogenannten Phlebitis oder Arteriitis immer ein Blutgerinnsel innerhalb -des Gefässes gebildet wird. Aber =Cruveilhier= selbst war durch diese -Erfahrung so sehr überrascht worden, dass er eine Theorie daran knüpfte, -welche gegenwärtig kaum noch begreiflich ist. Er schloss nämlich aus der -Unmöglichkeit, in der er sich befand, zu erklären, warum die Entzündung -der Venen mit Gerinnung des Blutes anfange, dass überhaupt jede -Entzündung in einer Gerinnung von Blut bestände. Die Unmöglichkeit, die -Phlebitis zu erklären, schien beseitigt dadurch, dass die Gerinnung des -Blutes innerhalb der Gefässe zu einem allgemeinen Gesetze der -Entzündungslehre erhoben und auch die gewöhnliche Entzündung auf eine -Phlebitis im Kleinen, die von ihm sogenannte Capillarphlebitis, bezogen -wurde. Diese Capillarphlebitis war nahezu identisch mit der in der -deutschen Pathologie gebräuchlichen Stase; der abweichende Ausdruck des -französischen Forschers erklärt sich nur dadurch, dass er sich eine -eigenthümliche Ansicht über die Existenz besonderer, kleinster Venen in -den Theilen gebildet hatte, auf welche er nicht bloss die Ernährung, -sondern auch die Bildung von Cysten, Tuberkeln, Krebs, kurz aller -wichtigeren anatomischen Prozesse zurückführte. Diese Art zu denken -blieb aber der grossen Mehrzahl der gelehrten und noch mehr der -ungelehrten Aerzte so vollständig fremd, dass die einzelnen -Schlussthesen von =Cruveilhier=, die man in seiner Formulirung in die -Wissenschaft aufnahm, ganz und gar missverstanden wurden. - - [83] Gesammelte Abhandlungen S. 636. - - [84] Ebendas. S. 458. - -Freilich hatte er in dem einen Punkte Recht, der auch seitdem mehr und -mehr anerkannt worden ist, dass der sogenannte Eiter in den Venen nie -zuerst an der Wand liegt, sondern immer zuerst in der Mitte eines schon -vor ihm vorhandenen Blutgerinnsels auftritt, welches den Anfang des -Prozesses überhaupt bezeichnet. Aber er fand für diese vortreffliche -Beobachtung keine richtige Erklärung. Er stellte sich vor, dass die -Eitersecretion von den Wandungen des Gefässes aus stattfinde, dass aber -der Eiter nicht an der Wand liegen bleibe, sondern vermöge der -»Capillarität« sofort bis in die Mitte des Coagulums wandere. Es war das -eine sehr sonderbare Theorie, die sich auch dann nur annähernd begreift, -wenn man erwägt, dass in jener Zeit der Eiter noch für eine einfache -Flüssigkeit (Solution) gehalten wurde. Erkennt man in dem Eiter ein -flüssiges oder, genauer gesagt, ein =bewegliches Gewebe=, dessen -wesentlicher Bestandtheil Zellen, also feste Theile sind, so fällt jene -Deutung in sich selbst zusammen. - -Allein trotz der falschen Deutung bleiben doch die Thatsachen stehen, -gegen die sich auch heute nichts vorbringen lässt, dass als erste -Erscheinung des örtlichen Vorganges, bevor etwas von Entzündung an der -Gefässwand zu sehen ist, sich ein Blutgerinnsel findet, und dass etwas -später inmitten dieses Gerinnsels sich eine Masse zeigt, welche ihrem -Aussehen und ihrer Consistenz nach von dem Gerinnsel verschieden ist, -dagegen mehr oder weniger Aehnlichkeit mit Eiter darbietet. - -[Illustration: =Fig=. 78. Thrombose der Vena saphena. _S_ Vena saphena, -_T_ Thrombus: _v_, _v_' klappenständige (valvuläre) Thromben, in der -Erweichung begriffen und durch frischere und dünnere Gerinnselstücke -verbunden; _C_, der fortgesetzte über die Mündung des Gefässes in die -Vena curalis _C_' hineinragende Pfropf.] - -Von diesen Erfahrungen ausgehend, habe ich mich bemüht, die Lehre von -der Phlebitis ihrem grössten Theile nach überhaupt aufzulösen, indem -ich für das Mystische, welches in =Cruveilhier='s Deutung lag, einfach -den Ausdruck der Thatsachen einsetzte. Die Entzündung als solche ist -nicht an Gerinnung gebunden; im Gegentheil hat sich herausgestellt, dass -die Lehre von der Stase auf vielfachen Missverständnissen beruhe[85]. Es -kann Entzündung bestehen bei vollkommen offenem Strome des Blutes -innerhalb der Gefässe des afficirten Theiles. Lassen wir also die -Entzündung überhaupt bei Seite, und halten wir uns einfach an die -Gerinnung des Blutes, an die Bildung des Gerinnsels (Thrombus). Alsdann -scheint es am meisten entsprechend, den ganzen Vorgang in dem Ausdrucke -der =Thrombose= zusammenzufassen. Ich habe vorgeschlagen[86], diesen -Ausdruck zu substituiren für die verschiedenen Namen von Phlebitis, -Arteriitis u. s. w., insoweit es sich nehmlich wirklich um eine an =Ort -und Stelle= geschehende Gerinnung des Blutes handelt. - - [85] Handb. der spec. Pathol. und Ther. I. 53. J. H. Boner Die Stase - nach Experimenten an der Froschschwimmhaut. Würzburg 1856. - - [86] Handbuch der spec. Path. I. 159. - -Untersucht man die Geschichte dieser Thromben, so ergibt sich, dass -dieselben in den Capillaren fast gar nicht vorkommen, sondern sich auf -die Venen, die Arterien und das Herz beschränken, so zwar, dass auch die -kleinsten Venen und Arterien davon beinahe ganz frei bleiben. Die -Mehrzahl der Thromben entsteht ursprünglich als =wandständige= ( -=parietale=), während neben ihnen der Strom des Blutes noch fortgeht; -sie sind sämmtlich zu erklären aus örtlichen Veränderungen der -Gefässwand und des Blutstromes, jedoch können zu dieser Erklärung auch -allgemeine Veränderungen des Blutes oder der Blutströmung herangezogen -werden, insofern sie auf das örtliche Verhalten des Blutstromes Einfluss -ausüben. Selten finden sich gleich von vornherein =total verstopfende= -(=obstruirende=) Thromben, bei denen der Blutstrom gänzlich unterbrochen -ist; wo sie vorkommen, ohne dass besondere chemische Stoffe durch -Einspritzung, Aetzung u. s. f. eingewirkt haben, da ist gewöhnlich schon -vor der Thrombose ein Stillstand des Blutes (durch Ligatur, Compression) -eingetreten und die Gerinnung ist als die natürliche Folge der -Stagnation anzusehen. - -In vielen Thromben kommt es überhaupt niemals zu der sogenannten -Eiterbildung. Im Gegentheil, es entsteht aus dem Gerinnsel ein -Bindegewebs-Pfropf, gewöhnlich mit Pigment (Hämatoidin), zuweilen mit -Gefässen. Dies hat man die =adhäsive= Phlebitis oder Arteriitis genannt. -Bei der sogenannten =suppurativen= Phlebitis, der eigentlich -gefürchteten Form, findet sich allerdings eine eiterartige Masse, allein -diese stammt nicht von der Wand, sondern sie entsteht direkt durch eine -Umwandlung zuerst der centralen Gerinnselschichten selbst, und zwar -durch eine Umwandlung chemischer Art, wobei in ähnlicher Weise, wie man -dies durch langsame Digestion von geronnenem Fibrin künstlich erzeugen -kann, das Fibrin in eine feinkörnige Substanz zerfällt, und die ganze -Masse in =Detritus= übergeht[87]. Es ist dies eine wirkliche Erweichung -und Rückbildung der organischen Substanz: die Fäden des Fibrins -zertrümmern in Stücke, diese wieder in kleinere und so fort, bis man -nach einer gewissen Zeit fast die ganze Masse zusammengesetzt findet aus -kleinen, feinen, blassen Körnern (Fig. 79 _A_). In Fällen, wo das -Gerinnsel aus verhältnissmässig reinem Fibrin bestand, z. B. in -parietalen Herzthromben, sieht man manchmal fast gar nichts weiter, als -diese Körnchen. - - [87] Zeitschrift für rationelle Medicin. 1846. V. 226. Gesammelte - Abhandlungen S. 95, 104, 328, 524. - -[Illustration: =Fig=. 79. Puriforme Detritus-Masse aus erweichten -Thromben. _A_ die verschieden grossen, blassen Körner des zerfallenden -Fibrins. _B_ Die bei der Erweichung freiwerdenden, zum Theil in der -Rückbildung begriffenen farblosen Blutkörperchen, _a_ mit mehrfachen -Kernen, _b_ mit einfachen, eckigen Kernen und einzelnen Fettkörnchen, -_c_ kernlose (pyoide) in der Fettmetamorphose. _C_ In der Entfärbung -begriffene und zerfallende Blutkörperchen. Vergr. 350.] - -Das Mikroskop löst also die Schwierigkeiten sehr einfach auf, indem es -nachweist, dass diese Masse, welche wie Eiter aussieht, kein Eiter ist. -Denn wir verstehen unter Eiter eine wesentlich mit zelligen Elementen -versehene Flüssigkeit. Ebenso wenig wie wir uns Blut ohne Blutkörperchen -denken können, ebenso wenig existirt Eiter ohne Eiterkörperchen. Wenn -wir hier aber eine Flüssigkeit finden, welche nichts weiter als eine mit -Körnern durchsetzte Masse darstellt, so mag diese ihrem äusseren Habitus -nach immerhin wie Eiter aussehen; nie darf man sie aber als wirklichen -Eiter deuten. =Es ist eine puriforme Substanz, aber keine purulente=. - -Meistentheils aber erscheint neben diesen Körnern eine gewisse Zahl von -anderen Bildungen, z. B. wirklich zellige Elemente (Fig. 79, _B_). Diese -sind meist rund (sphärisch), seltener eckig, und enthalten in einer fein -granulirten Substanz einen, zwei und mehr Kerne. Sie besitzen demnach in -der That eine grosse Uebereinstimmung mit Eiterkörperchen, und wenn sehr -oft in ihnen Fettkörnchen vorkommen, welche darauf hindeuten, dass es -sich hier um ein Zerfallen (Necrobiose) handelt, so kommt, wie wir -gesehen haben (S. 222), dasselbe ja auch an Eiterkörperchen vor. Wenn -daher in solchen Fällen, wo die Menge des Detritus ganz überwiegend ist, -kein Zweifel sein kann über das, was vorliegt, so können in anderen -erhebliche Bedenken bestehen, ob nicht doch wirklicher Eiter vorhanden -sei. Diese Bedenken lassen sich auf keine andere Weise lösen, als durch -die Geschichte des Thrombus. Nachdem wir früher schon gesehen haben, -dass farblose Blutkörperchen und Eiterkörperchen formell völlig mit -einander übereinstimmen, so dass wirkliche Scheidungen zwischen ihnen -unmöglich sind, so kann natürlich an einem Punkte, wo wir in einem -Blutgerinnsel runde, farblose Zellen finden, die Frage, ob diese Zellen -farblose Blutkörperchen sind, nur dadurch gelöst werden, dass ermittelt -wird, ob die Körperchen schon in dem Thrombus vor der Erweichung -vorhanden waren, oder ob sie erst bei derselben darin entstanden oder -sonst wie hineingelangt sind. Es ergibt aber die Verfolgung der Vorgänge -mit grosser Bestimmtheit, dass die Körperchen vor der Erweichung -präexistiren, und wenn auch die Möglichkeit zugelassen werden muss, dass -noch nach der Bildung des Thrombus farblose Blutkörperchen in denselben -hineinkriechen, so ist dies doch nicht die Ursache der Erweichung, und -noch weniger liegt ein Grund vor, anzunehmen, dass dieselben erst mit -dem Eintritte der Erweichung entstehen oder in das Gerinnsel -hineingelangen. Schon bei Untersuchung ganz frischer Thromben[88] findet -man an manchen Stellen farblose Blutkörperchen in grossen Massen -angehäuft; wenn später der Faserstoff zerfällt, so werden sie in solcher -Zahl frei, dass der Detritus fast so zellenreich wie Eiter ist. Es -verhält sich mit diesem Vorgange, wie wenn ein mit körperlichen Theilen -ganz durchsetztes Wasser gefroren ist und dann einer höheren Temperatur -ausgesetzt wird; beim Schmelzen des Eises müssen natürlich die -eingeschlossenen Körper wieder zum Vorschein kommen. - - [88] Gesammelte Abhandlungen 515. - - * * * * * - -Gegen diese Darstellung kann ein Umstand eingewendet werden, nehmlich -der, dass man nicht in der gleichen Weise die rothen Blutkörperchen frei -werden sieht. Die rothen Körperchen gehen indess gewöhnlich sehr -frühzeitig zu Grunde. Sie verlieren zuerst ihren Farbstoff, verkleinern -sich dabei, indem dunkle Körnchen an ihrem Umfange hervortreten (Fig. -63, _a_; 79, _C_), und verschwinden endlich ganz, indem nur diese -Körnchen übrig bleiben[89], welche später resorbirt werden. Der aus den -Körperchen ausgetretene Farbstoff zersetzt sich und verliert nach und -nach sein rothes Colorit. Nur sehr selten erhalten sich die rothen -Körperchen noch in der Erweichungsmasse. In der Regel gehen sie -zu Grunde, und gerade dadurch erklärt sich die auffällige -Eigenthümlichkeit, dass aus dem rothen Thrombus eine gelbweisse -Flüssigkeit entsteht, die das Ansehen und die Farbe, ja sogar zum Theil -die histologische Zusammensetzung von Eiter hat. Auch dafür kann man -ohne besondere Schwierigkeiten die Deutung finden; man muss sich nur -erinnern, wie gering die Widerstandsfähigkeit der rothen Blutkörperchen -gegen die verschiedensten Agentien ist. Wenn man zu einem Blutstropfen -unter dem Mikroskope einen Tropfen Wasser setzt, so sieht man die rothen -Körperchen vor den Augen verschwinden, während die farblosen -zurückbleiben. - - [89] Beiträge zur experimentellen Pathologie. II. 12. Archiv I. 245, - 383. - -Das, was man im gewöhnlichen Sinne eine suppurative Phlebitis nennt, ist -also weder suppurativ, noch Phlebitis, sondern es ist ein Process, der -mit einer Gerinnung, einer Thrombusbildung aus dem Blute beginnt, und -der später die Thromben erweichen macht; die Geschichte des Processes -beschränkt sich zunächst auf die Geschichte des Thrombus. Ich muss aber -gerade hier hervorheben, dass ich nicht, wie man mir hier und da -nachgesagt hat, die Möglichkeit einer wirklichen Phlebitis (oder -Arteriitis) in Abrede stelle, oder dass ich irgend wie gefunden hätte, -es gäbe keine Phlebitis. =Allerdings gibt es eine Phlebitis=[90]. Aber -diese ist eine Entzündung, die wirklich die Wand und nicht den Inhalt -des Gefässes betrifft. An grösseren Gefässen können sich die -verschiedensten Wandschichten (Intima, Media, Adventitia) entzünden und -alle möglichen Formen der Entzündung eingehen, wobei aber das Lumen ganz -intakt bleiben mag. Nach der früheren Auffassung betrachtete man die -innere Gefässhaut wie eine seröse Haut, und wie eine solche leicht -fibrinöse Exsudate oder eiterige Massen hervorbringt, so setzte man -dasselbe bei der inneren Gefässhaut voraus. Ueber diesen Punkt ist seit -Jahren eine Reihe von Untersuchungen angestellt, und ich selbst habe -mich vielfach damit beschäftigt, aber es ist bis jetzt noch keinem -Experimentator, welcher vorsichtig das Blut von dem Einströmen in die -Gefässe abhielt, gelungen, ein Exsudat zu erzeugen, welches in das Lumen -abgesetzt wurde. Vielmehr geht, wenn die Wand sich entzündet, das -»Exsudat« in die Wand selbst; diese verdickt sich, trübt sich, und fängt -möglicherweise späterhin an zu eitern. Ja, es können sich Abscesse -bilden, welche die Wand nach beiden Seiten hin wie eine Pockenpustel -hervordrängen, ohne dass eine Gerinnung des Blutes im Lumen erfolgt. -Andere Male freilich wird die eigentliche Phlebitis (und ebenso die -Arteriitis und Endocarditis) die Bedingung für Thrombose, indem sich auf -der inneren Wand Unebenheiten, Höcker, Vertiefungen und selbst -Ulcerationen bilden, welche für die Entstehung eines Thrombus -Anhaltspunkte bieten. Allein da, wo eine Phlebitis in dem gebräuchlichen -Sinne des Wortes stattfindet, ist die Veränderung der Gefässwand fast -immer eine secundäre, welche sogar verhältnissmässig spät zu Stande -kommt. - - [90] Gesammelte Abhandlungen 484. - -Die jüngsten Theile des Thrombus bestehen immer aus frischerem -Gerinnsel. Die Erweichung, das Schmelzen (=Colliquatio=) beginnt in der -Regel an den ältesten Schichten, so dass also, wenn der Thrombus eine -gewisse Grösse erreicht hat, sich in seiner Mitte oder an seiner Basis -eine mehr oder weniger grosse Höhle findet, die allmählich sich -vergrössert und der Gefässwand näher rückt. Aber in der Regel ist -dieselbe nach oben und häufig auch nach unten durch einen frischeren, -derberen Theil des Gerinnsels wie durch eine Kappe abgeschlossen; -dadurch wird, wie =Cruveilhier= sich ausdrückte, der »Eiter« -sequestrirt und die Berührung des Detritus mit dem circulirenden Blute -gehindert. Nur seitlich oder im Grunde erreicht die Erweichung endlich -die Wand des Gefässes selbst; diese verändert sich, es beginnt eine -Verdickung und zugleich Trübung derselben, und endlich erfolgt selbst -eine Eiterung innerhalb der Wandungen. - -Dasselbe, was wir bis jetzt an den Venen betrachtet haben, kommt auch am -Herzen vor. Namentlich am rechten Ventrikel sieht man nicht selten -sogenannte Eitercysten zwischen den Trabekeln der Herzwand. Sie ragen -gegen die Höhle mit rundlichen Knöpfchen hervor und stellen kleine -Beutel dar, welche beim Anschneiden einen weichen Brei enthalten, der -ein vollkommen eiterartiges Ansehen haben kann. Mit diesen Eitercysten, -welche übrigens zuerst die Veranlassung gewesen sind, dass =Piorry= -seine Lehre von der Hämitis und der damit zusammenhängenden Pyämie -aufstellte, hat man sich unendlich viel geplagt und alle nur möglichen -Theorien darüber gemacht, bis endlich die einfache Thatsache herauskam, -dass ihr Inhalt häufig weiter nichts als ein feinkörniger Brei von -eiweissartigen Theilchen ist, der auch nicht die mindeste feinere -Uebereinstimmung mit dem Eiter darbietet. Dies war insofern beruhigend, -als noch keine Beobachtung vorliegt, dass ein Kranker, der solche Säcke -in grösserer Zahl hatte, durch Pyämie zu Grunde gegangen wäre, aber es -hätte denjenigen auffallen sollen, welche so leicht geneigt sind, die -Pyämie mit peripherischen Thrombosen, die doch ganz dasselbe sind, in -Verbindung zu setzen. - -Denn natürlich entsteht die Frage, in wie weit durch die Erweichung der -Thromben besondere Störungen im Körper hervorgerufen werden können, -welche man mit dem Namen Pyämie bezeichnen dürfte. Hierauf ist zunächst -zu erwidern, dass allerdings sehr häufig secundäre Störungen veranlasst -werden, aber nicht so sehr dadurch, dass die flüssigen Erweichungsmassen -unmittelbar in das Blut gelangen, als vielmehr dadurch, dass grössere -oder kleinere Stücke von dem centralen Ende des erweichenden Thrombus -abgelöst, mit dem Blutstrom fortgeführt und in entfernte Gefässe -eingetrieben werden. Dies gibt den sehr häufigen Vorgang der von mir so -genannten =Embolie=[91], die gröbste Form der im lebenden Körper -vorkommenden =Metastase=. - - [91] Handb. der spec. Path. und Ther. I. 167. Gesammelte Abhandl. 640. - -[Illustration: =Fig=. 80. Autochthone und fortgesetzte Thromben. _c_, _c_' -kleinere, varicöse Seitenäste (Venae circumflexae femoris), mit -autochthonen Thromben erfüllt, welche über die Ostien hinaus in den -Stamm der Cruralvene reichen. _t_, fortgesetzter Thrombus, durch -concentrische Apposition aus dem Blute, entstanden. _t_' Aussehen eines -fortgesetzten Thrombus, nachdem eine Ablösung von Stücken (Embolis) -erfolgt ist.] - -Es ist dies ein Ereigniss, welches wir hier nur kurz berühren können. An -den peripherischen Venen geht die Gefahr hauptsächlich von den kleinen -Aesten aus. Gar nicht selten werden diese mit Gerinnselmasse ganz -erfüllt. So lange indess der Thrombus sich nur in dem Aste selbst -befindet, so lange ist für den Körper keine besondere Gefahr vorhanden: -das Schlimmste ist, dass sich ein Abscess bildet, in Folge einer Peri- -oder Mesophlebitis, der sich nach aussen öffnet. Allein die meisten -Thromben der kleinen Aeste beschränken sich nicht darauf, bis an die -Mündung derselben in den nächsten Stamm vorzudringen; gewöhnlich lagert -sich an das Ende des Thrombus immer neue Gerinnselmasse Schicht um -Schicht aus dem Blute ab, der Thrombus setzt sich über das Ostium des -Astes hinaus in den nächsten Stamm in der Richtung des Blutstromes fort, -wächst in Form eines dicken Cylinders weiter und wird immer grösser und -grösser. Bald steht dieser =fortgesetzte= Thrombus (Fig. 80, _t_) in gar -keinem Verhältnisse mehr zu dem ursprünglichen (=autochthonen=) Thrombus -(Fig. 80, _c_), von dem er ausgegangen ist[92]. Der fortgesetzte -Thrombus kann die Dicke eines Daumens haben, der ursprüngliche die einer -Stricknadel. Von dem ganz kleinen Pfropf einer Vena lumbalis kann z. B. -ein Gerinnsel, so dick, wie die letzte Phalanx des Daumens, sich in die -Cava fortsetzen. - - [92] =Froriep='s Notizen. 1846. Januar. No. 794. Gesammelte - Abhandlungen 225, 232. - -Diese fortgesetzten Pfröpfe bringen die eigentliche Gefahr mit sich; an -ihnen erfolgt die Abbröckelung, welche zu secundären Verschliessungen -entfernter Gefässe führt. Hier ist der Ort, wo durch das -vorüberströmende Blut grössere und kleinere Partikeln abgerissen werden -(Fig. 80, _t_'). Durch das ursprünglich verstopfte Gefäss strömt -überhaupt kein Blut, da ist die Circulation gänzlich unterbrochen; aber -in dem grösseren Stamme, durch welchen das Blut immer noch fortgeht, und -in welchen die fortgesetzten Thrombuszapfen hineinragen, kann der -Blutstrom kleinere oder grössere Bruchstücke lostrennen, mitschleppen -und in das nächste Arterien- oder Capillarsystem festkeilen. - -So erklärt es sich, dass in der Regel alle Thromben in der Peripherie -des Körpers, wenn überhaupt eine Embolie von ihnen ausgeht, secundäre -Verstopfungen und Metastasen in der Lunge erzeugen. Ich habe lange -Zweifel getragen, die metastatischen Entzündungen der Lunge sämmtlich -als embolische zu betrachten, weil es sehr schwer ist, die Gefässe in -den kleinen metastatischen Heerden zu untersuchen, aber ich überzeuge -mich immer mehr von der Nothwendigkeit, diese Art der Entstehung als die -Regel zu betrachten. Wenn man eine grössere Zahl von Fällen statistisch -vergleicht, so zeigt sich, dass jedesmal, wo Metastasen in den Lungen -vorkommen, auch Thrombose gewisser peripherischer Gefässe besteht. Wir -hatten z. B. vom Herbst 1850 bis zum März 1858 eine ziemlich grosse -Puerperalfieber-Epidemie in der Charité. Dabei stellte sich heraus, -dass, so mannichfaltig die Formen der Erkrankung auch waren, doch alle -diejenigen Fälle, in welchen Metastasen in den Lungen gefunden wurden, -auch mit Thrombose im Bereiche des Beckens oder der unteren Extremitäten -verlaufen waren. Bei den Lymphgefäss-Entzündungen fehlten die -Lungenmetastasen[93]. Solche statistischen Resultate haben eine gewisse -zwingende Nothwendigkeit, selbst wo der strenge anatomische Nachweis -fehlt. - - [93] Monatsschrift für Geburtskunde. XI. 413. - -[Illustration: =Fig=. 81. Embolie der Lungenarterie. _P_ Mittelstarker -Ast der Lungenarterie. _E_ der Embolus, auf dem Sporn der sich -theilenden Arterie reitend. _t_, _t_' der einkapselnde (secundäre) -Thrombus: _t_ das Stück vor dem Embolus, bis zu dem nächst höheren -Collateralgefäss _c_ reichend; _t_' das Stück hinter dem Embolus, die -abgehenden Aeste _r_, _r_' grossentheils füllend und zuletzt konisch -endigend.] - -In die Lungen-Arterie dringen die eingeführten Thrombusstücke je nach -ihrer Grösse verschieden weit ein. Gewöhnlich setzt sich ein solches -Stück da fest, wo eine Theilung des Gefässes stattfindet (Fig. 81, _E_), -weil die abgehenden Gefässe zu klein sind, um das Stück noch -einzulassen. Bei sehr grossen Stücken werden schon die Hauptäste der -Lungen-Arterie verstopft, und es tritt augenblickliche Asphyxie ein; -ganz kleine Stücke gehen bis in die feinsten Arterien hinein und -erzeugen von da aus die kleinsten, zuweilen miliaren Entzündungen des -Parenchyms[94]. Für die Deutung dieser kleinen, oft sehr zahlreichen -Heerde muss ich eine Vermuthung erwähnen, welche mir erst bei meinen -späteren Untersuchungen gekommen ist, von welcher ich aber kein Bedenken -trage, sie für eine unabweisliche auszugeben. Ich glaube nehmlich, dass, -wenn ein grösseres Thrombusstück an einem bestimmten Punkte einer -Arterie eingekeilt ist, hier noch eine weitere Zertrümmerung durch den -andringenden Blutstrom stattfinden kann, so dass die Partikelchen, -welche durch die Zertrümmerung des grossen Pfropfes entstehen, in die -kleinen Aeste geführt werden, in welche sich das Gefäss auflöst. So -allein scheint sich die Thatsache zu erklären, dass man oft im Bezirke -einer und derselben grösseren Arterie eine grosse Menge von kleinen -Heerden derselben Art und desselben Alters findet. - - [94] Gesammelte Abhandlungen 285 ff. - -Alles das hat mit der Frage, ob im Blute Eiter ist oder nicht, gar nicht -das Mindeste zu thun. Es handelt sich dabei um ganz andere Körper, um -Theile von Gerinnseln in einem mehr oder weniger veränderten Zustande; -je nachdem diese Veränderung den einen oder den anderen Charakter -angenommen hat, kann auch die Natur der Prozesse, welche sich in Folge -der Verstopfung bilden, sehr verschieden sein. Ist z. B. an dem -ursprünglichen Orte eine faulige oder brandige Erweichung des -Gerinnsels eingetreten, so wird auch die Metastase einen fauligen oder -brandigen Charakter annehmen, gerade so, wie dies bei einer Inoculation -des fauligen oder brandigen Stoffes der Fall sein würde. Umgekehrt kommt -es vor, dass die secundären Störungen, ähnlich denen am Orte der -Lostrennung, sehr günstig verlaufen, indem der Embolus, wie der -Thrombus, sich organisirt und Bindegewebe bildet. - -[Illustration: =Fig=. 82. Ulceröse Endocarditis mitralis. _a_ die -freie, glatte Oberfläche der Mitralklappe, unter welcher die -Bindegewebs-Elemente vergrössert und getrübt, das Zwischengewebe dichter -sind. _b_ eine stärkere hügelige Schwellung, bedingt durch zunehmende -Vergrösserung und Trübung des Gewebes. _c_ eine schon in Erweichung und -Zertrümmerung übergegangene Schwellungsstelle. _d_, _d_ das noch wenig -veränderte Klappengewebe in der Tiefe, mit zahlreichen, gewucherten -Körperchen. _e_, _e_ der Beginn der Vergrösserung, Trübung und Wucherung -der Elemente. Vergr. 80.] - -[Illustration: =Fig=. 83-84. Capillarembolie in den Penicilli der -Milzarterie nach Endocarditis (Vgl. Gesammelte Abhandlungen zur wiss. -Medicin 1856. S. 716). 83. Gefässe eines Penicillus bei 10maliger -Vergrösserung, um die Lage der verstopfenden Emboli in dem -Arteriengebiete zu zeigen. 84. Eine kurz vor ihrer Theilung und in den -nächst abgehenden Aesten mit Bruchstücken der feinkörnigen Embolusmasse -(vergl. Fig. 82, _c_) gefüllte Arterie. Vergr. 300.] - -Diese Gruppe von Prozessen muss um so mehr losgelöst werden von der -gewöhnlichen Geschichte der Pyämie, als dieselben Vorgänge sich jenseits -der Lunge, auf der linken Seite des Stromgebietes wiederfinden; oft mit -demselben Verlaufe, mit demselben Resultate, nur noch weniger abhängig -von einer ursprünglichen Phlebitis. So bildet die =Endocarditis= nicht -selten den Ausgangspunkt ähnlicher Metastasen[95]. Auf einer Herzklappe -geschieht eine Ulceration, nicht durch Eiterbildung, sondern durch -acute oder chronische Erweichung; zertrümmerte Partikeln der -Klappenoberfläche oder der auf dieser Oberfläche abgesetzten -Parietalthromben werden vom Blutstrome fortgerissen und gelangen mit ihm -an entfernte Punkte. Die Art der Verstopfung, welche diese Trümmer -erzeugen, ist ganz ähnlich der, welche die Bruchstücke von Venenthromben -machen, aber beide haben nicht genau dieselbe chemische Beschaffenheit. -Auch begünstigt ihre Kleinheit und Mürbigkeit das Eindringen in die -kleinsten Gefässe in hohem Maasse. Daher findet man nicht ganz selten in -kleinen mikroskopischen Gefässen, welche mit blossem Auge gar nicht mehr -zu verfolgen sind, die Verstopfungsmasse, gewöhnlich bis zu einer -Theilungsstelle und noch etwas darüber hinaus. Diese Masse zeigt häufig -eine körnige Beschaffenheit, jedoch nicht den groben Detritus, wie an -der Vene, sondern eine ganz feine und zugleich sehr dichte Körnermasse; -chemisch hat sie die für die Untersuchung überaus bequeme Eigenschaft, -dass sie gegen die gewöhnlichen Reagentien sehr widerstandsfähig ist und -sich dadurch von anderen Dingen leicht unterscheidet. Dies gibt die -=Capillarembolie=[96], eine der wichtigsten Formen der Metastase, -welche häufig kleine Heerde in der Niere, in der Milz und im -Herzfleische selbst hervorbringt, unter Umständen plötzliche -Verschliessungen von Gefässen im Auge oder Gehirn bedingt und je nach -Umständen zu metastatischen Heerden oder zu schnellen Functionsstörungen -(Amaurose, Apoplexie) Veranlassung gibt. Auch hier kann man sich -deutlich überzeugen, dass in frischen Fällen die Gefässwand an der -embolischen Stelle ganz intakt ist; ja es würde hier die Lehre von der -Phlebitis nicht mehr zureichen, indem dies überhaupt keine Venen, ja -nicht einmal Gefässe sind, welche noch Vasa vasorum besitzen, und von -welchen man annehmen könnte, dass von der Wand her eine Secretion nach -innen ginge. Hier bleibt nichts übrig, als die Verstopfungsmasse als -eine primär innen befindliche, die von den Zuständen der Wand in keiner -Weise abhängig ist, anzuerkennen. - - [95] Archiv 1847. I. 338 ff. - - [96] Gesammelte Abhandl. 711. Archiv IX. 307. X. 179. - -Diese Darstellung wird hoffentlich dargethan haben, dass die Doctrin der -Pyämie von zwei wesentlichen Irrthümern ausgegangen ist: einmal, dass -man Eiterkörperchen im Blute zu finden glaubte, wo man nur die farblosen -Elemente des Blutes selbst vor sich hatte; andermal, dass man Eiter in -Gefässen zu sehen glaubte, wo nichts weiter als Erweichungsprodukte des -Fibrins und der Blutkörperchen vorhanden waren. Wir haben gefunden, dass -allerdings diese letztere Reihe die wichtigste Quelle für Metastasen -abgibt. Nun ist aber nach meiner Meinung die Geschichte derjenigen -Prozesse, die man unter dem Namen der Pyämie zusammengefasst hat, mit -der Darstellung dieser Vorgänge (Leukocytose, Thrombose, Embolie) nicht -zu Ende. Freilich, wenn der Prozess ganz rein verläuft, so dass sich von -dem ersten Orte der Störung (Venenthrombose, Endocarditis u. s. w.) nur -gröbere Massen ablösen und Verstopfung machen, so kommt in vielen Fällen -der eigentliche Prozess nur durch die Metastase zur Beobachtung. Es gibt -Fälle, welche so latent verlaufen, dass die ursprünglichen Ausgänge -vollkommen übersehen werden, und dass der erste Schüttelfrost, dessen -Eintritt den Kranken und den Arzt aufmerksam macht, schon die beginnende -Entwickelung der metastatischen Prozesse anzeigt. Für gewöhnlich muss -man aber noch ein anderes Moment in Betracht ziehen, welches weder für -die gröbere, noch für die feinere anatomische Untersuchung direkt -zugänglich ist; das sind gewisse =Flüssigkeiten=, welche an sich -gleichfalls keine unmittelbare und nothwendige Beziehung zum Eiter als -solchem, sondern offenbar sehr verschiedene Beschaffenheit und Ableitung -haben. - -Schon bei der Betrachtung der Lymphveränderungen habe ich hervorgehoben -(S. 226), dass Flüssigkeiten, welche von Lymphgefässen aufgenommen -wurden, innerhalb der Lymphdrüsen-Filtren nicht nur von körperlichen -Theilen befreit, sondern auch von der Substanz der Drüse zum Theil -angezogen und zurückgehalten werden, so dass sie in derselben eine -Wirksamkeit entfalten können. Aehnliche Einwirkungen scheinen auch über -die Drüsen hinaus stattzufinden. Wo primär durch Venen die Resorption -erfolgt[97], wo also überhaupt keine Drüsen zu passiren sind, da muss -natürlich jedesmal eine Wirkung in die Ferne (eine =Metastase=) -eintreten. Hierher gehört vor Allem eine Reihe von eigenthümlichen -Erscheinungen, welche sich als constantes Element durch alle infectiösen -Prozesse hindurchziehen. Das sind einerseits die Veränderungen, welche -die lymphatischen und lymphoiden Drüsen, nicht sowohl am Orte der -primären Affection, als vielmehr im Körper überhaupt erleiden können, -andererseits die Veränderungen, welche die Secretionsorgane darbieten, -durch welche die Stoffe ausgeschieden werden sollen[98]. - - [97] Handbuch der speciellen Pathologie. I. 297. Gesammelte Abhandl. - 698. - - [98] Gesammelte Abhandlungen 701. - -Man hat eine Zeit lang geglaubt, dass der =Milztumor= für den Typhus -pathognomonisch sei, indem er den Drüsenanschwellungen im Mesenterium -parallel gehe. Allein eine genauere Beobachtung lehrt, dass eine grosse -Reihe von fieberhaften Zuständen, welche einen mehr oder weniger -typhoiden Verlauf machen und den Nervenapparat so afficiren, dass ein -Zustand der Depression an den wichtigsten Centralorganen zu Stande -kommt, mit Milzschwellungen auftreten. Die Milz ist ein ausserordentlich -empfindliches Organ, das nicht nur beim Wechselfieber und Typhus, -sondern auch (mit Ausnahme der eigentlichen Vergiftungen) bei den -meisten anderen Prozessen schwillt, in denen eine reichliche Aufnahme -von schädlichen, inficirenden Stoffen in das Blut erfolgte. Allerdings -muss die Milz immer in ihrer nahen Verwandtschaft zum Lymphapparate -betrachtet werden, aber ihre Erkrankungen stehen ausserdem gewöhnlich in -einem sehr direkten Verhältnisse zu analogen Erkrankungen der wichtigen -Nachbardrüsen, insbesondere der =Leber= und der =Nieren=. Bei den -meisten Infectionszuständen zeigen diese drei Apparate correspondirende -Vergrösserungen, welche mit wirklichen Veränderungen im Innern verbunden -sind, die jedoch selbst bei der mikroskopischen Untersuchung scheinbar -nichts Bemerkenswertes darbieten, so dass das grobe Resultat für das -blosse Auge, die starke Schwellung, für den Beobachter viel mehr -auffällig ist. Bei umsichtiger Vergleichung findet sich indess ziemlich -viel, so dass wir mit Bestimmtheit sagen können, dass die Drüsenzellen -schnell verändert werden und frühzeitig an den Elementen, durch welche -die Secretion geschehen soll, eine Störung sich einstellt. Aehnlich -verhält es sich mit den =quergestreiften Muskeln= und namentlich mit dem -=Herzen=, dessen Veränderungen für die Erklärung der Symptome von -höchster Bedeutung sind. - -Ich werde darauf zurückkommen, da es mir nützlicher erscheint, zunächst -auf ein Paar gröbere Beispiele einzugehen, welche die Möglichkeit einer -unmittelbaren Anschauung solcher, aus dem Blute in die Theile -eindringender und sich darin absetzender Stoffe gewähren. - -Wenn Jemand =Silbersalze= gebraucht, so erfolgt ein Eindringen derselben -in die Gewebe; wenden wir sie nicht in eigentlich ätzender, zerstörender -Weise an, so gelangt das Silber in einer Verbindung, deren Natur bis -jetzt nicht hinreichend bekannt ist, in die Gewebstheile und erzeugt an -der Applicationsstelle, wenn es lange genug angewendet wird, eine -Farbenveränderung. Ein Kranker, welchem in der Klinik des verstorbenen -v. =Gräfe= eine Lösung von Argentum nitricum zu Umschlägen auf das Auge -verordnet war, gebrauchte als gewissenhafter Patient das Mittel vier -Monate lang; das Resultat davon war, dass seine Conjunctiva ein intensiv -bräunliches, fast schwarzes Aussehen annahm. Bei Untersuchung eines -ausgeschnittenen Stückes derselben fand ich, dass eine Aufnahme des -Silbers in die Substanz erfolgt war, so zwar, dass an der Oberfläche das -ganze Bindegewebe eine leicht gelbbraune Farbe besass, in der Tiefe aber -nur in den feinen elastischen Fasern oder Körperchen des Bindegewebes -die Ablagerung stattgefunden hatte; die eigentliche Grund- oder -Intercellularsubstanz war vollkommen frei geblieben. -- Ganz ähnliche -Ablagerungen geschehen auch in entfernteren Organen bei innerem -Gebrauche des Mittels. Die anatomische Sammlung des pathologischen -Instituts enthält das sehr seltene Präparat von den Nieren eines -Menschen, welcher wegen Epilepsie lange Argentum nitricum innerlich -genommen hatte. Da zeigt sich an den Malpighischen Knäulen der Niere, wo -die Transsudation der Flüssigkeiten geschieht, eine schwarzblaue Färbung -der ganzen Gefässhaut, welche sich auf diesen Punkt der Rinde beschränkt -und in ähnlicher, obwohl schwächerer Weise nur wieder auftritt in der -Zwischensubstanz der Markkanälchen. In der ganzen Niere sind also ausser -denjenigen Theilen, welche den eigentlichen Ort der Absonderung -ausmachen, nur die verändert, welche der letzten Capillarauflösung in -der Marksubstanz entsprechen. -- Von der bekannten Silberfärbung der -äusseren Haut brauche ich hier nicht zu sprechen. - -Ein anderes Beispiel bietet uns die =Gicht=. Untersuchen wir den -Gelenktophus eines Arthritikers, so finden wir ihn zusammengesetzt aus -sehr feinen, nadelförmigen, krystallinischen Abscheidungen, aus -harnsaurem Natron bestehend, zwischen denen höchstens hier und da ein -Eiter- oder Blutkörperchen liegt. Hier handelt es sich also, wie bei dem -Silbergebrauch, um eine körperliche Substanz, welche in der Regel durch -die Nieren abgeschieden wird, und zwar nicht selten so massenhaft, dass -schon innerhalb der Nieren selbst Niederschläge sich bilden, und -namentlich in den Harnkanälchen der Marksubstanz grosse Krystalle von -harnsaurem Natron sich anhäufen, zuweilen bis zu einer Verstopfung der -Harnkanälchen. Wenn jedoch diese Secretion nicht regelmässig vor sich -geht, so erfolgt zunächst eine Anhäufung der harnsauren Salze im Blute, -wie dies durch eine sehr bequeme Methode von =Garrod= nachgewiesen -worden ist. Dann beginnen Ablagerungen an anderen Punkten, nicht durch -den ganzen Körper, nicht an allen Theilen gleichmässig, sondern an -bestimmten Punkten und nach gewissen Regeln. Ganz ähnliche Ablagerungen -von harnsauren Salzen, und zwar in den Bindegewebskörperchen und den -Lymphgefässen des Bauchfells kann man nach den experimentellen -Untersuchungen von =Zalesky= und =Chrzonszczewski= erzeugen, wenn man -bei Vögeln die Ureteren unterbindet. - -Dies sind ganz andere Formen der Metastase, als die, welche wir bei der -Embolie kennen gelernt haben. Dass die Veränderungen, welche in der -Nierensubstanz durch die Aufnahme von Silber vom Magen her erfolgen, -mit dem übereinstimmen, was man von Alters her in der Pathologie -Metastase genannt hat, ist nicht zweifelhaft. Es ist dies ein -materieller Transport von einem Orte zum andern (vom Magen zur Niere), -wo an diesem zweiten Orte dieselbe Substanz, wenn auch etwas verändert, -liegen bleibt, welche vorher an dem anderen vorhanden war, und wo das -Secretionsorgan in sein Gewebe Partikelchen des Stoffes aufnimmt. -Dasselbe wiederholt sich in der Geschichte aller jener Metastasen, bei -denen im Blute selbst nur gelöste Stoffe und nicht Partikelchen von -sichtbarer, mechanischer Art (Körner, Körperchen) sich finden. Denn auch -das harnsaure Natron im Blute des Arthritikers kann man so wenig direkt -sehen, als die Silbersalze; man müsste sie denn erst durch chemische -Prozesse sammeln. - -In dieselbe Kategorie gehört eine neue, freilich sehr seltene Art von -Metastase, welche ich beschrieben habe. Bei massenhafter Resorption von -Kalksalzen aus den Knochen, insbesondere bei ausgedehnter -Geschwulstbildung (Knochenkrebs), wird in der Regel die Knochenerde -massenhaft durch die Nieren ausgeschieden, so dass sich Sedimente im -Harne bilden. Die Kenntniss dieser Erscheinung hat sich von der -berühmten Frau =Supiot= her aus dem vorigen Jahrhundert in der -Geschichte der Osteomalacie erhalten. Aber diese regelrechte Abscheidung -der Kalksalze wird nicht selten durch Störungen der Nierenfunction in -derselben Weise alterirt, wie bei Arthritis die Abscheidung des -harnsauren Natrons; dann entstehen ebenso Metastasen von Knochenerde, -aber an anderen Punkten, namentlich den Lungen und dem Magen. Die Lungen -verkalken bisweilen in grossen Bezirken, ohne dass die Permeabilität der -Respirationswege leidet; die erkrankten Theile sehen wie feiner -Badeschwamm aus. Die Magenschleimhaut erfüllt sich in ähnlicher Weise -mit Kalksalzen, so dass sie sich wie ein Reibeisen anfühlt und unter dem -Messer knirscht, ohne dass die Magendrüsen unmittelbar daran betheiligt -werden; sie stecken nur in einer starren Masse, und es mag sogar noch -eine Secretion aus ihnen erfolgen[99]. - - [99] Archiv VIII. 103. IX. 618. - -Diese Art von Metastasen, wo bestimmte Substanzen, aber nicht in einer -palpablen Form, sondern in Lösung in die Blutmasse gelangen, muss -jedenfalls für die Deutung des Complexes von Zuständen, welche man in -den Begriff der Pyämie zusammenfasst, wohl berücksichtigt werden. Ich -sehe wenigstens keine andere Möglichkeit der Erklärung für gewisse mehr -diffuse Prozesse, die nicht in der Form der gewöhnlichen umschriebenen -Metastasen auftreten. Dahin gehört die allerdings seltene metastatische -Pleuritis, welche ohne metastatischen Abscess in der Lunge sich -entwickelt, die scheinbar rheumatische Gelenkaffection, bei der man an -den Gelenken keinen bestimmten Heerd findet, die diffuse gangränöse -Entzündung des Unterhautgewebes, welche nicht wohl gedacht werden kann, -ohne dass man auf eine mehr chemische Art der Infection zurückgeht. Hier -handelt es sich, wie man bei der Pocken- und der Leicheninfection sieht, -um eine Uebertragung von =verdorbenen, ichorösen Säften= auf den Körper, -und man muss eine Dyscrasie (=ichoröse Infection=, =Ichorrhämie=) -zulassen, wo in acuter Weise diese in den Körper gelangte ichoröse -Substanz an den Organen, welche eine besondere Prädilection oder -Affinität dazu haben, ihre Wirkung entfaltet[100]. - - [100] Gesammelte Abhandl. 702. Verh. der Ges. für Geburtsh. 1865. - XVII. 23. - -Allerdings ist es sehr schwer, gegenwärtig genau anzugeben, welcher -Natur die sogenannten ichorösen Säfte sind. Insbesondere lässt sich die -Möglichkeit nicht verkennen, dass mit den Flüssigkeiten allerlei feste -Theile in die Circulation gelangen, und es mag sein, dass in vielen -Fällen diese festen Theile eine grössere Bedeutung haben, als die blosse -Flüssigkeit. Diese, der =Blutmischung fremden Körperchen= können -wiederum sehr verschiedener Natur sein. In manchen Fällen liegt es nahe, -an =wirkliche Zellen= zu denken, welche von einem Orte des Körpers aus -in die Gefässe aufgenommen werden. Nachdem =Saviotti= selbst eine -Pigmentzelle aus dem Bindegewebe der Froschschwimmhaut in ein Gefäss hat -einwandern sehen, lassen sich ähnliche Vorgänge leicht in grosser Zahl -denken. Daran schliesst sich das Vorkommen =fremder Organismen= im -Blute. Bei verschiedenen Wirbelthieren kennt man =Hämatozoen=, welche -offenbar von aussen her in die Gefässe dringen und im Blute circuliren. -Beim Menschen ist ausser dem in Aegypten vorkommenden Distomum -haematobium wenig Genaueres bekannt, und es ist namentlich zu erwähnen, -dass die Einwanderung der Trichinen, soweit sich übersehen lässt, in der -Regel nicht durch die Gefässe, sondern direkt durch die Gewebe und -Höhlen des Körpers erfolgt[101]. Anders verhält es sich dagegen mit -einer Reihe jener kleinsten Organismen, die unter den Namen von -Vibrionen, Bakterien, Micrococcus aufgeführt werden, und die in der -neueren Literatur überwiegend als =pflanzliche= Organismen betrachtet -werden. Sie haben eine um so grössere Bedeutung, als sie eine grosse -Zahl maligner Prozesse am Menschenleibe, namentlich die fauligen und -brandigen, bewirken und sich den ichorösen Säften vielfach zumischen. -Auch finden sie sich bei Leichen sehr häufig in inneren Gefässen des -Körpers, und man hat sie im Blute lebender Menschen und Thiere -nachgewiesen. Direkte Injectionen von Sporen eines grösseren -Fadenpilzes, des Aspergillus, welche =Grohe= in die Gefässe lebender -Thiere veranstaltete, haben überdies gelehrt, dass in den -verschiedensten Theilen die Sporen keimten und »metastatische Heerde« -hervorbrachten. -- Erinnert man sich endlich daran, dass nach den -Untersuchungen v. =Recklinghausen='s, welche seitdem vielfach wiederholt -worden sind, unlösliche Körnchen von Farbstoff, welche in die Höhlen -oder Gefässe von Thieren eingespritzt werden, von den farblosen -Blutkörperchen und anderen Gewebselementen aufgenommen und von ihnen auf -ihren Wanderungen mit fortgetragen werden, so erschliesst sich hier noch -ein reiches Gebiet möglicher Veränderungen des menschlichen Körpers, -deren genauere Analyse uns erst gestatten wird, zu entscheiden, wie viel -von der schädlichen Eigenschaft der ichorösen Säfte körperlichen -Beimischungen, wie viel chemischen Stoffen zuzuschreiben ist. Immerhin -können wir vor der Hand die ichoröse Infection als ein besonderes Glied -neben der Leukocytose und Embolie festhalten. - - [101] Archiv XVIII. S. 535. Die Lehre von den Trichinen. 3. Aufl. - Berlin 1866. S. 32. - -Bevor wir jedoch dieses Capitel schliessen, müssen wir noch eine -wichtige Bemerkung in Beziehung auf die sogenannte Pyämie hinzufügen. Es -kommt nicht selten vor, dass im Laufe desselben Krankheitsfalles die -drei verschiedenen, von uns betrachteten Veränderungen oder wenigstens -zwei derselben neben einander bestehen. Es kann eine Vermehrung der -farblosen Körperchen (Leukocytose) der Art stattfinden, dass man an die -morphologische Pyämie glauben möchte. Dies wird jedenfalls immer -stattfinden, wenn der Prozess mit ausgedehnter Reizung von Lymphdrüsen -verbunden war. Man kann ferner Thrombenbildung und Embolie mit -metastatischen Heerden finden. Es kann endlich zugleich eine Aufnahme -von ichorösen oder fauligen Säften statthaben (Ichorrhämie, Septhämie). -Diese in sich verschiedenen Zustände können sich compliciren, fallen -aber darum nicht nothwendig zusammen. Will man daher den Begriff der -Pyämie festhalten, so kann man es am Besten für solche Complicationen -thun; nur muss =man nicht einen einheitlichen Mittelpunkt in einer -eiterigen Infection des Blutes suchen=, sondern die Bezeichnung als -einen Sammelnamen für mehrere, ihrem Wesen und ihrem Ausgangspunkte nach -verschiedenartige Vorgänge betrachten. - - - - - Zwölftes Capitel. - - Theorie der Dyscrasien. - - - Abhängigkeit der Dyscrasien und ihrer Dauer von der Zufuhr der - Stoffe. Bösartige Geschwülste: Krebs-Dyscrasie. Locale und - allgemeine Contagion durch infectiöse Parenchym-Säfte. Bedeutung - der Zellen für die Dissemination und Metastase. Natur der - virulenten Substanzen. Regressive Stoffe als Mittel der Infection: - Rotz, Syphilis, Tuberkel. Impfungen. Wanderung infectiöser - Elemente. Homologe und heterologe Infection. - - Melanämie. Beziehung zu melanotischen Geschwülsten und - Intermittens. Abhängigkeit von Milzfärbung. - - Die rothen Blutkörperchen. Entstehung. Die melanösen Formen. - Chlorose. Lähmung der respiratorischen Substanz: Kohlenoxyd. - Blutgifte, Toxicämie. - - Verschiedene Entstehung der Dyscrasien. - -Im Vorhergehenden haben wir nicht nur körperliche Theile, sondern auch -chemische Stoffe als Vermittler von Dyscrasien kennen gelernt und -gefunden, dass diese Dyscrasien eine bald längere, bald kürzere Dauer -haben, je nachdem die Zufuhr jener Theile oder Stoffe kürzere oder -längere Zeit andauert. Kommen wir nunmehr kurz zu der Frage zurück, ob -neben diesen Formen noch irgend eine Art von Dyscrasie nachweisbar ist, -bei der =das Blut als der dauerhafte Träger= bestimmter Veränderungen -erscheint, so müssen wir diese Frage entschieden verneinen. - -Je deutlicher nachweisbar eine wirkliche Verunreinigung des Blutes mit -bestimmten, seiner Mischung fremdartigen Stoffen ist, um so -regelmässiger pflegt der Verlauf der dadurch hervorgerufenen -Krankheitsprozesse ein relativ acuter zu sein. Man denke an Vergiftungen -und acute Exantheme. Dagegen dürften gerade jene Krankheits-Formen, bei -denen man sich am liebsten, namentlich über die Mangelhaftigkeit der -therapeutischen Erfolge, damit tröstet, dass es sich um eine tiefe und -unheilbare, chronische Dyscrasie handele, wohl am wenigsten in einer -zugleich ursprünglichen und anhaltenden Veränderung des Blutes beruhen; -gerade bei ihnen handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um -ausgedehnte und dauerhafte Veränderungen gewisser Organe oder einzelner -Theile. So ist es mit Krebs, Tuberculose, Aussatz, Hämorrhaphilie. Ich -kann nicht behaupten, dass ein völliger Abschluss der Untersuchungen in -Beziehung auf eine dieser Krankheiten vorläge; ich kann nur sagen, dass -jedes Mittel der mikroskopischen und chemischen Analyse bis jetzt -fruchtlos angewendet worden ist auf die hämatologische Erforschung des -Wesens dieser Prozesse, dass wir dagegen bei allen wesentliche -Veränderungen kleinerer oder grösserer Complexe von Organen oder -Organtheilen nachweisen können, und dass die Wahrscheinlichkeit, auch -hier die dauerhafte Dyscrasie als eine secundäre, abhängig von -bestimmten organischen Punkten, zu erkennen, mit jedem Tage zunimmt. - -Diese Frage ist namentlich genauer zu discutiren bei der Lehre von der -Verbreitung der bösartigen Geschwülste[102], bei denen man sich ja auch -so häufig damit hilft, die Bösartigkeit als im Blute wurzelnd zu denken, -so dass das Blut die Localaffectionen hervorbringe. Und doch ist es -gerade im Verlaufe dieser Bildungen verhältnissmässig am leichtesten, -einen anderen Modus der Verbreitung zu zeigen, sowohl in der nächsten -Nachbarschaft der Erkrankungsstelle, als auch an entfernten Organen. Es -ergibt sich, dass ein Umstand die Möglichkeit der Ausbreitung solcher -Prozesse besonders begünstigt, nehmlich =der Reichthum an -Parenchym-Säften= in dem pathologischen Gebilde[103]. Je trockener eine -Neubildung ist, um so weniger besitzt sie im Allgemeinen die Fähigkeit -der Infection, sei es näherer, sei es entfernterer Orte. Das Cancroid, -die Perlgeschwulst, selbst der Tuberkel stecken die Nachbarschaft leicht -an, während die entfernten Organe häufig gar nicht erkranken: das -Carcinom, das Sarcom, der Rotz, selbst specifischer Eiter machen sehr -leicht örtliche und zugleich allgemeine Ansteckung. - - [102] Geschwülste I. 41, 70, 126. - - [103] Handb. der spec. Pathologie und Ther. I. 340. - -Der Modus der Verbreitung selbst entspricht bei dem Krebs in der Regel -ganz dem, was wir früher betrachteten. Am leichtesten findet eine -Leitung innerhalb der Lymphbahnen und ein Ergreifen der Lymphdrüsen -statt; erst nach und nach treten an entfernteren Stellen Prozesse -ähnlicher Art auf. Oder der Prozess greift auch hier zunächst auf die -Venenwandungen über, diese werden wirklich krebsig, und nach einer -gewissen Zeit wächst entweder der Krebs direkt durch die Wand hindurch -in das Gefäss hinein und schreitet hier fort, oder es bildet sich an -diesem Punkte ein Thrombus, welcher den Krebspfropf mehr oder weniger -umhüllt, und in welchen die krebsige Masse hineinwächst[104]. Wir haben -also hier in zwei Richtungen die Möglichkeit für eine Verbreitung, aber -nur in einer Richtung die Möglichkeit eines sofortigen Ueberganges -körperlicher Theile in das Blut, nehmlich nur in dem Falle, dass Venen -durchbrochen werden. Eine Resorption von Krebszellen durch Lymphgefässe -gehört keineswegs unter die Unmöglichkeiten, aber jedenfalls ist so viel -sicher, dass nicht eher eine allgemeine Verbreitung derselben -stattfinden kann, ehe die Lymphdrüsen nicht ihrerseits durch und durch -krebsig umgewandelt sind, und dieselben krebsigen Massen von ihnen aus -in abgehende Gefässe hineinwuchern. Nie kann ein peripherisches -Lymphgefäss einfach, wie die Flüssigkeit, so auch die Zellen des Krebses -bis zum Blute fortschwemmen; das ist nur denkbar und möglich an den -Venen. Allein auch hier verhält es sich so, dass eine Wahrscheinlichkeit -dafür, dass häufige Verbreitungen durch losgelöste Krebszellen -stattfinden, durchaus nicht vorliegt, aus dem einfachen Grunde, weil die -Metastasen des Krebses den Metastasen, die wir bei der Embolie kennen -gelernt haben, sehr häufig nicht entsprechen. Die gewöhnliche Form der -metastatischen Verbreitung beim Krebs entspricht vielmehr der Richtung -zu den Secretionsorganen. Die Lunge erkrankt bekanntlich viel seltener -durch Krebs, als die Leber, nicht nur nach Magen- und Uteruskrebs, -sondern auch nach Brustkrebs, welcher doch zunächst Lungenkrebs erzeugen -müsste, wenn es etwas Körperliches wäre, welches fortgeleitet würde, -stagnirte und die neue Eruption bedingte. - - [104] Archiv I. 112. Gesammelte. Abhandl. 551. Geschwülste I. 43. - -Die Art der metastatischen Verbreitung macht es vielmehr wahrscheinlich, -dass die Uebertragung häufig durch Flüssigkeiten erfolgt, und dass diese -die Fähigkeit besitzen, eine Ansteckung zu erzeugen, welche die -einzelnen Theile zur Reproduction derselben Masse bestimmt, die -ursprünglich vorhanden war. Man denke sich nur einen ähnlichen Prozess, -wie wir ihn bei den Pocken im Grossen haben. Der Pockeneiter, direkt -übertragen, leitet allerdings den Prozess ein, aber das Contagium ist -auch flüchtig, und es kann Jemand eiterige Pusteln auf der Haut -bekommen, nachdem er nur infecte Luft geathmet hat. Einigermaassen -ähnlich scheint es sich auch in den Fällen zu verhalten, wo im Laufe -heteroplastischer Prozesse Dyscrasien zu Stande kommen, welche ihre -neuen Eruptionen nicht an Punkten machen, welche nach der Richtung des -Lymph- oder Blutstromes ihnen zunächst ausgesetzt sein würden, sondern -an entfernten Punkten. Wie sich das Silbersalz nicht in den Lungen -ablagert, sondern hindurchgeht, um sich erst in den Nieren oder der Haut -niederzuschlagen, so kann ein contagiöser Saft von einer Krebsgeschwulst -durch die Lungen gehen, ohne diese zu verändern, während er doch an -einem entfernteren Punkte, z. B. in den Knochen eines weit abgelegenen -Theiles, bösartige Veränderungen erweckt. - -Damit ist natürlich die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass auch -zellige Elemente als Träger der contagiösen Stoffe auftreten. Wenn man -die eigenthümlichen Eruptionen betrachtet, welche bei Magenkrebs am -Netz, am Gekröse und an anderen Orten des Bauchfells auftreten, so wird -es allerdings sehr viel leichter, dieselben durch das zufällige Ablösen, -Heruntergleiten, Liegenbleiben und so zu sagen Keimen von krebsigen -Zellen von der Oberfläche des Magens zu erklären, als sie auf -abgesonderte Flüssigkeiten zu beziehen[105]. Denn diese secundären -Peritonäal-Krebse bieten in Beziehung auf Vielfachheit, Form und Sitz -der Heerde die grösste Aehnlichkeit mit den contagiösen -Schimmelkrankheiten (Mykosen) der Haut dar, wo, z. B. bei Porrigo -(Favus, Tinea), bei Pityriasis versicolor, die sich ablösenden und -heruntergleitenden Sporen zuweilen am Rumpfe eine lange Reihe von -Eruptionen bilden. Aber auch bei dieser =Dissemination= von Krebs ist es -noch nicht erwiesen, dass es die etwa losgelösten Zellen selbst sind, -welche aus sich, durch neue Proliferation, die secundären Knoten -erzeugen; vielmehr dürfte auch ihnen nur eine contagiöse, katalytische -Einwirkung auf die Gewebe zuzuschreiben sein, etwa wie dem Samen -(Sperma) in Beziehung auf das Ei[106]. Soweit meine Beobachtung -reicht, gehen die jungen Geschwulst-Elemente in allen solchen -Secundär-Eruptionen aus dem Gewebe des angesteckten Ortes hervor. -Deshalb habe ich geschlossen[107], dass die =locale Contagion=, welche -sich von der ersten Erkrankungsstelle zunächst in der Nachbarschaft -ausbreitet, durch Säfte erfolgen müsse, welche in die gesunden Gewebe -eindringen, sie katalytisch erregen und zu neuer selbständiger Wucherung -antreiben. Dies wäre eine =humorale Infection=, die doch nichts mit dem -Blute zu thun hat, sondern, wie bei einem Erysipelas migrans, von einem -Elemente direkt auf das andere fortschreitet, übertragen wird. - - [105] Geschwülste I. 54. - - [106] Gesammelte Abhandl. 41, 51, 53. Handb. der spec. Pathol. II. - 411. - - [107] Archiv 1853. V. 245. - -Allerdings ist die Frage, welches die eigentlich infectiöse -(=virulente=) Substanz sei, und namentlich, ob sie an zellige Elemente -oder besondere Organismen gebunden oder als ein bloss chemischer Stoff -anzusehen sei, eine überaus schwierige, und nichts berechtigt uns, sie -für alle infectiösen Prozesse in gleicher Weise zu behandeln. Denn es -ist durchaus nicht nöthig, dass dieselbe Erklärung für Pocken gilt, wie -für Scharlach oder wie für Rotz oder wie für Syphilis. Würde dargethan, -dass der Krebs sich nur durch Zellen fortpflanzte, so folgte daraus noch -nicht, dass es bei Tuberkel ebenso sein müsse. Nirgends ist die -Generalisation bedenklicher, als gerade hier. Auch muss ich darauf -aufmerksam machen, dass selbst da, wo die Infection an Zellen oder -Organismen geknüpft ist, noch nicht dargethan ist, dass diese Zellen -oder Organismen selbst das Schädliche sind; es kann sehr wohl sein, dass -die Zellen erst die schädliche Substanz absondern, etwa wie die -Gährungspilze den Alkohol[108]. - - [108] Berliner Klinische Wochenschrift 1871. No. 10. - -In der That hat das genauere Studium der infectiösen Krankheiten -gelehrt, dass selbst =zerfallende, regressive Substanzen= (Detritus) der -Träger der Ansteckung sein können[109]. Ich habe dies zuerst für den -Rotz[110] nachgewiesen. Für die Syphilis hat =Michaelis= einen ähnlichen -Nachweis versucht, und die neueren Experimentatoren sind wenigstens -sehr getheilter Ansicht[111]. In grosser Ausdehnung hat sich eine -ähnliche, zuerst von =Dittrich= vermutungsweise aufgestellte Ansicht in -der Lehre von der Tuberkulose Anerkennung verschafft, seitdem man -dieselbe im Wege der =Impfung= (Inoculation) bei Thieren studirt hat. -Nachdem zuerst =Villemin= positive Resultate erlangt hatte, indem er -Tuberkelsubstanz auf Thiere übertrug, und damit die Ansteckungsfähigkeit -des Tuberkels erwiesen schien, hat eine Reihe späterer Experimentatoren, -insbesondere =Cohnheim= und =Fränkel= dargethan, dass die Fähigkeit, -Tuberkel hervorzurufen, nicht an Tuberkelstoff geknüpft ist, sondern -dass die Inoculation von zerfallendem Eiter, ja die blosse Einbringung -von reizenden Körpern, welche chronische Eiterung mit nekrobiotischem -Zerfall hervorrufen, genügt, um eine bald örtliche, bald allgemeine -Tuberkulose zu erzeugen. Ja, Versuche von =Carl Ruge=[112] an -Meerschweinchen haben gelehrt, dass die Einbringung fremder Körper, -z. B. von Korkstückchen in die Bauchhöhle, auch dann Tuberkulose -hervorbringen kann, wenn weder Eiter, noch Käse, sondern nur chronische -Entzündung entsteht. Nichtsdestoweniger wird man kaum fehlgehen, wenn -man den käsigen Stoffen, mögen sie nun aus Eiter oder aus Tuberkel -entstanden sein, eine höhere Fähigkeit, die tuberkulöse Infection -hervorzubringen, zuschreibt. - - [109] Geschwülste I. 111. - - [110] Spec. Pathologie und Therapie 1855. II. 411. - - [111] Geschwülste I. 112. II. 474. - - [112] C. =Ruge= Einige Beiträge zur Lehre von der Tuberkulose. Inaug. - Diss. Berlin 1869. S. 26. - -Muss man daher zugestehen, dass selbst der Detritus organisirter Gewebe -oder zelliger Theile infectiöse Eigenschaften besitzen kann, so wird man -sich der Erwägung nicht verschliessen können, dass auch Secretstoffe, -mögen sie nun, wie die Samenfäden, durch den Untergang von Zellen -freigeworden sein, oder mögen sie, als recrementitielle Stoffe von den -noch fortbestehenden Zellen ausgeschieden sein, infectiös werden können. -Wenn eine Krebszelle in eine Lymphdrüse geführt wird, so könnte durch -die von ihr gelieferten Stoffe auch den Drüsenzellen ein specifischer -Reiz übertragen werden, welcher dieselben bestimmt, nicht bloss zu -wachsen und sich zu vermehren, wie bei einer gewöhnlichen Reizung, -sondern auch wirklich krebsig zu werden. In der That lassen sich bei -secundärem Krebs der Lymphdrüsen Uebergänge zwischen Drüsen- und -Krebszellen vielfach wahrnehmen. - -Auch auf dem Wege der Impfung ist es mehreren neueren Experimentatoren -gelungen, Krebs auf Thiere zu übertragen[113]. Aber noch ist nicht genau -festgestellt, ob in diesen, verhältnissmässig seltenen und daher noch -nicht über allen Zweifel erhabenen Versuchen die geimpften Krebszellen -selbst weitere Brut aus sich hervorgebracht haben, oder ob sie nur -katalytisch-erregend auf die Gewebstheile einwirkten. Dieses ist erst -durch weitere Untersuchungen festzustellen. - - [113] Geschwülste I. 87. - -Die neueren Erfahrungen über die =Wanderungen= zelliger Elemente (S. -189) haben überdies eine neue Möglichkeit der Erklärung mancher -Erscheinungen gebracht, welche früher nur durch die Annahme contagiöser -Säfte gedeutet werden konnten. Es ist damit nicht bloss die Auswanderung -von =infectiösen Elementen= in die Nachbarschaft, sondern auch deren -Uebergang in die Circulation und ihre Einwanderung in entfernte Organe -in den Kreis der zulässigen Interpretation eingetreten. Die Bildung von -Metastasen in entfernten Punkten des Körpers, sowie die durch -reichlichere Anwesenheit von Parenchymsäften begünstigte Neigung zur -Infection lässt sich dadurch sehr bequem erklären. Aber man darf um der -Bequemlichkeit der Erklärung willen nicht übersehen, dass der -thatsächliche Nachweis allein eine Entscheidung bringt. Wenn sich im -Umfange eines Tuberkels wieder Tuberkel bilden, welche in einer gewissen -Entfernung von dem ersten liegen, so lässt sich dies so erklären, dass -von dem ersten Heerde Tuberkelzellen ausgewandert seien, welche an den -accessorischen Knoten gekeimt sind. Aber dieselbe Erklärung passt nicht -mehr auf den Fall, den ich mehrmals gesehen habe, dass sich in der Nähe -eines kankroiden Geschwürs des Oesophagus eine multiple Eruption -miliarer Tuberkel auf der Pleura bildet. Hier kommt man nothwendig auf -blosse Stoffe zurück, und man überzeugt sich, dass es eine =doppelte Art -der Infection= gibt: eine =homologe=, wo die Secundärprodukte den -ursprünglichen gleich oder ähnlich, und eine =heterologe=, wo sie davon -verschieden sind. - -Auch darf man nicht übersehen, dass ein wirklicher Uebergang geformter -Theile in das Blut nicht nothwendig in denjenigen Organen, zu welchen -diese Theile gelangen, analoge Erkrankungen erzeugen muss, wie an dem -Orte ihrer Bildung bestanden. In dieser Beziehung will ich einen -Zustand erwähnen, welcher in der neueren Zeit mehrfach besprochen worden -ist, die von mir sogenannte =Melanämie=[114]. Es ist dies ein Zustand, -welcher sich am nächsten an die Geschichte der Leukämie anlehnt, -insofern es sich dabei um Elemente des Blutes handelt, welche, wie die -farblosen Körperchen bei der Leukämie, von bestimmten Organen aus in das -Blut gelangen und mit dem Blute circuliren[115]. Die Zahl der bekannten -Beobachtungen darüber ist schon ziemlich gross, man möchte fast sagen, -grösser als vielleicht nothwendig wäre, denn es scheint in der That, -dass hier und da Verwechselungen von Pigment mit cadaverösen -Producten[116] mit untergelaufen sind, welche aus der Geschichte der -Affection wieder hinauszubringen sein dürften. Unzweifelhaft gibt es -aber einen Zustand, in welchem farbige Elemente im Blute vorkommen, -welche in dasselbe nicht hineingehören. Einzelne Beobachtungen solcher -Art finden sich schon seit längerer Zeit[117] und zwar zuerst in der -Geschichte der melanotischen Geschwülste, wo man öfter angegeben hat, -dass in ihrer Nähe schwarze Partikelchen in den Gefässen vorkommen, und -wo man sich dachte, dass hieraus die melanotische Dyscrasie -entstände[118]. Dies ist aber gerade der Fall nicht, den man meint, wenn -man heut zu Tage von Melanämie redet. In den letzten Jahren ist keine -einzige Beobachtung bekannt geworden, welche in Beziehung auf den -Uebergang melanotischer Geschwulsttheile in das Blut einen Fortschritt -darböte. - - [114] Gesammelte Abhandlungen 201. - - [115] Archiv 1853. V. 85. - - [116] Gesammelte Abhandl. 730. Note. - - [117] Herr Dr. =Stiebel= sen. in Frankfurt a. M. macht mich darauf - aufmerksam, dass er schon in einer Recension von =Schönlein='s - klinischen Vorträgen (in =Häser='s Archiv) das Vorkommen von - Pigmentzellen im Blute besprochen habe. - Anm. der zweiten Aufl. - - [118] Geschwülste II. 285. - -Die erste Beobachtung derjenigen Reihe, welche ich im engeren Sinne als -Melanämie bezeichne, ist von =Heinrich Meckel= bei einer Geisteskranken -gemacht worden, kurze Zeit, nachdem ich die Leukämie beschrieben hatte. -Er fand, dass auch hier die Milz in einem sehr erheblichen Maasse -vergrössert, aber zugleich mit schwarzem Pigment durchsetzt war, und er -leitete daher die Veränderung im Blute von einer Aufnahme farbiger -Partikelchen aus der Milz ab. Die nächste Beobachtung habe ich selbst -gemacht[119], und zwar in einer Richtung, die nachher sehr fruchtbar -geworden ist, bei einem Intermittenskranken, welcher lange Zeit mit -einem beträchtlichen Milztumor behaftet war; ich fand in seinem -Herzblute =pigmentirte Zellen= (Fig. 85). =Meckel= hatte nur freie -Pigmentkörner und Schollen gesehen. Die von mir gefundenen Zellen hatten -vielfache Aehnlichkeit mit farblosen Blutkörperchen; es waren -sphärische, manchmal aber auch mehr längliche, kernhaltige Elemente, -innerhalb deren sich mehr oder weniger grosse, schwarze Körner fanden. -Auch in diesem Falle bestätigte sich das Vorkommen einer grossen -schwarzen Milz. Seit jener Zeit ist durch =Meckel= selbst, sowie durch -eine Reihe von anderen Beobachtern in Deutschland, zuletzt durch -=Frerichs=, in Italien durch =Tigri=, die Aufmerksamkeit auf diese -Zustände immer mehr gelenkt worden. =Tigri= hat die Krankheit geradezu -nach der schwarzen Milz als Milza nera bezeichnet, während nach der -Ansicht von =Meckel=, welche durch =Frerichs= an Ausdehnung gewonnen -hat, es vielmehr eine Form der schwereren Intermittenten wäre, welche -auf diese Weise zu erklären sein sollte. - - [119] Archiv 1848. II. 594. - -[Illustration: =Fig=. 85. Melanämie. Blut aus dem rechten Herzen (vgl. -Archiv für pathol. Anatomie und Physiologie. Bd. II. Fig. 8). Farblose -Zellen von verschiedener Gestalt, mit schwarzen, zum Theil eckigen -Pigmentkörnern erfüllt. Vergr. 300.] - -=Meckel= suchte den Grund der schweren Zufälle darin, dass die Elemente, -welche in's Blut gelangen, sich an gewissen Orten in den feineren -Capillarbezirken anhäuften und hier Stagnation und Obstruction -erzeugten. So namentlich in den Capillaren des Gehirns, wo sie sich nach -Art der Emboli an den Theilungsstellen festsetzen und bald -Capillarapoplexien, bald die comatösen und apoplektischen Formen der -schweren Wechselfieber bedingen sollten. =Frerichs= hat noch eine andere -Art der Verstopfung hinzugefügt, die der feinen Lebergefässe, welche -endlich zur Atrophie des Leberparenchyms Veranlassung geben soll. - -Es würde demnach hier eine ausserordentlich wichtige Reihe von -Secundärzufällen existiren, die direkt von der Dyscrasie abhängig wären. -Leider kann ich selbst wenig darüber sagen, da ich seit meinem ersten -Falle nicht wieder in der Lage war, etwas Aehnliches zu beobachten. Ich -habe wohl schwarze Milzen, sowie Lebern mit schwarzem Pigment im -interstitiellen Gewebe gefunden, aber keine Melanämie und keine -melanämische Embolie. Ich kann also auch nicht mit Sicherheit über den -Werth der Beziehungen urtheilen, welche man aufgestellt hat über den -Zusammenhang der secundären Veränderungen mit der Blutverunreinigung. -Nur das möchte ich hervorheben, dass alle Thatsachen, welche man in -Bezug auf diese Zustände kennt, darauf hinweisen, dass die -Verunreinigung des Blutes von einem bestimmten Organe ausgeht, dass dies -Organ, wie bei den farblosen Blutkörperchen, gewöhnlich die Milz ist, -dass aber selbst diejenigen Beobachter, welche das im Blute enthaltene -Pigment an entfernten Punkten in den Gefässen stocken lassen, daraus nur -mechanische Störungen ableiten, aber nicht melanotische -Secundärgeschwülste. Dass die schwere Intermittens, wie =Griesinger= -meinte, an die Melanämie geknüpft sei, ist entschieden unrichtig, und -wenn, wie ich finde, das schwarze Pigment in den melanämischen Lebern -constant in den Bindegewebskörperchen der portalen Scheiden liegt, so -ist damit noch lange nicht dargethan, dass diese Körperchen selbst -eingewandert sind. -- - - * * * * * - -Ich habe im Verlaufe meiner Darstellung bis jetzt kaum etwas von den -Veränderungen der =rothen Körperchen= des Blutes erwähnt, nicht etwa, -weil ich sie für unwesentliche Bestandtheile hielte, sondern weil bis -jetzt über ihre Veränderungen ausserordentlich wenig bekannt ist. Die -Geschichte der rothen Blutkörperchen ist immer noch mit einem -geheimnissvollen Dunkel umgeben, da eine völlige Sicherheit über die -Entstehung dieser Elemente auch gegenwärtig noch nicht gewonnen ist. -Ihre Entstehung aus farblosen Zellen, so bestimmt wir sie auch -voraussetzen müssen, ist beim geborenen Menschen nicht regelmässig zu -verfolgen. Dass die gewöhnlichen farblosen Blutkörperchen über das -Stadium hinaus zu sein scheinen, wo ihre Neubildung zu rothen Körperchen -noch eintritt, habe ich schon erwähnt (S. 213); ob jedoch im Chylus oder -in der Lymphe selbst, in der Milz oder im Knochenmark schon solche -Umbildungen geschehen, ist erst genauer festzustellen. Nur bei -Froschblut ist es v. =Recklinghausen= in seiner »Zuchtkammer« auch -ausserhalb des Körpers gelungen, eine allmähliche Umbildung farbloser -Blutkörperchen in rothe zu beobachten. Für den Menschen ist diese -Erfahrung nicht ohne Weiteres zu verwerthen. Wir wissen von ihm nur so -viel mit Bestimmtheit, wie ich schon früher (S. 172) hervorhob, dass die -ersten rothen Blutkörperchen aus embryonalen Bildungszellen des Eies -ebenso direkt hervorgehen, wie alle übrigen Gewebe sich aus denselben -aufbauen. Wir wissen ferner, dass in den ersten Lebensmonaten auch des -menschlichen Embryo Theilungen der rothen Blutkörperchen stattfinden, -wodurch eine Vermehrung derselben im Blute selbst hervorgebracht wird. -Allein nach dieser Zeit ist, ganz vereinzelte Beobachtungen über das -Vorkommen kernhaltiger Blutkörperchen (S. 205) abgerechnet, Alles -dunkel, und zwar fällt dieses Dunkel ziemlich genau zusammen mit der -Periode, wo die Blutkörperchen im menschlichen und Säugethier-Blute -aufhören, Kerne zu zeigen. Wir können nur sagen, dass gar keine -Thatsache bekannt ist, welche für eine fernere selbständige Entwickelung -oder für eine Theilung der rothen Körperchen im Blute selbst spräche; -Alles deutet mit Wahrscheinlichkeit auf eine Zufuhr hin. Selbst -G. =Zimmermann=, welcher annahm, dass kleine bläschenförmige Körperchen -im Blute vorkämen, welche in demselben nach und nach durch -Intussusception wüchsen und endlich zu rothen Blutkörperchen würden, -leitete jene bläschenförmigen Körperchen aus dem Chylus ab. - -Indess scheint mir diese Beobachtung nicht richtig gedeutet zu sein. Die -von =Zimmermann= beschriebenen Gebilde sind offenbar Bruchstücke alter -Blutkörperchen (S. 193), wie sie =Wertheim= neuerlich nach Verbrennungen -gesehen haben will. Ausserdem finden sich nicht selten ungewöhnlich -kleine Blutkörperchen auch im frischen Blute (Fig. 61, _h_), allein wenn -man sie genauer untersucht, so ergibt sich an ihnen eine -Eigenthümlichkeit, welche an jungen (embryonalen) Formen nicht bekannt -ist, nehmlich dass sie ausserordentlich resistent gegen die -verschiedensten Einwirkungen sind. An sich sehen sie schön dunkelroth -aus, sie haben eine gesättigte, manchmal fast schwarze Farbe; behandelt -man sie mit Wasser oder Säuren, welche die gewöhnlichen rothen -Körperchen mit Leichtigkeit auflösen, so sieht man, dass eine ungleich -längere Zeit vergeht, bevor sie verschwinden. Setzt man zu einem Tropfen -Blut viel Wasser hinzu, so sieht man sie nach dem Verschwinden der -übrigen Blutkörperchen noch längere Zeit übrig bleiben. Diese -Eigenthümlichkeit stimmt am meisten überein mit Veränderungen, welche in -solchem Blute eintreten, welches in Extravasaten oder innerhalb der -Gefässe lange Zeit in Stase sich befunden hat. Hier führt diese -Veränderung unzweifelhaft zu einem Untergang der Körper, und es kann -daher mit grosser Wahrscheinlichkeit auch für das circulirende Blut -geschlossen werden, dass diese kleinen Körperchen nicht junge, in der -Entwickelung begriffene, sondern im Gegentheil alte, im Untergang -begriffene Formen darstellen. Ich stimme daher im Wesentlichen mit der -Auffassung von =Karl Heinrich Schultz= überein, welcher diese Körper -unter dem Namen von =melanösen= Blutkörperchen beschrieben hat und sie -für die Vorläufer der »Blutmauserung« ansieht, für Körperchen, welche -sich vorbereiteten zu den eigentlich excrementiellen Umsetzungen. - -In manchen Zuständen wird die Zahl dieser Elemente ungeheuer gross. Bei -recht gesunden Individuen findet man sehr wenig davon, nur im -Pfortaderblut glaubt =Schultz= immer viele dieser Körperchen gesehen zu -haben. Sicher ist es aber, dass es krankhafte Zustände gibt, wo ihre -Menge so gross wird, dass man fast in jedem Blutstropfen eine kleinere -oder grössere Zahl davon antrifft. Diese Zustände lassen sich jedoch bis -jetzt nicht in bestimmte Kategorien bringen, weil die Aufmerksamkeit -darauf wenig rege gewesen ist. Man findet sie in leichten Formen von -Intermittens, bei Cyanose nach Herzkrankheiten, bei Typhösen, bei den -Infectionsfiebern der Operirten und im Laufe epidemischer Erkrankungen, -immer jedoch in solchen Krankheiten, welche mit einer schnellen -Erschöpfung der Blutmasse einhergehen und zu kachectischen und -anämischen Zuständen führen. In der Regel sieht solches Blut sehr dunkel -aus und nimmt selbst beim Stehen an der Luft oder beim Zusatze von -Neutralsalzen nicht jene hochrothe Farbe an, welche das normale Blut so -sehr auszeichnet. Auch vom klinischen Gesichtspunkte aus besteht für die -Mehrzahl dieser Krankheitszustände die Wahrscheinlichkeit eines -reichlichen Zugrundegehens von Blutbestandtheilen innerhalb der -Blutbahn. -- - - * * * * * - -Ausser diesen Veränderungen kennen wir mit Bestimmtheit noch eine andere -Reihe, wo es sich um quantitative Veränderungen in der Zahl der Körper -handelt. Diese Zustände, deren Hauptrepräsentant die =Chlorose= ist, -zeigen eine gewisse Aehnlichkeit mit jenen, welche mit Vermehrung der -farblosen Blutkörperchen einhergehen, mit der Leukämie im engeren Sinne -und den bloss leukocytotischen Zuständen. Die Chlorose unterscheidet -sich aber dadurch von ihnen, dass die Zahl der zelligen Körperchen im -Blute überhaupt geringer ist. Während in der Leukämie gewissermaassen an -die Stelle der rothen Körperchen farblose treten und eine Verminderung -der Zahl der zelligen Elemente im Blute nicht zu Stande kommt, ja -zuweilen sogar eine Art von Plethora lymphatica dadurch bedingt wird, so -vermindern sich bei der Chlorose die Elemente beider Gattungen, ohne -dass das gegenseitige Verhältniss der farbigen zu den farblosen in einer -bestimmten Weise gestört würde. Es setzt dies eine verminderte Bildung -überhaupt voraus, und wenn man schliessen darf (wie ich allerdings -glaube, dass man kaum anders kann), dass auch die rothen Körperchen von -Elementen der Milz und der Lymphdrüsen herstammen, so würde Alles darauf -hindeuten, dass in der Chlorose eine verminderte Bildung von Zellen -innerhalb der Blutdrüsen stattfinde. Die Leukämie erklärt sich natürlich -viel einfacher, insofern wir hier Repräsentanten der zelligen Elemente -im Blute finden, und wir uns denken können, dass ein Theil der Elemente, -anstatt in rothe umgewandelt zu werden, seine Entwickelung ganz als -farblose fortsetzt. In der Geschichte der Chlorose dagegen waltet noch -viel Dunkel, da wir ein primäres Leiden der Blutdrüsen mit Bestimmtheit -nicht nachweisen können. Die anatomischen Erfahrungen deuten darauf hin, -dass die chlorotische Störung schon sehr frühzeitig angelegt wird. Man -findet gewöhnlich die Aorta und die grösseren Arterien, häufig das Herz -und den Sexualapparat mangelhaft gebildet, was auf eine congenitale oder -doch in früher Jugend erworbene Disposition schliessen lässt. Wenn diese -Disposition in der Regel erst zur Pubertätszeit wirkliche Störungen von -pathologischem Werthe hervorbringt, so würde es doch irrig sein, wenn -man deshalb die Disposition leugnen wollte. Meine Ansicht geht sogar -dahin, dass diese Disposition unheilbar ist, wenngleich sie durch -zweckmässige Behandlung, insbesondere diätetische Pflege latent gemacht -werden kann. -- - - * * * * * - -Endlich muss hier noch eine dritte Reihe von Zuständen erwähnt werden, -diejenige nehmlich, wo die innere Beschaffenheit der Blutkörperchen -Veränderungen erfahren hat, ohne dass dadurch ein bestimmter -morphologischer Effect hervorgebracht würde. Hier handelt es sich -wesentlich um Functionsstörungen, welche wahrscheinlich mit feineren -Veränderungen der Mischung zusammenhängen, also Veränderungen der -eigentlichen =respiratorischen Substanz=. So gut nehmlich, wie wir bei -den Muskeln die Substanz des Primitivbündels, die compacte Masse des -Syntonins oder Myosins als contractile Substanz erfinden, so erkennen -wir im Inhalte des rothen Blutkörperchens die eigentlich functionirende, -respiratorische Substanz. Sie erfährt unter gewissen Verhältnissen -Veränderungen, welche sie ausser Stand setzen, ihre Function -fortzuführen, eine Art von Lähmung, wenn man will. Dass etwas der Art -vorgegangen ist, ersieht man daraus, dass die Körperchen nicht mehr im -Stande sind, Sauerstoff aufzunehmen, wie man dieses experimentell -unmittelbar erhärten kann. Dass es sich dabei aber um molekulare -Veränderungen in der Mischung handelt, dafür haben wir bequeme -Anhaltspunkte in der Wirkung solcher giftiger Substanzen, welche schon -in minimaler Menge das Hämoglobin so verändern, dass es in eine Art von -Paralyse versetzt wird. Es sind dies die =Blutgifte= im engeren Sinne -des Wortes, bei denen nicht bloss, wie bei den meisten Giften, die -schädliche Substanz durch das Blut hindurchgeht, um zu anderen Theilen -z. B. zu Ganglienzellen, Drüsenzellen, zu gelangen, sondern bei denen -das Blut selbst in seinen specifischen Elementen den Hauptangriff -zu erfahren hat. Hierher gehört ein Theil der flüchtigen -Wasserstoffverbindungen, z. B. Arsenikwasserstoff, Cyanwasserstoff; -ferner nach =Hoppe-Seyler='s und =Bernard='s Untersuchungen das -Kohlenoxydgas, von dem verhältnissmässig kleine Mengen ausreichend sind, -um die respiratorische Fähigkeit der Körperchen zu vernichten. Analoge -Zustände sind schon früherhin vielfach beobachtet worden im Verlaufe -anderer Infectionskrankheiten, z. B. der typhoiden Fieber, wo die -Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, in dem Maasse abnimmt, als die -Krankheit einen schweren acuten Verlauf gewinnt. Mikroskopisch sieht man -aber ausser einzelnen melanösen Körperchen fast gar nichts, nur das -chemische Experiment und die grobe Wahrnehmung vom blossen Auge zeigen -die veränderte Beschaffenheit an. Man kann daher sagen, dass in diesem -Gebiete der =Toxicämie= das Meiste noch zu machen ist. Wir haben mehr -Anhaltspunkte, als Thatsachen. - -Fassen wir nun das, was wir über das Blut vorgeführt haben, kurz -zusammen, so ergiebt sich in Beziehung auf =die Theorie der Dyscrasien=, -dass entweder Substanzen in das Blut gelangen, welche auf die zelligen -Elemente desselben schädlich einwirken und dieselben ausser Stand -setzen, ihre Function zu verrichten, oder dass von einem bestimmten -Punkte aus, sei es von aussen, sei es von einem Organe aus, Stoffe dem -Blute zugeführt werden, welche von dem Blute aus auf andere Organe -nachtheilig einwirken, oder endlich dass die Bestandtheile des Blutes -selbst nicht in regelmässiger Weise ersetzt und nachgebildet werden. -Nirgends in dieser ganzen Reihe finden wir irgend einen Zustand, welcher -darauf hindeutete, dass eine =dauerhafte= Fortsetzung von bestimmten, -einmal eingeleiteten Veränderungen =im Blute selbst= sich erhalten -könnte, dass also eine permanente Dyscrasie möglich wäre, ohne dass neue -Einwirkungen von einem bestimmten Atrium oder Organe aus auf das Blut -stattfinden. In jeder Beziehung stellt sich uns das Blut dar als ein -abhängiges und nicht als ein unabhängiges oder selbständiges Fluidum; -die Quellen seines Bestandes und Ersatzes, die Anregungen zu seinen -Veränderungen liegen nicht in ihm, sondern ausser ihm. Daraus folgt -consequent der auch für die Praxis ausserordentlich wichtige -Gesichtspunkt, dass es sich bei allen Formen der Dyscrasie darum -handelt, ihren örtlichen Ursprung, ihre (in Beziehung auf das Blut -selbst) äussere Veranlassung aufzusuchen. -- - - - - - Dreizehntes Capitel. - - Das peripherische Nervensystem. - - - Der Nervenapparat. Seine prätendirte Einheit. - - Die Nervenfasern. Peripherische Nerven. Fascikel, Primitivfaser. - Perineurium und Neurilem. Schwann'sche Scheide. Axencylinder - (electrische Substanz). Markstoff (Myelin), Protagon, Phosphor der - Nervensubstanz. Marklose und markhaltige Fasern. Uebergang der - einen in die anderen: Hypertrophie des Opticus. Verschiedene Breite - der Fasern. - - Die peripherischen Nervenendigungen. Vater'sche (Pacini'sche) und - Tastkörper. Marklose Fasern der Haut mit Endigung im Rete. - Unterscheidung von Gefäss-, Nerven- und Zellenterritorien in der - Haut. Endkolben der Schleimhautnerven. Höhere Sinnesorgane: Riech-, - Geschmacks- und Hörzellen. Retina: nervöse und bindegewebige - Theile. Arbeitsnerven: Muskel-Endplatten, Verbindung der Nerven mit - Drüsen- und anderen Zellen. - - Die Theilung der Nervenfasern. Das electrische Organ der Fische. - Die Muskelnerven. Weitere Betrachtung über Nerventerritorien. - - Nervenplexus mit ganglioformen Knoten. Darmschleimhaut. Gefässe. - Plexus myentericus. - - Irrthümer der Neuropathologen. - -Nachdem wir die humoralpathologischen Gesichtspunkte in der Betrachtung -der Dyscrasien erörtert haben, so dürfte es nicht bloss dem historischen -Rechte nach, sondern auch der Wichtigkeit des Gegenstandes nach gerathen -sein, nunmehr die Grundlagen der solidarpathologischen Doctrin in ihrer -modernen Gestalt als Neuropathologie zu prüfen. Wenden wir uns daher -jetzt zu der =Einrichtung des Nervenapparates=. - -Die überwiegende Masse des Nervenapparates besteht aus =faserigen -Bestandtheilen=. Diese sind es auch, auf welche sich fast alle die -feineren, physiologischen Entdeckungen beziehen, welche die letzten -Jahrzehnte gebracht haben, während der andere, der Masse nach viel -kleinere Theil des Nerven-Apparates, die =graue= oder =gangliöse= -Substanz, bis jetzt selbst der histologischen Untersuchung -Schwierigkeiten entgegengestellt hat, welche noch lange nicht überwunden -sind, so dass die experimentelle Erforschung dieser Substanz kaum in -Angriff genommen werden konnte. Es wird freilich oft behauptet, man -wisse gegenwärtig viel von dem Nervensystem, aber unsere Kenntniss -beschränkt sich grossentheils auf die weisse Substanz, den faserigen -Antheil, während wir leider eingestehen müssen, dass wir über die, ihrer -functionellen Bedeutung nach offenbar viel höher stehende, graue -Substanz in vielen Beziehungen immer noch sowohl anatomisch, als -namentlich physiologisch in grosser Unsicherheit uns bewegen. - -Sobald man die Frage von der Bedeutung des Nervensystems innerhalb der -Lebensvorgänge anatomisch betrachtet, so ergibt ein einziger Blick, dass -der Standpunkt, von welchem die Neuro-Pathologie auszugehen pflegt, ein -sehr verfehlter ist. Denn sie betrachtet das Nervensystem wie ein -ungewöhnlich Einfaches, das durch seine Einheit zugleich die Einheit des -ganzen Organismus, des Körpers überhaupt bedinge. Wer aber auch nur ganz -grobe anatomische Vorstellungen über die Nerven hat, der sollte es sich -doch nicht verhehlen, dass es mit dieser Einheit sehr misslich bestellt -ist. Schon das Scalpell legt den Nervenapparat als ein aus -ausserordentlich vielen, relativ gleichwerthigen Theilen -zusammengeordnetes System ohne erkennbaren einfachen Mittelpunkt dar. Je -genauer wir histologisch untersuchen, um so mehr vervielfältigen sich -die Elemente, und die letzte Zusammensetzung des Nervensystems zeigt -sich nach einem ganz analogen Plane angelegt, wie die aller übrigen -Theile des Körpers. Eine unendliche Menge zelliger Elemente von mehr -oder weniger grosser Selbständigkeit tritt neben und grossentheils -unabhängig von einander auch in dem Nervensystem in die Erscheinung. - -Schliessen wir zunächst die gangliöse Substanz aus und halten wir uns -einfach an die faserige Masse, so haben wir einerseits die eigentlichen -(peripherischen) =Nerven= im engeren Sinne des Wortes, andererseits die -grossen Anhäufungen =weisser Markmasse=, wie sie den grössten Theil des -kleinen und grossen Gehirns und der Stränge des Rückenmarks -zusammensetzt. Die Fasern dieser verschiedenen Abschnitte sind im -Grossen ähnlich gebaut, zeigen aber im Feineren vielfache und zum Theil -so erhebliche Verschiedenheiten, dass es Punkte gibt, wo man noch in -diesem Augenblick nicht mit Sicherheit sagen kann, ob die Elemente, -welche man vor sich hat, wirklich Nerven sind, oder ob sie einer ganz -anderen Art von Fasern angehören. Am sichersten ist man über die -Zusammensetzung der gewöhnlichen peripherischen Nerven; hier -unterscheidet man im Allgemeinen mit ziemlicher Leichtigkeit Folgendes: - -Alle mit blossem Auge zu verfolgenden Nerven enthalten eine gewisse -Summe von Unterabtheilungen, Bündeln oder Fascikeln, welche sich nachher -als Aeste oder Zweige auseinanderlösen. Verfolgen wir diese einzelnen, -sich weiter und weiter vertheilenden Zweige, so behält der Nerv fast -unter allen Verhältnissen bis nahe zu seinen letzten Theilungen eine -fascikuläre Einrichtung, so dass jedes Bündel wieder eine kleinere oder -grössere Zahl von sogenannten Primitivfasern umschliesst. Der Ausdruck -Primitivfaser, welchen man hier gebraucht, ist ursprünglich gewählt -worden, weil man den Nervenfascikel für ein Analogon der Primitivbündel -des Muskels hielt. Späterhin ist die Vorstellung von einem besonderen -Bindemittel zwischen den einzelnen Nervenfasern fast verloren gegangen, -und erst durch =Robin= ist in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit wieder auf -die Substanz hingelenkt worden, welche das Bündel zusammenhält; er -nannte dieselbe =Perineurium=. Es ist dies ein sehr dichtes, fast -aponeurotisches und daher leicht durchscheinendes Bindegewebe, in -welchem sich bei Zusatz von Essigsäure kleine Kerne zeigen. Verschieden -davon ist das mehr lockere Bindegewebe, welches die Fascikel -zusammenhält und eine Scheide für den ganzen Nerven bildet, das -sogenannte =Neurilem=. - -[Illustration: =Fig=. 86. Querschnitt durch einen Nervenstamm des Plexus -brachialis. _l_, _l_ Neurilem, von dem eine grössere Scheide _l_' und -feinere durch helle Linien bezeichnete Fortsätze durch den Nerven -verlaufen und ihn in kleine Fascikel scheiden. Letztere zeigen die -dunklen, punktförmigen Durchschnitte der Primitivfasern und dazwischen -das Perineurium. Vergr. 80.] - -Wenn wir kurzweg von Nervenfasern im histologischen Sinne sprechen, so -meinen wir immer die Primitivfaser, nicht den Fascikel, welcher vom -blossen Auge als Faser erscheint und daher in der Vulgärsprache oft so -genannt wird. Jene feinsten, mikroskopischen Fasern besitzen wiederum -jede für sich eine äussere Membran, die sogenannte =Schwann'sche -Scheide=; an ihr sieht man, wenn man sie vollkommen frei macht vom -Inhalte, was allerdings sehr schwierig ist, was aber zuweilen unter -pathologischen Verhältnissen spontan auftritt, z. B. bei gewissen -Zuständen der Atrophie, wandständige Kerne (Fig. 6, _c_). Innerhalb -dieser membranösen Röhren liegt die eigentliche =Nerven-Substanz=, -welche sich bei den gewöhnlichen Nerven nochmals in zweierlei -Bestandtheile scheidet. Diese sind bei dem ganz frischen Nerven kaum als -zwei zu erkennen, treten aber kurze Zeit nach dem Absterben oder -Herausschneiden des Nerven oder nach Einwirkung irgend eines Mediums auf -den Nerven sofort ganz deutlich aus einander, indem der eine dieser -Bestandtheile eine schnelle, gewöhnlich als Gerinnung bezeichnete -Veränderung erfährt, durch welche er sich von dem anderen Bestandtheile -absetzt (Fig. 87). Ist dies geschehen, so sieht man im Innern der -Nervenfaser deutlich den sogenannten =Axencylinder= (das Primitivband -von =Remak=), ein sehr feines, zartes, blasses Gebilde, und um ihn herum -eine ziemlich derbe, dunkle, hier und da zusammenfliessende Masse, das -=Nervenmark= oder die =Markscheide=; letztere füllt den Raum zwischen -Axencylinder und der äusseren Membran aus. Meist ist aber die -Nervenröhre so stark gefüllt mit dem Inhalte, dass man bei der -gewöhnlichen Betrachtung von den einzelnen Bestandtheilen fast gar -nichts sieht, wie denn überhaupt der Axencylinder innerhalb der -Markmasse schwer erkennbar ist. Daraus erklärt es sich, dass man Jahre -lang über seine Existenz gestritten und vielfach die Ansicht -ausgesprochen hat, er sei gleichfalls eine Gerinnungs-Erscheinung, indem -eine Trennung des ursprünglich gleichmässigen Inhaltes in eine innere -und äussere Masse stattfinde. Dies ist aber unzweifelhaft unrichtig: -alle Methoden der Untersuchung geben zuletzt dies Primitivband zu -erkennen; selbst auf Querschnitten der Nerven sieht man ganz deutlich im -Innern den Axencylinder und um ihn herum das Mark. - -[Illustration: =Fig=. 87. Graue und weisse Nervenfasern. _A_ Ein grauer, -gelatinöser Nervenfascikel aus der Wurzel des Mesenteriums, nach -Behandlung mit Essigsäure. _B_ Eine breite, weisse Primitivfaser aus dem -N. cruralis: _a_ der freigelegte Axencylinder _v_, _v_ die variköse Faser -mit der Markscheide, am Ende bei _m_, _m_ der Markstoff (Myelin) in -geschlängelten Figuren hervortretend. _C_ Feine, weisse Primitivfaser -aus dem Gehirn, mit frei hervortretendem Axencylinder. Vergr. 300.] - -Das sogenannte Nervenmark ist es, was den Nervenfasern überhaupt das -weisse Ansehen verleiht; überall, wo die Nerven diesen Bestandtheil -enthalten, erscheinen sie weiss, überall, wo er ihnen fehlt, haben sie -ein durchscheinendes, graues Aussehen. Daher gibt es Nerven, welche der -Farbe nach der gangliösen Substanz sich anschliessen, verhältnissmässig -durchsichtig sind, ein mehr helles, gelatinöses Aussehen besitzen; man -hat sie deshalb =graue= oder =gelatinöse Nerven= genannt (Fig. 87, _A_). -Zwischen grauer und weisser Nervenmasse überhaupt besteht also nicht der -Unterschied, dass die eine gangliös, die andere faserig ist, sondern nur -der, dass die eine Mark enthält, die andere nicht; indess gebraucht man -den Ausdruck »graue Substanz« gewöhnlich nur von der wirklich gangliösen -Masse, nicht von den grauen, marklosen Nerven. Den Zustand der -Marklosigkeit bei den Nervenfasern kann man im Allgemeinen als den -niederen, unvollständigeren bezeichnen; die Markhaltigkeit zeigt eine -reichere Ernährung und höhere Entwickelung an. - -Nichts lehrt vielleicht die unmittelbar praktische Bedeutung dieser -beiden Zustände so auffallend, als eine zuerst von mir gemachte -Beobachtung an der Retina, an welcher in einer sehr unerwarteten Weise -die sonst durchscheinende graue Nervenmasse in undurchsichtige weisse -verwandelt war. Ich fand[120] nehmlich ganz zufällig eines Tages in den -Augen eines Mannes, bei dem ich ganz andere Veränderungen vermuthete, im -Umfange der Papilla optici, wo man sonst die gleichmässig -durchscheinende Retina sieht, eine weissliche, radiäre Streifung, wie -man sie an derselben Stelle im Kleinen zuweilen bei Hunden und ziemlich -constant in einzelnen Richtungen bei Kaninchen trifft. Die -mikroskopische Untersuchung ergab, dass in ähnlicher Weise, wie bei -diesen Thieren, in der Retina markhaltige Fasern sich entwickelt hatten, -und dass die Faserlage der Retina durch die Aufnahme von Markmasse -dicker und undurchsichtig geworden war. Die einzelnen Fasern verhielten -sich dabei so, dass, wenn man sie von den vorderen und mittleren Theilen -der Retina aus nach hinten gegen die Papille hin verfolgte, sie -allmählich an Breite zunahmen, und zugleich in einer zuerst fast -unmerklichen, später sehr auffälligen Weise eine Abscheidung von Mark in -ihrem Inneren erkennen liessen. Das ist also eine Art von Hypertrophie, -aber sie beschränkt die Function der Retina wesentlich, denn das Mark -lässt die Lichtstrahlen nicht durch und die zarte Haut wird daher mehr -und mehr getrübt. - - [120] Archiv 1856. X. 190. - -[Illustration: =Fig=. 88. Markige Hypertrophie des Opticus innerhalb des -Auges. _A_ Die hintere Hälfte des Bulbus, von vorn gesehen; von der -Papilla optici gehen nach vier Seiten radiäre Ausstrahlungen von weissen -Fasern aus. _B_ Die Opticusfasern aus der Retina bei 300 maliger -Vergrösserung: _a_ eine blasse, gewöhnliche, leicht variköse Faser, _b_ -eine mit allmählich zunehmender Markscheide, _c_ eine solche mit frei -hervorstehendem Axencylinder.] - -Dieselbe Veränderung geschieht am Nerven, während er sich entwickelt. -Der junge Nerv ist eine feine Röhre, welche in gewissen Abständen mit -Kernen besetzt ist und einen blassgrauen Inhalt besitzt. Erst später -erscheint das Mark, der Nerv wird damit breiter, und der Axencylinder -setzt sich deutlich ab. Man kann daher sagen, dass die Markscheide ein -nicht absolut nothwendiger Bestandtheil des Nerven ist, sondern ihm erst -auf einer gewissen Höhe seiner Entwickelung zukommt. - -[Illustration: =Fig=. 89. Tropfen von Markstoff (Myelin, nach =Gobley= -Lecithin). _A_ Verschieden gestaltete Tropfen aus der Markscheide von -Hirnnerven, nach Aufquellung durch Wasser. _B_ Tropfen aus zerfallendem -Epithel der Gallenblase in der natürlichen Flüssigkeit. Vergr. 300.] - -Es folgt daraus, dass diese Substanz, welche man früher als das -Wesentliche im Nerven betrachtete, nach der jetzigen Anschauung eine -mehr untergeordnete Rolle spielen muss. Nur diejenigen, welche auch -jetzt noch keinen Axencylinder zulassen, sehen sie natürlich nicht -bloss als den bei Weitem überwiegenden Bestandtheil, sondern auch als -den eigentlich functionirenden Nerveninhalt an. Sehr merkwürdig ist es -aber, dass dieselbe Substanz eine der am meisten verbreiteten ist, -welche überhaupt im thierischen Körper vorkommen. Ich war sonderbarer -Weise zuerst bei der Untersuchung von Lungen auf Gebilde gestossen, -welche ganz ähnliche Eigenschaften darboten, wie man sie am Nervenmark -wahrnimmt. So auffallend dies auch war, so dachte ich in der That nicht -an eine Uebereinstimmung, bis nach und nach durch eine Reihe weiterer -Beobachtungen, welche im Laufe mehrerer Jahre hinzukamen, ich darauf -geführt wurde, viele Gewebe chemisch darauf zu untersuchen[121]. Dabei -stellte es sich heraus, dass fast gar kein zellenreiches Gewebe -vorkommt, in dem jene Substanz sich nicht in grosser Masse vorfände; -allein nur die Nervenfaser hat die Eigenthümlichkeit, dass die Substanz -als solche sich abscheidet, während sie in allen anderen zelligen -Theilen in einer fein vertheilten Weise im Inneren der Elemente -enthalten ist und erst bei chemischer Veränderung des Inhaltes oder bei -chemischen Einwirkungen auf denselben frei wird. Wir können aus den -Blutkörperchen, aus den Eiterkörperchen, aus den epithelialen Elementen -der verschiedensten drüsigen Theile, aus dem Inneren der Milz und -ähnlicher Drüsen ohne Ausführungsgänge überall durch Extraction mit -heissem Alkohol diesen Stoff gewinnen. Es ist dieselbe Substanz, welche -den grössten Bestandtheil der gelben Dottermasse im Hühnerei bildet, von -wo ihr Geschmack und ihre Eigenthümlichkeit, namentlich ihre -eigenthümliche Zähigkeit und Klebrigkeit, welche den höheren technischen -Zwecken der Küche so vortrefflich dient, jedermann hinlänglich bekannt -ist. Ich schlug für diese Substanz den Namen =Markstoff= oder =Myelin= -vor. Später hat O. =Liebreich= diesen Körper genauer studirt und -nachgewiesen, dass das gewöhnliche Myelin keine ganz reine chemische -Substanz ist; ihren wesentlichen Antheil bildet eine Stickstoff und -Phosphor enthaltende Substanz, welcher er den Namen =Protagon= beigelegt -hat. Andere Untersucher haben denn auch aus den anderen von mir -angegebenen Theilen, wie aus Blutkörperchen und Eiter, Protagon -dargestellt. - - [121] Archiv. 1845. VI. 562. - -Für die Lehre von den Nervenfunctionen hat diese Substanz das besondere -Interesse, dass sie die Veranlassung zu der oft besprochenen Auffassung -von der Bedeutung des Phosphors für die eigentliche Nerventhätigkeit, -namentlich auch für die Denkthätigkeit gegeben hat. Auch hat -man pathologisch geglaubt, aus vermehrter Abscheidung von -Phosphorverbindungen durch die Secretionsorgane, namentlich durch die -Nieren, auf einen vermehrten Verbrauch von Nervensubstanz schliessen zu -können. Wenn es nun auch richtig ist, dass Phosphorsäure (in Verbindung -mit Glycerin) ein gewöhnliches Zersetzungsproduct des Protagons ist, und -wenn daher bei vollständiger Zerstörung von Nerven- oder Gehirntheilen -Phosphorsäure in grösserer Menge in's Blut und in die Secrete gelangen -kann, so ist doch leicht ersichtlich, dass dieselbe in keiner Weise der -eigentlich fungirenden Substanz des Nerven oder des Gehirns entstammt, -und dass sie am allerwenigsten da erwartet werden kann, wo bei Erhaltung -des Nerven als solchen nur ein durch seine Thätigkeit vermehrter Umsatz -seiner Substanz vorausgesetzt wird. Das »Phosphoresciren der Gedanken« -kann also zu den Träumen der Wissenschaft gerechnet werden. - -Wird die Ernährung des Nerven erheblich gestört, so nimmt die -Markscheide an Masse ab, ja sie kann unter Umständen gänzlich -verschwinden, so dass der weisse Nerv wieder auf einen grauen oder -gelatinösen Zustand zurückgeführt wird. Das gibt eine =graue Atrophie=, -=gelatinöse Degeneration=, wobei die Nervenfaser an sich existirt und -nur die besondere Anfüllung mit Markmasse leidet. Daraus erklärt es -sich, dass man an vielen Punkten, wo man früher nach der anatomischen -Erfahrung einen vollständig functionsunfähigen Theil erwarten zu dürfen -glaubte, durch die klinische Beobachtung mit Hülfe der Electricität den -Nachweis liefern konnte, dass der Nerv noch functionsfähig sei, wenn -auch in einem geringeren Maassstabe, als normal, und so ist auch diese -Erfahrung wieder ein Beweis geworden, dass das Mark nicht derjenige -Bestandtheil sein kann, an welchen die Function des Nerven als solche -gebunden ist. Zu demselben Schluss haben auch die physikalischen -Untersuchungen geführt, und man betrachtet daher gegenwärtig ziemlich -allgemein den Axencylinder als den wesentlichen Theil des Nerven. -Derselbe ist auch im blassen Nerven vorhanden, aber nur im weissen -Nerven hebt er sich durch seine Ablösung von der umgebenden Markscheide -deutlicher hervor. Der Axencylinder würde also die eigentliche -=electrische Substanz= der Physiker sein, und man kann allerdings die -Hypothese zulassen, dass die Markscheide mehr als eine isolirende Masse -dient, welche die Electricität in dem Nerven selbst zusammenhält und -deren Entladung eben nur an den marklosen Enden der Fasern zu Stande -kommen lässt. - -Die Besonderheit des Markstoffes äussert sich am häufigsten darin, dass, -wenn man einen Nerven zerreisst oder zerschneidet, das Mark gewöhnlich -aus demselben hervortritt (Fig. 87, _m_, _m_) und zugleich, namentlich bei -Einwirkung von Wasser, eine eigenthümliche Runzelung oder Streifung -annimmt (Fig. 89, _A_). Es saugt nehmlich Wasser auf, was allein -beweist, dass es keine neutrale fettige Substanz in dem früher -angenommenen Sinne ist, sondern höchstens wegen seines grossen -Quellungsvermögens mit gewissen seifenartigen Verbindungen verglichen -werden kann. Je länger die Einwirkung des Wassers dauert, um so längere -Massen von Markstoff schieben sich aus den Nerven heraus. Diese haben -ein eigenthümlich bandartiges Aussehen, bekommen immer neue Runzeln, -Streifen und Schichtungen, und führen zu den sonderbarsten Figuren. -Häufig lösen sich auch einzelne Stücke los und schwimmen als besondere, -geschichtete Körper herum, welche in neuerer Zeit zu Verwechselungen mit -den Corpora amylacea Veranlassung gegeben haben, von denen sie sich -jedoch durch ihre chemischen Reactionen auf das Bestimmteste -unterscheiden. -- - -[Illustration: =Fig=. 90. Breite und schmale Nervenfasern aus dem N. -cruralis mit unregelmässiger Aufquellung des Markstoffes. Vergr. 300.] - -In Beziehung auf die histologische Verschiedenheit der Nerven unter sich -ergibt die Untersuchung, dass an manchen Orten die eine oder andere Art -ihrer Ausbildung ausserordentlich vorwaltet. Einerseits nehmlich -unterscheiden sich die Nerven wesentlich durch die Breite ihrer -Primitivfasern, andererseits durch die Markhaltigkeit derselben. Es -gibt sehr breite, mittlere und kleine weisse, und ebenso breite und -feine graue Fasern. Eine sehr beträchtliche Grösse erreichen die grauen -überhaupt selten, weil die Grösse eben abhängig ist von der Zunahme des -Inhaltes, allein überall zeigt sich doch wieder eine Verschiedenheit, so -dass gewisse Nerven feiner, andere gröber sind. - -Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass in den Endstücken die Nervenfasern -in der Regel feiner werden, und dass die letzte Verästelung -verhältnissmässig die feinsten zu enthalten pflegt; jedoch ist das keine -absolute Regel. Beim Opticus finden wir schon vom Augenblicke seines -Eintrittes in das Auge an gewöhnlich nur ganz schmale, blasse Faser -(Fig. 88, _a_), während die Nerven der Tastkörperchen der Haut bis ans -Ende verhältnissmässig breite und dunkel contourirte Fasern zeigen (Fig. -92). Eine sichere Ansicht über die Bedeutung der verschiedenen -Faserarten je nach ihrer Breite und Markhaltigkeit hat sich bis jetzt -noch nicht gewinnen lassen. Eine Zeit lang hat man geglaubt, -Unterschiede der Art aufstellen zu können, dass die breiten Fasern als -Abkömmlinge des Cerebrospinal-Centrums, die feinen als Theile des -Sympathicus betrachtet werden müssten, allein dies ist nicht -durchzuführen, und man kann nur so viel sagen, dass die gewöhnlichen -peripherischen Nerven allerdings einen grossen Gehalt an breiten, die -sympathischen einen verhältnissmässig grösseren Antheil von feineren -Fasern enthalten. An vielen Orten, wie z. B. im Unterleibe, überwiegen -graue, breite Fasern (Fig. 87, _A_), deren nervöse Natur von Einigen -noch bezweifelt wird. Es ist also vorläufig ein sicherer Schluss über -die etwaige Verschiedenheit der Functionen aus dem blossen Bau noch -nicht zu ziehen, obwohl kaum bezweifelt werden kann, dass solche -Verschiedenheiten vorhanden sein müssen, und dass eine breite Faser an -sich andere Fähigkeiten, sei es auch nur quantitativ verschiedene, -darbieten muss, als eine feine, eine markhaltige andere, als eine -marklose. Allein über alles das ist bis jetzt mit Sicherheit nichts -ermittelt; und seitdem durch die feinere physikalische Untersuchung -nachgewiesen ist, dass alle Nerven, nicht wie man früher annahm, nur -nach der einen oder der anderen Seite hin leiten, sondern die -Leitungsfähigkeit nach beiden Seiten hin besitzen, so scheint es nicht -gerechtfertigt, Hypothesen über die centripetale oder centrifugale -Leitung an diese Erfahrung von der verschiedenen Breite der Fasern -unmittelbar anzuknüpfen. Die grosse Verschiedenheit, welche in -Beziehung auf die Function der einzelnen Nerven zu bemerken ist, lässt -sich bis jetzt nicht so sehr auf die Verschiedenartigkeit des Baues -derselben beziehen, als vielmehr auf die Besonderheit der Einrichtungen, -mit welchen der Nerv verbunden ist. Es ist einerseits die besondere -Bedeutung des Centralorgans, von welchem der Nerv ausgeht, andererseits -die besondere Beschaffenheit des Endes, in welches er gegen die -Peripherie hin verläuft, welche seine specifische Leistung erklären. - -In der Verfolgung der Endigungen, welche die Nerven gegen die Peripherie -hin darbieten, hat die Histologie gerade in den letzten Jahren wohl ihre -glänzendsten Triumphe gefeiert. Früherhin stritt man sich bekanntlich -darum, ob die Nerven in Schlingen ausgingen oder in Plexus oder frei -endigten, und man war gleich exclusiv nach der einen, wie nach der -anderen Richtung hin. Heutzutage haben wir Beispiele für die meisten -dieser Endigungen, am wenigsten aber für die Form, welche eine Zeit lang -als die regelrechte betrachtet wurde, nehmlich für die Schlingenbildung. - -[Illustration: =Fig=. 91. Vater'scher oder Pacini'scher Körper aus dem -Unterhautfettgewebe der Fingerspitze. _S_ Der aus einer dunkelrandigen, -markhaltigen Primitiv-Nervenfaser _n_ und dem dicken, mit Längskernen -versehenen Perineurium _p_, _p_ bestehende Stiel. _C_ Der eigentliche -Körper mit concentrischen Lagen des kolbig angeschwollenen Perineurium -und der centralen Höhle, in welcher der blasse Axencylinder fortläuft -und frei endigt. Vergr. 150.] - -Die deutlichste, aber sonderbarer Weise functionell bis jetzt am -wenigsten bekannte Endigungsform ist die in den sogenannten -=Vater'schen= oder =Pacini'schen Körpern=, -- Organen, über deren -Bedeutung man immer noch nichts anzugeben weiss. Man findet sie beim -Menschen verhältnissmässig am meisten ausgebildet im Fettgewebe der -Fingerspitzen, aber auch in ziemlich grosser Anzahl im Gekröse, am -deutlichsten und bequemsten aber im Mesenterium der Katzen, in welches -sie ziemlich weit hinaufreichen, während sie beim Menschen gewöhnlich -bloss an der Wurzel des Gekröses liegen, wo das Duodenum mit dem -Pancreas zusammenstösst, in der Nähe des Plexus solaris. Ueberdies zeigt -sich eine sehr grosse Variabilität bei verschiedenen Individuen. Einige -haben sehr wenig, andere sehr viel davon, und es ist sehr leicht -möglich, dass daraus gewisse individuelle Eigenthümlichkeiten -resultiren. So habe ich z. B. mehrmals bei Geisteskranken sehr viele -solche Körper gefunden, worauf ich indessen vorläufig kein grosses -Gewicht legen will. - -Ein Pacini'scher Körper stellt, mit blossem Auge gesehen, ein -weissliches, gewöhnlich ovales und an dem einen Ende etwas zugespitztes, -1-1-1/2''' langes Gebilde dar, das an einem Nerven festhängt, und zwar so, -dass in einen jeden Körper nur eine einzelne Primitivfaser übergeht. Der -Körper zeigt eine verhältnissmässig grosse Reihe von elliptischen und -concentrischen Lagen oder Blättern, welche am oberen Ende ziemlich nahe -an einander stossen, am unteren weiter von einander abweichen und im -Inneren einen länglichen, gewöhnlich gegen das obere Ende spitzeren, von -einer feinkörnigen Substanz erfüllten Raum umschliessen. Zwischen diesen -Blättern erkennt man deutlich eine regelmässige Einlagerung von Kernen. -Wenn man die Blätter gegen den nervösen Stiel hin verfolgt, so sieht man -sie zuletzt in das hier sehr dicke Perineurium übergehen. Man kann sie -daher als colossale Entfaltungen des Perineuriums betrachten, welche -aber nur eine einzige Nervenfaser umschliessen. Verfolgt man nun die -Nervenfaser selbst, so bemerkt man, dass der markhaltige Theil -gewöhnlich nur bis in den Anfang des Körperchens reicht; dann -verschwindet das Mark, und man sieht den Axencylinder allein fortgehen. -Dieser verläuft nun in der centralen Höhle, um gewöhnlich in der Nähe -des oberen Endes einfach, oft mit einer kleinen kolbigen Anschwellung, -im Gekröse sehr häufig in einer spiralförmigen Windung zu enden. In -seltenen Fällen kommt es vor, dass die Primitivfaser innerhalb des -Körperchens sich in zwei oder mehrere Aeste theilt. Aber jedesmal -scheint hier eine Art von Endigung vorzuliegen. Was die Körper zu -besagen haben, welche Verrichtung sie ausüben, ob sie irgend etwas mit -sensitiven Functionen zu thun haben, oder ob sie irgend eine Leistung -des Centrums anzuregen berufen sind, darüber wissen wir bis jetzt -nichts. -- - -Eine gewisse Aehnlichkeit mit diesen Gebilden zeigen die in der letzten -Zeit so viel discutirten =Tastkörper=. Wenn man die Haut und namentlich -den empfindenden Theil derselben mikroskopisch untersucht, so -unterscheidet man, wie dies von =Meissner= und =Rud=. =Wagner= zuerst -gefunden ist, zweierlei Arten von Papillen oder Wärzchen, mehr schmale -und mehr breite, zwischen denen freilich Uebergänge vorkommen (Fig. 92). -In den schmalen findet man constant eine einfache, zuweilen eine -verästelte Gefässschlinge, aber keinen Nerven. Es ist diese Beobachtung -insofern wichtig, als wir durch sie zur Kenntniss eines neuen -nervenlosen Theiles gekommen sind. In der anderen Art von Papillen -findet man dagegen sehr häufig gar keine Gefässe, sondern Nerven und -jene eigenthümlichen Bildungen, welche man als Tastkörper bezeichnet -hat. - -[Illustration: =Fig=. 92. Nerven- und Gefässpapillen von der Haut der -Fingerspitze, nach Ablösung der Oberhaut und des Rete Malpighii. _A_ -Nervenpapille mit dem Tastkörper, zu dem zwei Primitivfasern _n_ treten: -im Grunde der Papille feine elastische Netze _e_, von denen feine Fasern -ausstrahlen, zwischen und an denen Bindegewebskörperchen zu sehen sind. -_B_, _C_, _D_ Gefässpapillen, bei _C_ einfache, bei _B_ und _D_ -verästelte Gefässschlingen, daneben feine elastische Fasern und -Bindegewebskörperchen; _p_ der horizontal fortlaufende Papillarkörper, -bei _c_ feine sternförmige Elemente der eigentlichen Cutis. Vergr. 300.] - -Der Tastkörper erscheint als ein von der übrigen Substanz der Papille -ziemlich deutlich abgesetztes, länglich ovales Gebilde, das =Wagner=, -freilich etwas kühn, mit einem Tannenzapfen verglichen hat. Es sind -meistens nach oben und unten abgerundete Knoten, an denen man nicht, -wie an den Pacini'schen Körpern, eine längliche Streifung sieht, sondern -vielmehr eine Querstreifung mit querliegenden Kernen. Zu jedem solchen -Körper tritt nun ein Nerv und von jedem kehrt ein Nerv zurück, oder -richtiger, man sieht gewöhnlich an jeden Körper zwei Nervenfäden treten, -meistentheils ziemlich nahe an einander, die sich bequem bis an die -Seite oder die Basis des Körpers verfolgen lassen. Von da ab ist der -Verlauf sehr zweifelhaft, und in einzelnen Fällen variiren die Zustände -so sehr, dass es noch nicht gelungen ist, mit Bestimmtheit das -gesetzmässige Verhalten der Nerven zu diesen Körpern zu ermitteln. In -manchen Fällen sieht man nehmlich ganz deutlich den Nerven hinaufgehen -und auch wohl sich um den Körper herumlegen. Zuweilen scheint es, als ob -wirklich der Tastkörper in einer Nervenschlinge liege und auf diese -Weise die Möglichkeit einer intensiveren Einwirkung äusserer Anstösse -auf den Nerven gegeben sei. Andere Male sieht es wieder aus, als ob der -Nerv viel früher schon aufhörte und sich in den Körper selbst einsenkte. -Einige haben angenommen, wie =Meissner=, dass der Körper selbst dem -Nerven angehöre, welcher an seinem Ende anschwölle. Dies halte ich nicht -für richtig; nur das scheint mir zweifelhaft zu sein, ob der Nerv im -Innern des Körpers endigt oder im Umfange desselben eine Schlinge -bildet. - -Neuere Untersuchungen von P. =Langerhans= haben jedoch gelehrt, dass die -Nervenpapillen ausser den zu den Tastkörpern gehenden markhaltigen -Fasern noch ein sehr reiches Geflecht markloser Fasern enthalten, welche -von Strecke zu Strecke kernhaltige, ganglienartige Anschwellungen -besitzen. Von diesen gehen feine Fortsätze aus, welche über die Grenze -der Papillen hinaus in das Rete Malpighii eindringen und zwischen den -Zellen desselben birnförmige Anschwellungen bilden, von welchen wiederum -feine Fortsätze ausgehen. Letztere dringen bis zwischen die oberen Lager -der Rete-Zellen und endigen hier mit feinen, knopfartigen -Anschwellungen. Dieses marklose Geflecht findet sich übrigens auch an -Stellen der Haut, wo keine Papillen und Tastkörper vorkommen. - -Abgesehen von der anatomischen und physiologischen Frage, hat das -Beispiel der Hautpapillen einen grossen Werth für die Deutung -pathologischer Erscheinungen, weil wir hier in an sich ganz ähnlichen -Theilen zwei vollkommene Gegensätze finden: =einerseits nervenlose und -gefässreiche, andererseits gefässlose, nur mit Nerven versehene -Papillen=. Die besonderen Beziehungen, welche die Lager des Rete und der -Epidermis zu den beiden Arten von Papillen haben, scheinen, abgesehen -von den marklosen Fasern, keine wesentlichen Verschiedenheiten -darzubieten. Die Zellen der Oberhaut ernähren sich über den einen, wie -über den anderen, und sie scheinen über den einen so wenig innervirt zu -werden, wie über den anderen. - -Dies sind Thatsachen, welche auf eine gewisse Unabhängigkeit der -einzelnen Theile hindeuten und welche bestimmte Gesichtspunkte liefern, -dass grosse, selbst nervenreiche Theile ohne Gefässe bestehen, sich -erhalten und functioniren können, und dass andererseits Theile, die -verhältnissmässig viele Gefässe enthalten, absolut der Nerven entbehren -können, ohne in Unordnung ihrer Ernährungszustände zu gerathen. Freilich -ist dies an keinem Orte augenfälliger, als an der Haut und gerade -deshalb scheint mir die Verschiedenheit der einzelnen Hautwärzchen -untereinander theoretisch so wichtig zu sein, dass ich die -Aufmerksamkeit dafür besonders in Anspruch nehmen zu müssen glaube. - -Denkt man sich an einer Hautpapille die Gefässe, Nerven und Tastkörper -hinweg, so bleibt nur noch eine geringe Masse von Gewebe übrig, aber -auch innerhalb dieses geringen Restes gibt es noch wieder zellige -Elemente mit Intercellularsubstanz (Bindegewebe). Die Sache ist demnach -so, dass unmittelbar an die (epidermoidalen) Zellen des Rete Malpighii -Bindegewebe mit Bindegewebskörperchen (Fig. 17) stösst, welche sich nach -der Injection sehr deutlich von den Gefässen unterscheiden (Fig. 92). -Besonders günstig für eine Untersuchung ist der Fall, wenn durch irgend -eine Erkrankung, z. B. den Pockenprocess, eine leichte Schwellung der -ganzen Haut stattgefunden hat und die Elemente ein wenig grösser sind, -als normal. In gewöhnlichen Papillen ist es etwas schwieriger, die -Bindegewebselemente wahrzunehmen, doch sieht man sie bei genauerer -Betrachtung überall, auch neben den Tastkörpern. - -Demnach findet sich auch in den feinsten Ausläufern der Haut gegen die -Oberfläche hin nicht eine amorphe Masse, welche in einem constanten -Ernährungs-Verhältnisse zu Gefässen und Nerven steht; vielmehr erscheint -als einheitliche Einrichtung, als eigentlich constituirende Grundmasse -der verschiedenen (Gefäss- und Nerven-) Papillen immer nur die -Bindegewebssubstanz. Erst dadurch gewinnen die einzelnen Papillen eine -verschiedene Bedeutung, dass zu dieser Grundmasse in dem einen Falle -Gefässe, in dem anderen Nerven hinzukommen. - -Wir wissen allerdings wenig über die besonderen Beziehungen, welche die -gefässhaltigen Papillen zu den Functionen der Haut haben, indessen lässt -sich kaum bezweifeln, dass, wenn man erst mehr im Stande sein wird, die -verschiedenen Hautthätigkeiten zu sondern, auch den Gefässpapillen eine -grössere Wichtigkeit zugesprochen werden wird. So viel können wir aber -jetzt schon sagen, dass es falsch ist, sich zu denken, dass in einem -jeden anatomischen Theile der Haut eine besondere Nervenverbreitung -existire. Gleichwie physiologische Versuche zeigen, dass relativ grosse -Empfindungskreise in der Haut vorhanden sind, so lehrt auch die feinere -histologische Untersuchung, dass die Zahl der zur Oberfläche -aufsteigenden Nerven eine relativ spärliche ist. Die Gefässe sind -zahlreicher, als die ankommenden Nerven. Will man also die Haut in -bestimmte Territorien eintheilen, so versteht es sich von selbst, dass -die Nerven-Territorien grösser ausfallen müssen, als die -Gefäss-Territorien. Aber auch jedes durch eine einzige Capillarschlinge -bezeichnete Gefäss-Territorium (Papille) zerfällt wieder in eine Reihe -von kleineren (Zellen-) Territorien, welche freilich alle an dem Ufer -des einen Capillargefässes liegen, aber in sich begrenzt sind, indem -jedes durch ein besonderes zelliges Element beherrscht wird[122]. - - [122] Archiv 1852. IV. 389. - -Auf diese Weise kann man es sich sehr wohl erklären, wie innerhalb einer -Papille einzelne (Zellen-) Territorien erkranken können. Gesetzt z. B., -ein solches Territorium schwillt an, vergrössert sich und wächst mehr -und mehr hervor, so kann eine baumförmige Verästelung entstehen (spitzes -Condylom, Fig. 93), ohne dass die ganze Papille in gleicher Weise -afficirt wäre. Das Gefäss wächst erst späterhin nach und schiebt sich in -die schon grösser gewordenen Aeste hinein. Nicht das Gefäss ist es, -welches durch seine Entwickelung die Theile hinausschiebt, sondern die -erste Entwickelung geht immer vom Bindegewebe des Grundstockes aus. Es -hat daher das Studium der Hautzustände ein besonderes Interesse für die -Kritik der allgemein-pathologischen Doctrinen. Was zunächst den -neuropathologischen Standpunkt betrifft, so ist es ganz unbegreiflich, -wie ein Nerv, der inmitten einer ganzen Gruppe von nervenlosen Theilen -liegt, es machen soll, um innerhalb dieser Gruppe eine einzelne Papille, -zu welcher er gar nicht hinkommt, zu einer pathologischen Thätigkeit zu -vermögen, an welcher die übrigen Papillen desselben Nerven-Territoriums -keinen Theil nehmen. Eben so schwierig ist die Deutung dieses -Verhältnisses vom Standpunkte eines Humoralpathologen da, wo es sich um -Erkrankungen von gefässlosen Papillen handelt. Selbst wo innerhalb einer -Gefäss-Papille die verschiedenen Zellen-Territorien in verschiedene -Zustände gerathen, würde diese Verschiedenheit der Zustände nicht wohl -begreiflich sein, wenn man den ganzen Ernährungsvorgang einer Papille -als einen einheitlichen und als direct abhängig von dem Generalzustande -des Gefässes ansehen wollte, welches sie versorgt. - -[Illustration: =Fig=. 93. Der Grundstock eines spitzen Condyloms vom -Penis mit stark knospenden und verästelten Papillen, nach völliger -Ablösung der Epidermis und des Rete Malpighii. Vergr. 11.] - -Aehnliche Betrachtungen kann man freilich an allen Punkten des Körpers -anstellen, indess bietet die Haut doch ein besonders günstiges Beispiel -dafür, wie verkehrt es war, wenn man alle Gefässe unter einen -particularen Nerveneinfluss stellte. Bleiben wir bei der Haut stehen, so -beschränkt sich die Einwirkung, welche ein Nerv auszuüben im Stande ist, -darauf, dass die zuführende Arterie, welche eine ganze Reihe von -Papillen zusammen versorgt (Fig. 53), in einen Zustand der Verengerung -oder Erweiterung versetzt wird, und dass dem entsprechend eine -verminderte oder vermehrte Zufuhr zu einem grösseren Bezirke, einer -Gruppe von Papillen stattfindet. - -W. =Krause= hat in der letzten Zeit an verschiedenen Schleimhäuten, wie -an der Conjunctiva bulbi, in der Mundschleimhaut unter der Zunge und am -weichen Gaumen, an den Papillen der Zunge, sowie an gewissen -Uebergangsstellen von der äusseren Haut zur Schleimhaut, namentlich an -den Lippen und der Eichel, =Endkolben= an den Nerven gefunden, welche -sich den Tastkörperchen oder eigentlich noch mehr den Vater'schen -Körperchen anschliessen. Es dringt nehmlich die schliesslich marklos -gewordene Nervenfaser, zuweilen unter eigenthümlichen Windungen und -Knäuelbildung, in eine sehr feinkörnige, von einer Bindegewebshülle -umgebene Anschwellung ein. -- - -Betrachten wir nun andere Beispiele der Nerven-Endigungen, so zeigt sich -nirgends eine Wahrscheinlichkeit für eigentliche Schlingenbildung. -Ueberall, wo man sichere Kenntnisse gewinnt, ergibt sich, dass die -Nerven entweder übergehen in einen grossen Plexus, in eine netzförmige -Ausbreitung, oder dass sie direct endigen in besonderen Apparaten. Bei -der Mehrzahl der letzteren verlieren sich die Nerven zuletzt in -eigenthümliche, besonders gestaltete Ausläufer oder Fortsätze, welche -theils neben den anderen Gewebselementen zerstreut liegen, theils zu -besonderen Massen zusammengefügt sind. Eine solche Art der Endigung -findet sich an allen =höheren Sinnesorganen=. Indess bietet die -Untersuchung hier so grosse Schwierigkeiten, dass noch an keinem -einzigen Punkte eine allgemein angenommene Auffassung gesichert ist. So -viele Untersuchungen man auch über Retina und Cochlea, über Nasen- und -Mundschleimhaut in den letzten Jahren gemacht hat, so sind doch die -letzten Fragen über das histologische Detail, namentlich über den -Zusammenhang der Nerven mit den Endapparaten, noch nicht ganz erledigt. -Fast überall bleiben zwei Möglichkeiten für die Endigung der Nerven: -entweder sie laufen gegen die Oberfläche hin in eigenthümliche, von den -gewöhnlichen Nervenfasern abweichende Gebilde aus, welche aber doch den -Nerven als solchen angehören, also selbst nervös sind, oder sie -verbinden sich an ihrem Ende mit Elementen eines anderen Gewebstypus, -z. B. mit Epithelialzellen. - -Die ersten Untersuchungen der =Nasen- und Mundschleimhaut= schienen mehr -für das letztere Verhältniss zu sprechen. Man fand hier gewisse Stellen, -welche sich durch die Beschaffenheit ihres Epithels wesentlich von der -übrigen Schleimhaut unterscheiden: an der Nasenschleimhaut die -sogenannte Regio olfactoria, an der Zunge die Papillae fungiformes -(wenigstens beim Frosch). Während das Epithel an der gewöhnlichen -Schleimhaut meist dicker und aus mehrfachen, über einander geschobenen -Reihen an der Oberfläche flimmernder Cylinderzellen zusammengesetzt ist, -bildet es an den genannten Orten eine einfache Lage von bald mehr, bald -weniger gefärbten, nicht flimmernden Zellen. Letztere gehen nach unten -(innen) in längere Fortsätze über, welche in das Bindegewebe eindringen. -Als zuerst =Eckhardt= und dann =Ecker= an der Nasenschleimhaut diese -Beobachtung machten, glaubten sie annehmen zu dürfen, dass diese -Fortsätze sich mit den in dem Bindegewebe eingeschlossenen Nervenfasern -unmittelbar verbänden. Allein mehr und mehr ist man von dieser Ansicht -zurückgekommen, und es ist namentlich das Verdienst von =Max Schultze=, -dargethan zu haben, dass die Nervenenden sich neben und zwischen jenen -eigenthümlichen Epithelialzellen finden. Die Nervenfasern theilen sich -an ihrem Ende in zahlreiche, kleine Fädchen, welche über das Bindegewebe -hinaus zwischen die Epithelialzellen eintreten und sich hier zu -besonderen zellenartigen, mit Kernen versehenen, jedoch sehr feinen -Gebilden ausweiten, aus denen zuweilen noch wieder feinere Endfädchen -über die freie Oberfläche hervorstehen. Damit ist die Frage nach der -Bedeutung jener eigenthümlichen Epithelialzellen und ihrer Verbindungen -nach innen hin noch immer nicht gelöst, aber so viel doch -sichergestellt, dass die Geruchs- und Geschmacksobjecte =unmittelbar= -mit den letzten Endgebilden der Nerven (=Riech=- =und Geschmackszellen=) -in Berührung kommen. - -Ganz ähnliche Verhältnisse fand =Max Schultze= im inneren =Ohr=, -namentlich in dem Vorhofe und den Ampullen, wo die letzten -Nervenendigungen durch das Epithel hindurchtreten und in frei -hervorstehende, steife Haare (=Hörhaare=) auslaufen. Die seit =Corti= so -vielfach untersuchte Endigungsweise des Hörnerven in der Schnecke ist -dagegen immer noch nicht ganz aufgeklärt. Hier findet sich ein überaus -zusammengesetzter, sehr zarter Apparat, an welchem eine Reihe von Fasern -mit gestielten Zellen etwa so in Verbindung steht, wie die Tasten eines -Fortepiano's mit den Saiten desselben. Was hier nervös ist, was nicht, -ist sehr schwer zu scheiden. Erst in der letzten Zeit hat A. =Böttcher= -einen Zusammenhang der Endfasern des Nervus cochleae mit inneren und -äusseren =Hörzellen= beschrieben, welche an der Seite der Bogenfasern im -Canalis cochleae gelegen sind. - -Ungleich besser, obwohl immer noch nicht ganz vollständig, sind wir über -die empfindenden Theile des =Auges= unterrichtet, und ich will daher, -bei der grossen praktischen Bedeutung dieser, durch die Ophthalmoskopie -der direkten Untersuchung bei Lebzeiten zugänglich gemachten Theile, -etwas specieller darauf eingehen. - -[Illustration: =Fig=. 94. _A_ Verticalschnitt durch die ganze Dicke der -Retina, nach Härtung in Chromsäure, _l_ Membrana limitans (anterior) mit -den aufsteigenden Stützfasern. _f_ Faserschicht des Opticus. _g_ -Ganglienschicht. _n_ graue feinkörnige Schicht mit durchtretenden -Radiärfasern. _k_ Innere (vordere) Körnerschicht. _i_ Intermediäre oder -Zwischenkörnerschicht. _k_' Aeussere (hintere) Körnerschicht. _s_ -Stäbchenschicht mit Zapfen. Vergr. 300. _B_, _C_ (nach H. Müller) -Isolirte Radiärfasern.] - -Alsbald nach seinem Eintritte in das Innere des Bulbus breitet sich der -Opticus von der sogenannten Papille her nach allen Seiten so aus, dass -seine völlig marklosen Fasern an der vorderen, dem Glaskörper -zugewendeten Seite der Retina verlaufen (Fig. 94, _f_). Nach hinten -schliesst sich daran eine verschieden dicke Lage, welche den Haupttheil -der Retina ausmacht, aber in keiner Weise aus einer einfachen -Ausstrahlung des Opticus hervorgeht. Diese Lage, welche man sehr -uneigentlich eine Haut (Netzhaut) nennt, zeigt zu äusserst, der -Pigmentzellenschicht der Aderhaut (Chorioides) unmittelbar anliegend, -ein eigenthümliches Stratum, über welchem ein sonderbares Geschick -geschwebt hat, indem man dasselbe längere Zeit an die vordere Seite der -Retina verlegte; es ist dies die berühmte =Stäbchenschicht= (Fig. 94, -_s_). Diese Schicht, welche zu den verletzbarsten Theilen des Auges -gehört und deshalb den früheren Untersuchern vielfach entgangen war, -besteht, wenn man sie von der Seite her betrachtet, aus einer sehr -grossen Menge dicht gedrängter, radiär gestellter Stäbchen, zwischen -denen in gewissen Abständen breitere zapfenförmige Körper erscheinen. -Betrachtet man die Retina von der hinteren Oberfläche her, d. h. von der -Seite der Chorioides aus, so sieht man in regelmässigen Abständen die -Zapfen, umgeben von den Enden der Stäbchen, welche als feine Punkte -erscheinen. - -Was nun zwischen der Stäbchenschicht und der eigentlichen Ausbreitung -des Sehnerven liegt, das ist wieder ein sehr zusammengesetztes Ding, an -welchem man eine Reihe regelmässig auf einander folgender Schichten -unterscheiden kann. Zunächst vor der Stäbchenschicht und von derselben -durch ein zartes Häutchen (Membrana limitans posterior s. externa -M. =Schultze=) getrennt, folgt eine verhältnissmässig dicke Lage, welche -fast ganz aus groben, runden Körnern zusammengesetzt erscheint: die -sogenannte äussere Körnerschicht (Fig. 94, _k_'). Dann kommt eine -verschieden starke, jedoch im Ganzen dünnere Lage von mehr amorphem -Aussehen: die Zwischenkörnerschicht (Fig. 94, _i_). Dann kommen wieder -gröbere Körner (die innere Körnerschicht), welche, wie die Körner der -äusseren Lage, Kerne besitzen (Fig. 94, _k_). Darauf folgt nochmals eine -feinkörnige oder vielmehr feinstreifige Lage von mehr grauem Aussehen -(Fig. 94, _n_) und dann erst die ziemlich dicke Lage der Opticusfasern, -welche ihrerseits nach vorne von einer Membran begrenzt wird, der -Membrana limitans anterior s. interna (Fig. 94, _l_), welche dem -Glaskörper dicht anliegt. Innerhalb der grauen Schicht sieht man, zum -Theil noch in die Faserschicht des Opticus eingesenkt, eine Reihe von -grösseren Zellen, die sich als Ganglienzellen ausweisen (Fig. 94, _g_). -Sie hängen mit den Opticusfasern unmittelbar zusammen. - -Diese ausserordentlich zusammengesetzte Beschaffenheit einer auf den -ersten Blick so einfachen, so zarten Membran macht es leicht erklärlich, -dass es lange gedauert hat, ehe das Verhältniss ihrer einzelnen Theile -auch nur annähernd ermittelt wurde. Einer der ersten Schritte, der in -der Erkenntniss dieses Verhältnisses gemacht wurde, war die Entdeckung -von =Heinrich Müller=, dass man von der Limitans interna aus bis tief in -die Körnerschichten hinein eine Reihe von feinen parallelen Faserzügen -verfolgen kann, =radiäre Fasern=, auch Müller'sche Fasern[123] genannt, -welche an gewissen Stellen Kerne tragen (Fig. 94, _B_, _C_). Die -Radiärfasern sind im Wesentlichen senkrecht auf den Verlauf der -Opticusfasern gestellt, aber das Verhältniss beider zu einander ist -schwer zu ergründen. Die grösste Schwierigkeit bestand darin, zu -ermitteln, ob die radiäre Faser, sei es durch direkte Umbiegung, sei es -durch seitliche Anastomose, in Opticus-oder Ganglienfasern übergehe, -also selbst nervös sei, oder ob es sich nur um eine dichte -Aneinanderlegung handle, so dass die Nerven nur in einem innigen -Nachbarverhältnisse zu den Radiärfasern stehen. Auch den Tastkörper -konnte man ja als eine körperliche Anschwellung des Nerven selbst oder -als ein besonderes Gebilde ansehen, an welches der Nerv nur heran- oder -hereintritt. Diese Frage ist lange streitig gewesen. Bald ist die -Wahrscheinlichkeit etwas grösser geworden, dass es sich um direkte -Verbindungen, bald dass es sich nur um Aneinanderlagerung handle. Zuerst -verständigte man sich über die gröberen Faserzüge, welche von der -Membrana limitans anterior mit breiter, fast dreieckiger Basis anheben -(Fig. 94, _l_) und in regelmässigen Abständen durch die Retina nach -hinten verlaufen; sie sind sicher bindegewebiger Natur und bilden ein -=interstitielles Gewebe=, welches dem Ganzen eine Art von Halt oder -Stütze bietet (=Stützfasern=). Ich habe zuerst durch die pathologische -Beobachtung den Unterschied dieses Zwischengewebes von dem nervösen -Antheil dargelegt[124]. =Max Schultze= hat sodann gezeigt, dass die -vorderen Enden der Zapfen und Stäbchen mit den äusseren Körnern -(Zapfen-und Stäbchenkörnern) zusammenhängen und diese wiederum in feine -Fasern übergehen, welche die Zwischenkörnerschicht durchsetzen. An der -Grenze der inneren Körnerschicht angelangt, bildet jede Faser eine -kleine dreieckige Anschwellung, aus welcher nach =Hasse= je drei Fädchen -ausgehen, die in die äussere Körnerschicht eintreten. Hier wird -vermuthet, dass sie mit den Körnern selbst zusammenhängen, und dass -andererseits diese wieder mit Fortsätzen der Ganglienzellen in direkter -Verbindung stehen. Indess ist es noch nicht gelungen, diese überaus -zarten und verwickelten Verhältnisse ganz zu entwirren. Noch weniger ist -es klar, in welcher Ausdehnung das interstitielle Gewebe dieser -Schichten mit eigenen zelligen Elementen ausgestattet ist; nur das -scheint festzustehen, dass auch die gröberen Radiärfasern dem -Bindegewebe angehören. - - [123] Neuerlich nennt =Kölliker= nur diejenigen Fasern, welche mit den - nervösen Theilen zusammenhängen, Müller'sche. - - [124] Archiv 1856. X. 177. Taf. II. Fig. 4-5. - -Trotz dieser Mängel kann schon jetzt nicht mehr bezweifelt werden, dass -für die Licht-Empfindung der ganze Apparat wesentlich ist, und dass der -Opticus an sich mit allen seinen Fasern und Ganglienzellen existiren -könnte, ohne irgendwie die Fähigkeit zu haben, Lichteindrücke zu -empfangen; diese erlangt er erst durch seine Verbindung mit der -Stäbchenschicht und den Körnerlagen. Gerade die Papilla optici, d. h. -die Stelle des Augen-Hintergrundes, wo bloss Opticusfasern liegen und -nicht ein solcher Apparat, ist zugleich die einzige, welche nicht sieht -(blinder Fleck). Damit das Licht also überhaupt in die Lage komme, auf -den Sehnerven einwirken zu können, bedarf es der Berührung mit jenem -Endapparat, und, nachdem M. =Schultze= gefunden hat, dass die letzten -Ausläufer der Nerven in Form feinster Fäserchen die Limitans externa -durchbohren und sich den Stäbchen und Zapfen äusserlich anlegen, so ist -es auch physikalisch nicht zweifelhaft, dass der Nerv nicht selbst die -Vibrationen der Lichtwellen empfängt, sondern dass die Schwingungen der -Zapfen und Stäbchen auf die Enden des Sehnerven einwirken und in -denselben die eigenthümliche Licht-Erregung erzeugen. - -Bei Erwägung dieser Verhältnisse wird man sich der Ueberzeugung nicht -entziehen können, dass die specifische Energie der einzelnen Nerven -nicht sowohl in der Besonderheit des inneren Baues ihrer Fasern als -solcher beruht, sondern dass es wesentlich auf die besondere Art der -Endeinrichtung ankommt, mit welcher der Nerv, sei es durch Continuität, -sei es durch Contact, in Verbindung steht. Nur darin beruht die -besondere Fähigkeit der einzelnen Sinnesnerven. Betrachtet man einen -Querschnitt des Opticus ausserhalb des Auges, so bietet er keine -solchen Besonderheiten anderen Nerven gegenüber dar, dass sie erklären -könnten, warum gerade dieser Nerv für Licht mehr leitungsfähig ist, als -die anderen Nerven; erwägt man dagegen die besonderen Verhältnisse, -unter welchen sich seine letzten Enden verbreiten, so wird die -ungewöhnlich grosse Empfindlichkeit der Retina gegen das Licht -vollständig begreiflich. -- Aehnlich verhält es sich mit den übrigen -Sinnesnerven. -- - -Die bisherige Erörterung bezog sich wesentlich auf Empfindungs-und -Sinnesnerven, bei denen es sich darum handelte, ihre peripherischen -Enden durch besondere Anordnung oder Ausstattung für die Aufnahme der -Sinneseindrücke zu befähigen. Anders verhält es sich mit derjenigen -Klasse von Nerven, welche von den Centralorganen aus die Anregung zu -besonderen Thätigkeiten der Peripherie zuleiten sollen. Ich will sie -kurzweg als =Arbeitsnerven= bezeichnen. Dahin gehören vor Allen die -Muskel- und Drüsennerven. Auch sie erlangen ihre eigentliche Bedeutung -erst durch ihre Verbindung mit besonderen Apparaten, aber sie -unterscheiden sich dadurch von den Empfindungsnerven, dass diese -Apparate nicht mehr Bestandtheile der Nerven, sondern selbständige -Einrichtungen sind, welche nur der Anregung der Nerven bedürfen, um in -Thätigkeit zu gerathen. Auch hier haben erst die letzten Jahre -Aufklärung gebracht. - -Zuerst zeigte =Doyère= bei Wirbellosen einen nahen Zusammenhang der -motorischen Nerven mit den Muskeln. Er fand, dass eine feine Nervenfaser -an das Primitivbündel selbst herantritt und hier mit einer -eigenthümlichen Anschwellung, dem =Nervenhügel=, endigt (S. 81). Später -hat W. =Kühne= diese Verhältnisse in grosser Ausdehnung bei den -Wirbelthieren und dem Menschen verfolgt. Es hat sich ergeben, dass eine -einzelne markhaltige Nervenfaser bis zu dem einzelnen Primitivbündel -(Muskelfaser) herantritt, das Sarkolemm desselben durchbohrt, marklos -wird und sich schnell zu einer, mit Kernen reichlich versehenen -Endplatte (=elektrische Platte=) ausbreitet, welche sich unmittelbar auf -die muskulöse Substanz auflegt. An organischen Muskelfasern hat -=Frankenhäuser= unmittelbare Verbindungen der Nervenenden mit den -Kernkörperchen bemerkt. - -In ähnlicher Weise haben sich Verbindungen der Nervenenden mit -Drüsenzellen ergeben. =Pflüger= hat an der Speicheldrüse gesehen, wie -die Nerven die Tunica propria durchbrechen und sich mit den Drüsenzellen -selbst, ja sogar mit den Kernen derselben verbinden, -- eine Art der -Vereinigung, die er später auch von der Leber beschrieben hat. Aller -Wahrscheinlichkeit nach werden sich diese Erfahrungen schnell vermehren, -und damit für das Studium der Innervationsvorgänge ein ganz neues Gebiet -der Erfahrungen sich erschliessen. Zahlreiche zerstreute Beobachtungen -der früheren Zeit deuten darauf hin, und schon jetzt haben sie jede -Möglichkeit, das sogenannte Continuitätsgesetz wieder aufzurichten, von -vorn herein beseitigt (S. 80). -- - -[Illustration: =Fig=. 95. Theilung einer Primitiv-Nervenfaser bei _t_, -wo sich eine Einschnürung findet; _b_', _b_'' Aeste. _a_ eine andere -Faser, welche die vorige kreuzt. Vergröss. 300.] - -Bevor wir jedoch die Betrachtung über die Nerven-Endigungen -abschliessen, müssen wir noch eine kurze Zeit bei der Untersuchung -verweilen, wie sich die Nerven verhalten, bevor sie in diese -Endausbreitungen übergehen. Hier kommen noch zwei Punkte in Betracht: -nehmlich ihre =Verästelung= und ihre =plexusartige Ausbreitung=. Es sind -dies Punkte, auf welche die neueren Untersucher hauptsächlich durch -=Rudolf Wagner= geleitet worden sind. Die Untersuchungen, welche dieser -Forscher über die Verbreitung der Nerven im elektrischen Organ der -Fische anstellte, gaben den wesentlichen Anstoss zu der Begründung der -Lehre von der Verästelung der Nervenfasern. Bis dahin hatte man die -Nervenfasern als zusammenhängende, einfache Röhren betrachtet, welche -vom Centrum bis ans Ende einfach neben einander fortliefen. Gegenwärtig -weiss man, dass sich die Nerven wie Gefässe verbreiten. Indem sich eine -Nervenfaser direkt, gewöhnlich dichotomisch theilt, ihre Aeste sich -wieder theilen und so fort, so entsteht zuweilen eine überaus reiche -Verästelung. Die Bedeutung derselben ist natürlich höchst verschieden, -je nachdem der Nerv sensitiv oder motorisch ist, je nachdem er also -entweder von einer grösseren Fläche her die Eindrücke sammelt, oder auf -eine grössere Fläche hin die motorische Erregung ausstrahlt. Ein -wahrhaft miraculöses Beispiel haben wir in der neueren Zeit kennen -gelernt in dem Nerven des durch die interessanten Experimente du -=Bois-Reymond='s so berühmt gewordenen elektrischen Welses -(Malapterurus). Hier hat =Bilharz= gezeigt, dass der Nerv, welcher das -elektrische Organ versorgt, ursprünglich nur eine einzige mikroskopische -Primitivfaser ist, welche sich immer wieder und wieder theilt und sich -schliesslich in eine enorm grosse Masse feinster Aeste auflöst, welche -sich an das elektrische Organ verbreiten. In diesem Falle muss also die -Wirkung mit einem Male von einem Punkte aus sich über die ganze -Ausbreitung der elektrischen Platten äussern. - -Beim Menschen fehlen uns für diese Frage noch bestimmte Anhaltspunkte, -weil die colossalen Entfernungen, über welche die einzelnen Nerven sich -verbreiten, es fast unmöglich machen, einzelne bestimmte Primitivfasern -vom Centrum bis in die letzte Peripherie zu verfolgen. Aber es ist gar -nicht unwahrscheinlich, dass auch beim Menschen in einzelnen Organen -analoge Einrichtungen existiren, wenn auch vielleicht nicht so -frappante. Vergleicht man die Grösse der Nervenstämme an gewissen -Punkten mit der Summe von Wirkungen, die in einem Organe, z. B. in einer -Drüse stattfinden, so kann es kaum zweifelhaft erscheinen, dass analoge -Einrichtungen auch hier vorhanden sind. - -Diese Art der Verbreitung hat insofern ein besonderes Interesse, als -viele räumlich getrennte Theile dadurch unter einander verbunden werden. -Das elektrische Organ der Fische besteht aus einer Menge von Platten, -aber nicht jede Platte wird auf einem nur für sie bestimmten Wege vom -Centrum aus innervirt. Der Wels setzt nicht diese oder jene Platte in -Bewegung, sondern er muss das Ganze in Bewegung setzen; ja er ist ausser -Stande, die Wirkung zu zerlegen. Er kann die Wirkung stärker oder -schwächer einrichten, aber er muss jedesmal das Ganze in Anspruch -nehmen. Denken wir uns dem entsprechend gewisse Muskeleinrichtungen, so -haben wir auch da keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass jedes -Element des Muskels besondere, ungetheilt vom Centrum ausgehende und -somit unabhängige Nervenfasern empfange. Im Gegentheil findet in der -Regel eine besondere Zerlegung der Nerven-Wirkung in den Muskeln nur in -sehr beschränktem Maasse statt, wie wir ja aus eigener Erfahrung an uns -selbst wissen, und wenn, wie wir sehen, auch die einzelnen Muskelfasern -in unmittelbarer Verbindung mit einzelnen Nervenfasern stehen, welche in -sie eingehen, so sind dies doch nicht Fasern, welche als einfache, -ungetheilte Bahnen vom Centrum ausgehen, sondern eben nur Endäste -einfacherer Stämme. Vom neuristischen Standpunkte aus schliesst man, -dass =der Wille= oder =die Seele= oder =das Gehirn= im Stande sei, durch -besondere Fasern auf jeden einzelnen Theil zu wirken; in der That ist -dies aber gar nicht der Fall, sondern es bleibt den Centren meist nur -ein einziger Weg zu einer Summe gleichartiger Elementar-Apparate. - -[Illustration: =Fig=. 96. Nervenplexus aus der Submucosa des Darmes vom -Kinde, nach einem Präparate von Hrn. =Billroth=. _n_, _n_, _n_ Nerven, -welche sich zu einem Netze verbinden, in dessen Knotenpunkten -kernreiche, ganglioforme Anschwellungen liegen. _v_, _v_ Gefässe, -dazwischen Kerne des Bindegewebes. Vergr. 180.] - -Was nun die =Nervenplexus= anbetrifft, so kennen wir gegenwärtig beim -Menschen die ausgedehntesten Einrichtungen der Art in der Submucosa des -Darmes, wo zuerst durch =Meissner=, dann durch =Billroth= und =Manz= die -Verhältnisse genauer erörtert worden sind. Die Submucosa des Darms ist -darnach, wie schon =Willis= sagte, eine Tunica nervea. Wenn man den -eintretenden Nerven nachgeht, so sieht man, dass sie, nachdem sie sich -getheilt haben, zuletzt in wirkliche Netze übergehen, welche bei -Neugebornen an gewissen Stellen sehr grosse kernreiche Knotenpunkte -haben, von denen aus sie in Geflechte ausstrahlen, so dass dadurch eine -so grosse Aehnlichkeit mit dem Capillarnetz entsteht, dass einzelne -Beobachter beide verwechselt haben. - -Wie weit sich solche Einrichtungen im Körper überhaupt erstrecken, ist -noch nicht ergründet, denn auch hier handelt es sich um fast ganz neue -Thatsachen, welche erst in letzter Zeit die Aufmerksamkeit der -Untersucher mehr in Anspruch nahmen. Wahrscheinlich wird sich die Zahl -solcher Nervenhäute erheblich vergrössern lassen. =His= hat gezeigt, -dass die Gefässnerven sich zum Theil in grossen plexiformen Auflösungen -an den Gefässhäuten verbreiten, und L. =Auerbach= hat in der Muscularis -des Darmes ein eben so ausgedehntes, als in seinen einzelnen -Einrichtungen merkwürdiges Geflecht, den von ihm sogenannten =Plexus -myentericus= nachgewiesen. Um jedoch etwaigen Missverständnissen -vorzubeugen, muss ich sogleich hinzusetzen, dass manche dieser -plexusartigen Ausbreitungen keineswegs einfach sind. Am Darm tragen die -erwähnten grösseren Knotenpunkte den Habitus von Ganglien an sich, so -dass gewissermaassen neue Sammelpunkte des Nervenapparates mit der -Möglichkeit einer Verstärkung oder Hemmung der Wirkungen eintreten. Für -die Function ist diese Einrichtung offenbar von grosser Bedeutung, denn -wir würden uns am Darm die peristaltische Bewegung nicht wohl erklären -können, wenn nicht eine Einrichtung existirte, welche von Netz zu Netz, -von Theil zu Theil Reize übertrüge, die nur an einem Punkte dem Darme -zugekommen sind. Die bis vor Kurzem bekannten Verhältnisse der -Nervenverbreitung genügten nicht, um den Modus der peristaltischen -Bewegung einigermaassen zu erklären, während sich hier die bequemsten -Anhaltspunkte der Deutung bieten. -- - -So viel im Wesentlichen über die allgemeinen Formen, welche man bis -jetzt für die peripherischen Endigungen der Nerven kennt. Im Ganzen -entsprechen diese Erfahrungen wenig dem, was man sich früher gedacht -hat, und was noch jetzt die Neuropathologen annehmen. Die Vorstellung -eines Neuropathologen von reinem Wasser geht bekanntlich dahin, dass -ein Nervencentrum im Stande sei, vermittelst der Nervenfasern auf jeden -kleinsten Theil seines Territoriums eine besondere Wirkung auszuüben. -Soll an einem kleinen Punkte des Körpers Krebsmasse oder Eiter entstehen -oder eine einfache Ernährungsstörung erfolgen, so bedarf der -Neuropatholog einer Einrichtung, vermöge welcher das Centralorgan im -Stande ist, der Peripherie innerhalb ihrer kleinsten Bezirke seine -Einwirkung =gesondert= zukommen zu lassen, irgend eines Weges, auf -welchem die Boten gehen können, welche nun einmal die Ordre jedem -einzelnen der entferntesten Punkte des Organismus zu überbringen -bestimmt sind. Die wirkliche Erfahrung lehrt nichts der Art. Gerade an -den Stellen, wo wir eine so ausserordentlich vervielfältigte Einrichtung -der Endapparate kennen, wie ich sie bei den Sinnesorganen schilderte, -haben die Nerven keine Beziehung auf die Ernährung und insbesondere -keine nachweisbare Einwirkung auf elementare Theile. Fast an allen -anderen Orten werden entweder ganze Flächen oder Organ-Abschnitte in -einer gleichmässigen Weise innervirt, oder es werden von diesen Flächen -oder Organ-Abschnitten aus Sammel-Erregungen zu den Centren geführt. An -vielen Theilen, von denen wir allerdings nachweisen können, dass ein -Nerven-Einfluss auf sie stattfindet, z. B. an den kleinen Gefässen, -wissen wir bis jetzt noch nicht einmal, wie weit einzelne Abschnitte -derselben besondere Nervenfasern enthalten. So schlecht sind die -anatomischen Grundlagen der neuropathologischen Doctrin. - - - - - Vierzehntes Capitel. - - Rückenmark und Gehirn. - - - Die nervösen Centralorgane. Graue Substanz. Pigmentirte - Ganglienzellen. Fortsätze der Ganglienzellen: apolare, unipolare - und bipolare Zellen. Verschiedene Bedeutung der Fortsätze: Nerven- - oder Axencylinderfortsätze, Ganglien- und Reiserfortsätze. - Rückenmark: motorische und sensitive Ganglienzellen. Multipolare - (polyklone) Formen. Kernkörperchenfäden und Kernröhren. Innere - Verschiedenheit der Ganglienzellen. Schwierigkeit der Untersuchung. - Die Nerven des elektrischen Organs der Fische. Das Gross- und - Kleinhirn des Menschen. - - Das Rückenmark. Weisse und graue Substanz. Centralkanal. Gangliöse - Gruppen. Weisse Stränge und Commissuren. - - Medulla oblongata. Rinde des Kleinhirns: Körner- und - Stäbchenschicht. Psychische Ganglienzellen des Gehirns. - - Das Rückenmark des Petromyzon und die marklosen Fasern desselben. - - Die Zwischensubstanz (interstitielles Gewebe). Ependyma - ventriculorum. Neuroglia. Corpora amylacea. Graue oder gelatinöse - Atrophie des Rückenmarks. Sandkörper (corpora arenacea) der Häute - des Gehirns und Rückenmarks. - -Nachdem wir die peripherischen Einrichtungen des Nervenapparates -besprochen haben, so erübrigt uns, um die Uebersicht der -Nerveneinrichtungen zu vervollständigen, noch die wichtige Reihe der -=centralen Theile=, oder im engeren Sinne der =Ganglien-Apparate=. Wie -ich schon früher hervorhob, so finden wir diese überwiegend in -denjenigen Theilen der Centralorgane, wo graue Substanz lagert. Nur ist -das bloss graue Aussehen nicht entscheidend für die gangliöse -Beschaffenheit eines Theiles; insbesondere darf man nicht glauben, dass -etwa die Ganglienzellen es seien, welche die graue Farbe wesentlich -bedingen. An manchen Stellen befindet sich graue Masse, ohne dass -Ganglienzellen vorhanden sind. So enthält die äusserste Schicht der -Grosshirnrinde keine deutlichen Ganglienzellen mehr, obwohl sie grau -aussieht; hier findet sich eine durchscheinende Bindesubstanz, welche -mit vielen feineren Gefässen durchsetzt ist und je nach der Füllung -derselben bald mehr grauroth, bald mehr weissgrau erscheint. -Andererseits kommt es häufig vor, dass, wo Ganglienzellen liegen, die -Substanz gerade nicht grau aussieht, sondern eine positive Farbe hat, -die zwischen bräunlichgelb und schwarzbraun schwankt. So haben wir an -dem Gehirne kleinere Abschnitte, welche schon seit langer Zeit unter dem -Namen der Substantia nigra, fusca, ferruginea bekannt sind; hier haftet -die schwarze oder braune Farbe, die wir mit blossem Auge wahrnehmen, an -den Ganglienzellen als den eigentlich gefärbten Punkten. - -[Illustration: =Fig=. 97. Elemente aus dem Ganglion Gasseri. _a_ -Ganglienzelle mit kernreicher (bindegewebiger und epithelialer) Scheide, -die sich um den abgehenden Nervenfortsatz erstreckt; im Innern der -grosse, klare Kern mit Kernkörperchen und um ihn Pigmentanhäufung. _b_ -Isolirte Ganglienzelle mit dem an sie herantretenden blassen Fortsatz. -_c_ Feinere Nervenfaser mit blassem Axencylinder. Vergr. 300.] - -Diese Färbung stellt sich erst im Laufe der Jahre ein. Je älter ein -Individuum wird, um so lebhafter werden die Farben; jedoch scheinen -unter Umständen auch pathologische Prozesse den Eintritt und die Stärke -derselben zu beschleunigen. So ist es an den Ganglien des Sympathicus -eine auffallende Erscheinung, dass gewisse Krankheitsprozesse, z. B. der -typhöse, einen wirksamen Einfluss auf die frühe Pigmentirung zu üben -scheinen. Da aber das Pigment etwas relativ Fremdartiges in der inneren -Zusammensetzung der Zelle darstellt, insofern als es, soviel wir wissen, -nicht der eigentlichen Function dienstbar ist, sondern als träge Masse -hinzutritt, so dürfte es in der That wohl möglich sein, dass man diese -Zustände als eine Art von vorzeitigem Altern (Senium praecox) der -Ganglienzellen zu betrachten hat. An diesen Zellen unterscheidet man -(Fig. 97, _a_) ausser dem sehr deutlichen, grossen Kerne mit seinem -grossen, glänzenden Kernkörperchen den eigentlichen Zellkörper, welcher -aus einer feinkörnigen Grundsubstanz (Protoplasma) besteht und das an -einer gewissen Stelle, gewöhnlich excentrisch neben dem Kern, zuweilen -rings um denselben gelagerte Pigment umschliesst. Unter Umständen nimmt -das letztere an Masse so sehr zu, dass ein grosser Theil der Zelle damit -ausgefüllt wird. Je reicher diese Ablagerung wird, um so dunkler -erscheint die ganze Stelle schon für das blosse Auge. - -Früher hat man sich die Ganglienzellen in der Regel als einfach runde, -kugelige Gebilde (Ganglienkugeln) gedacht. Allein man hat sich mehr und -mehr überzeugt, dass diese Form eine künstliche, erst durch das -Abreissen der Fortsätze bei der Präparation entstandene ist, dass -vielmehr von jeder Ganglienzelle nach gewissen Richtungen Fortsätze -ausgehen, welche sich endlich mit Nerven oder mit anderen Ganglienzellen -in Verbindung setzen oder in eigenthümlicher Weise verästeln. Viele -Ganglienzellen besitzen gleichzeitig mehrere Fortsätze, von denen jedoch -nur einer mit einer wirklichen Nervenfaser direkt in Verbindung steht: -der =Nerve=- =oder Axencylinder=-=Fortsatz=. Hier und da scheint durch -=Ganglienfortsätze= eine direkte Verbindung zwischen zwei Ganglienzellen -hergestellt zu werden. Verhältnissmässig häufig, namentlich in den -Centralorganen, sind Fortsätze mit mehrfacher und zuletzt sehr feiner -Verästelung, die ich =Reiserfortsätze= nennen will. - -Die Nervenfaser-Fortsätze sind bei ihrem Ursprunge aus den -Ganglienzellen blass, und auch da, wo sich endlich ihr Uebergang in -gewöhnliche, dunkelconturirte Nervenfasern verfolgen lässt, sieht man -sie erst in einer gewissen Entfernung von der Ganglienzelle dicker -werden, indem sie sich allmählich mit einer Markscheide versehen. Dieser -Umstand, welchen man früher nicht gekannt hat, erklärt es, dass man so -lange Zeit über das wahre Verhältniss im Unklaren geblieben ist. Die -unmittelbaren Fortsätze der Ganglienzellen, namentlich im Gehirn und -Rückenmark, sind daher nicht Nerven im gewöhnlichen Sinne des Wortes, -sondern blasse und oft so feine Fasern, dass sie kaum noch eine -Aehnlichkeit mit den früher geschilderten marklosen Fasern haben, -sondern wie blasse Axencylinder erscheinen (Fig. 97, _a_, _b_). - -Lange hat man erwartet, wesentliche Verschiedenheiten unter den -Ganglienzellen, je nach den groben Abschnitten des Nerven-Apparates, -also namentlich Verschiedenheiten zwischen den Zellen des Sympathicus -und denen des Hirns und Rückenmarks zu finden. Allein auch in diesem -Punkte hat sich das Gegentheil als richtig ergeben, namentlich seitdem -=Jacubowitsch= die Thatsache kennen gelehrt hat, dass zweistrahlige -Zellen, welche den gewöhnlichen Zellen der sympathischen Ganglien -vollkommen analog sind, auch in der Mitte des Rückenmarks und mancher -Theile, welche wir schon dem Gehirne zurechnen, vorkommen[125]. Dass der -Sympathicus mit einem grossen Theile seiner Fasern im Rückenmarke -wurzelt, weiss man schon lange; wenn nun auch, wie ich mich überzeugt -habe, zweistrahlige Elemente im Rückenmarke und andererseits -vielstrahlige Elemente in sympathischen Ganglien, z. B. im G. coeliacum, -vorkommen, so kann man sagen, dass auch in histologischer Beziehung das -Rückenmark nicht einen einfachen und nothwendigen Gegensatz zu dem -Grenzstrange darstellt. - - [125] Ich habe übrigens solche Zellen schon vor langer Zeit aus dem - menschlichen Rückenmark beschrieben (Archiv 1847. I. 459 Anm.). - -Will man die Formen der Ganglienzellen genauer kennen lernen, so -geschieht dies am leichtesten an dem Rückenmark, welches überhaupt für -die Zusammenordnung eines wirklichen Centralorgans im engsten Sinne des -Wortes den klarsten Ausdruck darstellt. In der grauen Substanz (den -Hörnern) desselben finden sich überall und zwar fast auf jedem -Querschnitte verschiedenartige Ganglienzellen. =Jacubowitsch= hat drei -verschiedene Formen davon unterschieden: die eine nannte er motorisch, -die andere sensitiv, die dritte sympathisch. Ich werde auf ihre -Anordnung bei weiterer Besprechung des Rückenmarkes zurückkommen; hier -will ich zunächst nur ihre Formen im Allgemeinen besprechen. - -Nachdem es feststeht, dass es Ganglienzellen ohne Fortsätze (apolare) -überhaupt nicht gibt, ist die Frage über die Zahl der Fortsätze sehr -viel discutirt worden. Man beschrieb zunächst hauptsächlich uni- und -bipolare (besser =monoklone= und =diklone=) Zellen. Allein auch die -sogenannten unipolaren (Fig. 97) werden, je genauer man untersucht, -immer seltener. Die meisten Zellen besitzen mindestens zwei Fortsätze, -sehr viele sind multipolar oder genauer vielästig (=polyklon=). - -[Illustration: =Fig=. 98. Ganglienzellen aus den Centralorganen: _A_, _B_, -_C_ aus dem Rückenmarke, nach Präparaten des Hrn. =Gerlach=, _D_ aus der -Gehirnrinde. _A_ Grosse, vielstrahlige (multipolare, polyklone) Zellen -aus den Vorderhörnern (Bewegungszellen). _B_ Kleinere Zellen mit drei -grösseren Fortsätzen aus den Hinterhörnern (Empfindungszellen). _C_ -Zweistrahlige (bipolare, diklone), mehr rundliche Zelle aus der Nähe der -hinteren Commissur (sympathische Zelle). Vergr. 300.] - -Eine multipolare Zelle besitzt einen grossen Kern mit Kernkörperchen, -einen körnigen Inhalt (Protoplasma) und, wenn sie besonders gross und -alt ist, einen Pigmentfleck; sie entsendet nach verschiedenen Richtungen -hin Ausläufer oder Fortsätze. Mindestens einer dieser Ausläufer, der -sich durch seine festere Beschaffenheit auszeichnet, geht, wie zuerst -=Deiters= gezeigt hat, in eine Nervenfaser über. Dieses ist der schon -vorher (S. 302) erwähnte Axencylinder-Fortsatz. Die übrigen Ausläufer, -nicht sehr glücklich als =Protoplasmafortsätze= bezeichnet, theilen sich -nach kürzerem oder längerem Verlaufe in zahlreiche, kleine Reiserchen, -welche die graue Substanz durchziehen. Was aus ihnen weiterhin wird, ist -noch unbekannt; nur glaubt =Deiters= gefunden zu haben, dass gewisse -feine Aestchen, welche unter rechten Winkeln von diesen Fortsätzen -ausgehen, gleichfalls mit Nervenfasern zusammenhängen. Jedenfalls -beginnt schon hier das physiologisch wichtige Verhältniss, welches ich -vorher besprach (S. 296, 299), dass von einzelnen Punkten des -Nervensystems aus ganze Massen von Fäden oder Fasern ausgehen, ein -Verhältniss, welches darauf hindeutet, dass bei der Thätigkeit (Reizung) -der Nerven zwar von Anfang an je nach Umständen diese oder jene Bahn -benutzt werden kann, dass aber innerhalb gewisser Bahnen die Wirkung auf -die ganze Verästelung sich relativ gleichmässig fortsetzen kann. - -Die multipolaren Zellen des Rückenmarks sind meist verhältnissmässig -gross. Die stärksten derselben (Fig. 98, _A_.) liegen an denjenigen -Stellen der grauen Substanz angehäuft, welche dem Eintritte der -motorischen (vorderen) Wurzeln entsprechen; man kann sie deshalb kurzweg -als motorische oder =Bewegungszellen= bezeichnen. Diejenigen -Ganglienzellen, welche die Fasern der sensitiven (hinteren) Wurzeln -aufnehmen (Fig. 98, _B_.), und welche man in Kürze sensitive oder -=Empfindungszellen= nennen mag, sind in der Regel kleiner und zeigen -nicht eine so vielfache und weitreichende Verästelung, wie die -Bewegungszellen. Ein grosser Theil von ihnen besitzt nur 3, vielleicht 4 -Aeste. Die von =Jacubowitsch= sympathisch genannten Zellen (Fig. 98, -_C_.) sind wiederum grösser, haben aber gewöhnlich nur 2 Aeste und -zeichnen sich durch eine mehr rundliche Form aus. Es sind dies -Verschiedenheiten, welche allerdings nicht so durchgreifend sind, dass -man schon jetzt im Stande wäre, einer isolirten Ganglienzelle in jedem -einzelnen Falle sofort anzusehen, welcher Kategorie sie angehört, aber -sie sind doch, wenn man die einzelnen Gruppen ins Auge fasst, so -auffallend, dass man zu Betrachtungen über die verschiedene Bedeutung -derselben angeregt wird. - -Wahrscheinlich wird man im Laufe der Zeit noch weitere -Verschiedenheiten, auch vielleicht in der inneren Einrichtung der -Zellen, erkennen; bis jetzt lässt sich darüber nichts weiter aussagen, -als dass verschiedene Beobachter, zuerst =Harless=, feinere Fasern bis -zu dem Kern und Kernkörperchen verfolgt haben (=Kernkörperchenfäden= und -=Kernröhren=). Am genauesten hat in der letzten Zeit =Frommann= diese -merkwürdigen Verhältnisse studirt, deren Eigenthümlichkeit noch dadurch -erhöht wird, dass einzelne Ganglienzellen einen mehr faserigen Bau ihres -Leibes zeigen, während bei der grossen Mehrzahl der Zellkörper eine -feinkörnige Beschaffenheit darbietet. Indess liegen alle diese -Verhältnisse noch so im Dunkeln, dass sich irgend welche gesetzmässigen -Aufstellungen daraus noch nicht ableiten lassen. Es ist dies eine sehr -grosse und beklagenswerthe Lücke unserer Kenntnisse, weil gerade hier -der Punkt ist, wo die specifische Action der wichtigsten Elemente des -Körpers zu erklären wäre. Aber man darf auch nicht übersehen, dass diese -Verhältnisse mit zu den schwierigsten gehören, welche überhaupt der -anatomischen Untersuchung unterworfen werden, und dass die Herstellung -von Objecten, welche auch nur das eigene Auge überzeugen, fast immer -daran scheitert, dass eine wirkliche Isolirung der Elemente mit allen -ihren Fortsätzen und Verbindungen kaum jemals gelingt und dass man wegen -ihrer ausserordentlichen Gebrechlichkeit fast immer genöthigt ist, sie -auf gehärteten Durchschnitten zu verfolgen. Wenn man Schnitte macht in -Theilen, welche zu einem grossen Theile aus Fasern bestehen und in -welchen die Fasern theils longitudinal, theils transversal, theils -schräg verlaufen, wo also überall ein Geflecht besteht, so hängt es ja -ganz und gar von einem glücklichen Zufalle ab, ob man in einem und -demselben Schnitte den Verlauf einer einzelnen Faser über grössere -Strecken hinaus mit einer gewissen Bestimmtheit verfolgen kann. Diese -Schwierigkeit lässt sich allerdings dadurch ausgleichen, dass man die -Schnitte in allen möglichen Richtungen führt und so die -Wahrscheinlichkeit steigert, dass man endlich einmal auf diejenige -Richtung stossen wird, in welcher sich ein Ast vollständig auflöst, aber -erfahrungsgemäss bleibt auch dann noch die Schwierigkeit so gross, dass -man niemals die ganze Verbreitung und Verbindung einer irgendwie -vielästigen Zelle in den Centralorganen auf einmal hat übersehen können. - -Auch in dieser Beziehung ist das =elektrische Organ= ein besonders -glücklicher Ausgang der Untersuchung geworden. Hier gelang es =Bilharz=, -die eine Faser, welche das ganze peripherische Organ versieht -(innervirt), in eine einzige, centrale Ganglienzelle zurück zu -verfolgen. Auch diese Zelle, welche so gross ist, dass man sie mit -blossem Auge bequem wahrnehmen kann, hat nach anderen Richtungen hin -feinere Ausstrahlungen. Die weiteren Beziehungen dieser letzteren zu -ermitteln, ist bis jetzt eben so wenig gelungen, wie wir im Stande -gewesen sind, von der feineren Anatomie des menschlichen Gehirns ein -nach allen Seiten hin befriedigendes Bild zu gewinnen, namentlich zu -entdecken, in welchem Maasse darin Verbindungen von Zellen unter -einander vorkommen. Bei den Untersuchungen des Rückenmarks hat es sich -herausgestellt, dass nicht alle Fortsätze der Ganglienzellen in -Nervenfasern übergehen, sondern dass ein Theil derselben wieder zu -Ganglienzellen geht und Verbindungen zwischen Ganglienzellen herstellt. -Einzelne Beobachter geben bestimmt an, direkte Anastomosen von -Ganglienzellen unter einander gesehen zu haben, und es lässt sich ein -solcher Zusammenhang wohl nicht bezweifeln. Indess scheint dies doch ein -sehr seltener Fall zu sein. Die Regel ist, dass die nicht direkt in -Axencylinder übergehenden Fortsätze sich mehr und mehr verästeln und -erst, nachdem sie ganz feine Fäserchen oder Reiserchen gebildet haben, -mit den von anderen Ganglienzellen ausgehenden Fäserchen anastomosiren. -Auf diese Art entsteht z. B. in der grauen Substanz des Rückenmarks ein -=zusammenhängendes Reiserwerk=, welches bis zum Gehirn aufsteigt. Es -lässt sich denken, dass dadurch die grösste Mannichfaltigkeit der -Leitung und Strömung ermöglicht wird. Auch im =Gehirn=, zumal in der -grauen Rindensubstanz, haben die Ganglienzellen ganz ähnliche -Beschaffenheit (Fig. 98, _D_). An der Oberfläche des Grosshirns, wo die -Ganglienzellen in mehrfachen Schichten über einander stehen, sind die -Reiserfortsätze nach innen gerichtet, während gewöhnlich ein stärkerer -Fortsatz zur Oberfläche aufsteigt und hier umbiegt. Schon =Valentin= hat -diese »Schlingenbildung« gesehen. Ob jedoch dieser Fortsatz in einen -Axencylinder fortgeht, ist immer noch zweifelhaft. Noch complicirter -sind die Verhältnisse an der Rinde des Kleinhirns, wo mehrere, stärkere -Fortsätze gegen die Oberfläche ausstrahlen und in Reiser übergehen, -während nach innen nur ein einziger Fortsatz gerichtet ist, der ziemlich -sicher zu Nerven verfolgt ist. In dieser Gegend, wo schon äusserlich -erkennbar eine rostfarbene Schicht sich der grauen Substanz anschliesst -und sie von der weissen Centralmasse trennt, findet sich eine mächtige -Körnerlage; die ganze Einrichtung gewinnt so eine gewisse Aehnlichkeit -mit jenen ganz feinen Einrichtungen der radiären Fasern der Retina (S. -292). - -So schwierig es ist, über die Natur und Verbindung der nervösen Elemente -ins Klare zu kommen, so häufen sich die Schwierigkeiten doch noch mehr, -wenn es sich um die Zusammensetzung der nervösen Centralorgane im Ganzen -handelt. Hier hat es sich immer als das Vortheilhafteste erwiesen, sich -zunächst an dasjenige Centralorgan zu halten, welches als Grundlage der -Wirbelthier-Entwickelung überhaupt dient, nehmlich an das =Rückenmark=; -es ist dies dasjenige, dessen Struktur wir am besten übersehen können. - -Das Rückenmark ist bekanntlich, wie man auf jedem Querschnitte vom -blossen Auge mit Leichtigkeit sehen kann, an verschiedenen Stellen -seines Verlaufes verschieden reich an weisser Substanz, so jedoch, dass -fast überall die weisse Substanz über die graue das Uebergewicht hat. -Letztere tritt auf Querschnitten unter der Form der bekannten Hörner -hervor, die sich durch ihre bald blassgraue, bald grauröthliche Färbung -von dem reinen Weiss der übrigen Masse deutlich absetzen. So weit nun, -als die Substanz vom blossen Auge weiss erscheint, besteht sie -wesentlich aus wirklichen markhaltigen Nervenfasern, welche durch -schwache Züge eines weichen Interstitialgewebes in grössere und kleinere -Bündel abgetheilt sind (Fig. 99). Ein grosser Theil dieser Fasern ist -von so beträchtlicher Breite, dass die Masse des Markstoffes (Myelins) -an gewissen Punkten eine ausserordentlich reichliche ist. - -Die graue Substanz der Hörner dagegen ist die eigentliche Trägerin der -Ganglienzellen, aber auch hier ist das graue Aussehen keineswegs der -Anwesenheit der Ganglienzellen zuzuschreiben; vielmehr bilden, wie wir -nachher sehen werden, die Ganglienzellen immer nur einen kleinen Theil -dieser Substanz, und das graue Aussehen ist hauptsächlich dadurch -bedingt, dass hier jener undurchsichtige, stark lichtbrechende Stoff -(der Markstoff) nicht abgeschieden ist, welcher die weissen Nerven -erfüllt. - -Inmitten der grauen Substanz befindet sich, wie =Stilling= zuerst -bestimmt gezeigt hat, jener =centrale Kanal= (Canalis spinalis), den man -früher so vielfach vermuthet, häufig auch als regelmässigen Befund -bezeichnet hat, der aber doch niemals früher regelmässig demonstrirt -werden konnte. Bei den älteren Beobachtern, z. B. =Portal=, handelte es -sich immer um vereinzelte pathologische Befunde, von welchen sie ihre -Kenntnisse über diese Einrichtung hernahmen, und von welchen aus sie -ziemlich willkürlich schlossen, dass das Vorhandensein eines Kanals die -Regel sei. - -Der Centralkanal ist so fein, dass besonders glückliche Durchschnitte -dazu gehören, um ihn mit blossem Auge deutlich wahrnehmen zu können. -Gewöhnlich erkennt man nichts weiter als einen rundlichen, grauen Fleck, -der sich von der Nachbarschaft durch eine etwas grössere Dichtigkeit -unterscheidet. Erst die mikroskopische Untersuchung zeigt innerhalb des -Fleckes den Querschnitt des Kanals als ein feines Loch (Fig. 99, _c c_). -Wie fast alle freien Oberflächen des Körpers, ist er mit einem -Epitheliallager überkleidet. Es ist ein wirklich regelmässiger, -constanter und persistenter Kanal in aller Form Rechtens. Derselbe setzt -sich durch die ganze Ausdehnung des Rückenmarkes fort vom Filum -terminale[126], wo er nicht immer ganz deutlich herzustellen ist, bis -zum vierten Ventrikel hinauf, wo seine Einmündungsstelle in dem -sogenannten Sinus rhomboidalis an der gelatinösen Substanz des Calarnus -scriptorius liegt. Hier kann man ihn als eine direkte Fortsetzung vom -Boden des vierten Ventrikels aus zunächst in eine feine trichterförmige -Spalte oder Linie verfolgen. - - [126] Untersuchungen über die Entwickelung des Schädelgrundes. Berlin - 1857. S. 92. - -Die =Ganglien-Zellen= des Rückenmarkes finden sich in der grössten Masse -in den vorderen und seitlichen Theilen der Vorderhörner. Und zwar sind -es hauptsächlich die grossen vielstrahligen Elemente, welche ich früher -(S. 305) besprochen habe. Ihre Fortsätze sind zum Theil verfolgt worden -in austretende Nerven der vorderen Wurzeln; sie geben also motorischen -Nerven ihren Ursprung. - -[Illustration: =Fig=. 99. Die Hälfte eines Querschnittes aus dem -Halstheile des Rückenmarkes. _fa_ Fissura anterior, _fp_ Fissura -posterior. _cc_ Centralkanal mit dem centralen Ependymfaden. _ca_ -Commissura anterior mit sich kreuzenden Nervenfasern, _cp_ Commissura -posterior. _ra_ Vordere Wurzeln, _rp_ hintere. _gm_ Anhäufung der -Bewegungszellen in den Vorderhörnern, _gs_ Empfindungszellen der -Hinterhörner, _gs_' sympathische Zellen. Die schwarzpunktirte Masse -stellt die Querschnitte der weissen Substanz (Nervenfasern der Vorder-, -Seiten- und Hinterstränge) des Rückenmarkes mit ihren lobulären -Abtheilungen dar. Vergr. 12.] - -Eine analoge, jedoch weniger deutlich gruppirte Anhäufung findet sich -gegen die Basis der hinteren Hörner hin; es sind kleinere, mehrstrahlige -Zellen, wie ich sie gleichfalls beschrieben habe. Sie hängen mit den -Fasern zusammen, welche in die hinteren Wurzeln eintreten, dienen also -wahrscheinlich der sensitiven Function. Ausserdem zeigt sich gewöhnlich -noch eine dritte, bald mehr zusammengefaßte, bald mehr zerstreute Gruppe -von Zellen, welche ihrem Baue nach an die bekannten Formen der Zellen in -den Ganglien erinnern (Fig. 98, _C_. 99, _gs_'). Ihre besondere Stellung -innerhalb des Rückenmarks ist allerdings nicht so klar bezeichnet, wie -die der anderen Theile; vielleicht sind sie als die Quelle der -sympathischen Wurzeln zu betrachten, welche vom Rückenmarke sich zum -Grenzstrang begeben, indess ist dies noch lange nicht ausgemacht. - -Innerhalb der weissen Substanz der Vorder-, Seiten- und Hinterstränge -finden sich die markhaltigen Nervenfasern, welche im Allgemeinen einen -auf- oder absteigenden Verlauf nehmen, so dass wir auf Querschnitten -dieser Theile des Rückenmarkes fast nur Querschnitte von Nervenfasern zu -Gesicht bekommen. Unter dem Mikroskope sieht man hier zahllose, dunkle -Punkte oder bei stärkerer Vergrösserung Ringe, von denen jeder einer -Nervenfaser entspricht und gewöhnlich noch einen dritten, bei -Carminfärbung stärker hervortretenden Kern oder Fleck, den Querschnitt -des Axencylinders, enthält. Die ganze Fasermasse der Rückenmarksstränge -ist von innen nach aussen in eine Reihe von Gruppen oder Segmenten von -im Ganzen radiärer Anordnung, gewissermaassen in keilförmige Lappen -zerlegt, indem sich zwischen die einzelnen, auch hier fasciculären -Abtheilungen eine bald kleinere, bald grössere Masse von Bindegewebe mit -Gefässen einschiebt. Letzteres hängt nach innen mit der reichlicheren -Bindegewebsmasse der grauen Substanz, nach aussen mit dem Bindegewebe -der Pia mater, welche die ernährenden Gefässe zuführt, zusammen. - -Was nun die =Nervenfasern= der Rückenmarksstränge betrifft, so dürfte -ein gewisser Theil von ihnen der ganzen Länge des Rückenmarkes nach -fortgehen, aber sicherlich darf man nicht annehmen, dass sie alle vom -Gehirne herkommen; ein wahrscheinlich viel beträchtlicherer Theil stammt -wohl von den Ganglienzellen des Rückenmarkes selbst und biegt alsbald in -die vorderen oder hinteren Stränge um. Ausserdem bestehen zwischen den -beiden Hälften des Rückenmarkes direkte Verbindungen, =Commissuren=, -indem Fasern von einer Seite zur anderen hinübertreten, theils in der -Weise, dass sie mit denen der entgegengesetzten Seite sich kreuzen -(vordere Commissur, Fig. 99, _ca_), theils so, dass sie gestreckt und -parallel verlaufen (hintere Commissur, Fig. 99, _cp_). - -Mit diesen anatomischen Erfahrungen kann man sich ein freilich noch -immer sehr ungenügendes Bild machen von den Wegen, auf welchen die -Vorgänge innerhalb der Centraltheile passiren. =Jede besondere -Thätigkeit hat ihre besonderen elementaren zelligen Organe; jede Art der -Leitung findet ihre bestimmt vorgezeichneten Bahnen=. Auch im Grossen -entsprechen den functionellen Verschiedenheiten ganz bestimmte -Eigenthümlichkeiten in der Struktur der einzelnen Centraltheile, -namentlich entwickeln sich nach oben hin die hinteren Hörner allmählich -immer kräftiger, und in dem Maasse, als diese Entwickelung vorschreitet, -macht sich die Entfaltung der Medulla oblongata, des grossen und kleinen -Gehirns, wobei mehr und mehr die motorischen Theile in den Hintergrund -treten, um zuletzt fast ganz zu verschwinden. Der Anlage nach und im -Grossen bestehen in allen diesen Theilen analoge Verhältnisse; das -Einzige, was bis jetzt wenigstens als eine besonders charakteristische -Eigenthümlichkeit der cerebralen Apparate betrachtet werden kann, ist -die schon früher hervorgehobene Erscheinung, dass am Kleinhirn an der -inneren Seite der hier überall einfachen Lage der Ganglienzellen eine -besondere Schicht vorkommt, die am meisten Aehnlichkeit hat mit den -Körnerschichten der Retina (Fig. 100, _B_). Denn auch hier finden sich -verästelte, fast baumförmige Fäden, welche kleine Körnchen in oft -mehrfacher Reihe in sich schliessen, und welche sich an die -Ganglienzellen in einer wesentlich anderen, namentlich sehr viel -feineren Weise anfügen, als das bei den eigentlichen Nervenfortsätzen -der Fall ist. Nach aussen von der Ganglienschicht zeigt die graue -Substanz eine so auffällig radiäre Streifung, dass man früher dieselbe -gleichfalls mit der Stäbchenschicht der Retina parallelisirte. Indess -ist dies eine ziemlich grobe Aehnlichkeit, für die irgend ein -histologischer Nachweis nicht geliefert werden kann. Es ist vielmehr die -Interstitialsubstanz, welche diese streifigen Abtheilungen besitzt; wie -kürzlich =Herm=. =Hadlich= gefunden hat, ist sie von langen parallelen -Stützfasern durchzogen, welche mit dreieckigen Enden gegen die -Oberfläche ansetzen. - -[Illustration: =Fig=. 100. Schematische Darstellung des Nervenverhaltens -in der Rinde des Kleinhirns nach =Gerlach=. (Mikroskopische Studien Taf. -I. Fig. 3) _A_ weisse Substanz, _B_, _C_ graue Substanz. _B_ -Körnerschicht, _C_ Zellenschicht mit den grossen (Purkinje'schen) -Ganglienzellen.] - -Die Rindenschichten des Gross- und Kleinhirns enthalten einen solchen -Reichthum von Ganglienzellen, dass =Meynert= nach einer ganz -wahrscheinlichen Schätzung ihre Zahl auf eine Milliarde berechnet. Wenn -nicht bezweifelt werden kann, dass diese Zellen zu einem grossen Theile -der eigentlichen =psychischen Thätigkeit= dienen, so ist es gewiss -bemerkenswerth, dass ihre Anhäufungen sich durch ein allmähliches -Anwachsen und Vermehren aus den hinteren Abschnitten des Rückenmarkes -entfalten, dass sie also genetisch dem empfindenden Antheile desselben -angehören. Unzweifelhaft bieten diese =psychischen Ganglienzellen= -manches Besondere und Eigenthümliche auch in ihrer Gestalt dar; -nichtsdestoweniger ist es unmöglich, bis jetzt aus ihren Besonderheiten -und Eigenthümlichkeiten irgend einen Grund für die Vollkommenheit ihrer -Function abzuleiten. Wir müssen uns vor der Hand damit begnügen, ihre -Existenz und ihre äusseren Eigenschaften kennen gelernt zu haben. -- - - * * * * * - -[Illustration: =Fig=. 101. Durchschnitt durch das Rückenmark des -Petromyzon fluviatilis. _F_ Fissura (oder genauer Commissura) anterior, -_F_' Fissura posterior, _c_ Centralkanal mit Epithel. _gm_ grosse, -vielstrahlige Ganglienzellen mit Fortsätzen in der Richtung der vorderen -Wurzeln. _gp_ kleinere, mehrstrahlige Zellen mit Fortsätzen zu den -hinteren Wurzeln, _gs_ grosse, rundliche Zellen in der Nähe der hinteren -Commissur (sympathische Zellen). _n_, _n_ Querdurchschnitte der grossen, -blassen Nervenfasern (=Müller='sche Fasern), _n_' leere Lücken, aus -welchen die grossen Nerven ausgefallen sind, _n_'' Lücke für kleinere -Fasern. Ausserdem zahlreiche Querschnitte feinerer und gröberer Fasern.] - -Der Typus der Rückenmarksbildung, welchen wir beim Menschen kennen -gelernt haben, ist im Wesentlichen derselbe durch die ganze Reihe der -Wirbelthiere oder, wie man sie besser nennen würde, Markthiere[127], -nur dass beim Menschen im Allgemeinen eine grössere Complication und ein -grösserer Reichthum sowohl an Nervenfasern, als an Gangliensubstanz -hervortritt. Es ist gewiss sehr interessant, in dieser Beziehung den -Durchschnitt vom Rückenmarke eines der niedrigsten Wirbelthiere zu -vergleichen. Ich wähle dazu das Neunauge (Petromyzon). Bei diesem -Thiere, welches bekanntlich nahe an der untersten Grenze der -Wirbelthiere überhaupt steht, stellt das Rückenmark ein sehr kleines -plattes Band dar, welches in der Fläche etwas eingebogen ist und auf den -ersten Anblick wie ein wirkliches Ligament aussieht. Macht man einen -Querschnitt davon, so enthält dieser an sich dieselben Theile, die wir -beim Menschen sehen, aber Alles nur in der Anlage. Was wir bei uns graue -Substanz nennen, das findet sich auch hier wieder zu beiden Seiten in -der Gestalt je eines plattlänglichen Lappens, welcher einzelne -Ganglienzellen, aber nur sehr wenige enthält, so dass man auf jeder -Seite des Querschnittes vielleicht 4-5 davon findet. In der -Mitte befindet sich der Centralkanal, und zwar mit derselben -Epithelialschicht, wie beim Menschen. Nach unten und vorn davon sieht -man gewöhnlich eine Reihe von grösseren runden Lücken, welche ganz -ungewöhnlich dicken, zuerst von =Johannes Müller= gesehenen, marklosen -Nervenfasern (Fig. 102, _a_) entsprechen. Weiter nach aussen liegen noch -einzelne dickere, überwiegend jedoch eine grosse Menge ganz feiner -Fasern, welche dem Querschnitte ein sehr buntes, regelmässig getüpfeltes -Aussehen geben. Unter den Ganglienzellen kann man auch hier verschiedene -Arten unterscheiden. Nach aussen in der grauen Substanz liegen -vielstrahlige, nach vorn grössere, nach hinten kleinere und einfachere -Zellen. Mehr nach innen und hinten dagegen finden sich grössere, mehr -rundliche, wie es scheint, diklone (bipolare) Zellen, den sympathischen -Formen vergleichbar. Diese Zellen communiciren über die Mitte durch -wirkliche Faser-Verbindungen, und ausserdem findet man Fortsätze zu den -Nerven, welche nach vorne und rückwärts aus dem Rückenmarke hervortreten -und die vordere und hintere Wurzel bilden. Das ist das einfachste -Schema, welches wir für diese Verhältnisse besitzen, der allgemeine -Typus für die anatomische Einrichtung dieser Theile. - - [127] Vergl. meinen Vortrag über das Rückenmark in der von mir und - v. =Holtzendorff= herausgegebenen Sammlung gemeinverständlicher - wissenschaftlicher Vorträge. 1871. Serie V. Heft 120. - -[Illustration: =Fig=. 102. Blasse Fasern aus dem Rückenmarke des -Petromyzon fluviatilis. _A_ Breite, schmale und feinste Fasern. _B_ -Querschnitte von breiten Fasern mit deutlicher Membran und körnigem -Centrum. Vergr. 300.] - -Besonders zu bemerken ist hier, dass beim Petromyzon in der ganzen -Substanz des Rückenmarkes kein Markstoff in isolirter Ausscheidung -vorhanden ist, wie wir ihn beim Menschen haben; man findet nur einfache, -blasse Fasern, welche =Stannius= geradezu als nackte Axencylinder -angesprochen hat. Abgesehen davon, dass sie zum Theil einen colossalen -Durchmesser haben, so findet man bei genauerer Untersuchung, wie bei den -gelatinösen, grauen Fasern des Menschen, eine auf Querschnitten, -besonders nach Färbung mit Carmin sehr deutliche Membran und im Centrum -eine feinkörnige Substanz, ähnlich einem Axencylinder, so dass man -versucht wird, sie mit gewöhnlichen weissen Nervenfasern zu -vergleichen. =Reissner= hat neuerlich eine ähnliche Ansicht -vertreten. -- - - * * * * * - -Gewinnt man so eine allgemeine Uebersicht über die Einrichtung eines -centralen Nervenapparates, so darf man doch nicht vergessen, dass dies -nur die eigentlich nervösen Theile desselben sind. Will man das -Nervensystem in seinem wirklichen Verhalten im Körper, die nervösen -Elemente in ihrem Zusammenhalte studiren, so ist es unumgänglich nöthig, -auch diejenige Masse zu kennen, welche =zwischen den Nerventheilen= -vorhanden ist, welche diese Theile umfasst und den ganzen Organen -Festigkeit und Gestalt gibt: das =Interstitialgewebe= des Gehirns und -Rückenmarks[128]. - - [128] Geschwülste II. 125 ff. - -Es ist gar nicht so lange her, dass man das Vorhandensein einer solchen -Zwischenmasse eigentlich nur bei den peripherischen Nerven zuliess und -sich begnügte, das Neurilem bis auf die Häute des Rückenmarkes und -Gehirnes zurück zu verfolgen, höchstens dass man noch innerhalb der -Ganglien und im Sympathicus ein besonderes Umhüllungsgewebe anerkannte. -Allerdings hatte schon 1810 =Keuffel= die Existenz eines »fibrösen -Gewebes« im Rückenmarke vertheidigt, aber bis auf wenige Ausnahmen -(=Fr=. =Arnold=) hatten alle Anatomen sich gegen diese Auffassung -erklärt. Namentlich im Gehirne deutete man die Zwischensubstanz gerade -als eine wesentlich nervöse Masse. Eine solche erschien in der That so -lange als ein natürliches Desiderat, als man eine directe Uebertragung -der Erregungen von Faser zu Faser zuliess, als man also die -Nothwendigkeit einer wirklichen Continuität der Leitung innerhalb der -Nerven selbst nicht anerkannte. So sprach man beim Gehirne von einer -feinkörnigen, zwischen die Fasern eingeschobenen Masse, welche freilich -keine vollständige Verbindung zwischen den Fasern herstelle, indem sie -eine gewisse Schwierigkeit in der Uebertragung der Erregungen von einer -Faser zur anderen bedinge, welche aber doch eine Leitung zwischen -denselben ermögliche, indem bei einer beträchtlichen Höhe der Erregung -eben auch eine direkte (seitliche) Uebertragung von Faser zu Faser -stattfinden könne. Diese Masse ist jedoch unzweifelhaft nicht nervöser -Natur, und wenn man ihre Beziehung zu den bekannten Gruppen der -physiologischen Gewebe aufsucht, so kann man darüber nicht im Unsicheren -bleiben, dass es sich um eine Art des Bindegewebes handelt, also um ein -Aequivalent desjenigen Gewebes, welches wir bei den Nerven als -Perineurium kennen gelernt haben (S. 273). Allein der Habitus dieser -Substanz ist allerdings sehr weit verschieden von dem, was wir -Perineurium oder Neurilem nennen. Letztere sind verhältnissmässig derbe, -zum Theil sogar harte und zähe Gewebe, während das Interstitialgewebe -der Centren ausserordentlich weich und gebrechlich ist, so dass man nur -mit grosser Schwierigkeit überhaupt dahin kommt, seinen Bau kennen zu -lernen. - -[Illustration: =Fig=. 103. Ependyma ventriculorum und Neuroglia vom -Boden des vierten Hirnventrikels. _E_ Epithel, _N_ Nervenfasern. -Dazwischen der freie Theil der Neuroglia mit zahlreichen -Bindegewebszellen und Kernen, bei _v_ ein Gefäss, im Uebrigen zahlreiche -Corpora amylacea, welche bei _ca_ noch isolirt dargestellt sind. Vergr. -300.] - -Ich wurde zuerst auf seine Eigenthümlichkeit aufmerksam bei -Untersuchungen, die ich vor 25 Jahren über die sogenannte =innere Haut -der Hirnventrikel= (Ependyma) anstellte[129]. Damals bestand die -Ansicht, welche zuerst durch =Purkinje= und =Valentin=, später -namentlich durch =Henle= geltend geworden war, dass eine eigentliche -Haut in den Hirnventrikeln gar nicht existire, sondern nur ein -Epithelial-Ueberzug, indem die Epithelial-Zellen unmittelbar auf der -Fläche horizontal gelagerter Nervenfasern aufsässen. Diese -Epithelialschicht war es, welche =Purkinje= Ependyma ventriculorum -nannte. Seine Annahme ist freilich von den Pathologen nie getheilt -worden. Die pathologische Anschauung ging ziemlich unbekümmert neben den -histologischen Angaben einher. Indess erschien es doch wünschenswerth, -eine Verständigung zu gewinnen, da in einem bloss epithelialen Ependyma -nicht wohl eine Entzündung vorkommen konnte, wie man sie einer serösen -Haut zuzuschreiben pflegt. Bei meinen Untersuchungen ergab sich nun, -dass allerdings unter dem Epithel der Ventrikel eine Schicht vorhanden -ist, welche an manchen Stellen ganz den Habitus von Bindegewebe, an -anderen jedoch eine so weiche Beschaffenheit besitzt, dass es überaus -schwierig ist, eine Beschreibung von ihrem Aussehen zu liefern. Jede -kleinste Zerrung ändert ihre Erscheinung: man sieht bald körnige, bald -streifige, bald netzförmige oder wie sonst geartete Substanz. Anfangs -glaubte ich mich beruhigen zu dürfen bei dem Nachweise, dass hier -überhaupt ein dem Bindegewebe analoges Gewebe existire und eine Haut zu -constatiren sei. Allein, je mehr ich mich mit der Untersuchung derselben -beschäftigte, um so mehr überzeugte ich mich, dass keine eigentliche -Grenze zwischen dieser Haut und den tieferen Gewebslagen bestehe, und -dass man nur in uneigentlichem Sinne von einer Haut sprechen könne, da -man doch bei einer Haut voraussetzt, dass sie von der Unterlage mehr -oder weniger verschieden und trennbar sei. Im Groben lässt sich freilich -nicht selten eine solche Trennung auch hier vornehmen, aber im Feineren -ist es durchaus nicht möglich. Man sieht, wenn man die Oberfläche irgend -eines Durchschnittes der Ventrikelwand bei stärkerer Vergrösserung -einstellt, zunächst an der Oberfläche ein bald mehr, bald weniger gut -erhaltenes Epithel (Fig. 103, _E_). Im günstigsten Falle trifft man -Cylinder-Epithel mit Cilien, welches sich wenigstens ursprünglich durch -die ganze Ausdehnung der Höhle des Rückenmarkes (Centralkanal) und des -Hirnes (Ventrikel) erstreckt. Unter dieser Lage folgt eine bald mehr, -bald weniger reine Schicht von bindegewebsartiger Structur, welche auf -den ersten Blick gegen die Tiefe hin allerdings scharf abgesetzt -erscheint, denn schon mit blossem Auge, namentlich nach Behandlung mit -Essigsäure, erkennt man sehr deutlich eine äussere, graue und -durchscheinende Lage, während die tiefere Schicht weiss aussieht. Dieses -weisse Aussehen rührt daher, dass hier markhaltige Nervenfasern liegen, -zunächst der Oberfläche einzelne, dann immer mehrere und dichter -gedrängte, in der Regel der Oberfläche parallel (Fig. 103, _N_). So kann -es allerdings scheinen, als sei hier eine besondere Haut, die man von -den letzten Nervenfasern abtrennen könnte. Vergleicht man nun aber damit -die Masse, welche zwischen den Nervenfasern selbst liegt, so zeigt sich -keine wesentliche Verschiedenheit; es ergibt sich vielmehr, dass die -oberflächliche Schicht weiter nichts ist, als der über die -Nervenelemente hinaus zu Tage gehende Theil des Zwischengewebes, welches -überall zwischen den Elementen vorhanden ist, und welches nur hier in -seiner Reinheit zur Erscheinung kommt[130]. Es ist also das Verhältniss -ein continuirliches. - - [129] Zeitschrift für Psychiatrie. 1846. Heft 2. 242. Gesammelte - Abhandlungen 885. - - [130] Archiv 1854. VI. 138. - -Es erhellt aus dieser Darstellung, dass es ein ganz müssiger Streit war, -wenn man Jahre lang darüber discutirte, ob die Haut, welche die -Ventrikel auskleide, eine Fortsetzung der Arachnoides oder der Pia mater -oder ob sie eine eigene Haut sei. Es ist, streng genommen, gar keine -Haut vorhanden, sondern es ist die Oberfläche des Organs selbst, welche -unmittelbar zu Tage geht. Auch an dem Gelenkknorpel müssen wir es als -einen müssigen Streit bezeichnen, welche Art von Haut den Knorpel -überzieht, da der Knorpel selbst bis an die Oberfläche des Gelenkes -herantritt. In gleicher Weise geht auch nichts von der Arachnoides, -nichts von der Pia mater auf die Oberfläche der Ventrikel: die letzte -Ausbreitung, welche diese Häute nach innen aussenden, ist die Tela -(Velum) chorioides mit den Plexus chorioides. Ueber diese hinaus findet -sich kein seröser Ueberzug mehr, welcher die innere Fläche der -Hirnhöhlen auskleidet. Aus diesem Grunde kann man die Zustände der -Hirnhöhlen nicht vollkommen vergleichen mit den Zuständen der -gewöhnlichen serösen Säcke. Es kann allerdings an der Tela chorioides -oder den Plexus eine Reihe von Erscheinungen auftreten, welche parallel -stehen den Störungen anderer seröser Häute, aber nie findet dies ganz in -derselben Art an der Ventrikeloberfläche des Gehirns selbst statt. - -Das interstitielle Gewebe der Centralorgane des Nervensystems bildet -demnach an der Oberfläche der Hirnhöhlen, und, wie ich sofort hinzufüge, -auch des Centralkanals des Rückenmarks eine hautartige Schicht, welche -continuirlich in die Zwischenmasse, den eigentlichen Kitt, welcher die -Nervenmasse zusammenhält, übergeht. Obwohl zu der grossen Klasse der -Gewebe der Bindesubstanz gehörig (S. 40), zeigt es doch so wesentliche -Eigenthümlichkeiten, dass ich mich veranlasst sah, ihm den neuen Namen -der =Neuroglia= (Nervenkitt) beizulegen[131]. Die Ansicht, dass es sich -um ein Aequivalent des Bindegewebes handele, ist in der neueren Zeit -fast von allen Seiten recipirt worden, allein über die Art seiner -Zusammensetzung und über die Ausdehnung, in welcher man die einzelnen im -Gehirn und Rückenmark vorkommenden Elemente dieser Substanz zuzurechnen -hat, sind die Meinungen noch getheilt. Schon als ich meine ersten -weitergehenden Untersuchungen über diese Theile anstellte, ergab es -sich, dass gewisse sternförmige Elemente, welche in der Mitte des -Rückenmarks, im Umfange des nachher genauer constatirten Centralkanals, -in dem von mir so genannten =centralen Ependymfaden=[132] vorkommen, und -welche bis dahin als Nervenzellen betrachtet worden waren, unzweifelhaft -der Neuroglia angehörten. Es ist späterhin, namentlich durch die -Dorpater Schule unter =Bidder=, eine Reihe von Untersuchungen publicirt -worden, in denen man die Mehrzahl aller Zellen des Rückenmarks diesem -Bindegewebe zugerechnet hat. =Bidder= selbst fasste zuletzt alle Zellen, -welche in der hinteren Hälfte des Rückenmarkes vorkommen, also auch -wirkliche Ganglienzellen, als Bindegewebskörper auf. Auf der anderen -Seite leugnete =Jacubowitsch= früher, dass überhaupt im Hirn oder -Rückenmark irgendwo zellige Theile des Bindegewebes vorkommen; das -freilich auch von ihm als Bindesubstanz aufgefasste Zwischengewebe -schilderte er als eine ganz amorphe, fein granulirte oder netzartige -Masse, welche durchaus nirgend geformte Theile mit sich führe. Zwischen -diesen Extremen, so glaube ich, ist es empirisch vollkommen -gerechtfertigt, die Mitte zu halten. Es kann meiner Ueberzeugung nach -nicht bezweifelt werden, dass die grossen Elemente, welche in den -hinteren Körnern des Rückenmarks enthalten sind, Nervenzellen sind, -allein auf der anderen Seite muss ebenso bestimmt behauptet werden, -dass, wo Neuroglia vorkommt, dieselbe stets eine gewisse Zahl von -zelligen, ihr gehörigen Elementen enthält. An der Oberfläche der -Hirnventrikel kommen gewöhnlich der Oberfläche parallel liegende -Spindelzellen vor, ähnlich, wie man sie in anderen Bindegewebsarten -findet, bald kleinere, bald grössere; macht man schräge Schritte, so -geben sie sich oft als sternförmige Elemente zu erkennen (Fig. 103). - - [131] Gesammelte Abhandl. 890 - - [132] Archiv VI. 137. - -[Illustration: =Fig=. 104. Elemente der Neuroglia aus der weissen -Substanz der Grosshirnhemisphäre des Menschen. _a_ freie Kerne mit -Kernkörperchen, _b_ Kerne mit körnigen Resten des bei der Präparation -zertrümmerten Zellenparenchyms, _c_ vollständige Zellen. Vergr. 300.] - -Ein ganz ähnlicher Bau, wie wir ihn früher vom Bindegewebe kennen -gelernt haben, insbesondere ähnliche Elemente mit einer weichen, -feinfaserigen oder netzförmigen Intercellularsubstanz finden sich auch -zwischen den Nervenfasern des Hirns und Rückenmarks vor, aber sie sind -so weich und gebrechlich, dass man meist nur Kerne wahrnimmt, die in -gewissen Abständen in der Masse zerstreut sind. Wenn man aber genau -sucht, so kann man selbst an frischen Objecten regelmässig einzelne -weiche, zellige Körper erkennen, welche einen feinkörnigen Leib und -grosse, granulirte Kerne mit Kernkörperchen besitzen und als rundliche -oder linsenförmige, häufig mit feinen Fortsätzen versehene Gebilde in -einer allerdings nicht sehr beträchtlichen Menge zwischen den -Nervenelementen liegen. An gewissen Stellen ist es freilich bis jetzt -unmöglich gewesen, eine scharfe Grenze zu ziehen zwischen beiden -Geweben, so namentlich an der Oberfläche des kleinen Gehirns zwischen -den Körnern, welche ich vorher (S. 313) schilderte, und welche mit -grossen Ganglienzellen zusammenhängen, einerseits und den Elementen des -Bindegewebes andererseits. Namentlich wenn man die Theile aus dem -Zusammenhange gerissen sieht, so kann man nicht leicht einen Unterschied -machen; eine bestimmte Deutung ist nur so lange möglich, als man sie in -ihrer natürlichen Lage übersieht. - -Wie in allen Geweben der Bindesubstanz, so liegen auch hier die Elemente -(Glia-Zellen) in einer Intercellularsubstanz, welche je nach den -einzelnen Orten in sehr verschiedener Mächtigkeit auftritt. Im -Allgemeinen ist die gliöse Intercellularsubstanz weich, aber, wie wir -schon bei der Betrachtung des Ependyms sahen (S. 317), sie bietet sehr -verschiedene Grade der Festigkeit und der inneren Zusammensetzung dar. -Obwohl sie frisch fast überall eine mehr gleichmässige, mit feinen -Pünktchen oder Körnchen versehene, weiche und gebrechliche Masse -darstellt, die deshalb von Einigen geradezu als eine Art von Protoplasma -angesprochen wird, so zeigt sie doch auch ohne besondere -Vorbereitung an manchen Stellen eine faserige, mehr oder weniger der -Intercellularsubstanz des Bindegewebes analoge Beschaffenheit. Erhärtet -man sie vorsichtig durch chemische Mittel, so tritt überall eine -feinfaserige Einrichtung hervor. Diese Fäserchen sind von äusserster -Zartheit, so dass es in der grauen Substanz noch nicht gelungen ist, sie -überall von den reiserförmigen Fortsätzen der Ganglienzellen (S. 307) zu -unterscheiden, ja dass Einzelne sogar einen Zusammenhang zwischen beiden -angenommen haben. Diese Schwierigkeit ist namentlich dadurch bedingt, -dass die gliösen Fäserchen an zahlreichen Stellen ein feines Netzwerk -bilden, welches sich den Hirnzellen so eng anschliesst, dass man Mühe -hat, die Ausläufer dieser Zellen, welche gleichfalls fibrillär sind, von -den intercellularen Fibrillen zu trennen. Verhältnissmässig am nächsten -unter den Geweben der Bindesubstanz steht das Schleimgewebe. - -Gewiss ist es von erheblicher Wichtigkeit zu wissen, dass in allen -nervösen Theilen, sowohl den centralen, als den peripherischen, ausser -den eigentlichen Nervenelementen noch ein zweites Gewebe vorhanden ist, -welches sich anschliesst an die grosse Gruppe von Bildungen, welche den -ganzen Körper durchziehen, und welche wir in den früheren Capiteln als -Gewebe der Bindesubstanz kennen gelernt haben. Spricht man von -pathologischen oder physiologischen Zuständen des Hirns oder -Rückenmarks, so handelt es sich zunächst immer darum, zu erkennen, in -wieweit dasjenige Gewebe, welches getroffen ist, welches leidet oder -erregt ist, nervöser (parenchymatöser, specifischer) oder gliöser -(interstitieller) Art ist. Für die Deutung krankhafter Processe -gewinnen wir so von vornherein die wichtige Scheidung der Affectionen -der Nerven, des Hirns und Rückenmarks in interstitielle und -parenchymatöse [nervöse][133], und die Erfahrung lehrt, dass gerade das -interstitielle Gewebe einer der häufigsten Sitze krankhafter -Veränderung, z. B. fettiger Degeneration, Induration, Proliferation ist. -Es versteht sich von selbst, dass die Erkrankungen dieses -interstitiellen Gewebes ganz denen anderer Bindegewebsmassen gleichen, -dass also auch Gehirn, Rückenmark und Nerven dieselben Arten von -Veränderung erfahren können, die an der Haut, der Cornea, dem -interstitiellen Gewebe der Leber oder Nieren vorkommen. - - [133] Entwickelung des Schädelgrundes 96, 100. - -Innerhalb der Neuroglia verlaufen die Gefässe, welche daher von der -Nervenmasse fast überall ausser ihrer Adventitia (Lymphscheide) noch -durch ein leichtes Zwischenlager getrennt sind und nicht in -unmittelbarem Contact mit derselben sich befinden. Die Neuroglia -erstreckt sich in der besonders weichen Form, welche sie an den -Central-Organen, besonders am Gehirne hat, nur noch auf diejenigen -Theile, welche als direkte Verlängerungen der Hirnsubstanz betrachtet -werden müssen, nehmlich auf einige höhere Sinnesnerven. Der Olfactorius -und Acusticus zeigen noch dieselbe Beschaffenheit der Zwischenmasse, -während in den übrigen Theilen, selbst schon im Opticus, eine zunehmende -Masse eines derberen Gewebes auftritt, welches den Charakter des -Perineuriums annimmt. - -Perineurium und Neuroglia sind also äquivalente Theile, nur dass die -letztere eine weiche, markige, gebrechliche, fast schleimige -Beschaffenheit hat, während das erstere sich den fibrösen Theilen -anschliesst. Das Neurilem aber verhält sich zum Perineurium, wie die -Hirn- und Rückenmarkshäute zu der Neuroglia. - -Ueberall, wo Neuroglia vorhanden ist, zeigt sich noch eine ganz -besondere Eigenthümlichkeit, welche sich bis jetzt weder chemisch noch -physikalisch deuten lässt; überall da können nehmlich jene -eigenthümlichen Körper vorkommen, welche schon durch ihren Bau an die -Körner der Pflanzenstärke erinnern und deshalb von ihrem Entdecker, -=Purkinje=, den Namen der =Corpora amylacea= (Fig. 103, _a_) erhielten. -Durch ihre chemische Reaction stellen sie sich den pflanzlichen -vollständig an die Seite. Am meisten ausgedehnt und am mächtigsten -liegen sie im Ependyma der Hirnventrikel und des Spinalkanals, und zwar -um so reichlicher, je grösser die Dicke der Ependymaschicht ist. Man -findet sie gewöhnlich an manchen Stellen nur vereinzelt, an anderen -dagegen nimmt ihre Zahl so sehr zu, dass die ganze Dicke des Ependyms -davon in einer solchen Weise eingenommen ist, dass es aussieht, als wenn -man ein Pflaster vor sich hätte. Die Corpora amylacea treten aber -merkwürdiger Weise auch unter pathologischen Verhältnissen häufig in -grösser Menge auf, wenn durch eine krankhafte Störung die Masse der -Neuroglia im Verhältnisse zur Nervensubstanz zunimmt, z. B. -nach Processen der Atrophie (S. 278). Bei der Tabes dorsualis, wie man -früher sagte, der gelatinösen oder grauen Atrophie einzelner -Rückenmarksstränge, wie ich den Zustand genannt habe[134], findet man in -dem Maasse, als die Atrophie fortschreitet, als die Nerven untergehen, -in gewissen Richtungen, z. B. in den hinteren Strängen, meist zunächst -an der hinteren Spalte keilförmige Züge, in welchen die bis dahin weisse -Substanz von aussen her grau und durchscheinend wird. Es sieht dann aus, -als entstände neue graue Substanz. Diese Umwandlung kann fortschreiten -und geht gewöhnlich in der Weise fort, dass der Keil immer höher und -höher steigt und zugleich an Breite zunimmt. In seinen Grenzen schwindet -nun allmählich die ganze markhaltige Substanz; man findet keine -deutlichen Nerven an diesen Stellen mehr; dagegen durchsetzt sich die -Neuroglia sehr häufig mit einer massenhaften Anhäufung von Corpora -amylacea. - - [134] Archiv VIII. 143, 540. X. 102. XLVIII. 520. - -[Illustration: =Fig=. 105. Durchschnitt des Rückenmarkes bei partieller -(lobulärer) grauer oder gelatinöser Atrophie (Degeneration). _f_ Fissura -longitudinalis posterior, _s_, _s_ hintere, _m_, _m_ vordere Nervenwurzeln, -in Verbindung mit der grauen Substanz der Hörner. In _A_ geringere, in -_B_ ausgedehnte Atrophie, die sich in den Hintersträngen um die -Mittelspalte _f_, und bei _l_ in den Seitensträngen zeigt. Natürliche -Grösse.] - -Trotz dieser Massenhaftigkeit ist es für die Betrachtung mit dem blossen -Auge ganz unmöglich, irgend etwas von der Anwesenheit der Corpora -amylacea wahrzunehmen. Man sieht weder die einzelnen Körper, welche -niemals zu einer makroskopischen Grösse anwachsen, noch ihre Haufen. -Denn die Körper sind so wenig lichtbrechend, dass ihre Anwesenheit sich -durch keine gröbere Eigenschaft oder Wirkung bemerkbar macht. Sie lassen -sich daher nur durch das Mikroskop diagnosticiren. - -Nirgends im Körper hat man bis jetzt ein vollständiges Analogon dieser -Art von Bildungen gefunden. Nur in denjenigen Theilen, welche bei der -embryonalen Entwickelung als direkte Ausstülpungen aus der Hirnsubstanz -hervorgehen, nehmlich in den höheren Sinnesorganen, wo ursprünglich eine -gewisse Quantität von Centralnervenmasse in Sinneskapseln eintrat, -namentlich in dem Acusticus, Olfactorius, Opticus, in der Cochlea und -Retina kommen zuweilen Corpora amylacea vor, doch ist bis jetzt die -chemische Reaction an denen der Retina nicht gelungen. Auch bei Thieren -fehlt es bis jetzt fast ganz an analogen Beobachtungen, und erst in der -letzten Zeit hat =Bütschli= bei der Gregarine, einer entozoischen -Monere, ähnliche Körper aufgefunden. Sehr bemerkenswerth ist der -Umstand, dass auch der Neugeborne noch nirgends Corpora amylacea -besitzt, ja dass sie selbst bei der so häufigen congenitalen grauen -Atrophie der Rückenmarksstränge fehlen. Ihre Entwickelung beginnt erst -in einer späteren Zeit des Lebens, und man wird daher um so eher -geneigt, sie für ein pathologisches Produkt zu halten, als ihre Zahl und -selbst ihr zeitliches Erscheinen sehr wesentlich durch das Auftreten -pathologischer Prozesse bestimmt wird. Nichtsdestoweniger sind sie bei -Erwachsenen so constant, dass man sie als einen typischen Bestandtheil -der Neuroglia betrachten muss. - -Isolirt man solche Körper, so zeigen sie in jeder Beziehung eine so -vollständige Analogie mit pflanzlicher Stärke, dass schon lange, bevor -es mir gelang[135], die Analogie der chemischen Reaction zu finden, -wegen der morphologischen Aehnlichkeit die Bezeichnung der Corpora -amylacea eingeführt war. Freilich hat man von manchen Seiten die -chemische Uebereinstimmung der thierischen und pflanzlichen -Amyloidkörper bezweifelt; namentlich hatte =Heinrich Meckel= grosse -Bedenken dagegen, indem er vielmehr eine Beziehung der ersteren zu -Cholestearin annahm. In der neueren Zeit ist aber selbst von Botanikern -vom Fach die Sache untersucht worden, und jeder, der sich genauer damit -beschäftigte, hat bis jetzt dieselbe Ueberzeugung gewonnen, welche ich -aussprach. =Nägeli= erklärt die Körper des Gehirns für ganz veritable -Stärke. - - [135] Archiv VI. 135, 416. VIII. 142. - -Morphologisch erscheinen sie entweder als ganz runde, regelmässig -geschichtete Körper, oder das Centrum sitzt etwas seitlich, oder es sind -Zwillingskörper; meist sehen sie mehr homogen, blass, mattglänzend, wie -fettartig aus. Behandelt man sie mit Jod, so färben sie sich -blassbläulich oder graublau, wobei freilich die richtige Concentration -des Reagens sehr viel ausmacht. Setzt man hinterher Schwefelsäure zu, so -bekommt man bei regelrechter Einwirkung, am besten bei sehr langsamer -Einwirkung des Reagens ein schönes Blau. Wirkt Schwefelsäure stark ein, -so erhält man eine violette, schnell braunroth oder schwärzlich werdende -Färbung, welche von der Färbung der Nachbartheile sich auf das -Entschiedenste absetzt, denn diese werden gelb oder höchstens gelbbraun. - -Mit den Corpora amylacea darf eine in ihrer Nachbarschaft häufig -vorkommende und in morphologischer Beziehung ihnen sehr nahe stehende -Art von Bildungen nicht verwechselt werden, nehmlich die Körner des -=Gehirnsandes=. Am längsten kennt man dieselben aus der Basis der Zirbel -(Conarium, Glandula pinealis), wo sie in einem grösseren Häufchen, dem -von den Gebrüdern =Wenzel= sogenannten Acervulus zu liegen pflegen. -Jedoch sind sie manchmal durch einen grossen Theil der Substanz der -Zirbel zerstreut. Nächstdem fand man sie in den Plexus choroides, -namentlich in dem sogenannten Glomus, wo sie pathologisch zuweilen -gleichfalls grosse Haufen bilden. Ich habe indess gezeigt, dass sie auch -an zahlreichen anderen Stellen der Hirnhäute, und zwar sowohl der Pia, -als der Dura mater, unter pathologischen Verhältnissen in Lymphdrüsen -und an serösen Häuten vorkommen[136]. Jedenfalls finden sie sich -physiologisch niemals im Innern der nervösen Theile; ihr Vorkommen ist -streng gebunden an die Häute. Diese =Sandkörper= (Corpora arenacea) -bestehen, wie die Corpora amylacea, aus concentrischen Schichten, aber -sie werden sehr schnell der Sitz einer Kalkablagerung, welche sie -allmählich ganz und gar durchdringt. Löst man die Kalksalze durch -Säuren, so bleibt ein streifiges Gerüst einer lamellären organischen -Substanz, welche niemals Jod- oder Jod-Schwefelsäure-Reaction gibt. Auch -ihre beträchtliche Grösse, welche schnell makroskopisch wird, gestattet -leicht ihre Unterscheidung von den Corpora amylacea. Dagegen kommen sie -darin mit den letzteren überein, dass sie beim Neugebornen noch nicht -vorhanden sind, sondern sich erst im Laufe des extrauterinen Lebens -entwickeln. - - [136] Würzburger Verhandl. I. 144. II. 53. VII. 228. Geschwülste II. - 107. - - - - - Fünfzehntes Capitel. - - Leben der Elemente. Thätigkeit und Reizbarkeit. - - - Das Leben der einzelnen Theile. Die Einheit der Neuristen. Einwände - dagegen. Mythologische Natur der neuristischen Lehren. Animismus: - Archaeus, Zellenseele. Das Bewusstsein. Die Thätigkeit der - einzelnen Theile. Begriff der Reizung: Passion und Action. Die - Erregbarkeit (Reizbarkeit) als allgemeines Kriterium des Lebens. - Partieller Tod: Nekrobiose und Nekrose. Nichterregbarkeit der - Intercellularsubstanz. - - Verrichtung, Ernährung und Bildung als allgemeine Formen der - Lebensthätigkeit. Verschiedenheit der Reizbarkeit je nach diesen - Formen. - - Functionelle Reizbarkeit. Nerv, Muskel, Flimmerepithel, Drüsen. - Ermüdung und functionelle Restitution. Reizmittel. Specifische - Beziehung derselben. Muskelirritabilität. Geringer praktischer - Werth derselben. - - Nervenirritabilität. Grosse Bedeutung derselben. Falsche Deutung - derselben als Empfindlichkeit oder als Contractilität. Innervation. - Bewusste und unbewusste Empfindungen. Nervenkraft (Nervenseele, - Neurilität). Specifische Unterschiede der constituirenden Theile - des Nervensystems. Die Leitung der Electricität als Zubehör der - Nervenfasern, die Sammlung (Hemmung, Verstärkung) und Lenkung als - Zubehör der Ganglienzellen. Moderations-Einrichtungen. Instinctives - und intellectuelles Leben. Bewusstsein. Nothwendigkeit einer - histologischen Localisation der nervösen Functionen. Erregung der - Ganglienzellen: verschiedene Energie und verschiedene Combination - (Synergie) derselben. Spannung und Entladung von Ganglienzellen. - Psychologische Auffassung der Affecte und Triebe. Die pathologische - Nervenfunction: quantitative Abweichung (Krampf, Lähmung) und - combinatorische Abweichung (Epilepsie). - - Drüsen-Irritabililät. Verschiedene Gruppen von Drüsen je nach dem - Typus der Secretion. Die Drüsen mit persistenten Zellen: Leber, - Nieren. Glykogenie. - - Automatische Elemente. Geschichtliches. Sarkode, Protoplasma. - Amöboide Erscheinungen. Bewegliche Zellen. Verwechselungen des - Automatismus mit den Wirkungen physikalischer Osmose (Schrumpfung - und Schwellung). Aeussere Gestaltveränderungen mit Aussenden und - Einziehen von Fortsätzen (Polymorphismus); innere - Molecularbewegung, Vacuolenbildung, Abschnürung von Theilen des - Zellkörpers. Befestigte (fixe) und bewegliche (mobile) Zellen. - Wanderung und Mobilisirung der Zellen. Voracität: - Blutkörperchenhaltige Zellen. Mechanisches Eindringen von fremden - Körpern in Zellen. Der Automatismus als Merkmal der Irritabilität. - - Die pathologischen Abweichungen der Function: Mangel (Defect), - Schwächung und Steigerung. Absolute Zurückweisung der Annahme - qualitativer Heterologie. - -Wenn man, wie es in den vorhergehenden Capiteln versucht worden ist, die -gesammte histologische Einrichtung des Körpers überblickt, so scheint es -mir, man müsse mit Nothwendigkeit zu demjenigen Schlusse geführt werden, -der, meiner Ansicht nach, als Ausgangspunkt für alle weiteren -Betrachtungen zu dienen hat, welche über Leben und Lebensthätigkeit -angestellt werden, zu dem Schlusse nehmlich, dass jeder Theil des -Körpers eine Mehrheit von kleinen wirkungsfähigen Centren oder Elementen -darstellt, und dass nirgends, soweit unsere Erfahrung reicht, ein -einfacher anatomischer Mittelpunkt existirt, von dem aus die -Thätigkeiten des Körpers in einer erkennbaren Weise geleitet -werden[137]. Schon nach den Erfahrungen des täglichen Lebens, die einem -Jeden fast von selbst zufliessen, ist dies die einzige Deutung, welche -zugleich ein Leben der einzelnen Theile und ein Leben der Pflanze -anzunehmen gestattet. Sie allein setzt uns in den Stand, eine -Vergleichung anzustellen sowohl zwischen dem Gesammtleben des -entwickelten Thieres und dem Einzelleben seiner kleinsten Theile, als -auch zwischen dem Ganzen des Pflanzenlebens und dem Leben der -einzelnen Pflanzentheile. Sie macht es endlich möglich, die -Entwickelungsgeschichte des Eies und des Fötus auf dieselben -Grundgesetze zurückzuführen, welche für das spätere Leben und die -krankhafte Störung Gültigkeit haben. =Und das ist das Hauptkriterium, -nach welchem wir den Werth einer biologischen Theorie beurtheilen -müssen=. - - [137] Archiv IV. 376. VIII. 15. IX. 34. Gesammelte Abhandl. 50. - -Die entgegenstehende Auffassung, welche noch vor Kurzem mit einer -gewissen Energie heraustrat, diejenige, welche im Nervensystem den -eigentlichen Mittelpunkt des Lebens sieht, hat die überaus grosse -Schwierigkeit vor sich, dass sie in demselben Apparate, in welchen sie -die Einheit verlegt, die gleiche Zerspaltung in unzählige, einzelne -Centren wiederfindet, welche der übrige Körper darbietet, und dass sie -an keinem Punkte des Nervensystems den wirklichen Mittelpunkt -aufzuweisen vermag, von welchem, als von einem bestimmenden, alle Theile -derselben beherrscht würden. - -Man hat gut reden, dass das Nervensystem die Einheit des Körpers -bewirke, insofern allerdings kein anderes System vorhanden ist, welches -sich einer so vollkommenen Verbreitung durch die verschiedensten -peripherischen und inneren Organe erfreut. Allein selbst diese weite -Verbreitung, selbst die vielfachen Verbindungen, die zwischen den -einzelnen Theilen des Nervenapparates bestehen, sind keinesweges -geeignet, um ihn als einfaches Centrum aller organischen Thätigkeiten -erscheinen zu lassen. Wir haben im Nervenapparate bestimmte kleine, -zellige Elemente gefunden, welche als Mittelpunkte der Bewegung dienen, -aber wir finden nicht Eine einzelne Ganglienzelle, von welcher alle -Bewegung in letzter Instanz ausginge; die verschiedensten einzelnen -motorischen Apparate stehen auch mit den verschiedensten einzelnen -motorischen Ganglienzellen in Beziehung. Allerdings sammeln sich die -Empfindungen an bestimmten Ganglienzellen, allein auch hier finden wir -keine einzelne Zelle, welche etwa als Centrum aller Empfindung -bezeichnet werden könnte, sondern wieder sehr viele kleinste Centren. - -Die Neuristen (ich wähle diese Bezeichnung der Kürze wegen für die -Anhänger der, am meisten in gewissen neuropathologischen Werken -niedergelegten Ansicht von der dominirenden Bedeutung des Nervensystems) -haben sich ihre Sache dadurch leicht gemacht, dass sie nachzuweisen -versuchten, wie alle Lebensthätigkeit vom Nervensystem aus angeregt, -alle einzelnen Lebensverrichtungen durch Nerveneinfluss (=Innervation=) -hervorgerufen würden. Dass von diesem Standpunkte aus die Geschichte der -Eizelle und aller ihrer Tochterelemente bis zu dem Zeitpunkte hin, wo -Nerven existiren, einfach bei Seite geschoben werden muss, liegt auf der -Hand. Dass auch im entwickelten Individuum die Lebensvorgänge aller -derjenigen Theile, in denen wir bis jetzt noch keine Nerven kennen, -- -ich erwähne nur die Knorpel, die Linse, den Glaskörper, -- als nicht -vorhanden betrachtet werden müssen, bedarf keines Beweises. Aber wenn -man auch annehmen wollte, wozu die ungeahnten Entdeckungen der letzten -Jahre im Gebiete der feinsten Anatomie der Nerven einen scheinbaren -Grund darbieten, dass es bei weiterer Forschung gelingen werde, in allen -Theilen des ausgewachsenen Körpers Nerven aufzufinden, so sind wir doch -noch fern davon, beweisen zu können, dass jeder einzelne Theil von -diesen Nerven beeinflusst wird. Die blosse Existenz eines Nerven beweist -doch noch nicht, dass er eine Einwirkung auf seine Nachbarschaft -ausübt. Die Enden des Geruchsnerven treten, wie wir sahen (S. 289), bis -zwischen die Epithelzellen der Regio olfactoria, aber sie »riechen« -eben, und es wäre kühn, wenn man sofort annehmen wollte, dass sie -ausserdem das benachbarte Epithel innerviren. - -Wir können aber noch mehr zugestehen. Selbst wenn dargethan würde, dass -jeder einzelne, noch so kleine Theil des Körpers innervirt wird, so -folgt daraus noch keineswegs, dass in dieser Innervation das ganze Leben -der Theile enthalten ist. Die Blutkörperchen sind gewiss ohne irgend -eine direkte Verbindung mit Nervenfasern, sowohl die rothen, als die -farblosen; nichtsdestoweniger kann man sich vorstellen, dass von den -Nerven aus auf sie eine Einwirkung, etwa eine elektrische, ausgeübt -werde. Allein hören die Blutkörperchen auf zu leben, wenn wir sie diesen -Einwirkungen entziehen? Respiriren nicht die rothen Blutkörperchen auch -ausserhalb des Körpers? Fahren die farblosen nicht unter dem Mikroskope -fort sich zu bewegen? =Der Gedankengang der Neuristen ist ein -vollständig mythologischer=. Wie sie heute die Gewebe des Körpers im -Verhältnisse zu dem Nervensystem betrachten, so betrachteten die -Naturvölker die lebenden Individuen im Verhältnisse zu der Sonne, und -gewiss mit eben so viel Recht. Wärme und Licht sind die »belebenden« -Faktoren der Welt. Leben ist ohne Licht und Wärme unmöglich. Das Calidum -innatum der altgriechischen Philosophen führte ganz consequent zu der -Sonne hin. Sollen wir nun aber dabei stehen bleiben, dass jede unserer -Lebensverrichtungen von der Sonne abhängig sei? Dass, weil die Sonne -eine nothwendige Vorbedingung alles Lebens ist, auch das ganze Leben -nichts als Sonnenwirkung sei? Ein solcher Sonnendienst wäre jedenfalls -dem Nervendienste noch vorzuziehen, denn wir gewinnen hier wenigstens -eine andere Einheit, als in dem Nerven=system=. - -Denn das Nervensystem ist eben ein System, d. h. ein aus vielen -wirkenden Theilen zusammengesetztes Ganzes. Wenn wir zunächst aus ihm -das Rückenmark als den für die gewöhnlichen Lebensvorgänge des -Wirbelthierkörpers am meisten bestimmenden Theil auslösen, so wird -niemand leugnen können, dass wir hier eine Art von Mittelpunkt (genauer -Mittelglied) finden, zu dem zahllose Ströme hingehen und von dem eben so -zahllose Ströme ausgehen. Aber sicherlich ist dieser Mittelpunkt kein -einheitlicher im philosophischen Sinne, und unsere Neuristen übersehen -nur zu leicht, dass selbst materiell hier jene Einheit nicht zu finden -ist, welche sie suchen. Man kann das Rückenmark in eine gewisse Zahl von -Abschnitten zerlegen, von denen jeder einzelne gewisse peripherische -Theile innervirt und auch noch nach der Zerlegung zu innerviren -fortfährt. Aber mit jedem Schnitte durch das Rückenmark schaffen wir uns -ein getrenntes »System«, eine immer grössere Zahl gesonderter -»Mittelpunkte«. - -Mit dem Gehirn ist es nicht anders. Die Anatomie »zerlegt« es in eine -grosse Zahl besonderer Provinzen mit specifischer Thätigkeit, von denen -jede ihr eigenes Leben lebt, und in diesen Provinzen kommen wir endlich -auf jene Milliarde kleinster Heerde oder Elemente, welche wir vor Kurzem -zum Gegenstande unserer Betrachtung gemacht haben. Nirgends in der -körperlichen Einrichtung ist hier eine wirkliche Einheit, und selbst der -Lebensknoten (noeud vital) von =Flourens= hilft uns nicht über die -materielle Schwierigkeit hinweg. Denn er beweist nur, dass gewisse, für -das Collectivleben des Körpers unentbehrliche Functionen, namentlich die -Thätigkeit des Vagus, auf eine gewisse =Gruppe= von Ganglienzellen -zurückgeführt werden kann. - -Der Neurismus führt daher zu dem ersehnten Ziele nicht. Man muss alsdann -über das Körperliche hinaus gehen und mit dem alten =Georg Ernst Stahl= -in den Hafen des =Animismus= einlaufen. Nur die immaterielle Seele -bietet die Möglichkeit einer wirklichen Einheit. Aber diese Wirklichkeit -ist nur eine gedachte. Sie ist nicht mehr Gegenstand der -naturwissenschaftlichen Beobachtung, der Messung, des Experiments. Auch -genügt die Eine Seele nicht zur Erklärung des Lebens der einzelnen -Theile. Man muss dann noch einen Schritt weiter rückwärts machen und mit -=Paracelsus= und =van Helmont= jedem einzelnen Theile seine besondere -Seele, seinen =Archaeus= sichern. Wie man von der Gehirnseele zu der -Rückenmarksseele gelangt ist, so kommt man bei der heutigen Kenntniss -der Dinge nothwendig zu einer oder eigentlich zu zahllosen -=Zellenseelen=. Die Eizelle nimmt diese Seele von der Mutter mit und -überträgt sie auf die unendliche Brut von neuen Zellen, welche sie -ihrerseits hervorbringt, bis dieselbe sich in den Ganglienzellen des -neuen Gehirns wieder zu einer Gehirnseele entfaltet. - -Man bewegt sich hier in einem Kreise. Wie man es auch anfängt, um zur -Einheit zu gelangen, immer langt man wieder bei der Vielheit an. Sind -das Lebensprincip und die Seele identisch, so ist auch die Seele in -jedem einzelnen Theile. Die Erfahrungen des Nervenlebens gestatten es am -allerwenigsten, das Lebensprincip auf eine einzelne Stelle zu -localisiren. Alle Thätigkeiten, welche vom Nervensystem ausgehen, und -gewiss sind es sehr viele, lassen uns nirgends anders eine Einheit -erkennen, als in unserem eigenen Bewusstsein[138]; eine anatomische oder -physiologische Einheit ist wenigstens bis jetzt nirgends nachweisbar. -Und, wie gesagt, könnte man wirklich in dem Nervensystem mit seinen -zahlreichen einzelnen Centren den Mittelpunkt aller organischen -Thätigkeit nachweisen, so würde man damit nicht gewonnen haben, was man -sucht, die einfache Einheit. Macht man sich die Gründe klar, die uns zu -dem Aufsuchen einer solchen Einheit veranlassen, so kann es nicht -zweifelhaft sein, dass wir durch die geistigen Phänomene unseres Ichs -immerfort irre geführt werden in der Deutung der organischen Vorgänge. -Da wir uns selbst als etwas Einfaches und Einheitliches fühlen, so -folgern wir, dass von diesem selben Einheitlichen alles Andere bestimmt -werden müsse. - - [138] Gesammelte Abhandl. 14, 16. Archiv VII. 18. - -Man verfolge aber doch einmal die Entwickelung einer bestimmten Pflanze -von ihrem ersten Keime bis zu ihrer höchsten Entfaltung; hier trifft man -eine ganz analoge Reihe von organischen Vorgängen, wie bei der -Entwickelung eines Thieres, ohne dass man auch nur vermuthen könnte, es -bestände eine solche Einheit, wie wir sie unserem Bewusstsein nach in -uns voraussetzen. Niemand ist im Stande gewesen, ein Nervensystem bei -den Pflanzen zu zeigen; nirgend hat man gefunden, dass von einem -einzigen Punkte aus die ganze entwickelte Pflanze beherrscht werde. Alle -heutige Pflanzenphysiologie beruht auf der Erforschung der -Zellenthätigkeit, und wenn man sich immer noch sträubt, dasselbe Princip -auch in die thierische Oekonomie einzuführen, so ist, wie ich glaube, -gar keine andere Schwierigkeit da, als die, dass man die ästhetischen -und moralischen Bedenken nicht zu überwinden vermag. - -Es kann natürlich an diesem Orte unsere Sache nicht sein, diese Bedenken -zu widerlegen oder zu zeigen, wie sie sich vermitteln liessen; ich -hatte nur zu zeigen, wie sowohl die Physiologie, als die Pathologie, die -uns zunächst interessirt, überall auf dasselbe cellulare Princip -zurückführt, und wie dieses Princip überall den einheitlichen -Auffassungen widerstreitet, welche man vom neuristischen Standpunkte aus -behauptet. Es ist dies im Grunde kein neuer und ungewöhnlicher Gedanke. -Wenn man seit Jahrtausenden von einem Leben der einzelnen Theile -spricht, wenn man den Satz zulässt, dass unter krankhaften Verhältnissen -ein Absterben einzelner Theile, eine Nekrose, ein Brand eintreten kann, -während das Ganze noch fortexistirt, so geht daraus hervor, dass etwas -von unserer Art zu denken in der allgemeinen Auffassung längst gegeben -war. Nur ist man sich darüber nicht vollkommen klar geworden. Spricht -man von einem Leben und Sterben der einzelnen Theile, so muss man auch -wissen, worin das Leben und Sterben sich äussert, wodurch sie wesentlich -charakterisirt sind. - -Das Charakteristicum des Lebens finden wir in der =Thätigkeit=, und zwar -einer Thätigkeit, zu der jeder einzelne Theil je nach seiner -Eigenthümlichkeit etwas Besonderes beiträgt, innerhalb deren er aber -auch immer etwas besitzen muss, welches mit dem Leben der übrigen Theile -übereinstimmt. Wäre dies nicht der Fall, so würden wir keine -Berechtigung haben, das Leben als etwas Gleichartiges, als eine -gemeinsame Eigenschaft alles Organischen zu betrachten. - -Diese Thätigkeit (Action) des Lebens geht, so viel wir wenigstens -beurtheilen können, nirgends, an keinem einzigen Theile durch eine ihm -etwa von Anfang an zukommende und ganz in ihm abgeschlossene Ursache vor -sich, sondern überall sehen wir, dass eine gewisse =Erregung= dazu -nothwendig ist. Jede Lebensthätigkeit setzt eine Erregung, wenn man -will, eine =Reizung= voraus. Diese besteht in einer =passiven= -Veränderung (passio, pathos), welche das lebende Element durch eine -äussere Einwirkung erfährt, welche aber nicht so gross ist, dass die -wesentliche Einrichtung des Elementes dadurch gestört wird. Auf diese -passive Veränderung (Irritamentum) folgt ein =activer Vorgang=, eine -=positive Leistung= des Elementes selbst, von der wir annehmen, dass sie -aus den lebendigen Eigenschaften des Elementes als ein selbständiges -Ereigniss folge. Daher erscheint uns die =Erregbarkeit= der einzelnen -Theile als das Kriterium, wonach wir beurtheilen, ob der Theil lebe oder -nicht lebe[139]. - - [139] Archiv IV. 285. VIII. 37. IX. 51. XIV. 1. - -Ein abgestorbener Theil zeigt allerdings auch anatomisch häufig grosse -Veränderungen. Ich habe in dieser Beziehung zwei grössere Gruppen -unterschieden. In der einen Gruppe, welche die =Nekrobiose=[140] -umfasst, gehen dem Absterben schon gewisse Veränderungen der organischen -Einrichtung voraus, welche zu einer Zerstörung, häufig zu einer -wirklichen Zertrümmerung (=Detritus=) der Elemente führen. Am Schlusse -des Processes findet sich der organische Theil gar nicht mehr vor: es -ist ein Defect vorhanden. In der anderen Gruppe, welche die eigentliche -=Nekrose= liefert, stirbt der Theil ab, ohne dass seine äussere -Erscheinung eingreifende Veränderungen erfährt; relative Integrität der -Form ist das unterscheidende Merkmal. Freilich kann der nekrotische -Theil nachher wesentliche Veränderungen erfahren, aber dieses sind -=cadaveröse= Veränderungen, und ihr Eintritt kann sich verhältnissmässig -sehr lange verzögern. An Hartgebilden, namentlich Knochen, ist dies -hinreichend bekannt; dasselbe gilt aber auch für Weichgebilde und selbst -für ganz zarte, mindestens für die erste Zeit nach ihrem Absterben. Ob -ein Nerv lebe oder todt sei, das können wir unmittelbar, durch seine -anatomische Betrachtung, keineswegs mit Sicherheit erkennen, wir mögen -ihn nun mikroskopisch oder makroskopisch untersuchen. In der äusseren -Erscheinung, in den gröberen Einrichtungen, die wir mit unseren -Hülfsmitteln entziffern können, ist, wenn wir frisch abgestorbene Nerven -in Betracht ziehen, keine Möglichkeit gegeben, eine solche -Unterscheidung zu machen. Ob ein Muskel lebt oder abgestorben ist, -können wir anatomisch kaum beurtheilen, da wir die Muskelstructur noch -erhalten finden an Theilen, welche schon seit Jahren abgestorben sind. -Ich habe in einem Kinde, welches bei einer Extrauterinschwangerschaft 30 -Jahre im Leibe seiner Mutter gelegen hatte, die Structur der Muskeln so -intact gefunden, wie wenn das Kind eben erst ausgetragen gewesen -wäre[141]. =Czermak= hat Theile von Mumien untersucht und an ihnen eine -Reihe von Geweben gefunden, welche so vollständig erhalten waren, dass -man sehr wohl hätte auf den Schluss kommen können, diese Theile wären -aus einem lebenden Körper hergenommen. Der Begriff des Todten, des -Abgestorbenen, Nekrotischen beruht ja eben darauf, dass wir bei und -trotz der Erhaltung der Form nicht mehr die Erregbarkeit finden[142]. Am -deutlichsten hat sich diese Erfahrung gerade in der neueren Zeit bei den -Untersuchungen über die feineren Eigenschaften der Nerven gezeigt. Erst -nachdem man auch am sogenannten ruhenden Nerven durch die Untersuchungen -du =Bois-Reymond='s eine Thätigkeit kennen gelernt, nachdem man -eingesehen hat, dass auch in dem ruhenden Nerven fortwährend elektrische -Vorgänge stattfinden, dass er fortwährend eine Wirkung auf die -Magnetnadel ausübt, kann man mit Sicherheit durch das physikalische -Experiment beurtheilen, wann der Nerv todt ist. Denn sowie der Tod -eingetreten ist, hören jene Eigenschaften auf, welche untrennbar mit dem -Leben des Nerven verbunden sind. - - [140] Handb. der spec. Pathologie und Ther. I. 273, 279, 306. - - [141] Würzb. Verhandl. I. 104. Gesammelte Abhandl. 791. - - [142] Spec. Pathologie und Therapie. I. 279 - -Diese Eigenschaft der Erregbarkeit, welche wir an einzelnen Theilen in -einer so ausgesprochenen und so evident nachweisbaren Weise finden, -tritt immer mehr zurück, je niedriger organisirt der Theil ist, und am -wenigsten sicher sind unsere Kriterien an den Geweben, welche die -Bindegewebsformation umfasst. Hier sind wir in der That häufig in -grosser Verlegenheit, zu entscheiden, ob ein Theil lebt oder ob er schon -abgestorben ist. Es erklärt sich diese Schwierigkeit aus dem Umstande, -dass diese Gewebe in der Regel ihrer Hauptmasse nach aus -Intercellularsubstanz bestehen, und dass, wenn wir sie auf -ihre Erregbarkeit prüfen wollen, nur die verhältnissmässig -kleinen und spärlichen Zellen in Betracht kommen. =Nirgends ist -Intercellularsubstanz erregbar=. Es ist dies eine überaus wichtige -Erfahrung, welche sowohl für die physiologische Deutung der Gewebe, als -auch für die Lehre =von dem Leben der einzelnen Theile als einer -ausschliesslich cellularen= Eigenschaft von grösster Bedeutung ist. -Früher hat man immer mit dem ganzen Gewebe experimentirt; erst in der -neuesten Zeit hat man angefangen, auch die experimentelle Forschung auf -die mikroskopischen Elemente zu richten, und es hat sich auch bei den -Geweben der Bindesubstanz ergeben, dass ihre Zellen, z. B. auf -elektrische Reizung erregbar sind. - -Wenn man nun weiter analysirt, was man unter Erregbarkeit verstehen -soll, so ergibt sich alsbald, dass damit die Eigenschaft der lebenden -Theile gemeint ist, vermöge welcher sie auf äussere Einwirkung in -Thätigkeit gerathen. Es sind aber die verschiedenen Thätigkeiten, welche -auf irgend eine äussere Einwirkung hervorgerufen werden können, -wesentlich dreierlei Art[143]; und ich halte es für sehr wichtig, dass -man diesen Punkt für die Gruppirung physiologischer und pathologischer -Vorgänge bestimmt ins Auge fasse, um so mehr, als er gewöhnlich nicht -mit besonderer Deutlichkeit hervorgehoben zu werden pflegt. - - [143] Archiv XIV. 13. - -Entweder nehmlich handelt es sich bei dem Hervorrufen einer bestimmten -Thätigkeit um die Verrichtung, oder um die Erhaltung, oder um die -Bildung eines Theiles: =Function=, =Nutrition=, =Formation=. Darnach -lassen sich sämmtliche physiologischen und pathologischen -Elementar-Vorgänge in drei grosse Gruppen zerlegen: functionelle, -nutritive (trophische) und formative (plastische). Allerdings lässt sich -nicht leugnen, dass an gewissen Punkten die Grenzen zwischen diesen -verschiedenen Vorgängen verschwinden, dass insbesondere zwischen den -nutritiven und den formativen Vorgängen, und ebenso zwischen den -functionellen und den nutritiven Uebergänge bestehen, allein in dem -eigentlichen Akt unterscheiden sie sich doch ganz wesentlich, und die -inneren Veränderungen, welche der einzelne erregte Theil erleidet, je -nachdem er nur fungirt, oder sich ernährt, oder der Sitz besonderer -Bildungsvorgänge wird, sind erheblich verschieden[144]. Das Resultat der -Erregung, oder wenn man will, der Reizung eines lebenden Theiles kann -also je nach Umständen ein bloss functioneller Vorgang sein, oder es -kann eine mehr oder weniger starke Ernährung des Theiles eingeleitet -werden, ohne dass nothwendig die Function gleichzeitig erregt wird, oder -es kann endlich ein Bildungsvorgang einsetzen, welcher mehr oder weniger -viele neue Elemente schafft. Diese Verschiedenheiten werden in dem -Maasse deutlicher, als die einzelnen Gewebe des Körpers mehr geeignet -sind, dem einen oder dem anderen Erregungszustande zu entsprechen. - - [144] Spec. Pathol. und Ther. I. 272. Archiv VIII. 27. - -Wenn wir von =Verrichtungen= der Theile sprechen, so reducirt sich bei -einer guten Zahl von Geweben die wahre Function auf ein Minimum. Wir -wissen im Ganzen sehr wenig zu sagen von der eigentlichen Function (im -höheren Sinne des Wortes) bei fast allen Geweben der Bindesubstanz, bei -der grössten Zahl der Epithelial-Elemente. Wir können wohl sagen, was -sie für einen Nutzen haben, aber sie erschienen bis vor Kurzem immer -mehr als relativ träge Massen, welche weniger der eigentlichen Function -dienen, sondern vielmehr als Stützen für den Körper, als Decken für die -Oberflächen, unter Umständen verbindend oder vermittelnd oder trennend, -aber wesentlich =passiv= wirkend. Anders dagegen verhält es sich mit -denjenigen Theilen, welche durch die Eigenthümlichkeit ihrer inneren -Einrichtung einer schnelleren Veränderung zugänglich sind: den Nerven, -den Muskeln und einzelnen anderen Gebilden, z. B. unter den epithelialen -den Drüsenzellen, dem Flimmer-Epithel. Am frühesten hat -begreiflicherweise die Erregbarkeit der Nerven die Aufmerksamkeit auf -sich gezogen, und so ist es gekommen, dass viele Jahre hindurch der -Begriff der Irritabilität sich ausschliesslich an die Nerven knüpfte, -ein Umstand, der das Aufkommen des Neurismus in hohem Maasse begünstigt -hat. - -Bei allen Geweben, welche erheblichen Functionen dienstbar sind, finden -wir die Function hauptsächlich begründet in der feineren Umordnung, -oder, wenn man es schärfer ausdrückt, in feinen räumlichen Veränderungen -der inneren Masse, des Zelleninhaltes oder des Protoplasma. Es ist also -hier der eigentliche Zellkörper in seiner specifischen, inneren -Ausstattung, welcher entscheidet; es handelt sich dabei wenig um die -Membran und, wenigstens in den meisten Fällen, wohl wenig um den Kern. -Das Protoplasma verändert sich unter gewissen Einwirkungen -verhältnissmässig schnell, ohne dass wir jedoch jedesmal von der -Umordnung der einzelnen Inhaltspartikeln morphologisch etwas wahrnehmen -könnten. Höchstens sehen wir als grobes Resultat eine wirkliche -Locomotion einzelner Theile, aber der Hergang lässt sich nicht so weit -für das Verständniss auflösen, dass man daraus einfach beurtheilen -könnte, in welcher Weise diese Locomotion durch die kleinsten -Partikelchen, welche den Zelleninhalt zusammensetzen, bedingt wird. -Wenn in einem Nerven eine Erregung stattfindet, so wissen wir jetzt, -dass damit eine Veränderung seines elektrischen Zustandes verbunden ist, -eine Veränderung, welche nach Allem, was uns über die Erregung der -Elektricität in anderen Körpern bekannt ist, mit Nothwendigkeit bezogen -werden muss auf eine veränderte Stellung, welche die einzelnen Molekeln -zu einander annehmen. Denken wir uns den Axencylinder aus elektrischen -Molekeln zusammengesetzt, so können wir uns vorstellen, dass je zwei -dieser Molekeln in dem Momente der Erregung eine veränderte Stellung zu -einander einnehmen. Von diesen Stellungen der Molekeln sehen wir jedoch -nichts, denn Molekeln sind überhaupt nicht sichtbar. Der Axencylinder -sieht während der Function nicht anders aus, als sonst. Wenn wir einen -Muskel während der Action betrachten, so bemerken wir allerdings, dass -die Zwischenräume, welche zwischen den einzelnen sogenannten Scheiben -liegen (S. 56), kürzer werden, und da wir nun wissen, dass die Substanz -des Muskels aus einer Reihe von kleinen Fibrillen besteht, welche -ihrerseits von Strecke zu Strecke, entsprechend diesen Scheiben, -kleinste Körnchen enthalten, so schliessen wir daraus mit einer gewissen -Sicherheit, dass wirkliche örtliche Verschiebungen der Körnchen gegen -einander stattfinden. Aber diese Verschiebungen können nicht mehr -zurückgeführt werden auf einen sichtbaren oder unmittelbar erkennbaren -Grund. Wir können keine bestimmte chemische Veränderung, keine -Umwandlung der Ernährungszustände der Theile wahrnehmen; wir sehen nur -eine Verrückung, eine Dislocation der Partikeln, von der es freilich -wahrscheinlich ist, dass sie auf einer geringen chemischen Veränderung -der Molekeln beruht. - -[Illustration: =Fig=. 106. Bildliches Schema des Zustandes der -Nerven-Molekeln im ruhenden (peripolaren, _A_) und im elektrotonischen -(dipolaren _B_) Zustande des Nerven. Nach =Ludwig= Physiol. I. 103.] - -Bei dem Flimmer-Epithel sitzen feine Cilien an der Oberfläche der -Zellen; diese bewegen sich in einer gewissen Richtung und üben in dieser -Richtung auf kleine Theile, welche ihnen nahe kommen, einen -locomotorischen Effect aus. Isoliren wir die einzelnen Zellen, so zeigt -sich, dass eine jede oben einen Saum (Deckel) von einer gewissen Dicke -hat, an welchem kleine haarförmige Verlängerungen hervortreten. Diese -bewegen sich alle in der Art, dass eine Cilie, welche im ruhigen -Zustande ganz gerade steht, sich einbiegt und wieder zurückschlägt. Aber -wir sind ausser Stande, innerhalb der einzelnen Cilien weitere -Veränderungen wahrzunehmen, durch welche die Bewegung vermittelt würde. - -Gerade so verhält es sich mit den Drüsenzellen, von welchen wir gar -nicht zweifelhaft sein können, dass sie einen bestimmten locomotorischen -Effect haben. Denn nachdem =Ludwig= durch die Untersuchung der -Speicheldrüsen gezeigt hat, dass der Druck des ausströmenden Speichels -grösser ist, als der Druck des zuströmenden Blutes, so bleibt nichts -anderes übrig, als zu schliessen, dass die Drüsenzellen einen bestimmten -motorischen Effect auf die Flüssigkeit ausüben; die Secret-Masse wird -mit einer bestimmten Gewalt hervorgetrieben, welche nicht von dem -Blutdruck oder einer besonderen Muskel-Action, sondern von der -specifischen Energie der Zellen als solcher ausgeht. =Engelmann= glaubt -neuerlich sogar an den Hautdrüsen des Frosches eine selbständige, von -den Muskeln unabhängige Zusammenziehung beobachtet zu haben. Allein an -einer Drüsenzelle, während sie fungirt, können wir eben so wenig einen -eigenthümlichen, materiellen Vorgang innerhalb der constituirenden -Theilchen wahrnehmen, wie an den Nerven, den Muskeln oder dem -Flimmer-Epithel. - -Diese Thatsachen werden wesentlich verstärkt dadurch, dass wir -wahrnehmen, wie gerade die functionellen Fähigkeiten der einzelnen -Theile eine gewisse Störung erfahren durch eine längere Dauer der -Verrichtung. An allen Theilen treten gewisse Zustände der =Ermüdung= -auf, Zustände, wo der Theil nicht mehr im Stande ist, dasjenige Maass -von Bewegung von sich ausgehen zu lassen, welches bis dahin an ihm zu -bemerken war. Allein um wiederum in den leistungsfähigen Zustand zu -kommen, bedürfen diese Theile keineswegs immer einer Ernährung, einer -Aufnahme von Nahrungsstoff: die blosse Ruhe reicht aus, um innerhalb -einer gewissen Zeit die Möglichkeit einer neuen Thätigkeit -herbeizuführen. Ein Nerv, den wir aus dem Körper herausgeschnitten haben -und zum Experiment verwenden, wird nach einer gewissen Zeit -leistungsunfähig; wenn man ihn unter günstigen Verhältnissen, welche -seine Austrocknung hindern, liegen lässt, so wird er allmählich wieder -leistungsfähig. Diese =functionelle Restitution=, welche ohne -eigentliche Ernährung stattfindet und aller Wahrscheinlichkeit nach -darauf beruht, dass die Molekeln, welche aus ihrer gewöhnlichen Lagerung -herausgetreten sind, allmählich wieder in dieselbe zurückkehren, können -wir an verschiedenen Theilen hervorrufen durch gewisse Reizmittel. Nach -der Auffassung der Neuristen würden diese Mittel nur auf die Nerven und -erst vermittelst der Nerven auf die anderen Theile einwirken; allein -gerade hier haben wir einige Thatsachen, welche sich nicht wohl anders -deuten lassen, als dass in der That eine Wirkung auf die Theile selbst -stattfindet. - -Wenn wir eine einzelne Flimmerzelle nehmen, sie, ganz vom Körper -isolirt, frei schwimmen lassen und abwarten, bis vollkommene Ruhe -eingetreten ist, so können wir die eigenthümliche Bewegung ihrer Cilien -wieder hervorrufen, wenn wir eine kleine Quantität von Kali oder Natron -der Flüssigkeit zufügen, eine Quantität, welche nicht so gross ist, dass -ätzende Effecte auf die Zelle hervorgebracht werden, welche aber genügt, -um, indem ein Theil davon in die Zelle eindringt, eine gewisse -Veränderung an ihr zu erzeugen. Es ist aber besonders interessant, dass -die Zahl der fixen Substanzen, durch welche wir das Flimmer-Epithel -reizen können, sich auf diese beiden beschränkt. Daraus erklärt es sich, -dass =Purkinje= und =Valentin=, welche zuerst und zwar sogleich in sehr -ausgedehnter Weise Experimente über die Flimmerbewegung anstellten, -nachdem sie mit einer sehr grossen Zahl von Substanzen experimentirt -und, wer weiss was Alles versucht hatten, mechanische, chemische und -elektrische Reize, zuletzt zu dem Schlusse kamen, es gebe überhaupt kein -Reizmittel für die Flimmerbewegung. Ich hatte das Glück, zufällig auf -die eigenthümliche Thatsache zu stossen, dass Kali und Natron solche -Reizmittel seien[145]. Neuerlich hat W. =Kühne= entdeckt, dass unter den -gasförmigen Substanzen sich noch ein mächtiger Erreger der -Flimmerbewegung findet, nehmlich der Sauerstoff, während Kohlensäure und -Wasserstoff dieselbe hemmen. Gewiss können wir hier keinen -Nerveneinfluss mehr zu Hülfe rufen; derselbe erscheint um so weniger -zulässig, als nach bekannten Erfahrungen die Flimmerbewegung im todten -Körper sich noch zu einer Zeit erhält, wo andere Theile schon zu faulen -angefangen haben. Ich sah die Flimmer-Epithelien der Stirnhöhlen und der -Trachea in menschlichen Leichen noch 36 bis 48 Stunden post mortem in -vollständiger Thätigkeit, zu einer Zeit, wo jede Spur von Erregbarkeit -in den übrigen Theilen längst verschwunden war. - - [145] Archiv VI. 133. - -Aehnlich verhält es sich mit den übrigen erregbaren Theilen, -insbesondere mit den Muskeln, an denen W. =Kühne= diese Verhältnisse mit -so grosser Umsicht untersucht hat. Fast überall zeigt sich, dass gewisse -Erregungsmittel leichter als andere wirken, und dass manche gar nicht im -Stande sind, einen erheblichen Effect hervorzubringen. Fast überall -ergeben sich =specifische Beziehungen=. Wenn wir die Drüsen ins Auge -fassen, so ist es eine bekannte Thatsache, dass es specifische -Substanzen gibt, wodurch wir im Stande sind, auf die eine Drüse zu -wirken, nicht auf die anderen, die specifische Energie einer Drüse zu -treffen, während die übrigen unbetheiligt bleiben. Bei den Drüsen lässt -sich freilich ungleich schwieriger die Wirkung der Nerven ausschliessen, -als beim Flimmer-Epithel, allein wir haben gewisse Versuche, wo man nach -Durchschneidung aller Nerven, z. B. an der Leber, durch Injection -reizender Substanzen in das Blut im Stande gewesen ist, eine vermehrte -Absonderung des Organes hervorzurufen, indem man Stoffe anwandte, welche -erfahrungsmässig zu dem Organe eine nähere Beziehung haben. - -Am meisten hat sich, wie bekannt, diese Discussion in neuerer Zeit -concentrirt auf die Frage von der Muskel-Irritabilität, eine Frage, -welche gerade deshalb so schwierig gewesen ist, weil sie von =Haller= -mit einer grossen Exclusion eben auf dieses einzelne Gebiet beschränkt -wurde. =Haller= kämpfte aufs Aeusserste dagegen, dass irgend ein anderer -Theil ausser den Muskeln irritabel sei; sonderbarer Weise kämpfte er -sogar gegen die Irritabilität von solchen Theilen, welche, wie die -feinere Untersuchung der Späteren gezeigt hat, Muskel-Elemente -enthalten, z. B. die mittlere Haut der Gefässe. Ja, er gebrauchte -ziemlich energische Ausdrücke, wo er die von Anderen schon damals -behauptete Erregbarkeit der Gefässe zurückwies. Ich habe schon angeführt -(S. 129), dass wir gerade in dem Gefäss-Apparate grosse Abschnitte -finden, z. B. am meisten ausgesucht an den Nabelgefässen des -Neugebornen, in denen massenhafte Anhäufungen von Musculatur, aber keine -Spur von Nerven erkennbar sind. Trotzdem besteht daran Irritabilität in -einem hohen Maasse; wir können Zusammenziehungen der Muscularis -mechanisch, chemisch und elektrisch herbeiführen. Ebenso verhält es -sich mit vielen anderen kleinen Gefässen, welche keineswegs in der -Weise, wie dies die Neuropathologen annehmen müssen, in allen -Abschnitten Nervenfasern zeigen. Auch hier können wir an jedem einzelnen -Punkte, wo Muskeln existiren, unmittelbar die Contraction hervorrufen. - -Die Erledigung der Frage von der Muskel-Irritabilität ist in der neueren -Zeit besonders dadurch gefördert worden, dass man durch die Anwendung -bestimmter Gifte, namentlich des Worara-(Curare-)Giftes dahin gelangt -ist, die Nerven bis in ihre letzten, dem Versuche zugänglichen -Endigungen zu lähmen, und zwar so, dass nicht wohl noch der Einwand -erhoben werden kann, dass die Erregbarkeit der letzten Endigungen der -Nerven in dem Muskel erhalten sei. Die Lähmung des Worara-Giftes -beschränkt sich vollständig auf die Nerven, während die Muskeln ebenso -vollständig reizbar bleiben. Während man die stärksten elektrischen -Ströme auf den Nerven vergebens einwirken lässt, ohne irgend etwas von -Bewegung hervorzubringen, so genügen die kleinsten mechanischen, -chemischen oder elektrischen Reize, um den betreffenden Muskel in -Erregung zu versetzen. - -Wenn daher die so lange streitige Frage dahin entschieden ist, dass es -wirklich eine eigenthümliche Muskel-Irritabilität gibt, welche an der -Muskelsubstanz als solcher haftet, so ist das Ergebniss doch praktisch -nicht von so grosser Bedeutung, wie man hätte erwarten können. Denn -thatsächlich sind fast alle Muskelbewegungen, welche die Physiologie und -die Pathologie kennen, durch Nerveneinwirkung hervorgerufen: eine -wirkliche =Selbstbewegung= der Muskeln findet nur in ganz anomalen -Fällen statt. Nichtsdestoweniger ist es für das Urtheil von höchster -Wichtigkeit zu wissen, dass die Bewegung als solche eine Function des -Muskels ist, und dass der Nerv nichts anderes thut, als den Anstoss zu -dem in der Muskelsubstanz schon vorbereiteten Vorgange zu geben. Die -Natur dieses Vorganges ist nicht abhängig von der Eigenthümlichkeit der -Nerveneinwirkung, sondern einzig und allein von der Eigenthümlichkeit -der Muskelsubstanz. - -Die Neuristen haben jedoch aus derartigen Thatsachen, wie sie auch in -der Reihe der secretorischen Vorgänge in ähnlicher Weise vorkommen, -weitgehende Schlüsse in Beziehung auf die absolute Abhängigkeit der -vitalen Vorgänge von Innervation gezogen. Dies ist in keiner Weise -anzuerkennen. Man kann die Nerven eines Muskels oder einer Drüse -zerschneiden und den Zusammenhang der Organe mit den Centren aufheben, -ohne dass deshalb die Fähigkeit des Muskels zur Contraction oder die der -Drüse zur Secretion aufhört. Ja man kann den Muskel oder die Drüse aus -dem Körper herausschneiden, sie definitiv dem Organismus entfremden, -ohne dass zunächst die Eigenschaften der Contraction oder Secretion -dadurch geändert werden. Wollte man sich hier selbst darauf beziehen, -dass in den ausgeschnittenen Muskeln oder Drüsen noch Nerven-Enden -vorhanden seien, so hat dieses an sich hinfällige Argument schon deshalb -keine Bedeutung, weil die neuristische Doctrin nur dann einen -theoretischen Werth besitzt, wenn sie den Nervenapparat in seinem -Zusammenhange, in seiner sogenannten Einheit in Rechnung stellen kann, -keineswegs aber, wenn sie mit einzelnen peripherischen Abschnitten von -Nerven arbeitet. Denn diese letzteren sind vielmehr als vorzügliche -Beispiele für das Leben der einzelnen Theile, also für die cellulare -Anschauung zu betrachten. - -Ich gestehe demnach die hohe Dignität des Nervenapparates und der an ihm -geschehenden Vorgänge vollständig zu; ja ich gehe so weit, zu sagen, -dass in dem gewöhnlichen Gange des menschlichen Lebens die Mehrzahl der -Einzelvorgänge im Körper durch Nerveneinwirkung hervorgerufen oder -geleitet wird. Wenn daraus jedoch in keiner Weise gefolgert werden darf, -dass diese Einzelvorgänge selbst bloss passive Veränderungen der -innervirten Theile sind, so darf noch weniger die Meinung zugelassen -werden, als sei die Nerventhätigkeit keine cellulare, und als müsse die -=Nerven-Irritabilität= als das eigentliche Wesen des Lebens angesehen -werden. Betrachten wir diese viel besprochene Eigenschaft daher etwas -näher: - -Die Lehre von der Irritabilität der Nerven beruht zunächst auf der -Erfahrung, dass irgend eine Verletzung oder Reizung derselben Schmerz -erzeugt oder wenigstens empfindlich ist. Genau genommen ist diese -=Empfindlichkeit= eben das, was man die Irritabilität genannt hat; man -reizte die verschiedensten Gewebe, um zu sehen, ob sie irritabel seien, -und beurtheilte ihre Irritabilität wesentlich danach, ob auf die Reizung -Schmerzempfindung eintrete oder nicht. In diesem beschränkten Sinne -würde Nerven-Irritabilität die Eigenschaft bedeuten, zu den -Centralorganen gehende und dort zum Bewusstsein kommende, durch äussere -Reize hervorgerufene Vorgänge zu bewirken. Allein diese Vorgänge -stellen nur die eine, nehmlich die =recipirende= Seite der -Nerventhätigkeit dar; die andere, die im gewöhnlichen Sinne =active= -oder =motorische= Seite, wird dabei gar nicht berührt. Die Anhänger der -Nerven-Irritabilität haben daher nicht gezögert, auch diese Seite mit in -ihre Betrachtungen hineinzuziehen; ja, es hat nicht lange gedauert, bis -man daraus geradezu die Hauptsache gemacht hat. So kam es, dass schon -=Haller= Irritabilität und Contractilität verwechselte, und dass er die -Irritabilität gewisser Theile leugnete, weil sie sich auf Reize nicht -contrahiren wollten. - -Der Grundfehler in dieser Betrachtungsweise liegt darin, dass man von -ganz falschen Einheiten ausging. Man hatte keine einheitlichen Elemente -und demgemäss auch keine einheitlichen Vorgänge. Man verwechselte zuerst -Nerventhätigkeit und =Innervation=. Es liegt auf der Hand, dass -Innervation nur diejenige Nerventhätigkeit bezeichnen kann, welche auf -andere, =nicht nervöse= Theile gerichtet ist, also z. B. die Erregung -der Muskel-oder Drüsenelemente zur Thätigkeit. Nun ist es freilich -möglich, dass diese Thätigkeit ihrem Wesen nach identisch ist mit -derjenigen, welche im Nerven selbst stattfindet, also etwa elektrisch -ist, und man kann sich vorstellen, dass von den Nervenenden die -elektrische Bewegung sich wirklich direkt auf die Muskel- oder -Drüsensubstanz überträgt. Aber selbst wenn dies allgemein richtig wäre, -was erst zu beweisen ist, so würde daraus doch nicht hervorgehen, dass -die Thätigkeit des Nerven, insofern sie Elektricität hervorbringt, in -irgend einer Weise gebunden ist an die Möglichkeit, dieselbe an -bestimmte andere Theile des Körpers abzugeben und in diesen besondere -Thätigkeitsäusserungen hervorzurufen. Ein ganz isolirter und aus dem -Körper entfernter Nerv kann gereizt und in Thätigkeit gesetzt werden. -Ueberdiess passt die Formel der Innervation nur für diejenigen Nerven, -welche ich (S. 294) Arbeitsnerven genannt habe; sie ist ganz unbrauchbar -für die Empfindungsnerven, welche zu Ganglienzellen gehen und gerade in -der Erregung dieser letzteren ihre hauptsächliche »Thätigkeit« -entfalten. - -Hier stossen wir auf ein neues Hinderniss. Die Neuristen knüpften die -(wenn ich so sagen darf, =rückläufige=) Irritabilität an =bewusste= -Empfindungen, namentlich an Schmerzäusserungen. Allein wir wissen, dass -das Bewusstsein nur einem Theile derjenigen Empfindungen zukommt, -welche dem Gehirn zuströmen, dass es dagegen an sich gänzlich fremd ist -allen denjenigen Empfindungen, welche dem Rückenmark und dem spinalen -Abschnitte des Gehirns angehören, und noch mehr jenen Perceptionen, um -nicht zu sagen, Empfindungen, welche nur die Ganglien des Sympathicus -berühren. Erst seitdem das Gebiet der Reflexvorgänge genauer studirt -ist, hat man begriffen, dass nicht alle Bewegungserscheinungen, welche -auf Reizung von Empfindungsnerven eintreten, Schmerzäusserungen sind, -man müsste denn auch einen unbewussten Schmerz annehmen. Wollte man dies -aber thun, was in einer gewissen Weise berechtigt wäre, so würde man -doch sofort in einen Wirbel gerathen, der schliesslich zur Aufstellung -eines =unbewussten Bewusstseins= führen müsste. Ein solches ist freilich -in der sogenannten Rückenmarksseele gleichsam personificirt schon -geschaffen worden; indess müsste man noch einen Schritt weiter gehen, -und eine besondere Nervenseele wählen, wenn man einmal für alle Theile -sich die spiritualistische Erklärungsform sichern wollte. - -Diese Nervenseele oder, wie die mehr naturphilosophischen Neuristen -sagten, diese =Nervenkraft= (Neurilität =Lewes=) müsste -nothwendigerweise jedem nervösen Theile oder Elemente zugeschrieben -werden, und Irritabilität würde alsdann bedeuten die Fähigkeit des -Theiles oder Elementes, diese Seele oder Kraft in Thätigkeit zu setzen. -Aber gewiss ist es ein gewagter und nichts weniger als berechtigter -Schritt, allen nervösen Theilen die gleiche Kraft zuzuschreiben. In der -That ist noch niemand so weit gegangen, neben der Gehirnseele und der -Rückenmarksseele auch noch besondere Ganglien- und Nervenseelen -aufzustellen. Das allgemeine Zugeständniss, dass es nervöse Theile gibt, -die nicht einmal das »unbewusste Bewusstsein« besitzen, dass also -=innerhalb des Nervensystems specifische Unterschiede zwischen den -constituirenden Elementen vorhanden sind=, reicht aus, um es -verständlich zu machen, warum man mit der Annahme einer einfachen -Nervenkraft nicht ausreicht. Man mag dieselbe nun spiritualistisch oder -materialistisch construiren, man mag sie Anima oder Elektricität nennen, -man ist ausser Stande, nach dem Stande unserer Kenntnisse damit alle -functionellen Erscheinungen zu erklären. Daher muss man sich dazu -verstehen, die Nervenfasern und die Nervenzellen nicht einfach zu -identificiren. - -Alles, was wir über elektrische Vorgänge an Nerven wissen, bezieht sich -auf Nervenfasern und zwar wesentlich auf =Leitung= (Conduction) der -Elektricität in denselben. Indess darf man deshalb nicht so weit gehen, -die Nervenfasern nur als Conduktoren der Elektricität aufzufassen, denn -es ist leicht ersichtlich, dass, wenn von dem peripherischen Ende eines -durchschnittenen Nerven aus durch direkte Reizung Bewegungen inducirt -werden können, dies nur geschieht, indem der gereizte Nerv in sich -Elektricität =hervorbringt=. Auch die Nervenfasern sind also functionell -reizbar. Aber ich gestehe hier, wie bei der Muskel-Irritabilität zu, -dass dies ein anomaler Fall ist, der im gewöhnlichen Leben selten -vorkommt, und dass man daher als die eigentlichen =Erreger= der -elektrischen Strömungen die Ganglienzellen anzusehen hat. Ob jedoch die -Vorgänge im Innern dieser Zellen selbst elektrische sind, das ist bis -jetzt nicht bekannt. Gewiss liegt es nahe, zu vermuthen, dass auch in -den Ganglienzellen selbst elektrische Vorgänge stattfinden, ja Manches -spricht dafür, dass diese Zellen die Fähigkeit besitzen, diese Vorgänge -zu modificiren, d. h. abzulenken, zu verstärken und zu schwächen. Die -empfindenden Nervenfasern sind fast durchgehends an ihren peripherischen -Enden mit Nervenzellen in Verbindung, so dass jede von aussen -eintretende Veränderung (Reizung) erst die Nervenzelle passiren muss, -ehe sie in die eigentliche Nervenfaser übergeht und zu den centralen -Ganglienzellen geleitet wird. Auch die motorischen Nervenfasern laufen -kurz vor ihrem Ende vielfach in besondere gangliöse Apparate aus, -gleichwie sie an ihrem Ursprunge aus Ganglienzellen hervorgehen. Welche -andere Bedeutung können diese Zellen haben, als die einer =Sammlung= der -in den Nerven geschehenden Bewegung, welche einerseits die Möglichkeit -einer verschiedenen =Ablenkung= des Nervenstromes (Direction, -Derivation), andererseits die Möglichkeit einer zeitweisen -=Abschwächung= und =Hemmung= desselben und dann einer nachfolgenden -=Verstärkung= mit vielleicht explosiver Wirkung gewährt? Gleichwie -früher das Studium der Reflexvorgänge, so führt gegenwärtig die sich -immer mehr ausdehnende Kenntniss der von mir so genannten -=Moderations-Einrichtungen= im Nervensystem[146], wofür zuerst der -Vagus, dann der Splanchnicus, schliesslich selbst das Gehirn so -ausgezeichnete experimentelle Beispiele geliefert haben, mit -Nothwendigkeit auf Ganglienzellen und nicht auf Nervenfasern zurück. -Erscheinungen, wie die des Elektrotonus, sind im lebenden Organismus -nicht bekannt. Trotzdem lassen die Vorgänge der Reflexion und -Derivation, der Hemmung und Verstärkung eine Interpretation im Sinne der -elektrischen Theorie zu. - - [146] Handb. der spec. Pathol. u. Ther. 1854. I. 19. - -Aber eine solche Interpretation ist nicht mehr möglich bei jenen -verwickelten Vorgängen des =instinktiven= und =intellektuellen= Lebens, -welche überhaupt die höchste Entwickelung der thierischen Function -darstellen. Wer ist im Stande, den Instinkt oder gar den Verstand -elektrisch zu construiren? oder gar das Bewusstsein als ein Analogon -eines mechanischen Vorganges nachzuweisen? Wie so oft, hat man sich auch -in diesem Falle über die Schwierigkeiten des Einzelnen hinwegzusetzen -gesucht, indem man die Einzelerfahrung verallgemeinerte. So hat noch -neuerlich E. =Hering= das Gedächtniss als eine allgemeine Function der -organisirten Materie dargestellt, und =Wallace= hat den noch weiteren -Schritt gethan, das Bewusstsein als eine allgemeine Eigenschaft der -Substanz anzusprechen. Er ist auf diese Weise, ohne es zu ahnen, nahezu -auf denselben Standpunkt der Naturanschauung gelangt, den vor fast -zweihundert Jahren sein grosser Landsmann =Glisson=, der Erfinder des -Wortes Irritabilität, einnahm, indem er der Substanz überhaupt drei -Functionen beilegte, welche er als perceptiva, appetitiva und motiva -bezeichnete. Leider ist es mit der Generalisation allein nicht gethan; -man muss auch Beweise beibringen. Sonst bedeutet die Generalisation -nichts als das Bestreben, eine Schwierigkeit möglich weit von sich zu -entfernen und dadurch unmerklich zu machen. - -Eine Erklärung der organischen Vorgänge lässt sich am wenigsten auf dem -Wege der speculativen Verallgemeinerung gewinnen. Jeder Schritt auf -diesem Wege führt von der Forschung ab. Was uns in der organischen Welt -noththut, ist nicht die Generalisation, sondern vielmehr die -=Localisation=. Das Bewusstsein, das Gedächtniss, das Denken und -Vorstellen überhaupt sind nicht einmal allgemeine Functionen aller -Theile des Körpers. Wie sollten wir zu der Vermuthung kommen, dass auch -die unorganische Substanz daran Antheil hat? Im Laufe von Jahrtausenden -ist man allmählich dahin gekommen, den Nervenapparat als Träger dieser -Functionen zu bestimmen. Nachdem sich zuletzt mehr und mehr die -Aufmerksamkeit auf das Gehirn concentrirt hat, ist ganz folgerichtig die -Frage aufgeworfen worden, welche Theile des Gehirns der »Sitz« der -psychischen Functionen seien, und nachdem auch diese Frage zunächst nur -im groben Sinne behandelt war, ist man endlich im Wege der Histologie zu -den Ganglienzellen gelangt. Hier freilich lassen uns sowohl die -Histologie als das Experiment und die pathologische Beobachtung im -Stiche. Wir können noch nicht sagen, welche Ganglienzellen es sind, die -so merkwürdige Functionen haben, und in welchen ihrer Bestandtheile -dieselben ihre Erklärung finden. Aber dass an gewisse Gruppen von -Hirnelementen die psychische Thätigkeit geknüpft ist, dass innerhalb -dieser Gruppen Ganglienzellen die eigentlich wirksamen Elemente sind, -und dass diese Ganglienzellen gewisse specifische Eigenthümlichkeiten -haben müssen, wodurch sie sich von anderen unterscheiden, daran können -wir nicht wohl zweifeln. Jedoch nur die immer mehr =localisirende= -Untersuchung wird uns dahin führen, diese Eigenthümlichkeiten wirklich -zu ergründen. - -Sprechen wir nun von Nerven-Irritabilität im Sinne der -Centraleinrichtungen, so ist damit offenbar etwas anderes gemeint, als -wenn wir nur an die Nervenfasern denken. Es ist die =Erregung= der -=Ganglienzellen=, um welche es sich handelt. Diese Erregung kann eine -willkürliche oder unwillkürliche, eine bewusste oder unbewusste, eine -perceptive (sensitive) oder motorische sein, je nachdem diese oder jene -Art von Ganglienzellen dabei betheiligt ist. Manche Verschiedenheiten -der eintretenden Thätigkeiten erklären sich offenbar durch die -=verschiedene Energie= der einzelnen Ganglienzellen: wie wir Bewegungs- -und Empfindungszellen unterscheiden, so können wir auch innerhalb der -Bewegungszellen die den einzelnen muskulösen Apparaten zugehörigen von -einander trennen, und ebenso innerhalb der Empfindungszellen die -gewöhnlichen spinalen Ganglienzellen von den Riech-, Seh- und Hörzellen -u. s. w. des Gehirns sondern. Andere Verschiedenheiten dagegen -resultiren aus der combinirten Erregung und Zusammenwirkung -(=Synergie=) mehrerer, in sich verschiedener Ganglienzellen oder -Ganglienzellen-Gruppen. Jede Reflex-Erregung, jede bewusste und -willkürliche Erregung setzt die gleichzeitige oder doch innerhalb kurzer -Zeiträume auf einander folgende Thätigkeit verschiedener Ganglienzellen -voraus. Für viele Fälle sind wir im Stande, durch eine genaue Analyse -des Vorganges diejenigen Gruppen zu bezeichnen, welche in Wirksamkeit -treten. Aber das eigentliche Wesen der Erregung der einzelnen Zellen -selbst zu erklären, sind wir bis jetzt nicht befähigt. - -Bei einer früheren Gelegenheit[147] habe ich darauf aufmerksam gemacht, -dass allerdings auch bei den Erregungsvorgängen der Centren sich -Zustände der =Spannung= und der =Entladung= unterscheiden lassen. »Man -schliesst sich«, sagte ich damals, »mit diesem bildlichen Ausdrucke -sowohl an die Terminologie der Psychologen, als auch an die der Physiker -und Praktiker an, und man gewinnt wenigstens einen, die Thatsachen kurz -bezeichnenden Ausdruck, welcher die Möglichkeit zulässt, ohne sie jedoch -nothwendig zu machen, dass auch die Zustände der Ganglien sich den -bekannten Zuständen elektrischer Theile unterordnen«. Die kleinste -peripherische oder centrale Erregung setzt zunächst eine gewisse Störung -oder Veränderung in dem inneren Zustande einer Ganglienzelle. Diese kann -sich fast unmittelbar auf die Fortsätze derselben fortsetzen und damit -abgeleitet werden. Es kann aber auch eine Hemmung in der Fortleitung des -Stromes eintreten und die Störung für eine gewisse Zeit innerhalb der -Zelle beschränkt bleiben, indem die in ihrer Anordnung oder ihrem -chemischen Verhalten veränderten Theilchen der weiteren Fortsetzung der -Bewegung Hindernisse entgegenstellen. Kommt endlich die Ableitung, -vielleicht in stürmischer Weise, zu Stande, so erscheint die dadurch -hervorgebrachte Leistung als =befreiende That=, welche das leidende -Organ entlastet, Erleichterung und Ausgleichung bringt. Im -psychologischen Sinne entspricht die Störung dem =Affect=, der, indem er -zur Motion drängt, zum =Triebe= wird, und der in der zur Befriedigung -des Triebes führenden =Handlung= seine Lösung findet. - - [147] Handb. der spec. Pathologie und Therapie. 1854. I. 17. - -Diese Erfahrungen gelten in gleicher Weise für das gewöhnliche -Nervenleben, wie für das Geistesleben, für die Physiologie, wie für die -Pathologie. Allerdings nehmen die Erscheinungen der Erregung, der -Spannung und der Entladung unter krankhaften Verhältnissen nicht selten -überaus seltsame und selbst wunderbare Formen an. Aber als Regel muss -überall festgehalten werden, dass auch die Erscheinungen des kranken -Nervenlebens =nicht qualitativ verschieden= sind von denen des -gesunden. Kein Nerv, keine Ganglienzelle kann, soviel wir wissen, unter -pathologischen Bedingungen etwas Anderes thun oder leisten, als sie nach -ihren, ein für allemal gegebenen Einrichtungen überhaupt zu thun oder zu -leisten im Stande sind. Ein Tastnerv kann nicht sehen, ein Sehnerv nicht -hören, eine Empfindungszelle nicht bewegen. Zuweilen macht sich freilich -eine starke Neigung der Menschen geltend, den Nerven qualitativ -verschiedene Leistungen zuzuschreiben. Der Mesmerismus hat Manchem den -Glauben beigebracht, man könne mit den Hautnerven, z. B. der -Oberbauchgegend, lesen. Die Tischrücker meinten, mit Empfindungsnerven -Holz bewegen zu können. Alles das sind entweder Betrügereien, oder -Selbsttäuschungen. Die pathologische Nervenfunction ist von der -physiologischen nur dadurch verschieden, dass sie entweder =quantitative -Abweichungen=, oder =ungewöhnliche Combinationen= erfährt. - -Die quantitativen Abweichungen ergeben ein Mehr oder Weniger an -Leistung: =Krampf= oder =Lähmung=. Die combinatorischen (synergischen) -Abweichungen zeigen eine Verbindung von nervösen, sei es an sich -physiologischen, sei es quantitativ von den physiologischen -verschiedenen Erscheinungen mit einander. Solcher Art ist die Epilepsie, -bei welcher starke unwillkürliche Contractionen von willkürlichen -Muskeln (Krämpfe) mit Lähmung des Bewusstseins sich combiniren. Diese -Combination ist so auffällig, dass man sich in früheren Zeiten nicht -anders zu helfen wusste, als dass man die Epileptiker Besessene nannte -und irgend einen bösen Geist in sie hineinfahren liess, der mit ihren -Gliedern arbeitete. Eine solche Heterologie der Kräfte existirt nicht. -Was im Epileptiker arbeitet, sind seine eigenen Nerven, und trotz aller -Absonderlichkeit der Leistung ist dieselbe doch in jedem ihrer Theile -eine vorgezeichnete und in diesem Sinne eine physiologische. -- - - * * * * * - -Wenn sowohl bei den Muskeln, als bei den Nerven die Irritabilität eine -so sehr in die Augen springende Eigenschaft ist, dass sie seit langen -Jahren ein Gegenstand anhaltender Untersuchungen gewesen ist, so verhält -es sich wesentlich anders mit der =Drüsen-Irritabilität=. -Begreiflicherweise kann es sich hier nur um die Erregbarkeit der -Drüsenzellen, des specifischen Parenchyms, und nicht um die an sich -unzweifelhafte und gewiss in vielen Fällen sehr wirksame Erregbarkeit -der Muskulatur der Gefässe und Ausführungsgänge der Drüsen handeln. Aber -gerade deshalb ist die Frage eine sehr complicirte, die nur unter -grossen Schwierigkeiten gelöst werden kann. Es kommt hinzu, dass man die -Drüsenfunction noch weniger unter einheitlichen Gesichtspunkten -behandeln kann, wie die Muskel- und Nervenfunction. Denn der Typus der -Drüsenfunction ist in sich ganz verschieden. Eine Reihe sehr wichtiger -Drüsen, insbesondere alle dem Generationssysteme angehörigen, arbeiten -mehr nach dem nutritiven oder formativen Typus; sie müssen, bei der -gegenwärtigen Betrachtung ausgeschieden werden. Wir können hier nur -diejenigen Drüsen besprechen, deren Elemente eine grössere Dauer haben -und demgemäss den Act der Function überleben. Dahin gehören, soweit sich -bis jetzt erkennen lässt, die beiden wichtigsten Drüsen: die =Leber= und -die =Nieren=. Aber auch an ihnen ist es schwer, die Function von der -Nutrition zu scheiden, insofern ihre Function auf Stoffwechsel beruht. -Es werden Stoffe in die Drüsenzellen aufgenommen, in denselben verändert -und von denselben in diesem veränderten Zustande ausgeschieden. Nichts -ist in dieser Beziehung so charakteristisch, wie die =Glykogenie= in der -Leber. Aus differenten Stoffen, wie aus den Arbeiten =Bernard='s -hervorgeht, selbst aus stickstoffhaltigen, entsteht in den Leberzellen -eine stickstofflose Substanz, das Glykogen; dieses wird in Zucker -übergeführt und letzterer in die Blutgefässe ausgeschieden und durch die -Lebervenen dem allgemeinen Kreislaufe zugeleitet. Mannichfache Reize, -mögen sie nun durch Innervation oder durch den Contact scharfer, durch -das Blut zugeführter Stoffe hergestellt werden, erregen diese Thätigkeit -der Leberzellen und steigern die Zuckerzufuhr zum Blute. - -Auch in dieser Form hat die Drüsenthätigkeit Manches an sich, wodurch -sie den Ernährungsvorgängen nahe tritt, und es lässt sich begreifen, -dass die Lehre von der functionellen Reizbarkeit nach dieser Seite hin -wenig ausgebildet ist. Wahrscheinlich würde sie auch jetzt noch -wesentlich auf muskulöse und nervöse Theile beschränkt geblieben sein, -wenn nicht in ziemlich unerwarteter Weise ihr aus dem Gebiete der -scheinbar trägen Einzelzellen eine sehr reiche Verstärkung an positiven -Erfahrungen zugeflossen wäre. Diese war von um so grösserer Bedeutung, -als hier zuerst =automatische= Vorgänge bekannt wurden, welche in der -augenfälligsten Weise von allem Nerveneinflusse frei sind. - -Die Reihe dieser Entdeckungen wurde eingeleitet durch eine schnell -steigende Zahl von Beobachtungen auf dem Felde der Botanik und der -Zoologie, welche zum Theil jenes Grenzgebiet betrafen, welches =Häckel= -seitdem unter der Bezeichnung des =Protistenreiches= abgeschieden hat. -Indess lieferten auch unzweifelhaft einzellige Pflanzen, zumal Algen, -welche frei im Wasser leben, und isolirte Pflanzentheile, wie die -Sporen, sehr wichtige Anhaltspunkte. Daran schlossen sich neue -Erfahrungen über die automatische Substanz niederer Wasserthiere, -namentlich über die sogenannte =Sarkode= der Süsswasserpolypen durch -=Ecker=, sowie über die contractile Substanz der Polythalamien durch -M. =Schultze= und der Radiolarien durch =Häckel=. Seit diesen Autoren -ist allmählich der Name =Protoplasma= in einer solchen Ausdehnung für -diese Substanzen gebräuchlich geworden, dass man sich des Bedenkens -allerdings nicht entschlagen kann, dass derselbe weit über das Maass -eines wissenschaftlichen Verständnisses hinaus in Anwendung gebracht -wird. Immerhin kann man zugestehen, dass er bei diesen niederen -Organismen eine höhere Berechtigung hat. Wenn bei den durch =de Bary= -und W. =Kühne= genauer bekannt gewordenen Myxomyceten diese Substanz -nicht bloss der Bewegung dient, sondern auch in sich neue Gewebselemente -erzeugt, so trifft die Bezeichnung gewiss in hohem Maasse zu. Noch mehr -würde dies der Fall sein, wenn jener neu entdeckte Organismus, welcher -den Boden des atlantischen Oceans überzieht, der Bathybius, in der That -keine zellige Organisation erreichte, sondern, wie =Huxley= beschreibt, -auf einer niederen Stufe der Differenzirung stehen bliebe. Für die -vergleichende Physiologie ist jedoch am meisten entscheidend gewesen die -Kenntniss eines bis in die neueste Zeit hinein den Infusorien -zugerechneten Wesens, der Amoebe, deren sehr einfache Organisation und -eben so einfache Lebensthätigkeit sie gewissermaassen als den Prototyp -des Automatismus erscheinen liess. So ist es gekommen, dass die -Gesammtheit der hier in Betracht kommenden Erscheinungen den Namen der -=amöboiden= erhalten hat. - -Auch die eigentlich cellulare Erforschung der automatischen Vorgänge -begann bei niederen Thieren. In immer steigender Zahl wurden -=bewegliche Elemente= im Innern des Körpers bei Cephalopoden, -Crustaceen, Würmern u. s. f. aufgefunden. Bei den Wirbelthieren -begannen, wie ich schon früher (S. 64, 189) erwähnt habe, die -Beobachtungen mit dem Studium der Flimmerzellen, der Pigmentzellen und -der farblosen Blutkörperchen, denen sich endlich durch die Entdeckung -=von Recklinghausen='s die, trotz aller meiner Anstrengungen bis dahin -von Vielen kaum noch als Elemente anerkannten Bindegewebskörperchen, -sowie die Eiterkörperchen anschlossen. - -[Illustration: =Fig=. 107, I. Automatische Zellen aus Hydrocele -lymphatica, durch Punction entleert. Man sieht theils einzelne -haarförmige, theils gedrängte büschelige Fortsätze. Der Zelleninhalt -(Protoplasma) feinkörnig; in einzelnen Zellen kleine (schwärzliche) -Fettkörnchen, in zweien Vacuolen. Vergr. 300.] - -Manche der hier in Frage kommenden Erscheinungen waren allerdings schon -länger bekannt, aber anderen Reihen von Vorgängen angeschlossen. Ich -selbst hatte sie in höchst charakteristischer Weise an zwei -verschiedenen Arten von Elementen gesehen und gezeichnet, nehmlich an -Exsudatzellen und an Knorpelkörperchen[148]. Indess war damals die -Neigung, alle Veränderungen der Zellen auf Exosmose und Endosmose -zurückzuführen, so vorherrschend, dass ich im Zweifel geblieben war, ob -ich nicht Erscheinungen der =Schwellung= und =Schrumpfung= vor mir -hätte, welche durch bloss mechanische Einwirkung von Flüssigkeiten -verschiedener Concentration herbeigeführt wurden. Die zum Theil sehr -auffälligen osmotischen Veränderungen[149] der Zellen entsprechen zum -Theil dem, was ich an einer anderen Stelle (S. 174, Fig. 61, _e_-_h_) von -den rothen Blutkörperchen beschrieben habe, gehen jedoch noch darüber -hinaus und sie konnten wohl als Grund der grössten Formveränderungen -angesehen werden. Die neueren Beobachter sind gerade im Gegentheil so -sehr von der Allgegenwart und Allwirkung des Protoplasma überzeugt, dass -manche von ihnen auch alle diese, der wahren Osmose angehörigen -Erscheinungen mit zu den Wirkungen des Protoplasma rechnen. Wie mir -scheint, wird noch manche Arbeit dazu gehören, diese zwei Reihen, die -active und die passive, auseinanderzulösen. - - [148] Archiv 1863. Bd. XXVIII. S. 237. - - [149] Zeitschrift für rationelle Medicin 1846. Bd. IV. S. 278. - Gesammelte Abhandl. S. 86. Archiv 1847. I. 105. III. 237. - -[Illustration: =Fig=. 107, II. Automatische Zellen aus frisch -exstirpirtem Enchondrom: körniger Zellkörper, grosser Kern mit je zwei -Nucleoli. _a_ Zelle mit homogenen verzweigten Ausläufern nach zwei -Richtungen, _b_ mehrfache feine Reiser neben den grossen, zum Theil -körnigen Ausläufern. Vergr. 300.] - -Unter den automatischen Veränderungen der Zellen sind folgende vier zu -nennen: - -1) Die =äussere Gestaltveränderung=, insbesondere das =Aussenden= und -=Einziehen von Fortsätzen=. Nirgends habe ich dies in so grosser, ja, -ich kann wohl sagen, ungeheurer Ausdehnung gesehen, wie an jungen -Knorpelzellen, namentlich an Enchondromzellen. =Grohe= hat es in -gleicher Weise constatirt. Hier sah ich (Fig. 107, II.) von Zellen, -welche, so lange sie in ihren Capsein enthalten waren, eine -rundlich-kugelige Gestalt besassen, allmählich Fortsätze ausgehen, die -als ganz feine Reiserchen begannen. Nach und nach verlängerten sie sich, -sendeten neue Reiser und Aeste aus, schoben sich immer weiter und weiter -hinaus und wurden so lang, dass man sie nicht auf einmal im -Gesichtsfelde des Mikroskopes übersehen konnte. Aus einer kugeligen oder -linsenförmigen Zelle wurde so ein Gebilde, welches einer vielstrahligen -Ganglienzelle glich. Auch darin zeigt sich eine gewisse Uebereinstimmung -mit den Bewegungen niederster Organismen, dass die ausstrahlende -Substanz anfangs homogen, später in dem Maasse, als der Zellkörper sich -mehr in die Fortsätze hineinschiebt, körnig ist. An kleineren Rundzellen -(Fig. 107, I.) treten die Ausläufer bald in feinen Büscheln, bald in -Form einzelner Haare oder Cilien zu Tage. Bei weiterer Beobachtung habe -ich an pathologischen Knorpelzellen auch wahrgenommen, wie der -Zellkörper mehr und mehr in Fortsätze sich auflöste und dem entsprechend -sich, fast bis zur Unkenntlichkeit, verschmächtigte (Fig. 107, III. _a_ -u. _c_). Ja, ich sah schliesslich die einzelnen Fortsätze sich einander -nähern, in einander fliessen und sich gleichsam organisch mit einander -verbinden, wie es ganz ähnlich an den sogenannten Pseudopodien der -Polythalamien und Radiolarien beobachtet wird. - -[Illustration: =Fig=. 107, III. Aus derselben Geschwulst, wie Fig. 107, -II. Die automatischen Zellen noch mehr in Fortsätze aufgelöst, letztere -viel mehr verästelt. Der Zellkörper fast verschwunden. Vergr. 300.] - -In ähnlicher Weise, wie dieses Ausstrahlen der Fortsätze geschieht, -erfolgt auch das Einziehen derselben. Einer nach dem andern verkürzt -sich, zieht sich allmählich in den Zellkörper zurück und verschwindet. -Die Zelle nimmt schliesslich wieder ihre rundliche Form an, ja nicht -selten wird diese so auffällig kugelig und zugleich die Dichtigkeit des -Gebildes so gross, dass schon daran der »Contractions«-Zustand erkannt -werden kann. - -So auffällig diese Vorgänge sind, so muss ich doch betonen, dass ganz -ähnliche durch abwechselnde Einwirkung concentrirter und diluirter -Flüssigkeiten hervorgebracht werden können, zumal wenn ungleich dichte -Mischungen auf die Zellen einwirken. Durch concentrirte Salz- oder -Zuckerlösungen kann man das Zurückgehen der Fortsätze leicht bewirken, -wie man umgekehrt durch verdünnte alkalische Lösungen zuweilen recht -ausgezeichnete Fortsatzbildungen hervorrufen kann. - -2) =Das Auftreten von Molecularbewegung= im Innern des Zellkörpers -(Protoplasma's). Diese Erscheinung ist zuerst (1845) von =Reinhardt= an -Eiterkörperchen, sodann von =Remak= an Schleimkörperchen gesehen und von -mir genauer beschrieben worden[150]. Sie lässt sich durch einen Wechsel -in den Concentrationszuständen mit Leichtigkeit herbeiführen. Erst sehr -viel später ist die allgemeine Aufmerksamkeit für dieses Phänomen durch -=Brücke= erregt worden, der darin einen besonderen vitalen Act sieht. Es -lässt sich dies nicht ganz in Abrede stellen, insofern manche -automatischen Vorgänge, z. B. die Aussendung von Fortsätzen mit einer -moleculären Vibration beginnen, indess darf man doch nicht so weit -gehen, jede Art der intracellularen Molecularbewegung als vital -anzusehen. - - [150] Zeitschrift für rationelle Medicin 1846. IV. 278. Ges. Abh. - S. 86. - -[Illustration: =Fig=. 107, IV. Eiterkörperchen des Frosches im Humor -aqueus nach v. Recklinghausen. (Mein Archiv 1863. Bd. XXVIII. Taf. II. -Fig. 1.). Vergr. 350. Fig. 1-7. Formen, welche dasselbe Körperchen der -Reihe nach innerhalb fünf Minuten annahm. Fig. 17-18. Dasselbe -Körperchen, mit Vacuolen besetzt.] - -3) =Die Bildung von Vacuolen= im Protoplasma. Schon seit langer Zeit -sind aus Pflanzenzellen und aus niederen Thieren inmitten der körnigen -Substanz ihres Körpers helle, blasenförmige Räume bekannt. Aehnliche -kommen auch in Zellen der höheren Thiere und des Menschen vor. Jedoch -scheide ich diejenigen, welche von einer besonderen Haut umkleidet sind -(Physaliden), ausdrücklich aus. Die genauere Beobachtung Vacuolen -tragender Rundzellen (Fig. 107, I. Fig. 107, IV. 17 u. 18) ergibt, dass -die hellen Räume manchmal einfach leere oder eigentlich von Wasser -eingenommene Stellen, Wassertropfen innerhalb des sogenannten -Protoplasmas sind, andermal dagegen von einer zähen, in Wasser schwerer -löslichen und zuweilen in Form hyaliner Tropfen aus den Zellen -austretenden Substanz erfüllt sind. In beiden Fällen wird durch -concentrirtere Medien, namentlich Salzlösungen die Erscheinung -aufgehoben. Ebenso kann man sie jedoch auch durch Maceration der Zellen -in verdünnten alkalischen Salzlösungen künstlich erzeugen. Auch hier -muss man daher sehr vorsichtig sein in der Deutung. - -4) =Die Abschnürung einzelner Theile des Zellkörpers=. Es ist dies eine -ähnliche Erscheinung, wie wir sie bei den rothen Blutkörperchen -besprochen haben (S. 193, 266). Im Zusammenhange mit automatischen -Bewegungen hat sie schon Boner[151] beobachtet; später ist sie von -=Beale=, =Stricker= und Anderen als ein häufigeres Phänomen nachgewiesen -worden. - - [151] J. H. =Boner= Die Stase. Inaug. Diss. Würzburg 1856. S. 7. - -Diese verschiedenen Erscheinungen, welche nicht selten neben, sehr oft -kurz nach einander an einer und derselben Zelle auftreten, verändern das -Aussehen derselben so auffällig, dass es häufig unmöglich ist, ohne -unmittelbare Beobachtung des Vorganges sich von der Identität der -Zellindividuen zu überzeugen. Es sind in der That proteusartige -Metamorphosen. Allerdings kann man sie sämmtlich, wie es jetzt -gewöhnlich geschieht, auf Contraction beziehen. Indess haben sie doch -fast durchweg gewisse Eigenthümlichkeiten, welche ihre Veränderungen von -den eigentlichen Contractionsveränderungen unterscheiden: diese -Veränderungen erfolgen nehmlich mit =grosser Langsamkeit=, man kann fast -sagen, Trägheit, aber zugleich nicht in einer vorgezeichneten Form oder -Ordnung, wie die Bewegung muskulöser oder flimmernder Elemente, sondern -mit dem =Anscheine der Freiheit und Willkür= und daher zuweilen auch der -=Absichtlichkeit=. - -Erwägt man andererseits, dass in nicht wenigen Fällen es überaus schwer -ist, die Grenzen zwischen den automatischen und den osmotischen -Veränderungen zu ziehen, so wird man begreifen, mit welchen -Schwierigkeiten das Studium dieser Phänomene umgeben ist. Auch eine -blosse =Schrumpfung durch Exosmose= oder =Schwellung durch Endosmose=, -also ganz physikalische Acte ohne alle Beziehung zum Leben, kann unter -Umständen vorkommen, wo sie den Eindruck der Freiwilligkeit und selbst -der Absichtlichkeit macht. Umgekehrt wieder sind wir bei vielen -automatischen Acten in der That ganz ausser Stande, zu erkennen, ob eine -Absicht bestand, ob der Vorgang auf einer Erregung beruhte, ob demnach -das Element selbst ein reizbares ist und ob der automatische Vorgang als -ein Beweis der Irritabilität der Zelle angesehen werden darf. In dieser -Beziehung haben wir jedoch zwei bestimmte Anhaltspunkte: zunächst den -Nachweis, der zuerst bei den automatischen Pigmentzellen der Froschhaut -geführt wurde, dass die Veränderungen unter dem Nerveneinflusse stehen; -sodann die Thatsache, dass wir durch stärkere Reizmittel, wie -Elektricität, Wärme, Licht, chemische Substanzen automatische Vorgänge -hervorzurufen vermögen. So hat noch kürzlich wieder =Rollett= die -Beobachtung W. =Kühne='s bestätigt, dass die Hornhautkörperchen sich auf -elektrische Schläge zusammenziehen. - -Handelte es sich bei diesen Vorgängen nur um befestigte (fixe) Elemente -der Gewebe, so könnte man vielleicht glauben, es werde bei weiterer -Forschung gelingen, überall einen Zusammenhang derselben mit Nerven -aufzufinden. Aber das Vorhandensein automatischer Eigenschaften an losen -und in Flüssigkeiten befindlichen (infusoriellen) Zellen überhebt uns in -dieser Beziehung einer jeden Sorge. Wie schon erwähnt (S. 189), hat -=Wharton Jones= zuerst an den farblosen Blutkörperchen solche Vorgänge -beobachtet. Damit war für Jedermann, der lernen wollte, der Beweis -geliefert, dass es sich um einfache Zellen-Eigenschaften handelte. -Später hat dann v. =Recklinghausen= in der Hornhaut und im Bindegewebe -neben den fixen Elementen auch bewegliche wahrgenommen und zuerst -festgestellt, dass dieselben wirkliche Ortsveränderungen vornehmen, also -wahre =Wanderzellen= sind. - -Die von =Waller= und =Cohnheim= gefundene (S. 189) Thatsache, dass die -farblosen Blutkörperchen nicht bloss ihre Gestalt verändern, sondern -auch die Fähigkeit der Ortsveränderung besitzen, so dass sie selbst die -Gefässe verlassen und auf Oberflächen und in Gewebe des Körpers -auswandern, hat es in hohem Maasse erschwert zu erkennen, ob gewisse -mobile Elemente, welche sich im Inneren von Geweben finden, in dieselben -eingedrungene farblose Blutkörperchen oder =mobilisirte= Elemente des -Gewebes selbst sind. So ist eine grosse Verwirrung in der Interpretation -der Thatsachen entstanden, und es ist in der That in vielen Fällen noch -jetzt ganz unmöglich, genau festzustellen, wofür man sich entscheiden -soll. Jeder Einzelne urtheilt unter solchen Verhältnissen mehr nach der -von ihm angenommenen Formel, als nach der wirklichen Beobachtung. Meiner -Erfahrung nach ist es irrig, eine einzige Formel als richtig anzunehmen. -Sowohl im Bindegewebe, als in jungen Epitheliallagen können vorher -befestigte Zellen mobilisirt und ebenso vorher mobile Zellen fixirt -werden. Die Mobilisirung geschieht in Folge von Reizung, und insofern -hat man ein Recht, auch diesen Act als eine Wirkung der Reizbarkeit der -Zellen anzusehen. - -Die Gewebselemente des menschlichen Körpers, welche einer Mobilisirung -unterliegen, gehören, abgesehen von den lymphatischen und Blutzellen, -ausschliesslich der Gruppe der bindegewebigen und epithelialen -Formationen an. Für viele dieser Elemente ist mit dieser Erkenntniss -erst die Möglichkeit gegeben, ihnen überhaupt eine Function in dem -strengen Sinne des Wortes zuzuschreiben. Nach ihrer Mobilisirung -verhalten sie sich, wie die Amoebe und andere ähnliche Sonderorganismen, -die =Häckel= in der Klasse der =Moneren= vereinigt hat. Sie erscheinen -als vollständig individualisirte, wenigstens zeitweise gänzlich freie -und abgesonderte Körper, welche den Gedanken der Zellen-Individualität -im höchsten Maasse veranschaulichen. - -Es ist endlich noch eine besondere Eigenschaft zu besprechen, welche aus -dem bisher mitgetheilten als eine einfache Consequenz folgt; das ist die -=Voracität= dieser Elemente (S. 101, 189). Sie »fressen« allerlei Dinge, -auch vollständig unverdauliche und nicht assimilirbare. Auch in dieser -Beziehung gleichen sie vielen niederen Organismen. Namentlich durch -=Ehrenberg= waren die sogenannten Färbungen der Infusorien mit -Farbstofftheilchen, namentlich mit Indigo und Carmin in Gebrauch -gekommen; es sollte damit gezeigt werden, dass diese »Thiere« Mund, -Magen und After besässen, also eine vollkommene Organisation hätten. -Genauere Beobachtungen haben auch für die Infusorien gelehrt, dass -diese Argumentation falsch war; sie haben im Gegentheil gezeigt, dass -manche Wesen an jeder beliebigen Stelle ihrer Oberfläche andere Körper -aufnehmen, in ihr Inneres pressen und, in verschiedener Weise verändert, -wieder auswerfen können, ohne dass sie Mund, Magen oder After besitzen. - -Für die Lehre vom Menschen trat diese Frage zuerst in einer -entscheidenden Weise in den Vordergrund bei Gelegenheit der sogenannten -=blutkörperchenhaltigen= Zellen. Schon als ich meine ersten -Beobachtungen über die Entstehung der pathologischen Pigmente -veröffentlichte[152], musste ich mich gegen die damals von =Kölliker= -und =Ecker= vertheidigte Hypothese erklären, welche dahin ging, dass -unter gewissen Verhältnissen Haufen von Blutkörperchen sich -zusammenballten und daraus Zellen entständen. Andererseits hatten -=Rokitansky= und =Engel= für pathologische, =Gerlach= und =Schaffner= -für physiologische Verhältnisse die Möglichkeit aufgestellt, dass in -gewöhnlichen Zellen nachträglich eine Neubildung von rothen -Blutkörperchen stattfinde, dass also diese Zellen Mutterzellen für Blut -darstellten. Ich wies nach[153], dass es sich hier um das Eindringen -präexistirender Blutkörperchen in präexistirende Zellen, also um -keinerlei Art von Neubildung, sondern nur um die Incorporirung von -Blutkörperchen in andere Zellen handle, und da diese Zellen, wenigstens -zum Theil, persistiren und aus den Blutkörperchen Pigment hervorgeht, um -eine secundäre Pigmentbildung in Gewebselementen. Obwohl ich schon -damals auf die Analogie dieser Vorgänge mit dem »Fressen« der mundlosen -Infusorien hinwies, so hielt ich doch das Eindringen der Blutkörperchen -in die Zellen für einen mechanischen Act, welcher durch die Gewalt des -extravasirenden Blutes hervorgebracht werde. Ich dachte mir, dass das -aus Gefässrupturen austretende Blut durch Rupturen der Wand in Zellen -eindringe und hier liegen bleibe. - - [152] Archiv 1847. I. 381, 451. - - [153] Archiv 1852. IV. 515. 1853 V. 405. - -Erst =Preyer= hat bei direkter Beobachtung unter dem Mikroskop gefunden, -dass manche bewegliche Zellen, z. B. farblose Blutkörperchen, unter -Umständen rothe Blutkörperchen umfassen, in ihr Inneres hineinpressen -und in sich aufnehmen. In besonders ausgezeichneter Weise ist später -dargethan worden, dass dieselben Farbstoffkörner, welche die Infusorien -»fressen«, von farblosen Blutkörperchen und anderen Zellen gleichfalls -aufgenommen werden: Indigo, Carmin, Zinnober werden auf diese Weise -incorporirt, und manche Zellen zeigen eine ungemein grosse Gefrässigkeit -für derartige fremde, gleichviel ob verdauliche und veränderliche oder -unverdauliche und unveränderliche Körper. Kohlenstückchen werden auf -diese Weise von Schleimkörperchen der Luftwege mit grosser Leichtigkeit -aufgenommen (S. 15, Fig. 8, _B b_). - -Dass es sich bei diesem »Fressen« nicht einfach um Ernährung handelt, -habe ich schon früher bemerkt (S. 101). Aber ich muss auch davor warnen, -jedes Eindringen von fremden Körpern in das Innere von Zellen als das -Resultat automatischer Bewegungen anzusehen. Unzweifelhaft gibt es auch -Incorporirungen fremder Körper, wobei das incorporirende Element sich -ganz passiv verhält. Ein mikroskopisches Kohlensplitterchen kann vermöge -der Schärfe und Spitzigkeit seiner Ecken gewiss ebenso gut in eine Zelle -hineindringen, wie ein scharfes Instrument in den Körper. Kleine -Entozoen und Pilze dringen vermöge ihrer eigenen Thätigkeit, mag diese -nun in selbständigen Bewegungen, oder in fortschreitendem Wachsthum und -Absorption entgegenstehender Widerstände beruhen, in das Innere von -Gewebselementen ein; ja sie können dieselben gänzlich erfüllen und die -specifische Substanz verdrängen oder aufzehren. Wir wissen dies nicht -nur von den Trichinen, welche in Muskelfasern einwandern, sondern auch -von Pilzen und Vibrionen, die in pflanzliche und thierische Zellen -eindringen und sich darin vermehren. - -Diese Anführungen werden genügen, um zur Vorsicht in der Deutung der -Beobachtungen aufzufordern. Veränderungen, welche dem Anscheine nach -vollständig unter einander übereinstimmen, kommen auf ganz verschiedene -Weise zu Stande. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bleiben, dass die -Voracität der Elemente, gleich der Migration und dem Polymorphismus -derselben, als Ergebniss ihrer Thätigkeit und als Merkmal ihrer -Irritabilität wirklich existirt. Alle diese Erscheinungen gehören -demselben Gebiete an, -- einem Gebiete, welches ich mit dem Namen des -=Automatismus= bezeichne, und dessen Kenntniss vielleicht als das -wichtigste Ergebniss der auf das Einzelleben bezüglichen Forschungen der -Neuzeit bezeichnet werden darf. Die Zahl der functionell activen -Elemente des Körpers ist dadurch auf das Aeusserste vermehrt worden. - -Auch auf diesem Gebiete, wie auf dem aller anderen functionellen Theile, -beschränkt sich die pathologische Störung auf das Quantitative. Nirgends -gibt es qualitative Abweichungen. Die Function ist da oder sie ist nicht -da; ist sie da, so ist sie entweder verstärkt oder geschwächt. Das gibt -die drei Grundformen der Störung: =Mangel= (=Defect=), =Schwächung= und -=Verstärkung der Function=. Eine andere Function, als die -physiologische, wohnt auch unter den grössten pathologischen Störungen -keinem Elemente des Körpers bei. Der Muskel empfindet nicht, der Nerv -bewegt keinen Knochen, der Knorpel denkt nicht. Auch hier ist es nur die -oft höchst sonderbare und complicirte Synergie verschiedener Theile oder -gar die Combination activer und passiver Zustände, welche eine scheinbar -quantitative Abweichung ergeben. Aber eine wissenschaftliche Analyse -wird und muss jedesmal ergeben, dass auch die ungewöhnlichste Krankheit -keine neue Form, keine eigentliche Heterologie der Function mit sich -bringt. - - - - - Sechzehntes Capitel. - - Nutritive und formative Reizung. Neubildung und Entzündung. - - - Nutritive Reizbarkeit. Genauere Definition der Ernährung. - Hypertrophie und Hyperplasie. Atrophie, Aplasie und Nekrobiose als - Formen des Schwundes (Phthisis): regressive Processe. Wesen der - Ernährung: Aufnahme und Aneignung der Stoffe durch eigene - Thätigkeit. Crudität und Assimilation. Fixirung der Stoffe: - Gegensatz zu todten und schlecht ernährten Theilen; Resorption und - Kachexie. Gute Ernährung. Strictum et laxum, Tonus und Atonie, - Kraft und Schwäche. Turgor vitalis. Nutritive Reize: trophische - Nerven. Krankhafte Hypertrophie: parenchymatöse Entzündung; trübe - Schwellung. Niere, Knorpel, Haut, Hornhaut. Die neuropathologische - und die humoralpathologische Doctrin. Parenchymatöse Schwellung. - Nutritive Restitution und Nekrobiose. Stadien der parenchymatösen - Entzündung. Active Natur dieses Processes. - - Formative Reizbarkeit. Theilung der Kernkörperchen und Kerne - (Nucleation): vielkernige Elemente, Riesenzellen (Knochenmark, - Myeloidgeschwulst, lymphatische Neubildungen). Formative - Muskelreizung im Vergleich zum Muskelwachsthum. Neubildung der - Zellen durch Theilung (fissipare Cellulation): Knorpel, epitheliale - und bindegewebige Neubildung. Wucherung (Proliferation). - Auswanderung der farblosen Blutkörperchen und aus ihnen - hervorgehende Organisation. Die plastischen (histogenetischen) - Stoffe; der Bildungstrieb. Negation der extracellulären Neubildung - und der Bildungsstoffe. Die Neubildung als Thätigkeit der Zellen. - Formative Reize. Die humoralpathologische und neuropathologische - Doctrin. - - Entzündliche Reizung, Entzündung. Neuroparalytische Entzündung - (Vagus, Trigeminus); Lepra anaesthetica. Prädisposition und - neurotische Atrophie. Die Entzündung als Collectivvorgang. - -Während die functionelle Reizbarkeit, deren Wirkungen wir im vorigen -Capitel besprochen haben, den Lieblingsgegenstand der Studien unserer -Physiologen darstellt und daher im Laufe der letzten Jahrzehnte fast -ausschliesslich von ihnen verfolgt worden ist, so ist das Gebiet der -=nutritiven Reizbarkeit= noch gegenwärtig vielmehr der pathologischen -Untersuchung vorbehalten geblieben, und manche sehr wichtige Seite der -Betrachtung hat sich deshalb lange der allgemeinen Aufmerksamkeit -entzogen. Es war dies der Grund, weshalb ich schon früher, im fünften -und sechsten Capitel, die Ernährung zum Gegenstande einer besonderen -Erörterung gemacht habe. Auf diese Erörterung kann ich mich hier -beziehen. Man wird danach leicht ersehen, dass ich unter der Bezeichnung -der nutritiven Reizbarkeit die Fähigkeit der einzelnen Theile verstehe, -auf bestimmte Erregungen mehr oder weniger viel Stoff in sich -aufzunehmen und festzuhalten. Ich kann sogleich hinzusetzen, dass mit -einer solchen vermehrten Aufnahme in das Innere der Elemente die -wichtigsten jener Prozesse beginnen, welche das Gebiet der -pathologischen Anatomie ausmachen. - -Ein Theil, der sich ernährt, kann sich dabei entweder beschränken auf -die einfache Erhaltung seiner Masse, oder er kann, wie wir besonders in -pathologischen Fällen sehen, eine grössere oder geringere Masse von -Material in sich aufnehmen, als im gewöhnlichen Laufe der Dinge -geschehen wäre. In welcher Weise oder in welcher Masse aber auch die -Aufnahme erfolgen mag, so bleibt doch die Zahl der histologischen -Elemente vor und nach einer bloss nutritiven Erregung sich gleich. -Dadurch unterscheidet sich die einfache Hypertrophie von der Hyperplasie -(numerischen oder adjunctiven Hypertrophie), mit welcher sie im äusseren -Effect oft eine so grosse Aehnlichkeit hat (S. 90, Fig. 29, _B_). Solche -einfache Hypertrophien beobachten wir an den Muskeln, den Nerven (S. -275), den Epithelien, insbesondere den Drüsenzellen, den Zellen des -Bindegewebes, am häufigsten des Fettgewebes. Eine Steigerung der -natürlichen, =adäquaten= Reize bedingt sehr leicht eine derartige -Vergrösserung der Elemente. Ein Muskel, der gegen grössere Widerstände -zu arbeiten hat, bekommt dickere Primitivbündel; das Epithel einer -Niere, welche mehr Harnstoff abzusondern hat, vergrössert sich. Daher -haben diese Hypertrophien häufig eine =compensatorische= Bedeutung. Das -Herz wird hypertrophisch, wenn die arterielle Blutbahn kleiner wird; die -eine Niere wird hypertrophisch, wenn die andere schrumpft. - -Ebenso unterscheidet sich die einfache =Atrophie= sowohl von der -Aplasie, der ursprünglichen Mangelhaftigkeit in der Bildung einzelner -Theile, als auch von der Nekrobiose (numerischen oder degenerativen -Atrophie), welche eine wirkliche Zerstörung und Detritusbildung bedingt -(S. 335). Seit alter Zeit hat man diese drei, in sich verschiedenen -Zustände ganz gewöhnlich unter demselben Namen zusammengefasst: die -Bezeichnung des =Schwundes= oder der =Schwindsucht= (Phthisis, Phthoe, -Tabes), obwohl häufiger in dem Sinne eines allgemeinen, den ganzen -Körper betreffenden Prozesses angewendet, hat doch bis in die neueste -Zeit auch als Ausdruck für locale Prozesse gedient, z. B. Phthisis -bulbi, testiculi. Will man sich jedoch das Verständniss der krankhaften -Vorgänge sichern, so muss man nothwendig die drei Vorgänge aus einander -halten[154]. Denn es liegt auf der Hand, dass eine mangelhafte Bildung -und Entwickelung ganz andere Bedingungen und ein ganz anderes Wesen hat, -als eine mangelhafte Erhaltung eines im Uebrigen regelmässig gebildeten -und entwickelten Theiles. Letztere stellt immer einen =Rückgang= -(regressiven Prozess) dar. Insofern stimmt sie überein mit der -Nekrobiose, welche den Rückgang in seiner schlimmsten Form ausdrückt. -Aber die Nekrobiose ist eine Art des örtlichen Sterbens; der davon -befallene Theil stirbt definitiv ab, und er kann nur wieder ersetzt -werden durch einen regenerativen Prozess der Neubildung, während der -atrophische Theil trotz seines verschlechterten Zustandes persistirt, -sich erhält und bei Verbesserung dieses Zustandes im Wege der einfachen -Ernährung reparirt oder =restaurirt= wird. Derselbe Theil, oder sagen -wir noch genauer, dasselbe Element kann im Laufe der Zeit in immer -wechselnder Weise bald normal ernährt werden, bald atrophisch und -hypertrophisch werden, wie das Beispiel der Muskeln vortrefflich lehrt. -Grundbedingung ist jedoch, dass das Element überhaupt vorhanden ist und -dass trotz alles Wechsels die erhaltende Thätigkeit nicht aufhört. - - [154] Handb. der spec. Pathologie und Ther. I. 304. - -Die wahre Ernährung ist also unter allen Verhältnissen auf die Erhaltung -des Theils gerichtet, und begreiflicherweise kann sie nur ein Mehr oder -Weniger normaler Vorgänge darstellen. Sie besteht nicht etwa in einer -blossen Aufnahme, auch nicht in einem blossen Stoffwechsel, der sich aus -Aufnahme und Abgabe zusammensetzt, sondern ganz wesentlich in der -=Aneignung= der Stoffe. Bei letzterer ist wiederum zweierlei zu -unterscheiden. Zunächst die Umwandlung der aufgenommenen Stoffe in die -besondere Substanz des Parenchyms, die sogenannte =Assimilation=. Wenn -wir in der Nahrung auch die mannichfaltigsten Stoffe, selbst -Parenchymsubstanz geniessen, so gelangen doch höchstens das Wasser und -einige Stoffe von mehr indifferenter Art, niemals die specifische -Parenchymsubstanz als solche vollständig präparirt vom Magen oder vom -Blute aus in die Gewebe[155]. Es genügt nicht, Blutwurst zu essen, um -Blutkörperchen zu erzeugen, oder Hühnereier, um Markstoff in die Nerven -absetzen zu lassen; ehe aus Fleisch wieder Fleisch, aus genossener Leber -wieder Leber wird, müssen die daraus entstandenen Verdauungsstoffe -(Peptone) erst wieder einer chemischen Umsetzung unterliegen, und die -Ernährungs-=Thätigkeit= besteht gerade zu einem wesentlichen Theile -darin, dass die in noch =crudem= Zustande aufgenommene Substanz in -wirkliche Gewebssubstanz umgewandelt wird. Dies kann ganz und gar -innerhalb der Zellen geschehen; sehr häufig, insbesondere bei allen mit -Intercellularsubstanz versehenen Geweben, ist die Assimilation erst -vollendet, wenn die neu entstandene Substanz in die Umgebung der Zellen -=abgesondert= ist. Bindegewebe (leimgebendes Gewebe) kann nicht einfach -dadurch restaurirt werden, dass wir Leim, etwa in Form einer Brühe, -geniessen. Dieser Leim geht, wie das genossene Eiweiss, zum grösseren -Theile in Harnstoff über, ohne wieder zu eigentlichem Gewebsmaterial -verwendet zu sein. Die Ernährung der Bindegewebs-Intercellularsubstanz -haben wir uns vielmehr so zu denken, dass aus einem Theile der Peptone -neues Bluteiweiss gebildet wird, dass sodann von diesem ein Theil in die -Bindegewebskörperchen aufgenommen und umgesetzt wird, und dass endlich -dieser umgesetzte, leimartige Stoff aus den Körperchen in die -Intercellularsubstanz ausgeschieden wird. Die assimilirende Thätigkeit -ist daher keineswegs eine so einfache, wie man sie sich häufig denkt. - - [155] Vgl. meinen Vortrag über Nahrung- und Genussmittel (Sammlung - gemeinverst. wiss. Vorträge Serie II. Heft 48. S. 22. Berlin - 1868.) - -Zweitens gehört jedoch zu der Ernährung die =Fixirung= der aufgenommenen -und assimilirten Stoffe. Ich verstehe darunter die Fähigkeit, diese -Stoffe an dem Orte, wohin sie zur Bewahrung des Status quo gehören, auch -festzuhalten, sie dem Spiele des Stoffwechsels, insbesondere der -Exosmose zu entziehen. Hämoglobin ist eine in Wasser lösliche Substanz. -Es genügt, Blutkörperchen in eine grosse Menge von Wasser zu versetzen, -um sie auf dem Wege der Exosmose gänzlich »auszulaugen«. Dass eine -ähnliche Auslaugung nicht schon durch das Blutwasser (Liquor sanguinis) -geschehe, wird nicht bloss durch die concentrirtere Mischung desselben -gehindert, sondern auch durch die Constitution der lebenden -Blutkörperchen selbst. =Rollett= hat gezeigt, dass man durch Frost in -kürzester Zeit die Blutkörperchen in dem gewöhnlichen Blutwasser zur -vollständigsten Auslaugung bringen kann. Dasselbe geschieht auch im -Körper überall, wo die Blutkörperchen absterben; die todten Körperchen -lassen das Blutroth fahren, und dieses vertheilt sich alsbald mit dem -Blutwasser in die umgebenden Theile. So entstehen die cadaverösen -Färbungen der Leichen und die eigenthümlichen Farben des Brandes beim -Lebenden; so kommen jene sonderbaren Entfärbungen der Blutkörperchen in -Extravasaten und Thromben zu Stande, welche wir früher besprochen haben -(S. 240, Fig. 79, _C_). - -Wenn der Blutfarbstoff eben seiner Farbe wegen ein besonders günstiges -Object für diese Betrachtung ist, so haben wir ein anderes, welches -wegen der grossen Häufigkeit und der bedeutenden Wirkungen seiner -Exosmose der Aufmerksamkeit in noch weit höherem Maasse würdig ist. Das -ist das Wasser. Bei Gelegenheit einer Erörterung der käsigen -Metamorphose habe ich die Frage des Stoffwechsels im Todten des Weiteren -besprochen[156] und namentlich auch den schnellen Wasserverlust -hervorgehoben, von welchem todte Theile im Körper betroffen werden (S. -220). Das Welken der Blätter, die Krustenbildung und Mumification -äusserer, die Schrumpfung, der Collapsus innerer thierischer Theile, -welche abgestorben sind, stehen auf einer Linie. Dürres Laub, -geschrumpfte Zellen sind vollkommene Analoga. - - [156] Verhandl. der Berliner med. Gesellschaft. 1865-66. S. 245. - -Der Umstand, dass die aus den Zellen austretenden Stoffe oft nach kurzer -Zeit gänzlich verschwinden, hat zu der in früherer Zeit ganz allgemeinen -Annahme geführt, es handle sich hier wesentlich um =Resorption=. Allein -das Dürrwerden der Blätter, die Mumification brandiger Glieder beruhen -auf Wasserverdunstung und nicht auf Resorption. Ueberdiess ist die -Resorption, wo sie eintritt, z. B. bei den käsigen Umwandlungen, nur ein -secundärer Act. Es war daher allerdings richtiger, als man das Wesen des -Vorganges in einer vermehrten =Exosmose= suchte. Aber die Exosmose setzt -einen Austausch von Stoffen voraus; überdiess erfolgt sie durch die -Force majeure der ausserhalb der Zelle befindlichen Stoffe. Davon ist -hier gar nicht die Rede. Der Wasseraustritt aus todten Theilen geschieht -auch da, wo gar kein Austausch vorhanden ist, wo gar keine durch -Concentration oder Mischung ausgezeichnete Intercellularflüssigkeit -vorhanden ist. Der eigentliche Grund liegt in der Unfähigkeit der todten -Elemente, ihre Bestandtheile noch festzuhalten. - -Das, was an todten Theilen im Extrem hervortritt, findet sich bei der -Atrophie in geringerem Grade. Wenn ein atrophirender Nerv sein Myelin -verliert, wenn eine Pigmentzelle ihr Pigment einbüsst, so braucht sie -noch nicht todt zu sein oder zu sterben. Aber ihre innere Festigkeit ist -erschüttert, die Solidität des inneren Baues ist beeinträchtigt, und die -Folge ist eine =Verkleinerung mit Verschlechterung der Constitution=. -Das ist das, was die Alten zum Theil mit dem Ausdrucke der -=Kachexie= (Habitus malus) bezeichneten, und was in der antiken -solidarpathologischen Lehre vom =Laxum et strictum= einen verständlichen -Ausdruck gefunden hat. Denn es liegt auf der Hand, dass dem welken und -schlaffen Zustande der Atrophie der derbe und straffe Zustand der guten -Ernährung und noch mehr der wahren Hypertrophie gegenübersteht. Hier ist -nicht bloss eine reichlichere Aufhäufung wohl assimilirten Stoffes, -sondern auch eine stärkere Fixirung desselben vorhanden. Nirgends ist -dies deutlicher erkennbar, als an den Muskeln, an welche sich daher auch -die technische Sprache lange angeschlossen hat. Die =straffe Faser= der -früheren Autoren ist zunächst die gut genährte Muskelfaser (das -Primitivbündel) und erst weiterhin jede andere Faser. - -Dem Strictum et laxum der Methodiker entspricht zum Theil der =Tonus= -und die =Atonie= der Neueren. Auch hier hat man in den letzten Jahren -fast ausschliesslich den neuristischen Standpunkt eingenommen und den -Tonus als die Folge einer dauernden Innervation gedeutet. Für einzelne -Theile mag dies zutreffen. Aber allgemein betrachtet entsprechen diese -Bezeichnungen den Ernährungszuständen der Gewebe; wie ich ausgeführt -habe[157], bedeutet Tonus in diesem allgemeinen Sinne die nutritive -Spannung (Tension). Daher galt der Tonus als Merkmal eines gesunden, -normalen Zustandes der Theile, wo der günstigen Ernährung auch eine -grosse Leistungsfähigkeit (Kraft) entspricht, während Atonie ausser der -schlechteren Ernährung zugleich die Erschlaffung (Relaxatio) und -Schwäche (Debilitas) bedeutet. Insofern schiebt sich in die Vorstellung -neben dem nutritiven Moment zugleich die Voraussetzung eines -functionellen mit hinein. - - [157] Archiv VI. 139. VIII. 27. XIV. 27. - -Ungleich dehnbarer ist der zu gewissen Zeiten viel gebrauchte Ausdruck -des =Turgor vitalis=. Obwohl derselbe in vielen Fällen auch nichts -anderes, als die nutritive Fülle eines Theiles bedeutet, so knüpfte sich -doch meistentheils zugleich die Vorstellung von einer stärkeren Füllung -der Gefässe (Hyperämie) daran. Wie bei dem Tonus die Nerven, so traten -bei dem Turgor die Blutgefässe mit in die Betrachtung ein. Auch diese -Betrachtung hat ihre Berechtigung. Denn offenbar ist eine gewisse -Freiheit der Circulation Vorbedingung für eine reichlichere Zufuhr von -Ernährungsmaterial und insofern auch für eine kräftigere Ernährung. - -Aber wir haben schon früher gesehen, dass die Gefässfüllung und der -reichere Zustrom von Blut die Ernährung nicht nothwendig bestimmt (S. -158). Auch in gefässlosen Geweben ernähren sich die Elemente; ja sie -leben und erhalten sich in vollständiger Trennung von den Geweben und -von den Gefässen. Nach der alten Vorstellung =wird der Theil ernährt= -und verhält sich dabei mehr oder weniger passiv; die Thätigkeit der -Gefässe bestimmt seine Ernährung. Nach meiner Auffassung =ernährt er -sich=: er verhält sich durchaus activ, und die Thätigkeit der Gefässe -kann nur seine eigene Thätigkeit fördern oder unterstützen. Jede -einzelne Zelle verhält sich, wie eine kleinste Pflanze; sie =wählt= ihr -Ernährungsmaterial aus ihrer Umgebung[158]. Jedes Gewebsstück ernährt -sich, wie die Frucht im Mutterleibe, die wohl an die Gefässe der Mutter -grenzt, aber keinen Zusammenhang mit ihnen hat. Kann man eine grössere -Uebereinstimmung denken, als die blosse Juxtaposition der Frucht im -Mutterleibe mit einer oculirten Knospe? Die Geschichte der -Transplantation von Körpertheilen, wie sie in den jüngsten Tagen bei der -Behandlung von Wunden in immer grösserer Ausdehnung mit dem grössten -Erfolge geübt wird, gibt die schönsten Beispiele für diese -Selbsternährung bloss juxtaponirter Theile. - - [158] Archiv IV. 381. - -Aber freilich bedarf auch die Ernährungsthätigkeit bestimmter -Erregungsmittel. Ohne diese bleibt ein lebender Theil inmitten der -grössten Fülle von Ernährungsstoffen träge und unthätig. Die =nutritiven -Reize= sind keineswegs immer Nahrungsstoffe: ein grosser Theil -derjenigen Substanzen, welche wir Genussmittel nennen, reizt die Gewebe -zu stärkerer Ernährung. Vermehrte Function, mechanische und chemische -Einwirkungen der verschiedensten Art haben vermehrte Aufnahme von -Nahrungsstoffen im Gefolge[159]. Wie das Licht auf die Pflanzengewebe, -so wirkt mechanische Bewegung auf viele Thiergewebe reizend ein. Auch -der Nerveneinfluss darf hier nicht ausgeschlossen werden, aber man soll -nur nicht im Sinne der Neuristen die gesammte Ernährung als eine -Wirkung =trophischer Nerven= betrachten. Ein grosser Theil der -Ernährungsvorgänge hat mit Nerven nicht das Mindeste zu thun. Wo aber -die Ernährung durch Innervation bestimmt wird, da hat die letztere nur -einen modificirenden Einfluss auf die auch ohne sie vorhandene -Ernährung. Wie die Muskelirritabilität allein es erklärt, dass die -Innervation des Muskels eine Contraction zum Gefolge hat, so erklärt die -nutritive Erregbarkeit der einzelnen Theile, dass der Einfluss -trophischer Nerven die Aufnahme und Assimilation der Nahrungsstoffe -anregen kann. - - [159] Handb. der spec. Pathol. und Ther. I. 338. - -Es ist aber für die pathologische Auffassung äusserst wichtig zu wissen, -dass ein Theil, der in Folge seiner Energie und in Folge einer Reizung -eine grosse Quantität von Material in sich aufnimmt, deshalb nicht -nothwendiger Weise in einen dauerhaften Zustand der Vergrösserung zu -gerathen braucht, sondern dass im Gegentheile gerade unter solchen -Verhältnissen oft eine nachträgliche Störung in der inneren Einrichtung -hervortritt, welche den Bestand des Theiles in Frage stellt und welche -der nächste Grund wird für den Untergang desselben. Jedes Gewebe besitzt -erfahrungsgemäss nur gewisse Möglichkeiten und Grade der Vergrösserung, -innerhalb deren es im Stande ist, sich regelmässig zu conserviren; wird -dieser Grad, und namentlich schnell, überschritten, so sehen wir immer, -dass für das weitere Leben des Theiles Hindernisse erwachsen, und dass, -wenn der Prozess besonders acut von Statten geht, eine Schwächung des -Theiles bis zu vollständigem Vergehen desselben eintritt. - -Vorgänge dieser Art bilden schon einen Theil jenes Gebietes, das man in -der gewöhnlichen Sprache der =Entzündung= zurechnet[160]. Eine Reihe von -entzündlichen Vorgängen stellt in ihrem ersten Anfange gar nichts -weiter dar, als eine vermehrte Aufnahme von Material in das Innere der -Zellen, welche ganz derjenigen ähnlich sieht, welche bei einer einfachen -Hypertrophie stattfindet. Wenn wir z. B. die Geschichte der Bright'schen -Krankheit in ihrem gewöhnlichen Verlaufe betrachten, so ergibt sich, -dass das Erste, was man überhaupt in einer solchen Niere wahrnehmen -kann, darin besteht, dass im Innern der gewundenen und im Uebrigen noch -ganz intacten Harnkanälchen der Rinde die einzelnen Epithelialzellen, -welche schon normal ziemlich gross sind, sich weiter vergrössern. Aber -sie werden nicht bloss sehr gross, sondern sie erscheinen auch zugleich -sehr trübe, indem in das Innere der Zellen überall eine reichlichere -Masse von eiweissartigem, körnigem Material eintritt. Das ganze -Harnkanälchen wird durch diese Schwellung der Zellen breiter, und es -erscheint schon für das blosse Auge als ein gewundener, weisslicher, -opaker Zug. Isoliren wir die einzelnen Zellen, was ziemlich schwierig -ist, da die Cohäsion derselben schon zu leiden pflegt, so sehen wir sie -erfüllt mit einer körnigen Masse, welche scheinbar nichts anderes -enthält, als dieselben Körnchen, die auch normal im Inneren der -Drüsenzellen vorhanden sind. Ihre Anhäufung wird um so dichter, je -energischer und acuter der Prozess vor sich geht; ja, allmählich wird -selbst der Kern undeutlich. Dieser Zustand von =trüber Schwellung=, wie -ich ihn genannt habe, ist an vielen gereizten Theilen der Ausdruck der -nutritiven Irritation. Er begleitet eine gewisse Form der sogenannten -Entzündung, und macht einen nicht geringen Theil desjenigen aus, was man -seit alten Zeiten als =Entzündungsgeschwulst= (Tumor inflammatorius) -bezeichnete. - - [160] Archiv IV. 277, 314, 316. - -[Illustration: =Fig=. 107. Abschnitt eines gewundenen Harnkanälchens aus -der Rinde der Niere bei Morbus Brightii. _a_ die ziemlich normalen -Epithelien, _b_ Zustand trüber Schwellung, _c_ beginnende fettige -Metamorphose und Zerfall. Bei _b_ und _c_ grössere Breite des Kanals. -Vergr. 300.] - -Zwischen diesen schon degenerativen Vorgängen und der einfachen -Hypertrophie finden sich gar keine erkennbaren Grenzen. Wir können von -vornherein nicht sagen, wenn wir einen solchen vergrösserten, mit -reichlicherem Inhalte versehenen Theil antreffen, ob er sich noch -erhalten oder ob er zu Grunde gehen wird, und daher ist es für den -Anatomen, wenn er gar nichts über den Prozess weiss, durch den etwa eine -solche Veränderung eingetreten ist, in vielen Fällen ausserordentlich -schwierig, die einfache Hypertrophie von derjenigen Form der -entzündlichen Prozesse zu scheiden, welche wesentlich mit einer -Steigerung der Ernährungs-Aufnahme beginnt[161]. - - [161] Archiv 1852. IV. 263. (Aus einer Vorlesung von 1847). - -Auch bei diesen Vorgängen ist es nicht wohl möglich, den einzelnen -Elementen die Fähigkeit abzustreiten, von sich aus auf eine Anregung, -die ihnen direct zukommt, eine vermehrte Stoff-Aufnahme stattfinden zu -lassen; mindestens widerstreitet es allen Erfahrungen, anzunehmen, dass -eine solche Aufnahme das Resultat einer besonderen Innervation sein -müsse. Nehmen wir einen nach allen Beobachtungen ganz nervenlosen Theil, -z. B. die Oberfläche eines Gelenkknorpels. Hier können wir, wie dies -schon vor einer Reihe von Jahren durch die schönen Experimente von -=Redfern= dargethan ist, durch direkte Reize Vergrösserungen der Zellen -hervorbringen. Dasselbe beobachtet man im spontanen Ablaufe -pathologischer Vorgänge. So zeigen sich nicht selten hügelartige -Erhebungen der Knorpel-Oberfläche; wenn wir solche Stellen mikroskopisch -untersuchen, so finden wir, wie ich in einem früheren Capitel an einem -Rippenknorpel zeigte (S. 26, Fig. 14), dass die Zellen, welche sonst -ganz feine, kleine, linsenförmige Körper darstellen, zu grossen, runden -Elementen anschwellen, und in dem Maasse, als sie mehr Material in sich -aufnehmen, ihre Grenzen hinausschieben, so dass endlich die ganze Stelle -sich höckerig über die Oberfläche erhebt. Nun gibt es aber in dem -Gelenkknorpel gar keine Nerven; die letzten Ausstrahlungen derselben -liegen in dem Marke des zunächst anstossenden Knochens, welches von der -gereizten Stelle der Oberfläche durch eine 1/2-1 Linie dicke, intacte -Zwischenlage von Knorpelgewebe getrennt sein kann. Es wäre nun gewiss -ausser aller Erfahrung, wenn man sich vorstellen sollte, dass ein Nerv -von dem Knochenmarke aus eine specielle Action auf diejenigen Zellen der -Oberfläche ausüben könne, welche der Punkt der Reizung gewesen sind, -ohne dass die zwischen dem Nerven und der gereizten Stelle gelegenen -Knochen- und Knorpelzellen gleichzeitig getroffen würden. Wenn wir -durch einen Knorpel einen Faden ziehen, so dass weiter nichts, als ein -traumatischer Reiz stattfindet, so sehen wir, wie alle Zellen, welche -dem Faden anliegen, sich vergrössern durch Aufnahme von mehr Material. -Die Reizung, welche der Faden hervorbringt, erstreckt sich nur bis auf -eine gewisse Entfernung in den Knorpel hinein, während die weiter -abliegenden Zellen durchaus unberührt bleiben. Solche Erfahrungen können -nicht anders gedeutet werden, als dass der Reiz in der That auf die -Theile einwirkt, welche er trifft; es ist unmöglich, zu schliessen, dass -er auf irgend einem, der Doctrin vielleicht mehr entsprechenden Wege -durch einen sensitiven Nerven zum Rückenmark geleitet und dann erst -wieder durch Reflex auf die Theile zurückgeleitet werde. - -Freilich sind wenige Gewebe im Körper so vollständig nervenlos, wie der -Knorpel; allein auch dann, wenn man die nervenreichsten Theile verfolgt, -zeigt es sich überall, dass die Ausdehnung der Reizung oder, genauer -gesagt, die Ausdehnung des Reizungsheerdes keinesweges der Grösse eines -bestimmten Nerventerritoriums entspricht, sondern dass in einem sonst -normalen Gewebe die Grösse des Heerdes wesentlich correspondirt mit der -Ausdehnung der localen Reizung. Wenn wir das Experiment mit dem Faden an -der =Haut= machen, so wird durch denselben eine ganze Reihe von -Nerventerritorien durchschnitten. Es werden aber keinesweges die ganzen -Territorien der Nerven, welche an dem Faden liegen, in denselben -krankhaften Zustand versetzt, sondern die nutritive Reizung beschränkt -sich auf die nächste Umgebung des Fadens. Kein Chirurg erwartet bei -solchen Operationen, dass etwa alle Nerventerritorien, welche der Faden -kreuzt, in ihrer ganzen Ausdehnung erkranken. Ja, man würde sich in -hohem Grade über die Natur beklagen müssen, wenn jede Ligatur, jedes -Setaceum über die Grenzen, welche es zunächst berührt, hinaus auf die -ganze Ausbreitung der Nervenbezirke, welche es durchsetzt, einen -Entzündung erregenden Einfluss ausübte. An der =Hornhaut= lässt sich -dies Verhältniss sehr klar verfolgen: an Stellen, wo keine Gefässe mehr -hinreichen, liegen noch Nerven; sie besitzen eine netzförmige Anordnung -und lassen kleinere Gewebsbezirke zwischen sich, welche frei von Nerven -sind. Wenden wir nun irgend ein Reizmittel direkt auf die Hornhaut an, -z. B. eine glühende Nadel oder Lapis infernalis, so entspricht der -Bezirk, welcher dadurch in krankhafte Thätigkeit versetzt wird, -keinesweges einer Nervenausbreitung. Es kam einmal vor, als Hr. -=Friedr=. =Strube= unter meiner Anleitung seine Untersuchungen über die -Hornhaut machte[162], dass die Aetzung bei einem Kaninchen gerade einen -stärkeren Nervenfaden traf, allein die Erkrankung fand sich nur in der -nächsten Umgebung dieser Stelle, keinesweges im ganzen Gebiete des -Nerven. - - [162] =Fr=. =Strube.= Der normale Bau der Cornea und die - pathologischen Abweichungen in demselben. Inaug. Diss. Würzb. - 1851. S. 23. - -Man kann also, auch wenn man Erfahrungen, wie ich sie vom Knorpel -angeführt habe, nicht gelten lassen will, durchaus nicht umhin, -zuzugeben, dass die Erscheinungen der Reizung an nervenhaltigen Theilen -keine anderen sind, als an nervenlosen, und dass der nächste Effect -wesentlich darauf beruht, dass die umliegenden Elemente sich -vergrössern, anschwellen, und wenn es ihrer viele sind, dadurch eine -Geschwulst des ganzen Theiles entsteht. Das ist es, was man beobachtet, -wenn man irgendwo einen Ligaturfaden durch die Haut hindurchzieht. -Untersucht man am folgenden Tage die nächste Umgebung des Fadens, so -sieht man die active Vergrösserung der zelligen Elemente, ganz -unbeschadet der Gefäss- oder Nervenverbreitungen, welche vorhanden sind. - -Es liegt hier, wie man sieht, ein wesentlicher Unterschied vor von -denjenigen Ansichten, welche man gewöhnlich über die nächsten -Bedingungen dieser Schwellungen aufgestellt hatte. Nach dem alten Satze: -Ubi stimulus, ibi affluxus, dachte man sich gewöhnlich, dass das -Nächste, welches einträte, die vermehrte Zuströmung des Blutes sei, -welche von den Neuropathologen wieder zurückgeführt wurde auf die -Erregung sensitiver Nerven, und dass dann die unmittelbare Folge der -vermehrten Zuströmung eine vermehrte Ausscheidung von Flüssigkeit sei, -welche das Exsudat constituire, das den Theil erfüllt. - -In den ersten schüchternen Versuchen, welche ich machte, diese -Auffassung zu ändern, habe ich deshalb auch noch den Ausdruck des -=parenchymatösen Exsudates= gebraucht[163]. Ich hatte mich nehmlich -überzeugt, dass an vielen Stellen, wo eine Schwellung erfolgt war, -absolut nichts weiter zu sehen war, als die bekannten Theile des -Gewebes (Parenchym). An einem Gewebe, welches aus Zellen besteht, sah -ich auch nach der Schwellung (Exsudation) nur Zellen, an Geweben mit -Zellen und Intercellularsubstanz nur Zellen und Intercellularsubstanz, --- die einzelnen Elemente allerdings grösser, voller, mit einer Menge -von Stoff erfüllt, mit welcher sie nicht hätten erfüllt sein sollen, -aber kein Exsudat in der Weise, wie man sich dasselbe bis dahin dachte, -frei oder in den Zwischenräumen des Gewebes. Alle Masse war innerhalb -der Elemente, im eigentlichen Parenchym des Organes enthalten. Das war -es, was ich mit dem Ausdrucke des parenchymatösen Exsudates sagen -wollte, und wovon ich den Namen der parenchymatösen Entzündung -ableitete. Allerdings ist dieser Name schon vor mir gebraucht worden, -aber in einem anderen Sinne, als der war, den ich meinte, und der -seitdem gangbarer geworden ist, als es nothwendig war. Ich sprach von -Exsudat, insofern damals (1846) alle im Laufe krankhafter Vorgänge an -die Oberfläche oder in das Innere der Theile tretenden Stoffe unter -diesem Namen zusammengefasst wurden. Indess schon sehr frühzeitig führte -ich diese Art der Exsudate auf Abweichungen der Ernährungsströme -(Osmose) zurück. Nachdem ich später die nutritive Activität der -organischen Elemente, die Ansaugung der Flüssigkeiten durch die Zellen -als das Entscheidende kennen gelernt hatte, erschien der Ausdruck -Exsudat allerdings ganz ungenau, und ich habe längst aufgehört, ihn für -diese Zustände zu gebrauchen. =Parenchymatöse Schwellung= drückt das -Besondere derselben vollständig aus. Dieser Ausdruck besagt, dass eine -besondere Form der Reizung besteht, welche von anderen Formen bestimmt -unterschieden werden muss, insofern hier die einmal gegebenen -constituirenden Elemente des Gewebes eine grössere Masse von Stoff in -sich aufnehmen, sich dadurch vergrössern und anschwellen, während -ausserhalb dieser vergrösserten Elemente weiter nichts vorhanden ist. Es -handelt sich dabei also um eine Art von =acuter Hypertrophie mit Neigung -zur Degeneration=. - - [163] Archiv IV. 261, 274. - -Ein besonderes charakteristisches Beispiel solcher Entzündung mag -folgender Fall zeigen. Es war dies eines der auffälligsten Beispiele, -welche mir vorgekommen sind. Es handelte sich dabei um eine sogenannte -Keratitis. Bei einem Kranken des Herrn =von Gräfe= fand nach heftiger -diffuser phlegmonöser Entzündung der Extremitäten eine äusserst -schnelle entzündliche Trübung der Hornhaut statt. Als mir die Hornhaut -übergeben wurde, schien es mir, als ob sie in ihrer ganzen Dicke -undurchsichtig und geschwollen wäre. Die Gefässe des Randes waren stark -mit Blut gefüllt. Als ich aber die Hornhaut durch einen senkrechten -Schnitt in zwei Hälften zerlegte, und parallel der Schnittfläche -verticale Durchschnitte führte, so ergab sich alsbald, schon bei -schwacher Vergrösserung, dass die Trübung keinesweges gleichmässig durch -die ganze Ausdehnung der Hornhautschnitte ging, sondern sich auf eine -bestimmte Zone beschränkte. Diese Zone ist so charakteristisch in -Beziehung auf die verschiedenen möglichen Deutungen, dass der Fall, wie -ich glaube, ein ganz besonderes Interesse für die Prüfung der Theorie -darbietet. - -[Illustration: =Fig=. 108. Parenchymatöse Keratitis. Durchschnitt durch -die Hälfte der Cornea. _A_, _A_ vordere (äussere), _B_, _B_ hintere -(innere) Seite der Hornhaut. _C_, _C_ die getrübte Zone mit -vergrösserten Hornhautkörperchen. Vergr. 18.] - -Es zeigte sich nämlich, dass die Trübung unmittelbar vom Rande der -Hornhaut begann, und zwar nur an der hinteren (inneren) Seite, dicht an -der Descemetschen Haut, da wo sich die Iris anschliesst. Von da stieg -die Trübung fast treppenförmig in dem Hornhautschnitt nach vorne hinauf -bis in einige Entfernung von der äusseren Oberfläche. Ohne letztere zu -erreichen, ging sie gleichmässig bis zur Mitte der Hornhaut fort, um auf -der anderen Seite in ähnlicher Weise wieder herunterzugehen. So bildete -sich ein trüber Bogen durch die ganze Ausdehnung des Hornhautschnittes -hindurch, welcher die äussere (vordere) Oberfläche nirgends erreichte -und auch die mittleren Theile der hinteren Fläche frei liess. Denkt man -sich die Ernährung der Hornhaut ausgehend vom Humor aqueus, so passt -diese Form der Trübung nicht, denn man müsste vielmehr erwarten, dass -dann zunächst die (innerste) hinterste Schicht in ihrer ganzen -Ausdehnung verändert würde.[164] Handelte es sich umgekehrt um eine -Einwirkung von aussen, so müsste die Trübung in den äussersten Schichten -liegen. Hinge die Trübung wesentlich ab von den Gefässen, so würden wir, -da die Gefässe nur am Rande und mehr an der vorderen Fläche liegen, hier -die Haupt-Erkrankung haben erwarten können. Gingen endlich die -Veränderungen von den Nerven aus, so würden wir eine netzförmige -Verbreitung, aber nicht einen Bogen in dem Durchschnitt finden. - - [164] Archiv IV. 285. XIV. 53. - -Den Bau der Hornhaut habe ich schon früher (S. 125) besprochen. Ich -führte an, dass er im Allgemeinen blätterig (lamellös) sei, dass aber -die Blätter nicht wirklich getrennt seien, sondern vielmehr unter -einander zusammenhingen, indem eine überall continuirliche Grund- oder -Intercellularsubstanz durch regelmässige Lagen von Zellen -(Hornhautkörperchen) in parallele Schichten abgetheilt würde. Der -vorliegende Fall zeigt also auch darin eine Besonderheit, dass die -Trübung nicht in denselben Schichten (Blättern, Lamellen) blieb, sondern -dass sie, indem sie sich von einem Blatte zum anderen fortsetzte, eines -nach dem anderen wieder verliess, um in das nächst höhere oder tiefere -fortzugehen. Woraus bestand nun aber die, zugleich mit Anschwellung der -Hornhaut verbundene Trübung oder kurzweg, die =trübe Schwellung=? Etwa -in der Art, wie man sich dies früher meist vorstellte, aus einem -zwischen die Hornhautblätter ergossenen, einem sogenannten -interstitiellen Exsudate? Im Gegentheil, bei stärkerer Vergrösserung -zeigte sich sofort, was man übrigens bei jeder Form von Keratitis -constatiren kann, dass die Veränderung wesentlich an den Körpern oder -Zellen der Hornhaut bestand. In dem Maasse, als man sich von aussen oder -innen her der getrübten Stelle näherte, sah man die kleinen und schmalen -Elemente der normalen Theile immer grösser und trüber werden. Zuletzt -fanden sich an ihrer Stelle starke, fast kanalartige Züge oder -Schläuche. Während diese Vergrösserung der Elemente, diese, wie gesagt, -=acute Hypertrophie= erfolgt, wird zugleich der Inhalt der Zellen -trüber, und diese Opacität des Inhaltes ist es, welche wiederum die -Trübung der ganzen Haut bedingt. Die eigentliche Grund- oder -Intercellularsubstanz kann dabei vollkommen frei sein. Die Trübung -hinwiederum war durch die Anwesenheit feiner Körnchen bedingt, welche -zum Theil fettiger Natur waren, so dass der Prozess schon einen -degenerativen Charakter anzunehmen schien. Ich würde auch gar kein -Bedenken getragen haben, zu glauben, dass hier eine Zerstörung der -Hornhaut wirklich eingeleitet war, allein Herr =von Gräfe=[165] -versicherte mich, dass nach seiner Erfahrung eine solche Keratitis sich -bei glücklichem Verlaufe wieder zurückbilden könne. In der Sache liegt -auch durchaus nichts, was dieser Möglichkeit widerstreitet; da die -Zellen noch existiren und nur ihr veränderter Inhalt durch Resolution -und Resorption weggeschafft werden muss, so kann ja eine vollständige -Restitution eintreten. - - [165] A. v. =Gräfe= gehörte im Jahre 1858, als ich diese Vorträge - hielt, zu meinen fleissigsten Zuhörern. Ich war ebenso überrascht, - als gerührt, als ich in diesen Tagen in einem Exemplare der - Cellular-Pathologie aus seinem Nachlasse noch die von seiner Hand - geschriebenen Notizen fand, in denen er den Gang der Vorträge für - sich verzeichnet hatte. - -[Illustration: =Fig=. 109. Parenchymatöse Keratitis (vergl. Fig. 108) -bei stärkerer Vergrösserung. Bei _A_ die Hornhautkörperchen in fast -normaler Weise, bei _B_ vergrössert, bei _C_ und _D_ noch stärker -vergrössert und zugleich getrübt. Vergröss. 350.] - -Gerade dieser Gesichtspunkt der =einfach nutritiven -Restitutionsfähigkeit= so veränderter Gewebe ist es, der für die -praktische Auffassung eine sehr grosse Bedeutung hat. Hier, wo weiter -nichts vorgegangen ist, als dass die Elemente vermöge ihrer Activität -eine grössere Masse von Stoff in sich aufgehäuft haben, hier kann -möglicher Weise auch der Ueberschuss von Stoff wieder entfernt werden, -ohne dass die Elemente angegriffen werden. Die Elemente können einen -Theil dieses Inhaltes umsetzen, in lösliche Stoffe verwandeln -(Resolution), und das Material kann in dieser löslichen Form auf -demselben Wege, auf dem es gekommen, wieder verschwinden (Resorption). -Die Structur des Gewebes im Grossen bleibt dabei dieselbe; es ist nichts -Neues oder Fremdartiges zwischen die Theile eingeschoben; das Gewebe -bleibt in seiner natürlichen Anlage und in seiner ursprünglichen -Zusammensetzung unverändert. - -Das ist die parenchymatöse Entzündung, der höchste Grad der nutritiven -Reizung, ein Vorgang, der sich unmittelbar an die Hypertrophie -anschliesst und der nur dadurch, dass in sehr kurzen Zeiträumen die -beträchtlichste Aufnahme von neuem Stoff in die Elemente des Gewebes -stattfindet, die Gefahr des inneren Zerfalls, der nachfolgenden -Degeneration mit sich bringt. Denn obwohl die Elemente als die -eigentlich thätigen, activen Theile die Stoffe an sich ziehen und in -sich aufnehmen, so kann es doch sein, dass sie dieselben -nicht =assimiliren=, dass dieselben keine dem natürlichen -Mischungsverhältnisse des Zellenkörpers homologe Beschaffenheit -erreichen und so die Constitution desselben zerrütten[166]. Der -gewöhnliche Ausgang des Prozesses ist daher die Nekrobiose, wobei -entweder eine direkte Erweichung, oder, was noch häufiger und bei -subacutem und chronischem Verlaufe die Regel ist, Fettmetamorphose -eintritt. Auf den activen Anfang folgt demnach ein passives Ende. Wenn -man den ersteren eine Entzündung nennt, so kann man sagen, es gehe die -parenchymatöse Entzündung in Erweichung oder Fettmetamorphose aus. -Letztere sind spätere Stadien oder Ausgänge der Entzündung. - - [166] Archiv XIV. 35. - -Die parenchymatösen Entzündungen gehören mit zu den allerhäufigsten -und zugleich schwersten Erkrankungen des Menschen. Sie begleiten[167] -insbesondere die Mehrzahl der von mir so genannten Infectionskrankheiten: -die acuten Exantheme (Scharlach, Pocken), den Typhus, die Puerperal- und -Wundfieber, die phlegmonösen und erysipelatösen Prozesse, viele -Intoxicationen. Nicht selten findet man sie gleichzeitig an zahlreichen -Organen des Körpers, namentlich an den Nieren und der Leber, dem Herzen -und den willkürlichen Muskeln, so jedoch, dass bei einzelnen -Infectionskrankheiten dieses, bei anderen jenes Organ stärker und -häufiger ergriffen zu sein pflegt. - - [167] Gesammelte Abhandlungen 701, 703. - -Manche haben bezweifelt, ob man in der That ein Recht habe, diese -Vorgänge als Entzündungen und als unmittelbare Wirkungen der -Entzündungsursache anzusehen. Insbesondere ist die Meinung aufgestellt, -die parenchymatösen Veränderungen seien nur die Folge primärer -Veränderungen in dem Interstitialgewebe. An den Nieren z. B. erkranke -das Epithel nur deshalb, weil das umgebende Bindegewebe verändert sei. -Ich muss dies bestimmt in Abrede stellen. Es gibt sehr ausgedehnte -interstitielle Nephritiden, bei denen das Epithel wenig oder gar nicht -verändert wird, und ebenso die allerstärksten parenchymatösen Formen, -bei welchen, wenigstens von Anfang an, das Interstitialgewebe ganz -intact ist. Ich möchte aber rathen, diese Frage überhaupt nicht an den -zusammengesetzten Organen zu studiren. Wählt man ein Organ, wie die -Niere, in welchem ausser dem specifischen Parenchym (den mit Zellen -besetzten Kanälchen) noch interstitielles Gewebe vorhanden ist, so -geräth man in eine eigenthümliche Schwierigkeit, an welcher die von mir -gewählte, in dieser Beziehung nicht ganz glückliche Terminologie die -Schuld trägt. Der von =Erasistratus= herstammende Name des Parenchyms, -als Ausdruck für die Substantia propria, schafft hier einen Gegensatz -zwischen dem epithelialen und dem bindegewebigen Antheil, der an anderen -Organen nicht vorhanden ist. An der Hornhaut nennen wir gerade den -bindegewebigen Antheil Parenchym und trennen von demselben das vordere -und hintere Epithel als besondere Häute. Parenchymatöse Keratitis hat -daher in Beziehung auf das befallene Gewebe einen ganz anderen Sinn, als -parenchymatöse Nephritis. In Beziehung auf den Prozess aber, und darauf -kam es mir für die Terminologie allein an, besteht die vollständigste -Uebereinstimmung, denn es sind in beiden Fällen die Gewebselemente -selbst, welche die Veränderung und zwar eine acute, irritative -Ernährungsstörung erfahren. Zweifelt jemand daran, ob diese wirklich -irritativ sei, so möge er doch die Untersuchung an einfachen Theilen, -wie die Hornhaut, das Bindegewebe, die Knorpel, beginnen. Hier lassen -sich durch mechanische, thermische, chemische Reizung die vollkommensten -Formen der parenchymatösen Entzündung hervorrufen. -- - -[Illustration: =Fig=. 110. Elemente aus einer von Herrn =Textor= 1851 -exstirpirten melanotischen Geschwulst an der Parotis. _A_ Freie Zellen -mit Theilung der Kernkörperchen und Kerne. _B_ Netz der -Bindegewebskörperchen mit Kerntheilung. Vergr. 300.] - - * * * * * - -An die Vorgänge der nutritiven Reizung schliessen sich sehr oft -unmittelbar die Anfänge =formativer Veränderungen= an. Wenn man nehmlich -an bestimmten Theilen die fortschreitende, sich steigernde Reizung -verfolgt, so sieht man, dass die Elemente oft kurze Zeit, nachdem sie -eine nutritive Vergrösserung erfahren haben, weitere Veränderungen -zeigen, welche nicht mehr der Ernährung angehören. Meist beginnen die -letzteren im Inneren der Kerne[168]. Gewöhnlich ist das Erste, was man -wahrnimmt, dass das Kernkörperchen (Nucleolus) ungewöhnlich gross, in -vielen Fällen etwas länglich, zuweilen stäbchenförmig wird. Dann folgt -als nächstes Stadium, dass das Kernkörperchen eine Einschnürung bekommt, -bisquitförmig wird; etwas später findet man zwei Kernkörperchen. Diese -=Theilung= der Kernkörperchen bezeichnet das bevorstehende Theilen des -Kernes selber. Das folgende Stadium ist dann, dass um einen solchen -getheilten Kernkörper auch eine bisquitförmige Einschnürung und später -eine wirkliche Theilung des Kernes zu Stande kommt, wie wir sie schon -früher bei den farblosen Blut-und Eiterkörperchen gesehen haben (Fig. 8, -_A b_. 65. 72). Hier handelt es sich offenbar um etwas wesentlich -Anderes, als vorhin bei der nutritiven Reizung. Bei der einfachen oder -degenerativen Hypertrophie bleibt, zunächst wenigstens, der Kern ganz -intact; hier dagegen, bei der formativen Reizung, wird der Kern häufig -sehr früh verändert, während der Zellkörper eine relativ geringe -Abweichung erfährt, höchstens dass er grösser wird, woraus wir -schliessen, dass eine gewisse Menge von neuem Inhalt aufgenommen ist. - - [168] Ueber die Theilung der Zellenkerne. Archiv XI. 89. - -[Illustration: =Fig=. 111. Markzellen des Knochens, _a_ Kleine Zellen -mit einfachen und getheilten Kernen. _b_, _b_ Grosse, vielkernige -Elemente. Vergr. 350. Nach =Kölliker= Mikr. Anat. I. 364. Fig. 113.] - -In manchen Fällen beschränken sich die Veränderungen auf diese Reihe von -Umbildungen, als deren Schluss die Theilung des Kernes zu betrachten -ist. Diese kann sich wiederholen, so dass 3, 4 Kerne und mehr entstehen -(Fig. 16, _b_, _c_, _d_). So kommt es, dass wir zuweilen Zellen finden, -nicht bloss unter pathologischen Verhältnissen, sondern auch nicht -selten bei ganz normaler Entwickelung, welche 20-30 Kerne und noch mehr -besitzen. Im Marke der Knochen, namentlich bei jungen Kindern, finden -sich umfangreiche Gebilde, welche ganz voller Kerne stecken, und in -welchen die Kerne zuweilen so gross werden, wie die ganze ursprüngliche -Zelle. =Robin=, der sie zuerst auffand, aber ihre zellige Natur nicht -erkannte, nannte sie aus letzterem Grunde vielkernige Platten (plaques à -plusieurs noyaux) und neuerlichst Markplatten (myéloplaxes). Indess sind -es wirkliche, vergrösserte Zellen. Aber sie sind nicht auf das -Knochenmark beschränkt, sondern sie finden sich, besonders unter -pathologischen Verhältnissen, an den verschiedensten Orten. Eine Reihe -solcher Beispiele habe ich früher[169] zusammengestellt und durch -Abbildungen erläutert, darunter auch das von =Frey= hervorgehobene, -jedoch nicht ganz richtig gedeutete Vorkommen solcher Gebilde in -Lymphdrüsen. Dieselben Bildungen kommen besonders in manchen -Geschwülsten so massenhaft vor, dass man in England danach eine -besondere Geschwulst-Species unterscheidet, welche nach dem Vorschlage -von =Paget= als =Myeloid-Tumor= (Markgeschwulst) in die Classification -aufgenommen ist. Der jüngere =Nélaton= hat sie später als Tumeur à -myéloplaxes wieder beschrieben. Ich kann eine besondere Species von -Geschwulst darin nicht erkennen; es sind in der Regel sarcomatöse -Formen[170]. Jede ausschliessliche Beziehung zum Knochenmark muss diesen -Zellen abgesprochen werden. Denn sie finden sich auch in Geschwülsten -der Weichtheile, die gar nichts mit Knochen zu thun haben, und, -wenngleich weniger gross, in lymphatischen Neubildungen, z. B. beim -Typhus, bei Tuberkulose, bei der Perlsucht des Rindviehs[171]. Ich habe -daher denselben den allgemeinen Namen der =Riesenzellen= (cellulae -giganteae) beigelegt (S. 95, Fig. 31). - - [169] Archiv XIV. 46. - - [170] Geschwülste II. 209, 316, 337. - - [171] Ebendas. II. S. 618, 637, 638, 672, 746. - -Der gereizte Muskel zeigt ganz ähnliche Formen[172]. Während für -gewöhnlich die quergestreiften Muskeln in gewissen Abständen mit Kernen, -jedoch nicht sehr reichlich, versehen sind, so finden wir, wenn wir -einen Muskel in der Nähe einer gereizten Stelle, z. B. einer Wunde, -einer Aetzungs- oder Geschwürsfläche, einer Trichine untersuchen, dass -in den Primitivbündeln eine Vermehrung der Kerne vor sich geht. Zuerst -bemerkt man Kerne mit zwei Kernkörperchen; dann kommen eingeschnürte, -dann getheilte Kerne (vgl. Fig. 25, _b_, _c_. 26, _B_, _C_), und so geht -es fort, bis wir an einzelnen Stellen, wo die Theilungen massenhaft -geschehen sind, ganze Gruppen von Kernen neben einander, oder ganze -Reihen derselben hinter einander finden (Fig. 112). In den -ausgesprochenen Fällen dieser Art nimmt die Zahl der Kerne so sehr zu, -dass man auf den ersten Blick kaum noch Muskeln zu sehen glaubt, und -dass Bruchstücke der Primitivbündel die grösste Aehnlichkeit darbieten -mit jenen Plaques à plusieurs noyaux im Knochenmark. Diese excessive -Vermehrung der Kerne, =Nucleation=[173] ist etwas ganz Eigenthümliches, -welches schon an den Anfang einer wirklichen Neubildung anstreift, -obwohl die Neubildung im gewöhnlichen Sinne sich nicht auf einzelne -Theile der Zellen beschränkt. Aber gerade für die Muskeln ist es sehr -wichtig, dass genau dieselbe Beschränkung bei der ersten embryonalen -Bildung, im Laufe des ersten Wachsthums der Muskelprimitivbündel -stattfindet. Denn dies ist der Modus, wie der Muskel ursprünglich -wächst. Wenn man einen wachsenden Muskel verfolgt, so sieht man -dieselbe Theilung der Kerne; nachdem Gruppen und Reihen von Kernen in -ihm entstanden sind, so schieben sich diese beim Wachsen durch immer -reichlichere Zwischenmasse allmählich aus einander. Obwohl nun ein -Längenwachsthum an dem pathologisch gereizten Muskel nur dann mit -Sicherheit demonstrirt werden kann, wenn der Muskel zugleich ausgedehnt -wird, wie dies durch die Spannung unterliegender Geschwülste, am Herzen -durch Widerstände der Circulation geschieht, so müssen wir doch die -vollkommene Analogie mancher krankhaften Reizungsvorgänge am Muskel mit -den natürlichen Wachsthumsvorgängen als eine sichere Thatsache -festhalten. Denn der bildende Akt des wirklichen Wachsthums beginnt mit -einer Vermehrung der Centren, und als solche müssen, wie schon vor -langer Zeit =John Goodsir= gezeigt hat, die Kerne in Beziehung auf die -Zellen betrachtet werden[174]. - - [172] Archiv IV. 313. XIV. 51. Taf. I. Fig. 3 _c_. - - [173] Archiv XIV. 62. - - [174] Archiv IV. 383. IX. 43. XIV. 32. - -[Illustration: =Fig=. 112. Kerntheilung in Muskelprimitivbündeln des -Oberschenkels im Umfange einer Krebsgeschwulst. Bei _A_ ein -Primitivbündel, dessen Querstreifung nicht überall ausgeführt worden -ist, mit seinem natürlichen, spindelförmigen Ende _f_, und mit -beginnender Kernvermehrung. _B_ Starke Kernwucherung. Vergröss. 300.] - -Geht man nun einen Schritt weiter in der Betrachtung dieser Vorgänge, so -kommen wir an die =Neubildung der Zellen selbst (Cellulation)=. Nachdem -die Wucherung der Kerne stattgefunden hat, so kann allerdings, wie wir -gesehen haben, die Zelle als zusammenhängendes Gebilde sich noch -erhalten, allein die Regel ist doch, dass schon nach der ersten -Kerntheilung die Zellen selbst der Theilung verfallen, und dass nach -einiger Zeit zwei, dicht neben einander liegende, durch eine mehr oder -weniger gerade Scheidewand getrennte, je mit einem besonderen Kern -versehene Zellen gefunden werden (Fig. 9, _b_, _b_). =Fissipare= Bildung -ist der regelmässige Modus der Vermehrung organischer Elemente. Die -beiden durch die Theilung entstandenen Zellen können später auseinander -rücken, wenn es ein Gewebe ist, welches Intercellularsubstanz erzeugt -(Fig. 9, _c_, _d_), oder dicht aneinander liegen bleiben, wenn es sich um -ein bloss aus Zellen bestehendes Gewebe handelt (Fig. 29, _C_). Bei -weiterem Verlaufe kann eine immer fortgehende Theilung der Zellen -stattfinden und zu dem Entstehen grosser Zellengruppen aus ursprünglich -einfachen Elementen führen (Fig. 14. 23). - -Am bequemsten übersieht man dies am wachsenden oder gereizten Knorpel. -Durch die fortgesetzte Theilung der ursprünglich einfachen Knorpelzellen -entstehen anfangs kleine Häufchen verhältnissmässig kleiner Zellen. -Letztere vermehren sich von Neuem fissipar, die Häufchen werden grösser. -Endlich wachsen auch die neugebildeten Zellen durch Intussusception -neuer Stoffe und zuletzt werden sie grösser, als die ursprünglichen -Zellen, von denen sie ausgegangen sind. Es war dies der Punkt, wo ich -zuerst auf die Uebereinstimmung des thierischen Wachsthums mit dem -pflanzlichen aufmerksam wurde[175], und von wo aus ich allmählich das -Gesetz der continuirlichen Entwickelung (S. 24) durch immer mehr -ausgedehnte Untersuchungen aufbauen konnte. - - [175] Archiv (1849) III. 220. Einheitsbestrebungen in der - wissenschaftlichen Medicin. Berlin 1849 S. 35. Gesammelte - Abhandl. 43. Archiv XIV. 38. - -[Illustration: =Fig=. 113, I. Wucherung (Proliferation) des wachsenden -Diaphysenknorpels von der Tibia eines Kindes. Längsschnitt. _a_ Die zum -Theil einfachen, zum Theil in die Wucherung eintretenden Knorpelelemente -an der Epiphysengrenze. _b_ Die durch wiederholte Theilung einfacher -Zellen entstandenen Zellengruppen. _c_ Die durch Wachsthum und -Vergrösserung der einzelnen Zellen bedeutend entwickelten Zellengruppen -gegen den Verkalkungsrand der Diaphyse hin; die Intercellularsubstanz -immer spärlicher. _d_ Durchschnitt eines Blutgefässes. Vergröss. 150.] - -Der plastische Vorgang ist natürlich am einfachsten zu übersehen in -Geweben, welche ganz und gar aus Zellen bestehen, daher am besten am -Epithel. Er ist hier um so mehr charakteristisch, als wenigstens die -geschichteten Epithelien fort und fort in der Neubildung begriffen sind -und in ausgezeichnetem Sinne abfällige Gewebe (S. 70) darstellen. Das -Haar wächst, indem immer neue Elemente an seiner Zwiebel gebildet -werden, welche die älteren vor sich her schieben; das Nagelblatt wird -durch immer neuen Nachwuchs vom Falze her über das Nagelbett -fortgedrängt (S. 34); die Epidermis selbst regenerirt sich fortwährend -aus den oberen Lagen des Rete Malpighii. Aehnlich verhält es sich mit -den lymphatischen Drüsen, deren Zellen immer neu entstehen und als -vollständig getrennte Elemente sich von einander scheiden. - -Ungleich verwickelter sind die Verhältnisse in bindegewebigen Theilen, -wo die neuen Zellen um sich wieder Intercellularsubstanz ausscheiden und -diese oft so reichlich wird, dass die Zellen dadurch ganz in den -Hintergrund der Betrachtung gedrängt werden. Bis zu dem Augenblicke, wo -ich die Struktur des Bindegewebes kennen lehrte, richtete -sich daher auch die Aufmerksamkeit fast ausschliesslich auf die -Intercellularsubstanz oder, wie man oft sagte, auf die Fasern, und die -wunderbarsten Theorien der Neubildung bauten sich auf dieser -missverstandenen Interpretation der Gewebsstruktur auf. In Wahrheit geht -die Bildung des Bindegewebes ebenso durch Vermehrung der Zellen vor -sich, wie die der epithelialen Formationen, und in günstigen Objecten -kann man sogar die Reihen der jungen Elemente weit sicherer wahrnehmen, -da sie durch die Intercellularsubstanz festgehalten und gleichsam -eingemauert sind. An der Stelle einzelner Spindelzellen sieht man dann -zuweilen lange Reihen semmelförmig an einander gereihter Rundzellen; ja -in einzelnen Fällen findet man im Anschlusse an einen Grundstock von -Spindelzellen zahlreiche ausstrahlende Reihen von jungen, theils -länglichen, theils rundlichen Zellen, welche die junge Brut des durch -die Reizung veränderten Nachbargewebes darstellen (Fig. 113, II.). Je -langsamer und anhaltender die Vermehrung erfolgt, um so mehr überzeugend -sind die Objecte, und daher eignen sich Geschwulsttheile dazu im Ganzen -mehr, als entzündliche Neubildungen. - -[Illustration: =Fig=. 113, II. Mikroskopischer Schnitt aus einem -Myxosarcom des Oberkiefers. Reihenweise Proliferation der Zellen mit -Ausscheidung hyaliner Intercellularsubstanz. Vergr. 350.] - -Den Vorgang der Zellenvermehrung nenne ich =Wucherung=, -=Proliferation=[176]. Was im wachsenden Körper als Ausdruck eines -unbekannten, von der Befruchtung her fortdauernden, =immanenten= Reizes, -den ich den =Wachsthumsreiz= nennen will, erfolgt, das tritt im -erwachsenen Körper als das Resultat einer direkten Reizung der Gewebe -ein. Kehren wir z. B. auf den Fall zurück, welchen wir vorhin -betrachteten, dass ein einfach mechanischer Reiz durch das Einziehen -eines Fadens in die Theile gesetzt wird, so beschränkt sich in der Regel -die eintretende Schwellung nicht einfach auf die Vergrösserung der -bestehenden Elemente (nutritive Reizung), sondern es finden Theilungen -und Vermehrungen derselben statt (formative Reizung). Im Umfange eines -Fadens, welchen wir durch die Haut ziehen, zeigt sich gewöhnlich schon -am zweiten Tage eine Reihe von jungen Elementen[177]. Dieselbe -Veränderung kann man durch einen chemischen Reiz hervorbringen. Wenn man -z. B. ein Kauter an die Oberfläche eines Theiles applicirt, so ist das -Nächste, dass die Zellen anschwellen, aber alsbald beginnen bei -regelmässigem Fortgange der Reizung die Elemente sich zu theilen und es -tritt eine mehr oder weniger reichliche Wucherung der Zellen ein. - - [176] Spec. Pathol. und Ther. I. 330. - - [177] Archiv XIV. 61. - -Ein Umstand erschwert das Studium dieser Neubildungs-Vorgänge in hohem -Maasse. Es ist dies die =Auswanderung der farblosen Blutkörperchen=, -welche selbst in das Innere von Geweben in grösserer Zahl eindringen und -sich hier mit den Elementen der Gewebe mischen. In manchen Fällen ist es -unmöglich zu erkennen, was ausgewandert und was neugebildet ist. Viele -der neueren Beobachter, welche sich nur vorübergehend mit Forschungen -dieser Art beschäftigt haben, sind daher auf den schon von -G. =Zimmermann= aufgestellten Satz zurückgekommen, dass alle Neubildung -von den farblosen Blutkörperchen ausgehe. Einige haben das Wachsthum der -epithelialen Gewebe auf Wanderzellen zurückgeführt; andere haben das -Bindegewebe, die Muskeln und Nerven daraus hervorgehen lassen. Diese -Einseitigkeit ist, wie zum Theil schon durch umständliche, unter allen -Cautelen vorgenommene Untersuchungen festgestellt ist, durchaus -irrthümlich. Sie ist weder für die epitheliale, noch für die -bindegewebigen Theile zulässig. Wie im Knorpel, bei dem meines Wissens -noch niemand die jungen Elemente auf farblose Blutkörperchen gedeutet -hat, die alten Zellen (=Mutterzellen=) sich theilen und neue Zellen -(=Tochterzellen=) hervorbringen, unter deren Erzeugung sie selbst -aufhören zu existiren, so bringen auch die Bindegewebskörperchen durch -progressive Theilung neue Brut hervor. Die epithelialen Zellen erleiden, -wie =Eberth=, F. =Hoffmann= und =Heiberg= gezeigt haben, nicht selten -eigenthümliche Gestaltveränderungen, partielle Verlängerungen und -Auswüchse, ehe sich ihre Theile von einander trennen. An Hornhautzellen -hat =Stricker= vor der Theilung mancherlei amöboide Erscheinungen -wahrgenommen, welche der Mobilisirung dieser Elemente entsprechen. Von -den Blutcapillaren weiss man schon seit langer Zeit, namentlich durch -=Kölliker= und =Joseph Meyer=, dass von ihnen zunächst Fortsätze -aussprossen, welche Kerne erhalten, zellig werden und endlich neue -Capillaren herstellen. - -Die Erfahrungen von der Auswanderung der farblosen Blutkörperchen, weit -entfernt, die von mir vertretene Grundanschauung von der cellularen -Ableitung der neuen Zellen, den Grundsatz: Omnis cellula e cellula (S. -24) zu erschüttern, haben vielmehr denselben nur gestützt. Manche -irrthümliche Deutung ist dadurch corrigirt worden, aber das cellulare -Princip hat eine wesentliche Verstärkung erfahren. Mag ein grosser Theil -der Exsudatzellen direkt aus dem Blute stammen, mögen sich diese Zellen, -wie =Stricker= angiebt, im Exsudate weiter theilen und vermehren, -immerhin stammt die junge Brut von früheren Zellen ab. Die plastischen -Exsudate sind nicht mehr im alten Sinne plastisch (S. 23), und es ist -nicht das freie Plasma oder Fibrin, welches durch organische -Krystallisation neue Zellen liefert, nicht die Intercellularsubstanz, -welche, wie noch =Schwann= vom Knorpel lehrte, als Cytoblastem die -jungen Elemente aus sich hervorbringt, sondern es ist die Zellsubstanz -selbst, das Protoplasma der Neueren, woraus im Wege der fortschreitenden -Proliferation die organischen Einheiten neu geschaffen werden. Der -=Bildungstrieb= (nisus formativus), die =plastische Kraft= (vis -plastica) haftet an den schon existirenden Elementen, nicht an dem -freien Blastem, dem Succus nutritius. - -Sonderbarerweise behaupten Einzelne, meine ganze Theorie der Neubildung -sei auf das Bindegewebe gebaut; nur aus ihm hätte ich die neuen Elemente -hervorgehen lassen. Zu keiner Zeit habe ich solche Vorstellungen gehegt. -Ich habe zu allen Zeiten die formativen Eigenschaften der -Epithelialformationen anerkannt; ich habe zuerst die mit Kernvermehrung -einhergehenden Reizungsprocesse an den Muskelprimitivbündeln und den -Capillaren beschrieben[178]; ja ich habe zu einer Zeit, wo die farblosen -Blutkörperchen noch sehr missachtet waren, die Organisation des Thrombus -auf sie bezogen[179]. Es liegt mir daher sehr fern, in irgend einer -Weise den erfreulichen Fortschritten unseres positiven Wissens mich -neidisch entgegenstellen zu wollen; im Gegentheil, ich begrüsse jede -neue Entdeckung auf diesem Gebiete als eine neue Waffe zur Vertheidigung -meiner Grundanschauung. - - [178] Archiv XIV. 51. - - [179] Gesammelte Abhandlungen 327. - -Um nicht missverstanden zu werden, will ich sogleich hinzusetzen, dass -diese Grundanschauung durchaus verträglich ist mit der Aufstellung -verschiedener Arten von Zellenbildung (Cytogenesis), vorausgesetzt, dass -es Zellsubstanz ist, welche das Material dazu liefert. Es ist keineswegs -nöthig, dass jede Neubildung mit Theilung anhebt; wir werden später -sehen, dass auch die endogene Zellbildung innerhalb gewisser Grenzen -zulässig erscheint. Ein wirklicher Gegensatz würde erst entstehen, wenn -=extracelluläre Neubildung= irgendwo vorkäme. Da dies für den -menschlichen Körper von niemand mehr behauptet wird, so liegt wenigstens -für jetzt kein Grund zur Unruhe vor. - -Ueber die durch die Neubildung (Neoplasie) entstehenden Gewebe, -insbesondere über die pathologischen, habe ich früher, namentlich im -vierten Capitel, weitläufiger gehandelt; auch werden wir später darauf -noch weiter zurückkommen. Hier genügt es festgestellt zu haben, dass die -im strengsten Sinne =productive und positive Leistung der Neubildung von -der formativen oder plastischen Thätigkeit der Elemente ausgeht=, nicht -von beliebigen, mit den Ernährungsstoffen mehr oder weniger identischen -Substanzen, die man noch vor Kurzem als =histogenetische= bezeichnete. -Dass auch im Innern der Gewebselemente gewisse Substanzen die Träger der -formativen Reizbarkeit seien, soll damit natürlich nicht ausgeschlossen -sein; der chemischen Forschung ist hier ein gewiss sehr lohnendes Feld -noch vorbehalten. Wir, als Biologen, haben zunächst den Gewinn -festzuhalten, dass es eine =Lebensthätigkeit= der geformten Elemente -ist, neue Elemente hervorzubringen, und zwar eine Thätigkeit, welche an -den Elementen selbst haftet, wenngleich äussere Reize dazu gehören, um -sie in Wirksamkeit zu setzen. Diese =formativen Reize= können sehr -mannichfaltiger Art sein: mechanische, chemische, physikalische. Wie die -Spermatozoiden die Eizelle zu ihrer plastischen Thätigkeit reizen, so -sind es andere Stoffe katalytischer Art, welche andere Zellen zu oft -ebenso wunderbaren Leistungen anregen. - -Immer handelt es sich dabei um Akte, welche durchaus gar keine -Verschiedenheit in ihrem Geschehen erkennen lassen, mag der Theil -nervenhaltig oder nervenlos sein, Gefässe führen oder nicht. Demnach -können wir also auch nicht sagen, dass irgend etwas von diesen Vorgängen -mit Nothwendigkeit gebunden erschiene an Nerven- und Gefässthätigkeit; -im Gegentheil, wir werden hier auf die Theile selbst gewiesen. Die -Beziehung der Gefässe ist durchaus nicht in dem Sinne zu deuten, wie man -dies gewöhnlich thut, dass die Zufuhr reichlicheren Materials, die -Exsudation von Plasma das Bestimmende ist; die Aufnahme von Material in -das Innere der Elemente, aus welchem die Vergrösserung und die späteren -Theile hervorgehen sollen, ist vielmehr unzweifelhaft ein Akt der -Elemente selbst. Denn wir haben bis jetzt gar keinen Modus, auf irgend -einem Wege der Experimentation durch eine primär die Gefässe treffende -Einwirkung eine Wucherung der Zellen in dem =gesunden= Körper -hervorzurufen. Man kann die Circulation in den Theilen steigern, so weit -sie zu steigern ist, ohne dass daraus eine Schwellung oder Vermehrung -der Elemente unmittelbar folgte. Gerade die schon früher erwähnten -Experimente mit der Durchschneidung des Sympathicus haben bekanntlich -ergeben, -- ich selbst habe diese Experimente sehr häufig angestellt und -in diesem Sinne verfolgt[180], -- dass ein vermehrter Zustrom von Blut -(Fluxion, Congestion, Hyperämie) Wochen lang bestehen kann, ein Zustrom -von Blut, welcher mit starker Steigerung der Temperatur und -entsprechender Röthung verbunden ist, so gross, wie wir sie irgend in -Entzündungen antreffen, ohne dass dadurch die Zellen des Theiles im -Mindesten vergrössert oder gar an ihnen Vorgänge der Wucherung -herbeigeführt werden (S. 158). Wenn man nicht die Gewebe selbst reizt, -die Irritation in die Theile selbst einbringt, sei es, dass man die -reizenden Stoffe von aussen oder von dem Blute aus wirken lässt, so kann -man nicht auf den Eintritt dieser Veränderungen rechnen. Das ist der -wesentliche Grund, aus welchem ich folgere, dass diese unzweifelhaft -aktiven Vorgänge in der besonderen Thätigkeit der Elementartheile -begründet sind, -- einer Thätigkeit, welche nicht an vermehrten Zustrom -von Blut gebunden ist, welche freilich dadurch begünstigt wird, aber -auch vollständig unabhängig davon vor sich gehen kann, und =welche sich -ebenso deutlich an gefässlosen Theilen darstellt=[181]. - - [180] Spec. Pathologie und Ther. I. 274. - - [181] Ebendaselbst I. 62, 152. - -Schon bei einer früheren Gelegenheit[182] habe ich darauf hingewiesen, -dass Zunahme der Ernährung in dem Sinne, dass damit eine Vergrösserung -und Vermehrung der Elementartheile des Körpers bezeichnet wird, nicht -identisch sei mit Steigerung des Stoffwechsels, welche in einem bloss -vermehrten Umsatz der Gewebstheile bestehen könne. Ein solcher -vermehrter Umsatz mag immerhin in einem Theile stattfinden, zu dem mehr -Ernährungsmaterial strömt, eben so wie in der Regel ein Mensch, der viel -isst, auch mehr umsetzt und ausscheidet, als einer, der wenig Nahrung zu -sich nimmt. Das blosse Vielessen macht aber noch nicht dick und stark. -Ein Organ, welches in Folge einer vermehrten Zuströmung von Blut -(Fluxion) mehr Stoff in sich aufnehmen und =festhalten= (fixiren, -assimiliren) soll, muss in einen gewissen Zustand der Erregung (Reizung) -versetzt werden. Diese Erregung kann durch das zuströmende Blut gesetzt -werden. Entweder enthält dieses Blut besondere Stoffe, welche auf den -Theil erregend einwirken, wie Excretstoffe auf die Excretionsorgane, -oder der Theil befindet sich in einem solchen Zustande von Reizbarkeit, -dass auch das gewöhnliche Blut genügt, um die Erregung wirklich -hervorzurufen. Letzterer Fall führt auf die wichtige, wenngleich in -neuerer Zeit so sehr vernachlässigte Lehre von den =Prädispositionen=, -also auf präexistirende krankhafte oder wenigstens mangelhafte Zustände -der Organe[183]. Diese können uns aber um so weniger bestimmen, für -gesunde Organe eine gleiche Einwirkung zuzulassen, als ja gerade der -krankhafte Zustand der prädisponirten Theile (loci minoris resistentiae) -uns wiederum auf die Frage von der Bedeutung der Theile selbst -hinleitet. - - [182] Spec. Pathologie und Ther. I. 327. - - [183] Ebendaselbst I. 21, 23, 78, 152, 281, 289, 340. - -Ganz ähnlich, wie mit der Einwirkung der Gefässe, verhält es sich mit -der Einwirkung der Nerven, auf welche man früher so grossen Werth legte. -Zunächst muss man erwägen, dass die neueren Erfahrungen allmählich die -Lehre von den sogenannten =neuroparalytischen Entzündungen= gänzlich -verändert haben[184]. Die beiden Nerven, um die es sich bei der -Discussion der entzündlichen Phänomene fast ausschliesslich gehandelt -hat, sind der Vagus und der Trigeminus, nach deren Durchschneidung man -in dem einen Falle Pneumonie, in dem anderen die berühmten Veränderungen -des Augapfels, namentlich der Cornea, eintreten sah. Diese Erfahrungen -haben sich dahin aufgelöst, dass allerdings nach dem Durchschneiden -Entzündungen eintreten können, dass diese aber so gedeutet werden -müssen, dass sie =trotz der Durchschneidung auftraten=. Vom Vagus ist es -bekanntlich schon vor längerer Zeit durch =Traube= dargethan worden, -dass die Lähmung der Stimmritze, welche das Eintreten von -Mundflüssigkeiten in die Luftwege erleichtert, ein Hauptmittel für die -Entstehung der Entzündung ist. Die genauere Deutung der -pathologisch-anatomischen Befunde hat überdies herausgestellt, dass sehr -Vieles von dem, was man Pneumonie genannt hatte, eben nichts weiter als -Atelectase mit Hyperämie der Theile war; die wirkliche Pneumonie ist -sicher zu vermeiden, wenn die Möglichkeit des Hineingelangens fremder -Körper in die Bronchien abgeschnitten wird. Dasselbe ist für die -Trigeminus-Entzündungen erreicht worden, und zwar durch ein sehr -einfaches Experiment. Nachdem man sich früher auf die mannichfachste -Weise bemüht hatte, die verschiedenen störenden Einwirkungen auf das -seiner Empfindung beraubte Auge zu beseitigen, so ist es endlich in -Utrecht gelungen, ein sehr einfaches Mittel zu finden, um dem Auge -wieder einen empfindlichen Apparat zu substituiren; =Snellen= nähte bei -Thieren, welchen er den Trigeminus durchschnitten hatte, das empfindende -Ohr vor das Auge. Von der Zeit an bekamen die Thiere keine Entzündungen -mehr, indem einerseits ein directer Schutz gegeben, andererseits die -Thiere durch die Anwesenheit einer empfindenden Decke vor traumatischen -Einwirkungen auf das Auge bewahrt wurden. So wie man die Empfindung, -nicht am Auge selbst, sondern nur vor dem Auge herstellte, so war damit -auch die an sich rein traumatische Entzündung beseitigt. - - [184] Archiv VIII. 33. Vergl. Spec. Pathol. I. 51. - -=Bernard= hat gegen dieses Experiment eingewendet, dass es nicht -constante Resultate ergebe, und dass überhaupt die Nervendurchschneidung -bei =geschwächten= Thieren sehr leicht Ernährungsstörungen und selbst -Entzündungen erzeuge. Dieses kann gewiss nicht geleugnet werden und ist -wenigstens von mir nie geleugnet worden. Im Gegentheil habe ich immer -auf diese =asthenischen Entzündungen=, die ja in der Pathologie stets -anerkannt worden sind und sich der täglichen Beobachtung des Arztes wie -in natürlichen Experimenten darbieten, hingewiesen. »=Die asthenischen -Entzündungen sind als reine Entzündungen in geschwächten Theilen oder -Körpern zu betrachten=«, so habe ich vor 17 Jahren meine Anschauung -formulirt[185]; den Unterschied sthenischer und asthenischer Formen aber -fand ich darin, dass bei den ersteren ein grösserer Bruchtheil der -constituirenden Gewebspartikeln unverändert, noch kräftig bleibe, und -dass damit eine grössere Möglichkeit der Ausgleichung der Störungen -gegeben sei, indem von demjenigen Bruchtheile aus, der seine Integrität -bewahrt hat, die Regulation ausgehen könne. - - [185] Spec. Pathologie und Ther. I. 80. - -Weiter hin habe ich, wie schon früher =Valentin=, hervorgehoben, -dass »=mit dem Nachlasse der Innervation ein Nachlass der -Widerstandsfähigkeit der Theile oder kurz, eine grössere Prädisposition -zu Erkrankungen hervortrete=«[186]. Ich habe ferner in einer -Vollständigkeit, wie vor mir kein anderer Autor, eine ganze Klasse von -Störungen unter der Bezeichnung der =neurotischen Atrophien= gesammelt -und dadurch den Schluss befestigt, dass unzweifelhaft eine Einwirkung -des Nervensystems auf die Gewebe bestehe[187]. Aber ich muss noch heute, -wie damals, aussagen, dass diese Thatsachen in keiner Weise darthun, -dass es bestimmte Nerven giebt, welche der Ernährung vorstehen, und dass -die Einwirkung dieser Nerven eine directe ist. Jedenfalls ist in allen -Fällen von Neuroparalyse der Mangel an Innervation nur ein Grund der -Schwächung, aber nicht ein Grund der Reizung. Diese geht von anderen -Einwirkungen aus, welche das Gewebe erfährt, aber sie steigert sich -leicht zur Entzündung, weil das Gewebe weniger befähigt zur Regulation -ist und weil also jede Störung dauerhafter und energischer wirkt, als an -einem gesunden Theile. In welcher Ausdehnung diese Entzündung, welche -man immerhin eine neuroparalytische nennen kann, sich ausdehnen und -zerstörend wirken kann, habe ich in der Geschichte der Lepra -anaesthetica dargethan[188]. - - [186] Ebendaselbst I. 276. Vergl. Archiv IV. 275. - - [187] Ebendaselbst I. 319, 323. Gesammelte Abhandl. 689. Entwickelung - des Schädelgrundes 109. - - [188] Geschwülste II. 528. - -Eine ganz andere Gestaltung hat jedoch diese Frage angenommen, seitdem -=Samuel= den Nachweis trophischer Nerven durch Versuche darzuthun -gesucht hat, in denen entzündliche Reizung der Theile durch starke -Erregung der Nerven hervorgebracht werden sollte. Dies wäre also gerade -das umgekehrte der neuroparalytischen Entzündungen, und es ist nur das -Auffällige dabei, dass der Verlauf der Localprozesse genau derselbe sein -soll, wie der früher bei Durchschneidung, also Lähmung der Nerven -beobachtete. Eine genauere Prüfung dieser Versuche ist dringend -nothwendig; sollte sich dabei ihre Richtigkeit herausstellen, so würde -doch daraus nur folgen, wie =Samuel= selbst sehr richtig dargelegt hat, -dass auch von den Nerven aus den Theilen wirkliche Entzündungsreize -zugeführt werden können. - -Die Frage von der selbständigen Thätigkeit (Autonomie) der Elemente des -Gewebes wird davon nicht im Geringsten berührt. Denn wir können sowohl -an gelähmten, als an ganz und gar =nervenlosen= Theilen durch directe -Irritamente dieselben Reizungsvorgänge hervorrufen, welche wir an -unveränderten und nervenreichen Theilen erzeugen. Schnelligkeit, Grad -und Ausdehnung der Prozesse mögen verschieden sein, die Prozesse selbst -sind es nicht. Mindestens dürfen wir auch jetzt noch sagen: es ist gar -keine Form von irritativen Störungen bekannt, welche aus der -aufgehobenen Action eines Nerven direct hergeleitet werden könnte. Ein -Theil kann gelähmt sein, ohne dass er sich entzündet; er kann -anästhetisch sein, ohne dieser Gefahr unmittelbar ausgesetzt zu sein. Es -bedarf immer noch eines besonderen Reizes, sei es mechanischer oder -chemischer Art, sei es von aussen oder vom Blute her, um die -eigenthümliche Erregung der an sich autonomen Gewebselemente zu Stande -zu bringen. Auf diese Weise gewinnen wir eine Reihe von Verbindungen -zwischen eminent pathologischen Thatsachen und den nächsten Vorgängen -des physiologischen Lebens, Thatsachen, welche aber nur dann in ihrer -besonderen Bedeutung sich erkennen und definiren lassen, wenn man eben -die Scheidungen macht, welche ich im Anfange dieses Capitels hervorhob, -das heisst, wenn man die Erregungen je nach ihrem functionellen, -nutritiven oder formativen Werthe trennt. Wirft man sie zusammen, wie es -in der Lehre von der Innervation fast immer geschehen ist, sondert man -namentlich nicht die formativen und nutritiven Vorgänge, dann kommt man -auch zu keiner einfachen Erklärung der Erscheinungen. - -Dies gilt namentlich für die eigentlich =entzündlichen Reizungen=. Sie -lassen überhaupt nie eine einfache Deutung zu, weil es sich dabei um -keine einfachen (elementaren) Prozesse handelt[189]. In der Entzündung -finden wir neben einander alle möglichen Formen der Reizung. Ja wir -sehen sehr häufig, dass, wenn das Organ selbst aus verschiedenen Theilen -zusammengesetzt ist, der eine Theil des Gewebes sich functionell oder -nutritiv, der andere dagegen sich formativ verändert. Wenn man einen -Muskel ins Auge fasst, so wird ein chemischer oder traumatischer Reiz an -den Primitivbündeln desselben vielleicht in dem ersten Moment eine -functionelle Reizung setzen: der Muskel zieht sich zusammen; dann aber -stellen sich nutritive Störungen (trübe Schwellung) oder formative -Veränderungen (Kernvermehrung) ein. Im Zwischen-Bindegewebe, welches die -einzelnen Muskelbündel zusammenhält, gibt es meist sofort wirkliche -Neubildungen, sehr leicht Eiter. Hier handelt es sich also um eine -wesentlich formative Reizung, während das entzündete Primitivbündel in -sich weder Eiter, noch neue Muskelsubstanz zu erzeugen pflegt; vielmehr -treten hier bei einer gewissen Höhe der Reizung am häufigsten -degenerative nutritive Prozesse ein. Auf diese Weise kann man die drei -Formen der Reizung an einem und demselben Organ von einander trennen. -Natürlich kann dabei auch gleichzeitig noch eine Exsudation und eine -Reizung der Nerven bestehen, aber letztere hat (zumal wenn man von der -Function des Organs absieht) mit den Prozessen im eigentlichen Gewebe -keinen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, sondern sie ist ein -Collateraleffect der ursprünglichen Störung. Für den Krankheitsprozess -im Ganzen mag sie eine grosse Bedeutung erlangen, sei es, dass der -Schmerz als ein hervorstechendes Symptom sich fühlbar macht, sei es, -dass directe oder reflektorische Veränderungen an den Gefässen dadurch -herbeigeführt werden. Letztere können einen grossen Einfluss auf die -eintretenden Transsudationen ausüben und so eine neue Complication -darstellen. Aber es ist leicht ersichtlich, dass mit jeder neuen -Complication das Krankheitsbild eben auch ein mehr zusammengesetztes -wird, und dass man sich nicht einem einheitlichen Prozesse, sondern -vielmehr einem Collektivprozesse gegenüber sieht. Die Entzündung als -solche aber bedarf weder der Nerven, noch der Gefässe, weder des -Schmerzes, noch der Exsudation: sie kann als einfach nutritiver oder -formativer Vorgang bestehen, von anderen ähnlichen nur ausgezeichnet -durch den Charakter der Acuität und namentlich der Gefahr[190]. - - [189] Archiv IV. 279. - - [190] Handb. der spec. Pathologie und Therapie. I. 76. - -Diese Erfahrung ist meines Erachtens als der für die ärztliche -Anschauung wichtigste Erwerb meiner speciellen histologischen -Untersuchungen anzusehen, und er ist um so sicherer, als man ihn sowohl -durch das Experiment, als durch physiologische und pathologische -Erfahrung controliren kann. Später werde ich zeigen, wie das Studium der -entzündlichen Prozesse dadurch eine klarere Auffassung gewinnt. - - - - - Siebzehntes Capitel. - - Passive Vorgänge. Fettige Degeneration. - - - Die passiven Vorgänge in ihren beiden Hauptrichtungen zur - Degeneration: Nekrobiose (Erweichung und Zerfall) und Induration. - - Die fettige Degeneration. Histologische Geschichte des Fettes im - Thierkörper: das Fett als Gewebsbestandtheil, als transitorische - Infiltration und als nekrobiotischer Stoff. - - Das Fettgewebe. Polysarcie. Fettgeschwülste. Die interstitielle - Fettbildung. Fettige Degeneration der Muskeln. - - Die Fettinfiltration und Fettretention. Darm: Structur und Function - der Zotten. Resorption und Retention des Chylus. Leber: - intermediärer Stoffwechsel durch die Gallengänge. Fettleber. - - Die Fettmetamorphose. Drüsen: Secretion des Hautschmeers und der - Milch (Colostrum). Körnchenzellen und Körnchenkugeln. - Entzündungskugeln. Fettmetamorphose des Lungenepithels. Gelbe - Hirnerweichung. Corpus Inteum des Eierstocks. Arcus senilis der - Hornhaut. Morbus Brightii. Optisches Verhalten der fettig - metamorphosirten Gewebe. -- Muskeln: Fettmetamorphose des - Herzfleisches. Fettbildung in den Muskeln bei Verkrümmungen. -- - Arterie: fettige Usur und Atherom. Fettiger Detritus. - -Bis jetzt habe ich fast nur von den Thätigkeiten der Zellen gehandelt -und von den Vorgängen, welche an ihnen eintreten, wenn sie ihre -Lebendigkeit auf irgend eine äussere Einwirkung hin zu erkennen geben. -Es gibt aber im Körper auch eine ziemlich grosse Reihe von =passiven -Vorgängen=[191], welche verlaufen, ohne dass dabei eine besondere -Thätigkeit der Elemente nachweisbar wäre, ja welche häufig unmittelbar -durch eine Hemmung der Thätigkeit bedingt werden. Es wird nützlich sein, -bevor wir in der Darstellung der activen Prozesse weiter gehen, diese -passiven Vorgänge etwas genauer zu besprechen. Denn die -Leidensgeschichte der Zellen, von welcher die Pathologie den Namen -trägt, ist zusammengesetzt aus Vorgängen, welche der activen, und -solchen, welche der passiven Reihe angehören; ja, das grobe Resultat, -der sogenannte Krankheitsausgang, hat trotz des verschiedenen Charakters -der Prozesse in vielen Fällen eine so grosse Uebereinstimmung, dass die -endlichen Veränderungen, welche wir nach einer gewissen Zeitdauer des -Prozesses antreffen, in beiden Reihen nahezu dieselben sein können. Aus -diesem Grunde ist es eine Zeit lang sehr schwer gewesen, Grenzen -zwischen den zwei Reihen zu ziehen, und ein grosser Theil der -Verwirrung, welche die Anfangsperiode der mikroskopischen Bestrebungen -bezeichnete, ist bedingt gewesen durch die ausserordentliche -Schwierigkeit, die activen und passiven Störungen auseinander zu -bringen. - - [191] Archiv IX. 51. XIV. 8. Spec. Pathol. u. Ther. I. 10. - -Passive Störungen nenne ich diejenigen Veränderungen der Elemente, wobei -sie in Folge äusserer ungünstiger Bedingungen sofort entweder bloss -Einbusse an Wirkungsfähigkeit erleiden, oder vollständig zu Grunde -gehen, in welchem Falle natürlich ein Substanzverlust, ein Defect, eine -Verminderung der Summe der Körperbestandtheile entsteht. Beide Reihen -von passiven Vorgängen zusammengenommen, diejenigen, welche sich durch -Schwächung zu erkennen geben, und diejenigen, welche mit vollständigem -Untergange der Theile endigen, bilden das Hauptgebiet der sogenannten -=Degenerationen=, obwohl, wie wir späterhin noch genauer betrachten -müssen, auch in der Reihe der activen Prozesse ein grosser Theil -desjenigen unterzubringen ist, was man degenerativ nennt. - -Es ist natürlich ein wesentlicher Unterschied, ob ein Element überhaupt -als solches bestehen bleibt, oder ob es ganz und gar untergeht, ob es am -Ende des Prozesses, wenn auch in einem Zustande sehr verminderter -Leistungsfähigkeit, noch vorhanden ist, oder ob es überhaupt ganz -zerstört ist. Darin liegt für die praktische, namentlich für die -prognostische Auffassung die grosse Scheidung, dass für die eine Reihe -von Prozessen die Möglichkeit einer Reparation der Zellen besteht -(=nutritive Restitution=), während in der anderen eine direkte -Reparation unmöglich ist und eine Herstellung nur geschehen kann durch -einen Ersatz vermittelst neuer Elemente von der Nachbarschaft her -(=regenerative= oder =formative Restitution=). Denn wenn ein Element zu -Grunde gegangen ist, so ist natürlich von ihm aus keine weitere -Entwickelung oder Neubildung möglich[192]. - - [192] Spec. Pathologie und Therapie. I. 21. - -Diese letztere Kategorie, wo die Elemente unter dem Ablaufe des -Prozesses zu Grunde gehen, habe ich vorgeschlagen (S. 335) mit einem -Ausdrucke zu bezeichnen, welcher von K. H. =Schultz= für die Krankheit -überhaupt gebraucht worden ist, mit dem der =Nekrobiose=[193]. Immer -nehmlich handelt es sich hier um ein Absterben, um ein Zugrundegehen, -man möchte fast sagen, um eine Nekrose. Aber der gangbare Begriff der -Nekrose bietet doch gar keine Analogie mit diesen Vorgängen, insofern -wir uns bei der Nekrose den mortificirten Theil als in seiner äusseren -Form mehr oder weniger erhalten denken. Hier dagegen verschwindet der -Theil, so dass wir ihn in seiner Form nicht mehr zu erkennen vermögen. -Wir haben am Ende des Prozesses kein nekrotisches Gewebe, keine Art von -gewöhnlichem Brand, sondern eine Masse, in welcher von den früheren -Geweben absolut gar nichts mehr wahrnehmbar ist. Die nekrobiotischen -Prozesse, welche von der Nekrose völlig getrennt werden müssen, haben im -Allgemeinen als Endresultat eine =Erweichung= im Gefolge. Dieselbe -beginnt mit Brüchigwerden der Theile; diese verlieren ihre Cohäsion, -zerfliessen endlich wirklich, und mehr oder weniger bewegliche, breiige -oder flüssige Producte treten an ihre Stelle. Man könnte daher geradezu -diese ganze Reihe von nekrobiotischen Prozessen Erweichungen nennen, -wenn viele von ihnen nicht verliefen, ohne dass für die grobe -Anschauung, d. h. für das unbewaffnete Auge, die Malacie jemals zur -Erscheinung kommt. Wenn nehmlich innerhalb eines zusammengesetzten -Organs, z. B. eines Muskels, ein solcher Vorgang eintritt, so entsteht -allerdings jedesmal eine grobe Myomalacie, sobald an einem bestimmten -Punkte alle Muskelelemente auf einmal getroffen werden, aber weit -häufiger geschieht es, dass innerhalb eines Muskels nur eine gewisse -Zahl von Primitivbündeln getroffen wird, während die anderen unversehrt -bleiben. Freilich tritt dann auch eine Malacie ein, aber eine so feine, -dass sie für die grobe Betrachtung gar nicht zugänglich wird und nur -mikroskopisch nachzuweisen ist. In diesem Falle spricht man fälschlich -von einer Muskelatrophie, obgleich der Vorgang, welcher die einzelnen -Primitivbündel getroffen hat, sich seiner Natur nach gar nicht von den -Vorgängen unterscheidet, welche man ein anderes Mal Muskelerweichung -nennt. - - [193] Ebendaselbst I. 273, 279. - -Das ist der Grund, warum man nicht einfach den Ausdruck der Erweichung, -der für die grobe pathologische Anatomie vorbehalten werden muss, auf -die histologischen Vorgänge anwenden kann, und warum es besser ist, -Nekrobiose zu sagen, wo es sich um diese feineren Vorgänge handelt. Das -Gemeinschaftliche aller Arten von nekrobiotischen Prozessen besteht aber -darin, dass der getroffene Theil am Ende des Prozesses und durch den -Prozess zersetzt, untergegangen, vernichtet ist. - -Eine zweite Reihe von passiven Prozessen bilden die =einfach -degenerativen Formen=, wo am Ende des Vorganges der getroffene Theil -zwar vorhanden ist, aber sich in irgend einem weniger oder gar nicht -mehr actionsfähigen Zustande befindet, wo er in der Regel starrer -geworden ist. Man könnte daher diese Gruppe im Gegensatze zu der vorher -erwähnten als =Verhärtungen= (=Indurationen=) bezeichnen, und damit eine -schon äusserlich von den nekrobiotischen Prozessen trennbare Gruppe -bilden. Allein auch der Ausdruck der Induration würde leicht -missverständlich sein, insofern auch hier wieder viele Zustände -vorkommen, wo wenigstens die Härte des Organes im Ganzen nicht -bedeutender ist, sondern wo nur einzelne kleinste Theile sich verändern, -so dass für das Tastgefühl keine auffallenden Veränderungen bemerkbar -werden. - -Ich hebe aus der Reihe der passiven Prozesse einige als Typen hervor, -und zwar diejenigen, welche die grösste Wichtigkeit für die praktische -Anschauung haben. - - * * * * * - -Unter den nekrobiotischen Prozessen ist der unzweifelhaft am weitesten -verbreitete und fast der wichtigste unter allen bekannten cellularen -Störungen die =Fettmetamorphose=[194], oder wie man von Alters her -gewohnt ist zu sagen, die =fettige Degeneration=. Dieser Prozess bringt -eine zunehmende Anhäufung von Fett in den Organen mit sich. Der alte -Begriff der fettigen Degeneration hatte den Sinn, dass man dabei an eine -immer steigende Veränderung der Art dachte, dass zuletzt an die Stelle -ganzer Organtheile reines Fett träte. Es hat sich aber ergeben, dass -dieser alte Begriff, wie er noch jetzt in der pathologischen Sprache -sich vielfach erhalten hat, eine grosse Reihe unter sich vollkommen -verschiedener Vorgänge zusammenfasst, und dass man nothwendig irre gehen -musste, wenn man vom Standpunkte der Pathogenie aus die ganze Gruppe auf -einfache Weise deuten wollte. - - [194] Archiv I. 141, 144. - -Die Geschichte des Fettes in Beziehung zu den Geweben lässt sich im -Allgemeinen in einer dreifachen Richtung betrachten. Wir finden erstlich -eine Reihe von Geweben im Körper vor, welche als physiologische Behälter -für Fett dienen, und in welchen das Fett als eine Art von nothwendigem -Zubehör enthalten ist, ohne dass jedoch ihr eigener Bestand durch die -Anwesenheit des Fettes irgendwie gefährdet wäre. Im Gegentheil, wir sind -sogar gewöhnt, nach dem Fettgehalt gewisser Gewebe das Wohlsein eines -Individuums zu schätzen und den Grad der andauernden =Füllung der -einzelnen Fettzellen= als Kriterium für den glücklichen Fortgang des -Stoffwechsels überhaupt anzusehen. Dies ist also der gerade Gegensatz zu -den nekrobiotischen Vorgängen, wo der Theil unter der Anhäufung des -Fettes wirklich ganz und gar aufhört zu existiren. - -In einer zweiten Reihe stellen die Gewebe keine regelmässigen Behälter -für Fett dar, aber wohl treffen wir in ihnen zu gewissen Zeiten -vorübergehend Fett an, welches nach einiger Zeit wieder aus ihnen -verschwindet, ohne den Theil deshalb in einem veränderten Zustande -zurückzulassen. Das ist der Fall bei der gewöhnlichen Resorption des -Fettes aus dem Darme. Wenn wir Milch trinken, so erwarten wir nach alter -Erfahrung, dass dieselbe vom Darme allmählich in die Milchgefässe -übergehe und von da aus dem Blute zugeführt werde; wir wissen, dass der -Uebergang des Verdauten vom Darm in die Milchgefässe durch das -Darmepithel und die Zotten hindurch erfolgt, und dass das Epithel und -die Zotten einige Stunden nach der Mahlzeit voll von Fett stecken. Von -einer solchen fetthaltigen Zotte oder Epithelzelle setzen wir aber -voraus, dass sie unter natürlichen Verhältnissen endlich ihr Fett -abgeben und nach einiger Zeit wieder vollkommen frei sein werde. Das ist -eine =Fett-Infiltration= von rein transitorischem Charakter. Verzögert -sich die Entleerung des Fettes, bleibt die an sich nur für -vorübergehende Zwecke vorhandene Fettfüllung bestehen, so gibt das eine -=Fett-Retention=. - -Endlich in einer dritten Reihe werden die Gewebe von Prozessen -getroffen, welche zur =fettigen Nekrobiose= führen. Diese hat man in -neuerer Zeit häufig als eigenthümlich pathologische betrachtet. Allein, -wie sich überall gezeigt hat, dass die pathologischen Prozesse keine -specifischen sind, dass vielmehr für sie Analogien in dem normalen Leben -bestehen, so kann man sich auch überzeugen, dass die nekrobiotische -Entwickelung von Fett ein ganz regelmässiger, typischer Vorgang an -gewissen Theilen des gesunden Körpers ist, ja, dass wir sie sogar in -sehr grobem Style im physiologischen Leben antreffen. Die wichtigsten -Typen für dieses Verhältniss haben wir einerseits in der Secretion der -Milch, des Hautschmeeres, des Ohrenschmalzes u. s. w., andererseits in -der Bildung des Corpus luteum im Eierstocke. An allen diesen Theilen -geht eine Fettentwickelung genau in der Weise vor sich, wie wir sie bei -der nekrobiotischen Fettmetamorphose unter krankhaften Bedingungen -antreffen; was wir Hautschmeer, Milch oder Colostrum nennen, das sind -die Analoga für die pathologischen Fettmassen, welche aus der fettigen -Erweichung hervorgehen. Wenn Jemand statt in der Milchdrüse im Gehirn -Milch fabricirt, so gibt dies eine Form der Hirnerweichung; das Product -kann morphologisch vollständig übereinstimmen mit dem, was in der -Milchdrüse ganz normal gewesen wäre. Hier ist aber der grosse -Unterschied, dass, während in der Milchdrüse die zu Grunde gehenden -Zellen sich ersetzen durch neue nachrückende Elemente, der Zerfall der -Elemente in einem Organe, welches nicht zum Nachrücken eingerichtet ist, -zu einem dauerhaften Verluste führt. Derselbe Prozess, welcher an einem -Orte die glücklichsten, ja die süssesten Resultate liefert, bringt an -einem anderen einen schmerzlichen und bitteren Schaden mit sich. - -Betrachten wir diese drei verschiedenen physiologischen Typen nach -einander. Im ersten Falle finden wir die Anfüllung der Zellen mit Fett -in der Weise, dass am Ende jede einzelne Zelle ganz und gar voll von -Fett steckt. Das gibt den Typus des sogenannten =Fettzellgewebes= oder -kurzweg =Fettgewebes=, wie es namentlich in der Unterhaut (Tela -subcutanea) in so grosser Masse vorkommt, wo es einerseits die -Schönheit, namentlich der weiblichen Form, andererseits die -pathologischen Zustände der Obesität oder Polysarcie bedingt. Ebenso -bildet das Fettgewebe das gewöhnliche, schon seit mythologischen Zeiten -so berühmte gelbe Knochenmark (Medulla ossium). Ueberall besteht das -Fettgewebe aus einer meist geringen Menge von Intercellularsubstanz und -aus Fettzellen. Letztere besitzen immer eine Membran und einen fettigen -oder öligen Inhalt. Das Fett erfüllt den inneren Raum so vollständig, -die Membran ist so ausserordentlich dünn, zart und gespannt, dass man -gewöhnlich gar nichts weiter sieht, als den Fetttropfen, und dass bis in -die neueste Zeit noch immer darüber discutirt worden ist, ob die -Fettzellen wirkliche Zellen seien. Es ist in der That sehr schwer, sich -davon deutlich zu überzeugen, allein wir haben sehr schöne Hülfsmittel -in dem Verlaufe der natürlichen Prozesse. Wenn Jemand magerer wird, so -schwindet das Fett allmählich, die Membran verliert von ihrer Spannung, -sie erscheint nicht mehr so dünn und zart und tritt um so schärfer -hervor, je kleiner die innere Fettmasse wird. Sie ist dann deutlich vom -Fetttropfen abgesetzt. Innerhalb der Zelle liegt ein erkennbarer Kern -(Fig. 114, _A_, _a_). Es ist hier also eine wirkliche, vollständige Zelle -mit Kern und Membran vorhanden, an welcher aber der eiweissartige Inhalt -fast ganz und gar durch das aufgenommene Fett verdrängt worden ist. -Dieses sogenannte Fettzellgewebe ist eine Form des Bindegewebes (S. 47), -und wenn es sich zurückbildet, so sieht man sehr deutlich, dass es -metaplastisch in Binde- oder Schleimgewebe[195] übergeht, indem zwischen -den Zellen wieder eine grössere Menge von faserig-schleimiger -Intercellularsubstanz zum Vorscheine kommt (Fig. 114, _A_, _b_, _B_). - - [195] Archiv XVI. 15. Geschwülste I. 399. - -[Illustration: =Fig=. 114. Fettzellgewebe aus dem Panniculus. _A_ Das -gewöhnliche Unterhautgewebe, mit Fettzellen, etwas Zwischengewebe und -bei _b_ Gefässschlingen; _a_ eine isolirte Fettzelle mit Membran, Kern -und Kernkörperchen. _B_ Atrophisches Fett bei Phthisis. Vergröss. 300.] - -[Illustration: =Fig=. 115. Interstitielle Fettwucherung (Mästung) der -Muskeln. _f_, _f_ Reihen von interstitiellen Fettzellen; _m_, _m_, _m_ -Muskelprimitivbündel. Vergr. 300.] - -Fettgewebe ist es, welches nicht bloss unter Umständen Polysarcie und -Obesität hervorbringt, indem immer grössere Massen von Bindegewebe in -die Fettfüllung hineingezogen werden, sondern welches auch die Grundlage -aller anomalen Fettgebilde ist. Die einzelnen Formen dieser Gebilde, -namentlich die wirklichen Fettgeschwülste (Lipome), unterscheiden sich -unter einander nur durch die grössere oder geringere Masse von -interstitiellem, zwischen den Läppchen der Fettzellen gelegenen -Bindegewebe, von welchem ihre grössere oder geringere Consistenz -abhängt[196]. -- Dasselbe Fettgewebe ist es auch, welches unter -krankhaften Verhältnissen in einer Reihe von solchen Fällen auftritt, -welche man nach alter Tradition fettige Degeneration nennt. Namentlich -die =fettige Degeneration der Muskeln= stellt in vielen Fällen nichts -weiter dar, als eine mehr oder weniger weit fortgeschrittene -Entwickelung von Fettzellgewebe zwischen den Muskelprimitivbündeln. Es -ist dies ein ähnlicher Vorgang, wie wir ihn bei der Mästung von Thieren -finden, wie ihn z. B. jede Ochsenzunge sehr schön zeigt, und wie manche -einfach gemästete Muskeln auch beim Menschen ihn darbieten. Zwischen die -einzelnen Muskelprimitivbündel schieben sich Fettzellen ein, welche -natürlich streifenweise nach dem Verlauf der Muskelfasern liegen; -letztere können sich dabei erhalten. Die Grundlage der Entwickelung ist -hier das interstitielle Bindegewebe, an welchem es mir zuerst mit -Bestimmtheit gelang, den Uebergang der Bindegewebskörperchen in -Fettzellen zu beobachten[197]. Bei dieser sogenannten Fettdegeneration -der Muskeln kann es, namentlich im Anfange der Entwickelung und bei -grosser Regelmässigkeit derselben, vorkommen, dass ganz einfache Reihen -hinter einander liegender Fettzellen mit den Reihen der Muskel-Elemente -abwechseln (Fig. 115). In diesem Falle, wo die Primitivbündel durch die -Fettzellen auseinander gedrängt werden und gewöhnlich in Folge ihrer -Anhäufung die Circulation im Muskel beeinträchtigt, das Fleisch also -blass wird, sieht es für das blosse Auge oft so aus, als sei gar kein -Muskelfleisch mehr vorhanden. Untersucht man z. B. an einer -Unterextremität, welche in Folge einer Ankylose des Knie's lange -unbewegt geblieben ist, die Gastroenemii, so findet man zuweilen nur -eine gelbliche, kaum streifig aussehende Masse ohne jedes fleischige -Ansehen, allein bei feinerer Untersuchung zeigt sich, dass die an sich -erhaltenen Primitivbündel noch immer durch das Fett hindurchgehen. -Selbst in diesem Falle, wo das Fett eine bedeutende Erschwerung für den -Muskelgebrauch bildet, sind die Muskelprimitivbündel doch noch vorhanden -und in gewisser Weise wirkungsfähig. Es unterscheidet sich daher dieser -Prozess wesentlich von der Nekrobiose, wo das Primitivbündel als solches -zu Grunde geht. Denn er stellt eine rein interstitielle -Fettgewebsbildung dar, wobei gewöhnliches Bindegewebe in Fett übergeht, -und man sollte daher lieber den Ausdruck der fettigen Degeneration -vermeiden, welcher so leicht missverstanden werden kann. - - [196] Geschwülste I. 368. - - [197] Archiv VIII. 538. Ueber die Bildung der Fettzellen im - Knochenmark und im Unterhautgewebe vergl. meine Untersuchungen über - die Entwickelung des Schädelgrundes 49. - -Diese Form kommt besonders am Herzen ziemlich häufig vor und kann, wenn -sie eine grosse Ausdehnung erreicht, erhebliche Störungen der -Bewegungsfähigkeit des Herzfleisches hervorbringen. Aber ihrem -pathologischen Werthe nach steht sie tief unter der eigentlichen -Fettmetamorphose, obwohl diese hinwiederum im äusserlich sichtbaren -Resultat nicht entfernt ihr gleichkommt. Das, was die alten Anatomen als -Fettherzen beschrieben haben, waren meistentheils nur fettig -durchwachsene Herzen; was man dagegen heut zu Tage meint, wenn man von -einer eigentlichen fettigen Degeneration (Metamorphose) des Herzens -spricht, das ist nicht dieses Fettwerden des Herzens, dieses -Durchwachsen seines Fleisches mit Fettzellen, sondern es ist vielmehr -die wirkliche im Innern des Fleisches vor sich gehende Umsetzung der -Substanz (Fig. 25, _d_. 121), auf welche ich noch zurückkommen werde. In -dem letzteren Falle liegt das Fett in, im ersteren zwischen den -Primitivbündeln. -- - - * * * * * - -Die zweite Reihe von Vorgängen, welche ich aufstellte, ist die -=transitorische Anfüllung= gewisser Organe mit Fett, wie wir sie im -Wesentlichen bei der Digestion antreffen. Hat Jemand eine fettige -Substanz genossen, und ist diese in den Zustand der Emulgirung -übergeführt, so finden wir, dass, wenn sie in das obere Ende des Jejunum -gelangt, zum Theil schon im Duodenum, die Zotten der Schleimhaut -weisslich, trübe und dicker werden. Die feinere Untersuchung ergibt, -dass sie mit sehr feinen, kleinsten Fettkörnchen erfüllt werden, welche -viel feiner sind, als wir sie in irgend einer künstlichen Emulsion -herstellen können. Diese Körnchen, welche sich schon im Chymus finden, -berühren zuerst das Cylinderepithel, mit welchem jede einzelne Darmzotte -umgeben ist. An der Oberfläche jeder Epithelzelle findet sich aber, wie -von =Kölliker= zuerst bemerkt ist, ein eigenthümlicher Saum, welcher, -wenn man die Zelle von der Seite her betrachtet, feine, senkrechte -Strichelchen erkennen lässt; von der Oberfläche aus gesehen, erscheint -die Zelle sechseckig und mit vielen kleinen Punkten besetzt, wie -getüpfelt (Vergl. das Epithel der Gallenblase Fig. 15, sowie Fig. 116, -_A_). =Kölliker= hat die Vermuthung aufgestellt, dass diese kleinen -Striche und Punkte feinen Porenkanälchen entsprächen, und dass die -Resorption so vor sich ginge, dass die kleinen Partikelchen des Fettes -durch diese feinen Poren an der Oberfläche der Epithelzellen aufgenommen -würden. Der Gegenstand liegt indess so sehr an der Grenze unserer -optischen Apparate, dass es bis jetzt nicht möglich gewesen ist, eine -vollkommene Klarheit darüber zu gewinnen, ob die Striche wirklich feinen -Kanälen entsprechen, oder ob es sich vielmehr, wie =Brücke= annimmt, um -eine Zusammensetzung des ganzen oberen Saumes aus Stäbchen oder -Säulchen, ähnlich den Flimmerhaaren, handelt. Ich bin durch meine -Untersuchungen auch mehr zu letzterer Ansicht disponirt worden, zumal da -an denselben Orten die vergleichende Histologie wirkliches -Flimmerepithel als Aequivalent nachweist. Jedenfalls ist soviel sicher, -dass einige Zeit nach der Digestion das Fett nicht mehr aussen an den -Zellen liegt, sondern sich innen in ihnen findet, und zwar zuerst am -äusseren (freien) Ende derselben; dann rücken seine Körnchen nach und -nach weiter und gehen in den Zellen nach innen, und zwar so deutlich -reihenweise, dass es den Eindruck macht, als gingen feine Kanäle durch -die ganze Länge der Zellen selbst hindurch (Fig. 116, _C_, _a_). Allein -auch das ist eine Frage, welche mit unseren optischen Apparaten nicht so -bald gelöst werden dürfte. Genug, die grobe Thatsache bleibt stehen, -dass das Fett durch die Zellen geht und zwar in der Weise, dass -anfänglich nur der äussere Theil derselben damit erfüllt ist, dann eine -Zeit kommt, wo sie ganz voll von Fett sind, etwas später die äussere -Partie wieder ganz frei wird, während die innere noch etwas enthält, bis -endlich alles Fett spurlos aus den Zellen verschwindet. Auf diese Weise -kann man den allmählichen Fortgang von Stunde zu Stunde verfolgen. -Nachdem das Fett bis in die innere Spitze der Zellen hineingerückt ist, -so beginnt es, in das sogenannte Parenchym der Zotte überzugehen (Fig. -116, _C_). Ob die Epithelzellen, wie zuerst von =Heidenhain= behauptet -worden ist, an ihrem unteren (centralen) Ende unmittelbar mit feinsten -Ausläufern der Bindegewebskörperchen der Zotte zusammenhängen, ist noch -streitig, jedoch durch =Eimer='s sorgsame Untersuchung zu höchster -Wahrscheinlichkeit geführt. - -[Illustration: =Fig=. 116. Darmzotten und Fettresorption. _A_ Normale -Darmzotten des Menschen aus dem Jejunum, bei _a_ das zum Theil noch -ansitzende Cylinderepithel mit dem feinen Saum und Kernen; _c_ das -centrale Chylusgefäss, _v_, _v_ Blutgefässe; im übrigen Parenchym die -Kerne des Bindegewebes und der Muskeln. -- _B_ Zotten im Zustande der -Contraction vom Hund. -- _C_ Menschliche Darmzotte während der -Chylus-Resorption, _D_ bei Chylus-Retention: an der Spitze ein grosser, -aus einer krystallinischen Hülle austretender Fetttropfen. Vergr. 280.] - -Es ist höchst schwierig, mit Sicherheit über diese feinsten -Einrichtungen der Gewebssubstanz zu urtheilen. In der Regel finden wir -innerhalb der Zotten das Netz der Blutgefässe etwas unter der Oberfläche -(Fig. 116, _A_, _v_, _v_), dagegen in der Axe eine ziemlich weite, stumpf -endigende Höhlung, den Anfang des Chylusgefässes, soweit es bis jetzt -mit Sicherheit erkennbar ist (Fig. 116, _A_, _c_). An der Peripherie der -Zotten hat =Brücke= eine Lage von Muskeln entdeckt, welche für die -Digestion von grosser Bedeutung ist, insofern dadurch ein Heranziehen -der Zottenspitze gegen ihre Basis, eine Verkürzung möglich ist, wie man -sehr leicht sehen kann. Wenn man Zotten vom Darme eines eben getödteten -Thieres abschneidet, so sieht man unter dem Mikroskop, dass sie sich -zusammenziehen, sich runzeln, dicker und kürzer werden (Fig. 116, _B_). -Offenbar erfolgt dadurch ein Druck in der Richtung von aussen nach -innen, welcher die Fortbewegung der aufgenommenen Säfte befördert. So -weit wäre die Sache ziemlich klar, allein was das noch übrig bleibende -Parenchym für einen Bau hat, ist äusserst schwer zu sehen. Ausser der -Muskellage bemerkt man noch kleinere Kerne, welche, wie ich schon vor -Jahren hervorhob, hin und wieder ziemlich deutlich in feinen zelligen -Elementen eingeschlossen sind. Diese Parenchymzellen anastomosiren unter -sich und mit dem centralen Chylusgefässe. Bei der Resorption sieht es -aus, als ob das Fett, welches in den Zotten immer weiter nach innen -dringt, das ganze Parenchym erfüllte, jedoch ergibt eine feinere -Untersuchung, zumal an weniger stark gefüllten Zotten, dass das Fett auf -prädestinirten Strassen, nehmlich durch die Bindegewebskörperchen, -seinen Weg verfolgt[198]. So gelangt es endlich in das centrale -Chylusgefäss. Von hier beginnt der regelmässige Strom des Chylus. - - [198] Ich habe mich neuerlichst durch die Untersuchung von - Querschnitten chylusgefüllter Zotten beim Menschen überzeugt, dass - das Fett nicht discret im Parenchym, sondern heerdweise im Innern - besonderer kleiner (Zellen?) Räume liegt. - - Anm. zur zweiten Auflage (1859). - -Am wenigsten verständlich ist in diesem Hergange die Aufnahme des Fettes -in die Epithelialzellen. Zu wiederholten Malen ist daher die Meinung -aufgetaucht, dass hier gröbere Oeffnungen, wirkliche Stomata existiren. -Insbesondere hat diese Frage in der neueren Zeit durch =Letzerich= eine -besondere Bedeutung erlangt. Er richtete die Aufmerksamkeit auf gewisse, -schon längere Zeit bekannte Elemente, die sogenannten =Becherzellen=. Es -sind dies offene Zellen von fast trichterförmiger Gestalt, welche -gewöhnlich in gewissen Entfernungen von einander zwischen den -gewöhnlichen Cylinderzellen des Darmepithels zerstreut vorkommen. Ich -sah sie am Darm eines Hingerichteten, der ganz frisch untersucht wurde. -=Letzerich= glaubt in ihnen die eigentlichen Aufnahme-Organe des Fettes -zu erkennen. Diese Meinung ist unzweifelhaft irrig. Das von mir vorher -Angeführte ist mit grösster Bestimmtheit zu sehen: =jede Epithelzelle -ist fähig, Fett aufzunehmen=, und ich möchte eher sagen, die -Becherzellen seien es am wenigsten. Das mechanische Problem ist damit -wenig gefördert, indess wird man schwerlich bei dem gegenwärtigen Stande -unserer Kenntnisse noch auf blosse Druckverhältnisse zurückgehen können. -Aller Wahrscheinlichkeit »fressen« die Zellen das Fett, und es handelt -sich um einen der an die Thätigkeit der Elemente geknüpften -automatischen Vorgänge (S. 360), bei welchen das Protoplasma betheiligt -ist. - -Jedenfalls setzt der Vorgang eine emulsive Beschaffenheit des Fettes -voraus, welches überall in feinster Zertheilung durch die Gewebstheile -hindurchdringt. In dem regelmässigen Gange sind es so ausserordentlich -zarte Partikeln, dass, wenn man frischen, noch warmen Chylus untersucht, -man fast nichts von körperlichen Theilen darin erkennen kann[199]. -Allein jede Störung, welche in dem Resorptionsgeschäfte stattfindet und -längere Zeit hindurch das Fortrücken hindert, bedingt ein -Zusammenfliessen der Fettpartikeln; innerhalb der Gewebe, in welchen die -Fett-=Retention= erfolgt, scheiden sich alsdann immer grössere -Fettkörner ab, und diese fliessen endlich zu ganz grossen Tropfen -zusammen. Solche finden wir sowohl in den Epithelialzellen, als auch -innerhalb des Zottengewebes, namentlich in dem centralen Chylusgefässe, -und es kommt vor, dass das Ende des letzteren sich erweitert, kolbig -ausgedehnt wird, und dass die Anhäufung von Fett darin so beträchtlich -wird, dass man sie schon mit blossem Auge erkennt[200]. =Lieberkühn= -hielt diesen Zustand für den Ausdruck eines normalen Verhältnisses, und -nannte die Ausweitungen Ampullen. Ich habe gezeigt, dass dieselben eine -rein pathologische Bedeutung haben, und dass auch die von E. H. =Weber= -bemerkte Scheidung in einen dunklen und hellen Theil (Fig. 116, _D_) nur -auf einer Trennung des Fetttropfens in eine feste Rinde und einen -flüssigen und nach Berstung der Rinde austretenden Inhalt beruht. -Nirgends sieht man diese Zustände auffälliger und häufiger, wie in der -Cholera, wo schon 1837 durch =Böhm= gute Schilderungen davon geliefert -worden sind. Sie bedeuten im Allgemeinen die Hemmung des Lymphstromes -durch die Respirations- und Circulationsstörungen. Da bekanntlich die -Cholera-Anfälle überwiegend häufig in der Digestionsperiode eintreten -und mit grossen Hemmungen des Respirationsgeschäftes verlaufen, welche -sich durch den ganzen Venenapparat geltend machen, so müssen sie -natürlich auch auf den Chylusstrom zurückwirken. So erklärt sich die -colossale Anstauung (Retention) von Fett in den Zotten. Dies ist also, -wenn man will, schon ein pathologischer Zustand, aber derselbe beruht -nur auf einer vorübergehenden Hemmung und wir haben allen Grund -anzunehmen, dass, wenn der Chylusstrom wieder frei wird, auch diese -grösseren Fetttropfen allmählich wieder beseitigt werden. Damit kommen -wir auf andere Gebiete, wo die Grenze zwischen Physiologie und -Pathologie sich sehr schwer ziehen lässt. Ein solcher Fall findet sich -namentlich an der Leber. - - [199] Archiv I. 152, 162, 262. Beiträge zur exper. Pathologie. Heft - II. 72. Gesammelte Abhandl. 139. - - [200] Würzb. Verhandl. IV. 354. Gesammelte Abhandlungen 732. - -Seit alter Zeit weiss man, dass die =Leber= dasjenige Organ ist, welches -überwiegend leicht in einen Zustand sogenannter fettiger Degeneration -geräth, und schon lange hat man gerade die Kenntniss dieses Zustandes -auf dem Wege populärer Experimentation verwerthet. Die Geschichte der -Gänseleberpasteten beweist dies in der angenehmsten Weise. Obgleich -=Lereboullet= in Strassburg behauptete, dass die Fettlebern der -gemästeten Gänse physiologische seien, die sich von den pathologischen, -welche man nicht isst, sondern nur beobachtet, wesentlich unterschieden, -so muss ich doch bekennen, dass ich bis jetzt ausser Stande gewesen bin, -einen Unterschied zwischen physiologischen und pathologischen Fettlebern -zu entdecken; ich meine vielmehr, dass gerade, indem man die Identität -beider zulässt, der einzig richtige Gesichtspunkt auch für die -pathologische Fettleber gewonnen wird. Wir kennen nehmlich eine -Thatsache, welche gleichfalls zuerst von =Kölliker= beobachtet worden -ist, dass nehmlich bei saugenden Thieren regelmässig einige Stunden nach -der Digestion eine Art von Fettleber physiologisch vorkommt. Wenn man -von demselben Wurfe von Thieren die einen hungern, die andern saugen -lässt, so haben diejenigen, welche gesogen haben, ein Paar Stunden -nachher eine Fettleber, die anderen nicht. Diese erscheint ganz blass, -wenn auch nicht so weiss, wie eine Gänseleber. - -Diese Erfahrung hat mir Gelegenheit gegeben, die Frage von der Beziehung -des Fettes zur Leber etwas weiter zu verfolgen, und ich glaube danach -allerdings mit Bestimmtheit schliessen zu können, dass ein naher -Zusammenhang der physiologischen und pathologischen Formen besteht. Ich -fand nehmlich[201], dass einige Zeit nach der Digestion, und zwar etwas -später, als die Leberzellen die Fettfüllung zeigen, man einen ähnlichen -Zustand im Laufe der Gallenwege findet, und dass sowohl in den -Gallengängen, als in der Gallenblase das Epithel dieselben Erscheinungen -der Fett-Resorption wahrnehmen lässt, die wir vom Darmepithel kennen. -Man braucht, um sich eine Vorstellung davon zu machen, das Bild von -vorher (Fig. 116) nur umzukehren: anstatt einer Zotte, an welche das -Epithel aussen angelagert ist, denke man sich einen Kanal, welcher innen -mit Epithel ausgekleidet ist. Das feine Cylinderepithel in der -Gallenblase hat denselben streifigen Saum, wie das im Darm (Fig. 15), -und man sieht daran in derselben Weise, dass das Fett von aussen -eindringt, gegen die Tiefe weitergeht und nach einiger Zeit in die Wand -der Gallenwege übergeht. Ich habe diesen Vorgang bei jungen saugenden -Thieren nach der Digestion verfolgt; man kann sich da leicht überzeugen, -dass offenbar das Fett, welches eine Zeit lang in den Leberzellen -enthalten ist, von ihnen in die Gallenwege secernirt, hier aber -allmählich wieder resorbirt wird und so zum zweiten Male in die -Circulation zurückkehrt. - - [201] Archiv XI. 574. - -Ein solcher =intermediärer Stoffwechsel=, wo das Fett vom Darme in das -Blut, vom Blute in die Leber, von der Leber in die Galle und von da -wieder in Lymph- und Blutgefässe gelangt, welche zum rechten Herzen -zurückführen, setzt natürlich auch, wie die Resorption im Darme, für die -Rückfuhr günstige Verhältnisse voraus; tritt irgend eine Störung ein, so -wird es eben auch hier eine Retention geben und es werden nach und nach -an die Stelle der feinen Körner innerhalb der Zellen grosse Tropfen -treten. Das ist aber der Hergang, wie wir ihn in der Fettleber wirklich -antreffen. - -[Illustration: =Fig=. 117. Die aneinander stossenden Hälften zweier -Leber-Acini. _p_ Ein Ast der Pfortader (von Bindegewebe umgeben), mit -Aesten _p_' _p_'', den Venae interlobulares entsprechend. _h_, _h_ -Querschnitt der Vena intralobularis s. hepatica. _a_ die Zone des -Pigmentes, _b_ die des Amyloids, _c_ die des Fettes. Vergr. 20.] - -In der Regel bemerkt man, wenn man eine Fettleber studirt, dass das Fett -hauptsächlich in derjenigen Zone der Acini abgelagert ist, welche -zunächst an die capillare Auflösung der Pfortaderäste anstösst (Fig. -117, _c_, _c_). Wenn man Durchschnitte des Organes mit blossem Auge -sorgfältig betrachtet, so bemerkt man an vielen Stellen Zeichnungen, wie -wenn man ein Eichenblatt mit seinen Rippen und Buchten vor sich hätte; -hier entspricht die Verbreitung der Pfortaderäste den Rippen, die -Fettzone der Substanz des Blattes. Je stärker die Infiltration wird, um -so breiter wird die Fettzone. Es gibt Fälle, wo das Fett die ganzen -Acini bis zur centralen (intralobulären) Leber-Vene (Fig. 117, _h_) hin -erfüllt, und wo jede einzelne Zelle mit Fett vollgestopft ist. In -seltenen Fällen kommt es freilich vor, dass wir gerade das Umgekehrte -finden, dass das Fett nehmlich in den Leberzellen um die Vena centralis -liegt; wahrscheinlich sind diese Fälle so zu deuten, dass das Fett schon -in der Ausscheidung begriffen ist und nur die letzten Zellen noch etwas -davon zurückhalten. Jedoch muss man sich hüten, eine Art von fettiger, -nekrobiotischer Atrophie, wie sie namentlich bei chronischer Cyanose -(Muskatnussleber) vorkommt, damit zu verwechseln. - -Betrachten wir nun den Vorgang bei der Bildung der Fettleber im -Einzelnen, so zeigt sich, dass die Art, wie die Leberzellen sich füllen, -genau derjenigen entspricht, wie sich die Epithelzellen im Darme mit -Fett erfüllen. Zuerst finden wir in ihnen zerstreut ganz kleine -Fettkörnchen. Diese werden reichlicher, dichter und nach einiger Zeit -grösser; zugleich werden die Zellen grösser, schwellen an und zeigen -grössere und kleinere Tropfen von Fett (Fig. 29, _B_, _b_). Im höchsten -Grade der Anfüllung bieten sie denselben Habitus dar, wie die Zellen des -Fettgewebes: man sieht fast gar keine Membran und fast nie einen Kern, -doch sind beide immer noch vorhanden. Das ist der Zustand, welchen man -Fettleber im eigentlichen Sinne des Wortes nennt. - -Auch hier haben wir, wie bei dem Fettgewebe, die =Persistenz der -Zellen=. Es ist irrig, zu meinen, dass in der gewöhnlichen Fettleber die -Zellen zu existiren aufhörten. Immer sind die Elemente des Organes -vorhanden, nur statt mit gewöhnlicher Inhaltssubstanz, fast ganz mit -Fetttropfen erfüllt. Auch kann es kaum zweifelhaft sein, dass sie in -diesem Zustande immer noch eine gewisse Masse functionsfähiger Substanz -enthalten. Denn bei manchen Thieren, z. B. den Fischen, von denen man -den Leberthran gewinnt, geht die Function des Organs vor sich, wenn auch -noch so viel Thran in den Zellen enthalten ist[202]. Auch beim Menschen -findet man, selbst in dem höchsten Grade der Fettleber, in der -Gallenblase noch Galle. Insofern kann man diese Zustände in Nichts -vergleichen mit den nekrobiotischen Zuständen, wie sie im Laufe der -fettigen Degeneration (Metamorphose) an so vielen Theilen erscheinen, wo -die Elemente zu Grunde gehen. Bei einer fettigen Degeneration im -strengeren Sinne des Wortes treffen wir nachher irgendwo mürbe, -erweichte Stellen, wo Fett in freien Tropfen vorkommt, gewissermaassen -fettige Abscesse. Davon ist hier nichts zu sehen. Es ist daher äusserst -wichtig, und ich halte es für die Auffassung dieser Form in hohem Maasse -entscheidend, dass in der Fettleber immer eine Persistenz der -histologischen Bestandtheile statthat, und dass, wenn ihre Zellen auch -noch so sehr mit Fett erfüllt sind, sie doch immer noch als Elemente -existiren. Daraus folgt, dass eine Fettleber heilbar ist, ohne dass es -dazu besonderer Regenerationsprozesse bedarf. Es gehört dazu nur, dass -die Bedingungen der Retention beseitigt und die Leberzellen wieder frei -von Fett werden. Freilich wissen wir weder das Eine, noch das Andere mit -Sicherheit. Wir kennen die Zustände nicht, welche das Fett festhalten, -noch die Bedingungen, unter welchen es wieder ausgetrieben werden kann. -Indess, nachdem man einmal so weit in der Erkenntniss des Mechanismus -der Fettfüllung ist, so wird es auch wahrscheinlich möglich sein, die -weiteren Thatsachen zu finden. Es wäre denkbar, dass einfach die -Elasticität der Gewebselemente von Bedeutung wäre, in der Art, dass wenn -die Zellmembranen erschlaffen, sie mit Leichtigkeit mehr Inhalt -einlassen und in sich dulden, während bei einer grossen Elasticität der -Membranen (Tonus) eher ein Entfernen, ein Auspressen des Inhaltes -erfolgen könnte. Auch ist gewiss der Zustand der Circulation von -Bedeutung: die verhältnissmässige Häufigkeit der Fettleber bei -chronischen Lungen- und Herzaffectionen ist gewiss nicht wenig dem -vergrösserten Drucke zuzuschreiben, unter dem das Venenblut steht. - - [202] Archiv VII. 563. - -Doch das sind für unsere jetzige Betrachtung Nebenfragen; worauf es mir -hauptsächlich ankam, das ist, den grossen Unterschied zu zeigen zwischen -dieser Art von fettiger Degeneration und derjenigen, welche wir vorher -bei den Muskeln erörtert haben. Während wir dort zwischen den -eigentlichen, specifischen Organbestandtheilen Fettzellen entstehen -sahen, welche dem Bindegewebe angehören, so sind es hier die -specifischen Drüsenzellen selbst, welche der Sitz des Fettes sind. Auf -der anderen Seite liegt der nicht minder grosse Unterschied von den -nekrobiotischen Prozessen der fettigen Degeneration, wobei die Elemente -als solche verschwinden, auf der Hand. -- - -Wenden wir uns nun zu der dritten Reihe von fettigen Zuständen, nehmlich -zu der mit Auflösung der Elemente zusammenfallenden nekrobiotischen, so -finden wir für sie, wie schon erwähnt, in der Secretion der Milch und -des Hauttalges die physiologischen Paradigmen. Dass diese beiden Secrete -sich einander analog verhalten, erklärt sich einfach daraus, dass die -Milchdrüse eigentlich nichts weiter ist, als eine colossal entwickelte -und eigenthümlich gestaltete Anhäufung von Hautdrüsen (Schmeer- oder -Talgdrüsen). Der Entwickelung nach stehen sich beide Reihen vollständig -gleich. Beide gehen durch eine progressive Wucherung aus den äusseren -Epidermisschichten hervor (S. 37. Fig. 19, _A_). Ebendahin gehören auch -die Ohrenschmalzdrüsen und die grossen Achseldrüsen. In allen diesen -Fällen entsteht das Fett, welches den Hauptbestandtheil der Milch, -wenigstens für die äussere Erscheinung, darstellt, sowie dasjenige, -welches den Schmeer liefert, zuerst im Innern von Epithelzellen, welche -allmählich zu Grunde gehen und das Fett frei werden lassen, während von -ihnen selbst kaum etwas erhalten bleibt. - -[Illustration: =Fig=. 118. Haarbalg mit Talgdrüsen von der äusseren -Haut. _c_ das Haar, _b_ die Haarzwiebel, _e_, _e_ die von der Epidermis -sich in den Haarbalg einsenkenden Zellenschichten. _g_, _g_ Talgdrüsen im -Act der Schmeerabsonderung: das Secret bei _f_ neben dem Haar -heraufsteigend und sich ansammelnd. Vergr. 280.] - -Die =Talgdrüsen= liegen im Allgemeinen seitlich an den Haarbälgen in -einiger Tiefe unter der Oberfläche; sie bestehen aus einer gewissen Zahl -von kleinen Läppchen, in welche eine Epithellage als Fortsetzung des -Rete Malpighii continuirlich hineingeht. Die Zellen dieser Epithellage -sind jedoch grösser, als die des Rete, so dass sie eine fast solide -Erfüllung der Drüsensäcke bilden. In dem Innern der ältesten (am meisten -nach innen gelegenen) Zellen scheidet sich das Fett zuerst in kleinen -Körnchen aus, diese werden bald grösser, und nach kurzer Zeit sieht man -schon nicht mehr deutlich die einzelnen Zellen, sondern nur -Zusammenhäufungen grosser Tropfen, welche aus der Drüse in den Haarbalg -hervortreten und endlich das an die Hautoberfläche hervortretende -Secret liefern (Fig. 118). Denken wir uns die Drüse in eine Fläche -ausgebreitet, so würde sich ihr Zellenlager darstellen, wie Rete -Malpighii und Epidermis, nur dass die ältesten, der Epidermis -vergleichbaren Zellen nicht verhornen, sondern durch fettige -Metamorphose zu Grunde gehen. Die jüngeren, dem Rete entsprechenden -Zellen vermehren sich inzwischen durch immer neue Wucherung. Die -Secretion ist also eine rein epitheliale, wie die Samen-Secretion (S. -39). - -[Illustration: =Fig=. 119. Milchdrüse in der Lactation und Milch. _A_ -Drüsenläppchen der Milchdrüse mit der hervorquellenden Milch. _B_ -Milchkügelchen. _C_ Colostrum, _a_ deutliche Fettkörnchenzelle, _b_ -dieselbe mit verschwindendem Kern. Vergr. 280.] - -Dieser Hergang liefert uns zugleich ein genaues Schema für die -=Milchbildung=[203]. Man braucht sich nur die Gänge mehr verlängert, die -End-Acini mehr entwickelt zu denken; der Prozess bleibt im Wesentlichen -derselbe: die Zellen vermehren sich durch Wucherung, die gewucherten -Zellen gehen die fettige Metamorphose ein, zerfallen endlich und zuletzt -bleibt fast nichts Körperliches von ihnen übrig, als Fetttropfen. Am -meisten stimmt mit der gewöhnlichen Art der Schmeersecretion die -früheste Zeit der Lactation überein, welche das sogenannte =Colostrum= -liefert. Das Colostrumkörperchen (Fig. 119, _C_) ist die noch -zusammenhaltende Kugel[204], welche aus der fettigen Degeneration einer -Epithelialzelle hervorgeht. Die Colostrum- und die Schmeerbildung -unterscheiden sich nur dadurch, dass die Fettkörner bei der ersteren -kleiner bleiben. Während beim Schmeer sehr bald grosse Tropfen -auftreten, enthalten beim Colostrum die letzten Zellen, welche noch -bemerkt werden, gewöhnlich nur feine Fettkörnchen, ganz dicht gedrängt. -Hierdurch bekommt das ganze Element ein etwas bräunliches Aussehen, -obwohl das Fett selbst nur wenig gefärbt ist. Das ist das körnige -Körperchen (Corps granuleux) von =Donné=, die =Fettkörnchenkugel=. - - [203] Archiv I. 182. - - [204] Archiv I. 165 Note. - -Die Entdeckung der allmählichen Umbildung von Zellen zu -Fettkörnchenkugeln haben wir =Benno Reinhardt= zu verdanken. Allein er -scheute sich noch, die wichtige Erfahrung von der Colostrumbildung auf -die Geschichte der Milch überhaupt auszudehnen, weil in der späteren -Zeit der eigentlichen Lactation granulirte Körperchen nicht mehr -vorkommen. Es ist aber unzweifelhaft, dass zwischen der früheren Bildung -der Colostrumkörper und der späteren Milchbildung kein anderer -Unterschied besteht, als der, dass bei der Colostrumbildung der Prozess -langsamer erfolgt und die Zellen länger zusammenhalten, während bei der -Milchsecretion der Prozess acut ist und die Zellen eher zu Grunde gehen. -Recht vollkommenes Colostrum enthält eine überaus grosse Masse von -granulirten Körpern, die Milch dagegen nichts weiter, als -verhältnissmässig grosse und kleine, durcheinander gemengte Tröpfchen -von Fett, die sogenannten =Milchkörperchen= (Fig. 119, _B_). Letztere -sind nichts als Fetttropfen, die, wie die meisten Fetttropfen, welche in -dem thierischen Körper vorkommen, von einer feinen Eiweisshaut, der von -=Ascherson= benannten Haptogenmembran, umschlossen sind. Die einzelnen -Tropfen (Milchkörperchen) entsprechen den Tropfen, welche wir bei der -Schmeerabsonderung antreffen; sie entstehen aus der Confluenz der feinen -Körnchen, welche bei der Colostrumabsonderung durch eine caseinöse -Zwischenmasse getrennt erscheinen. - -Nachdem wir die physiologischen Typen der Fettmetamorphose besprochen -haben, so hat die Darstellung der pathologischen Vorgänge keine -Schwierigkeit mehr. Mit Ausnahme ganz weniger Gebilde, wie der rothen -Blutkörperchen, der Ganglienzellen und Nervenfasern in den -Central-Organen[205], können fast alle übrigen zelligen Theile unter -gewissen Verhältnissen eine ähnliche Umwandlung erfahren. Diese stellt -sich genau in derselben Weise dar: in dem Zelleninhalte erscheinen -einzelne feinste Fettkörnchen, werden reichlicher und erfüllen -allmählich den Zellenraum, ohne jedoch zu so grossen Tropfen -zusammenzufliessen, wie dies bei der Fettinfiltration und der -Fettgewebsbildung der Fall ist. Gewöhnlich tritt die Entwickelung von -Fettkörnchen zuerst in einiger Entfernung vom Kerne auf; sehr selten -beginnt sie vom Kerne aus. Das ist die Zelle, welche man seit längerer -Zeit =Körnchenzelle= genannt hat. Dann kommt ein Stadium, wo allerdings -noch Kern und Membran zu sehen sind, wo aber die Fettkörnchen so dicht -angehäuft sind, wie bei den Colostrumkörperchen; nur an der Stelle, wo -der Kern lag, findet sich noch eine kleine Lücke (Fig. 75, _b_). Von -diesem Stadium ist nur noch ein kleiner Schritt bis zum vollkommenen -Untergange der Zelle. Denn in dem Zustande der Körnchenzelle erhält sich -eine Zelle niemals längere Zeit; wenn sie einmal in dieses Stadium -eingetreten ist, so verschwinden gewöhnlich alsbald der Kern und die -Membran, soweit ersichtlich, durch Auflösung oder Erweichung. Dann haben -wir die einfache =Körnchenkugel=, oder wie man früher nach =Gluge= zu -sagen pflegte, die =Entzündungskugel= (Fig. 75, _c_). - - [205] Archiv X. 407. - -=Gluge= verfiel bei dieser Gelegenheit in einen der Irrthümer, wie sie -die Anfangsperiode der Mikrographie mehrfach gebracht hat. Er sah solche -Kugeln zuerst bei Untersuchung einer Niere im Innern eines Kanals, den -er für ein Blutgefäss hielt. Damals, wo die Lehre von der Stase die -Grundlage der Entzündungstheorie bildete, schien es ihm unzweifelhaft, -dass er ein Gefäss mit stagnirendem Inhalt vor sich habe, in welchem der -Inhalt (das Blut) zerfallen sei und die Entzündungskugeln erzeugt habe. -Leider war, wie wir jetzt bestimmt behaupten können, das Gefäss ein -Harnkanälchen, das, was er für Theile zerfallender Blutkörperchen ansah, -Fett, das, was er Entzündungskugeln nannte, fettig degenerirtes -Nierenepithel. Man hätte sich diesen Irrweg leicht ersparen können, -allein es gab damals wenige Leute, welche wussten, wie Harnkanälchen -aussehen, und wie sie sich von Gefässen unterscheiden, und so hat es -etwas lange gedauert, ehe jene Entzündungstheorie überwunden worden ist. - -Gegenwärtig nennen wir das Ding eine Körnchenkugel und betrachten es als -das Product der vollendeten Degeneration, wo die Zelle nicht mehr als -Zelle erhalten ist, sondern wo bloss noch die rohe Form übrig ist, nach -vollständigem Verlust der die eigentliche Zelle constituirenden Theile, -der Membran und des Kernes. Von diesem Zeitpunkte an tritt je nach den -äusseren Verhältnissen entweder ein vollständiger Zerfall ein, oder die -Theile können sich noch im Zusammenhange erhalten. In weichen Theilen, -in denen von Anfang an viel Flüssigkeit (Saft) vorhanden ist, fallen -die Körnchen bald aus einander. Der Zusammenhang, in dem sie sich -ursprünglich befanden und Kugeln bildeten, welche durch einen Rest des -alten Zelleninhaltes zusammenklebten, löst sich allmählich; die Kugel -zerfällt in eine bröcklige Masse, welche oft noch an einzelnen Stellen -etwas zusammenhält, aus welcher sich aber ein Fetttropfen nach dem -andern ablöst. Der pathologische =Detritus= zeigt daher eine grosse -Uebereinstimmung mit der Milch. - -Sehr schön sieht man diese Vorgänge am =Lungenepithel=[206] in den -späteren Stadien catarrhalischer Pneumonie, wo zuweilen die -Fettmetamorphose so reichlich ist, dass man die Lungen von weisslichen -Punkten oder Figuren, einer Art von fettigem Reticulum, durchsetzt -findet. Diese Stellen bieten eine besonders günstige Gelegenheit dar, -den Unterschied der Fettkörnchenzellen (Fig. 75) von anderen Formen der -Körnchenzellen kennen zu lernen. Gerade unter den Zellen, welche die -Alveolen solcher Lungen erfüllen, findet man sehr oft Pigmentzellen; -auch werden letztere bei solchen Leuten durch den Auswurf zuweilen in so -grosser Menge zu Tage gefördert, dass derselbe dadurch die bekannten -rauchgrauen Flecke bekommt (Fig. 8, _b_). Auf den ersten Blick ist es -ziemlich schwierig, einen Unterschied zwischen Fettkörnchen- und -Pigment-Zellen zu machen. In beiden Fällen liegt scheinbar dasselbe Bild -vor. Man sieht runde, mit kleinen dunklen Körnchen gefüllte und auch im -Ganzen dunkel (schwärzlich) erscheinende Kugeln. Denn auch bei -feinkörniger Fettmetamorphose erscheinen die veränderten Zellen im -durchfallenden Lichte als gelbbraune oder schwärzliche Körperchen, aber -ihre einzelnen Theilchen besitzen keine positive Farbe und das farbige -Aussehen ist nur ein Interferenzphänomen. Die Pigmentkörnchenzellen -dagegen enthalten unzweifelhaften braunen, grauen oder schwarzen -Farbstoff, der an den einzelnen Körnern haftet. - - [206] Beiträge zur experim. Pathologie. 1846. Heft II. 83. Gesammelte - Abhandl. 280. Archiv I. 145, 461. - -Die Unterscheidung der gewöhnlichen Körnchenzellen, womit man nach dem -angenommenen Sprachgebrauche die Fettkörnchenzellen meint, ist aber sehr -wesentlich, da wir auch an anderen Punkten, z. B. am =Gehirn=, beide -Arten von Körnchenzellen, Fett haltende und Pigment haltende, -nebeneinander finden, und, wenn es sich um die Veränderung kleinerer -Stellen handelt, es für die Deutung des Fundes entscheidend ist, zu -wissen, ob es sich um Fett oder um Pigment handelt. Auch am Gehirn kann -die Anhäufung vieler kleiner Fetttheilchen durch die Vervielfältigung -der lichtbrechenden Punkte für das blosse Auge eine intensiv gelbe Farbe -bedingen, und so eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Aussehen -apoplektischer Stellen erzeugen, bei denen die Farbe von verändertem -Blutpigment abhängt (S. 177). Der verschiedene Gehalt an Fett und der -Grad der Zertheilung desselben erzeugt eine überaus grosse Reihe von -Farben-Verschiedenheiten, welche sich auch für die gröbere Anschauung -sehr deutlich zu erkennen geben. Je feiner und dichter gelagert die -fettigen Theile sind, um so mehr entsteht auch für das blosse Auge ein -rein gelbes oder bräunlich-gelbes Aussehen. Was wir gelbe Hirnerweichung -nennen, ist nichts weiter, als eine Form der Fettmetamorphose, wo das -gelbe Aussehen der Heerde durch die Anhäufung feinkörnigen Fettes -bedingt ist[207]. Sobald dieses entfernt wird, so verschwindet auch die -Farbe, obgleich das extrahirte Fett gar nicht so gefärbt ist, wie die -Stelle, von welcher es herstammt. Die Lichtbrechung zwischen den -kleinsten Partikeln ist die Hauptbedingung für dieses Farbenphänomen. - - [207] Archiv I. 147, 323, 355, 358, 454. X. 407. - -Besonders ausgezeichnet ist diese Färbung an dem =Corpus luteum= des -Eierstocks[208]. Ich führe letzteres hauptsächlich deshalb an, weil man -daran ersehen kann, wie grobe Resultate die Fettmetamorphose für die -grobe Anschauung darbieten kann. Macht man einen Schnitt in das Ovarium -senkrecht von der Oberfläche hinein an der Stelle, wo eine kleine -Prominenz und eine kleine Lücke der Albuginea den Ort bezeichnen, wo der -Follikel geborsten und das Ovulum ausgetreten ist (Fig. 120, _B_), so -sieht man, wenn das Corpus luteum frisch ist, um einen rothen Klumpen -die sehr breite, gelbweisse Schicht (Fig. 120, _A_, _a_), von welcher der -Körper seinen Namen hat. Bei einem puerperalen Corpus luteum hat diese -Schicht eine sehr grosse Dicke und eine mehr gelbröthliche Farbe; bei -dem menstrualen ist sie schmäler und nach innen sehr scharf abgesetzt -gegen den frisch extravasirten Inhalt, welcher das durch den Austritt -des Eichens entleerte Bläschen gefüllt hat. Diese innere rothe Masse -ist ganz und gar Thrombus, Blutgerinnsel. Die äussere Schicht dagegen -besteht wesentlich aus fettig degenerirten Zellen, und die gelbe Farbe, -welche sie besitzt, ist bedingt durch die Brechung des Lichtes, welche -die vielen kleinen Partikelchen des Fettes hervorbringen. Auch dies ist -kein eigentliches Pigment, sondern eine Interferenzfarbe. - - [208] Archiv I. 411, 446. - -[Illustration: =Fig=. 120. Bildung des Corpus luteum im menschlichen -Eierstock. _A_ Durchschnitt des Eierstockes: _a_ frisch geplatzter und -mit geronnenem Blut (Extravasat, Thrombus) gefüllter Follikel, an dessen -Umfange die dünne gelbe Schicht liegt; _b_ ein schon gefalteter, mit -verkleinertem Thrombus und verdickter Wand versehener, früher -geborstener Follikel; _c_, _d_ noch weiter vorgerückte Rückbildung. _B_ -Aeussere Oberfläche des Eierstockes mit der frischen Rupturstelle des -Follikels, aus dessen Höhle der Thrombus hervorsieht. Natürliche -Grösse.] - -Es versteht sich von selbst, dass an jedem Punkte, wo die fettige -Degeneration einen hohen Grad erreicht, zugleich eine grosse Opacität -sich einstellt. Durchsichtige Theile werden ganz undurchsichtig, wenn -sie fettig entarten; das sieht man am besten an der =Hornhaut=, deren -fettige Trübung im Arcus senilis (Gerontoxon) so stark werden kann, dass -eine ganz undurchsichtige Zone entsteht[209]. Selbst an solchen Organen, -wo die Theile von vornherein nicht durchsichtig, sondern nur -durchscheinend waren, tritt in dem Maasse, als der Prozess der fettigen -Degeneration vorrückt, eine vollkommene Trübung ein. - - [209] Archiv IV. 288. - -Betrachtet man eine =Niere= im Stadium der fettigen Degeneration, z. B. -im Beginne der Atrophie, welche im Laufe eines der unter dem Namen des -Morbus Brightii zusammengefassten Prozesse eintritt, so findet man die -gewundenen Harnkanälchen der Rinde sehr vergrössert und ihr Epithel -insgesammt fettig degenerirt, so dass man innerhalb der Kanälchen oft -gar nichts weiter erkennt, als eine dicht gedrängte Masse von -Fettkörnern. Wenn man jedoch sehr vorsichtig mikroskopische Schnitte -anfertigt, so sieht man im Anfange die Fettkörnchen noch in einzelnen -Gruppen (als Körnchenzellen oder Körnchenkugeln, Fig. 107); unter -geringem Drucke zerstreut sich aber die Masse so, dass das ganze -Harnkanälchcn mit einem fein emulsiven Inhalte gleichmässig erfüllt -wird. Schon vom blossen Auge vermag man ganz bestimmt die Veränderung zu -erkennen; wenn man einmal gewöhnt ist, solche feineren Zustände genauer -zu sondern, so hat es gar keine Schwierigkeit, einer Niere anzusehen, ob -eine Veränderung ihres Epithels und zwar in dieser bestimmten Art -vorhanden ist. Denn es giebt gar keine Form der Veränderung, welche -damit verglichen werden könnte. Betrachtet man die Oberfläche der Niere, -so wird man wahrnehmen, dass in dem mehr grau durchscheinenden -Grundgewebe, aus welchem die Stellulae Verheyeni (die corticalen Venen) -hervortreten, kleine trübe gelbliche Flecke in der verschiedensten Weise -zerstreut sind, meist nicht als eigentliche Punkte, sondern mehr als -kurze Bogenabschnitte. Das sind immer Theile von Harnkanälchenwindungen, -welche an die Oberfläche treten. Diese gelblichen, opak erscheinenden -Windungen entsprechen fettig degenerirten Harnkanälchen, oder genauer -gesagt, mit fettig degenerirtem Epithel erfüllten Harnkanälchen. -Vergleicht man den Durchschnitt mit der Oberfläche, so sieht man auch an -ihm sehr bestimmt, wie durch die ganze Rinde dieselbe Zeichnung in der -Richtung von der Peripherie bis zur Marksubstanz fortgeht und in -ziemlich regelmässigen Abständen von einander die einzelnen Kegel der -Rindensubstanz umsäumt. Unter dem Mikroskope unterscheidet man in -Schnitten, aus der Nähe der Oberfläche und parallel mit derselben -genommen, sehr leicht die fettig degenerirten Kanäle von den mehr -normalen Kanälen und von den oft unversehrten Glomerulis. Bei -schwächerer Vergrösserung und bei durchfallendem Lichte erscheinen die -Malpighischen Knäuel (Glomeruli) als grosse, helle, kuglige Gebilde, -während die degenerirten gewundenen Harnkanälchen, welche sich -mannichfaltig verschlingen, sich durch ihr trübes, schattiges Aussehen -sowohl vor ihnen, als vor den gestreckten, mehr hellen und -durchscheinenden Kanälchen auszeichnen. - -Zugleich ist an einem solchen Objecte sehr schön zu sehen, was übrigens -an allen fettig degenerirten Theilen vorkommt, dass an allen Stellen, -wo wir bei auffallendem Lichte und bei der gewöhnlichen Betrachtung mit -blossem Auge weissliche, gelbliche, oder bräunliche Theile sehen, bei -durchfallendem Lichte, wie wir es meistens bei den Mikroskopen und -besonders bei stärkerer Vergrösserung anwenden, entweder schwarze oder -schwarz-bräunliche, oder wenigstens sehr dunkle, von scharfen Schatten -umgebene Theile erscheinen. Eine Körnchenkugel, die, wenn sie mit -mehreren anderen zusammenliegt, für das blosse Auge eine weisse Trübung -bedingt, wird bei durchfallendem Lichte ein fast schwarzes oder doch -bräunliches Aussehen darbieten. -- - -Das ist der gewöhnliche Modus, in welchem der Zerfall fast aller der -Theile stattfindet, welche wesentlich aus Zellen bestehen und welche von -Natur viel Flüssigkeit enthalten, z. B. unter den bekannten -pathologischen Producten der Eiter (S. 221, Fig. 75). Es entstehen -zuerst Körnchenkugeln, sodann durch deren Erweichung ein milchiger -Detritus, der resorptionsfähig ist. Sind die Theile mehr trocken und -starr, so dass eine Resorption der Fettmasse weniger leicht vor sich -gehen kann, so bleibt das Fett zuweilen lange in der Form des früheren -Elementes liegen. - -So verhält es sich bei der Fettmetamorphose der =Muskeln=. Betrachtet -man ein von derselben betroffenes Herz, so bemerkt man schon vom blossen -Auge gewisse Veränderungen, nehmlich eine Erschlaffung und Verfärbung -der Substanz. Letztere verliert die rothe Fleischfarbe und wird mehr und -mehr blassgelb. Diese Verfärbung erstreckt sich manchmal über das -gesammte Myocardium. Andermal ist sie jedoch mehr partiell. Sie betrifft -z. B. überwiegend den linken Ventrikel und hier vielleicht besonders die -inneren Lagen. Oder sie findet sich, wie bei maligner Pericarditis[210], -in diffuser Verbreitung in den peripherischen Muskelschichten. Sehr -häufig erkennt man, namentlich an den Papillarmuskeln, kurze, gelbliche, -fast geflechtartig aneinander stossende, die Richtung der Muskelbündel -kreuzende Flecke oder Striche, die gegen die röthliche Farbe des -eigentlichen Muskelfleisches stark abstechen. - - [210] Archiv XIII. 266. - -Untersucht man die verfärbten Theile mikroskopisch, so zeigen sich im -Innern der Primitivbündel zuerst ganz vereinzelt feine, schwärzlich -aussehende Punkte; diese vermehren und vergrössern sich. Bei einer -gewissen Menge sieht man sie sehr deutlich in Reihen geordnet (Fig. -121), jede Reihe perlschnurförmig. Diese Reihen entstehen dadurch, dass -die Fettkörnchen sich zwischen die Primitivfibrillen einlagern, welche -noch lange neben ihnen fortexistiren. Erst in den höheren Graden der -Veränderung verschwinden die Primitivfibrillen durch Erweichung. - -[Illustration: =Fig=. 121. Fettmetamorphose des Herzfleisches in ihren -verschiedenen Stadien. Vergr. 300.] - -Das ist die eigentliche Fettmetamorphose der Muskelsubstanz des Herzens, -die sich ganz wesentlich von der Obesität (Polysarcie) des Herzens -unterscheidet, wo dasselbe mit epicardialem und interstitiellem -Fettgewebe überladen wird und letzteres an einzelnen Stellen die Wand so -durchsetzt, dass man kaum noch Muskelmasse wahrnimmt. Zwischen beiden -Zuständen besteht der erhebliche Unterschied, dass bei der -Fettmetamorphose die Züge von wirksamer Substanz (Muskelfasern) durch -Stellen unterbrochen werden, welche für die Action nicht mehr brauchbar -sind, während bei der Obesität die träge Masse des Fettes sich zwischen -die wirksamen Bestandtheile einschiebt und sie, wenigstens zunächst, nur -mechanisch hindert. Bei längerer Dauer dieses Zustandes kommt es -freilich nicht selten vor, dass sich zugleich Fettmetamorphose des -Herzfleisches entwickelt, dass also beide Zustände, der parenchymatöse -und der interstitielle, sich mit einander combiniren. Diese höheren -Grade sind es besonders, welche man, ohne auf das Einzelne Rücksicht zu -nehmen, in früherer Zeit unter dem Namen der =fettigen Degeneration= -zusammenfasste. - -Aehnlich gestaltet sich das Verhältniss bei Verkrümmungen. Ich wähle ein -bestimmtes Beispiel: die Muskelverhältnisse eines Mannes mit -Kypho-Skoliose. Hier fand sich der Longissimus dorsi an der Stelle, -wo er über die Biegung hinweglief, in eine platte, dünne, blassgelbliche -Masse umgewandelt. An einer Stelle war er bis auf eine membranöse Lage -geschwunden und das rothe Aussehen fehlte ganz und gar; nach unten hin -dagegen war der Muskel vielmehr aus abwechselnden rothen und gelben -Längsstreifen zusammengesetzt. Letzteres Aussehen zeigen die meisten -fettig degenerirten Muskeln, welche sich bei Verkrümmungen der Glieder, -z. B. bei Klumpbildungen an den unteren Extremitäten, finden. Hier -ergibt sich in der Regel, dass, entsprechend den gelben Streifen, nicht -so sehr eine wirkliche Umänderung der Muskelsubstanz besteht, sondern -dass vielmehr eine interstitielle Entwickelung von Fettgewebe eintritt. -Dieses liegt in Reihen zwischen den Primitivbündeln; dadurch wird eine -für das blosse Auge gelbliche Färbung erzeugt, welche der rothen -Streifung des eigentlichen Muskelfleisches sehr ähnlich ist. Es verhält -sich dabei genau so, wie in dem früheren Falle (S. 407, Fig. 115), wo -wir zwischen je zwei Primitivbündeln eine Reihe von Fettzellen trafen; -das Gelbe, was man dort sehen konnte, war nicht veränderte -Muskelsubstanz, sondern das Fett, welches zwischen der Muskelsubstanz -gewachsen war. Bei unserem Skoliotischen besteht aber neben der -interstitiellen Fettgewebsbildung eine parenchymatöse Degeneration der -eigentlichen Substanz: auch das Muskelfleisch selbst ist fettig -entartet. Diese Combination ist jedoch nur an den unteren Theilen des -Muskels zu sehen, während der Abschnitt, welcher unmittelbar an der -stärksten Ausbiegung des Brustkorbes lag und die grösste Spannung -erduldet hatte, vom blossen Auge gar kein Muskelfleisch mehr erkennen -lässt. Mikroskopisch findet man hier dicht neben einzelnen Muskelfasern, -welche noch deutlich quergestreift sind, zahlreiche andere, welche stark -mit Fett durchsetzt sind. - -Die partielle Fettmetamorphose des Muskelfleisches erscheint also unter -zwei Formen, der =fleckigen= und der =streifigen=: in der ersten Form -wird der Muskel in seinem Verlaufe durch degenerirte Stellen -unterbrochen, so dass dasselbe Bündel theils degenerirt, theils sich in -seiner Integrität erhält; in der anderen Form dagegen folgt die -Veränderung den Bündeln, welche in ihrer ganzen Ausdehnung die -Veränderung eingehen. Hier können demnach normale und degenerirte Bündel -neben einander liegen, miteinander abwechseln. Dieser partiellen -Fettmetamorphose steht die allgemeine gegenüber, welche sich gerade am -Herzen nicht selten vorfindet, und welche einen der schwersten -Krankheitszustände begründet. Gerade hier ist unsere Kenntniss im Laufe -der letzten Jahre sehr vorgerückt, indem nicht nur die acuten -Fettmetamorphosen nach manchen Vergiftungen, z. B. Phosphor, sondern -auch die sehr ähnlichen Formen nach Infectionskrankheiten, namentlich -Typhus, Puerperalfieber, Ichorrhaemie zu den häufigeren Vorkommnissen -gehören. Die peripherischen Muskeln nehmen bald mehr, bald weniger an -diesen Veränderungen Theil, jedoch ist ihre Betheiligung selten eine so -starke, wie die des Herzfleisches. -- - -[Illustration: =Fig=. 122. Fettige Degeneration an Hirnarterien. _A_ -Fettmetamorphose der Muskelzellen in der Ringfaserhaut. _B_ Bildung von -Fettkörnchenzellen in den Bindegewebskörperchen der Intima. Vergröss. -300.] - -Auch an der Wand der =Arterien= kommt Fettmetamorphose vor. Zuweilen -geschieht sie an den Faserzellen der Muskelhaut (Fig. 122, _A_); in -diesem Falle hat sie eine grosse Bedeutung für die Bildung von -Erweiterungen und Zerreissungen der Gefässe. Noch häufiger ist sie an -der Intima (Fig. 122, _B_). An der Aorta, der Carotis, den Hirnarterien -sieht man oft mit blossem Auge ganz oberflächliche Veränderungen der -inneren Haut in der Art, dass kleine weissliche oder gelbliche Flecke -von rundlicher oder eckiger Gestalt, manchmal mehr zusammenhängend, über -die Fläche etwas hervortreten. Schneidet man an solchen Stellen ein, so -findet man, dass die Veränderung in der innersten (oberflächlichsten) -Schicht der Intima liegt. Sie darf mit dem eigentlichen atheromatösen -Zustande nicht verwechselt werden. Nimmt man eine solche Stelle unter -das Mikroskop, so ergibt sich, dass eine Fettmetamorphose der -Bindegewebs-Elemente der Intima stattgefunden hat. Da diese -Bindegewebs-Elemente sternförmige, ästige Zellen sind, so zeigt sich -begreiflicherweise nicht die gewöhnliche Form der Körnchenzellen, -sondern man sieht feine, oft sehr lange, an einzelnen Stellen spindel- -oder sternförmig anschwellende Körper, welche ganz mit Fettkörnchen -erfüllt sind, während dazwischen noch intacte Intercellularsubstanz sich -befindet. Die zelligen Elemente des Bindegewebes gehen hier in ihrer -Totalität die Veränderung ein. Selbst die feinsten Ausläufer der Zellen -zeigen noch perlschnurförmig angeordnete Fettkörnchen. Später erweicht -die Zwischenmasse, die zelligen Theile fallen auseinander, der Blutstrom -reisst die Fettpartikelchen mit sich. So entstehen an der Oberfläche des -Gefässes unebene Stellen, welche so lange, als der Prozess -fortschreitet, anschwellen, später usurirt werden und leicht sammetartig -aussehen, ohne dass es ein Geschwür im eigentlichen Sinne des Wortes -gibt. Es ist dies eine besondere Form der =fettigen Usur=[211]. Sie -kommt auch an vielen anderen Theilen vor, so an den Gelenkknorpeln, -selbst an der Oberfläche von Schleimhäuten, z. B. des Magens (=Fox=). - - [211] Gesammelte Abhandlungen 494, 503. - -Diese oberflächliche, zur einfachen Usur führende Veränderung -unterscheidet sich wesentlich von der sogenannten atheromatösen -Degeneration. Denn bei dieser tritt ein ähnlicher Vorgang der -Fettmetamorphose in der Tiefe ein: die tiefsten Lagen der Intima -gerathen zuerst in die Fettmetamorphose, und erst zuletzt wird die -Oberfläche erreicht. Mit eintretender Erweichung der Grundsubstanz -entsteht der =atheromatöse Heerd=, der eine breiige Masse enthält, -ähnlich dem Atherom der äusseren Haut, wo die Vermischung von Schmeer -mit Epidermis einen Brei abgibt. Was wir an dem Atherom der Arterie -finden, ist die Mischung des fettigen Detritus der Zellen mit erweichter -Gewebssubstanz, und da diese Masse abgeschlossen unter der Oberfläche -liegt, so gibt es eine Art von Heerd, gleichsam einen Abscess. Erst bei -vorgeschrittener Erweichung reisst die Oberfläche ein, es treten Theile -aus der Höhle in das Gefäss, und hinwieder Theile aus dem Blute gehen -aus dem Lumen des Gefässes in die Atheromhöhle hinein. Auf diese Weise -entstehen =Zerstörungen=, =Destructionen=, in letzter Instanz das -=atheromatöse Geschwür=: ein Geschwür, welches den gewöhnlichen Arten -von Ulceration sehr nahe steht, aber eben nur der fettigen Metamorphose -seine Entstehung verdankt. Es ist ein Product des Heerdes, allein es -enthält nichts mehr von geformten Elementartheilen, höchstens etwas -krystallinisches Cholestearin (Fig. 129). Wir haben es dann recht -eigentlich mit einem zerstörenden und ulcerirenden Vorgang zu thun. - -Nur in solchen Theilen, wo, wie in der Milchdrüse, in den Schmeerdrüsen, -neue Elemente nachwachsen, kann der Prozess der Fettmetamorphose längere -Zeit bestehen, ohne zu einem vernichtenden Gesammtresultate zu führen. -Die einzelnen Zellen gehen aber auch da unter, sie lösen sich in -derselben Weise zu einem Detritus, wie bei der pathologischen -Fettmetamorphose. Diese stellt daher unter allen Verhältnissen, sowohl -physiologisch, wie pathologisch, eine Nekrobiose dar. Wenn die Milch- -und Schmeersekretion, die ihrem Wesen nach nekrobiotische Absonderungen -sind, trotz dieses Charakters Monate lang, ja die letztere das ganze -Leben lang fortbestehen können, so ist dies eben nur möglich, weil sie -an Drüsen mit stetigem Nachwuchse neuer Elemente sich vollstrecken. Hört -an der Milchdrüse, wie es nicht selten geschieht, die Bildung neuer -Zellen in den Terminalbläschen auf, so atrophirt die Drüse und sie wird -dauernd unbrauchbar für die Secretion. - - - - - Achtzehntes Capitel. - - Amyloide Degeneration. Verkalkung. - - - Die amyloide (speckige oder wächserne) Degeneration. Regionäres - Auftreten derselben. Verschiedene Natur der Amyloidsubstanzen: - Glykogen (Leber), Corpora amylacea (Hirn, Lungen, Prostata) und - eigentliche Amyloid-Entartung. Verlauf der letzteren. Beginn der - Erkrankung an den feinen Arterien. Wachsleber. Knorpel. - Dyscrasischer (constitutioneller) Charakter der Krankheit: - functionelle Störungen. Darm. Niere: die drei Formen der - Bright'schen Krankheit (amyloide Degeneration, parenchymatöse und - interstitielle Nephritis). Lymphdrüsen: consecutive Anämie. Gang - der Erkrankung. Beziehung zu Knochenkrankheiten und Syphilis. - Amyloide Erkrankung der Schilddrüse und der Nebennieren. - - Verkalkung (Versteinerung, Petrification). Unterschied von - Verknöcherung. Verkalkung der Arterien, des Bindegewebes, der - Knorpel. Haut- oder Knochenknorpel (osteoides Bindegewebe). - Concentrisch geschichtete Kalkkörper (Concretionen). Versteinerung: - Lithopädion. Verkalkung todter Theile: Eingeweidewürmer, - Ganglienzellen des Gehirns bei Commotion, käsige und thrombotische - Massen. - -Unter den passiven Prozessen, welche zur Degeneration und damit zur -Verminderung oder Vernichtung der Functionsfähigkeit führen, stehen, wie -wir oben hervorhoben, die nekrobiotischen, mehr oder weniger -erweichenden, bei welchen ein Theil der Gewebselemente ganz verschwindet -und aufgelöst wird, denjenigen gegenüber, bei welchen bald für das -blosse Auge und das Tastgefühl, bald bloss für das bewaffnete Auge eine -Verdichtung, eine Vermehrung der festen Substanz des leidenden Organs -stattfindet. Ich meine damit jedoch nicht jene eigentliche Induration, -welche vielmehr auf einer Vermehrung der constituirenden Bestandtheile -des Gewebes beruht, sondern eine wirklich degenerative Veränderung, bei -welcher die zunehmende Dichtigkeit durch ungehörige, der Zusammensetzung -des Gewebes fremdartige Bestandtheile erfolgt. Unsere Kenntniss in -dieser Richtung ist in neuerer Zeit sehr wesentlich gefördert worden, -insofern ein Prozess, dessen Natur früher theils ganz unklar, theils nur -wenig untersucht war, mehr und mehr unseren Untersuchungen zugänglich -geworden ist, so dass er schon jetzt ein wichtiges Gebiet der Pathologie -der kachektischen Zustände ausmacht. Es ist dies der von Einigen als -=speckig=, von Anderen als =wächsern= bezeichnete Zustand, dem ich den -Namen des =amyloiden= beigelegt habe. - -Der Name der speckigen Veränderung ist hauptsächlich durch die Wiener -Schule wieder mehr in Gebrauch gekommen. Denn er ist nicht erst in -neuerer Zeit erfunden worden; im Gegentheil, er ist als Bezeichnung für -ein festes, derbes, gleichmässiges Aussehen der Theile in der Medicin -ziemlich alt. Wir finden ihn seit Jahrhunderten, und Speckgeschwülste -(Steatome, Tumores lardacei) haben noch in der Neuzeit ihre Rolle -gespielt[212]. Allein der Ausdruck der speckigen Veränderung, wie er -jetzt gebraucht wird, hat weder mit dem Alterthum, noch mit der -Geschwulstlehre, noch überhaupt mit Neubildung von Gewebsbestandtheilen -etwas zu thun; er bezieht sich vielmehr auf gewisse Veränderungen oder -Degenerationen von Organen, welche die Alten, die, wie ich glaube, -bessere Speckkenner waren, als die jetzigen Wiener, schwerlich mit einem -solchen Namen belegt haben würden. Das Aussehen solcher Organe nehmlich, -welche nach Wiener Anschauungen speckig aussehen sollen, gleicht nach -nördlichen Begriffen vielmehr dem Wachs. Daher habe ich schon seit -langer Zeit, wie die Edinburger Schule, den Ausdruck der wächsernen -Veränderung dafür gebraucht. Sieht man eine Leber oder eine Lymphdrüse -in recht ausgeprägten Zuständen dieser Art an, so ist das, was am -meisten für das blosse Auge auffällt, das blasse, durchscheinende, aber -zugleich matte Aussehen, welches die Schnittflächen darbieten: die -natürliche Farbe der Theile ist mehr oder weniger verloren, so dass ein -Anfangs mehr graues, später vollkommen farbloses Material die Theile zu -erfüllen scheint. Die durchscheinende Beschaffenheit, welche das Gewebe -hat, lässt indess das Roth der Gefässe und die natürliche Färbung der -Nachbartheile durchschimmern, so dass die veränderten Stellen in -einzelnen Organen mehr gelblich, röthlich oder bräunlich aussehen. Die -sogenannte Speckmilz sieht geradezu schinkenartig aus. Es ist dies aber -nicht eine der abgelagerten Substanz zukommende, sondern nur eine durch -sie hindurchschimmernde Farbe. Zugleich pflegen sich die betroffenen -Organe zu vergrössern und sowohl absolut, als specifisch schwerer zu -werden. Auf Durchschnitten sehen manche von ihnen so matt aus und -zugleich sind sie so dicht, dass ihr Aussehen an dasjenige von gekochten -oder geräucherten Theilen erinnert. - - [212] Geschwülste I. 13, 325, 365. - -Die ersten Anhaltspunkte für die genauere Deutung der Substanz, welche -man früher bald für eine eigenthümliche Fettmasse, bald für Eiweiss oder -Fibrin, bald endlich für Colloid nahm, wurden durch die Anwendung des -Jods auf die thierischen Gewebe gewonnen. Noch in demselben Jahre -(1853), in dem ich die eigenthümliche Jodreaction an den Corpora -amylacea der Nervenapparate, welche ich früher schilderte (S. 325), -entdeckt hatte, stiess ich auf ein anderes Organ, nehmlich die Milz und -zwar auf einen Zustand derselben, in welchem ihre Follikel -(Malpighischen Körper) in ihrer Totalität in eine blasse, -durchscheinende, wachsartige Masse umgewandelt waren. Ich nannte diesen -Zustand wegen des eigenthümlichen, an gekochten Sago erinnernden -Aussehens der entarteten Follikel =Sagomilz=. Auch hier fand sich eine -Substanz, welche sowohl durch Jod für sich, als durch Jod und -Schwefelsäure eine pflanzlichen Stärke- und Cellulose-Bildungen ähnliche -Reaction ergab. Und hier war dieses Vorkommen noch viel mehr -interessant, da es sich um eine unzweifelhaft krankhafte Erscheinung -handelte, von der ich schon durch frühere Erfahrungen wusste, dass sie -mit Zuständen der Kachexie, mit Erkrankungen der Leber und Nieren -verbunden war[213]. - - [213] Archiv VI. 268. Gaz. hebdom. de méd. et de chirurg. 1853. - p. 161. (Sitzung der Acad. des sc. vom 5. Dec. 1853). - -Bald nachher hat =Heinr=. =Meckel= Untersuchungen über die -»Speckkrankheit« veröffentlicht, welche das Vorkommen dieser Substanz -namentlich in der Niere, der Leber und dem Darme schilderten. Ja, es -stellte sich bald heraus, dass ein solcher Stoff bei der Erkrankung der -verschiedensten thierischen Theile, in den Lymphdrüsen, in der ganzen -Ausdehnung des Digestionstractus, an den Schleimhäuten der Harnorgane, -endlich sogar in der Substanz der Muskelapparate, im Herzen, im Uterus, -in der Schilddrüse und Nebenniere, sowie im Inneren von Knorpeln -vorkommen kann[214]. Merkwürdigerweise begrenzt sich jedoch das Gebiet -der amyloiden Veränderung ganz überwiegend auf ein gewisses Feld, -nehmlich auf die Organe des Unterleibes. Am Gehirne und den sonstigen -Organen des Kopfes ist sie nie beobachtet worden; am Halse sind es nur -die Schilddrüse und der Oesophagus, welche daran leiden; in der Brust -sind in ganz seltenen Fällen das Herz, etwas häufiger die Speiseröhre, -niemals die Lungen betheiligt. Die Krankheit hat daher einen so -auffallend =regionären= Charakter, dass wir kaum irgend eine Analogie -dafür in der Pathologie anführen können. - - [214] Archiv VI. 416. VIII. 140, 364. XI. 188. XIV. 187. Würzb. - Verhandl. VII. 222. - -Betrachtet man die Substanzen im Thierkörper, welche Jodreaction geben, -genauer, so ergiebt sich, dass mehrere ähnliche, aber nicht identische -Körper unterschieden werden müssen. Zuerst nehmlich der von =Bernard= in -der Leber und anderen, namentlich embryonalen Geweben aufgefundene -Stoff, welcher so leicht in Zucker übergeht und welcher den Namen -=Glykogen= oder =Zoamylon= erhalten hat. Dieser gibt mit Jodlösungen -eine eigenthümliche weinrothe Färbung, die durch Schwefelsäure dunkelt, -aber nicht in Blau übergeht. Beim Erwachsenen finde ich eine solche -Substanz nur selten, z. B. in dem Epithel des Urogenital-Apparates und -in den Knorpelzellen. - -Ganz verschieden davon ist die Substanz, welche mehr der eigentlichen -Stärke (Amylon) der Pflanzen analog ist und auch in der Form ihrer -Abscheidungen mit den pflanzlichen Stärkekörnern eine überraschende -Aehnlichkeit darbietet, denn ganz regelmässig erscheint sie in mehr oder -weniger rundlichen oder ovalen, concentrisch geschichteten Bildungen. In -diese Reihe gehören vor Allen die =Corpora amylacea= des Nervenapparates -(Fig. 103, _c a_). Diese bleiben immer mikroskopische Gebilde. In anderen -Organen kommen jedoch geschichtete Amylacea von sehr beträchtlicher -Grösse vor; ihr Durchmesser kann so erheblich werden, dass man sie vom -blossen Auge leicht erkennt. Dahin gehört namentlich ein Theil der -geschichteten Körper, wie sie fast bei jedem erwachsenen Manne in der -Prostata sich finden, wo sie unter Umständen so sehr anwachsen, dass sie -die sogenannten Prostata-Concretionen bilden. Ebenso sind hierher zu -zählen die seltenen, ähnlich gebildeten Körper, welche zuerst -=Friedreich= in manchen Zuständen der Lunge nachgewiesen hat. - -[Illustration: =Fig=. 123. Geschichtete Prostata-Amylacea -(Concretionen): _a_ längliches, blasses, homogenes Körperchen mit einem -kernartigen Körper. _b_ Grösseres, geschichtetes Körperchen mit blassem -Centrum. _c_ Noch grösseres, mehrfach geschichtetes Gebilde mit -gefärbtem Centrum. _d_, _e_ Körper mit zwei und drei Centren. _d_ stärker -gefärbt. _f_ Grosse Concretion mit schwarzbraunem, grossem Centrum. -Vergr. 300.] - -In der Prostata wechseln diese Körper von ganz kleinen, einfachen, -gleichmässig aussehenden Gebilden bis zu hanfkorngrossen Klumpen, an -denen wir stets eine successive Reihe sehr zahlreicher Schichtungen -sehen. Wie die kleinen amylacischen Körperchen des Nervenapparates -häufig zu zweien zusammengesetzt sind, Zwillingsbildungen darstellen, so -kommt es auch in der Prostata sehr häufig vor, dass um getrennte Centren -eine gemeinschaftliche Umhüllung stattfindet (Fig. 123, _d_, _e_). Ja, in -einzelnen Fällen geht das so weit, dass ganze Haufen von kleineren -Körpern von grossen, gemeinschaftlichen Lagen umhüllt und -zusammengehalten werden. Diese ganz grossen, freilich selteneren Formen -können einen Durchmesser von ein Paar Linien erreichen, so dass man sie -leicht aus dem Gewebe isoliren und selbst grober Untersuchung -unterwerfen kann. Es scheint kaum zweifelhaft, dass in diesen Fällen -eine Substanz abgeschieden wird, welche sich nach und nach aussen um -präexistirende Körper ansetzt, dass es sich hier also nicht um die -Degeneration eines bestimmten Gewebes handelt, sondern um eine Art von -Ausscheidung und Sedimentbildung, wie wir sie bei anderen Concretionen -aus Flüssigkeiten erfolgen sehen. Man kann mit Wahrscheinlichkeit -schliessen, dass die Prostata, indem ihre Elemente sich auflösen, eine -Flüssigkeit liefert, welche nach und nach Niederschläge bildet und -dadurch diese besonderen Formen hervorbringt. - -Diese Gebilde haben nun das Eigenthümliche, dass sie schon unter der -einfachen Wirkung von Jod (ohne Zusatz von Schwefelsäure) sehr häufig -eine eben solche blaue Farbe annehmen, wie die Pflanzenstärke. Je -nachdem die Substanz reiner oder unreiner ist, ändert sich die Farbe, so -dass sie z. B., wenn viel eiweissartige Masse beigemengt ist, statt blau -grün erscheint, indem die albuminöse Substanz durch Jod gelb, die -amylacische blau wird; was den Totaleffect des Grünen gibt. Je mehr -albuminöse Substanz, um so mehr wird die Farbe braun, und nicht selten -hat man in der Prostata Concretionen, welche nach der Jodeinwirkung die -verschiedensten Farben darbieten. Insofern unterscheiden sich diese -Körper von jenen kleinen Amylonkörperchen des Nervenapparates, welche -sämmtlich eine bläuliche oder blaugraue Färbung durch Jod annehmen. Auch -ist zu bemerken, dass viele im Baue ganz analoge Körper der Prostata -durch Jod nur gelb oder braun werden, sich also chemisch anders -verhalten. - -Daraus folgt, dass man sich bei der Anwendung von Reagentien leicht -täuschen kann, dass jedoch ohne die Anwendung derselben eine -Entscheidung überhaupt nicht möglich ist. Ich selbst habe früher (1851) -alle morphologisch der Pflanzenstärke analogen Gebilde im menschlichen -Körper unter dem Namen der Corpora amylacea zusammengestellt[215]; erst -seitdem ich die Jodreaction gefunden habe, war ich in der Lage, nur -diejenigen in diese Bezeichnung einzuschliessen, welche die Reaction -geben. Dabei ist es sehr wohl möglich, dass die amylacische Substanz in -einem geschichteten Körper, der ursprünglich nichts davon enthielt, -nachträglich durch chemische Umwandlung entsteht. - - [215] Würzb. Verhandl. II. 51. - -Wesentlich verschieden sowohl von dem Glykogen, als noch mehr von diesen -Ausscheidungen stärkeartiger Substanz sind die =amyloiden Degenerationen -der Gewebe selbst=, wobei Gewebs-Elemente als solche sich direct mit -einer auf Jod reagirenden Substanz erfüllen und nach und nach so davon -durchdrungen werden, wie etwa die Durchdringung der Gewebe mit Kalk bei -der Verkalkung erfolgt. Man kann nicht füglich zwei Dinge besser -vergleichen, als die Verkalkung und die amyloide Entartung. -- Die -Substanz, welche diese eigentliche Degeneration der Gewebe bedingt, hat -die Eigenthümlichkeit, dass sie unter der Einwirkung von blossem Jod für -sich nie blau wird. Bis jetzt ist wenigstens kein Fall bekannt, wo -verändertes Parenchym der Gewebe diese Farbe angenommen hätte. Vielmehr -sieht man eine eigenthümlich gelbrothe Farbe entstehen, welche -allerdings in manchen Fällen einen leichten Stich ins Rothviolette -(Weinrothe) hat, so dass wenigstens eine Annäherung an das Blau der -Stärke-Masse hervortritt. Dagegen bekommt die Substanz häufig eine -wirkliche, sei es vollkommen blaue, sei es violette Farbe, wenn man -=recht vorsichtig= Schwefelsäure oder Chlorzink zufügt. Es gehört dazu -allerdings eine gewisse Uebung; man muss das Verhältniss gut treffen, da -die Schwefelsäure die Substanz gewöhnlich sehr schnell zerstört, und man -entweder sehr undeutliche Färbungen bekommt, oder die Farbe nur momentan -hervortritt und alsbald wieder verschwindet. Es ist also nöthig, das Jod -zuerst und zwar in =diluirten=, wässerigen Lösungen recht vollständig -einwirken zu lassen, was am besten geschieht, wenn man das Object mit -einer Präparirnadel sanft klopft, so dass man gleichsam das Jod in -dasselbe hineinpresst. Sodann entferne man die überflüssige Flüssigkeit -und setze einen ganz kleinen Tropfen =concentrirter= Schwefelsäure zu -und zwar so, dass er ganz langsam eindringt. Man muss zuweilen Stunden -lang warten, ehe die gute blaue Farbe eintritt. Somit steht diese -Substanz der eigentlichen Stärke weniger nahe, sondern nähert sich -vielmehr der Cellulose, die wir früher besprochen haben (S. 6). Allein -sie unterscheidet sich auch wiederum von der Cellulose dadurch, dass sie -durch die Einwirkung von Jod für sich schon eine Färbung erfährt, -während die eigentliche Cellulose durch blosses Jod überhaupt nicht -gefärbt wird. Denn die Cellulose verhält sich darin ganz wie -Cholestearin[216]. Wenn man nehmlich nur Jod zu dem Cholestearin -hinzusetzt, so sieht man keine Veränderung, ebensowenig wie an der -Cellulose; wenn man dagegen zu der jodhaltigen Cholestearinmasse -Schwefelsäure bringt, so färben sich die Cholestearintafeln und nehmen, -im Anfange namentlich, eine brillant indigoblaue Farbe an, welche -allmählich in ein Gelblichbraun übergeht, während die Cholestearintafel -zu einem bräunlichen Tropfen umgewandelt wird. Die Schwefelsäure für -sich verwandelt das Cholestearin in einen fettartig aussehenden Körper, -welcher weder Cholestearin noch eine Verbindung von Cholestearin und -Schwefelsäure, sondern ein Zersetzungsproduct des ersteren ist[217]. -Auch die Schwefelsäure für sich gibt sehr schöne Farbenerscheinungen an -dem Cholestearin. - - [216] Archiv IV. 418-21. VIII. 141. Würzb. Verhandl. VII. 228. - - [217] Würzburger Verhandl. I. 314. Archiv XII. 103. - -Bei dieser Mannichfaltigkeit der Reactionen ist es allerdings immer noch -sehr schwer mit Sicherheit zu sagen, wohin die Substanz gehört. =Meckel= -hat mit grosser Sorgfalt den Gedanken verfolgt, dass es sich um eine Art -von Fett handle, welches mit Cholestearin mehr oder weniger identisch -sei, allein wir kennen bis jetzt keinerlei Art von Fett, welches die -drei Eigenschaften, durch Jod für sich gefärbt zu werden, bei Einwirkung -von Schwefelsäure für sich farblos zu bleiben, und durch die combinirte -Einwirkung von Jod und Schwefelsäure eine blaue Farbe anzunehmen, in -sich vereinigte. Ausserdem verhält sich die Substanz selbst keinesweges -wie eine fettige Masse; sie besitzt nicht die Löslichkeit, welche das -Fett charakterisirt, insbesondere kann man bei der Extraction mit -Alkohol und Aether aus diesen Theilen keine Substanz gewinnen, welche -die Eigenthümlichkeiten der früheren besitzt. Nach Allem liegt also -vielmehr eine Uebereinstimmung mit pflanzlichen Formen vor (Verholzung), -und man kann immerhin die Ansicht festhalten, dass es sich hier um einen -Prozess handle, vergleichbar demjenigen, welchen wir bei der -Entwickelung einer Pflanze eintreten sehen, wenn die einfache Zelle sich -mit holzigen Capselschichten (Cellulose) umhüllt, -- ein Vorgang, bei -dem wahrscheinlich stickstoffhaltige Lagen in stickstofflose verwandelt -werden. Dass das thierische Amyloid aus einer stickstoffhaltigen, -möglicherweise eiweissartigen Substanz hervorgehe, ist kaum zu -bezweifeln. Nachdem schon =Kekule= und =Carl Schmidt= bei unserer -Substanz einen Stickstoffgehalt gefunden zu haben glaubten, ist durch -W. =Kühne= und =Rudnew= derselbe sicher nachgewiesen worden. Ausgehend -von der Erfahrung, dass das Amyloid gegen die verschiedenartigsten -Lösungsmittel sich fast ebenso resistent verhält, wie Cellulose, -wendeten sie Verdauungsflüssigkeiten auf amyloid entartete Gewebe an, -und es gelang ihnen so, die veränderten Theile zu isoliren und rein -darzustellen. - -Am schönsten kann man diese Veränderungen verfolgen an denjenigen -Theilen, welche überhaupt als der häufigste und früheste Sitz derselben -betrachtet werden müssen, nehmlich an den =kleinsten Arterien=. Diese -erfahren überall zuerst die Umwandlung; erst, nachdem die Umänderung -ihrer Wandungen bis zu einem hohen Grade vorgerückt ist, kann die -Infiltration auf das umliegende Parenchym fortschreiten. Jedoch -geschieht dies keineswegs häufig; im Gegentheil atrophirt nicht selten -das Parenchym der Organe, während die Erkrankung sich von den Arterien -auf die Capillaren ausbreitet. Wenn wir in einer amyloiden Milz eine -kleine Arterie verfolgen, während sie sich in einen sogenannten -Penicillus auflöst, so sehen wir, wie ihre an sich schon starke Wand in -dem Maasse, als die Veränderung fortschreitet, noch dicker wird, und wie -dabei die Lichtung des Gefässes um ein Bedeutendes sich verkleinert. -Hieraus erklärt es sich, dass alle Organe, welche in einem bedeutenderen -Grade die amyloide Veränderung eingehen, überaus blass aussehen; es -entsteht eine Ischämie (S. 153) durch die Hemmung, welche die -verengerten Gefässe dem Einströmen des Blutes entgegensetzen und -wahrscheinlich in Folge davon die erwähnte Atrophie. Jedoch ist die -Verdickung der Gefässe so gross und so verbreitet, dass die befallenen -Organe trotz der Atrophie ihres Parenchyms grösser und schwerer werden. - -Untersucht man nun, an welchen Gewebselementen der Gefässe der amyloide -Zustand sich zuerst findet, so scheinen es ziemlich constant die kleinen -Muskeln der Ringfaserhaut zu sein. Dabei tritt an die Stelle einer jeden -contractilen Faserzelle ein compactes, homogenes Gebilde, an welchem man -Anfangs die Stelle des Kernes noch wie eine Lücke erkennt, welches aber -nach und nach jede Spur von zelliger Structur einbüsst, so dass zuletzt -eine Art von spindelförmiger Scholle übrig bleibt, an welcher man weder -Membran, noch Kern, noch Inhalt unterscheiden kann. Bei der Verkalkung -kleiner Arterien findet genau derselbe Vorgang statt; die einzelne -Faserzelle der Muskelhaut nimmt Kalksalze auf, anfangs in körniger, -später in homogener Weise, bis sie endlich in eine gleichmässig -erscheinende Kalkspindel umgewandelt ist. So durchdringt auch die -amyloide Substanz ganze Partien des Gewebes, und die Wand der Arterie -verwandelt sich in einen zuletzt fast vollkommen gleichmässigen, -compacten, bei auffallendem Lichte glänzenden, farblosen Cylinder, -welcher nur nicht die Härte der verkalkten Theile, im Gegentheil einen -hohen Grad von Brüchigkeit besitzt. Die Venen leiden, mit Ausnahme der -mesenterialen und der in der Leber, selten und niemals in solchem Grade, -wie die Arterien. Dagegen kann die Veränderung der Capillaren einen -überaus hohen Grad erreichen. - -[Illustration: =Fig=. 124. Amyloide Degeneration einer kleinen Arterie -aus der Submucosa des Darmes, bei noch intactem Stamm. Vergr. 300.] - -Ist nun eine solche Veränderung bis zu einem gewissen Grade -vorgeschritten, so kann eine analoge Veränderung auch in dem Parenchym -der Organe eintreten. Diese Stadien kann man nirgend so deutlich -verfolgen, wie in der =Leber=. Hier geschieht es zuweilen, dass man ein -Stadium trifft, wo in dem ganzen Organe nichts weiter verändert ist, als -nur die kleineren Aeste der Arteria hepatica. Macht man feine -Durchschnitte durch die Leber, wäscht sie sorgfältig aus und bringt Jod -darauf, so bemerkt man zuweilen schon vom blossen Auge die kleinen -jodrothen Züge und Punkte, welche den durchschnittenen Aesten der -Arteria hepatica entsprechen. Von da kann sich der Prozess auf das -Capillarnetz der Acini fortsetzen und die Atrophie der Leberzellen -herbeiführen. Dabei leidet, was wiederum sehr charakteristisch ist, -gerade derjenige Theil der Acini zuerst, der am weitesten sowohl von -den interlobulären als von den intralobulären Venen entfernt ist. Man -kann nehmlich den pathologischen Veränderungen nach, die oft schon vom -blossen Auge zu erkennen sind, innerhalb eines jeden Acinus drei -verschiedene Zonen der Prädilection unterscheiden (Fig. 117). Die -äusserste Zone, welche zunächst den portalen (interlobulären) Aesten -liegt, ist der Hauptsitz der fettigen Infiltration; der intermediäre -Theil, welcher unmittelbar daran stösst, gehört der amyloiden -Degeneration an, und der centrale Theil des Acinus um die Vena hepatica -(intralobularis) ist der gewöhnlichste Sitz für Pigmentablagerung. Jede -dieser Veränderungen kann für sich bestehen, jedoch können sie auch alle -drei gleichzeitig vorhanden sein. In diesem Falle erkennt man schon mit -blossem Auge zwischen der äussersten gelbweissen und der innersten -gelbbraunen oder graubraunen Schicht die blasse, farblose, -durchscheinende und resistente Zone der wächsernen oder amyloiden -Veränderung. - -Werden die Leberzellen selbst von dieser letzteren Veränderung -betroffen, so sieht man, dass der früher körnige Inhalt derselben, der -jeder Leberzelle ein leicht trübes Aussehen gibt, allmählich homogen -wird; Kern und Membran verschwinden, und endlich tritt ein Stadium ein, -wo man gar nichts weiter wahrnimmt, als einen absolut gleichmässigen, -leicht glänzenden Körper, so zu sagen, eine einfache Scholle. Auf diese -Weise gehen zuweilen in der beschriebenen Zone sämmtliche Leberzellen in -amyloide Schollen über. Erreicht der Prozess einen sehr hohen Grad, so -überschreitet endlich sogar die Veränderung diese Zone, und es kann -sein, dass fast die ganze Substanz der Acini in Amyloidmasse verwandelt -wird. Es entsteht hier endlich auch eine Art von Amyloidkörpern, nur -dass sie nicht geschichtet sind, wie die vorher besprochenen Corpora -amylacea; sie bilden gleichmässige homogene Körper, an welchen keine -innere Abtheilung, keine Andeutung ihrer eigenthümlichen -Bildungsgeschichte mehr zu erkennen ist. - -Wenn man diese Thatsachen zusammennimmt, so erscheint es ziemlich -wahrscheinlich, dass es sich hier um eine allmähliche Durchdringung der -Theile mit einer Substanz handelt, die ihnen, wenn auch nicht fertig, -von aussen her zugeführt wird. Es ist dies eine Auffassung, welche -wesentlich durch die Thatsache unterstützt wird, dass fast immer, wenn -die amyloide Degeneration auftritt, der Prozess sich nicht auf eine -einzige Stelle beschränkt, sondern dass viele Orte und Organe -gleichzeitig im Körper ergriffen werden. Dadurch gewinnt in der That der -ganze Vorgang ein wesentlich dyscrasisches Aussehen. - -Der einzige Ort, wo bis jetzt wenigstens eine ganz unabhängige -Entwickelung dieser Veränderung von mir bemerkt worden ist, und wo mit -einiger Wahrscheinlichkeit ein ursprünglicher Sitz der Bildung -angenommen werden kann, ist der =permanente Knorpel=[218]. Namentlich -bei älteren Leuten nehmen die Knorpel an verschiedenen Stellen, z. B. an -den Sternoclavicular-Gelenken, an den Symphysen des Beckens, an den -Intervertebral-Knorpeln, eine eigenthümlich blassgelbliche -Beschaffenheit an; dann kann man ziemlich sicher sein, dass, wenn man -die Jodreaction mit ihnen versucht, man auch die eigenthümliche Färbung -erlangen wird. Diese Farben kommen an den Knorpelzellen, jedoch noch -viel mehr an der Intercellularsubstanz vor, und da solche Fälle nicht -etwa mit Erkrankungen grosser innerer Organe zusammentreffen, sondern -ganz unabhängig bei Individuen eintreten, welche übrigens am Körper -nichts der Art zu erkennen geben, so scheint es, dass hier in der That -eine unmittelbare Transformation vorliegt, und dass es sich beim Knorpel -nicht um eine Einfuhr von aussen her handelt. - - [218] Würzb. Verhandl. VII. 277. Archiv VIII. 364. - -Alle anderen Formen der amyloiden Entartung haben ein constitutionelles, -mehr oder weniger dyscrasisches Ansehen. Allein vergeblich habe ich mich -bis jetzt bemüht, eine bestimmte Veränderung im Blute zu erkennen, aus -welcher man etwa schliessen könnte, dass das Blut wirklich der -Ausgangspunkt der Ablagerungen sei. Es existirt bis jetzt nur eine -einzige Beobachtung, welche auf die Anwesenheit analoger Elemente im -Blute hindeutet, und diese ist so sonderbar, dass man von ihr aus nicht -wohl eine Erklärung versuchen kann. Ein Arzt zu Toronto in Canada hatte -nehmlich auf den Wunsch eines Kranken, welcher an Epilepsie litt, das -Blut desselben untersucht und eigenthümliche blasse Körper im Blute -gesehen. Als er nun von meinen Beobachtungen über die Jodfärbung der -Corpora amylacea im Gehirne las, kam ihm der Kranke wieder in den Sinn, -und, ich glaube nach Verlauf von fünf Jahren, nahm er wieder Blut von -ihm und fand auch wieder die Körper, welche in der That Stärke-Reaction -gegeben haben sollen. Dieser Beobachtung gegenüber ist es sonderbar, -dass Niemand sonst jemals etwas der Art gesehen hat, und da es sich hier -um eine überaus dauerhafte Dyscrasie handeln müsste, so würde am -wenigsten aus dieser Beobachtung ein Schluss auf unsere Fälle gezogen -werden können, wo die Erkrankung offenbar in viel kürzerer Zeit sich -ausbildet und wo wir wenigstens im Blute nichts der Art haben entdecken -können. Ueberdies ist es mit jener Beobachtung eine missliche Sache. -Stärkekörner können sehr leicht in verschiedene Objecte hineinkommen, so -dass man (bei allem Respect gegen den Beobachter), so lange es sich um -eine ganz solitäre Beobachtung handelt, noch die Möglichkeit zulassen -muss, dass vielleicht eine Täuschung obgewaltet habe. Ist doch neuerlich -eine ähnliche Täuschung vorgekommen, als =Carter= und =Luys= -Stärkekörner als normalen Bestandtheil der menschlichen Hautabsonderung -gefunden zu haben glaubten. =Rouget= hat dargethan, dass es sich hier -immer um äussere Verunreinigung durch wirkliche pflanzliche Stärke -handelt. Und so bin ich bis jetzt viel mehr geneigt, anzunehmen, dass -das Blut in dieser Krankheit eine einfach chemische Veränderung in -seinen gelösten Bestandtheilen erfährt, als dass es die pathologischen -Substanzen in körniger Form enthält. - -Jedenfalls ist es unzweifelhaft, dass die amyloide Veränderung für die -Pathologie einen ausserordentlich hohen Werth beansprucht. Es kann gar -nicht anders sein, als dass diejenigen Theile, welche der Sitz derselben -werden, ihre specielle Function einbüssen, dass z. B. Drüsenzellen, -welche auf diese Weise verändert werden, nicht mehr im Stande sind, ihre -besondere Drüsenfunction zu versehen, dass Gefässe nicht mehr der -Ernährung der Gewebe oder der Absonderung der Flüssigkeiten, für welche -sie sonst bestimmt sind, dienen können. - -Aus solchen Erwägungen erklärt es sich leicht, dass physiologische -(klinische) Störungen so regelmässig mit diesen anatomischen -Veränderungen zusammentreffen. Wir finden einerseits ausgesprochene -Zustände der Kachexie, andererseits die überaus häufige Erscheinung von -Hydropsie mit der ganzen Complication von Veränderungen, wie sie -gewöhnlich unter dem Bilde der Brightschen Krankheit zusammengefasst -wird. Fast jedesmal, wo eine solche Erkrankung eine gewisse Höhe -erreicht, befinden sich die Kranken in einem hohen Grade von -Marasmus und Anämie. Es gibt Fälle, wo die ganze Ausdehnung des -Digestionstractus von der Mundhöhle bis zum After keine einzige feinere -Arterie besitzt, welche nicht in dieser Erkrankung sich befände, wo -jeder Theil des Oesophagus, des Magens, des Dünn- und Dickdarmes die -kleinen Arterien der Schleimhaut und der Submucosa in dieser Weise -verändert zeigt. - -Es ist dies gerade in sofern eine äusserst bemerkenswerthe Thatsache, -als diese Art von Umwandelung am Darm, die für die Function so -entscheidend ist (Mangel an Resorption, Neigung zu Diarrhoe), für das -blosse Auge fast gar nicht erkennbar ist. Die Theile sind blass -(anämisch) und haben ein graues durchscheinendes, zuweilen leicht -wachsartiges Aussehen; allein dies ist doch so wenig charakteristisch, -dass man daraus nicht mit Sicherheit einen Rückschluss auf die inneren -Veränderungen machen kann, und dass die einzige Möglichkeit einer -Erkenntniss, wenn man kein Mikroskop zur Hand hat, in der directen -Application des Reagens besteht. Man braucht nur etwas Jod auf die -Fläche aufzutupfen, so sieht man schon vom blossen Auge sehr bald eine -Reihe von dicht stehenden, gelbrothen oder braunrothen Punkten -entstehen, während die zwischenliegende Schleimhaut einfach gelb -erscheint. Diese rothen Punkte sind die Zotten des Darmes; nimmt man -eine davon unter das Mikroskop, so sieht man die Wand der kleinen -Arterien und selbst der Capillaren, welche sich in ihr verbreiten, -zuweilen auch das Parenchym jodroth gefärbt. Ganz ähnlich lässt sich -auch an anderen Organen die Veränderung für dass blosse Auge durch Jod -sichtbar machen, sobald sie einmal einen höheren Grad erreicht hat. -Wendet man bloss Jodlösung an, so verschwindet die Färbung gewöhnlich -sehr bald oder sie tritt sehr schwer ein. Es scheint dies von der so -häufigen ammoniakalischen Zersetzung herzurühren, welche Leichentheile -so leicht eingehen. Daher empfiehlt es sich, nach der Jodanwendung etwas -Säure zuzusetzen, um die Alkalescenz des Gewebes aufzuheben. Dazu genügt -schon Essigsäure. - -Nahezu die wichtigste Art der Amyloid-Erkrankung, welche wir bis jetzt -kennen, ist diejenige, welche in der Niere entsteht. Ein grosser Theil, -namentlich der chronischen Fälle von Brightscher Krankheit, gehört -dieser Veränderung an, muss also von vielen anderen ähnlichen Formen als -eine besondere, ganz und gar eigenthümliche Form abgelöst werden. Auch -diese Nieren hat man in Wien zu einer Zeit, wo die chemische Reaction -noch nicht bekannt war, Specknieren genannt. Ich muss aber wiederum -bemerken, dass es unmöglich ist, mit blossem Auge unmittelbar zu -erkennen, ob gerade diese Veränderung stattgefunden hat oder eine -andere, und dass ein Theil der sogenannten Specknieren nichts anderes -als indurirte Nieren waren. Von dieser Verwechselung einfach indurativer -Zustände (fibröser Degeneration) mit amyloiden schreibt sich nicht bloss -für die Nieren, sondern auch für Milz und Leber manche Verwirrung in den -Angaben der Schriftsteller her. Gerade an der Niere kann man eine -sichere Diagnose erst nach Jodanwendung machen, und auch da muss man -sich sorgfältig bemühen, zuerst so viel als möglich das Blut aus den -Gefässen auszuwaschen. Denn ein mit Blut gefülltes Gefäss zeigt nach -Anwendung des Jods genau dieselbe Farbe, welche ein mit Jod behandeltes, -amyloid degenerirtes Gefäss darbietet. - -Bringt man Jodlösung auf eine ganz anämische Rindensubstanz, so -erscheinen gewöhnlich zuerst rothe Punkte, welche den Glomerulis -entsprechen, auch wohl feine Striche, den Arteriae afferentes angehörig. -Nächstdem, wenn die Erkrankung recht stark ist, sieht man auch innerhalb -der Markkegel rothe, parallele Linien, welche sehr dicht liegen. Das -sind die Arteriolae rectae[219]. Die Erkrankung der Arterien wird -zuweilen so stark, dass man nach Anwendung des Reagens eine deutliche -Uebersicht des Gefässverlaufes bekommt, wie wenn man eine sehr -vollständige künstliche Injection vor sich hätte. Allein gerade bei -diesen Nieren ist eine Injection nicht ganz ausführbar. Auch die -feineren Mittel, welche wir für Injectionen anwenden, sind viel zu grob, -um durch die verengten Gefässe hindurch zu gelangen. Untersucht man -einen solchen Glomerulus mikroskopisch, so sieht man, dass von da, wo -sich die zuführende Arterie auflöst, die Schlinge nicht mehr die feine, -zarte Röhre ist, wie sonst; vielmehr erscheinen alle einzelnen Schlingen -innerhalb der Capsel als compacte, fast solide Bildungen. Da nun gerade -diese Theile es sind, welche offenbar die eigentlichen Secretionspunkte -der Harnflüssigkeit darstellen, so begreift es sich, dass in solchen -Fällen Störungen in der Ausscheidung des Harnes stattfinden müssen. Wir -haben leider bis jetzt keine vollständig ausreichenden Analysen, allein -es scheint, dass viele Fälle von Albuminurie, welche mit erheblicher -Verminderung der Harnstoff-Ausscheidung verbunden sind, gerade mit -diesen Zuständen zusammenhängen, und dass die Abscheidung um so mehr -sinkt, je intensiver die Erkrankung wird. Diese Fälle compliciren sich -sehr häufig mit Anasarka und Höhlenwassersucht und können im vollsten -Maasse die Symptome der Brightschen Erkrankung liefern. Sie -unterscheiden sich aber wesentlich von der einfach entzündlichen Form -der Brightschen Krankheit, welche ich als =parenchymatöse Nephritis= -bezeichne, dadurch, dass bei letzterer die Erkrankung nicht so sehr an -den Glomerulis oder den Arterien, als an dem Epithel der Niere haftet, -und dass die Veränderung oft lange Zeit an dem Epithel verläuft, während -die Glomeruli selbst in solchen Fällen noch intact erscheinen können, wo -kaum noch Epithel in den Kanälchen vorhanden ist. Hiervon ist wieder -eine dritte, =indurative= Form zu unterscheiden, wo überwiegend das -=interstitielle Gewebe= sich verändert, wo Verdickungen um die Capseln -und die Harnkanälchen entstehen, Abschnürungen, Verschrumpfungen zu -Stande kommen und dadurch mechanische Hemmungen des Blutstromes -hervorgebracht werden, welche natürlich mit Secretionsveränderungen -zusammenfallen müssen. - - [219] Archiv XII. 318. - -Es ist sehr wichtig, dass man diese Verschiedenheiten, welche in dem -Bilde einer scheinbar einzigen Krankheit zusammengefasst werden, -auseinanderlöse, weil sich daraus erklärt, dass die Erfahrungen der -einen Reihe sich nicht ohne weiteres auf die anderen Reihen anwenden -lassen, und dass weder die physiologischen Consequenzen, noch die -therapeutischen Maximen in diesen Zuständen gleich sein können. Dabei -darf aber nicht übersehen werden, dass jene drei verschiedenen Formen -keinesweges immer rein vorkommen, dass vielmehr häufig zwei von ihnen, -zuweilen alle drei in derselben Niere gleichzeitig bestehen, und dass -die eine Erkrankungsform lange bestehen kann, um sich endlich mit einer -der anderen oder beiden zu compliciren. Dies kommt offenbar am -häufigsten in der Reihenfolge vor, dass die amyloide Degeneration sich -zu einer längere Zeit bestehenden einfach-parenchymatösen oder -interstitiellen Nephritis im Stadium des Marasmus hinzugesellt. - -[Illustration: =Fig=. 125. Amyloide Degeneration einer Lymphdrüse. _a_, -_b_, _b_ Gefässe mit stark verdickter, glänzender, infiltrirter Wand. _c_ -Eine Lage von Fettzellen im Umfange der Drüse. _d_, _d_ Follikel mit dem -feinen Reticulum und Corpora amylacea. Vergr. 200. Vergl. Würzb. -Verhandl. Bd. VII. Taf. III.] - -[Illustration: =Fig=. 126. Einzelne Corpora amylacea in verschiedenen -Grössen und zum Theil eingebrochen, aus der Drüse in Fig. 125. Vergr. -350.] - -Unter den vielen Organen, welche der Amyloid-Erkrankung unterliegen, -sind ferner die =Lymphdrüsen= zu erwähnen[220]. Sie verhalten sich -ähnlich wie die Milz. Es verändern sich einerseits die kleinen Arterien, -andererseits die wesentliche Drüsensubstanz, das Parenchym, d. h. die -feinzellige Masse, welche die Follikel erfüllt. Wie wir früher erwähnten -(S. 207, Fig. 70), so liegen unter der Capsel der Drüse folliculäre -Bildungen, und diese setzen sich wieder aus einem feinen Maschennetz -zusammen, in welchem jene kleinen Zellen der Drüse aufgehäuft sind, von -denen wir vermuthen, dass sie die Ausgangspunkte für die Entwickelung -der Blutkörperchen darstellen. Die Arterien verlaufen zunächst in den -Septa der Follikel und lösen sich hier in Capillaren auf, welche die -Follikel umspinnen und von da in das Innere der Follikel selbst -eindringen. Die amyloide Erkrankung der Lymphdrüsen besteht nun -einerseits darin, dass diese Arterien dicker und enger werden und -weniger Blut zuleiten, andererseits darin, dass die kleinen Zellen -innerhalb der einzelnen Maschenräume der Follikel in Corpora amyloidea -übergehen, und dass nachher anstatt vieler Zellen in jeder Masche des -Follikels eine einzige grosse blasse Scholle angetroffen wird. Dadurch -gewinnt die Drüse schon für das blosse Auge das Aussehen, als wenn sie -mit kleinen Wachspunkten durchsprengt wäre, und bei der mikroskopischen -Untersuchung erscheint es wie ein dichtes Strassenpflaster, welches die -ganze Inhaltmasse zusammensetzt. - - [220] Würzb. Verhandl. VII. 222. - -Ueber die Bedeutung dieser Veränderungen lässt sich empirisch nicht viel -aussagen, allein, wenn gerade der Follikel-Inhalt das Wesentliche bei -einer Lymphdrüse ist, wenn von hier aus die Entwickelung der neuen -Bestandtheile des Blutes erfolgt, so muss man wohl schliessen, dass die -Erkrankung der Lymphdrüsen und der Milz, wo nicht selten gleichfalls die -Follikel getroffen werden, für die Blutbildung direct einen -nachtheiligen Einfluss haben müsse, dass es sich also nicht um -weitliegende Wirkungen handele, sondern dass direct die Blutbildung eine -Abänderung erleiden und Zustände der Anämie (Anaemia lymphatica =Wilks=) -nachfolgen müssen. Auch kann für den Lymphstrom eine Hemmung und dadurch -wieder Mangel an Resorption, Neigung zu Hydrops u. s. w. entstehen. - -Wenden wir auf die Durchschnitte solcher Drüsen Jod an, so färben sich -alle erkrankten Theile roth, während alles Uebrige, was der normalen -Struktur entspricht, einfach gelb wird. Die Kapsel, welche aus -Bindegewebe besteht, die fibrösen Balken oder Scheidewände zwischen den -Follikeln, das feine Netz, welches die einzelnen Corpora amyloidea -auseinanderhält, endlich diejenigen Follikel, welche normale Zellen -enthalten, bleiben gelb. Alle anderen Theile nehmen schon für das blosse -Auge das jodrothe Aussehen an. Bringen wir unter dem Mikroskop -Schwefelsäure dazu, so werden diese Stellen dunkel röthlichbraun, -violettroth und, trifft man es glücklich, rein blau; sind noch -albuminöse Partikelchen dazwischen, so erscheint eine grüne oder -braunrothe Farbe. - -In allen Fällen beginnt die Erkrankung der Lymphdrüsen in den cortikalen -Follikeln auf derjenigen Seite, wo die zuführenden Lymphgefässe in die -Drüse eintreten; von da schreitet sie nach und nach gegen die -Marksubstanz fort, ohne diese jedoch für gewöhnlich zu erreichen. In -dieser Weise verändert sich eine Drüse nach der anderen und zwar in der -Reihenfolge, dass zuerst die mehr peripherischen leiden und dann eine -nach der anderen der in der Richtung des Lymphstromes auf einander -folgenden Drüsen. Aber besonders bemerkenswerth ist es, dass diese Art -der Veränderung sich nicht allgemein an allen peripherischen Lymphdrüsen -findet, sondern nur an gewissen Stellen oder in gewissen Provinzen des -lymphatischen Systemes. Sucht man dafür einen Grund, so ergibt sich als -Regel, dass in der Gegend, wo die Wurzeln der zu den erkrankten -Lymphdrüsen hingehenden Lymphgefässe liegen, eine chronische Erkrankung, -meist eine alte Eiterung stattfindet. Meine Erfahrungen betreffen -überwiegend Fälle von langdauernder Caries und Nekrose der Wirbel- und -Schenkelknochen, wo die Lumbal- und Inguinaldrüsen die hauptsächlich -leidenden waren. - -Der Gang der amyloiden Erkrankung[221] entspricht demnach in -vielen Stücken demjenigen, welchen wir bei den secundären -Lymphdrüsen-Anschwellungen der Skrofulösen, Krebsigen, Typhösen -beobachten. Drüse nach Drüse wird getroffen, und in der einzelnen Drüse -Follikel nach Follikel, jedoch immer so, dass die Richtung des -Lymphstromes die Priorität der Erkrankung bestimmt. Hier lässt sich der -Schluss kaum ablehnen, dass die Lymphgefässe die Conductoren des -Prozesses sind. Ihre Wandungen sind nicht erkrankt; ist der Inhalt, den -sie führen, ein veränderter? Vergeblich habe ich mich bemüht, in den -erkrankten Knochen selbst amyloide Substanz zu finden. Es bleibt also -unentschieden, ob eine solche Substanz den Drüsen zugeführt und in sie -abgesetzt wird, oder ob irgend ein anderer Stoff zugeleitet wird, -welcher das Drüsengewebe erst zu der selbständigen Erzeugung der -Substanz oder zu ihrer Aufnahme aus dem Blute veranlasst. Vorläufig ist -es wahrscheinlicher, dass der Drüse durch die Lymphe nur eine Anregung -in dem letzteren Sinne zukommt, zumal da die Erkrankung der in die Drüse -eingehenden Arterien im Sinne der ersteren Möglichkeit nicht leicht zu -erklären sein würde. - - [221] Archiv VIII. 364. - -Unter den übrigen Prozessen sind es namentlich die =Tuberkulose= und die -=Syphilis=, welche sich in ihren späteren Stadien sehr häufig mit weit -ausgedehnter Amyloid-Erkrankung compliciren. Am meisten ist dies bei -der constitutionellen Lues der Fall, so dass einzelne Beobachter zu der -Vorstellung gekommen waren, die Produkte der secundären Syphilis seien -jederzeit »speckige«. Zu einer solchen Auffassung konnte schon der -Sprachgebrauch verführen, indem bekanntlich seit langer Zeit die -speckigen Infiltrationen, der speckige Geschwürsgrund als besondere -Eigenthümlichkeiten secundär-syphilitischer Prozesse angegeben wurden. -Allein ich habe dargelegt[222], dass ein wesentlicher Unterschied -zwischen den gummösen, im alten Sinne speckigen Producten der Syphilis -und den amyloiden, im neueren Sinne speckigen Entartungen besteht, dass -die letzteren erst in der Tertiär-oder genauer Quaternärperiode -aufzutreten pflegen, und dass sie überhaupt nicht der Syphilis als -solcher, sondern vielmehr der Kachexie angehören. Aber gerade für die -Geschichte der syphilitischen Kachexie sind sie von der allergrössten -Bedeutung, da nur durch ihre Kenntniss manche Eigenthümlichkeiten dieses -Zustandes verständlich geworden sind. - - - [222] Archiv XV. 232. Geschwülste II. 417, 471. - -Ueberaus merkwürdig ist es, dass gerade zwei Organe, von deren Bedeutung -man überaus wenig weiss, die aber gewissermaassen instinctiv der Gruppe -der sogenannten Blutdrüsen zugerechnet worden sind, nehmlich die -=Schilddrüse= (Glandula thyreoidea) und die =Nebennieren= -verhältnissmässig häufig an der Amyloid-Erkrankung theilnehmen. Auch ist -es gewiss merkwürdig, dass an den letzteren gerade die sogenannte Rinde, -welche in der Struktur mit der Schilddrüse in so vielen Stücken -übereinstimmt, ausgesetzt ist, während die Marksubstanz, welche einen -mehr gliösen Bau hat, fast ganz verschont bleibt, -- ein Umstand, der -insofern bemerkenswerth ist, als selbst bei der stärksten -Amyloiderkrankung der Rindensubstanz keine Broncefärbung der Haut -eintritt. An beiden Organen sind es gleichfalls die kleinen Arterien, -von welchen die Veränderung ausgeht; später setzt sie sich auf die -Capillaren fort, und nicht selten wird sie so stark, dass die ganze -Substanz schon für das blosse Auge ein wächsernes Aussehen annimmt. -- - - * * * * * - -Schon früher (S. 438, 440) erwähnte ich, dass die amyloide Erkrankung in -mehrfacher Beziehung Aehnlichkeit mit der einfachen =Verkalkung= -(kalkigen Degeneration) habe. Man muss sich aber wohl hüten, in den -Fehler zu verfallen, der so häufig begangen ist, dass man Verkalkung und -Verknöcherung identificirt. Verknöcherung ist ein activer, progressiver -Prozess; Verkalkung dagegen kann ein im hohen Grade passiver, -regressiver Prozess sein und eine wirkliche Atrophie[223] oder eine -blosse Versteinerung todter Theile[224] darstellen. Will man zwischen -Ossification und Verkalkung unterscheiden, so genügt es nicht, das -endliche Resultat im Auge zu behalten. Ein Theil wird nicht -regelmässiger Knochen dadurch, dass ein Gewebe, in welchem sternförmige -Zellen vorhanden sind, in seine Grundmasse Kalk aufnimmt; es kann -trotzdem nichts weiter als verkalktes Bindegewebe sein. Wenn wir von -Ossification reden, so setzen wir immer voraus, dass dieselbe durch -einen activen Vorgang, eine Reizung hervorgerufen ist. Diese wirkt aber -nicht so, dass ein schon existirendes Gewebe einfach dadurch, dass es -Kalksalze aufnimmt, die Knochenform anzieht. Vielmehr wird das Gewebe -selbst durch die Reizung verändert, noch bevor es die Kalksalze -aufnimmt, entweder so, dass nur seine Grundsubstanz dichter und -homogener wird (=sklerosirt=, =cartilaginescirt=), oder so, dass eine -Proliferation der Zellen voraufgeht und die Verkalkung an wirklich -neugebildetem Gewebe geschieht. =Dasselbe Gewebe kann daher einfach -verkalken und wirklich verknöchern=. - - [223] Spec. Pathologie und Ther. I. 307. - - [224] Verh. der Berliner med. Gesellschaft. I. 253. - -So gibt es an den =Gefässen= Verkalkungen und Ossificationen. In alter -Zeit hat man, namentlich an den Arterien, Alles Ossificationen genannt. -Viele der Neueren dagegen haben geleugnet, dass dieselbe überhaupt an -den Gefässen vorkomme. Faktisch kommt sowohl Ossification vor, als auch -blosse Verkalkung, oder, wie ich nach Art der Paläontologen sagen will, -=Petrification=. Letztere ist an den peripherischen Arterien -verhältnissmässig am häufigsten und wird hier gewöhnlich als ein Merkmal -des atheromatösen Prozesses betrachtet. Dies ist jedoch nicht richtig, -denn der atheromatöse Prozess hat seinen Sitz in der Intima der -Arterien. Fühlt man dagegen die Radialarterie hart und höckerig, erkennt -man an der Cruralis oder Poplitaea starre Wandungen, so kann man -ziemlich sicher schliessen, dass diese Verhärtung ihren Sitz in der -Media hat. In diesem Falle trifft die Verkalkung wirklich die -Muskelelemente; die Faserzellen der Ringfaserhaut werden in Kalkspindeln -verwandelt. Die Kalkmasse kann allerdings auch noch die Nachbartheile -überziehen; die innere Haut aber bleibt dabei möglicherweise ganz -intact. Dieser Prozess ist daher mehr verschieden von dem, welchen man -atheromatös nennt, als eine Periostitis von einer Erkrankung des -Knochengewebes. Die einfache Verkalkung hat gar keinen nothwendigen -Zusammenhang mit einer Entzündung der Arterie; sie kommt am -gewöhnlichsten unter Verhältnissen vor, wo überhaupt eine Neigung zu -Verkalkungen eintritt, daher namentlich im höheren Lebensalter. Das ist -wenigstens mit Sicherheit zu sagen, dass noch kein Stadium dieser -Veränderungen bekannt ist, welches der Entzündung parallel stände. - -Schon vor langer Zeit habe ich gezeigt[225], dass an Stellen, wo kein -wirklicher Knorpel präexistirt, bei der wahren Ossification schon vor -der Ablagerung der Kalksalze ein Gewebe vorhanden zu sein pflegt, -welches im Wesentlichen alle Bestandtheile des späteren Knochens, sowohl -die Körperchen, als die Intercellularsubstanz enthält, nehmlich ein -=osteoides Bindegewebe=[226], und dass dieses dadurch zu Knochengewebe -wird, dass es Kalksalze in seine Intercellularsubstanz aufnimmt. Aber, -wie erwähnt, entweder ist dieses Bindegewebe neugebildetes, oder es -erfährt vor der Verkalkung eine besondere, progressive Veränderung, -indem seine Grundsubstanz sich verdichtet und verdickt, -=sclerosirt=[227]. Dieses veränderte Bindegewebe, der Hautknorpel der -früheren Autoren, besser =Knochenknorpel= genannt, gibt zum Theil -Chondrin, zum Theil wirklichen Leim. Man kann daher sagen, dass erst das -metamorphosirte Bindegewebe wirklich zu Knochen verkalkt, während eine -einfache Verkalkung des gewöhnlichen Bindegewebes nie Knochen liefert, -sondern immer nur verkalktes Bindegewebe. Solche Zustände kommen an der -Dura mater nicht selten vor, wo sie jedoch nicht mit den noch weit -häufigeren Osteomen[228] zu verwechseln sind; sie finden sich an den -Lungen, der Schleimhaut des Magens, der Keilbeinhöhlen[229]. - - [225] Archiv I. 136. Würzb. Verhandl. II. 158. - - [226] Archiv V. 439. Geschwülste I. 463, 472. - - [227] Archiv V. 443, 455. - - [228] Geschwülste II. 92. - - [229] Archiv VIII. 103. IX. 618. Entwickelung des Schädelgr. 41. - Taf. IV. Fig. 19. - -[Illustration: =Fig=. 127. Verkalkung des Gelenkknorpels am unteren Ende -des Femur von einem alten Manne. Anfangs körnige, später homogene -Erfüllung der Capsularsubstanz mit Kalksalzen bei Erhaltung der -Knorpelkörperchen. Vergr. 300.] - -In noch viel auffälligerer Weise, als am Bindegewebe, zeigt sieh die -Verschiedenheit zwischen Verkalkung und Verknöcherung an den =Knorpeln=. -Die blosse Ablagerung von Kalksalzen in die Substanz des Knorpels ist -nichts weniger als eine Verknöcherung[230], obwohl man noch heutigen -Tages diese zwei Dinge immerfort mit einander verwechselt. Die einfache -Verkalkung erfolgt bei der gewöhnlichen Bildung wachsender und sich -entwickelnder Knochen =vor= der wirklichen Verknöcherung, worauf wir -später zurückkommen werden. Aber sie findet sich nicht bloss an solchem -Knorpel, der in der typischen Entwickelung des Skeletts dazu bestimmt -ist, in Knochen aufzugehen, sondern auch an den sogenannten permanenten -Knorpeln. Man trifft sie in dem Gelenkknorpel älterer Leute, also an -Theilen, welche normal nicht zur Ossification bestimmt sind, gar nicht -selten, und zwar am gewöhnlichsten in der tiefen Zone derselben, welche -unmittelbar der Terminallamelle des Knochens aufliegt. Hier lagern sich -die Kalksalze häufig zuerst in die dicke Kapselsubstanz ab, welche die -Knorpelzellen umgibt, und durchdringen erst später die eigentliche -Intercellularsubstanz, lassen aber die Knorpelzellen selbst frei. Wie -überall, so geschieht die Ablagerung auch hier Anfangs in der Art, dass -die Kalktheilchen als feinste Körnchen in der noch erkennbaren -organischen Grundsubstanz erscheinen. Nach und nach werden sie dichter, -das Grundgewebe verschwindet endlich vor den Augen und eine ganz -homogene, krystallartige Masse tritt an seine Stelle. Beschränkt sich -der Prozess auf die Kapseln der Knorpelkörperchen, so sieht es aus, als -wenn Nüsse mit dicker Schale und rundlicher oder rundlich eckiger Höhle -in der Grundsubstanz zerstreut lägen (Fig. 127). Nimmt auch die -Grund-oder Intercellular-Substanz an der Verkalkung Antheil, so -verschwindet die Grenze zwischen ihr und der Kapselsubstanz; es entsteht -eine ganz gleichmässige, harte Masse, in welcher, entsprechend den -früheren Knorpelzellen, rundliche oder leicht eckige Höhlen liegen. Löst -man die Kalksalze mit Säuren auf, so hat man wieder den Knorpel in -seiner gewöhnlichen Form. Dabei ist zu bemerken, dass es ein, freilich -sehr lange Zeit hindurch geglaubter Irrthum war, als man annahm, dass -auch aus fertigem Knochengewebe, wenn es durch Säuren seiner Salze -beraubt würde, wieder Knorpel dargestellt werden könne. - - [230] Archiv V. 420, 429. - -Diese einfache Knorpel-Verkalkung hat die grösste Uebereinstimmung mit -der Infiltration von harnsaurem Natron, wie sie bei der Gicht -(S. 251) vorkommt. Nur erscheint das harnsaure Natron stets in -fein-krystallinischen Formen und seine Theilchen vereinigen sich nicht -zu dichten, glas- oder elfenbeinartigen Massen, wie kohlensaurer und -phosphorsaurer Kalk, sondern bilden eine bröckelige, losere, tuffartige -Masse (Tophus). Das ist aber unzweifelhaft, dass sowohl die Kalk- als -die Natronsalze aus dem Blute abgelagert werden, dass es sich also um -eine Infiltration oder Incrustation handelt. Diese kann, wie wir sahen -(S. 252), eine metastatische sein. - -Die Ablagerung der Kalksalze geschieht aber auch häufig in Form -besonderer =Kalkkörper= oder =Concretionen=, welche einen geschichteten -Bau haben, den Stärkekörnern ähnlich sind und sich zwischen den -Gewebselementen oder in den Cavitäten oder den Kanälen des Körpers, -z. B. in den Harnkanälchen, im Gehirne finden. In der Prostata kommen -amylacische und verkalkte, lamellöse Concretionen nicht selten in einer -und derselben Drüse neben einander vor. Hier scheint es sogar, dass -amylacische Körper verkalken. Ganz bestimmt habe ich dies bei -Amyloidsubstanz der Leber beobachtet[231]. Indess sind dies seltene -Verbindungen; in der Regel besteht die amyloide Entartung, so viele -Vergleichungen mit der Verkalkung sie auch zulässt, für sich. - - [231] Geschwülste II. 430. - -Dass die Theile, welche verkalken, eine besondere Anziehung auf die im -Blute oder in den Säften vorhandenen Kalksalze ausüben müssen, lässt -sich nicht abweisen. Es ist dies aber kein besonderer Lebensact, denn -die Verkalkung erfolgt überall auf dieselbe Art. Die geologische -Versteinerung ist der pathologischen ganz gleich. Todte Theile verkalken -und versteinern im menschlichen Körper, wie in den Schichten des -Erdkörpers; ja es ist dies sogar eine der gewöhnlichsten Arten der -Veränderung, welche abgestorbene Theile von geringerem Umfange im Körper -erfahren[232]. Am auffälligsten zeigt dies die Geschichte der -sogenannten Lithopädien, sowie die Petrification abgestorbener -Eingeweidewürmer, am häufigsten der Cysticerken. Bei den Trichinen -trifft die Verkalkung gewöhnlich nur die Kapsel, während das Thier -innerhalb derselben noch lebendig bleibt; doch gibt es auch Fälle, wo -die Thiere in der noch unverkalkten Kapsel absterben und versteinern. -Bei abgestorbenen Leber-Echinokokken habe ich sämmtliche jungen Thiere -versteinert gesehen, während die Kapseln und die Mutterblasen unversehrt -waren. Ganz besonders interessant ist die isolirte Verkalkung von -Ganglienzellen des Gehirnes nach Commotion, die ich vor einiger Zeit -nachgewiesen habe[233]. Auch blosse organische Massen, z. B. alte -Thromben, nekrobiotische Gewebstheile, z. B. die käsigen, -tuberkelartigen Residuen, verkalken auf dieselbe Weise. - - [232] Verhandl. der Berliner med. Gesellschaft. I. 253. - - [233] Archiv L. 304. - -Aus diesen Beispielen geht hervor, dass nicht jeder Theil beliebig -verkalkt, sondern dass er sich dazu in besonderen Verhältnissen befinden -muss. Ist er nicht abgestorben, so geht doch eine chemische Veränderung, -häufig eine physiologische Schwächung voraus. Dies gilt namentlich für -den Fall, wo die Zellen eines Theiles, und nicht etwa, wie bei dem -Knochen, nur die Intercellularsubstanz, verkalken. Sind die zelligen -Elemente eines Gewebes verkalkt, so ist es eine träge Masse geworden, -welche für die Zwecke, denen es eigentlich dienen sollte, unbrauchbar -ist. Es ist gleichsam zur Ruhe gebracht, beigesetzt. - -Und so ist die einfache Verkalkung ein im hohen Maasse passiver Vorgang, -der das Wesen und die Bedeutung der indurirenden passiven Prozesse -besonders gut erläutert. -- - - - - - Neunzehntes Capitel. - - Gemischte, activ-passive Prozesse. Entzündung. - - - Fettmetamorphose als Entzündungs-Ausgang. Unterschied zwischen - primärer (einfacher) und secundärer (entzündlicher) - Fettmetamorphose. Nieren, Muskeln. - - Atheromatöser Prozess der Arterien. Atheromatie und Ossification - als Folgen der Arteriosklerose. Entzündlicher Charakter der - letzteren: Endoarteriitis chronica deformans s. nodosa. Bildung der - Atheromheerde. Cholestearin-Abscheidung. Ossification. Ulceration. - Analogie mit der Endocarditis. - - Die Entzündung. Die vier Cardinalsymptome und deren Vorherrschen in - den einzelnen Schulen. Die thermische und vasculäre Theorie, die - neuropathologische, die Exsudatlehre. Entzündungsreiz. Functio - laesa. Die Entzündung in gefässlosen und in gefässhaltigen Theilen. - Das Exsudat als Folge der Gewebsthätigkeit: Schleim und Fibrin. Die - Entzündung als zusammengesetzter Reizungsvorgang. Parenchymatöse - und exsudative (secretorische) Form. Klinische und anatomische - Bedeutung der Entzündung. Irrthum von der einheitlichen Natur der - Entzündungs-Vorgänge. Multiplicität der entzündlichen Prozesse. - -Die Betrachtung der passiven Prozesse hatte uns zu einer Darstellung der -Vorgänge bei der =Fettmetamorphose= geführt. Ich sage Fettmetamorphose, -einmal weil unter der Bezeichnung der fettigen Degeneration im Laufe der -Zeit zu vielerlei Vorgänge zusammengeworfen sind, andermal weil ich in -der That die Ansicht hege, dass das Fett hier durch eine chemische -Metamorphose aus dem früheren Zelleninhalt, also vielleicht aus -eiweissartiger Substanz erzeugt wird. Jedenfalls geht nicht nur die -normale Struktur der Theile dabei zu Grunde, sondern es tritt auch an -die Stelle der histologischen Elemente, welche zerfallen und sich -auflösen, eine nicht mehr organische, rein emulsive Masse, es bildet -sich, kurz gesagt, ein =fettiger Detritus=. Es macht dabei nichts aus, -ob eine Eiterzelle, ein Bindegewebskörperchen, eine Nerven- oder -Muskelfaser, ein Gefäss die Veränderung erfährt; das Resultat ist immer -dasselbe: ein milchiger Detritus, eine amorphe Anhäufung von Fett- oder -Oeltheilchen in einer mehr oder weniger eiweissreichen Flüssigkeit. Wenn -wir für alle Fälle der Fettmetamorphose diese Uebereinstimmung -festhalten, so folgt daraus doch keinesweges, dass der Werth dieser -Veränderung in Beziehung auf die Krankheitsvorgänge, im Laufe welcher -sie eintritt, jedesmal gleich sei. Man kann das schon daraus abnehmen, -dass, während ich diese Metamorphose unter der Kategorie der rein -passiven Störungen vorgeführt habe, gerade eines der Gebilde, welches -dabei am häufigsten auftritt, die Körnchenkugel, lange Zeit hindurch als -das specifische Element der Entzündung betrachtet worden ist. Jahrelang -sah man die Entzündungskugel für eine wesentliche, pathognomonische und -daher diagnostische Erscheinung des Entzündungsprozesses an, und in der -That, die Häufigkeit, mit welcher man in entzündeten Theilen fettig -degenerirte Zellen findet, beweist genügend, dass im Laufe der -entzündlichen Prozesse, welche wir nimmermehr als einfach passive -Vorgänge betrachten können, solche Umwandlungen geschehen. Es handelt -sich also darum, eine Unterscheidung beider Reihen, der einfach passiven -und der entzündlichen, zu finden. - -Freilich hat diese Unterscheidung in einzelnen Fällen ihre sehr grossen -Schwierigkeiten. Meiner Ueberzeugung nach besteht die einzige -Möglichkeit einer Orientirung darin, dass man untersucht, ob der Zustand -der fettigen Degeneration ein primärer oder ein secundärer ist, ob er -eintritt, sobald überhaupt eine Störung bemerkbar wird, oder ob er erst -erfolgt, nachdem eine andere bemerkbare Störung vorangegangen ist. Die -secundäre Fettmetamorphose, bei welcher erst in zweiter Linie diese -eigenthümliche Umwandelung zu Stande kommt, folgt in der Regel auf ein -erstes actives oder irritatives Stadium; eine ganze Reihe derjenigen -Prozesse, welche wir ohne Umstände Entzündungen nennen, verläuft in der -Weise, dass als zweites oder drittes anatomisches Stadium eine fettige -Metamorphose der Gewebe auftritt. Diese entsteht also hier nicht als das -unmittelbare Resultat der Reizung des Theiles, sondern wo wir -Gelegenheit haben, die Geschichte der Veränderung genauer zu verfolgen, -da zeigt sich fast immer, dass dem Stadium der fettigen Degeneration ein -anderes Stadium voraufgeht[234], nehmlich das der =trüben Schwellung=, -in welchem die Theile sich vergrössern, an Umfang und zugleich an Dichte -zunehmen, indem sie eine grosse Menge von neuem Material in sich -aufsaugen. Absichtlich sage ich aufsaugen[235], weil ich es für falsch -halte, dass der Theil etwa von aussen genöthigt worden ist, dieses -Material aufzunehmen, dass er etwa durch Exsudat von den Gefässen aus -überschwemmt worden ist. Dieselben Erscheinungen treten auch an Theilen -auf, die keine Gefässe haben. Aber erst dann, wenn die Ansammlung ein -solches Maass erreicht hat, dass die Constitution in Frage gestellt -wird, leitet sich ein fettiger Zerfall im Inneren der Elemente ein. So -können wir die fettige Degeneration des Nierenepithels als ein späteres -Stadium der Bright'schen Krankheit, oder, wie ich sage, der -parenchymatösen Nephritis bezeichnen; ihr geht ein Stadium der Hyperämie -und Schwellung voraus, wo jede Epithelzelle eine grosse Quantität von -opaker Masse in sich ansammelt, ohne dass im Anfange auch nur eine Spur -von Fetttröpfchen zu bemerken ist[236]. So schwillt der Muskel unter -Einwirkungen, welche nach dem allgemeinen Zugeständniss eine Entzündung -machen, z. B. nach Verwundungen, nach chemischen Aetzungen; seine -Primitivbündel werden breiter und trüber, und in einem zweiten Stadium -beginnt in ihnen dieselbe fettige Degeneration, welche wir andere Male, -z. B. bei Lähmungen, direct auftreten sehen[237]. - - [234] Archiv I. 149. 165. - - [235] Archiv I. 276. III. 460. IV. 379. - - [236] Archiv I. 165. IV. 264, 319. - - [237] Archiv IV. 266. - -Man kann also, wenn man ganz allgemein spricht, allerdings sagen, dass -es eine entzündliche Form der fettigen Degeneration gibt. Allein, genau -genommen, ist diese entzündliche Form nur ein späteres Stadium, ein -Ausgang, welcher den eintretenden Zerfall der Gewebsstruktur anzeigt, wo -der Theil nicht mehr im Stande ist, seine Sonderexistenz fortzuführen, -sondern wo er so weit dem Spiele der chemischen Kräfte seiner -constituirenden Theile verfällt, dass das nächste Resultat seine -vollständige Auflösung ist. Gerade diese Art von Entzündungszuständen -hat eine sehr grosse Bedeutung, weil an allen Theilen, wo die -wesentlichen Elemente in dieser Weise verändert werden, überhaupt keine -unmittelbare, nutritive oder einfach regenerative Restitution möglich -ist. Wenn eine Muskelentzündung besteht, bei welcher die -Muskelprimitivbündel der fettigen Degeneration verfallen, so gehen sie -auch regelmässig zu Grunde, und wir finden nachher an der Stelle, wo die -Degeneration stattgefunden hatte, eine, wenn auch nicht offene, Lücke -(einen Defect) im Muskelfleisch. Die Niere, deren Epithel in fettige -Degeneration übergeht, schrumpft fast immer zusammen; das Resultat ist -eine bleibende Atrophie. Ausnahmsweise kommt vielleicht etwas zu Stande, -was als Regeneration des Epithels gedeutet werden könnte, aber -gewöhnlich ist ein Zusammensinken der ganzen Struktur die Folge. -Dasselbe sehen wir am Gehirne bei der gelben Erweichung, gleichviel, wie -sie bedingt sein mag. Ob Entzündung oder nicht vorherging, es bildet -sich ein Heerd, welcher sich nie wieder mit Nervenmasse ausfüllt. -Vielleicht, dass eine einfache Flüssigkeit die fehlenden Gewebe ersetzt; -von irgend einer Herstellung eines neuen, functionell wirksamen Theiles -kann niemals die Rede sein. - -So muss man es sich erklären, dass scheinbar sehr ähnliche Zustände, -welche man vom pathologisch-anatomischen Standpunkte aus als identisch -erklären möchte, vom klinischen Standpunkte aus weit auseinander liegen, -ja dass man an denselben Theilen dieselben Veränderungen trifft, ohne -dass doch der Gesammtprozess, welchem sie angehören, derselbe war. Wenn -ein Muskel einfach fettig degenerirt, so kann das Primitivbündel ebenso -aussehen, als wenn eine Entzündung darauf eingewirkt hat. Die -Myocarditis erzeugt ganz analoge Formen der fettigen Degeneration -innerhalb des Herzfleisches, wie die übermässige Dilatation der -Herzhöhlen. Wenn eine der letzteren z. B. durch Hemmung des Blutstromes -oder Incontinenz der Klappen dauernd sehr ausgespannt wird, so tritt an -dem am meisten gespannten Theile sehr häufig eine fettige Degeneration -des Muskelfleisches ein. Diese gleicht morphologisch so vollständig -einem Stadium der Myocarditis, dass in vielen Fällen überhaupt gar nicht -mit Sicherheit zu sagen ist, auf welche Weise der Prozess entstanden -sein mag. - -Versuchen wir, die Methode der Lösung solcher Schwierigkeiten an einer -wichtigen, häufigen und zugleich vielfach missverstandenen Krankheit -darzulegen, nehmlich an dem sogenannten =atheromatösen Prozesse der -Arterien=[238]. Gerade bei ihm ist die Confusion in der Deutung der -Veränderungen vielleicht am grössten gewesen. - - [238] Gesammelte Abhandlungen 492 ff. - -Zu keiner Zeit im Laufe dieses Jahrhunderts hat man sich vollständig -über das geeinigt, was man unter dem Ausdrucke der atheromatösen -Veränderung an einem Gefässe verstehen wollte. Der Eine hat den Begriff -weiter, der Andere hat ihn enger gefasst, und doch ist er vielleicht von -Allen zu weit gefasst worden. Als nehmlich die Anatomen des vorigen -Jahrhunderts den Namen des Atheroms auf eine bestimmte Veränderung der -Arterienhäute anwandten, hatten sie natürlich einen ähnlichen Zustand im -Sinne, wie derjenige ist, welchen man schon seit dem griechischen -Alterthume an der Haut mit dem Namen des Atheroms, des Grützbalges -belegt hatte[239]. Es versteht sich danach von selbst, dass der Begriff -des Atheroms sich auf einen geschlossenen Heerd, eine Art von -Balggeschwulst (Tumor cysticus) bezieht. Niemand hat etwas an der Haut -Atherom genannt, was offen und frei zu Tage lag. Es war daher ein -sonderbares Missverständniss, als man neuerlich anfing, an den Gefässen -auch solche Veränderungen Atherome zu nennen, welche nicht abgeschlossen -in der Tiefe liegen, sondern ganz und gar der Oberfläche angehören. -Anstatt, wie es ursprünglich gemeint war, einen geschlossenen Heerd -atheromatös zu nennen, hat man damit häufig eine Veränderung bezeichnet, -welche in der innersten Arterienhaut ganz oberflächlich bestand. Als man -anfing, die Sache feiner zu untersuchen, und als man an sehr -verschiedenen Punkten der Gefässwand, sowohl bei Atherom, als ohne -dasselbe, fettige Partikeln fand (Fig. 122), als man sich endlich -überzeugte, dass der Prozess der fettigen Degeneration immer derselbe -und mit der atheromatösen Veränderung nahezu identisch sei, so wurde es -Sitte, alle Formen der fettigen Degeneration an den Arterien in der -Bezeichnung des Atheroms oder der Atherose zu vereinigen. Nach und nach -kam man sogar dahin, von einer atheromatösen Veränderung solcher Gefässe -zu sprechen, welche nur eine einfache Haut haben, denn auch an den -Capillaren stösst man auf fettige Processe. - - [239] Geschwülste I. 224. - -Seit Langem hat es ferner Beobachter gegeben, welche die Ossification -der Gefässe als eine mit dem Atherom zusammengehörige Veränderung -betrachteten. =Haller= und =Crell= glaubten, dass die Ossification aus -der atheromatösen Masse hervorginge, und dass die letztere ein Saft sei, -welcher ähnlich, wie man es von dem unter dem Periost des Knochens -ausschwitzenden Safte annahm, fähig sei, aus sich Knochenplatten zu -erzeugen. Später erkannte man freilich, dass Atheromatie und -Ossification zwei parallele Vorgänge seien, welche aber auf einen -gemeinschaftlichen Anfang hinwiesen. Es wäre nun wohl logisch gewesen, -wenn man sich zunächst darüber geeinigt hätte, welches dieser -gemeinschaftliche Anfang wäre, von dem die atheromatöse Veränderung und -die Ossification ausgingen. Statt dessen gerieth man in die Bahn der -fettigen Entartungen und dehnte den atheromatösen Prozess über eine -Reihe von kleinen Gefässen aus, an denen die Bildung irgend eines -wirklich dem atheromatösen Heerde der Haut vergleichbaren geschlossenen -Sackes oder Balges überhaupt unmöglich ist. - -Nun liegt aber die Sache auch hier sehr einfach so, dass man an den -Gefässen zwei, ihrem endlichen Resultate nach sehr analoge Prozesse -trennen muss: zuerst die =einfache= (=passive=) =Fettmetamorphose=, -welche ohne ein weiter erkennbares Vorstadium eintritt, wo die -vorhandenen Elemente unmittelbar in fettige Degeneration übergehen und -zerstört werden, und wodurch eben nur ein mehr oder weniger ausgedehnter -Verlust (Usur) von Bestandtheilen der Gefässwand zu Stande kommt; sodann -eine zweite Reihe von Vorgängen, wo wir vor der Fettmetamorphose =ein -Stadium der Reizung= unterscheiden können, welches übereinstimmt mit dem -Stadium der Schwellung, Vergrösserung, Trübung, das wir an anderen -entzündeten Stellen sehen. Ich habe daher kein Bedenken getragen, in -dieser Frage mich ganz auf die Seite der alten Anschauung zu stellen, -und als den Ausgangspunkt der sogenannten atheromatösen Degeneration -eine Entzündung der Gefässwand zuzulassen (Endoarteriitis); und ich habe -mich weiterhin bemüht zu zeigen, dass diese Art von entzündlicher -Erkrankung der Gefässwand in der That genau dasselbe ist, was man -allgemein an den Herzwandungen eine Endocarditis nennt. Zwischen beiden -Prozessen besteht kein anderer Unterschied, als dass die Endocarditis -häufiger acut, die Endoarteriitis häufiger chronisch verläuft. - -Mit einer solchen Scheidung der Prozesse an den Arterien in einfach -degenerative (passive) und entzündliche (active) erklärt sich sofort -der verschiedene Verlauf. Trügerisch ist nur der Umstand, dass beide -Prozesse sich gelegentlich in demselben Falle gleichzeitig finden. Neben -den charakteristischen Umwandlungen der chronisch entzündlichen Theile -in der Tiefe finden sich an der Oberfläche nicht selten einfach fettige -Veränderungen. - -[Illustration: =Fig=. 128. Verticalschnitt durch die Aortenwand an einer -sklerotischen, zur Bildung eines Atheroms fortschreitenden Stelle. _mm_' -Tunica media, _i_ _i_' _i_'' Tunica intima. Bei _S_ die Höhe der -sklerotischen Stelle gegen die Gefässlichtung, _i_ die innerste, über -den ganzen Heerd fortlaufende Lage der Intima, _i_' die wuchernde, -sklerosirende und schon zur Fettmetamorphose sich anschickende Schicht, -_i_'' die schon fettig metamorphosirte, bei _e_, _e_ direkt erweichende, -zunächst an die Media anstossende Lage. Vergr. 20.] - -Betrachten wir nun die Atheromatie etwas genauer, z. B. an der Aorta, wo -der Prozess am gewöhnlichsten ist. Im Anfange (d. h. eigentlich zu einer -Zeit, wo noch nichts Atheromatöses vorhanden ist) entsteht an der -Stelle, wo die Reizung stattgefunden hat, eine Anschwellung, kleiner -oder grösser, nicht selten so gross, dass sie als wirklicher Buckel über -das Niveau der inneren Oberfläche hervorragt. Diese Hervorragungen -unterscheiden sich von der Nachbarschaft durch ihr durchscheinendes, -hornhautartiges Aussehen. In der Tiefe sehen sie mehr trübe aus. Hat die -Veränderung eine gewisse Dauer gehabt, so zeigen sich die weiteren -Umwandelungen nicht an der Oberfläche, sondern unmittelbar da, wo die -Intima die Media berührt, wie das die Alten sehr gut beschrieben haben. -Wie oft haben sie mit Bestimmtheit behauptet, dass man die innere Haut -über die veränderte Stelle hinweg abziehen könne! Daraus ging die -Schilderung von =Haller= hervor, dass die breiartige, atheromatöse Masse -in einer geschlossenen Höhle, wie eine kleine Balggeschwulst, zwischen -Intima und Media läge. Nur das war falsch, dass man die Geschwulst als -einen besonderen, von den Gefässhäuten trennbaren Körper betrachtete, -über welchen die sonst unveränderte Intima einfach hinwegliefe. Es ist -vielmehr die stark verdickte Intima selbst, welche ohne Grenze in die -Geschwulst übergeht. Je weiter der Prozess fortschreitet, um so mehr -bildet sich aus der Erweichung und dem Zerfalle der tiefsten Lagen der -Intima ein geschlossener Heerd, während die oberflächlichen Schichten -sich noch unversehrt erhalten; zuletzt kann es sein, dass der Heerd -fluctuirt und beim Einschnitte eine breiige Materie sich entleert, wie -der Eiter beim Einschnitte in einen Abscess. - -Untersucht man nun die Masse, welche am Ende des Prozesses vorhanden -ist, so sieht man zahlreiche Cholestearinplatten, welche oft schon für -das blosse Auge als glitzernde Scheibchen hervortreten: grosse -rhombische Tafeln, welche meist zu vielen nebeneinanderliegen, sich -decken und im Ganzen einen Glimmerreflex erzeugen. Neben diesen Platten -finden sich die unter dem Mikroskope bei durchfallendem Lichte schwarz -erscheinenden Körnchenkugeln, innerhalb derer die einzelnen Fettkörnchen -zuerst ganz fein sind. Die Kugeln sind gewöhnlich in grosser Masse -vorhanden; einzelne sieht man zerfallen, sich auseinander lösen und -Partikelchen davon, wie in der Milch, umherschwimmen. Daneben mehr oder -weniger grosse amorphe Gewebsfragmente, welche noch zusammenhalten und -durch die Erweichung der übrigen, nicht fettig veränderten -Gewebssubstanz entstehen; in sie sind hie und da Körnerhaufen -eingesetzt. =Diese drei Bestandtheile zusammen, das Cholestearin, die -Körnchenzellen und die Fettkörnchen, endlich grössere Klumpen von -halberweichter Substanz, sind es, welche den breiigen Habitus des -atheromatösen Heerdes bedingen=, und welche zusammengenommen in der That -eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Inhalte eines Grützbeutels der -äusseren Haut erzeugen. - -[Illustration: =Fig=. 129. Der atheromatöse Brei aus einem Aortenheerde. -_a a_' Flüssiges Fett, entstanden durch Fettmetamorphose der Zellen der -Intima (_a_), welche sich in Körnchenkugeln (_a_' _a_') umbilden, dann -zerfallen und kleine und grosse Oeltropfen frei werden lassen (fettiger -Detritus). _b_ Amorphe körnig-faltige Schollen erweichten und -gequollenen Gewebes. _c c_' Cholestearinkrystalle: _c_ die grossen -rhombischen Tafeln, _c_' _c'_ feine, rhombische Nadeln. Vergr. 300.] - -Was das Cholestearin anbetrifft, so ist es keineswegs ein specifisches -Product, welches dieser Art von fettiger Umwandelung für sich zugehörte. -Vielmehr sehen wir überall, wo fettige Producte innerhalb einer -abgeschlossenen Höhle, welche dem Stoffwechsel wenig zugänglich ist, -längere Zeit stagniren, dass das Fett Cholestearin abscheidet, z. B. in -der Flüssigkeit alter Hydrocelen, Strumen, Eierstockscysten. Fast alle -Fettmassen, die wir im Körper antreffen, enthalten eine gewisse -Quantität von Cholestearin gebunden. Ob das freiwerdende Cholestearin -vorher schon vorhanden war, oder ob an den Stellen eine wirkliche -Neubildung desselben erfolgt, darüber kann man bis jetzt nichts sagen, -da bekanntlich noch gar keine chemische Thatsache ermittelt ist, welche -über den Hergang bei der Bildung des Cholestearins und über die Stoffe, -aus welchen Cholestearin sich bilden mag, irgend einen Aufschluss gäbe. -Soviel muss man festhalten, dass das Cholestearin ein spätes -Abscheidungsproduct stagnirender, namentlich fetthaltiger Theile ist. - -Wenn man nun die erste Entwickelung der atheromatösen Stellen der -Arterien histologisch erforscht, so stösst man vor der Zeit, wo breiige -Substanz in dem Heerde des Atheroms liegt, auf ein Stadium, wo man -nichts weiter findet, als eine Fettmetamorphose, durch welche -Körnchenzellen in der gewöhnlichen Weise aus den Elementen des Gewebes -hervorgehen, und man überzeugt sich deutlich, dass der Vorgang in diesem -Stadium absolut nicht verschieden ist von dem, welchen wir bei dem -Herzen und bei der Niere in dem Stadium der fettigen Metamorphose -vorfanden (S. 425, 427). In dieser Zeit, unmittelbar vor der Bildung des -Heerdes, stellt sich das Verhältniss bei starker Vergrösserung so dar: -Auf einem Durchschnitte (Fig. 130, _a_, _a_') sehen wir die eingestreuten -fettig degenerirenden Elemente gegen die Mitte hin grösser werden und -dichter liegen, aber im Allgemeinen noch die Form von Zellen bewahren; -gegen den Umfang des Heerdes hin sind sie kleiner und spärlicher. Alle -diese Zellen sind mit kleinen, das Licht stark reflectirenden, fettigen -oder öligen Körnchen gefüllt. Dadurch entsteht für das blosse Auge auf -einem Durchschnitte ein weisslicher oder weissgelblicher Fleck. Zwischen -diesen Körnchenzellen befindet sich eine maschige Grundsubstanz, die -eigentlich faserige Intercellularsubstanz der Intima, welche wir -deutlich nach aussen in die normale Intima sich fortsetzen sehen. - -[Illustration: =Fig=. 130. Verticaler Durchschnitt aus einer -sklerotischen, sich fettig metamorphosirenden Platte der Aorta (Tunica -intima, nahe der Oberfläche): _i_ der innerste Theil der Haut mit -einzelnen und zu mehreren gruppirten (getheilten), runden Kernen. _h_ -die Schicht der sich vergrössernden Zellen: man sieht Maschennetze mit -spindelförmigen Zellen, welche durchschnittene knorpelartige Körperchen -umschliessen. _p_ Wucherungsschicht; Theilung der Kerne und Zellen. -_a a_' die atheromatös werdende Schicht: _a_ der Beginn des Prozesses, -_a_' der vorgerückte Zustand der Fettmetamorphose. Vergr. 300.] - -Für die Deutung der Vorgänge ist es aber ganz besonders wichtig, dass -man sich unmittelbar davon überzeugen kann, dass die Faserlage, welche -über dem Heerde liegt, ebenso in die oberflächliche Faserlage der -benachbarten normalen Intima übergeht, wie die Faserlage der -degenerirten Stelle in die tieferen Faserlagen der normalen Intima. Auf -diese Weise wird die, auch von =Rokitansky= längere Zeit vertheidigte -Ansicht widerlegt, dass es sich ursprünglich um eine Auflagerung auf die -Fläche der inneren Haut handele. Man sieht auf einem Durchschnitte ganz -evident, wie die äussersten Schichten in einem Bogen über die ganze -Schwellung hinweglaufen, aus der Intima hervorkommen und in sie -zurückkehren. Die Alten hatten also ganz Recht, wenn sie in dem Stadium, -wo die Bildung des Atherom-Heerdes schon vorgerückt ist, sagten, man -könne die Intima über den Heerd herüber im Zusammenhange abziehen. Nur -ist das nicht die ganze Intima, vielmehr überzeugt man sich, dass die -unteren Schichten des Heerdes jenseits der Grenze desselben ebenfalls in -die tieferen Schichten der normalen Intima fortgehen, dass also hier -nicht, wie die Alten annahmen, eine Zwischenlagerung zwischen Intima und -Media stattfindet, sondern das Ganze, was wir vor uns haben, degenerirte -Intima ist. - -In einzelnen besonders heftigen Fällen erscheint auch an den Arterien -die nekrobiotische Erweichung nicht als Folge einer rein fettigen -Metamorphose, sondern als directes Entzündungsproduct. Während im -Umfange ein fettiger Zerfall stattfindet, tritt im Centrum der -Veränderungsstelle ein gelbliches, trübes Wesen auf, unter welchem die -Substanz fast unmittelbar in ein Gemisch grober Bröckel (Fig. 128, _e_, -_e_. Fig. 129, _b_) erweicht und zerfällt. - -Es fragt sich in letzter Instanz, wo eigentlich der Sitz der fettigen -Degeneration ist. Man kann sich auch hier wieder denken, dass das Fett -in Zwischenräume (Interstitien) zwischen den Lamellen der Intima -abgelagert werde; und es gibt noch heute einen kleineren Theil von -Histologen, welche nicht anerkennen, dass das Bindegewebe nur Zellen, -aber keine einfachen Lücken enthält. Untersucht man die veränderten -Stellen nach der Oberfläche hin, so sieht man, dass dasselbe Gefüge, -welches an den fettigen Theilen hervortritt, sich auch an den bloss -hornigen oder halbknorpeligen Lagen erkennen lässt. Faserzüge, zwischen -welchen von Strecke zu Strecke kleine linsenförmige Lücken erscheinen, -finden sich hier, wie auch an der normalen Intima; in den Lücken und in -den Faserzügen liegen aber zellige Theile (Fig. 130, _h_, _p_). Die -Vergrösserung, welche die Stelle erfahren hat, und welche wir =Sklerose= -nennen, beruht darauf, dass, während die faserige Intercellularsubstanz -dicker und dichter wird, die zelligen Elemente sich vergrössern und eine -Vermehrung ihrer Kerne eintritt, so dass man nicht selten Räume findet, -in denen ganze Haufen von Kernen liegen. Damit leitet sich der Prozess -ein. Weiterhin kommen Theilungen der Zellen vor, und man trifft eine -grosse Masse von jungen Elementen. Diese sind es, welche nachher der -Sitz der fettigen Degeneration werden (Fig. 130, _a_, _a_') und dann -wirklich zu Grunde gehen. Demnach haben wir auch hier wieder einen -activen Prozess, der wirklich neues Gewebe hervorbringt, dann aber durch -seine eigene Entwickelung dem Zerfalle entgegeneilt. - -Kennt man diese Entwickelung, so begreift es sich, dass eine zweite -Möglichkeit des Ausganges neben der fettigen Degeneration besteht, -nehmlich die =Ossification=. Denn es handelt sich hier wirklich um eine -Ossification, und nicht, wie man in neuerer Zeit behauptet hat, um eine -blosse Verkalkung: die Platten, welche die innere Wand des Gefässes -durchsetzen, sind wirkliche, wenn auch etwas rohe Knochenplatten. Da sie -aus derselben sklerotischen Substanz sich bilden, aus der in anderen -Fällen die fettige Masse wird, und da ein wirkliches Gewebe nur aus -einem früheren Gewebe hervorgehen kann, so folgt von selbst, dass wir -auch beim Ausgange in Fettmetamorphose nicht eine einfache Ausstreuung -von Fett annehmen können, welche in beliebige Zwischenräume erfolgte. - -Die Ossification geschieht hier gerade so, wie wenn sich unter -Entzündungs-Erscheinungen an der Oberfläche des Knochens eine -(periostitische) Knochenlage bildete. Die Osteophyten der inneren -Schädeldecke und der Hirnhäute zeigen dieselbe Entwickelung, wie die -ossificirenden Platten der inneren Haut der Aorta und selbst der Venen. -Ihr erstes Stadium besteht immer in der vermehrten Bildung von -bindegewebigen, sklerosirenden Verdickungen, in welche erst spät die -Ablagerung der Kalksalze erfolgt. Sobald diese wirkliche Ossification -besteht, so können wir gar nicht umhin, den Vorgang als einen aus einer -Reizung der Theile zu neuen, formativen Actionen hervorgegangenen zu -betrachten; er fällt also in den Begriff der Entzündung oder wenigstens -derjenigen irritativen Prozesse, welche einer Entzündung -ausserordentlich nahe stehen. - -Gelangt man demnach von beiden Endpunkten des Prozesses aus, sowohl von -der Atheromatie, als von der Ossification, zu demselben Resultate, dass -die Knoten und Buckel, welche im Stadium der Sklerose die innere Fläche -der Gefässe verunstalten, auf einen activen Prozess, auf wirkliche -formative Reizung zurückführen, so kann man den Prozess gewiss nicht -besser bezeichnen, als mit dem Namen der =Endoarteriitis chronica -deformans s. nodosa=. Der an sich passive Charakter des fettigen -Endstadiums (Ausganges) ändert nichts an dem activen, irritativen -Anfangsstadium. Nur muss man sich stets erinnern, dass eine wesentliche -Verschiedenheit zwischen diesem Prozesse und der einfachen fettigen -Degeneration besteht, welche am besten an einem grossen Gefässe, z. B. -der Aorta, zu erkennen ist. Bei der letzteren entsteht an der Oberfläche -der Intima eine ganz leichte Anschwellung, welche sofort mit weggenommen -wird, sobald man einen oberflächlichen Schnitt abträgt; darunter liegt -noch eine starke Lage intacter Intima. Bei der Endoarteriitis dagegen -haben wir im letzten Stadium einen tief unter der oft normalen -Oberfläche liegenden Heerd, welcher später aufbricht, seinen Inhalt -entleert und das =atheromatöse Geschwür= bildet. Dieses entsteht zuerst -als ein feines Loch der Intima, durch welches der dicke, zähe Inhalt des -Atheromheerdes in Form eines Pfropfes an die Oberfläche drängt; nach und -nach entleert sich immer mehr von diesem Inhalte, wird vom Blutstrome -fortgerissen, und zuletzt behalten wir ein mehr oder weniger grosses -Geschwür zurück, welches bis auf die Media gehen kann, ja nicht selten -diese mit betheiligt. Immer handelt es sich also um eine schwere -Erkrankung des Gefässes, welche zu einer eben solchen Destruction führt, -wie sie bei anderen heftigen entzündlichen Prozessen vorkommt. - -Wendet man diese Erfahrung auf die Geschichte der =Endocarditis=[240] -an, so findet man die ganze Angelegenheit auch da. Auch an den -Herzklappen gibt es einfach fettige Degenerationen, sowohl an der -Oberfläche, als auch in der Tiefe. Diese verlaufen gewöhnlich so, dass -bei Lebzeiten keine Störung erkennbar wird, und dass wir von unserem -gegenwärtigen Erfahrungs-Standpunkte aus keine gröbere anatomische -Störung angeben könnten, welche die weitere Folge davon wäre. Dagegen -das, was wir Endocarditis nennen, was nachweisbar im Verlaufe des -Rheumatismus entsteht und unzweifelhaft als eine Art von Aequivalent -(Metastase) für den Rheumatismus der peripherischen Theile auftreten -kann, beginnt mit einer Schwellung der erkrankten Stelle selbst. Die -zelligen Elemente nehmen mehr Material auf, die Stelle wird uneben, -höckerig. Verläuft der Prozess mehr langsam, so entsteht entweder eine -Excrescenz (Condylom), oder die Verdickung breitet sich mehr hügelig aus -und wird später der Sitz einer Verkalkung oder wirklichen Verknöcherung. -Hat der Prozess einen acuteren Verlauf, so kommt es zu fettiger -Degeneration oder Erweichung, wo die Klappen durch den Blutstrom -zertrümmert werden, Bruchstücke sich ablösen und embolische Heerde an -entfernteren Punkten entstehen (Fig. 82, S. 246). - - [240] Wiener medic. Wochenschrift 1858. No. 14. - -[Illustration: =Fig=. 131. Condylomatöse Excrescenzen der Valvula -mitralis: einfache körnige Anschwellungen (Granulationen), grössere -Hervorragungen (Vegetationen), einzelne zottig, einzelne ästig und -wieder knospend; in allen elastischen Fasern aufsteigend. Vergr. 70.] - -Nur auf diese Weise, indem man die Anfänge der Veränderungen beobachtet, -ist es möglich, sichere und für die Praxis brauchbare Urtheile über die -pathologischen Prozesse zu gewinnen. Niemals darf man sich bestimmen -lassen, von der Differenz der klinischen Prozesse ausgehend, die -endlichen Producte derselben als nothwendig verschieden zu betrachten. -Die heftigsten Entzündungsprozesse, welche in ganz kurzer Zeit -verlaufen, können dieselben Ausgänge machen, welche in anderen Fällen -langsamer und ohne Entzündung entstehen. - -Ich habe nicht die Absicht, die Reihe der verschiedenen passiven -Störungen, welche möglicherweise im späteren Verlaufe von -Reizungszuständen auftreten können, im Einzelnen zu verfolgen. Wir -würden sonst in der Geschichte fast aller degenerativen Atrophien -analoge Beispiele finden können. Ueberall muss man die Zustände, in -denen ein Theil direkt der Sitz einer solchen Rückbildung wird, von -denjenigen unterscheiden, wo er vorher eine active Veränderung erfuhr. -Das ist die erste Vorbedingung zur vorurtheilsfreien, wirklich -gegenständlichen Erkenntniss der =Entzündung= überhaupt, zu deren -Besprechung wir uns gegenwärtig wenden wollen. - -Der Begriff der Entzündung hat sich unter der Einwirkung der -Erfahrungen, von welchen ich schon in dem Vorhergehenden einen gewissen -Theil besprochen habe, wesentlich verändert. Während man noch bis vor -kurzer Zeit gewohnt war, die Entzündung ontologisch, als einen =seinem -Wesen nach= überall gleichartigen Vorgang zu betrachten, so ist nach -meinen Untersuchungen nichts übrig geblieben, als alles Ontologische von -dem Entzündungs-Begriffe abzustreifen, und die Entzündung nicht mehr als -einen seinem Wesen nach von den übrigen verschiedenen Prozess, sondern -nur als eine =dem Verlaufe nach eigenthümliche Form verschiedener -Prozesse= anzusehen[241]. - - [241] Archiv IV. 280. Spec. Pathol. und Ther. I. 46, 72, 76. - -In der Aufstellung der Alten, wie sie uns in den dogmatischen Schriften -=Galen='s erhalten ist, steht bekanntlich unter den vier -Cardinal-Symptomen (calor, rubor, tumor, dolor) die Hitze als das -dominirende da, denn sie ist das Symptom, von welchem der Prozess seinen -Namen bekommen hat. Späterhin ist in dem Maasse, als die Frage von der -thierischen Wärme überhaupt und von der Wärme in pathologischen -Zuständen insbesondere in den Hintergrund trat, immer mehr Gewicht -gelegt worden auf die Röthung, und so ist es geschehen, dass schon im -vorigen Jahrhundert, in der Zeit der mechanischen Theorien, wo -namentlich =Boerhaave= die Entzündung ableitete von der Obstruction der -Gefässe und der damit verbundenen Stasis des Blutes, der Begriff der -Entzündung sich mehr oder weniger an die Gefässe band. Seitdem die -pathologisch-anatomischen Erfahrungen sich ausdehnten, wurde -insbesondere in Frankreich durch =Andral= die Hyperämie als der -nothwendige und regelmässige Ausgangspunkt der Entzündung hingestellt. -Die Einseitigkeit, mit welcher diese Ansicht noch bis in unsere Zeit -festgehalten ist, war zum grossen Theile eine Nachwirkung der -=Broussais='schen Anschauung, welche in der pathologisch-anatomischen -Richtung zur Geltung gekommen ist. Die Hyperämie trat allmählich an die -Stelle aller übrigen wesentlichen Symptome. - -Eine Aenderung der Doctrin im grossen Style hat eigentlich nur die -Wiener Schule versucht, indem sie, wiederum vom anatomischen Standpunkte -aus, an die Stelle der Entzündungs-Symptome das Entzündungsproduct -setzte. Das, was sie ihren Erfahrungen gemäss zunächst im Auge hatte, -und worin sie das Wesen der Entzündung suchte, war das Product, welches -man, allerdings entsprechend den überlieferten Vorstellungen, als ein -nothwendig aus den Gefässen hervorgegangenes, als Exsudat bezeichnete. -In der alten Classification der Symptome entsprach dem Exsudate der -Wiener ungefähr das Symptom des Tumors, und man könnte daher sagen, -dass, wie früher der Calor und dann der Rubor, so hier der Tumor in den -Vordergrund getreten sei. -- Nur in der mehr speculativen Anschauung der -Neuropathologen wird bekanntlich der Dolor als die wesentliche und -ursprüngliche Veränderung in dem Entzündungsacte betrachtet. - -Es kann kein Zweifel sein, dass von diesen verschiedenen Aufstellungen -die anatomische Lehre der Wiener Schule die richtigste sein würde, wenn -sich nachweisen liesse, dass bei jeder Entzündung, wie es gegenwärtig in -die Sprache der meisten Aerzte übergegangen ist, ein Exsudat stattfände, -dass der Tumor wesentlich durch dieses Exsudat bedingt sei, und -namentlich, dass dieses Exsudat als ein constantes, typisches, und der -Fibrin-Gehalt desselben als ein Kriterium der entzündlichen Natur -desselben betrachtet werden dürfe. - -Schon in den früheren Capiteln habe ich zu zeigen gesucht, wie erheblich -der Begriff des Exsudates geschmälert werden muss, und wie wesentlich -bei dem Auftreten von Stoffen, welche wir allerdings als aus den -Gefässen hervorgegangen und zu den früheren Gewebstheilen hinzugekommen -betrachten müssen, die activen Beziehungen der Gewebselemente selbst in -Frage kommen. Vieles ist, wie wir sahen, nicht ein aus den Gefässen -durch den Blutdruck hervorgepresstes, also passives Exsudat, sondern -vielmehr, wenn ich mich so ausdrücken soll, ein Educt oder Extract aus -den Gefässen in Folge der Thätigkeit, der activen Anziehung der -Gewebselemente selbst. - -Dasjenige, von dem, wie ich glaube, ausgegangen werden muss bei der -Betrachtung der Entzündung, der Punkt, in dem ich auch die Aufstellung -von =Broussais= und =Andral= für am meisten berechtigt erachte, ist der -Begriff des =Reizes=. Wir können uns keine Entzündung denken ohne -Entzündungsreiz, und es fragt sich zunächst, in welcher Weise man sich -diesen Reiz vorzustellen habe? - -Wir haben schon gesehen, dass im Allgemeinen eine Reizung in drei -verschiedenen Richtungen eintreten kann, dass sie nehmlich entweder eine -functionelle, oder eine nutritive, oder eine formative sein kann. Dass -bei der Entzündung functionelle Reize in Betracht kommen, dafür spricht -schon der Umstand, dass alle neueren Schulen wenigstens darin -übereingekommen sind, dass zu den vier charakteristischen Symptomen der -Alten noch die =Functio laesa= hinzugefügt werden müsse. Ist bei der -Entzündung die Function wirklich gestört, so setzt dies eben voraus, -dass der Entzündungsreiz in der Zusammensetzung des Theiles -Veränderungen bedingt haben muss, welche die zur Function verwendbaren -Theile der Gewebselemente getroffen haben, dass also die functionsfähige -Substanz nicht mehr unversehrt ist. Niemand wird erwarten, dass ein -Muskel, der entzündet ist, sich normal contrahirt; jeder setzt voraus, -dass die contractile Substanz des Muskels durch die Entzündung gewisse -Veränderungen erfahren hat. Niemand wird erwarten, dass eine entzündete -Drüsenzelle normal secerniren könne, sondern man betrachtet eine Störung -(Hemmung und Aenderung) der Secretion als nothwendige Folge der -Entzündung. Niemand wird annehmen, dass eine entzündete Ganglienzelle -oder ein entzündeter Nerv seine Verrichtungen ausüben, wie sonst, dass -sie auf Reize normal reagiren können. Unseren allgemeinsten Erfahrungen -nach schliessen wir in solchen Fällen mit Nothwendigkeit, dass -Veränderungen in der Zusammensetzung der zelligen Theile eingetreten -sein müssen, welche die natürliche Functionsfähigkeit derselben -alteriren. Solche Veränderungen können die Folgen einer übermässigen -Function sein; treten sie aber auf Reize ein, die nicht gross genug -sind, um die Theile sofort zu zerstören oder ihre Functionsfähigkeit zu -erschöpfen, so müssen es nothwendiger Weise entweder nutritive oder -formative Reize gewesen sein. Und in der That bestätigt sich dieser -Schluss bei der Entzündung. Man findet heut zu Tage die Ansicht schon -ziemlich verbreitet, dass es sich bei der Entzündung im Grossen um eine -Veränderung in dem Ernährungsacte handle, wobei man die Ernährung -freilich als das die formativen und nutritiven Vorgänge gemeinschaftlich -Umfassende nimmt, oder, wie ich es früher[242] ausdrückte: So lange auf -ein Irritament nur functionelle Störungen zu beobachten sind, so lange -spricht man von Irritation; werden neben den functionellen Störungen -nutritive bemerkbar, so nennt man es Entzündung. - - [242] Spec. Pathologie und Ther. I. 72. - -Will man also von einem Entzündungsreize sprechen, so kann man sich -darunter füglich nichts Anderes denken, als dass durch irgend eine für -den Theil, welcher in Reizung geräth, äussere Veranlassung, entweder -direkt von aussen, oder vom Blute, oder möglicher Weise von einem Nerven -her, die Mischung oder Zusammensetzung des Theiles Aenderungen erleidet, -welche zugleich seine Beziehungen zur Nachbarschaft ändern und ihn in -die Lage setzen, aus dieser Nachbarschaft, sei es ein Blutgefäss oder -ein anderer Körpertheil[243], eine grössere Quantität von Stoffen an -sich zu ziehen, aufzusaugen und je nach Umständen umzusetzen. Jede Form -von Entzündung, welche wir kennen, findet darin ihre natürliche -Erklärung. Jede kommt darauf hinaus, dass sie als Entzündung beginnt von -dem Augenblicke an, wo diese vermehrte Aufnahme von Stoffen in das -Gewebe erfolgt und die weitere Umsetzung dieser Stoffe eingeleitet wird. - - [243] Archiv XIV. 29. - -Diese Auffassung nähert sich bis zu einem gewissen Maasse, wie man -leicht sieht, derjenigen, welche man vom Standpunkte der vasculären -Theorie aus behauptet hat, wonach man als unmittelbare Folge der -Hyperämie das Exsudat betrachtet und annimmt, dass die Entzündung, wenn -sie declarirt sei, durch die Anwesenheit eines der natürlichen Mischung -des Theiles mehr oder weniger fremdartigen Stoffes sich charakterisire. -Es fragt sich nur, ob wirklich die Hyperämie die Einleitung und zwar die -nothwendige Einleitung zu diesen Vorgängen bilde. - -Wäre die Entzündung nothwendig gebunden an die Hyperämie, so würde es -begreiflicher Weise unmöglich sein, von Entzündungen in Theilen zu -sprechen, welche nicht überall in einer unmittelbaren Beziehung zu -Gefässen stehen. Wir könnten uns nicht vorstellen, dass eine Entzündung -in einer gewissen Entfernung von einem Gefässe geschähe. Es würde -vollständig unmöglich sein, von einer Hornhautentzündung zu sprechen -(abgesehen vom Rande der Hornhaut), von einer Knorpelentzündung -(abgesehen von den zunächst an den Knochen stossenden Theilen), von -einer Entzündung der inneren Sehnensubstanz. Vergleichen wir aber die -Vorgänge in solchen Theilen mit den gewöhnlichen, so stellt sich -unzweifelhaft heraus, dass dieselben Vorgänge der Entzündung in allen -diesen Theilen vorkommen können, und dass die Veränderungen der -gefässhaltigen sich in keiner Weise nothwendig von denen der gefässlosen -unterscheiden. - -Man darf aber deshalb nicht behaupten, dass die Entzündung an allen -Theilen gleich, dass sie demnach als ein einheitlicher Vorgang -aufzufassen sei. Allerdings bedingt die Existenz von Gefässen und der -Reichthum an Gefässen grosse Verschiedenheiten in den auf gewisse Reize -eintretenden Veränderungen. Das Auftreten von Exsudaten ist in hohem -Maasse abhängig von der Art der Vascularisation eines Theiles. Die -gefässlose Intima einer Arterie oder Vene liefert kein Exsudat, obwohl -sie einer Serosa so ähnlich ist, dass die Schule =Bichat='s sie nicht -bloss für eine Serosa erklärte, sondern ihr auch dieselben -Erkrankungsmöglichkeiten zuschrieb, wie sie an den serösen Häuten -bekannt sind. Ebenso wenig exsudirt der Gelenkknorpel an seiner -Oberfläche; findet sich ein Exsudat in einer Gelenkhöhle, so stammt es -von der Synovialis, welche reichlich Gefässe führt. - -Wie bekannt, hat man aber auch in der Auffassung der entzündlichen -Exsudate insofern Concessionen machen müssen, als man manchen Prozess -Entzündung genannt hat, welcher durch die Art des sogenannten Exsudates -sich wesentlich von anderen unterscheidet. Wenn man von -Schleimhaut-Entzündungen spricht, so denkt man in der Regel doch nicht -daran, dass die Schleimhaut ein fibrinöses Exsudat liefern wird. Wir -kennen wohl Schleimhäute, wo fibrinöse Exsudate häufig sind, z. B. die -Schleimhaut der Respirationsorgane. Aber wir wissen auch, dass auf der -Schleimhaut des Digestionstractus freie fibrinöse Exsudate fast gar -nicht vorkommen, dass sie höchstens die schlimmeren, namentlich die -brandigen und specifischen Formen begleiten. Wenn man von einer -Laryngitis spricht, so setzt man nicht sogleich einen Croup voraus. Bei -einer Cystitis erwartet man nicht, die innere Fläche der Blase von -einer fibrinösen Schicht überzogen zu finden. In der ganzen Reihe der -sogenannten gastrischen Entzündungen finden wir namentlich im Anfange -des Prozesses fast nichts weiter, als eine reichliche Absonderung von -Schleim. Wenn wir also diese catarrhalischen Entzündungen noch -Entzündungen nennen, wenn wir sie nicht ganz aus der Reihe der -Entzündungen herauswerfen wollen, wozu kein Grund vorliegt, so müssen -wir zugestehen, dass ausser dem fibrinösen Exsudate in Entzündungen ein -schleimiges Exsudat bestehen kann, und dass die Entzündungen mit -schleimigem Exsudate eine eigene, gewissen Organen zukommende Kategorie -bilden. Denn bekanntlich finden wir sie nicht an allen Geweben des -Körpers, sondern fast nur an Schleimhäuten. - -Sieht man sich nun die fibrinösen Exsudate etwas genauer an, so kann gar -kein Zweifel sein, dass sie in diesem Punkte von den schleimigen nicht -verschieden sind. Wir kennen nehmlich keinesweges an allen Punkten des -Körpers fibrinöse Exsudate; wir kennen z. B. keine Form von exsudativer -Encephalitis, welche fibrinöses Exsudat liefert. Eben so wenig ist eine -Form von Hepatitis bekannt, wobei fibrinöse Exsudate in der Leber -vorkämen. Es gibt wohl eine Entzündung des Leberüberzuges -(Perihepatitis), so gut wie eine Entzündung des Gehirnüberzuges -(Arachnitis), wobei Fibrin frei hervortreten kann, aber nie hat Jemand -bei einer eigentlichen Hepatitis oder Encephalitis Fibrin angetroffen. -Ebensowenig gibt es bei den gewöhnlichen Entzündungen des Herzfleisches -(Myocarditis) Fibrin. - -Andererseits ist es sicher, dass man, von bestimmten Voraussetzungen -ausgehend, Fibrin-Exsudate an vielen Punkten vermuthet hat, wo sie in -der That gar nicht zu sehen sind. Wenn man den Eiter aus einem -fibrinösen Exsudat hat hervorgehen lassen, und wenn man demnach an allen -Stellen, wo Eiter auftritt, ein fibrinöses Exsudat als den Ausgangspunkt -betrachtet hat, so gehört doch eben keine grosse Beobachtungsgabe dazu, -um sich zu überzeugen, dass dies ein Irrthum ist. Man nehme eine -beliebige Ulcerationsfläche, wische den Eiter ab und fange das auf, was -nun »ausschwitzt«, so wird man entweder seröse Flüssigkeit oder Eiter -haben, aber man wird nicht sehen, dass sich die abgewischte Fläche mit -einem Fibrin-Gerinnsel überzieht. Beschränkt man sich auf diejenigen -Theile, wo Entzündungen mit wirklichem, unzweifelhaftem fibrinösen -Exsudate vorkommen, so ist dies eine nahezu ebenso beschränkte -Kategorie, wie die der schleimigen Entzündungen. Hier stehen in erster -Linie die eigentlichen serösen Häute, welche gewöhnlich schon bei -leichtem Entzündungsreiz Fibrin hervorbringen, in zweiter Linie gewisse -Schleimhäute, an welchen die fibrinösen Entzündungen in einer grossen -Zahl von Fällen unverkennbar als eine Steigerung aus schleimigen -hervorgehen. Ein gewöhnlicher Croup tritt in der Regel nicht von -vornherein als fibrinöser Croup auf; anfangs, zu einer Zeit, wo die -Gefahr schon eine sehr beträchtliche sein kann, findet sich oft nichts -weiter, als eine schleimige oder schleimig-eiterige Pseudomembran. Erst -nach einer gewissen Zeit setzt die fibrinöse Exsudation in der Weise -ein, dass wir an derselben Pseudomembran die Uebergänge verfolgen -können, so dass eine gewisse Stelle deutlich Schleim, eine andere -deutlich Fibrin enthält, während an einer dritten Stelle nicht mehr zu -sagen ist, ob der eine oder das andere vorhanden ist. Hier treten also -beide Stoffe wiederum als Substitute für einander auf. Wo der -entzündliche Reiz grösser ist, sehen wir Fibrin, wo er geringer ist, -Schleim vorkommen. - -Vom Schleime wissen wir aber, dass er im Blute nicht präexistirt, wie -das Fibrin. Wenn auch eine Schleimhaut unglaublich grosse Massen von -Schleim in kurzer Zeit hervorbringen kann, so sind dieselben doch -Producte der Schleimhaut selbst; sie wird nicht vom Blute aus mit -Schleim durchdrungen, sondern das Mucin, der eigenthümliche Schleimstoff -ist ein Erzeugniss der Haut (S. 66), und dieses wird durch die vom Blute -aus durchquellende (trans- und exsudirende) Flüssigkeit mit an die -Oberfläche geführt. Im Anschlusse an diese Erfahrung habe ich, wie ich -früher andeutete (S. 197), auch versucht, die Ansicht umzukehren, welche -man über die Entstehung des Fibrins zu haben pflegt[244]. Während man -bis jetzt die Fibrinausscheidung als eine eigentliche Transsudation aus -der Blutflüssigkeit, das Exsudat als das hervortretende Plasma -betrachtete, so habe ich die Deutung aufgestellt, dass auch das Fibrin -häufig ein Localproduct derjenigen Gewebe sei, an welchen und in welchen -es sich findet, und dass es in derselben Weise an die Oberfläche -gebracht werde, wie der Schleim der Schleimhaut. Ich habe damals schon -gezeigt, wie man auf diese Weise am besten begreift, dass in dem Maasse, -als an einem bestimmten Gewebe die Fibrinproduction steigt, auch dem -Blute mehr Fibrin zugeführt wird, und dass die fibrinöse Krase eben so -gut ein Product der localen Erkrankung ist, wie die fibrinöse Exsudation -das Product der localen Stoffmetamorphose. Nie ist man im Stande -gewesen, so wenig als man direct durch Druckveränderung aus dem Blute -Schleim an einem Orte hervorbringen kann, welcher nicht selbst Schleim -producirt, durch Veränderung im Blutdrucke aus den Capillaren des -lebenden Thieres Fibrin hervorzupressen; was durchdringt, sind immer nur -die serösen Flüssigkeiten. - - [244] Spec. Pathologie und Ther. I. 75. Gesammelte Abhandlungen - 135-37. Archiv XIV. 36. - -Ich halte demnach dafür, =dass es in dem gewöhnlichen Sinne überhaupt -kein entzündliches Exsudat gibt=, sondern dass das Exsudat, welches wir -im Laufe entzündlicher Reizungen antreffen, sich zusammensetzt -einerseits aus dem Material, welches durch die veränderte Haltung in dem -entzündeten Theile selbst erzeugt wurde, andererseits aus der -transsudirten Flüssigkeit, welche aus den Gefässen stammt. Diese kann -ihrerseits sehr verschieden sein. Manchmal ist sie rein serös -(hydropisch), andermal enthält sie zahlreiche rothe Blutkörperchen und -muss daher geradezu als hämorrhagisch bezeichnet werden, andermal -endlich finden sich in ihr grössere oder kleinere Mengen von farblosen -Blutkörperchen. Besitzt daher ein Theil eine grosse Menge besonders -oberflächlicher Gefässe, so wird er auch ein reichliches Exsudat geben -können, wobei die vom Blute transsudirende Flüssigkeit ausser den aus -dem Blute selbst gelieferten Bestandtheilen die besonderen Producte des -Gewebes (Mucin, Fibrin, Paralbumin, zellige Elemente u. s. w.) mit an -die Oberfläche führen kann. Hat dagegen der Theil keine Gefässe oder -keine freie Oberfläche, so wird es auch kein Exsudat geben, sondern der -ganze Vorgang beschränkt sich darauf, dass im Gewebe selbst die -besonderen Veränderungen vor sich gehen, die durch den entzündlichen -Reiz angeregt worden sind. - -Demnach gibt es wohl exsudative Entzündungen der äusseren Haut, der -Schleim-, serösen und synovialen Häute, der Lungen, aber wir kennen -nichts, was damit vergleichbar wäre an Hirn und Rückenmark, an Nerven -und Muskeln, an Milz, Leber, Hoden, Knochen u. s. w. Man muss demnach -zwei ganz und gar ihrer Leistung nach verschiedene Formen von -Entzündungen von einander trennen[245]: nehmlich erstens die =rein -parenchymatöse Entzündung=, wo der Prozess im Inneren des Gewebes und -zwar mit Veränderungen der Gewebselemente selbst verläuft, ohne dass -eine frei hervortretende Ausschwitzung wahrzunehmen ist; zweitens die -=secretorische= (=exsudative=) =Entzündung=, welche mehr den -oberflächlichen Organen angehört, wo vom Blute aus ein vermehrtes -Austreten von wässerigen (serösen) Flüssigkeiten erfolgt, welche die -eigenthümlichen, in Folge der Gewebsreizung gebildeten parenchymatösen -Stoffe mit an die Oberfläche der Organe führen. Allerdings sind diese -beiden Formen hauptsächlich nach den Organen unterschieden, an welchen -die Entzündung vorkommt. Es gibt, wie gesagt, gewisse Organe, welche -unter allen Verhältnissen nur parenchymatös erkranken, andere, welche -fast jedesmal eine oberflächliche exsudative Entzündung erkennen lassen. -Aber die Geschichte der mit freien Oberflächen versehenen Organe lehrt -doch auch, dass dasselbe Gewebe, z. B. eine Schleimhaut, exsudativ und -parenchymatös erkranken kann. - - [245] Spec. Pathologie und Therapie. I. 66. - -Die Scheidung der Entzündungsformen, welche man gewöhnlich nach dem -Vorgange von =John Hunter= gemacht hat, die in adhäsive und eiterige -Formen, liegt ungleich weiter entfernt. Zunächst handelt es sich immer -darum, zu untersuchen, in wie weit die Gewebe selbst sich verändern und -ihr Product einen degenerativen Character annimmt, oder in wie weit -durch das Durchströmen der Flüssigkeiten der Theil wieder von dem -befreit wird, was er in sich erzeugt hat, wodurch die Degeneration des -Theiles vermieden wird. =Jede parenchymatöse Entzündung hat von -vornherein eine Neigung, den histologischen und functionellen Habitus -eines Organes zu verändern. Jede Exsudation bringt dem Gewebe eine -gewisse Befreiung=: sie entführt ihm einen grossen Theil der -Schädlichkeiten, und das Gewebe erscheint daher verhältnissmässig viel -weniger leidend, viel weniger einer dauerhaften Degeneration ausgesetzt, -als dasjenige, welches der Sitz einer parenchymatösen Erkrankung ist. -Daher ist schon seit alten Zeiten die therapeutische Aufgabe des Arztes -dahin festgestellt worden, bei Entzündungen oberflächlicher Organe die -Secretion (Transsudation, Exsudation) zu befördern, und es kann trotz -der gerade in der neuesten Zeit wieder in größerer Heftigkeit -aufgetauchten Bedenken nicht bezweifelt werden, dass die Secretion nicht -bloss für tiefere Theile, sondern auch für die erkrankte Oberfläche -selbst eine =derivatorische= oder =depuratorische= Bedeutung hat. - -Die beiden Grundformen der Entzündung, die parenchymatöse und die -exsudative, können sich mit einander vergesellschaften und eine -combinirte Störung hervorbringen. Allein beide sind ihrem Wesen nach -verschieden. Sagt man statt parenchymatöse Entzündung »entzündliche -Degeneration« und statt exsudativer Entzündung »entzündliche Secretion«, -so stellt sich die Verschiedenheit alsbald in deutlicher Weise dar. -Niemand würde so verschiedene Prozesse zusammenwerfen, wenn nicht die -klinische Beobachtung ergäbe, dass beide auf Reize entstehen, also einen -irritativen Anfang haben, dass ferner derselbe Reiz hier eine -Degeneration, dort eine Exsudation hervorruft, und dass endlich in -beiden Fällen, wenn der Theil reichlichere Gefässe und Nerven hat, -Röthe, Hitze und Spannung bemerkbar werden. Erwägt man nun aber -weiterhin, dass weder die eintretende Degeneration, noch die Exsudation -in allen Entzündungen denselben Charakter haben, dass die Degeneration -nutritiv oder formativ, die Exsudation schleimig, serös, fibrinös, -synovial sein kann, so wird leicht ersichtlich, dass in der That die -Bezeichnung der Entzündung eine rein symptomatologische und -prognostische, also klinische ist, und dass es eine ganz falsche und -darum gefährliche Concession ist, im anatomischen Sinne überhaupt von -einer Entzündung kurzweg zu sprechen. Denn mit dieser Concession geräth -man sofort auf den Abweg, eine einheitliche anatomische Definition zu -suchen, und bis jetzt ist noch jeder Versuch, eine solche zu finden, -gescheitert. - - - - - Zwanzigstes Capitel. - - Die normale und pathologische Neubildung. Geschichte des Knochens. - - - Die Theorie der continuirlichen Entwickelung im Gegensatze zu der - Blastem- und Exsudattheorie. Das Bindegewebe, seine Aequivalente - und seine Adnexen als gemeinster Keimstock der Neubildungen. Die - Uebereinstimmung der embryonalen und pathologischen Neubildung. Die - Bedeutung der farblosen Blutkörperchen. Die Zellentheilung als - gewöhnlicher Anfang der Neubildungen. - - Endogene Bildung. Physaliden. Bruträume. Furchung. - - Wachsthumähnliche und zeugungsähnliche Neubildung. Pflanzliche - Analogie. - - Verschiedene Richtung der Neubildung. Hyperplasie, directe und - indirecte. Heteroplasie. Die pathologischen Bildungszellen: - Granulation. Verschiedene Grösse und Bildungsdauer derselben. - - Darstellung der Knochenentwickelung als einer Musterbildung. - Unterschied von Formation, Transformation und Wachsthum. Das - appositionelle und das interstitielle Wachsthum. Die - Blastemtheorie. Der frische und wachsende Knochen im Gegensatze zu - dem macerirten. Natur des Markes. -- Längenwachsthum der - Röhrenknochen: Knorpelwucherung. Markbildung als - Gewebstransformation: rothes, gelbes und gallertiges, normales, - entzündliches und atrophisches Mark. Tela ossea, verkalkter - Knorpel, osteoides Gewebe. Rachitis. Ossification des Markes. -- - Dickenwachsthum der Röhrenknochen. Struktur und Wucherung der - Periostes. Weiches Osteom der Kiefer. Callusbildung nach Fractur. - Knochenterritorien: Caries, degenerative Ostitis. - Knochengranulation. Knocheneiterung. Maturation des Eiters. - - Die Granulation als Analogon des Knochenmarkes und als - Ausgangspunkt heteroplastischer Entwickelung. - -Es wird nunmehr nothwendig sein, zur genaueren Erläuterung der -=formativen Reizung= zu schreiten und die wesentlichsten Züge aus der -Geschichte der pathologischen Neubildungen zu schildern. Denn schon aus -dem Früheren wird hervorgegangen sein, dass formative Vorgänge nicht -etwa bloss die Grundlage für Geschwulstbildungen im engeren Sinne des -Wortes, sondern auch für viele einfach entzündliche Reizungsprozesse -bilden. - -Dass ich die Doctrin vom Blastem in ihren ursprünglichen Grundzügen -gegenwärtig vollständig zurückweise, habe ich wiederholt ausgesprochen. -An ihre Stelle tritt die sehr einfache Lehre von der =continuirlichen -Entwickelung der Gewebselemente aus einander=. Es handelt sich also für -die einzelnen Fälle vielmehr darum, den besonderen Modus zu erkennen, -nach welchem die verschiedenartigen Gewebe entstehen, und an bestimmten -Beispielen die einzelnen Möglichkeiten kennen zu lernen, welche in -Beziehung auf die Richtung dieser Entwickelung überhaupt bestehen. - -Meine ersten Erfahrungen, auf Grund deren ich anfing, die herrschende -Doctrin vom Blastem und Exsudat in Beziehung auf daraus hervorgehende -Neubildungen zu bezweifeln, datiren von Untersuchungen über die -=Tuberkeln=[246]. Ich fand nehmlich, dass die jungen Tuberkel in -verschiedenen Organen, insbesondere in Lymphdrüsen, in den Hirnhäuten -und in den Lungen zu keiner Zeit ein erkennbares Exsudat, sondern zu -jeder Zeit während ihrer Bildung organisirte Elemente enthalten, ohne -dass je an ihnen oder vor ihnen ein Stadium des Amorphen, Gestaltlosen -zu beobachten ist. Insbesondere erkannte ich, dass die Entwickelung in -den Lymphdrüsen bei den bekannten scrofulösen Anschwellungen mit einer -Neubildung beginnt und dass die ersten Zustände, welche man antrifft, -vollkommen mit denjenigen übereinstimmen, welche man sonst mit dem Namen -der Hypertrophie bezeichnete: Kerne und Zellen finden sich in reicher -Masse, zerfallen späterhin und geben das Material zu der endlichen -Anhäufung käsiger Substanz. Eine solche Erfahrung, wonach ein -hypertrophirendes (genauer gesagt: hyperplastisches) Gewebe in seiner -späteren Zeit ein vollkommen abweichendes, krankhaftes Product liefert, -erschien um so bedeutungsvoller, als ich eine ganz ähnliche Reihe von -Entwickelungen gleichzeitig bei der Untersuchung einer ganz differenten -Bildung erkannte, nehmlich bei der sogenannten =Typhusmasse=[247]. -Damals herrschte ganz allgemein die Ansicht der Wiener Schule, dass bei -den Abdominaltyphen ein eiweissartiges Exsudat von weicher -Beschaffenheit in die Darmwand abgesetzt würde, und dass dadurch -Schwellungen von markigem, medullärem Aussehen entständen. Ich fand -dagegen, dass, gleichviel ob ich die Typhusmasse in den Lymphdrüsen des -Gekröses oder an den Follikeln der Peyerschen Haufen untersuchte, zu -keiner Zeit irgend ein bildungsfähiges Exsudat vorhanden war, sondern -stets eine unmittelbare Fortbildung von den präexistirenden zelligen -Elementen der Drüsen, der Follikel und des Bindegewebes zu der typhösen -Substanz stattfinde. - - [246] Würzb. Verhandl. 1850. I. 80. II. 70. III. 98. - - [247] Ebendas. I. 86. - -Diese Erfahrungen berechtigten natürlich noch nicht, eine allgemeine -Umänderung der bestehenden Doctrin vorzunehmen, denn organische Elemente -entstehen an zahllosen Punkten, an denen damals wenigstens zellige -Elemente als normale Bestandtheile überhaupt ganz unbekannt waren, und -es schien daher kaum eine andere Möglichkeit übrig zu bleiben, als die, -dass durch eine Art von Generatio aequivoca aus Blastemmasse neue Keime -gebildet würden. Die einzigen Orte, wo mit einiger Wahrscheinlichkeit -ausser den Drüsen eine Entwickelung neuer Elemente von den alten -Elementen aus hätte erschlossen werden können, waren die Oberflächen des -Körpers mit ihren Epithelial-Formationen. So geschah es, dass meine -Untersuchung über die Natur der Bindegewebs-Substanzen, auf welche ich -früher wiederholt eingegangen bin, eine entscheidende wurde. Von dem -Augenblicke an, wo ich behaupten konnte, dass es fast keinen Theil des -Körpers gibt, welcher nicht zellige Elemente besitzt, wo ich zeigen -konnte, dass die Knochenkörperchen wirkliche Zellen sind, dass das -Bindegewebe an verschiedenen Orten eine bald grössere, bald geringere -Zahl wirklich zelliger Elemente führe[248], da waren auch überall Keime -erkannt für eine mögliche Entwickelung neuer Gewebe. Thatsächliche -Nachweise für eine solche Entwickelung brachte ich alsbald in meinen -Arbeiten über parenchymatöse Entzündung[249] und über ein cystoides -Enchondrom[250], denen später eine ganze Reihe weiterer -Special-Untersuchungen sich angeschlossen hat. Je mehr die Zahl der -Beobachter wuchs, um so häufiger hat es sich bestätigt, dass eine grosse -Zahl der verschiedensten Neubildungen, welche im Körper entstehen, aus -dem Bindegewebe und seinen Aequivalenten hervorgeht. Daran schloss sich -unmittelbar das Gebiet der lymphatischen Gebilde und der mit ihnen -zusammenhängenden farblosen Blutkörperchen, deren Bedeutung für die -Neubildung von Manchen sehr hoch veranschlagt wird. Endlich sind zu -erwähnen jene pathologischen Neubildungen, welche den Epithelformationen -angehören, sowie diejenigen, welche mit den höher organisirten -thierischen Geweben, z. B. den Gefässen, den Nerven, zusammenhängen. -Erwägt man, dass die lymphatischen Einrichtungen ihrerseits mit dem -Bindegewebe nahe Beziehungen haben, so wird man noch jetzt nicht -fehlgehen, wenn man mit geringen Einschränkungen =an die Stelle der -plastischen Lymphe, des Blastems der Früheren, des Exsudates der -Späteren das Bindegewebe mit seinen Aequivalenten und Adnexen als den -hauptsächlichen Keimstock des Körpers setzt=, und davon die Entwickelung -der meisten neugebildeten Theile ableitet[251]. - - [248] Würzb. Verhandl. II. 150, 154. - - [249] Archiv IV. 284, 304, 312. - - [250] Archiv V. 216, 239. - - [251] Spec. Pathologie und Ther. I. 330, 333. Archiv VIII. 415. - -Wenn wir ein bestimmtes inneres Organ nehmen, z. B. das Gehirn oder die -Leber, so konnte, so lange als man innerhalb des Gehirnes nichts weiter -als Nervenmasse sah, in der Leber nichts weiter als Gefässe und -Leberzellen zuliess, eine Neubildung ohne Dazwischenkommen eines -besonderen Bildungsstoffes kaum gedacht werden. Denn davon war es ja -leicht, sich zu überzeugen, dass in der Regel in der Leber die -Neubildungen nicht von den Leberzellen oder den Gefässen ausgehen. Dass -in der Hirnsubstanz die Nerven nicht als solche die Neubildungen -hervorbringen, und dass die Markschwämme nicht wuchernde Nervenmasse -sind, sondern aus zelligen Elementen anderer Art bestehen, das hätte man -wissen sollen seit dem Augenblicke, wo das Mikroskop auf die -Untersuchung der Gewebe angewendet worden ist. Aber ich habe erst -nachweisen müssen, dass es Bindegewebszellen in der Leber und -interstitielle Gliazellen im Gehirne gibt, welche Aequivalente der -gewöhnlichen Bindegewebskörperchen sind. In der That erscheint uns, wie -zuerst =Reichert= hervorgehoben hat, der Grundstock des Körpers -zusammengesetzt aus einer mehr oder weniger continuirlichen Masse von -bindegewebsartigen Bestandtheilen, an und in welche an gewissen Punkten -andere Dinge, wie Epithel, Muskeln, Gefässe und Nerven, eingesetzt sind. -Innerhalb dieses mehr oder weniger zusammenhängenden Gerüstes ist es, wo -nach meinen Untersuchungen die Mehrzahl der Neubildungen vor sich geht, -und zwar nach demselben Gesetze, nach welchem die embryonale -Entwickelung geschieht. - -Das Gesetz von der Uebereinstimmung der embryonalen und pathologischen -Entwickelung ist, wie bekannt, schon von =Johannes Müller=, der auf den -Untersuchungen von =Schwann= fortbaute, formulirt worden. Allein damals -setzte man den Inhalt eines Ovulums (Fig. 7) dem Blasteme gleich; man -dachte nicht daran, dass alle Entwickelung im Ei innerhalb der gegebenen -Grenzen der Zelle geschieht, sondern man schloss einfach, dass im Eichen -eine gewisse Menge von bildungsfähigem Stoffe gegeben sei, welcher -vermöge einer ihm innewohnenden Eigenthümlichkeit, vermöge einer -organisatorischen Kraft oder, vom Standpunkte der »höheren« Anschauung -aus, durch eine organisatorische Idee getrieben, sich in diese oder jene -besondere Form umgestalte. Wenn es auch nicht richtig ist, was am -schärfsten von =Remak= behauptet worden ist, dass auch die -Dotterfurchung und die daraus hervorgehende Bildung der Primordialzellen -auf dem Hineinwachsen und Verschmelzen von Membranscheidewänden in das -Innere des Eies beruht, so handelt es sich doch auch innerhalb der -Dottermasse nicht um eine freie organisatorische Bewegung, sondern um -fortgehende Theilungsacte eines ursprünglich einfachen Elementes. Es -folgt daraus, dass eine Vergleichung der freien plastischen Exsudate -oder des pathologischen Blastems mit den Inhalts- oder Protoplasmamassen -des Eies an sich unzulässig ist. Wo wir beim Embryo wirklich geformte -Elemente, Zellen, finden, da sind diese auch von einem präexistirenden -Elemente, einer Zelle ausgegangen. Eine Uebereinstimmung der embryonalen -und der pathologischen Neubildung kann daher nur dann behauptet werden, -wenn auch in der Pathologie jede neue Entwickelung auf vorhandene Zellen -als Ausgangspunkte zurückgeführt werden kann. - -Der in der neuesten Zeit vielfach behauptete Punkt, in wie weit -ausgewanderte farblose Blutkörperchen oder Lymphkörperchen die Keime für -allerlei Neubildungen werden können, ändert in diesen Anschauungen -nichts Wesentliches. Beim Frosche, an welchem die Mehrzahl der diese -Auswanderung betreffenden Untersuchungen angestellt worden sind, müssen -die Lymphkörperchen bei dem Fehlen der Lymphdrüsen direkt aus dem -Bindegewebe abgeleitet werden, und wenn sie später der Ausgangspunkt für -Neubildungen werden, so unterscheidet sich diese Neubildung von der -früher von mir gelehrten nur dadurch, dass sie nicht an Ort und Stelle, -sondern an einer mehr oder weniger von dem Entstehungsorte dieser -Keimzellen entfernten Orte stattfindet. Beim Menschen und den höheren -Wirbelthieren, welche ausgebildete Lymphdrüsen besitzen, wäre in diesen -eine permanente Brutstätte neuer Keimzellen anzunehmen, indess gehen -auch die Lymphdrüsen, so weit wir wissen, embryologisch aus -proliferirendem Bindegewebe hervor. Es kann sich daher im Principe nur -darum handeln, festzustellen, auf welche Weise die Bildung der neuen -Elemente in dem Keimgewebe stattfindet. - -[Illustration: =Fig=. 132. Zellen aus der mittleren Substanz des -Intervertebralknorpels eines Erwachsenen. Intracapsuläre -Zellenvermehrung. Vergr. 300.] - -Der Modus dieser Neubildung ist, so viel bekannt, ein doppelter. In der -Regel handelt es sich um =einfache Theilung=, wie wir sie schon bei -Gelegenheit der Reizung besprochen haben (S. 386). Wir sehen dann die -ganze Reihe von Veränderungen von der Theilung des Kernkörperchens und -des Kernes bis zur endlichen Theilung der ganzen Zelle. Wenn ein -epitheliales Element zwei Kerne bekommt, sich darauf theilt, und dieses -sich wiederholt, so kann daraus durch fortgehende Wiederholung eine -grosse Zahl neuer Elemente hervorgehen. Bekommt Jemand durch -fortgesetzte Reibung der Haut eine Reizung, und wird der Reiz bis zu -einem gewissen Grade gesteigert, so wird sich das Epithel verdicken, und -wenn die Wucherung sehr stark ist, so kann sie zu grossen, -geschwulstartigen Bildungen sich erheben. Dies geschieht durch -fortschreitende Zelltheilung. Denselben Modus der Entwickelung, welchen -Epithelialschichten darbieten, treffen wir auch im Inneren der Organe. -Im Knorpel, wo das einfache zellige Element in eine Kapsel -eingeschlossen ist, tritt endlich an die Stelle desselben eine Anhäufung -zahlreicher Elemente, von denen jedes wiederum eingeschlossen wird in -eine besondere, neugebildete Kapsel, während die ganze Gruppe von der -vergrösserten, ursprünglichen Kapsel (der früher fälschlich sogenannten -Mutterzelle) umgeben ist. Am Bindegewebe kann jede neue Zelle, welche -aus der Theilung hervorgegangen ist, sofort eine neue Schicht -Intercellularsubstanz bilden. Das ist also ein an sich sehr einfacher -Modus, der jedoch, da er an verschiedenartigen Geweben vorkommt, sehr -verschiedene Resultate bringen kann. - -Es gibt aber noch eine andere Reihe von Neubildungen im Körper, welche -freilich viel weniger gut gekannt sind, und deren Vorgang sich bis jetzt -nicht mit eben so grosser Sicherheit übersehen lässt. Es sind das -Vorgänge, wo im Inneren von präexistirenden Zellen =endogene= -Neubildungen eintreten. - -Eine dieser Veränderungen ist folgende: In einer einfachen Zelle bildet -sich ein blasiger Raum, der gegenüber dem etwas trüben, gewöhnlich -leicht körnigen Inhalte der Zelle ein sehr klares, helles, homogenes -Aussehen darbietet. Derselbe unterscheidet sich von einer blossen -Vacuole (S. 357) dadurch, dass er eine besondere Hülle besitzt und nicht -einen einfachen Tropfen darstellt[252]. Auf welche Weise diese Räume, -welche ich unter dem Namen der =Physaliden=[253] zusammenfasse, -entstehen, ist noch nicht ganz sicher. Die grösste Wahrscheinlichkeit -ist dafür, dass bei gewissen Formen gleichfalls Kerne der Ausgangspunkt -dieser Bildungen sind. Man sieht nehmlich neben den physaliphoren Zellen -andere mit 2 Kernen, manche, wo der eine Kern schon etwas grösser und -heller erscheint, aber doch immer noch mit kernartiger Beschaffenheit. -Weiterhin wird dieser helle Kern zu einer Blase von solcher Grösse, dass -die Zelle allmählich fast ganz davon erfüllt wird und ihr alter Inhalt -mit dem andern Kerne nur noch wie ein kleiner Anhang an der Blase -erscheint[254]. So weit ist der Vorgang ziemlich einfach. Allein neben -diesen zunehmenden und die Zelle erfüllenden Blasen trifft man andere, -wo im Inneren der Blasen wieder Elemente zelliger Art eingeschlossen -sind. So ist es ziemlich häufig in Krebsgeschwülsten, aber auch in -normalen Theilen, z. B. in der Thymusdrüse[255]. Diese Form scheint nur -so gedeutet werden zu können, dass in besonderen blasigen Räumen, die -ich deshalb =Bruträume= genannt habe[256], im Inneren von zelligen -Elementen neue Elemente ähnlicher Art sich entwickeln. Obwohl ich -ähnliche Formen auch bei entzündlichen Zuständen z. B. in dem Epithel -des Herzbeutels bei Pericarditis gesehen habe[257], und obwohl manche -neuere Beobachtungen sich dem anzureihen scheinen, so ist dies doch ein -für die Gesammtfrage der Neubildung untergeordnetes Verhältniss, welches -mehr für einzelne Fälle Werth hat. - - [252] Archiv III. 199. - - [253] Entwickelung des Schädelgrundes 58. - - [254] Archiv I. 130. - - [255] Archiv III. 197, 222. - - [256] Ebendas. III. 217. - - [257] Archiv III. 223. - -[Illustration: =Fig=. 133. Endogene Neubildung: blasentragende Zellen -(Physaliphoren). _A_ Aus der Thymusdrüse eines Neugebornen neben -epithelioiden Zellen: im Innern einer Blase mit doppeltem Contour, die -ihrerseits noch von einem zellenartigen Saume umgeben ist, liegt eine -vollständige Kernzelle. _B C_ Krebszellen (vergl. Archiv f. path. Anat. -Bd. I. Taf. II. und Bd. III. Taf. II.) _B_ eine mit doppeltem Kerne, -eine zweite mit Kern und kleiner Physalide; _C_ eine mit einer fast die -ganze Zelle füllenden Physalide und eine andere, wo die Physalide (der -Brutraum) noch wieder eine vollständige Kernzelle umschliesst. Vergr. -300.] - -Ausser dieser endogenen Neubildung in besonderen, physaliphoren Zellen -finden sich nicht selten Erscheinungen, welche sich mehr den -gewöhnlichen Furchungserscheinungen des Eies anzuschliessen -scheinen[258], deren Grenzen aber gegen die aus blosser Theilung oder -aus Physaliden hervorgegangenen Neubildungen sich nur schwer feststellen -lassen. Denn sehr häufig sieht man in demselben Objecte diese -verschiedenen Dinge neben einander. Am deutlichsten erkennt man solche -Neubildungen an sehr vergrösserten Zellen, deren Kerne sich zuerst in -prodigiöser Weise vermehren (S. 383), und an denen sich später um jeden -Kern eine besondere Abtheilung des Zelleninhaltes besonders abgegrenzt -zeigt. Namentlich geschieht das an der Oberfläche von Riesenzellen, -während im Inneren manchmal keine Zellenbildung, manchmal wieder solide -oder blasige Gebilde zu bemerken sind. Bei den Krebsen sind -Beobachtungen der Art schon ziemlich alt[259], indess waren sie wenig -genau. Bestimmtere Untersuchungen über den Gang der Neubildung habe ich -zuerst an den Perlgeschwülsten (Cholesteatomen) des Menschen[260] und an -der Franzosenkrankheit (Perlsucht) des Rindviehes[261] gemacht. Hier -erhält sich in der That die alte Zellmembran noch längere Zeit, so dass -die Bildung als eine wirklich endogene erscheint. Andermal dagegen geht -die äussere Membran des Muttergebildes früh verloren, und es entsteht -sofort eine grosse Gruppe einfach zusammenliegender, noch die Form der -Mutterzelle bewahrender Tochterzellen, wo also die ursprüngliche Membran -entweder sich auflösen oder zur Bildung der secundären Membranen der -Tochterzellen verbraucht werden muss. In diesen Fällen ist es schwer, -eine Grenze zwischen endogener Neubildung und Theilung zu ziehen, und -man kann eben so wohl den ursprünglich endogenen Anfang des Prozesses, -als die =verspätete= Theilung für die Bezeichnung massgebend sein -lassen. Unzweifelhaft endogen ist der Vorgang nur dann, wenn das schon -fertige neue Element (Tochterzelle) in die Substanz des alten -(Mutterzelle) eingeschlossen ist. - - [258] Archiv XIV. 46. - - [259] Archiv I. 107. - - [260] Archiv VIII. 410. Taf. IX. Fig. 2-11. - - [261] Würzb. Verhandl. VII. 143. Archiv XIV 47. Geschwülste II. 745. - -Dieser Fall ist in der neueren Zeit von einer Reihe von Beobachtern -beschrieben worden, insbesondere hat man im Inneren kernhaltiger Zellen -neben dem Kerne das Vorkommen neuer Furchungselemente und wirklicher -Zellen angeführt. So ist namentlich die Bildung von Schleim- und -Eiterkörperchen im Inneren von noch existirenden Epithelialzellen von -=Remak=, =Buhl=, =Eberth= und =Rindfleisch= geschildert worden. Hier -würde also nicht die ganze Mutterzelle in Tochterzellen übergehen, -sondern nur ein Theil ihres Inhaltes, und zwar nach Einigen, nachdem -eine Kerntheilung voraufgegangen, nach Anderen ohne dieselbe, -unmittelbar. Die so gebildeten Zellen würden dann durch Eröffnung der -Mutterzelle (=Dehiscenz=) austreten und frei werden können. Auch hier -ist die Entscheidung sehr schwer, da manche Beobachtungen zugleich die -Bildung von Bruträumen schildern, andere an die Geschichte der -sogenannten Blutkörperchen-haltenden Zellen (S. 361) erinnern, von denen -man auch früher annahm, dass die Blutkörperchen in ihnen entständen, -während ich vielmehr ein späteres Eintreten der Blutkörperchen in -präexistirende Zellen nachgewiesen habe[262]. - - [262] Archiv IV. 515. V. 405. - -Ist es demnach nothwendig, vor Feststellung bestimmterer Formeln noch -weitere und mehr ausgedehnte Beobachtungen abzuwarten, so kann es doch -nicht zweifelhaft sein, dass neue Elemente aus alten nur auf zwei Weisen -entstehen können: entweder =fissipar=, oder =endogen=. Auch in dieser -Beziehung ist es erfreulich, dass sich die pathologische -Entwickelungsgeschichte sowohl mit der physiologischen, als auch mit der -botanischen in Einklang befindet. Gerade in der Botanik sind diese zwei -Weisen längst anerkannt. =Theilung entspricht bei den Pflanzen am -gewöhnlichsten dem Wachsthume, endogene Bildung oder Neubildung im -engsten Sinne entspricht der Zeugung, der geschlechtlichen -Fortpflanzung=. Und so liessen sich auch in der Pathologie sehr wohl -zwei gesonderte Typen der Neoplasie unterscheiden: der =Wachsthumstypus= -und der =Zeugungstypus=. - -Der wesentliche Unterschied in den einzelnen zelligen Entwickelungen in -Beziehung auf das Resultat ist der, dass in einer Reihe von Neubildungen -die Theilungen mit einer gewissen Regelmässigkeit vor sich gehen, so -dass die Producte der Theilung von Anfang an eine völlige -Uebereinstimmung mit den Muttergebilden zeigen und die jungen Gebilde zu -keiner Zeit erheblich von den Mutterelementen abweichen. Solche Vorgänge -bezeichnet man im gewöhnlichen Leben meistentheils als Hypertrophien; -ich hatte zur genaueren Bezeichnung den Namen der =Hyperplasien= dafür -vorgeschlagen, da es sich dabei nicht um eine Zunahme der Ernährung -bestehender Theile, sondern um die Bildung wirklich neuer Elemente -handelt (S. 90), demnach kein trophischer (nutritiver), sondern ein -plastischer (formativer) Vorgang vorliegt. - -In einer anderen Reihe macht sich die Entwickelung so, dass allerdings -auch Theilungen stattfinden, dass aber diese sich sehr schnell -wiederholen und immer kleinerere Elemente hervorbringen. Diese werden -zuweilen am Ende so klein, dass sie an die Grenze der Zellen überhaupt -herangehen (=Granulation=). Die Vermehrung der Zellen kann an diesem -Punkte aufhören. Die einzelnen neuen Elemente fangen dann an, wieder zu -wachsen, sich zu vergrössern, und unter Umständen kann auch hier wieder -ein analoges Gebilde erzeugt werden, wie das, von welchem die -Entwickelung ausgegangen war. Dies ist eine Hyperplasie, die auf einem -Umwege, =per secundam intentionem=, zu Stande kommt (S. 98). In diese -Kategorie würden auch diejenigen Neubildungen zu setzen sein, welche aus -ausgewanderten farblosen Blutkörperchen oder mobilisirten -Bindegewebskörperchen (S. 359) hervorgehen. - -Sehr häufig schlagen jedoch die jungen, kleinen Elemente einen anderen -Gang der Entwickelung ein und es beginnt eine =heterologe -Entwickelung=[263]. - - [263] Würzburger Verhandl. I. 136. - -An den jungen Elementen können dabei wiederum Theilungen eintreten, doch -ist es sehr gewöhnlich, dass zunächst, während die Zellen wachsen, nur -die Kerne sich sehr vermehren, immer zahlreicher und mit -fortschreitender Theilung immer kleiner werden. Das sieht man am besten -bei farblosen Blut- und Eiterkörperchen, wo sehr schnell eine Theilung -der Kerne stattfindet, gewöhnlich so, dass die ursprünglich einfachen -Kerne sofort in eine grössere Zahl kleinerer zerlegt werden, welche -Anfangs noch zusammenhalten. Bei den farblosen Blutkörperchen innerhalb -des Blutes ist es sehr unwahrscheinlich, beim Eiter nach den -Untersuchungen von =Stricker= allerdings wahrscheinlich, dass der -Kerntheilung eine wirkliche Zellentheilung folgt; in anderen -Neubildungen tritt dieser Fall gewöhnlich ein. Nur lässt, wie schon -erwähnt, die vollständige Theilung, oder wenn man will, die Furchung der -Elemente oft lange auf sich warten, und das Zwischenstadium der blossen -Kerntheilung besteht daher häufig überwiegend lange und mit einer -gewissen Selbständigkeit. - -Bei der endogenen Neubildung endlich tritt die =Heterologie= meist von -Anfang an hervor, indem die in der Mutterzelle erzeugten Elemente in der -Regel klein, scheinbar indifferent und zu abweichender Entwickelung -geneigt sind. Bei den Perlgeschwülsten habe ich besonders dargethan, wie -aus Bindegewebskörperchen Perlen und Zapfen von epidermoidalen Zellen -entstehen[264]. - - [264] Archiv VIII. 409. Taf. IX. Fig. 3-4. - -Abgesehen von denjenigen Neubildungen, welche durch regelmässige -Theilung der Elemente =unmittelbar= zur Hyperplasie führen, wird also -der normale Zustand zunächst unterbrochen durch einen Zwischenzustand, -wo das Gewebe wesentlich verändert erscheint, ohne dass man sofort im -Anfange des Prozesses erkennen kann, ob daraus eine gut- oder bösartige, -eine homologe oder heterologe Entwickelung hervorgehen wird. Es ist dies -ein Stadium scheinbar absoluter Indifferenz[265], welches ich als -=Granulationsstadium= bezeichne. In demselben kann man es den einzelnen -Elementen durchaus nicht ansehen, welcher Bedeutung sie eigentlich sind; -sie verhalten sich, wie die sogenannten Bildungszellen des Embryo, -welche auch im Anfange ganz gleich aussehen, gleichviel ob ein Muskel- -oder ein Nervenelement oder was sonst daraus hervorgehen wird. -Nichtsdestoweniger halte ich es für wahrscheinlich, dass feinere innere -Verschiedenheiten wirklich bestehen, die schon im Voraus die späteren -Umbildungen bis zu einem gewissen Maasse bedingen, nicht -Verschiedenheiten, welche bloss Potentia in der Bildungszelle vorhanden -wären, sondern wirklich materielle Verschiedenheiten, welche aber so -fein sind, dass wir sie bis jetzt nicht darthun können. - - [265] Spec. Pathol. u. Ther. I. 331. Geschwülste I. 89. - -Nur bei der embryonalen Entwickelung kennt man seit Jahren eine -Erscheinung, welche bestimmt darauf hindeutet, dass solche -Verschiedenheiten der Bildungszellen bestehen: die verschiedenen -Abtheilungen des Eies machen verschieden schnell ihre Bildung durch, und -namentlich diejenigen Theile, welche zu den höheren Organen bestimmt -sind, durchlaufen mit viel grösserer Schnelligkeit die einzelnen -Stadien, als diejenigen, welche für die niedrigeren Gewebe angelegt -werden. Auch in der Grösse der Elemente scheinen Verschiedenheiten zu -bestehen. In ähnlicher Weise sieht man häufig auch bei pathologischen -Bildungen Verschiedenheiten in Beziehung auf die Zeitdauer. Jedesmal, -wenn die Entwickelung der Elemente schnell erfolgt, muss man eine mehr -oder weniger heterologe Entwickelung fürchten. Eine homologe, -direct-hyperplastische Bildung setzt immer eine gewisse Langsamkeit der -Vorgänge voraus; in der Regel bleiben die Elemente dabei grösser, und -die Theilungen schreiten nicht bis zur Entstehung ganz kleiner Formen -vor. - -So überaus einfach ist diese Entwickelungsgeschichte in der Natur und in -der Doctrin, aber allerdings schwierig ist sie in der Demonstration an -den einzelnen Orten. Diejenigen Theile, welche scheinbar für die -Untersuchung am allerbequemsten liegen sollten, und bei denen in der -That schon vor ein Paar Decennien =Henle= ganz nahe an die Entdeckung -einer solchen Entwickelung herangestreift war, sind die Epithelien. -Hier, wo an der Oberfläche einer Haut eine oft so reichliche -Entwickelung stattfindet, sollte man meinen, müsste es überaus leicht -sein, dieselbe an den einzelnen Elementen genau zu verfolgen. =Henle= -hat bekanntlich zu zeigen gesucht, dass die Schleimkörperchen, ja manche -Formen, welche schon dem Eiter angehören, an der Oberfläche der -Schleimhäute neben dem Epithel in der Art producirt werden, dass -zwischen den Anlagen beider Reihen keine eigentliche Differenz zu -erkennen ist, dass also gewissermaassen die Schleimkörperchen als -verirrte oder nicht zu Stande gekommene Epithelialzellen, als -missrathene Söhne erscheinen, welche durch eine frühe Störung in ihrer -weiteren Entwickelung gehindert wurden, aber eigentlich angelegt waren, -um Epithelialelemente zu werden. Unglücklicherweise hatte man damals und -noch lange nachher die Vorstellung, dass die normale Entwickelung des -Epithels eben auch aus einem Blastem erfolge. Man stellte sich vor, dass -an der Oberfläche jeder Schleimhaut, ja an der Oberfläche der Cutis aus -den Gefässen, die an die Oberfläche treten, zuerst eine plastische -Substanz transsudire, in und aus welcher sich die Elemente bildeten. Man -blieb nach dem Vorgange von =Schwann= bei dem Schema von =Schleiden= (S. -11) stehen, dass sich zuerst Kerne (Cytoblasten) in einer Flüssigkeit -bilden und erst später Membranen an dieselben sich anlegen. Gegenwärtig, -so viel auch die verschiedenen Oberflächen der Haut, der Schleimhäute -und der serösen Häute untersucht sind, hat man sich überall -unzweifelhaft überzeugt, dass die epithelialen Elemente mindestens bis -unmittelbar an die Oberfläche des Bindegewebes reichen und nirgends eine -Stelle ist, wo zwischen Bindegewebe und Epithel freie Kerne, Blastem -oder Flüssigkeit existirte, dass vielmehr an vielen Orten gerade die -tiefsten Schichten diejenigen sind, welche die am dichtesten gedrängten -Zellen enthalten. Hätte man damals, als =Henle= seine Untersuchungen -machte, gewusst, dass hier normal kein Blastem existirt, keine -Entwickelung de novo geschieht, sondern dass die vorhandenen -Epithelzellen von alten Epithelialzellen oder vom Bindegewebe darunter -oder von ausgewanderten Zellen sich entwickeln müssen, so würde er -gewiss zu dem Schlusse gekommen sein, dass die Schleim- und -Eiterkörperchen, welche nicht von einer ulcerirenden Oberfläche -abgesondert werden, aus präexistirenden Elementen hergeleitet werden -müssen. - -So nahe war man damals schon der richtigen Erfahrung. Allein die -Blastemtheorie beherrschte die Geister, und wir Alle standen unter ihrer -Einwirkung. Auch erschien es unmöglich, überall im Inneren der Gewebe -die erforderlichen Vorgebilde aufzuweisen. Erst durch den Nachweis -zelliger Elemente im Bindegewebe wurde ein überall vorhandenes -Keimgewebe aufgewiesen, von dem an den verschiedensten Organen -gleichartige Entwickelungen ausgehen können. Jetzt, wo wir wissen, dass -Bindegewebe oder demselben äquivalente Gewebe im Gehirne, in der Leber, -in den Nieren, im Muskelfleische, im Knorpel, der Haut u. s. f. -existiren, jetzt hat es natürlich keine Schwierigkeit mehr, zu -begreifen, dass in allen diesen scheinbar so verschiedenartigen Organen -dasselbe pathologische Product entstehen kann. Man braucht dazu -keineswegs irgend ein specifisches Blastem, welches in alle diese Theile -abgelagert wird, sondern nur einen gleichartigen Reiz für das -Bindegewebe verschiedener Orte. - -Was nun das Specielle dieser Lehre anbetrifft, so will ich zunächst ein -concretes Beispiel der normalen Entwickelung vorführen, welches -vielleicht am besten geeignet sein wird, ein Bild der oft so -verwickelten Vorgänge zu geben, um welche es sich bei dieser -=Gewebs-Formation und Transformation= handelt. Ich wähle dasjenige, an -welchem an sich der Gang der Entwickelung am besten bekannt ist, und -welches zugleich seiner besonderen Einrichtung wegen am wenigsten -Missdeutungen zulässt, nehmlich die Bildung und das Wachsthum der -=Knochen=. Diese Organe sind zu hart und dicht, als dass man noch von -Blastem und Exsudat in ihrem eigentlichen Parenchyme oder, wie man nach -dem Vorgange von =Clopton Havers= lange Zeit gethan hat, von einer -Zwischenlagerung des Ernährungssaftes zwischen die Theilchen des -Knochens reden könnte. Das Wachsthum der Knochen bietet uns zugleich -unmittelbar Vergleichungen für alle die verschiedenen Neubildungen, -welche innerhalb der Knochen unter krankhaften Verhältnissen vor sich -gehen können, denn jede Art von Neubildung findet in der normalen -Entwickelung des Knochens gewisse Paradigmen vor. - -Bekanntlich wächst jeder grössere Knochen in zwei Richtungen. Am -einfachsten ist dies bei den Röhrenknochen, welche allmählich sowohl -länger als dicker werden. Das Längenwachsthum erfolgt hier zu einem -grossen Theile aus Knorpel, das Dickenwachsthum aus Periost -(Bindegewebe). Allein auch ein platter Knochen z. B. am Schädel ist -einerseits durch knorpelartige Theile (Synchondrosen) oder deren -Aequivalente (Nähte), andererseits durch Häute, welche mit dem Perioste -übereinstimmen (Pericranium, Dura mater oder Endocranium), bekleidet. -Man kann daher Knorpel-und Periost-Wachsthum an jedem Knochen -unterscheiden. Danach ergibt sich das Schema der Entwickelung des -Röhrenknochens, wie es schon bei =Havers= sich findet, dass die neuen -Knochenschichten die alten incapsuliren, und dass jede jüngere Schicht -nicht bloss weiter, sondern auch länger ist, als die nächst ältere. Denn -das Periostwachsthum rückt immer mehr gegen die Enden vor, insofern sich -immer neue Abschnitte von Perichondrium in Periost verwandeln, je weiter -die Ossification gegen die Enden fortschreitet; der mittlere Theil des -Diaphysenknorpels wird schon sehr frühzeitig ganz in Knochen -umgewandelt, und hört damit im Allgemeinen auf, aus sich selbst -fortzuwachsen. Die Enden des Diaphysenknorpels und die noch ganz -knorpelige Epiphyse dagegen wachsen immer noch in die Dicke. Während -hier Theile, welche vorher entweder Bindegewebe oder Knorpel waren, in -Knochen umgesetzt werden, geht innerhalb des Knochens die Entwickelung -des Markes vor sich. Der ursprüngliche Knochen ist ganz dicht, eine sehr -feste, relativ compacte Masse. Späterhin schwindet die Knochenmasse -immer mehr, ein Theil nach dem anderen von ihr löst sich in Mark auf, -und es entsteht endlich die Markhöhle, welche sich nicht etwa darauf -beschränkt, so gross zu werden, wie die ursprüngliche Knochen-Anlage -war, sondern welche diese Anlage bedeutend überschreitet und in die -später apponirten, aus Knorpel und Periost entstandenen Schichten -übergreift. Demnach besteht die Bildung des Knochens, ganz im Groben -aufgefasst, nicht bloss in der allmählichen Apposition von immer neuen -Knochenlagen vom Perioste und Knorpel her, sondern auch in der -fortwährenden Ersetzung der innersten Lagen des Knochengewebes durch -Markmassen. - -Es ist für die vorliegende Darstellung gleichgültig, ob die -Bildungsvorgänge am Knochen auch zugleich für das Wachsthum desselben -entscheidend sind oder nicht. Indess verknüpfen sich beide Fragen in -sehr inniger Weise und gerade in diesem Augenblicke hat die Verknüpfung -beider eine erhebliche praktische Bedeutung gewonnen durch den Streit -über das sogenannte =interstitielle Wachsthum=. Dieser Streit ist -hauptsächlich hervorgerufen worden durch die einseitige Formulirung, -welche namentlich =Flourens= der Lehre von der Knochenbildung gegeben -hatte, wonach ausser durch Apposition und Juxtaposition nirgends eine -Zunahme an Knochen stattfinden sollte. So sehr ich in der Hauptsache mit -dieser Formulirung übereinstimmte, so habe ich doch vor der -Einseitigkeit gewarnt und darauf hingewiesen, dass man damit nicht -auskomme, und dass namentlich für gewisse Knochen, z. B. für den -Unterkiefer, die Appositionslehre ausser Stande sei, eine ausreichende -Erklärung zu bieten[266]. Hier wird man im Gegensatze zu der bloss -äusserlichen Anbildung der neuen Substanz zu der Annahme eines inneren -Wachsthumes des alten Gewebes genöthigt. Seitdem hat diese Auffassung -durch =Strassmann=, =Rich=. =Volkmann= und =Hüter= weitere thatsächliche -Unterlagen gewonnen, und =Julius Wolff= hat sie allmählich bis zu einer -vollständigen Negation der Appositionsdoctrin ausgebildet. - - [266] Archiv XIII. 350. - -Meiner Meinung nach ist dies eine eben so grosse Einseitigkeit, wie die -frühere, und namentlich für die pathologische Auffassung der -Knochenbildung hat sie schon jetzt zu wirklichen Irrungen geführt. Aber -auch für die physiologische Bildungsgeschichte hat die neue Lehre nicht -einen so grossen Werth, wie ihr =Wolff= zuschreibt. Nichtsdestoweniger -sind wichtige Theile des Knochenwachsthumes ohne sie gänzlich -unverständlich. Es war dies die Veranlassung, weshalb die Berliner -medicinische Fakultät im Jahre 1868 die Preisfrage stellte, auf welche -Weise das interstitielle Wachsthum sich vollziehe und namentlich, ob -dasselbe mehr von der Zunahme der Knochenkörperchen oder mehr von der -Zunahme der Intercellularsubstanz oder beider abhängig sei. =Carl -Ruge=[267] hat diese Frage durch sehr mühsame Versuche mit Zählung und -Messung der Knochenkörperchen und ihrer Entfernungen von einander -dahin entschieden, dass es sich hauptsächlich um Zunahme der -Intercellularsubstanz handelt, welche allerdings im Laufe des Lebens -eine merkliche Grösse erreicht, dass dagegen Form und Grösse der -Knochenkörperchen sich nur wenig ändert, und dass nur in den ersten -Zeiten des Lebens mit Wahrscheinlichkeit eine Vermehrung der -Knochenkörperchen durch Theilung angenommen werden könne. Es wird -nunmehr erst für jeden einzelnen Knochen empirisch festgestellt werden -müssen, wie viel zu seiner Gesammtausbildung das appositionelle und wie -viel das interstitielle Wachsthum beiträgt. Jedenfalls schafft das -erstere die eigentlichen Grundlagen des Knochens, innerhalb deren sich -erst die weiteren Prozesse vollziehen. Diese letzteren werden jedoch -durch das interstitielle Wachsthum keinesweges gedeckt; vielmehr bilden -die von mir in bestimmter Weise dargelegten Vorgänge der Metaplasie oder -Transformation ein ebenso grosses als wichtiges Gebiet. - - [267] Archiv XLIX. 237. - -Bei der Deutung der Knochengeschichte war lange Zeit die Blastemtheorie -entscheidend. Schon =Havers= und =Duhamel=, welche im 17. und 18. -Jahrhunderte vortreffliche Untersuchungen über die Knochenbildung -gemacht haben, gingen von der Voraussetzung aus, dass ein -eigenthümlicher Succus nutritius abgesondert werde, aus welchem die -neuen Massen entständen. Die Mark-Entwickelung dachte man sich als eine -durch Resorption erfolgende Bildung von Höhlen, in welche erst ein -klebriger Saft und dann eine fettige Masse secernirt werde, Höhlen, -welche von der Markhaut umkleidet würden, und deren Inhalt dem Alter des -Individuums nach verschiedenartig sei. Wie ich indess schon früher -hervorgehoben habe, so finden sich in den Räumen des Knochens keine -Säcke, sondern ein continuirliches Gewebe, das =Mark= (Medulla), welches -die Markräume und Markhöhlen ganz und gar ausfüllt, wie der Glaskörper -die Höhle des Augapfels, und welches zur Bindesubstanz gehört, obwohl es -vom gewöhnlichen Bindegewebe erheblich verschieden ist. Es handelt sich -also, wie man aus dieser einfachen Thatsache ersieht, in der ganzen -Bildungsgeschiche des Knochens um =Substitutionen von Geweben=. Wie -Knochengewebe aus Periost und Knorpel gebildet wird, so entsteht Mark -aus Knochengewebe und Knorpel, und die Entwickelung eines Knochens -besteht nicht bloss in der Bildung von Knochengewebe, sondern sie setzt -voraus, dass die Reihe der Transformationen über das Stadium des -Knöchernen hinausgehe, und dass Mark entstehe. Das Mark würde also als -das physiologische Ende der Knochenorgan-Bildung zu betrachten sein, -wenn nicht auch der Fall vorkäme, dass aus Mark wieder Knochengewebe -erzeugt wird. - -So einfach diese Auffassung ist, so gibt sie doch ein anderes Bild für -das Wachsthum und die Geschichte des Knochens, als das hergebrachte. -Früher ist man fast immer auf dem Standpunkte des reinen Osteologen -stehen geblieben; man hat den =macerirten= Knochen genommen, ihn frei -von allen Weichtheilen betrachtet und danach die Prozesse construirt. Es -ist aber nothwendig, dass man diese an dem feuchten, lebendigen, sei es -gesunden, sei es kranken Knochen verfolge, und dass man das -Knochengewebe nicht bloss aussen aus den wuchernden Schichten des -Knorpels und Periostes, sondern auch innerhalb der Marksubstanz sich -gestalten lässt, als das äussere Entwickelungsprodukt in dieser Reihe, -wenn auch nicht als das edelste. Als den wichtigsten und eigentlich -entscheidenden Gesichtspunkt, durch den die ganze Knochenangelegenheit -eine andere Gestaltung annimmt, betrachte ich dabei eben den, dass das -Knochengewebe bei der Markbildung nicht einfach aufgelöst wird und an -seine Stelle ein beliebiges Exsudat oder Blastem tritt, sondern dass -auch die Auflösung der Knochensubstanz eine Transformation von Gewebe -(Metaplasie S. 70) ist und dadurch erfolgt, dass Knochengewebe sich in -eine Gewebsmasse (Mark) umbildet, die nicht mehr im Stande ist, die -Kalksalze zurückzuhalten[268]. - - [268] Archiv V. 428, 440, 445, 453. XIII. 332. Entwickelung des - Schädelgrundes 26-38. - -Fragt man nun, wo kommen die neuen Gewebs-Elemente her, welche mitten in -der Tela ossea entstehen? wie kann in der Mitte der compacten Rinde des -Knochens ein Krebsknoten sich bilden oder ein Eiterheerd? so antworte -ich ganz einfach: sie entstehen ebenso, wie in der natürlichen, normalen -Entwickelung des Knochens das Mark entsteht. Es gibt keine Stelle, wo -zuerst Knochengewebe sich auflöst, dann ein Exsudat erfolgt, dann eine -Neubildung geschieht, sondern es geht das vorhandene Gewebe unmittelbar -in das kommende über. Das vorhandene Knochen- oder Markgewebe ist die -Matrix für das nachfolgende Krebsgewebe, die Zellen des Krebses sind -unmittelbare Abkömmlinge von den Zellen des Knochens oder des Markes. - -Betrachten wir den Gang der Knochenbildung etwas specieller, so zeigt -sich, dass, wie wir dies zum Theil schon früher erörtert haben, der -Knorpel sich in der Weise zur Ossification anschickt, dass die -Knorpelelemente anfangs grösser werden, dass sie sich dann theilen, und -zwar zuerst die Kerne, nachher die Zellen selbst, dass diese Theilungen -sehr schnell weiter gehen, so dass immer grössere Gruppen von Zellen -entstehen, und dass in einer verhältnissmässig kurzen Zeit an die Stelle -jeder einzelnen Zelle eine im Verhältnisse sehr grosse Zellengruppe -(Fig. 113, I.) tritt. Schon im ersten Capitel (S. 8) hatte ich erwähnt, -wie die Knorpelzelle sich von den meisten anderen Zellen dadurch -unterscheidet, dass sie eine besondere Kapselmembran erzeugt, in welcher -sie eingeschlossen ist. Diese Kapselmembran bildet bei der Theilung -ihrer Inhaltszellen innere Scheidewände zwischen denselben[269], neue -Umhüllungen der jungen Elemente, so jedoch, dass auch die colossalen -Gruppen von Zellen, welche aus je einer ursprünglichen Zelle -hervorgehen, noch von der sehr vergrösserten Mutterkapsel eingeschlossen -sind (Fig. 132). - - [269] Archiv III. 221. - -Es versteht sich von selbst, dass, je mehr Zellen diese Umwandelung -durchmachen, um so mehr der Knorpel sich vergrössern wird, und dass das -Maass von Längenwachsthum, welches das einzelne Individuum erreicht, -abgesehen von dem schon erwähnten interstitiellen Wachsthume, wesentlich -von der Massenzunahme abhängt, welche in den einzelnen Knorpelgruppen -stattfindet. Ob wir gross oder klein bleiben, ist so zu sagen in die -Willkür dieser Elemente gestellt. -- Hat die Knorpelwucherung dieses -Stadium erreicht, so stehen die zelligen Theile ganz dicht zusammen; -zwischen ihnen liegt nur eine verhältnissmässig geringe Quantität von -Zwischensubstanz (Fig. 113, I.). Je weiter die Entwickelung -fortschreitet, um so mehr ändert sich der Habitus des Knorpels: er sieht -fast aus, wie dichtzelliges Pflanzengewebe. Die Zellen selbst sind aber -äusserst empfindlich, sie schrumpfen unter der Einwirkung der mildesten -Flüssigkeiten leicht zusammen und erscheinen dann wie eckige und zackige -Körperchen, fast den Knochenkörperchen analog, mit denen sie jedoch -zunächst nichts zu schaffen haben. - -[Illustration: =Fig=. 134. Verticaldurchschnitt durch den -Ossificationsrand eines wachsenden Astragalus. _c_ Der Knorpel mit -kleineren Zellengruppen, _p_ die Schicht der stärksten Wucherung und -Vergrößerung an der Verkalkungslinie. In den Knorpelhöhlen sieht man -theils vollständige Kernzellen, theils geschrumpfte, eckige und körnig -erscheinende Körper (künstlich veränderte Zellen). Die dunkle, in die -Zwischensubstanz vorrückende Masse stellt die Kalkablagerung dar, hinter -welcher hier ungewöhnlich schnell die Bildung von Markräumen (_m_, _m_, -_m_) und Knochenbalken beginnt. Das Mark ist entfernt; an den am meisten -zurückliegenden Räumen sind die Balken von einem helleren Saume jungen -Knochengewebes (aus Mark entstanden) umgeben. Vergr. 300.] - -Die Zellen, welche aus diesen Wucherungen der ursprünglich einfachen -Knorpelzellen hervorgegangen sind, bilden die Muttergebilde für Alles, -was nachher in der Längsaxe des Knochens entsteht, insbesondere für -Knochen- und Markgewebe. Es kann sein, dass durch eine unmittelbare -Umwandelung Knorpelzellen in Markzellen übergehen und als solche -fortbestehen; es kann sein, dass sie zunächst in Knochenkörperchen und -dann in Markzellen übergehen, und es kann sein, dass sie zuerst in Mark- -und dann in Knochenkörperchen übergehen. So wechselvoll sind die -Permutationen dieser an sich so verwandten und doch ihrer äusseren -Erscheinung nach so vollständig aus einander gehenden Gewebe. Geschieht -eine directe Umänderung des Knorpels in Mark[270], so fängt zunächst die -alte Zwischensubstanz des Knorpels an der Grenze gegen den Knochen an, -weich zu werden; gewöhnlich geht dann auch sehr bald ein Theil der -anstossenden Kapseln dieselbe Veränderung ein, so dass die zelligen -Elemente mehr oder weniger frei in eine weichere Grundsubstanz zu liegen -kommen. Mit dem Eintritte einer solchen Erweichung ist auch schon die -chemische Reaction des Gewebes verändert: es zeigt immer deutliche -Mucinreaction. Zugleich beginnen die zelligen Elemente sich zu theilen, -und zwar nicht, wie sie das bisher gethan hatten, indem sie sich gleich -in zwei analoge Zellen zerlegen (Hyperplasie), sondern vielmehr so, dass -in ihnen eine Reihe von kleinen Kernen entsteht (physiologische -Heteroplasie, Granulation). Weiterhin, in dem Maasse als dieser -Umbildungsprozess immer höher und höher in den Knorpel hinein -fortschreitet, als immer neue Theile der Intercellularsubstanz in weiche -schleimige Masse verwandelt werden, theilen sich in der Regel die -Zellen, und es entsteht eine Reihe von kleineren Elementen, die, im -Verhältnisse zu den grossen Knorpelzellen, aus denen sie hervorgegangen -sind, sehr geringfügige Bildungen darstellen. Sie besitzen entweder -einen einzigen Kern mit Kernkörperchen oder auch wohl, wie -Eiterkörperchen, mehrere Kerne[271]. So entsteht nach und nach ein -äusserst zellenreiches Schleimgewebe, =das junge, rothe Mark=, wie wir -es in der Regel in den Knochen der Neugebornen finden. Steht der Prozess -hier still, so bezeichnet die Grösse der transformirten Stelle zugleich -die Stelle des späteren Markraumes. Später können diese kleinen Zellen -Fett in sich aufnehmen, anfangs in feinen Körnern, allmählich in grossen -Tropfen, endlich so, dass sie ganz und gar davon erfüllt werden. Dadurch -verwandelt sich das ursprüngliche Schleimgewebe in Fettgewebe[272]; das -Fett ist aber immer im Inneren der Zellen enthalten, wie in den Zellen -des Panniculus. Allein dies =gelbe, fetthaltige Mark= kommt nicht in -allen Knochen vor. In den Wirbelkörpern finden wir fast immer die -kleinen Elemente. In den Röhrenknochen des Erwachsenen dagegen kommt -normal immer fetthaltiges Mark vor. Allein dies kann unter -pathologischen Verhältnissen sehr schnell sein Fett abgeben, die -Elemente können sich theilen, und dann bekommen wir wieder =rothes, aber -entzündliches Mark=. Bei allgemeiner Atrophie und Osteomalacie wird das -Fett resorbirt und das gesammte Mark geht in =gallertartiges -Schleimgewebe= über, welches die grösste Aehnlichkeit, auch in der -Consistenz, mit dem Glaskörper besitzt, aber sich von ihm dadurch -unterscheidet, dass es stets Gefässe enthält. - - [270] Archiv V. 424, 427. - - [271] Archiv I. 122. XIV. 60. - - [272] Entwickelung des Schädelgrundes 49. - -In dieser ganzen Reihe von der ersten Entwickelung des Markes aus -Knorpel bis zu der entzündlichen Störung, wie wir sie bei einer -Amputation entstehen sehen (Osteomyelitis), und bis zu dem -Gallertzustande bei Osteomalacie existirt zu keiner Zeit eine amorphe -Substanz, ein Blastem oder Exsudat; immer können wir eine Zelle von der -anderen ableiten: jede hat eine unmittelbare Entwickelung aus einer -früheren und, so lange der Wucherungsgang fortschreitet, eine -unmittelbare Nachkommenschaft von Zellen. Dabei kann gleichzeitig die -Intercellularsubstanz bald reichlich, bald spärlich, bald fester, bald -weicher sein, und auch darnach ist die äussere Beschaffenheit des -Gewebes sehr veränderlich. -- - -Die zweite Reihe von Umbildungen in der Längsaxe des Röhrenknochens -betrifft das eigentliche Knochengewebe, die Tela ossea, welche hier -hervorgehen kann aus Mark oder aus Knorpel. In dem einen Falle werden -die Mark-, in dem anderen die Knorpelzellen zu Knochenzellen -(Knochenkörperchen). Dieser Act der eigentlichen Ossification, die -Entstehung der Tela ossea ist überaus schwierig zu beobachten, -hauptsächlich aus dem Grunde, weil das Erste, was bei diesen Vorgängen -erfolgt, nicht die Erzeugung von wirklicher Tela ossea ist, sondern nur -die Ablagerung von Kalksalzen. In der Regel nehmlich geschieht zuerst in -der nächsten Nähe des Knochenrandes eine Verkalkung des Knorpels[273], -welche allmählich höher hinauf schreitet, zuerst an den Rändern der -grösseren Zellengruppen, sodann um die einzelnen Zellen, immer der -Substanz der Kapseln folgend so dass jede einzelne Knorpelzelle von -einem Ringe von Kalksubstanz umgeben wird. Aber das ist noch kein -Knochen, sondern nichts weiter als verkalkter Knorpel, denn wenn wir die -Kalksalze auflösen, so ist wieder der alte Knorpel da, der in keiner -anderen Beziehung eine Analogie mit dem Knochen darbietet, als durch die -Anwesenheit der Kalksalze (S. 454). - - [273] Archiv V. 421. - -[Illustration: =Fig=. 135. Horizontalschnitt durch den wachsenden -Diaphysenknorpel der Tibia von einem 7monatlichen Fötus. _C c_ der -Knorpel mit den Gruppen der gewucherten und vergrösserten Zellen, _p p_ -Perichondrium. _k_ Der verkalkte Knorpel, wo die einzelnen Zellgruppen -und Zellen in Kalkringe eingeschlossen sind; bei _k_' grössere Ringe, -bei _k_'' Fortschreiten der Verkalkung am Perichondrium. Vergr. 150.] - -[Illustration: =Fig=. 136. Stärkere Vergrößerung der rechten Ecke von -Fig. 135. _co_ verkalkter Knorpel, _co_' Beginn der Verkalkung, _p_ -Perichondrium. Vergr. 350.] - -Damit nun aus diesem verkalkten Knorpel wirklicher Knochen werde, ist es -nöthig, dass die Höhle, in welcher je eine Knorpelzelle lag, sich in die -bekannte strahlige, zackige Höhle des Knochenkörperchens verwandele. -Dieser Vorgang ist deshalb so überaus schwierig zu beobachten, weil beim -Schneiden die Kalkmassen allerlei kleine Einbrüche bekommen und Trümmer -liefern, innerhalb deren man nicht mehr ersehen kann, was eigentlich -vorhanden war. Aus diesem Umstände ist es zu erklären, dass bis jetzt -immer noch über die Entstehung der Knochenkörper gestritten ist und -wahrscheinlich auch noch ferner gestritten werden wird. Ich halte die -Ansicht für richtig, dass Knochenkörperchen an gewissen Stellen direct -aus den Knorpelkörperchen entstehen[274], und zwar auf die Weise, dass -zunächst die Kapsel, welche die Knorpelzelle einschliesst, enger wird, -offenbar indem neue Kapselmasse innen abgelagert wird. Allein in dem -Maasse als dies geschieht, beginnt die innere Begrenzung der -Kapselhöhlung ein deutlich gekerbtes Aussehen anzunehmen (Fig. 137, -_c_'); der Raum für die ursprüngliche Zelle wird dadurch bedeutend -verkleinert. In seltenen Fällen gelingt es noch, Gebilde anzutreffen, wo -die spätere Form des Knochenkörperchens als letzter Rest der Höhle -erscheint, in welcher das zellige Element mit dem Kerne steckt. Dann -aber verschwindet die Grenze, welche ursprünglich zwischen den -Knorpelkapseln und der Grundsubstanz bestand; die Kapselsubstanz wird -selbst Intercellularsubstanz und wir treffen in einer scheinbar ganz -gleichmässigen Grundmasse zackige Elemente, mit anderen Worten, ein noch -weiches Gewebe mit knochenartigem Bau (osteoides Gewebe Fig. 137, _o_). -Gewöhnlich wird dieser Vorgang durch die frühzeitige Verkalkung des -Knorpels verdeckt und nur gewisse Prozesse geben uns Gelegenheit, die -osteoide Umbildung auch innerhalb der schon verkalkenden Theile noch in -derselben Weise zu übersehen. - - [274] Archiv V. 431. Würzb. Verhandl. I. 137. - -Eine besonders günstige Gelegenheit, manche Vorgänge des -Knochen-Wachsthumes zu sehen, die sonst durch die Anwesenheit von -Kalksalzen verdeckt werden, gewährt uns die =Rachitis=[275], auf deren -Besprechung ich um so lieber einen Augenblick eingehe, weil diese -merkwürdige Krankheit noch jetzt meist missverstanden wird. - - [275] Archiv V. 409. - -Die rachitische Störung erweist sich bei genauerer Untersuchung nicht -als ein Erweichungsprozess des Knochengewebes, wie man sie früher -gewöhnlich betrachtete, sondern als ein Nichtfestwerden neuwuchernder -Schichten, welche erst zu Knochengewebe werden sollten, also genau -genommen, als eine Krankheit der Knorpel und des Periostes. Indem die -alten Schichten von Knochengewebe durch die normal fortschreitende -Markraumbildung verzehrt werden, die neuen aber weich bleiben, wird der -Knochen brüchig. -- Neben diesem wesentlichen Acte der nicht -geschehenden Verkalkung der Theile ergibt sich aber zugleich eine -gewisse Unregelmässigkeit im Wachsthume, so dass Stadien der -Knochenentwickelung, welche in der normalen Bildung spät eintreten -sollten, schon sehr frühzeitig eintreten. Bei dem normalen Wachsthume -bilden an der Verkalkungsgrenze (Fig. 134) die Zacken, mit welchen die -Kalksalze in den Knorpel hinaufgreifen, eine so vollständig gerade Linie -oder genauer gesagt, eine so vollständige Ebene, dass sie fast als -mathematisch regelmässig zu bezeichnen ist. Dieses Verhältniss hört bei -der Rachitis auf, um so mehr, je intensiver der Fall ist; es finden -Unterbrechungen der Verkalkungsebene statt in der Weise, dass an -einzelnen Stellen der Knorpel noch tief herunterreicht, während die -Verkalkung schon hoch hinaufschreitet. Jene einzelnen Stellen werden -bisweilen so vollständig von den übrigen isolirt, dass sie als -Knorpelinseln, mitten in dem Knochen, ringsum von demselben umgeben, -liegen bleiben, dass also Knorpel noch an Punkten sich findet, wo der -Knochen schon längst in Markgewebe umgewandelt sein sollte. Je weiter -der rachitische Prozess vorschreitet, um so mehr finden sich aber auch -isolirte, zersprengte Kalkmassen in dem Knorpel, manchmal so, dass der -ganze Knorpel auf dem Durchschnitte weiss punktirt erscheint. -- Weiter -zeigt sich die Unregelmässigkeit darin, dass, während im normalen Gange -der Dinge die Markräume erst eine kleine Strecke hinter dem -Verkalkungsrande (Fig. 134) beginnen, dieselben hier darüber -hinaustreten und manchmal bis weit über die Verkalkungsgrenze hinaus -eine Reihe von zusammenhängenden Höhlen sich fortzieht, welche mit einem -weicheren, leicht faserigen Gewebe erfüllt sind und in welche auch -Gefässe aufsteigen (Fig. 137, _m_). Markräume und Gefässe liegen also -da, wo normal eigentlich keine einzige Markzelle, kaum ein einziges -Gefäss sich befinden sollte. - -[Illustration: =Fig=. 137. Verticalschnitt aus dem Diaphysenknorpel -einer rachitischen wachsenden Tibia vom 2jährigen Kinde. Ein grosser, -nach links einen Seitenast absendender Markzapfen erstreckt sich von _m_ -aus in den Knorpel herauf: er besteht aus faseriger Grundsubstanz mit -spindelförmigen Zellen. Im Umfange bei _c_, _c_, _c_ der gewucherte -Knorpel mit grossen Zellen und Zellengruppen; bei _c_', _c_' beginnende -Verdickung und innere Einkerbung der Knorpelkapseln, welche bei _o_, _o_ -verschmelzen und osteoides Gewebe bilden. Vergr. 300.] - -Auf diese Weise kann an den Stellen, wo der Prozess seine Höhe erreicht -hat, in derselben Ebene neben einander eine ganze Reihe von -verschiedenartigen Gewebszuständen gefunden werden. Während wir sonst in -einer bestimmten Zone Knorpel, in einer anderen Verkalkung, in einer -dritten Knochengewebe und Mark finden, so liegt hier Alles -durcheinander: Vorsprünge von Mark, darüber osteoides Gewebe oder -wirklicher Knochen, daneben verkalkter Knorpel, darunter vielleicht noch -erhaltener Knorpel. Die ganze rachitische Schicht des Diaphysenknorpels, -welche sich beträchtlich weit erstrecken kann, gewinnt natürlich keine -rechte Festigkeit, und das ist einer der Hauptgründe für die -Verschiebbarkeit, welche die rachitischen Knochen zeigen, nicht -innerhalb der Continuität der Diaphysen, sondern an den Enden. Diese ist -in manchen Fällen überaus bedeutend, und bedingt manche Difformität, -z. B. am Thorax (Pectus carinatum) einzig und allein. Die stärkeren -Biegungen in der Continuität der Knochen sind immer Infractionen, die -der Epiphysen gehören der Knorpelwucherung an und stellen einfache -Inflexionen dar; hier ist es leicht zu begreifen, wie ein seiner -regelmässigen Entwickelung so vollkommen beraubter Theil, welcher -eigentlich dicht mit Kalksalzen erfüllt sein sollte, eine grosse -Beweglichkeit bewahren muss. - -Die Vergrösserung und Vermehrung der einzelnen Zellen geschieht bei der -Rachitis in derselben Weise, wie wir sie früher beschrieben haben; indem -aber weiterhin in dem Knorpel einzelne Theile nicht verkalken, die -eigentlich schon Knochen sein sollten, indem namentlich die -Markraumbildung oft weit bis über die Verkalkungsgrenze herauf -erfolgt, so liegt an manchen solchen Stellen häufig die ganze -Entwickelungsgeschichte des Knochens im Zusammenhange klar zu Tage. Man -sieht grosse, oft sehr gefässreiche Zapfen von faserigem Mark -(Fig. 137, _m_) sich vom Knochen her in den Knorpel herauferstrecken und -kann sehr deutlich erkennen, dass nicht etwa diese Zapfen sich in den -Knorpel hineinschieben, sondern dass sie durch eine strichweise -Umbildung der Knorpelsubstanz selbst und Sprossenbildung der Gefässe -entstehen. Hauptsächlich in ihrem Umfange ist es, wo sich auch die -osteoide Umbildung der Knorpel am besten sehen lässt, wo man -insbesondere sehr deutlich wahrnehmen kann, wie ein Knorpelkörperchen -sich nach und nach in ein Knochenkörperchen umwandelt. Aus dem -Knorpelkörperchen, dass eine mässig dicke Kapselmembran hat, geht -nehmlich ein mit immer dickerer Kapsel versehenes Gebilde hervor, -innerhalb dessen der Raum für die Zelle immer kleiner wird, und das auf -einer gewissen Höhe der Ausbildung nach innen hin Einkerbungen bekommt, -ähnlich den sogenannten Tüpfelkanälen der Pflanzenzellen. So ist schon -die erste Erscheinung des Knochenkörperchens angelegt, worauf sehr -gewöhnlich eine Verschmelzung der Kapseln mit der Grundsubstanz erfolgt -und mit der Herstellung anastomosirender Höhlenfortsätze die Bildung des -Knochenkörperchens abgeschlossen wird. Zuweilen verkalken einzelne -osteoide Knorpelkörper für sich, ohne dass die Verschmelzung erfolgt -ist; während ringsum noch die gewöhnliche Knorpel-Intercellularsubstanz -liegt, erfüllt sich die Kapsel des osteoiden Körperchens schon -vollständig mit Kalksalzen. An anderen Stellen dagegen erfolgt die -Verschmelzung der Kapseln mit der Grundsubstanz sehr frühzeitig (Fig. -137, _o_), und man sieht innerhalb einer glänzend erscheinenden Masse, -welche sich um manche Zellgruppen anhäuft, schon überall die zackigen -Knochenkörperchen. Da ist aber keine scharfe Grenze im Gewebe, sondern -die verdichtete und glänzende Substanz, welche die zackigen Körper -umgibt, geht unmittelbar in die durchscheinende Substanz über, welche -den gewöhnlichen Knorpel zusammenhält. Im Wesentlichen ist es derselbe -Bau. - -[Illustration: =Fig=. 138. Inselförmige Ossification in rachitischem -Diaphysenknorpel. _c_, _c_ der gewöhnliche wachsende (wuchernde) Knorpel, -_c_' zunehmende Verdickung der Kapseln mit Bildung zackiger Höhlen -(osteoide Knorpelzellen), _co_' Verkalkung solcher, noch isolirter -Knorpelzellen, _co_ beginnende Verschmelzung der Kapseln verkalkter -Knorpelzellen, _o_ Knochensubstanz. Vergr. 300. (Vergl. Archiv für -pathologische Anatomie. Bd. XIV. Taf. I.)] - -Am wichtigsten für die cellulare Theorie überhaupt ist offenbar die -isolirte Umbildung einzelner Knorpelzellen zu Knochenkörperchen. In -einem Objecte (Fig. 138) übersieht man bei der Rachitis zuweilen die -ganze Reihe dieser Vorgänge. Da, wo das vollständig knöcherne Stück, in -welchem die Knochenkörperchen ganz regelmässig entwickelt sind, an den -Knorpel stösst, findet sich eine Zone, wo man den Uebergang der -Knorpelkörperchen in vollkommene Knochenkörperchen in ganz kurzen -Strecken überblickt. An der Uebergangsstelle findet sich eine Reihe von -Körperchen dicht an einander gelagert, wie Haselnüsse, die durch ihre -dunkeln Contouren, ihr hartes Aussehen, ihren ungewöhnlich starken Glanz -sich von den gewöhnlichen Knorpelkörperchen unterscheiden, und die in -einer kleinen zackigen Höhle eine kleine Zelle umschliessen: das sind -die noch isolirten Knochenkörperchen mit verkalkten Kapseln, welche -ihnen noch von ihrer früheren Zeit als Knorpelkörperchen anhaften. Es -ist desshalb besonders wichtig, diese Körper in ihrer Isolirung in loco -zu sehen, weil man ohne ihre Kenntniss jene anderen Prozesse nicht -begreift, bei welchen innerhalb des Knochens diese Territorien wieder -ausfallen (Fig. 143). - -Auf alle Fälle, wenn man ein Object dieser Art einmal genau verfolgt -hat, kann man darüber nicht mehr in Zweifel kommen, dass aus -Knorpelkörperchen Knochenkörperchen werden können, und ich begreife -nicht, wie noch bis in die allerletzte Zeit sorgfältige Untersucher die -Frage aufwerfen konnten, ob nicht das Knochenkörperchen =jedesmal= eine -auf Umwegen gewonnene Bildung sei, welche mit dem Knorpelkörperchen -keinen unmittelbaren Zusammenhang habe. Allerdings ist es richtig, dass -bei dem normalen Längenwachsthum der Knochen die meisten -Knochenkörperchen nicht direct aus Knorpelzellen, sondern zunächst aus -Markzellen hervorgehen und nur mittelbar von Knorpelzellen abstammen, -aber ebenso richtig ist es, dass auch die Knorpelzelle geraden Weges in -ein Knochenkörperchen sich umbilden kann. Schon vor langer Zeit habe ich -auf einen Punkt besonders aufmerksam gemacht, wo man die Umbildung des -Knorpels zu osteoidem Gewebe sehr deutlich übersehen kann, nehmlich die -Uebergangsstellen vom Knorpel zum Perichondrium in der Nähe der -Verkalkungsgrenze. Hier verwischen sich die Grenzen der Gewebsformen -vollständig, und man sieht alle Uebergänge zwischen runden -(knorpeligen), spindel- oder linsenförmigen (bindegewebigen) und -zackigen (osteoiden) Zellen[276]. - - [276] Archiv V. 453. XVI. 11. - -Gerade so, wie aus dem Knorpelkörperchen ein Knochenkörperchen werden -kann, so kann auch aus der Markzelle ein Knochenkörperchen werden. In -den Markräumen des Knochens nehmen in der Regel diejenigen Markzellen, -welche am Umfange liegen, späterhin eine mehr längliche Beschaffenheit -an, richten sich parallel der inneren Oberfläche der Markräume, und das -Mark selbst erlangt hier eine mehr faserige Intercellularsubstanz, -weshalb man es eben als Markhaut betrachtet hat. Aber diese sogenannte -Haut ist nicht von den centralen Theilen zu trennen; sie stellt nur die -festeste und zugleich äusserste Schicht des Markgewebes dar. Sobald nun -Tela ossea entstehen soll, so ändert sich die Beschaffenheit -der Grundsubstanz. Dieselbe wird fester, sklerotisch, knorpelartig, -die einzelnen Zellen scheinen in Lücken der Grund- oder -Intercellularsubstanz zu liegen. Schon früh werden sie zackig, indem sie -kleine Ausläufer treiben, und nun ist weiter nichts mehr nöthig, als -dass sich in die dichte Grundsubstanz Kalksalze ablagern; dann ist der -Knochen schon fertig. So bildet sich auch hier wieder durch eine ganz -directe Transformation (Metaplasie) das Knochengewebe, und indem sich -eine solche osteoide Schicht nach der anderen aus dem Marke ablagert, so -entsteht dadurch compacte Knochensubstanz, welche jedesmal bezeichnet -ist durch die lamellöse Ablagerung von Tela ossea im früheren Markraume -(Fig. 38 u. 39). Der ursprüngliche Knochen ist immer bimsteinartig, -porös; seine Höhlungen erfüllen sich, indem aus Marklamellen Lagen von -Knochensubstanz bis zu dem Punkte nachwachsen, wo das Gefäss allein -übrig bleibt, welches die Ossification nicht zulässt. -- - -Was nun die Entwickelung der Knochen =in der Dicke= d. h. aus dem -Perioste[277] anbetrifft, so ist diese an sich viel einfacher, aber sie -ist auch viel schwieriger zu sehen, weil die Ossification hier sehr -schnell vor sich geht und die wuchernde Periostschicht so dünn und so -zart ist, dass eine überaus grosse Sorgfalt dazu gehört, sie überhaupt -nur wahrzunehmen. Im Pathologischen haben wir für ihr Studium ungleich -bessere Gelegenheit, als im Physiologischen. Denn es ist ganz gleich, ob -der Knochen in der Dicke physiologisch oder (durch eine Periostitis) -pathologisch wächst; dies ist nur eine quantitative und zeitliche -Differenz (Heterometrie, Heterochronie). - - [277] Archiv V. 437. - -Im entwickelten Zustande besteht das Periost dem grössten Theile nach -aus sehr dichtem Bindegewebe mit einer überaus grossen Masse von -elastischen Fasern, innerhalb dessen sich Gefässe ausbreiten, um von da -in die Rinde des Knochens selbst hineinzugehen. Wenn nun das Wachsthum -des Knochens in der Dicke beginnt, so nimmt die innerste, gefässreiche -Schicht des Periostes an Dicke zu und schwillt an; dann sagt man, es sei -ein Exsudat geschehen, indem man als ausgemacht annimmt, dass die -Schwellung ein Exsudat voraussetze, und dass hier das Exsudat zwischen -Periost und Knochen liege. Nimmt man aber die Masse vor und analysirt -sie, so zeigt sie keinerlei Aehnlichkeit mit irgend einer bekannten Art -von einfachem Exsudate; die geschwollene Stelle erscheint vielmehr durch -ihre ganze Dicke von aussen bis nach innen organisirt und zwar am -deutlichsten gerade am Knochen, während man nach aussen gegen die -Periost-Oberfläche hin die Structurverhältnisse weniger leicht entwirren -kann. Diese Verdickungen können unter Umständen sehr bedeutend zunehmen. -Bei einer Periostitis sehen wir ja, dass förmliche Knoten gebildet -werden. Man denke nur an die mehr physiologische Geschichte des Callus -nach Fractur. Nach einem Exsudate sucht man hier vergeblich. Verfolgt -man die verdickten Lagen in der Richtung zu dem noch unverdickten -Perioste hin, so kann man sehr deutlich sehen, was =Duhamel= schon sehr -schön zeigte, was aber immer wieder vergessen wird, dass die -Verdickungsschichten endlich alle in die Schichten des Periostes -continuirlich sich fortsetzen. So wenig als das Periost unorganisirt -ist, so wenig sind die Verdickungsschichten ohne Organisation. Die -mikroskopische Untersuchung zeigt in der Nähe der Knochenoberfläche eine -leicht streifige Grundsubstanz und darin kleine zellige Elemente; je -weiter man sich vom Knochen entfernt, um so mehr finden sich Theilungen -der Elemente und endlich die einfachen, aber sehr kleinen -Bindegewebskörperchen des Periostes. Der Gang der Theilung ist derselbe, -wie am Knorpel, nur dass der Wucherungsact an sehr feinen Elementen -geschieht. Je grösser der Reiz, um so grösser wird auch die Wucherung, -um so stärker die Anschwellung der wachsenden Stelle. - -Diese aus der wuchernden Vermehrung der Periostkörperchen -hervorgegangenen Elemente geben die Knochenkörperchen genau in derselben -Weise, wie ich es beim Marke beschrieben habe. In der Nähe der -Knochenoberfläche verdichtet sich die Grundsubstanz und wird fast -knorpelartig, die Elemente wachsen aus, werden sternförmig und endlich -erfolgt die Verkalkung der Grundsubstanz. Ist der Reiz sehr gross, -wachsen die Elemente sehr bedeutend, dann entsteht hier wirklicher -Knorpel; die Elemente vergrössern sich so, dass sie bis zu grossen, -ovalen oder runden Zellen anwachsen und die einzelnen Zellen um sich -herum eine kapsuläre Abscheidung bilden. Auf diese Weise kann auch im -Periost durch eine directe Umbildung des wuchernden Periostes Knorpel -entstehen, aber es ist keinesweges nothwendig, dass wirklicher, -eigentlicher Knorpel entsteht; in der Regel erfolgt nur die osteoide -Umbildung, wobei die Grundsubstanz sklerotisch wird und sofort verkalkt. - -[Illustration: =Fig=. 139. Verticaldurchschnitt durch die Periostfläche -eines Os parietale vom Kinde. _A_ Die Wucherungsschicht des Periostes -mit anastomosirenden Zellennetzen und Kerntheilung. _B_ Bildung der -osteoiden Schicht durch Sklerose der Intercellularsubstanz. Vergr. 300.] - -So geschieht es, dass an der Oberfläche jedes wachsenden Knochens, wie -insbesondere =Flourens= nachgewiesen hat, der neue Knochen sich immer -Schicht auf Schicht ansetzt, und dass die neuen Schichten den alten -Knochen so umwachsen, dass ein Ring, den man um den Knochen legt, nach -einiger Zeit innerhalb desselben liegt, umschlossen von jungen -Schichten, welche sich aussen herum gebildet haben. Letztere stehen mit -dem alten Knochen durch kleine Säulchen in Verbindung, welche dem Ganzen -ein bimsteinartiges Aussehen geben, und auch hier erfolgt die spätere -Verdichtung zu Rindensubstanz dadurch, dass sich in den einzelnen, durch -die Säulchen umgrenzten Räumen concentrische Lamellen von -Knochensubstanz aus dem periostealen Marke bilden[278]. - - [278] Archiv V. 444. - -Nirgends jedoch sieht man die Uebergänge des periostealen Bindegewebes -in die eigentlich osteoide Substanz mit einer so überzeugenden -Deutlichkeit, als an manchen Knochengeschwülsten, namentlich den -=Osteoidchondromen=. Solche finden sich besonders an den Kiefern von -Ziegen[279], und da auch hier die Verkalkung der schon Knochenstructur -besitzenden Theile in grossen Abschnitten nicht erfolgt, so leisten sie -für die Darstellung der Uebergänge des Bindegewebes in osteoide Substanz -etwa dasselbe, was uns für die Umbildung der Knorpel die Geschichte der -Rachitis gelehrt hat. Wobei ich übrigens bemerke, dass die Thierärzte, -ich weiss nicht mit wie viel Recht, solche Zustände auch als Rachitis -bezeichnen. Die Geschwulst, welche oft Ober- und Unterkiefer, aber jeden -für sich befällt, ist so wenig dicht, dass man sie ganz bequem schneiden -kann; nur an einzelnen Stellen findet das Messer einen stärkeren -Widerstand. Macht man feinere Durchschnitte, so sieht man schon vom -blossen Auge, dass dichtere und weniger dichte Stellen mit einander -abwechseln, dass das Ganze ein maschiges Aussehen hat. Bringt man es bei -schwacher Vergrößerung unter das Mikroskop, so bemerkt man sofort, dass -die ganze Anlage vollkommen die eines neugebildeten Knochens ist; eine -Art von Markhöhlen und ein Balkennetz wechseln mit einander ab, genau -so, wie wenn man die Markhöhlen und Balken eines spongiösen Knochens vor -sich hätte. Die Substanz, welche das Balkennetz bildet, ist im Ganzen -dicht und erscheint dadurch schon bei schwacher Vergrösserung leicht von -der zarteren Substanz, welche dazwischen liegt und die Maschenräume -füllt, verschieden. Letztere bietet, wenn man sie stärker vergrössert, -ein fein streifiges, faseriges Aussehen dar. Die Faserzüge laufen zum -Theil parallel den Rändern der Balken. Innerhalb der letzteren sieht -man bei starker Vergrösserung ähnliche Gebilde, wie sie das -Knochengewebe darbietet, zackige Körperchen, ganz regelmässig -verbreitet. - - [279] Geschwülste I. 532. - -[Illustration: =Fig=. 140. Schnitt aus einem Osteoidchondrom vom Kiefer -einer Ziege: Habitus der Periost-Ossification. Osteoide Balkennetze mit -zackigen Zellen umschliessen primäre Markräume, mit faserigem -Bindegewebe gefüllt. Die dunkeln Stellen verkalkt und fertiges -Knochengewebe darstellend. Vergr. 150.] - -Dieser Habitus entspricht vollständig dem, was bei der Entwickelung des -Knochens vom Periost aus geschieht[280]; es ist, kurz gesagt, das Schema -des Dickenwachsthums des Knochens. Ueberall, wo man junge -Periost-Auflagerungen untersucht, findet man innerhalb des maschigen -Netzes, welches die osteoide Substanz bildet, faseriges Mark, nicht -zelliges, wie in der späteren Zeit. Es sind die Reste des gewucherten -Periostes selbst, welche noch nicht einer weiteren Metaplasie unterlegen -haben. Die osteoide Umbildung erfolgt in die Periostwucherung hinein -ursprünglich immer in der Weise, dass sich von der Knochenoberfläche aus -das Fasergewebe in gewissen Richtungen verdichtet; dadurch entstehen -härtere, zuerst senkrecht und säulenartig auf dem Knochen aufsitzende -Zapfen, welche sich durch quere, der Knochenoberfläche parallele Züge -oder Bogen verbinden und so jenes Maschenwerk herstellen. Lässt man -Essigsäure auf diese Theile einwirken, so sieht man alsbald, dass die -ganze fibröse Masse, welche die Alveolen erfüllt, die wundervollsten -Bindegewebs-Elemente enthält, und zwar in der Anordnung, dass dieselben -am Umfange der Balken mehr spindel- oder linsenförmig sind und in -concentrischen Streifen liegen, während sie in der Mitte der -Maschenräume sternförmig sind und unter einander anastomosiren. Dass um -die Alveolen herum aber wirklich schon Knochenbalken vorhanden sind, -davon kann man sich an den Stellen sehr schön überzeugen, wo Kalksalze -darin abgelagert sind. Während die Peripherie solcher verkalkten Balken -(Fig. 140) ein glänzendes, fast knorpelartiges Aussehen hat, tritt mehr -nach innen in denselben schon eine trübe, feinkörnige, in Säuren -lösliche Masse auf, welche die Intercellularsubstanz durchsetzt und -gegen die Mitte der Balken hin in eine fast gleichmässige, kalkige -Schicht übergeht, in der von Strecke zu Strecke die Knochenkörperchen -hervortreten. Hier haben wir also schon ein vollständiges Knochennetz, -zugleich das regelrechte Bild für das Dickenwachsthum des Knochens. - - [280] Archiv V. 454. - -[Illustration: =Fig=. 141. Ein Stück aus Fig. 140, stärker vergrössert, -nach Einwirkung von Essigsäure. _o_, _o_ die osteoiden Balken; _m_, _m_, -_m_ die primären Markräume mit Spindel- und Netzzellen. Vergröss. 300.] - -Betrachtet man aber recht sorgfältig die Stellen, wo der Rand dieser -Balken und Knochenzüge mit der fibrösen Substanz der Maschenräume -zusammenstösst, so sieht man hier keine vollkommen scharfe Grenze; im -Gegentheil, die osteoide Substanz verstreicht nach und nach in das -fibröse Gewebe, so dass hier und da einzelne der Bindegewebselemente des -fibrösen Gewebes schon in die sklerotische Substanz der Balken -miteingeschlossen werden. Daraus kann man abnehmen, dass die Bildung der -eigentlichen Knochensubstanz wesentlich erfolgt durch die allmähliche -Veränderung von Intercellularsubstanz, und zwar so, dass diese aus ihrem -ursprünglich faserigen Bindegewebs-Zustande in eine dichte, glänzende, -sklerotische, knorpelartige Masse übergeht, welche sich jedoch sowohl -durch Structur, als durch Mischung von Knorpel unterscheidet. Hier ist -nie ein Stadium, welches den bekannten Formen des gewöhnlichen Knorpels -entspräche, sondern es geht direkt aus Bindegewebe die osteoide Form -hervor, dieselbe Form, welche auch im Knorpel und Mark erst entsteht, -wenn aus ihnen Knochen wird. Es ist diese Erfahrung insofern sehr -wesentlich, als man durch sie die Ueberzeugung gewinnt, dass es falsch -ist, von Knochenknorpel in dem Sinne zu sprechen, als ob gewöhnlicher -Knorpel die organische Grundlage des Knochengewebes bilde. Der Knorpel -als solcher kann nur verkalken; wenn er Knochen werden soll, so muss -eine Umsetzung seines Gewebes stattfinden: es muss sich die -chondrinhaltige Grundsubstanz verdichten und, wenigstens zum grössten -Theile, in eine leimgebende Intercellular-Masse umwandeln (S. 453). - -Die Ossification aus Bindegewebe ist die Regel für die =pathologische -Neubildung von Knochen=, insbesondere für die =Callusbildung= nach -Fractur, über welche ich noch ein Paar Worte hinzufügen will, da es ein -viel discutirter und chirurgisch sehr wichtiger Prozess ist. - -Schon aus meiner bisherigen Darstellung ist leicht ersichtlich, dass der -Wege der Neubildung von Knochengewebe mehrere sind, und dass die alte -Voraussetzung, als müsse ein Modus als der allein gültige betrachtet -werden, nicht richtig ist. Eine Präexistenz von eigentlichem Knorpel vor -der Knochenbildung ist durchaus nicht nothwendig, vielmehr bildet sich -viel häufiger durch eine direkte Sklerose der Intercellularsubstanz aus -Bindegewebe osteoides Gewebe und aus diesem Knochengewebe; ja die -Ossification kommt so eigentlich leichter und einfacher zu Stande, als -aus gewöhnlichem Knorpel. Gerade in der Geschichte der Callustheorien -hat es sich auf das Deutlichste gezeigt, dass das Bestreben, eine -einfache Formel aufzufinden, das grösste Hinderniss für die Erkenntniss -der Callusbildung gewesen ist, und dass, trotz der grossen -Verschiedenheit der Meinungen, eigentlich Alle Recht gehabt haben, indem -in der That der neue Knochen sich aus dem verschiedensten Material -aufbaut. - -Unzweifelhaft werden, wenn der Fall günstig ist, die bequemsten Wege für -die Neubildung betreten, und der allerbequemste Weg ist der, dass das -Periost den übergrossen Theil des Callus hervorbringt. Es geschieht dies -in der Weise, dass das Periost gegen den Rand des Bruches hin sich -verdickt und hier unter fortschreitender Proliferation nach und nach -anschwillt, so zwar, dass man nachher ziemlich deutlich einzelne sich -übereinander schiebende Lagen oder Schichten (Lamellen) daran -unterscheiden kann. Diese werden immer dicker und zahlreicher, indem -fortwährend die innersten Theile des Periostes wuchern und durch -Vermehrung ihrer Elemente neue Lagen bilden, welche sich zwischen dem -Knochen und den noch relativ normalen äusseren Theilen des Periostes -aufhäufen. Diese Lagen können zu wirklichem Knorpel werden, aber es ist -dies nicht nothwendig und nicht die Regel. Ja es findet sich sogar, dass -bei den meisten Fracturen, wo Knorpel entsteht, nicht die ganze Masse -des Periostcallus aus Knorpel hervorgeht, sondern ein mehr oder weniger -grosser Theil sich immer aus Bindegewebe bildet. Die Knorpelschichten -liegen gewöhnlich dem Knochen zunächst; je weiter man nach aussen kommt, -um so mehr herrscht die direkte Umbildung des Bindegewebes vor. - -Die Neubildung von Knochengewebe beschränkt sich aber bei Fracturen -keineswegs auf das Periost; sehr häufig geht sie nach aussen über -dasselbe hinaus, und nicht selten reicht sie in Form von Stacheln, -Knoten und Höckern sehr weit in die benachbarten Weichtheile hinein. Es -versteht sich von selbst, dass hier keinesweges eine nach aussen gehende -Wucherung des Periostes stattfindet, sondern dass aus dem Bindegewebe -der benachbarten Theile ossificationsfähiges Gewebe hervorgeht. Man kann -sich davon leicht überzeugen, da man in solche Massen die Ansätze von -Muskeln verfolgen kann. Ja, nicht selten findet man an den äusseren -Theilen Stellen, wo subcutanes Fettgewebe mit in die Ossification -eingeschlossen worden ist. Man kann also nicht sagen, dass die -Callusbildung im Umfange der Fracturstücke nur eine periosteale Bildung -sei; jedesmal, wenn sie eine gewisse Reichlichkeit gewinnt, -überschreitet sie die Grenzen des Periostes und geht in das Bindegewebe -der umliegenden Weichtheile hinein. Diesen Theil des äusseren Callus -nenne ich =parosteal=. - -Vollständig verschieden von dieser äusseren Callusbildung ist diejenige, -welche mitten im Knochen aus dem Mark erfolgt: die =medulläre= oder -besser =myelogene=. - -[Illustration: =Fig=. 142. Querbruch des Humerus mit Callusbildung, etwa -14 Tage alt. Man sieht aussen die poröse Kapsel des aus Periost und -Weichtheilen hervorgegangenen Callus, dessen innerste Lage rechts noch -knorpelig ist. Links liegt frei ein abgesplittertes Stück der -Knochenrinde. Die beiden Bruchenden sind durch eine (dunkelrothe) -hämorrhagisch-fibröse Schicht verbunden, das Mark beiderseits (durch -Hyperämie und Extravasat) sehr dunkel, im unteren Bruchstücke mehrere -poröse Callusinseln, aus der Ossification des Markes hervorgegangen.] - -In dem Augenblicke, wo der Knochen bei dem Bruche zertrümmert wird, -werden natürlich viele kleine Markräume oder gar die grosse centrale -Markhöhle eröffnet. In der Nähe der Bruchstelle füllen sich nun fast -constant bei regelmässigem Verlaufe die noch unversehrten Markräume mit -Callus, indem sich an die innere Fläche der sie umgrenzenden -Knochenbalken neue Knochenlamellen aus dem Marke ansetzen, wie bei dem -gewöhnlichen Dickenwachsthum des Knochens die ursprünglich -bimsteinartigen äusseren Lagen durch die Einlagerung concentrischer -Lamellen compact werden. Auf diese Weise geschieht es, dass nach einiger -Zeit eine mehr oder weniger grosse neue Knochen-Schichte sich findet, -welche continuirlich durch die Markhöhle hindurchzieht und eine -Abschliessung derselben zu Stande bringt. Diese innere Callusbildung hat -mit der äusseren in Beziehung auf die Ausgangspunkte gar nichts -gemeinschaftlich; sie geht von einem ganz anderen Gewebe aus und liefert -auch im Groben ein anderes Resultat, insofern sie innerhalb der Grenzen -des alten Knochens eine Verdichtung desselben an der Bruchstelle -hervorbringt. Selbst in dem Falle, dass die Knochenenden vollständig -aufeinander passen, gestaltet sich in beiden Markhöhlen eine solche -innere Knochenbildung, welche für eine gewisse Zeit eine Unterbrechung -der Markhöhle erzeugt. - -Diese beiden Arten der Callusbildung sind die gewöhnlichen und normalen. -Im Umfange der beiden Bruchenden geschieht die Anschwellung, im Innern -die Verdichtung. Allmählich treten die neugebildeten Massen sich näher, -ringsherum bildet sich aus der Ossification der Weichtheile eine -brücken- oder capselartige Verbindung. Die übrige Vereinigung der -getrennten Knochentheile geschieht endlich aus dem alten Knochengewebe -selbst, welches an gewissen Theilen in weiches Gewebe übergeht, -proliferirt, verschmilzt und von Neuem ossificirt. Es ist also wenig -Grund zu fragen, ob der Callus aus einer freien Exsudat- oder -Extravasatmasse hervorgehe. Allerdings erfolgt anfänglich eine -Extravasation in den Raum zwischen die Bruchenden, allein das -ausgetretene Blut wird in der Regel ziemlich vollständig absorbirt, und -es trägt für die Constituirung der Verbindungsmassen verhältnissmässig -sehr wenig bei. Ist viel Blut zwischen den Bruchenden, so bildet es eher -ein Hinderniss, als eine Begünstigung für die Consolidation. -- - -Ergibt sich demnach die Ossification aus Knorpel als ein -verhältnissmässig seltener Fall, so bleibt doch die Erfahrung von der -Umwandlung einzelner Knorpelkörperchen in Knochenkörperchen überaus -lehrreich. Denn das Knorpelkörperchen steht dem Bindegewebskörperchen -parallel und seine Kapsel repräsentirt die zuletzt von ihm -hervorgebrachte Intercellularsubstanz, deren Grenze sich in dem -Bindegewebe sofort verwischt. Aber sicherlich ist sie vorhanden und für -die Ernährungsverhältnisse von bestimmender Wichtigkeit. Ja wir müssen -sagen, dass die alte Grenze immerfort den Bezirk bezeichnet, welcher von -dem Knochenkörperchen beherrscht wird, und, wie ich das schon am -Eingange (S. 18) gerade für diesen Punkt hervorgehoben habe, unter -pathologischen Verhältnissen tritt dieser Bezirk (Territorium) nicht nur -wieder in Kraft, sondern auch in's Gesicht. In diesem Kreise macht das -Knochenkörperchen seine besonderen Schicksale durch. Wird ein Knochen -auf irgend eine Weise zu neuen Transformationen oder Productionen -bestimmt, so geht ein Knochenkörperchen nach dem anderen innerhalb -seiner Gebietsgrenzen in die Veränderung ein. Bildet sich im Umfange -nekrotischer Stücke eine Demarcationslinie (reactive Entzündung), so -bekommt die Oberfläche des Knochens, vom Rande her gesehen, -Ausbuchtungen, deren Umfang den alten Zellterritorien entspricht[281]. -Auf der Fläche bemerkt man Lücken, welche hier und da zusammenfliessen -und Gruben darstellen. Das Knochenkörperchen, welches früher an der -Stelle der Grube lag, hat in dem Maasse, als es sich selbst veränderte, -auch die umgebende Intercellularsubstanz bestimmt, in die Veränderung -einzugehen. - - [281] Archiv IV. 301. XIV. 33. - -[Illustration: =Fig=. 143. Demarkationsrand eines nekrotischen -Knochenstückes bei Paedarthrocace. _a_, _a_, _a_ der nekrotische Knochen -mit sehr vergrösserten Knochenkörperchen und Knochenkanälchen; hier und -da Andeutungen von Gruben auf der Fläche. _b_, _b_ die Lacunen, welche -an die Stelle der Zellenterritorien des Knochens (vgl. Fig. 138) -getreten sind, im seitlichen Abfalle des etwas dicken Präparates -gesehen; hier und da noch vergrößerte Knochenkörperchen durchscheinend. -_c_, _c_ die vollständig leeren Lücken. Vergr. 300.] - -Von dieser, den lebenden Knochen treffenden Veränderung ist eine andere, -der äusseren Erscheinung nach oft sehr ähnliche wohl zu unterscheiden, -welche auch an todten (nekrotischen) Knochen vorkommt. Viele Jahre -hindurch ist es streitig gewesen, ob todte Knochen durch den Eiter -angegriffen werden. Zahlreiche Versuche mit fast regelmässig negativem -Ergebniss hatten zuletzt die Ueberzeugung allgemein gemacht, dass der -todte Knochen inmitten des Eiters unverändert bleibe. Erst Erfahrungen, -welche Herr =von Langenbeck= an Elfenbeinstücken machte, die in lebende -menschliche Knochen eingesenkt wurden, haben dargethan, dass, wenn auch -nicht der Eiter als solcher, so doch die Granulationen das todte Gewebe -»anfressen«. Ich habe mich durch eigene Untersuchung an solchen Stiften -überzeugt, dass sowohl kleine, als ganz grosse Gruben an der Oberfläche -früher ganz glatter Stifte entstehen, und es kann hier um so weniger -zweifelhaft sein, dass diese Gruben mit Zellenterritorien nichts zu thun -haben, als das Elfenbein solche Territorien gar nicht besitzt. Nicht -alle Gruben und Löcher am Knochen sind also durch Einschmelzung von -Zellenterritorien entstanden; das Gesagte gilt nur von solchen Gruben, -welche wirklich der Form und Grösse nach den Zellenterritorien -entsprechen. Solche kann man sowohl an der compacten Knochenrinde, als -auch an den Bälkchen des Markes wahrnehmen. - -Das sind Vorgänge, ohne deren Verständniss man die Geschichte der Caries -gar nicht begreifen kann. Die Caries beruht eben darin, dass der Knochen -sich in seine Territorien auflöst, dass die einzelnen Elemente, und zwar -sowohl die des Knochengewebes, als auch die des Markes, in neue -Entwickelung gerathen, und dass die Reste von alter Grundsubstanz als -kleine, dünne Scherben in der weichen Substanz liegen bleiben. Ich habe -dies wiederholt an Amputationsstümpfen verfolgt, an denen sich bald nach -der Operation eine Periostitis mit leichter Eiterung, der Anfang von -Caries peripherica, fand. Wenn man in einem solchen Falle das verdickte -Periost abzieht, so sieht man in dem Moment, wo das Periost sich von der -Oberfläche entfernt und die Gefässe sich aus der Knochenrinde -hervorziehen, nicht, wie bei einem normalen Knochen, einfache Fäden, -sondern einen kleinen Zapfen, eine dickere Masse; hat man sie ganz -herausgezogen, so bleibt ein unverhältnissmässig grosses Loch zurück, -viel umfangreicher, als unter normalen Verhältnissen. Untersucht man den -Zapfen, so findet man, dass um das Gefäss herum eine gewisse Quantität -von weichem Gewebe liegt, dessen zellige Elemente sich in fettiger -Degeneration oder in zelliger Wucherung befinden. An den Stellen, wo das -Gefäss herausgezogen ist, erscheint die Oberfläche nicht eben, wie beim -normalen Knochen, sondern rauh und porös, und wenn man dieselben unter -das Mikroskop bringt, so bemerkt man jene Ausbuchtungen, jene -eigenthümlichen Löcher, welche den einschmelzenden Zellenterritorien -zugehören. Fragt man also, auf welche Weise der Knochen im Anfange der -Caries porös wird, so kann man sagen, dass es sicherlich nicht so -geschieht, dass sich Exsudate bilden, denn dazu ist kein Raum -vorhanden, da die Gefässe innerhalb der Markkanäle (Fig. 38, 39, 41) -unmittelbar die Tela ossea berühren. Vielmehr bilden sich Lücken, welche -sofort gefüllt sind mit einer weichen Substanz, die ein leicht -streifiges Bindegewebe mit fettig degenerirten oder gewucherten Zellen -darstellt. Schmilzt im Umfange eines Markkanals ein Knochenkörperchen -nach dem anderen ein, so wird man nach einiger Zeit den Markkanal von -einer lacunären Bildung umgrenzt finden. Mitten darin steckt immer noch -das Gefäss, welches das Blut führt, aber die Substanz herum ist nicht -Knochen oder Exsudat, sondern degenerirtes Gewebe, in welches -möglicherweise aus den Gefässen ausgewanderte farblose Blutkörperchen -eindringen. Der ganze Vorgang ist eine =degenerative Ostitis=, wobei die -Tela ossea ihre chemische und morphologische Haltung einbüsst, und an -ihre Stelle ein weiches, nicht mehr kalkführendes Gewebe tritt. Dieses -kann je nach Umständen sehr verschieden sein, einmal eine fettig -degenerirende, zerfallende Masse, in einem anderen Falle ein -zellenreiches Gewebe mit zahlreichen jungen Elementen. Die neu -entstehende Substanz verhält sich wieder, wie Mark. Unter Umständen kann -sie so wachsen, dass, wenn wir das Beispiel wiederum von der Oberfläche -des Knochens nehmen, wo sich ein Gefäss hineinsenkt, die junge Markmasse -neben dem Gefässe herauswuchert und als ein Knöpfchen erscheint, welches -eine Grube der Oberfläche erfüllt und unter Umständen sogar über sie -hervorragt. Das nennen wir eine =Granulation=. - -Untersucht man Granulationen im Vergleiche mit rothem Mark, so ergibt -sich, dass keine zwei Arten von Gewebe mehr mit einander übereinstimmen. -Das Knochenmark eines Neugebornen könnte man jeden Augenblick chemisch -und mikroskopisch für eine Granulation ausgeben. Die Granulation ist -nichts weiter, als junges, weiches, schleimhaltiges Gewebe, analog dem -Mark. Es gibt eine entzündliche Osteoporose, welche nur darin beruht, -dass eine vermehrte Markraumbildung eintritt und der Prozess, welcher an -der Markhöhle ganz normal ist, sich auch aussen in der compacten Rinde -findet. Diese Osteoporose (Osteomalacie) unterscheidet sich von der -granulirenden Caries peripherica nur durch ihren Sitz. Geht man einen -Schritt weiter und lässt man die Zellen, welche bei der Osteoporose in -mässiger Menge vorhanden sind, reichlicher und reichlicher werden, -während die Grundsubstanz dazwischen immer weicher und spärlicher wird, -so haben wir =Eiter=. Dieser entsteht nicht aus einem Blastem durch -einen besonderen Act, nicht durch eine Schöpfung de novo, sondern er -entwickelt sich regelrecht von Generation zu Generation nach vollkommen -legitimer Art, gleichviel, ob seine Elemente aus den Elementen des -früheren Gewebes hervorgehen[282], oder ob sie direkt aus dem Blute in -das Gewebe einwandern. - - [282] Archiv XIV. 60. - -Es liegt also in der Geschichte des kranken Knochens eine ganze Reihe -von Gewebs-Umbildungen vor uns: der zuerst entstandene, aus Knorpel oder -Bindegewebe hervorgehende Knochen kann Umbildungen erfahren zu Mark, -dann zu Granulations-Gewebe, und endlich zu fast reinem Eiter. Die -Uebergänge sind hier so allmählich, dass bekanntlich derjenige Eiter, -welcher zunächst auf die Granulation folgt, eine mehr schleimige, -fadenziehende, zähe, cohärente Masse darstellt, welche auch wirklich -Schleimstoff enthält, analog dem Granulations-Gewebe, und welche erst, -je weiter man nach aussen kommt, die Eigenschaften des vollendeten -Eiters zeigt. Der fertige rahmige Eiter der Oberfläche geht gegen die -Tiefe hin nach und nach über in das Pus crudum, den schleimigen, zähen, -nicht maturirten Eiter der tieferen Lagen, und was wir =Maturation= -nennen, beruht nur darauf, dass die schleimige Grundsubstanz des -ursprünglich zähen Eiters, welcher sich seiner Structur nach der -Granulation anschliesst, allmählich in die vollkommen flüssige, -albuminöse Zwischensubstanz des reinen Eiters übergeht. Der Schleim löst -sich auf und die rahmige Flüssigkeit entsteht. =Die Reifung ist -also im Wesentlichen eine Erweichung und Verflüssigung der -Intercellularsubstanz=. So unmittelbar hängen Entwickelung und -Rückbildung, physiologische und pathologische Zustände zusammen. - -Das ist ein Theil der normalen und pathologischen Vorgänge, welche wir -bei der Bildung und Umbildung von Knochen erkennen. Man muss daraus -entnehmen, dass es sich hier um eine Reihe von Permutationen oder -Transformationen oder Substitutionen handelt, welche ein Fortschreiten -bald zu einer höheren, bald zu einer niederen Form der Bildung -darstellen, welche aber immerfort continuirlich mit einander -zusammenhängen und welche je nach den Bedingungen, welche auf die Theile -wirken, sich bald so, bald anders gestalten. Wir haben es in der Hand, -ob wir einzelne Theile des Knorpels oder des Periostes bestimmen wollen, -zu ossificiren oder sich in ein weiches Gewebe umzubilden. In dieser -ganzen Reihe steht allein das rothe Mark als der Typus der heterologen -Formen dar, indem es die kleinsten und am wenigsten charakteristischen -Zellen enthält. Das junge Markgewebe entspricht seiner Erscheinung nach -am meisten jenen jungen Entwickelungen, mit welchen alle heterologen, -per secundam intentionem entstehenden Gewebe beginnen, und da es, wie -ich vorhin schon berührte, zugleich den eigentlichen Typus für alle -Granulationen darstellt[283], so kann man sagen, dass, =wo immer -Neubildungen in massenhafter Weise entstehen sollen, auch eine dem Typus -des jungen Markes analoge Substitution (Granulation) erfolgt=, und dass, -gleichviel, welche Festigkeit das alte Gewebe haben mag, =doch immer -eine Proliferation stattfinden kann, welche die Keime für die späteren -Elemente legt=. - - [283] Archiv XIV. 59. Geschwülste II. 387. - - - - - Einundzwanzigstes Capitel. - - Die pathologische, besonders die heterologe Neubildung. - - - Theorie der substitutiven Neubildung im Gegensatze zu der - exsudativen. Zerstörende Natur der Neubildungen. Homologie und - Heterologie (Malignität). Ulceration. Osteomalacie. Knochenmark und - Eiter. Proliferation und Luxuriation. - - Die Eiterung. Verschiedene Formen derselben: oberflächliche aus - Epithel und tiefe aus Bindegewebe, Auswanderung der farblosen - Blutkörperchen. Erodirende Eiterung (Haut, Schleimhaut): Eiter- und - Schleimkörperchen im Verhältniss zum Epithel. Ulcerirende Eiterung. - Lösende Eigenschaften des Eiters. - - Zusammenhang der Destruction mit pathologischem Wachsthum und - Wucherung. Uebereinstimmung des Anfanges bei Eiter, Krebs, Sarkom - u. s. w. Mögliche Lebensdauer der pathologisch neugebildeten - Elemente und der pathologischen Neubildungen als ganzer Theile - (Geschwülste). - - Zusammengesetzte Natur der grösseren Geschwulstknoten und miliarer - Charakter der eigentlichen Heerde. Bedingungen des Wachsthums und - der Recidive: Contagiosität der Neubildungen, Bedeutung der - Elementar-Anastomosen und der Wanderzellen. Die Cellularpathologie - im Gegensatze zur Humoral- und Neuropathologie. Allgemeine - Infection des Körpers. Parasitismus und Autonomie der Neubildungen. - -Im vorigen Capitel habe ich die Hauptpunkte in der Geschichte der -Neubildungen erörtert. Es erhellt daraus, dass nach meiner Auffassung -jede Art von Neubildung, insofern sie präexistirende zellige Elemente -als ihren Ausgangspunkt voraussetzt und an die Stelle derselben tritt, -auch nothwendig mit einer völligen Veränderung (Alteration) des -gegebenen Körpertheiles verbunden sein muss. Es lässt sich nicht mehr -eine Hypothese der Art vertheidigen, wie man sie früher vom -Gesichtspunkte der plastischen Stoffe aus festhielt, dass sich =neben= -die vorhandenen Elemente des Körpers ein Rohstoff lagere, welcher aus -sich durch eine Art von Urzeugung ein neues Gewebe erzeugt und so einen -reinen Zuwachs für den Körper liefern würde. Wenn es richtig ist, dass -jede Neubildung aus bestimmten Elementen hervorgeht und dass in der -Regel Theilungen der Zellen das Mittel der Neubildung sind, so versteht -es sich natürlich von selbst, dass, =wo eine Neubildung stattfindet, in -der Regel auch gewisse Gewebselemente des Körpers aufhören müssen zu -existiren=. Selbst ein Element, das sich einfach theilt und aus sich -zwei neue, ihm gleiche Elemente erzeugt, hört damit auf zu sein, -wenngleich das Gesammtresultat nur die scheinbare Apposition eines -Elementes ist. Dies gilt für alle Formen von Neubildungen, so für die -gutartigen, wie für die bösartigen, und man kann daher in einem gewissen -Sinne sagen, dass =überhaupt jede Art von Neubildung destructiv ist, -dass sie etwas vom Alten zerstört=. Allein wir sind bekanntlich gewöhnt, -die Zerstörungen nach dem Effect zu beurtheilen, der für die gröbere -Anschauung hervortritt, und wenn man von destruirenden Bildungen -spricht, so meint man zunächst nicht diejenigen, wobei das Resultat der -Neubildung ein Analogon der alten Bildung darstellt, sondern irgend ein -mehr oder weniger von dem ursprünglichen Typus des Theiles abweichendes -Erzeugniss. Dieser Gesichtspunkt ist es, den ich früher schon (S. 92) -bei der Classification der pathologischen Neubildungen hervorgehoben -habe. Aus ihm ergibt sich ein vernünftiger, den Thatsachen -entsprechender Scheidungsgrund aller =Neubildungen in homologe und -heterologe=. - -Heterolog dürfen wir nicht nur die malignen, degenerativen Neoplasmen -nennen, sondern wir müssen jedes Gewebe so bezeichnen, welches von dem -anerkannten Typus des Ortes abweicht, während wir homolog alles das -nennen werden, was, obwohl neu gebildet, doch den Typus seines -Mutterbodens reproducirt. Wir finden z. B., dass die so überaus häufige -Art der Uterus-Geschwülste, welche man als fibröse oder fibroide -bezeichnet, ihrer ganzen Zusammensetzung nach denselben Bau hat, wie die -Wand des »hypertrophischen« Uterus, indem sie nicht nur aus fibrösem -Bindegewebe mit Gefässen, sondern auch aus Muskelfasern besteht. Ich -habe sie daher Myom oder Fibromyom genannt[284]. Die Geschwulst kann -bekanntlich so gross werden, dass sie nicht bloss den Uterus in allen -seinen Functionen auf das Aeusserste beeinträchtigt, sondern auch durch -Druck auf die Nachbartheile den allerübelsten Einfluss ausübt. Trotzdem -wird sie immer als ein homologes Gebilde gelten müssen. Dagegen können -wir nicht umhin, von einer heterologen Bildung zu sprechen, sobald durch -einen Vorgang, der vielleicht in seinem Anfange eine einfache Vermehrung -der Theile auszudrücken scheint, ein Resultat gewonnen wird, welches von -dem ursprünglichen Zustande des Ortes wesentlich verschieden ist. Ein -Katarrh z. B. in seiner einfachen Form kann eine Vermehrung der zelligen -Elemente an der Oberfläche mit sich bringen, ohne dass die neuen Zellen -wesentlich verschieden sind von den präexistirenden. Untersucht man eine -Vagina mit ausgesprochenem Fluor albus (Leukorrhoe), so ist kein -Zweifel, dass die Zellen des Fluor albus den Zellen des Vaginalepithels -sehr nahe stehen, obgleich sie nicht mehr ganz die typische Gestalt des -Pflasterepithels bewahren. Je weniger sie sich aber zu den typischen -Formen des Ortes entwickeln, um so mehr werden sie functionsunfähig. Sie -sind beweglich auf einer Oberfläche, wo sie eigentlich festhaften -sollten; sie fliessen herunter (Katarrh) und erzeugen Resultate, welche -mit der Integrität der Theile unverträglich sind. - - [284] Archiv VI. 553. Geschwülste III. 97. - -Im engeren Sinne des Wortes destruirend sind allerdings nur heterologe -Neubildungen. Die homologen können per accidens sehr nachtheilig werden, -aber sie haben doch nicht den eigentlichen, im groben und traditionellen -Sinne destruirenden oder malignen Charakter. Dagegen haftet -jeder Art von Heterologie, zumal wenn sie sich nicht auf die -alleroberflächlichsten Theile bezieht, eine gewisse Malignität -an. Trotzdem sollte man nicht übersehen, dass selbst die -Oberflächen-Affectionen, auch wenn sie sich nur auf die äusserste -Epithelial-Lage beschränken, allmählich einen sehr nachtheiligen -Einfluss ausüben können. Man denke nur an den Fall, dass eine grosse -Schleimhautfläche immerfort secernirt, dass auf ihr fortwährend -heterologe Producte erzeugt werden, die nicht zu bleibendem Epithel -werden, sondern immerfort von der Schleimhaut herunter fliessen. Die -durch die Ablösung der deckenden Elemente entstehende Erosion verbindet -sich hier mit der Blennorrhoe, der Anämie, der Neuralgie u. s. f. - -Viel klarer stellt sich dieser nachtheilige Einfluss heraus, sobald man -jene gröbere Destruction ins Auge fasst, welche das Motiv für Ulceration -und Höhlenbildung im Innern der Theile wird. Es sieht wie ein -Widerspruch aus, dass ein Prozess, der neue Elemente hervorbringt, -zerstöre, allein dieser Widerspruch ist doch eben nur ein -oberflächlicher. Wenn man sich denkt, dass in einem Theile, der vorher -fest war, ein Gewebe neu gebildet wird, welches beweglich, in seinen -einzelnen Theilen verschiebbar ist, so wird das natürlich immer eine -wesentliche Aenderung in der Brauchbarkeit des Theiles mit sich bringen. -Die einfache Umwandlung des Knochens in Mark (S. 502) kann die Ursache -werden für eine grosse Fragilität der Knochen, und die =Osteomalacie= -beruht ihrem Wesen nach auf gar nichts Anderem, als darauf, dass -compacte Knochensubstanz in Mark umgewandelt wird[285]. Eine excessive -Markraumbildung rückt allmählich vom Innern des Knochens an die -Oberfläche vor, beraubt den Knochen seiner Festigkeit, erzeugt ein an -sich ganz normales, aber für die nothwendige Festigkeit der Theile -unbrauchbares Gewebe und bereitet so die Zerstörung des Zusammenhanges -mit einer gewissen Nothwendigkeit vor. Das Mark ist ein ausserordentlich -weiches Gewebe, das in jenen Zuständen, wo es roth und zellenreich oder -atrophisch und gallertig ist, fast flüssig wird. Die Thierärzte sprechen -daher geradezu von einer »Markflüssigkeit« als einer besonderen -Krankheitsform. Von dem Mark zu den vollkommen flüssigen Geweben ist ein -kleiner Schritt, und die Grenzen zwischen Mark und Eiter lassen sich -manchmal mit Sicherheit überhaupt gar nicht feststellen. Eiter ist für -uns ein junges Gewebe, welches allmählich unter rapider Vermehrung der -Zellen alle feste Intercellularsubstanz auflöst. Eine einzige -Bindegewebszelle mag in kürzester Zeit einige Dutzend Eiterzellen -produciren, denn der Eiter hat einen reissend schnellen -Entwickelungsgang[286]. Aber das Resultat ist für den Körper nutzlos, -die =Proliferation wird Luxuriation=[287]. Die Eiterung ist ein -Consumtions-Vorgang, durch welchen überflüssige Theile erzeugt werden, -welche nicht die Consolidation, die dauerhafte Beziehung zu einander und -zur Nachbarschaft gewinnen, welche für das Bestehen des Körpers -nothwendig ist. - - [285] Archiv IV. 307. V. 491. - - [286] Archiv I. 240. - - [287] Spec. Pathologie und Ther. I. 331. - -Untersuchen wir nun zunächst eben die =Geschichte der Eiterung=, so -ergibt sich sofort, dass wir verschiedene Wege der Eiterbildung -unterscheiden müssen, je nachdem nehmlich die Elemente des Eiters mit -den farblosen Blutkörperchen identisch sind und unmittelbar aus dem -Blute auswandern, oder von den Elementen der örtlichen Gewebe neu -erzeugt werden. Als solche Matrices des Eiters können bezeichnet werden -sowohl die erste von uns betrachtete Art von Geweben, die =der -Epithelformation=, als auch die zweite, die =der Bindesubstanz=[288]. Ob -es auch eine Eiterung gibt, die aus einem Gewebe der dritten Reihe -hervorgeht, aus Muskeln, Nerven, Gefässen u. s. f., das ist insofern -zweifelhaft, als man natürlich die Bindegewebs-Elemente, welche in die -Zusammensetzung der grösseren Gefässe, Muskel-und Nervenmassen eingehen, -von den eigentlich muskulösen, nervösen und vasculösen (capillären) -Elementen ausscheiden muss. Nun haben freilich zuverlässige Beobachter, -wie C. O. =Weber=, auch für diese Gewebe das Bestehen einer aus ihrem -Parenchym hervorgehenden Eiterung beschrieben, indess kann ich darüber -nichts Bestimmtes aussagen. Die Regel ist jedenfalls auch für diese -Gewebe die =interstitielle Eiterung= (Fig. 144). - - [288] Archiv XIV. 58. XV. 530. - -[Illustration: =Fig=. 144. Interstitielle eiterige Muskelentzündung -bei einer Puerpera _m m_ Muskelprimitivfasern, _i i_ Entwickelung -von Eiterkörperchen aus der Wucherung der Körperchen des -Zwischen-Bindegewebes. Vergr. 280.] - -Die Frage von der Eiterbildung ist im Laufe der Zeit ziemlich complicirt -geworden. Während die neueren Beobachter viele Jahre lang es als -selbstverständlich ansahen, dass die Eiterkörperchen aus dem Exsudate -durch Urzeugung hervorgingen, stellten zuerst einzelne Untersucher, wie -=William Addison= und =Gustav Zimmermann=, die Meinung auf, dass der -Eiter wesentlich auf ausgetretene farblose Blutkörperchen -(Lymphkörperchen) zurückzuführen sei. =Benno Reinhardt= zeigte dagegen, -dass in dem Wundsecrete allerdings während der ersten Stunden die -vorkommenden Zellen mit den gleichzeitig im Blute vorkommenden farblosen -Blutkörperchen übereinstimmen, dass diess jedoch später nicht mehr der -Fall sei. Allein auch er liess diese späteren Eiterkörperchen aus dem -Exsudate entstehen. Nachdem ich jedoch dasjenige, was er für die -Anfänge der jungen Eiterkörperchen ansah, vielmehr für spätere -Producte, welche innerhalb alter Körperchen entstanden sind, erklären -musste[289], und allmählich die Entstehung von Eiterkörperchen aus -anderen Gewebselementen erkannte, so muss ich daran festhalten, dass -nicht alle Elemente, welche sich irgendwo im Eiter finden, aus dem Blute -stammen. Ich meinerseits habe nie daran gezweifelt, dass farblose -Blutkörperchen in Exsudate übergehen[290]. Indess haben erst die -Untersuchungen von =Waller= und namentlich von =Cohnheim= gezeigt, in -wie grossem Maasse dies der Fall ist. Letzterer hat ausserdem durch -direkte Beobachtung am Mesenterium des Frosches gefunden, dass das -Austreten der farblosen Blutkörperchen nicht durch passive Exsudation, -sondern durch active Auswanderung, und zwar überwiegend durch die -Wandungen kleinerer Venen erfolgt, und wenngleich diese Thatsache von -manchen Gegnern geradezu in Abrede gestellt ist, so kann doch über ihre -Richtigkeit nach dem, was ich selbst gesehen habe, nicht der mindeste -Zweifel sein. - - [289] Archiv X. 183. - - [290] Archiv I. 246. - -So bereitwillig ich diese Thatsache anerkenne, so sehr muss ich doch -davor warnen, alle Rundzellen, welche im Eiter oder überhaupt in -Exsudaten oder Secreten vorkommen, für ausgewanderte farblose Körperchen -oder gar für Lymphkörperchen zu halten. Schon früher (S. 211) habe ich -auf die Unterschiede aufmerksam gemacht, welche zwischen den Rundzellen -der Lymphdrüsen, der Lymphflüssigkeit und des Blutes bestehen; hier muss -ich hinzufügen, dass eine vorurtheilsfreie Untersuchung der Exsudat-und -Secretzellen fernere und erhebliche Unterschiede vieler derselben von -den Lymph- und farblosen Blutkörperchen ergibt. Auch haben sich andere -Untersucher der neuesten Zeit in immer grösserer Zahl davon überzeugt, -dass Eiterkörperchen durch Proliferation von Gewebselementen entstehen -können. Die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Arten von Zellen zu -ziehen, ist gegenwärtig um so weniger möglich, als sich nicht leugnen -lässt, dass auch die ausgewanderten farblosen Blutkörperchen weitere -Veränderungen erfahren, wodurch sie von den gewöhnlichen, im Blute -selbst enthaltenen farblosen Rundzellen verschieden werden. - -So lange die Eiterung eine blosse oberflächliche ist, so erfolgt sie -natürlich auch ohne erheblichen Substanzverlust, mit einfacher Erosion, -ohne Geschwürsbildung. Dies ist aber jedesmal der Fall, wo der Eiter in -der Tiefe, namentlich im Bindegewebe entsteht. Die Sache gestaltet sich -dabei gerade umgekehrt, wie man früher annahm, wo man dem Eiter direkt -schmelzende Eigenschaften zuschrieb. =Der Eiter ist nicht das -Schmelzende, sondern das Geschmolzene, d. h. das transformirte Gewebe=. -Ein Theil wird weich, er schmilzt ein, indem er eitert, aber es ist -nicht der fertige Eiter, welcher diese Erweichung bedingt, sondern -umgekehrt, er ist es, welcher durch die Umwandlung des Gewebes -hervorgebracht wird. - -Oberflächliche Eiterung sehen wir alle Tage sowohl an der =äusseren -Haut=, als an manchen Schleim- und serösen Häuten. Am besten kann man -sie da beobachten, wo im normalen Zustande geschichtetes Epithel -vorhanden ist. Verfolgt man die Eiterung auf der äusseren Haut, wenn sie -ohne Geschwürsbildung geschieht, so findet man regelmässig, dass sie an -dem Rete Malpighii geschieht. Sie besteht theils in der Auswanderung -farbloser Blutkörperchen, theils in einer Wucherung der Zellen mit -Entwickelung neuer Elemente. In dem Maasse, als die Eiterung -fortschreitet, bildet sich eine Ablösung der härteren Epidermislage, -welche in Form einer Blase, einer Pustel erhoben wird. Der Ort, wo die -Eiterung hauptsächlich erfolgt, entspricht den oberflächlichen Schichten -des Rete, welche schon im Uebergange zur Epithelbildung begriffen sind; -zieht man die Haut der Blase ab, so bleiben diese auch gewöhnlich an der -Oberhaut sitzen. Gegen die tieferen Lagen hin kann man bemerken, wie die -zelligen Elemente, welche ursprünglich einfache Kerne haben, sich -theilen, die Kerne reichlicher werden, an die Stelle einzelner Zellen -mehrere treten, deren Kerne sich ihrerseits wieder theilen. Gewöhnlich -hat man sich auch hier damit geholfen, dass man angenommen hat, es würde -zuerst ein amorphes Exsudat gesetzt, welches den Eiter in sich erzeuge, -und bekanntlich sind viele von den Untersuchungen über die Entwickelung -des Eiters gerade an solchen Flüssigkeiten gemacht worden. Es war sehr -begreiflich, dass so lange, als man die discontinuirliche Zellenbildung -überhaupt nicht bezweifelte, man ohne Weiteres die jungen Zellen als -freie Neubildungen ansah und sich dachte, dass in der Flüssigkeit Keime -entständen, welche, allmählich zahlreicher werdend, den Eiter lieferten. -Aber die Sache ist die, dass je länger die Eiterung dauert, um so -zuverlässiger eine Reihe von Zellen des Rete nach der anderen in den -Prozess hineingezogen wird, und dass, während die Blase sich abhebt, die -Masse der in die Höhle hineingelangenden Zellen immer grösser wird. Wenn -eine Pockenpustel sich bildet, so ist zuerst ein Tröpfchen klarer -Flüssigkeit vorhanden, aber darin entsteht nichts; die Flüssigkeit -lockert nur die Nachbartheile auf. - -Ganz ebenso verhält es sich an den =Schleimhäuten=. Wir haben keine -einzige Schleimhaut, die nicht unter Umständen puriforme Elemente -liefern könnte. Allein auch hier zeigt sich eine grosse Verschiedenheit. -Eine Schleimhaut ist um so weniger im Stande, ohne Ulceration Eiter zu -produciren, je einfacher, je weniger geschichtet ihr Epithel ist. Alle -Schleimhäute mit Cylinderepithel sind weniger geeignet, nicht -ulcerativen Eiter zu erzeugen, als solche mit Pflasterepithel; das, was -an ihnen erzeugt wird, ergibt sich, auch wenn es ein ganz eiteriges -Aussehen hat, bei genauer Untersuchung häufig nur als hyperplastisches -Epithel. Die Darmschleimhaut, namentlich die des Dünndarms, erzeugt fast -nie Eiter ohne Geschwürsbildung. Die Schleimhaut des Uterus, der Tuben, -die manchmal mit einer dicken Masse von ganz puriformem Aussehen -überzogen ist, sondert fast immer nur Epithelelemente ab, während wir an -anderen Schleimhäuten, wie an der Urethra, massenhafte Absonderungen von -Eiter sehen, z. B. in Gonorrhöen (Fig. 72), ohne dass auch nur die -mindeste Geschwürsbildung an der Oberfläche vorhanden wäre. Sind -mehrfach geschichtete Zellen-Lagen da, so können die oberen eine Art von -Schutz für die tieferen bilden, deren Wucherung eine Zeit lang gesichert -wird. - -Der Eiter wird entweder durch nachdrängende Eitermasse endlich -weggeschoben, oder es erfolgt, wie es gewöhnlich der Fall ist, -gleichzeitig eine Transsudation von Flüssigkeit, welche die Eiterzellen -von der Oberfläche entfernt, gerade so, wie bei der Samensecretion die -Epithelial-Elemente der Samenkanälchen die Spermatozoen liefern, und -ausserdem eine Flüssigkeit transsudirt, welche dieselben fortträgt. Aber -die Spermatozoen entstehen nicht in der Flüssigkeit, sondern diese ist -nur das Vehikel ihrer Fortbewegung (S. 39). Auf ähnliche Weise sehen wir -häufig Flüssigkeiten an der Körperoberfläche exsudiren, ohne dass -dieselben als Bildungsorte für Zellen betrachtet werden könnten. Findet -gleichzeitig eine vermehrte Epithelbildung an der Oberfläche statt, so -werden auch die durch das Transsudat losgelösten Bestandtheile nur -wucherndes Epithel darstellen; wurde Eiter gebildet, so wird auch die -Flüssigkeit Eiterkörperchen enthalten. - -Wenn man =Eiter=-, =Schleim=- und =Epithelialzellen= mit einander -vergleicht, so ergibt sich, dass allerdings zwischen Eiterkörperchen und -Epithelialzellen eine Reihe von Uebergängen oder Zwischenstufen besteht. -Neben ausgebildeten, mit mehrfachen glatten, nicht nucleolirten Kernen -versehenen Eiterkörperchen (Fig. 8, _A_. 72) finden sich sehr gewöhnlich -etwas grössere, runde, granulirte Zellen mit einfachen gleichfalls -granulirten Kernen und sehr deutlichen Kernkörperchen, die sogenannten -=Schleimkörperchen= (Fig. 8, _B_); etwas weiter sehen wir vielleicht -noch grössere Elemente von typischer Gestalt und mit einfachen grossen -Kernen: diese nennen wir Epithelialzellen. Letztere sind platt oder -eckig oder cylindrisch, je nach dem Orte von bestimmter typischer -Beschaffenheit, während Schleim- und Eiterkörperchen durchweg -ausgezeichnete =Rundzellen= (Kugeln, Globuli) sind. Schon aus diesem -Umstande erklärt es sich, dass, während die Epithelzellen, die sich -gegenseitig decken und aneinander schliessen, eine nicht unbeträchtliche -Festigkeit des Zusammenhanges besitzen, die lose aneinander gelagerten, -sphärisch gestalteten Schleim- und Eiterkörperchen eine sehr grosse -Verschiebbarkeit haben und leicht vom Orte gerückt werden, was natürlich -um so leichter geschieht, wenn gleichzeitig mit ihrer Anhäufung eine -reichlichere Transsudation von Flüssigkeit erfolgt. - -Man hat schon früher gesagt, es seien die Schleimkörperchen weiter -nichts, als junges Epithel. Einen Schritt weiter und man könnte sagen, -die Eiterkörperchen wären weiter nichts, als junge Schleimkörperchen. -Das ist etwas irrthümlich. Man kann nicht behaupten, dass eine Zelle, -die bis zu dem Punkte eines sogenannten Schleimkörperchens als -sphärisches Gebilde sich erhalten hat, noch im Stande wäre, die typische -Form des Epithels anzunehmen, welches an der Stelle existiren sollte; -eben so wenig ist es sicher, dass ein Eiterkörperchen, nachdem es sich -regelmässig ausgebildet hat und lose geworden ist, sich wieder in einen -Entwickelungsgang hineinzubegeben vermöchte, der ein relativ bleibendes -Element des Körpers herzustellen im Stande wäre. Die Elemente, aus denen -die Entwickelung neuer Gewebe überhaupt erfolgt, sind junge Formen, -indifferente Bildungszellen (S. 493), aber sie sind keine eigentlichen -Eiterkörperchen. Im Eiter beginnt jede neue Zelle sehr früh ihren Kern -zu theilen; nach kurzer Zeit erreicht die Kerntheilung einen hohen Grad, -ohne dass die Zelle selbst weiter wächst. Im Schleim pflegen die Zellen -einfach zu wachsen und zum Theil sehr gross zu werden, ohne ihre Kerne -zu theilen, aber sie überschreiten nicht gewisse Grenzen, und namentlich -nehmen sie keine typische Gestalt an. Im Epithel dagegen fangen die -Elemente schon sehr früh an, ihre besondere Gestalt zu zeigen, denn, -»was ein Haken werden soll, das krümmt sich beizeiten.« Die -allerjüngsten Elemente, welche unter pathologischen Verhältnissen -gebildet werden, kann man aber nicht Epithelzellen nennen, wenigstens -sind sie noch keine typischen Epithelzellen, sondern auch sie sind -indifferente Bildungszellen, welche auch zu Schleim- oder -Eiterkörperchen werden könnten. Eiter-, Schleim- und Epithelialzellen -sind also pathologisch äquivalente Theile, welche einander wohl -substituiren, aber nicht für einander functioniren können. - -Schon hieraus folgt, dass der gesuchte Unterschied zwischen Schleim und -Eiter, für dessen Auffindung man im vorigen Jahrhunderte Preise -aussetzte, eigentlich nicht gefunden werden konnte, und dass die -»Proben« immer unzureichend sein mussten, insofern die Entwickelungen -auf der Schleimhaut nicht, immer den rein purulenten, den rein mucösen -oder den rein epithelialen Charakter haben, vielmehr in der grossen -Mehrzahl der Fälle ein gemischter Zustand existirt. Fast jedesmal, wenn -auf einer grossen Schleimhaut, wie auf den Harn- oder Geschlechtswegen, -ein katarrhalischer Prozess sich entwickelt, erscheinen Eiterkörperchen, -aber die Secretion derselben findet irgendwo ihre Grenze, von wo an nur -Schleimkörperchen abgesondert werden, und auch die Absonderung der -Schleimkörperchen geht irgendwo wieder in vermehrte Epithelbildung über. -Diese Art von Eiterung wird natürlich immer das Resultat haben, dass an -Stellen, wo sie eine gewisse Höhe erreicht, die natürlichen Decken der -Oberfläche nicht zu Stande kommen, oder wo diese eine gewisse Festigkeit -haben, dass sie abgehoben und zerstört werden. Eine Pustel an der Haut -zerstört die Epidermis, und insofern können wir auch diesen Formen der -Eiterung einen degenerativen Charakter beimessen. - -[Illustration: =Fig=. 145. Eiterige Granulation aus dem -Unterhautgewebe des Kaninchens, im Umfange eines Ligaturfadens, _a_ -Bindegewebskörperchen, _b_ Vergrösserung der Körperchen mit Theilung der -Kerne, _c_ Theilung der Zellen (Granulation), d Entwickelung der -Eiterkörperchen. Vergr. 300.] - -Degeneration im gewöhnlichen Sinne tritt jedoch erst dann ein, wenn -tiefere Theile befallen werden. Diese tiefere, eigentlich ulcerative -Eiterbildung geschieht regelmässig im =Bindegewebe= oder seinen -Aequivalenten[291]. An ihm erfolgt zuerst eine Vergrösserung der Zellen -(Bindegewebskörperchen), die Kerne theilen sich und wuchern eine Zeit -lang excessiv. Auf dieses erste Stadium folgen dann sehr bald Theilungen -der Elemente selbst. Im Umfange der gereizten Stellen, wo vorher -einzelne Zellen lagen, findet man späterhin doppelte und mehrfache, aus -denen sich gewöhnlich eine Neubildung homologer Art (hyperplastisches -Bindegewebe) gestaltet. Nach innen hin dagegen, wo schon vorher die -Elemente stark mit Kernen gefüllt werden, treten bald Haufen von kleinen -Zellen auf, welche anfangs noch in den Richtungen und Formen liegen, wie -die früheren Bindegewebskörperchen. Etwas später findet man hier -rundliche Heerde oder diffuse »Infiltrationen«, innerhalb deren das -Zwischengewebe äusserst spärlich ist und in dem Maasse, als die -Zellenanhäufung sich weiter ausbreitet, immer mehr verzehrt oder -erweicht wird. Einen wie grossen Antheil an diesen Vorgängen die -Einwanderung farbloser Blutkörperchen aus den Gefässen hat, muss noch -genauer festgestellt werden. Manche neueren, ziemlich einseitigen -Auffassungen haben von offenbar falschen Voraussetzungen aus das -Ergebniss der experimentellen Untersuchungen irrthümlich gedeutet. -Indess ist dies um so mehr verzeihlich, da auch wir, indem wir nur der -Proliferation gedachten, früher eben so einseitig waren. Für die spätere -Geschichte der suppurativen Prozesse kommt übrigens wenig darauf an, ob -man die neuen Zellen der Wucherung oder der Wanderung zuschreibt. - - [291] Archiv IV. 312. VIII. 415. XIV. 58. Spec. Pathol. u. Ther. I. - 330, 337. - -Finden diese Prozesse an einer unversehrten Oberfläche statt, so sieht -man zuweilen das Epithellager noch ganz zusammenhängend über die -gereizte und etwas geschwollene Stelle hinweglaufen. Auch die äusserste -Lage der Intercellularsubstanz erhält sich oft noch lange Zeit, während -alle tieferen Theile des Bindegewebes schon mit Eiterkörperchen erfüllt, -»infiltrirt« oder »abscedirt« sind. Endlich berstet die Oberfläche oder -sie wird auch ohne Berstung direkt transformirt in eine weiche, -zerfliessende Masse. Diese Formen geben nach und nach die sogenannten -=Granulationen=, welche immer aus einem Gewebe bestehen, wo in eine -schwache Quantität von weicher Intercellularsubstanz mehr oder weniger -zahlreiche, wenigstens in dem eigentlich wuchernden Stadium der -Granulationen runde Elemente eingesetzt sind. Je weiter wir gegen die -Oberfläche kommen, um so mehr zeigen die Zellen, welche in der Tiefe -mehr einkernig sind, Theilungen der Kerne und an der letzten Grenze kann -man sie nicht mehr von Eiterkörperchen unterscheiden. Es pflegt dann -eine Ablösung des Epithels stattzufinden, und endlich kann es sein, dass -die Grundsubstanz zerfliesst und die einzelnen Elemente sich frei -ablösen. Bleibt die Wucherung oder Auswanderung der Zellen reichlich, so -bricht die Masse fortwährend auf, die Elemente schütten sich auf der -Oberfläche aus, und es findet eine Zerstörung statt, welche immer tiefer -in das Gewebe eingreift und immer mehr Elemente auf die Oberfläche -wirft. Das ist das eigentliche =Geschwür=. - -Nach der gewöhnlichen Vorstellung, wo man den Eiter aus einem beliebigen -Exsudat ableitete, war diese Art von Ulceration gar nicht recht -begreiflich; man sah sich immer genöthigt, eine besondere Art der -Umwandlung des Gewebes neben der Eiterung anzunehmen, und man kam -endlich dahin, dem Eiter eine Fähigkeit der chemischen Lösung -zuzuschreiben. Aber auf chirurgischem Wege hat man sich schon lange auf -das Mannichfachste überzeugt, dass flüssiger Eiter nicht schmelzend -einwirkt. Man hat in Eiterhöhlen Knochen hineingesteckt, sie wochenlang -darin liegen lassen, und wenn man sie nachher hervorlangte und wog, so -waren sie eher schwerer geworden durch Aufnahme flüssiger Substanz; es -hatte sich aber kein Erweichungszustand gebildet, ausser dem durch -Fäulniss bedingten. Nur die Granulationen und ähnliche wuchernde Gewebe -»fressen« wirklich den Knochen an (S. 521). In wie weit bei der Eiterung -das Gewebe durch eine wirkliche Auflösung zerstört wird, das hängt -hauptsächlich davon ab, ob die Grundsubstanz, welche die jungen Elemente -umgibt, vollkommen flüssig wird. Behält sie eine gewisse Consistenz, so -beschränkt sich der Prozess auf die Hervorbringung von Granulationen, -und diese können eben so gut hervorgehen aus einer intacten, wie aus -einer vorher verletzten Oberfläche. In der Chirurgie nimmt man häufig -an, dass die Granulationen sich stets auf der Oberfläche eines -Substanzverlustes bilden, allein sie gehen jedesmal direkt aus dem -Gewebe hervor. Sie entstehen unmittelbar in dem Knochen, ohne dass an -demselben ein Substanzverlust vorherging. Ebenso direkt in der Cutis -unter intacter Epidermis, ebenso an Schleimhäuten. Erst in dem Maasse, -als sie sich entwickeln, verliert die Oberfläche ihren normalen -Charakter. - -Jede solche Entwickelung, gleichviel ob sie am Epithel oder am -Bindegewebe erfolgt, geschieht heerdweise[292], und zwar genau so, wie -an der Grenze des Ossificationsrandes des Knochens, wo jene mächtigen -Gruppen von Knorpelzellen liegen (Fig. 113, I. 134, _p_), welche einer -einzigen früheren Knorpelzelle entsprechen. Es handelt sich dabei in der -That um Vorgänge, welche in gewöhnlichen Erscheinungen des Wachsthums -ihr Analogen finden. Wie ein Knorpel, wenn er nicht verkalkt, z. B. in -der Rachitis, endlich so beweglich wird, dass er seine Function als -Stützgebilde nicht mehr erfüllen kann, so schwindet überall unter der -Entwickelung der Granulation und Eiterung allmählich die Festigkeit des -Gewebes. Damit verbindet sich sehr gewöhnlich eine Lockerung des -Zusammenhanges, eine Erweichung, endlich eine Schmelzung des Gewebes. So -verschieden also scheinbar diese Vorgänge der Destruction von den -Vorgängen des Wachsthums sind, so fallen sie doch an einem gewissen -Punkte vollständig damit zusammen. =Es gibt ein Stadium, wo man nicht -mit Sicherheit entscheiden kann, ob es sich an einem Theile um -einfache Vorgänge des Wachsthums oder um die Entwickelung einer -heteroplastischen, zerstörenden Form handelt=. - - [292] Spec. Pathologie und Therapie. I. 337. - -[Illustration: =Fig=. 146. Entwickelung von Krebs aus Bindegewebe bei -Carcinoma mammae. _a_ Bindegewebskörperchen, _b_ Theilung der Kerne, _c_ -Theilung der Zellen, _d_ reihenweise Anhäufung der Zellen, _e_ -Vergrösserung der jungen Zellen und Bildung der Krebsheerde (Alveolen), -_f_ weitere Vergrösserung der Zellen und der Heerde. _g_ Dieselbe -Entwickelung auf dem Querschnitt. Vergr. 300.] - -Die eben geschilderte Art der Entwickelung ist aber nicht etwa dem Eiter -als solchem eigenthümlich, sondern sie findet sich in ähnlicher Weise -bei jeder heteroplastischen Entwickelung; die ersten Veränderungen, -welche wir bei der Eiterung durch Proliferation constatiren, finden sich -genau ebenso bei jeder Art von Heteroplasmen bis zu den äussersten -malignen Formen hin[293]. Die erste Entwickelung des Sarkoms, des -Krebses und Cancroids zeigt dieselben Stadien: man muss nur weit genug -in der Entwickelungs-Geschichte zurückgehen, dann stösst man auch -zuletzt immer auf ein Stadium, wo man in den tieferen und jüngeren -Schichten indifferente Zellen antrifft, welche erst durch spätere -Differenzirung je nach den Besonderheiten der Reizung den einen oder den -anderen Typus annehmen. Man kann daher auch im Grossen die Geschichte -der meisten Neubildungen, die ihrem Haupttheile nach aus Zellen -bestehen, gleichviel welches Muttergewebe sie haben, unter einen ganz -gleichen Gesichtspunkt bringen. Die Form, unter welcher der Krebs -schliesslich ulcerirt, hat mit der eiterigen Ulceration eine so grosse -Aehnlichkeit, dass man seit langer Zeit beide Dinge als gleichartige -betrachtet hat; schon im Alterthum stellte man die fressende Form der -Eiterung, die sogenannten Schanker (Cancer) in Parallele mit der -krebsigen »Eiterung« oder Verjauchung. - - [293] Geschwülste I. 74, 89. - -Wesentlich verschieden gestalten sich aber die einzelnen Neubildungen in -einer späteren Epoche ihrer Ausbildung dadurch, dass ihre Elemente eine -sehr verschiedene Entwickelungshöhe erreichen, oder anders ausgedrückt, -dass die Zeitdauer, für welche ihre Elemente angelegt werden, =das -mittlere Lebensalter der einzelnen Elemente=[294], ausserordentlich -verschieden ist. Im dritten Capitel (S. 67) habe ich diese Art der -Betrachtung eingehend dargelegt und namentlich den Unterschied der -Dauer- und Zeitgewebe ausführlich erörtert. Aber auch die Zeitgewebe -(Telae temporariae) haben Elemente von sehr verschiedener Lebensdauer. -Wenn wir an einem Punkte, wo Eiterung stattgefunden hat, einen Monat -später untersuchen, so können wir, auch wenn der Eiter scheinbar immer -noch vorhanden ist, nicht mehr darauf rechnen, in dem Heerde unversehrte -Eiterkörperchen zu finden. Eiter, der Wochen und Monate lang irgendwo -gesteckt hat ist genau genommen kein Eiter mehr; es ist zerfallene -Masse, Detritus, aufgelöste Bestandtheile, welche durch fettige -Metamorphose, faulige Umsetzung, Kalkablagerung und dergleichen mehr -verändert sind. Dagegen kann ein Krebsknoten Monate lang bestehen und -dann noch sämmtliche Elemente unversehrt enthalten. Wir können also mit -Bestimmtheit sagen, dass ein krebsiges Element längere Zeit zu existiren -vermag, als ein eiteriges, gerade so, wie die Schilddrüse länger -existirt, als die Thymusdrüse, oder wie einzelne Theile des -Sexualapparates auch im Laufe des gesunden Lebens frühzeitig zu Grunde -gehen, während andere sich das ganze Leben hindurch erhalten (S. 73). So -ist es auch bei pathologischen Neubildungen. Zu einer Zeit, wo gewisse -Arten von Elementen schon lange ihren Rückbildungsgang angetreten haben, -fangen andere erst an, ihre volle Entwickelung zu machen. Bei manchen -Neubildungen beginnt die Rückbildung verhältnissmässig so frühzeitig, ja -sie stellt so sehr den gewöhnlichen Befund dar, dass die -besten Untersucher die Rückbildungsstadien für die eigentlich -charakteristischen angesehen haben. Bei dem Tuberkel hatten bis zu -meinen Untersuchungen eigentlich alle neueren Beobachter, welche sich -ex professo mit dem Studium desselben befasst haben, sein -Rückbildungsstadium für das eigentlich typische, das Ende für den Anfang -genommen und daraus Schlüsse auf die Natur des ganzen Vorganges gezogen, -welche man mit demselben Rechte auch auf die Rückbildungsstufen von -Eiter und von Krebs hätte anwenden können[295]. - - [294] Archiv I. 194, 222. Spec. Pathol. u. Ther. I. 332. - - [295] Würzb. Verhandl. I. 84. II. 72. Archiv XXXIV. 69. - -Wir vermögen bis jetzt mit vollkommener Sicherheit für wenige Elemente -in Zahlen anzugeben, welche mittlere Lebensdauer ihnen zukommt. Offenbar -existiren hier ähnliche Schwankungen, wie bei den normalen Organen. -Allein unter allen pathologischen Neubildungen mit flüssiger -Intercellularsubstanz gibt es keine einzige, welche sich dauerhaft zu -erhalten vermöchte, keine einzige, deren Elemente zu bleibenden -Bestandtheilen des Körpers werden und so lange existiren könnten, wie -das Individuum. Es könnte dies allerdings insofern zweifelhaft -erscheinen, als manche Arten von malignen Geschwülsten viele Jahre -hindurch bestehen und das Individuum sie von dem Zeitpunkte an, wo sie -sich entwickeln, bis zu seinem vielleicht sehr spät erfolgenden Tode -behält. =Allein man muss die Geschwulst als Ganzes von den einzelnen -Theilen derselben unterscheiden=. Innerhalb einer Krebsgeschwulst, die -viele Jahre lang besteht, sind es nicht dieselben Elemente, welche so -lange bestehen; vielmehr erfolgt eine oft sehr zahlreiche Succession -immer neuer Bildungen. Diese Bildungen können innerhalb der Grenzen des -Gesammtgebildes liegen, so dass dieses gleichsam von innen heraus immer -mehr »auswächst« und anschwillt. Am besten sieht man dies bei Polypen, -welche daher auch schon seit alten Zeiten als ein Mustergebilde für die -eigentlich parasitischen Gewächse angesehen worden sind. Aber für die -Mehrzahl der Neubildungen, namentlich der im Inneren der Organe -auftretenden, gilt diese Erfahrung nur im geringen Umfange. Die erste -Entwickelung einer Geschwulst oder eines Abscesses geschieht hier an -einem bestimmten Punkte, aber ihr weiteres Wachsthum besteht in der -Regel nicht darin, dass aus diesem Punkte heraus immer neue -Entwickelungen geschehen, oder dass hier eine Intussusception von -Stoffen stattfindet, welche zu einer dauerhaften Entfaltung des Ganzen -nach ausserhalb verarbeitet werden. Vielmehr bilden sich im Umfange des -ersten Heerdes neue kleine, accessorische Heerde, welche, indem sie sich -vergrössern, sich dem ersten anschliessen und so nach und nach eine -immer weiter gehende Vergrösserung des einmal bestehenden Knotens -setzen[296]. Liegt die Geschwulst an der Oberfläche eines Organs, so -zeigt sich auf dem Durchschnitte eine halbkreisförmige Zone jüngster -Substanz an der Peripherie des Knotens; liegt sie inmitten eines Organs, -so bilden die neuen Appositionen eine sphärische Schale um das ältere -Centrum. Untersuchen wir eine Geschwulst, nachdem sie vielleicht ein -Jahr lang bestanden, so ergibt sich gewöhnlich, dass in der Mitte die -zuerst gebildeten Elemente gar nicht mehr vorhanden sind. Hier finden -wir die Elemente zerfallen, durch fettige Prozesse aufgelöst. Liegt die -Geschwulst an einer Oberfläche, so besitzt sie, oft in der Mitte ihrer -Hervorragung eine nabelförmige Einziehung, und das nächste Stück -darunter stellt eine dichte Narbe dar, welche nicht mehr den -ursprünglichen Charakter der Neubildung an sich trägt. Diese -rückgängigen Formen habe ich zuerst beim Krebs beschrieben, besonders an -der Leber, der Lunge und dem Darm, wo sie leicht zu constatiren -sind[297]. - - [296] Archiv V. 238. Geschwülste I. 50, 98. - - [297] Archiv I. 184-92. - -Immer kann man sich überzeugen, dass, =was man eine Geschwulst nennt und -als eine Einheit betrachtet, vielmehr eine Vielheit, eine oft unzählbar -grosse Summe von vielen kleinen miliaren Heerden ist=, von denen jeder -einzelne zurückgeführt werden muss auf einzelne oder wenige -Mutter-Elemente. Indem in dieser Weise die Bildungen fortschreiten, -gleichviel ob Eiter oder Tuberkel oder Krebs, so setzen sich immer neue -Zonen von jungen Heerden an die alten an, und wir werden, wenn wir -überhaupt die Entwickelungsgeschichte solcher Neoplasmen verfolgen -wollen, mit grosser Sicherheit darauf rechnen können, dass in der -äussersten Umgebung die jungen, im Centrum die alten Theile liegen. =Nun -erstreckt sich aber die Zone der letzten Erkrankung gewöhnlich um ein -Bedeutendes über die mit blossem Auge erkennbare Zone der Veränderung -hinaus=. Wenn man irgend eine wuchernde Geschwulst von zelligem -Charakter untersucht, so findet man oft 3-5 Linien weit über die -scheinbare Grenze der Geschwulst hinaus die Gewebe schon erkrankt und -die Anlage einer neuen Zone gegeben. Liegt die Neubildung in einem -Theile, dessen Gewebe in gewissen Richtungen der Erkrankung sehr viel -leichter zugänglich sind, so wird begreiflich die junge Masse keine -eigentliche Zone oder Schale um den alten Heerd bilden, sondern sich -vielleicht strangförmig in jenen Richtungen fortsetzen. Das ist die -Hauptquelle für die örtlichen Recidive nach der Exstirpation, denn diese -kommen dadurch zu Stande, dass die für das blosse Auge nicht erkennbare -Zone, sowie die nächsten hinderlichen Momente weggefallen sind, zu -wachsen anfängt. Es geschieht hier keine neue Ablagerung vom Blut aus, -sondern es sind die schon in dem benachbarten Gewebe vorhandenen, -neugebildeten Keime, welche in derselben Weise, wie das sonst geschehen -sein würde, oder auch wohl noch schneller ihre weitere Entwickelung -durchmachen[298]. - - [298] Geschwülste I. 46. - -Diese Erfahrung halte ich deshalb für ausserordentlich wichtig, weil sie -uns zeigt, dass alle diese Bildungen einen =contagiösen Habitus= an sich -haben. Solange, als man sich dachte, dass die einmal gegebene Masse nur -von sich aus wuchere, so lange konnte es natürlich scheinen, als habe -man weiter keine andere Aufgabe, als der Geschwulst die weitere Zufuhr -abzuschneiden. Aber es wird offenbar in dem Heerde selbst ein -contagiöser Stoff gebildet, und wenn die zunächst an den -Erkrankungsheerd anstossenden Elemente, welche durch Anastomosen mit den -erkrankten Elementen in Verbindung stehen, gleichfalls die heterologe -Wucherung eingehen, so kann man sich die Sache wohl nicht anders denken, -als dass die Erkrankung genau ebenso erfolgt, wie die Erkrankung der -nächsten Lymphdrüsen, welche in der Richtung des von der erkrankten -Stelle ausgehenden Lymphstromes liegen. Je mehr Anastomosen die Theile -besitzen, um so leichter erkranken sie, und umgekehrt. An dem Knorpel -sind die malignen Erkrankungen so selten, dass man in der Regel annimmt, -er sei ganz und gar unfähig dazu. So findet man zuweilen an einem -Gelenke über sarkomatösen oder carcinomatösen Geschwülsten nur noch den -Knorpelüberzug erhalten, während alles andere zerstört ist. So sehen -wir, dass die fibrösen Theile, welche reich sind an elastischen -Elementen, z. B. die Fascien, sehr wenig Disposition zu contagiöser -Erkrankung haben, ja lange Zeit als Isolatoren krankhafter Prozesse -dienen. Dagegen, je weicher ein Grundgewebe ist, je besser die Leitung -stattfinden kann, um so sicherer können wir erwarten, dass bei -Gelegenheit in dem Theile neue Erkrankungsheerde auftreten werden. Ich -habe deshalb geschlossen, dass die Infection von dem bestehenden Heerde -auf die anastomosirenden Nachbarelemente unmittelbar durch kranke Säfte -übertragen wird, =ohne Dazwischenkunft von Gefässen und Nerven=[299]. -Freilich sind die Nerven oft die besten Leiter für die Fortpflanzung von -contagiösen Neubildungen, aber nicht als Nerven, sondern als Theile mit -weichem Zwischengewebe (Perineurium). - - [299] Archiv V. 246. Spec. Pathol. u. Ther. I. 339. Geschwülste I. 51. - -Hier ergibt sich die Bedeutung der anastomosirenden Elemente des -Gewebes, der Werth der Cellular-Theorie für die Deutung der Prozesse auf -das Augenscheinlichste. Man kann, wenn man einmal diese Art der Leitung -kennen gelernt hat, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersehen, -wohin in gewissen Theilen mit bekannter Art der Leitung die Richtung der -Erkrankung gehen werde, und wo die grössere oder geringere Gefahr liegt. -Auch wird es begreiflich, dass die Gefahr nicht bloss nach der Natur des -Krankheitsprozesses, sondern auch nach der anatomischen Einrichtung des -befallenen Organes verschieden gross ist, und dass derselbe Prozess an -verschiedenen Organen, ganz abgesehen von der functionellen Bedeutung -der letzteren, einen ganz verschiedenen Werth hat. Es ist bis jetzt -unerweislich, ob in derselben Weise, wie die Infection der Nachbartheile -wahrscheinlich geschieht, nehmlich durch Saftleitung, auch die Infection -entfernter Theile zu Stande kommt, ob namentlich das Blut von dem Heerde -aus etwas Schädliches aufnimmt und einem entfernten Orte zuleitet. Ich -muss bekennen, dass ich in Beziehung auf die Einzelheiten dieses -Vorganges keine hinreichend beweisenden Thatsachen kenne, und dass ich -die Möglichkeit zugeben muss, dass die Verbreitung durch Gefässe -möglicher Weise auf einer Zerstreuung von Zellen aus den Geschwülsten -selbst beruhen mag. Indessen gibt es auch hier viele Thatsachen, welche -für die Infection durch wirklich losgelöste Zellen sehr wenig sprechen, -z. B. den Umstand, dass gewisse Prozesse gegen den Lauf der -Lymphströmung fortschreiten, dass nach einem Brustkrebs eine Erkrankung -der Leber stattfindet, während die Lunge frei bleibt. Hier scheint es -ziemlich wahrscheinlich zu sein, dass Säfte aufgenommen werden, welche -die weitere Verbreitung bedingen (S. 257). Natürlich schliesst die -Contagion durch inficirende Säfte die Möglichkeit einer Contagion durch -=Seminien= im zelligen Sinne nicht aus. Ich habe schon früher Thatsachen -mitgetheilt[300], welche für eine =Dissemination= durch Zellen sprechen, -und seitdem wir die automatischen Bewegungen vieler thierischer Elemente -kennen gelernt haben (S. 353), ist diese Möglichkeit noch näher -getreten. Indess muss man sich ja hüten, nicht exclusiv zu sein. Gerade -die neuesten Erfahrungen über die Impfbarkeit des Tuberkels haben -gelehrt, dass es zur Hervorrufung neuer Tuberkel keiner wirklich -tuberkulösen und selbst keiner lebenden Zellen bedarf, sondern dass -allerlei regressive Stoffe diese Fähigkeit in hohem Maasse an sich -haben. - - [300] Geschwülste I. 54. - -Mit diesen Vorkenntnissen ist es nicht schwierig, eine andere Frage zu -beantworten, welche sowohl praktisch, als theoretisch sehr wichtig ist, -nehmlich die über den sogenannten =Parasitismus= der Neubildungen[301]. - - [301] Archiv IV. 390. Spec. Pathol. u. Ther. I. 334. Geschwülste I. - 19, 105. - -Nach meiner Meinung ist der Gesichtspunkt des Parasitismus, den die -Alten für einen grossen Theil der Neubildungen festhielten, vollkommen -gerechtfertigt. In der That muss jede Neubildung, welche dem Körper -keine brauchbaren Gebilde zuführt, als ein parasitisches Wesen am Körper -betrachtet werden. Erinnere man sich nur, dass der Begriff des -Parasitismus nur graduell etwas Anderes bedeutet, als der Begriff der -Autonomie jedes Theiles des Körpers. Jede einzelne Epithelial- und -Muskelzelle, jedes Knorpel- und Bindegewebskörperchen führt im -Verhältniss zu dem übrigen Körper eine Art von Parasitenexistenz, so gut -wie jede einzelne Zelle eines Baumes im Verhältniss zu den anderen -Zellen desselben Baumes eine besondere, ihr allein zugehörende Existenz -hat und den übrigen Elementen für ihre Bedürfnisse (Zwecke) gewisse -Stoffe entzieht. Der Begriff des Parasitismus, im engeren Sinne des -Wortes, entwickelt sich unmittelbar aus dem Begriffe der Selbständigkeit -der einzelnen Theile. Der Grad der Selbständigkeit der einzelnen Theile -ist aber überaus verschieden. Während gewisse Elemente, z. B. die -Ganglienzellen, sich nur im stetigen Zusammenhange mit dem Körper -erhalten, können andere, wie die Flimmerzellen, die farblosen -Blutkörperchen lange Zeit davon getrennt sein und doch ihre -Eigenschaften bewahren. Wandert ein mobilisirtes Bindegewebskörperchen -aus und siedelt es sich an einem anderen Orte an, so verhält es sich -nahezu, wie ein Entozoon, welches in den Körper eingewandert ist, und es -kann seine neue Existenz, wie das Entozoon, nur begründen, indem es sich -parasitisch von der Nachbarschaft ernährt. Aus dieser Analogie erklärt -es sich, dass ein Entozoon, wie ein Theil des Körpers selbst, sich einem -fremden Organismus einfügen kann, und dass die mehr heterologen -Neubildungen, deren scheinbare Fremdartigkeit so viele Beobachter -irregeführt hat, von Vielen als entozoische Wesen angesprochen worden -sind. - -So lange das Bedürfniss der übrigen Theile die Existenz eines Theiles -voraussetzt, so lange dieser Theil in irgend einer Weise den anderen -Theilen nützlich ist, so lange spricht man nicht von einem Parasiten; -man thut dies aber von dem Augenblicke an, wo der Theil dem übrigen -Körper fremd oder schädlich wird. Der Begriff des Parasiten ist daher -nicht zu beschränken auf eine einzelne Reihe von Geschwülsten, sondern -er gehört allen plastischen (formativen) Erzeugnissen an, vor Allem den -heteroplastischen, welche in ihrer weiteren Entwickelung nicht homologe -Producte, sondern Neubildungen hervorbringen, welche für die -Zusammensetzung des Körpers mehr oder weniger ungehörig sind. Ein jedes -ihrer Elemente entzieht dem Körper Stoffe, welche zu anderen Zwecken -gebraucht werden könnten, und da das Neoplasma schon von vornherein -durch seine Bildung (S. 527) normale Theile zerstört hat, da schon seine -erste Entwickelung den Untergang seiner Muttergebilde voraussetzt, so -wirkt es sowohl destructiv im Beginne, als auch räuberisch im Verlaufe. - - - - - Zweiundzwanzigstes Capitel. - - Form und Wesen der pathologischen Neubildungen. - - - Terminologie und Classification der pathologischen Neubildungen. - Die Consistenz als Eintheilungsprinzip. Vergleich mit einzelnen - Körpertheilen. Histologische Eintheilung. Die scheinbare - Heterologie des Tuberkels, Colloids u. s. f. - - Verschiedenheit von Form und Wesen: Colloid, Epitheliom, - Papillargeschwulst, Tuberkel. - - Die Papillargeschwülste: einfache (Condylome, Papillome) und - specifische (Zottenkrebs, Blumenkohlgeschwulst). - - Der Tuberkel: Infiltration und Granulation. Tuberkelkörperchen. Der - entzündliche Ursprung der Tuberkel. Käsige Pneumonie und - Osteomyelitis. Die Granulie. Entstehung der Tuberkel aus - Bindegewebe. Das miliare Korn und der solitäre Knoten. Die käsige - Metamorphose. - - Das Colloid: Myxom. Collonema. Schleim- oder Gallertkrebs. - - Die physiologischen Typen der heterologen Neubildungen: lymphoide - Natur des Tuberkels, hämatoide des Eiters, epithelioide des - Krebses, des Cancroids, der Perlgeschwulst und des Dermoids, - bindegewebige des Sarkoms. Heterotopie der Bildung. Der Streit über - die Entstehung des Cancroids und Carcinoms. Infectionsfähigkeit, - nach dem Saftgehalt der specifischen Beschaffenheit und der - Wanderfähigkeit der Elemente. Erregung der Tuberculose durch - regressive Stoffe. - - Vergleich der pathologischen Neubildung bei Thieren und Pflanzen. - Schluss. - -Der praktische Arzt, welcher mit pathologischen Neubildungen zu thun hat -und dieselben diagnosticiren soll, stellt zunächst die Frage an die -Pathologen, an welchem Punkte eigentlich die Differenzirung der -Neubildungen und damit die Möglichkeit ihrer Diagnose beginne. Mit Recht -genügt es ihm nicht, zu wissen, dass die grosse Mehrzahl der -Neubildungen aus Bindegewebe oder aus Theilen, welche dem Bindegewebe -aequivalent sind, eine kleinere Zahl aus Epithel und lymphatischen -Gebilden hervorgeht, dass die ersten Anlagen für viele Neubildungen -nahezu gleichartig sind, dass im Besonderen die Theilung der Kerne, ihre -Vermehrung, die endliche Theilung der Zellen in fast allen Neubildungen, -in den gut- wie bösartigen, in den hyperplastischen wie -heteroplastischen sich auf dieselbe Weise darstellt. Glücklicherweise -ist aber diese Gleichartigkeit eine vorübergehende; es dauert nicht -lange, bis an jedem einzelnen Gebilde irgend eine charakteristische -Erscheinung hervortritt, wodurch wir in die Lage gesetzt werden, seine -Natur deutlich zu erkennen. - -In diesem Punkte, wo es sich um die Kriterien der Neubildungen handelt, -ist freilich auch gegenwärtig eine Einigkeit der Ansichten keinesweges -gewonnen, und auch hier ist es daher meine Aufgabe, zu zeigen, wie ich -zu meinen, zum Theil so abweichenden Ansichten gelangt bin, und aus -welchen Gründen ich mich von dem ausgetretenen Wege entfernen zu müssen -geglaubt habe. - -Die Namen, mit denen man die einzelnen Neubildungen zu belegen pflegt, -haben sich, wie man weiss, oft ziemlich zufällig, zum Theil in sehr -willkürlicher Weise gestaltet[302]. Der Versuch, eine regelmässige -Terminologie herzustellen, ist in älterer Zeit eigentlich nur in -Beziehung auf die Consistenz der Geschwülste gemacht worden, indem man -Eintheilungsgründe davon hernahm, dass die Substanz der Neubildung bald -hart, bald weich, flüssig, breiig, gallertartig u. s. f. ist, und danach -die Steatome, die Skirrhen, die Meliceriden, die Atherome u. s. w. von -einander trennte. Es versteht sich von selbst, dass die Begriffe, welche -man jetzt an manche dieser Dinge knüpft, abgethan werden müssen, wenn -man die ursprüngliche Bedeutung jener Bezeichnungen verstehen will. Wenn -man heut zu Tage einen atheromatösen Prozess statuirt, so ist das -etwas, was den Alten ganz fern gelegen hat. Wenn die heutigen -Geschwulstanatomen sich bemühen, ein Steatom zu entdecken, welches eine -feste Fettgeschwulst sein soll, so muss man sich erinnern, dass die -Stearin-Fabrikation zur Zeit, als das Steatom aufkam, noch nicht bekannt -war, und dass die Alten niemals den Gedanken gehabt haben, welcher den -heutigen Geschwulstlehrern nicht aus dem Kopfe will, dass das Steatom -eine Stearin- oder überhaupt eine Fettgewebsgeschwulst sei. Gewöhnlich -meinte man nur eine etwas derbere, »speckige« Geschwulst (S. 433). In -diesem Sinne sprach noch =Bichat= von einem steatomatösen Zustande der -skrofulösen Lymphdrüsen, womit er offenbar dasselbe meinte, was ich den -käsigen Zustand genannt habe. - - [302] Geschwülste I. 9. - -Die besseren Bezeichnungen, welche man im Anfange dieses Jahrhunderts -einzuführen begann, stützten sich mehr auf Vergleichungen, welche man -zwischen den Neubildungen und einzelnen normalen Theilen oder Geweben -des Körpers machte. Der Ausdruck »Markschwamm« ging ja ursprünglich aus -der Vorstellung hervor, dass die Markschwämme von den Nerven entständen -und sich in ihrer Zusammensetzung wie Nervenmasse verhielten. Diese -Vergleiche sind aber bis in die Neuzeit immer sehr willkürlich gewesen, -weil man sich auf mehr oder weniger grobe Aehnlichkeiten in der äusseren -Erscheinung stützte, ohne die feineren Besonderheiten des Baues und -namentlich die wirklich histologische Zusammensetzung zu würdigen. - -Neuerlich hat man, hier und da sogar mit einer grossen Affectation, -angefangen, die normalen Gebilde für eine gewisse Reihe von Neubildungen -als terminologische Anhaltspunkte zu benutzen. Manche legen einen -gewissen Werth darauf und halten es für mehr wissenschaftlich, -Epitheliom zu sagen, wo Andere Cancroid oder Epithelialkrebs sagen. So -hat man in Frankreich bekanntlich sehr viel Gewicht darauf gelegt, die -Sarkome fibroplastische Geschwülste zu nennen, weil man mit =Schwann= -das geschwänzte Körperchen für den Ausgang der Faserbildung im -Bindegewebe hielt, was meiner Ansicht nach (S. 41) ein Irrthum ist. -Allein trotz dieser Verirrungen ist es nothwendig, den histologischen -Gesichtspunkt als den entscheidenden zu betrachten; nur, glaube ich, ist -es von vorn herein nicht anzurathen, dass man von diesem Gesichtspunkte -aus sofort dazu schreitet, für alle Dinge neue Namen zu machen, und -Dinge, welche man seit langer Zeit kennt, durch neue Namen dem -allgemeinen Bewusstsein zu entfremden. Selbst Neubildungen, welche ganz -evident dem Typus irgend eines bestimmten normalen Gewebes folgen, haben -doch meistentheils Eigenthümlichkeiten, wodurch man sie von diesem -Gewebe mehr oder weniger unterscheiden kann, so dass man keinesweges, -wenigstens bei der Mehrzahl, die ganze Neubildung zu sehen braucht, um -zu wissen, dass dies nicht die normale, regelmässige Entwickelung des -Gewebes ist, dass vielmehr in derselben, trotzdem dass sie den Typus -nicht verliert, doch etwas von dem gewöhnlichen Gange homologer -Entwickelung Abweichendes liegt. Auch blieb in der Regel eine gewisse -Zahl von Neubildungen übrig, bei denen man, zum Theil aus Mangel an -bekannten physiologischen Typen, die äussere Erscheinung oder den -klinischen Charakter als Grund der Terminologie beibehielt. - -Man spricht immer noch von einem Tuberkel, und der altgriechische Name, -den =Fuchs= dafür wieder einzuführen versucht hat, Phyma, ist ein so -unbestimmter, so leicht auf jedes »Gewächs« anwendbarer[303], dass er -keine grosse Zustimmung gefunden hat. Manche andere Namen hat man in der -letzten Zeit in einer immer grösseren Ausdehnung gebraucht, welche auch -nichts weiter als Lückenbüsser sind, z. B. den des =Colloids=. Dieser -Name ist im Anfange unseres Jahrhunderts von =Laennec= erfunden worden -für eine Form von Geschwulst, welche er der Consistenz nach als analog -dem halberstarrten Tischlerleim (Colla) bezeichnete; in ihrer recht -entwickelten Form stellt sie eine halb zitternde Gelatine von farblosem -oder leicht gelblichem Aussehen dar, welche im Ganzen den Eindruck einer -fast strukturlosen Beschaffenheit macht. Während man sich früherhin -vollkommen befriedigt erklärte, wenn man Zustände dieser Art als -gallertartige, gelatinöse bezeichnete, so ist es manchen Neueren als ein -Beweis höherer Einsicht erschienen, wenn sie statt Gallertgeschwulst -oder Gallertmasse Colloidgeschwulst oder Colloidmasse sagten. Aber man -muss ja nicht glauben, dass diejenigen, welche diese Bezeichnungen am -meisten im Munde führen, damit etwas anderes ausdrücken wollen, als was -die meisten Anderen einfach Gallertgeschwulst oder Gallerte oder Sulze -kurzweg nennen. Es ist damit gerade wie zu den Zeiten =Homer='s mit dem -Kraut [Griechisch: Môly], welches in der Sprache der Götter so genannt -ward, anders aber von den Menschen[304]. Es ist daher sehr rathsam, dass -man diese eigentlich nichtssagenden und nur hochtönenden Ausdrücke nicht -unnöthiger Weise ausbreite, und dass man sich daran gewöhne, mit jedem -Ausdrucke etwas Präcises zu sagen. Wenn man also wirklich prätendirt, -histologische Eintheilungen zu machen, so darf man nicht mehr für jede -Gallertgeschwulst den Ausdruck Colloid in Anwendung bringen, der -überhaupt keinen histologischen Werth hat, sondern eben nur ein äusseres -Aussehen ausdrückt, welches die allerverschiedenartigsten Gewebe unter -Umständen annehmen können. =Laennec= selbst hat in einer etwas -verderblichen Weise die Bahn gebrochen, indem er von einer colloiden -Umwandlung fibrinöser Exsudate der Pleura gesprochen hat. - - [303] Archiv XXXIV. 21. Geschwülste I. 9. II. 560. - - [304] Odyss. X. 305. Anmerkung des Stenographen. - -Die Hauptschwierigkeit, welche sich hier ergibt, beruht darin, dass man -keinen Unterschied zwischen =der blossen Form und dem Wesen= zu finden -weiss. Man darf die Form nur da als entscheidendes Kriterium für die -Diagnose verschiedener Neubildungen zulassen, wo sie eben auch mit einer -wirklichen Eigenartigkeit des Gewebes zusammenhängt und nicht bloss aus -zufälligen Eigenthümlichkeiten des Ortes oder der Lagerung resultirt. -Will man z. B. den Namen des Colloids anwenden, so kann man zwei Wege -einschlagen. Man kann entweder damit nichts weiter als eine besondere -Art des Aussehens bezeichnen, und dann wird man allerdings verschiedene -Geschwülste bekommen können, welche durch den adjectivischen Zusatz -»colloid« von anderen Geschwülsten derselben Art unterschieden werden -mögen. Man kann also sagen: Colloidkrebs, Colloidsarkom, Colloidfibrom. -Hier bezeichnet colloid weiter nichts, als gallertig oder sulzig. Will -man dagegen einen bestimmten Begriff von dem Wesen, der chemischen oder -physicalischen Besonderheit der Colloidsubstanz oder der morphologischen -Natur des Colloidgewebes haben, so kann man nicht zwei genetisch, -chemisch und morphologisch ganz verschiedene Producte, wie das -Schilddrüsen-Colloid[305] und den Colloidkrebs, zusammen bringen. - - [305] Geschwülste III. 27. - -Eine grosse Menge von Geschwülsten bringt, wenn sie an der Oberfläche -sitzen, Wucherungen der Oberfläche mit sich, welche, je nach der Natur -der Oberfläche, in Form von Zotten, Papillen oder Warzen hervortreten -(Fig. 93, 131). Man kann alle diese Geschwülste unter einem Namen -zusammenfassen und sie Papillome nennen, allein die Geschwülste, welche -diese Form haben, sind oft toto coelo von einander verschieden[306]. -Während der eine Fall eine wahre hyperplastische Entwickelung -darstellt[307], so finden wir in einem anderen im Grunde dieser Zotten, -da, wo sie auf der Haut oder Schleimhaut aufsitzen, irgend eine -besondere Art von Geschwulst. In manchen Fällen sind selbst die Zotten -mit dieser Geschwulstmasse gefüllt. Dies ist ein sehr wesentlicher -Unterschied. An einem =breiten Condylom= (Schleimtuberkel oder Plaque -muqueuse von =Ricord=) findet man unter der an sich noch glatten -Oberhaut die Papillen sich vergrössernd und endlich in ästige Figuren -auswachsend, so dass sie förmliche Bäume darstellen. Diese Form des -Condyloms kann aber verbunden sein mit einer =krebsigen= Entwickelung. -An der Haut geschieht das verhältnissmässig weniger häufig, als an -manchen Schleimhäuten. Hier kann es kommen, dass wirklicher Krebs in den -Zotten sitzt. Es ist dies ja an sich nicht auffällig. Die Papille -besteht aus Bindegewebe, wie die Haut, auf welcher sie sitzt; es kann -also innerhalb der Papillen vom Bindegewebe (Stroma) aus eine -Entwickelung von Krebsmasse stattfinden, wie von dem Bindegewebe der -Haut. Nun lässt sich andererseits nicht leugnen, dass diese Besonderheit -der Oberflächen-Bildung sehr häufig gewisse Eigenthümlichkeiten des -Verlaufes erklärt, wodurch eine Papillärgeschwulst von derselben Art von -Geschwulst, welche nicht papillär ist, sich auffallend unterscheidet. -Jemand kann einen Blasenkrebs, wenn derselbe einfach in der Wand sitzt, -sehr lange tragen, ohne dass in der Art der Absonderung, welche mit dem -Harn entleert werden muss, andere Veränderungen zu bestehen brauchen, -als die eines einfachen Katarrhs. Sobald dagegen eine Zottenbildung an -der Oberfläche stattfindet, so ist nichts gewöhnlicher, als dass sich -Hämaturie damit complicirt, aus dem einfachen Grunde, weil jede Zotte -auf der Harnblasenwand nicht mit einem festen Epidermisstratum überzogen -wird, sondern unter einem losen Epithel fast frei zu Tage liegt. In das -Innere der Zotten treten grosse Gefässschlingen ein, welche bis an die -äusserste Oberfläche reichen; jede erhebliche mechanische Einwirkung -gibt daher ein Moment für Hyperämie und Berstung der Zotten ab. Eine -krampfhafte Zusammenziehung der Harnblase treibt, indem die Fläche, auf -welcher die Zotten aufsitzen, sich verkürzt, das Blut in die -Zottenspitzen, und wenn nun noch die mechanische Friction der Flächen -hinzukommt, so ist nichts leichter, als dass eine bald mehr bald weniger -beträchtliche Blutung erfolgt. Damit aber eine solche Blutaustretung zu -Stande komme, ist es durchaus unnöthig, dass die Papillargeschwulst -krebsig ist. Ich habe Fälle gesehen, wo Jahre lang von Zeit zu Zeit -heftige und schliesslich unstillbare Blutungen eintraten, unter denen -die Kranken endlich anämisch zu Grunde gingen, und wo nicht die Spur von -einer krebsigen Infiltration des Grundes oder der Zotten existirte, -sondern wo es eine ganz einfache Papillargeschwulst war, eine gutartige -Bildung, welche an der Oberfläche der Haut mit Leichtigkeit hätte -abgeschnitten oder abgebunden werden können, welche aber bei der -Verborgenheit des Sitzes hier eine Reihe von Erscheinungen mit sich -brachte, die man bei Lebzeiten nicht anders, als auf eine wirklich -bösartige Neubildung zu beziehen wusste. - - [306] Würzburger Verhandl. I. 107. - - [307] Geschwülste I. 334. - -Ganz ähnlich verhält es sich mit den viel besprochenen -=Blumenkohl-Geschwülsten=[308], wie sie sowohl an der Oberfläche der -Genitalien des Mannes, als auch der Frau vorkommen. Bei dem Manne, wo -diese Papillärgeschwülste, ausgehend vom Praeputium, die Corona glandis -umkränzen, sind sie meistentheils von einer sehr dicken Epidermis-Lage -überzogen, so dass sie auch bei der Ulceration kaum eine erhebliche -Absonderung liefern. Bei der Frau dagegen, wo die Geschwulst am Collum -uteri, einem sehr gefässreichen, mit einem schwachen Epithelstratum -überzogenen, von Natur mit einem reichen Papillarlager versehenen Theile -sich findet, bedingt sie meistentheils sehr frühzeitig starke -Transsudationen und bei Gelegenheit hämorrhagiscbe Austretungen von -fleischwasserartiger oder wirklich rother, cruenter Flüssigkeit. Bei -diesen Formen ist man häufig im Zweifel gewesen, um was es sich handelt. -Ich habe es erlebt, dass ein renommirter Chirurg in die Klinik von -=Dieffenbach= kam, welcher eben einen Penis wegen »Carcinom« amputirte, -und dass der fremde Chirurg nachher erklärte, es sei ein einfaches -Condylom gewesen. Hinwiederum habe ich Fälle untersucht, wo man Jahre -lang an diesen Dingen herumkurirt hat, als ob es syphilitische Condylome -wären, weil die äussere Erscheinung so überaus analog und es so überaus -schwierig ist, das Kriterium zu ermitteln, welches genau die -Entscheidung gibt, ob die Bildung nur der Oberfläche angehört, oder ob -sie complicirt ist mit der Erkrankung des unterliegenden Gewebes. Es -gibt allerdings heute sehr viele Anatomen und Chirurgen, welche die -Vorstellung haben, dass auch an der Oberfläche ähnliche Bildungen -wachsen könnten, wie sie im Innern vorkommen, dass z. B. eine -Zottengeschwulst krebsig genannt werden müsse, wenn sie von Krebszellen -wie von einem Epithel überzogen sei, ohne dass im Innern der Zotten -irgend eine Entwickelung von Krebsmasse sich zeigte. In der That findet -man zuweilen Zotten, welche ganz dünn sind und kaum so viel Bindegewebe -enthalten, dass die in ihnen aufsteigenden Gefässe noch eingehüllt sind, -in ein dickes Lager von Zellen eingeschlossen, welche durch die -Unregelmässigkeit ihrer Gestalt, die Grösse ihrer Kerne, die -Entwickelung der einzelnen Elemente mehr den Habitus des Krebses, als -den des Epithels darbieten. Aber ich muss bekennen, dass ich mich bis -jetzt nicht habe überzeugen können, dass Krebszellen an der freien -Oberfläche von Häuten entstehen könnten, dass sie einfach aus Epithel -hervorgingen; vielmehr glaube ich nach Allem, was ich gesehen habe, dass -man eine ganz strenge Scheidung machen muss zwischen den Fällen, wo -Zellenmassen, sie mögen noch so reichlich und sonderbar gestaltet sein, -frei auf einer an sich intacten Grundsubstanz aufsitzen, und denjenigen, -wo die Zellen im Parenchym der Theile selbst sich bildeten. - - [308] Würzb. Verhandl. I. 109. Gesammelte Abhandlungen 1020. - -[Illustration: =Fig=. 147. Senkrechter Durchschnitt durch ein -beginnendes Blumenkohlgewächs des Collum uteri (Cancroid). An der noch -intacten Oberfläche sieht man die ziemlich grossen Papillen des Os uteri -von einem gleichmässigen geschichteten Epitheliallager umhüllt. Die -Erkrankung beginnt erst jenseits der Schleimhaut in dem eigentlichen -Parenchym des Cervix, wo grosse, rundliche oder unregelmässige -Zelleneinsprengungen (Alveolen) das Gewebe durchsetzen. Vergr. 150.] - -Immer entscheidet sich, so viel ich wenigstens weiss, der Werth einer -Bildung nach dem Verhältnisse des unterliegenden Gewebes oder des -Zottengewebes selbst; und nur dann kann man eine Bildung als Cancroid -oder Carcinom ansprechen, wenn neben der Entwickelung an der Oberfläche -auch in der Tiefe oder in den Zotten selbst die besonderen Veränderungen -vorhanden sind, welche eben diese Art von Bildung charakterisiren. Ich -glaube daher, dass alle jene äusserlichen Formverschiedenheiten eben nur -dazu dienen können, einzelne Arten derselben Geschwulst, aber -keinesweges verschiedene Geschwülste von einander zu sondern. Es gibt -Bindegewebsgeschwülste (Fibrome) der Oberfläche, die in Form von -einfachen Knoten auftreten, andere welche in Form von Warzen und -Papillargeschwülsten sich zeigen[309]. Ebenso gibt es Krebs- und -Cancroidbildungen, welche die Blumenkohlform annehmen, und andere, die -es nicht thun. - - [309] Geschwülste I. 320, 340. - -In Beziehung auf das Verhältniss von Form und Wesen gibt es eine andere, -ganz cardinale Frage, die im Interesse der Menschheit bald zu einer -gewissen Einmüthigkeit geführt werden sollte, nehmlich die: was man -eigentlich unter einem =Tuberkel= zu verstehen habe. Dieselben -Schwierigkeiten, welche ich eben bei den Papillargeschwülsten -schilderte, finden sich beim Tuberkel in noch verstärktem Maasse -wieder[310]. Die Alten haben den Namen Tuberkel eingeführt einfach nach -der äusseren Form des Gebildes. Man hat jedes Ding Tuberkel genannt, -welches in Form eines Knötchens hervortrat. Wie bekannt, ist es gar -nicht so lange her, dass man nicht im Mindesten sorgfältig in der -Anwendung dieses Ausdruckes war. Man sprach von Tubercula carcinomatosa, -scirrhosa, man unterschied Tubercula scrofulosa und syphilitica, eine -Sprechweise, welche zum Theil noch jetzt in Frankreich erhalten ist. Es -war mit dem Tuberkel, wie mit dem Krebs, bei dem man sich von Alters her -ja auch nicht etwa auf die eigentliche Geschwulst beschränkte; vielmehr -rechnete man Noma (Cancer aquaticus) eben so gut dahin, wie Schanker -(Cancer syphiliticus). - - [310] Geschwülste II. 621. - -Von dieser etwas oberflächlichen Anschauung ist man im Laufe unseres -Jahrhunderts nach und nach zu tieferen Forschungen fortgeschritten, und -es ist auch hier hauptsächlich das Verdienst von =Laennec= gewesen, die -Lehre von der Einheit des Tuberkels aufgestellt zu haben. Allein er -selbst hat wiederum die Schuld zu tragen, dass auch diese Angelegenheit -in eine fast unheilbare Verwirrung gerathen ist. Indem er nehmlich zwei -verschiedene Formen von Tuberkeln der Lunge, die sogenannte -=Tuberkel-Infiltration= und die =Tuberkel-Granulation= annahm, so war er -genöthigt, in Beziehung auf die Infiltration vollständig von dem alten -Begriffe des Tuberkels abzuweichen. Denn hier war gar nicht mehr die -Rede von Knötchen, sondern es handelte sich um eine gleichmässige -Durchdringung des ganzen Parenchyms mit der krankhaften Masse. Damit war -die Bahn gebrochen, auf der man sich immer weiter von dem alten Begriffe -des Tuberkels entfernte. Nachdem einmal die Tuberkel-Infiltration -geschaffen und die Form des Gebildes als diagnostisches Kriterium damit -aufgegeben war, so nahm man auch die weitere Schilderung gewöhnlich von -der Infiltration als dem Umfangreicheren her und suchte nach den -Merkmalen, worin eigentlich die Infiltration mit der früher bekannten -Form des Tuberkels übereinstimme. So ist es gekommen, dass allmählich, -und zwar eigentlich schon durch =Bayle=, die käsige Beschaffenheit als -der gemeinschaftliche Gattungscharakter aller Tuberkelproducte, nicht -bloss als nächster Anhaltspunkt für die Unterscheidung, sondern auch als -Ausgangspunkt für die Deutung des Vorganges überhaupt gebraucht worden -ist. So ist es im Besonderen geschehen, dass man sich vorgestellt hat, -der Tuberkel könne einfach in der Weise entstehen, dass ein beliebiges -Exsudat seine wässerigen Bestandtheile verliere, sich eindicke, trübe, -undurchsichtig, käsig werde, und in diesem Zustande liegen bleibe. - -Der Ausdruck der Tuberkelkörperchen, der bis vor Kurzem noch recht -häufig in Anwendung kam, bezieht sich gerade auf das Stadium des -Käsigen, und die genaue Schilderung, welche =Lebert= davon geliefert -hat, läuft darauf hinaus, dass es Bildungen seien, welche mit keiner der -bekannten organischen Formen übereinstimmen, welche weder Zellen, noch -Kerne, noch sonst etwas Analoges seien, sondern kleine, rundliche oder -eckige, solide Körperchen, häufig von Fettpartikelchen durchsetzt, -darstellten (Fig. 73). Untersucht man aber die Entwickelung dieser -Körper, so kann man sich an allen Punkten, wo sie vorkommen, überzeugen, -dass sie aus früheren organischen Formelementen hervorgehen, dass sie -nicht etwa die ersten missrathenen Producte, gleichsam ein verunglückter -Versuch der Organisation sind, sondern dass sie einmal ganz -wohlgerathene Elemente waren, die aber durch ein unglückliches Geschick -frühzeitig in ihrem weiteren Fortkommen gehindert wurden und einer -schnellen Verschrumpfung unterlagen. Immer kann man mit Sicherheit -voraussetzen, dass, wo ein grösseres Körperchen dieser Art sich findet, -vorher eine Zelle dagewesen ist, wo ein kleineres, vorher ein Kern, -vielleicht innerhalb einer Zelle eingeschlossen, existirt hat[311]. -Eiterzellen, Lymphdrüsenkörperchen, Krebs- und Sarkomzellen können in -solche »Tuberkelkörperchen« ebenso umgewandelt werden, wie wahre -Tuberkelzellen. - - [311] Würzb. Verhandlungen I. 83. - -Untersucht man denjenigen Punkt, der für die neuere Lehre von -der Tuberkulose der maassgebende gewesen ist, nehmlich die -Tuberkel-Infiltration der Lunge, so kommt man leicht zu dem Resultate, -welches =Reinhardt= als das letzte hingestellt hat, dass die Tuberkulose -nichts weiter sei, als eine Form der Umbildung von Entzündungsproducten, -und dass eigentlich alle Tuberkelmasse eingedickter Eiter sei. In der -That ist das, was man Tuberkel-Infiltration genannt hat, mit wenigen -Ausnahmen auf eine ursprünglich entzündliche, eiterige oder -katarrhalische Masse zu beziehen, welche nach und nach durch eine -unvollständige Resorption in den Verschrumpfungszustand gerathen ist, in -welchem sie nachher liegen bleibt[312]. Allein =Reinhardt= hat sich -darin getäuscht, dass er glaubte, Tuberkel zu untersuchen. Er ist irre -geführt worden durch die grosse Complication der in der Lunge -vorkommenden Prozesse[313], besonders aber durch die falsche Richtung, -welche die ganze Doctrin von der Tuberkulose von =Laennec= bis auf ihn -namentlich durch die Schuld der Wiener genommen hat. Hätte er sich daran -gehalten, den alten Begriff des Knötchens zu verfolgen, hätte er die -Knotensubstanz in ihren verschiedenen Stadien untersucht, und hätte er -die verschiedenen Organe, in welchen der knotige Tuberkel vorkommt, -darauf verglichen, so würde er unzweifelhaft zu einem anderen Resultate -gekommen sein[314]. Er würde dann zu der Ueberzeugung gelangt sein, -welche meinen späteren Darstellungen zu Grunde liegt, dass die -Tuberkel-Infiltration in der Lunge eine Form der Hepatisation, -hervorgegangen aus dem von mir als =käsige Pneumonie= (skrofulöse -Pneumonie) bezeichneten Prozesse[315] und ganz verschieden von der -eigentlichen Tuberkelgranulation sei. Nirgends ist diese Verschiedenheit -besser zu erkennen, als am Knochenmark, wo es einerseits eine -ursprünglich eiterige, später käsige Osteomyelitis, andererseits wahre -Tuberkel gibt[316]. - - [312] Spec. Pathol. u. Ther. I. 337, 341, 346. - - [313] Wiener Med. Wochenschrift 1856. 396. - - [314] Würzb. Verhandl. III. 100. - - [315] Geschwülste II. 600. - - [316] Ebendas. II. 702. - -Man kann allerdings sagen, dass der grösste Theil desjenigen, was im -Laufe der Tuberkulose nicht in Knotenform erscheint, eingedicktes -Entzündungsproduct sei. Allein neben diesem Producte und bis zu einem -gewissen Grade unabhängig von demselben gibt es ein Gebilde, welches in -die gewöhnliche Classification der Neoplasmen nicht mehr hineinpassen -würde, wenn man jene Entzündungs-Producte Tuberkel nennte. In der That -ist in Frankreich, wo die Terminologie von =Lebert= die maassgebende -geblieben ist, und wo man die Corpuscules tuberculeux als die -nothwendigen Begleiter der Tuberkulose anzusehen pflegt, in der neuesten -Zeit der Gedanke wirklich ausgesprochen, dass unter den Körnern, die man -bisher Tuberkel nannte, noch ein ganz besonderes und bis jetzt noch gar -nicht bezeichnetes Gebilde vorkomme. Einer der besten, ja vielleicht der -beste Mikrograph, den Frankreich besitzt, =Robin= hat bei Untersuchung -der Meningitis tuberculosa die kleinen Knoten in der Pia mater, die alle -Welt für Tuberkeln hält, nicht dafür halten zu können geglaubt, weil -einmal das Dogma in Frankreich herrscht, dass der Tuberkel aus soliden, -unzelligen Körpern bestehe, und weil in den Tuberkeln der Hirnhaut -vollständig erhaltene Zellen vorkommen. Ja, einer seiner Schüler, -=Empis= hat sich vor der Consequenz nicht gescheut, neben der -Tuberkulose noch eine neue Krankheit, die Granulie, in die medicinische -Sprache einzuführen[317]. Zu so sonderbaren Verirrungen führt dieser -Weg, dass man am Ende den eigentlichen Tuberkel gar nicht mehr -bezeichnen kann, weil man so viel zufällige Dinge mit ihm -zusammengeworfen hat, dass man über lauter Zufälligem das Gesuchte oder -selbst das Gefundene, was man schon besessen, wieder aus der Hand -verliert. - - [317] Archiv XXXIV. 12. - -[Illustration: =Fig=. 148. Entwickelung von Tuberkel aus Bindegewebe in -der Pleura. Man übersieht die ganze Reihenfolge von dem einfachen -Bindegewebskörperchen, der Theilung der Kerne und Zellen bis zu der -Entstehung des Tuberkelkorns, dessen Zellen in der Mitte wieder zu einem -fettig-körnigen Detritus zerfallen. Vergröss. 300.] - -Ich halte dafür, dass der Tuberkel ein Korn, ein Knötchen sei, und dass -dieses Knötchen eine Neubildung darstellt, und zwar eine Neubildung, -welche von ihrer ersten Entwickelung an nothwendig zelliger Natur ist, -welche in der Regel gerade so, wie viele anderen Neubildungen, aus -Bindegewebe hervorgeht, und welche, wenn sie zu einer gewissen -Entwickelung gekommen ist, innerhalb dieses Gewebes einen kleinen, wenn -er an der Oberfläche sich befindet, in Form eines kugeligen Höckers -hervorragenden Knoten darstellt, der in seiner ganzen Masse aus kleinen, -ein- oder mehrkernigen Zellen besteht. Das, was diese Bildung -charakterisirt, ist der Umstand, dass sie überaus kernreich ist, so -dass, wenn man sie im Zusammenhange innerhalb der Fläche des Gewebes -betrachtet, auf den ersten Blick fast nichts als Kerne vorhanden zu sein -scheinen. Isolirt man die constituirenden Theile, so bekommt man -entweder ganz kleine, mit einem Kerne versehene Elemente, oft so klein, -dass die Membran sich dicht um den Kern herumlegt, oder grössere Zellen -mit vielfacher Theilung der Kerne, so dass 12 bis 24 und 30 Kerne in -einer Zelle enthalten sind, wo aber immer die Kerne klein, gleichmässig -und etwas glänzend aussehen. - -Der Tuberkel steht allerdings in seiner Entwickelung dem Eiter am -nächsten, insofern er die kleinsten Kerne und die verhältnissmässig -kleinsten Zellen hat, und er unterscheidet sich dadurch von allen höher -organisirten Formen (Krebs, Sarkom), dass die Elemente dieser letzteren -grosse, mächtige, oft colossale Bildungen mit stark entwickelten Kernen -und Kernkörperchen darstellen. Er ist immer nur eine ärmliche -Production, eine von vornherein kümmerliche Neubildung. Anfangs ist er, -wie andere Neubildungen, nicht selten mit Gefässen versehen, allein, -wenn er sich vergrössert, so drängen sich seine vielen kleinen Zellen, --- diese wie eine Kinderschaar, immer dichter an einander gehende Masse, --- so eng zusammen, dass nach und nach die feineren Gefässe vollständig -unzugänglich werden und sich nur die grösseren, durch den Tuberkel bloss -hindurch gehenden noch erhalten. Gewöhnlich tritt im Centrum des -Knotens, wo die alten Elemente liegen, sehr bald eine fettige -Metamorphose ein (Fig. 148), welche aber in der Regel nicht vollständig -wird. Dann verschwindet jede Spur von Flüssigkeit, die Elemente fangen -an zu verschrumpfen, das Centrum wird gelb und undurchsichtig, man sieht -einen gelblichen Fleck inmitten des grau durchscheinenden Korns. Damit -ist die =käsige Metamorphose=[318] angelegt, welche später den Tuberkel -charakterisirt. Diese Veränderung schreitet nach aussen immer weiter -vorwärts von Zelle zu Zelle, und nicht selten geschieht es, dass der -ganze Knoten nach und nach in die Veränderung eingeht. - - [318] Würzb. Verhandlungen III. 98. - -Warum ich nun meine, dass man für dieses Gebilde speciell den Namen des -Tuberkels als einen äusserst charakteristischen festhalten muss, das ist -der Umstand, dass nie ein Tuber daraus wird. Was man als grosse -Tuberkeln zu bezeichnen pflegt, was die Grösse einer Wallnuss, eines -Borsdorfer Apfels erreicht, z. B. im Gehirn, das sind keine einfachen -Tuberkel. Freilich steht gewöhnlich in den Handbüchern, dass der -Hirntuberkel solitär sei, aber das ist kein einzelner Knoten; eine -solche apfel- oder nur wallnussgrosse Masse enthält viele Tausende von -Tuberkeln; das ist ein ganzes Nest, das sich vergrössert, nicht dadurch, -dass der ursprüngliche Heerd wächst, sondern vielmehr dadurch, dass an -seinem Umfange immer neue Heerde ausgebildet werden[319]. Betrachtet man -den vollkommen gelbweissen, trockenen, käsigen Knoten, so erkennt man in -seiner nächsten Umgebung eine weiche, gefässreiche Schicht, welche ihn -gegen die benachbarte Hirnsubstanz abgrenzt, eine dichte Areola von -Bindegewebe und Gefässen. Innerhalb dieser Schicht liegen die kleinen, -jungen Knötchen bald in grösserer, bald in kleinerer Zahl. Sie lagern -sich aussen an, und der grosse Knoten wächst durch Apposition von immer -neuen Heerden, von welchen jeder einzelne käsig wird. Daher kann der -ganze Knoten in seinem Zusammenhange nicht als einfacher Tuberkel -betrachtet werden. Der eigentliche Tuberkel bleibt wirklich minimal, wie -man zu sagen pflegt, =miliar=, genauer ausgedrückt, submiliar. Selbst -wenn sich an der Pleura neben ganz kleinen Knoten grosse, wie -aufgelagerte gelbe Platten finden, so sind auch diese keine einfachen -Tuberkel, sondern Zusammensetzungen aus einer grossen Summe gesonderter -Knötchen. Die gewöhnlich als miliare Tuberkel bezeichneten Knoten in der -Lunge aber sind entweder miliare Hepatisationen, oder bronchitische oder -peribronchitische Heerde, möglicherweise mit Tuberkulose der -Bronchialwand verbunden. - - [319] Geschwülste II. 656. - -Wie man sieht, hängt bei dem Tuberkel in der That Form und Wesen -untrennbar zusammen. Die Form ist bedingt dadurch, dass der Tuberkel von -einzelnen Elementen des Bindegewebes aus, durch die degenerative -Entwickelung kleinerer Gruppen von Bindegewebskörperchen wächst. So -kommt er ohne alles Weitere als Korn hervor. Wenn er einmal eine gewisse -Grösse erreicht hat, wenn die Generationen von neuen Elementen, die sich -durch immer fortgehende Theilung aus den alten Gewebselementen -entwickeln, endlich so dicht liegen, dass sie sich gegenseitig hemmen, -die Gefässe des Tuberkels allmählich zum Schwinden bringen und sich -dadurch selbst die Zufuhr abschneiden, so zerfallen sie eben, sie -sterben ab, und es bleibt nichts weiter zurück, als Detritus, -verschrumpftes, zerfallenes, käsiges Material. - -Die käsige Umbildung ist der regelrechte Ausgang der Tuberkel, aber sie -ist einerseits nicht der nothwendige Ausgang, denn es gibt seltene -Fälle, wo die Tuberkel durch vollständige fettige Metamorphose -resorptionsfähig werden; andererseits kommt dieselbe käsige Metamorphose -anderen Formen von zelligen Neubildungen zu: der Eiter kann käsig -werden, ebenso der Krebs und das Sarkom, die syphilitische -Gummigeschwulst, die Typhusmasse. Diese allgemeine Möglichkeit[320] kann -man daher nicht wohl als das Kriterium für die Beurtheilung eines -bestimmten Gebildes, wie des Tuberkels hinstellen; vielmehr gibt es -gewisse Stadien der Rückbildung desselben, wo man sich sagen muss, dass -es nicht immer möglich ist, ein Urtheil zu fällen. Legt einem jemand -eine Lunge, mit käsigen Massen durchsprengt, vor, und fragt: ist das -Tuberkel oder nicht? so wird man häufig nicht genau sagen können, was -die einzelnen Massen ursprünglich gewesen sind. Es gibt Zeiten in der -Entwickelung, wo man mit Bestimmtheit das Entzündliche und das -Tuberkulöse von einander trennen kann; endlich aber kommt eine Zeit, wo -sich beide Producte mit einander vermischen, und wo, wenn man nicht -weiss, wie das Ganze entstanden ist, man kein Urtheil mehr abgeben kann -über das, was es bedeutet. Auch mitten in Krebsknoten können käsige -Stellen vorkommen, welche gerade so aussehen, wie Tuberkel. Noch -=Lebert= beschrieb dies als ein Vorkommen von Tuberkel in Krebs. Ich -habe dargethan, dass es die Krebs-Elemente sind, welche in diese käsige -Masse übergehen[321]. Wenn wir aber nicht mit Bestimmtheit aus der -Entwickelungsgeschichte wüssten, dass die Zellen des Krebses sich -Schritt für Schritt verändern, und dass in der Mitte des Krebses sich -keine Tuberkeln bilden, so würden wir aus dem blossen Befunde in vielen -Fällen durchaus nicht ein Urtheil fällen können. - - [320] Würzb. Verhandl. I. 84. II. 72. III. 99. Spec. Pathologie und - Therapie. I. 282, 284. Geschwülste II. 624. - - [321] Archiv I. 172. - -Ueberwindet man diese Schwierigkeiten, welche in der äusseren -Erscheinung der Bildung liegen, und welche den Beobachter nicht bloss -irre führen gegenüber der groben Erscheinung, sondern auch gegenüber der -feineren Zusammensetzung, so bleibt für die Orientirung kein anderer -Anhaltspunkt, als dass man nachsucht, welchen Typus der Entwickelung -die einzelnen Neubildungen während der Stadien ihrer wirklichen Bildung, -nicht während der Stadien ihrer Rückbildung zeigen. Man kann das Wesen -des Tuberkels nicht studiren von dem Zeitpunkte an, wo er käsig geworden -ist, denn von da an gleicht seine Geschichte vollkommen der Geschichte -des käsig werdenden Eiters; man muss dies vorher thun, wo er wirklich -wuchert. - -So müssen wir auch für die anderen Neubildungen die Zeit von ihrer -ersten Entstehung bis zu ihrer Akme studiren und zusehen, mit welchen -normalen physiologischen Typen sie übereinstimmen. Mit anderen Worten, -=man muss sie genetisch erforschen=. Dann ist es allerdings möglich, mit -den einfachen Principien der histologischen Classification auszukommen, -welche ich früher ausgeführt habe (S. 86). =Auch die heterologen Gewebe -haben physiologische Typen=[322]. - - [322] Spec. Pathologie und Therapie. I. 9, 334. - -Ein Colloid, wenn man wirklich darunter versteht, was =Laennec= gemeint -hat, eine gallertartige organisirte Neubildung, muss nothwendig irgend -einen Typus der Bildung besitzen, welcher irgendwo oder irgend einmal im -gewöhnlichen Körper vorkommt. In der That gibt es eine Reihe von -Geschwülsten, die man zum Colloid gerechnet hat, welche vollkommen die -Structur des Nabelstranges haben, und welche, wie dieser Theil, in ihrer -Intercellularsubstanz wesentlich Schleim enthalten. Nachdem ich das -Gewebe des Nabelstranges und der analogen Theile Schleimgewebe genannt -hatte, so war es für mich ein sehr einfacher Schritt, diese Geschwülste -=Schleimgeschwülste=, Myxome zu nennen[323]. Eine der am meisten -ausgezeichneten Myxomformen stellt die sogenannte Blasen- oder -Hydatidenmole (Mola vesiculosa s. hydatidosa) dar. Aber das Vorkommen -des Myxoms beschränkt sich nicht auf die Zeit der intrauterinen -Entwickelung. Indem wir Geschwülste mit dem Gewebstypus des -Nabelstranges mitten im erwachsenen Körper nachweisen, so ist das -Auffallende der Erscheinung nicht vermindert, aber es ist für dieselben -ein im Körper normaler Typus gewonnen. Ein kopfgrosses Myxom des -Oberschenkels bleibt immerhin eine sehr merkwürdige Erscheinung. Eine -andere Form von Colloid, oder wie unser =Müller= gesagt hat, -=Collonema=, stellt sich dar als ödematöses Bindegewebe. Wir finden -nichts weiter, als ein sehr weiches Gewebe, welches von einer -eiweisshaltigen Flüssigkeit durchtränkt ist. Eine solche Geschwulst -können wir nicht von den Bindegewebsgeschwülsten im Ganzen trennen; wir -mögen sie als gallertartiges oder ödematöses oder sklerematöses Fibrom -bezeichnen, aber es besteht kein Grund, sie unter dem Namen von -Collonema für das Denken ganz fremdartig zu gestalten. So finden wir -ferner gewisse Formen von Krebs, wo das Stroma, statt einfach aus -Bindegewebe zu bestehen, aus demselben Schleimgewebe besteht, welches -wir in einer einfachen Schleimgeschwulst antreffen[324]. Dies können wir -einfach einen =Schleimkrebs= (Gallert- oder Colloidkrebs) nennen. Damit -wissen wir genau, was wir vor uns haben. Wir wissen, es ist ein Krebs, -aber sein Grundgewebe ist verschieden durch seinen Schleimgehalt und -seine gallertige Beschaffenheit von dem gewöhnlichen Fasergewebe des -Krebsgerüstes. - - [323] Archiv XI. 281. Geschwülste I. 396. - - [324] Würzb. Verhandlungen II. 318. - -Fassen wir nun nochmals den Tuberkel in's Auge, so würde derselbe -allerdings etwas vollständig Abnormes sein, wenn die Corpuscules -tuberculeux ihn ursprünglich und wesentlich constituirten; vergleicht -man aber die Zellen, welche, wie ich nachgewiesen habe, die eigentlichen -Constituentien des Kornes sind, mit normalen Geweben des Körpers, so -ergibt sich die vollständigste Uebereinstimmung zwischen ihnen und den -Elementen der =Lymphdrüsen= (S. 210, Fig. 71). Diese Analogie ist nicht -zufällig und gleichgültig, denn seit alter Zeit weiss man ja, dass die -Lymphdrüsen besonders dazu geneigt sind, eine käsige Veränderung -einzugehen, und schon lange hat man davon gesprochen, dass eine -lymphatische Constitution zu Prozessen dieser Art disponire[325]. Aus -allen diesen Gründen habe ich den Tuberkel nicht als eine, seiner -Entwickelung nach dem Körper gänzlich fremdartige Bildung sui generis -betrachten können, sondern ihn als eine wesentlich =lymphoide= -Neubildung der grösseren Gruppe der Lymphome[326] angereiht. - -Wenn wir den Eiter betrachten, so brauche ich nur an das zu erinnern, -womit ich mich mehrere Capitel hindurch beschäftigt habe, nehmlich an -die Frage von der Trennbarkeit der Pyämie von der Leukocytose. In den -farblosen Blutkörperchen haben wir so vollständig den Eiterkörperchen -analoge Bildungen erkannt, dass Viele geglaubt haben, wenn sie farblose -Blutkörperchen im Blute fanden, Eiterkörperchen zu sehen, während Andere -vielmehr in den Elementen des Eiters durchweg farblose Blutkörperchen -wiederzufinden meinten. Beide Reihen haben den gleichen Typus der -Bildung. Man kann daher sagen, dass der Eiter eine =hämatoide= Form -habe, ja man kann den alten Satz aufwärmen, dass der Eiter das Blut der -Pathologie sei. Will man aber einen Unterschied suchen, will man in den -einzelnen Fällen sagen, was Eiter- und was Blutkörperchen sei, so hat -man kein anderes Kriterium, als zu entscheiden, ob die Zelle in der -gewöhnlichen Weise und an dem natürlichen Orte des farblosen -Blutkörperchens entstanden ist, oder auf andere Weise, an einem anderen -Orte, wo sie nicht zu entstehen hat. - - [325] Würzb. Verhandlungen III. 102. Spec. Pathol. und Ther. I. 346. - - [326] Geschwülste II. 557. - -Innerhalb der pathologischen Neubildungen gibt es eine grosse Kategorie, -deren natürliches Paradigma das Epithel ist, wenn man will, -=Epitheliome=. Allein der Ausdruck des Epithelioms, welcher von -=Hannover= für einen kleinen Theil dieser Epithel führenden Geschwülste, -für die sogenannten Cancroide vorgeschlagen wurde, ist deshalb für die -besondere Art von Geschwulst, welche er damit bezeichnen wollte, -vollständig unzulässig, weil sie nicht die einzige Geschwulst ist, deren -Elemente den epithelialen Habitus an sich tragen. Man kann das -Epitheliom =Hannover='s von anderen Geschwülsten nicht dadurch -unterscheiden, dass seine Elemente den Habitus von Epithel hätten und -andere nicht. Ich will gar nicht davon sprechen, dass es eine grosse -Reihe unzweifelhaft epithelialer Geschwulstbildungen gibt, welche nichts -als örtliche Wucherungen des präexistirenden Epithels darstellen. Dahin -gehören das Atherom, die drüsigen Hyperplasien der Brust, des Magens. -Aber auch scheinbar ganz fremdartige Neubildungen besitzen denselben -Typus der Elemente. Die Geschwulst, welche =Müller= Cholesteatom, -=Cruveilhier= Tumeur perlée genannt hat, was ich durch Perlgeschwulst -(Margaritoma) übersetzt habe, diese Geschwulst hat genau denselben -epithelialen Bau, wie das Cancroid, welches =Hannover= Epitheliom -genannt hat, ja das gewöhnliche Cancroid erzeugt in sich sehr -gewöhnlich kleine Perlknoten in oft erstaunlich grosser Menge[327]. -Allein beide unterscheiden sich sehr wesentlich. Nie hat man bis jetzt -Perlgeschwülste gesehen, welche, nachdem sie an einem Orte bestanden -hatten, an entfernten Orten Recidive gemacht und sich wie bösartige -Geschwülste verhalten hätten; immer fand nur im nächsten Umfange der -Geschwulst eine weitere, aber überaus langsame Entwickelung statt. Das -Epitheliom dagegen, oder wie man besser sagt, der Epithelialkrebs oder -das Cancroid, besitzt eine sehr ausgesprochene Malignität, nicht nur die -Recidivfähigkeit in loco, sondern auch die Vervielfältigung in distans. -In manchen Fällen werden fast alle Organe des Körpers metastatisch mit -Cancroidmassen erfüllt[328]. - - [327] Med. Reform 1849. No. 51. S. 271. Archiv III. 221. VIII. 397. - - [328] Gaz. méd. de Paris. 1855. Avril. No. 14. p. 208. - -[Illustration: =Fig=. 149. Verschiedene Krebszellen, zum Theil in -fettiger Metamorphose, polymorph, mit Kernvermehrung. Vergr. 300.] - -Versucht man das Cancroid durch den epithelialen Bau seiner Elemente von -dem eigentlichen Krebs zu unterscheiden, so wird man sich auch da -vergeblich bemühen. Der eigentliche Krebs hat gleichfalls Elemente von -epithelialem Habitus (Fig. 149), und man braucht nur solche Punkte im -Körper zu suchen, wo sich die Epithelzellen unregelmässig entwickeln, -z. B. an den Harnwegen (Fig. 16), so wird man in dem normalen Epithel -dieselben sonderbaren, mit grossen Kernen und Kernkörperchen versehenen -Bildungen antreffen, welche als die specifischen, polymorphen -Krebszellen geschildert werden. Der Krebs, das Cancroid oder Epitheliom, -die Perlgeschwulst oder das Cholesteatom, ja auch das Dermoid, welches -Haare, Zähne, Talgdrüsen producirt und im Eierstock so häufig vorkommt, -alle diese sind Bildungen, welche pathologisch Epithelformen erzeugen; -aber sie stellen eine Gradation von verschiedenen Arten vor, die von den -ganz örtlichen, dem gewöhnlichen Sinne nach vollkommen gutartigen bis zu -solchen von der äussersten Malignität reichen[329]. Die blosse Form der -Elemente, welche die Zusammensetzung des Gebildes machen, ist ohne -entscheidenden Werth. Es hat sich gezeigt, dass es falsch war, als man -annahm, der Krebs habe heterologe (specifische) Elemente und darum sei -er bösartig, und das Cancroid habe homologe (hyperplastische) Elemente -und darum sei es gutartig. Vielmehr enthält keine von beiden -Geschwülsten absolut heterologe Elemente und keine ist gutartig, sondern -es besteht zwischen ihnen eine Stufenfolge. - - [329] Archiv VIII. 414. - -Man könnte nun leicht in die Furcht gerathen, es sei überhaupt -unmöglich, Krebs, Cancroid, Perlgeschwulst, kurz die epithelioiden -Neubildungen, sei es von gewöhnlichem Epithel, sei es unter sich zu -unterscheiden. Dies wäre ein grosser Irrthum. Sie alle unterscheiden -sich durch die Heterologie ihrer Bildung von dem gewöhnlichen Epithel -und der gewöhnlichen Epidermis, denn sie entstehen nicht an Oberflächen, -sondern im Inneren der Organe aus dem Bindegewebe. Freilich kann es -sein, dass die Anhäufungen ihrer Zellen dabei eine überraschende -Aehnlichkeit mit bestimmten Oberhautgebilden erlangen, dass sie z. B. -wie Drüsen oder Haare aussehen. Aber ein Cancroid erzeugt keine -wirklichen Drüsen mit Höhlungen, sondern nur drüsenähnliche, solide -Zapfen; in ihm wachsen keine wirklichen Haare, sondern haarähnliche -Gebilde, die mehr kranken als gesunden Haaren entsprechen. Häufen sich -diese Zapfen und Cylinder in grossen Mengen an, so entsteht dadurch eine -breiige Masse von sehr bunter Zusammenordnung, in der jedoch an jedem -Punkte immer wieder epidermoidale Gebilde isolirt werden können, so dass -die Gesammtbildung die grösste Aehnlichkeit mit dem Atherom zeigen mag. -Aber das Atherom ist eine hyperplastische Wucherung normaler Epidermis -in einem erweiterten Hautsacke, das Cancroid und die Perlgeschwulst sind -heteroplastische Bildungen einer aus Bindegewebe entstandenen Epidermis. -Hier entscheidet also die Heterotopie (error loci). - -[Illustration: =Fig=. 150. Cancroidzapfen aus einer Geschwulst der -Unterlippe. Dichtgedrängte Zellenlager mit dem Charakter des Rete -Malpighii im Umfange: in dem einen Fortsatze fettartig glänzende Kugeln, -in der Mitte des grossen Zapfens eine hornig-epidermoidale, haarartige -Abscheidung mit zwiebelartigen Kugeln (Perlen, globes épidermiques). -Vergr. 300.] - -[Illustration: =Fig=. 151. Durchschnitt durch ein Cancroid der Orbita. -Grosse Epidermiskugeln (Perlen), zwiebelartig geschichtet, in einer -dichtgedrängten Zellenmasse, die theils den Charakter der Epidermis, -theils den des Rete Malpighii hat. Vergr. 150.] - -Dieser Auffassung steht freilich eine andere gegenüber, welche in -Beziehung auf das Cancroid schon von =Mayor=, =Ecker= und Anderen -ausgesprochen war, nehmlich dass dasselbe aus einer progressiven, nach -innen gerichteten Wucherung gewöhnlichen Epithels oder oberflächlicher -Epidermis entstehe. Ich habe dem gegenüber immer hervorgehoben, dass -genetisch ein Unterschied zwischen Cancroid und eigentlichem Krebs -(Carcinom) nicht zu entdecken sei, und dass, wenn das Cancroid als eine -nur hyperplastische Neubildung gelten dürfe, auch das Carcinom in -gleicher Weise gedeutet werden müsse. Mehrere neuere Beobachter haben -kein Bedenken getragen, diesen Satz zu acceptiren und auch das Carcinom -als eine Epithelialwucherung darzustellen. Freilich hat sich sehr bald -die Schwierigkeit gezeigt, dass das Carcinom primär an Orten vorkommt, -wie in Lymphdrüsen, in Knochen und im Gehirn, wo es kein Epithel -gewöhnlicher Art gibt. Einige haben sich aus diesem Grunde nicht -gescheut, die offenkundige Thatsache primärer Krebse dieser Organe -einfach zu leugnen. Andere haben sich damit geholfen, auf das Epithel -der Lymphgefässe zurückzugehen. Für diejenigen, welche auch die -Bindegewebskörperchen zu den Lymphgefässen rechnen, ist dann freilich -der Schritt nicht gross, um auch sie zu den möglichen Matrices der -Krebszellen zuzulassen. Ich meinerseits bin durch diese Ausführungen -nicht überzeugt; ich halte an der primären Heteroplasie aller Krebse -fest. - -Dagegen erkenne ich vollständig die Schwierigkeit an, zwischen den -einzelnen heteroplastischen Gebilden dieser Gruppe beständige -Unterschiede zu finden; ja ich hege die Ueberzeugung, dass hier -überhaupt keine scharfen Grenzen bestehen, sondern Uebergänge vorkommen. -Man könnte daher leicht in Versuchung gerathen, alle diese Arten von -Geschwülsten, wie es so oft vorgeschlagen ist, unter dem Collectivnamen -der Krebse zusammen zu fassen. Dem wiederstreitet zunächst die -praktische (klinische) Erfahrung, welche ergibt, dass die Perlgeschwulst -sich nie generalisirt, das Cancroid selten, der Krebs gewöhnlich. Sodann -zeigen sich aber auch Verschiedenheiten im Bau, und ich will hier in -Beziehung auf den Krebs nur das hervorheben, dass bei dem Krebs im -engeren Sinne des Wortes (Carcinoma) die epithelioiden Zellen in den -Maschenräumen eines neugebildeten, gefässhaltigen Bindegewebs-Gerüstes -(Stroma) enthalten sind[330]. Der Krebs erscheint daher nicht als -blosses Gewebe (histioid), sondern als organartige Neubildung (S. 88). - - [330] Archiv I. 96. - -Die physiologische Bedeutung der einzelnen Arten aber richtet sich -zunächst nach ihrem Saftreichthum[331]. Die Formen, welche trockene, -saftarme Massen hervorbringen, sind relativ gutartig. Diejenigen, welche -saftreiche Gewebe setzen, haben immer mehr oder weniger einen malignen -Habitus (S. 257). Die Perlgeschwulst z. B. liefert vollkommen trockene -Epithelmassen, fast ohne eine Spur von Feuchtigkeit: sie steckt nur -örtlich an. Das Cancroid bleibt sehr lange örtlich, so dass oft erst -nach Jahren die nächsten Lymphdrüsen erkranken, dass dann lange Zeit -wiederum der Prozess sich auf diese Erkrankung der Lymphdrüsen -beschränkt, und dass erst spät und selten die allgemeine Eruption durch -den ganzen Körper erfolgt. Bei dem eigentlichen Krebs ist der örtliche -Verlauf oft sehr schnell, und die Krankheit wird früh allgemein; -Heilungen, selbst für kurze Zeit, sind so selten, dass man in -Frankreich geradezu die vollkommene Unheilbarkeit des eigentlichen -Krebses aufgestellt und mit Glück vertheidigt hat. - - [331] Gesammelte Abhandlungen 53. Archiv XIV. 40. Geschwülste I. 126. - -Die einzige scheinbare Ausnahme von dieser Regel macht der Tuberkel. -Denn gerade bei ihm geschieht die Infection nicht selten in dem käsigen -Stadium, welches sich im Allgemeinen durch seine Trockenheit von dem -feuchten Zustande des grauen miliaren Korns unterscheidet. Aber die -experimentellen Untersuchungen der neuesten Zeit haben, wie ich schon -früher (S. 261) erwähnte, die glückliche Lösung gebracht, dass es nicht -bloss der aus Tuberkel entstehende Käse ist, welcher wieder Tuberkel -erzeugt, sondern dass regressive Substanzen der verschiedensten Art den -gleichen Effect hervorbringen. So habe ich schon angeführt (S. 262), -dass selbst rückgängiges Carcinom Tuberkel erregen kann. Diese -Erfahrungen haben jedoch, soweit bis jetzt bekannt, keinen Werth für die -Mehrzahl der infectiösen Neubildungen, welche vielmehr in ihrer -Florescenz-Periode die grösste Virulenz besitzen, und hier sind wir -entweder auf Wanderzellen, oder auf flüssige Stoffe hingewiesen. - -Auch unter den Bildungen, welche =den gewöhnlichen Bindegewebssubstanzen -analog=, also scheinbar vollkommen homolog und gutartig sind, erweisen -sich die saftreichen als viel mehr ansteckungsfähig als die trockenen. -Die einfache Fettgeschwulst (=Lipom=) ist immer gutartig. Das =Myxom= -(Schleimgeschwulst), welches immer viel Flüssigkeit mit sich führt, ist -jedesmal eine verdächtige Geschwulst; in dem Maasse seines -Saftreichthums recidivirt es oft[332]. Die Knorpelgeschwulst -(=Enchondrom=), welche früher als unzweifelhaft gutartige Geschwulst -geschildert wurde, kommt zuweilen in weichen, mehr gallertartigen Formen -vor, welche eben solche inneren Metastasen bedingen können, wie der -eigentliche Krebs[333]. In noch viel höherem Maasse zeigt das -Osteoidchondrom bösartige Eigenschaften[334]. Selbst die -Bindegewebsgeschwülste (=Fibrome=) werden unter Umständen reicher an -Zellen, vergrössern sich, ihre Zwischensubstanz wird saftreicher, ja in -manchen Fällen schwindet sie so vollständig, dass zuletzt fast nur -zellige Elemente übrig bleiben. So entstehen Formen, welche meiner -Ansicht nach sehr unzweckmässig fibroplastische Geschwülste genannt -worden sind und viel besser mit dem alten Namen der =Sarkome= bezeichnet -werden[335]. Sie unterscheiden sich von den blossen Fibromen, Myxomen, -Chondromen u. s. w. durch die grosse Zahl und die beträchtliche -Entwickelungshöhe ihrer Elemente, welche zuweilen geradezu Riesengrösse -erreichen (Fig. 30, 31). Genetisch zeigen sie dieselbe Herkunft aus -proliferirendem Bindegewebe, wie die gewöhnlichen Fibrome (Fig. 113, -II.); sehr bald aber beginnen ihre Zellen einen progressiven -Entwickelungsgang, welcher den Fibromen fehlt (Fig. 152). Sie sind -zunächst allerdings gutartig, aber nicht selten recidiviren sie, wie die -Epithelialkrebse, in loco; unter gewissen Verhältnissen recurriren sie -in den Lymphdrüsen, und in manchen Fällen kommen sie in so ausgedehnten -Metastasen durch den ganzen Körper vor, dass fast kein Organ davon -verschont bleibt. - - [332] Archiv XI. 281. Geschwülste I. 430. - - [333] Archiv V. 244. Würzb. Verhandl. I. 137. Geschwülste I. 523. - - [334] Geschwülste I. 527. - - [335] Archiv I. 196, 200, 224. Geschwülste II. 175. - -[Illustration: =Fig=. 152. Schematische Darstellung der -Sarkom-Entwickelung, wie sie bei Sarcoma mammae sehr gut zu übersehen -ist. Vergr. 350.] - -In der ganzen Reihe der Neubildungen, von denen jede einem normalen -Gewebe mehr oder weniger vollständig entspricht, darf es gar nicht in -Frage kommen, ob sie einen physiologischen Typus haben, oder ob sie ein -specifisches Gepräge an sich tragen; schliesslich entscheidet vielmehr -die Frage, =ob sie an einem Orte entstehen, wo sie hingehören oder -nicht, und ob sie Stoffe in sich erzeugen, welche auf Nachbartheile -gebracht, dort einen ungünstigen, contagiösen oder reizenden Einfluss -ausüben=. - -Es verhält sich mit ihnen, wie mit pflanzlichen Bildungen. Die Nerven -und Gefässe haben gar keinen unmittelbaren Einfluss auf ihre -Entwickelung. Nur insofern haben sie Werth, als sie das Mehr oder -Weniger von Zufuhr bestimmen können; aber sie sind ganz ausser Stande, -die Geschwulst-Entwickelung anzuregen, hervorzubringen oder in einer -direkten Weise zu modificiren. Eine pathologische Geschwulst des -Menschen bildet sich genau in derselben Weise, wie eine Geschwulst an -einem Baume, an der Rinde, an der Oberfläche des Stammes oder des -Blattes, wo ein pathologischer Reiz stattgefunden hat. Der Gallapfel, -der in Folge des Stiches eines Insectes entsteht, die knolligen -Anschwellungen, welche die Stellen eines Baumes zeigen, wo ein Ast -abgeschnitten ist, die Umwallung, welche die Wunde eines abgehauenen -Baumstammes erfährt, beruhen auf einer ebenso reichlichen, oft ebenso -raschen Zellenwucherung, wie die, welche wir an der Geschwulst eines -wuchernden Theiles des menschlichen Leibes wahrnehmen. Der pathologische -Reiz wirkt in beiden Fällen genau auf dieselbe Art; die -Vegetationsverhältnisse gestalten sich vollständig nach demselben Typus, -und so wenig als ein Baum an seiner Rinde oder seinem Blatte eine Art -von Zellen hervorbringt, welche er sonst nicht hervorbringen könnte, so -wenig thut dies der thierische Körper. - -Aber wenn man die Geschichte einer pflanzlichen Geschwulst betrachtet, -so wird man auch da sehen, dass gerade die kranken Stellen es sind, -welche ungewöhnlich reich an specifischen Bestandtheilen werden, welche -die besonderen Stoffe, die der Baum producirt, in grösserer Menge in -sich aufnehmen und ablagern. Die Pflanzenzellen, welche sich an einem -Eichenblatt im Umfange des Insectensitzes bilden, haben viel mehr -Gerbsäure, als irgend ein anderer Theil des Baumes. Die -Geschwulstzellen, welche sich in wuchernder Menge an einer Kiefer da -bilden, wo ein Insect sich in den jungen Stamm eingräbt, werden ganz -vollgestopft mit Harz. Die besondere Energie der Bildung, welche an -diesen Stellen entwickelt wird, bedingt auch eine ungewöhnlich reiche -Anhäufung von Säften. Es bedarf keiner Nerven oder Gefässe, um die -Zellen zu einer vermehrten Stoff-Aufnahme zu instigiren. Es ist die -eigene Action der Zellen, die Anziehung, welche sie auf die benachbarten -Flüssigkeiten ausüben, vermöge deren sie die brauchbaren Stoffe an sich -reissen und fixiren. - -Und so sind wir am Schlusse wiederum bei derselben Vergleichung -angelangt, von der wir im Anfange ausgingen, bei der Vergleichung des -thierischen und besonders des menschlichen Körpers mit dem pflanzlichen. -Auch der Patholog gewinnt durch die Kenntniss der botanischen Vorgänge -die werthvollsten Anknüpfungspunkte für das Verständniss der -Krankheiten; er vor Allen muss sich durch ein solches Verständniss immer -mehr von der Wahrheit der cellularen Theorie überzeugen. Es besteht eine -innere Uebereinstimmung in der ganzen Reihe der lebendigen Erscheinungen -und gerade die niedrigsten Bildungen dienen uns oft als die -Erklärungsmittel für die vollkommensten und am meisten zusammengesetzten -Theile. Denn gerade in dem Einfachen und Kleinen offenbart sich am -deutlichsten das =Gesetz=. - - - - - Inhalt. - - Seite - - Vorreden V - - Uebersicht der Holzschnitte XIII - - $Erstes Capitel.$ Die Zelle und die cellulare Theorie 1 - - Einleitung und Aufgabe. Bedeutung der anatomischen Entdeckungen - in der Geschichte der Medicin. Geringer Einfluss der Zellentheorie - auf die Pathologie. -- Die Zelle als letztes wirkendes Element des - lebenden Körpers. Genauere Bestimmung der Zelle. Die - Pflanzenzelle: Membran, Inhalt (Protoplasma), Kern. Die thierische - Zelle: die eingekapselte (Knorpel) und die einfache. Der - Zellenkern (Nucleus). Das Kernkörperchen (Nucleolus). Die Theorie - der Zellenbildung aus freiem Cytoblastem. Constanz des Kerns und - Bedeutung desselben für die Erhaltung der lebenden Elemente. Der - Zellkörper und das Protoplasma. Verschiedenartigkeit des - Zelleninhalts und Bedeutung desselben für die Function der Theile. - Die Zellen als vitale Einheiten (Elementarorganismen). Der Körper - als sociale Einrichtung. Die Intercellularsubstanz und die - Zellenterritorien. -- Die Cellularpathologie im Gegensatze zur - Humoral- und Solidarpathologie. -- Falsche Elementartheile: - Fasern, Kügelchen (Elementarkörnchen). Entstehung der Zellen. - Umhüllungstheorie. Generatio aequivoca der Zellen. Das Gesetz von - der continuirlichen Entwickelung (Omnis cellula e cellula). - Pflanzen- und Knorpelwachsthum. - - $Zweites Capitel.$ Die physiologischen Gewebe 27 - - Anatomische Classification der Gewebe. Die drei - allgemein-histologischen Kategorien. Die speciellen Gewebe. Die - Organe und Systeme oder Apparate. -- Die =Epithelialgewebe=. - Platten-, Cylinder- und Uebergangsepithel. Epidermis und Rete - Malpighii. Nagel und Nagelkrankheiten. Haare. Linse. Pigment. - Drüsenzellen. -- Die =Gewebe der Bindesubstanz=. Das Binde- oder - Zellgewebe. Die Theorien von =Schwann=, =Henle= und =Reichert=. - Meine Theorie. Die Bindegewebskörperchen. Die Fibrillen des - Bindegewebes als Intercellularsubstanz. Secretion derselben. Der - Knorpel (hyaliner, Faser- und Netzknorpel). Incapsulirte und freie - Knorpelkörperchen (Knochenknorpel). Schleimgewebe. Pigmentirtes - Bindegewebe. Fettgewebe. Anastomose der Elemente: saftführendes - Röhren- oder Kanalsystem. -- Die =höheren Thiergewebe=: Muskeln, - Nerven, Gefässe, Blut, Lymphdrüsen. Vorkommen dieser Gewebe in - Verbindung mit Interstitialgewebe. -- Muskeln. Quergestreifte. - Faserzellen. Herzmuskulatur. Muskelkörperchen. Fibrillen. - Disdiaklasten. Glatte Muskelfasern. Muskelatrophie. Die - contractile Substanz (Syntonin) und die Contractilität überhaupt. - Cutis anserina und Arrectores pilorum. -- Gefässe. Capillaren. - Contractile Gefässe. - - $Drittes Capitel.$ Physiologische Eintheilung der Gewebe 62 - - Ungenügende Ausbildung der anatomischen Kenntniss der Gewebe. - Verschiedenartige Lebenserscheinungen an scheinbar gleichartigen - Elementen. Praktisches Bedürfniss einer physiologischen - Gruppirung: -- 1) Nach der Function. Motorische Elemente: - muskulöse, epitheliale (Flimmerzellen, Samenfäden), bindegewebige - (Pigment). Schleimabsonderung: Schleimhäute, Schleimdrüsen, - Schleimgewebe. -- 2) Nach der Lebensdauer der Elemente. Dauer- und - Zeitgewebe. Pathologische Aenderung der natürlichen Verhältnisse - (Heterochronie). Lehre von der Allveränderlichkeit des Körpers - durch Stoffwechsel (Mauserung). Unterscheidung von Dauer- und - Verbrauchsstoffen in den Elementen. Wechselgewebe (Metaplasie). - Abfällige Gewebe: Epidermis (Desquamation), Decidua uterina. - Einfache Zeitgewebe. Oertliche Verschiedenheit der Lebensdauer - desselben Gewebes. Nothwendigkeit einer Localgeschichte der - Gewebe. -- 3) Nach der Zeit der Entstehung und des Absterbens der - Gewebe (genetische Eintheilung). Jugendliche und senescirende - Gewebe. Allgemeine und locale Chronologie der Gewebe. Embryonale - Gewebe; unfertige oder unreife: Matricular- und Uebergangsgewebe. - Chorda dorsualis. Schleimgewebe. Bildungsgewebe und Vorgewebe - (Anlagen, Keimgewebe) Bildungs- oder Primordialzellen. Allgemeine - Gültigkeit der Entwickelungsgesetze. -- 4) Nach der Verwandtschaft - und Abstammung. Continuitäts-Gesetz. Heterologe Verbindungen von - Gewebselementen. Die histologische Substitution und die - histologischen Aequivalente. Abstammung der Elemente (Descendenz). - - $Viertes Capitel.$ Die pathologischen Gewebe 84 - - Die pathologischen Gewebe (Neoplasmen) und ihre Classification. - Bedeutung der Vascularisation. Die Doctrin von den specifischen - Elementen: Krebs, Tuberkel. Die physiologischen Vorbilder - (Reproduction). Einfache (histioide) und zusammengesetzte - (organoide und teratoide) Neubildungen. Homologie und Heterologie - (Heterotopie Heterochronie, Heterometrie). Malignität. - Hypertrophie und Hyperplasie. Kriterien der Homologie. - Degeneration. Prognostische Gesichtspunkte. -- Ungewöhnliche - Analogien der pathologischen Gewebe: Krebs, Sarkom (Spindelzellen. - Riesenzellen). Abstammung der pathologischen Gewebe: Continuität - der Entwickelung, Discontinuität des Typus. Pathologische - Substitutionen und Aequivalente. Homologe und heterologe - Substitution. Bildung per primam aut secundam intentionem. - Verschiedenartige Entstehung derselben Gewebe unter verschiedenen - Bedingungen: Knochen, Bindegewebe. Organisation fibrinöser - Blasteme. Metaplasie. Verschiedenartige Abstammung derselben - Gewebsart. - - $Fünftes Capitel.$ Die Ernährung und ihre Wege 100 - - Selbsterhaltung als Grundlage der Lehre vom Leben. Ernährung und - Stoffwechsel. Ernährung im Sinne des Gesammt-Organismus: - Nahrungsstoffe. Verdauung. Circulation. Ernährung im cellularen - Sinne. Endosmose und Exosmose, todter Stoffwechsel. Intermediärer - Stoffwechsel (Transito-Verkehr). Eigentlich nutritiver - Stoffwechsel. Ernährungseinheiten und Krankheitsheerde. - -- Thätigkeit der Gefässe bei der Ernährung. Verhältniss von - Gefäss und Gewebe. Leber. Niere. Gehirn. Muskelhaut des Magens. - Knorpel. Knochen. -- Abhängigkeit der Gewebe von den Gefässen. - Metastasen. Gefässterritorien (vasculäre Einheiten). -- Die - Ernährungsleitung in den Saftkanälen der Gewebe. Knochen. Zahn. - Faserknorpel. Hornhaut. Bandscheiben. - - $Sechstes Capitel.$ Weiteres über Ernährung und Saftleitung 120 - - Sehnen, Hornhaut, Nabelstrang. -- Weiches Bindegewebe - (Zellgewebe). Elastisches Gewebe. Strukturlose Häute: Tunicae - propriae, Culicula. Elastische Membranen: Sarkolemm. -- Lederhaut - (Derma). Papillarkörper: vasculäre Bezirke. Unterhaut (subcutanes, - subseröses, submucöses Gewebe). Tunica dartos. -- Das feinere - Kanalsystem des Bindegewebes: Körperchen, Lacunen. Bedeutung der - Zellen für die Specialvertheilung der Ernährungssäfte innerhalb - der Gewebe. Vegetativer Charakter der Ernährung. Elective - Eigenschaften der Zellen. - - $Siebentes Capitel.$ Circulation und Dyscrasie 143 - - Arterien. Ihre Zusammensetzung: Epithel, Intima, Media - (Muscularis), Adventitia. Capillaren. Capillare Arterien und - Venen. Continuität der Gefässwand. Porosität derselben. - Hæmorrhagia per diapedesin. Venen. Gefässe in der Schwangerschaft. - -- Eigenschaften der Gefässwand: 1. Contractilität. Rhythmische - Bewegung. Active oder Reizungs-Hyperämie. Ischämie. Gegenreize. - Collaterale Fluxion. 2. Elasticität und Bedeutung derselben für - die Schnelligkeit und Gleichmässigkeit des Blutstromes. - Erweiterung der Gefässe. 3. Permeabilität. Diffusion. Specifische - Affinitäten. Verhältniss von Blutzufuhr und Ernährung. Die - Drüsensecretion (Leber). Specifische Thätigkeit der - Gewebselemente. -- Dyskrasie. Transitorischer Charakter und - localer Ursprung derselben. Säuferdyskrasie. Hämorrhagische - Diathese. Syphilis. - - $Achtes Capitel.$ Das Blut 167 - - Morphologische (anatomische) und chemische Veränderungen des - Blutes (Dyskrasien). -- Faserstoff. Fibrillen desselben. Vergleich - mit Schleim und Bindegewebe. Homogener gallertiger Zustand. -- - Rothe Blutkörperchen. Kern, Membran und Inhalt derselben. Gestalt - bei den verschiedenen Wirbelthieren; diagnostische - Schwierigkeiten. Zusammensetzung des Zellkörpers: Hämatin, - Hämoglobin. Stroma. Veränderungen der Farbe und der Gestalt. - Blutkrystalle (Hämatoidin, Hämin, Hämatokrystallin). -- Farblose - Blutkörperchen. Numerisches Verhältniss. Struktur. Vergleich mit - Eiterkörperchen. Klebrigkeit und Agglutination derselben. - Specifisches Gewicht. Crusta granulosa. Diagnose von Eiter- und - farblosen Blutkörperchen. Die Lehren von der Eiterresorption und - von der Lymphexsudation. Lebenseigenschaften der farblosen - Körperchen: Bewegung, Aufnahme anderer Körper, Auswanderung. - Bedeutung dieser Erfahrungen für die cellulare Doctrin. - - $Neuntes Capitel.$ Blutbildung und Lymphe 191 - - Wechsel und Ersatz der Blutbestandtheile. =Die rothen Körperchen=. - Hinfälligkeit derselben. Theilung derselben bei Embryonen. - Zerbröckelung bei ungünstigen Einwirkungen. Ersatz aus der Lymphe. - -- Das =Fibrin=. Die Lymphe und ihre Gerinnung. Nichtgerinnung des - Capillarblutes in der Leiche. Das lymphatische Exsudat. - Fibrinogene Substanz. Speckhautbildung. Lymphatisches Blut, - Hyperinose, phlogistische Krase. Locale Fibrinbildung. - Fibrintranssudation. Fibrinbildung im Blute. -- Die =farblosen - Blutkörperchen= (Lymphkörperchen). Ihre Vermehrung bei Hyperinose - und Hypinose (Erysipel, Pseudoerysipel, Typhus). Leukocytose und - Leukämie. Die lienale und lymphatische Leukämie. =Milz=- =und - Lymphdrüsen= als hämatopoëtische Organe. Structur der - Lymphdrüsen. Rinden- und Marksubstanz. Das eigentliche Parenchym - derselben: Follikel (Markstränge). Reticulum, Lymphsinus. - Parenchymzellen (Lymphdrüsenkörperchen) und ihr Verhältniss zu - Lymph- und farblosen Blutkörperchen. Diagnose und Abstammung der - letzteren. -- Bau der Milz. Siebförmige Einrichtung der - Gefässwände in der Pulpa. -- Umbildung farbloser Blutkörperchen in - farbige. Ort derselben. Das rothe Knochenmark. -- =Lymphgefässe=. - Zusammenhang mit dem Röhrensysteme des Bindegewebes. Bau der - grösseren Lymphgefässe: Contractilität und Klappen derselben. - Lymphcapillaren (Lymphgefäss-Wurzeln): einfache Epithel-Wand. - Bedeutung der Bindegewebskörperchen und der Lymphe überhaupt. - Recrementitielle und plastische Natur der Lymphe. - - $Zehntes Capitel.$ Pyämie und Leukocytose 217 - - Vergleich der farblosen Blut- und Eiterkörperchen. Die - physiologische Eiterresorption: die unvollständige (Inspissation, - käsige Umwandlung) und die vollständige (Fettmetamorphose, - milchige Umwandlung). Intravasation von Eiter. -- Eiter in - Lymphgefässen. Die Hemmung der Stoffe in den Lymphdrüsen. - Mechanische Trennung (Filtration): Tätowirungsfarben. Mögliches - Durchkriechen der Eiterkörperchen. Chemische Trennung - (Attraction): Krebs, Syphilis. Die Reizung der Lymphdrüsen und - ihre Bedeutung für die Leukocytose. Die (physiologische) digestive - und puerperale Leukocytose. Die pathologische Leukocytose - (Scrofulose. Typhus. Krebs. Erysipel). -- Die lymphoiden Apparate; - solitäre und Peyer'sche Follikel des Darms. Tonsillen und - Zungenfollikel. Thymus. Milz. -- Völlige Zurückweisung der Pyämie - als morphologisch nachweisbarer Dyskrasie. - - $Eilftes Capitel.$ Infection und Metastase 234 - - Pyämie und Phlebitis. Capillar-Phlebitis und Stase. Thrombosis: - parietale und obstruirende; adhäsive und suppurative. Puriforme - Erweichung der Thromben: Detritus des Fibrins. Auflösung der - rothen Körperchen. Die wahre und falsche Phlebitis. Eitercysten - des Herzens. -- Embolie. Bedeutung der fortgesetzten Thromben. - Lungenmetastasen. Zertrümmerung der Emboli. Verschiedener - Charakter der Metastasen. Endocarditis und capilläre Embolie. - Latente Pyämie. -- Inficirende Flüssigkeiten. Infectiöse - Erkrankung der lymphatischen Apparate und der Milz, der - Secretionsorgane und der Muskeln. Chemische Substanzen im Blute: - Silbersalze, Arthritis, Kalkmetastasen. Ichorrhämie. Fremde - Körperchen in der Blutmischung: Zellen, Hämatozoen, Pilze. - Körner. Pyämie als Sammelname. - - $Zwölftes Capitel.$ Theorie der Dyscrasien 256 - - Abhängigkeit der Dyscrasien und ihrer Dauer von der Zufuhr der - Stoffe. Bösartige Geschwülste: Krebs-Dyscrasie. Locale und - allgemeine Contagion durch infectiöse Parenchym-Säfte. Bedeutung - der Zellen für die Dissemination und Metastase. Natur der - virulenten Substanzen. Regressive Stoffe als Mittel der Infection: - Rotz, Syphilis, Tuberkel. Impfungen. Wanderung infectiöser - Elemente, Homologe und heterologe Infection. -- Melanämie. - Beziehung zu melanotischen Geschwülsten und Intermittens. - Abhängigkeit von Milzfärbung. -- Die rothen Blutkörperchen. - Entstehung. Die melanösen Formen. Chlorose. Lähmung der - respiratorischen Substanz: Kohlenoxyd. Blutgifte. Toxicämie. -- - Verschiedene Entstehung der Dyscrasien. - - $Dreizehntes Capitel.$ Das peripherische Nervensystem 271 - - Der Nervenapparat. Seine prätendirte Einheit. -- Die Nervenfasern. - Peripherische Nerven. Fascikel, Primitivfaser. Perineurium und - Neurilem. Schwann'sche Scheide. Axencylinder (electrische - Substanz). Markstoff (Myelin), Protagon, Phosphor der - Nervensubstanz. Marklose und markhaltige Fasern. Uebergang der - einen in die anderen: Hypertrophie des Opticus. Verschiedene - Breite der Fasern. -- Die peripherischen Nervenendigungen. - Vater'sche (Pacini'sche) und Tastkörper. Marklose Fasern der Haut - mit Endigung im Rete. Unterscheidung von Gefäss-, Nerven- und - Zellenterritorien in der Haut. Endkolben der Schleimhautnerven. - Höhere Sinnesorgane: Riech-, Geschmacks- und Hörzellen. Retina: - nervöse und bindegewebige Theile. Arbeitsnerven: - Muskel-Endplatten, Verbindung der Nerven mit Drüsen- und anderen - Zellen. -- Die Theilung der Nervenfasern. Das electrische Organ - der Fische. Die Muskelnerven. Weitere Betrachtung über - Nerventerritorien. -- Nervenplexus mit ganglioformen Knoten. - Darmschleimhaut. Gefässe. Plexus myentericus. -- Irrthümer der - Neuropathologen. - - $Vierzehntes Capitel.$ Rückenmark und Gehirn 300 - - Die nervösen Centralorgane. Graue Substanz. Pigmentirte - Ganglienzellen. Fortsätze der Ganglienzellen: apolare, unipolare - und bipolare Zellen. Verschiedene Bedeutung der Fortsätze: - Nerven- oder Axencylinderfortsätze. Ganglien- und Reiserfortsätze. - Rückenmark: motorische und sensitive Ganglienzellen. Multipolare - (polyklone) Formen. Kernkörperchenfäden =und= Kernröhren. Innere - Verschiedenheit der Ganglienzellen. Schwierigkeit der - Untersuchung. Die Nerven des elektrischen Organs der Fische. - Das Gross- und Kleinhirn des Menschen. -- Das Rückenmark. Weisse - und graue Substanz. Centralkanal. Gangliöse Gruppen. Weisse - Stränge und Commissuren. Medulla oblongata. Rinde des Kleinhirns: - Körner- und Stäbchenschicht. Psychische Ganglienzellen des - Gehirns. Das Rückenmark des Petromyzon und die marklosen Fasern - desselben. -- Die Zwischensubstanz (interstitielles Gewebe). - Ependyma ventriculorum. Neuroglia. Corpora amylacea. Graue und - gelatinöse Atrophie des Rückenmarks. Sandkörper (corpora arenacea) - der Häute des Gehirns und Rückenmarks. - - $Fünfzehntes Capitel.$ Leben der Elemente. Thätigkeit und 328 - Reizbarkeit - - Das Leben der einzelnen Theile. Die Einheit der Neuristen. - Einwände dagegen. Mythologische Natur der neuristischen Lehren. - Animismus: Archaeus, Zellenseele. Das Bewusstsein. Die Thätigkeit - der einzelnen Theile. Begriff der Reizung: Passion und Action. - Die Erregbarkeit (Reizbarkeit) als allgemeines Kriterium des - Lebens. Partieller Tod: Nekrobiose und Nekrose. Nichterregbarkeit - der Intercellularsubstanz. -- Verrichtung, Ernährung und Bildung - als allgemeine Formen der Lebensthätigkeit. Verschiedenheit der - Reizbarkeit je nach diesen Formen. -- Functionelle Reizbarkeit. - Nerv, Muskel, Flimmerepithel, Drüsen. Ermüdung und functionelle - Restitution. Reizmittel. Specifische Beziehung derselben. - Muskelirritabilität. Geringer praktischer Werth derselben. -- - Nervenirritabilität. Grosse Bedeutung derselben. Falsche Deutung - derselben als Empfindlichkeit oder als Contractilität. - Innervation. Bewusste und unbewusste Empfindungen. Nervenkraft - (Nervenseele, Neurilität). Specifische Unterschiede der - constituirenden Theile des Nervensystems. Die Leitung der - Electricität als Zubehör der Nervenfasern, die Sammlung (Hemmung, - Verstärkung) und Lenkung als Zubehör der Ganglienzellen. - Moderations-Einrichtungen. Instinctives und intellectuelles - Leben. Bewusstsein. Nothwendigkeit einer histologischen - Localisation der nervösen Functionen. Erregung der - Ganglienzellen: verschiedene Energie und verschiedene Combination - (Synergie) derselben. Spannung und Entladung von Ganglienzellen. - Psychologische Auffassung der Affecte und Triebe. Die - pathologische Nervenfunction: quantitative Abweichung (Krampf, - Lähmung) und combinatorische Abweichung (Epilepsie). - -- Drüsen-Irritabilität. Verschiedene Gruppen von Drüsen je nach - dem Typus der Secretion. Die Drüsen mit persistenten Zellen: - Leber, Nieren. Glykogenie. -- Automatische Elemente. - Geschichtliches. Sarkode, Protoplasma. Amöboide Erscheinungen. - Bewegliche Zellen. Verwechselungen des Automatismus mit den - Wirkungen physikalischer Osmose (Schrumpfung und Schwellung). - Aeussere Gestaltveränderungen mit Aussenden und Einziehen von - Fortsätzen (Polymorphismus); innere Molecularbewegung, - Vacuolenbildung. Abschnürung von Theilen des Zellkörpers. - Befestigte (fixe) und bewegliche (mobile) Zellen. Wanderung und - Mobilisirung der Zellen. Voracität: Blutkörperchenhaltige Zellen. - Mechanisches Eindringen von fremden Körpern in Zellen. Der - Automatismus als Merkmal der Irritabilität -- Die pathologischen - Abweichungen der Function: Mangel (Defect), Schwächung und - Steigerung. Absolute Zurückweisung der Annahme qualitativer - Heterologie. - - $Sechzehntes Capitel.$ Nutritive und formative Reizung. Neubildung - und Entzündung 364 - - Nutritive Reizbarkeit. Genauere Definition der Ernährung. - Hypertrophie und Hyperplasie. Atrophie, Aplasie und Nekrobiose - als Formen des Schwundes (Phthisis): regressive Prozesse. Wesen - der Ernährung: Aufnahme und Aneignung der Stoffe durch eigene - Thätigkeit. Crudität und Assimilation. Fixirung der Stoffe: - Gegensatz zu todten und schlecht ernährten Theilen: Resorption - und Kachexie. Gute Ernährung. Strictum et laxum, Tonus und - Atonie, Kraft und Schwäche. Turgor vitalis. Nutritive Reize: - trophische Nerven. Krankhafte Hypertrophie: parenchymatöse - Entzündung; trübe Schwellung. Niere, Knorpel, Haut. Hornhaut. Die - neuropathologische und die humoralpathologische Doctrin. - Parenchymatöse Schwellung. Nutritive Restitution und Nekrobiose. - Stadien der parenchymatösen Entzündung. Active Natur dieses - Prozesses. -- Formative Reizbarkeit. Theilung der Kernkörperchen - und Kerne (Nucleation): vielkernige Elemente, Riesenzellen - (Knochenmark, Myeloidgeschwulst, lymphatische Neubildungen). - Formative Muskelreizung im Vergleich zum Muskelwachsthum. - Neubildung der Zellen durch Theilung (fissipare Cellulation): - Knorpel, epitheliale und bindegewebige Neubildung. Wucherung - (Proliferation). Auswanderung der farblosen Blutkörperchen und - aus ihnen hervorgehende Organisation. Die plastischen - (histogenetischen) Stoffe; der Bildungstrieb. Negation der - extracellulären Neubildung und der Bildungsstoffe. Die - Neubildung als Thätigkeit der Zellen. Formative Reize. Die - humoralpathologische und neuropathologische Doctrin. - -- Entzündliche Reizung, Entzündung. Neuroparalytische - Entzündung (Vagus, Trigeminus); Lepra anaesthetica. - Prädisposition und neurotische Atrophie. Die Entzündung als - Collectivvorgang. - - $Siebzehntes Capitel.$ Passive Vorgänge. Fettige Degeneration 400 - - Die passiven Vorgänge in ihren beiden Hauptrichtungen zur - Degeneration: Nekrobiose (Erweichung und Zerfall) und Induration. - -- Die fettige Degeneration. Histologische Geschichte des Fettes - im Thierkörper: das Fett als Gewebsbestandtheil, als - transitorische Infiltration und als nekrobiotischer Stoff. - -- Das Fettgewebe. Poly-arcie. Fettgeschwülste. Die - interstitielle Fettbildung. Fettige Degeneration der Muskeln. - -- Die Fettinfiltration und Fettretention. Darm: Structur und - Function der Zotten. Resorption und Retention des Chylus. Leber: - intermediärer Stoffwechsel durch die Gallengänge. Fettleber. - -- Die Fettmetamorphose. Drüsen: Secretion des Hautschmeers und - der Milch (Colostrum). Körnchenzellen und Körnchenkugeln. - Entzündungskugeln. Fettmetamorphose des Lungenepithels. Gelbe - Hirnerweichung. Corpus luteum des Eierstocks. Arcus senilis der - Hornhaut. Morbus Brightii. Optisches Verhalten der fettig - metamorphosirten Gewebe. -- Muskeln: Fettmetamorphose des - Herzfleisches. Fettbildung in den Muskeln bei Verkrümmungen. - -- Arterie: fettige Usur und Atherom. Fettiger Detritus. - - $Achtzehntes Capitel.$ Amyloide Degeneration. Verkalkung 432 - - Die amyloide (speckige oder wächserne) Degeneration. Regionäres - Auftreten derselben. Verschiedene Natur der Amyloidsubstanzen: - Glykogen (Leber), Corpora amylacea (Hirn, Lungen, Prostata) und - eigentliche Amyloid-Entartung. Verlauf der letzteren. Beginn der - Erkrankung an den feinen Arterien. Wachsleber. Knorpel. - Dyscrasischer (constitutioneller) Charakter der Krankheit: - functionelle Störungen. Darm. Niere: die drei Formen der - Bright'schen Krankheit (amyloide Degeneration, parenchymatöse - und interstitielle Nephritis). Lymphdrüsen: consecutive Anämie. - Gang der Erkrankung. Beziehung zu Knochenkrankheiten und - Syphilis. Amyloide Erkrankung der Schilddrüse und der - Nebennieren. -- Verkalkung (Versteinerung, Petrification). - Unterschied von Verknöcherung, Verkalkung der Arterien, des - Bindegewebes, der Knorpel. Haut- oder Knochenknorpel (osteoides - Bindegewebe). Concentrisch geschichtete Kalkkörper - (Concretionen). Versteinerung: Lithopädion. Verkalkung todter - Theile: Eingeweidewürmer, Ganglienzellen des Gehirns bei - Commotion, käsige und thrombotische Massen. - - $Neunzehntes Capitel.$ Gemischte, activ-passive Prozesse. - Entzündung 458 - - Fettmetamorphose als Entzündungs-Ausgang. Unterschied zwischen - primärer (einfacher) und secundärer (entzündlicher) - Fettmetamorphose. Nieren, Muskeln. -- Atheromatöser Prozess der - Arterien. Atheromatie und Ossification als Folgen der - Arteriosklerose. Entzündlicher Charakter der letzteren: - Endoarteriitis chronica deformans s. nodosa. Bildung der - Atheromheerde. Cholestearin-Abscheidung. Ossification. - Ulceration. Analogie mit der Endocarditis. -- Die Entzündung. - Die vier Cardinalsymptome und deren Vorherrschen in den - einzelnen Schulen. Die thermische und vasculäre Theorie, die - neuropathologische, die Exsudatlehre. Entzündungsreiz. Functio - laesa. Die Entzündung in gefässlosen und in gefässhaltigen - Theilen. Das Exsudat als Folge der Gewebsthätigkeit: Schleim - und Fibrin. Die Entzündung als zusammengesetzter Reizungsvorgang. - Parenchymatöse und exsudative (secretorische) Form. - Klinische und anatomische Bedeutung der Entzündung. Irrthum von - der einheitlichen Natur der Entzündungs-Vorgänge. Multiplicität - der entzündlichen Prozesse. - - $Zwanzigstes Capitel.$ Die normale und pathologische Neubildung. - Geschichte des Knochens 482 - - Die Theorie der continuirlichen Entwickelung im Gegensatze zu der - Blastem- und Exsudattheorie. Das Bindegewebe, seine Aequivalente - und seine Adnexen als gemeinster Keimstock der Neubildungen. Die - Uebereinstimmung der embryonalen und pathologischen Neubildung. - Die Bedeutung der farblosen Blutkörperchen. Die Zellentheilung - als gewöhnlicher Anfang der Neubildungen. -- Endogene Bildung. - Physaliden. Bruträume. Furchung. -- Wachsthumähnliche und - zeugungähnliche Neubildungen. Pflanzliche Analogie. - -- Verschiedene Richtung der Neubildung. Hyperplasie, directe - und indirecte. Heteroplasie. Die pathologischen Bildungszellen; - Granulation. Verschiedene Grösse und Bildungsdauer derselben. - -- Darstellung der Knochenentwickelung als einer Musterbildung. - Unterschied von Formation, Transformation und Wachsthum. Das - appositionelle und das interstitielle Wachsthum. Die - Blastemtheorie. Der frische und wachsende Knochen im Gegensatze - zu dem macerirten. Natur des Markes. -- Längenwachsthum - der Röhrenknochen: Knorpelwucherung. Markbildung als - Gewebstransformation: rothes, gelbes und gallertiges, normales, - entzündliches und atrophisches Mark. Tela ossea, verkalkter - Knorpel, osteoides Gewebe. Rachitis. Ossification des Markes. - -- Dickenwachsthum der Röhrenknochen. Struktur und Wucherung des - Periostes. Weiches Osteom der Kiefer. Callusbildung nach - Fractur. Knochenterritorien: Caries, degenerative Ostitis. - Knochengranulation. Knocheneiterung. Maturation des Eiters. - -- Die Granulation als Analogon des Knochenmarkes und als - Ausgangspunkt heteroplastischer Entwickelung. - - $Einundzwanzigstes Capitel.$ Die pathologische, besonders die - heterologe Neubildung 526 - - Theorie der substitutiven Neubildung im Gegensatze zu der - exsudativen. Zerstörende Natur der Neubildungen. Homologie und - Heterologie (Malignität). Ulceration. Osteomalacie. Knochenmark - und Eiter. Proliferation und Luxuriation. -- Die Eiterung. - Verschiedene Formen derselben: oberflächliche aus Epithel und - tiefe aus Bindegewebe, Auswanderung der farblosen Blutkörperchen. - Erodirende Eiterung (Haut, Schleimhaut): Eiter- und - Schleimkörperchen im Verhältniss zum Epithel. Ulcerirende - Eiterung. Lösende Eigenschaften des Eiters. -- Zusammenhang der - Destruction mit pathologischem Wachsthum und Wucherung. - Uebereinstimmung des Anfanges bei Eiter, Krebs, Sarkom u. s. w. - Mögliche Lebensdauer der pathologisch neugebildeten Elemente - und der pathologischen Neubildungen als ganzer Theile - (Geschwülste). -- Zusammengesetzte Natur der grösseren - Geschwulstknoten und miliarer Charakter der eigentlichen Heerde. - Bedingungen des Wachsthums und der Recidive: Contagiosität der - Neubildungen, Bedeutung der Elementar-Anastomosen und der - Wanderzellen. Die Cellularpathologie im Gegensatze zur Humoral- - und Neuropathologie. Allgemeine Infection des Körpers. - Parasitismus und Autonomie der Neubildungen. - - $Zweiundzwanzigstes Capitel.$ Form und Wesen der pathologischen - Neubildungen 547 - - Terminologie und Classification der pathologischen Neubildungen. - Die Consistenz als Eintheilungsprincip. Vergleich mit einzelnen - Körpertheilen. Histologische Eintheilung. Die scheinbare - Hetorologie des Tuberkels, Colloids u. s. f. -- Verschiedenheit - von Form und Wesen: Colloid, Epitheliom, Papillargeschwulst, - Tuberkel. -- Die Papillargeschwülste: einfache (Condylome, - Papillome) und specifische (Zottenkrebs, Blumenkohlgeschwulst). - -- Der Tuberkel: Infiltration und Granulation. - Tuberkelkörperchen. Der entzündliche Ursprung der Tuberkel. - Käsige Pneumonie und Osteomyelitis. Die Granulie. Entstehung der - Tuberkel aus Bindegewebe. Das miliare Korn und der solitäre - Knoten. Die käsige Metamorphose. -- Das Colloid: Myxom. - Collonema. Schleim- oder Gallertkrebs. -- Die physiologischen - Typen der heterologen Neubildungen: lymphoide Natur des - Tuberkels, hämatoide des Eiters, epithelioide des Krebses, des - Cancroids, der Perlgeschwulst und des Dermoids, bindegewebige - des Sarkoms. Heterotopie der Bildung. Der Streit über die - Entstehung des Cancroids und Carcinoms. Infectionsfähigkeit, - nach dem Saftgehalt der specifischen Beschaffenheit und der - Wanderfähigkeit der Elemente. Erregung der Tuberculose durch - regressive Stoffe. -- Vergleich der pathologischen Neubildung - bei Thieren und Pflanzen. Schluss. - - * * * * * - - Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin. - - * * * * * - - - - -Anmerkungen zur Transkription: - -Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Schreibweise -und Formatierung wurden prinzipiell beibehalten. - -Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=), kursiver Text mit -Unterstrichen (_Text_) und fett gedruckter Text mit Dollarzeichen -($Text$) markiert. - -Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem -Originaltext vorgenommenen Korrekturen. - - S. VII: beeinträchtigt? warum -> Warum - S. XIV: 46 -> 46. - S. XV: 86 -> 86. - S. XVI: 113. -> 113, I. - S. XVII: 125 -> 125. - S. 1: Bestimmung der Zelle -> Zelle. - S. 5: Fig. 1. a. -> Fig. 1, _a_. - S. 11: Fig. 5. _d'_ -> Fig. 5, _d_' - S. 19: äussere Zwissenmasse -> Zwischenmasse - S. 19: was wer weis -> weiss - S. 22: characteristischen Ausdruk -> Ausdruck - S. 30: regelmässig polygnonale -> polygonale - S. 36: an der =Krystalllinse= -> =Krystallinse= - S. 40: daraus eigenthümthümliche -> eigenthümliche - S. 46: =Faserknorpel= genannt -> genannt. - S. 56: Verhätnissmässig -> Verhältnissmässig - S. 59: Arterien). _a_, a -> _a_, _a_ - S. 94: Fig. 4 _b_, 21. -> Fig. 4, _b_; 21. - S. 98: entsteht Bindegewebe -> Knochengewebe - S. 104: Fig. 29. -> Fig. 29 - S. 109: Fig. 37. -> Fig. 37 - S. 112: dass die compakte -> compacte - S. 112: Fig. 38 _v_, _v_', -> Fig. 38, _v_, _v_'; - S. 112: 39 _a_, _v_ -> 39, _a_, _v_ - S. 146: Fig. 4 _c_ -> Fig. 4, _c_ - S. 148: Fig. 54 _v_ -> Fig. 54, _v_ - S. 150: Mein Archiv. XXVII. -> Mein Archiv XXVII. - S. 154: so treffen wie -> wir - S. 155: einmal die Wandbebestandtheile -> Wandbestandtheile - S. 156: Einfluss nicht läugnen -> leugnen - S. 177: Klümpchen in Aggegrate -> Aggregate - S. 182: Fig. 61, d. -> Fig. 61, _d_ - S. 183: oder Unähnlickeit -> Unähnlichkeit - S. 184: 67. _A_ -> 67. _A_. - S. 187: =Fig=. 67 -> 69 - S. 192: er in senien -> seinen - S. 192: lässt sich die Möglickeit -> Möglichkeit - S. 198: und des Easerstoffes -> Faserstoffes - S. 201: Archiv. 1847. I. 563. -> Archiv 1847. I. 563. - S. 202: Archiv. 1853. IV. 43 ff. -> Archiv 1853. IV. 43 ff. - S. 204: Archiv. 1847. I. 567. -> Archiv 1847. I. 567. - S. 206: Mein Archiv. 1853. Bd. V. -> Mein Archiv 1853. Bd. V. - S. 209: bei den Lympdrüsen -> Lymphdrüsen - S. 211: (Fig. 71, _B_, _c_) -> (Fig. 71, _B_, _c_). - S. 218: Archiv. I. 242. -> Archiv I. 242. - S. 222: Archiv. I. 182. -> Archiv I. 182. - S. 227: Fig. 67. -> Fig. 67 - S. 227: Fig. 69. -> Fig. 69 - S. 239: (Fig. 79, B) -> (Fig. 79, _B_) - S. 239: hineingelangen -> hineingelangen. - S. 240: Fig. 63. _a_, 79. _C_ -> Fig. 63, _a_; 79, _C_ - S. 240: Archiv. I. 245, -> Archiv I. 245, - S. 247: Fig. 82. _c_ -> Fig. 82, _c_ - S. 258: Archiv. I. 112. -> Archiv I. 112. - S. 261: Inaug. Diss, Berlin 1869. -> Inaug. Diss. Berlin 1869. - S. 263: Archiv. 1853. V. 85. -> Archiv 1853. V. 85. - S. 264: =Fig= 85. -> =Fig=. 85. - S. 264: Melanämie -> Melanämie. - S. 266: Fig. 61 _h_ -> Fig. 61, _h_ - S. 273: grössere Scheide _v_ -> _l_' - S. 275: Fig. 87 _A_ -> Fig. 87, _A_ - S. 278: Archiv. 1845. VI. 562. -> Archiv 1845. VI. 562. - S. 280: oder contrifugale -> centrifugale - S. 285: Fig. 92. -> Fig. 92 - S. 297: liegen. _c_, _v_ -> _v_, _v_ - S. 302: Fig. 97, _a_, _b_. -> Fig. 97, _a_, _b_ - S. 308: Fig. 99. -> Fig. 99 - S. 323: sich noch enie -> eine - S. 353: bloss der Bewewegung -> Bewegung - S. 354: Fig. 61 _e_-_h_ -> Fig. 61, _e_-_h_ - S. 358: mit groser -> grosser - S. 367: Berlin 1868. -> Berlin 1868.) - S. 368: Fig. 79 _C_ -> Fig. 79, _C_ - S. 398: der andere degegen -> dagegen - S. 419: =Fig=. 117. -> =Fig=. 119. - S. 420: die meisten Fettropfen -> Fetttropfen - S. 427: der Stelle, we -> wo - S. 428: Veränderung eingehen -> eingehen. - S. 435: Fig. 103 _c a_ -> Fig. 103, _c a_ - S. 454: des Skelets -> Skeletts - S. 456: Verkalkung gewönlich -> gewöhnlich - S. 460: Stadium der Brightischen -> Bright'schen - S. 461: der Lösung socher -> solcher - S. 470: so, dass dei -> bei - S. 471: Theile aufteten -> auftreten - S. 484: wiederholt eingangen -> eingegangen - S. 487: permanente Bruststätte -> Brutstätte - S. 490: Achiv VIII. -> Archiv VIII. - S. 493: Archiv VIII -> Archiv VIII. - S. 495: Blastem und Exudat -> Exsudat - S. 497: Veranlassung, wesshalb -> weshalb - S. 501: stellt die Kalbablagerung -> Kalkablagerung - S. 502: in dem Maase -> Maasse - S. 503: Blastem oder Exudat -> Exsudat - S. 508: welche die rachtischen -> rachitischen - S. 508: Fig. 137 _m_ -> Fig. 137, _m_ - S. 519: =Fig= 142. -> =Fig=. 142. - S. 522: an der compakten -> compacten - S. 523: in der compakten -> compacten - S. 530: =Pig=. 144. -> =Fig=. 144. - S. 536: =Fig= 145. -> =Fig=. 145. - S. 543: wachsen anfängt.. -> anfängt. - S. 545: tuberkulösen und sebst -> selbst - S. 555: sind, wslche -> welche - S. 558: Spec. Pathol. u -> u. - S. 569: gezeigt, dass -> dass das - S. 577: Haemorrhagia -> Hæmorrhagia - S. 580: und Induration -> Induration. - - - - - -End of Project Gutenberg's Die Cellularpathologie, by Rudolf Virchow - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE CELLULARPATHOLOGIE *** - -***** This file should be named 44921-8.txt or 44921-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/4/9/2/44921/ - -Produced by Constanze Hofmann, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (BioLib -(www.biolib.de)) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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