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-The Project Gutenberg eBook, J. C. Lavater's Sittenbüchlein für das
-Gesinde, by Johann Caspar Lavater
-
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
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-Title: J. C. Lavater's Sittenbüchlein für das Gesinde
-
-
-Author: Johann Caspar Lavater
-
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-Release Date: October 25, 2013 [eBook #44036]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-
-***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK J. C. LAVATER'S SITTENBüCHLEIN FüR
-DAS GESINDE***
-
-
-E-text prepared by Katrin and the Online Distributed Proofreading Team
-(http://www.pgdp.net) from page images generously made available by the
-Google Books Library Project (http://books.google.com)
-
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-
-Note: Images of the original pages are available through
- the Google Books Library Project. See
- http://www.google.com/books?id=yyM_AAAAcAAJ
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-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
- Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original in
- Schwabacher (fett) gedruckter Text wurde _so_ markiert. Im
- Original gesperrt gedruckter Text wurde =so= markiert.
- Römische Zahlen sind im Original in Antiqua gedruckt; dies
- wurde nicht gesondert markiert.
-
- Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
- übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
- korrigiert. Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet
- sich am Ende des Textes.
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-
-J. C. Lavaters
-
-Sittenbüchlein
-für
-das Gesinde.
-
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-
-Homburg vor der Höhe,
-bey G. C. Göllner,
-=1773=.
-
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-
- Sollten Menschen, meine Brüder,
- Mir, wie Gott, nicht theuer seyn?
- Sollt ich sie nicht gern erfreun?
- Wir sind alle Christi Glieder;
- Christi, der für alle starb,
- Allen Gottes Huld erwarb!
-
-
-
-
-[Dekoration]
-
-An die Herrschaften.
-
-
-[Dekoration]
-
-Ich hoffe, christliche Herrschaften, daß ihr für dieses Büchlein Gott,
-dem Urheber alles Guten, von Herzen danken, und viel Nutzen und Segen
-daher für eure Dienstboten und für euch erfahren werdet. Ich bitte
-euch also, machet ihnen ein Geschenk damit; aber, wenn ihr es ihnen
-übergebet, so thut es mit christlicher Sanftmuth und Freundlichkeit,
-ohne kränkende Vorwürfe, wenn ihr sie etwa noch nicht so findet, wie
-dieß Büchelchen sie haben will. Damit würdet ihr nur machen, daß sie
-es überall nicht, oder nicht mit Nutzen und Erbauung lesen. --
-
-Aber, noch angelegentlicher, dringender und herzlicher bitt ich euch,
-um eurer selbst, eurer Gewissensruhe, und um eurer himmlischen
-Seeligkeit willen: _Seyd auch ihr nicht ungerecht und unbrüderlich
-gegen eure Dienstboten! Unterlasset das Dräuen, und vergesset es
-nicht, daß auch ihr einen Herrn im Himmel habt, vor dem kein Ansehen
-der Person gilt, und der jeglichem nach seinem Thun vergelten wird._
-
-Seyd freundlich, sanft und treu gegen sie! Verachtet sie nicht, damit
-der Herr des Himmels und der Erde euch auch nicht verachte! Seyd
-billig gegen sie! Ladet ihnen nicht zuviel auf! Habet Geduld mit ihren
-Schwachheiten, und beweiset Langmuth mit ihren Fehlern, damit Gott
-sich auch gegen euch langmüthig beweise. Verläumdet sie nicht; klaget
-nicht bey fremden über sie. Rücket ihnen alte Fehler nicht vor. --
-Seyd auch zufrieden mit ihnen, wenn sie ihre Sache recht machen. --
-Seyd ihnen ein Beyspiel des Glaubens, der Liebe, der Geduld, der
-Gottseeligkeit -- und beweiset ihnen in gesunden und kranken Tagen,
-daß Christi Geist und Sinn in euren Herzen wohnet, und daß ihr euch
-über sie als Miterben der Herrlichkeit Christi freuet.
-
- Zürich, den 17 Nov.
- =1772=.
-
- =J. C. Lavater.=
-
-
-
-
-Mein lieber Dienstbote, Hausknecht oder Hausmagd, laß dir von einem
-christlichen Bruder ein Wort der Ermahnung und des Raths in die Hände
-geben; ein Wort, das der Geist der Wahrheit und der Liebe an dir, und
-durch dich vielleicht auch andern segnen wird.
-
-Wenn du weise bist, so wirst du auch ein Verlangen haben, dem zu
-gefallen, der dich erschaffen hat, und der ein Herr ist des Himmels
-und der Erde.
-
-Du wirst mit Freude und Dank daran gedenken, daß du so gut, als alle
-Herren und Frauen, als alle Könige und Königinnen zu Gottes
-Haushaltung und zu den Geschwistern Jesu Christi gehörest, und durch
-Jesum Christum zur ewigen Freyheit, Miterbschaft seines himmlischen
-Reiches, und zur Herrschaft über Alles berufen bist.
-
-Du wirst also gern deine wenige Lebenstage auf Erden so zubringen
-wollen, daß du der großen Herrlichkeit sicher und gewiß seyn könnest,
-welche Gott allen seinen Kindern, sie mögen hienieden Knechte oder
-Herren heissen, durch Jesum Christum bereitet hat, und schenken will.
-
-Hierzu möchte ich dir, mein bekannter und unbekannter Bruder, oder
-meine Schwester, nach dem Maaße der Gabe und Liebe, die Gott durch
-Jesum mir mitgetheilet hat, einigermaßen durch diese kleine Schrift
-behülflich seyn.
-
-Ich kan mir vorstellen, daß du nicht viele Zeit habest zu lesen, und
-dennoch gern auch einen besondern Unterricht hättest; -- Hier giebt
-dir Gottes Fürsehung, die auf dich eben sowol, als auf die Fürsten und
-Könige der Erde, ihr väterliches Augenmerk richtet, einen kurzen,
-einfältigen Unterricht in die Hand.
-
-So viel Zeit wird dir wol übrig bleiben, dieß kleine Büchelchen alle
-Monate wenigstens Einmal durchzulesen, und dein Herz, deine Gesinnung
-und deine Aufführung darnach zu prüfen, das ist, dich vor Gott und
-deinem Gewissen zu fragen, ob du dich so betragest, so gesinnet
-seyst, wie dein guter und weiser Herr im Himmel aus den besten
-Absichten verlangt, daß du gesinnet seyn und dich betragen sollest. --
-
-Vor allen Dingen, mein lieber Dienstbote, freue dich, daß du ein
-Geschöpf der unsichtbaren alles belebenden ewigen Liebe bist! Daß du
-zur Offenbarung der herrlichen Vollkommenheiten Gottes erschaffen
-bist; bestimmt bist, Gottes unerschöpfliche Güte immer mit mehr
-Freyheit und Freude zu genießen, deinem Schöpfer, und seinem
-sichtbaren und herrlichen Sohn und Ebenbilde Jesu Christo ähnlich zu
-werden. Gottes Weisheit soll deinen Verstand erleuchten; Gottes Güte
-dein Herz erwärmen, und zu allem Guten antreiben; Gottes Kraft deinen
-Körper und deine Glieder zum Dienste deiner Seele beleben.
-
-Freuen sollst du dich, und frohlocken in deinem Geiste, daß du durch
-Jesum Christum zur Aehnlichkeit und ewigen Gemeinschaft mit Gott
-berufen bist! Dich freuen und frohlocken, daß Gott durch Jesum
-Christum dich von jedem Uebel, von allen Hindernissen deiner Freyheit
-und Seeligkeit erlösen, durch ihn zu einem guten, unsterblichen,
-unaufhörlich seeligen Menschen machen will -- das sollte dir recht
-wichtig seyn; das dich mehr freuen, als jede Freude, jedes
-vergängliche Glück dieser Welt, das dir jeden Augenblick entrissen
-werden kan, und nach wenigen, wenigen Jahren gewiß entrissen werden
-wird. --
-
-Freue dich der Güte und Macht, die dich bis auf diese Stunde ernährt,
-erhalten, behütet, und auf mancherley Weise gesegnet hat! --
-
-Solltest du es für ein geringes achten, daß du in der Christenheit
-geboren und zur Erkenntniß des allerbesten Gottes und Vaters Jesu
-Christi erzogen worden bist? daß du ein Christ bist, und einer
-christlichen Herrschaft dienen kannst?
-
-Gottes Alles leitende Fürsehung, das ist, Gott selbst, der weiseste
-und gütigste Vater wollte, daß du ein Dienstbote seyst, und deine
-Kräfte zum Dienst und zur Hülfe anderer Menschen anwendest. Freue dich
-auch dieser Leitung, und dieses Willens Gottes. Alles, was Gott will,
-ist gut. Er will nicht nur das Gute, sondern das Beste. Es ist besser,
-daß du Knecht oder Magd, oder Kinderwärterin, oder sonst eine Art
-Dienstbote seyst, als etwas anders. Traue es der guten Fürsehung
-Gottes einfältig zu; der Fürsehung, ohne deren Willen nicht einmal ein
-Sperling auf die Erde fallen kan; -- Gottes Wille ist es, daß du
-andern, die nach ihren äusserlichen Umständen höher sind, als du,
-dienest -- _Wie Gott nun einen jeden berufen hat, also wandle er_ --
-Auf äusserliche Umstände und Vorzüge kommt es gar nicht an -- _Nur auf
-die Erfüllung der Gebote Gottes; in welchem Beruf ein jeder berufen
-worden, in demselben bleibe er. -- Bist du ein Knecht zu seyn berufen,
-so laß dir das keine Sorge machen -- denn, wer ein Knecht zu seyn
-berufen ist, in dem Herrn_, das ist, im Glauben an des Herrn Weisheit
-und allwaltende Güte, _der ist ein Gefreyter des Herrn. -- Ihr Brüder
-und Schwestern, jeglicher verbleibe vor Gott in dem, wozu er berufen
-ist._ 1. Cor. VII.
-
-Denke nicht, daß du in diesem Stande nicht fromm seyn, bey dieser
-Lebensart Gott nicht dienen, und seinen Willen nicht vollbringen
-könnest. Nein! Man kan in jedem Stande, bey jeder Lebensart demjenigen
-dienen, und dessen Absichten befördern und erfüllen, der uns in diesen
-Stand gesetzt, und uns in diese Lebensart hineingeführt hat. Seiner
-Herrschaft treu dienen, heißt Gottes weiser und guter Fürsehung, heißt
-Gott selber dienen und folgen. Nicht allein Beten ist Gottesdienst;
-sich nach dem Willen der Fürsehung, sich nach denen Umständen richten,
-in welche uns diese Fürsehung gesetzet hat, auch das ist Gottesdienst.
-Nicht diese oder jene besondre Uebung der Andacht, des Lesens, des
-Nachdenkens, nicht das Kirchengehn und Abendmahl halten, machen das
-Wesen der Religion aus; sondern das ist ein vernünftiger, ein weiser,
-Gott angenehmer Gottesdienst, wenn man seinen Leib, alle seine
-Glieder, alle Kräfte seines Geistes und Körpers Gott und seiner
-Fürsehung zum Opfer bringt, und so gebraucht, wie Gottes Wort, unser
-Gewissen und die Umstände, in denen wir uns befinden, es erheischen;
--- seinem eignen Willen, seinem Vortheil, seiner Ehre entsagen, um
-dem bessern Willen Gottes zu folgen, der uns immer zu einem größern
-Glücke führt, als dasjenige ist, welches wir mit unserm eignen Willen
-suchen.
-
-Diene also deinem Gott! Lebe zur Ehre deines Herrn, und sey eine
-Zierde der Religion dadurch, daß du in deinem Berufe treu, gehorsam,
-willig, freudig, und gewissenhaft seyst. Ja, du mein Bruder, meine
-Schwester, die mit mir in Einem Dienste stehen, in dem Dienst unsers
-Herrn Jesu Christi, ich bitte dich, erzeige dich in allen Dingen ohne
-einige Ausnahme treu, redlich und gewissenhaft. -- Handle in aller
-Einfalt immer so, wie du es mit aller Billigkeit von einem Dienstboten
-verlangen könntest, wenn du die Herrschaft wärest! Was du in diesem
-Fall an einem Dienstboten ungern hättest, das sollst du niemal gegen
-deine Herrschaft thun.
-
-Hättest du es gern, wenn du Herr oder Frau wärest, wenn ein Dienstbote
-dich bestehlen, betrügen, verläumden, dir widersprechen, widerstreben,
-und irgend etwas zu leid thun würde? -- Hättest du es billiger Weise
-nicht gern, wenn dir dein Dienstbote Achtung und Ehrerbietung
-bezeigen, deinen Nutzen und Vortheil auf jede redliche Weise
-bestmöglichst suchen und befördern würde? wenn er sich deinen Nutzen
-und deine Ehre mehr, als seine eigene angelegen seyn lassen würde?
-
-So sollst du derohalben gegen deine Herrschaft gesinnet seyn!
-
-Uebe dich täglich in dieser Gesinnung; gewöhne dich, dich oft an ihre
-Stelle zu setzen, um zu merken und zu empfinden, wie es ihnen
-vorkommen, wie ihnen zu Muth seyn müsse, wenn du ihnen gehorchest,
-oder nicht gehorchest; dieß und jenes thust, oder unterlässest.
-
-Je mehr du dieser einfältigen Regel folgest, desto ruhiger,
-gesegneter, beliebter, glücklicher wirst du seyn; desto freyer und
-lieber an Gott denken; desto kindlicher und zuversichtlicher zu ihm
-beten dürfen; desto augenscheinlicher, gnädiger, und erfreulicher wird
-er dich erhören.
-
-Sey auf den ersten Wink gehorsam! Laß dir nichts zweymal sagen, dir
-nicht zweymal rufen. Brich, brich deinen Eigensinn!
-
-Der Herr des Himmels that nicht seinen Willen, hatte keinen Eigensinn,
-da er auf Erden herum gieng; er machte sich zum Knecht aller Knechte!
-Urtheile nun, was dir gebühre! Willst du mehr seyn, als Er? Soll dein
-Wille mehr gelten, als der seinige? Willst du weniger gehorchen, als
-er gehorchte? -- Die Stimme deiner Herrschaft, wenn sie dich nichts
-böses heißt, soll dir seyn, wie die Stimme Gottes; ihr nicht
-gehorchen, soll dir nach und nach eben so unmöglich werden, als Gott
-nicht zu gehorchen.
-
-Nichts soll dich von dem schnellen, willigen, genauen Gehorsam gegen
-deine Herrschaft abhalten. Nichts dir die Bereitwilligkeit, ihr aufs
-allerbeste zu dienen, rauben können.
-
-Sey redlich und treu gegen deine Herrschaft! Nichts soll dich
-verführen, etwas großes oder kleines zu entwenden, zu veruntreuen, zu
-verstecken, oder von dem Ihrigen zu verkaufen, zu versetzen, oder zu
-verschenken; keine Speise, nichts Uebergebliebenes; nichts, keinen
-Bissen Brod, kein Becken mit Zugemüß, keinen Faden! Verrechne auch
-keinen Heller mehr als du ausgegeben hast; -- das würde dir über kurz
-oder lang unfehlbar vor Gott und Menschen schädlich und schändlich
-seyn. _Wer im Kleinen untreu ist, der ist es auch im Großen._
-
-Aber treu und redlich gegen seine Herrschaft seyn, heißt noch
-vielmehr, als blos: Ihnen nichts entwenden oder veruntreuen.
-
-Es heißt vornehmlich an dem Wohl- und Uebelstand der Herrschaften
-herzlichen Antheil nehmen; sich ihre Wohlfahrt, Ehre, Ruhe,
-Sicherheit, Gesundheit mehr als alles andere angelegen seyn lassen;
-ihnen in allen Umständen, nach bestem Vermögen, mit gutem willigen
-Herzen Hülfe leisten; ihnen auch in kranken Tagen mit williger Geduld
-abwarten; und in allen rechten Sachen ihnen auf Wink und Augen sehen.
-
-Zur Treue gehört auch, daß du zu allem, was ihnen gehört, gute Sorge
-tragest, nichts aus Unmuth, oder Unvorsichtigkeit verderbest,
-herumwerfest, verstossest, oder vernachläßigest; du must für das Ihre
-mehr Sorge tragen, als für das, was dein eigen ist.
-
-Auch das, was aus Unvorsichtigkeit verdorben wird, ist einem Diebstahl
-ähnlich. -- Gegen den geringsten Schaden, den du deiner Herrschaft
-zufügest, must du nicht gleichgültig seyn, und denselben allemal auf
-die bestmöglichste Weise wieder zu erstatten und zu vergüten suchen.
-
-Sey mäßig im Essen und Trinken; heimlich bereite dir keine Speise; am
-allergewissenhaftesten hüte dich, daß du nicht zu viel trinkest, und
-dich dadurch zum Dienste deiner Herrschaft untüchtig, und in den Augen
-deines himmlischen Herrn verwerflich machest.
-
-Sey zufrieden mit Speise und Trank und Nachtlager. Du wirst es
-bereuen, wenn du dich an niedliche heimlich zubereitete Speisen
-gewöhnest.
-
-Sey zufrieden mit allen Geschäften, die an dich kommen; sie seyen
-leicht oder schwer, angenehm oder widrig. Wenn auch etwa ungewöhnliche
-Geschäfte vorfallen, so laß dich dadurch nicht zur Ungeduld reitzen.
-Siehe auf Gott, die Ruhe deines Gewissens, und die himmlische
-Belohnung.
-
-Arbeite fleißig in dem Dienst und nach dem Willen deiner Herrschaft.
-
-Laß dich keinen Augenblick müßig finden.
-
-Verschwätze deine Zeit, und deines Herrn und deiner Frau Zeit nicht.
-
-Must du ausgehen, so säume dich ohne dringende Noth nicht auf dem
-Wege! Fange nicht an mit diesem oder jenem zu schwätzen, und darüber
-die Angelegenheit deiner Herrschaft zu versäumen, oder sie mit
-Ungeduld auf dich warten zu lassen.
-
-Es ist Untreu, Ungehorsam, Beleidigung deiner Herrschaft, wenn du die
-Zeit, die du ihr schuldig bist, zu deinem Vergnügen, deiner
-Bequemlichkeit und nicht zum Vortheil und nach dem Willen deiner
-Herrschaft anwendest.
-
-Laß dich von keinem geschwätzigen Menschen auf der Straße aufhalten.
--- Behalte deine Pflicht und den dir gegebenen Auftrag genau vor dem
-Auge. -- Der Befehl, der Nutzen und das Vergnügen deiner Herrschaft
-soll dir keine Nebensache seyn. Du sollst ihren Nutzen und ihr
-Vergnügen so sehr befördern, als wenn du Christo selber zu dienen
-hättest, als wenn er dein Hauspatron und dein Herr wäre. -- Er ists!
-Ihm dienest du! Vor seinen Augen stehest du!
-
-Thue, was du thust, in =seinem= Namen! als sein Jünger und
-Stellvertreter! So wie er es thun würde, wenn er sich in deinen
-Umständen befinden -- wie, wenn er sichtbar vor dir stehen würde.
-
-Was du so thust, das ist _=Tugend=_, und wenn die Sache an sich selbst
-auch noch so gering und verächtlich wäre; -- Was in der Liebe
-geschiehet, geschiehet im Geist Christi, und nichts ist so gering, das
-nicht in der Liebe geschehen kan. Nichts, das nicht durch Glauben und
-Liebe geheiliget werden könne.
-
-Was kan geringer seyn, als eine Speise kochen, ein Zimmer rein halten,
-eine Nadel aufheben, eine Thür sanft auf- und zuschließen? Und
-dennoch, so gering diese Sachen an sich selber scheinen mögen, wenn
-sie in _=Liebe=_ geschehen; vor dem Angesichte Christi und zur
-Offenbarung seiner sich auf alle Dinge erstreckenden Güte geschehen --
-so sind sie Früchte seines Geistes, sind Tugenden, sind Thaten oder
-Unterlassungen, die vor Gott Ehre bringen und deine Seeligkeit in der
-zukünftigen Welt größer machen werden; wenn du auch in diesen Dingen
-Christo dienest, so wirst du Gott wohlgefällig, und den Menschen
-bewährt seyn.
-
-Thue nichts, nimm nichts vor, rede nichts, das du in der Gegenwart
-deiner Herrschaft und vor Gott nicht thun oder reden dürftest.
-
-Hüte dich vor allem heimtückischen, heuchlerischen, verschlagenen
-Wesen. Sey aufrichtig und hasse die Verstellung. Du stehest immer vor
-dem Angesichte des Herrn, der in dein Innerstes siehet -- und der wird
-einst wider jeden zeugen, der unredlich und arglistig war!
-
-Siehe! die Augen des Herrn sehen rings umher auf alle Länder, und wer
-aufrichtig ist, der ist ihm angenehm!
-
-Schmeichle deiner Herrschaft nicht! Suche nicht vor ihren Augen besser
-und fleißiger zu scheinen, als du bist! Sey gut und fleißig vor ihren
-Augen; und nicht minder gut und fleißig, wenn sie dich nicht sehen.
-Redlichkeit ist sich allenthalben und zu allen Zeiten gleich. Sie
-weiß, daß der so im Himmel wohnet, sie immer kennt, und Jesus Christus
-ihr beständiger Zeuge ist. Sie darf nie erschrecken, die
-Aufrichtigkeit, wenn sie immer, auch von unsichtbaren Zeugen würde
-gesehen werden; nie sich schämen, wenn sie etwa, von wem es seyn
-mögte, überfallen würde.
-
-Nur dann recht thun, nur dann fleißig seyn, wenn die Herrschaft um die
-Wege ist, oder dir zusieht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
-Rücken kehrt, heißt _Augendienst_, und ist Heucheley.
-
-Der Geist Gottes ruft den Dienstboten durch den Mund des Apostels zu:
-_Seyd in allen Dingen euren leiblichen Herren gehorsam, nicht mit
-Augendienst, als die ihr den Menschen gefallen wollt, sondern als
-Knechte Christi mit Einfalt des Herzens, als die ihr Gott vor Augen
-habt;_ Col. III, 22. _Daß ihr den Willen Gottes von Herzen thut, und
-mit Gutwilligkeit dem Herrn dienet, und nicht den Menschen; dieweil
-ihr wisset, daß ein jeder, was er Gutes thun wird, die Belohnung dafür
-von dem Herrn empfangen wird; er sey ein Knecht oder ein Freyer._ Eph.
-VI, 5-8.
-
-Aufrichtigkeit, Einfalt des Herzens, Uebereinstimmung unserer
-Gesinnungen mit unserm äusserlichen Betragen -- ist aller Menschen
-wahre Zierde -- insonderheit der Dienstboten. Viele Fehler werden
-ihnen verziehen, und weniger geachtet, wenn man diese Tugend, die
-gleichsam die Seele aller Tugenden ist, an ihnen wahrnimmt.
-
-Hüte dich also vor Falschheit und Lügen; hast du etwa gefehlt, oder
-etwas verbrochen, oder unrecht ausgerichtet, so suche nicht dir mit
-einer Lüge aus der Sache zu helfen, sondern gestehe und bekenne deine
-Fehler, und bitte aufrichtig um Vergebung, und laß es dir für ein
-andermal zur Warnung dienen.
-
-Ueble Laune, mürrisches, störrisches Wesen, Schalkhaftigkeit, sind an
-einem Dienstboten unerträglich. Glaube an Gottes Fürsehung, ohne
-dessen Wille kein Haar vom Haupte fällt, und denke an das Gute, das du
-genießest, mehr als an das Uebel, das du leidest, so wird es dir
-leichter werden, zufrieden, ruhig, heiter zu seyn, und dich von aller
-Schalkheit zu entfernen.
-
-Hüte dich vor Geschwätzigkeit und noch mehr vor Verläumdung. Sey nicht
-vorwitzig, die Geheimnisse des Hauses, wo du dienest, auszuforschen
-und auszuplaudern. Mache die etwaige Fehler deiner Herrschaft
-niemanden bekannt; suche sie, so viel möglich, zu verdecken und geheim
-zu halten.
-
-Auch die Geheimnisse, die dir von deiner Herrschaft anvertrauet
-werden, die sollst du gewissenhaft bey dir behalten, und nicht
-verschwätzen, und wenn man dich auch darüber fragen würde.
-
-Stehe vor keine Thür zu horchen, was über dich oder andere, oder von
-häuslichen Angelegenheiten geredet wird.
-
-Oeffne keinen Brief, kein Zettelchen, schiele in kein Buch; blicke
-durch keinen Spalt und keine Oeffenung, etwas zu erforschen, oder
-mitanzusehen, was dich nichts angehet, oder wovon du auch nur
-vermuthen kannst, daß es deiner Herrschaft unangenehm seyn würde, wenn
-sie dich sähe, oder es wüste.
-
-Laß dir auch von andern Dienstboten nichts aus ihren Häusern erzählen
-und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herrschaft
-gereichen könnte.
-
-Hast du eine billige, gute und fromme Herrschaft, so danke Gott; denn
-dieß ist ein großer Segen, den er dir gönnt. Mißbrauche ihre Güte
-nicht; und wisse, daß du schwere Rechenschaft zu geben haben wirst,
-wenn du dir diesen Segen, wenn du das Beyspiel und die Lehren und
-Ermahnungen, die sie dir geben, dir nicht zu Nutze machst.
-
-Must du aber einer schlimmen, strengen und bösartigen Herrschaft
-dienen, so erkenne und verehre den Willen der alles leitenden
-göttlichen Fürsehung in diesem deinem Schicksal.
-
-Murre nicht, weder wider Gott, noch wider deine Herrschaft.
-
-Rede nicht immer von den Pflichten, die die _Herrschaft_ zu erfüllen
-hätte; sondern denke vielmehr an die, die _du_ zu erfüllen hast, und
-unterwirf dich ihrem Willen und ihrer Strenge -- um Gottes willen!
-
-Uebe dich im Dulden und Schweigen! Hüte dich vor jeder Veranlassung
-zum Zorn, und befleiße dich um so vielmehr, ihnen niemals keine
-gerechte Ursache zum Zorne zu geben. Sinne darauf, wie du jeder
-Gelegenheit zum Unwillen, doch ohne Verletzung deines Gewissens,
-vorkommen könnest. Bitte Gott deswegen ausdrücklich um Weisheit; um
-die erfindsame Klugheit der rechten brüderlichen und schwesterlichen
-Liebe! Wenn du aber bey allem dem ihre Liebe und ihre Zufriedenheit
-dir nicht erwerben kannst; wenn sie immerfort gegen dich mürrisch und
-mit allem deinem Thun und Lassen unzufrieden sind; wenn du es deiner
-Herrschaft durchaus nie recht machen kannst, so denke: daß du es doch
-deinem Herrn im Himmel recht machest, wenn du mit aller möglichen Treu
-und Gewissenhaftigkeit, auch mit Hintansetzung deines eigenen
-Vortheils und deiner Ruhe, deinem Dienst abwartest. Denke, daß Gott
-dich berufen, mit Christo Unrecht zu dulden, und unter dem Unrecht
-auszuharren, und ein Beyspiel der Liebe, des Glaubens, der Geduld, des
-Festhaltens an Gott, und der Hoffnung eines bessern Lebens zu seyn.
-
-Seufze nie wider deine strenge und ungerechte Herrschaft! Bitte für
-sie! Je mehr du für sie bittest, desto mehr wirst du von ihr ertragen
-mögen! Desto weniger wirst du sie ausmachen und verklagen; desto
-gelaßner seyn bey ihren ungerechten Bescheltungen, bey ihrem Toben und
-Schäumen. -- Halte dich übrigens immer auf ihre dich anfahrende
-Strenge im Glauben an die Allwissenheit und Allgegenwart Gottes
-gefaßt: damit du dich nie zu unbescheidnem, reizendem Widersprechen
-hinreissen lassest.
-
-Unverschämte Antworten, trotziges Betragen, freche Mienen, zornige
-mürrische Blicke, die rühren nicht vom Geiste Christi her, die sind an
-einem Jünger Jesu schlechterdings unerträglich, und wenn die
-Herrschaft auch noch so ungerecht wäre -- (Wie viel unverantwortlicher
-werden sie erst gegen Herrschaften seyn, die nichts fordern, als was
-billig, nichts tadeln, als was tadelswürdig ist.)
-
-Sey auch mit einem billigen Lohne zufrieden; und nicht neidisch und
-scheel! Gott ist dein Lohn -- und der Himmel deine Hoffnung, wenn du
-hienieden dich in guten Werken und in der Geduld übest, und _Gottes_
-Wohlgefallen, _Gottes_ Reich, Ehre und Seeligkeit suchest.
-
-Was du ohne deine Schuld zu leiden hast, das leide du vor Gott als ein
-Jünger Christi! Freue dich, wenn du seiner Leiden theilhaftig wirst,
-damit du dich auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit freuen und
-frolocken mögest.
-
-Jedes Leiden dieser Art wird dir noch in der Ewigkeit Nutzen und
-Freude bringen -- jedes zurückgehaltene Wort des Unwillens, jede
-unterdrückte Entschuldigung deiner selbst, wodurch deine Herrschaft
-nur noch zu mehrerm Eifer gereitzt worden wäre; jedes edelmüthige
-Stillschweigen, oder ehrerbietige Gelassenheit bey ungerechten
-Vorwürfen; jedes Bestreben, Verdruß und Zank abzuwenden, und demselben
-zuvor zu kommen; jede Thräne des Mitleids mit dem unglücklichen
-Gemüthszustand deiner Herrschaft; jeder liebreiche stille Seufzer, den
-du mit redlichem Herzen für sie zu Gott schicktest; nichts von dem
-allen wird von Gott vergessen werden, wird unbelohnt bleiben; das
-alles wird für deine Seele von den besten und gesegnesten Folgen seyn;
-dafür werden dir einst Freuden ohne Zahl und ohne Maaß zu Theil
-werden.
-
-Es ist edel und schön, um anderer Willen zu leiden; schön und edel und
-Gott wohlgefällig, die zu lieben, die uns hassen; die zu segnen, die
-uns fluchen; denen Gutes zu thun, die uns beleidigen, für die zu
-bitten, die uns mit Zorn und Unwillen verfolgen; denen mit aller Treue
-zu dienen, die alle unsere Treue verachten; mit denen immer zufrieden
-zu seyn, die niemals mit uns zufrieden sind. Das heißt: In Jesu
-Christi Fußtapfen treten, und der himmlischen Güte ähnlich werden, die
-auch Undankbare und Boshafte trägt; das heißt: Jesum Christum ehren,
-und seine Langmuth, Geduld und Güte andern Menschen gleichsam
-darstellen, offenbaren und sichtbar machen. -- _Ihr Dienstboten!_ dieß
-ist Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
-und Ehrerbietung unterthan, nicht allein den guten und bescheidenen,
-sondern auch den ungeschlachten_, den bösen und wilden; _denn das ist
-eine Gnade, so jemand um des guten Gewissens willen vor Gott
-Traurigkeiten erträgt, und Unrecht leidet. Denn was wäre das für ein
-Lob, wenn ihr um Missethat willen mit Fäusten geschlagen werdet, und
-das erduldet? wenn ihr aber um Wohlthaten willen leidet, und es dann
-erduldet, das ist eine Gnade bey Gott; denn darzu seyd ihr auch
-berufen, weil auch Christus für uns gelitten, und uns ein Vorbild
-gelassen hat, daß ihr seinen Fußtapfen nachfolgen sollt, welcher keine
-Sünde gethan hat, in dessen Mund kein Betrug erfunden ist, welcher,
-als er gescholten ward, nicht wiederschalt; als er litte, drohete er
-nicht, sondern überließ es dem, der da recht richtet._ 1. Petr. II,
-18-23.
-
-Sey auch mit deinem Lohne zufrieden, besonders, wenn er dir nach
-Abrede, und zu rechter Zeit gegeben wird. Ueberhaupt lerne zufrieden
-zu seyn mit allem, so wird alles dir zum augenscheinlichen Segen
-werden.
-
-Und nun will ich noch zwey Worte beyfügen, und alles übrige deiner
-eignen Einsicht, und deinem Gewissen überlassen. --
-
-Wenn du etwa Kindern abwarten must, so thu es doch mit aller Treu und
-Sorgfalt, als wenn sie deine eigne Kinder wären. Sey vorsichtig, wo du
-mit ihnen hingehst, wenn du sie niedersetzest, stellst, führst oder
-trägst. Spring nicht mit ihnen muthwillig hin und her! Verlasse sie
-nie, wenn du bey ihnen seyn sollst. Lehre sie nichts Böses, sondern
-Gutes. Erzähle ihnen keine Mährlein! Nichts von Gespenstern und bösen
-Männern; nichts vom Satan und Hexen; nichts von einem erzörnten Gotte,
-wenn es donnert; nichts von dergleichen Dingen, die entweder ganz
-keinen Grund haben, oder wovon du nichts verstehest, und das Kind
-nichts verstehen soll. Am allerwenigsten gewöhne sie zum Ungehorsam
-gegen ihre Eltern; sondern suche ihnen Achtung und Liebe gegen sie ins
-Herz zu pflanzen. Dein schneller Gehorsam müsse ihnen zeigen, wie sehr
-ihre Eltern des Gehorsams würdig sind. -- Wenn du aber auch den
-Kindern eben nicht selbst abwarten must; so sey sonst liebreich und
-gefällig gegen sie. Erzeige ihnen nach ihrem Betragen und ihrem Alter
-Achtung und Liebe.
-
-In Ansehung deiner Nebendienstboten, wenn du solche hast, bezeige dich
-freundlich und friedlich! Weiche Zank und Streit aus! Hilf ihnen, und
-mach ihren Dienst nicht schwerer, sondern leichter! Sey ihnen ein
-gutes Exempel der Treu und des Gehorsams. Tritt nie mit ihnen wider
-deine Herrschaft zusammen! Verläumde und verschwätze sie nie mit
-ihnen. Ermuntre sie zur Geduld und zur Treue. Sind sie frömmer als du,
-so verlache sie nicht, und mach ihnen ihre Frömmigkeit nicht schwer!
-Sind sie nicht so fromm, wie du meynest zu seyn, so verachte sie
-nicht, verdamme sie nicht! Suche sie durch stille Tugend, unsträfliche
-Treu und sanfte Güte zu gewinnen -- denn, wenn du dieß thust, so
-kannst du dich und andere seelig machen.
-
-Hast du etwa übrige Zeit, so nutze sie zum Guten; zur Vermehrung
-deiner christlichen Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe
-etwas nützliches. -- Das übrige, was ich dir etwa sonst noch zu sagen
-hätte, sey deiner eigenen Einsicht und deinem Gewissen überlassen.
-Bitte Gott um Weisheit, insonderheit bey der Wahl und etwaigen
-Abänderung deines Dienstes; und wenn du etwa in andere bedenkliche
-Gewissensfälle kommst; und gieb acht, daß du dir weder durch
-unchristliche Leute, noch durch unedle, unordentliche Leidenschaften
-deines Herzens rathen lassest.
-
-Die Summe als dessen, was ich dir hier sage, ist diese: Habe Gott vor
-Augen, und halte seine Gebote; denn das ist die Hauptangelegenheit
-aller Menschen; denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen; auch
-alle Heimlichkeiten, sie seyen gut oder bös.
-
- Der Herr hat zum Gerichte
- Sich seinen Thron erhöht.
- Vor seinem Angesichte
- Bleibt nicht, wer widersteht.
- Ihr kühnen Sünder zittert;
- Bereut noch euren Spott.
- Sein Thron wird nie erschüttert;
- Der Herr bleibt ewig Gott!
-
-
-
-
- =Gebetlied=
- eines
- =Dienstboten=.
-
-
- Du aller Wesen Herr und Meister,
- Des Leibes Schöpfer, Geist der Geister,
- Mein Schöpfer, Vater, ich bin dein!
- Du hießest mich, o Allmacht, werden;
- Du setztest mich, dein Kind, auf Erden,
- Und deiner soll mein Herz sich freun.
-
- Du heissest mich den Menschen dienen,
- Ja dir nur folg ich, folg ich ihnen,
- Dir, unser aller Herr und Gott.
- Drum hilf mir, meiner Herrschaft Willen
- Gewissenhaft und froh erfüllen,
- Als deinen Willen, dein Gebot.
-
- Bewahre mich vor bittern Klagen,
- Lehr mich mein Joch gelassen tragen;
- Und stets auf dich, auf dich nur sehn.
- Herr, lehr mich reden, lehr mich schweigen,
- Mich unbeweglich treu erzeigen,
- Und nur gerade Wege gehn.
-
- Der Herrschaft Glück soll mich erfreuen,
- Laß jeden Fehler mich bereuen,
- Und frömmer werde stets mein Herz.
- Bewahre mich vor Stolz und Neide,
- Vor Ungeduld, Herr, wenn ich leide,
- Sey du mein Trost in jedem Schmerz!
-
- O gieb mir Weisheit mich zu schmiegen,
- Gehorsam, Herr, sey mein Vergnügen,
- Und Freude sey mir jede Pflicht.
- Mein Sitzen, Liegen oder Stehen,
- Mein Reden, Schweigen, Thun und Gehen
- Gescheh vor deinem Angesicht.
-
- Du bist der Treue, der Gerechte,
- Der Herr der Herren und der Knechte,
- Der Armen wie der Reichen Heil.
- Der Allerniedrigste auf Erden
- Kann groß in deinem Reiche werden,
- Hat Fürsten gleich, Gott, an dir Theil!
-
- Ja, du wirst ewig mich belohnen,
- In deinem Himmel werd ich wohnen,
- Dort König mit dir König seyn.
- Ach! Herr, mögt ich dieß stets ermessen,
- Nicht dein und deines Reichs vergessen,
- Wie würd ich ewig seelig seyn!
-
-
-
-
- * * * * * *
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
-
- Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt.
- Unter der Beschreibung der Änderung steht jeweils zuerst die
- Textstelle im Original, dann die geänderte Textstelle.
-
-
- »fleisig« geändert zu »fleißig«:
- Nur dann recht thun, nur dann fleisig seyn, wenn die Herrschaft um die
- Nur dann recht thun, nur dann fleißig seyn, wenn die Herrschaft um die
-
- »zusteht« geändert zu »zusieht«:
- Wege ist, oder dir zusteht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
- Wege ist, oder dir zusieht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
-
- »Herschaft« geändert zu »Herrschaft«:
- und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herschaft
- und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herrschaft
-
- »st« geändert zu »ist«:
- st Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
- ist Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
-
- »Erkeuntniß« geändert zu »Erkenntniß«:
- deiner christlichen Erkeuntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe
- deiner christlichen Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe ]
-
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-
-***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK J. C. LAVATER'S SITTENBüCHLEIN FüR
-DAS GESINDE***
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