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@@ -0,0 +1,671 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44036 ***
+
+Note: Images of the original pages are available through
+ the Google Books Library Project. See
+ http://www.google.com/books?id=yyM_AAAAcAAJ
+
+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original in
+ Schwabacher (fett) gedruckter Text wurde _so_ markiert. Im
+ Original gesperrt gedruckter Text wurde =so= markiert.
+ Römische Zahlen sind im Original in Antiqua gedruckt; dies
+ wurde nicht gesondert markiert.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+ übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+ korrigiert. Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet
+ sich am Ende des Textes.
+
+
+
+
+
+J. C. Lavaters
+
+Sittenbüchlein
+für
+das Gesinde.
+
+
+
+
+
+
+
+Homburg vor der Höhe,
+bey G. C. Göllner,
+=1773=.
+
+
+
+
+ Sollten Menschen, meine Brüder,
+ Mir, wie Gott, nicht theuer seyn?
+ Sollt ich sie nicht gern erfreun?
+ Wir sind alle Christi Glieder;
+ Christi, der für alle starb,
+ Allen Gottes Huld erwarb!
+
+
+
+
+[Dekoration]
+
+An die Herrschaften.
+
+
+[Dekoration]
+
+Ich hoffe, christliche Herrschaften, daß ihr für dieses Büchlein Gott,
+dem Urheber alles Guten, von Herzen danken, und viel Nutzen und Segen
+daher für eure Dienstboten und für euch erfahren werdet. Ich bitte
+euch also, machet ihnen ein Geschenk damit; aber, wenn ihr es ihnen
+übergebet, so thut es mit christlicher Sanftmuth und Freundlichkeit,
+ohne kränkende Vorwürfe, wenn ihr sie etwa noch nicht so findet, wie
+dieß Büchelchen sie haben will. Damit würdet ihr nur machen, daß sie
+es überall nicht, oder nicht mit Nutzen und Erbauung lesen. --
+
+Aber, noch angelegentlicher, dringender und herzlicher bitt ich euch,
+um eurer selbst, eurer Gewissensruhe, und um eurer himmlischen
+Seeligkeit willen: _Seyd auch ihr nicht ungerecht und unbrüderlich
+gegen eure Dienstboten! Unterlasset das Dräuen, und vergesset es
+nicht, daß auch ihr einen Herrn im Himmel habt, vor dem kein Ansehen
+der Person gilt, und der jeglichem nach seinem Thun vergelten wird._
+
+Seyd freundlich, sanft und treu gegen sie! Verachtet sie nicht, damit
+der Herr des Himmels und der Erde euch auch nicht verachte! Seyd
+billig gegen sie! Ladet ihnen nicht zuviel auf! Habet Geduld mit ihren
+Schwachheiten, und beweiset Langmuth mit ihren Fehlern, damit Gott
+sich auch gegen euch langmüthig beweise. Verläumdet sie nicht; klaget
+nicht bey fremden über sie. Rücket ihnen alte Fehler nicht vor. --
+Seyd auch zufrieden mit ihnen, wenn sie ihre Sache recht machen. --
+Seyd ihnen ein Beyspiel des Glaubens, der Liebe, der Geduld, der
+Gottseeligkeit -- und beweiset ihnen in gesunden und kranken Tagen,
+daß Christi Geist und Sinn in euren Herzen wohnet, und daß ihr euch
+über sie als Miterben der Herrlichkeit Christi freuet.
+
+ Zürich, den 17 Nov.
+ =1772=.
+
+ =J. C. Lavater.=
+
+
+
+
+Mein lieber Dienstbote, Hausknecht oder Hausmagd, laß dir von einem
+christlichen Bruder ein Wort der Ermahnung und des Raths in die Hände
+geben; ein Wort, das der Geist der Wahrheit und der Liebe an dir, und
+durch dich vielleicht auch andern segnen wird.
+
+Wenn du weise bist, so wirst du auch ein Verlangen haben, dem zu
+gefallen, der dich erschaffen hat, und der ein Herr ist des Himmels
+und der Erde.
+
+Du wirst mit Freude und Dank daran gedenken, daß du so gut, als alle
+Herren und Frauen, als alle Könige und Königinnen zu Gottes
+Haushaltung und zu den Geschwistern Jesu Christi gehörest, und durch
+Jesum Christum zur ewigen Freyheit, Miterbschaft seines himmlischen
+Reiches, und zur Herrschaft über Alles berufen bist.
+
+Du wirst also gern deine wenige Lebenstage auf Erden so zubringen
+wollen, daß du der großen Herrlichkeit sicher und gewiß seyn könnest,
+welche Gott allen seinen Kindern, sie mögen hienieden Knechte oder
+Herren heissen, durch Jesum Christum bereitet hat, und schenken will.
+
+Hierzu möchte ich dir, mein bekannter und unbekannter Bruder, oder
+meine Schwester, nach dem Maaße der Gabe und Liebe, die Gott durch
+Jesum mir mitgetheilet hat, einigermaßen durch diese kleine Schrift
+behülflich seyn.
+
+Ich kan mir vorstellen, daß du nicht viele Zeit habest zu lesen, und
+dennoch gern auch einen besondern Unterricht hättest; -- Hier giebt
+dir Gottes Fürsehung, die auf dich eben sowol, als auf die Fürsten und
+Könige der Erde, ihr väterliches Augenmerk richtet, einen kurzen,
+einfältigen Unterricht in die Hand.
+
+So viel Zeit wird dir wol übrig bleiben, dieß kleine Büchelchen alle
+Monate wenigstens Einmal durchzulesen, und dein Herz, deine Gesinnung
+und deine Aufführung darnach zu prüfen, das ist, dich vor Gott und
+deinem Gewissen zu fragen, ob du dich so betragest, so gesinnet
+seyst, wie dein guter und weiser Herr im Himmel aus den besten
+Absichten verlangt, daß du gesinnet seyn und dich betragen sollest. --
+
+Vor allen Dingen, mein lieber Dienstbote, freue dich, daß du ein
+Geschöpf der unsichtbaren alles belebenden ewigen Liebe bist! Daß du
+zur Offenbarung der herrlichen Vollkommenheiten Gottes erschaffen
+bist; bestimmt bist, Gottes unerschöpfliche Güte immer mit mehr
+Freyheit und Freude zu genießen, deinem Schöpfer, und seinem
+sichtbaren und herrlichen Sohn und Ebenbilde Jesu Christo ähnlich zu
+werden. Gottes Weisheit soll deinen Verstand erleuchten; Gottes Güte
+dein Herz erwärmen, und zu allem Guten antreiben; Gottes Kraft deinen
+Körper und deine Glieder zum Dienste deiner Seele beleben.
+
+Freuen sollst du dich, und frohlocken in deinem Geiste, daß du durch
+Jesum Christum zur Aehnlichkeit und ewigen Gemeinschaft mit Gott
+berufen bist! Dich freuen und frohlocken, daß Gott durch Jesum
+Christum dich von jedem Uebel, von allen Hindernissen deiner Freyheit
+und Seeligkeit erlösen, durch ihn zu einem guten, unsterblichen,
+unaufhörlich seeligen Menschen machen will -- das sollte dir recht
+wichtig seyn; das dich mehr freuen, als jede Freude, jedes
+vergängliche Glück dieser Welt, das dir jeden Augenblick entrissen
+werden kan, und nach wenigen, wenigen Jahren gewiß entrissen werden
+wird. --
+
+Freue dich der Güte und Macht, die dich bis auf diese Stunde ernährt,
+erhalten, behütet, und auf mancherley Weise gesegnet hat! --
+
+Solltest du es für ein geringes achten, daß du in der Christenheit
+geboren und zur Erkenntniß des allerbesten Gottes und Vaters Jesu
+Christi erzogen worden bist? daß du ein Christ bist, und einer
+christlichen Herrschaft dienen kannst?
+
+Gottes Alles leitende Fürsehung, das ist, Gott selbst, der weiseste
+und gütigste Vater wollte, daß du ein Dienstbote seyst, und deine
+Kräfte zum Dienst und zur Hülfe anderer Menschen anwendest. Freue dich
+auch dieser Leitung, und dieses Willens Gottes. Alles, was Gott will,
+ist gut. Er will nicht nur das Gute, sondern das Beste. Es ist besser,
+daß du Knecht oder Magd, oder Kinderwärterin, oder sonst eine Art
+Dienstbote seyst, als etwas anders. Traue es der guten Fürsehung
+Gottes einfältig zu; der Fürsehung, ohne deren Willen nicht einmal ein
+Sperling auf die Erde fallen kan; -- Gottes Wille ist es, daß du
+andern, die nach ihren äusserlichen Umständen höher sind, als du,
+dienest -- _Wie Gott nun einen jeden berufen hat, also wandle er_ --
+Auf äusserliche Umstände und Vorzüge kommt es gar nicht an -- _Nur auf
+die Erfüllung der Gebote Gottes; in welchem Beruf ein jeder berufen
+worden, in demselben bleibe er. -- Bist du ein Knecht zu seyn berufen,
+so laß dir das keine Sorge machen -- denn, wer ein Knecht zu seyn
+berufen ist, in dem Herrn_, das ist, im Glauben an des Herrn Weisheit
+und allwaltende Güte, _der ist ein Gefreyter des Herrn. -- Ihr Brüder
+und Schwestern, jeglicher verbleibe vor Gott in dem, wozu er berufen
+ist._ 1. Cor. VII.
+
+Denke nicht, daß du in diesem Stande nicht fromm seyn, bey dieser
+Lebensart Gott nicht dienen, und seinen Willen nicht vollbringen
+könnest. Nein! Man kan in jedem Stande, bey jeder Lebensart demjenigen
+dienen, und dessen Absichten befördern und erfüllen, der uns in diesen
+Stand gesetzt, und uns in diese Lebensart hineingeführt hat. Seiner
+Herrschaft treu dienen, heißt Gottes weiser und guter Fürsehung, heißt
+Gott selber dienen und folgen. Nicht allein Beten ist Gottesdienst;
+sich nach dem Willen der Fürsehung, sich nach denen Umständen richten,
+in welche uns diese Fürsehung gesetzet hat, auch das ist Gottesdienst.
+Nicht diese oder jene besondre Uebung der Andacht, des Lesens, des
+Nachdenkens, nicht das Kirchengehn und Abendmahl halten, machen das
+Wesen der Religion aus; sondern das ist ein vernünftiger, ein weiser,
+Gott angenehmer Gottesdienst, wenn man seinen Leib, alle seine
+Glieder, alle Kräfte seines Geistes und Körpers Gott und seiner
+Fürsehung zum Opfer bringt, und so gebraucht, wie Gottes Wort, unser
+Gewissen und die Umstände, in denen wir uns befinden, es erheischen;
+-- seinem eignen Willen, seinem Vortheil, seiner Ehre entsagen, um
+dem bessern Willen Gottes zu folgen, der uns immer zu einem größern
+Glücke führt, als dasjenige ist, welches wir mit unserm eignen Willen
+suchen.
+
+Diene also deinem Gott! Lebe zur Ehre deines Herrn, und sey eine
+Zierde der Religion dadurch, daß du in deinem Berufe treu, gehorsam,
+willig, freudig, und gewissenhaft seyst. Ja, du mein Bruder, meine
+Schwester, die mit mir in Einem Dienste stehen, in dem Dienst unsers
+Herrn Jesu Christi, ich bitte dich, erzeige dich in allen Dingen ohne
+einige Ausnahme treu, redlich und gewissenhaft. -- Handle in aller
+Einfalt immer so, wie du es mit aller Billigkeit von einem Dienstboten
+verlangen könntest, wenn du die Herrschaft wärest! Was du in diesem
+Fall an einem Dienstboten ungern hättest, das sollst du niemal gegen
+deine Herrschaft thun.
+
+Hättest du es gern, wenn du Herr oder Frau wärest, wenn ein Dienstbote
+dich bestehlen, betrügen, verläumden, dir widersprechen, widerstreben,
+und irgend etwas zu leid thun würde? -- Hättest du es billiger Weise
+nicht gern, wenn dir dein Dienstbote Achtung und Ehrerbietung
+bezeigen, deinen Nutzen und Vortheil auf jede redliche Weise
+bestmöglichst suchen und befördern würde? wenn er sich deinen Nutzen
+und deine Ehre mehr, als seine eigene angelegen seyn lassen würde?
+
+So sollst du derohalben gegen deine Herrschaft gesinnet seyn!
+
+Uebe dich täglich in dieser Gesinnung; gewöhne dich, dich oft an ihre
+Stelle zu setzen, um zu merken und zu empfinden, wie es ihnen
+vorkommen, wie ihnen zu Muth seyn müsse, wenn du ihnen gehorchest,
+oder nicht gehorchest; dieß und jenes thust, oder unterlässest.
+
+Je mehr du dieser einfältigen Regel folgest, desto ruhiger,
+gesegneter, beliebter, glücklicher wirst du seyn; desto freyer und
+lieber an Gott denken; desto kindlicher und zuversichtlicher zu ihm
+beten dürfen; desto augenscheinlicher, gnädiger, und erfreulicher wird
+er dich erhören.
+
+Sey auf den ersten Wink gehorsam! Laß dir nichts zweymal sagen, dir
+nicht zweymal rufen. Brich, brich deinen Eigensinn!
+
+Der Herr des Himmels that nicht seinen Willen, hatte keinen Eigensinn,
+da er auf Erden herum gieng; er machte sich zum Knecht aller Knechte!
+Urtheile nun, was dir gebühre! Willst du mehr seyn, als Er? Soll dein
+Wille mehr gelten, als der seinige? Willst du weniger gehorchen, als
+er gehorchte? -- Die Stimme deiner Herrschaft, wenn sie dich nichts
+böses heißt, soll dir seyn, wie die Stimme Gottes; ihr nicht
+gehorchen, soll dir nach und nach eben so unmöglich werden, als Gott
+nicht zu gehorchen.
+
+Nichts soll dich von dem schnellen, willigen, genauen Gehorsam gegen
+deine Herrschaft abhalten. Nichts dir die Bereitwilligkeit, ihr aufs
+allerbeste zu dienen, rauben können.
+
+Sey redlich und treu gegen deine Herrschaft! Nichts soll dich
+verführen, etwas großes oder kleines zu entwenden, zu veruntreuen, zu
+verstecken, oder von dem Ihrigen zu verkaufen, zu versetzen, oder zu
+verschenken; keine Speise, nichts Uebergebliebenes; nichts, keinen
+Bissen Brod, kein Becken mit Zugemüß, keinen Faden! Verrechne auch
+keinen Heller mehr als du ausgegeben hast; -- das würde dir über kurz
+oder lang unfehlbar vor Gott und Menschen schädlich und schändlich
+seyn. _Wer im Kleinen untreu ist, der ist es auch im Großen._
+
+Aber treu und redlich gegen seine Herrschaft seyn, heißt noch
+vielmehr, als blos: Ihnen nichts entwenden oder veruntreuen.
+
+Es heißt vornehmlich an dem Wohl- und Uebelstand der Herrschaften
+herzlichen Antheil nehmen; sich ihre Wohlfahrt, Ehre, Ruhe,
+Sicherheit, Gesundheit mehr als alles andere angelegen seyn lassen;
+ihnen in allen Umständen, nach bestem Vermögen, mit gutem willigen
+Herzen Hülfe leisten; ihnen auch in kranken Tagen mit williger Geduld
+abwarten; und in allen rechten Sachen ihnen auf Wink und Augen sehen.
+
+Zur Treue gehört auch, daß du zu allem, was ihnen gehört, gute Sorge
+tragest, nichts aus Unmuth, oder Unvorsichtigkeit verderbest,
+herumwerfest, verstossest, oder vernachläßigest; du must für das Ihre
+mehr Sorge tragen, als für das, was dein eigen ist.
+
+Auch das, was aus Unvorsichtigkeit verdorben wird, ist einem Diebstahl
+ähnlich. -- Gegen den geringsten Schaden, den du deiner Herrschaft
+zufügest, must du nicht gleichgültig seyn, und denselben allemal auf
+die bestmöglichste Weise wieder zu erstatten und zu vergüten suchen.
+
+Sey mäßig im Essen und Trinken; heimlich bereite dir keine Speise; am
+allergewissenhaftesten hüte dich, daß du nicht zu viel trinkest, und
+dich dadurch zum Dienste deiner Herrschaft untüchtig, und in den Augen
+deines himmlischen Herrn verwerflich machest.
+
+Sey zufrieden mit Speise und Trank und Nachtlager. Du wirst es
+bereuen, wenn du dich an niedliche heimlich zubereitete Speisen
+gewöhnest.
+
+Sey zufrieden mit allen Geschäften, die an dich kommen; sie seyen
+leicht oder schwer, angenehm oder widrig. Wenn auch etwa ungewöhnliche
+Geschäfte vorfallen, so laß dich dadurch nicht zur Ungeduld reitzen.
+Siehe auf Gott, die Ruhe deines Gewissens, und die himmlische
+Belohnung.
+
+Arbeite fleißig in dem Dienst und nach dem Willen deiner Herrschaft.
+
+Laß dich keinen Augenblick müßig finden.
+
+Verschwätze deine Zeit, und deines Herrn und deiner Frau Zeit nicht.
+
+Must du ausgehen, so säume dich ohne dringende Noth nicht auf dem
+Wege! Fange nicht an mit diesem oder jenem zu schwätzen, und darüber
+die Angelegenheit deiner Herrschaft zu versäumen, oder sie mit
+Ungeduld auf dich warten zu lassen.
+
+Es ist Untreu, Ungehorsam, Beleidigung deiner Herrschaft, wenn du die
+Zeit, die du ihr schuldig bist, zu deinem Vergnügen, deiner
+Bequemlichkeit und nicht zum Vortheil und nach dem Willen deiner
+Herrschaft anwendest.
+
+Laß dich von keinem geschwätzigen Menschen auf der Straße aufhalten.
+-- Behalte deine Pflicht und den dir gegebenen Auftrag genau vor dem
+Auge. -- Der Befehl, der Nutzen und das Vergnügen deiner Herrschaft
+soll dir keine Nebensache seyn. Du sollst ihren Nutzen und ihr
+Vergnügen so sehr befördern, als wenn du Christo selber zu dienen
+hättest, als wenn er dein Hauspatron und dein Herr wäre. -- Er ists!
+Ihm dienest du! Vor seinen Augen stehest du!
+
+Thue, was du thust, in =seinem= Namen! als sein Jünger und
+Stellvertreter! So wie er es thun würde, wenn er sich in deinen
+Umständen befinden -- wie, wenn er sichtbar vor dir stehen würde.
+
+Was du so thust, das ist _=Tugend=_, und wenn die Sache an sich selbst
+auch noch so gering und verächtlich wäre; -- Was in der Liebe
+geschiehet, geschiehet im Geist Christi, und nichts ist so gering, das
+nicht in der Liebe geschehen kan. Nichts, das nicht durch Glauben und
+Liebe geheiliget werden könne.
+
+Was kan geringer seyn, als eine Speise kochen, ein Zimmer rein halten,
+eine Nadel aufheben, eine Thür sanft auf- und zuschließen? Und
+dennoch, so gering diese Sachen an sich selber scheinen mögen, wenn
+sie in _=Liebe=_ geschehen; vor dem Angesichte Christi und zur
+Offenbarung seiner sich auf alle Dinge erstreckenden Güte geschehen --
+so sind sie Früchte seines Geistes, sind Tugenden, sind Thaten oder
+Unterlassungen, die vor Gott Ehre bringen und deine Seeligkeit in der
+zukünftigen Welt größer machen werden; wenn du auch in diesen Dingen
+Christo dienest, so wirst du Gott wohlgefällig, und den Menschen
+bewährt seyn.
+
+Thue nichts, nimm nichts vor, rede nichts, das du in der Gegenwart
+deiner Herrschaft und vor Gott nicht thun oder reden dürftest.
+
+Hüte dich vor allem heimtückischen, heuchlerischen, verschlagenen
+Wesen. Sey aufrichtig und hasse die Verstellung. Du stehest immer vor
+dem Angesichte des Herrn, der in dein Innerstes siehet -- und der wird
+einst wider jeden zeugen, der unredlich und arglistig war!
+
+Siehe! die Augen des Herrn sehen rings umher auf alle Länder, und wer
+aufrichtig ist, der ist ihm angenehm!
+
+Schmeichle deiner Herrschaft nicht! Suche nicht vor ihren Augen besser
+und fleißiger zu scheinen, als du bist! Sey gut und fleißig vor ihren
+Augen; und nicht minder gut und fleißig, wenn sie dich nicht sehen.
+Redlichkeit ist sich allenthalben und zu allen Zeiten gleich. Sie
+weiß, daß der so im Himmel wohnet, sie immer kennt, und Jesus Christus
+ihr beständiger Zeuge ist. Sie darf nie erschrecken, die
+Aufrichtigkeit, wenn sie immer, auch von unsichtbaren Zeugen würde
+gesehen werden; nie sich schämen, wenn sie etwa, von wem es seyn
+mögte, überfallen würde.
+
+Nur dann recht thun, nur dann fleißig seyn, wenn die Herrschaft um die
+Wege ist, oder dir zusieht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
+Rücken kehrt, heißt _Augendienst_, und ist Heucheley.
+
+Der Geist Gottes ruft den Dienstboten durch den Mund des Apostels zu:
+_Seyd in allen Dingen euren leiblichen Herren gehorsam, nicht mit
+Augendienst, als die ihr den Menschen gefallen wollt, sondern als
+Knechte Christi mit Einfalt des Herzens, als die ihr Gott vor Augen
+habt;_ Col. III, 22. _Daß ihr den Willen Gottes von Herzen thut, und
+mit Gutwilligkeit dem Herrn dienet, und nicht den Menschen; dieweil
+ihr wisset, daß ein jeder, was er Gutes thun wird, die Belohnung dafür
+von dem Herrn empfangen wird; er sey ein Knecht oder ein Freyer._ Eph.
+VI, 5-8.
+
+Aufrichtigkeit, Einfalt des Herzens, Uebereinstimmung unserer
+Gesinnungen mit unserm äusserlichen Betragen -- ist aller Menschen
+wahre Zierde -- insonderheit der Dienstboten. Viele Fehler werden
+ihnen verziehen, und weniger geachtet, wenn man diese Tugend, die
+gleichsam die Seele aller Tugenden ist, an ihnen wahrnimmt.
+
+Hüte dich also vor Falschheit und Lügen; hast du etwa gefehlt, oder
+etwas verbrochen, oder unrecht ausgerichtet, so suche nicht dir mit
+einer Lüge aus der Sache zu helfen, sondern gestehe und bekenne deine
+Fehler, und bitte aufrichtig um Vergebung, und laß es dir für ein
+andermal zur Warnung dienen.
+
+Ueble Laune, mürrisches, störrisches Wesen, Schalkhaftigkeit, sind an
+einem Dienstboten unerträglich. Glaube an Gottes Fürsehung, ohne
+dessen Wille kein Haar vom Haupte fällt, und denke an das Gute, das du
+genießest, mehr als an das Uebel, das du leidest, so wird es dir
+leichter werden, zufrieden, ruhig, heiter zu seyn, und dich von aller
+Schalkheit zu entfernen.
+
+Hüte dich vor Geschwätzigkeit und noch mehr vor Verläumdung. Sey nicht
+vorwitzig, die Geheimnisse des Hauses, wo du dienest, auszuforschen
+und auszuplaudern. Mache die etwaige Fehler deiner Herrschaft
+niemanden bekannt; suche sie, so viel möglich, zu verdecken und geheim
+zu halten.
+
+Auch die Geheimnisse, die dir von deiner Herrschaft anvertrauet
+werden, die sollst du gewissenhaft bey dir behalten, und nicht
+verschwätzen, und wenn man dich auch darüber fragen würde.
+
+Stehe vor keine Thür zu horchen, was über dich oder andere, oder von
+häuslichen Angelegenheiten geredet wird.
+
+Oeffne keinen Brief, kein Zettelchen, schiele in kein Buch; blicke
+durch keinen Spalt und keine Oeffenung, etwas zu erforschen, oder
+mitanzusehen, was dich nichts angehet, oder wovon du auch nur
+vermuthen kannst, daß es deiner Herrschaft unangenehm seyn würde, wenn
+sie dich sähe, oder es wüste.
+
+Laß dir auch von andern Dienstboten nichts aus ihren Häusern erzählen
+und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herrschaft
+gereichen könnte.
+
+Hast du eine billige, gute und fromme Herrschaft, so danke Gott; denn
+dieß ist ein großer Segen, den er dir gönnt. Mißbrauche ihre Güte
+nicht; und wisse, daß du schwere Rechenschaft zu geben haben wirst,
+wenn du dir diesen Segen, wenn du das Beyspiel und die Lehren und
+Ermahnungen, die sie dir geben, dir nicht zu Nutze machst.
+
+Must du aber einer schlimmen, strengen und bösartigen Herrschaft
+dienen, so erkenne und verehre den Willen der alles leitenden
+göttlichen Fürsehung in diesem deinem Schicksal.
+
+Murre nicht, weder wider Gott, noch wider deine Herrschaft.
+
+Rede nicht immer von den Pflichten, die die _Herrschaft_ zu erfüllen
+hätte; sondern denke vielmehr an die, die _du_ zu erfüllen hast, und
+unterwirf dich ihrem Willen und ihrer Strenge -- um Gottes willen!
+
+Uebe dich im Dulden und Schweigen! Hüte dich vor jeder Veranlassung
+zum Zorn, und befleiße dich um so vielmehr, ihnen niemals keine
+gerechte Ursache zum Zorne zu geben. Sinne darauf, wie du jeder
+Gelegenheit zum Unwillen, doch ohne Verletzung deines Gewissens,
+vorkommen könnest. Bitte Gott deswegen ausdrücklich um Weisheit; um
+die erfindsame Klugheit der rechten brüderlichen und schwesterlichen
+Liebe! Wenn du aber bey allem dem ihre Liebe und ihre Zufriedenheit
+dir nicht erwerben kannst; wenn sie immerfort gegen dich mürrisch und
+mit allem deinem Thun und Lassen unzufrieden sind; wenn du es deiner
+Herrschaft durchaus nie recht machen kannst, so denke: daß du es doch
+deinem Herrn im Himmel recht machest, wenn du mit aller möglichen Treu
+und Gewissenhaftigkeit, auch mit Hintansetzung deines eigenen
+Vortheils und deiner Ruhe, deinem Dienst abwartest. Denke, daß Gott
+dich berufen, mit Christo Unrecht zu dulden, und unter dem Unrecht
+auszuharren, und ein Beyspiel der Liebe, des Glaubens, der Geduld, des
+Festhaltens an Gott, und der Hoffnung eines bessern Lebens zu seyn.
+
+Seufze nie wider deine strenge und ungerechte Herrschaft! Bitte für
+sie! Je mehr du für sie bittest, desto mehr wirst du von ihr ertragen
+mögen! Desto weniger wirst du sie ausmachen und verklagen; desto
+gelaßner seyn bey ihren ungerechten Bescheltungen, bey ihrem Toben und
+Schäumen. -- Halte dich übrigens immer auf ihre dich anfahrende
+Strenge im Glauben an die Allwissenheit und Allgegenwart Gottes
+gefaßt: damit du dich nie zu unbescheidnem, reizendem Widersprechen
+hinreissen lassest.
+
+Unverschämte Antworten, trotziges Betragen, freche Mienen, zornige
+mürrische Blicke, die rühren nicht vom Geiste Christi her, die sind an
+einem Jünger Jesu schlechterdings unerträglich, und wenn die
+Herrschaft auch noch so ungerecht wäre -- (Wie viel unverantwortlicher
+werden sie erst gegen Herrschaften seyn, die nichts fordern, als was
+billig, nichts tadeln, als was tadelswürdig ist.)
+
+Sey auch mit einem billigen Lohne zufrieden; und nicht neidisch und
+scheel! Gott ist dein Lohn -- und der Himmel deine Hoffnung, wenn du
+hienieden dich in guten Werken und in der Geduld übest, und _Gottes_
+Wohlgefallen, _Gottes_ Reich, Ehre und Seeligkeit suchest.
+
+Was du ohne deine Schuld zu leiden hast, das leide du vor Gott als ein
+Jünger Christi! Freue dich, wenn du seiner Leiden theilhaftig wirst,
+damit du dich auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit freuen und
+frolocken mögest.
+
+Jedes Leiden dieser Art wird dir noch in der Ewigkeit Nutzen und
+Freude bringen -- jedes zurückgehaltene Wort des Unwillens, jede
+unterdrückte Entschuldigung deiner selbst, wodurch deine Herrschaft
+nur noch zu mehrerm Eifer gereitzt worden wäre; jedes edelmüthige
+Stillschweigen, oder ehrerbietige Gelassenheit bey ungerechten
+Vorwürfen; jedes Bestreben, Verdruß und Zank abzuwenden, und demselben
+zuvor zu kommen; jede Thräne des Mitleids mit dem unglücklichen
+Gemüthszustand deiner Herrschaft; jeder liebreiche stille Seufzer, den
+du mit redlichem Herzen für sie zu Gott schicktest; nichts von dem
+allen wird von Gott vergessen werden, wird unbelohnt bleiben; das
+alles wird für deine Seele von den besten und gesegnesten Folgen seyn;
+dafür werden dir einst Freuden ohne Zahl und ohne Maaß zu Theil
+werden.
+
+Es ist edel und schön, um anderer Willen zu leiden; schön und edel und
+Gott wohlgefällig, die zu lieben, die uns hassen; die zu segnen, die
+uns fluchen; denen Gutes zu thun, die uns beleidigen, für die zu
+bitten, die uns mit Zorn und Unwillen verfolgen; denen mit aller Treue
+zu dienen, die alle unsere Treue verachten; mit denen immer zufrieden
+zu seyn, die niemals mit uns zufrieden sind. Das heißt: In Jesu
+Christi Fußtapfen treten, und der himmlischen Güte ähnlich werden, die
+auch Undankbare und Boshafte trägt; das heißt: Jesum Christum ehren,
+und seine Langmuth, Geduld und Güte andern Menschen gleichsam
+darstellen, offenbaren und sichtbar machen. -- _Ihr Dienstboten!_ dieß
+ist Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
+und Ehrerbietung unterthan, nicht allein den guten und bescheidenen,
+sondern auch den ungeschlachten_, den bösen und wilden; _denn das ist
+eine Gnade, so jemand um des guten Gewissens willen vor Gott
+Traurigkeiten erträgt, und Unrecht leidet. Denn was wäre das für ein
+Lob, wenn ihr um Missethat willen mit Fäusten geschlagen werdet, und
+das erduldet? wenn ihr aber um Wohlthaten willen leidet, und es dann
+erduldet, das ist eine Gnade bey Gott; denn darzu seyd ihr auch
+berufen, weil auch Christus für uns gelitten, und uns ein Vorbild
+gelassen hat, daß ihr seinen Fußtapfen nachfolgen sollt, welcher keine
+Sünde gethan hat, in dessen Mund kein Betrug erfunden ist, welcher,
+als er gescholten ward, nicht wiederschalt; als er litte, drohete er
+nicht, sondern überließ es dem, der da recht richtet._ 1. Petr. II,
+18-23.
+
+Sey auch mit deinem Lohne zufrieden, besonders, wenn er dir nach
+Abrede, und zu rechter Zeit gegeben wird. Ueberhaupt lerne zufrieden
+zu seyn mit allem, so wird alles dir zum augenscheinlichen Segen
+werden.
+
+Und nun will ich noch zwey Worte beyfügen, und alles übrige deiner
+eignen Einsicht, und deinem Gewissen überlassen. --
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+Wenn du etwa Kindern abwarten must, so thu es doch mit aller Treu und
+Sorgfalt, als wenn sie deine eigne Kinder wären. Sey vorsichtig, wo du
+mit ihnen hingehst, wenn du sie niedersetzest, stellst, führst oder
+trägst. Spring nicht mit ihnen muthwillig hin und her! Verlasse sie
+nie, wenn du bey ihnen seyn sollst. Lehre sie nichts Böses, sondern
+Gutes. Erzähle ihnen keine Mährlein! Nichts von Gespenstern und bösen
+Männern; nichts vom Satan und Hexen; nichts von einem erzörnten Gotte,
+wenn es donnert; nichts von dergleichen Dingen, die entweder ganz
+keinen Grund haben, oder wovon du nichts verstehest, und das Kind
+nichts verstehen soll. Am allerwenigsten gewöhne sie zum Ungehorsam
+gegen ihre Eltern; sondern suche ihnen Achtung und Liebe gegen sie ins
+Herz zu pflanzen. Dein schneller Gehorsam müsse ihnen zeigen, wie sehr
+ihre Eltern des Gehorsams würdig sind. -- Wenn du aber auch den
+Kindern eben nicht selbst abwarten must; so sey sonst liebreich und
+gefällig gegen sie. Erzeige ihnen nach ihrem Betragen und ihrem Alter
+Achtung und Liebe.
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+In Ansehung deiner Nebendienstboten, wenn du solche hast, bezeige dich
+freundlich und friedlich! Weiche Zank und Streit aus! Hilf ihnen, und
+mach ihren Dienst nicht schwerer, sondern leichter! Sey ihnen ein
+gutes Exempel der Treu und des Gehorsams. Tritt nie mit ihnen wider
+deine Herrschaft zusammen! Verläumde und verschwätze sie nie mit
+ihnen. Ermuntre sie zur Geduld und zur Treue. Sind sie frömmer als du,
+so verlache sie nicht, und mach ihnen ihre Frömmigkeit nicht schwer!
+Sind sie nicht so fromm, wie du meynest zu seyn, so verachte sie
+nicht, verdamme sie nicht! Suche sie durch stille Tugend, unsträfliche
+Treu und sanfte Güte zu gewinnen -- denn, wenn du dieß thust, so
+kannst du dich und andere seelig machen.
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+Hast du etwa übrige Zeit, so nutze sie zum Guten; zur Vermehrung
+deiner christlichen Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe
+etwas nützliches. -- Das übrige, was ich dir etwa sonst noch zu sagen
+hätte, sey deiner eigenen Einsicht und deinem Gewissen überlassen.
+Bitte Gott um Weisheit, insonderheit bey der Wahl und etwaigen
+Abänderung deines Dienstes; und wenn du etwa in andere bedenkliche
+Gewissensfälle kommst; und gieb acht, daß du dir weder durch
+unchristliche Leute, noch durch unedle, unordentliche Leidenschaften
+deines Herzens rathen lassest.
+
+Die Summe als dessen, was ich dir hier sage, ist diese: Habe Gott vor
+Augen, und halte seine Gebote; denn das ist die Hauptangelegenheit
+aller Menschen; denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen; auch
+alle Heimlichkeiten, sie seyen gut oder bös.
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+ Der Herr hat zum Gerichte
+ Sich seinen Thron erhöht.
+ Vor seinem Angesichte
+ Bleibt nicht, wer widersteht.
+ Ihr kühnen Sünder zittert;
+ Bereut noch euren Spott.
+ Sein Thron wird nie erschüttert;
+ Der Herr bleibt ewig Gott!
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+ =Gebetlied=
+ eines
+ =Dienstboten=.
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+ Du aller Wesen Herr und Meister,
+ Des Leibes Schöpfer, Geist der Geister,
+ Mein Schöpfer, Vater, ich bin dein!
+ Du hießest mich, o Allmacht, werden;
+ Du setztest mich, dein Kind, auf Erden,
+ Und deiner soll mein Herz sich freun.
+
+ Du heissest mich den Menschen dienen,
+ Ja dir nur folg ich, folg ich ihnen,
+ Dir, unser aller Herr und Gott.
+ Drum hilf mir, meiner Herrschaft Willen
+ Gewissenhaft und froh erfüllen,
+ Als deinen Willen, dein Gebot.
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+ Bewahre mich vor bittern Klagen,
+ Lehr mich mein Joch gelassen tragen;
+ Und stets auf dich, auf dich nur sehn.
+ Herr, lehr mich reden, lehr mich schweigen,
+ Mich unbeweglich treu erzeigen,
+ Und nur gerade Wege gehn.
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+ Der Herrschaft Glück soll mich erfreuen,
+ Laß jeden Fehler mich bereuen,
+ Und frömmer werde stets mein Herz.
+ Bewahre mich vor Stolz und Neide,
+ Vor Ungeduld, Herr, wenn ich leide,
+ Sey du mein Trost in jedem Schmerz!
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+ O gieb mir Weisheit mich zu schmiegen,
+ Gehorsam, Herr, sey mein Vergnügen,
+ Und Freude sey mir jede Pflicht.
+ Mein Sitzen, Liegen oder Stehen,
+ Mein Reden, Schweigen, Thun und Gehen
+ Gescheh vor deinem Angesicht.
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+ Du bist der Treue, der Gerechte,
+ Der Herr der Herren und der Knechte,
+ Der Armen wie der Reichen Heil.
+ Der Allerniedrigste auf Erden
+ Kann groß in deinem Reiche werden,
+ Hat Fürsten gleich, Gott, an dir Theil!
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+ Ja, du wirst ewig mich belohnen,
+ In deinem Himmel werd ich wohnen,
+ Dort König mit dir König seyn.
+ Ach! Herr, mögt ich dieß stets ermessen,
+ Nicht dein und deines Reichs vergessen,
+ Wie würd ich ewig seelig seyn!
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+Anmerkungen zur Transkription:
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+ Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt.
+ Unter der Beschreibung der Änderung steht jeweils zuerst die
+ Textstelle im Original, dann die geänderte Textstelle.
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+ »fleisig« geändert zu »fleißig«:
+ Nur dann recht thun, nur dann fleisig seyn, wenn die Herrschaft um die
+ Nur dann recht thun, nur dann fleißig seyn, wenn die Herrschaft um die
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+ »zusteht« geändert zu »zusieht«:
+ Wege ist, oder dir zusteht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
+ Wege ist, oder dir zusieht; und nachlässig und träg, wenn sie dir den
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+ »Herschaft« geändert zu »Herrschaft«:
+ und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herschaft
+ und vorschwätzen, was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herrschaft
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+ »st« geändert zu »ist«:
+ st Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
+ ist Gottes Meynung hierüber -- _Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht
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+ »Erkeuntniß« geändert zu »Erkenntniß«:
+ deiner christlichen Erkeuntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe
+ deiner christlichen Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe ]
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44036 ***