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diff --git a/43891-0.txt b/43891-0.txt new file mode 100644 index 0000000..b3244af --- /dev/null +++ b/43891-0.txt @@ -0,0 +1,1861 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 *** + + Du deutsches Kind! + + + Eine Gabe für unsere Jugend. + + Dargereicht von J. B. Laßleben. + + Bilder von Albert Reich. + + +[Illustration: Dekoration] + + + Hochwald-Verlag München-Kallmünz + + + + + Ein jeder nehme wohl in acht, + was Lust und Ehr' ihm hat gebracht: + Der Wirt seinen Krug, + der Krämer sein Tuch, + der Bauer seinen Pflug, + das Kind sein Buch. + + Robert Reinick. + + + Druck von Michael Laßleben (Oberpfalz-Verlag) + Kallmünz/Bayern 1922 + + + + +[Illustration: Sämann] + + +Zum Tagewerk. + + + Gehe hin in Gottes Namen, + greif dein Werk mit Freuden an! + Frühe säe deinen Samen! + Was getan ist, ist getan. + Sieh nicht aus nach dem Entfernten; + was dir nah' liegt, mußt du tun. + Säen mußt du, willst du ernten; + nur die fleiß'ge Hand wird ruhn. + Müßigstehen ist gefährlich, + heilsam unverdroßner Fleiß; + und es steht dir abends ehrlich + an der Stirn des Tages Schweiß. + Weißt du auch nicht, was geraten + oder was mißlingen mag, + folgt doch allen guten Taten + Gottes Segen für dich nach. + Geh denn hin in Gottes Namen, + greif dein Werk mit Freuden an! + Frühe säe deinen Samen! + Was getan ist, ist getan. + + Philipp Spitta. + + + + +Der Vater und die drei Söhne. + + + An Jahren alt, an Gütern reich, + teilt' einst ein Vater sein Vermögen + und den mit Müh erworb'nen Segen + selbst unter die drei Söhne gleich. + »Ein Diamant ist's,« sprach der Alte, + »den ich für den von euch behalte, + der mittels einer edlen Tat + darauf den größten Anspruch hat.« + + Um diesen Anspruch zu erlangen, + sieht man die Söhne sich zerstreu'n. + Drei Monden waren kaum vergangen, + so stellten sie sich wieder ein. + + Drauf sprach der älteste der Brüder: + »Hört! es vertraut' ein fremder Mann + sein Gut ohn' einen Schein mir an; + ich gab es ihm getreulich wieder. + Sagt, war die Tat nicht lobenswert?« -- + »Du tat'st, mein Sohn, was sich gehört,« + ließ sich der Vater hier vernehmen; + »wer anders tut, der muß sich schämen; + denn ehrlich sein ist unsre Pflicht. + Die Tat ist gut, doch edel nicht.« + + Der zweite sprach: »Auf meiner Reise + fiel einmal unachtsamerweise + ein Kind in einen tiefen See. + + Ich stürzt' ihm nach, zog's in die Höh + und rettete dem Kind das Leben. + Ein ganzes Dorf kann Zeugnis geben.« -- + »Du tatest,« sprach der Greis, »mein Kind, + was wir als Menschen schuldig sind.« + +[Illustration: Rettung] + + Der jüngste sprach: »Bei seinen Schafen + war einst mein Feind fest eingeschlafen + an eines tiefen Abgrunds Rand; + sein Leben stand in meiner Hand. + Ich weckt' ihn und zog ihn zurücke.«-- + »O,« rief der Greis mit holdem Blicke, + »Dein ist der Ring! Welch edler Mut, + wenn man dem Feinde Gutes tut.« + + M. G. Lichtwer + + + + +[Illustration: Gasthausschild] + + +Das Tischgebet. + + + An der Tafel im Gasthaus zum goldnen Stern + waren beisammen viel reiche Herrn. + Vor ihnen standen aus Küch' und Keller + gar lieblich lockend die Flaschen und Teller. + Schon saßen sie da in plaudernden Gruppen, + die Kellner reichten die dampfenden Suppen + und mehr noch begann Gemüs' und Braten + mit süßem Wohlgeruch zu laden. + + Da kam zur Türe still herein + ein Fremder mit seinem Töchterlein + und setzte sich unten am langen Tisch, + um auch zu kosten von Wein und Fisch. + Oben klirrten die Löffel und Messer, + klangen die Gläser und scherzten die Esser. + + Da tönt auf einmal gar hell und fein + eine Stimme in den Lärm hinein, + wie wenn von fern ein Glöcklein klingt, + wie wenn im Wald ein Vogel singt. + Und wie auch der Strom der Rede rauscht, + still wird es rings und jeder lauscht: + der Krieger, der von den Schlachten erzählt, + der Kaufmann, der über die Zölle geschmält, + die Reisenden, die von Abenteuern + gesprochen und von Ungeheuern, + die Stutzer, die von Pferd und Wagen + und Hunden und Moden so vieles sagen. + + Und wie sie schauen nach dem Orte, + von woher dringen die lieblichen Worte: + mit gefalteten Händen das Mädchen steht + und spricht sein gewohntes Tischgebet. + Und wie beseelt von höherem Geist + falten auch sie die Hände zumeist + und horchen alle mit rechtem Fleiße + auf des betenden Kindes Weise. + Drauf setzt es sich nieder mit stiller Freude + und achtet nicht auf all die Leute. + Die aber, ergriffen im tiefsten Innern, + mußten sich oft noch daran erinnern. + Und mancher hat wieder gebetet fortan, + was er schon lange nicht mehr getan. + + Friedrich Güll. + + + + +Dem Vaterland. + + + Das ist ein hohes, helles Wort, + Dem Vaterland! + das hallt durch unsre Herzen fort + wie Waldesrauschen, Glockenklang, + Drommetenschmettern, Lerchensang; + das fällt, ein Blitz, in unsre Brust, + zu heil'ger Flamme wird die Lust! + Dem Vaterland! + + Dem Vaterland! + Das Wort gibt Flügel dir, o Herz. + Flieg auf, flieg auf, schau niederwärts + die Wälder, Ströme, Tal' und Höhn; + o deutsches Land, wie bist du schön! + Und überall klingt Liederschall + und überall _ein_ Widerhall: + Dem Vaterland! + + Dem Vaterland! + Das seinen Töchtern hat beschert + der keuschen Liebe stillen Herd, + das seinen Söhnen gab als Hort + die freie Tat, das treue Wort, + das feiner Ehren blanken Schild + zu wahren allzeit sei gewillt,-- + dem Vaterland! + +[Illustration: Landschaft] + + Dem Vaterland! + O hohes Wort, o helles Wort, + du tön' für alle Zeiten fort + wie Waldesrauschen, Glockenklang, + Drommetenschmettern, Lerchensang! + zu heil'ger Flamme weih' die Lust, + so lange schlägt die deutsche Brust + dem Vaterland! + Heil dir, Heil dir, du deutsches Land! + + Rob. Reinick. + + + + +Deutscher Rat. + + + Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr, + laß nie die Lüge deinen Mund entweih'n! + Von alters her im deutschen Volke war + der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein. + + Du bist ein deutsches Kind, so denke dran; + noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer. + Aus einem Knaben aber wird ein Mann; + das Bäumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr. + + Sprich ja und nein und dreh' und deutle nicht! + Was du berichtest, sage kurz und schlicht; + was du gelobest, sei dir höchste Pflicht! + Dein Wort sei heilig, drum verschwend' es nicht! + + Leicht schleicht die Lüge sich ans Herz heran; + zuerst ein Zwerg, ein Riese hintennach; + doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an, + und eine Stimme ruft in dir: »Sei wach!« + + Dann wach' und kämpf', es ist ein Feind bereit: + Die Lüg' in dir, sie drohet dir Gefahr. + Kind! Deutsche kämpften tapfer allezeit. + Du, deutsches Kind, sei _tapfer, treu und wahr_! + + Robert Reinick. + +[Illustration: Dekoration] + + + + +Geschichte vom Nußknacker. + + +[Illustration: Nussknacker] + +Zwei Knaben hatten im Walde Haselnüsse gepflückt, saßen unter den +Stauden und wollten Nüsse essen; aber keiner hatte sein Messerlein bei +sich, und mit den Zähnen konnten sie sie nicht aufbeißen. Da jammerten +sie sehr und sagten: »Ach, käme doch nur jemand, der uns unsre Nüsse +aufknacken wollte!« Kaum gesagt, so kam ein kleines Männlein durch den +Wald einher gezogen. Aber wie sah das Männlein aus? Es hatte einen +großen, großen Kopf, an dem ein langer, steifer Zopf bis an die Ferse +herabhing, eine goldene Mütze, ein rotes Kleid und gelbes Höslein. Indem +es nun so einhertrippelte, brummte es das Liedlein: + + »Heiß, heiß, + beiß, beiß + Hans heiß' ich, + Nüsse beiß' ich; + geh' gern in den grünen Wald, + wenn die Nuß vom Strauche fallt; + mach's dem lust'gen Eichhorn nach, + knack' und nag' den ganzen Tag!« + +Die Knaben mußten sich schier zu Tode lachen über den kleinen, drolligen +Burschen, den sie für ein Waldzwerglein hielten. Sie riefen ihm zu: +»Wenn du Nüsse beißen willst, so komm her und knack' uns diese auf, +damit wir sie essen können!« -- Da brummte das Männlein in seinen langen +weißen Bart: + + »Hansl heiß' ich, + Nüsse beiß' ich; + hab' ich aber mich beflissen, + euch ein Dutzend aufgebissen, + gebt mir zum Lohn + ein paar davon!« + +»Ja, ja!« schrien die Buben, »du kannst mitessen, knacke nur fleißig +auf.« -- Das Männlein stellte sich zu ihnen hin -- denn am Sitzen +hinderte es sein steifer Zopf -- und sprach: + + »Hebet auf den langen Zopf, + schiebt die Nuß in meinen Kropf, + drücket nieder und so fort, + schnell ist jede Nuß durchbohrt.« + +[Illustration: Nussbeißer] + +Also taten sie, und hörten das Lachen nicht auf, wenn sie den Kleinen +immer beim Zopfe nehmen mußten und nach jedem tüchtigen Knack die Nuß +aus dem Munde sprang. Bald waren alle Nüsse aufgebissen, und das +Männlein brummte: + + »Heiß, heiß, + beiß, beiß, + will meinen Lohn + nun auch davon!« + +Der eine der Knaben wollte nun dem Männlein den versprochenen Lohn +spenden; der andere aber, ein böser Bube, hinderte ihn daran, indem er +sprach: »Warum willst du dem Bürschlein von unsern Nüssen geben? Wir +wollen sie allein essen. Geh nur fort jetzt, Nußbeißer, und suche dir +deine Nüsse selbst!« + +Da ward das Nußbeißerlein gewaltig erzürnt und brummte: + + »Gibst du mir keine Nuß, + so machst du mir Verdruß; + ich nehme dich beim Schopf + und beiß' dir ab den Kopf!« + +Da lachte der böse Bube und sagte: »Du mir den Kopf abbeißen? Mache +lieber, daß du fortkommst, sonst laß' ich dich mein Haselstaudengertlein +fühlen!« Zugleich drohte er mit seinem Stöcklein; der Nußknacker wurde +ganz rot vor Zorn, hob sich mit einem Händchen den Zopf auf, schnappte +wie ein Fisch im Wasser und -- knack -- der Kopf war weg. + +Das ist die Geschichte von dem ersten Nußknacker. Habt wohl acht, +Kinder, daß euch die Köpfe oder wenigstens die Fingerlein nicht +abgebissen werden; denn wie ihr Ahnherr, so machen auch die Enkel und +Urenkel des Nußknackergeschlechts mit bösen Kindern nicht lange +Federlesens! F. v. Pocci. + + + + +Der alte Landmann an seinen Sohn. + + Üb' immer Treu und Redlichkeit + bis an dein kühles Grab + und weiche keinen Finger breit + von Gottes Wegen ab! + Dann wirst du wie auf grünen Au'n + durchs Erdenleben gehn; + dann kannst du sonder Furcht und Grau'n + dem Tod ins Auge sehn. + +[Illustration: Landmann beim Mähen] + + Dann wird die Sichel und der Pflug + in deiner Hand so leicht; + dann singest du beim Wasserkrug, + als wär' dir Wein gereicht. + Dem Bösewicht wird alles schwer, + er tue, was er tu'. + Der Teufel treibt ihn hin und her + und läßt ihm keine Ruh'. + Der schöne Frühling lacht ihm nicht; + ihm lacht kein Ährenfeld; + er ist auf Lug und Trug erpicht + und wünscht sich nichts als Geld. + Der Wind im Hain, das Laub am Baum + saust ihm Entsetzen zu. + Er findet nach des Lebens Traum + im Grabe keine Ruh'. + Sohn, übe Treu' und Redlichkeit + bis an dein kühles Grab + und weiche keinen Finger breit + von Gottes Wegen ab! + Dann suchen Enkel deine Gruft + und weinen Tränen drauf, + und Sonnenblumen, voll von Duft, + Blühn aus den Tränen auf. + Hölty. + +[Illustration: Dekoration - Sonnenblumen] + + + + +[Illustration: Die unholdigen Schwestern] + + +Der getreue Eckart. + + + Vom Wundermann hat man euch immer erzählt; + nur hat die Bestätigung jedem gefehlt, + die habt ihr nun köstlich in Händen.« + + Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug + ein jedes den Eltern bescheiden genug + und harren der Schläg' und der Schelten. + Doch siehe, man kostet: »Ein herrliches Bier!« + Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier + und noch nimmt der Krug nicht ein Ende. + + Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag; + doch fraget, wer immer zu fragen vermag: + »Wie ist's mit den Krügen ergangen?« + Die Mäuslein, sie lächeln, im stillen ergötzt; + Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt + und gleich sind vertrocknet die Krüge. + + Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht + ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht, + so horchet und folget ihm pünktlich! + Und liegt auch das Zünglein in peinlicher Hut, + verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut; + dann füllt sich das Bier in den Krügen. + Goethe. + +[Illustration: Dekoration] + + + + +[Illustration: Pflug] + + +Die beiden Pflugscharen. + + +Von gleicher Art des Eisens wurden in einer Werkstätte zwei Pflugscharen +verfertigt. Eine davon kam in die Hand eines Landmannes, die andere ward +in einen Winkel gestellt. Erst nach mehreren Monaten erinnerte man sich +derselben, zog sie aus ihrer Ruhe hervor, und siehe! sie war ganz mit +Rost bedeckt. Wie erstaunte sie, als sie ihre Gefährtin wiedersah und +sich selbst mit ihr verglich! Denn diese fand sie hell und glatt, ja, +glänzender als sie anfangs gewesen war. »Ist das möglich?« rief die +verrostete aus; »einst waren wir einander gleich; was hat dich so +herrlich gemacht, während ich in der glücklichsten Ruhe so verunstaltet +worden bin?« -- »Eben diese Ruhe«, erwiderte jene, »war dir verderblich. +Mich hat Übung und Arbeit erhalten, und diesen verdanke ich die +Schönheit, in der ich dich jetzt übertreffe.« + + G. Meißner. + + + + +Die beiden Äxte. + + +Ein Zimmermann ließ seine Axt in einen tiefen Strom fallen und bat den +Flußgott inbrünstig, er möchte ihm, da er arm sei, wieder dazu +verhelfen. Der Flußgott war so gnädig, stieg auf und brachte eine -- +goldene Axt zum Vorschein. + +[Illustration: Flussgott] + +»Das ist die meinige nicht!« sprach der Zimmermann ganz gelassen. -- +Der Geist tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor. + +»Auch diese gehört mir nicht!« sprach der Arme und zum dritten Male +langte der Flußgott eine Axt von Eisen mit einem hölzernen Stiele +heraus. -- + +»Das ist die rechte! das ist sie!« rief der Arbeitsmann fröhlich. + +»Gut! Ich sehe, du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm«, sprach +der mitleidige Geist. »Zur Belohnung nimm alle drei mit.« + +Die Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchbar. Ein Schalk, der +sie erfahren, nahm sich vor zu versuchen, ob auch gegen ihn der Flußgott +so mildtätig sein würde. Er ließ seine Axt mit Willen in den Strom +fallen, flehte zum Flußgott und hatte das Vergnügen, ihn aufsteigen zu +sehen. Er klagte ihm seinen Verlust, und der Geist brachte, wie ehemals, +eine goldene hervor. + +»Ist sie das, mein Sohn?« + +»Ja, ja, das ist sie!« antwortete der Lügner und griff schon darnach. +»Halt, Nichtswürdiger!« erschallte nun die Stimme des erzürnten Geistes. +»Glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens +blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verliere auch +dasjenige, was bisher dein war!« Und ohne Axt mußte er nach Hause +wandern. G. Meißner. + + + + + +Sparbüchslein. + + + Teuer ist die War' + und das Geld ist rar: + Spar'! + + Lang ist auch das Jahr, + groß der Tage Schar: + Spar'! + + Eh' dein Geld ist gar, + jetzt und immerdar: + Spar'! + + Spar' für die Gefahr, + für die grauen Haar: + Spar'! + + Sag' nicht: Wenn und zwar! -- + Bis zu deiner Bahr: + Spar'! + + Friedrich Güll. + +[Illustration: Sparbüchse] + + + + +Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. + + + Als Kaiser Karl zur Schule kam und wollte visitieren, + da prüft' er scharf das kleine Volk, ihr Schreiben, Buchstabieren, + ihr Vaterunser, Einmaleins, und was man lernte mehr; + zum Schlusse rief die Majestät die Schüler um sich her. + + Gleichwie der Hirte schied er da die Böcke von den Schafen, + zu seiner Rechten hieß er stehn die Fleißigen, die Braven. + Da stand im groben Linnenkleid manch schlichtes Bürgerkind, + manch Söhnlein eines armen Knechts von Kaisers Hofgesind'. + + Dann rief er mit gestrengem Blick die Faulen her, die Böcke, + und wies sie mit erhobner Hand zur Linken in die Ecke; + da stand im pelzverbrämten Rock manch feiner Herrensohn, + manch ungezognes Mutterkind, manch junger Reichsbaron. + + Da sprach nach rechts der Kaiser mild: »Habt Dank ihr frommen Knaben, + ihr sollt' an mir den gnäd'gen Herrn, den güt'gen Vater haben; + und ob ihr armer Leute Kind und Knechtesöhne seid, + in meinem Reiche gilt der Mann und nicht des Mannes Kleid.« + + Dann blitzt' sein Blick zur Linken hin, wie Donner klang sein Tadel: + »Ihr Taugenichtse, bessert euch, ihr schändet euren Adel; + ihr seidnen Püppchen, trotzet nicht auf euer Milchgesicht, + ich frage nach des Manns Verdienst, nach seinem Namen nicht!« + + Da sah man manches Kindesaug' in frohem Glanze leuchten + und manches stumm zu Boden sehn und manches still sich feuchten; + und als man aus der Schule kam, da wurde viel erzählt, + wen heute Kaiser Karl gelobt, und wen er ausgeschmält. + + Und wie's der große Kaiser hielt, so soll man's allzeit halten + im Schulhaus mit dem kleinen Volk, im Staate mit den Alten: + Den Platz nach Kunst und nicht nach Gunst, den Stand nach dem Verstand, + so steht es in der Schule wohl und gut im Vaterland. + + Karl Gerock. + + + + +Hurtig an die Arbeit. + + + Mein Kind, du bist schon lang + der Mutter aus der Wiegen; + nun hilf dir selbst; wie du + dich bettest, wirst du liegen. + Die Flügel wuchsen dir, + gebrauche sie zum Fliegen! + Der kommt nicht auf den Berg, + der nicht hinaufgestiegen. + Greif an die Schwierigkeit, + so wirst du sie besiegen! + + Friedrich Rückert. + + + + +Meister, Geselle und Lehrling. + + + Wer soll Meister sein? Wer was ersann. + Wer soll Geselle sein? Wer was kann. + Wer soll Lehrling sein? Jedermann. + + Joh. Wolfg. v. Goethe. + +[Illustration: Dekoration - Rose] + + + + +Der Künstler und sein Sohn. + + +Der Meister saß in seiner Werkstätte und meißelte an einem Herkules. Da +trat eines Tages sein Söhnlein zu ihm und fragte: »Vater, was machst du +da?« Der Vater antwortete: »Ich bildne einen Herkules.« Und er erzählte +ihm darauf, wie ein gar großer und gewaltiger Mann der gewesen, und wie +er Löwen und Schlangen und Riesen erlegt, und noch viele andere +wundersame Heldenstücke getan. Da sagte der Knabe: »Vater, ich will auch +einen Herkules machen.« -- »Tue das, mein Kind!« versetzte der Meister +lächelnd. Und er gab demselben einen Klumpen Ton, aus dem jener den +Herkules machen könnte. Nach einiger Zeit fragte der Vater: »Wie ist's +mit dem Herkules?« Der Knabe antwortete: »Es fügt sich nicht recht; ich +will lieber einen Reiter machen.« Der Vater nickte und sprach: »So mach' +denn einen Reiter!« Nach einer Weile stiller Arbeit rief der Knabe: +»Vater, es geht mit dem Reiter auch nicht; ich will nur gleich einen +Hanswurst machen.« Und er knetete nun aus dem Ton zuerst einen großen +Wanst; dann fügte er Hände und Füße daran und setzte zuletzt einen +spitzen Hut drauf, unter dem ein Kopf stak mit einer großen Nase. So war +denn der Hanswurst fertig. Das Söhnlein klatschte voll Freuden sich in +die Hände; der Vater aber schüttelte den Kopf und dachte sich, -- was +sich jeder leicht denken kann. Ludwig Aurbacher. + + + + +[Illustration: Zweig mit Pfirsichen] + + +Die Pfirsiche. + + +Ein Landmann brachte aus der Stadt fünf Pfirsiche mit, die schönsten, +die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum +erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr über die schönen +Äpfel mit den rötlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte +sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter. + +Am Abend, als die Kinder in das Schlafkämmerlein gingen, fragte der +Vater: »Nun, wie haben euch die schönen Äpfel geschmeckt?« »Herrlich, +lieber Vater!« sagte der Älteste. »Es ist eine schöne Frucht, so +säuerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam +bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen.« »Brav!« sagte der +Vater; »das heißt haushälterisch auch für die Zukunft gesorgt, wie es +dem Landmanne geziemt!« + +»Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen,« rief der Jüngste, »und den +Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hälfte von dem ihrigen +gegeben. O! das schmeckte so süß und zerschmilzt einem im Munde.« »Nun,« +sagte der Vater, »du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natürlich und +nach kindlicher Weise gehandelt. Für die Klugheit ist auch noch Raum +genug im Leben.« + +Da begann der zweite Sohn: »Ich habe den Stein, den der kleine Bruder +fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte +so süß wie eine Nuß. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel +Geld dafür erhalten, daß ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwölf +dafür kaufen kann.« Der Vater schüttelte den Kopf und sagte: »Klug ist +das wohl, aber kindlich und natürlich war es nicht.« + +»Und du Edmund?« fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete +Edmund: »Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem +kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen. +Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.« + +»Nun!« sagte der Vater, »wer hat denn wohl den besten Gebrauch von +seinem Pfirsich gemacht?« Da riefen sie alle drei: »Das hat Bruder +Edmund getan!« Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit +einer Träne im Auge. A. Krummacher. + + + + +[Illustration: Garben] + + +Die treuen Brüder. + + +Zur Zeit der Ernte kamen zwei rüstige Jünglinge aus dem Gebirg herab in +das ebene Land, wo es an Arbeitern fehlte und sagten zu einem Bauern: +»Wir beide wollen euch die ganze Erntezeit hindurch helfen, euer +Getreide hereinzubringen, wenn ihr uns die Kost und zehn Taler Lohn +gebt!« + +»Zehn Taler ist zu viel,« sagte der Bauer; »ich meine, zehn Gulden[1] +wären mehr als genug.« »Nein,« sagten die Jünglinge, »es müssen gerade +zehn Taler sein, mit weniger ist uns nicht geholfen. Wollt ihr uns nicht +so viel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.« + +»Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig?« fragte der Bauer. »Seht,« +sagten sie, »wir haben zu Hause einen jüngeren Bruder, der bereits +vierzehn Jahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in die Lehre +nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehrgeld. So viel Geld aber +weiß unser alter Vater nicht aufzubringen. Da haben wir zwei ältere +Brüder uns denn verabredet, dieses Geld zu verdienen.« + +»Nun wohl,« sagte der Bauer, »wegen eurer brüderlichen Liebe will ich +euch zehn Taler geben, wenn ihr so fleißig arbeitet, daß ich damit +zufrieden sein kann.« + +Die beiden Brüder arbeiteten an den heißen Erntetagen unermüdet im +Schweiße ihres Angesichtes; sie waren morgens am frühesten auf und +legten sich abends am spätesten zur Ruhe. + +Als die Ernte glücklich eingebracht war, bezahlte der Bauer ihnen die +zehn Taler und sprach: »Ihr habt euern Lohn redlich verdient und da gebe +ich jedem von euch noch einen Taler darüber.« + + Wenn Geschwister einig leben, + treulich sich zu helfen streben -- + kann es etwas Schönr'es geben? + + Chr. v. Schmid. + +[Illustration: Dekoration - Ähren] + + + + +[Illustration: Der Bauer und sein Sohn] + + + + +Der Bauer und sein Sohn. + + + Ein guter dummer Bauernknabe, + den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm + und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe + recht dreist zu lügen wiederkam, + ging kurz nach der vollbrachten Reise + mit seinem Vater über Land. + Fritz, der im Geh'n recht Zeit zum Lügen fand, + log auf die unverschämt'ste Weise. + Zu seinem Unglück kam ein großer Hund gerannt. + »Ja, Vater,« rief der unverschämte Knabe, + »ihr mögt mir glauben oder nicht, + so sag' ich euch und jedem ins Gesicht, + daß ich einst einen Hund im Haag[2] gesehen habe, + hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fährt, + der -- ja, ich bin nicht ehrenwert, + wenn er nicht größer war als euer größtes Pferd.« + +[Illustration: Hund] + + »Das,« spricht der Vater, nimmt mich wunder, + wiewohl ein jeder Ort läßt Wunderdinge seh'n. + Wir zum Exempel geh'n jetzunder + und werden keine Stunde geh'n, + so wirst du eine Brücke seh'n, + (wir müssen selbst darüber geh'n), + die hat dir manchen schon betrogen; + (denn überhaupt soll's dort nicht gar zu richtig sein). + Auf dieser Brücke liegt ein Stein, + an den stößt man, wenn man denselben Tag gelogen, + und fällt und bricht sogleich das Bein.« + + Der Bub' erschrak, sobald er dies vernommen. + »Ach,« sprach er, »lauft doch nicht so sehr! + Doch, wieder auf den Hund zu kommen, + wie groß sagt' ich, daß er gewesen wär'? + Wie euer größtes Pferd? Dazu will viel gehören. + Der Hund, jetzt fällt mir's ein, war erst ein halbes Jahr; + allein, das wollt' ich wohl beschwören, + daß er so groß als mancher Ochse war.« + + Sie gingen noch ein gutes Stücke; + doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt' es anders sein? + Denn niemand bricht doch gern ein Bein. + Er sah nunmehr die richterliche Brücke -- + und fühlte schon den Beinbruch halb. + »Ja, Vater,« fing er an, »der Hund, von dem ich rede, + war groß, und wenn ich ihn auch was vergrößert hätte, + so war er doch viel größer als ein Kalb.« + + Die Brücke kommt. Fritz! Fritz! wie wird dir's gehen! + Der Vater geht voran; doch Fritz hält ihn geschwind. + »Ach, Vater,« spricht er, »seid kein Kind + und glaubt, daß ich dergleichen Hund gesehen; + denn kurz und gut, eh' wir darüber gehen, + der Hund war nur so groß, wie alle Hunde sind.« + + Christian Fürchtegott Gellert + +[Illustration: Dekoration - Brücke] + + + + +Das Kind. + + + Die Mutter lag im Totenschrein, + zum letzten Mal geschmückt; + da spielt das kleine Kind herein, + das staunend sie erblickt. + + Die Blumenkron' im blonden Haar + gefällt ihm gar zu sehr, + die Busenblumen, bunt und klar, + zum Strauß gereiht, noch mehr. + + Und sanft und schmeichelnd ruft es aus: + »du, liebe Mutter, gib + mir eine Blum aus deinem Strauß, + ich hab' dich auch so lieb!« + + Und als die Mutter es nicht tut, + da denkt das Kind für sich: + »Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht, + so tut sie's sicherlich.« + + Schleicht fort, so leis' es immer kann, + und schließt die Türe sacht + und lauscht von Zeit zu Zeit daran, + ob Mutter noch nicht wacht. + + Hebbel. + +[Illustration: Dekoration - Blumen] + + + + +Das Kind am Brunnen. + + + Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht! + Doch die liegt ruhig im Schlafe. + Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht, + am Hügel weiden die Schafe. + Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf, + es wagt sich weiter und weiter! + Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf, + da stehen Blumen und Kräuter. + Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief! + Sie schläft, als läge sie drinnen. + Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief, + die Blumen lockens von hinnen. + Nun steht es am Brunnen, nun steht es am Ziel, + nun pflückt es die Blumen sich munter; + doch bald ermüdet das reizende Spiel, + da schaut's in die Tiefe hinunter. + Und unten erblickt es ein holdes Gesicht + mit Augen, so hell und so süße. + Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht, + viel stumme freundliche Grüße! + Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind + winkt aus der Tiefe ihm wieder. + Herauf! Herauf! so meint's das Kind; + der Schatten: Hernieder! Hernieder! + Schon beugt es sich über den Brunnenrand. + Frau Amme, du schläfst noch immer! + +[Illustration: Kind am Brunnen] + + Da fallen die Blumen ihm aus der Hand + und trüben den lockenden Schimmer. + Verschwunden ist sie, die süße Gestalt, + verschluckt von der hüpfenden Welle; + das Kind durchschauert's fremd und kalt, + und schnell enteilt es der Stelle. + + Friedrich Hebbel. + + + + +[Illustration: Blumenkorb] + + +Des Mägdleins Schmuck. + + + Es wächst ein Blümlein _Bescheidenheit_, + der Mägdlein Kränzel und Ehrenkleid. + Wer solches Blümlein sich frisch erhält, + dem blühet golden die ganze Welt. + + Auch wird ein zweites, das _Demut_ heißt, + als Schmuck der Mägdelein hoch gepreist. + Die Englein, singend an Gottes Thron, + es trag'n als Demant in goldner Kron'. + + Ein drittes Blümlein, wo diese zwei + nur stehen, immer ist dicht dabei: + heißt _Unschuld_, sieht gar freundlich aus, + das schönste Blümchen im Frühlingsstrauß. + + So pflege, Mägdlein, die Blümlein drei + mit frommer Sorge und stiller Treu'! + Denn wer sie wahret, wird nimmer alt, + er trägt die himmlische Wohlgestalt. + + Ernst Moritz Arndt. + + + + +Der Jähzorn. + + +Ein junger Schäfer hütete im Gebirge seine Schafe. Eines Tages saß er +auf einem Felsenstücke in dem Schatten einer Tanne. Er schlief ein und +wankte und nickte im Schlafe beständig mit dem vorwärts hängenden Kopfe. +Der Schafbock, der nicht weit von ihm graste, meinte, der Schäfer +fordere ihn zum Zweikampfe heraus und wolle mit ihm stoßen. Der Bock +nahm daher eine drohende Stellung, ging, um einen rechten Anlauf zu +nehmen, einige Schritte zurück, rannte dann auf den Schäfer zu und +versetzte ihm mit seinen Hörnern einen gewaltigen Stoß. Der Schäfer, der +sich aus seinem süßen Schlummer so unsanft geweckt sah, geriet in +wütenden Zorn. Er sprang auf, packte den Bock mit beiden Fäusten und +schleuderte ihn weit von sich. Der verscheuchte Bock rannte fort und +stürzte in den nahen Abgrund. Die Schafe, wohl ihrer hundert, sprangen +dem Bocke nach und wurden an den Felsen elend zerschmettert. Der Schäfer +aber raufte sich vor Jammer die Haare aus und bereute zu spät seinen +Jähzorn. Chr. v. Schmid. + +[Illustration: Dekoration - Widderkopf] + + + + +Eifer führt zum Ziel. + + +Der Hase verspottete einst die Schildkröte ihrer Langsamkeit wegen. »Die +Natur«, erwiderte diese, »hat mir freilich keinen schnellen Schritt +verliehen; dennoch getraue ich mir wohl mit dir um die Wette zu laufen.« + +Mit Hohn und Scherz ward von dem Hasen dieser Vorschlag angenommen. Man +bestimmte ein Ziel. Beide machten sich zu gleicher Zeit auf den Weg. Und +unermüdet kroch auf schnurgeradem Pfade die Schildkröte fort. Ganz +anders machte es der Hase. Um zu zeigen, wie sehr er seinen Mitbewerber +verachte, hüpfte er bald rechts bald links und kam demungeachtet viel +früher bis auf die Mitte des Weges. Ermüdet von den vielen +Seitensprüngen legte er allda sich nieder um ein wenig zu schlummern. +»Ich kann ja doch«, dachte er bei sich selbst, »die Schildkröte mit drei +oder vier Sprüngen wieder einholen!« So schlief er ruhig, bis er von +einem lauten Gelächter der Zuschauer erwachte. Jetzt wollte er sich +hurtig aufraffen und ans Ziel eilen, als er -- o Schande! -- die +Schildkröte bereits an demselben erblickte. + + A. G. Meißner. + +[Illustration: Dekoration - Hase] + + + + +Einer für alle. + + +Beim Sturm auf Lüttich (1914) hatte eine deutsche Batterie nach schweren +Verlusten eine gute Stellung gewonnen. Immer hitziger wurde der Kampf. +Die schwere Artillerie der Festung schleuderte dem Angreifer +zentnerschwere Granaten entgegen. Da plötzlich -- es war auf dem +Höhepunkt des heißen Artilleriekampfes -- fällt eines dieser +Riesengeschosse mit dumpfem Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der +Sand spritzt nach allen Seiten, das Geschoß liegt offen in der Höhlung. +Jeden Augenblick kann es losgehen und alles Lebende ringsum töten. Da +schießt dem Unteroffizier Heinemann der Gedanke durch das Gehirn: Lieber +einer als alle! Er springt hin, rafft das schwere Geschoß auf und +schleppt es an den Leib gepreßt eilends aus der Batterie hinaus. Wäre es +in diesen Sekunden geplatzt, er wäre in tausend Stücke zerrissen worden. +Aber die Tat glückte. Eine Strecke außerhalb der Stellung legte er die +gefährliche Last zur Erde und eilte zurück. Doch kaum ist er eine +Strecke gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen. Sie zersprang +mit furchtbarem Brüllen und spritzte ihren totbringenden Eisenhagel nach +allen Seiten. Wie durch ein Wunder aber blieb der Tapfere heil. Nur ein +Splitter traf ihn in die Ferse, und als sieben Stunden später die +Festung fiel, konnte er noch siegreich mit einziehen. + + »Hamburger Fremdenblatt«. + +[Illustration: Unteroffizier Heinemann] + + + + +[Illustration: Dekoration - Weinrebe] + + +Der Schatzgräber. + + + Ein Winzer, der am Tode lag, + Rief seine Kinder an und sprach: + »In unserm Weinberg liegt ein Schatz, + Grabt nur darnach!« -- »An welchem Platz?« + Schrie alles laut den Vater an. -- + »Grabt nur!« O weh, da starb der Mann. + + Kaum war der Alte beigeschafft, + So grub man nach aus Leibeskraft. + Mit Hacke, Karst und Spaten ward + Der Weinberg um und um gescharrt. + Da war kein Kloß, der ruhig blieb; + Man warf die Erde gar durchs Sieb + Und zog die Harken kreuz und quer + Nach jedem Steinchen hin und her. + Allein da ward kein Schatz verspürt + Und jeder hielt sich angeführt. + + Doch kaum erschien das nächste Jahr, + So nahm man mit Erstaunen wahr, + Daß jede Rebe dreifach trug. + Da wurden erst die Söhne klug + Und gruben nun jahrein, jahraus + Des Schatzes immer mehr heraus. + + Gottfr. Aug. Bürger. + + + + +[Illustration: Dekoration - Grabkreuz] + + +Hoffnung. + + + Es reden und träumen die Menschen viel + von bessern künftigen Tagen, + nach einem glücklichen, goldenen Ziel + sieht man sie rennen und jagen. + Die Welt wird alt und wird wieder jung, + doch der Mensch hofft immer Verbesserung. + Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, + sie umflattert den fröhlichen Knaben, + den Jüngling locket ihr Zauberschein, + sie wird mit dem Greis nicht begraben; + denn beschließt er im Grabe den müden Lauf, + noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf. + Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, + erzeugt im Gehirne des Toren; + im Herzen kündet es laut sich an: + Zu was Besserm sind wir geboren. + Und was die innere Stimme spricht, + das täuscht die hoffende Seele nicht. + + Friedrich von Schiller. + + + + +Der beste Empfehlungsbrief. + + +Auf das Ausschreiben eines Kaufmanns, durch welches ein Laufbursche +gesucht wurde, meldeten sich fünfzig Knaben. Der Kaufmann wählte sehr +rasch einen unter denselben und verabschiedete die andern. »Ich möchte +wohl wissen,« sagte ein Freund, »warum du gerade diesen Knaben, der doch +keinen einzigen Empfehlungsbrief hatte, bevorzugtest?« »Du irrst,« +lautete die Antwort, »dieser Knabe hatte viele Empfehlungen. Er putzte +seine Füße ab, ehe er ins Zimmer trat, und machte die Türe zu; er ist +daher sorgfältig. Er gab ohne Besinnen seinen Stuhl jenem alten, lahmen +Manne, was seine Herzensgüte und Aufmerksamkeit zeigt. Er nahm seine +Mütze ab, ehe er hereinkam, und antwortete auf meine Fragen schnell und +sicher; er ist also höflich und hat gute Sitten. Er hob das Buch auf, +welches ich absichtlich auf den Boden gelegt hatte, während alle übrigen +dasselbe zur Seite stießen oder darüber stolperten. Er wartete ruhig und +drängte sich nicht heran -- ein gutes Zeugnis für sein anständiges +Benehmen. Ich bemerkte ferner, daß sein Rock gut ausgebürstet und seine +Hände und sein Gesicht rein waren. Nennst du dies alles keinen +Empfehlungsbrief? Ich gebe mehr darauf, was ich von einem Menschen weiß, +nachdem ich ihn zehn Minuten lang gesehen, als auf das, was in schön +klingenden Empfehlungsbriefen geschrieben steht.« + + Magdeburger Zeitung. + + + + +[Illustration: Dekoration - Blume] + + +Reinlichkeit. + + + Rein gehalten dein Gewand, rein gehalten Mund und Hand! + Rein das Kleid von Erdenputz, rein die Hand von Erdenschmutz! + Sohn, die äußre Reinlichkeit ist der innern Unterpfand. + + Friedrich Rückert. + +[Illustration: Hermann Billing] + + + + +Hermann Billings Berufung. + + +Es war um das Jahr 940 nach Christi Geburt, da hütete nicht weit von +Hermannsburg in der Lüneburger Heide ein dreizehn- bis vierzehnjähriger +Knabe die Rinderherde seines Vaters auf der Legde[3], als plötzlich ein +prächtiger Zug von gewappneten Rittern dahergezogen kam. Der Knabe sieht +mit Lust die blinkenden Helme und Harnische, die glänzenden Speere und +die hohen Reitersleute an und denkt wohl in seinem Herzen: das sieht +noch nach was aus! Aber plötzlich biegen die Reiter von der sich +krümmenden Straße ab und kommen querfeldein auf die Legde zugeritten, wo +er hütet. Das ist ihm zu arg; denn das Feld ist keine Straße, und das +Feld gehört seinem Vater. Er besinnt sich kurz, geht den Rittern +entgegen, stellt sich ihnen in den Weg und ruft ihnen mit dreister +Stimme zu: »Kehrt um; die Straße ist euer, das Feld ist mein.« + +[Illustration: König Otto] + +Ein hoher Mann, auf dessen Stirn ein majestätischer Ernst thront, reitet +an der Spitze des Zuges und sieht ganz verwundert den Knaben an, der es +wagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Er hält sein Roß an und hat seine +Freude an dem mutigen Jungen, der so kühn und furchtlos seinen Blick +erwidert und nicht vom Platze weicht. + +»Wer bist du, Knabe?« »Ich bin Hermann Billings ältester Sohn und heiße +auch Hermann, und dies ist meines Vaters Feld; Ihr dürft nicht darüber +reiten.« + +»Ich will's aber,« erwiderte der Ritter mit drohendem Ernst; »weiche, +oder ich stoße dich nieder.« Dabei erhob er den Speer. Der Knabe aber +bleibt furchtlos stehen, sieht mit blitzendem Auge zu dem Ritter hinauf +und spricht: »Recht muß Recht bleiben, und Ihr dürft nicht über das Feld +reiten, Ihr reitet denn über mich weg.« + +»Was weißt du von Recht, Knabe?« -- »Mein Vater ist der Billing[4],« +antwortete der Knabe; »vor einem Billing darf niemand das Recht +verletzen.« + +Da ruft der Ritter noch drohender: »Ist das denn Recht, Knabe, deinem +Könige den Gehorsam zu versagen? Ich bin Otto, dein König.« + +»Ihr wäret Otto, unser König, von dem mein Vater uns so viel erzählt? +Nein, Ihr seid es nicht! König Otto schützt das Recht, und Ihr brecht +das Recht: Das tut Otto nicht, sagt mein Vater.« + +»Führe mich zu deinem Vater, braver Knabe,« antwortete der König, und +eine ungewöhnliche Milde und Freundlichkeit erglänzte auf seinem ernsten +Angesichte. + +»Dort ist meines Vaters Hof, Ihr könnt ihn sehen,« sagte Hermann; »aber +die Rinder hier hat mir mein Vater anvertraut; ich darf sie nicht +verlassen, kann Euch also auch nicht führen. Seid Ihr aber Otto der +König, so lenket ab vom Felde auf die Straße; denn der König schützt das +Recht.« + +Und der König Otto der Große gehorchte der Stimme des Knaben und lenkte +sein Roß zurück auf die Straße. + +Bald wird Hermann vom Felde geholt. Der König ist bei seinem Vater +eingekehrt und hat zu ihm gesagt: »Billing, gib mir deinen ältesten Sohn +mit; ich will ihn bei Hofe erziehen lassen; er wird ein treuer Mann +werden, und ich brauche treue Männer.« Und welcher gute Sachse konnte +einem Könige wie Otto etwas abschlagen? + +So sollte denn der mutige Knabe mit seinem Könige ziehen, und als Otto +ihn fragte: »Hermann, willst du mit mir ziehen?« Da antwortete der Knabe +freudig: »Ich will mit dir ziehen; du bist der König, denn du schützest +das Recht.« + +Otto übergab den jungen Billing guten Lehrmeistern, in deren Pflege und +Leitung er zu einem tugendlichen und tüchtigen Manne erwuchs. Der König +hielt ihn für einen seiner nächsten Freunde und vertraute dermaßen der +Klugheit, Tapferkeit und Treue seines Pfleglings, daß er, als er seine +Römerfahrt antrat, ihm das eigene angestammte Herzogtum Sachsen zur +Verwaltung übergab. Dieser Hermann Billing ist der Ahnherr eines +blühenden Geschlechtes geworden, welches bis zum Jahre 1106 dem +Sachsenlande seine Herzoge gab. + + Ferdinand Bäßler. + +[Illustration: Dekoration - Schild und Schwert] + + + + +Wohltun macht Freunde. + +Ein Venetianer, der häufig das Fichtelgebirg besuchte, um da nach edlen +Metallen besonders nach Goldkörnern zu graben, kehrte oft bei einem +Landmanne in Wülfertsreuth ein, der ihn gastfreundlich aufnahm und ihm +bot, was er vermochte. Einstmals kam er wieder, jedoch um für immer +Abschied zu nehmen. »Ich kehre jetzt in meine Heimat zurück, um die +Früchte meiner langjährigen Mühen friedlich zu genießen,« sagte er, »und +werde wohl nie mehr deine gastliche Schwelle überschreiten. Wenn du +jedoch einst irgend ein Anliegen auf dem Herzen hast, so komme zu mir in +das ferne Venedig und ich will dir von deinem Kummer helfen. Ich glaube, +ich werde dich noch bei mir sehen.« Er schied. + +Und siehe, nach langen Jahren zogen schwere Wolken über das kleine Haus, +so daß der arme Mann keinen Retter mehr wußte aus Not und Sorgen als +seinen alten Freund in Welschland. Da machte er sich auf, pilgerte gen +Süden und erreichte glücklich die große Meerstadt. Nun ward ihm aber +bange, als er die weiten Straßen beschaute. Wie wollte er seinen Freund +ausfindig machen, dessen fremden Namen er längst vergessen? + +[Illustration: Venedig] + +Als er jedoch in halber Verzweiflung die köstlichen Paläste ringsum +anstarrte, da rief es plötzlich aus einem derselben: »Hans, Hans!« und +ein vornehmer Mann stürzte heraus, um den Staunenden zu umarmen. War das +der Venetianer in den schlechten, schwarzen Kleidern, den er einst +beherbergt? Der war es. Der reiche Mann hatte den Fichtelberger an der +Tracht wiedererkannt und führte diesen hinauf in die Säle voll Pracht +und Reichtum und vergalt ihm nun alles tausendfach, was er dem Fremdling +einst in seiner Heimat Gutes getan. Reich beschenkt kam Hans zurück und +führte von da an ein sorgenfreies Leben. + + Schöppner, Sagenbuch + + + + +Das Loch im Ärmel. + + +Ich hatte einen Spielgesellen und Jugendfreund, Namens Albrecht, +erzählte einst Herr Marbel seinem Neffen. Wir beide waren überall +und nirgends, wie nun Knaben sind, wild und unbändig. Unsere Kleider +waren nie neu, sondern schnell besudelt und zerrissen. Da gab es +Schläge zu Hause, aber es blieb beim alten. Eines Tages saßen wir in +einem öffentlichen Garten auf einer Bank und erzählten einander, +was wir werden wollten. Ich wollte Generalleutnant, Albrecht +Generalsuperintendent werden. + +»Aus euch beiden gibt's in Ewigkeit nichts!« sagte ein steinalter Mann +in feinen Kleidern und weißgepuderter Perücke, der hinter unserer Bank +stand und die kindlichen Entwürfe angehört hatte. + +Wir erschraken. Albrecht fragte: »Warum nicht?« + +Der Alte sagte: »Ihr seid guter Leute Kinder, ich sehe es eueren Röcken +an, aber ihr seid zu Bettlern geboren; würdet ihr sonst diese Löcher in +eueren Ärmeln dulden?« Dabei faßte er jeden von uns an dem Ellenbogen +und bohrte mit den Fingern im durchgerissenen Ärmel hinauf. -- Ich +schämte mich, Albrecht auch. »Wenn's euch,« sagte der alte Herr, »zu +Hause niemand zunäht, warum lernt ihr es nicht selbst? Im Anfang hättet +ihr den Rock mit zwei Nadelstichen geheilt, jetzt ist's zu spät, und +ihr kommt wie Bettelbuben. Wollt ihr Generalleutnant werden, so fangt an +beim Kleinsten. Erst das Loch im Ärmel geheilt, ihr Bettelbuben, dann +denkt an etwas anderes!« + +Wir beide schämten uns von Herzensgrund, gingen schweigend davon und +hatten das Herz nicht, etwas Böses über den bösen Alten zu sagen. Ich +aber drehte den Ellenbogen des Rockärmels so herum, daß das Loch +einwärts kam, damit es niemand erblicken möchte. Ich lernte von meiner +Mutter das Nähen spielend; denn ich sagte nicht, warum ich's lernen +wollte. Wenn sich jetzt an meinen Kleidern eine Naht öffnete, ein +Fleckchen sich durchschabte, ward's sogleich gebessert. Das machte mich +aufmerksam; ich mochte an zerrissenen Kleidern nun nicht mehr +Unreinlichkeit leiden. Ich ging sauberer, ward sorgfältiger, freute mich +und dachte, der alte Herr in der schneeweißen Perrücke hätte so unrecht +nicht. Mit zwei Nadelstichen zu rechter Zeit rettet man einen Rock, mit +einer Hand voll Kalk ein Haus; aus roten Pfennigen werden Taler, aus +kleinen Samenkörnern Bäume, wer weiß wie groß. + +Albrecht nahm die Sache nicht so streng. Es ward sein Schaden. Wir waren +beide einem Handelsmanne empfohlen; er verlangte einen Lehrburschen, der +im Schreiben und Rechnen geübt war. Der Herr prüfte uns, dann gab er +mir den Vorzug. Meine alten Kleider waren hell und sauber; Albrecht im +Sonntagsrocke ließ Nachlässigkeiten sehen. Das sagte mir der Herr +Prinzipal nachher. »Ich sehe Ihm an,« sagte er, »Er hält das Seine zu +Rat; aus dem anderen gibt's keinen Kaufmann.« Da dachte ich wieder an +den alten Herrn und an das Loch im Ärmel. + +Ich merkte wohl, ich hatte in anderen Dingen, in meinen Kenntnissen, in +meinem Betragen, in meinen Neigungen noch manches Loch im Ärmel. Zwei +Nadelstiche zur rechten Zeit bessern alles ohne Mühe, ohne Kunst. Man +lasse nur das Loch nicht größer werden, sonst braucht man für das Kleid +den Schneider, für die Gesundheit den Arzt. -- Es gibt nichts +Unbedeutendes noch Gleichgültiges, weder im Guten noch im Bösen. Wer das +glaubt, kennt sich und das Leben nicht. Mein Prinzipal hatte auch ein +abscheuliches Loch im Ärmel, nämlich er war rechthaberisch, zänkisch, +launenhaft; das brachte mir oft Verdruß. Ich widersprach, da gab es +Zank. Holla, dachte ich, es könnte ein Loch im Ärmel geben und ich ein +Zänker und gallsüchtig und unverträglich wie der Herr Prinzipal werden. +Von Stunde an ließ ich den Mann recht haben; ich begnügte mich, recht zu +tun, und bewahrte meinerseits den Frieden. + +Als ich ausgelernt hatte, trat ich in eine andere Stellung. Da ich +gewöhnt war, mit wenigen Bedürfnissen des Lebens froh zu sein (denn wer +viel hat, ist nie ganz froh), so sparte ich manches, und da ich auch +gewöhnt war, mir kein Loch im Ärmel zu verzeihen, aber schonend über +dasjenige an fremden Ärmeln wegzusehen, war alle Welt mit mir zufrieden, +wie ich mit aller Welt. -- So hatte ich beständig Freunde, beständig +Beistand, Zutrauen, Geschäfte. Gott gab Segen. Der Segen liegt im +Rechttun und Rechtdenken, wie im Nußkerne der fruchttragende hohe Baum. + +So wuchs mein Vermögen. Wozu denn? fragte ich; du brauchst ja nicht den +zwanzigsten Teil davon. -- Prunk damit treiben vor den Leuten? -- Das +ist Torheit. Soll ich in meinen alten Tagen noch ein Loch im Ärmel +aufweisen? -- Hilf anderen, wie dir Gott durch andere geholfen hat. +Dabei bleibt's. Das höchste Gut, das der Reichtum gewährt, ist zuletzt +Unabhängigkeit von den Launen der Leute und ein großer Wirkungskreis. -- +Jetzt, Konrad, gehe auf die hohe Schule, lerne etwas Rechtes; denke an +den Mann mit der schneeweißen Perücke; hüte dich vor dem ersten kleinen +Loche im Ärmel; mach es nicht wie mein Kamerad Albrecht! Er ward zuletzt +Soldat und ließ sich in Amerika totschießen. + + Heinrich Zschokke. + + + + + +Der gekreuzte Dukaten. + + +»Wenn ich nur hunderttausend Gulden hätte!« Das hast du vielleicht auch +schon oft gedacht oder gesagt. Wenn du aus einem Talerlande bist, ist es +dir nicht darauf angekommen und hast hunderttausend Taler daraus +gemacht, obgleich das ein Erkleckliches mehr ist. Ich nehme dir den +Hunderttausendwunsch nicht übel, es ist keine schlimme Sache ums +Reichsein, aber das Glück macht es doch nicht aus. Davon kann ich eine +besondere Geschichte erzählen. + +Ein junger Mann hatte seine Hunderttausend geerbt, und er begnügte sich +auch damit. Er wollte bloß sein Geld verzehren, arbeiten aber wollte er +nicht; das, meinte er, sei nur etwas für unbemittelte Leute. So hatte +also der Herr Adolf gar kein Geschäft als Essen, Trinken, Schlafen, +Spazierengehen oder Reiten, und was ihm sonst noch einfiel. Ja, das Aus- +und Anziehen war ihm viel zu viel, und er hielt sich einen Kammerdiener. +Wenn er des Morgens erwachte, wußte er eigentlich gar nicht, warum er +aufstehen sollte; es wartete kein Geschäft und darum keine rechte Freude +auf ihn. Darum blieb er auch fein liegen, bis ihm auch das zu +beschwerlich wurde. Fast ging es ihm wie jenem Engländer, der aus purer +Langeweile, um sich nicht mehr aus- und anziehen zu müssen, sich das +Leben nahm. + +Herr Adolf machte dann jeden Vormittag seinen Spaziergang, damit er den +Nachmittag für sich frei und nichts mehr zu tun habe. Meist lag er auf +dem Kanapee, gähnte und rauchte. Dabei hatte er mitunter noch seine +besonderen Gedanken. Jeder Mensch, dachte er, hat so seine Summe von +Kraft mit auf die Welt bekommen, die für seine siebenzig Jährlein oder +auch mehr ausreichen muß. Wenn ich also einen schweren Stuhl von einem +Ort an den andern hebe, ist damit ein Stück von meiner Lebenskraft +aufgewendet und verbraucht -- darum laß ich's hübsch bleiben. Auf solche +Gedanken kann ein Nichtstuer kommen. + +Der Herr Adolf ward aber dick und oft kränklich und mußte seinen Leib +pflegen. Das war auch ein Geschäft. + +Das Jahr durch ging dem Herrn Adolf manch schönes Stück Geld durch die +Hand, und dabei hatte er die besondere Liebhaberei, daß er bei jeder +Goldmünze, die er ausgab, ein kleines, zierliches Kreuz unter die Nase +des geprägten Herrschers machte. Er dachte wenig dabei, denn er hatte ja +Gold genug; ihn kümmerte überhaupt nichts, wie es anderen Menschen ging, +obgleich er manchmal aus angeborener Gutmütigkeit einem Armen etwas +schenkte. + +Ich will nur einmal sehen, dachte er, ob nach langer Umherwanderung in +der Welt mir einmal wieder so ein Goldstück unter die Hände kommen +wird. Da nun Herr Adolf gar nichts war, so nahm er sich ernstlich vor, +etwas zu werden und er ward -- ein Passagier. Das ist noch immer ein +Titel, wenn man sonst weiter nichts ist. Er reiste nämlich von einer +Stadt in die andere, von einem Land ins andere und ließ sich's überall +wohl sein, und wo er etwas zu bezahlen hatte, da gab er die mit seinem +Ordenskreuze gezierten Goldstücke hin. Noch nie aber war es ihm +vorgekommen, daß er eins wiedergesehen hätte. Endlich ward er des +Herumreisens auf dem festen Lande müde, er verließ die Alte Welt und +schiffte sich nach Amerika ein. + +Nun war der Herr Adolf noch etwas mehr als ein Passagier, er war sogar +ein Auswanderer. Diesmal aber ging's gar schlecht auf der See. Fünf Tage +und fünf Nächte wütete ein gewaltiger Sturm. Alles, was auf dem Schiffe +war, mußte Hand ans Werk legen, aber vergebens -- das Schiff ging unter, +und nur der Beherztheit des Schiffshauptmanns gelang es, die Mannschaft +und die Reisenden in einer Schaluppe zu retten. Nach zwei Tagen +fürchterlichen Umherirrens und schrecklicher Hungersnot, in welcher +viele starben, wurden die Verschlagenen von einem Kauffahrteischiffe +aufgenommen und in den Hafen zu Boston gebracht. + +[Illustration: Schaluppe] + +Arm, hilflos und verlassen irrte hier Adolf umher, und er wünschte sich +oft, daß er mit den anderen von den Wellen begraben wäre. Da sah er +einen Mann eilig des Weges gehen; mit niedergeschlagenem Blicke bat er +ihn um eine Gabe. Der Mann griff in die Tasche, reichte ihm ein Stück +Geld und war schnell verschwunden. Als Adolf wieder seinen Blick +emporhob und das Geld betrachtete, wollte er seinen Augen kaum trauen, +es war ein Dukaten, der das Ordenszeichen von seiner eigenen Hand +unverkennbar trug. + +Sei es nun, daß der Mann sich vergriffen hatte, oder daß er wirklich +eine so namhafte Gabe schenken wollte, Adolf dachte nicht lange darüber +nach, und er weinte helle Tränen auf das einzige Goldstück, das ihm von +seinem ganzen Reichtum als Bettlergabe wieder zugekommen war. Mit Wehmut +dachte er daran, daß er es wieder weggeben und vielleicht nie mehr sehen +solle. Da begegnete ihm eine große Menge von Arbeitern, die an einer +Straße arbeiteten; schnell war er entschlossen und ließ sich unter ihre +Zahl einschreiben. Ein sonderbarer Gedanke tröstete ihn bei dieser +ungewohnten Lebensweise. Ich brauchte eigentlich nicht zu arbeiten, +sagte er sich in der ersten Zeit und fühlte dann an seine Brust, wo er +den Dukaten verborgen hatte, ich habe ja Geld und könnte eine ganze +Woche und länger davon leben oder etwas anderes damit anfangen; aber ich +arbeite, weil mir's Vergnügen macht. Dann aber machte er einen Spaß +daraus und sagte oft: »Ich arbeite bloß zu meinem Vergnügen. Ich +arbeite, damit ich was zu essen habe, und das Essen macht mir dann +Vergnügen, also arbeite ich zu meinem Vergnügen.« Nach und nach aber +erkannte er, daß nichts Entwürdigendes, ja die Ehre und der Lebenszweck +allein darin liege, für den Genuß seines Daseins und für das, was man +von der Welt hat, auch etwas für sie zu tun. Früher hatte er gedacht, +durch das Wegrücken eines Stuhles, ja durch jede Tätigkeit seine +Lebenskraft zu schwächen; jetzt erkannte er, daß, je mehr man seine +Kräfte braucht, sie um so mehr wachsen und zunehmen, daß die Lebenskraft +durch Tätigkeit immer neu erzeugt wird. + +So war Adolf, für den die Straßen früher nur dagewesen waren, um als +vergnügungssüchtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher +und Straßenarbeiter für andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur +Stelle eines Aufsehers bei dem Straßenbau und erfreute sich in dem +Gedanken, daß von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren +hinterblieben als die bloßen Kreuze auf dem Gelde, das ihm durch die +Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken +aufbewahrt, bis er endlich eingesehen, daß auch dieser nicht ruhen darf +in dem großen Weltverkehre, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann +beim Straßenbau verunglückt war. + + Berthold Auerbach. + +[Illustration: Dekoration] + + + + +Der Solnhofer Knabe. + + +An der Altmühl, ungefähr eine Viertelstunde unterhalb Solnhofen, ist +eine Glashütte im Gang. Das Holz zu den Öfen kann leicht über die jähen +Bergwände herabgelassen werden und der reine, zuckerweiße Sand findet +sich da und dort in Nestern unter dem Rasen. + +Ehe man anfing, diesen Sand in Glas zu verwandeln, bestreuten oder +fegten schon die Hausfrauen in der Umgegend ihre Stubenböden, Tische, +Bänke, hölzernen Geschirre usw. damit und kauften ihn von Weibern, die +ihn bei Solnhofen gruben und in kleinen Säckchen zum Verkauf in die +umliegenden Orte trugen. + +In der ältesten Zeit befaßte sich eine Zeitlang nur ein einziges Weib +mit diesem beschwerlichen Handel, bei welchem sie oft über fünfzig Pfund +auf dem Rücken aus- und nur ein paar Heller in der Tasche dafür +heimtrug. Es war eine Witwe in mittlerem Alter. Sie hatte einen +zwölfjährigen Knaben, der im Sommer die Ziegen des Ortes hütete und im +Winter mit seiner Mutter in den unterirdischen Felsklüften Sandnester +aufsuchte und ausbeutete, wenn man vor Schnee und Eis in den Boden +kommen konnte. + +[Illustration: Gottesdienst] + +Einmal in einem besonders harten Winter wollte es den guten Leuten gar +nicht gelingen. Lange war der Boden bald so fest gefroren und bald so +hoch mit Schnee bedeckt, daß sie gar nicht zu ihrer unterirdischen +Nahrungsquelle gelangen konnten. Der kleine Vorrat an Sand, den sie sich +im Herbst gegraben hatten, ging zu Ende und mit ihm das Brot, das sie +sich für die erlösten Pfennige aus den benachbarten Orten mitzunehmen +pflegten. An den Sommerseiten der Berge, wo die Februarsonne die +dünneren Schneeschichten weggeleckt hatte, fingen sie nun an zu +schürfen, aber überall und immer ohne Erfolg. Ihre Werkzeuge zerbrachen +und sie hatten noch kein weißes Sandkorn gefunden. Dazu ging das Futter +für die Ziegen auf die Neige und in der Hütte waren nun vier Geschöpfe, +denen der Hunger aus den Augen sah. Das einzige, was sie noch unter sich +teilen konnten, war eine Kufe mit eingestampften Rüben und weißem Kohl; +aber auch diese stritten schon mit der Verwesung, weil sie nur wenig +gesalzen waren. Die Geißen erhielten ihren Anteil roh, wie er aus der +Kufe kam; die Portionen für sich und ihren Knaben kochte die Witwe und +salzte sie oft mit ihren bitteren Kummertränen; denn es war damals unter +ihrem Dache wie in der Hütte der Witwe von Zarpath, als sie dem +Propheten antwortete: »So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe +nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im +Kruge. Und siehe, ich habe Holz aufgelesen und gehe hinein und will es +mir und meinem Sohne zurichten, daß wir essen und sterben.« + +Der Knabe liebte seine Mutter und bewies seine Liebe meistens dadurch, +daß er nie über seinen Hunger klagte, sondern geduldig von einer +Mahlzeit auf die andere wartete und überhaupt alles vermied und verbarg, +was ihr das Herz noch schwerer machen konnte. Aber fast die ganze andere +Hälfte seines Herzens war den Ziegen zugewandt und es wollte ihm +brechen, wenn er sah, wie sie, von Hunger getrieben, an der Kufe +hinaufsprangen und vergebens Hals und Zunge streckten, um die Neige +darin zu erreichen. Hätten sie von seinen schönen Worten und +Vertröstungen auf den nahen Frühling satt werden können, dann hätten sie +mehr als genug gehabt; aber so wurden sie immer magerer. Der Knabe +entschloß sich endlich, für sie zu tun, was er noch nicht einmal für +seine Mutter getan hatte. + +In Solnhofen war ein Benediktinerkloster. An die Pforte derselben pochte +der Knabe mit dem schweren eisernen Klöpfel, der daran hing, und +antwortete dem Bruder Pförtner, der nach seinem Begehren fragte, er +müsse mit dem Abt selbst reden. Er wurde vor diesen ehrwürdigen Diener +Gottes geführt, küßte ihm die Hand und bat, er möchte ihm doch nur +erlauben, das Heu aufzulesen, das die Klosterkühe unter den Barren und +unter die Streu würfen; denn seine zwei Ziegen waren am Verhungern. Den +Abt überraschte anfangs die Bitte, deren Gewährung gar leicht mißbraucht +oder wenigstens zu einer großen Versuchung werden konnte; aber bald +überzeugte er sich, mit was für einer aufrichtigen und redlichen Seele +er es zu tun habe. Er fragte unter andern Dingen nach dem wenigen, was +nach den damaligen Anforderungen der Kirche ein Christ wissen sollte. +Der Knabe sagte seinen Glauben, sein Vaterunser nebst einigen anderen +kürzeren Gebeten gut her und beantwortete munter etliche Fragen aus den +Evangelien. Nun sprach der Abt: »Mein Söhnlein, du darfst alle Tage, +wenn unsere Kühe zur Tränke getrieben werden, kommen und holen, was sie +unter dem Barren liegen lassen, und wenn der Bruder Küchenmeister etwas +übrig hat, so wird er es dir auch mitgeben für dich und deine Mutter.« +Dann segnete er den Knaben und entließ ihn froh getröstet. + +In der Hütte der Witfrau hatte nun die Not ein Ende. Bald kam auch der +warme und freundliche Frühling, die Witwe entdeckte wieder eine +ergiebige Sandgrube und ihr Benedikt trieb als gedungenes Ziegenhirtlein +die Ziegen des Dorfes auf die hohen, luftigen Berge. In die Kost ging er +bei den einzelnen Besitzern der Ziegen der Reihe nach. Sein Osterlamm aß +er im Kloster, seinen Pfingstkuchen buk ihm die Wirtin, seinen +Kirchweihschmaus hielt er in der neuen Mühle und seinen Namenstag +feierte er wieder mit den Benediktinern. + +An Unterhaltung fehlte es ihm auch auf den einsamen Höhen nicht. Da lag +der damals noch unbenützte Kalkschiefer so am Tage, daß es ihm leicht +war, Platten davon herauszuheben und aus ihnen mit einem ganz kleinen +Hammer, den ihm noch sein verstorbener Vater gemacht hatte, regelmäßige +Vierecke zu fertigen. + +[Illustration: Benedikt mit Schieferplatten] + +Was man so unrichtiger- und sündhafterweise Zufall nennt, führte den +Knaben zu einer wichtigen Erfindung. Benedikt legte einmal eine +Schieferplatte, wie er sie aus dem Boden gebrochen hatte, auf seinen +Schoß, zeichnete mit einer Kohle von seinem Hirtenfeuer ein Viereck +darauf und sprach dann bei sich: »Wenn ich fünfzig solche viereckige +Tafeln hätte, könnte ich meine ganze Hausflur damit belegen, wo jetzt +die Hühner scharren, wenn es draußen regnet. Während er dies dachte, +klopfte er mit seinem Hämmerlein auf dem einen schnurgeraden +Kohlenstrich sanft auf und ab; denn er freute sich über den hellen Klang +der Platte. Auf einmal wurden die hellen Töne dumpf und immer dumpfer +wie bei einer zersprungenen Glocke und zuletzt sprang die Tafel gerade +in der Richtung des Kohlenstrichs entzwei. »Ist es da so gegangen,« +dachte Benedikt, »so kann es bei den übrigen drei Seiten ebenso gehen.« +Er hämmerte auch auf dem zweiten Kohlenstrich eine Weile vorwärts und +rückwärts. Sein Schluß war richtig. Nachdem er noch einige Minuten so +fortgemacht hatte, lag eine vollkommen viereckige Platte auf seinen +Knieen. Eine zweite gelang nicht minder. Früher schon hatte er manchmal +zwei Schiefertrümmer aneinander gerieben, um sie zu polieren, und +gefunden, daß er damit am schnellsten zustande kam, wenn er von dem +Sande, womit seine Mutter handelte, dazwischen tat und Wasser dazu nahm. +Diese frühere Erfindung wandte er nun auf seine Pflastersteine an und +gewann so einige sehr schöne Platten. Indes trieb er dies alles als eine +bloße Spielerei und sagte davon niemand etwas, selbst seiner Mutter +nicht. Seine schönsten Tafeln verbarg er da und dort unter einem Busch, +wie etwa ein Hirtenknabe an der Donau schöne Kiesel, die er in ihrem +Bette findet, in einem hohlen Weidenstamme aufhebt. + +Eines Abends aber, als er eingetrieben hatte und seiner Mutter gegenüber +an der Suppenschüssel saß, erzählte sie ihm, daß sie mit Sand in +Eichstätt gewesen und dort dem Bischof so nahe gekommen sei, daß sie +jedes seiner Worte verstanden habe. + +»Was sagte er denn?« fragte Benedikt. + +»Er stand«, antwortete die Witwe, »mitten unter den Domherren in der +neuen Kirche, die er hat bauen lassen, und beratschlagte mit ihnen, mit +was für Steinen der Fußboden belegt werden dürfte. Der eine riet dies +und der andere das, bis der hochwürdige Herr der Unterredung damit ein +Ende machte, daß er sagte: »Nun, morgen um die elfte Stunde haben wir +die fremden Steinmetzen hieher bestellt und wollen die Proben schauen, +die sie von allerlei Sand- und Marmelsteinen bei sich haben. Aber wir +fürchten, ein solches Pflaster möchte für unsern bischöflichen Beutel zu +teuer kommen. Wir werden uns wohl die Backsteine gefallen lassen müssen, +die am wohlfeilsten sind.« + +»So, so!« versetzte Benedikt, warf seinen Löffel von Horn in die +Tischlade, wünschte seiner Mutter eine gute Nacht und ging unter das +Dach hinauf in seine Schlafstätte. + +Das Sandweib hatte übrigens den Fürstbischof ganz recht verstanden. +Schon bald nach der zehnten Stunde des Morgens versammelten sich in der +neuen Kirche zu Eichstätt, in der von der Hand des Maurermeisters nichts +mehr fehlte als das Pflaster, etliche Steinmetzen, die der Bischof aus +Tirol, dem Fichtelgebirge und dem Rheingau auf seine Kosten berufen +hatte. Die Steinproben trugen ihnen ihre Gesellen in kleinen, hölzernen +Kästchen nach und stellten sie nebeneinander auf eine lange Tafel. +Darauf fanden sich nach und nach mehrere Grafen und Herren aus der +Nachbarschaft ein, die schon reichlich zu dem Kirchenbau beigesteuert +hatten und nun auch noch bei dem Pflaster ein übriges tun sollten. +Endlich erschien auch der Fürstbischof mit allen seinen Domherren und +seinen weltlichen Beamten hinter sich. Als alle beisammen waren, schien +es fast, als sollte eine Kirchenversammlung gehalten werden, so viele +waren ihrer. + +Der Bischof nahm nun die schöngeschliffenen Proben aus den Kästlein, +eine nach der andern und es war keine darunter, die ihm und seinem +Gefolge nicht gefallen hätte. Auch waren zum Teil die kleinen +Marmelsteine in den Schubladen so nebeneinander gelegt, weiße und +schwarze, gelbe und graue, bunte und einfarbige, daß man schon im +kleinen sehen konnte, wie herrlich schön ein Steinpflaster davon im +großen ausfallen würde. Aber als die fremden Steinmetzen nacheinander +sagten, was der Quadratfuß davon schon an Ort und Stelle koste, und als +der Baumeister an den Fingern berechnete, wieviel Quadratfuß er brauche, +und als der Rentmeister die Totalsumme in Goldgulden aussprach, fuhr der +Bischof mit der Hand hinter das Ohr und sein Schatzmeister schüttelte +mit dem Kopf und die Grafen und Herren machten große Augen und sahen +einander schweigend an. + +In diesem Augenblick entstand unter dem Hauptportal der Kirche ein +Geräusch. Zwei Trabanten des Fürstbischofs wollten einen barfüßigen +Bauernknaben nicht hereinlassen und hielten ihre Hellebarden vor; aber +der Knabe duckte sich, schlüpfte darunter hinweg wie eine Henne unter +der Gartentüre und drängte sich dann ohne Umstände mitten durch die +Versammlung, bis er vor dem Bischof stand, dem er den Saum seines +Kleides küßte. Seine Mütze, an der nicht viel zu verkrüppeln war, nahm +er zwischen die Kniee, drei viereckige und zolldicke Schieferplatten, +eine blaßgelbe, eine blaugraue und eine marmorierte, nahm er aus der +Schürze, womit sie umwickelt waren, und legte sie auf die Tafel. Sie +waren noch naß; denn er hatte sie erst in den Dombrunnen getaucht; desto +mehr aber glänzten die geschliffenen Seiten und zeigten, wie schön die +Steine erst dann werden würden, wenn eine kunstgeübte Hand darüber +käme. + +Seine Ware zu empfehlen, meinte der Knabe, sei nicht nötig, sondern er +schaute nur einem von den Umstehenden nach dem andern ins Gesicht und +wischte sich mit der Schürze den Schweiß von der Stirn. Als aber der +Bischof anfing, ihn zu fragen, antwortete er munter und sprach: »Ich +gehöre dem Sandweib von Solnhofen und die Steine habe ich auf dem Berge +hinter dem Kloster gemacht. Wenn ihr noch mehr braucht, so dürft ihr mir +nur euere Steinhauer mitgeben, so will ich ihnen zeigen, wie sie es +anfangen müssen.« + +Der Knabe war Benedikt, unser Ziegenhirtlein. Er hatte nach der +Abendsuppe, bei der ihm seine Mutter von der neuen Kirche in Eichstätt +erzählte, nicht mehr geschlafen. Ein Gedanke, der ihm unter dem Essen +gekommen war, trieb ihn durch die Hintertür hinaus auf den Berg, wo +seine Steine lagen, und von da mit ihnen in der hellen Mondnacht gen +Eichstätt, wohin er den Weg genau kannte von dem Sandhandel her. Seine +Mutter erschrak freilich, als sie ihn in der Frühe wecken wollte und das +Nest leer fand. Sie konnte nicht einmal gehen, ihn zu suchen oder ihm +nachzufragen; denn die Ziegen waren schon alle aus den Ställen gelassen +und standen meckernd auf der Gasse oder naschten von den Blumenstöcken +vor den Fenstern des Pfarrhauses. Übel oder wohl mußte sie tun, als wäre +ihr Benedikt krank. Sie nahm Geißel und Stecken und trieb das Vieh +selbst auf den Berg, wo sie den langen, langen Tag unter vergeblichem +Warten in Sorge zubrachte. -- Aber als sie abends hinter der gehörnten +Schar das Dorf hinunterging, kamen einige Maultiere herauf, ihr +entgegen. Auf dem vordersten saß ihr Benedikt hinter einem Knechte des +Fürstbischofs, und zwar so munter, daß die Witfrau sogleich sah, es +müsse ihm den Tag über nicht schlecht ergangen sein. + +So war es auch. Der Bischof hatte sich sogleich für die Pflastersteine +des Sandbuben entschieden und die fremden Steinmetzen wieder in ihre +Heimat entlassen, den Knaben aber mit in sein Haus genommen, gespeist +und ihm versichert, daß er für ihn und seine Mutter sorgen wolle. Dann +hatte er ihn mit dem Baumeister, der das Steinlager untersuchen sollte, +nach Solnhofen zurückgehen lassen. + +Der Bischof hielt Wort. Nachdem Benedikt bei einem Meister Steinmetz in +Eichstätt in der Lehre gewesen war, ließ er sich in Solnhofen nieder und +hatte fortwährend so viele Bestellungen an Pflaster- und Quadersteinen, +daß es ihm und seiner Mutter nie mehr an dem täglichen Brot fehlte. + + Karl Stöber. + +[Illustration: Dekoration] + + + + +Hans Lustig. + + +Hans Lustig war armer Leute Kind, sein Vater war Schuhflicker, seine +Mutter Wäscherin. Er war ein kleiner breitschulteriger Junge, etwa zwölf +Jahre alt. Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem munteren +Knaben; denn wie aus seinen dürftigen Kleidern ein kräftiger, gesunder +Körper, ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen +Gesichtszügen ein frischer lustiger Sinn hervor, so daß er seinen Namen +nicht umsonst führte. Hans hatte von frühauf zu tun: für den Vater die +Schuhe und Stiefel auszutragen, der Mutter die Wäsche zu hüten und +allerlei Einkäufe für die kleine Wirtschaft zu besorgen. Die ganze +Straße kannte den lustigen Buben, und weil er jeden so freundlich +anlachte, suchten die Leute auch ihm allerlei Freude zu machen. Der +Bäcker schenkte ihm oft einige Fastenbrezeln, die Kunden seines Vaters +allerlei Kleidungsstücke oder irgend ein Spielzeug, und selbst manche +blanke Kupfermünze brachte er seiner Mutter nach Hause, die sie in einer +tönernen Sparbüchse verwahrte. Auch bei allen Kindern in der +Nachbarschaft wurde der Hans bald beliebt. Als er älter wurde, war er +bei allen Spielen der erste und wußte immer was Neues anzugeben. Alle +Spiele gingen gut, wenn Hans dabei war. Da gab's niemals Zank und +Streit; zankten sich wirklich zwei Kinder einmal, fuhr mein Hans +dazwischen, machte jedem ein närrisches Gesicht, und alles mußte lachen. + +Allmählich kam die Zeit heran, wo Hans ein Handwerk lernen sollte, und +da er nach des Vaters Meinung zum Schuster nicht besonders geeignet war, +so sollte er das Handwerk des Herrn Paten erlernen, der ein braver +Schornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehr +angesehen war. Hans gefiel das Ding auch gar nicht übel. Mutig und +gewandt schlüpfte er oben an den höchsten Häusern zu den Schornsteinen +heraus; er wußte nichts von Schwindel, machte allerlei possierliche +Faxen mit seinem Besen und sein russiges Gesicht lachte hinein in den +blauen Himmel und hinab über die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf +dem Wipfel des Baumes. + +[Illustration: Hans - Schornsteinfeger] + +Die Erwachsenen hatten Hans Lustig lieb und die Kinder auch, trotzdem er +Schornsteinfeger war. Wollte man die Kinder mit dem Feuerrüpel zu +fürchten machen, lachten sie; sie wußten ja, daß der Feuerrüpel niemand +anders war als der Hans Lustig, der keinem etwas zuleide tat, im +Gegenteil allzeit freundlich und gut war, und manche Kinder hatten sogar +den Mut, ihm eine Patschhand in seine berußte Rechte zu geben. + +[Illustration: Haus] + +So wuchs unser Hans immer mehr heran und ward ein tüchtiger +Schornsteinfeger voll Herzhaftigkeit und Behendigkeit. Er konnte +klettern wie eine Katze. Das zeigte er bei dem großen Brande, als das +alte Rathaus mitten in der Nacht plötzlich in hellen Flammen stand! Der +alte Türmer hatte versäumt, das Feuerzeichen zu geben, und so stand das +altertümliche Gebäude mit seinen wichtigen Akten und Urkunden bereits in +Flammen, als man erst das Unglück gewahr wurde. Der alte Türmer war aber +unschuldig; denn in derselben Nacht war er gestorben. Hans war einer der +ersten auf der Brandstätte, und die Gefahr nicht achtend, stürzte er in +das Gebäude und rettete einen Schrank, der die wichtigsten städtischen +Urkunden enthielt. + +Am Tage darauf ließ ihn der Rat der Stadt vor sich kommen, und der +älteste Ratsherr belobte ihn, dankte ihm im Namen der Stadt und fragte, +welche Belohnung er wünsche. Hans antwortete ohne langes Besinnen, man +möge seinem Vater die erledigte Stelle als Türmer übertragen. Dieses +wurde ihm auch sogleich gewährt. Man konnte nicht sagen, wer +glückseliger war, Hans, der seinem Vater eine sorgenfreie Stelle +verschafft hatte, oder der Vater selber, der durch den Mut und die +Bravheit seines Sohnes so über alle Sorgen und recht eigentlich in die +Höhe gehoben wurde. + +Der alte Schuhflicker besserte nun hoch oben auf dem Turme das Schuhwerk +für die Menschen aus, die da unten umherliefen. Hans, der immer eine +besondere Lust und ein Geschick für die Musik gehabt hatte, begann +jetzt, den Zinken blasen zu lernen. In kurzer Zeit brachte er es darin +zu großer Fertigkeit. + +Im selben Jahre, als er Soldat werden mußte, starben seine Eltern. Sie +segneten ihn, denn er hatte ihnen viel Freude und Glück gebracht. + +Beim Regimente wurde Hans Musiker und zeichnete sich hierbei so aus, daß +er nach wenigen Jahren die erste Stelle in der Regimentsmusik erhielt. +Wenn er in seiner betreßten Uniform unter den Musikern steht und den +Takt schlägt, so sieht man ihm nichts mehr davon an, daß er vor Jahren +voll Ruß und ein lustiger Schornsteinfeger war. Sein Titel heißt: Herr +Kapellmeister; aber von alten Verwandten und Bekannten hat er's gern, +wenn sie ihn Hans Lustig heißen, und er macht diesen Namen noch immer +zur vollen Wahrheit. + + Robert Reinick. + +[Illustration: Horn] + + + + +Inhalt. + + + Reimspruch. Robert Reinick 4 + + Zum Tagewerk. Philipp Spitta 5 + + Der Vater und die drei Söhne. M. G. Lichtwer 6 + + Das Tischgebet. Friedrich Güll 8 + + Dem Vaterland. Robert Reinick 10 + + Deutscher Rat. Robert Reinick 12 + + Geschichte vom Nußknacker. F.v. Pocci 13 + + Der alte Landmann an seinen Sohn. L. H. Chr. Hölty 16 + + Der getreue Eckart. J. W. v. Goethe 20 + + Die beiden Pflugscharen. G. Meißner 21 + + Die beiden Äxte. G. Meißner 22 + + Sparbüchslein. Friedrich Güll 24 + + Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. K. Gerock 25 + + Hurtig an die Arbeit. Friedrich Rückert 27 + + Meister, Geselle und Lehrling. J. W. v. Goethe 27 + + Der Künstler und sein Sohn. Ludwig Auerbacher 28 + + Die Pfirsiche. A. Krummacher 29 + + Die treuen Brüder. Chr. v. Schmid 31 + + Der Bauer und sein Sohn. Chr. F. Gellert 33 + + Das Kind. Fr. Hebbel 36 + + Das Kind am Brunnen. Friedrich Hebbel 37 + + Des Mägdleins Schmuck. Ernst Moritz Arndt 39 + + Der jähzornige Schäfer. Chr. v. Schmid 40 + + Eifer führt zum Ziel. G. Meißner 41 + + Einer für alle. Hambgr. Fremdenblatt 42 + + Der Schatzgräber. G. F. Bürger 44 + + Hoffnung. Frdr. v. Schiller 45 + + Der beste Empfehlungsbrief. Magdeburger Zeitung 46 + + Reinlichkeit. Friedrich Rückert 47 + + Hermann Billings Berufung. Ferdinand Bäßler 48 + + Wohltun macht Freude. Schöppner, Sagenbuch 52 + + Das Loch im Ärmel. Heinrich Zschokke 54 + + Der gekreuzte Dukaten. Berthold Auerbach 58 + + Der Solnhofer Knabe. Karl Stöber 64 + + Hans Lustig. R. Reinick 75 + + + + +FUSSNOTEN: + +[Fußnote 1: 1 Gulden = 1,71 Mk.; 1 Taler = 3.00 Mk.] + +[Fußnote 2: Haag = Residenzstadt in Holland.] + +[Fußnote 3: Legde (Lehde) = Weideland.] + +[Fußnote 4: _Bill_ ist im Sächsischen ein von der Volksgemeinde +bestätigtes Gesetz. Der Mann, der darauf achten mußte, daß +dieses Gesetz gehalten wurde, hieß _Billing_ (Billung), soviel +als heutzutage Schultheiß, Bürgermeister.] + + + + +Anmerkungen des Umkodierers: + +Gesperrt markiert durch: _ + +Zeile 1438: eingefügt (typo) "werden". + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 *** diff --git a/43891-8.txt b/43891-8.txt deleted file mode 100644 index 77d6106..0000000 --- a/43891-8.txt +++ /dev/null @@ -1,2253 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Du deutsches Kind - Eine Gabe für unsere Jugend - -Author: Various - -Editor: I. B. Laßleben - -Illustrator: Albert Reich - -Release Date: October 5, 2013 [EBook #43891] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DU DEUTSCHES KIND *** - - - - -Produced by Matthias Grammel, Jan-Fabian Humann and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - - - Du deutsches Kind! - - - Eine Gabe für unsere Jugend. - - Dargereicht von J. B. Laßleben. - - Bilder von Albert Reich. - - -[Illustration: Dekoration] - - - Hochwald-Verlag München-Kallmünz - - - - - Ein jeder nehme wohl in acht, - was Lust und Ehr' ihm hat gebracht: - Der Wirt seinen Krug, - der Krämer sein Tuch, - der Bauer seinen Pflug, - das Kind sein Buch. - - Robert Reinick. - - - Druck von Michael Laßleben (Oberpfalz-Verlag) - Kallmünz/Bayern 1922 - - - - -[Illustration: Sämann] - - -Zum Tagewerk. - - - Gehe hin in Gottes Namen, - greif dein Werk mit Freuden an! - Frühe säe deinen Samen! - Was getan ist, ist getan. - Sieh nicht aus nach dem Entfernten; - was dir nah' liegt, mußt du tun. - Säen mußt du, willst du ernten; - nur die fleiß'ge Hand wird ruhn. - Müßigstehen ist gefährlich, - heilsam unverdroßner Fleiß; - und es steht dir abends ehrlich - an der Stirn des Tages Schweiß. - Weißt du auch nicht, was geraten - oder was mißlingen mag, - folgt doch allen guten Taten - Gottes Segen für dich nach. - Geh denn hin in Gottes Namen, - greif dein Werk mit Freuden an! - Frühe säe deinen Samen! - Was getan ist, ist getan. - - Philipp Spitta. - - - - -Der Vater und die drei Söhne. - - - An Jahren alt, an Gütern reich, - teilt' einst ein Vater sein Vermögen - und den mit Müh erworb'nen Segen - selbst unter die drei Söhne gleich. - »Ein Diamant ist's,« sprach der Alte, - »den ich für den von euch behalte, - der mittels einer edlen Tat - darauf den größten Anspruch hat.« - - Um diesen Anspruch zu erlangen, - sieht man die Söhne sich zerstreu'n. - Drei Monden waren kaum vergangen, - so stellten sie sich wieder ein. - - Drauf sprach der älteste der Brüder: - »Hört! es vertraut' ein fremder Mann - sein Gut ohn' einen Schein mir an; - ich gab es ihm getreulich wieder. - Sagt, war die Tat nicht lobenswert?« -- - »Du tat'st, mein Sohn, was sich gehört,« - ließ sich der Vater hier vernehmen; - »wer anders tut, der muß sich schämen; - denn ehrlich sein ist unsre Pflicht. - Die Tat ist gut, doch edel nicht.« - - Der zweite sprach: »Auf meiner Reise - fiel einmal unachtsamerweise - ein Kind in einen tiefen See. - - Ich stürzt' ihm nach, zog's in die Höh - und rettete dem Kind das Leben. - Ein ganzes Dorf kann Zeugnis geben.« -- - »Du tatest,« sprach der Greis, »mein Kind, - was wir als Menschen schuldig sind.« - -[Illustration: Rettung] - - Der jüngste sprach: »Bei seinen Schafen - war einst mein Feind fest eingeschlafen - an eines tiefen Abgrunds Rand; - sein Leben stand in meiner Hand. - Ich weckt' ihn und zog ihn zurücke.«-- - »O,« rief der Greis mit holdem Blicke, - »Dein ist der Ring! Welch edler Mut, - wenn man dem Feinde Gutes tut.« - - M. G. Lichtwer - - - - -[Illustration: Gasthausschild] - - -Das Tischgebet. - - - An der Tafel im Gasthaus zum goldnen Stern - waren beisammen viel reiche Herrn. - Vor ihnen standen aus Küch' und Keller - gar lieblich lockend die Flaschen und Teller. - Schon saßen sie da in plaudernden Gruppen, - die Kellner reichten die dampfenden Suppen - und mehr noch begann Gemüs' und Braten - mit süßem Wohlgeruch zu laden. - - Da kam zur Türe still herein - ein Fremder mit seinem Töchterlein - und setzte sich unten am langen Tisch, - um auch zu kosten von Wein und Fisch. - Oben klirrten die Löffel und Messer, - klangen die Gläser und scherzten die Esser. - - Da tönt auf einmal gar hell und fein - eine Stimme in den Lärm hinein, - wie wenn von fern ein Glöcklein klingt, - wie wenn im Wald ein Vogel singt. - Und wie auch der Strom der Rede rauscht, - still wird es rings und jeder lauscht: - der Krieger, der von den Schlachten erzählt, - der Kaufmann, der über die Zölle geschmält, - die Reisenden, die von Abenteuern - gesprochen und von Ungeheuern, - die Stutzer, die von Pferd und Wagen - und Hunden und Moden so vieles sagen. - - Und wie sie schauen nach dem Orte, - von woher dringen die lieblichen Worte: - mit gefalteten Händen das Mädchen steht - und spricht sein gewohntes Tischgebet. - Und wie beseelt von höherem Geist - falten auch sie die Hände zumeist - und horchen alle mit rechtem Fleiße - auf des betenden Kindes Weise. - Drauf setzt es sich nieder mit stiller Freude - und achtet nicht auf all die Leute. - Die aber, ergriffen im tiefsten Innern, - mußten sich oft noch daran erinnern. - Und mancher hat wieder gebetet fortan, - was er schon lange nicht mehr getan. - - Friedrich Güll. - - - - -Dem Vaterland. - - - Das ist ein hohes, helles Wort, - Dem Vaterland! - das hallt durch unsre Herzen fort - wie Waldesrauschen, Glockenklang, - Drommetenschmettern, Lerchensang; - das fällt, ein Blitz, in unsre Brust, - zu heil'ger Flamme wird die Lust! - Dem Vaterland! - - Dem Vaterland! - Das Wort gibt Flügel dir, o Herz. - Flieg auf, flieg auf, schau niederwärts - die Wälder, Ströme, Tal' und Höhn; - o deutsches Land, wie bist du schön! - Und überall klingt Liederschall - und überall _ein_ Widerhall: - Dem Vaterland! - - Dem Vaterland! - Das seinen Töchtern hat beschert - der keuschen Liebe stillen Herd, - das seinen Söhnen gab als Hort - die freie Tat, das treue Wort, - das feiner Ehren blanken Schild - zu wahren allzeit sei gewillt,-- - dem Vaterland! - -[Illustration: Landschaft] - - Dem Vaterland! - O hohes Wort, o helles Wort, - du tön' für alle Zeiten fort - wie Waldesrauschen, Glockenklang, - Drommetenschmettern, Lerchensang! - zu heil'ger Flamme weih' die Lust, - so lange schlägt die deutsche Brust - dem Vaterland! - Heil dir, Heil dir, du deutsches Land! - - Rob. Reinick. - - - - -Deutscher Rat. - - - Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr, - laß nie die Lüge deinen Mund entweih'n! - Von alters her im deutschen Volke war - der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein. - - Du bist ein deutsches Kind, so denke dran; - noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer. - Aus einem Knaben aber wird ein Mann; - das Bäumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr. - - Sprich ja und nein und dreh' und deutle nicht! - Was du berichtest, sage kurz und schlicht; - was du gelobest, sei dir höchste Pflicht! - Dein Wort sei heilig, drum verschwend' es nicht! - - Leicht schleicht die Lüge sich ans Herz heran; - zuerst ein Zwerg, ein Riese hintennach; - doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an, - und eine Stimme ruft in dir: »Sei wach!« - - Dann wach' und kämpf', es ist ein Feind bereit: - Die Lüg' in dir, sie drohet dir Gefahr. - Kind! Deutsche kämpften tapfer allezeit. - Du, deutsches Kind, sei _tapfer, treu und wahr_! - - Robert Reinick. - -[Illustration: Dekoration] - - - - -Geschichte vom Nußknacker. - - -[Illustration: Nussknacker] - -Zwei Knaben hatten im Walde Haselnüsse gepflückt, saßen unter den -Stauden und wollten Nüsse essen; aber keiner hatte sein Messerlein bei -sich, und mit den Zähnen konnten sie sie nicht aufbeißen. Da jammerten -sie sehr und sagten: »Ach, käme doch nur jemand, der uns unsre Nüsse -aufknacken wollte!« Kaum gesagt, so kam ein kleines Männlein durch den -Wald einher gezogen. Aber wie sah das Männlein aus? Es hatte einen -großen, großen Kopf, an dem ein langer, steifer Zopf bis an die Ferse -herabhing, eine goldene Mütze, ein rotes Kleid und gelbes Höslein. Indem -es nun so einhertrippelte, brummte es das Liedlein: - - »Heiß, heiß, - beiß, beiß - Hans heiß' ich, - Nüsse beiß' ich; - geh' gern in den grünen Wald, - wenn die Nuß vom Strauche fallt; - mach's dem lust'gen Eichhorn nach, - knack' und nag' den ganzen Tag!« - -Die Knaben mußten sich schier zu Tode lachen über den kleinen, drolligen -Burschen, den sie für ein Waldzwerglein hielten. Sie riefen ihm zu: -»Wenn du Nüsse beißen willst, so komm her und knack' uns diese auf, -damit wir sie essen können!« -- Da brummte das Männlein in seinen langen -weißen Bart: - - »Hansl heiß' ich, - Nüsse beiß' ich; - hab' ich aber mich beflissen, - euch ein Dutzend aufgebissen, - gebt mir zum Lohn - ein paar davon!« - -»Ja, ja!« schrien die Buben, »du kannst mitessen, knacke nur fleißig -auf.« -- Das Männlein stellte sich zu ihnen hin -- denn am Sitzen -hinderte es sein steifer Zopf -- und sprach: - - »Hebet auf den langen Zopf, - schiebt die Nuß in meinen Kropf, - drücket nieder und so fort, - schnell ist jede Nuß durchbohrt.« - -[Illustration: Nussbeißer] - -Also taten sie, und hörten das Lachen nicht auf, wenn sie den Kleinen -immer beim Zopfe nehmen mußten und nach jedem tüchtigen Knack die Nuß -aus dem Munde sprang. Bald waren alle Nüsse aufgebissen, und das -Männlein brummte: - - »Heiß, heiß, - beiß, beiß, - will meinen Lohn - nun auch davon!« - -Der eine der Knaben wollte nun dem Männlein den versprochenen Lohn -spenden; der andere aber, ein böser Bube, hinderte ihn daran, indem er -sprach: »Warum willst du dem Bürschlein von unsern Nüssen geben? Wir -wollen sie allein essen. Geh nur fort jetzt, Nußbeißer, und suche dir -deine Nüsse selbst!« - -Da ward das Nußbeißerlein gewaltig erzürnt und brummte: - - »Gibst du mir keine Nuß, - so machst du mir Verdruß; - ich nehme dich beim Schopf - und beiß' dir ab den Kopf!« - -Da lachte der böse Bube und sagte: »Du mir den Kopf abbeißen? Mache -lieber, daß du fortkommst, sonst laß' ich dich mein Haselstaudengertlein -fühlen!« Zugleich drohte er mit seinem Stöcklein; der Nußknacker wurde -ganz rot vor Zorn, hob sich mit einem Händchen den Zopf auf, schnappte -wie ein Fisch im Wasser und -- knack -- der Kopf war weg. - -Das ist die Geschichte von dem ersten Nußknacker. Habt wohl acht, -Kinder, daß euch die Köpfe oder wenigstens die Fingerlein nicht -abgebissen werden; denn wie ihr Ahnherr, so machen auch die Enkel und -Urenkel des Nußknackergeschlechts mit bösen Kindern nicht lange -Federlesens! F. v. Pocci. - - - - -Der alte Landmann an seinen Sohn. - - Üb' immer Treu und Redlichkeit - bis an dein kühles Grab - und weiche keinen Finger breit - von Gottes Wegen ab! - Dann wirst du wie auf grünen Au'n - durchs Erdenleben gehn; - dann kannst du sonder Furcht und Grau'n - dem Tod ins Auge sehn. - -[Illustration: Landmann beim Mähen] - - Dann wird die Sichel und der Pflug - in deiner Hand so leicht; - dann singest du beim Wasserkrug, - als wär' dir Wein gereicht. - Dem Bösewicht wird alles schwer, - er tue, was er tu'. - Der Teufel treibt ihn hin und her - und läßt ihm keine Ruh'. - Der schöne Frühling lacht ihm nicht; - ihm lacht kein Ährenfeld; - er ist auf Lug und Trug erpicht - und wünscht sich nichts als Geld. - Der Wind im Hain, das Laub am Baum - saust ihm Entsetzen zu. - Er findet nach des Lebens Traum - im Grabe keine Ruh'. - Sohn, übe Treu' und Redlichkeit - bis an dein kühles Grab - und weiche keinen Finger breit - von Gottes Wegen ab! - Dann suchen Enkel deine Gruft - und weinen Tränen drauf, - und Sonnenblumen, voll von Duft, - Blühn aus den Tränen auf. - Hölty. - -[Illustration: Dekoration - Sonnenblumen] - - - - -[Illustration: Die unholdigen Schwestern] - - -Der getreue Eckart. - - - Vom Wundermann hat man euch immer erzählt; - nur hat die Bestätigung jedem gefehlt, - die habt ihr nun köstlich in Händen.« - - Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug - ein jedes den Eltern bescheiden genug - und harren der Schläg' und der Schelten. - Doch siehe, man kostet: »Ein herrliches Bier!« - Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier - und noch nimmt der Krug nicht ein Ende. - - Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag; - doch fraget, wer immer zu fragen vermag: - »Wie ist's mit den Krügen ergangen?« - Die Mäuslein, sie lächeln, im stillen ergötzt; - Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt - und gleich sind vertrocknet die Krüge. - - Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht - ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht, - so horchet und folget ihm pünktlich! - Und liegt auch das Zünglein in peinlicher Hut, - verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut; - dann füllt sich das Bier in den Krügen. - Goethe. - -[Illustration: Dekoration] - - - - -[Illustration: Pflug] - - -Die beiden Pflugscharen. - - -Von gleicher Art des Eisens wurden in einer Werkstätte zwei Pflugscharen -verfertigt. Eine davon kam in die Hand eines Landmannes, die andere ward -in einen Winkel gestellt. Erst nach mehreren Monaten erinnerte man sich -derselben, zog sie aus ihrer Ruhe hervor, und siehe! sie war ganz mit -Rost bedeckt. Wie erstaunte sie, als sie ihre Gefährtin wiedersah und -sich selbst mit ihr verglich! Denn diese fand sie hell und glatt, ja, -glänzender als sie anfangs gewesen war. »Ist das möglich?« rief die -verrostete aus; »einst waren wir einander gleich; was hat dich so -herrlich gemacht, während ich in der glücklichsten Ruhe so verunstaltet -worden bin?« -- »Eben diese Ruhe«, erwiderte jene, »war dir verderblich. -Mich hat Übung und Arbeit erhalten, und diesen verdanke ich die -Schönheit, in der ich dich jetzt übertreffe.« - - G. Meißner. - - - - -Die beiden Äxte. - - -Ein Zimmermann ließ seine Axt in einen tiefen Strom fallen und bat den -Flußgott inbrünstig, er möchte ihm, da er arm sei, wieder dazu -verhelfen. Der Flußgott war so gnädig, stieg auf und brachte eine -- -goldene Axt zum Vorschein. - -[Illustration: Flussgott] - -»Das ist die meinige nicht!« sprach der Zimmermann ganz gelassen. -- -Der Geist tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor. - -»Auch diese gehört mir nicht!« sprach der Arme und zum dritten Male -langte der Flußgott eine Axt von Eisen mit einem hölzernen Stiele -heraus. -- - -»Das ist die rechte! das ist sie!« rief der Arbeitsmann fröhlich. - -»Gut! Ich sehe, du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm«, sprach -der mitleidige Geist. »Zur Belohnung nimm alle drei mit.« - -Die Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchbar. Ein Schalk, der -sie erfahren, nahm sich vor zu versuchen, ob auch gegen ihn der Flußgott -so mildtätig sein würde. Er ließ seine Axt mit Willen in den Strom -fallen, flehte zum Flußgott und hatte das Vergnügen, ihn aufsteigen zu -sehen. Er klagte ihm seinen Verlust, und der Geist brachte, wie ehemals, -eine goldene hervor. - -»Ist sie das, mein Sohn?« - -»Ja, ja, das ist sie!« antwortete der Lügner und griff schon darnach. -»Halt, Nichtswürdiger!« erschallte nun die Stimme des erzürnten Geistes. -»Glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens -blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verliere auch -dasjenige, was bisher dein war!« Und ohne Axt mußte er nach Hause -wandern. G. Meißner. - - - - - -Sparbüchslein. - - - Teuer ist die War' - und das Geld ist rar: - Spar'! - - Lang ist auch das Jahr, - groß der Tage Schar: - Spar'! - - Eh' dein Geld ist gar, - jetzt und immerdar: - Spar'! - - Spar' für die Gefahr, - für die grauen Haar: - Spar'! - - Sag' nicht: Wenn und zwar! -- - Bis zu deiner Bahr: - Spar'! - - Friedrich Güll. - -[Illustration: Sparbüchse] - - - - -Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. - - - Als Kaiser Karl zur Schule kam und wollte visitieren, - da prüft' er scharf das kleine Volk, ihr Schreiben, Buchstabieren, - ihr Vaterunser, Einmaleins, und was man lernte mehr; - zum Schlusse rief die Majestät die Schüler um sich her. - - Gleichwie der Hirte schied er da die Böcke von den Schafen, - zu seiner Rechten hieß er stehn die Fleißigen, die Braven. - Da stand im groben Linnenkleid manch schlichtes Bürgerkind, - manch Söhnlein eines armen Knechts von Kaisers Hofgesind'. - - Dann rief er mit gestrengem Blick die Faulen her, die Böcke, - und wies sie mit erhobner Hand zur Linken in die Ecke; - da stand im pelzverbrämten Rock manch feiner Herrensohn, - manch ungezognes Mutterkind, manch junger Reichsbaron. - - Da sprach nach rechts der Kaiser mild: »Habt Dank ihr frommen Knaben, - ihr sollt' an mir den gnäd'gen Herrn, den güt'gen Vater haben; - und ob ihr armer Leute Kind und Knechtesöhne seid, - in meinem Reiche gilt der Mann und nicht des Mannes Kleid.« - - Dann blitzt' sein Blick zur Linken hin, wie Donner klang sein Tadel: - »Ihr Taugenichtse, bessert euch, ihr schändet euren Adel; - ihr seidnen Püppchen, trotzet nicht auf euer Milchgesicht, - ich frage nach des Manns Verdienst, nach seinem Namen nicht!« - - Da sah man manches Kindesaug' in frohem Glanze leuchten - und manches stumm zu Boden sehn und manches still sich feuchten; - und als man aus der Schule kam, da wurde viel erzählt, - wen heute Kaiser Karl gelobt, und wen er ausgeschmält. - - Und wie's der große Kaiser hielt, so soll man's allzeit halten - im Schulhaus mit dem kleinen Volk, im Staate mit den Alten: - Den Platz nach Kunst und nicht nach Gunst, den Stand nach dem Verstand, - so steht es in der Schule wohl und gut im Vaterland. - - Karl Gerock. - - - - -Hurtig an die Arbeit. - - - Mein Kind, du bist schon lang - der Mutter aus der Wiegen; - nun hilf dir selbst; wie du - dich bettest, wirst du liegen. - Die Flügel wuchsen dir, - gebrauche sie zum Fliegen! - Der kommt nicht auf den Berg, - der nicht hinaufgestiegen. - Greif an die Schwierigkeit, - so wirst du sie besiegen! - - Friedrich Rückert. - - - - -Meister, Geselle und Lehrling. - - - Wer soll Meister sein? Wer was ersann. - Wer soll Geselle sein? Wer was kann. - Wer soll Lehrling sein? Jedermann. - - Joh. Wolfg. v. Goethe. - -[Illustration: Dekoration - Rose] - - - - -Der Künstler und sein Sohn. - - -Der Meister saß in seiner Werkstätte und meißelte an einem Herkules. Da -trat eines Tages sein Söhnlein zu ihm und fragte: »Vater, was machst du -da?« Der Vater antwortete: »Ich bildne einen Herkules.« Und er erzählte -ihm darauf, wie ein gar großer und gewaltiger Mann der gewesen, und wie -er Löwen und Schlangen und Riesen erlegt, und noch viele andere -wundersame Heldenstücke getan. Da sagte der Knabe: »Vater, ich will auch -einen Herkules machen.« -- »Tue das, mein Kind!« versetzte der Meister -lächelnd. Und er gab demselben einen Klumpen Ton, aus dem jener den -Herkules machen könnte. Nach einiger Zeit fragte der Vater: »Wie ist's -mit dem Herkules?« Der Knabe antwortete: »Es fügt sich nicht recht; ich -will lieber einen Reiter machen.« Der Vater nickte und sprach: »So mach' -denn einen Reiter!« Nach einer Weile stiller Arbeit rief der Knabe: -»Vater, es geht mit dem Reiter auch nicht; ich will nur gleich einen -Hanswurst machen.« Und er knetete nun aus dem Ton zuerst einen großen -Wanst; dann fügte er Hände und Füße daran und setzte zuletzt einen -spitzen Hut drauf, unter dem ein Kopf stak mit einer großen Nase. So war -denn der Hanswurst fertig. Das Söhnlein klatschte voll Freuden sich in -die Hände; der Vater aber schüttelte den Kopf und dachte sich, -- was -sich jeder leicht denken kann. Ludwig Aurbacher. - - - - -[Illustration: Zweig mit Pfirsichen] - - -Die Pfirsiche. - - -Ein Landmann brachte aus der Stadt fünf Pfirsiche mit, die schönsten, -die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum -erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr über die schönen -Äpfel mit den rötlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte -sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter. - -Am Abend, als die Kinder in das Schlafkämmerlein gingen, fragte der -Vater: »Nun, wie haben euch die schönen Äpfel geschmeckt?« »Herrlich, -lieber Vater!« sagte der Älteste. »Es ist eine schöne Frucht, so -säuerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam -bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen.« »Brav!« sagte der -Vater; »das heißt haushälterisch auch für die Zukunft gesorgt, wie es -dem Landmanne geziemt!« - -»Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen,« rief der Jüngste, »und den -Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hälfte von dem ihrigen -gegeben. O! das schmeckte so süß und zerschmilzt einem im Munde.« »Nun,« -sagte der Vater, »du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natürlich und -nach kindlicher Weise gehandelt. Für die Klugheit ist auch noch Raum -genug im Leben.« - -Da begann der zweite Sohn: »Ich habe den Stein, den der kleine Bruder -fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte -so süß wie eine Nuß. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel -Geld dafür erhalten, daß ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwölf -dafür kaufen kann.« Der Vater schüttelte den Kopf und sagte: »Klug ist -das wohl, aber kindlich und natürlich war es nicht.« - -»Und du Edmund?« fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete -Edmund: »Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem -kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen. -Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.« - -»Nun!« sagte der Vater, »wer hat denn wohl den besten Gebrauch von -seinem Pfirsich gemacht?« Da riefen sie alle drei: »Das hat Bruder -Edmund getan!« Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit -einer Träne im Auge. A. Krummacher. - - - - -[Illustration: Garben] - - -Die treuen Brüder. - - -Zur Zeit der Ernte kamen zwei rüstige Jünglinge aus dem Gebirg herab in -das ebene Land, wo es an Arbeitern fehlte und sagten zu einem Bauern: -»Wir beide wollen euch die ganze Erntezeit hindurch helfen, euer -Getreide hereinzubringen, wenn ihr uns die Kost und zehn Taler Lohn -gebt!« - -»Zehn Taler ist zu viel,« sagte der Bauer; »ich meine, zehn Gulden[1] -wären mehr als genug.« »Nein,« sagten die Jünglinge, »es müssen gerade -zehn Taler sein, mit weniger ist uns nicht geholfen. Wollt ihr uns nicht -so viel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.« - -»Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig?« fragte der Bauer. »Seht,« -sagten sie, »wir haben zu Hause einen jüngeren Bruder, der bereits -vierzehn Jahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in die Lehre -nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehrgeld. So viel Geld aber -weiß unser alter Vater nicht aufzubringen. Da haben wir zwei ältere -Brüder uns denn verabredet, dieses Geld zu verdienen.« - -»Nun wohl,« sagte der Bauer, »wegen eurer brüderlichen Liebe will ich -euch zehn Taler geben, wenn ihr so fleißig arbeitet, daß ich damit -zufrieden sein kann.« - -Die beiden Brüder arbeiteten an den heißen Erntetagen unermüdet im -Schweiße ihres Angesichtes; sie waren morgens am frühesten auf und -legten sich abends am spätesten zur Ruhe. - -Als die Ernte glücklich eingebracht war, bezahlte der Bauer ihnen die -zehn Taler und sprach: »Ihr habt euern Lohn redlich verdient und da gebe -ich jedem von euch noch einen Taler darüber.« - - Wenn Geschwister einig leben, - treulich sich zu helfen streben -- - kann es etwas Schönr'es geben? - - Chr. v. Schmid. - -[Illustration: Dekoration - Ähren] - - - - -[Illustration: Der Bauer und sein Sohn] - - - - -Der Bauer und sein Sohn. - - - Ein guter dummer Bauernknabe, - den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm - und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe - recht dreist zu lügen wiederkam, - ging kurz nach der vollbrachten Reise - mit seinem Vater über Land. - Fritz, der im Geh'n recht Zeit zum Lügen fand, - log auf die unverschämt'ste Weise. - Zu seinem Unglück kam ein großer Hund gerannt. - »Ja, Vater,« rief der unverschämte Knabe, - »ihr mögt mir glauben oder nicht, - so sag' ich euch und jedem ins Gesicht, - daß ich einst einen Hund im Haag[2] gesehen habe, - hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fährt, - der -- ja, ich bin nicht ehrenwert, - wenn er nicht größer war als euer größtes Pferd.« - -[Illustration: Hund] - - »Das,« spricht der Vater, nimmt mich wunder, - wiewohl ein jeder Ort läßt Wunderdinge seh'n. - Wir zum Exempel geh'n jetzunder - und werden keine Stunde geh'n, - so wirst du eine Brücke seh'n, - (wir müssen selbst darüber geh'n), - die hat dir manchen schon betrogen; - (denn überhaupt soll's dort nicht gar zu richtig sein). - Auf dieser Brücke liegt ein Stein, - an den stößt man, wenn man denselben Tag gelogen, - und fällt und bricht sogleich das Bein.« - - Der Bub' erschrak, sobald er dies vernommen. - »Ach,« sprach er, »lauft doch nicht so sehr! - Doch, wieder auf den Hund zu kommen, - wie groß sagt' ich, daß er gewesen wär'? - Wie euer größtes Pferd? Dazu will viel gehören. - Der Hund, jetzt fällt mir's ein, war erst ein halbes Jahr; - allein, das wollt' ich wohl beschwören, - daß er so groß als mancher Ochse war.« - - Sie gingen noch ein gutes Stücke; - doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt' es anders sein? - Denn niemand bricht doch gern ein Bein. - Er sah nunmehr die richterliche Brücke -- - und fühlte schon den Beinbruch halb. - »Ja, Vater,« fing er an, »der Hund, von dem ich rede, - war groß, und wenn ich ihn auch was vergrößert hätte, - so war er doch viel größer als ein Kalb.« - - Die Brücke kommt. Fritz! Fritz! wie wird dir's gehen! - Der Vater geht voran; doch Fritz hält ihn geschwind. - »Ach, Vater,« spricht er, »seid kein Kind - und glaubt, daß ich dergleichen Hund gesehen; - denn kurz und gut, eh' wir darüber gehen, - der Hund war nur so groß, wie alle Hunde sind.« - - Christian Fürchtegott Gellert - -[Illustration: Dekoration - Brücke] - - - - -Das Kind. - - - Die Mutter lag im Totenschrein, - zum letzten Mal geschmückt; - da spielt das kleine Kind herein, - das staunend sie erblickt. - - Die Blumenkron' im blonden Haar - gefällt ihm gar zu sehr, - die Busenblumen, bunt und klar, - zum Strauß gereiht, noch mehr. - - Und sanft und schmeichelnd ruft es aus: - »du, liebe Mutter, gib - mir eine Blum aus deinem Strauß, - ich hab' dich auch so lieb!« - - Und als die Mutter es nicht tut, - da denkt das Kind für sich: - »Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht, - so tut sie's sicherlich.« - - Schleicht fort, so leis' es immer kann, - und schließt die Türe sacht - und lauscht von Zeit zu Zeit daran, - ob Mutter noch nicht wacht. - - Hebbel. - -[Illustration: Dekoration - Blumen] - - - - -Das Kind am Brunnen. - - - Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht! - Doch die liegt ruhig im Schlafe. - Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht, - am Hügel weiden die Schafe. - Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf, - es wagt sich weiter und weiter! - Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf, - da stehen Blumen und Kräuter. - Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief! - Sie schläft, als läge sie drinnen. - Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief, - die Blumen lockens von hinnen. - Nun steht es am Brunnen, nun steht es am Ziel, - nun pflückt es die Blumen sich munter; - doch bald ermüdet das reizende Spiel, - da schaut's in die Tiefe hinunter. - Und unten erblickt es ein holdes Gesicht - mit Augen, so hell und so süße. - Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht, - viel stumme freundliche Grüße! - Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind - winkt aus der Tiefe ihm wieder. - Herauf! Herauf! so meint's das Kind; - der Schatten: Hernieder! Hernieder! - Schon beugt es sich über den Brunnenrand. - Frau Amme, du schläfst noch immer! - -[Illustration: Kind am Brunnen] - - Da fallen die Blumen ihm aus der Hand - und trüben den lockenden Schimmer. - Verschwunden ist sie, die süße Gestalt, - verschluckt von der hüpfenden Welle; - das Kind durchschauert's fremd und kalt, - und schnell enteilt es der Stelle. - - Friedrich Hebbel. - - - - -[Illustration: Blumenkorb] - - -Des Mägdleins Schmuck. - - - Es wächst ein Blümlein _Bescheidenheit_, - der Mägdlein Kränzel und Ehrenkleid. - Wer solches Blümlein sich frisch erhält, - dem blühet golden die ganze Welt. - - Auch wird ein zweites, das _Demut_ heißt, - als Schmuck der Mägdelein hoch gepreist. - Die Englein, singend an Gottes Thron, - es trag'n als Demant in goldner Kron'. - - Ein drittes Blümlein, wo diese zwei - nur stehen, immer ist dicht dabei: - heißt _Unschuld_, sieht gar freundlich aus, - das schönste Blümchen im Frühlingsstrauß. - - So pflege, Mägdlein, die Blümlein drei - mit frommer Sorge und stiller Treu'! - Denn wer sie wahret, wird nimmer alt, - er trägt die himmlische Wohlgestalt. - - Ernst Moritz Arndt. - - - - -Der Jähzorn. - - -Ein junger Schäfer hütete im Gebirge seine Schafe. Eines Tages saß er -auf einem Felsenstücke in dem Schatten einer Tanne. Er schlief ein und -wankte und nickte im Schlafe beständig mit dem vorwärts hängenden Kopfe. -Der Schafbock, der nicht weit von ihm graste, meinte, der Schäfer -fordere ihn zum Zweikampfe heraus und wolle mit ihm stoßen. Der Bock -nahm daher eine drohende Stellung, ging, um einen rechten Anlauf zu -nehmen, einige Schritte zurück, rannte dann auf den Schäfer zu und -versetzte ihm mit seinen Hörnern einen gewaltigen Stoß. Der Schäfer, der -sich aus seinem süßen Schlummer so unsanft geweckt sah, geriet in -wütenden Zorn. Er sprang auf, packte den Bock mit beiden Fäusten und -schleuderte ihn weit von sich. Der verscheuchte Bock rannte fort und -stürzte in den nahen Abgrund. Die Schafe, wohl ihrer hundert, sprangen -dem Bocke nach und wurden an den Felsen elend zerschmettert. Der Schäfer -aber raufte sich vor Jammer die Haare aus und bereute zu spät seinen -Jähzorn. Chr. v. Schmid. - -[Illustration: Dekoration - Widderkopf] - - - - -Eifer führt zum Ziel. - - -Der Hase verspottete einst die Schildkröte ihrer Langsamkeit wegen. »Die -Natur«, erwiderte diese, »hat mir freilich keinen schnellen Schritt -verliehen; dennoch getraue ich mir wohl mit dir um die Wette zu laufen.« - -Mit Hohn und Scherz ward von dem Hasen dieser Vorschlag angenommen. Man -bestimmte ein Ziel. Beide machten sich zu gleicher Zeit auf den Weg. Und -unermüdet kroch auf schnurgeradem Pfade die Schildkröte fort. Ganz -anders machte es der Hase. Um zu zeigen, wie sehr er seinen Mitbewerber -verachte, hüpfte er bald rechts bald links und kam demungeachtet viel -früher bis auf die Mitte des Weges. Ermüdet von den vielen -Seitensprüngen legte er allda sich nieder um ein wenig zu schlummern. -»Ich kann ja doch«, dachte er bei sich selbst, »die Schildkröte mit drei -oder vier Sprüngen wieder einholen!« So schlief er ruhig, bis er von -einem lauten Gelächter der Zuschauer erwachte. Jetzt wollte er sich -hurtig aufraffen und ans Ziel eilen, als er -- o Schande! -- die -Schildkröte bereits an demselben erblickte. - - A. G. Meißner. - -[Illustration: Dekoration - Hase] - - - - -Einer für alle. - - -Beim Sturm auf Lüttich (1914) hatte eine deutsche Batterie nach schweren -Verlusten eine gute Stellung gewonnen. Immer hitziger wurde der Kampf. -Die schwere Artillerie der Festung schleuderte dem Angreifer -zentnerschwere Granaten entgegen. Da plötzlich -- es war auf dem -Höhepunkt des heißen Artilleriekampfes -- fällt eines dieser -Riesengeschosse mit dumpfem Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der -Sand spritzt nach allen Seiten, das Geschoß liegt offen in der Höhlung. -Jeden Augenblick kann es losgehen und alles Lebende ringsum töten. Da -schießt dem Unteroffizier Heinemann der Gedanke durch das Gehirn: Lieber -einer als alle! Er springt hin, rafft das schwere Geschoß auf und -schleppt es an den Leib gepreßt eilends aus der Batterie hinaus. Wäre es -in diesen Sekunden geplatzt, er wäre in tausend Stücke zerrissen worden. -Aber die Tat glückte. Eine Strecke außerhalb der Stellung legte er die -gefährliche Last zur Erde und eilte zurück. Doch kaum ist er eine -Strecke gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen. Sie zersprang -mit furchtbarem Brüllen und spritzte ihren totbringenden Eisenhagel nach -allen Seiten. Wie durch ein Wunder aber blieb der Tapfere heil. Nur ein -Splitter traf ihn in die Ferse, und als sieben Stunden später die -Festung fiel, konnte er noch siegreich mit einziehen. - - »Hamburger Fremdenblatt«. - -[Illustration: Unteroffizier Heinemann] - - - - -[Illustration: Dekoration - Weinrebe] - - -Der Schatzgräber. - - - Ein Winzer, der am Tode lag, - Rief seine Kinder an und sprach: - »In unserm Weinberg liegt ein Schatz, - Grabt nur darnach!« -- »An welchem Platz?« - Schrie alles laut den Vater an. -- - »Grabt nur!« O weh, da starb der Mann. - - Kaum war der Alte beigeschafft, - So grub man nach aus Leibeskraft. - Mit Hacke, Karst und Spaten ward - Der Weinberg um und um gescharrt. - Da war kein Kloß, der ruhig blieb; - Man warf die Erde gar durchs Sieb - Und zog die Harken kreuz und quer - Nach jedem Steinchen hin und her. - Allein da ward kein Schatz verspürt - Und jeder hielt sich angeführt. - - Doch kaum erschien das nächste Jahr, - So nahm man mit Erstaunen wahr, - Daß jede Rebe dreifach trug. - Da wurden erst die Söhne klug - Und gruben nun jahrein, jahraus - Des Schatzes immer mehr heraus. - - Gottfr. Aug. Bürger. - - - - -[Illustration: Dekoration - Grabkreuz] - - -Hoffnung. - - - Es reden und träumen die Menschen viel - von bessern künftigen Tagen, - nach einem glücklichen, goldenen Ziel - sieht man sie rennen und jagen. - Die Welt wird alt und wird wieder jung, - doch der Mensch hofft immer Verbesserung. - Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, - sie umflattert den fröhlichen Knaben, - den Jüngling locket ihr Zauberschein, - sie wird mit dem Greis nicht begraben; - denn beschließt er im Grabe den müden Lauf, - noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf. - Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, - erzeugt im Gehirne des Toren; - im Herzen kündet es laut sich an: - Zu was Besserm sind wir geboren. - Und was die innere Stimme spricht, - das täuscht die hoffende Seele nicht. - - Friedrich von Schiller. - - - - -Der beste Empfehlungsbrief. - - -Auf das Ausschreiben eines Kaufmanns, durch welches ein Laufbursche -gesucht wurde, meldeten sich fünfzig Knaben. Der Kaufmann wählte sehr -rasch einen unter denselben und verabschiedete die andern. »Ich möchte -wohl wissen,« sagte ein Freund, »warum du gerade diesen Knaben, der doch -keinen einzigen Empfehlungsbrief hatte, bevorzugtest?« »Du irrst,« -lautete die Antwort, »dieser Knabe hatte viele Empfehlungen. Er putzte -seine Füße ab, ehe er ins Zimmer trat, und machte die Türe zu; er ist -daher sorgfältig. Er gab ohne Besinnen seinen Stuhl jenem alten, lahmen -Manne, was seine Herzensgüte und Aufmerksamkeit zeigt. Er nahm seine -Mütze ab, ehe er hereinkam, und antwortete auf meine Fragen schnell und -sicher; er ist also höflich und hat gute Sitten. Er hob das Buch auf, -welches ich absichtlich auf den Boden gelegt hatte, während alle übrigen -dasselbe zur Seite stießen oder darüber stolperten. Er wartete ruhig und -drängte sich nicht heran -- ein gutes Zeugnis für sein anständiges -Benehmen. Ich bemerkte ferner, daß sein Rock gut ausgebürstet und seine -Hände und sein Gesicht rein waren. Nennst du dies alles keinen -Empfehlungsbrief? Ich gebe mehr darauf, was ich von einem Menschen weiß, -nachdem ich ihn zehn Minuten lang gesehen, als auf das, was in schön -klingenden Empfehlungsbriefen geschrieben steht.« - - Magdeburger Zeitung. - - - - -[Illustration: Dekoration - Blume] - - -Reinlichkeit. - - - Rein gehalten dein Gewand, rein gehalten Mund und Hand! - Rein das Kleid von Erdenputz, rein die Hand von Erdenschmutz! - Sohn, die äußre Reinlichkeit ist der innern Unterpfand. - - Friedrich Rückert. - -[Illustration: Hermann Billing] - - - - -Hermann Billings Berufung. - - -Es war um das Jahr 940 nach Christi Geburt, da hütete nicht weit von -Hermannsburg in der Lüneburger Heide ein dreizehn- bis vierzehnjähriger -Knabe die Rinderherde seines Vaters auf der Legde[3], als plötzlich ein -prächtiger Zug von gewappneten Rittern dahergezogen kam. Der Knabe sieht -mit Lust die blinkenden Helme und Harnische, die glänzenden Speere und -die hohen Reitersleute an und denkt wohl in seinem Herzen: das sieht -noch nach was aus! Aber plötzlich biegen die Reiter von der sich -krümmenden Straße ab und kommen querfeldein auf die Legde zugeritten, wo -er hütet. Das ist ihm zu arg; denn das Feld ist keine Straße, und das -Feld gehört seinem Vater. Er besinnt sich kurz, geht den Rittern -entgegen, stellt sich ihnen in den Weg und ruft ihnen mit dreister -Stimme zu: »Kehrt um; die Straße ist euer, das Feld ist mein.« - -[Illustration: König Otto] - -Ein hoher Mann, auf dessen Stirn ein majestätischer Ernst thront, reitet -an der Spitze des Zuges und sieht ganz verwundert den Knaben an, der es -wagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Er hält sein Roß an und hat seine -Freude an dem mutigen Jungen, der so kühn und furchtlos seinen Blick -erwidert und nicht vom Platze weicht. - -»Wer bist du, Knabe?« »Ich bin Hermann Billings ältester Sohn und heiße -auch Hermann, und dies ist meines Vaters Feld; Ihr dürft nicht darüber -reiten.« - -»Ich will's aber,« erwiderte der Ritter mit drohendem Ernst; »weiche, -oder ich stoße dich nieder.« Dabei erhob er den Speer. Der Knabe aber -bleibt furchtlos stehen, sieht mit blitzendem Auge zu dem Ritter hinauf -und spricht: »Recht muß Recht bleiben, und Ihr dürft nicht über das Feld -reiten, Ihr reitet denn über mich weg.« - -»Was weißt du von Recht, Knabe?« -- »Mein Vater ist der Billing[4],« -antwortete der Knabe; »vor einem Billing darf niemand das Recht -verletzen.« - -Da ruft der Ritter noch drohender: »Ist das denn Recht, Knabe, deinem -Könige den Gehorsam zu versagen? Ich bin Otto, dein König.« - -»Ihr wäret Otto, unser König, von dem mein Vater uns so viel erzählt? -Nein, Ihr seid es nicht! König Otto schützt das Recht, und Ihr brecht -das Recht: Das tut Otto nicht, sagt mein Vater.« - -»Führe mich zu deinem Vater, braver Knabe,« antwortete der König, und -eine ungewöhnliche Milde und Freundlichkeit erglänzte auf seinem ernsten -Angesichte. - -»Dort ist meines Vaters Hof, Ihr könnt ihn sehen,« sagte Hermann; »aber -die Rinder hier hat mir mein Vater anvertraut; ich darf sie nicht -verlassen, kann Euch also auch nicht führen. Seid Ihr aber Otto der -König, so lenket ab vom Felde auf die Straße; denn der König schützt das -Recht.« - -Und der König Otto der Große gehorchte der Stimme des Knaben und lenkte -sein Roß zurück auf die Straße. - -Bald wird Hermann vom Felde geholt. Der König ist bei seinem Vater -eingekehrt und hat zu ihm gesagt: »Billing, gib mir deinen ältesten Sohn -mit; ich will ihn bei Hofe erziehen lassen; er wird ein treuer Mann -werden, und ich brauche treue Männer.« Und welcher gute Sachse konnte -einem Könige wie Otto etwas abschlagen? - -So sollte denn der mutige Knabe mit seinem Könige ziehen, und als Otto -ihn fragte: »Hermann, willst du mit mir ziehen?« Da antwortete der Knabe -freudig: »Ich will mit dir ziehen; du bist der König, denn du schützest -das Recht.« - -Otto übergab den jungen Billing guten Lehrmeistern, in deren Pflege und -Leitung er zu einem tugendlichen und tüchtigen Manne erwuchs. Der König -hielt ihn für einen seiner nächsten Freunde und vertraute dermaßen der -Klugheit, Tapferkeit und Treue seines Pfleglings, daß er, als er seine -Römerfahrt antrat, ihm das eigene angestammte Herzogtum Sachsen zur -Verwaltung übergab. Dieser Hermann Billing ist der Ahnherr eines -blühenden Geschlechtes geworden, welches bis zum Jahre 1106 dem -Sachsenlande seine Herzoge gab. - - Ferdinand Bäßler. - -[Illustration: Dekoration - Schild und Schwert] - - - - -Wohltun macht Freunde. - -Ein Venetianer, der häufig das Fichtelgebirg besuchte, um da nach edlen -Metallen besonders nach Goldkörnern zu graben, kehrte oft bei einem -Landmanne in Wülfertsreuth ein, der ihn gastfreundlich aufnahm und ihm -bot, was er vermochte. Einstmals kam er wieder, jedoch um für immer -Abschied zu nehmen. »Ich kehre jetzt in meine Heimat zurück, um die -Früchte meiner langjährigen Mühen friedlich zu genießen,« sagte er, »und -werde wohl nie mehr deine gastliche Schwelle überschreiten. Wenn du -jedoch einst irgend ein Anliegen auf dem Herzen hast, so komme zu mir in -das ferne Venedig und ich will dir von deinem Kummer helfen. Ich glaube, -ich werde dich noch bei mir sehen.« Er schied. - -Und siehe, nach langen Jahren zogen schwere Wolken über das kleine Haus, -so daß der arme Mann keinen Retter mehr wußte aus Not und Sorgen als -seinen alten Freund in Welschland. Da machte er sich auf, pilgerte gen -Süden und erreichte glücklich die große Meerstadt. Nun ward ihm aber -bange, als er die weiten Straßen beschaute. Wie wollte er seinen Freund -ausfindig machen, dessen fremden Namen er längst vergessen? - -[Illustration: Venedig] - -Als er jedoch in halber Verzweiflung die köstlichen Paläste ringsum -anstarrte, da rief es plötzlich aus einem derselben: »Hans, Hans!« und -ein vornehmer Mann stürzte heraus, um den Staunenden zu umarmen. War das -der Venetianer in den schlechten, schwarzen Kleidern, den er einst -beherbergt? Der war es. Der reiche Mann hatte den Fichtelberger an der -Tracht wiedererkannt und führte diesen hinauf in die Säle voll Pracht -und Reichtum und vergalt ihm nun alles tausendfach, was er dem Fremdling -einst in seiner Heimat Gutes getan. Reich beschenkt kam Hans zurück und -führte von da an ein sorgenfreies Leben. - - Schöppner, Sagenbuch - - - - -Das Loch im Ärmel. - - -Ich hatte einen Spielgesellen und Jugendfreund, Namens Albrecht, -erzählte einst Herr Marbel seinem Neffen. Wir beide waren überall -und nirgends, wie nun Knaben sind, wild und unbändig. Unsere Kleider -waren nie neu, sondern schnell besudelt und zerrissen. Da gab es -Schläge zu Hause, aber es blieb beim alten. Eines Tages saßen wir in -einem öffentlichen Garten auf einer Bank und erzählten einander, -was wir werden wollten. Ich wollte Generalleutnant, Albrecht -Generalsuperintendent werden. - -»Aus euch beiden gibt's in Ewigkeit nichts!« sagte ein steinalter Mann -in feinen Kleidern und weißgepuderter Perücke, der hinter unserer Bank -stand und die kindlichen Entwürfe angehört hatte. - -Wir erschraken. Albrecht fragte: »Warum nicht?« - -Der Alte sagte: »Ihr seid guter Leute Kinder, ich sehe es eueren Röcken -an, aber ihr seid zu Bettlern geboren; würdet ihr sonst diese Löcher in -eueren Ärmeln dulden?« Dabei faßte er jeden von uns an dem Ellenbogen -und bohrte mit den Fingern im durchgerissenen Ärmel hinauf. -- Ich -schämte mich, Albrecht auch. »Wenn's euch,« sagte der alte Herr, »zu -Hause niemand zunäht, warum lernt ihr es nicht selbst? Im Anfang hättet -ihr den Rock mit zwei Nadelstichen geheilt, jetzt ist's zu spät, und -ihr kommt wie Bettelbuben. Wollt ihr Generalleutnant werden, so fangt an -beim Kleinsten. Erst das Loch im Ärmel geheilt, ihr Bettelbuben, dann -denkt an etwas anderes!« - -Wir beide schämten uns von Herzensgrund, gingen schweigend davon und -hatten das Herz nicht, etwas Böses über den bösen Alten zu sagen. Ich -aber drehte den Ellenbogen des Rockärmels so herum, daß das Loch -einwärts kam, damit es niemand erblicken möchte. Ich lernte von meiner -Mutter das Nähen spielend; denn ich sagte nicht, warum ich's lernen -wollte. Wenn sich jetzt an meinen Kleidern eine Naht öffnete, ein -Fleckchen sich durchschabte, ward's sogleich gebessert. Das machte mich -aufmerksam; ich mochte an zerrissenen Kleidern nun nicht mehr -Unreinlichkeit leiden. Ich ging sauberer, ward sorgfältiger, freute mich -und dachte, der alte Herr in der schneeweißen Perrücke hätte so unrecht -nicht. Mit zwei Nadelstichen zu rechter Zeit rettet man einen Rock, mit -einer Hand voll Kalk ein Haus; aus roten Pfennigen werden Taler, aus -kleinen Samenkörnern Bäume, wer weiß wie groß. - -Albrecht nahm die Sache nicht so streng. Es ward sein Schaden. Wir waren -beide einem Handelsmanne empfohlen; er verlangte einen Lehrburschen, der -im Schreiben und Rechnen geübt war. Der Herr prüfte uns, dann gab er -mir den Vorzug. Meine alten Kleider waren hell und sauber; Albrecht im -Sonntagsrocke ließ Nachlässigkeiten sehen. Das sagte mir der Herr -Prinzipal nachher. »Ich sehe Ihm an,« sagte er, »Er hält das Seine zu -Rat; aus dem anderen gibt's keinen Kaufmann.« Da dachte ich wieder an -den alten Herrn und an das Loch im Ärmel. - -Ich merkte wohl, ich hatte in anderen Dingen, in meinen Kenntnissen, in -meinem Betragen, in meinen Neigungen noch manches Loch im Ärmel. Zwei -Nadelstiche zur rechten Zeit bessern alles ohne Mühe, ohne Kunst. Man -lasse nur das Loch nicht größer werden, sonst braucht man für das Kleid -den Schneider, für die Gesundheit den Arzt. -- Es gibt nichts -Unbedeutendes noch Gleichgültiges, weder im Guten noch im Bösen. Wer das -glaubt, kennt sich und das Leben nicht. Mein Prinzipal hatte auch ein -abscheuliches Loch im Ärmel, nämlich er war rechthaberisch, zänkisch, -launenhaft; das brachte mir oft Verdruß. Ich widersprach, da gab es -Zank. Holla, dachte ich, es könnte ein Loch im Ärmel geben und ich ein -Zänker und gallsüchtig und unverträglich wie der Herr Prinzipal werden. -Von Stunde an ließ ich den Mann recht haben; ich begnügte mich, recht zu -tun, und bewahrte meinerseits den Frieden. - -Als ich ausgelernt hatte, trat ich in eine andere Stellung. Da ich -gewöhnt war, mit wenigen Bedürfnissen des Lebens froh zu sein (denn wer -viel hat, ist nie ganz froh), so sparte ich manches, und da ich auch -gewöhnt war, mir kein Loch im Ärmel zu verzeihen, aber schonend über -dasjenige an fremden Ärmeln wegzusehen, war alle Welt mit mir zufrieden, -wie ich mit aller Welt. -- So hatte ich beständig Freunde, beständig -Beistand, Zutrauen, Geschäfte. Gott gab Segen. Der Segen liegt im -Rechttun und Rechtdenken, wie im Nußkerne der fruchttragende hohe Baum. - -So wuchs mein Vermögen. Wozu denn? fragte ich; du brauchst ja nicht den -zwanzigsten Teil davon. -- Prunk damit treiben vor den Leuten? -- Das -ist Torheit. Soll ich in meinen alten Tagen noch ein Loch im Ärmel -aufweisen? -- Hilf anderen, wie dir Gott durch andere geholfen hat. -Dabei bleibt's. Das höchste Gut, das der Reichtum gewährt, ist zuletzt -Unabhängigkeit von den Launen der Leute und ein großer Wirkungskreis. -- -Jetzt, Konrad, gehe auf die hohe Schule, lerne etwas Rechtes; denke an -den Mann mit der schneeweißen Perücke; hüte dich vor dem ersten kleinen -Loche im Ärmel; mach es nicht wie mein Kamerad Albrecht! Er ward zuletzt -Soldat und ließ sich in Amerika totschießen. - - Heinrich Zschokke. - - - - - -Der gekreuzte Dukaten. - - -»Wenn ich nur hunderttausend Gulden hätte!« Das hast du vielleicht auch -schon oft gedacht oder gesagt. Wenn du aus einem Talerlande bist, ist es -dir nicht darauf angekommen und hast hunderttausend Taler daraus -gemacht, obgleich das ein Erkleckliches mehr ist. Ich nehme dir den -Hunderttausendwunsch nicht übel, es ist keine schlimme Sache ums -Reichsein, aber das Glück macht es doch nicht aus. Davon kann ich eine -besondere Geschichte erzählen. - -Ein junger Mann hatte seine Hunderttausend geerbt, und er begnügte sich -auch damit. Er wollte bloß sein Geld verzehren, arbeiten aber wollte er -nicht; das, meinte er, sei nur etwas für unbemittelte Leute. So hatte -also der Herr Adolf gar kein Geschäft als Essen, Trinken, Schlafen, -Spazierengehen oder Reiten, und was ihm sonst noch einfiel. Ja, das Aus- -und Anziehen war ihm viel zu viel, und er hielt sich einen Kammerdiener. -Wenn er des Morgens erwachte, wußte er eigentlich gar nicht, warum er -aufstehen sollte; es wartete kein Geschäft und darum keine rechte Freude -auf ihn. Darum blieb er auch fein liegen, bis ihm auch das zu -beschwerlich wurde. Fast ging es ihm wie jenem Engländer, der aus purer -Langeweile, um sich nicht mehr aus- und anziehen zu müssen, sich das -Leben nahm. - -Herr Adolf machte dann jeden Vormittag seinen Spaziergang, damit er den -Nachmittag für sich frei und nichts mehr zu tun habe. Meist lag er auf -dem Kanapee, gähnte und rauchte. Dabei hatte er mitunter noch seine -besonderen Gedanken. Jeder Mensch, dachte er, hat so seine Summe von -Kraft mit auf die Welt bekommen, die für seine siebenzig Jährlein oder -auch mehr ausreichen muß. Wenn ich also einen schweren Stuhl von einem -Ort an den andern hebe, ist damit ein Stück von meiner Lebenskraft -aufgewendet und verbraucht -- darum laß ich's hübsch bleiben. Auf solche -Gedanken kann ein Nichtstuer kommen. - -Der Herr Adolf ward aber dick und oft kränklich und mußte seinen Leib -pflegen. Das war auch ein Geschäft. - -Das Jahr durch ging dem Herrn Adolf manch schönes Stück Geld durch die -Hand, und dabei hatte er die besondere Liebhaberei, daß er bei jeder -Goldmünze, die er ausgab, ein kleines, zierliches Kreuz unter die Nase -des geprägten Herrschers machte. Er dachte wenig dabei, denn er hatte ja -Gold genug; ihn kümmerte überhaupt nichts, wie es anderen Menschen ging, -obgleich er manchmal aus angeborener Gutmütigkeit einem Armen etwas -schenkte. - -Ich will nur einmal sehen, dachte er, ob nach langer Umherwanderung in -der Welt mir einmal wieder so ein Goldstück unter die Hände kommen -wird. Da nun Herr Adolf gar nichts war, so nahm er sich ernstlich vor, -etwas zu werden und er ward -- ein Passagier. Das ist noch immer ein -Titel, wenn man sonst weiter nichts ist. Er reiste nämlich von einer -Stadt in die andere, von einem Land ins andere und ließ sich's überall -wohl sein, und wo er etwas zu bezahlen hatte, da gab er die mit seinem -Ordenskreuze gezierten Goldstücke hin. Noch nie aber war es ihm -vorgekommen, daß er eins wiedergesehen hätte. Endlich ward er des -Herumreisens auf dem festen Lande müde, er verließ die Alte Welt und -schiffte sich nach Amerika ein. - -Nun war der Herr Adolf noch etwas mehr als ein Passagier, er war sogar -ein Auswanderer. Diesmal aber ging's gar schlecht auf der See. Fünf Tage -und fünf Nächte wütete ein gewaltiger Sturm. Alles, was auf dem Schiffe -war, mußte Hand ans Werk legen, aber vergebens -- das Schiff ging unter, -und nur der Beherztheit des Schiffshauptmanns gelang es, die Mannschaft -und die Reisenden in einer Schaluppe zu retten. Nach zwei Tagen -fürchterlichen Umherirrens und schrecklicher Hungersnot, in welcher -viele starben, wurden die Verschlagenen von einem Kauffahrteischiffe -aufgenommen und in den Hafen zu Boston gebracht. - -[Illustration: Schaluppe] - -Arm, hilflos und verlassen irrte hier Adolf umher, und er wünschte sich -oft, daß er mit den anderen von den Wellen begraben wäre. Da sah er -einen Mann eilig des Weges gehen; mit niedergeschlagenem Blicke bat er -ihn um eine Gabe. Der Mann griff in die Tasche, reichte ihm ein Stück -Geld und war schnell verschwunden. Als Adolf wieder seinen Blick -emporhob und das Geld betrachtete, wollte er seinen Augen kaum trauen, -es war ein Dukaten, der das Ordenszeichen von seiner eigenen Hand -unverkennbar trug. - -Sei es nun, daß der Mann sich vergriffen hatte, oder daß er wirklich -eine so namhafte Gabe schenken wollte, Adolf dachte nicht lange darüber -nach, und er weinte helle Tränen auf das einzige Goldstück, das ihm von -seinem ganzen Reichtum als Bettlergabe wieder zugekommen war. Mit Wehmut -dachte er daran, daß er es wieder weggeben und vielleicht nie mehr sehen -solle. Da begegnete ihm eine große Menge von Arbeitern, die an einer -Straße arbeiteten; schnell war er entschlossen und ließ sich unter ihre -Zahl einschreiben. Ein sonderbarer Gedanke tröstete ihn bei dieser -ungewohnten Lebensweise. Ich brauchte eigentlich nicht zu arbeiten, -sagte er sich in der ersten Zeit und fühlte dann an seine Brust, wo er -den Dukaten verborgen hatte, ich habe ja Geld und könnte eine ganze -Woche und länger davon leben oder etwas anderes damit anfangen; aber ich -arbeite, weil mir's Vergnügen macht. Dann aber machte er einen Spaß -daraus und sagte oft: »Ich arbeite bloß zu meinem Vergnügen. Ich -arbeite, damit ich was zu essen habe, und das Essen macht mir dann -Vergnügen, also arbeite ich zu meinem Vergnügen.« Nach und nach aber -erkannte er, daß nichts Entwürdigendes, ja die Ehre und der Lebenszweck -allein darin liege, für den Genuß seines Daseins und für das, was man -von der Welt hat, auch etwas für sie zu tun. Früher hatte er gedacht, -durch das Wegrücken eines Stuhles, ja durch jede Tätigkeit seine -Lebenskraft zu schwächen; jetzt erkannte er, daß, je mehr man seine -Kräfte braucht, sie um so mehr wachsen und zunehmen, daß die Lebenskraft -durch Tätigkeit immer neu erzeugt wird. - -So war Adolf, für den die Straßen früher nur dagewesen waren, um als -vergnügungssüchtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher -und Straßenarbeiter für andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur -Stelle eines Aufsehers bei dem Straßenbau und erfreute sich in dem -Gedanken, daß von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren -hinterblieben als die bloßen Kreuze auf dem Gelde, das ihm durch die -Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken -aufbewahrt, bis er endlich eingesehen, daß auch dieser nicht ruhen darf -in dem großen Weltverkehre, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann -beim Straßenbau verunglückt war. - - Berthold Auerbach. - -[Illustration: Dekoration] - - - - -Der Solnhofer Knabe. - - -An der Altmühl, ungefähr eine Viertelstunde unterhalb Solnhofen, ist -eine Glashütte im Gang. Das Holz zu den Öfen kann leicht über die jähen -Bergwände herabgelassen werden und der reine, zuckerweiße Sand findet -sich da und dort in Nestern unter dem Rasen. - -Ehe man anfing, diesen Sand in Glas zu verwandeln, bestreuten oder -fegten schon die Hausfrauen in der Umgegend ihre Stubenböden, Tische, -Bänke, hölzernen Geschirre usw. damit und kauften ihn von Weibern, die -ihn bei Solnhofen gruben und in kleinen Säckchen zum Verkauf in die -umliegenden Orte trugen. - -In der ältesten Zeit befaßte sich eine Zeitlang nur ein einziges Weib -mit diesem beschwerlichen Handel, bei welchem sie oft über fünfzig Pfund -auf dem Rücken aus- und nur ein paar Heller in der Tasche dafür -heimtrug. Es war eine Witwe in mittlerem Alter. Sie hatte einen -zwölfjährigen Knaben, der im Sommer die Ziegen des Ortes hütete und im -Winter mit seiner Mutter in den unterirdischen Felsklüften Sandnester -aufsuchte und ausbeutete, wenn man vor Schnee und Eis in den Boden -kommen konnte. - -[Illustration: Gottesdienst] - -Einmal in einem besonders harten Winter wollte es den guten Leuten gar -nicht gelingen. Lange war der Boden bald so fest gefroren und bald so -hoch mit Schnee bedeckt, daß sie gar nicht zu ihrer unterirdischen -Nahrungsquelle gelangen konnten. Der kleine Vorrat an Sand, den sie sich -im Herbst gegraben hatten, ging zu Ende und mit ihm das Brot, das sie -sich für die erlösten Pfennige aus den benachbarten Orten mitzunehmen -pflegten. An den Sommerseiten der Berge, wo die Februarsonne die -dünneren Schneeschichten weggeleckt hatte, fingen sie nun an zu -schürfen, aber überall und immer ohne Erfolg. Ihre Werkzeuge zerbrachen -und sie hatten noch kein weißes Sandkorn gefunden. Dazu ging das Futter -für die Ziegen auf die Neige und in der Hütte waren nun vier Geschöpfe, -denen der Hunger aus den Augen sah. Das einzige, was sie noch unter sich -teilen konnten, war eine Kufe mit eingestampften Rüben und weißem Kohl; -aber auch diese stritten schon mit der Verwesung, weil sie nur wenig -gesalzen waren. Die Geißen erhielten ihren Anteil roh, wie er aus der -Kufe kam; die Portionen für sich und ihren Knaben kochte die Witwe und -salzte sie oft mit ihren bitteren Kummertränen; denn es war damals unter -ihrem Dache wie in der Hütte der Witwe von Zarpath, als sie dem -Propheten antwortete: »So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe -nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im -Kruge. Und siehe, ich habe Holz aufgelesen und gehe hinein und will es -mir und meinem Sohne zurichten, daß wir essen und sterben.« - -Der Knabe liebte seine Mutter und bewies seine Liebe meistens dadurch, -daß er nie über seinen Hunger klagte, sondern geduldig von einer -Mahlzeit auf die andere wartete und überhaupt alles vermied und verbarg, -was ihr das Herz noch schwerer machen konnte. Aber fast die ganze andere -Hälfte seines Herzens war den Ziegen zugewandt und es wollte ihm -brechen, wenn er sah, wie sie, von Hunger getrieben, an der Kufe -hinaufsprangen und vergebens Hals und Zunge streckten, um die Neige -darin zu erreichen. Hätten sie von seinen schönen Worten und -Vertröstungen auf den nahen Frühling satt werden können, dann hätten sie -mehr als genug gehabt; aber so wurden sie immer magerer. Der Knabe -entschloß sich endlich, für sie zu tun, was er noch nicht einmal für -seine Mutter getan hatte. - -In Solnhofen war ein Benediktinerkloster. An die Pforte derselben pochte -der Knabe mit dem schweren eisernen Klöpfel, der daran hing, und -antwortete dem Bruder Pförtner, der nach seinem Begehren fragte, er -müsse mit dem Abt selbst reden. Er wurde vor diesen ehrwürdigen Diener -Gottes geführt, küßte ihm die Hand und bat, er möchte ihm doch nur -erlauben, das Heu aufzulesen, das die Klosterkühe unter den Barren und -unter die Streu würfen; denn seine zwei Ziegen waren am Verhungern. Den -Abt überraschte anfangs die Bitte, deren Gewährung gar leicht mißbraucht -oder wenigstens zu einer großen Versuchung werden konnte; aber bald -überzeugte er sich, mit was für einer aufrichtigen und redlichen Seele -er es zu tun habe. Er fragte unter andern Dingen nach dem wenigen, was -nach den damaligen Anforderungen der Kirche ein Christ wissen sollte. -Der Knabe sagte seinen Glauben, sein Vaterunser nebst einigen anderen -kürzeren Gebeten gut her und beantwortete munter etliche Fragen aus den -Evangelien. Nun sprach der Abt: »Mein Söhnlein, du darfst alle Tage, -wenn unsere Kühe zur Tränke getrieben werden, kommen und holen, was sie -unter dem Barren liegen lassen, und wenn der Bruder Küchenmeister etwas -übrig hat, so wird er es dir auch mitgeben für dich und deine Mutter.« -Dann segnete er den Knaben und entließ ihn froh getröstet. - -In der Hütte der Witfrau hatte nun die Not ein Ende. Bald kam auch der -warme und freundliche Frühling, die Witwe entdeckte wieder eine -ergiebige Sandgrube und ihr Benedikt trieb als gedungenes Ziegenhirtlein -die Ziegen des Dorfes auf die hohen, luftigen Berge. In die Kost ging er -bei den einzelnen Besitzern der Ziegen der Reihe nach. Sein Osterlamm aß -er im Kloster, seinen Pfingstkuchen buk ihm die Wirtin, seinen -Kirchweihschmaus hielt er in der neuen Mühle und seinen Namenstag -feierte er wieder mit den Benediktinern. - -An Unterhaltung fehlte es ihm auch auf den einsamen Höhen nicht. Da lag -der damals noch unbenützte Kalkschiefer so am Tage, daß es ihm leicht -war, Platten davon herauszuheben und aus ihnen mit einem ganz kleinen -Hammer, den ihm noch sein verstorbener Vater gemacht hatte, regelmäßige -Vierecke zu fertigen. - -[Illustration: Benedikt mit Schieferplatten] - -Was man so unrichtiger- und sündhafterweise Zufall nennt, führte den -Knaben zu einer wichtigen Erfindung. Benedikt legte einmal eine -Schieferplatte, wie er sie aus dem Boden gebrochen hatte, auf seinen -Schoß, zeichnete mit einer Kohle von seinem Hirtenfeuer ein Viereck -darauf und sprach dann bei sich: »Wenn ich fünfzig solche viereckige -Tafeln hätte, könnte ich meine ganze Hausflur damit belegen, wo jetzt -die Hühner scharren, wenn es draußen regnet. Während er dies dachte, -klopfte er mit seinem Hämmerlein auf dem einen schnurgeraden -Kohlenstrich sanft auf und ab; denn er freute sich über den hellen Klang -der Platte. Auf einmal wurden die hellen Töne dumpf und immer dumpfer -wie bei einer zersprungenen Glocke und zuletzt sprang die Tafel gerade -in der Richtung des Kohlenstrichs entzwei. »Ist es da so gegangen,« -dachte Benedikt, »so kann es bei den übrigen drei Seiten ebenso gehen.« -Er hämmerte auch auf dem zweiten Kohlenstrich eine Weile vorwärts und -rückwärts. Sein Schluß war richtig. Nachdem er noch einige Minuten so -fortgemacht hatte, lag eine vollkommen viereckige Platte auf seinen -Knieen. Eine zweite gelang nicht minder. Früher schon hatte er manchmal -zwei Schiefertrümmer aneinander gerieben, um sie zu polieren, und -gefunden, daß er damit am schnellsten zustande kam, wenn er von dem -Sande, womit seine Mutter handelte, dazwischen tat und Wasser dazu nahm. -Diese frühere Erfindung wandte er nun auf seine Pflastersteine an und -gewann so einige sehr schöne Platten. Indes trieb er dies alles als eine -bloße Spielerei und sagte davon niemand etwas, selbst seiner Mutter -nicht. Seine schönsten Tafeln verbarg er da und dort unter einem Busch, -wie etwa ein Hirtenknabe an der Donau schöne Kiesel, die er in ihrem -Bette findet, in einem hohlen Weidenstamme aufhebt. - -Eines Abends aber, als er eingetrieben hatte und seiner Mutter gegenüber -an der Suppenschüssel saß, erzählte sie ihm, daß sie mit Sand in -Eichstätt gewesen und dort dem Bischof so nahe gekommen sei, daß sie -jedes seiner Worte verstanden habe. - -»Was sagte er denn?« fragte Benedikt. - -»Er stand«, antwortete die Witwe, »mitten unter den Domherren in der -neuen Kirche, die er hat bauen lassen, und beratschlagte mit ihnen, mit -was für Steinen der Fußboden belegt werden dürfte. Der eine riet dies -und der andere das, bis der hochwürdige Herr der Unterredung damit ein -Ende machte, daß er sagte: »Nun, morgen um die elfte Stunde haben wir -die fremden Steinmetzen hieher bestellt und wollen die Proben schauen, -die sie von allerlei Sand- und Marmelsteinen bei sich haben. Aber wir -fürchten, ein solches Pflaster möchte für unsern bischöflichen Beutel zu -teuer kommen. Wir werden uns wohl die Backsteine gefallen lassen müssen, -die am wohlfeilsten sind.« - -»So, so!« versetzte Benedikt, warf seinen Löffel von Horn in die -Tischlade, wünschte seiner Mutter eine gute Nacht und ging unter das -Dach hinauf in seine Schlafstätte. - -Das Sandweib hatte übrigens den Fürstbischof ganz recht verstanden. -Schon bald nach der zehnten Stunde des Morgens versammelten sich in der -neuen Kirche zu Eichstätt, in der von der Hand des Maurermeisters nichts -mehr fehlte als das Pflaster, etliche Steinmetzen, die der Bischof aus -Tirol, dem Fichtelgebirge und dem Rheingau auf seine Kosten berufen -hatte. Die Steinproben trugen ihnen ihre Gesellen in kleinen, hölzernen -Kästchen nach und stellten sie nebeneinander auf eine lange Tafel. -Darauf fanden sich nach und nach mehrere Grafen und Herren aus der -Nachbarschaft ein, die schon reichlich zu dem Kirchenbau beigesteuert -hatten und nun auch noch bei dem Pflaster ein übriges tun sollten. -Endlich erschien auch der Fürstbischof mit allen seinen Domherren und -seinen weltlichen Beamten hinter sich. Als alle beisammen waren, schien -es fast, als sollte eine Kirchenversammlung gehalten werden, so viele -waren ihrer. - -Der Bischof nahm nun die schöngeschliffenen Proben aus den Kästlein, -eine nach der andern und es war keine darunter, die ihm und seinem -Gefolge nicht gefallen hätte. Auch waren zum Teil die kleinen -Marmelsteine in den Schubladen so nebeneinander gelegt, weiße und -schwarze, gelbe und graue, bunte und einfarbige, daß man schon im -kleinen sehen konnte, wie herrlich schön ein Steinpflaster davon im -großen ausfallen würde. Aber als die fremden Steinmetzen nacheinander -sagten, was der Quadratfuß davon schon an Ort und Stelle koste, und als -der Baumeister an den Fingern berechnete, wieviel Quadratfuß er brauche, -und als der Rentmeister die Totalsumme in Goldgulden aussprach, fuhr der -Bischof mit der Hand hinter das Ohr und sein Schatzmeister schüttelte -mit dem Kopf und die Grafen und Herren machten große Augen und sahen -einander schweigend an. - -In diesem Augenblick entstand unter dem Hauptportal der Kirche ein -Geräusch. Zwei Trabanten des Fürstbischofs wollten einen barfüßigen -Bauernknaben nicht hereinlassen und hielten ihre Hellebarden vor; aber -der Knabe duckte sich, schlüpfte darunter hinweg wie eine Henne unter -der Gartentüre und drängte sich dann ohne Umstände mitten durch die -Versammlung, bis er vor dem Bischof stand, dem er den Saum seines -Kleides küßte. Seine Mütze, an der nicht viel zu verkrüppeln war, nahm -er zwischen die Kniee, drei viereckige und zolldicke Schieferplatten, -eine blaßgelbe, eine blaugraue und eine marmorierte, nahm er aus der -Schürze, womit sie umwickelt waren, und legte sie auf die Tafel. Sie -waren noch naß; denn er hatte sie erst in den Dombrunnen getaucht; desto -mehr aber glänzten die geschliffenen Seiten und zeigten, wie schön die -Steine erst dann werden würden, wenn eine kunstgeübte Hand darüber -käme. - -Seine Ware zu empfehlen, meinte der Knabe, sei nicht nötig, sondern er -schaute nur einem von den Umstehenden nach dem andern ins Gesicht und -wischte sich mit der Schürze den Schweiß von der Stirn. Als aber der -Bischof anfing, ihn zu fragen, antwortete er munter und sprach: »Ich -gehöre dem Sandweib von Solnhofen und die Steine habe ich auf dem Berge -hinter dem Kloster gemacht. Wenn ihr noch mehr braucht, so dürft ihr mir -nur euere Steinhauer mitgeben, so will ich ihnen zeigen, wie sie es -anfangen müssen.« - -Der Knabe war Benedikt, unser Ziegenhirtlein. Er hatte nach der -Abendsuppe, bei der ihm seine Mutter von der neuen Kirche in Eichstätt -erzählte, nicht mehr geschlafen. Ein Gedanke, der ihm unter dem Essen -gekommen war, trieb ihn durch die Hintertür hinaus auf den Berg, wo -seine Steine lagen, und von da mit ihnen in der hellen Mondnacht gen -Eichstätt, wohin er den Weg genau kannte von dem Sandhandel her. Seine -Mutter erschrak freilich, als sie ihn in der Frühe wecken wollte und das -Nest leer fand. Sie konnte nicht einmal gehen, ihn zu suchen oder ihm -nachzufragen; denn die Ziegen waren schon alle aus den Ställen gelassen -und standen meckernd auf der Gasse oder naschten von den Blumenstöcken -vor den Fenstern des Pfarrhauses. Übel oder wohl mußte sie tun, als wäre -ihr Benedikt krank. Sie nahm Geißel und Stecken und trieb das Vieh -selbst auf den Berg, wo sie den langen, langen Tag unter vergeblichem -Warten in Sorge zubrachte. -- Aber als sie abends hinter der gehörnten -Schar das Dorf hinunterging, kamen einige Maultiere herauf, ihr -entgegen. Auf dem vordersten saß ihr Benedikt hinter einem Knechte des -Fürstbischofs, und zwar so munter, daß die Witfrau sogleich sah, es -müsse ihm den Tag über nicht schlecht ergangen sein. - -So war es auch. Der Bischof hatte sich sogleich für die Pflastersteine -des Sandbuben entschieden und die fremden Steinmetzen wieder in ihre -Heimat entlassen, den Knaben aber mit in sein Haus genommen, gespeist -und ihm versichert, daß er für ihn und seine Mutter sorgen wolle. Dann -hatte er ihn mit dem Baumeister, der das Steinlager untersuchen sollte, -nach Solnhofen zurückgehen lassen. - -Der Bischof hielt Wort. Nachdem Benedikt bei einem Meister Steinmetz in -Eichstätt in der Lehre gewesen war, ließ er sich in Solnhofen nieder und -hatte fortwährend so viele Bestellungen an Pflaster- und Quadersteinen, -daß es ihm und seiner Mutter nie mehr an dem täglichen Brot fehlte. - - Karl Stöber. - -[Illustration: Dekoration] - - - - -Hans Lustig. - - -Hans Lustig war armer Leute Kind, sein Vater war Schuhflicker, seine -Mutter Wäscherin. Er war ein kleiner breitschulteriger Junge, etwa zwölf -Jahre alt. Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem munteren -Knaben; denn wie aus seinen dürftigen Kleidern ein kräftiger, gesunder -Körper, ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen -Gesichtszügen ein frischer lustiger Sinn hervor, so daß er seinen Namen -nicht umsonst führte. Hans hatte von frühauf zu tun: für den Vater die -Schuhe und Stiefel auszutragen, der Mutter die Wäsche zu hüten und -allerlei Einkäufe für die kleine Wirtschaft zu besorgen. Die ganze -Straße kannte den lustigen Buben, und weil er jeden so freundlich -anlachte, suchten die Leute auch ihm allerlei Freude zu machen. Der -Bäcker schenkte ihm oft einige Fastenbrezeln, die Kunden seines Vaters -allerlei Kleidungsstücke oder irgend ein Spielzeug, und selbst manche -blanke Kupfermünze brachte er seiner Mutter nach Hause, die sie in einer -tönernen Sparbüchse verwahrte. Auch bei allen Kindern in der -Nachbarschaft wurde der Hans bald beliebt. Als er älter wurde, war er -bei allen Spielen der erste und wußte immer was Neues anzugeben. Alle -Spiele gingen gut, wenn Hans dabei war. Da gab's niemals Zank und -Streit; zankten sich wirklich zwei Kinder einmal, fuhr mein Hans -dazwischen, machte jedem ein närrisches Gesicht, und alles mußte lachen. - -Allmählich kam die Zeit heran, wo Hans ein Handwerk lernen sollte, und -da er nach des Vaters Meinung zum Schuster nicht besonders geeignet war, -so sollte er das Handwerk des Herrn Paten erlernen, der ein braver -Schornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehr -angesehen war. Hans gefiel das Ding auch gar nicht übel. Mutig und -gewandt schlüpfte er oben an den höchsten Häusern zu den Schornsteinen -heraus; er wußte nichts von Schwindel, machte allerlei possierliche -Faxen mit seinem Besen und sein russiges Gesicht lachte hinein in den -blauen Himmel und hinab über die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf -dem Wipfel des Baumes. - -[Illustration: Hans - Schornsteinfeger] - -Die Erwachsenen hatten Hans Lustig lieb und die Kinder auch, trotzdem er -Schornsteinfeger war. Wollte man die Kinder mit dem Feuerrüpel zu -fürchten machen, lachten sie; sie wußten ja, daß der Feuerrüpel niemand -anders war als der Hans Lustig, der keinem etwas zuleide tat, im -Gegenteil allzeit freundlich und gut war, und manche Kinder hatten sogar -den Mut, ihm eine Patschhand in seine berußte Rechte zu geben. - -[Illustration: Haus] - -So wuchs unser Hans immer mehr heran und ward ein tüchtiger -Schornsteinfeger voll Herzhaftigkeit und Behendigkeit. Er konnte -klettern wie eine Katze. Das zeigte er bei dem großen Brande, als das -alte Rathaus mitten in der Nacht plötzlich in hellen Flammen stand! Der -alte Türmer hatte versäumt, das Feuerzeichen zu geben, und so stand das -altertümliche Gebäude mit seinen wichtigen Akten und Urkunden bereits in -Flammen, als man erst das Unglück gewahr wurde. Der alte Türmer war aber -unschuldig; denn in derselben Nacht war er gestorben. Hans war einer der -ersten auf der Brandstätte, und die Gefahr nicht achtend, stürzte er in -das Gebäude und rettete einen Schrank, der die wichtigsten städtischen -Urkunden enthielt. - -Am Tage darauf ließ ihn der Rat der Stadt vor sich kommen, und der -älteste Ratsherr belobte ihn, dankte ihm im Namen der Stadt und fragte, -welche Belohnung er wünsche. Hans antwortete ohne langes Besinnen, man -möge seinem Vater die erledigte Stelle als Türmer übertragen. Dieses -wurde ihm auch sogleich gewährt. Man konnte nicht sagen, wer -glückseliger war, Hans, der seinem Vater eine sorgenfreie Stelle -verschafft hatte, oder der Vater selber, der durch den Mut und die -Bravheit seines Sohnes so über alle Sorgen und recht eigentlich in die -Höhe gehoben wurde. - -Der alte Schuhflicker besserte nun hoch oben auf dem Turme das Schuhwerk -für die Menschen aus, die da unten umherliefen. Hans, der immer eine -besondere Lust und ein Geschick für die Musik gehabt hatte, begann -jetzt, den Zinken blasen zu lernen. In kurzer Zeit brachte er es darin -zu großer Fertigkeit. - -Im selben Jahre, als er Soldat werden mußte, starben seine Eltern. Sie -segneten ihn, denn er hatte ihnen viel Freude und Glück gebracht. - -Beim Regimente wurde Hans Musiker und zeichnete sich hierbei so aus, daß -er nach wenigen Jahren die erste Stelle in der Regimentsmusik erhielt. -Wenn er in seiner betreßten Uniform unter den Musikern steht und den -Takt schlägt, so sieht man ihm nichts mehr davon an, daß er vor Jahren -voll Ruß und ein lustiger Schornsteinfeger war. Sein Titel heißt: Herr -Kapellmeister; aber von alten Verwandten und Bekannten hat er's gern, -wenn sie ihn Hans Lustig heißen, und er macht diesen Namen noch immer -zur vollen Wahrheit. - - Robert Reinick. - -[Illustration: Horn] - - - - -Inhalt. - - - Reimspruch. Robert Reinick 4 - - Zum Tagewerk. Philipp Spitta 5 - - Der Vater und die drei Söhne. M. G. Lichtwer 6 - - Das Tischgebet. Friedrich Güll 8 - - Dem Vaterland. Robert Reinick 10 - - Deutscher Rat. Robert Reinick 12 - - Geschichte vom Nußknacker. F.v. Pocci 13 - - Der alte Landmann an seinen Sohn. L. H. Chr. Hölty 16 - - Der getreue Eckart. J. W. v. Goethe 20 - - Die beiden Pflugscharen. G. Meißner 21 - - Die beiden Äxte. G. Meißner 22 - - Sparbüchslein. Friedrich Güll 24 - - Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. K. Gerock 25 - - Hurtig an die Arbeit. Friedrich Rückert 27 - - Meister, Geselle und Lehrling. J. W. v. Goethe 27 - - Der Künstler und sein Sohn. Ludwig Auerbacher 28 - - Die Pfirsiche. A. Krummacher 29 - - Die treuen Brüder. Chr. v. Schmid 31 - - Der Bauer und sein Sohn. Chr. F. Gellert 33 - - Das Kind. Fr. Hebbel 36 - - Das Kind am Brunnen. Friedrich Hebbel 37 - - Des Mägdleins Schmuck. Ernst Moritz Arndt 39 - - Der jähzornige Schäfer. Chr. v. Schmid 40 - - Eifer führt zum Ziel. G. Meißner 41 - - Einer für alle. Hambgr. Fremdenblatt 42 - - Der Schatzgräber. G. F. Bürger 44 - - Hoffnung. Frdr. v. Schiller 45 - - Der beste Empfehlungsbrief. Magdeburger Zeitung 46 - - Reinlichkeit. Friedrich Rückert 47 - - Hermann Billings Berufung. Ferdinand Bäßler 48 - - Wohltun macht Freude. Schöppner, Sagenbuch 52 - - Das Loch im Ärmel. Heinrich Zschokke 54 - - Der gekreuzte Dukaten. Berthold Auerbach 58 - - Der Solnhofer Knabe. Karl Stöber 64 - - Hans Lustig. R. Reinick 75 - - - - -FUSSNOTEN: - -[Fußnote 1: 1 Gulden = 1,71 Mk.; 1 Taler = 3.00 Mk.] - -[Fußnote 2: Haag = Residenzstadt in Holland.] - -[Fußnote 3: Legde (Lehde) = Weideland.] - -[Fußnote 4: _Bill_ ist im Sächsischen ein von der Volksgemeinde -bestätigtes Gesetz. Der Mann, der darauf achten mußte, daß -dieses Gesetz gehalten wurde, hieß _Billing_ (Billung), soviel -als heutzutage Schultheiß, Bürgermeister.] - - - - -Anmerkungen des Umkodierers: - -Gesperrt markiert durch: _ - -Zeile 1438: eingefügt (typo) "werden". - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DU DEUTSCHES KIND *** - -***** This file should be named 43891-8.txt or 43891-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/3/8/9/43891/ - -Produced by Matthias Grammel, Jan-Fabian Humann and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project -Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you -charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you -do not charge anything for copies of this eBook, complying with the -rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose -such as creation of derivative works, reports, performances and -research. They may be modified and printed and given away--you may do -practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy -all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. -If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project -Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the -terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or -entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. 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Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER -WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO -WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. -If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the -law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be -interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by -the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any -provision of this agreement shall not void the remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance -with this agreement, and any volunteers associated with the production, -promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, -harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, -that arise directly or indirectly from any of the following which you do -or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm -work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any -Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. - - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of computers -including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation information page at www.gutenberg.org - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at 809 -North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email -contact links and up to date contact information can be found at the -Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/43891-8.zip b/43891-8.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 2bfde22..0000000 --- a/43891-8.zip +++ /dev/null diff --git a/43891-h.zip b/43891-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 1e291c9..0000000 --- a/43891-h.zip +++ /dev/null diff --git a/43891-h/43891-h.htm b/43891-h/43891-h.htm index 31c1d3a..efc033c 100644 --- a/43891-h/43891-h.htm +++ b/43891-h/43891-h.htm @@ -2,10 +2,10 @@ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> <html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="en" lang="en"> <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" /> <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> <title> - The Project Gutenberg eBook of Du Deutsches Kind by J. 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Laßleben - -Illustrator: Albert Reich - -Release Date: October 5, 2013 [EBook #43891] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DU DEUTSCHES KIND *** - - - - -Produced by Matthias Grammel, Jan-Fabian Humann and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - - +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 ***</div> <hr class="tb" /> @@ -279,7 +236,7 @@ Kallmünz/Bayern 1922 <p><span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[5]</a></span></p> <div class="figcenter" style="width: 550px;"> - <img src="images/i003-1.jpg" width="550" height="237" alt="Sämann" title="" /> + <img src="images/i003-1.jpg" width="550" height="237" alt="Sämann" title="" /> </div> @@ -736,7 +693,7 @@ mit bösen Kindern nicht lange Federlesens!</p> </div> <div class="figcenter pmb1" style="width: 536px;"> - <img src="images/i015-1.jpg" width="536" height="690" alt="Landmann beim Mähen" title="" /> + <img src="images/i015-1.jpg" width="536" height="690" alt="Landmann beim Mähen" title="" /> </div> @@ -1003,7 +960,7 @@ wandern.</p> </div> <div class="figcenter pmb3" style="width: 350px;"> - <img src="images/i024-1.jpg" width="350" height="204" alt="Sparbüchse" title="" /> + <img src="images/i024-1.jpg" width="350" height="204" alt="Sparbüchse" title="" /> </div> @@ -1271,7 +1228,7 @@ gebe ich jedem von euch noch einen Taler darüber.“</p> </div> <div class="figcenter pmb3" style="width: 190px;"> - <img src="images/i032-1.jpg" width="190" height="209" alt="Ähren" title="" /> + <img src="images/i032-1.jpg" width="190" height="209" alt="Ähren" title="" /> </div> @@ -1362,7 +1319,7 @@ gebe ich jedem von euch noch einen Taler darüber.“</p> </div> <div class="figcenter pmb3" style="width: 550px;"> - <img src="images/i037-1.jpg" width="550" height="258" alt="Brücke" title="" /> + <img src="images/i037-1.jpg" width="550" height="258" alt="Brücke" title="" /> </div> @@ -1749,7 +1706,7 @@ Empfehlungsbriefen geschrieben steht.“</p> </p> <div class="figcenter pmb3" style="width: 220px;"> - <img src="images/i049-1.jpg" width="220" height="300" alt="Dekoration - Blüten" title="" /> + <img src="images/i049-1.jpg" width="220" height="300" alt="Dekoration - Blüten" title="" /> </div> @@ -2699,7 +2656,7 @@ zur vollen Wahrheit.</p> <hr class="tb" /> -<div class="footnotes p2 p2 pmb3"><h2>Fußnoten:</h2> +<div class="footnotes p2 p2 pmb3"><h2>Fußnoten:</h2> <div class="footnote"> <p><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> 1 Gulden = 1,71 Mk.; 1 Taler = 3.00 Mk.</p> @@ -2729,385 +2686,10 @@ als heutzutage Schultheiß, Bürgermeister.</p> <div class="transnote"> <p>Im Kapitel: <i>Der Solnhofer Knabe.</i> <small>(ab S. 64)</small> - wurde im ersten Absatz das fehlende Wort "werden" ergänzt.</p> + wurde im ersten Absatz das fehlende Wort "werden" ergänzt.</p> </div> </div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DU DEUTSCHES KIND *** - -***** This file should be named 43891-h.htm or 43891-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/3/8/9/43891/ - -Produced by Matthias Grammel, Jan-Fabian Humann and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 ***</div> </body> </html> |
