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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 ***
+
+ Du deutsches Kind!
+
+
+ Eine Gabe für unsere Jugend.
+
+ Dargereicht von J. B. Laßleben.
+
+ Bilder von Albert Reich.
+
+
+[Illustration: Dekoration]
+
+
+ Hochwald-Verlag München-Kallmünz
+
+
+
+
+ Ein jeder nehme wohl in acht,
+ was Lust und Ehr' ihm hat gebracht:
+ Der Wirt seinen Krug,
+ der Krämer sein Tuch,
+ der Bauer seinen Pflug,
+ das Kind sein Buch.
+
+ Robert Reinick.
+
+
+ Druck von Michael Laßleben (Oberpfalz-Verlag)
+ Kallmünz/Bayern 1922
+
+
+
+
+[Illustration: Sämann]
+
+
+Zum Tagewerk.
+
+
+ Gehe hin in Gottes Namen,
+ greif dein Werk mit Freuden an!
+ Frühe säe deinen Samen!
+ Was getan ist, ist getan.
+ Sieh nicht aus nach dem Entfernten;
+ was dir nah' liegt, mußt du tun.
+ Säen mußt du, willst du ernten;
+ nur die fleiß'ge Hand wird ruhn.
+ Müßigstehen ist gefährlich,
+ heilsam unverdroßner Fleiß;
+ und es steht dir abends ehrlich
+ an der Stirn des Tages Schweiß.
+ Weißt du auch nicht, was geraten
+ oder was mißlingen mag,
+ folgt doch allen guten Taten
+ Gottes Segen für dich nach.
+ Geh denn hin in Gottes Namen,
+ greif dein Werk mit Freuden an!
+ Frühe säe deinen Samen!
+ Was getan ist, ist getan.
+
+ Philipp Spitta.
+
+
+
+
+Der Vater und die drei Söhne.
+
+
+ An Jahren alt, an Gütern reich,
+ teilt' einst ein Vater sein Vermögen
+ und den mit Müh erworb'nen Segen
+ selbst unter die drei Söhne gleich.
+ »Ein Diamant ist's,« sprach der Alte,
+ »den ich für den von euch behalte,
+ der mittels einer edlen Tat
+ darauf den größten Anspruch hat.«
+
+ Um diesen Anspruch zu erlangen,
+ sieht man die Söhne sich zerstreu'n.
+ Drei Monden waren kaum vergangen,
+ so stellten sie sich wieder ein.
+
+ Drauf sprach der älteste der Brüder:
+ »Hört! es vertraut' ein fremder Mann
+ sein Gut ohn' einen Schein mir an;
+ ich gab es ihm getreulich wieder.
+ Sagt, war die Tat nicht lobenswert?« --
+ »Du tat'st, mein Sohn, was sich gehört,«
+ ließ sich der Vater hier vernehmen;
+ »wer anders tut, der muß sich schämen;
+ denn ehrlich sein ist unsre Pflicht.
+ Die Tat ist gut, doch edel nicht.«
+
+ Der zweite sprach: »Auf meiner Reise
+ fiel einmal unachtsamerweise
+ ein Kind in einen tiefen See.
+
+ Ich stürzt' ihm nach, zog's in die Höh
+ und rettete dem Kind das Leben.
+ Ein ganzes Dorf kann Zeugnis geben.« --
+ »Du tatest,« sprach der Greis, »mein Kind,
+ was wir als Menschen schuldig sind.«
+
+[Illustration: Rettung]
+
+ Der jüngste sprach: »Bei seinen Schafen
+ war einst mein Feind fest eingeschlafen
+ an eines tiefen Abgrunds Rand;
+ sein Leben stand in meiner Hand.
+ Ich weckt' ihn und zog ihn zurücke.«--
+ »O,« rief der Greis mit holdem Blicke,
+ »Dein ist der Ring! Welch edler Mut,
+ wenn man dem Feinde Gutes tut.«
+
+ M. G. Lichtwer
+
+
+
+
+[Illustration: Gasthausschild]
+
+
+Das Tischgebet.
+
+
+ An der Tafel im Gasthaus zum goldnen Stern
+ waren beisammen viel reiche Herrn.
+ Vor ihnen standen aus Küch' und Keller
+ gar lieblich lockend die Flaschen und Teller.
+ Schon saßen sie da in plaudernden Gruppen,
+ die Kellner reichten die dampfenden Suppen
+ und mehr noch begann Gemüs' und Braten
+ mit süßem Wohlgeruch zu laden.
+
+ Da kam zur Türe still herein
+ ein Fremder mit seinem Töchterlein
+ und setzte sich unten am langen Tisch,
+ um auch zu kosten von Wein und Fisch.
+ Oben klirrten die Löffel und Messer,
+ klangen die Gläser und scherzten die Esser.
+
+ Da tönt auf einmal gar hell und fein
+ eine Stimme in den Lärm hinein,
+ wie wenn von fern ein Glöcklein klingt,
+ wie wenn im Wald ein Vogel singt.
+ Und wie auch der Strom der Rede rauscht,
+ still wird es rings und jeder lauscht:
+ der Krieger, der von den Schlachten erzählt,
+ der Kaufmann, der über die Zölle geschmält,
+ die Reisenden, die von Abenteuern
+ gesprochen und von Ungeheuern,
+ die Stutzer, die von Pferd und Wagen
+ und Hunden und Moden so vieles sagen.
+
+ Und wie sie schauen nach dem Orte,
+ von woher dringen die lieblichen Worte:
+ mit gefalteten Händen das Mädchen steht
+ und spricht sein gewohntes Tischgebet.
+ Und wie beseelt von höherem Geist
+ falten auch sie die Hände zumeist
+ und horchen alle mit rechtem Fleiße
+ auf des betenden Kindes Weise.
+ Drauf setzt es sich nieder mit stiller Freude
+ und achtet nicht auf all die Leute.
+ Die aber, ergriffen im tiefsten Innern,
+ mußten sich oft noch daran erinnern.
+ Und mancher hat wieder gebetet fortan,
+ was er schon lange nicht mehr getan.
+
+ Friedrich Güll.
+
+
+
+
+Dem Vaterland.
+
+
+ Das ist ein hohes, helles Wort,
+ Dem Vaterland!
+ das hallt durch unsre Herzen fort
+ wie Waldesrauschen, Glockenklang,
+ Drommetenschmettern, Lerchensang;
+ das fällt, ein Blitz, in unsre Brust,
+ zu heil'ger Flamme wird die Lust!
+ Dem Vaterland!
+
+ Dem Vaterland!
+ Das Wort gibt Flügel dir, o Herz.
+ Flieg auf, flieg auf, schau niederwärts
+ die Wälder, Ströme, Tal' und Höhn;
+ o deutsches Land, wie bist du schön!
+ Und überall klingt Liederschall
+ und überall _ein_ Widerhall:
+ Dem Vaterland!
+
+ Dem Vaterland!
+ Das seinen Töchtern hat beschert
+ der keuschen Liebe stillen Herd,
+ das seinen Söhnen gab als Hort
+ die freie Tat, das treue Wort,
+ das feiner Ehren blanken Schild
+ zu wahren allzeit sei gewillt,--
+ dem Vaterland!
+
+[Illustration: Landschaft]
+
+ Dem Vaterland!
+ O hohes Wort, o helles Wort,
+ du tön' für alle Zeiten fort
+ wie Waldesrauschen, Glockenklang,
+ Drommetenschmettern, Lerchensang!
+ zu heil'ger Flamme weih' die Lust,
+ so lange schlägt die deutsche Brust
+ dem Vaterland!
+ Heil dir, Heil dir, du deutsches Land!
+
+ Rob. Reinick.
+
+
+
+
+Deutscher Rat.
+
+
+ Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr,
+ laß nie die Lüge deinen Mund entweih'n!
+ Von alters her im deutschen Volke war
+ der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein.
+
+ Du bist ein deutsches Kind, so denke dran;
+ noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer.
+ Aus einem Knaben aber wird ein Mann;
+ das Bäumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr.
+
+ Sprich ja und nein und dreh' und deutle nicht!
+ Was du berichtest, sage kurz und schlicht;
+ was du gelobest, sei dir höchste Pflicht!
+ Dein Wort sei heilig, drum verschwend' es nicht!
+
+ Leicht schleicht die Lüge sich ans Herz heran;
+ zuerst ein Zwerg, ein Riese hintennach;
+ doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an,
+ und eine Stimme ruft in dir: »Sei wach!«
+
+ Dann wach' und kämpf', es ist ein Feind bereit:
+ Die Lüg' in dir, sie drohet dir Gefahr.
+ Kind! Deutsche kämpften tapfer allezeit.
+ Du, deutsches Kind, sei _tapfer, treu und wahr_!
+
+ Robert Reinick.
+
+[Illustration: Dekoration]
+
+
+
+
+Geschichte vom Nußknacker.
+
+
+[Illustration: Nussknacker]
+
+Zwei Knaben hatten im Walde Haselnüsse gepflückt, saßen unter den
+Stauden und wollten Nüsse essen; aber keiner hatte sein Messerlein bei
+sich, und mit den Zähnen konnten sie sie nicht aufbeißen. Da jammerten
+sie sehr und sagten: »Ach, käme doch nur jemand, der uns unsre Nüsse
+aufknacken wollte!« Kaum gesagt, so kam ein kleines Männlein durch den
+Wald einher gezogen. Aber wie sah das Männlein aus? Es hatte einen
+großen, großen Kopf, an dem ein langer, steifer Zopf bis an die Ferse
+herabhing, eine goldene Mütze, ein rotes Kleid und gelbes Höslein. Indem
+es nun so einhertrippelte, brummte es das Liedlein:
+
+ »Heiß, heiß,
+ beiß, beiß
+ Hans heiß' ich,
+ Nüsse beiß' ich;
+ geh' gern in den grünen Wald,
+ wenn die Nuß vom Strauche fallt;
+ mach's dem lust'gen Eichhorn nach,
+ knack' und nag' den ganzen Tag!«
+
+Die Knaben mußten sich schier zu Tode lachen über den kleinen, drolligen
+Burschen, den sie für ein Waldzwerglein hielten. Sie riefen ihm zu:
+»Wenn du Nüsse beißen willst, so komm her und knack' uns diese auf,
+damit wir sie essen können!« -- Da brummte das Männlein in seinen langen
+weißen Bart:
+
+ »Hansl heiß' ich,
+ Nüsse beiß' ich;
+ hab' ich aber mich beflissen,
+ euch ein Dutzend aufgebissen,
+ gebt mir zum Lohn
+ ein paar davon!«
+
+»Ja, ja!« schrien die Buben, »du kannst mitessen, knacke nur fleißig
+auf.« -- Das Männlein stellte sich zu ihnen hin -- denn am Sitzen
+hinderte es sein steifer Zopf -- und sprach:
+
+ »Hebet auf den langen Zopf,
+ schiebt die Nuß in meinen Kropf,
+ drücket nieder und so fort,
+ schnell ist jede Nuß durchbohrt.«
+
+[Illustration: Nussbeißer]
+
+Also taten sie, und hörten das Lachen nicht auf, wenn sie den Kleinen
+immer beim Zopfe nehmen mußten und nach jedem tüchtigen Knack die Nuß
+aus dem Munde sprang. Bald waren alle Nüsse aufgebissen, und das
+Männlein brummte:
+
+ »Heiß, heiß,
+ beiß, beiß,
+ will meinen Lohn
+ nun auch davon!«
+
+Der eine der Knaben wollte nun dem Männlein den versprochenen Lohn
+spenden; der andere aber, ein böser Bube, hinderte ihn daran, indem er
+sprach: »Warum willst du dem Bürschlein von unsern Nüssen geben? Wir
+wollen sie allein essen. Geh nur fort jetzt, Nußbeißer, und suche dir
+deine Nüsse selbst!«
+
+Da ward das Nußbeißerlein gewaltig erzürnt und brummte:
+
+ »Gibst du mir keine Nuß,
+ so machst du mir Verdruß;
+ ich nehme dich beim Schopf
+ und beiß' dir ab den Kopf!«
+
+Da lachte der böse Bube und sagte: »Du mir den Kopf abbeißen? Mache
+lieber, daß du fortkommst, sonst laß' ich dich mein Haselstaudengertlein
+fühlen!« Zugleich drohte er mit seinem Stöcklein; der Nußknacker wurde
+ganz rot vor Zorn, hob sich mit einem Händchen den Zopf auf, schnappte
+wie ein Fisch im Wasser und -- knack -- der Kopf war weg.
+
+Das ist die Geschichte von dem ersten Nußknacker. Habt wohl acht,
+Kinder, daß euch die Köpfe oder wenigstens die Fingerlein nicht
+abgebissen werden; denn wie ihr Ahnherr, so machen auch die Enkel und
+Urenkel des Nußknackergeschlechts mit bösen Kindern nicht lange
+Federlesens! F. v. Pocci.
+
+
+
+
+Der alte Landmann an seinen Sohn.
+
+ Üb' immer Treu und Redlichkeit
+ bis an dein kühles Grab
+ und weiche keinen Finger breit
+ von Gottes Wegen ab!
+ Dann wirst du wie auf grünen Au'n
+ durchs Erdenleben gehn;
+ dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
+ dem Tod ins Auge sehn.
+
+[Illustration: Landmann beim Mähen]
+
+ Dann wird die Sichel und der Pflug
+ in deiner Hand so leicht;
+ dann singest du beim Wasserkrug,
+ als wär' dir Wein gereicht.
+ Dem Bösewicht wird alles schwer,
+ er tue, was er tu'.
+ Der Teufel treibt ihn hin und her
+ und läßt ihm keine Ruh'.
+ Der schöne Frühling lacht ihm nicht;
+ ihm lacht kein Ährenfeld;
+ er ist auf Lug und Trug erpicht
+ und wünscht sich nichts als Geld.
+ Der Wind im Hain, das Laub am Baum
+ saust ihm Entsetzen zu.
+ Er findet nach des Lebens Traum
+ im Grabe keine Ruh'.
+ Sohn, übe Treu' und Redlichkeit
+ bis an dein kühles Grab
+ und weiche keinen Finger breit
+ von Gottes Wegen ab!
+ Dann suchen Enkel deine Gruft
+ und weinen Tränen drauf,
+ und Sonnenblumen, voll von Duft,
+ Blühn aus den Tränen auf.
+ Hölty.
+
+[Illustration: Dekoration - Sonnenblumen]
+
+
+
+
+[Illustration: Die unholdigen Schwestern]
+
+
+Der getreue Eckart.
+
+
+ Vom Wundermann hat man euch immer erzählt;
+ nur hat die Bestätigung jedem gefehlt,
+ die habt ihr nun köstlich in Händen.«
+
+ Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug
+ ein jedes den Eltern bescheiden genug
+ und harren der Schläg' und der Schelten.
+ Doch siehe, man kostet: »Ein herrliches Bier!«
+ Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier
+ und noch nimmt der Krug nicht ein Ende.
+
+ Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag;
+ doch fraget, wer immer zu fragen vermag:
+ »Wie ist's mit den Krügen ergangen?«
+ Die Mäuslein, sie lächeln, im stillen ergötzt;
+ Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt
+ und gleich sind vertrocknet die Krüge.
+
+ Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht
+ ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht,
+ so horchet und folget ihm pünktlich!
+ Und liegt auch das Zünglein in peinlicher Hut,
+ verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut;
+ dann füllt sich das Bier in den Krügen.
+ Goethe.
+
+[Illustration: Dekoration]
+
+
+
+
+[Illustration: Pflug]
+
+
+Die beiden Pflugscharen.
+
+
+Von gleicher Art des Eisens wurden in einer Werkstätte zwei Pflugscharen
+verfertigt. Eine davon kam in die Hand eines Landmannes, die andere ward
+in einen Winkel gestellt. Erst nach mehreren Monaten erinnerte man sich
+derselben, zog sie aus ihrer Ruhe hervor, und siehe! sie war ganz mit
+Rost bedeckt. Wie erstaunte sie, als sie ihre Gefährtin wiedersah und
+sich selbst mit ihr verglich! Denn diese fand sie hell und glatt, ja,
+glänzender als sie anfangs gewesen war. »Ist das möglich?« rief die
+verrostete aus; »einst waren wir einander gleich; was hat dich so
+herrlich gemacht, während ich in der glücklichsten Ruhe so verunstaltet
+worden bin?« -- »Eben diese Ruhe«, erwiderte jene, »war dir verderblich.
+Mich hat Übung und Arbeit erhalten, und diesen verdanke ich die
+Schönheit, in der ich dich jetzt übertreffe.«
+
+ G. Meißner.
+
+
+
+
+Die beiden Äxte.
+
+
+Ein Zimmermann ließ seine Axt in einen tiefen Strom fallen und bat den
+Flußgott inbrünstig, er möchte ihm, da er arm sei, wieder dazu
+verhelfen. Der Flußgott war so gnädig, stieg auf und brachte eine --
+goldene Axt zum Vorschein.
+
+[Illustration: Flussgott]
+
+»Das ist die meinige nicht!« sprach der Zimmermann ganz gelassen. --
+Der Geist tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor.
+
+»Auch diese gehört mir nicht!« sprach der Arme und zum dritten Male
+langte der Flußgott eine Axt von Eisen mit einem hölzernen Stiele
+heraus. --
+
+»Das ist die rechte! das ist sie!« rief der Arbeitsmann fröhlich.
+
+»Gut! Ich sehe, du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm«, sprach
+der mitleidige Geist. »Zur Belohnung nimm alle drei mit.«
+
+Die Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchbar. Ein Schalk, der
+sie erfahren, nahm sich vor zu versuchen, ob auch gegen ihn der Flußgott
+so mildtätig sein würde. Er ließ seine Axt mit Willen in den Strom
+fallen, flehte zum Flußgott und hatte das Vergnügen, ihn aufsteigen zu
+sehen. Er klagte ihm seinen Verlust, und der Geist brachte, wie ehemals,
+eine goldene hervor.
+
+»Ist sie das, mein Sohn?«
+
+»Ja, ja, das ist sie!« antwortete der Lügner und griff schon darnach.
+»Halt, Nichtswürdiger!« erschallte nun die Stimme des erzürnten Geistes.
+»Glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens
+blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verliere auch
+dasjenige, was bisher dein war!« Und ohne Axt mußte er nach Hause
+wandern. G. Meißner.
+
+
+
+
+
+Sparbüchslein.
+
+
+ Teuer ist die War'
+ und das Geld ist rar:
+ Spar'!
+
+ Lang ist auch das Jahr,
+ groß der Tage Schar:
+ Spar'!
+
+ Eh' dein Geld ist gar,
+ jetzt und immerdar:
+ Spar'!
+
+ Spar' für die Gefahr,
+ für die grauen Haar:
+ Spar'!
+
+ Sag' nicht: Wenn und zwar! --
+ Bis zu deiner Bahr:
+ Spar'!
+
+ Friedrich Güll.
+
+[Illustration: Sparbüchse]
+
+
+
+
+Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt.
+
+
+ Als Kaiser Karl zur Schule kam und wollte visitieren,
+ da prüft' er scharf das kleine Volk, ihr Schreiben, Buchstabieren,
+ ihr Vaterunser, Einmaleins, und was man lernte mehr;
+ zum Schlusse rief die Majestät die Schüler um sich her.
+
+ Gleichwie der Hirte schied er da die Böcke von den Schafen,
+ zu seiner Rechten hieß er stehn die Fleißigen, die Braven.
+ Da stand im groben Linnenkleid manch schlichtes Bürgerkind,
+ manch Söhnlein eines armen Knechts von Kaisers Hofgesind'.
+
+ Dann rief er mit gestrengem Blick die Faulen her, die Böcke,
+ und wies sie mit erhobner Hand zur Linken in die Ecke;
+ da stand im pelzverbrämten Rock manch feiner Herrensohn,
+ manch ungezognes Mutterkind, manch junger Reichsbaron.
+
+ Da sprach nach rechts der Kaiser mild: »Habt Dank ihr frommen Knaben,
+ ihr sollt' an mir den gnäd'gen Herrn, den güt'gen Vater haben;
+ und ob ihr armer Leute Kind und Knechtesöhne seid,
+ in meinem Reiche gilt der Mann und nicht des Mannes Kleid.«
+
+ Dann blitzt' sein Blick zur Linken hin, wie Donner klang sein Tadel:
+ »Ihr Taugenichtse, bessert euch, ihr schändet euren Adel;
+ ihr seidnen Püppchen, trotzet nicht auf euer Milchgesicht,
+ ich frage nach des Manns Verdienst, nach seinem Namen nicht!«
+
+ Da sah man manches Kindesaug' in frohem Glanze leuchten
+ und manches stumm zu Boden sehn und manches still sich feuchten;
+ und als man aus der Schule kam, da wurde viel erzählt,
+ wen heute Kaiser Karl gelobt, und wen er ausgeschmält.
+
+ Und wie's der große Kaiser hielt, so soll man's allzeit halten
+ im Schulhaus mit dem kleinen Volk, im Staate mit den Alten:
+ Den Platz nach Kunst und nicht nach Gunst, den Stand nach dem Verstand,
+ so steht es in der Schule wohl und gut im Vaterland.
+
+ Karl Gerock.
+
+
+
+
+Hurtig an die Arbeit.
+
+
+ Mein Kind, du bist schon lang
+ der Mutter aus der Wiegen;
+ nun hilf dir selbst; wie du
+ dich bettest, wirst du liegen.
+ Die Flügel wuchsen dir,
+ gebrauche sie zum Fliegen!
+ Der kommt nicht auf den Berg,
+ der nicht hinaufgestiegen.
+ Greif an die Schwierigkeit,
+ so wirst du sie besiegen!
+
+ Friedrich Rückert.
+
+
+
+
+Meister, Geselle und Lehrling.
+
+
+ Wer soll Meister sein? Wer was ersann.
+ Wer soll Geselle sein? Wer was kann.
+ Wer soll Lehrling sein? Jedermann.
+
+ Joh. Wolfg. v. Goethe.
+
+[Illustration: Dekoration - Rose]
+
+
+
+
+Der Künstler und sein Sohn.
+
+
+Der Meister saß in seiner Werkstätte und meißelte an einem Herkules. Da
+trat eines Tages sein Söhnlein zu ihm und fragte: »Vater, was machst du
+da?« Der Vater antwortete: »Ich bildne einen Herkules.« Und er erzählte
+ihm darauf, wie ein gar großer und gewaltiger Mann der gewesen, und wie
+er Löwen und Schlangen und Riesen erlegt, und noch viele andere
+wundersame Heldenstücke getan. Da sagte der Knabe: »Vater, ich will auch
+einen Herkules machen.« -- »Tue das, mein Kind!« versetzte der Meister
+lächelnd. Und er gab demselben einen Klumpen Ton, aus dem jener den
+Herkules machen könnte. Nach einiger Zeit fragte der Vater: »Wie ist's
+mit dem Herkules?« Der Knabe antwortete: »Es fügt sich nicht recht; ich
+will lieber einen Reiter machen.« Der Vater nickte und sprach: »So mach'
+denn einen Reiter!« Nach einer Weile stiller Arbeit rief der Knabe:
+»Vater, es geht mit dem Reiter auch nicht; ich will nur gleich einen
+Hanswurst machen.« Und er knetete nun aus dem Ton zuerst einen großen
+Wanst; dann fügte er Hände und Füße daran und setzte zuletzt einen
+spitzen Hut drauf, unter dem ein Kopf stak mit einer großen Nase. So war
+denn der Hanswurst fertig. Das Söhnlein klatschte voll Freuden sich in
+die Hände; der Vater aber schüttelte den Kopf und dachte sich, -- was
+sich jeder leicht denken kann. Ludwig Aurbacher.
+
+
+
+
+[Illustration: Zweig mit Pfirsichen]
+
+
+Die Pfirsiche.
+
+
+Ein Landmann brachte aus der Stadt fünf Pfirsiche mit, die schönsten,
+die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum
+erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr über die schönen
+Äpfel mit den rötlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte
+sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter.
+
+Am Abend, als die Kinder in das Schlafkämmerlein gingen, fragte der
+Vater: »Nun, wie haben euch die schönen Äpfel geschmeckt?« »Herrlich,
+lieber Vater!« sagte der Älteste. »Es ist eine schöne Frucht, so
+säuerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam
+bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen.« »Brav!« sagte der
+Vater; »das heißt haushälterisch auch für die Zukunft gesorgt, wie es
+dem Landmanne geziemt!«
+
+»Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen,« rief der Jüngste, »und den
+Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hälfte von dem ihrigen
+gegeben. O! das schmeckte so süß und zerschmilzt einem im Munde.« »Nun,«
+sagte der Vater, »du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natürlich und
+nach kindlicher Weise gehandelt. Für die Klugheit ist auch noch Raum
+genug im Leben.«
+
+Da begann der zweite Sohn: »Ich habe den Stein, den der kleine Bruder
+fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte
+so süß wie eine Nuß. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel
+Geld dafür erhalten, daß ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwölf
+dafür kaufen kann.« Der Vater schüttelte den Kopf und sagte: »Klug ist
+das wohl, aber kindlich und natürlich war es nicht.«
+
+»Und du Edmund?« fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete
+Edmund: »Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem
+kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen.
+Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.«
+
+»Nun!« sagte der Vater, »wer hat denn wohl den besten Gebrauch von
+seinem Pfirsich gemacht?« Da riefen sie alle drei: »Das hat Bruder
+Edmund getan!« Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit
+einer Träne im Auge. A. Krummacher.
+
+
+
+
+[Illustration: Garben]
+
+
+Die treuen Brüder.
+
+
+Zur Zeit der Ernte kamen zwei rüstige Jünglinge aus dem Gebirg herab in
+das ebene Land, wo es an Arbeitern fehlte und sagten zu einem Bauern:
+»Wir beide wollen euch die ganze Erntezeit hindurch helfen, euer
+Getreide hereinzubringen, wenn ihr uns die Kost und zehn Taler Lohn
+gebt!«
+
+»Zehn Taler ist zu viel,« sagte der Bauer; »ich meine, zehn Gulden[1]
+wären mehr als genug.« »Nein,« sagten die Jünglinge, »es müssen gerade
+zehn Taler sein, mit weniger ist uns nicht geholfen. Wollt ihr uns nicht
+so viel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.«
+
+»Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig?« fragte der Bauer. »Seht,«
+sagten sie, »wir haben zu Hause einen jüngeren Bruder, der bereits
+vierzehn Jahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in die Lehre
+nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehrgeld. So viel Geld aber
+weiß unser alter Vater nicht aufzubringen. Da haben wir zwei ältere
+Brüder uns denn verabredet, dieses Geld zu verdienen.«
+
+»Nun wohl,« sagte der Bauer, »wegen eurer brüderlichen Liebe will ich
+euch zehn Taler geben, wenn ihr so fleißig arbeitet, daß ich damit
+zufrieden sein kann.«
+
+Die beiden Brüder arbeiteten an den heißen Erntetagen unermüdet im
+Schweiße ihres Angesichtes; sie waren morgens am frühesten auf und
+legten sich abends am spätesten zur Ruhe.
+
+Als die Ernte glücklich eingebracht war, bezahlte der Bauer ihnen die
+zehn Taler und sprach: »Ihr habt euern Lohn redlich verdient und da gebe
+ich jedem von euch noch einen Taler darüber.«
+
+ Wenn Geschwister einig leben,
+ treulich sich zu helfen streben --
+ kann es etwas Schönr'es geben?
+
+ Chr. v. Schmid.
+
+[Illustration: Dekoration - Ähren]
+
+
+
+
+[Illustration: Der Bauer und sein Sohn]
+
+
+
+
+Der Bauer und sein Sohn.
+
+
+ Ein guter dummer Bauernknabe,
+ den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm
+ und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe
+ recht dreist zu lügen wiederkam,
+ ging kurz nach der vollbrachten Reise
+ mit seinem Vater über Land.
+ Fritz, der im Geh'n recht Zeit zum Lügen fand,
+ log auf die unverschämt'ste Weise.
+ Zu seinem Unglück kam ein großer Hund gerannt.
+ »Ja, Vater,« rief der unverschämte Knabe,
+ »ihr mögt mir glauben oder nicht,
+ so sag' ich euch und jedem ins Gesicht,
+ daß ich einst einen Hund im Haag[2] gesehen habe,
+ hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fährt,
+ der -- ja, ich bin nicht ehrenwert,
+ wenn er nicht größer war als euer größtes Pferd.«
+
+[Illustration: Hund]
+
+ »Das,« spricht der Vater, nimmt mich wunder,
+ wiewohl ein jeder Ort läßt Wunderdinge seh'n.
+ Wir zum Exempel geh'n jetzunder
+ und werden keine Stunde geh'n,
+ so wirst du eine Brücke seh'n,
+ (wir müssen selbst darüber geh'n),
+ die hat dir manchen schon betrogen;
+ (denn überhaupt soll's dort nicht gar zu richtig sein).
+ Auf dieser Brücke liegt ein Stein,
+ an den stößt man, wenn man denselben Tag gelogen,
+ und fällt und bricht sogleich das Bein.«
+
+ Der Bub' erschrak, sobald er dies vernommen.
+ »Ach,« sprach er, »lauft doch nicht so sehr!
+ Doch, wieder auf den Hund zu kommen,
+ wie groß sagt' ich, daß er gewesen wär'?
+ Wie euer größtes Pferd? Dazu will viel gehören.
+ Der Hund, jetzt fällt mir's ein, war erst ein halbes Jahr;
+ allein, das wollt' ich wohl beschwören,
+ daß er so groß als mancher Ochse war.«
+
+ Sie gingen noch ein gutes Stücke;
+ doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt' es anders sein?
+ Denn niemand bricht doch gern ein Bein.
+ Er sah nunmehr die richterliche Brücke --
+ und fühlte schon den Beinbruch halb.
+ »Ja, Vater,« fing er an, »der Hund, von dem ich rede,
+ war groß, und wenn ich ihn auch was vergrößert hätte,
+ so war er doch viel größer als ein Kalb.«
+
+ Die Brücke kommt. Fritz! Fritz! wie wird dir's gehen!
+ Der Vater geht voran; doch Fritz hält ihn geschwind.
+ »Ach, Vater,« spricht er, »seid kein Kind
+ und glaubt, daß ich dergleichen Hund gesehen;
+ denn kurz und gut, eh' wir darüber gehen,
+ der Hund war nur so groß, wie alle Hunde sind.«
+
+ Christian Fürchtegott Gellert
+
+[Illustration: Dekoration - Brücke]
+
+
+
+
+Das Kind.
+
+
+ Die Mutter lag im Totenschrein,
+ zum letzten Mal geschmückt;
+ da spielt das kleine Kind herein,
+ das staunend sie erblickt.
+
+ Die Blumenkron' im blonden Haar
+ gefällt ihm gar zu sehr,
+ die Busenblumen, bunt und klar,
+ zum Strauß gereiht, noch mehr.
+
+ Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:
+ »du, liebe Mutter, gib
+ mir eine Blum aus deinem Strauß,
+ ich hab' dich auch so lieb!«
+
+ Und als die Mutter es nicht tut,
+ da denkt das Kind für sich:
+ »Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,
+ so tut sie's sicherlich.«
+
+ Schleicht fort, so leis' es immer kann,
+ und schließt die Türe sacht
+ und lauscht von Zeit zu Zeit daran,
+ ob Mutter noch nicht wacht.
+
+ Hebbel.
+
+[Illustration: Dekoration - Blumen]
+
+
+
+
+Das Kind am Brunnen.
+
+
+ Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht!
+ Doch die liegt ruhig im Schlafe.
+ Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht,
+ am Hügel weiden die Schafe.
+ Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf,
+ es wagt sich weiter und weiter!
+ Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf,
+ da stehen Blumen und Kräuter.
+ Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief!
+ Sie schläft, als läge sie drinnen.
+ Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief,
+ die Blumen lockens von hinnen.
+ Nun steht es am Brunnen, nun steht es am Ziel,
+ nun pflückt es die Blumen sich munter;
+ doch bald ermüdet das reizende Spiel,
+ da schaut's in die Tiefe hinunter.
+ Und unten erblickt es ein holdes Gesicht
+ mit Augen, so hell und so süße.
+ Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht,
+ viel stumme freundliche Grüße!
+ Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind
+ winkt aus der Tiefe ihm wieder.
+ Herauf! Herauf! so meint's das Kind;
+ der Schatten: Hernieder! Hernieder!
+ Schon beugt es sich über den Brunnenrand.
+ Frau Amme, du schläfst noch immer!
+
+[Illustration: Kind am Brunnen]
+
+ Da fallen die Blumen ihm aus der Hand
+ und trüben den lockenden Schimmer.
+ Verschwunden ist sie, die süße Gestalt,
+ verschluckt von der hüpfenden Welle;
+ das Kind durchschauert's fremd und kalt,
+ und schnell enteilt es der Stelle.
+
+ Friedrich Hebbel.
+
+
+
+
+[Illustration: Blumenkorb]
+
+
+Des Mägdleins Schmuck.
+
+
+ Es wächst ein Blümlein _Bescheidenheit_,
+ der Mägdlein Kränzel und Ehrenkleid.
+ Wer solches Blümlein sich frisch erhält,
+ dem blühet golden die ganze Welt.
+
+ Auch wird ein zweites, das _Demut_ heißt,
+ als Schmuck der Mägdelein hoch gepreist.
+ Die Englein, singend an Gottes Thron,
+ es trag'n als Demant in goldner Kron'.
+
+ Ein drittes Blümlein, wo diese zwei
+ nur stehen, immer ist dicht dabei:
+ heißt _Unschuld_, sieht gar freundlich aus,
+ das schönste Blümchen im Frühlingsstrauß.
+
+ So pflege, Mägdlein, die Blümlein drei
+ mit frommer Sorge und stiller Treu'!
+ Denn wer sie wahret, wird nimmer alt,
+ er trägt die himmlische Wohlgestalt.
+
+ Ernst Moritz Arndt.
+
+
+
+
+Der Jähzorn.
+
+
+Ein junger Schäfer hütete im Gebirge seine Schafe. Eines Tages saß er
+auf einem Felsenstücke in dem Schatten einer Tanne. Er schlief ein und
+wankte und nickte im Schlafe beständig mit dem vorwärts hängenden Kopfe.
+Der Schafbock, der nicht weit von ihm graste, meinte, der Schäfer
+fordere ihn zum Zweikampfe heraus und wolle mit ihm stoßen. Der Bock
+nahm daher eine drohende Stellung, ging, um einen rechten Anlauf zu
+nehmen, einige Schritte zurück, rannte dann auf den Schäfer zu und
+versetzte ihm mit seinen Hörnern einen gewaltigen Stoß. Der Schäfer, der
+sich aus seinem süßen Schlummer so unsanft geweckt sah, geriet in
+wütenden Zorn. Er sprang auf, packte den Bock mit beiden Fäusten und
+schleuderte ihn weit von sich. Der verscheuchte Bock rannte fort und
+stürzte in den nahen Abgrund. Die Schafe, wohl ihrer hundert, sprangen
+dem Bocke nach und wurden an den Felsen elend zerschmettert. Der Schäfer
+aber raufte sich vor Jammer die Haare aus und bereute zu spät seinen
+Jähzorn. Chr. v. Schmid.
+
+[Illustration: Dekoration - Widderkopf]
+
+
+
+
+Eifer führt zum Ziel.
+
+
+Der Hase verspottete einst die Schildkröte ihrer Langsamkeit wegen. »Die
+Natur«, erwiderte diese, »hat mir freilich keinen schnellen Schritt
+verliehen; dennoch getraue ich mir wohl mit dir um die Wette zu laufen.«
+
+Mit Hohn und Scherz ward von dem Hasen dieser Vorschlag angenommen. Man
+bestimmte ein Ziel. Beide machten sich zu gleicher Zeit auf den Weg. Und
+unermüdet kroch auf schnurgeradem Pfade die Schildkröte fort. Ganz
+anders machte es der Hase. Um zu zeigen, wie sehr er seinen Mitbewerber
+verachte, hüpfte er bald rechts bald links und kam demungeachtet viel
+früher bis auf die Mitte des Weges. Ermüdet von den vielen
+Seitensprüngen legte er allda sich nieder um ein wenig zu schlummern.
+»Ich kann ja doch«, dachte er bei sich selbst, »die Schildkröte mit drei
+oder vier Sprüngen wieder einholen!« So schlief er ruhig, bis er von
+einem lauten Gelächter der Zuschauer erwachte. Jetzt wollte er sich
+hurtig aufraffen und ans Ziel eilen, als er -- o Schande! -- die
+Schildkröte bereits an demselben erblickte.
+
+ A. G. Meißner.
+
+[Illustration: Dekoration - Hase]
+
+
+
+
+Einer für alle.
+
+
+Beim Sturm auf Lüttich (1914) hatte eine deutsche Batterie nach schweren
+Verlusten eine gute Stellung gewonnen. Immer hitziger wurde der Kampf.
+Die schwere Artillerie der Festung schleuderte dem Angreifer
+zentnerschwere Granaten entgegen. Da plötzlich -- es war auf dem
+Höhepunkt des heißen Artilleriekampfes -- fällt eines dieser
+Riesengeschosse mit dumpfem Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der
+Sand spritzt nach allen Seiten, das Geschoß liegt offen in der Höhlung.
+Jeden Augenblick kann es losgehen und alles Lebende ringsum töten. Da
+schießt dem Unteroffizier Heinemann der Gedanke durch das Gehirn: Lieber
+einer als alle! Er springt hin, rafft das schwere Geschoß auf und
+schleppt es an den Leib gepreßt eilends aus der Batterie hinaus. Wäre es
+in diesen Sekunden geplatzt, er wäre in tausend Stücke zerrissen worden.
+Aber die Tat glückte. Eine Strecke außerhalb der Stellung legte er die
+gefährliche Last zur Erde und eilte zurück. Doch kaum ist er eine
+Strecke gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen. Sie zersprang
+mit furchtbarem Brüllen und spritzte ihren totbringenden Eisenhagel nach
+allen Seiten. Wie durch ein Wunder aber blieb der Tapfere heil. Nur ein
+Splitter traf ihn in die Ferse, und als sieben Stunden später die
+Festung fiel, konnte er noch siegreich mit einziehen.
+
+ »Hamburger Fremdenblatt«.
+
+[Illustration: Unteroffizier Heinemann]
+
+
+
+
+[Illustration: Dekoration - Weinrebe]
+
+
+Der Schatzgräber.
+
+
+ Ein Winzer, der am Tode lag,
+ Rief seine Kinder an und sprach:
+ »In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
+ Grabt nur darnach!« -- »An welchem Platz?«
+ Schrie alles laut den Vater an. --
+ »Grabt nur!« O weh, da starb der Mann.
+
+ Kaum war der Alte beigeschafft,
+ So grub man nach aus Leibeskraft.
+ Mit Hacke, Karst und Spaten ward
+ Der Weinberg um und um gescharrt.
+ Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
+ Man warf die Erde gar durchs Sieb
+ Und zog die Harken kreuz und quer
+ Nach jedem Steinchen hin und her.
+ Allein da ward kein Schatz verspürt
+ Und jeder hielt sich angeführt.
+
+ Doch kaum erschien das nächste Jahr,
+ So nahm man mit Erstaunen wahr,
+ Daß jede Rebe dreifach trug.
+ Da wurden erst die Söhne klug
+ Und gruben nun jahrein, jahraus
+ Des Schatzes immer mehr heraus.
+
+ Gottfr. Aug. Bürger.
+
+
+
+
+[Illustration: Dekoration - Grabkreuz]
+
+
+Hoffnung.
+
+
+ Es reden und träumen die Menschen viel
+ von bessern künftigen Tagen,
+ nach einem glücklichen, goldenen Ziel
+ sieht man sie rennen und jagen.
+ Die Welt wird alt und wird wieder jung,
+ doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
+ Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
+ sie umflattert den fröhlichen Knaben,
+ den Jüngling locket ihr Zauberschein,
+ sie wird mit dem Greis nicht begraben;
+ denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
+ noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.
+ Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
+ erzeugt im Gehirne des Toren;
+ im Herzen kündet es laut sich an:
+ Zu was Besserm sind wir geboren.
+ Und was die innere Stimme spricht,
+ das täuscht die hoffende Seele nicht.
+
+ Friedrich von Schiller.
+
+
+
+
+Der beste Empfehlungsbrief.
+
+
+Auf das Ausschreiben eines Kaufmanns, durch welches ein Laufbursche
+gesucht wurde, meldeten sich fünfzig Knaben. Der Kaufmann wählte sehr
+rasch einen unter denselben und verabschiedete die andern. »Ich möchte
+wohl wissen,« sagte ein Freund, »warum du gerade diesen Knaben, der doch
+keinen einzigen Empfehlungsbrief hatte, bevorzugtest?« »Du irrst,«
+lautete die Antwort, »dieser Knabe hatte viele Empfehlungen. Er putzte
+seine Füße ab, ehe er ins Zimmer trat, und machte die Türe zu; er ist
+daher sorgfältig. Er gab ohne Besinnen seinen Stuhl jenem alten, lahmen
+Manne, was seine Herzensgüte und Aufmerksamkeit zeigt. Er nahm seine
+Mütze ab, ehe er hereinkam, und antwortete auf meine Fragen schnell und
+sicher; er ist also höflich und hat gute Sitten. Er hob das Buch auf,
+welches ich absichtlich auf den Boden gelegt hatte, während alle übrigen
+dasselbe zur Seite stießen oder darüber stolperten. Er wartete ruhig und
+drängte sich nicht heran -- ein gutes Zeugnis für sein anständiges
+Benehmen. Ich bemerkte ferner, daß sein Rock gut ausgebürstet und seine
+Hände und sein Gesicht rein waren. Nennst du dies alles keinen
+Empfehlungsbrief? Ich gebe mehr darauf, was ich von einem Menschen weiß,
+nachdem ich ihn zehn Minuten lang gesehen, als auf das, was in schön
+klingenden Empfehlungsbriefen geschrieben steht.«
+
+ Magdeburger Zeitung.
+
+
+
+
+[Illustration: Dekoration - Blume]
+
+
+Reinlichkeit.
+
+
+ Rein gehalten dein Gewand, rein gehalten Mund und Hand!
+ Rein das Kleid von Erdenputz, rein die Hand von Erdenschmutz!
+ Sohn, die äußre Reinlichkeit ist der innern Unterpfand.
+
+ Friedrich Rückert.
+
+[Illustration: Hermann Billing]
+
+
+
+
+Hermann Billings Berufung.
+
+
+Es war um das Jahr 940 nach Christi Geburt, da hütete nicht weit von
+Hermannsburg in der Lüneburger Heide ein dreizehn- bis vierzehnjähriger
+Knabe die Rinderherde seines Vaters auf der Legde[3], als plötzlich ein
+prächtiger Zug von gewappneten Rittern dahergezogen kam. Der Knabe sieht
+mit Lust die blinkenden Helme und Harnische, die glänzenden Speere und
+die hohen Reitersleute an und denkt wohl in seinem Herzen: das sieht
+noch nach was aus! Aber plötzlich biegen die Reiter von der sich
+krümmenden Straße ab und kommen querfeldein auf die Legde zugeritten, wo
+er hütet. Das ist ihm zu arg; denn das Feld ist keine Straße, und das
+Feld gehört seinem Vater. Er besinnt sich kurz, geht den Rittern
+entgegen, stellt sich ihnen in den Weg und ruft ihnen mit dreister
+Stimme zu: »Kehrt um; die Straße ist euer, das Feld ist mein.«
+
+[Illustration: König Otto]
+
+Ein hoher Mann, auf dessen Stirn ein majestätischer Ernst thront, reitet
+an der Spitze des Zuges und sieht ganz verwundert den Knaben an, der es
+wagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Er hält sein Roß an und hat seine
+Freude an dem mutigen Jungen, der so kühn und furchtlos seinen Blick
+erwidert und nicht vom Platze weicht.
+
+»Wer bist du, Knabe?« »Ich bin Hermann Billings ältester Sohn und heiße
+auch Hermann, und dies ist meines Vaters Feld; Ihr dürft nicht darüber
+reiten.«
+
+»Ich will's aber,« erwiderte der Ritter mit drohendem Ernst; »weiche,
+oder ich stoße dich nieder.« Dabei erhob er den Speer. Der Knabe aber
+bleibt furchtlos stehen, sieht mit blitzendem Auge zu dem Ritter hinauf
+und spricht: »Recht muß Recht bleiben, und Ihr dürft nicht über das Feld
+reiten, Ihr reitet denn über mich weg.«
+
+»Was weißt du von Recht, Knabe?« -- »Mein Vater ist der Billing[4],«
+antwortete der Knabe; »vor einem Billing darf niemand das Recht
+verletzen.«
+
+Da ruft der Ritter noch drohender: »Ist das denn Recht, Knabe, deinem
+Könige den Gehorsam zu versagen? Ich bin Otto, dein König.«
+
+»Ihr wäret Otto, unser König, von dem mein Vater uns so viel erzählt?
+Nein, Ihr seid es nicht! König Otto schützt das Recht, und Ihr brecht
+das Recht: Das tut Otto nicht, sagt mein Vater.«
+
+»Führe mich zu deinem Vater, braver Knabe,« antwortete der König, und
+eine ungewöhnliche Milde und Freundlichkeit erglänzte auf seinem ernsten
+Angesichte.
+
+»Dort ist meines Vaters Hof, Ihr könnt ihn sehen,« sagte Hermann; »aber
+die Rinder hier hat mir mein Vater anvertraut; ich darf sie nicht
+verlassen, kann Euch also auch nicht führen. Seid Ihr aber Otto der
+König, so lenket ab vom Felde auf die Straße; denn der König schützt das
+Recht.«
+
+Und der König Otto der Große gehorchte der Stimme des Knaben und lenkte
+sein Roß zurück auf die Straße.
+
+Bald wird Hermann vom Felde geholt. Der König ist bei seinem Vater
+eingekehrt und hat zu ihm gesagt: »Billing, gib mir deinen ältesten Sohn
+mit; ich will ihn bei Hofe erziehen lassen; er wird ein treuer Mann
+werden, und ich brauche treue Männer.« Und welcher gute Sachse konnte
+einem Könige wie Otto etwas abschlagen?
+
+So sollte denn der mutige Knabe mit seinem Könige ziehen, und als Otto
+ihn fragte: »Hermann, willst du mit mir ziehen?« Da antwortete der Knabe
+freudig: »Ich will mit dir ziehen; du bist der König, denn du schützest
+das Recht.«
+
+Otto übergab den jungen Billing guten Lehrmeistern, in deren Pflege und
+Leitung er zu einem tugendlichen und tüchtigen Manne erwuchs. Der König
+hielt ihn für einen seiner nächsten Freunde und vertraute dermaßen der
+Klugheit, Tapferkeit und Treue seines Pfleglings, daß er, als er seine
+Römerfahrt antrat, ihm das eigene angestammte Herzogtum Sachsen zur
+Verwaltung übergab. Dieser Hermann Billing ist der Ahnherr eines
+blühenden Geschlechtes geworden, welches bis zum Jahre 1106 dem
+Sachsenlande seine Herzoge gab.
+
+ Ferdinand Bäßler.
+
+[Illustration: Dekoration - Schild und Schwert]
+
+
+
+
+Wohltun macht Freunde.
+
+Ein Venetianer, der häufig das Fichtelgebirg besuchte, um da nach edlen
+Metallen besonders nach Goldkörnern zu graben, kehrte oft bei einem
+Landmanne in Wülfertsreuth ein, der ihn gastfreundlich aufnahm und ihm
+bot, was er vermochte. Einstmals kam er wieder, jedoch um für immer
+Abschied zu nehmen. »Ich kehre jetzt in meine Heimat zurück, um die
+Früchte meiner langjährigen Mühen friedlich zu genießen,« sagte er, »und
+werde wohl nie mehr deine gastliche Schwelle überschreiten. Wenn du
+jedoch einst irgend ein Anliegen auf dem Herzen hast, so komme zu mir in
+das ferne Venedig und ich will dir von deinem Kummer helfen. Ich glaube,
+ich werde dich noch bei mir sehen.« Er schied.
+
+Und siehe, nach langen Jahren zogen schwere Wolken über das kleine Haus,
+so daß der arme Mann keinen Retter mehr wußte aus Not und Sorgen als
+seinen alten Freund in Welschland. Da machte er sich auf, pilgerte gen
+Süden und erreichte glücklich die große Meerstadt. Nun ward ihm aber
+bange, als er die weiten Straßen beschaute. Wie wollte er seinen Freund
+ausfindig machen, dessen fremden Namen er längst vergessen?
+
+[Illustration: Venedig]
+
+Als er jedoch in halber Verzweiflung die köstlichen Paläste ringsum
+anstarrte, da rief es plötzlich aus einem derselben: »Hans, Hans!« und
+ein vornehmer Mann stürzte heraus, um den Staunenden zu umarmen. War das
+der Venetianer in den schlechten, schwarzen Kleidern, den er einst
+beherbergt? Der war es. Der reiche Mann hatte den Fichtelberger an der
+Tracht wiedererkannt und führte diesen hinauf in die Säle voll Pracht
+und Reichtum und vergalt ihm nun alles tausendfach, was er dem Fremdling
+einst in seiner Heimat Gutes getan. Reich beschenkt kam Hans zurück und
+führte von da an ein sorgenfreies Leben.
+
+ Schöppner, Sagenbuch
+
+
+
+
+Das Loch im Ärmel.
+
+
+Ich hatte einen Spielgesellen und Jugendfreund, Namens Albrecht,
+erzählte einst Herr Marbel seinem Neffen. Wir beide waren überall
+und nirgends, wie nun Knaben sind, wild und unbändig. Unsere Kleider
+waren nie neu, sondern schnell besudelt und zerrissen. Da gab es
+Schläge zu Hause, aber es blieb beim alten. Eines Tages saßen wir in
+einem öffentlichen Garten auf einer Bank und erzählten einander,
+was wir werden wollten. Ich wollte Generalleutnant, Albrecht
+Generalsuperintendent werden.
+
+»Aus euch beiden gibt's in Ewigkeit nichts!« sagte ein steinalter Mann
+in feinen Kleidern und weißgepuderter Perücke, der hinter unserer Bank
+stand und die kindlichen Entwürfe angehört hatte.
+
+Wir erschraken. Albrecht fragte: »Warum nicht?«
+
+Der Alte sagte: »Ihr seid guter Leute Kinder, ich sehe es eueren Röcken
+an, aber ihr seid zu Bettlern geboren; würdet ihr sonst diese Löcher in
+eueren Ärmeln dulden?« Dabei faßte er jeden von uns an dem Ellenbogen
+und bohrte mit den Fingern im durchgerissenen Ärmel hinauf. -- Ich
+schämte mich, Albrecht auch. »Wenn's euch,« sagte der alte Herr, »zu
+Hause niemand zunäht, warum lernt ihr es nicht selbst? Im Anfang hättet
+ihr den Rock mit zwei Nadelstichen geheilt, jetzt ist's zu spät, und
+ihr kommt wie Bettelbuben. Wollt ihr Generalleutnant werden, so fangt an
+beim Kleinsten. Erst das Loch im Ärmel geheilt, ihr Bettelbuben, dann
+denkt an etwas anderes!«
+
+Wir beide schämten uns von Herzensgrund, gingen schweigend davon und
+hatten das Herz nicht, etwas Böses über den bösen Alten zu sagen. Ich
+aber drehte den Ellenbogen des Rockärmels so herum, daß das Loch
+einwärts kam, damit es niemand erblicken möchte. Ich lernte von meiner
+Mutter das Nähen spielend; denn ich sagte nicht, warum ich's lernen
+wollte. Wenn sich jetzt an meinen Kleidern eine Naht öffnete, ein
+Fleckchen sich durchschabte, ward's sogleich gebessert. Das machte mich
+aufmerksam; ich mochte an zerrissenen Kleidern nun nicht mehr
+Unreinlichkeit leiden. Ich ging sauberer, ward sorgfältiger, freute mich
+und dachte, der alte Herr in der schneeweißen Perrücke hätte so unrecht
+nicht. Mit zwei Nadelstichen zu rechter Zeit rettet man einen Rock, mit
+einer Hand voll Kalk ein Haus; aus roten Pfennigen werden Taler, aus
+kleinen Samenkörnern Bäume, wer weiß wie groß.
+
+Albrecht nahm die Sache nicht so streng. Es ward sein Schaden. Wir waren
+beide einem Handelsmanne empfohlen; er verlangte einen Lehrburschen, der
+im Schreiben und Rechnen geübt war. Der Herr prüfte uns, dann gab er
+mir den Vorzug. Meine alten Kleider waren hell und sauber; Albrecht im
+Sonntagsrocke ließ Nachlässigkeiten sehen. Das sagte mir der Herr
+Prinzipal nachher. »Ich sehe Ihm an,« sagte er, »Er hält das Seine zu
+Rat; aus dem anderen gibt's keinen Kaufmann.« Da dachte ich wieder an
+den alten Herrn und an das Loch im Ärmel.
+
+Ich merkte wohl, ich hatte in anderen Dingen, in meinen Kenntnissen, in
+meinem Betragen, in meinen Neigungen noch manches Loch im Ärmel. Zwei
+Nadelstiche zur rechten Zeit bessern alles ohne Mühe, ohne Kunst. Man
+lasse nur das Loch nicht größer werden, sonst braucht man für das Kleid
+den Schneider, für die Gesundheit den Arzt. -- Es gibt nichts
+Unbedeutendes noch Gleichgültiges, weder im Guten noch im Bösen. Wer das
+glaubt, kennt sich und das Leben nicht. Mein Prinzipal hatte auch ein
+abscheuliches Loch im Ärmel, nämlich er war rechthaberisch, zänkisch,
+launenhaft; das brachte mir oft Verdruß. Ich widersprach, da gab es
+Zank. Holla, dachte ich, es könnte ein Loch im Ärmel geben und ich ein
+Zänker und gallsüchtig und unverträglich wie der Herr Prinzipal werden.
+Von Stunde an ließ ich den Mann recht haben; ich begnügte mich, recht zu
+tun, und bewahrte meinerseits den Frieden.
+
+Als ich ausgelernt hatte, trat ich in eine andere Stellung. Da ich
+gewöhnt war, mit wenigen Bedürfnissen des Lebens froh zu sein (denn wer
+viel hat, ist nie ganz froh), so sparte ich manches, und da ich auch
+gewöhnt war, mir kein Loch im Ärmel zu verzeihen, aber schonend über
+dasjenige an fremden Ärmeln wegzusehen, war alle Welt mit mir zufrieden,
+wie ich mit aller Welt. -- So hatte ich beständig Freunde, beständig
+Beistand, Zutrauen, Geschäfte. Gott gab Segen. Der Segen liegt im
+Rechttun und Rechtdenken, wie im Nußkerne der fruchttragende hohe Baum.
+
+So wuchs mein Vermögen. Wozu denn? fragte ich; du brauchst ja nicht den
+zwanzigsten Teil davon. -- Prunk damit treiben vor den Leuten? -- Das
+ist Torheit. Soll ich in meinen alten Tagen noch ein Loch im Ärmel
+aufweisen? -- Hilf anderen, wie dir Gott durch andere geholfen hat.
+Dabei bleibt's. Das höchste Gut, das der Reichtum gewährt, ist zuletzt
+Unabhängigkeit von den Launen der Leute und ein großer Wirkungskreis. --
+Jetzt, Konrad, gehe auf die hohe Schule, lerne etwas Rechtes; denke an
+den Mann mit der schneeweißen Perücke; hüte dich vor dem ersten kleinen
+Loche im Ärmel; mach es nicht wie mein Kamerad Albrecht! Er ward zuletzt
+Soldat und ließ sich in Amerika totschießen.
+
+ Heinrich Zschokke.
+
+
+
+
+
+Der gekreuzte Dukaten.
+
+
+»Wenn ich nur hunderttausend Gulden hätte!« Das hast du vielleicht auch
+schon oft gedacht oder gesagt. Wenn du aus einem Talerlande bist, ist es
+dir nicht darauf angekommen und hast hunderttausend Taler daraus
+gemacht, obgleich das ein Erkleckliches mehr ist. Ich nehme dir den
+Hunderttausendwunsch nicht übel, es ist keine schlimme Sache ums
+Reichsein, aber das Glück macht es doch nicht aus. Davon kann ich eine
+besondere Geschichte erzählen.
+
+Ein junger Mann hatte seine Hunderttausend geerbt, und er begnügte sich
+auch damit. Er wollte bloß sein Geld verzehren, arbeiten aber wollte er
+nicht; das, meinte er, sei nur etwas für unbemittelte Leute. So hatte
+also der Herr Adolf gar kein Geschäft als Essen, Trinken, Schlafen,
+Spazierengehen oder Reiten, und was ihm sonst noch einfiel. Ja, das Aus-
+und Anziehen war ihm viel zu viel, und er hielt sich einen Kammerdiener.
+Wenn er des Morgens erwachte, wußte er eigentlich gar nicht, warum er
+aufstehen sollte; es wartete kein Geschäft und darum keine rechte Freude
+auf ihn. Darum blieb er auch fein liegen, bis ihm auch das zu
+beschwerlich wurde. Fast ging es ihm wie jenem Engländer, der aus purer
+Langeweile, um sich nicht mehr aus- und anziehen zu müssen, sich das
+Leben nahm.
+
+Herr Adolf machte dann jeden Vormittag seinen Spaziergang, damit er den
+Nachmittag für sich frei und nichts mehr zu tun habe. Meist lag er auf
+dem Kanapee, gähnte und rauchte. Dabei hatte er mitunter noch seine
+besonderen Gedanken. Jeder Mensch, dachte er, hat so seine Summe von
+Kraft mit auf die Welt bekommen, die für seine siebenzig Jährlein oder
+auch mehr ausreichen muß. Wenn ich also einen schweren Stuhl von einem
+Ort an den andern hebe, ist damit ein Stück von meiner Lebenskraft
+aufgewendet und verbraucht -- darum laß ich's hübsch bleiben. Auf solche
+Gedanken kann ein Nichtstuer kommen.
+
+Der Herr Adolf ward aber dick und oft kränklich und mußte seinen Leib
+pflegen. Das war auch ein Geschäft.
+
+Das Jahr durch ging dem Herrn Adolf manch schönes Stück Geld durch die
+Hand, und dabei hatte er die besondere Liebhaberei, daß er bei jeder
+Goldmünze, die er ausgab, ein kleines, zierliches Kreuz unter die Nase
+des geprägten Herrschers machte. Er dachte wenig dabei, denn er hatte ja
+Gold genug; ihn kümmerte überhaupt nichts, wie es anderen Menschen ging,
+obgleich er manchmal aus angeborener Gutmütigkeit einem Armen etwas
+schenkte.
+
+Ich will nur einmal sehen, dachte er, ob nach langer Umherwanderung in
+der Welt mir einmal wieder so ein Goldstück unter die Hände kommen
+wird. Da nun Herr Adolf gar nichts war, so nahm er sich ernstlich vor,
+etwas zu werden und er ward -- ein Passagier. Das ist noch immer ein
+Titel, wenn man sonst weiter nichts ist. Er reiste nämlich von einer
+Stadt in die andere, von einem Land ins andere und ließ sich's überall
+wohl sein, und wo er etwas zu bezahlen hatte, da gab er die mit seinem
+Ordenskreuze gezierten Goldstücke hin. Noch nie aber war es ihm
+vorgekommen, daß er eins wiedergesehen hätte. Endlich ward er des
+Herumreisens auf dem festen Lande müde, er verließ die Alte Welt und
+schiffte sich nach Amerika ein.
+
+Nun war der Herr Adolf noch etwas mehr als ein Passagier, er war sogar
+ein Auswanderer. Diesmal aber ging's gar schlecht auf der See. Fünf Tage
+und fünf Nächte wütete ein gewaltiger Sturm. Alles, was auf dem Schiffe
+war, mußte Hand ans Werk legen, aber vergebens -- das Schiff ging unter,
+und nur der Beherztheit des Schiffshauptmanns gelang es, die Mannschaft
+und die Reisenden in einer Schaluppe zu retten. Nach zwei Tagen
+fürchterlichen Umherirrens und schrecklicher Hungersnot, in welcher
+viele starben, wurden die Verschlagenen von einem Kauffahrteischiffe
+aufgenommen und in den Hafen zu Boston gebracht.
+
+[Illustration: Schaluppe]
+
+Arm, hilflos und verlassen irrte hier Adolf umher, und er wünschte sich
+oft, daß er mit den anderen von den Wellen begraben wäre. Da sah er
+einen Mann eilig des Weges gehen; mit niedergeschlagenem Blicke bat er
+ihn um eine Gabe. Der Mann griff in die Tasche, reichte ihm ein Stück
+Geld und war schnell verschwunden. Als Adolf wieder seinen Blick
+emporhob und das Geld betrachtete, wollte er seinen Augen kaum trauen,
+es war ein Dukaten, der das Ordenszeichen von seiner eigenen Hand
+unverkennbar trug.
+
+Sei es nun, daß der Mann sich vergriffen hatte, oder daß er wirklich
+eine so namhafte Gabe schenken wollte, Adolf dachte nicht lange darüber
+nach, und er weinte helle Tränen auf das einzige Goldstück, das ihm von
+seinem ganzen Reichtum als Bettlergabe wieder zugekommen war. Mit Wehmut
+dachte er daran, daß er es wieder weggeben und vielleicht nie mehr sehen
+solle. Da begegnete ihm eine große Menge von Arbeitern, die an einer
+Straße arbeiteten; schnell war er entschlossen und ließ sich unter ihre
+Zahl einschreiben. Ein sonderbarer Gedanke tröstete ihn bei dieser
+ungewohnten Lebensweise. Ich brauchte eigentlich nicht zu arbeiten,
+sagte er sich in der ersten Zeit und fühlte dann an seine Brust, wo er
+den Dukaten verborgen hatte, ich habe ja Geld und könnte eine ganze
+Woche und länger davon leben oder etwas anderes damit anfangen; aber ich
+arbeite, weil mir's Vergnügen macht. Dann aber machte er einen Spaß
+daraus und sagte oft: »Ich arbeite bloß zu meinem Vergnügen. Ich
+arbeite, damit ich was zu essen habe, und das Essen macht mir dann
+Vergnügen, also arbeite ich zu meinem Vergnügen.« Nach und nach aber
+erkannte er, daß nichts Entwürdigendes, ja die Ehre und der Lebenszweck
+allein darin liege, für den Genuß seines Daseins und für das, was man
+von der Welt hat, auch etwas für sie zu tun. Früher hatte er gedacht,
+durch das Wegrücken eines Stuhles, ja durch jede Tätigkeit seine
+Lebenskraft zu schwächen; jetzt erkannte er, daß, je mehr man seine
+Kräfte braucht, sie um so mehr wachsen und zunehmen, daß die Lebenskraft
+durch Tätigkeit immer neu erzeugt wird.
+
+So war Adolf, für den die Straßen früher nur dagewesen waren, um als
+vergnügungssüchtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher
+und Straßenarbeiter für andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur
+Stelle eines Aufsehers bei dem Straßenbau und erfreute sich in dem
+Gedanken, daß von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren
+hinterblieben als die bloßen Kreuze auf dem Gelde, das ihm durch die
+Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken
+aufbewahrt, bis er endlich eingesehen, daß auch dieser nicht ruhen darf
+in dem großen Weltverkehre, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann
+beim Straßenbau verunglückt war.
+
+ Berthold Auerbach.
+
+[Illustration: Dekoration]
+
+
+
+
+Der Solnhofer Knabe.
+
+
+An der Altmühl, ungefähr eine Viertelstunde unterhalb Solnhofen, ist
+eine Glashütte im Gang. Das Holz zu den Öfen kann leicht über die jähen
+Bergwände herabgelassen werden und der reine, zuckerweiße Sand findet
+sich da und dort in Nestern unter dem Rasen.
+
+Ehe man anfing, diesen Sand in Glas zu verwandeln, bestreuten oder
+fegten schon die Hausfrauen in der Umgegend ihre Stubenböden, Tische,
+Bänke, hölzernen Geschirre usw. damit und kauften ihn von Weibern, die
+ihn bei Solnhofen gruben und in kleinen Säckchen zum Verkauf in die
+umliegenden Orte trugen.
+
+In der ältesten Zeit befaßte sich eine Zeitlang nur ein einziges Weib
+mit diesem beschwerlichen Handel, bei welchem sie oft über fünfzig Pfund
+auf dem Rücken aus- und nur ein paar Heller in der Tasche dafür
+heimtrug. Es war eine Witwe in mittlerem Alter. Sie hatte einen
+zwölfjährigen Knaben, der im Sommer die Ziegen des Ortes hütete und im
+Winter mit seiner Mutter in den unterirdischen Felsklüften Sandnester
+aufsuchte und ausbeutete, wenn man vor Schnee und Eis in den Boden
+kommen konnte.
+
+[Illustration: Gottesdienst]
+
+Einmal in einem besonders harten Winter wollte es den guten Leuten gar
+nicht gelingen. Lange war der Boden bald so fest gefroren und bald so
+hoch mit Schnee bedeckt, daß sie gar nicht zu ihrer unterirdischen
+Nahrungsquelle gelangen konnten. Der kleine Vorrat an Sand, den sie sich
+im Herbst gegraben hatten, ging zu Ende und mit ihm das Brot, das sie
+sich für die erlösten Pfennige aus den benachbarten Orten mitzunehmen
+pflegten. An den Sommerseiten der Berge, wo die Februarsonne die
+dünneren Schneeschichten weggeleckt hatte, fingen sie nun an zu
+schürfen, aber überall und immer ohne Erfolg. Ihre Werkzeuge zerbrachen
+und sie hatten noch kein weißes Sandkorn gefunden. Dazu ging das Futter
+für die Ziegen auf die Neige und in der Hütte waren nun vier Geschöpfe,
+denen der Hunger aus den Augen sah. Das einzige, was sie noch unter sich
+teilen konnten, war eine Kufe mit eingestampften Rüben und weißem Kohl;
+aber auch diese stritten schon mit der Verwesung, weil sie nur wenig
+gesalzen waren. Die Geißen erhielten ihren Anteil roh, wie er aus der
+Kufe kam; die Portionen für sich und ihren Knaben kochte die Witwe und
+salzte sie oft mit ihren bitteren Kummertränen; denn es war damals unter
+ihrem Dache wie in der Hütte der Witwe von Zarpath, als sie dem
+Propheten antwortete: »So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe
+nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im
+Kruge. Und siehe, ich habe Holz aufgelesen und gehe hinein und will es
+mir und meinem Sohne zurichten, daß wir essen und sterben.«
+
+Der Knabe liebte seine Mutter und bewies seine Liebe meistens dadurch,
+daß er nie über seinen Hunger klagte, sondern geduldig von einer
+Mahlzeit auf die andere wartete und überhaupt alles vermied und verbarg,
+was ihr das Herz noch schwerer machen konnte. Aber fast die ganze andere
+Hälfte seines Herzens war den Ziegen zugewandt und es wollte ihm
+brechen, wenn er sah, wie sie, von Hunger getrieben, an der Kufe
+hinaufsprangen und vergebens Hals und Zunge streckten, um die Neige
+darin zu erreichen. Hätten sie von seinen schönen Worten und
+Vertröstungen auf den nahen Frühling satt werden können, dann hätten sie
+mehr als genug gehabt; aber so wurden sie immer magerer. Der Knabe
+entschloß sich endlich, für sie zu tun, was er noch nicht einmal für
+seine Mutter getan hatte.
+
+In Solnhofen war ein Benediktinerkloster. An die Pforte derselben pochte
+der Knabe mit dem schweren eisernen Klöpfel, der daran hing, und
+antwortete dem Bruder Pförtner, der nach seinem Begehren fragte, er
+müsse mit dem Abt selbst reden. Er wurde vor diesen ehrwürdigen Diener
+Gottes geführt, küßte ihm die Hand und bat, er möchte ihm doch nur
+erlauben, das Heu aufzulesen, das die Klosterkühe unter den Barren und
+unter die Streu würfen; denn seine zwei Ziegen waren am Verhungern. Den
+Abt überraschte anfangs die Bitte, deren Gewährung gar leicht mißbraucht
+oder wenigstens zu einer großen Versuchung werden konnte; aber bald
+überzeugte er sich, mit was für einer aufrichtigen und redlichen Seele
+er es zu tun habe. Er fragte unter andern Dingen nach dem wenigen, was
+nach den damaligen Anforderungen der Kirche ein Christ wissen sollte.
+Der Knabe sagte seinen Glauben, sein Vaterunser nebst einigen anderen
+kürzeren Gebeten gut her und beantwortete munter etliche Fragen aus den
+Evangelien. Nun sprach der Abt: »Mein Söhnlein, du darfst alle Tage,
+wenn unsere Kühe zur Tränke getrieben werden, kommen und holen, was sie
+unter dem Barren liegen lassen, und wenn der Bruder Küchenmeister etwas
+übrig hat, so wird er es dir auch mitgeben für dich und deine Mutter.«
+Dann segnete er den Knaben und entließ ihn froh getröstet.
+
+In der Hütte der Witfrau hatte nun die Not ein Ende. Bald kam auch der
+warme und freundliche Frühling, die Witwe entdeckte wieder eine
+ergiebige Sandgrube und ihr Benedikt trieb als gedungenes Ziegenhirtlein
+die Ziegen des Dorfes auf die hohen, luftigen Berge. In die Kost ging er
+bei den einzelnen Besitzern der Ziegen der Reihe nach. Sein Osterlamm aß
+er im Kloster, seinen Pfingstkuchen buk ihm die Wirtin, seinen
+Kirchweihschmaus hielt er in der neuen Mühle und seinen Namenstag
+feierte er wieder mit den Benediktinern.
+
+An Unterhaltung fehlte es ihm auch auf den einsamen Höhen nicht. Da lag
+der damals noch unbenützte Kalkschiefer so am Tage, daß es ihm leicht
+war, Platten davon herauszuheben und aus ihnen mit einem ganz kleinen
+Hammer, den ihm noch sein verstorbener Vater gemacht hatte, regelmäßige
+Vierecke zu fertigen.
+
+[Illustration: Benedikt mit Schieferplatten]
+
+Was man so unrichtiger- und sündhafterweise Zufall nennt, führte den
+Knaben zu einer wichtigen Erfindung. Benedikt legte einmal eine
+Schieferplatte, wie er sie aus dem Boden gebrochen hatte, auf seinen
+Schoß, zeichnete mit einer Kohle von seinem Hirtenfeuer ein Viereck
+darauf und sprach dann bei sich: »Wenn ich fünfzig solche viereckige
+Tafeln hätte, könnte ich meine ganze Hausflur damit belegen, wo jetzt
+die Hühner scharren, wenn es draußen regnet. Während er dies dachte,
+klopfte er mit seinem Hämmerlein auf dem einen schnurgeraden
+Kohlenstrich sanft auf und ab; denn er freute sich über den hellen Klang
+der Platte. Auf einmal wurden die hellen Töne dumpf und immer dumpfer
+wie bei einer zersprungenen Glocke und zuletzt sprang die Tafel gerade
+in der Richtung des Kohlenstrichs entzwei. »Ist es da so gegangen,«
+dachte Benedikt, »so kann es bei den übrigen drei Seiten ebenso gehen.«
+Er hämmerte auch auf dem zweiten Kohlenstrich eine Weile vorwärts und
+rückwärts. Sein Schluß war richtig. Nachdem er noch einige Minuten so
+fortgemacht hatte, lag eine vollkommen viereckige Platte auf seinen
+Knieen. Eine zweite gelang nicht minder. Früher schon hatte er manchmal
+zwei Schiefertrümmer aneinander gerieben, um sie zu polieren, und
+gefunden, daß er damit am schnellsten zustande kam, wenn er von dem
+Sande, womit seine Mutter handelte, dazwischen tat und Wasser dazu nahm.
+Diese frühere Erfindung wandte er nun auf seine Pflastersteine an und
+gewann so einige sehr schöne Platten. Indes trieb er dies alles als eine
+bloße Spielerei und sagte davon niemand etwas, selbst seiner Mutter
+nicht. Seine schönsten Tafeln verbarg er da und dort unter einem Busch,
+wie etwa ein Hirtenknabe an der Donau schöne Kiesel, die er in ihrem
+Bette findet, in einem hohlen Weidenstamme aufhebt.
+
+Eines Abends aber, als er eingetrieben hatte und seiner Mutter gegenüber
+an der Suppenschüssel saß, erzählte sie ihm, daß sie mit Sand in
+Eichstätt gewesen und dort dem Bischof so nahe gekommen sei, daß sie
+jedes seiner Worte verstanden habe.
+
+»Was sagte er denn?« fragte Benedikt.
+
+»Er stand«, antwortete die Witwe, »mitten unter den Domherren in der
+neuen Kirche, die er hat bauen lassen, und beratschlagte mit ihnen, mit
+was für Steinen der Fußboden belegt werden dürfte. Der eine riet dies
+und der andere das, bis der hochwürdige Herr der Unterredung damit ein
+Ende machte, daß er sagte: »Nun, morgen um die elfte Stunde haben wir
+die fremden Steinmetzen hieher bestellt und wollen die Proben schauen,
+die sie von allerlei Sand- und Marmelsteinen bei sich haben. Aber wir
+fürchten, ein solches Pflaster möchte für unsern bischöflichen Beutel zu
+teuer kommen. Wir werden uns wohl die Backsteine gefallen lassen müssen,
+die am wohlfeilsten sind.«
+
+»So, so!« versetzte Benedikt, warf seinen Löffel von Horn in die
+Tischlade, wünschte seiner Mutter eine gute Nacht und ging unter das
+Dach hinauf in seine Schlafstätte.
+
+Das Sandweib hatte übrigens den Fürstbischof ganz recht verstanden.
+Schon bald nach der zehnten Stunde des Morgens versammelten sich in der
+neuen Kirche zu Eichstätt, in der von der Hand des Maurermeisters nichts
+mehr fehlte als das Pflaster, etliche Steinmetzen, die der Bischof aus
+Tirol, dem Fichtelgebirge und dem Rheingau auf seine Kosten berufen
+hatte. Die Steinproben trugen ihnen ihre Gesellen in kleinen, hölzernen
+Kästchen nach und stellten sie nebeneinander auf eine lange Tafel.
+Darauf fanden sich nach und nach mehrere Grafen und Herren aus der
+Nachbarschaft ein, die schon reichlich zu dem Kirchenbau beigesteuert
+hatten und nun auch noch bei dem Pflaster ein übriges tun sollten.
+Endlich erschien auch der Fürstbischof mit allen seinen Domherren und
+seinen weltlichen Beamten hinter sich. Als alle beisammen waren, schien
+es fast, als sollte eine Kirchenversammlung gehalten werden, so viele
+waren ihrer.
+
+Der Bischof nahm nun die schöngeschliffenen Proben aus den Kästlein,
+eine nach der andern und es war keine darunter, die ihm und seinem
+Gefolge nicht gefallen hätte. Auch waren zum Teil die kleinen
+Marmelsteine in den Schubladen so nebeneinander gelegt, weiße und
+schwarze, gelbe und graue, bunte und einfarbige, daß man schon im
+kleinen sehen konnte, wie herrlich schön ein Steinpflaster davon im
+großen ausfallen würde. Aber als die fremden Steinmetzen nacheinander
+sagten, was der Quadratfuß davon schon an Ort und Stelle koste, und als
+der Baumeister an den Fingern berechnete, wieviel Quadratfuß er brauche,
+und als der Rentmeister die Totalsumme in Goldgulden aussprach, fuhr der
+Bischof mit der Hand hinter das Ohr und sein Schatzmeister schüttelte
+mit dem Kopf und die Grafen und Herren machten große Augen und sahen
+einander schweigend an.
+
+In diesem Augenblick entstand unter dem Hauptportal der Kirche ein
+Geräusch. Zwei Trabanten des Fürstbischofs wollten einen barfüßigen
+Bauernknaben nicht hereinlassen und hielten ihre Hellebarden vor; aber
+der Knabe duckte sich, schlüpfte darunter hinweg wie eine Henne unter
+der Gartentüre und drängte sich dann ohne Umstände mitten durch die
+Versammlung, bis er vor dem Bischof stand, dem er den Saum seines
+Kleides küßte. Seine Mütze, an der nicht viel zu verkrüppeln war, nahm
+er zwischen die Kniee, drei viereckige und zolldicke Schieferplatten,
+eine blaßgelbe, eine blaugraue und eine marmorierte, nahm er aus der
+Schürze, womit sie umwickelt waren, und legte sie auf die Tafel. Sie
+waren noch naß; denn er hatte sie erst in den Dombrunnen getaucht; desto
+mehr aber glänzten die geschliffenen Seiten und zeigten, wie schön die
+Steine erst dann werden würden, wenn eine kunstgeübte Hand darüber
+käme.
+
+Seine Ware zu empfehlen, meinte der Knabe, sei nicht nötig, sondern er
+schaute nur einem von den Umstehenden nach dem andern ins Gesicht und
+wischte sich mit der Schürze den Schweiß von der Stirn. Als aber der
+Bischof anfing, ihn zu fragen, antwortete er munter und sprach: »Ich
+gehöre dem Sandweib von Solnhofen und die Steine habe ich auf dem Berge
+hinter dem Kloster gemacht. Wenn ihr noch mehr braucht, so dürft ihr mir
+nur euere Steinhauer mitgeben, so will ich ihnen zeigen, wie sie es
+anfangen müssen.«
+
+Der Knabe war Benedikt, unser Ziegenhirtlein. Er hatte nach der
+Abendsuppe, bei der ihm seine Mutter von der neuen Kirche in Eichstätt
+erzählte, nicht mehr geschlafen. Ein Gedanke, der ihm unter dem Essen
+gekommen war, trieb ihn durch die Hintertür hinaus auf den Berg, wo
+seine Steine lagen, und von da mit ihnen in der hellen Mondnacht gen
+Eichstätt, wohin er den Weg genau kannte von dem Sandhandel her. Seine
+Mutter erschrak freilich, als sie ihn in der Frühe wecken wollte und das
+Nest leer fand. Sie konnte nicht einmal gehen, ihn zu suchen oder ihm
+nachzufragen; denn die Ziegen waren schon alle aus den Ställen gelassen
+und standen meckernd auf der Gasse oder naschten von den Blumenstöcken
+vor den Fenstern des Pfarrhauses. Übel oder wohl mußte sie tun, als wäre
+ihr Benedikt krank. Sie nahm Geißel und Stecken und trieb das Vieh
+selbst auf den Berg, wo sie den langen, langen Tag unter vergeblichem
+Warten in Sorge zubrachte. -- Aber als sie abends hinter der gehörnten
+Schar das Dorf hinunterging, kamen einige Maultiere herauf, ihr
+entgegen. Auf dem vordersten saß ihr Benedikt hinter einem Knechte des
+Fürstbischofs, und zwar so munter, daß die Witfrau sogleich sah, es
+müsse ihm den Tag über nicht schlecht ergangen sein.
+
+So war es auch. Der Bischof hatte sich sogleich für die Pflastersteine
+des Sandbuben entschieden und die fremden Steinmetzen wieder in ihre
+Heimat entlassen, den Knaben aber mit in sein Haus genommen, gespeist
+und ihm versichert, daß er für ihn und seine Mutter sorgen wolle. Dann
+hatte er ihn mit dem Baumeister, der das Steinlager untersuchen sollte,
+nach Solnhofen zurückgehen lassen.
+
+Der Bischof hielt Wort. Nachdem Benedikt bei einem Meister Steinmetz in
+Eichstätt in der Lehre gewesen war, ließ er sich in Solnhofen nieder und
+hatte fortwährend so viele Bestellungen an Pflaster- und Quadersteinen,
+daß es ihm und seiner Mutter nie mehr an dem täglichen Brot fehlte.
+
+ Karl Stöber.
+
+[Illustration: Dekoration]
+
+
+
+
+Hans Lustig.
+
+
+Hans Lustig war armer Leute Kind, sein Vater war Schuhflicker, seine
+Mutter Wäscherin. Er war ein kleiner breitschulteriger Junge, etwa zwölf
+Jahre alt. Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem munteren
+Knaben; denn wie aus seinen dürftigen Kleidern ein kräftiger, gesunder
+Körper, ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen
+Gesichtszügen ein frischer lustiger Sinn hervor, so daß er seinen Namen
+nicht umsonst führte. Hans hatte von frühauf zu tun: für den Vater die
+Schuhe und Stiefel auszutragen, der Mutter die Wäsche zu hüten und
+allerlei Einkäufe für die kleine Wirtschaft zu besorgen. Die ganze
+Straße kannte den lustigen Buben, und weil er jeden so freundlich
+anlachte, suchten die Leute auch ihm allerlei Freude zu machen. Der
+Bäcker schenkte ihm oft einige Fastenbrezeln, die Kunden seines Vaters
+allerlei Kleidungsstücke oder irgend ein Spielzeug, und selbst manche
+blanke Kupfermünze brachte er seiner Mutter nach Hause, die sie in einer
+tönernen Sparbüchse verwahrte. Auch bei allen Kindern in der
+Nachbarschaft wurde der Hans bald beliebt. Als er älter wurde, war er
+bei allen Spielen der erste und wußte immer was Neues anzugeben. Alle
+Spiele gingen gut, wenn Hans dabei war. Da gab's niemals Zank und
+Streit; zankten sich wirklich zwei Kinder einmal, fuhr mein Hans
+dazwischen, machte jedem ein närrisches Gesicht, und alles mußte lachen.
+
+Allmählich kam die Zeit heran, wo Hans ein Handwerk lernen sollte, und
+da er nach des Vaters Meinung zum Schuster nicht besonders geeignet war,
+so sollte er das Handwerk des Herrn Paten erlernen, der ein braver
+Schornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehr
+angesehen war. Hans gefiel das Ding auch gar nicht übel. Mutig und
+gewandt schlüpfte er oben an den höchsten Häusern zu den Schornsteinen
+heraus; er wußte nichts von Schwindel, machte allerlei possierliche
+Faxen mit seinem Besen und sein russiges Gesicht lachte hinein in den
+blauen Himmel und hinab über die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf
+dem Wipfel des Baumes.
+
+[Illustration: Hans - Schornsteinfeger]
+
+Die Erwachsenen hatten Hans Lustig lieb und die Kinder auch, trotzdem er
+Schornsteinfeger war. Wollte man die Kinder mit dem Feuerrüpel zu
+fürchten machen, lachten sie; sie wußten ja, daß der Feuerrüpel niemand
+anders war als der Hans Lustig, der keinem etwas zuleide tat, im
+Gegenteil allzeit freundlich und gut war, und manche Kinder hatten sogar
+den Mut, ihm eine Patschhand in seine berußte Rechte zu geben.
+
+[Illustration: Haus]
+
+So wuchs unser Hans immer mehr heran und ward ein tüchtiger
+Schornsteinfeger voll Herzhaftigkeit und Behendigkeit. Er konnte
+klettern wie eine Katze. Das zeigte er bei dem großen Brande, als das
+alte Rathaus mitten in der Nacht plötzlich in hellen Flammen stand! Der
+alte Türmer hatte versäumt, das Feuerzeichen zu geben, und so stand das
+altertümliche Gebäude mit seinen wichtigen Akten und Urkunden bereits in
+Flammen, als man erst das Unglück gewahr wurde. Der alte Türmer war aber
+unschuldig; denn in derselben Nacht war er gestorben. Hans war einer der
+ersten auf der Brandstätte, und die Gefahr nicht achtend, stürzte er in
+das Gebäude und rettete einen Schrank, der die wichtigsten städtischen
+Urkunden enthielt.
+
+Am Tage darauf ließ ihn der Rat der Stadt vor sich kommen, und der
+älteste Ratsherr belobte ihn, dankte ihm im Namen der Stadt und fragte,
+welche Belohnung er wünsche. Hans antwortete ohne langes Besinnen, man
+möge seinem Vater die erledigte Stelle als Türmer übertragen. Dieses
+wurde ihm auch sogleich gewährt. Man konnte nicht sagen, wer
+glückseliger war, Hans, der seinem Vater eine sorgenfreie Stelle
+verschafft hatte, oder der Vater selber, der durch den Mut und die
+Bravheit seines Sohnes so über alle Sorgen und recht eigentlich in die
+Höhe gehoben wurde.
+
+Der alte Schuhflicker besserte nun hoch oben auf dem Turme das Schuhwerk
+für die Menschen aus, die da unten umherliefen. Hans, der immer eine
+besondere Lust und ein Geschick für die Musik gehabt hatte, begann
+jetzt, den Zinken blasen zu lernen. In kurzer Zeit brachte er es darin
+zu großer Fertigkeit.
+
+Im selben Jahre, als er Soldat werden mußte, starben seine Eltern. Sie
+segneten ihn, denn er hatte ihnen viel Freude und Glück gebracht.
+
+Beim Regimente wurde Hans Musiker und zeichnete sich hierbei so aus, daß
+er nach wenigen Jahren die erste Stelle in der Regimentsmusik erhielt.
+Wenn er in seiner betreßten Uniform unter den Musikern steht und den
+Takt schlägt, so sieht man ihm nichts mehr davon an, daß er vor Jahren
+voll Ruß und ein lustiger Schornsteinfeger war. Sein Titel heißt: Herr
+Kapellmeister; aber von alten Verwandten und Bekannten hat er's gern,
+wenn sie ihn Hans Lustig heißen, und er macht diesen Namen noch immer
+zur vollen Wahrheit.
+
+ Robert Reinick.
+
+[Illustration: Horn]
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Reimspruch. Robert Reinick 4
+
+ Zum Tagewerk. Philipp Spitta 5
+
+ Der Vater und die drei Söhne. M. G. Lichtwer 6
+
+ Das Tischgebet. Friedrich Güll 8
+
+ Dem Vaterland. Robert Reinick 10
+
+ Deutscher Rat. Robert Reinick 12
+
+ Geschichte vom Nußknacker. F.v. Pocci 13
+
+ Der alte Landmann an seinen Sohn. L. H. Chr. Hölty 16
+
+ Der getreue Eckart. J. W. v. Goethe 20
+
+ Die beiden Pflugscharen. G. Meißner 21
+
+ Die beiden Äxte. G. Meißner 22
+
+ Sparbüchslein. Friedrich Güll 24
+
+ Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. K. Gerock 25
+
+ Hurtig an die Arbeit. Friedrich Rückert 27
+
+ Meister, Geselle und Lehrling. J. W. v. Goethe 27
+
+ Der Künstler und sein Sohn. Ludwig Auerbacher 28
+
+ Die Pfirsiche. A. Krummacher 29
+
+ Die treuen Brüder. Chr. v. Schmid 31
+
+ Der Bauer und sein Sohn. Chr. F. Gellert 33
+
+ Das Kind. Fr. Hebbel 36
+
+ Das Kind am Brunnen. Friedrich Hebbel 37
+
+ Des Mägdleins Schmuck. Ernst Moritz Arndt 39
+
+ Der jähzornige Schäfer. Chr. v. Schmid 40
+
+ Eifer führt zum Ziel. G. Meißner 41
+
+ Einer für alle. Hambgr. Fremdenblatt 42
+
+ Der Schatzgräber. G. F. Bürger 44
+
+ Hoffnung. Frdr. v. Schiller 45
+
+ Der beste Empfehlungsbrief. Magdeburger Zeitung 46
+
+ Reinlichkeit. Friedrich Rückert 47
+
+ Hermann Billings Berufung. Ferdinand Bäßler 48
+
+ Wohltun macht Freude. Schöppner, Sagenbuch 52
+
+ Das Loch im Ärmel. Heinrich Zschokke 54
+
+ Der gekreuzte Dukaten. Berthold Auerbach 58
+
+ Der Solnhofer Knabe. Karl Stöber 64
+
+ Hans Lustig. R. Reinick 75
+
+
+
+
+FUSSNOTEN:
+
+[Fußnote 1: 1 Gulden = 1,71 Mk.; 1 Taler = 3.00 Mk.]
+
+[Fußnote 2: Haag = Residenzstadt in Holland.]
+
+[Fußnote 3: Legde (Lehde) = Weideland.]
+
+[Fußnote 4: _Bill_ ist im Sächsischen ein von der Volksgemeinde
+bestätigtes Gesetz. Der Mann, der darauf achten mußte, daß
+dieses Gesetz gehalten wurde, hieß _Billing_ (Billung), soviel
+als heutzutage Schultheiß, Bürgermeister.]
+
+
+
+
+Anmerkungen des Umkodierers:
+
+Gesperrt markiert durch: _
+
+Zeile 1438: eingefügt (typo) "werden".
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43891 ***