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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-08 23:35:44 -0800
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@@ -0,0 +1,909 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40317 ***
+
+Ottokar Brezina
+
+
+Hymnen
+
+1913
+Kurt Wolff Verlag · Leipzig
+
+
+Dies Buch wurde gedruckt
+im Oktober 1913 als zwölfter
+Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
+Poeschel & Trepte in Leipzig
+
+
+Berechtigte Übertragung von Otto Pick
+
+Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
+
+
+
+
+Die Glücklichen
+
+
+ Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der
+ Wälder,
+ wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes
+ flüsterten,
+ ein langer Aufschrei erbebte -- und es neigte sich Durst zu der
+ Quelle des Blutes.
+
+ Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde.
+ Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die
+ Städte
+ und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau,
+ entstieg den Düften Begier.
+ Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im
+ Wahnsinn der Menge
+ und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich
+ senkten,
+ schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser
+ reineres Träumen.
+ Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte
+ erstickten in schmerzlichem Lachen,
+ unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu
+ Schatten.
+ Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert
+ sind unsere Ruder in ihnen,
+ die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt
+ ihre Schwere in den Wellen,
+ und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.
+
+ So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze
+ und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde:
+ weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden,
+ duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.
+
+ O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch
+ erhobet,
+ öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.
+ Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf
+ den Lippen:
+ Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,
+ und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:
+ Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,
+ bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein
+ Danklied!
+ Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch
+ Jahrhunderte nicht unter,
+ denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf
+ ewig.
+
+ O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch
+ erhobet
+ und durch euer Gebet mit _einem_ Flügelschlag die duftenden Träume
+ der Erde erreichtet:
+ aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die
+ eueres Werkes dort harren,
+ einatmet ihr tief die stärkenden Düfte.
+
+
+
+
+Gebet für die Feinde
+
+
+ Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde
+ hinüberfloß,
+ als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,
+ und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne
+ durch unsere Bewölktheit.
+ Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen
+ und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie
+ als lieblichen Duft.
+ Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich
+ fest in ihrer Tanzlieder Kette,
+ und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung.
+
+ Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen
+ und uns.
+ Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich
+ anders in ihrer Brust
+ und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er
+ unsere Fluren.
+ Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns
+ brachten,
+ das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes
+ Schweigen.
+ Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten
+ Siege der Toten
+ und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor
+ Jahrhunderten.
+ In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen
+ aus der Tiefe der Seelen,
+ Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld
+ erkalteter Blute:
+ deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen
+ und uns.
+
+ Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!
+ Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender
+ Herzen!
+ Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!
+
+ Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der
+ irdischen Liebe!
+ Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns
+ nahen,
+ für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des
+ Todes,
+ und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres
+ Geschlechts!
+
+ Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen
+ und uns.
+ Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer
+ Überwindung.
+ Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren
+ geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der
+ Ferne.
+ Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der
+ Feinde entzündest du _eine_ Sonne aller Morgen,
+ und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.
+ Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und
+ der geheimnisvolle Durst aller Welten,
+ doch immer erneut wälzt sich's her aus kosmischen Höhen. Und doch
+ wird am Ende Licht sein.
+ Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie
+ Bienen,
+ nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf
+ den Fluten der Zeiten.
+ Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.
+ Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die
+ Jahrtausende überblicken,
+ die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu
+ Mitte
+ und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.
+ Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von
+ unseren Schritten erdröhnten,
+ und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages
+ bei nächtlichen Fackeln entwarfen! --
+ Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange!
+ Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt
+ unser Weg zu den Grenzen der Zeit!
+ O Ewiger!
+ Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der
+ Schmerz aller Siege
+ und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach
+ mystischer Verzeihung ruft es!
+ Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht
+ kleiner!
+ Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen
+ Quellen des Lichtes uns rauschen,
+ denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines
+ Geheimnisses einzige Formen!
+ Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse
+ der im Tode versöhnten Seelen,
+ und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau
+ eines neuen Schattens,
+ in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der
+ Liebe durchdringen,
+ die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,
+ denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers!
+
+
+
+
+Die Stadt
+
+
+ Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne
+ hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,
+ nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen.
+
+ Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten
+ Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts
+ und hervor aus den Toren,
+ Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,
+ Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten,
+ und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,
+ und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und
+ herrschte:
+ Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der
+ Liebenden Küsse,
+ wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,
+ und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen
+ brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,
+ das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern
+ tauchte.
+ Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens
+ erstarb im Pochen zahlloser toter und lebendiger Herzen
+ und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke
+ bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich:
+ deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten,
+ der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,
+ erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,
+ und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde
+ erlauscht
+ bei meines einsamen Feuers Geprassel.
+
+
+
+
+Ich bin wie ein Baum in Blüte . . .
+
+
+ Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen
+ und Ruh;
+ Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;
+ in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner
+ Liebhaber Schuh'
+ und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte
+ hinein.
+
+ Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im
+ Schlummer denk',
+ will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die
+ dich locken zum Tanz:
+ in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk,
+ und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz.
+
+ Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,
+ Ermattens Grabesnacht,
+ meiner Blicke Tiefe, so seltsam
+ wie Sternenbilder entfacht,
+ Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht
+ wie Blut sich ergießt,
+ und der Küsse Taumel
+ böse und süß.
+
+ Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht
+ breitet sich rot hinter meinen Träumen aus,
+ mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt
+ anzünd' ich das Haus:
+ Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,
+ mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug;
+ doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus
+ geheimnisvoller Nacht heran,
+ in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,
+ ätherischer Falter funkelnder Flug,
+ die Fackeln umkreisend, entzündet von mir
+ um der Erde feurigen Bug.
+
+ Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen
+ Klang,
+ erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt;
+ ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der
+ Wimper, die in Wollust sank,
+ in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der
+ Nacht in ihm sich aufschwingt:
+ denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem
+ Lachen bang
+ und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen
+ Hoffnung der Wiederkehr klingt.
+
+
+
+
+Motiv aus Beethoven
+
+
+ Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren,
+ vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir
+ Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren
+ Goldregen unserer Sterne baden wir.
+
+ Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,
+ künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und
+ die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen
+ siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund.
+
+ Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten,
+ silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest,
+ während in schwarzen Waldeseinsamkeiten
+ das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.
+
+ Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,
+ kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht
+ sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen
+ entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,
+
+ wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?
+ Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt
+ und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften
+ in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt?
+
+ Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,
+ verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,
+ der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,
+ und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt?
+
+ Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,
+ den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach,
+ und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet
+ dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht.
+
+ Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen
+ milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,
+ und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,
+ und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein,
+
+ und zweier nackten Arme gieriges Beginnen,
+ auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,
+ in dein erregt berauschtes Wesen rinnen,
+ als schlössen sich die matten Sinne zu?
+
+ Kristall der Lampe füllt' ich mit dem Öle meiner Töne,
+ ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.
+ O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne
+ in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.
+
+ Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen
+ Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt,
+ sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,
+ und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt.
+
+ Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer
+ (Regen von Feuerrosen), wird dir sein,
+ als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer
+ und Morgenlieder still wehten zu dir herein.
+
+
+
+
+Die Natur
+
+
+ Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein
+ Lied zu dieser Musik
+ an den melancholischen Gestaden.
+ Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen
+ Düften
+ und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten
+ über den Wassern,
+ und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner
+ blumenpflückenden Hand,
+ zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis,
+ die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte.
+
+ Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte
+ die Winde:
+ Sind dieses nahende oder fliehende Wolken?
+ Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die
+ Wasser,
+ und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere
+ verlöschend,
+ erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:
+ Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,
+ eines noch größeren, größeren Lichtes.
+
+
+
+
+Wo schon vernahm ich? . . .
+
+
+ Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht'
+ es herein voll Geheimnis
+ und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich
+ meiner Blicke.
+ Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der
+ Welten
+ in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.
+
+ Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit
+ schwereren Schlägen
+ und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als
+ die Stille der Erde:
+ Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom
+ schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,
+ vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen
+ Symphonien der Strahlen,
+ vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in
+ hundertjähriges Reifen sich stürzen,
+ vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der
+ Düfte mystischem Flüstern.
+ Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze
+ Riesenorchester,
+ die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang
+ unbeendeter Lieder.
+ Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen!
+ In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke!
+ Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die
+ schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,
+ die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen
+ Abglanz der nördlichen Lichter:
+ Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den
+ irdischen Gedanken verlöschen,
+ und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den
+ Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln
+ erwidern!
+ Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen
+ als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!
+ Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens
+ Gebote
+ fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der
+ ersterbenden Farben.
+
+ O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir
+ sanken,
+ erschaut' ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt:
+ das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen
+ aufspritzend,
+ zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht
+ deiner Gärten tobt' ich mit Blicken.
+ Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner
+ Stille, die mich so bekannt dünkt?
+ Wo schon gewahrt' ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte
+ Geschmack wohl erkenne?
+ Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte
+ und sie erweckte zu diesem Träumen?
+ Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse
+ verbrüderter Seelen.
+ Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich
+ träumen von der Musik
+ und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der
+ Ahnung des Todes.
+ Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel
+ nach löschendem Lichte,
+ durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens
+ im Schlummer, gefaßt meine Hände
+ und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.
+ Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume
+ sich durch Gefahren zu tummeln,
+ und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus
+ deiner täglichen Lichter Geheimnis,
+ und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von
+ einstmals.
+
+ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
+
+ Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben
+ erglänzten vertraut mir die Sterne.
+ Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille
+ tönte bekannt,
+ von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der
+ Seelen die Knospen der Rosen,
+ meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat.
+
+
+
+
+Erde?
+
+
+ Es breitet Welt um Welt sich aus,
+ ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein,
+ und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,
+ und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,
+ und die Seelen jener, die am meisten litten,
+ in ihn gehen sie ein.
+
+ Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,
+ in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin;
+ die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze
+ und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;
+ und sie, die durch die Jahrtausende sahen,
+ fragen: Erde? mit heiterem Sinn.
+
+
+
+
+Mit dem Tode reden die Schläfer . . .
+
+
+ Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich
+ fühlen
+ und die Liebe Allwissenheit erlangt.
+ Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,
+ mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den
+ Brüdern entgegnen.
+
+ -- Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere
+ Städte
+ sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der
+ Unendlichkeit,
+ darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,
+ die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere
+ und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille
+ und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,
+ geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten,
+ unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier!
+ Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch
+ aufspritzt,
+ das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . .
+ Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert:
+ denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit
+ und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei
+ Sonnen.
+ Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:
+ zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet
+ und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.
+ Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste
+ war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,
+ die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.
+ Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am
+ Grund sich
+ im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren.
+
+ Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen
+ anderer Welten,
+ aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen
+ und Jahre hindurch sich seiner erinnern . . .
+
+ Jahrtausende lang harrten wir in deines Geheimnisses Dunkel,
+ von der Anmut des ewigen Rhythmus in den Schlummer der Ungebornen
+ gewiegt:
+ Wie kam's, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen
+ Nacht drang,
+ die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?
+
+ Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur
+ kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der
+ Konstellationen fallen
+ in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,
+ des durch die Unendlichkeit sich breitenden!
+
+ Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit,
+ was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor
+ uns einst
+ und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,
+ die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden
+ Zweigen?
+ Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen
+ an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts
+ gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen
+ wir Krankheit
+ in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen
+ strahlender Blässe
+ und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward
+ die Wahrheit zur Krankheit.
+ So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen
+ Blicken
+ spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr
+ Lächeln
+ wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes
+ jungfräuliche Weiße.
+ Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . .
+ Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche
+ Reinheit geraubt
+ und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:
+ nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille
+ und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche
+ die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer
+ Seelen.
+ Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,
+ ist an Zeit verschieden für sie und für uns.
+ Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen
+ und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele
+ verstummt,
+ leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel,
+ rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden
+ verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther
+ aufsteigende Traum
+ vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,
+ wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht.
+ Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern.
+ Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung
+ wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst
+ und neu sich in Apotheosen erhebt.
+
+ Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer
+ unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens
+ hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet.
+
+ Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos
+ Gewicht, von der Seele erfühlt.
+ Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.
+ Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther
+ auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.
+
+ Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze
+ Falter,
+ jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit
+ Luft;
+ Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den
+ Resonnanzen,
+ Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer
+ Komposition . . .
+ Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik,
+ welche donnert
+ aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille
+ der feuchten Erde,
+ ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?
+ Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,
+ der Erde Geschenk in der Welten Symphonie,
+ Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,
+ tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten
+ im Beben der Schuld sich erhob . . .
+ Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den
+ Schlummer,
+ kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,
+ und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor
+ die Noten der höchsten Töne!
+
+ -- Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen
+ Lippen im Dunkel
+ und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten
+ lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit
+ im Geheimnis der Erde
+ wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer
+ Flammen
+ reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden
+ Kräfte.
+ Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden
+ schwer und verwuchsen;
+ wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere
+ Hände
+ zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?
+
+ -- Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter
+ all ihrer Bläue
+ liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der
+ Höhe
+ und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren.
+ Hundertjährigen Krieg
+ führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der
+ Pflanzen
+ herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit
+ erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel
+ brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe
+ schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.
+ Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des
+ Alls
+ und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit
+ krampfhaftem Pulse.
+ Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn:
+ mit dem Kreuze der Blitze
+ zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben
+ verwirrten Brüder
+ wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter
+ ins andere.
+ Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren
+ in der Lust des Vergessens,
+ träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,
+ die unter Sterbenden erkaltet sind.
+
+ -- Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die
+ Pforte der ewigen Stadt,
+ aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende
+ Fallbrücken herablassen
+ und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister
+ ertönt,
+ das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen
+ Ewigkeit des Glückes,
+ hat durch Fluch sich verwandelt:
+ ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne,
+ bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den
+ Sternen
+ und es naht ihr in immer kleineren Kreisen unser erstarrtes Leben,
+ um in ihrer Tiefe ins Dunkel zu tauchen.
+ In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor
+ Glut:
+ Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in
+ gläserne Tränen.
+ Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu
+ Stein:
+ wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen
+ des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen
+ Schlag. --
+ Stille . . . Wie über toten Körpern
+ knieten über uns in Gebeten die Seelen,
+ es steht in den Blicken:
+
+ Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit
+ dem mystischen Gespann der Sterne
+ über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des
+ Höchsten,
+ vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet.
+ Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien,
+ in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren,
+ wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger
+ begrüßet,
+ und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,
+ dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung
+ mit _einem_ Hauch von tausend Türmen verbreitet?
+ Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?
+ Die Räder wirbelten,
+ wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,
+ Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des
+ heiligen Feuers stammten die
+ Schläfer.
+ Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,
+ das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte
+ und in die Scharen hineinsang
+ und welches anschwillt von Lippe zu Lippe,
+ bis es alle erfaßt hat,
+ Millionen Seelen,
+ in einem einzigen flammenden Rhythmus!
+
+
+
+
+Die Propheten
+
+
+ In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben
+ zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken
+ aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,
+ und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt
+ hat,
+ sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,
+ und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen,
+ und die Sonne ihr Antlitz, wie's den Zeiten vertraut war,
+ verändert:
+ kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten,
+ die deines Königreichs Eroberer sind.
+
+ Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern
+ lauschen sie deinem heiligen Odem,
+ der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der
+ Welten
+ zu Weißglut entfachet;
+ in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in
+ ihren Tiefen,
+ aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes,
+ für die zarten Lippen des harrenden Lebens.
+ Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach,
+ süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;
+ und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit
+ erschreckt,
+ hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,
+ unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der
+ Erde,
+ der Lichter und Nächte wechselnder Chor!
+
+ Sie reden von dir und von deinem Ruhme,
+ vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt
+ und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe
+ über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert
+ wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.
+ Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,
+ Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;
+ doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,
+ baun ihre Nester ganz tief nah der Erde
+ wie Nachtigallen!
+
+ Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt
+ die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die
+ Wunde sich gießet,
+ verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke
+ breitet es Landschaften künftiger Zeiten,
+ strahlend in neuen Konstellationen.
+ Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen
+ des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület
+ und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt.
+ Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete
+ Wintersaat decket,
+ barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken
+ zahllose Schar
+ blutet in tausenden Fußstapfen
+ bei jeglichem Schritte!
+ Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,
+ wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen
+ deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke,
+ der sich in Mitleid wendet zurück,
+ wird im Erkennen zu Steine erstarren! --
+
+ Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:
+ Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter!
+ Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!
+ Heulen der Menge auf düsteren Bauten,
+ von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,
+ Hinrichtungsstätten!
+ O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen!
+ Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!
+ Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend!
+ Wahnsinn _einer_ Seele, auf deren lodernden Wogen
+ die Erde schaukelt! Leidende Zeiten, Jahrhunderte schwindend,
+ unsterbliche,
+ tragend die Schwere jedwedes Sternbilds,
+ erkennend den eigenen Ruhm!
+
+ Und wenn sie endlich in festlicher Stille
+ die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,
+ welche aussegelten, als entstand diese Welt,
+ herannahen sehen von trübfernen Küsten,
+ die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:
+
+ Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten
+ und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten,
+ erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen,
+ und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:
+ der Schmerz der saumseligen Zeit.
+ Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen,
+ und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,
+ unter den Schnittern.
+ Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu
+ fliegen,
+ tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen
+ und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne
+ und mit Polarlicht und dem Brande der Welten
+ das Antlitz ihrer Liebe!
+ Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen
+ Schmerz bot und Räusche
+ und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,
+ durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,
+ nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte
+ vergebens!
+
+
+
+
+
+ARKADIA
+
+EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST
+
+HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD
+
+BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
+
+Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.--
+
+INHALT:
+
+DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz
+Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus
+der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max
+Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der
+Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_,
+Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika /
+_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung /
+_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer
+im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES:
+_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_,
+Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_,
+Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+GEORG HEYM
+
+_DER EWIGE TAG_
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter
+den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage
+kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter
+haben muß.
+
+_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher
+Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede
+Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben,
+Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+
+_UMBRA VITAE_
+
+_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen,
+dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und
+Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine
+ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg
+Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+
+_DER DIEB_
+
+_EIN NOVELLENBUCH_
+
+Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.--
+
+_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual
+der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu
+Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
+Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
+erscheint.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40317 ***
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@@ -1,1294 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Hymnen
-
-Author: Otokar Brezina
-
-Translator: Otto Pick
-
-Release Date: July 24, 2012 [EBook #40317]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-
-
-
-Ottokar Brezina
-
-
-Hymnen
-
-1913
-Kurt Wolff Verlag · Leipzig
-
-
-Dies Buch wurde gedruckt
-im Oktober 1913 als zwölfter
-Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
-Poeschel & Trepte in Leipzig
-
-
-Berechtigte Übertragung von Otto Pick
-
-Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
-
-
-
-
-Die Glücklichen
-
-
- Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der
- Wälder,
- wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes
- flüsterten,
- ein langer Aufschrei erbebte -- und es neigte sich Durst zu der
- Quelle des Blutes.
-
- Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde.
- Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die
- Städte
- und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau,
- entstieg den Düften Begier.
- Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im
- Wahnsinn der Menge
- und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich
- senkten,
- schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser
- reineres Träumen.
- Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte
- erstickten in schmerzlichem Lachen,
- unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu
- Schatten.
- Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert
- sind unsere Ruder in ihnen,
- die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt
- ihre Schwere in den Wellen,
- und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.
-
- So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze
- und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde:
- weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden,
- duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.
-
- O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch
- erhobet,
- öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.
- Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf
- den Lippen:
- Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,
- und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:
- Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,
- bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein
- Danklied!
- Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch
- Jahrhunderte nicht unter,
- denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf
- ewig.
-
- O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch
- erhobet
- und durch euer Gebet mit _einem_ Flügelschlag die duftenden Träume
- der Erde erreichtet:
- aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die
- eueres Werkes dort harren,
- einatmet ihr tief die stärkenden Düfte.
-
-
-
-
-Gebet für die Feinde
-
-
- Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde
- hinüberfloß,
- als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,
- und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne
- durch unsere Bewölktheit.
- Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen
- und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie
- als lieblichen Duft.
- Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich
- fest in ihrer Tanzlieder Kette,
- und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung.
-
- Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen
- und uns.
- Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich
- anders in ihrer Brust
- und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er
- unsere Fluren.
- Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns
- brachten,
- das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes
- Schweigen.
- Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten
- Siege der Toten
- und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor
- Jahrhunderten.
- In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen
- aus der Tiefe der Seelen,
- Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld
- erkalteter Blute:
- deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen
- und uns.
-
- Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!
- Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender
- Herzen!
- Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!
-
- Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der
- irdischen Liebe!
- Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns
- nahen,
- für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des
- Todes,
- und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres
- Geschlechts!
-
- Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen
- und uns.
- Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer
- Überwindung.
- Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren
- geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der
- Ferne.
- Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der
- Feinde entzündest du _eine_ Sonne aller Morgen,
- und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.
- Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und
- der geheimnisvolle Durst aller Welten,
- doch immer erneut wälzt sich's her aus kosmischen Höhen. Und doch
- wird am Ende Licht sein.
- Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie
- Bienen,
- nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf
- den Fluten der Zeiten.
- Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.
- Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die
- Jahrtausende überblicken,
- die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu
- Mitte
- und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.
- Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von
- unseren Schritten erdröhnten,
- und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages
- bei nächtlichen Fackeln entwarfen! --
- Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange!
- Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt
- unser Weg zu den Grenzen der Zeit!
- O Ewiger!
- Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der
- Schmerz aller Siege
- und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach
- mystischer Verzeihung ruft es!
- Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht
- kleiner!
- Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen
- Quellen des Lichtes uns rauschen,
- denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines
- Geheimnisses einzige Formen!
- Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse
- der im Tode versöhnten Seelen,
- und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau
- eines neuen Schattens,
- in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der
- Liebe durchdringen,
- die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,
- denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers!
-
-
-
-
-Die Stadt
-
-
- Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne
- hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,
- nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen.
-
- Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten
- Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts
- und hervor aus den Toren,
- Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,
- Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten,
- und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,
- und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und
- herrschte:
- Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der
- Liebenden Küsse,
- wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,
- und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen
- brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,
- das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern
- tauchte.
- Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens
- erstarb im Pochen zahlloser toter und lebendiger Herzen
- und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke
- bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich:
- deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten,
- der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,
- erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,
- und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde
- erlauscht
- bei meines einsamen Feuers Geprassel.
-
-
-
-
-Ich bin wie ein Baum in Blüte . . .
-
-
- Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen
- und Ruh;
- Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;
- in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner
- Liebhaber Schuh'
- und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte
- hinein.
-
- Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im
- Schlummer denk',
- will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die
- dich locken zum Tanz:
- in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk,
- und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz.
-
- Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,
- Ermattens Grabesnacht,
- meiner Blicke Tiefe, so seltsam
- wie Sternenbilder entfacht,
- Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht
- wie Blut sich ergießt,
- und der Küsse Taumel
- böse und süß.
-
- Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht
- breitet sich rot hinter meinen Träumen aus,
- mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt
- anzünd' ich das Haus:
- Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,
- mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug;
- doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus
- geheimnisvoller Nacht heran,
- in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,
- ätherischer Falter funkelnder Flug,
- die Fackeln umkreisend, entzündet von mir
- um der Erde feurigen Bug.
-
- Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen
- Klang,
- erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt;
- ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der
- Wimper, die in Wollust sank,
- in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der
- Nacht in ihm sich aufschwingt:
- denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem
- Lachen bang
- und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen
- Hoffnung der Wiederkehr klingt.
-
-
-
-
-Motiv aus Beethoven
-
-
- Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren,
- vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir
- Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren
- Goldregen unserer Sterne baden wir.
-
- Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,
- künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und
- die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen
- siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund.
-
- Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten,
- silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest,
- während in schwarzen Waldeseinsamkeiten
- das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.
-
- Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,
- kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht
- sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen
- entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,
-
- wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?
- Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt
- und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften
- in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt?
-
- Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,
- verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,
- der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,
- und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt?
-
- Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,
- den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach,
- und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet
- dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht.
-
- Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen
- milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,
- und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,
- und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein,
-
- und zweier nackten Arme gieriges Beginnen,
- auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,
- in dein erregt berauschtes Wesen rinnen,
- als schlössen sich die matten Sinne zu?
-
- Kristall der Lampe füllt' ich mit dem Öle meiner Töne,
- ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.
- O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne
- in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.
-
- Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen
- Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt,
- sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,
- und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt.
-
- Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer
- (Regen von Feuerrosen), wird dir sein,
- als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer
- und Morgenlieder still wehten zu dir herein.
-
-
-
-
-Die Natur
-
-
- Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein
- Lied zu dieser Musik
- an den melancholischen Gestaden.
- Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen
- Düften
- und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten
- über den Wassern,
- und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner
- blumenpflückenden Hand,
- zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis,
- die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte.
-
- Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte
- die Winde:
- Sind dieses nahende oder fliehende Wolken?
- Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die
- Wasser,
- und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere
- verlöschend,
- erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:
- Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,
- eines noch größeren, größeren Lichtes.
-
-
-
-
-Wo schon vernahm ich? . . .
-
-
- Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht'
- es herein voll Geheimnis
- und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich
- meiner Blicke.
- Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der
- Welten
- in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.
-
- Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit
- schwereren Schlägen
- und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als
- die Stille der Erde:
- Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom
- schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,
- vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen
- Symphonien der Strahlen,
- vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in
- hundertjähriges Reifen sich stürzen,
- vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der
- Düfte mystischem Flüstern.
- Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze
- Riesenorchester,
- die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang
- unbeendeter Lieder.
- Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen!
- In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke!
- Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die
- schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,
- die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen
- Abglanz der nördlichen Lichter:
- Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den
- irdischen Gedanken verlöschen,
- und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den
- Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln
- erwidern!
- Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen
- als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!
- Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens
- Gebote
- fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der
- ersterbenden Farben.
-
- O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir
- sanken,
- erschaut' ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt:
- das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen
- aufspritzend,
- zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht
- deiner Gärten tobt' ich mit Blicken.
- Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner
- Stille, die mich so bekannt dünkt?
- Wo schon gewahrt' ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte
- Geschmack wohl erkenne?
- Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte
- und sie erweckte zu diesem Träumen?
- Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse
- verbrüderter Seelen.
- Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich
- träumen von der Musik
- und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der
- Ahnung des Todes.
- Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel
- nach löschendem Lichte,
- durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens
- im Schlummer, gefaßt meine Hände
- und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.
- Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume
- sich durch Gefahren zu tummeln,
- und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus
- deiner täglichen Lichter Geheimnis,
- und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von
- einstmals.
-
- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
-
- Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben
- erglänzten vertraut mir die Sterne.
- Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille
- tönte bekannt,
- von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der
- Seelen die Knospen der Rosen,
- meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat.
-
-
-
-
-Erde?
-
-
- Es breitet Welt um Welt sich aus,
- ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein,
- und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,
- und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,
- und die Seelen jener, die am meisten litten,
- in ihn gehen sie ein.
-
- Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,
- in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin;
- die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze
- und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;
- und sie, die durch die Jahrtausende sahen,
- fragen: Erde? mit heiterem Sinn.
-
-
-
-
-Mit dem Tode reden die Schläfer . . .
-
-
- Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich
- fühlen
- und die Liebe Allwissenheit erlangt.
- Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,
- mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den
- Brüdern entgegnen.
-
- -- Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere
- Städte
- sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der
- Unendlichkeit,
- darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,
- die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere
- und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille
- und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,
- geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten,
- unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier!
- Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch
- aufspritzt,
- das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . .
- Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert:
- denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit
- und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei
- Sonnen.
- Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:
- zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet
- und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.
- Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste
- war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,
- die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.
- Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am
- Grund sich
- im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren.
-
- Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen
- anderer Welten,
- aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen
- und Jahre hindurch sich seiner erinnern . . .
-
- Jahrtausende lang harrten wir in deines Geheimnisses Dunkel,
- von der Anmut des ewigen Rhythmus in den Schlummer der Ungebornen
- gewiegt:
- Wie kam's, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen
- Nacht drang,
- die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?
-
- Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur
- kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der
- Konstellationen fallen
- in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,
- des durch die Unendlichkeit sich breitenden!
-
- Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit,
- was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor
- uns einst
- und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,
- die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden
- Zweigen?
- Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen
- an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts
- gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen
- wir Krankheit
- in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen
- strahlender Blässe
- und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward
- die Wahrheit zur Krankheit.
- So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen
- Blicken
- spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr
- Lächeln
- wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes
- jungfräuliche Weiße.
- Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . .
- Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche
- Reinheit geraubt
- und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:
- nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille
- und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche
- die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer
- Seelen.
- Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,
- ist an Zeit verschieden für sie und für uns.
- Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen
- und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele
- verstummt,
- leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel,
- rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden
- verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther
- aufsteigende Traum
- vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,
- wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht.
- Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern.
- Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung
- wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst
- und neu sich in Apotheosen erhebt.
-
- Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer
- unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens
- hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet.
-
- Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos
- Gewicht, von der Seele erfühlt.
- Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.
- Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther
- auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.
-
- Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze
- Falter,
- jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit
- Luft;
- Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den
- Resonnanzen,
- Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer
- Komposition . . .
- Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik,
- welche donnert
- aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille
- der feuchten Erde,
- ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?
- Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,
- der Erde Geschenk in der Welten Symphonie,
- Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,
- tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten
- im Beben der Schuld sich erhob . . .
- Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den
- Schlummer,
- kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,
- und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor
- die Noten der höchsten Töne!
-
- -- Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen
- Lippen im Dunkel
- und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten
- lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit
- im Geheimnis der Erde
- wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer
- Flammen
- reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden
- Kräfte.
- Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden
- schwer und verwuchsen;
- wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere
- Hände
- zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?
-
- -- Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter
- all ihrer Bläue
- liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der
- Höhe
- und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren.
- Hundertjährigen Krieg
- führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der
- Pflanzen
- herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit
- erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel
- brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe
- schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.
- Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des
- Alls
- und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit
- krampfhaftem Pulse.
- Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn:
- mit dem Kreuze der Blitze
- zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben
- verwirrten Brüder
- wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter
- ins andere.
- Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren
- in der Lust des Vergessens,
- träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,
- die unter Sterbenden erkaltet sind.
-
- -- Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die
- Pforte der ewigen Stadt,
- aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende
- Fallbrücken herablassen
- und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister
- ertönt,
- das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen
- Ewigkeit des Glückes,
- hat durch Fluch sich verwandelt:
- ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne,
- bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den
- Sternen
- und es naht ihr in immer kleineren Kreisen unser erstarrtes Leben,
- um in ihrer Tiefe ins Dunkel zu tauchen.
- In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor
- Glut:
- Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in
- gläserne Tränen.
- Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu
- Stein:
- wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen
- des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen
- Schlag. --
- Stille . . . Wie über toten Körpern
- knieten über uns in Gebeten die Seelen,
- es steht in den Blicken:
-
- Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit
- dem mystischen Gespann der Sterne
- über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des
- Höchsten,
- vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet.
- Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien,
- in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren,
- wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger
- begrüßet,
- und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,
- dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung
- mit _einem_ Hauch von tausend Türmen verbreitet?
- Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?
- Die Räder wirbelten,
- wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,
- Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des
- heiligen Feuers stammten die
- Schläfer.
- Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,
- das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte
- und in die Scharen hineinsang
- und welches anschwillt von Lippe zu Lippe,
- bis es alle erfaßt hat,
- Millionen Seelen,
- in einem einzigen flammenden Rhythmus!
-
-
-
-
-Die Propheten
-
-
- In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben
- zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken
- aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,
- und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt
- hat,
- sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,
- und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen,
- und die Sonne ihr Antlitz, wie's den Zeiten vertraut war,
- verändert:
- kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten,
- die deines Königreichs Eroberer sind.
-
- Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern
- lauschen sie deinem heiligen Odem,
- der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der
- Welten
- zu Weißglut entfachet;
- in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in
- ihren Tiefen,
- aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes,
- für die zarten Lippen des harrenden Lebens.
- Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach,
- süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;
- und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit
- erschreckt,
- hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,
- unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der
- Erde,
- der Lichter und Nächte wechselnder Chor!
-
- Sie reden von dir und von deinem Ruhme,
- vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt
- und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe
- über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert
- wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.
- Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,
- Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;
- doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,
- baun ihre Nester ganz tief nah der Erde
- wie Nachtigallen!
-
- Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt
- die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die
- Wunde sich gießet,
- verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke
- breitet es Landschaften künftiger Zeiten,
- strahlend in neuen Konstellationen.
- Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen
- des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület
- und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt.
- Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete
- Wintersaat decket,
- barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken
- zahllose Schar
- blutet in tausenden Fußstapfen
- bei jeglichem Schritte!
- Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,
- wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen
- deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke,
- der sich in Mitleid wendet zurück,
- wird im Erkennen zu Steine erstarren! --
-
- Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:
- Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter!
- Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!
- Heulen der Menge auf düsteren Bauten,
- von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,
- Hinrichtungsstätten!
- O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen!
- Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!
- Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend!
- Wahnsinn _einer_ Seele, auf deren lodernden Wogen
- die Erde schaukelt! Leidende Zeiten, Jahrhunderte schwindend,
- unsterbliche,
- tragend die Schwere jedwedes Sternbilds,
- erkennend den eigenen Ruhm!
-
- Und wenn sie endlich in festlicher Stille
- die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,
- welche aussegelten, als entstand diese Welt,
- herannahen sehen von trübfernen Küsten,
- die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:
-
- Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten
- und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten,
- erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen,
- und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:
- der Schmerz der saumseligen Zeit.
- Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen,
- und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,
- unter den Schnittern.
- Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu
- fliegen,
- tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen
- und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne
- und mit Polarlicht und dem Brande der Welten
- das Antlitz ihrer Liebe!
- Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen
- Schmerz bot und Räusche
- und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,
- durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,
- nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte
- vergebens!
-
-
-
-
-
-ARKADIA
-
-EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST
-
-HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD
-
-BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
-
-Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.--
-
-INHALT:
-
-DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz
-Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus
-der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max
-Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der
-Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_,
-Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika /
-_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung /
-_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer
-im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES:
-_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_,
-Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_,
-Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-GEORG HEYM
-
-_DER EWIGE TAG_
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter
-den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage
-kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter
-haben muß.
-
-_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher
-Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede
-Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben,
-Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
-
-_UMBRA VITAE_
-
-_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen,
-dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und
-Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine
-ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg
-Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
-
-_DER DIEB_
-
-_EIN NOVELLENBUCH_
-
-Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.--
-
-_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual
-der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu
-Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
-Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
-erscheint.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
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-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN ***
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--- a/40317-8.zip
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Binary files differ
diff --git a/40317-h.zip b/40317-h.zip
deleted file mode 100644
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--- a/40317-h.zip
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Binary files differ
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index 7945fc2..829a162 100644
--- a/40317-h/40317-h.htm
+++ b/40317-h/40317-h.htm
@@ -2,7 +2,7 @@
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
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<title>The Project Gutenberg eBook of Hymnen, by Otokar B&#345;ezina</title>
<!-- TITLE="Hymnen" -->
<!-- AUTHOR="Otokar B&#345;ezina" -->
@@ -110,43 +110,7 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Hymnen
-
-Author: Otokar Brezina
-
-Translator: Otto Pick
-
-Release Date: July 24, 2012 [EBook #40317]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
-
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40317 ***</div>
<h1 style="line-height:1.2em; font-weight:normal; margin-bottom:8em;">
<span style="font-size:0.7em; letter-spacing:0.1em;">Ottokar B&#345;ezina</span><br />
@@ -161,13 +125,13 @@ Produced by Jens Sadowski
<p class="center" style="page-break-before:always; line-height:1.5em; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;">
Dies Buch wurde gedruckt<br />
-im Oktober 1913 als zwölfter<br />
-Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste Tag&ldquo; bei <br />
+im Oktober 1913 als zwölfter<br />
+Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste Tag&ldquo; bei <br />
Poeschel &amp; Trepte in Leipzig
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; letter-spacing:0.2em;">
-Berechtigte Übertragung von Otto Pick<br />
+Berechtigte Übertragung von Otto Pick<br />
<br />
Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
</p>
@@ -177,140 +141,140 @@ Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
<h2 class="chapter" id="ch-1">
<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-Die Glücklichen</h2>
+Die Glücklichen</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der Wälder,</p>
-<p class="line">wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes flüsterten,</p>
+<p class="line">Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der Wälder,</p>
+<p class="line">wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes flüsterten,</p>
<p class="line">ein langer Aufschrei erbebte &mdash; und es neigte sich Durst zu der Quelle des Blutes.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde.</p>
-<p class="line">Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die Städte</p>
-<p class="line">und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, entstieg den Düften Begier.</p>
-<p class="line">Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im Wahnsinn der Menge</p>
-<p class="line">und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich senkten,</p>
-<p class="line">schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser reineres Träumen.</p>
+<p class="line">Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die Städte</p>
+<p class="line">und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, entstieg den Düften Begier.</p>
+<p class="line">Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im Wahnsinn der Menge</p>
+<p class="line">und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich senkten,</p>
+<p class="line">schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser reineres Träumen.</p>
<p class="line">Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte erstickten in schmerzlichem Lachen,</p>
-<p class="line">unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu Schatten.</p>
+<p class="line">unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu Schatten.</p>
<p class="line">Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert sind unsere Ruder in ihnen,
</p>
<p class="line">
<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
-die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt ihre Schwere in den Wellen,</p>
-<p class="line">und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.</p>
+die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt ihre Schwere in den Wellen,</p>
+<p class="line">und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze</p>
<p class="line">und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde:</p>
<p class="line">weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden,</p>
-<p class="line">duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.</p>
+<p class="line">duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet,</p>
-<p class="line">öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.</p>
-<p class="line">Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf den Lippen:</p>
-<p class="line">Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,</p>
-<p class="line">und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:</p>
-<p class="line">Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,</p>
+<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet,</p>
+<p class="line">öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.</p>
+<p class="line">Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf den Lippen:</p>
+<p class="line">Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,</p>
+<p class="line">und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:</p>
+<p class="line">Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,</p>
<p class="line">bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein Danklied!</p>
-<p class="line">Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch Jahrhunderte nicht unter,</p>
+<p class="line">Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch Jahrhunderte nicht unter,</p>
<p class="line">denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf ewig.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet
+<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet
</p>
<p class="line">
<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-und durch euer Gebet mit <span class="em">einem</span> Flügelschlag die duftenden Träume der Erde erreichtet:</p>
-<p class="line">aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die eueres Werkes dort harren,</p>
-<p class="line">einatmet ihr tief die stärkenden Düfte.
+und durch euer Gebet mit <span class="em">einem</span> Flügelschlag die duftenden Träume der Erde erreichtet:</p>
+<p class="line">aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die eueres Werkes dort harren,</p>
+<p class="line">einatmet ihr tief die stärkenden Düfte.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-2">
<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-Gebet für die Feinde</h2>
+Gebet für die Feinde</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde hinüberfloß,</p>
-<p class="line">als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,</p>
-<p class="line">und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne durch unsere Bewölktheit.</p>
+<p class="line">Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde hinüberfloß,</p>
+<p class="line">als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,</p>
+<p class="line">und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne durch unsere Bewölktheit.</p>
<p class="line">Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen</p>
<p class="line">und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie als lieblichen Duft.</p>
-<p class="line">Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich fest in ihrer Tanzlieder Kette,</p>
+<p class="line">Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich fest in ihrer Tanzlieder Kette,</p>
<p class="line">und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen und uns.</p>
-<p class="line">Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich anders in ihrer Brust</p>
+<p class="line">Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich anders in ihrer Brust</p>
<p class="line">und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er unsere Fluren.</p>
-<p class="line">Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns brachten,</p>
+<p class="line">Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns brachten,</p>
<p class="line">das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes Schweigen.</p>
-<p class="line">Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten Siege der Toten
+<p class="line">Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten Siege der Toten
</p>
<p class="line">
<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor Jahrhunderten.</p>
-<p class="line">In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen aus der Tiefe der Seelen,</p>
-<p class="line">Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld erkalteter Blute:</p>
+und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor Jahrhunderten.</p>
+<p class="line">In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen aus der Tiefe der Seelen,</p>
+<p class="line">Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld erkalteter Blute:</p>
<p class="line">deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!</p>
+<p class="line">Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!</p>
<p class="line">Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender Herzen!</p>
-<p class="line">Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!</p>
+<p class="line">Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der irdischen Liebe!</p>
-<p class="line">Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns nahen,</p>
-<p class="line">für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des Todes,</p>
-<p class="line">und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres Geschlechts!</p>
+<p class="line">Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der irdischen Liebe!</p>
+<p class="line">Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns nahen,</p>
+<p class="line">für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des Todes,</p>
+<p class="line">und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres Geschlechts!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns.</p>
-<p class="line">Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer Überwindung.
+<p class="line">Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer Überwindung.
</p>
<p class="line">
<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der Ferne.</p>
-<p class="line">Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der Feinde entzündest du <span class="em">eine</span> Sonne aller Morgen,</p>
-<p class="line">und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.</p>
+Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der Ferne.</p>
+<p class="line">Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der Feinde entzündest du <span class="em">eine</span> Sonne aller Morgen,</p>
+<p class="line">und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.</p>
<p class="line">Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und der geheimnisvolle Durst aller Welten,</p>
-<p class="line">doch immer erneut wälzt sich&rsquo;s her aus kosmischen Höhen. Und doch wird am Ende Licht sein.</p>
-<p class="line">Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie Bienen,</p>
-<p class="line">nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf den Fluten der Zeiten.</p>
-<p class="line">Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.</p>
-<p class="line">Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die Jahrtausende überblicken,</p>
-<p class="line">die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu Mitte</p>
-<p class="line">und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.</p>
-<p class="line">Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von unseren Schritten erdröhnten,</p>
+<p class="line">doch immer erneut wälzt sich&rsquo;s her aus kosmischen Höhen. Und doch wird am Ende Licht sein.</p>
+<p class="line">Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie Bienen,</p>
+<p class="line">nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf den Fluten der Zeiten.</p>
+<p class="line">Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.</p>
+<p class="line">Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die Jahrtausende überblicken,</p>
+<p class="line">die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu Mitte</p>
+<p class="line">und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.</p>
+<p class="line">Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von unseren Schritten erdröhnten,</p>
<p class="line">und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages
</p>
<p class="line">
<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-bei nächtlichen Fackeln entwarfen! &mdash;</p>
+bei nächtlichen Fackeln entwarfen! &mdash;</p>
<p class="line">Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange!</p>
-<p class="line">Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt unser Weg zu den Grenzen der Zeit!</p>
+<p class="line">Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt unser Weg zu den Grenzen der Zeit!</p>
<p class="line">O Ewiger!</p>
-<p class="line">Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der Schmerz aller Siege</p>
-<p class="line">und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach mystischer Verzeihung ruft es!</p>
-<p class="line">Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht kleiner!</p>
-<p class="line">Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen Quellen des Lichtes uns rauschen,</p>
+<p class="line">Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der Schmerz aller Siege</p>
+<p class="line">und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach mystischer Verzeihung ruft es!</p>
+<p class="line">Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht kleiner!</p>
+<p class="line">Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen Quellen des Lichtes uns rauschen,</p>
<p class="line">denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines Geheimnisses einzige Formen!</p>
-<p class="line">Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse der im Tode versöhnten Seelen,</p>
-<p class="line">und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau eines neuen Schattens,</p>
+<p class="line">Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse der im Tode versöhnten Seelen,</p>
+<p class="line">und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau eines neuen Schattens,</p>
<p class="line">in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der Liebe durchdringen,</p>
-<p class="line">die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,</p>
-<p class="line">denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers!
+<p class="line">die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,</p>
+<p class="line">denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers!
</p>
</div>
@@ -320,21 +284,21 @@ Die Stadt</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne</p>
-<p class="line">hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,</p>
+<p class="line">hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,</p>
<p class="line">nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten</p>
-<p class="line">Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts und hervor aus den Toren,</p>
-<p class="line">Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,</p>
+<p class="line">Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten</p>
+<p class="line">Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts und hervor aus den Toren,</p>
+<p class="line">Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,</p>
<p class="line">Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten,</p>
-<p class="line">und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,</p>
+<p class="line">und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,</p>
<p class="line">und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und herrschte:</p>
-<p class="line">Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der Liebenden Küsse,</p>
-<p class="line">wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,</p>
+<p class="line">Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der Liebenden Küsse,</p>
+<p class="line">wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,</p>
<p class="line">und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen</p>
-<p class="line">brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,</p>
+<p class="line">brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,</p>
<p class="line">das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern tauchte.
</p>
<p class="line">
@@ -344,8 +308,8 @@ Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens</p>
<p class="line">und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke</p>
<p class="line">bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich:</p>
<p class="line">deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten,</p>
-<p class="line">der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,</p>
-<p class="line">erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,</p>
+<p class="line">der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,</p>
+<p class="line">erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,</p>
<p class="line">und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde erlauscht</p>
<p class="line">bei meines einsamen Feuers Geprassel.
</p>
@@ -353,57 +317,57 @@ Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens</p>
<h2 class="chapter" id="ch-4">
<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-Ich bin wie ein Baum in Blüte&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</h2>
+Ich bin wie ein Baum in Blüte&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh;</p>
-<p class="line">Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;</p>
-<p class="line">in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh&rsquo;</p>
-<p class="line">und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.</p>
+<p class="line">Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh;</p>
+<p class="line">Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;</p>
+<p class="line">in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh&rsquo;</p>
+<p class="line">und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk&rsquo;,</p>
-<p class="line">will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz:</p>
-<p class="line">in Jahrtausenden häuft&rsquo; ich Schätze, ein Königsgeschenk,</p>
+<p class="line">Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk&rsquo;,</p>
+<p class="line">will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz:</p>
+<p class="line">in Jahrtausenden häuft&rsquo; ich Schätze, ein Königsgeschenk,</p>
<p class="line">und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb&rsquo; ich es ganz.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,</p>
+<p class="line">Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,</p>
<p class="line">Ermattens Grabesnacht,</p>
<p class="line">meiner Blicke Tiefe, so seltsam</p>
<p class="line">wie Sternenbilder entfacht,</p>
<p class="line">Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht</p>
-<p class="line">wie Blut sich ergießt,</p>
-<p class="line">und der Küsse Taumel</p>
-<p class="line">böse und süß.</p>
+<p class="line">wie Blut sich ergießt,</p>
+<p class="line">und der Küsse Taumel</p>
+<p class="line">böse und süß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht</p>
-<p class="line">breitet sich rot hinter meinen Träumen aus,
+<p class="line">breitet sich rot hinter meinen Träumen aus,
</p>
<p class="line">
<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt</p>
-<p class="line">anzünd&rsquo; ich das Haus:</p>
-<p class="line">Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,</p>
-<p class="line">mit Flammen verjag&rsquo; ich, den ich lockte, der Vögel Zug;</p>
+<p class="line">anzünd&rsquo; ich das Haus:</p>
+<p class="line">Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,</p>
+<p class="line">mit Flammen verjag&rsquo; ich, den ich lockte, der Vögel Zug;</p>
<p class="line">doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus geheimnisvoller Nacht heran,</p>
-<p class="line">in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,</p>
-<p class="line">ätherischer Falter funkelnder Flug,</p>
-<p class="line">die Fackeln umkreisend, entzündet von mir</p>
+<p class="line">in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,</p>
+<p class="line">ätherischer Falter funkelnder Flug,</p>
+<p class="line">die Fackeln umkreisend, entzündet von mir</p>
<p class="line">um der Erde feurigen Bug.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang,</p>
+<p class="line">Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang,</p>
<p class="line">erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt;</p>
-<p class="line">ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank,</p>
+<p class="line">ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank,</p>
<p class="line">in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der Nacht in ihm sich aufschwingt:</p>
<p class="line">denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem Lachen bang</p>
-<p class="line">und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen</p>
+<p class="line">und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen</p>
<p class="line">Hoffnung der Wiederkehr klingt.
</p>
</div>
@@ -415,13 +379,13 @@ Motiv aus Beethoven</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren,</p>
<p class="line">vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir</p>
-<p class="line">Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren</p>
+<p class="line">Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren</p>
<p class="line">Goldregen unserer Sterne baden wir.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,</p>
-<p class="line">künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und</p>
+<p class="line">Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,</p>
+<p class="line">künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und</p>
<p class="line">die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen</p>
<p class="line">siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund.</p>
</div>
@@ -429,22 +393,22 @@ Motiv aus Beethoven</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten,</p>
<p class="line">silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest,</p>
-<p class="line">während in schwarzen Waldeseinsamkeiten</p>
-<p class="line">das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.</p>
+<p class="line">während in schwarzen Waldeseinsamkeiten</p>
+<p class="line">das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,</p>
+<p class="line">Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,</p>
<p class="line">kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht</p>
<p class="line">sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen</p>
-<p class="line">entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,</p>
+<p class="line">entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?</p>
-<p class="line">Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt</p>
-<p class="line">und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften</p>
-<p class="line">in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt?
+<p class="line">wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?</p>
+<p class="line">Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt</p>
+<p class="line">und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften</p>
+<p class="line">in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt?
</p>
</div>
@@ -452,44 +416,44 @@ Motiv aus Beethoven</h2>
<p class="line">
<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,</p>
-<p class="line">verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,</p>
-<p class="line">der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,</p>
+<p class="line">verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,</p>
+<p class="line">der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,</p>
<p class="line">und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt?</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,</p>
+<p class="line">Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,</p>
<p class="line">den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach,</p>
-<p class="line">und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet</p>
+<p class="line">und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet</p>
<p class="line">dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen</p>
-<p class="line">milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,</p>
-<p class="line">und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,</p>
+<p class="line">Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen</p>
+<p class="line">milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,</p>
+<p class="line">und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,</p>
<p class="line">und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">und zweier nackten Arme gieriges Beginnen,</p>
-<p class="line">auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,</p>
+<p class="line">auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,</p>
<p class="line">in dein erregt berauschtes Wesen rinnen,</p>
-<p class="line">als schlössen sich die matten Sinne zu?</p>
+<p class="line">als schlössen sich die matten Sinne zu?</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Kristall der Lampe füllt&rsquo; ich mit dem Öle meiner Töne,</p>
-<p class="line">ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.</p>
+<p class="line">Kristall der Lampe füllt&rsquo; ich mit dem Öle meiner Töne,</p>
+<p class="line">ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.</p>
<p class="line">O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne</p>
-<p class="line">in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.</p>
+<p class="line">in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen</p>
+<p class="line">Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen</p>
<p class="line">Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt,</p>
-<p class="line">sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,</p>
-<p class="line">und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt.
+<p class="line">sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,</p>
+<p class="line">und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt.
</p>
</div>
@@ -498,7 +462,7 @@ Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,</p>
<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer</p>
<p class="line">(Regen von Feuerrosen), wird dir sein,</p>
-<p class="line">als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer</p>
+<p class="line">als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer</p>
<p class="line">und Morgenlieder still wehten zu dir herein.
</p>
</div>
@@ -508,23 +472,23 @@ Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer</p>
Die Natur</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein Lied zu dieser Musik</p>
+<p class="line">Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein Lied zu dieser Musik</p>
<p class="line">an den melancholischen Gestaden.</p>
-<p class="line">Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen Düften</p>
-<p class="line">und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten über den Wassern,</p>
-<p class="line">und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner blumenpflückenden Hand,</p>
+<p class="line">Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen Düften</p>
+<p class="line">und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten über den Wassern,</p>
+<p class="line">und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner blumenpflückenden Hand,</p>
<p class="line">zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis,</p>
<p class="line">die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte die Winde:</p>
+<p class="line">Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte die Winde:</p>
<p class="line">Sind dieses nahende oder fliehende Wolken?</p>
-<p class="line">Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die Wasser,</p>
-<p class="line">und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere verlöschend,</p>
-<p class="line">erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:</p>
-<p class="line">Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,</p>
-<p class="line">eines noch größeren, größeren Lichtes.
+<p class="line">Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die Wasser,</p>
+<p class="line">und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere verlöschend,</p>
+<p class="line">erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:</p>
+<p class="line">Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,</p>
+<p class="line">eines noch größeren, größeren Lichtes.
</p>
</div>
@@ -533,55 +497,55 @@ Die Natur</h2>
Wo schon vernahm ich?&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht&rsquo; es herein voll Geheimnis</p>
-<p class="line">und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich meiner Blicke.</p>
-<p class="line">Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der Welten</p>
-<p class="line">in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.</p>
+<p class="line">Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht&rsquo; es herein voll Geheimnis</p>
+<p class="line">und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich meiner Blicke.</p>
+<p class="line">Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der Welten</p>
+<p class="line">in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit schwereren Schlägen</p>
+<p class="line">Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit schwereren Schlägen</p>
<p class="line">und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als die Stille der Erde:</p>
-<p class="line">Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,</p>
-<p class="line">vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen Symphonien der Strahlen,</p>
-<p class="line">vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in hundertjähriges Reifen sich stürzen,</p>
-<p class="line">vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der Düfte mystischem Flüstern.</p>
-<p class="line">Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze Riesenorchester,</p>
+<p class="line">Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,</p>
+<p class="line">vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen Symphonien der Strahlen,</p>
+<p class="line">vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in hundertjähriges Reifen sich stürzen,</p>
+<p class="line">vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der Düfte mystischem Flüstern.</p>
+<p class="line">Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze Riesenorchester,</p>
<p class="line">die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang unbeendeter Lieder.
</p>
<p class="line">
<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen!</p>
<p class="line">In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke!</p>
-<p class="line">Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,</p>
-<p class="line">die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen Abglanz der nördlichen Lichter:</p>
-<p class="line">Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den irdischen Gedanken verlöschen,</p>
-<p class="line">und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln erwidern!</p>
-<p class="line">Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen</p>
-<p class="line">als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!</p>
+<p class="line">Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,</p>
+<p class="line">die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen Abglanz der nördlichen Lichter:</p>
+<p class="line">Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den irdischen Gedanken verlöschen,</p>
+<p class="line">und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln erwidern!</p>
+<p class="line">Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen</p>
+<p class="line">als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!</p>
<p class="line">Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens Gebote</p>
-<p class="line">fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der ersterbenden Farben.</p>
+<p class="line">fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der ersterbenden Farben.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir sanken,</p>
+<p class="line">O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir sanken,</p>
<p class="line">erschaut&rsquo; ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt:</p>
<p class="line">das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen aufspritzend,
</p>
<p class="line">
<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärten tobt&rsquo; ich mit Blicken.</p>
-<p class="line">Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner Stille, die mich so bekannt dünkt?</p>
-<p class="line">Wo schon gewahrt&rsquo; ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte Geschmack wohl erkenne?</p>
-<p class="line">Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte und sie erweckte zu diesem Träumen?</p>
-<p class="line">Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse verbrüderter Seelen.</p>
-<p class="line">Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich träumen von der Musik</p>
+zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärten tobt&rsquo; ich mit Blicken.</p>
+<p class="line">Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner Stille, die mich so bekannt dünkt?</p>
+<p class="line">Wo schon gewahrt&rsquo; ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte Geschmack wohl erkenne?</p>
+<p class="line">Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte und sie erweckte zu diesem Träumen?</p>
+<p class="line">Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse verbrüderter Seelen.</p>
+<p class="line">Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich träumen von der Musik</p>
<p class="line">und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der Ahnung des Todes.</p>
-<p class="line">Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel nach löschendem Lichte,</p>
-<p class="line">durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens im Schlummer, gefaßt meine Hände</p>
-<p class="line">und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.</p>
+<p class="line">Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel nach löschendem Lichte,</p>
+<p class="line">durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens im Schlummer, gefaßt meine Hände</p>
+<p class="line">und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.</p>
<p class="line">Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume sich durch Gefahren zu tummeln,</p>
-<p class="line">und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus deiner täglichen Lichter Geheimnis,</p>
+<p class="line">und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus deiner täglichen Lichter Geheimnis,</p>
<p class="line">und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von einstmals.</p>
</div>
@@ -590,13 +554,13 @@ zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärte
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben erglänzten vertraut mir die Sterne.
+<p class="line">Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben erglänzten vertraut mir die Sterne.
</p>
<p class="line">
<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille tönte bekannt,</p>
-<p class="line">von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der Seelen die Knospen der Rosen,</p>
-<p class="line">meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat.
+Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille tönte bekannt,</p>
+<p class="line">von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der Seelen die Knospen der Rosen,</p>
+<p class="line">meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat.
</p>
</div>
@@ -607,17 +571,17 @@ Erde?</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Es breitet Welt um Welt sich aus,</p>
<p class="line">ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein,</p>
-<p class="line">und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,</p>
-<p class="line">und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,</p>
+<p class="line">und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,</p>
+<p class="line">und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,</p>
<p class="line">und die Seelen jener, die am meisten litten,</p>
<p class="line">in ihn gehen sie ein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,</p>
+<p class="line">Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,</p>
<p class="line">in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin;</p>
-<p class="line">die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze</p>
-<p class="line">und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;</p>
+<p class="line">die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze</p>
+<p class="line">und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;</p>
<p class="line">und sie, die durch die Jahrtausende sahen,</p>
<p class="line">fragen: Erde? mit heiterem Sinn.
</p>
@@ -625,45 +589,45 @@ Erde?</h2>
<h2 class="chapter" id="ch-9">
<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-Mit dem Tode reden die Schläfer&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</h2>
+Mit dem Tode reden die Schläfer&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich fühlen</p>
+<p class="line">Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich fühlen</p>
<p class="line">und die Liebe Allwissenheit erlangt.</p>
-<p class="line">Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,</p>
-<p class="line">mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den Brüdern entgegnen.</p>
+<p class="line">Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,</p>
+<p class="line">mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den Brüdern entgegnen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere Städte</p>
+<p class="line">&mdash; Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere Städte</p>
<p class="line">sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der Unendlichkeit,</p>
-<p class="line">darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,</p>
+<p class="line">darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,</p>
<p class="line">die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere</p>
-<p class="line">und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille</p>
-<p class="line">und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,</p>
+<p class="line">und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille</p>
+<p class="line">und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,</p>
<p class="line">geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten,</p>
<p class="line">unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier!</p>
-<p class="line">Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch aufspritzt,</p>
-<p class="line">das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern .&nbsp;.&nbsp;.</p>
-<p class="line">Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert:
+<p class="line">Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch aufspritzt,</p>
+<p class="line">das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+<p class="line">Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert:
</p>
<p class="line">
<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit</p>
<p class="line">und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei Sonnen.</p>
-<p class="line">Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:</p>
+<p class="line">Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:</p>
<p class="line">zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet</p>
-<p class="line">und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.</p>
-<p class="line">Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste</p>
-<p class="line">war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,</p>
-<p class="line">die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.</p>
+<p class="line">und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.</p>
+<p class="line">Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste</p>
+<p class="line">war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,</p>
+<p class="line">die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.</p>
<p class="line">Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am Grund sich</p>
<p class="line">im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen anderer Welten,</p>
-<p class="line">aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen</p>
+<p class="line">Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen anderer Welten,</p>
+<p class="line">aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen</p>
<p class="line">und Jahre hindurch sich seiner erinnern .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
@@ -673,134 +637,134 @@ denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit</p>
</p>
<p class="line">
<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-Wie kam&rsquo;s, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen Nacht drang,</p>
-<p class="line">die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?</p>
+Wie kam&rsquo;s, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen Nacht drang,</p>
+<p class="line">die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur</p>
-<p class="line">kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der Konstellationen fallen</p>
-<p class="line">in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,</p>
+<p class="line">Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur</p>
+<p class="line">kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der Konstellationen fallen</p>
+<p class="line">in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,</p>
<p class="line">des durch die Unendlichkeit sich breitenden!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit,</p>
<p class="line">was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor uns einst</p>
-<p class="line">und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,</p>
-<p class="line">die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden Zweigen?</p>
-<p class="line">Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen</p>
-<p class="line">an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts</p>
-<p class="line">gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen wir Krankheit</p>
-<p class="line">in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen strahlender Blässe</p>
-<p class="line">und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward die Wahrheit zur Krankheit.
+<p class="line">und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,</p>
+<p class="line">die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden Zweigen?</p>
+<p class="line">Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen</p>
+<p class="line">an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts</p>
+<p class="line">gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen wir Krankheit</p>
+<p class="line">in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen strahlender Blässe</p>
+<p class="line">und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward die Wahrheit zur Krankheit.
</p>
<p class="line">
<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen Blicken</p>
-<p class="line">spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr Lächeln</p>
-<p class="line">wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes jungfräuliche Weiße.</p>
-<p class="line">Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
-<p class="line">Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche Reinheit geraubt</p>
-<p class="line">und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:</p>
-<p class="line">nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille</p>
+<p class="line">spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr Lächeln</p>
+<p class="line">wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes jungfräuliche Weiße.</p>
+<p class="line">Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+<p class="line">Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche Reinheit geraubt</p>
+<p class="line">und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:</p>
+<p class="line">nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille</p>
<p class="line">und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche</p>
<p class="line">die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer Seelen.</p>
-<p class="line">Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,</p>
-<p class="line">ist an Zeit verschieden für sie und für uns.</p>
-<p class="line">Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen</p>
+<p class="line">Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,</p>
+<p class="line">ist an Zeit verschieden für sie und für uns.</p>
+<p class="line">Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen</p>
<p class="line">und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele verstummt,</p>
<p class="line">leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel,</p>
-<p class="line">rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden</p>
-<p class="line">verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther aufsteigende Traum</p>
-<p class="line">vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,</p>
+<p class="line">rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden</p>
+<p class="line">verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther aufsteigende Traum</p>
+<p class="line">vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,</p>
<p class="line">wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht.
</p>
<p class="line">
<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern.</p>
-<p class="line">Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung</p>
+<p class="line">Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung</p>
<p class="line">wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst</p>
<p class="line">und neu sich in Apotheosen erhebt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer</p>
+<p class="line">Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer</p>
<p class="line">unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens</p>
<p class="line">hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos Gewicht, von der Seele erfühlt.</p>
-<p class="line">Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.</p>
-<p class="line">Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther</p>
-<p class="line">auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.</p>
+<p class="line">Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos Gewicht, von der Seele erfühlt.</p>
+<p class="line">Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.</p>
+<p class="line">Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther</p>
+<p class="line">auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze Falter,</p>
-<p class="line">jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit Luft;</p>
+<p class="line">Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze Falter,</p>
+<p class="line">jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit Luft;</p>
<p class="line">Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den Resonnanzen,</p>
<p class="line">Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer Komposition .&nbsp;.&nbsp;.
</p>
<p class="line">
<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, welche donnert</p>
-<p class="line">aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille der feuchten Erde,</p>
-<p class="line">ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?</p>
-<p class="line">Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,</p>
+Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, welche donnert</p>
+<p class="line">aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille der feuchten Erde,</p>
+<p class="line">ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?</p>
+<p class="line">Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,</p>
<p class="line">der Erde Geschenk in der Welten Symphonie,</p>
-<p class="line">Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,</p>
-<p class="line">tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten</p>
+<p class="line">Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,</p>
+<p class="line">tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten</p>
<p class="line">im Beben der Schuld sich erhob .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den Schlummer,</p>
-<p class="line">kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,</p>
-<p class="line">und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor</p>
-<p class="line">die Noten der höchsten Töne!</p>
+<p class="line">kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,</p>
+<p class="line">und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor</p>
+<p class="line">die Noten der höchsten Töne!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen Lippen im Dunkel</p>
-<p class="line">und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten</p>
-<p class="line">lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit im Geheimnis der Erde</p>
+<p class="line">&mdash; Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen Lippen im Dunkel</p>
+<p class="line">und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten</p>
+<p class="line">lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit im Geheimnis der Erde</p>
<p class="line">wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer Flammen
</p>
<p class="line">
<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden Kräfte.</p>
-<p class="line">Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden schwer und verwuchsen;</p>
-<p class="line">wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere Hände</p>
-<p class="line">zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?</p>
+reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden Kräfte.</p>
+<p class="line">Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden schwer und verwuchsen;</p>
+<p class="line">wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere Hände</p>
+<p class="line">zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter all ihrer Bläue</p>
-<p class="line">liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der Höhe</p>
-<p class="line">und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. Hundertjährigen Krieg</p>
-<p class="line">führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der Pflanzen</p>
+<p class="line">&mdash; Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter all ihrer Bläue</p>
+<p class="line">liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der Höhe</p>
+<p class="line">und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. Hundertjährigen Krieg</p>
+<p class="line">führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der Pflanzen</p>
<p class="line">herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit</p>
-<p class="line">erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel</p>
+<p class="line">erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel</p>
<p class="line">brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe</p>
-<p class="line">schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.</p>
-<p class="line">Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des Alls</p>
-<p class="line">und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit krampfhaftem Pulse.
+<p class="line">schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.</p>
+<p class="line">Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des Alls</p>
+<p class="line">und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit krampfhaftem Pulse.
</p>
<p class="line">
<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: mit dem Kreuze der Blitze</p>
-<p class="line">zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben verwirrten Brüder</p>
-<p class="line">wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter ins andere.</p>
-<p class="line">Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren</p>
+<p class="line">zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben verwirrten Brüder</p>
+<p class="line">wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter ins andere.</p>
+<p class="line">Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren</p>
<p class="line">in der Lust des Vergessens,</p>
-<p class="line">träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,</p>
+<p class="line">träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,</p>
<p class="line">die unter Sterbenden erkaltet sind.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die Pforte der ewigen Stadt,</p>
-<p class="line">aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende Fallbrücken herablassen</p>
-<p class="line">und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister ertönt,</p>
-<p class="line">das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen Ewigkeit des Glückes,</p>
+<p class="line">&mdash; Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die Pforte der ewigen Stadt,</p>
+<p class="line">aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende Fallbrücken herablassen</p>
+<p class="line">und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister ertönt,</p>
+<p class="line">das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen Ewigkeit des Glückes,</p>
<p class="line">hat durch Fluch sich verwandelt:</p>
<p class="line">ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne,</p>
<p class="line">bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den Sternen</p>
@@ -810,38 +774,38 @@ Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: mit dem Kreuze
<p class="line">
<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor Glut:</p>
-<p class="line">Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in gläserne Tränen.</p>
-<p class="line">Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu Stein:</p>
-<p class="line">wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen</p>
-<p class="line">des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen Schlag. &mdash;</p>
-<p class="line">Stille .&nbsp;.&nbsp;. Wie über toten Körpern</p>
-<p class="line">knieten über uns in Gebeten die Seelen,</p>
+<p class="line">Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in gläserne Tränen.</p>
+<p class="line">Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu Stein:</p>
+<p class="line">wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen</p>
+<p class="line">des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen Schlag. &mdash;</p>
+<p class="line">Stille .&nbsp;.&nbsp;. Wie über toten Körpern</p>
+<p class="line">knieten über uns in Gebeten die Seelen,</p>
<p class="line">es steht in den Blicken:</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit dem mystischen Gespann der Sterne</p>
-<p class="line">über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des Höchsten,</p>
+<p class="line">Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit dem mystischen Gespann der Sterne</p>
+<p class="line">über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des Höchsten,</p>
<p class="line">vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet.</p>
<p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien,</p>
<p class="line">in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren,</p>
-<p class="line">wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger begrüßet,</p>
-<p class="line">und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,</p>
+<p class="line">wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger begrüßet,</p>
+<p class="line">und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,</p>
<p class="line">dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung
</p>
<p class="line">
<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p>
-<p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?</p>
-<p class="line">Die Räder wirbelten,</p>
-<p class="line">wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,</p>
+mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p>
+<p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?</p>
+<p class="line">Die Räder wirbelten,</p>
+<p class="line">wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,</p>
<p class="line">Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des heiligen Feuers stammten die</p>
-<p class="line">Schläfer.</p>
-<p class="line">Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,</p>
-<p class="line">das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte</p>
+<p class="line">Schläfer.</p>
+<p class="line">Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,</p>
+<p class="line">das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte</p>
<p class="line">und in die Scharen hineinsang</p>
<p class="line">und welches anschwillt von Lippe zu Lippe,</p>
-<p class="line">bis es alle erfaßt hat,</p>
+<p class="line">bis es alle erfaßt hat,</p>
<p class="line">Millionen Seelen,</p>
<p class="line">in einem einzigen flammenden Rhythmus!
</p>
@@ -852,82 +816,82 @@ mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p>
Die Propheten</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben</p>
-<p class="line">zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken</p>
-<p class="line">aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,</p>
-<p class="line">und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt hat,</p>
-<p class="line">sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,</p>
+<p class="line">In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben</p>
+<p class="line">zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken</p>
+<p class="line">aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,</p>
+<p class="line">und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt hat,</p>
+<p class="line">sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,</p>
<p class="line">und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen,</p>
-<p class="line">und die Sonne ihr Antlitz, wie&rsquo;s den Zeiten vertraut war, verändert:</p>
+<p class="line">und die Sonne ihr Antlitz, wie&rsquo;s den Zeiten vertraut war, verändert:</p>
<p class="line">kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten,</p>
-<p class="line">die deines Königreichs Eroberer sind.</p>
+<p class="line">die deines Königreichs Eroberer sind.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern</p>
+<p class="line">Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern</p>
<p class="line">lauschen sie deinem heiligen Odem,</p>
-<p class="line">der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der Welten</p>
-<p class="line">zu Weißglut entfachet;</p>
+<p class="line">der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der Welten</p>
+<p class="line">zu Weißglut entfachet;</p>
<p class="line">in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in ihren Tiefen,</p>
<p class="line">aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes,</p>
-<p class="line">für die zarten Lippen des harrenden Lebens.</p>
+<p class="line">für die zarten Lippen des harrenden Lebens.</p>
<p class="line">Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach,
</p>
<p class="line">
<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;</p>
+süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;</p>
<p class="line">und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit erschreckt,</p>
-<p class="line">hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,</p>
+<p class="line">hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,</p>
<p class="line">unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der Erde,</p>
-<p class="line">der Lichter und Nächte wechselnder Chor!</p>
+<p class="line">der Lichter und Nächte wechselnder Chor!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sie reden von dir und von deinem Ruhme,</p>
<p class="line">vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt</p>
<p class="line">und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe</p>
-<p class="line">über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert</p>
-<p class="line">wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.</p>
-<p class="line">Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,</p>
-<p class="line">Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;</p>
-<p class="line">doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,</p>
+<p class="line">über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert</p>
+<p class="line">wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.</p>
+<p class="line">Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,</p>
+<p class="line">Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;</p>
+<p class="line">doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,</p>
<p class="line">baun ihre Nester ganz tief nah der Erde</p>
<p class="line">wie Nachtigallen!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt</p>
-<p class="line">die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die Wunde sich gießet,</p>
+<p class="line">die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die Wunde sich gießet,</p>
<p class="line">verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke</p>
-<p class="line">breitet es Landschaften künftiger Zeiten,
+<p class="line">breitet es Landschaften künftiger Zeiten,
</p>
<p class="line">
<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
strahlend in neuen Konstellationen.</p>
<p class="line">Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen</p>
-<p class="line">des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület</p>
+<p class="line">des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület</p>
<p class="line">und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt.</p>
-<p class="line">Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete Wintersaat decket,</p>
-<p class="line">barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken zahllose Schar</p>
-<p class="line">blutet in tausenden Fußstapfen</p>
+<p class="line">Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete Wintersaat decket,</p>
+<p class="line">barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken zahllose Schar</p>
+<p class="line">blutet in tausenden Fußstapfen</p>
<p class="line">bei jeglichem Schritte!</p>
-<p class="line">Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,</p>
+<p class="line">Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,</p>
<p class="line">wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen</p>
<p class="line">deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke,</p>
-<p class="line">der sich in Mitleid wendet zurück,</p>
+<p class="line">der sich in Mitleid wendet zurück,</p>
<p class="line">wird im Erkennen zu Steine erstarren! &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:</p>
+<p class="line">Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:</p>
<p class="line">Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter!</p>
-<p class="line">Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!</p>
-<p class="line">Heulen der Menge auf düsteren Bauten,</p>
-<p class="line">von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,</p>
-<p class="line">Hinrichtungsstätten!</p>
+<p class="line">Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!</p>
+<p class="line">Heulen der Menge auf düsteren Bauten,</p>
+<p class="line">von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,</p>
+<p class="line">Hinrichtungsstätten!</p>
<p class="line">O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen!</p>
-<p class="line">Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!</p>
-<p class="line">Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend!
+<p class="line">Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!</p>
+<p class="line">Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend!
</p>
<p class="line">
<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
@@ -940,34 +904,34 @@ Wahnsinn <span class="em">einer</span> Seele, auf deren lodernden Wogen</p>
<div class="poem">
<p class="line">Und wenn sie endlich in festlicher Stille</p>
-<p class="line">die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,</p>
+<p class="line">die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,</p>
<p class="line">welche aussegelten, als entstand diese Welt,</p>
-<p class="line">herannahen sehen von trübfernen Küsten,</p>
-<p class="line">die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:</p>
+<p class="line">herannahen sehen von trübfernen Küsten,</p>
+<p class="line">die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten</p>
<p class="line">und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten,</p>
<p class="line">erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen,</p>
-<p class="line">und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:</p>
+<p class="line">und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:</p>
<p class="line">der Schmerz der saumseligen Zeit.</p>
<p class="line">Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen,</p>
-<p class="line">und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,</p>
+<p class="line">und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,</p>
<p class="line">unter den Schnittern.</p>
-<p class="line">Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu fliegen,</p>
+<p class="line">Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu fliegen,</p>
<p class="line">tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen
</p>
<p class="line">
<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne</p>
+und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne</p>
<p class="line">und mit Polarlicht und dem Brande der Welten</p>
<p class="line">das Antlitz ihrer Liebe!</p>
<p class="line">Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen</p>
-<p class="line">Schmerz bot und Räusche</p>
-<p class="line">und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,</p>
-<p class="line">durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,</p>
-<p class="line">nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte</p>
+<p class="line">Schmerz bot und Räusche</p>
+<p class="line">und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,</p>
+<p class="line">durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,</p>
+<p class="line">nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte</p>
<p class="line">vergebens!</p>
</div>
@@ -984,7 +948,7 @@ ARKADIA
<p class="center" style="font-size:1.2em; letter-spacing:0.3em;">
EIN JAHRBUCH<br />
-FÜR DICHTKUNST
+FÜR DICHTKUNST
</p>
<p class="center" style="font-size:1em;">
@@ -1000,18 +964,18 @@ BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
<p class="noindent" style="font-size:0.8em;">
DRAMATISCHES: <i>Robert Walser</i>, Tobold / <i>Franz
-Werfel</i>, Das Opfer / <i>Franz Blei</i>, Der Mäcen. EPISCHES:
+Werfel</i>, Das Opfer / <i>Franz Blei</i>, Der Mäcen. EPISCHES:
<i>Franz Kafka</i>, Das Urteil / <i>Otto Stoessl</i>, Aus der Villa Obweger
-/ <i>Moritz Heimann</i>, Ein Begräbnis im November /
+/ <i>Moritz Heimann</i>, Ein Begräbnis im November /
<i>Max Mell</i>, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz /
<i>Oskar Baum</i>, Der Antrag / <i>Willy Speier</i>, Christus in den
Weizenfeldern / <i>Martin Beradt</i>, Der Neurastheniker / <i>Max
Brod</i>, Notwehr / <i>Alfred Wolfenstein</i>, Dika / <i>Hans Janowitz</i>,
-Ein Ausbruch / <i>Hans Janowitz</i>, Szene der Erfüllung /
+Ein Ausbruch / <i>Hans Janowitz</i>, Szene der Erfüllung /
<i>Kurt Tucholsky</i>, Kindertheater / <i>Heinrich Eduard Jacob</i>,
-Fremder Schläfer im Kupee / <i>Robert Walser</i>, Zwei Aufsätze:
+Fremder Schläfer im Kupee / <i>Robert Walser</i>, Zwei Aufsätze:
Rinaldini &mdash; Lenau. LYRISCHES: <i>Franz Blei</i>,
-Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <i>Robert Walser</i>,
+Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <i>Robert Walser</i>,
Handharfe am Tage / <i>Max Brod</i>, Vier Gedichte / <i>Heinrich
Lautensack</i>, Beichte / <i>Otto Pick</i>, Gedichte /
Franz Janowitz, Gedichte.
@@ -1040,16 +1004,16 @@ GEORG HEYM
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:</i> Es ist der bedeutendste
unter den wenigen von unsern jungen Lyrikern,
-die überhaupt heute in Frage kommen. &mdash; Er hat die empfindlichsten
-Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß.
+die überhaupt heute in Frage kommen. &mdash; Er hat die empfindlichsten
+Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß.
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Frankfurter Zeitung:</i> Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft
bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges
-Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
-u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
+Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
+u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
</p>
</div>
@@ -1068,12 +1032,12 @@ deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
<p class="center" style="margin-bottom:0.5em;">Geheftet M 3.&mdash; &bull; Halbpergamentband M 4.&mdash;
</p>
-<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</i> Bei all dem
-ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
-feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
-zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
+<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</i> Bei all dem
+ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
+feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
+zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym,
-dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
</p>
</div>
@@ -1091,9 +1055,9 @@ dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Leipziger Tageblatt:</i> .&nbsp;.&nbsp;. Novellen, in denen auf engstem
Raume alle Qual der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung
-erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung,
+erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung,
Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
-Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
+Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
erscheint.
</p>
</div>
@@ -1105,378 +1069,6 @@ KURT WOLFF VERLAG &bull; LEIPZIG
</div>
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN ***
-
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-redistribution.
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-*** START: FULL LICENSE ***
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-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
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-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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-
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