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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-08 23:35:44 -0800 |
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Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln! + Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender + Herzen! + Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken! + + Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der + irdischen Liebe! + Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns + nahen, + für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des + Todes, + und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres + Geschlechts! + + Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen + und uns. + Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer + Überwindung. + Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren + geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der + Ferne. + Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der + Feinde entzündest du _eine_ Sonne aller Morgen, + und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien. + Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und + der geheimnisvolle Durst aller Welten, + doch immer erneut wälzt sich's her aus kosmischen Höhen. Und doch + wird am Ende Licht sein. + Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie + Bienen, + nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf + den Fluten der Zeiten. + Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug. + Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die + Jahrtausende überblicken, + die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu + Mitte + und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen. + Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von + unseren Schritten erdröhnten, + und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages + bei nächtlichen Fackeln entwarfen! -- + Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange! + Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt + unser Weg zu den Grenzen der Zeit! + O Ewiger! + Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der + Schmerz aller Siege + und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach + mystischer Verzeihung ruft es! + Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht + kleiner! + Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen + Quellen des Lichtes uns rauschen, + denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines + Geheimnisses einzige Formen! + Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse + der im Tode versöhnten Seelen, + und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau + eines neuen Schattens, + in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der + Liebe durchdringen, + die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten, + denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers! + + + + +Die Stadt + + + Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne + hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr, + nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen. + + Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten + Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts + und hervor aus den Toren, + Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern, + Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten, + und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge, + und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und + herrschte: + Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der + Liebenden Küsse, + wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme, + und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen + brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten, + das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern + tauchte. + Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens + erstarb im Pochen zahlloser toter und lebendiger Herzen + und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke + bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich: + deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten, + der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang, + erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen, + und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde + erlauscht + bei meines einsamen Feuers Geprassel. + + + + +Ich bin wie ein Baum in Blüte . . . + + + Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen + und Ruh; + Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein; + in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner + Liebhaber Schuh' + und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte + hinein. + + Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im + Schlummer denk', + will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die + dich locken zum Tanz: + in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk, + und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz. + + Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe, + Ermattens Grabesnacht, + meiner Blicke Tiefe, so seltsam + wie Sternenbilder entfacht, + Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht + wie Blut sich ergießt, + und der Küsse Taumel + böse und süß. + + Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht + breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, + mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt + anzünd' ich das Haus: + Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir, + mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug; + doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus + geheimnisvoller Nacht heran, + in tötlicher Stille auf rauschender Bahn, + ätherischer Falter funkelnder Flug, + die Fackeln umkreisend, entzündet von mir + um der Erde feurigen Bug. + + Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen + Klang, + erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt; + ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der + Wimper, die in Wollust sank, + in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der + Nacht in ihm sich aufschwingt: + denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem + Lachen bang + und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen + Hoffnung der Wiederkehr klingt. + + + + +Motiv aus Beethoven + + + Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren, + vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir + Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren + Goldregen unserer Sterne baden wir. + + Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen, + künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und + die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen + siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund. + + Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten, + silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest, + während in schwarzen Waldeseinsamkeiten + das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt. + + Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen, + kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht + sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen + entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht, + + wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften? + Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt + und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften + in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt? + + Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele, + verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt, + der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle, + und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt? + + Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet, + den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach, + und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet + dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht. + + Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen + milchstraßenwärts hinwehend sich vereint, + und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen, + und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein, + + und zweier nackten Arme gieriges Beginnen, + auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh, + in dein erregt berauschtes Wesen rinnen, + als schlössen sich die matten Sinne zu? + + Kristall der Lampe füllt' ich mit dem Öle meiner Töne, + ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein. + O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne + in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein. + + Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen + Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt, + sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen, + und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt. + + Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer + (Regen von Feuerrosen), wird dir sein, + als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer + und Morgenlieder still wehten zu dir herein. + + + + +Die Natur + + + Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein + Lied zu dieser Musik + an den melancholischen Gestaden. + Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen + Düften + und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten + über den Wassern, + und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner + blumenpflückenden Hand, + zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis, + die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte. + + Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte + die Winde: + Sind dieses nahende oder fliehende Wolken? + Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die + Wasser, + und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere + verlöschend, + erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar: + Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes, + eines noch größeren, größeren Lichtes. + + + + +Wo schon vernahm ich? . . . + + + Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht' + es herein voll Geheimnis + und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich + meiner Blicke. + Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der + Welten + in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich. + + Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit + schwereren Schlägen + und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als + die Stille der Erde: + Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom + schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen, + vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen + Symphonien der Strahlen, + vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in + hundertjähriges Reifen sich stürzen, + vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der + Düfte mystischem Flüstern. + Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze + Riesenorchester, + die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang + unbeendeter Lieder. + Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen! + In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke! + Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die + schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn, + die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen + Abglanz der nördlichen Lichter: + Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den + irdischen Gedanken verlöschen, + und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den + Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln + erwidern! + Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen + als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen! + Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens + Gebote + fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der + ersterbenden Farben. + + O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir + sanken, + erschaut' ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt: + das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen + aufspritzend, + zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht + deiner Gärten tobt' ich mit Blicken. + Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner + Stille, die mich so bekannt dünkt? + Wo schon gewahrt' ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte + Geschmack wohl erkenne? + Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte + und sie erweckte zu diesem Träumen? + Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse + verbrüderter Seelen. + Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich + träumen von der Musik + und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der + Ahnung des Todes. + Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel + nach löschendem Lichte, + durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens + im Schlummer, gefaßt meine Hände + und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe. + Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume + sich durch Gefahren zu tummeln, + und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus + deiner täglichen Lichter Geheimnis, + und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von + einstmals. + + -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- + + Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben + erglänzten vertraut mir die Sterne. + Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille + tönte bekannt, + von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der + Seelen die Knospen der Rosen, + meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat. + + + + +Erde? + + + Es breitet Welt um Welt sich aus, + ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein, + und einer darunter umkreist eine weiße Sonne, + und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein, + und die Seelen jener, die am meisten litten, + in ihn gehen sie ein. + + Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis, + in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin; + die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze + und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin; + und sie, die durch die Jahrtausende sahen, + fragen: Erde? mit heiterem Sinn. + + + + +Mit dem Tode reden die Schläfer . . . + + + Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich + fühlen + und die Liebe Allwissenheit erlangt. + Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber, + mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den + Brüdern entgegnen. + + -- Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere + Städte + sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der + Unendlichkeit, + darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte, + die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere + und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille + und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes, + geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten, + unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier! + Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch + aufspritzt, + das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . . + Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert: + denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit + und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei + Sonnen. + Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben: + zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet + und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht. + Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste + war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome, + die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen. + Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am + Grund sich + im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren. + + Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen + anderer Welten, + aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen + und Jahre hindurch sich seiner erinnern . . . + + Jahrtausende lang harrten wir in deines Geheimnisses Dunkel, + von der Anmut des ewigen Rhythmus in den Schlummer der Ungebornen + gewiegt: + Wie kam's, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen + Nacht drang, + die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne? + + Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur + kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der + Konstellationen fallen + in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte, + des durch die Unendlichkeit sich breitenden! + + Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit, + was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor + uns einst + und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein, + die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden + Zweigen? + Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen + an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts + gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen + wir Krankheit + in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen + strahlender Blässe + und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward + die Wahrheit zur Krankheit. + So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen + Blicken + spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr + Lächeln + wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes + jungfräuliche Weiße. + Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . . + Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche + Reinheit geraubt + und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes: + nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille + und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche + die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer + Seelen. + Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen, + ist an Zeit verschieden für sie und für uns. + Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen + und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele + verstummt, + leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel, + rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden + verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther + aufsteigende Traum + vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken, + wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht. + Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern. + Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung + wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst + und neu sich in Apotheosen erhebt. + + Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer + unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens + hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet. + + Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos + Gewicht, von der Seele erfühlt. + Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte. + Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther + auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln. + + Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze + Falter, + jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit + Luft; + Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den + Resonnanzen, + Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer + Komposition . . . + Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, + welche donnert + aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille + der feuchten Erde, + ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen? + Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel, + der Erde Geschenk in der Welten Symphonie, + Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden, + tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten + im Beben der Schuld sich erhob . . . + Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den + Schlummer, + kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo, + und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor + die Noten der höchsten Töne! + + -- Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen + Lippen im Dunkel + und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten + lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit + im Geheimnis der Erde + wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer + Flammen + reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden + Kräfte. + Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden + schwer und verwuchsen; + wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere + Hände + zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern? + + -- Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter + all ihrer Bläue + liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der + Höhe + und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. + Hundertjährigen Krieg + führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der + Pflanzen + herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit + erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel + brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe + schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen. + Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des + Alls + und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit + krampfhaftem Pulse. + Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: + mit dem Kreuze der Blitze + zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben + verwirrten Brüder + wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter + ins andere. + Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren + in der Lust des Vergessens, + träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten, + die unter Sterbenden erkaltet sind. + + -- Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die + Pforte der ewigen Stadt, + aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende + Fallbrücken herablassen + und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister + ertönt, + das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen + Ewigkeit des Glückes, + hat durch Fluch sich verwandelt: + ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne, + bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den + Sternen + und es naht ihr in immer kleineren Kreisen unser erstarrtes Leben, + um in ihrer Tiefe ins Dunkel zu tauchen. + In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor + Glut: + Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in + gläserne Tränen. + Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu + Stein: + wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen + des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen + Schlag. -- + Stille . . . Wie über toten Körpern + knieten über uns in Gebeten die Seelen, + es steht in den Blicken: + + Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit + dem mystischen Gespann der Sterne + über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des + Höchsten, + vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet. + Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien, + in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren, + wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger + begrüßet, + und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd, + dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung + mit _einem_ Hauch von tausend Türmen verbreitet? + Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne? + Die Räder wirbelten, + wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen, + Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des + heiligen Feuers stammten die + Schläfer. + Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied, + das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte + und in die Scharen hineinsang + und welches anschwillt von Lippe zu Lippe, + bis es alle erfaßt hat, + Millionen Seelen, + in einem einzigen flammenden Rhythmus! + + + + +Die Propheten + + + In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben + zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken + aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet, + und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt + hat, + sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten, + und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen, + und die Sonne ihr Antlitz, wie's den Zeiten vertraut war, + verändert: + kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten, + die deines Königreichs Eroberer sind. + + Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern + lauschen sie deinem heiligen Odem, + der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der + Welten + zu Weißglut entfachet; + in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in + ihren Tiefen, + aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes, + für die zarten Lippen des harrenden Lebens. + Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach, + süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch; + und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit + erschreckt, + hören sie über sich mit den Sternen hoch singen, + unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der + Erde, + der Lichter und Nächte wechselnder Chor! + + Sie reden von dir und von deinem Ruhme, + vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt + und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe + über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert + wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt. + Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde, + Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten; + doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder, + baun ihre Nester ganz tief nah der Erde + wie Nachtigallen! + + Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt + die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die + Wunde sich gießet, + verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke + breitet es Landschaften künftiger Zeiten, + strahlend in neuen Konstellationen. + Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen + des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület + und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt. + Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete + Wintersaat decket, + barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken + zahllose Schar + blutet in tausenden Fußstapfen + bei jeglichem Schritte! + Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten, + wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen + deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke, + der sich in Mitleid wendet zurück, + wird im Erkennen zu Steine erstarren! -- + + Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen: + Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter! + Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel! + Heulen der Menge auf düsteren Bauten, + von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste, + Hinrichtungsstätten! + O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen! + Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung! + Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend! + Wahnsinn _einer_ Seele, auf deren lodernden Wogen + die Erde schaukelt! Leidende Zeiten, Jahrhunderte schwindend, + unsterbliche, + tragend die Schwere jedwedes Sternbilds, + erkennend den eigenen Ruhm! + + Und wenn sie endlich in festlicher Stille + die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke, + welche aussegelten, als entstand diese Welt, + herannahen sehen von trübfernen Küsten, + die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche: + + Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten + und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten, + erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen, + und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen: + der Schmerz der saumseligen Zeit. + Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen, + und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume, + unter den Schnittern. + Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu + fliegen, + tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen + und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne + und mit Polarlicht und dem Brande der Welten + das Antlitz ihrer Liebe! + Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen + Schmerz bot und Räusche + und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt, + durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde, + nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte + vergebens! + + + + + +ARKADIA + +EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST + +HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD + +BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS + +Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.-- + +INHALT: + +DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz +Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus +der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max +Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der +Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_, +Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika / +_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung / +_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer +im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES: +_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_, +Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_, +Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +GEORG HEYM + +_DER EWIGE TAG_ + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter +den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage +kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter +haben muß. + +_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher +Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede +Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben, +Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der +deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. + +_UMBRA VITAE_ + +_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_ + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen, +dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und +Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine +ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg +Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. + +_DER DIEB_ + +_EIN NOVELLENBUCH_ + +Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.-- + +_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual +der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu +Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen +Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt +erscheint. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40317 *** diff --git a/40317-8.txt b/40317-8.txt deleted file mode 100644 index 7f46e5d..0000000 --- a/40317-8.txt +++ /dev/null @@ -1,1294 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Hymnen - -Author: Otokar Brezina - -Translator: Otto Pick - -Release Date: July 24, 2012 [EBook #40317] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -Ottokar Brezina - - -Hymnen - -1913 -Kurt Wolff Verlag · Leipzig - - -Dies Buch wurde gedruckt -im Oktober 1913 als zwölfter -Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei -Poeschel & Trepte in Leipzig - - -Berechtigte Übertragung von Otto Pick - -Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig - - - - -Die Glücklichen - - - Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der - Wälder, - wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes - flüsterten, - ein langer Aufschrei erbebte -- und es neigte sich Durst zu der - Quelle des Blutes. - - Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde. - Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die - Städte - und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, - entstieg den Düften Begier. - Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im - Wahnsinn der Menge - und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich - senkten, - schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser - reineres Träumen. - Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte - erstickten in schmerzlichem Lachen, - unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu - Schatten. - Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert - sind unsere Ruder in ihnen, - die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt - ihre Schwere in den Wellen, - und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen. - - So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze - und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde: - weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden, - duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten. - - O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch - erhobet, - öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen. - Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf - den Lippen: - Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus, - und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es: - Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter, - bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein - Danklied! - Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch - Jahrhunderte nicht unter, - denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf - ewig. - - O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch - erhobet - und durch euer Gebet mit _einem_ Flügelschlag die duftenden Träume - der Erde erreichtet: - aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die - eueres Werkes dort harren, - einatmet ihr tief die stärkenden Düfte. - - - - -Gebet für die Feinde - - - Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde - hinüberfloß, - als unser Antlitz vor Bangen erblaßte, - und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne - durch unsere Bewölktheit. - Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen - und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie - als lieblichen Duft. - Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich - fest in ihrer Tanzlieder Kette, - und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung. - - Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen - und uns. - Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich - anders in ihrer Brust - und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er - unsere Fluren. - Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns - brachten, - das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes - Schweigen. - Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten - Siege der Toten - und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor - Jahrhunderten. - In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen - aus der Tiefe der Seelen, - Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld - erkalteter Blute: - deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen - und uns. - - Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln! - Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender - Herzen! - Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken! - - Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der - irdischen Liebe! - Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns - nahen, - für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des - Todes, - und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres - Geschlechts! - - Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen - und uns. - Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer - Überwindung. - Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren - geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der - Ferne. - Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der - Feinde entzündest du _eine_ Sonne aller Morgen, - und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien. - Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und - der geheimnisvolle Durst aller Welten, - doch immer erneut wälzt sich's her aus kosmischen Höhen. Und doch - wird am Ende Licht sein. - Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie - Bienen, - nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf - den Fluten der Zeiten. - Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug. - Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die - Jahrtausende überblicken, - die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu - Mitte - und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen. - Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von - unseren Schritten erdröhnten, - und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages - bei nächtlichen Fackeln entwarfen! -- - Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange! - Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt - unser Weg zu den Grenzen der Zeit! - O Ewiger! - Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der - Schmerz aller Siege - und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach - mystischer Verzeihung ruft es! - Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht - kleiner! - Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen - Quellen des Lichtes uns rauschen, - denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines - Geheimnisses einzige Formen! - Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse - der im Tode versöhnten Seelen, - und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau - eines neuen Schattens, - in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der - Liebe durchdringen, - die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten, - denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers! - - - - -Die Stadt - - - Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne - hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr, - nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen. - - Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten - Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts - und hervor aus den Toren, - Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern, - Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten, - und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge, - und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und - herrschte: - Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der - Liebenden Küsse, - wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme, - und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen - brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten, - das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern - tauchte. - Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens - erstarb im Pochen zahlloser toter und lebendiger Herzen - und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke - bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich: - deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten, - der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang, - erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen, - und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde - erlauscht - bei meines einsamen Feuers Geprassel. - - - - -Ich bin wie ein Baum in Blüte . . . - - - Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen - und Ruh; - Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein; - in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner - Liebhaber Schuh' - und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte - hinein. - - Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im - Schlummer denk', - will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die - dich locken zum Tanz: - in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk, - und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz. - - Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe, - Ermattens Grabesnacht, - meiner Blicke Tiefe, so seltsam - wie Sternenbilder entfacht, - Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht - wie Blut sich ergießt, - und der Küsse Taumel - böse und süß. - - Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht - breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, - mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt - anzünd' ich das Haus: - Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir, - mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug; - doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus - geheimnisvoller Nacht heran, - in tötlicher Stille auf rauschender Bahn, - ätherischer Falter funkelnder Flug, - die Fackeln umkreisend, entzündet von mir - um der Erde feurigen Bug. - - Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen - Klang, - erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt; - ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der - Wimper, die in Wollust sank, - in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der - Nacht in ihm sich aufschwingt: - denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem - Lachen bang - und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen - Hoffnung der Wiederkehr klingt. - - - - -Motiv aus Beethoven - - - Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren, - vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir - Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren - Goldregen unserer Sterne baden wir. - - Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen, - künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und - die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen - siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund. - - Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten, - silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest, - während in schwarzen Waldeseinsamkeiten - das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt. - - Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen, - kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht - sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen - entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht, - - wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften? - Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt - und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften - in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt? - - Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele, - verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt, - der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle, - und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt? - - Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet, - den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach, - und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet - dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht. - - Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen - milchstraßenwärts hinwehend sich vereint, - und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen, - und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein, - - und zweier nackten Arme gieriges Beginnen, - auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh, - in dein erregt berauschtes Wesen rinnen, - als schlössen sich die matten Sinne zu? - - Kristall der Lampe füllt' ich mit dem Öle meiner Töne, - ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein. - O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne - in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein. - - Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen - Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt, - sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen, - und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt. - - Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer - (Regen von Feuerrosen), wird dir sein, - als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer - und Morgenlieder still wehten zu dir herein. - - - - -Die Natur - - - Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein - Lied zu dieser Musik - an den melancholischen Gestaden. - Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen - Düften - und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten - über den Wassern, - und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner - blumenpflückenden Hand, - zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis, - die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte. - - Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte - die Winde: - Sind dieses nahende oder fliehende Wolken? - Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die - Wasser, - und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere - verlöschend, - erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar: - Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes, - eines noch größeren, größeren Lichtes. - - - - -Wo schon vernahm ich? . . . - - - Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht' - es herein voll Geheimnis - und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich - meiner Blicke. - Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der - Welten - in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich. - - Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit - schwereren Schlägen - und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als - die Stille der Erde: - Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom - schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen, - vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen - Symphonien der Strahlen, - vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in - hundertjähriges Reifen sich stürzen, - vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der - Düfte mystischem Flüstern. - Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze - Riesenorchester, - die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang - unbeendeter Lieder. - Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen! - In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke! - Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die - schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn, - die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen - Abglanz der nördlichen Lichter: - Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den - irdischen Gedanken verlöschen, - und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den - Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln - erwidern! - Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen - als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen! - Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens - Gebote - fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der - ersterbenden Farben. - - O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir - sanken, - erschaut' ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt: - das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen - aufspritzend, - zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht - deiner Gärten tobt' ich mit Blicken. - Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner - Stille, die mich so bekannt dünkt? - Wo schon gewahrt' ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte - Geschmack wohl erkenne? - Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte - und sie erweckte zu diesem Träumen? - Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse - verbrüderter Seelen. - Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich - träumen von der Musik - und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der - Ahnung des Todes. - Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel - nach löschendem Lichte, - durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens - im Schlummer, gefaßt meine Hände - und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe. - Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume - sich durch Gefahren zu tummeln, - und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus - deiner täglichen Lichter Geheimnis, - und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von - einstmals. - - -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- - - Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben - erglänzten vertraut mir die Sterne. - Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille - tönte bekannt, - von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der - Seelen die Knospen der Rosen, - meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat. - - - - -Erde? - - - Es breitet Welt um Welt sich aus, - ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein, - und einer darunter umkreist eine weiße Sonne, - und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein, - und die Seelen jener, die am meisten litten, - in ihn gehen sie ein. - - Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis, - in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin; - die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze - und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin; - und sie, die durch die Jahrtausende sahen, - fragen: Erde? mit heiterem Sinn. - - - - -Mit dem Tode reden die Schläfer . . . - - - Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich - fühlen - und die Liebe Allwissenheit erlangt. - Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber, - mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den - Brüdern entgegnen. - - -- Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere - Städte - sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der - Unendlichkeit, - darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte, - die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere - und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille - und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes, - geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten, - unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier! - Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch - aufspritzt, - das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . . - Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert: - denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit - und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei - Sonnen. - Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben: - zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet - und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht. - Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste - war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome, - die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen. - Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am - Grund sich - im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren. - - Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen - anderer Welten, - aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen - und Jahre hindurch sich seiner erinnern . . . - - Jahrtausende lang harrten wir in deines Geheimnisses Dunkel, - von der Anmut des ewigen Rhythmus in den Schlummer der Ungebornen - gewiegt: - Wie kam's, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen - Nacht drang, - die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne? - - Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur - kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der - Konstellationen fallen - in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte, - des durch die Unendlichkeit sich breitenden! - - Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit, - was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor - uns einst - und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein, - die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden - Zweigen? - Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen - an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts - gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen - wir Krankheit - in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen - strahlender Blässe - und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward - die Wahrheit zur Krankheit. - So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen - Blicken - spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr - Lächeln - wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes - jungfräuliche Weiße. - Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . . - Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche - Reinheit geraubt - und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes: - nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille - und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche - die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer - Seelen. - Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen, - ist an Zeit verschieden für sie und für uns. - Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen - und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele - verstummt, - leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel, - rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden - verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther - aufsteigende Traum - vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken, - wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht. - Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern. - Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung - wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst - und neu sich in Apotheosen erhebt. - - Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer - unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens - hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet. - - Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos - Gewicht, von der Seele erfühlt. - Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte. - Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther - auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln. - - Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze - Falter, - jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit - Luft; - Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den - Resonnanzen, - Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer - Komposition . . . - Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, - welche donnert - aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille - der feuchten Erde, - ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen? - Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel, - der Erde Geschenk in der Welten Symphonie, - Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden, - tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten - im Beben der Schuld sich erhob . . . - Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den - Schlummer, - kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo, - und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor - die Noten der höchsten Töne! - - -- Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen - Lippen im Dunkel - und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten - lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit - im Geheimnis der Erde - wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer - Flammen - reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden - Kräfte. - Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden - schwer und verwuchsen; - wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere - Hände - zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern? - - -- Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter - all ihrer Bläue - liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der - Höhe - und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. - Hundertjährigen Krieg - führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der - Pflanzen - herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit - erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel - brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe - schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen. - Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des - Alls - und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit - krampfhaftem Pulse. - Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: - mit dem Kreuze der Blitze - zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben - verwirrten Brüder - wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter - ins andere. - Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren - in der Lust des Vergessens, - träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten, - die unter Sterbenden erkaltet sind. - - -- Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die - Pforte der ewigen Stadt, - aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende - Fallbrücken herablassen - und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister - ertönt, - das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen - Ewigkeit des Glückes, - hat durch Fluch sich verwandelt: - ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne, - bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den - Sternen - und es naht ihr in immer kleineren Kreisen unser erstarrtes Leben, - um in ihrer Tiefe ins Dunkel zu tauchen. - In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor - Glut: - Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in - gläserne Tränen. - Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu - Stein: - wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen - des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen - Schlag. -- - Stille . . . Wie über toten Körpern - knieten über uns in Gebeten die Seelen, - es steht in den Blicken: - - Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit - dem mystischen Gespann der Sterne - über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des - Höchsten, - vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet. - Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien, - in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren, - wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger - begrüßet, - und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd, - dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung - mit _einem_ Hauch von tausend Türmen verbreitet? - Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne? - Die Räder wirbelten, - wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen, - Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des - heiligen Feuers stammten die - Schläfer. - Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied, - das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte - und in die Scharen hineinsang - und welches anschwillt von Lippe zu Lippe, - bis es alle erfaßt hat, - Millionen Seelen, - in einem einzigen flammenden Rhythmus! - - - - -Die Propheten - - - In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben - zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken - aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet, - und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt - hat, - sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten, - und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen, - und die Sonne ihr Antlitz, wie's den Zeiten vertraut war, - verändert: - kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten, - die deines Königreichs Eroberer sind. - - Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern - lauschen sie deinem heiligen Odem, - der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der - Welten - zu Weißglut entfachet; - in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in - ihren Tiefen, - aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes, - für die zarten Lippen des harrenden Lebens. - Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach, - süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch; - und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit - erschreckt, - hören sie über sich mit den Sternen hoch singen, - unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der - Erde, - der Lichter und Nächte wechselnder Chor! - - Sie reden von dir und von deinem Ruhme, - vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt - und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe - über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert - wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt. - Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde, - Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten; - doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder, - baun ihre Nester ganz tief nah der Erde - wie Nachtigallen! - - Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt - die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die - Wunde sich gießet, - verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke - breitet es Landschaften künftiger Zeiten, - strahlend in neuen Konstellationen. - Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen - des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület - und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt. - Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete - Wintersaat decket, - barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken - zahllose Schar - blutet in tausenden Fußstapfen - bei jeglichem Schritte! - Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten, - wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen - deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke, - der sich in Mitleid wendet zurück, - wird im Erkennen zu Steine erstarren! -- - - Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen: - Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter! - Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel! - Heulen der Menge auf düsteren Bauten, - von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste, - Hinrichtungsstätten! - O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen! - Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung! - Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend! - Wahnsinn _einer_ Seele, auf deren lodernden Wogen - die Erde schaukelt! Leidende Zeiten, Jahrhunderte schwindend, - unsterbliche, - tragend die Schwere jedwedes Sternbilds, - erkennend den eigenen Ruhm! - - Und wenn sie endlich in festlicher Stille - die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke, - welche aussegelten, als entstand diese Welt, - herannahen sehen von trübfernen Küsten, - die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche: - - Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten - und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten, - erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen, - und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen: - der Schmerz der saumseligen Zeit. - Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen, - und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume, - unter den Schnittern. - Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu - fliegen, - tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen - und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne - und mit Polarlicht und dem Brande der Welten - das Antlitz ihrer Liebe! - Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen - Schmerz bot und Räusche - und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt, - durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde, - nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte - vergebens! - - - - - -ARKADIA - -EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST - -HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD - -BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS - -Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.-- - -INHALT: - -DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz -Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus -der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max -Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der -Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_, -Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika / -_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung / -_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer -im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES: -_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_, -Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_, -Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte. - -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - -GEORG HEYM - -_DER EWIGE TAG_ - -Zweite Auflage - -Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- - -_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter -den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage -kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter -haben muß. - -_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher -Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede -Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben, -Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der -deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. - -_UMBRA VITAE_ - -_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_ - -Zweite Auflage - -Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- - -_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen, -dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und -Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine -ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg -Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. - -_DER DIEB_ - -_EIN NOVELLENBUCH_ - -Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.-- - -_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual -der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu -Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen -Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt -erscheint. - -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN *** - -***** This file should be named 40317-8.txt or 40317-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/3/1/40317/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Hymnen - -Author: Otokar Brezina - -Translator: Otto Pick - -Release Date: July 24, 2012 [EBook #40317] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> - +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40317 ***</div> <h1 style="line-height:1.2em; font-weight:normal; margin-bottom:8em;"> <span style="font-size:0.7em; letter-spacing:0.1em;">Ottokar Březina</span><br /> @@ -161,13 +125,13 @@ Produced by Jens Sadowski <p class="center" style="page-break-before:always; line-height:1.5em; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;"> Dies Buch wurde gedruckt<br /> -im Oktober 1913 als zwölfter<br /> -Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei <br /> +im Oktober 1913 als zwölfter<br /> +Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei <br /> Poeschel & Trepte in Leipzig </p> <p class="center" style="font-size:0.8em; letter-spacing:0.2em;"> -Berechtigte Übertragung von Otto Pick<br /> +Berechtigte Übertragung von Otto Pick<br /> <br /> Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig </p> @@ -177,140 +141,140 @@ Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig <h2 class="chapter" id="ch-1"> <a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -Die Glücklichen</h2> +Die Glücklichen</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der Wälder,</p> -<p class="line">wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes flüsterten,</p> +<p class="line">Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der Wälder,</p> +<p class="line">wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes flüsterten,</p> <p class="line">ein langer Aufschrei erbebte — und es neigte sich Durst zu der Quelle des Blutes.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde.</p> -<p class="line">Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die Städte</p> -<p class="line">und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, entstieg den Düften Begier.</p> -<p class="line">Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im Wahnsinn der Menge</p> -<p class="line">und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich senkten,</p> -<p class="line">schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser reineres Träumen.</p> +<p class="line">Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die Städte</p> +<p class="line">und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, entstieg den Düften Begier.</p> +<p class="line">Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im Wahnsinn der Menge</p> +<p class="line">und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich senkten,</p> +<p class="line">schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser reineres Träumen.</p> <p class="line">Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte erstickten in schmerzlichem Lachen,</p> -<p class="line">unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu Schatten.</p> +<p class="line">unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu Schatten.</p> <p class="line">Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert sind unsere Ruder in ihnen, </p> <p class="line"> <a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt ihre Schwere in den Wellen,</p> -<p class="line">und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.</p> +die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt ihre Schwere in den Wellen,</p> +<p class="line">und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze</p> <p class="line">und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde:</p> <p class="line">weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden,</p> -<p class="line">duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.</p> +<p class="line">duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet,</p> -<p class="line">öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.</p> -<p class="line">Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf den Lippen:</p> -<p class="line">Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,</p> -<p class="line">und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:</p> -<p class="line">Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,</p> +<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet,</p> +<p class="line">öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen.</p> +<p class="line">Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf den Lippen:</p> +<p class="line">Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus,</p> +<p class="line">und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es:</p> +<p class="line">Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter,</p> <p class="line">bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein Danklied!</p> -<p class="line">Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch Jahrhunderte nicht unter,</p> +<p class="line">Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch Jahrhunderte nicht unter,</p> <p class="line">denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf ewig.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet +<p class="line">O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet </p> <p class="line"> <a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -und durch euer Gebet mit <span class="em">einem</span> Flügelschlag die duftenden Träume der Erde erreichtet:</p> -<p class="line">aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die eueres Werkes dort harren,</p> -<p class="line">einatmet ihr tief die stärkenden Düfte. +und durch euer Gebet mit <span class="em">einem</span> Flügelschlag die duftenden Träume der Erde erreichtet:</p> +<p class="line">aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die eueres Werkes dort harren,</p> +<p class="line">einatmet ihr tief die stärkenden Düfte. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-2"> <a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -Gebet für die Feinde</h2> +Gebet für die Feinde</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde hinüberfloß,</p> -<p class="line">als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,</p> -<p class="line">und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne durch unsere Bewölktheit.</p> +<p class="line">Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde hinüberfloß,</p> +<p class="line">als unser Antlitz vor Bangen erblaßte,</p> +<p class="line">und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne durch unsere Bewölktheit.</p> <p class="line">Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen</p> <p class="line">und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie als lieblichen Duft.</p> -<p class="line">Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich fest in ihrer Tanzlieder Kette,</p> +<p class="line">Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich fest in ihrer Tanzlieder Kette,</p> <p class="line">und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen und uns.</p> -<p class="line">Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich anders in ihrer Brust</p> +<p class="line">Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich anders in ihrer Brust</p> <p class="line">und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er unsere Fluren.</p> -<p class="line">Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns brachten,</p> +<p class="line">Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns brachten,</p> <p class="line">das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes Schweigen.</p> -<p class="line">Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten Siege der Toten +<p class="line">Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten Siege der Toten </p> <p class="line"> <a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor Jahrhunderten.</p> -<p class="line">In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen aus der Tiefe der Seelen,</p> -<p class="line">Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld erkalteter Blute:</p> +und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor Jahrhunderten.</p> +<p class="line">In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen aus der Tiefe der Seelen,</p> +<p class="line">Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld erkalteter Blute:</p> <p class="line">deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!</p> +<p class="line">Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln!</p> <p class="line">Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender Herzen!</p> -<p class="line">Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!</p> +<p class="line">Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der irdischen Liebe!</p> -<p class="line">Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns nahen,</p> -<p class="line">für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des Todes,</p> -<p class="line">und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres Geschlechts!</p> +<p class="line">Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der irdischen Liebe!</p> +<p class="line">Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns nahen,</p> +<p class="line">für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des Todes,</p> +<p class="line">und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres Geschlechts!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns.</p> -<p class="line">Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer Überwindung. +<p class="line">Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer Überwindung. </p> <p class="line"> <a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der Ferne.</p> -<p class="line">Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der Feinde entzündest du <span class="em">eine</span> Sonne aller Morgen,</p> -<p class="line">und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.</p> +Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der Ferne.</p> +<p class="line">Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der Feinde entzündest du <span class="em">eine</span> Sonne aller Morgen,</p> +<p class="line">und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien.</p> <p class="line">Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und der geheimnisvolle Durst aller Welten,</p> -<p class="line">doch immer erneut wälzt sich’s her aus kosmischen Höhen. Und doch wird am Ende Licht sein.</p> -<p class="line">Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie Bienen,</p> -<p class="line">nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf den Fluten der Zeiten.</p> -<p class="line">Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.</p> -<p class="line">Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die Jahrtausende überblicken,</p> -<p class="line">die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu Mitte</p> -<p class="line">und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.</p> -<p class="line">Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von unseren Schritten erdröhnten,</p> +<p class="line">doch immer erneut wälzt sich’s her aus kosmischen Höhen. Und doch wird am Ende Licht sein.</p> +<p class="line">Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie Bienen,</p> +<p class="line">nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf den Fluten der Zeiten.</p> +<p class="line">Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug.</p> +<p class="line">Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die Jahrtausende überblicken,</p> +<p class="line">die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu Mitte</p> +<p class="line">und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen.</p> +<p class="line">Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von unseren Schritten erdröhnten,</p> <p class="line">und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages </p> <p class="line"> <a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -bei nächtlichen Fackeln entwarfen! —</p> +bei nächtlichen Fackeln entwarfen! —</p> <p class="line">Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange!</p> -<p class="line">Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt unser Weg zu den Grenzen der Zeit!</p> +<p class="line">Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt unser Weg zu den Grenzen der Zeit!</p> <p class="line">O Ewiger!</p> -<p class="line">Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der Schmerz aller Siege</p> -<p class="line">und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach mystischer Verzeihung ruft es!</p> -<p class="line">Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht kleiner!</p> -<p class="line">Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen Quellen des Lichtes uns rauschen,</p> +<p class="line">Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der Schmerz aller Siege</p> +<p class="line">und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach mystischer Verzeihung ruft es!</p> +<p class="line">Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht kleiner!</p> +<p class="line">Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen Quellen des Lichtes uns rauschen,</p> <p class="line">denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines Geheimnisses einzige Formen!</p> -<p class="line">Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse der im Tode versöhnten Seelen,</p> -<p class="line">und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau eines neuen Schattens,</p> +<p class="line">Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse der im Tode versöhnten Seelen,</p> +<p class="line">und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau eines neuen Schattens,</p> <p class="line">in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der Liebe durchdringen,</p> -<p class="line">die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,</p> -<p class="line">denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers! +<p class="line">die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten,</p> +<p class="line">denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers! </p> </div> @@ -320,21 +284,21 @@ Die Stadt</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne</p> -<p class="line">hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,</p> +<p class="line">hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr,</p> <p class="line">nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten</p> -<p class="line">Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts und hervor aus den Toren,</p> -<p class="line">Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,</p> +<p class="line">Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten</p> +<p class="line">Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts und hervor aus den Toren,</p> +<p class="line">Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern,</p> <p class="line">Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten,</p> -<p class="line">und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,</p> +<p class="line">und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge,</p> <p class="line">und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und herrschte:</p> -<p class="line">Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der Liebenden Küsse,</p> -<p class="line">wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,</p> +<p class="line">Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der Liebenden Küsse,</p> +<p class="line">wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme,</p> <p class="line">und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen</p> -<p class="line">brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,</p> +<p class="line">brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten,</p> <p class="line">das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern tauchte. </p> <p class="line"> @@ -344,8 +308,8 @@ Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens</p> <p class="line">und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke</p> <p class="line">bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich:</p> <p class="line">deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten,</p> -<p class="line">der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,</p> -<p class="line">erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,</p> +<p class="line">der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang,</p> +<p class="line">erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen,</p> <p class="line">und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde erlauscht</p> <p class="line">bei meines einsamen Feuers Geprassel. </p> @@ -353,57 +317,57 @@ Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens</p> <h2 class="chapter" id="ch-4"> <a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -Ich bin wie ein Baum in Blüte . . .</h2> +Ich bin wie ein Baum in Blüte . . .</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh;</p> -<p class="line">Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;</p> -<p class="line">in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh’</p> -<p class="line">und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.</p> +<p class="line">Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh;</p> +<p class="line">Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein;</p> +<p class="line">in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh’</p> +<p class="line">und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk’,</p> -<p class="line">will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz:</p> -<p class="line">in Jahrtausenden häuft’ ich Schätze, ein Königsgeschenk,</p> +<p class="line">Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk’,</p> +<p class="line">will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz:</p> +<p class="line">in Jahrtausenden häuft’ ich Schätze, ein Königsgeschenk,</p> <p class="line">und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb’ ich es ganz.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,</p> +<p class="line">Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe,</p> <p class="line">Ermattens Grabesnacht,</p> <p class="line">meiner Blicke Tiefe, so seltsam</p> <p class="line">wie Sternenbilder entfacht,</p> <p class="line">Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht</p> -<p class="line">wie Blut sich ergießt,</p> -<p class="line">und der Küsse Taumel</p> -<p class="line">böse und süß.</p> +<p class="line">wie Blut sich ergießt,</p> +<p class="line">und der Küsse Taumel</p> +<p class="line">böse und süß.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht</p> -<p class="line">breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, +<p class="line">breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, </p> <p class="line"> <a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt</p> -<p class="line">anzünd’ ich das Haus:</p> -<p class="line">Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,</p> -<p class="line">mit Flammen verjag’ ich, den ich lockte, der Vögel Zug;</p> +<p class="line">anzünd’ ich das Haus:</p> +<p class="line">Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir,</p> +<p class="line">mit Flammen verjag’ ich, den ich lockte, der Vögel Zug;</p> <p class="line">doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus geheimnisvoller Nacht heran,</p> -<p class="line">in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,</p> -<p class="line">ätherischer Falter funkelnder Flug,</p> -<p class="line">die Fackeln umkreisend, entzündet von mir</p> +<p class="line">in tötlicher Stille auf rauschender Bahn,</p> +<p class="line">ätherischer Falter funkelnder Flug,</p> +<p class="line">die Fackeln umkreisend, entzündet von mir</p> <p class="line">um der Erde feurigen Bug.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang,</p> +<p class="line">Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang,</p> <p class="line">erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt;</p> -<p class="line">ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank,</p> +<p class="line">ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank,</p> <p class="line">in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der Nacht in ihm sich aufschwingt:</p> <p class="line">denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem Lachen bang</p> -<p class="line">und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen</p> +<p class="line">und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen</p> <p class="line">Hoffnung der Wiederkehr klingt. </p> </div> @@ -415,13 +379,13 @@ Motiv aus Beethoven</h2> <div class="poem"> <p class="line">Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren,</p> <p class="line">vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir</p> -<p class="line">Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren</p> +<p class="line">Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren</p> <p class="line">Goldregen unserer Sterne baden wir.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,</p> -<p class="line">künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und</p> +<p class="line">Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen,</p> +<p class="line">künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und</p> <p class="line">die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen</p> <p class="line">siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund.</p> </div> @@ -429,22 +393,22 @@ Motiv aus Beethoven</h2> <div class="poem"> <p class="line">Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten,</p> <p class="line">silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest,</p> -<p class="line">während in schwarzen Waldeseinsamkeiten</p> -<p class="line">das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.</p> +<p class="line">während in schwarzen Waldeseinsamkeiten</p> +<p class="line">das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,</p> +<p class="line">Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen,</p> <p class="line">kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht</p> <p class="line">sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen</p> -<p class="line">entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,</p> +<p class="line">entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?</p> -<p class="line">Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt</p> -<p class="line">und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften</p> -<p class="line">in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt? +<p class="line">wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften?</p> +<p class="line">Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt</p> +<p class="line">und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften</p> +<p class="line">in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt? </p> </div> @@ -452,44 +416,44 @@ Motiv aus Beethoven</h2> <p class="line"> <a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,</p> -<p class="line">verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,</p> -<p class="line">der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,</p> +<p class="line">verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt,</p> +<p class="line">der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle,</p> <p class="line">und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt?</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,</p> +<p class="line">Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet,</p> <p class="line">den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach,</p> -<p class="line">und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet</p> +<p class="line">und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet</p> <p class="line">dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen</p> -<p class="line">milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,</p> -<p class="line">und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,</p> +<p class="line">Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen</p> +<p class="line">milchstraßenwärts hinwehend sich vereint,</p> +<p class="line">und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen,</p> <p class="line">und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">und zweier nackten Arme gieriges Beginnen,</p> -<p class="line">auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,</p> +<p class="line">auf Alabasterbrüsten, weich zur Ruh,</p> <p class="line">in dein erregt berauschtes Wesen rinnen,</p> -<p class="line">als schlössen sich die matten Sinne zu?</p> +<p class="line">als schlössen sich die matten Sinne zu?</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Kristall der Lampe füllt’ ich mit dem Öle meiner Töne,</p> -<p class="line">ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.</p> +<p class="line">Kristall der Lampe füllt’ ich mit dem Öle meiner Töne,</p> +<p class="line">ich wölbte deine Gruft aus strahlendem Gestein.</p> <p class="line">O komm und auf der Zauberblumen Kissen lehne</p> -<p class="line">in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.</p> +<p class="line">in Falten matten Dufts dein müdes Haupt hinein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen</p> +<p class="line">Hörst meine Glocken du? Komm: ehe dir im kühlen</p> <p class="line">Erwachen sich das Leid aus deiner Seele schwingt,</p> -<p class="line">sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,</p> -<p class="line">und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt. +<p class="line">sollst auf den Lippen du mein süßes Grablied fühlen,</p> +<p class="line">und spüren wie sein Kuß dein Leben aus dir trinkt. </p> </div> @@ -498,7 +462,7 @@ Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele,</p> <a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer</p> <p class="line">(Regen von Feuerrosen), wird dir sein,</p> -<p class="line">als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer</p> +<p class="line">als wärst bei offenem Fenster du im Zimmer</p> <p class="line">und Morgenlieder still wehten zu dir herein. </p> </div> @@ -508,23 +472,23 @@ Und bis dir lohen wird der ewigen Tage Schimmer</p> Die Natur</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein Lied zu dieser Musik</p> +<p class="line">Es tönten melodisch die verborgenen Quellen und mein Tag sang sein Lied zu dieser Musik</p> <p class="line">an den melancholischen Gestaden.</p> -<p class="line">Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen Düften</p> -<p class="line">und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten über den Wassern,</p> -<p class="line">und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner blumenpflückenden Hand,</p> +<p class="line">Die Trauer einstigen Lebens, aus dem ich hervorging, entstieg allen Düften</p> +<p class="line">und dem Flüstern der Bäume und dem schweren Geläut der Insekten über den Wassern,</p> +<p class="line">und ganze Jahrhunderte lagen zwischen ihnen und meiner blumenpflückenden Hand,</p> <p class="line">zwischen meinen Augen und der Welt voll Geheimnis,</p> <p class="line">die mit tausend fragenden Blicken stumm meine Seele durchforschte.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte die Winde:</p> +<p class="line">Gewölk verdunkelte die westliche Sonne. Und meine Seele befragte die Winde:</p> <p class="line">Sind dieses nahende oder fliehende Wolken?</p> -<p class="line">Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die Wasser,</p> -<p class="line">und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere verlöschend,</p> -<p class="line">erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:</p> -<p class="line">Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,</p> -<p class="line">eines noch größeren, größeren Lichtes. +<p class="line">Verstummten die Winde, zu gehorsamen Spiegeln glätteten sich die Wasser,</p> +<p class="line">und die Sterne, wie Brände in den kalten Wogen strahlender Meere verlöschend,</p> +<p class="line">erbrausten und rauschten über mir, unsichtbar:</p> +<p class="line">Es schwindet das Licht nur beim Nahen größeren Lichtes,</p> +<p class="line">eines noch größeren, größeren Lichtes. </p> </div> @@ -533,55 +497,55 @@ Die Natur</h2> Wo schon vernahm ich? . . .</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht’ es herein voll Geheimnis</p> -<p class="line">und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich meiner Blicke.</p> -<p class="line">Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der Welten</p> -<p class="line">in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.</p> +<p class="line">Du erschlossest die Fenster der Nacht, o Erschließender! Da weht’ es herein voll Geheimnis</p> +<p class="line">und riß die Flügel meines stärksten Gedankens mir aus dem Bereich meiner Blicke.</p> +<p class="line">Im Taumel, als würde das ewige Kreisen der Erde in den Wolken der Welten</p> +<p class="line">in der Seele bewußt mir, kam Gefühl des anderen Daseins in mich.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit schwereren Schlägen</p> +<p class="line">Von Erde zu Erde, von Sonne zu Sonne fiel Stille herab mit schwereren Schlägen</p> <p class="line">und neue Stille als Echo entstieg meinen Tiefen, andere Stille als die Stille der Erde:</p> -<p class="line">Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,</p> -<p class="line">vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen Symphonien der Strahlen,</p> -<p class="line">vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in hundertjähriges Reifen sich stürzen,</p> -<p class="line">vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der Düfte mystischem Flüstern.</p> -<p class="line">Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze Riesenorchester,</p> +<p class="line">Sie brauste vom Atemzug Tausender, von hundertjährigen Küssen, vom schwindligen Schweigen längst nicht mehr pochender Herzen,</p> +<p class="line">vom Flug aller toten und künftigen Flügel, von den ewigen Symphonien der Strahlen,</p> +<p class="line">vom melancholischen Läuten der Regen, die, fruchtbar, in hundertjähriges Reifen sich stürzen,</p> +<p class="line">vom Aufschrei in Träumen, die das Morgenlicht fürchten, und von der Düfte mystischem Flüstern.</p> +<p class="line">Sie bebte vom Sturme einstiger Meere in der künftigen Blitze Riesenorchester,</p> <p class="line">die letzten Kadenzen verklungener Lieder verschmolz sie dem Anfang unbeendeter Lieder. </p> <p class="line"> <a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> Stumme Fragen von nimmermehr fragenden Lippen!</p> <p class="line">In den Ekstasen des Todes voll Durst in die Ferne geheftete Blicke!</p> -<p class="line">Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,</p> -<p class="line">die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen Abglanz der nördlichen Lichter:</p> -<p class="line">Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den irdischen Gedanken verlöschen,</p> -<p class="line">und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln erwidern!</p> -<p class="line">Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen</p> -<p class="line">als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!</p> +<p class="line">Dumpfe Stille geheimer Suggestion von Leidenschaften, die schmerzlich reisen zu künftigem Aufblühn,</p> +<p class="line">die Völker führend durch die Mittnacht der Zeiten, in dem blutigen Abglanz der nördlichen Lichter:</p> +<p class="line">Worte gekuppelt aus dem Flackern der Lichter, die fahl in den irdischen Gedanken verlöschen,</p> +<p class="line">und innere Stimmen, die in den Tiefen der Seelen, ungehört, den Jubel der Seelen aller Welten und eines neuen Lenzes Lächeln erwidern!</p> +<p class="line">Rausch aller künftigen Träume, die mit flammenden Regenbogen</p> +<p class="line">als neue Sonnen am Himmel deines unsterblichen Hauches erblühen!</p> <p class="line">Ewiger Wirbel der stummen Blitze, in dem deines heiligen Willens Gebote</p> -<p class="line">fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der ersterbenden Farben.</p> +<p class="line">fliegen vom Geheimnis der unsichtbaren Welt hinüber ins Reich der ersterbenden Farben.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir sanken,</p> +<p class="line">O Ewiger! Jetzt, da machtlos, von Liebe geschwächt die Hände mir sanken,</p> <p class="line">erschaut’ ich mein Leben, von unbekanntem Lichte verwandelt:</p> <p class="line">das blasse Flimmern der Farben, von meiner Fenster eisigen Blumen aufspritzend, </p> <p class="line"> <a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärten tobt’ ich mit Blicken.</p> -<p class="line">Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner Stille, die mich so bekannt dünkt?</p> -<p class="line">Wo schon gewahrt’ ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte Geschmack wohl erkenne?</p> -<p class="line">Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte und sie erweckte zu diesem Träumen?</p> -<p class="line">Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse verbrüderter Seelen.</p> -<p class="line">Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich träumen von der Musik</p> +zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärten tobt’ ich mit Blicken.</p> +<p class="line">Und doch, o mein Vater! wo schon vernahm ich die Stimme deiner Stille, die mich so bekannt dünkt?</p> +<p class="line">Wo schon gewahrt’ ich die Pracht deiner Länder, daß ich ihrer Düfte Geschmack wohl erkenne?</p> +<p class="line">Und den Glanz deines Blicks, der meine Seele in Schlummer versenkte und sie erweckte zu diesem Träumen?</p> +<p class="line">Auf meinen Lippen brennt die Süße deiner Trauben und die Küsse verbrüderter Seelen.</p> +<p class="line">Die Feier deiner Glocken fällt in meine Träume und läßt mich träumen von der Musik</p> <p class="line">und die Morgenzeichen deiner Boten, mir im Traume begegnen sie der Ahnung des Todes.</p> -<p class="line">Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel nach löschendem Lichte,</p> -<p class="line">durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens im Schlummer, gefaßt meine Hände</p> -<p class="line">und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.</p> +<p class="line">Dein süßes Erinnern blieb mir in der Seele, wie duftiges Dunkel nach löschendem Lichte,</p> +<p class="line">durchströmt meine Blutwärme, als hielte geliebt eine Hand, nächtens im Schlummer, gefaßt meine Hände</p> +<p class="line">und ließe im langen innigen Drucke mich träumen von Liebe.</p> <p class="line">Deines mystischen Mondes Mitternacht reizt meinen Sang, im Traume sich durch Gefahren zu tummeln,</p> -<p class="line">und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus deiner täglichen Lichter Geheimnis,</p> +<p class="line">und wie aus nächtlich leuchtenden Steinen atmet mir Schönheit aus deiner täglichen Lichter Geheimnis,</p> <p class="line">und vor Liebe verstummt spricht meine Seele mit ihrer Stimme von einstmals.</p> </div> @@ -590,13 +554,13 @@ zerschmolz, von deinem feurigen Hauche verwaschen und in der Pracht deiner Gärte </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben erglänzten vertraut mir die Sterne. +<p class="line">Die ewige Nacht entschlief in den reifenden Feldern. Von oben erglänzten vertraut mir die Sterne. </p> <p class="line"> <a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille tönte bekannt,</p> -<p class="line">von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der Seelen die Knospen der Rosen,</p> -<p class="line">meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat. +Vom Morgen anhuben zu flüstern die Düfte, die Stimme der Stille tönte bekannt,</p> +<p class="line">von der Sonne träumten die Apfelbäume, von der reinen Begegnung der Seelen die Knospen der Rosen,</p> +<p class="line">meine Seele, glücklich und bang, von der Heimat. </p> </div> @@ -607,17 +571,17 @@ Erde?</h2> <div class="poem"> <p class="line">Es breitet Welt um Welt sich aus,</p> <p class="line">ein Stern am andern, bricht Mitternacht herein,</p> -<p class="line">und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,</p> -<p class="line">und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,</p> +<p class="line">und einer darunter umkreist eine weiße Sonne,</p> +<p class="line">und seinen Flug hüllt Musik geheimnisvoller Freude ein,</p> <p class="line">und die Seelen jener, die am meisten litten,</p> <p class="line">in ihn gehen sie ein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,</p> +<p class="line">Hundert Brüder sagten: Wir kennen sein Geheimnis,</p> <p class="line">in ihm stehn Tote vom Traum auf, Lebende schwinden im Traume dahin;</p> -<p class="line">die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze</p> -<p class="line">und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;</p> +<p class="line">die Liebenden sagten: Die Blicke erblinden vor übermächtigem Glanze</p> +<p class="line">und wie Duft fremder Blumen tötet die Zeit jeden darin;</p> <p class="line">und sie, die durch die Jahrtausende sahen,</p> <p class="line">fragen: Erde? mit heiterem Sinn. </p> @@ -625,45 +589,45 @@ Erde?</h2> <h2 class="chapter" id="ch-9"> <a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -Mit dem Tode reden die Schläfer . . .</h2> +Mit dem Tode reden die Schläfer . . .</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich fühlen</p> +<p class="line">Siehe, die Stunde, in der die Schwerkranken noch schlimmer sich fühlen</p> <p class="line">und die Liebe Allwissenheit erlangt.</p> -<p class="line">Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,</p> -<p class="line">mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den Brüdern entgegnen.</p> +<p class="line">Über alle Meere und Festländer fliegen tausend Stimmen herüber,</p> +<p class="line">mit welchen, wie mit Psalmen eines einzigen Chores, die Brüder den Brüdern entgegnen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">— Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere Städte</p> +<p class="line">— Der Westen verglühte, mit dem Tode reden die Schläfer und unsere Städte</p> <p class="line">sind still schon. Die Erde: ein verlorener Strand im Meer der Unendlichkeit,</p> -<p class="line">darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,</p> +<p class="line">darüber der kalte Azur, Baldachin einer offenen Basaltgrotte,</p> <p class="line">die ausgebrannt ist. Es klagt in ihr nur die Stimme deiner Meere</p> -<p class="line">und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille</p> -<p class="line">und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,</p> +<p class="line">und ihre schäumenden Wellen schlagen her durch die tragische Stille</p> +<p class="line">und funkeln höhnisch durchs Dunkel im Glanze herrlichen Goldes,</p> <p class="line">geschwemmt von den Inseln zahlloser entfernter Welten,</p> <p class="line">unerreichbarer. Und wir deine Gefangenen hier!</p> -<p class="line">Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch aufspritzt,</p> -<p class="line">das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . .</p> -<p class="line">Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert: +<p class="line">Im Sturm, der sich wälzt und unter gefallenen Sonnen hoch aufspritzt,</p> +<p class="line">das Rauschen des Schilfs über blutigen Nestern . . .</p> +<p class="line">Niemand totärmer als wir hat je sich der Zeiten Geheimnis genähert: </p> <p class="line"> <a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit</p> <p class="line">und sein Obst, voll mystischer Kerne, wird bitter durch vielerlei Sonnen.</p> -<p class="line">Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:</p> +<p class="line">Nichts, was sie ihren Kindern verhieß, hat uns die Erde gegeben:</p> <p class="line">zu sehr hat ein Unsichtbarer die Wage unserer Schicksale belastet</p> -<p class="line">und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.</p> -<p class="line">Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste</p> -<p class="line">war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,</p> -<p class="line">die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.</p> +<p class="line">und die Last unserer Tränen schuf nicht das Gleichgewicht.</p> +<p class="line">Inmitten des Reichtums des Lebens, zum Stillen der Dürste</p> +<p class="line">war das strahlende Weiß unserer Beute wie Wolkenphantome,</p> +<p class="line">die täuschend des Wassers Spiegeltiefen durchziehen.</p> <p class="line">Und es verfingen die Netze, gesponnen zur Jagd im Unendlichen, am Grund sich</p> <p class="line">im Aufgeschwemmten von tausenden Jahren.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen anderer Welten,</p> -<p class="line">aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen</p> +<p class="line">Unsere süßesten Tage glichen dem drückenden Traum der Glücklichen anderer Welten,</p> +<p class="line">aus dem sie blaß und mit Zittern erwachen</p> <p class="line">und Jahre hindurch sich seiner erinnern . . .</p> </div> @@ -673,134 +637,134 @@ denn auch der Schmerz reift in Jahrhunderten zur Vollkommenheit</p> </p> <p class="line"> <a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -Wie kam’s, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen Nacht drang,</p> -<p class="line">die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?</p> +Wie kam’s, daß das Licht dieser Erde bis in die Tiefe der ewigen Nacht drang,</p> +<p class="line">die Augen uns öffnend für Tränen und Sonne?</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur</p> -<p class="line">kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der Konstellationen fallen</p> -<p class="line">in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,</p> +<p class="line">Ah, Jahrtausende noch zu schlafen! Mögen die Welten nur</p> +<p class="line">kreisen um feurige Abgründe und gereifte Körner aus den Ähren der Konstellationen fallen</p> +<p class="line">in deines Äthers schwarzen Grund, in deines Schoßes Gefälte,</p> <p class="line">des durch die Unendlichkeit sich breitenden!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und heischt unser Leiden eine geheime Gerechtigkeit,</p> <p class="line">was spricht sie nicht deutlich zu unseren Seelen? Wer wanderte vor uns einst</p> -<p class="line">und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,</p> -<p class="line">die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden Zweigen?</p> -<p class="line">Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen</p> -<p class="line">an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts</p> -<p class="line">gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen wir Krankheit</p> -<p class="line">in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen strahlender Blässe</p> -<p class="line">und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward die Wahrheit zur Krankheit. +<p class="line">und schnitt Zeichen in die Rinden der Bäume deines Urwalds hinein,</p> +<p class="line">die wir nicht verstehen? Und deckte Wolfsgruben mit blühenden Zweigen?</p> +<p class="line">Warum tönen der Propheten Worte wie Halluzinationen</p> +<p class="line">an unser Gehör? Und funkeln uns Bangen im Walddickicht nachts</p> +<p class="line">gleicherweis Sterne und Augen von Phosphor? Krank allzusehr fühlen wir Krankheit</p> +<p class="line">in der Gesichter extatischer Umwandlung, in der Heiligen strahlender Blässe</p> +<p class="line">und in von Helle überströmenden Worten. Und für unseren Tod ward die Wahrheit zur Krankheit. </p> <p class="line"> <a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> So gehen wir, traurig, und das Weib, uns Genossin, mit heimlichen Blicken</p> -<p class="line">spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr Lächeln</p> -<p class="line">wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes jungfräuliche Weiße.</p> -<p class="line">Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . .</p> -<p class="line">Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche Reinheit geraubt</p> -<p class="line">und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:</p> -<p class="line">nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille</p> +<p class="line">spricht sie umsonst uns von der Unsterblichkeit. Umsonst in ihr Lächeln</p> +<p class="line">wie in einen Schleier himmlischer Lichter hüllt sie des Leibes jungfräuliche Weiße.</p> +<p class="line">Vergebens, die Gütige, verheißt sie Vergessen . . .</p> +<p class="line">Die tausendjährige Nacht hat unserm Blicken die brüderliche Reinheit geraubt</p> +<p class="line">und sich gewölbt zwischen dem Tage des Manns und des Weibes:</p> +<p class="line">nach jedem Kusse breitet sie ins Unendliche ihre täuschende Stille</p> <p class="line">und ihre Sternstrahlen sind Blitze, durch welche</p> <p class="line">die Erhabensten sterben. Es begegnen sich nie die Tage unserer Seelen.</p> -<p class="line">Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,</p> -<p class="line">ist an Zeit verschieden für sie und für uns.</p> -<p class="line">Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen</p> +<p class="line">Die Sonne, die wir gleich hoch über uns sehen,</p> +<p class="line">ist an Zeit verschieden für sie und für uns.</p> +<p class="line">Aus Rosengärten klagt der Sklavinnen Weinen</p> <p class="line">und im barbarischen Aufschrei der Kraft ist die Schwesterseele verstummt,</p> <p class="line">leise singend. Unser Umarmen ward wie ein Zeichen ins Dunkel,</p> -<p class="line">rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden</p> -<p class="line">verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther aufsteigende Traum</p> -<p class="line">vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,</p> +<p class="line">rufend den Schmerz. Des Glücks für ewig verlorenes Eden</p> +<p class="line">verschlossen liegt es zwischen uns da. Nur der reinste, zum Äther aufsteigende Traum</p> +<p class="line">vermag von oben in seine strahlenden Gärten zu blicken,</p> <p class="line">wo zweckloser Duft zu den sieben Himmeln emporraucht. </p> <p class="line"> <a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> Und unsere schweifende Freude sucht vergebens die Schwestern.</p> -<p class="line">Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung</p> +<p class="line">Noch donnerte nicht in alle Zeiten der mystische Kuß der Versöhnung</p> <p class="line">wie ein Erdbeben, darin die Erde zerbirst</p> <p class="line">und neu sich in Apotheosen erhebt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer</p> +<p class="line">Doch bis jetzt, rätselvoll wallt sie in verborgenem Feuer</p> <p class="line">unter Orangenhainen. Die gigantischen Formen einstigen Lebens</p> <p class="line">hat sie in steinerner Presse gepackt und sie wartet.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos Gewicht, von der Seele erfühlt.</p> -<p class="line">Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.</p> -<p class="line">Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther</p> -<p class="line">auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.</p> +<p class="line">Und des Körpers letztes Geheimnis ist der Schmerz, des Kosmos Gewicht, von der Seele erfühlt.</p> +<p class="line">Er wälzt sich durch alle Blutquellen, durch tausend tötliche Düfte.</p> +<p class="line">Er treibt alle Mühlen des Lebens und zart wie der Äther</p> +<p class="line">auch die Windmühlen des Traums auf den höchsten Gipfeln.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze Falter,</p> -<p class="line">jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit Luft;</p> +<p class="line">Es zittern Schattenhände auf den Tasten, leicht wie schwarze Falter,</p> +<p class="line">jeder unserer Atemzüge füllt das geheimnisvolle Instrument mit Luft;</p> <p class="line">Akkorde wirbeln im Wahnsinn, hundert Seelen klagen in den Resonnanzen,</p> <p class="line">Tag und Nacht wie Seiten eines Blattes wechseln im Buche mystischer Komposition . . . </p> <p class="line"> <a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, welche donnert</p> -<p class="line">aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille der feuchten Erde,</p> -<p class="line">ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?</p> -<p class="line">Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,</p> +Was bedeutet das Flüstern der Küsse in dieser tragischen Musik, welche donnert</p> +<p class="line">aus der Stille unzähliger Empfängnisse im Mutterleib in die Stille der feuchten Erde,</p> +<p class="line">ewig erneut und doch voll tausendjähriger Reminiszenzen?</p> +<p class="line">Im Stöhnen der Winde, Wälder, Gewässer steigt sie zum Himmel,</p> <p class="line">der Erde Geschenk in der Welten Symphonie,</p> -<p class="line">Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,</p> -<p class="line">tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten</p> +<p class="line">Lärm der Kämpfe mit unsichtbaren Feinden,</p> +<p class="line">tausendfältig verklingender Schrei, der in entschwundenen Zeiten</p> <p class="line">im Beben der Schuld sich erhob . . .</p> <p class="line">Sieh, die Augen, jahrhundertelang vergebens ersehnend den Schlummer,</p> -<p class="line">kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,</p> -<p class="line">und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor</p> -<p class="line">die Noten der höchsten Töne!</p> +<p class="line">kaum geschlossen öffnen sich wieder bei ihrem klagenden Echo,</p> +<p class="line">und den Tiefen unserer Tage und Nächte entlodern wie Phosphor</p> +<p class="line">die Noten der höchsten Töne!</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">— Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen Lippen im Dunkel</p> -<p class="line">und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten</p> -<p class="line">lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit im Geheimnis der Erde</p> +<p class="line">— Alles ist voll Durst. Und es suchen uns ständig die trockenen Lippen im Dunkel</p> +<p class="line">und schlürfen gierig von unserem Blute. Und unserm Ermatten</p> +<p class="line">lächeln die Lenze mit um so feurigern Blüten. Bitter ist die Arbeit im Geheimnis der Erde</p> <p class="line">wie die Arbeit von Sklaven im Bergwerk. Und das Licht unserer Flammen </p> <p class="line"> <a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden Kräfte.</p> -<p class="line">Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden schwer und verwuchsen;</p> -<p class="line">wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere Hände</p> -<p class="line">zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?</p> +reizt im dröhnenden Hauche der Tiefen die im Dunkeln webenden Kräfte.</p> +<p class="line">Die Garben unserer Ernten wurden feucht in den Stürmen, wurden schwer und verwuchsen;</p> +<p class="line">wie heben wir sie auf, sie den Brüdern zu reichen, wenn unsere Hände</p> +<p class="line">zerfetzt von der Mühe hundertjährigen Ackerns erzittern?</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">— Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter all ihrer Bläue</p> -<p class="line">liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der Höhe</p> -<p class="line">und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. Hundertjährigen Krieg</p> -<p class="line">führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der Pflanzen</p> +<p class="line">— Sieh, die Seelen Tausender erschlossen sich endlich und hinter all ihrer Bläue</p> +<p class="line">liegt ein Abgrund. Wir wissen, Fluch fiel auf Alles. Die Vögel der Höhe</p> +<p class="line">und was kreucht auf der Erde beben vor den Stärkeren. Hundertjährigen Krieg</p> +<p class="line">führen die Völker der Insekten. Auch in der reinsten Welt der Pflanzen</p> <p class="line">herrscht Kampf und Verwelken, drin die duftige mondhafte Zartheit</p> -<p class="line">erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel</p> +<p class="line">erliegt dem Anprall barbarischer Stärke. In des Kampfes Getümmel</p> <p class="line">brodelt das Leben voll Glut und auf seinem Dampfe</p> -<p class="line">schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.</p> -<p class="line">Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des Alls</p> -<p class="line">und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit krampfhaftem Pulse. +<p class="line">schaukelt unsre Hoffnung: wir leben vom Schmerze unzähliger Wesen.</p> +<p class="line">Unser Blut, scheint es, entströmt einer geheimnisvollen Wunde des Alls</p> +<p class="line">und ist geflossen in unseren Körper und wirbelt darin mit krampfhaftem Pulse. </p> <p class="line"> <a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: mit dem Kreuze der Blitze</p> -<p class="line">zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben verwirrten Brüder</p> -<p class="line">wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter ins andere.</p> -<p class="line">Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren</p> +<p class="line">zerteilt sie die Wahrheit. Aufgelöste Massen unserer vom Leben verwirrten Brüder</p> +<p class="line">wälzen sich über alle Wege unseres Gedankens von einem Zeitalter ins andere.</p> +<p class="line">Und ähnlich den Wahnsinnigen, die auf ihre Phantome starren</p> <p class="line">in der Lust des Vergessens,</p> -<p class="line">träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,</p> +<p class="line">träumen von neuen Schreien der Wonne wir in Betten,</p> <p class="line">die unter Sterbenden erkaltet sind.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">— Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die Pforte der ewigen Stadt,</p> -<p class="line">aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende Fallbrücken herablassen</p> -<p class="line">und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister ertönt,</p> -<p class="line">das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen Ewigkeit des Glückes,</p> +<p class="line">— Und der Westen, der in fernen Jahrhunderten sich wölbte wie die Pforte der ewigen Stadt,</p> +<p class="line">aus der die Engel über des Todes schwarze Abgründe strahlende Fallbrücken herablassen</p> +<p class="line">und wo aus Tiefen weißen Lichtes das Hosianna der seligen Geister ertönt,</p> +<p class="line">das Firmament über dem Schmerze der Erde gewölbt aus der reglosen Ewigkeit des Glückes,</p> <p class="line">hat durch Fluch sich verwandelt:</p> <p class="line">ein Blutwirbel ist die versinkende Sonne,</p> <p class="line">bis zum Zenith spritzt sie ihren erkaltenden Schaum nach den Sternen</p> @@ -810,38 +774,38 @@ Umsonst lassen wir unsere Lichter im Gewitter in die Nacht lohn: mit dem Kreuze <p class="line"> <a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> In die flammende Gehenna sahen unsere Augen und erblindeten vor Glut:</p> -<p class="line">Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in gläserne Tränen.</p> -<p class="line">Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu Stein:</p> -<p class="line">wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen</p> -<p class="line">des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen Schlag. —</p> -<p class="line">Stille . . . Wie über toten Körpern</p> -<p class="line">knieten über uns in Gebeten die Seelen,</p> +<p class="line">Spiegel, gestürzt in die schwellende Esse, und zerflossen in gläserne Tränen.</p> +<p class="line">Gespenstiges Lachen kam aus dem Dunkel und unser Gehör wurde zu Stein:</p> +<p class="line">wie in einem verkalkten Schneckenhaus hören wir gleichartig brausen</p> +<p class="line">des Meeres tückische Wellen und der Engelsschwingen rhythmischen Schlag. —</p> +<p class="line">Stille . . . Wie über toten Körpern</p> +<p class="line">knieten über uns in Gebeten die Seelen,</p> <p class="line">es steht in den Blicken:</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit dem mystischen Gespann der Sterne</p> -<p class="line">über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des Höchsten,</p> +<p class="line">Die Zeit durchflog die Höhen, im Sturm des Ruhms und des Todes, mit dem mystischen Gespann der Sterne</p> +<p class="line">über die Kreuzwege der Unendlichkeit, der Triumphwagen des Höchsten,</p> <p class="line">vom leuchtenden Sturmwind der Sieger geleitet.</p> <p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt, donnernd durch die Harmonien,</p> <p class="line">in der sich die Schreie von Millionen seufzender Seelen verlieren,</p> -<p class="line">wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger begrüßet,</p> -<p class="line">und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,</p> +<p class="line">wie stiller fruchtbarer Regenfall in der Musik, die den Sieger begrüßet,</p> +<p class="line">und die Zyklone des Schreckens und Todes, das Weltall erschütternd,</p> <p class="line">dem Wind gleichen, der der Festglocken Einladung </p> <p class="line"> <a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p> -<p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?</p> -<p class="line">Die Räder wirbelten,</p> -<p class="line">wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,</p> +mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p> +<p class="line">Wohin fliegt diese Fahrt? Wo hält sie einst inne?</p> +<p class="line">Die Räder wirbelten,</p> +<p class="line">wie Sonnen strahlten die geheimnisvollen Achsen in weißen Flammen,</p> <p class="line">Wolken von Funken bedeckten die Inseln der Seelen und vom Korn des heiligen Feuers stammten die</p> -<p class="line">Schläfer.</p> -<p class="line">Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,</p> -<p class="line">das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte</p> +<p class="line">Schläfer.</p> +<p class="line">Es erstanden leuchtende Heere von Äonen zu Äonen wie ein Lied,</p> +<p class="line">das der Erste auffing aus dem göttlichen Worte</p> <p class="line">und in die Scharen hineinsang</p> <p class="line">und welches anschwillt von Lippe zu Lippe,</p> -<p class="line">bis es alle erfaßt hat,</p> +<p class="line">bis es alle erfaßt hat,</p> <p class="line">Millionen Seelen,</p> <p class="line">in einem einzigen flammenden Rhythmus! </p> @@ -852,82 +816,82 @@ mit <span class="em">einem</span> Hauch von tausend Türmen verbreitet?</p> Die Propheten</h2> <div class="poem"> -<p class="line">In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben</p> -<p class="line">zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken</p> -<p class="line">aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,</p> -<p class="line">und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt hat,</p> -<p class="line">sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,</p> +<p class="line">In die Städte, deren Türme und Paläste einmal ein Erdbeben</p> +<p class="line">zerrütteln wird, bis die seltsam gestalteten Wolken</p> +<p class="line">aufstöhnen vor Zorn, von den Blitzen der eigenen Tiefen verwundet,</p> +<p class="line">und das Feuer, das in tausend verborgenen Höhlen vom Ruhme geträumt hat,</p> +<p class="line">sich rührt, zu rächen den ewig Eingekerkerten,</p> <p class="line">und mit all seinen Stimmen aufschreit deinen Namen,</p> -<p class="line">und die Sonne ihr Antlitz, wie’s den Zeiten vertraut war, verändert:</p> +<p class="line">und die Sonne ihr Antlitz, wie’s den Zeiten vertraut war, verändert:</p> <p class="line">kommen sie, unbemerkt, deine Gesandten,</p> -<p class="line">die deines Königreichs Eroberer sind.</p> +<p class="line">die deines Königreichs Eroberer sind.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern</p> +<p class="line">Umringt von Musik und tanzenden Mädchen und Liedern</p> <p class="line">lauschen sie deinem heiligen Odem,</p> -<p class="line">der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der Welten</p> -<p class="line">zu Weißglut entfachet;</p> +<p class="line">der den Sterblichen auslöscht die Lichter, doch die Brände der Welten</p> +<p class="line">zu Weißglut entfachet;</p> <p class="line">in welchem die Blumen regungslos bleiben, wenn er dahinbraust in ihren Tiefen,</p> <p class="line">aber der uralte Felsen zerschmettert wie Brocken duftenden Brotes,</p> -<p class="line">für die zarten Lippen des harrenden Lebens.</p> +<p class="line">für die zarten Lippen des harrenden Lebens.</p> <p class="line">Ihre Stimme, vom Sturmwind der Zeiten entbunden, weht ihnen nach, </p> <p class="line"> <a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;</p> +süß wie der Duft hinter Einem mit Rosen, bitter wie Fackelrauch;</p> <p class="line">und die eigenen heimlichsten Gedanken, von Allwissenheit erschreckt,</p> -<p class="line">hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,</p> +<p class="line">hören sie über sich mit den Sternen hoch singen,</p> <p class="line">unter sich schweigen mit Feuer und Geheimnis in den Tiefen der Erde,</p> -<p class="line">der Lichter und Nächte wechselnder Chor!</p> +<p class="line">der Lichter und Nächte wechselnder Chor!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Sie reden von dir und von deinem Ruhme,</p> <p class="line">vom Fluch, der auf der Seelen Bruderschaft liegt</p> <p class="line">und die Sprache der Bauenden gespaltet hat; und es irrt ihre Liebe</p> -<p class="line">über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert</p> -<p class="line">wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.</p> -<p class="line">Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,</p> -<p class="line">Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;</p> -<p class="line">doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,</p> +<p class="line">über den Ländern von Jahrhundert zu Jahrhundert</p> +<p class="line">wie der Sommer aus Siedlungen, wohin Sonne ewig steil fällt.</p> +<p class="line">Neues Obst gedeiht auf den Bäumen der Erde,</p> +<p class="line">Ableger aus ihren geheimnisvollen Gärten;</p> +<p class="line">doch ihre Hoffnungen, fähig so hoher Flüge und Lieder,</p> <p class="line">baun ihre Nester ganz tief nah der Erde</p> <p class="line">wie Nachtigallen!</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und nahet die ihnen bestimmte Stunde, dann verdunkelt</p> -<p class="line">die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die Wunde sich gießet,</p> +<p class="line">die Sonne ihnen die tote Welt; und wie aus des Liebenden Herzen die Wunde sich gießet,</p> <p class="line">verwandelt das Licht sich ihnen in Blut; und vor ihrem Blicke</p> -<p class="line">breitet es Landschaften künftiger Zeiten, +<p class="line">breitet es Landschaften künftiger Zeiten, </p> <p class="line"> <a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> strahlend in neuen Konstellationen.</p> <p class="line">Dein Hauch treibt Millionen vor ihnen her wie Wellen</p> -<p class="line">des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület</p> +<p class="line">des ewigen Meers, das in breiten Buchten die Erde umspület</p> <p class="line">und durch Jahrtausende ihr Festland verwandelt.</p> -<p class="line">Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete Wintersaat decket,</p> -<p class="line">barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken zahllose Schar</p> -<p class="line">blutet in tausenden Fußstapfen</p> +<p class="line">Durch den Schnee, mit dem der Zeiten Geheimnis die von dir gesäete Wintersaat decket,</p> +<p class="line">barfuß, wie Vertriebene, gehn sie einher und ihrer Gedanken zahllose Schar</p> +<p class="line">blutet in tausenden Fußstapfen</p> <p class="line">bei jeglichem Schritte!</p> -<p class="line">Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,</p> +<p class="line">Stürmen werden sie über die brennenden Städte künftiger Zeiten,</p> <p class="line">wie auf feurigem Teppich, gedeckt auf den Stufen</p> <p class="line">deiner heiligen Hoheit! Und ihr jeder Gedanke,</p> -<p class="line">der sich in Mitleid wendet zurück,</p> +<p class="line">der sich in Mitleid wendet zurück,</p> <p class="line">wird im Erkennen zu Steine erstarren! —</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:</p> +<p class="line">Und immer neue hundertjährige Wolken erdonnern vor ihnen:</p> <p class="line">Blitze, totfahl bestreichend das Antlitz der Schnitter!</p> -<p class="line">Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!</p> -<p class="line">Heulen der Menge auf düsteren Bauten,</p> -<p class="line">von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,</p> -<p class="line">Hinrichtungsstätten!</p> +<p class="line">Schwerer Zusammenprall kühner Schiffe im Nebel!</p> +<p class="line">Heulen der Menge auf düsteren Bauten,</p> +<p class="line">von Blute starrend ihr schwarzes Gerüste,</p> +<p class="line">Hinrichtungsstätten!</p> <p class="line">O Lieder der Leidenschaft, entsteigend den Flammen!</p> -<p class="line">Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!</p> -<p class="line">Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend! +<p class="line">Blicke künftig Leidender, Magie ihrer Berührung!</p> +<p class="line">Küsse, neue Ewigkeit Lichts und der Trauer erschließend! </p> <p class="line"> <a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> @@ -940,34 +904,34 @@ Wahnsinn <span class="em">einer</span> Seele, auf deren lodernden Wogen</p> <div class="poem"> <p class="line">Und wenn sie endlich in festlicher Stille</p> -<p class="line">die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,</p> +<p class="line">die Spitzen der Flotten künftiger Geschicke,</p> <p class="line">welche aussegelten, als entstand diese Welt,</p> -<p class="line">herannahen sehen von trübfernen Küsten,</p> -<p class="line">die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:</p> +<p class="line">herannahen sehen von trübfernen Küsten,</p> +<p class="line">die Ruder verdeckt noch von der Höhlung der Fläche:</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Da schreit ihre Freude stark auf und von Gluten</p> <p class="line">und Ungeduld voll! Und sie, die die Wollust noch nicht erkannten,</p> <p class="line">erwachen zur Wollust aus dem was sie sehen,</p> -<p class="line">und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:</p> +<p class="line">und Schmerz, einzig wert ihrer Kraft, verschließt ihre Seelen:</p> <p class="line">der Schmerz der saumseligen Zeit.</p> <p class="line">Zu langsam kreist ihnen die Erde, zu langsam kommen die Morgen,</p> -<p class="line">und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,</p> +<p class="line">und allzu lang weilen die Mittage in den Schatten der Bäume,</p> <p class="line">unter den Schnittern.</p> -<p class="line">Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu fliegen,</p> +<p class="line">Sie wünschen sich durch die Jahrtausende mit des Windes Schnelle zu fliegen,</p> <p class="line">tausend Herzen zu haben, um mit ihrem Blut ihre Ekstasen zu stillen </p> <p class="line"> <a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne</p> +und mit einer Röte wie der Aufgang der Sonne</p> <p class="line">und mit Polarlicht und dem Brande der Welten</p> <p class="line">das Antlitz ihrer Liebe!</p> <p class="line">Alle Seelen mit Wein aufzuheitern, der ihnen so festlichen</p> -<p class="line">Schmerz bot und Räusche</p> -<p class="line">und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,</p> -<p class="line">durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,</p> -<p class="line">nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte</p> +<p class="line">Schmerz bot und Räusche</p> +<p class="line">und der aus einer verborgenen Quelle emporschießt,</p> +<p class="line">durchduftend das Weltall aus der glücklichen Erde,</p> +<p class="line">nur ihren Kindern noch für Jahrhunderte</p> <p class="line">vergebens!</p> </div> @@ -984,7 +948,7 @@ ARKADIA <p class="center" style="font-size:1.2em; letter-spacing:0.3em;"> EIN JAHRBUCH<br /> -FÜR DICHTKUNST +FÜR DICHTKUNST </p> <p class="center" style="font-size:1em;"> @@ -1000,18 +964,18 @@ BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS <p class="noindent" style="font-size:0.8em;"> DRAMATISCHES: <i>Robert Walser</i>, Tobold / <i>Franz -Werfel</i>, Das Opfer / <i>Franz Blei</i>, Der Mäcen. EPISCHES: +Werfel</i>, Das Opfer / <i>Franz Blei</i>, Der Mäcen. EPISCHES: <i>Franz Kafka</i>, Das Urteil / <i>Otto Stoessl</i>, Aus der Villa Obweger -/ <i>Moritz Heimann</i>, Ein Begräbnis im November / +/ <i>Moritz Heimann</i>, Ein Begräbnis im November / <i>Max Mell</i>, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / <i>Oskar Baum</i>, Der Antrag / <i>Willy Speier</i>, Christus in den Weizenfeldern / <i>Martin Beradt</i>, Der Neurastheniker / <i>Max Brod</i>, Notwehr / <i>Alfred Wolfenstein</i>, Dika / <i>Hans Janowitz</i>, -Ein Ausbruch / <i>Hans Janowitz</i>, Szene der Erfüllung / +Ein Ausbruch / <i>Hans Janowitz</i>, Szene der Erfüllung / <i>Kurt Tucholsky</i>, Kindertheater / <i>Heinrich Eduard Jacob</i>, -Fremder Schläfer im Kupee / <i>Robert Walser</i>, Zwei Aufsätze: +Fremder Schläfer im Kupee / <i>Robert Walser</i>, Zwei Aufsätze: Rinaldini — Lenau. LYRISCHES: <i>Franz Blei</i>, -Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <i>Robert Walser</i>, +Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <i>Robert Walser</i>, Handharfe am Tage / <i>Max Brod</i>, Vier Gedichte / <i>Heinrich Lautensack</i>, Beichte / <i>Otto Pick</i>, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte. @@ -1040,16 +1004,16 @@ GEORG HEYM <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:</i> Es ist der bedeutendste unter den wenigen von unsern jungen Lyrikern, -die überhaupt heute in Frage kommen. — Er hat die empfindlichsten -Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß. +die überhaupt heute in Frage kommen. — Er hat die empfindlichsten +Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß. </p> <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Frankfurter Zeitung:</i> Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges -Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit -u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken +Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit +u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der -deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. +deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. </p> </div> @@ -1068,12 +1032,12 @@ deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. <p class="center" style="margin-bottom:0.5em;">Geheftet M 3.— • Halbpergamentband M 4.— </p> -<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</i> Bei all dem -ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den -feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, -zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit +<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</i> Bei all dem +ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den +feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, +zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym, -dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. +dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. </p> </div> @@ -1091,9 +1055,9 @@ dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><i>Leipziger Tageblatt:</i> . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung -erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung, +erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen -Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt +Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt erscheint. </p> </div> @@ -1105,378 +1069,6 @@ KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG </div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Hymnen, by Otokar Brezina - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HYMNEN *** - -***** This file should be named 40317-h.htm or 40317-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/3/1/40317/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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