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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-08 23:40:39 -0800 |
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Darf ich denn wieder + Mein längst verbotnes Herz auskramen? + Du Freundliche, in deinem Namen! + Ich lege Wehr und Würde nieder. + + Darf ich die keusche Kindersage + In dein geneigtes Ohr dir flüstern? + Ich rette Gold aus dem Verdüstern. + Da nimm die Lilien früher Tage! + + + + +Der Ort + + + Einst -- Kindheit, Fieber oder Traum, + Ich wachte kaum, ich dachte kaum -- + Lag eine Wiese da. + Der Wald wuchs dunkel hinter ihr, + Ein unbeschreitbares Revier, + Wo Angst und Tod geschah. + + Die Wiese hielt mich eingefaßt, + Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast, + Wie ruhig schlug mein Blut. + Auch nicht in meiner Mutter Schoß + Hab ich so groß, so grenzenlos, + So ungekränkt geruht. + + Der Himmel flog, ein blauer Rauch, + Von Licht durchatmet, jeder Strauch + Vom Atem eingewiegt, + Der schön und selig, ein Gefühl, + Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl + Zu Gottes Gipfel stieg. + + Ich war ein Schein in allem Schein, + Der widerschien -- ich strahlte rein + Und freute mich darin. + Ich, Himmel, Sonne hingen wir + Und flogen wir und gingen wir + Herüber und dahin. + + Man muß nicht Wege suchen, sie + Verführen und sie führen nie + Zu dem entzückten Ort. + Ich weiß, ich war -- und weiß jetzt kaum, + Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum -- + Einmal geladen dort. + + + + +Der kranke Knabe + + + Ich trag den Schmerz nicht, + Weil ich nicht kann. + Was willst du, Mutter? + Sieh mich nicht an! + + Ich mag dich nicht, Mutter, + Weil du nichts weißt, + Nicht wegstreicheln kannst, + Was den Kopf mir zerreißt. + + Nicht wegnehmen kannst + Mit der großen Hand + Von der Stirn das Feuer -- + Sie ist innen verbrannt! + + Wie arg es ist, Mutter! + Sieh mir nicht zu + Und hab mich nicht lieb -- + Nein, Mutter, gib Ruh! + + + + +Der Gut-Wetter-Wind + + + Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun, + Was er lieben müßte, wenn ers verstünde. + Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn, + Aber dennoch hilft er so manchem Kinde. + + Farbige Schleifen hat er zu drehn + Um Holzstäbe, welche die Kinder halten. + Kein braver Wind sollte weiter wehn, + Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten. + + Papierdrachen aber müssen den Wind + Überlisten, bekämpfen -- Triumph des Schwebens! + Da freilich erleidet so manches Kind + Die Niederlage himmlischen Strebens. + + Ob das auch kümmert jeden Wind? + Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen, + Um Wolken zu treiben, welche sind + Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen. + + + + +Schulstunde + + + Wenn so an einem Wintermorgen + Im Schulzimmer die Lampen brannten, + Die Seele dämmerte geborgen, + Das Lineal legte Sekanten + + Durch meines Zirkels gute Kreise, + Und man bewies etwas an ihnen, + Der Herr Professor schien sehr weise, + Die Schüler machten brave Mienen: + + Dann war es so weltabgewandt, + Das Paradies des Objektiven. + Sogar der Lehrer saß gebannt, + Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen. + + Das war ein freies Nichtstun -- wie + Ewig dem Katalog entronnen. + Der Lampen milde Apathie + Nährte der Faulheit süße Wonnen, + + Indes die Träume, die sonst gerne + Schmerzhaft im Herzen suchen gingen, + Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne, + Verschmolzen mit der Lampen Singen. + + + + +Vanitas + + + Geweint hat schon das Kind, + Verlassen in der Leere + Der Tage, die unfruchtbar sind. + Bald trug ich diese Schwere! + + Nachts schrie ich nach dem Traum, + In wacher Not verloren, + Im wüstenweiten Raum. + Und jede Stunde totgeboren! + + Ich biß ins Bett, die Finsternis + Mit Fäusten schlagend, + Tobender Neuling -- ich zerriß + Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend. + + Wer hat uns Leben aufgedrungen, + Es ewig zu begehren? + Wenn nur nicht diese Dämmerungen, + Die hoffnungslosen Morgenröten wären! + + + + +Heilige Gruppe + + + Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt -- + Wie sanft kann seine harte Hand betreuen --, + Das Enkelkind, das blonde Locken neigt, + Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen. + + Beide versunken in ein schlichtes Dienen, + Beide vor Eifer fromm und zag, + Indes ein schöner Wochentag + Verklärend spielt auf ihren Mienen. + + Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis, + Kann jeder blonde Knabe Wunder sein. + Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein + Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß. + + + + +Der schlafende Knabe + + + Mein jüngerer Bruder, du schläfst, + Du träumst. + Leis halt ich deine Hand + Und sinne deinen träumenden Wünschen nach. + + Du Ungeduldiger! + Hast du noch nie ein Roß gedemütigt? + Ergab sich nie in deinen Armen + Zur Liebe eines Weibes Haß? + Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre, + Wo sind sie? + Und die Vezire, die zu Sklaven werden? + + Ah, wo verbirgt sich jene Stunde, + Die ganz besiegte, + Da du nach keiner neuen mehr begehrst? + + Ich sehe deine Nüstern zucken + Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn. + Die Hand in meiner Hand wird muskelhart. + + Du unerprobter Kämpfer! + Sieger im Traum! + + + + +Gebet + + + Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich? + Genügt es, daß ich wieder Beter werde? + Erleichterst du mir dann den Druck der Erde, + Der mir so selten von der Seele wich? + + Ich bin dein treues Kind von Anbeginn + Und habe dich dereinst so gut verstanden. + Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden, + Dir immer nach und wußte nicht, wohin. + + Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht, + Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen? + Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen, + Und über meinem Scheitel wächst die Nacht. + + Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt, + Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen! + Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen, + Schon atme ich mit halberstickter Brust. + + Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht? + Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten? + Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten + Und wehrlos als dein Opfer dargebracht? + + Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist, + Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen. + Und halte fest an meinem Kindersehnen + Und zehre noch an einer Gnadenfrist. + + O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier! + Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte! + Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte! + Ich habe grenzenlose Angst vor dir! + + + + +Vorfrühling + + + Ein Himmel, der nicht weiß, + Ob er strahlen mag. + Erschauernd weht der Tag -- + Und leis + Verwirrt er jeden Herzensschlag. + + + + +Einsiedler + + + Mir gehört der große Garten nicht, + Der sich weit ins Land hineinverflicht. + Mir gehört nur ein geborgnes Stück, + Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück. + + Wo herunter wie durch einen Schacht + Sterne nach mir zielen manche Nacht, + Und an schönem Tag ein wenig Blau + Lächelt meiner unverwandten Schau. + + Doch durch diese Enge steigt und steigt + Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt, + Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet, + Nie sich eine Antwort niedertastet. + + + + +Die Freude + + + Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut, + Kein hitziger Zufall -- denn mein dummes Blut + Muß erst die Freude lernen. + Mühselig lern ich tun, wie Freude tut. + + Weit besser kann ich schon die Traurigkeit. + Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid + Und wie ein Meister spielend. + Leid war bei mir in aller Lebenszeit. + + Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt, + Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt, + Stolz wie ein Kind, + Das immerfort drei falsche Töne singt. + + + + +Die Nähe + + + Ich wage nicht Heimat zu sagen + Zu Tälern, in die meine Einsamkeit + Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid, + Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen. + Und wenn ich im Wald zu horchen begann, + Hielt ich immer beschämt den Atem an. + + Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe, + Die so lieblich ist und sich selbst so treu. + Die Berge waren längst, ich aber bin neu, + Sie haben ihren Ort, ich aber gehe + Und suche, weiß nicht einmal wen? + Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn! + + + + +Vor dem Einschlafen + + +(nach schönen Tagen) + + Bin wie voll von einem guten Schlafe, + Weil die Tage schön gewesen sind. + Und ich könnte beten wie das brave + Kind, das abends sich auf Gott besinnt. + + Eine milde Lampe wollt ich haben, + Die hell bleiben dürfte diese Nacht. + Wollte mich in einem Bette laben, + Mir von milder Hand zurecht gemacht. + + Alles wohlgetan, und ich entkleide + Mit den Kleidern mich von aller Welt, + Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide + Länger drückt und angebunden hält. + + + + +In der Nacht + + + Ich tauche aus dem Schlaf hervor. + Wohin sich alles nur verlor? + + Und über mir ein Traum zerrinnt. + Ich taste, wo die Welt beginnt. + + Da plötzlich weiß ichs wie ein Leid: + Daß ich zurückblieb in der Zeit. + + + + +Die Stadt + + + Ein böses Werk betreiben diese Tage + Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn. + All mein um Menschen Werben, das ich wage, + Es endet wie gehässiges Tun. + + Und alles Herz, das mir die Menschen reichten, + War übervoll mit Gift betaut. + Ich nenne dich die Hölle der Verseuchten, + Stadt ohne Seele aufgebaut. + + Könnt ich entlaufen! Einen Acker haben, + Den nichts als Himmel überhängt. + Und dort nach meinem Herzen graben, + Das sich so tief hinabgesenkt. + + + + +Pferderennen + + + Still zieht mein Blick mit diesem Rudel Reiter + In grüner Ferne: das geschlossen dicht, + Wie spielend hinläuft, dort im Bogen weiter, + Dann näher kreist, nun in die Nähe bricht. + + Da kommen sie, über den Mähnen liegend, + Sich, Mann und Tier, hinwerfend durch die Zeit, + Noch alle wollend, und noch keiner siegend -- + Und plötzlich weiß mein Herz die Schnelligkeit. + + Und jetzt: ein braunes mit befreitem Sprunge + Durchdringt das Rudel -- ungehemmt davon! + Es hat den Sieg im übersichern Schwunge + Und trägt ihn weit vor allen schon. + + Das Rudel ist entwirrt -- ein Zweiter, + Ein Dritter reißt sich vom verstrickten Feld. + Im Fluge horcht zurück der erste Reiter, + Der schon sein Tier mit leichten Händen hält. + + + + +Szene + + +(Sonntagabend in der Großstadt) + + Ein mächtiger Greis in glänzendem Zylinder + Trat plötzlich vor die Leute, Weiber, Kinder. + Betrunken baumelt er mit einem Stock, + Dran hängt Marie in blütenweißem Rock, + Die schlanke Himmelskönigin aus Flußpapier, + Die Wänglein süß wie Milch und Blut auch hier. + Die Leute lachen sehr: »Er kommt aus Mariazell, + Dort weht es heilig und die Luft ist hell. + Am Weg zum Altar stehn viel Schenken offen, + Da hat der gute Alte sich besoffen.« + Der Alte lächelt heimlich und verschwiegen, + Hat er doch Berg und Täler überstiegen. + Und immer neue dumme Neider kamen + Und höhnten laut -- er aber sagte: Amen. + + + + +Einsam + + + Wenn der Tag zuende gebrannt ist, + Ist es schwer nachhause zu gehn, + Wo viermal die starre Wand ist + Und die leeren Stühle stehn. + + Besser ists, mit den Verirrten + Laut vereint zum Weine finden. + Elend läßt sich mit Gift bewirten, + Und ein Blinder führt einen Blinden. + + Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten, + Aber du wirst mich um Geld erhören. + Und wir eilen mit ungleichen Schritten, + Um uns tiefer noch zu zerstören. + + Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende + Durch die leeren Pausen zu gehn + Und einsam der Tageswende + In die erlöschenden Augen zu sehn! + + + + +Begegnung + + + Als nachts um eins ein leiser Regen fiel, + Da traf ich in der Straße eine Kranke + Hintaumelnd, eine irre Dulderin, + Die, tastend nach dem letzten Ziel, + Wie ein verlöschender Gedanke + Schon in den Tod zu starren schien. + + Und wie gerufen trat ich ihr ganz nah, + So daß ich jetzt ihr leeres Auge sah. + + Da mußt ich sie mit einem Worte grüßen + Und sah sie schwanken auf den lahmen Füßen + Und sah sie lächeln schwer und kalt. + »Der Regen«, lallte sie, »wird sich beeilen, + Ich aber habe noch zwei böse Meilen.« + Wir nahmen Abschied ohne Aufenthalt. + + + + +Bauernpferde + + + Ich sehe oft die Bauernpferde, + Die nachts durch die Straßen zum Markte gehn. + + Wenn sie angelangt sind und wartend stehn + Wie roh geformte Klumpen Erde, + Da ruht das Dunkel so schwer auf ihnen. + Aber wenn sie noch gehn und wandern, + Ihre Wagen führen, eins nach dem andern, + Sind sie so stark in ihrem Dienen. + + Wie manches allein geht, sorglos, fest, + Bedächtig ziehend an den Strängen, + Und seinen Kutscher schlafen läßt, + Während die Zügel unnütz hängen; + Und treulich ausmißt jeden Meter + Seines Wegs und auf der Hut ist, + Wie ein breiter Mann, der rauh und gut ist, + Und Xaver heißt oder Franz oder Peter. + + + + +Die Schlafende + + + Wenn ich ins Zimmer der Schwester gehe, + Oft, in mancher ruhigen Nacht, + Horchend an ihrem Bette stehe, + Leise, damit sie nicht erwacht, + + Mich beuge über das Gottvertrauen + Ihres beschatteten Gesichts: + Dann fühle ich mit schwerem Grauen + Im Dunkel warten den Tod, das Nichts. + + Ihres Ruhens liebe Gelassenheit + Gleicht dem noch kindlichen Spiel ihrer Seele, + Aber ich weiß, daß die Verlassenheit + Sie bald bedrohen wird an der Kehle. + + Mich beugend über ihr Weltvertrauen, + Lauschend sanftem Atemzug, + Fühl ich mit immer tieferem Grauen: + Wie wird sie verwinden den großen Betrug, + + Die schweren, die leeren, die zehrenden Stunden, + Ohnmacht, Ekel, Sinnlosigkeit + Und Verrat -- die heillosen Wunden, + Geschlagen vom schweren Schwert der Zeit. + + Und daß sie Weib ist, ihrer Schwachheit + Lebensbürde und Liebesnot? + Wie ist ihr Schlummer von aller Wachheit + Unrettbaren Gefahren bedroht! + + Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken, + Brutal, ob sie auch hart erwacht, + Ich möchte selbst sie grausam wecken + Und mit ihr wachen den Rest der Nacht. + + + + +Der Selbstmord + + + Das Gäßchen bog sich jäh und endete. + Ein Widerschein, der plötzlich blendete: + Das Meer an meine Schritte grenzte, + Das hier getrübte, dort beglänzte. + Wie ein ganz tiefer Atemzug + Hob es sich hin und kannte kein Genug -- + Muß einen Schritt nur weitergehn: + Da nimmt es mich so, wie ich bin, + Öffnet sich still und nimmt mich hin, + Zieht mich hinein in die Gezeiten, + Mischt mich erledigend in sein Vergleiten, + Wie eine mütterlichste Mutter, die ihr Kind + Zurück ins Nichts, ins All gewinnt. + + + + +Ein Kuß + + + Eine Hure, die zur Nacht ich fand, + Beugte sich herab zu meiner Hand, + Als ich durch die leere Straße ging, + Eine Hure, die sich an mich hing, + Nahm die Hand, die ihr nicht geben wollte + Und sie wegstieß und ihr grollte, + Beugte plötzlich sich, das arme Tier, + Hat geküßt die Hand im Handschuh mir. + Nicht um zu besänftigen meinen Willen, + Nein, die sonderbarste Gier zu stillen. + Nicht mehr bettelnd, schon hinweggewandt, + Schon entlaufend meiner fremden Hand. + + Und da fühlte ichs wie einen Stich + In der tiefen Brust -- das war nicht ich, + Den sie küßte, irrend und verwaist, + Nicht das Ich, das einen Namen heißt, + Sondern sie, die Namenlose, mich, + Einen Namenlosen, der jetzt glich + Allen Männern, die sie quälten, + Arme Seele küßte den Beseelten, + Küßte ungelohnt und ungestillt -- + Menschenkind küßt Gottes Ebenbild. + + O, nie war ein Kuß wie dieser Kuß, + Den ich allen weitergeben muß. + + + + +Der Morgen + + + Ich hing am Kreuz der Nacht und stöhnte schwer, + Mein Herz war matt und hoffnungsleer + Und Stirn und Gaumen ausgebrannt. + + Da legt der Morgen seine Hand + Kühl, blaß und scheu + Mir über die versengte Stirn, + Und wie das Dunkel schwindet vom Gehirn, + Atme ich neu -- + + Und trinke weißes Licht und weiße Gnade + Und sinke losgelöst und sanft befreit + Auf das sich klärende Gestade, + Zu neuem Tage neu bereit. + + + + +Der Heller + + + Geld ist Staub in meiner Hand, + Den ich unbedacht vergeude. + Aber groß war meine Freude, + Als ich einen Heller fand. + + Hatte alles ausgegeben, + Hunger mir am Marke fraß, + Und ich sah entnervt in das + Mitleidlose Großstadtleben. + + Alle Taschen gut verschlossen, + Alle Seelen zugeknöpft. + Ich begriff, daß man geköpft + Werden kann um einen Groschen. + + Ich begriff, daß sich ein toller + Kerl an wem vergreifen kann. + Dieser Ohnmacht Wut und Bann -- + Nichts auf Erden grauenvoller! + + O, wie muß der Arme hassen! + Fenster, die den geilen Duft + Dich Lebendigen in der Gruft + Wie zum Hohne ahnen lassen. + + Lächelnde, kokette Frauen + Zeigen an dem Straßenkleid + Alle üppige Kostbarkeit, + Während dir die Sinne flauen. + + Unbekümmert rollen Wagen, + Ohne dich zu kennen, hin, + Die zum Schmaus, zur Buhlerin + Oder ins Theater tragen. + + Ich blieb stehn und ich lief schneller, + Starrte an und blickte weg. + Plötzlich lag vor mir im Dreck + Ein verlorner alter Heller. + + Und mir wars, als ich mich bückte, + Wie ein Gruß des neuen Tags. + Und mein Herz ging bessern Schlags, + Als ich in der Hand ihn drückte. + + Diesen Heller, der mir lachte, + Wertlos zwar, und doch ganz mein, + Ein Geschenk, das mir der Stein + Wie in lieber Absicht brachte. + + Wie um mir die Nichtigkeit + Und des Zufalls Wurf zu zeigen. + Mensch, sei frech, mach dir zu eigen! + Dieser Griff hat mich befreit. + + + + +Die Heimkehrende + + + Alida, sagt ich ihr, ich habe dich + Sogleich erkannt -- wo hast du nur gezaudert + Die viele Zeit? -- Nun aber labe dich, + Hier Wein! Kühl deinen Mund, bevor er plaudert. + + Wo irren deine Augen? Nimm das Haar + Fort aus der Stirn! -- Nein, keine Frage! + Verjage endlich diese Schar + Mir fremder Tage! + + Erwache mir! -- Sei da! + Die ruhelosen Hände, + Vielleicht vergäßen sie, was ohne mich geschah, + Wenn erst mein Frieden zu dir fände. + + + + +Verfinsterung + + + Und während dieser Nordwind blies + Und unsre Stadt zum Norden machte, + Die letzte Sonne uns verließ + Und jeder Wunsch zu sterben dachte, + + Und viel zu früh die Nacht begann, + Sehr anders als die andern Nächte, + Wie eine Nacht, die dauern kann, + Solange wer zu warten dächte, + + Da stand ich auf dem alten Platz + Und sah die alte Kirche dauern + Und geizig Zeit wie einen Schatz + Anhäufen hinter ihren Mauern, + + Und sah in dieser alten Stadt + Die Leute, die mir Greise schienen, + (Wie jedes Antlitz Falten hat, + Erstarrtes Nein in seinen Mienen,) + + Und fühlte mich hier stehn und stehn + Und wurzeln wie der Dom, der graue, + Und konnte gar nicht mehr verstehn, + Daß wer noch neue Häuser baue. + + Ob nicht die junge Frau, auf die + Ich warten wollte, wann nur? Heute? + Selbst alt geworden war und nie + Ein Weib mehr einen Mann erfreute! + + Wie ist das sinnlos, hier zu stehn, + Als ob die Zeit ein Ende nähme, + Und zu erwarten irgendwen, + Zu glauben, daß er wirklich käme. + + + + +Spaziergang in der Nacht + + + Kühle, klare Nacht! + Welch ein kühnes Schreiten + Ist in mir erwacht -- + Führt aus engen Zeiten + Hoch mich in die weiten + Aufgeschlossnen Räume dieser Nacht. + + Daß ich heimlos bin, + Was ich sonst beklage, + Was ich her und hin + Durch die niedern Tage + Keuchend, schleppend trage -- + Heute fühl ich es mit neuem Sinn. + + Wie der Schritt erfreut, + Wie ein Landweg! Wiesen + Sind die Plätze heut, + Und man geht in diesen + Straßen wie auf Kiesen, + Wie in Gärten, die der Mond betreut. + + Löst sich nicht auch hier + Manche reine Quelle? + Offen liegt vor mir + All die fremde Schwelle. + Ist nicht ringsum helle + Heimat und befreundetes Revier! + + + + +Die Unerbittlichkeit + + + Als ich die Unerbittlichkeit verstand, + Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fuß + Und ohne Muskel lahmte meine Hand, + Schweiß auf der Stirn, des Todes kalter Gruß. + + Und das Herz selbst tat so erbärmlich weh + Vor lauter Gottverlassenheit. + Da sagte ich zu mir: »Mensch! Jetzt gesteh! + Jetzt wärest du zu jedem Schluß bereit.« + + Jetzt, wo ich sanft in meinem Elend bin, + Weil aller Trotz wie Hauch in Lüften schwand, + Jetzt werft mich zu den Pestverseuchten hin + Und laßt allein verwelken diese Hand. + + + + +Einem edlen Jüngling + + + Du wirst wie wir alle am Zügel + Gängig werden, + Im Zotteltrab, ohne Flügel, + Gehn mit den Herden. + + Du wirst mit dir verkehren + Karg und gewöhnlich, + Und ohne prinzliche Ehren, + Weltversöhnlich. + + Du wirst deine Tage tragen + Ganz wie wir alle, + Mit Arbeit, mit Behagen, + Mit Herz und Galle. + + Du wirst dich ärgern lernen + Und dich bescheiden, + Unter geduldigen Sternen + Menschlicher leiden. + + + + +Liebe + + + Dunkle Erdenwege, die der lichten, + Leichten Gefühle Schatten sind! + Liebe als Licht aus der Sonne rinnt + Und verfängt sich an kalten, dichten + + Menschenleibern und Menschenseelen, + Und umwirbt sie, verklärt sie, vergöttert sie, + Und verdirbt sie, zerstört sie, zerschmettert sie -- + Menschen, die sich küssen, sich quälen. + + + + +Die Spielende + + + Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stören, + Ich halte den Atem an und schau dir zu, + Spiele nur, Sorglose du, + Ich will mich nicht empören, + Wenn plötzlich mein Leben in deiner Hand + Ein wenig zu sterben beginnt -- ich halte Stand, + Ich Spielzeug -- + + Weiß ich auch mit meinem kalten, ohnmächtigen Wissen, + Daß dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar, + Und fühl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr: + Es werde dir nicht entrissen, + Was du mit leichter Sicherheit dir gewonnen hast, Kind, + Wie grausam auch deine Finger sind, + Spiele -- + + Denn du lächelst, Sorglose, aus dir lächelt ein Schimmer + Des lieben, so unwirklichen, blinden + Lebens, das ich nicht finden, + Nicht sein, nicht haben kann -- was auch immer + Jetzt in mir stirbt und sei es noch so reich, + Ich halte den Atem an und fühle bleich, + Daß du schön bist -- + + + + +Ein Brief + + + Geliebter, deine Kühle + Weht aus der Ferne her. + Geliebter, und ich fühle, + Du liebst nicht mehr. + + Geliebter, und die Züge + Deines Angesichts + Zerfließen, eine Lüge, + In ein Nichts. + + Und ob ich mich auch quäle, + Ich weiß deinen Mund nicht mehr. + Geliebter, meine Seele + Wird wieder leer. + + + + +Abschied + + + Abschied ist Tod. Das weiß ein jedes Kind + Und läßt die Mutter aus dem Haus nicht fort. + Jemand reist ab. Mein Herz fühlt Meuchelmord. + So viele weiche Wärme mir entrinnt, + + Daß ich wie ein Verblutender verbleiche. + Mir ist sehr kalt, ich friere tief -- adieu! + Und alles Bleibende tut grausam weh, + Wie aufgerissene, verletzte Herzensweiche. + + Soll ich nachhause gehen, die Papiere + Am Schreibtisch ordnen, einen Stundenplan + Entwerfen, weitertun, mein Ziel bejahn? + Und überwinden, daß ich dich verliere? + + + + +Auch du + + + Auch du bist schon geprüft, auch dir ist eingegraben + Die Rune Welt, die wirre Hieroglyphe. + Du hast gelitten bis zur Tiefe, + Gekostet von den Honigwaben. + + Du hast besessen und du warst zu eigen, + Geküßt hast du das Band, dich freigequält. + Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schält, + Das süß und bittre Wort, die Kunst zu schweigen. + + Das alles war, wie mir, auch dir beschieden. + Jetzt aber sind wir beide neu gewandet, + Gestrandet und an seliger Bucht gelandet -- + Und es ist wieder schön hienieden! + + + + +Schnee + + + Schnee war gestern plötzlich da -- auf allen + Trüben Straßen, hell wie Unschuld, weiß, + Weich und wärmend, aus der Luft gefallen. + Und wir gingen -- enger ward der Kreis, + + Der uns heimlich aneinanderhält -- + Mit gedämpftem Schritt, gedämpfter Seele, + Unverhofftes Lachen in der Kehle, + Durch des Schneefalls kindlich neue Welt. + + Wir, die jetzt so ernste Frage quält, + Wurden schmiegsam, atemleicht, gelinder, + Lachten furchtlos, schneefroh, beinah Kinder -- + O wie hat die kleine Freude uns gefehlt! + + + + +Bitte an die Geliebte + + + Laß uns wissend sein! Wir haben gelernt, + Was Menschen nähert, was entfernt. + Wir sind gealtert am Lächeln-Müssen, + Gestorben an erzwungenen Küssen. + + Wieder auferstanden an befreiten + Heißen Unwillkürlichkeiten. + Gesundet an einem Atemzug, + Der ungehemmt hinübertrug. + + Laß uns Horcher sein auf das Sich-Regen + Im dunklen Du! Nur nicht entgegen + Dem Eigensinn der Einsamkeiten! + Nur mit dem Kind in uns nicht streiten! + + + + +Ihr Freunde + + + Ihr Freunde, große Liebe + War euch von mir geweiht. + Ich ward zum Diebe + An eurer Freundlichkeit. + + Mein Herz in Händen bringend, + Ein maßloses Geschenk, + So kam ich Freundschaft zwingend. + Was wart ihr eng! + + Euch wie die Mörder hassen + Lehrtet ihr mich zum Dank, + Vergiftet und verlassen, + Nach Sanftmut krank. + + Mit allem meinem Gute + Warft ihr dem Weib mich zu. + An der ich blüh und blute, + Sei gnädig du! + + + + +Unschuld + + + O die Unschuld des Genusses, + Wenn ich dich genieße, + Nimmermüde deines Kusses + Und der Atemsüße. + + Jede Nacht bringt neue Spiele, + Spielglück ohne Ende. + Unsre Lippen wissen viele + Und die guten Hände. + + Immer zarter, immer schöner, + Seit uns Lust verschönte. + Ich dein glücklicher Verwöhner, + Glücklich die Verwöhnte. + + + + +Die Insel + + + Sprich nicht von dieser Insel, wo wir uns trafen + In unsern Nächten. + Das Blut rauscht rings um sie. + Und keine Zeit geschah, Uranfang, Ende. + Was wir sonst sind, vergessen und verscheucht. + Nur diese Spiele, grausam wie Dämonen, + Marter nach einem Glück, das anders + Beseligt als das Brot, der Trunk, + Die sonst die Lippen sättigen. + Nein, ungesättigt + Tobten wir, + Bis schwer die Wimpern und die Lider schwer, + Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blüte, + Der Tod kalt an die Stirnen tastend, + Das Innre ausgehöhlt, ein leeres Haus + Mit ausgehobnen Fenstern, ohne Dach. + Oh, das Korallenrot der Lippen + War mit rötrem Rot betaut + Von unsrer Zähne Mordgier. + Heilandsmale + Auf diesen kühlen Händen, die gefiebert + Im Suchen nach Entspannung, die nicht kam. + Nein, Ekel kam, der Würger, + Vom goldenen Tor der Lust uns scheuchend, + Daß wir wie Schatten flohn. + In unsern Adern + Ebbte die Lust zurück, zum dunklen Schacht. + Und nur ein Duft von ihr + Blieb dem Verschmachten. + Wie Irre hatten wir am harten Schloß gerüttelt, + Die Gnade aufzusprengen. + Aber nun, mit entnervten Knien, + Müd wie Gerichtete, + Schlichen wir einen bangen Weg zurück. + + Und doch, du Köstliche, war nichts als Zärtlichkeit + In meinem grausam Sein. + Doch kniete ich huldigend + Den Marterberg empor, + Um nur den heißen süßen Hauch + Zu pflücken, wenn die Lippe dir erblaßt. + Um dir im Weh + Die bebende Melodik zu entlocken. + Um deinem Unbewußtsein nah zu sein, + Als könnt ich fast bis an den Tod gelangen, + Wo wir ganz nah sind. + Und doch war mir, du Köstliche, + Daß wir die Lust, Verschmachtende, verschmähten, + Ein bessres noch als Glück, ein tieferes + An-Wurzeln-Zerren, sie zu lockern, du! + Mir sind sie heilig + Diese Feste + Der Qual -- + Wenn wir auch fürchterlich erwachen. + Sprich nie von dieser Insel, + Die nur wir, + Nur wenn wir Dämon sind, in uns betreten, + Das Blut rauscht rings um sie. + Was wir dort leben, + Hat keinerlei Bezug mit andrem Leben, + Nicht einmal unser Denken rühre dran + Und kein Erinnern. + Kein Name, + Der sonst gebraucht wird, + Wage sie zu nennen, + Kein kleines und kein großes Wort. + Nur Reue + Ist tief genug, hinabzutauchen, + Nur Angst so mächtig, um sie zu entdecken. + Sie, die verschollen ist, + Die dunkel-schöne, + Vom Blut geborgene. + Bis wieder wir, + Ganz unvermutet + Vom Dämon hingetragen, + An ihr Ufer stranden. + Du, Köstliche, + Erst dann schön wie ein Gift, + Und ich, der Trinker, + Giftbereit. + + + + +Für die Nacht + + + Gebet für dich: daß deine Wange + Sich möge weich ins Kissen schmiegen, + Und durch die bange Nacht, die lange, + Dein Atem sanft dich wiegen, wiegen. + + Es halte dich dein warmes Leben + In seine milde Kraft verschlossen. + Erwachst du, seis, als ob du eben + Im Traum das Seligste genossen. + + Und wieder wirst du dann die Wange + Dort, wo sie lag, ins Kissen schmiegen. + Und wieder mag dein Atem lange + Dich flüsternd wiegen, wiegen, wiegen. + + + + +Der Berg + + + Wir gingen, meine zarte Frau und ich, + Den sichern Weg der großen Serpentine, + Die frech an dem gewaltigen Berg sich hochschwingt, + Mit seiner fürchterlichen Schichtung spielend. + + Vorbei an greisen Felsenköpfen, + Gepreßten Klötzen, bösen Zacken + Und grimmigen Kronen. + + Wo Wasser, Stein-Blut, aussickert, + Eisiges Blut. + Wo jeder Samen lautlos seufzend umkommt. + + Wo hoch über allen Sommern + Schnee sich anhäuft, + Zu hell für Augen, die ans Tal gewöhnt sind + Und an die vielen Farben alle. + Schneeflug auf Schneeflug, Schneekorn dicht an Schneekorn. + + Wo ein Schweigen tönt, + All unsere Musik, die hurtig plaudernde, + Mit frierender Monotonie belächelnd -- + Als wäre ein Jahrtausend hier ein Takt. + + Und wir auf unsrer sichern Serpentine, + »Spürst du es,« sagte ich, + »Wie nahe wir jetzt einem _Großen_ sind!« + Die Frau lächelte + Zum Berge hin. + + Da nahm der Berg mit einem wüsten Griff + Mir meine zarte Frau, + Riß sie mir weg und schwang sie, schwang sie, + Hoch, höher, hoch beim höchsten Schnee -- + Und wollte sie fallen lassen, + Sie über Steine tanzen lassen, stürzen lassen + Rasenden Wurfs in eine Todesschlucht kopfunter. + + Ganz leise schrie sie: »Ach!«, + Ganz ohne Kraft. + + Und ich, wahnsinnig, + Umschlang sie jetzt mit beiden Armen, + Allen Wunsch + In meine beiden Arme pressend. + + Und küßte der Ohnmächtigen, der Geretteten, + Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nüster stand. + + + + +Gloria + + + O süßes Leben, du bist mein! + In deinem reinsten Licht zu sein, + Ihr Blut die Helden gaben, + Die sich geopfert haben. + + Es starb für dich der treue Christ, + Dir jedes Lied erklungen ist. + Soll ich nicht hoffen, glauben? + Kein Schicksal wird mirs rauben. + + Wohl war ich in der Mutter Lust, + Um ihren Schmerz hab ich gewußt. + Vom Lieben und vom Leiden + Mag ich mich nimmer scheiden. + + Gegeben in die ewige Huld, + Gebunden durch die ewige Schuld, + Den ewigen Tod zu Füßen: + Will ich mein Leben grüßen. + + + + + + +Inhaltsverzeichnis + + +Widmung 5 +Der Ort 6 +Der kranke Knabe 8 +Der Gut-Wetter-Wind 9 +Schulstunde 10 +Vanitas 11 +Heilige Gruppe 12 +Der schlafende Knabe 13 +Gebet 14 +Vorfrühling 16 +Einsiedler 17 +Die Freude 18 +Die Nähe 19 +Vor dem Einschlafen 20 +In der Nacht 21 +Die Stadt 22 +Pferderennen 23 +Szene 24 +Einsam 25 +Begegnung 26 +Bauernpferde 27 +Die Schlafende 28 +Der Selbstmord 30 +Ein Kuß 31 +Der Morgen 32 +Der Heller 33 +Die Heimkehrende 35 +Verfinsterung 36 +Spaziergang in der Nacht 38 +Die Unerbittlichkeit 39 +Einem edlen Jüngling 40 +Liebe 41 +Die Spielende 42 +Ein Brief 43 +Abschied 44 +Auch du 45 +Schnee 46 +Bitte an die Geliebte 47 +Ihr Freunde 48 +Unschuld 49 +Die Insel 50 +Für die Nacht 53 +Der Berg 54 +Gloria 56 + + + + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG +(FRÜHER ERNST ROWOHLT VERLAG) + + +WALTER HASENCLEVER + +DER JÜNGLING + +Geheftet Mark 2.50 Gebunden Mark 3.50 + +_Richard Dehmel:_ Nehmen Sie meinen besten Glückwunsch zu Ihrem Buch. Was +mich vor allem fesselte, ist die Lebenskunst, die aus Ihrer Dichtkunst +spricht. Gerade heute entstehen wenig Bücher, die in hohem Sinne +epikureisch sind. Ich glaube, Ihr »Jüngling« kann auch reifen Männern eine +lächelnde Anleitung geben, das Schicksal als eine Angelegenheit geistigen +Genusses aufzufassen; ich wünsche Ihnen solche männliche Leser! + +_Deutsche Montagszeitung:_ Eine neue Gesellschaftsdichtung im Sinne +Beethoven-Schillers und der IX. Symphonie. + + +FRANZ WERFEL + +WIR SIND + +NEUE GEDICHTE + +Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem +Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.-- + +Geheftet Mark 3.-- Gebunden Mark 4.50 + +Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen +Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der +Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert +zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine +Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit +näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten +Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos. + +URTEILE ÜBER FRANZ WERFEL: + +_Wilhelm Herzog_ im »Berliner Tageblatt«: ». . . ein ganz junger, ganz +großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.« + +_Frankfurter Zeitung:_ ». . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei +das gesagt.« + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40304 *** diff --git a/40304-8.txt b/40304-8.txt deleted file mode 100644 index c2994b9..0000000 --- a/40304-8.txt +++ /dev/null @@ -1,1749 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Die Spur - -Author: Berthold Viertel - -Release Date: July 23, 2012 [EBook #40304] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SPUR *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -Berthold Viertel - - -Die Spur - - -1913 -Kurt Wolff Verlag · Leipzig - - -Dies Buch wurde gedruckt -im Oktober 1913 als dreizehnter -Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei -Poeschel & Trepte in Leipzig - - -Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig - - -Meiner Frau - - - - - -Widmung - - - Nachts gestern von dir heimgegangen. - Wie Schnee ists unterm Mond gelegen. - Da fühlt ich wiederum den Segen - Der weißen Nacht mit heißen Wangen. - - Das tief Vertraute hat gesprochen, - Es lindert sich die starre Kehle. - Da war mit einemmal der Seele - Der arg verjährte Star gestochen. - - O Gott, wie ists? Darf ich denn wieder - Mein längst verbotnes Herz auskramen? - Du Freundliche, in deinem Namen! - Ich lege Wehr und Würde nieder. - - Darf ich die keusche Kindersage - In dein geneigtes Ohr dir flüstern? - Ich rette Gold aus dem Verdüstern. - Da nimm die Lilien früher Tage! - - - - -Der Ort - - - Einst -- Kindheit, Fieber oder Traum, - Ich wachte kaum, ich dachte kaum -- - Lag eine Wiese da. - Der Wald wuchs dunkel hinter ihr, - Ein unbeschreitbares Revier, - Wo Angst und Tod geschah. - - Die Wiese hielt mich eingefaßt, - Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast, - Wie ruhig schlug mein Blut. - Auch nicht in meiner Mutter Schoß - Hab ich so groß, so grenzenlos, - So ungekränkt geruht. - - Der Himmel flog, ein blauer Rauch, - Von Licht durchatmet, jeder Strauch - Vom Atem eingewiegt, - Der schön und selig, ein Gefühl, - Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl - Zu Gottes Gipfel stieg. - - Ich war ein Schein in allem Schein, - Der widerschien -- ich strahlte rein - Und freute mich darin. - Ich, Himmel, Sonne hingen wir - Und flogen wir und gingen wir - Herüber und dahin. - - Man muß nicht Wege suchen, sie - Verführen und sie führen nie - Zu dem entzückten Ort. - Ich weiß, ich war -- und weiß jetzt kaum, - Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum -- - Einmal geladen dort. - - - - -Der kranke Knabe - - - Ich trag den Schmerz nicht, - Weil ich nicht kann. - Was willst du, Mutter? - Sieh mich nicht an! - - Ich mag dich nicht, Mutter, - Weil du nichts weißt, - Nicht wegstreicheln kannst, - Was den Kopf mir zerreißt. - - Nicht wegnehmen kannst - Mit der großen Hand - Von der Stirn das Feuer -- - Sie ist innen verbrannt! - - Wie arg es ist, Mutter! - Sieh mir nicht zu - Und hab mich nicht lieb -- - Nein, Mutter, gib Ruh! - - - - -Der Gut-Wetter-Wind - - - Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun, - Was er lieben müßte, wenn ers verstünde. - Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn, - Aber dennoch hilft er so manchem Kinde. - - Farbige Schleifen hat er zu drehn - Um Holzstäbe, welche die Kinder halten. - Kein braver Wind sollte weiter wehn, - Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten. - - Papierdrachen aber müssen den Wind - Überlisten, bekämpfen -- Triumph des Schwebens! - Da freilich erleidet so manches Kind - Die Niederlage himmlischen Strebens. - - Ob das auch kümmert jeden Wind? - Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen, - Um Wolken zu treiben, welche sind - Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen. - - - - -Schulstunde - - - Wenn so an einem Wintermorgen - Im Schulzimmer die Lampen brannten, - Die Seele dämmerte geborgen, - Das Lineal legte Sekanten - - Durch meines Zirkels gute Kreise, - Und man bewies etwas an ihnen, - Der Herr Professor schien sehr weise, - Die Schüler machten brave Mienen: - - Dann war es so weltabgewandt, - Das Paradies des Objektiven. - Sogar der Lehrer saß gebannt, - Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen. - - Das war ein freies Nichtstun -- wie - Ewig dem Katalog entronnen. - Der Lampen milde Apathie - Nährte der Faulheit süße Wonnen, - - Indes die Träume, die sonst gerne - Schmerzhaft im Herzen suchen gingen, - Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne, - Verschmolzen mit der Lampen Singen. - - - - -Vanitas - - - Geweint hat schon das Kind, - Verlassen in der Leere - Der Tage, die unfruchtbar sind. - Bald trug ich diese Schwere! - - Nachts schrie ich nach dem Traum, - In wacher Not verloren, - Im wüstenweiten Raum. - Und jede Stunde totgeboren! - - Ich biß ins Bett, die Finsternis - Mit Fäusten schlagend, - Tobender Neuling -- ich zerriß - Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend. - - Wer hat uns Leben aufgedrungen, - Es ewig zu begehren? - Wenn nur nicht diese Dämmerungen, - Die hoffnungslosen Morgenröten wären! - - - - -Heilige Gruppe - - - Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt -- - Wie sanft kann seine harte Hand betreuen --, - Das Enkelkind, das blonde Locken neigt, - Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen. - - Beide versunken in ein schlichtes Dienen, - Beide vor Eifer fromm und zag, - Indes ein schöner Wochentag - Verklärend spielt auf ihren Mienen. - - Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis, - Kann jeder blonde Knabe Wunder sein. - Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein - Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß. - - - - -Der schlafende Knabe - - - Mein jüngerer Bruder, du schläfst, - Du träumst. - Leis halt ich deine Hand - Und sinne deinen träumenden Wünschen nach. - - Du Ungeduldiger! - Hast du noch nie ein Roß gedemütigt? - Ergab sich nie in deinen Armen - Zur Liebe eines Weibes Haß? - Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre, - Wo sind sie? - Und die Vezire, die zu Sklaven werden? - - Ah, wo verbirgt sich jene Stunde, - Die ganz besiegte, - Da du nach keiner neuen mehr begehrst? - - Ich sehe deine Nüstern zucken - Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn. - Die Hand in meiner Hand wird muskelhart. - - Du unerprobter Kämpfer! - Sieger im Traum! - - - - -Gebet - - - Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich? - Genügt es, daß ich wieder Beter werde? - Erleichterst du mir dann den Druck der Erde, - Der mir so selten von der Seele wich? - - Ich bin dein treues Kind von Anbeginn - Und habe dich dereinst so gut verstanden. - Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden, - Dir immer nach und wußte nicht, wohin. - - Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht, - Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen? - Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen, - Und über meinem Scheitel wächst die Nacht. - - Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt, - Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen! - Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen, - Schon atme ich mit halberstickter Brust. - - Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht? - Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten? - Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten - Und wehrlos als dein Opfer dargebracht? - - Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist, - Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen. - Und halte fest an meinem Kindersehnen - Und zehre noch an einer Gnadenfrist. - - O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier! - Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte! - Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte! - Ich habe grenzenlose Angst vor dir! - - - - -Vorfrühling - - - Ein Himmel, der nicht weiß, - Ob er strahlen mag. - Erschauernd weht der Tag -- - Und leis - Verwirrt er jeden Herzensschlag. - - - - -Einsiedler - - - Mir gehört der große Garten nicht, - Der sich weit ins Land hineinverflicht. - Mir gehört nur ein geborgnes Stück, - Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück. - - Wo herunter wie durch einen Schacht - Sterne nach mir zielen manche Nacht, - Und an schönem Tag ein wenig Blau - Lächelt meiner unverwandten Schau. - - Doch durch diese Enge steigt und steigt - Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt, - Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet, - Nie sich eine Antwort niedertastet. - - - - -Die Freude - - - Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut, - Kein hitziger Zufall -- denn mein dummes Blut - Muß erst die Freude lernen. - Mühselig lern ich tun, wie Freude tut. - - Weit besser kann ich schon die Traurigkeit. - Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid - Und wie ein Meister spielend. - Leid war bei mir in aller Lebenszeit. - - Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt, - Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt, - Stolz wie ein Kind, - Das immerfort drei falsche Töne singt. - - - - -Die Nähe - - - Ich wage nicht Heimat zu sagen - Zu Tälern, in die meine Einsamkeit - Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid, - Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen. - Und wenn ich im Wald zu horchen begann, - Hielt ich immer beschämt den Atem an. - - Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe, - Die so lieblich ist und sich selbst so treu. - Die Berge waren längst, ich aber bin neu, - Sie haben ihren Ort, ich aber gehe - Und suche, weiß nicht einmal wen? - Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn! - - - - -Vor dem Einschlafen - - -(nach schönen Tagen) - - Bin wie voll von einem guten Schlafe, - Weil die Tage schön gewesen sind. - Und ich könnte beten wie das brave - Kind, das abends sich auf Gott besinnt. - - Eine milde Lampe wollt ich haben, - Die hell bleiben dürfte diese Nacht. - Wollte mich in einem Bette laben, - Mir von milder Hand zurecht gemacht. - - Alles wohlgetan, und ich entkleide - Mit den Kleidern mich von aller Welt, - Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide - Länger drückt und angebunden hält. - - - - -In der Nacht - - - Ich tauche aus dem Schlaf hervor. - Wohin sich alles nur verlor? - - Und über mir ein Traum zerrinnt. - Ich taste, wo die Welt beginnt. - - Da plötzlich weiß ichs wie ein Leid: - Daß ich zurückblieb in der Zeit. - - - - -Die Stadt - - - Ein böses Werk betreiben diese Tage - Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn. - All mein um Menschen Werben, das ich wage, - Es endet wie gehässiges Tun. - - Und alles Herz, das mir die Menschen reichten, - War übervoll mit Gift betaut. - Ich nenne dich die Hölle der Verseuchten, - Stadt ohne Seele aufgebaut. - - Könnt ich entlaufen! Einen Acker haben, - Den nichts als Himmel überhängt. - Und dort nach meinem Herzen graben, - Das sich so tief hinabgesenkt. - - - - -Pferderennen - - - Still zieht mein Blick mit diesem Rudel Reiter - In grüner Ferne: das geschlossen dicht, - Wie spielend hinläuft, dort im Bogen weiter, - Dann näher kreist, nun in die Nähe bricht. - - Da kommen sie, über den Mähnen liegend, - Sich, Mann und Tier, hinwerfend durch die Zeit, - Noch alle wollend, und noch keiner siegend -- - Und plötzlich weiß mein Herz die Schnelligkeit. - - Und jetzt: ein braunes mit befreitem Sprunge - Durchdringt das Rudel -- ungehemmt davon! - Es hat den Sieg im übersichern Schwunge - Und trägt ihn weit vor allen schon. - - Das Rudel ist entwirrt -- ein Zweiter, - Ein Dritter reißt sich vom verstrickten Feld. - Im Fluge horcht zurück der erste Reiter, - Der schon sein Tier mit leichten Händen hält. - - - - -Szene - - -(Sonntagabend in der Großstadt) - - Ein mächtiger Greis in glänzendem Zylinder - Trat plötzlich vor die Leute, Weiber, Kinder. - Betrunken baumelt er mit einem Stock, - Dran hängt Marie in blütenweißem Rock, - Die schlanke Himmelskönigin aus Flußpapier, - Die Wänglein süß wie Milch und Blut auch hier. - Die Leute lachen sehr: »Er kommt aus Mariazell, - Dort weht es heilig und die Luft ist hell. - Am Weg zum Altar stehn viel Schenken offen, - Da hat der gute Alte sich besoffen.« - Der Alte lächelt heimlich und verschwiegen, - Hat er doch Berg und Täler überstiegen. - Und immer neue dumme Neider kamen - Und höhnten laut -- er aber sagte: Amen. - - - - -Einsam - - - Wenn der Tag zuende gebrannt ist, - Ist es schwer nachhause zu gehn, - Wo viermal die starre Wand ist - Und die leeren Stühle stehn. - - Besser ists, mit den Verirrten - Laut vereint zum Weine finden. - Elend läßt sich mit Gift bewirten, - Und ein Blinder führt einen Blinden. - - Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten, - Aber du wirst mich um Geld erhören. - Und wir eilen mit ungleichen Schritten, - Um uns tiefer noch zu zerstören. - - Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende - Durch die leeren Pausen zu gehn - Und einsam der Tageswende - In die erlöschenden Augen zu sehn! - - - - -Begegnung - - - Als nachts um eins ein leiser Regen fiel, - Da traf ich in der Straße eine Kranke - Hintaumelnd, eine irre Dulderin, - Die, tastend nach dem letzten Ziel, - Wie ein verlöschender Gedanke - Schon in den Tod zu starren schien. - - Und wie gerufen trat ich ihr ganz nah, - So daß ich jetzt ihr leeres Auge sah. - - Da mußt ich sie mit einem Worte grüßen - Und sah sie schwanken auf den lahmen Füßen - Und sah sie lächeln schwer und kalt. - »Der Regen«, lallte sie, »wird sich beeilen, - Ich aber habe noch zwei böse Meilen.« - Wir nahmen Abschied ohne Aufenthalt. - - - - -Bauernpferde - - - Ich sehe oft die Bauernpferde, - Die nachts durch die Straßen zum Markte gehn. - - Wenn sie angelangt sind und wartend stehn - Wie roh geformte Klumpen Erde, - Da ruht das Dunkel so schwer auf ihnen. - Aber wenn sie noch gehn und wandern, - Ihre Wagen führen, eins nach dem andern, - Sind sie so stark in ihrem Dienen. - - Wie manches allein geht, sorglos, fest, - Bedächtig ziehend an den Strängen, - Und seinen Kutscher schlafen läßt, - Während die Zügel unnütz hängen; - Und treulich ausmißt jeden Meter - Seines Wegs und auf der Hut ist, - Wie ein breiter Mann, der rauh und gut ist, - Und Xaver heißt oder Franz oder Peter. - - - - -Die Schlafende - - - Wenn ich ins Zimmer der Schwester gehe, - Oft, in mancher ruhigen Nacht, - Horchend an ihrem Bette stehe, - Leise, damit sie nicht erwacht, - - Mich beuge über das Gottvertrauen - Ihres beschatteten Gesichts: - Dann fühle ich mit schwerem Grauen - Im Dunkel warten den Tod, das Nichts. - - Ihres Ruhens liebe Gelassenheit - Gleicht dem noch kindlichen Spiel ihrer Seele, - Aber ich weiß, daß die Verlassenheit - Sie bald bedrohen wird an der Kehle. - - Mich beugend über ihr Weltvertrauen, - Lauschend sanftem Atemzug, - Fühl ich mit immer tieferem Grauen: - Wie wird sie verwinden den großen Betrug, - - Die schweren, die leeren, die zehrenden Stunden, - Ohnmacht, Ekel, Sinnlosigkeit - Und Verrat -- die heillosen Wunden, - Geschlagen vom schweren Schwert der Zeit. - - Und daß sie Weib ist, ihrer Schwachheit - Lebensbürde und Liebesnot? - Wie ist ihr Schlummer von aller Wachheit - Unrettbaren Gefahren bedroht! - - Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken, - Brutal, ob sie auch hart erwacht, - Ich möchte selbst sie grausam wecken - Und mit ihr wachen den Rest der Nacht. - - - - -Der Selbstmord - - - Das Gäßchen bog sich jäh und endete. - Ein Widerschein, der plötzlich blendete: - Das Meer an meine Schritte grenzte, - Das hier getrübte, dort beglänzte. - Wie ein ganz tiefer Atemzug - Hob es sich hin und kannte kein Genug -- - Muß einen Schritt nur weitergehn: - Da nimmt es mich so, wie ich bin, - Öffnet sich still und nimmt mich hin, - Zieht mich hinein in die Gezeiten, - Mischt mich erledigend in sein Vergleiten, - Wie eine mütterlichste Mutter, die ihr Kind - Zurück ins Nichts, ins All gewinnt. - - - - -Ein Kuß - - - Eine Hure, die zur Nacht ich fand, - Beugte sich herab zu meiner Hand, - Als ich durch die leere Straße ging, - Eine Hure, die sich an mich hing, - Nahm die Hand, die ihr nicht geben wollte - Und sie wegstieß und ihr grollte, - Beugte plötzlich sich, das arme Tier, - Hat geküßt die Hand im Handschuh mir. - Nicht um zu besänftigen meinen Willen, - Nein, die sonderbarste Gier zu stillen. - Nicht mehr bettelnd, schon hinweggewandt, - Schon entlaufend meiner fremden Hand. - - Und da fühlte ichs wie einen Stich - In der tiefen Brust -- das war nicht ich, - Den sie küßte, irrend und verwaist, - Nicht das Ich, das einen Namen heißt, - Sondern sie, die Namenlose, mich, - Einen Namenlosen, der jetzt glich - Allen Männern, die sie quälten, - Arme Seele küßte den Beseelten, - Küßte ungelohnt und ungestillt -- - Menschenkind küßt Gottes Ebenbild. - - O, nie war ein Kuß wie dieser Kuß, - Den ich allen weitergeben muß. - - - - -Der Morgen - - - Ich hing am Kreuz der Nacht und stöhnte schwer, - Mein Herz war matt und hoffnungsleer - Und Stirn und Gaumen ausgebrannt. - - Da legt der Morgen seine Hand - Kühl, blaß und scheu - Mir über die versengte Stirn, - Und wie das Dunkel schwindet vom Gehirn, - Atme ich neu -- - - Und trinke weißes Licht und weiße Gnade - Und sinke losgelöst und sanft befreit - Auf das sich klärende Gestade, - Zu neuem Tage neu bereit. - - - - -Der Heller - - - Geld ist Staub in meiner Hand, - Den ich unbedacht vergeude. - Aber groß war meine Freude, - Als ich einen Heller fand. - - Hatte alles ausgegeben, - Hunger mir am Marke fraß, - Und ich sah entnervt in das - Mitleidlose Großstadtleben. - - Alle Taschen gut verschlossen, - Alle Seelen zugeknöpft. - Ich begriff, daß man geköpft - Werden kann um einen Groschen. - - Ich begriff, daß sich ein toller - Kerl an wem vergreifen kann. - Dieser Ohnmacht Wut und Bann -- - Nichts auf Erden grauenvoller! - - O, wie muß der Arme hassen! - Fenster, die den geilen Duft - Dich Lebendigen in der Gruft - Wie zum Hohne ahnen lassen. - - Lächelnde, kokette Frauen - Zeigen an dem Straßenkleid - Alle üppige Kostbarkeit, - Während dir die Sinne flauen. - - Unbekümmert rollen Wagen, - Ohne dich zu kennen, hin, - Die zum Schmaus, zur Buhlerin - Oder ins Theater tragen. - - Ich blieb stehn und ich lief schneller, - Starrte an und blickte weg. - Plötzlich lag vor mir im Dreck - Ein verlorner alter Heller. - - Und mir wars, als ich mich bückte, - Wie ein Gruß des neuen Tags. - Und mein Herz ging bessern Schlags, - Als ich in der Hand ihn drückte. - - Diesen Heller, der mir lachte, - Wertlos zwar, und doch ganz mein, - Ein Geschenk, das mir der Stein - Wie in lieber Absicht brachte. - - Wie um mir die Nichtigkeit - Und des Zufalls Wurf zu zeigen. - Mensch, sei frech, mach dir zu eigen! - Dieser Griff hat mich befreit. - - - - -Die Heimkehrende - - - Alida, sagt ich ihr, ich habe dich - Sogleich erkannt -- wo hast du nur gezaudert - Die viele Zeit? -- Nun aber labe dich, - Hier Wein! Kühl deinen Mund, bevor er plaudert. - - Wo irren deine Augen? Nimm das Haar - Fort aus der Stirn! -- Nein, keine Frage! - Verjage endlich diese Schar - Mir fremder Tage! - - Erwache mir! -- Sei da! - Die ruhelosen Hände, - Vielleicht vergäßen sie, was ohne mich geschah, - Wenn erst mein Frieden zu dir fände. - - - - -Verfinsterung - - - Und während dieser Nordwind blies - Und unsre Stadt zum Norden machte, - Die letzte Sonne uns verließ - Und jeder Wunsch zu sterben dachte, - - Und viel zu früh die Nacht begann, - Sehr anders als die andern Nächte, - Wie eine Nacht, die dauern kann, - Solange wer zu warten dächte, - - Da stand ich auf dem alten Platz - Und sah die alte Kirche dauern - Und geizig Zeit wie einen Schatz - Anhäufen hinter ihren Mauern, - - Und sah in dieser alten Stadt - Die Leute, die mir Greise schienen, - (Wie jedes Antlitz Falten hat, - Erstarrtes Nein in seinen Mienen,) - - Und fühlte mich hier stehn und stehn - Und wurzeln wie der Dom, der graue, - Und konnte gar nicht mehr verstehn, - Daß wer noch neue Häuser baue. - - Ob nicht die junge Frau, auf die - Ich warten wollte, wann nur? Heute? - Selbst alt geworden war und nie - Ein Weib mehr einen Mann erfreute! - - Wie ist das sinnlos, hier zu stehn, - Als ob die Zeit ein Ende nähme, - Und zu erwarten irgendwen, - Zu glauben, daß er wirklich käme. - - - - -Spaziergang in der Nacht - - - Kühle, klare Nacht! - Welch ein kühnes Schreiten - Ist in mir erwacht -- - Führt aus engen Zeiten - Hoch mich in die weiten - Aufgeschlossnen Räume dieser Nacht. - - Daß ich heimlos bin, - Was ich sonst beklage, - Was ich her und hin - Durch die niedern Tage - Keuchend, schleppend trage -- - Heute fühl ich es mit neuem Sinn. - - Wie der Schritt erfreut, - Wie ein Landweg! Wiesen - Sind die Plätze heut, - Und man geht in diesen - Straßen wie auf Kiesen, - Wie in Gärten, die der Mond betreut. - - Löst sich nicht auch hier - Manche reine Quelle? - Offen liegt vor mir - All die fremde Schwelle. - Ist nicht ringsum helle - Heimat und befreundetes Revier! - - - - -Die Unerbittlichkeit - - - Als ich die Unerbittlichkeit verstand, - Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fuß - Und ohne Muskel lahmte meine Hand, - Schweiß auf der Stirn, des Todes kalter Gruß. - - Und das Herz selbst tat so erbärmlich weh - Vor lauter Gottverlassenheit. - Da sagte ich zu mir: »Mensch! Jetzt gesteh! - Jetzt wärest du zu jedem Schluß bereit.« - - Jetzt, wo ich sanft in meinem Elend bin, - Weil aller Trotz wie Hauch in Lüften schwand, - Jetzt werft mich zu den Pestverseuchten hin - Und laßt allein verwelken diese Hand. - - - - -Einem edlen Jüngling - - - Du wirst wie wir alle am Zügel - Gängig werden, - Im Zotteltrab, ohne Flügel, - Gehn mit den Herden. - - Du wirst mit dir verkehren - Karg und gewöhnlich, - Und ohne prinzliche Ehren, - Weltversöhnlich. - - Du wirst deine Tage tragen - Ganz wie wir alle, - Mit Arbeit, mit Behagen, - Mit Herz und Galle. - - Du wirst dich ärgern lernen - Und dich bescheiden, - Unter geduldigen Sternen - Menschlicher leiden. - - - - -Liebe - - - Dunkle Erdenwege, die der lichten, - Leichten Gefühle Schatten sind! - Liebe als Licht aus der Sonne rinnt - Und verfängt sich an kalten, dichten - - Menschenleibern und Menschenseelen, - Und umwirbt sie, verklärt sie, vergöttert sie, - Und verdirbt sie, zerstört sie, zerschmettert sie -- - Menschen, die sich küssen, sich quälen. - - - - -Die Spielende - - - Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stören, - Ich halte den Atem an und schau dir zu, - Spiele nur, Sorglose du, - Ich will mich nicht empören, - Wenn plötzlich mein Leben in deiner Hand - Ein wenig zu sterben beginnt -- ich halte Stand, - Ich Spielzeug -- - - Weiß ich auch mit meinem kalten, ohnmächtigen Wissen, - Daß dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar, - Und fühl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr: - Es werde dir nicht entrissen, - Was du mit leichter Sicherheit dir gewonnen hast, Kind, - Wie grausam auch deine Finger sind, - Spiele -- - - Denn du lächelst, Sorglose, aus dir lächelt ein Schimmer - Des lieben, so unwirklichen, blinden - Lebens, das ich nicht finden, - Nicht sein, nicht haben kann -- was auch immer - Jetzt in mir stirbt und sei es noch so reich, - Ich halte den Atem an und fühle bleich, - Daß du schön bist -- - - - - -Ein Brief - - - Geliebter, deine Kühle - Weht aus der Ferne her. - Geliebter, und ich fühle, - Du liebst nicht mehr. - - Geliebter, und die Züge - Deines Angesichts - Zerfließen, eine Lüge, - In ein Nichts. - - Und ob ich mich auch quäle, - Ich weiß deinen Mund nicht mehr. - Geliebter, meine Seele - Wird wieder leer. - - - - -Abschied - - - Abschied ist Tod. Das weiß ein jedes Kind - Und läßt die Mutter aus dem Haus nicht fort. - Jemand reist ab. Mein Herz fühlt Meuchelmord. - So viele weiche Wärme mir entrinnt, - - Daß ich wie ein Verblutender verbleiche. - Mir ist sehr kalt, ich friere tief -- adieu! - Und alles Bleibende tut grausam weh, - Wie aufgerissene, verletzte Herzensweiche. - - Soll ich nachhause gehen, die Papiere - Am Schreibtisch ordnen, einen Stundenplan - Entwerfen, weitertun, mein Ziel bejahn? - Und überwinden, daß ich dich verliere? - - - - -Auch du - - - Auch du bist schon geprüft, auch dir ist eingegraben - Die Rune Welt, die wirre Hieroglyphe. - Du hast gelitten bis zur Tiefe, - Gekostet von den Honigwaben. - - Du hast besessen und du warst zu eigen, - Geküßt hast du das Band, dich freigequält. - Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schält, - Das süß und bittre Wort, die Kunst zu schweigen. - - Das alles war, wie mir, auch dir beschieden. - Jetzt aber sind wir beide neu gewandet, - Gestrandet und an seliger Bucht gelandet -- - Und es ist wieder schön hienieden! - - - - -Schnee - - - Schnee war gestern plötzlich da -- auf allen - Trüben Straßen, hell wie Unschuld, weiß, - Weich und wärmend, aus der Luft gefallen. - Und wir gingen -- enger ward der Kreis, - - Der uns heimlich aneinanderhält -- - Mit gedämpftem Schritt, gedämpfter Seele, - Unverhofftes Lachen in der Kehle, - Durch des Schneefalls kindlich neue Welt. - - Wir, die jetzt so ernste Frage quält, - Wurden schmiegsam, atemleicht, gelinder, - Lachten furchtlos, schneefroh, beinah Kinder -- - O wie hat die kleine Freude uns gefehlt! - - - - -Bitte an die Geliebte - - - Laß uns wissend sein! Wir haben gelernt, - Was Menschen nähert, was entfernt. - Wir sind gealtert am Lächeln-Müssen, - Gestorben an erzwungenen Küssen. - - Wieder auferstanden an befreiten - Heißen Unwillkürlichkeiten. - Gesundet an einem Atemzug, - Der ungehemmt hinübertrug. - - Laß uns Horcher sein auf das Sich-Regen - Im dunklen Du! Nur nicht entgegen - Dem Eigensinn der Einsamkeiten! - Nur mit dem Kind in uns nicht streiten! - - - - -Ihr Freunde - - - Ihr Freunde, große Liebe - War euch von mir geweiht. - Ich ward zum Diebe - An eurer Freundlichkeit. - - Mein Herz in Händen bringend, - Ein maßloses Geschenk, - So kam ich Freundschaft zwingend. - Was wart ihr eng! - - Euch wie die Mörder hassen - Lehrtet ihr mich zum Dank, - Vergiftet und verlassen, - Nach Sanftmut krank. - - Mit allem meinem Gute - Warft ihr dem Weib mich zu. - An der ich blüh und blute, - Sei gnädig du! - - - - -Unschuld - - - O die Unschuld des Genusses, - Wenn ich dich genieße, - Nimmermüde deines Kusses - Und der Atemsüße. - - Jede Nacht bringt neue Spiele, - Spielglück ohne Ende. - Unsre Lippen wissen viele - Und die guten Hände. - - Immer zarter, immer schöner, - Seit uns Lust verschönte. - Ich dein glücklicher Verwöhner, - Glücklich die Verwöhnte. - - - - -Die Insel - - - Sprich nicht von dieser Insel, wo wir uns trafen - In unsern Nächten. - Das Blut rauscht rings um sie. - Und keine Zeit geschah, Uranfang, Ende. - Was wir sonst sind, vergessen und verscheucht. - Nur diese Spiele, grausam wie Dämonen, - Marter nach einem Glück, das anders - Beseligt als das Brot, der Trunk, - Die sonst die Lippen sättigen. - Nein, ungesättigt - Tobten wir, - Bis schwer die Wimpern und die Lider schwer, - Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blüte, - Der Tod kalt an die Stirnen tastend, - Das Innre ausgehöhlt, ein leeres Haus - Mit ausgehobnen Fenstern, ohne Dach. - Oh, das Korallenrot der Lippen - War mit rötrem Rot betaut - Von unsrer Zähne Mordgier. - Heilandsmale - Auf diesen kühlen Händen, die gefiebert - Im Suchen nach Entspannung, die nicht kam. - Nein, Ekel kam, der Würger, - Vom goldenen Tor der Lust uns scheuchend, - Daß wir wie Schatten flohn. - In unsern Adern - Ebbte die Lust zurück, zum dunklen Schacht. - Und nur ein Duft von ihr - Blieb dem Verschmachten. - Wie Irre hatten wir am harten Schloß gerüttelt, - Die Gnade aufzusprengen. - Aber nun, mit entnervten Knien, - Müd wie Gerichtete, - Schlichen wir einen bangen Weg zurück. - - Und doch, du Köstliche, war nichts als Zärtlichkeit - In meinem grausam Sein. - Doch kniete ich huldigend - Den Marterberg empor, - Um nur den heißen süßen Hauch - Zu pflücken, wenn die Lippe dir erblaßt. - Um dir im Weh - Die bebende Melodik zu entlocken. - Um deinem Unbewußtsein nah zu sein, - Als könnt ich fast bis an den Tod gelangen, - Wo wir ganz nah sind. - Und doch war mir, du Köstliche, - Daß wir die Lust, Verschmachtende, verschmähten, - Ein bessres noch als Glück, ein tieferes - An-Wurzeln-Zerren, sie zu lockern, du! - Mir sind sie heilig - Diese Feste - Der Qual -- - Wenn wir auch fürchterlich erwachen. - Sprich nie von dieser Insel, - Die nur wir, - Nur wenn wir Dämon sind, in uns betreten, - Das Blut rauscht rings um sie. - Was wir dort leben, - Hat keinerlei Bezug mit andrem Leben, - Nicht einmal unser Denken rühre dran - Und kein Erinnern. - Kein Name, - Der sonst gebraucht wird, - Wage sie zu nennen, - Kein kleines und kein großes Wort. - Nur Reue - Ist tief genug, hinabzutauchen, - Nur Angst so mächtig, um sie zu entdecken. - Sie, die verschollen ist, - Die dunkel-schöne, - Vom Blut geborgene. - Bis wieder wir, - Ganz unvermutet - Vom Dämon hingetragen, - An ihr Ufer stranden. - Du, Köstliche, - Erst dann schön wie ein Gift, - Und ich, der Trinker, - Giftbereit. - - - - -Für die Nacht - - - Gebet für dich: daß deine Wange - Sich möge weich ins Kissen schmiegen, - Und durch die bange Nacht, die lange, - Dein Atem sanft dich wiegen, wiegen. - - Es halte dich dein warmes Leben - In seine milde Kraft verschlossen. - Erwachst du, seis, als ob du eben - Im Traum das Seligste genossen. - - Und wieder wirst du dann die Wange - Dort, wo sie lag, ins Kissen schmiegen. - Und wieder mag dein Atem lange - Dich flüsternd wiegen, wiegen, wiegen. - - - - -Der Berg - - - Wir gingen, meine zarte Frau und ich, - Den sichern Weg der großen Serpentine, - Die frech an dem gewaltigen Berg sich hochschwingt, - Mit seiner fürchterlichen Schichtung spielend. - - Vorbei an greisen Felsenköpfen, - Gepreßten Klötzen, bösen Zacken - Und grimmigen Kronen. - - Wo Wasser, Stein-Blut, aussickert, - Eisiges Blut. - Wo jeder Samen lautlos seufzend umkommt. - - Wo hoch über allen Sommern - Schnee sich anhäuft, - Zu hell für Augen, die ans Tal gewöhnt sind - Und an die vielen Farben alle. - Schneeflug auf Schneeflug, Schneekorn dicht an Schneekorn. - - Wo ein Schweigen tönt, - All unsere Musik, die hurtig plaudernde, - Mit frierender Monotonie belächelnd -- - Als wäre ein Jahrtausend hier ein Takt. - - Und wir auf unsrer sichern Serpentine, - »Spürst du es,« sagte ich, - »Wie nahe wir jetzt einem _Großen_ sind!« - Die Frau lächelte - Zum Berge hin. - - Da nahm der Berg mit einem wüsten Griff - Mir meine zarte Frau, - Riß sie mir weg und schwang sie, schwang sie, - Hoch, höher, hoch beim höchsten Schnee -- - Und wollte sie fallen lassen, - Sie über Steine tanzen lassen, stürzen lassen - Rasenden Wurfs in eine Todesschlucht kopfunter. - - Ganz leise schrie sie: »Ach!«, - Ganz ohne Kraft. - - Und ich, wahnsinnig, - Umschlang sie jetzt mit beiden Armen, - Allen Wunsch - In meine beiden Arme pressend. - - Und küßte der Ohnmächtigen, der Geretteten, - Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nüster stand. - - - - -Gloria - - - O süßes Leben, du bist mein! - In deinem reinsten Licht zu sein, - Ihr Blut die Helden gaben, - Die sich geopfert haben. - - Es starb für dich der treue Christ, - Dir jedes Lied erklungen ist. - Soll ich nicht hoffen, glauben? - Kein Schicksal wird mirs rauben. - - Wohl war ich in der Mutter Lust, - Um ihren Schmerz hab ich gewußt. - Vom Lieben und vom Leiden - Mag ich mich nimmer scheiden. - - Gegeben in die ewige Huld, - Gebunden durch die ewige Schuld, - Den ewigen Tod zu Füßen: - Will ich mein Leben grüßen. - - - - - - -Inhaltsverzeichnis - - -Widmung 5 -Der Ort 6 -Der kranke Knabe 8 -Der Gut-Wetter-Wind 9 -Schulstunde 10 -Vanitas 11 -Heilige Gruppe 12 -Der schlafende Knabe 13 -Gebet 14 -Vorfrühling 16 -Einsiedler 17 -Die Freude 18 -Die Nähe 19 -Vor dem Einschlafen 20 -In der Nacht 21 -Die Stadt 22 -Pferderennen 23 -Szene 24 -Einsam 25 -Begegnung 26 -Bauernpferde 27 -Die Schlafende 28 -Der Selbstmord 30 -Ein Kuß 31 -Der Morgen 32 -Der Heller 33 -Die Heimkehrende 35 -Verfinsterung 36 -Spaziergang in der Nacht 38 -Die Unerbittlichkeit 39 -Einem edlen Jüngling 40 -Liebe 41 -Die Spielende 42 -Ein Brief 43 -Abschied 44 -Auch du 45 -Schnee 46 -Bitte an die Geliebte 47 -Ihr Freunde 48 -Unschuld 49 -Die Insel 50 -Für die Nacht 53 -Der Berg 54 -Gloria 56 - - - - -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG -(FRÜHER ERNST ROWOHLT VERLAG) - - -WALTER HASENCLEVER - -DER JÜNGLING - -Geheftet Mark 2.50 Gebunden Mark 3.50 - -_Richard Dehmel:_ Nehmen Sie meinen besten Glückwunsch zu Ihrem Buch. Was -mich vor allem fesselte, ist die Lebenskunst, die aus Ihrer Dichtkunst -spricht. Gerade heute entstehen wenig Bücher, die in hohem Sinne -epikureisch sind. Ich glaube, Ihr »Jüngling« kann auch reifen Männern eine -lächelnde Anleitung geben, das Schicksal als eine Angelegenheit geistigen -Genusses aufzufassen; ich wünsche Ihnen solche männliche Leser! - -_Deutsche Montagszeitung:_ Eine neue Gesellschaftsdichtung im Sinne -Beethoven-Schillers und der IX. Symphonie. - - -FRANZ WERFEL - -WIR SIND - -NEUE GEDICHTE - -Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem -Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.-- - -Geheftet Mark 3.-- Gebunden Mark 4.50 - -Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen -Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der -Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert -zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine -Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit -näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten -Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos. - -URTEILE ÜBER FRANZ WERFEL: - -_Wilhelm Herzog_ im »Berliner Tageblatt«: ». . . ein ganz junger, ganz -großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.« - -_Frankfurter Zeitung:_ ». . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei -das gesagt.« - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SPUR *** - -***** This file should be named 40304-8.txt or 40304-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/3/0/40304/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Die Spur - -Author: Berthold Viertel - -Release Date: July 23, 2012 [EBook #40304] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SPUR *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> - +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40304 ***</div> <div class="centerpic"> <img src="images/cover.jpg" alt="" /> @@ -165,7 +131,7 @@ Produced by Jens Sadowski <p class="center" style="page-break-before:always; line-height:1.5em; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;"> Dies Buch wurde gedruckt<br /> im Oktober 1913 als dreizehnter<br /> -Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei <br /> +Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei <br /> Poeschel & Trepte in Leipzig </p> @@ -187,29 +153,29 @@ Widmung</h2> <div class="poem"> <p class="line">Nachts gestern von dir heimgegangen.</p> <p class="line">Wie Schnee ists unterm Mond gelegen.</p> -<p class="line">Da fühlt ich wiederum den Segen</p> -<p class="line">Der weißen Nacht mit heißen Wangen.</p> +<p class="line">Da fühlt ich wiederum den Segen</p> +<p class="line">Der weißen Nacht mit heißen Wangen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das tief Vertraute hat gesprochen,</p> <p class="line">Es lindert sich die starre Kehle.</p> <p class="line">Da war mit einemmal der Seele</p> -<p class="line">Der arg verjährte Star gestochen.</p> +<p class="line">Der arg verjährte Star gestochen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O Gott, wie ists? Darf ich denn wieder</p> -<p class="line">Mein längst verbotnes Herz auskramen?</p> +<p class="line">Mein längst verbotnes Herz auskramen?</p> <p class="line">Du Freundliche, in deinem Namen!</p> -<p class="line">Ich lege Wehr und Würde nieder.</p> +<p class="line">Ich lege Wehr und Würde nieder.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Darf ich die keusche Kindersage</p> -<p class="line">In dein geneigtes Ohr dir flüstern?</p> -<p class="line">Ich rette Gold aus dem Verdüstern.</p> -<p class="line">Da nimm die Lilien früher Tage! +<p class="line">In dein geneigtes Ohr dir flüstern?</p> +<p class="line">Ich rette Gold aus dem Verdüstern.</p> +<p class="line">Da nimm die Lilien früher Tage! </p> </div> @@ -227,20 +193,20 @@ Der Ort</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Wiese hielt mich eingefaßt,</p> +<p class="line">Die Wiese hielt mich eingefaßt,</p> <p class="line">Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast,</p> <p class="line">Wie ruhig schlug mein Blut.</p> -<p class="line">Auch nicht in meiner Mutter Schoß</p> -<p class="line">Hab ich so groß, so grenzenlos,</p> -<p class="line">So ungekränkt geruht.</p> +<p class="line">Auch nicht in meiner Mutter Schoß</p> +<p class="line">Hab ich so groß, so grenzenlos,</p> +<p class="line">So ungekränkt geruht.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Der Himmel flog, ein blauer Rauch,</p> <p class="line">Von Licht durchatmet, jeder Strauch</p> <p class="line">Vom Atem eingewiegt,</p> -<p class="line">Der schön und selig, ein Gefühl,</p> -<p class="line">Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl</p> +<p class="line">Der schön und selig, ein Gefühl,</p> +<p class="line">Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl</p> <p class="line">Zu Gottes Gipfel stieg.</p> </div> @@ -250,17 +216,17 @@ Der Ort</h2> <p class="line">Und freute mich darin.</p> <p class="line">Ich, Himmel, Sonne hingen wir</p> <p class="line">Und flogen wir und gingen wir</p> -<p class="line">Herüber und dahin. +<p class="line">Herüber und dahin. </p> </div> <div class="poem"> <p class="line"> <a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Man muß nicht Wege suchen, sie</p> -<p class="line">Verführen und sie führen nie</p> -<p class="line">Zu dem entzückten Ort.</p> -<p class="line">Ich weiß, ich war — und weiß jetzt kaum,</p> +Man muß nicht Wege suchen, sie</p> +<p class="line">Verführen und sie führen nie</p> +<p class="line">Zu dem entzückten Ort.</p> +<p class="line">Ich weiß, ich war — und weiß jetzt kaum,</p> <p class="line">Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum —</p> <p class="line">Einmal geladen dort. </p> @@ -279,14 +245,14 @@ Der kranke Knabe</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ich mag dich nicht, Mutter,</p> -<p class="line">Weil du nichts weißt,</p> +<p class="line">Weil du nichts weißt,</p> <p class="line">Nicht wegstreicheln kannst,</p> -<p class="line">Was den Kopf mir zerreißt.</p> +<p class="line">Was den Kopf mir zerreißt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Nicht wegnehmen kannst</p> -<p class="line">Mit der großen Hand</p> +<p class="line">Mit der großen Hand</p> <p class="line">Von der Stirn das Feuer —</p> <p class="line">Sie ist innen verbrannt!</p> </div> @@ -305,27 +271,27 @@ Der Gut-Wetter-Wind</h2> <div class="poem"> <p class="line">Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun,</p> -<p class="line">Was er lieben müßte, wenn ers verstünde.</p> +<p class="line">Was er lieben müßte, wenn ers verstünde.</p> <p class="line">Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn,</p> <p class="line">Aber dennoch hilft er so manchem Kinde.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Farbige Schleifen hat er zu drehn</p> -<p class="line">Um Holzstäbe, welche die Kinder halten.</p> +<p class="line">Um Holzstäbe, welche die Kinder halten.</p> <p class="line">Kein braver Wind sollte weiter wehn,</p> <p class="line">Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Papierdrachen aber müssen den Wind</p> -<p class="line">Überlisten, bekämpfen — Triumph des Schwebens!</p> +<p class="line">Papierdrachen aber müssen den Wind</p> +<p class="line">Überlisten, bekämpfen — Triumph des Schwebens!</p> <p class="line">Da freilich erleidet so manches Kind</p> <p class="line">Die Niederlage himmlischen Strebens.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ob das auch kümmert jeden Wind?</p> +<p class="line">Ob das auch kümmert jeden Wind?</p> <p class="line">Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen,</p> <p class="line">Um Wolken zu treiben, welche sind</p> <p class="line">Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen. @@ -339,7 +305,7 @@ Schulstunde</h2> <div class="poem"> <p class="line">Wenn so an einem Wintermorgen</p> <p class="line">Im Schulzimmer die Lampen brannten,</p> -<p class="line">Die Seele dämmerte geborgen,</p> +<p class="line">Die Seele dämmerte geborgen,</p> <p class="line">Das Lineal legte Sekanten</p> </div> @@ -347,25 +313,25 @@ Schulstunde</h2> <p class="line">Durch meines Zirkels gute Kreise,</p> <p class="line">Und man bewies etwas an ihnen,</p> <p class="line">Der Herr Professor schien sehr weise,</p> -<p class="line">Die Schüler machten brave Mienen:</p> +<p class="line">Die Schüler machten brave Mienen:</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Dann war es so weltabgewandt,</p> <p class="line">Das Paradies des Objektiven.</p> -<p class="line">Sogar der Lehrer saß gebannt,</p> -<p class="line">Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen.</p> +<p class="line">Sogar der Lehrer saß gebannt,</p> +<p class="line">Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das war ein freies Nichtstun — wie</p> <p class="line">Ewig dem Katalog entronnen.</p> <p class="line">Der Lampen milde Apathie</p> -<p class="line">Nährte der Faulheit süße Wonnen,</p> +<p class="line">Nährte der Faulheit süße Wonnen,</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Indes die Träume, die sonst gerne</p> +<p class="line">Indes die Träume, die sonst gerne</p> <p class="line">Schmerzhaft im Herzen suchen gingen,</p> <p class="line">Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne,</p> <p class="line">Verschmolzen mit der Lampen Singen. @@ -386,22 +352,22 @@ Vanitas</h2> <div class="poem"> <p class="line">Nachts schrie ich nach dem Traum,</p> <p class="line">In wacher Not verloren,</p> -<p class="line">Im wüstenweiten Raum.</p> +<p class="line">Im wüstenweiten Raum.</p> <p class="line">Und jede Stunde totgeboren!</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ich biß ins Bett, die Finsternis</p> -<p class="line">Mit Fäusten schlagend,</p> -<p class="line">Tobender Neuling — ich zerriß</p> +<p class="line">Ich biß ins Bett, die Finsternis</p> +<p class="line">Mit Fäusten schlagend,</p> +<p class="line">Tobender Neuling — ich zerriß</p> <p class="line">Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wer hat uns Leben aufgedrungen,</p> <p class="line">Es ewig zu begehren?</p> -<p class="line">Wenn nur nicht diese Dämmerungen,</p> -<p class="line">Die hoffnungslosen Morgenröten wären! +<p class="line">Wenn nur nicht diese Dämmerungen,</p> +<p class="line">Die hoffnungslosen Morgenröten wären! </p> </div> @@ -410,7 +376,7 @@ Vanitas</h2> Heilige Gruppe</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt —</p> +<p class="line">Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt —</p> <p class="line">Wie sanft kann seine harte Hand betreuen —,</p> <p class="line">Das Enkelkind, das blonde Locken neigt,</p> <p class="line">Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen.</p> @@ -419,15 +385,15 @@ Heilige Gruppe</h2> <div class="poem"> <p class="line">Beide versunken in ein schlichtes Dienen,</p> <p class="line">Beide vor Eifer fromm und zag,</p> -<p class="line">Indes ein schöner Wochentag</p> -<p class="line">Verklärend spielt auf ihren Mienen.</p> +<p class="line">Indes ein schöner Wochentag</p> +<p class="line">Verklärend spielt auf ihren Mienen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis,</p> <p class="line">Kann jeder blonde Knabe Wunder sein.</p> <p class="line">Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein</p> -<p class="line">Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß. +<p class="line">Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß. </p> </div> @@ -436,17 +402,17 @@ Heilige Gruppe</h2> Der schlafende Knabe</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Mein jüngerer Bruder, du schläfst,</p> -<p class="line">Du träumst.</p> +<p class="line">Mein jüngerer Bruder, du schläfst,</p> +<p class="line">Du träumst.</p> <p class="line">Leis halt ich deine Hand</p> -<p class="line">Und sinne deinen träumenden Wünschen nach.</p> +<p class="line">Und sinne deinen träumenden Wünschen nach.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du Ungeduldiger!</p> -<p class="line">Hast du noch nie ein Roß gedemütigt?</p> +<p class="line">Hast du noch nie ein Roß gedemütigt?</p> <p class="line">Ergab sich nie in deinen Armen</p> -<p class="line">Zur Liebe eines Weibes Haß?</p> +<p class="line">Zur Liebe eines Weibes Haß?</p> <p class="line">Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre,</p> <p class="line">Wo sind sie?</p> <p class="line">Und die Vezire, die zu Sklaven werden?</p> @@ -459,13 +425,13 @@ Der schlafende Knabe</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ich sehe deine Nüstern zucken</p> -<p class="line">Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn.</p> +<p class="line">Ich sehe deine Nüstern zucken</p> +<p class="line">Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn.</p> <p class="line">Die Hand in meiner Hand wird muskelhart.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Du unerprobter Kämpfer!</p> +<p class="line">Du unerprobter Kämpfer!</p> <p class="line">Sieger im Traum! </p> </div> @@ -475,8 +441,8 @@ Der schlafende Knabe</h2> Gebet</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich?</p> -<p class="line">Genügt es, daß ich wieder Beter werde?</p> +<p class="line">Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich?</p> +<p class="line">Genügt es, daß ich wieder Beter werde?</p> <p class="line">Erleichterst du mir dann den Druck der Erde,</p> <p class="line">Der mir so selten von der Seele wich?</p> </div> @@ -485,18 +451,18 @@ Gebet</h2> <p class="line">Ich bin dein treues Kind von Anbeginn</p> <p class="line">Und habe dich dereinst so gut verstanden.</p> <p class="line">Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden,</p> -<p class="line">Dir immer nach und wußte nicht, wohin.</p> +<p class="line">Dir immer nach und wußte nicht, wohin.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht,</p> <p class="line">Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen?</p> -<p class="line">Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen,</p> -<p class="line">Und über meinem Scheitel wächst die Nacht.</p> +<p class="line">Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen,</p> +<p class="line">Und über meinem Scheitel wächst die Nacht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt,</p> +<p class="line">Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt,</p> <p class="line">Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen!</p> <p class="line">Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen,</p> <p class="line">Schon atme ich mit halberstickter Brust.</p> @@ -505,13 +471,13 @@ Gebet</h2> <div class="poem"> <p class="line">Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht?</p> <p class="line">Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten?</p> -<p class="line">Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten</p> +<p class="line">Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten</p> <p class="line">Und wehrlos als dein Opfer dargebracht?</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist,</p> -<p class="line">Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen.</p> +<p class="line">Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen.</p> <p class="line">Und halte fest an meinem Kindersehnen</p> <p class="line">Und zehre noch an einer Gnadenfrist. </p> @@ -520,7 +486,7 @@ Gebet</h2> <div class="poem"> <p class="line"> <a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier!</p> +O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier!</p> <p class="line">Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte!</p> <p class="line">Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte!</p> <p class="line">Ich habe grenzenlose Angst vor dir! @@ -529,10 +495,10 @@ O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier!</p> <h2 class="chapter" id="ch-10"> <a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -Vorfrühling</h2> +Vorfrühling</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Himmel, der nicht weiß,</p> +<p class="line">Ein Himmel, der nicht weiß,</p> <p class="line">Ob er strahlen mag.</p> <p class="line">Erschauernd weht der Tag —</p> <p class="line">Und leis</p> @@ -545,22 +511,22 @@ Vorfrühling</h2> Einsiedler</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Mir gehört der große Garten nicht,</p> +<p class="line">Mir gehört der große Garten nicht,</p> <p class="line">Der sich weit ins Land hineinverflicht.</p> -<p class="line">Mir gehört nur ein geborgnes Stück,</p> -<p class="line">Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück.</p> +<p class="line">Mir gehört nur ein geborgnes Stück,</p> +<p class="line">Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wo herunter wie durch einen Schacht</p> <p class="line">Sterne nach mir zielen manche Nacht,</p> -<p class="line">Und an schönem Tag ein wenig Blau</p> -<p class="line">Lächelt meiner unverwandten Schau.</p> +<p class="line">Und an schönem Tag ein wenig Blau</p> +<p class="line">Lächelt meiner unverwandten Schau.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Doch durch diese Enge steigt und steigt</p> -<p class="line">Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt,</p> +<p class="line">Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt,</p> <p class="line">Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet,</p> <p class="line">Nie sich eine Antwort niedertastet. </p> @@ -573,45 +539,45 @@ Die Freude</h2> <div class="poem"> <p class="line">Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut,</p> <p class="line">Kein hitziger Zufall — denn mein dummes Blut</p> -<p class="line">Muß erst die Freude lernen.</p> -<p class="line">Mühselig lern ich tun, wie Freude tut.</p> +<p class="line">Muß erst die Freude lernen.</p> +<p class="line">Mühselig lern ich tun, wie Freude tut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Weit besser kann ich schon die Traurigkeit.</p> -<p class="line">Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid</p> +<p class="line">Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid</p> <p class="line">Und wie ein Meister spielend.</p> <p class="line">Leid war bei mir in aller Lebenszeit.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt,</p> -<p class="line">Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt,</p> +<p class="line">Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt,</p> <p class="line">Stolz wie ein Kind,</p> -<p class="line">Das immerfort drei falsche Töne singt. +<p class="line">Das immerfort drei falsche Töne singt. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-13"> <a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -Die Nähe</h2> +Die Nähe</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ich wage nicht Heimat zu sagen</p> -<p class="line">Zu Tälern, in die meine Einsamkeit</p> +<p class="line">Zu Tälern, in die meine Einsamkeit</p> <p class="line">Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid,</p> -<p class="line">Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen.</p> +<p class="line">Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen.</p> <p class="line">Und wenn ich im Wald zu horchen begann,</p> -<p class="line">Hielt ich immer beschämt den Atem an.</p> +<p class="line">Hielt ich immer beschämt den Atem an.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe,</p> +<p class="line">Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe,</p> <p class="line">Die so lieblich ist und sich selbst so treu.</p> -<p class="line">Die Berge waren längst, ich aber bin neu,</p> +<p class="line">Die Berge waren längst, ich aber bin neu,</p> <p class="line">Sie haben ihren Ort, ich aber gehe</p> -<p class="line">Und suche, weiß nicht einmal wen?</p> -<p class="line">Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn! +<p class="line">Und suche, weiß nicht einmal wen?</p> +<p class="line">Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn! </p> </div> @@ -619,18 +585,18 @@ Die Nähe</h2> <a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> Vor dem Einschlafen</h2> -<p class="sub">(nach schönen Tagen)</p> +<p class="sub">(nach schönen Tagen)</p> <div class="poem"> <p class="line">Bin wie voll von einem guten Schlafe,</p> -<p class="line">Weil die Tage schön gewesen sind.</p> -<p class="line">Und ich könnte beten wie das brave</p> +<p class="line">Weil die Tage schön gewesen sind.</p> +<p class="line">Und ich könnte beten wie das brave</p> <p class="line">Kind, das abends sich auf Gott besinnt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Eine milde Lampe wollt ich haben,</p> -<p class="line">Die hell bleiben dürfte diese Nacht.</p> +<p class="line">Die hell bleiben dürfte diese Nacht.</p> <p class="line">Wollte mich in einem Bette laben,</p> <p class="line">Mir von milder Hand zurecht gemacht.</p> </div> @@ -639,7 +605,7 @@ Vor dem Einschlafen</h2> <p class="line">Alles wohlgetan, und ich entkleide</p> <p class="line">Mit den Kleidern mich von aller Welt,</p> <p class="line">Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide</p> -<p class="line">Länger drückt und angebunden hält. +<p class="line">Länger drückt und angebunden hält. </p> </div> @@ -653,13 +619,13 @@ In der Nacht</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und über mir ein Traum zerrinnt.</p> +<p class="line">Und über mir ein Traum zerrinnt.</p> <p class="line">Ich taste, wo die Welt beginnt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Da plötzlich weiß ichs wie ein Leid:</p> -<p class="line">Daß ich zurückblieb in der Zeit. +<p class="line">Da plötzlich weiß ichs wie ein Leid:</p> +<p class="line">Daß ich zurückblieb in der Zeit. </p> </div> @@ -668,22 +634,22 @@ In der Nacht</h2> Die Stadt</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ein böses Werk betreiben diese Tage</p> +<p class="line">Ein böses Werk betreiben diese Tage</p> <p class="line">Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn.</p> <p class="line">All mein um Menschen Werben, das ich wage,</p> -<p class="line">Es endet wie gehässiges Tun.</p> +<p class="line">Es endet wie gehässiges Tun.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und alles Herz, das mir die Menschen reichten,</p> -<p class="line">War übervoll mit Gift betaut.</p> -<p class="line">Ich nenne dich die Hölle der Verseuchten,</p> +<p class="line">War übervoll mit Gift betaut.</p> +<p class="line">Ich nenne dich die Hölle der Verseuchten,</p> <p class="line">Stadt ohne Seele aufgebaut.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Könnt ich entlaufen! Einen Acker haben,</p> -<p class="line">Den nichts als Himmel überhängt.</p> +<p class="line">Könnt ich entlaufen! Einen Acker haben,</p> +<p class="line">Den nichts als Himmel überhängt.</p> <p class="line">Und dort nach meinem Herzen graben,</p> <p class="line">Das sich so tief hinabgesenkt. </p> @@ -695,30 +661,30 @@ Pferderennen</h2> <div class="poem"> <p class="line">Still zieht mein Blick mit diesem Rudel Reiter</p> -<p class="line">In grüner Ferne: das geschlossen dicht,</p> -<p class="line">Wie spielend hinläuft, dort im Bogen weiter,</p> -<p class="line">Dann näher kreist, nun in die Nähe bricht.</p> +<p class="line">In grüner Ferne: das geschlossen dicht,</p> +<p class="line">Wie spielend hinläuft, dort im Bogen weiter,</p> +<p class="line">Dann näher kreist, nun in die Nähe bricht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Da kommen sie, über den Mähnen liegend,</p> +<p class="line">Da kommen sie, über den Mähnen liegend,</p> <p class="line">Sich, Mann und Tier, hinwerfend durch die Zeit,</p> <p class="line">Noch alle wollend, und noch keiner siegend —</p> -<p class="line">Und plötzlich weiß mein Herz die Schnelligkeit.</p> +<p class="line">Und plötzlich weiß mein Herz die Schnelligkeit.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und jetzt: ein braunes mit befreitem Sprunge</p> <p class="line">Durchdringt das Rudel — ungehemmt davon!</p> -<p class="line">Es hat den Sieg im übersichern Schwunge</p> -<p class="line">Und trägt ihn weit vor allen schon.</p> +<p class="line">Es hat den Sieg im übersichern Schwunge</p> +<p class="line">Und trägt ihn weit vor allen schon.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das Rudel ist entwirrt — ein Zweiter,</p> -<p class="line">Ein Dritter reißt sich vom verstrickten Feld.</p> -<p class="line">Im Fluge horcht zurück der erste Reiter,</p> -<p class="line">Der schon sein Tier mit leichten Händen hält. +<p class="line">Ein Dritter reißt sich vom verstrickten Feld.</p> +<p class="line">Im Fluge horcht zurück der erste Reiter,</p> +<p class="line">Der schon sein Tier mit leichten Händen hält. </p> </div> @@ -726,23 +692,23 @@ Pferderennen</h2> <a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> Szene</h2> -<p class="sub">(Sonntagabend in der Großstadt)</p> +<p class="sub">(Sonntagabend in der Großstadt)</p> <div class="poem"> -<p class="line">Ein mächtiger Greis in glänzendem Zylinder</p> -<p class="line">Trat plötzlich vor die Leute, Weiber, Kinder.</p> +<p class="line">Ein mächtiger Greis in glänzendem Zylinder</p> +<p class="line">Trat plötzlich vor die Leute, Weiber, Kinder.</p> <p class="line">Betrunken baumelt er mit einem Stock,</p> -<p class="line">Dran hängt Marie in blütenweißem Rock,</p> -<p class="line">Die schlanke Himmelskönigin aus Flußpapier,</p> -<p class="line">Die Wänglein süß wie Milch und Blut auch hier.</p> +<p class="line">Dran hängt Marie in blütenweißem Rock,</p> +<p class="line">Die schlanke Himmelskönigin aus Flußpapier,</p> +<p class="line">Die Wänglein süß wie Milch und Blut auch hier.</p> <p class="line">Die Leute lachen sehr: „Er kommt aus Mariazell,</p> <p class="line">Dort weht es heilig und die Luft ist hell.</p> <p class="line">Am Weg zum Altar stehn viel Schenken offen,</p> <p class="line">Da hat der gute Alte sich besoffen.“</p> -<p class="line">Der Alte lächelt heimlich und verschwiegen,</p> -<p class="line">Hat er doch Berg und Täler überstiegen.</p> +<p class="line">Der Alte lächelt heimlich und verschwiegen,</p> +<p class="line">Hat er doch Berg und Täler überstiegen.</p> <p class="line">Und immer neue dumme Neider kamen</p> -<p class="line">Und höhnten laut — er aber sagte: Amen. +<p class="line">Und höhnten laut — er aber sagte: Amen. </p> </div> @@ -754,28 +720,28 @@ Einsam</h2> <p class="line">Wenn der Tag zuende gebrannt ist,</p> <p class="line">Ist es schwer nachhause zu gehn,</p> <p class="line">Wo viermal die starre Wand ist</p> -<p class="line">Und die leeren Stühle stehn.</p> +<p class="line">Und die leeren Stühle stehn.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Besser ists, mit den Verirrten</p> <p class="line">Laut vereint zum Weine finden.</p> -<p class="line">Elend läßt sich mit Gift bewirten,</p> -<p class="line">Und ein Blinder führt einen Blinden.</p> +<p class="line">Elend läßt sich mit Gift bewirten,</p> +<p class="line">Und ein Blinder führt einen Blinden.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten,</p> -<p class="line">Aber du wirst mich um Geld erhören.</p> +<p class="line">Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten,</p> +<p class="line">Aber du wirst mich um Geld erhören.</p> <p class="line">Und wir eilen mit ungleichen Schritten,</p> -<p class="line">Um uns tiefer noch zu zerstören.</p> +<p class="line">Um uns tiefer noch zu zerstören.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende</p> <p class="line">Durch die leeren Pausen zu gehn</p> <p class="line">Und einsam der Tageswende</p> -<p class="line">In die erlöschenden Augen zu sehn! +<p class="line">In die erlöschenden Augen zu sehn! </p> </div> @@ -785,24 +751,24 @@ Begegnung</h2> <div class="poem"> <p class="line">Als nachts um eins ein leiser Regen fiel,</p> -<p class="line">Da traf ich in der Straße eine Kranke</p> +<p class="line">Da traf ich in der Straße eine Kranke</p> <p class="line">Hintaumelnd, eine irre Dulderin,</p> <p class="line">Die, tastend nach dem letzten Ziel,</p> -<p class="line">Wie ein verlöschender Gedanke</p> +<p class="line">Wie ein verlöschender Gedanke</p> <p class="line">Schon in den Tod zu starren schien.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und wie gerufen trat ich ihr ganz nah,</p> -<p class="line">So daß ich jetzt ihr leeres Auge sah.</p> +<p class="line">So daß ich jetzt ihr leeres Auge sah.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Da mußt ich sie mit einem Worte grüßen</p> -<p class="line">Und sah sie schwanken auf den lahmen Füßen</p> -<p class="line">Und sah sie lächeln schwer und kalt.</p> +<p class="line">Da mußt ich sie mit einem Worte grüßen</p> +<p class="line">Und sah sie schwanken auf den lahmen Füßen</p> +<p class="line">Und sah sie lächeln schwer und kalt.</p> <p class="line">„Der Regen“, lallte sie, „wird sich beeilen,</p> -<p class="line">Ich aber habe noch zwei böse Meilen.“</p> +<p class="line">Ich aber habe noch zwei böse Meilen.“</p> <p class="line">Wir nahmen Abschied ohne Aufenthalt. </p> </div> @@ -813,7 +779,7 @@ Bauernpferde</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ich sehe oft die Bauernpferde,</p> -<p class="line">Die nachts durch die Straßen zum Markte gehn.</p> +<p class="line">Die nachts durch die Straßen zum Markte gehn.</p> </div> <div class="poem"> @@ -821,19 +787,19 @@ Bauernpferde</h2> <p class="line">Wie roh geformte Klumpen Erde,</p> <p class="line">Da ruht das Dunkel so schwer auf ihnen.</p> <p class="line">Aber wenn sie noch gehn und wandern,</p> -<p class="line">Ihre Wagen führen, eins nach dem andern,</p> +<p class="line">Ihre Wagen führen, eins nach dem andern,</p> <p class="line">Sind sie so stark in ihrem Dienen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wie manches allein geht, sorglos, fest,</p> -<p class="line">Bedächtig ziehend an den Strängen,</p> -<p class="line">Und seinen Kutscher schlafen läßt,</p> -<p class="line">Während die Zügel unnütz hängen;</p> -<p class="line">Und treulich ausmißt jeden Meter</p> +<p class="line">Bedächtig ziehend an den Strängen,</p> +<p class="line">Und seinen Kutscher schlafen läßt,</p> +<p class="line">Während die Zügel unnütz hängen;</p> +<p class="line">Und treulich ausmißt jeden Meter</p> <p class="line">Seines Wegs und auf der Hut ist,</p> <p class="line">Wie ein breiter Mann, der rauh und gut ist,</p> -<p class="line">Und Xaver heißt oder Franz oder Peter. +<p class="line">Und Xaver heißt oder Franz oder Peter. </p> </div> @@ -849,24 +815,24 @@ Die Schlafende</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Mich beuge über das Gottvertrauen</p> +<p class="line">Mich beuge über das Gottvertrauen</p> <p class="line">Ihres beschatteten Gesichts:</p> -<p class="line">Dann fühle ich mit schwerem Grauen</p> +<p class="line">Dann fühle ich mit schwerem Grauen</p> <p class="line">Im Dunkel warten den Tod, das Nichts.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ihres Ruhens liebe Gelassenheit</p> <p class="line">Gleicht dem noch kindlichen Spiel ihrer Seele,</p> -<p class="line">Aber ich weiß, daß die Verlassenheit</p> +<p class="line">Aber ich weiß, daß die Verlassenheit</p> <p class="line">Sie bald bedrohen wird an der Kehle.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Mich beugend über ihr Weltvertrauen,</p> +<p class="line">Mich beugend über ihr Weltvertrauen,</p> <p class="line">Lauschend sanftem Atemzug,</p> -<p class="line">Fühl ich mit immer tieferem Grauen:</p> -<p class="line">Wie wird sie verwinden den großen Betrug,</p> +<p class="line">Fühl ich mit immer tieferem Grauen:</p> +<p class="line">Wie wird sie verwinden den großen Betrug,</p> </div> <div class="poem"> @@ -877,8 +843,8 @@ Die Schlafende</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und daß sie Weib ist, ihrer Schwachheit</p> -<p class="line">Lebensbürde und Liebesnot?</p> +<p class="line">Und daß sie Weib ist, ihrer Schwachheit</p> +<p class="line">Lebensbürde und Liebesnot?</p> <p class="line">Wie ist ihr Schlummer von aller Wachheit</p> <p class="line">Unrettbaren Gefahren bedroht! </p> @@ -889,7 +855,7 @@ Die Schlafende</h2> <a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken,</p> <p class="line">Brutal, ob sie auch hart erwacht,</p> -<p class="line">Ich möchte selbst sie grausam wecken</p> +<p class="line">Ich möchte selbst sie grausam wecken</p> <p class="line">Und mit ihr wachen den Rest der Nacht. </p> </div> @@ -899,57 +865,57 @@ Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken,</p> Der Selbstmord</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Das Gäßchen bog sich jäh und endete.</p> -<p class="line">Ein Widerschein, der plötzlich blendete:</p> +<p class="line">Das Gäßchen bog sich jäh und endete.</p> +<p class="line">Ein Widerschein, der plötzlich blendete:</p> <p class="line">Das Meer an meine Schritte grenzte,</p> -<p class="line">Das hier getrübte, dort beglänzte.</p> +<p class="line">Das hier getrübte, dort beglänzte.</p> <p class="line">Wie ein ganz tiefer Atemzug</p> <p class="line">Hob es sich hin und kannte kein Genug —</p> -<p class="line">Muß einen Schritt nur weitergehn:</p> +<p class="line">Muß einen Schritt nur weitergehn:</p> <p class="line">Da nimmt es mich so, wie ich bin,</p> -<p class="line">Öffnet sich still und nimmt mich hin,</p> +<p class="line">Öffnet sich still und nimmt mich hin,</p> <p class="line">Zieht mich hinein in die Gezeiten,</p> <p class="line">Mischt mich erledigend in sein Vergleiten,</p> -<p class="line">Wie eine mütterlichste Mutter, die ihr Kind</p> -<p class="line">Zurück ins Nichts, ins All gewinnt. +<p class="line">Wie eine mütterlichste Mutter, die ihr Kind</p> +<p class="line">Zurück ins Nichts, ins All gewinnt. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-24"> <a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -Ein Kuß</h2> +Ein Kuß</h2> <div class="poem"> <p class="line">Eine Hure, die zur Nacht ich fand,</p> <p class="line">Beugte sich herab zu meiner Hand,</p> -<p class="line">Als ich durch die leere Straße ging,</p> +<p class="line">Als ich durch die leere Straße ging,</p> <p class="line">Eine Hure, die sich an mich hing,</p> <p class="line">Nahm die Hand, die ihr nicht geben wollte</p> -<p class="line">Und sie wegstieß und ihr grollte,</p> -<p class="line">Beugte plötzlich sich, das arme Tier,</p> -<p class="line">Hat geküßt die Hand im Handschuh mir.</p> -<p class="line">Nicht um zu besänftigen meinen Willen,</p> +<p class="line">Und sie wegstieß und ihr grollte,</p> +<p class="line">Beugte plötzlich sich, das arme Tier,</p> +<p class="line">Hat geküßt die Hand im Handschuh mir.</p> +<p class="line">Nicht um zu besänftigen meinen Willen,</p> <p class="line">Nein, die sonderbarste Gier zu stillen.</p> <p class="line">Nicht mehr bettelnd, schon hinweggewandt,</p> <p class="line">Schon entlaufend meiner fremden Hand.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und da fühlte ichs wie einen Stich</p> +<p class="line">Und da fühlte ichs wie einen Stich</p> <p class="line">In der tiefen Brust — das war nicht ich,</p> -<p class="line">Den sie küßte, irrend und verwaist,</p> -<p class="line">Nicht das Ich, das einen Namen heißt,</p> +<p class="line">Den sie küßte, irrend und verwaist,</p> +<p class="line">Nicht das Ich, das einen Namen heißt,</p> <p class="line">Sondern sie, die Namenlose, mich,</p> <p class="line">Einen Namenlosen, der jetzt glich</p> -<p class="line">Allen Männern, die sie quälten,</p> -<p class="line">Arme Seele küßte den Beseelten,</p> -<p class="line">Küßte ungelohnt und ungestillt —</p> -<p class="line">Menschenkind küßt Gottes Ebenbild.</p> +<p class="line">Allen Männern, die sie quälten,</p> +<p class="line">Arme Seele küßte den Beseelten,</p> +<p class="line">Küßte ungelohnt und ungestillt —</p> +<p class="line">Menschenkind küßt Gottes Ebenbild.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O, nie war ein Kuß wie dieser Kuß,</p> -<p class="line">Den ich allen weitergeben muß. +<p class="line">O, nie war ein Kuß wie dieser Kuß,</p> +<p class="line">Den ich allen weitergeben muß. </p> </div> @@ -958,23 +924,23 @@ Ein Kuß</h2> Der Morgen</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ich hing am Kreuz der Nacht und stöhnte schwer,</p> +<p class="line">Ich hing am Kreuz der Nacht und stöhnte schwer,</p> <p class="line">Mein Herz war matt und hoffnungsleer</p> <p class="line">Und Stirn und Gaumen ausgebrannt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Da legt der Morgen seine Hand</p> -<p class="line">Kühl, blaß und scheu</p> -<p class="line">Mir über die versengte Stirn,</p> +<p class="line">Kühl, blaß und scheu</p> +<p class="line">Mir über die versengte Stirn,</p> <p class="line">Und wie das Dunkel schwindet vom Gehirn,</p> <p class="line">Atme ich neu —</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und trinke weißes Licht und weiße Gnade</p> -<p class="line">Und sinke losgelöst und sanft befreit</p> -<p class="line">Auf das sich klärende Gestade,</p> +<p class="line">Und trinke weißes Licht und weiße Gnade</p> +<p class="line">Und sinke losgelöst und sanft befreit</p> +<p class="line">Auf das sich klärende Gestade,</p> <p class="line">Zu neuem Tage neu bereit. </p> </div> @@ -986,50 +952,50 @@ Der Heller</h2> <div class="poem"> <p class="line">Geld ist Staub in meiner Hand,</p> <p class="line">Den ich unbedacht vergeude.</p> -<p class="line">Aber groß war meine Freude,</p> +<p class="line">Aber groß war meine Freude,</p> <p class="line">Als ich einen Heller fand.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Hatte alles ausgegeben,</p> -<p class="line">Hunger mir am Marke fraß,</p> +<p class="line">Hunger mir am Marke fraß,</p> <p class="line">Und ich sah entnervt in das</p> -<p class="line">Mitleidlose Großstadtleben.</p> +<p class="line">Mitleidlose Großstadtleben.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Alle Taschen gut verschlossen,</p> -<p class="line">Alle Seelen zugeknöpft.</p> -<p class="line">Ich begriff, daß man geköpft</p> +<p class="line">Alle Seelen zugeknöpft.</p> +<p class="line">Ich begriff, daß man geköpft</p> <p class="line">Werden kann um einen Groschen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ich begriff, daß sich ein toller</p> +<p class="line">Ich begriff, daß sich ein toller</p> <p class="line">Kerl an wem vergreifen kann.</p> <p class="line">Dieser Ohnmacht Wut und Bann —</p> <p class="line">Nichts auf Erden grauenvoller!</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O, wie muß der Arme hassen!</p> +<p class="line">O, wie muß der Arme hassen!</p> <p class="line">Fenster, die den geilen Duft</p> <p class="line">Dich Lebendigen in der Gruft</p> <p class="line">Wie zum Hohne ahnen lassen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Lächelnde, kokette Frauen</p> -<p class="line">Zeigen an dem Straßenkleid</p> -<p class="line">Alle üppige Kostbarkeit,</p> -<p class="line">Während dir die Sinne flauen. +<p class="line">Lächelnde, kokette Frauen</p> +<p class="line">Zeigen an dem Straßenkleid</p> +<p class="line">Alle üppige Kostbarkeit,</p> +<p class="line">Während dir die Sinne flauen. </p> </div> <div class="poem"> <p class="line"> <a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -Unbekümmert rollen Wagen,</p> +Unbekümmert rollen Wagen,</p> <p class="line">Ohne dich zu kennen, hin,</p> <p class="line">Die zum Schmaus, zur Buhlerin</p> <p class="line">Oder ins Theater tragen.</p> @@ -1038,15 +1004,15 @@ Unbekümmert rollen Wagen,</p> <div class="poem"> <p class="line">Ich blieb stehn und ich lief schneller,</p> <p class="line">Starrte an und blickte weg.</p> -<p class="line">Plötzlich lag vor mir im Dreck</p> +<p class="line">Plötzlich lag vor mir im Dreck</p> <p class="line">Ein verlorner alter Heller.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und mir wars, als ich mich bückte,</p> -<p class="line">Wie ein Gruß des neuen Tags.</p> +<p class="line">Und mir wars, als ich mich bückte,</p> +<p class="line">Wie ein Gruß des neuen Tags.</p> <p class="line">Und mein Herz ging bessern Schlags,</p> -<p class="line">Als ich in der Hand ihn drückte.</p> +<p class="line">Als ich in der Hand ihn drückte.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1072,7 +1038,7 @@ Die Heimkehrende</h2> <p class="line">Alida, sagt ich ihr, ich habe dich</p> <p class="line">Sogleich erkannt — wo hast du nur gezaudert</p> <p class="line">Die viele Zeit? — Nun aber labe dich,</p> -<p class="line">Hier Wein! Kühl deinen Mund, bevor er plaudert.</p> +<p class="line">Hier Wein! Kühl deinen Mund, bevor er plaudert.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1084,9 +1050,9 @@ Die Heimkehrende</h2> <div class="poem"> <p class="line">Erwache mir! — Sei da!</p> -<p class="line">Die ruhelosen Hände,</p> -<p class="line">Vielleicht vergäßen sie, was ohne mich geschah,</p> -<p class="line">Wenn erst mein Frieden zu dir fände. +<p class="line">Die ruhelosen Hände,</p> +<p class="line">Vielleicht vergäßen sie, was ohne mich geschah,</p> +<p class="line">Wenn erst mein Frieden zu dir fände. </p> </div> @@ -1095,24 +1061,24 @@ Die Heimkehrende</h2> Verfinsterung</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Und während dieser Nordwind blies</p> +<p class="line">Und während dieser Nordwind blies</p> <p class="line">Und unsre Stadt zum Norden machte,</p> -<p class="line">Die letzte Sonne uns verließ</p> +<p class="line">Die letzte Sonne uns verließ</p> <p class="line">Und jeder Wunsch zu sterben dachte,</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und viel zu früh die Nacht begann,</p> -<p class="line">Sehr anders als die andern Nächte,</p> +<p class="line">Und viel zu früh die Nacht begann,</p> +<p class="line">Sehr anders als die andern Nächte,</p> <p class="line">Wie eine Nacht, die dauern kann,</p> -<p class="line">Solange wer zu warten dächte,</p> +<p class="line">Solange wer zu warten dächte,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Da stand ich auf dem alten Platz</p> <p class="line">Und sah die alte Kirche dauern</p> <p class="line">Und geizig Zeit wie einen Schatz</p> -<p class="line">Anhäufen hinter ihren Mauern,</p> +<p class="line">Anhäufen hinter ihren Mauern,</p> </div> <div class="poem"> @@ -1123,10 +1089,10 @@ Verfinsterung</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und fühlte mich hier stehn und stehn</p> +<p class="line">Und fühlte mich hier stehn und stehn</p> <p class="line">Und wurzeln wie der Dom, der graue,</p> <p class="line">Und konnte gar nicht mehr verstehn,</p> -<p class="line">Daß wer noch neue Häuser baue.</p> +<p class="line">Daß wer noch neue Häuser baue.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1141,9 +1107,9 @@ Verfinsterung</h2> <p class="line"> <a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> Wie ist das sinnlos, hier zu stehn,</p> -<p class="line">Als ob die Zeit ein Ende nähme,</p> +<p class="line">Als ob die Zeit ein Ende nähme,</p> <p class="line">Und zu erwarten irgendwen,</p> -<p class="line">Zu glauben, daß er wirklich käme. +<p class="line">Zu glauben, daß er wirklich käme. </p> </div> @@ -1152,34 +1118,34 @@ Wie ist das sinnlos, hier zu stehn,</p> Spaziergang in der Nacht</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Kühle, klare Nacht!</p> -<p class="line">Welch ein kühnes Schreiten</p> +<p class="line">Kühle, klare Nacht!</p> +<p class="line">Welch ein kühnes Schreiten</p> <p class="line">Ist in mir erwacht —</p> -<p class="line">Führt aus engen Zeiten</p> +<p class="line">Führt aus engen Zeiten</p> <p class="line">Hoch mich in die weiten</p> -<p class="line">Aufgeschlossnen Räume dieser Nacht.</p> +<p class="line">Aufgeschlossnen Räume dieser Nacht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Daß ich heimlos bin,</p> +<p class="line">Daß ich heimlos bin,</p> <p class="line">Was ich sonst beklage,</p> <p class="line">Was ich her und hin</p> <p class="line">Durch die niedern Tage</p> <p class="line">Keuchend, schleppend trage —</p> -<p class="line">Heute fühl ich es mit neuem Sinn.</p> +<p class="line">Heute fühl ich es mit neuem Sinn.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wie der Schritt erfreut,</p> <p class="line">Wie ein Landweg! Wiesen</p> -<p class="line">Sind die Plätze heut,</p> +<p class="line">Sind die Plätze heut,</p> <p class="line">Und man geht in diesen</p> -<p class="line">Straßen wie auf Kiesen,</p> -<p class="line">Wie in Gärten, die der Mond betreut.</p> +<p class="line">Straßen wie auf Kiesen,</p> +<p class="line">Wie in Gärten, die der Mond betreut.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Löst sich nicht auch hier</p> +<p class="line">Löst sich nicht auch hier</p> <p class="line">Manche reine Quelle?</p> <p class="line">Offen liegt vor mir</p> <p class="line">All die fremde Schwelle.</p> @@ -1194,42 +1160,42 @@ Die Unerbittlichkeit</h2> <div class="poem"> <p class="line">Als ich die Unerbittlichkeit verstand,</p> -<p class="line">Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fuß</p> +<p class="line">Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fuß</p> <p class="line">Und ohne Muskel lahmte meine Hand,</p> -<p class="line">Schweiß auf der Stirn, des Todes kalter Gruß.</p> +<p class="line">Schweiß auf der Stirn, des Todes kalter Gruß.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und das Herz selbst tat so erbärmlich weh</p> +<p class="line">Und das Herz selbst tat so erbärmlich weh</p> <p class="line">Vor lauter Gottverlassenheit.</p> <p class="line">Da sagte ich zu mir: „Mensch! Jetzt gesteh!</p> -<p class="line">Jetzt wärest du zu jedem Schluß bereit.“</p> +<p class="line">Jetzt wärest du zu jedem Schluß bereit.“</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Jetzt, wo ich sanft in meinem Elend bin,</p> -<p class="line">Weil aller Trotz wie Hauch in Lüften schwand,</p> +<p class="line">Weil aller Trotz wie Hauch in Lüften schwand,</p> <p class="line">Jetzt werft mich zu den Pestverseuchten hin</p> -<p class="line">Und laßt allein verwelken diese Hand. +<p class="line">Und laßt allein verwelken diese Hand. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-31"> <a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -Einem edlen Jüngling</h2> +Einem edlen Jüngling</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Du wirst wie wir alle am Zügel</p> -<p class="line">Gängig werden,</p> -<p class="line">Im Zotteltrab, ohne Flügel,</p> +<p class="line">Du wirst wie wir alle am Zügel</p> +<p class="line">Gängig werden,</p> +<p class="line">Im Zotteltrab, ohne Flügel,</p> <p class="line">Gehn mit den Herden.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du wirst mit dir verkehren</p> -<p class="line">Karg und gewöhnlich,</p> +<p class="line">Karg und gewöhnlich,</p> <p class="line">Und ohne prinzliche Ehren,</p> -<p class="line">Weltversöhnlich.</p> +<p class="line">Weltversöhnlich.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1240,7 +1206,7 @@ Einem edlen Jüngling</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Du wirst dich ärgern lernen</p> +<p class="line">Du wirst dich ärgern lernen</p> <p class="line">Und dich bescheiden,</p> <p class="line">Unter geduldigen Sternen</p> <p class="line">Menschlicher leiden. @@ -1253,16 +1219,16 @@ Liebe</h2> <div class="poem"> <p class="line">Dunkle Erdenwege, die der lichten,</p> -<p class="line">Leichten Gefühle Schatten sind!</p> +<p class="line">Leichten Gefühle Schatten sind!</p> <p class="line">Liebe als Licht aus der Sonne rinnt</p> -<p class="line">Und verfängt sich an kalten, dichten</p> +<p class="line">Und verfängt sich an kalten, dichten</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Menschenleibern und Menschenseelen,</p> -<p class="line">Und umwirbt sie, verklärt sie, vergöttert sie,</p> -<p class="line">Und verdirbt sie, zerstört sie, zerschmettert sie —</p> -<p class="line">Menschen, die sich küssen, sich quälen. +<p class="line">Und umwirbt sie, verklärt sie, vergöttert sie,</p> +<p class="line">Und verdirbt sie, zerstört sie, zerschmettert sie —</p> +<p class="line">Menschen, die sich küssen, sich quälen. </p> </div> @@ -1271,19 +1237,19 @@ Liebe</h2> Die Spielende</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stören,</p> +<p class="line">Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stören,</p> <p class="line">Ich halte den Atem an und schau dir zu,</p> <p class="line">Spiele nur, Sorglose du,</p> -<p class="line">Ich will mich nicht empören,</p> -<p class="line">Wenn plötzlich mein Leben in deiner Hand</p> +<p class="line">Ich will mich nicht empören,</p> +<p class="line">Wenn plötzlich mein Leben in deiner Hand</p> <p class="line">Ein wenig zu sterben beginnt — ich halte Stand,</p> <p class="line">Ich Spielzeug —</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Weiß ich auch mit meinem kalten, ohnmächtigen Wissen,</p> -<p class="line">Daß dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar,</p> -<p class="line">Und fühl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr:</p> +<p class="line">Weiß ich auch mit meinem kalten, ohnmächtigen Wissen,</p> +<p class="line">Daß dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar,</p> +<p class="line">Und fühl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr:</p> <p class="line">Es werde dir nicht entrissen,</p> <p class="line">Was du mit leichter Sicherheit dir gewonnen hast, Kind,</p> <p class="line">Wie grausam auch deine Finger sind,</p> @@ -1291,13 +1257,13 @@ Die Spielende</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Denn du lächelst, Sorglose, aus dir lächelt ein Schimmer</p> +<p class="line">Denn du lächelst, Sorglose, aus dir lächelt ein Schimmer</p> <p class="line">Des lieben, so unwirklichen, blinden</p> <p class="line">Lebens, das ich nicht finden,</p> <p class="line">Nicht sein, nicht haben kann — was auch immer</p> <p class="line">Jetzt in mir stirbt und sei es noch so reich,</p> -<p class="line">Ich halte den Atem an und fühle bleich,</p> -<p class="line">Daß du schön bist — +<p class="line">Ich halte den Atem an und fühle bleich,</p> +<p class="line">Daß du schön bist — </p> </div> @@ -1306,22 +1272,22 @@ Die Spielende</h2> Ein Brief</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Geliebter, deine Kühle</p> +<p class="line">Geliebter, deine Kühle</p> <p class="line">Weht aus der Ferne her.</p> -<p class="line">Geliebter, und ich fühle,</p> +<p class="line">Geliebter, und ich fühle,</p> <p class="line">Du liebst nicht mehr.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Geliebter, und die Züge</p> +<p class="line">Geliebter, und die Züge</p> <p class="line">Deines Angesichts</p> -<p class="line">Zerfließen, eine Lüge,</p> +<p class="line">Zerfließen, eine Lüge,</p> <p class="line">In ein Nichts.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und ob ich mich auch quäle,</p> -<p class="line">Ich weiß deinen Mund nicht mehr.</p> +<p class="line">Und ob ich mich auch quäle,</p> +<p class="line">Ich weiß deinen Mund nicht mehr.</p> <p class="line">Geliebter, meine Seele</p> <p class="line">Wird wieder leer. </p> @@ -1332,14 +1298,14 @@ Ein Brief</h2> Abschied</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Abschied ist Tod. Das weiß ein jedes Kind</p> -<p class="line">Und läßt die Mutter aus dem Haus nicht fort.</p> -<p class="line">Jemand reist ab. Mein Herz fühlt Meuchelmord.</p> -<p class="line">So viele weiche Wärme mir entrinnt,</p> +<p class="line">Abschied ist Tod. Das weiß ein jedes Kind</p> +<p class="line">Und läßt die Mutter aus dem Haus nicht fort.</p> +<p class="line">Jemand reist ab. Mein Herz fühlt Meuchelmord.</p> +<p class="line">So viele weiche Wärme mir entrinnt,</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Daß ich wie ein Verblutender verbleiche.</p> +<p class="line">Daß ich wie ein Verblutender verbleiche.</p> <p class="line">Mir ist sehr kalt, ich friere tief — adieu!</p> <p class="line">Und alles Bleibende tut grausam weh,</p> <p class="line">Wie aufgerissene, verletzte Herzensweiche.</p> @@ -1349,7 +1315,7 @@ Abschied</h2> <p class="line">Soll ich nachhause gehen, die Papiere</p> <p class="line">Am Schreibtisch ordnen, einen Stundenplan</p> <p class="line">Entwerfen, weitertun, mein Ziel bejahn?</p> -<p class="line">Und überwinden, daß ich dich verliere? +<p class="line">Und überwinden, daß ich dich verliere? </p> </div> @@ -1358,7 +1324,7 @@ Abschied</h2> Auch du</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Auch du bist schon geprüft, auch dir ist eingegraben</p> +<p class="line">Auch du bist schon geprüft, auch dir ist eingegraben</p> <p class="line">Die Rune Welt, die wirre Hieroglyphe.</p> <p class="line">Du hast gelitten bis zur Tiefe,</p> <p class="line">Gekostet von den Honigwaben.</p> @@ -1366,16 +1332,16 @@ Auch du</h2> <div class="poem"> <p class="line">Du hast besessen und du warst zu eigen,</p> -<p class="line">Geküßt hast du das Band, dich freigequält.</p> -<p class="line">Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schält,</p> -<p class="line">Das süß und bittre Wort, die Kunst zu schweigen.</p> +<p class="line">Geküßt hast du das Band, dich freigequält.</p> +<p class="line">Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schält,</p> +<p class="line">Das süß und bittre Wort, die Kunst zu schweigen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Das alles war, wie mir, auch dir beschieden.</p> <p class="line">Jetzt aber sind wir beide neu gewandet,</p> <p class="line">Gestrandet und an seliger Bucht gelandet —</p> -<p class="line">Und es ist wieder schön hienieden! +<p class="line">Und es ist wieder schön hienieden! </p> </div> @@ -1384,21 +1350,21 @@ Auch du</h2> Schnee</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Schnee war gestern plötzlich da — auf allen</p> -<p class="line">Trüben Straßen, hell wie Unschuld, weiß,</p> -<p class="line">Weich und wärmend, aus der Luft gefallen.</p> +<p class="line">Schnee war gestern plötzlich da — auf allen</p> +<p class="line">Trüben Straßen, hell wie Unschuld, weiß,</p> +<p class="line">Weich und wärmend, aus der Luft gefallen.</p> <p class="line">Und wir gingen — enger ward der Kreis,</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Der uns heimlich aneinanderhält —</p> -<p class="line">Mit gedämpftem Schritt, gedämpfter Seele,</p> +<p class="line">Der uns heimlich aneinanderhält —</p> +<p class="line">Mit gedämpftem Schritt, gedämpfter Seele,</p> <p class="line">Unverhofftes Lachen in der Kehle,</p> <p class="line">Durch des Schneefalls kindlich neue Welt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wir, die jetzt so ernste Frage quält,</p> +<p class="line">Wir, die jetzt so ernste Frage quält,</p> <p class="line">Wurden schmiegsam, atemleicht, gelinder,</p> <p class="line">Lachten furchtlos, schneefroh, beinah Kinder —</p> <p class="line">O wie hat die kleine Freude uns gefehlt! @@ -1410,21 +1376,21 @@ Schnee</h2> Bitte an die Geliebte</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Laß uns wissend sein! Wir haben gelernt,</p> -<p class="line">Was Menschen nähert, was entfernt.</p> -<p class="line">Wir sind gealtert am Lächeln-Müssen,</p> -<p class="line">Gestorben an erzwungenen Küssen.</p> +<p class="line">Laß uns wissend sein! Wir haben gelernt,</p> +<p class="line">Was Menschen nähert, was entfernt.</p> +<p class="line">Wir sind gealtert am Lächeln-Müssen,</p> +<p class="line">Gestorben an erzwungenen Küssen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wieder auferstanden an befreiten</p> -<p class="line">Heißen Unwillkürlichkeiten.</p> +<p class="line">Heißen Unwillkürlichkeiten.</p> <p class="line">Gesundet an einem Atemzug,</p> -<p class="line">Der ungehemmt hinübertrug.</p> +<p class="line">Der ungehemmt hinübertrug.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Laß uns Horcher sein auf das Sich-Regen</p> +<p class="line">Laß uns Horcher sein auf das Sich-Regen</p> <p class="line">Im dunklen Du! Nur nicht entgegen</p> <p class="line">Dem Eigensinn der Einsamkeiten!</p> <p class="line">Nur mit dem Kind in uns nicht streiten! @@ -1436,21 +1402,21 @@ Bitte an die Geliebte</h2> Ihr Freunde</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ihr Freunde, große Liebe</p> +<p class="line">Ihr Freunde, große Liebe</p> <p class="line">War euch von mir geweiht.</p> <p class="line">Ich ward zum Diebe</p> <p class="line">An eurer Freundlichkeit.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Mein Herz in Händen bringend,</p> -<p class="line">Ein maßloses Geschenk,</p> +<p class="line">Mein Herz in Händen bringend,</p> +<p class="line">Ein maßloses Geschenk,</p> <p class="line">So kam ich Freundschaft zwingend.</p> <p class="line">Was wart ihr eng!</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Euch wie die Mörder hassen</p> +<p class="line">Euch wie die Mörder hassen</p> <p class="line">Lehrtet ihr mich zum Dank,</p> <p class="line">Vergiftet und verlassen,</p> <p class="line">Nach Sanftmut krank.</p> @@ -1459,8 +1425,8 @@ Ihr Freunde</h2> <div class="poem"> <p class="line">Mit allem meinem Gute</p> <p class="line">Warft ihr dem Weib mich zu.</p> -<p class="line">An der ich blüh und blute,</p> -<p class="line">Sei gnädig du! +<p class="line">An der ich blüh und blute,</p> +<p class="line">Sei gnädig du! </p> </div> @@ -1470,23 +1436,23 @@ Unschuld</h2> <div class="poem"> <p class="line">O die Unschuld des Genusses,</p> -<p class="line">Wenn ich dich genieße,</p> -<p class="line">Nimmermüde deines Kusses</p> -<p class="line">Und der Atemsüße.</p> +<p class="line">Wenn ich dich genieße,</p> +<p class="line">Nimmermüde deines Kusses</p> +<p class="line">Und der Atemsüße.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Jede Nacht bringt neue Spiele,</p> -<p class="line">Spielglück ohne Ende.</p> +<p class="line">Spielglück ohne Ende.</p> <p class="line">Unsre Lippen wissen viele</p> -<p class="line">Und die guten Hände.</p> +<p class="line">Und die guten Hände.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Immer zarter, immer schöner,</p> -<p class="line">Seit uns Lust verschönte.</p> -<p class="line">Ich dein glücklicher Verwöhner,</p> -<p class="line">Glücklich die Verwöhnte. +<p class="line">Immer zarter, immer schöner,</p> +<p class="line">Seit uns Lust verschönte.</p> +<p class="line">Ich dein glücklicher Verwöhner,</p> +<p class="line">Glücklich die Verwöhnte. </p> </div> @@ -1496,91 +1462,91 @@ Die Insel</h2> <div class="poem"> <p class="line">Sprich nicht von dieser Insel, wo wir uns trafen</p> -<p class="line">In unsern Nächten.</p> +<p class="line">In unsern Nächten.</p> <p class="line">Das Blut rauscht rings um sie.</p> <p class="line">Und keine Zeit geschah, Uranfang, Ende.</p> <p class="line">Was wir sonst sind, vergessen und verscheucht.</p> -<p class="line">Nur diese Spiele, grausam wie Dämonen,</p> -<p class="line">Marter nach einem Glück, das anders</p> +<p class="line">Nur diese Spiele, grausam wie Dämonen,</p> +<p class="line">Marter nach einem Glück, das anders</p> <p class="line">Beseligt als das Brot, der Trunk,</p> -<p class="line">Die sonst die Lippen sättigen.</p> -<p class="line">Nein, ungesättigt</p> +<p class="line">Die sonst die Lippen sättigen.</p> +<p class="line">Nein, ungesättigt</p> <p class="line">Tobten wir,</p> <p class="line">Bis schwer die Wimpern und die Lider schwer,</p> -<p class="line">Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blüte,</p> +<p class="line">Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blüte,</p> <p class="line">Der Tod kalt an die Stirnen tastend,</p> -<p class="line">Das Innre ausgehöhlt, ein leeres Haus</p> +<p class="line">Das Innre ausgehöhlt, ein leeres Haus</p> <p class="line">Mit ausgehobnen Fenstern, ohne Dach.</p> <p class="line">Oh, das Korallenrot der Lippen</p> -<p class="line">War mit rötrem Rot betaut</p> -<p class="line">Von unsrer Zähne Mordgier.</p> +<p class="line">War mit rötrem Rot betaut</p> +<p class="line">Von unsrer Zähne Mordgier.</p> <p class="line">Heilandsmale</p> -<p class="line">Auf diesen kühlen Händen, die gefiebert</p> +<p class="line">Auf diesen kühlen Händen, die gefiebert</p> <p class="line">Im Suchen nach Entspannung, die nicht kam.</p> -<p class="line">Nein, Ekel kam, der Würger,</p> +<p class="line">Nein, Ekel kam, der Würger,</p> <p class="line">Vom goldenen Tor der Lust uns scheuchend,</p> -<p class="line">Daß wir wie Schatten flohn.</p> +<p class="line">Daß wir wie Schatten flohn.</p> <p class="line">In unsern Adern </p> <p class="line"> <a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -Ebbte die Lust zurück, zum dunklen Schacht.</p> +Ebbte die Lust zurück, zum dunklen Schacht.</p> <p class="line">Und nur ein Duft von ihr</p> <p class="line">Blieb dem Verschmachten.</p> -<p class="line">Wie Irre hatten wir am harten Schloß gerüttelt,</p> +<p class="line">Wie Irre hatten wir am harten Schloß gerüttelt,</p> <p class="line">Die Gnade aufzusprengen.</p> <p class="line">Aber nun, mit entnervten Knien,</p> -<p class="line">Müd wie Gerichtete,</p> -<p class="line">Schlichen wir einen bangen Weg zurück.</p> +<p class="line">Müd wie Gerichtete,</p> +<p class="line">Schlichen wir einen bangen Weg zurück.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und doch, du Köstliche, war nichts als Zärtlichkeit</p> +<p class="line">Und doch, du Köstliche, war nichts als Zärtlichkeit</p> <p class="line">In meinem grausam Sein.</p> <p class="line">Doch kniete ich huldigend</p> <p class="line">Den Marterberg empor,</p> -<p class="line">Um nur den heißen süßen Hauch</p> -<p class="line">Zu pflücken, wenn die Lippe dir erblaßt.</p> +<p class="line">Um nur den heißen süßen Hauch</p> +<p class="line">Zu pflücken, wenn die Lippe dir erblaßt.</p> <p class="line">Um dir im Weh</p> <p class="line">Die bebende Melodik zu entlocken.</p> -<p class="line">Um deinem Unbewußtsein nah zu sein,</p> -<p class="line">Als könnt ich fast bis an den Tod gelangen,</p> +<p class="line">Um deinem Unbewußtsein nah zu sein,</p> +<p class="line">Als könnt ich fast bis an den Tod gelangen,</p> <p class="line">Wo wir ganz nah sind.</p> -<p class="line">Und doch war mir, du Köstliche,</p> -<p class="line">Daß wir die Lust, Verschmachtende, verschmähten,</p> -<p class="line">Ein bessres noch als Glück, ein tieferes</p> +<p class="line">Und doch war mir, du Köstliche,</p> +<p class="line">Daß wir die Lust, Verschmachtende, verschmähten,</p> +<p class="line">Ein bessres noch als Glück, ein tieferes</p> <p class="line">An-Wurzeln-Zerren, sie zu lockern, du!</p> <p class="line">Mir sind sie heilig</p> <p class="line">Diese Feste</p> <p class="line">Der Qual —</p> -<p class="line">Wenn wir auch fürchterlich erwachen. +<p class="line">Wenn wir auch fürchterlich erwachen. </p> <p class="line"> <a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> Sprich nie von dieser Insel,</p> <p class="line">Die nur wir,</p> -<p class="line">Nur wenn wir Dämon sind, in uns betreten,</p> +<p class="line">Nur wenn wir Dämon sind, in uns betreten,</p> <p class="line">Das Blut rauscht rings um sie.</p> <p class="line">Was wir dort leben,</p> <p class="line">Hat keinerlei Bezug mit andrem Leben,</p> -<p class="line">Nicht einmal unser Denken rühre dran</p> +<p class="line">Nicht einmal unser Denken rühre dran</p> <p class="line">Und kein Erinnern.</p> <p class="line">Kein Name,</p> <p class="line">Der sonst gebraucht wird,</p> <p class="line">Wage sie zu nennen,</p> -<p class="line">Kein kleines und kein großes Wort.</p> +<p class="line">Kein kleines und kein großes Wort.</p> <p class="line">Nur Reue</p> <p class="line">Ist tief genug, hinabzutauchen,</p> -<p class="line">Nur Angst so mächtig, um sie zu entdecken.</p> +<p class="line">Nur Angst so mächtig, um sie zu entdecken.</p> <p class="line">Sie, die verschollen ist,</p> -<p class="line">Die dunkel-schöne,</p> +<p class="line">Die dunkel-schöne,</p> <p class="line">Vom Blut geborgene.</p> <p class="line">Bis wieder wir,</p> <p class="line">Ganz unvermutet</p> -<p class="line">Vom Dämon hingetragen,</p> +<p class="line">Vom Dämon hingetragen,</p> <p class="line">An ihr Ufer stranden.</p> -<p class="line">Du, Köstliche,</p> -<p class="line">Erst dann schön wie ein Gift,</p> +<p class="line">Du, Köstliche,</p> +<p class="line">Erst dann schön wie ein Gift,</p> <p class="line">Und ich, der Trinker,</p> <p class="line">Giftbereit. </p> @@ -1588,11 +1554,11 @@ Sprich nie von dieser Insel,</p> <h2 class="chapter" id="ch-42"> <a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -Für die Nacht</h2> +Für die Nacht</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Gebet für dich: daß deine Wange</p> -<p class="line">Sich möge weich ins Kissen schmiegen,</p> +<p class="line">Gebet für dich: daß deine Wange</p> +<p class="line">Sich möge weich ins Kissen schmiegen,</p> <p class="line">Und durch die bange Nacht, die lange,</p> <p class="line">Dein Atem sanft dich wiegen, wiegen.</p> </div> @@ -1608,7 +1574,7 @@ Für die Nacht</h2> <p class="line">Und wieder wirst du dann die Wange</p> <p class="line">Dort, wo sie lag, ins Kissen schmiegen.</p> <p class="line">Und wieder mag dein Atem lange</p> -<p class="line">Dich flüsternd wiegen, wiegen, wiegen. +<p class="line">Dich flüsternd wiegen, wiegen, wiegen. </p> </div> @@ -1618,14 +1584,14 @@ Der Berg</h2> <div class="poem"> <p class="line">Wir gingen, meine zarte Frau und ich,</p> -<p class="line">Den sichern Weg der großen Serpentine,</p> +<p class="line">Den sichern Weg der großen Serpentine,</p> <p class="line">Die frech an dem gewaltigen Berg sich hochschwingt,</p> -<p class="line">Mit seiner fürchterlichen Schichtung spielend.</p> +<p class="line">Mit seiner fürchterlichen Schichtung spielend.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Vorbei an greisen Felsenköpfen,</p> -<p class="line">Gepreßten Klötzen, bösen Zacken</p> +<p class="line">Vorbei an greisen Felsenköpfen,</p> +<p class="line">Gepreßten Klötzen, bösen Zacken</p> <p class="line">Und grimmigen Kronen.</p> </div> @@ -1636,38 +1602,38 @@ Der Berg</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wo hoch über allen Sommern</p> -<p class="line">Schnee sich anhäuft,</p> -<p class="line">Zu hell für Augen, die ans Tal gewöhnt sind</p> +<p class="line">Wo hoch über allen Sommern</p> +<p class="line">Schnee sich anhäuft,</p> +<p class="line">Zu hell für Augen, die ans Tal gewöhnt sind</p> <p class="line">Und an die vielen Farben alle.</p> <p class="line">Schneeflug auf Schneeflug, Schneekorn dicht an Schneekorn.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wo ein Schweigen tönt,</p> +<p class="line">Wo ein Schweigen tönt,</p> <p class="line">All unsere Musik, die hurtig plaudernde,</p> -<p class="line">Mit frierender Monotonie belächelnd —</p> -<p class="line">Als wäre ein Jahrtausend hier ein Takt.</p> +<p class="line">Mit frierender Monotonie belächelnd —</p> +<p class="line">Als wäre ein Jahrtausend hier ein Takt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und wir auf unsrer sichern Serpentine,</p> -<p class="line">„Spürst du es,“ sagte ich, +<p class="line">„Spürst du es,“ sagte ich, </p> <p class="line"> <a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -„Wie nahe wir jetzt einem <span class="em">Großen</span> sind!“</p> -<p class="line">Die Frau lächelte</p> +„Wie nahe wir jetzt einem <span class="em">Großen</span> sind!“</p> +<p class="line">Die Frau lächelte</p> <p class="line">Zum Berge hin.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Da nahm der Berg mit einem wüsten Griff</p> +<p class="line">Da nahm der Berg mit einem wüsten Griff</p> <p class="line">Mir meine zarte Frau,</p> -<p class="line">Riß sie mir weg und schwang sie, schwang sie,</p> -<p class="line">Hoch, höher, hoch beim höchsten Schnee —</p> +<p class="line">Riß sie mir weg und schwang sie, schwang sie,</p> +<p class="line">Hoch, höher, hoch beim höchsten Schnee —</p> <p class="line">Und wollte sie fallen lassen,</p> -<p class="line">Sie über Steine tanzen lassen, stürzen lassen</p> +<p class="line">Sie über Steine tanzen lassen, stürzen lassen</p> <p class="line">Rasenden Wurfs in eine Todesschlucht kopfunter.</p> </div> @@ -1684,8 +1650,8 @@ Der Berg</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und küßte der Ohnmächtigen, der Geretteten,</p> -<p class="line">Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nüster stand. +<p class="line">Und küßte der Ohnmächtigen, der Geretteten,</p> +<p class="line">Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nüster stand. </p> </div> @@ -1694,14 +1660,14 @@ Der Berg</h2> Gloria</h2> <div class="poem"> -<p class="line">O süßes Leben, du bist mein!</p> +<p class="line">O süßes Leben, du bist mein!</p> <p class="line">In deinem reinsten Licht zu sein,</p> <p class="line">Ihr Blut die Helden gaben,</p> <p class="line">Die sich geopfert haben.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Es starb für dich der treue Christ,</p> +<p class="line">Es starb für dich der treue Christ,</p> <p class="line">Dir jedes Lied erklungen ist.</p> <p class="line">Soll ich nicht hoffen, glauben?</p> <p class="line">Kein Schicksal wird mirs rauben.</p> @@ -1709,7 +1675,7 @@ Gloria</h2> <div class="poem"> <p class="line">Wohl war ich in der Mutter Lust,</p> -<p class="line">Um ihren Schmerz hab ich gewußt.</p> +<p class="line">Um ihren Schmerz hab ich gewußt.</p> <p class="line">Vom Lieben und vom Leiden</p> <p class="line">Mag ich mich nimmer scheiden.</p> </div> @@ -1717,8 +1683,8 @@ Gloria</h2> <div class="poem"> <p class="line">Gegeben in die ewige Huld,</p> <p class="line">Gebunden durch die ewige Schuld,</p> -<p class="line">Den ewigen Tod zu Füßen:</p> -<p class="line">Will ich mein Leben grüßen.</p> +<p class="line">Den ewigen Tod zu Füßen:</p> +<p class="line">Will ich mein Leben grüßen.</p> </div> @@ -1774,7 +1740,7 @@ Gloria</h2> </tr> <tr> - <td>Vorfrühling</td> + <td>Vorfrühling</td> <td class="right"><a href="#ch-10">16</a></td> </tr> @@ -1789,7 +1755,7 @@ Gloria</h2> </tr> <tr> - <td>Die Nähe</td> + <td>Die Nähe</td> <td class="right"><a href="#ch-13">19</a></td> </tr> @@ -1844,7 +1810,7 @@ Gloria</h2> </tr> <tr> - <td>Ein Kuß</td> + <td>Ein Kuß</td> <td class="right"><a href="#ch-24">31</a></td> </tr> @@ -1879,7 +1845,7 @@ Gloria</h2> </tr> <tr> - <td>Einem edlen Jüngling</td> + <td>Einem edlen Jüngling</td> <td class="right"><a href="#ch-31">40</a></td> </tr> @@ -1934,7 +1900,7 @@ Gloria</h2> </tr> <tr> - <td>Für die Nacht</td> + <td>Für die Nacht</td> <td class="right"><a href="#ch-42">53</a></td> </tr> @@ -1964,7 +1930,7 @@ Gloria</h2> <p class="center" style="font-size:1.4em; letter-spacing:0.1em;"> KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG </p> -<p class="center" style="font-size:1.2em;">(FRÜHER ERNST ROWOHLT VERLAG) +<p class="center" style="font-size:1.2em;">(FRÜHER ERNST ROWOHLT VERLAG) </p> <hr class="fat" /> @@ -1972,17 +1938,17 @@ KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG <p class="center" style="font-size:1.4em;">WALTER HASENCLEVER</p> <p class="center" style="font-size:1.6em; letter-spacing:0.2em; margin-bottom:0.5em;"> -DER JÜNGLING</p> +DER JÜNGLING</p> <p class="center" style="margin-bottom:0.5em;">Geheftet Mark 2.50 Gebunden Mark 3.50</p> -<p class="noindent"><span class="em">Richard Dehmel:</span> Nehmen Sie meinen besten Glückwunsch +<p class="noindent"><span class="em">Richard Dehmel:</span> Nehmen Sie meinen besten Glückwunsch zu Ihrem Buch. Was mich vor allem fesselte, ist die Lebenskunst, die aus Ihrer Dichtkunst spricht. Gerade heute entstehen -wenig Bücher, die in hohem Sinne epikureisch sind. Ich glaube, -Ihr »Jüngling« kann auch reifen Männern eine lächelnde Anleitung +wenig Bücher, die in hohem Sinne epikureisch sind. Ich glaube, +Ihr »Jüngling« kann auch reifen Männern eine lächelnde Anleitung geben, das Schicksal als eine Angelegenheit geistigen -Genusses aufzufassen; ich wünsche Ihnen solche männliche Leser! +Genusses aufzufassen; ich wünsche Ihnen solche männliche Leser! </p> <p><span class="em">Deutsche Montagszeitung:</span> Eine neue Gesellschaftsdichtung @@ -2000,407 +1966,35 @@ WIR SIND</p> <p class="center" style="margin-left:3em; margin-right:3em; margin-bottom:0.5em;"> Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte -Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.—</p> +Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.—</p> <p class="center" style="margin-bottom:0.5em;"> Geheftet Mark 3.— Gebunden Mark 4.50</p> -<p class="noindent">Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt +<p class="noindent">Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet -war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen +war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine Dichtung -beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit -näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie -die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke -und Verkündigung eines neuen Ethos. +beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit +näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie +die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke +und Verkündigung eines neuen Ethos. </p> <p class="center" style="margin-top:0.5em; margin-bottom:0.5em;"> -URTEILE ÜBER FRANZ WERFEL:</p> +URTEILE ÜBER FRANZ WERFEL:</p> -<p class="noindent"><span class="em">Wilhelm Herzog</span> im »Berliner Tageblatt«: ». . . ein ganz junger, -ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.« +<p class="noindent"><span class="em">Wilhelm Herzog</span> im »Berliner Tageblatt«: ». . . ein ganz junger, +ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.« </p> -<p><span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> ». . . ein ganz großer Dichter, mit -allem Ernste sei das gesagt.« +<p><span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> ». . . ein ganz großer Dichter, mit +allem Ernste sei das gesagt.« </p> </div> </div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SPUR *** - -***** This file should be named 40304-h.htm or 40304-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/3/0/40304/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement -and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic -works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" -or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project -Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the -collection are in the public domain in the United States. If an -individual work is in the public domain in the United States and you are -located in the United States, we do not claim a right to prevent you from -copying, distributing, performing, displaying or creating derivative -works based on the work as long as all references to Project Gutenberg -are removed. 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