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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-09 00:15:31 -0800 |
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Nichts bin ich. Und nichts will ich mehr + Als bloß zuweilen sehen, wie ein Nest im Wind sich wiegt + Auf einer rötlichen Pappel oder einen Bettler über helle Straßen hinken, + Mühselig, an den Füßen Risse, die im Staube blutig blinken. + Mein Gott, nimm von mir diese Hoffart, die mein Leben giftig macht. + Gib, daß ich jenen Widdern ähnlich sei auf ihrer Weide, + Die immer gleich, aus Herbstes Schwermut, demutsvoll gebückt, + Zur Frühlingsfeier wandeln, die mit Grün den Anger schmückt, + Gib, daß im Schreiben meine Hoffart sich bescheide: + Daß endlich, endlich ich bekenne, daß mein Herz den Widerhall + Nur tönt der ganzen Welt, und daß mein sanfter Vater mir + Geduldig nur die Kinderregeln beigebracht. + Der Ruhm ist eitel, Herr, und Geist und Schaffen leerer Schall -- + Du einzig hast sie ganz und gibst sie an die Menschen fort, + Die aber schwatzen immer bloß dasselbe Wort + Gleich einem Bienenschwarme, der durch sommerdunkle Zweige zieht. + Gib, daß, wenn heute früh ich mich vom Pult erhebe, + Ich jenen gleiche, die an diesem schönen Sonntag zu dir gehn + Und in der armen weißen Kirche, vor dich hingekniet, + Demütig lauter ihre Einfalt und Unwissenheit gestehn. + + + + +GEBET, MIT DEN ESELN INS HIMMELREICH EINZUGEHN + + + Wenn einst zu dir, mein Gott, der Ruf zu gehn mich heißt, + Dann gib, daß feiertäglich rings das Land im Sommerstaube gleißt. + Ich will nur so, wie ich getan hinieden, + Einen Weg mir wählen und für mich in Frieden + Ins Himmelreich hinwandeln, wo am hellen Tag die Sterne stehn. + Ich greife meinen Stock und auf der großen Straße will ich fürbaß gehn + Und zu den Eseln, meinen Freunden, sprech ich dies: + »Hier, das ist Francis Jammes: der geht ins Paradies, + Ins Land des lieben Gottes, wo es keine Hölle gibt, + Kommt mit mir, sanfte Freunde, die ihr so die Himmelsbläue liebt, + Arme geliebte Tiere, die mit einem kurzen Schlagen + Des Ohrs die Fliegen und die Prügel und die Bienen von sich jagen.« + + Dann will inmitten dieser Tiere ich mich vor dir zeigen, + Die ich so liebe, weil den Kopf so sänftiglich sie neigen + Und ihre kleinen Füße aneinanderstemmen, wenn sie stille stehn, + Recht voller Sanftmut, daß es rührend ist, sie anzusehn. + So tret ich vor dich hin in dieser tausend Ohren Zug, + Gefolgt von solchen, denen einst der Korb um ihre Lenden schlug, + Und denen, die im Joch der Gauklerkarren gingen, + Und vor geputzten Wagen, die voll Flittergold und Federn hingen, + Und solchen, über deren Leib verbeulte Kannen schwankten, + Und trächtigen Eselinnen schwer wie Schläuche, die zerbrochnen Schrittes wankten, + Und denen, über deren Bein man kleine Hosen streift, + Die Fliegen abzuwehren, deren Schwarm vom Blute trunken sie umschweift + Und ihrem Leib die blauen, sickernd offnen Male läßt -- + + Laß mich, mein Gott, mit diesen Eseln zu dir schreiten, + Gib, daß einträchtiglich die Engel uns geleiten + Zu den umbuschten Bächen, wo im Winde zitternd Kirschen hangen, + So glatt und hell wie Haut auf jungen Mädchenwangen, + Und gib, daß ich in jenem Seelenreiche, + Zu deinen Wassern hingebeugt, den Eseln gleiche, + Die alle sanfte, arme Demut ihres Gangs auf Erden + Im lautern Quell der ewigen Liebe spiegeln werden. + + + + +GEBET, UM GOTT EINFÄLTIGE WORTE ANZUBIETEN + + + Gleich jenem Bilderschnitzer, den ich heute Morgen sah, besorgt und still + Im klaren Lichte sich auf seine Arbeit bücken, + Heilige schnitzend für die Kanzel seines Dorfes: also will + In meine Seele ich die frommen Bilder drücken. + Er rief zu seiner armen Schnitzbank mich heran, + Sein hölzern Werk zu sehn, und lange stand ich so davor + Und sah den Löwenkopf zu Füßen von Sankt Markus und den Aar + Zu Füßen von Johannes und Sankt Lukas in den Händen + Ein offnes Buch, darin die heiligen Regeln ständen. + Des Bildners Linke hatte übern Meißel sich gestreckt, + Die Rechte, aufgehoben, hielt noch zaudernd einen Hammer ausgestreckt. + Draußen auf Schieferdächern tanzte Mittagsluft in blauen Lichtern, + Von welkenden Basilien stieg ein frommer Weihrauchduft empor + Zu all den plumpen Heiligen mit den eckigen Gesichtern. + + Mein Gott, so schöne heilige Arbeit haben meine Hände nicht bestellt. + Du wolltest nicht, o Gott, daß ich zu dieser Welt + In armer Stube käme, nah dem Fenster, wo zur Nacht + Die Kerze tanzend vor den grünen Scheiben wacht. + Und wo vom frühen Morgen an die hellen Hobel gehn. + Mein Gott, wie gerne hätt' ich meine Heiligenbilder dir gebracht. + Und all die zarten Kinder, die am Heimweg von der Schule sie gesehn, + Ständen vor meinen weisen Königen entzückt, + Die Gold und Weihrauch spendeten und Elfenbein. + Und neben den drei Königen aus Morgenland + Schnitt ich ins Holz so wie aus Weihrauch eine Wolke ein, + Und hätte rings mein Bild mit Lilienkelchen ausgeschmückt, + Demütig schön wie Trinkgefäße, die ich in der Armen Stuben fand. + + Mein Gott, da immer noch mein Herz sich quält und fragt, + Ob es in rechter Demut sich dir nahe, + Nimm diese schlicht einfältigen Worte von mir an + Statt eines Kanzelstuhls, darin die reine Magd + Von früh bis spät Fürsprach mir hätt' getan. + + + + +GEBET, DASS EIN KIND NICHT STERBE + + + Mein Gott, erhalte seinen Eltern dieses zarte Kind, + Wie du wohl auch ein Kraut erhältst im bösen Wind. + Was macht es dir denn aus -- da doch die Mutter weint und fleht --, + Wenn es sogleich noch nicht zu dir hinübergeht + Als wie nach einem Spruch, der nicht zu ändern war? + Schenkst du ihm jetzt das Leben, wird es nächstes Jahr + Dir Rosen streun am sonnigen Fronleichnamstag! + Doch bist du ja allgütig. Und du bist es nicht, + Der Todesbläue ausgießt auf ein rosiges Gesicht, + Es wäre denn, du wolltest Heimatlosen eine Wohnstatt geben, + Wo bei den Müttern immerfort die Söhne leben. + Doch warum hier? Ach, da die Stunde schlägt, + Gedenke, Herr, vor diesem Kind, das sich zum Sterben legt, + Daß um die Mutter immer dir zu weilen ward gegeben. + + + + +MEIN NIEDRER FREUND . . . + + + Mein niedrer Freund, mein treuer Hund, nun littest du den Tod, + Vor dem du oft so wie vor einer bösen Wespe dich versteckt, + Die dich bis untern Tisch, wo du dich bargst, bedroht. + Dein Kopf, in dieser kurzen Trauerstunde, hat sich zu mir aufgereckt. + + Alltäglicher Gefährte, Wesen benedeiter Art, + Du, den der Hunger stillt, sobald dein Herr ihn teilt, + Der mit Tobias und mit Raphael hinausgeeilt, + Da sie zusammen sich aufmachten auf die Pilgerfahrt. + + Getreuer Knecht: du sollst mir hohes Beispiel sein. + Du, der an mir so wie an seinem Gott ein Heiliger hing. + All deine dunkle Klugheit, die wir nie begriffen, ging + Lebendig nun in einen fröhlich unschuldsvollen Himmel ein. + + Soll mir dereinst, mein Gott, die Gnade werden, + Dich anzuschaun von Angesicht zu Angesicht am jüngsten Tag, + Gib, daß ein armer Hund ins Angesicht dem schauen mag, + Der immer schon sein Gott ihm war auf Erden. + + + + +AMSTERDAM + + + Die Häuser, spitzgegiebelt, scheinen sich zu neigen, + Als wollten sie fallen. Masten vieler Schiffe, die dem Grau des Himmels sich vermischen, + Lehnen vornüber wie Gestrüpp von dürren Zweigen + Inmitten von grünem Laub, von Rot und rostigem Braun, + Von Kohlen, Widderfellen und gesalznen Fischen. + + Robinson Crusoe hat einst durch Amsterdam den Weg genommen + (So glaub ich wenigstens), da er von seiner grünen + Schattigen Insel, wo die frischen Kokosnüsse blühten, heimgekommen. + Wie schlug das Herz ihm, da er plötzlich vor sich nah + Die mächtigen Türen mit den schweren Bronzeklöppeln sah! . . . + + Schaute er voll Neugier in die Halbgeschosse, wo in Reihen + Die Schreiber sitzen, in ihr Rechnungsbuch versenkt? + Kam ihn die Sehnsucht an, zu weinen, da er an den Papageien + Dachte, den er so liebte, und den schweren Sonnenschirm, + Der auf der traurigen und gnadenreichen Insel oft ihm Schutz geschenkt? + + Ach, deine Wege, Herr, so rief er aus, sind wunderbar! + Da all die Kisten mit den Tulpenmustern auf den Gassen + Sich vor ihm stauten. Doch sein Herz vom Glück der Wiederkehr beschwert, + Dachte der Ziege, die im Weinberg seiner Insel er allein zurückgelassen, + Und die vielleicht nun schon gestorben war. + + Dies alles fiel mir ein vor den ungeheuren Frachten im Hafen, + Und ich sah im Geist die alten Juden, die an schwere Eisenwagen + Mit knochigen Fingern rühren, über denen grüne Ringe glänzen. + O sieh! Amsterdam will unter weißen Wimpern von Schnee entschlafen + In den Geruch von Nebel und von bitterer Kohle eingeschlagen. + + Die gewölbten weißen Buden, wo zur Nacht die Lampe glimmt, + Und aus denen man den Ruf und das Pfeifen der schweren Frauen vernimmt, + Hingen gestern im Abend wie Früchte, wie große Kürbisschalen. + Man sah Plakate blau und rot und grün im Licht aufstrahlen. + Von gezuckertem Bier ein scharf prickelnder Duft + Lag mir auf der Zunge und war mir ins Gesicht gestiegen. + + Und in den Judenvierteln, die rings voller Abfälle liegen, + Stand der Geruch von kalten rohen Fischen. + Auf dem klitschigen Pflaster lagen Orangenschalen umhergezerrt. + + Ein aufgedunsener Kopf hielt weite Augen aufgesperrt. + Ein Arm, der Reden hielt, schwang Zwiebeln in der Luft. + + Rebekka, du verkauftest an den schmalen Tischen + Schwitzendes Zuckerzeug, armselig hergerichtet . . . + + Der Himmel strömte wie ein unsichtbares Meer + Wolken von Wellen in die starrenden Kanäle. + Stille lag auf der Handelsstadt und stieg, ein unsichtbarer Rauch, + Feierlich von den starken hohen Dächern her + Und Indien trat beim Anblick dieser Häuserreihn vor meine Seele. + + Oh, und ich träumte, daß ich so ein Handelsherr einst war, + Von denen, die aus Amsterdam in jenen Tagen + Gen China segelten und vor ihrem Gehn + Die Hut des Hauses einem treuen Diener aufgetragen. + Ganz so wie Robinson hätt ich vor dem Notar + Die Vollmachtschrift umständlich mit der Unterschrift versehn. + + Meine strenge Rechtlichkeit hätt' meinen Reichtum aufgebaut. + Mein Handel hätte geblüht so wie im Mondenschein + Ein Lichtstrahl, der am Schnabel meines runden Schiffes säße. + Die großen Herren von Bombay gingen bei mir aus und ein + Und hätten mit heißem Blick auf mein kräftig schönes Weib geschaut. + + Ein Mohr mit goldnen Ringen, vom Mogul entsandt, + Käme zu handeln, lächelnd unter seinem Sonnenschirm! + Bei seinen wilden Geschichten hätte meiner schlanken Ältesten Herz gebebt, + Und zum Abschied hätte er ihr ein Gewand + Geschenkt, rubinenfarben, von Sklavenhänden gewebt. + + Die Bilder meiner Lieben hätt' ich dann nachher + Bei einem armen geschickten Maler bestellt: + Mein Weib, mit hellen rosigen Wangen, schön und schwer, + Die Söhne, deren starke Jugend alle Welt + Entzückte und der Töchter Anmut, mannigfalt und rein. + + Und also wär' ich heute, statt ich selbst zu sein, + Ein andrer und auf meinen Reisen im Vorübergehn + Hätt ich mir wohl das altehrwürdige Haus besehn, + Und meine Seele hätte träumend gebebt + Vor den schlichten Worten: Hier hat Francis Jammes gelebt. + + + + +ICH WAR IN HAMBURG + + + »Ich war vier Monde in Hamburg, dann im Haag. + Ich nahm das Schiff nach London. Es lag + Am 10. Jänner 1705 im Hafen. In zehen Jahren + Und neun Monaten war ich nicht daheim. Zu einer größern Reise auszufahren, + Rüst ich mich nun . . mit meinen zweiundsiebenzig Jahren, + Nach einem Leben reich gesegnet mit Abenteuern und Gefahren. + Ich ward genug umhergeschüttelt und verschlagen, + Zu lernen, wie süß es ist, sein Leben in der Stille auszutragen.« + + So steht's geschrieben auf dem letzten Blatt + Von Robinson Crusoes Geschichte. Ein Duft wie von Muskatsträuchern hat + Von seinem wunderbar geblümten Rock sich losgemacht. + Das ferne Gewitter, das wie eine alte Schiffskanone kracht, + Läßt Albions Veste erzittern. Und auf dem Bild, darauf mein Auge blickt, + Sieht man den alten Seehelden, wie er über der Bibel sinnt und Dankgebete zum Himmel schickt. + Mitten auf dem Tische das Fernrohr steht, + Mit dem er einst die Spur der nackten Füße erspäht + An die Wand gelehnt friedlich beieinander weilen + Der Sonnenschirm und die Mütze aus Ziegenfell und der Bogen mit den Pfeilen + Und die Axt zum Entern und das Seemannsschwert. + Hier das Medaillon von Freitag. Und nahe dabei, + Gegen die Karte der verlassenen Insel gekehrt, + Ein Strohkäfig mit einem sehr grünen Papagei. + Wie du, Robinson, hab ich Sturm und Gewitter ertragen, + Sah, wie du, über meinem Kopf das Meer zum Himmel aufschlagen + In bleigrauen Wellenbergen. So wühlte + Der Orkan meiner Liebe, der das Deck überspülte, + Und warf mich auf die Knie und höhnte. Crusoe, Crusoe, das Meer + Und die Liebe sind Geschwister von altersher + Und beide glühen aus dörrenden Sonnen Brand + Auf unser Herz und höhlen es aus gleich einer Muschel am Strand. + Und die Taue knirschen und singen wie die Fraun, + Und in unserm Blut ist diese schwarze See, die schwillt + Und uns mit dem bittern Rauschen ihrer Wasser füllt. + + Alter englischer Freund! Du warst der klügere, traun! + Von uns beiden. Denn wo auch dein Fahrzeug Schiffbruch litt, + Immer hattest du sauber geschnürt dein Bündel mit: + In Juan Fernandez und am Cap + Der guten Hoffnung. Klug und sorglich. O, ich hab' + Sie lieb, diese nüchterne und praktische Poesie, + Und ich liebe, Crusoe, deine Witwe, die, + Während du in der Ferne weiltest, dein Hab und Gut verwahrt. + + Nun darfst du, da sie all die Jahre für dich gespart, + Friedlich die Tage, die dir noch bleiben, + In dem lieben grauen Hause wohnen, das meine Verse zu Anfang beschreiben. + Nichts hast du auf deiner Insel vergessen, alles ist wie immer zur Stell': + Der Sonnenschirm und die Mütze aus Ziegenfell. + Was ich heimgebracht habe? -- so wirst du fragen, -- + Von der wüsten Insel, von der mich das Schicksal zurückgetragen? + Nichts, keine Ankerboje, keinen Käfig für die Hühner, nicht ein einzig kleines Ding. + Still! Laß dir erzählen, wie es geschah, daß mich die Brandung fing. + + Es war im sanften April, wo der Frühling wie ein Meer + Sich den Vögeln auftut, verwegnen Ceylonschwimmern, + Die nach Perlen tauchen, die aus weißblauen Luftabgründen schimmern: + Rotkehlchen, Amseln, Lerchen und Nachtigallen -- + Man hörte, von den Gärten der kleinen Häuser her, + Wie das Herz des Flieders aufbrach über den roten Pfirsichkorallen. + + Oh, ich habe nicht an jene andern Korallen gedacht, + Die einst die goldne Perusa und ihren Stolz zu Falle gebracht. + + Die Liebe und der Himmel und die Erde lagen, so schien es, im Traum beisammen. + Selig wie eine Nacht der Nächte sank die Nacht. + Aber bald begann das Duften der Obstblüte brünstiger aufzuflammen. + Da hab ich, Robinson, alle Gefahren vergessen + Des vergangenen Lebens und habe vermessen + Und unbedacht des Spruchs der Alten, die in ihren Rahmen träumen, + Nur begierig, ein neues Geschwader in den Wellen aufschäumen + Zu sehen, den Kompaß meines liebetollen Herzens hinausgedreht + Nach einer Insel, die schwer und ernst wie der Tag in den Wassern steht. + + Die Insel war verzaubert und war nichts als ein Weib. + + Die Stimme ihrer Vögel machte mich ihr zu eigen. + Andere haben mich betört mit Feuer und Vulkan. + Oh, ich liebte, Crusoe, die Berge, die von Yucatan + Unterm Meer fortlaufen, bis sie in den Antillen wieder zum Licht aufsteigen. + Mein Geschlecht hat unter jenen Mädchen gelebt, die mit ihren Händen + Die Flammen im Busen bedecken und lange Abschiedsküsse senden. + Aber hier hat mich nicht das Feuer, hier hat mich der Schnee versehrt, + Oh, ein Schnee, den kein hungriger Blitz jemals verzehrt, + Schnee, dessen klare Augen die unbewegte Macht + Des Feuers spiegeln, das ein Hirt im Winter mitten zwischen dem Eis entfacht. + O Crusoe, dies ist die Insel der wildesten Schrecken, + Denn mit ihrer Kälte weiß sie die Flammen in deinem Busen zu wecken. + + Wie es geschah, daß ich dennoch heil die Flucht genommen? + O Freund, Virgil allein verstünde hier zu entkommen. + Denn der ganze große Ozean hält nicht so fest + Wie die eine sanfte Welle, die mich umschlang und nicht von sich läßt. + Jetzt denk ich wie du, mein Crusoe, + Daß es gut ist, in seinem Zimmer zu träumen! + Mein Kaffeekessel summt mir wie ein englischer Roman im Ohr. + Ich habe Liebesbriefe, die singen mir ihre Sehnsucht vor -- + So hat dir, Crusoe, der große Ozean gesungen, + In dessen Reich deine herrliche Seele gedrungen. + Werd ich eines Tages wieder hinausziehn? Wer will es sagen? + Und dennoch sehn ich mich so, noch einmal die Arme zu schlagen + Um jene weiße Boje Weib und auf erregten Meeren + Inmitten hoher Wellen lachend wiederzukehren. + Alle Vögel dieses Märzmondes laden mich zur Liebe ein. + Heut' Morgen, beim Erwachen, da sie die neuen Weisen probten, drang ihre Stimme zu mir herein. + Ein Sperling sprach mir lange zu. Was soll ich tun? + O kleine Vögel ihr, Rotkehlchen meiner Seele, euerm Sang + Kann ich nicht folgen . . . oder, ach! mir ist zu folgen bang. + Die Sträucher sind zu grün. Ich würde eure Lust beengen . . . + Erst müssen Schatten sich über die Wälder hängen. + + + + +DIE KIRCHE, MIT BLÄTTERN GESCHMÜCKT + + + Der Dichter ist in seiner Seele Wald allein. + Sein Herz ist matt vom langen Weg und schwer von Harme. + Er wartet, ach vergebens! unter der Lianen Spiegelschein + Und blauen Balsamblumen auf den guten Samariter, der sich sein erbarme. + + Er fleht zu Gott. Der schweigt. Da hält sein Jammer sich nicht mehr. + Schmerz lastet auf ihm wie Gewitterschlag so schwer. + »Gib Antwort, Herr, was hat dein Wille über mich erkannt? + Aus deiner Freude selbst bin ich verbannt. + Wie ausgedörrt leb' ich in meinem großen Leid. + O kehre wieder! Gib mir doch die Munterkeit + Des Vogels, der sich singend dort im Herzen dieses Sandbeerbaumes regt -- + Was will dein Zürnen mir, daß es mich so in Stücke schlägt?« + + »Ich pflüge deine Seele. Sei geduldig, Kind! + Du leidest, weil mein Herz mit dir gerecht zu sein mich heißt. + Laß mich in deiner Seele wohnen, immer . . . dann noch, wenn der Wind + Die letzten Rosen von den Sträuchern reißt. + Geh nicht von mir. O sieh, ich brauche dich und deine Qual. + O mein geliebter Sohn. Ich brauch' die Tränen die in deinen Augen stehn. + Ich brauche einen Vogel, mir zu singen überm Kreuzespfahl. + Rotkehlchen meiner Seele, willst du von mir gehn?« + + »Mein Gott, auf deiner Stirne, die den Kranz von Dornen trägt, + Will ich dir singen durch dein langes Todesgraun. + Doch wenn die Schreckenskrone dann in Blüten schlägt, + Verstatte du, mein Gott, dem Vogel, dort sein Nest zu baun.« + + + + +DIE TAUBE . . . + + + Die Taube, die den Zweig des Ölbaums hält, + Das ist die Jungfrau, die den Frieden bringt der Welt. + Das Osterlamm, das man zur Schwelle trägt, + Wird einst zum Lamme, das ans Kreuz man schlägt. + Nur Stück um Stück wird das Geheimnis offenbar. + Der brennende Busch ertönte, ehe Pfingsten war. + Vor Noahs Arche schwamm die Kirche auf der Wasserflut, + Und Noah schwamm darauf, eh Moses drüber hat geruht; + Moses war überm Wasser, ehedenn Sankt Peter war: + Von Stund zu Stunde reiner macht das Licht sich offenbar. + + + + + + +DER JÜNGSTE TAG + +NEUE DICHTUNGEN + +Der Jüngste Tag stellt eine Sammlung von kleineren Werken jüngerer Dichter +dar, die als charakteristisch für unsere Zeit und als zukunftweisend zu +gelten haben. + +Im Jüngsten Tag erscheinen eine Anzahl Erstlingswerke, aber auch neue +Dichtungen anerkannter Autoren sollen veröffentlicht werden. Die Dichtungen +des »Jüngsten Tages« sind gleich weit entfernt von lebensfremder +Literatenliteratur wie von populärem Kitsch. Aus diesen Werken soll das +Lebens- und Weltgefühl unserer Zeit strömen, ihre Entzückungen, Schmerzen, +Begeisterungen, Reizsamkeit und Kraft. Menschliche Gefühle werden in +knapper Form ausgedrückt und sollen menschliche Gefühle erwecken. + +Da das charakteristischste und konzentriertste dichterische Ausdrucksmittel +unserer Zeit sich in der Lyrik darstellt, so wird der Jüngste Tag +vorwiegend lyrische Werke veröffentlichen, aber auch programmatische und +bedeutsame kleine Prosaschriften sollen geboten werden. Nicht nur auf +deutsche Dichter soll sich der Jüngste Tag beschränken, sondern auch +ausländische Dichtungen sollen zeigen, dass es gewisse Elemente gibt, die +der Dichtung aller Länder in unserer Zeit (wie in der bildenden Kunst) +gemeinsam sind. + +Der Jüngste Tag wird, getreu dem Spiegel seines Wortes, versuchen, alles +notwendige zu sammeln, das ihm aus der Stärke des Zeitlichen heraus, ewiges +Dasein verspricht. Dies Unternehmen soll nicht mehr an der Gebundenheit von +Zeitschriften leiden. So soll der Jüngste Tag mehr als ein Buch sein und +weniger als eine Bücherei. + +Jeder Beitrag erscheint einzeln als gesondertes Heft zum Preise von 80 +Pfennig geheftet, M 1.50 gebunden. + +Der Jüngste Tag wird auch im Abonnement geliefert und zwar als Serien von +je 6 Heften. Der Abonnements-Preis beträgt M 4.20 für die broschierte, M +7.80 für die gebundene Ausgabe. Jede bessere Buchhandlung nimmt Abonnements +entgegen. Für diejenigen, die die Hefte lieber in einem gebundenen Bande +vereinen wollen, wird eine Einbanddecke zum Preise von M 1.50 für jede +Serie geliefert. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +_Im Sommer 1913 erschienen:_ + +FRANZ WERFEL: Die Versuchung · Ein Gespräch + +WALTER HASENCLEVER: Das unendliche Gespräch · Eine nächtliche Szene + +FRANZ KAFKA: Der Heizer · Eine Erzählung + +FERDINAND HARDEKOPF: Der Abend · Ein Dialog + +EMMY HENNINGS: Die letzte Freude · Gedichte + +CARL EHRENSTEIN: Klagen eines Knaben · Skizzen + +_Im Herbst 1913 folgten:_ + +GEORG TRAKL: Gedichte (Doppelheft) + +FRANCIS JAMMES: Die Gebete der Demut · Gedichte + +MAURICE BARRÈS: Der Mord an der Jungfrau + +BERTHOLD VIERTEL: Die Spur · Gedichte + +OTTOKAR BREZINA: Hymnen + +_Eine Bestellkarte liegt bei!_ + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +_Pressestimmen über die sechs ersten Hefte des »JÜNGSTEN TAGES«_ + +_Professor Witkowski:_ »Ein neues verheißungsvolles Unternehmen. Der +Gesamteindruck ist der einer kultivierten, nach starkem Leben verlangenden +Dichterjugend.« + +_Zeitschrift für Bücherfreunde:_ ». . . am höchsten steht das Gespräch »Die +Versuchung« von Franz Werfel. Der Dichter zwischen Satan und Erzengel, ein +nach außen gestelltes Innenbild der kämpfenden Wonnen, der Versuchungen und +der seligen Erkenntnisse des Dichters von heute. Das ist wirklich >Jüngster +Tag< . . .« + +_Die neue Rundschau:_ »Die Unmittelbarkeit, mit der Kafka statt der +Realität die ihm eigentümliche Formsprache setzt, macht ihn der +expressionistischen Richtung heutiger Malerei verwandt. Als er seine neue +Novelle »Der Heizer« schrieb, die in Amerika spielt, wollte er nichts von +Amerika hören, obwohl er nie dort gewesen ist. Er schrieb das Amerika +seines Kopfes, in dem die Freiheitsstatue keine Fackel, sondern ein Schwert +trägt, weil dies besser in den Satz paßt. -- Ich glaube, Walser hätte es +ebenso gemacht.« + +_Berliner Börsen-Courier:_ ». . . So schafft der Dichter Carl Ehrenstein +eine beziehungsreiche, an Klängen schon entzündete Kunst der bis zum +Paradoxen verwickelten Urschmerzen. Seine Klagen werden hingesprochen wie +Träume (immer denkt und glaubt man daran) zu erzählen sind. Und am Ende +dieser wirklichen Gedichte in Prosa ist einem, als habe man eine weite +Reise gemacht. Wir lieben dieses Buch . . . Es gibt Klänge, die das Herz +zittern machen.« + +_Königsberger Hartungsche Zeitung:_ »Emmy Hennings schafft unmittelbar aus +ihren seelischen Evolutionen heraus und das gibt ihren Versen jene +faszinierende Unmittelbarkeit, der sich keiner entziehen kann. Ihr Vortrag +ist still und ohne Prätention. Aber im Innern dieser leicht hingesagten +Strophen fühlt man das Leben pulsen.« + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +ARKADIA + +EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST + +HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD + +BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS + +Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.-- + +INHALT: + +DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz +Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus +der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max +Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der +Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_, +Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika / +_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung / +_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer +im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES: +_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_, +Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_, +Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +GEORG HEYM + +_DER EWIGE TAG_ + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter +den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage +kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter +haben muß. + +_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher +Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede +Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben, +Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der +deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. + +_UMBRA VITAE_ + +_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_ + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen, +dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und +Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine +ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg +Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. + +_DER DIEB_ + +_EIN NOVELLENBUCH_ + +Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.-- + +_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual +der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu +Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen +Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt +erscheint. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +FRANZ WERFEL · WIR SIND + +_NEUE GEDICHTE_ + +In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin + +Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50 + +Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare auf schwerem +Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.-- + +_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei +das gesagt. + +_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche +Lust zu fühlen hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen +gemacht. + +ELSE LASKER-SCHÜLER + +_GESICHTE. Essays u. and. Geschichten_ + +Geheftet M 4.-- · Gebunden M 5.-- + +INHALT: + +Sterndeuterei / Handschrift / Johann Hansen und Ingeborg Coldstrup / +Künstler / In der Morgenfrühe / Elberfeld im dreihundertjährigen +Jubiläumsschmuck / Arme Kinder reicher Leute / Am Kurfürstendamm / Die +beiden weißen Bänke vom Kurfürstendamm / Die Odenwaldschule / +Lasker-Schüler kontra B. und Genossen / Coranna / Die schwere Stunde / +Peter Hille / Karl Kraus / Loos / Oskar Kokoschka / Peter Baum / Franz +Werfel / S. Lublinski / Paul Leppin / Richard Dehmel / Max Brod / Alfred +Kerr / Bei Guy de Maupassant / Albert Heine / Karl Vogt / Paul Lindau / Bei +Julius Lieban / Friedrich von Schennis / Tilla Durieux / Paul Zech / Rudolf +Blümner / William Wauer / Wauer-Walden via München und so weiter / Emmy +Destinn / Franziska Schultz / Kete Parsenow / Ruth / Unser Café / Marie +Böhm / Der Alpenkönig und der Menschenfeind / Egon Adler / Ein Amen / Wenn +mein Herz gesund wär -- / Der Eisenbahnräuber / Im neopathetischen Kabarett +/ Kabarett Nachtlicht, Wien / Apollotheater / Tigerin, Affe und Kuckuck / +Im Zirkus / Zirkuspferde / Zirkus Busch. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + +MAX DAUTHENDEY + +_RELIQUIEN_ + +Gedichte -- Buchausstattung von E. R. WEISS + +Geheftet M 2.50 · Dritte Auflage · Gebunden M 4.-- + +_Das Literarische Echo:_ Die »Reliquien« beweisen die ganze starke, +eigenartige Begabung des Dichters, seine sinnliche, farbige Sprache, seine +schöpferische Kraft. Reif und schön glänzt es, inbrünstige Liebeslieder und +Gedichte von jenen unheimlichen, mystischen Stimmungen, die Rilke mit +soviel prunkender Spielerei zu erzwingen sucht, die Dauthendey aber in +großer, fast starrer Einfachheit zeichnet. Sein Hauptthema bleibt immer die +Liebe und die Freude an der Schönheit der Welt; die Lebenslust ist die +typische Eigenart seiner Schöpfungen. + +_SINGSANGBUCH_ + +_LIEBESLIEDER_ + +Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe / Zweite Auflage Einbandzeichnung von +E. R. WEISS + +Geheftet M 2.-- · Gebunden M 3.50 + +_Berliner Tageblatt:_ Hier könnte ich wirklich jedes Gedicht herausgreifen, +um die Fülle eines schaffens-, liebes- und lebensfrohen Gemüts, einer +unermüdlichen, unerschöpflichen Phantasie anzudeuten. + +_Ernst Lissauer:_ Da glänzt eine Heiterkeit, die an die lichte +Liebenswürdigkeit fränkischer Landschaften mahnt, Weinduft ist darin. + +_DIE AMMENBALLADE_ + +Acht Liebesabenteuer gedichtet von acht Ammen + +_NEUN PARISER MORITATEN_ + +Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe + +Geheftet M 2.-- · Zweite Auflage · Gebunden M 3.50 + +_Das Literarische Echo:_ Vorzügliche Karikaturen, grellbunte Spiegelbilder +des Lebens auf einem ernsten dunklen Hintergrund. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Gebete der Demut, by Francis Jammes + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40231 *** |
