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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-09 00:20:40 -0800 |
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Du hast deine Bücher. Du hast deine +Bilder. Und die Madonnen. + +Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, wenn du steile Treppen +hinaufrennst . . . Warum ranntest du immer so die Treppen hinauf? . . . +Mein Kind, vielleicht magst du sehr lange ausruhen. Wir fahren nicht mehr +auf der Eisenbahn. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die +elektrische Leselampe kommt ans Bett. In diesem Spiegel -- -- + +Germaine: + +Ich bin soweit. . . Bei mir geht das rasch . . . Ein Korsett trug ich +zuletzt in . . . Krakau. Meine Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser +an. Aber jetzt trage ich keins mehr. Bei dir habe ich es gut. Ich brauche +auch meine Haare nicht zu brennen. Ich darf sie glatt tragen. Du schickst +mich nicht hinaus. Aber wenn du willst, will ich sofort in den Regen +hinausgehen. + +Ostap: + +Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen mich Madame Chantavoine +war, als ich am ersten Abend in euer Haus kam, Rue St. Fiacre im zweiten +Arrondissement. Ihr stecktet alle in roten Kleidern. Ich empfand: daß alle +Mädchen, die es noch geben würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen +zusammen. Aber wie ich aufstand, da trat Madame sehr schnell vor dich hin +und hielt dich zurück. Im Atrium sah ich noch, durch einen hellen Streif, +die letzte Welle deines roten Kleides . . . Man schob mich hinaus. An der +Tür murmelte die Concierge verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern +hinausgeworfen worden. + +Germaine: + +Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du kamst wieder. Du benahmst +dich geschickt. Und als ich dich mit aufs Zimmer hinaufnehmen durfte -- + +Ostap: + +. . . da verlangtest du zehn Franks von mir, Geliebte. Soviel wollte ich +dir nicht geben. Schließlich sagtest du: »Mein Herr, Sie werden mir soviel +geben, wie ich Ihnen wert gewesen sein werde.« Das tat ich. + +Germaine: + +War ich zehn Franks wert? + +Ostap: + +Du warst mehr als zehn Franks wert. -- -- -- + +Germaine: + +. . . Wir lieben uns ganz innig. Als man dir neulich den Hals schnitt, +taten mir die Brüste ebenso weh. Was ich dir gesagt habe, das hat dir noch +kein Mädchen gesagt. Und du hast es _angenommen!_ Das weißt du. Wir +verschieben es nur noch, nicht wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern +wissen. + +Ostap: + +. . . . . + +Germaine: + +Warum du mich nicht heiratest. + +Ostap: + +. . . . . + +Germaine: + +Du brauchst es ja nicht zu _tun_. Du bist an nichts gebunden. Aber sag' nur +einen Augenblick, daß du es tun _willst_. Du brauchst es ja nicht zu tun. +Es macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur _sagst_. Du bist an +nichts gebunden. + +Ostap: + +Wir werden uns heiraten. + +Germaine: + +. . . Wäre es möglich, daß ich dich einst nicht mehr liebte, so könnte ich +nicht sagen: »Ich _habe_ dich geliebt.« Das . . . dächte ich dann nicht +mehr aus. Vergangen könnte dies nur sein, wenn ich nicht mehr wüßte, wie +süß es war. Wenn ich kein . . . Bewußtsein mehr hätte. Wenn ich . . . nicht +mehr Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. _Du_ . . . + +Ostap: + +_Bitte, sprich nicht von mir!_ Ich komme nicht im geringsten in Betracht! +Ich bin ein alter Mann. Ich habe graue Haare. Ich bin . . . dein Publikum. +Ich lebe von dem Gifte das du bist. Ich habe nie eine Rolle gespielt. Ich +bin ja _überglücklich_, wenn du _totkrank_ bist, nur damit ich eine Rolle +übernehmen darf: in tiefster Seele um dich besorgt zu sein. + +Germaine: + +_Und doch hast du eine Rolle von mir angenommen._ Das weißt du. _Hättest_ +du sie aber nur _gespielt_, so wärst du immer noch ein guter Schauspieler. +Denn du hast so zu mir gesprochen, wie . . . Lupu Hood nicht zu mir +gesprochen hat. + +Ostap: + +Wo ist Lupu Hood? + +Germaine: + +Im Zuchthaus. + +Ostap: + +Was hatte er getan? + +Germaine: + +. . . . . + +Ostap: + +Du hast ihn wahnsinnig geliebt. + +Germaine: + +Ich liebe dich. + +Ostap: + +. . . Aber vielleicht hast _du_ alles nur gespielt! Alles das, was du für +mich tun wolltest. Du warst freigebig, mein Kind. Du sagtest: »Denke dir +aus, was ich tun soll. Ich tue alles!« + +Germaine: + +Das sage ich auch jetzt. + +Ostap: + +Der _Regen_ kam immer dabei vor. Vielleicht hast du alles nur _gespielt!?_ + +Germaine: + +Wenn ich es gespielt hätte, hätte ich es dir am _anderen_ Morgen doch +_gesagt!_ Was _ich_ dir gesagt habe, ist meine Natur. Eine Zeitlang hatte +ich meine Natur vergessen. Du _selbst_ hast mich sie wiedergelehrt. Du +sprachst von dreierlei, was man anbete, und was ein jeder deshalb »du« +nennen dürfe: Gott, Könige und die Kokotten. Du sprachst wild. Ich hatte +meinen Charakter verloren. Du hast mir meinen Charakter wiedergegeben. Ich +fühle es so tief. + +Ostap: + +. . . (hè), in der Nacht, als du dich plötzlich verändertest. Ich erkannte +dich nicht wieder. Deine Augen wurden wasserklar und bleich. Dein Gesicht +wurde _rein_. Da schien mir jeder Atemzug, den du tatest, wie tausend Jahre +der Weltgeschichte. Da ward die kleinste Bewegung, die du tatest, eine +_Revolution_ . . . Damals erzählte ich dir auch meine . . . armselige +Lebensgeschichte. + +Germaine: + +Ja, Mädchen wie ich bin, denen erzählt man viel. + +Ostap: + +_Bist_ du denn ein solches Mädchen? + +Germaine: + +_Natürlich!_ So _glaube_ es doch endlich! . . . Du sollst es _gut_ haben. +Du schläfst bis Mittag. Dann komme ich. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen +ans Bett. Du kannst den ganzen Tag im Café sitzen. Wir werden dich alle +lieb haben. Du hast mir versprochen, daß du es tun willst. + +Ostap: + +. . . _Wer_ will mich lieb haben? + +Germaine: + +_Wir_ Mädchen und unsere Freunde. + +Ostap: + +. . . _Was_ wollte ich tun? + +Germaine: + +Nichts tun. _Mich_ tun _lassen_. + +Ostap: + +. . . _Du sollst alles für mich tun_. So tun, daß du es _merkst_, mein +Kind, daß es _für mich_ ist! Amüsant soll das für dich nicht sein! Dein Tun +soll ganz gefärbt, ganz . . . entstellt, ganz verzerrt sein von dem Willen, +es _für mich_ zu tun. _Du_ sollst die _Aufopferung_ kennen lernen, +Germaine! + +Germaine: + +Ich bin _irrsinnig_ glücklich, Geliebter. Wir sind weithin gereist, aber +mir fehlte etwas. Am unendlichen Ozean hatt' ich nur den einen Wunsch: +_eingesperrt_ zu sein in einem Gefängnis oder in einem Haus, wie es das in +der Rue St. Fiacre war. In all den vornehmen Hotels hatt' ich nur den einen +Wunsch, von der _Polizei_ verfolgt zu sein mit dir. In jedem Augenblick +müßte es draußen klopfen können . . . Wir müßten etwas zusammen _getan_ +haben. + +Ostap: + +. . . Ich fürchte, es ist schwierig, die Aufmerksamkeit der Polizei zu +_erreichen_. Falls man ihr nicht ganz . . . approbierte Themata bietet, +_rächt_ sie sich durch eine . . . _beleidigende_ Nichtachtung. Für die +Nuancen hat sie kein Organ. Und die . . . Bürger wissen nicht einmal _die_ +Verbrechen zu würdigen, die auf ihre eigenen Kosten begangen werden. Das +entwaffnet ein bißchen. Schließlich verliert der Abenteuerlustigste die +Neigung, jemanden in die Luft zu sprengen, der für den . . . Reiz dieser +Operation nicht das geringste Verständnis mitbringt. _Deshalb_ gibt es auf +beiden Seiten der Barrikade so wenig _Gefahren_ . . . Du hast recht: wir +müssen uns die _Gefährdung_, die wir brauchen, mit den verzweifeltsten +Mitteln fortwährend selbst schaffen. + +Germaine: + +-- -- Wie spät ist es? + +Ostap + +(sieht nach seiner Uhr): + +. . . halb zwölf. -- Ich kann nur Leute zerstören die _fühlen_, was das +bedeutet. + +Germaine: + +Oh! schon -- Komm, trink Kognak. + +(Sie gibt ihm die Flasche.) + +Ostap + +(trinkt gierig aus der Flasche. -- Sie schweigen.) + +Ostap: + +. . . Ich lebte einmal mit einem Mädchen wie du. + +Germaine: + +Mon petit loup, _das_ habe ich gemerkt. Wie hieß sie? + +Ostap: + +Aber _ich_ liebte sie nicht. Das war der Unterschied. Ein; paarmal +soupierten wir im Pavillon d'Armenonville. Am nächsten Morgen hatten wir +nichts. . . . Sie hieß Suzanne. Ich malte damals in der Art von Matisse. Es +galt noch als modern. Wir waren so glücklich, daß ich das Rot aus Suzannes +Schminktöpfen als Abendrot auf meine Leinwand schmierte und das +Indisch-Gelb aus meinen Tuben als Butter aufs Brot quetschte. Sie hieß +Suzanne. Vor mir hatte sie einen Boxer geliebt. Damals war ich glücklich; +ich war ja dumm genug dazu. + +Germaine + +(sich ankleidend): + +Trink doch mehr Kognak. + +Ostap + +(trinkt gierig aus der Flasche): + +Du auch. + +Germaine + +(trinkt gierig aus der Flasche): + +Ja. Wir beide denken mehr, als wir sagen. + +Ostap: + +Ja. Dein Gesicht ist ganz _zerdacht_. Aber nicht von dir. Von anderen. Dein +Gesicht sieht schlimm aus. Es sieht . . . wundervoll aus! + +Germaine: + +Ja, ich sehe manchmal schlimm aus. Ich habe auch das Schlimme in dir +erkannt. + +Ostap + +(höhnisch): + +. . . Du hast dich geirrt, Germaine. Es spricht _gegen_ dich, daß du mich +liebst. + +(Er trinkt aus der Flasche.) + +. . . Ich höre Symphonien, die ich nicht angeordnet habe. Auf dem Teppich +die Blumen duften _roh_ . . . Gib mir deine Hand, Germaine, nur einen +Augenblick. Mir ist . . . + +Germaine: + +Wie spät ist es jetzt? + +Ostap: + +Danke sehr . . . Etwas nach halb zwölf. Warum fragst du danach? + +Germaine: + +Ach bitte, knöpfe mir die Schuhe zu. Der verdammte Schuhknöpfer ist wieder +mal nicht da. + +Ostap + +(kniet nieder . . . und erhebt sich rasch): + +_Warum_ hast du dich angezogen? _Warum_ hast du dich geschminkt? Was soll +dies Kleid? + +Germaine: + +In diesem Kleide habe ich immer Glück gehabt. Laß mich jetzt gehen. Wir +treffen uns nachher wieder. + +Ostap: + +_Das_ nennst du Glück! -- Du bleibst hier! + +Germaine: + +Hast du alles nur _gespielt?_ + +Ostap: + +Nein. Aber heute abend bleibst du hier! Es ist warm hier. Das Hotel hat +Zentralheizung. Da sind 4 . . . 5 . . . 600 Franken. Noch mehr. Bitte, nimm +sie. + +Germaine: + +Das verstehst du nicht. Es muß sein. _Ich sehne mich nach Ordnung . . ._ + +(In der Tür:) + +Wir treffen uns nachher wieder. + +Ostap: + +Du kannst das Hotel jetzt unmöglich verlassen. Es ist Mitternacht. . . Ich +will mein Leben lang für dich arbeiten. + +Germaine: + +_Das_ werden wir sehen! . . . -- Sei doch vernünftig. + +(Sie kommt ins Zimmer zurück und tritt ans Fenster.) + +Siehst du? Auf der Place Stanislas gehen die Kavaliere im Regen. Die +_suchen_ doch! Es ist Mitternacht. Und ich bin nicht da . . . Ich bin +wunderschön! Ich komme. Ich _sehne mich nach meinem Charakter_. Ich muß in +Ordnung kommen. + +Ostap + +(packt sie am Handgelenk): + +Du bleibst hier! Du . . . + +Germaine: + +So _sag'_ doch, was ich bin! So _sag'_ es doch endlich! Du hast es doch +tausendmal gesagt! Du hast mich so _frech beschimpft_, daß ich dachte: +»_Was ist das für ein Mensch!_« Und jetzt willst du mich einsperren! Ich +soll wohl keinen Menschen mehr ansehen dürfen! Mich soll wohl kein Mensch +mehr ansehen dürfen! Ich war so gut im Gange. Du hast mich herausgenommen. +Aber du hast mir versprochen, daß du mich der Straße zurückgeben wolltest. +Ich _bin_ einmal nicht wie die Bürgermädchen, die keine Ehre im Leibe +haben. Ich kann ohne Ehre nicht leben! Ich kann meine Zeit nicht verlieren. +In diesem Kleid habe ich immer Glück gehabt. -- Du hast mir versprochen, +daß ich für dich verdienen sollte. Du hast mir versprochen, daß ich meinen +Charakter wieder haben sollte. _So sei doch endlich, was du sagst!_ Bei mir +ist alles Wirklichkeit. Bei mir langweilt man sich nicht. Du sollst es gut +haben. Du schläfst bis Mittag. + +Ostap + +(läßt Germaines Handgelenk los): + +Hast du in deiner Tasche alles, was du brauchst? + +Germaine + +(erfreut): + +Ja. + +Ostap: + +. . . auch . . .? + +Germaine: + +Ja! + +Ostap: + +Wo wollen wir uns treffen? + +Germaine: + +Um 3 Uhr, im Café de la Régence. + +Ostap: + +Es regnet ja draußen. + +Germaine: + +Ja, laß mich in den Regen hinausgehen. Für dich. + +(Sie geht an die Tür.) + +Ostap: + +Du wirst dich erkälten, mein Kind. + +Germaine: + +Ich erkälte mich nie. + +(Sie tritt auf die Schwelle.) + +Ostap: + +Mein Gott! + +Germaine: + +Auf Wiedersehen, mein Liebling. + +(Sie geht hinaus.) + +Ostap: + +Nein! + +(Er stürzt zur Tür, reißt einen Browning aus der Tasche und feuert zwei +Schüsse ab -- in einer _vagen_ Richtung. Die Kugeln schlagen in die Wand.) + +Germaine + +(auf der Treppe): + +Laß mich aus diesem Hause hinaus! Laß mich auf die Straße hinaus! . . . Und +für einen solchen Jammermenschen habe ich mich interessiert! An einen +solchen Feigling habe ich mich weggeworfen! Ich muß ganz von Gott verlassen +gewesen sein. Meine erste Dummheit! . . . Gute Nacht. + +Ostap: + +Hätte die im Mittelalter gelebt, so hätte man sie heilig gesprochen! + +(Man hört, wie Germaine die Treppe hinuntereilt. Auf Ostaps Gesicht bildet +sich ein feiges, unendlich trauriges Lächeln. Eine Zeitlang bleibt alles +still. Dann entsteht Geräusch.) + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40217 *** diff --git a/40217-8.txt b/40217-8.txt deleted file mode 100644 index 8ad5b55..0000000 --- a/40217-8.txt +++ /dev/null @@ -1,908 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Der Abend - Ein kleines Gespräch - -Author: Ferdinand Hardekopf - -Release Date: July 12, 2012 [EBook #40217] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ABEND *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -DER ABEND - - -EIN KLEINES GESPRÄCH -VON -FERDINAND HARDEKOPF - - - - -1913 -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - -Dies Buch wurde -gedruckt im Mai 1913 als vierter -Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei -Poeschel & Trepte in Leipzig - - -COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913 - - -FÜR -LUDWIG RUBINER - - - - - - -Ostap und Germaine - -überschreiten die Schwelle des Hotelzimmers. Der Herr, der sie bis dahin -geleitet hatte, nach einer Verbeugung, zieht sich zurück. Kaum sind sie -allein, so fliegt Germaine schräg an Ostaps Brust. Germaine ist 25 Jahre -alt. Ostap ist 30 Jahre alt. - -Ostap: - -In diesem Zimmer sind die Teppiche rot und tief. Es ist Abend. Hier ist es -warm. Das Hotel hat Zentralheizung. Draußen regnet es stark. Das Gepäck ist -schon da. Du hast alle deine Parfüms. Du hast deine Bücher. Du hast deine -Bilder. Und die Madonnen. - -Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, wenn du steile Treppen -hinaufrennst . . . Warum ranntest du immer so die Treppen hinauf? . . . -Mein Kind, vielleicht magst du sehr lange ausruhen. Wir fahren nicht mehr -auf der Eisenbahn. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die -elektrische Leselampe kommt ans Bett. In diesem Spiegel -- -- - -Germaine: - -Ich bin soweit. . . Bei mir geht das rasch . . . Ein Korsett trug ich -zuletzt in . . . Krakau. Meine Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser -an. Aber jetzt trage ich keins mehr. Bei dir habe ich es gut. Ich brauche -auch meine Haare nicht zu brennen. Ich darf sie glatt tragen. Du schickst -mich nicht hinaus. Aber wenn du willst, will ich sofort in den Regen -hinausgehen. - -Ostap: - -Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen mich Madame Chantavoine -war, als ich am ersten Abend in euer Haus kam, Rue St. Fiacre im zweiten -Arrondissement. Ihr stecktet alle in roten Kleidern. Ich empfand: daß alle -Mädchen, die es noch geben würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen -zusammen. Aber wie ich aufstand, da trat Madame sehr schnell vor dich hin -und hielt dich zurück. Im Atrium sah ich noch, durch einen hellen Streif, -die letzte Welle deines roten Kleides . . . Man schob mich hinaus. An der -Tür murmelte die Concierge verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern -hinausgeworfen worden. - -Germaine: - -Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du kamst wieder. Du benahmst -dich geschickt. Und als ich dich mit aufs Zimmer hinaufnehmen durfte -- - -Ostap: - -. . . da verlangtest du zehn Franks von mir, Geliebte. Soviel wollte ich -dir nicht geben. Schließlich sagtest du: »Mein Herr, Sie werden mir soviel -geben, wie ich Ihnen wert gewesen sein werde.« Das tat ich. - -Germaine: - -War ich zehn Franks wert? - -Ostap: - -Du warst mehr als zehn Franks wert. -- -- -- - -Germaine: - -. . . Wir lieben uns ganz innig. Als man dir neulich den Hals schnitt, -taten mir die Brüste ebenso weh. Was ich dir gesagt habe, das hat dir noch -kein Mädchen gesagt. Und du hast es _angenommen!_ Das weißt du. Wir -verschieben es nur noch, nicht wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern -wissen. - -Ostap: - -. . . . . - -Germaine: - -Warum du mich nicht heiratest. - -Ostap: - -. . . . . - -Germaine: - -Du brauchst es ja nicht zu _tun_. Du bist an nichts gebunden. Aber sag' nur -einen Augenblick, daß du es tun _willst_. Du brauchst es ja nicht zu tun. -Es macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur _sagst_. Du bist an -nichts gebunden. - -Ostap: - -Wir werden uns heiraten. - -Germaine: - -. . . Wäre es möglich, daß ich dich einst nicht mehr liebte, so könnte ich -nicht sagen: »Ich _habe_ dich geliebt.« Das . . . dächte ich dann nicht -mehr aus. Vergangen könnte dies nur sein, wenn ich nicht mehr wüßte, wie -süß es war. Wenn ich kein . . . Bewußtsein mehr hätte. Wenn ich . . . nicht -mehr Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. _Du_ . . . - -Ostap: - -_Bitte, sprich nicht von mir!_ Ich komme nicht im geringsten in Betracht! -Ich bin ein alter Mann. Ich habe graue Haare. Ich bin . . . dein Publikum. -Ich lebe von dem Gifte das du bist. Ich habe nie eine Rolle gespielt. Ich -bin ja _überglücklich_, wenn du _totkrank_ bist, nur damit ich eine Rolle -übernehmen darf: in tiefster Seele um dich besorgt zu sein. - -Germaine: - -_Und doch hast du eine Rolle von mir angenommen._ Das weißt du. _Hättest_ -du sie aber nur _gespielt_, so wärst du immer noch ein guter Schauspieler. -Denn du hast so zu mir gesprochen, wie . . . Lupu Hood nicht zu mir -gesprochen hat. - -Ostap: - -Wo ist Lupu Hood? - -Germaine: - -Im Zuchthaus. - -Ostap: - -Was hatte er getan? - -Germaine: - -. . . . . - -Ostap: - -Du hast ihn wahnsinnig geliebt. - -Germaine: - -Ich liebe dich. - -Ostap: - -. . . Aber vielleicht hast _du_ alles nur gespielt! Alles das, was du für -mich tun wolltest. Du warst freigebig, mein Kind. Du sagtest: »Denke dir -aus, was ich tun soll. Ich tue alles!« - -Germaine: - -Das sage ich auch jetzt. - -Ostap: - -Der _Regen_ kam immer dabei vor. Vielleicht hast du alles nur _gespielt!?_ - -Germaine: - -Wenn ich es gespielt hätte, hätte ich es dir am _anderen_ Morgen doch -_gesagt!_ Was _ich_ dir gesagt habe, ist meine Natur. Eine Zeitlang hatte -ich meine Natur vergessen. Du _selbst_ hast mich sie wiedergelehrt. Du -sprachst von dreierlei, was man anbete, und was ein jeder deshalb »du« -nennen dürfe: Gott, Könige und die Kokotten. Du sprachst wild. Ich hatte -meinen Charakter verloren. Du hast mir meinen Charakter wiedergegeben. Ich -fühle es so tief. - -Ostap: - -. . . (hè), in der Nacht, als du dich plötzlich verändertest. Ich erkannte -dich nicht wieder. Deine Augen wurden wasserklar und bleich. Dein Gesicht -wurde _rein_. Da schien mir jeder Atemzug, den du tatest, wie tausend Jahre -der Weltgeschichte. Da ward die kleinste Bewegung, die du tatest, eine -_Revolution_ . . . Damals erzählte ich dir auch meine . . . armselige -Lebensgeschichte. - -Germaine: - -Ja, Mädchen wie ich bin, denen erzählt man viel. - -Ostap: - -_Bist_ du denn ein solches Mädchen? - -Germaine: - -_Natürlich!_ So _glaube_ es doch endlich! . . . Du sollst es _gut_ haben. -Du schläfst bis Mittag. Dann komme ich. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen -ans Bett. Du kannst den ganzen Tag im Café sitzen. Wir werden dich alle -lieb haben. Du hast mir versprochen, daß du es tun willst. - -Ostap: - -. . . _Wer_ will mich lieb haben? - -Germaine: - -_Wir_ Mädchen und unsere Freunde. - -Ostap: - -. . . _Was_ wollte ich tun? - -Germaine: - -Nichts tun. _Mich_ tun _lassen_. - -Ostap: - -. . . _Du sollst alles für mich tun_. So tun, daß du es _merkst_, mein -Kind, daß es _für mich_ ist! Amüsant soll das für dich nicht sein! Dein Tun -soll ganz gefärbt, ganz . . . entstellt, ganz verzerrt sein von dem Willen, -es _für mich_ zu tun. _Du_ sollst die _Aufopferung_ kennen lernen, -Germaine! - -Germaine: - -Ich bin _irrsinnig_ glücklich, Geliebter. Wir sind weithin gereist, aber -mir fehlte etwas. Am unendlichen Ozean hatt' ich nur den einen Wunsch: -_eingesperrt_ zu sein in einem Gefängnis oder in einem Haus, wie es das in -der Rue St. Fiacre war. In all den vornehmen Hotels hatt' ich nur den einen -Wunsch, von der _Polizei_ verfolgt zu sein mit dir. In jedem Augenblick -müßte es draußen klopfen können . . . Wir müßten etwas zusammen _getan_ -haben. - -Ostap: - -. . . Ich fürchte, es ist schwierig, die Aufmerksamkeit der Polizei zu -_erreichen_. Falls man ihr nicht ganz . . . approbierte Themata bietet, -_rächt_ sie sich durch eine . . . _beleidigende_ Nichtachtung. Für die -Nuancen hat sie kein Organ. Und die . . . Bürger wissen nicht einmal _die_ -Verbrechen zu würdigen, die auf ihre eigenen Kosten begangen werden. Das -entwaffnet ein bißchen. Schließlich verliert der Abenteuerlustigste die -Neigung, jemanden in die Luft zu sprengen, der für den . . . Reiz dieser -Operation nicht das geringste Verständnis mitbringt. _Deshalb_ gibt es auf -beiden Seiten der Barrikade so wenig _Gefahren_ . . . Du hast recht: wir -müssen uns die _Gefährdung_, die wir brauchen, mit den verzweifeltsten -Mitteln fortwährend selbst schaffen. - -Germaine: - --- -- Wie spät ist es? - -Ostap - -(sieht nach seiner Uhr): - -. . . halb zwölf. -- Ich kann nur Leute zerstören die _fühlen_, was das -bedeutet. - -Germaine: - -Oh! schon -- Komm, trink Kognak. - -(Sie gibt ihm die Flasche.) - -Ostap - -(trinkt gierig aus der Flasche. -- Sie schweigen.) - -Ostap: - -. . . Ich lebte einmal mit einem Mädchen wie du. - -Germaine: - -Mon petit loup, _das_ habe ich gemerkt. Wie hieß sie? - -Ostap: - -Aber _ich_ liebte sie nicht. Das war der Unterschied. Ein; paarmal -soupierten wir im Pavillon d'Armenonville. Am nächsten Morgen hatten wir -nichts. . . . Sie hieß Suzanne. Ich malte damals in der Art von Matisse. Es -galt noch als modern. Wir waren so glücklich, daß ich das Rot aus Suzannes -Schminktöpfen als Abendrot auf meine Leinwand schmierte und das -Indisch-Gelb aus meinen Tuben als Butter aufs Brot quetschte. Sie hieß -Suzanne. Vor mir hatte sie einen Boxer geliebt. Damals war ich glücklich; -ich war ja dumm genug dazu. - -Germaine - -(sich ankleidend): - -Trink doch mehr Kognak. - -Ostap - -(trinkt gierig aus der Flasche): - -Du auch. - -Germaine - -(trinkt gierig aus der Flasche): - -Ja. Wir beide denken mehr, als wir sagen. - -Ostap: - -Ja. Dein Gesicht ist ganz _zerdacht_. Aber nicht von dir. Von anderen. Dein -Gesicht sieht schlimm aus. Es sieht . . . wundervoll aus! - -Germaine: - -Ja, ich sehe manchmal schlimm aus. Ich habe auch das Schlimme in dir -erkannt. - -Ostap - -(höhnisch): - -. . . Du hast dich geirrt, Germaine. Es spricht _gegen_ dich, daß du mich -liebst. - -(Er trinkt aus der Flasche.) - -. . . Ich höre Symphonien, die ich nicht angeordnet habe. Auf dem Teppich -die Blumen duften _roh_ . . . Gib mir deine Hand, Germaine, nur einen -Augenblick. Mir ist . . . - -Germaine: - -Wie spät ist es jetzt? - -Ostap: - -Danke sehr . . . Etwas nach halb zwölf. Warum fragst du danach? - -Germaine: - -Ach bitte, knöpfe mir die Schuhe zu. Der verdammte Schuhknöpfer ist wieder -mal nicht da. - -Ostap - -(kniet nieder . . . und erhebt sich rasch): - -_Warum_ hast du dich angezogen? _Warum_ hast du dich geschminkt? Was soll -dies Kleid? - -Germaine: - -In diesem Kleide habe ich immer Glück gehabt. Laß mich jetzt gehen. Wir -treffen uns nachher wieder. - -Ostap: - -_Das_ nennst du Glück! -- Du bleibst hier! - -Germaine: - -Hast du alles nur _gespielt?_ - -Ostap: - -Nein. Aber heute abend bleibst du hier! Es ist warm hier. Das Hotel hat -Zentralheizung. Da sind 4 . . . 5 . . . 600 Franken. Noch mehr. Bitte, nimm -sie. - -Germaine: - -Das verstehst du nicht. Es muß sein. _Ich sehne mich nach Ordnung . . ._ - -(In der Tür:) - -Wir treffen uns nachher wieder. - -Ostap: - -Du kannst das Hotel jetzt unmöglich verlassen. Es ist Mitternacht. . . Ich -will mein Leben lang für dich arbeiten. - -Germaine: - -_Das_ werden wir sehen! . . . -- Sei doch vernünftig. - -(Sie kommt ins Zimmer zurück und tritt ans Fenster.) - -Siehst du? Auf der Place Stanislas gehen die Kavaliere im Regen. Die -_suchen_ doch! Es ist Mitternacht. Und ich bin nicht da . . . Ich bin -wunderschön! Ich komme. Ich _sehne mich nach meinem Charakter_. Ich muß in -Ordnung kommen. - -Ostap - -(packt sie am Handgelenk): - -Du bleibst hier! Du . . . - -Germaine: - -So _sag'_ doch, was ich bin! So _sag'_ es doch endlich! Du hast es doch -tausendmal gesagt! Du hast mich so _frech beschimpft_, daß ich dachte: -»_Was ist das für ein Mensch!_« Und jetzt willst du mich einsperren! Ich -soll wohl keinen Menschen mehr ansehen dürfen! Mich soll wohl kein Mensch -mehr ansehen dürfen! Ich war so gut im Gange. Du hast mich herausgenommen. -Aber du hast mir versprochen, daß du mich der Straße zurückgeben wolltest. -Ich _bin_ einmal nicht wie die Bürgermädchen, die keine Ehre im Leibe -haben. Ich kann ohne Ehre nicht leben! Ich kann meine Zeit nicht verlieren. -In diesem Kleid habe ich immer Glück gehabt. -- Du hast mir versprochen, -daß ich für dich verdienen sollte. Du hast mir versprochen, daß ich meinen -Charakter wieder haben sollte. _So sei doch endlich, was du sagst!_ Bei mir -ist alles Wirklichkeit. Bei mir langweilt man sich nicht. Du sollst es gut -haben. Du schläfst bis Mittag. - -Ostap - -(läßt Germaines Handgelenk los): - -Hast du in deiner Tasche alles, was du brauchst? - -Germaine - -(erfreut): - -Ja. - -Ostap: - -. . . auch . . .? - -Germaine: - -Ja! - -Ostap: - -Wo wollen wir uns treffen? - -Germaine: - -Um 3 Uhr, im Café de la Régence. - -Ostap: - -Es regnet ja draußen. - -Germaine: - -Ja, laß mich in den Regen hinausgehen. Für dich. - -(Sie geht an die Tür.) - -Ostap: - -Du wirst dich erkälten, mein Kind. - -Germaine: - -Ich erkälte mich nie. - -(Sie tritt auf die Schwelle.) - -Ostap: - -Mein Gott! - -Germaine: - -Auf Wiedersehen, mein Liebling. - -(Sie geht hinaus.) - -Ostap: - -Nein! - -(Er stürzt zur Tür, reißt einen Browning aus der Tasche und feuert zwei -Schüsse ab -- in einer _vagen_ Richtung. Die Kugeln schlagen in die Wand.) - -Germaine - -(auf der Treppe): - -Laß mich aus diesem Hause hinaus! Laß mich auf die Straße hinaus! . . . Und -für einen solchen Jammermenschen habe ich mich interessiert! An einen -solchen Feigling habe ich mich weggeworfen! Ich muß ganz von Gott verlassen -gewesen sein. Meine erste Dummheit! . . . Gute Nacht. - -Ostap: - -Hätte die im Mittelalter gelebt, so hätte man sie heilig gesprochen! - -(Man hört, wie Germaine die Treppe hinuntereilt. Auf Ostaps Gesicht bildet -sich ein feiges, unendlich trauriges Lächeln. Eine Zeitlang bleibt alles -still. Dann entsteht Geräusch.) - - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ABEND *** - -***** This file should be named 40217-8.txt or 40217-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/2/1/40217/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at 809 -North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email -contact links and up to date contact information can be found at the -Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/40217-8.zip b/40217-8.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index acc2504..0000000 --- a/40217-8.zip +++ /dev/null diff --git a/40217-h.zip b/40217-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 5e2e14a..0000000 --- a/40217-h.zip +++ /dev/null diff --git a/40217-h/40217-h.htm b/40217-h/40217-h.htm index def1ec6..a2b070d 100644 --- a/40217-h/40217-h.htm +++ b/40217-h/40217-h.htm @@ -2,7 +2,7 @@ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> <html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head> -<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> +<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" /> <title>The Project Gutenberg eBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf</title> <!-- TITLE="Der Abend" --> <!-- AUTHOR="Ferdinand Hardekopf" --> @@ -101,46 +101,11 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; } </head> <body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Der Abend - Ein kleines Gespräch - -Author: Ferdinand Hardekopf - -Release Date: July 12, 2012 [EBook #40217] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ABEND *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> - +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40217 ***</div> <h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.1em; margin-bottom:7em;"> <span style="font-size:0.9em;">DER ABEND</span><br /> -<span style="font-size:0.8em;">EIN KLEINES GESPRÄCH</span><br /> +<span style="font-size:0.8em;">EIN KLEINES GESPRÄCH</span><br /> <span style="font-size:0.6em;">VON</span><br /> <span style="font-size:0.7em;"><span class="em">FERDINAND HARDEKOPF</span></span> </h1> @@ -153,7 +118,7 @@ KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG <p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;"> Dies Buch wurde<br /> gedruckt im Mal 1913 als vierter<br /> -Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei<br /> +Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei<br /> Poeschel & Trepte in Leipzig </p> @@ -162,7 +127,7 @@ COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913 </p> <p class="center" style="page-break-before:always; letter-spacing:0.2em; font-size:1.2em; margin-top:5em; margin-bottom:5em; line-height:1.5em;"> -FÜR<br /> +FÜR<br /> LUDWIG RUBINER </p> @@ -172,10 +137,10 @@ LUDWIG RUBINER <p class="character"> <a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> Ostap und Germaine<br /> -<span class="direction">überschreiten die Schwelle des Hotelzimmers. Der Herr, +<span class="direction">überschreiten die Schwelle des Hotelzimmers. Der Herr, der sie bis dahin geleitet hatte, nach einer Verbeugung, -zieht sich zurück. Kaum sind sie allein, so fliegt Germaine -schräg an Ostaps Brust. Germaine ist 25 Jahre alt. +zieht sich zurück. Kaum sind sie allein, so fliegt Germaine +schräg an Ostaps Brust. Germaine ist 25 Jahre alt. Ostap ist 30 Jahre alt.</span> </p> @@ -184,17 +149,17 @@ Ostap ist 30 Jahre alt.</span> <p class="first">In diesem Zimmer sind die Teppiche rot und tief. Es ist Abend. Hier ist es warm. Das Hotel hat Zentralheizung. -Draußen regnet es stark. Das Gepäck -ist schon da. Du hast alle deine Parfüms. Du hast -deine Bücher. Du hast deine Bilder. Und die Madonnen. +Draußen regnet es stark. Das Gepäck +ist schon da. Du hast alle deine Parfüms. Du hast +deine Bücher. Du hast deine Bilder. Und die Madonnen. </p> -<p>Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, +<p>Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, wenn du steile Treppen hinaufrennst . . . Warum ranntest du immer so die Treppen hinauf? . . . Mein Kind, vielleicht magst du sehr lange ausruhen. Wir fahren nicht mehr auf der Eisenbahn. -Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die +Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die elektrische Leselampe kommt ans Bett. In diesem Spiegel — — </p> @@ -206,7 +171,7 @@ Germaine: <p class="noindent">Ich bin soweit. . . Bei mir geht das rasch . . . Ein Korsett trug ich zuletzt in . . . Krakau. Meine -Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser an. Aber +Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser an. Aber jetzt trage ich keins mehr. Bei dir habe ich es gut. Ich brauche auch meine Haare nicht zu brennen. Ich darf sie glatt tragen. Du schickst mich nicht @@ -217,25 +182,25 @@ Regen hinausgehen. <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen +<p class="noindent">Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen mich Madame Chantavoine war, als ich am ersten Abend in euer Haus kam, Rue St. Fiacre im zweiten Arrondissement. Ihr stecktet alle in roten Kleidern. -Ich empfand: daß alle Mädchen, die es noch geben -würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen +Ich empfand: daß alle Mädchen, die es noch geben +würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen zusammen. Aber wie ich aufstand, da trat Madame -sehr schnell vor dich hin und hielt dich zurück. Im +sehr schnell vor dich hin und hielt dich zurück. Im Atrium sah ich noch, durch einen hellen Streif, die letzte Welle deines roten Kleides . . . Man schob -mich hinaus. An der Tür murmelte die Concierge -verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern +mich hinaus. An der Tür murmelte die Concierge +verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern hinausgeworfen worden. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du +<p class="noindent">Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du kamst wieder. Du benahmst dich geschickt. Und als ich dich mit aufs Zimmer hinaufnehmen durfte — </p> @@ -246,7 +211,7 @@ Ostap: </p> <p class="noindent">. . . da verlangtest du zehn Franks von mir, Geliebte. -Soviel wollte ich dir nicht geben. Schließlich +Soviel wollte ich dir nicht geben. Schließlich sagtest du: „Mein Herr, Sie werden mir soviel geben, wie ich Ihnen wert gewesen sein werde.“ Das tat ich. @@ -268,11 +233,11 @@ Das tat ich. </p> <p class="noindent">. . . Wir lieben uns ganz innig. Als man dir neulich -den Hals schnitt, taten mir die Brüste ebenso +den Hals schnitt, taten mir die Brüste ebenso weh. Was ich dir gesagt habe, das hat dir noch kein -Mädchen gesagt. Und du hast es <span class="em">angenommen!</span> -Das weißt du. Wir verschieben es nur noch, nicht -wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern wissen. +Mädchen gesagt. Und du hast es <span class="em">angenommen!</span> +Das weißt du. Wir verschieben es nur noch, nicht +wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern wissen. </p> <p class="character">Ostap: @@ -297,10 +262,10 @@ wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern wissen. </p> <p class="noindent">Du brauchst es ja nicht zu <span class="em">tun</span>. Du bist an nichts -gebunden. Aber sag’ nur einen Augenblick, daß du +gebunden. Aber sag’ nur einen Augenblick, daß du <a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> es tun <span class="em">willst</span>. Du brauchst es ja nicht zu tun. Es -macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur +macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur <span class="em">sagst</span>. Du bist an nichts gebunden. </p> @@ -313,13 +278,13 @@ macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">. . . Wäre es möglich, daß ich dich einst nicht -mehr liebte, so könnte ich nicht sagen: „Ich <span class="em">habe</span> -dich geliebt.“ Das . . . dächte ich dann nicht mehr -aus. Vergangen könnte dies nur sein, wenn ich nicht -mehr wüßte, wie süß es war. Wenn ich kein . . . -Bewußtsein mehr hätte. Wenn ich . . . nicht mehr -Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. +<p class="noindent">. . . Wäre es möglich, daß ich dich einst nicht +mehr liebte, so könnte ich nicht sagen: „Ich <span class="em">habe</span> +dich geliebt.“ Das . . . dächte ich dann nicht mehr +aus. Vergangen könnte dies nur sein, wenn ich nicht +mehr wüßte, wie süß es war. Wenn ich kein . . . +Bewußtsein mehr hätte. Wenn ich . . . nicht mehr +Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. <span class="em">Du</span> . . . </p> @@ -330,9 +295,9 @@ Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. nicht im geringsten in Betracht! Ich bin ein alter Mann. Ich habe graue Haare. Ich bin . . . dein Publikum. Ich lebe von dem Gifte das du bist. Ich -habe nie eine Rolle gespielt. Ich bin ja <span class="em">überglücklich</span>, +habe nie eine Rolle gespielt. Ich bin ja <span class="em">überglücklich</span>, wenn du <span class="em">totkrank</span> bist, nur damit -ich eine Rolle übernehmen darf: in tiefster Seele +ich eine Rolle übernehmen darf: in tiefster Seele um dich besorgt zu sein. </p> @@ -340,9 +305,9 @@ um dich besorgt zu sein. </p> <p class="noindent"><span class="em">Und doch hast du eine Rolle von mir angenommen.</span> -Das weißt du. <span class="em">Hättest</span> du sie aber +Das weißt du. <span class="em">Hättest</span> du sie aber <a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -nur <span class="em">gespielt</span>, so wärst du immer noch ein guter +nur <span class="em">gespielt</span>, so wärst du immer noch ein guter Schauspieler. Denn du hast so zu mir gesprochen, wie . . . Lupu Hood nicht zu mir gesprochen hat. </p> @@ -387,7 +352,7 @@ wie . . . Lupu Hood nicht zu mir gesprochen hat. </p> <p class="noindent">. . . Aber vielleicht hast <span class="em">du</span> alles nur gespielt! -Alles das, was du für mich tun wolltest. Du warst +Alles das, was du für mich tun wolltest. Du warst freigebig, mein Kind. Du sagtest: „Denke dir aus, was ich tun soll. Ich tue alles!“ </p> @@ -410,53 +375,53 @@ du alles nur <span class="em">gespielt!?</span> Germaine: </p> -<p class="noindent">Wenn ich es gespielt hätte, hätte ich es dir am +<p class="noindent">Wenn ich es gespielt hätte, hätte ich es dir am <span class="em">anderen</span> Morgen doch <span class="em">gesagt!</span> Was <span class="em">ich</span> dir gesagt habe, ist meine Natur. Eine Zeitlang hatte ich meine Natur vergessen. Du <span class="em">selbst</span> hast mich sie wiedergelehrt. Du sprachst von dreierlei, was man anbete, und was ein jeder deshalb „du“ nennen -dürfe: Gott, Könige und die Kokotten. Du sprachst +dürfe: Gott, Könige und die Kokotten. Du sprachst wild. Ich hatte meinen Charakter verloren. Du hast -mir meinen Charakter wiedergegeben. Ich fühle es +mir meinen Charakter wiedergegeben. Ich fühle es so tief. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">. . . (hè), in der Nacht, als du dich plötzlich verändertest. +<p class="noindent">. . . (hè), in der Nacht, als du dich plötzlich verändertest. Ich erkannte dich nicht wieder. Deine Augen wurden wasserklar und bleich. Dein Gesicht wurde <span class="em">rein</span>. Da schien mir jeder Atemzug, den du tatest, wie tausend Jahre der Weltgeschichte. Da ward die kleinste Bewegung, die du tatest, eine -<span class="em">Revolution</span> . . . Damals erzählte ich dir auch +<span class="em">Revolution</span> . . . Damals erzählte ich dir auch meine . . . armselige Lebensgeschichte. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Ja, Mädchen wie ich bin, denen erzählt man viel. +<p class="noindent">Ja, Mädchen wie ich bin, denen erzählt man viel. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent"><span class="em">Bist</span> du denn ein solches Mädchen? +<p class="noindent"><span class="em">Bist</span> du denn ein solches Mädchen? </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent"><span class="em">Natürlich!</span> So <span class="em">glaube</span> es doch endlich! . . . +<p class="noindent"><span class="em">Natürlich!</span> So <span class="em">glaube</span> es doch endlich! . . . <a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -Du sollst es <span class="em">gut</span> haben. Du schläfst bis Mittag. -Dann komme ich. Kaffee, Brötchen, Zigaretten +Du sollst es <span class="em">gut</span> haben. Du schläfst bis Mittag. +Dann komme ich. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Du kannst den ganzen Tag im -Café sitzen. Wir werden dich alle lieb haben. Du -hast mir versprochen, daß du es tun willst. +Café sitzen. Wir werden dich alle lieb haben. Du +hast mir versprochen, daß du es tun willst. </p> <p class="character">Ostap: @@ -468,7 +433,7 @@ hast mir versprochen, daß du es tun willst. <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent"><span class="em">Wir</span> Mädchen und unsere Freunde. +<p class="noindent"><span class="em">Wir</span> Mädchen und unsere Freunde. </p> <p class="character">Ostap: @@ -486,55 +451,55 @@ hast mir versprochen, daß du es tun willst. <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">. . . <span class="em">Du sollst alles für mich tun</span>. So tun, -daß du es <span class="em">merkst</span>, mein Kind, daß es <span class="em">für mich</span> -ist! Amüsant soll das für dich nicht sein! Dein -Tun soll ganz gefärbt, ganz . . . entstellt, ganz verzerrt -sein von dem Willen, es <span class="em">für mich</span> zu tun. +<p class="noindent">. . . <span class="em">Du sollst alles für mich tun</span>. So tun, +daß du es <span class="em">merkst</span>, mein Kind, daß es <span class="em">für mich</span> +ist! Amüsant soll das für dich nicht sein! Dein +Tun soll ganz gefärbt, ganz . . . entstellt, ganz verzerrt +sein von dem Willen, es <span class="em">für mich</span> zu tun. <span class="em">Du</span> sollst die <span class="em">Aufopferung</span> kennen lernen, Germaine! </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Ich bin <span class="em">irrsinnig</span> glücklich, Geliebter. Wir sind +<p class="noindent">Ich bin <span class="em">irrsinnig</span> glücklich, Geliebter. Wir sind weithin gereist, aber mir fehlte etwas. Am unendlichen Ozean hatt’ ich nur den einen Wunsch: <span class="em">eingesperrt</span> <a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -zu sein in einem Gefängnis oder in +zu sein in einem Gefängnis oder in einem Haus, wie es das in der Rue St. Fiacre war. In all den vornehmen Hotels hatt’ ich nur den einen Wunsch, von der <span class="em">Polizei</span> verfolgt zu sein mit dir. -In jedem Augenblick müßte es draußen klopfen -können . . . Wir müßten etwas zusammen <span class="em">getan</span> +In jedem Augenblick müßte es draußen klopfen +können . . . Wir müßten etwas zusammen <span class="em">getan</span> haben. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">. . . Ich fürchte, es ist schwierig, die Aufmerksamkeit +<p class="noindent">. . . Ich fürchte, es ist schwierig, die Aufmerksamkeit der Polizei zu <span class="em">erreichen</span>. Falls man ihr -nicht ganz . . . approbierte Themata bietet, <span class="em">rächt</span> +nicht ganz . . . approbierte Themata bietet, <span class="em">rächt</span> sie sich durch eine . . . <span class="em">beleidigende</span> Nichtachtung. -Für die Nuancen hat sie kein Organ. Und -die . . . Bürger wissen nicht einmal <span class="em">die</span> Verbrechen -zu würdigen, die auf ihre eigenen Kosten begangen -werden. Das entwaffnet ein bißchen. Schließlich +Für die Nuancen hat sie kein Organ. Und +die . . . Bürger wissen nicht einmal <span class="em">die</span> Verbrechen +zu würdigen, die auf ihre eigenen Kosten begangen +werden. Das entwaffnet ein bißchen. Schließlich verliert der Abenteuerlustigste die Neigung, jemanden -in die Luft zu sprengen, der für den . . . Reiz -dieser Operation nicht das geringste Verständnis +in die Luft zu sprengen, der für den . . . Reiz +dieser Operation nicht das geringste Verständnis mitbringt. <span class="em">Deshalb</span> gibt es auf beiden Seiten der Barrikade so wenig <span class="em">Gefahren</span> . . . Du hast recht: -wir müssen uns die <span class="em">Gefährdung</span>, die wir brauchen, -mit den verzweifeltsten Mitteln fortwährend +wir müssen uns die <span class="em">Gefährdung</span>, die wir brauchen, +mit den verzweifeltsten Mitteln fortwährend selbst schaffen. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">— — Wie spät ist es? +<p class="noindent">— — Wie spät ist es? </p> <p class="character"> @@ -543,8 +508,8 @@ Ostap<br /> <span class="direction">(sieht nach seiner Uhr):</span> </p> -<p class="noindent">. . . halb zwölf. — Ich kann nur Leute zerstören -die <span class="em">fühlen</span>, was das bedeutet. +<p class="noindent">. . . halb zwölf. — Ich kann nur Leute zerstören +die <span class="em">fühlen</span>, was das bedeutet. </p> <p class="character">Germaine: @@ -563,14 +528,14 @@ die <span class="em">fühlen</span>, was das bedeutet. <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">. . . Ich lebte einmal mit einem Mädchen wie du. +<p class="noindent">. . . Ich lebte einmal mit einem Mädchen wie du. </p> <p class="character">Germaine: </p> <p class="noindent">Mon petit loup, <span class="em">das</span> habe ich gemerkt. Wie -hieß sie? +hieß sie? </p> <p class="character">Ostap: @@ -578,16 +543,16 @@ hieß sie? <p class="noindent">Aber <span class="em">ich</span> liebte sie nicht. Das war der Unterschied. Ein; paarmal soupierten wir im Pavillon d’Armenonville. -Am nächsten Morgen hatten wir nichts. -. . . Sie hieß Suzanne. Ich malte damals in der Art +Am nächsten Morgen hatten wir nichts. +. . . Sie hieß Suzanne. Ich malte damals in der Art von Matisse. Es galt noch als modern. Wir waren -so glücklich, daß ich das Rot aus Suzannes -Schminktöpfen als Abendrot auf meine Leinwand +so glücklich, daß ich das Rot aus Suzannes +Schminktöpfen als Abendrot auf meine Leinwand schmierte und das Indisch-Gelb aus meinen -Tuben als Butter aufs Brot quetschte. Sie hieß Suzanne. +Tuben als Butter aufs Brot quetschte. Sie hieß Suzanne. Vor mir hatte sie einen Boxer geliebt. Damals <a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -war ich glücklich; ich war ja dumm genug +war ich glücklich; ich war ja dumm genug dazu. </p> @@ -628,17 +593,17 @@ auch das Schlimme in dir erkannt. </p> <p class="character">Ostap<br /> -<span class="direction">(höhnisch):</span> +<span class="direction">(höhnisch):</span> </p> <p class="noindent">. . . Du hast dich geirrt, Germaine. Es spricht -<span class="em">gegen</span> dich, daß du mich liebst. +<span class="em">gegen</span> dich, daß du mich liebst. </p> <p class="direction">(Er trinkt aus der Flasche.) </p> -<p class="noindent">. . . Ich höre Symphonien, die ich nicht angeordnet +<p class="noindent">. . . Ich höre Symphonien, die ich nicht angeordnet habe. Auf dem Teppich die Blumen duften <span class="em">roh</span> . . . Gib mir deine Hand, Germaine, nur einen Augenblick. Mir ist . . . @@ -649,21 +614,21 @@ Augenblick. Mir ist . . . Germaine: </p> -<p class="noindent">Wie spät ist es jetzt? +<p class="noindent">Wie spät ist es jetzt? </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Danke sehr . . . Etwas nach halb zwölf. Warum +<p class="noindent">Danke sehr . . . Etwas nach halb zwölf. Warum fragst du danach? </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Ach bitte, knöpfe mir die Schuhe zu. Der verdammte -Schuhknöpfer ist wieder mal nicht da. +<p class="noindent">Ach bitte, knöpfe mir die Schuhe zu. Der verdammte +Schuhknöpfer ist wieder mal nicht da. </p> <p class="character">Ostap<br /> @@ -677,15 +642,15 @@ du dich geschminkt? Was soll dies Kleid? <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">In diesem Kleide habe ich immer Glück gehabt. -Laß mich jetzt gehen. Wir treffen uns nachher +<p class="noindent">In diesem Kleide habe ich immer Glück gehabt. +Laß mich jetzt gehen. Wir treffen uns nachher wieder. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent"><span class="em">Das</span> nennst du Glück! — Du bleibst hier! +<p class="noindent"><span class="em">Das</span> nennst du Glück! — Du bleibst hier! </p> <p class="character">Germaine: @@ -708,11 +673,11 @@ nimm sie. Germaine: </p> -<p class="noindent">Das verstehst du nicht. Es muß sein. <span class="em">Ich sehne +<p class="noindent">Das verstehst du nicht. Es muß sein. <span class="em">Ich sehne mich nach Ordnung . . .</span> </p> -<p class="direction">(In der Tür:) +<p class="direction">(In der Tür:) </p> <p class="noindent">Wir treffen uns nachher wieder. @@ -721,25 +686,25 @@ mich nach Ordnung . . .</span> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Du kannst das Hotel jetzt unmöglich verlassen. +<p class="noindent">Du kannst das Hotel jetzt unmöglich verlassen. Es ist Mitternacht. . . Ich will mein Leben lang -für dich arbeiten. +für dich arbeiten. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent"><span class="em">Das</span> werden wir sehen! . . . — Sei doch vernünftig. +<p class="noindent"><span class="em">Das</span> werden wir sehen! . . . — Sei doch vernünftig. </p> -<p class="direction">(Sie kommt ins Zimmer zurück und tritt ans Fenster.) +<p class="direction">(Sie kommt ins Zimmer zurück und tritt ans Fenster.) </p> <p class="noindent">Siehst du? Auf der Place Stanislas gehen die Kavaliere im Regen. Die <span class="em">suchen</span> doch! Es ist -Mitternacht. Und ich bin nicht da . . . Ich bin wunderschön! +Mitternacht. Und ich bin nicht da . . . Ich bin wunderschön! Ich komme. Ich <span class="em">sehne mich nach -meinem Charakter</span>. Ich muß in Ordnung +meinem Charakter</span>. Ich muß in Ordnung kommen. </p> @@ -755,28 +720,28 @@ kommen. <p class="noindent">So <span class="em">sag’</span> doch, was ich bin! So <span class="em">sag’</span> es doch endlich! Du hast es doch tausendmal gesagt! Du hast -mich so <span class="em">frech beschimpft</span>, daß ich dachte: -„<span class="em">Was ist das für ein Mensch!</span>“ Und jetzt +mich so <span class="em">frech beschimpft</span>, daß ich dachte: +„<span class="em">Was ist das für ein Mensch!</span>“ Und jetzt <a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> willst du mich einsperren! Ich soll wohl keinen -Menschen mehr ansehen dürfen! Mich soll wohl -kein Mensch mehr ansehen dürfen! Ich war so gut +Menschen mehr ansehen dürfen! Mich soll wohl +kein Mensch mehr ansehen dürfen! Ich war so gut im Gange. Du hast mich herausgenommen. Aber -du hast mir versprochen, daß du mich der Straße -zurückgeben wolltest. Ich <span class="em">bin</span> einmal nicht wie die -Bürgermädchen, die keine Ehre im Leibe haben. +du hast mir versprochen, daß du mich der Straße +zurückgeben wolltest. Ich <span class="em">bin</span> einmal nicht wie die +Bürgermädchen, die keine Ehre im Leibe haben. Ich kann ohne Ehre nicht leben! Ich kann meine Zeit nicht verlieren. In diesem Kleid habe ich immer -Glück gehabt. — Du hast mir versprochen, daß ich -für dich verdienen sollte. Du hast mir versprochen, -daß ich meinen Charakter wieder haben sollte. <span class="em">So +Glück gehabt. — Du hast mir versprochen, daß ich +für dich verdienen sollte. Du hast mir versprochen, +daß ich meinen Charakter wieder haben sollte. <span class="em">So sei doch endlich, was du sagst!</span> Bei mir ist alles Wirklichkeit. Bei mir langweilt man sich -nicht. Du sollst es gut haben. Du schläfst bis Mittag. +nicht. Du sollst es gut haben. Du schläfst bis Mittag. </p> <p class="character">Ostap<br /> -<span class="direction">(läßt Germaines Handgelenk los):</span> +<span class="direction">(läßt Germaines Handgelenk los):</span> </p> <p class="noindent">Hast du in deiner Tasche alles, was du brauchst? @@ -812,34 +777,34 @@ nicht. Du sollst es gut haben. Du schläfst bis Mittag. Germaine: </p> -<p class="noindent">Um 3 Uhr, im Café de la Régence. +<p class="noindent">Um 3 Uhr, im Café de la Régence. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Es regnet ja draußen. +<p class="noindent">Es regnet ja draußen. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Ja, laß mich in den Regen hinausgehen. Für dich. +<p class="noindent">Ja, laß mich in den Regen hinausgehen. Für dich. </p> -<p class="direction">(Sie geht an die Tür.) +<p class="direction">(Sie geht an die Tür.) </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Du wirst dich erkälten, mein Kind. +<p class="noindent">Du wirst dich erkälten, mein Kind. </p> <p class="character">Germaine: </p> -<p class="noindent">Ich erkälte mich nie. +<p class="noindent">Ich erkälte mich nie. </p> <p class="direction">(Sie tritt auf die Schwelle.) @@ -866,8 +831,8 @@ Germaine: <p class="noindent">Nein! </p> -<p class="direction">(Er stürzt zur Tür, reißt einen Browning aus der Tasche -und feuert zwei Schüsse ab — in einer <span class="em">vagen</span> Richtung. +<p class="direction">(Er stürzt zur Tür, reißt einen Browning aus der Tasche +und feuert zwei Schüsse ab — in einer <span class="em">vagen</span> Richtung. Die Kugeln schlagen in die Wand.) </p> @@ -875,401 +840,28 @@ Die Kugeln schlagen in die Wand.) <span class="direction">(auf der Treppe):</span> </p> -<p class="noindent">Laß mich aus diesem Hause hinaus! Laß mich -auf die Straße hinaus! . . . Und für einen solchen +<p class="noindent">Laß mich aus diesem Hause hinaus! Laß mich +auf die Straße hinaus! . . . Und für einen solchen <a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> Jammermenschen habe ich mich interessiert! An einen solchen Feigling habe ich mich weggeworfen! -Ich muß ganz von Gott verlassen gewesen sein. +Ich muß ganz von Gott verlassen gewesen sein. Meine erste Dummheit! . . . Gute Nacht. </p> <p class="character">Ostap: </p> -<p class="noindent">Hätte die im Mittelalter gelebt, so hätte man sie +<p class="noindent">Hätte die im Mittelalter gelebt, so hätte man sie heilig gesprochen! </p> -<p class="direction">(Man hört, wie Germaine die Treppe hinuntereilt. Auf +<p class="direction">(Man hört, wie Germaine die Treppe hinuntereilt. Auf Ostaps Gesicht bildet sich ein feiges, unendlich trauriges -Lächeln. Eine Zeitlang bleibt alles still. Dann entsteht -Geräusch.) +Lächeln. Eine Zeitlang bleibt alles still. Dann entsteht +Geräusch.) </p> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Abend, by Ferdinand Hardekopf - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ABEND *** - -***** This file should be named 40217-h.htm or 40217-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/2/1/40217/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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