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+<title>Der Hase</title>
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+The Project Gutenberg EBook of Der Hase, by Melchior Vischer
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
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+Title: Der Hase
+ Eine Erzählung
+
+Author: Melchior Vischer
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+Release Date: April 6, 2012 [EBook #39390]
+[Last updated: June 18, 2012]
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+Language: German
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HASE ***
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+
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+Produced by Jens Sadowski
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+
+<h1 style="page-break-before:always;">
+<br />
+<br />
+Melchior Vischer<br />
+Der Hase<br />
+Eine Erzählung
+</h1>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p class="center" style="font-size: 110%">
+1922<br />
+Jakob Hegner, Hellerau
+</p>
+
+<p style="page-break-before: always">&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Ich bin ein alter Straßenkehrer. Ich arbeite nur drei Stunden
+täglich; denn meine Kräfte sind nicht mehr groß. Daher habe
+ich viel Zeit; ich will also die Ereignisse meines Lebens niederschreiben.
+Es mag als Leben eines Straßenkehrers unwichtig
+erscheinen; dennoch ist es nicht unwichtig. Verzeiht, daß ich
+nur einfach schreibe. Ich kann keine japanisch gedrehten Sätze
+formen; auch verstehe ich nichts vom klugen Aufbau der Handlung.
+Das alles kann ich nicht. Es wäre hier auch nicht notwendig;
+es ist ein Bericht.
+</p>
+
+<p>Es war November. Es war ein Wald. Die Bäume standen im rötlichen
+Schimmer müder Sonne. Nebel gab es noch nicht; nur
+eine kleine Moosausdünstung, feucht und schwer, verriet die
+unsommerliche Zeit. Tannen und Fichten rochen nach Harz.
+Ein Hase, noch jung und neugierig, war seiner Familie entlaufen.
+Er hatte sich verirrt, weil Nadelbäume und Moos, Moos und
+Nadelbäume wechselten. Der Hase keuchte. Dunkelheit kam
+und verlöschte letzte Sonne. Da schleppte sich der Hase noch
+ein wenig weiter; dann konnte er aber nicht mehr. Er streckte
+die Läufe von sich und schlief. Der Morgen war hell. Als der
+Hase erwacht war, sah er Wunderbares: der Wald war zu Ende.
+Er selbst lag am Saum. Vor ihm eine weite, weite Ebene, grün
+und grau und gelb. Und rückwärts lagen die Wolken auf der
+Erde und schliefen. Ängstlich drehte sich der Hase um: da war
+der Wald, der schwarze Wald. Schnell schaute er wieder auf die
+Ebene hinaus: sie schien ihm gut, Weib, Mutter zu sein. Der
+Wald ist schwarz, der Wald ist böse, der Wald ist ein Mann. Und
+seine Blicke hasteten über das große mütterliche Feld. Da
+stockte sein Auge, sein linkes Ohr erschrak und schnellte spitz
+in die Höhe: dort, dort, dort .&nbsp;.&nbsp;. lag etwas, in der Mitte, breit und
+wuchtig. Sein Herz klopfte; er hörte dieses Klopfen, dumpf und
+schwer. Er war nicht feige, dennoch überlegte sein kleines
+Hirn, ob er zurückfliehen sollte in die Finsternis des Waldes,
+der hinter ihm lag wie ein drohendes Ungetüm, oder ob er auf
+das fremdartige Etwas zugehen sollte. Seine Beine waren flink,
+flinker noch seine Neugier. Da sprang er: hin lief der Hase über
+die vergrünten Felder. Größer und größer wurde der Block; er
+unterschied Linien, Gewölbtes, dann große Löcher, die wie
+Wasser glänzten. Da hockte er nieder, überlegte, ließ seine Ohren
+spielen. Sein Herz war noch immer rege; es pochte jedoch
+schon leiser. Die Augen aber schwammen in einem Meer voll
+Neugier. Knapp vor ihm waren hohe Stäbe aufgerichtet; dahinter
+lag geackerte Erde. Er schlich durch den Zaun, lief über
+den frisch aufgeworfenen Humus und stand vor etwas Hohem,
+das höher, größer und breiter war als ein Baum. Er legte seine
+Pfoten vorsichtig an und fühlte kalten Stein. Da war ein Einschnitt,
+dunkel gewölbt, er nahm Anlauf, und mit einem Satz
+war er drin, in dem unbekannten Bereich. Hier war der Boden
+weich und rot; seltsam verwachsene Bäume erschienen ganz
+unkenntlich; glatt, glänzend, behangen mit fremdartigen Gräsern.
+An der Decke war kein Himmel sichtbar; trotzdem glitzerte
+alles und schillerte. Er sprang, &mdash; diesmal wohl aus Angst &mdash;
+und stieß an einen Gegenstand, der umfiel und zerbrach. Es
+klang, als wurden kleine Vögel getötet. In Sehnsucht nach der
+mütterlichen Haide suchte er einen Ausweg. Er fand keinen. So
+drückte er sich in eine Ecke, hörte auf das Klopfen seines scheuen
+Herzens und auf das schnelle Keuchen seiner gehetzten
+Lunge. Seine Augen suchten unterdessen und fanden nichts.
+Lärm und Geschrei war zugleich wie eine Erschütterung der
+Erde. Ein Schlag dröhnte durch die Luft, ein fremdes Wesen, nur
+auf zwei Füßen gehend, stürzte herein. Keuchen erfüllte alle
+Luft. Gepolter folgte: Rufe, Schreie. Ein zweites Wesen, dem
+ersten ähnlich, nur ein wenig größer, sprang herein, schrie
+schrill &mdash; so klang kein Tiereslaut &mdash; schnellte auf und preßte dem
+andern die Gurgel. Das eine drängend, das andre sich sträubend,
+fielen sie beide hin. Da blitzte es in der Luft: in den Fängen
+des größeren Unwesens sah der entsetzte Hase etwas Langes,
+Spitzes, wie der Schnabel eines Spechtes. Es sauste nieder, ein
+Ächzen, ein Röcheln: die rote Ebene ward röter. Ein schweres Keuchen,
+das in befreites Aufatmen ausströmte, war zu hören. Das
+eine Wesen ließ von dem anderen und richtete sich empor. Der
+Hase konnte sich nicht bewegen. Er war gelähmt: die zwei wilden
+Augenlichter des Wesens, das kein Tier war, nicht Raubtier,
+nicht gutes Tier, das ein Untier war, starrten entsetzt und
+groß aufgerissen in die Augen des Hasen. Der Hase zitterte. Gerade
+das war seine Rettung. Sein zitternder Blick hatte plötzlich
+den gewölbten Einschnitt erhascht: ein Sprung, bebend zwar,
+aber doch hoch und weit genug, folgte. Der Hase lief. Der Hase
+war weg.
+</p>
+
+<p>Ich bin nicht immer Straßenkehrer gewesen. Einst war ich
+reich. Das Leben, das ich führte, näher zu beschreiben, wäre
+unnütz; ich träumte Träume aus Silber und Alabaster. Ich wäre
+vielleicht auch als Reicher gestorben. Wenn nicht ein höchst
+seltsames Ereignis mich aus meinem streng abgezirkelten Dasein
+in die Freiheit des Lebens hinausgeworfen hätte. An einem
+Novembertage verließ ich mit mehreren Freunden mein Haus;
+wir gingen, was wir sonst nie taten, zu Fuß in die nahe Stadt. Bei
+Einbruch der Dämmerung waren wir angelangt. In den Straßen
+war ein Verkehr, der beinahe tosend war. Die Schaufenster
+leuchteten wie offene Feuer: so hell. Alle Menschen eilten. Wir
+gingen in Gruppen, langsam, wir sprachen von gleichgültigen
+Dingen. Nun waren wir auf der Hauptstraße. Wagen und Menschenverkehr
+war maßlos laut; hin, her. Manchmal streifte
+einer der hastenden Fußgänger meinen Rock. Ich sah niemanden,
+trotzdem Kopf auf Kopf wechselte. Ein Meer von Gesichtern.
+Da sah ich beiseite, ganz ungefähr, zerstreut: mir stockte
+der Atem, mein Blut wurde zu Eis, ich konnte nicht weiter. &mdash; Er
+ging vorüber. Ein Mann. Seine Augen schauten mich an; seine
+Augen schienen Glas zu sein. Er sah ganz gewöhnlich aus;
+nichts Besonderes war an ihm. Ein Gleichgültiger unter Gleichgültigen
+des Alltags. Ein Mann der Menge in der Menge. Ich
+besann mich. Meine Augen sahen schärfer. Da war er schon
+vorüber. Ich drehte mich um. Verschwunden. Man fragte mich
+erstaunt: &bdquo;Warum gehst du nicht? Wen sahst du?&ldquo; Ich machte
+eine abwehrende Handbewegung. Ich ging zurück; nichts. Ich
+ging schneller; nichts. Ich rannte; nichts. Ich hatte meine
+Freunde verloren. Ich lief die Straße hinauf; ich lief die
+Straße hinab. Langsam, schnell. Ruhelos. Stunden vergingen.
+Es war Nacht geworden; späte Nacht. Die Straße war
+einsam. Nur selten kam ein Mensch. Das Licht leuchtete nicht
+mehr; bloß Notlaternen brannten. Noch immer ging ich auf und
+ab. Hohl klangen meine Schritte. Eine Frage kam immer und
+immer wieder: Wer war dieser Mann? &mdash; Warum sah er dich an?
+Dann lachte ich heiser auf: &bdquo;Du Tor! Ein Namenloser, ein Mann
+in der Menge! Ein Gleichgültiger! Zufällig sah er dich an, zufällig
+sahst du ihn an, zufällig kreuzten sich eure Blicke; Zufall,
+nichts weiter!&ldquo; Ich schlug meine Stirn und brüllte: &bdquo;Tor! Tor!&ldquo;
+Ich war müde geworden. Ich lehnte mich an eine Laterne.
+Mich fröstelte. Nun merkte ich erst, daß ich Hut und Mantel
+verloren hatte. Kaum hatte ich das recht erfaßt, als schon wieder
+die Frage nach dem Unbekannten durch mein Hirn tobte.
+&bdquo;Wer bist du?!&ldquo; schrie ich auf. &bdquo;Herr, ist Ihnen schlecht? darf ich
+einen Wagen rufen?&ldquo; hörte ich noch jemanden fragen und sah
+mich selbst eine bejahende Gebärde machen. Dann wußte ich
+nichts mehr. Nur fern hörte ich, als riefe einer um Hilfe: Wer?
+Wer?
+</p>
+
+<p>Ich wachte auf. Ich war im Bett. Ich war zu Hause. Mein Leibdiener
+saß im Zimmer. Ich rief: &bdquo;Hast du ihn gesehen? War er
+da?&ldquo; &bdquo;Nein, Herr!&ldquo; Ich richtete mich plötzlich auf und starrte
+dem Diener ins Gesicht: &bdquo;Du bist ja alt, Jan, du hast weiße Haare!&ldquo;
+&bdquo;Schon immer, Herr, schon immer,&ldquo; es schien mir, als säße
+der Alte nur ungern hier an meinem Bett. Ich befahl: &bdquo;Hinaus!&ldquo;
+Er ging. Ich sprang aus dem Bett. Ich riß vom Fenstervorhang
+die Quaste ab. Ich klingelte. Jan kam. Ich gab ihm eine Ohrfeige.
+Er stand stramm. Ich hieß ihn gehen. Er ging. Ich kleidete
+mich an; allein. Ich tauchte mein Gesicht in kaltes Wasser. Ich
+fühlte eine Leere im Magen. Ich nahm trotzdem kein Frühstück.
+Ich ging ins Bibliothekszimmer; es war ungeheizt. Ich setzte mich
+zum Schreibtisch und überlegte. Ich fing an zu lachen. Denn
+es war ja doch nur ein ganz gewöhnlicher Mann aus der Menge.
+Ein Unbekannter. Ein Fremder, der mich zufällig ansah. Zufällig,
+zuf .&nbsp;.&nbsp;.? Ja, wer war dieser Mann? Es gibt keinen Zufall, nein,
+nein! Warum sah er mich an? Bin ich ein Hundsfott, daß mich
+jeder, der an mir zufällig vorübergeht, ansehen kann? Und
+warum schaute ich, der sonst niemanden auf der Straße anzusehen
+pflegt, in diesem Augenblick gerade auf und ihm in die
+Augen?? Ich schlug mit der Faust auf den Tisch: &bdquo;Ich muß diesen
+Menschen finden, ich muß wissen, warum er mich angesehen
+hat!&ldquo; Ich klingelte. Ein Diener erschien. Ich klingelte nochmals.
+Ein zweiter Diener erschien. Ich klingelte zum drittenmal.
+Ein dritter Diener erschien. Und dann gab es Winke, Befehle,
+Schimpfworte.
+</p>
+
+<p>Die Tage, die nach jenem Erlebnis folgten, waren unendlich
+und grauenvoll. Ich ließ Ankündigungen in den Zeitungen erscheinen,
+Belohnungen aussetzen: Wer war dieser Mann? Wer
+ist dieser Mann? Alles blieb stumm. In den Nächten war ich
+allein. Kein Weib lag in meinem Bett. Ich entließ alle Mägde. Ich
+schickte Diener und Pferdeknechte weg. Ich nahm neue auf.
+Alle mußten braune Haare haben. Denn ich glaubte mich zu
+erinnern, daß der Unbekannte braune Haare gehabt hatte. Ich
+konnte nicht schlafen. Denn das ist kein Schlaf, zu schlafen, um
+im Schlaf zu wissen, daß man schlafe, daß man unruhig schlafe.
+Manchmal sprang ich aus dem Bett und lief, dürftig bekleidet,
+in den Park hinaus. Dort oben waren die Sterne. Viele waren da.
+Auch dort suchte ich. Immer suche ich. Der Mann! Der Mann!
+Wer war dieser Mann? Doch die Sterne antworteten nicht.
+Stille, helle Sterne. Ich lief zum Hafen und betrat die Fischerhütten.
+Ich warf Geld hin. Man ließ mich schlafen. Ich konnte
+nicht schlafen. Da lachte ich laut auf, daß es in die schweigende
+Nacht hineingellte. Einer, der sucht und nicht findet, kann
+nicht schlafen. Auch dann nicht, wenn er gesund wäre wie jenes
+schnarchende Fischweib dort, das umlagert ist von ihren
+Kindern. Denn dann hätte ich die Läuse und Flöhe töten müssen.
+Ich töte aber keine Tiere. Nie. In diesen Hütten blieb ich
+kaum zwei Stunden. Dann lief ich wieder weg. Hinaus. Der
+Hafen war allmächtig und dunkel. Der Hafen war unheimlich.
+Die Ozeanfahrer und großen Segelschiffe, die vor Anker lagen,
+warfen drohende Schatten ans Land. Überall grinste mir das
+Gesicht des Namenlosen entgegen. Schaute ich nach links, so
+war es da. Schaute ich nach rechts, so war es da. Auch der Mond,
+der jetzt aus den Sturmwolken hervorkam, konnte meine Verzweiflung
+nicht töten. Es gibt große Sünden. Es gibt strenge
+Gesetze und harte Strafen. Nichts aber ist so schrecklich, wie
+ein Gesicht, das man nicht kennt, zu sehen. Man weiß nichts
+von ihm. Man weiß nur, es ist da. Wo es ist, weiß niemand. Und
+ich habe es gesehen. Ganz nahe. Nur weiß ich nicht, wo es ist.
+Ich will es sehen. Wo bist du? Wo bist du?
+</p>
+
+<p>Meine Freunde zweifelten an meinem Verstand. Ich warf sie
+hinaus. Ich wollte niemanden sehen. Der Festsaal meines Hauses
+war traurig und öde geworden. Die Diener fürchteten mich.
+Ich war ein strenger Herr. Und oft recht böse. Manchmal auch
+grausam. Am Tage höhnte ich Gott; des Nachts verfluchte ich
+mich selbst. Das half alles nichts. Meine Tage waren verflucht.
+Meine Nächte waren verflucht. Ich selbst verfluchte den Feierabend,
+an dem ich jenen Unbekannten auf der Straße gesehen
+hatte. Ich hatte viele Leute gedungen, die mir den Aufenthalt
+jenes Menschen ausforschen sollten. Es kostete viel. Alles vergebens.
+Da hielt ich es nicht mehr aus. Ich faßte einen neuen
+Entschluß. Ich ging auf Reisen.
+</p>
+
+<p>Als ich in Ägypten ankam, sah ich Wolken um die Pyramiden
+getürmt. Die Eingeborenen sagten mir, seit tausend Jahren
+wäre es wieder das erstemal, daß Wolken um die Pyramiden
+kreisten. Es käme sicher Unglück über das Land. Ich hörte zu
+und schwieg. Dann dachte ich, ob ich hier nicht zufällig ihn
+finden würde. In einem Anfall von Wut gegen mich selbst erschlug
+ich einen der Kameltreiber. Die anderen drohten. Ich
+gab Gold. Man grüßte mich. Um Gold ist natürlich der Tod käuflich.
+Nur der eigene nicht. Als es regnete, lachte ich. Meine
+Kameltreiber beteten. Ich lachte laut, weil ich nicht beten konnte.
+Man hat noch nie einen Mohammedaner im Gebet gestört.
+Ich tat es. Hier, in der Wüste, fern von Sodom, aber doch nahe
+Gomorrha, begriff ich erst die Gewalt des Goldes. Und ich lachte
+maßlos laut. Dann trieb meine Knute die Frommen auf.
+Durch die Wüste. Durch die Wüste! Ich wollte immer vom ewigen
+Horizont umgeben sein. Ich wollte im Wüstensand baden,
+Sonne trinken und Stürme einatmen. In einer Oase hielten wir
+Rast. Wochenlang. In der Nähe hausten ein Löwe, eine Löwin
+und ein Tiger. War der Löwe in der Wüste, brach die Löwin
+mit dem Tiger die eheliche Treue. Der Löwe merkte nichts, da
+sich die Löwin allabendlich, bevor er heimkam, in der Quelle
+abwusch. Das hatte ich belauscht. Aus Unrast tat ich Böses. Du
+schändest die Natur, du beleidigst Gott, wenn du Tiere zu
+menschlichen Handlungen verleitest! Eines Tages ließ ich die
+Quelle mit Steinen vermauern. Die Löwin kam. Die Löwin
+stutzte. Sie scharrte; sie wühlte die Erde auf. Sie ging auf und
+ab. Immer schneller. Sie suchte. Auch ich suchte! Ihre Augen
+funkelten. Ihre Augen wurden glanzlos. Sie keuchte. Sie war abgehetzt
+und müde. Sie legte sich hin. Der Tiger kam, sah sie und
+sprang gegen die Mauer. Sein Kopf blutete. Er lief zurück, nahm
+Anlauf und sprang wieder gegen die Steine. Sie wichen nicht.
+Zum drittenmal wiederholte der Tiger seinen Versuch; er war
+schon recht matt. Mit ungeheurer Wucht schnellte er gegen die
+unbarmherzige Steinwand. Mit zerschmettertem Schädel
+brach er zusammen und verendete. Liebe und Verzweiflung in
+den Augen, hatte die Löwin zugeschaut. Beim drittenmal hob
+sie schwach die linke Tatze; diese war kaum zu Boden gesunken,
+als ihr Tiger schon tot war. Da trat der Löwe aus dem Gezweig.
+Erst brüllte er; sie wollte weichen, vermochte es aber
+nicht. Dann wurde er plötzlich still. Er war geduckt zum
+Sprung. Seine fragenden Augen suchten Antwort; jetzt bei dem
+toten Tiger, jetzt bei der zitternden Löwin. Er hob den Kopf;
+seine Nüstern bebten und sogen fremde Luft ein. Dann sprang
+er und zerriß sie. Hernach legte er sich in die Mitte zwischen
+Tiger und Löwin und blieb lange so, den Kopf seinem Weib zugewandt.
+Bei Anbruch des Morgens lief er still und langsam
+in die Wüste hinaus. Er kam nicht mehr zurück. Ich dachte
+lange an dieses große Erlebnis. Ich hatte dabei fast meine Unrast
+vergessen. Bald hörte ich in der Nacht Geheul; die feigen Wüstenhunde
+umkreisten die Oase. Da peitschte ich meine Leute
+und ließ noch in der Nacht für den Tiger und die Löwin ein
+Steingrab errichten. Am Morgen ergriff wieder Unruhe mein
+Herz. Ich peitschte abermals die Kameltreiber; wir brachen
+auf. Durch die Wüste! Ihr Menschen, ihr Kameltreiber! Ihr Tiere,
+ihr Kamele! In einem arabischen Dorf kam ein Jude zu mir.
+Er grinste. Ich beachtete ihn nicht, da ich im selben Augenblick
+gebot, Zelte aufzuschlagen. Er wich nicht. Er flüsterte
+mir ins Ohr. Nicht wissend, was er von mir wollte, nickte ich
+zustimmend. Er eilte weg. Als er wiederkam, führte er ein Weib
+mit. Sie war schön wie ein Tier. Ich schaute auf. Sie sah mir in
+die Augen, dann senkte sie langsam ihr Haupt. Ich warf dem
+Kuppler einen Beutel mit Silberlingen zu. Der Alte fiel zu Boden
+und wollte meine Füße küssen. Ich gab ihm einen Tritt. Da
+küßte er voller Inbrunst den Beutel. Ich faßte das Weib an der
+Hand und ging mit ihr ins Zelt. Ich habe sie nie berührt. Nach
+Monden brachen wir auf. Das Weib weinte, als ich weiterzog.
+Ich sah kaum zurück. Einen Augenblick überlegte ich, ob ich
+ihr mein Katzenfell, gefüllt mit Gold, zuwerfen sollte. Sie folgte
+mir. Ich ritt an einem Brunnen vorüber. Sie folgte mir. Da warf
+ich die Goldkatze in das tiefe Wasser. Dann zogen wir wieder
+durch die Wüste. Eine kleine Karawane. Eine Karawane der
+Friedlosigkeit und Unrast. Ihr Schluchzen hörte ich noch, als
+ich nach Wochen in einem afrikanischen Hafenort ein Kauffahrteischiff
+bestieg.
+</p>
+
+<p>Lange fuhr ich auf dem Meer. Heulte des Nachts der Sturm;
+ward ich ruhiger. Nur im Aufruhr der Elemente fand ich Frieden.
+Aber auch aus dem Wind hörte ich das Wort: Wer? Ich
+rannte auf Deck auf und ab. Ich stürzte in die Kajüte, ergriff
+meine Koffer, eilte hinauf und schüttete alles in die See. Dann
+lachte ich. Es klang tonlos, daß selbst der Sturm betroffen
+schwieg. Und weit hinaus auf dem nächtlichen Meer wurde das
+tonlose Gelächter gehört. Meine Unrast war groß. Meine Unrast
+war so groß, daß ich nicht mehr verzweifeln konnte. Jeder auf
+dem Schiffe mied mich. Ich war allein mit meinem Gelächter.
+In Singapur legten wir an. Alle Fahrgäste stiegen aus. Sie schienen
+sehr zu eilen. Der Kapitän sah mich erwartungsvoll an; ich
+bemerkte Unruhe in seinem Blick. Diesmal lachte ich nicht,
+diesmal lächelte ich bloß. Ich zählte langsam, beinah grausam
+langsam zehn Golddukaten auf den Boden des Decks hin. Dann
+war Schweigen. Ich blieb. Und wieder segelte das Schiff auf
+offenem Meer, und wieder war Sturm, und wieder war Gelächter.
+Tonloses Gelächter. Jeder Nerv in mir zitterte, jeder gebrochene
+Ton des Windes schrie rauh und grundlos: Wo ist der
+Mann, der mich ansah? Ich konnte keine Antwort geben. Ich
+konnte nur lachen. Die Mannschaft gewöhnte sich an mich. So
+oft wir in den Hafen einbogen, zahlte ich. Darum blieb ich auf
+dem Schiff. Jahre. Ich habe die Weltmeere nach allen Richtungen
+durchkreuzt. Ich weiß, das Meer ist groß, weit, ohne Ende.
+Größer aber und unendlicher ist meine Unrast. Einmal, in einer
+stürmischen Nacht glaubte ich ihn vorn auf Deck zu sehen.
+Ich vergaß ihn für einen kurzen Windstoß lang, so gingen mir
+die Augen über. &bdquo;Du!&ldquo; schrie ich, wilder und jauchzender als
+der brüllende Orkan und stürzte vor. Es war der Steuermann.
+Ich fiel hin. Als ich aufwachte, waren Wochen vergangen. Ich
+hatte das gelbe Fieber überstanden. Ich war geschwächt; ich
+wurde ans Land gebracht. Während ich in dem kleinen Boot
+dem Hafen zufuhr, bestürzte mich mein Schicksal mit jener
+furchtbaren Frage. &bdquo;Wer?&ldquo; schrie ich laut auf; ein Chinese nickte
+freundlich. Ich war in Hongkong.
+</p>
+
+<p>Ich sprach nicht chinesisch. Ich wurde immer verstanden. Gold
+ist die einzige Völkersprache. Ich kaufte mir einen Palast; seine
+Einsamkeit tat wohl. Hier lernte ich das Weib der Erde kennen.
+Ich hatte Sehnsucht, unbewußte Sehnsucht. Fern ahnte ich, daß
+meine ewige Frage betäubt würde, wenn ich ein Weib fände. Die
+Augen meines chinesischen Dieners strahlten beim Aussprechen
+ihres Namens. Ich habe ihn schon vergessen. Er war nicht
+alltäglich. Nicht alltäglich war auch der Augenblick und der
+Ort, an dem ich sie zuerst sah. Der Diener verneigte sich, der
+Diener sprach und ging voraus. Ich folgte. Die Chinesenstadt
+war abscheulich und märchenhaft. Er ging voraus. Ich folgte.
+Da breitete sich ein weites Feld aus. Stoppeln standen bestimmt
+und schmerzten nackte Füße. Viele Leute waren da,
+große und kleine, junge und alte, gute und böse Chinesen. Sie
+hatten alle ernste Gesichter. Jetzt fiel mir erst auf, daß nur Männer
+hier standen. Kein Weib war zu sehen. Die Mitte war leer.
+Da blieb mein Diener stehen; seine mir zugeneigte Gebärde
+hieß mich warten. Ich stand und sah geradeaus. Da tönte ein
+Gong. Alle reckten die Hälse; in den Kreis trat eine Schar. Ein
+Greis führte sie. Alle wollten ihre Hände erheben und Beifall
+klatschen; sie ließen sie aber lautlos wieder sinken. Mein Atem
+ging schwer; ich wußte nicht, warum. Da hob der Greis die
+Hand und trat beiseite; wir sahen seine Begleiter: Jünglinge;
+sie waren blind. Sie stellten sich auf, in eine Reihe. Dann standen
+sie still. Ein Gong schlug. Dann riefen drei Tuben. Und
+plötzlich trat ein Weib in den Kreis. Alle erhoben ihre Arme und
+schrien laut. Sie war fast nackt, sprang hoch und tanzte. Langsam.
+Ich schaute ihr Gesicht; ihren Körper. Sie sah eher europäisch
+aus, denn asiatisch; ihre Haut war weiß. Ihr Antlitz glich
+dem unbeschreiblichen südlichen Wind. Volle Ruhe herrschte.
+Kein Laut war zu hören. Nur ein Gesicht war: ihr Tanz. So
+tanzte sie, daß jenes graue Stoppelfeld, das sie mit ihren blanken
+Füßen küßte, einem samtenen Teppich gleich sah. Wir waren
+stumm und wußten es. Wir konnten uns vor Begeisterung
+nicht bewegen. Wir waren Stein. Da drang ein Laut aus dem
+Munde des Greises. Wir schauten auf; wir folgten dem Blick des
+Alten. Dieser fiel auf die Jünglinge. In unsern Augen standen
+Tränen. Der Bann war gewichen. Wir hoben die Arme zum
+Himmel empor und schrien laut: Die Jünglinge waren sehend
+geworden. So hatte das Weib der Erde getanzt. Nun weinten sie
+unbekümmert still und heftig. Mein Diener klopfte an meine
+Wade, ich erschrak und hörte: &bdquo;Herr, laßt uns gehen, der Tanz
+ist zu Ende!&ldquo; Da neigte ich mein Haupt und folgte dem Diener
+fassungslos und stumm. Es war ein kurzer Augenblick des
+Glücks gewesen; ich hatte schier die rohe Frage vergessen:
+Wer? Wer? Sie klang jetzt wohl mit dem gleichen Wort: Es war
+aber nicht mehr Bedrängnis und Leid, es war Hoffnung und Ruhe.
+Tränen standen in den Augen meines Dieners; die Bewegung
+seiner Hand schien Erfüllung zu verheißen. Dann stand
+sie vor mir, das Weib der Erde. Ich habe sie sehr geliebt. Was
+ist es nur, daß ich ihren Namen vergessen habe?
+</p>
+
+<p>Nur kurz war die Zeit meiner Ruhe. Eines Tages kam sie nicht
+mehr. Vielleicht hatte sie jemand getötet. Vielleicht hatte einer
+bloß mich getötet. Finster waren die folgenden Tage. Mein
+Diener wußte nichts. Ich ließ sie suchen. Nichts. Niemand
+brachte mir Nachricht von ihr. Auch für Gold nicht. Sie blieb
+verschollen. Ich war allein. Und wieder kam die alte Frage:
+Wer? Meine Unrast war mein ewiger Begleiter. Ich bin der Verdammte,
+weil ich der Gehetzte bin. Gehetzt bin ich, weil ich
+nicht weiß warum. Und auch nicht weiß diese Frage, die Erde
+ist und Sturm zugleich: Wer?
+</p>
+
+<p>Ich zündete meinen Palast an. Er brannte nieder. Als nichts
+mehr war, lachte ich auf wie damals. Es klang tonlos. Mein
+Diener schluchzte und ging fort. Wieder war ich allein in der
+Welt mit meinem Gelächter. Hätte ich geklagt und Asche auf
+mein Haupt gestreut, es wäre unnütz gewesen. Das wußte ich.
+So warf ich Gold unter die Leute und machte die Menschen böser,
+als sie waren. Ich wanderte. Ich war ein Bettler. Ich war ein
+reicher Bettler. Ich wanderte durch Asien. Ich ging auf ein
+Schiff. Ich fuhr übers Meer. Ich landete in Australien. Ich
+wanderte durch Städte, über Gebirg hinweg, durch weite Ebenen.
+Immer ging jemand mir zur Seite. Meine Unrast und meine
+Frage: Wer? Des Nachts schlief ich in Einöden, deckte mich
+mit meinem Gelächter zu. Alle Tiere, auch die wilden, mieden
+mich.
+</p>
+
+<p>Die Landstraße führte aus dem Wald hervor und war dunkel.
+Die ganze Nacht schritt ich durch; gegen Morgen hätte ich gern
+ein Kruzifix geküßt. Ich hatte aber keines; nur ein zerrissenes
+schmutziges Tuch und einen harten Knotenstock. Ein Widerstand
+versperrte mir den Weg. Dumpf pochte ich an das eichene
+Tor. Hier war unter der Klinke ein wurmstichiges Loch im Holz.
+Da griff ich an die Stirn, mein Atem ging schneller, meine Augen
+weiteten sich. Ich pochte laut und ungeduldig. Der Torflügel
+ging auf. Ich stützte mich auf meinen Knotenstock und
+sah geradeaus. Das war das Haus. Ein Diener stand da. Er
+fragte nicht. Einen zerfetzten Gauch braucht auch keiner zu
+fragen. Man wartet, bis er selbst bittet. Ich schaute lange durch
+das Dunkel der Tür; dann schritt ich plötzlich fest ein, warf
+keinen Blick auf den Diener, sah geradeaus, immer geradeaus.
+Hart und bestimmt sprach ich: &bdquo;Das ist mein Haus.&ldquo; Da erkannte
+mich der Diener an der heftigen Gebärde. Er streckte die
+Arme empor, drehte sich um, lief und rief: &bdquo;Der Herr ist gekommen,
+ihr da hört, unser Herr ist gekommen!&ldquo; Sie eilten alle herbei
+und weinten. Da erfaßte mich Ekel. Denn ich, der sie immer
+geschlagen hatte, ich, der jetzt kam wie ein Landstreicher, ich
+war der Tränen um mich nicht wert. Mein Auge ward böse. Sie
+wichen zurück und gehorchten. Ich schritt ein in mein Schloß.
+Ich wusch mich rein vom Schmutz der Landstraße, der Erde und
+der Jahre. Als ich aus dem Wasser stieg, sah ich mit Verachtung
+auf das Bündel meiner Demütigung hernieder; dann war ich
+in neuen Gewändern. Wieder gingen die Diener scheu. Wieder
+war eine irrsinnig leise Tätigkeit im Hause. In den Gemächern
+und auf den Gängen war mehr Schatten als Helle. Alle Tage war
+das so. Ich saß in dem großen schwarzen Zimmer auf dem grün
+gepolsterten Lehnstuhl. Ich sah starr vor mich hin. Ich träumte
+allein; es war leblos und still im Raum. Ich hatte einen neuen
+Willen und eine neue Gewalt. Ich wollte nicht mehr daran denken.
+Ich wollte nichts denken. Des Nachts saß ich auch auf diesem
+Stuhl. Die bösen Mächte schienen keine Macht zu haben
+über den, der da im Grünen saß. Eines Morgens weckte mich
+eine Fliege aus meinem grenzenlosen Schlaf. Ich schlug zu. Sie
+fiel tot zu Boden. Ich war plötzlich ganz wach und ängstlich. Ich
+hatte noch nie ein Tier getötet, und mein Blick erstarrte. Es
+kam ein Bewußtsein über mich, das nicht schrecklich war und
+auch nicht gut. Hernach kam mir der Gedanke, daß dieser Mord
+die frühe Vorausahnung späterer Morde sein müsse. Es war mir
+auf einmal, als stünde ich in dunkler Nacht am Meeresstrande:
+Ich hörte den Sturm heulen, aber Nacht lag vor meinen Augen.
+Ich sah das Meer, das dunkle tobende Meer nicht; ich wußte
+nur, es war da, ganz nahe. Ich hätte jetzt gern geweint. Ich konnte
+nicht. Ich wollte lachen. Ich konnte nicht. An diesem Morgen
+sah ich keine Sonne; nur Nebel drückte sich an die Scheiben
+und machte den Tag grau. Immer pocht mein Herz
+im Herbst so bang. Warum nur? Ich saß wie gebrochen
+im Lehnstuhl und sah vor mich hin. Ich wußte nichts. Ich
+weiß nichts. Wenn man jenes Wissen, eine Fliege getötet zu
+haben, als Wissen nehmen will, dann weiß ich viel.
+</p>
+
+<p>Eines Tages sahen mich die Diener fremd an. Das war ein Tag.
+Am zweiten blickten sie frech. Ich wies sie zurecht. Sie lachten.
+Dann trat plötzlich ein Mann mit einer grünen Mütze ins Zimmer.
+Er nahm aus einem Bündel Papiere ein Schriftstück
+und reichte es mir. Sein Gesicht war nicht sanft, nicht böse. Er
+lachte nicht, er weinte nicht. Weder war Unmut noch Zufriedenheit
+aus seinem Blick zu deuten. Ich nahm das zusammengelegte
+Papier, entfaltete und las; im Augenblick hatte ich nicht
+einmal Kraft zum Erstaunen. Dann fiel es nieder. Ich wollte
+schreien, brachte jedoch keinen Laut über meine bitteren Lippen.
+Mein Auge sah geradeaus, ins Schwarze des Nichts hinein.
+Langsam begriff ich: meine Schulden waren größer als mein
+Besitz. Alles Bargeld erschöpft. Ich war arm. Ich war ohne Haus.
+Das wußte ich. Ich stand auf und sagte: &bdquo;Ja!&ldquo; Dann leiser: &bdquo;Nehmt,
+was euer ist.&ldquo; So ging ich.
+</p>
+
+<p>Boleslav hauste unweit des Schlosses in einer Köhlerhütte.
+Langsam schritt ich durch den Wald. Ich hatte keine Gedanken,
+Ich hatte alles vergessen. Mein Hirn war ausgelöscht. Da stand
+Boleslav vor mir. Schwarz von Angesicht, den Kittel beschmutzt.
+Ich hatte ihn früher beschimpft und geschlagen.
+Jetzt war ich stumm. Denn bitten konnte ich noch nicht. Boleslav
+fiel nieder und küßte meine Füße. Ich wies auf die Hütte. Er
+stand auf und ging demütig voraus. In der Hütte brannte ein
+Feuer. Es roch nach Rauch, Harz, verbrannten Fichtennadeln
+und Wild. Er machte mir ein Lager zurecht. Nun reichte er mir
+Fleisch und Obst. Ich schüttelte das Haupt, warf mich auf die
+Spreu und schlief ein. Im Schlaf hörte ich eintönige Laute, als
+betete jemand. Ich habe mich nicht gesehen, aber ich muß verzweiflungsvoll
+und unbewußt aus dem Schlaf gelächelt haben.
+Am Morgen gab mir Boleslav warme Kuhmilch. Ich trank. Dann
+ergriff ich seine schmutzigen Hände, küßte sie und weinte. Boleslav
+schien das nicht fassen zu können, nahezu entsetzt
+sprang er auf und rief: &bdquo;Herr, Herr, was tut ihr?&ldquo; Ich wußte
+kaum, was ich sprach, doch auf einmal fühlte ich nach langer,
+langer Zeit eine haltlos freie Seligkeit und immer und immer
+wieder sagte ich: &bdquo;Komm, weine mit mir. Weine mit mir, denn
+es sind viele Jahre vergangen, daß ich nicht mehr geweint habe.
+Immer wollte ich weinen, aber nie vermochte ichs. Boleslav, gib
+mir deine Hand! Du bist gut. Ich habe dich geschlagen, tat ich
+dir weh? Sieh, ich wußte es nicht, sonst hätte ich es nicht getan:
+Dann beugte ich mich zu ihm nieder und flüsterte geheimnisvoll.&ldquo;
+&bdquo;Weißt du, hätte ich damals weinen können, so hätte ich
+dich auch nicht geschlagen. Jetzt kann ich weinen! Weißt du,
+was das heißt?&ldquo; Meine Stimme erstickte vor Freiheit: &bdquo;Jetzt
+kann ich weinen, Boleslav, freue dich, weine mit mir!&ldquo; Boleslav
+wußte nicht, wie ihm geschah. Er stammelte ratlos und unbeholfen:
+&bdquo;Herr, Herr, Herr .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo; Plötzlich schien ihm etwas einzufallen;
+er sprang auf und brachte eine Schüssel mit Wasser herbei.
+Ich tauchte meine Hände ins Wasser und benetzte mir
+Augen und Stirn. Ein Pferd wieherte in der Nähe. Boleslav lief
+hinaus. Ich weinte nicht mehr. Denn ein mir neuer Gedanke
+brach über mich herein: Es gibt Menschen auf der Welt. Nein!
+das will ich nicht denken. Denn sonst käme abermals jene Frage
+und früge: Wer? Boleslav trat wieder in die Hütte. Boleslav
+war ein guter Mensch. Ich blieb.
+</p>
+
+<p>Ich half dem Köhler und Knecht Boleslav bei der Arbeit. Ich
+spaltete Holz. Ich blies Feuer an. Ich wusch den Kessel. Ich
+molk die Kuh. Ich half ihm die Pferde bewachen. Geweint habe
+ich nach jenem Morgen nicht mehr. Zeit verging. Ob es Jahre
+oder Stunden waren, wußte ich nicht. Boleslav war nicht mehr
+unterwürfig zu mir. Manchmal sah ich in seinem Blick etwas
+Lauerndes, das sogar herrschend wurde, weil meine Augen
+nicht mehr befahlen. Rief ich: &bdquo;Boleslav!&ldquo; so murrte er mitunter.
+Ja, er wagte es, mich bei meinem verfluchten Namen zu
+rufen. Die Jahreszeiten wechselten. Meine Haut wurde hart
+wie Leder. Einmal wollte ich mich auf eines der Pferde schwingen
+und in den Wald reiten. Da rief mich seine Stimme zurück.
+Ich hörte nicht. Da lief Boleslav mir nach, zerrte mich an meinem
+Bein vom Pferd herunter und schlug mich. Voller Wut
+schlug ich zurück. Wir wälzten uns am Boden. Meine Kräfte waren
+zu schwach. Er schlug mich lange, bis ich nichts mehr spürte. Dann
+warf er mich in ein Erdloch, in dem er früher Schweine gehalten
+hatte. Ich weiß nicht, warum mich Boleslav überfallen hat. Vielleicht
+hatte er in jenem Augenblick gefühlt, daß ich nicht mehr Herr
+sei, und alle seine Demut hatte sich in feige Wut verwandelt.
+Boleslav hielt mich viele Tage in dem Loch eingesperrt. Ich war
+allein. Nur Erde um mich. Heraus konnte ich nicht, denn die
+Zauntür war aus starken Ästen gemacht. Doch ich war nicht allein!
+Auf meiner Hand kroch eine Fliege. Ich sah und sah und
+sah. Tränen drangen mir aus den Augen, warm und gut. Ich
+war nicht allein mit der Erde! Eine Fliege war hier, bei mir und
+teilte mein Leid. Kein Mensch weiß, wie beglückend es ist, im
+Alleinsein, in der Einsamkeit ein alltägliches Tier zu finden.
+Ich weiß es. Gute Fliege. Als mir eines Tages Boleslav Wasser
+und Obst hereinreichte, rief ich leise: &bdquo;Boleslav.&ldquo; Da ließ er
+mich frei. Aus Dankbarkeit machte ich ihm in der Hütte ein
+großes Feuer an. Am Morgen nahm ich Früchte und gedörrtes
+Fleisch, hing mir eine tönerne Flasche mit Wasser um, gab
+Boleslav die Hand und ging.
+</p>
+
+<p>Da war die kleine Stadt mit dem Rohrbrunnen am Markte. Bei
+einem Küfer ward ich aufgenommen. Ich las ihm nach Feierabend
+aus der Bibel vor. Tagsüber half ich seiner Frau, wusch die
+Kinder und tat Dienst wie eine Magd. Am Sonntag schrieb ich
+dem Meister die Rechnungen der Woche. So diente ich meinen
+Mitmenschen für karge Speise und Wohnung. Ich suchte alles
+zu vergessen. Ich dachte an nichts. Mein Leben war gerecht;
+wenigstens nicht ungerechter als das der andern. Brannte des
+Nachts in meiner Kammer die Unschlittkerze, sah ich in die
+Flamme, lange. Und ich sah Feuer, nichts als Feuer. Nicht mehr
+traten mir aus der Flamme Schemen, fremde vergessene oder
+irgendwo verlorene Gestalten entgegen. Keine Frage wollte
+beantwortet sein. Ich konnte sagen, ich war beinahe frei. Das tat
+ich auch jede Nacht, statt ein Gebet zu sagen. Dann löschte ich
+das Licht aus. Leute rannten. Tore und Fenster wurden aufgerissen.
+Glocken läuteten. Dann wirbelte die Trommel ihre
+Kriegsweisen. Ich hörte das und lachte, lachte, lachte. Dann
+schrie ich laut durch das ganze Haus: &bdquo;Nein, nein, nein!&ldquo; Ich
+rannte zum Markt. Ich vertrieb am Rohrbrunnen die Weiber
+mit meinem Geschrei. Ich lief zurück. Treppauf in meine Kammer.
+Dort schlug ich eine Scheibe ein. Dann hinunter, dann
+wieder hinauf. Das Hirn schien mir aus dem Kopf zu weichen,
+als mein Meister mich fragte: &bdquo;Wann meldest du dich bei deiner
+Fahne?&ldquo; Mein Gelächter war wie Ochsengebrüll; dann ward
+ich plötzlich still. Ich hörte mich nur atmen. Wieder rannte ich
+die Holzstiege empor in meine Kammer. Oben sank ich auf
+mein Bett und sagte immer nur vor mich hin: &bdquo;Ich will nicht
+spielen, ich will nicht! Hinweg mit der Karte des Königs! Hinweg!&ldquo;
+Dann tönte es an meine Ohren, höhnend und dumpf: &bdquo;Du
+mußt, du mußt!&ldquo; Ich hielt es hier nicht aus. Eine Hand mit Spielkarten
+sah ich vor meinen Augen auftauchen und wieder verschwinden.
+Ich stürmte aus dem Haus, lief durch die Stadt in
+die Felder hinein. Die Karten! Die Karten! Immer im Kreise um
+die Stadt. Die Hand mit den Karten wich nicht. Der Mond ward
+hell; der Mond war schon bleich geworden, als ich keuchend
+wiederum vor dem Hause des Küfers stand und langsam, sehr
+langsam die Stiege zu meiner Kammer emporkletterte. Ich war
+müde, fand aber keinen Schlaf. Nur ein lebender Traum
+schwand nicht. Die Hand kroch herauf wie ein großer mißgestalteter
+Käfer, ließ die Karten auf meine Bettdecke fallen, und
+eine Stimme rief, ohne zu tönen: &bdquo;Spiele!&ldquo; &mdash; &bdquo;Ich will nicht!&ldquo;
+schrie ich auf. &mdash; &bdquo;Du mußt. Der König will es!&ldquo; und die Karte mit
+dem König ward riesengroß im Raum. &mdash; &bdquo;Gelobt sei der König,
+aber ich habe nie Karten gespielt, ich will nicht!!&ldquo; Die Karten
+schienen mir auf einmal zu lachen, aber kalt und hart, wie das
+Lachen des Gesetzes. Es war schrecklicher noch als tonloses
+Gelächter. So würde das Gesetz gewiß lachen, wollte einer, der
+zu einer Mordtat vorbestimmt ist, entweichen, mit seinem
+Leben entweichen wie ein Deserteur, noch ehe er die Tat begangen.
+Da würde das Gesetz lachen, ohne Geräusch. Auch die
+äußere Geste würde das Gelächter nicht verraten. Dennoch
+wüßte jeder: Hier lacht jemand. Genau so lachten jetzt die Karten.
+Dazwischen drangen Befehle: &bdquo;Spiele! Auf dieser Seite ist
+der König; auf deiner der Landsknecht! Hier wird befohlen,
+dort gehorcht. Gehorche also und spiele mit!&ldquo; &bdquo;Nein, nein!&ldquo; meine
+Stimme war ganz leise geworden. &mdash; &bdquo;Los!&ldquo; ertönte es von der
+Gegenseite. &bdquo;Hier sind die Karten, du mußt spielen!&ldquo; &mdash; &bdquo;Muß
+ich?&ldquo; fragte nicht ich, sondern eine andere Stimme aus mir
+heraus. &bdquo;Du mußt!&ldquo; Dann sank ich in traumlosen Schlaf. Und
+die Schritte dröhnten genau und überraschend kurz. Die Trommel
+klang dumpf. Die Pfeife schrill. Und sie marschierten vorüber.
+Die Sonne ging auf und schien durchs Fenster. Mürbe und
+schwach erhob ich mich. Da sank ich wieder zurück aufs Bett.
+Ein Gedanke wurde übermächtig in mir: War Frieden und alles
+geordnet, fand ich ihn nicht. Jetzt war Krieg, wo alles durcheinandergeht,
+wo die Zahl sich auf den Kopf stellt und der
+Fisch aufs Land springt, die Feldmaus aber ins Wasser; jetzt
+kannst du auch ihn finden. Du kannst ihn als Krieger finden.
+Vielleicht wird er dir als Feind gegenüberstehen. Du
+kannst ihn durchbohren, denn es ist sogar deine Pflicht.
+Es wird dir befohlen. Er kann aber auch dich töten, denn
+auch ihm wird es befohlen. Alles gleich. So oder so, in
+jedem Fall wirst du von ihm frei. &bdquo;Reicht mir die Karten! Ich
+spiele!&ldquo;
+</p>
+
+<p>Die Erde drehte sich schneller. Stürme und Wolken waren unheimlich.
+Das Mondlicht schien sonnig, die Sonne kühl wie der
+Mond. Bäume und Steine waren zerfetzt. In der Luft war Rache
+ohne Grund. Horizonte bluteten, Gebirge rauchten. Flüsse waren
+heiß; die Menschen kalt und feindlich. Der Bruder sagte
+zum Bruder &bdquo;Satan!&ldquo; Und hatten doch beide vorher Milch von
+einer Kuh getrunken. Ich zog mit. Das Schrecklichste, was Menschenaugen
+sehen können, sah ich. Ich zog mit. Vorne tobten
+Schlachten. Rückwärts kamen wir noch, als Gehilfen des
+Arztes; es war hier noch entsetzlicher als vorn. Ich sah das alles;
+ich hoffte nicht, und ich verzweifelte auch nicht. Wochen
+vergingen so; Monate. Ein Jahr. Zwei Jahre. Kein Ende, kein
+Anfang. Städte, Dörfer, Länder wechselten mit Soldatengeschrei,
+Kugellärm, Verfolgungen. Wohin wir kamen, war Verzweiflung
+und Tod. Ich habe erlebt. Da saß der alte Mann; bei
+seiner zerstörten Hütte. Schon vor zwei Jahren war er hier gesessen,
+als die Russen das Dorf verlassen hatten und wir eingezogen
+waren. Weib und Kind hatte ihm der Krieg genommen.
+Sein Haus war tot. Nur er war übrig geblieben, er und seine Kuh.
+Er saß da und hielt die Kuh an einem Strick. Dann wichen wir.
+Und kamen wieder durchs Dorf. Noch immer saß er da. Bei
+seiner Kuh. Manchmal stand er auf und holte ihr Futter. Ohne
+Dach, bei gutem und schlechtem Wetter saß er da und bewachte
+sie. Nun saß er wieder da. Bei seiner Kuh. Noch immer
+an der selben Stelle. Wie oft wohl mögen an ihm Freund
+und Feind vorübergezogen sein? Heute die, morgen die. Er
+saß da mit seiner Kuh. Gute und schlechte Menschen marschierten
+an ihnen vorbei. Die Guten sahen die Zwei an,
+die Schlechten sahen beiseite. Niemand tat dem Greise etwas;
+auch nicht seiner Kuh. Ringsherum war Verwüstung und
+Tod. Nur die beiden blieben. Ein Mensch und ein Tier. Ein Mann
+und ein weibliches Tier. Als Gewalt des Lebens, als Ruf der unzerstörbaren
+Natur. Jetzt reichte er seiner Kuh Futter. Sie fraß. Der Alte
+hatte kindliche Freude; er strich ihr mit der zittrigen Hand
+kosend über das Fell. Sein Blick war leuchtend und unmenschlich
+gut. Und dauert der Krieg bis ins Endlose, die beiden werden
+hier siegen und still auf Hoffnung warten. Sie werden den
+Krieg überleben. Der Mann und die Kuh. Der Mensch und das
+Tier. Schwer ging ich weiter. Viele Menschen hatte ich in dieser
+Zeit gesehen. Menschen vieler Völker; Menschen ohne Hoffart,
+ohne Trost. Dennoch fand ich nie den, den ich suchte. Immer
+war ich ruhelos. Meine Kameraden verspotteten mich. Der
+Feldscher zog mir allabendlich die Mütze mit Gewalt ins Gesicht
+und lachte mit den anderen unbändig. Ich nicht. Ich verband
+die Verwundeten und lachte nie. Und das war der Karst.
+Hier in dem slowenischen Dorf waren wir vor der Schlacht.
+Ruhig waren die Menschen, als gäbe es keinen Krieg. Bis dann
+die grausame Nacht kam, die groß in Vernichtung war. Im
+Sturmschritt rückten wir an. Wir, die Blessiertenträger waren
+mit vorn. Dann, nach Wochen zogen wir zurück. Das Dorf war
+nicht mehr. Nur Trümmer und Rauch. Da sah ich das Furchtbare.
+Von jedem Haus war irgend ein Rest geblieben. Hier eine
+halbe Wand, dort die Grundmauern, in der Mitte Schutt und
+Balken. Steine und Holz, Holz und Steine in der qualvollsten Unordnung.
+Und oben der Himmel. Plötzlich wollte ich aufschreien;
+der Laut blieb mir im Mund stecken wie ein qualmender
+Pfahl. Überall, wo vorher die Häuser gestanden, hier und dort,
+und dort und hier saßen Katzen. Sie rührten sich nicht vom
+Fleck. Es waren schwarze Katzen, halb verhungert, schwarze
+Skelette. Nur ihre Augen glommen wie kleine unlebendige Feuer.
+Sie lebten nicht und waren nicht tot, sie waren tot und lebten
+doch: Sie waren wahnsinnig. Langsam kletterte ich über die
+Trümmer. Die Katzen wichen nicht, bewegten sich nicht. Wie
+stumme, schwarze Anklagen gegen alles Menschliche saßen sie
+hier und starrten: Die letzten Grundpfeiler des Hauses. Als ich
+an dem äußersten Schutthaufen vorüberkam, waren mir die
+Knie schwer wie Blei geworden. Ich wollte nicht aufsehen; dennoch
+fühlte ich einen Blick auf mich gerichtet und sah in die
+irren Augen einer Katzenmutter; an ihrem Unterleib lagen
+zwei Junge. Die Augen der Kleinen blickten ebenso alt und irrsinnig
+wie die der Mutter. Da warf ich, mit Mühe schneller keuchend,
+den Tieren ein Stück Brot zu. Sie rührten sich nicht. Ich
+kam zu meinen Kameraden, wollte ihnen das Entsetzliche
+erzählen und war &mdash; stumm. Sie lachten. Ich schwieg, weil ich
+schweigen mußte. Dumpf schlug die Trommel, dumpfer schlug
+die Trommel, der Krieg, der Krieg, er wurde nicht besiegt. Ich
+verband die Verwundeten und schwieg. Eines Tages, es war im
+dritten Jahre des Krieges und zur Novemberzeit, gerieten wir in
+feindliches Feuer. Man verfolgte uns. Wir flohen. Auch ich. Viele
+hetzten mich. Ich lief über die Felder wie ein Hase. Da spürte
+ich Schmerz. Schwarz wurde mirs vor den Augen. Ich fiel und
+blieb liegen. Als ich aufwachte, war alles um mich fremd. Sprache,
+Menschen, Raum. Ich konnte nicht reden. Langsam faßte
+ich. Das war ein Bauernhaus im schmutzigen galizischen Dorf.
+Die Leute waren teilnahmslos gut zu mir. Ein Schuß durch den
+Hals war meine Verwundung. Sie war leicht. Ich saß vor dem
+Haus in der Sonne. Nicht weit von mir war Geschrei und Pferdegewieher.
+Eine Schwadron lag hier im Dorf. Die Tiere hatte
+man in den Höfen und Ställen der Nachbarhäuser untergebracht.
+Vor mir lag ein weiter Hof mit einer Tränke. Eben wurden
+mehrere Pferde hingeführt. Da ertönte ein Hornsignal.
+Eine Abteilung von Fußtruppen marschierte die Straße herauf.
+Nun kamen die Soldaten näher, nun waren sie da, nun waren
+sie vorüber. Da hörte man einen Aufschrei, kurz und freudig.
+Einer der Soldaten, der unter den Letzten schritt, sprang aus
+der Reihe, lief zur Tränke, hin zu den Pferden, umhalste eines
+und drückte seinen Kopf an den Kopf des Tieres. Dieses vergaß
+zu trinken und wieherte laut. Die Abteilung hielt. Ein Korporal
+trat an beide heran, an den Mann und an das Pferd. Er
+fragte barsch. Der Soldat ließ nicht von dem Tier. Tränen strömten
+über sein schmutziges Gesicht, seine Stimme aber war
+frisch: &bdquo;Mein Pferd. Das ist mein Pferd. Vor Jahren, als der
+Krieg kam, nahm man es mir weg. Hier steh ich auf fremder Erde;
+hier steht mein Pferd auf fremder Erde und trinkt fremdes
+Wasser. Nun freuen wir uns beide, daß wir noch leben. Denn
+unsere Heimat ist weit. Und dies ist mein Pferd!&ldquo; Das Tier wieherte
+glücklich; seinen Schweif schlug es hin und her. Nun sah
+ich in das Gesicht des Soldaten. Ich erkannte ihn und rief: &bdquo;Boleslav!&ldquo;
+Boleslav ließ von dem Pferd ab und blickte nach der
+Richtung, woher der Ruf gekommen war. Ich hatte die Sprache
+wiedergefunden, erhob mich und ging auf ihn zu. Da erkannte
+auch er mich. Er fiel nieder, weinte und sprach: &bdquo;Herr, Herr,
+Herr .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo; er konnte nicht weiter. Dann starrte er plötzlich ins
+Leere und sagte leise: &bdquo;Warum erinnert mich in dieser Stunde
+auf einmal alles an meine Heimat? Ist das ein Zeichen?&ldquo; Dann
+rief der Korporal: &bdquo;Auf!&ldquo; Boleslav gab mir noch schnell die
+Hand, umhalste das Pferd, lange, und trat dann schnell in die
+Reihe. Schon marschierten sie. Das Pferd hatte den Kopf den
+ihren Weg ziehenden Soldaten zugewandt und blickte ihnen
+nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Es blieb noch lange so,
+ohne Laut. Die andern Pferde tranken. Es trank nicht.
+</p>
+
+<p>Dann war eines Tages Geschrei. Die Bauern liefen aus ihren
+Häusern. Die Husaren schlugen aus Freude die Pferde. Dann
+bliesen Trompeten. Die Trommel klang hell. Der Krieg war aus.
+Ich schnürte das Bündel. Meine Wunde war geheilt. Ich schenkte
+den Wirtsleuten mein Bajonett, meinen Lederriemen und
+meine Soldatenmütze. Ich setzte mir einen Bauernhut auf, aus
+Bast geflochten, und ging. Ich schloß mich auf der Landstraße
+andern Soldaten an, die heimzogen. Lange marschierten wir,
+viele Tage, bis wir zur Bahn gelangten. Die andern freuten sich.
+Ich war eher bedrückt. Meine Unruhe steigerte sich, je näher
+wir der Stadt kamen. Und dann war auch diese da, und auch
+ich war da und stand vor dem Bahnhof. Niemand grüßte mich.
+Ein Polizist fuhr mich an. &bdquo;Hier dürfe man nicht herumlungern&ldquo;,
+das war der Satz, den ich verstand. Ich ging weiter.
+Durch die nächsten Straßen. Das war also die Stadt, in der ich
+vor Jahren jenen furchtbaren Menschen gesehen hatte. Ich
+blickte den Vorübergehenden frech ins Gesicht. Es nützte
+nichts, er war nicht darunter. Ich fühlte Hunger. Ich hatte kein
+Geld. Das letzte, was ich an Essen bei mir gehabt, war aufgezehrt.
+Daß ich früher einmal reich gewesen, das fiel mir jetzt
+nicht einmal mehr ein. Irgend ein Spürsinn führte mich zum
+Rathaus. Ich ging hinein und trat ins Zimmer. Man wies mich in
+ein zweites. Von dort in ein drittes. Immer so weiter, bis mich
+im sechzehnten einer eingehender fragte. Ich sagte, ich sei ein
+entlassener Soldat und kein Deserteur und bäte um Arbeit.
+&bdquo;So, also den Feldzug mitgemacht!&ldquo; ermunterte mich der Mann
+am Schreibtisch. &bdquo;Jawohl, an drei Fronten gekämpft,&ldquo; antwortete
+ich. &bdquo;Bravo! daß ihr noch lebt, beweist, daß ihr tapfer gekämpft
+habt!&ldquo; &bdquo;Und ich bin auch verwundet gewesen, ja verwundet,&ldquo;
+sagte ich schnell und wies auf meine Narbe. &bdquo;Das freut
+mich,&ldquo; sprach der Beamte, &bdquo;das freut uns, wir nehmen Euch in
+unsere Dienste. Ihr seid Straßenkehrer am Novemberplatz. Ihr
+habt sechs Straßen zu kehren. Eure Nummer ist acht. Hier ist
+sie. Geht und meldet Euch beim Straßenmeister!&ldquo; damit reichte
+er mir eine Karte. Darauf stand groß die Nummer acht. Ich
+dankte und ging. Aus Freude oder auch aus Verwirrtheit hatte
+Ich meinen schönen galizischen Hut vergessen. Ich wagte nicht
+mehr zurückzugehn. Nach stundenlangem Herumirren erfragte
+ich endlich das Zimmer des Straßenmeisters. Ich klopfte und
+trat ein. Er war nicht da. Ich setzte mich auf eine Bank und wartete.
+Einen Hut brauchte ich nicht erst abzulegen, da ich keinen
+mehr hatte. Groß und einfach saß ich da. Endlich kam der Straßenmeister.
+Ich zeigte meine Karte. Er nahm sie und schrieb etwas
+darauf und schickte mich damit in den Nebenraum. Dort
+gab man mir eine Lederschürze, eine schwarze Mütze mit
+Stadtwappen, eine Schaufel, einen Besen und einen Schubkarren.
+Dazu drei Kronen als Lohn. Morgen würde ich sieben bekommen,
+vier Kronen seien für die Schreibgebühren abgezogen,
+und übrigens sei ja schon später Nachmittag. Ich grüßte
+mit meiner neuen Mütze etwas umständlich, packte den Wagen,
+legte Schaufel und Besen darauf. Dann stieß ich ihn vor
+mir her, hinaus auf die Straße. Jemand rief mir noch nach: &bdquo;Am
+Novemberplatz, Haus Nummer vier, im Hintergebäude links
+unten beim Keller ist Eure Schlafstelle. Dort seid Ihr mit drei
+andern zusammen!&ldquo; &bdquo;Ja, ja,&ldquo; sagte ich. Der Novemberplatz war
+nicht weit. Ich fuhr mit meinem Schubkarren die sechs Straßen
+des Gevierts herauf und herunter. Blieb stehn. In einem
+Bäckerladen kaufte ich mir ein Laib Brot. Dann kehrte ich. Fuhr
+weiter. Und blieb abermals stehn. Und kehrte wieder. Ich kehrte
+absichtlich gewissenhaft und dachte nur an dies. So konnte
+ich mich wenigstens auf Stunden vor Fragen, vor einer Frage
+retten, die immer und immer wieder kam. Es war schon Nacht,
+da war ich gerade fertig geworden. Ich spuckte aus, tat Schaufel
+und Besen in den Karren. Aus der Tasche nahm ich das Stück
+Brot, das mir übriggeblieben war und aß es gierig. Dann gab ich
+dem Karren einen Stoß, und zog ihn hinter mir nach zum Novemberplatz,
+Haus Nummer vier. Ich fuhr durch den Seiteneingang
+in den Hinterhof, stellte den Karren an die Mauer und
+tastete mich in den Keller hinab. Hinter einer Tür hörte ich
+Männerstimmen. Ich machte auf. Eine Kerze brannte hier auf
+einem Faß. Drei besoffene Kerle gröhlten und sahen auf mich,
+der eintrat. &bdquo;Ich bin der neue Straßenkehrer,&ldquo; sagte ich, meine
+Stimme bewußt erhebend. &bdquo;Woher kommst du?&ldquo; &bdquo;Von der Straße.
+Ich habe bis jetzt gekehrt!&ldquo; &bdquo;Waaas?&ldquo; schrien die Männer
+und sprangen auf. &bdquo;Bis in die Nacht? Du kehrst zu gut!&ldquo; Damit
+drangen sie alle auf mich ein und prügelten mich. Dann lag ich
+in einer Ecke. Sie in den anderen. Bald schliefen wir.
+</p>
+
+<p>Die drei Straßenkehrer hatten mit mir Freundschaft geschlossen.
+Ich kehrte auch ihre Straßen mit. Von früh bis abends. Sie
+saßen unterdessen in dem Loch und tranken. Ich kehrte gern.
+Ich kehrte gründlich. Ich sah nichts. Ich hörte nichts. Nur den
+gewöhnlichen, gleichmäßigen Takt des Kehrens. So dachte ich
+an nichts. Kam ich abends nach Hause, prügelten sie mich
+manchmal, manchmal schliefen sie schon den Schlaf der Betrunkenen.
+Müde schlief ich gleich ein. Nur so hatte ich, mitten
+in der größten Unrast der Straßen stehend, eine gewisse Ruhe.
+Eine Ruhe allerdings, die ich in manchen Augenblicken als lauernd
+fühlte. Aber was machte das. Ich war wenigstens nicht
+mehr gehetzt. Und das war schon viel. Das war sehr viel. Und
+ich kehrte und kehrte und kehrte und kehrte. Vierundzwanzig
+Straßen kehrte ich täglich. Das tat ich nun schon ein ganzes
+Jahr. Als ich eines Tages nach Hause kam, schrien mich die
+andern an: &bdquo;Du bist kein Straßenkehrer! Du bist ein Knecht!&ldquo;
+Ich sagte nichts darauf. Mir war alles gleich. &bdquo;Jawohl, du bist
+ein Knecht!&ldquo; Einer trat dicht an mich heran und schlug mir die
+Faust ins Gesicht: &bdquo;Du machst uns Schande. Ein richtiger Straßenkehrer
+muß saufen. Ein richtiger Straßenkehrer säuft!&ldquo;
+Plötzlich hatten mich alle umringt: &bdquo;Du mußt saufen! Los! Sauf
+auch!&ldquo; &bdquo;Sauf!&ldquo; schrie der, der mir die Faust ins Gesicht geschlagen
+hatte und hielt mir die Flasche mit Fusel hin. Und ich trank,
+mit Ekel erst, dann gierig. Bis ich einschlief. &bdquo;Jetzt ist er erst ein
+Straßenkehrer,&ldquo; rief noch eine tiefe Stimme. Dann hörte ich
+nichts mehr.
+</p>
+
+<p>Ich trank gut. Ich kehrte gut. So wich der Gedanke immer
+mehr und mehr von mir. Ich war dreckig. Ich spuckte aus.
+Ich stritt mit dem Wachmann. Es war ja Sommer. Ich lachte,
+wenn eine Magd Milch verschüttete. Ich kehrte wie wütend
+und wirbelte dichten Staub hoch, fuhr ein Gemüse- oder Obstwagen
+vorüber. Ja, mein Staub wurde geradezu fett, kreuzte ein
+Konditorjunge mit einer schönen großen Torte meinen reinigenden
+Weg. Ich rief dem Droschkenkutscher Schimpfworte
+nach. Ich trank. Ich kehrte. Ich trank. Am Sonntag war es besonders
+lustig. Da gingen wir vier in eine Schänke und blieben
+dort von Mittag bis in die Nacht. &bdquo;Die Straßenkehrer!&ldquo; riefen die
+Stammgäste. &bdquo;Kommt uns kehren!&ldquo; schrien die Dirnen und
+lachten. Wir soffen, wir rauften, wir brüllten. Ich spuckte. Ich
+war roh zu den Weibern. Darum stieg ich in der Achtung meiner
+Genossen. &bdquo;Er ist ein echter Straßenkehrer geworden,&ldquo;
+lachten sie anerkennend und tranken mir zu. Schon das dritte
+Jahr war das Leben so. Ich kehrte, soff, schimpfte und spuckte.
+Zur Herbstzeit war ich zwar immer noch ein wenig unruhig;
+mir war in diesen Wochen das Herz recht beklommen. Ich
+hatte auch eine Scheu vor den Polizisten, die ich doch sonst nie
+fürchtete. Es war mir immer, als würde jeden Augenblick aus
+dem Dunkel jemand auf mich springen und mich verfolgen
+wollen. Ich kehrte dann kräftiger und spuckte stärker aus. Ich
+betrank mich mit Willen. Trotz allem kehrte ich gut.
+</p>
+
+<p>Es war Abend. Ich schob den Karren vor mir her. Da stand jemand
+im Weg. Klein und zerlumpt. Es war ein Mädchen. Ich
+stellte den Karren nieder und trat zu dem Kind. Es weinte heftig.
+&bdquo;Warum weinst du?&ldquo; fragte ich. &bdquo;Ich habe soviel Läuse und
+Flöhe.&ldquo; &bdquo;Wäscht dich denn niemand?&ldquo; &bdquo;Meine Eltern sind tot.&ldquo;
+&bdquo;Was machst du, Wo wohnst du?&ldquo; &bdquo;Ich bettle auf der Straße.&ldquo;
+Da tröstete ich das Mädchen und legte ihm meine Rechte aufs
+Haupt. Ich hatte keine Angst vor Läusen. &bdquo;Komm mit mir,&ldquo;
+sagte ich und nahm sie bei der Hand, mit der Linken hob ich
+den Karren und zog ihn hinter mir. Wir gingen recht langsam.
+Als wir beim Haus auf dem Novemberplatz angelangt waren,
+hieß ich das Mädchen warten. Ich ging voraus, um zu sehen,
+was meine Freunde trieben. Sie schliefen schon. Ich kam wieder
+herauf und zog das Mädchen mit mir herunter. In der Ecke,
+wo ich zu schlafen pflegte, machte ich ihr ein Lager. Dann legten
+wir uns schlafen. Sie schlief an meiner Seite. Ich fürchtete
+die Flöhe nicht. Am Morgen staunten die andern kaum, als sie
+das Mädchen sahen. Sie hatten Mitleid mit ihm, als ich ihnen
+erzählte, wer das Kind sei. Sie wuschen sich nicht. Sie überließen
+dem Mädchen ihr Waschwasser, das eiskalt im Krug stand.
+Ich goß es in einen Topf, den ich am Feuer wärmte. Dann entkleidete
+ich das Kind und wusch es. Einer schnitt ihr die Haare
+ab, ein anderer gab ihr sein reines Hemd, das er sonst nur zur
+Weihnachtszeit anzulegen pflegte. Der Dritte kramte in einer
+Ecke, lange, bis er endlich einen roten Flanellrock hervorzog,
+den er noch von seinem verstorbenen Weib hatte. Ich reinigte
+die zerrissene Bluse, so gut es ging. Dann fand sich noch ein
+alter Mantel, den hing ich ihr um. Einer fragte plötzlich: &bdquo;Wie
+heißt du?&ldquo; &bdquo;Maria,&ldquo; antwortete sie scheu. Nun stand sie da und
+war rein. &bdquo;Wir wollen würfeln, wer ihr Vater sein soll!&ldquo; sagte
+einer. &bdquo;Ja, laßt uns würfeln!&ldquo; Wir kauerten uns hin und würfelten.
+&bdquo;Eins!&ldquo; &bdquo;Drei!&ldquo; &bdquo;Sechs!&ldquo; Ich war noch übrig. Ich warf.
+&bdquo;Neun!&ldquo; &bdquo;Du sollst Vater sein! Hüte sie gut.&ldquo; An diesem Morgen
+tranken sie nicht. Sie gingen sogar an die Arbeit und kehrten
+selbst. Ich war der letzte, der den Raum verließ. &bdquo;Vater,&ldquo; sagte
+Maria, &bdquo;du bist wohl schon sehr alt?&ldquo; &bdquo;Warum?&ldquo; fragte ich.
+&bdquo;Deine Haare sind so weiß.&ldquo; Da griff ich mit den Fingern in meine
+Haare und riß. Sie waren in meiner Hand. Ich blickte hin.
+Sie waren weiß. Ich gab keine Antwort und ging hinaus. Ich
+hatte weniger zu tun. Nie mehr blieben meine Genossen daheim
+und tranken. Sie hielten ihre rohen Reden und derben
+Späße zurück. Sie waren gut zu Maria, wie ich gut zu ihr war.
+Nur am Sonntag gingen wir in die Schänke; als wir heimkamen,
+schlief das Mädchen schon. Waren wir angeheitert, so machten
+wir dennoch keinen Lärm, um Maria nicht zu wecken.
+</p>
+
+<p>Es war November. Ich kehrte. Es war Mittag. Maria würde mir
+bald das Essen bringen. Ich kehrte. Mitten im größten Verkehr,
+mitten in der größten Unruhe stand ich da und kehrte. Ruhig.
+Da schaute ich auf, zufällig. Ein Blick war auf mich gerichtet.
+Kurz, dann ging er weiter. Er. Der Mann. Seine Augen hatten
+mich angeschaut. Seine Augen hatten hart geblickt, wie Glas. Er
+sah ganz gewöhnlich aus. Nichts besonderes war an ihm. Ein
+Gleichgültiger unter Gleichgültigen des Alltags. Ein Mann der
+Menge in der Menge. Meine Ohren zitterten. Meine Augen zitterten.
+Meine Lippen zitterten. Mein Kinn zitterte. Meine
+Hände zitterten. Meine Knie zitterten. Ich zitterte. Ein Strom
+drang durch mein Hirn, heiß. Dann ein Gegenstrom, kalt.
+Da war der, den ich suchte, um dessentwillen ich alt geworden
+war. Ich wollte vorstürzen. In dem Augenblick, wo er mich
+ansah, hätte ich es nicht vermocht. Da wäre ich eher geflohen.
+Denn etwas Zwingendes, Treibendes war in seinem Blick. Nun
+aber kann ich ihm nachstürzen! Er schaut mich nicht mehr an.
+Dort geht er. Dort ging er. Er war schon weit. Kaum konnte ich
+ihn mehr erkennen. &bdquo;Du sollst mir nicht entkommen!&ldquo; schrie,
+lachte, gebot, weinte ich. Du nicht! Ein Leben habe ich auf dich
+gewartet. Nun sollst du mir Rede stehen, wer du bist. Es gilt.
+Mein Leben hast du gemordet, nur, weil du mich angesehen
+hast. Nun bezahlst du mir. Dein Leben für das meine. Dies
+stürmte auf mich ein, als ich losrannte. Ihm nach! Ich stolperte
+und fiel. Der Karren. Sofort war ich wieder auf und lief. Er war
+schon ganz unten, beim Eck der Straße. Ich lief ihm nach. Mein
+Atem keuchte. Er war um die Ecke. Ich lief schneller. Die Ecke
+kam näher, sie war da. Ich lief vorüber. Ich sah ihn nicht mehr.
+Ich hielt inne. Doch ja, dort, dort, dort, er lief ebenfalls. Er war
+schon ganz oben, bei der Ecke der nächsten Straße. Ich lief
+wieder. Einige wollten mich aufhalten. Ich stieß sie beiseite.
+Und lief. Ich hörte schon nicht mehr meine Lungen keuchen,
+ich hörte nichts mehr. Ich sah bloß. Ich sah ihn, ihn, ihn.
+Nun kam ich etwas näher. Nun war er aber wieder um die Ecke.
+Doch nein, du entkommst mir nicht. Diesmal nicht. Auch ich
+war schon um die Ecke. Da stand er unweit von mir. So unerregt,
+so sicher. Ruhig. Und sah mich an. Ich blieb plötzlich stehen.
+Ich mußte stehen bleiben. Ich hörte mich wieder keuchen.
+Er sah mich noch immer an. Ich verlor allen Mut. Ich wollte
+zurücklaufen, fliehen. Fliehen, fliehen! Denn jetzt erkannte
+ich auf einmal sein Gewand; es war grün. Und auf seinem Hut
+stak eine Feder. Und über seinem Rücken hing ein Gewehr. Das
+gewahrte ich alles erst jetzt. Das schaute ich jetzt. Er stand ruhig
+und sah mich an. Sein Blick! sein Blick! Nun wußte ich, wer
+es war. Es war ein Jäger. Da wandte er sich um und ging weiter.
+Im selben Augenblick war der Bann von mir gewichen. Ich
+konnte ihm wieder folgen. Aber ich ging schwer. Mein Hirn war
+kalt. Ich mußte ihm folgen, das wußte ich. Er ging durch viele
+Gassen. Ich folgte. Er bog ums Eck. Ich auch. Er ging schneller.
+Ich auch. Er ging langsamer. Ich auch. Die Straßen wurden einsamer.
+Noch immer ging er. Ich auch. Die Häuser hatten aufgehört.
+Er schritt und schritt. Ich auch. Er setzte sich auf einen
+Stein und rastete. Auch ich. Er stand wieder auf und ging weiter.
+Auch ich. Es kamen Felder. Wir gingen durch. Es kam Wald.
+Wir gingen durch. Da, als wir aus dem Wald herausgetreten
+waren, blieb er plötzlich stehn. Dort unten lag ein Haus. Dahinter
+waren weite Felder, rückwärts wieder Wald. Der da vorne
+schritt auf das Haus zu. Ich folgte. Er war schon bald da. Ich
+schritt schneller aus. Er trat durchs Tor. Ich folgte rasch. Über
+dem Eingang hing ein Geweih. Auf der Flur hatte der Mann
+eben sein Gewehr an einen Rechen gehängt, seinen Hut auf
+einen Nagel, als ich mit Gepolter im Rahmen der Türe stand. Er
+sah mich an. Doch ich fürchtete mich nicht mehr. Er war kleiner
+als ich. &bdquo;Was willst du?&ldquo; fragte er ruhig. &bdquo;Dich!&ldquo; schrie ich
+und sprang vor. Er wollte mich packen, ich war stärker. Sein
+Blick machte mich wütend und gab mir Stärke. Ich packte fest
+zu und drängte ihn durch eine Tür in ein Zimmer. An der Wand
+hatte ich einen Dolch erblickt, ich ergriff das Messer, noch ehe
+wir beide zu Boden gefallen waren, und mit meinem Gebrüll
+seinen Wehruf überschreiend, stach ich es ihm ins Herz. Ich
+keuchte noch schwer, dann atmete ich auf. Er war tot. Niemand
+hatte es gesehen. Niemand. Ich war frei. Ich hatte nichts mehr
+zu suchen. Ich war ein Mensch wie die andern. Nun schnell fort.
+Ich richtete mich empor. Da überlief es mich kalt. Mir stockte
+der Atem. Mir gerann das Blut. Meine Augen starrten. Ich konnte
+mich nicht bewegen. Ich war gelähmt: Ich sah in die entsetzten
+und groß aufgerissenen Augen eines Hasen. Ich hörte
+mein Herz klopfen und auch das des Hasen. Der Hase zitterte.
+Sein Blick zitterte. Plötzlich sprang er und war weg. Ich konnte
+mich wieder bewegen. Da sah ich, daß ein Fenster offen war.
+Hin über die vergrünten Felder lief der Hase. Da wußte ich auf
+einmal, warum er lief. Scheu, den Blick vom Boden der Tat wegwendend,
+drehte ich mich um und lief aus dem Zimmer, durch
+die Flur und aus dem Haus heraus. Ich lief. Ich war weg.
+</p>
+
+<p>Die Straße, der Wald, der Wald, der Wald, der Wald war unendlich.
+Langsam kam die Dämmerung. Noch immer lief ich. Endlich
+sah ich Lichter. Ich lief langsamer. Die ersten Häuser
+kamen schon, nun Straßen. Ich lief nicht mehr. Ich blieb stehn.
+Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Ein Finger war blutbespritzt.
+Ich bückte mich, steckte ihn in warmen Pferdekot und
+zog ihn wieder heraus. Man sah nichts mehr. Ich war rein vom
+Blut. Ich ging. Es war schon spät in der Nacht, als ich heimkam.
+Ich tastete an der Wand. Da standen vier Karren. Sollte das alles
+ein Traum gewesen sein? Es war finster. Dennoch wußte ich,
+daß ich lächelte, als ich zu den Meinen eintrat. Sie schnarchten.
+Ich legte mich hin; in meine Ecke. Ich hörte Maria regelmäßig
+atmen. Ich wälzte mich auf die linke Seite und schlief unglücklich.
+Am Morgen fragten mich alle, wo ich gewesen. &bdquo;Ein
+Schwindel ergriff mich, ich fiel hin; als ich aufwachte, war ich
+bei guten Leuten. Ich glaube, es war der Hausmeister von der
+grünen Villa in der Jägerstraße,&ldquo; sagte ich matt und wunderte
+mich im Innern über meine Lüge. &bdquo;Ja, ja, du wirst alt, Vater,&ldquo;
+meinte Maria und reichte mir warmen Kaffee. &bdquo;Was glaubst du,
+wie ich erschrak, als ich mit dem Essen kam und dich nicht sah,
+nur deinen Schubkarren. Eine Stunde habe ich gewartet. Das
+Essen war kalt geworden. Ich gab es in den Wagen, nahm
+Schaufel und Besen und zog voller Angst heimwärts.&ldquo; &bdquo;Du gutes
+Kind, du bist so gut, so gut,&ldquo; sagte ich. &bdquo;Also auf!&ldquo; räusperte sich
+einer der andern, &bdquo;kehren wir wieder einmal den Dreck des Lebens
+von der einen auf die andere Seite. Ob so oder so, Dreck
+bleibt Dreck! Also los, Bruder, kehren wir!&ldquo; &bdquo;Ja,&ldquo; sagte ich und
+folgte ihnen nach.
+</p>
+
+<p>Kein Tag war glücklich. Keinen Augenblick fand ich Ruhe. Ich
+stand und kehrte. Meine Augen hasteten. Meine Ohren hörten,
+mitten im Lärm der Straße, auf ein leises Geräusch. Ein Geräusch,
+das so leise ist, weil es vom Tappen kleiner Pfoten
+kommt. Ich kehrte schlecht. Ich war zerstreut. Ich hörte die Reden
+Marias nicht. Ich hörte auch nicht die Flüche meiner Genossen.
+Nichts hörte ich. Nur eines wußte ich, und immer und
+immer wieder eines: Jemand weiß, jemand war Zeuge, jemand
+war ein Hase. Ein Hase! Ein Hase! &bdquo;Hast du nicht den Hasen gesehn?&ldquo;
+fragte ich den Kutscher. Der hieb auf die Pferde ein und
+lachte. Ich war nicht frei. Noch immer nicht frei. Frei wie andere.
+Solange nicht, bis ich den Hasen gefunden hatte. Ich lief dem
+Wagen des Kaufmanns nach; da lagen viele Hasen, tot. Vielleicht
+war auch mein Hase darunter. Ich beugte mich über jedes
+Tier und sah in die erstarrten Augen. Mein Hase war da
+nicht. &bdquo;Du willst wohl stehlen?&ldquo; brüllte mich der Fuhrmann an,
+der gerade aus der Schänke herauskam und auf den Kutscherbock
+stieg. &bdquo;Nein! ich habe nur meinen Hasen gesucht.&ldquo; &bdquo;Weg!&ldquo;
+schrie der Mann, schlug nach mir mit der Peitsche und fuhr. Ich
+schaute vor den Wildläden die hier hängenden Hasen lang und
+streng an. Ich fand nichts. Ich streichelte Maria nicht mehr; ich
+hätte an das Hasenfell denken müssen. Ich war unruhig. Ich
+war sehr unruhig. Ich schlief schlecht. Ich kehrte schlecht. Ich
+verdaute schlecht. Ich fand nichts. Tage waren nach dem Mord
+vergangen. Wochen. Ich hatte alle Hasen der Stadt gesehn, tote
+und bald tote; denn ich war am Dienstag und Freitag schon um
+vier Uhr früh an der Ostseite der Stadt und wartete auf die
+Bauern, die mit Hasen zur Stadt fuhren. Meinen Hasen fand ich
+nicht. Tagsüber stand ich auf der Straße und kehrte schlecht.
+Fuhr ein Leichenwagen vorüber, hielt ich inne im Kehren und
+stand stramm wie ein Soldat.
+</p>
+
+<p>Der Hase lief. Da waren die Felder hinter ihm. Da war wieder
+der Wald. Sein Dunkel war gut. Der Hase hatte keine Angst
+mehr vor dem Wald. Denn er verbarg sich hinter Gezweig und
+wartete. Wartete die ganze Nacht hindurch. Sein kleines Herz
+pochte, so lang die Nacht war. Am Morgen schlug es schon leiser.
+Da schlief er ein. Als er aufwachte, hatte er Hunger und
+und fraß dürre Blätter. Er wagte nicht, sich zu rühren. Vor seinen
+Augen sah er noch das Furchtbare, die Unwesen. Jetzt
+liebte er den Wald. Er kroch weiter. Er suchte etwas; er konnte
+nichts finden. Denn er wußte nicht, wo er hin sollte. Jenes
+Schreckliche hatte ihm alle Erinnerung an seine Familie ausgelöscht.
+Er irrte im Wald herum. Aufs Feld traute er sich nicht
+mehr, denn dort drohte jenes Das. Er blieb nirgends lange; er
+floh. Er saß nie, er lief. Er wußte nicht, vor wem er floh. Weiter, weiter.
+Und die Bäume waren da und das Moos. Bis er müde war, daß er
+nicht mehr weiter konnte, blieb er liegen und schlief ein. So war
+er, so lebte er und wußte nichts. Eine Eule hielt er für seine
+Mutter. Einmal lief er doch hinaus, über Felder der Landstraße
+zu. Da, er wollte zurückfliehen, standen viele Unwesen, nun
+hatten sie ihn gepackt und hielten ihn fest. Er schloß die Augen
+und wartete zitternd. Ein lautes Geräusch ertönte, als würden
+große Tiere brüllen. Da spürte er, daß ihm nichts mehr weh tat;
+er tastete mit den Pfoten, fühlte Erde und sprang und &mdash; lief.
+Wald. Er war im Wald und schloß erst jetzt seine Lider. So
+waren seine Augen in Angst gewesen, daß die Lider sich nicht
+geschlossen hatten; von dem Augenblick, wo er entlief über die
+weiten, weiten Felder, bis zu dem Augenblick, wo er den Wald
+betrat. Der Hase hatte jetzt etwas Schreckliches im Blick, so,
+daß sogar die Giftschlange sich verbarg und von allem Bösen
+ließ, als sie seine Augen auf sich gerichtet fühlte.
+</p>
+
+<p>Zwei Stunden vor der Stadt wurde eine Straße gewalzt. Viele
+mußten dabei helfen. Auch ich. Tag für Tag standen wir draußen
+und räumten Steine aus dem Weg. Unterdessen verstaubte
+in der Stadt das Pflaster. Auch meine Genossen halfen mit. Um
+zwei Uhr brachte uns Maria immer das Mittagsmahl. Da war
+gerade Rast, und wir warteten am Straßenrand. Auch heute
+wieder. Auf einmal ertönte Geschrei. Alle liefen zusammen und
+riefen. Ich erhob mich und schritt langsam dorthin, wo sie mitten
+auf der Straße standen. Da teilte sich die Menge. Ich sah einige,
+die einen Hasen festhielten. In diesem Augenblick dachte
+ich an nichts, nur Mitleid ergriff mich, ich stürzte vor und
+schrie wild: &bdquo;Daß mir niemand den Hasen tötet!&ldquo; Sie erschraken,
+ließen locker, und der Hase entlief. Dort war er schon, nahe
+am Wald. Jetzt sprang er und ward nicht mehr gesehen. Ich
+hatte ihm nachgeschaut, ohne Sinn und ohne Regung, bis er
+verschwunden war. Plötzlich fiel mir ein: Könnte es nicht mein
+Hase .&nbsp;.&nbsp;.? &bdquo;Hasenheiland, wann wirst du deine Predigt halten?&ldquo;
+höhnten mich viele, aus Wut, daß der Hase davon war.
+</p>
+
+<p>Ich soff. Ich roch nach Schnaps. Ich schlug Maria. Ich schlug
+meine Genossen und wurde wieder von ihnen geschlagen. Ich
+kehrte schlecht. Monate vergingen. Maria war weggelaufen.
+Kaum, daß ich sie vermißt hätte. An Sonntagen rannte ich in
+den Wald, um den Hasen zu suchen. Als es finster war, kehrte
+ich heim. Und Schnee lag überall und war höhnisch. Liefe jetzt
+ein Hase übers Feld, es wäre unheimlich. Da lief ich. Bis wieder
+die Stadt kam, und bis ich wieder zu Hause war. Und so vergingen
+viele Monate. Abermals war der Sommer vorüber. Ich haßte
+den Herbst. Ich hätte ihn töten mögen. Ich saß in der Schänke.
+Die Dirne an meiner Seite war krank. Ich sah es nicht. Ich saß
+und trank. Die Dirne trank mit. Da schlug ihr einer das Glas
+weg, gerade als sie trinken wollte. Ihr Mund blutete. Ich trank
+und sah nichts. Da schrie mich das Weib an: &bdquo;Siehst du nicht,
+daß er dich verspottet?!&ldquo; Ich spielte, sah einen, der über mich
+lachte. Ich griff zum Glase und trank. Alles war gleichgültig.
+Nur der Schnaps nicht. Jetzt packte mich die Dirne, rüttelte
+und rief: &bdquo;Du bist ja gar kein Mann, du bist ein Hase!&ldquo; Ich schaute
+auf. Meine Augen schlossen sich und öffneten sich wieder.
+Das Wort traf mich wie ein Schlag. Ich stand auf. Ich lief hinaus.
+Ich lief. Bis der Wald kam.
+</p>
+
+<p>Lange Zeit war vergangen. Der Wald war weiß gewesen, dann
+wurde er grün, nun war er gelb. Der Hase hatte nie Ruhe. Er
+lief und verbarg sich, war stets gehetzt und fürchtete immer
+etwas Dunkles. Er war alt geworden, weil er nie rasten konnte.
+Noch immer hatte er seine starren Augen, noch immer wußte
+er von seinem früheren Leben nichts. Keine Mutter gab ihm
+Wärme, kein Vater Sicherheit. Allein war er im alten Walde.
+Kein Tier paarte sich mit ihm. Alles floh, auch böses
+Getier, kam der fliehende Hase angerannt. Und er lief und
+lief, fürchtete die Felder und war im Wald. Manchmal hatte
+er eine Erinnerung: Das Entsetzliche stieg auf, das
+eine Unwesen wuchs riesengroß aus dem Moos, dann das
+zweite, nun fielen sie beide hin &mdash; und war ein Tier, ein Reh, das,
+von den starren Augen des Hasen gescheucht, verwirrt flüchtete.
+Der Hase war müde. Er wollte nicht mehr die Augen öffnen.
+Er mußte sie öffnen, er mußte laufen, er mußte fliehen. Er starb
+nicht. Er lebte und floh.
+</p>
+
+<p>Als ich den finstern Wald betrat, wußte ich: Meine Seele war
+hauslos. Die Bäume kamen mir entgegen und wichen zurück.
+Kein Laut war zu hören. Alle Tiere und Zweige schwiegen. Ich
+drang durch Gestrüpp und Sträucher. Zum erstenmal taten mir
+meine Füße wohl. Ich ging auf Moos. Das Moos war gut. Ich hatte
+Angst, daß draußen die Sonne untergehn könnte. Auch wenn
+Moos gut ist, will ich nicht hier bleiben, allein mit mir im Wald,
+den die herankommende Nacht umhalsen wird. Ich fürchte
+Nächte im Walde. Ich wollte mich jetzt selbst beim Namen rufen,
+er war aber schon lange vergessen. Ich hatte Angst, auf
+einmal, vor mir selbst. Ich wußte aus irgend einem verwirrten,
+aber heftigen Grunde, daß ich heute den Herbst töten würde.
+Der Wald war groß. Da fing ich plötzlich zu rennen an. Und
+rannte im Walde. Die Sträucher und Äste zerkratzten mir Gesicht
+und Hände. Ganz gleich. Ich rannte im Walde. Da lief ein
+Schatten; quer über den Weg. Der Schatten stand plötzlich still,
+als hätte ihn der Blitz gerührt. Der Schatten bewegte sich nicht.
+Ich stand genau so still wie der Schatten. Ich konnte mich nicht
+rühren. Ich hatte den Schatten erkannt. Der Schatten war ein
+Hase. Der Hase! Am Auge hatte ich den Hasen erkannt. Er war
+gelähmt. Seine Augen waren groß und starr. Seine Ohren waren
+steif und spitz. Sein Blick war entsetzt und irrsinnig. Mein Auge
+zitterte. Ich sah mich im großen Auge des Hasen, und der Hase
+sah sich in meinem Auge. Ich sah den Hasen, und der Hase sah
+mich. Lautlos standen wir einander gegenüber. Eine Ewigkeit
+lag zwischen uns. Und ein Wald. Alles, mein ganzes Leben fiel
+mir auf einmal ein, als ich dem Hasen ins Gesicht sah. Am Auge
+hatte mich der Hase erkannt. In diesem Atemzug sprang ich mit
+einem Schrei auf ihn, packte seinen Hals und &mdash; trotzdem ich als
+Kind immer geweint hatte, als meine Mutter das Huhn tötete &mdash;
+erwürgte ich den Hasen. Seine Augen waren entsetzlich groß
+und tot. Ich lachte auf. Meine Finger waren um seinen Hals gekrampft
+und ließen nicht locker. So trat ich aus dem Wald
+heraus. Die Sonne ging gerade unter. Ich lief nicht mehr. Ich
+ging langsam. Als ich die Stadt betrat, brannten schon die Laternen.
+Meine linke Hand hielt den Hasen. Ich wußte nichts von
+meiner Linken. Irgendwer schrie aus dem Halbschatten: &bdquo;Guten
+Abend, Herr Ha .&nbsp;.&ldquo; Ich hatte etwas gehört. Nein! nein, das
+war ja mein Name, den ich schon vor langem vergaß. Nein, es
+war nichts. Ich lächelte. Ich wußte schon nichts mehr. Die Laterne
+war grün.
+</p>
+
+<p>Ich war eingetreten. Da saßen die Polizisten. Sie schauten zu
+Boden. Plötzlich sahn sie auf. Ich stotterte erst, dann sagte ich
+fest: &bdquo;Ich bin ein Mörder.&ldquo; Eine namenlose Stimme fragte: &bdquo;Wen
+haben Sie gemordet?&ldquo; Ich hob meine Linke mit ihrer Last hoch
+und sagte: &bdquo;Diesen Hasen.&ldquo; Die Gesichter der Polizisten erschienen
+durch den Qualm breiter, voller. Jemand sprach gütig:
+&bdquo;Seht doch, es ist hier etwas nicht in Ordnung in der Natur.
+Der Hase, den er da in der Linken hält, hat Augenlider wie
+ein Mensch, und jener Mensch hier hat keine Lider, nur große
+starre Augen.&ldquo; Die sachliche Stimme fragte wieder: &bdquo;Wie heißen
+Sie?&ldquo; Mir war es, als fiele ich in ein Meer. Dann sagte ich
+voller Unmut und heftig: &bdquo;Wie kann ich das wissen, da ich doch
+den Hasen getötet habe!&ldquo; Dann mußte ich plötzlich eingeschlafen
+sein. Denn als ich aufwachte, lag ich in einem Haus. Und in
+dem Haus waren die Wände bleich.
+</p>
+
+<p>Eines Tages war der Wind so gut. Ich trat aus dem Haus heraus
+und war frei. Die bleichen Wände lagen hinter mir. Ich bekam
+wieder meinen Schubkarren, meine Mütze und meinen Besen.
+Ich kehrte wieder.
+</p>
+
+<p>Ich habe berichtet. Das war mein Leben. Ob es gerecht war,
+weiß ich nicht. Zufällig schaut man ins Leben. Vielleicht war
+mein Leben nur ein Leben, das man zwischen dem Erleben
+lebt. Vielleicht habe ich auch gar kein Leben gelebt, vielleicht
+war es das Leben eines andern, oder auch das, was niemand
+erlebt hat. Also ist mein Leben kein Leben gewesen. Ich weiß es
+nicht. Nun habe ich Ruhe. Ich habe meinen Frieden mit
+allen Menschen und Hasen gemacht. Ich kehre und frage nicht
+mehr. Manchmal schaue ich auf und blicke in die flüchtenden
+Augen vornehmer Frauen, die fragend und schnell auf meine
+schmalen langen Hände sehn und auf meine arabisch geschwungene
+Nase.
+</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Hase, by Melchior Vischer
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HASE ***
+
+***** This file should be named 39390-h.htm or 39390-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/9/3/9/39390/
+
+Produced by Jens Sadowski
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
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+electronic works
+
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+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
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+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
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+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
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+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+1.E.9.
+
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+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
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+</html>