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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:11:30 -0700
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+<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN">
+<html>
+<head>
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=ISO-8859-1">
+<title>The Project Gutenberg eBook of Elsbeth von K&uuml;ssaberg, by Karl Friedrich W&uuml;rtenberger</title>
+</head>
+<body>
+
+
+<pre>
+
+Project Gutenberg's Elsbeth von Küssaberg, by Karl Friedrich Würtenberger
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Elsbeth von Küssaberg
+ das Gotteli von St. Agnesen
+
+Author: Karl Friedrich Würtenberger
+
+Release Date: February 19, 2012 [EBook #38930]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ELSBETH VON KÜSSABERG ***
+
+
+
+
+Produced by Stephan Pabst &lt;Stephan.Pabst@gmx.net&gt;
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+<img src="images/E000.jpg" alt="Elsbeth"><h1>Elsbeth von K&uuml;ssaberg</h1>
+<h1>das Gotteli von St. Agnesen</h1>
+<p>
+Ein episches Gedicht<br>
+aus dem Kletgau<br>
+von<br>
+K. Fr. W&uuml;rtenberger.<br>
+</p>
+<p>
+Mit Illustrationen.<br>
+</p>
+<p>
+St. Petersburg.<br>
+Buchdruckerei f&uuml;r Kaiserl. Russische Staatspapiere.<br>
+1889.<br>
+</p>
+<p>
+Alle Rechte vorbehalten.<br>
+</p>
+<p>
+Die Illustrationen sind mit Genehmigung der Censur-Beh&ouml;rde gedruckt.<br>
+St.-Petersburg, den 14. December 1888.<br>
+</p>
+<p>
+Meiner herzlieben Heimat<br>
+zum freundlichen Andenken.<br>
+</p>
+<h2>Erstes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E001.jpg" alt="Klettgau mit K&uuml;ssaburg"><p>
+Da, wo am Rhein, in Badens herrlichen Gefilden,<br>
+Zu Schutz und Trutz von edeln Herrn erbaut,<br>
+Ein weithin sichtbar Wahrzeichen des Kletgau&rsquo;s,<br>
+Die K&uuml;ssaburg von stolzer H&ouml;he schaut;<br>
+Vom Tann&rsquo; bekr&auml;nzt, von Eppich &uuml;bersponnen &mdash;<br>
+Da sprudelt dieses Sanges frischer Bronnen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch heute, eines Weihenpaares Horst und Veste,<br>
+Ragt hoch, vom Bergfried wohl, ein Mauerrest;<br>
+Nach Moder d&uuml;nstende, versch&uuml;ttete Gew&ouml;lbe<br>
+Gew&auml;hren scheuem Wild ein sicher Nest.<br>
+Wo einst das Palas stand, sind Tr&uuml;mmerhaufen,<br>
+Durch deren Wirrni&szlig; bunte K&auml;fer laufen.<br>
+</p>
+<p>
+Mitleidig deckt die blitzzerspellten Thurmruinen,<br>
+Ein hundert Jahre alter Epheukranz,<br>
+Der, Wurzel treibend zwischen Kalkstein-Quadern,<br>
+Ihr Grau umzieht mit dunkelgr&uuml;nem Glanz;<br>
+Auf schwachen Spuren l&auml;ngst zerfallner Zinnen,<br>
+Sonnt sich das Echslein, weben braune Spinnen.<br>
+</p>
+<p>
+Den weiten Zwingolf f&uuml;llt Gestr&uuml;ppe; Brombeerranken<br>
+Verwehren neidisch des Besuchers Fu&szlig;<br>
+Den Pfad zu w&uuml;rzig-duft&rsquo;gen K&ouml;nigskerzen,<br>
+Die weithin winken ihren goldnen Gru&szlig;.<br>
+Um Baum und Busch wogt summendes Gewimmel<br>
+Und blau, durch Fensterscharten, schaut der Himmel.<br>
+</p>
+<p>
+Tiefernstes Schweigen waltet, heil&rsquo;ge Ruh hier oben,<br>
+Und wenn zu Zeiten mal den &ouml;den Raum<br>
+Ein Mensch betritt, will&rsquo;s ihn gemahnen,<br>
+Als schlief hier alles l&auml;ngst in schwerem Traum; &mdash;<br>
+Von dem selbst Thor und Umzug bang befangen,<br>
+Die beide noch mit festen Mauern prangen.<br>
+</p>
+<p>
+So liegt die St&auml;tte heute stille und verlassen,<br>
+Wo einst im Kampfe Waffenl&auml;rm getost.<br>
+Ein heimlich Scheuen nimmt den Sinn gefangen<br>
+Und, wenn ein L&uuml;ftlein mit den Bl&auml;ttern kost<br>
+Ist es, als t&ouml;nte Fl&uuml;stern in den R&auml;umen,<br>
+Verlockend, am helllichten Tag zu tr&auml;umen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Und wirklich, sieh! Dem Blick erstehen Thurm und Zinnen.<br>
+Hoch &uuml;berm Thore prangt das Wappenschild<br>
+Der alten K&uuml;ssaberger steingemei&szlig;elt;<br>
+Sie f&uuml;hrten eines L&ouml;wen Haupt als Bild.<br>
+In braunget&auml;felten Gem&auml;chern waltet<br>
+Des Hauses Tochter, die als Herrin schaltet.<br>
+</p>
+<p>
+Was weiter, Traum ber&uuml;ckt, ich schaute und vernommen,<br>
+Es will nicht weichen mehr mir aus dem Sinn.<br>
+Mu&szlig; immerdar der holden Herrin denken,<br>
+So oft ich hier, wo einst sie lebte, bin;<br>
+Des Frauenbildes, das, vor grauen Jahren,<br>
+Der Liebe Lust und Leid gar reich erfahren.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, la&szlig;t mich schlicht erz&auml;hlen, wie sich Alles f&uuml;gte<br>
+Und was es war, das mich zum Singen zwang.<br>
+Der leise Wunsch, dem Schutze deutscher Dichtung<br>
+Mein K&uuml;ssaburg zu weihen im Gesang,<br>
+Will ohnehin mir nimmer Ruhe lassen;<br>
+Die Kunst ist nur, geziemend mich zu fassen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Im k&uuml;hlen Schatten der Ruinen sa&szlig; ich sinnend<br>
+An einem Julitage, wie gewohnt,<br>
+Hinunter auf die Rebenh&auml;nge blickend,<br>
+Die, gn&auml;dig mal vom Maienfrost verschont,<br>
+In jenem Jahre uns ein Weinlein brachten,<br>
+Von dem noch jeder Tropfen hoch zu achten.<br>
+</p>
+<p>
+So recht von Herzen mich des reichen Segens freuend,<br>
+Den Gott hier reifen lie&szlig; im Sonnenschein,<br>
+Erhoben sich die Blicke m&auml;lig h&ouml;her,<br>
+Weit &uuml;ber waldgekr&ouml;nte H&uuml;gelreihn,<br>
+Bis wo, als ob im Duste sie verblauten,<br>
+Gleich Silberburgen sich die Alpen bauten.<br>
+</p>
+<p>
+Die Stolzen zeigten sich dem froh entz&uuml;ckten Blicke<br>
+In selten klarem, wundervollem Glanz;<br>
+Vom S&auml;ntis an weithin zum fernen Montblanc &mdash;<br>
+Zog schimmernd ihr krystallner, pr&auml;cht&rsquo;ger Kranz.<br>
+Es war, als schm&uuml;ckte den uralten Firnen<br>
+Ein glitzernd Diadem die wei&szlig;en Stirnen.<br>
+</p>
+<p>
+Gen Abend aber setzte, Riesen-Firsten gleich, der Jura<br>
+In dunkeln Zacken sich zum Schwarzwald fort,<br>
+Und sonnbeglastet, von der Wasserfluehe<br>
+Bis hoch zum Randen, ruhte Ort an Ort.<br>
+Im Osten, wo des Hegau&rsquo;s H&ouml;hen blauen,<br>
+War selbst ein Streiflein noch vom &bdquo;Twiel&rdquo; zu schauen.<br>
+</p>
+<p>
+Thalnieder endlich zog der alte Vater Rhenus<br>
+Ein blinkend Band um heitrer H&uuml;gel Fu&szlig;<br>
+Und links ob Zurzach aus Helvetiens Gauen,<br>
+Bot Schwester Habsburg fernher ihren Gru&szlig;. &mdash;<br>
+Die D&ouml;rflein rings, die St&auml;dtlein, Au&rsquo;n, Gefilde,<br>
+Sie reihten alle sich zum sch&ouml;nsten Bilde!<br>
+</p>
+<p>
+Es ward dem Herzen leicht, ob dieses hehren Anblicks;<br>
+In vollen Z&uuml;gen trank ich Waldesduft,<br>
+Vom tiefsten Frieden wonniglich umf&auml;chelt.<br>
+Wer freut sich nicht in Gottes freier Luft,<br>
+Wenn uns, da&szlig; Leib und Seele frisch genesen,<br>
+Ein Pl&auml;tzlein ist, wie dieses, auserlesen! &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wer auch die ersten Siedler dieser St&auml;tte waren,<br>
+Sie bauten nicht zu Schutz und Trutz allein;<br>
+Im Busen mochten sie ein Gleiches f&uuml;hlen<br>
+Wie unsereines hier im Sonnenschein.<br>
+Es waren darum gar nicht schlecht berathen,<br>
+Die einst dahier sich h&auml;uslich niederthaten.<br>
+</p>
+<p>
+Von woher kamen sie? Zu welcher Zeit? We&szlig;&rsquo; Stammes?<br>
+Hat Steinbeil oder Erz gef&auml;llt den Tann?<br>
+That&rsquo;s Feuer oder Eisen? War&rsquo;s der Kelte,<br>
+Dem dann der R&ouml;mer folgt&rsquo;, der Alemann? &mdash;<br>
+So dachte ich und lie&szlig; die Zeit verrinnen,<br>
+Den Blick gerichtet auf der Alpen Zinnen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Da kam mir vor, als h&ouml;rt&rsquo; ich rasseln, wie von Ketten;<br>
+Ein m&auml;chtig Thor erhob sich vor dem Blick.<br>
+Ich sah die Br&uuml;cke von der Windberg&rsquo; schwanken,<br>
+Die schweren Bohlen dran, wie B&auml;ume dick;<br>
+Auch riefen Stimmen, welche hastig trieben,<br>
+Den Balken, so das Thor schlo&szlig;, wegzuschieben. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Zum Himmel schier sah man zwei graue Th&uuml;rme ragen,<br>
+In deren Fenstern Laden anstatt Glas,<br>
+&mdash; Die tiefen Nischen sind noch jetzt zu schauen,<br>
+Wenn &uuml;berwuchert auch von Strauch und Gras, &mdash;<br>
+Den Th&uuml;rmen seitw&auml;rts stand ein M&auml;gdegaden,<br>
+Das Bretterdach mit Steinen schwer beladen.<br>
+</p>
+<p>
+Aus R&ouml;mer Fundament erhob sich stolz der Bergfried,<br>
+Wie &uuml;blich seines Herren Wohngemach<br>
+In sichrer H&ouml;he bergend, von wo weiter<br>
+Der Wendeltreppe leichtes Holzgefach<br>
+Zur Laube f&uuml;hrte, die den Thurm umspannte,<br>
+Da sich des W&auml;rtels Blick zum &bdquo;Auslueg&rdquo; wandte.<br>
+</p>
+<p>
+Im Erdgescho&szlig;&rsquo; zun&auml;chst dem Thurme lag die Halle,<br>
+Ein rauchgeschw&auml;rzter Raum mit Tisch und Bank,<br>
+In welcher fahrendem Gesind zuweilen<br>
+Man Obdach bot und Speis&rsquo; und Trank.<br>
+Ein dunkler Gang von nur zwei Schritten Breite,<br>
+Schied ab die Herdstatt von des Palas Seite.<br>
+</p>
+<p>
+Rechts vorne, nah dem Bergfried, war der Rad-Ziehbrunnen<br>
+Viel hundert Fu&szlig; im Berge abgeteuft;<br>
+Es hei&szlig;t vom Brunnen, da&szlig; sein Wasserspiegel<br>
+Im gleichen Strich mit dem des Rheines l&auml;uft.<br>
+Die Schlo&szlig;kapelle, um auch sie zu nennen,<br>
+Stand dicht daneben, leichtlich zu erkennen.<br>
+</p>
+<p>
+Des Weitern gab es dann noch Raum f&uuml;r Tro&szlig; und Rosse;<br>
+Denn wo die Zingeln an das Thor gelehnt,<br>
+Den Weg verengen l&auml;&szlig;t zu beiden Seiten,<br>
+War, bei der Schmiede, stattlich ausgedehnt,<br>
+Der Stall und die Gelasse f&uuml;r die Leute,<br>
+Ein Falkenhaus und eines f&uuml;r die Meute.<br>
+</p>
+<p>
+So sah des Geistes Aug&rsquo; den alten Schlo&szlig;bau ragen.<br>
+Er liegt gebrochen, Niemand kennt ihn mehr,<br>
+Graf Rudolf, aus dem Hause Sulz, verbaute<br>
+Im Bauernkriege ihn zu Schutz und Wehr;<br>
+Doch, auch des Grafen Arbeit liegt in Tr&uuml;mmern,<br>
+Mag sich kein Mensch viel um die Steine k&uuml;mmern! &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Als auf der andern Seite jetzt die Br&uuml;cke fest lag<br>
+Da nahte ihr gemach ein junger Mann,<br>
+Dem auf dem Fu&szlig; ein m&uuml;des R&ouml;&szlig;lein folgte,<br>
+Das langsam f&uuml;rbas seine Schritte spann.<br>
+Man sah, es konnten beide, Ro&szlig; und Reiter,<br>
+Vor M&uuml;digkeit und Hitze kaum mehr weiter.<br>
+</p>
+<p>
+In seiner Rechten hielt der Fremde das Barettlein,<br>
+Mit welchem er im Gehen sich den Schwei&szlig;<br>
+Wohl ab und zu von nasser Stirne wischte,<br>
+Denn heute schien die Sonne gar so hei&szlig;;<br>
+Sie mu&szlig;te ja im Thal die Trauben kochen,<br>
+Sonst h&auml;tt&rsquo;s Freund Bachus &uuml;bel ihr gerochen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein feines Handgewaffen, drauf die Linke ruhte,<br>
+Noch mehr der Kleidung modig feiner Schnitt,<br>
+Verriethen leicht den adeligen Herren,<br>
+Der rasten wollt&rsquo; nach einem weiten Ritt.<br>
+Ein Mantels&auml;cklein, auf des Rosses R&uuml;cken,<br>
+Schien wenig nur das Thierlein zu bedr&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+Die Br&uuml;cke &uuml;berschreitend, sah alsbald der Fremde<br>
+Am Thore harrend etlich&rsquo; Knechte stehn,<br>
+Die, als er n&auml;her kam, ihn freundlich gr&uuml;&szlig;ten.<br>
+Doch er verlangte kurz den Vogt zu sehn,<br>
+Und nun ihm Antwort ward, der Herr sei droben,<br>
+Begehrt&rsquo; er ihn zu sprechen unverschoben.<br>
+</p>
+<p>
+Nach Zaum und Z&uuml;gel fassend, hatten schon die Knechte<br>
+Vom Ro&szlig; das Mantels&auml;cklein losgeschnallt,<br>
+Als hoch vom Bergfried, laut den Einzug meldend,<br>
+Ein rauher Hornruf durch die L&uuml;fte hallt&rsquo;.<br>
+Der W&auml;rtel hatte wieder sanft geschlafen,<br>
+Bis L&auml;rm und Hufschall seine Ohren trafen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch daf&uuml;r machte jetzt sein Ruf im Schlosse Leben.<br>
+Aus kurzer Mittagsruhe aufgejagt<br>
+Fuhr unwirsch das Gesinde vor die Th&uuml;ren.<br>
+Erst Kunz, dann Jochen und die Obermagd;<br>
+Dem ersteren, er mu&szlig;te flink sich r&uuml;hren,<br>
+Gebot sein Amt, die G&auml;ste einzuf&uuml;hren. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Des Schlosses Vogt, Herr Heinz von K&uuml;ssaberg, vom Horne<br>
+Aus s&uuml;&szlig;em Mittagsschl&auml;fchen aufgeweckt,<br>
+War kaum vordem im Lehnstuhl eingeschlummert.<br>
+Er sah im Traum den Berg mit Korn bedeckt,<br>
+Sah Zehentgarben seine Bauern bringen;<br>
+Doch sie zu z&auml;hlen, wollt&rsquo; ihm nicht gelingen.<br>
+</p>
+<p>
+Auf einem Tisch aus Maserholz und Schieferplatte,<br>
+Bemerkte man von unge&uuml;bter Hand<br>
+Mit Kreide gro&szlig;e Zahlen aufgeschrieben,<br>
+Auf deren Werth sich blo&szlig; Herr Heinz verstand.<br>
+Noch lag die Kreide, m&uuml;der Hand entsunken,<br>
+Bei einem Humpen, der halb ausgetrunken.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Glas, mit eingeschliffnen Buckeln, stand daneben,<br>
+Zur H&auml;lfte noch gef&uuml;llt mit Rebensaft,<br>
+Wie ihn der H&ouml;r&rsquo;ge und ein guter Jahrgang<br>
+Dem Vogte in des Schlosses Keller schafft;<br>
+Leicht schillernd, etwas herbe in der Jugend,<br>
+Kommt erst auf Lager ihm die rechte Tugend.<br>
+</p>
+<p>
+Die T&auml;felei des Zimmers, das der Vogt bewohnte,<br>
+War braun gef&auml;rbt vom Alter und vom Rauch.<br>
+An breiter Wand hing blinkendes Gewaffen,<br>
+Auch Harnisch, Helm und Sporen, wie es Brauch;<br>
+In einer Ecke sah man F&uuml;&szlig;e prangen<br>
+Von einem Bette, das jedoch verhangen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein gr&uuml;ner Kachelofen nahm von dem Gemache<br>
+Die andre Seite fast zur H&auml;lfte ein<br>
+Und mocht&rsquo; die Eichenbank, so ihn umschr&auml;nkte,<br>
+Zur Winterzeit ein warmes Pl&auml;tzlein sein;<br>
+Denn &bdquo;Greif&rdquo; und &bdquo;Pfeil&rdquo;, des Vogtes Lieblingshunde,<br>
+Verschnarchten unter ihr gar manche Stunde.<br>
+</p>
+<p>
+Verbleite Fensterscheiben, in zwei tiefen Nischen,<br>
+Gew&auml;hrten dem Gemach ein sp&auml;rlich Licht,<br>
+Ein Strahl des letztren traf ein Frauenbildchen<br>
+Mit gutgemaltem, lieblichem Gesicht.<br>
+Zu nennen sind auch noch zwei schwere Truhen,<br>
+In denen wohl des Hausherrn Sch&auml;tze ruhen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Um seinen Schlaf gekommen, rieb Herr Heinz die Augen<br>
+Und stemmte dann die H&auml;nde auf den Tisch,<br>
+Sich g&auml;hnend aus dem Lederkulter hebend.<br>
+Nun er so da stand, seine Wangen frisch<br>
+Ger&ouml;thet und noch dichten, blonden Haaren,<br>
+War&rsquo;s schwer zu sagen, wie hoch er in Jahren.<br>
+</p>
+<p>
+Aus edlem Antlitz blickten helle, blaue Augen,<br>
+In denen Schalkheit sich mit G&uuml;te paart&rsquo;.<br>
+Die Wangen, wie das runde Kinn verzierte<br>
+Ein nicht zu starker, blonder Zwickelbart,<br>
+In welchem sich, bei n&auml;herem Betrachten,<br>
+Zwei graue Str&auml;hne leicht bemerklich machten. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Das Glas erfassend, wollte just der Vogt Eins trinken,<br>
+Als Kunz die Th&uuml;re sich zu &ouml;ffnen traut&rsquo;,<br>
+In seiner Meldung jedoch unterbrochen wurde,<br>
+Denn wie aus einem Munde klang es laut:<br>
+&bdquo;Seid mir Willkommen, Junker! Gottwillkommen!&rdquo;<br>
+&bdquo;&bdquo;Mein Gru&szlig;, Herr Heinz! Der Willkomm soll uns frommen!...&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Es war der Fremde und der Vogt, die so sich gr&uuml;&szlig;ten,<br>
+Indessen Kunz, der wu&szlig;te, was sich schickt&rsquo;,<br>
+Die Siedeln zurecht stellte; doch sich dr&uuml;ckte,<br>
+Als er bemerkte, da&szlig; sein Herr ihm nickt&rsquo;<br>
+Das Zimmer, ohne weiteres vers&auml;umen,<br>
+Mit seiner Gegenwart nun flink zu r&auml;umen.<br>
+</p>
+<p>
+Als hinter Kunzen sich die Th&uuml;r&rsquo; geschlossen hatte,<br>
+Zog selbst der Junker eine Fensterbank<br>
+Des Vogtes Lehnstuhl nah und lie&szlig; sich nieder,<br>
+Derweil Herr Heinz ihm, f&uuml;r den Willkommtrank,<br>
+Ein Gl&auml;slein vom Gesims herunter langte,<br>
+Vor dessen Gr&ouml;&szlig;e heute manchem bangte.<br>
+</p>
+<p>
+Dem Junker freilich, schien es nicht zu imponiren,<br>
+Denn als der Vogt, sein Glas erfassend, sprach:<br>
+&bdquo;Gestattet mir, Euch einen Trunk zu bringen!&rdquo;<br>
+Kam ihm der Gast mit Freuden sofort nach<br>
+Und that, den Wunsch des alten Freunds zu ehren,<br>
+Das Glas bis auf die Nagelprobe leeren.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, als Herr Heinz die Gl&auml;ser wieder f&uuml;llen wollte,<br>
+Litt dies der Junker nicht; er meinte fein:<br>
+&bdquo;La&szlig;t mich erz&auml;hlen, warum ich gekommen,<br>
+Es giebt wohl nachher Zeit und Weil zum Wein!&rdquo;<br>
+Das schien nun auch dem Hausherrn zu behagen,<br>
+War damals noch nicht Sitte, viel zu fragen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als wir im letzten Fr&uuml;hjahr uns in Kostniz trafen,&rdquo; &mdash;<br>
+Hob frisch der Junker an, &bdquo;bei Eurem Herrn,<br>
+Dem Bischof, habet Ihr mich eingeladen,<br>
+Und ich gab wahrlich Euch die Zusag&rsquo; gern;<br>
+Da&szlig; jedoch so schnell ich mein Wort kunnt&rsquo; halten,<br>
+Verdanken wir des Bischofs klugem Walten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr wisset ja, als Bischof sorgt der Ohm sich weidlich<br>
+Da&szlig; Frieden werde zwischen Papst und Reich;<br>
+Doch da ist schwer zu rathen, schwer zu helfen,<br>
+Wo beide Parten scheuen den Vergleich, &mdash;<br>
+Wird dabei gar ein f&uuml;rschnell Wort gesprochen,<br>
+Ist flugs der Zwist von Neuem ausgebrochen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr wisset, wie ich denke kommt&rsquo;s mir auch vom Munde.<br>
+Zwar schafft&rsquo; ich dadurch mir so manchen Span,<br>
+Dem besser aus dem Weg ich blieben w&auml;re,<br>
+H&auml;tt&rsquo; ich der Zungen nicht den Lauf gela&rsquo;n.<br>
+Ja, klug ist&rsquo;s schon zur rechten Zeit zu schweigen,<br>
+M&ouml;cht&rsquo; nur die Unzeit sich im Voraus zeigen!<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ging es neulich mir bei jenem Urtelspruche,<br>
+Den im Konzil sie &uuml;ber Hu&szlig; gef&auml;llt.<br>
+Es war dem Manne frei Geleit versprochen;<br>
+Doch, wie man Oben das Versprechen h&auml;lt,<br>
+Mag nun der B&ouml;hmenrektor bas erkennen;<br>
+Sie werden ihn, trotz frei Geleit, verbrennen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;An eines K&ouml;nigs Wort l&auml;&szlig;t sich nicht drehn noch deuteln,<br>
+So dachte ich in gradem, biedrem Sinn;<br>
+Drum konnt&rsquo; den Wortbruch ich nicht ruhig nehmen<br>
+Und, offenherzig, wie ich einmal bin,<br>
+Bekannt&rsquo; ich ehrlich, was ich dr&uuml;ber dachte,<br>
+Weil Sigismund sein Wort so wenig achte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mein Sprechen kam ihm denn auch bald genug zu Ohren,<br>
+Schon n&auml;chsten Tages, vor dem Mittagsmahl,<br>
+Lie&szlig; hart er an den Bischof meinetwegen<br>
+Und schrie, man h&ouml;rte es im ganzen Saal.<br>
+Der K&ouml;nig war gekr&auml;nkt, nicht abzusehen,<br>
+Ob mir der Ohm Verzeihung mocht&rsquo; erflehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In seiner Angst schickte der Ohm mir einen Schreiber<br>
+Und lie&szlig; mich wissen durch des Treuen Mund:<br>
+Ich m&ouml;chte Euch besuchen und im Schlosse<br>
+Verbleiben, bis von ihm mir wieder Kund&rsquo;<br>
+Gesendet werde, was er noch beschlossen,<br>
+Und ob der K&ouml;nig mein noch denkt verdrossen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ritt ich denn am Rhein hinunter bis Schaffhausen,<br>
+Wo mich der Rheinfall eine Weil&rsquo; gestellt. &mdash;<br>
+Ist das ein Donnern, Durcheinanderst&uuml;rmen<br>
+Von gr&uuml;nen Fluthen, die der Sturz zerschellt!<br>
+Hei, wie die Strudel silbern sch&auml;umend blitzten<br>
+Und hoch den Gischt zum blauen Himmel spritzten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als ich mich von dem Anblick endlich trennen konnte,<br>
+Gings noch bis Kaiserstuhl den Flu&szlig; entlang.<br>
+Von dort hat mich ein B&uuml;blein durch die W&auml;lder<br>
+Bergaus, bergab gef&uuml;hrt zum Schlo&szlig;berghang.<br>
+Den Weg durch&rsquo;s Kletgau hab&rsquo; ich fein gemieden,<br>
+Weil ich vom Hof nicht schied mit K&ouml;nigs Frieden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mein Ro&szlig; und ich &mdash; wir haben wacker ausgehalten,<br>
+Bis heute fr&uuml;h wir Euer festes Haus<br>
+Hier oben, schier den Wolken nah, erblickten.<br>
+Da schien&rsquo;s mit meines Thierlein&rsquo;s Kr&auml;ften aus;<br>
+Doch war&rsquo;s nun nicht mehr n&ouml;thig, sich zu hasten,<br>
+Lie&szlig; drum beim &bdquo;Wirth am Berg&rdquo; zu K&uuml;&szlig;nach rasten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wir h&auml;tten wohl noch l&auml;nger dort der Ruh&rsquo; gepflogen,<br>
+H&auml;tt&rsquo; mir geschwant, da&szlig; hier heraus der Pfad<br>
+Sich steil bergan zieht und kaum Schatten bietet.<br>
+So gab&rsquo;s f&uuml;r Mann und Ro&szlig; ein hei&szlig;es Bad!<br>
+Nun aber &mdash; saget mir ganz unumwunden,<br>
+Hat der Verbannte einen Freund gesunden .... ?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Da go&szlig; Herr Heinz aus seinem Humpen rasch die Gl&auml;ser<br>
+Bis hoch zum Rande voll mit klarem Wein<br>
+Und sprach, sein Glas erhebend, freundlich schmunzelnd:<br>
+&bdquo;Von Herzen hei&szlig;&rsquo; ich Euch Willkommen mein,<br>
+Weil Ihr gesprochen, wo so Viele schwiegen;<br>
+Ein K&ouml;nigswort darf man nicht drehn noch biegen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Hell klangen nun die beiden Gl&auml;ser aneinander<br>
+Und Wirth und Gast sie zeigten guten Zug.<br>
+Zum Danke bot der Junker seine Rechte<br>
+Dem Vogt, darein der mit den Worten schlug:<br>
+&bdquo;Ein Mann &mdash; ein Wort hei&szlig;t es in deutschen Landen,<br>
+Wird leider allzuwenig nur verstanden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Traun!&rdquo; fuhr er launig fort, &bdquo;was wir hier bieten k&ouml;nnen,<br>
+Das soll Euch stets und gern zu Diensten stehn.<br>
+So lange Ihr auf K&uuml;ssaberg verweilet,<br>
+W&ouml;ll&rsquo;n wir in Treuen mit Euch stehn und gehn! &mdash;<br>
+Nur m&uuml;sset Ihr dem Freunde auch versprechen,<br>
+Den Frieden hier in keiner Weis&rsquo; zu brechen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Noch jung, rollt Euch das Blut viel w&auml;rmer in den Adern,<br>
+Als unsereinem, da hei&szlig;t&rsquo;s langsam &rsquo;than!<br>
+La&szlig;t Euch drum warnen: unser Heer, der Kaplan,<br>
+Kann heftig werden, wie ein w&auml;lscher Hahn.<br>
+Er liebt es manchmal, tapfern Trunk zu &uuml;ben<br>
+Und ist dann leichtlich sein Humor zu tr&uuml;ben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es w&uuml;rde mir den Herrn aus Rand und Band schier bringen,<br>
+So es der Zufall f&uuml;gte, da&szlig; Ihr st&ouml;rt,<br>
+Wenn er ein Glas getrunken, ihn mit Fragen,<br>
+Wie man im Gau jetzt allzuviel sie h&ouml;rt;<br>
+Doch lasset Ihr die Kirche aus dem Spiele,<br>
+Ist unser Heer gem&uuml;thlich, wie so Viele!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Will aber ab und zu Euch lange Weile qu&auml;len,<br>
+Wie solche wohl mal junge Herren plagt,<br>
+So stehen rings Euch Forst und Felder offen;<br>
+Zum Schlo&szlig; geh&ouml;ren hoch und niedre Jagd.<br>
+Erlaubt&rsquo;s die Zeit, so mag ich Euch begleiten,<br>
+War je schon meine Lust, im Tann&rsquo; zu reiten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Kann ich nicht mit, so haltet Euch an Kunz und Jochen,<br>
+Die wissen mit dem Waidwerk bas Bescheid;<br>
+Auch ist die Meute gut und Spie&szlig; und Armbrust<br>
+Stets hergerichtet f&uuml;r ein scharf Gejaid.<br>
+Nur, da&szlig; im Herbst wir nicht des Brods entrathen,<br>
+Verschonet mir im Thal die jungen Saaten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Auch m&ouml;get Ihr mich hie und da zu Thal begleiten.<br>
+Sie halten dort nun bald ihr alt Gericht,<br>
+Allwo der Bauer seit Urv&auml;ter Tagen<br>
+Im Mai- und Herbstgeding selbst Rechtens spricht;<br>
+Manch seltsam Spr&uuml;chlein lernet da Ihr kennen<br>
+Und, wie nur schwer wir uns vom Alten trennen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Sonst aber d&uuml;rft Ihr weiter nicht auf Kurzweil z&auml;hlen;<br>
+Es sind der Mannen eben nicht zu viel<br>
+Hier oben und, besonders jetzt im Sommer,<br>
+Nur selten Tage f&uuml;r ein m&uuml;&szlig;ig Spiel.<br>
+Im Winter freilich, sind wir desto freier,<br>
+Und giebt es Zeit f&uuml;r Karten, Wein und Leier.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch wozu schwatz&rsquo; ich lange!&rdquo; unterbrach er selbst sich,<br>
+&bdquo;Ihr sehnet Euch nach traulichem Gemach,<br>
+Derweil ich plaud&rsquo;re. Gleich soll Euch dies werden;<br>
+Nehmt vorlieb nur mit dem gebot&rsquo;nen Dach.<br>
+F&uuml;r&rsquo;s erste, denk&rsquo; ich, wird es Euch erquicken,<br>
+So Ihr durch Kunzen l&auml;&szlig;t ein Bad beschicken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Mit diesen Worten war der Vogt zur Th&uuml;r&rsquo; gegangen,<br>
+Vor welcher Kunz schon dienstbereit geharrt,<br>
+Und rief, sie &ouml;ffnend, laut den Knecht beim Namen,<br>
+Dem, als er eintrat, nun die Weisung ward:<br>
+Den Gast ins f&uuml;rnehmste Gemach zu bringen<br>
+Und selbst zu Dienst ihm stehn in allen Dingen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch, w&auml;hrend Kunz sich etwas ungeschickt verbeugte,<br>
+Besiegelte ein derber Druck der Hand<br>
+Da&szlig; Wirth und Gastfreund sich verstanden hatten<br>
+Und warme Freundschaft beider Herzen band.<br>
+Dann folgte Letztrer seinem Knappen r&uuml;stig,<br>
+Nach Bad und Ruhe nunmehr selbst gel&uuml;stig.<br>
+</p>
+<p>
+Bed&auml;chtig leerte noch der Vogt den Rest im Humpen,<br>
+Als es ihm einfiel, nach dem Thurm zu gehn,<br>
+In welchem Elsbeth, seine Tochter, weilte.<br>
+Er hatte sie seit Mittag nicht gesehn;<br>
+Ihr mu&szlig; er sagen, da&szlig; ein Freund gekommen,<br>
+Soll, wie er&rsquo;s w&uuml;nschte, dem die Herberg frommen.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Elisabeth! Die Feder will der Hand entsinken,<br>
+Nun auch sie zeichnen soll Dein holdes Bild.<br>
+Fast bang&rsquo; ich, da&szlig;, nach so viel langen Jahren,<br>
+Erinn&rsquo;rung treu behielt dein Wesen mild,<br>
+Und doch scheint mir, gleich lichtem Stern, zu winken<br>
+Aus Deinen Augen: la&szlig;&rsquo; den Muth nicht sinken!<br>
+</p>
+<p>
+So sei es denn! Vor meinem Blick erstehst Du wieder.<br>
+Ich seh&rsquo; im blauen Linnenkleid Dich gehn,<br>
+Aus dessen aufgeschlitzten, puff&rsquo;gen Aermeln,<br>
+Das wei&szlig;e &bdquo;Pfeitlein&rdquo; liebt&rsquo; hervor zu sehn;<br>
+Den Seideng&uuml;rtel tr&auml;gst Du ungezwungen<br>
+Und lose um den schlanken Leib geschlungen.<br>
+</p>
+<p>
+Du blickst mich wieder an mit Deinen Kinderaugen,<br>
+Ein sch&ouml;ner Blau sah ich am Himmel nicht;<br>
+Des Haares goldne Wellen schau ich wieder,<br>
+Wie noch es ungern sich zusammenflicht.<br>
+Dein fr&ouml;hlich Lied, ich h&ouml;r&rsquo;s im Herzen klingen,<br>
+Gleich ferner Sonntagglocken hellem Singen.<br>
+</p>
+<p>
+Aus Deinem Antlitz ruht der Seele s&uuml;&szlig;er Friede;<br>
+Der Wangen Gr&uuml;blein zeigen noch den Ku&szlig;<br>
+Mit dem Dich, segnend, einst ein Engel weihte,<br>
+Als Dir er bot des Daseins ersten Gru&szlig;.<br>
+Dein lieblich L&auml;cheln, heut&rsquo; noch kann ich&rsquo;s schauen,<br>
+Ein lichter Sonnenstrahl im Maienthauen!<br>
+</p>
+<p>
+Am schmalen G&uuml;rtel dort, Dein braunes Ledert&auml;schchen,<br>
+Noch h&auml;lt es Nachbarschaft dem Schl&uuml;sselbund.<br>
+Sie deuten beide, da&szlig; auf Deinen Schultern<br>
+Der Hausfrau Pflichten ruhen alle Stund&rsquo;;<br>
+Wem Speis&rsquo; und Trank gebricht, dem wirst Du spenden;<br>
+Der Kranke darf sich trostlich an Dich wenden.<br>
+</p>
+<p>
+In milder Weise waltest Du im Haus und Hofe<br>
+Seit Deiner lieben Mutter fr&uuml;hem Tod;<br>
+Des Vaters Stolz bist Du emporgebl&uuml;het,<br>
+Verscheuchend ihm einsamer Tage Noth. &mdash;<br>
+Halb Kind, halb Jungfrau, eine Fr&uuml;hlingsblume!<br>
+Elisabeth, was sag&rsquo; ich noch zu Deinem Ruhme? &mdash;<br>
+</p>
+<img src="images/E020.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Zweites Kapitel.</h2>
+<img src="images/E021.jpg" alt="Kuonrad und Elsbeth rasten"><p>
+Vom Morgenroth sind &uuml;berfluthet Thal und H&ouml;hen.<br>
+Aus jedem H&uuml;ttlein wirbelt blauer Rauch<br>
+Zum Himmel auf, gleich wie von Opferflammen;<br>
+Demantenhell blitzt es in Busch und Strauch,<br>
+Und durch ein Meer von goldnem Lichte schwimmen<br>
+Der Morgenglocken laute Weckerstimmen.<br>
+</p>
+<p>
+Vom ersten Sonnenstrahl getroffen, flieht der Nebel<br>
+In den sich keusch geh&uuml;llt der Berge Haupt.<br>
+Err&ouml;thend treten frisch dem Tag entgegen<br>
+In Purpurgluth die W&auml;lder, gr&uuml;n belaubt;<br>
+Im feuchten Grase, welch&rsquo; ein Glitzern, Schimmern!<br>
+Ist&rsquo;s nicht, als ob viel Tausend Sternlein flimmern?<br>
+</p>
+<p>
+Ein lauer Westwind tr&auml;gt die lieben, alten Kl&auml;nge<br>
+Von Zurzachs Betzeitglocken durch die Luft.<br>
+Die Schatten, auf des Schwarzwalds H&ouml;hen lagernd,<br>
+Verf&auml;rben m&auml;lig sich zu blauem Duft;<br>
+Im Thale steigt die Lerche aus den Halmen<br>
+Und jubelt ihrem Sch&ouml;pfer Lobespsalmen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Vom Bergfried hatte Gottfrieds Horn mit lautem Schalle<br>
+Verk&uuml;ndet, da&szlig; ein neuer Morgen wach,<br>
+Und waren Knecht&rsquo; und M&auml;gde bald im Kirchlein,<br>
+Wo still der Kaplan seine Messe sprach,<br>
+Zu der auch stets der Vogt und Elsbeth kamen,<br>
+Geduldig harrend auf das letzte Amen.<br>
+</p>
+<p>
+Als dies gesprochen, blieben, wie an jedem Tage,<br>
+Die Knechte vor des Kirchleins Pforte stehn<br>
+Und lauschten schweigend auf des Herrn Befehle,<br>
+Was jeder heute sollte schaffen gehn;<br>
+Denn vorher schickte keiner sich zum Essen,<br>
+Eh&rsquo; nicht das Tagewerk ihm zugemessen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Frisch, wie der junge Tag, trat dann auch Elsbeth nahe<br>
+Und brachte ihren Gru&szlig; dem Vater dar,<br>
+Den dieser fr&ouml;hlich zu erwiedern pflegte<br>
+Mit einem Kusse auf ihr blondes Haar;<br>
+So war&rsquo;s sein lieber Brauch noch jeden Morgen,<br>
+Wenn abgethan des Hauses erste Sorgen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erlaubet Vater,&rdquo; h&ouml;rte heut&rsquo; man Elsbeth sprechen,<br>
+&bdquo;Da&szlig; ich hinunter gehen darf zu Thal,<br>
+Nothburga&rsquo;s Joseph lag schwer siech darnieder,<br>
+Als ich in K&uuml;&szlig;nach war das letzte Mal;<br>
+Sein armes Weib gab keine Ruh&rsquo; mit Flehen,<br>
+Bis ich versprochen, wieder nach zu sehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Von meinem Tr&auml;nklein wird er wohl nicht ganz genesen,<br>
+Ich kochte zwar der Kr&auml;uter siebnerlei,<br>
+Denn es gebricht an Nahrung f&uuml;r den Armen;<br>
+Ist diese da, ist bald der Brest vorbei.<br>
+Drum bitte noch ich, es nicht zu versagen,<br>
+Da&szlig; Kunz mein K&ouml;rblein hilft zu Thale tragen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Kunz,&rdquo; entgegnete der Vater, milde l&auml;chelnd,<br>
+&bdquo;Steht, wie Du wei&szlig;t, in Junker Kuonrads Pflicht;<br>
+Willst Du den Diener, mu&szlig;t den Herren fragen,<br>
+Von mir aus geb&rsquo; ich ihm den Urlaub nicht!&rdquo;<br>
+Da, wie gerufen, nahte von der Seite<br>
+Herr Kuonrad sich, den Kaplan im Geleite. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wie damals es der Vogt sich vorgenommen hatte,<br>
+Erz&auml;hlte er der Tochter von dem Gast<br>
+Und gab ihr Winke, sich darnach zu halten,<br>
+Die Elsbeth freilich rasch genug erfa&szlig;t&rsquo;;<br>
+Denn gern sah sie den Herrn im Hause weilen,<br>
+Wu&szlig;t&rsquo; er doch viel des Neuen mitzutheilen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Man m&ouml;chte Euch den Kunz entf&uuml;hren!&rdquo; sagte heiter<br>
+Der Vogt zum Freund nach ausgetauschtem Gru&szlig;,<br>
+Und fuhr dann fort: &bdquo;Die Els&rsquo; will einem Kranken,<br>
+Der lange schon sein Siechbett h&uuml;ten mu&szlig;,<br>
+Ein K&ouml;rblein Essen bringen, das zu tragen<br>
+Sie Euch um Euer Knechtlein m&ouml;chte fragen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Der Junker hatte diese Worte kaum vernommen,<br>
+Als schon er freundlich sich an Elsbeth wandt&rsquo;<br>
+Und bat: &bdquo;Verg&ouml;nnet mir Euch zu begleiten;<br>
+Viel schneller rinnet ja im Glas der Sand,<br>
+Kann ich mit Pflichten meine Zeit mir w&uuml;rzen,<br>
+Von langer Weil&rsquo; verschont, die Stunden k&uuml;rzen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Da zog ein lieblich L&auml;cheln um der Holden Lippen,<br>
+Und fragend schaute sie zum Vater aus.<br>
+Doch weil der schwieg, so galt es selbst zu reden,<br>
+Und so erwiederte sie sittsam draus:<br>
+&bdquo;Wollt Ihr so gut sein und mein K&ouml;rblein tragen,<br>
+Darf mit zu gehen Euch ich nicht versagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es ist ein gutes Werk,&rdquo; sprach noch sie, leis err&ouml;thend,<br>
+Und g&ouml;nne Euch ich gern des Dankes Theil,<br>
+Den uns die Armen ja von Gott erstehen,<br>
+An zeitlichem Gedeihn und ew&rsquo;gem Heil,<br>
+Selbst da, wo kaum an ein Verdienst wir glauben &mdash;<br>
+Ich m&ouml;cht&rsquo; Euch solchen Segens nicht berauben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wollt Ihr denn mit, so harret meiner dort beim Brunnen,<br>
+Nehmt aber vorher guten Imbi&szlig; ein;<br>
+Wir werden schwerlich vor dem Mittagl&auml;uten<br>
+Im Schlo&szlig; zur&uuml;ck von unsrer Thalfahrt sein!&rdquo;<br>
+Dann neigte sie sich leicht und schritt zur Halle,<br>
+Wo schon das Mahl bereitet stand f&uuml;r Alle.<br>
+</p>
+<p>
+Gem&auml;chlich folgten auch die andern dorthin &mdash; a&szlig;en<br>
+An einem Tische doch noch Herr und Knecht. &mdash;<br>
+Das Essen, so in grauen Sch&uuml;sseln dampfte,<br>
+War Haferbrei, der, steif gekocht und recht<br>
+Mit s&uuml;&szlig;er Milch begossen, trefflich schmeckte,<br>
+Wenn auch kein Linnen fein die Tische deckte.<br>
+</p>
+<p>
+Kurz Haar ist bald geb&uuml;rstet! Als das Mahl zu Ende,<br>
+Rief Elsbeth Frida, ihre alte Magd.<br>
+Die mu&szlig;te ihr den Tragkorb f&uuml;llen helfen<br>
+Mit einem H&auml;slein von der letzten Jagd;<br>
+Dann kam noch Brod und auch ein Krug mit Weine,<br>
+Und hob sie selbst den Korb, wie schwer er scheine.<br>
+</p>
+<p>
+Er schien ihr leicht genug, auch etwas Mehl zu fassen,<br>
+Drauf aber lief sie flink in ihr Gemach,<br>
+Ein gutes T&uuml;chlein um den Kopf zu binden.<br>
+Sie kannte noch kein besser Sonnendach;<br>
+Denn einen Hut durft&rsquo; sie nur Festtags tragen,<br>
+Sonst fand der Kaplan wieder Grund zu klagen.<br>
+</p>
+<p>
+Ohn&rsquo; viele Worte schritten bald darauf die Beiden,<br>
+Der Korb hing unschwer in des Junkers Hand,<br>
+Der Halde zu; jung Elsbeth weithin kenntlich<br>
+Durch ihr, im Winde wehend, blau Gewand,<br>
+Das sie, weil dies bergab den Schritt ihr k&uuml;rzte,<br>
+Am Waldrand z&uuml;chtig etwas h&ouml;her sch&uuml;rzte.<br>
+</p>
+<p>
+Von hier an ging es flink die gr&uuml;ne Halde nieder.<br>
+Noch bl&uuml;hten Glockenblumen, Thymian,<br>
+Das Kr&auml;utlein Augentrost mit wei&szlig;en Bl&uuml;mchen,<br>
+Goldgelber Ginster, duft&rsquo;ger Enzian,<br>
+Und froh im Reigen um die Bl&uuml;then schwebten<br>
+Beschwingte Wesen, die nach Honig strebten.<br>
+</p>
+<p>
+Ein paar Mal wandte Elsbeth sich an den Gef&auml;hrten<br>
+Und frug ihn l&auml;chelnd, ob der Korb noch nicht<br>
+Zu schwer geworden; aber stets verneinte<br>
+Der Junker dies mit freundlichem Gesicht.<br>
+Ja, er verschwor im Scherz sich, es zu wagen,<br>
+Ihr K&ouml;rblein bis an&rsquo;s End&rsquo; der Welt zu tragen.<br>
+</p>
+<p>
+Auf einmal jedoch war die Rasche ihm entschwunden,<br>
+Und zwar just da, wo&rsquo;s steil zur Tiefe ging;<br>
+Herr Kuonrad mu&szlig;te wohl des K&ouml;rbleins achten<br>
+Und dessen Inhalt; doch das war nicht &rsquo;ring.<br>
+Schon perlten auf der Stirne ihm die Tropfen,<br>
+Er h&ouml;rte deutlich seines Herzens Klopfen.<br>
+</p>
+<p>
+Vom Wald umfangen schritt er dennoch eilig abw&auml;rts;<br>
+Kein Laut ert&ouml;nte, nicht ein V&ouml;glein sang;<br>
+Der Pfad fiel immer steiler ab, ward schl&uuml;pfrig<br>
+Und schien dem Junker bald unendlich lang.<br>
+Doch stieg er, sich verschnaufend hin und wieder,<br>
+So gut er konnte durch die Halde nieder.<br>
+</p>
+<p>
+Das K&ouml;rblein aber ward indessen immer schwerer.<br>
+Er sprach im Stillen manches derbe Wort,<br>
+Wenn Brombeerranken mit den scharfen Dornen,<br>
+Am Gehn ihn hinderten in einem fort.<br>
+Wie war&rsquo;s dem Herrn sonst doch so leicht erschienen,<br>
+In h&ouml;fisch feiner Art den Frau&rsquo;n zu dienen?<br>
+</p>
+<p>
+Doch endlich schimmerte es licht durch das Gezweige,<br>
+Zur Rechten sah er einen Rebenhang<br>
+Und links, im Schatten alter Wallnu&szlig;b&auml;ume,<br>
+Lief breit sein Weg den gr&uuml;nen Rain entlang.<br>
+Verdrossen fast, weil Elsbeth nicht zu sehen,<br>
+Hob jetzt der Junker schneller an zu gehen.<br>
+</p>
+<p>
+Da klang es silberhell aus eines Nu&szlig;baums Schatten:<br>
+&bdquo;Herr Kuonrad, wartet &mdash; ruht ein wenig aus!<br>
+Das K&ouml;rblein ist Euch wahrlich schwer geworden;<br>
+Gebt mir es, wir sind bald beim ersten Haus!&rdquo;<br>
+Und nun er seitw&auml;rts ins Geb&uuml;sche blickte,<br>
+Sa&szlig; Elsbeth dort, die froh ihm winkend nickte.<br>
+</p>
+<p>
+Im weichen Grase ruhend, wies sie mit dem Finger<br>
+Thalausw&auml;rts, wo im Morgensonnenschein<br>
+Das D&ouml;rflein lag; etlich&rsquo; zerstreute H&auml;user<br>
+An eines Baches gr&uuml;nem Uferrain,<br>
+In deren Mitte sich ein H&uuml;ttlein zeigte,<br>
+De&szlig;&rsquo; Strohdach fast bis an die Erde neigte.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wenn Ihr Euch setzen wollt, hier ist ein lauschig Pl&auml;tzchen!&rdquo;<br>
+Fing Elsbeth wieder an, und dabei wand<br>
+Sie spielend um ein B&uuml;schel blauer Blumen,<br>
+Die an dem Wege durch den Wald sie fand,<br>
+Ein Endchen Zwirn, sich einen Strau&szlig; zu binden,<br>
+Der Platz an ihrem Busen sollte finden.<br>
+</p>
+<p>
+M&uuml;d&rsquo;, wie der Junker war, befolgte er die Worte<br>
+Und lagerte sich hin in&rsquo;s hohe Gras;<br>
+Das K&ouml;rblein stand als Grenzmark zwischen Beiden,<br>
+So da&szlig; sein Tr&auml;ger nicht zu nahe sa&szlig;.<br>
+Mocht&rsquo; er&rsquo;s auch heimlich um den Platz beneiden,<br>
+Es half ihm nichts, er mu&szlig;t&rsquo; es eben leiden.<br>
+</p>
+<p>
+Gar s&uuml;&szlig; klang daf&uuml;r es jetzt in Herrn Kuonrads Ohren:<br>
+&bdquo;Verzeiht, da&szlig; ich so eilte durch den Tann<br>
+Und voraus ging; das macht, weil abw&auml;rts steigend<br>
+Ich manchmal nicht die Schritte hemmen kann.<br>
+Um jedoch volle Wahrheit Euch zu sagen,<br>
+Mag Schuld daran auch die Gewohnheit tragen.<br>
+</p>
+<p>
+So oft sonst Kunz mit mir zu Thale ging, erz&auml;hlte<br>
+Er jedes Mal auch irgend eine M&auml;hr<br>
+Vom Bergm&auml;nnlein, das hier im Walde hauset,<br>
+So da&szlig; am liebsten dann ich drau&szlig;en w&auml;r.<br>
+Ja, neulich noch, schwur er mir hoch und theuer,<br>
+Er h&auml;tt&rsquo; es selbst gesehn im Wald am Feuer!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zwar bin ich wohl gefestet wider Spuck und Zauber;<br>
+Doch f&uuml;rchte ich des Auges b&ouml;sen Blick,<br>
+Vor diesem kann kein Heilthum uns bewahren<br>
+Und wen er trifft, den fasset schlimm Geschick.<br>
+Zu dessen Rettung soll kein Mittel taugen,<br>
+Wer sich bezaubern lie&szlig; durch ein paar Augen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Des Vaters Muhme hat mir davon oft gesprochen.<br>
+Die wu&szlig;te es und ihr hab&rsquo; ich geglaubt,<br>
+Als sie mir einst erz&auml;hlte, da&szlig; zwei Augen<br>
+Den Frieden ihr f&uuml;r Lebenslang geraubt. &mdash;<br>
+Nun werdet Ihr mir hoffentlich verzeihen,<br>
+Da&szlig; Eurer ich erst wartete im Freien.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Die letzten Worte hatte Elsbeth leis gesprochen<br>
+Und dabei sich bem&uuml;ht den Blumenstrau&szlig;<br>
+Am Busen festzunesteln. Damit fertig<br>
+Sah sie, wie tr&auml;umend, nun ins Feld hinaus;<br>
+Vom Thale klang des Baches munter Rauschen,<br>
+Ihm mochte, unbewu&szlig;t, die Holde lauschen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da war ich &uuml;bel dran,&rdquo; versetzte jetzt der Junker,<br>
+Ihr Tr&auml;umen unterbrechend, &bdquo;als allein<br>
+Den wilden Weg Ihr so mich wandern lie&szlig;et!<br>
+Mir schwante selber, da&szlig; es dort nicht rein;<br>
+Denn ganz gewi&szlig;lich haust in diesen Bergen<br>
+Noch eine Schaar von Unholden und Zwergen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wenn die mich nun im Wald gefangen halten w&uuml;rden<br>
+Mitsammt dem Korbe? H&auml;ttet Ihr nicht Schuld,<br>
+Da Euch bewu&szlig;t ist, da&szlig; es nicht geheuer?<br>
+Ihr zeigtet, f&uuml;rwahr! mir nur wenig Huld,<br>
+Und w&auml;r&rsquo; am Ende es Euch recht gewesen,<br>
+Wenn so ein Unhold mich zum Ziel erlesen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad wollte schon den Scherz noch weiter treiben,<br>
+Da fiel sein Blick auf Elsbeths Angesicht.<br>
+Wie Purpurgluthen lag&rsquo;s auf ihren Wangen:<br>
+Ob er dies Alles wohl im Ernste spricht?<br>
+Und pl&ouml;tzlich wollte es ihm nun erscheinen,<br>
+Sie sei dem Lachen ferner, denn dem Weinen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein gro&szlig;er Blick aus ihren blauen Sonnenaugen,<br>
+Der Seele tief entsteigend, traf sein Herz;<br>
+Der Junker k&uuml;rzte also schnell die Rede<br>
+Und schlo&szlig; gar schelmisch seinen kleinen Scherz:<br>
+&bdquo;Will Euch f&uuml;r dies Mal keines Unrechts zeihen,<br>
+Wollt meiner Bitte Ihr Geh&ouml;r verleihen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Verschenket mir das blaue Str&auml;u&szlig;lein dort vom Busen;<br>
+Ich acht&rsquo; es gegen Zauberei als Schild<br>
+Und will es halten, als der Herrin Farbe,<br>
+Zum Angedenken holder Dame Bild.<br>
+Gew&auml;hret daher gerne mir die Bitte;<br>
+Die Gabe halt&rsquo; ich werth nach Rittersitte!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Holdselig L&auml;cheln aus den Wangen, reichte Elsbeth<br>
+Ihm ohne Zaudern das Verlangte dar.<br>
+Stolz steckte er es an&rsquo;s Barett, das schlichte,<br>
+So keck, ihm sa&szlig; auf dunklem Lockenhaar,<br>
+Und dankte, gl&uuml;cklich &uuml;ber die paar Bl&uuml;then,<br>
+Gelobend, sie gleich theurem Schatz zu h&uuml;ten.<br>
+</p>
+<p>
+Ein sanft Err&ouml;then lohnte sch&ouml;n ihm f&uuml;r die Worte,<br>
+Dann jedoch sprang sie auf; es griff die Hand<br>
+Flink nach dem K&ouml;rblein, um dies selbst zu tragen.<br>
+Herr Kuonrad aber hielt als Tr&auml;ger Stand;<br>
+Er bat nur darum, ihm den Arm zu reichen,<br>
+Ein zweites Mal sollt&rsquo; Elsbeth nicht entweichen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bin dieses nicht gewohnt,&rdquo; klang heiter ihre Antwort,<br>
+&bdquo;Auch ist mir fremd, wie man&rsquo;s am Hofe h&auml;lt.<br>
+Ihr werdet aber, hoff&rsquo; ich, mir verzeihen,<br>
+Denn wenig nur sah ich noch von der Welt;<br>
+Doch Ihr, Herr, habt gewi&szlig; schon Viel gesehen?<br>
+Erz&auml;hlet, bitte, w&auml;hrenddem wir gehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Dann schritt sie leicht an seinem Arm dem Dorf entgegen,<br>
+So friedlich lag in Laubgr&uuml;n eingewiegt.<br>
+Es glich die Maid der zarten Eppichranke,<br>
+Die sich an einen festen Eichbaum schmiegt<br>
+Und sch&uuml;chtern strebt, sich dran empor zu winden;<br>
+Ein besser Gleichni&szlig; wei&szlig; ich nicht zu finden.<br>
+</p>
+<p>
+Im Gehen wiederholte Elsbeth bald die Bitte,<br>
+Herr Kuonrad sollt&rsquo; erz&auml;hlen, was er sah<br>
+Auf seinen Fahrten durch die fremden L&auml;nder<br>
+Und was ihm selber da und dort geschah.<br>
+Nun, wollte er sich ihr als Ritter zeigen,<br>
+Durft&rsquo; l&auml;nger wohl der Junker nicht mehr schweigen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Vor Jahren hatte er den Ohm nach Rom begleitet<br>
+Und mancherlei erlebt auf jener Fahrt<br>
+Von w&auml;lscher T&uuml;cke und vielsch&ouml;nen Frauen,<br>
+Von fremden Sitten und gar feiner Art.<br>
+Nun lie&szlig; er&rsquo;s nicht am rechten Ausdruck fehlen<br>
+Und mischte Scherz dem Ernste im Erz&auml;hlen.<br>
+</p>
+<p>
+Verhaltnen Athems fast, ging Elsbeth still daneben<br>
+Und lauschte staunend jeder neuen Kund&rsquo;.<br>
+Herr Kuonrad wu&szlig;te pr&auml;chtig zu erz&auml;hlen,<br>
+Ihr Blick hing unverwandt an seinem Mund;<br>
+Sie folgte ihm zur &bdquo;Stadt der sieben H&uuml;gel,&rdquo;<br>
+Als ob sie selber in des Zelters B&uuml;gel.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, als er gar erz&auml;hlte, da&szlig;, um eines Scherzes willen<br>
+Ein w&auml;lscher Bube fast ihn niederstach,<br>
+Da lief ein Schauern durch den K&ouml;rper Elsbeths,<br>
+Ihr sonnig Angesicht erbla&szlig;te jach;<br>
+Am Arme aber f&uuml;hlte er ein Dr&uuml;cken,<br>
+Als m&uuml;&szlig;te noch ihr seine Rettung gl&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+Sie hatte nicht drauf Acht, da&szlig;, w&auml;hrend des Erz&auml;hlens,<br>
+Sich beider Schritte schon dem D&ouml;rflein nahn;<br>
+Nicht, wie die H&ouml;rigen einander winkten,<br>
+Als ihre Herrin still sie wandeln sahn.<br>
+Kaum, da&szlig; sie fl&uuml;chtig gr&uuml;&szlig;te auf dem Wege<br>
+Zur H&uuml;tte, ihrem Ziele &uuml;berm Stege.<br>
+</p>
+<p>
+Hier endlich mu&szlig;te Elsbeth doch ihr K&ouml;rblein haben,<br>
+Mit dem sie nun im H&uuml;ttchen flugs verschwand.<br>
+Herr Kuonrad wu&szlig;te nicht, sollt&rsquo; er ihr folgen;<br>
+Doch, wie er eben &uuml;berlegend stand,<br>
+Sahn seine Augen jetzt ein B&uuml;blein stehen,<br>
+Das sich nicht traute ihm vorbei zu gehen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Fingerlein im M&auml;ulchen, schlich es zagen Schrittes<br>
+Zu einem Holzblock hin, der unweit stund.<br>
+Das fragte, Kurzweil hoffend, jetzt der Junker<br>
+Nach seinem Vater; doch des B&uuml;bleins Mund<br>
+Blieb stumm, es wurde immer mehr verlegen<br>
+Und lie&szlig; sich nicht zum kleinsten Wort bewegen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Im St&uuml;blein drinnen hatte unterdessen Elsbeth<br>
+Den Inhalt ihres K&ouml;rbleins ausgepackt;<br>
+Sie stand nun kosend mit zwei kleinen M&auml;dchen,<br>
+Die, bis auf ein geflicktes Hemdlein, nackt,<br>
+Weil beide schon ihr St&uuml;cklein Brod empfangen,<br>
+Zum Ku&szlig; der Guten boten Mund und Wangen.<br>
+</p>
+<p>
+Da ging die Th&uuml;re auf und aus der dunklen Kammer<br>
+Trat Seppel, noch ganz bleich und abgezehrt;<br>
+Die Herrin schauend, sank er ihr zu F&uuml;&szlig;en,<br>
+Die sie, weil Brauch, zu k&uuml;ssen ihm nicht wehrt.<br>
+Mit wahrer Freude h&ouml;rt&rsquo; ihn Elsbeth sagen,<br>
+Da&szlig; es viel besser seit den letzten Tagen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Weib ist noch im Felde drau&szlig;en,&rdquo; sprach er heiser,<br>
+Nach etwas Futter f&uuml;r die Geis zu sehn;<br>
+Derweilen mu&szlig; ich ihr die M&auml;gdlein h&uuml;ten,<br>
+So gut es mag mit schwachen Kr&auml;ften gehn.<br>
+Doch, Gott und Euch sei Dank! sie kommen wieder,<br>
+Sind manchmal bleischwer mir auch noch die Glieder!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Zufrieden, Seppel auf der Besserung zu finden,<br>
+Wies Elsbeth auf das H&auml;slein und den Wein<br>
+Und sagte: &bdquo;in dem Krug das Tr&auml;nklein,<br>
+M&ouml;cht&rsquo; jetzt das rechte Mittel f&uuml;r Dich sein;<br>
+Auch magst Du Dich an solchen sch&ouml;nen Tagen,<br>
+Wie heute, kecklich an die Sonne wagen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Nach diesen Worten b&uuml;ckte sie sich zu den M&auml;gdlein<br>
+Und wechselte mit jedem einen Ku&szlig;;<br>
+Dann, aus dem Angesicht ein gl&uuml;cklich L&auml;cheln,<br>
+Enteilte Elsbeth flink mit mildem Gru&szlig;,<br>
+Gleich holdem Engel, der da H&uuml;lfe brachte,<br>
+Wo ein arm Herz in schweren Sorgen wachte.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Herrin blieb sonst l&auml;nger!&rdquo; meinte Seppel brummend,<br>
+Als er so eilig sie verschwinden sah;<br>
+Sie selber mochte &auml;hnlich denken, aber &mdash;<br>
+Vorm H&uuml;ttlein wartete der Junker ja.<br>
+Ihr Nahen machte jetzt das B&uuml;blein munter;<br>
+Es sprang vergn&uuml;gt von seinem Block herunter.<br>
+</p>
+<p>
+Mit nackten F&uuml;&szlig;chen lief es Elsbeth schnell entgegen<br>
+Und ruhte nicht, bis es aus ihrem Schoo&szlig;<br>
+Den l&auml;ngst gewohnten Ku&szlig; empfangen hatte.<br>
+Dann strampelte das B&uuml;blein rasch sich los,<br>
+Um in des H&uuml;ttleins Th&uuml;re zu verschwinden;<br>
+Es wu&szlig;te ja, nun w&uuml;rde Brod sich finden.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad aber meinte heiter: &bdquo;Ihr k&ouml;nnt zaubern!<br>
+Mir weigerte der Junge Gru&szlig; und Wort;<br>
+Doch, nun er Euch erblickt, bekommt er Leben<br>
+Und k&uuml;&szlig;t und liebkost Euch in Einem fort!<br>
+Ein solch&rsquo; Geheimni&szlig; acht&rsquo; ich werth zu kennen;<br>
+Wollt Ihr mir diesen Zauber nicht auch nennen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ist kein Geheimni&szlig;! Kinder f&uuml;hlen, wer sie lieb hat!&rdquo;<br>
+Gab freundlich sie Herrn Kuonrad jetzt zur&uuml;ck:<br>
+&bdquo;Sie geben Lieb&rsquo; um Liebe, wiederspiegelnd<br>
+Ein uns oft lange schon entschwunden Gl&uuml;ck.<br>
+In jede Kinderseele bringt man Leben,<br>
+Versuchet&rsquo;s nur, Euch mit ihr abzugeben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun aber sagt, ward Euch das Warten &uuml;berdr&uuml;ssig,<br>
+Und blieb ich lange weg? Es d&auml;ucht mich fast!<br>
+Gelt, daf&uuml;r gehn wir auf dem Heimweg schneller;<br>
+Das hei&szlig;t, so Euch dies so beliebt und pa&szlig;t.<br>
+Noch ist es fr&uuml;he, brauchen nicht zu eilen,<br>
+Auch schie&szlig;t uns Keiner nach mit Bolz und Pfeilen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als h&auml;tte sie zu viel gesprochen, schwieg hier Elsbeth<br>
+Und band mit Flei&szlig; das T&uuml;chlein wieder fest,<br>
+So ihr das B&uuml;blein vorhin arg verschoben,<br>
+Als sie es k&uuml;ssend an die Brust gepre&szlig;t,<br>
+Herr Kuonrad aber kaum den Augen traute,<br>
+Da selten wohl ein sch&ouml;ner Bild er schaute.<br>
+</p>
+<p>
+Die Strahlenaugen voll zu ihm emporgerichtet<br>
+War sie bem&uuml;ht ein widerspenstig Paar<br>
+Goldfarbner L&ouml;cklein unters Band zu schieben,<br>
+Das blau umzog das herrlich blonde Haar,<br>
+Und als sich ihr die Losen endlich f&uuml;gen,<br>
+Lag froh ein L&auml;cheln auf den holden Z&uuml;gen.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad schaute ihr begl&uuml;ckt in&rsquo;s sch&ouml;ne Antlitz,<br>
+So voller Unschuld ihm entgegensah,<br>
+Bis sie, als ahnte ihr, wie seinem Herzen<br>
+Von solchem Schauen wunderbar geschah,<br>
+Sich tief err&ouml;thend wandte um zu gehen,<br>
+und er nun auch nicht durfte bleiben stehen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch da den Arm er bot, schien sie dies nicht zu achten,<br>
+So, wie beim Kommen, ging&rsquo;s im R&uuml;ckweg nicht;<br>
+Denn fast aus jedem Fenster nickte freundlich<br>
+Ein fr&ouml;hlich lachend Kinderangesicht.<br>
+Am Wege aber harrten auch die Alten,<br>
+Ein gr&uuml;&szlig;end Wort der Herrin zu erhalten.<br>
+</p>
+<p>
+Ein kleiner Blondkopf, frisch gewaschen und gestr&auml;hlet,<br>
+Kam schon von Weitem auf sie zugerannt<br>
+Und hielt sein braunes H&auml;ndchen ihr entgegen;<br>
+Der Herrin T&auml;schlein war dem Schelm bekannt,<br>
+Nun will der Ku&szlig; allein ihm nicht recht munden,<br>
+Mit dem sie ihn f&uuml;r dies Mal abgefunden.<br>
+</p>
+<p>
+Die Sch&auml;flein, von Elsbeth aus s&uuml;&szlig;em Teig gebacken,<br>
+Sie fehlten heute f&uuml;r die Kinderschaar;<br>
+Zum ersten Male hatt&rsquo; sie die vergessen,<br>
+M&ouml;cht&rsquo; wissen, welches wohl die Ursach&rsquo; war!<br>
+Je nun, es waren leer des Fr&auml;uleins Taschen,<br>
+Und gab f&uuml;r heute es drum nichts zu naschen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Beim letzten H&uuml;ttlein erst ward sie der Kleinen ledig,<br>
+Die Kinder zogen heim in muntrem Trab;<br>
+Nun bot von neuem seinen Arm der Junker;<br>
+Doch Elsbeth lehnte mit den Worten ab:<br>
+&bdquo;Bergaufw&auml;rts m&ouml;chte es beschwerlich fallen,<br>
+Wir wandeln nicht in eines Palas Hallen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Auch bin ich es gewohnt die Halde zu erklettern,<br>
+Gleich flinkem Rehe, &uuml;ber Stock und Stein,<br>
+Manch heilsam Kr&auml;utlein suchend oder Blumen,<br>
+Wie sie im Sommer bl&uuml;hen hier am Rain;<br>
+Doch, weil sich dabei schwerlich l&auml;&szlig;t erz&auml;hlen,<br>
+Will gerne ich mit Euch zu gehen w&auml;hlen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Geduldig ging der Junker wieder an&rsquo;s Erz&auml;hlen<br>
+Und schilderte, was drau&szlig;en er geschaut;<br>
+Was ihm gefallen in den fremden L&auml;ndern<br>
+Und wie er da und dort dem Gl&uuml;ck vertraut.<br>
+Wohl sei es sch&ouml;n, frei durch die Welt zu reisen;<br>
+Doch w&uuml;rd&rsquo; ein trautes Heim er mehr noch preisen.<br>
+</p>
+<p>
+Gefangen von Herrn Kuonrads weltgewandter Sprache,<br>
+Schritt sie indessen ihm zur Seite hin,<br>
+Zuweilen mal im Gang sich unterbrechend,<br>
+Wenn nah&rsquo; dem Hang ein duftig Bl&uuml;mlein schien,<br>
+Das ihre Hand erreichen konnt&rsquo; und pfl&uuml;cken,<br>
+Im Gehen sich den Busen mit zu schm&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+Nur, als sie weiter oben an der Halde waren,<br>
+An jener Stelle, wo sie erst geruht,<br>
+Da bat ihn Elsbeth leise links zu wenden:<br>
+&bdquo;Der Pfad ist schattig und auch sonsten gut.&rdquo;<br>
+War ja kein Unrecht weitern Weg zu w&auml;hlen,<br>
+Der Junker konnte daf&uuml;r mehr erz&auml;hlen.<br>
+</p>
+<p>
+So schritten sie denn auf dem l&auml;ngern Pfade langsam<br>
+Zusammen aufw&auml;rts durch den gr&uuml;nen Wald,<br>
+Der hier den Schlo&szlig;berg breit und dicht umg&uuml;rtet,<br>
+Und wandelten im tiefsten Schatten bald,<br>
+Als, w&auml;hrend Elsbeth ernst dem Junker lauschte,<br>
+Ein Windsto&szlig; heulend durch die Wipfel rauschte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es hatte keins von Beiden sonderlich beachtet,<br>
+Da&szlig; l&auml;ngst verschwunden war des Himmels Blau<br>
+Und schwere Wolken &uuml;ber ihnen dr&auml;uten,<br>
+Die alles h&uuml;llten in ein d&uuml;ster Grau.<br>
+Jetzt erst bemerkten sie, wie Nebelschwaden<br>
+Am Hungerberge zogen, sturmbeladen.<br>
+</p>
+<p>
+Bald schlossen, eh&rsquo; sie es geahnt, die Wetterwolken<br>
+Rings Berg und Thal in ihren dunkeln Schoo&szlig;.<br>
+Schon jagten Blitze sich; vom Strahl getroffen<br>
+Sank mancher Waldbaum j&auml;h in&rsquo;s gr&uuml;ne Moos;<br>
+Ein Felsblock scho&szlig; in ihrer N&auml;he nieder,<br>
+De&szlig;&rsquo; Donnern hallte laut im Thale wieder.<br>
+</p>
+<p>
+Dann go&szlig; der Regen Fluthen; wild, wie Meereswogen,<br>
+Es rann und schwoll das nasse Element;<br>
+Ein jedes Rinnsal ward zum grimmen Strome,<br>
+De&szlig;&rsquo; Spuren noch der sp&auml;te Enkel kennt.<br>
+Fast schien&rsquo;s, als ob der Himmel sich emp&ouml;rte<br>
+Und, was er schuf, mit Grausen nun zerst&ouml;rte.<br>
+</p>
+<p>
+Am Stamme einer dicht belaubten Eiche lehnend,<br>
+Fand Elsbeth Schutz vor des Gewitters Macht.<br>
+Sie schlug ein Kreuz, so oft der Blitz urpl&ouml;tzlich<br>
+Mit greller Flamme hellte rings die Nacht;<br>
+Auch betete sie leis den Wettersegen,<br>
+Der soll sie sch&uuml;tzen und der Sturm sich legen.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad hatte minder Gl&uuml;ck sich schnell zu bergen,<br>
+Und blieb drum, unweit Elsbeth, wartend stehn;<br>
+Des Wetters wenig bange, schien ihm sicher,<br>
+Da&szlig; dieses bald vor&uuml;ber d&uuml;rfte gehn.<br>
+Er lie&szlig; sich nicht so leicht von Furcht beschleichen,<br>
+Auch wollt&rsquo; er nicht von seiner Herrin weichen.<br>
+</p>
+<p>
+Mit Plaudern suchte er die Aengstliche zu tr&ouml;sten,<br>
+Doch diese fand zum Sprechen keinen Muth.<br>
+Sie unterbrach sein scherzhaft Reden leise:<br>
+&bdquo;H&ouml;rt uns das Bergweiblein, so thut&rsquo;s nicht gut;<br>
+Denn diese Unholdin, aus Dunst geboren,<br>
+Hat sicher das Gewitter her beschworen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zuweilen st&ouml;&szlig;t sich das Gew&ouml;lk am Schlo&szlig;berggipfel<br>
+Und nimmt dann, minder schadend, seinen Weg<br>
+Das Kletgau aufw&auml;rts, wo es, ausgesch&uuml;ttet,<br>
+Gef&auml;hrdet h&ouml;chstens eines B&auml;chleins Steg.<br>
+Doch weh! wenn es zum Thal den Strich gefunden,<br>
+So ist ein Ausweg nimmer zu erkunden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es kann nicht vor- nicht r&uuml;ckw&auml;rts, mu&szlig; sich hier entleeren<br>
+In seiner ganzen unheilvollen Macht;<br>
+Verderben bringt es oft auf viele Jahre,<br>
+Als h&auml;tte uns die Sonne nie gelacht,<br>
+Und, wo wir heute noch im Gr&uuml;nen gehen,<br>
+K&ouml;nnt Ihr schon morgen eine W&uuml;ste sehen!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Sie hatte kaum geendet, zuckt ein Strahl hernieder<br>
+Aus schwarzer Wolke auf den n&auml;chsten Baum,<br>
+Sekundenlang loht auf ein Meer von Flammen,<br>
+In fahlem Scheine glimmt der ganze Raum;<br>
+Es knattert schrill ein kurzer Knall dazwischen,<br>
+Der sich im Moos verliert in leisem Zischen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Sturm peitscht w&uuml;thend hin und her die Wipfel,<br>
+Und krachend f&auml;llt so manches gr&uuml;ne Haupt;<br>
+Wildschaurig gellt ein Pfeifen durch&rsquo;s Gezweige,<br>
+Da&szlig; man der H&ouml;lle Macht entfesselt glaubt.<br>
+Des Waldes Thiere packt es voll Entsetzen,<br>
+Sie m&uuml;ssen blindlings in&rsquo;s Verderben hetzen.<br>
+</p>
+<p>
+Vor Schrecken bleich, die H&auml;nde im Gebet gefaltet,<br>
+Wagt Elsbeth keinen lauten Athemzug;<br>
+Ihr Muth ist hin, sie bebt an allen Gliedern,<br>
+Seit, ihr so nah, der Blitz zu Boden schlug.<br>
+So steht sie mitten in dem grausen Rauschen<br>
+Und hofft ein Wort des Junkers zu erlauschen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch der bleibt stumm. Von einem Tannenast getroffen<br>
+Liegt wund Herr Kuonrad tief im Haidekraut;<br>
+Im Bann der Ohnmacht weigern Mund und Lippen<br>
+Der fast Verzweifelnden den kleinsten Laut.<br>
+Mit ihrem Blick, bis wo er liegt zu dringen,<br>
+Kann in der Dunkelheit ihr nicht gelingen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch wird ihr banger Ruf vom Sturmwind &uuml;bertoset,<br>
+Sie starrt voll Aengsten in die Waldesnacht,<br>
+Den Junker und sich selbst der Mutter Gottes<br>
+Empfehlend, deren F&uuml;rsprache und Macht<br>
+Ein Leichtes, des Gewitters Wuth zu enden<br>
+Und gn&auml;dig alles Unheil abzuwenden.<br>
+</p>
+<p>
+Da sieh! Es legt sich doch des Sturmes brausend Toben,<br>
+Nicht mehr so nahe rollt des Donners Hall;<br>
+In Elsbeths Ohren klingt, gleich Himmelsbotschaft,<br>
+Vom Schlosse her des Wettergl&ouml;ckleins Schall.<br>
+Das Dunkel weicht, das tief den Wald umwoben,<br>
+Und heller wird es in den Wipfeln oben. &mdash;<br>
+</p>
+<img src="images/E042_043.jpg" alt="Elsbeth mit dem bewusstlosen Kuonrad">
+<p>
+Wie schnell das Wetter kam, so ging es auch vor&uuml;ber,<br>
+Geendet w&auml;hnte Elsbeth alle Noth.<br>
+Da traf ihr Blick am Boden den Gef&auml;hrten,<br>
+Von seiner Stirne flo&szlig; es blutigroth,<br>
+In lautem Aufschrei sank sie zu ihm nieder;<br>
+Doch nur das Echo scholl als Antwort wieder.<br>
+</p>
+<p>
+Gebrochnen Ast zur Seite, lag bet&auml;ubt Herr Kuonrad<br>
+Im Haidekraut, das roth gef&auml;rbt sein Blut;<br>
+Nur leise hob die Brust sich auf und nieder,<br>
+Wie einem der die letzten Z&uuml;ge thut.<br>
+Nicht hoffend, da&szlig; sich hier noch Rettung f&auml;nde,<br>
+Rang Elsbeth, Schmerz erf&uuml;llt, die zarten H&auml;nde.<br>
+</p>
+<p>
+Doch halt! es regten st&ouml;hnend sich des Wunden Lippen,<br>
+Mit stummer Freude hat sie es geh&ouml;rt,<br>
+Und nun war auch des Schmerzes Bann gebrochen,<br>
+Der Elsbeth bislang schwer den Sinn beth&ouml;rt;<br>
+Sie nahm ihr T&uuml;chlein, na&szlig; und schwer vom Regen,<br>
+Es sachte auf des Junkers Stirn&rsquo; zu legen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach diesem raffte sie ein H&auml;uflein Moos zusammen,<br>
+Bestimmt zu einem Kissen f&uuml;r sein Haupt;<br>
+Schon ruht es schwer auf ihren weichen H&auml;nden,<br>
+Noch immer der Besinnung ganz beraubt;<br>
+Doch, nun sie&rsquo;s sorglich wollte niederlegen,<br>
+Sah wieder sie die Lippen zitternd regen<br>
+</p>
+<p>
+Gewi&szlig;heit, da&szlig; das Leben ihm noch nicht entflohen,<br>
+Gab jetzt zum Rettungswerk ihr weiter Kraft.<br>
+Mit nassem Moos rieb sie des Wunden Schl&auml;fen,<br>
+Bis fast die Hand vor M&uuml;digkeit erschlafft,<br>
+Da lohnte denn der Himmel ihr Bem&uuml;hen<br>
+Und lie&szlig; Herrn Kuonrads L&auml;mplein neu ergl&uuml;hen.<br>
+</p>
+<p>
+Er wachte m&auml;lig auf und seine braunen Augen<br>
+Begr&uuml;&szlig;ten fragend Elsbeths feuchten Blick;<br>
+Bald suchte auch ein L&auml;cheln auf den Lippen<br>
+Ihr Trost zu spenden &uuml;ber sein Geschick,<br>
+Und schnell, wie dies der Jugend ja gegeben,<br>
+Mocht&rsquo; sich der Junker nun vom Fall erheben.<br>
+</p>
+<p>
+Noch vorher aber fa&szlig;te er der Jungfrau Rechte,<br>
+Die, wie sein guter Engel, vor ihm stand,<br>
+Und pre&szlig;te wortlos ein paar hei&szlig;e K&uuml;sse,<br>
+Als seinen Dank, ihr auf die kleine Hand.<br>
+Verkl&auml;rten Blicks sah Elsbeth zu ihm nieder<br>
+Eh&rsquo;, m&uuml;hsam nur, sie fand die Sprache wieder.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Versuchet aufzustehen &mdash; vielleicht k&ouml;nnt Ihr gehen!<br>
+Wir sind vom Schlosse nicht mehr allzufern<br>
+Und das Gewitter ist, Gottlob! vor&uuml;ber.<br>
+Die Heiligen und Euer guter Stern,<br>
+Sie haben Euch gar treu in Schutz genommen,<br>
+Sonst w&auml;ret wohl Ihr b&ouml;s davon gekommen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Der Guten Worte waren kaum verklungen, als auch<br>
+Herr Kuonrad aufrecht stand und ihr versprach,<br>
+Zum Heimweg noch gen&uuml;gend Kraft zu haben;<br>
+Dann, f&uuml;hlend da&szlig; ihm weiter nichts gebrach,<br>
+Wollt&rsquo; er sein Dankgef&uuml;hl in Worte kleiden,<br>
+Die anzuh&ouml;ren Elsbeth will vermeiden.<br>
+</p>
+<p>
+Sie mahnte also &bdquo;Kommt, es mu&szlig; bald Mittag l&auml;uten!<br>
+Bis dahin m&uuml;ssen wir zu Hause sein;<br>
+Doch erst la&szlig;t mich die Stirne Euch verbinden,<br>
+Mein T&uuml;chlein taugt uns, denk&rsquo; ich, dazu fein.<br>
+Frisch Wasser wird die b&ouml;se Wunde k&uuml;hlen<br>
+Und auch die Schmerzen minder lassen f&uuml;hlen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Gehorsam bot der Junker gern die wunde Stirne,<br>
+Aus der das Blut noch tropfte, Elsbeth dar.<br>
+Sie hob mit leichter Hand des T&uuml;chleins Enden<br>
+Und sp&uuml;lte es im n&auml;chsten Rinnsal klar,<br>
+Dann ward die Wunde gut und fest verbunden;<br>
+Ihm aber schien, er m&uuml;sse gleich gesunden.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt, endlich, ging es wieder f&uuml;rbas. Zwischen Fichten<br>
+Und dunkeln Tannen f&uuml;hrte schmal der Weg.<br>
+Wie frisch geschmolzen Silber gl&auml;nzten Tropfen<br>
+Vom Regen noch im buschigen Geheg.<br>
+Balsamisch dufteten des Waldes Bl&uuml;then,<br>
+Ein linder Lusthauch zog, statt Sturmes W&uuml;then.<br>
+</p>
+<p>
+Gedanken eigner Art besch&auml;ftigten die Beiden<br>
+Auf ihrem Pfad zum Schlo&szlig;berghof empor;<br>
+Versuchte es Herr Kuonrad mal zu scherzen,<br>
+So schwieg nun Elsbeth, stiller als zuvor.<br>
+Ein Kr&auml;utlein keimte in dem jungen Herzen,<br>
+Ein Kr&auml;utlein, das viel Gl&uuml;ck bringt &mdash; oder Schmerzen.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Die H&ouml;he ward erreicht und bald darauf die Br&uuml;cke,<br>
+Wo schon der Herrin harrend Frida stund;<br>
+Denn l&auml;ngst war ja die Mittagszeit vor&uuml;ber,<br>
+Des Gl&uuml;ckleins Schall verschlang des Sturmes Mund.<br>
+Es zuckte schalkhaft im Gesicht der Alten,<br>
+Nun m&auml;usleinna&szlig; sie sah die zwei Gestalten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dacht ich&rsquo;s doch gleich, das Wetter werde Euch erwischen!&rdquo;<br>
+Hob zungenfertig jetzt die Alte an,<br>
+&bdquo;Sonst w&auml;ret Ihr zu Mittag hier gewesen;<br>
+Doch da hat es am w&uuml;stesten gethan!<br>
+Wird heute nun die Herrin auch noch lachen,<br>
+Wie fr&uuml;her, wenn ich sprach vom Wettermachen?<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Pfarr&rsquo;, der Neiding! hat das Wetter hergezaubert.<br>
+Er sieht&rsquo;s, wenn Ihr zu Thale geht, nicht gern.<br>
+Sollt immer in der Kemenate sitzen<br>
+Und Litaneien lernen bei dem Herrn!<br>
+Wohl bin ich alt und mag nicht viel mehr taugen;<br>
+Doch blieben mir, Gottlob, noch klare Augen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Hier jedoch fiel ihr Elsbeth schnell in&rsquo;s Wort und sagte:<br>
+&bdquo;Sei lieber still und schaff&rsquo; uns Kunzen her,<br>
+Da&szlig; er den Herrn in sein Gemach begleitet;<br>
+Denn siehst Du nicht? er leidet schwer!<br>
+Vom Strahl getroffen, schlug ein Ast ihn nieder,<br>
+Ein Wunder nur, da&szlig; noch ihm heil die Glieder!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Du selber aber magst mir Spitzenwegrich suchen,<br>
+Des Kr&auml;utleins Saft, bekanntlich weit und breit<br>
+Im Rufe, da&szlig; er k&ouml;stlich gegen Wunden,<br>
+Soll zeigen, ob zur Heilung er gedeiht!<br>
+Nun eile Dich, den Kunz herbei zu finden,<br>
+Er mu&szlig; dem Herrn die Stirne frisch verbinden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad lehnte derweil m&uuml;de am Gel&auml;nder.<br>
+Vom Blutverluste wohl ein wenig matt,<br>
+War nicht ihm unlieb, da&szlig; auf Fridas Rufen<br>
+Sich Kunze gar eilig eingefunden hatt&rsquo;.<br>
+Der staunte bas, den Herrn allso zu sehen,<br>
+Doch dieser hie&szlig; ihn kurz mit ihm zu gehen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Mit warmem H&auml;ndedruck und einem langen Blicke<br>
+In Elsbeths licht ergl&auml;nzend Augenpaar<br>
+Schied, im Geleit des Knappen, nun der Junker.<br>
+Sie sah ihm nach, bis er verschwunden war;<br>
+Ein gl&uuml;cklich L&auml;cheln schwebt auf ihrem Munde &mdash;<br>
+Dein Dichter, Elsbeth, wei&szlig; aus welchem Grunde!<br>
+</p>
+<img src="images/E048.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Drittes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E049.jpg" alt="Elsbeth geht beim Kaplan in die Schule"><p>
+Viel schneller, als der Junker dies erwartet hatte,<br>
+That Kr&auml;utlein Spitzenwegrich seine Pflicht;<br>
+Denn kaum war eine Woche hingegangen,<br>
+Trat er geheilt vor Elsbeths Angesicht<br>
+Und dankte ihr f&uuml;r alle M&uuml;h&rsquo; und Sorgen,<br>
+Die sie um ihn gehabt an jenem Morgen.<br>
+</p>
+<p>
+Wenn damals er im Scherz sie sich zur Herrin w&auml;hlte,<br>
+Der ritterlich zu dienen ihm ein Spiel,<br>
+So nahm er&rsquo;s nun mit jedem Tage ernster<br>
+Und ist kein Wunsch der Holden ihm zu viel.<br>
+Doch, wie es gleich von Anfang ihm geschienen,<br>
+War unter ihrem Scepter leicht zu dienen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Mit flinken H&auml;nden half Herr Kuonrad jeden Morgen<br>
+Der Flei&szlig;igen ihr Linnen spannen, reicht&rsquo;,<br>
+So oft es n&ouml;thig, drauf den Wassereimer,<br>
+Um jenes feucht zu spritzen, da&szlig; es bleicht<br>
+Im Sonnenschein und Elsbeth sich das Linnen,<br>
+Als schlohwei&szlig; Zeug, bald wieder mocht&rsquo; gewinnen.<br>
+</p>
+<p>
+Mit diesem fertig, ging es in den weiten Zwingolf,<br>
+An dessen sonnenreichem Mauerrand<br>
+Die Liebliche ein kunstlos G&auml;rtlein hatte,<br>
+Drin&rsquo;, neben Ilgen, manche Rose stand<br>
+Und Krautwerk f&uuml;r die K&uuml;che und die Kranken,<br>
+Frisch duftenden Salbei bei Bohnenranken.<br>
+</p>
+<p>
+Hier gab es stets zu thun. Der Junker werkte flei&szlig;ig;<br>
+Er zeigte ihr, wie leicht am wilden Strauch<br>
+Die Rosen k&uuml;nstlich sich veredeln lassen.<br>
+Gern lernte Elsbeth den ihr fremden Brauch<br>
+Und harrte voller Sehnsucht schon der Bl&uuml;then,<br>
+Die zu erzielen beide sich bem&uuml;hten.<br>
+</p>
+<p>
+Vom Garten mu&szlig;te Elsbeth in des Schlosses K&uuml;che,<br>
+Wo Frida herrschte, bis die Herrin da;<br>
+Sie war gewohnt, am Herde mit zu helfen,<br>
+Da gerne selbst sie nach dem Rechten sah.<br>
+Das Essen mu&szlig;te p&uuml;nktlich fertig stehen,<br>
+Sonst war&rsquo;s um Vaters gute Laun&rsquo; geschehen.<br>
+</p>
+<p>
+Dann, nach dem Mittagessen, pflog, nach guter Sitte,<br>
+Des Hauses Ingesind ein St&uuml;ndlein Ruh&rsquo;<br>
+Die tiefe Stille nutzend, brachte Elsbeth<br>
+Gew&ouml;hnlich diese Zeit mit Lernen zu;<br>
+Der Kaplan, Benno, nahm die Pflichten strenge<br>
+Und trieb mit Fragen oftmals sie in&rsquo;s Enge.<br>
+</p>
+<p>
+Sonst war die Zeit der Schule ihr gar lieb gewesen<br>
+Und fand der Kaplan nie zu Klagen Grund;<br>
+Doch seit des Junkers Ankunft kam dies anders,<br>
+Sie lauschte minder ernst des Lehrers Mund<br>
+Und unterbrach wohl selbst sein Wort durch Fragen,<br>
+Die fern dem Texte des Erkl&auml;rers lagen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Einst, eines Abends, plagte sie sich auch mit Lernen,<br>
+Indess&rsquo; die Augen nach der Sonne sahn,<br>
+Ob deren Strahl sich nicht den Butzenscheiben<br>
+Im Bogenfenster endlich m&ouml;chte nahn;<br>
+Es schien ihr fast, da&szlig; jene, pflichtvergessen,<br>
+Nicht so wie sonst die Tagesbahn durchmessen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, da einmal die Zeit f&uuml;r Alle vorw&auml;rts schreitet,<br>
+Gleichviel ob einer hoffet oder bangt;<br>
+Zu schnell dem Alter, das nichts mehr zu wollen,<br>
+Der Jugend langsam, die noch viel verlangt,<br>
+So lie&szlig; sie heute auch die Sonne sinken,<br>
+Die goldnen Strahlen durch die Scheiben blinken.<br>
+</p>
+<p>
+Nun lie&szlig; die Ungeduldige sich nicht mehr halten.<br>
+Ein frommes Spr&uuml;chlein noch, und darauf eilt&rsquo;<br>
+Sie, gleich dem Wind, den Bergfried zu ersteigen,<br>
+Wo, wie sie wu&szlig;te, gern der Junker weilt&rsquo;,<br>
+Der sich den Thurm zum &bdquo;Lueg ins Land&rdquo; erkoren,<br>
+Und &ouml;fter droben sa&szlig;, in&rsquo;s Schau&rsquo;n verloren.<br>
+</p>
+<p>
+Schon lange wollte Elsbeth ihrem Gast die Namen<br>
+Der Berge nennen, so von hier man sah;<br>
+Nun aber war sie doch etwas verlegen<br>
+Und trat mit leisem Schritt Herrn Kuonrad nah.<br>
+Vor ihnen lag im Abendsonnenglanze<br>
+Der Alpenkreis, gleich einem Silberkranze.<br>
+</p>
+<p>
+Die pr&auml;chtig klare Fernsicht schauend, wandte sie sich<br>
+Dem Junker zu und sagte, mit der Hand<br>
+Hin&uuml;ber auf die wei&szlig;en Riesen deutend,<br>
+In deren Anblick er versunken stand:<br>
+&bdquo;Erlaubet, Herr, Euch meinen Hof zu zeigen;<br>
+Dort, jene Recken all&rsquo; sind mir zu eigen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich bitte jedoch, lasset gn&auml;dig Nachsicht walten,<br>
+So nur die F&uuml;rnehmsten davon ich nenn&rsquo;;<br>
+Frau Sonne will sich schon zu Bette r&uuml;sten, &mdash;<br>
+Und das ist bald geschehn, wie ich sie kenn&rsquo;!<br>
+Der Mond, ihr Ritter, aber wird erst leuchten,<br>
+Wenn Morgennebel diese H&ouml;hen feuchten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Ein freundlich Nicken war Herrn Kuourads stumme Antwort,<br>
+Dann trat er mit ihr an des S&ouml;llers Rand,<br>
+Der Abendsonne goldne Schimmer flossen<br>
+In Purpurfluthen &uuml;ber alles Land,<br>
+Nur fern gen Norden lagen Wolkenschatten,<br>
+Die &uuml;berm &bdquo;Randen&rdquo; sich gelagert hatten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schaut dort,&rdquo; hob Elsbeth l&auml;chelnd an ihm zu erkl&auml;ren,<br>
+&bdquo;Die Spitzen, wie in Apfelbluest getaucht,&rdquo;<br>
+Es ist der &bdquo;S&auml;ntis&rdquo; mit dem &bdquo;Hohen Kasten&rdquo;<br>
+Und nebenan, rothg&uuml;lden angehaucht,<br>
+Stellt k&uuml;hn der &bdquo;Altmann&rdquo; sich in ganzer Breite<br>
+Den ersten beiden Recken an die Seite.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dann, etwas herw&auml;rts, z&auml;hlt Ihr sieben graue Zinken,<br>
+Sie sind im Sommer meist wohl ohne Schnee,<br>
+Die nennen &bdquo;Churf&uuml;rsten&rdquo; sich stolz mit Namen<br>
+Und spiegeln sich in einem gr&uuml;nen See,<br>
+Aus dessen Fluthen hoch und frei sie streben,<br>
+Da&szlig; fast in Wolken ihre H&auml;upter schweben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun, weiter rechts hin, kommt des &bdquo;Gl&auml;rnisch&rdquo; wei&szlig;e Krone;<br>
+Die steilen W&auml;nde stehn getaucht in Blau,<br>
+Und rosig &uuml;berhaucht vom Sonnengolde<br>
+Scheint, wie verkl&auml;rt, der Felsen schimmernd Grau.<br>
+Auf seinen Schultern aber sieht man&rsquo;s blitzen<br>
+Gleich zarten Schleiern, die im Goldschein glitzen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die wei&szlig;e Fl&auml;che dort, dicht unterm breiten Gipfel,<br>
+Mit starren Felsen ringsum eingefa&szlig;t,<br>
+Ist &bdquo;Vrenli&rsquo;s G&auml;rtli,&rdquo; eine Alp vor Zeiten;<br>
+Doch, seit die Menschen von den Fee&rsquo;n geha&szlig;t,<br>
+Ruhn tief im Eis versenkt der Matten Spuren,<br>
+Auf ewig sind dahin die gr&uuml;nen Fluren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der n&auml;chste, mit dem Firnschnee-Scheitel, hei&szlig;t der &bdquo;T&ouml;di.&rdquo;<br>
+Keck ragt der auf zum blauen Firmament,<br>
+Als st&uuml;tzte er allein des Himmels Bogen.<br>
+Wie hei&szlig; im Sommer auch die Sonne brennt,<br>
+Im Lenz der F&ouml;hnsturm zwingt den Schnee zu thauen &mdash;<br>
+Sein Haupt ist silbern immerdar zu schauen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Auf ihrem Throne dort schwingt Einsamkeit das Scepter,<br>
+Nur Geierschrei hallt durch das Felsgewirr;<br>
+Doch, mein&rsquo; ich, schafft auch dort die Zeit im Stillen<br>
+Und ruhet nicht ihr ehern Werkgeschirr.<br>
+Sie wird dereinst den letzten Fels zerschmettern,<br>
+Ob er auch trotzte tausend wilden Wettern!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gleich weiter folgt des &bdquo;Urirothstocks&rdquo; Riesenkuppe;<br>
+Auch der reckt k&uuml;hn sein eisgrau Haupt empor;<br>
+Ein freies Volk soll ihm zu F&uuml;&szlig;en wohnen,<br>
+Das nur den Kaiser sich zum Herrn erkor.<br>
+Mir schwanet oft, f&uuml;hl&rsquo; ich&rsquo;s her&uuml;ber wehen,<br>
+Auch unser Volk wird bessre Zeiten sehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, thront der Winter auch auf jenen H&ouml;hen ewig,<br>
+In milden Th&auml;lern schmilzt im Lenz der Schnee,<br>
+Dann, h&ouml;rt&rsquo; ich sagen, bl&uuml;hen gr&uuml;ne Fluren<br>
+Und blinkt dazwischen mancher klare See,<br>
+So, wenn der Fr&uuml;hling die Gestade kr&auml;nzet,<br>
+Gleich sch&ouml;nem Auge in die Ferne gl&auml;nzet.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die wei&szlig;e Kuppe besser dr&uuml;ben ist der &bdquo;Titlis,&rdquo;<br>
+Das &bdquo;Sustenhorn&rdquo; soll dessen Nachbar sein.<br>
+Seht hin! wie pr&auml;chtig die zerrissnen Schr&uuml;nde<br>
+Verg&uuml;ldet sind vom Abendsonnenschein;<br>
+Aus unerme&szlig;lich tiefen, grausen Kl&uuml;ften<br>
+Steigt er empor sein schneeig Haupt zu l&uuml;ften.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Sonne sinkt. Schaut, Regensbergs uralte Firsten<br>
+Empfangen eben ihren letzten Gru&szlig;!<br>
+Rubinen schimmer aus des St&auml;dtleins Fenstern<br>
+Den Wiederschein vom goldnen Abschiedsku&szlig;;<br>
+Bald wird der &bdquo;L&auml;gernberg&rdquo; im Dunkel stehen,<br>
+Schon jetzt ist Badens &bdquo;Stein&rdquo; nicht mehr zu sehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nur jene Riesen dort im Duft der blauen Ferne,<br>
+Die geben sich so schnell gefangen nicht;<br>
+Denn, w&auml;hrend &uuml;berall schon Nacht sich breitet,<br>
+Ergl&auml;nzen sie noch hell im Sonnenlicht.<br>
+Wie wohl und frei mag es der Brust dort werden,<br>
+Von jenen H&ouml;h&rsquo;n zu schau&rsquo;n auf Gottes Erden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;O, h&auml;tte meine Sehnsucht dorthin Windesfl&uuml;gel,<br>
+Da&szlig; ich mich schw&auml;nge hoch von Firn zu Firn,<br>
+Um, weltentr&uuml;ckt, im Aetherblau zu schweben,<br>
+In Himmelsl&uuml;ften badend mir die Stirn&rsquo;<br>
+Und, derweil noch die lieben Sternlein flimmern,<br>
+Im erst- und letzten Sonnenku&szlig; zu schimmern!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Verwundert sah Herr Kuonrad hier in Elsbeths Augen,<br>
+Die, hold verkl&auml;rt in wundersamem Glanz,<br>
+Hin&uuml;ber blickten, wo aus dunklen Schatten<br>
+Sich leuchtend hob des Hochgebirges Kranz,<br>
+Indessen abendw&auml;rts, von Gold umflossen,<br>
+Die Sonne wich mit ihren m&uuml;den Rossen.<br>
+</p>
+<p>
+Selbst &uuml;berw&auml;ltigt von dem Anblick dieses Schauspiels<br>
+Schwieg Elsbeth eine Weile, wie gebannt,<br>
+Eh&rsquo; sie den Hausgenossen traulich fragte,<br>
+Ob ihm ein sch&ouml;ner Pl&auml;tzlein w&auml;r&rsquo; bekannt?<br>
+Er wollte sprechen, doch sie winkte Schweigen<br>
+Und mu&szlig;te sich der Junker folgsam zeigen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich mu&szlig; mich eilen,&rdquo; sprach sie, &bdquo;denn des Abends Schatten<br>
+Verh&uuml;llen schon, was nicht zum Himmel ragt;<br>
+Von Nacht wird bald, selbst auf den h&ouml;chsten Gipfeln,<br>
+Der letzte Schein des Tageslichts verjagt<br>
+Und, irr&rsquo; ich nicht, mag&rsquo;s morgen st&uuml;rmisch wehen,<br>
+Da heut&rsquo; die Alpen wir so nahe sehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<img src="images/E056_057.jpg" alt="Elsbeth erkl&auml;rt Kuonrad die Alpengipfel">
+<p>
+&bdquo;Dort jener,&rdquo; eilte sie sich weiter mit Erkl&auml;ren,<br>
+&bdquo;Die breiten Spitzen, sie vergl&uuml;hen grad,<br>
+Sich scharf abhebend von des Himmels Bl&auml;ue,<br>
+Soll der &bdquo;Sankt Gotthard&rdquo; sein, von wo ein Pfad,<br>
+Auf dem man leicht sein letztes St&uuml;ndlein finde,<br>
+In w&auml;lsches Land sich steil und schaurig winde.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dann, n&auml;her herw&auml;rts, jener R&uuml;cken wild zerkl&uuml;ftet,<br>
+Den Ihr schon tief im Schatten vor uns seht,<br>
+Hei&szlig;t der &bdquo;Pilatus;&rdquo; er hat seinen Namen<br>
+Von einer Sage die im Lande geht:<br>
+Es soll der B&ouml;se dort den Richter plagen,<br>
+Der unsern Heiland einst an&rsquo;s Kreuz geschlagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gen Mittag aber, jene fernsten, hellen Spitzen,<br>
+Sind &bdquo;Finsteraarhorn,&rdquo; &bdquo;Schreck-&rdquo; und &bdquo;Wetterhorn,&rdquo;<br>
+Dann &bdquo;M&ouml;nch&rdquo; und &bdquo;Eiger,&rdquo; wo im l&auml;ngsten Sommer<br>
+Das Eis nie schmilzt und thalw&auml;rts Wein und Korn<br>
+Ein fremd Gew&auml;chs ist; nebenan, im Schimmer<br>
+Des Abendroths, da folgt ein Frauenzimmer!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es ist die &bdquo;Jungfrau.&rdquo; Herrschend &uuml;ber all&rsquo; die Riesen,<br>
+Ist sie nur selten mal des Schleiers bar;<br>
+Doch, wenn sie sich enth&uuml;llt im Abendscheine,<br>
+Ergl&auml;nzet oft ihr Antlitz sonnenklar,<br>
+Um vor dem Schlafengehn den alten Recken<br>
+Im kalten Herzen neue Gluth zu wecken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Sie selbst bleibt unnahbar, wie dort die goldnen Sterne,<br>
+Die leise ausziehn &uuml;ber unser Haupt,<br>
+Und keinem Freier mocht&rsquo; es noch gelingen,<br>
+Da&szlig; ihr den Schleier einer k&uuml;hn geraubt.<br>
+Doch schaut! Vergl&uuml;ht sind nun die letzten Gipfel,<br>
+In tiefem Dunkel ruhen alle Wipfel!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Sie hatte kaum gesprochen, da klang hinter ihnen<br>
+Des W&auml;chters Horn in langgezognem Schall,<br>
+F&uuml;r Schlo&szlig; und Landschaft Feierabend bietend;<br>
+Vom &bdquo;Hungerberge&rdquo; scholl der Wiederhall<br>
+Und mischte sich mit fernem Glockensummen,<br>
+Das bald erstarb in m&auml;ligem Verstummen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun breitete sich Schweigen &uuml;ber Berg&rsquo; und Th&auml;ler,<br>
+Es herrschte Nacht und Ruh! Ein leiser Hauch,<br>
+Der Abendwind, zog lind durch das Geb&uuml;sche,<br>
+Als wiegte er in Schlummer Blatt und Strauch,<br>
+Und droben, hoch in ungeme&szlig;ner Ferne,<br>
+Ergl&auml;nzten schimmernd Millionen Sterne.<br>
+</p>
+<p>
+Da, horch! Vom Zwingolf unten klang es durch das Dunkel,<br>
+Wie fl&uuml;sternd Plaudern, zu den Beiden auf;<br>
+Dann war es wieder, als ob leichte F&uuml;&szlig;e<br>
+Zum Brunnen huschten in behendem Lauf,<br>
+Und jetzt lie&szlig;, unweit von der innern Pforte,<br>
+Ein Liedlein sich vernehmen. Hier die Worte:<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Eine Tanne, schlank und duftig,<br>
+Meiner Minne Maienzier<br>
+Stelle ich zum Angedenken<br>
+N&auml;chtens vor braun Maidlins Th&uuml;r.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Rosmarin und rothe Ilgen<br>
+Schm&uuml;cken viel den Maienbaum,<br>
+Meine Seele aber zieret,<br>
+S&uuml;&szlig;er Minne holder Traum.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;G&auml;b ein Schl&uuml;sselein die Feine<br>
+Mir von Gold, ich schl&ouml;&szlig; sie ein,<br>
+Tief in meines Herzens Schreine<br>
+Und verl&ouml;r das Schl&uuml;sselein.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Des Liedleins T&ouml;ne zitterten noch durch den Zwingolf,<br>
+Da scholl vom Brunnen her, wie Wiederhall,<br>
+Erst leise, bis der rechte Ton getroffen,<br>
+Die Antwort drauf in glockenreinem Schall.<br>
+In tiefem Alt, als k&auml;m&rsquo; er aus der Seele,<br>
+Sang klar und deutlich eine M&auml;dchenkehle:<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Drau&szlig;&rsquo; im Walde la&szlig;&rsquo; die Tanne.<br>
+Und die feinen Bl&uuml;mlein stehn;<br>
+Denke, was die Mutter sagte,<br>
+W&uuml;rd&rsquo; den Maienbaum sie sehn?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Hast den Schl&uuml;ssel Du verloren,<br>
+Ist mir recht; denn wahre Minn&rsquo;<br>
+Braucht kein Schl&ouml;&szlig;lein und kein Schl&uuml;ssel,<br>
+Und bleibt doch im Herzen drin&rsquo;.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Tief im Walde gr&uuml;nt die Tanne,<br>
+Rothe Ilgen duften fein.<br>
+B&rsquo;h&uuml;et Dich Gott in stiller Kammer,<br>
+Und gedenk&rsquo; der Treuen Dein!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&rsquo;s ist Mechtild und ihr Chnab, der Hansli!&rdquo; sagte Elsbeth<br>
+Zum Junker, als der Sang verklungen war.<br>
+&bdquo;Sie sind sich zugethan in allen Ehren<br>
+Und, wie ich meine, ist&rsquo;s ein stattlich Paar;<br>
+Hab&rsquo; drum der Maid versprochen, anzufragen<br>
+Beim Vater, da die beiden es nicht wagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch,nun ist&rsquo;s Zeit f&uuml;r mich, zu gehen,&rdquo; schlo&szlig; sie freundlich,<br>
+&bdquo;Gehabt Euch wohl und tr&auml;umet sanft die Nacht!&rdquo;<br>
+Mit diesen Worten war sie ihm entschwunden<br>
+Und huschte nun die Wendeltreppe sacht<br>
+Hinunter, da&szlig; die trocknen Treppensparren<br>
+Nicht allzu h&ouml;rbar &auml;chzen oder knarren. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Herrn Kuonrads &bdquo;Gute Nacht!&rdquo; kam ihr nicht mehr zu Ohren,<br>
+Weil, als er&rsquo;s sprach, sie schon davon geeilt.<br>
+Nun fiel ihm schwer, sich von dem Ort zu trennen,<br>
+Wo eben noch die Liebliche geweilt;<br>
+Er blickte sinnend nach dem Abendsterne,<br>
+Der pr&auml;chtig flimmerte aus dunkler Ferne.<br>
+</p>
+<p>
+Mit sich allein, stieg vor des Junkers wacher Seele<br>
+Ein Bild empor durch Nacht und Dunkelheit.<br>
+Er sah sein B&auml;slein, eine reiche Sch&ouml;ne,<br>
+Um die im Stillen unl&auml;ngst er gefreit,<br>
+Und der sein Werben auch wohl nicht mi&szlig;fallen,<br>
+Da sie nur ihn beg&uuml;nstigte vor Allen.<br>
+</p>
+<p>
+Schon, weil es galt des B&auml;sleins Eltern zu gewinnen,<br>
+Hatt&rsquo; sich der Junker an den Ohm gewandt,<br>
+De&szlig;&rsquo; Wort als Bischof mehr als seins mocht&rsquo; gelten,<br>
+Da&szlig; bald ihm werde der Erkornen Hand.<br>
+Da kam der Span mit Sigismund dazwischen,<br>
+Vor dessen Zorn Herr Kuonrad mu&szlig;t&rsquo; entwischen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun stand der Sch&ouml;nen Bild ihm pl&ouml;tzlich vor der Seele:<br>
+Die Stirn&rsquo; umwallt von dunkler Locken Pracht,<br>
+Die herrliche Gestalt von &uuml;ppigstolzen Formen,<br>
+Mit Augen, schw&auml;rzer als die tiefste Nacht;<br>
+Die jedesmal den Sinn ihm neu bestrickten,<br>
+Wenn voller Gluthen sie verlangend blickten.<br>
+</p>
+<p>
+Doch bald verschwanden auch des sch&ouml;nen Bildes Farben,<br>
+Es trat an dessen Platz ein ander Bild:<br>
+Nicht stolz und &uuml;ppig, wie das erste zeigte,<br>
+Nein, lieblich, hold und fein und mild;<br>
+Gleich Sonnenstrahlen, die am Fr&uuml;hlingsmorgen<br>
+Im Thau hin k&uuml;ssen bangen Winters Sorgen.<br>
+</p>
+<p>
+In mildem Strahle gl&auml;nzten Elsbeths fromme Augen,<br>
+Er konnte tief in ihre Seele schau&rsquo;n,<br>
+Die klar und rein sich darin wiederspiegelt&rsquo;<br>
+Und hin sich gab in kindlichem Vertrau&rsquo;n.<br>
+Die Huldgestalt in Minne zu umfangen,<br>
+War seines Herzens st&uuml;rmisches Verlangen.<br>
+</p>
+<p>
+So stand er, sich versenkend in die lieben Z&uuml;ge,<br>
+Im Wesen ihm und in Gedanken nah;<br>
+Denn jeden Tag mu&szlig;t&rsquo; er auf&rsquo;s Neu&rsquo; bewundern,<br>
+Was hier zum ersten Mal sein Auge sah:<br>
+In Z&uuml;chten stiller Minne treu ergeben<br>
+Und milde waltend, deutsches Frauenleben.<br>
+</p>
+<p>
+Mit andern Augen schaute er das reiche B&auml;slein,<br>
+So stolz, weil es entstammte w&auml;lschem Blut;<br>
+De&szlig;&rsquo; Blicke so vernichtend blitzen konnten,<br>
+Und doch verriethen tief verborgne Gluth!<br>
+Das tausendmal am gleichen Sommertage<br>
+Die Laune wechselte zu seiner Plage.<br>
+</p>
+<p>
+Nicht m&uuml;hte er sich mehr, die beiden zu vergleichen,<br>
+Er mehrte damit sich nur Schmerz und Qual.<br>
+Der Oheim mu&szlig;te l&auml;ngst geworben haben,<br>
+Und blieb denn &uuml;berhaupt noch eine Wahl?<br>
+Herr Kuonrad sagte sich, zwar mit Err&ouml;then,<br>
+Des B&auml;sleins Reichthum sei ihm sehr von N&ouml;then.<br>
+</p>
+<p>
+Nun mit sich selber z&uuml;rnend, stand er lange sinnend,<br>
+Bis scharfe Nachtluft ihm die Stirn&rsquo; gek&uuml;hlt.<br>
+Von heute wollt&rsquo; er Elsbeth ferne bleiben,<br>
+Da&szlig; nicht sie ahne, was er f&uuml;r sie f&uuml;hlt;<br>
+Denn nimmermehr w&auml;r&rsquo; Ruhe ihm beschieden,<br>
+Wenn er zerst&ouml;rte ihres Herzens Frieden.<br>
+</p>
+<p>
+Mit solchem Vorsatz ging der Junker zu der Treppe,<br>
+Die er, im Dunkel tastend, niederstieg,<br>
+Um unten noch beim Vogte vorzusprechen,<br>
+Mit ihm zu plaudern von dem letzten Krieg.<br>
+Er traf den Kaplan da, nebst Wein und Karten;<br>
+Die Herren mochten seiner lang schon warten. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Im Zwingolf unten, nun das Abendbrot gegessen,<br>
+Verk&uuml;rzten sich die Knechte auf der Bank<br>
+Die Zeit vorm Schlafengehn mit Scherz und Plaudern;<br>
+Sie sagten Kunz und Hansli vielen Dank,<br>
+Als diese noch, auf allgemein Verlangen,<br>
+Ein paar &bdquo;Ges&auml;tzlein,&rdquo; die hier folgen, sangen.<br>
+</p>
+<p>
+Wir lieben&rsquo;s den viel rothen Wein,<br>
+Denn er geht frisch in&rsquo;s Blut uns ein.<br>
+Gedeihen mu&szlig; das Leben,<br>
+Wenn wir das K&auml;nnlein heben!<br>
+Gedeihen mu&szlig; das Leben,<br>
+Wenn wir das K&auml;nnlein heben!<br>
+</p>
+<p>
+Kommt es auch vor, da&szlig; wir einmal<br>
+Festsitzen bis zum Morgenstrahl;<br>
+Beim Weine uns zu w&auml;rmen,<br>
+Die ganze Nacht durchschw&auml;rmen!<br>
+Beim Weine uns zu w&auml;rmen,<br>
+Die ganze Nacht durchschw&auml;rmen!<br>
+</p>
+<p>
+So sind dem Zecher doch nicht h&ouml;n<br>
+Drob unsre lieben Frauen sch&ouml;n,<br>
+Dieweil sie selbst gern nippen<br>
+Am Wein, mit Rosenlippen!<br>
+Dieweil sie selbst gern nippen<br>
+Am Wein, mit Rosenlippen!<br>
+</p>
+<p>
+Hallowerwein, Du Edelblut,<br>
+Du schmeckst zu allen Zeiten gut;<br>
+Nach Dir geht unser Streben,<br>
+So lange wir am Leben!<br>
+Nach Dir geht unser Streben,<br>
+So lange wir am Leben!<br>
+</p>
+<p>
+Und geht es einst auf&rsquo;s Todtenbett,<br>
+So reichet uns, als Seelgerett&rsquo;,<br>
+Von Hallau Saft der Reben,<br>
+In&rsquo;s Jenseits uns zu heben!<br>
+Von Hallau Saft der Reben,<br>
+In&rsquo;s Jenseits uns zu heben!<br>
+</p>
+<p>
+ &mdash;&mdash;&mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Der sch&ouml;nste Tod, den ich mir wei&szlig;,<br>
+Das ist: im Wald zu sterben;<br>
+Viel sch&ouml;ner, als im Bette hei&szlig;,<br>
+Aus Lumpen zu verderben!<br>
+</p>
+<p>
+Der beste Wein, so jeder kennt,<br>
+Er mu&szlig; wohl sein gegohren;<br>
+Recht, wie ein Mann, den nichts mehr brennt,<br>
+Der d&rsquo;H&ouml;rnlin hat verloren!<br>
+</p>
+<p>
+ &mdash;&mdash;&mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Gott gr&uuml;&szlig;&rsquo; Dich, feurig Rebenblut,<br>
+Du Edeltrost der Mannen!<br>
+Wie schmeckst Du allerorten gut,<br>
+Aus Humpen und aus Kannen.<br>
+Hat einer von Dir etzlich St&uuml;ck<br>
+Im k&uuml;hlen Keller vergraben,<br>
+So preis&rsquo; er&rsquo;s als sein gr&ouml;&szlig;tes Gl&uuml;ck,<br>
+Am Weine sich zu laben!<br>
+</p>
+<p>
+Gott gr&uuml;&szlig;&rsquo; Dich, feiner Augentrost,<br>
+Vielsch&ouml;ne Maid im Walde!<br>
+Nach Deiner minniglichen Kost<br>
+Sehn&rsquo; ich mich nur zu balde.<br>
+Wer immer Dich sein eigen nennt,<br>
+Dem brennt ein Feu&rsquo;r im Herzen;<br>
+Macht, da&szlig; er keine Jahrzeit kennt<br>
+Und thaut, wie Schnee im M&auml;rzen!<br>
+</p>
+<p>
+ &mdash;&mdash;&mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Was ist es, dessen sich freuen soll<br>
+Am ersten ein guter Zecher,<br>
+Wenn ihm die Maid einen Humpen voll<br>
+Mit Wein reicht, dem Sorgenbrecher!<br>
+Ist es das Na&szlig; in der Kanne klar,<br>
+Hellperlendes Blut der Reben?<br>
+Ist es der Maid frisch Lippenpaar,<br>
+Nach denen geht sein Streben?<br>
+Ich acht&rsquo; wohl fein, vieledle Herrn,<br>
+Das braucht&rsquo;s nicht lang zu rathen;<br>
+Ein Jeder tr&ouml;st&rsquo; sich Beider gern,<br>
+Vom Spielmann bis Pr&auml;laten!<br>
+</p>
+<p>
+ &mdash;&mdash;&mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Mein M&auml;gdlein tr&auml;gt ein Camisol<br>
+Mit einem Purpursaume;<br>
+Nun gute Nacht und schlafet wohl,<br>
+Und denket mein im Traume!<br>
+</p>
+<img src="images/E066.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Viertes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E067.jpg" alt="Elsbeth und Kuonrad in der Krypta von St. Verena"><p>
+Ein Meer von Nebelwolken f&uuml;llte rings die Th&auml;ler,<br>
+Nur leis bewegt vom lauen Hauch des F&ouml;hn.<br>
+Aus Silberwogen ragten, Inseln &auml;hnlich,<br>
+Der nahen Berge dunkelgr&uuml;ne H&ouml;hn;<br>
+Sie ruhten gr&uuml;&szlig;end schon im Sonnenstrahle,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; noch dichter Nebel lag im Thale.<br>
+</p>
+<p>
+Das Auf- und Niederschwanken all&rsquo; der Nebelmassen<br>
+Glich scharfem Stechen, wildemp&ouml;rtem Streit,<br>
+Denn k&auml;mpfend rang die Sonne mit dem Nebel,<br>
+Doch der wich kaum um eine Spanne breit;<br>
+Schien an der Halde er auf&rsquo;s Haupt geschlagen,<br>
+Sah daf&uuml;r jenseits man ihn berghoch ragen.<br>
+</p>
+<p>
+Fast jeden Morgen wiederholt sich dieses Ringen,<br>
+Es weisen sich die K&auml;mpen k&uuml;hn die Brust.<br>
+Bald schie&szlig;t die Sonne Strahlen in die Th&auml;ler,<br>
+Bald wieder stockt&rsquo;s von wei&szlig;em Nebeldust;<br>
+Meist bleibt, wer Sieger, lange unentschieden,<br>
+Denn Sonn&rsquo; und Nebel schlie&szlig;en ungern Frieden. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es war Sanct Vrenen Tag, als Fr&uuml;he schon im Zwingolf<br>
+Zum Aufbruch fertig standen Ro&szlig; und Tro&szlig;.<br>
+Sie feierten die Heilige in Zurzach,<br>
+Da durfte fehlen nicht der Vogt vom Schlo&szlig;,<br>
+Und da ihn Elsbeth und Benno begleiten,<br>
+War auch Herr Kuonrad einig mitzureiten.<br>
+</p>
+<p>
+Nun standen plaudernd l&auml;ngst die Knechte bei den Pferden,<br>
+Die, ungeduldig scharrend mit dem Huf,<br>
+Schier neidisch auf des Fr&auml;uleins Zelter blickten.<br>
+Es war ein Schimmel. Stolz auf den Beruf,<br>
+Des Schlosses Herrin hie und da zu tragen,<br>
+Mocht&rsquo; ihn die Ungeduld am meisten plagen.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt regte sich&rsquo;s auch in der Windberg&rsquo; &uuml;berm Thore.<br>
+Dort lie&szlig;en Haus und Xaver alsgemach<br>
+Die Br&uuml;cke auf den Grabenpfeiler nieder,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; der Erstere zum Letztern sprach:<br>
+&rsquo;s ist gar nit koumli, heut in&rsquo;s Thal zu fahren,<br>
+Der Nebel l&auml;&szlig;t ja kaum den Weg gewahren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;La&szlig;&rsquo; nur den Nebel, Bueb! Der ist am Berg von N&ouml;then;<br>
+Er ist der Traubenkocher, der schafft Saft!&rdquo;<br>
+Gab Xaver rauh zur&uuml;ck, sich kurz verschnaufend,<br>
+Denn an der Winde galt es Manneskraft,<br>
+&bdquo;Bei Euch im Schwarzwald mag er minder taugen,<br>
+Doch daf&uuml;r k&ouml;nnt Ihr auch an Schlehen saugen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Drum ist mir hier der Wein um desto lieber, Vehrli!&rdquo;<br>
+Sprach, neckisch lachend, Hans zum &auml;ltern Knecht.<br>
+Der aber brummte: &bdquo;So &rsquo;ne W&auml;ldergurgel<br>
+Find&rsquo;t stets das Beste grade f&uuml;r sich recht;<br>
+W&auml;r&rsquo; ich der Vogt hier, m&uuml;&szlig;ten solche Laffen<br>
+Mir jeden Gottestag im Rebberg schaffen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als Hans den derben Worten jetzt entgegnen wollte,<br>
+Da polterte es von der Br&uuml;cke her,<br>
+Schnell traten beide drum zur n&auml;chsten Luke,<br>
+Von der man &uuml;bersah des Schlosses Wehr.<br>
+&rsquo;s war Kunz, der, mit dem Pferd schon &uuml;berm Graben,<br>
+Wie immer, mu&szlig;te vor dem Vogte traben.<br>
+</p>
+<p>
+Bald folgte dieser selbst. Zur Seite ritt die Tochter,<br>
+Des Zelters Z&uuml;gel in der zarten Hand.<br>
+Es schmiegte sich um Elsbeths schlanke Formen<br>
+Ein enganschlie&szlig;end, schwarzes Sammtgewand;<br>
+Den Hals umkr&auml;uselten schlohwei&szlig;e Spitzen,<br>
+Die, steifgedollt, im Strahl der Sonne glitzen.<br>
+</p>
+<p>
+Des Haares krause Wellen hielt ein Netz gefangen,<br>
+Da&szlig; nicht entrolle sich die goldne Flut;<br>
+Zwei wei&szlig;e Strau&szlig;enfedern wogten prangend<br>
+Am, ebenfalls schwarzsammtnen, kleinen Hut,<br>
+Der leicht beschattete die feinen Z&uuml;ge,<br>
+Doch auch sie sehen lie&szlig; noch zur Gen&uuml;ge.<br>
+</p>
+<p>
+Auf schmucken Rappen folgten Benno und der Junker.<br>
+Die beiden ritten friedlich Seit&rsquo; an Seit&rsquo;,<br>
+Denn da der fromme Herr ein schwacher Reiter,<br>
+Bat er den Hausgenossen zum Geleit;<br>
+Der w&auml;r&rsquo; zwar lieber mit dem Vogt geritten,<br>
+F&uuml;gt aber artig sich des Kaplans Bitten.<br>
+</p>
+<p>
+Zum Schlu&szlig; kam Jochen, der, ein Packpferd noch am Z&uuml;gel,<br>
+Dicht hinter Benno und dem Junker ritt.<br>
+Sein eigensinnig R&ouml;&szlig;lein wollte traben,<br>
+Da doch nur Schritt der steile Bergweg litt;<br>
+Ein Ruck am Z&uuml;gel und der Peitsche Schwingen<br>
+Verhalfen es in rechten Gang zu bringen.<br>
+</p>
+<p>
+Bald wurde links geschwenkt und es verschwand die Truppe<br>
+Im Nebelmeere an des Schlo&szlig;bergs Wand.<br>
+Von kalten, feuchten Wolken rings umschlossen,<br>
+War&rsquo;s kaum so hell, da&szlig; sie den Weg noch fand,<br>
+Der j&auml;h nach Bechtersbohl hinunter f&uuml;hrte,<br>
+Wo schon der Dorfvogt stand, wie sich&rsquo;s geb&uuml;hrte.<br>
+</p>
+<p>
+Mit kurzem Gru&szlig;e ritten sie an ihm vor&uuml;ber<br>
+Dangstetten zu; auf breitem Karrenweg<br>
+Ging&rsquo;s rasch in schlankem Trab thalnieder,<br>
+Bald waren sie am Kreuze bei dem Steg.<br>
+Der Nebel aber wollte noch nicht weichen,<br>
+Sie sehen nichts vom Dorf, bis sie&rsquo;s erreichen.<br>
+</p>
+<p>
+Hier harrte ebenfalls der Dorfvogt des Gestrengen<br>
+Und brachte ihm, nach Brauch und alter Sitt&rsquo;,<br>
+Das Ortsgeschenk, das man zu bieten hatte,<br>
+So oft der Schlo&szlig;vogt durch die Gasse ritt:<br>
+&bdquo;Dem Pferd ein Metzlin Hafer, und zwo Kannen<br>
+Voll guoten Weines f&uuml;r des Schlosses Mannen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+So bringt&rsquo;s die Urkund&rsquo;, ist auf Pergament zu lesen. &mdash;<br>
+Weil noch es fr&uuml;h war, hie&szlig; des Vogtes Huld<br>
+Den Wein und Hafer auf den Abend sparen,<br>
+Wo er empfangen will des Dorfes Schuld;<br>
+Gar froh, da&szlig; heut&rsquo; der Herr nichts fand zu r&uuml;gen,<br>
+Mocht&rsquo; gern der Bauer dem Bescheid sich f&uuml;gen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun ging es weiter zwischen strohgedeckten H&uuml;tten,<br>
+Die links und rechts an breiter Gasse stehn;<br>
+Sie lagen wie ver&ouml;det in dem Nebel<br>
+Und war kein lebend Wesen nah&rsquo; zu sehn,<br>
+Da all die Bauern, fromm wie ihre Ahnen,<br>
+Nach Zurzach unterwegs mit Kreuz und Fahnen.<br>
+</p>
+<p>
+Bei einem Hause nur verlockt&rsquo; der Rosse Trappeln<br>
+An&rsquo;s schmale Fensterlein ein bleich Gesicht,<br>
+De&szlig;&rsquo; Eigenth&uuml;mer scheu gemieden wurde;<br>
+Denn er vollzog des Blutbanns streng Gericht.<br>
+&rsquo;s war Meister Jakob, der das Fest mu&szlig;t&rsquo; meiden,<br>
+Wollt er nicht andern den Genu&szlig; verleiden.<br>
+</p>
+<p>
+Den Herrn erschauend wandte er sich weg vom Fenster<br>
+Und dabei traf sein kalter Henkerblick<br>
+Das breite Richtschwert in des St&uuml;bleins Ecke;<br>
+Sonst f&uuml;hrte er das Schwert mit viel Geschick,<br>
+Doch, seit des Vogtherrn Urtel milde enden,<br>
+Schwang selten er es mehr in seinen H&auml;nden.<br>
+</p>
+<p>
+In scharfem Ritte ging&rsquo;s am letzten Haus vor&uuml;ber.<br>
+Der Nebel mehrte sich noch bis zum Rhein<br>
+Und h&uuml;llte Ro&szlig; und Reiter immer dichter<br>
+In seinen frostig-feuchten Mantel ein.<br>
+Am Kreuzweg nahten sie geweihter Stelle,<br>
+Der alten Vierzehn-Nothhelfer-Kapelle.<br>
+</p>
+<p>
+Hier jedoch hemmte Elsbeth ihres R&ouml;&szlig;leins Schritte<br>
+Und wandte sich Herr Kuonrad zu, besch&auml;mt,<br>
+Da&szlig; sie der K&auml;lte nachgab, mit der Bitte<br>
+Um&rsquo;s Sch&auml;ublein, das, mit Fuchspelz warm verbr&auml;mt,<br>
+In Jochens Packkorb herzlich wenig n&uuml;tze,<br>
+Statt, da&szlig; es bas sie nun vor Frost besch&uuml;tze.<br>
+</p>
+<p>
+Hei! flog auf flinkem Ro&szlig; Herr Kuonrad da zu Jochen,<br>
+Von dem er bald mit Elsbeths Sch&auml;ublein kehrt;<br>
+Den Ritterdienst, es fein ihr umzulegen,<br>
+Die Herrin ihm mit keinem Worte wehrt&rsquo;,<br>
+Und, nun er sah den Vogt beim Kaplan reiten,<br>
+Blieb h&uuml;bsch er fortan an des Fr&auml;uleins Seiten.<br>
+</p>
+<p>
+Bewundernd hing sein Blick an ihren feinen Formen,<br>
+Die mehr noch hob das knappe Sammetkleid;<br>
+Es d&auml;uchte ihm, als sei vor seinen Augen<br>
+Zur Jungfrau auferbl&uuml;ht die holde Maid,<br>
+Das traute &bdquo;Elsbeth&rdquo; m&uuml;sse er vergessen,<br>
+Sie &bdquo;Fr&auml;ulein&rdquo; nennen, h&ouml;fisch und gemessen.<br>
+</p>
+<p>
+Sonst nicht gewohnt nach Worten lang zu suchen, ritt er<br>
+Jetzt schweigend neben ihrem Zelter her;<br>
+Denn was er auch der Sch&ouml;nen sagen wollte,<br>
+Es d&auml;uchte ihm gar schal und inhaltleer.<br>
+Mit vollem Herzen, bl&ouml;de und verlegen<br>
+Ritt er zur Seite ihr dem Rhein entgegen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch hatten Beide nicht ein einzig Wort gesprochen,<br>
+Als sie in Rheinheim sich beim Posthaus sahn,<br>
+Wo Benno just sich abzusteigen m&uuml;hte;<br>
+Sein Ro&szlig; hielt jedes mal hier selber an,<br>
+Da nie sein Herr zu Pferd das Schiff betreten,<br>
+So oft der Vogt, ihn neckend, schon gebeten.<br>
+</p>
+<p>
+Bald nahte Kunz, dem Vogt zu melden, da&szlig; den F&auml;hrmann<br>
+Vom andern Ufer er her&uuml;ber pfiff.<br>
+Sie ritten vollends denn zum Rhein hinunter<br>
+Und hielten dort im gro&szlig;en Wagenschiff,<br>
+Das, als gel&ouml;st der Ferg&rsquo; die nassen Seile,<br>
+Stromaufw&auml;rts mu&szlig;te eine gute Weile.<br>
+</p>
+<p>
+Dann rauschte es vorbei am Pfahlwerk einer Br&uuml;cke,<br>
+So hier zur Zeit der R&ouml;merherrschaft stand,<br>
+Vorn an dem Schnabel spr&uuml;hten gr&uuml;ne Wellen<br>
+Ihr perlend Na&szlig; bis hoch hinaus zum Rand;<br>
+Durch Nebeldunst sah man Gem&auml;uer thronen,<br>
+Die &bdquo;Burg,&rdquo; erbaut von Roma&rsquo;s Legionen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun war des Fergen schwerste Arbeit &uuml;berstanden,<br>
+Das Schiff flog hin gleich einem Federspiel;<br>
+Ein Ruderschlag bracht&rsquo; es dem Ufer nahe,<br>
+Ein zweiter noch, es war am sichern Ziel.<br>
+Nur Benno stand noch auf der andern Seite<br>
+Und ma&szlig; im Warten sich des Stromes Breite.<br>
+</p>
+<p>
+Zu Rosse hoch, wie dr&uuml;ben sie das Schiff betreten,<br>
+Verlie&szlig;en es der Vogt und seine Schaar.<br>
+Die Pferde hasteten auf holperigem Pflaster,<br>
+Da&szlig; jeder Hufschlag funkenspr&uuml;hend war,<br>
+Bergan, und als der steile Weg erstiegen,<br>
+Sah hell im Sonnenschein man Zurzach liegen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Sonne hat gesiegt; der Nebel mu&szlig;te weichen,<br>
+Im nahen Rheine ging er still zu Grab.<br>
+Von gr&uuml;ner H&ouml;he dr&uuml;ben gr&uuml;&szlig;ten schimmernd<br>
+Die wei&szlig;en Zinnen K&uuml;ssabergs herab;<br>
+In klarer Herbstluft mocht&rsquo; das Auge schwelgen<br>
+Auf l&auml;ngst bebauten, sch&ouml;n gelegnen Zelgen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Vorsicht halber ritt die Truppe jetzt im Schritte,<br>
+Denn nah dem Flecken war die Stra&szlig;e voll<br>
+Von Pilgern, die zum Vrenenstifte wallten,<br>
+Der Heil&rsquo;gen bringend frommer Andacht Zoll;<br>
+Dann auch von Leuten, die, aus fernen Landen,<br>
+Gesch&auml;ften wegen sich zur &bdquo;Messe&rdquo; fanden.<br>
+</p>
+<p>
+Auch, meist in langem Zug die Pferde voreinander,<br>
+Fuhr schwerbeladen mancher Wagen ein.<br>
+Es gab sich hier am Sankt Verenenfeste<br>
+Die halbe Kaufmannswelt ein Stelldichein,<br>
+Und selten hat es einen mal verdrossen,<br>
+Wenn einen Handel er hier abgeschlossen.<br>
+</p>
+<p>
+In langen Reihen standen graue Leinwandzelte<br>
+Den Weg entlang, f&uuml;r allerlei Gethier<br>
+Und fahrend Volk vorsorglich hier errichtet,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; das eigentliche Marktrevier<br>
+Im Flecken selber war, wo Lauben, Bogen,<br>
+Zu Dutzenden sich l&auml;ngs den H&auml;usern zogen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In heisern, fremden Lauten bot dem Volk hier drau&szlig;en,<br>
+Ein fahrend Kuchenweib s&uuml;&szlig; Naschwerk an,<br>
+Laut br&uuml;llten dicht daneben B&auml;nkels&auml;nger<br>
+Ein Lied zum Morde auf dem Leinwandplan;<br>
+Dazwischen l&auml;rmten Kinder, bellten Hunde.<br>
+Man h&ouml;rte kaum das Wort vom eignen Munde.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Wunderdoktor r&uuml;hmte: Alles zu curiren,<br>
+Was je der Menschheit Pein und Plag gemacht;<br>
+Sein Diener schlug die gro&szlig;e Kesselpauke,<br>
+So oft er unterbrach der Rede Pracht.<br>
+Daneben &uuml;bten Gaukler ihre Lungen<br>
+Und &uuml;berschrieen sich in allen Zungen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Verwundert blickte Elsbeth auf dies Treiben nieder,<br>
+Nicht achtend, da&szlig;, vom Volke eingezw&auml;ngt,<br>
+Ihr Zelterlein kaum vorw&auml;rts kommen konnte;<br>
+Als jetzt Herr Kuonrad, ebenfalls umdr&auml;ngt,<br>
+Dem Knechte winkte, welcher unter Fluchen<br>
+Sich m&uuml;hte einen Ausweg hier zu suchen.<br>
+</p>
+<p>
+Es ging nicht; denn je n&auml;her sie dem Flecken kamen,<br>
+Um desto dichter ward die Menschenschaar<br>
+Und Jochen durfte sich vergeblich plagen;<br>
+Der Junker wurde dieses auch gewahr<br>
+Und rieth er drum, geduldig sich zu fassen,<br>
+Bis mehr sich lichten w&uuml;rden ihre Massen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein wenig besser war&rsquo;s dem Vogt ergangen. Er ritt<br>
+Mit Kunzen, von den Seinigen getrennt,<br>
+Schon nah dem Flecken; nicht gro&szlig; achtend,<br>
+Wie um ihn her die Menge l&auml;rmt und rennt.<br>
+Gab die nicht Raum auf Kunzens &bdquo;Platz da!&rdquo; rufen,<br>
+So sorgten daf&uuml;r seines Hengsten Hufen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch trieben Elsbeth und Herr Kuonrad hin im Strome<br>
+Der Massen, Ro&szlig; und Reiter eingezw&auml;ngt,<br>
+Als hinter ihnen Angstgeschrei erschallte<br>
+Und kreischend sich das Volk noch n&auml;her dr&auml;ngt&rsquo;.<br>
+Ein Tanzb&auml;r, einen Affen auf dem R&uuml;cken,<br>
+Versuchte fl&uuml;chtend sich hindurch zu dr&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+Der ungewohnte Anblick des entlaufnen Thieres,<br>
+Er wirkte l&auml;hmend auf der Meisten Muth;<br>
+Die Schreckensrufe gellten immer lauter<br>
+Und brachten Petz gar bald in solche Wuth,<br>
+Da&szlig; sein Gebrumm das Schreien &uuml;bert&ouml;nte,<br>
+Der Affe aber rings die Menge h&ouml;hnte.<br>
+</p>
+<p>
+In blinder Hetze jagte, mit der Kette klirrend,<br>
+Das Thier durchs Volk, das auseinander stob,<br>
+Und fand den Weg gerade zu der Stelle,<br>
+Wo Elsbeths Zelter, ungeduldig ob<br>
+Dem H&ouml;llenl&auml;rmen, am Gebisse kaute;<br>
+Gespitzten Ohres das Gedr&auml;nge schaute.<br>
+</p>
+<p>
+Schon schnob und brummte es und schnaufte hinter ihnen.<br>
+Das Zelterlein hob hoch den Kopf empor;<br>
+Jetzt st&uuml;rmte Petz in toller Hatz vor&uuml;ber,<br>
+So da&szlig; der Schimmel drob den Kopf verlor<br>
+Und voller Angst in j&auml;hem Sprunge scheute,<br>
+Gleich seiner Herrin, des Entsetzens Beute.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, eh&rsquo; des R&ouml;&szlig;leins Hufe wieder Boden fanden,<br>
+War dieses schon von seiner Last befreit<br>
+Und ruhte Elsbeth in Herr Kuonrads Armen,<br>
+Vom Sturz gerettet noch zur rechten Zeit.<br>
+Ein Dutzend H&auml;nde fuhren nach dem Pferde<br>
+Und hielten fest es ohne viel Beschwerde.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Um Gottes Willen!&rdquo; rief der Junker, selbst erschrocken,<br>
+Als Elsbeth todtbla&szlig; hing im Arme sein.<br>
+&bdquo;Habt keine Angst!... Ihr nahmet doch nicht Schaden?<br>
+Das K&ouml;pfchen hebend, sprach sie leise: &bdquo;Nein!...&rdquo;<br>
+Indessen rannte fahrend Volk mit Stangen<br>
+Und Peitschen nach dem Fl&uuml;chtling, ihn zu fangen.<br>
+</p>
+<p>
+Da kam auch Jochen n&auml;her; grimm die Peitsche brauchend,<br>
+Hieb er mit Wucht auf das Gesindel ein,<br>
+So l&auml;rmend Petzen auf dem Fu&szlig;e folgte,<br>
+Das Thier nur &auml;rger hetzend mit dem Schrei&rsquo;n;<br>
+Bald gab es Raum, des B&auml;ren H&auml;scher wichen<br>
+Nach rechts und links, soweit die Hiebe strichen.<br>
+</p>
+<img src="images/E078_079.jpg" alt="Kuonrad bewahrt Elsbeth vor einem Sturz">
+<p>
+Doch dem bedr&auml;ngten Paare ward noch andre H&uuml;lfe:<br>
+Vom M&uuml;nster her ert&ouml;nte Glockenklang,<br>
+In tiefem Basse scholl die Vrenenglocke,<br>
+So da&szlig; es klang wie ferner Chorgesang.<br>
+Im Nu zerstob das Volk nach allen Seiten,<br>
+Um in der Mess&rsquo; zu sein bei rechten Zeiten. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch zitternd, stand das Zelterlein vom Knecht gehalten,<br>
+Der es mit strengen Blicken untersucht.<br>
+Das Thier war heil, auch fand an Zaum und Gurten<br>
+Sich nichts besch&auml;digt von des Sprunges Wucht,<br>
+Als nur ein Riemlein, das, weil schwach, zerrissen,<br>
+Nun Jochen flink zu binden war beflissen.<br>
+</p>
+<p>
+Als dies geschehen, griff er nach dem Zaum und f&uuml;hrte<br>
+Das R&ouml;&szlig;lein sorgsam seiner Herrin vor,<br>
+Die lehnte noch im Arme ihres Retters,<br>
+Fuhr aber tief err&ouml;thend nun empor;<br>
+Ihr wellig Goldhaar streifte seine Wange,<br>
+Auch ri&szlig;, vom raschen Ruck, des Sch&auml;ubleins Spange.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad schwang sich jetzo selbst von seinem Rappen<br>
+Und hob mit starkem Arm die s&uuml;&szlig;e Last<br>
+Dem Zelter in den Sattel; Elsbeth jedoch,<br>
+Als erst sie wieder sicher Platz gefa&szlig;t,<br>
+Belohnte mit dem w&auml;rmsten ihrer Blicke<br>
+Den Junker f&uuml;r den Schutz im Mi&szlig;geschicke. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Inzwischen hatte auch die Jagd ein End&rsquo; genommen,<br>
+Weil Meister Petz sich schlie&szlig;lich fangen lie&szlig;;<br>
+Manch derber Hieb traf seinen breiten R&uuml;cken,<br>
+So da&szlig; er eilig sich zu gehn befli&szlig;.<br>
+Der Affe aber war und blieb verschwunden<br>
+Und Niemand wu&szlig;te, welchen Weg er funden.<br>
+</p>
+<p>
+Ohn&rsquo; weitern Unfall war das Paar bald in dem Flecken,<br>
+De&szlig;&rsquo; H&auml;user, meist mit buntem Schild geschm&uuml;ckt,<br>
+Den Fremden gastlich sich zum Obdach boten<br>
+Und oft den W&auml;hlenden die Wahl bedr&uuml;ckt&rsquo;;<br>
+Doch, ob im Flecken unten oder oben,<br>
+Sie waren &uuml;berall gut aufgehoben. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wie heute noch, bewohnte damals schon ein bieder,<br>
+Gem&uuml;thlich V&ouml;lklein Zurzachs H&auml;userreihn.<br>
+Die B&uuml;rger, freundlich und von schlichtem Wesen,<br>
+Vermieden gerne jeden Trug und Schein,<br>
+Und waren, um der Reinheit ihrer Sitten,<br>
+Rheinauf und ab bei allen wohlgelitten.<br>
+</p>
+<p>
+Bedr&auml;ngte Nachbarn fanden hier noch Rath und H&uuml;lfe<br>
+Wenn anderw&auml;rts die Th&uuml;r verschlossen stand.<br>
+Im Stift die Chorherrn und des Fleckens Aerzte,<br>
+Sie waren stets f&uuml;r Seel&rsquo; und Leib zur Hand;<br>
+Auch, nahte sich Sanct Martinus mit Grinsen,<br>
+Fand hier der Landmann Geld zu ringen Zinsen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt war es stille in den Gassen, da die Hallen,<br>
+Oft &uuml;bervoll von fremder Kaufherrn Gut,<br>
+Verschlossen standen bis zum Schlu&szlig; des Hochamts,<br>
+Den jedesmal ein Gl&ouml;cklein k&uuml;nden thut.<br>
+Nur selten sah man, l&auml;ngs der H&auml;user Zeilen,<br>
+Noch da und dort Jemand zur Kirche eilen.<br>
+</p>
+<p>
+In sachtem Schritte ritten Elsbeth und Herr Kuonrad,<br>
+Da&szlig; nicht der Hufschlag allzu st&ouml;rend hallt&rsquo;,<br>
+Der Kirche zu, aus deren offnen Pforten<br>
+Schon Me&szlig;gesang und Orgelton erschallt&rsquo;;<br>
+Dem Eingang unfern lauschte Kunz dem Singen,<br>
+Bis er die Pferde konnt&rsquo; zur Herberg bringen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun half der Junker ihr vom Zelter und es traten<br>
+Die Beiden, sich bekreuz&rsquo;gend, in den Dom,<br>
+Wo, nicht gar fern, der Vogt in Andacht knieete,<br>
+Zur Seite seines Bruders, Elsbeths Ohm;<br>
+In Klingnau Pfarrherr und auch wohl gelitten,<br>
+Kam er heut fr&uuml;he schon zum Fest geritten.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad, frommen Brauches kundig, trat zum Becken,<br>
+In welchem sich geweihtes Wasser fand;<br>
+Die Finger netzend, reichte draus er h&ouml;fisch<br>
+Auch etlich&rsquo; Tr&ouml;pflein der Begleitrin Hand,<br>
+Und Elsbeth nahm&rsquo;s mit stummem Dank entgegen.<br>
+Dann knieeten beide bis zum letzten Segen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Das Ite, missa est des Hochamts war gesungen,<br>
+Verklungen auch der Orgel letzter Hauch;<br>
+In Wolken wogte zur bemalten Decke<br>
+Der Duft vom dichtentfachten Opferrauch<br>
+Und, Fluten gleichend, str&ouml;mte laut die Menge<br>
+Hinaus zum Tempel durch der Pforten Enge.<br>
+</p>
+<p>
+Nur wem ein stiller Wunsch die Seele noch erf&uuml;llte,<br>
+Wer sich gelobt, in Freude oder Schmerz,<br>
+Zu knieen an dem Grabe Sankt Verenens<br>
+Und auszusch&uuml;tten da sein volles Herz,<br>
+Der schritt jetzt leise zu des Chores Pforte,<br>
+Die ihm den Weg erschlo&szlig; zum Gnadenorte.<br>
+</p>
+<p>
+In breitgew&ouml;lbter Krypta schlummert dort die Jungfrau<br>
+Im Sarg, den frommer Glaube &uuml;berbaut&rsquo;;<br>
+Das Gitter, so die stille Gruft umfriedet,<br>
+Wohl manch bedr&auml;ngtes Herz hat es geschaut.<br>
+Ein steinern Bildni&szlig; zeigt die Wundersame,<br>
+Das Kr&uuml;glein in den H&auml;nden sammt dem Kamme.<br>
+</p>
+<p>
+Auch Elsbeth zog es hin; inmitten frommer Waller<br>
+Stieg bald ihr Flehn zur Heiligen empor.<br>
+Um was? Nur diese mochte es erlauschen,<br>
+Denn kaum ein Fl&uuml;stern nur vernahm das Ohr;<br>
+Doch tief sah man die Betende sich neigen<br>
+In hei&szlig;em Flehen, ganz der Andacht eigen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein milder Glanz verkl&auml;rte hold das sch&ouml;ne Antlitz,<br>
+Als sie sich endlich vom Gebet erhob;<br>
+Die Sonnenaugen schienen Gl&uuml;ck zu strahlen,<br>
+In das sich Seligkeit und Wonne wob,<br>
+Und unschwer war der Frommen anzusehen,<br>
+Da&szlig; sie erh&ouml;ret w&auml;hnt des Herzens Flehen.<br>
+</p>
+<p>
+Still kehrte sie zur&uuml;ck durch&rsquo;s Grabkapellenpf&ouml;rtchen,<br>
+Wo ihr Begleiter traumverloren stand.<br>
+Bis dorthin folgte vorhin er der Herrin<br>
+Und lehnte, ihrer harrend, an der Wand;<br>
+Doch, nun den Arm der Holden er wollt&rsquo; reichen,<br>
+Wu&szlig;t&rsquo; Elsbeth sittig diesem auszuweichen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&rsquo;s ziemt nicht, im Hause Gottes eitlen Brauch zu pflegen!&rdquo;<br>
+Verwies sie fl&uuml;sternd zu ihm hingewandt,<br>
+&bdquo;Doch wollt Ihr sp&auml;ter Euch gef&auml;llig zeigen,<br>
+So m&ouml;gt ihr mich begleiten nach der Hand;<br>
+Hab&rsquo; manchen Auftrag f&uuml;r den Markt bekommen,<br>
+Und Euer Schutz wird im Gew&uuml;hl mir frommen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Schon standen Beide da auch vor der Kirche drau&szlig;en,<br>
+Wo nun Herr Kuonrad doch die Frage wagt&rsquo;,<br>
+Ob Elsbeth im Gebet auch sein gedachte?<br>
+Sie gab zur Antwort darauf unverzagt:<br>
+&bdquo;Gott will ja, da&szlig; wir f&uuml;r einander beten,<br>
+So oft wir stehend vor sein Antlitz treten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Dann bat sie l&auml;chelnd: &bdquo;La&szlig;t uns nach der Herberg gehen<br>
+Und sehen, ob ein Imbi&szlig; fertig steht.<br>
+Wie schon ich sagte, bleibt mir viel zu schaffen,<br>
+Eh&rsquo; es am Nachmittag zur Vesper geht;<br>
+Mu&szlig; ja, soll mir die Me&szlig;fahrt bas gelingen,<br>
+F&uuml;r Jedes einen Kram nach Hause bringen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Bei diesen Worten legte Elsbeth leicht die Linke<br>
+In den vom Junker ihr gebot&rsquo;nen Arm,<br>
+Die Rechte aber hob des Kleides Schleppe,<br>
+Da&szlig; nicht sie hindere im Menschenschwarm;<br>
+Denn Kreuz und Quer galt es sich durchzuwinden,<br>
+Bis in der &bdquo;Rosen&rdquo; sie den Vater finden. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Kurz vor den Beiden war der Vogt dort eingetroffen;<br>
+Nun sa&szlig; am Tisch er, ihrer harrend, da.<br>
+Die hellen Augen blinzelten gar freundlich,<br>
+Als er die Zwei in&rsquo;s St&uuml;blein treten sah<br>
+Und, ihren Gru&szlig; erwiedernd, rief er heiter:<br>
+&bdquo;Da kommen ja die l&auml;ngst vermi&szlig;ten Reiter!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als drauf sie ihm zur Seite Platz genommen hatten,<br>
+Erz&auml;hlte ihnen sein gespr&auml;ch&rsquo;ger Mund,<br>
+Da&szlig; zu dem Mahle, so das Stift allj&auml;hrlich<br>
+Am Vrenentage, nach der Vesperstund&rsquo;<br>
+Bew&auml;hrten Freunden biete, Seine Gnaden,<br>
+Der Propst, auch sie gar freundlich eingeladen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da hab&rsquo; ich,&rdquo; sprach er l&auml;chelnd, &bdquo;nun versprechen m&uuml;ssen,<br>
+Der Einladung zu folgen, die uns ehrt.<br>
+Wir werden zwischen Sankt Verenens G&auml;sten<br>
+Auch etlich&rsquo; Freunde treffen, lieb und werth,<br>
+So sich mit uns in Ehren bas erfreuen;<br>
+Die alte Freundschaft wiederum erneuen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als er geendet, dankte ihm Herr Kuonrad fr&ouml;hlich,<br>
+Denn der war ob der Botschaft hoch erfreut;<br>
+Sie brachte Wechsel in das stille Leben,<br>
+Das auf dem Berge er gef&uuml;hrt bis heut&rsquo;,<br>
+Und sah er drum dem Mahle gern entgegen.<br>
+Nicht ganz so leicht lie&szlig; Elsbeth sich bewegen.<br>
+</p>
+<p>
+Das K&ouml;pflein senkend, sah sie sinnend vor sich nieder,<br>
+Mit tiefem Ernst im lieblichen Gesicht.<br>
+Ihr war, als sollt&rsquo; dem Mahl sie ferne bleiben,<br>
+Das Warum? wu&szlig;te selbst sie jedoch nicht;<br>
+Doch, stets gewohnt des Vaters Wort zu ehren,<br>
+Versuchte nicht sie seinem Wunsch zu wehren.<br>
+</p>
+<p>
+Sie sann noch immer, als die schmucke Rosenwirthin,<br>
+Den Imbi&szlig; bringend, in das St&uuml;blein trat<br>
+Und, weil es lang gedauert bis der fertig,<br>
+Die G&auml;ste h&ouml;flich um Verzeihung bat:<br>
+Es sei viel Arbeit heut&rsquo; in allen Ecken,<br>
+Und sie gewohnt, den G&auml;sten selbst zu decken.<br>
+</p>
+<p>
+Da fiel ihr Blick auf Elsbeth und, die Maid bewundernd,<br>
+Pries sie dem Vogt der Tochter Sch&ouml;nheit hoch,<br>
+So da&szlig; die, sch&auml;mig drob, die Lider senkte<br>
+Und froh war, als die Wirthin schlie&szlig;lich doch<br>
+Sich eifrig an dem Tisch zu schaffen machte;<br>
+Dort alles rein und nett in Ordnung brachte.<br>
+</p>
+<p>
+Ein gro&szlig; St&uuml;ck Rheinlachs neben leckeren Forellen,<br>
+Im Maul der letztern prangte frisches Gr&uuml;n,<br>
+Und dazu Wein, von Badens &bdquo;Goldwand&rdquo; stammend,<br>
+Verlockten bald zu einem Angriff k&uuml;hn;<br>
+Es mochte auch der weite Ritt am Morgen<br>
+F&uuml;r guten Appetit der Dreie sorgen.<br>
+</p>
+<p>
+Als W&uuml;rze kam zum Mahl der Wirthin harmlos Plaudern,<br>
+Das stets vom Vogt auf&rsquo;s neue ward geweckt;<br>
+Sie bat dazwischen, tapfer zuzugreifen,<br>
+Da es sie freue, wenn&rsquo;s den G&auml;sten schmeckt.<br>
+Die Herren thaten denn auch so; indessen<br>
+Das Fr&auml;ulein lieber lauschte, statt zu essen.<br>
+</p>
+<p>
+Die Redesel&rsquo;ge wurde endlich m&uuml;de, oder<br>
+Der Stoff versiegte ihrem rothen Mund;<br>
+Denn sie empfahl sich mit dem schlauen Vorwand:<br>
+Am Buffert stecke noch das Schl&uuml;sselbund,<br>
+So abzuziehen vorhin sie versehen &mdash;<br>
+Und nun konnt&rsquo; Elsbeth auch an&rsquo;s Essen gehen.<br>
+</p>
+<p>
+Als sie zu Ende, g&ouml;nnten sich die Drei am Tische<br>
+Noch etwas Ruhe, unter Plaudern zwar,<br>
+Eh&rsquo; es hinaus ging in des Marktes Treiben,<br>
+Wo heute manches einzukaufen war.<br>
+Die Wirthschaft braucht gar viel im Lauf des Jahres,<br>
+Nun lacht der Kr&auml;mer, bringst Du Geld ihm, baares.<br>
+</p>
+<p>
+Auch Jochen und sein Packpferd mu&szlig;ten mit zum Markte;<br>
+Denn was die Herrschaft kauft, er l&auml;dt es auf.<br>
+Bald standen sie im dichtesten Gedr&auml;nge,<br>
+Doch dabei ward geschlossen mancher Kauf;<br>
+Es ruhten Zindal, Palmat, feines Saben,<br>
+Schon tief in Jochens Packk&ouml;rben vergraben.<br>
+</p>
+<p>
+Zum Kulter&uuml;berzuge f&uuml;r des Vaters Lehnstuhl<br>
+Gab Elsbeth heimlich noch ihr Spargeld her;<br>
+Inde&szlig; Herr Heinz still bei sich &uuml;berlegte,<br>
+Was wohl dem T&ouml;chterlein zu kaufen w&auml;r&rsquo;;<br>
+Herr Kuonrad aber schlich sich unterdessen<br>
+Von ihnen weg, den Marktplatz zu durchmessen.<br>
+</p>
+<p>
+Bei einem Goldschmiedladen blieb er jedoch stehen,<br>
+Es lockte dorten ihn ein Ringlein fein.<br>
+Ohn&rsquo; viel zu feilschen, kaufte er das Reifchen<br>
+Und barg es in sein d&uuml;rftig Beutelein;<br>
+Dann zog&rsquo;s ihn wieder, Elsbeth aufzusuchen,<br>
+Die er auch fand bei einem Zelt mit Kuchen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Ritterfr&auml;ulein, aus gebr&auml;untem Teig gebacken,<br>
+Mit Kleid und Hut und buntem Frauentand,<br>
+Geruhte, huldvoll, sie f&uuml;r ihn zu kaufen<br>
+Und dr&uuml;ckte ihm dies flink nun in die Hand.<br>
+Nicht lange z&ouml;gernd kaufte, unter Scherzen,<br>
+Der Junker daf&uuml;r eins der braunen Herzen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;All&uuml;berall ist Minne, nur in der H&ouml;ll&rsquo; nicht drinne!&rdquo;<br>
+Hie&szlig; dessen Aufschrift; als das Wiederspiel<br>
+Zu seinem Fr&auml;ulein, schenkte er es Elsbeth,<br>
+Verhoffend, da&szlig; das Spr&uuml;chlein ihr gefiel&rsquo;;<br>
+Sie nahm es lachend an, worauf inmitten<br>
+Der Zeltenzeilen Beide weiter schritten.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt kam des Schlosses Ingesinde an die Reihe,<br>
+Denn einen Kram erwarten Knecht und Magd.<br>
+Es durfte Elsbeth derer nicht vergessen,<br>
+Die sich Jahr aus Jahr ein im Dienst geplagt;<br>
+Zum ersten mu&szlig;te da sie Frida&rsquo;s denken,<br>
+Der sie ein &bdquo;hornin Noster&rdquo; wollte schenken.<br>
+</p>
+<p>
+Als dies in Ordnung, wurden auch die andern alle<br>
+Der Reihe nach bedacht mit T&uuml;chern, Band<br>
+Und derlei Herrlichkeiten; auch mit Hel&rsquo;gen,<br>
+Wie es die Herrin f&uuml;r sie passend fand;<br>
+Noch kam auch manches, de&szlig;&rsquo; sie erst nicht dachte,<br>
+Das, sch&ouml;n zur Schau gestellt, um&rsquo;s Geld sie brachte.<br>
+</p>
+<p>
+Des R&ouml;&szlig;leins K&ouml;rbe waren ziemlich voll geworden<br>
+Und Jochen konnte damit heimw&auml;rts ziehn,<br>
+Als auch die Glocken schon sich h&ouml;ren lie&szlig;en,<br>
+Zum Zeichen, da&szlig; die Vesperzeit erschien;<br>
+Es legte sich der L&auml;rm, das Feilschen, Schw&ouml;ren,<br>
+Der Chorherrn Vespersang ja nicht zu st&ouml;ren. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wie Viele, zog&rsquo;s auch unser Dreiblatt in die Kirche,<br>
+So freundlich lag im Abendsonnenschein.<br>
+Dort lauschten voller Andacht sie dem Sange<br>
+Des Chores, Elsbeth stimmte auch mit ein;<br>
+Hell stieg aus ihrer Brust ein s&uuml;&szlig; Erklingen<br>
+Von T&ouml;nen, die beschwingt zum Himmel dringen.<br>
+</p>
+<p>
+Bald jedoch war der feierliche Sang zu Ende<br>
+Und ging&rsquo;s hin&uuml;ber in der Propstei Saal,<br>
+Wo lange, wei&szlig;gedeckte Tafeln harrten<br>
+Der G&auml;ste, die geladen sind zum Mahl.<br>
+Auch Elsbeth trat, geblendet fast vom Schimmer<br>
+Der Kerzen, an des Vaters Arm in&rsquo;s Zimmer.<br>
+</p>
+<p>
+Wohl pochte anf&auml;nglich es bange ihr im Herzen,<br>
+Und machte gar verlegen sie der Wahn,<br>
+Als ob hier Alle, wie mit einem Blicke,<br>
+Nur ihr und wieder ihr entgegen sahn;<br>
+Fast stolz jedoch, schritt mit ihr durch die Reihen<br>
+Der Vater, und Herr Kuonrad folgt&rsquo; den Zweien.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Heinz stie&szlig; bald auf ihm bekannte Edelleute,<br>
+So da&szlig; er gr&uuml;&szlig;end anhielt hier und dort;<br>
+Er wechselte auch im Vor&uuml;bergehen<br>
+Mit dem und jenem wohl ein l&auml;nger Wort.<br>
+Zum Beispiel mit dem Herrn von Alt-Kr&auml;nkingen,<br>
+Dem Gutenburger und dem Wielandingen.<br>
+</p>
+<p>
+Es kamen auch die Nachbarn, Heiner, vom Schlo&szlig; R&ouml;tteln,<br>
+Den Elsbeth &ouml;fter schon beim Vater sah;<br>
+Der Freiherr von Schwarz-Wasserstelz im Rheine,<br>
+War mit Gemahlin und der Tochter da,<br>
+Und endlich noch trat mitten aus dem Schwarme,<br>
+Des Schlosses Kaplan mit dem Ohm am Arme.<br>
+</p>
+<p>
+Beim Wiedersehen ihrer beiden alten Freunde,<br>
+Ward es in Elsbeths Herzen m&auml;lig leicht;<br>
+Ihr frischer Liebreiz und anmuthig Wesen<br>
+H&auml;tt&rsquo; einer K&ouml;nigin zur Ehr&rsquo; gereicht,<br>
+Bald ruhten aller Augen mit Gefallen.<br>
+Auf ihr, so hier die Sch&ouml;nste war von Allen.<br>
+</p>
+<p>
+Wie zu der Rose hin die Falter ziehen, zog es<br>
+Die Herren zu der wundersch&ouml;nen Maid;<br>
+Es sprachen von der &bdquo;K&uuml;ssaberger Blume&rdquo;<br>
+Die Damen, wohl nicht ohne leisen Neid.<br>
+Sie aber, nun den Oheim sie gesehen,<br>
+Bat ihren Vater, mit zu ihm zu gehen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Ohm erkannte sie nicht gleich, es war schon lange<br>
+Seit er zum letzten Mal sein Niftel sah.<br>
+Das Kindlein, so er auf dem Kniee geschaukelt,<br>
+W&auml;r&rsquo; vor ihm die vielsch&ouml;ne Jungfrau da?<br>
+Doch jeder Zweifel mu&szlig;te ihm vergehen,<br>
+Er sah ja seinen Bruder bei ihr stehen.<br>
+</p>
+<p>
+Auch rief ihr herzig Plaudern jetzt dem alten Herren,<br>
+Die l&auml;ngst verwichnen Zeiten schnell zur&uuml;ck.<br>
+Hei! wie erstrahlten, als er ihrer dachte,<br>
+Die sch&ouml;nen Augen Elsbeths voller Gl&uuml;ck.<br>
+Er mu&szlig;te wieder sie &bdquo;traut Else&rdquo; nennen,<br>
+Eh&rsquo; will sie heut&rsquo; sich nicht mehr von ihm trennen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Ohm that&rsquo;s l&auml;chelnd. Dann begleitete er Beide<br>
+Zum Stiftspropst hin, der schon im Saale war,<br>
+Nicht wenig stolz sein Niftel pr&auml;sentirend;<br>
+Der reichte gn&auml;dig eine Hand ihr dar<br>
+Und schmunzelte, als Elsbeth, sich verneigend,<br>
+Dieselbe k&uuml;&szlig;te, ihre Ehrfurcht zeigend.<br>
+</p>
+<p>
+Gern &uuml;berlie&szlig; der Vogt die Tochter nun dem Bruder<br>
+Und sah sich um, wo denn Herr Kuonrad blieb;<br>
+Der war hier fremd und harrte l&auml;ngst des Freundes,<br>
+Da&szlig; er ihn vorstell&rsquo;, wie der Brauch es schrieb.<br>
+Dies that der Vogt und, weil er Viele kannte,<br>
+Wu&szlig;t&rsquo; bald ein jeder, wie der Herr sich nannte.<br>
+</p>
+<p>
+Es hatte dabei wohl des Junkers h&ouml;fisch Wesen,<br>
+Zu manchem G&ouml;nner ihm verholfen schon.<br>
+Wie immer, waren es zuerst die Damen,<br>
+Die er gewonnen durch vornehmen Ton,<br>
+Und war dies auch nat&uuml;rlich, da die Frauen<br>
+Vor Allem stets auf feinen Anstand schauen.<br>
+</p>
+<p>
+Die Freiin von Schwarz-Wasserstelz hielt bald den Junker<br>
+Gefangen sich; auch ihr hold T&ouml;chterlein,<br>
+Die braune Adelgunde lie&szlig;, nicht sch&uuml;chtern,<br>
+Mit ihm sich tief in ein Geplauder ein,<br>
+In welchem sie ihn fest zu halten wu&szlig;te,<br>
+Bis er mit Elsbeth jetzt zur Tafel mu&szlig;te.<br>
+</p>
+<p>
+That es der Zufall &mdash; oder Fr&auml;ulein Adelgunde?<br>
+Die gern den Junker l&auml;nger hielt in Haft,<br>
+Da&szlig; sich die Freiin grade gegen&uuml;ber<br>
+Des Vogtes Sippschaft einen Platz verschafft!<br>
+Es war geschehn. Doch, jetzt begann das Essen,<br>
+F&uuml;r&rsquo;s Erste stille und gar steif, gemessen.<br>
+</p>
+<p>
+Als jedoch nach dem Braten laut der Vogt von Baden,<br>
+Das erste Hoch dem Vrenenstift gebracht,<br>
+In s&uuml;&szlig;em Vino d&rsquo;Asti, so die Damen,<br>
+Schon damals gerne tranken, kam es sacht,<br>
+Wie Fr&uuml;hlingswehen, in der G&auml;ste Reihen;<br>
+Froh mochte jeder sich dem Nachbar weihen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach jedem Hoch und Heilo, das im Saal erbrauste<br>
+Auf Stift und Propst und dessen Gastfreiheit,<br>
+Erh&ouml;hte sich der G&auml;ste munter Wesen<br>
+Und waltete gar bald Gem&uuml;thlichkeit,<br>
+Die machte, da&szlig; die Alten wie die Jungen,<br>
+Beim Mahl sich unterhielten ungezwungen.<br>
+</p>
+<p>
+Nur Elsbeth blieb in sich gekehrt und schweigend, bedr&uuml;ckt<br>
+Von Qualen, die sie nie gef&uuml;hlt zuvor.<br>
+Ein heimlich Wehe nagte ihr am Herzen,<br>
+Im zarten Busen quoll es hei&szlig; empor;<br>
+Doch mochte schwerlich einer dies beachten<br>
+Von allen, die ihr einen Trunk zu brachten.<br>
+</p>
+<p>
+Vertieft in ihr Gespr&auml;che, schl&uuml;rften Ohm und Vater<br>
+Behaglich dann und wann ein Gl&auml;slein Wein,<br>
+Bis drauf der Vogt, dem auch der Pfarrer folgte,<br>
+Sich plaudernd wandte an die Nachbarn sein;<br>
+Nicht merkend, da&szlig;, im Auge feuchtes Blinken,<br>
+Jung-Elsbeth sa&szlig;, als sei ihr Muth am Sinken. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+F&uuml;r Elsbeth viel zu lange, hielt der Freifrau Plaudern<br>
+Den Junker fest und, schwieg die letztre mal,<br>
+Dann wu&szlig;te wieder Fr&auml;ulein Adelgunde<br>
+Zu fesseln ihn mit Fragen ohne Zahl,<br>
+So da&szlig; im Stillen der sich schier beklagte,<br>
+Wenn offen er&rsquo;s auch nicht zu zeigen wagte:<br>
+</p>
+<p>
+Er hielt denn artig aus, wie es sich ziemt bei Damen,<br>
+F&uuml;r einen Mann, der gute Sitte kennt,<br>
+Und sagte ihnen, mit gew&auml;hlten Worten,<br>
+Manch feines, aber h&ouml;fisch Compliment,<br>
+Das, er war sicher, drang&rsquo;s zu Elsbeths Ohren,<br>
+F&uuml;r sie so gut wie jeden Sinn verloren.<br>
+</p>
+<p>
+Sie aber zwang es, wie sie sich auch drob erwehrte,<br>
+Doch immer wieder, nach dem Freund zu sehn,<br>
+Was links und rechts die Nachbarn fr&ouml;hlich plaudern,<br>
+Es schuf ihr M&uuml;he, dieses zu verstehn;<br>
+Sie sah nur ihn und h&ouml;rte ihn nur sprechen,<br>
+Wollt&rsquo; auch, vor Weh, das Herz ihr dr&uuml;ber brechen.<br>
+</p>
+<p>
+Zwar winkte oft Herr Kuonrad mit dem Glas hin&uuml;ber<br>
+Und trank ihr Wohlsein mit beherztem Zug;<br>
+Doch jedes Mal, wenn dann sie sprechen wollte,<br>
+Kam ihr die Freiin zuvor oder frug<br>
+Just Adelgunde etwas und &mdash; befangen,<br>
+Schwieg drauf sie wieder mit ergl&uuml;hten Wangen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+O Maid, wei&szlig;t Du denn nicht, da&szlig; Du im Netz verstricket,<br>
+Das, viel zu fr&uuml;he, Dir Dein Herz gestellt?<br>
+Ahnst Du denn nicht, da&szlig; Dich die Macht bezwungen,<br>
+Der widerstand noch Niemand in der Welt?<br>
+Mag immerhin Dein Mund das Wort auch hehlen,<br>
+Du f&uuml;hlst es dennoch auf dem Grund der Seelen.<br>
+</p>
+<p>
+Du f&uuml;hlst im Herzen Dein der ersten Liebe Werben,<br>
+Aus Deinen Sonnenaugen schaut sie klar;<br>
+Ein s&uuml;&szlig; Gef&uuml;hl durchschauert Dir die Seele,<br>
+Was es bedeutet, wird Dir offenbar,<br>
+Nun, unwillk&uuml;rlich, nimmst Du Dich zusammen,<br>
+Soll Keiner ahnen, da&szlig; Dein Herz in Flammen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Ihr Weh bezwingend, suchte Elsbeth im Gespr&auml;che,<br>
+Das zwischen Ohm und Vater neu im Gang,<br>
+Auch ab und zu ein W&ouml;rtlein mit zu reden,<br>
+Als laut ihr Glas in hellem Ton erklang<br>
+Und sie den Kaplan sah, dem nicht entgangen,<br>
+Wie immer bleicher worden ihre Wangen.<br>
+</p>
+<p>
+Der brave Herr, vom Weine etwas warm geworden,<br>
+Blieb eine Weile still, als s&auml;nn&rsquo; er nach;<br>
+Doch that er dies, um besser sehn zu k&ouml;nnen,<br>
+Was aus den Augen seines Lieblings sprach,<br>
+Und nun er tief in ihrem Blick gelesen,<br>
+War, schien es, klar ihm, was der Grund gewesen.<br>
+</p>
+<p>
+Sich an Herrn Kuonrad wendend, sprach er launig: &bdquo;Junker!<br>
+G&ouml;nnt Unsereinem auch einmal das Wort!<br>
+Wie w&auml;r&rsquo;s, so Ihr mit uns ein Gl&auml;slein l&uuml;pftet,<br>
+Eh&rsquo; Euch im Sprechen noch die Zunge dorrt?<br>
+Ein edel Tr&ouml;pflein darf nicht lange stehen,<br>
+Soll dessen Blume nicht in Dunst verwehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Mit sichtlichem Vergn&uuml;gen folgte auch Herr Kuonrad<br>
+Und wandte sich zu Benno mit dem Glas,<br>
+Der leise schmunzelnd auf die Seite schaute,<br>
+Weil, etwas gro&szlig;, der Freiin Blick ihn ma&szlig;,<br>
+Da&szlig; er den Muth besessen, sie im Sprechen<br>
+Mit solchem Herren frech zu unterbrechen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch bald sprach Benno l&auml;chelnd: &bdquo;Da&szlig; Ihr uns vergessen,<br>
+Erfordert wahrlich Bu&szlig;e nach Geb&uuml;hr;<br>
+Drum trinket Eins mit Euern Hausgenossen,<br>
+Sonst seht Euch nur bas auf den Heimweg f&uuml;r!&rdquo;<br>
+Der Junker f&uuml;gte sich dem Urtheil willig<br>
+Und that die Bu&szlig;e, wie es recht und billig.<br>
+</p>
+<p>
+Sein eigner Zutrank darauf aber galt jetzt Elsbeth.<br>
+Sie hielt ihr Kelchglas zitternd in der Hand<br>
+Und blickte sch&uuml;chtern in des Freundes Antlitz,<br>
+Der, ihr zum Wohl, ein feines Spr&uuml;chlein fand.<br>
+Im Nu war all&rsquo; das Herzweh da vergangen. &mdash;<br>
+Und prangten, wie mit Rosen, ihre Wangen.<br>
+</p>
+<p>
+Dem Kaplan war es mittlerweile doch gelungen,<br>
+Da&szlig; er die Freifrau unterhielt beim Mahl;<br>
+Nun hielt er schlau die Plaudernde gefangen<br>
+Mit Frag&rsquo; und Antwort ohne Wahl und Qual;<br>
+Selbst, als den Freund bedr&auml;ngte Adelgunde,<br>
+Hascht&rsquo; klug auch dieser er das Wort vom Munde!<br>
+</p>
+<p>
+Der Junker m&uuml;hte sich indessen, braune Mandeln<br>
+F&uuml;r Elsbeth auszuknacken als Dessert;<br>
+Derweilen sie dem Vater nun erz&auml;hlte,<br>
+Da&szlig; heute schon sie fast verungl&uuml;ckt w&auml;r&rsquo;,<br>
+So nicht Herr Kuonrad noch vorm Ungeschicke<br>
+Besch&uuml;tzte sie im letzten Augenblicke.<br>
+</p>
+<p>
+Als Elsbeth schwieg, bedankte sich der Vogt beim Freunde<br>
+Und meinte, der sei jetzt der Schuld auch bar,<br>
+Die schwer das weiche Herze ihm bedr&uuml;ckte,<br>
+Seit jenem Tag, als das Gewitter war;<br>
+Das T&ouml;chterlein sei nun bei ihm in Schulden<br>
+Und m&uuml;sse, die zu zahlen, sich gedulden.<br>
+</p>
+<p>
+Dies jedoch wollte Jener nun nicht gelten lassen<br>
+Und blieb dabei, da&szlig; er in ihrer Schuld<br>
+Sein ganzes Leben lang sich f&uuml;hlen werde,<br>
+Ob der an jenem Tag erwies&rsquo;nen Huld;<br>
+Was er gethan, sei nimmer zu vergleichen<br>
+Und aus dem Schuldbuch als bezahlt zu streichen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun war es Elsbeth wieder, die von solcher Rede<br>
+Nichts h&ouml;ren wollte und Herrn Kuonrad droht&rsquo;,<br>
+Wenn er sich seiner Schuld nicht ledig achte,<br>
+So thue er sich selber dies zu Noth;<br>
+Er d&uuml;rfe nicht mehr jenes Diensts gedenken,<br>
+Sonst w&uuml;rde sie es ihrer Lebtag kr&auml;nken.<br>
+</p>
+<p>
+Bei solcherlei Geplauder war es sp&auml;t geworden,<br>
+Doch achteten die Frohen nicht der Zeit,<br>
+Bis Benno, mahnend, sich zu ihnen wandte,<br>
+Zum Aufbruch rathend, denn der Weg sei weit.<br>
+Er hatte noch sein Ro&szlig; in Rheinheim stehen,<br>
+Und mu&szlig;te nun zu Fu&szlig; bis dorthin gehen.<br>
+</p>
+<p>
+So brachen sie denn auf. Doch schritten erst die Viere<br>
+Noch Abschied nehmend durch der G&auml;ste Reihn;<br>
+Als dies geschehen, ging es hin zur &bdquo;Rosen,&rdquo;<br>
+Wo Kunz l&auml;ngst wartete der Herrschaft sein.<br>
+Da&szlig; ja der Rosse Tritte Niemand wecken,<br>
+Verlie&szlig;en sie in sachtem Schritt den Flecken. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Nacht war hell. Des Mondes volle Scheibe gl&auml;nzte<br>
+Gleich Silber an des Himmels bleichem Blau.<br>
+Wie Zauber lag es &uuml;ber Wald und Fluren;<br>
+Im Wiesengr&uuml;ne schimmerte der Thau,<br>
+Tief unten flo&szlig; der Rhein im klaren Bette<br>
+Und blinkte mit dem Mondlicht um die Wette.<br>
+</p>
+<p>
+Vor Rheinheims altber&uuml;hmtem Posthaus hielt die Truppe,<br>
+Wo schon der Kaplan hoch zu Rosse war.<br>
+Noch lie&szlig; der Vogt geschwind zwei Kannen f&uuml;llen<br>
+Und brachte Joachim, der Wirth, sie dar;<br>
+Der Schlo&szlig;vogt ritt, dem &bdquo;Markgr&auml;fler&rdquo; zu Ehren,<br>
+Hier nie vor&uuml;ber, ohne einzukehren.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, nun der Wirth die Kannen nochmals f&uuml;llen wollte<br>
+Da wehrte Benno, und ging&rsquo;s wieder fort<br>
+In schlankem Trabe durch des Mondlichts Wellen.<br>
+Es fiel nur selten mal ein lautes Wort;<br>
+Herr Kuonrad gab jetzt Elsbeth das Geleite,<br>
+Und ritt der Kaplan an des Vogtes Seite.<br>
+</p>
+<p>
+Vom Weine warm und sich nach Ruhe sehnend, ritten<br>
+Die Herrn allm&auml;lig immer schneller hin,<br>
+Indessen Elsbeths und des Junkers R&ouml;&szlig;lein<br>
+Bald jede Eile unvonn&ouml;then schien;<br>
+Sie wollten nicht von ihrer Meinung weichen,<br>
+Da&szlig; auch im Schritt die Heimath zu erreichen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Kein L&uuml;ftlein regte sich, kein Laut war zu vernehmen;<br>
+Es ruhten Berg und Thal in s&uuml;&szlig;em Traum.<br>
+Der Weg lag wei&szlig; im Silberlicht des Mondes,<br>
+Goldschimmernd Herbstlaub schlief an Strauch und Baum;<br>
+Aus blauer H&ouml;he nieder, blinkten ferne<br>
+Des Schlosses Lichter, gleichwie matte Sterne.<br>
+</p>
+<p>
+In Seligkeit verloren, weil den Freund zur Seite,<br>
+Ritt Elsbeth sinnend durch die linde Nacht.<br>
+Darf sie denn ihm von ihrer Minne fl&uuml;stern,<br>
+Darf sie ihm sagen, was sie gl&uuml;cklich macht?<br>
+Soll sie verrathen, was ihr Herz empfindet,<br>
+Welch&rsquo; wonnig Tr&auml;umen ihr die Lippen bindet?<br>
+</p>
+<p>
+Herrn Kuonrad war es selber auch nicht viel um&rsquo;s reden.<br>
+Er ritt, die Z&uuml;gel l&auml;ssig in der Hand,<br>
+Zur Seite Elsbeths, seine braunen Augen<br>
+In einemfort der Holden zugewandt;<br>
+Denn, sah er in ihr Antlitz, schien ihm immer,<br>
+Als strahlte daraus her der Mondenschimmer.<br>
+</p>
+<p>
+Versunken in ihr Schweigen ritten still die Beiden,<br>
+Bis, wo der Weg sich abbog aus dem Thal<br>
+Und links nach Bechtersbohl zur H&ouml;he f&uuml;hrte;<br>
+Wo er dann rauher ward und dabei schmal<br>
+Am Abhang lief, meist zwischen dunklen Fichten,<br>
+Die, nah&rsquo; dem Schlosse erst, sich wieder lichten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erz&auml;hlet etwas, Fr&auml;ulein!&rdquo; meinte nun der Junker,<br>
+Als hier die Pferde wechselten den Gang,<br>
+Um, voller Vorsicht, auf dem Pfad zu klimmen,<br>
+Der tief im Schatten ausw&auml;rts stieg am Hang.<br>
+&bdquo;Wenn wir mit Sprechen Kurzweil uns bereiten,<br>
+Scheint nicht der Weg so lang, nach Haus zu reiten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ja, Ihr habt recht! Nur wird mein schlicht Erz&auml;hlen<br>
+Euch kaum gen&uuml;gen,&rdquo; gab Elsbeth zur&uuml;ck,<br>
+&bdquo;Und m&uuml;sset Ihr halt Nachsicht mit mir haben;<br>
+Mein Wissen bildet just kein gro&szlig;es St&uuml;ck.<br>
+Doch sollt zum mindsten Ihr den Willen sehen,<br>
+Wollt sp&auml;ter Ihr auch meiner Frage stehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad sagte zu, ihr ehrlich Red&rsquo; zu geben,<br>
+Was sie auch immer von ihm fragen sollt&rsquo;;<br>
+Nur m&uuml;sse sie etwas aus ihrem Leben<br>
+Ihm erst erz&auml;hlen, eh&rsquo; er reden wollt&rsquo;.<br>
+Da ging denn Elsbeth munter an&rsquo;s Erz&auml;hlen;<br>
+Der lange Weg schien Keines mehr zu qu&auml;len.<br>
+</p>
+<p>
+Es wich ihr traulich Plaudern aber bitterm Ernste,<br>
+Als auch die Rede auf den Vater kam.<br>
+&bdquo;Sein eigen,&rdquo; meinte Elsbeth, &bdquo;w&auml;r&rsquo; hier Alles,<br>
+So nicht der Bischof einst das Erbe nahm<br>
+Jetzt freilich w&uuml;rd&rsquo; selbst dieses nicht mehr n&uuml;tzen,<br>
+Es fehlt ein Sohn, der&rsquo;s weiter m&ouml;cht&rsquo; besch&uuml;tzen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ist der Vater denn der letzte K&uuml;ssaberger<br>
+Und gehet,&rdquo; f&uuml;gte traurig sie hinzu,<br>
+&bdquo;Mit ihm und seinen &auml;ltern beiden Br&uuml;dern,<br>
+Mein uralt Ahngeschlecht zur letzten Ruh&rsquo;;<br>
+Doch ist mir oft, als h&ouml;rt&rsquo; mein Herz ich sagen,<br>
+Man wird uns nennen noch in sp&auml;ten Tagen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Nach diesen Worten hielt sie unwillk&uuml;rlich inne<br>
+Und nahm Herr Kuonrad darum nun das Wort.<br>
+Er frug: &bdquo;Ja, wo bleibt Ihr denn, wenn im Vater<br>
+Verlieret Ihr, einst Euern Schutz und Hort? &mdash;<br>
+Ihr wisst, der Weise denket auch an Morgen;<br>
+Mich w&uuml;rd&rsquo; es schmerzen, w&uuml;&szlig;t&rsquo; ich Euch in Sorgen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Habt vielen Dank, Herr!&rdquo; lautete die Antwort Elsbeths,<br>
+&bdquo;Es w&auml;re unn&uuml;tz, wenn Ihr Sorgen hegt.<br>
+Bekanntlich wird ja in den deutschen Gauen<br>
+Der Frauen Recht vom Manne stets gepflegt;<br>
+Wir kennen nicht des Willens frei Genie&szlig;en,<br>
+Auch ziemt uns schlecht das eigene Entschlie&szlig;en.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So darf auch mir mit nichten f&uuml;r die Zukunft bangen.<br>
+Ich soll, wie dieses armen T&ouml;chtern geht,<br>
+Im Sankt Agnesenstifte zu Schaffhausen<br>
+Mein Leben Gott darbringen im Gebet;<br>
+Der Vater glaubt, er wird dann ruhig sterben<br>
+Und sich und mir das Himmelreich erwerben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In&rsquo;s Kloster! Ihr?&rdquo; rief voll Entr&uuml;stnug da Herr Kuonrad<br>
+Und ri&szlig; den Rappen einen Schritt zur&uuml;ck.<br>
+&bdquo;Der Jugend sch&ouml;ne Tage wolltet Ihr vertrauern?<br>
+Von selbst entsagen allem Erdengl&uuml;ck? &mdash;<br>
+K&ouml;nnt Ihr dies thun, so sag&rsquo; ich ohne Scheuen,<br>
+Zeit meines Lebens soll mich nichts mehr freuen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, Euch beliebt zu scherzen!&rdquo; sprach er dringlich weiter,<br>
+&bdquo;In enger Zelle ist gar dumpf die Luft.<br>
+Der Weihrauch riecht zwar gut, doch angenehmer<br>
+Beut sich im Fr&uuml;hling frischer Bl&uuml;mlein Duft;<br>
+Auch d&auml;chte ich, im Wald der Tannen Rauschen<br>
+Behagte mehr Euch, als der Orgel lauschen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und dann &mdash; was werden Eure H&ouml;r&rsquo;gen dazu sagen,<br>
+So Noth und Elend Ihr nicht mehr, wie heut&rsquo;,<br>
+Von ihnen wendet? Was des D&ouml;rfleins Kinder,<br>
+Wenn ihnen Niemand mehr ein Naschwerk beut?<br>
+K&ouml;nnt Ihr noch Gutes thun und n&uuml;tzlich walten,<br>
+So feuchte Mauern Euch gefangen halten?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nein, Elsbeth! Ihr m&uuml;&szlig;t eines Mannes Gattin werden,<br>
+Sein bester Freund ihm sein in Sorg und Noth;<br>
+Sein harsches Wort durch Eure G&uuml;te mildern,<br>
+Ein Schutz und Trost, so Elend ihn bedroht;<br>
+Im Gl&uuml;ck den Uebermuth ihm ferne halten,<br>
+Als guter Geist zu seinen H&auml;upten walten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Glaubt einem Freunde &mdash; jener Mann ist zu beneiden,<br>
+Dem Euer Herze nur ein wenig hold;<br>
+Er findet seinen Himmel schon auf Erden,<br>
+Gew&auml;hret Ihr ihm s&uuml;&szlig;er Minne Sold.<br>
+Nun, Elsbeth, sprechet! Sagt es mir ganz offen,<br>
+Habt wirklich Ihr die Wahl schon g&uuml;ltig troffen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Sein hei&szlig;es Herz nicht mehr bemeisternd, bog Herr Kuonrad<br>
+Sich nun zu Elsbeth und nahm ihre Hand<br>
+In seine Rechte, die sie jedoch zitternd<br>
+Im n&auml;chsten Augenblicke ihm entwand.<br>
+&rsquo;s war gut, da&szlig; hinter dichten Fichtenzweigen,<br>
+Der Mond sich barg; er half der Maid jetzt schweigen.<br>
+</p>
+<p>
+In ihrem Herzen freilich rief&rsquo;s in hellem Jubel:<br>
+&bdquo;Er liebt mich!&rdquo; und der frische, rothe Mund<br>
+M&ouml;cht&rsquo; freudig es in alle L&uuml;fte jauchzen,<br>
+Es k&uuml;nden laut dem ganzen Erdenrund,<br>
+Da&szlig; es erkl&auml;nge, als ein Lied der Lieder:<br>
+&bdquo;Er liebt Dich und Du Sel&rsquo;ge liebst ihn wieder!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Doch leider schwieg gar bald des Herzens Jubiliren;<br>
+Es fa&szlig;te sie ein schneidig, bitter Weh,<br>
+Das einem Lenzfrost gleich sie kalt durchschauert&rsquo;,<br>
+Mit j&auml;hem Tod bedroht den Bl&uuml;thenschnee,<br>
+Als Elsbeth dachte, was der Vater sage,<br>
+Wenn irdisch Gl&uuml;ck sie zu erhoffen wage. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Vor Kurzem noch war es ihr sch&ouml;nster Traum gewesen,<br>
+Vereinigt mit den Schwestern im Gebet<br>
+In stiller Klause, von der Welt geschieden,<br>
+Um Gl&uuml;ck zu flehen, das kein Sturm verweht;<br>
+Es hatte oft ihr Herz in solchen Stunden<br>
+Schon hier des Himmels Seligkeit empfunden.<br>
+</p>
+<p>
+Und nun? Wie vor der Sonne Ku&szlig; der Rauhreif schwindet,<br>
+Schwand vor Herr Kuonrads Worten hin der Traum;<br>
+In wenig Wochen war das Kr&auml;utlein Minne<br>
+Ihr aufgebl&uuml;ht zum sch&ouml;nsten Maienbaum.<br>
+Ja, wo die Liebe naht, mu&szlig; alles weichen,<br>
+Wie vor des Tages Licht die Sternlein bleichen.<br>
+</p>
+<p>
+Seltsame Maid? Als Antwort auf des Freundes Frage,<br>
+Stahl aus den Augen sich ein Thr&auml;nlein hei&szlig;.<br>
+War dessen Quelle die Entsagung, oder<br>
+Erblinkte es, weil sie sich gl&uuml;cklich wei&szlig;?<br>
+Wie kommt es, da&szlig; der Seele Freuden, Leiden,<br>
+Wenn sie am h&ouml;chsten sind, das Wort vermeiden? &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In tiefem Schweigen ritten Beide bis zur H&ouml;he.<br>
+Des Mondes Licht, es flutete um sie;<br>
+In blauer D&auml;mmerferne lag, wie Silber,<br>
+Der wei&szlig;e Alpenkranz in hehrer Harmonie,<br>
+Und leise nur, fast kaum noch zu erlauschen,<br>
+Scholl fernher durch die Nacht des Rheinfalls Rauschen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch wenig Schritte und es hob sich schon der Bergfried,<br>
+Vom Mond beleuchtet aus der Nacht empor.<br>
+Durch Buschwerk schimmerten des Schlosses Mauern<br>
+Aus dunkler Bl&auml;tterwirrni&szlig; hell hervor.<br>
+Doch, eh&rsquo; sich Thor und Br&uuml;cke mochten zeigen,<br>
+Blieb noch ein letztes St&uuml;ck bergan zu steigen.<br>
+</p>
+<p>
+Da, seine Frage ihr erneuernd, fa&szlig;te leise<br>
+Herr Kuonrad Elsbeth wieder bei der Hand<br>
+Und blickte sp&auml;hend in der Holden Antlitz,<br>
+Ob da die Antwort nicht zu lesen stand.<br>
+Statt solcher sah er nur ein schnell Err&ouml;then,<br>
+Das ihm verrieth, wie sehr ihr Herz in N&ouml;then.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr zaudert, Elsbeth?&rdquo; klang es weich von seinen Lippen,<br>
+&bdquo;Ja, wer die Wahl hat, der hat auch die Qual!<br>
+Nun denn, es sei die Antwort Euch erlassen,<br>
+Bis Ihr die selbst mir sagt aus freier Wahl.<br>
+Doch, da&szlig; wir Beide dieses Tages denken,<br>
+Erlaubet mir, Euch diesen Ring zu schenken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Vor Elsbeths Blicken gl&auml;nzte hell ein g&uuml;lden Reiflein<br>
+Im Mondschein, das der Junker k&uuml;hnlich nun<br>
+Auf einen ihrer schlanken Finger streifte,<br>
+Die warm und weich in seiner Linken ruhn;<br>
+Dann lie&szlig; der Gl&uuml;ckliche die Hand entgleiten<br>
+Und trieb den Rappen schneller auszuschreiten.<br>
+</p>
+<p>
+Aus ihrem Sinnen aufgeschreckt und gluthbegossen,<br>
+Da solcher Ueberraschung sie nicht dacht&rsquo;,<br>
+Griff Elsbeth aber jetzt nach ihrem Kettlein,<br>
+Und hatte dran das Schaust&uuml;ck losgemacht.<br>
+Es war ein M&uuml;nzlein, g&uuml;lden und gar selten,<br>
+Mit ihm will sie Herrn Kuonrad nun vergelten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Soll ich das Ringlein werth behalten,&rdquo; sprach sie fl&uuml;sternd,<br>
+&bdquo;So d&uuml;rft Ihr es nicht weigern, auch ein St&uuml;ck<br>
+Von meinem kleinen Reichthum zu empfangen;<br>
+Es ist geweiht und bringt dem Tr&auml;ger Gl&uuml;ck.<br>
+Des Tages aber will ich bas gedenken<br>
+Und billig meine Frage Euch nun schenken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+So sprechend, bot sie fr&ouml;hlich ihr Geschenk dem Junker,<br>
+Der, ohne sich zu sperren, es auch nahm<br>
+Und l&auml;chelnd nun versprach, es stets zu tragen,<br>
+Gedenkend der, von welcher es ihm kam.<br>
+Er wollte noch mehr sprechen, doch da sahen<br>
+Sie ihnen eilig sich Mechtildis nahen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Das M&auml;dchen hatte sich den Beiden kaum gen&auml;hert,<br>
+Als schon sie, aufschluchzend, der Herrin klagt&rsquo;,<br>
+Da&szlig; Hansli halb todt in der Halle liege,<br>
+Von seinem Flugversuch, den er gewagt.<br>
+Im Busch der Halde habe sie ihn funden,<br>
+Und sei der Aermste j&auml;mmerlich zerschunden.<br>
+</p>
+<p>
+Da schien&rsquo;s, als ob auch Elsbeths Zelter stiegen sollte,<br>
+So rasch ging es des Schlosses Br&uuml;cke zu;<br>
+Schon dr&ouml;hnten unter ihm die schweren Bohlen<br>
+Und war die Herrin dann bei Hans im Nu.<br>
+Mechtildis hatte ihr ja nie verschwiegen,<br>
+Da&szlig; Hansli damit umging mal zu fliegen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun waltete das Fr&auml;ulein an des Kranken Lager<br>
+Und ordnete, was f&uuml;r das Knechtlein gut;<br>
+Doch war, zu seinem Gl&uuml;ck, ihm nichts gebrochen.<br>
+Die Herrin spendete ihm also Muth<br>
+Und stillte, milde tr&ouml;stend, seinen Jammer,<br>
+Eh&rsquo;, selber m&uuml;d, sie suchte ihre Kammer. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad ritt im Schritt vollends zum Schlosse f&uuml;rder<br>
+Und lauschte dabei auf der Magd Bericht:<br>
+Da&szlig; Hansli, unter beiden Armen Wannen,<br>
+Wie man in Schleitheim sie seit langem flicht<br>
+Und er als Fl&uuml;gel nutzen wollt&rsquo; beim Fliegen,<br>
+Um Vesperzeit den Bergfried h&auml;tt&rsquo; erstiegen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Fliegen w&auml;r&rsquo; gelungen,&rdquo; sprach Mechtildis weinend,<br>
+Wenn er gewartet bis der Vogel Specht<br>
+Ihm eine Springwurz schaffte; ohne solche<br>
+Gedeiht so w&auml;ges Thun dem Menschen schlecht.<br>
+Er st&uuml;rzte darum, trotz den beiden Wannen,<br>
+Kopf&uuml;ber, grad hinunter in die Tannen.<br>
+</p>
+<p>
+Dann fing das arme M&auml;gdlein wieder an zu schluchzen,<br>
+Da&szlig; es erbarmen konnte einen Stein;<br>
+Hielt aber Schritt doch mit des Junkers Rappen,<br>
+Um ihrem Schatz nicht lange fern zu sein. &mdash;<br>
+Nun liegen Thor und Zingeln hinter beiden,<br>
+Im Mondschein ruhen Felder, Wald und Waiden.<br>
+</p>
+<img src="images/E108.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>F&uuml;nftes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E109.jpg" alt="Jagdzug"><p>
+Novembermonat hat die Herrschaft &uuml;bernommen;<br>
+In wei&szlig;e Decken h&uuml;llt er Berg und Thal,<br>
+Vom Sturm ger&uuml;ttelt stehen Busch und B&auml;ume,<br>
+Des Bl&auml;tterschmuckes ledig, nackt und kahl.<br>
+Was nun nicht Nadeln tr&auml;gt im Waldreviere<br>
+Mu&szlig; schlafen gehn, damit es nicht erfriere.<br>
+</p>
+<p>
+Gr&uuml;n Tanngezweig h&auml;ngt, von des Schneees Last gebogen,<br>
+Herunter dort aus den Wachholderstrauch,<br>
+Der, &uuml;bers&auml;et mit blauen Beerlein, pranget,<br>
+Regiert der Winter auch mit strengem Brauch;<br>
+Indessen rothe Mehl- und Vogelbeeren<br>
+Sich ganz umsonst des fr&uuml;hen Todes wehren.<br>
+</p>
+<p>
+Auf kahlem Zweig sich duckend, zirpt ein V&ouml;glein leise<br>
+Und wundert sich, vom Schneemann &uuml;berrascht,<br>
+Da&szlig; sein gedecktes Tischchen ausgeblieben,<br>
+An dem es gestern noch so frei genascht.<br>
+Nun mu&szlig; es hurtig sich beim Mahle eilen<br>
+Und die paar Beerlein mit gar vielen theilen.<br>
+</p>
+<p>
+Vom b&ouml;sen Hunger aus dem warmen Nest getrieben,<br>
+Das H&auml;slein sich gescharrt am Fichtenbaum,<br>
+H&uuml;pft es in Spr&uuml;ngen, ohne viel zu &auml;ugen,<br>
+Den Schnee hindurch zum nahen Waldessaum;<br>
+Dort gr&uuml;nt ein Saatfeld, nicht zu tief vergraben,<br>
+De&szlig;&rsquo; zarte Keime es gar k&ouml;stlich laben.<br>
+</p>
+<p>
+Auf seinem Pfad st&ouml;&szlig;t Langohr auf die frischen Spuren<br>
+Von Seinesgleichen, in den Schnee gedr&uuml;ckt;<br>
+Das l&auml;&szlig;t ihn hoffen, da&szlig; nach leckrem Mahle,<br>
+Am Ende auch ein muntres T&auml;nzchen gl&uuml;ckt,<br>
+Denn Lampe hat ein warmes Herz zu Zeiten &mdash;<br>
+Und l&auml;&szlig;t sich dann zum Uebermuth verleiten.<br>
+</p>
+<p>
+In weitem Zickzack schleicht Freund Reinecke nach Hause.<br>
+Sein B&auml;uchlein hat im Thale er gef&uuml;llt,<br>
+Nun zieht&rsquo;s ihn bergw&auml;rts zum versteckten Baue,<br>
+Um dort, in seinen Winterpelz geh&uuml;llt,<br>
+Den kurzen Tag in Ruhe zu vertr&auml;umen,<br>
+Falls nichts ihn zwingt, sein sicher Heim zu r&auml;umen.<br>
+</p>
+<p>
+Im Matzenthale dr&uuml;ben ziehen Hirsch&rsquo; und Rehe,<br>
+F&uuml;r ein paar Stunden satt, sich scheu zur&uuml;ck;<br>
+Sie kreuzen auf dem Hornspitz ihre F&auml;hrte<br>
+Mit manchem waidgerechten Schwarzwildst&uuml;ck.<br>
+An schlanken St&auml;mmen h&ouml;rt man Spechte h&auml;mmern<br>
+Und fern im Osten f&auml;ngt es an zu d&auml;mmern.<br>
+</p>
+<p>
+Im klaren Aether scheint der Alpenkranz so nahe,<br>
+Als trennte nur die Breite einer Hand;<br>
+Die wei&szlig;en H&auml;upter werfen scharfe Schatten,<br>
+In tiefer Bl&auml;ue stehen Schrund und Wand.<br>
+Schon wogt in Gluthen und in goldnen Blitzen<br>
+Das Morgenroth um eisverh&uuml;llte Spitzen.<br>
+</p>
+<p>
+Aus Purpurschleiern hebt sich s&auml;umig nun die Sonne,<br>
+Als goldner Ball beginnend ihren Lauf;<br>
+Die wen&rsquo;gen Strahlen, so sie heut&rsquo; begleiten,<br>
+Sie schossen vor ihr schon am Himmel auf,<br>
+Beleuchten rosenfarb des Schlosses Fronte,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; sie selbst noch tief am Horizonte.<br>
+</p>
+<p>
+Doch weh! Die goldnen Gluthen, sie verblassen wieder;<br>
+Gleich Schleiern sinkt es um der Berge Haupt,<br>
+Der Wolken zart Geweb&rsquo; wird m&auml;lig dichter,<br>
+So da&szlig; sein Grau dem Blick die Fernsicht raubt.<br>
+Schon ist auch von der Sonn&rsquo; nichts mehr zu sehen,<br>
+Vom Randen her zieht scharf des Nordwinds Wehen.<br>
+</p>
+<p>
+Da, horch! Es t&ouml;nt vom niedern Hungerberg her&uuml;ber<br>
+Ein hell Halali! durch die Morgenluft,<br>
+Dem bald, als ob es drauf gewartet h&auml;tte,<br>
+Vom Thurm des W&auml;rtels Horn die Antwort ruft;<br>
+Dann poltert Hufschlag auf der Br&uuml;cke Bohlen<br>
+Und &bdquo;Waidmanns Heil!&rdquo; h&ouml;rt man vom Bergfried johlen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es war Herr Kuonrad und der Vogt, die hoch zu Rosse,<br>
+Begleitet von des Schlosses J&auml;gertro&szlig;,<br>
+In&rsquo;s nahe Matzenthal hin&uuml;ber ritten,<br>
+Wo K&uuml;ssaberg das Wildbannrecht geno&szlig;.<br>
+Statt Hansli, der noch lahmte, f&uuml;hrte heute<br>
+Der dicke Kunz der R&uuml;den laute Meute.<br>
+</p>
+<p>
+Wie oft schon, so auch k&uuml;rzlich wieder, lud die Nachbarn<br>
+Von Wasserstelz der Vogt zur hohen Jagd,<br>
+Vereinigt wollten sie am Tage pirschen<br>
+Und dann probiren, wie der &bdquo;Neu&rdquo; behagt,<br>
+Mit dem Herr Heinz, nach stattgehabtem Hetzen,<br>
+Die Freunde dachte gastlich zu erg&ouml;tzen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Freiherr und sein Spr&ouml;&szlig;ling Udo, sie versprachens.<br>
+Nun mu&szlig;te Jochen dran, nach Waidmannsbrauch,<br>
+Im Walde einen &bdquo;Hirzen&rdquo; zu best&auml;t&rsquo;gen;<br>
+Da gestern dies gelang dem schlauen Gauch,<br>
+So lie&szlig; noch sp&auml;t der Vogt den Herrn berichten,<br>
+Sie m&ouml;chten sich f&uuml;r heut&rsquo; auf&rsquo;s Jagen richten.<br>
+</p>
+<p>
+Im jungen Schlage dr&uuml;ben, bei den sieben Wegen,<br>
+Soll man sich treffen, war es abgemacht.<br>
+Nun sind die G&auml;ste angelangt und harren<br>
+Bei einem Feuer, das sie flink entfacht,<br>
+Des Freundes, w&auml;hrend Udo&rsquo;s J&auml;gersegen<br>
+Ihm schon von weitem hallte froh entgegen.<br>
+</p>
+<p>
+Und nun &mdash; ei sieh! Herr Kuonrad wollte sich&rsquo;s kaum glauben,<br>
+Als auch er Adelgunden da erblickt&rsquo;,<br>
+Die hoch zu Ro&szlig;, doch ohne Jagdgewaffen,<br>
+Err&ouml;thend ihm und fast vertraulich nickt&rsquo;<br>
+Und vorgab, da&szlig; kein lustiger Ergetzen<br>
+Sie kenne, als des Waldes Wild zu hetzen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein kurzer Gru&szlig; und fort gings, nach des Leithunds F&uuml;hrung,<br>
+Waldeinw&auml;rts bald auf tiefverschneitem Weg,<br>
+Der, nicht gar lang, zum Matzenthal sie brachte,<br>
+Da Jochens &bdquo;Hirz&rdquo; im dichtesten Geheg<br>
+Ein stilles Ruhepl&auml;tzchen auserlesen,<br>
+Wo er sich niederthat nach jedem Aesen.<br>
+</p>
+<p>
+Von Jochen gestern schon geknickte Zweige weisen<br>
+Den Pfad dem Schlauen zu des Thieres Stand,<br>
+Nun auch der Wind ihm gl&uuml;cklich abgewonnen,<br>
+Giebt er dem Kunz ein Zeichen mit der Hand;<br>
+Der l&ouml;st die Koppel frei, die R&uuml;den rasen<br>
+Dem Dickicht zu mit tief gesenkten Nasen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun, zierlich Rehlein, auf! und Du, Freund Lampe, ducke<br>
+Dich tief in&rsquo;s Nestlein unterm lockern Schnee!<br>
+Mit Windeseile nahen sich die Feinde,<br>
+Und Spie&szlig; und Armbrust bringen Tod und Weh;<br>
+Gilt&rsquo;s auch dem &bdquo;Achtzehnender&rdquo; heut&rsquo;, dem Stolzen,<br>
+Gar leicht verirren sich des Waidmanns Bolzen!<br>
+</p>
+<p>
+Durch Wald und Buschwerk st&uuml;rmt es hin in wildem Jagen,<br>
+Der Hirsch voran in unentwegtem Muth;<br>
+Laut schallt es Hussa! Hallo! Holla! Heda!<br>
+Wo eben noch die Stille selbst geruht.<br>
+Die Meute bellt, es hallt der J&auml;ger Rufen,<br>
+Der Boden bebt fast unter Rosses Hufen.<br>
+</p>
+<p>
+In weiten Spr&uuml;ngen geht es &uuml;ber Wurzeln, Gr&auml;ben,<br>
+Dem Fl&uuml;chtling nach, wie eilig der mocht&rsquo; fliehn,<br>
+Und mit den J&auml;gern hetzt auch Adelgunde,<br>
+Dem Junker stets zur Seite bleibend, hin.<br>
+Was treibt die Maid solch&rsquo; k&uuml;hnen Ritt zu wagen,<br>
+Im Fluge durch des Waldes Dickicht jagen?<br>
+</p>
+<p>
+Ja, wer der Frauen Herze ganz durchschauen k&ouml;nnte<br>
+Mit klarem Blicke bis zum tiefsten Grund,<br>
+Den Pfaden folgen, die zur Seele f&uuml;hren,<br>
+Dem w&uuml;rde darauf jetzt die Antwort kund<br>
+Und damit auch die gro&szlig;e Kunst gelungen,<br>
+Von der bis heute manches Lied erklungen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Beiden sausen fort auf schaumbedeckten Rossen,<br>
+Da&szlig; Adelgundens Kleid im Winde weht;<br>
+Dem Junker mangelt Will&rsquo; und Weil&rsquo; zum Sprechen,<br>
+Doch daf&uuml;r denkt er an Elisabeth,<br>
+Und wie auch jene immer mag beginnen,<br>
+Er mu&szlig; sich jedes Mal auf&rsquo;s Wort besinnen.<br>
+</p>
+<p>
+So reiten sie dahin in scharfem, hei&szlig;em Hetzen,<br>
+Hoch wirbelt hinter ihnen auf der Schnee;<br>
+Ihr Fragen hat das Fr&auml;ulein aufgegeben<br>
+Und f&uuml;hlt&rsquo; im Herzen nun ein seltsam Weh.<br>
+Doch kann sie sich nicht von Herr Kuonrad trennen,<br>
+Bleibt treu zur Seite ihm beim wilden Rennen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Halten giebt es nicht, der J&auml;ger kennt kein Rasten,<br>
+So lang das Wild noch flink den Tann durchfliegt;<br>
+Wie oft es auch im raschen Lauf mag schr&auml;nken,<br>
+Die R&uuml;den ruhen nicht, bis es besiegt.<br>
+Die Rosse wissen&rsquo;s, die den Boden stampfen<br>
+Und, vorw&auml;rts st&uuml;rmend, aus den N&uuml;stern dampfen.<br>
+</p>
+<p>
+Ersch&uuml;ttert zittern die vom Schnee gebognen Zweige<br>
+Und sch&uuml;tteln von sich ab die wei&szlig;e Last;<br>
+Die J&auml;ger achten nicht in ihrer Hitze,<br>
+Da&szlig; wund sie ritzt bald da und dort ein Ast.<br>
+&bdquo;Fa&szlig;&rsquo; Greif! Fa&szlig;&rsquo; Pfeil! Voraus! Hallo, ihr Thiere!&rdquo;<br>
+Gellt&rsquo;s hallend durch des Waldes weit Reviere.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt ras&rsquo;t das wilde Treiben schon dem Rhein entgegen,<br>
+Doch immer noch stellt sich der Fl&uuml;chtling nicht:<br>
+Das m&auml;chtige Geweihe tief im Nacken,<br>
+Saust er durch&rsquo;s Holz, da&szlig; Zweig und Astwerk bricht.<br>
+Kein Ruhen giebt&rsquo;s; bergauf, bergab geht&rsquo;s weiter,<br>
+Die Meute hinter ihm und Ro&szlig; und Reiter.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Der Hifte heller Schall war m&auml;lig leis verklungen,<br>
+Da immer ferner hin sich zog die Jagd,<br>
+Als Elsbeth, die dem letzten Klang gelauschet,<br>
+Zur K&uuml;che eilte, um dort mit der Magd,<br>
+Nach Hausfraunbrauch nun weislich zu ermessen,<br>
+Was jene r&uuml;sten sollt&rsquo; zum Abendessen.<br>
+</p>
+<p>
+Mit Frida fertig, wandte Elsbeth sich an Mechtild,<br>
+&mdash; Die, seit ihr Hansli ward so gut geheilt<br>
+Von seinem Fluge durch die Tannenwipfel,<br>
+Best&auml;ndig fast in ihrer N&auml;he weilt&rsquo; &mdash;<br>
+Und forderte die auf, sie zu begleiten<br>
+Im Palas ein paar Betten zu bereiten.<br>
+</p>
+<p>
+Seit langher stand die Kemenate unbewohnet,<br>
+Die dort f&uuml;r werthe G&auml;ste war bereit;<br>
+Drum wurden jetzt die Fenster weit ge&ouml;ffnet,<br>
+Da&szlig; frische Luft vertrieb die Dumpfigkeit,<br>
+Dann ward von Elsbeth Mechtild angewiesen<br>
+Vom Staub zu reinigen Gesims und Fliesen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie selber machte sich zu schaffen an den Betten,<br>
+So in zwei Nischen des Gemachs erbaut,<br>
+Fast einem Dutzend Schl&auml;fer Herberg boten,<br>
+Ob deren jedem sch&ouml;n ein Himmel blaut.<br>
+&mdash; An&rsquo;s offne Fenster, um sie durchzul&uuml;ften,<br>
+Mu&szlig; Kulter, Pflumit aus den Riesengr&uuml;ften.<br>
+</p>
+<p>
+Dann nahm sie aus bemalter Truhe schneewei&szlig; Linnen,<br>
+Ge&uuml;btens Blickes pr&uuml;fend St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck;<br>
+Ein duftend Kr&auml;uterb&uuml;ndlein, so dazwischen,<br>
+Schob sie behutsam wiederum zur&uuml;ck.<br>
+Bald war gew&auml;hlt, was passend ihr erschienen<br>
+Und zum Beziehn der Betten mu&szlig;te dienen.<br>
+</p>
+<p>
+Auf reichen Linnenschatz, von eigner Hand ge&auml;ufnet,<br>
+Hielt damals, wie noch jetzt, die deutsche Frau,<br>
+Und was ihr Flei&szlig; in langen Jahren mehrte,<br>
+Sie stellt es gerne fremdem Blick zur Schau;<br>
+Es zeugen ja die schweren, vollen Truhen,<br>
+Wie wenig nur der Hausfrau H&auml;nde ruhen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Zufriednen Blickes legte sie das Ausgew&auml;hlte<br>
+Zu gleichen Theilen auf die Betten hin;<br>
+Mechtildis sollte alles fertig finden,<br>
+Wenn Abends sie die mu&szlig;te &uuml;berziehn.<br>
+Denn vorher brauchte das nicht zu geschehen,<br>
+Da sicher sp&auml;t die Herrn zur Ruhe gehen.<br>
+</p>
+<p>
+Zu Ende damit, rieb sie die erstarrten Finger,<br>
+Vom Froste rosig &uuml;berhaucht zu schaun;<br>
+Denn eisig zog es durch die offnen Fenster,<br>
+Und den Kamin &mdash; verga&szlig;en sie beim Bau&rsquo;n,<br>
+Lag man nur erst mal zwischen all&rsquo; den Kissen,<br>
+Lie&szlig; ja der letztere sich leichtlich missen.<br>
+</p>
+<p>
+Der K&auml;lte trotzend schaute Elsbeth aus dem Fenster<br>
+Und lauschte, ob sich nicht der Hifte Klang<br>
+Vernehmen lasse; es blieb jedoch stille.<br>
+Der Nebel wogte um des Schlo&szlig;bergs Hang;<br>
+Wie gerne n&auml;hme sie, den Freund zur Seite,<br>
+Am Jagen theil, auf flinkem Pferde heute!<br>
+</p>
+<p>
+Zwar hatte sie die Lust am Waidwerke verloren,<br>
+Als eines Hirschen traurig-sanfter Blick<br>
+Im Tode sie noch ansah, gleichsam klagend,<br>
+Ob dem erlittnen, schmerzlichen Geschick;<br>
+Nun fand mit einem Mal sie dran Gefallen,<br>
+Im Tann zu reiten, bei des Hifthorns Schallen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie kam sich &uuml;berhaupt so anders vor, es f&uuml;llte<br>
+Die Seele ihr, wie Paradieses Lust,<br>
+Seit jenem Heimritt vom Sankt Vrenenfeste;<br>
+Im Sang entstieg der jugendlichen Brust,<br>
+Was s&uuml;&szlig; sie ahnte, Lieb und Herzensfrieden,<br>
+Die ihrem Innern herrlich nun beschieden.<br>
+</p>
+<p>
+Von fr&uuml;h bis sp&auml;t ert&ouml;nte oft ihr herzig Lachen,<br>
+Es schimmerte des Frohsinns holder Schein<br>
+Um alle, die in ihrer N&auml;he weilten;<br>
+Doch ihr Geheimni&szlig; hielt sie fein allein.<br>
+Sie f&uuml;hlte hei&szlig;er es im Herzen gl&uuml;hen,<br>
+Je mehr sich Aug&rsquo; und Mund zu schweigen m&uuml;hen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wo jene Himmelsblume, die wir Liebe nennen,<br>
+Zum ersten Mal erbl&uuml;ht im Menschenherz,<br>
+Da weilt das Gl&uuml;ck, wohnt Lenzlust, ob der Winter<br>
+Sich auch mit Macht ausbreite allerw&auml;rts;<br>
+Ein wahres Heiligthum ist dann die Seele<br>
+Und wandelt vor dem H&ouml;chsten ohne Fehle.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, wo der Sinne Lust ein th&ouml;richt Herz beherrschet,<br>
+Da stirbt gar bald der Blume feiner Duft;<br>
+Von Leidenschaft wird unser Sein verbittert,<br>
+Zu kaltem Winter Lenzes linde Luft.<br>
+Die Seligkeit der Liebe geht verloren,<br>
+Entschwindet wieder, da sie kaum geboren. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In Elsbeths Herzen war der Fr&uuml;hling eingezogen,<br>
+Sie f&uuml;hlte ihrer Liebe s&uuml;&szlig;en Bann<br>
+Und war zufrieden in dem stillen Wahne,<br>
+Es liebe wieder sie der liebe Mann;<br>
+Ein L&auml;cheln von ihm und ihn nah&rsquo; zu wissen,<br>
+Gen&uuml;gte ihr und lie&szlig; sie Alles missen.<br>
+</p>
+<p>
+Getheilet in ihr Wirken zu des Hauses Bestem<br>
+Und tief empfundener Gl&uuml;ckseligkeit,<br>
+Entflohen ihr des Herbstes kurze Tage,<br>
+Da&szlig; kaum sie merkte, wie verging die Zeit;<br>
+Sie waltete, froh im Gef&uuml;hl der Minne,<br>
+Des Tagewerks mit immer heitrem Sinne.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad selber hatte, seit dem Ritt im Mondschein,<br>
+Mit jener Frage nie sie mehr bedr&auml;ngt;<br>
+Auch gab er zu, bei G&auml;ngen nach dem Thale,<br>
+Da&szlig; Kunz ihr K&ouml;rblein an den Arm sich h&auml;ngt.<br>
+Er mu&szlig;te, Elsbeth&rsquo;s wegen, sich bezwingen,<br>
+Ihr kalt erscheinen, nur wollt&rsquo;s nicht gelingen.<br>
+</p>
+<p>
+Oft zehn Mal t&auml;glich schritt er durch des Schlosses R&auml;ume,<br>
+Und hoffte da&szlig; sie ihm begegnen mu&szlig;;<br>
+Wenn alsdann Elsbeth, neben ihren Pflichten,<br>
+F&uuml;r ihn noch Zeit gewann zu Blick und Gru&szlig;,<br>
+Dann ward ihm jedes Mal gar froh zu Muthe<br>
+Und wu&szlig;t&rsquo; ein trautes Wort er f&uuml;r die Gute.<br>
+</p>
+<p>
+Bald war&rsquo;s ein stetes Meiden und sich wieder suchen,<br>
+Es wu&szlig;ten Beide nicht, wie es geschehn,<br>
+Da&szlig; sie, die eben in der Halle schieden,<br>
+Im Letzegang sich pl&ouml;tzlich wieder sehn;<br>
+Doch h&ouml;rte Keines man mit Worten sagen,<br>
+Was ihre Blicke zu bekennen wagen.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad k&auml;mpfte freilich mit dem eignen Herzen<br>
+Dazwischen &ouml;fters um den Siegespreis,<br>
+Von Tag zu Tage aber ward er m&uuml;der<br>
+Und g&ouml;nnte jenem, da&szlig; es siegte, leis&rsquo;.<br>
+Wohl selten ist Vernunft nicht unterlegen,<br>
+Trat ihr im Kampf ein warmes Herz entgegen.<br>
+</p>
+<p>
+Mit jeder Stunde, welche er im Schlosse weilte,<br>
+Verbla&szlig;te ihm des B&auml;sleins Bildni&szlig; mehr;<br>
+Bewundernd sah er Elsbeths sinnig Walten<br>
+Und wie nur Segen bl&uuml;hte um sie her.<br>
+Ein s&uuml;&szlig;er Zauber hielt ihn fest befangen,<br>
+Dem zu entfliehn ihm mangelt&rsquo; das Verlangen.<br>
+</p>
+<p>
+Es klang so s&uuml;&szlig; dem Ohre, wenn vom S&ouml;ller nieder,<br>
+Er jeden Morgen ihr &bdquo;Gr&uuml;&szlig; Gott!&rdquo; vernahm,<br>
+Und sang sie Abends mit den Spinnerinnen,<br>
+War&rsquo;s sicher, da&szlig; den Weg er dorthin nahm,<br>
+Und oft den Freund allein beim K&auml;nnlein Weine<br>
+Mit Benno ziehen lie&szlig; die Brettspielsteine.<br>
+</p>
+<p>
+In ungeahnter Wonne hob es ihm die Seele<br>
+Bei dem Gedanken, da&szlig; ihn Elsbeth liebt&rsquo;;<br>
+Die holde Blume mit dem keuschen Herzen,<br>
+In ihrer Unschuld sich ihm eigen giebt.<br>
+Nichts soll ihm f&uuml;rder mehr das Herz beth&ouml;ren,<br>
+Er will nur ihr auf immer angeh&ouml;ren!<br>
+</p>
+<p>
+Sein einzig Sehnen war, nur bald sie sein zu nennen,<br>
+Ihr auszusch&uuml;tten sein gequ&auml;ltes Herz<br>
+Und ihr bekennen, da&szlig; sie ihn besiegte;<br>
+Vor seiner Liebe schmolz des Panzers Erz,<br>
+In dem er seine Ruh&rsquo; geborgen glaubte,<br>
+Eh sie durch ihren Liebreiz die ihm raubte.<br>
+</p>
+<p>
+L&auml;ngst w&uuml;nschte er f&uuml;r sich zu offnem Minnewerben<br>
+Die schicklichste Gelegenheit herbei,<br>
+Und schien ihm endlich, da&szlig; auch die sich biete,<br>
+Denn er fand in des Vogtes B&uuml;cherei<br>
+Ein B&uuml;ndlein Schriften, &bdquo;Parzifal&rdquo; gehei&szlig;en,<br>
+Das nur der Zufall sch&uuml;tzte vorm zerrei&szlig;en.<br>
+</p>
+<p>
+Gern hatte sie erlaubt, ihr daraus vorzulesen,<br>
+Wenn es im Lauf des Tages mal gelang&rsquo;,<br>
+Da&szlig; sie ein kurzes St&uuml;ndlein der Erholung<br>
+Von ihren vielen Pflichten sich errang.<br>
+Dann, ganz allein mit ihr, wird es wohl gehen,<br>
+Der Lieblichen die Minne zu gestehen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach ihrem Willen sollte heute nun Herr Kuonrad<br>
+Ans Lesen jener alten Sage gehn,<br>
+Da&szlig; auch sich Elsbeth darauf hin schon freute,<br>
+Vermochte er an ihrem Blick zu sehn,<br>
+Da &mdash; lud der Vogt ihn gestern ein zum Jagen,<br>
+Und mu&szlig;te seinen Plan er drum vertagen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch lauschte Elsbeth am weit offnen Bogenfenster<br>
+Vergeblich auf des Jagdhorns hellen Klang.<br>
+Sie konnte heut&rsquo; nicht singen, war nicht fr&ouml;hlich,<br>
+Auf ihrer Seele lastete es bang,<br>
+Als ob ein tr&uuml;bes Ahnen sie durchschauert;<br>
+Nur ist ihr nicht bewu&szlig;t, warum sie trauert.<br>
+</p>
+<p>
+Mechtildis, der das stille Wesen Elsbeths auffiel,<br>
+Zermarterte indessen ihr Gehirn<br>
+Zu rathen, was der lieben Herrin fehle;<br>
+Verlegen rieb sie aber bald die Stirn&rsquo;<br>
+Und war schon dran sich heimlich auszuschelten,<br>
+Weil die Gedanken dort nur Hansli gelten.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt jedoch wandte Elsbeth sich zu ihr und fragte:<br>
+&bdquo;Sag&rsquo; Kind! ist Dir Dein Schatz auch wirklich gut?&rdquo;<br>
+Es kam dies unvermittelt, klang wie Zweifel,<br>
+So da&szlig; Mechtildis schier entfiel der Muth,<br>
+Die l&auml;ngst gewohnte Antwort zu erneuern<br>
+Und Hansli&rsquo;s Liebe zu ihr zu betheuern.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das will ich bas vermeinen!&rdquo; sprach sie, glutroth werdend,<br>
+&bdquo;Sein bester Freund bin ich, sein Trost, sein Gl&uuml;ck,<br>
+Und sollt&rsquo; ich zweifeln, mu&szlig; der Zweifel schwinden,<br>
+Wenn ich mir sage, wie manch&rsquo; sch&ouml;nes St&uuml;ck<br>
+Vom kargen Jahrlohn mir der Gute spendet,<br>
+Ja, oft ihn nur f&uuml;r mich allein verwendet!<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bald ist&rsquo;s ein T&uuml;chlein, so er eingehandelt, oder<br>
+Ein Band ins Haar, wie dieses, das Ihr heut&rsquo;<br>
+In meinen Z&ouml;pfen eingeflochten sehet;<br>
+Kurz immer etwas, das ein M&auml;gdlein freut.<br>
+Auch f&uuml;hlt es jede ja im Herzen drinne<br>
+Ob einer gut ist ihr in wahrer Minne!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die sch&ouml;nste Scheibe, so am Fastnachtabend gl&uuml;hend<br>
+Vom Hungerberg sie schleuderten zu Thal,<br>
+Schier wie ein feurig Rad flog sie durch&rsquo;s Dunkel,<br>
+Geh&ouml;rte Hansli, und er rief drei mal, &mdash;<br>
+Da&szlig; ja die Chnaben nicht im Zweifel blieben,<br>
+Mit lauter Stimme &mdash; sie sei mir getrieben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich th&auml;t ihn lange nicht an unsern Junker tauschen,&rdquo;<br>
+&mdash; Nun &uuml;bergo&szlig; die Herrin es mit Glut &mdash;<br>
+&bdquo;Ist der auch f&uuml;rnehm und von feinen Sitten,<br>
+So schaut mein Hansli aus, wie Milch und Blut<br>
+Und kann, wie keiner, sch&ouml;ne Weisen singen,<br>
+Gilt&rsquo;s Mechtild seinen Abendgru&szlig; zu bringen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das wei&szlig; ich!&rdquo; fiel ihr l&auml;chelnd Elsbeth in die Rede,<br>
+&bdquo;Das wei&szlig; ich, Traute! Du sprachst immer so.<br>
+Auch w&uuml;rde wohl sich Jede gl&uuml;cklich preisen,<br>
+W&auml;r sie, wie Du, so ihrer Liebe froh; &mdash;<br>
+Denn lieben m&uuml;ssen wir, das ist uns eigen,<br>
+Mag man&rsquo;s nun hehlen, oder offen zeigen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dochs will mir scheinen, ist nur jene Liebe wahrhaft,<br>
+Die jeder Zeit der Treue sich befli&szlig;<br>
+Und drum, was Dich so froh von Lieb l&auml;&szlig;t reden,<br>
+Ist sicher Hansli&rsquo;s Treue Dir gewi&szlig;!<br>
+Ei, wurde Dir noch niemals heimlich bange,<br>
+Da&szlig; er nach einer anderen verlange?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nein, Herrin!&rdquo; rief da Mechtild, &bdquo;w&auml;r&rsquo; dies Liebe,<br>
+Die erst der Treue sich versehen mu&szlig;?<br>
+Ist Einer einer zugethan von Herzen,<br>
+So sieht sie&rsquo;s schon am ersten Blick, am Gru&szlig;,<br>
+Oh er&rsquo;s auch ehrlich mit der Treue meine,<br>
+Sonst w&uuml;rde sie ja nimmermehr die Seine!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wo Zweie sich, wie ich und Hansli, gut von Herzen,<br>
+Da hat der liebe Gott es so gef&uuml;gt,<br>
+Und darum wohl zu bangen unvonn&ouml;then,<br>
+Da&szlig; etwan eines sich im andern tr&uuml;gt.<br>
+Doch k&auml;m&rsquo; es so, wie Ihr halb prophezeiet,<br>
+So w&uuml;&szlig;t&rsquo; ich Eine &mdash; die selbst dies verzeihet!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Mechtildens Antwort mu&szlig;te Elsbeth hoch erfreuen,<br>
+Denn sie hob mit der Hand des M&auml;gdlein&rsquo;s Kinn,<br>
+Und k&uuml;&szlig;te ihr die Wange mit den Worten:<br>
+&bdquo;Mir fuhr die Frage nur so durch den Sinn,<br>
+Du Trautkind! Ja, wie Du liebst, das hei&szlig;t lieben;<br>
+Auf ewig Einem eigen sich verschrieben!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+So man vom Wolf spricht, ist er nahe! sagt ein Spr&uuml;chlein.<br>
+Noch hinkend kam jetzt Hansli durch den Gang<br>
+Und meldete, mit einem Blick auf Mechtild,<br>
+Da&szlig; auf dem Hof ein Bauernweib schon lang<br>
+Mit ihrem B&uuml;blein in der K&auml;lte stehe<br>
+Und jammernd um der Herrin H&uuml;lfe flehe.<br>
+</p>
+<p>
+Als Elsbeth dies vernommen, s&auml;umte sie nicht lange,<br>
+Zum Hofe ging&rsquo;s auf flinken F&uuml;&szlig;en fort;<br>
+Dort trat ihr zaghaft, bleich ein Weib entgegen,<br>
+Das fr&uuml;h&rsquo; schon herkam aus dem n&auml;chsten Ort,<br>
+Mit einem B&uuml;blein, so, vor Schmerz im Finger,<br>
+Laut aufschrie, da&szlig; es wiederscholl im Zwinger.<br>
+</p>
+<p>
+Die Herrin schauend, hielt es jedoch ein mit Schreien<br>
+Und sah durch Thr&auml;nen scheu zu ihr empor,<br>
+Wie sie sich mild an seine Mutter wandte,<br>
+Die vor ihr stand wie ein gebrochen Rohr<br>
+Und erst, nach freundlich wiederholten Fragen,<br>
+Den Mund aufthat, sein Leiden ihr zu klagen.<br>
+</p>
+<img src="images/E126_127.jpg" alt="Elsbeth behandelt den wunden Finger eines Kindes">
+<p>
+Nun die zu Ende, zog Elsbeth das B&uuml;blein n&auml;her<br>
+Und l&ouml;ste langsam und mit leichter Hand<br>
+Dem Zagen, unter kosendem Geplauder,<br>
+Vom hochgeschwollnen Finger den Verband;<br>
+Der Kleine zuckte zwar, von Schmerz gepeinigt,<br>
+Als sie nun auch das kranke Glied ihm reinigt&rsquo;.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da sitzt der Wurm im Finger,&rdquo; sprach sie drauf bed&auml;chtig,<br>
+&bdquo;Und darum sind die Schmerzen auch so gro&szlig;.<br>
+Die Heilung zu erreichen, ist&rsquo;s am besten<br>
+Wir beizen m&auml;lig die Geschwulst ihm los.<br>
+Verweil&rsquo; Dich also etwas mit dem Kinde,<br>
+Bis ich das rechte Kr&auml;utlein dazu finde.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Doch eh&rsquo; sie ging, schritt sie noch in die Thurmthorhalle<br>
+Und schnitt vom Brod, das f&uuml;r&rsquo;s Gesind dort war,<br>
+In aller Eile ein paar gro&szlig;e St&uuml;cke;<br>
+Die reichte drauf sie Beiden freundlich dar<br>
+Um, w&auml;hrend Kind und Mutter daran kauen,<br>
+Im St&uuml;blein oben nach dem Kraut zu schauen.<br>
+</p>
+<p>
+Es lag zur Hand, wie noch ein S&auml;lblein und alt Linnen,<br>
+Das letztre zum Gebrauche fein gezupft.<br>
+Schnell war jetzt Elsbeth wieder bei dem B&uuml;blein,<br>
+De&szlig;&rsquo; Finger mit dem S&auml;lblein sie betupft&rsquo;;<br>
+Dann blies sie drei Mal mit dem Rosenmunde<br>
+Ein leises &bdquo;Heilo, Segen!&rdquo; auf die Wunde.<br>
+</p>
+<p>
+Zum Schlusse ward der kranke Finger gut verbunden<br>
+Und noch dem Weib die Anweisung ertheilt,<br>
+Wie Kraut und S&auml;lblein zu gebrauchen seien,<br>
+Da&szlig; bald das kranke Glied des B&uuml;bleins heilt.<br>
+Doch nun die Beiden vor ihr knieen wollen,<br>
+Hie&szlig; sie sie freundlich ihres Weges trollen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Sie selber aber ging zu Frida in die K&uuml;che<br>
+Um nachzuschauen, da&szlig; zur rechten Zeit,<br>
+Das Essen f&uuml;r die G&auml;ste fertig werde,<br>
+Denn bis zum Abend ist es nicht mehr weit.<br>
+Es war auch noch der W&uuml;rzwein zu bereiten,<br>
+Ein warm Getr&auml;nk, die Mahlzeit einzuleiten.<br>
+</p>
+<p>
+Dann eilte wieder sie in&rsquo;s Palas. Hier, im Saale,<br>
+Wo jeder Tritt ein lautes Echo weckt,<br>
+Gab es noch viel zu thun, denn Mechtild hatte<br>
+Nur erst den gro&szlig;en Eichentisch gedeckt.<br>
+Nun gingen hurtig sie daran zu Zweien,<br>
+Vom Buffert Glas und Teller sich zu leihen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie waren noch nicht fertig, als die Th&uuml;re aufging<br>
+Und Hansli mit der neuen Meldung naht&rsquo;,<br>
+Da&szlig; sich ein Spielmann eingefunden habe,<br>
+Der f&uuml;r die Nacht um warmes Obdach bat;<br>
+So man es w&uuml;nsche, wolle gern er singen,<br>
+Auch sei ihm Kundschaft von gar vielen Dingen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gew&auml;hr&rsquo; ihm Herberg, Hansli,&rdquo; &mdash; war der Herrin Antwort,<br>
+&bdquo;Und von dem Heurigen &rsquo;nen vollen Krug;<br>
+Doch ja nicht mehr!&rdquo; erg&auml;nzte sie mit Lachen,<br>
+&bdquo;Denn Spielleut&rsquo; haben immer guten Zug.<br>
+L&auml;&szlig;t ihn der Vater dann zur Nacht verbleiben,<br>
+Mag er mit Singen uns die Zeit vertreiben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Zufrieden mit der Antwort hinkte Hansli wieder<br>
+Zum Schlo&szlig;thor hin, wo, frierend, auf der Bank<br>
+Der Spielmann sa&szlig; und des Bescheides harrte,<br>
+Und nun er den erfuhr, mit vielem Dank<br>
+Dem Knechte folgte in die warme Halle,<br>
+Wo bald sein Lied erklang in munterm Schalle.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das fahrende Gesindlein riecht&rsquo;s wohl schon von Weitem<br>
+Wenn etwas Gutes auf den Tisch ger&auml;th;<br>
+Gleich l&auml;&szlig;t es links die breite Stra&szlig;en liegen,<br>
+Um nachzusehen, wo der Spie&szlig; sich dreht.<br>
+Am liebsten, glaub&rsquo; ich, haben sie die Gassen,<br>
+Da ihre Kessel in die Herdstatt passen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Es sind die V&ouml;gelein, von denen ja geschrieben,<br>
+Sie s&auml;en nicht und ernten nicht, Mechtild!<br>
+Und doch ern&auml;hrt auch sie des Sch&ouml;pfers G&uuml;te!&rdquo;&rdquo;<br>
+Entgegnete dem M&auml;dchen Elsbeth mild.<br>
+&bdquo;&bdquo;Nicht Allen hat der Herrgott es gegeben,<br>
+Mit Sing und Sang zu wandeln durch das Leben.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die, so da singen, Herrin! sind mir gern willkommen,<br>
+Sie wissen stets so viel Ges&auml;tzlein fein,<br>
+Mit denen unsre Herzen sie gewinnen<br>
+Und haben immer neue Melodei&rsquo;n;<br>
+Des Letzten Sang summt mir noch heut&rsquo; in Ohren,<br>
+Doch hab&rsquo; die Worte dazu ich verloren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Inzwischen war der Tisch gedeckt und nun erfreuten<br>
+Sich Beide ob des Anblicks, den er bot;<br>
+Mechtildens Lob erhielt die Bratensch&uuml;ssel<br>
+Mit Blumenmalerei in Blau und Roth,<br>
+Indessen Elsbeth sich der Gl&auml;ser freute,<br>
+Die f&uuml;r die G&auml;ste sie erw&auml;hlte heute. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wie gerne r&uuml;hrt doch Frauenflei&szlig; die zarten H&auml;nde<br>
+Und achtet weder M&uuml;he noch Beschwer,<br>
+Des Mannes Heim behaglich zu gestalten<br>
+Und still zu wirken f&uuml;r des Hauses Ehr&rsquo;;<br>
+Was wir im Einzelnen als unn&uuml;tz hassen,<br>
+Die Frau wird sinnig es zum Ganzen passen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch r&uuml;ckte Elsbeth hier und dort an einem Teller;<br>
+Auch gl&auml;ttete gar sorglich ihre Hand<br>
+Das Tischtuch, da&szlig; sich ja kein F&auml;ltchen zeige<br>
+Und ebenm&auml;&szlig;ig hing der rothe Rand;<br>
+Derweilen Mechtildis die St&uuml;hle stellte,<br>
+Auf deren jedem weich ein Kulter schwellte.<br>
+</p>
+<p>
+Nun nahte, f&uuml;r die Herrin, sich die Zeit zur Schule,<br>
+Denn Benno gab nur selten einmal frei,<br>
+Und &mdash; w&auml;hrend Mechtildis noch heizen sollte,<br>
+Da&szlig; warm der Saal und recht gem&uuml;thlich sei &mdash;<br>
+Es mu&szlig;te Elsbeth fort zum Unterrichte,<br>
+Sonst zog der Kaplan ein gar schief Gesichte.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Des kurzen Tages langer Abend sank hernieder,<br>
+Schon deckten dunkle Schatten Berg und Thal;<br>
+Im Schlosse war das Tagewerk vollendet,<br>
+Man wartete der G&auml;ste nun zum Mahl;<br>
+Leis&rsquo; nur, im Frau&rsquo;ngemach beim Lichtspahnglimmen,<br>
+Erklangen noch der Spinnerinnen Stimmen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch um so lauter klang es daf&uuml;r aus der Halle<br>
+Im Hofe, wo der Spielmann dem Gesind&rsquo;<br>
+Auf einer Laute Lied f&uuml;r Lied vorspielte<br>
+Und seines Sangs sich freuten Weib und Kind;<br>
+Denn Hansli that, wie es die Herrin wollte,<br>
+Nur, da&szlig; den gr&ouml;&szlig;ten Krug er jenem holte.<br>
+</p>
+<p>
+Schanzunen, Leiche, Schw&auml;nk&rsquo; und neue Trutzges&auml;tzlein<br>
+Sang froh zum Saitenspiel des S&auml;ngers Mund;<br>
+Es w&uuml;rd&rsquo; die Kehle doch zu schnelle trocken,<br>
+S&auml;h man in einem fort des Kruges Grund.<br>
+Wohl blieb gar manch ein Liedlein ungesungen,<br>
+W&auml;r&rsquo; nicht der Wein, der es hervorgezwungen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Spielmann wiederholte Hansli eben nochmals<br>
+Die Weise &bdquo;von der Minne s&uuml;&szlig;em Born,&rdquo;<br>
+Als er im Singen unterbrochen wurde<br>
+Vom lauten Halali aus Jochens Horn;<br>
+Zur gleichen Zeit erdr&ouml;hnte auf der Br&uuml;cke<br>
+Der Rosse Huf; der Jagdzug kam zur&uuml;cke. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Ein paar Minuten sp&auml;ter war der weite Zwinger<br>
+Von Kienholzfackeln flammenroth erhellt,<br>
+Es hallte durch das Schlo&szlig; der Hifte Gr&uuml;&szlig;en,<br>
+Zu dem die Meute die Begleitung bellt&rsquo;;<br>
+Derweil die H&ouml;rigen die Beute brachten,<br>
+So heut&rsquo; der Vogt und seine G&auml;ste machten.<br>
+</p>
+<p>
+Mit seinem Blut den Schnee noch r&ouml;thend, lag zur Strecke,<br>
+F&uuml;r Alt und Jung beliebte Augenweid&rsquo;,<br>
+Die Beute; jedes St&uuml;cklein ward besprochen<br>
+Und bas ger&uuml;hmt des Tages gut Gejaid.<br>
+Der Achtzehnender freilich war entkommen,<br>
+Da er bei Reckingen den Rhein durchschwommen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein waidgerechter Rehbock mu&szlig;te daf&uuml;r b&uuml;&szlig;en.<br>
+Nun lag das sch&ouml;ne Thier dahingestreckt<br>
+Im Schnee, bei einer Anzahl feister Hasen<br>
+Und einem Fuchs, der, aus dem Bau geschreckt<br>
+Vom nahgekommenen Gel&auml;ut der Meute,<br>
+Sein warmes Pelzlein lieferte als Beute.<br>
+</p>
+<p>
+Vom Zwinger wandten sich Herr Heinz und seine G&auml;ste,<br>
+Von Hansli angef&uuml;hrt, der leuchten mu&szlig;,<br>
+Dem Palas zu, vor dessen Saale Elsbeth<br>
+Schon ihrer harrte mit dem Willkommgru&szlig;.<br>
+Ein hellblau Kleid mit zugeschn&uuml;rtem Mieder,<br>
+Verh&uuml;llte keusch der Sch&ouml;nen zarte Glieder.<br>
+</p>
+<p>
+Als einz&rsquo;gen Schmuck trug sie im wundervollen Haare<br>
+Ein schmales Schleifchen blaues Seidenband,<br>
+Das zu den goldnen Locken auf der Stirne<br>
+Ihr, wie sie meinte, stets am sch&ouml;nsten stand.<br>
+Doch halt! am kleinen Finger ihrer Linken<br>
+Verrieth sich noch ein Ringlein durch sein Blinken.<br>
+</p>
+<p>
+Des Vaters G&auml;ste nach Verdienst zu ehren, hatte<br>
+Die Tochter heute festlich sich geschm&uuml;ckt;<br>
+Auf ihren Z&uuml;gen aber lag&rsquo;s wie Trauer<br>
+Und ihre Seele f&uuml;hlte sich bedr&uuml;ckt,<br>
+Als so sie dastand, vor des Saales Schwelle,<br>
+Der G&auml;ste harrend, an der Hausfrau Stelle.<br>
+</p>
+<p>
+Da n&auml;herten sich Schritte; man h&ouml;rt&rsquo; lachen, sprechen<br>
+Im Gange drau&szlig;en, so zum Saale f&uuml;hrt.<br>
+&bdquo;Mein Gott! ist das nicht Fr&auml;ulein Adelgunde?&rdquo;<br>
+Frug Elsbeth sich, schier gar vom Schlag ger&uuml;hrt;<br>
+Denn solchen Gastes dacht&rsquo; sie nicht beim Decken,<br>
+Mocht&rsquo; auch den Argwohn ihr noch nichts erwecken.<br>
+</p>
+<p>
+Sie fa&szlig;te jedoch Muth und trat ihr rasch entgegen,<br>
+Gelassen gr&uuml;&szlig;end, w&auml;hrend jene lacht&rsquo;,<br>
+Da&szlig;, obwohl unerwartet hergekommen,<br>
+Sie doch um Herberg bitte f&uuml;r die Nacht;<br>
+Was Elsbeth, der dies zwar nicht ganz behagte,<br>
+Dem Fr&auml;ulein nimmer abzuschlagen wagte.<br>
+</p>
+<p>
+Als letzter kam Herr Kuonrad; Elsbeths freundlich Gr&uuml;&szlig;en<br>
+Vergalt er traut mit seinem Druck der Hand,<br>
+Inde&szlig; ein Blick aus ihren blauen Sternen<br>
+Blitzschnell den Weg in seine Augen fand.<br>
+Ihm war die frohe Laune wieder kommen,<br>
+Sobald den R&uuml;ckweg man zum Schlo&szlig; genommen.<br>
+</p>
+<p>
+Gesch&auml;ftig half er jetzt der Herrin aus der Schale<br>
+Die Gl&auml;ser f&uuml;llen mit gew&auml;rmtem Wein;<br>
+Der schimmerte im Glase wie Karfunkeln<br>
+und duftete gar fein nach N&auml;gelein,<br>
+Die sie zum Trunk als gute W&uuml;rze mischte,<br>
+So da&szlig; die M&uuml;den er von Grund erfrischte.<br>
+</p>
+<p>
+Und nicht nur dies. Er scheuchte auch davon den Aerger,<br>
+So ihnen der entkomm&rsquo;ne Hirsch gemacht.<br>
+Es f&uuml;llte Elsbeth flei&szlig;ig drum die Gl&auml;ser<br>
+Und, als dem Fr&auml;ulein sie eins dargebracht,<br>
+Lie&szlig; die sich schnell von ihrem Wort bewegen,<br>
+Das pelzverbr&auml;mte Sch&auml;ublein abzulegen.<br>
+</p>
+<p>
+Indessen noch die Herrn am Weine sich erlabten,<br>
+Belegte sie dann f&uuml;r den sch&ouml;nen Gast<br>
+Am Tisch den Ehrenplatz zu ihrer Rechten,<br>
+Mit Glas und Teller, wie&rsquo;s dem Fr&auml;ulein pa&szlig;t;<br>
+Gleich drauf kam Mechtild, um ihr anzusagen,<br>
+Da&szlig; f&uuml;r die G&auml;ste schon sie aufgetragen.<br>
+</p>
+<p>
+Fromm kreuzte Elsbeth einen Augenblick die H&auml;nde,<br>
+Eh&rsquo; sie die G&auml;ste hin zum Tische bat,<br>
+Auf dem ein Schweinebraten duftend dampfte,<br>
+Den rings umkr&auml;nzte k&ouml;stlicher Salat.<br>
+Nun lie&szlig;en diese sich nicht lange bitten,<br>
+Bis sie vergn&uuml;glich zu der Tafel schritten.<br>
+</p>
+<p>
+Nur Benno fehlte; er war noch zu Thal gegangen,<br>
+Wo sp&auml;t ein kranker Bauer ihn begehrt&rsquo;.<br>
+Den letzten Wegtrost sollt&rsquo; er diesem spenden<br>
+Zu jener Reise, von der Niemand kehrt.<br>
+Es hatte zwar, das J&auml;germahl zu theilen,<br>
+Der Kaplan gern versprochen, sich zu eilen.<br>
+</p>
+<p>
+Der liebste Gast am Tisch ist der, so sich&rsquo;s l&auml;&szlig;t schmecken,<br>
+Und hungrig denkt kein Waidmann auszuruhn;<br>
+Mit Krug und Sch&uuml;ssel alle zu bedienen,<br>
+Gab Kunz und Mechtild heute viel zu thun;<br>
+Doch daf&uuml;r r&uuml;hmten auch die Herrn das Essen<br>
+Und blieb der Heurige nicht unvergessen.<br>
+</p>
+<p>
+Er g&auml;hrte noch; sein s&uuml;&szlig;lich-herbes Prickeln &uuml;bte<br>
+Als Sauser &uuml;ber Alt und Jung Gewalt;<br>
+Sie nippten, schl&uuml;rften, schnalzten mit der Zunge,<br>
+Froh pr&uuml;fend seinen geistigen Gehalt.<br>
+Ein k&ouml;stlich Ding ist doch der Saft der Reben,<br>
+Wenn Gott dem Weinstock recht Gedeihn gegeben.<br>
+</p>
+<p>
+Vergn&uuml;glich hob der alte Wasserstelz sein Gl&auml;slein<br>
+Und trank auf seines Nachbars Gastfreiheit.<br>
+Herr Heinz bedankte sich und bat bescheiden,<br>
+Vorlieb zu nehmen mit der Kleinigkeit,<br>
+Die sie den werthen G&auml;sten heute wagen,<br>
+In Krug und Sch&uuml;ssel freundlich aufzutragen.<br>
+</p>
+<p>
+Drauf hob der Junker seins und zwar zum Wohl der Frauen,<br>
+Auf ihre Zucht und nimmerm&uuml;den Flei&szlig;,<br>
+Mit welchen sie der M&auml;nner Dasein schm&uuml;cken<br>
+Und rastlos wirken zu des Hauses Preis.<br>
+Ein &bdquo;Heilo ihnen!&rdquo; scholl aus aller Munde,<br>
+Derweil die Gl&auml;ser klangen in der Runde;<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt, w&auml;hrend Adelgunde noch dar&uuml;ber nachsann,<br>
+Wem zun&auml;chst wohl Herr Kuonrads Spr&uuml;chlein galt,<br>
+Hob Elsbeth auch das Gl&auml;slein, bat den Junker,<br>
+Inde&szlig; ihr lieblich Antlitz sich bemalt<br>
+Mit tiefen Gluthen auf den Sammetwangen,<br>
+Den Dank f&uuml;r&rsquo;s sch&ouml;ne Spr&uuml;chlein zu empfangen.<br>
+</p>
+<p>
+Ihr war es klar gewesen, wem sein Spruch gegolten,<br>
+Und nun verschwand schnell die Befangenheit,<br>
+So sie, als Adelgunde kam, beschlichen,<br>
+Wie einst in Zurzach bei der Festmahlzeit;<br>
+Doch daf&uuml;r zeigten jetzt des Fr&auml;uleins Mienen,<br>
+Da&szlig; wohl auch dieser etwas klar erschienen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch brachte Freiherr Udo ein gelungen Spr&uuml;chlein<br>
+Dem gr&uuml;nen Wald und wackerem Gejaid,<br>
+Da&szlig; froh die Herren nach dem Glase griffen,<br>
+Es leerend ihm zu ehrlichem Bescheid;<br>
+Dann aber ward das Waidwerk selbst besprochen,<br>
+Von manchem Scherz des Schlo&szlig;vogts unterbrochen.<br>
+</p>
+<p>
+Er und der alte Wasserstelz, sie &uuml;berboten<br>
+Einander oft in spa&szlig;igem Latein,<br>
+Drin&rsquo; wohl bewandert Sankt Huberti J&uuml;nger;<br>
+Wir andern fabeln lange nicht so &mdash; fein.<br>
+Bald wurde manches St&uuml;cklein aufgetischet<br>
+Das, wenn nicht wahr, doch den Humor erfrischet. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad und Herr Udo plauderten indessen,<br>
+Wie dies bei jungen Herren immer geht,<br>
+Viel lieber mit den Fr&auml;ulein, die wie Blumen<br>
+Drein schauten, um die lind ein Zephyr weht;<br>
+Nur ab und zu sah man sie einmal nippen,<br>
+Zu netzen sich die bl&uuml;hend rothen Lippen.<br>
+</p>
+<p>
+In &uuml;ppig-voller Reife prangte Adelgunde<br>
+Und ihrer Sch&ouml;nheit sich gar wohl bewu&szlig;t;<br>
+Die feinen Lippen zeigten Perlenreihen,<br>
+In sch&ouml;ner Rundung w&ouml;lbte sich die Brust,<br>
+Die Sammetwangen sah man rosig bl&uuml;hen,<br>
+Und aus den Augen dunkle Gluten spr&uuml;hen.<br>
+</p>
+<p>
+Des Schlosses Herrin daf&uuml;r, schlank und fein gestaltet,<br>
+Glich einer Blume, der im Kelch der Thau<br>
+Noch schimmert; unter langen, seidnen Wimpern<br>
+Ergl&auml;nzte herrlich ihrer Augen Blau.<br>
+Zum edeln Antlitz mit den Engelsz&uuml;gen<br>
+Sah man der Jugend Liebreiz hold sich f&uuml;gen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Mit leisen Zeichen, wie sie nur der Liebe eigen, &mdash;<br>
+Ein Blick, ein H&auml;ndedruck, ein halbes Wort, &mdash;<br>
+Wu&szlig;t bald Herr Kuonrad Elsbeth viel zu sagen<br>
+Und hielt im Athem sie in Einem fort.<br>
+Ging auch die Rede oft an Adelgunden,<br>
+Geschah dies blo&szlig;, um Anstand zu bekunden.<br>
+</p>
+<p>
+Zwar r&uuml;hmte lebhaft er des Fr&auml;uleins tapfer Reiten;<br>
+Wie sie beim Hetzen ihm zur Seite blieb,<br>
+Wenn gleich die Pferde wie im Sturm hinflogen,<br>
+Und das Gezweig scharf auf die Reiter hieb;<br>
+Doch Adelgunde lauschte kaum den Worten,<br>
+Ihr war&rsquo;s, als ob die Blicke sich umflorten.<br>
+</p>
+<p>
+Sie hatte mehr und sch&ouml;neres gehofft zu h&ouml;ren,<br>
+Als solches Lob; das h&auml;tt&rsquo; sie ihm geschenkt,<br>
+Der ihr heut&rsquo; selten mal ein W&ouml;rtlein g&ouml;nnte,<br>
+Auf was sie immer auch die Rede lenkt&rsquo;.<br>
+Es sollte ihr nicht weh thun tief im Herzen,<br>
+Nun sie ihn sah, mit diesem Kinde scherzen?<br>
+</p>
+<p>
+Als ob auf einmal sie nichts andres interessirte,<br>
+Als was Herr Heinz und auch ihr Vater sprach,<br>
+So r&uuml;ckte Adelgunde zu den Herren;<br>
+Doch hielt sie dabei Aug&rsquo; und Ohren wach,<br>
+Um Elsbeth und den Junker zu belauschen,<br>
+Wenn sie zur Kurzweil Wort und Blicke tauschen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Heinz sprach aber von der Thalgemeinden Offnung,<br>
+Nach deren Formel zweimal jedes Jahr<br>
+Geurtelt ward von Rheinheims &bdquo;Kellerrichter;&rdquo;<br>
+&bdquo;Es lauten diese freilich ganz und gar<br>
+Nach uraltheimisch g&auml;ngen Rechtsspr&uuml;chw&ouml;rtern<br>
+Und Rechtsgebr&auml;uchen, wie an wenig Oertern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch trennen sich die Alten ungern von den Sch&ouml;ffen<br>
+Vermeinend, da&szlig; sonst nirgend Recht gedeiht,<br>
+Als nur, wo auch dem Bauer Sitz und Stimme<br>
+Ein l&auml;ngstveraltetes Gesetz verleiht;<br>
+Sie wollen nicht von ihrem Rechte lassen,<br>
+Zu dessen Praktik Reim und Spr&uuml;chwort passen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Jungen freilich halten wenig mehr vom Brauche,<br>
+Sie holen sich ihr Recht bei mir im Schlo&szlig;<br>
+Und wissen, unterm Krummstab ist gut wohnen,<br>
+Wenn es auch ihrer manchen schon verdro&szlig;,<br>
+Da&szlig; ich mich nie nach ihrer Offnung richte<br>
+Und nicht nach halb vergessnen Spr&uuml;chen schlichte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nur ist&rsquo;s nicht immer leicht, beim Amt den Ernst zu wahren,&rdquo;<br>
+Erz&auml;hlte fort der Vogt und strich den Bart,<br>
+&bdquo;Gar oft will sich ein Schalk hinzugesellen,<br>
+Der Scherz und Ernst eng miteinander paart:<br>
+So sollt ich j&uuml;ngsthin wieder Rechtens walten &mdash;<br>
+Und konnt mich doch des Lachens kaum enthalten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein Jude aus dem n&auml;chsten St&auml;dtlein, so Ihr kennet<br>
+Begegnet j&uuml;ngst auf seinem Weg durch&rsquo;s Thal<br>
+Am Wege etlich meisterlosen Buben,<br>
+&rsquo;s war grade Sonntags, nach dem Mittagsmahl.<br>
+&bdquo;&bdquo;Giebt&rsquo;s nichts zu handeln?&rdquo;&rdquo; ist des Juden Frage,<br>
+Derweil er zu den Chnaben trat am Hage.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;&rsquo;s ist heute Sonntag, Jude! da wird nicht gehandelt,<br>
+Doch haben daf&uuml;r wir zur Kurzweil Zeit!...&rdquo;&rdquo;<br>
+&bdquo;&bdquo;Sprich, glaubst Du, da&szlig; der Herr ist auferstanden,<br>
+Vom Tod befreit f&uuml;r alle Ewigkeit?&rdquo;&rdquo;<br>
+&bdquo;So sprach, ihn neckend, einer von den Chnaben,<br>
+Die schon den Juden in der Mitte haben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;H&auml;tt&rsquo; er &rsquo;nen Stuhl gehabt, w&auml;r&rsquo; er gesessen!&rdquo;&rdquo;&bdquo;lautet<br>
+Die schlaue Antwort aus des Juden Mund.<br>
+Die Buben aber, keinen Spa&szlig; verstehend,<br>
+Sie streichen daf&uuml;r ihm den R&uuml;cken wund;<br>
+Es r&uuml;hrt sie nicht des armen Schnaufers Klagen,<br>
+Sie fahren fort mit fragen und mit schlagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Er jedoch h&auml;lt voll Eigensinn an seinen Worten<br>
+Und l&auml;&szlig;t vom Stuhle nicht ein Beinchen ab;<br>
+Die Buben werden dringlicher im Fragen,<br>
+Es regnet Schl&auml;ge hageldicht herab.<br>
+Der Jude aber l&auml;&szlig;t sich nicht erweichen,<br>
+Er bleibt bei seinem Stuhle trotz den Streichen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da, wie sie just im besten Zuge waren, f&uuml;gt&rsquo; sich&rsquo;s,<br>
+Da&szlig; grad der Dorfvogt kam des Wegs daher.<br>
+Wie den die Buben sehen, geht&rsquo;s an&rsquo;s Laufen<br>
+Und ist nat&uuml;rlich nun die Stra&szlig;e leer,<br>
+Bis auf den Juden, der mit lautem Heulen<br>
+Dem Vogte zeigte die erhalt&rsquo;nen Beulen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Voll Mitleid f&uuml;r den Juden, und auf dessen Bitten,<br>
+Begleitet er ihn endlich hier herauf.<br>
+Da&szlig; ich die Argen strenge b&uuml;&szlig;en m&ouml;ge,<br>
+Erz&auml;hlte selbst der Jud&rsquo; mir den Verlauf<br>
+Der Sache; schw&ouml;rend, da&szlig; sein wunder R&uuml;cken<br>
+Ihn hindere, geziemend sich zu b&uuml;cken.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, Edler! Ihr vers&auml;umet ja des Trunks zu pflegen,<br>
+Sto&szlig;t an! Wir zwingen noch ein Gl&auml;slein Wein!<br>
+Im Fa&szlig;, wo der gelegen seit dem Herbste,<br>
+Wird hoffentlich auch mehr zu finden sein!...&rdquo;<br>
+Hier unterbrach Herr Heinz sich, denn gar willig<br>
+Th&auml;t ihm der Gast Bescheid, wie recht und billig.<br>
+</p>
+<p>
+Drauf aber, w&auml;hrend Kunz die Gl&auml;ser wieder f&uuml;llte,<br>
+Fuhr desto frischer er zu reden fort:<br>
+&bdquo;Als ich den Juden frage, ob er Zeugen habe,<br>
+Da vor Gericht nicht gilt Hebr&auml;er Wort,<br>
+Schw&ouml;rt er, da&szlig; es der Dorfvogt wohl gesehen,<br>
+Von wem und wie die Unbill ihm geschehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie jener dieses h&ouml;rt, zieht er die Stirn in Falten<br>
+Und spricht: &bdquo;&bdquo;Gesehen hab ich nichts; ich fand,<br>
+Durch sein erb&auml;rmlich Flennen hingezogen,<br>
+Den Juden ganz allein am Wegesrand.<br>
+Doch, wer den R&uuml;cken ihm so blau geschlagen,<br>
+Gestrenger Herr! vermag ich nicht zu sagen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Jetzt heult der Jud&rsquo; erst recht und lamentirt so gr&auml;ulich,<br>
+Da&szlig; es noch heut&rsquo; in meinen Ohren gellt;<br>
+In seinem Aerger schalt er derb den Bauern,<br>
+Der, ihm zu leide, sich so blind gestellt,<br>
+Und dieser, dem das Schimpfen arg mi&szlig;fallen,<br>
+Zwingt kaum noch nieder seines Zornes Wallen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erg&ouml;tzend mich an ihrem F&uuml;r und Wider, h&ouml;rte<br>
+Ich ihnen ab, bis die dort zu uns kam.&rdquo;<br>
+&mdash; Er wies aus Elsbeth hin, die eben Mechtild<br>
+&rsquo;ne Sch&uuml;ssel Kr&auml;pflein aus den H&auml;nden nahm<br>
+Und artig sie dem Fr&auml;ulein pr&auml;sentirte,<br>
+Das mit dem s&uuml;&szlig;en Backwerk sich servirte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nat&uuml;rlich ist&rsquo;s nun aus; ich hei&szlig;e Beide schweigen<br>
+Und sag&rsquo; dem Juden, da&szlig; er Jemand nennt,<br>
+Der ihm bezeugte, wer ihn so gebl&auml;uet,<br>
+Weil sich der Dorfvogt ja zu nichts bekennt;<br>
+Da er&rsquo;s nicht konnte, wies ich ihm die Th&uuml;re<br>
+Und hie&szlig; ihn gehn, wohin sein Weg ihn f&uuml;hre.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zufrieden seh&rsquo; ich, wie sie miteinander gehen;<br>
+Da, &mdash; sie sind kaum noch recht vor dem Gemach,<br>
+War&rsquo;s uns, als ob wir kr&auml;ftig klatschen h&ouml;rten,<br>
+Begleitet von des Juden Weh und Ach!<br>
+Und wie ich Else folge, nachzusehen,<br>
+Th&auml;t der, von neuem heulend, drau&szlig;en stehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Backen haltend, schrie und klagte er in Thr&auml;nen,<br>
+Da&szlig; ihm der Dorfvogt harte Streiche gab.<br>
+Der Jude dauert&rsquo; uns, ich trat zum Fenster<br>
+Und ruf&rsquo; dem Bauer nach, der, schon im Trab,<br>
+Nicht allzu ferne mehr des Schlosses Br&uuml;cke,<br>
+Nach kurzem Z&ouml;gern wieder kam zur&uuml;cke.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich fuhr ihn an, wie er den Juden schlagen durfte,<br>
+Statt da&szlig; in Frieden er ging mit ihm fort?<br>
+Da schnitt der Schalk mir ein Gesicht und meinte,<br>
+Mich schlagend nun mit meinem eignen Wort:<br>
+&bdquo;&bdquo;Der Jud&rsquo; soll Zeugen schaffen, die es sahen,<br>
+Da&szlig; er von mir die Streiche hab&rsquo; empfahen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schier &uuml;berrascht, will eben ich&rsquo;s dem Schelm verweisen,<br>
+Als sich des Juden Maul schon grob erfrecht<br>
+Und schreit, wenn ich nicht richte, w&uuml;&szlig;t&rsquo; er einen<br>
+In Kostnitz oben, der spr&auml;ch&rsquo; sicher Recht.<br>
+Nun war&rsquo;s genug! &mdash; Ich konnt&rsquo; mich kaum noch halten,<br>
+Nicht selber meiner Knechte Amt zu walten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Brauchst Dich nicht lang zu m&uuml;hen! sage ich zum Juden,<br>
+&bdquo;Wir haben ja hier oben auch ein Loch,<br>
+Drin&rsquo; Du Dich mit dem Bauer magst vergleichen;<br>
+Thut&rsquo;s dieses nicht, bleibt Dir der Bischof noch!<br>
+Ich hoffe jedoch, werdet Euch vertragen,<br>
+Eh&rsquo; dort die Ratten Euch am Felle nagen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Trotz beider Flehen mu&szlig;te Else Jochen holen.<br>
+Ich &uuml;bergab die Streitenden dem Knecht<br>
+Mit dem Befehlicht, sie im Loch zu halten,<br>
+Bis sie entschieden h&auml;tten, wer im Recht. &mdash;<br>
+Am n&auml;chsten Morgen sa&szlig;en Beid&rsquo; in Frieden<br>
+Und waren gute Freunde, als sie schieden...&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Ein dr&ouml;hnend Lachen hallte, als der Vogt geendet,<br>
+Aus aller Munde durch den weiten Saal,<br>
+Inde&szlig; Herr Heinz dem Knechte schmunzelnd winkte<br>
+Und, als der nahgekommen, ihm befahl,<br>
+Nun wieder munter seines Amts zu pflegen,<br>
+Da er noch Durst versp&uuml;r&rsquo; nach Rebensegen.<br>
+</p>
+<p>
+In heitrer Tafelrunde sa&szlig;en sie zusammen<br>
+Und Frohsinn waltete im kleinen Kreis,<br>
+Denn viel der St&uuml;cklein gab Herr Heinz zum besten,<br>
+Die er gar launig zu erz&auml;hlen wei&szlig;;<br>
+Inzwischen kam, der Herren Durst zu wehren,<br>
+Der &bdquo;Neue&rdquo; immer mehr und mehr zu Ehren.<br>
+</p>
+<p>
+Bald aber hielt es Elsbeth an der rechten Stunde,<br>
+Da&szlig; sie dem Vater von dem Spielmann sagt,<br>
+Der in der Thurmthorhalle l&auml;ngst schon harrte,<br>
+Ob der Gesellschaft nicht ein Lied behagt.<br>
+Da ging es nicht lang, ward dem Knecht befohlen<br>
+Den fremden S&auml;nger in den Saal zu holen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Halb hingestreckt lag l&auml;ngst der Fahrende am Feuer<br>
+Und sprach mit Hansli, der ihm eifrig lauscht&rsquo;.<br>
+Es war ein Mann von reichlich f&uuml;nfzig Jahren,<br>
+Um dessen Haupt schon mancher Sturm gerauscht;<br>
+Nun Kunz erschien, hob er sich von der Streue<br>
+Und that, als ob die Einladung ihn freue.<br>
+</p>
+<img src="images/E146.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Sechstes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E147.jpg" alt="Auftritt des fahrenden Sängers"><p>
+In einem Zirkel von vergn&uuml;gten Menschen weilen,<br>
+Mit ihnen holder Eintracht sich bewu&szlig;t<br>
+Und freudig ihrem heitern Treiben lauschend,<br>
+Sein Theil zu haben an erlaubter Lust;<br>
+Wie schwinden jedem, welcher dies gefunden,<br>
+Gar eilig hin die viel zu kurzen Stunden!<br>
+</p>
+<p>
+So manches Tr&auml;nklein aus des Apothekers K&uuml;che,<br>
+Blieb unverschrieben ewig deinem Mund,<br>
+Verweiltest &ouml;fters du bei frohen Menschen<br>
+Und lachtest dich mit ihnen recht gesund;<br>
+Denn wo in Freude hell die Augen gl&auml;nzen,<br>
+Mu&szlig; sich das Herz, mu&szlig; sich die Seele lenzen.<br>
+</p>
+<p>
+Und kommt es einmal, da&szlig; du jene traurig schautest,<br>
+Mit denen du dich sonst so gern vergn&uuml;gt,<br>
+Bedenke: schweres Leid vergeht am schnellsten,<br>
+Wenn andrer Mitgef&uuml;hl sich dazu f&uuml;gt.<br>
+Vers&auml;ume nie, mit Frohen dich zu einen,<br>
+Doch hab&rsquo; auch Thr&auml;nen, siehst das Leid du weinen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+In leicht Gewand geh&uuml;llt, und in der Hand die Laute,<br>
+Trat, gr&uuml;&szlig;end, bald der Spielmann in&rsquo;s Gemach. &mdash;<br>
+&bdquo;He, V&ouml;glein federleicht! woher des Weges?<br>
+Welch L&uuml;ftlein blies Dich unter unser Dach?...&rdquo;<br>
+Rief, ihm zum Gru&szlig;e, laut Herr Heinz entgegen,<br>
+Doch war der Fremde darob nicht verlegen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein kleiner Schalk nur blitzte aus den grauen Augen,<br>
+Nun er, sich neigend, zu dem Vogte sprach:<br>
+&bdquo;Wei&szlig; nicht, in welchem Busch mein Nest gewesen,<br>
+Ich fragte auch nie sonderlich darnach.<br>
+Da&szlig; ich zur Welt kam, m&uuml;&szlig;t Ihr mir verzeihen,<br>
+Kann ich auch nicht die Alten benedeien!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So es den Herrn gef&auml;llig, mag ich wohl erz&auml;hlen,<br>
+Von wo ich komm&rsquo;, doch nicht, wohin ich will;<br>
+Da k&ouml;nnt&rsquo; der Wind Euch besser Antwort geben!&rdquo;<br>
+Und nun der Spielmann sah, da&szlig; alles still<br>
+Bis auf den Vogt, der, ihn ermunternd, nickte,<br>
+Er zum Erz&auml;hlen drauf sich schnell anschickte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zum Nest hinaus geworfen, als ich kaum konnt&rsquo; flattern,<br>
+Sucht&rsquo; ich die Atzung auf gar manche Art.<br>
+Wie andern V&ouml;glein hat auch mir der Himmel<br>
+In seiner Weisheit &rsquo;s Hungern nicht erspart,<br>
+Und m&uuml;hsam erst ging es von Ast zu Aste,<br>
+Wie es dem armen Piepmatz grade pa&szlig;te.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, als die Fl&uuml;gelein mir m&auml;lig kr&auml;ftig wurden,<br>
+That ich in&rsquo;s Land hinaus den ersten Flug;<br>
+Auf schwankem Zweiglein hab&rsquo; ich oft gesessen,<br>
+Mich nachher wundernd, wie nur dies mich trug.<br>
+Am Tag ging&rsquo;s lustig fort von Baum zu Baume,<br>
+Des Abends wiegt ich mich in heitrem Traume.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Beim ersten Morgengraun stieg ich in&rsquo;s Blau der L&uuml;fte,<br>
+Es gr&uuml;&szlig;te froh die Sonne mein Gesang.<br>
+Das Leben ist doch sch&ouml;n! pfiff ich mit andern,<br>
+Auf Treu und Glauben, ganze Tage lang.<br>
+Da nahm ein j&auml;hes End&rsquo; das Jubilirens,<br>
+Der Winter kam, jung V&ouml;glein mu&szlig;te frieren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Von ungef&auml;hr kam ich zu einer Klosterpforten,<br>
+Und lud mich da f&uuml;r Winter lang zu Gast.<br>
+Gern hie&szlig;en mich die frommen Herrn willkommen,<br>
+Da mein Diskant zu ihrem Chore pa&szlig;t&rsquo;;<br>
+Wo es an hellen Stimmen schien zu fehlen,<br>
+So viel auch feucht sie hielten Mund und Kehlen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Sie gingen denn auch wacker dran, mir einzu&uuml;ben,<br>
+Was ihnen d&auml;uchte Noth zur Singekunst;<br>
+Ich aber lernte gern und lie&szlig; mich meistern,<br>
+Empf&auml;nglich f&uuml;r der Lehrer Wort und Gunst.<br>
+Bald klang, wie Nachtigallensang im Rohre,<br>
+Mein Stimmlein t&auml;glich mit im Orgelchore.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da, als die L&uuml;fte wieder lind und milde wehten,<br>
+Vom Hang in tausend B&auml;chlein schmolz der Schnee,<br>
+Die ersten Knospen aus den Stauden brachen,<br>
+Ward mir im Herzen, ich wei&szlig; nicht, wie weh.<br>
+Des Klosters Futter wollt&rsquo; nicht mehr behagen,<br>
+Zwar hatt&rsquo; ich Ursach&rsquo; nicht, mich zu beklagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch eine Sehnsucht, &uuml;berm&auml;chtig, unbesieglich,<br>
+Ri&szlig; mich dahin; ich konnt&rsquo; der Wolken Zug<br>
+Ob meinen H&auml;upten stundenlang betrachten<br>
+Und sie beneiden um den freien Flug,<br>
+Mit welchem sie am blauen Himmelsbogen,<br>
+Gleich stolzen Schiffen, in die Ferne zogen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Noch hielt ich tapfer aus, bis am Sankt Seppentage,<br>
+Der heil&rsquo;ge Joseph ist mein Schutzpatron,<br>
+Mein Sehnen ich nicht l&auml;nger mochte zwingen<br>
+Und heimlich aus dem K&auml;fig flog davon.<br>
+Im Freien konnt&rsquo; ich nun die Glieder dehnen,<br>
+Doch stillte das mir nicht des Herzens Sehnen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Willkomm! Willkomm! rief es aus jedem Busch entgegen.<br>
+Willkommen! Sag&rsquo;, wo bliebst Du denn so lang?<br>
+So scholl es fr&ouml;hlich aus viel hundert Kehlen<br>
+Und jubelnd stimmt&rsquo; ich ein in ihren Sang;<br>
+Der Dompfaff sang die Mess&rsquo; am Morgen fr&uuml;he,<br>
+Der Chor ert&ouml;nte hell von B&uuml;hl und Fl&uuml;he.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In voller Lenzespracht stand ringsum Wald und Anger,<br>
+Die B&auml;chlein murmelten, es blitzt&rsquo; der See;<br>
+Ein jeder Strauch trug sch&ouml;n ein Festgew&auml;ndlein,<br>
+Aus zartgewebtem, duft&rsquo;gem Bl&uuml;thenschnee,<br>
+Und lustig Lebens gab&rsquo;s auf allen Zweigen!<br>
+Dem B&uuml;rschlein hing der Himmel voller Geigen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Land auf, Land ab, durch gr&uuml;ne Th&auml;ler, &uuml;ber H&ouml;hen<br>
+Trug mich der F&uuml;&szlig;e unerm&uuml;dlich Paar;<br>
+All&uuml;berall empfing mich lauter Jubel<br>
+Von der Gesellen leicht besohlter Schaar.<br>
+Vergessen war das Hungern, war das Frieren,<br>
+Ob eitel Kurzweil, Scherz und musiciren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Leben ist so sch&ouml;n! ward wieder flott gepfiffen,<br>
+Ich lud mich froh bei Fr&ouml;hlichen zu Gast;<br>
+Doch wenn ich m&uuml;de Abends kam zum Lager,<br>
+Hielt neue Sehnsucht mir das Herz erfa&szlig;t;<br>
+Schlief dann ich ein, sah ich, in s&uuml;&szlig;en Tr&auml;umen,<br>
+Ein traulich H&uuml;ttlein zwischen Bl&uuml;thenb&auml;umen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am Morgen aber wurde wieder frisch gesungen,<br>
+Und ging dies so durch manche Woche hin;<br>
+Ein h&uuml;bsch Gew&auml;ndlein war mir eigen worden,<br>
+Auf das ich lange stolz gewesen bin,<br>
+Als ich, es war an einem Sonntag eben,<br>
+Der tiefen Sehnsucht Deutung sollt&rsquo; erleben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit viel Gesellen hatt&rsquo; auch ich den Zug genommen<br>
+Durch&rsquo;s Baierland in&rsquo;s sch&ouml;ne Oesterreich.<br>
+Der Atzung gab&rsquo;s genug auf solcher Reise<br>
+Und wo wir ruhten, blieb uns herzlich gleich;<br>
+Ob wir Land auf, Land ab den Weg genommen,<br>
+Man hie&szlig; uns &uuml;berall gleich froh Willkommen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da kamen wir, noch fr&uuml;h am Tage, in ein St&auml;dtlein,<br>
+Wo man uns Herberg wies im &bdquo;g&uuml;ldnen Kranz;&rdquo;<br>
+Der Zeche halber sang ich ein paar Weisen,<br>
+Drauf fiedelten die andern einen Tanz,<br>
+Und, eh&rsquo; wir uns recht umsahn, war die Stuben<br>
+Euch dicht gedr&auml;ngt voll M&auml;del und voll Buben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun gab es lustig Streiten bei dem jungen Volke,<br>
+Die einen wollten Sang, die andern Tanz;<br>
+Ein hell Gesichtlein dr&auml;ngte sich mir nahe,<br>
+Ich sehe noch der Sammetaugen Glanz, &mdash;<br>
+Und bat mich mit kirschrothem M&uuml;ndlein leise,<br>
+Ihm doch zu singen eine sch&ouml;ne Weise.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gar gern gef&auml;llig, hie&szlig; ich da die andern schweigen<br>
+Und sang ein Lied, wie ich noch keines sang;<br>
+Vom Herzen l&ouml;sten sich die Melodeien,<br>
+Gleich Perlen klar, in hellem, frischem Klang,<br>
+Denn meiner Sehnsucht Stern war aufgegangen;<br>
+Zwei Thr&auml;nlein blinkten auf des M&auml;gdleins Wangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Thr&auml;nen mu&szlig;t du trocknen! sprach ich zu mir selber<br>
+Und &auml;nderte die Weise und das Lied;<br>
+In s&uuml;&szlig;en T&ouml;nen fing ich an zu locken,<br>
+Wie es die V&ouml;glein drau&szlig;en thun im Ried,<br>
+Den Blick konnt&rsquo; ich dabei nicht von ihr wenden,<br>
+Da ihre dunklen Augen schier mich blenden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und sieh! Kaum war ich mit dem letzten Lied zu Ende,<br>
+War auch der Z&auml;hren letzte Spur davon;<br>
+Ein helles Roth zog auf die zarten Wangen,<br>
+Gleich Rosen, aufgebl&uuml;ht zu meinem Lohn.<br>
+Des M&auml;gdleins Beifall wollt&rsquo; ich mir erringen<br>
+Und h&auml;tt&rsquo; ich m&uuml;ssen Tag und Nacht durch singen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es galten denn auch ihm nur meine sch&ouml;nsten Weisen;<br>
+Gar wenig scheerte mich der andern Lob.<br>
+Ein s&uuml;&szlig; Verlangen lie&szlig; mein Herz erbeben,<br>
+So oft den sch&ouml;nen Blick sie zu mir hob,<br>
+Und ehe noch mein letztes Lied verklungen,<br>
+Hatt&rsquo; ich mich tief der Maid in&rsquo;s Herz gesungen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie nun die Fiedler einen muntern Hopser spielten<br>
+Und sich die andern drehn in frohem Muth,<br>
+Naht sch&uuml;chtern mir die Holde sich bedankend,<br>
+Ihr lieblich Antlitz deckte tiefe Gluth;<br>
+Mir aber ward ganz wunderbar zu Sinne,<br>
+Das stille Sehnen hie&szlig; auf einmal Minne.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Geigen hell Erklingen zog auch uns zum Tanze,<br>
+Die Feine wiegte sich in meinem Arm;<br>
+Vor Freuden jauchzend schwang ich mich im Reigen,<br>
+Ihr K&ouml;pfchen lag an meinem Herzen warm.<br>
+Was mir die tiefen, dunkeln Blicke sagen,<br>
+Errathen hab&rsquo; ich&rsquo;s, ohne viel zu fragen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da ward es m&auml;lig sp&auml;t, die Fiedeln mu&szlig;ten schweigen,<br>
+Und Alt und Jung zog in die Nacht hinaus.<br>
+Ich folgte heimlich mit der Maid am Arme,<br>
+Durch Gassen kreuz und quer zu ihrem Haus;<br>
+Was wir uns sagten, m&ouml;get selbst Ihr denken<br>
+Und darum diesen Theil mir gn&auml;dig schenken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Paternoster, freilich, wurde nicht gesprochen!<br>
+Als sp&auml;t und doch zu fr&uuml;h das Scheiden kam,<br>
+Hing sie in hei&szlig;em Ku&szlig; an meinen Lippen<br>
+Und war in Thr&auml;nen, da sie Abschied nahm;<br>
+Dann huschte sie in&rsquo;s Haus, durch einen Garten.<br>
+Ich wu&szlig;t&rsquo; nicht, sollt&rsquo; ich gehen oder warten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch ging es eine Weile, eh&rsquo; ich mich konnt&rsquo; trennen<br>
+Vom Ort, der Zeuge war von meinem Gl&uuml;ck.<br>
+Ein nahend Wetter hie&szlig; mich endlich gehen,<br>
+Und langsam suchte ich den Weg zur&uuml;ck,<br>
+Verfehlte aber bald die rechte Gasse;<br>
+Denn es war dunkel, wie in einem Fasse.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Voll Zuversicht, die Gasse wieder aufzufinden,<br>
+So mich zur&uuml;ck zur Herberg f&uuml;hren th&auml;t,<br>
+Schritt ich die H&auml;userreihen still vor&uuml;ber,<br>
+Um nicht zu wecken, denn es schien mir sp&auml;t;<br>
+War aber in dem Dunkel nichts zu wollen!<br>
+Nur ferne Blitze und des Donners Rollen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein halbes St&uuml;ndlein vielleicht war drob hingegangen,<br>
+Da brach das Wetter los mit aller Macht;<br>
+Ich suchte schirmend Obdach zu ersp&auml;hen,<br>
+So oft ein Blitz durchbrach die schwarze Nacht,<br>
+Und endlich sah ich, unfern mir, zur Linken,<br>
+Ein Heil&rsquo;genbild in einer Nischen winken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In solchem Schirmen durfte ich mich sicher w&auml;hnen,<br>
+War doch die Nische selbst noch unter Dach;<br>
+Gelassen sucht&rsquo; ich ein behaglich Pl&auml;tzchen<br>
+Und sann zufrieden meinem Gl&uuml;cke nach,<br>
+Derweil die Blitze grell den Himmel sengten<br>
+Und schwere Wolken &uuml;berm St&auml;dtlein dr&auml;ngten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bald tr&auml;umte ich gar s&uuml;&szlig; von einem sel&rsquo;gen Leben,<br>
+Das mir die Zukunft wies in goldnem Schein.<br>
+Mein fahrend Dasein hatt&rsquo; ich aufgegeben,<br>
+Sah hier am Orte schon ein Nestlein mein;<br>
+In welchem th&auml;t als Hausfrau lieblich walten,<br>
+Das M&auml;gdlein, so ich heut&rsquo; im Arm gehalten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, w&auml;hrend so ich tr&auml;umte, ward das Wetter b&ouml;ser,<br>
+Die Fenster klirrten, da und dort ward&rsquo;s hell,<br>
+Auch eine Wetterglocke h&ouml;rt&rsquo; ich l&auml;uten;<br>
+Die Donnerschl&auml;ge folgten sich gar schnell.<br>
+Mich aber k&uuml;mmerte kein Blitzezucken,<br>
+Durft&rsquo; unter gutem Schirme mich ja ducken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da scho&szlig; mit einem Mal ein Meer von gelben Flammen.<br>
+Herunter auf des St&auml;dtleins Giebelreihn,<br>
+Von unheimlichem Knattern arg begleitet;<br>
+Draus lohte hoch ein rother Feuerschein,<br>
+Dem lautes Schreien folgte, so mir k&uuml;ndet,<br>
+Da&szlig; in der Stadt des Wetters Strahl gez&uuml;ndet!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bald wogte lautes Treiben durch die finstern Gassen,<br>
+Man konnte kaum sein eigen Wort verstehn;<br>
+Die einen schleppten Leitern, andre Eimer,<br>
+Mit denen sie in Hast zum Brunnen gehn,<br>
+Inde&szlig; am Himmel eine Feuergarbe<br>
+Auf Meilen leuchtete in rother Farbe.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Jetzt lockt&rsquo; auch mich der B&ouml;se aus dem sichern Winkel!<br>
+Ich lie&szlig; den guten Heiligen im Stich<br>
+Und trabte, gleich des St&auml;dtleins bestem Burger,<br>
+Zur L&ouml;scharbeit fast au&szlig;er Athem mich;<br>
+War freilich unn&uuml;tz, da&szlig; ich also rannte,<br>
+Da ich den Pelz dabei mir arg verbrannte!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Thu&rsquo; einen Schluck, Gesell, und dann bericht&rsquo; uns weiter,&rdquo;&rdquo;<br>
+Sprach zum Erz&auml;hler hier der Wasserstelz.<br>
+Der Spielmann nahm den Krug, von Kunz geboten,<br>
+Und leerte ihn, mit einem &bdquo;Gott vergelts!&rdquo;<br>
+Zum Staunen Aller fast in einem Zuge,<br>
+Als ob nur etlich Tr&ouml;pflein in dem Kruge.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am Aermel sich die nassen Lippen trocken wischend,<br>
+Fuhr drauf er fort: &bdquo;So flog ich denn dahin,<br>
+Nicht achtend auf das Wirrsal in den Gassen,<br>
+Da&szlig; fast der Erste ich beim Feuer bin.<br>
+Hoch schwang ich einen Eimer in den H&auml;nden,<br>
+Die Flamme leckte schon an allen W&auml;nden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Da, wie ich helfen will, dem Element zu wehren,<br>
+Packt meinen Nacken eine grobe Faust<br>
+Und h&ouml;r&rsquo; ich schreien: &bdquo;Heda, greift den Strolchen!&rdquo;<br>
+Inde&szlig; ein Schlag auf mich herunter saust,<br>
+Der mich, so lang ich bin, zu Boden streckte,<br>
+Da&szlig; mir das Feuer aus den Augen leckte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Fahrende ist an dem Brande schuldig!&rdquo; h&ouml;rte<br>
+Ich rufen, dann ging mir der Athem aus;<br>
+Ein schwerer Fu&szlig;tritt raubte die Besinnung,<br>
+Die erst mir wieder ward im B&uuml;ttelhaus.<br>
+Und nun, hochedle Herren, kam ein Leben,<br>
+Wie&rsquo;s schlechter nicht dem &auml;rmsten Hund gegeben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schon andern Tages stand ich vor des St&auml;dtleins Richter,<br>
+Der flissentlichen Brandstiftung verklagt;<br>
+Da&szlig; ich zur Nachtzeit nicht im Nest gewesen,<br>
+Ward ihm vom Herbergsvater eh&rsquo; gesagt.<br>
+Dir winkt das Dreibein, dacht&rsquo; ich, bist verloren,<br>
+Vom Schicksal als ein Opfer auserkoren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch nahm ich mich zusammen und beschrieb dem Richter<br>
+Gewissenhaft, wie sich zum Brandplatz kam.<br>
+Da&szlig; ich im Dunkel abends mich verirrte,<br>
+Vorm Wetter dann beim Bildstock Deckung nahm,<br>
+Und auch der Heil&rsquo;ge mich beschirmet h&auml;tte,<br>
+Lief nicht, zu helfen, ich zur Ungl&uuml;cksst&auml;tte.&rdquo;<br>
+</p>
+<img src="images/E158_159.jpg" alt="Der fahrende S&auml;nger wird am Brandherd ergriffen">
+<p>
+&bdquo;Nur von dem M&auml;gdlein und dem Gang mit ihr nach Hause<br>
+Mocht&rsquo; nicht ich sprechen, sonst war alles wahr.<br>
+Der Richter jedoch nannt&rsquo; es eitel L&uuml;gen,<br>
+Von weitem schon jedweder Wahrheit bar;<br>
+Wie ich auch schwur, es wollte nichts verschlagen,<br>
+Er lie&szlig; mich mit der Folter peinlich fragen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ward ich denn den Wasenknechten &uuml;berwiesen,<br>
+Die bas sich freuten auf den Zeitvertreib,<br>
+Des fremden Vogels Federlein zu rupfen<br>
+Und ihn zu r&ouml;sten bei lebend&rsquo;gem Leib.<br>
+Mit Zittern trat ich in die Marterkammer,<br>
+Die bald auch wiederscholl, von meinem Jammer.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein jeder Tag schier brachte neue Qual und Schmerzen.<br>
+Die Teufel steigerten mir Grad f&uuml;r Grad<br>
+Die Marter, ach, ein zehenfaches Sterben!<br>
+Und grinsten h&ouml;hnisch: &bdquo;Bist noch gut f&uuml;r&rsquo;s Rad!&rdquo;<br>
+Als sie mich mit den hei&szlig;en Zangen kniffen,<br>
+Da&szlig; zischend tief in&rsquo;s Fleisch die Eisen griffen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, trotzdem sie die Qualen t&auml;glich fast erneuten,<br>
+Ich blieb dabei und sprach kein weiter Wort,<br>
+Als was dem Richter gleich schon ich bekannte,<br>
+Und was ich wiederholte fort und fort:<br>
+Da&szlig; ich die Herberg blo&szlig; deshalb verlassen,<br>
+Um Luft zu sch&ouml;pfen in des St&auml;dtleins Gassen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Lag dann ich wieder einsam auf dem Stroh des Kerkers,<br>
+Wo ich vor Schmerz zur Nacht mich schlaflos wand,<br>
+Kam wohl mir in den Sinn, es m&ouml;chte n&uuml;tzen,<br>
+W&uuml;rd&rsquo; etwas lockern ich der Zungen Band<br>
+Und frei bekennen, um des M&auml;gdleins Willen<br>
+Sei sp&auml;t der Herberg ich entschl&uuml;pft im Stillen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch lieber h&auml;tt&rsquo; ich mir die Zunge abgebissen,<br>
+Eh&rsquo; ich die Holde meinethalb verrieth.<br>
+Ich schwieg also und lie&szlig; mich weiter martern,<br>
+Stumm wie ein Wild, das keinen Ausweg sieht.<br>
+Bist hin! dacht&rsquo; ich, und hast nur zu errathen,<br>
+Ob sie dich h&auml;ngen werden oder braten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als sie jetzt sahen, da&szlig; ich Nichts verlauten lasse,<br>
+Da hielten sie mit Foltern endlich ein<br>
+Und gaben etwas Ruh&rsquo; dem armen K&ouml;rper,<br>
+Sich zu erholen von der schweren Pein;<br>
+Auch, da&szlig; ich mich dem Rathe zeigen konnte,<br>
+Wenn der sein Urtel mir zu staben gonnte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zum Sterben elend, sa&szlig; ich nun in meinem Loche<br>
+Und sann, auf feuchtem Lager, f&uuml;r mich hin,<br>
+Voll Sehnsucht auf mein letztes St&uuml;ndlein harrend:<br>
+Ach, wenn ich nur des Leidens ledig bin,<br>
+Das mir mein traurig Dasein aufgebunden<br>
+So bleibt es gleich, was f&uuml;r ein End ich funden...!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch w&auml;hrend solchem Harren heilten meine Wunden;<br>
+Dem Schlaf, so lang entbehrt, sank ich in Arm;<br>
+Ich schwang mich, tr&auml;umend, mit der Maid im Reigen,<br>
+Ihr rothes M&uuml;ndlein k&uuml;&szlig;te mich so warm.<br>
+In trautem Plaudern kos&rsquo;ten wir zusammen,<br>
+Bis ringsum stand die ganze Welt in Flammen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Kette Klirren aber st&ouml;rte meinen Schlummer<br>
+Und ich besann mich, da&szlig; nur Traum und Schaum,<br>
+Was statt des M&auml;gdleins mich jetzt oft umkos&rsquo;te.<br>
+Entsetzen packte mich im Kerkerraum;<br>
+Ich rang mir wund die kaum geheilten H&auml;nde<br>
+Und flehte st&ouml;hnend um ein schnelles Ende.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Solch ein Erwachen war viel tausendfaches Leiden,<br>
+Verglichen mit der Folter argem Schmerz,<br>
+In hellem Wahnsinn ri&szlig; ich an der Kette,<br>
+Die Kraft versuchend an dem harten Erz;<br>
+Ich war zu gl&uuml;cklich wohl im Traum gewesen,<br>
+Als da&szlig; ich, wach nun, davon konnt&rsquo; genesen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So qu&auml;lte ich mich wochenlang, bis eines Morgens<br>
+Erschlossen ward die Th&uuml;re und parat<br>
+Ein Weibel stund, umgeben von den Schergen,<br>
+Die mich begleiten mu&szlig;ten vor den Rath.<br>
+Im Sonnenschein lief Volk in allen Gassen.<br>
+Ich, schier geblendet, wankte durch die Massen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Herren sa&szlig;en ernst auf sch&ouml;n geschnitzten Siedeln<br>
+Und sahen finster blickend auf mich her;<br>
+Der Wasenmeister mu&szlig;te r&uuml;ckw&auml;rts treten,<br>
+Da&szlig; frei ich stand mit meiner Kette schwer.<br>
+Dann fing man zu verklagen an, zu fragen;<br>
+Ich mu&szlig;te ihnen nochmals alles sagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Geduldig gab ich Red&rsquo; und Antwort ihren Fragen,<br>
+Erz&auml;hlte alles wahr und unverwandt;<br>
+Die Herren aber machten strenge Mienen,<br>
+Als ich zum Schlusse keine Schuld bekannt.<br>
+Da bat ich denn, mein Urtel schnell zu sprechen<br>
+Und &uuml;ber mich nur gleich den Stab zu brechen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun flogen Red&rsquo; und Widerrede hin und wieder,<br>
+Gar manches fremde Wort kam mir zum Ohr;<br>
+Schon stand ich lange, ihres Spruchs gew&auml;rtig,<br>
+Da trat ein altes M&auml;nnlein langsam vor.<br>
+Man sah ihm an, das Gehen ward ihm schwierig,<br>
+Auch schwiegen Alle, auf sein Wort begierig.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mich streifte nur ein Blick aus seinen dunkeln Augen,<br>
+Die tief versenkt im faltigen Gesicht;<br>
+Dann wandte er sich zu den Rathscollegen,<br>
+Die lauschten still; sein Votum fand Gewicht.<br>
+Ich aber konnt&rsquo; den Blick nicht von ihm trennen,<br>
+Mir war, als sollt&rsquo; ich diese Augen kennen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Wollt nicht aburteln,&rdquo;&rdquo; kam es aus des M&auml;nnleins Munde,<br>
+&bdquo;&bdquo;Eh&rsquo; Ihr zuvor auch mich gela&rsquo;n.<br>
+In jener Ungl&uuml;cksnacht sah ich vom Fenster<br>
+Des Wetters Toben lange Zeit mit an;<br>
+Die Erde zitterte in ihren Gr&uuml;nden<br>
+Und jeder Strahl schien in der Stadt zu z&uuml;nden.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Da ist es leichtlich, da&szlig; wir doch uns irren k&ouml;nnten<br>
+Und Wahrheit w&auml;re, was der Bursche spricht.<br>
+Ich fordre also Namens seiner Zeugen,<br>
+Ihm zu beweisen, eh&rsquo; den Stab man bricht,<br>
+Da&szlig; er es war, wie uns die Klage k&uuml;ndet,<br>
+Und nicht der Strahl, der uns das Haus gez&uuml;ndet.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Der Unschuld Blut vergie&szlig;en, hei&szlig;t sich selber strafen;<br>
+Doch ist, Gottlob, noch Recht allhier der Brauch,<br>
+Da&szlig;, wenn wir richten, wir nicht f&uuml;rchten m&uuml;ssen,<br>
+Es komme Unheil uns durch solchen Gauch.<br>
+Drum fordre Zeugen ich zum andern Male,<br>
+Dem Recht das Recht zu wahren hier im Saale!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;So weit die Sonne scheinet in des Kaisers Landen,<br>
+So weit noch Christenglocke t&ouml;nt im Reich,<br>
+So weit an Mutterbr&uuml;sten Kindlein hangen,<br>
+So weit wir alle vor dem Herre gleich,<br>
+So weit am Himmel mahnen Blitzes Flammen,<br>
+Soll keinen rechtlos man zum Tod verdammen.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Wie wir durch Gottes Gnade Seligkeit erhoffen,<br>
+So ist&rsquo;s, nach altem Brauche, Richters Pflicht,<br>
+Beweise von dem Kl&auml;ger einzufordern,<br>
+Eh&rsquo; man ein Urtel dem Verklagten spricht &mdash;<br>
+Traun! diesem Brauche wollen wir uns beugen:<br>
+Zum dritten Male fordre ich die Zeugen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Hochedler Schulthei&szlig;, wollet nun gebieten, nachdem<br>
+Die M&auml;nner wir besiebnet, da&szlig; man h&ouml;rt,<br>
+Was jene wissen und ob jeder willig,<br>
+Die Aussage mit seinem Eid beschw&ouml;rt;<br>
+Dann m&ouml;get Ihr getrost das Urtel sprechen<br>
+Und &mdash; tr&auml;gt der Bursche Schuld, den Stab ihm brechen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nach diesen Worten hielt das M&auml;nnlein keuchend inne;<br>
+Das Sprechen ward ihm sichtbar endlich schwer.<br>
+Er lie&szlig; sich auf die n&auml;chste Siedeln nieder,<br>
+Wo nun er harrte, ob sie dem Begehr<br>
+Nach Zeugen, die ihr Wort beschw&ouml;ren sollten,<br>
+Im Rathe unverk&uuml;rzt willfahren wollten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch mocht&rsquo; des Alten Wort im Rathe Geltung haben;<br>
+Es dauerte nicht lange, ward erkl&auml;rt<br>
+Vom Schulthei&szlig;, der im Rath den Vorsitz hatte,<br>
+Da&szlig; man die Zeugenabh&ouml;r ihm gew&auml;hrt,<br>
+Und seien jene eidlich zu verh&ouml;ren;<br>
+Kein Irrthum d&uuml;rfe gutes Recht beth&ouml;ren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein Nicken von dem Alten galt als Dank dem Schulthei&szlig;;<br>
+Dann rief ein Schreiber laut die Zeugen vor.<br>
+Es waren vier&rsquo;, die in die Schranken traten,<br>
+Doch ihre Namen ich schon lang verlor;<br>
+Nur Einen kannt&rsquo; ich an den F&auml;usten wieder,<br>
+Die mich beim Brande damals schlugen nieder.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie nun die Zeugen reden sollten, stand der Alte<br>
+Nochmals vom Stuhle auf; es sprach sein Mund<br>
+Den vieren zu, der Wahrheit treu zu bleiben;<br>
+Gott sehe jedem Herzen auf den Grund<br>
+Und sei ihm selbst der Eidschwur des Gerechten<br>
+Nicht wohlgef&auml;llig, wie vielmehr des Schlechten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So sprach er lang und breit, ein Pfaffe macht&rsquo;s nicht besser,<br>
+Der auf der Kanzel seine Predigt thut.<br>
+Mir war dabei, als spr&auml;ch&rsquo; aus seinen Worten<br>
+Es oft wie Mitleid f&uuml;r mein junges Blut,<br>
+Und trafen mich die gro&szlig;en, dunkeln Blicke,<br>
+F&uuml;hlt&rsquo; ich&rsquo;s wie Trost in meinem Mi&szlig;geschicke.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als er geendet, gab des Rathes d&uuml;rrer Schreiber<br>
+Dem ersten Zeugen zum Bericht das Wort.<br>
+Gar kurz erz&auml;hlte der, wie er getroffen,<br>
+Der ersten einen, mich am Ungl&uuml;cksort,<br>
+Und wie er mich als Fremden gleich erkannte,<br>
+Der nichts zu schaffen hatte, wo es brannte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Im Unmuth ob der Rede fa&szlig;te ich die Kette<br>
+Und hob die Hand beschw&ouml;rend hoch empor,<br>
+Mit lautem Mund dem Rathe wiederholend,<br>
+Wie ich durch Zufall nur den Weg verlor,<br>
+Dann mit der Burgerschaft zu retten eilte,<br>
+Weil ich nicht fern vom Brand geborgen weilte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit harten Worten hie&szlig;en sie mich jedoch schweigen;<br>
+Ich knirschte mit den Z&auml;hnen und blieb still.<br>
+Vergeblich, dacht&rsquo; ich, ist des Einen K&auml;mpfen,<br>
+Wenn um ihn jeder sein Verderben will.<br>
+Sein letztes Liedchen mag das V&ouml;glein singen,<br>
+Denn es sitzt arg verstrickt in b&ouml;sen Schlingen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es sprach der Zeuge weiter: Weil solch fremd&rsquo; Gesindel<br>
+Zu Allem f&auml;hig, habe der Verdacht,<br>
+Ich sei der Th&auml;ter, Jedermann befallen,<br>
+Sonst h&auml;tten sie mich dingfest nicht gemacht.<br>
+Von Andrem aber, schwur er, nichts zu wissen &mdash;<br>
+Er hat der Wahrheit ehrlich sich beflissen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die andern drei best&auml;tigten des ersten Rede,<br>
+Sie auch bekr&auml;ftigend mit Eid und Schwur.<br>
+Mir aber ward ganz wunderlich zu Muthe;<br>
+Ich glaub&rsquo; die Augen zeigten Wassers Spur.<br>
+In allen Gliedern f&uuml;hlt&rsquo; ich frisches Leben,<br>
+H&auml;tt&rsquo; schier den M&auml;nnern einen Ku&szlig; gegeben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein eigenartig Ding ist doch des Menschen Wesen!<br>
+Der Kl&uuml;gste bleibt ein ungenesen Kind.<br>
+Sein bl&ouml;des Aug&rsquo; die Pfade nie erschauet,<br>
+So ihm zum Heil von Gott gebahnet sind!<br>
+Verzweiflung hielt mich wochenlang umfangen,<br>
+Da&szlig; ich am liebsten in den Tod gegangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und nun, da schwach ein Stern am dunkeln Himmel blinkte,<br>
+Der wieder goldne Lebenshoffnung gab,<br>
+Entfalteten sich neu des Geistes Schwingen;<br>
+Ich hob mich k&uuml;hnlich &uuml;ber&rsquo;s offne Grab.<br>
+Das Leben wechselt zwischen Furcht und Hoffen,<br>
+Bis endlich uns des Todes Pfeil getroffen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, eh&rsquo;s zur Freiheit ging, gab es noch b&ouml;se Stunden,<br>
+Denn als die Viere ihren Spruch gethan,<br>
+Ward lange hin und her im Rath verhandelt, &mdash;<br>
+Ob sie den Vogel d&uuml;rften fliegen la&rsquo;n.<br>
+Ein alter Rathsherr meinte vielbed&auml;chtig,<br>
+Ich sei ihm, trotz der Zeugen Spruch, verd&auml;chtig.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein andrer rief, die Schuld sei unerwiesen, daher<br>
+Am besten auch, sie lie&szlig;en mich gleich gehn,<br>
+Da&szlig; nicht des St&auml;dtleins S&auml;ckel erst noch Kosten<br>
+F&uuml;r solchen Strolches Unterhalt entstehn;<br>
+Nur sollten vorher sie mich schw&ouml;ren lassen,<br>
+Zu meiden fortan Banngebiet und Gassen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da nun das M&auml;nnlein sah, da&szlig; nicht sie einig w&uuml;rden,<br>
+Erhob es sich vom Stuhl mit ernstem Mund<br>
+Und sprach: Wenn trotz dem Schwure der vier Zeugen<br>
+Ich doch verd&auml;chtig scheine noch zur Stund&rsquo;,<br>
+So sollte man auch hier nach Recht verfahren,<br>
+Und damit Zeit und unn&uuml;tz Reden sparen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und das geschah denn auch. Die R&auml;the wurden stille;<br>
+Auf wohlverstandnen Wink des Schulthei&szlig; schob<br>
+Der Freimann wenig sanft mich aus dem Saale.<br>
+Wie Nebel war&rsquo;s, was meinen Blick umwob,<br>
+Denn, schwach gemacht vom Foltern und vom Fasten,<br>
+F&uuml;hlt zentnerschwer ich meiner Fesseln Lasten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Spannung, zu erfahren, was sie nun beschl&ouml;ssen,<br>
+Hielt aufrecht mich indessen drau&szlig;&rsquo; im Flur,<br>
+Und immer st&auml;rker kam mir der Gedanke:<br>
+Sie werden los mich geben mit dem Schwur,<br>
+Ihr Banngebiet auf ewig zu vermeiden;<br>
+Was ich geschworen h&auml;tt&rsquo; mit tausend Eiden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dazwischen gab es von des Wasenmeisters Knechten<br>
+Noch manchen Puff, weil&rsquo;s nicht zum Galgen ging,<br>
+An den sie mich so gern gehangen h&auml;tten;<br>
+Doch achtete ich solches nur gering;<br>
+Mein Trost war ja, es kann nicht lang mehr dauern,<br>
+Bis hinter mir des St&auml;dtleins Thor und Mauern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gleich einer Schnecke langsam, schlich die Zeit von hinnen;<br>
+Fast d&auml;uchte mich, da&szlig; drinnen sie im Saal<br>
+Mit meinem Spruche gar nicht fertig w&uuml;rden;<br>
+Es schuf die Ungeduld mir harte Qual.<br>
+Jung Blut hat eben wenig Zeit und Weile,<br>
+Hofft, da&szlig; Erf&uuml;llung gleich den Wunsch ereile!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da endlich ward des Saales Th&uuml;re aufgerissen,<br>
+Ein B&uuml;ttel rief den Wasenmeister an,<br>
+Mich wiederum dem Rathe vorzuf&uuml;hren;<br>
+Er selbst ging stolzen Schrittes uns voran.<br>
+Der Freiheit mich schon freuend in Gedanken,<br>
+Trat leichtern Sinn&rsquo;s ich dies Mal vor die Schranken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie vorher winkte jetzt der Schulthei&szlig; seinem Schreiber,<br>
+Der gleich darauf mit wichtigem Gesicht<br>
+Und feierlichem Ton begann zu lesen;<br>
+Doch was er las, verstand ich leider nicht,<br>
+Am Schlu&szlig; nur hie&szlig; es: aus sothanen Gr&uuml;nden<br>
+Sei Deliquent das Urtel zu verk&uuml;nden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Dem Rubrikaten ist fr&uuml;h, nach dem Hahnenkrahte<br>
+Vom Freimann morgen vor der Rathhaus-Wacht,<br>
+Der Galgen auf dem Nacken einzubrennen,<br>
+Da&szlig; er hinf&uuml;ro kanntlich sei gemacht, &mdash;<br>
+Nach solchem aber mittelst Ruthenhieben,<br>
+Von wegen Rechtens aus dem Thor zu schieben.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schier sank ich hin ob diesem allzuharten Urtel;<br>
+Man forderte daf&uuml;r noch meinen Dank,<br>
+Weil mich der Rath so gn&auml;dig angesehen,<br>
+Da&szlig; morgen schon ich w&uuml;rde frei und frank.<br>
+Mein leiser Fluch mocht&rsquo; ihnen daf&uuml;r gelten,<br>
+Denn bessern Dank verdienten wohl sie selten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bislang sah ich im Leben wenig solcher Stunden,<br>
+Wie ich sie durchgemacht in jener Nacht,<br>
+Die mich von der ersehnten Freiheit trennte;<br>
+In wildem Fieber hab&rsquo; ich sie durchwacht,<br>
+Dem St&auml;dtlein fluchend und dem strengen Rathe,<br>
+Der mich erst losgab nach dem Hahnenkrahte.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es weicht die l&auml;ngste Nacht am Ende doch dem Morgen;<br>
+Ist sie auch schwer und bang, der Tag erscheint.<br>
+Drum gr&auml;m dich nicht, es mu&szlig; die Noth sich enden,<br>
+Ob man sich auch von Gott verlassen meint.<br>
+So sprech&rsquo; ich jetzo, alt und viel erfahren;<br>
+Doch damals war ich &mdash; noch zu jung an Jahren!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es mochte lange Tag sein, als, wie Glockenl&auml;uten,<br>
+Des Riegels Quitschen t&ouml;nte mir zum Ohr,<br>
+Und mir der Freimann guten Morgen w&uuml;nschte<br>
+Inmitten seiner groben Knechte Chor;<br>
+Dann ging es, langsam nur, durch enge Gassen<br>
+Dem Markt entgegen, zwischen Menschenmassen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gar stolz hob ich den Kopf, als ob&rsquo;s zum Tanze ginge,<br>
+Als folgt&rsquo; der Freimann mir, nicht ich, am Strick;<br>
+Doch schlug mir&rsquo;s Herz, es m&ouml;chte aus der Menge<br>
+Am End&rsquo; mich treffen jenes M&auml;gdleins Blick,<br>
+Um das ich manchen Tag so schwer gelitten &mdash;<br>
+Ging&rsquo;s nur, ich w&auml;re schneller ausgeschritten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die halbe Burgerschaft war auf dem Weg zum Markte<br>
+Doch ich schritt keck in meiner Unschuld Muth<br>
+Zum Richtplatz hin, nicht vor dem Henker bebend,<br>
+Denn mein Gewissen war ja rein und gut;<br>
+Auch als sie nun mich an den Schandpfahl stellten,<br>
+War mir ihr Schm&auml;hen, als ob Hunde bellten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ja, als mit rothgegl&uuml;htem Eisen mir der Freimann<br>
+Des St&auml;dtleins Dreibein auf den Nacken brannt&rsquo;,<br>
+Da zuckt&rsquo; ich kaum, so da&szlig; der Henker w&uuml;thend<br>
+Mich hartgeschmorten Teufelsbraten nannt&rsquo;<br>
+Und fluchend seinen Knechten aufgetragen:<br>
+Bis ich am Thor, aus Kr&auml;ften drein zu schlagen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schien freilich nicht vonn&ouml;then, sie auch noch zu hetzen,<br>
+Denn kaum war ich der Fesseln los und frei,<br>
+Als sie mich peitschend durch die Gassen jagten<br>
+Und mir die Menge folgte mit Geschrei.<br>
+Der R&uuml;cken brannte mir, wie H&ouml;llenflammen,<br>
+Gezeichnet kreuz und quer mit blut&rsquo;gen Schrammen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Auf flinken F&uuml;&szlig;en ging&rsquo;s die schmalen Gassen nieder,<br>
+Die Knechte hinter mir in wilder Jagd,<br>
+Als unfern ich dem Thor ersah das H&auml;uslein,<br>
+Wo Abschied nahm von mir die holde Magd.<br>
+Ein Fenster war verh&auml;ngt und drau&szlig;&rsquo; der Blumengarten,<br>
+Stand welk, als m&uuml;&szlig;te er auf Pflege warten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit thr&auml;nenschwerem Blicke rannte ich vor&uuml;ber,<br>
+Dem Ende meiner Qual, dem Thore zu.<br>
+Ich jauchzte auf; die Jagd war &uuml;berstanden,<br>
+Denn vor dem Thore lie&szlig; man mich in Ruh. &mdash;<br>
+Nicht ohne meinen Fluch dem Nest zu spenden,<br>
+Schritt ich von dannen mit zerschundnen Lenden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun war der Vogel frei, wenn gleich sie arg ihn rupften,<br>
+Und schier geknickt die jungen Fl&uuml;glein sein! &mdash;<br>
+Nur m&uuml;hsam hielt ich mich noch auf den F&uuml;&szlig;en<br>
+Und zog dahin im hellen Sonnenschein,<br>
+Bis endlich ich den gr&uuml;nen Wald erreichte<br>
+Und m&uuml;d&rsquo; in&rsquo;s Gras sank, wo ein Eichstamm bleichte!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Letz&rsquo; Deine trockne Kehle wieder, alter Weinschlauch!&rdquo;&rdquo;<br>
+Fiel hier Herr Heinz dem Spielmann nun in&rsquo;s Wort,<br>
+&bdquo;&bdquo;So Du nicht fabelst, bist ein braver Kerle,<br>
+Wenn sie Dir auch den Braten arg geschmort;<br>
+Manch einer h&auml;tt&rsquo; das M&auml;gdlein angegeben,<br>
+Eh&rsquo; halb so viele Pein er mocht&rsquo; erleben!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Und hastig griff der Spielmann nach dem vollen Kruge,<br>
+So Kunz ihm rasch auf Elsbeths Wink gereicht;<br>
+Ersch&uuml;ttert von des S&auml;ngers b&ouml;sem Schicksal,<br>
+Ward erst, als der nun schwieg, ihr wieder leicht<br>
+Und ging sie flink daran, mit eignen H&auml;nden<br>
+Ein gut St&uuml;ck Schinken ihm und Brod zu spenden.<br>
+</p>
+<p>
+Der Spielmann lie&szlig; sich&rsquo;s schmecken; unterdessen aber<br>
+Ward leis am Tische ein Gespr&auml;ch gef&uuml;hrt,<br>
+In welchem Elsbeth f&uuml;r den S&auml;nger k&auml;mpfte,<br>
+Weil de&szlig;&rsquo; Erz&auml;hlung sie gar tief ger&uuml;hrt;<br>
+Indessen Adelgunde ihm gar wenig traute,<br>
+Ja, in dem Ganzen nur ein M&auml;hrlein schaute.<br>
+</p>
+<p>
+Derweilen wurde Jener mit dem Essen fertig<br>
+Und bat von neuem nun den Vogt um&rsquo;s Wort;<br>
+Doch schien&rsquo;s, als ob der Zweifel leis ihn kr&auml;nkte,<br>
+Denn also spann er die Erz&auml;hlung fort:<br>
+&bdquo;W&uuml;rd&rsquo; meinen Nacken nicht das Dreibein zieren,<br>
+So glaubt&rsquo; ich selbst manchmal zu fabuliren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ist aber nur die Wahrheit, was mein Mund gesprochen!<br>
+Zwar wei&szlig; ich auch gar manche sch&ouml;ne M&auml;r,<br>
+Zur Kurzweil holder Frauen ausersonnen,<br>
+Drob ihres Beifalls ich gar sicher w&auml;r.<br>
+Doch, mit Vergunst! Glaub&rsquo; nicht, Ihr werdet schm&auml;hlen,<br>
+Weil ich gewagt, Erlebtes zu erz&auml;hlen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nicht immer l&uuml;stet es den Sinn, r&uuml;ckw&auml;rts zu schweifen;<br>
+Verwichen Leid und Freud&rsquo; mit lautem Wort<br>
+Der Welt zu schildern, da&szlig; auch sie erfahre,<br>
+Was sonst wir bergen am geheimsten Ort.<br>
+Dann kommt es wieder, da&szlig; wir minder zaudern,<br>
+Von allem, was uns auf dem Herzen, plaudern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie schon erz&auml;hlt, hatt&rsquo; ich den Schritt zum Wald gerichtet;<br>
+Dort warf ich mich todm&uuml;de in das Gras.<br>
+Von Durst und Schmerzen aber arg gepeinigt,<br>
+Ging lange es, eh&rsquo; ich des Schlafs genas;<br>
+Nur nach und nach sang mich der Wald in Schlummer:<br>
+Ich f&uuml;hlte endlich weder Schmerz noch Kummer.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wei&szlig;, nimmer recht, wie lange ich geschlafen hatte,<br>
+Als es mich d&uuml;nkte, eine zarte Hand<br>
+Glitt sammetweich mir &uuml;ber Stirn und Wangen;<br>
+Es war so angenehm, was ich empfand,<br>
+Da&szlig;, in der Angst, mein Traumgl&uuml;ck zu verjagen,<br>
+Ich es vermied, die Augen aufzuschlagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dann war es wieder, als ob kleine, weiche Finger<br>
+Mir gl&auml;tteten das wirr zerzauste Haar,<br>
+Und, selig, f&uuml;hlte ich auf meiner Stirne<br>
+Den warmen Druck von frischem Lippenpaar.<br>
+Ich konnt&rsquo; mich kaum noch halten vor Entz&uuml;cken;<br>
+Doch, da&szlig; ich wachte, sagte mir mein R&uuml;cken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So lag ich lange, wie durch Zauberbann gebunden,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; der Schlaf sich m&auml;lig ganz verlor,<br>
+Als es auf einmal meinen Namen hauchte<br>
+Mit s&uuml;&szlig;er Stimme und bekannt dem Ohr;<br>
+Wie warmer Odem streift es meine Wangen:<br>
+Das war kein Traum, was mich so hold umfangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun th&auml;t es nichts mehr batten, mu&szlig;t&rsquo; die Augen &ouml;ffnen.<br>
+Und was ersah ich? Meine traute Maid,<br>
+Sie knie&rsquo;te dicht zur Seite mir im Grase;<br>
+Ich kannte gleich ihr braunes Linnenkleid.<br>
+Von meines Gl&uuml;ckes Ueberma&szlig; bezwungen,<br>
+Hielt wortlos ich die Liebliche umschlungen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bald aber &uuml;berkam mich ein schier seltsam R&uuml;hren<br>
+Ob ihrer Liebe, die so heldengro&szlig;<br>
+Mir auch die Treue zeigte, und ich schluchzte,<br>
+Gleich einem Kinde in der Mutter Schoo&szlig;,<br>
+Um stets auf&rsquo;s neu&rsquo;, in seligem Vergessen,<br>
+Den Mund fest auf ihr Lippenpaar zu pressen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So tauschten wortlos wir denn ungez&auml;hlte K&uuml;sse,<br>
+Versenkte sich ergl&uuml;hend Blick in Blick;<br>
+Derweil ihr Antlitz ungefragt mir sagte,<br>
+Da&szlig; es sich bla&szlig; geh&auml;rmt um mein Geschick.<br>
+Wie konnt&rsquo; ich s&uuml;&szlig;er lohnen denn die Schmerzen<br>
+Ihr anders, als von neuem sie zu herzen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch wer verm&ouml;cht&rsquo; die Seligkeit mir nachzuf&uuml;hlen,<br>
+So ich empfand an meines M&auml;gdleins Brust?<br>
+Die Engel vielleicht, wenn sie nicht uns neiden<br>
+In ihrem Paradiese um die Lust,<br>
+Die reine Herzen an einander finden,<br>
+Wenn sie in treuer Minne sich verbinden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zu bald nur wand die Holde sich aus meinen Armen<br>
+Und frug mich &auml;ngstlich: &bdquo;&bdquo;Joseph, kannst Du gehn?&rdquo;&rdquo;<br>
+Es strich die Hand dabei durch meine Locken,<br>
+Wie leise L&uuml;ftlein durch die Saaten wehn.<br>
+Mir aber kam nun die Erinn&rsquo;rung wieder,<br>
+Und traurig wies ich auf die wunden Glieder.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da beugte, tief err&ouml;thend, sie sich auf die Seite<br>
+Und hob ein kleines B&uuml;ndel aus dem Gras;<br>
+&rsquo;s war bald ge&ouml;ffnet und ich schaute staunend,<br>
+Wie nun zum Vorschein kamen Krug und Glas.<br>
+Das letztre f&uuml;llte sie und lie&szlig; mich nippen;<br>
+Es war gleich Balsam f&uuml;r die hei&szlig;en Lippen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Den wunden Nacken aber k&uuml;hlte sie mit Wasser<br>
+Aus einem Bach, der nah vorbei gerauscht.<br>
+Mit trunknen Blicken sucht ich ihr zu lohnen,<br>
+So oft das T&uuml;chlein frisch sie umgetauscht,<br>
+Und w&auml;re Wochen lang gern krank gelegen,<br>
+Nur, da&szlig; die Gute meiner sollte pflegen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dazwischen f&uuml;tterte sie mich aus ihrem B&uuml;ndlein,<br>
+Zufrieden l&auml;chelnd, als sie sah, wie&rsquo;s schmeckt&rsquo;;<br>
+Es sagte mir ihr herzig klingend Plaudern,<br>
+Da&szlig; heute fr&uuml;h sie sich im Wald versteckt,<br>
+Um, voller Sehnsucht, nach mir auszusehen,<br>
+Bis mich ihr Blick von Weitem konnt&rsquo; ersp&auml;hen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als ich die m&uuml;den Schritte dann zum Walde lenkte,<br>
+Sei still sie mir gefolgt mit zagem Schritt,<br>
+Dem sanften Schlummer gern mich &uuml;berlassend,<br>
+So lange meine Sicherheit dies litt.<br>
+Nun aber mahne dringend sie zur Eile,<br>
+Weil ich noch immer in dem Stadtbann weile.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Aus meinem Gl&uuml;cke aufgescheucht, sah ich nun selber,<br>
+Wie nah&rsquo; die Sonne schon dem Niedergehn;<br>
+Doch zugleich schaute ich auch reisefertig<br>
+Die Traute selber mir zur Seite stehn.<br>
+Hei! sprang ich Euch empor und ihr an&rsquo;s Herze,<br>
+Als ob ich dagelegen nur zum Scherze!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Voll Ernst doch wehrte sie des Mundes hei&szlig;em Kusse,<br>
+Und machte sich aus meinen Armen frei,<br>
+Mich eifrig mahnend an die Flucht zu denken;<br>
+Denn wenn mich morgen nach dem Hahnenschrei,<br>
+Die Burger noch in ihrem Weichbild fingen,<br>
+So sei es sicher, da&szlig; sie doch mich hingen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da schwur ich ihr bei allen Heiligen des Himmels,<br>
+Wie ich sie nimmermehr verlassen k&ouml;nnt&rsquo;,<br>
+Seit mir gewi&szlig;lich worden, da&szlig; das Schicksal<br>
+Mir ihrer Liebe s&uuml;&szlig;es Gl&uuml;ck geg&ouml;nnt;<br>
+Ich wollte eher Schmach und Tod erleiden,<br>
+Als sie im Leben fortan nun zu meiden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit dunklem Rothe auf den zarten, lieben Wangen,<br>
+Bekannte traurig sie in leisem Wort,<br>
+Da&szlig; wohl auch ihr der R&uuml;ckweg nicht mehr fromme,<br>
+Und sie mir folgen m&uuml;&szlig;t&rsquo; von Ort zu Ort;<br>
+Was noch sie fl&uuml;sterte, mocht&rsquo; kaum ich fassen,<br>
+Ich f&uuml;hlte nur, sie wird mich nicht verlassen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In langem Kusse wollte ich&rsquo;s der Lieben lohnen,<br>
+Die aber hat ein ernst Gesicht gemacht<br>
+Und dr&auml;ngte wieder, endlich aufzubrechen,<br>
+Da&szlig; fern wir seien, wenn der Tag erwacht.<br>
+&bdquo;&bdquo;Der Vollmond,&rdquo;&rdquo; schlo&szlig; sie, &bdquo;&bdquo;kommt zu guten Zeiten,<br>
+So da&szlig; wir sicher auf dem Waldpfad schreiten.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und nun, nicht weiter von mir einer Antwort wartend,<br>
+Schlug um das B&uuml;ndlein sie ein festes Band<br>
+Und schwangs, ein heimlich Thr&auml;nlein trocknend,<br>
+Zum Gehen fertig, in der linken Hand;<br>
+Derweil sie mit der Rechten mich wollt&rsquo; st&uuml;tzen,<br>
+Auf holprigrauhem Pfad vorm Fall besch&uuml;tzen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;H&auml;tt&rsquo; nie gedacht, da&szlig; Liebe halb so viel verm&ouml;chte,<br>
+Wie ich, voll Staunen, damals es geschaut.<br>
+Begleitet von der Hoffnung goldnen Sternen,<br>
+Aus welche sie ihr k&uuml;nftig Schicksal baut,<br>
+Kehrt froh die Jungfrau Heim und Haus den R&uuml;cken,<br>
+Um, wen sie w&auml;hlte, liebend zu begl&uuml;cken!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Abendroth vergoldete der B&auml;ume Wipfel,<br>
+Als wir uns endlich auf den Weg gemacht.<br>
+Zwar ging es langsam nur mit meinen Schritten,<br>
+Doch d&auml;mpfte mir den Schmerz die k&uuml;hle Nacht;<br>
+Auch kam der Mond mit seinem lieben Lichte,<br>
+Den Pfad uns weisend durch des Forstes Dichte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie wir so f&uuml;rbas zogen, lauschte ich der Treuen,<br>
+Die nun erz&auml;hlte, wie sie fleht&rsquo; und bat<br>
+Den Oheim, jenes alte, strenge M&auml;nnlein,<br>
+So f&uuml;r mich Zeugen forderte vorm Rath,<br>
+F&uuml;r meine Unschuld doch ein Wort zu sprechen,<br>
+Da&szlig; nicht sie ungeh&ouml;rt den Stab mir brechen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Seit lange Waise, wohnte sie beim Ohm im Hause<br>
+Und hielt sie dieser wie sein eigen Kind;<br>
+Doch solcher Bitte wollt&rsquo; er nicht willfahren,<br>
+Denn fahrend Volk war ihm nur schlimm Gesind.<br>
+Er hie&szlig; die Maid ein G&auml;nslein, so da schnattert,<br>
+Was Abends es am Brunnen h&auml;tt&rsquo; ergattert.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da warf sie sich in Thr&auml;nen vor dem Oheim nieder<br>
+Und beichtete, indem sie ihm gestand,<br>
+Da&szlig; ich es war, der sie nach Hause f&uuml;hrte<br>
+Und dabei wohl den R&uuml;ckweg nimmer fand;<br>
+Da leicht zu irren auf den dunklen Wegen,<br>
+Auch ziemlich fern der &bdquo;g&uuml;ldne Kranz&rdquo; gelegen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun erst errieth der Alte ihres Kummers Quelle;<br>
+Er sah die Schande, die das Kind bedroht,<br>
+Wenn ruchbar es im St&auml;dtlein werden sollte,<br>
+Da&szlig; einem Fahrenden den Arm es bot.<br>
+Mit harten Worten schalt er da die Arme,<br>
+So schier verging in bitterschwerem Harme.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch h&ouml;rte sie nicht auf, den Oheim anzuflehen,<br>
+Bis der, durch ihre Thr&auml;nen wohl ger&uuml;hrt,<br>
+Ihr halb und halb versprach, f&uuml;r mich zu reden,<br>
+Wenn mein Proze&szlig; im Rathe w&uuml;rd&rsquo; gef&uuml;hrt.<br>
+Ob mir es n&uuml;tze, konnt&rsquo; er nicht versprechen,<br>
+Weil gar zu schwer erschien ihm mein Verbrechen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Den Leichtsinn aber sollt&rsquo; die Arme strenge b&uuml;&szlig;en;<br>
+Schon n&auml;chsten Morgen mu&szlig;te gleich sie fort,<br>
+Zu einer alten, menschenscheuen Muhme,<br>
+Die einsam hauste in dem n&auml;chsten Ort,<br>
+Half meinem Lieb kein Bitten und kein Flehen,<br>
+Bis nach dem Urtel wollt&rsquo; er nicht sie sehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ging sie denn. Indessen f&uuml;rchtete der Alte,<br>
+Da&szlig; doch die Folter mir ein Wort entlockt&rsquo;,<br>
+Von dem, was frei das M&auml;gdlein ihm gestanden;<br>
+H&auml;tt&rsquo; wohl damit ein S&uuml;pplein eingebrockt,<br>
+Nach dem ihn wahrlich wenig l&uuml;sten konnte,<br>
+Da seine Sippe sich in Ehren sonnte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als jedoch er vernommen, da&szlig; ich steif geschwiegen,<br>
+That&rsquo;s freilich nicht dem alten Herrn zu lieb,<br>
+Sann er auf Wege mich vom Strick zu retten;<br>
+Nur leider, da&szlig; ich doch unsch&auml;dlich blieb,<br>
+Und sorgte, da&szlig; man so mein Urtel messe,<br>
+Da&szlig; hinf&uuml;r ich das Burger-Kind vergesse.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erz&auml;hlte schon, wie es der Alte angefangen,<br>
+Und man im Rathe ihm zu Willen war;<br>
+Nun erst erfuhr ich, da&szlig; das M&auml;nnlein fr&uuml;her<br>
+Im St&auml;dtlein Schulthei&szlig; war gar manches Jahr,<br>
+Und h&ouml;rte, wie an ihn sich oft man wandte,<br>
+Weil Keiner besser Brauch und Rechte kannte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch diesmal schnitt der Kluge selbst sich in die Finger,<br>
+Als er den Burgern rieth, wie&rsquo;s anzufah&rsquo;n,<br>
+Da&szlig; sie mich doch der That verd&auml;chtig sprachen,<br>
+Wenn auch das Leben sie mir mu&szlig;ten la&rsquo;n;<br>
+Denn w&auml;hrend er im Rathhaussaal gesessen,<br>
+Hat seine Maid den Buhlen nicht vergessen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Gute lohnte wahrlich mir das Schweigen besser,<br>
+Als es der Ohm vor Rath und Burgern that.<br>
+Ich war vor ihren Augen rein geblieben &mdash;<br>
+Und unverd&auml;chtig, trotz dem Spruch vom Rath;<br>
+Sie dachte seufzend meiner all&rsquo; die Wochen,<br>
+Bis ihr vor Weh das Herzlein schier gebrochen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als dann ihr Kunde von dem strengen Urtel worden<br>
+Und auch der Tagzeit, da es ward vollstreckt, &mdash;<br>
+Verlie&szlig; die Maid, nach schweren Seelenk&auml;mpfen,<br>
+Das Haus der Muhme, lang vor Tag erweckt,<br>
+Um mir, im Walde wartend, aufzupassen,<br>
+Da&szlig; ich im Elende nicht ganz verlassen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Im Walde wurde sie zwar von der Angst gepeinigt,<br>
+Ob ich vielleicht ge&auml;ndert meinen Sinn<br>
+In all dem Ungl&uuml;ck und ihr z&uuml;rnen m&ouml;chte,<br>
+So da&szlig; in Unmuth sich verkehrt die Minn&rsquo; &mdash;<br>
+Und leis&rsquo; bekannte sie mir so im Gehen,<br>
+Sie h&auml;tte auch sich dessen vorgesehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So plaudernd schritt sie neben mir auf rauhem Pfade,<br>
+Indessen still ich ihren Worten lauscht&rsquo;;<br>
+Sie dr&auml;ngte vorw&auml;rts, wollte nimmer rasten,<br>
+Bis endlich nah die Donau uns gerauscht.<br>
+Es war noch fr&uuml;h, fing eben an zu d&auml;mmern;<br>
+Im Walde h&ouml;rten wir die Spechte h&auml;mmern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In meinem ganzen Leben sah ich keinen Morgen,<br>
+Der sch&ouml;ner war und freundlicher gelacht<br>
+Hatt&rsquo; mir der Sonnenstrahl noch niemals vorher;<br>
+Nur gab ich darauf jetzt zu wenig Acht,<br>
+Sah lieber in die Aeuglein meiner Trauten,<br>
+Aus denen tausend helle Sonnen schauten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am Donauufer gingen wir zur nahen F&auml;hre<br>
+Stromabw&auml;rts nun im Morgensonnenschein.<br>
+Verschlafen lag der Ferge selbst im Nachen;<br>
+Wir mu&szlig;ten erst den Wackern munter schrei&rsquo;n,<br>
+Doch endlich schob der gr&auml;mliche Geselle<br>
+Sein Schifflein in des Stromes gr&uuml;ne Welle.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In schneller Fahrt glitt bald der Nachen dann strom&uuml;ber<br>
+Und hinter uns lag jetzt des St&auml;dtleins Bann, &mdash;<br>
+Doch schritten weiter wir entlang dem Ufer,<br>
+Bis unser Weg den n&auml;chsten Forst gewann;<br>
+Hier suchten wir ein Pl&auml;tzlein an der Halde,<br>
+Das dicht umfriedet war vom stillen Walde.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Aufathmend hielt die Holde endlich ein mit Gehen,<br>
+Wir sanken m&uuml;de in das weiche Gras<br>
+Und mochten weder plaudern mehr noch essen,<br>
+Eh&rsquo; neuer Kraft der K&ouml;rper erst genas.<br>
+An treuem Herzen fand die Maid den Schlummer,<br>
+Im Schlaf noch l&auml;chelnd, da nun fort ihr Kummer.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bald lag auch ich vom festen Schlafe &uuml;bernommen<br>
+Aus dem die Maid mich sp&auml;t am Tag geweckt;<br>
+Die Augen reibend, sah ich, gar zufrieden,<br>
+Im Grase uns ein Tischlein fein gedeckt.<br>
+Sie frug mich, l&auml;chelnd, ob mir wohlbekommen<br>
+Das Schl&auml;flein, so schier gar kein End&rsquo; genommen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Mich nicht besinnend, sprang ich auf und gab die Antwort<br>
+In hei&szlig;em Ku&szlig; ihr aus den rothen Mund;<br>
+Dann sa&szlig;en selig wir bei unsrem Mahle<br>
+Im gr&uuml;nen Walde, bis zur Abendstund&rsquo;<br>
+Mir war zu Muth, als sei das holde Wesen,<br>
+All meiner Lebetag um mich gewesen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als abermals der Mond gekommen, ward berathen,<br>
+Welch&rsquo; Ziel zu w&auml;hlen f&uuml;r den fl&uuml;cht&rsquo;gen Fu&szlig;.<br>
+Nach Spielmanns Brauch lie&szlig; ich &rsquo;ne Feder fliegen,<br>
+So fahrend Volk die Stra&szlig;en weisen mu&szlig;,<br>
+Und, da stromabw&auml;rts sie sich fortgewendet<br>
+War aller Zweifel dr&uuml;ber schnell beendet.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Frisch ging es also weiter, zwischen Busch und B&auml;umen<br>
+Den Wald dahin, im klaren Mondenschein;<br>
+Gar traulich wandelt es sich in der Stille,<br>
+Ist man alleine mit dem M&auml;gdlein sein!<br>
+Die B&auml;ume lauschten, wenn wir K&uuml;sse tauschten;<br>
+Inde&szlig;&rsquo; uns nah der Donau Fluthen rauschten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So wanderten wir stundenlang in trautem Plaudern,<br>
+Nur hie und da von einem Baum erschreckt,<br>
+Der aus dem Schatten, wie ein menschlich Wesen,<br>
+Uns seine Arme lang herangestreckt;<br>
+Als sich im Morgenluft die Tannen wiegten,<br>
+Wir, fr&ouml;stelnd, n&auml;her uns zusammen schmiegten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Allm&auml;lig wich die Fr&uuml;hlingsnacht dem jungen Tage,<br>
+Des Mondes Bild verschwamm im hellen Blau;<br>
+Mit warmen Strahlen k&uuml;&szlig;te drauf die Sonne<br>
+Von Blatt und Halm den k&uuml;hlen Morgenthau.<br>
+Nun galts zur Ruh&rsquo; ein Pl&auml;tzlein auszusuchen,<br>
+Das bald sich fand, umkr&auml;nzt von gr&uuml;nen Buchen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wir hielten &auml;ngstlich uns zum Walde, bis die Wunden<br>
+Mir fast geheilt, auch unser B&uuml;ndelein<br>
+An Speis&rsquo; und Trank nichts mehr zu weisen hatte,<br>
+Als einst wir, kurz entschlossen, quer feldein,<br>
+Da eben sich des Abends Schatten senkten,<br>
+Die m&uuml;den Schritte auf die Stra&szlig;e lenkten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein St&auml;dtlein, das vor Thorschlu&szlig; grad wir noch erreichten,<br>
+Mu&szlig;t&rsquo; Herberg geben, bis die Nacht vorbei,<br>
+Und weil der S&auml;nger &uuml;berall willkommen,<br>
+Gab man uns Obdach und die Zeche frei.<br>
+Mit frischem Mund half auch das M&auml;gdlein singen;<br>
+H&auml;tt&rsquo; nie geglaubt, da&szlig; es so sch&ouml;n m&ouml;cht&rsquo; klingen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch schon am andern Morgen wanderten wir weiter<br>
+In&rsquo;s Land hinein, bis schier der Tag zu End&rsquo;<br>
+Und wir in einem Flecken Herberg fanden,<br>
+Der rings ums&auml;umt von gr&uuml;nem Weingel&auml;nd&rsquo;.<br>
+Dort mu&szlig;ten wir den wackern Leuten singen,<br>
+Und th&auml;t uns solches manchen Heller bringen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da konnten wir denn bald ein Saitenspiel erhandeln,<br>
+&rsquo;s ist dieses hier und dies auch noch das Band<br>
+An dem die Traute mein es stets getragen.&rdquo; &mdash;<br>
+Schier z&auml;rtlich nahm die Laute er zur Hand<br>
+Und lie&szlig;, wohl seine Wehmuth zu bezwingen,<br>
+Mit raschem Griff die Saiten voll erklingen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr liebes H&auml;ndlein lernte bald das Ding zu meistern,<br>
+Und liederkundig, wie die Holde war,<br>
+Erlernte ich von ihr gar manche Weisen,<br>
+Die mir im Sinn geblieben all&rsquo; die Jahr.<br>
+Kein Wunder, da&szlig; wir Alt und Jung ber&uuml;ckten<br>
+Mit Sang und Spiel und alle Welt entz&uuml;ckten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gleich jungen V&ouml;glein schwoll uns ja im minnefrischen Herzen<br>
+Ein ganzer Himmel voller Sangeslust;<br>
+Es klang auch herrlich, was wir sangen, hatten<br>
+Den Fr&uuml;hling selber in der jungen Brust<br>
+Und gaben kaum so viel, als wir empfangen,<br>
+Wenn wir von Lenz und s&uuml;&szlig;er Minne sangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Die Tage schwanden uns in eitel Freud&rsquo; und Wonne<br>
+Gab manchmal auch es einen kleinen Span,<br>
+So glich das einem warmen Sommerregen,<br>
+Wenn Flur und Hain im Sonnengolde stahn.<br>
+Das W&ouml;lklein ging, so schnell wie es gekommen,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; die Liebe nur noch zugenommen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Ein eigen Wesen jedoch blieb der Guten immer.<br>
+Das M&auml;gdlein hielt sich ferne meiner Zunft<br>
+Und weilte eher unterm freien Himmel,<br>
+Als da&szlig; ich einmal f&uuml;r uns Unterkunft<br>
+Bei einem meines V&ouml;lkleins durfte suchen;<br>
+Sie ha&szlig;te dessen w&uuml;stes Thun und Fluchen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Oft sa&szlig; sie sinnend, wie von tiefem Traum umwoben,<br>
+Und frug ich da, was sie getr&auml;umt so lang?<br>
+Blieb wohl mit L&auml;cheln sie die Antwort schuldig,<br>
+Griff etwa nach dem Saitenspiel und sang<br>
+Mit s&uuml;&szlig;em Munde, aber nur ganz leise,<br>
+Ein neues Lied zu einer alten Weise.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Auch kannte sie die Namen von fast allen Blumen,<br>
+Und wu&szlig;t&rsquo; von jeder eine sch&ouml;ne M&auml;r;<br>
+Das kleinste K&auml;ferlein selbst war willkommen,<br>
+So ihr des Weges kam von ungef&auml;hr.<br>
+Im stillen Hain umgaukelten uns Feeen,<br>
+Wie Sonntagskinder sie zuweilen sehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und wie ihr Auge nur das Sch&ouml;ne sah in Allem,<br>
+So barg ihr Herz nur feinen, zarten Sinn;<br>
+Eh&rsquo; ich mich de&szlig;&rsquo; versehn, war ich verwandelt,<br>
+So da&szlig; ich ganz ein andrer worden bin,<br>
+Das rohe Wesen bald mir abgew&ouml;hnte,<br>
+Wor&uuml;ber meine Zunft mich weidlich h&ouml;hnte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&rsquo;s ist ja der Frauen sch&ouml;nstes Theil, in sanfter Weise<br>
+Zu wirken, da&szlig; des Mannes st&auml;rkre Kraft<br>
+Nicht blo&szlig; nach &auml;u&szlig;eren Erfolgen ringe,<br>
+Mit denen er sich oft nur Sorgen schafft;<br>
+Sie suchen gern, in sinnig zartem Walten,<br>
+Des Mannes Sinn auch edler zu gestalten.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein J&auml;hrlein war vorbei, da&szlig; wir zusammen hausten,<br>
+Der Minne nur und ihrem Sang geweiht,<br>
+Ein sch&ouml;ner Leben mochte keiner f&uuml;hren<br>
+So hoch der Himmel und die Erde breit;<br>
+Im Schlosse heut&rsquo; zu Gast, im St&auml;dtlein morgen,<br>
+Blieb meilenfern uns alle Noth und Sorgen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, nun der Lenz dahin, ging&rsquo;s uns, wie noch gar vielen;<br>
+Wir bauten flink ein traulich Nestlein fein<br>
+Und sahen fr&ouml;hlich jener Zeit entgegen,<br>
+Da zwitschern sollt ein junges V&ouml;gelein,<br>
+Das freilich noch im Schoo&szlig; der Mutter weilte<br>
+Und an das Licht zu kommen nicht sich eilte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Je kleiner&rsquo;s Nestlein, um so w&auml;rmer sitzt der Vogel!<br>
+War unsres klein, viel Gl&uuml;ck doch wohnte drin;<br>
+Denn wo die Liebe Einkehr h&auml;lt und weilet,<br>
+Giebt&rsquo;s frohe Herzen und zufriednen Sinn.<br>
+Wei&szlig; heut&rsquo; noch nicht, was uns h&auml;tt&rsquo; fehlen sollen,<br>
+Des Einen W&uuml;nschen war des Andern Wollen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch unser Gl&uuml;ck hienied&rsquo; ist eitel leichte Waare,<br>
+Ein leiser Sto&szlig; und tausend Scherben sind.<br>
+Wir hatten uns zu lieb, drum hie&szlig; es scheiden;<br>
+In Nacht und Nebel sank mein Gl&uuml;ck geschwind.<br>
+Jung V&ouml;glein forderte der Mutter Leben<br>
+Und l&auml;chelnd hat sie es auch hingegeben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Will Euch mit meinem Schmerz verschonen, edle Herren!<br>
+Nur kurz vermelden, da&szlig; es lange ging,<br>
+Eh&rsquo; ich den harten Schlag verwinden mochte<br>
+Und die Bet&auml;ubung schwand, die mich umfing,<br>
+Als auf der S&uuml;&szlig;en Leib die Schollen rollten,<br>
+Die mich am besten mit begraben sollten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Allm&auml;lig aber fing es wieder an zu tagen.<br>
+Ein nie geahnt Gef&uuml;hl ist mir erwacht,<br>
+Das lie&szlig; mich freundlich auf das Kindlein blicken,<br>
+De&szlig;&rsquo; Kommen mir so herbes Leid gebracht.<br>
+Das M&auml;gdlein hatte ganz der Mutter Augen,<br>
+Nur es zu pflegen wollt&rsquo; mir wenig taugen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gab mich drum gern zufrieden, als die braven Leute,<br>
+Bei denen just wir wohnten, auf mein Flehn<br>
+Erb&ouml;tig waren, f&uuml;r den Wurm zu sorgen,<br>
+So ich f&uuml;r dessen Atzung w&uuml;rde stehn<br>
+Und j&auml;hrlich ein Pfund Heller ihnen zahlte,<br>
+Da&szlig; Pfleg&rsquo; und was sonst n&ouml;thig er erhalte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nachdem ich dies versprochen, auch mich willig zeigte,<br>
+Zum wenigsten ein Mal im runden Jahr,<br>
+Selbst nach dem zarten Dinge schau&rsquo;n zu wollen,<br>
+K&uuml;&szlig;t&rsquo; sachte ich des Kindleins feines Haar<br>
+Und zog, nach kurzgefa&szlig;tem Abschied von den Leuten,<br>
+Dann meines Wegs beim n&auml;chsten Morgenl&auml;uten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Saitenspiel der Seligen und meine Trauer<br>
+Sie waren manchen Tag mein Weggeleit.<br>
+In Gram versunken zog ich meine Stra&szlig;en,<br>
+Jed&rsquo; Sinnen der Vergangenheit geweiht;<br>
+Sollt&rsquo; mal ich wo ein heiter Liedlein singen,<br>
+Mu&szlig;t&rsquo; schier gewaltsam ich mich dazu zwingen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Hatt&rsquo; aber vordem nur mein Lied der Lieb&rsquo; gegolten,<br>
+Wie sie die Herzen schwellt in s&uuml;&szlig;er Lust,<br>
+Da&szlig; wir in ihr des Himmels Freuden ahnen,<br>
+So klang mir jetzt die Wehmuth aus der Brust;<br>
+Ich mu&szlig;te singen von der Minne Schmerzen,<br>
+Vom bittern Scheiden, tiefem Weh im Herzen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Der M&auml;del helle Aeuglein schimmerten in Thr&auml;nen<br>
+Und mancher Knabe klagte mir sein Leid.<br>
+Ein guter Schmied ist Ungl&uuml;ck, schwei&szlig;t zusammen<br>
+Das Weh im Rock mit dem im Grafenkleid,<br>
+So wir&rsquo;s verstehn die Saiten anzuschlagen;<br>
+Im eignen Schmerz nach fremdem auch noch fragen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als nach und nach der Herbst in&rsquo;s Land gezogen,<br>
+In falbe Bl&auml;tter blies der rauhe Wind,<br>
+Am Hag die langen Spinneweben wehten,<br>
+Gleich Silberf&auml;den, die entflogen sind;<br>
+Da kam die Sehnsucht leise angeschlichen,<br>
+Mein Kind zu sehn, die nimmer ist gewichen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In jedem Wiegenbett w&auml;hnt&rsquo; ich mein eigen T&auml;ublein<br>
+Und suchte seiner Aeuglein hellen Blick;<br>
+Sah sanft an warmer Brust ein Kind ich schlummern,<br>
+So schmerzte mich jung V&ouml;geleins Geschick,<br>
+Das s&uuml;&szlig;er Mutterliebe mu&szlig;t&rsquo; entbehren &mdash;<br>
+Und ich entschlo&szlig; mich endlich umzukehren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Hatt&rsquo; manchen blanken Heller mir ja schon ersungen,<br>
+Mit dem ich hoffen durft&rsquo; die Winterzeit<br>
+Bei meinem Kindlein sonder Noth zu leben;<br>
+Auch lag im B&uuml;ndel l&auml;ngst ein Kram bereit<br>
+F&uuml;r&rsquo;s V&ouml;gelein, von manchen sch&ouml;nen Sachen,<br>
+Ob dem es gro&szlig;e Aeuglein sollte machen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und bald, des Wiedersehens mich im Voraus freuend,<br>
+Zog ich dem Dorf zu, drin das M&auml;gdlein weilt;<br>
+Es war, als streckte Sehnsucht mir die Schritte,<br>
+So bin ich damals Tag und Nacht geeilt,<br>
+Bis endlich Dorf und H&uuml;tte vor mir lagen,<br>
+Dem kleinen Ding ich frohen Gru&szlig; konnt&rsquo; sagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit rothen Backen, wie die Englein in der Kirchen,<br>
+Schlief sanft es just, fuhr aber auf, erschreckt<br>
+Von fremder Stimme und erb&auml;rmlich schreiend,<br>
+Da wohl zu wenig lind mein Ku&szlig; geweckt.<br>
+Trotz allem Kosen wollt&rsquo; es nicht mich kennen,<br>
+Und erst die Pflegfrau stillte drauf sein Flennen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch wurden wir im Lauf des Winters gute Freunde.<br>
+Es wohl zu warten, k&uuml;rzte manche Stund&rsquo;,<br>
+Die sonst verg&auml;llt gewesen um die Mutter;<br>
+War tief im Herzen ja noch weh und wund,<br>
+Und manch ein Ku&szlig; auf meines Kindleins Wangen<br>
+Galt ihr, die viel zu fr&uuml;h von mir gegangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als dann der Lenz kam, zog ich wieder in die Ferne<br>
+Mit Sang und Laute, wie das meine Art,<br>
+Mir Atzung suchend nebst so manchem Heller,<br>
+Den jedoch stets ich f&uuml;r mein Kind gespart. &mdash;<br>
+Eh&rsquo; aber noch der erste Schnee gefallen,<br>
+Sah mich man wieder nach dem D&ouml;rflein wallen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dies trieb ich volle sechszehn Jahre, liebe Herren!<br>
+Nur k&uuml;rzte ich die Fahrten Jahr f&uuml;r Jahr;<br>
+Galt mir doch jede Stunde f&uuml;r verloren,<br>
+In der ich fern von meinem Kinde war.<br>
+In seiner N&auml;he war mir Gl&uuml;ck und Frieden,<br>
+Wie vor- und nachher nimmermehr, beschieden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gleich einer frischen Rosen, die sich fr&uuml;h entknospet<br>
+Im Morgenthau, vom Sonnenstrahl begr&uuml;&szlig;t,<br>
+Die keusche Bl&uuml;te nur erst halb erschlossen,<br>
+Als ob im Traum der Lenz sie wach gek&uuml;&szlig;t,<br>
+So war mein M&auml;gdlein, sch&ouml;n und fein gediehen<br>
+In holder Anmuth, ihm von Gott verliehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Es machte mich gar stolz, da&szlig; ich der Sch&ouml;nen Vater;<br>
+Doch stolzer noch, sah ich, wie lieb und gut<br>
+Des Kindes Wesen mit der Zeit geworden;<br>
+Fern jedem jugendlichen Uebermuth,<br>
+War doch dem Frohsinn ihr Gem&uuml;the offen,<br>
+Von keinem Leide noch und Weh getroffen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich aber war im Dorfe in den vielen Jahren<br>
+Schier se&szlig;haft worden, auch gar wohl bekannt<br>
+Im ganzen Gaue, als der Liederseppel,<br>
+Wie dorten mich ein jedes Kind genannt.<br>
+Auf keiner Kirme&szlig;&rsquo; durfte je ich fehlen,<br>
+Wenn ich nicht wollte, da&szlig; sie all&rsquo; mich schm&auml;len.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So schwand die Zeit uns hin, gleich wie im Mai die Wolken,<br>
+Wir lebten still in ungest&ouml;rtem Gl&uuml;ck;<br>
+Nur eines fehlte, &rsquo;s war des M&auml;gdleins Mutter.<br>
+Aus ihrem Grabe sehnt&rsquo; ich sie zur&uuml;ck,<br>
+Um froh, wie ich, bei unserm Kind zu weilen,<br>
+Das h&ouml;chste Erdengl&uuml;ck mit uns zu theilen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Hier hielt der Spielmann pl&ouml;tzlich inne mit Erz&auml;hlen,<br>
+Als br&auml;chte er es nicht mehr weiter fort.<br>
+Kunz aber reichte ihm ein frisches Kr&uuml;glein:<br>
+&bdquo;Da&szlig; nicht die Kehl&rsquo; am Ende gar verdorrt!&rdquo; &mdash;<br>
+Inde&szlig; Herr Heinzens freundlich-stilles Winken<br>
+Den G&auml;sten rieth, ihr Gl&auml;slein auszutrinken.<br>
+</p>
+<p>
+Sie thaten&rsquo;s auch. Doch mochte Keiner plaudern, hielten<br>
+Den Blick gespannt dem S&auml;nger zugewandt;<br>
+Sein schlicht Erz&auml;hlen aus dem eignen Leben<br>
+Gefiel wohl mehr, als Sagen, altbekannt.<br>
+Der Gl&auml;ser Klingen, sonst war nichts zu h&ouml;ren,<br>
+Schien Wirth und G&auml;st&rsquo; im Lauschen gleich zu st&ouml;ren.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gesegn&rsquo; es Euch der Herrgott, edle Herrn und Damen!&rdquo;<br>
+Hob bald der S&auml;nger an mit neuem Muth,<br>
+Doch einem leisen Beben in der Stimme &mdash;<br>
+&bdquo;Ihr haltet es dem fremden Mann zu gut,<br>
+Wenn er vom Leid auch spricht, so er erfahren;<br>
+Gott wolle Euch in Gnaden davor wahren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&rsquo;s war wieder Fr&uuml;hling worden und die Sonne lachte<br>
+Vom blauen Himmel &uuml;ber Wald und Ried;<br>
+Viel tausend Schn&auml;blein sangen jeden Morgen<br>
+Von Ast und Zweig ihr s&uuml;&szlig;es Minnelied.<br>
+Ein Jubeln war&rsquo;s, ein Durcheinanderklingen,<br>
+Was nur ein Stimmlein hatte, mu&szlig;te singen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da lockte mich die M&auml;rzenluft, durchs Land zu streifen.<br>
+Dem S&auml;nger liegt das Wandern ja im Blut;<br>
+Waldv&ouml;gelein und er ha&rsquo;n gleiches Wesen,<br>
+Thun selbst in goldnem K&auml;fig nicht lang gut:<br>
+In linder Lust mu&szlig; es die Fl&uuml;glein dehnen,<br>
+Des S&auml;ngers Herz sich in die Ferne sehnen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Begleitet von dem M&auml;gdlein bis zum n&auml;chsten Dorfe,<br>
+Gings fr&uuml;h am Morgen in den Lenz hinein.<br>
+Es spr&uuml;hte, funkelte in jungen Saaten,<br>
+Gleich Adamanten im Juwelenschrein;<br>
+Im Busche gr&uuml;nten Faulbeerbaum und Erle,<br>
+Von jedem Zweiglein hing des Thaues Perle.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Den Weg zu k&uuml;rzen, mieden wir die breite Stra&szlig;en<br>
+Als kaum wir vor des D&ouml;rfleins letztem Haus,<br>
+Und, nun im Walde, pfl&uuml;ckte sich mein Herzkind<br>
+Ein B&uuml;schlein Blumen, mir zum Abschiedsstrau&szlig;,<br>
+In welches es auch manches Kr&auml;utlein steckte,<br>
+Das, seiner Meinung nach, vor Ungl&uuml;ck deckte!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Von ferne t&ouml;nte laut des Gauchgucks frohes Rufen,<br>
+Das weithin hallte &uuml;ber Berg und Thal.<br>
+Mein M&auml;gdlein gab mir Urlaub soviel Wochen,<br>
+Als es erlauschen mocht&rsquo; der Rufe Zahl;<br>
+Dann jedoch wollte mein es t&auml;glich warten,<br>
+Bis ich ihm wiederkehre von der Fahrten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Flink schritten wir, bei munterem Geplauder, f&uuml;rder<br>
+Durch junges Gr&uuml;n und hellen Vogelsang,<br>
+Als hoch ob uns der Thierburg alte Th&uuml;rme<br>
+Herunter schimmerten vom Felsenhang<br>
+Und fernes Klingen eines Hifthorns sagte,<br>
+Da&szlig; ihr Besitzer just im Walde jagte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wir achteten nicht drauf. Das M&auml;gdlein plaudert&rsquo; fr&ouml;hlich,<br>
+Inde&szlig; vom Rain es blaue Veilchen brach.<br>
+Schon war nun auch das n&auml;chste Dorf durchschritten,<br>
+Von wo zur&uuml;ckzugehn die Maid versprach;<br>
+Da war es aus mit unsrem trauten Plaudern,<br>
+Wir mu&szlig;ten scheiden, half kein l&auml;nger Zaudern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein letztes Mal hatt&rsquo; ich dem Kinde noch versprochen,<br>
+Zu Haus zu sein in der bestimmten Zeit;<br>
+Dann k&uuml;&szlig;t&rsquo; ich seine &uuml;berthr&auml;nten Wangen<br>
+Und schritt, vom Flennen selbst nicht all zu weit,<br>
+Mit felsenschwerem Herzen ob dem Scheiden,<br>
+Dem Thale zu, durch Haselbusch und Weiden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Von dort, den hellen Blick zur H&ouml;he r&uuml;ckgewendet,<br>
+Sah ich mein M&auml;gdlein stehn im Sonnenschein,<br>
+Und wurde mir, als h&ouml;rte ich es rufen:<br>
+&bdquo;Beh&uuml;et Euch Gott! Herzlieber Vater mein!&rdquo;<br>
+Sein rothes T&uuml;chlein flatterte im Winde &mdash;<br>
+Ade, Ade, du mein viels&uuml;&szlig;es Kinde!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es regnete im selben Sommer mir die Taschen<br>
+Voll blanker Heller, wie noch nie vorher.<br>
+War aber auch ein reiches Jahr gewesen.<br>
+In Tenn&rsquo; und Keller blieb kein Pl&auml;tzlein leer;<br>
+Gern lie&szlig; das Volk drum seine Batzen springen<br>
+F&uuml;r Lieder, Sang und fr&ouml;hlich Saitenklingen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da hielt ich mich denn nicht lang an des Kuckuks Rufzahl,<br>
+Es zog mich heimw&auml;rts zu auf Schritt und Tritt;<br>
+Im R&auml;nzlein, so mir schwer zur Seit&rsquo; gehangen,<br>
+Hatt&rsquo; manchen Kram ich f&uuml;r mein Herzkind mit.<br>
+Wie niemals aber, freut&rsquo; ich mich im Gehen,<br>
+In einem fort auf unser Wiedersehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&rsquo;s war fr&uuml;h im Herbste, als ich durch des D&ouml;rfleins Gasse<br>
+Der H&uuml;tte zuschritt, wo mein Kind gewohnt;<br>
+Da fiel mir auf, da&szlig; meinem lauten Gru&szlig;e<br>
+Die D&ouml;rfler nicht, wie fr&uuml;her, froh gelohnt,<br>
+Und Unheil schwanend, streckte ich die Schritte,<br>
+Bis bald im St&uuml;blein knarrten meine Tritte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch statt dem lieben Gru&szlig;e meines trauten Kindes<br>
+Begegnete mir scheu die Pflegerin.<br>
+Ihr traurig Willkomm wollte kaum vom Munde,<br>
+Es fuhr wie Todes&auml;ngsten durch mich hin<br>
+Und ging es lange, eh&rsquo; ich&rsquo;s mochte wagen,<br>
+Verzagten Sinnes nach dem Kind zu fragen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mit wenig Worten, aber unter vielen Thr&auml;nen,<br>
+Erz&auml;hlte mir das Weiblein, da&szlig; der Weih&rsquo;<br>
+Am selben Tag mein V&ouml;gelein sich raubte,<br>
+Als ich im Lenz von ihm geschieden sei;<br>
+Doch soll es munter auf der Thierburg weilen<br>
+Und Tisch und Lager mit dem Herrn dort theilen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da wich mein bang Gef&uuml;hl des Zornes n&auml;rr&rsquo;schem Toben,<br>
+Und Fluch auf Fluch fiel auf des Kindes Haupt;<br>
+In blindem W&uuml;then schwor ich, mich zu r&auml;chen<br>
+An ihm, der mir mein einzig Kind geraubt.<br>
+Aufschreiend: &bdquo;denen will ich&rsquo;s Nachtmahl w&uuml;rzen!&rdquo;<br>
+Wollt&rsquo;, rasend, schon ich aus dem St&uuml;blein st&uuml;rzen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da wischte sich die B&auml;uerin &rsquo;s Wasser aus den Augen<br>
+Und zog mich neben sich auf eine Bank.<br>
+&bdquo;&bdquo;Stat Seppel!&rdquo;&rdquo; sprach sie, &bdquo;&bdquo;magst Dir&rsquo;s erst beschlafen;<br>
+Der auf der Thierburg w&uuml;&szlig;t&rsquo; Dir schlechten Dank<br>
+F&uuml;r Deinen Eifer! Morgen magst Du gehen<br>
+Und es versuchen, deine Maid zu sehen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Ich war schon selber dort, das M&auml;del aufzusuchen,<br>
+Hatt&rsquo; jedoch bei dem Gange wenig Gl&uuml;ck.<br>
+Ist Einer wie der Andere dort oben!<br>
+Sie wiesen mich am Thore grob zur&uuml;ck,<br>
+Und auf mein Flehn entgegneten die W&auml;chter<br>
+Mit Schimpfen nur und sp&ouml;ttischem Gel&auml;chter.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Dein Goldkind lebt gar fein! hie&szlig; es; pack&rsquo; Dich zur H&ouml;llen,<br>
+Sonst bl&auml;uen wir Dir Deinen d&uuml;rren Leib!<br>
+Das M&auml;gdlein soll uns bar erst Kurzweil schaffen,<br>
+Eh&rsquo; es zum Teufel f&auml;hrt als runzlig Weib!<br>
+Dein Fr&auml;ulein lie&szlig; sich gerne von uns fangen,<br>
+Sonst w&auml;r&rsquo; es nicht allein im Wald gegangen!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Also verh&ouml;hnten sie mein Fragen nach dem Kinde,<br>
+Da&szlig; bald ich, weinend, wieder thalw&auml;rts zog.<br>
+Glaub&rsquo; freilich nimmer, da&szlig; es gern gegangen<br>
+Wie einer von den Schergen oben log!<br>
+Und doch ward mir, seit jener Ungl&uuml;cksstunde,<br>
+Vom M&auml;gdlein selber weiter keine Kunde.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So klagte mir das Weiblein unter hei&szlig;en Thr&auml;nen.<br>
+Ein jedes Wort zerri&szlig; mir schier das Herz;<br>
+Ich selber ward jetzt stumm bei seinem Jammern,<br>
+Fand keine Worte meinem H&ouml;llenschmerz.<br>
+Nur Rache! Rache! tobte es da drinnen,<br>
+Der Rache nur geh&ouml;rte all mein Sinnen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Noch war es Nacht, als ich mich auf die F&uuml;&szlig;e machte.<br>
+In stummer Wuth schritt ich der Thierburg zu,<br>
+Stand aber viel zu fr&uuml;h vor deren Mauern;<br>
+Denn Herr und Knechte pflogen noch der Ruh&rsquo;.<br>
+Vom Thore trennte mich ein Felsgeh&auml;nge,<br>
+Das steil abfiel wohl hundert Spie&szlig;en L&auml;nge.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Blieb darum am Gel&auml;nder bei der Br&uuml;cke stehen,<br>
+Indess mein Blick des Abgrunds Tiefe ma&szlig;.<br>
+Da t&ouml;nte nahe mir ein lautes G&auml;hnen<br>
+Und, wie ich hinsah, regte sich&rsquo;s im Gras.<br>
+Ein Bursche war&rsquo;s, der schien, wie ich, zu lauern,<br>
+Da&szlig; sie erwachten hinter ihren Mauern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bin w&auml;ger nicht der Erste! sagte ich zum Burschen,<br>
+Als der sich fr&ouml;stelnd aus dem Grase hob.<br>
+Mit schlauem L&auml;cheln jedoch meinte dieser,<br>
+Ich m&ouml;cht&rsquo; f&uuml;r mich behalten solches Lob;<br>
+Denn er geh&ouml;re zu des Burghofs Knechten,<br>
+Der halt beim Lichtgang sich versp&auml;tet n&auml;chten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dann lehnte er sich mir zur Seite an&rsquo;s Gel&auml;nder<br>
+Und sah, wie ich, hinunter in die Schlucht.<br>
+Mir brannt&rsquo; die Zunge, nach dem Kind zu fragen,<br>
+Doch hielt ich sie zum Gl&uuml;cke noch in Zucht<br>
+Und fragte nur, um auch etwas zu sagen,<br>
+Ob in die Kluft er einen Sprung w&uuml;rd&rsquo; wagen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bin doch nicht n&auml;rrisch, wie die Waldfee, so wir fingen,<br>
+Als wir vor etlich Monden auf der Jagd<br>
+Im Thale durch des Burgbanns Forsten pirschten!<br>
+Noch heute seh&rsquo; ich, wie die holde Magd,<br>
+Ein Blumenkr&auml;nzlein um das Haar gewunden,<br>
+Im Busche stand, umstellt von unsern Hunden.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;War Dir ein Fang,&rdquo;&rdquo; erz&auml;hlte ungefragt der Bursche,<br>
+&bdquo;&bdquo;Wie selten ihn das Gl&uuml;ck dem Waidmann bringt!<br>
+Das M&auml;gdlein kratzt und bi&szlig; gleich sieben Teufeln,<br>
+Eh&rsquo; unsrem Alten es zuletzt gelingt,<br>
+Die Widerstrebende auf&rsquo;s Ro&szlig; zu setzen<br>
+Und im Galopp mit ihr hierher zu hetzen.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Das V&ouml;glein lie&szlig; sich freilich nicht gar lange halten,<br>
+Flog in der zweiten Nacht ihm schon davon.<br>
+Sieh dort! Das Fensterlein in jenem Thurme,<br>
+Dran Eppich rankt,&rdquo;&rdquo; &mdash; ich sah es leider schon, &mdash;<br>
+&bdquo;&bdquo;Dort sprang&rsquo;s hinunter, ohne viel zu denken,<br>
+Da&szlig; sich die Felsen dort am g&auml;hsten senken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dies sprechend, deutete der Bursche auf die Felsen.<br>
+Mich aber &uuml;berlief es hei&szlig; und kalt;<br>
+Schier wie gel&auml;hmt lie&szlig; ich die Arme sinken<br>
+Und w&auml;r&rsquo; gest&uuml;rzt, bot nicht die Brustwehr Halt. &mdash;<br>
+Will Euch nicht klagen, was ich da empfunden,<br>
+In meines Lebens allerschwerster Stunden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;F&uuml;ll&rsquo; ihm das Kr&uuml;glein wieder!&rdquo; rief Herr Heinz dem Diener.<br>
+Doch schaudernd lehnte es der Spielmann ab,<br>
+Noch mehr des reich geg&ouml;nnten Weins zu trinken.<br>
+Dann ward es stille, wie vor einem Grab;<br>
+Nur im Kamine prasselten die Flammen<br>
+Hell &uuml;berm trocknen Eichenholz zusammen.<br>
+</p>
+<p>
+Bald jedoch klang&rsquo;s ersch&uuml;tternd von des S&auml;ngers Lippen:<br>
+&bdquo;Das Kind! Mein liebes, s&uuml;&szlig;es Kind war hin! &mdash;<br>
+Ich h&ouml;rte kaum drauf, was der Bursch noch sagte,<br>
+Dem wohl nur halbwegs ich bei Sinnen schien,<br>
+Und noch bis heute f&auml;llt&rsquo;s mir schwer zu glauben,<br>
+Da&szlig; so der Herrgott lie&szlig; mein Liebstes rauben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In&rsquo;s Herz getroffen, lehnte ich am Rand der Tiefe<br>
+Und starrte schweigend in den grausen Schlund.<br>
+Mein Kind! Mein Kind! Es war mein einzig Denken.<br>
+Dort unten lag&rsquo;s zerschmettert auf dem Grund.<br>
+Glaubt, edle Herren! es mocht&rsquo; wenig fehlen,<br>
+Da&szlig; ich den gleichen Tod nicht auch th&auml;t w&auml;hlen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Bursche sah es nicht, wie ich in Weh versunken,<br>
+Zur Seiten stand, das Antlitz abgekehrt;<br>
+Erz&auml;hlte fort, bis ich den Kelch des Leidens<br>
+Mitsammt der Hefen tropfenweis geleert.<br>
+Er selber war es, so mein Kind begraben,<br>
+Als sie es sp&auml;ter todt gefunden haben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zum Gl&uuml;cke k&uuml;ndete des W&auml;rtels Horn vom Thurme,<br>
+Die Tagwacht dr&uuml;ben an mit lautem Klang;<br>
+Sonst h&auml;tte ich mich wahrlich noch verrathen,<br>
+Da ich nur m&uuml;hsam meinen Schmerz bezwang<br>
+Und nicht viel fehlte, da&szlig; ich laut geschrieen,<br>
+Dem bittern Leide unn&uuml;tz Wort verliehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als nun der Bursche schwieg und sich zur Br&uuml;cke wandte,<br>
+Die &auml;chzend von der Windberg&rsquo; niedersank,<br>
+Zog es mich unwillk&uuml;rlich, ihm zu folgen<br>
+In&rsquo;s Thorst&uuml;blein, dort sa&szlig; ich auf der Bank<br>
+Und schaute zu, wie sie den Brei verschlangen;<br>
+Selbst mitzuhalten, sp&uuml;rt&rsquo; ich kein Verlangen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch kam mir nun der Sinn, die Ueberlegung m&auml;lig;<br>
+Wollt&rsquo; wissen, ob der Knecht die Wahrheit sprach.<br>
+Ich blieb drum, als sie mit dem Essen fertig,<br>
+Noch bei den M&auml;gden, suchte nach und nach<br>
+Mit klugen Worten sie dahin zu bringen,<br>
+Da&szlig; sie von selber an&rsquo;s Erz&auml;hlen gingen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Was mir der Bursch berichtete, war leider Wahrheit!<br>
+Mein s&uuml;&szlig;es M&auml;gdlein ruhte l&auml;ngst im Grab.<br>
+Statt dem von Thierburg sich zur Lust zu geben,<br>
+Es lieber sich dem grausen Tod ergab.<br>
+Ich aber hatte ihr geflucht, der Reinen,<br>
+Um nun, bis an mein End&rsquo;, daf&uuml;r zu weinen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als dann ich Kundschaft hatte, da&szlig; der Burgherr t&auml;glich<br>
+Zur Wildhatz ritt in seinem Tann und Bann,<br>
+Schlich unbemerkt ich mich aus Thor und Zingel &mdash;<br>
+Alleine in der Welt, ein armer Mann!<br>
+Lag nichts mir mehr am Leben, wollte sterben;<br>
+Doch erst mu&szlig;t&rsquo; ich den Burgherrn noch verderben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Zufall half mir, da&szlig; ich gleich an&rsquo;s Werk mocht&rsquo; gehen;<br>
+Denn, als ich traurig wieder thalw&auml;rts ging,<br>
+Sah ich den Weg allm&auml;lig sich verengen,<br>
+Indessen oben eine Felswand hing.<br>
+Wie Schuppen fiel es da von meinen Augen,<br>
+Mein Kind zu r&auml;chen, sollt&rsquo; der Hohlweg taugen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In Freuden drob erklomm ich bald die steile H&ouml;he<br>
+Und fand dort, wohl vom Blitze hingestreckt,<br>
+Schier nah dem Rande einen Baumstamm liegen,<br>
+De&szlig;&rsquo; knorrig Wurzelwerk den Boden deckt;<br>
+Hei! ging&rsquo;s nun dran mit W&auml;lzen und mit Wiegen,<br>
+Bis Stamm und Wurzeln in die Tiefe fliegen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun war der Weg gesperrt, sie mu&szlig;ten unten halten,<br>
+So lang das Hinderni&szlig; nicht fort ger&auml;umt.<br>
+Schon sah ich Herr und Knecht zerschmettert liegen<br>
+Von schwerem Felsblock, den ich unges&auml;umt<br>
+Mit Riesenkr&auml;ften bis zum Schluchtrand rollte,<br>
+Von wo er wuchtig niederdonnern sollte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dann warf ich mich in&rsquo;s Moos; doch pflog ich keiner Ruhe,<br>
+Es zog mich immer wieder, Stein auf Stein<br>
+Zum nahen Hang des Abgrunds hinzuw&auml;lzen.<br>
+Ich f&uuml;hlte nicht der schweren Arbeit Pein,<br>
+Sah nicht, da&szlig; Blut mir von den H&auml;nden rannte,<br>
+Da ich nur ein Gef&uuml;hl, die Rache, kannte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wild pochte mir das Herz, ich jauchzte in Gedanken,<br>
+So oft ein Stein dem Rande n&auml;her kam.<br>
+Hei! will ich ihnen ein Memento singen,<br>
+Eh&rsquo; sie der Teufel sammt und sonders nahm!<br>
+Des S&auml;ngers Rache sollten dran sie kennen<br>
+Und m&uuml;&szlig;t er selber in der H&ouml;llen brennen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Verschnaufend spitzte ich die Ohren. Halt! Sie kommen!<br>
+Fern t&ouml;nt im Wald der Hifte heller Ruf:<br>
+Der von der Thierburg reitet aus zum Jagen,<br>
+Schon h&ouml;rt ich trappeln seiner Rosse Huf.<br>
+Es ward mir schwer, den Ingrimm zu bezwingen,<br>
+Den Teufeln nicht die letzte Me&szlig;&rsquo; zu singen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da ich mich nicht verrathen durfte, schwieg ich aber<br>
+Und lie&szlig; sie n&auml;hern sich der Felsenwand.<br>
+Ein Sang war mir des R&uuml;denmeisters Fluchen,<br>
+Nun der den Hohlweg so verrammelt fand.<br>
+Bald folgten, fluchend, jenem auch die andern,<br>
+Sah Graf und Knecht in meine Falle wandern.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Burgherr schrie und tobte auf die Waidgesellen<br>
+So gaffend standen vor dem schweren Baum,<br>
+Anstatt dem Herrn den Weg rasch frei zu machen;<br>
+Dann sah er um sich in dem engen Raum.<br>
+Jetzt war es Zeit, mein armes Kind zu r&auml;chen,<br>
+Ein einz&rsquo;ger Felsblock sollt&rsquo; sie nieder brechen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da, als der erste Block zur Tiefe donnern sollte,<br>
+Den Satan t&ouml;dtend unter seiner Last,<br>
+Sah ich von ungef&auml;hr des Grafen Antlitz<br>
+Und &mdash; fuhr zur&uuml;ck, wie selbst vom Tod erfa&szlig;t!<br>
+Entsetzen packte mich, mu&szlig;t&rsquo; inne halten,<br>
+Statt meiner grausen That zu End&rsquo; zu walten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mein fieberndes Gebl&uuml;te w&auml;hnte klar zu schauen<br>
+Ein wohlbekannt Gesicht mit tiefem Blick:<br>
+Den alten Rathsherrn, der mich losgeredet,<br>
+Als meiner harrte einst des Henkers Strick.<br>
+Das M&auml;nnlein, dem ich meinen Dank vermachte,<br>
+Da&szlig; ich es um sein liebes M&uuml;ndel brachte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es r&auml;cht sich alles, r&auml;cht sich wohl schon hier auf Erden!<br>
+Was ich dem Alten that, das brannte jetzt,<br>
+Gleich Flammen, mir zum ersten Mal die Seele,<br>
+So da&szlig; ich wie ein Wild, vom Hund gehetzt,<br>
+Den Blick nicht wendend, lief, was ich nur konnte,<br>
+Und erst im sichern Heim mir Ruhe gonnte.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Noch selben Abend gab ich Saitenspiel und R&auml;nzlein<br>
+Der B&auml;uerin; das Singen hatt&rsquo; ein End&rsquo;.<br>
+Gebrochnen Muthes zog ich aus dem Dorfe,<br>
+Nur sinnend, wie auch ich ein Ende f&auml;nd&rsquo;.<br>
+Den Tod ersehnend, schlich ich mich von dannen;<br>
+Der Herbststurm fegte schaurig durch die Tannen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So schleppte ich mich hin, das N&ouml;thigste erbettelnd,<br>
+Vergeblich hoffend auf des Todes Nahn.<br>
+Er blieb mir fern. Ich hatt&rsquo; noch des Gefieders,<br>
+Das ich mir vorher erst sollt&rsquo; rupfen la&rsquo;n.<br>
+Nackt war der Vogel ja, zur Welt gekommen.<br>
+F&uuml;r&rsquo;s Grab braucht ihm kein Federschmuck zu frommen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Was sollt&rsquo; er noch, nun ihm der Weih die Brut gew&uuml;rget?<br>
+Gel&auml;hmt die Fittige der bittre Harm?<br>
+Hob stolze Hoffnung einst ihn auf zum Himmel,<br>
+Am Boden liegt er nun, da&szlig; Gott erbarm!<br>
+Th&auml;t wohl am besten, sich im Hag zu ducken,<br>
+Da&szlig; Niemand schauen sollt&rsquo; sein letztes Zucken.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Weil mich der Tod nicht fand, zog aus ich, ihn zu suchen,<br>
+Mit einer S&ouml;ldnerschaar in&rsquo;s Polenreich. &mdash;<br>
+Die meisten fielen, wie das Gras im Heuet,<br>
+Nur mir blieb ferne der Geselle bleich;<br>
+Die Hand, in der das Saitenspiel erklungen,<br>
+Sie ward im Feld vom Tode nicht bezwungen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es fehlte freilich wenig, lag Euch schon im Sande,<br>
+Von scharfem Hiebe blutend, hingestreckt,<br>
+Den klaren Sinn von D&auml;mmerung umnebelt;<br>
+Doch hat Freund Hain mich damit nur geneckt.<br>
+Statt als ein tapferer Gesell zu sterben,<br>
+Soll ich, wie scheues Wild, am Hag verderben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Denn als die Anderen, die Kampfgef&auml;hrten suchend,<br>
+Tags nach dem Treffen &uuml;ber&rsquo;s Blachfeld gehn,<br>
+Da finden sie auch mich und jeder eilte,<br>
+Voll Mitleid dem Todwunden beizustehn.<br>
+Ein frischer Trunk gab mir das Leben wieder,<br>
+Verwundert hob ich bald die schweren Lider.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da f&uuml;gte sich&rsquo;s, da&szlig; sie auch jenes Dreibein sahen,<br>
+So mir des Henkers Faust einst aufgebrannt,<br>
+Hei! war ihr Mitleid Euch nun schnell verflogen,<br>
+Als sie den Galgenvogel dran erkannt!<br>
+Ich h&ouml;r&rsquo; noch heut&rsquo; ihr h&ouml;hnisch Lachen klingen,<br>
+Mit dem sie, mir vor&uuml;ber, weiter gingen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch, dabei ging das letzte Federlein verloren,<br>
+Der nackte Vogel &auml;nderte den Sinn;<br>
+Sein stolzes Wollen bracht&rsquo; ihm schlecht Gedeihen,<br>
+Was er erstrebt&rsquo;, de&szlig;&rsquo; ward ihm kein Gewinn.<br>
+Nun beugte er sich demuthvoll im Stillen,<br>
+Vor seines Sch&ouml;pfers weiser Macht und Willen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es schwand die Kraft mir wieder und ich sank zusammen<br>
+In dumpfem Schmerz und bangem Herzeleid;<br>
+Auf leisen Sohlen kam die Nacht gewandelt<br>
+Und deckte mich mit ihrem dunkeln Kleid.<br>
+Dann schlug&rsquo;s wie Wellen &uuml;ber mir zusammen,<br>
+Im Ohre Rauschen, in den Augen Flammen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie lange ich bewu&szlig;tlos lag, ich wei&szlig; es nimmer,<br>
+Als ich auf einmal h&ouml;rte, da&szlig; man sprach.<br>
+Erwachend fand ich mich, zu meinem Staunen,<br>
+Auf Stroh gebettet unter Dach und Fach.<br>
+Der Tod war wiederum vorbeigezogen,<br>
+Ich schien ihm unwerth seines Pfeils und Bogen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein niedrig Scheunendach, durch dessen enge Luken<br>
+Die Sonne gl&auml;nzte und des Himmels Blau,<br>
+Ein B&uuml;ndlein Heu, an dem ein Esel kaute,<br>
+Und in den Ecken Spinneweben grau,<br>
+Das war der Ort, an welchem ich erwachte,<br>
+Nicht grad das Paradies, wie ich mir&rsquo;s dachte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zu meiner Linken sah ich b&auml;rtig Mannsvolk sitzen,<br>
+Beim Spiele, doch auch&rsquo;s Kr&uuml;glein in der Hand,<br>
+Derweilen Weib und Kind am Boden schliefen,<br>
+Bei einem Karren, der daneben stand.<br>
+Da&szlig; zwischen fahrend Volk ich sei gerathen,<br>
+Lie&szlig; unschwer mich der erste Blick errathen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Barmherzig hatte dies sich meiner angenommen,<br>
+Als ich dem Tode nah im Felde lag,<br>
+Und nun ich endlich wieder Leben zeigte,<br>
+Hielt&rsquo;s treulich bei mir aus manch lieben Tag,<br>
+Bis dann die Zeit kam, wo ich gehen konnte,<br>
+Mich nicht mehr matt am gr&uuml;nen Hage sonnte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zum Danke daf&uuml;r fuhr ich lang mit den Gesellen,<br>
+Die Kreuz und Quer in Stadt und Land herum;<br>
+Ihr Treiben aber wollt&rsquo; mir nicht gefallen,<br>
+Fand viel der Haken, die gewaltig krumm;<br>
+Doch wenn ich warnte, bracht&rsquo;s mir Spott und Schelte,<br>
+Da&szlig; ich die Freundschaft ihnen schlecht vergelte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So schwieg ich denn, bis es sich also f&uuml;gte, da&szlig; wir<br>
+Dem Dorfe nahe, wo ich gl&uuml;cklich war.<br>
+Nun hielt mich nichts mehr, lie&szlig; das Volk im Stiche<br>
+In einer Mondnacht, wie der Tag so klar;<br>
+Das stille H&uuml;ttlein noch einmal zu sehen,<br>
+Konnt&rsquo; meiner Sehnsucht ich nicht widerstehen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es taugte nichts. Ich fand mich fremde, schier vergessen,<br>
+Und statt zu mindern, frischte ich den Schmerz<br>
+Nur wieder auf, der manchmal doch geschlummert.<br>
+Des Menschen Herz ist wie ein Fels von Erz,<br>
+In welchem, unausl&ouml;schlich tief, gegraben,<br>
+Was wir an Freud und Leid genossen haben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am zweiten Morgen schon verlie&szlig; ich drum die H&uuml;tte,<br>
+Doch diesmal mit der Laute im Geleit.<br>
+Ich fand sie noch, ein trautes Angedenken<br>
+An freudige, wie kummerhafte Zeit,<br>
+Und halte sie seitdem in guten Ehren,<br>
+Gleich einem Freund, der hilft das Leid verwehren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In langen Fahrten zog ich singend durch die Gauen,<br>
+Und, wenn es anging, mehrtheils ganz allein,<br>
+Da ich dem Wesen meines eignen V&ouml;lkleins<br>
+Entfremdet war bis auf den blo&szlig;en Schein;<br>
+Kam so gen Kostniz, wo der Kaiser tagte,<br>
+Und eine Zeitlang es mir bas behagte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Traun! gab&rsquo;s des bunten Treibens da gar viel zu schauen,<br>
+Vom Morgenl&auml;uten bis zum Abend spat.<br>
+In stolzem Prunk die F&uuml;rsten und die Pfaffen,<br>
+Viel sch&ouml;ne Frau&rsquo;n in ihrem besten Staat;<br>
+Die weite Stadt mocht kaum sie alle fassen,<br>
+So mit dem Kaiser dort zu tagen sa&szlig;en.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wo F&uuml;rsten weilen, wei&szlig; der S&auml;nger sich willkommen!<br>
+Sie leihen frohen Weisen gern das Ohr;<br>
+Auch wissen ihre Damen hold zu lohnen,<br>
+Singt man zum Saitenspiel was Sch&ouml;nes vor,<br>
+Und Frauenherzen mu&szlig; der S&auml;nger r&uuml;hren,<br>
+Soll reichen Sold sein Singen ihm erk&uuml;ren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So sang ich fr&ouml;hlich denn am blauen Schwabenmeere,<br>
+Wo blaues Aug&rsquo; und blauer Trauben Saft<br>
+Das Herz erw&auml;rmen, unter blauem Himmel<br>
+Man sich in&rsquo;s Farbenspiel des See&rsquo;s vergafft. &mdash;<br>
+Ich w&uuml;rde heut&rsquo; noch dort die Saiten spannen,<br>
+Trieb scharfer Brandgeruch mich nicht von dannen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein selten V&ouml;gelein lie&szlig; sich im Garne fangen,<br>
+Von arger List und b&ouml;sem Trug gestellt.<br>
+Thut nimmer gut, die Wahrheit grad zu singen,<br>
+Da&szlig; lauten Ton&rsquo;s sie in den Ohren gellt;<br>
+Ach, wenn die Leute nach der Wahrheit fragen,<br>
+Bedenket erst, ob die sie auch vertragen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das V&ouml;gelein, ein G&auml;nserich fernher aus B&ouml;heim,<br>
+Kam durch sein Schnattern bald auch arg in Noth;<br>
+Statt frei Geleite, so man ihm versprochen,<br>
+Verdammten sie&rsquo;s und zwar zum Feuertod. &mdash;<br>
+Mein&rsquo; aber doch, einst kommt ein Schwan gefahren,<br>
+Den sie zu braten sich gewi&szlig;lich wahren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Ein Unrecht ist&rsquo;s!&rdquo;&rdquo; entschl&uuml;pfte es dem Mund des Junkers<br>
+So laut, da&szlig; sich der Spielmann unterbrach<br>
+Und mit Erstaunen auf Herrn Kuonrad blickte,<br>
+Aus dessen Antlitz edles Z&uuml;rnen sprach;<br>
+Herr Heinz doch that, als h&auml;tt&rsquo; er nichts vernommen,<br>
+Lie&szlig; nur von Kunzen frischen Wein sich kommen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Junker schwieg drum auch, dann sprach der Alte weiter:<br>
+&bdquo;Es ward mir schw&uuml;l am blauen Bodensee;<br>
+Denn jedes Mal, wenn ich den Freimann sehe,<br>
+Thut mir das Dreibein auf dem Nacken weh.<br>
+Wei&szlig; es ja selbst, wie es zu Muth dem Herzen,<br>
+Das schuldlos leidet Henkerpein und Schmerzen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ich sagte drum Valet der Stadt und ihrem Treiben,<br>
+Den vollen Humpen und den sch&ouml;nen Frau&rsquo;n,<br>
+Und zog den Rhein herab, die Pfaffengassen,<br>
+Mit Sang und Sagen f&uuml;rbas durch die Gau&rsquo;n,<br>
+Bis sich von ungef&auml;hr das Steuer drehte<br>
+Und mich der Wind in Euer Thal verwehte.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein wunderlieblich Land mu&szlig; ich den Kletgau preisen,<br>
+Mit seinen Fluren, seinen Rebenh&ouml;hn;<br>
+Umkr&auml;nzt von goldnen Feldern, gr&uuml;nen Matten,<br>
+Liegt Dorf an Dorf, gleichwie ein Garten sch&ouml;n,<br>
+Um welchen rings sich wald&rsquo;ge Berge bauen,<br>
+Von denen stolze Burgen niederschauen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es lernt der Wandrer da ein heiter V&ouml;lklein kennen;<br>
+Nach wackrer Arbeit liebt es Sang und Tanz,<br>
+Ist biedern Sinns und w&auml;ger hochgemuthet,<br>
+Gleich seinen Eichen auf der Berge Kranz.<br>
+Hier f&uuml;hle ich mich wohl, hier m&ouml;cht&rsquo; ich weilen,<br>
+W&auml;r&rsquo; mein Geschick nicht, durch die Welt zu eilen!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun, Herre, kennet Ihr des V&ouml;gleins Flug bis jetzo<br>
+Und wisset, wo&rsquo;s die Federlein gela&rsquo;n.<br>
+Ich hoffe, &rsquo;s wird einst, nach der letzten Mauser,<br>
+Wie andre, neuen, sch&ouml;nern Schmuck empfahn;<br>
+Ist doch auch&rsquo;s V&ouml;gelein in Gottes H&auml;nden,<br>
+Der Euch und ihm w&ouml;ll fr&ouml;hlich Urst&auml;nd spenden!&rdquo;<br>
+</p>
+<img src="images/E214.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Siebentes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E215.jpg" alt="Aufbruch von Kuonrad und Franz von Edlibach"><p>
+Die Nacht ist hin. Von starkem Rauhreif wei&szlig; besponnen,<br>
+Erschimmern rings in m&auml;rchenhafter Pracht<br>
+Der B&auml;ume Wipfel, purpurn &uuml;berg&uuml;ldet<br>
+Vom Morgenroth, das fern im Ost erwacht;<br>
+Bald wird, sein leuchtendes Gespann am Wagen,<br>
+Der Sonnenball die kurze Tagfahrt wagen.<br>
+</p>
+<p>
+Lichtblauer Himmel w&ouml;lbt sich &uuml;ber Schlo&szlig; und Landschaft<br>
+Und, wenn&rsquo;s auch kalt macht, ist die Luft doch still<br>
+Und r&uuml;hrt nicht an des Waldes silbern Pfeitlein,<br>
+In dem die Sonne er begr&uuml;&szlig;en will;<br>
+Als ob ihm nimmer die Erfahrung sagte,<br>
+Da&szlig; er noch jedes Mal umsonst sich plagte.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt flammt es auf in hellen Blitzen weit im Osten<br>
+Getroffen von des Lichtes goldnem Hauch,<br>
+Ergl&auml;nzt in allen Farben, gl&uuml;hend, funkelnd,<br>
+Ein herrlich Diadem, der Reif am Strauch.<br>
+Ein Meer von Gold ruht auf den schnee&rsquo;gen Fl&auml;chen,<br>
+Auf welchem glitzernd sich die Strahlen brechen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Da&szlig; sch&ouml;n der Tag sich anlie&szlig;, kam Herrn Heinz zu statten,<br>
+Weil Elsbeth, wie er selbst, die G&auml;ste bat,<br>
+Noch einen Tag das Jagdgl&uuml;ck zu versuchen;<br>
+Was diese auch versprochen, eh&rsquo; sie spat,<br>
+Da m&uuml;d&rsquo; und schl&auml;ferig die Lider hingen,<br>
+Vom Wein sich trennten und zur Ruhe gingen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Des Spielmanns schlichte Rede hatte gestern alle,<br>
+Nur nicht des Wasserstelzen T&ouml;chterlein,<br>
+Ernst angemuthet; dieses wollte lachen.<br>
+Mit krauser Stirne sah es unwirsch drein,<br>
+Als jener endlich schwieg und alle zaudern<br>
+Von heitern Dingen, wie vordem zu plaudern.<br>
+</p>
+<p>
+Doch bald gewann des Vogts gem&uuml;thlich Wesen wieder<br>
+Die Oberhand. In froh gelaunter Weis&rsquo;<br>
+Befahl er Kunz, den Spielmann wohl zu letzen<br>
+F&uuml;r sein Erz&auml;hlen nun mit Trank und Speis&rsquo;;<br>
+Es sei viel leichter, einen Korb verschwellen,<br>
+Denn Kehl&rsquo; und Magen fahrender Gesellen.<br>
+</p>
+<p>
+Das Gleichni&szlig; laut belachend, h&ouml;rte sicher Niemand<br>
+Da&szlig; unterdessen Junker Kuonrads Mund<br>
+Des Schlosses Herrin heimlich fl&uuml;sternd fragte,<br>
+Ob ihre Liebe auch so festen Grund, &mdash;<br>
+Als sie es eben von der Maid vernommen,<br>
+Die zu dem Spielmann einst in Lieb&rsquo; erglommen?<br>
+</p>
+<p>
+Wohl zog&rsquo;s in dunklen Gluthen da auf Elsbeth&rsquo;s Wangen,<br>
+Doch sah sie klaren Blicks zu ihm empor<br>
+Und sprach in mildem Ernste, aber leise,<br>
+Da&szlig; kaum erlauschen mochte es sein Ohr:<br>
+&bdquo;Ich denke, Herr, es giebt nur Eine Minne<br>
+Und treufest wohnt sie tief im Herzen drinne!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als h&auml;tte sie zu viel gesprochen oder vorschnell,<br>
+So hastig stand sie dann vom Tische auf<br>
+Und w&auml;hlte selbst dem Spielmann von den Speisen;<br>
+Auch, in der Eil&rsquo;, die Kanne mit dem Knauf<br>
+Von Silber f&uuml;llte sie mit Wein dem Alten,<br>
+Sah nicht, wie Mechtilds Blicke drob sie schalten.<br>
+</p>
+<p>
+Dann winkte sie dem S&auml;nger freundlich sich zu setzen.<br>
+Was der nat&uuml;rlich auch gar gerne that<br>
+Und sich behaglich &uuml;bers Essen machte,<br>
+So da&szlig; Kunz nicht ein zweites Mal ihn bat.<br>
+Bei Tische aber, nun der Ernst gebrochen,<br>
+Ward munter wieder hin und her gesprochen.<br>
+</p>
+<p>
+Nur einer horcht schweigend, und das war Herr Kuonrad,<br>
+Dem&rsquo;s wahrlich doch am Mundwerk nicht gebrach;<br>
+Er gab wohl h&ouml;fliche, doch kurze Antwort,<br>
+Wenn Fr&auml;ulein Adelgunde zu ihm sprach;<br>
+Doch, wollte sie in ein Gespr&auml;ch ihn ziehen,<br>
+So suchte, schlau, er solchem zu entfliehen.<br>
+</p>
+<p>
+Er merkte nicht, wie darob ihm das Fr&auml;ulein z&uuml;rnte,<br>
+Denn seine Blicke zog&rsquo;s mit Allgewalt<br>
+Zu Elsbeth, die, der Wirthin Pflichten &uuml;bend,<br>
+Ihm dann und wann mit einem Blick vergalt,<br>
+Der, mehr als tausend Worte, ihm enth&uuml;llte,<br>
+Welch holdes Gl&uuml;ck ihr junges Dasein f&uuml;llte.<br>
+</p>
+<p>
+Sie wu&szlig;te lange, da&szlig; ihr Herz ihm angeh&ouml;re<br>
+Und seines ihr; wenn auch mit keinem Wort<br>
+Ihr hold Geheimni&szlig; noch die Lippen regte,<br>
+Verriethen Blicke doch des Schatzes Hort.<br>
+Verschwieg&rsquo;ne Liebe ist ja doppelt theuer<br>
+Und brennt im Herzen wie ein lodernd Feuer. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wie schon erz&auml;hlt, gings wieder heiter zu am Tische;<br>
+Bei Scherz und Kurzweil floh die Zeit gar schnell.<br>
+Kunz mu&szlig;te weidlich laufen mit dem Humpen,<br>
+Wollt&rsquo; er mit Ehr&rsquo; bestehn als Schenkgesell;<br>
+Auch kam ihm dabei vor, der Herren Kehlen<br>
+Woll&rsquo; heute jeder Grund und Boden fehlen.<br>
+</p>
+<p>
+Bald h&ouml;rte laut man Udo zu dem Spielmann sagen:<br>
+&bdquo;Hei, Alter! Sing&rsquo; ein Liedlein von der Jagd;<br>
+Kennst sicher eines, das recht lustig klinget<br>
+Und frohen Waidgesellen bas behagt.<br>
+Bei Sang und Kanne l&auml;&szlig;t sich traulich sitzen;<br>
+Sieh&rsquo; nur, wie alle schon die Ohren spitzen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Gehorsam griff der S&auml;nger da zum Saitenspiele;<br>
+Doch, um zu zeigen, da&szlig; er wohl verstand,<br>
+Was H&ouml;flichkeit vor edeln Damen fordert,<br>
+Bat, eh&rsquo; er&rsquo;s r&uuml;hrte mit gewandter Hand,<br>
+Er erst des Schlosses Herrin, ihm zu sagen,<br>
+Was f&uuml;r ein Lied der Holden th&auml;t behagen.<br>
+</p>
+<p>
+Zartsinnig bat sie da ihn um der Lieder eines,<br>
+So einst sein M&auml;gdlein sich ersann und sang.<br>
+Mit feuchtem Blick ihr lohnend, griff der Alte<br>
+Drauf in die Saiten, da&szlig; es hell erklang.<br>
+Dann hob er, anfangs leise, an zu singen,<br>
+Da&szlig; es, wie Kinderstimmen s&uuml;&szlig; mu&szlig;t&rsquo; klingen:<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am Hage bl&uuml;ht jung R&ouml;slein roth;<br>
+De&szlig;&rsquo; litten Wind und K&auml;fer Noth,<br>
+Wollt&rsquo;s Jeder ha&rsquo;n zur Fraue;<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Zum R&ouml;slein heimlich sprach der Wind:<br>
+&bdquo;&bdquo;La&szlig;&rsquo; um Dich werben, liebes Kind,<br>
+Ein Herr gehrt Dein zur Fraue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;Zieh&rsquo; weiter!&rdquo;&rdquo; rothes R&ouml;slein sprach,<br>
+&bdquo;&bdquo;Verschlossen bleibt Dir mein Gemach,<br>
+Solch Buhlen ich nicht traue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Drauf, g&uuml;lden sch&ouml;n, ein K&auml;fer kam,<br>
+Gab jungem R&ouml;slein s&uuml;&szlig;en Nam&rsquo;,<br>
+Als seiner holden Fraue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch R&ouml;slein sprach: &bdquo;&bdquo;Dich nehm&rsquo; ich nicht<br>
+Goldk&auml;ferlein! Dein Angesicht<br>
+Nur hin nach andern schaue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Als aber kam ein Junker her,<br>
+Da wurde R&ouml;sleins Herze schwer;<br>
+Von selbst ward&rsquo;s seine Fraue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dem Junkherrn gab es Duft und Bl&uuml;th&rsquo;,<br>
+Doch er war bald des Kosens m&uuml;d&rsquo;,<br>
+Zog wieder fort in&rsquo;s Blaue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und wi&szlig;t Ihr, wer der Junkherr war?<br>
+Er hei&szlig;et Lenz, nimmt jedes Jahr<br>
+Ein R&ouml;slein sich zur Fraue.<br>
+Es bl&uuml;hn wohl auf der gr&uuml;nen Au<br>
+Viel Bl&uuml;mlein, roth und blaue.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Wie ein ge&ouml;ffnet Buch, drin wonniglich zu lesen,<br>
+Sa&szlig; Elsbeth da und lauschte still dem Lied;<br>
+Der helle Sonnenschein aus ihren Z&uuml;gen,<br>
+Verrieth dem Freund, was sie zu sagen mied,<br>
+Da&szlig;, gleich dem R&ouml;slein, seit er hergekommen,<br>
+Auch ihrem Herzen sei die Lieb erglommen.<br>
+</p>
+<p>
+Was Wunder, da&szlig; Herr Kuonrad sich nicht meistern konnte<br>
+Und, tief versenkt in Liebeslust und Weh,<br>
+Nur Augen hatte f&uuml;r des Hauses Herrin,<br>
+So heute ihm noch sch&ouml;ner schien, denn je.<br>
+Es brauchte wenig und, in Minne trunken,<br>
+W&auml;r&rsquo; vor der Holden er auf&rsquo;s Knie gesunken.<br>
+</p>
+<p>
+Ein selig Tr&auml;umen nahm der beiden Herz gefangen,<br>
+Bis leis&rsquo; der letzte Saitenton verklang;<br>
+Doch, als der Spielmann, Udo&rsquo;s Wunsch willfahrend,<br>
+Im n&auml;chsten Lied des Waidwerks Lust besang,<br>
+Und es erscholl, wie helles Hifthornklingen<br>
+Durch gr&uuml;nen Wald, da half auch Elsbeth singen.<br>
+</p>
+<p>
+Nur sch&uuml;chtern erst, doch bald mit voller, klarer Stimme,<br>
+&mdash; Im Schlo&szlig; war Lied und Weise l&auml;ngst bekannt, &mdash;<br>
+Sang Elsbeth, da&szlig; der Spielmann, hingerissen<br>
+Von ihren T&ouml;nen, alle Kraft gespannt<br>
+In sch&ouml;ner Harmonie, um zu begleiten<br>
+Mit seinem Sange und dem Spiel der Saiten.<br>
+</p>
+<p>
+Es war ein Jubeln, war ein frohes Tirilliren,<br>
+Als h&ouml;rte man der V&ouml;glein hellen Sang<br>
+Im bl&uuml;hnden Haine drau&szlig;en und im Tanne,<br>
+Wenn dort das Halali des Waidmanns klang,<br>
+Um, fern im Echo, leise zu verhallen,<br>
+Und, wieder nah, von neuem zu erschallen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Gelt, M&auml;gdlein, wenn die Liebe &rsquo;s K&ouml;pflein euch verwirret,<br>
+Ihr s&uuml;&szlig; Geheimni&szlig;, euch allein nur kund,<br>
+Das junge Herzlein zum Zerspringen f&uuml;llet,<br>
+Und doch nicht plaudern darf davon der Mund:<br>
+Dann quillt in Liedern hell aus Brust und Kehle,<br>
+Im Sange jauchzend, was euch hebt die Seele? &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Beim zweiten Verse sangen darauf auch die Herren<br>
+Das Liedlein mit in nicht zu lautem Ba&szlig;;<br>
+Wer nur allein noch schwieg, war Adelgunde,<br>
+Von bittrer Eifersucht gequ&auml;lt und Ha&szlig;,<br>
+Hielt jedem Laute sie den Mund verschlossen<br>
+Und blickte finster vor sich hin, verdrossen.<br>
+</p>
+<p>
+Je fr&ouml;hlicher im Saal der S&auml;nger Stimmen klangen,<br>
+Um desto hei&szlig;er f&uuml;hlte sie die Qual,<br>
+Geduldig sehn zu m&uuml;ssen, wie der Blick des Junkers<br>
+Sich immer wieder hin zu Elsbeth stahl;<br>
+Verschm&auml;hter Liebe unheilbare Schmerzen,<br>
+Sie nagten heimlich aber tief im Herzen.<br>
+</p>
+<p>
+Da von den Andern jedoch niemand darum wu&szlig;te,<br>
+Flo&szlig; jenen gar vergn&uuml;gt der Abend hin<br>
+Bei frohem Sang und trautem Zwiegespr&auml;che,<br>
+Als ob es nur ein kurzes St&uuml;ndlein schien,<br>
+Das man im Freundeskreise heut&rsquo; verbrachte,<br>
+Nicht sich die Mitternacht schon nahte sachte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Am n&auml;chsten Morgen hatte kaum des W&auml;rtels Hornruf<br>
+Den Herren dann gemeldet, da&szlig; es tagt&rsquo;,<br>
+Als diese, wieder frisch, vom Lager sprangen,<br>
+Hinauszureiten mit dem Vogt zur Jagd,<br>
+Die heute, weil der Freund es also wollte,<br>
+Im Thal, der Wutach zu, sich ziehen sollte.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Die Herren waren l&auml;ngst zur Jagd davon geritten,<br>
+Als Adelgunde sich vom Lager hob.<br>
+Sie hatte unruhvoll und schlecht geschlafen,<br>
+Weil wirr ein Traum sich in den Schlummer wob,<br>
+Aus dem sie, &ouml;fters aufgeschreckt, erwachte,<br>
+Da schon die Sonne durch die Scheiben lachte.<br>
+</p>
+<p>
+Voll Aerger dr&uuml;ber, weil den Ausritt sie verschlafen,<br>
+Es hatte Adelgunde Zeit und Ruh,<br>
+Auf&rsquo;s neu&rsquo; dem Unmuth sich zu &uuml;berlassen,<br>
+Da&szlig; gestern nicht der Junker immerzu<br>
+Nur ihrer Rede h&ouml;rte, nicht ihn r&uuml;hrte,<br>
+Was, ach, so hei&szlig;, im Herzen sie versp&uuml;rte.<br>
+</p>
+<p>
+In schlecht verhehltem Mi&szlig;muth gr&uuml;&szlig;te sie verdrossen,<br>
+Als Elsbeth freundlich in das Zimmer trat,<br>
+Und lie&szlig; das Fr&uuml;hmahl unber&uuml;hrt erkalten,<br>
+Wie viel auch diese es zu kosten bat;<br>
+In dunklem Feuer ihre Blicke gl&uuml;hten,<br>
+So oft, die Lippen sich zu reden m&uuml;hten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Da, unversehens, that die Arge jedoch freundlich<br>
+Und gab mit L&auml;cheln Elsbeths Bitte nach,<br>
+Sie etlich Treppen aufw&auml;rts zu begleiten,<br>
+In&rsquo;s eig&rsquo;ne, prunkentbl&ouml;&szlig;te Schlafgemach;<br>
+Wo vor dem Fenster sich ein S&ouml;ller baue,<br>
+Von welchem man den ganzen Gau erschaue.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erlaubt mir Eure Hand, da&szlig; ich Euch sorglich f&uuml;hre, &mdash; &rdquo;<br>
+Sprach arglos Elsbeth, als es aufw&auml;rts ging<br>
+Und Adelgunde zauderte, zu folgen<br>
+Im Dunkel, das die Treppe hier umfing, &mdash;<br>
+&bdquo;Den n&auml;chsten Augenblick schon sind wir oben,<br>
+Von Sonnenschein und frischer Luft umwoben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Dies sagend, reichte Elsbeth ihrem Gast die Rechte,<br>
+An deren Finger sie das Reiflein trug,<br>
+So, wie wir wissen, ihr Herr Kuonrad schenkte,<br>
+Als er besorgt um ihre Zukunft frug,<br>
+Und das, seit jener Stunde, sie getragen,<br>
+Ohn&rsquo; da&szlig; es Jemand einfiel, drob zu fragen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun lag&rsquo;s, sammt ihren Fingern, in der Hand der B&ouml;sen,<br>
+Die, als sie&rsquo;s f&uuml;hlte, voller Bosheit sacht&rsquo;<br>
+Versuchte, ob es abzustreifen w&auml;re<br>
+Und, da dies anging, sich nicht lang bedacht&rsquo;,<br>
+Das Reiflein Elsbeth heimlich weg zu nehmen,<br>
+Eh&rsquo; oben sie zum Licht des Tages k&auml;men.<br>
+</p>
+<p>
+Zu gut nur, leider, war der Schlauen dies gelungen,<br>
+Wie ja dem b&ouml;sen Vorsatz stets das Thun,<br>
+Nur allzu gern, auf halbem Weg begegnet,<br>
+Den Unheilsinnenden nicht l&auml;sset ruhn,<br>
+Bis er, im Banne finsterer Gewalten,<br>
+Sieht seinen Willen sich zur That gestalten.<br>
+</p>
+<p>
+Mit schadenfroher Miene stieg das Fr&auml;ulein vollends<br>
+Den Rest der Treppen aufw&auml;rts, Elsbeth nach,<br>
+Und trat, so unbefangen als nur m&ouml;glich,<br>
+In deren sonnighelles Schlafgemach.<br>
+Ein trautes St&uuml;blein, nett und rein gehalten,<br>
+Gab&rsquo;s Zeugni&szlig; f&uuml;r der Herrin emsig walten.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Tischlein, wie das Bett schneewei&szlig; bezogen, prangte,<br>
+Aus Eichenholz gef&uuml;gt, links an der Wand,<br>
+Auf deren Sims, geschm&uuml;ckt mit frischem Eppich,<br>
+Die Statue der Muttergottes stand,<br>
+Von K&uuml;nstlerhand in Elfenbein geschnitten,<br>
+Ein zierlich Bild, vor Alter gelb wie Quitten.<br>
+</p>
+<p>
+Noch etlich St&uuml;hle mit gestickten R&uuml;ckenlaken<br>
+Und, gleich dem Tischlein, etwas altersschwach,<br>
+Nebst ein paar schweren, buntbemalten Truhen,<br>
+Besetzten diese Wand der L&auml;nge nach,<br>
+Inde&szlig; die andere das Bettlein s&auml;umte,<br>
+Drin Nachts die Liebliche in Unschuld tr&auml;umte.<br>
+</p>
+<p>
+Drau&szlig;&rsquo;, vor des St&uuml;bleins Fensterth&uuml;re, lag der S&ouml;ller,<br>
+Ein Mauervorsprung mit nur niedrem Rand,<br>
+Fast einem Vogelneste zu vergleichen,<br>
+Das, festgeklebt, sich an dem Thurme fand;<br>
+Doch allso hoch, da&szlig; schier es schwindlig machte,<br>
+Wenn man zum ersten Mal den Fu&szlig; drauf brachte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Vom Sonnenschein umflirrt, der fast die Blicke blendet,<br>
+Betrat das M&auml;dchenpaar des S&ouml;llers Raum;<br>
+Tief unter sich verschneite, wei&szlig;e Th&auml;ler,<br>
+Die W&auml;lder rings ein einz&rsquo;ger Weihnachtsbaum,<br>
+Und fern im S&uuml;d&rsquo;, ein Anblick zum Entz&uuml;cken,<br>
+Der Alpen sonnbegl&auml;nzte Silberr&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+Gar manchmal schon war Elsbeth da gestanden, hatte,<br>
+Versunken in des sch&ouml;nen Anblicks Pracht,<br>
+Und sich der Fernsicht freuend, stundenlange<br>
+Hier oben in der Einsamkeit verbracht,<br>
+Um, &uuml;berw&auml;ltigt von dem hehren Schauen,<br>
+An Gottes Werken still sich zu erbauen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun sollte auch der Gast den klaren Tag benutzen.<br>
+Und, w&auml;hrend Elsbeth ihm die Namen nannt&rsquo;,<br>
+Von all den Bergen, Th&auml;lern in der Runde,<br>
+So weit ihr jene &uuml;berhaupt bekannt,<br>
+Hier Umschau haltend, froher Laune werden,<br>
+Beim Anblick dieses sch&ouml;nen St&uuml;ckleins Erden.<br>
+</p>
+<p>
+Doch Adelgunde schien nur wenig sich zu freuen;<br>
+Sie ma&szlig; die Gute bald mit einem Blick<br>
+Der, mehr noch als die Worte, so ihm folgten,<br>
+Erkennen lie&szlig;, wie gram sie dem Geschick<br>
+Drob war, weil dies, in leid&rsquo;ger Lust am Necken,<br>
+Vergessen hatte, sie zur Jagd zu wecken.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gebt&rsquo;s auf, mir Namen vorzusagen,&rdquo; sprach sie m&uuml;rrisch<br>
+&bdquo;Die doch kein Mensch im Kopf behalten kann,<br>
+Als etwan Ihr, der, wie es scheint, das Fremde<br>
+Es angethan, und nicht der eigne Bann;<br>
+Denn sonsten braucht&rsquo; ich Euch ja nicht zu fragen,<br>
+Den Wald zu zeigen, drin die Herrn heut&rsquo; jagen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Da, etwas &uuml;berrascht, wies Elsbeth mit dem Finger<br>
+Hin&uuml;ber, wo das Heidenschl&ouml;&szlig;chen stand;<br>
+Ein r&ouml;misches Gem&auml;uer, dessen Reste<br>
+Im Waldesdickicht einst ein Waidmann fand,<br>
+Als, m&uuml;de wohl, er sich auf&rsquo;s Moos hinstreckte,<br>
+Das gr&uuml;n und weich die Mauertr&uuml;mmer deckte.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dort dr&uuml;ben, nah der Wutach, zieht des Wildbanns Grenze<br>
+Sich bis hinunter, wo der Lauffen rauscht;<br>
+Die Luft ist still und wenn auch wir es bleiben,<br>
+Mag&rsquo;s gehen, da&szlig; Eu&rsquo;r Ohr den Klang erlauscht<br>
+Von ihren Hiften, so, gleich fernem Singen,<br>
+Ich mehr denn eimnal bis hierher h&ouml;rt&rsquo; klingen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das glaub&rsquo; ich gerne!&rdquo; rief gereizt die Aufgeregte<br>
+In einem Ton, da&szlig; Elsbeth, drob erstaunt,<br>
+Der Stolzen in die dunklen Augen schaute;<br>
+Doch hielt den Gast sie nur f&uuml;r schlecht gelaunt,<br>
+Und that deshalb, als w&auml;re ihr entgangen,<br>
+Wie h&auml;misch vorhin dessen Worte klangen.<br>
+</p>
+<p>
+Gelassen hob sie also wieder an zu sprechen,<br>
+Und ging&rsquo;s nicht lange, eh&rsquo; es Elsbeth d&auml;ucht&rsquo;,<br>
+Ihr harmlos Plaudern habe allen Unmuth<br>
+Des Fr&auml;uleins, wie im Flug, hinweggescheucht.<br>
+Sie merkte nicht, wie listig und verschlagen<br>
+Die Schlaue forschend stellte Wort und Fragen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach Kurzem, denn die Jugend kann ja nichts verhehlen,<br>
+Besonders wenn das Herz sich gl&uuml;cklich wei&szlig;,<br>
+Gab Elsbeth, &uuml;berlistet von des Fr&auml;uleins Reden,<br>
+Der Schmeichelnden ihr s&uuml;&szlig; Geheimni&szlig; Preis,<br>
+Da tiefes Roth der Holden Wangen deckte,<br>
+Als jene bald sie mit Herrn Kuonrad neckte.<br>
+</p>
+<p>
+Nun gar die Liebliche, auf Adelgundens Frage:<br>
+Ob sie den Junker minne und er sie,<br>
+Mit silberhellem Lachen, statt zu sprechen,<br>
+Dem Gl&uuml;cke ihrer Liebe Ausdruck lieh,<br>
+Da lie&szlig;, nicht Herrin mehr des Zornes Wallen,<br>
+Die Fragerin jedwede Maske fallen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Vermeinet Ihr denn wirklich, da&szlig; der Herr Euch minnet,&rdquo;<br>
+Klang&rsquo;s giftig, schneidend aus des Fr&auml;uleins Mund,<br>
+&bdquo;Weil w&auml;ger Ihr Euch ihm zur Kurzweil bietet,<br>
+Wie dies am Vrenentag wohl jedem kund?<br>
+Euch &mdash; eines Dienstmanns Tochter, die zufrieden,<br>
+Wird einst zum Mann ein Grundhold ihr beschieden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Die Augen weit ge&ouml;ffnet, stand die Ueberraschte,<br>
+Inde&szlig; das Blut ihr aus dem Antlitz wich,<br>
+Ob solcher Rede keines Wortes m&auml;chtig;<br>
+Es ballten krampfhaft ihre H&auml;nde sich,<br>
+Der H&ouml;hnenden geb&uuml;hrend zu vergelten,<br>
+Sie eines Dienstmanns Tochter frech zu schelten.<br>
+</p>
+<p>
+Denn was die Arge sonst gesprochen, war der Keuschen<br>
+Ja unverst&auml;ndlich; blieb es auch, Gottlob,<br>
+Bis jene, unter h&ouml;hnischem Gel&auml;chter,<br>
+Des Junkers Reiflein in die H&ouml;he hob<br>
+Und mit ged&auml;mpfter Stimme Worte nannte,<br>
+Da&szlig; Elsbeths Antlitz wie in Gluthen brannte.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gebt mir das Ringlein her!&rdquo; bat dringend die Gequ&auml;lte,<br>
+Nach raschem Blick auf ihren Finger hin.<br>
+&bdquo;Gebt mir den Reif zur&uuml;ck! &mdash; Ihr k&ouml;nnt nicht wollen,<br>
+Da&szlig; ich mein Leben lang im Ungl&uuml;ck bin!<br>
+Ich dank&rsquo;s Euch noch in meiner letzten Stunde!<br>
+Gebt mir das Ringlein! &mdash; Bitte, Adelgunde!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Den Bitten taub, hielt jene aber dies nur fester<br>
+Und lachte h&ouml;hnisch: &bdquo;Sagt ich mir doch gleich,<br>
+Als ich das Reiflein diesen Morgen funden,<br>
+Da&szlig; solche Fische nicht in Eurem Teich<br>
+Zu Hause sind; nun kann ich leicht mir denken,<br>
+Von wem Ihr Euch das Kleinod lie&szlig;et schenken!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Denkt, was Ihr wollt!&rdquo; entgegnete jetzt Elsbeth z&uuml;rnend,<br>
+&bdquo;Der Ring ist mein und halte ich ihn werth,<br>
+Als Angedenken traut gesprochner Worte,<br>
+Von denen keines mir das Herz beschwert;<br>
+Doch, die ich dennoch Euch mit Flei&szlig; nun hehle,<br>
+Seit ich durchschaue &mdash; Eure sch&ouml;ne Seele!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schaut lieber erst in Eure!&rdquo; spottete die Arge,<br>
+&bdquo;Wird wohl beim Sprechen nicht geblieben sein! &mdash;<br>
+Ha, ha! Was gilt&rsquo;s, ihr hebet an zu beichten<br>
+Die volle Wahrheit? &mdash; Wie? Ihr saget Nein? &mdash;<br>
+Seht dieses Ringlein! &mdash; Es fliegt von dem S&ouml;ller,<br>
+Bleibt nur das kleinste Wort Euch unterm G&ouml;ller!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+In Aengsten um den Ring, erfa&szlig;te, statt zu sprechen,<br>
+Die Schwergekr&auml;nkte jetzt des Fr&auml;uleins Hand<br>
+Und hielt sie fest, bis Adelgund&rsquo;, weil st&auml;rker,<br>
+Mit einem Ruck sie t&uuml;ckisch ihr entwand,<br>
+Um nun, begleitet von boshaftem Lachen,<br>
+Die ausgesprochne Drohung wahr zu machen.<br>
+</p>
+<p>
+Noch kam sie nicht dazu; denn schier von Sinnen st&uuml;rzte<br>
+Sich Elsbeth j&auml;hlings auf den b&ouml;sen Gast,<br>
+Das Kleinod, wenn auch durch Gewalt, zu retten.<br>
+Ihr starker Arm hielt Adelgund&rsquo; umfa&szlig;t,<br>
+So da&szlig; die keuchend rang sich loszuzwingen,<br>
+Was jedoch nicht so leichtlich wollt&rsquo; gelingen.<br>
+</p>
+<p>
+In blindem Eifer rangen beide, wortlos k&auml;mpfend,<br>
+Um den Besitz des Ringleins; Kraft bewu&szlig;t,<br>
+Die jugendsch&ouml;nen Glieder sich umklammernd,<br>
+Sprach aus den Blicken grimmen Hasses Lust,<br>
+Der Gegnerin, und koste es das Leben,<br>
+Mit nichten in dem Kampfe nachzugeben.<br>
+</p>
+<p>
+Minuten w&auml;hrte schon das hei&szlig;e, stumme Ringen<br>
+Der M&auml;dchen, als es Adelgundens Kraft<br>
+Gelang die rechte Hand sich zu befreien,<br>
+Aus Elsbeths leider doch zu schwachen Haft.<br>
+Und nun, adje, das Ringlein sollte fliegen.<br>
+Das Unrecht, wie so oft, zum Scheine siegen.<br>
+</p>
+<p>
+Da scholl ein geller Schrei zum Himmel, markdurchdringend,<br>
+Von beider Stimmen, wie aus einem Mund.<br>
+Des S&ouml;llers niedrem Rand zu nah gerathen,<br>
+Als just zum Wurf ausholte Adelgund&rsquo;,<br>
+War Elsbeth, durch des Sto&szlig;es Widerprallen<br>
+Zur&uuml;ckgeschleudert, von dem Thurm gefallen.<br>
+</p>
+<p>
+Das hatte doch die B&ouml;se nicht gewollt. Aufschreiend<br>
+In banger Angst, durchrannte sie im Nu<br>
+Das St&uuml;blein, dann die dunkle Treppe nieder<br>
+Des Thurmes Ausgang und der Stelle zu,<br>
+Wo, wie ihr graute, da sie Schuld sich wu&szlig;te,<br>
+Vom Sturz zerschmettert Elsbeth liegen mu&szlig;te.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, wie war sie erstaunt, als hier die Todtgeglaubte,<br>
+Gesund und heil an Gliedern, vor ihr stand!<br>
+Besch&auml;ftigt schnell den Schnee sich abzusch&uuml;tteln,<br>
+Vom faltenreichen, blauen Wollgewand,<br>
+Den Hans, wenn er den Zwingolf morgens kehrte,<br>
+Am Fu&szlig; des Thurms seit etlich Tagen mehrte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Der Schneeberg, heute von der Sonne warm beschienen,<br>
+Lag locker da, in seiner Masse weich,<br>
+Ihm hatte Elsbeth es, n&auml;chst Gott, zu danken,<br>
+Da&szlig;, zwar vor Schrecken gleich dem Tode bleich,<br>
+De&szlig;&rsquo; N&auml;he ihr das hei&szlig;e Blut nun k&uuml;hlte,<br>
+Sie, trotz dem Sturz, sich unbesch&auml;digt f&uuml;hlte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Um Jesu willen!&rdquo; keuchte Adelgunde angstvoll,<br>
+Ob Elsbeth etwa doch zu Schaden kam,<br>
+&bdquo;Vergebet mir! &mdash; Ich will dem Herrgott danken,<br>
+Weil er so gn&auml;dig Euch in Obhut nahm,<br>
+Da&szlig; Ihr, nach solchem Fall, Euch d&uuml;rft erheben<br>
+Mit heilen Gliedern ungek&uuml;rzt am Leben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gew&auml;hrt Verzeihung &mdash;&rdquo; bat sie leise, als ihr Elsbeth<br>
+Nicht sogleich Antwort gab, &bdquo;w&auml;r&rsquo; &uuml;bler dran<br>
+Denn Ihr, h&auml;tt&rsquo; Euch ein Ungemach betroffen,<br>
+Da ich es war, die hob zu streiten an;<br>
+In kind&rsquo;scher Lust Euch mit dem Ringlein neckte,<br>
+Nicht ahnend, da&szlig; ich Euern Zorn mir weckte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+In Thr&auml;nen schaute Elsbeth auf und sagte milde:<br>
+&bdquo;Gott wolle Euch verzeih&rsquo;n, wie ich dies thu&rsquo;!<br>
+Meint Ihr es aber ernst, so helfet jetzo<br>
+Das Ringlein suchen &mdash;&rdquo; f&uuml;gte noch sie zu<br>
+Und wandte dann sich, in dem Schnee zu sehen,<br>
+Ob das Verlorne nicht sich lie&szlig; ersp&auml;hen.<br>
+</p>
+<p>
+Da jedoch reichte, schamgesenkt die feuchten Blicke<br>
+Und tief ger&uuml;hrt von Elsbeths Edelmuth,<br>
+Ihr Adelgund&rsquo; das Kleinod mit den Worten:<br>
+&bdquo;Ist unvonn&ouml;then, da&szlig; Ihr suchen thut,<br>
+Was, ging&rsquo;s verloren, selber mich auch schmerzte.<br>
+Hier nehmt den Ring! &mdash; Verzeihet, da&szlig; ich scherzte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Nun war ein Strom von Thr&auml;nen das beredte Zeugni&szlig;,<br>
+Wie freudig &uuml;berrascht sich Elsbeth fand,<br>
+Als ihr, fast z&auml;rtlich, gar noch an den Finger<br>
+Das Reiflein steckte Adelgundens Hand.<br>
+In langem Ku&szlig; sah man die Lippen pressen<br>
+Sie auf den Ring, in seligem Vergessen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Am Abend, als die Herrn vom Jagen wiederkehrten,<br>
+Im Zwingolf laut ihr Waidmannsgru&szlig; ert&ouml;nt&rsquo;,<br>
+War Frieden; denn die beiden Sch&ouml;nen hatten<br>
+Sich l&auml;ngst schon miteinander ausges&ouml;hnt,<br>
+Wenn gleich es Adelgunden schwer gefallen,<br>
+Zu meistern stolzen Herzens hei&szlig;es Wallen.<br>
+</p>
+<p>
+Im Kletgau hei&szlig;t ein Spr&uuml;chlein: &bdquo;Essen und Vergessen!&rdquo;<br>
+Das oft im Leben sich verwenden l&auml;&szlig;t.<br>
+Auch Elsbeth that es, sie verga&szlig; der Thr&auml;nen,<br>
+Die Adelgunde ihrem Herz erpre&szlig;t&rsquo;,<br>
+Nicht daran zweifelnd, da&szlig; des Junkers Liebe,<br>
+Wie heut sein Ringlein, ihr erhalten bliebe.<br>
+</p>
+<p>
+In solchem Glauben wurde bald sie wieder fr&ouml;hlich;<br>
+Doch, wenn das Zartgef&uuml;hl es auch verbot,<br>
+Ihr gl&uuml;ckgeschwelltes Herz dem Gast zu &ouml;ffnen,<br>
+Verriethen nun der Wangen lieblich Roth,<br>
+Der Augen Glanz, so strahlten wie zwei Sonnen,<br>
+Da&szlig; sie es sei, die sich den Sieg gewonnen.<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Mu&szlig;t nie vom Schicksal das f&uuml;r dich erzwingen wollen,<br>
+Was seine Macht zu schenken dir versagt,<br>
+Willst nicht du deines Herzens Ruh&rsquo; und Friede<br>
+Zum Leide wandeln und, vom Sturm gejagt,<br>
+Des Steuers ledig, mit gekappten Tauen,<br>
+Dein Hoffen, einem Schiff gleich, scheitern schauen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Am Abend ging es wieder fr&ouml;hlich zu im Palas.<br>
+Die Herren zechten und der Spielmann sang,<br>
+Von ihnen aufgefordert, heitre Weisen.<br>
+Stets sicher, da&szlig; er Beifall sich errang,<br>
+Besang sein Lied den k&uuml;hlen Trunk im Kruge,<br>
+Den oft er leerte in gar gutem Zuge.<br>
+</p>
+<p>
+Zur Abwechslung, und auf den Wunsch von Adelgunde,<br>
+Die lieber lauschte, statt da&szlig; selbst sie sang,<br>
+Gab Elsbeth eben jetzt ein Lied zum Besten,<br>
+Das voll und s&uuml;&szlig; von ihren Lippen klang;<br>
+Doch war&rsquo;s ein andrer Text und andre Weise,<br>
+Als sie der Spielmann sang, dem Wein zum Preise.<br>
+</p>
+<p>
+Mit angehaltnem Athem lauschten still die Herren,<br>
+Indessen vor der Th&uuml;r, im dunkeln Gang,<br>
+Des Hauses M&auml;gde sich versammelt hatten<br>
+Und lautlos horchten, wie die Herrin sang,<br>
+Um auch, sobald des Liedes T&ouml;ne schweigen,<br>
+In frohem Beifall dankbar sich zu zeigen.<br>
+</p>
+<img src="images/E236_237.jpg" alt="Franz von Edlibach kommt auf der K&uuml;ssaburg an">
+<p>
+Sie kamen nicht dazu. Denn eh&rsquo; das Lied zu Ende,<br>
+Stob, gleich dem H&uuml;hnervolk, bedroht vom Weih&rsquo;,<br>
+Die Schaar der M&auml;gde furchtsam auseinander<br>
+Und gaben Gang und Th&uuml;re pl&ouml;tzlich frei;<br>
+Ein Fackellicht warf auf die Mauersteine<br>
+Im N&auml;herkommen ungewisse Scheine.<br>
+</p>
+<p>
+Gleich nachher machten auch die drinnen gro&szlig;e Augen<br>
+Und brach Elsbeth das Singen j&auml;hlings ab.<br>
+Den Leuchtspahn in der Faust, stand an der Th&uuml;re<br>
+Der Wirth von Bechtersbohl, genannt der Schwab,<br>
+Dem Zweie folgten, die er mu&szlig;t&rsquo; begleiten,<br>
+Wie wohl&rsquo;s ihm wenig Freud&rsquo; schien zu bereiten.<br>
+</p>
+<p>
+Als erster trat der Kaplan ein, so schon seit gestern<br>
+Im Thale war, wo er sein Amt erf&uuml;llt&rsquo;.<br>
+Sie kannten ihn, trotz dem beschneiten Mantel,<br>
+In den er, frierend wohl, sich eingeh&uuml;llt;<br>
+Er s&auml;umte nicht den fremden Gast zu nennen,<br>
+Den Niemand auf dem Schlosse mochte kennen.<br>
+</p>
+<p>
+Zu sp&auml;t, denn eben lie&szlig; der Fremde sich vernehmen,<br>
+In tiefem Basse er zum Vogte sprach:<br>
+&bdquo;Der Bischof l&auml;&szlig;t Euch gn&auml;dig Gru&szlig; entbieten,<br>
+Durch seinen Dienstmann, Franz von Edlibach,<br>
+Dem Ihr, so hoff&rsquo; ich, werdet drob verzeihen,<br>
+Da&szlig; noch so sp&auml;t er Euch in&rsquo;s Haus mu&szlig;t&rsquo; schneien.<br>
+</p>
+<p>
+Voll Achtung hatte sich der Vogt da flink erhoben,<br>
+Wie es dem Dienstmann solches Herrn geb&uuml;hrt,<br>
+Und nun empfing er aus des Boten H&auml;nden<br>
+Ein Ledert&auml;schlein, vielfach eng umschn&uuml;rt,<br>
+De&szlig;&rsquo; Siegel Krummstab und die Inful zeigte,<br>
+Bei welchem Anblick sich Herr Heinz verneigte.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, eh&rsquo; er&rsquo;s &ouml;ffnete, bat er den Ueberbringer,<br>
+Den Mantel abzulegen und die Wehr&rsquo;<br>
+Und mitzuhalten an der Tafelrunde:<br>
+&bdquo;&rsquo;s w&auml;r mir und hier den Freunden gro&szlig;e Ehr&rsquo;!&rdquo;<br>
+Das lie&szlig; sich Edlibach nicht zweimal sagen,<br>
+Sa&szlig; bald am Tisch und ruhte mit Behagen.<br>
+</p>
+<p>
+Bed&auml;chtig l&ouml;ste nun der Vogt die Schnur am T&auml;schlein,<br>
+Indessen Elsbeth f&uuml;r den sp&auml;ten Gast<br>
+Des Saales rauchgebeiztem Eichenbuffert<br>
+Ein Glas entnahm, das ring zwei Kr&uuml;glein fa&szlig;t&rsquo;,<br>
+In dem der Wein, wie blinkend Gold geschwommen<br>
+Als sie&rsquo;s, credenzend, hie&szlig; den Herrn willkommen.<br>
+</p>
+<p>
+Die andern sa&szlig;en derweil schweigend an der Tafel<br>
+Und sahn dem Vogte zu, dem&rsquo;s endlich gl&uuml;ckt&rsquo;,<br>
+Des T&auml;schleins Inhalt an das Licht zu bringen:<br>
+Zwei Schreiben, die das gleiche Siegel schm&uuml;ckt&rsquo;,<br>
+Mit einer Aufschrift, deren Schn&ouml;rkelz&uuml;ge<br>
+Der Vogt von lange kannte zur Gen&uuml;ge.<br>
+</p>
+<p>
+So sah er denn auch bald, da&szlig; eines nur der Schreiben<br>
+An ihn gerichtet sei; das andre trug,<br>
+Vom Bischof eigenh&auml;ndig aufgeschrieben,<br>
+In sch&ouml;ner Schrift Herrn Kuonrads Namenszug;<br>
+Dies &uuml;bergab der Vogt dem Hausgenossen,<br>
+Noch ehe er das eigene erschlossen.<br>
+</p>
+<p>
+Als ob dem Junker bang, das Schreiben gleich zu &ouml;ffnen,<br>
+Lag&rsquo;s eine Weile schon in seiner Hand,<br>
+Eh&rsquo; er begann das Siegel zu erbrechen<br>
+Und fl&uuml;chtig forschte, was zu lesen stand.<br>
+Nach kurzem Blick drauf aber lie&szlig; er&rsquo;s sinken<br>
+Und griff zum Glas, doch nicht um draus zu trinken.<br>
+</p>
+<p>
+Er rieb die Augen sich, fing wieder an zu lesen;<br>
+Da ward ihm hei&szlig; und d&auml;uchte es ihn schier,<br>
+Als ob die Schn&ouml;rkel um ein Wort sich drehten<br>
+In wirrem Tanze auf des Briefs Papier.<br>
+Dies eine Wort &mdash; will ihn die H&ouml;lle narren?<br>
+Es bannt&rsquo; den Blick ihm, macht sein Herz erstarren!<br>
+</p>
+<p>
+Gleich einem, der sich schon dem Tode eigen glaubte,<br>
+Sa&szlig; stumm Herr Kuonrad da, den scheuen Blick<br>
+Mechanisch auf des Oheims Schreiben heftend,<br>
+Drin schwarz auf wei&szlig; zu lesen sein Geschick<br>
+Nun war, wie besser er&rsquo;s nicht w&uuml;nschen konnte,<br>
+Eh&rsquo; sich sein Herz in Elsbeths Blicken sonnte.<br>
+</p>
+<p>
+Das lastete jetzt bergeschwer auf seiner Seele<br>
+Und machte &ouml;de, rathlos ihm das Hirn,<br>
+Inde&szlig; sein Blut, in hei&szlig;en Wellen kochend,<br>
+Mit dunklem Rothe f&auml;rbte Wang&rsquo; und Stirn.<br>
+Der Brief erzitterte in seinen H&auml;nden;<br>
+O, Fluch dem Schicksal, solch ein Gl&uuml;ck zu spenden!<br>
+</p>
+<p>
+Was er sich einst ersehnte, nun war&rsquo;s ihm geworden,<br>
+Es lacht&rsquo; das Gl&uuml;ck ihn an! Doch tief verzagt<br>
+Und, ach, im Innern nichts als schmerzlich Ringen,<br>
+So sah er in Verzweiflung sich gejagt.<br>
+Wu&szlig;t&rsquo; nicht, soll er entsagen, unterliegen,<br>
+Mit Mannesfestigkeit den Gram besiegen?<br>
+</p>
+<p>
+Wie selten doch gelingt es uns einmal im Leben,<br>
+Da&szlig; das, was Jahre lang wir hei&szlig; erstrebt,<br>
+Uns wirklich Segen bringt, wenn es errungen;<br>
+Was einst als h&ouml;chstes Ziel uns vorgeschwebt,<br>
+So Manchen trieb, das Aeu&szlig;erste zu wagen,<br>
+Wie oft bracht&rsquo;s Kummer nur, und bitter Klagen!<br>
+</p>
+<p>
+Noch war Herr Kuonrad unentschlossen, als auf einmal<br>
+Ein silbern Lachen t&ouml;nte durch&rsquo;s Gemach,<br>
+So lieb und traut, wie es nur Eine konnte,<br>
+Das aber doch ihm nun das Herze brach,<br>
+Sah, er, wie sie, des gleichen Schicksals Beute,<br>
+sich ahnungslos des Augenblickes freute.<br>
+</p>
+<p>
+Nicht unfern ihm sa&szlig; Udo, leis mit Elsbeth plaudernd.<br>
+Herr Kuonrad sah der Holden s&uuml;&szlig;en Mund<br>
+In Unschuld l&auml;cheln, Gr&uuml;blein in den Wangen,<br>
+Von denen er getr&auml;umt so manche Stund&rsquo;,<br>
+Da&szlig; anmuthvoll die gleich zwei R&ouml;slein bl&uuml;hten,<br>
+Und nun ri&szlig; es ihn auf aus seinem Br&uuml;ten.<br>
+</p>
+<p>
+Im selben Augenblick hob sich der Vogt vom Stuhle<br>
+Und, immer noch das Schreiben in der Hand,<br>
+Sprach freundlich er und allen wohl vernehmbar,<br>
+Den klaren Blick zum Freunde hingewandt:<br>
+&bdquo;Ihr reiset morgen, l&auml;&szlig;t der Bischof wissen;<br>
+Uns thut es leid, Euch gar so bald zu missen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Dies h&ouml;rend, kam dem Junker blitzschnell der Gedanke:<br>
+&bdquo;Der Freund hier ist&rsquo;s, der auch schon alles wei&szlig;;<br>
+Ganz sicher hat der Oheim ihm berichtet!&rdquo;<br>
+Es &uuml;berlief ihn dabei kalt und hei&szlig;,<br>
+So da&szlig; er schweigend in sein Schreiben starrte,<br>
+Inde&szlig; Herr Heinz von ihm der Antwort harrte.<br>
+</p>
+<p>
+Ein kurzes Ringen noch, doch qualvoll, schmerzensbitter;<br>
+Herr Kuonrad sah, es blieb mehr keine Wahl,<br>
+Als unges&auml;umt sich muthig zu entscheiden<br>
+Und &mdash; schnell entschlossen, k&uuml;rzte er die Qual,<br>
+Bedachte nicht, ob auch das Herz gewinne,<br>
+Wenn er sich Reichthum w&auml;hlt, statt treuer Minne.<br>
+</p>
+<p>
+Ein kurzes L&auml;cheln heuchelnd, stand er auf am Tische<br>
+Und sprach, zum Vogte hingewendet, laut,<br>
+Doch ohne aufzublicken: &bdquo;Es ist billig,<br>
+Da&szlig; frohe Botschaft man dem Freund vertraut:<br>
+Vernehmet denn, so Euch es mag belieben,<br>
+Was mir des Oheims g&uuml;t&rsquo;ge Hand geschrieben....&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Er las: &bdquo;Wohledler und viellieber Herr und Neffe!<br>
+Zu wissen sei Euch und in Treuen kund,<br>
+Da&szlig; mir gelang, den K&ouml;nig zu vers&ouml;hnen,<br>
+So da&szlig; er nicht mehr grollt zu dieser Stund&rsquo;;<br>
+Erachte auch, wollt&rsquo; es nicht ungut nehmen,<br>
+Habt nunmehr bas gelernt, die Zunge z&auml;hmen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wenn dem so ist, so m&ouml;get Ihr denn wiederkehren<br>
+Und n&uuml;tzen Eures Herrn und K&ouml;nigs Gunst;<br>
+Nicht immer leuchtet ja des Gl&uuml;ckes Sonne<br>
+Und hoher Herren Gnad&rsquo; ist &ouml;fter Dunst,<br>
+Den, wenn wir uns am wenigsten versehen,<br>
+Ein leichter Windzug l&auml;&szlig;t in Nichts verwehen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und item, kann ich Eurem Herzen noch vermelden,&rdquo; &mdash;<br>
+Hier freilich stotterte Herr Kuonrad stark<br>
+Und ward bei jedem Worte ihm zu Muthe,<br>
+Als schneide er sich in das eigne Mark, &mdash;<br>
+&bdquo;Da&szlig; Euer B&auml;slein, wie mich d&uuml;nket, trauert,<br>
+Weil Eure Absenz gar so lange dauert.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr Jawort hab&rsquo; ich, f&uuml;r das Weit&rsquo;re wollet sorgen.<br>
+Sitzt nun am Rocken, dreht Euch selbst den Zwirn;<br>
+Doch traun, des K&ouml;nigs schmucke Ritterleute<br>
+Verwirren etwan gern ein Frau&rsquo;ngehirn;<br>
+Auch lie&szlig; das Br&auml;utlein nicht ganz leicht sich werben<br>
+Und Euer Z&ouml;gern k&ouml;nnte viel verderben.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So reitet denn mit Gott in n&auml;chsten Tages Fr&uuml;he,<br>
+Da&szlig; ja Ihr ehstens wieder um uns weilt.<br>
+Mit Gru&szlig;, Eu&rsquo;r Oheim Otto, episcopus. &mdash;&rdquo;<br>
+Herr Kuonrad schwieg; er hatte sich beeilt,<br>
+Den herben Trank in raschem Zug zu leeren,<br>
+Statt m&auml;nnlich seines Schicksals sich zu wehren.<br>
+</p>
+<p>
+Des Freundes Gl&uuml;ck sich freuend, griff der Vogt zum Kruge<br>
+Und bracht&rsquo; ein Wohl aus auf des Junkers Braut.<br>
+Hell klangen Krug und Gl&auml;slein an einander,<br>
+Als j&auml;hlings ward ein kurzes Klirren laut:<br>
+In kleine Scherben lag das Glas zersprungen,<br>
+So eben noch in Elsbeths Hand erklungen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Arme hatte ahnungslos gelauscht dem Freunde,<br>
+Bis von der Braut im Brief die Rede war,<br>
+Da wollten pl&ouml;tzlich ihr die Sinne schwinden,<br>
+Es tr&uuml;bte sich das sch&ouml;ne Augenpaar,<br>
+Und die noch erst so fr&ouml;hlich konnte scherzen,<br>
+Sie sa&szlig; nun schmerzgequ&auml;lt, die Hand am Herzen.<br>
+</p>
+<p>
+Indessen bald entschlossen all&rsquo; ihr Leid zu hehlen,<br>
+Am ersten dem, der trug die Schuld darob,<br>
+Stand sie auch auf und griff nach ihrem Gl&auml;slein,<br>
+Da alles sich zum Wohl der Braut erhob,<br>
+Das Heilo! freilich klang aus blassem Munde<br>
+Noch minder laut, als das von Adelgunde.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr freut Euch w&auml;ger?&rdquo; h&ouml;rte Elsbeth diese fragen,<br>
+Als just ihr Heilo sie gar zaghaft sprach,<br>
+Da lie&szlig; die wei&szlig;e Hand das Gl&auml;slein fallen,<br>
+Da&szlig; klirrend es in hundert St&uuml;cke brach. &mdash;<br>
+Zum Schmerz noch Spott, wer dieses je empfunden<br>
+Und schweigend trug, hat Schweres &uuml;berwunden.<br>
+</p>
+<p>
+Mit aller Kraft das wehe Herz bemeisternd, s&auml;umte<br>
+Die Gute nicht, zu thun, was ihre Pflicht,<br>
+Hielt tapfer aus am Tische, freundlich sorgend,<br>
+Da&szlig; es an Speis&rsquo; und Trank gebreche nicht;<br>
+Bis Adelgunde sp&auml;t zur Ruh&rsquo; begehrte,<br>
+Weil nun der Abend ihr zu lange w&auml;hrte.<br>
+</p>
+<p>
+Den Schw&auml;nken lauschend, die der Vogt so gut erz&auml;hlte,<br>
+Fiel Niemand auf, da&szlig; bald das M&auml;dchenpaar,<br>
+Nach stillem Gr&uuml;&szlig;en, sich zu Gehen wandte,<br>
+Obschon es damals just nicht Sitte war,<br>
+Da&szlig;, wenn die Herrn ins rechte Zechen kamen,<br>
+Die Damen darum ihren R&uuml;ckzug nahmen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Schickt mir den Fahrenden nach Wasserstelz hin&uuml;ber,&rdquo;<br>
+Sprach Adelgund&rsquo; auf Elsbeths &bdquo;gute Nacht!&rdquo;<br>
+&bdquo;Er soll uns singen und zum Tanze spielen,<br>
+Bis fr&uuml;h das Taglicht durch die Scheiben lacht.<br>
+Was w&auml;r&rsquo; das Leben, g&auml;b&rsquo;s nicht hin und wieder,<br>
+Sich zu vergessen, Saitenklang und Lieder!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Die Worte klangen herb und schneidend, wie das Lachen,<br>
+So ihnen folgte, nun die Th&uuml;r sich schlo&szlig;;<br>
+Doch als sie dann allein, rang mancher Seufzer<br>
+Aus Fr&auml;ulein Adelgundens Brust sich los,<br>
+Es wachte lang die Stolze in Gedanken,<br>
+Eh&rsquo;, schlafbezwungen, ihr die Lider sanken. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Von Elsbeths Augen aber blieb der Schlummer ferne.<br>
+Ein schneidend Weh im Herzen hielt sie wach,<br>
+Seit, l&auml;nger nicht mehr Herrin ihres Schmerzes,<br>
+Sie m&uuml;den Schritts betrat das Schlafgemach,<br>
+Und dort, ein r&uuml;hrend Bild! von Gram umfangen<br>
+Zusammenbrach mit &uuml;berthr&auml;nten Wangen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Wer Frauensch&ouml;nheit nicht in Augenblicken schaute,<br>
+Wo, leiddurchsch&uuml;ttert, fast das Herz ihr brach,<br>
+Der marmorgleichen Z&uuml;ge stummes Wehe<br>
+Aus m&uuml;dgeweinten Augen schmerzvoll sprach,<br>
+Und doch verkl&auml;rt von &uuml;berird&rsquo;schem Schimmer:<br>
+Gewi&szlig;, der sah die h&ouml;chste Sch&ouml;nheit nimmer.<br>
+</p>
+<p>
+Vor Kurzem noch in einem Paradiese weilend,<br>
+Von Gl&uuml;ck umstrahlt in s&uuml;&szlig;er Minnelust,<br>
+Die unverhohlen ihr im Busen gl&uuml;hte,<br>
+Trug Elsbeth einen Himmel in der Brust,<br>
+Der, lichtumflossen, ihre Jugend schm&uuml;ckte,<br>
+Mit reicher Seligkeit sie hoch begl&uuml;ckte.<br>
+</p>
+<p>
+Auf heitern Auen schien es ihr ein wonnig Wandeln<br>
+In Bl&uuml;thenduft und frischer Lenzespracht.<br>
+O, sch&ouml;ne Stunden, wo des Menschen Seele<br>
+Ein einz&rsquo;ger Blick noch wunschlos gl&uuml;cklich macht,<br>
+Erwachter Liebe unschuldvolles Tr&auml;umen<br>
+Gleich goldnem Morgenroth das Sein ums&auml;umen! &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Und nun war all&rsquo; dies aus, in schwarze Nacht versunken,<br>
+Vernichtet ihres Herzens sch&ouml;ner Traum,<br>
+Vom Sturm geknickt die duft&rsquo;ge Fr&uuml;hlingsbl&uuml;the<br>
+So furchtbar j&auml;h &mdash; die Arme fa&szlig;t es kaum.<br>
+Sie rang in tiefem Weh die zarten H&auml;nde<br>
+und schluchzte auf, doch h&ouml;rten&rsquo;s nur die W&auml;nde. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Des Herzens erste Liebe gleicht gar oft der Blume,<br>
+Die uns am ersten Fr&uuml;hlingstage gr&uuml;&szlig;t,<br>
+Ihr fr&uuml;h Erwachen aber &mdash; kommt ein Sp&auml;tfrost &mdash;<br>
+Dann unversehens mit dem Tode b&uuml;&szlig;t,<br>
+Als Opfer der paar warmen Sonnenstrahlen,<br>
+So allzufr&uuml;h sich ihr in&rsquo;s Herzlein stahlen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In bangem Wachen lehnte Elsbeth schmerzversunken<br>
+Am Bett und starrte trostlos vor sich hin,<br>
+Indessen durch die gr&uuml;nen Butzenscheiben<br>
+Der volle Mond ihr fahl in&rsquo;s Antlitz schien,<br>
+Des St&uuml;bleins kalte Fliesen matt beleuchtet,<br>
+Die sie mit ihrem Thr&auml;nenna&szlig; befeuchtet. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Im Palas waren sie noch lange wach geblieben.<br>
+Es sa&szlig; der Spielmann dort am Eichentisch,<br>
+Die Herrn mit Schw&auml;nken oder Sang vergn&uuml;gend,<br>
+Dazwischen seine Kehle, allzeit frisch,<br>
+Dem Kruge zusprach, wie in jungen Tagen,<br>
+Je l&auml;nger &rsquo;s ging, mit desto mehr Behagen.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad war&rsquo;s allein, der nicht recht froh drein schaute,<br>
+Zum Lachen zwang sich, wenn der Vogt ihn neckt&rsquo;<br>
+Mit witz&rsquo;gem Worte oder muntrem Spr&uuml;chlein,<br>
+In welchem, harmlos zwar, die Mahnung steckt&rsquo;,<br>
+So lang als m&ouml;glich fr&ouml;hlich noch zu zechen,<br>
+Da Eh&rsquo;- und Wehstand oft das Kr&uuml;glein brechen.<br>
+</p>
+<p>
+Er trank denn freilich auch am tapfersten von allen,<br>
+Doch d&auml;ucht&rsquo; ihn schal und w&auml;sserig der Wein;<br>
+Denn statt, gleich jenen, Frohsinn sich zu trinken,<br>
+Ging ihm wie Gift ein jeder Tropfen ein.<br>
+Auch schien es ihn nicht fr&ouml;hlich anzumuthen,<br>
+Da&szlig; &ouml;fters Benno&rsquo;s Blicke auf ihm ruhten.<br>
+</p>
+<p>
+So war es ihm gar lieb, als bald der Vogt f&uuml;rsorglich<br>
+An Morgen denkend, nun den Vorschlag that:<br>
+&bdquo;Wir w&ouml;llen heut&rsquo; uns schon Beh&uuml;et Gott! sagen,<br>
+Da&szlig; in der Fruh, beim ersten Hahnenkraht,<br>
+Die Herren ungehindert reiten k&ouml;nnen,<br>
+Inde&szlig; wir andern uns noch Ruh&rsquo; verg&ouml;nnen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad stimmte gerne bei und bat nun h&ouml;flich<br>
+Den Dank zu nehmen f&uuml;r die Gastfreundschaft,<br>
+Die ihm der Vogt so &uuml;berreich gew&auml;hrte,<br>
+Da&szlig; schier vergessen drob er seiner Haft;<br>
+Auch &mdash; Elsbeth besten Dank und Gru&szlig; zu sagen,<br>
+Kam ihm der Muth, dem Freund noch aufzutragen.<br>
+</p>
+<p>
+Als endlich dann die Herrn genug getafelt hatten,<br>
+War es des Bischofs Bote Edlibach,<br>
+Von dem ein Stammbuch uns noch jetzt berichtet:<br>
+Er habe &bdquo;ordlich sch&ouml;n verricht sein Sach,<br>
+Und ehrlich den Willkummen also trunken,<br>
+Da&szlig;, statt in&rsquo;s Bett, daneben er gesunken.&rdquo;<br>
+</p>
+<img src="images/E248.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Achtes Kapitel.</h2>
+<img src="images/E249.jpg" alt="Ankunft Kuonrads in Schaffhausen"><p>
+Der Jahre manches war gekommen und gegangen<br>
+Seit jenem Morgen, als mit Edlibach<br>
+Herr Kuonrad, bis ans Thor von Kunz begleitet,<br>
+&mdash; Weil es noch fr&uuml;he, schien sonst Niemand wach, &mdash;<br>
+Umwoben von kaltfeuchten Nebelmassen,<br>
+Mit schwerem Kopf Schlo&szlig; K&uuml;ssaberg verlassen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Nach hartem Winter war es endlich Fr&uuml;hling worden<br>
+Und wieder gr&uuml;nend prangten Wald und Ried.<br>
+In Wald und Fluren sangen Vogelch&ouml;re<br>
+Den &bdquo;Willekumm&rdquo; in nimmerm&uuml;dem Lied;<br>
+Wie Gold begossen lagen H&ouml;hn&rsquo; und Auen<br>
+Im Morgenlichte, herrlich anzuschauen.<br>
+</p>
+<p>
+Schaffhausens Storchenpaar, seit gestern wieder heimisch<br>
+Im wohlgesch&uuml;tzten Nest auf der Abtei,<br>
+Verk&uuml;ndete mit schnarrendem Geklapper,<br>
+Da&szlig; just zu Ostern Fr&uuml;hling worden sei,<br>
+Der Lenz mit Festgepr&auml;ng&rsquo; zur Stadt gekommen,<br>
+Wenn er auch nicht den Weg durch&rsquo;s Thor genommen.<br>
+</p>
+<p>
+Vom Thurm zu Allerheil&rsquo;gen gl&auml;nzte, weithinschimmernd,<br>
+Auf seinem Knaufe schon der Wetterhahn;<br>
+Die goldnen Federn glitzerten und spr&uuml;hten,<br>
+Als h&auml;tt&rsquo;s auch ihm der Fr&uuml;hling angethan.<br>
+Tief unten aber in den &bdquo;L&auml;chen&rdquo; zogen,<br>
+Schier gar im D&auml;mmer noch, des Rheines Wogen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Weilchen blo&szlig; und dann lag auch die Vordergasse<br>
+Mitsammt der Oberstadt im Sonnenschein;<br>
+Ein breiter Strahl sah auf dem Herrenacker,<br>
+Aus Neugier wohl, in schmale Fensterreihn.<br>
+Gleich Demant blitzend rauschte in der Sonnen<br>
+K&uuml;hl sprudelnd Na&szlig; aus steingehaunen Bronnen.<br>
+</p>
+<p>
+Am l&auml;ngsten hielt das Ampelnth&uuml;rmlein sich im Schatten<br>
+Des trotz&rsquo;gen Unnoth auf dem Emmersberg;<br>
+Von hohen Treppengiebeln halb verborgen,<br>
+War&rsquo;s anzuschauen wie ein grauer Zwerg,<br>
+Der seit Jahrhunderten am Gerberbache<br>
+Verd&uuml;stert da stand unter steilem Dache. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Noch pflogen Burgerschaft und eingesessne &bdquo;Mauchen&rdquo;<br>
+Des Schlummers, wohlbeschirmt von Thurm und Thor,<br>
+Der letztern Schl&uuml;ssel ruhten, wie gebr&auml;uchlich,<br>
+Dem &auml;ltsten Stadtknecht unterm offnen Ohr,<br>
+Als hell vom M&uuml;nster her die Glocken klangen<br>
+Und aus den Federn nun die Schl&auml;fer zwangen.<br>
+</p>
+<p>
+Flink wurden &uuml;berall die L&auml;den aufgeschoben<br>
+Und konnte man gar manches Antlitz schau&rsquo;n,<br>
+Das f&uuml;r das Fest sich Wind und Wetter pr&uuml;fte.<br>
+Es schien, dem letztern w&auml;r&rsquo; heut wohl zu traun,<br>
+Denn frisch und duftig kam am Himmelsbogen<br>
+Der Ostermorgen &uuml;ber Land gezogen.<br>
+</p>
+<p>
+Zufrieden mit der Pr&uuml;fung, schollen frohe Gr&uuml;&szlig;e<br>
+Nach links und rechts, mehr oder minder traut,<br>
+Wie grad der Nachbar sich zum Nachbarn stellte,<br>
+Der nebenan aus seinem Fenster schaut&rsquo;.<br>
+Inzwischen riefen aber, um die Wette,<br>
+Die Glocken schon ein zweites Mal zur Mette.<br>
+</p>
+<p>
+Und nicht umsonst, bald standen Thor und Th&uuml;ren offen;<br>
+In Festgew&auml;ndern zogen Frau und Mann,<br>
+Gesind&rsquo; und Kinder feierlichen Schrittes<br>
+Dem M&uuml;nster zu, wenn nicht sie Sankt Johann<br>
+Den Vorzug gaben, oder &bdquo;Mutter Nesen,&rdquo;<br>
+Wie man das Kloster hie&szlig; zu Sankt Agnesen;<br>
+</p>
+<p>
+Doch bald erschienen wieder einsam all&rsquo; die Stra&szlig;en.<br>
+In Feiertagsstillschweigen lag die Stadt<br>
+Im heitern Morgenglanz des jungen Lenzes,<br>
+So Einzug hielt in seiner besten Wat;<br>
+Nur hoch vom Dach und Firstenwerk herunter<br>
+Die V&ouml;glein zwitscherten und sangen munter.<br>
+</p>
+<p>
+Sie waren in die Stadt gekommen, trotz der strengen<br>
+Verordnung hohen Raths, da&szlig; jedes Thor<br>
+Am Sonntag Morgen fest verschlossen bleibe,<br>
+Auf da&szlig; sich &bdquo;n&uuml;tzid&rdquo; in die Stadt verlor,<br>
+Was frommer Burger Andacht konnte st&ouml;ren,<br>
+Eh&rsquo;, Punkt um Zehn, sich lie&szlig; das Zeichen h&ouml;ren.<br>
+</p>
+<p>
+So lange mit der Glocke dieses nicht gegeben,<br>
+Durchzogen Schaarwachtsknechte mit der Wehr,<br>
+In Schwarz und Gr&uuml;n und blanken Beckelhuben,<br>
+Gemessnen Schritts die Gassen kreuz und quer<br>
+Und sahen drauf, da&szlig; kein profanes Walten<br>
+Im Mauerring der Stadt sich mocht&rsquo; entfalten.<br>
+</p>
+<p>
+In tiefer Ruhe sonnten Pl&auml;tze sich und Stra&szlig;en,<br>
+Wie es so frommem Wesen zugeh&ouml;rt.<br>
+Vor ihrem &bdquo;gro&szlig;en Gott im M&uuml;nster&rdquo; konnten<br>
+Die M&uuml;nchen sammt den Laien ungest&ouml;rt<br>
+In Andacht knie&rsquo;n, wenn sie nicht lieber lauschten<br>
+Den Orgelkl&auml;ngen, so durchs Haus hin rauschten.<br>
+</p>
+<p>
+Froh bei sich selber, da&szlig; die Fastenzeit vor&uuml;ber,<br>
+Hielt Alt und Jung beim Hochamt stille aus,<br>
+Bis Sang und Orgelklang verklungen waren;<br>
+Dann aber ging&rsquo;s im Sturme schier nach Haus,<br>
+Um da das Fest, bei buntgef&auml;rbten Eiern<br>
+Und leckrem Mahl, nach altem Brauch, zu feiern.<br>
+</p>
+<p>
+Indessen, lange weilte Niemand wohl am Tische.<br>
+Vom warmen Sonnenschein hinausgelockt,<br>
+Zog frohen Sinnes durch die offnen Thore,<br>
+Was Winterlang dem Ofen nah gehockt,<br>
+Und wer&rsquo;s vor Alter oder Brest nicht konnte,<br>
+Sich auf dem B&auml;nklein vor dem Hause sonnte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Gleich vielen andern war an diesem Nachmittage<br>
+Auch G&ouml;tz von Randenburg, Schulthei&szlig; der Stadt,<br>
+Mit noch zwei Herrn durch&rsquo;s Schwabenthor gewandelt,<br>
+Die, wie er selbst, der dumpfen Stadtluft satt,<br>
+Nun gerne einen Gang in&rsquo;s Freie thaten,<br>
+Um zu beschauen sich den Stand der Saaten.<br>
+</p>
+<p>
+Der Schulthei&szlig;, eine Kraftgestalt in blauem Mantel,<br>
+Auf welchem sich des Kaisers Gnadenbild<br>
+An schwerer goldner Kette gl&auml;nzend sonnte,<br>
+Erwiederte im Gehn die Gr&uuml;&szlig;e mild,<br>
+So Seiner Herrlichkeit die Burger zollten,<br>
+Wenn auf dem Weg die Herrn sie &uuml;berholten.<br>
+</p>
+<p>
+Zur Rechten ihm der Herr im schwarzen Ordenshabit,<br>
+Ein schimmernd Kreuzlein auf der breiten Brust,<br>
+Schritt Abt Johannes, Herr zu Allerheil&rsquo;gen,<br>
+Sich seiner hohen W&uuml;rde voll bewu&szlig;t,<br>
+Gr&uuml;&szlig;t&rsquo; wohl auch er mit einem leisen Nicken,<br>
+Doch vornehm stets und mit gar frommen Blicken.<br>
+</p>
+<p>
+Links aber ging Herr Am Staad erster Burgermeister;<br>
+Der himbeerfarbne Mantel, vorn gestickt,<br>
+Fiel tief und faltig &uuml;ber Brust und Schultern,<br>
+So da&szlig; man kaum den Schwertknauf noch erblickt,<br>
+Auf dem die Linke ruhte. Einst, vor Jahren,<br>
+Trug er das Banner von Schaffhausens Schaaren.<br>
+</p>
+<p>
+Es hatte diesem Mann Schaffhausen viel zu danken.<br>
+Nothfesten Sinnes war er stets zur Hand,<br>
+Wenn&rsquo;s galt den Burgern Wunn und Waid zu mehren,<br>
+In Zwing und B&auml;nnen weit umher im Land;<br>
+Auch kam sein Rath so Vielen schon zu Statten,<br>
+Die selbst im Rathhaus Sitz und Stimme hatten.<br>
+</p>
+<p>
+Die beiden Herren kamen von des Abtes Tafel;<br>
+Denn weil die Sonne warm durchs Fenster schien,<br>
+Bedurft&rsquo; es wenig, um zu Drei&rsquo;n, wie Christus<br>
+Nach Emmaus, vor&rsquo;s Thor hinauszuziehn,<br>
+Bei linder Osterlust und Bl&auml;ttersprie&szlig;en,<br>
+Ein St&uuml;ndlein lenzlustwandelnd zu genie&szlig;en.<br>
+</p>
+<p>
+Gem&auml;chlich schreitend gingen ruhig sie des Weges<br>
+Und k&uuml;rzten im Gespr&auml;che sich die Zeit,<br>
+So ihnen, zwar just nicht sehr zu bemerken,<br>
+Vor Jahr und Tag schon in das Haar geschneit;<br>
+Der Gang, noch jugendfrisch und stolz gehalten,<br>
+Lie&szlig; L&uuml;gen strafen auf der Stirn die Falten.<br>
+</p>
+<p>
+Den Dreien folgten etliche Geschlechterherren,<br>
+Schaffhauser Burger, doch von edlem Blut,<br>
+Wie die von Fulach, Imthurn, Stockar, Mandach:<br>
+Von altem Adel und mit Leib und Gut<br>
+Der V&auml;ter Sitten allzeit streng ergeben,<br>
+Geh&ouml;rte nur der Stadt ihr wacker Streben.<br>
+</p>
+<p>
+Die Junkherrn gingen an der Seite ihrer Damen,<br>
+Gekleidet nach der Mode neu&rsquo;stem Schnitt.<br>
+Am Hute prangten Federn, blitzten Steine,<br>
+In sch&ouml;nem Farbenspiel, bei jedem Schritt;<br>
+Auch waren zierlich ihre Handgewaffen,<br>
+Die &uuml;brigens zumeist zur Schau geschaffen.<br>
+</p>
+<p>
+Die Damen aber trugen alle Sammt und Seide,<br>
+Und um den Hals sa&szlig;, steif gedollt und wei&szlig;,<br>
+Dem Schnee gleich blendend, eine Tellerkrause,<br>
+Bezeugend ihrer G&uuml;rtelm&auml;gdlein Flei&szlig;;<br>
+Auch sie ergl&auml;nzten reich in Ketten, Spangen,<br>
+Mit denen sie zum Feste sich behangen.<br>
+</p>
+<p>
+In wechselndem Geplauder leicht sich unterhaltend,<br>
+Blieb dann und wann der Sch&ouml;nen eine stehn,<br>
+Um auszuathmen, frische Luft zu trinken<br>
+Und weit hin &uuml;ber Berg und Thal zu sehn,<br>
+Wo holder Fr&uuml;hling rings die Landschaft schm&uuml;ckte,<br>
+Mit seiner Pracht die Blicke froh entz&uuml;ckte.<br>
+</p>
+<p>
+Am Arm der Eltern schritten jugendsch&ouml;ne Fr&auml;ulein,<br>
+Die, wenn das M&uuml;ndchen nichts zu plaudern fand,<br>
+Der Nachbarin Gewand und Schapel pr&uuml;ften,<br>
+Ob nicht zu kostlich Spitzen dran und Band,<br>
+Err&ouml;thend auch und sch&auml;mig sich erzeigten,<br>
+Wenn schmucke Junkherrn gr&uuml;&szlig;end sich verneigten.<br>
+</p>
+<p>
+In schlichterem Gewande gingen ernste Burger<br>
+Zur Seite ihrer redesel&rsquo;gen Frau&rsquo;n,<br>
+Die gl&uuml;cklich waren, mit dem Ehgesponse<br>
+Am Wege sich die G&auml;rten zu beschau&rsquo;n,<br>
+Den Kindlein, welche jedes Paar umsprangen,<br>
+Zu stillen hei&szlig;er Sehnsucht froh Verlangen;<br>
+</p>
+<p>
+Schritt haltend, wandelten der zweite Burgermeister,<br>
+Herr Tr&uuml;llerey, ein Mann bew&auml;hrt im Rath,<br>
+Und Peyer im Hof, so des Seckels pflegte,<br>
+Seit ihn die Stadt vor Jahren darum bat.<br>
+Die Herren waren tief in Schwarz gekleidet,<br>
+Da man im Rath die hellen Farben meidet.<br>
+</p>
+<p>
+In leisem Sprechen &uuml;ber das Gemeine Wesen<br>
+Erwogen beide ernst den Casus sie,<br>
+Wie es gekommen, da&szlig; ihr Herr und Kaiser<br>
+Die Stadt ein zweites Mal als Pfand verlieh,<br>
+Indessen sie, die mitbehaft&rsquo;ten B&uuml;rgen,<br>
+Am ersten Loskauf noch genug zu w&uuml;rgen.<br>
+</p>
+<p>
+Dicht hinter ihnen folgte Ott, der Sporenmacher,<br>
+Mit Habicht, dessen Haus am Gerberbach.<br>
+Selbst Roth, den Waffenschmied, litt&rsquo;s nicht zu Hause;<br>
+Er ging mit Meistern von demselben Fach<br>
+Nach Langem wieder vor das Thor spazieren,<br>
+Lockt&rsquo; ihn auch nicht der V&ouml;glein Musiciren.<br>
+</p>
+<p>
+Sein Thema war es just, den andern vorzurechnen,<br>
+Wie viel die Stadt gew&auml;nn&rsquo; vom Zoll am Rhein<br>
+Im Laufe eines Jahrs, als Meister Habicht<br>
+Mit schlauem L&auml;cheln meinte: &bdquo;Wenn der mein,<br>
+Des Wappenwidders Mannheit, Horn und Klauen,<br>
+Am Rathshaus w&auml;ren neu verg&uuml;ld&rsquo;t zu schauen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Ein munter Liedchen tr&auml;llernd zogen Handwerksknechte<br>
+Zum Thor hinaus, heut, voller Niedertracht,<br>
+Die Meister kaum mit einem Gru&szlig; beehrend;<br>
+Sie m&ouml;chten, nun der Fr&uuml;hling war erwacht<br>
+Und Finke und Amsel ihre Schn&auml;blein r&uuml;hren,<br>
+Am liebsten gleich das Reiseb&uuml;ndel schn&uuml;ren.<br>
+</p>
+<p>
+Den Schlu&szlig; des Zuges bildete ein H&auml;uflein &bdquo;Mauchen,&rdquo;<br>
+Zu denen sich der Burger fremd verhielt,<br>
+Sie aber dennoch in der Stadt lie&szlig; wohnen,<br>
+Weil ihre Arbeit ihm Gewinn erzielt&rsquo;; &mdash;<br>
+Die Lust, mit Weib und Kind vor&rsquo;s Thor zu gehen,<br>
+War schon von weitem ihnen anzusehen.<br>
+</p>
+<p>
+Vergn&uuml;glich, wie ein schw&auml;rmend Immenv&ouml;lklein summend,<br>
+Das seinen Heimatort im Stiche lie&szlig;,<br>
+Um fr&ouml;hlich in der lauen Luft zu tummeln,<br>
+Zerstreute sich die Menge, Wald und Wies&rsquo;<br>
+Belebend oder gruppenweis&rsquo; im Grase<br>
+Mit frohen Kindern spielend Hund und Hase.<br>
+</p>
+<p>
+Es war ein sch&ouml;nes Bild, voll Farbenpracht und Leben,<br>
+Was hier sich darbot und dem Blick erschien;<br>
+Ein Riesenteppich flo&szlig; an H&ouml;hn und Rainen<br>
+Frischsaftig Gr&uuml;n gleich sanften Wellen hin.<br>
+Vom Blau des Himmels hoben sich die Dolden<br>
+Der B&auml;ume ab im Sonnenschein, wie golden.<br>
+</p>
+<p>
+Nun mal im Freien, lie&szlig; wohl mancher sich verlocken,<br>
+Von all der Fr&uuml;hlingspracht ringsum im Land;<br>
+Ging, Umschau haltend, noch ein Endchen weiter,<br>
+Bis wo der Burgstall der von Fulach stand,<br>
+Allda ihn oft die Fernsicht lange bannte,<br>
+Eh&rsquo;, ungern nur, den Schritt er heimw&auml;rts wandte.<br>
+</p>
+<p>
+So war es G&ouml;tz und seinen Freunden auch ergangen.<br>
+In&rsquo;s Schau&rsquo;n versunken standen die drei Herrn<br>
+Auf jenem aussichtsfrohen Punkt beisammen,<br>
+Den die Schaffhauser auch noch heute gern,<br>
+Dem Fremden als ein traulich Pl&auml;tzlein preisen,<br>
+Wenn&rsquo;s gilt die Lage ihrer Stadt zu weisen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie standen jedoch noch nicht lange, so gewahrte<br>
+Der allzeit frische Blick des Stadtschulthei&szlig;,<br>
+Da&szlig; auf der Stra&szlig;e etlich Reiter nahten,<br>
+Die, dicht geschaart um einen Zelter wei&szlig;,<br>
+Sich m&uuml;hten mit dem letztern Schritt zu halten<br>
+Und, wie es schien, zu dessen Schutze galten.<br>
+</p>
+<p>
+Den Herren nahgekommen, hielten jetzt die Reiter,<br>
+Indessen einer aus dem Sattel sprang<br>
+Und, G&ouml;tz sich n&auml;hernd, diesen fr&ouml;hlich gr&uuml;&szlig;te,<br>
+Da&szlig; weithin es und wohl vernehmlich klang:<br>
+&bdquo;Zur guten Stund&rsquo; hab&rsquo; ich Euch treffen m&uuml;ssen,<br>
+Vieledler Freund! &mdash; La&szlig;t Euch denn froh begr&uuml;&szlig;en!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Im selben Augenblicke hatte auch der Schulthei&szlig;<br>
+Den Herrn erkannt, denn er ergriff die Hand,<br>
+Die dieser dar ihm streckte und sprach freundlich:<br>
+&bdquo;Seid Gottwillkommen, Herr, in Stadt und Land!&rdquo;<br>
+Dacht&rsquo; h&auml;ufig schon, Ihr h&auml;ttet ganz vergessen,<br>
+Da&szlig; wir als Gast in Eurem Heim gesessen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Erlaubet jedoch,&rdquo; dabei wies er auf die Freunde,<br>
+&bdquo;Da&szlig; ich die werthen Herren hier Euch nenn&rsquo;! &mdash;<br>
+Herr Am Staad, unser erster Burgermeister,<br>
+Ein Ritter, wie ich wenige nur kenn&rsquo;,<br>
+Der unsrer Stadt mit seinem Schwert vor Zeiten,<br>
+In manchem Strau&szlig;e half den Sieg erstreiten!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Am goldnen Kreuze m&ouml;get Ihr den Abt erkennen<br>
+Von Allerheil&rsquo;gen! &mdash; Fromm, wie Keinen mehr<br>
+Die Inful schm&uuml;ckt, so weit am Rhein wir wandern,<br>
+Auch, gleich Herrn Am Staad, mir befreundet sehr.<br>
+Sucht etwan Trost und Heil Ihr f&uuml;r die Seelen,<br>
+Kann dreist ich Abt Johannes Euch empfehlen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Als aber jetzt den Herrn er auch den Freunden nannte,<br>
+Erwies es sich, da&szlig; der dem Namen nach<br>
+Den beiden l&auml;ngst bekannt war als ein Ritter<br>
+Der burgenstolzen Landschaft Hegau; sprach<br>
+Doch &ouml;fter man, auf ihrer Z&uuml;nfte Stuben,<br>
+Von dessen Richtagen an H&ouml;f&rsquo; und Huben.<br>
+</p>
+<p>
+So vorgestellt, begr&uuml;&szlig;ten sich die Herren h&ouml;flich,<br>
+Indessen G&ouml;tz, der seine Pflicht gethan,<br>
+Es, w&auml;hrend jene mit einander sprachen,<br>
+Geboten fand, dem Zelterlein zu nahn,<br>
+Doch gro&szlig; erstaunt that, als auf dessen R&uuml;cken<br>
+Zwei M&auml;gdlein sa&szlig;en, lieblich zum Entz&uuml;cken.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Beim gro&szlig;en Gott im M&uuml;nster!&rdquo; fuhr es unwillk&uuml;rlich<br>
+Von seinen Lippen. &bdquo;Seh&rsquo; doch einer her,<br>
+Welch&rsquo; feine Waare unser Freund begleitet,<br>
+Als ob ihm nicht der Zoll im Wissen w&auml;r&rsquo;,<br>
+So wir Schaffhauser haben zu empfangen<br>
+Von solchen Aepflein, sch&ouml;n mit Purpurwangen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;M&uuml;&szlig;t Euch den selber nehmen!&rdquo; rief erfreut der Ritter,<br>
+&bdquo;Die M&auml;gdlein schulden wohl noch ihren Gru&szlig;?&rdquo;<br>
+Dann, diesen nahe tretend, bat er dringlich:<br>
+&bdquo;Hei, Else! gieb dem Herrn fein einen Ku&szlig;;<br>
+Hat auch zu Hause solcher Kindlein zweie,<br>
+Die gern die Wang&rsquo; ihm k&uuml;ssen nach der Reihe.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+In lieblichster Verwirrung ob der Bitte, blickten<br>
+Die Kleinen zaghaft auf die Herren hin,<br>
+Indessen jene, die er Else nannte,<br>
+Von argen Zweifeln schier befangen schien,<br>
+Ob richtig wohl den Vater sie verstanden,<br>
+Und man auch k&uuml;ssen th&auml;t in fremden Landen.<br>
+</p>
+<p>
+Schon aber trat der Schulthei&szlig;, flink die Zweifel l&ouml;send,<br>
+Mit L&auml;cheln an den Zelter hin und bat,<br>
+So freundlich dies nur m&ouml;glich, selbst die Kleine,<br>
+Bis diese endlich ihm den Willen that,<br>
+Das rothe M&uuml;ndlein spitzend, tief sich beugte<br>
+Und ihre Huld durch einen Ku&szlig; bezeugte.<br>
+</p>
+<p>
+Viel leichter noch, lie&szlig; dann das Schwesterlein sich r&uuml;hren;<br>
+Als er auch dieses, wie es hei&szlig;e, frug,<br>
+Gab es die Antwort: &bdquo;K&auml;th&rsquo; werd&rsquo; ich gerufen,<br>
+Weil solchen Namen einst die Mutter trug!&rdquo;<br>
+Doch, ihm zum Ku&szlig; das M&uuml;ndlein dar zu reichen,<br>
+Lie&szlig; keines Wegs ihr Herzlein sich erweichen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Sind halt noch bl&ouml;de, wie dies jungen Volkes Art ist &mdash;&rdquo;<br>
+Nahm nun der Ritter wiederum das Wort,<br>
+&bdquo;&bdquo;Und reisem&uuml;de;&rdquo;&rdquo; &mdash; unterbrach der Schulthei&szlig;,<br>
+&bdquo;&bdquo;Sie sehnen allweg sich zum Herbergsort.<br>
+Wenn es Euch recht ist, wollet uns begleiten,<br>
+Wir werden allgemach der Stadt zu schreiten!&rdquo;&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Mit diesem Vorschlag einverstanden, schlo&szlig; sich ihnen<br>
+Der Ritter gerne an, inde&szlig; im Schritt<br>
+Die Knechte langsam mit dem Zelter folgten<br>
+Und Achtung hatten, da&szlig; des R&ouml;&szlig;leins Tritt<br>
+Auch sicher vor sich ging und nicht mocht&rsquo; gleiten,<br>
+Weil j&auml;h bergab die M&auml;gdlein mu&szlig;ten reiten.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Herr Schulthei&szlig;!&rdquo; lie&szlig; da bald ihr Vater sich vernehmen,<br>
+&bdquo;Was mich Euch treffen hie&szlig; so unverhofft,<br>
+Ist nicht blo&szlig; Zufall; denn ich mu&szlig; bekennen,<br>
+Ich dachte Eurer diese Zeit her oft.<br>
+Vermein&rsquo; ich doch, &rsquo;s d&uuml;rft Euer Rath mir frommen,<br>
+Wenn Ihr erfahren, weshalb wir gekommen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Da&szlig; mir die Fraue starb, kam Euch wohl l&auml;ngst zu Ohren.<br>
+Gott tr&ouml;ste sie und schenk&rsquo; ihr Ruh im Grab!<br>
+Die Arme ist zur selben Stund&rsquo; verschieden,<br>
+In welcher K&auml;then sie das Leben gab,<br>
+Und hinterlie&szlig; die Sorg&rsquo; um ihre Pflege<br>
+Dem Mann, der weder Wege kannt&rsquo; noch Stege.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gezwungen, einer Magd die Kindlein zu vertrauen,<br>
+Lie&szlig; Haus und Hof mir wenig Zeit f&uuml;r sie.<br>
+Doch, Gott sei Lob! &rsquo;s ging besser, als ich dachte;<br>
+Sie wuchsen beide auf, wie Pfl&auml;nzlein, die,<br>
+Vor Frost und Wind gesch&uuml;tzt, des G&auml;rtners Walten<br>
+Mit jedem Tage mehr und mehr vergalten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So schwanden Jahre, die ich gern gefesselt h&auml;tte,<br>
+Um zu verhindern, da&szlig; sie je mir fliehn,<br>
+Als neue Sorgen die Erkenntni&szlig; brachte,<br>
+Da&szlig; m&auml;lig mir es f&uuml;r die M&auml;gdlein schien,<br>
+Ihr leiblich Wohlsein d&uuml;rfe nicht gen&uuml;gen;<br>
+Wir m&uuml;&szlig;ten Zucht und Wissen dazu f&uuml;gen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch dies zu bieten, ist ein Bergschlo&szlig; nicht die St&auml;tte;<br>
+Auch viel zu r&uuml;d&rsquo; des Hauses Ingesind&rsquo;,<br>
+Mit welchem wir gen&ouml;thigt sind zu hausen.<br>
+Der Burgpfaff aber, leider fast gar blind,<br>
+Wird t&auml;glich gr&auml;mlicher in seinem Wesen<br>
+Und hat schon M&uuml;he, nur die Me&szlig;&rsquo; zu lesen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Das Schlimmste jedoch ists: es fehlt im Haus die Fraue,<br>
+So, einer Mutter gleich, mit weicher Hand<br>
+Die M&auml;gdlein fein in Z&uuml;chten halten k&ouml;nnte,<br>
+Aufmerkend, da&szlig; sie, neben Spiel und Tand<br>
+Auch, wie es Frauen ziemt, erzogen werden<br>
+Und nicht die zarten Seelen sich gef&auml;hrden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;All&rsquo; dieses, werther Freund, schuf mir schon l&auml;ngst Gedanken,<br>
+Die mit der Zeit sich steigerten zur Qual,<br>
+Weil t&auml;glich schwerer es dem Herzen wurde,<br>
+Zu einen sich mit des Verstandes Wahl,<br>
+Die, wenn sie auch des Vaters Liebe kr&auml;nket,<br>
+Mir doch die Kindlein selbst zum Heile lenket!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es blieb mir so nichts weiter, als mich zu entschlie&szlig;en,<br>
+Die weite Fahrt in Eure Stadt zu thun,<br>
+Verhoffend, da&szlig; uns hier geholfen werde,<br>
+F&uuml;r meine K&uuml;chlein finde sich das Huhn,<br>
+Die Pflegerin, so, gegen Lohn nat&uuml;rlich,<br>
+Die M&auml;gdlein mir erziehen w&uuml;rd&rsquo; geb&uuml;hrlich.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und nun, da Ziel und Absicht Ihr der Reise kennet,<br>
+Herr Schulthei&szlig;, ist zu rathen Euch nicht schwer,<br>
+We&szlig;wegen ich&rsquo;s zur guten Stunde nannte,<br>
+Als wir Euch trafen so von Ungef&auml;hr.<br>
+Seid Ihr es doch, auf dessen Rath ich z&auml;hle,<br>
+Eh&rsquo; einen Horst ich f&uuml;r die Meinen w&auml;hle!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Will &uuml;berlegt sein!&rdquo; nahm der Schulthei&szlig; nun die Rede,<br>
+&bdquo;Wenn ich Euch helfen kann, habt Ihr mein Wort!<br>
+F&uuml;r&rsquo;s Erste will es mir das Beste scheinen,<br>
+Da&szlig; ich auf Kundschaft gehe, da und dort<br>
+Zu h&ouml;ren, wer von den Geschlechterfrauen<br>
+Gesonnen ist, sich Solches zuzutrauen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bis dies geschehen, biet&rsquo; ich gern mein Haus zur Herberg&rsquo;<br>
+So werthem Gast, und hoffe Ihr nehmt&rsquo;s an,<br>
+Wie wir an jenem Abend, durchgefroren<br>
+Und reisem&uuml;d&rsquo; &mdash; schon manchmal dacht&rsquo; ich dran,<br>
+Es ohne langes Z&ouml;gern angenommen,<br>
+Mit Ro&szlig; und Tro&szlig; auf Euer Schlo&szlig; zu kommen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So ich nicht irre, war es Eure eigne Base,<br>
+Die damals Ihr zum Ehgespons erw&auml;hlt.<br>
+Sie aber ward am Hof erzogen, w&auml;hrend<br>
+In unsrer Stadt die Frauen bald gez&auml;hlt<br>
+Sind, die, auch wenn den M&auml;gdlein Pfleg&rsquo; sie g&ouml;nnten,<br>
+Solch&rsquo; feiner Schulen sich ber&uuml;hmen k&ouml;nnten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Sich gleichwohl doch schon jetzt gef&auml;llig zu erweisen<br>
+Es hielt der Schulthei&szlig; nun die Schritte sein<br>
+Ein wenig an, die Freunde zu erwarten,<br>
+&mdash; Sie schritten im Gespr&auml;che hinter drein, &mdash;<br>
+Um ernstlich sich bei ihnen zu verwenden,<br>
+Da&szlig; Rath und That auch sie dem Ritter spenden.<br>
+</p>
+<p>
+Eh&rsquo; jedoch diese ihre Ansicht &auml;u&szlig;ern konnten,<br>
+Sah&rsquo;n schon am Thor sie sich und eingezw&auml;ngt<br>
+Von lautgeschw&auml;tz&rsquo;gem Volk, das heimw&auml;rts strebte.<br>
+Als dann die Herrn sich durch den Schwarm gedr&auml;ngt,<br>
+Der Stadtknecht half mit seinem Spie&szlig;e wacker,<br>
+Gelangte man auch bald zum &bdquo;Herrenacker.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Hier trennten sich Herr Am Staad und des Klosters Abbas<br>
+Vom Randenburger, nachdem sie noch fein<br>
+Versprochen hatten, Abends auf ein St&uuml;ndchen<br>
+Zu ihm zu kommen, um ein K&auml;nnlein Wein<br>
+Im trauten St&uuml;blein bei des Wachsstocks Blinken,<br>
+Zum Willekomm&rsquo; des werthen Gasts zu trinken.<br>
+</p>
+<p>
+Der Ritter aber und sein Reitertr&uuml;pplein folgten<br>
+Herrn G&ouml;tzen, dessen steingebauen Haus,<br>
+Ein Erker zierte es, sie gleich erreichten.<br>
+Hei! zogen sich der M&auml;gdlein Stirnen kraus,<br>
+Da von des Hausdachs Rinne grimme Drachen<br>
+Auf sie herniedersahn mit offnem Rachen.<br>
+</p>
+<p>
+Die Ungeth&uuml;me waren jedoch schnell vergessen,<br>
+Als G&ouml;tzens H&auml;userin, Frau Hilda Rahm,<br>
+Im gro&szlig;en Flur des Hauses nun den M&auml;gdlein<br>
+Voll milder Freundlichkeit entgegen kam<br>
+Und also herzig die Erstaunten gr&uuml;&szlig;te,<br>
+Als ob sie beide l&auml;ngst im Hause w&uuml;&szlig;te.<br>
+</p>
+<p>
+Da ging es nicht mehr lange, sa&szlig;en Wirth und G&auml;ste,<br>
+Bei Tische, den Frau Hilda heut&rsquo; im Saal<br>
+Zu decken gut fand, wo, ohn&rsquo; langes Zaudern,<br>
+Die Kleinen schmecken lie&szlig;en sich das Mahl,<br>
+Bis vor dem Sandmann, der sich angeschlichen,<br>
+Die m&uuml;den Aeuglein bald die Segel strichen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Der Abt und Am Staad hatten treulich Wort gehalten.<br>
+Es traten beide bei dem Schulthei&szlig; ein,<br>
+da just die Nacht begann herauf zu d&auml;mmern,<br>
+und nun im Saale blinkte Kerzenschein;<br>
+doch trafen hier sie schon auch einen dritten,<br>
+der l&auml;ngst als guter Hausfreund wohl gelitten.<br>
+</p>
+<p>
+Es war der Propst vom St. Agnesenstift, Herr Ulrich,<br>
+Der in der D&auml;mm&rsquo;rung, wie er &ouml;fter that,<br>
+Dem Schulthei&szlig; guten Abend bieten wollte,<br>
+Doch gern es annahm, als Herr G&ouml;tz ihn bat,<br>
+Ein St&uuml;ndlein oder zweie zu verweilen,<br>
+Den Abend mit den Freuden heut zu theilen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Herren sa&szlig;en um den Erkertisch im Saale,<br>
+Beim blanken Zinnk&auml;nnlein Schaffhauserwein,<br>
+Der, traf des Wachslichts Schein ihn nur ein wenig,<br>
+Hellroth ergl&uuml;hte, wie Rubinen fein.<br>
+Ein trinkbar Tr&ouml;pflein, das der Schulthei&szlig; w&auml;hlte,<br>
+Weil dabei sich&rsquo;s gut lauschte und erz&auml;hlte.<br>
+</p>
+<p>
+Das Letzt&rsquo;re that denn auch der Ritter heute flei&szlig;ig.<br>
+Vor Jahren viel gereist, und nun im Zug,<br>
+Verstand er es, mit Anmuth zu erz&auml;hlen.<br>
+Was Wunder also, wenn die Zeit im Flug<br>
+Den wortlos Lauschenden dahin geschwunden,<br>
+Indessen ihre Freundschaft er gefunden!<br>
+</p>
+<p>
+Es waren drum die Herrn dem Schulthei&szlig; gern zu Willen,<br>
+Als, da der Ritter schwieg, er diese bat<br>
+Des Freundes Kindlein helfend zu gedenken.<br>
+Sie gingen alsbald mit sich selbst zu Rath<br>
+Und &uuml;berlegten ernst, auf welche Frauen<br>
+In diesem Falle wohl man k&ouml;nnte bauen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch schien die Sache schwierig, sintemalen Zweifel<br>
+Sie bald beschlichen, ob auch all&rsquo; den Frau&rsquo;n,<br>
+So sich der M&auml;gdlein anzunehmen willig,<br>
+Die F&auml;higkeiten v&ouml;llig zuzutrau&rsquo;n?<br>
+Frug sich man da auf Ehre und Gewissen,<br>
+Lie&szlig; eine dies, die andre jenes missen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach langem Sinnen war&rsquo;s der Propst, der endlich anhub:<br>
+&bdquo;Wie mich bed&uuml;nkt, so handelt sich&rsquo;s nicht blo&szlig;<br>
+Um eine Pflegerin f&uuml;r unser P&auml;rlein,<br>
+Das missen mu&szlig; den warmen Mutterschoo&szlig;;<br>
+Wir brauchen Jemand, dem die Kunst verliehen,<br>
+Die Kindlein, wie es recht ist, zu erziehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Zum Abt sich wendend fuhr er fort: &bdquo;Ich kenne eine;<br>
+Ist zwar ein N&uuml;nnlein nur, doch sicher hat<br>
+Vom Nesenstift die Mutter Euch, Hochw&uuml;rden,<br>
+Schon deren Lob gesungen frisch vom Blatt,<br>
+Da&szlig; weit und breit sich keine Schwester finde,<br>
+Die so viel Geist mit Fr&ouml;mmigkeit verbinde!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wenn Frauen ihresgleichen loben, mu&szlig; was dran sein,<br>
+Da, wie man wei&szlig;, sie sparsam damit sind!<br>
+Nun, ich traf selbst die Schwester, Schule haltend<br>
+In Burgerh&auml;usern, r&uuml;hme drum nicht blind;<br>
+Doch nie noch sah ich so geschickt verkehren<br>
+Mit Kindern, oder h&ouml;rte besser lehren.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wasma&szlig;en nun, hochw&uuml;rd&rsquo;ger Herr und liebe Freunde,<br>
+Des werthen Gastes Sache anbetrifft,<br>
+So meine ichs: man sollte ohne S&auml;umen<br>
+Der Meisterin vom Sankt Agnesenstift<br>
+Den Vorschlag thun, die M&auml;gdlein aufzunehmen,<br>
+Auf da&szlig; in Obhut jener Nunn&rsquo; sie k&auml;men!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Hier schwieg der Propst, erwartend, da&szlig; der Abt jetzt spreche;<br>
+Doch weil derselbe noch zu denken schien,<br>
+Nahm bald Herr G&ouml;tz das Wort und meinte:<br>
+Herrn Ulrichs Rathe w&auml;re immerhin<br>
+Zu folgen; etwas Besseres zu finden,<br>
+W&uuml;rd&rsquo; er nicht trauen sich zu unterwinden.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Sein K&auml;nnlein fassend, sagte nun auch Herr Johannes,<br>
+Zum Propst gewendet: &bdquo;Euer Rath ist fein<br>
+Und steht bei Euch, da&szlig; auch zur That er werde!<br>
+Legt selber nur ein gutes W&ouml;rtlein ein<br>
+Bei unsrer Schwester und, ich m&ouml;chte wetten,<br>
+Sie werden bald im Stift den M&auml;gdlein betten.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Stets gern gef&auml;llig, gab Herr Ulrich das Versprechen.<br>
+Er meinte nur, da&szlig; auch der Rath der Stadt<br>
+Mit seinem Placet dann nicht z&ouml;gern d&uuml;rfe;<br>
+Es gehe dies nicht immer rund und glatt,<br>
+Da Stift und Nunnen ja in manchen Dingen,<br>
+Vom gn&auml;d&rsquo;gen Willen ihrer Stadt abhingen.<br>
+</p>
+<p>
+So war es m&auml;lig sp&auml;t geworden und drum machten<br>
+Die Freunde bald sich auf die Socken leis<br>
+Und schieden. Vorher freilich hatte jedoch<br>
+Herr Ulrich wiederholt dem Stadtschulthei&szlig;<br>
+Versprechen m&uuml;ssen, in den n&auml;chsten Tagen<br>
+Im Stift der M&auml;gdlein wegen anzufragen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Die Herren waren fort. Doch Wirth und Gastfreund blieben,<br>
+Beim Weine sitzend, noch ein St&uuml;ndlein wach.<br>
+Hell, &uuml;berm Kohlfirst, hing am Sternenhimmel<br>
+Der Vollmond, dessen Strahlen nach und nach,<br>
+So wie sie durch die bunten Scheiben flossen,<br>
+In Farbenschein sich in den Saal ergossen.<br>
+</p>
+<p>
+Da war&rsquo;s der Wein wohl und die n&auml;chtlich stille Stunde,<br>
+Verwoben mit des Mondlichts Zauberbann,<br>
+&mdash; Nicht wenig aber auch des Wirthes Wesen,<br>
+Derweil sein Takt Vertrauen ihm gewann, &mdash;<br>
+Was von des Gastes Herz den Riegel sprengte,<br>
+Und ihn sich r&uuml;ckhaltlos zu &auml;u&szlig;ern dr&auml;ngte.<br>
+</p>
+<p>
+Und einmal angefangen, glich&rsquo;s des Wildbachs Wellen,<br>
+Die, jach zu Thale st&uuml;rzend, nichts mehr hemmt,<br>
+Vom Regen hochgeschwoll&rsquo;nen Wasserfluthen,<br>
+Die nun ihr Rinnsal pl&ouml;tzlich &uuml;berschwemmt&rsquo;;<br>
+Als, mit dem Freund alleine, er erz&auml;hlte,<br>
+Was ihm sein Innerstes seit lange qu&auml;lte.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es war ein Ungl&uuml;ck, Schulthei&szlig;,&rdquo; klangen herb die Worte,<br>
+&bdquo;Als ich zur Frauen mir die Base nahm.<br>
+Denn anstatt S&auml;lde, heitern, frohen Tagen,<br>
+Ward Leid mein Theil und st&uuml;ndlich neuer Gram.<br>
+Selbst das, was Ihr bei uns gesehn von Frieden,<br>
+War nur ein Schein, da sich die Herzen mieden.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch mu&szlig;t&rsquo; es wohl so kommen! Arm von Hause, sah ich<br>
+Im Reichthum nur des Menschen h&ouml;chstes Gl&uuml;ck.<br>
+Als hernach fein dem Thoren es erbl&uuml;hte,<br>
+Erkannt&rsquo; ich leider erst des Schicksals T&uuml;ck&rsquo;,<br>
+Dem ich mit schwerem Herzeleid bezahlte,<br>
+Was voller Herrlichkeit ich einst mir malte!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So reich die Base war, so eisig war ihr Herze.<br>
+Der Milde bar und holder Frauen Art,<br>
+Die gl&uuml;cklich ist, kann andrer Gl&uuml;ck sie schaffen,<br>
+Blieb herb ihr Wesen und wie Marmor hart.<br>
+Es gab bald Nichts, so ehrlich auch ich&rsquo;s meinte,<br>
+Was nicht, voll Eigensinn, sie mir verneinte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;In gegenseit&rsquo;gem Qu&auml;len, bis auf&rsquo;s Blut oft kr&auml;nkend,<br>
+&mdash; Noch heute &uuml;berl&auml;uft mich drob die Scham! &mdash;<br>
+Verbitterten wir elend uns das Leben,<br>
+Bis, immer h&auml;ufiger, die Flucht ich nahm,<br>
+Um drau&szlig;&rsquo; im Forst, an gar zu b&ouml;sen Tagen,<br>
+Mir Rettung vor Verzweiflung zu erjagen.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Noch &ouml;fter aber suchte ich, besonders anfangs,<br>
+Die Fraue zu beg&uuml;t&rsquo;gen, ihren Stolz<br>
+Durch Nachsicht zu vermindern und mit Bitten;<br>
+Alleine, gleich dem Harnisch, wo der Bolz<br>
+Auch abprallt, es vermochte nie mein Sprechen,<br>
+Den starren Trotz und Eigensinn zu brechen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;So war ich &auml;rmer denn, als je zuvor im Leben,<br>
+Und wu&szlig;te, traun! wie tief den Mann es kr&auml;nkt,<br>
+Wenn gutgemeinte Worte ihm die Fraue<br>
+Voll Hohn im Mund verdreht und, giftdurchtr&auml;nkt,<br>
+In&rsquo;s strackte Widerspiel der besten Absicht wandelt,<br>
+Weil, statt der Liebe er nur Gold erhandelt&rsquo;.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mich nur nach Frieden sehnend, lie&szlig; die Frau ich walten,<br>
+Trug ihre Launen, wie ein duldend Schaf,<br>
+Bis endlich, m&uuml;de und zum Sterben willig,<br>
+Ich nichts mehr war, als ein gehetzter Sclav&rsquo;,<br>
+Der nahe dran, mit seinen eignen H&auml;nden,<br>
+So jammervolles Dasein sich zu enden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch kam es nicht so weit. Als uns ein Kindlein wurde,<br>
+Schien meiner Hoffnung wieder neu der Tag.<br>
+Im Handumdrehn war Gram und Leid vergessen,<br>
+Als mir im Arm das zarte Wesen lag<br>
+Und mir, dem j&uuml;ngst noch vor dem Dasein graute,<br>
+Mit klaren Aeuglein frisch in&rsquo;s Antlitz schaute.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gl&uuml;ckselig ob dem Anblick, w&auml;hnt&rsquo; ich hoffnungsfreudig,<br>
+Es ziehe Frieden nun in unser Haus.<br>
+Ich t&auml;uschte mich; schon in den n&auml;chsten Tagen<br>
+Blies b&ouml;s ein Sturmwind mir dies Lichtlein aus;<br>
+Eh&rsquo; schien mir herber noch der Fraue Wesen,<br>
+Als all&rsquo; die Zeiten vorher es gewesen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Doch ich, gelobend mir, dem M&auml;gdlein nun zu leben,<br>
+Lie&szlig; sie gew&auml;hren, f&uuml;gte mich und mied,<br>
+Noch mehr denn sonst, was Zwiespalt konnte bringen,<br>
+Als fr&uuml;h, beim zweiten Kind, der Tod uns schied,<br>
+Und zwar so j&auml;h, da&szlig; ich&rsquo;s kaum glauben wollte,<br>
+Da schon die Erde auf den Sarg ihr rollte.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wohl schien mir da, als tr&uuml;ge ich die Schuld alleine,<br>
+Da&szlig; unsrem Bund nicht Gl&uuml;ck noch Stern gelacht.<br>
+Und doch, beim heil&rsquo;gen Blut! ich meint&rsquo; es ehrlich;<br>
+Lie&szlig; leider nur das Spr&uuml;chlein au&szlig;er Acht:<br>
+Ein&rsquo; gute Heimstatt Gl&uuml;ck und Frieden finden,<br>
+Wo sich in Lieb&rsquo; der Menschen Herzen binden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Nun aber,&rdquo; schlo&szlig; er, &bdquo;la&szlig;t mich um Verzeihung bitten,<br>
+Weil ich es wagte treuem Freund so lang<br>
+Die Ruh&rsquo; zu rauben. Freilich wei&szlig; ich selber<br>
+Es nicht zu nennen, was mich heute zwang,<br>
+Da&szlig; ich Euch beichten mu&szlig;te ohne Hehle,<br>
+Was sonst verschwiegen ruhte in der Seele.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Bei sich den Freund bedauernd, hatte ernst der Schulthei&szlig;<br>
+Dem Ritter zugeh&ouml;rt, bis er zu Ende war.<br>
+Jetzt lie&szlig; es ihn jedoch nicht l&auml;nger schweigen.<br>
+Er war zu Gast einst bei dem jungen Paar<br>
+Und h&auml;tte damals, meinte er, geschworen,<br>
+Da&szlig; dies den Himmel sich schon hier erkoren.<br>
+</p>
+<p>
+Nun freilich er das Gegentheil davon vernommen,<br>
+Auch wohl so gro&szlig;es Unrecht nicht drin&rsquo; fand,<br>
+Da&szlig; nur nach Reichthum einst der Junker strebte<br>
+Und wahre Neigung nicht die Herzen band &mdash;<br>
+Befli&szlig; er sich dem Freunde Trost zu spenden:<br>
+Vergessen soll man, was nicht mehr zu wenden.<br>
+</p>
+<p>
+Im Saale war der Mondenschein schon l&auml;ngst verschwunden<br>
+Und auf dem Leuchter brannt&rsquo; das Wachslicht tief,<br>
+Als Gast und Wirth sich von den Siedeln hoben &mdash;<br>
+Und Letzt&rsquo;rer leise einem Knechtlein rief,<br>
+Dem dann die Weisung ward, sich flink zu r&uuml;hren,<br>
+Den m&uuml;den Herrn in&rsquo;s Schlafgemach zu f&uuml;hren.<br>
+</p>
+<p>
+Der Schulthei&szlig; selber aber ging noch nicht zur Ruhe.<br>
+Seit Jahren schon geheimen K&uuml;nsten hold,<br>
+Wollt&rsquo; eine Tinktur er noch schnell erproben,<br>
+Die ihm verwandeln sollte Blei in Gold,<br>
+Ward richtig sie gebraucht im Vollmondszeichen. &mdash;<br>
+Heut&rsquo; lie&szlig; sich hoffen, dieses zu erreichen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Herr Ulrich l&ouml;ste andern Tages sein Versprechen.<br>
+Er ging in&rsquo;s Stift, um f&uuml;r die M&auml;gdlein dort<br>
+Sein Wort bei der Aebtissin einzulegen;<br>
+Der W&uuml;rdigen zu sagen, da&szlig; ein Ort,<br>
+Der besser, als Agnesenkloster passe,<br>
+In ganz Schaffhausen nicht sich finden lasse.<br>
+</p>
+<p>
+Klug wu&szlig;te im Gespr&auml;ch er darauf hinzuweisen,<br>
+Welch&rsquo; ein Gewinn f&uuml;r&rsquo;s Stift es d&uuml;rfte sein,<br>
+Wenn dessen Frauen eine sich den M&auml;gdlein<br>
+Als Lehrerin und Mutter wollte weihn;<br>
+Der Vater nenne manch Geh&ouml;ft sein eigen<br>
+Und sei der Mann, sich dankbar zu bezeigen.<br>
+</p>
+<p>
+Weil trotzdem mit der Antwort die Aebtissin s&auml;umte,<br>
+Erw&auml;hnte er noch, schlau, da&szlig; selbst vom Rath<br>
+Der Herren etzlich gern es sehen w&uuml;rden,<br>
+Wenn sie entschlie&szlig;e sich zur guten That;<br>
+Auch schon im Voraus dr&uuml;ber einig w&auml;ren,<br>
+Dem Stift das n&ouml;th&rsquo;ge Placet zu gew&auml;hren.<br>
+</p>
+<p>
+Auf solches Winken aber gab&rsquo;s nur eine Antwort.<br>
+Und so erkl&auml;rte sie gar gr&auml;mlich: sie<br>
+Sei einverstanden mit des Propstherrn Vorschlag;<br>
+Obzwar sie selber noch nicht wisse, wie<br>
+Es anzufangen und was zu geschehen,<br>
+Da sich das Stift solch&rsquo; G&auml;sten unversehen.<br>
+</p>
+<p>
+Inde&szlig; auch daf&uuml;r wu&szlig;te jetzt Herr Ulrich H&uuml;lfe.<br>
+Es m&ouml;ge die Frau Mutter, sprach er schlau,<br>
+Sich vorerst mit der Kusterin bereden;<br>
+Wenn die zu pflegen sich die M&auml;gdlein trau&rsquo;,<br>
+So w&uuml;rden sicherlich sie nichts vermissen,<br>
+Die Schwester ziere Tugend ja und Wissen.<br>
+</p>
+<p>
+Ein Weiteres zum Lob der Nonne noch zu sprechen,<br>
+Kam ihm die Oberin jedoch zuvor.<br>
+Wie schon gewohnt, so r&uuml;hmte sie nun Jene,<br>
+Bis fast der Stiftspropst die Geduld verlor<br>
+Und froh war, als des Klostergl&ouml;ckleins Klingen,<br>
+Die Dame abberief zum Vespersingen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Mich aber soll es mahnen, diese Zeit zu nutzen<br>
+Und, R&uuml;ckschau haltend, werther Freunde Gunst<br>
+Nicht allzusehr auf&rsquo;s Spiel zu setzen. Ist&rsquo;s doch<br>
+Geschehen, m&ouml;gen sie verzeihn! Die Kunst,<br>
+Sich im Erz&auml;hlen weise zu beschr&auml;nken,<br>
+Ist nicht so leicht, als oft die Leser denken. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Als, an dem Morgen da Herr Kuonrad fortgeritten,<br>
+Des Vogtes Tochter sp&auml;t zum Vorschein kam,<br>
+Im blassen Angesichte Thr&auml;nenspuren,<br>
+Die Zeugni&szlig; gaben von des Herzens Gram,<br>
+Gab&rsquo;s Frida Anla&szlig;, voller Spott zu fragen,<br>
+Ob sie sich n&auml;chtens lie&szlig; vom Schr&auml;ttlein plagen.<br>
+</p>
+<p>
+Da Elsbeth hierauf keine Antwort hatte, sondern,<br>
+Wie es sich schickte, nach den G&auml;sten frug,<br>
+Vermehrte dies der Alten schlechte Laune,<br>
+Gleich einem Funken, der in&rsquo;s Pulver schlug,<br>
+Da&szlig; kaum die Herrin sich zu athmen traute,<br>
+Weil selten noch so b&ouml;s sie jene schaute.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Bei Eurer Mutter selig, tr&ouml;st&rsquo; sie Gott, die Gute!&rdquo;<br>
+Hub l&auml;rmend Frida an, &bdquo;da war der Brauch,<br>
+Da&szlig; man vor Mitternacht das Pfuehl sich suchte;<br>
+Es hatte aber dann der Kaplan auch<br>
+Nicht leerem Kirchlein eine Me&szlig;&rsquo; zu lesen,<br>
+Wie heute Fr&uuml;h der Fall bei uns gewesen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es ging ja schier, als hausten wir in einer Schenken,<br>
+Drin&rsquo; Alt und Jung beim Weine sitzend schmort;<br>
+Hat man genug, geht&rsquo;s, ohne Abschiedsnehmen,<br>
+In aller Still&rsquo; bei Nacht und Nebel fort.<br>
+Ja w&auml;ger! Wo die Frau im Hause fehlet,<br>
+Da bleiben halt die M&auml;nner ungestr&auml;hlet!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein B&rsquo;h&uuml;et Gott! h&auml;tte wohl dem Junker nicht geschadet,<br>
+Hi, hi! Und wenn es jetzt auch hundert Mal<br>
+Des Bischofs Nistel ist, was sie ihm freiten! &mdash;<br>
+Hi, hi! Ich mein&rsquo;, es sollte seine Wahl,<br>
+Will einer nicht um andrer Schulden b&uuml;&szlig;en,<br>
+Ein jeder f&uuml;r sich selbsten treffen m&uuml;ssen!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mir kam das Herrlein &uuml;brigens nicht vor wie einer,<br>
+Der unverhofftem Gl&uuml;cke pl&ouml;tzlich nah &mdash;&rdquo;<br>
+Hier jedoch hielt sie tief erschrocken inne,<br>
+Denn in den blauen Augen Elsbeths sah<br>
+Sie etwas schimmern, was wie Thr&auml;nen blinkte,<br>
+Der allzu Borstigen zu schweigen winkte.<br>
+</p>
+<p>
+Verwundert schaute Frida auf, ward aber irre,<br>
+Da, nun sie schwieg, die Herrin l&auml;chelnd frug,<br>
+We&szlig;wegen denn der Strom so jach versiegte,<br>
+Der eben noch gar hohe Wellen schlug;<br>
+Es blieb ihr nichts, als selbst sich zu gestehen,<br>
+Da&szlig;, wie schon oft, sie wieder falsch gesehen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun, noch mehr aufgebracht, lie&szlig; drum sie ihrem Z&uuml;nglein<br>
+Von neuem flink den Lauf, nicht ahnend, da&szlig;,<br>
+So oft sie von Herrn Kuonrad sprach, der Herrin<br>
+Es, einem Feuer gleich, am Herzen fra&szlig;,<br>
+Die Arme mit sich rang, in hei&szlig;en K&auml;mpfen,<br>
+Get&auml;uschter Hoffnung bitter Leid zu d&auml;mpfen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, wer sein Gl&uuml;ck verschweigen kann und hehlen,<br>
+Dem &ouml;ffnet seltner noch das Leid den Mund;<br>
+Stumm trug auch Elsbeth ihre Lieb&rsquo; zu Grabe,<br>
+Versenkte tief sie in der Seele Grund;<br>
+Es nicht zu zeigen, was sie litt im Stillen,<br>
+Gelobte sich die Maid mit festem Willen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Sie hatte freilich noch am gleichen Tag, beim Abschied<br>
+Von Fr&auml;ulein Adelgunden manches Wort<br>
+Von M&auml;nnertreu&rsquo; und Aehnlichem zu h&ouml;ren,<br>
+Das kr&auml;nkend sich in ihre Seele bohrt&rsquo;,<br>
+Doch blieb sie still und lie&szlig; das Fr&auml;ulein sprechen,<br>
+Wollt auch das Herz in seinem Leide brechen.<br>
+</p>
+<p>
+Auch nachher qu&auml;lte Elsbeth sich noch lange. Sie fand<br>
+Den Schlummer erst, wenn bald der Morgenstern<br>
+Zu bleichen anfing und der Hahnschrei mahnte,<br>
+Der neue Tag sei nicht mehr allzufern;<br>
+Vom Weinen m&uuml;d&rsquo;, ersehnte sie den Morgen,<br>
+Ihr Leid bet&auml;ubend durch des Tagwerks Sorgen.<br>
+</p>
+<p>
+Und Arbeit war noch stets der beste Sorgenbrecher.<br>
+Es fiel zwar auf, da&szlig; bei der M&auml;gde Lied<br>
+Der Herrin Stimme man nur selten h&ouml;rte,<br>
+Wie auch, da&szlig; sie die allzulauten mied,<br>
+Wenn Abends beim Gesangs die Wirtel kreisten;<br>
+Zu fragen &mdash; mochte Niemand sich erdreisten.<br>
+</p>
+<p>
+Am Weihnachtsfeste aber, war es Elsbeth wieder,<br>
+Die, wohl zur Freude Aller, selbst den Sang<br>
+&bdquo;Agnoscat omne saeculum&rdquo; anstimmte,<br>
+Und glockenhelle aus der Brust es klang,<br>
+Als ob die Seele, frei von ird&rsquo;schem Ringen,<br>
+Sich jubelnd auf zum Himmel wollte schwingen.<br>
+</p>
+<p>
+Als endlich allgemach der Winter nordw&auml;rts r&uuml;ckte<br>
+Und, fern aus S&uuml;d&rsquo;, der Fr&uuml;hling n&auml;her kam,<br>
+In Hof und Haus die Arbeit t&auml;glich mehrend,<br>
+War, gleich dem Schnee, verschwunden auch der Gram;<br>
+Die heimlich bla&szlig;geh&auml;rmten, zarten Wangen<br>
+Erbl&uuml;hten m&auml;lig aus, wie Rosenprangen.<br>
+</p>
+<p>
+Und nun der Lenz gekommen, pflegte Elsbeth wieder<br>
+Von Kunz begleitet, der ihr K&ouml;rblein trug,<br>
+Am Fu&szlig; des Bergs die H&uuml;tten aufzusuchen,<br>
+Drin&rsquo; sie, wie fr&uuml;her, nach den Armen frug,<br>
+Um mild des K&ouml;rbleins Inhalt zu verwenden,<br>
+Bresthaften H&ouml;r&rsquo;gen Speis und Trank zu spenden.<br>
+</p>
+<p>
+War sie mit diesen fertig, kam der Kinder Reihe.<br>
+F&uuml;r jedes hatte sie ein freundlich Wort;<br>
+Auch fehlten nicht die Sch&auml;flein in dem T&auml;schchen,<br>
+Denn eher lie&szlig;en jene sie nicht fort,<br>
+Sie konnte stundenlang bei ihnen weilen,<br>
+Froh Scherz und Kurzweil mit den Kleinen theilen.<br>
+</p>
+<p>
+Am liebsten jedoch suchte sie in seinem St&uuml;blein<br>
+Den Kaplan auf, der meist am Fenster sa&szlig;,<br>
+Es hei&szlig;t der Platz noch jetzt &bdquo;des Herren B&auml;nklein,&rdquo;<br>
+Wo er, zur Abwechslung, mit seinem Glas<br>
+Im Thal des Reiches Stra&szlig;e observirte,<br>
+So schon zur R&ouml;merzeit im Gau fortf&uuml;hrte.<br>
+</p>
+<p>
+Wie vormals lauschte jetzt die Leidgepr&uuml;fte willig<br>
+Dem Kaplan; fa&szlig;te dessen Lehre nun:<br>
+Da&szlig; dem alleine es nur sei beschieden,<br>
+In wahrem Gottesfrieden traut zu ruhn,<br>
+Der, kl&uuml;glich w&auml;hlend, ird&rsquo;schem Gl&uuml;ck entsage,<br>
+Mit eitler Weltlust nicht die Sinne plage.<br>
+</p>
+<p>
+Gab es denn Zweifel noch an solcher Worte Wahrheit,<br>
+Seit sie an sich erfuhr, wie schmerzlich jach<br>
+Das Schicksal ihren sch&ouml;nsten Traum zerst&ouml;rte,<br>
+Gleich jenem Glase, das in Scherben brach?<br>
+Mu&szlig;t&rsquo; sich dem Herzen nicht der Wunsch enth&uuml;llen,<br>
+Was Benno lehrt, auch gl&auml;ubig zu erf&uuml;llen? &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Im stillen Kloster, wie der Vater l&auml;ngst dies wollte,<br>
+Erhoffte Gottergebnen Sinn&rsquo;s die Maid<br>
+F&uuml;r sich ein Gl&uuml;ck, das Lebenslang gen&uuml;gte,<br>
+Nicht endete in bitterm Herzeleid;<br>
+Dies sch&ouml;ne Ziel in B&auml;lde zu erlangen,<br>
+War nun der Frommen einziges Verlangen.<br>
+</p>
+<p>
+Wohl lag es schwer und bang auf ihrer jungen Seele.<br>
+Von Haus und Heim zu scheiden ging ihr nah&rsquo;,<br>
+Als eines Tags, vom Vater nur begleitet,<br>
+Mit jedem Schritt sie immer ferner sah,<br>
+Des Schlosses Th&uuml;rme hinter sich versinken,<br>
+Die letzten Gr&uuml;&szlig;e noch zum Abschied winken.<br>
+</p>
+<p>
+Der Trennung herbstes Weh empfand die Jungfrau aber,<br>
+Als, unweit Riedern, wo der Weg abzweigt,<br>
+Zum Punkt sie kamen, da dem scharfen Blicke<br>
+Der Schlo&szlig;berg sich ein letztes Mal noch zeigt;<br>
+Nach r&uuml;ckw&auml;rts schauend, mu&szlig;te hier in Thr&auml;nen<br>
+Die Scheidende sich an den Vater lehnen.<br>
+</p>
+<p>
+Und, selbst ersch&uuml;ttert von dem Leid der Tochter, hatte<br>
+Herr Heinz sie dort gew&auml;hren lassen, eh&rsquo;<br>
+Sein tr&ouml;stend Wort die Schluchzende ermahnte,<br>
+Sich nicht zu &uuml;berlassen solchem Weh&rsquo;,<br>
+Da einer Heimat auf der Spur sie w&auml;re,<br>
+Von wo kein Abschied mehr das Herz beschwere.<br>
+</p>
+<p>
+Nach einer weitern Rast, am Fall des Rheins gehalten,<br>
+Ging&rsquo;s dann auf m&uuml;den Rossen allgemach<br>
+Schaffhausen zu, das sie auch bald erreichten.<br>
+Hei! sahn die Burger hier dem Fr&auml;ulein nach<br>
+Und wollten schier dem eignen Blick nicht trauen,<br>
+Im Bann der Stadt so sch&ouml;ne Maid zu schauen.<br>
+</p>
+<p>
+Die Sch&ouml;ne freilich war am n&auml;chsten Tag Novize<br>
+In Sankt Agnesens frommer Frauenschaar.<br>
+Des Vaters Bruder hatte, weil er damals<br>
+Des Stiftes wohlbestellter Propstherr war,<br>
+Schon vorher daf&uuml;r Sorge tragen m&uuml;ssen,<br>
+Da&szlig; Oberin und Schwestern gern sie gr&uuml;&szlig;en.<br>
+</p>
+<p>
+Ein letztes St&uuml;cklein Reben, das um Elsbeths willen<br>
+Der Vogt seit Jahren unverpf&auml;ndet lie&szlig;,<br>
+Es ward ihr Seelgerett&rsquo;, dem Stift zu eigen<br>
+Auf ew&rsquo;ge Zeiten, wie&rsquo;s im Briefe hie&szlig;;<br>
+Doch sollte dieses, nach kaum hundert Jahren,<br>
+Was Menschen ewig nennen, b&ouml;s erfahren. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Zufrieden sah sich Elsbeth so am Ziel des Wunsches,<br>
+Den ihre Seele sehnlich noch gehegt,<br>
+Seit holdern Wunsch ihr j&auml;hlings ward vernichtet,<br>
+Der Blume gleich, von Reif und Schnee belegt;<br>
+Wenn anfangs etwas ihr am Herzen nagte,<br>
+War es das Heimweh, was sie leise plagte.<br>
+</p>
+<p>
+Nach etlich Wochen aber war auch dies bezwungen:<br>
+Sie widmete als Nonne nun ihr Thun<br>
+Und Denken freudig den gebotnen Pflichten;<br>
+Der Schwestern J&uuml;ngste lie&szlig; es sie nicht ruhn,<br>
+Gebet und Arbeit stets vereint zu pflegen,<br>
+Im frommen Haushalt t&uuml;chtig sich zu regen.<br>
+</p>
+<p>
+Ihr unmerklich war Jahr auf Jahr dahingeschwunden,<br>
+Inde&szlig; sie selber t&auml;glich im Vertrau&rsquo;n<br>
+Der Ob&rsquo;rin zugenommen, so da&szlig; diese<br>
+Der Schwester, als der Kl&uuml;gsten von den Frau&rsquo;n<br>
+Im Stifte, das Amt der Kust&rsquo;rin &uuml;bertragen,<br>
+Mit der sie Rathes pflog in heiklen Fragen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Als ob dem Menschen nicht die ganze Welt zu eigen,<br>
+Baut jeder sich noch eine eigne drin&rsquo;,<br>
+Gestaltend sie nach seinem besten K&ouml;nnen,<br>
+Entfremdend ganz, was au&szlig;er ihr, dem Sinn.<br>
+Er f&uuml;hlt sich wohl nur im gewohnten G&rsquo;leise<br>
+Der selbst gezognen, oft gar engen Kreise.<br>
+</p>
+<p>
+So ging es auch der Nonne. Uralt dumpf Gem&auml;uer,<br>
+In welches selten mal die Sonne schien,<br>
+War ihre Welt in der sie, emsig waltend,<br>
+L&auml;ngst nicht mehr achtete der Jahre Fliehn.<br>
+Sie lebte im Bewu&szlig;tsein: Gl&uuml;ck und Frieden<br>
+Sei reich vom Himmel ihr schon hier beschieden.<br>
+</p>
+<p>
+Und doch &mdash; ein wunschlos Gl&uuml;ck war&rsquo;s nicht, was ihr erbl&uuml;hte.<br>
+Wer d&uuml;rft&rsquo; auch r&uuml;hmen, da&szlig; ihm dies gelacht<br>
+Nur eines Tages kurz gemess&rsquo;ne Stunde?<br>
+Wem bliebe nicht, vom Gl&uuml;cke selbst entfacht,<br>
+Ein letzter Wunsch stets, der das wieder raubte,<br>
+Was gl&uuml;cklich schon man zu besitzen glaubte? &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es wohnte in der Schwester Brust ein heimlich Etwas,<br>
+Das zu bezwingen sie hielt nicht f&uuml;r Pflicht,<br>
+Das aber immer, wenn der Burger Kindlein<br>
+Zum Hochamt kamen, mit den Aeuglein licht<br>
+Durch&rsquo;s Gitter luegten, wo die Nonnen sangen,<br>
+Von neuem nahm der Kust&rsquo;rin Sinn gefangen.<br>
+</p>
+<p>
+Der Kindlein Anblick rief zu jeder Zeit der Guten<br>
+Die Sehnsucht wach: doch wiederum ein Mal<br>
+Mit ihnen plaudern und sie kosen d&uuml;rfen,<br>
+Zu spiegeln sich in heller Aeuglein Strahl;<br>
+Wenn auch f&uuml;r Stunden nur, sich zu gewinnen<br>
+Der kleinen Herzen unverf&auml;lschtes Minnen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie fand kein Unrecht darin, diesen Wunsch zu hegen,<br>
+Ihm zu gestatten, da&szlig; er Keime trieb<br>
+Und stetig wuchs; ein letztes Gl&uuml;ckverlangen,<br>
+Das heimlich noch der keuschen Seele blieb,<br>
+Sie hold umwob im angebornen Sehnen,<br>
+An Kindesherz das eigene zu lehnen.<br>
+</p>
+<p>
+Dem Wunsche selber fehlte freilich jede Hoffnung,<br>
+Da&szlig; mehr er werde, als ein sch&ouml;ner Traum.<br>
+Es schied des Chores Gitter gar zu neidisch<br>
+Die Lieblinge und sie bemerktens kaum,<br>
+Wenn Elsbeth ihnen leise einmal nickte,<br>
+Durch&rsquo;s enge Gitterwerk ein Gr&uuml;&szlig;lein schickte. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es war am dritten Osterfeiertag, als Elsbeth,<br>
+Wie dies die Pflicht der Kusterin gebot,<br>
+Schon fr&uuml;h am Morgen bei der Ob&rsquo;rin eintrat<br>
+Und diese ihr alsbald von ihrer Noth<br>
+Erz&auml;hlte, da&szlig; f&uuml;r Kindlein, reich von Hause,<br>
+Man Obdach bat in Sankt Agnesens Clause.<br>
+</p>
+<p>
+Der Stiftspropst habe gestern sie gar warm empfohlen<br>
+Und, wenn dies nun der Schwestern Wille sei,<br>
+Bei sich im Haus solch&rsquo; junges Blut zu dulden,<br>
+So w&auml;re sie am Ende auch dabei,<br>
+Mit Raths Vergunst die Kindlein aufzunehmen,<br>
+Da Stift und Schwestern nicht in Nachtheil k&auml;men.<br>
+</p>
+<p>
+Die Kindlein selber seien mutterlose M&auml;gdlein,<br>
+Mit Zucht und Sitten w&auml;ger unbekannt,<br>
+Und daher wohl des Vaters Wunsch begreiflich,<br>
+&mdash; Des Ritters Name wurde nicht genannt, &mdash;<br>
+Die Kleinen bald in einem Haus zu wissen,<br>
+Drin&rsquo; gute Ordnung sie nicht l&auml;nger missen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun scheine jedoch, da&szlig; der Propstherr f&uuml;r die Kindlein<br>
+In ganz Schaffhausen keinen bessern Ort<br>
+Gefunden habe, als ihr armes Kloster;<br>
+Er h&auml;tte gestern drum in einem fort<br>
+Ihr vorgeredet, bis sie halb versprochen,<br>
+Den Vorschlag zu erproben etlich Wochen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch dieses auszuf&uuml;hren, tauge sie mit nichten<br>
+Und w&auml;r&rsquo; zu alt. Zum andern aber klar,<br>
+Da&szlig; von den Schwestern allen nur der Kust&rsquo;rin<br>
+Man anvertrauen k&ouml;nnt&rsquo; das M&auml;gdleinpaar,<br>
+Weil sie der wen&rsquo;gen eine sei im Kloster,<br>
+Die mehr verst&uuml;nde, als das Pater noster.<br>
+</p>
+<p>
+Getraue sich die Schwester, solche Last zu b&uuml;rden<br>
+Und zu dem Custosamte auch die Pflicht<br>
+Der Pflegerin zu f&uuml;gen &mdash; w&auml;r&rsquo;s zu sch&auml;tzen.<br>
+Die Antwort drauf verlange gleich sie nicht;<br>
+Wohl aber sei ihr lieb, am n&auml;chsten Tage<br>
+Zu wissen, was die Schwester dazu sage.<br>
+</p>
+<p>
+Was weiter dann die Oberin noch sagen mochte,<br>
+Der Schwester ging&rsquo;s verloren. Hold beth&ouml;rt<br>
+Vom Vorschlag mit den M&auml;gdlein, erfa&szlig;te es<br>
+Die Ueberraschte kaum, was sie geh&ouml;rt<br>
+Und schuf die Aussicht, da&szlig; des Herzens Sehnen<br>
+Sich unverhofft erf&uuml;lle, ihr schier Thr&auml;nen.<br>
+</p>
+<p>
+Ihr freudiges Empfinden. jedoch rasch bemeisternd,<br>
+Gab eine Zusage die Kusterin noch nicht.<br>
+Doch zog es eilig sie zur stillen Zelle,<br>
+Um dort, mit tiefgesenktem Angesicht,<br>
+Am Betpult knieend, f&uuml;r des Wunschs Gelingen,<br>
+Der Himmelsk&ouml;nigin den Dank zu bringen.<br>
+</p>
+<p>
+Dann aber flo&szlig;, im Stundenglas der Froherregten,<br>
+Der Sand an jenem Tage langsam nur,<br>
+Es wollt&rsquo; nicht Abend werden und der Morgen<br>
+Fand von durchwachter Nacht die Spur,<br>
+Als fr&uuml;h zur Ob&rsquo;rin, die noch tief im Bette,<br>
+Sie wieder ging, nach fromm vollbrachter Mette.<br>
+</p>
+<p>
+Gewohnter Demuth voll, jedoch beredten Mundes,<br>
+Gab auf Befragen sie der &bdquo;Mutter&rdquo; kund,<br>
+Da&szlig; sie gewillt sei, f&uuml;r das Paar zu sorgen,<br>
+Der M&auml;gdlein leiblich Wohl zu pflegen und<br>
+Mit allem Flei&szlig;e, zu Sankt Agnes&rsquo; Ehren,<br>
+Was ihr bewu&szlig;t, auch ihnen gern zu lehren.<br>
+</p>
+<p>
+Als ob sie dies erwartet, lauschte die Aebtissin<br>
+Der Schwester Worten, in Gedanken schon<br>
+Die Schenkung sch&auml;tzend, so der M&auml;gdlein Vater<br>
+Vergaben d&uuml;rfte, als verdienten Lohn<br>
+F&uuml;r Sorg&rsquo; und M&uuml;hen, die dem Stifte w&uuml;rden,<br>
+Solch&rsquo; ungewohnte Last sich aufzub&uuml;rden.<br>
+</p>
+<p>
+Mit ein paar Worten ihren Dank bezeigend, trug sie,<br>
+Weil wieder gichtkrank, gleich der Kust&rsquo;rin auf<br>
+Statt ihrer, mit dem Ritter zu verhandeln,<br>
+Falls der und seine M&auml;gdlein schon im Lauf<br>
+Des Tages k&auml;men, Antwort zu verlangen,<br>
+Auch, ihn im Saal des Stiftes zu empfangen.<br>
+</p>
+<p>
+Voll freudigen Gehorsam&rsquo;s neigte sich die Gute;<br>
+Dann aber eilte sie, ein St&uuml;bchen rein<br>
+Zu l&uuml;ften und mit H&uuml;lfe einer Schwester<br>
+Zwei Betten zu beziehn mit Linnen fein,<br>
+Auf da&szlig; die M&auml;gdlein, wenn sie kommen wollten,<br>
+In trauter Ordnung Alles finden sollten. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Die Nonnen hatten just die Vesper abgesungen,<br>
+Als laut die Glocke klang am Klosterthor,<br>
+So da&szlig; die Schwester Pf&ouml;rtnerin im Eilen,<br>
+Ihr letztes Bischen Athem fast verlor<br>
+Und keuchend durch des Auslugs Gitter schaute,<br>
+Wer allso heftig sich zu klingeln traute. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es war der Ritter mit den M&auml;gdlein, dem die Schwester,<br>
+Wie ihr die Kusterin heut fr&uuml;h befahl,<br>
+Ohn&rsquo; lang zu fragen, Einla&szlig; nun gew&auml;hrte,<br>
+Nur bittend, ihr zu folgen nach dem Saal<br>
+Und da in Gnaden etwas zu verweilen;<br>
+Sie werde flink den Herrn zu melden eilen.<br>
+</p>
+<p>
+Nach kurzem Gru&szlig;e folgten bald die Drei der Schwester<br>
+Ged&auml;mpften Schritts durch einen d&uuml;stern Flur,<br>
+De&szlig;&rsquo; graue W&auml;nde alte Bilder zierten,<br>
+Nothd&uuml;rftig zeigend noch der Farben Spur,<br>
+Und &uuml;berschritten eines Saales Schwellen,<br>
+Der fern lag Refectorium und Zellen.<br>
+</p>
+<p>
+Es war ein &ouml;d&rsquo; Gemach, doch lie&szlig;en ein paar Fenster<br>
+Die Sonne ein und Duft von frischem Gr&uuml;n,<br>
+Das, windgesch&uuml;tzt, im Klostergarten prangte,<br>
+In welchem, l&auml;rmend, etlich&rsquo; Spatzen k&uuml;hn<br>
+Und &uuml;berm&uuml;thig nah&rsquo; den Fenstern jagten,<br>
+Auch ab und zu bis in den Saal sich wagten.<br>
+</p>
+<p>
+Im Garten selber sonnte sich ein schlafend K&auml;tzlein<br>
+Bei jungen H&uuml;hnern, die, im warmen Sand<br>
+Des Weges badend, laut sich unterhielten,<br>
+Da&szlig; ihr Gepips das Ohr der M&auml;gdlein fand,<br>
+Die, kaum im Saal, dem Vater flink entwichen,<br>
+Auf leisen Zehen zu den Fenstern schlichen.<br>
+</p>
+<p>
+Es drohte zwar des Ritters Finger leis den Schlimmen,<br>
+Als ihm vom Fenster her ihr Plaudern klang,<br>
+Das, wie das silberhelle, frohe Lachen,<br>
+Bis in die Zellen zu den Nonnen drang,<br>
+Die Frommen sicher dort im Beten st&ouml;rte,<br>
+Weil allzulaut ihr Ohr die Frohen h&ouml;rte.<br>
+</p>
+<p>
+Bald aber achtete er nicht mehr ihres Treibens,<br>
+Nur darauf lauschend, was die Schwester sprach,<br>
+So Auftrag hatte, ihm hier mitzutheilen,<br>
+Da&szlig;, weilen die &bdquo;Frau Mutter&rdquo; krank und schwach<br>
+Sich f&uuml;hle, es der Kust&rsquo;rin Amt geb&uuml;hre,<br>
+Zu h&ouml;ren, was den Herrn zu ihnen f&uuml;hre.<br>
+</p>
+<p>
+Dies sagend huschte sie davon, der Schwester<br>
+Es anzumelden, da&szlig; die M&auml;gdlein da.<br>
+Der Ritter harrte also guter Laune,<br>
+Da schon versorgt er seine Kindlein sah;<br>
+Bemerkte nicht, da&szlig; die auf flinken Sohlen,<br>
+Zum offnen Fenster sich hinaus gestohlen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch, da er es bemerkte und sie schelten wollte,<br>
+Ob der verwegnen, unbefugten That,<br>
+Vernahmen seine Ohren leise Schritte.<br>
+Rasch nun sich wendend, um zu sehn wer naht&rsquo;,<br>
+Ward ihm, als sollte er die Nahende erkennen,<br>
+Geliebten Namen seine Lippen nennen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+War das ein Traumbild, oder &auml;ffte ihn der Himmel?<br>
+In ihrer Demuth, wie ein Cherub mild,<br>
+Stand vor Herrn Kuonrad, denn dies war der Ritter,<br>
+Ein ihm gar wohl bekanntes Frauenbild,<br>
+Das, trotzdem es ein Nonnenschleier deckte,<br>
+Erinnerung an sel&rsquo;ge Zeiten weckte.<br>
+</p>
+<p>
+Wohl ebenso verwundert schien jetzt auch die Kust&rsquo;rin,<br>
+Als, nahgetreten, sie die Blicke hob<br>
+Und in dem Harrenden den Mann erkannte,<br>
+Der einst in ihre Tr&auml;ume sich verwob,<br>
+Dem Herzen, das von ihm geliebt sich glaubte,<br>
+Auf lange hin den s&uuml;&szlig;en Frieden raubte.<br>
+</p>
+<p>
+Am liebsten wohl h&auml;tte sie gleich den Saal verlassen;<br>
+Denn, statt der Freude, die sie drob empfand,<br>
+Da&szlig; nah&rsquo; dem Ziel sich ihre Sehnsucht wu&szlig;te,<br>
+Nahm jetzt die Reue j&auml;hlings &uuml;berhand,<br>
+Im Busen einen Wunsch gen&auml;hrt zu haben,<br>
+Der ihre Ruhe konnte untergraben.<br>
+</p>
+<p>
+In einer Sturmflut &uuml;berquellender Gef&uuml;hle<br>
+Gedachte sie voll Wehmuth all&rsquo; der Zeit,<br>
+Die hier in stillem Frieden ihr entschwunden.<br>
+Sie lebte ruhig, frommer Pflicht geweiht,<br>
+Bis, schuldlos zwar, ein letztes Gl&uuml;ckverlangen<br>
+Mit aller Kraft die Sinne nahm gefangen.<br>
+</p>
+<p>
+Nun zog auf&rsquo;s neue ihr ein schneidend Weh durch&rsquo;s Herze<br>
+Bei der Erinnerung, was sie empfand,<br>
+Als ihre Liebe sie betrogen wu&szlig;te<br>
+Vom selben Manne, der hier vor ihr stand,<br>
+Und wie berufen schien, ihr Leid zu bringen,<br>
+Wenn je sich hoben ihrer Sehnsucht Schwingen.<br>
+</p>
+<p>
+Fast mit dem Himmel hadernd, schmerzte der Gedanke<br>
+Sie immer wieder, da&szlig; das M&auml;gdleinpaar,<br>
+De&szlig; lautes Lachen aus dem Garten t&ouml;nte,<br>
+Zu eigen dem, der einst ihr theuer war,<br>
+Und da&szlig; das Schicksal ihr nun also lohnte<br>
+F&uuml;r ein Gef&uuml;hl, das still im Herzen wohnte.<br>
+</p>
+<p>
+Doch ihm, der trug die Schuld, ihm grollte sie mit nichten<br>
+Um all&rsquo; das Leid, das er ihr angethan.<br>
+Es regte leise sich im Herzen etwas<br>
+F&uuml;r ihn und klopfte, Mitleid flehend, an;<br>
+Denn &auml;chter Liebe lenzgeborner Schimmer<br>
+Mag zwar erblassen &mdash; ganz erlischt er nimmer! &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Ein helles Roth, das Elsbeths Wangen &uuml;berhauchte,<br>
+Gleich Rosen frisch, die man im Thaue brach,<br>
+Ward zur Verr&auml;th&rsquo;rin dessen, was sie f&uuml;hlte,<br>
+Und was ihr licht aus treuen Augen sprach,<br>
+Als endlich, leicht verneigend, sie es wagte,<br>
+Frommernsten Gru&szlig; dem Ueberraschten sagte.<br>
+</p>
+<p>
+Da konnte sich Herr Kuonrad nicht mehr l&auml;nger halten<br>
+Und seinem Mund entfuhr&rsquo;s: &bdquo;Ach, Elsbeth, kennt<br>
+Von eh&rsquo;dem Ihr den Junker Kuonrad nimmer?<br>
+Verzeihet, wenn mein Mund den Namen nennt<br>
+Der Trauten, deren Bild mir nie entschwunden,<br>
+Obgleich ich&rsquo;s meiden mu&szlig;te, kaum gefunden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Es wehte aus den Worten schlecht verhehlte Trauer,<br>
+Die mit des Wiedersehens Freude rang,<br>
+Nun ihm, so unverhofft, nach langem wieder<br>
+Der Holden Stimme in den Ohren klang,<br>
+In milder S&uuml;&szlig;e sie, wie einst, ihn gr&uuml;&szlig;te,<br>
+Als ob auf K&uuml;ssaburg er heut&rsquo; noch b&uuml;&szlig;te.<br>
+</p>
+<p>
+Doch nun, er freudig ihr die Rechte reichen wollte,<br>
+Versah&rsquo;s die Kust&rsquo;rin; fromm den Blick gesenkt,<br>
+Glich fast sie einem Steinbild, stumm die H&auml;nde<br>
+Im Aermelpaare des Gewands verschr&auml;nkt,<br>
+So da&szlig; der St&uuml;rm&rsquo;sche sich besinnen mu&szlig;te,<br>
+Da&szlig; Klosterfrauenbrauch es anders wu&szlig;te.<br>
+</p>
+<p>
+Verlegen lie&szlig; er drum die Hand schnell wieder sinken.<br>
+Es wollt&rsquo; ihn reuen, seiner Freude jach<br>
+Und ungeziemend Wort verliehn zu haben,<br>
+Als Elsbeth selbst das schw&uuml;le Schweigen brach<br>
+Und ihn, mit ihrer Stimme Silberklange,<br>
+Zu sprechen bat, was er vom Stift verlange.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt athmete Herr Kuonrad freier auf und malte<br>
+Sein Ungl&uuml;ck ihr mit wohlberedtem Mund.<br>
+&rsquo;s war eigentlich mehr eine Beichte, in der<br>
+Zerknirscht ein S&uuml;nder &ouml;ffnete den Grund<br>
+Schuldschwerer Seele, nimmermehr verhehlend,<br>
+Wie selbst er sich gest&uuml;rzt in Leid und Elend.<br>
+</p>
+<p>
+Als jedoch auf die M&auml;gdlein kam die Rede, wollte<br>
+Es nicht mehr glatt vom Munde; &rsquo;s ward ihm schwer,<br>
+Der Kleinen wegen Elsbeth nun zu bitten.<br>
+Er drehte drum die Worte hin und her,<br>
+In Sorgen drob, ob sie sich willig finde,<br>
+Von ihm zu nehmen solch&rsquo; ein Angebinde.<br>
+</p>
+<p>
+Sein Zagen da bemerkend, sah sie milden Blickes<br>
+In&rsquo;s Antlitz ihm so traut und seelengut,<br>
+Da&szlig; bald die Scheu vor ihr verschwinden mu&szlig;te<br>
+Und ihm zur Bitte endlich kam der Muth,<br>
+Sie m&ouml;chte, ihn von Sorgen zu befreien,<br>
+Den Kindlein ihren Schutz und Pflege leihen.<br>
+</p>
+<p>
+Jetzt kam die Reihe an die Kusterin zu zagen.<br>
+Wie, wenn sie die Gew&auml;hrung nun versagt&rsquo;,<br>
+Weil ihr bewu&szlig;t war, wem die M&auml;gdlein eigen?<br>
+Von schweren Zweifeln sah sie sich geplagt,<br>
+Die lang nicht zur Entscheidung kommen lie&szlig;en:<br>
+Soll das Gef&uuml;hl, soll der Verstand beschlie&szlig;en?<br>
+</p>
+<p>
+Vermochte sie noch, der es m&uuml;hsam nur gelungen,<br>
+Da&szlig; des Geliebten Bild, gleich einem Stern<br>
+Am Morgenhimmel, m&auml;lig blasser worden,<br>
+Als reine Braut zu gelten Gott dem Herrn,<br>
+Wenn in des Herzens innersten Verstecken,<br>
+Die Kindlein l&auml;ngst Vergang&rsquo;nes wieder wecken?<br>
+</p>
+<p>
+In solchem Zwiespalt mit sich, kam ihr keine Ahnung<br>
+Da&szlig; l&auml;ngst Herrn Kuonrads Blicke unverwandt<br>
+Aus ihr, die noch in Jugendsch&ouml;ne prangte,<br>
+Geheftet ruhn, als w&auml;ren sie gebannt,<br>
+Indessen ein Verlangen ihm erwachte,<br>
+Das bald den Muth zu k&uuml;hnerm Wunsch entfachte.<br>
+</p>
+<p>
+Ihr Sinnen unterbrechend, hob er an zu sprechen;<br>
+Es wies sein Wort auf jene Tage hin,<br>
+Die auf Schlo&szlig; K&uuml;ssaburg er froh verlebte,<br>
+Eh&rsquo; ihn sein Unstern lie&szlig; von dannen ziehn<br>
+Mit dem Bewu&szlig;tsein, da&szlig; sein heimlich Scheiden<br>
+Zwei Herzen zwang, auf immer sich zu meiden.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Mir wurde Strafe und ich b&uuml;&szlig;te strenge,&rdquo; sprach er,<br>
+&bdquo;F&uuml;r das, was ich in Minneschuld verbrach;<br>
+Doch kam im Leiden mir auch oft die Frage, &mdash;<br>
+Das einzige, was meiner Hoffnung Bach<br>
+Nicht ganz versiegen lie&szlig;, im Sand verrinnen, &mdash;<br>
+Kann Liebe nicht sich Lieb&rsquo; zur&uuml;ck gewinnen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ein trunkner Knabe war ich, der sich selbst betrogen!<br>
+Heut&rsquo; sehet Ihr den Mann um jene Schuld<br>
+Vergebung bitten in dem festen Glauben,<br>
+Da&szlig; nicht erl&ouml;schen konnte ganz die Huld,<br>
+So, holdem Lenze gleich, dem Knaben lachte,<br>
+An S&auml;lde reich, ihn wunschlos gl&uuml;cklich machte.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Schier wie versteinert lauschte sie des Ritters Worten;<br>
+Es deckte Leichenbl&auml;sse ihr Gesicht.<br>
+Bald kam zum Stolze auch noch das Gewissen,<br>
+Was sie erinnert&rsquo; an Gel&uuml;bd&rsquo; und Pflicht,<br>
+Die, schwer gesch&auml;digt schon, sich drob emp&ouml;ren,<br>
+Da&szlig; sie nicht floh, statt solcher Red&rsquo; zu h&ouml;ren.<br>
+</p>
+<p>
+Gesenkten Hauptes und den Blick am Boden haftend,<br>
+Erflehete von Gott die Arme Kraft,<br>
+Da&szlig; nicht, im Kampfe gegen die Versuchung,<br>
+Die Seele falle in der S&uuml;nde Haft, &mdash;<br>
+Indessen doch, in seligem Berauschen,<br>
+Sie&rsquo;s heimlich zwang &mdash; dem lieben Mann zu lauschen.<br>
+</p>
+<p>
+Sekundenlang in wonnig Tr&auml;umen nun versunken,<br>
+In das gewiegt sie seiner Worte Gift,<br>
+War ihrem Sein die Wirklichkeit entschwunden.<br>
+Sie sah sich, statt im &ouml;den, stillen Stift,<br>
+Der Welt und allem Irdischen gestorben,<br>
+Auf einmal frei, von Liebe hold umworben.<br>
+</p>
+<p>
+Es klang so s&uuml;&szlig; dem Ohre, da Herr Kuonrad sagte:<br>
+&bdquo;Es st&uuml;nd&rsquo; mir &uuml;bel, was ich selbst verlor,<br>
+Erschmeicheln nun zu wollen, glatt zuredend,<br>
+Gleich einem alten, aberwitz&rsquo;gen Thor.<br>
+Doch schw&ouml;r&rsquo; ich, da&szlig; in all&rsquo; den Jahren, Tagen,<br>
+Ein einzig Bild im Herzen ich getragen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Und so ist&rsquo;s wahr! An dieses eine Bild zu denken,<br>
+Gab Kraft zu tragen bittern Vorwurf&rsquo;s Qual,<br>
+Die Jahre durch mir an der Seele nagte,<br>
+Den Frieden scheuchte und die Ruhe stahl,<br>
+Bis ich, mein elend Dasein abzuk&uuml;rzen,<br>
+Schon nahe war, mich in den Tod zu st&uuml;rzen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;&bdquo;O, haltet ein, Herr!&rdquo;&rdquo; bebten da der Kust&rsquo;rin Lippen<br>
+So leise, da&szlig; es kaum zu h&ouml;ren war,<br>
+Indessen sch&ouml;n, wie blitzende Demanten,<br>
+Auf ihren Wangen perlten Thr&auml;nen klar,<br>
+Die, sammt des Busens schnellem Wogen zeugten,<br>
+Da&szlig; Schwur und Pflichten sich dem Mitleid beugten.<br>
+</p>
+<p>
+Dann, wohl der Schw&auml;che bang, gedachte sie zu fliehen,<br>
+Nicht weiter anzuh&ouml;ren, was er sprach;<br>
+Doch dazu fehlte ihrer Kraft der Wille.<br>
+Sie f&uuml;hlte, wie das Blut ihr hei&szlig; und jach<br>
+In&rsquo;s Antlitz stieg, nun sie der Ohnmacht dachte,<br>
+Die in Versuchung so die Seele brachte.<br>
+</p>
+<p>
+Da, w&auml;hrend noch sie mit sich selber k&auml;mpfte, z&uuml;rnte,<br>
+Erwuchs Herrn Kuonrad nun der Muth erst recht,<br>
+Es ging nicht lange, h&ouml;rte sie ihn fragen:<br>
+&bdquo;Darf ich das Bild Euch nennen, Elsbeth? &mdash; Sprecht,<br>
+K&ouml;nnt Ihr den Schwergepr&uuml;ften darum hassen,<br>
+Da&szlig; ihm das Gl&uuml;ck erscheint, und er&rsquo;s will fassen?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Ihr z&uuml;rnt dem Manne nicht, wenn er, des Ort&rsquo;s vergessend,<br>
+Den sich zum Obdach frommer Sinn geweiht,<br>
+Zu Euch, als seinem guten Engel stehend,<br>
+Dem &uuml;bervollen Herzen Worte leiht,<br>
+Die, leider viel zu schwach nur, Euch enth&uuml;llen,<br>
+Welch sch&ouml;ne Tr&auml;ume es zur Stunde f&uuml;llen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Es ist der Himmel selber, der den Weg mich f&uuml;hrte<br>
+Zu Euch zur&uuml;ck! &mdash; O, Elsbeth, saget an:<br>
+Gelang&rsquo;s Euch wirklich, Euer Herz zu meistern,<br>
+Da&szlig; Liebe ihm sich nimmermehr darf nahn? &mdash;<br>
+Ich kann&rsquo;s nicht glauben &mdash; drum erlaub&rsquo; dem Zagen,<br>
+Dir Herz und Hand in Treuen anzutragen!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In Todes&auml;ngsten bebend, aber hingerissen<br>
+Von seiner Worte z&auml;rtlicher Gewalt,<br>
+Hob die Gequ&auml;lte da die Sonnenblicke,<br>
+Doch nicht zu ihm, de&szlig;&rsquo; Antlitz freudig strahlt, &mdash;<br>
+Nein, &rsquo;s galt dem Christusbild im g&uuml;ldnen Rahmen,<br>
+Zu dem die Blicke ihre Zuflucht nahmen.<br>
+</p>
+<p>
+Sie wollte beten; doch Herr Kuonrad dr&auml;ngte fl&uuml;sternd:<br>
+&bdquo;Du schweigst, Elisabeth? &mdash; O, sag&rsquo; nicht nein! &mdash;<br>
+La&szlig;&rsquo; Dir das Herz von meiner Liebe r&uuml;hren! &mdash;<br>
+Der Oheim wird mir helfen, Dich befrei&rsquo;n. &mdash;<br>
+Du w&auml;rst die Erste nicht und nicht die Letzte,<br>
+Die ihre Liebe &uuml;ber Alles setzte! &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es war genug. &bdquo;Herr!&rdquo; sagte sie, ihn ernst verweisend,<br>
+Schon allzulange hab&rsquo; ich Euch gelauscht;<br>
+Denn was Ihr meint, das darf die nicht verstehen,<br>
+Die ihre Welt an einen Ort getauscht,<br>
+Wo das Gedenken an verwehte Tr&auml;ume<br>
+Verunheiligt die Gott geweihten R&auml;ume!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Verwehte Tr&auml;ume!&rdquo; rief er da, ihr n&auml;her tretend,<br>
+&bdquo;Verwehte Tr&auml;ume? Elsbeth, glaubst Du nicht,<br>
+Da&szlig; sie uns wiederkehren, wenn die Liebe<br>
+Ihr heilig Band um unsre Herzen flicht? &mdash;<br>
+Mir sagt ein wonnig Ahnen, Gl&uuml;ck und Frieden,<br>
+W&auml;r Dir wie mir, f&uuml;r Lebenslang beschieden!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Ein schmerzlich L&auml;cheln &uuml;berflog das sch&ouml;ne Antlitz,<br>
+Nun ihr sein Mund von Gl&uuml;ck und Frieden sprach;<br>
+Es klang wie Vorwurf fast und doch auch bittend,<br>
+Als sie den Schmeichelnden jetzt unterbrach:<br>
+&bdquo;Herr, Eure Rede gilt verlornen Zielen;<br>
+Ich bin zufrieden, wie die Loose fielen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Der Welt und ihrem Gl&uuml;ck hat unschwer zu entsagen,<br>
+Wer je erfahren mu&szlig;t&rsquo;, was beide werth!<br>
+In Gott allein und treuem Pflichterf&uuml;llen<br>
+Wird Frieden nur und wahres Heil bescheert;<br>
+Noch mehr zu wollen &mdash; ich f&uuml;hl&rsquo; kein Verlangen.<br>
+Die Zeit der Tr&auml;ume, Herr, ist mir vergangen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Sie schwieg. Herr Kuonrad aber lie&szlig; sich nicht bedeuten;<br>
+Er legte sacht&rsquo; die Hand auf ihren Arm<br>
+Und frug mit leiser Stimme, s&uuml;&szlig; und nahe,<br>
+Da&szlig; leicht sein Odem sie ber&uuml;hrte warm:<br>
+Sprach auch das Herz so, Elsbeth? &mdash; Sag&rsquo; mir offen,<br>
+War es dabei, als Du vergrubst sein Hoffen?&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Dem meinen ging es anders! Konnt&rsquo; es nimmer zwingen,<br>
+Nur einen Tag, ja, nur minutenlang<br>
+Sein Sehnen zu vergessen! Seine Liebe<br>
+Lag nie im Banne leid&rsquo;ger Pflichten Zwang,<br>
+Und &mdash; Dir die Wahrheit vollends zu gestehen,<br>
+Ich selber lie&szlig; es nur zu gern geschehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Du wei&szlig;t es, wahre Liebe kennet kein Vergessen,<br>
+So lang wir athmen, unser Puls noch schl&auml;gt;<br>
+Und sie ist&rsquo;s, die vereint mit Glauben, Hoffen,<br>
+Auf lichten Schwingen uns zum Himmel tr&auml;gt. &mdash;<br>
+Dem Sch&ouml;nsten, was vom Paradies verblieben,<br>
+Du konntest ihm entsagen, nicht mehr lieben?&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;O, sprich ein Wort! Ein einzig Wort nur, das mir k&uuml;ndet,<br>
+Da&szlig; auch Dein Herz der Liebe nicht verga&szlig;,<br>
+Die Du so reich mich einstens ahnen lie&szlig;est! &mdash;<br>
+Komm&rsquo;, sei mein trautlieb Weib; nein, mehr als das!<br>
+Mein guter Engel! &mdash; meine K&ouml;niginne,<br>
+Der allzeit unterthan ich treu in Minne!&rdquo;....<br>
+</p>
+<p>
+Beim letzten Worte war Herr Kuonrad, &uuml;berw&auml;ltigt<br>
+Von seines Herzens minnehei&szlig;em Drang,<br>
+Auf&rsquo;s Knie gesunken vor der arg Erschreckten,<br>
+Schon sicher hoffend, da&szlig; es ihm gelang,<br>
+Die Zagende allendlich zu gewinnen,<br>
+Da stumm sie vor ihm stand, in tiefem Sinnen.<br>
+</p>
+<p>
+Es war ein Wahn. Zwar, hingerissen vom Empfinden<br>
+Best&uuml;rmender Gef&uuml;hle Allgewalt,<br>
+Schien Elsbeths Pflichtbewu&szlig;tsein leis zu wanken,<br>
+Als, fl&uuml;chtig, jetzt ihr Blick dem Manne galt,<br>
+Der vor ihr auf des Saales Fliesen knie&rsquo;te,<br>
+In Demuth harrend, was nun sie ihm biete. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+In sich verloren und voll sel&rsquo;ger Lust erschauernd,<br>
+Da&szlig; tiefe Glut ihr aus den Augen strahlt&rsquo;,<br>
+Stand Elsbeth schweigend, w&auml;hrend ihre Seele<br>
+Gesch&auml;ftig sich das Gl&uuml;ck der Liebe malt&rsquo;<br>
+In lichten Farben und so lenzeshelle,<br>
+Wie&rsquo;s nur vermag erregten Herzens Welle.<br>
+</p>
+<p>
+Doch rasch versank das Bild. Todtbitt&rsquo;re Wehmuth f&uuml;llte<br>
+Der Armen Herz, nun die Besinnung kam,<br>
+Welch&rsquo; weite Kluft sie von dem Manne trenne,<br>
+Der eine Liebe jetzt in Anspruch nahm,<br>
+Die, seit dem Himmel Treue sie geschworen,<br>
+Doch wohl ihr Recht auf irdisch Gl&uuml;ck verloren.<br>
+</p>
+<p>
+Nun galt kein Zaudern mehr, sie mu&szlig;te &uuml;berwinden<br>
+Und dem geh&ouml;ren, der ihr Trost gesandt,<br>
+Als j&auml;h des Herzens holder Liebesfr&uuml;hling,<br>
+Kaum recht erbl&uuml;ht, ein traurig Ende fand.<br>
+Gott soll auch fernerhin ihr Wirken bleiben,<br>
+Aus seinem Hause keine Macht sie treiben.<br>
+</p>
+<p>
+Im Rahmen dort das Bild, es schien ihr Kraft zu spenden,<br>
+Erinnernd gleich auch, da&szlig; sie l&auml;ngst verga&szlig;,<br>
+Was Pflicht und Regel ihr zu thun gebieten,<br>
+Wenn s&uuml;ndhaft ein Gedanke sich verma&szlig;,<br>
+Die Gottgeweihte Seele ihr zu meistern,<br>
+F&uuml;r irdisch Gl&uuml;ck sich heimlich zu begeistern. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Herr Ritter!&rdquo; klang es strengsten Tones zu Herrn Kuonrad,<br>
+&bdquo;Vor unserm Orte ist man nicht gewohnt,<br>
+Mit Weltgesch&auml;ften sich die Zeit zu rauben;<br>
+Auch blieb ich schwerer Strafe kaum verschont,<br>
+W&uuml;rd&rsquo; ruchbar werden es der Schwestern Ohren,<br>
+Was ich mir bieten lie&szlig;, der Pflicht verloren!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Euch hier zu sehen, hab&rsquo; ich allweg nicht vermuthet,<br>
+Und h&auml;tte mir geschwant, wer meiner harrt,<br>
+So bliebe frevler W&uuml;nsche eitel Sehnen<br>
+Mir allso vorzutragen Euch erspart.<br>
+Steht darum auf &mdash; die aber lasset gehen,<br>
+So Anderm zu begegnen sich versehen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Betroffen stand er auf und wollte reden; doch sie,<br>
+Die f&uuml;hlte, da&szlig; es ihr an Kraft gebrach<br>
+Das Herz zu meistern, wandte sich zur Th&uuml;re,<br>
+Da scholl ein silbern Lachen durch&rsquo;s Gemach<br>
+So froh, das es den Schritt ihr sogleich bannte<br>
+Und, stille stehend, sie die Blicke wandte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Sieh&rsquo; dort! In kind&rsquo;scher Lust, die Aeuglein freudegl&auml;nzend,<br>
+Schwung durch das Fenster sich das M&auml;gdleinpaar,<br>
+Die purpurn angehauchten Sammetwangen<br>
+Licht &uuml;berwallt von goldigblondem Haar,<br>
+Das, voller Ringeln, sich der Freiheit freute,<br>
+Weil Str&auml;hl und Schapel ihm nur selten dr&auml;ute.<br>
+</p>
+<p>
+Es war des Ritters Paar, das, m&uuml;d&rsquo; des Spielens drau&szlig;en,<br>
+Vergn&uuml;glich plaudernd so den Saal betrat.<br>
+Ihr Kommen mochte nun den Vater mahnen,<br>
+Da&szlig; ihretwegen er die Reise that,<br>
+Denn kaum, da&szlig; seine Augen sie ersahen,<br>
+Hie&szlig; leis ein Wink von ihm die Holden nahen;<br>
+</p>
+<p>
+Ihm selbst, dem eben es zu Muthe noch gewesen,<br>
+Wie einem der verurtheilt war zum Tod,<br>
+Erschienen nun zur rechten Zeit die beiden;<br>
+Sie sollten ihm jetzt helfen aus der Noth,<br>
+In welche ihn sein Minnewerben brachte,<br>
+Als er an sich, statt an die Seinen dachte.<br>
+</p>
+<p>
+Der M&auml;gdlein H&auml;nde fassend, war er rasch besonnen<br>
+Und sank, eh&rsquo; noch die Kust&rsquo;rin wehren konnt&rsquo;,<br>
+Mit den Verwunderten ihr schnell zu F&uuml;&szlig;en,<br>
+Wohl hoffend, da&szlig; der Unschuld es vergonnt,<br>
+Was ihm, trotz allem Flehn nicht mocht&rsquo; gelingen,<br>
+Durch ihre stumme Sprache zu erringen.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Gew&auml;hret wenigstens den Kindlein hier Erbarmen &mdash;&rdquo;<br>
+So h&ouml;rte leise man den Stolzen flehn,<br>
+&bdquo;Und la&szlig;t die Mutterlosen nicht entgelten,<br>
+Welch&rsquo; schwerer Schuld der Vater sich versehn!<br>
+Gott wird Euch daf&uuml;r lohnen, was den Kleinen<br>
+Ihr Gutes thut, und sind es gleich die Meinen.&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Er kam nicht weiter; denn was jetzt sein Blick erschaute,<br>
+Es bot Gew&auml;hrung de&szlig;&rsquo;, was er begehrt&rsquo;.<br>
+Voll milder Anmuth neigte Elsbeth freundlich,<br>
+Das Antlitz einem Engel gleich verkl&auml;rt,<br>
+Sich zu den M&auml;gdlein nieder, traut sie gr&uuml;&szlig;end<br>
+Und frischen Munds die rothen W&auml;nglein k&uuml;ssend.<br>
+</p>
+<p>
+Ein liebefroher Bild lie&szlig; sich, f&uuml;rwahr! nicht malen,<br>
+Als es die Gruppe hier im Saale war:<br>
+In s&uuml;&szlig;em Selbstvergessen knie&rsquo;te Elsbeth<br>
+Froh bei den Sch&uuml;chternen und strich das Haar<br>
+Aus Stirn und Wangen ihnen mit den H&auml;nden,<br>
+Um stets auf&rsquo;s Neue Gru&szlig; und Ku&szlig; zu spenden.<br>
+</p>
+<p>
+Der Kleinen Sch&uuml;chternheit verschwand dann auch zusehends,<br>
+Wie wenn durch Nebel sich die Sonne brach,<br>
+Und machte Platz erg&ouml;tzlichem Verwundern,<br>
+Das, gro&szlig;en Blickes, aus den Aeuglein sprach,<br>
+Die M&auml;ulchen roth nicht l&auml;nger mehr lie&szlig; zaudern<br>
+Mit dieser Huldgestalt vertraut zu plaudern.<br>
+</p>
+<p>
+Sie selber sah, ein selig L&auml;cheln auf den Lippen,<br>
+Zu Theil geworden ihr, was sie ersehnt&rsquo;,<br>
+Sah mit der Liebe treugemeinten Blicken,<br>
+Auf&rsquo;s Schwesternpaar, an ihre Brust gelehnt,<br>
+Und glich dem Baum, umringt von jungen Schossen,<br>
+Die, auch in Bl&uuml;the, aus der Erde sprossen.<br>
+</p>
+<img src="images/E306_307.jpg" alt="Kuonrad und seine T&ouml;chter knien vor Elsbeth">
+<p>
+Herr Kuonrad aber hatte langsam sich erhoben;<br>
+Er stand, die feuchten Blicke unverwandt<br>
+Auf Elsbeth heftend, in ein Gl&uuml;ck versunken,<br>
+Wie sch&ouml;ner er bis jetzt dies nicht gekannt.<br>
+Was er ersehnte sich in manchen Stunden,<br>
+Hier war es unverhofft und reich gefunden.<br>
+</p>
+<p>
+Was Wunsch und Sorge ihm, auf Fl&uuml;geln schien&rsquo;s entflohen;<br>
+Er selbst entr&uuml;ckt in ein ihm fremd Gefild,<br>
+Da Menschengl&uuml;ck und sel&rsquo;ger Herzensfrieden<br>
+Nicht l&auml;nger sehnender Gedanken Bild.<br>
+Nein, sichtbarlich vor seinem Blick enth&uuml;llte<br>
+Das Gl&uuml;ck sich, wie es l&auml;ngst sein Herz erf&uuml;llte. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Doch es kam anders, als der Gl&uuml;ckliche sich tr&auml;umte,<br>
+Denn, als die Kusterin, an jeder Hand<br>
+Der M&auml;gdlein ein&rsquo;s, sich auch erhoben hatte<br>
+Und, hold den Sonnenblick ihm zugewandt,<br>
+Die Bitte that, die Kindlein ihr zu lassen,<br>
+So wollte dies der Eitle noch nicht fassen.<br>
+</p>
+<p>
+Im Wahne, Elsbeth lasse doch noch sich bereden,<br>
+Bat er, &mdash; nicht darauf achtend, welche Qual<br>
+Ihr sein erneutes Werben machte &mdash; leise<br>
+Die Milde, ihm zu folgen als Gemahl;<br>
+Indessen wie dem&uuml;thig er auch flehte &mdash;<br>
+Es galt zu ernten, was sein Treubruch s&auml;&rsquo;te.<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Herr!&rdquo; war die Antwort &bdquo;la&szlig;t mich dem, dem ich geschworen!<br>
+Mein Loos ist sch&ouml;ner, als Ihr ahnen k&ouml;nnt;<br>
+Denn, freudig f&uuml;hlt es meine Seele heute,<br>
+Es ward von Gott das H&ouml;chste mir geg&ouml;nnt,<br>
+Was er an Seligkeit nur konnte geben:<br>
+Es ist das Gl&uuml;ck &mdash; f&uuml;r andrer Wohl zu leben!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Wie einst der Herre hie&szlig; die Kindlein zu sich kommen,<br>
+Will Eure M&auml;gdlein gern ich nehmen an<br>
+In seinem Namen. Ich will f&uuml;r sie sorgen,<br>
+Gleich treuer Mutter sie im Herzen ha&rsquo;n;<br>
+Auch, was ich wei&szlig;, &rsquo;s ist nicht viel, beiden lehren<br>
+Zu ihrem Nutz und Sankt Agnesen Ehren!&rdquo; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Ger&uuml;hrt von so viel Gro&szlig;muth und doch nicht zufrieden<br>
+Kam zu der Reue nun auch noch die Scham,<br>
+Dem Ritter, da&szlig; er die einst t&auml;uschen konnte,<br>
+Die jetzt so edel ihm entgegen kam;<br>
+Ja, statt, wie er verdiente, ihn zu hassen,<br>
+Gar darum bat, die Kindlein ihr zu lassen.<br>
+</p>
+<p>
+Doch w&auml;hrend er noch sann, ihr Dank daf&uuml;r zu sagen,<br>
+Nahm Elsbeth schon das Schwesternpaar zum Ziel,<br>
+Versprach den M&auml;gdlein, wenn sie bei ihr bleiben,<br>
+Zu Scherz und Kurzweil sch&ouml;ne Hel&rsquo;gen viel;<br>
+Auch wollte sie die Leckerm&auml;ulchen laben<br>
+Mit Nonnenkr&auml;pflein, s&uuml;&szlig; wie Honigwaben.<br>
+</p>
+<p>
+Da gl&auml;nzten denn gar froh vier blaue Kinder&auml;uglein,<br>
+Als wenn man helle Sternlein blitzen sah!<br>
+Es blieb kein Zweifel, beide waren willig;<br>
+Denn wie aus einem Munde klang ihr &bdquo;Ja!&rdquo;<br>
+Auf Elsbeths freundlich wiederholte Frage:<br>
+Ob hier zu bleiben ihnen es behage?<br>
+</p>
+<p>
+Erfreut von solcher Antwort, wandte sich die Gute<br>
+Herrn Kuonrad zu und bat, wie&rsquo;s schien in Hast,<br>
+Weil doch der Kleinen Sinn noch &auml;ndern k&ouml;nnte:<br>
+&bdquo;Herr, lasset mir die Lieben hier zu Gast<br>
+Bis morgen; trau&rsquo;n, sie sollen nichts vermissen,<br>
+Da wir Bescheid so braven M&auml;gdleins wissen!&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+&bdquo;Euch jedoch bitte ich dann morgen her zu kommen<br>
+Und nach zu schau&rsquo;n, wie es den Holden geht.<br>
+Wenn noch sie Willens sind, bei uns zu bleiben,<br>
+Eu&rsquo;r Einverst&auml;ndni&szlig; vorgesehn! so steht<br>
+Ja nichts im Wege, dr&uuml;ber zu verhandeln,<br>
+Wie wir, zum Heile ihnen, weiter wandeln.&rdquo;<br>
+</p>
+<p>
+Und nun ermahnte sie die M&auml;gdlein, fein vom Vater<br>
+&bdquo;B&rsquo;h&uuml;et Gott!&rdquo; zu nehmen, bis zum n&auml;chsten Tag,<br>
+Inde&szlig;&rsquo; auch sie zum Abschied sich verneigte.<br>
+Der Ritter aber stand, schier wie vom Schlag<br>
+Getroffen, als, die M&auml;gdlein ihr zur Seiten,<br>
+Sein Blick die Edle sah zum Ausgang schreiten.<br>
+</p>
+<p>
+Die feuchten Augen wischend, w&auml;hrte es fast lange,<br>
+Eh&rsquo; sich der Stolze nach und nach besann<br>
+Und, j&auml;hen Scheidens bitter Weh verwindend,<br>
+Gedr&uuml;ckten Sinns verlie&szlig; des Stiftes Bann,<br>
+Um nun den Freunden sein vor allen Dingen,<br>
+Wie&rsquo;s um die M&auml;gdlein stand, Bericht zu bringen.<br>
+</p>
+<p>
+Da&szlig; jedoch in der Kust&rsquo;rin ihm die Maid begegnet&rsquo;,<br>
+Die seiner Liebe einzig Sehnen war,<br>
+Verschwieg der arg get&auml;uschte Ritter freilich<br>
+Den Freunden gegen&uuml;ber, ganz und gar,<br>
+Da, sich die Holde wieder zu erringen,<br>
+Er seine letzte Hoffnung sah zerrinnen. &mdash; &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Als n&auml;chsten Tages, wieder um dieselbe Stunde,<br>
+Herr Kuonrad sich im Stifte melden lie&szlig;,<br>
+War&rsquo;s, statt der Kusterin, die Ob&rsquo;rin selber,<br>
+Die, unpa&szlig; zwar, ihn nun willkommen hie&szlig;,<br>
+Um Nachsicht bat, da&szlig; Alter und Gebrechen,<br>
+Sie nicht schon gestern lie&szlig;en mit ihm sprechen.<br>
+</p>
+<p>
+Dann, auf die M&auml;gdlein kommend, war auch sie der Meinung,<br>
+Es thue Noth, die beiden zu erziehn,<br>
+Erw&auml;hnte auch, wie ihr der Propst gerathen,<br>
+Des Klosters Armuth und wies darauf hin,<br>
+Da&szlig; schon im R&uuml;ckblick auf sothane N&ouml;then,<br>
+Die Schwestern gern den Kindlein Obdach b&ouml;ten.<br>
+</p>
+<p>
+Herr Kuonrad merkte sich&rsquo;s; denn als nun doch die Dame<br>
+Allendlich schwieg, erbot er sich, dem Stift<br>
+Den Nie&szlig;brauch eines Hofs mit Vieh und Fabel,<br>
+Sammt Rebgel&auml;nde, Aeckern, Wald und Trift&rsquo;,<br>
+Auf doppelt so viel Jahre zu verleihen,<br>
+Als seine Kinder zu St. Agnes seien.<br>
+</p>
+<p>
+Die Ob&rsquo;rin war&rsquo;s zufrieden; aber nicht er selber,<br>
+Der, in der Hoffnung, Elsbeth noch zu sehn,<br>
+Zum Abschied seine M&auml;gdlein gr&uuml;&szlig;en wollte,<br>
+Doch nur den Rath erhielt, fein abzustehn<br>
+Und lieber ohne Gru&szlig; sich zu empfehlen,<br>
+Als Trauer damit schaffen ihren Seelen.<br>
+</p>
+<p>
+Da sie darauf bestand, so f&uuml;gte er sich endlich<br>
+Und schied vom Orte, der sein Liebstes barg,<br>
+Mit schwerem Herzen, all&rsquo; sein Hoffen bettend<br>
+Zu ew&rsquo;gem Schlummer in der Seele Sarg;<br>
+Noch dabei froh, da&szlig; doch der Trost geblieben,<br>
+In guter Hand zu wissen seine Lieben.<br>
+</p>
+<p>
+So war es auch. Voll hoher Freude, da&szlig; der Himmel<br>
+Doch ihrem Wunsch Erf&uuml;llung noch bescheert&rsquo;;<br>
+Was sie ersehnt&rsquo;, in tr&uuml;ben Augenblicken<br>
+Lieb&ouml;den Daseins, nun dem Herz gew&auml;hrt,<br>
+Hielt Elsbeth treulich, was sie ihm versprochen,<br>
+Der, sich zum Schaden, ihr die Treu&rsquo; gebrochen.<br>
+</p>
+<p>
+Wohl rief ihr anfangs oft, beim Anblick seiner Kinder,<br>
+Erinn&rsquo;rung schlummernde Gedanken wach,<br>
+Die sie gestorben glaubte, malte Bilder<br>
+Verlornen Gl&uuml;ckes ihr; doch nach und nach<br>
+Verscheuchten Sorgen um das Wohl der Kleinen<br>
+Jed&rsquo; ander Denken aus dem Sinn der Reinen.<br>
+</p>
+<p>
+Stets frohen Muthes waltete sie all&rsquo; der Pflichten,<br>
+Die wohl nur Mutterliebe sonst sich w&auml;hlt;<br>
+Gab&rsquo;s mal zu r&uuml;gen die oftmals zu Losen,<br>
+War blo&szlig; der Mund es, der sie schm&auml;lt&rsquo;,<br>
+Mit mildem Worte wu&szlig;t&rsquo; das Herz zu r&uuml;hren,<br>
+Statt scharf und streng das Regiment zu f&uuml;hren.<br>
+</p>
+<p>
+Und, gleich wie gute Saat dem Boden rasch entkeimet,<br>
+Wenn Gott sie sch&uuml;tzet, fr&ouml;hlich gr&uuml;nt und bl&uuml;ht,<br>
+So auch gediehen unter Elsbeths Pflege<br>
+Die M&auml;gdlein fein an Liebreiz und Gem&uuml;th;<br>
+In Kunst und Wissen, sittig frommem Wesen,<br>
+Sich selbst zur Ehre, wie auch St. Agnesen.<br>
+</p>
+<p>
+Da ging es nicht gar lang, bis von der Burgern Frauen<br>
+So manche, die auch M&auml;gdlein eigen nannt&rsquo;,<br>
+Weil noch der Stadt f&uuml;r sie die Schule fehlte,<br>
+Nach kurzem Sinnen sich an Elsbeth wandt&rsquo;,<br>
+Und diese baten, jenen doch zu lehren,<br>
+Was selbst zu wissen leider sie entbehren.<br>
+</p>
+<p>
+Die Milde that es gerne. Doch, wenn sich die Schwestern<br>
+Nur freuten, da&szlig; des Klosters Hab und Gut<br>
+Auf solche Weise zunahm, sah sie selber<br>
+In all&rsquo; den Pfleglingen, die man zur Hut<br>
+Ihr anvertraute, einen reichen Garten<br>
+Voll zarter Pfl&auml;nzlein, ihnen fein zu warten.<br>
+</p>
+<p>
+Der lieben M&uuml;he Sold war wiederum die Liebe,<br>
+Die treulich jedes Herz der kleinen Schaar<br>
+Mit Zinseszinsen ihrem Liebling zahlte,<br>
+So da&szlig; der Guten bald zu Muthe war,<br>
+Als h&auml;tte ihr der Himmel schon hienieden<br>
+Die Wonnen s&uuml;&szlig;er Seligkeit beschieden. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Es wuchs denn auch im Lauf der Zeit die Zahl der M&auml;gdlein,<br>
+Bis da&szlig; im Stift sich eine Schule schuf,<br>
+In welcher Elsbeth, auch noch als Aebtissin,<br>
+Voll Freuden ihrem k&ouml;stlichen Beruf<br>
+Sich widmete, mit Liebe stets beflissen<br>
+Zu mehren ihrer Sch&uuml;ler Zucht und Wissen. &mdash;<br>
+</p>
+<p>
+Schaffhausens Chronikschreiber haben, wohl zum Lobe,<br>
+Das &bdquo;Gotteli von K&uuml;ssaberg&rdquo; genannt;<br>
+Doch wer ihn ihr verliehn den trauten Namen,<br>
+Der noch im Kletgau &uuml;berall bekannt,<br>
+Das wird dem Leser nun von selber kommen:<br>
+Es gab ihn s&uuml;&szlig;er Kindermund der Frommen!<br>
+</p>
+<p>
+ * * *<br>
+</p>
+<p>
+Wo sanft die Gute ruht von ihrem edeln Wirken,<br>
+Kein Krenzlein oder Grabstein weis&rsquo;t den Ort;<br>
+W&auml;r&rsquo; auch ganz ungereimt, darnach zu suchen,<br>
+Denn l&auml;nger lebt im Wort des Liedes fort,<br>
+Was sich im Leben treu und &auml;cht erwiesen,<br>
+Als was &mdash; in Gold auf Marmorstein gepriesen.<br>
+</p>
+<img src="images/E314.jpg" alt="Zierde">
+<br><br><br>
+<h2>Anmerkungen.</h2>
+<p>
+Seite 16. &bdquo;Heer&rdquo; &mdash; Pfarrherr, Seelsorger.<br>
+&bdquo; 19. &bdquo;Pfeitlein&rdquo; &mdash; Hemdlein.<br>
+&bdquo; 26. &bdquo;&rsquo;ring, g&rsquo;ring,&rdquo; &mdash; leicht, ohne M&uuml;he.<br>
+&bdquo; 64. &bdquo;h&ouml;n&rdquo; &mdash; grollen, b&ouml;se sein.<br>
+&bdquo; 65. &bdquo;Seelgerett&rsquo;&rdquo; &mdash; f&uuml;r das Heil der Seele nach dem Tode.<br>
+&bdquo; 68. &bdquo;Sankt Vrenen Tag&rdquo; &mdash; in Zurzach der 1. September.<br>
+&bdquo; 68. &bdquo;kuomli&rdquo; &mdash; angenehm, bequem.<br>
+&bdquo; 87. &bdquo;Zindal,&rdquo; &bdquo;Palmat,&rdquo; &bdquo;Saben&rdquo; &mdash; die ersten beiden Seidenstoffe, das letztere Linnen.<br>
+&bdquo; 88. &bdquo;hornin Noster&rdquo; &mdash; zum Z&auml;hlen der Gebete gebr&auml;uchliche Schnur (Rosenkranz.)<br>
+&bdquo; 88. &bdquo;Hel&rsquo;gen&rdquo; &mdash; Bilder, Heiligenbilder.<br>
+&bdquo; 91. &bdquo;Niftel&rdquo; &mdash; Nichte.<br>
+&bdquo; 108. &bdquo;Wannen&rdquo; &mdash; aus d&uuml;nnem Flechtwerk hergestellte Ger&auml;the zum Getreidereinigen.<br>
+&bdquo; 117. &bdquo;Kulter,&rdquo; &bdquo;Pflumit&rdquo; &mdash; Polster, Bettpf&uuml;hl, Federkissen.<br>
+&bdquo; 134. &bdquo;N&auml;gelein&rdquo; &mdash; Gew&uuml;rznelken.<br>
+&bdquo; 175. &bdquo;batten&rdquo; &mdash; helfen.<br>
+&bdquo; 198. &bdquo;stat&rdquo; &mdash; langsam.<br>
+&bdquo; 213. &bdquo;w&auml;ger&rdquo; &mdash; wahrlich.<br>
+&bdquo; 214. &bdquo;Urst&auml;nd&rdquo; &mdash; Auferstehung.<br>
+&bdquo; 231. &bdquo;G&ouml;ller&rdquo;&mdash; ein den Hals bedeckendes Kleidungsst&uuml;ck.<br>
+&bdquo; 250. &bdquo;L&auml;chen&rdquo; &mdash; Stromschnellen im Rheine bei Schaffhausen.<br>
+&bdquo; 251. &bdquo;Mauchen&rdquo; &mdash; fr&uuml;her und wohl auch noch jetzt gebrauchter Ausdruck der Schaffhauser B&uuml;rger gegen&uuml;ber den Nichtb&uuml;rgern, Hinters&auml;ssen.<br>
+</p>
+<p>
+Seite 252. &bdquo;Wat&rdquo; &mdash; mittelalterlicher Ausdruck f&uuml;r Anzug.<br>
+&bdquo; 260. &bdquo;Richtagen&rdquo; &mdash; Reichth&uuml;mer.<br>
+&bdquo; 260. &bdquo;Huben,&rdquo; &bdquo;Hube&rdquo; &mdash; Hofgut von ca 40 Morgen oder Juchart.<br>
+&bdquo; 266. &bdquo;Herrenacker&rdquo; &mdash; in Schaffhausen der Hauptplatz.<br>
+&bdquo; 277. &bdquo;Schr&auml;ttlein&rdquo; &mdash; Alpdr&uuml;cken.<br>
+&bdquo; 313. &bdquo;Gotteli&rdquo; &mdash; Verkleinerung von &bdquo;Gotte,&rdquo; in S&uuml;ddeutschland und der Schweiz, namentlich von den Kindern f&uuml;r die Pathin oder ihnen sonst freundlich gesinnte Personen gebrauchtes Wort.<br>
+</p>
+<img src="images/E316.jpg" alt="Zierde">
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Elsbeth von Küssaberg, by
+Karl Friedrich Würtenberger
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ELSBETH VON KÜSSABERG ***
+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
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+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
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+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
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+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+approach us with offers to donate.
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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