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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch den
+bloßen Vorsatz seiner krankhaften G, by Immanuel Kant
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein
+
+Author: Immanuel Kant
+
+Editor: C. W. Hufeland
+
+Release Date: December 13, 2011 [EBook #38295]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. <span class="screen">Änderungen sind im Text
+<ins title="so wie hier">so gekennzeichnet</ins>. Der
+Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</span>
+Eine <a href="#tn-bottom">Liste der vorgenommenen Änderungen</a>
+findet sich am Ende des Textes.</p>
+<p>Das <a href="#Inhalt">Inhaltsverzeichnis</a> befindet sich
+am Ende des Buches.</p>
+</div>
+
+<h1>Von der Macht des Gemüts,<br/>
+<small>durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften
+Gefühle Meister zu sein.</small></h1>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.5;">Von<br/>
+<big style="font-size: x-large;">Immanuel Kant.</big></p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.5;">Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen<br/>
+von<br/>
+<big>C.&nbsp;W. Hufeland.</big></p>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.5; margin-top: 4em;">Leipzig und Wien.<br/>
+Bibliographisches Institut.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_3" title="3"> </a>Vorwort des Herausgebers.</h2>
+
+<p>Der Geist allein lebt &ndash; Das Leben des Geistes allein ist
+wahres Leben.</p>
+
+<p>Das Leben des Leibes muß jenem immer untergeordnet und
+von ihm beherrscht werden, nicht umgekehrt der Geist sich den
+Launen, Stimmungen und Trieben des Körpers unterordnen,
+wenn das wahre Leben erhalten werden soll.</p>
+
+<p>Diese große Wahrheit wurde von jeher von den Weisesten dieser
+Welt als der Grundpfeiler aller Sittlichkeit, aller Tugend,
+aller Religion, genug alles dessen, was groß und göttlich ist im
+Menschen, und sonach auch aller wahren Glückseligkeit, betrachtet
+und gepredigt.</p>
+
+<p>Sie kann aber nicht oft genug wiederholt werden, da es dem
+natürlichen Menschen immer näher liegt und bequemer ist, leiblich
+zu leben als geistig, noch mehr, wenn, wie in den neuesten
+Zeiten geschehen, selbst die Philosophie, sonst die Trägerin des
+geistigen Lebens, in dem Identitätssystem den Unterschied zwischen
+Geist und Körper ganz aufhebt, und sowohl Philosophen
+als Ärzte die Abhängigkeit des Geistes von dem Körper dergestalt
+in Schutz nehmen, daß sie selbst alle Verbrechen damit entschuldigen,
+Unfreiheit der Seele als ihre Quelle darstellen, und es
+<a class="pagenum" name="Page_4" title="4"> </a>
+bald dahin gekommen sein wird, daß man gar nichts mehr Verbrechen
+nennen kann.</p>
+
+<p>Aber wohin führt diese Ansicht? &ndash; Ist sie nicht geradezu göttlichen
+und menschlichen Gesetzen entgegen, die ja auf jene Grundlage
+gebaut sind? &ndash; Führt sie nicht zum gröbsten Materialismus?
+Vernichtet sie nicht alle Moralität, alle Kraft der Tugend,
+die eben in dem Leben der Idee und ihrer Herrschaft über das
+Leibliche besteht? &ndash; Und somit alle wahre Freiheit, Selbständigkeit,
+Selbstbeherrschung, Selbstaufopferung, genug das Höchste,
+was der Mensch erreichen kann: den Sieg über sich selbst?</p>
+
+<p>Ewig wahr bleibt das Sinnbild, den Menschen als den Reiter
+eines wilden Pferdes sich zu denken; einen vernünftigen Geist
+mit einem Tiere vereinigt, das ihn tragen und mit der Erde verbinden,
+aber von ihm nun wiederum geleitet und regiert werden
+soll. &ndash; Es zeigt die Aufgabe seines ganzen Lebens. Besteht sie
+nicht darin, diese Tierheit in ihm zu bekämpfen und der höheren
+Macht unterzuordnen? Nur dadurch, daß er sich dies Tier unterwirft
+und sich möglichst unabhängig davon macht, wird sein Leben
+regelmäßig, vernünftig, sittlich und so nur wahrhaft glücklich.
+Läßt er dem Tier die Oberhand, so geht es mit ihm durch,
+und er wird ein Spiel seiner Launen und Sprünge &ndash; bis zum
+tödlichen Sturze.</p>
+
+<p>Aber nicht bloß für das höhere geistige Leben und dessen Gesundheit
+bedarf es dieser physischen Selbstbeherrschung, sondern
+sie dient ebensosehr zur Erhaltung und Vervollkommnung des physischen
+Lebens und dessen Gesundheit und wird dadurch eins der
+wichtigsten Diät- und Heilmittel.</p>
+
+<p>Wir wollen keinesweges den Einfluß des Leiblichen auf das
+Geistige leugnen. Aber ebenso auffallend, ja noch größer ist die
+psychische Macht des Geistes über das Leibliche. Sie kann Krankheiten
+erregen und heilen. Ja sie kann töten und lebendig
+machen. Sehen wir nicht sehr häufig durch Schrecken und andere
+<a class="pagenum" name="Page_5" title="5"> </a>
+Leidenschaften, also durch geistigen Einfluß, Epilepsie, Ohnmachten,
+Lähmungen, Blutflüsse und eine Menge andere Krankheiten,
+ja den Tod selbst, entstehen? &ndash; Und woran stirbt ein solcher
+Mensch? Lediglich an einer gewaltsamen, dem Blitzstrahl
+ähnlichen, Einwirkung des Geistes in den Körper. &ndash; Wie oft
+sind nicht die schwersten Krankheiten durch nichts anders geheilt
+worden, als durch Freude, Erhebung und Erweckung des Geistes!
+Der lange an der Zunge gelähmte Sohn des Krösus bekommt
+die Sprache wieder, als man seinen Vater ermorden will. Pinel
+sah, daß bei der allgemeinen leidenschaftlichen Aufregung, die die
+französische Revolution hervorbrachte, eine Menge seit Jahren
+kränklicher und schwächlicher Menschen gesund und stark wurden
+und besonders die gewöhnlichen Nervenübel der vornehmen und
+müßigen Stände ganz verschwanden. &ndash; Ja, ich sage nicht zu viel,
+wenn ich behaupte, daß der größte Teil unsrer langwierigen
+Nervenkrankheiten und sogenannten Krämpfe gar nichts anders
+ist, als Trägheit und Passivität des Geistes, die Folge des schlaffen
+Hingebens an körperliche Gefühle und Einflüsse.</p>
+
+<p>Wer kann leugnen, daß es Wunder und Wunderheilungen
+gibt? &ndash; Aber was sind sie anders als Wirkungen des festen
+Glaubens entweder an himmlische Kräfte, oder auch an irdische
+und folglich Wirkungen des Geistes?</p>
+
+<p>Jedermann kennt die Kraft der Imagination. Niemand zweifelt
+daran, daß es eingebildete Krankheiten gibt, und daß eine Menge
+Menschen an nichts anders krank sind, als an der Krankheitseinbildung.
+Ist es nun aber nicht ebensogut möglich und unendlich
+besser, sich einzubilden, gesund zu sein? Und wird man
+nicht dadurch ebensogut seine Gesundheit stärken und erhalten
+können, als durch das Gegenteil die Krankheit?</p>
+
+<p>Als ein Beitrag zu dieser wichtigen Lehre und als Beförderungsmittel
+der Herrschaft und Heilkraft des Geistes über den
+Körper, mögen auch folgende Worte Kants, die letzten, die dieser
+<a class="pagenum" name="Page_6" title="6"> </a>
+große Geist zu uns gesprochen, dienen. Er schrieb sie auf meine
+Veranlassung vor 30 Jahren, wo sie in meinem Journal der
+prakt. Heilkunde abgedruckt wurden, und gern habe ich der Aufforderung
+des Herrn Verlegers zu einem neuen besondern Abdrucke
+gewillfahret und sie mit einigen Bemerkungen versehen.
+Mögen sie ihren Zweck erreichen!</p>
+
+<p><span class="gesperrt">Berlin</span> im Mai 1824.</p>
+
+<p class="right"><b>C.&nbsp;W. Hufeland.</b></p>
+
+<p class="center page-break" style="font-size: x-large;"><a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a><a name="Einleitung">Von der Macht des Gemüts,<br/>
+durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften
+Gefühle Meister zu sein.</a></p>
+
+<h2>Ein Schreiben an Herrn Professor Hufeland zu Jena im Jahr 1797<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a>.</h2>
+
+<p>Daß meine Danksagung, für das den 12. Dez. 1796 an mich
+bestellte Geschenk, Ihres lehrreichen und angenehmen Buchs
+»von der Kunst das menschliche Leben zu verlängern« selbst auf
+ein langes Leben berechnet gewesen sein dürfte, möchten Sie vielleicht
+aus dem Datum dieser meiner Antwort vom Januar dieses
+Jahres zu schließen Ursache haben; wenn das Altgewordensein
+nicht schon die öftere Vertagung (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">procrastinatio</span>) wichtiger
+Beschlüsse bei sich führete, dergleichen doch wohl der des Todes
+ist, welcher sich immer zu früh für uns anmeldet, und den man
+warten zu lassen an Ausreden unerschöpflich ist.</p>
+
+<p>Sie verlangen von mir »ein Urteil über Ihr Bestreben das
+Physische im Menschen moralisch zu behandeln; den ganzen, auch
+physischen, Menschen als ein auf Moralität berechnetes Wesen
+darzustellen, und die moralische Kultur als unentbehrlich zur
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>
+physischen Vollendung der überall nur in der Anlage vorhandenen
+Menschennatur zu zeigen«, und setzen hinzu: »wenigstens
+kann ich versichern, daß es keine vorgefaßte Meinungen waren,
+sondern ich durch die Arbeit und Untersuchung selbst unwiderstehlich
+in diese Behandlungsart hineingezogen wurde«. &ndash;
+Eine solche Ansicht der Sache verrät den Philosophen, nicht den
+bloßen Vernunftkünstler; einen Mann, der nicht allein, gleich
+einem der Direktoren des französischen Konvents, die von der
+Vernunft verordneten Mittel der Ausführung (technisch), wie
+sie die Erfahrung darbietet, zu seiner Heilkunde mit Geschicklichkeit,
+sondern, als gesetzgebendes Glied im Korps der Ärzte, aus
+der reinen Vernunft hernimmt, welche zu dem, was hilft, mit
+Geschicklichkeit, auch das, was zugleich an sich Pflicht ist, mit
+Weisheit zu verordnen weiß: so, daß moralisch-praktische Philosophie
+zugleich eine Universalmedizin abgibt, die zwar nicht
+allen für alles hilft, aber doch in keinem Rezepte mangeln kann.</p>
+
+<p>Dieses Universalmittel betrifft aber nur die Diätetik, d.&nbsp;i. es
+wirkt nur negativ, als Kunst, Krankheiten abzuhalten. Dergleichen
+Kunst aber setzt ein Vermögen voraus, das nur Philosophie,
+oder der Geist derselben, den man schlechthin voraussetzen
+muß, geben kann. Auf diesen bezieht sich die oberste diätetische
+Aufgabe, welche in dem Thema enthalten ist:</p>
+
+<p class="no-indent"><b>Von der Macht des Gemüts des Menschen, über seine krankhafte
+Gefühle durch den bloßen festen Vorsatz Meister zu sein.</b></p>
+
+<p>Die, die Möglichkeit dieses Ausspruchs bestätigenden, Beispiele
+kann ich nicht von der Erfahrung anderer hernehmen, sondern zuerst
+nur von der an mir selbst angestellten; weil sie aus dem Selbstbewußtsein
+hervorgeht, und sich nachher allererst andere fragen
+läßt: ob es nicht auch sie ebenso in sich wahrnehmen. &ndash; Ich sehe
+mich also genötigt, mein Ich laut werden zu lassen; was im dogmatischen
+Vortrage<a name="FNanchor_2" href="#Footnote_2" class="fnanchor">(2)</a> Unbescheidenheit verrät; aber Verzeihung
+verdient, wenn es nicht gemeine Erfahrung, sondern ein inneres
+Experiment oder Beobachtung betrifft, welche ich zuerst an mir
+selbst angestellt haben muß, um etwas, was nicht jedermann von
+<a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>
+selbst, und ohne darauf geführt zu sein, beifällt, zu seiner Beurteilung
+vorzulegen. &ndash; Es würde tadelhafte Anmaßung sein, andere
+mit der inneren Geschichte meines Gedankenspiels unterhalten
+zu wollen, welche zwar subjektive Wichtigkeit (für mich)
+aber keine objektive (für jedermann geltende) enthielten. Wenn
+aber dieses Aufmerken auf sich selbst und die daraus hervorgehende
+Wahrnehmung nicht so gemein ist, sondern, daß jeder
+dazu aufgefordert werde, eine Sache ist, die es bedarf und verdient,
+so kann dieser Übelstand mit seinen Privatempfindungen
+andere zu unterhalten wenigstens verziehen werden.</p>
+
+<p>Ehe ich nun mit dem Resultat meiner, in Absicht auf Diätetik
+angestellten, Selbstbeobachtung aufzutreten wage, muß ich
+noch etwas über die Art bemerken, wie Herr Hufeland die Aufgabe
+der Diätetik, d.&nbsp;i. der Kunst stellt, Krankheiten vorzubeugen,
+im Gegensatz mit der Therapeutik, sie zu heilen.</p>
+
+<p>Sie heißt ihm »die Kunst das menschliche Leben zu verlängern«.</p>
+
+<p>Er nimmt seine Benennung von demjenigen her, was die
+Menschen am sehnsüchtigsten wünschen, ob es gleich vielleicht weniger
+wünschenswert sein dürfte. Sie möchten zwar gern zwei
+Wünsche zugleich thun: nämlich lange zu leben und dabei gesund
+zu sein; aber der erstere Wunsch hat den letzteren nicht zur notwendigen
+Bedingung: sondern er ist unbedingt. Laßt den Hospitalkranken
+jahrelang auf seinem Lager leiden und darben und
+ihn oft wünschen hören, daß ihn der Tod je eher je lieber von
+dieser Plage erlösen möge; glaubt ihm nicht, es ist nicht sein
+Ernst. Seine Vernunft sagt es ihm zwar vor, aber der Naturinstinkt
+will es anders. Wenn er dem Tode, als seinem Befreier
+(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Jovi liberatori</span>), winkt, so verlangt er doch immer noch eine
+kleine Frist und hat immer irgend einen Vorwand zur Vertagung
+(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">procrastinatio</span>) seines peremtorischen Dekrets. Der in wilder
+Entrüstung gefaßte Entschluß des Selbstmörders, seinem Leben
+ein Ende zu machen, macht hievon keine Ausnahme: denn er ist
+die Wirkung eines bis zum Wahnsinn exaltierten Affekts. &ndash;
+Unter den zwei Verheißungen für die Befolgung der Kindespflicht
+&ndash; »auf daß dir es wohlgehe und du lange lebest auf
+Erden« &ndash; enthält die letztere die stärkere Triebfeder, selbst im
+Urteile der Vernunft, nämlich als Pflicht, deren Beobachtung
+zugleich verdienstlich ist.</p>
+
+<p>Die Pflicht das Alter zu ehren gründet sich nämlich eigentlich
+nicht auf die billige Schonung, die man den Jüngeren gegen die
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+Schwachheit der Alten zumutet: denn die ist kein Grund zu einer
+ihnen schuldigen Achtung. Das Alter will also noch für etwas
+Verdienstliches angesehen werden; weil ihm eine Verehrung zugestanden
+wird. Also, nicht etwa weil Nestorjahre zugleich durch
+viele und lange Erfahrung erworbene Weisheit, zu Leitung der
+jüngeren Welt, bei sich führen, sondern bloß weil, wenn nur keine
+Schande dasselbe befleckt hat, der Mann, welcher sich so lange
+erhalten hat, d.&nbsp;i. der Sterblichkeit, als dem demütigendsten Ausspruch,
+der über ein vernünftiges Wesen nur gefällt werden kann
+&ndash; »du bist Erde und sollst zur Erde werden« &ndash; so lange hat
+ausweichen und gleichsam der Unsterblichkeit hat abgewinnen
+können, weil, sage ich, ein solcher Mann sich so lange lebend erhalten
+und zum Beispiel aufgestellt hat.</p>
+
+<p>Mit der Gesundheit, als dem zweiten natürlichen Wunsche,
+ist es dagegen nur mißlich bewandt. Man kann sich gesund
+fühlen (aus dem behaglichen Gefühl seines Lebens urteilen), nie
+aber wissen, daß man gesund sei. &ndash; Jede Ursache des natürlichen
+Todes ist Krankheit: man mag sie fühlen oder nicht. &ndash;
+Es gibt viele, von denen, ohne sie eben verspotten zu wollen,
+man sagt, daß sie für immer kränkeln, nie krank werden können;
+deren Diät ein immer wechselndes Abschweifen und wieder
+Einbeugen ihrer Lebensweise ist, und die es im Leben, wenngleich
+nicht den Kraftäußerungen, doch der Länge nach, weit
+bringen. Wie viel aber meiner Freunde oder Bekannten habe
+ich nicht überlebt, die sich bei einer einmal angenommenen
+ordentlichen Lebensart einer völligen Gesundheit rühmten: indessen
+daß der Keim des Todes (die Krankheit) der Entwickelung
+nahe, unbemerkt in ihnen lag, und der, welcher sich gesund
+fühlte, nicht wußte, daß er krank war; denn die Ursache eines
+natürlichen Todes kann man doch nicht anders als Krankheit
+nennen. Die Kausalität aber kann man nicht fühlen, dazu gehört
+Verstand, dessen Urteil irrig sein kann, indessen daß das
+Gefühl untrüglich ist, aber nur dann, wenn man sich krankhaft
+fühlt, diesen Namen führt; fühlt man sich aber so auch nicht,
+doch gleichwohl in dem Menschen verborgenerweise und zur baldigen
+Entwickelung bereit liegen kann; daher der Mangel dieses
+Gefühls keinen andern Ausdruck des Menschen für sein Wohlbefinden
+verstattet, als daß er scheinbarlich gesund sei. Das
+lange Leben also, wenn man dahin zurücksieht, kann nur die
+genossene Gesundheit bezeugen, und die Diätetik wird vor allem
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>
+in der Kunst das Leben zu verlängern (nicht es zu genießen)
+ihre Geschicklichkeit oder Wissenschaft zu beweisen haben: wie es
+auch Herr Hufeland so ausgedrückt haben will.</p>
+
+<h2><a name="Grundsatz">Grundsatz der Diätetik.</a></h2>
+
+<p>Auf Gemächlichkeit muß die Diätetik nicht berechnet werden;
+denn diese Schonung seiner Kräfte und Gefühle ist Verzärtelung,
+d.&nbsp;i. sie hat Schwäche und Kraftlosigkeit zur Folge und ein allmähliches
+Erlöschen der Lebenskraft, aus Mangel der Übung;
+sowie eine Erschöpfung derselben durch zu häufigen und starken
+Gebrauch derselben. Der Stoizismus, als Prinzip der Diätetik
+(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">sustine et abstine</span>), gehört also nicht bloß zur praktischen
+Philosophie als Tugendlehre, sondern auch zu ihr als Heilkunde.
+Diese ist alsdann philosophisch, wenn bloß die Macht
+der Vernunft im Menschen, über seine sinnlichen Gefühle durch
+einen sich selbst gegebenen Grundsatz Meister zu sein, die Lebensweise
+bestimmt. Dagegen, wenn sie diese Empfindungen zu erregen
+oder abzuwehren die Hilfe außer sich in körperlichen Mitteln
+(der Apotheke, oder der Chirurgie) sucht, sie bloß empirisch
+und mechanisch ist.</p>
+
+<p>Die Wärme, der Schlaf, die sorgfältige Pflege des nicht Kranken
+sind solche Verwöhnungen der Gemächlichkeit.</p>
+
+<p>1) Ich kann, der Erfahrung an mir selbst gemäß, der Vorschrift
+nicht beistimmen: »man soll Kopf und Füße warm
+halten«<a name="FNanchor_3" href="#Footnote_3" class="fnanchor">(3)</a>. Ich finde es dagegen geratener beide kalt zu halten
+<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>
+(wozu die Russen auch die Brust zählen); gerade der Sorgfalt
+wegen, um mich nicht zu verkälten. &ndash; Es ist freilich gemächlicher
+im laulichen Wasser sich die Füße zu waschen, als es zur
+Winterszeit mit beinahe eiskaltem zu thun; dafür aber entgeht
+man dem Übel der Erschlaffung der Blutgefäße in so weit vom
+Herzen entlegenen Teilen, welches im Alter oft eine nicht mehr
+zu hebende Krankheit der Füße nach sich zieht. &ndash; Den Bauch,
+vornehmlich bei kalter Witterung, warm zu halten, möchte eher
+zur diätetischen Vorschrift statt der Gemächlichkeit gehören; weil
+er Gedärme in sich schließt, die einen langen Gang hindurch
+einen nicht flüssigen Stoff forttreiben sollen, wozu der sogenannte
+Schmachtriemen (ein breites, den Unterleib haltendes
+und die Muskeln desselben unterstützendes Band) bei Alten,
+aber eigentlich nicht der Wärme wegen, gehört.</p>
+
+<p>2) Lange oder (wiederholentlich, durch Mittagsruhe) viel
+schlafen ist freilich ebensoviel Ersparnis am Ungemache, was
+überhaupt das Leben im Wachen unvermeidlich bei sich führt,
+und es ist wunderlich genug sich ein langes Leben zu wünschen,
+um es größtenteils zu verschlafen. Aber das, worauf es hier
+eigentlich ankömmt, dieses vermeinte Mittel des langen Lebens,
+die Gemächlichkeit, widerspricht sich in seiner Absicht selbst.
+Denn das wechselnde Erwachen und wieder Einschlummern in
+langen Winternächten ist für das ganze Nervensystem lähmend,
+zermalmend und in täuschender Ruhe krafterschöpfend: mithin
+die Gemächlichkeit hier eine Ursache der Verkürzung des Lebens.
+&ndash; Das Bett ist das Nest einer Menge von Krankheiten.</p>
+
+<p>3) Im Alter sich zu pflegen oder pflegen zu lassen, bloß um
+seine Kräfte, durch die Vermeidung der Ungemächlichkeit (z.&nbsp;B.
+des Ausgehens in schlimmem Wetter) oder überhaupt die Übertragung
+der Arbeit an andere, die man selbst verrichten könnte,
+zu schonen, so aber das Leben zu verlängern, diese Sorgfalt bewirkt
+gerade das Widerspiel, nämlich das frühe Altwerden und
+Verkürzung des Lebens. &ndash;&nbsp;&ndash; Auch daß sehr alt gewordene
+mehrenteils verehelichte<a name="FNanchor_4" href="#Footnote_4" class="fnanchor">(4)</a> Personen gewesen wären, möchte
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>
+schwer zu beweisen sein<a name="FNanchor_5" href="#Footnote_5" class="fnanchor">(5)</a>. &ndash; In einigen Familien ist das
+Altwerden erblich, und die Paarung in einer solchen kann wohl
+einen Familienschlag dieser Art begründen. Es ist auch kein
+übles politisches Prinzip zu Beförderung der Ehen, das gepaarte
+Leben als ein langes Leben anzupreisen; obgleich die Erfahrung
+immer verhältnisweise nur wenig Beispiele davon an die Hand
+gibt, von solchen, die nebeneinander vorzüglich alt geworden
+sind; aber die Frage ist hier nur vom physiologischen Grunde
+des Altwerdens, &ndash; wie es die Natur verfügt, nicht vom politischen,
+wie die Konvenienz des Staats die öffentliche Meinung
+seiner Absicht gemäß gestimmt zu sein verlangt.</p>
+
+<p>Übrigens ist das Philosophieren, ohne darum eben Philosoph
+zu sein, auch ein Mittel der Abwehrung mancher unangenehmer
+Gefühle, und doch zugleich Agitation des Gemüts, welches in
+seine Beschäftigung ein Interesse bringt, das von äußern Zufälligkeiten
+unabhängig und ebendarum, obgleich nur als Spiel,
+dennoch kräftig und inniglich ist und die Lebenskraft nicht
+stocken läßt. Dagegen Philosophie, die ihr Interesse am Ganzen
+des Endzwecks der Vernunft &ndash; der eine absolute Einheit ist &ndash;
+hat, ein Gefühl der Kraft bei sich führt, welches die körperlichen
+Schwächen des Alters in gewissem Maße durch vernünftige
+Schätzung des Werts des Lebens wohl vergüten kann. &ndash; Aber
+neu sich eröffnende Aussichten zur Erweiterung seiner Erkenntnisse,
+wenn sie auch gerade nicht zur Philosophie gehörten,
+leisten doch auch ebendasselbe, oder etwas dem Ähnliches; und,
+sofern der Mathematiker hieran ein unmittelbares Interesse
+(nicht als an einem Werkzeuge zu anderer Absicht) nimmt, so
+ist er insofern auch Philosoph und genießt die Wohlthätigkeit
+einer solchen Erregungsart seiner Kräfte in einem verjüngten
+und ohne Erschöpfung verlängerten Leben.</p>
+
+<p>Aber auch bloße Tändeleien in einem sorgenfreien Zustande
+<a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>
+leisten, als Surrogate, bei eingeschränkten Köpfen fast ebendasselbe,
+und, die mit Nichtsthun immer vollauf zu thun haben,
+werden gemeiniglich auch alt. &ndash; Ein sehr bejahrter Mann
+fand dabei ein großes Interesse, daß die vielen Stutzuhren in
+seinem Zimmer immer nacheinander, keine mit der andern zugleich,
+schlagen mußten; welches ihn und den Uhrmacher den
+Tag über genug beschäftigte, und dem letztern zu verdienen gab.
+Ein anderer fand in der Abfütterung und Kur seiner Sangvögel
+hinreichende Beschäftigung, um die Zeit zwischen seiner
+eigenen Abfütterung und dem Schlaf auszufüllen. Eine alte
+begüterte Frau fand diese Ausfüllung am Spinnrade, unter
+dabei eingemischten unbedeutenden Gesprächen, und klagte daher
+in ihrem sehr hohen Alter, gleich als über den Verlust einer
+guten Gesellschaft, daß, da sie nunmehr den Faden zwischen den
+Fingern nicht mehr fühlen konnte, sie für Langerweile zu sterben
+Gefahr liefe.</p>
+
+<p>Doch, damit mein Diskurs über das lange Leben Ihnen nicht
+auch Langeweile mache und ebendadurch gefährlich werde, will
+ich der Sprachseligkeit, die man als einen Fehler des Alters zu
+belächeln, wenngleich nicht zu schelten pflegt, hiemit Grenzen
+setzen.</p>
+
+<h2><a name="Hypochondrie">Von der Hypochondrie.</a></h2>
+
+<p>Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt,
+ohne <ins title="eine">ein</ins> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen &ndash; mithin
+ohne den Versuch zu machen, über sie durch die Vernunft
+Meister zu werden &ndash; die Grillenkrankheit (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">hypochondria
+vaga</span><a name="FNanchor_6" href="#Footnote_6" class="fnanchor">(6)</a>), welche gar keinen bestimmten Sitz im Körper hat
+und ein Geschöpf der Einbildungskraft ist und daher auch die
+dichtende heißen könnte &ndash; wo der Patient alle Krankheiten, von
+denen er in Büchern liest, an sich zu bemerken glaubt, &ndash; ist das
+gerade Widerspiel jenes Vermögens des Gemüts über seine
+krankhaften Gefühle Meister zu sein, nämlich Verzagtheit, über
+Übel, welche Menschen zustoßen könnten, zu brüten, ohne, wenn
+sie kämen, ihnen widerstehen zu können; eine Art von Wahnsinn,
+welchem freilich wohl irgend ein Krankheitsstoff (Blähung
+oder Verstopfung) zum Grunde liegen mag, der aber nicht unmittelbar,
+wie er den Sinn affiziert, gefühlt, sondern als bevorstehendes
+<a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>
+Übel von der dichtenden Einbildungskraft vorgespiegelt
+wird; wo dann der Selbstquäler (<span class="antiqua">Heautontimorumenos</span>), statt
+sich selbst zu ermannen, vergeblich die Hilfe des Arztes aufruft;
+weil nur er selbst, durch die Diätetik seines Gedankenspiels, belästigende
+Vorstellungen, die sich unwillkührlich einfinden, und
+zwar von Übeln, wider die sich doch nichts veranstalten ließe,
+wenn sie sich wirklich einstellten, aufheben kann. &ndash; Von dem,
+der mit dieser Krankheit behaftet, und solange er es ist, kann
+man nicht verlangen, er solle seiner krankhaften Gefühle durch
+den bloßen Vorsatz Meister werden. Denn, wenn er dieses
+könnte, so wäre er nicht hypochondrisch. Ein vernünftiger
+Mensch statuiert keine solche Hypochondrie: sondern, wenn ihm
+Beängstigungen anwandeln, die in Grillen, d.&nbsp;i. selbst ausgedachte
+Übel, ausschlagen wollen, so fragt er sich, ob ein Objekt
+derselben da sei. Findet er keines, welches gegründete Ursache
+zu dieser Beängstigung abgeben kann, oder sieht er ein, daß,
+wenn auch gleich ein solches wirklich wäre, doch dabei nichts zu
+thun möglich sei, um seine Wirkung abzuwenden, so geht er mit
+diesem Anspruche seines inneren Gefühls zur Tagesordnung,
+d.&nbsp;i. er läßt seine Beklommenheit (welche alsdann bloß topisch
+ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <ins title="ihm">ihn</ins> nichts anginge) und
+richtet seine Aufmerksamkeit auf die Geschäfte, mit denen er zu
+thun hat.</p>
+
+<p>Ich habe wegen meiner flachen und engen Brust, die für die
+Bewegung des Herzens und der Lunge wenig Spielraum läßt,
+eine natürliche Anlage zur Hypochondrie, welche in früheren
+Jahren bis an den Überdruß des Lebens grenzte. Aber die Überlegung,
+daß die Ursache dieser Herzbeklemmung vielleicht bloß
+mechanisch und nicht zu heben sei, brachte es bald dahin, daß ich
+mich an sie gar nicht kehrte, und während dessen, daß ich mich
+in der Brust beklommen fühlte, im Kopfe doch Ruhe und
+Heiterkeit herrschte, die sich auch in der Gesellschaft, nicht nach
+abwechselnden Launen (wie Hypochondrische pflegen), sondern
+absichtlich und natürlich mitzuteilen nicht ermangelte. Und da
+man des Lebens mehr froh wird durch das, was man im freien
+Gebrauch desselben thut, als was man genießt, so können Geistesarbeiten
+eine andere Art von befördertem Lebensgefühl den
+Hemmungen entgegensetzen, welche bloß den Körper angehen.
+Die Beklemmung ist mir geblieben; denn ihre Ursache liegt in
+meinem körperlichen Bau. Aber über ihren Einfluß auf meine
+<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>
+Gedanken und Handlungen bin ich Meister geworden, durch
+Abkehrung der Aufmerksamkeit von diesem Gefühle, als ob es
+mich gar nicht anginge<a name="FNanchor_7" href="#Footnote_7" class="fnanchor">(7)</a>.</p>
+
+<h2><a name="Schlaf">Vom Schlafe.</a></h2>
+
+<p>Was die Türken, nach ihren Grundsätzen der Prädestination,
+über die Mäßigkeit sagen: daß nämlich im Anfange der Welt
+jedem Menschen die Portion zugemessen worden, wieviel er im
+Leben zu essen haben werde, und, wenn er sein beschieden Teil in
+großen Portionen verzehrt, er auf eine desto kürzere Zeit zu essen,
+mithin zu sein, sich Rechnung machen könne: das kann in einer
+Diätetik, als Kinderlehre &ndash; denn im Genießen müssen auch
+Männer von Ärzten oft als Kinder behandelt werden, &ndash; auch
+zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menschen von Anbeginn
+<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>
+her vom Verhängnisse seine Portion Schlaf zugemessen worden,
+und der, welcher von seiner Lebenszeit in Mannsjahren zu viel
+(über das Dritteil) dem Schlafen eingeräumt hat, sich nicht eine
+lange Zeit zu schlafen, d.&nbsp;i. zu leben und alt zu werden, versprechen
+darf. &ndash; Wer dem Schlaf als süßen Genuß im Schlummern
+(der Siesta der Spanier) oder als Zeitkürzung (in langen
+Winternächten) viel mehr als ein Dritteil seiner Lebenszeit einräumt,
+oder ihm sich auch teilweise (mit Absätzen), nicht in einem
+Stück, für jeden Tag zumißt, verrechnet sich sehr in Ansehung
+seines Lebensquantum, teils dem Grade, teils der Länge nach.
+&ndash; Da nun schwerlich ein Mensch wünschen wird, daß der Schlaf
+überhaupt gar nicht Bedürfnis für ihn wäre, &ndash; woraus doch
+wohl erhellet, daß er das lange Leben als eine lange Plage fühlt;
+von dem, so viel er verschlafen, ebensoviel Mühseligkeit zu
+tragen er sich ersparet hat &ndash; so ist es geratener, fürs Gefühl
+sowohl als für die Vernunft, dieses genuß- und thatleere
+Drittel ganz auf eine Seite zu bringen und es der unentbehrlichen
+Naturrestauration zu überlassen: doch mit einer genauen
+Abgemessenheit der Zeit, von wo an und wie lange sie dauern soll<a name="FNanchor_8" href="#Footnote_8" class="fnanchor">(8)</a>.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Es gehört unter die krankhaften Gefühle zu der bestimmten
+und gewohnten Zeit nicht schlafen, oder auch sich nicht wach
+halten zu können; vornehmlich aber das erstere; in dieser Absicht
+sich zu Bette zu legen und doch schlaflos zu liegen. &ndash; Sich alle
+Gedanken aus dem Kopf zu schlagen ist zwar der gewöhnliche
+Rat, den der Arzt gibt; aber sie, oder andere an ihre Stelle,
+kommen wieder und erhalten wach. Es ist kein anderer diätetischer
+Rat, als beim inneren Wahrnehmen oder Bewußtwerden
+irgend eines sich regenden Gedanken, die Aufmerksamkeit davon
+sofort abzuwenden (gleich als ob man mit geschlossenen Augen
+diese auf eine andere Seite kehrte): wo dann durch das Abbrechen
+jedes Gedanken, den man inne wird, allmählich eine Verwirrung
+der Vorstellungen entspringt, dadurch das Bewußtsein seiner
+körperlichen (äußern) Lage aufgehoben wird, und eine ganz verschiedene
+Ordnung, nämlich ein unwillkürliches Spiel der Einbildungskraft
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>
+(das im gesunden Zustande der Traum ist) eintritt,
+in welchem, durch ein bewundernswürdiges Kunststück
+der tierischen Organisation, der Körper für die animalischen
+Bewegungen abgespannt, für die Vitalbewegung aber innigst
+agitiert wird und zwar durch Träume, die, wenn wir uns gleich
+derselben im Erwachen nicht erinnern, gleichwohl nicht haben
+ausbleiben können: weil sonst bei gänzlicher Ermangelung derselben,
+wenn die Nervenkraft, die vom Gehirn, dem Sitze der
+Vorstellungen, ausgeht, nicht mit der Muskelkraft der Eingeweide
+vereinigt wirkte, das Leben sich nicht einen Augenblick erhalten
+könnte. Daher träumen vermutlich alle Tiere, wenn sie
+schlafen.</p>
+
+<p>Jedermann aber, der sich zu Bette und in Bereitschaft zu
+schlafen gelegt hat, wird bisweilen, bei aller obgedachten Ablenkung
+seiner Gedanken, doch nicht zum Einschlafen kommen
+können. In diesem Fall wird er im Gehirn etwas Spastisches
+(Krampfartiges) fühlen, welches auch mit der Beobachtung gut
+zusammenhängt: daß ein Mensch gleich nach dem Erwachen
+etwa ½&nbsp;Zoll länger sei, als wenn er sogar im Bette geblieben
+und dabei nur gewacht hätte. &ndash; Da Schlaflosigkeit ein Fehler
+des schwächlichen Alters und die linke Seite überhaupt genommen
+die schwächere ist<a name="FNanchor_9" href="#Footnote_9" class="fnanchor">(9)</a>, so fühlte ich seit etwa einem Jahre diese
+krampfichte Anwandelungen und sehr empfindliche Reize dieser
+Art (obzwar nicht wirkliche und sichtbare Bewegungen der
+darauf affizierten Gliedmaßen als Krämpfe), die ich nach der
+Beschreibung anderer für gichtische Zufälle halten und dafür
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>
+einen Arzt suchen mußte. Nun aber, aus Ungeduld, am Schlafen
+mich gehindert zu fühlen, griff ich bald zu meinem stoischen
+Mittel, meinen Gedanken mit Anstrengung auf irgend ein von
+mir gewähltes gleichgültiges Objekt, was es auch sei (z.&nbsp;B. auf
+den viel Nebenvorstellungen enthaltenden Namen Cicero), zu
+heften: mithin die Aufmerksamkeit von jener Empfindung abzulenken;
+dadurch diese dann, und zwar schleunig, stumpf wurden,
+und so die Schläfrigkeit sie überwog, und dieses kann ich
+jederzeit, bei wiederkommenden Anfällen dieser Art in den
+kleinen Unterbrechungen des Nachtschlafs, mit gleich gutem Erfolg
+wiederholen. Daß aber dieses nicht etwa bloß eingebildete
+Schmerzen waren, davon konnte mich die des andern Morgens
+früh sich zeigende glühende Röte der Zehen des linken Fußes
+überzeugen. &ndash; Ich bin gewiß, daß viele gichtische Zufälle, wenn
+nur die Diät des Genusses nicht gar zu sehr dawider ist, ja
+Krämpfe und selbst epileptische Zufälle (nur nicht bei Weibern
+und Kindern, als die dergleichen Kraft des Vorsatzes nicht haben),
+auch wohl das für unheilbar verschriene Podagra, bei jeder
+neuen Anwandlung desselben durch diese Festigkeit des Vorsatzes
+(seine Aufmerksamkeit von einem solchen Leiden abzuwenden)
+abgehalten und nach und nach gehoben werden könnte<a name="FNanchor_10" href="#Footnote_10" class="fnanchor">(10)</a>.</p>
+
+<h2><a name="Essen">Vom Essen und Trinken.</a></h2>
+
+<p>Im gesunden Zustande und <ins title="des">der</ins> Jugend ist es das Geratenste
+in Ansehung des Genusses, der Zeit und Menge nach, bloß den
+Appetit (Hunger und Durst) zu befragen; aber bei den mit dem
+<a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>
+Alter sich einfindenden Schwächen ist eine gewisse Angewohnheit
+einer geprüften und heilsam gefundenen Lebensart, nämlich wie
+man es einen Tag gehalten hat, es ebenso alle Tage zu halten,
+ein diätetischer Grundsatz, welcher dem langen Leben am günstigsten
+ist; doch unter der Bedingung, daß diese Abfütterung
+für den sich weigernden Appetit die gehörigen Ausnahmen
+mache. &ndash; Dieser nämlich weigert im Alter die Quantität des
+Flüssigen (Suppen oder viel Wasser zu trinken) vornehmlich
+dem männlichen Geschlecht: verlangt dagegen derbere Kost und
+anreizenderes Getränke (z.&nbsp;B. Wein), sowohl um die wurmförmige
+Bewegung der Gedärme &ndash; die unter allen Eingeweiden
+am meisten von der <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">vita propria</span> zu haben scheinen, weil sie,
+wenn sie noch warm aus dem Tier gerissen und zerhauen werden,
+als Würmer kriechen, deren Arbeit man nicht bloß fühlen,
+sondern sogar hören kann &ndash; zu befördern und zugleich solche
+Teile in den Blutumlauf zu bringen, die durch ihren Reiz das
+Geäder zur Blutbewegung im Umlauf zu erhalten beförderlich sind.</p>
+
+<p>Das Wasser braucht aber bei alten Leuten längere Zeit, um,
+ins Blut aufgenommen, den langen Gang seiner Absonderung
+von der Blutmasse durch die Nieren zur Harnblase zu machen,
+wenn es nicht dem Blute assimilierte Teile (dergleichen der
+Wein ist) und die einen Reiz der Blutgefäße zum Fortschaffen
+bei sich führen, in sich enthält; welcher letztere aber alsdann als
+Medizin gebraucht wird, dessen künstlicher Gebrauch ebendadurch
+eigentlich nicht zur Diätetik gehört. Der Anwandelung
+des Appetits zum Wassertrinken (dem Durst), welche großenteils
+<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>
+nur Angewohnheit ist, nicht sofort nachzugeben und ein hierüber
+genommener fester Vorsatz bringt diesen Reiz in das Maß des
+natürlichen Bedürfnisses, des den festen Speisen beizugebenden
+Flüssigen, dessen Genuß in Menge im Alter selbst durch den
+Naturinstinkt geweigert wird. Man schläft auch nicht gut,
+wenigstens nicht tief bei dieser Wasserschwelgerei, weil die Blutwärme
+dadurch vermindert wird.</p>
+
+<p>Es ist oft gefragt worden: ob, gleich wie in 24 Stunden nur
+Ein Schlaf, so auch in ebensoviel Stunden nur Eine Mahlzeit
+nach diätetischer Regel verwilligt werden könne, oder ob es nicht
+besser (gesunder) sei, dem Appetit am Mittagstische etwas abzubrechen,
+um dafür auch zu Nacht essen zu können. Zeitkürzender
+ist freilich das letztere. &ndash; Das erstere halte ich auch in den
+sogenannten besten Lebensjahren (dem Mittelalter) für zuträglicher;
+das letztere aber im späteren Alter. Denn, da das Stadium
+für die Operation der Gedärme zum Behuf der Verdauung im
+Alter ohne Zweifel langsamer abläuft, als in jüngeren Jahren,
+so kann man glauben, daß ein neues Pensum (in einer Abendmahlzeit)
+der Natur aufzugeben, indessen daß das erstere Stadium
+der Verdauung noch nicht abgelaufen ist, der Gesundheit nachteilig
+werden müsse. &ndash; Auf solche Weise kann man den Anreiz
+zum Abendessen, nach einer hinreichenden Sättigung des Mittags,
+für ein krankhaftes Gefühl halten, dessen man durch einen
+festen Vorsatz so Meister werden kann, daß auch die Anwandelung
+desselben nachgerade nicht mehr verspürt wird.</p>
+
+<h2><a name="Unzeit">Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken.</a></h2>
+
+<p>Einem Gelehrten ist das Denken ein Nahrungsmittel, ohne
+welches, wenn er wach und allein ist, er nicht leben kann; jenes
+mag nun im Lernen (Bücherlesen) oder im Ausdenken (Nachsinnen
+und Erfinden) bestehen. Aber beim Essen oder Gehen
+sich zugleich angestrengt mit einem bestimmten Gedanken beschäftigen,
+Kopf und Magen oder Kopf und Füße mit zwei
+Arbeiten zugleich belästigen, davon bringt das eine Hypochondrie,
+das andere Schwindel hervor. Um also dieses krankhaften Zustandes
+durch Diätetik Meister zu sein, wird nichts weiter erfordert,
+als die mechanische Beschäftigung des Magens, oder der
+Füße, mit der geistigen des Denkens wechseln zu lassen und
+während dieser (der Restauration gewidmeten) Zeit das absichtliche
+<a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a>
+Denken zu hemmen und dem (dem mechanischen ähnlichen)
+freien Spiele der Einbildungskraft den Lauf zu lassen; wozu
+aber bei einem Studierenden ein allgemein gefaßter und fester
+Vorsatz der Diät im Denken erfordert wird.</p>
+
+<p>Es finden sich krankhafte Gefühle ein, wenn man in einer
+Mahlzeit ohne Gesellschaft sich zugleich mit Bücherlesen oder
+Nachdenken beschäftigt, weil die Lebenskraft durch Kopfarbeit
+von dem Magen, den man belästigt, abgeleitet wird. Ebenso,
+wenn dieses Nachdenken mit der krafterschöpfenden Arbeit der
+Füße (im Promenieren<a name="FNanchor_11" href="#Footnote_11" class="fnanchor">(11)</a>) verbunden wird. Man kann das
+Lukubrieren noch hinzufügen, wenn es ungewöhnlich ist. Indessen
+sind die krankhaften Gefühle aus diesen unzeitig (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">invita Minerva</span>)
+vorgenommenen Geistesarbeiten doch nicht von der Art, daß sie
+sich unmittelbar durch den bloßen Vorsatz augenblicklich, sondern
+allein durch Entwöhnung, vermöge eines entgegengesetzten Prinzips,
+nach und nach heben lassen, und von den ersteren soll hier
+nur geredet werden.</p>
+
+<h2><a name="Atemziehen">Von der Hebung und Verhütung krankhafter Zufälle durch den Vorsatz im Atemziehen.</a></h2>
+
+<p>Ich war vor wenigen Jahren noch dann und wann vom
+Schnupfen und Husten heimgesucht, welche beide Zufälle mir
+desto ungelegener waren, als sie sich bisweilen beim Schlafengehen
+zutrugen. Gleichsam entrüstet über diese Störung des
+Nachtschlafs entschloß ich mich, was den ersteren Zufall betrifft,
+mit fest geschlossenen Lippen durchaus die Luft durch die Nase
+zu ziehen: welches mir anfangs nur mit einem schwachen Pfeifen,
+und da ich nicht absetzte, oder nachließ, immer mit stärkeren, zuletzt
+mit vollen und freien Luftzuge gelang, es durch die Nase
+zu stande zu bringen, darüber ich dann sofort einschlief. &ndash; Was
+dieses gleichsam konvulsivische und mit dazwischen vorfallenden
+<a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a>
+Einatmen (nicht wie beim Lachen ein kontinuiertes, stoßweise
+erschallendes) Ausatmen, den Husten betrifft, vornehmlich den,
+welchen der gemeine Mann in England den Altmannshusten
+(im Bette liegend) nennt, so war er mir um so mehr ungelegen,
+da er sich bisweilen bald nach der Erwärmung im Bette einstellte
+und das Einschlafen verzögerte. Dieses Husten, welches
+durch den Reiz der mit offenen Munde eingeatmeten Luft auf
+den Luftröhrenkopf erregt wird<a name="FNanchor_12" href="#Footnote_12" class="fnanchor">(12)</a>, nun zu hemmen, bedurfte es
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a>
+einer nicht mechanischen (pharmazeutischen), sondern nur unmittelbaren
+Gemütsoperation, nämlich die Aufmerksamkeit auf
+diesen Reiz dadurch ganz abzulenken, daß sie mit Anstrengung
+auf irgend ein Objekt (wie oben bei krampfhaften Zufällen)
+gerichtet und dadurch das Ausstoßen der Luft gehemmet wurde,
+welches mir, wie ich es deutlich fühlete, das Blut ins Gesicht
+trieb, wobei aber der durch denselben Reiz erregte flüssige Speichel
+(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">saliva</span>) die Wirkung dieses Reizes, nämlich die Ausstoßung
+der Luft, verhinderte und ein Herunterschlucken dieser Feuchtigkeit
+bewirkte. &ndash;&nbsp;&ndash; Eine Gemütsoperation, zu der ein recht
+großer Grad des festen Vorsatzes erforderlich, der aber darum
+auch desto wohlthätiger ist.</p>
+
+<h2><a name="Lippen">Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen Lippen.</a></h2>
+
+<p>Die unmittelbare Folge davon ist, daß sie auch im Schlafe
+fortwährt, und ich sogleich aus dem Schlafe aufgeschreckt werde,
+wenn ich zufälligerweise die Lippen öffne und ein Atemzug durch
+den Mund geschieht: woraus man sieht, daß der Schlaf und mit
+ihm der Traum, nicht eine so gänzliche Abwesenheit von dem
+Zustande des Wachenden ist, daß sich nicht auch eine Aufmerksamkeit
+auf seine Lage in jenem Zustande mit einmische: wie
+man denn dieses auch daraus abnehmen kann, daß die, welche
+sich des Abends vorher vorgenommen haben, früher als gewöhnlich
+(etwa zu einer Spazierfahrt) aufzustehen, auch früher erwachen,
+indem sie vermutlich durch die Stadtuhren aufgeweckt
+werden, die sie also auch mitten im Schlaf haben hören und
+darauf acht geben müssen. &ndash; Die mittelbare Folge dieser löblichen
+Angewöhnung ist: daß das unwillkürliche abgenötigte
+Husten (nicht das Aufhusten eines Schleims als beabsichtigter
+Auswurf) in beiderlei Zustande verhütet und so durch die bloße
+Macht des Vorsatzes eine Krankheit verhütet wird. &ndash;&nbsp;&ndash; Ich habe
+sogar gefunden, daß, da mich nach ausgelöschtem Licht (und eben
+zu Bette gelegt) auf einmal ein starker Durst anwandelte, den
+mit Wassertrinken zu löschen ich im Finstern hätte in eine andere
+Stube gehen und durch Herumtappen das Wassergeschirr suchen
+müssen, ich darauf fiel, verschiedene und starke Atemzüge mit
+Erhebung der Brust zu thun und gleichsam Luft durch die Nase
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a>
+zu trinken, wodurch der Durst in wenig Sekunden völlig gelöscht
+war. Es war ein krankhafter Reiz, der durch einen Gegenreiz
+gehoben ward.</p>
+
+<h2><a name="Alter">Denkgeschäft &ndash; Alter.</a></h2>
+
+<p>Krankhafte Zufälle, in Ansehung deren das Gemüt das Vermögen
+besitzt, des Gefühls derselben durch den bloßen standhaften
+Willen des Menschen, als einer Obermacht des vernünftigen
+Tieres, Meister werden zu können, sind alle von der spastischen
+(krampfhaften) Art: man kann aber nicht umgekehrt sagen, daß
+alle von dieser Art durch den bloßen festen Vorsatz gehemmet oder
+gehoben werden können. &ndash; Denn einige derselben sind von der
+Beschaffenheit, daß die Versuche sie der Kraft des Vorsatzes zu
+unterwerfen, das krampfhafte Leiden vielmehr noch verstärken:
+wie es der Fall mit mir selber ist, da diejenige Krankheit, welche
+vor etwa einem Jahr in der Kopenhagener Zeitung als »epidemischer,
+mit Kopfbedrückung verbundener Katarrh« beschrieben
+wurde<a name="FNanchor_13" href="#Footnote_13" class="fnanchor">(13)</a> (bei mir aber wohl ein Jahr älter aber doch von ähnlicher
+Empfindung ist) mich für eigene Kopfarbeiten gleichsam
+desorganisiert, wenigstens geschwächt und stumpf gemacht hat,
+und, da sich diese Bedrückung auf die natürliche Schwäche des
+Alters geworfen hat, wohl nicht anders als mit dem Leben zugleich
+aufhören wird.</p>
+
+<p>Die krankhafte Beschaffenheit des Patienten, die das Denken,
+insofern es ein Festhalten eines Begriffs &ndash; der Einheit des
+Bewußtseins verbundener Vorstellungen &ndash; ist, begleitet und
+erschwert, bringt das Gefühl eines spastischen Zustandes des
+Organs des Denkens (des Gehirns) als eines Drucks hervor,
+der zwar das Denken und Nachdenken selbst ingleichen das
+Gedächtnis in Ansehung des ehedem Gedachten eigentlich nicht
+schwächt, aber im Vortrage (dem mündlichen oder schriftlichen)
+das feste Zusammenhalten der Vorstellungen in ihrer Zeitfolge
+wider Zerstreuung sichern soll, und bewirkt selbst einen unwillkürlichen
+spastischen Zustand des Gehirns, als ein Unvermögen,
+bei dem Wechsel der aufeinander folgenden Vorstellungen die
+Einheit des Bewußtseins derselben zu erhalten. Daher begegnet
+es mir, daß, wenn ich, wie es in jeder Rede jederzeit geschieht,
+<a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a>
+zuerst zu dem, was ich sagen will, den Hörer oder Leser vorbereite,
+ihm den Gegenstand, wohin ich gehen will, in der Aussicht,
+dann ihn auch auf das, wovon ich ausgegangen bin, zurückgewiesen
+habe &ndash; ohne welche zwei Hinweisungen kein Zusammenhang
+der Rede stattfindet &ndash; und ich nun das letztere mit dem
+ersteren verknüpfen soll, ich auf einmal meinen Zuhörer, oder
+stillschweigend mich selbst, fragen muß: Wo war ich doch? Wovon
+ging ich aus? Welcher Fehler nicht sowohl ein Fehler des
+Geistes, noch des Gedächtnisses allein, sondern der Geistesgegenwart
+(im Verknüpfen), d.&nbsp;i. unwillkürliche Zerstreuung, und
+ein sehr peinigender Fehler ist, dem man zwar in Schriften &ndash;
+zumal den philosophischen, weil man da nicht immer so leicht
+zurücksehen kann, von wo man ausging &ndash; mühsam vorbeugen,
+aber mit aller Mühe nie völlig vergüten kann.</p>
+
+<p>Mit dem Mathematiker, der seine Begriffe, oder die Stellvertreter
+derselben (Größen- und Zahlenzeichen), in der Anschauung
+vor sich hinstellen und, daß, soweit er gegangen ist, alles richtig
+sei, versichert sein kann, ist es anders bewandt als mit dem Arbeiter im
+Fache der, vornehmlich reinen, Philosophie (Logik und Metaphysik),
+der seinen Gegenstand in der Luft vor sich schwebend erhalten
+muß, und ihn nicht bloß teilweise, sondern jederzeit zugleich
+in einem Ganzen des Systems (d. r. V.), sich darstellen
+und prüfen muß. Daher es eben nicht zu verwundern ist, wenn
+ein Metaphysiker eher invalid wird als der Studierende in einem
+anderen Fache, ingleichen als Geschäftsphilosophen; indessen daß
+es doch einige derer geben muß, die sich jenem ganz widmen,
+weil ohne Metaphysik überhaupt es gar keine Philosophie geben
+könnte.</p>
+
+<p>Hieraus ist auch zu erklären, wie jemand für sein Alter gesund
+zu sein sich rühmen kann, ob er zwar in Ansehung gewisser ihm
+obliegenden Geschäfte sich in die Krankenliste müßte einschreiben
+lassen. Denn, weil das Unvermögen zugleich den Gebrauch und
+mit diesem auch den Verbrauch und die Erschöpfung der Lebenskraft
+abhält, und er gleichsam nur in einer niedrigeren Stufe
+(als vegetierendes Wesen) zu leben gesteht, nämlich essen, sehen
+und schlafen zu können, was für seine animalische Existenz gesund,
+für die bürgerliche (zu öffentlichen Geschäften verpflichtete)
+Existenz aber krank, d.&nbsp;i. invalid, heißt: so widerspricht sich dieser
+Kandidat des Todes hiemit gar nicht.</p>
+
+<p>Dahin führt die Kunst das menschliche Leben zu verlängern:
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a>
+daß man endlich unter den Lebenden nur so geduldet wird, welches
+eben nicht die ergötzlichste Lage ist<a name="FNanchor_14" href="#Footnote_14" class="fnanchor">(14)</a>.</p>
+
+<p>Hieran aber habe ich selber schuld. Denn warum will ich
+auch der hinanstrebenden jüngeren Welt nicht Platz machen und
+um zu leben mir den gewöhnten Genuß des Lebens schmälern:
+warum ein schwächliches Leben durch Entsagungen in ungewöhnliche
+Länge ziehen, die Sterbelisten, in denen doch auf den Zuschnitt
+der von Natur schwächeren und ihre mutmaßliche Lebensdauer
+mit gerechnet ist, durch mein Beispiel in Verwirrung
+bringen, und das alles, was man sonst Schicksal nannte (dem
+man sich demütig und andächtig unterwarf), dem eigenen festen
+Vorsatze unterwerfen; welcher doch schwerlich zur allgemeinen
+diätetischen Regel, nach welcher die Vernunft unmittelbar Heilkraft
+ausübt, aufgenommen werden und die therapeutische Formeln
+der Offizin jemals verdrängen wird?</p>
+
+<h2><a name="Nachschrift">Nachschrift.</a><br/>
+<small>Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und Verleger.</small></h2>
+
+<p>Den Verfasser der Kunst das menschliche (auch besonders das
+litterarische) Leben zu verlängern, darf ich also dazu wohl auffordern,
+daß er wohlwollend auch darauf bedacht sei, die Augen
+der Leser &ndash; vornehmlich der jetzt großen Zahl der Leserinnen,
+die den Übelstand der Brille noch härter fühlen dürften &ndash; in
+Schutz zu nehmen: auf welche jetzt aus elender Ziererei der Buchdrucker
+(denn Buchstaben haben doch als Malerei schlechterdings
+<a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a>
+nichts Schönes an sich), von allen Seiten Jagd gemacht wird; damit
+nicht so, wie in Marokko, durch weiße Übertünchung aller
+Häuser ein großer Teil der Einwohner der Stadt blind ist, dieses
+Übel aus ähnlicher Ursache auch bei uns einreiße, vielmehr die
+Buchdrucker desfalls unter Polizeigesetze gebracht werden. &ndash; Die
+jetzige Mode will es dagegen anders, nämlich:</p>
+
+<p>1) Nicht mit schwarzer, sondern grauer Tinte (weil es sanfter
+und lieblicher auf schönem weißen Papier absteche), zu drucken.</p>
+
+<p>2) Mit Didotschen Lettern, von schmalen Füßen, nicht mit
+Breitkopfschen, die ihrem Namen Buchstaben (gleichsam bücherner
+Stäbe zum Feststehen) besser entsprechen würden.</p>
+
+<p>3) Mit lateinischer (wohl gar Kursiv) Schrift ein Werk deutschen
+Inhalts, von welcher Breitkopf mit Grunde sagte, daß
+niemand das Lesen derselben für seine Augen so lange aushalte,
+als mit der deutschen.</p>
+
+<p>4) Mit so kleiner Schrift als nur möglich, damit für die unten
+etwa beizufügenden Noten noch kleinere (dem Auge noch knapper
+angemessene) leserlich bleibe<a name="FNanchor_15" href="#Footnote_15" class="fnanchor">(15)</a>.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>Diesem Unwesen zu steuern, schlage ich vor, den Druck der
+Berliner Monatsschrift (nach Text und Noten) zum Muster zu
+<a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a>
+nehmen; denn man mag, welches Stück man will, in die Hand
+nehmen, so wird man die durch obige Leserei angegriffenen Augen
+durch Ansicht des letzteren merklich gestärkt fühlen<a name="FNanchor_16" href="#Footnote_16" class="fnanchor">(16)</a>.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a><a name="Inhalt">Inhalt.</a></h2>
+
+<table id="toc" summary="Inhalt">
+<tr>
+ <th>&nbsp;</th>
+ <th>Seite</th>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Einleitung">Einleitung</a></td>
+ <td class="right">7</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Grundsatz">Grundsatz der Diätetik</a></td>
+ <td class="right">11</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Hypochondrie">Von der Hypochondrie</a></td>
+ <td class="right">14</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Schlaf">Vom Schlafe</a></td>
+ <td class="right">16</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Essen">Vom Essen und Trinken</a></td>
+ <td class="right">19</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Unzeit">Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken</a></td>
+ <td class="right">21</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Atemziehen">Von der Hebung und Verhütung krankhafter Gefühle durch den Vorsatz
+ im Atemziehen</a></td>
+ <td class="right">22</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Lippen">Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen
+ Lippen</a></td>
+ <td class="right">24</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Alter">Denkgeschäft &ndash; Alter</a></td>
+ <td class="right">25</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><a href="#Nachschrift">Nachschrift. &ndash; Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und
+ Verleger</a></td>
+ <td class="right">27</td>
+</tr>
+</table>
+
+<div class="figcenter" style="width: 150px;">
+<img src="images/verzierung.png" width="150" height="14" alt=""/>
+</div>
+
+<p class="center">Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.</p>
+
+
+<div class="footnotes">
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+Ich übersendete mein Buch Hrn. Prof. Kant, um ihm einen Beweis der
+Verehrung zu geben, die gewiß jeder denkende Mensch diesem Weisen zollt,
+zugleich aber um ihn vielleicht zu veranlassen, über einige darin enthaltene
+und für das philosophische Tribunal gehörige Ideen nachzudenken, wodurch
+ich unsrer Kunst zugleich einen Vorteil zu verschaffen hoffte. Ich freue mich
+ungemein, meinen Wunsch erfüllt zu sehen und hier meinen Lesern mehrere
+dadurch veranlaßte Ideen und Entwicklungen mitteilen zu können, die für
+jeden denkenden Arzt höchst interessant sein müssen, und die zugleich über die
+individuelle geistige und körperliche Diätetik dieses großen Mannes sehr lehrreiche
+Notizen erteilen. &ndash; Was einige für mich zu schmeichelhafte Ausdrücke
+darin betrifft, so bitte ich zu bedenken, daß sie in einem an mich geschriebenen
+Briefe vorkommen, und ich hoffe dadurch jedem Vorwurf zu entgehen, der
+mir darüber gemacht werden könnte, daß ich sie stehen ließ, welches ich um
+so weniger verhindern konnte, da sonst der ganze Sinn hie und da verloren
+gegangen wäre, auch ich überdies offenherzig gestehe, daß ich nicht ein Wort
+auszustreichen wage, was ein Kant geschrieben hat.
+</p>
+
+<p class="right"><ins title="H">H.</ins></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_2" href="#FNanchor_2" class="label">(2)</a>
+Im dogmatisch-praktischen Vortrage, z.&nbsp;B. derjenigen Beobachtung
+seiner selbst, die auf Pflichten abzweckt, die jedermann angehen, spricht der
+Kanzelredner nicht durch Ich, sondern Wir. In dem erzählenden aber, der
+Privatempfindung (der Beichte, welche der Patient seinem Arzte ablegt),
+oder eigener Erfahrung an sich selbst, muß er durch Ich reden.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_3" href="#FNanchor_3" class="label">(3)</a>
+Den Kopf warm zu halten, ist gewiß immer nachteilig, und die medizinische
+Regel ist eigentlich: »den Kopf kühl und die Füße warm zu halten«.
+Es bedarf daher diese Äußerung des würdigen Verfassers einige Berichtigung.
+Es ist allerdings vollkommen wahr, daß, wenn wir unsere Füße von Jugend
+auf ebenso bloß trügen, wie unsere Hände, Gesicht, und die Weiber auch den
+Hals und die Brust, wir sie ebensogut gegen Kälte und Witterung würden
+abhärten können, wie diese, und Millionen von Menschen, welche barfuß
+laufen, beweisen dieses. Da aber unser Klima und unsere Lebensverhältnisse
+uns nicht erlauben, das Bloßtragen immer fortzusetzen, sondern die Füße
+bekleidet zu tragen gebieten, so entsteht dadurch schon die Möglichkeit einer
+Erkältung, durch Weglassung der gewohnten Bedeckung. Und da es nun überdies
+gar nicht zu leugnen ist, daß die Füße, besonders der Unterfuß, in einer
+ganz besondern antagonistischen Verbindung mit den oberen Teilen stehen,
+so daß durch Erkältung, das heißt, Unterdrückung der Hautthätigkeit, sehr
+leicht ein Krankheitsreiz auf Kopf, Brust und Unterleibseingeweide reflektiert
+werden kann, so folgt allerdings daraus die Notwendigkeit, dieselben nicht
+sowohl warm, sondern in einer gleichmäßigen Temperatur zu halten.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_4" href="#FNanchor_4" class="label">(4)</a>
+Hierwider möchte ich doch die Beobachtung anführen: daß unverehelichte
+(oder jung verwitwete) alte Männer mehrenteils länger ein jugendliches
+Aussehen erhalten, als verehelichte, welches doch auf eine längere
+Lebensdauer zu deuten schein. &ndash; Sollten wohl die letztern an ihren härteren
+Gesichtszügen den Zustand eines getragenen Jochs (davon <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">conjugium</span>), nämlich
+das frühere Altwerden verraten, welches auf ein kürzeres Lebensziel hindeutet?
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_5" href="#FNanchor_5" class="label">(5)</a>
+Ich habe mich bei Aufstellung dieses Grundsatzes in meiner Makrobiotik
+bloß durch die Erfahrung leiten lassen. Es stießen mir bei meinen Nachforschungen
+über das höchste Alter so viele Verheiratete auf, daß ich dadurch
+zuerst aufmerksam gemacht wurde. Ich fand nämlich bei allen Alten einen
+sehr beträchtlichen Überschuß auf seiten der Verheirateten: von den außerordentlich
+hohen Alten (d.&nbsp;h. 120&ndash;160jährigen) fand ich durchaus gar keinen
+unverheiratet; ja sie hatten alle mehrmals und größtenteils noch in den
+letzten Zeiten ihres Lebens geheiratet. Dies allein bewog mich zu den Vermutungen
+von Einfluß der Zeugungskraft und des Ehestands aufs lange
+Leben, für die ich dann erst die theoretischen Gründe aufsuchte.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_6" href="#FNanchor_6" class="label">(6)</a>
+Zum Unterschiede von der topischen (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">hypochondria abdominalis</span>).
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_7" href="#FNanchor_7" class="label">(7)</a>
+Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden, die
+Krankheit und das Gefühl der Krankheit. &ndash; Das letztere übertrifft mehrenteils
+die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die eigentliche
+Krankheit, die oft nur in einer örtlich gestörten Verrichtung eines oft unbedeutenden
+Teiles besteht, gar nicht bemerken, wenn nicht die dadurch erregte
+allgemeine Unlust und Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und
+Schmerzen, unsern Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese
+Einwirkung der Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt.
+Eine schwache, verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte Empfindlichkeit,
+wird dadurch völlig übermannt, ein starker, abgehärteter Geist weiset sie
+zurück und unterdrückt sie. &ndash; Jedermann gibt zu, daß es möglich ist, durch
+ein unerwartetes Ereignis, durch eine angenehme Zerstreuung, genug durch
+etwas, was die Seele stark von sich abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen.
+&ndash; Warum sollte dies nun nicht der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft
+selbst bewirken können?&nbsp;&ndash;
+</p>
+<p>
+Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist in
+der That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache der Hypochondrie
+und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das Subjektivieren
+aller Dinge, das heißt, daß das physische Ich die Herrschaft über alles erhalten
+hat, der alleinige Gedanke, die fixe Idee wird, und alles andere unter
+diese Kategorie bringt. &ndash; Ich habe daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger
+das Leben eines Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach
+außen zieht, desto sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben
+uns die praktischen Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt,
+und Krankheit, Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand ihres
+Denkens. Hier sollte also sehr leicht dasselbe auch der herrschende Gegenstand
+ihres Ichs werden, und es müßten folglich alle Ärzte endlich hypochondrisch
+werden. &ndash; Und dennoch sehen wir, daß gerade praktische Ärzte fast nie an
+Hypochondrie leiden. &ndash; Warum? Weil sie sich von Anfang an gewöhnen,
+alle Übel zu objektivieren, wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst
+und ihre eignen Übel zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen
+und zum Gegenstand der Außenwelt und der Kunst zu machen. &ndash; Denn
+das wahre Ich wird nie krank.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_8" href="#FNanchor_8" class="label">(8)</a>
+Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht
+Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der Nahrung,
+körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung.
+</p>
+
+<p class="right"><ins title="H">H.</ins></p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_9" href="#FNanchor_9" class="label">(9)</a>
+Es ist ein ganz unrichtiges Vorgeben, daß, was die Stärke im Gebrauch
+seiner äußern Gliedmaßen betrifft, es bloß auf die Übung und wie man
+früh gewöhnt worden, ankomme, welche von beiden Seiten des Körpers die
+stärkere oder schwächere sein solle; ob im Gefechte mit dem rechten oder linken
+Arm der Säbel geführt, ob sich der Reiter im Steigbügel stehend von der
+rechten zur linken oder umgekehrt aufs Pferd schwinge &amp;c. Die Erfahrung
+lehrt aber, daß, wer sich am linken Fuße Maß für seine Schuhe nehmen
+läßt, wenn der Schuh dem linken genau anpaßt, er für den rechten zu enge
+sei, ohne daß man die Schuld davon den Eltern geben kann, die ihre Kinder
+nicht besser belehrt hätten; so wie der Vorzug der rechten Seite vor der linken
+auch daran zu sehen ist, daß der, welcher über einen tiefen Graben schreiten
+will, den linken Fuß ansetzt und mit dem rechten überschreitet: widrigen Falls
+er in den Graben zu fallen Gefahr läuft. Daß der preußische Infanterist
+geübt wird mit dem linken Fuße anzutreten, widerlegt jenen Satz nicht, sondern
+bestätigt ihn vielmehr; denn er setzt diesen voran, gleich als auf ein
+Hypomochlium, um mit der rechten Seite den Schwung des Angriffs zu
+machen, welchen er mit der rechten gegen die linke verrichtet.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_10" href="#FNanchor_10" class="label">(10)</a>
+Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen, durch
+die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft allein einen
+solchen festen Willen hervorzubringen vermag. Woher kömmt es, daß die
+arbeitende, durch Not oder Pflicht zur Arbeit getriebene, Klasse viel weniger
+kränkelt, als die müßiggehende? Hauptsächlich daher, daß jene keine Zeit
+hat krank zu sein und also eine Menge Anwandelungen von Krankheiten
+übergeht, das heißt, in der Arbeit sie vergißt und dadurch wirklich überwindet
+und aufhebt, statt daß der Müßige, den Gefühlen nachgebend und sie
+pflegend, dadurch oft den Keim erst zu Krankheiten ausbildet.
+</p>
+<p>
+Wie oft habe ich diese Erfahrung in meinem Berufsleben an mir selbst
+gemacht, und welcher Pflicht- und Berufsmensch hat sie nicht gemacht! &ndash;
+Wie oft glaubte ich früh nicht im stande zu sein, wegen körperlicher Beschwerden
+das Zimmer zu verlassen &ndash; die Pflicht rief zum Krankenbett oder
+aufs Katheder, und so sauer es anfangs wurde, nach einiger Zeit der Anstrengung
+war das Übel vergessen, der Geist siegte über den Leib, und die
+Gesundheit war <ins title="wiederhergestellt">wiederhergestellt.</ins>
+</p>
+<p>
+Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei ansteckenden
+und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte Erfahrungssache, daß
+die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten und ekeln, am wenigsten
+angesteckt werden. Aber daß eine schon wirklich geschehene Ansteckung noch
+durch freudige Exaltation des Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon
+bin ich selbst ein Beispiel. &ndash; Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in
+Preußen ein pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln
+und fühlte eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung,
+Schwindel, Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle Vorboten,
+die bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die Krankheit wirklich ausbricht.
+&ndash; Aber die Pflicht gebot; andere waren kränker als ich. Ich beschloß,
+meine Geschäfte wie gewöhnlich zu verrichten und mittags einem frohen
+Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <ins title="war">war.</ins> Hier überließ ich mich einige
+Stunden ganz der Freude und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank
+absichtlich mehr Wein wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten
+Fieber nach Hause, legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich
+und war am andern Morgen völlig hergestellt.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_11" href="#FNanchor_11" class="label">(11)</a>
+Studierende können es schwerlich unterlassen, in einsamen Spaziergängen
+sich mit Nachdenken selbst und allein zu unterhalten. Ich habe es aber an
+mir gefunden und auch von andern, die ich darum befrug, gehört: daß das
+angestrengte Denken im Gehen geschwinde matt macht; dagegen, wenn man
+sich dem freien Spiel der Einbildungskraft überläßt, die Motion restaurierend
+ist. Noch mehr geschieht dieses, wenn bei dieser mit Nachdenken verbundenen
+Bewegung zugleich Unterredung mit einem andern gehalten wird, so, daß
+man sich bald genötigt sieht das Spiel seiner Gedanken sitzend fortzusetzen. &ndash;
+Das Spazieren im Freien hat gerade die Absicht durch den Wechsel der Gegenstände
+seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen abzuspannen.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_12" href="#FNanchor_12" class="label">(12)</a>
+Sollte auch nicht die atmosphärische Luft, wenn sie durch die Eustachische
+Röhre (also bei geschlossenen Lippen) zirkuliert, dadurch, daß sie auf diesem
+dem Gehirn naheliegenden Umwege Sauerstoff absetzt, das erquickende Gefühl
+gestärkter Lebensorgane bewirken, welches dem ähnlich ist, als ob man
+Luft trinke; wobei diese, ob sie zwar keinen Geruch hat, doch die Geruchsnerven
+und die denselben naheliegende einsaugende Gefäße stärkt? Bei manchem
+Wetter findet sich dieses Erquickliche des Genusses der Luft nicht; bei andern
+ist es eine wahre Annehmlichkeit sie auf seiner Wanderung mit langen Zügen
+zu trinken: welches das Einatmen mit offenem Munde nicht bewährt. &ndash;&nbsp;&ndash;
+Das ist aber von der größten diätetischen Wichtigkeit, den Atemzug durch die
+Nase bei geschlossenen Lippen sich so zur Gewohnheit zu machen, daß er selbst
+im tiefsten Schlaf nicht anders verrichtet wird und man sogleich aufwacht, sobald
+er mit offenem Munde geschieht, und dadurch gleichsam aufgeschreckt
+wird; wie ich das anfänglich, ehe es mir zur Gewohnheit wurde auf solche
+Weise zu atmen, bisweilen erfuhr. &ndash; Wenn man genötigt ist stark oder
+bergan zu schreiten, so gehört größere Stärke des Vorsatzes dazu, von jener
+Regel nicht abzuweichen und eher seine Schritte zu mäßigen, als von ihr eine
+Ausnahme zu machen; ingleichen, wenn es um starke Motion zu thun ist,
+die etwa ein Erzieher seinen Zöglingen geben will, daß dieser sie ihre Bewegung
+lieber stumm als mit öfterer Einatmung durch den Mund machen
+lasse. Meine jungen Freunde (ehemalige Zuhörer) haben diese diätetische
+Maxime als probat und heilsam gepriesen und sie nicht unter die Kleinigkeiten
+gezählt, weil sie bloßes Hausmittel ist, das den Arzt entbehrlich macht.
+&ndash; Merkwürdig ist noch: daß, da es scheint, beim lange fortgesetzten Sprechen
+geschehe das Einatmen auch durch den so oft geöffneten Mund, mithin jene
+Regel werde da doch ohne Schaden überschritten, es sich wirklich nicht so verhält.
+Denn es geschieht doch auch durch die Nase. Denn wäre diese zu der
+Zeit verstopft, so würde man von dem Redner sagen, er spreche durch die
+Nase (ein sehr widriger Laut), indem er wirklich nicht durch die Nase spräche,
+und umgekehrt, er spreche nicht durch die Nase, indem er wirklich durch die
+Nase spricht: wie es Hr. Hofrat Lichtenberg launicht und richtig bemerkt &ndash;
+das ist auch der Grund, warum der, welcher lange und laut spricht (Vorleser
+oder Prediger), es ohne Rauhigkeit der Kehle eine Stunde lang wohl
+aushalten kann; weil nämlich sein Atemziehen eigentlich durch die Nase, nicht
+durch den Mund, geschieht, als durch welchen nur das Ausatmen verrichtet
+wird. &ndash; Ein Nebenvorteil dieser Angewohnheit des Atemzuges mit beständig
+geschlossenen Lippen, wenn man für sich allein wenigstens nicht im Diskurs
+begriffen ist, ist der: daß die sich immer absondernde und den Schlund befeuchtende
+Saliva hiebei zugleich als Verdauungsmittel (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">stomachale</span>), vielleicht
+auch (verschluckt) als Abführungsmittel wirkt; wenn man fest genug
+entschlossen ist sie nicht durch üble Angewohnheit zu verschwenden.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_13" href="#FNanchor_13" class="label">(13)</a>
+Ich halte sie für eine Gicht, die sich zum Teil aufs Gehirn geworfen hat.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_14" href="#FNanchor_14" class="label">(14)</a>
+Dies Resultat, so wenig tröstlich es ist, ist vollkommen richtig, sobald
+wir an das, was der Mensch im vollkommenen Sinn ist und sein soll,
+denken. Aber selbst das Beispiel des würdigen Herrn Verfassers gibt ja
+einen sprechenden Beweis, was der Mensch auch im Alter noch für andere
+sein kann, wenn die Vernunft immer, wie hier, seine oberste Gesetzgeberin
+war. &ndash; Und gesetzt auch, es fehlte ganz an dieser objektiven und bürgerlichen
+Existenz, sind uns nicht auch die Ruinen eines schönen und großen Gebäudes
+heilig und schätzbar? dienen sie uns nicht als Denkzeichen des Vergangenen,
+als Winke der Zukunft, als Lehre und Beispiel?
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_15" href="#FNanchor_15" class="label">(15)</a>
+Ich stimme in diese Klage des verehrten Verfassers (mit Ausnahme des
+grauen Papiers, woran es unsere Herren Verleger so schon nicht fehlen lassen)
+ganz mit ein, und bin überzeugt, daß der größte Teil der jetzt so auffallend
+läufiger werdenden Augenschwächen schon an und für sich in dem weit häufigern
+Lesen &ndash; besonders dem geschwind Lesen, was jetzt wegen der weit
+häufigern Zeitungen, Journale, und Flugschriften weit gewöhnlicher ist und
+die Augen unglaublich angreift &ndash; zu suchen sei und dadurch auch unbeschreiblich
+vermehrt wird, daß man beim Druck die Rücksicht auf die Augen
+immer mehr vernachlässigt, da sie vielmehr, weil nun einmal das Lesen zum
+allgemeinen Bedürfnis geworden ist, vermehrt werden sollte.
+</p>
+<p>
+Auch ich glaube, daß dabei die den Augen nachteiligsten Fehler dadurch
+begangen werden, wenn man auf nicht weißes Papier, mit grauer Schwärze,
+mit zu kleinen, oder mit zu zarten, zu wenig Körper habenden, Lettern druckt;
+und ich mache es daher jedem Autor, Verleger und Drucker zur heiligen
+Pflicht, das Augenwohl ihrer Leser künftig besser zu bedenken. Besonders
+ist die blasse Farbe der Buchstaben äußerst nachteilig, und es ist unverzeihlich,
+daß es Drucker so häufig aus elender Gewinnsucht oder Bequemlichkeit darinnen
+fehlen lassen.
+</p>
+<p>
+Je größer der Abstand der Buchstabenfarbe von der Farbe des Papiers
+ist, desto leichter faßt das Auge das Bild, und desto weniger greift dieses
+Auffassen, das Lesen, die Augen an. &ndash; Also recht weißes Papier und recht
+schwarze Buchstaben sind es, <ins title="warum">worum</ins> ich die deutschen Herrn Buchhändler und
+Buchdrucker im Namen des lesenden Publikums recht angelegentlich bitte. &ndash;
+Mögen sie es zur Ehre der deutschen Nation thun, denn wie schön zeichnen
+sich darin die ausländischen Drucke gegen die meisten deutschen aus! Mögen
+sie es zu Bewahrung ihres Gewissens thun, denn sie versündigen sich in der
+That, indem sie unbewußt Ursache der überhandnehmenden Augenschwäche
+und Blindheit werden!
+</p>
+<p>
+Was aber die lateinischen Lettern als Augenverderber betrifft, so bitte ich
+um Erlaubnis, darin andrer Meinung zu sein, und zwar aus folgenden
+Gründen:
+</p>
+<p>
+1) Daß diese Lettern an und für sich den Augen nicht nachteiliger sind,
+als unsre deutschen, erhellt daraus, weil sonst in England, Frankreich und
+andern Ländern, wo man sich ihrer bedient, die Augenfehler häufiger sein
+müßten, als bei uns, welches aber nicht der Fall ist.
+</p>
+<p>
+2) Wenn sie also einen Deutschen, der gewohnt ist deutsch zu lesen, etwas
+mehr anzugreifen scheinen, so liegt die Ursache bloß darin, weil er sie nicht
+gewohnt ist, und das Angreifende verliert sich, sobald er sich daran gewöhnt
+hat, und fällt ganz weg, wenn wir gleich von Jugend auf an diese Lettern
+gewöhnt werden.
+</p>
+<p>
+3) Daß diese Lettern, wenn sie klein oder zu mager sind, die Augen angreifen,
+ist wahr, aber dasselbe gilt auch von den deutschen, und ich halte es
+daher für äußerst nötig, bei der lateinischen Schrift größere oder fettere Typen
+zu nehmen; welches auch der einzige Grund war, warum ich sie bei der
+Makrobiotik von dieser Beschaffenheit wählete, ohnerachtet man hie und da
+darin einen Grund zum Tadel gefunden hat, &ndash; ein Beweis, daß man gerade
+dann, wenn man fürs Publikum sorgt, oft am meisten verkannt werden kann.
+</p>
+<p>
+Ich finde also keinen medizinischen Gegengrund, der mich von ihrem Gebrauch
+abhalten sollte; vieles aber, was mir ihren Gebrauch anriet und mich
+dahin gebracht hat, sie häufig zu wählen. Zuerst nämlich glaube ich, daß
+unsere Litteratur und Sprache dann ungleich mehr Eingang in andre Länder
+finden wird, wenn wir lateinisch drucken, denn viele Ausländer schreckt schon
+das Fremde und Unverständliche der Typen ab, und man wird sich gewiß
+schwerer zu Erlernung einer Sprache entschließen, wenn man selbst erst die
+Form der Lettern studieren <ins title="muß">muß.</ins> Ich glaube daher, es würde ungemein
+viel zur litterarischen Verbindung Europens und zur Beförderung der allgemeinen
+Gelehrtenrepublik beitragen, wenn wir uns endlich eben der Typen
+bedienten, die die aufgeklärtesten Nationen angenommen haben, und ich glaube,
+es muß am Ende dahin kommen. England, selbst Italien, bedienten sich ja
+noch bis zu Anfang dieses Jahrhunderts unserer Mönchsschrift und haben
+sie dennoch ganz verlassen, welches zugleich beweist, daß wir nicht einmal
+deutsche Originalität daran finden können. &ndash; Dazu kommt nun noch der
+Grund, daß bei scientifischen, besonders medizinischen, Büchern, wo viel lateinische
+<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span> vorkommen, ein großer Übelstand fürs Auge entsteht,
+wenn die deutsche Schrift alle Augenblicke durch lateinische unterbrochen
+wird, oder dadurch ein noch schlimmeres Übel bewirkt wird, daß man diese
+<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span> ins Deutsche übersetzt, wodurch sie nun vollends den Ausländern
+ganz, und selbst den Deutschen aus einer andern Provinz zum Teil,
+unverständlich werden, und sie wirklich den Vorzug verlieren, <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span>
+zu sein.
+</p>
+<p>
+Ich gebe zu, daß manche ungeübte Leser für jetzt lateinische Lettern ungern,
+ja wohl gar nicht lesen; dies gilt aber nicht von scientifischen Schriften.
+Man mag also bei Schriften für die niedern Klassen noch deutsche Lettern
+gebrauchen, bei allen gebildeten Ständen beiderlei Geschlechts ist das aber
+schon jetzt nicht mehr nötig.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_16" href="#FNanchor_16" class="label">(16)</a>
+Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen Augenkrankheiten)
+habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in meinen
+vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von einigen Jahren,
+dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal begegnet ist, gemacht;
+wo das Phänomen darin besteht: daß auf dem Blatt, welches ich lese, auf
+einmal alle Buchstaben verwirrt und durch eine gewisse über dasselbe verbreitete
+Helligkeit vermischt und ganz unleserlich werden: ein Zustand, der
+nicht über 6 Minuten dauert, der einem Prediger, welcher seine Predigt vom
+Blatte zu lesen gewohnt ist, sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in
+meinem Auditorium der Logik oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung
+im freien Vortrage (aus dem Kopfe) geredet werden kann, nichts als
+die Besorgnis entsprang, es möchte dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden
+sein; worüber ich gleichwohl jetzt beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt öfterer
+als sonst sich ereignenden Zufalle an meinem einen gesunden Auge (denn das
+linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren verloren) nicht den mindesten Abgang
+an Klarheit verspüre. &ndash; Zufälligerweise kam ich darauf, wenn sich jenes
+Phänomen ereignete, meine Augen zu schließen, ja um noch besser das äußere
+Licht abzuhalten, meine Hand darüber zu legen, und dann sahe ich eine hellweiße
+wie mit Phosphor im Finstern auf einem Blatt verzeichnete Figur,
+ähnlich der, wie das letzte Viertel im Kalender vorgestellt wird, doch mit
+einem auf der konvexen Seite ausgezackten Rande, welche allmählich an
+Helligkeit verlor und in obbenannter Zeit verschwand. &ndash; Ich möchte wohl
+wissen: ob diese Beobachtung auch von andern gemacht und wie diese Erscheinung,
+die wohl eigentlich nicht in den Augen, &ndash; als bei deren Bewegung
+dies Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben Stelle gesehn
+wird &ndash; sondern im <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Sensorium commune</span> ihren Sitz haben dürfte, zu
+erklären sei<a name="FNanchor_17" href="#Footnote_17" class="fnanchor">(17)</a>. Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge (innerhalb einer
+Zeit, die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen kann, ohne es zu vermissen.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_17" href="#FNanchor_17" class="label">(17)</a>
+Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört
+unter die allgemeine Rubrik: <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Visus confusus s. perversus</span>, weil
+er noch eben keinen Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation
+derselben beweist. Ich selbst habe es zuweilen periodisch gehabt, und
+der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d. pr. Heilk. beschriebne falsche
+Schwindel hat viel <ins title="Ähnliches">Ähnliches.</ins> Mehrenteils ist eine vorübergehende
+Reizung die Ursache, z.&nbsp;B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize, oder
+auch Schwäche.
+</p>
+
+<p class="right">H.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div id="tnote-bottom">
+<p class="center"><a name="tn-bottom"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></a></p>
+
+<p>Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt,
+wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle
+steht.</p>
+
+<ul id="corrections">
+<li><a href="#Page_14">Seite 14</a>:<br/>
+ohne <span class="correction">eine</span> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen &ndash; mithin<br/>
+ohne <span class="correction">ein</span> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen &ndash; mithin
+</li>
+<li><a href="#Page_15">Seite 15</a>:<br/>
+ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <span class="correction">ihm</span> nichts anginge) und<br/>
+ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <span class="correction">ihn</span> nichts anginge) und
+</li>
+<li><a href="#Page_19">Seite 19</a>:<br/>
+Im gesunden Zustande und <span class="correction">des</span> Jugend ist es das Geratenste<br/>
+Im gesunden Zustande und <span class="correction">der</span> Jugend ist es das Geratenste
+</li>
+<li><a href="#Footnote_1">Fußnote 1</a>:<br/>
+<span class="correction">H</span><br/>
+<span class="correction">H.</span>
+</li>
+<li><a href="#Footnote_8">Fußnote 8</a>:<br/>
+<span class="correction">H</span><br/>
+<span class="correction">H.</span>
+</li>
+<li><a href="#Footnote_10">Fußnote 10:</a><br/>
+Gesundheit war <span class="correction">wiederhergestellt</span><br/>
+Gesundheit war <span class="correction">wiederhergestellt.</span>
+</li>
+<li><a href="#Footnote_10">Fußnote 10:</a><br/>
+Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <span class="correction">war</span> Hier überließ ich mich einige<br/>
+Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <span class="correction">war.</span> Hier überließ ich mich einige
+</li>
+<li><a href="#Footnote_15">Fußnote 15:</a><br/>
+schwarze Buchstaben sind es, <span class="correction">warum</span> ich die deutschen Herrn Buchhändler und<br/>
+schwarze Buchstaben sind es, <span class="correction">worum</span> ich die deutschen Herrn Buchhändler und
+</li>
+<li><a href="#Footnote_15">Fußnote 15:</a><br/>
+Form der Lettern studieren <span class="correction">muß</span> Ich glaube daher, es würde ungemein<br/>
+Form der Lettern studieren <span class="correction">muß.</span> Ich glaube daher, es würde ungemein
+</li>
+<li><a href="#Footnote_17">Fußnote 17:</a><br/>
+Schwindel hat viel <span class="correction">Ähnliches</span> Mehrenteils ist eine vorübergehende<br/>
+Schwindel hat viel <span class="correction">Ähnliches.</span> Mehrenteils ist eine vorübergehende
+</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch de
+ bloßen Vorsatz seiner krankhaften, by Immanuel Kant
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS ***
+
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
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+ License. You must require such a user to return or
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
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+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
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