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Hufeland + +Release Date: December 13, 2011 [EBook #38295] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert. + Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit _ markiert. + Im Original fett gedruckter Text wurde mit ~ markiert. + + Das Inhaltsverzeichnis befindet sich am Ende des Buches. + ] + + + + + Von der Macht des Gemüts, + durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften + Gefühle Meister zu sein. + + Von + Immanuel Kant. + + Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen + von + C. W. Hufeland. + + Leipzig und Wien. + Bibliographisches Institut. + + + + +Vorwort des Herausgebers. + + +Der Geist allein lebt -- Das Leben des Geistes allein ist wahres Leben. + +Das Leben des Leibes muß jenem immer untergeordnet und von ihm +beherrscht werden, nicht umgekehrt der Geist sich den Launen, Stimmungen +und Trieben des Körpers unterordnen, wenn das wahre Leben erhalten +werden soll. + +Diese große Wahrheit wurde von jeher von den Weisesten dieser Welt als +der Grundpfeiler aller Sittlichkeit, aller Tugend, aller Religion, genug +alles dessen, was groß und göttlich ist im Menschen, und sonach auch +aller wahren Glückseligkeit, betrachtet und gepredigt. + +Sie kann aber nicht oft genug wiederholt werden, da es dem natürlichen +Menschen immer näher liegt und bequemer ist, leiblich zu leben als +geistig, noch mehr, wenn, wie in den neuesten Zeiten geschehen, selbst +die Philosophie, sonst die Trägerin des geistigen Lebens, in dem +Identitätssystem den Unterschied zwischen Geist und Körper ganz aufhebt, +und sowohl Philosophen als Ärzte die Abhängigkeit des Geistes von dem +Körper dergestalt in Schutz nehmen, daß sie selbst alle Verbrechen damit +entschuldigen, Unfreiheit der Seele als ihre Quelle darstellen, und es +bald dahin gekommen sein wird, daß man gar nichts mehr Verbrechen nennen +kann. + +Aber wohin führt diese Ansicht? -- Ist sie nicht geradezu göttlichen und +menschlichen Gesetzen entgegen, die ja auf jene Grundlage gebaut sind? +-- Führt sie nicht zum gröbsten Materialismus? Vernichtet sie nicht alle +Moralität, alle Kraft der Tugend, die eben in dem Leben der Idee und +ihrer Herrschaft über das Leibliche besteht? -- Und somit alle wahre +Freiheit, Selbständigkeit, Selbstbeherrschung, Selbstaufopferung, genug +das Höchste, was der Mensch erreichen kann: den Sieg über sich selbst? + +Ewig wahr bleibt das Sinnbild, den Menschen als den Reiter eines wilden +Pferdes sich zu denken; einen vernünftigen Geist mit einem Tiere +vereinigt, das ihn tragen und mit der Erde verbinden, aber von ihm nun +wiederum geleitet und regiert werden soll. -- Es zeigt die Aufgabe +seines ganzen Lebens. Besteht sie nicht darin, diese Tierheit in ihm zu +bekämpfen und der höheren Macht unterzuordnen? Nur dadurch, daß er sich +dies Tier unterwirft und sich möglichst unabhängig davon macht, wird +sein Leben regelmäßig, vernünftig, sittlich und so nur wahrhaft +glücklich. Läßt er dem Tier die Oberhand, so geht es mit ihm durch, und +er wird ein Spiel seiner Launen und Sprünge -- bis zum tödlichen Sturze. + +Aber nicht bloß für das höhere geistige Leben und dessen Gesundheit +bedarf es dieser physischen Selbstbeherrschung, sondern sie dient +ebensosehr zur Erhaltung und Vervollkommnung des physischen Lebens und +dessen Gesundheit und wird dadurch eins der wichtigsten Diät- und +Heilmittel. + +Wir wollen keinesweges den Einfluß des Leiblichen auf das Geistige +leugnen. Aber ebenso auffallend, ja noch größer ist die psychische Macht +des Geistes über das Leibliche. Sie kann Krankheiten erregen und heilen. +Ja sie kann töten und lebendig machen. Sehen wir nicht sehr häufig durch +Schrecken und andere Leidenschaften, also durch geistigen Einfluß, +Epilepsie, Ohnmachten, Lähmungen, Blutflüsse und eine Menge andere +Krankheiten, ja den Tod selbst, entstehen? -- Und woran stirbt ein +solcher Mensch? Lediglich an einer gewaltsamen, dem Blitzstrahl +ähnlichen, Einwirkung des Geistes in den Körper. -- Wie oft sind nicht +die schwersten Krankheiten durch nichts anders geheilt worden, als durch +Freude, Erhebung und Erweckung des Geistes! Der lange an der Zunge +gelähmte Sohn des Krösus bekommt die Sprache wieder, als man seinen +Vater ermorden will. Pinel sah, daß bei der allgemeinen +leidenschaftlichen Aufregung, die die französische Revolution +hervorbrachte, eine Menge seit Jahren kränklicher und schwächlicher +Menschen gesund und stark wurden und besonders die gewöhnlichen +Nervenübel der vornehmen und müßigen Stände ganz verschwanden. -- Ja, +ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß der größte Teil unsrer +langwierigen Nervenkrankheiten und sogenannten Krämpfe gar nichts anders +ist, als Trägheit und Passivität des Geistes, die Folge des schlaffen +Hingebens an körperliche Gefühle und Einflüsse. + +Wer kann leugnen, daß es Wunder und Wunderheilungen gibt? -- Aber was +sind sie anders als Wirkungen des festen Glaubens entweder an himmlische +Kräfte, oder auch an irdische und folglich Wirkungen des Geistes? + +Jedermann kennt die Kraft der Imagination. Niemand zweifelt daran, daß +es eingebildete Krankheiten gibt, und daß eine Menge Menschen an nichts +anders krank sind, als an der Krankheitseinbildung. Ist es nun aber +nicht ebensogut möglich und unendlich besser, sich einzubilden, gesund +zu sein? Und wird man nicht dadurch ebensogut seine Gesundheit stärken +und erhalten können, als durch das Gegenteil die Krankheit? + +Als ein Beitrag zu dieser wichtigen Lehre und als Beförderungsmittel der +Herrschaft und Heilkraft des Geistes über den Körper, mögen auch +folgende Worte Kants, die letzten, die dieser große Geist zu uns +gesprochen, dienen. Er schrieb sie auf meine Veranlassung vor 30 Jahren, +wo sie in meinem Journal der prakt. Heilkunde abgedruckt wurden, und +gern habe ich der Aufforderung des Herrn Verlegers zu einem neuen +besondern Abdrucke gewillfahret und sie mit einigen Bemerkungen +versehen. Mögen sie ihren Zweck erreichen! + +=Berlin= im Mai 1824. + + ~C. W. Hufeland.~ + + + + + Von der Macht des Gemüts, + durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften + Gefühle Meister zu sein. + + + + +Ein Schreiben an Herrn Professor Hufeland zu Jena im Jahr 1797(1). + + + (1) Ich übersendete mein Buch Hrn. Prof. Kant, um ihm einen Beweis der + Verehrung zu geben, die gewiß jeder denkende Mensch diesem Weisen + zollt, zugleich aber um ihn vielleicht zu veranlassen, über einige + darin enthaltene und für das philosophische Tribunal gehörige Ideen + nachzudenken, wodurch ich unsrer Kunst zugleich einen Vorteil zu + verschaffen hoffte. Ich freue mich ungemein, meinen Wunsch erfüllt zu + sehen und hier meinen Lesern mehrere dadurch veranlaßte Ideen und + Entwicklungen mitteilen zu können, die für jeden denkenden Arzt höchst + interessant sein müssen, und die zugleich über die individuelle + geistige und körperliche Diätetik dieses großen Mannes sehr lehrreiche + Notizen erteilen. -- Was einige für mich zu schmeichelhafte Ausdrücke + darin betrifft, so bitte ich zu bedenken, daß sie in einem an mich + geschriebenen Briefe vorkommen, und ich hoffe dadurch jedem Vorwurf zu + entgehen, der mir darüber gemacht werden könnte, daß ich sie stehen + ließ, welches ich um so weniger verhindern konnte, da sonst der ganze + Sinn hie und da verloren gegangen wäre, auch ich überdies offenherzig + gestehe, daß ich nicht ein Wort auszustreichen wage, was ein Kant + geschrieben hat. + + H. + +Daß meine Danksagung, für das den 12. Dez. 1796 an mich bestellte +Geschenk, Ihres lehrreichen und angenehmen Buchs »von der Kunst das +menschliche Leben zu verlängern« selbst auf ein langes Leben berechnet +gewesen sein dürfte, möchten Sie vielleicht aus dem Datum dieser meiner +Antwort vom Januar dieses Jahres zu schließen Ursache haben; wenn das +Altgewordensein nicht schon die öftere Vertagung (_procrastinatio_) +wichtiger Beschlüsse bei sich führete, dergleichen doch wohl der des +Todes ist, welcher sich immer zu früh für uns anmeldet, und den man +warten zu lassen an Ausreden unerschöpflich ist. + +Sie verlangen von mir »ein Urteil über Ihr Bestreben das Physische im +Menschen moralisch zu behandeln; den ganzen, auch physischen, Menschen +als ein auf Moralität berechnetes Wesen darzustellen, und die moralische +Kultur als unentbehrlich zur physischen Vollendung der überall nur in +der Anlage vorhandenen Menschennatur zu zeigen«, und setzen hinzu: +»wenigstens kann ich versichern, daß es keine vorgefaßte Meinungen +waren, sondern ich durch die Arbeit und Untersuchung selbst +unwiderstehlich in diese Behandlungsart hineingezogen wurde«. -- Eine +solche Ansicht der Sache verrät den Philosophen, nicht den bloßen +Vernunftkünstler; einen Mann, der nicht allein, gleich einem der +Direktoren des französischen Konvents, die von der Vernunft verordneten +Mittel der Ausführung (technisch), wie sie die Erfahrung darbietet, zu +seiner Heilkunde mit Geschicklichkeit, sondern, als gesetzgebendes Glied +im Korps der Ärzte, aus der reinen Vernunft hernimmt, welche zu dem, was +hilft, mit Geschicklichkeit, auch das, was zugleich an sich Pflicht ist, +mit Weisheit zu verordnen weiß: so, daß moralisch-praktische Philosophie +zugleich eine Universalmedizin abgibt, die zwar nicht allen für alles +hilft, aber doch in keinem Rezepte mangeln kann. + +Dieses Universalmittel betrifft aber nur die Diätetik, d. i. es wirkt +nur negativ, als Kunst, Krankheiten abzuhalten. Dergleichen Kunst aber +setzt ein Vermögen voraus, das nur Philosophie, oder der Geist +derselben, den man schlechthin voraussetzen muß, geben kann. Auf diesen +bezieht sich die oberste diätetische Aufgabe, welche in dem Thema +enthalten ist: + +~Von der Macht des Gemüts des Menschen, über seine krankhafte Gefühle +durch den bloßen festen Vorsatz Meister zu sein.~ + +Die, die Möglichkeit dieses Ausspruchs bestätigenden, Beispiele kann ich +nicht von der Erfahrung anderer hernehmen, sondern zuerst nur von der an +mir selbst angestellten; weil sie aus dem Selbstbewußtsein hervorgeht, +und sich nachher allererst andere fragen läßt: ob es nicht auch sie +ebenso in sich wahrnehmen. -- Ich sehe mich also genötigt, mein Ich laut +werden zu lassen; was im dogmatischen Vortrage(2) Unbescheidenheit +verrät; aber Verzeihung verdient, wenn es nicht gemeine Erfahrung, +sondern ein inneres Experiment oder Beobachtung betrifft, welche ich +zuerst an mir selbst angestellt haben muß, um etwas, was nicht jedermann +von selbst, und ohne darauf geführt zu sein, beifällt, zu seiner +Beurteilung vorzulegen. -- Es würde tadelhafte Anmaßung sein, andere mit +der inneren Geschichte meines Gedankenspiels unterhalten zu wollen, +welche zwar subjektive Wichtigkeit (für mich) aber keine objektive (für +jedermann geltende) enthielten. Wenn aber dieses Aufmerken auf sich +selbst und die daraus hervorgehende Wahrnehmung nicht so gemein ist, +sondern, daß jeder dazu aufgefordert werde, eine Sache ist, die es +bedarf und verdient, so kann dieser Übelstand mit seinen +Privatempfindungen andere zu unterhalten wenigstens verziehen werden. + + (2) Im dogmatisch-praktischen Vortrage, z. B. derjenigen Beobachtung + seiner selbst, die auf Pflichten abzweckt, die jedermann angehen, + spricht der Kanzelredner nicht durch Ich, sondern Wir. In dem + erzählenden aber, der Privatempfindung (der Beichte, welche der + Patient seinem Arzte ablegt), oder eigener Erfahrung an sich selbst, + muß er durch Ich reden. + +Ehe ich nun mit dem Resultat meiner, in Absicht auf Diätetik +angestellten, Selbstbeobachtung aufzutreten wage, muß ich noch etwas +über die Art bemerken, wie Herr Hufeland die Aufgabe der Diätetik, d. i. +der Kunst stellt, Krankheiten vorzubeugen, im Gegensatz mit der +Therapeutik, sie zu heilen. + +Sie heißt ihm »die Kunst das menschliche Leben zu verlängern«. + +Er nimmt seine Benennung von demjenigen her, was die Menschen am +sehnsüchtigsten wünschen, ob es gleich vielleicht weniger wünschenswert +sein dürfte. Sie möchten zwar gern zwei Wünsche zugleich thun: nämlich +lange zu leben und dabei gesund zu sein; aber der erstere Wunsch hat den +letzteren nicht zur notwendigen Bedingung: sondern er ist unbedingt. +Laßt den Hospitalkranken jahrelang auf seinem Lager leiden und darben +und ihn oft wünschen hören, daß ihn der Tod je eher je lieber von dieser +Plage erlösen möge; glaubt ihm nicht, es ist nicht sein Ernst. Seine +Vernunft sagt es ihm zwar vor, aber der Naturinstinkt will es anders. +Wenn er dem Tode, als seinem Befreier (_Jovi liberatori_), winkt, so +verlangt er doch immer noch eine kleine Frist und hat immer irgend einen +Vorwand zur Vertagung (_procrastinatio_) seines peremtorischen Dekrets. +Der in wilder Entrüstung gefaßte Entschluß des Selbstmörders, seinem +Leben ein Ende zu machen, macht hievon keine Ausnahme: denn er ist die +Wirkung eines bis zum Wahnsinn exaltierten Affekts. -- Unter den zwei +Verheißungen für die Befolgung der Kindespflicht -- »auf daß dir es +wohlgehe und du lange lebest auf Erden« -- enthält die letztere die +stärkere Triebfeder, selbst im Urteile der Vernunft, nämlich als +Pflicht, deren Beobachtung zugleich verdienstlich ist. + +Die Pflicht das Alter zu ehren gründet sich nämlich eigentlich nicht auf +die billige Schonung, die man den Jüngeren gegen die Schwachheit der +Alten zumutet: denn die ist kein Grund zu einer ihnen schuldigen +Achtung. Das Alter will also noch für etwas Verdienstliches angesehen +werden; weil ihm eine Verehrung zugestanden wird. Also, nicht etwa weil +Nestorjahre zugleich durch viele und lange Erfahrung erworbene Weisheit, +zu Leitung der jüngeren Welt, bei sich führen, sondern bloß weil, wenn +nur keine Schande dasselbe befleckt hat, der Mann, welcher sich so lange +erhalten hat, d. i. der Sterblichkeit, als dem demütigendsten Ausspruch, +der über ein vernünftiges Wesen nur gefällt werden kann -- »du bist Erde +und sollst zur Erde werden« -- so lange hat ausweichen und gleichsam der +Unsterblichkeit hat abgewinnen können, weil, sage ich, ein solcher Mann +sich so lange lebend erhalten und zum Beispiel aufgestellt hat. + +Mit der Gesundheit, als dem zweiten natürlichen Wunsche, ist es dagegen +nur mißlich bewandt. Man kann sich gesund fühlen (aus dem behaglichen +Gefühl seines Lebens urteilen), nie aber wissen, daß man gesund sei. -- +Jede Ursache des natürlichen Todes ist Krankheit: man mag sie fühlen +oder nicht. -- Es gibt viele, von denen, ohne sie eben verspotten zu +wollen, man sagt, daß sie für immer kränkeln, nie krank werden können; +deren Diät ein immer wechselndes Abschweifen und wieder Einbeugen ihrer +Lebensweise ist, und die es im Leben, wenngleich nicht den +Kraftäußerungen, doch der Länge nach, weit bringen. Wie viel aber meiner +Freunde oder Bekannten habe ich nicht überlebt, die sich bei einer +einmal angenommenen ordentlichen Lebensart einer völligen Gesundheit +rühmten: indessen daß der Keim des Todes (die Krankheit) der +Entwickelung nahe, unbemerkt in ihnen lag, und der, welcher sich gesund +fühlte, nicht wußte, daß er krank war; denn die Ursache eines +natürlichen Todes kann man doch nicht anders als Krankheit nennen. Die +Kausalität aber kann man nicht fühlen, dazu gehört Verstand, dessen +Urteil irrig sein kann, indessen daß das Gefühl untrüglich ist, aber nur +dann, wenn man sich krankhaft fühlt, diesen Namen führt; fühlt man sich +aber so auch nicht, doch gleichwohl in dem Menschen verborgenerweise und +zur baldigen Entwickelung bereit liegen kann; daher der Mangel dieses +Gefühls keinen andern Ausdruck des Menschen für sein Wohlbefinden +verstattet, als daß er scheinbarlich gesund sei. Das lange Leben also, +wenn man dahin zurücksieht, kann nur die genossene Gesundheit bezeugen, +und die Diätetik wird vor allem in der Kunst das Leben zu verlängern +(nicht es zu genießen) ihre Geschicklichkeit oder Wissenschaft zu +beweisen haben: wie es auch Herr Hufeland so ausgedrückt haben will. + + + + +Grundsatz der Diätetik. + + +Auf Gemächlichkeit muß die Diätetik nicht berechnet werden; denn diese +Schonung seiner Kräfte und Gefühle ist Verzärtelung, d. i. sie hat +Schwäche und Kraftlosigkeit zur Folge und ein allmähliches Erlöschen der +Lebenskraft, aus Mangel der Übung; sowie eine Erschöpfung derselben +durch zu häufigen und starken Gebrauch derselben. Der Stoizismus, als +Prinzip der Diätetik (_sustine et abstine_), gehört also nicht bloß zur +praktischen Philosophie als Tugendlehre, sondern auch zu ihr als +Heilkunde. Diese ist alsdann philosophisch, wenn bloß die Macht der +Vernunft im Menschen, über seine sinnlichen Gefühle durch einen sich +selbst gegebenen Grundsatz Meister zu sein, die Lebensweise bestimmt. +Dagegen, wenn sie diese Empfindungen zu erregen oder abzuwehren die +Hilfe außer sich in körperlichen Mitteln (der Apotheke, oder der +Chirurgie) sucht, sie bloß empirisch und mechanisch ist. + +Die Wärme, der Schlaf, die sorgfältige Pflege des nicht Kranken sind +solche Verwöhnungen der Gemächlichkeit. + +1) Ich kann, der Erfahrung an mir selbst gemäß, der Vorschrift nicht +beistimmen: »man soll Kopf und Füße warm halten«(3). Ich finde es +dagegen geratener beide kalt zu halten (wozu die Russen auch die Brust +zählen); gerade der Sorgfalt wegen, um mich nicht zu verkälten. -- Es +ist freilich gemächlicher im laulichen Wasser sich die Füße zu waschen, +als es zur Winterszeit mit beinahe eiskaltem zu thun; dafür aber entgeht +man dem Übel der Erschlaffung der Blutgefäße in so weit vom Herzen +entlegenen Teilen, welches im Alter oft eine nicht mehr zu hebende +Krankheit der Füße nach sich zieht. -- Den Bauch, vornehmlich bei kalter +Witterung, warm zu halten, möchte eher zur diätetischen Vorschrift statt +der Gemächlichkeit gehören; weil er Gedärme in sich schließt, die einen +langen Gang hindurch einen nicht flüssigen Stoff forttreiben sollen, +wozu der sogenannte Schmachtriemen (ein breites, den Unterleib haltendes +und die Muskeln desselben unterstützendes Band) bei Alten, aber +eigentlich nicht der Wärme wegen, gehört. + + (3) Den Kopf warm zu halten, ist gewiß immer nachteilig, und die + medizinische Regel ist eigentlich: »den Kopf kühl und die Füße warm zu + halten«. Es bedarf daher diese Äußerung des würdigen Verfassers einige + Berichtigung. Es ist allerdings vollkommen wahr, daß, wenn wir unsere + Füße von Jugend auf ebenso bloß trügen, wie unsere Hände, Gesicht, und + die Weiber auch den Hals und die Brust, wir sie ebensogut gegen Kälte + und Witterung würden abhärten können, wie diese, und Millionen von + Menschen, welche barfuß laufen, beweisen dieses. Da aber unser Klima + und unsere Lebensverhältnisse uns nicht erlauben, das Bloßtragen immer + fortzusetzen, sondern die Füße bekleidet zu tragen gebieten, so + entsteht dadurch schon die Möglichkeit einer Erkältung, durch + Weglassung der gewohnten Bedeckung. Und da es nun überdies gar nicht + zu leugnen ist, daß die Füße, besonders der Unterfuß, in einer ganz + besondern antagonistischen Verbindung mit den oberen Teilen stehen, so + daß durch Erkältung, das heißt, Unterdrückung der Hautthätigkeit, sehr + leicht ein Krankheitsreiz auf Kopf, Brust und Unterleibseingeweide + reflektiert werden kann, so folgt allerdings daraus die Notwendigkeit, + dieselben nicht sowohl warm, sondern in einer gleichmäßigen Temperatur + zu halten. + + H. + +2) Lange oder (wiederholentlich, durch Mittagsruhe) viel schlafen ist +freilich ebensoviel Ersparnis am Ungemache, was überhaupt das Leben im +Wachen unvermeidlich bei sich führt, und es ist wunderlich genug sich +ein langes Leben zu wünschen, um es größtenteils zu verschlafen. Aber +das, worauf es hier eigentlich ankömmt, dieses vermeinte Mittel des +langen Lebens, die Gemächlichkeit, widerspricht sich in seiner Absicht +selbst. Denn das wechselnde Erwachen und wieder Einschlummern in langen +Winternächten ist für das ganze Nervensystem lähmend, zermalmend und in +täuschender Ruhe krafterschöpfend: mithin die Gemächlichkeit hier eine +Ursache der Verkürzung des Lebens. -- Das Bett ist das Nest einer Menge +von Krankheiten. + +3) Im Alter sich zu pflegen oder pflegen zu lassen, bloß um seine +Kräfte, durch die Vermeidung der Ungemächlichkeit (z. B. des Ausgehens +in schlimmem Wetter) oder überhaupt die Übertragung der Arbeit an +andere, die man selbst verrichten könnte, zu schonen, so aber das Leben +zu verlängern, diese Sorgfalt bewirkt gerade das Widerspiel, nämlich das +frühe Altwerden und Verkürzung des Lebens. -- -- Auch daß sehr alt +gewordene mehrenteils verehelichte(4) Personen gewesen wären, möchte +schwer zu beweisen sein(5). -- In einigen Familien ist das Altwerden +erblich, und die Paarung in einer solchen kann wohl einen Familienschlag +dieser Art begründen. Es ist auch kein übles politisches Prinzip zu +Beförderung der Ehen, das gepaarte Leben als ein langes Leben +anzupreisen; obgleich die Erfahrung immer verhältnisweise nur wenig +Beispiele davon an die Hand gibt, von solchen, die nebeneinander +vorzüglich alt geworden sind; aber die Frage ist hier nur vom +physiologischen Grunde des Altwerdens, -- wie es die Natur verfügt, +nicht vom politischen, wie die Konvenienz des Staats die öffentliche +Meinung seiner Absicht gemäß gestimmt zu sein verlangt. + + (4) Hierwider möchte ich doch die Beobachtung anführen: daß + unverehelichte (oder jung verwitwete) alte Männer mehrenteils länger + ein jugendliches Aussehen erhalten, als verehelichte, welches doch auf + eine längere Lebensdauer zu deuten schein. -- Sollten wohl die + letztern an ihren härteren Gesichtszügen den Zustand eines getragenen + Jochs (davon _conjugium_), nämlich das frühere Altwerden verraten, + welches auf ein kürzeres Lebensziel hindeutet? + + (5) Ich habe mich bei Aufstellung dieses Grundsatzes in meiner + Makrobiotik bloß durch die Erfahrung leiten lassen. Es stießen mir bei + meinen Nachforschungen über das höchste Alter so viele Verheiratete + auf, daß ich dadurch zuerst aufmerksam gemacht wurde. Ich fand nämlich + bei allen Alten einen sehr beträchtlichen Überschuß auf seiten der + Verheirateten: von den außerordentlich hohen Alten (d. h. + 120-160jährigen) fand ich durchaus gar keinen unverheiratet; ja sie + hatten alle mehrmals und größtenteils noch in den letzten Zeiten ihres + Lebens geheiratet. Dies allein bewog mich zu den Vermutungen von + Einfluß der Zeugungskraft und des Ehestands aufs lange Leben, für die + ich dann erst die theoretischen Gründe aufsuchte. + + H. + +Übrigens ist das Philosophieren, ohne darum eben Philosoph zu sein, auch +ein Mittel der Abwehrung mancher unangenehmer Gefühle, und doch zugleich +Agitation des Gemüts, welches in seine Beschäftigung ein Interesse +bringt, das von äußern Zufälligkeiten unabhängig und ebendarum, obgleich +nur als Spiel, dennoch kräftig und inniglich ist und die Lebenskraft +nicht stocken läßt. Dagegen Philosophie, die ihr Interesse am Ganzen des +Endzwecks der Vernunft -- der eine absolute Einheit ist -- hat, ein +Gefühl der Kraft bei sich führt, welches die körperlichen Schwächen des +Alters in gewissem Maße durch vernünftige Schätzung des Werts des Lebens +wohl vergüten kann. -- Aber neu sich eröffnende Aussichten zur +Erweiterung seiner Erkenntnisse, wenn sie auch gerade nicht zur +Philosophie gehörten, leisten doch auch ebendasselbe, oder etwas dem +Ähnliches; und, sofern der Mathematiker hieran ein unmittelbares +Interesse (nicht als an einem Werkzeuge zu anderer Absicht) nimmt, so +ist er insofern auch Philosoph und genießt die Wohlthätigkeit einer +solchen Erregungsart seiner Kräfte in einem verjüngten und ohne +Erschöpfung verlängerten Leben. + +Aber auch bloße Tändeleien in einem sorgenfreien Zustande leisten, als +Surrogate, bei eingeschränkten Köpfen fast ebendasselbe, und, die mit +Nichtsthun immer vollauf zu thun haben, werden gemeiniglich auch alt. -- +Ein sehr bejahrter Mann fand dabei ein großes Interesse, daß die vielen +Stutzuhren in seinem Zimmer immer nacheinander, keine mit der andern +zugleich, schlagen mußten; welches ihn und den Uhrmacher den Tag über +genug beschäftigte, und dem letztern zu verdienen gab. Ein anderer fand +in der Abfütterung und Kur seiner Sangvögel hinreichende Beschäftigung, +um die Zeit zwischen seiner eigenen Abfütterung und dem Schlaf +auszufüllen. Eine alte begüterte Frau fand diese Ausfüllung am +Spinnrade, unter dabei eingemischten unbedeutenden Gesprächen, und +klagte daher in ihrem sehr hohen Alter, gleich als über den Verlust +einer guten Gesellschaft, daß, da sie nunmehr den Faden zwischen den +Fingern nicht mehr fühlen konnte, sie für Langerweile zu sterben Gefahr +liefe. + +Doch, damit mein Diskurs über das lange Leben Ihnen nicht auch +Langeweile mache und ebendadurch gefährlich werde, will ich der +Sprachseligkeit, die man als einen Fehler des Alters zu belächeln, +wenngleich nicht zu schelten pflegt, hiemit Grenzen setzen. + + + + +Von der Hypochondrie. + + +Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne ein +bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen -- mithin ohne den Versuch zu +machen, über sie durch die Vernunft Meister zu werden -- die +Grillenkrankheit (_hypochondria vaga_(6)), welche gar keinen bestimmten +Sitz im Körper hat und ein Geschöpf der Einbildungskraft ist und daher +auch die dichtende heißen könnte -- wo der Patient alle Krankheiten, von +denen er in Büchern liest, an sich zu bemerken glaubt, -- ist das gerade +Widerspiel jenes Vermögens des Gemüts über seine krankhaften Gefühle +Meister zu sein, nämlich Verzagtheit, über Übel, welche Menschen +zustoßen könnten, zu brüten, ohne, wenn sie kämen, ihnen widerstehen zu +können; eine Art von Wahnsinn, welchem freilich wohl irgend ein +Krankheitsstoff (Blähung oder Verstopfung) zum Grunde liegen mag, der +aber nicht unmittelbar, wie er den Sinn affiziert, gefühlt, sondern als +bevorstehendes Übel von der dichtenden Einbildungskraft vorgespiegelt +wird; wo dann der Selbstquäler (_Heautontimorumenos_), statt sich selbst +zu ermannen, vergeblich die Hilfe des Arztes aufruft; weil nur er +selbst, durch die Diätetik seines Gedankenspiels, belästigende +Vorstellungen, die sich unwillkührlich einfinden, und zwar von Übeln, +wider die sich doch nichts veranstalten ließe, wenn sie sich wirklich +einstellten, aufheben kann. -- Von dem, der mit dieser Krankheit +behaftet, und solange er es ist, kann man nicht verlangen, er solle +seiner krankhaften Gefühle durch den bloßen Vorsatz Meister werden. +Denn, wenn er dieses könnte, so wäre er nicht hypochondrisch. Ein +vernünftiger Mensch statuiert keine solche Hypochondrie: sondern, wenn +ihm Beängstigungen anwandeln, die in Grillen, d. i. selbst ausgedachte +Übel, ausschlagen wollen, so fragt er sich, ob ein Objekt derselben da +sei. Findet er keines, welches gegründete Ursache zu dieser Beängstigung +abgeben kann, oder sieht er ein, daß, wenn auch gleich ein solches +wirklich wäre, doch dabei nichts zu thun möglich sei, um seine Wirkung +abzuwenden, so geht er mit diesem Anspruche seines inneren Gefühls zur +Tagesordnung, d. i. er läßt seine Beklommenheit (welche alsdann bloß +topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihn nichts anginge) und +richtet seine Aufmerksamkeit auf die Geschäfte, mit denen er zu thun +hat. + + (6) Zum Unterschiede von der topischen (_hypochondria abdominalis_). + + H. + +Ich habe wegen meiner flachen und engen Brust, die für die Bewegung des +Herzens und der Lunge wenig Spielraum läßt, eine natürliche Anlage zur +Hypochondrie, welche in früheren Jahren bis an den Überdruß des Lebens +grenzte. Aber die Überlegung, daß die Ursache dieser Herzbeklemmung +vielleicht bloß mechanisch und nicht zu heben sei, brachte es bald +dahin, daß ich mich an sie gar nicht kehrte, und während dessen, daß ich +mich in der Brust beklommen fühlte, im Kopfe doch Ruhe und Heiterkeit +herrschte, die sich auch in der Gesellschaft, nicht nach abwechselnden +Launen (wie Hypochondrische pflegen), sondern absichtlich und natürlich +mitzuteilen nicht ermangelte. Und da man des Lebens mehr froh wird durch +das, was man im freien Gebrauch desselben thut, als was man genießt, so +können Geistesarbeiten eine andere Art von befördertem Lebensgefühl den +Hemmungen entgegensetzen, welche bloß den Körper angehen. Die Beklemmung +ist mir geblieben; denn ihre Ursache liegt in meinem körperlichen Bau. +Aber über ihren Einfluß auf meine Gedanken und Handlungen bin ich +Meister geworden, durch Abkehrung der Aufmerksamkeit von diesem Gefühle, +als ob es mich gar nicht anginge(7). + + (7) Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden, + die Krankheit und das Gefühl der Krankheit. -- Das letztere übertrifft + mehrenteils die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die + eigentliche Krankheit, die oft nur in einer örtlich gestörten + Verrichtung eines oft unbedeutenden Teiles besteht, gar nicht + bemerken, wenn nicht die dadurch erregte allgemeine Unlust und + Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und Schmerzen, unsern + Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese Einwirkung + der Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt. + Eine schwache, verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte + Empfindlichkeit, wird dadurch völlig übermannt, ein starker, + abgehärteter Geist weiset sie zurück und unterdrückt sie. -- Jedermann + gibt zu, daß es möglich ist, durch ein unerwartetes Ereignis, durch + eine angenehme Zerstreuung, genug durch etwas, was die Seele stark von + sich abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen. -- Warum sollte + dies nun nicht der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft selbst + bewirken können? -- + + Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist + in der That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache + der Hypochondrie und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das + Subjektivieren aller Dinge, das heißt, daß das physische Ich die + Herrschaft über alles erhalten hat, der alleinige Gedanke, die fixe + Idee wird, und alles andere unter diese Kategorie bringt. -- Ich habe + daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger das Leben eines + Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach außen zieht, desto + sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben uns die + praktischen Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt, + und Krankheit, Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand + ihres Denkens. Hier sollte also sehr leicht dasselbe auch der + herrschende Gegenstand ihres Ichs werden, und es müßten folglich alle + Ärzte endlich hypochondrisch werden. -- Und dennoch sehen wir, daß + gerade praktische Ärzte fast nie an Hypochondrie leiden. -- Warum? + Weil sie sich von Anfang an gewöhnen, alle Übel zu objektivieren, + wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst und ihre eignen Übel + zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen und zum + Gegenstand der Außenwelt und der Kunst zu machen. -- Denn das wahre + Ich wird nie krank. + + H. + + + + +Vom Schlafe. + + +Was die Türken, nach ihren Grundsätzen der Prädestination, über die +Mäßigkeit sagen: daß nämlich im Anfange der Welt jedem Menschen die +Portion zugemessen worden, wieviel er im Leben zu essen haben werde, +und, wenn er sein beschieden Teil in großen Portionen verzehrt, er auf +eine desto kürzere Zeit zu essen, mithin zu sein, sich Rechnung machen +könne: das kann in einer Diätetik, als Kinderlehre -- denn im Genießen +müssen auch Männer von Ärzten oft als Kinder behandelt werden, -- auch +zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menschen von Anbeginn her vom +Verhängnisse seine Portion Schlaf zugemessen worden, und der, welcher +von seiner Lebenszeit in Mannsjahren zu viel (über das Dritteil) dem +Schlafen eingeräumt hat, sich nicht eine lange Zeit zu schlafen, d. i. +zu leben und alt zu werden, versprechen darf. -- Wer dem Schlaf als +süßen Genuß im Schlummern (der Siesta der Spanier) oder als Zeitkürzung +(in langen Winternächten) viel mehr als ein Dritteil seiner Lebenszeit +einräumt, oder ihm sich auch teilweise (mit Absätzen), nicht in einem +Stück, für jeden Tag zumißt, verrechnet sich sehr in Ansehung seines +Lebensquantum, teils dem Grade, teils der Länge nach. -- Da nun +schwerlich ein Mensch wünschen wird, daß der Schlaf überhaupt gar nicht +Bedürfnis für ihn wäre, -- woraus doch wohl erhellet, daß er das lange +Leben als eine lange Plage fühlt; von dem, so viel er verschlafen, +ebensoviel Mühseligkeit zu tragen er sich ersparet hat -- so ist es +geratener, fürs Gefühl sowohl als für die Vernunft, dieses genuß- und +thatleere Drittel ganz auf eine Seite zu bringen und es der +unentbehrlichen Naturrestauration zu überlassen: doch mit einer genauen +Abgemessenheit der Zeit, von wo an und wie lange sie dauern soll(8). + + (8) Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht + Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der + Nahrung, körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung. + + H. + + * * * * * + +Es gehört unter die krankhaften Gefühle zu der bestimmten und gewohnten +Zeit nicht schlafen, oder auch sich nicht wach halten zu können; +vornehmlich aber das erstere; in dieser Absicht sich zu Bette zu legen +und doch schlaflos zu liegen. -- Sich alle Gedanken aus dem Kopf zu +schlagen ist zwar der gewöhnliche Rat, den der Arzt gibt; aber sie, oder +andere an ihre Stelle, kommen wieder und erhalten wach. Es ist kein +anderer diätetischer Rat, als beim inneren Wahrnehmen oder Bewußtwerden +irgend eines sich regenden Gedanken, die Aufmerksamkeit davon sofort +abzuwenden (gleich als ob man mit geschlossenen Augen diese auf eine +andere Seite kehrte): wo dann durch das Abbrechen jedes Gedanken, den +man inne wird, allmählich eine Verwirrung der Vorstellungen entspringt, +dadurch das Bewußtsein seiner körperlichen (äußern) Lage aufgehoben +wird, und eine ganz verschiedene Ordnung, nämlich ein unwillkürliches +Spiel der Einbildungskraft (das im gesunden Zustande der Traum ist) +eintritt, in welchem, durch ein bewundernswürdiges Kunststück der +tierischen Organisation, der Körper für die animalischen Bewegungen +abgespannt, für die Vitalbewegung aber innigst agitiert wird und zwar +durch Träume, die, wenn wir uns gleich derselben im Erwachen nicht +erinnern, gleichwohl nicht haben ausbleiben können: weil sonst bei +gänzlicher Ermangelung derselben, wenn die Nervenkraft, die vom Gehirn, +dem Sitze der Vorstellungen, ausgeht, nicht mit der Muskelkraft der +Eingeweide vereinigt wirkte, das Leben sich nicht einen Augenblick +erhalten könnte. Daher träumen vermutlich alle Tiere, wenn sie schlafen. + +Jedermann aber, der sich zu Bette und in Bereitschaft zu schlafen gelegt +hat, wird bisweilen, bei aller obgedachten Ablenkung seiner Gedanken, +doch nicht zum Einschlafen kommen können. In diesem Fall wird er im +Gehirn etwas Spastisches (Krampfartiges) fühlen, welches auch mit der +Beobachtung gut zusammenhängt: daß ein Mensch gleich nach dem Erwachen +etwa ½ Zoll länger sei, als wenn er sogar im Bette geblieben und dabei +nur gewacht hätte. -- Da Schlaflosigkeit ein Fehler des schwächlichen +Alters und die linke Seite überhaupt genommen die schwächere ist(9), so +fühlte ich seit etwa einem Jahre diese krampfichte Anwandelungen und +sehr empfindliche Reize dieser Art (obzwar nicht wirkliche und sichtbare +Bewegungen der darauf affizierten Gliedmaßen als Krämpfe), die ich nach +der Beschreibung anderer für gichtische Zufälle halten und dafür einen +Arzt suchen mußte. Nun aber, aus Ungeduld, am Schlafen mich gehindert zu +fühlen, griff ich bald zu meinem stoischen Mittel, meinen Gedanken mit +Anstrengung auf irgend ein von mir gewähltes gleichgültiges Objekt, was +es auch sei (z. B. auf den viel Nebenvorstellungen enthaltenden Namen +Cicero), zu heften: mithin die Aufmerksamkeit von jener Empfindung +abzulenken; dadurch diese dann, und zwar schleunig, stumpf wurden, und +so die Schläfrigkeit sie überwog, und dieses kann ich jederzeit, bei +wiederkommenden Anfällen dieser Art in den kleinen Unterbrechungen des +Nachtschlafs, mit gleich gutem Erfolg wiederholen. Daß aber dieses nicht +etwa bloß eingebildete Schmerzen waren, davon konnte mich die des andern +Morgens früh sich zeigende glühende Röte der Zehen des linken Fußes +überzeugen. -- Ich bin gewiß, daß viele gichtische Zufälle, wenn nur die +Diät des Genusses nicht gar zu sehr dawider ist, ja Krämpfe und selbst +epileptische Zufälle (nur nicht bei Weibern und Kindern, als die +dergleichen Kraft des Vorsatzes nicht haben), auch wohl das für +unheilbar verschriene Podagra, bei jeder neuen Anwandlung desselben +durch diese Festigkeit des Vorsatzes (seine Aufmerksamkeit von einem +solchen Leiden abzuwenden) abgehalten und nach und nach gehoben werden +könnte(10). + + (9) Es ist ein ganz unrichtiges Vorgeben, daß, was die Stärke im + Gebrauch seiner äußern Gliedmaßen betrifft, es bloß auf die Übung und + wie man früh gewöhnt worden, ankomme, welche von beiden Seiten des + Körpers die stärkere oder schwächere sein solle; ob im Gefechte mit + dem rechten oder linken Arm der Säbel geführt, ob sich der Reiter im + Steigbügel stehend von der rechten zur linken oder umgekehrt aufs + Pferd schwinge &c. Die Erfahrung lehrt aber, daß, wer sich am linken + Fuße Maß für seine Schuhe nehmen läßt, wenn der Schuh dem linken genau + anpaßt, er für den rechten zu enge sei, ohne daß man die Schuld davon + den Eltern geben kann, die ihre Kinder nicht besser belehrt hätten; so + wie der Vorzug der rechten Seite vor der linken auch daran zu sehen + ist, daß der, welcher über einen tiefen Graben schreiten will, den + linken Fuß ansetzt und mit dem rechten überschreitet: widrigen Falls + er in den Graben zu fallen Gefahr läuft. Daß der preußische + Infanterist geübt wird mit dem linken Fuße anzutreten, widerlegt jenen + Satz nicht, sondern bestätigt ihn vielmehr; denn er setzt diesen + voran, gleich als auf ein Hypomochlium, um mit der rechten Seite den + Schwung des Angriffs zu machen, welchen er mit der rechten gegen die + linke verrichtet. + + (10) Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen, + durch die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft + allein einen solchen festen Willen hervorzubringen vermag. Woher kömmt + es, daß die arbeitende, durch Not oder Pflicht zur Arbeit getriebene, + Klasse viel weniger kränkelt, als die müßiggehende? Hauptsächlich + daher, daß jene keine Zeit hat krank zu sein und also eine Menge + Anwandelungen von Krankheiten übergeht, das heißt, in der Arbeit sie + vergißt und dadurch wirklich überwindet und aufhebt, statt daß der + Müßige, den Gefühlen nachgebend und sie pflegend, dadurch oft den Keim + erst zu Krankheiten ausbildet. + + Wie oft habe ich diese Erfahrung in meinem Berufsleben an mir selbst + gemacht, und welcher Pflicht- und Berufsmensch hat sie nicht gemacht! + -- Wie oft glaubte ich früh nicht im stande zu sein, wegen + körperlicher Beschwerden das Zimmer zu verlassen -- die Pflicht rief + zum Krankenbett oder aufs Katheder, und so sauer es anfangs wurde, + nach einiger Zeit der Anstrengung war das Übel vergessen, der Geist + siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt. + + Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei + ansteckenden und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte + Erfahrungssache, daß die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten + und ekeln, am wenigsten angesteckt werden. Aber daß eine schon + wirklich geschehene Ansteckung noch durch freudige Exaltation des + Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon bin ich selbst ein + Beispiel. -- Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in Preußen ein + pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln und + fühlte eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung, + Schwindel, Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle + Vorboten, die bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die + Krankheit wirklich ausbricht. -- Aber die Pflicht gebot; andere waren + kränker als ich. Ich beschloß, meine Geschäfte wie gewöhnlich zu + verrichten und mittags einem frohen Mahle beizuwohnen, wozu ich + eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude + und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank absichtlich mehr Wein + wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten Fieber nach Hause, + legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich und war am + andern Morgen völlig hergestellt. + + H. + + + + +Vom Essen und Trinken. + + +Im gesunden Zustande und der Jugend ist es das Geratenste in Ansehung +des Genusses, der Zeit und Menge nach, bloß den Appetit (Hunger und +Durst) zu befragen; aber bei den mit dem Alter sich einfindenden +Schwächen ist eine gewisse Angewohnheit einer geprüften und heilsam +gefundenen Lebensart, nämlich wie man es einen Tag gehalten hat, es +ebenso alle Tage zu halten, ein diätetischer Grundsatz, welcher dem +langen Leben am günstigsten ist; doch unter der Bedingung, daß diese +Abfütterung für den sich weigernden Appetit die gehörigen Ausnahmen +mache. -- Dieser nämlich weigert im Alter die Quantität des Flüssigen +(Suppen oder viel Wasser zu trinken) vornehmlich dem männlichen +Geschlecht: verlangt dagegen derbere Kost und anreizenderes Getränke +(z. B. Wein), sowohl um die wurmförmige Bewegung der Gedärme -- die +unter allen Eingeweiden am meisten von der _vita propria_ zu haben +scheinen, weil sie, wenn sie noch warm aus dem Tier gerissen und +zerhauen werden, als Würmer kriechen, deren Arbeit man nicht bloß +fühlen, sondern sogar hören kann -- zu befördern und zugleich solche +Teile in den Blutumlauf zu bringen, die durch ihren Reiz das Geäder zur +Blutbewegung im Umlauf zu erhalten beförderlich sind. + +Das Wasser braucht aber bei alten Leuten längere Zeit, um, ins Blut +aufgenommen, den langen Gang seiner Absonderung von der Blutmasse durch +die Nieren zur Harnblase zu machen, wenn es nicht dem Blute assimilierte +Teile (dergleichen der Wein ist) und die einen Reiz der Blutgefäße zum +Fortschaffen bei sich führen, in sich enthält; welcher letztere aber +alsdann als Medizin gebraucht wird, dessen künstlicher Gebrauch +ebendadurch eigentlich nicht zur Diätetik gehört. Der Anwandelung des +Appetits zum Wassertrinken (dem Durst), welche großenteils nur +Angewohnheit ist, nicht sofort nachzugeben und ein hierüber genommener +fester Vorsatz bringt diesen Reiz in das Maß des natürlichen +Bedürfnisses, des den festen Speisen beizugebenden Flüssigen, dessen +Genuß in Menge im Alter selbst durch den Naturinstinkt geweigert wird. +Man schläft auch nicht gut, wenigstens nicht tief bei dieser +Wasserschwelgerei, weil die Blutwärme dadurch vermindert wird. + +Es ist oft gefragt worden: ob, gleich wie in 24 Stunden nur Ein Schlaf, +so auch in ebensoviel Stunden nur Eine Mahlzeit nach diätetischer Regel +verwilligt werden könne, oder ob es nicht besser (gesunder) sei, dem +Appetit am Mittagstische etwas abzubrechen, um dafür auch zu Nacht essen +zu können. Zeitkürzender ist freilich das letztere. -- Das erstere halte +ich auch in den sogenannten besten Lebensjahren (dem Mittelalter) für +zuträglicher; das letztere aber im späteren Alter. Denn, da das Stadium +für die Operation der Gedärme zum Behuf der Verdauung im Alter ohne +Zweifel langsamer abläuft, als in jüngeren Jahren, so kann man glauben, +daß ein neues Pensum (in einer Abendmahlzeit) der Natur aufzugeben, +indessen daß das erstere Stadium der Verdauung noch nicht abgelaufen +ist, der Gesundheit nachteilig werden müsse. -- Auf solche Weise kann +man den Anreiz zum Abendessen, nach einer hinreichenden Sättigung des +Mittags, für ein krankhaftes Gefühl halten, dessen man durch einen +festen Vorsatz so Meister werden kann, daß auch die Anwandelung +desselben nachgerade nicht mehr verspürt wird. + + + + +Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken. + + +Einem Gelehrten ist das Denken ein Nahrungsmittel, ohne welches, wenn er +wach und allein ist, er nicht leben kann; jenes mag nun im Lernen +(Bücherlesen) oder im Ausdenken (Nachsinnen und Erfinden) bestehen. Aber +beim Essen oder Gehen sich zugleich angestrengt mit einem bestimmten +Gedanken beschäftigen, Kopf und Magen oder Kopf und Füße mit zwei +Arbeiten zugleich belästigen, davon bringt das eine Hypochondrie, das +andere Schwindel hervor. Um also dieses krankhaften Zustandes durch +Diätetik Meister zu sein, wird nichts weiter erfordert, als die +mechanische Beschäftigung des Magens, oder der Füße, mit der geistigen +des Denkens wechseln zu lassen und während dieser (der Restauration +gewidmeten) Zeit das absichtliche Denken zu hemmen und dem (dem +mechanischen ähnlichen) freien Spiele der Einbildungskraft den Lauf zu +lassen; wozu aber bei einem Studierenden ein allgemein gefaßter und +fester Vorsatz der Diät im Denken erfordert wird. + +Es finden sich krankhafte Gefühle ein, wenn man in einer Mahlzeit ohne +Gesellschaft sich zugleich mit Bücherlesen oder Nachdenken beschäftigt, +weil die Lebenskraft durch Kopfarbeit von dem Magen, den man belästigt, +abgeleitet wird. Ebenso, wenn dieses Nachdenken mit der +krafterschöpfenden Arbeit der Füße (im Promenieren(11)) verbunden wird. +Man kann das Lukubrieren noch hinzufügen, wenn es ungewöhnlich ist. +Indessen sind die krankhaften Gefühle aus diesen unzeitig (_invita +Minerva_) vorgenommenen Geistesarbeiten doch nicht von der Art, daß sie +sich unmittelbar durch den bloßen Vorsatz augenblicklich, sondern allein +durch Entwöhnung, vermöge eines entgegengesetzten Prinzips, nach und +nach heben lassen, und von den ersteren soll hier nur geredet werden. + + (11) Studierende können es schwerlich unterlassen, in einsamen + Spaziergängen sich mit Nachdenken selbst und allein zu unterhalten. + Ich habe es aber an mir gefunden und auch von andern, die ich darum + befrug, gehört: daß das angestrengte Denken im Gehen geschwinde matt + macht; dagegen, wenn man sich dem freien Spiel der Einbildungskraft + überläßt, die Motion restaurierend ist. Noch mehr geschieht dieses, + wenn bei dieser mit Nachdenken verbundenen Bewegung zugleich + Unterredung mit einem andern gehalten wird, so, daß man sich bald + genötigt sieht das Spiel seiner Gedanken sitzend fortzusetzen. -- Das + Spazieren im Freien hat gerade die Absicht durch den Wechsel der + Gegenstände seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen abzuspannen. + + + + +Von der Hebung und Verhütung krankhafter Zufälle durch den Vorsatz im +Atemziehen. + + +Ich war vor wenigen Jahren noch dann und wann vom Schnupfen und Husten +heimgesucht, welche beide Zufälle mir desto ungelegener waren, als sie +sich bisweilen beim Schlafengehen zutrugen. Gleichsam entrüstet über +diese Störung des Nachtschlafs entschloß ich mich, was den ersteren +Zufall betrifft, mit fest geschlossenen Lippen durchaus die Luft durch +die Nase zu ziehen: welches mir anfangs nur mit einem schwachen Pfeifen, +und da ich nicht absetzte, oder nachließ, immer mit stärkeren, zuletzt +mit vollen und freien Luftzuge gelang, es durch die Nase zu stande zu +bringen, darüber ich dann sofort einschlief. -- Was dieses gleichsam +konvulsivische und mit dazwischen vorfallenden Einatmen (nicht wie beim +Lachen ein kontinuiertes, stoßweise erschallendes) Ausatmen, den Husten +betrifft, vornehmlich den, welchen der gemeine Mann in England den +Altmannshusten (im Bette liegend) nennt, so war er mir um so mehr +ungelegen, da er sich bisweilen bald nach der Erwärmung im Bette +einstellte und das Einschlafen verzögerte. Dieses Husten, welches durch +den Reiz der mit offenen Munde eingeatmeten Luft auf den Luftröhrenkopf +erregt wird(12), nun zu hemmen, bedurfte es einer nicht mechanischen +(pharmazeutischen), sondern nur unmittelbaren Gemütsoperation, nämlich +die Aufmerksamkeit auf diesen Reiz dadurch ganz abzulenken, daß sie mit +Anstrengung auf irgend ein Objekt (wie oben bei krampfhaften Zufällen) +gerichtet und dadurch das Ausstoßen der Luft gehemmet wurde, welches +mir, wie ich es deutlich fühlete, das Blut ins Gesicht trieb, wobei aber +der durch denselben Reiz erregte flüssige Speichel (_saliva_) die +Wirkung dieses Reizes, nämlich die Ausstoßung der Luft, verhinderte und +ein Herunterschlucken dieser Feuchtigkeit bewirkte. -- -- Eine +Gemütsoperation, zu der ein recht großer Grad des festen Vorsatzes +erforderlich, der aber darum auch desto wohlthätiger ist. + + (12) Sollte auch nicht die atmosphärische Luft, wenn sie durch die + Eustachische Röhre (also bei geschlossenen Lippen) zirkuliert, + dadurch, daß sie auf diesem dem Gehirn naheliegenden Umwege Sauerstoff + absetzt, das erquickende Gefühl gestärkter Lebensorgane bewirken, + welches dem ähnlich ist, als ob man Luft trinke; wobei diese, ob sie + zwar keinen Geruch hat, doch die Geruchsnerven und die denselben + naheliegende einsaugende Gefäße stärkt? Bei manchem Wetter findet sich + dieses Erquickliche des Genusses der Luft nicht; bei andern ist es + eine wahre Annehmlichkeit sie auf seiner Wanderung mit langen Zügen zu + trinken: welches das Einatmen mit offenem Munde nicht bewährt. -- -- + Das ist aber von der größten diätetischen Wichtigkeit, den Atemzug + durch die Nase bei geschlossenen Lippen sich so zur Gewohnheit zu + machen, daß er selbst im tiefsten Schlaf nicht anders verrichtet wird + und man sogleich aufwacht, sobald er mit offenem Munde geschieht, und + dadurch gleichsam aufgeschreckt wird; wie ich das anfänglich, ehe es + mir zur Gewohnheit wurde auf solche Weise zu atmen, bisweilen erfuhr. + -- Wenn man genötigt ist stark oder bergan zu schreiten, so gehört + größere Stärke des Vorsatzes dazu, von jener Regel nicht abzuweichen + und eher seine Schritte zu mäßigen, als von ihr eine Ausnahme zu + machen; ingleichen, wenn es um starke Motion zu thun ist, die etwa ein + Erzieher seinen Zöglingen geben will, daß dieser sie ihre Bewegung + lieber stumm als mit öfterer Einatmung durch den Mund machen lasse. + Meine jungen Freunde (ehemalige Zuhörer) haben diese diätetische + Maxime als probat und heilsam gepriesen und sie nicht unter die + Kleinigkeiten gezählt, weil sie bloßes Hausmittel ist, das den Arzt + entbehrlich macht. -- Merkwürdig ist noch: daß, da es scheint, beim + lange fortgesetzten Sprechen geschehe das Einatmen auch durch den so + oft geöffneten Mund, mithin jene Regel werde da doch ohne Schaden + überschritten, es sich wirklich nicht so verhält. Denn es geschieht + doch auch durch die Nase. Denn wäre diese zu der Zeit verstopft, so + würde man von dem Redner sagen, er spreche durch die Nase (ein sehr + widriger Laut), indem er wirklich nicht durch die Nase spräche, und + umgekehrt, er spreche nicht durch die Nase, indem er wirklich durch + die Nase spricht: wie es Hr. Hofrat Lichtenberg launicht und richtig + bemerkt -- das ist auch der Grund, warum der, welcher lange und laut + spricht (Vorleser oder Prediger), es ohne Rauhigkeit der Kehle eine + Stunde lang wohl aushalten kann; weil nämlich sein Atemziehen + eigentlich durch die Nase, nicht durch den Mund, geschieht, als durch + welchen nur das Ausatmen verrichtet wird. -- Ein Nebenvorteil dieser + Angewohnheit des Atemzuges mit beständig geschlossenen Lippen, wenn + man für sich allein wenigstens nicht im Diskurs begriffen ist, ist + der: daß die sich immer absondernde und den Schlund befeuchtende + Saliva hiebei zugleich als Verdauungsmittel (_stomachale_), vielleicht + auch (verschluckt) als Abführungsmittel wirkt; wenn man fest genug + entschlossen ist sie nicht durch üble Angewohnheit zu verschwenden. + + H. + + + + +Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen +Lippen. + + +Die unmittelbare Folge davon ist, daß sie auch im Schlafe fortwährt, und +ich sogleich aus dem Schlafe aufgeschreckt werde, wenn ich +zufälligerweise die Lippen öffne und ein Atemzug durch den Mund +geschieht: woraus man sieht, daß der Schlaf und mit ihm der Traum, nicht +eine so gänzliche Abwesenheit von dem Zustande des Wachenden ist, daß +sich nicht auch eine Aufmerksamkeit auf seine Lage in jenem Zustande mit +einmische: wie man denn dieses auch daraus abnehmen kann, daß die, +welche sich des Abends vorher vorgenommen haben, früher als gewöhnlich +(etwa zu einer Spazierfahrt) aufzustehen, auch früher erwachen, indem +sie vermutlich durch die Stadtuhren aufgeweckt werden, die sie also auch +mitten im Schlaf haben hören und darauf acht geben müssen. -- Die +mittelbare Folge dieser löblichen Angewöhnung ist: daß das +unwillkürliche abgenötigte Husten (nicht das Aufhusten eines Schleims +als beabsichtigter Auswurf) in beiderlei Zustande verhütet und so durch +die bloße Macht des Vorsatzes eine Krankheit verhütet wird. -- -- Ich +habe sogar gefunden, daß, da mich nach ausgelöschtem Licht (und eben zu +Bette gelegt) auf einmal ein starker Durst anwandelte, den mit +Wassertrinken zu löschen ich im Finstern hätte in eine andere Stube +gehen und durch Herumtappen das Wassergeschirr suchen müssen, ich darauf +fiel, verschiedene und starke Atemzüge mit Erhebung der Brust zu thun +und gleichsam Luft durch die Nase zu trinken, wodurch der Durst in wenig +Sekunden völlig gelöscht war. Es war ein krankhafter Reiz, der durch +einen Gegenreiz gehoben ward. + + + + +Denkgeschäft -- Alter. + + +Krankhafte Zufälle, in Ansehung deren das Gemüt das Vermögen besitzt, +des Gefühls derselben durch den bloßen standhaften Willen des Menschen, +als einer Obermacht des vernünftigen Tieres, Meister werden zu können, +sind alle von der spastischen (krampfhaften) Art: man kann aber nicht +umgekehrt sagen, daß alle von dieser Art durch den bloßen festen Vorsatz +gehemmet oder gehoben werden können. -- Denn einige derselben sind von +der Beschaffenheit, daß die Versuche sie der Kraft des Vorsatzes zu +unterwerfen, das krampfhafte Leiden vielmehr noch verstärken: wie es der +Fall mit mir selber ist, da diejenige Krankheit, welche vor etwa einem +Jahr in der Kopenhagener Zeitung als »epidemischer, mit Kopfbedrückung +verbundener Katarrh« beschrieben wurde(13) (bei mir aber wohl ein Jahr +älter aber doch von ähnlicher Empfindung ist) mich für eigene +Kopfarbeiten gleichsam desorganisiert, wenigstens geschwächt und stumpf +gemacht hat, und, da sich diese Bedrückung auf die natürliche Schwäche +des Alters geworfen hat, wohl nicht anders als mit dem Leben zugleich +aufhören wird. + + (13) Ich halte sie für eine Gicht, die sich zum Teil aufs Gehirn + geworfen hat. + +Die krankhafte Beschaffenheit des Patienten, die das Denken, insofern es +ein Festhalten eines Begriffs -- der Einheit des Bewußtseins verbundener +Vorstellungen -- ist, begleitet und erschwert, bringt das Gefühl eines +spastischen Zustandes des Organs des Denkens (des Gehirns) als eines +Drucks hervor, der zwar das Denken und Nachdenken selbst ingleichen das +Gedächtnis in Ansehung des ehedem Gedachten eigentlich nicht schwächt, +aber im Vortrage (dem mündlichen oder schriftlichen) das feste +Zusammenhalten der Vorstellungen in ihrer Zeitfolge wider Zerstreuung +sichern soll, und bewirkt selbst einen unwillkürlichen spastischen +Zustand des Gehirns, als ein Unvermögen, bei dem Wechsel der aufeinander +folgenden Vorstellungen die Einheit des Bewußtseins derselben zu +erhalten. Daher begegnet es mir, daß, wenn ich, wie es in jeder Rede +jederzeit geschieht, zuerst zu dem, was ich sagen will, den Hörer oder +Leser vorbereite, ihm den Gegenstand, wohin ich gehen will, in der +Aussicht, dann ihn auch auf das, wovon ich ausgegangen bin, +zurückgewiesen habe -- ohne welche zwei Hinweisungen kein Zusammenhang +der Rede stattfindet -- und ich nun das letztere mit dem ersteren +verknüpfen soll, ich auf einmal meinen Zuhörer, oder stillschweigend +mich selbst, fragen muß: Wo war ich doch? Wovon ging ich aus? Welcher +Fehler nicht sowohl ein Fehler des Geistes, noch des Gedächtnisses +allein, sondern der Geistesgegenwart (im Verknüpfen), d. i. +unwillkürliche Zerstreuung, und ein sehr peinigender Fehler ist, dem man +zwar in Schriften -- zumal den philosophischen, weil man da nicht immer +so leicht zurücksehen kann, von wo man ausging -- mühsam vorbeugen, aber +mit aller Mühe nie völlig vergüten kann. + +Mit dem Mathematiker, der seine Begriffe, oder die Stellvertreter +derselben (Größen- und Zahlenzeichen), in der Anschauung vor sich +hinstellen und, daß, soweit er gegangen ist, alles richtig sei, +versichert sein kann, ist es anders bewandt als mit dem Arbeiter im +Fache der, vornehmlich reinen, Philosophie (Logik und Metaphysik), der +seinen Gegenstand in der Luft vor sich schwebend erhalten muß, und ihn +nicht bloß teilweise, sondern jederzeit zugleich in einem Ganzen des +Systems (d. r. V.), sich darstellen und prüfen muß. Daher es eben nicht +zu verwundern ist, wenn ein Metaphysiker eher invalid wird als der +Studierende in einem anderen Fache, ingleichen als Geschäftsphilosophen; +indessen daß es doch einige derer geben muß, die sich jenem ganz widmen, +weil ohne Metaphysik überhaupt es gar keine Philosophie geben könnte. + +Hieraus ist auch zu erklären, wie jemand für sein Alter gesund zu sein +sich rühmen kann, ob er zwar in Ansehung gewisser ihm obliegenden +Geschäfte sich in die Krankenliste müßte einschreiben lassen. Denn, weil +das Unvermögen zugleich den Gebrauch und mit diesem auch den Verbrauch +und die Erschöpfung der Lebenskraft abhält, und er gleichsam nur in +einer niedrigeren Stufe (als vegetierendes Wesen) zu leben gesteht, +nämlich essen, sehen und schlafen zu können, was für seine animalische +Existenz gesund, für die bürgerliche (zu öffentlichen Geschäften +verpflichtete) Existenz aber krank, d. i. invalid, heißt: so +widerspricht sich dieser Kandidat des Todes hiemit gar nicht. + +Dahin führt die Kunst das menschliche Leben zu verlängern: daß man +endlich unter den Lebenden nur so geduldet wird, welches eben nicht die +ergötzlichste Lage ist(14). + + (14) Dies Resultat, so wenig tröstlich es ist, ist vollkommen richtig, + sobald wir an das, was der Mensch im vollkommenen Sinn ist und sein + soll, denken. Aber selbst das Beispiel des würdigen Herrn Verfassers + gibt ja einen sprechenden Beweis, was der Mensch auch im Alter noch + für andere sein kann, wenn die Vernunft immer, wie hier, seine oberste + Gesetzgeberin war. -- Und gesetzt auch, es fehlte ganz an dieser + objektiven und bürgerlichen Existenz, sind uns nicht auch die Ruinen + eines schönen und großen Gebäudes heilig und schätzbar? dienen sie uns + nicht als Denkzeichen des Vergangenen, als Winke der Zukunft, als + Lehre und Beispiel? + + H. + +Hieran aber habe ich selber schuld. Denn warum will ich auch der +hinanstrebenden jüngeren Welt nicht Platz machen und um zu leben mir den +gewöhnten Genuß des Lebens schmälern: warum ein schwächliches Leben +durch Entsagungen in ungewöhnliche Länge ziehen, die Sterbelisten, in +denen doch auf den Zuschnitt der von Natur schwächeren und ihre +mutmaßliche Lebensdauer mit gerechnet ist, durch mein Beispiel in +Verwirrung bringen, und das alles, was man sonst Schicksal nannte (dem +man sich demütig und andächtig unterwarf), dem eigenen festen Vorsatze +unterwerfen; welcher doch schwerlich zur allgemeinen diätetischen Regel, +nach welcher die Vernunft unmittelbar Heilkraft ausübt, aufgenommen +werden und die therapeutische Formeln der Offizin jemals verdrängen +wird? + + + + +Nachschrift. + +Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und Verleger. + + +Den Verfasser der Kunst das menschliche (auch besonders das +litterarische) Leben zu verlängern, darf ich also dazu wohl auffordern, +daß er wohlwollend auch darauf bedacht sei, die Augen der Leser -- +vornehmlich der jetzt großen Zahl der Leserinnen, die den Übelstand der +Brille noch härter fühlen dürften -- in Schutz zu nehmen: auf welche +jetzt aus elender Ziererei der Buchdrucker (denn Buchstaben haben doch +als Malerei schlechterdings nichts Schönes an sich), von allen Seiten +Jagd gemacht wird; damit nicht so, wie in Marokko, durch weiße +Übertünchung aller Häuser ein großer Teil der Einwohner der Stadt blind +ist, dieses Übel aus ähnlicher Ursache auch bei uns einreiße, vielmehr +die Buchdrucker desfalls unter Polizeigesetze gebracht werden. -- Die +jetzige Mode will es dagegen anders, nämlich: + +1) Nicht mit schwarzer, sondern grauer Tinte (weil es sanfter und +lieblicher auf schönem weißen Papier absteche), zu drucken. + +2) Mit Didotschen Lettern, von schmalen Füßen, nicht mit Breitkopfschen, +die ihrem Namen Buchstaben (gleichsam bücherner Stäbe zum Feststehen) +besser entsprechen würden. + +3) Mit lateinischer (wohl gar Kursiv) Schrift ein Werk deutschen +Inhalts, von welcher Breitkopf mit Grunde sagte, daß niemand das Lesen +derselben für seine Augen so lange aushalte, als mit der deutschen. + +4) Mit so kleiner Schrift als nur möglich, damit für die unten etwa +beizufügenden Noten noch kleinere (dem Auge noch knapper angemessene) +leserlich bleibe(15). + + (15) Ich stimme in diese Klage des verehrten Verfassers (mit Ausnahme + des grauen Papiers, woran es unsere Herren Verleger so schon nicht + fehlen lassen) ganz mit ein, und bin überzeugt, daß der größte Teil + der jetzt so auffallend läufiger werdenden Augenschwächen schon an und + für sich in dem weit häufigern Lesen -- besonders dem geschwind Lesen, + was jetzt wegen der weit häufigern Zeitungen, Journale, und + Flugschriften weit gewöhnlicher ist und die Augen unglaublich angreift + -- zu suchen sei und dadurch auch unbeschreiblich vermehrt wird, daß + man beim Druck die Rücksicht auf die Augen immer mehr vernachlässigt, + da sie vielmehr, weil nun einmal das Lesen zum allgemeinen Bedürfnis + geworden ist, vermehrt werden sollte. + + Auch ich glaube, daß dabei die den Augen nachteiligsten Fehler dadurch + begangen werden, wenn man auf nicht weißes Papier, mit grauer + Schwärze, mit zu kleinen, oder mit zu zarten, zu wenig Körper + habenden, Lettern druckt; und ich mache es daher jedem Autor, Verleger + und Drucker zur heiligen Pflicht, das Augenwohl ihrer Leser künftig + besser zu bedenken. Besonders ist die blasse Farbe der Buchstaben + äußerst nachteilig, und es ist unverzeihlich, daß es Drucker so häufig + aus elender Gewinnsucht oder Bequemlichkeit darinnen fehlen lassen. + + Je größer der Abstand der Buchstabenfarbe von der Farbe des Papiers + ist, desto leichter faßt das Auge das Bild, und desto weniger greift + dieses Auffassen, das Lesen, die Augen an. -- Also recht weißes Papier + und recht schwarze Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn + Buchhändler und Buchdrucker im Namen des lesenden Publikums recht + angelegentlich bitte. -- Mögen sie es zur Ehre der deutschen Nation + thun, denn wie schön zeichnen sich darin die ausländischen Drucke + gegen die meisten deutschen aus! Mögen sie es zu Bewahrung ihres + Gewissens thun, denn sie versündigen sich in der That, indem sie + unbewußt Ursache der überhandnehmenden Augenschwäche und Blindheit + werden! + + Was aber die lateinischen Lettern als Augenverderber betrifft, so + bitte ich um Erlaubnis, darin andrer Meinung zu sein, und zwar aus + folgenden Gründen: + + 1) Daß diese Lettern an und für sich den Augen nicht nachteiliger + sind, als unsre deutschen, erhellt daraus, weil sonst in England, + Frankreich und andern Ländern, wo man sich ihrer bedient, die + Augenfehler häufiger sein müßten, als bei uns, welches aber nicht der + Fall ist. + + 2) Wenn sie also einen Deutschen, der gewohnt ist deutsch zu lesen, + etwas mehr anzugreifen scheinen, so liegt die Ursache bloß darin, weil + er sie nicht gewohnt ist, und das Angreifende verliert sich, sobald er + sich daran gewöhnt hat, und fällt ganz weg, wenn wir gleich von Jugend + auf an diese Lettern gewöhnt werden. + + 3) Daß diese Lettern, wenn sie klein oder zu mager sind, die Augen + angreifen, ist wahr, aber dasselbe gilt auch von den deutschen, und + ich halte es daher für äußerst nötig, bei der lateinischen Schrift + größere oder fettere Typen zu nehmen; welches auch der einzige Grund + war, warum ich sie bei der Makrobiotik von dieser Beschaffenheit + wählete, ohnerachtet man hie und da darin einen Grund zum Tadel + gefunden hat, -- ein Beweis, daß man gerade dann, wenn man fürs + Publikum sorgt, oft am meisten verkannt werden kann. + + Ich finde also keinen medizinischen Gegengrund, der mich von ihrem + Gebrauch abhalten sollte; vieles aber, was mir ihren Gebrauch anriet + und mich dahin gebracht hat, sie häufig zu wählen. Zuerst nämlich + glaube ich, daß unsere Litteratur und Sprache dann ungleich mehr + Eingang in andre Länder finden wird, wenn wir lateinisch drucken, denn + viele Ausländer schreckt schon das Fremde und Unverständliche der + Typen ab, und man wird sich gewiß schwerer zu Erlernung einer Sprache + entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß. + Ich glaube daher, es würde ungemein viel zur litterarischen Verbindung + Europens und zur Beförderung der allgemeinen Gelehrtenrepublik + beitragen, wenn wir uns endlich eben der Typen bedienten, die die + aufgeklärtesten Nationen angenommen haben, und ich glaube, es muß am + Ende dahin kommen. England, selbst Italien, bedienten sich ja noch bis + zu Anfang dieses Jahrhunderts unserer Mönchsschrift und haben sie + dennoch ganz verlassen, welches zugleich beweist, daß wir nicht einmal + deutsche Originalität daran finden können. -- Dazu kommt nun noch der + Grund, daß bei scientifischen, besonders medizinischen, Büchern, wo + viel lateinische _Termini technici_ vorkommen, ein großer Übelstand + fürs Auge entsteht, wenn die deutsche Schrift alle Augenblicke durch + lateinische unterbrochen wird, oder dadurch ein noch schlimmeres Übel + bewirkt wird, daß man diese _Termini technici_ ins Deutsche übersetzt, + wodurch sie nun vollends den Ausländern ganz, und selbst den Deutschen + aus einer andern Provinz zum Teil, unverständlich werden, und sie + wirklich den Vorzug verlieren, _Termini technici_ zu sein. + + Ich gebe zu, daß manche ungeübte Leser für jetzt lateinische Lettern + ungern, ja wohl gar nicht lesen; dies gilt aber nicht von + scientifischen Schriften. Man mag also bei Schriften für die niedern + Klassen noch deutsche Lettern gebrauchen, bei allen gebildeten Ständen + beiderlei Geschlechts ist das aber schon jetzt nicht mehr nötig. + + H. + +Diesem Unwesen zu steuern, schlage ich vor, den Druck der Berliner +Monatsschrift (nach Text und Noten) zum Muster zu nehmen; denn man mag, +welches Stück man will, in die Hand nehmen, so wird man die durch obige +Leserei angegriffenen Augen durch Ansicht des letzteren merklich +gestärkt fühlen(16). + + (16) Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen + Augenkrankheiten) habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in + meinen vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von + einigen Jahren, dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal + begegnet ist, gemacht; wo das Phänomen darin besteht: daß auf dem + Blatt, welches ich lese, auf einmal alle Buchstaben verwirrt und durch + eine gewisse über dasselbe verbreitete Helligkeit vermischt und ganz + unleserlich werden: ein Zustand, der nicht über 6 Minuten dauert, der + einem Prediger, welcher seine Predigt vom Blatte zu lesen gewohnt ist, + sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in meinem Auditorium der + Logik oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung im freien + Vortrage (aus dem Kopfe) geredet werden kann, nichts als die Besorgnis + entsprang, es möchte dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden sein; + worüber ich gleichwohl jetzt beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt + öfterer als sonst sich ereignenden Zufalle an meinem einen gesunden + Auge (denn das linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren verloren) nicht + den mindesten Abgang an Klarheit verspüre. -- Zufälligerweise kam ich + darauf, wenn sich jenes Phänomen ereignete, meine Augen zu schließen, + ja um noch besser das äußere Licht abzuhalten, meine Hand darüber zu + legen, und dann sahe ich eine hellweiße wie mit Phosphor im Finstern + auf einem Blatt verzeichnete Figur, ähnlich der, wie das letzte + Viertel im Kalender vorgestellt wird, doch mit einem auf der konvexen + Seite ausgezackten Rande, welche allmählich an Helligkeit verlor und + in obbenannter Zeit verschwand. -- Ich möchte wohl wissen: ob diese + Beobachtung auch von andern gemacht und wie diese Erscheinung, die + wohl eigentlich nicht in den Augen, -- als bei deren Bewegung dies + Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben Stelle + gesehn wird -- sondern im _Sensorium commune_ ihren Sitz haben dürfte, + zu erklären sei(17). Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge + (innerhalb einer Zeit, die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen + kann, ohne es zu vermissen. + + (17) Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört + unter die allgemeine Rubrik: _Visus confusus s. perversus_, weil er + noch eben keinen Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation + derselben beweist. Ich selbst habe es zuweilen periodisch gehabt, und + der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d. pr. Heilk. beschriebne falsche + Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende + Reizung die Ursache, z. B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize, oder + auch Schwäche. + + H. + + + + +Inhalt. + + + Seite + + Einleitung 7 + + Grundsatz der Diätetik 11 + + Von der Hypochondrie 14 + + Vom Schlafe 16 + + Vom Essen und Trinken 19 + + Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken 21 + + Von der Hebung und Verhütung krankhafter Gefühle durch + den Vorsatz im Atemziehen 22 + + Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit + geschlossenen Lippen 24 + + Denkgeschäft -- Alter 25 + + Nachschrift. -- Vorsorge für die Augen von seiten der + Buchdrucker und Verleger 27 + + + + +Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + H + H. [Fußnote 1] + + Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne eine + Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne ein + + topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihm nichts anginge) und + topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihn nichts anginge) und + + H + H. [Fußnote 8] + + siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt + siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt. + + eingeladen war Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude + eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude + + Im gesunden Zustande und des Jugend ist es das Geratenste in Ansehung + Im gesunden Zustande und der Jugend ist es das Geratenste in Ansehung + + und recht schwarze Buchstaben sind es, warum ich die deutschen Herrn + und recht schwarze Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn + + entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß + entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß. + + Schwindel hat viel Ähnliches Mehrenteils ist eine vorübergehende + Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende + + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch den +bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein, by Immanuel Kant + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS *** + +***** This file should be named 38295-8.txt or 38295-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/8/2/9/38295/ + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein + +Author: Immanuel Kant + +Editor: C. W. Hufeland + +Release Date: December 13, 2011 [EBook #38295] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden +korrigiert. <span class="screen">Änderungen sind im Text +<ins title="so wie hier">so gekennzeichnet</ins>. Der +Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</span> +Eine <a href="#tn-bottom">Liste der vorgenommenen Änderungen</a> +findet sich am Ende des Textes.</p> +<p>Das <a href="#Inhalt">Inhaltsverzeichnis</a> befindet sich +am Ende des Buches.</p> +</div> + +<h1>Von der Macht des Gemüts,<br/> +<small>durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften +Gefühle Meister zu sein.</small></h1> + +<p class="center" style="line-height: 1.5;">Von<br/> +<big style="font-size: x-large;">Immanuel Kant.</big></p> + +<hr/> + +<p class="center" style="line-height: 1.5;">Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen<br/> +von<br/> +<big>C. W. Hufeland.</big></p> + +<p class="center" style="line-height: 1.5; margin-top: 4em;">Leipzig und Wien.<br/> +Bibliographisches Institut.</p> + +<h2><a class="pagenum" name="Page_3" title="3"> </a>Vorwort des Herausgebers.</h2> + +<p>Der Geist allein lebt – Das Leben des Geistes allein ist +wahres Leben.</p> + +<p>Das Leben des Leibes muß jenem immer untergeordnet und +von ihm beherrscht werden, nicht umgekehrt der Geist sich den +Launen, Stimmungen und Trieben des Körpers unterordnen, +wenn das wahre Leben erhalten werden soll.</p> + +<p>Diese große Wahrheit wurde von jeher von den Weisesten dieser +Welt als der Grundpfeiler aller Sittlichkeit, aller Tugend, +aller Religion, genug alles dessen, was groß und göttlich ist im +Menschen, und sonach auch aller wahren Glückseligkeit, betrachtet +und gepredigt.</p> + +<p>Sie kann aber nicht oft genug wiederholt werden, da es dem +natürlichen Menschen immer näher liegt und bequemer ist, leiblich +zu leben als geistig, noch mehr, wenn, wie in den neuesten +Zeiten geschehen, selbst die Philosophie, sonst die Trägerin des +geistigen Lebens, in dem Identitätssystem den Unterschied zwischen +Geist und Körper ganz aufhebt, und sowohl Philosophen +als Ärzte die Abhängigkeit des Geistes von dem Körper dergestalt +in Schutz nehmen, daß sie selbst alle Verbrechen damit entschuldigen, +Unfreiheit der Seele als ihre Quelle darstellen, und es +<a class="pagenum" name="Page_4" title="4"> </a> +bald dahin gekommen sein wird, daß man gar nichts mehr Verbrechen +nennen kann.</p> + +<p>Aber wohin führt diese Ansicht? – Ist sie nicht geradezu göttlichen +und menschlichen Gesetzen entgegen, die ja auf jene Grundlage +gebaut sind? – Führt sie nicht zum gröbsten Materialismus? +Vernichtet sie nicht alle Moralität, alle Kraft der Tugend, +die eben in dem Leben der Idee und ihrer Herrschaft über das +Leibliche besteht? – Und somit alle wahre Freiheit, Selbständigkeit, +Selbstbeherrschung, Selbstaufopferung, genug das Höchste, +was der Mensch erreichen kann: den Sieg über sich selbst?</p> + +<p>Ewig wahr bleibt das Sinnbild, den Menschen als den Reiter +eines wilden Pferdes sich zu denken; einen vernünftigen Geist +mit einem Tiere vereinigt, das ihn tragen und mit der Erde verbinden, +aber von ihm nun wiederum geleitet und regiert werden +soll. – Es zeigt die Aufgabe seines ganzen Lebens. Besteht sie +nicht darin, diese Tierheit in ihm zu bekämpfen und der höheren +Macht unterzuordnen? Nur dadurch, daß er sich dies Tier unterwirft +und sich möglichst unabhängig davon macht, wird sein Leben +regelmäßig, vernünftig, sittlich und so nur wahrhaft glücklich. +Läßt er dem Tier die Oberhand, so geht es mit ihm durch, +und er wird ein Spiel seiner Launen und Sprünge – bis zum +tödlichen Sturze.</p> + +<p>Aber nicht bloß für das höhere geistige Leben und dessen Gesundheit +bedarf es dieser physischen Selbstbeherrschung, sondern +sie dient ebensosehr zur Erhaltung und Vervollkommnung des physischen +Lebens und dessen Gesundheit und wird dadurch eins der +wichtigsten Diät- und Heilmittel.</p> + +<p>Wir wollen keinesweges den Einfluß des Leiblichen auf das +Geistige leugnen. Aber ebenso auffallend, ja noch größer ist die +psychische Macht des Geistes über das Leibliche. Sie kann Krankheiten +erregen und heilen. Ja sie kann töten und lebendig +machen. Sehen wir nicht sehr häufig durch Schrecken und andere +<a class="pagenum" name="Page_5" title="5"> </a> +Leidenschaften, also durch geistigen Einfluß, Epilepsie, Ohnmachten, +Lähmungen, Blutflüsse und eine Menge andere Krankheiten, +ja den Tod selbst, entstehen? – Und woran stirbt ein solcher +Mensch? Lediglich an einer gewaltsamen, dem Blitzstrahl +ähnlichen, Einwirkung des Geistes in den Körper. – Wie oft +sind nicht die schwersten Krankheiten durch nichts anders geheilt +worden, als durch Freude, Erhebung und Erweckung des Geistes! +Der lange an der Zunge gelähmte Sohn des Krösus bekommt +die Sprache wieder, als man seinen Vater ermorden will. Pinel +sah, daß bei der allgemeinen leidenschaftlichen Aufregung, die die +französische Revolution hervorbrachte, eine Menge seit Jahren +kränklicher und schwächlicher Menschen gesund und stark wurden +und besonders die gewöhnlichen Nervenübel der vornehmen und +müßigen Stände ganz verschwanden. – Ja, ich sage nicht zu viel, +wenn ich behaupte, daß der größte Teil unsrer langwierigen +Nervenkrankheiten und sogenannten Krämpfe gar nichts anders +ist, als Trägheit und Passivität des Geistes, die Folge des schlaffen +Hingebens an körperliche Gefühle und Einflüsse.</p> + +<p>Wer kann leugnen, daß es Wunder und Wunderheilungen +gibt? – Aber was sind sie anders als Wirkungen des festen +Glaubens entweder an himmlische Kräfte, oder auch an irdische +und folglich Wirkungen des Geistes?</p> + +<p>Jedermann kennt die Kraft der Imagination. Niemand zweifelt +daran, daß es eingebildete Krankheiten gibt, und daß eine Menge +Menschen an nichts anders krank sind, als an der Krankheitseinbildung. +Ist es nun aber nicht ebensogut möglich und unendlich +besser, sich einzubilden, gesund zu sein? Und wird man +nicht dadurch ebensogut seine Gesundheit stärken und erhalten +können, als durch das Gegenteil die Krankheit?</p> + +<p>Als ein Beitrag zu dieser wichtigen Lehre und als Beförderungsmittel +der Herrschaft und Heilkraft des Geistes über den +Körper, mögen auch folgende Worte Kants, die letzten, die dieser +<a class="pagenum" name="Page_6" title="6"> </a> +große Geist zu uns gesprochen, dienen. Er schrieb sie auf meine +Veranlassung vor 30 Jahren, wo sie in meinem Journal der +prakt. Heilkunde abgedruckt wurden, und gern habe ich der Aufforderung +des Herrn Verlegers zu einem neuen besondern Abdrucke +gewillfahret und sie mit einigen Bemerkungen versehen. +Mögen sie ihren Zweck erreichen!</p> + +<p><span class="gesperrt">Berlin</span> im Mai 1824.</p> + +<p class="right"><b>C. W. Hufeland.</b></p> + +<p class="center page-break" style="font-size: x-large;"><a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a><a name="Einleitung">Von der Macht des Gemüts,<br/> +durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften +Gefühle Meister zu sein.</a></p> + +<h2>Ein Schreiben an Herrn Professor Hufeland zu Jena im Jahr 1797<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a>.</h2> + +<p>Daß meine Danksagung, für das den 12. Dez. 1796 an mich +bestellte Geschenk, Ihres lehrreichen und angenehmen Buchs +»von der Kunst das menschliche Leben zu verlängern« selbst auf +ein langes Leben berechnet gewesen sein dürfte, möchten Sie vielleicht +aus dem Datum dieser meiner Antwort vom Januar dieses +Jahres zu schließen Ursache haben; wenn das Altgewordensein +nicht schon die öftere Vertagung (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">procrastinatio</span>) wichtiger +Beschlüsse bei sich führete, dergleichen doch wohl der des Todes +ist, welcher sich immer zu früh für uns anmeldet, und den man +warten zu lassen an Ausreden unerschöpflich ist.</p> + +<p>Sie verlangen von mir »ein Urteil über Ihr Bestreben das +Physische im Menschen moralisch zu behandeln; den ganzen, auch +physischen, Menschen als ein auf Moralität berechnetes Wesen +darzustellen, und die moralische Kultur als unentbehrlich zur +<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a> +physischen Vollendung der überall nur in der Anlage vorhandenen +Menschennatur zu zeigen«, und setzen hinzu: »wenigstens +kann ich versichern, daß es keine vorgefaßte Meinungen waren, +sondern ich durch die Arbeit und Untersuchung selbst unwiderstehlich +in diese Behandlungsart hineingezogen wurde«. – +Eine solche Ansicht der Sache verrät den Philosophen, nicht den +bloßen Vernunftkünstler; einen Mann, der nicht allein, gleich +einem der Direktoren des französischen Konvents, die von der +Vernunft verordneten Mittel der Ausführung (technisch), wie +sie die Erfahrung darbietet, zu seiner Heilkunde mit Geschicklichkeit, +sondern, als gesetzgebendes Glied im Korps der Ärzte, aus +der reinen Vernunft hernimmt, welche zu dem, was hilft, mit +Geschicklichkeit, auch das, was zugleich an sich Pflicht ist, mit +Weisheit zu verordnen weiß: so, daß moralisch-praktische Philosophie +zugleich eine Universalmedizin abgibt, die zwar nicht +allen für alles hilft, aber doch in keinem Rezepte mangeln kann.</p> + +<p>Dieses Universalmittel betrifft aber nur die Diätetik, d. i. es +wirkt nur negativ, als Kunst, Krankheiten abzuhalten. Dergleichen +Kunst aber setzt ein Vermögen voraus, das nur Philosophie, +oder der Geist derselben, den man schlechthin voraussetzen +muß, geben kann. Auf diesen bezieht sich die oberste diätetische +Aufgabe, welche in dem Thema enthalten ist:</p> + +<p class="no-indent"><b>Von der Macht des Gemüts des Menschen, über seine krankhafte +Gefühle durch den bloßen festen Vorsatz Meister zu sein.</b></p> + +<p>Die, die Möglichkeit dieses Ausspruchs bestätigenden, Beispiele +kann ich nicht von der Erfahrung anderer hernehmen, sondern zuerst +nur von der an mir selbst angestellten; weil sie aus dem Selbstbewußtsein +hervorgeht, und sich nachher allererst andere fragen +läßt: ob es nicht auch sie ebenso in sich wahrnehmen. – Ich sehe +mich also genötigt, mein Ich laut werden zu lassen; was im dogmatischen +Vortrage<a name="FNanchor_2" href="#Footnote_2" class="fnanchor">(2)</a> Unbescheidenheit verrät; aber Verzeihung +verdient, wenn es nicht gemeine Erfahrung, sondern ein inneres +Experiment oder Beobachtung betrifft, welche ich zuerst an mir +selbst angestellt haben muß, um etwas, was nicht jedermann von +<a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a> +selbst, und ohne darauf geführt zu sein, beifällt, zu seiner Beurteilung +vorzulegen. – Es würde tadelhafte Anmaßung sein, andere +mit der inneren Geschichte meines Gedankenspiels unterhalten +zu wollen, welche zwar subjektive Wichtigkeit (für mich) +aber keine objektive (für jedermann geltende) enthielten. Wenn +aber dieses Aufmerken auf sich selbst und die daraus hervorgehende +Wahrnehmung nicht so gemein ist, sondern, daß jeder +dazu aufgefordert werde, eine Sache ist, die es bedarf und verdient, +so kann dieser Übelstand mit seinen Privatempfindungen +andere zu unterhalten wenigstens verziehen werden.</p> + +<p>Ehe ich nun mit dem Resultat meiner, in Absicht auf Diätetik +angestellten, Selbstbeobachtung aufzutreten wage, muß ich +noch etwas über die Art bemerken, wie Herr Hufeland die Aufgabe +der Diätetik, d. i. der Kunst stellt, Krankheiten vorzubeugen, +im Gegensatz mit der Therapeutik, sie zu heilen.</p> + +<p>Sie heißt ihm »die Kunst das menschliche Leben zu verlängern«.</p> + +<p>Er nimmt seine Benennung von demjenigen her, was die +Menschen am sehnsüchtigsten wünschen, ob es gleich vielleicht weniger +wünschenswert sein dürfte. Sie möchten zwar gern zwei +Wünsche zugleich thun: nämlich lange zu leben und dabei gesund +zu sein; aber der erstere Wunsch hat den letzteren nicht zur notwendigen +Bedingung: sondern er ist unbedingt. Laßt den Hospitalkranken +jahrelang auf seinem Lager leiden und darben und +ihn oft wünschen hören, daß ihn der Tod je eher je lieber von +dieser Plage erlösen möge; glaubt ihm nicht, es ist nicht sein +Ernst. Seine Vernunft sagt es ihm zwar vor, aber der Naturinstinkt +will es anders. Wenn er dem Tode, als seinem Befreier +(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Jovi liberatori</span>), winkt, so verlangt er doch immer noch eine +kleine Frist und hat immer irgend einen Vorwand zur Vertagung +(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">procrastinatio</span>) seines peremtorischen Dekrets. Der in wilder +Entrüstung gefaßte Entschluß des Selbstmörders, seinem Leben +ein Ende zu machen, macht hievon keine Ausnahme: denn er ist +die Wirkung eines bis zum Wahnsinn exaltierten Affekts. – +Unter den zwei Verheißungen für die Befolgung der Kindespflicht +– »auf daß dir es wohlgehe und du lange lebest auf +Erden« – enthält die letztere die stärkere Triebfeder, selbst im +Urteile der Vernunft, nämlich als Pflicht, deren Beobachtung +zugleich verdienstlich ist.</p> + +<p>Die Pflicht das Alter zu ehren gründet sich nämlich eigentlich +nicht auf die billige Schonung, die man den Jüngeren gegen die +<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a> +Schwachheit der Alten zumutet: denn die ist kein Grund zu einer +ihnen schuldigen Achtung. Das Alter will also noch für etwas +Verdienstliches angesehen werden; weil ihm eine Verehrung zugestanden +wird. Also, nicht etwa weil Nestorjahre zugleich durch +viele und lange Erfahrung erworbene Weisheit, zu Leitung der +jüngeren Welt, bei sich führen, sondern bloß weil, wenn nur keine +Schande dasselbe befleckt hat, der Mann, welcher sich so lange +erhalten hat, d. i. der Sterblichkeit, als dem demütigendsten Ausspruch, +der über ein vernünftiges Wesen nur gefällt werden kann +– »du bist Erde und sollst zur Erde werden« – so lange hat +ausweichen und gleichsam der Unsterblichkeit hat abgewinnen +können, weil, sage ich, ein solcher Mann sich so lange lebend erhalten +und zum Beispiel aufgestellt hat.</p> + +<p>Mit der Gesundheit, als dem zweiten natürlichen Wunsche, +ist es dagegen nur mißlich bewandt. Man kann sich gesund +fühlen (aus dem behaglichen Gefühl seines Lebens urteilen), nie +aber wissen, daß man gesund sei. – Jede Ursache des natürlichen +Todes ist Krankheit: man mag sie fühlen oder nicht. – +Es gibt viele, von denen, ohne sie eben verspotten zu wollen, +man sagt, daß sie für immer kränkeln, nie krank werden können; +deren Diät ein immer wechselndes Abschweifen und wieder +Einbeugen ihrer Lebensweise ist, und die es im Leben, wenngleich +nicht den Kraftäußerungen, doch der Länge nach, weit +bringen. Wie viel aber meiner Freunde oder Bekannten habe +ich nicht überlebt, die sich bei einer einmal angenommenen +ordentlichen Lebensart einer völligen Gesundheit rühmten: indessen +daß der Keim des Todes (die Krankheit) der Entwickelung +nahe, unbemerkt in ihnen lag, und der, welcher sich gesund +fühlte, nicht wußte, daß er krank war; denn die Ursache eines +natürlichen Todes kann man doch nicht anders als Krankheit +nennen. Die Kausalität aber kann man nicht fühlen, dazu gehört +Verstand, dessen Urteil irrig sein kann, indessen daß das +Gefühl untrüglich ist, aber nur dann, wenn man sich krankhaft +fühlt, diesen Namen führt; fühlt man sich aber so auch nicht, +doch gleichwohl in dem Menschen verborgenerweise und zur baldigen +Entwickelung bereit liegen kann; daher der Mangel dieses +Gefühls keinen andern Ausdruck des Menschen für sein Wohlbefinden +verstattet, als daß er scheinbarlich gesund sei. Das +lange Leben also, wenn man dahin zurücksieht, kann nur die +genossene Gesundheit bezeugen, und die Diätetik wird vor allem +<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a> +in der Kunst das Leben zu verlängern (nicht es zu genießen) +ihre Geschicklichkeit oder Wissenschaft zu beweisen haben: wie es +auch Herr Hufeland so ausgedrückt haben will.</p> + +<h2><a name="Grundsatz">Grundsatz der Diätetik.</a></h2> + +<p>Auf Gemächlichkeit muß die Diätetik nicht berechnet werden; +denn diese Schonung seiner Kräfte und Gefühle ist Verzärtelung, +d. i. sie hat Schwäche und Kraftlosigkeit zur Folge und ein allmähliches +Erlöschen der Lebenskraft, aus Mangel der Übung; +sowie eine Erschöpfung derselben durch zu häufigen und starken +Gebrauch derselben. Der Stoizismus, als Prinzip der Diätetik +(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">sustine et abstine</span>), gehört also nicht bloß zur praktischen +Philosophie als Tugendlehre, sondern auch zu ihr als Heilkunde. +Diese ist alsdann philosophisch, wenn bloß die Macht +der Vernunft im Menschen, über seine sinnlichen Gefühle durch +einen sich selbst gegebenen Grundsatz Meister zu sein, die Lebensweise +bestimmt. Dagegen, wenn sie diese Empfindungen zu erregen +oder abzuwehren die Hilfe außer sich in körperlichen Mitteln +(der Apotheke, oder der Chirurgie) sucht, sie bloß empirisch +und mechanisch ist.</p> + +<p>Die Wärme, der Schlaf, die sorgfältige Pflege des nicht Kranken +sind solche Verwöhnungen der Gemächlichkeit.</p> + +<p>1) Ich kann, der Erfahrung an mir selbst gemäß, der Vorschrift +nicht beistimmen: »man soll Kopf und Füße warm +halten«<a name="FNanchor_3" href="#Footnote_3" class="fnanchor">(3)</a>. Ich finde es dagegen geratener beide kalt zu halten +<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a> +(wozu die Russen auch die Brust zählen); gerade der Sorgfalt +wegen, um mich nicht zu verkälten. – Es ist freilich gemächlicher +im laulichen Wasser sich die Füße zu waschen, als es zur +Winterszeit mit beinahe eiskaltem zu thun; dafür aber entgeht +man dem Übel der Erschlaffung der Blutgefäße in so weit vom +Herzen entlegenen Teilen, welches im Alter oft eine nicht mehr +zu hebende Krankheit der Füße nach sich zieht. – Den Bauch, +vornehmlich bei kalter Witterung, warm zu halten, möchte eher +zur diätetischen Vorschrift statt der Gemächlichkeit gehören; weil +er Gedärme in sich schließt, die einen langen Gang hindurch +einen nicht flüssigen Stoff forttreiben sollen, wozu der sogenannte +Schmachtriemen (ein breites, den Unterleib haltendes +und die Muskeln desselben unterstützendes Band) bei Alten, +aber eigentlich nicht der Wärme wegen, gehört.</p> + +<p>2) Lange oder (wiederholentlich, durch Mittagsruhe) viel +schlafen ist freilich ebensoviel Ersparnis am Ungemache, was +überhaupt das Leben im Wachen unvermeidlich bei sich führt, +und es ist wunderlich genug sich ein langes Leben zu wünschen, +um es größtenteils zu verschlafen. Aber das, worauf es hier +eigentlich ankömmt, dieses vermeinte Mittel des langen Lebens, +die Gemächlichkeit, widerspricht sich in seiner Absicht selbst. +Denn das wechselnde Erwachen und wieder Einschlummern in +langen Winternächten ist für das ganze Nervensystem lähmend, +zermalmend und in täuschender Ruhe krafterschöpfend: mithin +die Gemächlichkeit hier eine Ursache der Verkürzung des Lebens. +– Das Bett ist das Nest einer Menge von Krankheiten.</p> + +<p>3) Im Alter sich zu pflegen oder pflegen zu lassen, bloß um +seine Kräfte, durch die Vermeidung der Ungemächlichkeit (z. B. +des Ausgehens in schlimmem Wetter) oder überhaupt die Übertragung +der Arbeit an andere, die man selbst verrichten könnte, +zu schonen, so aber das Leben zu verlängern, diese Sorgfalt bewirkt +gerade das Widerspiel, nämlich das frühe Altwerden und +Verkürzung des Lebens. – – Auch daß sehr alt gewordene +mehrenteils verehelichte<a name="FNanchor_4" href="#Footnote_4" class="fnanchor">(4)</a> Personen gewesen wären, möchte +<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a> +schwer zu beweisen sein<a name="FNanchor_5" href="#Footnote_5" class="fnanchor">(5)</a>. – In einigen Familien ist das +Altwerden erblich, und die Paarung in einer solchen kann wohl +einen Familienschlag dieser Art begründen. Es ist auch kein +übles politisches Prinzip zu Beförderung der Ehen, das gepaarte +Leben als ein langes Leben anzupreisen; obgleich die Erfahrung +immer verhältnisweise nur wenig Beispiele davon an die Hand +gibt, von solchen, die nebeneinander vorzüglich alt geworden +sind; aber die Frage ist hier nur vom physiologischen Grunde +des Altwerdens, – wie es die Natur verfügt, nicht vom politischen, +wie die Konvenienz des Staats die öffentliche Meinung +seiner Absicht gemäß gestimmt zu sein verlangt.</p> + +<p>Übrigens ist das Philosophieren, ohne darum eben Philosoph +zu sein, auch ein Mittel der Abwehrung mancher unangenehmer +Gefühle, und doch zugleich Agitation des Gemüts, welches in +seine Beschäftigung ein Interesse bringt, das von äußern Zufälligkeiten +unabhängig und ebendarum, obgleich nur als Spiel, +dennoch kräftig und inniglich ist und die Lebenskraft nicht +stocken läßt. Dagegen Philosophie, die ihr Interesse am Ganzen +des Endzwecks der Vernunft – der eine absolute Einheit ist – +hat, ein Gefühl der Kraft bei sich führt, welches die körperlichen +Schwächen des Alters in gewissem Maße durch vernünftige +Schätzung des Werts des Lebens wohl vergüten kann. – Aber +neu sich eröffnende Aussichten zur Erweiterung seiner Erkenntnisse, +wenn sie auch gerade nicht zur Philosophie gehörten, +leisten doch auch ebendasselbe, oder etwas dem Ähnliches; und, +sofern der Mathematiker hieran ein unmittelbares Interesse +(nicht als an einem Werkzeuge zu anderer Absicht) nimmt, so +ist er insofern auch Philosoph und genießt die Wohlthätigkeit +einer solchen Erregungsart seiner Kräfte in einem verjüngten +und ohne Erschöpfung verlängerten Leben.</p> + +<p>Aber auch bloße Tändeleien in einem sorgenfreien Zustande +<a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a> +leisten, als Surrogate, bei eingeschränkten Köpfen fast ebendasselbe, +und, die mit Nichtsthun immer vollauf zu thun haben, +werden gemeiniglich auch alt. – Ein sehr bejahrter Mann +fand dabei ein großes Interesse, daß die vielen Stutzuhren in +seinem Zimmer immer nacheinander, keine mit der andern zugleich, +schlagen mußten; welches ihn und den Uhrmacher den +Tag über genug beschäftigte, und dem letztern zu verdienen gab. +Ein anderer fand in der Abfütterung und Kur seiner Sangvögel +hinreichende Beschäftigung, um die Zeit zwischen seiner +eigenen Abfütterung und dem Schlaf auszufüllen. Eine alte +begüterte Frau fand diese Ausfüllung am Spinnrade, unter +dabei eingemischten unbedeutenden Gesprächen, und klagte daher +in ihrem sehr hohen Alter, gleich als über den Verlust einer +guten Gesellschaft, daß, da sie nunmehr den Faden zwischen den +Fingern nicht mehr fühlen konnte, sie für Langerweile zu sterben +Gefahr liefe.</p> + +<p>Doch, damit mein Diskurs über das lange Leben Ihnen nicht +auch Langeweile mache und ebendadurch gefährlich werde, will +ich der Sprachseligkeit, die man als einen Fehler des Alters zu +belächeln, wenngleich nicht zu schelten pflegt, hiemit Grenzen +setzen.</p> + +<h2><a name="Hypochondrie">Von der Hypochondrie.</a></h2> + +<p>Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, +ohne <ins title="eine">ein</ins> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen – mithin +ohne den Versuch zu machen, über sie durch die Vernunft +Meister zu werden – die Grillenkrankheit (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">hypochondria +vaga</span><a name="FNanchor_6" href="#Footnote_6" class="fnanchor">(6)</a>), welche gar keinen bestimmten Sitz im Körper hat +und ein Geschöpf der Einbildungskraft ist und daher auch die +dichtende heißen könnte – wo der Patient alle Krankheiten, von +denen er in Büchern liest, an sich zu bemerken glaubt, – ist das +gerade Widerspiel jenes Vermögens des Gemüts über seine +krankhaften Gefühle Meister zu sein, nämlich Verzagtheit, über +Übel, welche Menschen zustoßen könnten, zu brüten, ohne, wenn +sie kämen, ihnen widerstehen zu können; eine Art von Wahnsinn, +welchem freilich wohl irgend ein Krankheitsstoff (Blähung +oder Verstopfung) zum Grunde liegen mag, der aber nicht unmittelbar, +wie er den Sinn affiziert, gefühlt, sondern als bevorstehendes +<a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a> +Übel von der dichtenden Einbildungskraft vorgespiegelt +wird; wo dann der Selbstquäler (<span class="antiqua">Heautontimorumenos</span>), statt +sich selbst zu ermannen, vergeblich die Hilfe des Arztes aufruft; +weil nur er selbst, durch die Diätetik seines Gedankenspiels, belästigende +Vorstellungen, die sich unwillkührlich einfinden, und +zwar von Übeln, wider die sich doch nichts veranstalten ließe, +wenn sie sich wirklich einstellten, aufheben kann. – Von dem, +der mit dieser Krankheit behaftet, und solange er es ist, kann +man nicht verlangen, er solle seiner krankhaften Gefühle durch +den bloßen Vorsatz Meister werden. Denn, wenn er dieses +könnte, so wäre er nicht hypochondrisch. Ein vernünftiger +Mensch statuiert keine solche Hypochondrie: sondern, wenn ihm +Beängstigungen anwandeln, die in Grillen, d. i. selbst ausgedachte +Übel, ausschlagen wollen, so fragt er sich, ob ein Objekt +derselben da sei. Findet er keines, welches gegründete Ursache +zu dieser Beängstigung abgeben kann, oder sieht er ein, daß, +wenn auch gleich ein solches wirklich wäre, doch dabei nichts zu +thun möglich sei, um seine Wirkung abzuwenden, so geht er mit +diesem Anspruche seines inneren Gefühls zur Tagesordnung, +d. i. er läßt seine Beklommenheit (welche alsdann bloß topisch +ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <ins title="ihm">ihn</ins> nichts anginge) und +richtet seine Aufmerksamkeit auf die Geschäfte, mit denen er zu +thun hat.</p> + +<p>Ich habe wegen meiner flachen und engen Brust, die für die +Bewegung des Herzens und der Lunge wenig Spielraum läßt, +eine natürliche Anlage zur Hypochondrie, welche in früheren +Jahren bis an den Überdruß des Lebens grenzte. Aber die Überlegung, +daß die Ursache dieser Herzbeklemmung vielleicht bloß +mechanisch und nicht zu heben sei, brachte es bald dahin, daß ich +mich an sie gar nicht kehrte, und während dessen, daß ich mich +in der Brust beklommen fühlte, im Kopfe doch Ruhe und +Heiterkeit herrschte, die sich auch in der Gesellschaft, nicht nach +abwechselnden Launen (wie Hypochondrische pflegen), sondern +absichtlich und natürlich mitzuteilen nicht ermangelte. Und da +man des Lebens mehr froh wird durch das, was man im freien +Gebrauch desselben thut, als was man genießt, so können Geistesarbeiten +eine andere Art von befördertem Lebensgefühl den +Hemmungen entgegensetzen, welche bloß den Körper angehen. +Die Beklemmung ist mir geblieben; denn ihre Ursache liegt in +meinem körperlichen Bau. Aber über ihren Einfluß auf meine +<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a> +Gedanken und Handlungen bin ich Meister geworden, durch +Abkehrung der Aufmerksamkeit von diesem Gefühle, als ob es +mich gar nicht anginge<a name="FNanchor_7" href="#Footnote_7" class="fnanchor">(7)</a>.</p> + +<h2><a name="Schlaf">Vom Schlafe.</a></h2> + +<p>Was die Türken, nach ihren Grundsätzen der Prädestination, +über die Mäßigkeit sagen: daß nämlich im Anfange der Welt +jedem Menschen die Portion zugemessen worden, wieviel er im +Leben zu essen haben werde, und, wenn er sein beschieden Teil in +großen Portionen verzehrt, er auf eine desto kürzere Zeit zu essen, +mithin zu sein, sich Rechnung machen könne: das kann in einer +Diätetik, als Kinderlehre – denn im Genießen müssen auch +Männer von Ärzten oft als Kinder behandelt werden, – auch +zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menschen von Anbeginn +<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a> +her vom Verhängnisse seine Portion Schlaf zugemessen worden, +und der, welcher von seiner Lebenszeit in Mannsjahren zu viel +(über das Dritteil) dem Schlafen eingeräumt hat, sich nicht eine +lange Zeit zu schlafen, d. i. zu leben und alt zu werden, versprechen +darf. – Wer dem Schlaf als süßen Genuß im Schlummern +(der Siesta der Spanier) oder als Zeitkürzung (in langen +Winternächten) viel mehr als ein Dritteil seiner Lebenszeit einräumt, +oder ihm sich auch teilweise (mit Absätzen), nicht in einem +Stück, für jeden Tag zumißt, verrechnet sich sehr in Ansehung +seines Lebensquantum, teils dem Grade, teils der Länge nach. +– Da nun schwerlich ein Mensch wünschen wird, daß der Schlaf +überhaupt gar nicht Bedürfnis für ihn wäre, – woraus doch +wohl erhellet, daß er das lange Leben als eine lange Plage fühlt; +von dem, so viel er verschlafen, ebensoviel Mühseligkeit zu +tragen er sich ersparet hat – so ist es geratener, fürs Gefühl +sowohl als für die Vernunft, dieses genuß- und thatleere +Drittel ganz auf eine Seite zu bringen und es der unentbehrlichen +Naturrestauration zu überlassen: doch mit einer genauen +Abgemessenheit der Zeit, von wo an und wie lange sie dauern soll<a name="FNanchor_8" href="#Footnote_8" class="fnanchor">(8)</a>.</p> + +<hr class="thought-break"/> + +<p>Es gehört unter die krankhaften Gefühle zu der bestimmten +und gewohnten Zeit nicht schlafen, oder auch sich nicht wach +halten zu können; vornehmlich aber das erstere; in dieser Absicht +sich zu Bette zu legen und doch schlaflos zu liegen. – Sich alle +Gedanken aus dem Kopf zu schlagen ist zwar der gewöhnliche +Rat, den der Arzt gibt; aber sie, oder andere an ihre Stelle, +kommen wieder und erhalten wach. Es ist kein anderer diätetischer +Rat, als beim inneren Wahrnehmen oder Bewußtwerden +irgend eines sich regenden Gedanken, die Aufmerksamkeit davon +sofort abzuwenden (gleich als ob man mit geschlossenen Augen +diese auf eine andere Seite kehrte): wo dann durch das Abbrechen +jedes Gedanken, den man inne wird, allmählich eine Verwirrung +der Vorstellungen entspringt, dadurch das Bewußtsein seiner +körperlichen (äußern) Lage aufgehoben wird, und eine ganz verschiedene +Ordnung, nämlich ein unwillkürliches Spiel der Einbildungskraft +<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a> +(das im gesunden Zustande der Traum ist) eintritt, +in welchem, durch ein bewundernswürdiges Kunststück +der tierischen Organisation, der Körper für die animalischen +Bewegungen abgespannt, für die Vitalbewegung aber innigst +agitiert wird und zwar durch Träume, die, wenn wir uns gleich +derselben im Erwachen nicht erinnern, gleichwohl nicht haben +ausbleiben können: weil sonst bei gänzlicher Ermangelung derselben, +wenn die Nervenkraft, die vom Gehirn, dem Sitze der +Vorstellungen, ausgeht, nicht mit der Muskelkraft der Eingeweide +vereinigt wirkte, das Leben sich nicht einen Augenblick erhalten +könnte. Daher träumen vermutlich alle Tiere, wenn sie +schlafen.</p> + +<p>Jedermann aber, der sich zu Bette und in Bereitschaft zu +schlafen gelegt hat, wird bisweilen, bei aller obgedachten Ablenkung +seiner Gedanken, doch nicht zum Einschlafen kommen +können. In diesem Fall wird er im Gehirn etwas Spastisches +(Krampfartiges) fühlen, welches auch mit der Beobachtung gut +zusammenhängt: daß ein Mensch gleich nach dem Erwachen +etwa ½ Zoll länger sei, als wenn er sogar im Bette geblieben +und dabei nur gewacht hätte. – Da Schlaflosigkeit ein Fehler +des schwächlichen Alters und die linke Seite überhaupt genommen +die schwächere ist<a name="FNanchor_9" href="#Footnote_9" class="fnanchor">(9)</a>, so fühlte ich seit etwa einem Jahre diese +krampfichte Anwandelungen und sehr empfindliche Reize dieser +Art (obzwar nicht wirkliche und sichtbare Bewegungen der +darauf affizierten Gliedmaßen als Krämpfe), die ich nach der +Beschreibung anderer für gichtische Zufälle halten und dafür +<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a> +einen Arzt suchen mußte. Nun aber, aus Ungeduld, am Schlafen +mich gehindert zu fühlen, griff ich bald zu meinem stoischen +Mittel, meinen Gedanken mit Anstrengung auf irgend ein von +mir gewähltes gleichgültiges Objekt, was es auch sei (z. B. auf +den viel Nebenvorstellungen enthaltenden Namen Cicero), zu +heften: mithin die Aufmerksamkeit von jener Empfindung abzulenken; +dadurch diese dann, und zwar schleunig, stumpf wurden, +und so die Schläfrigkeit sie überwog, und dieses kann ich +jederzeit, bei wiederkommenden Anfällen dieser Art in den +kleinen Unterbrechungen des Nachtschlafs, mit gleich gutem Erfolg +wiederholen. Daß aber dieses nicht etwa bloß eingebildete +Schmerzen waren, davon konnte mich die des andern Morgens +früh sich zeigende glühende Röte der Zehen des linken Fußes +überzeugen. – Ich bin gewiß, daß viele gichtische Zufälle, wenn +nur die Diät des Genusses nicht gar zu sehr dawider ist, ja +Krämpfe und selbst epileptische Zufälle (nur nicht bei Weibern +und Kindern, als die dergleichen Kraft des Vorsatzes nicht haben), +auch wohl das für unheilbar verschriene Podagra, bei jeder +neuen Anwandlung desselben durch diese Festigkeit des Vorsatzes +(seine Aufmerksamkeit von einem solchen Leiden abzuwenden) +abgehalten und nach und nach gehoben werden könnte<a name="FNanchor_10" href="#Footnote_10" class="fnanchor">(10)</a>.</p> + +<h2><a name="Essen">Vom Essen und Trinken.</a></h2> + +<p>Im gesunden Zustande und <ins title="des">der</ins> Jugend ist es das Geratenste +in Ansehung des Genusses, der Zeit und Menge nach, bloß den +Appetit (Hunger und Durst) zu befragen; aber bei den mit dem +<a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a> +Alter sich einfindenden Schwächen ist eine gewisse Angewohnheit +einer geprüften und heilsam gefundenen Lebensart, nämlich wie +man es einen Tag gehalten hat, es ebenso alle Tage zu halten, +ein diätetischer Grundsatz, welcher dem langen Leben am günstigsten +ist; doch unter der Bedingung, daß diese Abfütterung +für den sich weigernden Appetit die gehörigen Ausnahmen +mache. – Dieser nämlich weigert im Alter die Quantität des +Flüssigen (Suppen oder viel Wasser zu trinken) vornehmlich +dem männlichen Geschlecht: verlangt dagegen derbere Kost und +anreizenderes Getränke (z. B. Wein), sowohl um die wurmförmige +Bewegung der Gedärme – die unter allen Eingeweiden +am meisten von der <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">vita propria</span> zu haben scheinen, weil sie, +wenn sie noch warm aus dem Tier gerissen und zerhauen werden, +als Würmer kriechen, deren Arbeit man nicht bloß fühlen, +sondern sogar hören kann – zu befördern und zugleich solche +Teile in den Blutumlauf zu bringen, die durch ihren Reiz das +Geäder zur Blutbewegung im Umlauf zu erhalten beförderlich sind.</p> + +<p>Das Wasser braucht aber bei alten Leuten längere Zeit, um, +ins Blut aufgenommen, den langen Gang seiner Absonderung +von der Blutmasse durch die Nieren zur Harnblase zu machen, +wenn es nicht dem Blute assimilierte Teile (dergleichen der +Wein ist) und die einen Reiz der Blutgefäße zum Fortschaffen +bei sich führen, in sich enthält; welcher letztere aber alsdann als +Medizin gebraucht wird, dessen künstlicher Gebrauch ebendadurch +eigentlich nicht zur Diätetik gehört. Der Anwandelung +des Appetits zum Wassertrinken (dem Durst), welche großenteils +<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a> +nur Angewohnheit ist, nicht sofort nachzugeben und ein hierüber +genommener fester Vorsatz bringt diesen Reiz in das Maß des +natürlichen Bedürfnisses, des den festen Speisen beizugebenden +Flüssigen, dessen Genuß in Menge im Alter selbst durch den +Naturinstinkt geweigert wird. Man schläft auch nicht gut, +wenigstens nicht tief bei dieser Wasserschwelgerei, weil die Blutwärme +dadurch vermindert wird.</p> + +<p>Es ist oft gefragt worden: ob, gleich wie in 24 Stunden nur +Ein Schlaf, so auch in ebensoviel Stunden nur Eine Mahlzeit +nach diätetischer Regel verwilligt werden könne, oder ob es nicht +besser (gesunder) sei, dem Appetit am Mittagstische etwas abzubrechen, +um dafür auch zu Nacht essen zu können. Zeitkürzender +ist freilich das letztere. – Das erstere halte ich auch in den +sogenannten besten Lebensjahren (dem Mittelalter) für zuträglicher; +das letztere aber im späteren Alter. Denn, da das Stadium +für die Operation der Gedärme zum Behuf der Verdauung im +Alter ohne Zweifel langsamer abläuft, als in jüngeren Jahren, +so kann man glauben, daß ein neues Pensum (in einer Abendmahlzeit) +der Natur aufzugeben, indessen daß das erstere Stadium +der Verdauung noch nicht abgelaufen ist, der Gesundheit nachteilig +werden müsse. – Auf solche Weise kann man den Anreiz +zum Abendessen, nach einer hinreichenden Sättigung des Mittags, +für ein krankhaftes Gefühl halten, dessen man durch einen +festen Vorsatz so Meister werden kann, daß auch die Anwandelung +desselben nachgerade nicht mehr verspürt wird.</p> + +<h2><a name="Unzeit">Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken.</a></h2> + +<p>Einem Gelehrten ist das Denken ein Nahrungsmittel, ohne +welches, wenn er wach und allein ist, er nicht leben kann; jenes +mag nun im Lernen (Bücherlesen) oder im Ausdenken (Nachsinnen +und Erfinden) bestehen. Aber beim Essen oder Gehen +sich zugleich angestrengt mit einem bestimmten Gedanken beschäftigen, +Kopf und Magen oder Kopf und Füße mit zwei +Arbeiten zugleich belästigen, davon bringt das eine Hypochondrie, +das andere Schwindel hervor. Um also dieses krankhaften Zustandes +durch Diätetik Meister zu sein, wird nichts weiter erfordert, +als die mechanische Beschäftigung des Magens, oder der +Füße, mit der geistigen des Denkens wechseln zu lassen und +während dieser (der Restauration gewidmeten) Zeit das absichtliche +<a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a> +Denken zu hemmen und dem (dem mechanischen ähnlichen) +freien Spiele der Einbildungskraft den Lauf zu lassen; wozu +aber bei einem Studierenden ein allgemein gefaßter und fester +Vorsatz der Diät im Denken erfordert wird.</p> + +<p>Es finden sich krankhafte Gefühle ein, wenn man in einer +Mahlzeit ohne Gesellschaft sich zugleich mit Bücherlesen oder +Nachdenken beschäftigt, weil die Lebenskraft durch Kopfarbeit +von dem Magen, den man belästigt, abgeleitet wird. Ebenso, +wenn dieses Nachdenken mit der krafterschöpfenden Arbeit der +Füße (im Promenieren<a name="FNanchor_11" href="#Footnote_11" class="fnanchor">(11)</a>) verbunden wird. Man kann das +Lukubrieren noch hinzufügen, wenn es ungewöhnlich ist. Indessen +sind die krankhaften Gefühle aus diesen unzeitig (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">invita Minerva</span>) +vorgenommenen Geistesarbeiten doch nicht von der Art, daß sie +sich unmittelbar durch den bloßen Vorsatz augenblicklich, sondern +allein durch Entwöhnung, vermöge eines entgegengesetzten Prinzips, +nach und nach heben lassen, und von den ersteren soll hier +nur geredet werden.</p> + +<h2><a name="Atemziehen">Von der Hebung und Verhütung krankhafter Zufälle durch den Vorsatz im Atemziehen.</a></h2> + +<p>Ich war vor wenigen Jahren noch dann und wann vom +Schnupfen und Husten heimgesucht, welche beide Zufälle mir +desto ungelegener waren, als sie sich bisweilen beim Schlafengehen +zutrugen. Gleichsam entrüstet über diese Störung des +Nachtschlafs entschloß ich mich, was den ersteren Zufall betrifft, +mit fest geschlossenen Lippen durchaus die Luft durch die Nase +zu ziehen: welches mir anfangs nur mit einem schwachen Pfeifen, +und da ich nicht absetzte, oder nachließ, immer mit stärkeren, zuletzt +mit vollen und freien Luftzuge gelang, es durch die Nase +zu stande zu bringen, darüber ich dann sofort einschlief. – Was +dieses gleichsam konvulsivische und mit dazwischen vorfallenden +<a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a> +Einatmen (nicht wie beim Lachen ein kontinuiertes, stoßweise +erschallendes) Ausatmen, den Husten betrifft, vornehmlich den, +welchen der gemeine Mann in England den Altmannshusten +(im Bette liegend) nennt, so war er mir um so mehr ungelegen, +da er sich bisweilen bald nach der Erwärmung im Bette einstellte +und das Einschlafen verzögerte. Dieses Husten, welches +durch den Reiz der mit offenen Munde eingeatmeten Luft auf +den Luftröhrenkopf erregt wird<a name="FNanchor_12" href="#Footnote_12" class="fnanchor">(12)</a>, nun zu hemmen, bedurfte es +<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a> +einer nicht mechanischen (pharmazeutischen), sondern nur unmittelbaren +Gemütsoperation, nämlich die Aufmerksamkeit auf +diesen Reiz dadurch ganz abzulenken, daß sie mit Anstrengung +auf irgend ein Objekt (wie oben bei krampfhaften Zufällen) +gerichtet und dadurch das Ausstoßen der Luft gehemmet wurde, +welches mir, wie ich es deutlich fühlete, das Blut ins Gesicht +trieb, wobei aber der durch denselben Reiz erregte flüssige Speichel +(<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">saliva</span>) die Wirkung dieses Reizes, nämlich die Ausstoßung +der Luft, verhinderte und ein Herunterschlucken dieser Feuchtigkeit +bewirkte. – – Eine Gemütsoperation, zu der ein recht +großer Grad des festen Vorsatzes erforderlich, der aber darum +auch desto wohlthätiger ist.</p> + +<h2><a name="Lippen">Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen Lippen.</a></h2> + +<p>Die unmittelbare Folge davon ist, daß sie auch im Schlafe +fortwährt, und ich sogleich aus dem Schlafe aufgeschreckt werde, +wenn ich zufälligerweise die Lippen öffne und ein Atemzug durch +den Mund geschieht: woraus man sieht, daß der Schlaf und mit +ihm der Traum, nicht eine so gänzliche Abwesenheit von dem +Zustande des Wachenden ist, daß sich nicht auch eine Aufmerksamkeit +auf seine Lage in jenem Zustande mit einmische: wie +man denn dieses auch daraus abnehmen kann, daß die, welche +sich des Abends vorher vorgenommen haben, früher als gewöhnlich +(etwa zu einer Spazierfahrt) aufzustehen, auch früher erwachen, +indem sie vermutlich durch die Stadtuhren aufgeweckt +werden, die sie also auch mitten im Schlaf haben hören und +darauf acht geben müssen. – Die mittelbare Folge dieser löblichen +Angewöhnung ist: daß das unwillkürliche abgenötigte +Husten (nicht das Aufhusten eines Schleims als beabsichtigter +Auswurf) in beiderlei Zustande verhütet und so durch die bloße +Macht des Vorsatzes eine Krankheit verhütet wird. – – Ich habe +sogar gefunden, daß, da mich nach ausgelöschtem Licht (und eben +zu Bette gelegt) auf einmal ein starker Durst anwandelte, den +mit Wassertrinken zu löschen ich im Finstern hätte in eine andere +Stube gehen und durch Herumtappen das Wassergeschirr suchen +müssen, ich darauf fiel, verschiedene und starke Atemzüge mit +Erhebung der Brust zu thun und gleichsam Luft durch die Nase +<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a> +zu trinken, wodurch der Durst in wenig Sekunden völlig gelöscht +war. Es war ein krankhafter Reiz, der durch einen Gegenreiz +gehoben ward.</p> + +<h2><a name="Alter">Denkgeschäft – Alter.</a></h2> + +<p>Krankhafte Zufälle, in Ansehung deren das Gemüt das Vermögen +besitzt, des Gefühls derselben durch den bloßen standhaften +Willen des Menschen, als einer Obermacht des vernünftigen +Tieres, Meister werden zu können, sind alle von der spastischen +(krampfhaften) Art: man kann aber nicht umgekehrt sagen, daß +alle von dieser Art durch den bloßen festen Vorsatz gehemmet oder +gehoben werden können. – Denn einige derselben sind von der +Beschaffenheit, daß die Versuche sie der Kraft des Vorsatzes zu +unterwerfen, das krampfhafte Leiden vielmehr noch verstärken: +wie es der Fall mit mir selber ist, da diejenige Krankheit, welche +vor etwa einem Jahr in der Kopenhagener Zeitung als »epidemischer, +mit Kopfbedrückung verbundener Katarrh« beschrieben +wurde<a name="FNanchor_13" href="#Footnote_13" class="fnanchor">(13)</a> (bei mir aber wohl ein Jahr älter aber doch von ähnlicher +Empfindung ist) mich für eigene Kopfarbeiten gleichsam +desorganisiert, wenigstens geschwächt und stumpf gemacht hat, +und, da sich diese Bedrückung auf die natürliche Schwäche des +Alters geworfen hat, wohl nicht anders als mit dem Leben zugleich +aufhören wird.</p> + +<p>Die krankhafte Beschaffenheit des Patienten, die das Denken, +insofern es ein Festhalten eines Begriffs – der Einheit des +Bewußtseins verbundener Vorstellungen – ist, begleitet und +erschwert, bringt das Gefühl eines spastischen Zustandes des +Organs des Denkens (des Gehirns) als eines Drucks hervor, +der zwar das Denken und Nachdenken selbst ingleichen das +Gedächtnis in Ansehung des ehedem Gedachten eigentlich nicht +schwächt, aber im Vortrage (dem mündlichen oder schriftlichen) +das feste Zusammenhalten der Vorstellungen in ihrer Zeitfolge +wider Zerstreuung sichern soll, und bewirkt selbst einen unwillkürlichen +spastischen Zustand des Gehirns, als ein Unvermögen, +bei dem Wechsel der aufeinander folgenden Vorstellungen die +Einheit des Bewußtseins derselben zu erhalten. Daher begegnet +es mir, daß, wenn ich, wie es in jeder Rede jederzeit geschieht, +<a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a> +zuerst zu dem, was ich sagen will, den Hörer oder Leser vorbereite, +ihm den Gegenstand, wohin ich gehen will, in der Aussicht, +dann ihn auch auf das, wovon ich ausgegangen bin, zurückgewiesen +habe – ohne welche zwei Hinweisungen kein Zusammenhang +der Rede stattfindet – und ich nun das letztere mit dem +ersteren verknüpfen soll, ich auf einmal meinen Zuhörer, oder +stillschweigend mich selbst, fragen muß: Wo war ich doch? Wovon +ging ich aus? Welcher Fehler nicht sowohl ein Fehler des +Geistes, noch des Gedächtnisses allein, sondern der Geistesgegenwart +(im Verknüpfen), d. i. unwillkürliche Zerstreuung, und +ein sehr peinigender Fehler ist, dem man zwar in Schriften – +zumal den philosophischen, weil man da nicht immer so leicht +zurücksehen kann, von wo man ausging – mühsam vorbeugen, +aber mit aller Mühe nie völlig vergüten kann.</p> + +<p>Mit dem Mathematiker, der seine Begriffe, oder die Stellvertreter +derselben (Größen- und Zahlenzeichen), in der Anschauung +vor sich hinstellen und, daß, soweit er gegangen ist, alles richtig +sei, versichert sein kann, ist es anders bewandt als mit dem Arbeiter im +Fache der, vornehmlich reinen, Philosophie (Logik und Metaphysik), +der seinen Gegenstand in der Luft vor sich schwebend erhalten +muß, und ihn nicht bloß teilweise, sondern jederzeit zugleich +in einem Ganzen des Systems (d. r. V.), sich darstellen +und prüfen muß. Daher es eben nicht zu verwundern ist, wenn +ein Metaphysiker eher invalid wird als der Studierende in einem +anderen Fache, ingleichen als Geschäftsphilosophen; indessen daß +es doch einige derer geben muß, die sich jenem ganz widmen, +weil ohne Metaphysik überhaupt es gar keine Philosophie geben +könnte.</p> + +<p>Hieraus ist auch zu erklären, wie jemand für sein Alter gesund +zu sein sich rühmen kann, ob er zwar in Ansehung gewisser ihm +obliegenden Geschäfte sich in die Krankenliste müßte einschreiben +lassen. Denn, weil das Unvermögen zugleich den Gebrauch und +mit diesem auch den Verbrauch und die Erschöpfung der Lebenskraft +abhält, und er gleichsam nur in einer niedrigeren Stufe +(als vegetierendes Wesen) zu leben gesteht, nämlich essen, sehen +und schlafen zu können, was für seine animalische Existenz gesund, +für die bürgerliche (zu öffentlichen Geschäften verpflichtete) +Existenz aber krank, d. i. invalid, heißt: so widerspricht sich dieser +Kandidat des Todes hiemit gar nicht.</p> + +<p>Dahin führt die Kunst das menschliche Leben zu verlängern: +<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a> +daß man endlich unter den Lebenden nur so geduldet wird, welches +eben nicht die ergötzlichste Lage ist<a name="FNanchor_14" href="#Footnote_14" class="fnanchor">(14)</a>.</p> + +<p>Hieran aber habe ich selber schuld. Denn warum will ich +auch der hinanstrebenden jüngeren Welt nicht Platz machen und +um zu leben mir den gewöhnten Genuß des Lebens schmälern: +warum ein schwächliches Leben durch Entsagungen in ungewöhnliche +Länge ziehen, die Sterbelisten, in denen doch auf den Zuschnitt +der von Natur schwächeren und ihre mutmaßliche Lebensdauer +mit gerechnet ist, durch mein Beispiel in Verwirrung +bringen, und das alles, was man sonst Schicksal nannte (dem +man sich demütig und andächtig unterwarf), dem eigenen festen +Vorsatze unterwerfen; welcher doch schwerlich zur allgemeinen +diätetischen Regel, nach welcher die Vernunft unmittelbar Heilkraft +ausübt, aufgenommen werden und die therapeutische Formeln +der Offizin jemals verdrängen wird?</p> + +<h2><a name="Nachschrift">Nachschrift.</a><br/> +<small>Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und Verleger.</small></h2> + +<p>Den Verfasser der Kunst das menschliche (auch besonders das +litterarische) Leben zu verlängern, darf ich also dazu wohl auffordern, +daß er wohlwollend auch darauf bedacht sei, die Augen +der Leser – vornehmlich der jetzt großen Zahl der Leserinnen, +die den Übelstand der Brille noch härter fühlen dürften – in +Schutz zu nehmen: auf welche jetzt aus elender Ziererei der Buchdrucker +(denn Buchstaben haben doch als Malerei schlechterdings +<a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a> +nichts Schönes an sich), von allen Seiten Jagd gemacht wird; damit +nicht so, wie in Marokko, durch weiße Übertünchung aller +Häuser ein großer Teil der Einwohner der Stadt blind ist, dieses +Übel aus ähnlicher Ursache auch bei uns einreiße, vielmehr die +Buchdrucker desfalls unter Polizeigesetze gebracht werden. – Die +jetzige Mode will es dagegen anders, nämlich:</p> + +<p>1) Nicht mit schwarzer, sondern grauer Tinte (weil es sanfter +und lieblicher auf schönem weißen Papier absteche), zu drucken.</p> + +<p>2) Mit Didotschen Lettern, von schmalen Füßen, nicht mit +Breitkopfschen, die ihrem Namen Buchstaben (gleichsam bücherner +Stäbe zum Feststehen) besser entsprechen würden.</p> + +<p>3) Mit lateinischer (wohl gar Kursiv) Schrift ein Werk deutschen +Inhalts, von welcher Breitkopf mit Grunde sagte, daß +niemand das Lesen derselben für seine Augen so lange aushalte, +als mit der deutschen.</p> + +<p>4) Mit so kleiner Schrift als nur möglich, damit für die unten +etwa beizufügenden Noten noch kleinere (dem Auge noch knapper +angemessene) leserlich bleibe<a name="FNanchor_15" href="#Footnote_15" class="fnanchor">(15)</a>.</p> + +<p><a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>Diesem Unwesen zu steuern, schlage ich vor, den Druck der +Berliner Monatsschrift (nach Text und Noten) zum Muster zu +<a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a> +nehmen; denn man mag, welches Stück man will, in die Hand +nehmen, so wird man die durch obige Leserei angegriffenen Augen +durch Ansicht des letzteren merklich gestärkt fühlen<a name="FNanchor_16" href="#Footnote_16" class="fnanchor">(16)</a>.</p> + +<h2><a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a><a name="Inhalt">Inhalt.</a></h2> + +<table id="toc" summary="Inhalt"> +<tr> + <th> </th> + <th>Seite</th> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Einleitung">Einleitung</a></td> + <td class="right">7</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Grundsatz">Grundsatz der Diätetik</a></td> + <td class="right">11</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Hypochondrie">Von der Hypochondrie</a></td> + <td class="right">14</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Schlaf">Vom Schlafe</a></td> + <td class="right">16</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Essen">Vom Essen und Trinken</a></td> + <td class="right">19</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Unzeit">Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken</a></td> + <td class="right">21</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Atemziehen">Von der Hebung und Verhütung krankhafter Gefühle durch den Vorsatz + im Atemziehen</a></td> + <td class="right">22</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Lippen">Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen + Lippen</a></td> + <td class="right">24</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Alter">Denkgeschäft – Alter</a></td> + <td class="right">25</td> +</tr> +<tr> + <td><a href="#Nachschrift">Nachschrift. – Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und + Verleger</a></td> + <td class="right">27</td> +</tr> +</table> + +<div class="figcenter" style="width: 150px;"> +<img src="images/verzierung.png" width="150" height="14" alt=""/> +</div> + +<p class="center">Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.</p> + + +<div class="footnotes"> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a> +Ich übersendete mein Buch Hrn. Prof. Kant, um ihm einen Beweis der +Verehrung zu geben, die gewiß jeder denkende Mensch diesem Weisen zollt, +zugleich aber um ihn vielleicht zu veranlassen, über einige darin enthaltene +und für das philosophische Tribunal gehörige Ideen nachzudenken, wodurch +ich unsrer Kunst zugleich einen Vorteil zu verschaffen hoffte. Ich freue mich +ungemein, meinen Wunsch erfüllt zu sehen und hier meinen Lesern mehrere +dadurch veranlaßte Ideen und Entwicklungen mitteilen zu können, die für +jeden denkenden Arzt höchst interessant sein müssen, und die zugleich über die +individuelle geistige und körperliche Diätetik dieses großen Mannes sehr lehrreiche +Notizen erteilen. – Was einige für mich zu schmeichelhafte Ausdrücke +darin betrifft, so bitte ich zu bedenken, daß sie in einem an mich geschriebenen +Briefe vorkommen, und ich hoffe dadurch jedem Vorwurf zu entgehen, der +mir darüber gemacht werden könnte, daß ich sie stehen ließ, welches ich um +so weniger verhindern konnte, da sonst der ganze Sinn hie und da verloren +gegangen wäre, auch ich überdies offenherzig gestehe, daß ich nicht ein Wort +auszustreichen wage, was ein Kant geschrieben hat. +</p> + +<p class="right"><ins title="H">H.</ins></p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_2" href="#FNanchor_2" class="label">(2)</a> +Im dogmatisch-praktischen Vortrage, z. B. derjenigen Beobachtung +seiner selbst, die auf Pflichten abzweckt, die jedermann angehen, spricht der +Kanzelredner nicht durch Ich, sondern Wir. In dem erzählenden aber, der +Privatempfindung (der Beichte, welche der Patient seinem Arzte ablegt), +oder eigener Erfahrung an sich selbst, muß er durch Ich reden. +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_3" href="#FNanchor_3" class="label">(3)</a> +Den Kopf warm zu halten, ist gewiß immer nachteilig, und die medizinische +Regel ist eigentlich: »den Kopf kühl und die Füße warm zu halten«. +Es bedarf daher diese Äußerung des würdigen Verfassers einige Berichtigung. +Es ist allerdings vollkommen wahr, daß, wenn wir unsere Füße von Jugend +auf ebenso bloß trügen, wie unsere Hände, Gesicht, und die Weiber auch den +Hals und die Brust, wir sie ebensogut gegen Kälte und Witterung würden +abhärten können, wie diese, und Millionen von Menschen, welche barfuß +laufen, beweisen dieses. Da aber unser Klima und unsere Lebensverhältnisse +uns nicht erlauben, das Bloßtragen immer fortzusetzen, sondern die Füße +bekleidet zu tragen gebieten, so entsteht dadurch schon die Möglichkeit einer +Erkältung, durch Weglassung der gewohnten Bedeckung. Und da es nun überdies +gar nicht zu leugnen ist, daß die Füße, besonders der Unterfuß, in einer +ganz besondern antagonistischen Verbindung mit den oberen Teilen stehen, +so daß durch Erkältung, das heißt, Unterdrückung der Hautthätigkeit, sehr +leicht ein Krankheitsreiz auf Kopf, Brust und Unterleibseingeweide reflektiert +werden kann, so folgt allerdings daraus die Notwendigkeit, dieselben nicht +sowohl warm, sondern in einer gleichmäßigen Temperatur zu halten. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_4" href="#FNanchor_4" class="label">(4)</a> +Hierwider möchte ich doch die Beobachtung anführen: daß unverehelichte +(oder jung verwitwete) alte Männer mehrenteils länger ein jugendliches +Aussehen erhalten, als verehelichte, welches doch auf eine längere +Lebensdauer zu deuten schein. – Sollten wohl die letztern an ihren härteren +Gesichtszügen den Zustand eines getragenen Jochs (davon <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">conjugium</span>), nämlich +das frühere Altwerden verraten, welches auf ein kürzeres Lebensziel hindeutet? +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_5" href="#FNanchor_5" class="label">(5)</a> +Ich habe mich bei Aufstellung dieses Grundsatzes in meiner Makrobiotik +bloß durch die Erfahrung leiten lassen. Es stießen mir bei meinen Nachforschungen +über das höchste Alter so viele Verheiratete auf, daß ich dadurch +zuerst aufmerksam gemacht wurde. Ich fand nämlich bei allen Alten einen +sehr beträchtlichen Überschuß auf seiten der Verheirateten: von den außerordentlich +hohen Alten (d. h. 120–160jährigen) fand ich durchaus gar keinen +unverheiratet; ja sie hatten alle mehrmals und größtenteils noch in den +letzten Zeiten ihres Lebens geheiratet. Dies allein bewog mich zu den Vermutungen +von Einfluß der Zeugungskraft und des Ehestands aufs lange +Leben, für die ich dann erst die theoretischen Gründe aufsuchte. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_6" href="#FNanchor_6" class="label">(6)</a> +Zum Unterschiede von der topischen (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">hypochondria abdominalis</span>). +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_7" href="#FNanchor_7" class="label">(7)</a> +Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden, die +Krankheit und das Gefühl der Krankheit. – Das letztere übertrifft mehrenteils +die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die eigentliche +Krankheit, die oft nur in einer örtlich gestörten Verrichtung eines oft unbedeutenden +Teiles besteht, gar nicht bemerken, wenn nicht die dadurch erregte +allgemeine Unlust und Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und +Schmerzen, unsern Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese +Einwirkung der Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt. +Eine schwache, verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte Empfindlichkeit, +wird dadurch völlig übermannt, ein starker, abgehärteter Geist weiset sie +zurück und unterdrückt sie. – Jedermann gibt zu, daß es möglich ist, durch +ein unerwartetes Ereignis, durch eine angenehme Zerstreuung, genug durch +etwas, was die Seele stark von sich abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen. +– Warum sollte dies nun nicht der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft +selbst bewirken können? – +</p> +<p> +Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist in +der That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache der Hypochondrie +und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das Subjektivieren +aller Dinge, das heißt, daß das physische Ich die Herrschaft über alles erhalten +hat, der alleinige Gedanke, die fixe Idee wird, und alles andere unter +diese Kategorie bringt. – Ich habe daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger +das Leben eines Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach +außen zieht, desto sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben +uns die praktischen Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt, +und Krankheit, Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand ihres +Denkens. Hier sollte also sehr leicht dasselbe auch der herrschende Gegenstand +ihres Ichs werden, und es müßten folglich alle Ärzte endlich hypochondrisch +werden. – Und dennoch sehen wir, daß gerade praktische Ärzte fast nie an +Hypochondrie leiden. – Warum? Weil sie sich von Anfang an gewöhnen, +alle Übel zu objektivieren, wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst +und ihre eignen Übel zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen +und zum Gegenstand der Außenwelt und der Kunst zu machen. – Denn +das wahre Ich wird nie krank. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_8" href="#FNanchor_8" class="label">(8)</a> +Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht +Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der Nahrung, +körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung. +</p> + +<p class="right"><ins title="H">H.</ins></p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_9" href="#FNanchor_9" class="label">(9)</a> +Es ist ein ganz unrichtiges Vorgeben, daß, was die Stärke im Gebrauch +seiner äußern Gliedmaßen betrifft, es bloß auf die Übung und wie man +früh gewöhnt worden, ankomme, welche von beiden Seiten des Körpers die +stärkere oder schwächere sein solle; ob im Gefechte mit dem rechten oder linken +Arm der Säbel geführt, ob sich der Reiter im Steigbügel stehend von der +rechten zur linken oder umgekehrt aufs Pferd schwinge &c. Die Erfahrung +lehrt aber, daß, wer sich am linken Fuße Maß für seine Schuhe nehmen +läßt, wenn der Schuh dem linken genau anpaßt, er für den rechten zu enge +sei, ohne daß man die Schuld davon den Eltern geben kann, die ihre Kinder +nicht besser belehrt hätten; so wie der Vorzug der rechten Seite vor der linken +auch daran zu sehen ist, daß der, welcher über einen tiefen Graben schreiten +will, den linken Fuß ansetzt und mit dem rechten überschreitet: widrigen Falls +er in den Graben zu fallen Gefahr läuft. Daß der preußische Infanterist +geübt wird mit dem linken Fuße anzutreten, widerlegt jenen Satz nicht, sondern +bestätigt ihn vielmehr; denn er setzt diesen voran, gleich als auf ein +Hypomochlium, um mit der rechten Seite den Schwung des Angriffs zu +machen, welchen er mit der rechten gegen die linke verrichtet. +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_10" href="#FNanchor_10" class="label">(10)</a> +Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen, durch +die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft allein einen +solchen festen Willen hervorzubringen vermag. Woher kömmt es, daß die +arbeitende, durch Not oder Pflicht zur Arbeit getriebene, Klasse viel weniger +kränkelt, als die müßiggehende? Hauptsächlich daher, daß jene keine Zeit +hat krank zu sein und also eine Menge Anwandelungen von Krankheiten +übergeht, das heißt, in der Arbeit sie vergißt und dadurch wirklich überwindet +und aufhebt, statt daß der Müßige, den Gefühlen nachgebend und sie +pflegend, dadurch oft den Keim erst zu Krankheiten ausbildet. +</p> +<p> +Wie oft habe ich diese Erfahrung in meinem Berufsleben an mir selbst +gemacht, und welcher Pflicht- und Berufsmensch hat sie nicht gemacht! – +Wie oft glaubte ich früh nicht im stande zu sein, wegen körperlicher Beschwerden +das Zimmer zu verlassen – die Pflicht rief zum Krankenbett oder +aufs Katheder, und so sauer es anfangs wurde, nach einiger Zeit der Anstrengung +war das Übel vergessen, der Geist siegte über den Leib, und die +Gesundheit war <ins title="wiederhergestellt">wiederhergestellt.</ins> +</p> +<p> +Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei ansteckenden +und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte Erfahrungssache, daß +die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten und ekeln, am wenigsten +angesteckt werden. Aber daß eine schon wirklich geschehene Ansteckung noch +durch freudige Exaltation des Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon +bin ich selbst ein Beispiel. – Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in +Preußen ein pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln +und fühlte eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung, +Schwindel, Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle Vorboten, +die bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die Krankheit wirklich ausbricht. +– Aber die Pflicht gebot; andere waren kränker als ich. Ich beschloß, +meine Geschäfte wie gewöhnlich zu verrichten und mittags einem frohen +Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <ins title="war">war.</ins> Hier überließ ich mich einige +Stunden ganz der Freude und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank +absichtlich mehr Wein wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten +Fieber nach Hause, legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich +und war am andern Morgen völlig hergestellt. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_11" href="#FNanchor_11" class="label">(11)</a> +Studierende können es schwerlich unterlassen, in einsamen Spaziergängen +sich mit Nachdenken selbst und allein zu unterhalten. Ich habe es aber an +mir gefunden und auch von andern, die ich darum befrug, gehört: daß das +angestrengte Denken im Gehen geschwinde matt macht; dagegen, wenn man +sich dem freien Spiel der Einbildungskraft überläßt, die Motion restaurierend +ist. Noch mehr geschieht dieses, wenn bei dieser mit Nachdenken verbundenen +Bewegung zugleich Unterredung mit einem andern gehalten wird, so, daß +man sich bald genötigt sieht das Spiel seiner Gedanken sitzend fortzusetzen. – +Das Spazieren im Freien hat gerade die Absicht durch den Wechsel der Gegenstände +seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen abzuspannen. +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_12" href="#FNanchor_12" class="label">(12)</a> +Sollte auch nicht die atmosphärische Luft, wenn sie durch die Eustachische +Röhre (also bei geschlossenen Lippen) zirkuliert, dadurch, daß sie auf diesem +dem Gehirn naheliegenden Umwege Sauerstoff absetzt, das erquickende Gefühl +gestärkter Lebensorgane bewirken, welches dem ähnlich ist, als ob man +Luft trinke; wobei diese, ob sie zwar keinen Geruch hat, doch die Geruchsnerven +und die denselben naheliegende einsaugende Gefäße stärkt? Bei manchem +Wetter findet sich dieses Erquickliche des Genusses der Luft nicht; bei andern +ist es eine wahre Annehmlichkeit sie auf seiner Wanderung mit langen Zügen +zu trinken: welches das Einatmen mit offenem Munde nicht bewährt. – – +Das ist aber von der größten diätetischen Wichtigkeit, den Atemzug durch die +Nase bei geschlossenen Lippen sich so zur Gewohnheit zu machen, daß er selbst +im tiefsten Schlaf nicht anders verrichtet wird und man sogleich aufwacht, sobald +er mit offenem Munde geschieht, und dadurch gleichsam aufgeschreckt +wird; wie ich das anfänglich, ehe es mir zur Gewohnheit wurde auf solche +Weise zu atmen, bisweilen erfuhr. – Wenn man genötigt ist stark oder +bergan zu schreiten, so gehört größere Stärke des Vorsatzes dazu, von jener +Regel nicht abzuweichen und eher seine Schritte zu mäßigen, als von ihr eine +Ausnahme zu machen; ingleichen, wenn es um starke Motion zu thun ist, +die etwa ein Erzieher seinen Zöglingen geben will, daß dieser sie ihre Bewegung +lieber stumm als mit öfterer Einatmung durch den Mund machen +lasse. Meine jungen Freunde (ehemalige Zuhörer) haben diese diätetische +Maxime als probat und heilsam gepriesen und sie nicht unter die Kleinigkeiten +gezählt, weil sie bloßes Hausmittel ist, das den Arzt entbehrlich macht. +– Merkwürdig ist noch: daß, da es scheint, beim lange fortgesetzten Sprechen +geschehe das Einatmen auch durch den so oft geöffneten Mund, mithin jene +Regel werde da doch ohne Schaden überschritten, es sich wirklich nicht so verhält. +Denn es geschieht doch auch durch die Nase. Denn wäre diese zu der +Zeit verstopft, so würde man von dem Redner sagen, er spreche durch die +Nase (ein sehr widriger Laut), indem er wirklich nicht durch die Nase spräche, +und umgekehrt, er spreche nicht durch die Nase, indem er wirklich durch die +Nase spricht: wie es Hr. Hofrat Lichtenberg launicht und richtig bemerkt – +das ist auch der Grund, warum der, welcher lange und laut spricht (Vorleser +oder Prediger), es ohne Rauhigkeit der Kehle eine Stunde lang wohl +aushalten kann; weil nämlich sein Atemziehen eigentlich durch die Nase, nicht +durch den Mund, geschieht, als durch welchen nur das Ausatmen verrichtet +wird. – Ein Nebenvorteil dieser Angewohnheit des Atemzuges mit beständig +geschlossenen Lippen, wenn man für sich allein wenigstens nicht im Diskurs +begriffen ist, ist der: daß die sich immer absondernde und den Schlund befeuchtende +Saliva hiebei zugleich als Verdauungsmittel (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">stomachale</span>), vielleicht +auch (verschluckt) als Abführungsmittel wirkt; wenn man fest genug +entschlossen ist sie nicht durch üble Angewohnheit zu verschwenden. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_13" href="#FNanchor_13" class="label">(13)</a> +Ich halte sie für eine Gicht, die sich zum Teil aufs Gehirn geworfen hat. +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_14" href="#FNanchor_14" class="label">(14)</a> +Dies Resultat, so wenig tröstlich es ist, ist vollkommen richtig, sobald +wir an das, was der Mensch im vollkommenen Sinn ist und sein soll, +denken. Aber selbst das Beispiel des würdigen Herrn Verfassers gibt ja +einen sprechenden Beweis, was der Mensch auch im Alter noch für andere +sein kann, wenn die Vernunft immer, wie hier, seine oberste Gesetzgeberin +war. – Und gesetzt auch, es fehlte ganz an dieser objektiven und bürgerlichen +Existenz, sind uns nicht auch die Ruinen eines schönen und großen Gebäudes +heilig und schätzbar? dienen sie uns nicht als Denkzeichen des Vergangenen, +als Winke der Zukunft, als Lehre und Beispiel? +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_15" href="#FNanchor_15" class="label">(15)</a> +Ich stimme in diese Klage des verehrten Verfassers (mit Ausnahme des +grauen Papiers, woran es unsere Herren Verleger so schon nicht fehlen lassen) +ganz mit ein, und bin überzeugt, daß der größte Teil der jetzt so auffallend +läufiger werdenden Augenschwächen schon an und für sich in dem weit häufigern +Lesen – besonders dem geschwind Lesen, was jetzt wegen der weit +häufigern Zeitungen, Journale, und Flugschriften weit gewöhnlicher ist und +die Augen unglaublich angreift – zu suchen sei und dadurch auch unbeschreiblich +vermehrt wird, daß man beim Druck die Rücksicht auf die Augen +immer mehr vernachlässigt, da sie vielmehr, weil nun einmal das Lesen zum +allgemeinen Bedürfnis geworden ist, vermehrt werden sollte. +</p> +<p> +Auch ich glaube, daß dabei die den Augen nachteiligsten Fehler dadurch +begangen werden, wenn man auf nicht weißes Papier, mit grauer Schwärze, +mit zu kleinen, oder mit zu zarten, zu wenig Körper habenden, Lettern druckt; +und ich mache es daher jedem Autor, Verleger und Drucker zur heiligen +Pflicht, das Augenwohl ihrer Leser künftig besser zu bedenken. Besonders +ist die blasse Farbe der Buchstaben äußerst nachteilig, und es ist unverzeihlich, +daß es Drucker so häufig aus elender Gewinnsucht oder Bequemlichkeit darinnen +fehlen lassen. +</p> +<p> +Je größer der Abstand der Buchstabenfarbe von der Farbe des Papiers +ist, desto leichter faßt das Auge das Bild, und desto weniger greift dieses +Auffassen, das Lesen, die Augen an. – Also recht weißes Papier und recht +schwarze Buchstaben sind es, <ins title="warum">worum</ins> ich die deutschen Herrn Buchhändler und +Buchdrucker im Namen des lesenden Publikums recht angelegentlich bitte. – +Mögen sie es zur Ehre der deutschen Nation thun, denn wie schön zeichnen +sich darin die ausländischen Drucke gegen die meisten deutschen aus! Mögen +sie es zu Bewahrung ihres Gewissens thun, denn sie versündigen sich in der +That, indem sie unbewußt Ursache der überhandnehmenden Augenschwäche +und Blindheit werden! +</p> +<p> +Was aber die lateinischen Lettern als Augenverderber betrifft, so bitte ich +um Erlaubnis, darin andrer Meinung zu sein, und zwar aus folgenden +Gründen: +</p> +<p> +1) Daß diese Lettern an und für sich den Augen nicht nachteiliger sind, +als unsre deutschen, erhellt daraus, weil sonst in England, Frankreich und +andern Ländern, wo man sich ihrer bedient, die Augenfehler häufiger sein +müßten, als bei uns, welches aber nicht der Fall ist. +</p> +<p> +2) Wenn sie also einen Deutschen, der gewohnt ist deutsch zu lesen, etwas +mehr anzugreifen scheinen, so liegt die Ursache bloß darin, weil er sie nicht +gewohnt ist, und das Angreifende verliert sich, sobald er sich daran gewöhnt +hat, und fällt ganz weg, wenn wir gleich von Jugend auf an diese Lettern +gewöhnt werden. +</p> +<p> +3) Daß diese Lettern, wenn sie klein oder zu mager sind, die Augen angreifen, +ist wahr, aber dasselbe gilt auch von den deutschen, und ich halte es +daher für äußerst nötig, bei der lateinischen Schrift größere oder fettere Typen +zu nehmen; welches auch der einzige Grund war, warum ich sie bei der +Makrobiotik von dieser Beschaffenheit wählete, ohnerachtet man hie und da +darin einen Grund zum Tadel gefunden hat, – ein Beweis, daß man gerade +dann, wenn man fürs Publikum sorgt, oft am meisten verkannt werden kann. +</p> +<p> +Ich finde also keinen medizinischen Gegengrund, der mich von ihrem Gebrauch +abhalten sollte; vieles aber, was mir ihren Gebrauch anriet und mich +dahin gebracht hat, sie häufig zu wählen. Zuerst nämlich glaube ich, daß +unsere Litteratur und Sprache dann ungleich mehr Eingang in andre Länder +finden wird, wenn wir lateinisch drucken, denn viele Ausländer schreckt schon +das Fremde und Unverständliche der Typen ab, und man wird sich gewiß +schwerer zu Erlernung einer Sprache entschließen, wenn man selbst erst die +Form der Lettern studieren <ins title="muß">muß.</ins> Ich glaube daher, es würde ungemein +viel zur litterarischen Verbindung Europens und zur Beförderung der allgemeinen +Gelehrtenrepublik beitragen, wenn wir uns endlich eben der Typen +bedienten, die die aufgeklärtesten Nationen angenommen haben, und ich glaube, +es muß am Ende dahin kommen. England, selbst Italien, bedienten sich ja +noch bis zu Anfang dieses Jahrhunderts unserer Mönchsschrift und haben +sie dennoch ganz verlassen, welches zugleich beweist, daß wir nicht einmal +deutsche Originalität daran finden können. – Dazu kommt nun noch der +Grund, daß bei scientifischen, besonders medizinischen, Büchern, wo viel lateinische +<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span> vorkommen, ein großer Übelstand fürs Auge entsteht, +wenn die deutsche Schrift alle Augenblicke durch lateinische unterbrochen +wird, oder dadurch ein noch schlimmeres Übel bewirkt wird, daß man diese +<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span> ins Deutsche übersetzt, wodurch sie nun vollends den Ausländern +ganz, und selbst den Deutschen aus einer andern Provinz zum Teil, +unverständlich werden, und sie wirklich den Vorzug verlieren, <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Termini technici</span> +zu sein. +</p> +<p> +Ich gebe zu, daß manche ungeübte Leser für jetzt lateinische Lettern ungern, +ja wohl gar nicht lesen; dies gilt aber nicht von scientifischen Schriften. +Man mag also bei Schriften für die niedern Klassen noch deutsche Lettern +gebrauchen, bei allen gebildeten Ständen beiderlei Geschlechts ist das aber +schon jetzt nicht mehr nötig. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_16" href="#FNanchor_16" class="label">(16)</a> +Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen Augenkrankheiten) +habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in meinen +vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von einigen Jahren, +dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal begegnet ist, gemacht; +wo das Phänomen darin besteht: daß auf dem Blatt, welches ich lese, auf +einmal alle Buchstaben verwirrt und durch eine gewisse über dasselbe verbreitete +Helligkeit vermischt und ganz unleserlich werden: ein Zustand, der +nicht über 6 Minuten dauert, der einem Prediger, welcher seine Predigt vom +Blatte zu lesen gewohnt ist, sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in +meinem Auditorium der Logik oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung +im freien Vortrage (aus dem Kopfe) geredet werden kann, nichts als +die Besorgnis entsprang, es möchte dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden +sein; worüber ich gleichwohl jetzt beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt öfterer +als sonst sich ereignenden Zufalle an meinem einen gesunden Auge (denn das +linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren verloren) nicht den mindesten Abgang +an Klarheit verspüre. – Zufälligerweise kam ich darauf, wenn sich jenes +Phänomen ereignete, meine Augen zu schließen, ja um noch besser das äußere +Licht abzuhalten, meine Hand darüber zu legen, und dann sahe ich eine hellweiße +wie mit Phosphor im Finstern auf einem Blatt verzeichnete Figur, +ähnlich der, wie das letzte Viertel im Kalender vorgestellt wird, doch mit +einem auf der konvexen Seite ausgezackten Rande, welche allmählich an +Helligkeit verlor und in obbenannter Zeit verschwand. – Ich möchte wohl +wissen: ob diese Beobachtung auch von andern gemacht und wie diese Erscheinung, +die wohl eigentlich nicht in den Augen, – als bei deren Bewegung +dies Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben Stelle gesehn +wird – sondern im <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Sensorium commune</span> ihren Sitz haben dürfte, zu +erklären sei<a name="FNanchor_17" href="#Footnote_17" class="fnanchor">(17)</a>. Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge (innerhalb einer +Zeit, die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen kann, ohne es zu vermissen. +</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_17" href="#FNanchor_17" class="label">(17)</a> +Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört +unter die allgemeine Rubrik: <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Visus confusus s. perversus</span>, weil +er noch eben keinen Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation +derselben beweist. Ich selbst habe es zuweilen periodisch gehabt, und +der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d. pr. Heilk. beschriebne falsche +Schwindel hat viel <ins title="Ähnliches">Ähnliches.</ins> Mehrenteils ist eine vorübergehende +Reizung die Ursache, z. B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize, oder +auch Schwäche. +</p> + +<p class="right">H.</p> +</div> +</div> + + +<div id="tnote-bottom"> +<p class="center"><a name="tn-bottom"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></a></p> + +<p>Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt, +wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle +steht.</p> + +<ul id="corrections"> +<li><a href="#Page_14">Seite 14</a>:<br/> +ohne <span class="correction">eine</span> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen – mithin<br/> +ohne <span class="correction">ein</span> bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen – mithin +</li> +<li><a href="#Page_15">Seite 15</a>:<br/> +ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <span class="correction">ihm</span> nichts anginge) und<br/> +ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie <span class="correction">ihn</span> nichts anginge) und +</li> +<li><a href="#Page_19">Seite 19</a>:<br/> +Im gesunden Zustande und <span class="correction">des</span> Jugend ist es das Geratenste<br/> +Im gesunden Zustande und <span class="correction">der</span> Jugend ist es das Geratenste +</li> +<li><a href="#Footnote_1">Fußnote 1</a>:<br/> +<span class="correction">H</span><br/> +<span class="correction">H.</span> +</li> +<li><a href="#Footnote_8">Fußnote 8</a>:<br/> +<span class="correction">H</span><br/> +<span class="correction">H.</span> +</li> +<li><a href="#Footnote_10">Fußnote 10:</a><br/> +Gesundheit war <span class="correction">wiederhergestellt</span><br/> +Gesundheit war <span class="correction">wiederhergestellt.</span> +</li> +<li><a href="#Footnote_10">Fußnote 10:</a><br/> +Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <span class="correction">war</span> Hier überließ ich mich einige<br/> +Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen <span class="correction">war.</span> Hier überließ ich mich einige +</li> +<li><a href="#Footnote_15">Fußnote 15:</a><br/> +schwarze Buchstaben sind es, <span class="correction">warum</span> ich die deutschen Herrn Buchhändler und<br/> +schwarze Buchstaben sind es, <span class="correction">worum</span> ich die deutschen Herrn Buchhändler und +</li> +<li><a href="#Footnote_15">Fußnote 15:</a><br/> +Form der Lettern studieren <span class="correction">muß</span> Ich glaube daher, es würde ungemein<br/> +Form der Lettern studieren <span class="correction">muß.</span> Ich glaube daher, es würde ungemein +</li> +<li><a href="#Footnote_17">Fußnote 17:</a><br/> +Schwindel hat viel <span class="correction">Ähnliches</span> Mehrenteils ist eine vorübergehende<br/> +Schwindel hat viel <span class="correction">Ähnliches.</span> Mehrenteils ist eine vorübergehende +</li> +</ul> +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch de + bloßen Vorsatz seiner krankhaften, by Immanuel Kant + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS *** + +***** This file should be named 38295-h.htm or 38295-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/8/2/9/38295/ + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Donations are accepted in a number of other +ways including checks, online payments and credit card donations. +To donate, please visit: http://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/38295-h/images/titelseite.jpg b/38295-h/images/titelseite.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..7b14f04 --- /dev/null +++ b/38295-h/images/titelseite.jpg diff --git a/38295-h/images/verzierung.png b/38295-h/images/verzierung.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..7256d8a --- /dev/null +++ b/38295-h/images/verzierung.png diff --git a/38295-page-images.zip b/38295-page-images.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..801630a --- 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