summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/38295-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '38295-8.txt')
-rw-r--r--38295-8.txt1686
1 files changed, 1686 insertions, 0 deletions
diff --git a/38295-8.txt b/38295-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..6902139
--- /dev/null
+++ b/38295-8.txt
@@ -0,0 +1,1686 @@
+The Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen
+Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein, by Immanuel Kant
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein
+
+Author: Immanuel Kant
+
+Editor: C. W. Hufeland
+
+Release Date: December 13, 2011 [EBook #38295]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+
+ Das Inhaltsverzeichnis befindet sich am Ende des Buches.
+ ]
+
+
+
+
+ Von der Macht des Gemüts,
+ durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften
+ Gefühle Meister zu sein.
+
+ Von
+ Immanuel Kant.
+
+ Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen
+ von
+ C. W. Hufeland.
+
+ Leipzig und Wien.
+ Bibliographisches Institut.
+
+
+
+
+Vorwort des Herausgebers.
+
+
+Der Geist allein lebt -- Das Leben des Geistes allein ist wahres Leben.
+
+Das Leben des Leibes muß jenem immer untergeordnet und von ihm
+beherrscht werden, nicht umgekehrt der Geist sich den Launen, Stimmungen
+und Trieben des Körpers unterordnen, wenn das wahre Leben erhalten
+werden soll.
+
+Diese große Wahrheit wurde von jeher von den Weisesten dieser Welt als
+der Grundpfeiler aller Sittlichkeit, aller Tugend, aller Religion, genug
+alles dessen, was groß und göttlich ist im Menschen, und sonach auch
+aller wahren Glückseligkeit, betrachtet und gepredigt.
+
+Sie kann aber nicht oft genug wiederholt werden, da es dem natürlichen
+Menschen immer näher liegt und bequemer ist, leiblich zu leben als
+geistig, noch mehr, wenn, wie in den neuesten Zeiten geschehen, selbst
+die Philosophie, sonst die Trägerin des geistigen Lebens, in dem
+Identitätssystem den Unterschied zwischen Geist und Körper ganz aufhebt,
+und sowohl Philosophen als Ärzte die Abhängigkeit des Geistes von dem
+Körper dergestalt in Schutz nehmen, daß sie selbst alle Verbrechen damit
+entschuldigen, Unfreiheit der Seele als ihre Quelle darstellen, und es
+bald dahin gekommen sein wird, daß man gar nichts mehr Verbrechen nennen
+kann.
+
+Aber wohin führt diese Ansicht? -- Ist sie nicht geradezu göttlichen und
+menschlichen Gesetzen entgegen, die ja auf jene Grundlage gebaut sind?
+-- Führt sie nicht zum gröbsten Materialismus? Vernichtet sie nicht alle
+Moralität, alle Kraft der Tugend, die eben in dem Leben der Idee und
+ihrer Herrschaft über das Leibliche besteht? -- Und somit alle wahre
+Freiheit, Selbständigkeit, Selbstbeherrschung, Selbstaufopferung, genug
+das Höchste, was der Mensch erreichen kann: den Sieg über sich selbst?
+
+Ewig wahr bleibt das Sinnbild, den Menschen als den Reiter eines wilden
+Pferdes sich zu denken; einen vernünftigen Geist mit einem Tiere
+vereinigt, das ihn tragen und mit der Erde verbinden, aber von ihm nun
+wiederum geleitet und regiert werden soll. -- Es zeigt die Aufgabe
+seines ganzen Lebens. Besteht sie nicht darin, diese Tierheit in ihm zu
+bekämpfen und der höheren Macht unterzuordnen? Nur dadurch, daß er sich
+dies Tier unterwirft und sich möglichst unabhängig davon macht, wird
+sein Leben regelmäßig, vernünftig, sittlich und so nur wahrhaft
+glücklich. Läßt er dem Tier die Oberhand, so geht es mit ihm durch, und
+er wird ein Spiel seiner Launen und Sprünge -- bis zum tödlichen Sturze.
+
+Aber nicht bloß für das höhere geistige Leben und dessen Gesundheit
+bedarf es dieser physischen Selbstbeherrschung, sondern sie dient
+ebensosehr zur Erhaltung und Vervollkommnung des physischen Lebens und
+dessen Gesundheit und wird dadurch eins der wichtigsten Diät- und
+Heilmittel.
+
+Wir wollen keinesweges den Einfluß des Leiblichen auf das Geistige
+leugnen. Aber ebenso auffallend, ja noch größer ist die psychische Macht
+des Geistes über das Leibliche. Sie kann Krankheiten erregen und heilen.
+Ja sie kann töten und lebendig machen. Sehen wir nicht sehr häufig durch
+Schrecken und andere Leidenschaften, also durch geistigen Einfluß,
+Epilepsie, Ohnmachten, Lähmungen, Blutflüsse und eine Menge andere
+Krankheiten, ja den Tod selbst, entstehen? -- Und woran stirbt ein
+solcher Mensch? Lediglich an einer gewaltsamen, dem Blitzstrahl
+ähnlichen, Einwirkung des Geistes in den Körper. -- Wie oft sind nicht
+die schwersten Krankheiten durch nichts anders geheilt worden, als durch
+Freude, Erhebung und Erweckung des Geistes! Der lange an der Zunge
+gelähmte Sohn des Krösus bekommt die Sprache wieder, als man seinen
+Vater ermorden will. Pinel sah, daß bei der allgemeinen
+leidenschaftlichen Aufregung, die die französische Revolution
+hervorbrachte, eine Menge seit Jahren kränklicher und schwächlicher
+Menschen gesund und stark wurden und besonders die gewöhnlichen
+Nervenübel der vornehmen und müßigen Stände ganz verschwanden. -- Ja,
+ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß der größte Teil unsrer
+langwierigen Nervenkrankheiten und sogenannten Krämpfe gar nichts anders
+ist, als Trägheit und Passivität des Geistes, die Folge des schlaffen
+Hingebens an körperliche Gefühle und Einflüsse.
+
+Wer kann leugnen, daß es Wunder und Wunderheilungen gibt? -- Aber was
+sind sie anders als Wirkungen des festen Glaubens entweder an himmlische
+Kräfte, oder auch an irdische und folglich Wirkungen des Geistes?
+
+Jedermann kennt die Kraft der Imagination. Niemand zweifelt daran, daß
+es eingebildete Krankheiten gibt, und daß eine Menge Menschen an nichts
+anders krank sind, als an der Krankheitseinbildung. Ist es nun aber
+nicht ebensogut möglich und unendlich besser, sich einzubilden, gesund
+zu sein? Und wird man nicht dadurch ebensogut seine Gesundheit stärken
+und erhalten können, als durch das Gegenteil die Krankheit?
+
+Als ein Beitrag zu dieser wichtigen Lehre und als Beförderungsmittel der
+Herrschaft und Heilkraft des Geistes über den Körper, mögen auch
+folgende Worte Kants, die letzten, die dieser große Geist zu uns
+gesprochen, dienen. Er schrieb sie auf meine Veranlassung vor 30 Jahren,
+wo sie in meinem Journal der prakt. Heilkunde abgedruckt wurden, und
+gern habe ich der Aufforderung des Herrn Verlegers zu einem neuen
+besondern Abdrucke gewillfahret und sie mit einigen Bemerkungen
+versehen. Mögen sie ihren Zweck erreichen!
+
+=Berlin= im Mai 1824.
+
+ ~C. W. Hufeland.~
+
+
+
+
+ Von der Macht des Gemüts,
+ durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften
+ Gefühle Meister zu sein.
+
+
+
+
+Ein Schreiben an Herrn Professor Hufeland zu Jena im Jahr 1797(1).
+
+
+ (1) Ich übersendete mein Buch Hrn. Prof. Kant, um ihm einen Beweis der
+ Verehrung zu geben, die gewiß jeder denkende Mensch diesem Weisen
+ zollt, zugleich aber um ihn vielleicht zu veranlassen, über einige
+ darin enthaltene und für das philosophische Tribunal gehörige Ideen
+ nachzudenken, wodurch ich unsrer Kunst zugleich einen Vorteil zu
+ verschaffen hoffte. Ich freue mich ungemein, meinen Wunsch erfüllt zu
+ sehen und hier meinen Lesern mehrere dadurch veranlaßte Ideen und
+ Entwicklungen mitteilen zu können, die für jeden denkenden Arzt höchst
+ interessant sein müssen, und die zugleich über die individuelle
+ geistige und körperliche Diätetik dieses großen Mannes sehr lehrreiche
+ Notizen erteilen. -- Was einige für mich zu schmeichelhafte Ausdrücke
+ darin betrifft, so bitte ich zu bedenken, daß sie in einem an mich
+ geschriebenen Briefe vorkommen, und ich hoffe dadurch jedem Vorwurf zu
+ entgehen, der mir darüber gemacht werden könnte, daß ich sie stehen
+ ließ, welches ich um so weniger verhindern konnte, da sonst der ganze
+ Sinn hie und da verloren gegangen wäre, auch ich überdies offenherzig
+ gestehe, daß ich nicht ein Wort auszustreichen wage, was ein Kant
+ geschrieben hat.
+
+ H.
+
+Daß meine Danksagung, für das den 12. Dez. 1796 an mich bestellte
+Geschenk, Ihres lehrreichen und angenehmen Buchs »von der Kunst das
+menschliche Leben zu verlängern« selbst auf ein langes Leben berechnet
+gewesen sein dürfte, möchten Sie vielleicht aus dem Datum dieser meiner
+Antwort vom Januar dieses Jahres zu schließen Ursache haben; wenn das
+Altgewordensein nicht schon die öftere Vertagung (_procrastinatio_)
+wichtiger Beschlüsse bei sich führete, dergleichen doch wohl der des
+Todes ist, welcher sich immer zu früh für uns anmeldet, und den man
+warten zu lassen an Ausreden unerschöpflich ist.
+
+Sie verlangen von mir »ein Urteil über Ihr Bestreben das Physische im
+Menschen moralisch zu behandeln; den ganzen, auch physischen, Menschen
+als ein auf Moralität berechnetes Wesen darzustellen, und die moralische
+Kultur als unentbehrlich zur physischen Vollendung der überall nur in
+der Anlage vorhandenen Menschennatur zu zeigen«, und setzen hinzu:
+»wenigstens kann ich versichern, daß es keine vorgefaßte Meinungen
+waren, sondern ich durch die Arbeit und Untersuchung selbst
+unwiderstehlich in diese Behandlungsart hineingezogen wurde«. -- Eine
+solche Ansicht der Sache verrät den Philosophen, nicht den bloßen
+Vernunftkünstler; einen Mann, der nicht allein, gleich einem der
+Direktoren des französischen Konvents, die von der Vernunft verordneten
+Mittel der Ausführung (technisch), wie sie die Erfahrung darbietet, zu
+seiner Heilkunde mit Geschicklichkeit, sondern, als gesetzgebendes Glied
+im Korps der Ärzte, aus der reinen Vernunft hernimmt, welche zu dem, was
+hilft, mit Geschicklichkeit, auch das, was zugleich an sich Pflicht ist,
+mit Weisheit zu verordnen weiß: so, daß moralisch-praktische Philosophie
+zugleich eine Universalmedizin abgibt, die zwar nicht allen für alles
+hilft, aber doch in keinem Rezepte mangeln kann.
+
+Dieses Universalmittel betrifft aber nur die Diätetik, d. i. es wirkt
+nur negativ, als Kunst, Krankheiten abzuhalten. Dergleichen Kunst aber
+setzt ein Vermögen voraus, das nur Philosophie, oder der Geist
+derselben, den man schlechthin voraussetzen muß, geben kann. Auf diesen
+bezieht sich die oberste diätetische Aufgabe, welche in dem Thema
+enthalten ist:
+
+~Von der Macht des Gemüts des Menschen, über seine krankhafte Gefühle
+durch den bloßen festen Vorsatz Meister zu sein.~
+
+Die, die Möglichkeit dieses Ausspruchs bestätigenden, Beispiele kann ich
+nicht von der Erfahrung anderer hernehmen, sondern zuerst nur von der an
+mir selbst angestellten; weil sie aus dem Selbstbewußtsein hervorgeht,
+und sich nachher allererst andere fragen läßt: ob es nicht auch sie
+ebenso in sich wahrnehmen. -- Ich sehe mich also genötigt, mein Ich laut
+werden zu lassen; was im dogmatischen Vortrage(2) Unbescheidenheit
+verrät; aber Verzeihung verdient, wenn es nicht gemeine Erfahrung,
+sondern ein inneres Experiment oder Beobachtung betrifft, welche ich
+zuerst an mir selbst angestellt haben muß, um etwas, was nicht jedermann
+von selbst, und ohne darauf geführt zu sein, beifällt, zu seiner
+Beurteilung vorzulegen. -- Es würde tadelhafte Anmaßung sein, andere mit
+der inneren Geschichte meines Gedankenspiels unterhalten zu wollen,
+welche zwar subjektive Wichtigkeit (für mich) aber keine objektive (für
+jedermann geltende) enthielten. Wenn aber dieses Aufmerken auf sich
+selbst und die daraus hervorgehende Wahrnehmung nicht so gemein ist,
+sondern, daß jeder dazu aufgefordert werde, eine Sache ist, die es
+bedarf und verdient, so kann dieser Übelstand mit seinen
+Privatempfindungen andere zu unterhalten wenigstens verziehen werden.
+
+ (2) Im dogmatisch-praktischen Vortrage, z. B. derjenigen Beobachtung
+ seiner selbst, die auf Pflichten abzweckt, die jedermann angehen,
+ spricht der Kanzelredner nicht durch Ich, sondern Wir. In dem
+ erzählenden aber, der Privatempfindung (der Beichte, welche der
+ Patient seinem Arzte ablegt), oder eigener Erfahrung an sich selbst,
+ muß er durch Ich reden.
+
+Ehe ich nun mit dem Resultat meiner, in Absicht auf Diätetik
+angestellten, Selbstbeobachtung aufzutreten wage, muß ich noch etwas
+über die Art bemerken, wie Herr Hufeland die Aufgabe der Diätetik, d. i.
+der Kunst stellt, Krankheiten vorzubeugen, im Gegensatz mit der
+Therapeutik, sie zu heilen.
+
+Sie heißt ihm »die Kunst das menschliche Leben zu verlängern«.
+
+Er nimmt seine Benennung von demjenigen her, was die Menschen am
+sehnsüchtigsten wünschen, ob es gleich vielleicht weniger wünschenswert
+sein dürfte. Sie möchten zwar gern zwei Wünsche zugleich thun: nämlich
+lange zu leben und dabei gesund zu sein; aber der erstere Wunsch hat den
+letzteren nicht zur notwendigen Bedingung: sondern er ist unbedingt.
+Laßt den Hospitalkranken jahrelang auf seinem Lager leiden und darben
+und ihn oft wünschen hören, daß ihn der Tod je eher je lieber von dieser
+Plage erlösen möge; glaubt ihm nicht, es ist nicht sein Ernst. Seine
+Vernunft sagt es ihm zwar vor, aber der Naturinstinkt will es anders.
+Wenn er dem Tode, als seinem Befreier (_Jovi liberatori_), winkt, so
+verlangt er doch immer noch eine kleine Frist und hat immer irgend einen
+Vorwand zur Vertagung (_procrastinatio_) seines peremtorischen Dekrets.
+Der in wilder Entrüstung gefaßte Entschluß des Selbstmörders, seinem
+Leben ein Ende zu machen, macht hievon keine Ausnahme: denn er ist die
+Wirkung eines bis zum Wahnsinn exaltierten Affekts. -- Unter den zwei
+Verheißungen für die Befolgung der Kindespflicht -- »auf daß dir es
+wohlgehe und du lange lebest auf Erden« -- enthält die letztere die
+stärkere Triebfeder, selbst im Urteile der Vernunft, nämlich als
+Pflicht, deren Beobachtung zugleich verdienstlich ist.
+
+Die Pflicht das Alter zu ehren gründet sich nämlich eigentlich nicht auf
+die billige Schonung, die man den Jüngeren gegen die Schwachheit der
+Alten zumutet: denn die ist kein Grund zu einer ihnen schuldigen
+Achtung. Das Alter will also noch für etwas Verdienstliches angesehen
+werden; weil ihm eine Verehrung zugestanden wird. Also, nicht etwa weil
+Nestorjahre zugleich durch viele und lange Erfahrung erworbene Weisheit,
+zu Leitung der jüngeren Welt, bei sich führen, sondern bloß weil, wenn
+nur keine Schande dasselbe befleckt hat, der Mann, welcher sich so lange
+erhalten hat, d. i. der Sterblichkeit, als dem demütigendsten Ausspruch,
+der über ein vernünftiges Wesen nur gefällt werden kann -- »du bist Erde
+und sollst zur Erde werden« -- so lange hat ausweichen und gleichsam der
+Unsterblichkeit hat abgewinnen können, weil, sage ich, ein solcher Mann
+sich so lange lebend erhalten und zum Beispiel aufgestellt hat.
+
+Mit der Gesundheit, als dem zweiten natürlichen Wunsche, ist es dagegen
+nur mißlich bewandt. Man kann sich gesund fühlen (aus dem behaglichen
+Gefühl seines Lebens urteilen), nie aber wissen, daß man gesund sei. --
+Jede Ursache des natürlichen Todes ist Krankheit: man mag sie fühlen
+oder nicht. -- Es gibt viele, von denen, ohne sie eben verspotten zu
+wollen, man sagt, daß sie für immer kränkeln, nie krank werden können;
+deren Diät ein immer wechselndes Abschweifen und wieder Einbeugen ihrer
+Lebensweise ist, und die es im Leben, wenngleich nicht den
+Kraftäußerungen, doch der Länge nach, weit bringen. Wie viel aber meiner
+Freunde oder Bekannten habe ich nicht überlebt, die sich bei einer
+einmal angenommenen ordentlichen Lebensart einer völligen Gesundheit
+rühmten: indessen daß der Keim des Todes (die Krankheit) der
+Entwickelung nahe, unbemerkt in ihnen lag, und der, welcher sich gesund
+fühlte, nicht wußte, daß er krank war; denn die Ursache eines
+natürlichen Todes kann man doch nicht anders als Krankheit nennen. Die
+Kausalität aber kann man nicht fühlen, dazu gehört Verstand, dessen
+Urteil irrig sein kann, indessen daß das Gefühl untrüglich ist, aber nur
+dann, wenn man sich krankhaft fühlt, diesen Namen führt; fühlt man sich
+aber so auch nicht, doch gleichwohl in dem Menschen verborgenerweise und
+zur baldigen Entwickelung bereit liegen kann; daher der Mangel dieses
+Gefühls keinen andern Ausdruck des Menschen für sein Wohlbefinden
+verstattet, als daß er scheinbarlich gesund sei. Das lange Leben also,
+wenn man dahin zurücksieht, kann nur die genossene Gesundheit bezeugen,
+und die Diätetik wird vor allem in der Kunst das Leben zu verlängern
+(nicht es zu genießen) ihre Geschicklichkeit oder Wissenschaft zu
+beweisen haben: wie es auch Herr Hufeland so ausgedrückt haben will.
+
+
+
+
+Grundsatz der Diätetik.
+
+
+Auf Gemächlichkeit muß die Diätetik nicht berechnet werden; denn diese
+Schonung seiner Kräfte und Gefühle ist Verzärtelung, d. i. sie hat
+Schwäche und Kraftlosigkeit zur Folge und ein allmähliches Erlöschen der
+Lebenskraft, aus Mangel der Übung; sowie eine Erschöpfung derselben
+durch zu häufigen und starken Gebrauch derselben. Der Stoizismus, als
+Prinzip der Diätetik (_sustine et abstine_), gehört also nicht bloß zur
+praktischen Philosophie als Tugendlehre, sondern auch zu ihr als
+Heilkunde. Diese ist alsdann philosophisch, wenn bloß die Macht der
+Vernunft im Menschen, über seine sinnlichen Gefühle durch einen sich
+selbst gegebenen Grundsatz Meister zu sein, die Lebensweise bestimmt.
+Dagegen, wenn sie diese Empfindungen zu erregen oder abzuwehren die
+Hilfe außer sich in körperlichen Mitteln (der Apotheke, oder der
+Chirurgie) sucht, sie bloß empirisch und mechanisch ist.
+
+Die Wärme, der Schlaf, die sorgfältige Pflege des nicht Kranken sind
+solche Verwöhnungen der Gemächlichkeit.
+
+1) Ich kann, der Erfahrung an mir selbst gemäß, der Vorschrift nicht
+beistimmen: »man soll Kopf und Füße warm halten«(3). Ich finde es
+dagegen geratener beide kalt zu halten (wozu die Russen auch die Brust
+zählen); gerade der Sorgfalt wegen, um mich nicht zu verkälten. -- Es
+ist freilich gemächlicher im laulichen Wasser sich die Füße zu waschen,
+als es zur Winterszeit mit beinahe eiskaltem zu thun; dafür aber entgeht
+man dem Übel der Erschlaffung der Blutgefäße in so weit vom Herzen
+entlegenen Teilen, welches im Alter oft eine nicht mehr zu hebende
+Krankheit der Füße nach sich zieht. -- Den Bauch, vornehmlich bei kalter
+Witterung, warm zu halten, möchte eher zur diätetischen Vorschrift statt
+der Gemächlichkeit gehören; weil er Gedärme in sich schließt, die einen
+langen Gang hindurch einen nicht flüssigen Stoff forttreiben sollen,
+wozu der sogenannte Schmachtriemen (ein breites, den Unterleib haltendes
+und die Muskeln desselben unterstützendes Band) bei Alten, aber
+eigentlich nicht der Wärme wegen, gehört.
+
+ (3) Den Kopf warm zu halten, ist gewiß immer nachteilig, und die
+ medizinische Regel ist eigentlich: »den Kopf kühl und die Füße warm zu
+ halten«. Es bedarf daher diese Äußerung des würdigen Verfassers einige
+ Berichtigung. Es ist allerdings vollkommen wahr, daß, wenn wir unsere
+ Füße von Jugend auf ebenso bloß trügen, wie unsere Hände, Gesicht, und
+ die Weiber auch den Hals und die Brust, wir sie ebensogut gegen Kälte
+ und Witterung würden abhärten können, wie diese, und Millionen von
+ Menschen, welche barfuß laufen, beweisen dieses. Da aber unser Klima
+ und unsere Lebensverhältnisse uns nicht erlauben, das Bloßtragen immer
+ fortzusetzen, sondern die Füße bekleidet zu tragen gebieten, so
+ entsteht dadurch schon die Möglichkeit einer Erkältung, durch
+ Weglassung der gewohnten Bedeckung. Und da es nun überdies gar nicht
+ zu leugnen ist, daß die Füße, besonders der Unterfuß, in einer ganz
+ besondern antagonistischen Verbindung mit den oberen Teilen stehen, so
+ daß durch Erkältung, das heißt, Unterdrückung der Hautthätigkeit, sehr
+ leicht ein Krankheitsreiz auf Kopf, Brust und Unterleibseingeweide
+ reflektiert werden kann, so folgt allerdings daraus die Notwendigkeit,
+ dieselben nicht sowohl warm, sondern in einer gleichmäßigen Temperatur
+ zu halten.
+
+ H.
+
+2) Lange oder (wiederholentlich, durch Mittagsruhe) viel schlafen ist
+freilich ebensoviel Ersparnis am Ungemache, was überhaupt das Leben im
+Wachen unvermeidlich bei sich führt, und es ist wunderlich genug sich
+ein langes Leben zu wünschen, um es größtenteils zu verschlafen. Aber
+das, worauf es hier eigentlich ankömmt, dieses vermeinte Mittel des
+langen Lebens, die Gemächlichkeit, widerspricht sich in seiner Absicht
+selbst. Denn das wechselnde Erwachen und wieder Einschlummern in langen
+Winternächten ist für das ganze Nervensystem lähmend, zermalmend und in
+täuschender Ruhe krafterschöpfend: mithin die Gemächlichkeit hier eine
+Ursache der Verkürzung des Lebens. -- Das Bett ist das Nest einer Menge
+von Krankheiten.
+
+3) Im Alter sich zu pflegen oder pflegen zu lassen, bloß um seine
+Kräfte, durch die Vermeidung der Ungemächlichkeit (z. B. des Ausgehens
+in schlimmem Wetter) oder überhaupt die Übertragung der Arbeit an
+andere, die man selbst verrichten könnte, zu schonen, so aber das Leben
+zu verlängern, diese Sorgfalt bewirkt gerade das Widerspiel, nämlich das
+frühe Altwerden und Verkürzung des Lebens. -- -- Auch daß sehr alt
+gewordene mehrenteils verehelichte(4) Personen gewesen wären, möchte
+schwer zu beweisen sein(5). -- In einigen Familien ist das Altwerden
+erblich, und die Paarung in einer solchen kann wohl einen Familienschlag
+dieser Art begründen. Es ist auch kein übles politisches Prinzip zu
+Beförderung der Ehen, das gepaarte Leben als ein langes Leben
+anzupreisen; obgleich die Erfahrung immer verhältnisweise nur wenig
+Beispiele davon an die Hand gibt, von solchen, die nebeneinander
+vorzüglich alt geworden sind; aber die Frage ist hier nur vom
+physiologischen Grunde des Altwerdens, -- wie es die Natur verfügt,
+nicht vom politischen, wie die Konvenienz des Staats die öffentliche
+Meinung seiner Absicht gemäß gestimmt zu sein verlangt.
+
+ (4) Hierwider möchte ich doch die Beobachtung anführen: daß
+ unverehelichte (oder jung verwitwete) alte Männer mehrenteils länger
+ ein jugendliches Aussehen erhalten, als verehelichte, welches doch auf
+ eine längere Lebensdauer zu deuten schein. -- Sollten wohl die
+ letztern an ihren härteren Gesichtszügen den Zustand eines getragenen
+ Jochs (davon _conjugium_), nämlich das frühere Altwerden verraten,
+ welches auf ein kürzeres Lebensziel hindeutet?
+
+ (5) Ich habe mich bei Aufstellung dieses Grundsatzes in meiner
+ Makrobiotik bloß durch die Erfahrung leiten lassen. Es stießen mir bei
+ meinen Nachforschungen über das höchste Alter so viele Verheiratete
+ auf, daß ich dadurch zuerst aufmerksam gemacht wurde. Ich fand nämlich
+ bei allen Alten einen sehr beträchtlichen Überschuß auf seiten der
+ Verheirateten: von den außerordentlich hohen Alten (d. h.
+ 120-160jährigen) fand ich durchaus gar keinen unverheiratet; ja sie
+ hatten alle mehrmals und größtenteils noch in den letzten Zeiten ihres
+ Lebens geheiratet. Dies allein bewog mich zu den Vermutungen von
+ Einfluß der Zeugungskraft und des Ehestands aufs lange Leben, für die
+ ich dann erst die theoretischen Gründe aufsuchte.
+
+ H.
+
+Übrigens ist das Philosophieren, ohne darum eben Philosoph zu sein, auch
+ein Mittel der Abwehrung mancher unangenehmer Gefühle, und doch zugleich
+Agitation des Gemüts, welches in seine Beschäftigung ein Interesse
+bringt, das von äußern Zufälligkeiten unabhängig und ebendarum, obgleich
+nur als Spiel, dennoch kräftig und inniglich ist und die Lebenskraft
+nicht stocken läßt. Dagegen Philosophie, die ihr Interesse am Ganzen des
+Endzwecks der Vernunft -- der eine absolute Einheit ist -- hat, ein
+Gefühl der Kraft bei sich führt, welches die körperlichen Schwächen des
+Alters in gewissem Maße durch vernünftige Schätzung des Werts des Lebens
+wohl vergüten kann. -- Aber neu sich eröffnende Aussichten zur
+Erweiterung seiner Erkenntnisse, wenn sie auch gerade nicht zur
+Philosophie gehörten, leisten doch auch ebendasselbe, oder etwas dem
+Ähnliches; und, sofern der Mathematiker hieran ein unmittelbares
+Interesse (nicht als an einem Werkzeuge zu anderer Absicht) nimmt, so
+ist er insofern auch Philosoph und genießt die Wohlthätigkeit einer
+solchen Erregungsart seiner Kräfte in einem verjüngten und ohne
+Erschöpfung verlängerten Leben.
+
+Aber auch bloße Tändeleien in einem sorgenfreien Zustande leisten, als
+Surrogate, bei eingeschränkten Köpfen fast ebendasselbe, und, die mit
+Nichtsthun immer vollauf zu thun haben, werden gemeiniglich auch alt. --
+Ein sehr bejahrter Mann fand dabei ein großes Interesse, daß die vielen
+Stutzuhren in seinem Zimmer immer nacheinander, keine mit der andern
+zugleich, schlagen mußten; welches ihn und den Uhrmacher den Tag über
+genug beschäftigte, und dem letztern zu verdienen gab. Ein anderer fand
+in der Abfütterung und Kur seiner Sangvögel hinreichende Beschäftigung,
+um die Zeit zwischen seiner eigenen Abfütterung und dem Schlaf
+auszufüllen. Eine alte begüterte Frau fand diese Ausfüllung am
+Spinnrade, unter dabei eingemischten unbedeutenden Gesprächen, und
+klagte daher in ihrem sehr hohen Alter, gleich als über den Verlust
+einer guten Gesellschaft, daß, da sie nunmehr den Faden zwischen den
+Fingern nicht mehr fühlen konnte, sie für Langerweile zu sterben Gefahr
+liefe.
+
+Doch, damit mein Diskurs über das lange Leben Ihnen nicht auch
+Langeweile mache und ebendadurch gefährlich werde, will ich der
+Sprachseligkeit, die man als einen Fehler des Alters zu belächeln,
+wenngleich nicht zu schelten pflegt, hiemit Grenzen setzen.
+
+
+
+
+Von der Hypochondrie.
+
+
+Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne ein
+bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen -- mithin ohne den Versuch zu
+machen, über sie durch die Vernunft Meister zu werden -- die
+Grillenkrankheit (_hypochondria vaga_(6)), welche gar keinen bestimmten
+Sitz im Körper hat und ein Geschöpf der Einbildungskraft ist und daher
+auch die dichtende heißen könnte -- wo der Patient alle Krankheiten, von
+denen er in Büchern liest, an sich zu bemerken glaubt, -- ist das gerade
+Widerspiel jenes Vermögens des Gemüts über seine krankhaften Gefühle
+Meister zu sein, nämlich Verzagtheit, über Übel, welche Menschen
+zustoßen könnten, zu brüten, ohne, wenn sie kämen, ihnen widerstehen zu
+können; eine Art von Wahnsinn, welchem freilich wohl irgend ein
+Krankheitsstoff (Blähung oder Verstopfung) zum Grunde liegen mag, der
+aber nicht unmittelbar, wie er den Sinn affiziert, gefühlt, sondern als
+bevorstehendes Übel von der dichtenden Einbildungskraft vorgespiegelt
+wird; wo dann der Selbstquäler (_Heautontimorumenos_), statt sich selbst
+zu ermannen, vergeblich die Hilfe des Arztes aufruft; weil nur er
+selbst, durch die Diätetik seines Gedankenspiels, belästigende
+Vorstellungen, die sich unwillkührlich einfinden, und zwar von Übeln,
+wider die sich doch nichts veranstalten ließe, wenn sie sich wirklich
+einstellten, aufheben kann. -- Von dem, der mit dieser Krankheit
+behaftet, und solange er es ist, kann man nicht verlangen, er solle
+seiner krankhaften Gefühle durch den bloßen Vorsatz Meister werden.
+Denn, wenn er dieses könnte, so wäre er nicht hypochondrisch. Ein
+vernünftiger Mensch statuiert keine solche Hypochondrie: sondern, wenn
+ihm Beängstigungen anwandeln, die in Grillen, d. i. selbst ausgedachte
+Übel, ausschlagen wollen, so fragt er sich, ob ein Objekt derselben da
+sei. Findet er keines, welches gegründete Ursache zu dieser Beängstigung
+abgeben kann, oder sieht er ein, daß, wenn auch gleich ein solches
+wirklich wäre, doch dabei nichts zu thun möglich sei, um seine Wirkung
+abzuwenden, so geht er mit diesem Anspruche seines inneren Gefühls zur
+Tagesordnung, d. i. er läßt seine Beklommenheit (welche alsdann bloß
+topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihn nichts anginge) und
+richtet seine Aufmerksamkeit auf die Geschäfte, mit denen er zu thun
+hat.
+
+ (6) Zum Unterschiede von der topischen (_hypochondria abdominalis_).
+
+ H.
+
+Ich habe wegen meiner flachen und engen Brust, die für die Bewegung des
+Herzens und der Lunge wenig Spielraum läßt, eine natürliche Anlage zur
+Hypochondrie, welche in früheren Jahren bis an den Überdruß des Lebens
+grenzte. Aber die Überlegung, daß die Ursache dieser Herzbeklemmung
+vielleicht bloß mechanisch und nicht zu heben sei, brachte es bald
+dahin, daß ich mich an sie gar nicht kehrte, und während dessen, daß ich
+mich in der Brust beklommen fühlte, im Kopfe doch Ruhe und Heiterkeit
+herrschte, die sich auch in der Gesellschaft, nicht nach abwechselnden
+Launen (wie Hypochondrische pflegen), sondern absichtlich und natürlich
+mitzuteilen nicht ermangelte. Und da man des Lebens mehr froh wird durch
+das, was man im freien Gebrauch desselben thut, als was man genießt, so
+können Geistesarbeiten eine andere Art von befördertem Lebensgefühl den
+Hemmungen entgegensetzen, welche bloß den Körper angehen. Die Beklemmung
+ist mir geblieben; denn ihre Ursache liegt in meinem körperlichen Bau.
+Aber über ihren Einfluß auf meine Gedanken und Handlungen bin ich
+Meister geworden, durch Abkehrung der Aufmerksamkeit von diesem Gefühle,
+als ob es mich gar nicht anginge(7).
+
+ (7) Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden,
+ die Krankheit und das Gefühl der Krankheit. -- Das letztere übertrifft
+ mehrenteils die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die
+ eigentliche Krankheit, die oft nur in einer örtlich gestörten
+ Verrichtung eines oft unbedeutenden Teiles besteht, gar nicht
+ bemerken, wenn nicht die dadurch erregte allgemeine Unlust und
+ Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und Schmerzen, unsern
+ Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese Einwirkung
+ der Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt.
+ Eine schwache, verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte
+ Empfindlichkeit, wird dadurch völlig übermannt, ein starker,
+ abgehärteter Geist weiset sie zurück und unterdrückt sie. -- Jedermann
+ gibt zu, daß es möglich ist, durch ein unerwartetes Ereignis, durch
+ eine angenehme Zerstreuung, genug durch etwas, was die Seele stark von
+ sich abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen. -- Warum sollte
+ dies nun nicht der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft selbst
+ bewirken können? --
+
+ Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist
+ in der That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache
+ der Hypochondrie und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das
+ Subjektivieren aller Dinge, das heißt, daß das physische Ich die
+ Herrschaft über alles erhalten hat, der alleinige Gedanke, die fixe
+ Idee wird, und alles andere unter diese Kategorie bringt. -- Ich habe
+ daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger das Leben eines
+ Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach außen zieht, desto
+ sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben uns die
+ praktischen Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt,
+ und Krankheit, Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand
+ ihres Denkens. Hier sollte also sehr leicht dasselbe auch der
+ herrschende Gegenstand ihres Ichs werden, und es müßten folglich alle
+ Ärzte endlich hypochondrisch werden. -- Und dennoch sehen wir, daß
+ gerade praktische Ärzte fast nie an Hypochondrie leiden. -- Warum?
+ Weil sie sich von Anfang an gewöhnen, alle Übel zu objektivieren,
+ wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst und ihre eignen Übel
+ zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen und zum
+ Gegenstand der Außenwelt und der Kunst zu machen. -- Denn das wahre
+ Ich wird nie krank.
+
+ H.
+
+
+
+
+Vom Schlafe.
+
+
+Was die Türken, nach ihren Grundsätzen der Prädestination, über die
+Mäßigkeit sagen: daß nämlich im Anfange der Welt jedem Menschen die
+Portion zugemessen worden, wieviel er im Leben zu essen haben werde,
+und, wenn er sein beschieden Teil in großen Portionen verzehrt, er auf
+eine desto kürzere Zeit zu essen, mithin zu sein, sich Rechnung machen
+könne: das kann in einer Diätetik, als Kinderlehre -- denn im Genießen
+müssen auch Männer von Ärzten oft als Kinder behandelt werden, -- auch
+zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menschen von Anbeginn her vom
+Verhängnisse seine Portion Schlaf zugemessen worden, und der, welcher
+von seiner Lebenszeit in Mannsjahren zu viel (über das Dritteil) dem
+Schlafen eingeräumt hat, sich nicht eine lange Zeit zu schlafen, d. i.
+zu leben und alt zu werden, versprechen darf. -- Wer dem Schlaf als
+süßen Genuß im Schlummern (der Siesta der Spanier) oder als Zeitkürzung
+(in langen Winternächten) viel mehr als ein Dritteil seiner Lebenszeit
+einräumt, oder ihm sich auch teilweise (mit Absätzen), nicht in einem
+Stück, für jeden Tag zumißt, verrechnet sich sehr in Ansehung seines
+Lebensquantum, teils dem Grade, teils der Länge nach. -- Da nun
+schwerlich ein Mensch wünschen wird, daß der Schlaf überhaupt gar nicht
+Bedürfnis für ihn wäre, -- woraus doch wohl erhellet, daß er das lange
+Leben als eine lange Plage fühlt; von dem, so viel er verschlafen,
+ebensoviel Mühseligkeit zu tragen er sich ersparet hat -- so ist es
+geratener, fürs Gefühl sowohl als für die Vernunft, dieses genuß- und
+thatleere Drittel ganz auf eine Seite zu bringen und es der
+unentbehrlichen Naturrestauration zu überlassen: doch mit einer genauen
+Abgemessenheit der Zeit, von wo an und wie lange sie dauern soll(8).
+
+ (8) Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht
+ Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der
+ Nahrung, körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung.
+
+ H.
+
+ * * * * *
+
+Es gehört unter die krankhaften Gefühle zu der bestimmten und gewohnten
+Zeit nicht schlafen, oder auch sich nicht wach halten zu können;
+vornehmlich aber das erstere; in dieser Absicht sich zu Bette zu legen
+und doch schlaflos zu liegen. -- Sich alle Gedanken aus dem Kopf zu
+schlagen ist zwar der gewöhnliche Rat, den der Arzt gibt; aber sie, oder
+andere an ihre Stelle, kommen wieder und erhalten wach. Es ist kein
+anderer diätetischer Rat, als beim inneren Wahrnehmen oder Bewußtwerden
+irgend eines sich regenden Gedanken, die Aufmerksamkeit davon sofort
+abzuwenden (gleich als ob man mit geschlossenen Augen diese auf eine
+andere Seite kehrte): wo dann durch das Abbrechen jedes Gedanken, den
+man inne wird, allmählich eine Verwirrung der Vorstellungen entspringt,
+dadurch das Bewußtsein seiner körperlichen (äußern) Lage aufgehoben
+wird, und eine ganz verschiedene Ordnung, nämlich ein unwillkürliches
+Spiel der Einbildungskraft (das im gesunden Zustande der Traum ist)
+eintritt, in welchem, durch ein bewundernswürdiges Kunststück der
+tierischen Organisation, der Körper für die animalischen Bewegungen
+abgespannt, für die Vitalbewegung aber innigst agitiert wird und zwar
+durch Träume, die, wenn wir uns gleich derselben im Erwachen nicht
+erinnern, gleichwohl nicht haben ausbleiben können: weil sonst bei
+gänzlicher Ermangelung derselben, wenn die Nervenkraft, die vom Gehirn,
+dem Sitze der Vorstellungen, ausgeht, nicht mit der Muskelkraft der
+Eingeweide vereinigt wirkte, das Leben sich nicht einen Augenblick
+erhalten könnte. Daher träumen vermutlich alle Tiere, wenn sie schlafen.
+
+Jedermann aber, der sich zu Bette und in Bereitschaft zu schlafen gelegt
+hat, wird bisweilen, bei aller obgedachten Ablenkung seiner Gedanken,
+doch nicht zum Einschlafen kommen können. In diesem Fall wird er im
+Gehirn etwas Spastisches (Krampfartiges) fühlen, welches auch mit der
+Beobachtung gut zusammenhängt: daß ein Mensch gleich nach dem Erwachen
+etwa ½ Zoll länger sei, als wenn er sogar im Bette geblieben und dabei
+nur gewacht hätte. -- Da Schlaflosigkeit ein Fehler des schwächlichen
+Alters und die linke Seite überhaupt genommen die schwächere ist(9), so
+fühlte ich seit etwa einem Jahre diese krampfichte Anwandelungen und
+sehr empfindliche Reize dieser Art (obzwar nicht wirkliche und sichtbare
+Bewegungen der darauf affizierten Gliedmaßen als Krämpfe), die ich nach
+der Beschreibung anderer für gichtische Zufälle halten und dafür einen
+Arzt suchen mußte. Nun aber, aus Ungeduld, am Schlafen mich gehindert zu
+fühlen, griff ich bald zu meinem stoischen Mittel, meinen Gedanken mit
+Anstrengung auf irgend ein von mir gewähltes gleichgültiges Objekt, was
+es auch sei (z. B. auf den viel Nebenvorstellungen enthaltenden Namen
+Cicero), zu heften: mithin die Aufmerksamkeit von jener Empfindung
+abzulenken; dadurch diese dann, und zwar schleunig, stumpf wurden, und
+so die Schläfrigkeit sie überwog, und dieses kann ich jederzeit, bei
+wiederkommenden Anfällen dieser Art in den kleinen Unterbrechungen des
+Nachtschlafs, mit gleich gutem Erfolg wiederholen. Daß aber dieses nicht
+etwa bloß eingebildete Schmerzen waren, davon konnte mich die des andern
+Morgens früh sich zeigende glühende Röte der Zehen des linken Fußes
+überzeugen. -- Ich bin gewiß, daß viele gichtische Zufälle, wenn nur die
+Diät des Genusses nicht gar zu sehr dawider ist, ja Krämpfe und selbst
+epileptische Zufälle (nur nicht bei Weibern und Kindern, als die
+dergleichen Kraft des Vorsatzes nicht haben), auch wohl das für
+unheilbar verschriene Podagra, bei jeder neuen Anwandlung desselben
+durch diese Festigkeit des Vorsatzes (seine Aufmerksamkeit von einem
+solchen Leiden abzuwenden) abgehalten und nach und nach gehoben werden
+könnte(10).
+
+ (9) Es ist ein ganz unrichtiges Vorgeben, daß, was die Stärke im
+ Gebrauch seiner äußern Gliedmaßen betrifft, es bloß auf die Übung und
+ wie man früh gewöhnt worden, ankomme, welche von beiden Seiten des
+ Körpers die stärkere oder schwächere sein solle; ob im Gefechte mit
+ dem rechten oder linken Arm der Säbel geführt, ob sich der Reiter im
+ Steigbügel stehend von der rechten zur linken oder umgekehrt aufs
+ Pferd schwinge &c. Die Erfahrung lehrt aber, daß, wer sich am linken
+ Fuße Maß für seine Schuhe nehmen läßt, wenn der Schuh dem linken genau
+ anpaßt, er für den rechten zu enge sei, ohne daß man die Schuld davon
+ den Eltern geben kann, die ihre Kinder nicht besser belehrt hätten; so
+ wie der Vorzug der rechten Seite vor der linken auch daran zu sehen
+ ist, daß der, welcher über einen tiefen Graben schreiten will, den
+ linken Fuß ansetzt und mit dem rechten überschreitet: widrigen Falls
+ er in den Graben zu fallen Gefahr läuft. Daß der preußische
+ Infanterist geübt wird mit dem linken Fuße anzutreten, widerlegt jenen
+ Satz nicht, sondern bestätigt ihn vielmehr; denn er setzt diesen
+ voran, gleich als auf ein Hypomochlium, um mit der rechten Seite den
+ Schwung des Angriffs zu machen, welchen er mit der rechten gegen die
+ linke verrichtet.
+
+ (10) Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen,
+ durch die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft
+ allein einen solchen festen Willen hervorzubringen vermag. Woher kömmt
+ es, daß die arbeitende, durch Not oder Pflicht zur Arbeit getriebene,
+ Klasse viel weniger kränkelt, als die müßiggehende? Hauptsächlich
+ daher, daß jene keine Zeit hat krank zu sein und also eine Menge
+ Anwandelungen von Krankheiten übergeht, das heißt, in der Arbeit sie
+ vergißt und dadurch wirklich überwindet und aufhebt, statt daß der
+ Müßige, den Gefühlen nachgebend und sie pflegend, dadurch oft den Keim
+ erst zu Krankheiten ausbildet.
+
+ Wie oft habe ich diese Erfahrung in meinem Berufsleben an mir selbst
+ gemacht, und welcher Pflicht- und Berufsmensch hat sie nicht gemacht!
+ -- Wie oft glaubte ich früh nicht im stande zu sein, wegen
+ körperlicher Beschwerden das Zimmer zu verlassen -- die Pflicht rief
+ zum Krankenbett oder aufs Katheder, und so sauer es anfangs wurde,
+ nach einiger Zeit der Anstrengung war das Übel vergessen, der Geist
+ siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt.
+
+ Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei
+ ansteckenden und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte
+ Erfahrungssache, daß die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten
+ und ekeln, am wenigsten angesteckt werden. Aber daß eine schon
+ wirklich geschehene Ansteckung noch durch freudige Exaltation des
+ Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon bin ich selbst ein
+ Beispiel. -- Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in Preußen ein
+ pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln und
+ fühlte eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung,
+ Schwindel, Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle
+ Vorboten, die bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die
+ Krankheit wirklich ausbricht. -- Aber die Pflicht gebot; andere waren
+ kränker als ich. Ich beschloß, meine Geschäfte wie gewöhnlich zu
+ verrichten und mittags einem frohen Mahle beizuwohnen, wozu ich
+ eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude
+ und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank absichtlich mehr Wein
+ wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten Fieber nach Hause,
+ legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich und war am
+ andern Morgen völlig hergestellt.
+
+ H.
+
+
+
+
+Vom Essen und Trinken.
+
+
+Im gesunden Zustande und der Jugend ist es das Geratenste in Ansehung
+des Genusses, der Zeit und Menge nach, bloß den Appetit (Hunger und
+Durst) zu befragen; aber bei den mit dem Alter sich einfindenden
+Schwächen ist eine gewisse Angewohnheit einer geprüften und heilsam
+gefundenen Lebensart, nämlich wie man es einen Tag gehalten hat, es
+ebenso alle Tage zu halten, ein diätetischer Grundsatz, welcher dem
+langen Leben am günstigsten ist; doch unter der Bedingung, daß diese
+Abfütterung für den sich weigernden Appetit die gehörigen Ausnahmen
+mache. -- Dieser nämlich weigert im Alter die Quantität des Flüssigen
+(Suppen oder viel Wasser zu trinken) vornehmlich dem männlichen
+Geschlecht: verlangt dagegen derbere Kost und anreizenderes Getränke
+(z. B. Wein), sowohl um die wurmförmige Bewegung der Gedärme -- die
+unter allen Eingeweiden am meisten von der _vita propria_ zu haben
+scheinen, weil sie, wenn sie noch warm aus dem Tier gerissen und
+zerhauen werden, als Würmer kriechen, deren Arbeit man nicht bloß
+fühlen, sondern sogar hören kann -- zu befördern und zugleich solche
+Teile in den Blutumlauf zu bringen, die durch ihren Reiz das Geäder zur
+Blutbewegung im Umlauf zu erhalten beförderlich sind.
+
+Das Wasser braucht aber bei alten Leuten längere Zeit, um, ins Blut
+aufgenommen, den langen Gang seiner Absonderung von der Blutmasse durch
+die Nieren zur Harnblase zu machen, wenn es nicht dem Blute assimilierte
+Teile (dergleichen der Wein ist) und die einen Reiz der Blutgefäße zum
+Fortschaffen bei sich führen, in sich enthält; welcher letztere aber
+alsdann als Medizin gebraucht wird, dessen künstlicher Gebrauch
+ebendadurch eigentlich nicht zur Diätetik gehört. Der Anwandelung des
+Appetits zum Wassertrinken (dem Durst), welche großenteils nur
+Angewohnheit ist, nicht sofort nachzugeben und ein hierüber genommener
+fester Vorsatz bringt diesen Reiz in das Maß des natürlichen
+Bedürfnisses, des den festen Speisen beizugebenden Flüssigen, dessen
+Genuß in Menge im Alter selbst durch den Naturinstinkt geweigert wird.
+Man schläft auch nicht gut, wenigstens nicht tief bei dieser
+Wasserschwelgerei, weil die Blutwärme dadurch vermindert wird.
+
+Es ist oft gefragt worden: ob, gleich wie in 24 Stunden nur Ein Schlaf,
+so auch in ebensoviel Stunden nur Eine Mahlzeit nach diätetischer Regel
+verwilligt werden könne, oder ob es nicht besser (gesunder) sei, dem
+Appetit am Mittagstische etwas abzubrechen, um dafür auch zu Nacht essen
+zu können. Zeitkürzender ist freilich das letztere. -- Das erstere halte
+ich auch in den sogenannten besten Lebensjahren (dem Mittelalter) für
+zuträglicher; das letztere aber im späteren Alter. Denn, da das Stadium
+für die Operation der Gedärme zum Behuf der Verdauung im Alter ohne
+Zweifel langsamer abläuft, als in jüngeren Jahren, so kann man glauben,
+daß ein neues Pensum (in einer Abendmahlzeit) der Natur aufzugeben,
+indessen daß das erstere Stadium der Verdauung noch nicht abgelaufen
+ist, der Gesundheit nachteilig werden müsse. -- Auf solche Weise kann
+man den Anreiz zum Abendessen, nach einer hinreichenden Sättigung des
+Mittags, für ein krankhaftes Gefühl halten, dessen man durch einen
+festen Vorsatz so Meister werden kann, daß auch die Anwandelung
+desselben nachgerade nicht mehr verspürt wird.
+
+
+
+
+Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken.
+
+
+Einem Gelehrten ist das Denken ein Nahrungsmittel, ohne welches, wenn er
+wach und allein ist, er nicht leben kann; jenes mag nun im Lernen
+(Bücherlesen) oder im Ausdenken (Nachsinnen und Erfinden) bestehen. Aber
+beim Essen oder Gehen sich zugleich angestrengt mit einem bestimmten
+Gedanken beschäftigen, Kopf und Magen oder Kopf und Füße mit zwei
+Arbeiten zugleich belästigen, davon bringt das eine Hypochondrie, das
+andere Schwindel hervor. Um also dieses krankhaften Zustandes durch
+Diätetik Meister zu sein, wird nichts weiter erfordert, als die
+mechanische Beschäftigung des Magens, oder der Füße, mit der geistigen
+des Denkens wechseln zu lassen und während dieser (der Restauration
+gewidmeten) Zeit das absichtliche Denken zu hemmen und dem (dem
+mechanischen ähnlichen) freien Spiele der Einbildungskraft den Lauf zu
+lassen; wozu aber bei einem Studierenden ein allgemein gefaßter und
+fester Vorsatz der Diät im Denken erfordert wird.
+
+Es finden sich krankhafte Gefühle ein, wenn man in einer Mahlzeit ohne
+Gesellschaft sich zugleich mit Bücherlesen oder Nachdenken beschäftigt,
+weil die Lebenskraft durch Kopfarbeit von dem Magen, den man belästigt,
+abgeleitet wird. Ebenso, wenn dieses Nachdenken mit der
+krafterschöpfenden Arbeit der Füße (im Promenieren(11)) verbunden wird.
+Man kann das Lukubrieren noch hinzufügen, wenn es ungewöhnlich ist.
+Indessen sind die krankhaften Gefühle aus diesen unzeitig (_invita
+Minerva_) vorgenommenen Geistesarbeiten doch nicht von der Art, daß sie
+sich unmittelbar durch den bloßen Vorsatz augenblicklich, sondern allein
+durch Entwöhnung, vermöge eines entgegengesetzten Prinzips, nach und
+nach heben lassen, und von den ersteren soll hier nur geredet werden.
+
+ (11) Studierende können es schwerlich unterlassen, in einsamen
+ Spaziergängen sich mit Nachdenken selbst und allein zu unterhalten.
+ Ich habe es aber an mir gefunden und auch von andern, die ich darum
+ befrug, gehört: daß das angestrengte Denken im Gehen geschwinde matt
+ macht; dagegen, wenn man sich dem freien Spiel der Einbildungskraft
+ überläßt, die Motion restaurierend ist. Noch mehr geschieht dieses,
+ wenn bei dieser mit Nachdenken verbundenen Bewegung zugleich
+ Unterredung mit einem andern gehalten wird, so, daß man sich bald
+ genötigt sieht das Spiel seiner Gedanken sitzend fortzusetzen. -- Das
+ Spazieren im Freien hat gerade die Absicht durch den Wechsel der
+ Gegenstände seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen abzuspannen.
+
+
+
+
+Von der Hebung und Verhütung krankhafter Zufälle durch den Vorsatz im
+Atemziehen.
+
+
+Ich war vor wenigen Jahren noch dann und wann vom Schnupfen und Husten
+heimgesucht, welche beide Zufälle mir desto ungelegener waren, als sie
+sich bisweilen beim Schlafengehen zutrugen. Gleichsam entrüstet über
+diese Störung des Nachtschlafs entschloß ich mich, was den ersteren
+Zufall betrifft, mit fest geschlossenen Lippen durchaus die Luft durch
+die Nase zu ziehen: welches mir anfangs nur mit einem schwachen Pfeifen,
+und da ich nicht absetzte, oder nachließ, immer mit stärkeren, zuletzt
+mit vollen und freien Luftzuge gelang, es durch die Nase zu stande zu
+bringen, darüber ich dann sofort einschlief. -- Was dieses gleichsam
+konvulsivische und mit dazwischen vorfallenden Einatmen (nicht wie beim
+Lachen ein kontinuiertes, stoßweise erschallendes) Ausatmen, den Husten
+betrifft, vornehmlich den, welchen der gemeine Mann in England den
+Altmannshusten (im Bette liegend) nennt, so war er mir um so mehr
+ungelegen, da er sich bisweilen bald nach der Erwärmung im Bette
+einstellte und das Einschlafen verzögerte. Dieses Husten, welches durch
+den Reiz der mit offenen Munde eingeatmeten Luft auf den Luftröhrenkopf
+erregt wird(12), nun zu hemmen, bedurfte es einer nicht mechanischen
+(pharmazeutischen), sondern nur unmittelbaren Gemütsoperation, nämlich
+die Aufmerksamkeit auf diesen Reiz dadurch ganz abzulenken, daß sie mit
+Anstrengung auf irgend ein Objekt (wie oben bei krampfhaften Zufällen)
+gerichtet und dadurch das Ausstoßen der Luft gehemmet wurde, welches
+mir, wie ich es deutlich fühlete, das Blut ins Gesicht trieb, wobei aber
+der durch denselben Reiz erregte flüssige Speichel (_saliva_) die
+Wirkung dieses Reizes, nämlich die Ausstoßung der Luft, verhinderte und
+ein Herunterschlucken dieser Feuchtigkeit bewirkte. -- -- Eine
+Gemütsoperation, zu der ein recht großer Grad des festen Vorsatzes
+erforderlich, der aber darum auch desto wohlthätiger ist.
+
+ (12) Sollte auch nicht die atmosphärische Luft, wenn sie durch die
+ Eustachische Röhre (also bei geschlossenen Lippen) zirkuliert,
+ dadurch, daß sie auf diesem dem Gehirn naheliegenden Umwege Sauerstoff
+ absetzt, das erquickende Gefühl gestärkter Lebensorgane bewirken,
+ welches dem ähnlich ist, als ob man Luft trinke; wobei diese, ob sie
+ zwar keinen Geruch hat, doch die Geruchsnerven und die denselben
+ naheliegende einsaugende Gefäße stärkt? Bei manchem Wetter findet sich
+ dieses Erquickliche des Genusses der Luft nicht; bei andern ist es
+ eine wahre Annehmlichkeit sie auf seiner Wanderung mit langen Zügen zu
+ trinken: welches das Einatmen mit offenem Munde nicht bewährt. -- --
+ Das ist aber von der größten diätetischen Wichtigkeit, den Atemzug
+ durch die Nase bei geschlossenen Lippen sich so zur Gewohnheit zu
+ machen, daß er selbst im tiefsten Schlaf nicht anders verrichtet wird
+ und man sogleich aufwacht, sobald er mit offenem Munde geschieht, und
+ dadurch gleichsam aufgeschreckt wird; wie ich das anfänglich, ehe es
+ mir zur Gewohnheit wurde auf solche Weise zu atmen, bisweilen erfuhr.
+ -- Wenn man genötigt ist stark oder bergan zu schreiten, so gehört
+ größere Stärke des Vorsatzes dazu, von jener Regel nicht abzuweichen
+ und eher seine Schritte zu mäßigen, als von ihr eine Ausnahme zu
+ machen; ingleichen, wenn es um starke Motion zu thun ist, die etwa ein
+ Erzieher seinen Zöglingen geben will, daß dieser sie ihre Bewegung
+ lieber stumm als mit öfterer Einatmung durch den Mund machen lasse.
+ Meine jungen Freunde (ehemalige Zuhörer) haben diese diätetische
+ Maxime als probat und heilsam gepriesen und sie nicht unter die
+ Kleinigkeiten gezählt, weil sie bloßes Hausmittel ist, das den Arzt
+ entbehrlich macht. -- Merkwürdig ist noch: daß, da es scheint, beim
+ lange fortgesetzten Sprechen geschehe das Einatmen auch durch den so
+ oft geöffneten Mund, mithin jene Regel werde da doch ohne Schaden
+ überschritten, es sich wirklich nicht so verhält. Denn es geschieht
+ doch auch durch die Nase. Denn wäre diese zu der Zeit verstopft, so
+ würde man von dem Redner sagen, er spreche durch die Nase (ein sehr
+ widriger Laut), indem er wirklich nicht durch die Nase spräche, und
+ umgekehrt, er spreche nicht durch die Nase, indem er wirklich durch
+ die Nase spricht: wie es Hr. Hofrat Lichtenberg launicht und richtig
+ bemerkt -- das ist auch der Grund, warum der, welcher lange und laut
+ spricht (Vorleser oder Prediger), es ohne Rauhigkeit der Kehle eine
+ Stunde lang wohl aushalten kann; weil nämlich sein Atemziehen
+ eigentlich durch die Nase, nicht durch den Mund, geschieht, als durch
+ welchen nur das Ausatmen verrichtet wird. -- Ein Nebenvorteil dieser
+ Angewohnheit des Atemzuges mit beständig geschlossenen Lippen, wenn
+ man für sich allein wenigstens nicht im Diskurs begriffen ist, ist
+ der: daß die sich immer absondernde und den Schlund befeuchtende
+ Saliva hiebei zugleich als Verdauungsmittel (_stomachale_), vielleicht
+ auch (verschluckt) als Abführungsmittel wirkt; wenn man fest genug
+ entschlossen ist sie nicht durch üble Angewohnheit zu verschwenden.
+
+ H.
+
+
+
+
+Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit geschlossenen
+Lippen.
+
+
+Die unmittelbare Folge davon ist, daß sie auch im Schlafe fortwährt, und
+ich sogleich aus dem Schlafe aufgeschreckt werde, wenn ich
+zufälligerweise die Lippen öffne und ein Atemzug durch den Mund
+geschieht: woraus man sieht, daß der Schlaf und mit ihm der Traum, nicht
+eine so gänzliche Abwesenheit von dem Zustande des Wachenden ist, daß
+sich nicht auch eine Aufmerksamkeit auf seine Lage in jenem Zustande mit
+einmische: wie man denn dieses auch daraus abnehmen kann, daß die,
+welche sich des Abends vorher vorgenommen haben, früher als gewöhnlich
+(etwa zu einer Spazierfahrt) aufzustehen, auch früher erwachen, indem
+sie vermutlich durch die Stadtuhren aufgeweckt werden, die sie also auch
+mitten im Schlaf haben hören und darauf acht geben müssen. -- Die
+mittelbare Folge dieser löblichen Angewöhnung ist: daß das
+unwillkürliche abgenötigte Husten (nicht das Aufhusten eines Schleims
+als beabsichtigter Auswurf) in beiderlei Zustande verhütet und so durch
+die bloße Macht des Vorsatzes eine Krankheit verhütet wird. -- -- Ich
+habe sogar gefunden, daß, da mich nach ausgelöschtem Licht (und eben zu
+Bette gelegt) auf einmal ein starker Durst anwandelte, den mit
+Wassertrinken zu löschen ich im Finstern hätte in eine andere Stube
+gehen und durch Herumtappen das Wassergeschirr suchen müssen, ich darauf
+fiel, verschiedene und starke Atemzüge mit Erhebung der Brust zu thun
+und gleichsam Luft durch die Nase zu trinken, wodurch der Durst in wenig
+Sekunden völlig gelöscht war. Es war ein krankhafter Reiz, der durch
+einen Gegenreiz gehoben ward.
+
+
+
+
+Denkgeschäft -- Alter.
+
+
+Krankhafte Zufälle, in Ansehung deren das Gemüt das Vermögen besitzt,
+des Gefühls derselben durch den bloßen standhaften Willen des Menschen,
+als einer Obermacht des vernünftigen Tieres, Meister werden zu können,
+sind alle von der spastischen (krampfhaften) Art: man kann aber nicht
+umgekehrt sagen, daß alle von dieser Art durch den bloßen festen Vorsatz
+gehemmet oder gehoben werden können. -- Denn einige derselben sind von
+der Beschaffenheit, daß die Versuche sie der Kraft des Vorsatzes zu
+unterwerfen, das krampfhafte Leiden vielmehr noch verstärken: wie es der
+Fall mit mir selber ist, da diejenige Krankheit, welche vor etwa einem
+Jahr in der Kopenhagener Zeitung als »epidemischer, mit Kopfbedrückung
+verbundener Katarrh« beschrieben wurde(13) (bei mir aber wohl ein Jahr
+älter aber doch von ähnlicher Empfindung ist) mich für eigene
+Kopfarbeiten gleichsam desorganisiert, wenigstens geschwächt und stumpf
+gemacht hat, und, da sich diese Bedrückung auf die natürliche Schwäche
+des Alters geworfen hat, wohl nicht anders als mit dem Leben zugleich
+aufhören wird.
+
+ (13) Ich halte sie für eine Gicht, die sich zum Teil aufs Gehirn
+ geworfen hat.
+
+Die krankhafte Beschaffenheit des Patienten, die das Denken, insofern es
+ein Festhalten eines Begriffs -- der Einheit des Bewußtseins verbundener
+Vorstellungen -- ist, begleitet und erschwert, bringt das Gefühl eines
+spastischen Zustandes des Organs des Denkens (des Gehirns) als eines
+Drucks hervor, der zwar das Denken und Nachdenken selbst ingleichen das
+Gedächtnis in Ansehung des ehedem Gedachten eigentlich nicht schwächt,
+aber im Vortrage (dem mündlichen oder schriftlichen) das feste
+Zusammenhalten der Vorstellungen in ihrer Zeitfolge wider Zerstreuung
+sichern soll, und bewirkt selbst einen unwillkürlichen spastischen
+Zustand des Gehirns, als ein Unvermögen, bei dem Wechsel der aufeinander
+folgenden Vorstellungen die Einheit des Bewußtseins derselben zu
+erhalten. Daher begegnet es mir, daß, wenn ich, wie es in jeder Rede
+jederzeit geschieht, zuerst zu dem, was ich sagen will, den Hörer oder
+Leser vorbereite, ihm den Gegenstand, wohin ich gehen will, in der
+Aussicht, dann ihn auch auf das, wovon ich ausgegangen bin,
+zurückgewiesen habe -- ohne welche zwei Hinweisungen kein Zusammenhang
+der Rede stattfindet -- und ich nun das letztere mit dem ersteren
+verknüpfen soll, ich auf einmal meinen Zuhörer, oder stillschweigend
+mich selbst, fragen muß: Wo war ich doch? Wovon ging ich aus? Welcher
+Fehler nicht sowohl ein Fehler des Geistes, noch des Gedächtnisses
+allein, sondern der Geistesgegenwart (im Verknüpfen), d. i.
+unwillkürliche Zerstreuung, und ein sehr peinigender Fehler ist, dem man
+zwar in Schriften -- zumal den philosophischen, weil man da nicht immer
+so leicht zurücksehen kann, von wo man ausging -- mühsam vorbeugen, aber
+mit aller Mühe nie völlig vergüten kann.
+
+Mit dem Mathematiker, der seine Begriffe, oder die Stellvertreter
+derselben (Größen- und Zahlenzeichen), in der Anschauung vor sich
+hinstellen und, daß, soweit er gegangen ist, alles richtig sei,
+versichert sein kann, ist es anders bewandt als mit dem Arbeiter im
+Fache der, vornehmlich reinen, Philosophie (Logik und Metaphysik), der
+seinen Gegenstand in der Luft vor sich schwebend erhalten muß, und ihn
+nicht bloß teilweise, sondern jederzeit zugleich in einem Ganzen des
+Systems (d. r. V.), sich darstellen und prüfen muß. Daher es eben nicht
+zu verwundern ist, wenn ein Metaphysiker eher invalid wird als der
+Studierende in einem anderen Fache, ingleichen als Geschäftsphilosophen;
+indessen daß es doch einige derer geben muß, die sich jenem ganz widmen,
+weil ohne Metaphysik überhaupt es gar keine Philosophie geben könnte.
+
+Hieraus ist auch zu erklären, wie jemand für sein Alter gesund zu sein
+sich rühmen kann, ob er zwar in Ansehung gewisser ihm obliegenden
+Geschäfte sich in die Krankenliste müßte einschreiben lassen. Denn, weil
+das Unvermögen zugleich den Gebrauch und mit diesem auch den Verbrauch
+und die Erschöpfung der Lebenskraft abhält, und er gleichsam nur in
+einer niedrigeren Stufe (als vegetierendes Wesen) zu leben gesteht,
+nämlich essen, sehen und schlafen zu können, was für seine animalische
+Existenz gesund, für die bürgerliche (zu öffentlichen Geschäften
+verpflichtete) Existenz aber krank, d. i. invalid, heißt: so
+widerspricht sich dieser Kandidat des Todes hiemit gar nicht.
+
+Dahin führt die Kunst das menschliche Leben zu verlängern: daß man
+endlich unter den Lebenden nur so geduldet wird, welches eben nicht die
+ergötzlichste Lage ist(14).
+
+ (14) Dies Resultat, so wenig tröstlich es ist, ist vollkommen richtig,
+ sobald wir an das, was der Mensch im vollkommenen Sinn ist und sein
+ soll, denken. Aber selbst das Beispiel des würdigen Herrn Verfassers
+ gibt ja einen sprechenden Beweis, was der Mensch auch im Alter noch
+ für andere sein kann, wenn die Vernunft immer, wie hier, seine oberste
+ Gesetzgeberin war. -- Und gesetzt auch, es fehlte ganz an dieser
+ objektiven und bürgerlichen Existenz, sind uns nicht auch die Ruinen
+ eines schönen und großen Gebäudes heilig und schätzbar? dienen sie uns
+ nicht als Denkzeichen des Vergangenen, als Winke der Zukunft, als
+ Lehre und Beispiel?
+
+ H.
+
+Hieran aber habe ich selber schuld. Denn warum will ich auch der
+hinanstrebenden jüngeren Welt nicht Platz machen und um zu leben mir den
+gewöhnten Genuß des Lebens schmälern: warum ein schwächliches Leben
+durch Entsagungen in ungewöhnliche Länge ziehen, die Sterbelisten, in
+denen doch auf den Zuschnitt der von Natur schwächeren und ihre
+mutmaßliche Lebensdauer mit gerechnet ist, durch mein Beispiel in
+Verwirrung bringen, und das alles, was man sonst Schicksal nannte (dem
+man sich demütig und andächtig unterwarf), dem eigenen festen Vorsatze
+unterwerfen; welcher doch schwerlich zur allgemeinen diätetischen Regel,
+nach welcher die Vernunft unmittelbar Heilkraft ausübt, aufgenommen
+werden und die therapeutische Formeln der Offizin jemals verdrängen
+wird?
+
+
+
+
+Nachschrift.
+
+Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker und Verleger.
+
+
+Den Verfasser der Kunst das menschliche (auch besonders das
+litterarische) Leben zu verlängern, darf ich also dazu wohl auffordern,
+daß er wohlwollend auch darauf bedacht sei, die Augen der Leser --
+vornehmlich der jetzt großen Zahl der Leserinnen, die den Übelstand der
+Brille noch härter fühlen dürften -- in Schutz zu nehmen: auf welche
+jetzt aus elender Ziererei der Buchdrucker (denn Buchstaben haben doch
+als Malerei schlechterdings nichts Schönes an sich), von allen Seiten
+Jagd gemacht wird; damit nicht so, wie in Marokko, durch weiße
+Übertünchung aller Häuser ein großer Teil der Einwohner der Stadt blind
+ist, dieses Übel aus ähnlicher Ursache auch bei uns einreiße, vielmehr
+die Buchdrucker desfalls unter Polizeigesetze gebracht werden. -- Die
+jetzige Mode will es dagegen anders, nämlich:
+
+1) Nicht mit schwarzer, sondern grauer Tinte (weil es sanfter und
+lieblicher auf schönem weißen Papier absteche), zu drucken.
+
+2) Mit Didotschen Lettern, von schmalen Füßen, nicht mit Breitkopfschen,
+die ihrem Namen Buchstaben (gleichsam bücherner Stäbe zum Feststehen)
+besser entsprechen würden.
+
+3) Mit lateinischer (wohl gar Kursiv) Schrift ein Werk deutschen
+Inhalts, von welcher Breitkopf mit Grunde sagte, daß niemand das Lesen
+derselben für seine Augen so lange aushalte, als mit der deutschen.
+
+4) Mit so kleiner Schrift als nur möglich, damit für die unten etwa
+beizufügenden Noten noch kleinere (dem Auge noch knapper angemessene)
+leserlich bleibe(15).
+
+ (15) Ich stimme in diese Klage des verehrten Verfassers (mit Ausnahme
+ des grauen Papiers, woran es unsere Herren Verleger so schon nicht
+ fehlen lassen) ganz mit ein, und bin überzeugt, daß der größte Teil
+ der jetzt so auffallend läufiger werdenden Augenschwächen schon an und
+ für sich in dem weit häufigern Lesen -- besonders dem geschwind Lesen,
+ was jetzt wegen der weit häufigern Zeitungen, Journale, und
+ Flugschriften weit gewöhnlicher ist und die Augen unglaublich angreift
+ -- zu suchen sei und dadurch auch unbeschreiblich vermehrt wird, daß
+ man beim Druck die Rücksicht auf die Augen immer mehr vernachlässigt,
+ da sie vielmehr, weil nun einmal das Lesen zum allgemeinen Bedürfnis
+ geworden ist, vermehrt werden sollte.
+
+ Auch ich glaube, daß dabei die den Augen nachteiligsten Fehler dadurch
+ begangen werden, wenn man auf nicht weißes Papier, mit grauer
+ Schwärze, mit zu kleinen, oder mit zu zarten, zu wenig Körper
+ habenden, Lettern druckt; und ich mache es daher jedem Autor, Verleger
+ und Drucker zur heiligen Pflicht, das Augenwohl ihrer Leser künftig
+ besser zu bedenken. Besonders ist die blasse Farbe der Buchstaben
+ äußerst nachteilig, und es ist unverzeihlich, daß es Drucker so häufig
+ aus elender Gewinnsucht oder Bequemlichkeit darinnen fehlen lassen.
+
+ Je größer der Abstand der Buchstabenfarbe von der Farbe des Papiers
+ ist, desto leichter faßt das Auge das Bild, und desto weniger greift
+ dieses Auffassen, das Lesen, die Augen an. -- Also recht weißes Papier
+ und recht schwarze Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn
+ Buchhändler und Buchdrucker im Namen des lesenden Publikums recht
+ angelegentlich bitte. -- Mögen sie es zur Ehre der deutschen Nation
+ thun, denn wie schön zeichnen sich darin die ausländischen Drucke
+ gegen die meisten deutschen aus! Mögen sie es zu Bewahrung ihres
+ Gewissens thun, denn sie versündigen sich in der That, indem sie
+ unbewußt Ursache der überhandnehmenden Augenschwäche und Blindheit
+ werden!
+
+ Was aber die lateinischen Lettern als Augenverderber betrifft, so
+ bitte ich um Erlaubnis, darin andrer Meinung zu sein, und zwar aus
+ folgenden Gründen:
+
+ 1) Daß diese Lettern an und für sich den Augen nicht nachteiliger
+ sind, als unsre deutschen, erhellt daraus, weil sonst in England,
+ Frankreich und andern Ländern, wo man sich ihrer bedient, die
+ Augenfehler häufiger sein müßten, als bei uns, welches aber nicht der
+ Fall ist.
+
+ 2) Wenn sie also einen Deutschen, der gewohnt ist deutsch zu lesen,
+ etwas mehr anzugreifen scheinen, so liegt die Ursache bloß darin, weil
+ er sie nicht gewohnt ist, und das Angreifende verliert sich, sobald er
+ sich daran gewöhnt hat, und fällt ganz weg, wenn wir gleich von Jugend
+ auf an diese Lettern gewöhnt werden.
+
+ 3) Daß diese Lettern, wenn sie klein oder zu mager sind, die Augen
+ angreifen, ist wahr, aber dasselbe gilt auch von den deutschen, und
+ ich halte es daher für äußerst nötig, bei der lateinischen Schrift
+ größere oder fettere Typen zu nehmen; welches auch der einzige Grund
+ war, warum ich sie bei der Makrobiotik von dieser Beschaffenheit
+ wählete, ohnerachtet man hie und da darin einen Grund zum Tadel
+ gefunden hat, -- ein Beweis, daß man gerade dann, wenn man fürs
+ Publikum sorgt, oft am meisten verkannt werden kann.
+
+ Ich finde also keinen medizinischen Gegengrund, der mich von ihrem
+ Gebrauch abhalten sollte; vieles aber, was mir ihren Gebrauch anriet
+ und mich dahin gebracht hat, sie häufig zu wählen. Zuerst nämlich
+ glaube ich, daß unsere Litteratur und Sprache dann ungleich mehr
+ Eingang in andre Länder finden wird, wenn wir lateinisch drucken, denn
+ viele Ausländer schreckt schon das Fremde und Unverständliche der
+ Typen ab, und man wird sich gewiß schwerer zu Erlernung einer Sprache
+ entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß.
+ Ich glaube daher, es würde ungemein viel zur litterarischen Verbindung
+ Europens und zur Beförderung der allgemeinen Gelehrtenrepublik
+ beitragen, wenn wir uns endlich eben der Typen bedienten, die die
+ aufgeklärtesten Nationen angenommen haben, und ich glaube, es muß am
+ Ende dahin kommen. England, selbst Italien, bedienten sich ja noch bis
+ zu Anfang dieses Jahrhunderts unserer Mönchsschrift und haben sie
+ dennoch ganz verlassen, welches zugleich beweist, daß wir nicht einmal
+ deutsche Originalität daran finden können. -- Dazu kommt nun noch der
+ Grund, daß bei scientifischen, besonders medizinischen, Büchern, wo
+ viel lateinische _Termini technici_ vorkommen, ein großer Übelstand
+ fürs Auge entsteht, wenn die deutsche Schrift alle Augenblicke durch
+ lateinische unterbrochen wird, oder dadurch ein noch schlimmeres Übel
+ bewirkt wird, daß man diese _Termini technici_ ins Deutsche übersetzt,
+ wodurch sie nun vollends den Ausländern ganz, und selbst den Deutschen
+ aus einer andern Provinz zum Teil, unverständlich werden, und sie
+ wirklich den Vorzug verlieren, _Termini technici_ zu sein.
+
+ Ich gebe zu, daß manche ungeübte Leser für jetzt lateinische Lettern
+ ungern, ja wohl gar nicht lesen; dies gilt aber nicht von
+ scientifischen Schriften. Man mag also bei Schriften für die niedern
+ Klassen noch deutsche Lettern gebrauchen, bei allen gebildeten Ständen
+ beiderlei Geschlechts ist das aber schon jetzt nicht mehr nötig.
+
+ H.
+
+Diesem Unwesen zu steuern, schlage ich vor, den Druck der Berliner
+Monatsschrift (nach Text und Noten) zum Muster zu nehmen; denn man mag,
+welches Stück man will, in die Hand nehmen, so wird man die durch obige
+Leserei angegriffenen Augen durch Ansicht des letzteren merklich
+gestärkt fühlen(16).
+
+ (16) Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen
+ Augenkrankheiten) habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in
+ meinen vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von
+ einigen Jahren, dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal
+ begegnet ist, gemacht; wo das Phänomen darin besteht: daß auf dem
+ Blatt, welches ich lese, auf einmal alle Buchstaben verwirrt und durch
+ eine gewisse über dasselbe verbreitete Helligkeit vermischt und ganz
+ unleserlich werden: ein Zustand, der nicht über 6 Minuten dauert, der
+ einem Prediger, welcher seine Predigt vom Blatte zu lesen gewohnt ist,
+ sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in meinem Auditorium der
+ Logik oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung im freien
+ Vortrage (aus dem Kopfe) geredet werden kann, nichts als die Besorgnis
+ entsprang, es möchte dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden sein;
+ worüber ich gleichwohl jetzt beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt
+ öfterer als sonst sich ereignenden Zufalle an meinem einen gesunden
+ Auge (denn das linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren verloren) nicht
+ den mindesten Abgang an Klarheit verspüre. -- Zufälligerweise kam ich
+ darauf, wenn sich jenes Phänomen ereignete, meine Augen zu schließen,
+ ja um noch besser das äußere Licht abzuhalten, meine Hand darüber zu
+ legen, und dann sahe ich eine hellweiße wie mit Phosphor im Finstern
+ auf einem Blatt verzeichnete Figur, ähnlich der, wie das letzte
+ Viertel im Kalender vorgestellt wird, doch mit einem auf der konvexen
+ Seite ausgezackten Rande, welche allmählich an Helligkeit verlor und
+ in obbenannter Zeit verschwand. -- Ich möchte wohl wissen: ob diese
+ Beobachtung auch von andern gemacht und wie diese Erscheinung, die
+ wohl eigentlich nicht in den Augen, -- als bei deren Bewegung dies
+ Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben Stelle
+ gesehn wird -- sondern im _Sensorium commune_ ihren Sitz haben dürfte,
+ zu erklären sei(17). Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge
+ (innerhalb einer Zeit, die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen
+ kann, ohne es zu vermissen.
+
+ (17) Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört
+ unter die allgemeine Rubrik: _Visus confusus s. perversus_, weil er
+ noch eben keinen Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation
+ derselben beweist. Ich selbst habe es zuweilen periodisch gehabt, und
+ der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d. pr. Heilk. beschriebne falsche
+ Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende
+ Reizung die Ursache, z. B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize, oder
+ auch Schwäche.
+
+ H.
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Seite
+
+ Einleitung 7
+
+ Grundsatz der Diätetik 11
+
+ Von der Hypochondrie 14
+
+ Vom Schlafe 16
+
+ Vom Essen und Trinken 19
+
+ Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken 21
+
+ Von der Hebung und Verhütung krankhafter Gefühle durch
+ den Vorsatz im Atemziehen 22
+
+ Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit
+ geschlossenen Lippen 24
+
+ Denkgeschäft -- Alter 25
+
+ Nachschrift. -- Vorsorge für die Augen von seiten der
+ Buchdrucker und Verleger 27
+
+
+
+
+Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ H
+ H. [Fußnote 1]
+
+ Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne eine
+ Die Schwäche, sich seinen krankhaften Gefühlen überhaupt, ohne ein
+
+ topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihm nichts anginge) und
+ topisch ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihn nichts anginge) und
+
+ H
+ H. [Fußnote 8]
+
+ siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt
+ siegte über den Leib, und die Gesundheit war wiederhergestellt.
+
+ eingeladen war Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude
+ eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude
+
+ Im gesunden Zustande und des Jugend ist es das Geratenste in Ansehung
+ Im gesunden Zustande und der Jugend ist es das Geratenste in Ansehung
+
+ und recht schwarze Buchstaben sind es, warum ich die deutschen Herrn
+ und recht schwarze Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn
+
+ entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß
+ entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern studieren muß.
+
+ Schwindel hat viel Ähnliches Mehrenteils ist eine vorübergehende
+ Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Von der Macht des Gemüts, durch den
+bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein, by Immanuel Kant
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON DER MACHT DES GEMÜTS ***
+
+***** This file should be named 38295-8.txt or 38295-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/8/2/9/38295/
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.